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Inoue Hisashi Die Sieben Rosen von Tōkyō

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japan edition herausgegeben von Eduard Klopfenstein, Zürich Dieses Werk erscheint im Rahmen des Projekts zur Veröffentlichung japanischer Literatur (JLPP), im Auftrag des japanischen Amts für kulturelle Angelegenheiten. Herausgeber für den deutschen Sprachraum: Eduard Klopfenstein.

Die Schreibweise der japanischen Namen wurde in ihrer ursprünglichen japanischen Gestalt belassen, also erst der Familienname, dann der persönliche Name. 2

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Inoue Hisashi

Die Sieben Rosen von Tōkyō Roman

Aus dem Japanischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Matthias Pfeifer

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Mehr Informationen im Internet.

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen, Verfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung auf DVDs, CD-ROMs, CDs, Videos, in weiteren elektronischen Systemen sowie für Internet-Plattformen. Japanischer Originaltitel Tōkyō sebun rōzu © Inoue Hisashi 2002 Erstveröffentlichung in Japan bei Bungei Shunju Deutsche Übersetzung © Matthias Pfeifer 2013 Verantwortlicher Herausgeber für den deutschen Sprachraum: Eduard Klopfenstein © 2013, japan edition im be.bra verlag GmbH, KulturBrauerei Haus 2, Schönhauser Allee 37, 10435 Berlin post@bebraverlag.de Lektorat: Marijke Topp, Berlin Umschlaggestaltung: Hauke Sturm, Berlin Umschlagmotiv: Canstock Satzbild: Friedrich, Berlin Schrift: Minion 10/13pt Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck ISBN 978-3-86124-917-7

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April 25. April Am frühen Morgen brachte mein Bruder, der im Haus an der Straßenecke wohnt, das Verlobungsgeschenk zur Familie Furusawa nach Senju. Hakamastoff, den ich neulich auf dem Schwarzmarkt für 250 Rundfächer erstanden habe sowie 500 Yen in bar. Da meine Firma wegen Materialmangels schon eine Weile keine Fächer mehr herstellen kann, war das für uns eine Entscheidung, mit der wir bis an unsere Grenzen gegangen sind. Als mein Bruder zurückkam, meinte er: »Der Bräutigam scheint bei dem Treffen neulich von Kinuko-chan nur die Hände gesehen zu haben. Deswegen schickt ihn die Familie Furusawa übermorgen Vormittag, also am 27., noch einmal zu euch. Die Herrin des Hauses wünscht, dass man Tadao ausreichend Gelegenheit geben soll, sich das Gesicht seiner Braut anzusehen.« Kinuko wurde rot, und ihre Schwestern, Fumiko und Takeko, neckten sie. »Kinuko selbst hat ja bisher noch keinen Blick auf das Gesicht ihres Zukünftigen geworfen!« Ich besprach mich mit meiner Frau, und wir kamen überein, die beiden übermorgen zum Shinbashi-Theater gehen zu lassen, wo gerade die Eröffnungsvorstellung von Onoe Kikugorō VI anläuft. Ohne Familie haben sie wohl ausreichend Zeit, sich wenigstens ins Gesicht zu sehen. Bei unserem Nachbarn Takahashi blühen schon die Zierkirschen, und die vorübergehenden Passanten sind immer ganz entzückt, wenn sie diese Blütenpracht sehen. 26. April Ich bin an diesem Morgen früh aufgestanden, um mein Motordreirad zu reparieren. Doch was ich auch versuchte, es sprang nicht an. Da wir uns bereit erklärt hatten, Dünger und Ackergerät des Produktionsbetriebes Furusawa mit dem Motordreirad an die Bauern in Katsushika zu liefern, tat ich alles Erdenkliche, um das Fahrzeug zum Laufen zu bringen, aber vergeblich. Als ich im Mittagsradio das Mandolinensolo Der Wachsoldat von einem gewissen Sasaki Masao hörte, besserte sich meine Laune etwas. Ich setzte Fumiko ans Steuer, befestigte ein Seil am Vorderteil des Dreirads und sagte meiner Frau, sie solle von hinten schieben. Ich selbst zog von vorne, und zu dritt gingen wir zur Reperaturwerkstatt Daihatsu in Nihonbashi-Honchō. 5

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Als der Meister sich das Fahrzeug angesehen hatte, sagte er: »Ganz schön abgenutzt, muss ich sagen. Wenn ich die entsprechenden Ersatzteile hätte, könnte ich wohl etwas machen, aber selbst der Hersteller hat die zurzeit nicht auf Lager. Tut mir leid.« Es blieb uns nichts anderes übrig, als das Dreirad wieder nach Hause zu ziehen, und so trotteten wir von Nihonbashi nach Nezu durch die verwüstete Stadtlandschaft. Ich hätte weinen mögen, so anstrengend war der Weg. Über das Ergebnis unserer Exkursion erstattete ich dem Produktionsbetrieb Furusawa telefonisch Bericht und bat um Verzeihung. Anschließend besuchte ich meinen Bruderim Eckhaus, um mich auch bei ihm zu entschuldigen. »Ich hatte gehofft, dass wir uns mit unserem kleinen Transportunternehmen über Wasser halten können, doch wenn unser einziger Lieferwagen nicht mitspielt, dann ist nichts zu machen. Ab morgen muss ich mir wieder die Füße wund laufen, um Material für die Fächer zu bekommen. Jetzt hast du schon den Kontakt zu dem Produktionsbetrieb Furusawa hergestellt, und ich kann den Erwartungen nicht gerecht werden. Das ist mir ziemlich unangenehm.« Mein Bruder antwortete: »Du kennst doch den Sakehersteller Yamamoto in Toride. Vor knapp fünf Jahren hat der bei euch zweitausend Fächer mit aufgedrucktem Firmennamen bestellt. Als ich ihn vor Kurzem aufgesucht habe, um mir unter der Hand etwas Sake zu kaufen, meinte der Chef dort, dass er für sein Motordreirad keine Verwendung mehr habe und es gerne jemanden überlassen würde, der bereit wäre, 1000 Yen Anzahlung zu leisten. Die Restsumme könne man in monatlichen Raten abstottern. Du kannst ja morgen mal dort vorbeischauen. Ich wäre sogar bereit, den Wagen mit meinem eigenen Geld zu kaufen und ihn dir gegen Gebühren zu vermieten.« Mein Bruder entnahm aus seiner Geldschatulle fünf 200-YenScheine, frisch gedruckt von der japanischen Notenbank. In letzter Zeit sind die 100-Yen-Scheine von miserabler Qualität. Papier und Druck gleichermaßen schlecht, und der Geldwert gering. Diese 200-Yen-Scheine dagegen, die ich zum ersten Mal sah, machten ein schönes, sattes Geräusch, als ich mit dem Finger dagegen schnippte. Wegen dieses sturen Motordreirads hatte ich seit einem Monat nichts als Ärger. Insofern stimmte mich die Aussicht, die ländliche Frühlingsidylle in Toride genießen und so zu neuen Kräften kommen zu können, anstatt die verrußte Luft des verbrannten Tōkyō einzuatmen, geradezu fröhlich. Ich nahm die druckfrischen Scheine in Empfang und verließ das Haus meines Bruders. 6

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Es ist seltsam. Immer wenn ich auf mein Motordreirad schimpfe, weil es wieder mal bockt, dann folgt die Strafe auf dem Fuß. Soweit ich mich erinnern kann, habe ich es vor acht Jahren, im Frühling 1937 erstanden, also zu einer Zeit, als mein Fächergeschäft noch bestens lief. Als das Flugzeug Kamikaze der Asahi Zeitung bei seinem Flug von Tōkyō nach London mit einer Flugzeit von 94 Stunden, 17 Minuten und 56 Sekunden einen Weltrekord aufstellte, bekamen wir den Auftrag, zu diesem Anlass Gedenkfächer für die Zeitungsleser zu produzieren. Damals hatte ich ein gutes Dutzend Angestellte. Auch die Dreingabefächer anlässlich der Eröffnung des Kōrakuen-Baseballstadions im September desselben Jahres hatte ich gemacht. Das Motordreirad hatte mir damals unschätzbare Dienste geleistet. Daher darf ich eigentlich nicht schlecht darüber reden. Auch als ich mich entschloss, ein kleines Transportunternehmen zu gründen, war der Hauptgrund dafür mein kleines Motordreirad. Nur dadurch konnte ich die Bekanntschaft mit dem Familienunternehmen Furusawa machen, in das unsere Kinuko nun einheiratet. Eigentlich ist ›stur‹ nicht der passende Ausdruck für mein Gefährt, denn tatsächlich ist es so fürsorglich wie der Gott der Heirat. Als ich am Haus der Familie Takahashi vorbeikam, hörte ich plötzlich das Motorengeräusch einer B-29. Es war ein einzelnes Flugzeug. Obwohl man eine Bomberwarnung hätte erwarten können, war keine Sirene zu hören. Merkwürdig, dachte ich und schaute zum Nachthimmel empor. Ein Erkundungsflug? Die kamen doch normalerweise tagsüber. Doch auf einmal, ich erschrak mich fast zu Tode, erstarb das Motorengeräusch, und wie aus dem Nichts hörte ich das Getöse eines ganzen Bomberverbandes. »Sieh an, Herr Yamanaka, wie er gemütlich durch die Gegend spaziert!« Aus dem Fenster des ersten Stockes zeigte sich der Kopf von Shōichi, dem Sohn der Familie Takahashi, der in die erste Klasse der Azabu-Mittelschule geht. »Sie sind schon der Fünfte, den ich heute mit einer Schallplatte reingelegt habe!« Er zog seinen Kopf zurück, und der Motorenlärm brach ab. »Nitchiku hat die Platte Das Dröhnen der B-29 herausgebracht«, sagte er, als er wieder am Fenster erschien und mir die Plattenhülle präsentierte. »Hier steht, Der tödliche Klang, endlich auf Platte, aber das können Sie von da unten nicht lesen.« 7

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»Mitten im Krieg so eine Platte zu verkaufen, ist eine Frechheit. Aber es gibt Leute, die kaufen einfach alles.« Ich blickte den Jungen mit ärgerlichem Gesicht an, der sogleich zu mir hinunterrief: »So spricht nur ein Volksverräter! Die Platte ist von der Obersten Heeresleitung zusammengestellt worden. Und sie wird sogar empfohlen vom Oberbefehlshaber der Verteidigung und dem Kriegsministerium!« Manchmal hat der Junge eine vorlaute Art an sich, ist aber im Grunde ernsthaft und offen. Er besitzt eine Ausstrahlung, die ich gerne bei Kiyoshi sehen würde. Unser Sohn lernt zwar immer fleißig, ist aber ziemlich verschlossen. Ich winkte Shōichi zum Abschied kurz zu und ging weiter. Zu Hause arbeitete meine Frau gerade an Kinukos Kimono. Seit einiger Zeit ruhte ihre Nadel nicht bis in die frühen Morgenstunden. Da sie einen Satz Futon und drei Kimonos alleine nähe, bleibe ihr keine Wahl, meinte sie. Ich ermahnte sie: »Übertreib doch nicht und leg mal eine Pause ein. Wenn du so weitermachst, kippst du mir noch um.« Doch darauf erwiderte sie nur: »Wenn ein Alarm kommt, schlage ich alles in ein großes Tuch, und du bringst das zu einem Stollen im Ueno-Berg. Bevor Kinukos Mitgift verbrennt, will ich lieber sterben.« Um an meinem Tagebuch zu schreiben, holte ich einen kleinen Schreibtisch herbei und stellte ihn neben meine Frau. 27. April Früh am Morgen fuhr ich zum Bahnhof Ueno und reihte mich in die Warteschlange für die Fahrkarten ein. Der Himmel war klar, und ein, zwei weiße Wolken zogen gemächlich von Osten in Richtung Westen. Da der letzte große Luftangriff schon zwei Wochen zurücklag, war das Heer der Ausgebombten etwas kleiner geworden, und im Bahnhof herrschte wieder der übliche Betrieb. Als der Zug von Kitasenju den Arakawa-Kanal überquerte, änderte sich die vor meinen Augen vorüberziehende Landschaft schlagartig. Die bis dahin gräulich trübe Stadtwüste wurde abgelöst von leuchtend grünen Weizenfeldern, in denen sich an verschiedenen Stellen Gelb oder ein zartes Rosa zeigte. Es waren Rapsblüten und Zierkirschen. In der Gegend von Kanamachi gab es viele Alleen mit Trauerweiden. Eine Wand aus frischem Grün glänzte im Sonnenlicht, 8

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dass man fast geblendete wurde. Um genau zehn Uhr erreichte ich das Anwesen der Brauerei Yamamoto. Der Besitzer war anscheinend geschäftlich bei einer Militärwollfabrik, und so trug ich mein Anliegen seinem betagten Vater vor, der aber nicht im Geringsten begriff, was ich von ihm wollte. »Wegen dem Motordreirad müssen Sie meinen Sohn schon selbst fragen. Wer sind Sie eigentlich?«, fragte er wiederholt, und jedes Mal antwortete ich geduldig: »Ich heiße Yamanaka und komme aus Nezu. Wir haben früher einmal von Ihnen einen großen Auftrag für bedruckte Fächer erhalten. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle nochmal herzlich bedanken.« Nachdem ich das einige Male gesagt hatte, meinte der Alte mit einer Stimme, die klang, als ob man einen Gong schlug: »Fächer? Brauchen wir nicht!« Geradezu ärgerlich wurde er und wiederholte immer wieder: »Brauchen wir nicht, brauchen wir nicht!« Später hörte ich von seiner Schwiegertochter, dass ein Ölfass, abgeworfen von einer B-29, ungefähr zehn Meter neben dem Alten eingeschlagen war und er seitdem etwas komisch war. »Seit einigen Tagen ist er unerträglich! Vor allem, als er erfahren hat, dass der Zuchtteich hier in der Gegend einem Reisfeld weichen muss. Sein Lieblingsessen ist nämlich Grillaal, müssen Sie wissen. Als ich ihm sagte, dass es bis auf Weiteres keinen Aal auf Reis mehr gibt, konnte er sich gar nicht mehr beruhigen und ist seitdem schlechter Laune. Wie ein Kind, kann ich da nur sagen.« Ich erinnerte mich an einen Artikel in der Asahi Shinbun, die ich am Morgen in der Warteschlange im Ueno-Bahnhof gelesen hatte: Grillaal mit Verspätung lautete die Schlagzeile. Darin hieß es, dass es im Bauerndorf Minamishōnai, das am Ufer des für seinen Aal berühmten Hamana-Sees lag, Pläne für eine vollständige Autarkie und ein freies Bauerntum gab. Der dortige Bürgermeister Tokuda Katsuhiko, Absolvent der reputierten Landwirtschaftlichen Universität Tōkyō, hatte vorgeschlagen, die 63 000 Quadratmeter umfassenden Zuchtteiche des Dorfes in Reisfelder umzuwandeln, die pro Jahr zwei Mal geerntet werden könnten. In diesem Jahr war die Reisanpflanzung schon für etwa 40 000 Quadratmeter vorangeschritten, und im Herbst wollte man die Ernte um 2000 Säcke steigern, im Vergleich zum Vorjahr das Doppelte. Die Umwandlung der Zuchtfischteiche in Reisfelder war inzwischen überall im Lande zu beobachten. Für die Steigerung des Reisanbaus kann man gar nicht dankbar genug sein, 9

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aber trotzdem esse auch ich Aal auf Reis für mein Leben gern. Daher ist mein Gefühl angesichts dieser Entwicklung etwas zwiespältig. Aber gut, was kann man machen? Dann muss ich halt vom Grillaal träumen, wenn ich ihn schon nicht mehr essen kann. Ich bin ziemlich geschickt in der Erzeugung von Träumen, in denen Essen vorkommt. Wenn ich mir vor dem Schlafengehen zum Beispiel vorstelle, wie ich mir den Bauch mit rohem Thunfisch und weißem Reis vollschlage, dann kann ich fast sicher sein, auch davon zu träumen. Heute Abend werde ich an Grillaal denken, bevor ich zu Bett gehe. »Ich spreche mit meinem Mann. Ich glaube schon, dass er den Wagen verkaufen wird«, fuhr Frau Yamamoto zu meiner Erleichterung fort. Ich bat sie anschließend noch um einige Lebensmittel. Sie verkaufte mir neun Kilo Sojabohnen, elf Kilo Kartoffeln, zwei große Bund Mitsuba, alles zusammen für zehn Yen. Für diese Menge waren zehn Yen so gut wie geschenkt. Frau Yamamoto nannte mir noch zwei weitere Bauern, bei denen ich für 45 Yen einen Sack Reis, einen Sack Sojabohnen, zwei Bund Zwiebel und 7,5 Kilo Weizenmehl erstand. In den letzten zehn Tagen konnte ich ein Dutzend Flaschen Ajinomoto-Gewürz, hundert Blatt guten Meerlattich, zwei Kilo Zucker, eine große Flasche Yamasa-Sojasoße, zwei Kilogramm gesalzenen Kabeljau und jeweils eine Flasche Würzsoße und Tomatenketchup von Bulldog erstehen. Dazu kommt noch meine heutige Kriegsbeute. Damit können wir für Kinuko ein opulentes Abschiedsessen bereiten, bevor sie in ihr neues Heim zieht. Auch für ihren ersten Besuch bei uns nach der Hochzeit wäre damit gesorgt. Hätten wir nur noch etwas Fischfilet oder Rindfleisch, dann wäre es geradezu perfekt, aber wie es in diesen schweren Zeiten immer heißt: »Luxus ist unser Feind.« Gegen fünf Uhr traf ich zu Hause ein. Als meine Frau sah, was ich mitgebracht hatte, kreischte sie vor Freude wie ein kleines Mädchen. In dem Augenblick kam auch Kinuko zurück, die sich heute mit ihrem Verlobten im Keisei-Ueno-Bahnhof verabredet hatte, diesmal ohne die Anwesenheit der Vermittlerin. »Bist du von Tadao nicht bis nach Hause begleitet worden?«, fragte ich und erfuhr, dass er sie zwar bis vor das Haus gebracht hatte, aber aus Verlegenheit nicht hereinkommen wollte. »Zu allem Überdruss hatten wir auch noch eine Begegnung mit Takahashis Shōichi, der uns ansprach. ›Ich habe gehört, dass jemand unsere Stadviertelschönheit zur Braut erwählt hat. Sind Sie etwa der Glückliche?‹, neckte er uns. Als Tadao das hörte, wurde er knallrot und lief einfach davon.« 10

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»Dieser Lümmel! Wenn ich den das nächste Mal sehe, werde ich ihn mir vorknöpfen. Darauf kannst du dich verlassen, Kinuko«, ereiferte sich Takeko und krempelte die Ärmel hoch. »Dass er überhaupt in der Azabu-Mittelschule aufgenommen wurde, hat er allein mir zu verdanken, Ich habe ihm zum Lernen angehalten, bis er schließlich bessere Noten bekam. Vor mir gibt er sich immer sanft wie ein Lämmchen, und vor anderen spielt er sich auf. Also, der bekommt was zu hören!« »Der redet seit einiger Zeit immer so altklug daher!«, warf Fumiko ein und legte die Essstäbchen nieder. »Weißt du, was ich mir von dem heute Morgen anhören musste? ›Herzlichen Glückwunsch! Jetzt wo deine Schwester heiratet, wirst du den Titel Stadviertelschönheit erben.‹ In diesem Alter müssen sich die Jungs vor Frauen immer so aufspielen.« »Du als Stadtviertelschönheit Nummer zwei? Darauf würde ich mir an deiner Stelle nichts einbilden. Das hat der bestimmt nicht ernst gemeint.« Kiyoshi knallte die Essstäbchen auf den Tisch und ging hinauf in sein Zimmer. Um die plötzlich eingetretene peinliche Stille zu unterbrechen, fragte ich Kinuko: »Wie war es eigentlich im Theater in Shinbashi?« »Bis die Vorstellung anfing, hat es ewig gedauert.« »Am Eröffnungstag ist das meistens so.« »Als das Kyōgenstück Am Stock gefesselt zu Ende war, hat Kikugorō, immer noch als Tarō-Kaja verkleidet, eine Ansprache gehalten, die großen Beifall gefunden hat. Koisaburō, Gennosuke und zehn weitere Schauspieler seien nach dem Großen Luftangriff verschollen. Es gebe unzählige Opfer dieser Katastrophe. Der einzige Schauspieler, der bisher verschont geblieben ist, sei Ichikawa Omezō. Unter den Orchestermusikern sehe es nicht viel anders aus; die meisten weilten wohl nicht mehr unter uns oder seien in alle Himmelsrichtungen verstreut. Tatsächlich gebe es nur einen, der die Stücke an diesem Abend musikalisch begleiten konnte, Herr Wasaburō auf seiner Shamisen. Auch die Kostüme und Requisiten seien den Bomben der B-29 zum Opfer gefallen und nun Asche im Wind. Was noch zu retten gewesen war, würde das Publikum vor sich sehen. Ihm selbst sei nichts als seine von ihm verkörperte Kunst geblieben, die allein weder notdürftig repariert noch irgendwo zusammengeklaubt, sondern als das Ergebnis eines lebenslangen Studiums unverändert sei und dank der er sogar etwas Stolz empfinde.« 11

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»Klingt ganz nach Kikugorō.« »Die Rede ging dann ungefähr wie folgt weiter: … verehrtes Publikum, ich bin ein Sohn des alten Tōkyō. Meine Vorfahren haben hier gewirkt und bis heute Ihre Unterstützung erhalten. Ich würde es nicht bereuen, wenn ich auf der Bühne des alten und des neuen Tōkyō durch Bomben fallen müsste. Tatsächlich wünschte ich mir nichts sehnlicher als das. Wenn ich den Herzen derjenigen Trost spenden kann, die beim Luftangriff alles verloren haben oder an der Heimatfront in den Fabriken alles für die Steigerung unserer Kampfkraft geben, dann wäre mir der Dienst für mein Land gelungen. Aus diesem Grunde habe ich mich entschlossen, bis zuletzt in unserer Kaiserstadt die Stellung zu halten. Die Zeitungen sind dünn geworden, und natürlich kann man nicht mehr anzeigen, welche Stücke wo aufgeführt werden. Ich denke daher, kaum jemand weiß, dass ich mich hier im Theater verschanzt habe und mich ganz meiner Kunst widme. Ich wäre Ihnen zu tiefstem Dank verpflichtet, wenn Sie der Welt da draußen berichten, was ich hier im Shinbashi-Theater mache. Halten wir gemeinsam durch, bis wir diesen heiligen Krieg gewinnen! Das war, in aller Kürze, die Ansprache von Kikugorō VI. Er sah wirklich abgemagert aus. Als ich ihn mit Vater im vorigen Herbst gesehen habe, strotzte er noch vor Gesundheit, und innerhalb eines halben Jahres ist er nur noch Haut und Knochen.« »Das geht in diesen Zeiten nicht nur ihm so.« »In der Pause haben Tadao und ich unser mitgebrachtes Essen verzehrt. Er hatte ein Rinderschnitzel dabei, das einfach göttlich geschmeckt hat.« »Wo habt ihr denn gesessen?«, fragte meine Frau. »Auf dem besten Platz, den du dir denken kannst; im Parkett ganz vorne, Reihe sieben, Platz elf und zwölf.« »Wirklich großzügig, muss ich sagen.« »Pro Person hat es 15 Yen und 50 Sen gekostet. Tadao hat für mich mitbezahlt.« »Ein etwas weniger teurer Platz hätte es doch auch getan. Dann hättet ihr die Differenz für euren Haushalt sparen können. Na gut, heute war ein besonderer Tag für euch beide. Aber wenn du bei den Furusawas wohnst, dann schau bitte etwas genauer aufs Geld.« »Auch wenn das Haus abbrennt, die Ersparnisse bleiben. Es ist viel zu riskant, Bargeld bei sich oder im Haus zu haben«, fügte Takeko singend hinzu. Als wir das hörten, lachten wir alle. Der Regierungsslogan »Auch wenn das Haus abbrennt, die Ersparnisse bleiben!« 12

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stammte vom Finanzminister anlässlich der Bekanntgabe einer neuen Sparverordnung und war schon seit einer geraumen Weile ein geflügeltes Wort unter der Bevölkerung. Wenn ich morgens bei schönem Wetter aufwache, ertappe ich mich manchmal, wie ich zu mir sage: »Auch wenn das Haus brennt, die Morgensonne bleibt – hoffentlich.« Oder wenn es irgendwo zu einer besonderen Gelegenheit Shiruko gibt, bedanke ich mich mit den Worten: »Auch wenn das Haus abbrennt, Shiruko bleibt!« »Hast du dich gut mit Tadao unterhalten?«, fragte Fumiko. »Er hat viel über die Firma gesprochen. Obwohl er erst vierundzwanzig ist, übernimmt er praktisch die ganze Arbeit seines Vaters. Sogar einen LKW-Führerschein besitzt er. Die Firma macht pro Monat nach seinen Worten fast eine Million Yen Umsatz.« Ich hatte schon vermutet, dass sich der Umsatz der Firma Furusawa in diesen Dimensionen bewegt. Die Steigerung der Lebensmittelund Waffenproduktion steht ganz oben auf der Prioritätenliste der Regierung, und alle damit in Verbindung stehenden Betriebe gedeihen prächtig. Der Produktionsbetrieb Furusawa verkauft Dünger und landwirtschaftliches Gerät an die Bauern. Da ohne diese beiden an eine Steigerung der Lebensmittelproduktion nicht zu denken ist, legt die Regierung diesen Branchen keine Hindernisse in den Weg. Solange noch Güter produziert werden, können wir zuversichtlich sein, weil diese Güter bestimmt Abnehmer finden. Andererseits wird der Betrieb Furusawa von den Abnehmern ihrer Produkte, den Bauern, stets mit Reis und Sojabohnen versorgt, in aller Heimlichkeit, versteht sich. Und diese Lebensmittel wiederum finden ihren Weg auf den Schwarzmarkt, wo sie gutes Geld einbringen. »Tadao sagte, dass seine Familie zurzeit in Matsudo, in einem Ort namens Shimoyagiri, für die Großmutter einen Alterswohnsitz baue. Seine jüngere Schwester Tokiko soll dort mit der Großmutter zusammenleben. Eine Art Evakuierung, wenn man so will.« »Deine Schwägerin wäre somit aus dem Weg«, bemerkte Takeko. »Umso besser, oder?« »Im Gegenteil! Jetzt habe ich’s noch schwerer.« »Wieso das denn?« »Tokiko ist ein richtiges Arbeitstier. Als sie vierzehn war, ist die Mutter gestorben …« »Und die jetzige Mutter?« »Ist die Stiefmutter.« 13

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»Eine Geisha aus Kameido, wie ich gehört habe«, unterbrach meine Frau das Gespräch der Schwestern. Als mein Bruder mit dem Heiratsantrag der Familie Furusawa zu uns kam, sagte er: »Irgenwann erfahrt ihr es ja doch, und so sag ich es lieber gleich. Die Herrin des Hauses stammt aus der Welt des leichten Gewerbes, und die Beziehung zu Tadao und vor allem die Beziehung zu ihrer Stieftochter ist nicht besonders gut. Das solltet ihr wissen, bevor ihr euch entscheidet.« Das wollte meine Frau Kinuko wohl beiläufig wissen lassen. »Kochen kann sie nicht, im Geschäft helfen tut sie auch nicht, und es scheint, dass sie mit Tokiko darüber ständig im Streit liegt. Nur im Reden, da ist sie groß. Auch wenn sie nur die Stiefmutter ist: Mutter ist Mutter. Je widerspenstiger sich Tokiko gab, desto unnachsichtiger wurde die Stiefmutter ihr gegenüber und sprang mit ihr sehr unsanft um. Letztendlich schien es immer Tokiko zu sein, die den Kürzeren zog und zu weinen anfing. Auch Kinuko wird es wohl mit dieser Frau nicht leicht haben, denke ich mal.« »Tadao hat nur gemeint, dass ich mich mit ihr gut stellen soll.« »Man kann ja wohl auch kaum erwarten, dass man von Anfang an alles über seine Familie ausplaudert.« »Wie auch immer, nach dem Tod der Mutter hat Tokiko die Schule abgebrochen und in der Küche gearbeitet. Sie musste täglich das Essen für die fünf Angestellten machen, das war nicht einfach. Trotzdem hat sie ihre Arbeit scheinbar mühelos bewältigt und hat dann irgendwann angefangen, auch im Laden mitzuhelfen. Sie hat sogar den LKW-Führerschein gemacht und in ihrer Arbeit Tadao nicht nachgestanden. Ich glaube, es gibt zwischen Ueno und Senju nur drei Frauen, die einen LKW-Führerschein besitzen. Und jetzt muss sie mit der Großmutter nach Shimoyagiri ziehen. Ich kann unmöglich ein Ersatz für sie werden. Das habe ich gemeint, als ich sagte, dass es schwer für mich werden wird.« »Auch wenn diese Tokiko eine richtige Arbeitsbiene ist, eine Frau kann sie Tadao nicht ersetzen. Du darfst ruhig mit erhobenem Kopf dort auftreten.« Meine Frau tröstete Kinuko mit einer Logik, die eigentlich kaum dazu angetan war, wirklichen Trost zu spenden. Ich stand auf und schaltete das Radio ein. In den Sieben-Uhr-Nachrichten wurde gemeldet, dass schon Zweidrittel von Berlin durch die Rote Armee besetzt seien. Nach den Nachrichten hörten wir zusammen die Ansprache »Wie wir in Okinawa gewinnen« von Shimomura Hiroshi, 14

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dem Direktor des Amts für Propaganda. Im Kampf um Okinawa hätten wir bisher ungeheure Opfer gebracht, aber die feindlichen Verluste an Flugzeugen und Schiffen seien ungleich größer, sagte er. Und weiter: Gerade jetzt gebe es keinen Unterschied mehr zwischen Front und Heimat. Jetzt müsse das ganze Volk eins werden und ohne Rücksicht auf Verluste alles für den Kampf in Okinawa geben, entsprechend dem aufopferungsvollen Kampf von Offizieren und Mannschaften des kaiserlichen Heeres, sprich Marine, Heer und Spezialeinheiten und nicht zuletzt der Bevölkerung auf Okinawa. Wenn das ganze Volk ein einziger Sturm werde, würde unser heiliges Japan ewig leben, und die Zeit nahe, wo die Mission unseres großen asiatischen Krieges endlich vollendet sei. Damit schloss die Ansprache. Er erwähnte auch, dass in Berlin immer mehr Frauen Schulter an Schulter mit den deutschen Truppen zusammenkämpften und aus den Fenstern Granaten auf die vorbeiziehenden Truppen der Roten Armee warfen. Gerade diese Frauen seien ein leuchtendes Vorbild für das kaiserliche Volk an der Heimatfront. Ich schreibe dies nieder, während ich die fünfte Folge des Radiohörspiels Yamaoka Tesshū von Ichikawa Yaozō höre. 28. April Seit dem 19. April gab es keine Luftangriffe mehr auf das Zentrum von Tōkyō, und der angenehme Frühling geht weiter. Meistens kommen einzelne B-29-Bomber und hinterlassen am Himmel über der Stadt ihre Kondensstreifen. Ohne Zweifel spähen sie nach Zielen für den nächsten Angriff. Vor einem großen Luftangriff ist es immer so. Es ist so ruhig, dass man fast nicht wagt, sich zu rühren. Wenn ich an den nächsten Luftangriff denke, bekomme ich Angst. Doch es hilft nicht weiter, sich um morgen den Kopf zu zerbrechen. Das Geheimnis, um das Leben in der Hauptstadt auszuhalten, besteht darin, den Augenblick zu heiligen. Ist dieser gut, ist alles gut. Es gibt nichts anderes, als diesen einen Moment der Ruhe zu genießen. Nachts kann man jedenfalls in Frieden schlafen, da um diese Zeit keine Luftangriffe geflogen werden. Das kann man gar nicht hoch genug schätzen. Wenn wir Glück haben, dann kann Kinukos Hochzeit und ihr Umzug von Luftangriffen unbehelligt stattfinden. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese friedliche Ruhe in der Reichshauptstadt ein Geschenk der tapferen Helden unserer Spezialeinheiten ist. Die feindlichen Streitkräfte rücken zwar auf Okinawa vor, doch unsere wagemutigen Kamikazeflieger werden sich kühn und 15

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ohne zu zögern auf sie stürzen. Wie der Direktor des Propagandaamtes, Shimomura Hiroshi, letzte Nacht in seiner Ansprache gesagt hat, sind die Verluste der feindlichen Schiffe durch den Einsatz unserer Spezialeinheiten ungeheuer. Wenn der Feind wirklich in Okinawa den Sieg erringen will, muss er nicht die Hauptstadt, sondern zuerst den Stützpunkt der Spezialeinheiten in Kyūshū angreifen. Demzufolge wird er seine B-29-Verbände auf Kyūshū lenken und damit natürlich keinen Spielraum mehr haben, die Hauptstadt zu bombardieren. In der Asahi Zeitung stand heute ein Artikel, der die Richtigkeit meiner Vermutung unterstützt: Gestern, am 27.4. früh am Morgen. Ungefähr 150 B-29-Bomber bombardieren seit dem Vortag ununterbrochen verschiedene Stützpunkte in Süd-Kyūshū. Ich möchte mich vor den Helden der Spezialeinheiten tief verbeugen, denen wir diese Ruhe und den unbehelligten Schlaf in unserer Hauptstadt verdanken. Apropos Zeitung. Am Morgen fragte mich Herr Tokuyama von der Zeitungsverteilerstelle: »Herr Nakayama, sie abonnieren doch die Asahi Shinbun und die Yomiuri Shinbun, nicht?« Ich antwortete: »Bis letztes Jahr habe ich außer diesen beiden auch noch die Mainichi Shinbun gelesen, aber an Neujahr hat man mich gebeten, eine Zeitung weniger zu bestellen, und ich habe auf die Mainichi Shinbun verzichtet. Warum fragen Sie?« Herr Tokuyama sagte: »Morgen wird es wohl in jeder Zeitung stehen, denke ich. Ab Mai muss sich jeder Haushalt mit einem Blatt begnügen, das heißt, Sie müssen eine Zeitung aufgeben, ob die Yomiuri oder die Asahi, das können Sie entscheiden.« Das ist eine ungemein schwierige Entscheidung für mich. Ich stöhnte auf, als er mir das mitteilte. Seit wir die Produktion von Rund- und Faltfächern aufgeben mussten, vergeht kein Tag, an dem ich mir nicht über etwas den Kopf zerbrechen muss. Nur wenn ich die Zeitung aufschlage oder Radio höre, kann ich meine Alltagssorgen für eine Weile vergessen. Die wenigen Vergnügen, die mir noch geblieben sind, waren diese beiden Zeitungen und das Radio. Und eines von diesen drei Vergnügen wird mir jetzt weggenommen, das ist nicht einfach zu verkraften. »Die Zeitungsverlage haben uns beauftragt, es den Leuten zu sagen.« Herr Tokuyama präsentierte mir ein Blatt von der Größe einer Sonderausgabe. »Morgen wird in jeder Zeitung auf der ersten Seite genau dasselbe stehen.« 16

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Um etwas Zeit für meine Entscheidung zu gewinnen, bat ich ihn um Erlaubnis, mir den Wortlaut der Bekanntmachnung abschreiben zu dürfen. Ab dem ersten Mai werden die Bezieher von zwei Zeitungen gebeten, ihr Abonnement auf eine Zeitung zu reduzieren. Diese Maßnahme dient dazu, die durch die angespannte Kriegslage hervorgerufene Papierknappheit zu regulieren, um unserer Pflicht zur Berichterstattung auch weiterhin nachzukommen. Wir bitten um Ihr Verständnis. Ihr lokaler Zeitungszusteller wird Sie darüber informieren. Asahi Shinbun Tōkyō Shinbun Nihongyō Shinbun Mainichi Shinbun Yomiuri Hōchi Während ich das abschrieb, überlegte ich. Vor acht Jahren hatte ich sowohl von der Asahi Shinbun als auch von der Yomiuri Shinbun große Aufträge erhalten. Die Asahi bestellte damals 20 000 Rundfächer, die Yomiuri 3 000. Beide Aufträge waren mir sehr willkommen, aber wenn ich mich wirklich entscheiden müsste, welcher Auftrag mir mehr Freude bereitet hatte, dann fiele meine Wahl doch auf die Asahi, die schließlich 17 000 Fächer mehr bestellt hatte. Ich musste in den sauren Apfel beißen und die Yomiuri Shinbun aufgeben. Mit erstickter Stimme sagte ich zu Herrn Tokuyama: »Stellen Sie mir von nun an nur noch die Asahi Shinbun zu.« 29. April Heute ist der Geburtstag des Kaisers, ein Tag zum Feiern. Der Tag der Geburt unseres erlauchten Herrschers jährt sich an diesem 29. April zum 44. Mal. Auf dass er sich auch weiterhin bester Gesundheit erfreue. Ich kann nur mit tiefer Ehrfurcht bewundern, wie er diese schweren Zeiten erträgt und nicht nur das militärische Kommando innehat, sondern auch die politischen Geschicke unserer Nation mit äußerster Pflichterfüllung leitet. Es ist zudem ein Sonntag, und kein Anzeichen von einem Luftangriff. Gerade an einem solchen Tag möchte man sich richtig ausschlafen und diesen in aller Gemütsruhe verbringen, aber das ist nur Wunschdenken. Ich muss mein letztes Vermögen, das ich im 17

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Ensō-Tempel in Yanaka aufbewahren lasse, 2000 Rundfächer und 400 Faltfächer, zum Haus meines Onkels in Shinjuku-Tsunohazu bringen. Es ist mein Plan, sie ihm anzuvertrauen und so, wenn er mit seiner Familie in die Präfektur Yamaguchi evakuiert, die Grundlage unserer Existenz an einen sicheren Ort zu schaffen. Auch der Oberpriester des Ensō-Tempels schien sich auf das Land zurückziehen zu wollen. Gerade in dieser von so vielen Todesfällen und Katastrophen heimgesuchten Hauptstadt wäre die Anwesenheit der Priester dringend notwendig, doch wenn selbst die heiligen Männer einer nach dem anderen Tōkyō verlassen, dann ist das Ende nahe. Von meinem Bruder im Eckhaus konnte ich mir einen Fahrradanhänger ausleihen. Er betreib offiziell einen Geldverleih, verleiht aber nebenbei noch Fahrradanhänger und andere Dinge, die er wohl als Pfand für gewährte Kredite erhalten hat. In dieser Hinsicht ist er ziemlich gewieft. Mein Bruder hat sich offenbar entschlossen, bis zu allerletzt in der Hauptstadt auszuhalten und den Besitz der stadtflüchtigen Bewohner zu Tiefstpreisen aufzukaufen. Da mein Sohn Kiyoshi mit einem Stirnband (»Mein Ziel: Marine-Wirtschaftsschule«) am Tisch saß und für die Aufnahmeprüfung büffelte, bat ich Shōichi, mir zu helfen und den Anhänger von hinten zu schieben. »Für einmal Shinjuku hin und zurück bekommst du einen Yen«, versuchte ich den Jungen mit einem ungewöhnlich hohen Entgelt zu motivieren, doch er verzog keine Miene. Als ich hinzufügte, »Fumiko und Takeko helfen auch mit«, hellte sich sein Gesicht mit einem Mal auf. Als wir durch die Ruinen des Hongō-Bezirks marschierten, sahen wir, dass sich viele Menschen auf der Straße versammelt hatten. Ob es daran lag, dass Shōichi keine Lust mehr hatte, zu schieben, oder die Anwesenheit von Takeko und Fumiko nicht ganz das hielt, was sie versprochen hatte (womöglich beides), auf jeden Fall verlangte er: »Onkel, können wir nicht mal eine Pause machen?« Wenn er mir jetzt abhaut, wird es später schwer, dachte ich und kam seinem Wunsch nach. Während wir uns ausruhten, blickten wir auf die Menschentraube. Inmitten von gerade aufgeräumten Zinkblechplatten und Ziegelsteinen waren Stühle aufgestellt, auf denen etwa zwanzig Personen saßen. Daneben stand ein Pfahl mit einem Poster. Darauf war folgender Text zu lesen: Bewegung Patriotischer Industrieverband (Veranstalter). Diskussion unter freiem Himmel: Leben im Erdbunker – Erfahrungsberichte aus dem Untergrund. 18

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Ein Mann von Anfang dreißig in der allerneuesten Volksuniform, der allem Anschein nach die Veranstaltung leitete, hielt eine Rede: »Sie, die Sie sich heute hier versammelt haben, sind ausgebombt worden. Sie haben trotzdem den Mut nicht verloren und führen seitdem ein beispielhaftes Leben im Erdbunker. Auch wenn die Städte in unserem Land der Götter in Schutt und Asche fallen, wir weichen keinen Schritt zurück und kämpfen weiter bis zu dem Tag, an dem wir die angloamerikanischen Barbaren besiegt haben. Und wenn das ganze Volk bis auf den letzten Mann im Untergrund leben muss, dürfen wir nicht wanken. Sie haben schon einen Monat Bunkerleben hinter sich gebracht. Ja, Sie sind es, die dem ganzen Volk vorangehen und ein Leben führen, das diesen Zeiten eines allgemeinen Volkssturmes gemäß ist. Sie sind uns Lehre und Beispiel zugleich. Den Inhalt der heutigen Veranstaltung werden wir in einer kleinen Broschüre verewigen und im ganzen Land verteilen. Ich bitte daher alle Teilnehmer, sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen.« Offensichtlich hatte die Veranstaltung gerade erst begonnen. Ein Teilnehmer nach dem anderen meldete sich zu Wort, um von seinen Erfahrungen zu berichten: »Als ich von unten zum Einstieg schaute, ist es manchmal vorgekommen, dass ein herrenloser Hund vom Bunkerrand auf mich herabsah. Dass ein Straßenköter auf mich herabsieht, war eine völlig neue Erfahrung für mich.« »In einem Bunker ist das Vorhandensein von unterschiedlichen Werkzeugen völlig überflüssig. Ich dachte fälschlicherweise, dass ohne diese Werkzeuge der Alltag nicht zu bewältigen ist. Erst jetzt habe ich allmählich meinen Irrtum begriffen.« »Es gibte viele Losungen im Volk wie Kein Anspruchsdenken bis zum Endsieg oder Luxus ist unser Feind, aber erst im Bunker kann man den wahren Sinn dieser Worte am eigenen Leib erfahren.« »Auch wenn ein Bomberalarm kommt, braucht man keine Angst zu haben; das ist der größte Vorteil im Bunker.« »Im Bunker kann man nach Lust und Laune jeden Tag graben. Nur wer selbst im Bunker lebt, weiß, welche Freude es macht, mit den eigenen Händen seinen Lebensraum zu erweitern.« »Da kann ich nur zustimmen. Und beim Graben kann man die tollsten Entdeckungen machen. Sie glauben gar nicht, was da alles ans Tageslicht kommt. Vor einigen Tagen bin ich auf einen Topf gestoßen, der sogar noch benutzbar ist, stellen Sie sich das mal vor!« 19

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»Im Bunker gibt es Gott sei Dank keine störenden Geräusche. Man muss sich auch nicht um neugierige Nachbarn kümmern.« Bis dahin lief alles nach Wunsch, aber schließlich gab es doch auch Stimmen, die auf Unannehmlichkeiten hinwiesen. »Die Feuchtigkeit ist kaum auszuhalten.« »Ohne Elektrizität ist es nicht einfach.« »Es wäre gut, wenn man uns Kerzen zuteilen würde.« »Könnte man uns nicht rechtzeitig über etwaige Straßenbaupläne der Stadtverwaltung informieren? Wer sich einen Erdbunker gräbt und darüber nicht Bescheid weiß, kann am Ende eine böse Überraschung erleben.« »Man sollte die Zuteilungsstellen von Reis und Miso auch in der Nähe der Erdbunker von abgebrannten Orten einrichten. Zurzeit sind diese Stellen so weit entfernt, dass es sehr anstrengend ist, seine Ration zu bekommen. Ich bitte daher um gesonderte Zuteilungsstellen für Erdbunker.« »Um an einer Brandstätte pflügen zu dürfen, muss man erst die Genehmigung des Grundstückbesitzers einholen. Von denen sind aber viele schon evakuiert und somit unerreichbar geworden. Das bringt uns ziemlich in die Bredouille.« »Die Zeitungszustellung sollte auch für Erdbunker erfolgen.« Die Redebeiträge wurden nun immer kritischer, und von einer entspannten Atmosphäre war inzwischen nichts mehr zu spüren. Die Diskussionsveranstaltung, die mild wie das Frühlingswetter hätte verlaufen sollen, hatte sich zu einer Art Dringlichkeitssitzung entwickelt. In einer Ecke saß ein mit weißem Hemd und Krawatte für diese Zeiten überraschend vornehm gekleideter älterer Herr, der freundlich lächelte. Er stand auf und begann zu sprechen. »Mein Name ist Yamazaki Kyōsuke. Ich bin Professor an der Technischen Fakultät der Kaiserlichen Universität von Tōkyō. Die Gegend Hongō und meine Universität sind unauflöslich miteinander verbunden, und daher denke ich, wir von der Universität müssen mehr tun, als uns nur um zerstörte Häuser zu kümmern, sondern auch bei rechtlichen oder medizinischen Problemen fachlich mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ich höre daher Ihre Meinung mit großem Interesse. Schon morgen werde ich mit Studenten, die sich als Freiwillige gemeldet haben, eine Vereinigung gründen, die wir vielleicht Gesellschaft zur Aufsicht und Unterstützung des Bunkerlebens nennen könnten. Wir haben vor, morgen bei allen Bunkern die Runde zu machen, um 20

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uns Ihre Sorgen und Fragen anzuhören. Ich danke Ihnen jedenfalls für Ihre wertvollen Erfahrungsberichte.« Auch ich bedankte mich im Stillen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch Nezu in Schutt und Asche liegt, und dann müssen auch wir ein neues Leben in irgendeinem Bunker auf dem Berg von Ueno beginnen. Wenn ich mir das heute Gehörte zu Herzen nähme, dann würde mich der Verlust meines Heims jedenfalls nicht unvorbereitet treffen. Vor allem Kerzen sind wichtig. Von jetzt an werde ich entsprechende Vorkehrungen treffen. »Meine Güte, was für eine lahme Versammlung!« Shōichi stapfte zurück zum Fahrradanhänger, der von Fumiko und Takeko bewacht wurde. »Die Teilnehmer waren ja nur Männer, wie langweilig. Wer die nur ausgewählt hat.« »Wo steht denn geschrieben, dass eine Versammlung durch Frauen interessanter wird?« »Frauen hätten bestimmt darüber erzählt, wie unhygienisch das Leben im Bunker ist und mit welchen Problemen sie kämpfen müssen. Onkel, ich habe eine Freundin, deren Vater bei der Elektrofirma Meidensha eine wichtige Stellung hat. Die hat mir mal erzählt, was dort im Firmenwohnheim für Mädchen passiert ist.« Die Firma Meidensha besitzt nach seinen Worten ein Wohnheim namens Meihō, in dem nur Mädchenstoßtrupps und Arbeiterinnen untergebracht sind. Im Meihō-Wohnheim gibt es keine Badevorrichtung, und daher gehen die Mädchen zu dem nahegelegenen öffentlichen Badehaus Kusatsu-Goldbad. Dort ist es wie in allen öffentlichen Bädern vollkommen überfüllt, was dazu führte, dass die Mädchen irgendwann nicht mehr hingingen. Sie wurden zusehends ungepflegter, bis schließlich viele von ihnen Hautkrankheiten bekamen. »Es gibt noch ein weiteres Wohnheim von derselben Firma. Das heißt Meibu und ist für die Arbeiter. Obwohl die dort bei Weitem schmutziger als die Mädchen sind, ist kein einziger von Hautausschlag befallen. Mit anderen Worten, Frauen sind von Natur aus empfindlicher gegenüber Schmutz, und deshalb denke ich, wenn bei der Versammlung Frauen gewesen wären, hätten wir interessanten Gesprächsstoff zu hören bekommen, wie schwer es ist, die Körperhygiene aufrecht zu erhalten und so weiter.« »Was? Das ist alles, was dich interessiert?« »Das ist doch wichtig! Ich habe den Film Mädchen in der Kaserne mit Mito Mitsuko im Shōchiku-Filmtheater in Asakusa gesehen. Obwohl in dem Heim, wo Mito Mitsuko und die anderen Mädchen 21

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gewohnt haben, kein Bad war, sahen sie immer wie aus dem Ei gepellt aus. Ich finde das seltsam. Im Geist der Wissenschaft ist ein bekannter Slogan, aber die Filmleute sind völlig unwissenschaftlich …« Ich musste unwillkürlich lachen. «Du machst dir viele Gedanken um die Mädchen, wie ich sehe.« »Überhaupt nicht! Ich gehe zur Marineakademie Edajima!« »Warum lachst du denn, Vater?«, fragte mich Takeko. »Shōichi, über was habt ihr geredet?« »Männerangelegenheit. Das geht dich nichts an«, anwortete der Junge schroff, ging hinter den Fahrradanhänger und packte wieder an. Auf dem Rückweg hatten wir keine Last, was das Ziehen erleichterte. Ich ließ die Mädchen mit der Bahn nach Hause fahren und zog mit Shōichi abwechselnd den Karren. Unterwegs unterhielt ich mich mit dem Jungen, der mir erzählte, wie die Großmut des Besitzers vom Kusatsu-Goldbad das Ausbreiten der Hautkrankheiten im Meiho-Wohnheim verhinderte, indem er das Frauenbad jeden Monat acht Mal von sieben bis acht Uhr nur für die Mädchen des Firmenwohnheimes öffnete. So weit Shōichi. Auf dem Esstisch stand ein Topf mit Reissuppe. Ohne zu zögern begannen wir mit dem Abendessen. Kinuko schien es schlecht zu gehen. Tränen kullerten über ihre Wangen in die Suppe. »Was hast du denn?«, fragte ich, und meine Frau antwortete mir: »Ich habe sie gescholten, weil sie den Kimono nicht ordentlich genäht hat. Es geht einfach nicht, dass meine Hinweise zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus gehen. Wenn er für jemand anderen wäre, dann könnte ich es vielleicht noch verstehen, aber bei dem eigenen Kimono sollte man sich doch ein bisschen mehr Mühe geben. Bei den Furusawas wird sie so zum Gespött der Familie und keiner wird sie ernst nehmen. Wahrscheinlich werden sie auch noch hämische Bemerkungen über die Art meiner Erziehungsmethoden machen. Deswegen ist mir der Geduldsfaden gerissen.« Meine Frau redete sich zunehmend in Rage, was typisch für sie ist. Es passiert nicht selten, dass sie sich grundlos ereifert. Da wir schon vierundzwanzig Jahre zusammenleben, habe ich mich mehr oder minder an ihre Eigenarten gewöhnt, doch diese Eigenschaft geht mir nach wie vor auf die Nerven. »Kinuko gehört jetzt nicht mehr zu unserer Familie!« Bevor ich es merkte, sprach ich selbst in einem ärgerlichen Ton. »Sie gehört praktisch schon zum Furusawa-Haushalt und du hast kein Recht mehr, sie zu schelten!« 22

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Meine Frau sagte darauf: »Nimm doch noch etwas!« und schenkte mir einen ganzen Löffel der Reissuppe in meine Schüssel, so dass sie zur Hälfte gefüllt war. Ich lasse mir nicht durch Dreingaben oder Reissuppe etwas vormachen. Da ich aber heute nach Shinjuku hin und zurück gelaufen bin, war ich ziemlich hungrig und aß die Schüssel leer. 30. April Am Morgen wurde es plötzlich im Radio gebracht: »Mehrere feindliche Bomberverbände nähern sich von Süden und befinden sich in der Nähe des Festlandes. Die Bevölkerung wird gebeten, sich in Acht zu nehmen.« Ich verstaute Kinukos Sachen in dem von meinem Bruder geliehenen Anhänger. Normalerweise bereite ich in so einem Fall Proviant und für den Alltag notwendige Dinge vor, doch heute nicht. Als ich gerade losgehen wollte zu den Bunkern in Ueno, hörte ich unseren Gemeindevorsteher durch ein Megaphon rufen: »Nur Personen über sechzig und Schwangere begeben sich zu den Bunkern. Alle anderen bleiben hier. Wenn alle Bewohner ihre Häuser verlassen und sich verkriechen, können wir unsere Gemeinde nicht mehr beschützen. Unser Stadtviertel Miyanaga-chō müssen wir selbst verteidigen. Nezu ist bisher von den Bomben verschont geblieben, und daher haben wir die Pflicht, hier unseren Mann zu stehen. Sie alle können mit Ihren eigenen Augen sehen, wie schlecht es um die steht, die ausgebombt worden sind. Wenn Sie nicht genauso enden wollen, dann müssen Sie Nezu und Miyanaga-chō verteidigen. Sollte es Leute geben, die in der Lage sind, an Luftabwehrmaßnahmen teilzunehmen, und die trotzdem das Viertel im Stich lassen, indem sie sich entfernen, dann sind Sie dazu aufgefordert, das dem Gemeinderat schriftlich mitzuteilen. Die Person wird sofort der Polizei gemeldet und streng bestraft. Fliehen darf man nur, wenn Miyanaga-chō ein Flammenmeer ist. Bis dahin hat jeder gesunde Mitbewohner die Pflicht, bei Luftschutzmaßnahmen mitzuwirken.« Von diesen Worten aufgehalten, konnte ich mich jetzt natürlich nicht gut davonstehlen. Ich ließ den Anhänger stehen und füllte zehn Eimer mit Wasser, die ich vor unser Haus stellte. Dann lehnte ich eine Leiter ans Vordach und bereitete einen Stock mit einem Seilbündel an einem Ende zum Feuerausschlagen vor. Der Bomberalarm ließ nicht lange auf sich warten. Im Radio wurde durchgegeben: »Die Fliegerverbände haben den Westen von Keihin bombardiert, der Luftraum über der Hauptstadt ist klar.« Ich konnte nicht einfach abwarten und 23

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ging in den Garten, um Holz zu hacken. Als um halb zwölf mittags die Entwarnung kam, lud ich Kinukos Mitgift wieder vom Wagen und aß zum Mittag gekochte Kartoffeln. Die Bombardierung setzte sich von Keihin im Westen nach Tachikawa und Tokorozawa fort, hieß es im Radio weiter. Mir war sofort klar, dass die Ziele die dortigen Flugplätze waren. Kinuko wollte ursprünglich am Morgen zur Handelsgesellschaft Mitsubishi, ihrer Arbeitsstelle, fahren, um dort ihre Kündigung offiziell mitzuteilen, doch der Fliegeralarm hatte das vereitelt. Beim Mittgessen sprang sie aber plötzlich auf. »Ich gehe doch heute!«, zischte es aus ihr heraus wie entweichende Luft aus einem gesperrten Wasserhahn. Wenn man drei Jahre und einen Monat bei einer Firma tätig ist, dann entwickelt man eine Zuneigung zu seiner Arbeit und den Kollegen, so dass eine Kündigung nicht leicht fällt. Am Nachmittag erreichte uns eine gute Nachricht. Ich wusste schon, dass ab dem 1. Mai die tägliche Zigarettenration von drei wieder auf wie zuvor fünf angehoben werden sollte, aber nicht von der neuen Regelung, laut der die gesamte Zuteilung bis zum 9. Mai, also 45 Stück, schon am heutigen Tage erfolgt. Ich bin leidenschaftlicher Raucher, und selbst bei meinen Versuchen, meinen Konsum zu zügeln, komme ich auf sieben Zigaretten pro Tag. Wenn ich keine mehr habe, muss ich sie mir bei meinem Bruder im Eckhaus schwarz kaufen. Für zwei Yen bekomme ich zehn Glimmstengel, allerdings keine richtigen, sondern welche, die Kaffeezigaretten heißen. Auf dem Filterpapier stehen japanische Zeichen und englische Lettern. Man hat wohl irgendein Wörterbuch dazu benutzt, entweder ein Englisch-Japanisches oder umgekehrt. Die Blätter sind eine Mischung aus Beifuß und Tabak, unter die, wohl um den Duft angenehmer zu machen, Kaffeepulver gemischt wurde. Mein Bruder verkauft auch die Marke Hikari, doch da kostet eine Schachtel mit zehn Stück 11,50 Yen, das heißt ein Stück 1,15 Yen. Das kann ich mir nicht leisten, und so paffe ich Kaffeezigaretten. Ich ging zum Leiter des Nachbarschaftsvereins, Takahashi, und bekam von seiner Frau Zigaretten. Es waren Hikari. Ich ging nach draußen und zündete mir sofort eine an. Nach sieben langen Tagen endlich wieder eine richtige Zigarette schmecken zu können, war etwas Besonderes. Mir wurde ganz schwummerig, als das Nikotin sich in meinem Körper verteilte, und meine Fingerspitzen wurden richtig taub. »Onkel, wollen Sie mir nicht eine Zigarette verkaufen?« Shōichi sah vom ersten Stock auf mich herab. 24

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»Was will denn ein Mittelschüler mit Zigaretten? Ich glaube, ich muss mal mit deiner Mutter reden.« »Sie wollen also wirklich keine verkaufen? So ist es richtig, Onkel, so muss es sein. Japaner sollten mit diesen Schwarzmarktgeschäften aufhören. Sonst wüssten wir Jungen nicht, warum wir uns mit Flugzeugen auf die feindlichen Schiffe stürzen sollten. Für die Aufrechten sind wir gerne bereit, uns zu opfern, aber für Landsleute, die auf dem schwarzen Markt handeln, haben wir keine Lust, unser wertvolles Leben zu geben.« Mit diesen Worten, die wohl nur seinen Wunsch nach einer Zigarette vertuschen sollten, zog Shōichi seinen Kopf vom Fenster zurück.

Mai 1. Mai Meine Frau ging mit Kinuko zum Kaufhaus Mitsukoshi. Wir hatten uns für Mitsukoshi als Ort der Trauung entschieden und am Morgen kam ein Anruf von den Organisatoren: »Es wäre schön, wenn Sie heute zu uns kommen könnten und den Festkimono für die Zeremonie am vierten Mai auswählen. Auch die Anpassung der Brautperücke würden wir gerne heute erledigen.« Mitsukoshi leiht gegen Gebühren alles aus, was für eine Hochzeit notwendig ist. Es gibt zur Zeit in Tōkyō nur dieses eine Geschäft, das diesen Service anbietet. Die ganzen Kleider- und Stoffgeschäfte unterliegen der staatlichen Rationierungskontrolle, und um Festkimonos zu bekommen, braucht man Kleidermarken. Wenn man sämtliche Kleidermarken für einen Festkimono eintauscht, dann bleibt einem nichts mehr für weitere Kleidung. Wir wollen unbedingt, dass Kinuko einen solchen Festkimono anzieht, aber wenn der Rest der Familie in der Kleidung erscheint, die wir das ganze Jahr über tragen, würden wir zum Gelächter der Hochzeitszeremonie werden, und Kinuko könnte sich kaum über ihren neuen Kimono freuen. Wir standen also vor der Entscheidung, uns auf dem Schwarzmarkt umzusehen, oder Kinuko in einem für uns erschwinglichen Alltagskostüm heiraten zu lassen. Unser Familienbudget befindet sich in einer trostlosen Lage. Wenn Shōichi das wüsste, würde er wohl wütend werden, aber wir haben vor zwei Jahren produzierte Rund- und Faltfächer auf dem Schwarzmarkt verkauft und halten uns damit notdürftig über Wasser. Aber inzwischen haben wir kaum noch welche auf Lager. Eine Feier in Alltagskleidung wäre inso25

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fern angemessen, doch Kinuko müsste einem dann leid tun. Tadao zeigte sich sehr verständnisvoll und meinte: »Für den Festkimono könnte meine Familie sorgen«, doch meine Frau lehnte rundheraus ab. Das Fächergeschäft der Familie Yamanaka befinde sich vielleicht auf dem absteigenden Ast, doch man habe auch seinen Stolz. Sie werde es niemals zulassen, jemand anderem lächelnd die eigenen Lasten aufzubürden. Danach waren wir allerdings immer noch zu keiner Entscheidung bezüglich des Festkimonos gekommen. Aber dann hörte meine Frau von dem Leihservice bei Mitsukoshi, und das Problem war mit einem Schlag gelöst. Erst später habe ich erfahren, dass die Veranstaltungshalle von Mitsukoshi ein sehr florierendes Geschäft ist und pro Tag zwölf Hochzeitszeremonien durchführt. Es war anscheinend nicht selten, dass die erste um sieben Uhr morgens und die letzte um sieben Uhr abends begann. Interessant sind auch die Paare gegen Ende, die umgekehrt zu der traditionellen Reihenfolge zuerst die Feier hatten und anschließend die Trauung, da es sonst zu spät wird. Bis dahin sind dann viele Teilnehmer der Hochzeitsgesellschaft schon angeheitert. Vor Kurzem scheint es einen ganz Ausgelassenen gegeben zu haben, der zu dem Sermon des ShintōPriesters rhythmisch getanzt hat. Die Reihenfolge der Trauungen wird durch das Los festgelegt. Meine Frau war neulich dagewesen und zog die Nummer zwei, das heißt die Trauung findet am 4. Mai um acht Uhr morgens statt. Geradezu im Gleichschritt mit der glücklichen Wendung, die uns in Bezug auf den Festkimono widerfahren ist, beginnt sich auch das Schlachtenglück in Okinawa zugunsten unseres Kaiserreiches zu wenden. Der am 12. April ganz plötzlich verstorbene und in die Hölle gefahrene, feindliche Präsident Roosevelt hatte noch vor Kurzem öffentlich versprochen: »Bis zum 25. April wird Okinawa in unserer Hand sein.« Und auch sein Nachfolger Truman meinte großmäulig: »Die Worte des vorherigen Präsidenten, dass bis zum 25. Mai Okinawa vollständig besetzt sein wird, sind so etwas wie sein letzter Wille, dem wir, koste es was es wolle, Folge leisten müssen.« Und siehe da! Der angekündigte 25. April ist schon lange vorüber, wir haben Mai, und der Feind konnte den letzten Willen des Präsidenten nicht in die Tat umsetzen. Nicht nur das: Unsere kaiserliche Armee, angefangen mit den sich opfernden Spezialtruppen von Heer und Marine, zwangen sie in Kämpfen auf Leben und Tod zurück und haben sie erheblich geschwächt. Nur noch ein Stoß, ein letzter entscheidender Stoß, und der Feind findet den Tod auf dem Meeresgrund von Okinawa. 26

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Auf dem Kriegsschauplatz in Europa hingegen liegt unser Bündnispartner Deutschland buchstäblich in den letzten Zügen, und es ist nur eine Frage von wenigen Tagen, bis Berlin fällt. Es ist zwar nur meine persönliche Ansicht, aber die Niederlage Deutschlands könnte unserem Kaiserreich indirekt den Weg zu einem großen Sieg ebnen, könnte ein zweiter Götterwind sein. Die in Europa siegreichen Länder sind Amerika, England und die Sowjetunion. Als das ihnen feindliche Deutschland noch in Saft und Kraft stand, war das Bündnis der drei Nationen unzerbrechlich, doch wie wird es nach der Kapitulation Deutschlands sein? Werden sie auch weiterhin gut miteinander zurechtkommen? Wohl kaum, ziemlich unwahrscheinlich sogar. Die drei Länder sind eigentlich von Grund auf Räuber. Ihre wahre Natur wird spätestens dann zum Vorschein kommen, wenn es um die Teilung der Kriegsbeute geht, und dann steht es außer Frage, dass ihr Bündnis auseinanderbricht. Es wird wohl auf einen Streit zwischen Russland auf der einen Seite und Amerika und England auf der anderen Seite hinauslaufen. Dann sollte unser Kaiserreich vorübergehend ein Bündnis mit der Sowjetunion schließen. Ich sage damit zwar nichts Neues, aber am Vorabend der Eröffnung des heiligen Krieges in Großostasien hatte unser Kaiserreich ein sehr enges Verhältnis zur Sowjetunion, fast wie ein Paar in den Flitterwochen. Dieses Verhältnis gilt es wiederzubeleben und gemeinsam Amerika und England niederzuwerfen. Dann kann man schließlich mit der Sowjetunion um die endgültige Entscheidung kämpfen. In dieser Hinsicht besteht nicht die geringste Veranlassung, über die Niederlage Deutschlands traurig zu sein. Während ich diese Überlegungen anstellte, tauchte Herr Takahashi höchtspersönlich bei mir auf. In seinen Händen hielt er mit äußerster Vorsicht einen Mimeographen, eine Ahle und Matrizen. Herr Takahashi ist der Leiter der Photoabteilung eines Zeitungsverlages, aber auch der Vorsitzende des Nachbarschaftsvereins und Mitglied in der Miyanaga-Stadtteilgemeinde. »Ich bin gekommen, da ich große Erwartungen in Ihre Schönschrift setze und Sie diesbezüglich um einen Gefallen bitten möchte. Es ist nämlich eine Anweisung vom Luftschutzhauptquartier gekommen.« Aus einer Tasche seiner Volksuniform zog Herr Takahashi eine Kopie und zeigte sie mir. Darauf stand rechts oben in Großschrift Handzettel für Bombengeschädigte. »Irgendwann wird auch Nezu von Brandbomben heimgesucht, und dann wird diese Gegend in Schutt und Asche fallen. Auf diesem 27

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Blatt hier steht detailliert, was zu tun ist, wenn man ausgebombt worden ist, und ich denke, dass die Bewohner von Nezu einen Blick darauf werfen sollten. Ich möchte das vervielfältigen und an alle Haushalte verteilen lassen.« »Verstehe. Ich soll also den Text auf die Wachsmatrize schreiben.« »Die fertige Matrize werde ich morgen früh zur Nezu-Volksschule bringen und sie dort vervielfältigen. Und am Abend werden die Bewohner von Nezu den von Ihnen gesetzten Text in ihren Händen halten. Als Entgelt für Ihre Bemühungen erhalten Sie zwei Kerzen.« »Das wäre nicht nötig gewesen. Ich tue nur meine Pflicht als Bürger. Trotzdem danke für die Kerzen. Die kann ich gut gebrauchen.« »Ich habe gehört, dass Sie ein richtiger Fachmann für das Beschreiben von Wachsmatrizen sind. Wo haben Sie sich das denn angeeignet?« »Bei der Firma Daiichitōkō in der Suzuran-Straße im Stadtteil Kanda.« Die Stellung der Firma Daiichitōkō in der Wachsmatrizendruckbranche war vergleichbar mit der Juristischen Fakultät der Kaiserlichen Universität Tōkyō in der Welt der Rechts. Ich als Lehrling in dieser Firma hätte in diesem Sinne das Niveau eines Studenten der Jurisprudenz an der Kaiserlichen Universität. »Wie Sie wissen, wurden die Lettern der Druckereien samt und sonders requiriert, und da kam ich auf die Idee der Wachsmatrizenkopie.« Es hieß, die Lettern werden zerdrückt und zu Bleipatronen gepresst. Ich dachte mir, da gab es bestimmt auch mal den Fall, dass die Letter für ›Leben‹ und die für ›Mitte‹* zu einer Patrone vereinigt wurde. Die Trefferquote einer solchen Patrone war bestimmt sehr hoch. »Da ich im Wesentlichen mit bedruckten Rundfächern handel und Lettern nicht mehr vorhanden waren, blieb mir nichts anderes übrig, als mit einer Wachsmatrize die Namen der Kunden einzugravieren. Und so war ich für eine Weile bei Daiichitōkō beschäftigt und lernte dort mit vierzig Jahren wie ein kleiner Lehrling die Kunst des Wachmatrizenschreibens.« »Aha, das war bestimmt keine geringe Mühe.« »Ganz im Gegenteil. Schreiben mochte ich schon immer. Sonst wäre nämlich mit dem Zusammenbruch der Druckereien wohl auch * Beide japanischen Zeichen ergeben das Wort meichū (›Treffer‹).

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mein Fächergeschäft eingegangen. Gerade weil ich eine Passion für das Schreiben habe, dachte ich mir, warum nicht Fächer mit Wachsmatrizendruck? Wenn auch nur für kurze Zeit, so waren meine bedruckten Fächer ziemlich populär.« Die Idee kam mir, als ich eines Tages meiner Frau beim Nähen zusah. Auf einem Zeitungsstapel fiel mir das Photo der Schauspielerin Hara Setsuko ins Auge, und ich legte darauf eine Matrize. Dann punktierte ich diese entlang der Konturen ihres Kopfes. Das Ergebnis der Kopie davon konnte sich wirklich sehen lassen. Als Nächstes produzierte ich einen Fächer mit dem Filmstar Takamine Mieko im Sommerkimono und überlegte mir, die von der Filmproduktionsgesellschaft Asakusa-Shōchiku bestellten tausend Sommerfächer mit dieser neuen Methode anzufertigen. Ich glaube, es war im Sommer 1942, und ich verwendete blaue Tinte. Da die aufgedruckte Figur nur in Blau nicht sehr anmutig wirkte, platzierte ich mit einem Pinsel einen rosa Tupfer in Höhe des Mundes. Dieser Fächer wurde ein Riesenerfolg. »Wir hatten auch einen erhalten«, sagte Herr Takahashi. Tatsächlich erinnerte ich mich, in der Nachbarschaft an jeden Haushalt einen Fächer verteilt zu haben. »Der fristet jetzt sein Dasein als Kochfächer in der Küche und Takamine Mieko sieht schon ziemlich verrußt aus.« »Binnen kurzem wurde das Fächerpapier knapp, so dass mein Geschäft sozusagen eines natürlichen Todes starb und mein Schicksal mehr oder minder eng mit dem Kopieren verflochten wurde.« Ich versprach Herrn Takahashi, die Vorlage auf jeden Fall bis morgen fertigzustellen und machte mich gleich an die Arbeit. Die mit Wachs verstopften Kerben des Setzschiffes reinigte ich mit einer neuen Bürste, so dass sie wieder kerzengerade standen. Auf dem Handzettel für Bombengeschädigte des Luftschutzhauptquartiers stand übrigens auch Folgendes geschrieben: Wenn die Katastrophengeschädigten Straßenbahnen, Staatsbahnen oder Vorstadtzüge benutzen, sollten sie unmittelbar nach großen Katastrophen eine Katastrophenbescheinigung vorweisen, doch dürfen sie auch ohne eine solche unentgeltlich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Um Zuflucht zu Verwandten oder Bekannten in den Regionen zu finden, dürfen Katastrophenopfer nur im Falle großer Katastrophen für einige Tage auch ohne Bescheinigung die Eisenbahn unentgeltlich benutzen (es besteht die Möglichkeit einer im Bahnhof ausgestellten Nummernkarte). 29

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Die sieben Rosen von Tokyo (Leseprobe)  

Der Fächermacher Yamanaka Shinsuke hält in seinen Tagebuchaufzeichnungen ein lebendiges Alltagsbild von Tokyo in den Jahren 1945/46 fest: Am...

Die sieben Rosen von Tokyo (Leseprobe)  

Der Fächermacher Yamanaka Shinsuke hält in seinen Tagebuchaufzeichnungen ein lebendiges Alltagsbild von Tokyo in den Jahren 1945/46 fest: Am...

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