Donnerstag, 12. November 2015
107. Jahrgang – Nr. 46
AMTLICHER ANZEIGER FÜR DAS SCHWARZBUBENLAND UND DAS LAUFENTAL P.P. A 4242 Laufen
7ºC 14ºC
6ºC 13ºC
Freitag, 13. November 2015 Noch zeitweise sonnig, tagsüber zunehmend aufziehende Wolkenfelder. Samstag, 14. November 2015 Am Morgen noch viele Wolken, tagsüber wieder zunehmend freundlicher. Sonntag, 15. November 2015 Auch der Sonntag zeigt sich etwas wechselhaft.
7ºC 13ºC
Zwingen
3 «Brass meets Gospel»: Unter dieser vielversprechenden Affiche begegneten sich die Brass Band Zwingen und der Chor Sunshine Singers aus dem Oberbaselbiet.
Laufen / Kleinlützel
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In diesen Tagen werden zwei Autoren mit einem kantonalen Preis für ihr literarisches Werk ausgezeichnet: Michail Schischkin und Linard Candreia.
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Dialekt im «abgelegenen Laufenthal» Professor Dr. Hans Bickel liess in seinem Referat über das Schweizerische Idiotikon ein interessiertes Auditorium an seiner Suche nach alten Laufentaler Dialektspuren teilhaben. Der Laufner Liedermacher Rolland setzte mit seinen anregenden Liedern im aktuellen Dialekt einen willkommenen Kontrast. Roland Bürki
E
igentlich sett i lengscht nimmi do si. Doch i ha im Schicksal e Höggli gstellt, wenn is so alueg, i glaub, i bi nä Held», sang Liedermacher Rolland im Alts Schlachthuus über seine Jugendzeit ohne Förderstunden, Elterntaxi und Pisa-Studie. Ein langer, warmer Applaus bewies ihm, wie viel tiefer ein bewusst aufgenommenes Lied in der heimischen Mundart unter die Haut gehen kann. Eigentlich, so sinngemäss Professor Dr. Hans Bickel, Lehrbeauftragter an der Uni Basel und Redaktor beim Idiotikon, wäre der ganze schweizerdeutsche Wortschatz aus früheren Jahrhunderten auch längst nicht mehr da, hätte da nicht der Philologe und spätere Ehrendoktor Friedrich Staub anno 1862 zusammen mit Ludwig Tobler das Schweizerische Idiotikon begründet. Die Gründe für die Herausgabe eines solchen Wörterbuchs liessen die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer dieses von Kulturforum und BuchBasel initiierten Anlasses echt aufhorchen, als Bickel aus einem ersten Prospekt für das Werk vorlas: «Es ist eine ebenso unläug-
«Abgelegenes Laufenthal»: Professor Dr. Hans Bickel musste etwas tiefer graben, bis er fündig wurde. FOTO: ROLAND BÜRKI
bare als wehmütig stimmende Tatsache, dass unsere nationalen Eigentümlichkeiten eine nach dem andern abbröckeln … aber auf keinem Boden schleicht das Verderbniss so heimlich und sicher, wie auf dem unserer Mundarten.» Dafür herhalten mussten auf dem Prospekt die «Zusammenwürfelung des Militärs aus allen Gauen», die «massenhafte Einwanderung fremder Elemente» und die «den Dialekt verdrängende» Schule. «Das damalige Sammeln von Wörtern war aber nicht eigentliche Sprachpflege, sondern schlicht Dialekt als Denkmal», blickte Professor Bickel zurück. Laufental im Idiotikon gut vertreten «Ich musste in Sachen Laufental im Idiotikon etwas tiefer graben und bin da auf einen Rapport aus den 1860er-Jahren über erste Korrespondenten gestossen», so Bickel, der daraus zitierte: «In dem abgelegenen Laufenthal wurde in der Person des Brislacher Pfarrers Johann Peter Burger (1823–1866) ein fleissiger Mitarbeiter gewonnen, der in elf Sendungen viel neues und interessantes Material geliefert hat.» So bezeichneten die Brislacher damals einen Urlaub in Anlehnung an den Begriff Va-
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kanz als «Kävänz», waren in der Kirche bei langen Messen «lolchig» oder schläfrig und taten nachher in der Dorfbeiz mit der Serviertochter «chüttere», nämlich verliebt reden. Jahrzehnte später wirkte der Grellinger Guntram Saladin (1887–1958) gar als Redaktor beim Idiotikon. Der streitbare Namenforscher und «Ritter ohne Fehl und Tadel» beeinflusste massgeblich die offizielle Schreibweise der Deutschschweizer Orts- und
Flurnamen. Mit Blick auf den kleinen Sprachatlas der deutschen Schweiz meinte Bickel, das Laufental wie das Schwarzbubenland passten mit einigen Ausnahmen sprachlich gut zur Nordwestschweiz. Ausnahmen etwa bei der nd-Velarisierung, wo «in Zwinge hinge d Chinge Bängel i d Hoor binge». Rolland setzte mit seinem Lied über «Chranggi Kasse» einen topaktuellen Schlusspunkt. Natürlich im treffsicheren Laufentalerdialekt.
Das Schweizerische Idiotikon Das Schweizerische Idiotikon (gr. idios = eigen, eigentümlich für ein Verzeichnis der einer bestimmten Mundart eigenen Besonderheiten) dokumentiert die deutsche Sprache in der Schweiz vom Spätmittelalter bis ins 21. Jahrhundert. Mit bisher 16 abgeschlossenen Bänden und dem in Arbeit stehenden 17. Band, die zusammen über 150 000 Stichwörter enthalten, ist es das grösste Regionalwörterbuch im deutschen Sprach-
raum. Es umfasst geografisch die deutsche Schweiz und die Walserorte in Norditalien. Da der Grundstock des Mundartmaterials in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dank der Mitarbeit von gegen 400 Korrespondenten zusammengekommen ist, kann das Werk heute weitgehend verschwundene Bereiche der sprachlichen, geistigen und materiellen Kultur dieser Zeit besonders gut dokumentieren. www.idiotikon.ch