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BIORAMA 100

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P.B.B. — 11Z038861 M — 1060 WIEN

KOSTENLOS — ABER ABONNIERBAR

AUSGABE 100 — DEZEMBER 2025 / JÄNNER 2026. WWW.BIORAMA.EU — ÖSTERREICHAUSGABE

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SCHÖN, DASS ES UNS GIBT.

20 Jahre, 100 Ausgaben: Wie ist das passiert? Iss was Gscheit’s! Weniger Fertiggerichte auf dem Teller sind gut für den Regenwald. Lebe am Limit! Der zeitlose Rasierhobel besteht im ungeübten Selbsttest. Kenn dich aus! Nur wer Tierprodukte erkennt, kann entscheiden, auf sie zu verzichten.

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DIE EINE ODER ANDERE FALTE MAG ÜBER DIE JAHRE DAZUGEKOMMEN SEIN. Aber ganz grundsätzlich: Gut gealtert, Biorama! Die Grünen Wien wünschen bestes Gelingen für die nächsten 100 Ausgaben. Impressum: Die Grünen Wien, Würtzlerstraße 3/3, 1030 Wien.


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E D I T O R IA L , IM P R E SSU M

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IMMER DASSELBE

A

ch, 2005, als dieses Magazin langsam entstand, waren unsere Probleme noch niedlich! Nachhaltigkeit wurde für ein Lifestyle-Potpourri, keine Notwendigkeit gehalten – jederzeit als linker Birkenstockschlapfen oder rechte System- oder EU-Kritik (oder umgekehrt) an- und abstreifbar, gern als Phase im Leben oder auch zwischendurch, wenn sonst gerade wenig los war. Wann immer der Distinktionsbedarf akut wurde, half der Konsum von Bioprodukten oder in Extremfällen der Gebrauch von Mehrweggebinden. Ob diese Sicht damals ein kleinerer Irrtum war, als sie es heute ist? Wissenschaft wie Ökoszene haben schon seit den 1970er-Jahren relativ klar und laut gerufen, was die meisten erst gerade begreifen: Je länger wir warten, desto unangenehmer wird es. Anders formuliert: Ressourcenknappheit bedeutet irgendwann entweder Umstellung in deren Nutzung oder Konflikt. Krieg, könnte man auch sagen. Unsere Art, zu leben und zu wirtschaften, nachhaltiger auszurichten, halten allerdings immer noch viele für eine Aufgabe für später, für andere, für die, die es sich leisten können, oder die, die Zeit haben. Auf reine Vernunft zu setzen, damit nicht nur eine Avantgarde, sondern alle etwas ändern wollen, können wir uns schon lange nicht mehr leisten. 20 Jahre und 100 Ausgaben später bleibt die Aufgabe dieselbe: möglichst einfache und attraktive Wege zu zeigen, die Ressourcen unseres Planeten zu schonen. Gerade wenn rundherum das Motto Flood the Zone with strategisch notwendigem Unsinn, wie man in Österreich sagt, seine große Stunde hat, kann die Antwort nur lauten: Fokus! Auf die Energiewende zum Beispiel, denn ohne sie werden alle anderen Bemühungen konterkariert (mehr dazu zum Beispiel in diesem Heft ab S. 22), auf den Schutz des Kohlenstoffspeichers Wald (S. 38), auf das einfachere Erkennen pflanzlicher Produkte (S. 65) oder auf Vorbilder, die über ihr eigenes Leben hinaus inspirierend wirken (S. 82). Wir wünschen euch gute Lektüre – und uns wünschen wir dieses Mal auch was: Erfreut euch mit uns an der wunderbaren Schönheit von Klima-, Umwelt-, Artenschutz und Menschenrechten!

IMPRESSUM HERAUSGEBER Thomas Weber CHEFREDAKTEURIN Irina Zelewitz AUTORiNNEN Marta Abbà , Alessandra Dorigato, Theresa Girardi, Florian Jauk, Martin Mühl, Ursel Nendzig, Thomas Weber, Armin Winkler GESTALTUNG Stefan Staller Cover Zehigel ANZEIGENVERKAUF Herwig Bauer, Michael Mazelle, Thomas Weber DRUCK Walstead NP Druck GmbH, Gutenbergstraße 12, 3100 St. Pölten PRODUKTION & MEDIENINHABERIN Biorama GmbH, Windmühlgasse 9/14, 1060 Wien GESCHÄFTSFÜHRUNG Martin Mühl KONTAKT Biorama GmbH, Windmühlgasse 9/14, 1060 Wien; www.biorama.eu, redaktion@biorama.eu BANKVERBINDUNG ­Biorama GmbH, Bank Austria, IBAN AT44 12000 10005177968, BIC BKAUATWW ABONNEMENT biorama.eu/abo ERSCHEINUNGSWEISE BIORAMA 6 Ausgaben pro Jahr ERSCHEINUNGSORT Wien. BLATTLINIE BIORAMA ist ein unabhängiges, kritisches Magazin, das sich einem nachhaltigen Lebensstil verschreibt. Die Reportagen, Interviews, Essays und Kolumnen sind in Deutschland, Österreich und der ganzen Welt angesiedelt. Sie zeigen Möglichkeiten für ein Leben mit Qualität für den Menschen und den Planeten Erde. Ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. BIORAMA erscheint sechs Mal im Jahr. Zusätzlich erscheinen wechselnde BIORAMA-Line-Extentions.

PEFC-zertifiziert

Irina Zelewitz, Chefredakteurin zelewitz@biorama.eu

Dieses Produkt stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und kontrollierten Quellen

COVER ZEHIG EL

PEFC/06-39-08

www.pefc.at

EU Ecolabel : AT/053/005 Bitte sammeln Sie Altpapier für das Recycling.


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100 INHALT

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Editorial Street Talk Berlin

Street Talk Wien Bild der Ausgabe 22 Global Village 16

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Comic der Ausgabe Endlich raus aus Öl Ansätze aus vier europäischen Städten nutzen vorhandene Strukturen, um fossile Heizsysteme zu verdrängen.

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Peak Palm Oil Kein Palmöl ist auch keine Lösung.

44

Air Transalpina Österreich, Deutschland, Italien und die Schweiz vereinen Technologie und partizipativen Naturschutz zur Rettung des Waldrapps.

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Kleine Zeichen, große Wirkung Ein Kind ohne Windeln aufziehen? Frequently Asked Questions dazu, wie es funktionieren kann.

52

Patschen machen Leute Hausschuhe können Haltung und Wohlbefinden beeinflussen. Bequemheit kann so gesund sein.

56

Rasur mit Hobel Ein Überblick und Praxischeck.

65

Wie wird ein Produkt geprüft vegan? Was bedeutet es, wenn Produkte als »vegan«, »pflanzlich« oder »plantbased« ausgewiesen sind?

70

Kulinarisches Erbe Ein Buch über Kafka und sein Kochbuch, mit Rezepten und neuen Ideen dazu.

76

Sauer macht listig So holst du das Maximum aus einer Biozitrone heraus.

30 ENDLICH RAUS AUS ÖL! Unterschiedliche Ansätze aus vier europäischen Städten nutzen vorhandene Strukturen, um fossile Heizsysteme zu verdrängen.

80

In Memoriam Werner Lampert und Jane Goodall – zwei Nachrufe.

MARKTPLATZ 60

Marktplatz Food 7x cremige Haselnuss.

KOLUMNEN 06 82

Aus dem Verlag Elternalltag

BILD ISTOCK.CO M/U.J. A LECANDER, GO LIBO, FLUFFANDS HUTTE R, ARTU R KO MI SARE NKO, MI CROSTOCK HUB

4

AU F TAKT


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06 JUBILÄUM

20 Jahre, 100 Ausgaben: Wie ist das passiert?

44 DIE REISEN DER WALDRAPPE

Österreich, Deutschland, Italien und die Schweiz vereinen Technologie und partizipativen Naturschutz zur Rettung einer wandernden Tierart.

56 UNTEN OHNE

Ein Kind ohne Windeln aufziehen? Klingt nach einer Mammutaufgabe. Frequently Asked Questions dazu, wie es funktionieren kann.

65 GEPRÜFT VEGAN

Was bedeutet es, wenn Produkte als »vegan«, »pflanzlich« oder »plant-based« ausgewiesen sind – und was garantieren Zertifikate?


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AU S D EM VE R L AG

6

UND SONST SO, IM BIORAMAUNIVERSUM ...

Was haben wir eigentlich 20 Jahre lang gemacht? Ein paar Babysteps, die zusammen Milestones ergeben. 2007

Auf einem Kongress zur florierenden Magazinkultur an der Fachhochschule Joanneum wird ein junger Grazer auf das dort aufliegende A6-Büchlein BIORAMA aufmerksam. Milo Tesselaar erkennt das Potenzial, findet den Weg ins Team und orientiert das Magazin von da an am damals gehypten Lohas-Trend (Lifestyle of Health and Sustainability). Das klingt aus heutiger Sicht von vorgestern, doch die Grundausrichtung ist bis heute geblieben: BIORAMA steht für eine geerdete Urbanität und ernsthaftes Interesse am Landleben, für Luxus im Minimalismus, für Genuss und gesunden Hedonismus bei gleichzeitiger (Selbst-)Kritik und gesellschaftspolitischem Anspruch. Klare Leitlinie: keine Esoterik, keine Götzen, kein Grünschreiben. Erstmals wird BIORAMA auch in Deutschland vertrieben, anfangs am Kiosk, bald treffsicher als Gratismagazin über Szeneläden, Ökokisten und den Biofachhandel.

2005

IM FORMAT A6: DIE ALLERERSTE AUSGABE Es ist Herbst 2005, Bio noch lange keine Selbstverständlichkeit, doch die Bewegung gewinnt an Dynamik. »Niemals zuvor haben Menschen in diesem Land mehr Geld für Produkte (im Speziellen für Nahrungsmittel) mit dem Etikett ›bio‹ ausgegeben als heute«, schreibt Chefredakteur Martin Zolles. Zwanzig Jahre später gilt das zwar genauso. Doch damals wurden in Österreich 12 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche biologisch bewirtschaftet, 2025 sind es 27,5. Richtig: Die erste Ausgabe von BIORAMA – ursprünglich vom heutigen Herausgeber Thomas Weber als Beilage für eine längst verschwundene Wiener Stadtzeitung geplant – richtet sich noch ausschließlich an LeserInnen in Österreich. Sie erscheint im kompakten A6-Postkartenformat im Wiener Monopol Verlag. Der Inhalt: service-lastig und auf Österreich beschränkt. Denn Nachhaltigkeit ist eigentlich noch kaum wo wirklich Thema. Den Markt, an den wir uns richten, bauen wir mit auf.

2005

2007

BILD BIO RAMA, MICKY KLEMSC H

DIE ZWEITE AUSGABE WIRD INTERNATIONAL


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2013

BIORAMA GEHT AUF LESER(!)SAFARI BIORAMA ist neugierig – und beginnt, LeserInnen zum gemeinsamen Ausprobieren, Recherchieren und Nachfragen einzuladen, damals im Titel noch im generischen Maskulinum. Mehrmals gehen wir auf Biohöfe schlachten, um zu wissen, worüber wir alle reden: Mangalitzaschweine, Hochlandrinder, Suppenhühner. Slow Food Deutschland meint auf Twitter, in Österreich einen »Trend zum Mitmachschlachten« zu erkennen. Wir besuchen Tierwohlpioniere, räuchern Käse mit Waldrinde, gehen zum Biowinzer »Weinmachen wie früher« (ohne Strom, barfuß Trauben stampfen). Wir besuchen eine Müllverbrennungsanlage, suchen nach einem Hochwasser angeschwemmten Müll im Nationalpark Donau-Auen und auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig Österreichs erstes Wolfsrudel, brennen Gin in einer auf alte Obstsorten spezialisierten Biobaumschule und suchen wilde Tiere auf dem Zentralfriedhof.

2012

BIORAMA BEKOMMT SEINEN MARKTPLATZ Wir haben’s nicht erfunden, eine Messe mit großteils kleinen Ausstellern, die kuratiert werden und ihre Ware einem interessierten Publikum anbieten, war als Idee aber noch recht frisch, als wir 2012 die erste BIORAMA FAIR FAIR veranstaltet haben. Das Neue daran: die strengen Nachhaltigkeitskriterien vor Ort, auf deren Einhaltung Johanna Stögmüller, die damalige Chefredakteurin, achtete. In den Folgejahren bespielen wir unter anderem das Museumsquartier, die Ottakringer Brauerei oder auch Zwischennutzungsgelände wie die Wiener »Creau« oder das ehemalige Sophienspital. Auch mit seinem diskursiven und tiefgehenden Rahmenprogramm war die BIORAMA FAIR FAIR bis 2019 ein entspanntes, inspirierendes Gettogether der Bio- und Nachhaltigkeitsbranche und aller Interessierten – begleitet von Biokulinarik und progressivem Kulturprogramm.

2012

2013


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AU S D EM VE R L AG

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2018

BIORAMA SUCHT UND FINDET BESTE BIOPRODUKTE

Die Niederösterreich-Ausgabe Bürgerbeteiligung: Über Demokratie und Windkraft Kooperation: Die Achse St. Pölten–München Bier: Niederösterreichs Brauszene boomt

Biorama NÖ 001 Cover 03.indd 1

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14 18 44

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2017

EIN GANZES BIORAMA FÜR EINE REGION

Wir überzeugen die Messe Wieselburg, dass es Zeit wird, herausragende Bioprodukte zu prämieren, und starten mit dem Biolandwirtschaftsverband Bio Austria und ExpertInnen wie Kochbuchbestsellerautorin Katharina Seiser oder Reinhard Gessl vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau in der Jury die von da an alljährliche Suche nach besonders innovativen Bioprodukten aus Österreich. Fortsetzung folgt.

2018

BIORAMA ZUM GENIESSEN

Ö s t e r r e i c h • 2019

BIO FRÜCHTCHEN AUS BESTEM HAUSE.

ck Frühst ü Wie die wichtigste Mahlzeit des Tages am Wochenende als Lifestyle zelebriert wird.

Bio auSSer HauS

DominiC tHiem

Steak on DemanD

Zertifizierter Genuss beim Wirten

Der WeltklasseTennisspieler liebt Bio

Neue Vertriebswege für Bio-Fleisch

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• B i o K ü c h e • Ö S t e r r e i C H • 2 019

A u s g A b e 2019 • w w w.b i o r A m A .e u • € 7,90

Die jährlich erscheinende üchtchen Gesta en , Biemo Fr aus best Hause! Sonderausgabe BIORAMA BIOKÜCHE, in der sich endlich einmal alles um den Genuss dreht, war eine der unzähligen Ideen unseres 2020 plötzlich verstorbenen lieben Hoher Fruchtanteil Kollegen Micky Klemsch: Rein Wir biologisch widmen uns darin seit 2018 kulinarischen Schwerpunkten, stellen zertifizierte Gastronomiebetriebe vor, besuchen ProduzentInnen und verkosten Drinks mit und ohne Alkohol. Wie fast immer bei BIORAMA geht es dabei nicht nur um Produkte, sondern um die Menschen, die sie herstellen, verarbeiten und in die Haushalte bringen – und die umweltverbundene Art, mit der das erfolgt. Wir geben Einblick in Zusammenhänge und Hintergründe – von Landwirtschaft bis Ernährungsphysiologie. In den kommenden Wochen erscheint die BIORAMA BIOKÜCHE 2026. In den Grundzügen wird auch sie wieder von Mickys Handschrift geprägt sein.

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2017

Bio Küche

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Ein Großteil der österreichischen Medienlandschaft dreht sich um die Bundeshauptstadt – dabei gibt es natürlich auch darüber hinaus viel zu erzählen, vor allem aber bietet der Fokus auf eine Region besondere Möglichkeiten, think global, act local mit Leben zu füllen. Und für die Redaktion mit Sitz in Wien ist das Naheliegendste daher das die Bundeshauptstadt umgebende, flächenmäßig größte Bundesland Österreichs. Mit Leidenschaft angetrieben (und Textanschlägen gefüllt) wird das Projekt anfangs vor allem durch unseren damaligen Chefredakteur Thomas Stollenwerk. Seit mittlerweile 16 Sondernummern BIORAMA NIEDERÖSTERREICH widmen wir uns ganz den dortigen Bestrebungen Richtung Nachhaltigkeit – in seinen Eigenheiten und regionalen Angeboten.

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2019

BIORAMA WIRD GRÖSSER

P.B.B. — 11Z038861 M — 1040 WIEN WWW.FACEBOOK.COM/BIORAMA

AUSGABE 59 — FEBRUAR / MÄRZ 2019. WWW.BIORAMA.EU

Der Zagler Müslibär. Da gibt’s ordentlich was auf den Löffel. Lassen Sie es so richtig krachen – die aufregend knusprigen österreichischen Bio-Müslivariationen vom Zagler Müslibären schmecken immer und überall!

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FAIR ENOUGH?

Bohnendiskussion um Free Trade und Fair Trade. Nagelprobe: Gibt es den natürlichen Nagellack? Probier’s mal mit Gemütlichkeit: PRO & CONTRA Convenience Food. Zack, die Bohne: Espresso-Impulse am Marktplatz.

Bior59 Umschlag.indd 2-3

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30.01.19 18:41

Kurz nachdem wir durch Einführung des Binnen-I mit Ausgabe #57 mehr auf den Kopf gestellt und vor diesen gestoßen hatten, als wir uns ausmalen hätten können, gleich die nächste Umstellung: Erstmals nach vielen Jahren unter der stilsicheren Hand von Sig Ganhör haben wir uns ein Makeover im Editorial Design getraut. Der dichte Satz, der viele Text auf wenig Platz. Das war auch ein Statement. Für leichtere und bessere Lesbarkeit haben wir Schrift- und Magazingröße raufgeschraubt und unseren Augen ein wenig Weißraum zum Ausrasten erlaubt – ohne dabei alles umzuwerfen, was uns und BIORAMA ausmacht. Unser kleines, feines Nachhaltigkeitsmagazin ist größer und anders geworden und – Michael Mickl und Lisa Weishäupl sei Dank – schön und anders geblieben. »BIORAMA passt jetzt nicht mehr in jede noch so kleine Handtasche. Halb so schlimm, meinen wir. Wer es tragen kann, kann es unverpackt tragen«, haben wir damals selbstbewusst vertreten – und aus Nachhaltigkeitsgründen in Folge auch gleich die Folierung im Aboversand abgeschafft. Ein Wasserfleck oder auch mal ein Versandetikett, das unser schönes Covermotiv verdeckt, gehören dazu. Papier ist nun einmal ein Material, das Spuren seiner Geschichte aufnimmt. P.B.B. — 11Z038861 M — 1040 WIEN —— WWW.FACEBOOK.COM/BIORAMA

KOSTENLOS — ABER ABONNIERBAR

AUSGABE 58 — DEZEMBER 2018 / JÄNNER 2019. WWW.BIORAMA.EU

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ST OHM UDIERE A M SUST AINA CAM B PUS NEUM ILIT Y ARK T

48 54 73

CHANGE THE GAME! Mit BWL und Nachhaltigkeit Unternehmen und Ernährungswirtschaft zukunftsfähig gestalten.

BIO-LEBENSMITTELWIRTSCHAFT UND NACHHALTIGKEITSMANAGEMENT (B.A.) KREISLAUFWIRTSCHAFT UND RESILIENTE ERNÄHRUNGSSYSTEME (M.A.)

ENTHÜLLUNGSSTORYS Was kann alternatives Verpackungsmaterial?

Plastik

Elektronik von gestern: Dein altes Handy ist Gold wert. Technik verbieten: Ein Pro und Contra zu Smartphones in der Schule. Geschenke, Geschenke: Die BIORAMA-Redaktion packt aus!

W i3 Symbolfoto

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29.11.18 23:41

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2019


AU S D EM VE R L AG

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10 Anna unterwegs Mit

in den Kindergarten

Luisa fährt baden

Unterwegs mit der Badner Bahn zum Badeteich

EinE BildErgEschichtE uhr müllaBf von dEr wiEnEr

2020

BIORAMA IN ULTRA-URBAN

Mia und der Zahnvampir

Mia und KAI entdecken das Geheimnis gesunder Zähne

2. Weil dich unbequeme Gedanken quälen. Du bist nicht allein! Auch wir ärgern uns über achtlose Mitmenschen, Umweltzerstörung, Ignoranz und Probleme, auf die wir noch keine Antwort kennen. Wir übernehmen den anstrengenden Teil für dich: hören uns um, fragen nach, recherchieren Antworten und Lösungen und fürchten uns nicht vor Widersprüchen.

P.b.b. — 11Z038861 M — 1040 Wien

4. Weil dein Alltag sehr kompliziert ist. Wir zeigen dir, wie du deine Essensreste geruchsfrei in der Wohnung kompostierst, wie du dein Fahrrad diebstahlssicher verstaust oder wie du günstig und mit kleinem Fußabdruck um die Welt reist. Kurz: Bei uns wird dir geholfen!

wir leb en jetzt bewuSS t

ausgabe Wien–berlin — september 2020. WWW.biorama.eu

3. Weil du anders bist. Wir sind es auch! Wir sind beim Thema bio nicht nur an Skandalen interessiert, sondern am größeren Ganzen. Nachhaltigkeit hört nicht bei Biohumus und Upcycling auf und ist für uns kein Themenbereich, sondern Anspruch und Perspektive auf alle Lebensbereiche.

Kostenlos — aber abonnierbar

1. Zum Mitreden. Dein Friseur fragt dich, ob du pro oder contra Gentechnik in der Landwirtschaft bist, und du hast keine Ahnung? Deine Eltern wollen wissen, warum du so viel Geld für ein gebrauchtes Fahrrad ausgibst wie sie damals für ihr erstes Auto? Du möchtest eine Freundin überzeugen, dass FairtradeProdukte mehr als gutes Marketing sind? Bei uns findest du die Argumente und Hintergrundinformationen, die dich so überzeugend machen, wie du immer schon sein wolltest.

5. Weil du keine Ausgabe verpassen willst! Niemand möchte sich einen Zeitschriftensammler vorstellen, in dem auf die BIORAMA-Ausgabe 67 die BIORAMA-Ausgabe 69 folgt. 6 Au

sgAben à 25 euro

PLATZ FÜR DIE BEWOHNERiNNEN

FußgängerInnen- und Radfahrinitiativen können die Prioritäten einer Stadt umkehren.

MAGAZIN FüR NAcHHALTIGEN LEBENSSTIL.

issuu.com/biorama

biorama.eu/abo

2019

Komfortabel: Der Nachtzug lässt den Weg zwischen den Metropolen im Schlaf vergehen. Preiswert: Sind Biolebensmittel zum Privileg der BesserverdienerInnen verdammt? Gut sortiert: Ein Mallkonzept in Berlin haucht dem Kaufhaus und alten Sachen neues Leben ein.

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2022

BIORAMA SCHREIBT SEIN ERSTES VORBILDERBUCH Wir schreiben gern für alle Altersgruppen, für Kunden haben wir das oft auch schon in Buchform gemacht – da war es eigentlich die logische Konsequenz, auch unsere ganz eigene Buchreihe zu beginnen. Und doch war es ein steiler Start, denn der Anspruch, großen Persönlichkeiten kindgerecht gerecht zu werden, hat uns wieder einmal gefordert. Die Edition BIORAMA bildet nun in Ergänzung zum Magazin einen nachhaltigen Platz für beispielhafte Geschichten und beeindruckende Persönlichkeiten. Das erste Buch erzählt vom Leben einer beeindruckenden Frau: der 1931 in Wien geborenen, von den Nazis ins KZ verschleppten und 2020 in den USA verstorbenen Literaturwissenschafterin und Dichterin Ruth Klüger. Sie soll in Erinnerung bleiben. »Die Geschichte von Ruth Klüger – Wie ein kleines Mädchen mit Glück und Gedichten am Leben blieb« (illustriert von Florine Glück) bildet den Auftakt zur Beschäftigung mit vorbildhaften Menschen und Geschichten in Buchform. Geschafft haben wir auch dieses Projekt durch Hilfe, Tipps und die prüfende Arbeit im Hintergrund – in diesem Fall unter anderem das Korrektorat des langjährigen BIORAMA-Lektors Mattias Feldner und durch inhaltliche Hinweise etwa der LiteraturwissenschafterInnen des Wiener Literaturhauses und des Historikers Kay-Michael Dankl. BIORAMA existiert als Netzwerk aus Menschen, die mit Informationen, Arbeitszeit, Finanzierungsbereitschaft und großem Engagement zu unterschiedliche Dimensionen von Nachhaltigkeit beitragen – Erinnerungskultur in eine besonders relevante.

2022

BILD I STO CK.COM/GO LIBO, BI ORAMA

In BIORAMA dreht sich viel um Natur und Landwirtschaft, um Biodiversität und um die Rolle des Menschen mittendrin. BIORAMA ist urban. 2020 haben wir daher begonnen, uns ganz gezielt anzusehen, was auf Stadtgebiet passiert – bzw. passieren kann. Denn der Vergleich macht oft sicher, ob das, was gar nicht geht, vielleicht doch möglich wäre. Die BIORAMA-»Hauptstadtausgabe« für Wien und Berlin war geboren – als Format für die Suche nach unterschiedlichen oder ähnlichen Antworten zweier Städte auf die Bedürfnisse ihrer BewohnerInnen. Für die erste Ausgabe hat Geschäftsführer Martin Mühl nach vielen Jahren wieder ein Gastspiel im Chefredaktionssessel gegeben – ein Magazin zum Schwerpunkt urbane Mobilität und gerechte, inklusive Stadtplanung war das Ergebnis. Unsere »Hauptstadtausgabe« erscheint seither jährlich in einer Auflage von 100.000 Stück. Weiterhin werden wir Unvergleichbares vergleichen. Du kaufst ein Abo. Wir geben dir Gründe. Denn: Wir SpezialauSgabe: wien–berlin lieben unsere Hauptstädte, wollen sie aber noch liebenswerter gestaltet wissen und dazu immer wieder neue Vorbilder finden.


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MAGAZIN

20 JAHRE

Wir feiern die 100. Ausgabe! Man kann es drehen und wenden: Die Zeit ist verflogen, eine Menge Arbeit war es trotzdem – und was für eine! Eine schöne jedenfalls. Den Rest wollen wir aber von euch hören: Also fragen wir – zum hundertsten Mal :), was euch gefallen hat und was weniger, was wir zu Unrecht abgeschafft haben und welche neue Idee uns gut steht oder stünde. Wir danken euch – und würden es euch gern recht machen, meistens zumindest. Daher bitten wir um eure Meinung auf biorama.eu/LeserInnen

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6 AUSGABEN

A u s g A b e 2021

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MAGAZIN

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eln Langsam versamm alle um sich am Wagram den Roten Veltliner.

UPCOMING BIORAMA BIOKÜCHE 2026

Das BIORAMA-Bookazine für alle ÖsterreicherInnen, die Wert auf biologische Küche legen, geht in die sechste Runde! Wir zeigen die Vorzeigebetriebe der Bioverpflegung genauso wie jene, die deren Grundlagenarbeit machen: BioproduzentInnen von Vorarlberg bis zum Neusiedler See. Bei uns erzählen sie, worauf sie stolz sind und womit sie hadern. Dieses Jahr zum Schwerpunkt Fiber – denn Ballaststoffe sind fast überall in unserer Nahrung und trotzdem bekommen wir oft nicht genug davon. Richtig viele, richtig gute Produktempfehlungen, ernährungsphysiologisches Wissen, Küchentipps und Rezepte gibt’s wie immer obendrauf! Die nächste Ausgabe erscheint Ende 2025. Die bisherigen Ausgaben der BIORAMA BIOKÜCHE sind auch online. biorama.eu/ausgaben

2025

ABO

BIORAMA ZU DIR NACH HAUSE Jährlich sechs Ausgaben direkt in deinen Briefkasten! Auch wenn BIORAMA ein Gratismagazin ist, kannst du es abonnieren und bekommst jedeAusgabe nach Hause geschickt – bei einem Wohnsitz in Österreich auch unsere Line-Extension BIORAMA Niederösterreich. Für 25 EUR im Jahr bist du dabei und unterstützt unsere unabhängige redaktionelle Arbeit. biorama.eu/abo


G A N Z H E I T L I C H V E RW E R T E N – F O N D S D I E R E S T LO S B E G E I S T E R N .

GUT FÜR UNS Weil die restlose Verwertung von Bio-Fisch, -Fleisch und -Gemüse köstlich schmeckt. Und das mit Ja! Natürlich Zutaten aus Österreich.

UND DIE NATUR NATÜR LICH Weil durch die ganzheitliche Verwendung Food Waste vermieden wird (und weil wir ohne Konser vierungsstoffe, Geschmacksverstärker und Aromen auskommen*).

*gemäß EU-Bio-Verordnung


BIO R A M A 1 0 0

ST R E E T TA L K

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STREET TALK BERLIN WIR FRAGEN – ZEHN ERWARTUNGSVOLLE ANTWORTEN.

WORUM SOLLTE ES IN EINEM »MAGAZIN FÜR NACHHALTIGEN LEBENSSTIL« GEHEN UND WER BRAUCHT SO WAS? INTERVIEW UND BILD GEORG ANDER

WOLFGANG

78, Rentner Ich sehe die Pfeiler Energie, Umweltschutz, Ernährung und Natur in einem solchen Magazin. Grundsätzlich brauchen wir alle unbedingt solche Medien aus meiner Sicht. Letztlich kommt es dann auf das Engagement der Lesenden an, auch zu handeln.

CHRISTIANE

76, Rentnerin Nachhaltigkeit sollte vor allem mit einem gewissen Unterhaltungswert vermittelt werden, aber gleichzeitig auch aufrufen, Verantwortung zu übernehmen. Ein gut gemachtes Magazin zu diesem Thema hat eine große Relevanz und wir alle sollten darin stöbern.

PEER JOHANNES

36, Designer bei Tann.world Vor allem sollte es darin um echte Lösungen gehen. Die Nachhaltigkeits-Bubble ist gut informiert, aber viele andere sind ebenso abgeschreckt. Ein Magazin mit diesem Schwerpunkt hat sicher einen positiven »Abreibeffekt« auf alle und schüttelt bestenfalls Konservative wach.

36, Student Ich fasse für mich diesen Begriff so zusammen: »Was können wir tun, damit unsere Lebensweise möglichst wenig Schaden anrichtet?« Und das sollte alle Eltern interessieren, die kleine Kinder haben, sowie Menschen, denen die Zukunft unserer Kinder wichtig ist. In Berlin spürt man den Klimawandel bereits und trotzdem sind die Diskussionen zu politisch geprägt.

FLORIAN

19, Berufssoldat Mir wären vor allem Zahlen und Statistiken wichtig. Sie sind klar und zeigen aussagekräftig Richtungen an: Wie viel Energie erzeugen Solarfelder überhaupt und wo entstehen zurzeit neue Windparks? Wie viel weniger Kohle benötigt man dann überhaupt?


B IO R A M A 10 0

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ST R E E T TA L K

STREET TALK BERLIN WIR FRAGEN – ZEHN ERWARTUNGSVOLLE ANTWORTEN.

JULIANE

GABI

68, Rentnerin Aus Sicht von Politik, Ökonomie und Nachbarschaft sollte man Nachhaltigkeit betrachten und abbilden. Leider wissen wir alle um die Probleme und verhalten uns trotzdem anders. Ein Magazin könnte im eigenen Kiez Leute vernetzen, kleine nachhaltige Projekte in der Nachbarschaft anstoßen und somit Veränderungen auch sichtbar machen.

PAUL

30, Künstler (Maler) Eine solche Publikation sollte vor allem nachhaltig produziert sein, in meinen Augen. Sie ist ganz klar für alle Menschen wichtig und in der Zukunft noch mehr. Alles, was sich mit Nachhaltigkeit beschäftigt, ist unterm Strich besser als Dinge, die das nicht tun, wie beispielsweise Fast Fashion.

MICHAELA

52, Angestellte Magazine mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit kann es wahrscheinlich nicht genug geben und deren Schwerpunkte sehe ich bei Ernährung sowie bewusstem Konsum. Ich arbeite bei der Berliner Stadtreinigung und erlebe täglich, wie massenhaft Fast-Fashion-Artikel bei uns landen, die es nicht lohnt, zu recyceln. Auch bei Demos für einen besseren Planeten sehen wir oft widersprüchliche Szenen in Bezug auf Müll: Man sollte nicht Wasser predigen und Wein trinken. Es braucht dringend Aufklärung, Dinge nicht gleich wegzuwerfen und langlebiger einzukaufen.

34, Angestellte Für mich sollte es vor allem darum gehen, was ich Praktisches im Alltag tun kann für mehr Nachhaltigkeit: einfache, kleine Gewohnheiten, die einen positiven Einfluss haben. Das geht alle Generationen etwas an – jedermann. Oft sind wir aber auch in unseren persönlichen Konflikten verstrickt, widmen uns primär diesen Problemen – und weniger der Umwelt.

ELLIA

29, Selbstständiger In einem Magazin für Nachhaltigkeit stelle ich mir Artikel zu gesundem Leben vor: interessante Geschichten und greifbare Beispiele, wie man dieses Thema angehen kann. Ein solches Magazin findet sicher seinen Platz, aber eher bei wohlhabenden Menschen.


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100 LADEN SIE SICH DIE

FANDLERFAMILIE

NACH HAUSE ZUM ESSEN EIN. Jedes unserer unvergleichlichen Öle ist ein kleines Meisterwerk, das weit mehr ist als „nur“ Öl. Es enthält die geballte Kraft wertvoller Inhaltsstoffe, die so viel für unseren Körper, unseren Geist und unser Wohlbefinden tun können. 100 Ausgaben BIORAMA. 100 Jahre Fandler. Lassen Sie uns miteinander das Leben feiern und genießen!

ÖLMÜHLE FANDLER | PÖLLAU | WWW.FANDLER.AT

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ST R E E T TA L K

STREET TALK WIEN WIR ZEIGEN BIORAMA-PRINTAUSGABEN HER UND FRAGEN – 13 UNERWARTETE ANTWORTEN.

WAS ERWARTEST DU VON DIESEM MAGAZIN? INTERVIEW UND BILD FLORIAN JAUK

FLORIAN

45, Unternehmer Ich erwarte mir, dass sich BIORAMA – wie der Untertitel schon sagt – mit einem nachhaltigen Lebensstil befasst. Ich denke, es geht um Biosiegel, Herkunftsnachweise und Kreislaufwirtschaft. Ich erwarte, dass es von jungen Menschen, Menschen, die umdenken, und der nächsten Generation gelesen wird.

SILVESTER

32, Architekt Unterschiedliches, nachdem die Cover ziemlich unterschiedlich sind. Auf einem (BIORAMA Ausgabe 96) sieht man Natur. Deswegen erwarte ich mir, dass es im Magazin auch um einen naturnahen Lebensstil geht. Die Spezialausgabe (BIORAMA Wien–Berlin #5) wirft mit dem urbanen Bild doch mehr Fragen auf und stößt bei mir auf mehr Interesse, weil ich mich frage: Was ist BIORAMA auf dem Bild?

BRUNO

19, studiert Kunstgeschichte Wenn ich die Ausgabe 99 sehe, denke ich an das Thema Wohnen und erwarte mir Tipps, wie ich zu Hause nachhaltig leben kann. Beim zweiten Magazin (BIORAMA #96) erwarte ich mir, dass es um die Themen Freizeit, Natur und wie ich mich gut erholen kann, geht.

ALESSIA

26, Rehabilitationspädagogin Ich erwarte mir von BIORAMA eine Mischung aus gründlicher journalistischer Recherche und alltagsnahen Tipps für KonsumentInnen. Ich erwarte mir auch das Aufdecken von ›blinden Flecken‹ – also Dingen, von denen wir denken, dass sie nachhaltig sind, die es aber eigentlich nicht sind. Ich erwarte, dass Menschen mit akademischem Hintergrund BIORAMA lesen. Von einem Nachhaltigkeitsmagazin würde ich mir immer erhoffen, dass es umfassend nachhaltig denkt und versucht, nicht nur eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen.


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CLAUDIA

LEO

42, arbeitet für die Stadt Wien Wenn ich das Häuslein auf dem Cover von BIORAMA #99 sehe, denke ich, dass es um nachhaltiges Bauen geht. Ich habe das BIORAMA schon einmal in der Hand gehabt, aber noch nicht gelesen. Es klingt aber auf jeden Fall sehr spannend.

14, Schüler Ich denke, es geht bei Ausgabe Nummer 96 um Outdoor und Survival, so etwas wie ›7 vs. Wild‹. Ich erwarte mir, dass ich erfahre, wie man in der Wildnis überlebt. Das zweite Magazin (#97) dreht sich, denke ich, um den Hochsommer – und ich erwarte mir, dass ich Tipps gegen die extreme Hitze in der Stadt bekomme.

MICHI

CHRISTOPH

65, Zukunftskurator Wenn ich das Magazin mit dem Thermometer auf dem Cover (BIORAMA #97) sehe, denke ich, geht es um die Erderwärmung, den Klimawandel und generell um Temperaturanstieg. Beim anderen Cover (BIORAMA Wien-Berlin #4) erwarte ich, dass sich das Magazin um das Thema Renaturierung in der Stadt dreht. Ich kenne das Magazin und finde es toll, dass es sich auf vernünftige Art und Weise mit unseren großen Zukunftsfragen beschäftigt.

30, arbeitet in der Lebensmittelbranche Ich erwarte mir von einem Magazin für nachhaltigen Lebensstil, dass verschiedene Konzepte davon beschrieben werden, wie man sein Leben nachhaltig führen kann und was man verbessern könnte. Auch, dass es einen Fokus auf das Thema Ernährung und den Umgang mit natürlichen Ressourcen hat. Ich hoffe, dass BIORAMA auch Menschen erreicht, die sich nicht auf eine wissenschaftliche Art und Weise mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen.

SASKIA

40, freie Journalistin Als Erstes kommt mir beim Anblick von Ausgabe #97 das Thema Klimawandel in den Sinn. Wir erreichen das 1,5-Grad-Ziel nicht. Beim anderen (BIORAMA #99) denke ich an Wohnen. Einfamilienhäuser erinnern mich aber auch an das Thema Wärmedämmung. Ich erwarte mir, dass es ums Bauen geht. Ich habe BIORAMA schon mal durchgeblättert und mich gefragt, wer dahintersteht.


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ST R E E T TA L K

STREET TALK WIEN WIR ZEIGEN BIORAMA-PRINTAUSGABEN HER UND FRAGEN – 13 UNERWARTETE ANTWORTEN..

WAS ERWARTEST DU VON DIESEM MAGAZIN? INTERVIEW UND BILD FLORIAN JAUK

FABIO

31, Service-Desk-Mitarbeiter Beim Anblick von Ausgabe 94 wenig, also das Einzige, was ich über Avocados weiß, ist, dass sie einen hohen CO2-Fußabdruck haben. Beim anderen Cover (BIORAMA #96) denke ich mir ›schöner Alpenurlaub‹ und erwarte mir, dass man sich ob des fortschreitenden Klimawandels die Frage stellt: Gibt es diese Art von Urlaub überhaupt noch?

VICKY

21, studiert Kunstgeschichte Das Cover von Ausgabe Nummer 96 lässt mich an Freizeit und Erholung denken. Ich erwarte mir also Urlaubstipps. Ausgabe Nummer 97 dreht sich, denk ich, um den Klimawandel und Hitze. Ich hoffe, dass man dabei auch praktische Tipps gegen die Sommerhitze bekommt.

HINNERK

14, Schüler Auf dem Cover von BIORAMA Wien–Berlin #5 sehe ich jemanden, der aussieht wie eine alte Person. Ich erwarte mir, dass es darum geht, das Leben zu genießen und das zu machen, was einem Spaß macht. Bei der anderen Ausgabe (BIORAMA #94) erhoffe ich mir Infos über Avocados, da ich sie sehr gerne esse.

TOM

48, Unternehmer Ich erwarte mir, dass im BIORAMA-Magazin Menschen dargestellt werden, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen und auch ein Fokus auf die wirtschaftlichen Vorteile von Biozertifizierungen gelegt wird. Ich erwarte mir auch, dass Projekte im Nachhaltigkeitsspektrum porträtiert werden, die sonst nicht so im medialen Fokus stehen und so eine Plattform entsteht, wo Innovationen vorgestellt und entdeckt werden können. Auch von Menschen, die sich in ihrem Alltag explizit weniger mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen, das Grundprinzip dahinter aber interessant finden.


bioinfo.at

BIO soll aus der Region sein.

Bio, wie es sein soll.


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DAS PRESTIGEPROJEKT Leo-Constantin Scheichenost geht es wie so vielen, die in der Vorweihnachtszeit die Mariahilfer Straße entlanggehen. »Diese Absurdität ist schwer auszuhalten«, sagt der Wiener. Wer halbwegs mit den Hintergründen der symbolträchtigen Großbaustelle am innerstädtischen Ende des Einkaufsboulevards vertraut ist, kann kaum anders, als den Kopf zu schütteln. Bereits fast fertig gebaut, wird das Kaufhaus »Lamarr« – ein Prestigeprojekt des Investors René Benko – gerade wieder abgerissen. Nachdem seine Spekulationsblase geplatzt ist (zum Firmengeflecht gehören auch Filialen der früheren Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof ), sollen hier Wohnungen gebaut werden. Gedanklich haben sich hier aber erst einmal Maria und Josef, das Jesuskind und drei Spekulanten in Anzügen als Heilige Drei Könige einquartiert. Und das kam so: Immer wieder beobachtete Scheichenost die Abrissbagger. »Eigentlich war es nur ein Witz: die Bauruine als Weihnachtskrippe, in der Herbergsuchende unterkommen«, sagt er. Doch der Gedanke wird weitergesponnen. Irgendwann stößt der Werbefachmann auf den Krippenverein Wien. Die Bastelarbeit beginnt. Das Ergebnis – eine echte Weihnachtskrippe – steht nun gleich ums Eck, im Schaufenster seiner Agentur HFA-Studio. Sie wirbt um Spenden für die nahe gelegene »Gruft« der Caritas, die Obdachlosen Schutz, Schlafplätze, warme Mahlzeiten, Kleidung und psychosoziale Unterstützung bietet. THOMAS WEBER

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GLOBAL VILLAGE

BERLIN:

AUTONOMER ÖFFENTLICHER NAHVERKEHR

bvg.de

BILD

In Wien wurde der Testbetrieb mit autonom fahrenden Kleinbussen 2021 wieder eingestellt und die Wiener Linien fokussieren derzeit auf die Umstellung auf E-Fahrzeuge und lokal emissionsfreien öffentlichen Verkehr. Hamburg experimentiert seit Herbst dieses Jahres im Projekt Alike mit autonom fahrenden Kleinbussen des Herstellers Holon und Shuttles der VW-Tochter Moia. Deren »VW ID. Buzz AD« sind nun auch in Berlin als Pilotprojekt der BVG im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs – ausgestattet mit Level-4-Technologie für autonomes Fahren. Ziel ist es, den klassischen Nahverkehr mit flexiblen, autonomen Angeboten zu verknüpfen und ein maßgeschneidertes Mobilitätsangebot für die Stadt zu schaffen. Die Ergebnisse des Pilotprojekts sollen skalierbar auf größere Fahrzeugzahlen bis in den fünfstelligen Bereich sowie auf ein entsprechend größeres Einsatzgebiet sein. Die ersten Fahrzeuge sind dabei auf Testfahrten noch ohne Fahrgäste unterwegs – im ersten Halbjahr 2026 starten Testfahrten mit Fahrgästen. Gefördert wird das Projekt wie in Hamburg durch das deutsche Verkehrsministerium. Nach der Testphase, die 2027 endet, soll der autonome öffentliche Verkehr zum festen Bestandteil der Hauptstadt-Mobilität werden. Voraussetzung für den Ausbau ist die Serienzulassung für den Flottenbetrieb von Level-4-Fahrzeugen durch Bund und das Land Berlin. MARTIN MÜHL

BVG, E RWÄRME DIC H

Deutsche Städte wie Hamburg und Berlin erproben in Testphasen autonom fahrende Kleinbusse.


DIE PINKE HANDSCHRIFT BEIM KLIMASCHUTZ Die CO2-Emissionen in Wien sinken. Das Sonnenstrom-Ziel, das sich die Stadt gesetzt hat, wurde schon im November erreicht. Und Woche für Woche starten neue Klima-Projekte: Von erneuerbarer Energie bis zu nachhaltiger Mobilität.

BREMEN:

ERDWÄRME, DIE ANKOMMT Der Verein Erdwärme macht sich für Geothermie stark und gewinnt den Planet Hero Award. Der Bremer Verein Erdwärme dich informiert seit Jahren über Geothermie als klimafreundliche Wärmequelle. Auf seiner Website stellt er Grundlagenwissen bereit, bietet Orientierung für Privatpersonen, Betriebe und Gemeinden und schafft Anlaufstellen für alle, die sich mit Erdwärme beschäftigen oder erste Schritte planen. Die Initiative wirbt für mehr Akzeptanz, transparente Beratung und eine stärkere Rolle von Erdwärme in der Energiewende. Bei den diesjährigen Planet Hero Awards in Köln konnte Erdwärme dich überzeugen und gewann in der Kategorie Klimaschutz. Zusätzlich erhielt der Verein den Community-Preis, der vorab per Onlinevoting vergeben wurde. Die beiden Auszeichnungen heben die Arbeit des Vereins auf eine größere öffentliche Bühne und erleichtern es, Themen rund um die Nutzung von Erdwärme breiter zu vermitteln. Der Planet Hero Award ist eine deutschlandweite Auszeichnung für Umweltprojekte und mit insgesamt 200.000 Euro Fördergeldern der Planet Hero Stiftung dotiert. Ausgewählt werden Universitäten, Vereine und NGOs, deren Projekte messbare Beiträge zu Klimaschutz, Biodiversität oder Gewässerschutz leisten und nachhaltige Lösungen weiterentwickeln. FLORIAN JAUK erdwaermedich.de

Das ist kein Zufall. Wien ist die einzige Stadt Österreichs mit einem Klimaschutzgesetz. Wir setzen auf Kreislaufwirtschaft, auf mehr Begrünung, auf den Ausbau der Radwege, auf den öffentlichen Verkehr. Und wir liefern echte Ergebnisse, weil wir die Menschen in unserer Stadt mitnehmen – z. B. durch die Klima-Teams, bei denen sich jeder und jede in Wien einbringen kann. Wir NEOS haben eine klare Strategie auf dem Weg Richtung Klimaneutralität 2040. Wir arbeiten jeden Tag an einer nachhaltigen Stadt, in der Klimaschutz wirklich umgesetzt wird. Und dieser ehrliche Kurs wirkt: Unsere Stadt ist auf bestem Wege, ihre Klimaziele zu erreichen. Und das ist auch gut für unsere Wirtschaft!


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GLOBAL VILLAGE

DRAMA IM SUPER MARKT?

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WIEN:

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Supermarkt-Drama war gestern. Heute kommt das BioKistl zu dir.

Der Flughafen Wien hat den Bau seiner dritten Start- und Landepiste abgesagt. Nach fast drei Jahrzehnten Planung und juristischer Auseinandersetzungen sind die Kosten laut Betreiber so stark gestiegen, dass das Projekt nicht mehr weiterverfolgt wird. Stattdessen sollen Optionen für Verbesserungen an den bestehenden Pisten geprüft werden. Die dritte Bahn war seit ihrer ersten Planung in den 1990er-Jahren von Einwänden begleitet. Neben einer über Jahre mehrfach beeinspruchten, schließlich aber positiv abgeschlossenen Umweltverträglichkeitsprüfung prägten vor allem Beschwerden sowie Proteste von Bürgerinitiativen und lokalen Gruppen das Projekt. Themen waren vor allem zusätzlicher Lärm, Flächenverbrauch und die erwartete Zunahme des Flugverkehrs. Mit der nun verkündeten Absage endet eines der kontrovers diskutierten Infrastrukturvorhaben Österreichs ohne Umsetzung. Für eine Ausweitung der Kapazitäten sei eine weitere Bahn auch gar nicht notwendig – es könnten auch die bestehenden Terminals so adaptiert werden, dass – in Kombination mit anderen Dynamiken wie im Schnitt größer werdenden Flugzeugen – künftig auch rund 50 Millionen Passagiere im bestehenden Zwei-Pisten-System abgefertigt werden könnten, heißt es vom Flughafen. FLORIAN JAUK

FLICKR / SYSTEM CHANGE NO T CLIMATE CHANGE , KLI MA TA LER

Nach knapp 30 Jahren Diskussion ist klar: Der Wiener Flughafen bekommt keine dritte Start- und Landebahn.


Trendmesse für Fahrräder & E-Bikes

MÜNCHEN:

GOLDENER KLIMASCHUTZ München führt Bonuspunkte fürs Klima ein – die Klima-Taler. Die Idee ist einfach, wie eingängig: Wer in München klimafreundlich unterwegs ist, sammelt ab sofort digitale Klima-Taler. Per kostenloser App werden Radfahren, zu Fuß gehen und die Nutzung des öffentlichen Verkehrs belohnt – seit Kurzem wird auch der Griff zu Mehrwegbehältern beim Essen und Trinken vergoldet. Auch für CO2-schonendes Verhalten wie Energiesparen, bei dem man beispielsweise analoge und digitale Stromzähler mit der App verbinden kann, gibt es Belohnungen. Für jeweils 5 Kilogramm eingespartes CO2 erhalten NutzerInnen einen Klima-Taler, den sie bei über 650 Partnerbetrieben im deutschlandweiten Klima-Taler-Netzwerk einlösen können. Vom Gratiskaffee bis zu Rabatten im Schwimmbad – die Prämien sind vielfältig. Bereits über 125.000 Menschen nutzen die App, öffentliche Einrichtungen, Initiativen und Unternehmen sind ausdrücklich eingeladen, mitzuspielen – in München gibt es bereits 28 Angebote. Der Anreiz für PartnerInnen: Sichtbarkeit, neue Kundschaft und ein übersichtliches Backend, in dem sich Angebote und Kontingente einfach verwalten lassen. Kann ein Bonussystem die Verkehrswende ersetzen? Natürlich nicht. Aber es macht klimafreundliches Verhalten sichtbar, messbar und günstiger. FLORIAN JAUK stadt.muenchen.de

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Mehr Infos zum EU-Bio-Logo: bio-austria.at/EU-Bio-Logo

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Wegweiser zeigen, wo’s langgeht – und in diesem Fall auch, wie Zukunft geht. Das Tiroler Unternehmen Sona ersetzt klassische Schilder aus Aluminium, Kunststoff und Hochdrucklaminat durch biobasierte Materialien: Der Körper der Schilder besteht aus Hanffasern, bei den Füllstoffen kommen Maisstärke und Zuckerrohr zum Einsatz. Insgesamt ergibt sich bei den »Signs of Nature« im Vergleich zu konventionellen Wegweisern eine CO2-Einsparung von bis zu 77 %, wie eine Analyse der Uni Innsbruck zeigt. Und auch der Härtetest im Labor beweist: Die biobasierten Schilder sind langlebig und stehen klassischen Wegweisern um nichts nach. Seit April läuft die Produktion der »Signs of Nature«. Der Hanf dafür stammt aus Tirol – das verkürzt Lieferwege und hält die Produktion regional. Zu den Partnern zählen bereits der Tourismusverband in St. Anna am Arlberg sowie in Kitzbühel und zwei Tiroler Alpenvereine, wie Michael Walch, Geschäftsführer von Sona, erklärt. Die Idee hinter seinem Projekt: Altbekanntes – wie die Technik der Faserverarbeitung – mit neuen Anforderungen verknüpfen. Wer Schilder neu denkt, kommt vielleicht auch anders an. FLORIAN JAUK

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20 Jahre

© bio austria/Martin Zöscher

Ein Tiroler Unternehmen setzt auf biobasierte Wegschilder.


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WIEN:

DIE ZUGÄNGLICHKEIT VON KULTUR SICHERN In Wien wurde ein neues Zentrum zur Restaurierung und Konservierung von Kunst und Kultur eröffnet. Zu Gemälden, Skulpturen und Bildender Kunst, mit deren Schutz und Restaurierung man sich ebenso wie bei Büchern schon lange auseinandersetzt, haben sich in den letzten 100 Jahren unter anderem Film (analog und digital), Games, Medienkunst und weitere Kulturtechniken gesellt. Auch die Werke dieser Kunstrichtungen sollen erhalten bleiben, um etwas über ihre Geschichte selbst zu lernen, aber auch, weil diese Werke viel über uns als Gesellschaft aussagen. Das Wiener »Zentrum für Materialwissenschaft in Kunst und Konservierung« (ZMKK) ist ein europäisches Exzellenzzentrum und eine Kooperation zwischen dem Institut für Naturwissenschaften und Technologie in der Kunst und dem Institut für Konservierung und Restaurierung der Akademie der bildenden Künste Wien, Bundesdenkmalamt und Filmmuseum. Ermöglicht wurde sie durch eine Bundesförderung im Rahmen der Ausschreibung »Digitale Forschungsinfrastruktur«. Zur Tätigkeit gehören sowohl Forschung als auch Lehre: »Das ist sehr wichtig! Die Arbeit soll nicht abstrakt sein, sondern aktiv in Lehre, Praxis von Museen und Kulturerbe. Es geht um einen Hands-on-Ansatz in der Restaurierung, aber auch den Austausch mit Museen und zwischen ForscherInnen«, sagt Michael Loebenstein, Direktor des Österreichischen Filmmuseums. MARTIN MÜHL akbild.ac.at filmmuseum.at

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DONALD DUCK, DER ÖKOINFLUENCER AUF IRRWEGEN BILD: EGMONT EHAPA MEDIA / DISNEY

Disney hebt in der neuesten Ausgabe des Lustigen Taschenbuchs (Nr. 604) das E-Auto auf das Cover. Donalds Wagen mit dem Kennzeichen 313 gehört zum wiederkehrenden Inventar der Geschichten aus Entenhausen – und wird in Ausgabe 604, also Ende 2025, zum E-Auto. Zumindest kurz. Denn die Geschichte hätte auch ganz anders gestaltet werden können, aber die AutorInnen haben sich dafür entschieden, nicht nur klassisch Donald keinen Erfolg zu gönnen, sondern auch das E-Auto als wenig alltagstauglich darzustellen. Zu Beginn der Geschichte zwingen Umweltauflagen Donald dazu, Veränderungen an seinem Auto vorzunehmen. Dieser entscheidet sich für alternative Antriebe, doch weder sein Windantrieb, noch der per Pedalen angetriebene E-Motor, noch die Solarpaneele erweisen sich in der Praxis als brauchbar. Und so kommt am Ende dank einer Idee Daniel Düsentriebs eine technische Adaption des Verbrenners als Lösung, und der »313« bekommt neue Filter, um die Abgase zu vermindern. Parallel dazu wird Donald zum Umwelthelden, nachdem seine scheiternden Versuche, sein Auto umweltfreundlicher zu machen, online viral gehen und viele Fans und NachahmerInnen finden. Damit Tick, Trick oder Track auf die Idee kommen, dem hilfsbedürftigen Onkel den Einbau eines modernen E-Motors vorzuschlagen, dauert es wohl noch einige weitere Ausgaben. In dieser Geschichte wäre mehr drin gewesen. MARTIN MÜHL

Vor 25 Jahren kannte ich Radfahrerinnen und Radfahrer, die mir im Winter begegneten, beinahe noch persönlich. So wenige waren es. Das hat sich stark geändert. Auf der Fahrradstraße Pfeilgasse konnten in den winterlichen Monaten bereits knapp 60 Prozent des Radverkehrs der Sommermonate gemessen werden. Immer mehr Wienerinnen und Wiener wollen also auch in der kalten Jahreszeit die Vorteile des Radfahrens nutzen: Schnell am Ziel, unabhängig und flexibel sein. Das Immunsystem wird zudem gestärkt. Die milderen Winter begünstigen den Trend. Neue Radwege und, sollte es wirklich mal schneien, die Schneeräumung liefern außerdem immer weniger Ausreden, das Fahrrad

»Es gibt immer weniger Ausreden, das Fahrrad einzuwintern.« — Martin Blum, Beauftragter für Radverkehr der Stadt Wien doch einzuwintern. Es wäre auch verwunderlich, wenn ausgerechnet die Hauptstadt eines Landes, das stolz auf seine alpine Skilauf-Tradition ist, an etwas ungleich einfacherem, dem Radfahren im Winter scheitern würde. Bei strahlender Wintersonne durch das weihnachtliche Wien zu radeln hebt jedenfalls meine Laune verlässlich. Und ganz offensichtlich nicht nur meine. www.mobilitaetsagentur.at

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ENDLICH RAUS AUS ÖL Unterschiedliche Ansätze aus vier europäischen Städten nutzen vorhandene Strukturen, um fossile Heizsysteme zu verdrängen.


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er Slogan ist angejährt, erreicht ist das Ziel aber noch lange nicht. »Raus aus Öl« zu kommen, gestaltet sich auch im Gebäudesektor zäh. Auf diesen Bereich entfielen laut Europäischer Umweltagentur im Jahr 2023 rund 33 Prozent der energiebezogenen Treibhausgasemissionen der EU. Für eine Zukunft ohne Öl und Gas braucht es unter anderem neue Infrastruktur zum Heizen und Kühlen. In vielen Städten sitzen fossile Heizsysteme tief in der vorhandenen Gebäudestruktur. Dem Ausstieg aus dem Verbrauch fossiler Energieträger zur Erzeugung von Heizwärme stehen mitunter auch städtebauliche Gegebenheiten im Weg. Gerade historische Stadtkerne sind häufig so dicht bebaut, dass neue Wärmetrassen kaum Platz finden. Einige Städte zeigen, dass ein Fossilausstieg auch im Bestand schnell und mitunter ohne riesige Baustellen möglich ist.

BOTTROP ALS VERSUCHSLABOR Die Stadt Bottrop im deutschen Ruhrgebiet wurde zwischen 2010 und 2020 zum breit angelegten Quartiersprojekt zur energetischen Erneuerung. Stadtverwaltung, Wirtschaft, Forschung und Bevölkerung entwickelten gemeinsam mehr als 300 Teilprojekte. Sie verteilen sich auf fünf Bereiche: Wohnen, Arbeit, Mobilität, Energie und Stadt. Im Bereich Wohnen nahmen rund 4000 HauseigentümerInnen eine kostenlose Erstenergieberatung in Anspruch. Über die Hälfte setzte danach Modernisierungen um. Im Bereich Arbeit wurden etwa 2000 Gebäude aus Industrie und öffentlichem Sektor systematisch energetisch saniert. Der Mobilitätsbereich förderte alternative, energieeffiziente Antriebe. Im Bereich Energie wurden Erzeugung und Verbrauch besser verknüpft. Und im Themenfeld Stadt entstanden Projekte, die Mikroklima und Freiräume verbessern sollten. Das Ziel: Die CO2-Emissionen im Pilotgebiet in zehn Jahren zu halbieren. Der Meilenstein wurde eigenen Angaben zufolge erreicht.

BILD ISTOC K. COM/PICS FI VE

QUARTIERDENKEN Das Besondere in Bottrop sind nicht die einzelnen Maßnahmen, sondern der Zugang. Statt möglichst viele einzelne Heizkessel zu tauschen, wurde ein ganzes Stadtgebiet mit rund 70.000 EinwohnerInnen betrachtet. Die Analyse des Bestands war Ausgangspunkt für individuelle Vorschläge – von Dämmungen bis zu neuer Anlagentechnik oder lokalen Wärmeverbünden. Für Energieexperten Markus Fritz vom deutschen Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ist

Es geht auch anders! Johannes Gutmann, SONNENTOR Gründer

Klimaziele abschwächen? Keine Option! Während auf europäischer Ebene die Klimaziele relativiert werden und die Weltklimakonferenz im November versuchte, eine globale Lösung zu finden, halten wir an unserer Mission Null-Emission fest. Klingt ambitioniert? Ist es auch. Aber wir reden nicht nur – wir tun. In den letzten 3 Jahren haben wir unsere Emissionen um satte 25 % reduziert. Bis 2028 soll unsere Kräuter-Zentrale in Sprögnitz komplett frei von fossilen Emissionen sein. Unsere Schwestern in Tschechien und Rumänien ziehen bis 2030 nach. Wo wir noch Hebel sehen? Beim Energieeinsatz und bei der Mobilität. Unsere Heizung läuft mit regionalen Hackschnitzeln, ergänzt durch Kräuterstängel. Unser Strombedarf wird fast zur Hälfte von der Sonne generiert, der Rest ist zertifizierter Ökostrom. Über 40 E-Ladepunkte gibt’s bei uns für Mitarbeitende und Gäste – großteils kostenlos. Dank Energiemonitoring laden unsere E-Autos und unser E-LKW für regionale Auslieferungen in Zukunft dann, wenn die Sonne lacht. Wo Strom noch keine Option ist, fahren wir mit fossilfreiem HVO-Diesel. Ergebnis? Minus 36 % Emissionen im Fuhrpark – in nur einem Jahr! Und im Lagerschutz wird biogenes CO2 mehrfach genutzt – Kreislaufdenken pur! Was das bringt? Viel. Hätten wir nicht längst zu handeln begonnen, wären unsere Emissionen heute fast 9× höher. Also: Ja, es macht einen Unterschied. Und wir machen weiter. Denn halbe Sachen bringen gar nix – weder fürs Klima noch für unsere Enkel. www.sonnentor.com/co2

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dieser Ansatz gut übertragbar. Kommunen, die Quartiere als Ganzes betrachten und nicht nur Einzelanlagen, kommen schneller voran. Der Bestand wird nicht als Hindernis gesehen, sondern als Ausgangspunkt. Ein Ansatz, der weit über das Ruhrgebiet hinaus interessant und auch auf andere Städte übertragbar ist, sagt Fritz: »Der Ansatz funktioniert in allen europäischen Städten. Er ist technologieoffen und passt gut zu sehr unterschiedlichen Gebäudetypen.«

BARCELONA: WÄRME VOM DACH Zwischen dichtem Baubestand und wenig Platz für neue Leitungen schafft es die katalanische Hauptstadt, fossile Einzelheizungen zurückzudrängen. Aber wie Bottrop nicht mit großen Trassen, sondern mit kleinen, lokalen Verbünden. Barcelona setzt auf sogenannte Mikro-Wärmenetze. Das sind kleine, flexible Netze, die mehrere Gebäude über vorhandene Dach- oder Kellerflächen verbinden. Wärme wird lokal erzeugt. Zum Beispiel durch Wärmepumpen, Solarenergie oder Abwärme und zwischen benachbarten Häusern geteilt. Die Stadt fördert außerdem Energie-Communities, also EigentümerInnengemeinschaften, die Energie gemeinsam nutzen und investieren. Diese Verbünde sind ein einfacher, aber effektiver Weg, fossile Einzelheizungen im dichten Altbau schrittweise zu ersetzen, ohne die historische Struktur anzutasten.

KLEINE WÄRMENETZE Die großen Fernwärme- und Kältenetze, die Barcelona bereits betreibt, zeigen, dass diese Logik auch im größeren Maßstab funktioniert. Zusammen bringen sie es auf mehr als 24 Kilometer Leitungslänge und über 100 Gigawattstunden thermische Energie pro Jahr, so das städtische Energieamt. Rechnet man mit einem typischen Jahresverbrauch von 20 bis 35 Megawattstunden Einfamilienhaus, decken die 105 Gigawattstunden des Netzes etwa den Heizund Kühlbedarf von 3000 bis 3500 Haushalten. Abseits der großen Leitungen hat Barcelona eine eigene, kleinteilige Antwort gefunden. Die Wärme verteilt sich von Dach zu Dach, Keller zu Keller, Block zu Block. Für andere europä-

HEIZ-DILEMMA Auch wenn die Treibhausgasemissionen des Gebäudesektors in Europa zwischen 2005 und 2023 laut der Europäischen Umweltagentur um rund 43 Prozent gesunken sind: Rund ein Drittel der gesamten energiebezogenen Emissionen entsteht immer noch durch das Heizen, Kühlen und den Betrieb von Gebäuden. Der Rückgang ist regional unterschiedlich ausgefallen – in Österreich haben sich die Gebäudeemissionen seit 2005 etwa halbiert, in Deutschland sind sie um rund ein Drittel zurückgegangen –, doch der Grundbefund bleibt: Gebäude gehören weiterhin zu den größten Emissionsquellen in europäischen Städten.

EUROPEAN GREEN LEAF AWARD Der European Green Leaf Award wird seit 2015 von der Europäischen Kommission vergeben. Auszeichnen können sich Städte ab 20.000 bis 1.000.000 EinwohnerInnen, die besonders überzeugende Leistungen im Umwelt-, Klima- und Nachhaltigkeitsbereich vorweisen. Der Award ist mit 200.000 Euro dotiert und wird jährlich an zwei Städte verliehen. environment.ec.europa.eu Die Gewinnerstädte des European Green Leaf Awards waren 2024 Velenje und Elsinore, 2025 Viladecans und Treviso. 2026 sind es Vaasa und Agueda. Lappeenranta hat die Auszeichnung 2021 erhalten.

EU-ENERGIEEFFIZIENZRICHTLINIE Die neue EU-Energieeffizienzrichtlinie, kurz EED, verpflichtet EU-Staaten, ihren Endenergieverbrauch bis 2030 um 11,7 Prozent gegenüber dem 2020 erstellten Referenzszenario für 2030 zu senken.

ische Städte mit dichtem Bestand ist das ein starkes Signal. Wärmewende bedeutet nicht, alles »aufreißen« zu müssen. Manchmal reicht es, die Gebäude smarter miteinander zu verbinden. Im Grundprinzip sieht Markus Fritz eine hohe Übertragbarkeit: »In dicht bebauten Innenstädten kann man erneuerbare Wärme oft ohne große Eingriffe bereitstellen. Tiefbau und Denkmalschutz sind Herausforderungen, aber grundsätzlich geht das.«

VAASA: ALTE TANKS, NEUE WÄRME Im finnischen Vaasa zeigt sich ein ganz anderer Zugang zur Wärmewende. Die Stadt liegt im


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Norden, wo der Wärmebedarf früher mit großen Ölkesseln abgesichert wurde. Statt diese fossile Infrastruktur einfach außer Betrieb zu nehmen, hat Vaasa eine andere Idee verfolgt: Die Stadt nutzt ehemalige Öl- und Kavernenspeicher wie zum Beispiel jene auf der städtischen Halbinsel Vaskiluoto als saisonale Wärmespeicher. Wärme wird im Sommer eingelagert und im Winter wieder abgegeben, was jene Spitzenlastmomente entlastet, in denen früher fossile Kessel einspringen mussten. Nicht nur deren Vorhandensein ist aber die Voraussetzung für eine Neunutzung, sondern die Möglichkeiten hängen von Details ab, weist Fritz Mehr zur Wärmewende auf

BIORAMA.EU/WAERMEWENDE hin: »Solche Speicher funktionieren nur dort, wo Kavernen oder alte Tanks überhaupt vorhanden sind. Ihre Aufbereitung kann technisch anspruchsvoll und teuer sein.« In Vaasa wurden die bestehenden unterirdischen Speicher wiederbelebt. Simon Björk-

man, Entwicklungsleiter beim finnischen Energieversorger EPV Energia Oy, beschreibt den Ursprung des Projekts so: »Das Wärmespeicherprojekt sollte ursprünglich den Bedarf an Kohle als Wärmequelle reduzieren.« Dabei ist es allerdings nicht geblieben. »Das Wärmespeicherprojekt wurde ein Erfolg und ermöglichte es uns, biobasierte Brennstoffe für die Fernwärmeerzeugung besser zu nutzen, indem wir den Speicher zum Ausgleich der Produktion einsetzten. Ein weiteres Ergebnis war, dass der Einsatz von Ölspitzenkesseln reduziert werden konnte, da aus dem Speicher überschüssige Wärme zur Verfügung steht.«

SPEICHER ALS BINDEGLIED In Vaasa war eine Infrastruktur, die eine neue Nachnutzung ermöglichte, bereits vorhanden, Björkman fasst dies wie folgt zusammen: »Die vorhandenen unterirdischen Tanks waren der Schlüssel zu einer schnellen und kostengünstigen Umsetzung der Wärmespeicherung, da für die Umsetzung der Wärmespeicherung keine Aushubarbeiten erforderlich waren. Die Rohre wurden durch die vorhandenen Schächte ver-

Ein Heizöl-Lkw bei der Anlieferung. Viele europäische Städte sind nach wie vor auf Öl angewiesen – vor allem im Gebäudebestand.


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legt, die zuvor für das Pumpen von Öl aus dem Speicher genutzt worden waren.« Für andere Städte hat er einen deutlichen Rat – und der betrifft weniger die Technik als die Haltung: »Eine akzeptierende und offene Diskussion über die Wiederverwendung und Nachrüstung bestehender Infrastrukturen zu ermöglichen. Die Identifizierung und Umgestaltung bestehender Infrastrukturen für einen neuen Zweck erfordert eine für Veränderungen offene Denkweise, die nicht erreicht werden kann, wenn die umgebende Kultur keine neuen Ideen zulässt.« Zudem sei die Nachrüstung nicht nur schneller, sondern auch günstiger: »Die Nachrüstung bestehender Infrastruktur ist kostengünstig und schnell, was einen raschen Übergang von fossilen zu erneuerbaren Energien ermöglicht. Ein weiterer Vorteil ist, dass die meisten bestehenden Infrastrukturen bereits genehmigt sind, wodurch der bürokratische Aufwand reduziert wird.« Der Ansatz in Vaasa war mitentscheidend dafür, dass die Stadt 2026 mit dem European Green Leaf Award ausgezeichnet wird.

Aufnahme von Lappeenranta im Winter. Die finnische Stadt arbeitet mit digitalen Planungswerkzeugen und Pilotanlagen daran, ihr Fernwärmenetz schrittweise fossilfrei zu machen

BILD ISTOC K. COM/MA RKU S VOL K, STA DT VE RWA LTUNG LAPPEE NR ANTA, LAPPEE NRA NNA N E NERGI A

LAPPEENRANTA: WÄRMEWENDE ALS DIGITALES PLANSPIEL Rund 500 Kilometer südöstlich von Vaasa setzt die finnische Stadt Lappeenranta nicht nur auf neue Infrastruktur, sondern auch auf präzise Planung. Kernstück ist ein sogenannter »Digital Twin«, ein digitales Abbild des gesamten Fernwärmenetzes. Dabei handelt es sich um ein digitales Modell des gesamten Fernwärmenetzes, mit dem die Stadt simulieren kann, welche Leitungskapazitäten ausgelastet sind und an welchen Stellen fossile Backup-Kessel abgeschaltet werden könnten. Denn wie viele nordische Städte nutzt Lappeenranta in Spitzenzeiten noch fossile Backup-Kessel, die derzeit rund zehn Prozent der städtischen Emissionen ausmachen. Der digitale Zwilling hilft, Wärmespeicher- und Netzumbaumaßnahmen vorab zu planen und damit bessere Entscheidungen schneller zu treffen. Denn für Städte mit vielen Altbauten und gewachsenen Netzen ist nicht allein die Technik das Problem, sondern die Planung. Ein Digital Twin macht sichtbar, wo genau gehandelt werden muss und welche Maßnahme wie wirkt. Allerdings betont Markus

Der Entwicklungsleiter des Energieunternehmens Lappeenrannan Energiaverkot Oy, Rami Koivula, und der Umweltdirektor der Stadt Lappeenranta, Ilkka Räsänen (v. l. n. r.).

Fritz, dass digitale Zwillinge für viele Städte vor allem organisatorische Hürden darstellen: »Man braucht dafür eine solide Datengrundlage und Personalressourcen. Daran scheitern viele Kommunen, nicht an der Technik.«

PILOTANLAGE ALS REALITÄTSTEST Parallel zur digitalen Planung wurde im Stadtteil Selkäharju eine Pilotanlage getestet, die Wärme zwischenspeichern kann. Während der Testphase erzeugte der Speicher 600 Megawattstunden Nutzwärme und ersparte dem Netz den Einsatz von über 800 Megawattstunden Erdgas. Die Anlage zeigt, was im Realbe-


WÄR MEWE N DE

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Markus Fritz arbeitet in der Abteilung Energietechnologien und Energiesysteme am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung zu den Schwerpunkten Energieeffizienzpotenziale in Industrie und Gebäuden, insbesondere zur Abwärmenutzung.

trieb funktioniert, und liefert Daten, die wieder in die digitale Planung der Stadt einfließen und ihr den Weg aus Öl und Gas weisen sollen. Denn 2026 soll das Fernwärmenetz von Lappeenranta vollständig fossilfrei sein. Das Ziel wurde allerdings nicht erreicht, erklärt Rami Koivula, Entwicklungsleiter des städtischen Energieunternehmens Lappeenrannan Energiaverkot Oy: »Wir sind noch im Übergang, und es wird auch nach 2026 Arbeit bleiben. 2024 lag der fossile Anteil im Fernwärmenetz noch bei elf Prozent. Für 2025 liegt der Anteil nur noch bei rund sechs Prozent«, sagt Koivula, der sich trotz des verpassten Zieles über eine Weiterentwicklung freut: »Unser Fortschritt sieht gut aus.« Lappeenranta steht damit stellvertretend für einen datengetriebenen Weg in Richtung fos-

Oberirdische Ansicht des Vaskiluoto-Wärmespeichers, durch den der Kohleverbrauch in Vaasa um 30 Prozent zurückgegangen ist.

silfreier Fernwärme. Die Stadt hat keine spektakulären Großanlagen gebaut, sondern bestehende Infrastruktur smarter gemacht. Das macht den Ansatz besonders relevant für Kommunen, die mit begrenzten Ressourcen arbeiten und ihre Entscheidungen verlässlich absichern müssen. Wärmewende wird hier nicht als technisches Einzelprojekt verstanden, sondern als Prozess, den man mit Daten Schritt für Schritt steuert.

WÄRMEWENDE HEISST AUCH ORGANISATIONSWENDE Was all diese Beispiele verbindet, ist weniger die Technik als die Art, wie Städte mit ihr umgehen. Darauf weist auch Markus Fritz hin. Für ihn ist die Wärmewende vor allem eine organisatorische Aufgabe: »Die technische Lösung existiert in fast jedem Kontext, aber viele Städte schauen weiterhin so darauf, als wäre es ein reines Technologieproblem.« Es fehle nicht an Möglichkeiten, sondern an Planungskapazitäten, langfristiger Finanzierung, Fachkräften, systemischem Wissen und klaren Zuständigkeiten. Zwar wurde dieser Punkt mit der verpflichtenden Wärmeplanung im Rahmen der EU-Energieeffizienzrichtlinie erstmals adressiert, doch eine flächendeckende Umsetzung wird Jahre dauern«, erklärt Fritz. Bis dahin bleibt die Wärmewende vor allem eines: ein langfristiges Organisationsprojekt, das nur dann funktioniert, wenn Kommunen die nötigen Strukturen, Ressourcen und Kooperationen aufbauen. Die Beispiele aus Bottrop, Barcelona, Vaasa und Lappeenranta zeigen, wie vielfältig die Wege sein können. Was alle vier Ansätze gemeinsam haben: Sie funktionieren dort, wo Städte nicht nur Technologien einführen, sondern Prozesse verändern.

BILD FRAUNHO FE R ISI , SIMO N BJÖRKMAN/E PV ENE RG IA OY

»Die Wärmewende ist kein Technologie-Problem, sondern ein Organisationsproblem.« —  Markus Fritz


B ILD PHIL SC HREY ER / GE BRÜDER WE ISS

Michael Walther wollte den Atlantik auf einem Stand-Up-Paddle-Board überqueren – eine Mission zum Schutz der Ozeane. Seit Jahren macht der Kieler Extremsportler Michael Walther mit spektakulären Wassersportaktionen auf Umweltthemen aufmerksam. Die Atlantik-Mission sollte der vorläufige Höhepunkt dieses Engagements werden – unterstützt vom Logistikunternehmen Gebrüder Weiss, das nicht nur den Transport des speziell angefertigten Boards übernahm, sondern auch die Botschaft hinter der Reise mittrug. Mit der internationalen Aktion »GWcycles – Cycling for the Seas« rief das Unternehmen Menschen weltweit dazu auf, Radkilometer zu sammeln. Für je 100.000 geradelte Kilometer ließ Gebrüder Weiss eine Tonne Plastik aus dem Meer entfernen, am Ende waren es mehr als zehn Tonnen geborgener Müll. Noch während »GWcycles« lief, startete Walther von der

Südwestspitze Portugals seine Atlantikmission: 6000 Kilometer nach Französisch-Guyana, rund vier Millionen Paddelschläge. Nach 1000 Kilometer kam das jähe Ende: Sein Board kollidierte nachts mit einem unbekannten Objekt – vermutlich Treibgut – und wurde zu schwer beschädigt, um die Reise fortsetzen zu können. Von Fuerteventura aus brachte Gebrüder Weiss das Board per Seefracht zurück nach Deutschland – klimaneutral durch ein zertifiziertes Insetting-Verfahren, das CO2-Emissionen direkt in der Transportkette reduziert, etwa durch nachhaltige Treibstoffe.

Paddeln für den Schutz der Ozeane: Klimaaktivist Michael Walther und Logistiker Gebrüder Weiss setzten mit der Atlantik-Mission ein klares Zeichen.

Walthers Botschaft bleibt: Der Schutz der Meere geht uns alle an. Positiver Wandel entsteht durch Hoffnung und Mut. Deshalb wird er sich weiter engagieren, zusammen mit Gebrüder Weiss, für eine lebenswerte Zukunft.

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG VON GEBRÜDER WEISS

Ein Mann, ein Board, eine Botschaft


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PEAK PALM OIL Kein Palmöl ist auch keine Lösung. TEXT Irina Zelewitz

Erneuerbare-EnergienRichtlinie (RED III) Die Überarbeitung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III) schreibt vor, dass ab 2030 keine »Biokraftstoffe der ersten Generation« (neben Palmöl auch etwa Raps und Mais) mehr durch Quoten oder Subventionen gestützt werden.

W

er weiß schon, wie Palmöl schmeckt? Wie es aussieht oder riecht? Die vielleicht relevanteste Eigenschaft dieses Rohstoffs ist – neben seinem Preis – seine Neutralität. Wir konsumieren ihn alle, aber wären da nicht regelmäßige Aufregungen über die verheerenden Auswirkungen seiner Produktion und daher die Omnipräsenz von »palmölfrei«-Aufklebern auf Lebensmitteln oder Kosmetikprodukten, wir würden im Alltag womöglich wenig davon mitbekommen. Kritische BürgerInnen und KonsumentInnen allerdings wissen grundsätzlich um Regenwaldabholzung, Brandrodungen, Verlust besonders relevanten Lebensraums bedrohter Arten, Wasserverschmutzung, Landgrabbing und soziale Ausbeutung bis zur Kinderarbeit und modernen Sklaverei und eine insgesamt verheerende Klimabilanz des Rohstoffs. Wer die Ölspur zurückverfolgen möchte, findet im botanischen Namen der Ölpalme Elaeis guineensis den Hinweis auf ihre ursprüngliche Heimat – die Guineaküste, mit der zur Kolonialzeit große Teile des tropischen Westafrika vom Senegal im Norden bis nach Kamerun im Süden gemeint waren. Genutzt wurde dort vor allem das rote Öl, das aus ihrem Fruchtfleisch gepresst wird – aber etwa auch ihre Blüten (vergoren zu Palmwein) und jungen Triebe (Palmherzen) wurden verzehrt, Blätter und Fasern als Bau-

material und für Seile und Flechtwerk eingesetzt, ihr Hartholz in erster Linie zu Möbeln, Werkzeug und Bauten verarbeitet. Der Botaniker Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin hat sie 1763 erstmals wissenschaftlich beschrieben und illustriert, ihr hoher Ölgehalt ist ihm nicht entgangen. Erst rund 100 Jahre später aber, nachdem sie als Zierpflanze von den Niederlanden auch in ihre südostasiatischen Kolonien gebracht wurde, wurde wirtschaftliches Potenzial in ihr erkannt. Die gezielte Kultivierung begann in der Kolonie Sumatra, Indonesien und Malaysia folgten. Zielmarkt des Rohöls war Europa und vor allem die dortige Seifen-, Kerzenund bald auch Margarineherstellung – in den Niederlanden und Großbritannien entstanden die Raffinerien, die das Öl gereinigt, gebleicht und desodoriert an die verarbeitende Industrie lieferten.

GÜNSTIG UND WANDELBAR Nach der Jahrhundertwende beginnt in Südostasien das Experimentieren mit Hochertragssorten aus Afrika – die asiatische Produktion ergänzt die westafrikanische. Erst die Nachkriegszeit bringt industrielle Methoden in die Produktion. Für das Jahr 1961 gibt es erstmals Daten der Welternährungsorganisation (FAO): Rund 1,5 Millionen Tonnen Palmöl werden nun weltweit produziert – und dazu 3,6


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Millionen Hektar Land genutzt. In den folgenden 40 Jahren wächst die Produktion auf 25 Millionen Tonnen, um ab der Jahrtausendwende noch einmal explosionsartig zuzulegen: Aus rund 20 Millionen Hektar werden heute über 80 Millionen Tonnen Palmöl gepresst. Dahinter steht vor allem die Verbreitung verarbeiteter Lebensmittel auf dem Speiseplan der Weltbevölkerung – denn die heutige Nahrungsmittelindustrie ist auf Palmöl eingestellt. Hinzu kamen aber etwa auch die Mindestquoten für Biodieseleinsatz, die sich die EU-Mitgliedstaaten Anfang des 21. Jahrhunderts zum Ziel gesetzt haben: Die Dachorganisation von im Mobilitätsbereich tätigen europäischen NGOs »Transport and Environment« geht davon aus, dass die Abholzung, die aufgrund der Biokraftstoffimporte in die EU erfolgte, allein zwischen 2010 und 2019 300 Megatonnen CO2-Äquivalente unter anderem durch Waldzerstörung für das Anlegen von Plantagen freisetzte – dreimal mehr, als wäre der Bedarf während dieser Zeit durch fossile Energieträger gedeckt worden. Obwohl die verheerenden Nebeneffekte der europäischen Initiativen zum Ersetzen fossiler Kraftstoffe durch Biokraftstoffe früh erkannt und unter dem Stichwort »Food for Fuel« diskutiert wurden, wird es knapp 30 Jahre gedauert haben, bis die Beimischung von Palmöl zu einem Biokraftstoff in der Europäischen Union nicht mehr als CO2-Reduktionsmaßnahme angerechnet werden kann. Seit 2024 darf »nur« mehr jenes Palmöl, das auf Flächen angebaut wird, die nicht nach 2008 entstanden sind – und den EU-Nachhaltigkeitskriterien entspricht, auf die Biokraftstoffquoten angerechnet werden. Ab 2030 ist dann endgültig Schluss mit der Inkludierung von Palmöl in die Biokraftstoffförderung der EU. Inzwischen sollen vor allem Biokraftstoffe gefördert werden, die keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion darstellen und geringe Umweltauswirkungen haben, etwa solche aus Landwirtschafts- und Lebensmittelabfällen. Die Umstellung ist in vollem Gange – doch darüber, woher diese Abfälle im nötigen Ausmaß kommen können, und an der Korrektheit der Deklarierung der Importe bestehen Zweifel.

PALMÖL IM EINKAUFSWAGEN Betrachtet man das Problem auf globaler Ebene, sichert sich den Löwenanteil der weltweiten Palmölproduktion ohnehin seit einigen Jahrzehnten der Lebensmittelsektor und hier vor allem

die verarbeitende Industrie. Die britische NGO »Global Change Data Lab« geht auf Basis von FAO-Daten fürs Jahr 2021 von 68 % für die Lebensmittel (von Schokolade über Pizza und Frittierfett bis zu Tierfutter) – und von 27 % für industrielle Verwendung und Kosmetik- und Reinigungsmittel im EndverbraucherInnenbereich und 5 % Biokraftstoffe für Mobilität, Strom- und Wärmeerzeugung aus. Weniger Produkte zu kaufen, die Palmöl enthalten, würde zumindest den gezielten Druck auf die Wälder in den Hauptanbaugebieten Indonesien und Malaysia reduzieren. Mehr als die Hälfte der globalen Palmölproduktion stammt aus Indonesien – die dortigen Regenwälder beheimaten einige Tierarten, die dort ihren einzigen Lebensraum weltweit finden. »Indonesiens Waldvernichtungsrate zählt zu den höchsten weltweit. 24 Millionen Hektar Regenwald sind laut indonesischem Umweltministerium zwischen 1990 und 2015 zerstört worden – eine Fläche, die fast die Ausdehnung von Großbritannien erreicht. Und es geht weiter«, fasst es Greenpeace Deutschland in einem Artikel aus dem Frühjahr 2024 pointiert zusammen. Und auch in anderen Teilen der Welt führt die Palmölproduktion direkt und zweifelsohne zu Waldverlust. Aller Awareness zum Trotz wächst der weltweite Palmölmarkt nach wie vor. Dass sich die Wachstumsraten der vergangenen Jahrzehnte nicht fortschreiben, liegt allerdings auch am absehbaren Ende der nutzbaren Flächen in manchen Regionen: »In Indonesien haben wir den großen Peak der palmölgetriebenen Entwaldung in den 1990er- und 2000er-Jahren gesehen; seit den 2010er Jahre gehen die Rodungen zwar zurück – auch wegen Moratorien, Unternehmensversprechen und der Marktlage –, aber riesige Flächen, gerade auf Sumatra und Kalimantan, sind da schon in Plantagenlandschaften verwandelt worden und der Druck verschiebt sich inzwischen in Regionen wie Papua«, weiß Sven Bergau, Referent für entwaldungsfreie Lieferketten im Bereich Naturschutz bei der Deutschen Umwelthilfe DUH. Indes hat auch ein Teil der Industrie auf das KonsumentInnenmisstrauen reagiert: 2013 wurde in Deutschland das FONAP (Forum Nachhaltiges Palmöl) gegründet. Gefördert vom deutschen Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft versammelt es unterschiedliche Akteure im Bereich Palmöl, vor allem verarbeitende Unternehmen im Dach-Raum. Seine Mitglieder verpflichten sich

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Sven Bergau ist Referent für entwaldungsfreie Lieferketten im Bereich Naturschutz der Deutschen Umwelthilfe (DUH).

zum Bezug von Palmöl nach gemeinsam festgelegten Kriterien. Während diese den einen nicht weit genug gehen (Bio ist hier etwa keine Voraussetzung, sondern nur eine Option) – beklagen die anderen, dass der Impact dieser sich freiwillig an Regelwerke bindenden Unternehmen im Vergleich zur gesamteuropäischen Handelmacht verschwindend gering ist. Sven Bergau, der die Deutsche Umwelthilfe (DUH) im Fonap vertritt, sagt dazu: »Insgesamt funktioniert Freiwilligkeit als Modell nicht gut genug. Im Fonap können sich Unternehmen für mehr Nachhaltigkeit im Sektor in Deutschland zusammentun, was wir als DUH begrüßen und aktiv unterstützen. Insgesamt ist der zertifizierte Anteil am weltweiten Palmölmarkt aber leider zu gering.« Auch das Fonap sitzt zwischen den Stühlen. Auf die Anfrage, ob innerhalb oder außerhalb des Forums eher Spielraum für Verbesserung der Auswirkungen der Palmölproduktion auf Mensch und Umwelt gebe, antwortet das Fonap: »Um eine ganzheitliche Transformation des Sektors zu bewerkstelligen, ist eine breite Zusammenarbeit inner- und außerhalb des Fonap nötig: Wir müssen die Verarbeiter in Deutschland und Europa einbeziehen, aber auch die Produzenten, Mühlen und Händler vor Ort, den öffentlichen Sektor, die Nichtregierungsorganisationen und die Wissenschaft. Das Fonap versteht sich daher auch als Brückenbauer zwischen diesen Akteuren.« Es braucht also mindestens mehr Rückenwind, damit sich etwas bewegt. Zumindest im Bereich der Konsumentscheidungen gibt es verhältnismäßig einfache Möglichkeiten, eine Veränderung zu bewirken. Das bestätigt Sven Bergau: »Gerade für KonsumentInnen ist der ›größte Brocken‹ der Bereich Lebensmit-

tel – in industriellen Backwaren, Süßwaren wie Keksen oder Schokocreme, Riegeln, aber auch Fertiggerichten oder Margarine, Eiscreme, Instantprodukten ist ganz häufig Palmöl enthalten. In diesem Bereich auf Palmöl zu verzichten, macht einen deutlichen Unterschied.«

IST PALMÖL DURCH GEMÜSE ZU ERSETZEN? Im Non-Food-Bereich sei ein weniger bekanntes Beispiel etwa Kerzen, die, wenn nicht aus dem Erdölderivat Paraffin, meist aus Palmöl hergestellt würden – hier gibt es aber keine Deklarationspflicht. Alternativen gibt es aus Raps, Soja, Olivenöl oder Bienenwachs, doch der Umwelt würde vor allem Reduktion helfen: »Eine Kerze ist ein archaisches Produkt, man denkt sich wenig dabei, doch sie ist ein Luxusprodukt, denn Verbrennung eines Rohstoffs sollte immer das letzte Mittel der Wahl sein«, betont Bergau, und erinnert sich an den vor allem auf Social Media befeuerten Trend zum Heizen mit Kerzen: »Das haben wir ja leider zu Beginn der Energiekrise gesehen, dass das als gute Alternative beworben wurde – obwohl der Heizwert quasi nicht vorhanden ist und eine extreme Brandgefahr schafft.« Im Gegensatz zu Kerzen als Licht- und Wärmequelle können wir auf landwirtschaftlich produzierte Fette (noch) nicht so einfach verzichten. Aber bei Palmöl einfach zurück zu den Fettquellen zu gehen, die vor seiner weltweiten Verbreitung eingesetzt wurden, wäre ökologisch verheerend. Denn die verteufelte Ölpalme ist ein ökologisches Best-Case-Szenario: Im Vergleich zu anderen Pflanzen, aus denen wir Fett gewinnen können, braucht sie vor allem wenig Fläche und Wasser. Das zumindest, wenn es aus dem globalen Süden importiert wird, ebenfalls mit Waldzerstörung verbundenes Soja braucht 4–5 Hektar, um die Menge Öl zu liefern, die die Ölpalme auf einem Hektar schafft. Für dieselbe Menge Öl aus Kokos, Raps oder Sonnenblumen bräuchte es 3 bis 4 Hektar. Der WWF Deutschland hat dazu bereits vor einem Jahrzehnt vorgerechnet: »Wenn weiter ›business as usual‹ betrieben würde, aber dabei Palmöl durch Raps-, Sonnenblumen-, Kokosund Sojaöl ersetzt würde, bräuchte Deutschland fünfmal so viel Anbaufläche.« Beim Einkauf von Produkten von Palmöl sollte also jedenfalls auf Bio- oder Fairtrade-zerti-

BILD DUH / ERDMANN

»Gerade für KonsumentInnen ist der ›größte Brocken‹ der Bereich Lebensmittel – in diesem auf Palmöl zu verzichten, macht schon einen deutlichen Unterschied.« — Sven Bergau, DUH


Dresden Elbland: Weinberge, Weite und Winterruhe

B ILD MICHAEL R HENNING, MARTIN FÖ RSTER DML-BY

Winterzeit ist die beste Gelegenheit, das stille, schöne Dresden Elbland ganz neu zu entdecken. Die Adventszeit in Dresden ist märchenhaft – doch wer daten ÖPNV-Anbindung nachhaltig mit der S-Bahn in nur 30 nach kommt, erlebt alles noch intensiver: ruhiger, bewussMinuten erreichen. Für alle, die gern draußen zu Fuß unterter, achtsamer. In den ersten Monaten des Jahres entfaltet die wegs sind, inspiriert eine kuratierte Komoot-Kollektion zu Region zwischen Dresden, Radebeul und Meißen ihre ganz winterlichen Touren durch das Dresden Elbland. Wer noch eigene Magie: klare Luft, weite Blicke über sanft verschnetiefer in die Natur eintauchen möchte, ist in weniger als eiite Weinberge, stille Gassen und kulturelle Vielfalt – ganz ner Stunde in der Sächsischen Schweiz – dem Nationalpark ohne Trubel. Die ersehnte Entschleunigung findet man bei voller Felsformationen. Regionale Spezialitäten wie SächsiSpaziergängen durch die winterlichen Weinhänge, bei einer scher Sauerbraten, Quarkkeulchen oder deftige KartoffelsupTasse sächsischem Glühwein im pe mit Gemüse aus dem Elbtal mafestlich erleuchteten Erlebnischen den Winter auch kulinarisch weingut Schloss Wackerbarth zu einer genussvollen, wärmenden oder beim Besuch einer regionaEntdeckungsreise. len Manufaktur. Dresdens KulVon Wien aus reist man komfortaturlandschaft begeistert auch bel mit dem Nachtzug direkt nach im Winter: mit weltberühmten Dresden – und ist am nächsten Museen, Konzerten und HighMorgen bereits mittendrin in eilights in der gesamten Region. ner Region, die nachhaltig berührt. Die Porzellanmanufaktur MeiMehr unter: ßen etwa lässt sich dank der guwww.visit-dresden-elbland.de Sonnenaufgang über dem Spitzhaus in Radebeul.

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG DER DRESDEN MARKETING GMBH

Blick auf die Frauenkirche und die Kunstakademie Dresden.


fizierte Produkte mit klar ausgewiesener Herkunft gesetzt werden, hält Bergau fest.

WIE WIRD DIE HERKUNFT GEKLÄRT? »Palm oil in disguise« (2025) Das Paper von Transport & Environment untersucht, wie sich die neue Generation von Biokraftstoffen in der EU zusammensetzt. transportenvironment.org

Im Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) verpflichtet sich die durchaus nicht kleinen Mitgliedsunternehmen, Palmöl auf dem internationalen Markt nur bei Erfüllung bestimmter Kriterien einzukaufen forumpalmoel.org

Im Bereich der Gütesiegel und Zertifikate für nachhaltiges Palmöl gibt es eine große Bandbreite – und erhebliche Kritik an der Aussagekraft von vielen. Bio ist freilich klar bezüglich der Auswirkungen des Anbaus zu bevorzugen – auf welche Weise eine Fläche für den Biopalmölanbau einmal entstanden ist, ist aber dadurch noch nicht geklärt. Dazu braucht es zusätzlich zum Biosiegel noch Zertifizierung zum Thema Entwaldung – über die sehr viele Bioprodukte auch verfügen, aber oft nicht auf den Verpackungen ausloben. Bergau empfiehlt das Siegel des Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) mit dem Zusatz »Identity Preserved« (IP) oder »Segregation« (SG), denn hier sei klare Rückverfolgbarkeit gegeben. Alltagstauglich ist das nicht, räumt er ein, »deswegen haben wir uns eigentlich schon gefreut, dass es die EU-Entwaldungsverordnung gibt, die gesetzlich für den EU-Markt Zugangsbeschränkungen für Produkte auferlegen würde, die mit Entwaldung oder Menschenrechtsverletzungen einhergehen.« Unter diese Produkte fällt explizit auch Palmöl – die Verordnung war beschlossene Sache, wurde aber vergangenes Jahr, als sich die großen Verschiebungen der Mehrheitsverhältnisse in den Institutionen abzeichneten, erstmals verschoben und zu Redaktionsschluss zeichnet sich eine weitere Verschiebung und Aufweichung durch Neuverhandlungen ab. Auch etwa das Fonap gesteht der Richtlinie durchaus Problemlö-

DIE AUFGABE BLEIBT BEI DEN VERBRAUCHERINNEN Der Konsum von Palmöl aus nachhaltiger Landwirtschaft unterstützt Unternehmen und Projekte, die versuchen, Palmölplantagen unter menschenwürdigen und umweltverträglicheren Bedingungen zu betreiben. Bergau hat noch einen Vorschlag für alle, denen das zu mühsam oder teuer ist: »Einfacher ist es, den Einkauf verarbeiteter Produkte zu reduzieren« – damit würden automatisch auch die großen Palmölquellen aus dem Einkaufswagen und vom Speiseplan verschwinden. Eine Veränderung von Konsum und Ernährungsverhalten weg von Fertigprodukten hin zu mehr frischen Produkten würde, unter der Annahme, dass wir nicht alle gerade frisch gekauften Produkte in die Fritteuse werfen, automatisch den Fettkonsum senken – und das soll ja auch andere Vorteile haben. Wenn das geschafft ist, kann der Rest mit nachhaltig produzierten regionalen und international gehandelten Ölen und Fetten bestritten werden. Der Abschied von etwas, das man kaum schmeckt und meist nur im Nachkommabereich zum Verkaufspreis eines Produkts beiträgt, dürfte kein sonderlich emotionaler werden – auch wenn er uns durch erfolgreiches Lobbying schwer gemacht wird.

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Die vom Aussterben bedrohten Orang-Utans und Java-Nashörner und die laut Weltnaturschutzunion (IUCN) letzten 400 Sumatra-Tiger leben nur in den Regenwäldern Indonesiens.

sungspotenzial zu: »Wir gehen davon aus, dass die EUDR die Transparenz in Lieferketten erhöht. Unternehmen werden dazu verpflichtet, sicherzustellen, dass alles Palmöl, das sie in Verkehr bringen, rückverfolgbar, legal produziert und vor allem frei von Entwaldung ist.« Bergau von der DUH formuliert es wesentlich deutlicher: »Wenn eine starke und nicht-verwässerte EU-Verordnung kommt, müssten wir nicht mehr KonsumentInnen damit belasten, bei jeder Kaufentscheidung nachzugucken und nachzufragen.« Hinzukomme, dass alleine die Ankündigung einer gesetzlichen Regelung in der EU bei Exportstaaten, die Marktzugang suchen, die Schaffung von Transparenzmaßnahmen etwa bei der Vergabe von Landrechten zur Folge gehabt habe. Bergau mahnt, wenn die Regelung nun aufgeweicht wird, wisse er nicht, »wie glaubwürdig die Europäische Union für die produzierenden Länder in Zukunft noch sein kann, wenn sie dann mit einer neuen Idee zum Kampf gegen die Entwaldung um die Ecke kommt«.


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AIR TRANSALPINA Österreich, Deutschland, Italien und die Schweiz vereinen Technologie und partizipativen Naturschutz zur Rettung einer wandernden Tierart.


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TEXT Marta Abbà

Klimaschutz? ————————| — | ——

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eden Morgen überprüft eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter, ob alle Waldrappe noch in ihren Nachtquartieren sind. In wenigen Stunden könnten sie sich über den Himmel von Österreich, Deutschland, der Schweiz oder Italien bewegen, und wenn etwas schiefgeht, wird sofort ein kapillares Netzwerk aus Strafverfolgungsbehörden, Tierärzten und Freiwilligen aktiviert. Diese schnelle Reaktionsfähigkeit ist möglicherweise der Beginn eines revolutionären Ansatzes zum Schutz bedrohter Arten. Um eine solche handelt es sich beim Waldrapp – Geronticus eremita ist ein gänsegroßer Ibis, der einst häufig in Mitteleuropa zu finden war, durch intensive Bejagung in dieser Region aber bereits seit dem 17. Jahrhundert als ausgerottet galt. In den vergangenen Jahren gibt es verstärkte Bemühungen zu seiner Wiederansiedelung, darunter zwei Life-Projekte, die zu diesem Zweck nun seit zwei Jahrzehnten einen partizipativen Ansatz verfolgen und kultivieren.

————————| — — — | SETZEN WIR DURCH.

Mit der Deutschen Umwelthilfe haben wir Klimaschutz als Grundrecht durchgesetzt. Jetzt bringen wir gemeinsam die Bundesregierung dazu, es auch umzusetzen.

BILD ISTOCK.CO M/FLU FFANDSHUTT ER

STAFFELLAUF FÜR DIE RÜCKKEHR DER WALDRAPPE Das erste Projekt namens »Reason for Hope« wurde 2014 bis 2019 mit einem Budget von 4,4 Millionen Euro ausgestattet, bei einem EU-Beitrag von 2,2 Millionen Euro. Es wurde vom österreichischen »Förderverein Waldrappteam« mit Sitz in Kärnten koordiniert. Acht Partner aus drei Ländern gründeten Brutkolonien in Deutschland und Österreich mit einem gemeinsamen Überwinterungsgebiet in der Toskana. Deutschland beherbergte zwei wichtige Kolonien: Burghausen in Bayern und Überlingen in Baden-Württemberg, während Österreich die Kolonie von Kuchl in Salzburg aufbaute. Das Projekt perfektionierte die innovative Technik einer vom Menschen geleiteten Vogelmigration, bei der junge Waldrappe mit Ultraleichtflugzeugen von den Alpen in die Toskana geleitet wurden. Das Team führte sechs solcher vom Menschen geleiteten Wanderungen mit 162 der Ibisse aus den deutschen und österreichischen Kolonien durch, bei denen insgesamt etwa 800 Kilometer zurückgelegt wurden. Ende 2019 zählte die Population 142 Individuen, verteilt

Mach es wie Aurelia, Hauke & Miriam. Mach mit. Für uns alle. www.duh.de/50jahre


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selbsttragende Population von mehr als 357 wandernden Individuen aufzubauen. Heute zählt die Population etwa 230 Individuen in Italien und etwa fünfzig in Spanien.

Röntgenaufnahme eines Waldrapps, dessen Körper in das von Dr. Pesaro geleitete Zentrum in Friaul gebracht wurde.

Der Waldrapp (Geronticus eremita), auch Schopfibis, Mähnenibis, Klausrapp, Steinrapp, Klausrabe und Waldhopf

auf 13 Brutpaare, die in den Kolonien von Kuchl und Burghausen erfolgreich 37 Jungvögel aufzogen. Dies stellte einen entscheidenden Meilenstein für das Wiederansiedlungsprogramm dar, da diese Jungvögel die erste Generation von bildeten, die in den neu gegründeten Kolonien geboren wurden und später die Fähigkeit zeigten, ohne menschliche Hilfe selbstständig in die toskanischen Winterquartiere zu ziehen. Die erfolgreiche Fortpflanzung und der anschließende autonome Zug dieser Vögel bestätigten die Wirksamkeit der vom Menschen gesteuerten Migrationstechnik und markierten einen wichtigen Schritt hin zur Etablierung einer sich selbst erhaltenden Zugvogelpopulation des Waldrapps in Mitteleuropa. Das zweite Projekt »LIFE Northern Bald

36 % der im Jahr 2024 verstorbenen Waldrappe waren Opfer von Wilderei auf italienischem Staatsgebiet. Ibis«, das 2022 begann und 2028 mit einem Budget von 6,5 Millionen Euro und einem EU-Beitrag von 3,9 Millionen Euro abgeschlossen sein wird, umfasst zehn Partner aus vier Ländern unter der Leitung des Tiergarten Schönbrunn. Das Ziel ist es, bis 2028 eine

Da die wichtigsten Brutkolonien des Europäischen Waldrapps in Österreich und Deutschland angesiedelt sind, kommt diesen beiden Staaten seit jeher eine grundlegende Rolle in allen Bemühungen zu seinem Schutz zu. Beide Länder sind jedoch auch Schauplatz spezieller Herausforderungen, denen erfolgreich mit technologischen Maßnahmen begegnet wird. Deutschland gewinnt den Kampf gegen Stromschläge: Dank nationaler Regulierungsmaßnahmen werden Ibisse nicht mehr an Strommasten und durch unzureichend abgesicherte elektrische Infrastruktur getötet. Es ist also möglich, diese für Vögel ungefährlich zu machen, ohne dass dadurch Schäden an der Infrastruktur oder Einschränkungen ihrer Nutzbarkeit entstehen. Das deutsche Beispiel fungiert somit als Vorbild für andere Partnerländer, allen voran die Schweiz, wo bisher noch kaum Maßnahmen zur Anpassung von Stromleitungen für mehr Sicherheit von Vögeln mit großer Flügelspannweite getroffen wurden. Derzeit wird ein Drittel der Todesfälle der europäischen Waldrapppopulation durch Stromschläge verursacht, der grenzüberschreitende Austausch bewährter Verfahren zu deren Vorbeugung könnte daher in dieser Hinsicht einen Durchbruch darstellen. In Österreich wird währenddessen in einem Labor daran gearbeitet, die negativen Auswirkungen einer eigentlich zum Vogelschutz eingesetzten Technologie auf die Vögel zu minimieren. Konkret geht es darum, die GPS-Geräte, die die Waldrappe tragen, immer leichter und aerodynamischer zu gestalten, damit sie weiterhin ihre Positionen verfolgen können, ohne sie zu stören. Heute wiegen sie etwa 25 Gramm, in den Jahren 2017/2018 wurden sie auf einen Antrieb aus Sonnenkollektoren umgestellt und können alle 15 Minuten Positionen aufzeichnen und alle vier Stunden Daten hochladen. Die Herausforderung besteht darin, das rich-

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INNOVATION AUS ÖSTERREICH UND DEUTSCHLAND


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Was im Frühling 2015 mit der Gründung von

BLÜHENDES ÖSTERREICH

durch BILLA AG und BirdLife Österreich begann, ist heute eine der größten Naturschutzinitiativen des Landes: Mit über 300 Projektpartner:innen engagiert sich die gemeinnützige Stiftung österreichweit für den Erhalt und die Förderung der heimischen Artenvielfalt.

JAHRE

BIS 2030 sollen weitere

1.300 HEKTAR

Auf über wurden Projektpartner:innen dabei unterstützt, bedrohte Lebensräume wie Moore, Feuchtwiesen, Trockenrasen, Auwälder oder Flussläufe zu renaturieren und zu verbessern.

1.000 Hektar bedrohter Ökosysteme in Österreich gesichert und verbessert werden, als Beitrag zu einer naturpositiven Zukunft.

DEIN PF AND FÜRS L AND

BILLA .AT/NACHHALTIGKEIT


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Zwei Life-Projekte wurden seit 2014 zum Schutz des Europäischen Waldrapps durchgeführt: LIFE12 BIO/AT/000143 »Reason for Hope« mit einer Projektlaufzeit von 2014–2019 und LIFE20 NAT/AT/000049 »LIFE Northern Bald Ibis« (2022–2028)

tige Gleichgewicht zwischen Technologie und Tierschutz zu finden. Für Herwig Grogger, Ingenieur und Dozent an der Fachhochschule Joanneum Graz, der seit Jahren mit dem Waldrapp-Team zusammenarbeitet, ist dies tägliche Herausforderung. Um sie zu bewältigen, hat er sogar einen Windkanal gebaut, in dem er seit Jahren die aerodynamischen Auswirkungen von GPS-Trackern untersucht. Diese Infrastruktur, die in einem ehemaligen Stall wenige Kilometer entfernt von der Stadt Salzburg eingerichtet wurde, wird von einem alten Schwein bewacht und von einigen jungen österreichischen Studenten besucht. Zwei von ihnen haben im Rahmen einer ihrer letzten Abschlussarbeiten eine digitale Kopie des Waldrapps erstellt und ein 3D-Double gedruckt, um in Experimenten lebende Vögel durch diese zu ersetzen.

WAS PASSIERT JENSEITS DER ALPEN? Wer dem Einsatz von GPS zur Überwachung von Tieren wie dem Waldrapp skeptisch gegenübersteht, findet in Italien ein besonders gewichtiges Argument für die Notwendigkeit dieser Technologie: Wilderei. Johannes Fritz, der Geschäftsführer des Unternehmens »Waldrappteam Conservation and Research« und Leiter des Life-Projekts für den Waldrapp, definiert dies als die größte Gefahr für die Art in diesem Gebiet. Historische und aktuelle Daten bestätigen, dass dies kein neues Phänomen ist und nicht abnimmt.

Der Leiter des Nationalen Referenzzentrums für Veterinärforensik am Experimentellen Zooprofilaktischen Institut der Regionen Latium und Toskana, Rosario Fico, betrachtet Wilderei als ein tief verwurzeltes und nach wie vor florierendes soziologisches Phänomen, auch dank des fehlenden politischen Willens, dagegen vorzugehen. Diese rein italienische »Tradition« hat starke Auswirkungen auf das gesamte Life-Projekt: 36 % der im letzten Jahr verstorbenen Waldrappe waren Opfer von Wilderei auf italienischem Staatsgebiet. Andere verschwanden aufgrund noch nicht eindeutig geklärter menschlicher Eingriffe, möglicherweise ebenfalls illegaler Abschüsse. Die Toskana, Latium, Venetien und Friaul-Julisch Venetien sind jene Regionen, in denen der Großteil der Abschüsse erfolgt – um diese Tötungen zu reduzieren beziehungsweise zu verhindern, aber auch um verletzten Vögeln möglichst schnell zu helfen, baut das italienische Projektteam ein breites und vielfältiges menschliches Netzwerk für Notfallmaßnahmen und Hilfe auf. Die GPS-Tracker ermöglichen eine schnelle Identifizierung des Ortes, an dem ein Waldrapp verletzt oder getötet wurde. Um ihn zu retten, wenn er noch lebt, und um Hinweise auf die Verantwortlichen für seinen unterbrochenen Flug zu sammeln, braucht es die Arbeit von Menschen vor Ort. Ein System aus Freiwilligen, Strafverfolgungsbehörden und Verbänden, die dem technischen Signal nachgehen und es gemeinsam in ein Werkzeug zur Bekämpfung der Wilderei verwandeln. Denn sie ist die größte Bedrohung für das Überleben der Waldrappe. Da Ähnliches auch für viele andere geschützte Vögel gilt, die aber nicht im Rahmen eines groß angelegten Projekts mit GPS überwacht werden, will das laufende Life-Projekt mit dem Ibis stellvertretend auch auf die Schutzbedürftigkeit anderer Arten aufmerksam machen.

3D-Modell eines Waldrapps, das im Windkanal in Österreich zur Verbesserung der GPS-Effizienz verwendet wurde.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit der Journalistin Brigitte Wenger entstanden. Mit Unterstützung des Journalismfund Europe.

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KLEINE ZEICHEN, GROSSE WIRKUNG Ein Kind ohne Windeln aufziehen? Klingt nach einer Mammutaufgabe. Frequently Asked Questions dazu, wie es funktionieren kann.

Ein Kind braucht, bis es trocken ist, im Schnitt 5000–6000 Einwegwindeln. Das entspricht rund einer Tonne Müll. Die grob 5000 Einwegwindeln verursachen 1000– 2000 Euro an Kosten. Stattdessen auf windelfrei oder Stoffwindeln zu setzen, spart also eine Menge Geld.

WAS BEDEUTET »WINDELFREI«? Die wenigsten Kinder wachsen komplett windelfrei auf. Meist ist damit eine Kombination aus »Abhalten« und »Windel tragen« gemeint. Auch Babys, die schon trocken sind, benötigen nachts oft noch Windeln. Das Hirn muss erst reifen, um Stuhl und Urin zurückhalten zu können.

WANN IST DER BESTE ZEITPUNKT, UM AUF WINDELN ZU VERZICHTEN? »Wenn im Wochenbett Ruhe einkehrt, ist ein guter Zeitpunkt, um die Zeichen des Kindes zu lesen und mit dem Abhalten zu beginnen«, sagt die Hebamme Nicole Danner. Signale sind von Kind zu Kind sehr unterschiedlich. Danner weiß: »Manche schneiden Grimassen und zittern, wenn sie müssen. Andere spannen den Körper an und werden ganz still.«

WIE UND WANN SCHEIDEN KINDER AUS, DIE KEINE WINDELN TRAGEN?

Nicole Danner ist im Vorstand des Österreichischen Hebammengremiums und arbeitet als Hebamme in Oberösterreich.

Im Idealfall lernen sie schnell, auf sogenanntes »Abhalten« zu reagieren: Dabei wird zum Beispiel so vorgegangen: Man lehnt das Kind mit seinem Rücken an den eigenen Körper und hält es über ein Töpfchen, Waschbecken oder Klo, umfasst die Oberschenkel und zieht sie behutsam an. Diese Position fördert den Stuhlgang und kann dabei helfen, Koliken zu lösen.

WIE AUFWENDIG IST EIN WINDELFREIER ALLTAG? Wer den Alltag mit Baby ohne Windeln bestreiten möchte, braucht Geduld. Auf physiologische Vorgänge zu achten, hilft: Nach der Nahrungsaufnahme und kurz nach dem Aufwachen scheiden Kinder öfter aus, weil ihre Verdauung anspringt. Dann empfiehlt es sich, sie abzuhalten.

WIE VIELE ELTERN HALTEN DAS TATSÄCHLICH DURCH? »Aus meiner Erfahrung sind es nur ein bis drei von 100, die es überhaupt probieren«, schätzt Danner. »Die meisten von ihnen verwenden Stoffwindeln als Backup. Das Kind trägt zum Beispiel eine Windel, wenn das Haus verlassen wird. Durch regelmäßiges Abhalten ist das Kind aber darauf konditioniert, sich zu melden, wenn es muss.«

WELCHE POSITIVEN EFFEKTE HAT DAS? Schon zwei bis drei Windeln weniger am Tag bedeuten mehrere Hundert Euro Ersparnis im Jahr. Kinder, die abgehalten werden, leiden seltener an Windeldermatitis, da das feuchte Milieu in der Windel wegfällt. »Im Englischen spricht man auch von ›elimination communication‹ – von Ausscheidungskommunikation. Gehen Eltern auf die Zeichen ihres Kindes ein, kann das die Bindung stärken.«

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TEXT Theresa Girardi


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STIMMT ES, DASS WINDELFREIE KINDER FRÜHER TROCKEN WERDEN? Das ist nicht belegt. Untersuchungen aus Ostafrika zeigen aber, dass Kinder, die nie eine Windel tragen, schon mit fünf oder sechs Monaten trocken werden können. »Wir wissen, dass auch Kinder mit Stoffwindeln früher trocken werden als jene in Wegwerfwindeln, weil sie ein direkteres Nässe-Feedback bekommen«, so die Expertin.

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IST DIE WINDEL EIN WESTLICHES PHÄNOMEN UND ANERZOGEN? »Es gibt die Theorie, dass Kinder grundsätzlich reinlich sein wollen. Dafür spricht, dass Säuglinge gerne pinkeln, wenn sie nackt am Wickeltisch liegen«, sagt Nicole Danner. Inwieweit Eltern ohne Windeln auskommen, sei aber vom Kind abhängig. »Nicht alle Kinder geben eindeutige Signale.«

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TEXT Florian Jauk

PATSCHEN MACHEN LEUTE Zwischen Filz, Kork und Hartplastik entscheidet sich, ob unser Schritt leicht bleibt oder der Rücken zwickt. Worauf es beim guten Hausschuh ankommt.

D »HALTUNG GUT, ALLES GUT.« von Michael Lehnert, GU Verlag, 2025. Michael Lehnert beschreibt, wie sich unser moderner Lebensstil auf unsere Haltung auswirkt – und gibt praxisnahe Tipps gegen »Handy-Nacken«, »FrozenShoulder« und weitere Haltungsschmerzen.

as schlapfende Geräusch eines Hausschuhs kann nicht nur nerven, es ist meist ein Zeichen dafür, dass der Schuh nicht richtig sitzt. Das ist nicht nur der optimale Vorwand, Träger oder Trägerin auf einen Korrekturbedarf hinzuweisen, sondern auch bei lautlosem Schlapfen einer von vielen guten Gründen, sich für gute Hausschuhe zu interessieren: Denn ein Hausschuh ist, wenn er denn der richtige ist, ein Beitrag zur Haltungspflege. »Wenn ich einen Hausschuh anziehe, muss ich das Gefühl – mehr als im Straßenschuh – haben, dass ich mich bei gleichzeitig gutem Halt wohlfühle«, fasst Orthopäde Michael Lehnert zusammen. »Falsche Schuhe wirken sich zu hundert Prozent auf unsere Haltung aus, weil die Füße das Fundament unseres Körpers sind«, sagt Lehnert, der in seiner Berliner Praxis täglich mit Fußfehlstellungen und den daraus resultierenden Beschwerden konfrontiert ist. »Wenn Sie ein Haus auf einem unebenen oder

schlechten Fundament bauen, steht es schief – genauso verhält es sich mit dem Körper.«

WEG VON PANTOFFELN Das richtige Hausschuhwerk kann gesund sein – aber nur, wenn es den Fuß unterstützt. Damit es das tut, müssen Hausschuhe bestimmte Kriterien erfüllen: Halt, Passform und eine gute Bettung des Fußes. Der Klassiker unter den Hausschuhen ist ein hinten offener Schuh ohne unterstützendes Fußbett, in den man einfach hineinschlüpft. In Deutschland wird dieser häufig »Pantoffel«, in Österreich »Schlapfen« genannt. Lehnert hat eine klare Meinung zu diesem Modell: »Weg vom Pantoffel!« Offene Hausschuhe ohne Halt seien alles andere als ideal. Früher, erzählt er, habe man zu Hause oft geschlossene Schuhe getragen – Slipper oder Loafer, die den Fuß rundum umschließen. »Den pauschal guten Hausschuh, den gibt


BILD ISTOCK.CO M/AZATVA LEEV / A LLNI KART , KI GENE RI ERT: OPE NA I, AM 17. 11. 202 5, GU VERLAG, TOM WAGNER

»Falsche Schuhe wirken sich zu hundert Prozent auf unsere Haltung aus, weil die Füße das Fundament unseres Körpers sind.« —M ichael Lehnert, Orthopäde

es nicht«, sagt er, »weil wir Altersunterschiede machen müssen.« Für aktive, jüngere Menschen kann ein hinten offener Hausschuh mit Fußbett, das das Fußgewölbe stützt, gut geeignet sein. Für ältere oder weniger stabile Personen ist diese Bauart jedoch riskant, weil man leichter herausschlüpft und der nötige Halt fehlt. Gute Hausschuhe, betont Lehnert, »sollen einerseits Sicherheit in der Bewegung geben, aber auch den Fuß betten«. Auch wenn der Begriff Hausschuh so umfassend wie ein guter Schuh selbst ist, fallen Modelle ganz ohne Führung – wie etwa Flipflops – für Lehnert kategorisch durch: »Da krallt man mit den Zehen, um sie zu halten – der Fuß ist überhaupt nicht mehr gebettet.« Ein gut sitzender Indoor-Schuh macht sich beim Tragen kaum bemerkbar – auch akustisch. Das »Schlapfen« verschwindet, wenn der Schuh wirklich passt.

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BARFUSS FÜR MEHR MUSKELN Der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Hausschuh zeigt sich dem oder der TrägerIn selten sofort. Erst nach längerem Tragen, bei stehender Arbeit oder auf kalten Fliesen merkt man, ob der Fuß geführt oder überfordert ist. Wer lange falsch steht, steht auch im übertragenen Sinn schief. Dann lieber ganz ohne, sagt der Experte, »Da macht es mehr Sinn, zu Hause barfuß zu laufen. Dann wird die Muskulatur immerhin trainiert.«

ZWISCHEN FREIHEIT UND HALT Den idealen Hausschuh beschreibt Lehnert als Balance aus Freiheit und Führung. »Er sollte eine gute Fußbettung haben und stabil am Fuß verankert sein.« Modelle mit Fersenriemen – etwa Hartplastikschuhe mit Einlegesohle, wie er sie selbst im OP trägt, erfüllen beides. Für viele ist es selbstverständlich, beim Betreten einer

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Auf die Spitze getrieben wurde die Liebe zum Hausschuh 2007: Ein Brite namens Derek Fan – im Guinness-Buch als »Slipper Man« vermerkt – trug seine Hausschuhe ganze 23 Jahre lang, ohne sie je auszuziehen. Hoffentlich waren sie gemütlich.

Der Fuß gehört zu den ältesten Maßeinheiten der Menschheit – neben Fingerbreite, Handspanne, Elle, Schritt und Klafter. Letzteres beschrieb die Länge zwischen den Mittelfingerspitzen der waagerecht ausgestreckten Arme. Das einzige heute noch gebräuchliche Fußmaß, der englische Fuß, misst exakt 30,48 Zentimeter.

Fußfehlstellungen Viele Menschen haben Füße, die vom sogenannten Normalfuß abweichen. Häufige Formen von Fehlstellungen sind der Spreiz-, Senk- und Plattfuß. Gezieltes Muskeltraining kann helfen, Beschwerden vorzubeugen.

Wohnung und auch an so manchem Arbeitsplatz die Schuhe auszuziehen und auf Pantoffeln zu wechseln – für andere sind Hausschuhe hingegen der Inbegriff von Spießigkeit. Für Letztgenannte gibt’s gute Nachrichten: Auch durch das Wechseln auf ein alternatives Paar Straßenschuhe in der Wohnung oder im Büro kann man seinen Füßen etwas Gutes tun, erklärt Michael Lehnert: »Ein Straßenschuh, den man nur zu Hause trägt, kann durchaus funktionieren.« Das Material sei zweitrangig, wichtiger seien Passform und Halt. Und: Bewegung bleibt entscheidend. »Es ist wie mit dem Sitzen am Schreibtisch. Man sollte häufig die Position wechseln, um nicht in einer Zwangshaltung zu bleiben.« Genauso sollten wir die Schuhe regelmäßig wechseln – nicht in erster Linie, um unseren Look zu verändern, sondern damit sich der Fuß nicht an eine Situation gewöhnt. »Ein harter Lederschuh verwöhnt den Fuß gewissermaßen, weil er ihn festhält. Daher tut es dem Fuß gut, wenn man ihm zu Hause Freiheit gibt«, erklärt Michael Lehnert.

BARFUSS ALS TRAINING Für Lehnert ist klar: »Idealerweise sollte man mindestens 30 Minuten pro Tag zu Hause barfuß gehen.« Das trainiert nicht nur die Fußmuskulatur, sondern auch die Rezeptoren, die den Körper im Gleichgewicht halten. Wer barfuß geht, stärkt Beinmuskulatur und Sprunggelenk, weil sich der Körper ständig selbst stabilisieren muss. Übrigens: Socken sind – abgesehen von der Rutschgefahr – »dem Barfußgehen gleichzusetzen«. Entscheidend sei der Wechsel zwischen Entlastung und Aktivierung. »Wir wollen den Fuß nicht an eine einzelne Position gewöhnen.«

WENN DAS FUNDAMENT WACKELT Schuhe – und damit auch Hausschuhe – mit einer leichten Wölbung im Mittelfuß können Fehlstellungen ausgleichen und eignen sich daher grundsätzlich für alle. Fast alle Menschen, sagt Lehnert, hätten in irgendeiner Form Probleme an den Füßen – meist unbemerkt. »Die meisten Menschen haben Fuß-

fehlstellungen«, sagt der Orthopäde. Ein Grund dafür ist auch falsches Schuhwerk. Wer lange in ungeeigneten Schuhen steht oder läuft, zwingt den Körper zu Ausgleichsbewegungen. »Wir sehen vielleicht nicht, wenn jemand schief steht, aber wir sehen, wenn jemand kompensiert.« Schmerzen entstehen Lehnert zufolge selten dort, wo die Ursache liegt, die Füße können für vieles andere der Ausgangspunkt sein: »Es ist nicht der Schmerz, der sich im Fuß manifestiert – es ist häufiger das Knie, die Hüfte oder der Nacken.« Eine schlechte Basis überträgt sich nach oben, wie ein Baufehler im Fundament.

MEHR ALS BEQUEMLICHKEIT Im Sommer sollte der Hausschuh atmungsaktiv sein, im Winter vor allem wärmen, ohne zu stauen. Wolle, Filz oder Kork gleichen Feuchtigkeit aus – synthetische Stoffe schaffen das weniger gut. Ob Plastikclog mit Riemen oder Wollfilz-Schuh mit Fußbett – wichtig ist für den Körper vor allem, dass er Halt gibt, wärmt und Bewegungsfreiheit lässt. Unbestreitbar ist aber auch, dass bei kaum einem Einsatzzweck von Schuhen so mühelos auf Kunststoff verzichtet werden kann wie beim Hausschuh.

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Lieblingspaar


Über das Handwerk der Jagd gibt es viele Meinungen und Vorurteile. Wir gehen diesen Vorurteilen auf den Grund unter dasistjagd.at


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AUSPROBIERT: RASUR MIT HOBEL Der Rasierhobel ist zurück – als plastikfreie Alternative für Gesicht und Körper. Ein Selbstversuch. TEXT Florian Jauk

Weiterentwicklung Noch lange bevor es Rasierhobel und Systemrasierer gab, sollen Menschen sich mit geschärften Steinen und Muscheln die Haare abgeschabt haben. Kein Wunder, stammt der Begriff der Rasur doch vom lateinischen Wort rasura, was so viel wie »Schaben« oder »Kratzen« bedeutet.

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er Rasierhobel wirkt wie ein Relikt aus einer anderen Zeit: Metallgriff, Schraubkopf, Doppelklinge. Doch was einfach ist, ist nicht gleich schlecht. Trotzdem – oder gerade deshalb – greifen wieder mehr Menschen zu dem einfachen Werkzeug. Im Handel zeigt sich ein breites Bild: jüngere und ältere KäuferInnen, Männer wie Frauen. In den 1920er-Jahren wurde das Fachgeschäft für Pflegeprodukte »Walter Weiss« in der Wiener Mariahilfer Straße gegründet, heute führt es Daniel Weiss in dritter Generation. Er bemerkt definitiv einen Trend zurück zur mechanischen Rasur, die Zielgruppe ist breit gestreut, weiß er: »Das geht quer durch die Bank, von WiederholungstäterInnen bis zu ersten EinsteigerInnen, männlich wie weiblich, jung, aber auch alt.« Motive für den Kauf eines Rasierhobels gebe es un-

Einwegrasierer bedeuten maximalen Kunststoffmüll.

terschiedlichste, in Summe habe sich das seit vielen Jahrzehnten unveränderte Patent wohl bewährt, formuliert es Weiss zurückhaltend. »Es ist nicht zwingend schlecht, das seit vielen Jahrzehnten auf dieselbe Weise funktioniert. Offensichtlich sind doch nicht alle plastikbasierten Lösungen so viel besser als ein bewährtes handwerklich hergestelltes Produkt.« Für wie viele KundInnen, im Gegenteil, der Verzicht auf Plastik Kaufmotiv für einen Rasurhobel ist, kann nur gemutmaßt werden.

GENDERNEUTRAL UND MULTIFUNKTIONAL Das wichtigste Kaufargument sei aber der Preis, sagt Victoria Neuhofer, Mitgründerin des Unternehmens Damn Plastic, das sich mit seinem Onlineshop und Filialen in Wien, Salzburg und Ljubljana kreislauffähigen Produkten verschrieben hat. »Wir sind kein Unver-

Beim Systemrasierer werden »nur« die Mehrklingen-Köpfen gewechselt. Einfach zu benutzen, aber viel Kunstoff und viel Geld werden dabei verbraucht.

Mit einem Rasierpinsel wird nicht nur fester Rasierschaum oder Rasierseife aufgeschäumt, sondern auch gleichmäßig verteilt und die wHaare leicht angehoben.

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packt-Laden. Wir versuchen Nachhaltigkeit cool und sexy zu machen. Dabei wollen wir zeigen, dass man ein anderes Produkt mit dem gleichen Ergebnis verwenden kann – ohne sich zu verändern«, fasst Neuhofer den Businessplan zusammen. Ein Paket Doppelklingen kostet dort vier Euro – deutlich weniger als die Kosten für Systemklingen. »Außerdem kann man die Seiten der Rasierblättchen ja auch umdrehen, hat also vier scharfe Seiten«, argumentiert Neuhofer. Dass der Hobel nicht nur für die Bartrasur gekauft wird, überrascht sie nicht. Denn er funktioniert unabhängig von Geschlecht und Körperstelle.

WAS DER HOBEL ANDERS MACHT Der Unterschied vom Rasierhobel zum Systemrasierer ist schnell erklärt: Während Schwingköpfe mehrere Klingen in Kunststoffmodulen bündeln, liegt beim Hobel eine einzige scharfe Klinge direkt auf der Haut an. Wie »aggressiv« der Hobel arbeitet, bestimmt das Kopfdesign. Geschlossene Kämme schirmen die Klinge stärker ab und gelten als kontrollierbare Standardlösung. Offene Zahnkämme sind direkter und werden meist von Personen gewählt, die dickere Haare oder bereits Erfahrung haben. Elektrorasierer arbeiten völlig anders: Sie schneiden die Haare unter einer Schutzfolie ab – schnell, sicher, aber weniger gründlich.

Der Rasierhobel ist ein schlichter Rasierer mit wechselbarer Klinge. Oft mit Holzgriff oder komplett aus Edelstahl. Durch den geschlossenen Kamm sicher in der Anwendung.

»Es ist nicht alles schlecht, was schon seit vielen Jahrzehnten funktioniert.« — Daniel Weiss, Geschäftsführer von »Walter Weiss« Ein Rasiermesser wiederum ist technisch das Gegenteil eines Hobels: Die Klinge liegt völlig frei, der richtige Winkel muss manuell sichergestellt werden. Fehler passieren schneller. Und sie werden sofort bestraft. Der Hobel bleibt ein Mittelweg zwischen Präzision und Alltagstauglichkeit.

SELBSTVERSUCH: WO GEHOBELT WIRD, FALLEN NICHT NUR HAARE Ich selbst bin kein erfahrener Nassrasierer. Im Alltag nutze ich einen Elektrorasierer, vor allem zum Trimmen meines Barts. Eine Option, die beim Hobel wegfällt – hier heißt es alles oder nichts. Für den Praxistest des Rasierhobels verwende ich ein festes Stück Rasierschaum – auch mit Wasser aufgeschäumt entsteht kein klassischer Schaum, sondern eher ein glatter Film, der die Haut laut Hersteller beruhigen und vor dem Austrocknen schützen soll. Der erste Einsatz des Rasierhobels am Hals ist ernüchternd. Die Klinge gleitet nicht, sondern arbeitet sich eher schabend über die Haut.

Eine dünne Edelstahl-Doppelklinge für den Rasierhobel. Scharf, günstig und das einzige Teil am Hobel, das regelmäßig getauscht werden sollte.

Scharfe Sache Die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) empfiehlt, Haare nach dem Baden oder Duschen mit Rasierschaum in Wuchsrichtung zu rasieren und die Klinge regelmäßig zu wechseln – stumpfe Klingen erhöhen das Risiko für Rasurbrand.

Rasiermesser: Das klassisches Klappmesser mit frei liegender Klinge. Sehr präzise, verlangt aber Übung und eine ruhige Hand.

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Victoria Neuhofer

WORAUF ES ANKOMMT Die Erfahrung zeigt: Der Hobel verlangt ein wenig Konzentration, funktioniert dann aber gut. Je nach Modell Kamm öffnen, die Klinge einsetzen, den Winkel halten, nicht drücken – mehr braucht es technisch nicht. Viele NutzerInnen berichten, dass die Haut weniger gereizt reagiert, sobald der Bewegungsablauf sitzt und die Klingen regelmäßig gewech-

selt werden. Rasierseifen oder Öle erleichtern den Gleitfilm, sind aber kein Muss. Bei den Kosten ist der Hobel kaum zu schlagen. Die Klingen sind günstig, der Körper hält Jahre, oft Jahrzehnte. Einziger Nachteil: Auf Flugreisen müssen Klingen entfernt werden, und das Gewicht ist höher als bei Plastikrasierern. Für den Alltag spielt das allerdings kaum eine Rolle. Ein weiterer Pluspunkt: Einige Rasierhobel-Hersteller und kleinere Händler bieten Klingen-Rückgabe-Programme an – große Marken tun das bisher selten. Aus recycelten Edelstahl-Klingen entstehen unter anderem kleine Alltagsprodukte, etwa Besteck, das Damn Plastic im Sommer anbietet.

FUNKTION OHNE EXTRAS Der Rasierhobel verspricht nichts, was er nicht hält. Er ist ein rein mechanisches Werkzeug ohne Akku, ohne Kunststoffmodul, ohne Zusatzfunktionen. Er zwingt zu etwas mehr Ruhe als die elektrische Rasur, liefert dafür aber ein glattes Ergebnis – wenn die eigene Anwendungstechnik stimmt. Nach meinem Selbstversuch bleibt vor allem dieser Eindruck: Der Hobel ist weder kompliziert noch besonders spektakulär. Er ist ein schlichtes Gerät, das gut funktioniert, wenn man bereit ist, sich kurz mit ihm zu beschäftigen. Und er zeigt, wie viel Rasurtechnik eigentlich in der eigenen Hand liegt – und wie wenig in der Verpackung des Werkzeugs.

BILD NE UHOFER / DAMN PLASTI C, BIO RA MA / JAUK

hat 2019 gemeinsam mit Stephanie Sinko das Unternehmen Damn Plastic gegründet, das verpackungsarme Körper- und Haushaltsprodukte verkauft.

Nach der Rasur sieht mein Hals aus wie ein Minenfeld: viele kleine Verletzungen, Rötungen und Pünktchenblutungen. Ob das am Hobel liegt oder an meiner mangelnden Routine? Wahrscheinlich an beidem. In diesem Moment bin ich jedenfalls froh, keinen Rasiermesser-Selbstversuch gestartet zu haben. »Es bedarf einer gewissen Übung. Man sollte es auch nicht wirklich eilig haben, aber nach ein paar Mal sollte die Sache relativ in den Alltag übergegangen sein und keine großen Probleme mehr machen«, macht mir Daniel Weiss Hoffnung. Abhilfe schafft ein beruhigendes Aftershave. Danach folgt der zweite Teil des Tests: die Oberschenkel. Hier zeigt sich ein völlig anderes Bild. Die Rasur verläuft ruhig, gleichmäßig und ohne Komplikationen. Keine Schnitte, keine Reizungen. Die Haut ist weich und glatt – und vor allem: haarlos. Der Unterschied ist deutlich spürbar. Offensichtlich reagiert mein Gesicht deutlich sensibler auf die Nassrasur als meine Beine.

Kostenkalkulation: Den »Butterfly kurz« gab es im Abverkauf samt Ersatzklinge um 19,99 € (statt 39,99), da der Hersteller Albatross (mit fortschrittlichem Klingen-Rückgabesystem) Insolvenz angemeldet hat. Ergiebiger fester Rasierschaum gibt’s beispielsweise von Alverde um 4,25 €.


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HASELNUSS Warum bist du so cremig?

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SCHOKOCREME HASELNUSS, DM BIO

50 % Haselnüsse, 38 % Zucker, Schokolade – auch hier ist kein Palmöl, sondern Sonnenblumenöl enthalten. Nussig im Geschmack, vergleichsweise zurückhaltend süß, fairtrade-zertifiziert. Hergestellt in den Niederlanden. dm.de

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48 % Zucker, die schmeckt man. 20 % Schokolade und 15 % Haselnüsse. Nougat zum Streichen. Brinkers verzichtet zugunsten von Sonnenblumenöl auf Palmöl. Fairtrade-zertifiziert. Hergestellt in den Niederlanden. sovegansofine.com

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HAPPY HAZEL, OATSOME

Der »Feelgood Spread Haselnuss Kakao« von Oatsome ist zuckerfrei – und enthält 70 % Haselnüsse und 25 % Kokosblütenzucker. Ohne expliziten Hinweis palmölfrei. Nussig, mit Röstaromen, leicht malzig, mehr flüssig als cremig – spannend, aber weit weg von der klassischen Nuss-Nougat-Creme. Hergestellt in Deutschland. oatsome.de


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HEY HAZEL CRUNCHY, NO SUGAR SUGAR

Der Firmenname ist Programm: kein Zucker, dafür offenbar viel vom kalorienfreien Zuckeraustauschstoff Erythrit und dem kalorienarmen Maltit, die eine ganz eigene Süße und Erdigkeit verleihen; 15 % Haselnusspaste und noch mal 3 % Haselnussstücke für den wohldosierten Crunch. Verdickungsmittel, Palmöl, Emulgator, Salz, Aroma. Hergestellt in Deutschland. nosugarsugar.de

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33 % Haselnüsse, Rohrzucker, Palmöl – fair, schreibt Rapunzel, wer Details wissen will, muss auf die Website schauen –, und Sonnenblumenöl, Süßlupinenmehl und Kakao. Relativ süß und geschmacklich neutraler als andere. Hergestellt in Deutschland. rapunzel.de

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HASELNUSS NOUGAT, ALNATURA

Rockzucker, 25 % Haselnüsse, Palmöl, Sonnenblumenöl, Kakao und Süßlupinenmehl. Ausgewogenes Schoko-Nuss-Verhältnis, angenehme Süße, überzeugt im Test alle Altersgruppen. Wie alle Produkte in dieser Liste vegan – und biozertifiziert, versteht sich. Hergestellt in Deutschland. alnatura.de

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BIONELLA, RAPUNZEL

Welchem Produkt hier (erfolgreich!) Konkurrenz gemacht wird, ist offensichtlich. Hauptzutat ist Zucker, es folgen Palmöl und Sonnenblumenöl, 14 % Haselnüsse, dazu kommen Kakao und Süßlupinenmehl. Hier ist auf der Verpackung Platz für Hinweise zur Herkunft einzelner Inhaltsstoffe – die Haselnüsse stammen aus der Türkei und das Palmöl aus Westafrika und Lateinamerika. Hergestellt in Deutschland. rapunzel.de


Wir brauchen Bio. Was aber braucht Bio? »Bio wird in Österreich weiter wachsen, sowohl was den Absatz angeht als auch die Anbaufläche«, ist sich Martin Greßl sicher. Mittlerweile werden 27,5 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche Österreichs biologisch bewirtschaftet (Deutschland kommt auf 11,2 Prozent.). Die Produktgruppen mit dem höchsten Bioanteil in Österreich sind Frischmilch (28,3%), Naturjoghurt (24,7%), Frischgemüse (22,7%) und Mehl (22,6%). »Und die Erfolgsgeschichte wird weitergehen«, ist Martin Greßl zuversichtlich. Der Prokurist der AMA-Marketing ist in der staatlichen Agrarvermarktungsgesellschaft auch für das Wissensmanagement und die Qualitätsstrategie verantwortlich. Nötig sei allerdings eine »Kommunikationswende«. Denn, so Greßl: »Die alten Phrasen sind ein bisschen unsexy geworden und Bio hat etwas an Strahlkraft verloren.«. Einerseits, weil der Handel, der den Biomarkt mit seinen Eigenmarken erfolgreich aufgebaut hat, »bei Bio etwas ruhiger geworden ist«. Andererseits weil die traditionell beim Anpreisen von Bioprodukten betonten Vorzüge wie Gentechnikfreiheit oder das Auskommen ohne chemisch-synthetische Spritzmittel vor allem jenen Teil der Bevölkerung erreicht, der ohnehin aus tiefster Überzeugung zu Bio greift. Um weiter wachsen zu können, plädiert der AMA-Stratege deshalb für »mehr Nutzenkommunikation«. Natürlich spiele der Schutz

der Umwelt und das Wohl der Tiere als starke Argumente für Bio eine Rolle. Für die Mehrheit stehe trotzdem der Egoismus im Vordergrund: »Die meisten Menschen kaufen Bio, um sich, der Familie und der Gesundheit etwas Gutes zu tun«, weiß Greßl. Statt – wie früher – Bio über Moral zu verkaufen, gelte es nun neue Mehrwerte hervorzuheben: Die Stärkung regionaler Strukturen ebenso wie die Natürlichkeit der meisten Bioprodukte. Diese ergibt sich allein schon daraus, dass die EU-weit geregelten gesetzlichen Vorgaben in der Verarbeitung viele Zusatzstoffe verbieten oder stark einschränken (etwa Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe, synthetische Farbstoffe oder Enzyme). Bioverbände wie Bio Austria oder Naturland, aber auch die meisten Bioeigenmarken des Handels und nicht zuletzt – als einziges staatlich anerkanntes Gütesiegel – das AMA Biosiegel sorgen mit ihren Richtlinien für noch strengere Einschränkung. Weshalb beispielsweise Brot und Gebäck in Bioqualität durch längere Teigruhezeiten natürlicher und verträglicher ist, meist einen höheren Vitalstoffgehalt hat und im Geschmack überzeugt.

BIO BEDEUTET VIELFALT – AM ACKER UND AUF DER WEIDE Als unbestrittenen Mehrwert erachtet Martin Greßl auch die Vielfalt: »Biobetriebe setzen bei den Pflanzen oft auf gro-

B ILDER AMA-MA RKE TING

Bio in Österreich ist eine Erfolgsgeschichte. Was muss passieren, dass das auch so bleibt?


»BIO MUSS SICHTBARER WERDEN« Eine große Chance sieht der Qualitätsstratege in der Stärkung der regionalen Verankerung von Bio. »Bio muss sichtbarer werden und Teil der regionalen Identität«, fordert Greßl. Flächenmäßig sei es vielerorts längst in der Breite angekommen, aber nicht bei der ortsansässigen Bevölkerung. Einzelne Gemeinden haben bei ihrer landwirtschaftlichen Fläche einen Bioanteil von 70 Prozent, »aber oft wissen das die Menschen vor Ort gar nicht, auch die Gemeinde nicht und der Wirt hat keine Bioprodukte auf der Karte, obwohl das eigentlich ortstypisch wäre«. Seine Vision: So wie Kurorte auf ihre Heilwasserquelle und ihr Kurhaus hinweisen, indem sie stolz ein »Bad« im Ortsnamen führen, sollten das auch Orte mit herausragend hohem Bioanteil tun: »Das wertet auch die ganze Region ringsum auf.« Im Waldviertel oder in Salzburg gibt es ganze Landstriche, wo längst mehr als die Hälfte der Fläche bio bewirtschaftet werden. »Darauf können diese Regionen wirklich stolz sein«, meint Greßl. Auch die Stadt Wien, wo immerhin bereits 31 Prozent der stadtlandwirtschaftlich genutzten Fläche bio ist. Als besonders vorbildlich sieht der AMA-Marketing-Prokurist die »Bioregion Mühlviertel«: »Da erkennt und spürt man die Verbindung zur naturnahen Biolandwirtschaft und der hohen Qualität regionaler Lebensmittel. Und darüber weiß auch die Bevölkerung Bescheid.«

HOHE STANDARDS Auch wenn Abläufe längst digital stattfinden, klagen viele Bäuerinnen und Bauern über die »Zettelwirtschaft«. Das kann Martin Greßl nachvollziehen. »Wir müssen wo immer möglich Bürokratie abbauen und es für die Betriebe

keinesfalls noch komplizierter machen«, sagt er. Da sei auch die Verwaltung gefordert und die Politik, die auf EU-Ebene gerade die neuen GAP-Richtlinien der Gemeinsamen Agrarpolitik verhandelt. »Der Wunsch nach Bürokratieabbau war auch eines der klaren Ergebnisse unserer groß angelegten Stakeholderbefragung, mit der wir 2024 den Strategieprozess zur Weiterentwicklung des AMA-Biosiegels eingeleitet haben«, sagt Stephanie Pohl, die sich als strategische Qualitätsmanagerin federführend um das Gütesiegel kümmert. Dabei handelt es sich um Österreichs einziges staatlich anerkanntes nationales Bio-Erkennungszeichen. Es ermöglicht den Be- und Verarbeitungs- sowie Vermarktungsbetrieben, auf besonders hochwertige österreichische Biozutaten hinzuweisen. Denn die Standards liegen über den europaweit geregelten Vorgaben der EU-Bioverordnung. Ein Beispiel: Ist die Liste für Zusatzstoffe laut EU-Vorgaben ohnehin bereits stark eingeschränkt, ist sie für alle Verarbeiter, die das AMA-Biosiegel verwenden, noch einmal um 15 Zusatzstoffe reduziert; bei manchen Produktgruppen sogar noch strenger. Das garantiert größere Natürlichkeit bei verarbeiteten Produkten. »Da alle nach billigem Bio streben, um Marktanteile zu gewinnen, arbeitet es außerdem der Austauschbarkeit entgegen«, erklärt Pohl, »deswegen ist es unser Ziel, das rot-weißrote AMA-Biosiegel noch breiter in der Bevölkerung zu verankern und auch die ökologischen Mehrwerte österreichischer Bioprodukte sowie die Mehrleistungen der ProduzentInnen stärker zu kommunizieren.«

WENIGER BÜROKRATIE

Dem Wunsch nach Bürokratieabbau kommt die AMA-Marketing bereits entgegen. Entsprechende Richtlinien werden gerade in Arbeitsgruppen diskutiert und in weiterer Folge in Fachgremien letztabgestimmt, so Stephanie Pohl. »Wir sehen das als strategische Weiterentwicklung, um der Branche entgegenzukommen, Kosten zu minimieren, Doppelabläufe abzuschaffen und das AMA-Biosiegel noch attraktiver zu machen«, sagt die Qualitätsmanagerin. Auch vergleichsweise neue Produkte werden im Zuge dieses Prozesses bedacht. Bald wird es erstmals spezifische Kriterien des AMA-Biosiegels für Tofu, Tempeh und neue pflanzliche Lebensmittel geben. Klares Ziel hinter all diesen Maßnahmen: Bioprodukte aus Österreich noch sichtbarer zu machen. Martin Greßl und Stephanie Pohl arbeiten daran, das AMA bioinfo.at Biosiegel noch attraktiver und bekannter zu machen.

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG DER AMA MARKETING GMBH

ße Vielfalt. Da gibt es Bauern, die bauen alte Getreidesorten, Linsen und Öllein, Schlüsselblumen als Arzneipflanzen oder fünfzig unterschiedliche Erdäpfelsorten an. Sowas gibt es bei konventionellen Betrieben nur als absolute Ausnahme.« Auch der Erhalt seltener, oft bereits bedrohter Nutztierrassen mit bemerkenswerter Fleischqualität sei ein Merkmal der Biobewegung. »Seltene Tierrassen gibt es vor allem im Biobereich«, sagt Greßl, »das gehört hervorgehoben«. Auch der verhältnismäßig geringe Marktanteil (3%) von Bio bei Schweinefleisch ließe sich aus seiner Sicht so anheben. »Bio sollte beim Schwein konsequent auf andere Rassen setzen, dann bietet es erkennbar besseren Geschmack, dann steigt auch der Marktanteil.«


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21.01.2026

Fotos: Austrofred © Ingo Pertramer Alicia Edelweiss © Vivi Dybowski Drew Sarich © Ronald Sedlacek

ORF III-TV-Aufzeichnung


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WIE WIRD EIN PRODUKT GEPRÜFT VEGAN? Was bedeutet es, wenn Produkte als »vegan«, »pflanzlich« oder »plant-based« ausgewiesen sind – und was garantieren Zertifikate wie das V-Label?

BILD ISTOCK.CO M/MI CROSTOCKHUB

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er Hype um die vegane Lebensweise mag vorüber sein. Die Menschheit wird auch in Zukunft nicht völlig auf Milch, Fleisch und Käse verzichten. Doch auch wenn einzelne Pleiten in der Gastronomie – etwa der Fastfoodkette »Swing Kitchen« mit ihren Filialen von Wien bis Berlin – kurzfristig täuschen können: Die Bedeutung von Lebensmitteln, die ohne tierische Bestandteile auskommen, wird weiter steigen. Zahlen zeigen, dass pflanzlicher Milch-, Käse- und Fleischersatz tendenziell viel stärker von jungen Menschen gekauft werden. Diese werden ihre Ernährungsgewohnheiten früher oder später an die nächsten Generationen weitergeben. Der »Peak Vegan« ist deshalb noch lange nicht erreicht, meint Verena Wiederkehr, die bei Rewe Österreich die Geschäftsentwicklung im Plant-based-Bereich leitet, dabei die vegane Flagship-Filiale »Billa Pflanzilla« in Wien-Neubau verantwortet und auch mit der Produktentwicklung bei Rewe Deutschland kooperiert. »Die harten Zahlen der Kassendaten des Einzelhandels von Nielsen (Konsumforschungsunternehmen, Anm.) zeigen bei pflanzlichen Fleischalternativen zuletzt ein Absatzplus von 11,2 Prozent, bei Milchalternativen gibt es plus 7,1 Prozent«, sagt

Wiederkehr. Laut jüngsten Marktforschungszahlen von Billa essen in Österreich 29 Prozent der Unter-25-Jährigen gar kein Fleisch mehr. 19 Prozent aller 18-bis-25-Jährigen ernähren sich vegan oder vegetarisch, sagt Wiederkehr: »Vor einem Jahr waren es erst 13 Prozent. Das sind die KonsumentInnen von morgen. Da erkennen wir, wohin sich die Gesellschaft entwickelt.« Auch Mitbewerber Spar sieht seine Eigenmarke (»Spar Veggie«) »nach einem starken Anstieg von fast 13 Prozent im Jahr 2024 weiterhin auf hohem Level«, so Sprecherin Magdalena Gottschall.

DIE SCHWEIZ ALS VEGANES INNOVATIONSZENTRUM Mit diesem Wachstum werden auch eine entsprechende Kennzeichnung, Transparenz und Kontrolle für immer mehr Menschen kaufentscheidend. Anders als bei Biolebensmitteln, deren Produktion und Kontrolle sogar auf EU-Ebene gesetzlich geregelt wird, gibt es für vegane oder vegetarische Erzeugnisse keine gesetzliche Grundlage. In diese Lücke stieß bereits 1996 das Schweizer V-Label. Von der Schweiz aus schuf es einen Standard und ein Erkennungszeichen für vegane und vegetari-

TEXT Thomas Weber


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bei der Veganen Gesellschaft als österreichischem V-Label-Partner das sechsköpfige Gütesiegelteam leitet (und betont, dass es sich dabei um eine Non-Profit-Organisation handelt). Die Zertifizierung laufe in allen Ländern gleich – über »eine Veggie-Organisation mit professionellem V-Label-Team«. In Deutschland ist die Ernährungsorganisation Proveg zuständig. Jedes Produkt, für das im Falle eines positiven Ergebnisses das V-Label verwendet werden darf, wird einzeln überprüft: die Rezeptur, die Rohstoffe, aber auch eingesetzte Verarbeitungshilfsstoffe. »Alle Inhaltsstoffe müssen offengelegt werden, auch jene, die sonst nicht kennzeichnungspflichtig sind«, sagt Gilli. »Bevor es in den Handel geht, werDezent, aber geprüft: Bio Austria zertifiziert bei Bedarf neuerdings auch vegane Produkte. Diese Sojasauce von Genusskoarl enthält somit nachweislich nur Pflanzliches aus österreichischem Biolandbau. den außerdem die Verpackungen und Etiketten geprüft und zum Druck freigegeben, um sicherzustellen, dass die Kennsche Produkte. In grüner Schrift auf grellem zeichnung korrekt erfolgt.« In Folge werden Gelb kennzeichnet das V in Form eines GrasProduktionsstätten regelmäßig überprüft; bei halms beziehungsweise Blatts ein veganes ProLebensmitteln jährlich, in allen anderen Wadukt. Vegetarisches (das Milch, Käse oder Ei rengruppen alle zwei, drei Jahre. Die Kontrolle enthalten darf ) wird genau umgekehrt ausgeübernehmen unabhängige Kontrollstellen. Sie wiesen: als gelbes Pflanzen-V auf sattem Grün. passiert zusätzlich im Rahmen von ÜberprüLängst ist das V-Label international etabliert fungen, die ohnehin bereits stattfinden, beiund leuchtet von weltweit 70.000 Produkten. spielsweise Biokontrollen. Das spare Zeit wie Allen Anfang machte 1997 das HandelsunterGeld, sagt Johannes Gilli: »Zur jährlichen Linehmen Migros, das seinen »Cornatur«-Fleizenzgebühr, die sich an der Größe der Betriebe schersatz zertifizieren ließ. Mittlerweile verorientiert, kommt die Gebühr für das Audit, das markten in der Schweiz und in Liechtenstein ein bis eineinhalb Stunden dauert.« 260 Lizenznehmer insgesamt 6900 ProdukAuch »Kreuzkontaminationen« mit tierite mit dem V-Label. Nach Österreich holte es schen (bzw. nicht vegetarischen) Rohstoffen 2002 Rewe für seine Eigenmarke »Vegavita«. müssen vermieden werden, falls ein Betrieb 450 Unternehmen folgten mit bisher 11.000 auch solche verarbeitet. Entweder passiert das V-Label-Produkten. In Deutschland prangt durch eine räumliche oder durch eine zeitlies auf 13.000 Produkten von knapp 1000 che Trennung der Produktion, also durch die Lizenznehmern. Verwendung verschiedener Anlagen oder eine KONTROLLIERT WERDEN ZUTATEN, gründliche Zwischenreinigung der Maschinen. VERARBEITUNGSSCHRITTE UND VERPACKUNG »Dann ist auch die Produktionsreihenfolge definiert«, erklärt Gilli. »Zuerst vegan auf saubeBedarf gibt es, weil viele tierische Lebensmittel ren Maschinen, dann vegetarisch, dann nicht gar nicht angegeben werden müssen, oder sich vegetarisch. All das muss dokumentiert werhinter Fachbegriffen verstecken. Das betrifft den und wird vor Ort von der Kontrollstelle hoch verarbeitete Lebensmittel ebenso wie kontrolliert.« sehr natürliche. »Weine werden immer noch mit Gelatine geschönt, tierisches L-Cystein in NEU AM MARKT: »BIO AUSTRIA VEGAN« Backwaren muss nicht deklariert werden und Inhaltsstoffe in Kosmetika werden über InAuch der Verband Bio Austria hat zuletzt auf ci-Codes angeführt«, sagt Johannes Gilli, der die sich ändernden Konsumgewohnheiten der


Bevölkerung reagiert und – als erster großer Bioverband im deutschsprachigen Raum – sein Verbandsgütesiegel um eine vegane Option erweitert. Ergänzend zum ebenfalls grün-gelb gehaltenen Logo gibt es seit November 2025 ein eigenes Bio-Austria-Vegan-Logo. »Es ermöglicht eine klare Kennzeichnung für vegan zertifizierte Bioprodukte aus Österreich«, sagt Obfrau Barbara Riegler. Auch Bio Austria bestätigt unkompliziert im Zuge ohnehin stattfindender Biokontrollen, ob wirklich keine tierischen Inhaltsstoffe verwendet werden. Bereits genutzt wird das neue Vegan-Label des Bioverbands vom Weinviertler Würzsaucenspezialisten »Genusskoarl« und der Salzburger Hochmühle Frauenlob. »Der Handel verlangt solche Zertifikate, um Produkte im Regal als vegan ausloben zu können«, sagt »Genusskoarl«-Gründer Karl Severin Traugott. Er vermutet, dass es durch das erweiterte Verbandsgütesiegel in Zukunft mehr vegan zertifizierte bäuerliche Produkte geben könnte. »Bislang hatte das V-Label gewissermaßen das Monopol, aber viele Bäuerinnen und Bauern fremdeln einfach mit der Veganen Gesellschaft und tun sich mit dem Aktivismus in deren Umfeld schwer«, sagt Traugott.

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VEGANE PRODUKTE AUS NICHT-VEGANER LANDWIRTSCHAFT Bio Austria betont, dass es sich um eine vegane Produktzertifizierung handelt und nicht um eine vegane Landwirtschaft. »Es geht in unserer Vegan-Richtlinie um den Einsatz von pflanzlichen Zutaten. Da uns zum Beispiel Kreislaufwirtschaft sehr wichtig ist, haben wir beschlossen den Faktor Düngung (mit tierischen Ausscheidungen, Anm.) nicht einzubeziehen«, sagt Andrea Grabmaier von Bio Austria Marketing. Kein anderer großer Bioverband sonst weist bislang kontrolliert vegane Lebensmittel aus, weder Naturland, noch Bioland. »Wir haben aber Betriebe im Verband, die nicht nur vegane Produkte herstellen, sondern auch vegane Landwirtschaft betreiben«, sagt Bioland-Sprecher Leon Mohr. Einige wenige davon seien auch Mitglied im 2017 gegründeten Verein Biozyklisch-Vegan. Dieser propagiert – bislang vor allem auf Fachveranstaltungen wie auf den deutschen Biofeldtagen oder auf Messen wie der Biofach – eine nutztierfreie, trotzdem in natürlichen Nährstoffkreisläufen arbeitende Urproduktion. Damit versteht man sich

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»Für die Kontrolle müssen alle Inhaltsstoffe offengelegt werden, auch jene, die sonst nicht kennzeichnungspflichtig sind.« — Johannes Gilli, Vegane Gesellschaft und V-Label-Partner in Österreich gewissermaßen als vegane Alternative zur biodynamischen Demeter-Landwirtschaft, für die pflanzenfressende Nutztiere und deren Dung einen essenziellen Bestandteil eines jeden »Hoforganismus« darstellen. »Uns wird von Bäuerinnen und Bauern nicht gerade die Bude eingerannt«, sagt Alina Gieseke vom Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau e.V.. Man sei immer noch in der Pionierphase. »Es gibt gar nicht so wenige LandwirtInnen, die selbst vegan leben und sehr gut finden, was wir machen. Die Nachfrage wächst, aber recht langsam«, sagt Gieseke. Bislang hat man sechs landwirtschaftliche Betriebe als Mitglieder gewonnen (vor allem in der Bodenseeregion und in Sachsen). In Süddeutschland bieten seit Kurzem auch Großhändler wie Bodan oder Epos zertifizierte Rohstoffe an. »Das Ziel ist es, dass wir dadurch mit unserem Biozyklisch-vegan-Gütesiegel auch auf Produkten erkennbar werden. Bislang lan-

Je jünger, desto strenger achten KonsumentInnen auf Pflanzliches. Vegan-Zertifizierung gewinnt an Bedeutung. Gütesiegel wie das Schweizer V-Label geben Sicherheit.


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V-LABEL VEGAN V-LABEL VEGETARISCH Die Zentrale und Lizenzgeberin des international etablierten V-Labels, die V Label GmbH, sitzt in Winterthur (Schweiz). Gegründet 1996 weist es weltweit aktuell 70.000 Produkte als vegan oder vegetarisch aus; auch im Non-Food-Bereich. Partnerorganisationen sind z. B. die Vegane Gesellschaft (Österreich) und »ProVeg e.V.« (Deutschland). v-label.com

BIO AUSTRIA VEGAN LABEL Das neue Siegel des Bioverbands Bio Austria weist bewusst nur pflanzliche Zutaten aus, keine vegane Landwirtschaft. Bereits zwei Verarbeitungsbetriebe nutzen diese Vegan-Zertifizierung. bio-austria.at

BIOZYKLISCH VEGAN Der Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau e.V . (mit Sitz in Berlin) propagiert eine nutztierfreie Landwirtschaft und weist deren Erzeugnisse mit einem eigenen Siegel aus. Aktuell umfasst er sechs landwirtschaftliche Biobetriebe aus Deutschland. Seit November 2025 kooperiert man mit dem V-Label. biozyklisch-vegan.org

F-LABEL FERMENTED F für Produkte aus tierfreier Präzisionsfermentation sowie anderen neuartigen biotechnologischen Verfahren. f-label.com

C-LABEL CULTIVATED Das C-Label kennzeichnet Produkte aus zellbasierter Herstellung (»Laborfleisch«, »Laborleder«,). Nicht vegan, da die Ursprungszellen von Tieren stammen. c-label.com

det die Rohware noch ungelabelt im Handel«, so Gieseke. Im November 2025 verkündete der Verein auch eine Kooperation mit dem V-Label. Dieses kann nun, entsprechende Kontrollen vorausgesetzt, auch mit der Erweiterung »Vegan Agriculture« verwendet werden, um auf »eine rein vegane Wertschöpfungskette« hinzuweisen. Darin kommen keine Nutztiere oder tierische Düngemittel zum Einsatz.

»VEGAN« IST VON GESTERN – UND WÄCHST. Mit dem Wachstum diversifiziert sich auch der Markt für vegetarische und vegane Lebensmittel. Rewe geht mittlerweile so weit, auf seinen Eigenmarkenprodukten das Wort »vegan« abzuschaffen; in Österreich, demnächst aber auch in Deutschland. Das Wort schrecke eine besonders stark wachsende Zielgruppe ab, wie Verena Wiederkehr aus der Marktforschung weiß: die FlexitarierInnen. Obwohl sich bei der Produktentwicklung viel getan habe, würde diese Zielgruppe, die in Österreich bis zu 50 Prozent der Bevölkerung ausmache, »den Begriff ›vegan‹ mit nicht sehr wohlschmeckenden Produkten assoziieren«. Die Zuschreibungen »pflanzlich« oder »plant-based« hingegen würden auch mit Genuss verbunden. »Wir haben deshalb die Regel, bei unseren Eigenmarkenprodukten mit rein pflanzlicher Rezeptur die Beschreibung ›100% pflanzlich‹ und zusätzlich dezent das V-Label zu verwenden«, sagt Wiederkehr. »Den Veganern und Vegetariern reicht das als Erkennungsmerkmal – und die anderen schreckt es nicht ab.« Im internationalen V-Label-Netzwerk möchte man 2026 das 30-Jahr-Jubiläum des Gütesiegels zum Anlass nehmen, um verstärkt auf den Non-Food-Bereich hinzuweisen: Kosmetik und Waschmittel beispielsweise. »Die Produktkategorie, wo Zertifizierungsanträge in der Vergangenheit am häufigsten abgelehnt werden mussten, ist Waschmittel«, sagt Johannes Gilli. »Im Zuge der Rezepturprüfung stellte sich oft heraus, dass Tenside oder sonstige Inhaltsstoffe tierischer Herkunft sind.« In der Schweizer Zentrale bei Swissveg kümmert man sich außerdem um den Ausbau des V-Labels. Neben der »Vegan Agriculture« arbeitet man mit Start-ups laufend an Richtlinien für ein »F-Label« für Produkte aus Präzisionsfermentation und für ein »C-Label« für kultiviertes Fleisch (»Laborfleisch«). Die Zukunft mag nicht vegan sein. Vielfältig wird sie auf jeden Fall.


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KÖSTLICH WIE IM SANATORIUM TEXT Irina Zelewitz

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afkas Kochbuch ist freilich weder von Kafka verfasst, noch hat er danach gekocht. Er hat sich aber von der Köchin seiner Familie danach bekochen lassen. Wie es dazu kam sowie ein paar Ausschnitte dessen, was Kafka sich überlieferterweise generell zum Thema Ernährung dachte (viel), und Kontext dazu, inwiefern er damit Kind seiner Zeit war, haben die beiden AutorInnen Eva Gritzmann und Denis Scheck dieser kommentierten Neuauflage des Kochbuchs des Natursanatoriums »auf Weißer Hirsch bei Dresden« in einem knapp 50 Seiten langen, aber kurzweiligen Vorwort zusammengetragen. Darin findet auch ihr eigener Weg zur Literatur Kafkas Platz – von jugendlicher Befremdung angesichts des nach innen gekehrten, in erster Linie der nächtlichen Schreibarbeit (»Get a life, Kafka!«) und physischen Selbstoptimierung verfallenen »Klischee-Kafkas« hin zur Wertschätzung des witzigen, scharfsinnigen und einfühlsamen Beobachters und eben auch seines Haderns mit Nahrung und deren körperlicher Verarbeitung im Allgemeinen und Fleisch- und Fischverzehr im Speziellen. »Heiß hassten wir Kafkas posthume Entourage: Die Kardinäle der florierenden Religion Kafka nicht minder als die Kapitäne der boomenden Industrie Kafka«, erinnern sich die AutorInnen an ihre gemeinsame Schulzeit; was sie aber nicht davon abhält, »Kafkas Kochbuch« mit dem Untertitel »Franz Kafkas vegetarische Verwandlung in 544 Rezepten« herauszugeben. Durch eine Randnotiz in der Kafka-Biogra-

fie von Rainer Stach gefunden und antiquarisch ausgehoben, haben sie das bereits 1907 in 16. Auflage erschienene Standardwerk der Lebensreformbewegung, auf die sie so »neugierig« wurden, noch ein weiteres Mal aufgelegt. Zusätzlich zum Vorwort wurde Elise Starkers Kochbuch einerseits mit Briefen Kafkas und Schnipseln aus seinen Büchern ergänzt, andererseits mit Anmerkungen und Empfehlungen, zu denen das Nachkochen der Rezepte inspiriert hat. Darunter mischen sich sehr nachvollziehbare Empfehlungen wie etwa die Faustregel, die von Starker angegebenen Kochzeiten auf die Hälfte zu reduzieren, aber auch Rätselhaftes wie die prominent platzierte Erklärung zum Umgang mit Starkers exorbitantem Einsatz von Palmfett: »Wir haben uns entschieden, Elise Starkers Kochbuch mit unverändertem Textstand zu reproduzieren – obwohl es uns mehr als in den Fingern gejuckt hat, zumindest das in vielen Rezepten verwendete ›Palmin‹ […] zu ersetzen.« Gelöst wurde das nämlich, indem bei jedem Rezept mit »Palmin« in der Zutatenliste (und das sind viele), alternativ empfohlen wird, auf Olivenöl, häufig aber auf Butter, Butterschmalz oder Gänseschmalz zu setzen. Der insgesamt unvoreingenommene Zugang gibt Mut, sich ebenfalls ein Bild vom Lifestyle Kafkas zwischen Spleens und Progressivität zu machen – auch ohne die Korrektheit der Kurzgeschichte vom Weg des Fleischerenkels Franz K. zum Vegetarismus überblicken zu können:

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Ein Buch über Kafka und sein Kochbuch, mit Rezepten daraus und neuen Ideen dazu.


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LINSENRAGOUT ZUTATEN • 500 Gramm Linsen • 2 Salzgurken • 6 Sardellen • 1 Handvoll Kapern • 1/2 Liter Steinpilze oder Champignons

• Zitronensaft • Soja • Nährsalz • Salz • 1 Zwiebel • Petersilie

ZUBEREITUNG Die Linsen werden den Abend zuvor eingequollen, dann kocht man sie weich, schlägt 1 Teil davon durch ein Haarsieb, 3 Teile läßt man ganz. Nun gibt man die würflig zerschnittenen Gurken, die gewiegten Pilze und Sardellen und die Gewürze darunter, läßt alles gut durchkochen und gibt das Ragout allein oder als Fülle in Pasteten, Zwiebeln etc. Sehr gut schmeckt das Ragout in Muscheln, die man mit Butter und geriebener Semmel bestreicht, füllt, oben wieder geriebene Semmel und Butter auflegt und 1/2 Stunde im heißen Bratofen bäckt.

Kulinarisch finden wir dieses Linsen- Rezept wunderbar, insbesondere wegen der Sardellen!– die ja sehr oft eine unterschätzte Geheimzutat in Saucen, Dressings und Eintöpfen sind. Aber aus vegetarischer Sicht gehen Sardellen natürlich gar nicht!– und erst recht nicht, wenn man Kafkas urkomischen und doch anrührenden Brief an seine Schwester Ottla aus dem Jahr 1921 aus Matliary kennt:

REZEPTE AUS: »Traurig war ich abend, weil ich Sardellen gegessen hatte (…) . Der Doktor hat mich früh getröstet: warum traurig sein? Ich habe doch die Sardellen gegessen und nicht die Sardellen mich.« Tatsächlich sind Sardellen kulinarhistorisch betrachtet ja oft ein Ersatz für das Maggi der Antike, das bei den Römern so beliebte Universalgewürz Garum oder Liquamen. Garum, das in der Küche des römischen Imperiums so allgegenwärtig war wie Fischsauce in der asiatischen, bestand aus einem Extrakt von in der Sonne vergorenen Fisch mitsamt seinen Eingeweiden. Der Garum- Ersatz Sardelle läßt sich nun wiederum jedenfalls in diesem Rezept relativ einfach ersetzen etwa durch das gefürchtete britische Hefeextrakt »Marmite« mit dem berühmten Werbeslogan »Love it or hate it«. Oder besser noch durch Miso- Pasten, zum Beispiel die des genialen Markus Shimizu und seiner Firma »Mimi Ferments« aus Berlin. Ansonsten hat Elise Starker völlig recht: ihr Linsen- Ragout ist eine wunderbare Füllung für Gemüsezwiebeln oder Kohlrabiknollen und taugt auch gut als Sugo für Pasta!– nur würden wir immer mit einem kräftigen Schuß erstklassigen Rotwein- oder Weissweinessig abschmecken.

»KAFKAS KOCHBUCH« von Eva Gritzmann und Denis Scheck (Hrsg.), 2025, Klett-Cotta.


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ZUTATEN • 375 Gramm weiße Bohnen • 6 Möhren • 2 rote Rüben* • 1 Teller voll Kartoffeln • 1/2 Zwiebel

• 2 Salzgurken • Zitronensaft • 2 Eigelb • 2 Eßlöffel voll Kapern • Salz

ZUBEREITUNG Die Bohnen werden in Wasser weich gekocht, doch so, daß keine Brühe bleibt. Die Hälfte davon wird durch ein Sieb gestrichen, die andere Hälfte zu den andern würflig geschnittenen Zutaten gegeben. Zu den durchgestrichenen Bohnen wird Eigelb und Zitronensaft gegeben und dann der Salat damit angemacht.

Die 1846 geborene Anna Kingsford war eine passionierte Vegetarierin, Frauenrechtlerin und Tierrechts- Aktivistin sowie die zweite Frau, die in Großbritannien ein Medizinstudium abschloß. Mit 13 veröffentlichte sie ihr erstes Buch »Beatrice: a Tale of the Early Christians«, später kaufte die durch ein Erbe nicht unvermögende Kingsford die Zeitung »The Lady’s Own Paper«. Als Ärztin mit eigener Praxis arbeitete sie in den 1870er-Jahren in London. Ihre in Paris entstandene Dissertation »The Perfect Way in Diet«!– damals konnten Frauen in Großbritannien zwar Medizin studieren, aber nicht graduieren!– erörterte die medizinischen Vorteile einer vegetarischen Ernährung und enthielt darüber hinaus Rezepte und Speisepläne für eine Umstellung auf eine »naturnähere Diät«. 1881 gründete sie die britische »Food Reform Society« und hielt Vorträge über die von ihr empfohlene Ernährungsweise. Anna Kingsford wurde nur wenige Monate älter als Kafka und starb 41jährig 1888 an Tuberkulose. Der nach ihr benannte Kingsford- Salat mit weißen Bohnen, Zwiebeln, roten Rüben, Kartoffeln und Kapern ist zweifellos durch ihre ausgedehnten Italienreisen inspiriert und schmeckt auch heute noch köstlich!– insbesondere, wenn man reichlich glatte Petersilie hinzufügt.

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GEFÜLLTE GURKEN ZUTATEN • 6 mittelgroße Gurken • 3 Semmeln • 3 Eier • 1/2 Liter Champignons • 50 Gramm Butter • Zwiebeln • Petersilie • Salz

• Nährsalz • Soja • Muskatnuß • Kapern • Zitronensaft • Mehl • Palmin*

ZUBEREITUNG Man schält die Semmeln, weicht sie in kaltem Wasser ein, drückt sie aus. Inzwischen hat man die feingehackte Zwiebel, Petersilie und Champignons in der Butter gedünstet, hierzu gibt man die Semmel und brennt sie ab. Dann nimmt man die Fülle vom Feuer, gibt Eier und die Würzen außer Kapern und Zitronensaft daran und rührt diese Masse gut durch. Nun schält man die Gurken, schneidet sie der Länge nach durch und füllt sie mit obiger Masse.Nachdem man die Gurken wieder zusammengebunden hat, schmort man sie auf beiden Seiten recht braun. Dann schneidet man die Fäden los, ordnet die Gurken auf einer Platte und bereitet eine sämige Sauce dazu, indem man etwas Mehl in dem Palmin bräunt, Kapern, Zitronensaft und etwas Wasser daran gibt und alles aufkochen läßt.

Anders als der berühmte Dr. Johnson, der für Gurken den oft zitierten Rezepttipp gab, man möge sie in Scheiben schneiden, mit Pfeffer und Essig würzen und dann wegwerfen, lieben wir Gurken schon allein deshalb, weil sie absolut narrensicher sind und man sich schon sehr anstrengen muß, ein Gurkengericht zu verhunzen. Allerdings sollte man um den Unterschied zwischen Salat- und Gemüsegurken wissen und nicht versuchen, Rezepte für Gemüsegurken mit den längeren Schlangengurken zuzubereiten, die beim Schmoren fast ihre gesamte Flüssigkeit absondern. Gurken sind eine kulinarische Weltsprache, man kann sie indisch als Raita, Lassi oder Curry zubereiten, chinesisch mit Tofu und scharfen Chillies gefüllt, als griechisches Tsatsiki oder französisch mit Mornaysauce. Und läßt sich etwas Köstlicheres denken als ein englisches Gurkensandwich mit Kresse? Zudem gibt es so viele Gurkensalate wie Regionalküchen. Wir bereiten die Kapernsauce mit einem kräftigen Schuß Weißwein zu, und was die Füllung der Gurken angeht, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt: geröstete Haselnüsse, Kimchi, Feta, Frischkäse, Mimolette, Spinat! – mit Gurken geht alles. *

(Die Autorinnen von Kafkas Kochbuch«, Anm.) empfehlen Wir Butter statt Palmin

In meinem einjährigen Aufenthalt in der Familie Kafka erkrankte nicht einmal jemand, alle schienen eine eiserner Gesundheit zu haben. Trotzdem fuhr Franz nach Dresden und war dort im Viertel »Weißer Hirsch« beim Arzt Dr. Lahmann. Nach seiner Rückkehr machte ich ihm jede Woche einen Gugelhupf nach dem Rezept von Dr. Lahmann. Den bekam niemand anderer. Bis

heute habe ich das Rezept für diesen Gugelhupf m Kopfe: 25 dkg Zucker wurde an der Schale einer Orange und einer Zitrone abgerieben, den Staubzucker mußte man noch gut absieben, damit keine Klümpchen blieben. Dann gab man sechs Eigelb hinzu, und alles wurde weiter eine halbe Stunde gerührt. Dann wurde etwas Zitronensaft dazu gegossen und Stärkemehl im Gewicht zweier rohrer Eier eingerührt, dazu gab man den sehr festen Schnee von sechs Eiweiß, und der Teig wurde langsam in einer mit Butter eingefetteten und mit Mehl fein ausgestäubten Form gebacken. aus Anna Pouzarová: »Als Kafka mir entgegen kam. Erinnerungen an Franz Kafka.«

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SAUER MACHT LISTIG Eine Biozitrone hellt Gerichte und Stimmung auf, desinfiziert Schneidbretter und versorgt mit Vitaminen. So holst du das Maximum aus ihr heraus.

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hre Farbe zaubert Sonne in den Raum, ihr Duft erinnert an den Süden. Schlechte Ware oder falsche Lagerung können Aroma, Haltbarkeit und Inhaltsstoffe erheblich beeinträchtigen. Wie man Zitronen klug kauft, lagert und verwendet – bio, versteht sich.

GUTE WARE ERKENNEN

Rund 1 % der globalen Anbauflächen für Zitrusfrüchte (Orangen, Zitronen, Limetten, Mandarinen u. a.) sind als bio erfasst. Die Hälfte dieser Bio-Anbauflächen von Zitrusfrüchten liegt in der Europäischen Union. Da nicht alle produzierenden Länder Bioflächen gesondert erfassen, ist diese Zahl mit Vorsicht zu genießen.

Se profuma, è buono – »Wenn sie duftet, ist sie gut«, heißt es etwa in Sizilien. Die Schale ist eher matt und nicht ganz glatt. Biozitronen duften meist intensiver, da ihre Öldrüsen nicht mit Wachs und Konservierungsmitteln zugedeckt werden dürfen – einzige Ausnahme: Wenn zur Schädlingsbekämpfung Bio-Carnaubawachs eingesetzt wurde. Das muss dann aber auf dem Produkt angegeben werden. Das Erkennungszeichzen für ein Bioprodukt bleibt das EU-Biosiegel.

MEHR SAFT, WENIGER AUFWAND Erfrischend oder wärmend. Als Soda-Zitron oder heiße Zitrone – die am besten trinkwarm, nicht heiß serviert wird, wobei der Zitronensaft als Letztes zugefügt werden sollte, denn Vitamin C ist nicht hitzestabil. Roll die Zitrone vor dem Auspressen über eine glatte Fläche oder leg sie einige Sekunden in warmes Wasser,

bis sie ein wenig nachgibt – und schon wird sie großzügiger mit ihrem Saft.

LIMONE E SALE – DER SIZILIANISCHE KLASSIKER Perfekt nach dem Sport: den Saft einer reifen Zitrone mit einer Prise Salz und kaltem Wasser mischen – das belebende und mineralreiche Getränk nach Inselrezept.

WAS IST REIF? Reife Zitronen haben eine mattglänzende Schale, duften intensiv und geben auf Fingerdruck etwas nach. Erst die Herbsternte entwickelt von selbst die tiefgelbe Schale. Sommerzitronen können also grün schon reif und saftig sein.

SCHALE IN IHRER BESTEN FORM Sobald die Schale eine Rolle spielt, führt ohnehin kein Weg an Biozitronen vorbei. Sie sind nicht synthetisch gewachst und nicht mit Fungiziden behandelt – perfekt für Abrieb, Tee, Sirup … für alles, was ein wenig südliches Flair verträgt. Wenn du nur den Saft brauchst, reibe vor dem Auspressen die Schale ab und friere sie ein. So hast du jederzeit einen Zitrushauch bereit, der Pastasaucen, Kuchen oder Dressings in Sekunden »aufhellt«.

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TEXT

Alessandra Dorigato


© Daniel Gollner

KANARIENVOGEL IM GLAS In Italien nennt man ihn liebevoll il canarino – aufgrund der Bitterstoffe ein altbewährtes Hausmittel, wenn der Bauch drückt oder man »eine Gabel zu viel« erwischt hat. Die Schale einer Zitrone in Wasser köcheln, bis es goldgelb wird. Abkühlen lassen und langsam trinken.

ENERGIEHAPPEN FÜR ZWISCHENDURCH

Winterurlaub am Biobauernhof Erlebe den Sinn im Einfachen.

Auch Zitronen mit dicker Schale roh zu verzehren, ist ein vitaminreicher Geheimtipp: einfach vierteln, leicht salzen und hineinbeißen. Das Salz nimmt der Säure die Schärfe, indem es auch andere Geschmacksrezeptoren auf den Plan ruft. Cedri-Zitronen werden übrigens generell mit Schale verspeist, sehr edel als Carpaccio mit ein paar Tropfen Olivenöl und Meersalz.

DIE KLEINE KÜCHENFEE Zitronen punkten zudem als Küchenhelfer. Beträufelt man die Schnittflächen von Avocado, Apfel oder Artischocke mit Zitronensaft, hält die enthaltene Ascorbinsäure sie hell und schützt sie vor der enzymatischen Bräunung – ein Trick mit ganz natürlicher Chemie. Und eine halbe Zitrone mit etwas Salz wirkt Wunder auf Schneidbrettern: Sie reinigt, wirkt antibakteriell und entfernt hartnäckige Gerüche. Ideal nach Zwiebeln, Knoblauch oder Fisch.

© Hans Huber

SOMMER AUF VORRAT Zitronen halten in einem luftdichten Behälter oder in einem luftigen, gelochten Beutel im Gemüsefach im Kühlschrank am längsten. Für das Aroma am besten ist aber immer: bald verwerten. Zitronen sind Stimmung, Energie und ein kleiner Sonnenstrahl für jeden Tag. Ein Spritzer auf den Broccoli, ein paar Zesten auf geschmorte Kohlsprossen (Rosenkohl), ein Stück Schale in die Sauce zum Wild. Gerade der Winter liebt die Zitrone und ihre Leichtigkeit.

urlaubambiobauernhof.info


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NEU ODER NOCH GUT

Empfehlungen, Warnungen, warnende Empfehlungen. Von Neuentdeckungen und alten Perlen. Auf dass uns Weghören und -sehen vergeht.

»THE BOOK OF BIRKENSTOCK« / Steidl, 2024.

der Börsengang. Auch wenn im ein oder anderen Onlineforum ohne viel Substanz beklagt wird, die Qualität habe seit der Übernahme nachgelassen: Produziert wird nach wie vor fast ausschließlich in Deutschland. Der Publikationszeitpunkt verleiht dem Band gefühlt jedoch einen eine Ära abschließenden Charakter. ARMIN WINKLER

PATRICK LACAN, MARION BESANÇON / »GRÜN« / Avant, 2025.

Nachgelesen für alle, die wissen wollen, wie aus einem funktionalen Gesundheitsschuh ein globaler Modetrend wurde. Es fällt einem nicht leicht, ein Produkt zu finden, das einen vergleichbaren Imagewandel durchgemacht hat wie die Birkenstock-Sandale. Lange als bequemer, wenngleich etwas peinlicher »Gesundheitspatschen« bekannt, kooperiert die Firma seit den 2010er-Jahren mit den größten Mode-Ikonen und gilt mittlerweile für viele auch außerhalb der eigenen vier Wände als essenzieller Bestandteil der Garderobe. Ein unwahrscheinlicher Erfolg, wenn man bedenkt, dass in den 80ern noch recht unbeholfen mit dem Slogan »funny looking Birkenstock sandals« geworben wurde. Der mit fast 700 Seiten sehr ausführliche und sorgfältig gestaltete Bildband ist somit weit mehr als eine bloße Zusammenfassung der 250-jährigen Firmengeschichte. Er bietet eine Werkschau der sich wandelnden Marketingkampagnen eines Produktes, das nahezu unverändert bleibt. Das Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte, charakteristische orthopädische Fußbett ändert sich über die Jahre kaum, im Gegensatz zu den Werbetexten und der zunehmend dominierenden bildlichen Inszenierung der Schlapfen. Seit 2021 ist Birkenstock mehrheitlich nicht mehr in Familienbesitz, sondern in dem der amerikanisch-französischen Beteiligungsgesellschaft L Catterton, 2023 erfolgte

Vorgelesen für Fans leicht mystischer Erzählungen, die sich aktuellen Themen annehmen. »Grün« kommt ohne Hauptfigur aus. Stattdessen wird ein Ensemble genutzt, um die Geschichte einer Transformation zu erzählen: Die Pflanzenwelt erobert sich die Erde (zurück), indem sie alles überwuchert und mit Wurzeln untergräbt. Außerdem kommen immer mehr Menschen entweder schon mit Pflanzenteilen am Körper auf die Welt oder diese wachsen später an den Menschenkörpern. Als Reaktion auf diese Epidemie freunden sich die einen mit der Veränderung an, andere sehen in ihr eine Bedrohung und bekämpfen sie gewaltvoll. Die Geschichte basiert auf einer Story des Franzosen Patrick Lacan, selbst Autor und Comiczeichner, für den grafischen Stil des Buches ist Marion Besançon verantwortlich. Sie lässt sich dabei deutlich von Mangas inspirieren – und hält einen Großteil des Bu-

B ILD STEIDL, AVA NT

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R E ZE NSIO N E N


JUDITH STOLETZKY / »MANN MACHT YOGA« / Becker Joest Volk, 2025.

Nachgelesen für alle, die einen humorvollen und räucherstäbchenfreien Zugang zu Yoga suchen »Mann macht Yoga« ist ein charmantes Lockmittel, um Männer auf die Yogamatte zu führen. Der Inhalt des Buches ist laut Autorin Judith Stoletzky »Räucherstäbchen- und KIfrei«. Dafür gibt es jede Menge Humor und starke Bilder. Stoletzky zeigt 36 Asanas, bei denen Mann sich denkt: »Mach ich jeden Tag, nur ohne Namen.« Auf 144 Seiten wird ein Lkw-Fahrer zum Kamel, ein Bauarbeiter zur liegenden Krähe und ein Wrestler zum Löwen. Die 134 Fotos von Marvin Zilm und Stoletzky selbst spielen mit Klischees und brechen sie gleichzeitig auf. Das Buch beschreibt Yoga nicht so sehr als Lifestyle-Element, denn als pragmatischen Körperservice: dehnen, atmen, weniger Rückenschmerzen, mehr gute Laune. Und vor allem entwaffnend viel Selbstironie. Mit Bildern und klaren Anleitungen bietet »Mann macht Yoga« einen niederschwelligen Einstieg in die Yoga-Welt. Ideal für alle, die sich bisher nie in ein Studio wagen wollten – es aber vielleicht nicht zuletzt auch gerade deshalb sollten. Ein Buch für Männer, aber eigentlich für alle, die Yoga ausprobieren wollen und bisher keinen Zugang gefunden haben. FLORIAN JAUK

Wenn Gießen allein nicht reicht: RETENTIS für einen entspannten, grünen Garten Die Sonne brennt, der Boden trocknet. Und trotzdem hängen die Pflanzen schlapp im Topf. Wer kennt das nicht? RETENTIS kennt das nicht: Das biologische Hydrogel aus Lignin speichert Wasser und Nährstoffe direkt an den Wurzeln und gibt sie genau dann ab, wenn die Pflanzen sie brauchen. So bleiben Balkonpflanzen, Hochbeete oder dein Indoor-Jungle grün und vital, auch bei Hitze und kurzen Gießpausen. Ganz nebenbei unterstützt RETENTIS die Bodenstruktur, fördert Humusaufbau und ist zu 100 % biologisch, ohne Mikroplastik. Wer seine Pflanzen gesund, nachhaltig und pflegeleichter gestalten möchte, entdeckt hier eine natürliche Lösung, die langfristig Freude macht. agrobiogel.com

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG VON AGROBIOGEL

ches monochrom in graugrün. Nur der Epilog ist vielfarbig. Vieles bleibt nur angedeutet, Storyfäden werden nicht fertig erzählt – das legt die Betonung noch mehr auf die leicht verständliche Allegorie. Das Wechseln des Personals erschwert die Identifikation. Und so findet »Grün« wahrscheinlich Fans … das Buch bleibt im Vergleich zu anderen Werken – gerade solchen zur Umweltthematik – aber recht blass. Der Eindruck: »Grün« verlässt sich zu sehr auf sein Thema, statt Interessantes zu erzählen. MARTIN MÜHL


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WERNER LAMPERT

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1946–2025

Urs Niggli ist Präsident des Instituts für Agrarökologie und Obmann des Forschungsinstituts für ökologischen Landbau FiBL Österreich. Zuvor war er 3 Jahrzehnte lang Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (Fibl) Schweiz.

Baden bei Wien war Werner Lamperts Erfolg in aller Munde. Die EU-Kommission leitete in der Folge eine lange Phase intensiver Förderung ein: Forschungsprogramme, Gesetzgebung zur Kontrolle und Zertifizierung, das EU-Bio-Label und europaweite Marketingkampagnen. Doch Werner Lampert wollte den Biolandbau weiterentwickeln und neue KundInnen gewinnen. Für den Diskonter Hofer entwickelte er die Marke »Zurück zum Ursprung«. Ich erinnere mich an viele Gespräche in seinem Haus in Salzburg, in denen wir überlegten, wie sich die Uno-Nachhaltigkeitsziele in den Biolandbau und die Vermarktung integrieren ließen. Daraus entstand eine enge Zusammenarbeit mit den Forschungsinstituten Fibl Schweiz und Fibl Österreich. »Zurück zum Ursprung«, 2006 eingeführt, wurde rasch ein Erfolg und war eine Wegbereiterin für den Product Environmental Footprint (PEF). Gemeinsam mit dem Fibl Österreich arbeitete Werner in der Folge daran, den PEF um das Kriterium Regionalität zu erweitern. Die Energie und Kreativität von Werner Lampert schienen unerschöpflich. Ganz nebenbei schrieb er inspirierende Sachbücher wie »Die Kuh – eine Hommage«, in dem er gemeinsam mit Fotografen die wichtigsten Kuhrassen und Wildformen porträtierte und jedem Tier eine poetisch-fundierte Beschreibung widmete. Kein anderes Werk dokumentiert die Aufgabe der Menschheit – den Erhalt der über 15.000 Jahre gewachsenen Vielfalt – so eindrücklich. Lieber Werner, wir werden Dich mehr und mehr vermissen!

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in Pionier mit großer Schaffenskraft und prägender Wirkung auf die Entwicklung des Biolandbaus ist von uns gegangen. Das plötzliche Ableben von Werner Lampert trifft den Biolandbau in einer Phase, in der seine Ideen, sein Weitblick und seine Energie dringend gebraucht würden. In den vergangenen 30 Jahren hat sich der Biolandbau dynamisch entwickelt, dennoch fragen sich viele in der Biobranche, wohin er sich künftig bewegen wird. Mit dem Tod von Werner Lampert verliert der deutschsprachige Raum seinen hierfür wichtigsten Impulsgeber. 1994 überzeugte er den Unternehmer Karl Wlaschek, in der Supermarktkette Billa ein qualitativ hochwertiges Biosortiment unter der Marke »Ja! Natürlich« einzuführen – ein waghalsiger Schritt, denn bis dahin wurden Bioprodukte ausschließlich über alternative Kanäle wie Direktvermarktung und Bioläden verkauft. Das Konzept war ein großer Erfolg – für ihn, für den Konzern und letztlich für die gesamte Branche. Zahlreiche Nachahmer in ganz Europa folgten, und der Biolandbau erhielt einen ungeahnten Auftrieb. Mit seiner »Push & Pull«-Strategie prägte Werner Lampert ein Grundprinzip nachhaltiger Landwirtschaft: Die öffentlichen Direktzahlungen stoßen LandwirtInnen an, natürliche Ressourcen wie Boden, Wasser, Luft und Biodiversität zu schützen, während der Markt zieht, indem er neue Absatzmöglichkeiten für ihre hochwertigen Produkte schafft. Auf der ersten von der EU organisierten Konferenz zu den Potenzialen des Biolandbaus 1999 in

LAMPE RT-BERATUNGS -GMBH

Ein Nachruf von Urs Niggli auf den Pionier, der Bio in die Supermärkte brachte.


Jane Goodall begann 1960, das Verhalten von wild lebenden Schimpansen in Tansania zu erforschen und zeigte, dass Schimpansen Werkzeuge benützen, Emotionen haben und in komplexen Sozialstrukturen leben – sie sorgte weltweit für ein neues Verständnis von Primaten, innerhalb der Wissenschaft und in der Öffentlichkeit.

JANE GOODALL 1934–2025

Ein Nachruf vom österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen.

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VOGU E JA PAN/KAORI NIS HIDA

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ie Nachricht vom Tod von Jane Goodall hat mich mit tiefer Betroffenheit erfüllt. Ich erinnere mich noch gut, als wir gemeinsam durch den Nationalpark Donau-Auen spaziert sind. Und auch unser Zusammentreffen bei der Verleihung des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst ist mir in lebhafter Erinnerung. Bei allen Begegnungen und Gesprächen mit Jane Goodall war ich stets zutiefst beeindruckt. Von ihrem unglaublichen Wissen als Verhaltensforscherin, von ihrem gesamten Lebenswerk. Und auch von ihrer großen Strahlkraft als Person. Sie war aber nicht nur eine großartige Forscherin und eine bemerkenswerte Persönlichkeit.

Sie war und ist auch ein Vorbild und eine Inspiration. Sie hat uns gezeigt, dass jeder Mensch jeden Tag etwas dafür tun kann, die Welt zu einem besseren, lebenswerteren und friedlicheren Ort zu machen. Auf der ganzen Welt setzen sich Menschen in ihrem Namen für den Artenschutz ein, für die Umwelt, für Tierrechte und für einen respektvollen Umgang mit unserem Planeten. Das ist ein stolzes Erbe. Jane Goodall war eine außergewöhnliche Wissenschaftlerin und eine Stimme von weltweiter Bedeutung. Sie wird uns fehlen.

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E LT E R NA L LTAG

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STOPPTANZ Wer hätte gedacht, dass die eigentliche Schwierigkeit darin besteht, aufzuhören.

Autorin Ursel Nendzig, Mutter zweier Söhne, berichtet live aus der Achterbahn.

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ie Söhne sind offiziell im Teenageralter angelangt – faktisch (weil ihr Alter auf Englisch mit -teen endet) wie inhaltlich (weil Pubertät). Ich muss sagen: Ich hatte in den ersten Jahren wirklich Angst vor dieser Phase. Sie schien mir voller Gefräßigkeit, Gefahfinden Dinge einfach nicht mehr statt. ren und Gestank. Aber, erstaunlich, bisher ist es die, Niemand kommt mehr ins Bett gekrabmit der ich am besten umgehen kann. Vielleicht, weil belt wegen Albträumen. Niemand möchich mich im Unterschied zu allen anderen Phasen te mehr auf meinem Schoß sitzen. Niedavor selbst daran erinnern kann, wie es so ist, mit mand lässt sich mehr Hauben aufsetdreizehn oder fünfzehn. Ich bin überzeugt, ich kann zen. Niemand mag sein Brot geschnitten mich gut reinfühlen, oder besser: mitleiden. Auch bekommen. Niemand möchte mehr Hörwenn mir in dem Alter kein Flaum auf der Oberspiele hören. Niemand braucht mehr Hilfe lippe gewachsen ist, weiß ich, wie schrecklich das beim Legosteinesuchen. Weil niemand mehr ist, wenn nix mehr zusammenpasst. Lego baut. Wer hätte gedacht, dass die große Auch wenn ich einschränkend anführen muss, Challenge nicht etwa ist, Elternsein zu lernen, dass es ganz sicher etwas anderes ist, Mitte der 1990er-Jahre ein Teenager-Mädchen gewesen zu sein. Das merke ich vor allem, wenn die Söhne sich Schwänke von damals erzählen » Wer hätte gedacht, dass die lassen und sich einfach nicht vorgroße Challenge nicht etwa stellen können, wie das gewesen sein soll ohne Internet, dafür Teist, Elternsein zu lernen?« lefonzellen, Brieffreundschaften, erste Besäufnisse ohne ZeugInnen, Fahrradfahren ohne Helm. sondern es Stück für Stück zurückzufahren? Ich jeIch finde die Pubertät der Söhne spandenfalls nicht, obwohl ich es ja hätte wissen müsnend. Mit ihnen über alle möglichen Dinsen; wie gesagt: ich erinnere mich nur allzu gut an ge zu diskutieren. Dabei zuschauen, wie meine Pubertät. sie eigene Meinungen bilden. Wie sie Das Gemeine daran ist: Ich habe den Tag herbeigePolitik hinterfragen. Beobachten, welsehnt, an dem ich ungestört schlafen oder unser Wohnche Erwachsenen sie scheiße finden zimmer spielzeugfrei sein wird. Damit will ich nicht und warum. Womit ich aber kämpfe, sagen »Genießt es, solange es dauert, weil eines Tages ist der Abschied von ihrer Kindheit. werdet ihr es vermissen«. So funktioniert es nicht. Man Wachstumsschmerzen, heißt das muss durch diese Phasen gehen, muss sich mitreißen lasim Ratgeber-Sprech. Und ich muss sen, muss diesen Tanz einfach weiter tanzen, immer weiehrlich zugeben: Aua. ter. Und wenn die Musik kurz aufhört, stehenbleiben. Tief Denn plötzlich, und damit meine durchatmen. Und weiter. Stopp. Und weiter. ich wirklich von heute auf morgen,

ILLUSTRAT ION NANA MANDL

TEXT Ursel Nendzig


20 Jahre für Bio in Österreich Liebes BIORAMA-Team, wir gratulieren zu 20 Jahren Journalismus über Bio in Österreich und darüber hinaus! Just vor 20 Jahren hat auch Naturland in Österreich die ersten Mitgliedsbetriebe für die Umstellung auf Bio gewonnen. Seither sind es kontinuierlich mehr geworden, so dass inzwischen rund 2.400 österreichische Bio-Betriebe der Naturland Gemeinschaft

angehören. Lasst uns auch in Zukunft weiter gemeinsam für mehr Bio ackern und schreiben — in Österreich, in Deutschland und weltweit. Franz Bernhofer, Vorsitzender des Naturland Staatenvorstands Österreich


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