Yadegar Asisi | 360°-Panorama | Spielplan Juli 2022

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PANOMETER LEIPZIG NEW YORK 9/11 – VOM GROUND ZERO IN DAS PANOMETER


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Leipzig

Editorial

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NEW YORK 9/11 – Vom Ground Zero in das Panometer

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Dem Panorama gehört die Zukunft

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Spielplan 2022 Berlin Leipzig Konstanz Wittenberg Berlin Pforzheim Dresden Rouen (F)

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Farbige Antike

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Ein Garten voller Wertschätzung

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Ein kirchlicher Dreiklang

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Geschichte auf Augenhöhe

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Ewig zur Erinnerung

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Am schönen Ende der Welt

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Yadegar Asisi auf den Spuren Canalettos

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Au Revoir Rouen!

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Aus dem Youtube Studio

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Standorte und Kontakt

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Besucherstimmen

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Editorial

LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER,

das vergangene Jahr 2021 war ein Jahr der Gegensätze. Die Kulturbranche genau wie die gesamte Gesellschaft schlingerte von Optimismus und Lebenslust im Zuge der wiedererlangten Freiheiten im Sommer, direkt in die intensivste Pandemiewelle, die wir bislang erleben mussten. Ein Auf und Ab der Emotionen, Regeln, und Meinungen, die uns wohl noch lange beschäftigen werden. Und was bleibt als Lehre aus diesen bis dahin ungewohnten Zeiten? Der Mensch ist in seinem Verhalten gleichermaßen unbelehrbar und doch auch innovativ und verbesserungsfähig. Wer Komplexität, Widersprüche und Mehrdeutigkeit nicht aushalten kann, hat es schwer heutzutage. Das Menschsein als ewige, komplexe Auseinandersetzung mit uns selbst, als Hinterfragung des eigenen Tuns, ist als Denkaufgabe in Zeiten von Pandemie, Klimawandel, Flüchtlingskatastrophen und asymmetrischer Kriegsführung vielleicht wichtiger denn je. Die Analyse der gesellschaftlichen Zustände, indem wir uns selbst den Spiegel vorhalten, beschäftigt Kulturschaffende seit Jahrhunderten und inspiriert auch Yadegar Asisi zu einigen seiner Arbeiten – so auch zu seinem neuesten Projekt NEW YORK 9/11. Zum ersten Mal setzt sich der Künstler hier in einem Panorama mit einem Thema aus unserer unmittelbaren Gegenwart auseinander und hinterfragt vor dem Hintergrund der Anschläge des 11. September 2001 unsere Reaktion auf Gewalt. In der Titelgeschichte dieser zweiten Ausgabe unseres Spielplans dreht sich daher alles um die Entstehung des New-York-Panoramas, um Yadegar Asisis Intention und seine persönliche Auseinandersetzung mit diesem Schicksalstag. Im folgenden Interview lesen Sie von Asisis Plänen für das Panometer Leipzig sowie die Kunstform des Panoramas. Eine weitere Entdeckungstour hinter die Kulissen des Studios erhalten Sie

mit einem Einblick in die Produktion der Videoreihe sehen&gestalten. Die eigens aufwendig für YouTube produzierte Serie bringt die ganze Welt des Zeichnens auf den heimischen Bildschirm und lehrt die Grundlagen der Perspektive genauso wie sie Motivation zum Lernen vermittelt, den Maler auf seinen Projektreisen begleitet oder einfach nur unterhält. Ein Format, das Asisi mit ganzer Leidenschaft verfolgt und dafür viel Zuspruch erhält. Grund genug, sich den Hintergründen der Serie und dem, was noch kommen mag, anzunähern. Trotz aller Aktualität wirft dieser Spielplan ebenso einen Blick in die Vergangenheit. Wir lassen CAROLAS GARTEN Revue passieren und zeigen die schönsten Momente der Ausstellung zum heimischen Garten. Wir nehmen Abschied vom Ausstellungsort Rouen, der nach einer Verlängerung nun wie geplant abgebaut wurde. Und wir schauen zurück auf eine bunte Realität in der Antike, die erst im Panoramaprojekt PERGAMON richtig zur Geltung kommt. In diesem Spielplan 2022 finden Sie eine Übersicht über alle aktuellen und kommenden Panoramen und weitere Projekte. Sie vermissen dennoch etwas oder haben Fragen zu einem unserer Projekte? Wenden Sie sich einfach an den Besucherservice des jeweiligen Ausstellungsorts oder kommentieren Sie direkt auf Facebook, Instagram oder YouTube. Die entsprechenden Kontaktangaben finden Sie auf der letzten Seite. Wir freuen uns auf Ihre Meinungen oder Bewertungen und hoffen Sie können sich für das eine oder andere Projekt genauso begeistern wie wir. In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund und bis auf bald beim nächsten Panorama-Besuch! Ihr Studio asisi

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NEW YORK 9/11 | Panometer Leipzig

NEW YORK 9/11 – VOM GROUND ZERO IN DAS PANOMETER Das Panorama zum 11. September wird nach 20 Jahren Planung Wirklichkeit


5 Mit NEW YORK 9/11 beschäftigt sich Yadegar Asisi erstmals mit einem der wahrscheinlich prägendsten Momente der neueren Zeitgeschichte. Die Angriffe auf das World Trade Center in New York und die daraus resultierenden Kriege, die ganze Erdteile in ein nicht enden wollendes Chaos stürzten und die Konfliktlinien zwischen Kulturen und Religionen verstärken, sind ein wesentlicher Teil unserer Gegenwart und zentrales Thema des Projekts. Das Panorama bildet nicht die tragischen Ereignisse des Terroranschlags auf das World Trade Center selbst ab, sondern präsentiert die Silhouette von Manhattan mit den weltbekannten Twin Towers unmittelbar vor den Terrorangriffen. Gezeigt wird ein typischer Morgen im Großstadt-Rhythmus der multikulturellen Metropole New York: Menschen jeglicher Herkunft eilen in ihre Büros, warten vor den Takeaways und strömen in Massen aus den U-Bahn-Ausgängen. In Verbindung mit strahlendem Sonnenschein und dem klaren Himmel des beginnenden Herbsttages entsteht so eine bunte, geschäftige und dennoch unwirklich friedliche Szenerie. Im Kontrast hierzu führt der Weg in der Ausstellung vor dem Panorama durch die Folgen dieses Schicksalstages und zeigt die globalen Auswirkungen der Ereignisse und das vielfach vergrößerte menschliche Leid in den Nachwirkungen der Katastrophe. Als Yadegar Asisi im Jahr 2002 mit einer Polizeieskorte in das große Loch am Ground Zero fuhr, war seit den Anschlägen vom 11.  September noch nicht einmal ein Jahr vergangen. Die Welt stolperte in den AfghanistanKrieg, während die Amerikaner selbst noch unter Schock standen und sich fragten, wie dies alles geschehen konnte. Ja, wie die größte Supermacht aller Zeiten es zulassen konnte, dass Tausende ihrer Bürger Opfer einiger weniger Terroristen wurden. Die Stadt New York und der Südwesten Lower Manhattans befanden sich auch nach Monaten noch im Ausnahmezustand. So war die offene Wunde im Stadtbild, an der bald das neue One World Trade Center entstehen sollte, eine gut bewachte

Sicherheitszone. Um das Trauma der Geschehnisse hinter sich zu lassen und die entstandene Lücke baulich zu schließen, wurde ein Architekturwettbewerb ausgelobt, in dessen Rahmen Yadegar Asisi als Teil des Teams um Daniel Libeskind die Anschlagsstätte vor Ort besichtigte. Er entwarf für Libeskinds Idee eines neuen World Trade Centers ein Panorama, welches die Grundidee des architektonischen Entwurfs vermittelte. Die Idee sah vor, die neuen Gebäude der Anlage rund um das Loch als Mahnmal zu bauen und damit den Opfern der Anschläge ein ewiges Denkmal zu setzen. Der Ansatz überzeugte die Jury. Doch trotz des Gewinns des Wettbewerbs wurde


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der ursprüngliche Entwurf aus wirtschaftlichen Gründen nicht realisiert, denn der Anteil der Nutzflächen war dem Pächter des Geländes zu gering. Auch ohne eine volle Umsetzung der Idee Libeskinds ließ das Thema 9/11 Yadegar Asisi nicht mehr los. Mit den sich stetig ausweitenden Kriegen in Nahost und den damit einhergehenden Hunderttausenden von Toten, begannen zahlreiche Fragen an ihm zu nagen. Stand die Reaktion des Westens noch in Relation zu ihrem Anlass? Sollte man Gewalt mit noch mehr Gewalt beantworten und damit eine niemals enden wollende Spirale des Leids in Gang bringen?

Seine Gedanken führten ihn immer wieder zurück zum Ausgangspunkt dieses tödlichen Kreislaufs, der Stunde Null an diesem sonnigen Herbstmorgen im multikulturellen New York kurz vor den Anschlägen. Diese damals vermeintlich noch einigermaßen heile Welt sollte im Zentrum der künstlerischen Darstellung stehen. Wer sich mit Leid und Krieg beschäftigt, muss nicht immer dessen Folgen zeigen. Die Idee zu einem Panorama zum 11.  September war geboren. Als Standpunkt des Betrachters wurde ein ebenerdiger Punkt auf dem Friedhof der St. Paul’s Chapel in Manhattan gewählt, den Asisi alsbald auf einer ersten Skizze festhielt.


7 In den Folgejahren wurde die Grundidee des Projekts immer konkreter: Das Panorama sollte nicht nur als Monumentalbild für sich alleine stehen, sondern mit der Begleitausstellung stärker denn je verknüpft sein. Von einer Chronologie der Folgen des Schicksalstages in den vergangenen 20 Jahren geht es für den Besucher direkt zum Ausgangspunkt des Geschehens: Der heilen Welt in New York 5 Minuten vor den Anschlägen. Yadegar Asisi beschreibt diese emotionale Gesamterfahrung folgendermaßen: “Es ist eine Symbiose zwischen der Ausstellung, die vor dem Panorama ist und dem Panorama selbst. In NEW YORK 9/11 ist das Panorama noch mehr als alle anderen Panoramen ein Denk- und Emotionsraum. In zahlreichen Recherchereisen wurde so nach und nach Material für ein authentisches Abbild Lower Manhattans aus dem Herbst 2001 gesammelt. Aus tausenden und abertausenden von Bildern und Texturen wurde ein digitales Gemälde geschaffen, was in seinem Detailgrad und Hyperrealismus dem Besucher das Gefühl gibt, direkt vor der St. Paul’s Chapel am Fuße des World Trade Centers zu stehen. Wie bei allen Panoramen scheute Yadegar Asisi auch für NEW YORK 9/11 keine Mühen, um einen bestechend hohen Detailgrad im Panorama zu verwirklichen. Neben der langjährigen Recherche von Bildmaterial zum Tag der Anschläge, mussten viele Details des Panoramas in eigenen Fotoshootings umgesetzt werden. Mit Dutzenden Komparsen wurde in den Hangar

Studios in Berlin Adlershof der multikulturelle Trubel während der New Yorker Rush Hour dargestellt. Selbst Automodelle der Zeit wurden in authentischen Miniaturvarianten im Fotostudio abgelichtet und eingefügt. Und nebenbei über Jahre am Konzept der Begleitausstellung sowie an 3D-Modellen, Texturen und Lichtstimmungen getüftelt. Jeder Mensch hat ein ganz eigenes Bild des 11.  September im Kopf, weil jeder weiß, was genau er zum Zeitpunkt der Anschläge gemacht hat. Diese Geschichte der eigenen Erinnerung möchte Yadegar Asisi in der Ausstellung verknüpfen mit der Frage nach dem Warum: “Wie reagieren wir individuell auf derartige Katastrophen? Wir haben ja ein kollektives Gedächtnis für diesen Augenblick und können ihn alle beschreiben. Für einen kurzen Moment waren wir alle weltweit eins, waren in dem was wir dachten und fühlten miteinander verbunden. Und was passiert, wenn wir fünf Minuten vor diesem Augenblick im Panorama stehen? Das ist ein wahnsinnig emotionaler Moment. Was dann mit dem Einzelnen passiert, weiß ich nicht – aber wir beginnen Fragen zu stellen. Und das ist immer gut.”


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NEW YORK 9/11 | Panometer Leipzig

DEM PANORAMA GEHÖRT DIE ZUKUNFT Yadegar Asisi im Interview zu kommenden Projekten und seinen Plänen mit dem Panometer Leipzig.


9 Das Panometer in Leipzig ist seit vielen Jahren eine Kulturinstitution. Doch auch viele etablierte Kulturorte mussten in der Coronakrise um ihre Existenz bangen. Wie geht es den Standorten der Panoramen? Ja, ich kann sagen, wir kommen verhältnismäßig gut dabei weg. Ohne Überbrückungshilfe wären wir allerdings schon untergegangen. Aber daran habe ich auch gesehen, dass wir gute Arbeit leisten, nicht nur inhaltlich, sondern auch organisatorisch. Und das Problem, das wir haben, hat die ganze Welt. Es ist kein Einzelfall. Wir müssen deshalb auch nicht anfangen, unsere Wunden zu lecken, sondern nach vorne schauen und uns auf neue Projekte fokussieren. Wir arbeiten jetzt schon an einigen Projekten und die Verschiebung des neuesten Projekts NEW YORK 9/11 von 2021 auf 2022 war vielleicht daraus geboren. Anfang 2021 musste ich eine Entscheidung treffen, da wusste noch niemand, was im Herbst ist und noch auf uns zukommen wird. Mittlerweile ist die Verschiebung auch inhaltlich sehr gut, weil jetzt die Diskussion läuft und man sieht, dass das, was man über die 20 Jahre gefühlt hat und gesehen hat, ja wirklich stimmt. Ich bin wirklich gespannt, wie das Projekt dann in der fertigen Installation im Panometer Leipzig wirkt. Und ich bin gespannt auf die Reaktion des Publikums. Bis Anfang 2022 wird noch CAROLAS GARTEN gezeigt, nach AMAZONIEN und GREAT BARRIER REEF das dritte Naturpanorama im Panometer. Was lässt sich abschließend zu diesem Projekt sagen? Und was erwartet uns bei NEW YORK 9/11? Ich glaube mittlerweile, dass man CAROLAS GARTEN überall auf der Welt zeigen kann. Was die Publikumsakzeptanz angeht, war es ja trotz Corona ein wirklich erfolgreiches Projekt mit vielen Besuchern. Daher ist es umso interessanter wie der Themenwechsel im Panometer ankommt. Aber auch bei CAROLAS GARTEN gab es am Anfang immer Skeptiker, die gesagt haben: „Was machst du jetzt da? Was soll denn dieser Garten?“ Und als sie dann im Panorama standen, verstanden sie auf einmal die Botschaft dahinter und waren ganz erstaunt. Ich merke auch immer mehr, dass ich gar nicht mehr nur von einem Thema reden kann, sondern denke, dass alle Panoramen wirklich ein roter Faden verbindet: Es geht eigentlich immer um Werden und Vergehen. Und dazu gehören eben die Grausamkeiten, aber auch die Schönheiten dieser Welt. Aber ebenso unsere Beziehung zu uns selbst, also das Miteinander, und natürlich unsere Beziehung zu dieser Welt. Und alle Werke, die in Zukunft kommen, werden sich auch in diese Thematik einreihen. Genauso NEW YORK 9/11, ein neues Panorama das ab 2022 im Panometer Leipzig zu sehen sein wird. Wenn man in Zyklen denkt, würde ich sagen, es ist mein viertes Anti-Kriegsprojekt. Es geht um den Krieg gegen den Terror, also der Frage danach, was diese Gewalt

wirklich bedeutet. Wenn wir die Resultate in Form der zahlreichen Kriege sehen, kann es in keines Menschen Interesse sein, eine derartige Reaktion auf Gewalt zu zeigen. Wie sagte schon [Mahatma] Ghandi: „Auge um Auge – und die ganze Welt wird blind sein.“ Aber es ist auch wirklich hochkomplex. Das Verstehen der Ursache hat absolute Priorität. Die Reaktion ergibt sich daraus. Aber Gewalt in dieser Dimension, wie wir sie seit dem 11.  September gesehen haben, ist wohl die schlechteste Lösung. Mit NEW YORK 9/11 möchte ich zeigen, was das Panorama als Kunstform eigentlich kann. Es ist ein wirklich sehr emotionaler Kunstraum, der eben auch emotionale Zustände in den Körper hineinbringt und die Besucher, das zeigen mir viele, viele Rückmeldungen, wirklich nachhaltig zum Nachdenken anregt.

Und über das Jahr 2022 hinaus? Was kommt nach NEW YORK 9/11? Gibt es schon längerfristige Pläne? Ich habe Pläne bis ungefähr 2030. Jetzt komme ich langsam in ein Alter, wo man nicht mehr genau weiß, wie lange man noch dabei ist. Aber ich glaube, ich muss in solchen Kategorien denken, weil es irgendwann dann auch unabhängig von meiner Person laufen muss. Vielleicht wird es ja eine Zeit geben, wo andere Künstler in diesen Häusern vielleicht auch etwas machen. Das ist ja nicht ausgeschlossen. Solange ich da bin, möchte ich aber das Panorama in all seinen Möglichkeiten zeigen. Nach NEW YORK 9/11 zeigen wir im Panometer Leipzig DIE KATHEDRALE VON MONET, das ist mein erstes komplett in Öl gemaltes Panorama und stellt die Frage nach dem Ursprung der modernen Malerei. Wir haben es 2020 in Rouen mit einem einzigartigen Kraftakt während der Pandemie eröffnet und holen das Projekt jetzt auch nach Leipzig. Das Gefühl mitten im Farbenspiel eines impressionistischen Gemäldes zu stehen, ist einfach überwältigend. Das wollten wir auch den Leipzigern nicht vorenthalten. Und ganz besonders freue ich mich auf 2025, da feiere ich meinen 70. Geburtstag und habe im Panometer so einiges vor. Ich möchte noch nicht zu viel verraten, aber es wird eine sehr große Ausstellung werden, die so einiges zusammenführt. Vielleicht nutze ich sogar zusätzlich den zweiten Gasometer. Darüber hinaus wird es bestimmt noch ein oder zwei Antiken-Projekte und Natur-Projekte, aber auch das ein oder andere sehr freie Projekt geben. Es bleibt auf jeden Fall spannend.


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2022 PANORAMEN, LOCATIONS UND DATEN AUF EINEN BLICK

Panometer Dresden

DRESDEN IM BAROCK

In DRESDEN IM BAROCK erleben Sie die Residenzstadt und das barocke Lebensgefühl inmitten der Blütezeit des sächsischen Hofes: Vom Turm der Hofkirche schweift der Blick über weite Plätze und enge Gassen hin zu den mächtigen Prunkbauten, während berühmte Zeitgenossen wie August der Starke oder Johann Sebastian Bach auf ihre Entdeckung warten.

Informationen und Öffnungszeiten unter: www.panometer-dresden.de

Panometer Leipzig

Panometer Leipzig

DIE KATHEDRALE VON MONET AB 2023

NEW YORK 911 BIS 2023

In DIE KATHEDRALE VON MONET führt Sie Yadegar Asisi auf eine Reise zurück zum Beginn der modernen Malerei. Das Panorama zeigt den Platz der berühmten Kathedrale Claude Monets als impressionistische Malerei in einer abstrakten Farb- und Lichtinszenierung. Vor überlebensgroßen Pinselstrichen stehen Sie im Inneren eines riesigen Gemäldes und begegnen den großen Malern der frühen Moderne.

In NEW YORK 9/11 erinnern fünf Installationen und ein 360°-Panorama an die Anschläge des 11. September und ihre globalen Auswirkungen. Im Panorama blicken Sie auf die Szenerie um das World Trade Center am Morgen des Schicksalstags, fünf Minuten vor den Attentaten. Mit dem Wissen um die nachfolgenden Katastrophen wird dieses Bild des morgendlichen Manhattans zu einer scheinbar utopischen Momentaufnahme.

Informationen unter: www.asisi.de

Informationen und Öffnungszeiten unter: www.panometer.de


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Wittenberg360

Gasometer Pforzheim

LUTHER 1517

GREAT BARRIER REEF

In LUTHER 1517 stehen Sie mitten in der spätmittelalterlichen Lebenswelt des großen Reformators auf dem Schlossplatz von Wittenberg. Kommen Sie mit auf eine bildgewaltige Entdeckungstour durch die Stadt an der Wende zur Neuzeit und erleben Sie die Geschichte Martin Luthers über mehr als 30 Jahre verdichtet in einem epochalen Panorama.

In GREAT BARRIER REEF präsentiert Yadegar Asisi die größte Rifflandschaft der Erde in einem Werk, das verschiedene Naturräume mit einer Gesamtgröße Frankreichs zu einem eindrucksvollen Unterwasserpanorama kombiniert. Erkunden Sie ein einzigartiges Ökosystem mit einer unvergleichlichen Vielfalt und tauchen Sie ein in die Wunderwelt Korallenriff.

Informationen und Öffnungszeiten unter: www.wittenberg360.de

Informationen und Öffnungszeiten unter: www.gasometer-pforzheim.de

asisi Panorama Berlin

Pergamonmuseum. Das Panorama (Berlin)

DIE MAUER

PERGAMON

PERGAMON MEISTERWERKE DER ANTIKEN METROPOLE UND 360°-PANORAMA VON YADEGAR ASISI

Das Panorama der Berliner Mauer ist ein künstlerisch verdichteter Blick auf die Zeit des geteilten Berlins der 80er-Jahre. Werfen Sie einen Blick über den scharf bewachten Todesstreifen und erleben Sie, wie alltäglich, kreativ und zugleich banal grausam das Leben in den Grenzgebieten der Stadt zur Hochzeit des Kalten Krieges war.

Das Panorama vermittelt mit einem atemberaubenden Rundblick auf die Akropolis und die umgebende Landschaft eine lebendige Vorstellung Pergamons im Jahr 129 n. Chr. Wandeln Sie auf den Spuren Kaiser Hadrians und erleben Sie Kultur und Lebensweise der griechisch-römischen Stadt in einer einzigartigen Symbiose aus Kunst und Wissenschaft.

Informationen und Öffnungszeiten unter: www.die-mauer.de

Informationen und Öffnungszeiten unter: smb.museum/pmp


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FARBIGE ANTIKE Wie wir die Farbigkeit einer ganzen Epoche vergessen haben

Wer die Antike aus dem Schulunterricht oder dem Museumsbesuch kennt, hat meist auch eine Vorstellung einer passenden weißen Bilderwelt mit scheinbar monochromen Statuen und Skulpturen. Dass diese monochrome Skulpturen-Farbwelt der ursprünglichen Farbgebung antiker Kunst jedoch weitgehend

widerspricht, ist nun schon seit längerer Zeit erforscht. Das Bild reinweißer, unbemalter Statuen stammt aus der Renaissance in der eine idealisierte und puristische Vorstellung antiker Kunst kultiviert wurde, die bis in die heutige Zeit überdauerte, aber wenig mit der Realität zu tun hat. Erst als mit dem Siegeszug der Wissenschaft


PERGAMON | Pergamonmuseum. Das Panorama

ab dem 19. Jahrhundert an vielen Statuen Farbreste der ursprünglichen Bemalung gefunden wurde, begann sich unsere Vorstellung davon langsam anzupassen. Denn im antiken Original waren Statuten und Skulpturen bunt, farbenfroh und absolut lebensnah. So zeigt es auch das Panorama PERGAMON, das in Berlin als temporäre Ergänzung des weltberühmten Pergamonmuseums direkt an der Museumsinsel zu sehen ist. So hat Yadegar Asisi im Panorama und der Begleitausstellung zu PERGAMON nicht nur den berühmten Pergamonaltar mit strahlendem, azurblauem Hintergrund wiedererstehen lassen. Auch den Gewandstatuen und Skulpturen wurde eine bislang weitgehend unbekannte Farbigkeit gegeben. Als Höhepunkt sehen wir eine visuelles Gedankenspiel an einer der großen Altar-Statuen: Mithilfe von zwei Projektoren und Pojektionsmapping werden verschiedene Farbvarianten des Gewands auf Basis von Farbvorschlägen aus neuesten Erkenntnissen der Antikensammlung nacheinander auf den Marmor projiziert. So erhalten die Besucher in PERGAMON einen einzigartigen Einblick in den Farbenreichtum der hellenistischen Antike.

Und auch in anderen Elementen der Ausstellung spiegelt sich der Farbenreichtum der Antike wieder. Während die Texthintergründe und Wände im Rundgang abwechselnd in Blau, Weiß und Schwarz gehalten sind, leuchten die Hohlkehlen, in denen antike Porträtbüsten oder auch die Box, in dem der Innenfries des berühmten Altars ausgestellt werden, in strahlendem Gold. Eine Farbgebung, welche die einzigartige Bildhauerarbeit der jahrtausendealten Meisterstücke betont und diese in ein besonderes, majestätisches Licht taucht. Der weltberühmte Pergamonaltar selbst, der als Höhepunkt hellenistischer Bildhauerei für einige Jahre durch die Sanierung des Pergamonmuseums nicht zugänglich ist, erhielt in der künstlerischen Ausarbeitung im Panorama durch Yadegar Asisi eine nie zuvor gekannte Farbigkeit. Der Künstler komplettierte nicht nur die fehlenden Figuren im Gigantenfries, sondern kolorierte Hintergrund und Figuren in wechselnden, gesättigten Farben nach neuesten wissenschaftlichen Ergebnissen. So wundert es nicht, dass das Projekt für sein Ausstellungsdesign sowohl als Gewinner des „Red Dot Design Awards“ als auch des „German Design Awards“ ausgezeichnet wurde.

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EIn In Jahr lang CAROLAS GARTEN | Panometer Leipzig

IMMEr MMEr EInE InE ExtrawurSt mit der Jahreskarte der Staatlichen Museen zu Berlin schon ab 25 Euro

jahreskarte.smb.museum

Wilhelm Trübner: Ave, Caesar, morituri te salutant, 1877 © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Andres Kilger

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EIN GARTEN VOLLER WERTSCHÄTZUNG Auf das Panorama zum heimischen Garten folgt NEW YORK 9/11

Mit CAROLAS GARTEN verwandelte Yadegar Asisi mit der Macht des Panoramas einen banalen Kleingarten aus dem Leipziger Umland in ein exotisches Paradies. Inmitten einer riesig erscheinenden Makrowelt, konnten Besucher einen Blick auf den Garten aus dem Blickwinkel eines winzigen Insekts werfen. Viele Besucher begeisterte das Projekt vor allem durch die Pracht an Farben und Formen, die den Ausstellungsrundgang hin zum GartenPanorama zu einer künstlerischen Hommage an die Natur machten. Zum ersten Mal in der Geschichte des Panometers bestand die Begleitausstellung ausschließlich

aus gezeichneten, gemalten und fotografierten Werken von Yadegar Asisi. Eine Galerie des Gartens aus Sicht eines Künstlers, die auch prominente Besucher wie den Kunsttheoretiker Bazon Brock beeindruckte. Das besondere an Asisis Darstellung war laut Brock der stetige Wechsel der Perspektive, der dem Besucher einen ganzheitlichen und dennoch zutiefst persönlichen Blick auf den Garten ermöglichte. Auch wenn das Panorama seit der Eröffnung von NEW YORK 9/11 nicht mehr ausgestellt ist, sind einzelne Werke aus der Galerie weiterhin als Mini-Prints erhältlich.


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KONZIL VON KONSTANZ

EIN KIRCHLICHER DREIKLANG Das Panorama zum Konzil von Konstanz erzählt in einer Reihe mit ROM 312 und LUTHER 1517 von den großen Meilensteinen in der Geschichte des Christentums.

Am Ufer des Bodensees ist der bislang südlichste Panorama-Standort der Panoramen von Yadegar Asisi geplant. Der Ausstellungsbau soll in den kommenden Jahren eröffnet werden und zunächst ein Panorama des Konstanzer Konzils zeigen. Von 1414 bis 1418 tagte in der Bischofsstadt eine für die spätmittelalterliche Welt einzigartige Kirchenversammlung. Man schätzt, dass etwa 70.000 Besucher in den vier Jahren in die damals rund 7.000 Einwohner zählende Stadt kamen. Während ROM 312 die Anfänge des Christentums als Staatsreligion zeigt, wird das Panorama zum Konzil die aus heutiger Sicht dekadente Entwicklung der römischkatholischen Kirche auf ihrem Höhepunkt darstellen. Ablasshandel, Machtpoker und Gewalt bestimmen entgegen den ursprünglichen Glaubenssätzen das Leben der meisten Kirchenoberen. Mit der Darstellung der Geschehnisse rund um den böhmischen Prediger Jan Hus wird im Panorama auch schon ein kleiner Ausblick auf die Reformation und LUTHER 1517 circa einhundert Jahre später zu sehen sein. Somit schließt sich der Kreis aus Gründungsmythos, Verfall und Reformation zu einem Dreiklang, der die Entwicklung und Wandlung des Christentums in einer großen zusammenhängenden Geschichte erzählt.


LUTHER 1517 | Wittenberg360

GESCHICHTE AUF AUGENHÖHE Von der besonderen Perspektive in LUTHER 1517

LUTHER 1517 erzählt in einem zeitlichen Bogen von 30 Jahren die Geschichte Martin Luthers und die Ursachen seines Wirkens, also die gesellschaftlichen Zustände der Zeit. Die Erzählung entfaltet ihre Wirkung dabei insbesondere durch die Wahl des Standpunkts. Jedes Panorama hat seinen ganz eigenen Standpunkt des Betrachters, einen Punkt von dem der Besucher den idealen Blick auf die dargestellte Szenerie hat. Das Gemälde in Wittenberg funktioniert deshalb besonders gut, weil der Standpunkt am Schlossplatz einen guten Blick in die mittelalterliche Stadt ermöglicht und durch die relativ geringe Höhe auch so niedrig ist, dass man sehr nah an die Hauptdarsteller herankommt. Das Bild erschließt sich so zunächst durch seine menschlichen Figuren.

Für Yadegar Asisi war die Nahansicht auf Augenhöhe für das Luther-Panorama eine ganz logische Schlussfolgerung: “Ich zeige einen repräsentativen Raum der Stadt. Man ist mittendrin und betrachtet aus sechs Metern den Schlossplatz. Hier finde ich sowohl die Kirche als auch das Schloss vor und habe direkt zwei Leitthemen im Bild: die geistliche und die weltliche Macht. Das Besondere ist hier, dass man hineingeht und im ersten Moment weniger Natur sieht, sondern die Figuren. Man schaut erst auf die Menschen und fängt dann an, sich mit der Architektur zu beschäftigen. Ich habe mich für diese Methode entschieden, damit man die Szenen richtig groß sieht. Es geht hier vor allem um Martin Luther. Man muss ihn immer erkennen.”

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YADEGAR ASISI PANORAMEN VON 2003 – 2018 Die ultimative Panorama-Werkschau dokumentiert die monumental-immersiven Rauminstallationen von Yadegar Asisi, die in der Zeit zwischen 2003 und 2018 realisiert wurden. Umfangreiche Textbeiträge und ausführliche Bildstrecken zu den Panoramen sowie zu Asisis Vorarbeiten – Zeichnungen, Skizzen, Aquarelle oder Gouachen – geben einen intensiven Einblick in die Entstehung der Panoramen und die künstlerische Intention für das jeweilige Projekt.


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DIE MAUER | asisi Panorama Berlin

EWIG ZUR ERINNERUNG Zum 10-jährigen Jubiläum des Panoramas DIE MAUER

Das asisi Panorama Berlin zeigt im Herbst 2022 seit nunmehr 10 Jahren das Panorama DIE MAUER. Damit ist das Projekt von Yadegar Asisi nicht nur sein erstes Anti-Kriegsprojekt überhaupt, sondern ebenfalls die bisher längste Dauerausstellung des Künstlers. Gerade in der schnelllebigen Berliner Kulturlandschaft ist das eine seltene Ausnahme und DIE MAUER kann so mit Recht als ein ganz besonderes Kulturgut gelten. Doch woher kommt die Langlebigkeit dieser historisch-künstlerischen Symbiose in einer Zeit, in der Ausstellungen in den meisten Häusern im Halbjahres-Takt wechseln? Wie auch einige andere asisi-Werke ist das BerlinPanorama zunächst fest in der DNA seines Ausstellungsorts, hier der Stadt Berlin, verankert. Es gibt einfach keine vergleichbare visuell so authentische Darstellung


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der ehemaligen Grenzgegend, die das Lebensgefühl der 80er-Jahre in der durch die Mauer getrennten Metropole so eindrücklich und realistisch einfängt. Im wahrsten Sinne des Wortes sehen Besucher*innen auf einen Blick, was die Stadt und ihre Menschen damals ausmachte: Die erschreckende Banalität des Alltags an einer waffenstarrenden Grenze, an der gefühlt tagtäglich der dritte Weltkrieg ausbrechen konnte. Die Reflektion über das Lebensgefühl und den Alltag in den 1980er Jahren im Schatten der Berliner Mauer waren Yadegar Asisis Motivation für das Panorama: Die Teilung war normal geworden, man hatte sich mit dem Zustand arrangiert. In DIE MAUER verdichtet Asisi, der als Zeitzeuge in der DDR aufwuchs und ab 1978 in Westberlin lebte, seine Alltagserfahrungen im geteilten Berlin zu einer atmosphärischen Momentaufnahme mit großer Raumwirkung. Zahlreiche historische Ausstellungen und Museen beschäftigen sich zwar ebenfalls mit der Zeit des Kalten Kriegs, tragen Informationen zusammen und vermitteln eine faktenbasierte Analyse der Geschehnisse und damaligen gesellschaftlichen Zustände. Das ist auch im Panorama DIE MAUER der Fall. Mit dem Unterschied, das durch die künstlerisch-inszenierte Darstellung als Monumentalgemälde im Panorama eine Gefühlsebene

geschaffen wird, die ein wirkliches Erleben möglich macht. Der Betrachter spürt durch Raum, Lichtsetzung und figurative Inszenierung ein Lebensgefühl, das sich mit Worten kaum beschreiben lässt und auch in einer klassischen musealen Präsentation nicht erreicht werden kann. Man muss es selbst fühlen und betrachten. Hier ist eine gesamte Epoche in einem einzigen Bild festgehalten, das sich tief in unsere Köpfe einprägt und ein nachhaltiges Erinnern an eine Zeit ermöglicht, die aufgrund ihrer warnenden Wirkung für die Gegenwart nicht vergessen werden darf. Diese für viele Berliner genauso wie für Millionen auswärtige Besucher gleichermaßen berührende Erfahrung macht sich in einem nach wie vor ungebrochen hohen Zuspruch bemerkbar. Grund genug, dem Projekt zum 10-jährigen Jubiläum eine Veranstaltung zu widmen und sich die künstlerische Rezeption der Mauerzeit noch einmal vor Augen zu führen.


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GREAT BARRIER REEF | Gasometer Pforzheim

AM SCHÖNEN ENDE DER WELT GREAT BARRIER REEF zeigt das weltweit bekannte Korallenriff als verdichtete Landschaft, die es so nur im Panorama zu sehen gibt. Wie uns das Werk Yadegar Asisis einen gänzlich neuen Blick auf das größte lebende Struktur der Erde ermöglicht.


23 vor Ort sieht man durch die beschränkte Sicht im Wasser und die weite Ausdehnung der Riffstrukturen niemals eine derart verdichtete „Landschaft“. Dieses Phänomen wurde Yadegar Asisi zum ersten Mal wirklich bewusst, als er 2015 die Tauchlegende Ben Cropp in Australien besuchte und sich mit ihm zu einem ersten Tauchgang aufmachte. Cropp, der 1962 vom Speerfischer zum begeisterten Dokumentarfilmer wurde und seitdem filmisch „Jagd“ auf die Bewohner der Unterwasserwelt in seiner Heimat Australien macht, führte Asisi mehrmals an bislang unentdeckte Winkel der Unterwasser-Region und zu den schönsten Stellen im Riff. Fasziniert von der bizarren Schönheit der Korallen und ihrer wissenschaftlichen Bedeutung machte sich der Künstler daran, seine Tauchgänge in einem Panorama zu verarbeiten.

Wer einmal das Glück hatte im Panometer Leipzig oder Gasometer Pforzheim das Panorama GREAT BARRIER REEF live zu erleben, kennt das ganz eigentümliche Gefühl von Ehrfurcht, das einen befällt, wenn man vor der größten lebenden Struktur dieser Erde steht. Unvorstellbar, dass am Anfang dieses gigantischen Wunderwerks ein winziger Polyp steht, ein Nesseltier im Wasser. Dieser Polyp geht mit einer bestimmten Alge eine Symbiose ein, die fortan in seiner Haut lebt und ihn mit lebenswichtigen Nährstoffen versorgt. Die nur wenige Zentimeter großen, sesshaften Polypen bilden Kolonien und scheiden Kalk aus. Daraus entstehen über die Zeit Riffe und nach Jahrtausenden werden aus den Kalkskeletten schließlich riesige Riffstrukturen. So ist die Größe des über 10.000 Jahre alten Great Barrier Reefs vor der Küste Australiens in etwa mit der von ganz Deutschland vergleichbar. Damit ist es das größte Korallenriff der Erde. Und zugleich auch eine der größten Naturräume, die je von Yadegar Asisi in einem Panorama festgehalten wurden. Das Panorama des Riffs wirkt für viele Besucher auch gar nicht wie ein Bild, sondern durch die geschickt inszenierte Tiefe eher wie ein wirklich gewaltiger Raum, wie ein wirklicher Ozean mit unendlicher Ausdehnung. Das Besondere daran: Der Rundumblick im Kunstwerk ist eine künstlerische, hyperrealistische Verdichtung, die nur im Panorama möglich ist. Selbst beim Tauchen

Zwar ist das Erlebnis am Riff zu tauchen eine unvergessliche Erfahrung, eine emotionale Gesamtwahrnehmung des ganzen Riffes mit seinen zahlreichen Vegetationsformen und geologischen Formationen in verschiedenen Wassertiefen ist aber in der Realität schier unmöglich. Nur das Panorama schafft es, diesen Naturraum so umfänglich darzustellen, dass wir ihn sogleich begreifen. Bis zuletzt war der Künstler sich während der Entstehungsphase des Projekts unsicher, ob die künstlerische Verdichtung im Panorama wirklich funktioniert: „Ich bin ganz glücklich“, sagte er dann bei der Weltpremiere, “da ich mir wirklich nicht sicher war, ob die Unterwasserwelt wirklich räumlich wirkt. Aber es funktioniert eindeutig.“ Überzeugen Sie sich selbst.


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DRESDEN IM BAROCK | Panometer Dresden

YADEGAR ASISI AUF DEN SPUREN CANALETTOS Zum 300. Geburtstag des venezianischen Malers plant der Künstler eine Reihe an Aktionen in Dresden

Wer als Einwohner oder Tourist durch Dresden läuft, kann den malerischen Ansichten am Elbufer und Zwinger schwer entkommen. Zu schön ist es, den Blick vom Ufer der Elbe auf die prachtvollen Brücken, Barockbauten und Terrassen schweifen zu lassen. So schön, dass auch der berühmte Benardo Bellotto, genannt Canaletto, der als Hofmaler am Hof des sächsischen Kurfürsten arbeitete, diese Ansichten in seinen berühmten Stadtveduten verewigte und damit das Dresden des frühen 18. Jahrhunderts wie in einer Zeitkapsel festhielt. Seine Veduten halfen auch Yadegar Asisi fast dreihundert Jahre später ein realistisches Bild des barocken Dresdens zu zeichnen. Um das ganze Wirken des venezianischen Malers nachvollziehen zu können, verweilt Asisi 2022 an vielen Stationen Canalettos um dort selbst zu zeichnen und den Prozess festzuhalten. Damit können auch einige seiner vielen Schüler der Reihe sehen & gestalten das Wirken Canalettos in Dresden erleben und nachfühlen. So vergessen sein Name und seine Bedeutung heute auch sein mag – die Arbeitsweise des Venezianers ist, insbesondere durch die Nutzung einer Camera Obscura auch im 21. Jahrhundert noch faszinierend. Und inspirierte Yadegar Asisi zu seiner Ansicht des barocken Dresdens. Mehr dazu erfahren Sie auf YouTube.


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Einfach Zeichnen lernen


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AU REVOIR ROUEN! Das temporäre Ausstellungsprojekt im französischen Rouen endet – und DIE KATHEDRALE VON MONET kommt nach Leipzig


27 2014 entstand mit dem Panorama XXL in Rouen das erste temporäre Ausstellungshaus für die Panoramen von Yadegar Asisi außerhalb Deutschlands. In Rouen sahen bis zur geplanten Schließung im September 2021 insgesamt 700.000 Besucher sechs Panoramen des Künstlers. Unter den sechs Panoramen waren neben TITANIC, GREAT BARRIER REEF, ROM 312 und AMAZONIEN auch zwei Werke, die direkt zur Stadtgeschichte der normannischen Hauptstadt entstanden. ROUEN 1413 zeigt die Spätgotik in Rouen nicht als Zeitalter des Dunkels und der Rückständigkeit, sondern als eine Epoche des Umbruchs und der Hinwendung zum Individuum.

ROUEN 1431 im Panorama XXL, Rouen (2016)

Das zweite Rouen-Panorama DIE KATHEDRALE VON MONET war für Yadegar Asisi eine weitere, wenn nicht sogar seine größte künstlerische Herausforderung. Erstmals wurde ein Panorama nicht von Anfang an digital erstellt, sondern in Gänze in Öl ausgeführt und erst anschließend digitalisiert. Im Ergebnis konnten die Besucher in Rouen in das wohl größte impressionistisch gemalte Gemälde aller Zeiten eintauchen. Auf Augenhöhe mit jedem Pinselstrich erlebt man die Geburt der modernen Malerei, die Explosion der Wahrnehmung und Farben in einem Werk, das viel mehr als eine Hommage an die großen Impressionisten des 19. Jahrhunderts ist. Es ist ein Blick tief ins innerste Wesen der Malerei. Ein immersives Eintauchen in die Gefühlswelt der ersten modernen Maler, die sich von den funktionalen Zwängen und der Vormundschaft vieler Jahrhunderte und Abhängigkeiten lösten.

Das ein derartiges Erlebnis nicht verloren gehen sollte, versteht sich für den Künstler von selbst. Yadegar Asisi zum Projektende in der Normandie: „Von vielen Besuchern in Rouen habe ich eine überwältigende Wertschätzung erfahren. Die entstandenen Kunstwerke müssen jedoch nicht für immer verschwinden: Die beiden könnten an anderen Ausstellungsorten als Botschafter für die faszinierende Stadt weiterhin von vielen Menschen gesehen werden. Sie transportieren die Identität ihrer Stadt auf eine Weise, die kaum ein anderes Medium leisten kann. Somit bleibt mir abschließend allen Menschen zu danken, die dieses Projekt möglich gemacht haben. Danke auch an die kulturinteressierten Bürger der Stadt Rouen und danke auch für die urfranzösische Gastfreundlichkeit, die ich immer in meinem Herzen und in bester Erinnerung behalten werde.“ So ist geplant, DIE KATHEDRALE VON MONET ab 2023 auch in Deutschland im Panometer Leipzig zu zeigen. Denn obwohl die Kathedrale als Bauwerk selbst untrennbar mit der Stadt Rouen verbunden ist, steht das Werk Asisis als Sinnbild für den Beginn einer ganzen Epoche – der Trennung der Malerei von ihrer Funktion zur Abbildung der Realität hin zur Abstraktion der Moderne. Und welche Stadt wäre als Standort für eine Hommage an die moderne Malerei wohl geeigneter als eben die Kunststadt Leipzig?


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Sehen & Gestalten

AUS DEM YOUTUBE STUDIO Mit seiner Videoreihe sehen & gestalten fasziniert Yadegar Asisi auf YouTube Tausende Zeichenbegeisterte. Ein Blick hinter die Kulissen.


29 Wie viele Menschen nutzte auch Yadegar Asisi die Zeit während des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 zur Selbstreflexion. In seinem Atelier kam dem Künstler schnell die Idee, eine alte Leidenschaft in Form einer Lehrtätigkeit wieder aufleben zu lassen. Doch dieses Mal nicht im Rahmen einer akademisch reglementierten Professur, die er schon vor Jahren für mehr Konzentration auf die Panoramen ruhen ließ, sondern für alle Wissbegierigen frei zugänglich auf YouTube. In seiner Videoreihe sehen&gestalten lehrt er seitdem die Grundlagen des perspektivischen Zeichnens, spricht über Motivation und vermeintliches Talent und gibt den Zuschauern jede Menge Übungen an die Hand, um das Handwerk des Zeichnens zu meistern. Er kommentiert Kommentare, beantwortet Fragen und gibt ebenso Einblicke in sein Werk als Künstler, vom kleinsten Skizzenbuch bis zum größten Panorama. Die Videos entstehen überwiegend im Atelier. Unterstützt wird Yadegar Asisi dabei von zwei Kollegen aus seinem Team, die sich um Kamera, Schnitt und Text der Beiträge kümmern. Hin und wieder zieht es den Wahlberliner auch hinaus, zum Beispiel in seinen Kreuzberger Kiez, um dort im zeichnerischen Naturstudium Motive festzuhalten. So nahm er die Zuschauer auf der Suche nach Bildmotiven aber auch schon mit an den Bodensee, in die österreichischen Alpen, nach Griechenland oder an die Ostseeküste. Für 2022 sind Videos auf den Spuren Canalettos in Sachsen, von weiteren antiken Stätten und aus der Antarktis geplant. Yadegar Asisi zeichnet bei jeder Projektreise, lässt seine Zuschauer über YouTube direkt daran teilhaben und vermittelt zusätzlich ein zeichnerisches Wissen, welches man wohl selten in dieser Form präsentiert kriegt. Dabei verfolgt die Reihe ein pädagogisches Konzept, das beständig motiviert und hunderte Stunden Übungen mit unterhaltenden Ausflügen in die Lebenswelt des Künstlers verbindet. Nichtsdestotrotz müssen sich die Folgen hinter keiner universitären Lehrveranstaltung verstecken. Die vermittelte Menge an Wissen mitsamt den sehr eingängigen Lehrsätzen zum perspektivischen Zeichen übertrifft dabei viele klassische, meist eher dogmatische Lehrveranstaltungen zum Thema Zeichnen. Ein gutes Beispiel hierfür ist Asisis einfache Erklärung der Grundlagen zu Horizont und Fluchtpunkt. Anstatt wie viele Lehrbücher zunächst theoretisch zwischen 1-Punkt, 2-Punkt und Mehrpunktperspektive zu unterscheiden, bricht der Künstler das scheinbar komplexe Thema auf zwei leicht verständliche Lehrsätze herunter und spricht von einem simplen Gesetz sowie einer Erfindung. Scheinbar schwere, mathematische Zusammenhänge der Perspektivlehre werden so für viele Zuschauer schnell verständlich.

Das Lehrprogramm von sehen & gestalten wird sich über mehrere hundert YouTube-Episoden erstrecken und soll zukünftig sogar mit Live-Veranstaltungen und einem Zeichenbuch erweitert werden. Wer ein versierter Zeichner werden oder auch nur einmal in die Grundlagen des Handwerks hineinschnuppern möchte, wird in Yadegar Asisis kleiner Zeichenwelt also garantiert glücklich. Einzige Voraussetzung ist die eigene Motivation.


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KONTAKT / IMPRESSUM PANOMETER LEIPZIG Richard-Lehmann-Straße 114 04275 Leipzig

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BESUCHERSTIMMEN Impressum Ausgabe 06/2022 asisi F&E GmbH Oranienplatz 2 10999 Berlin

Wir sind jedes Mal berührt und dankbar, wie Besucher auf unsere Panoramen reagieren und freuen uns, ihre Einträge in unseren Gästebüchern zu lesen. Ein paar davon sind hier zusammengetragen:

office@asisi.de www.asisi.de

Panometer Leipzig Cathi R.. via Google Eindrucksvolle Installation, die einen lange beschäftigt und im Gedächtnis bleibt.

Wittenberg360 Sabine H. via Google Ein sehr kurzweiliges und gelungenes 360 Grad Panorama von Herrn Asisi. Ich bin sehr begeistert und erstaunt das ich bei jedem Schritt den ich ging immer wieder etwas Neues entdeckte. 24 Stunden im Zeitraffer der damaligen Zeit mit der dazugehörigen Geräuschkulisse... Einfach phänomenal inszeniert. Kurzweilig, Informativ, Beeindruckend.

Panometer Leipzig Anja S. via Google Die Ausstellung NY 9/11 ist einfach gigantisch. Man wird zum einen an die vielen Opfer erinnert, zum anderen wird einem mit diesem Panorama erst mal bewusst, wie schnell es gehen kann, dass man mitten aus dem Leben gerissen wird. Es ist absolut empfehlenswert!!

Pergamonmuseum. Das Panorama Sefika S. via Instagram Yadegar Asisi ist der Schöpfer dieses Panoramagemäldes, das in 7 Jahren fertiggestellt wurde. […] An mehreren Stellen hat er sich auch selbst in seine Malerei einbezogen. Ein großartiges Werk, das Menschen einbezieht und die Wahrnehmung von Zeit und Raum verändert.

Panometer Leipzig Toni S. via Google Außergewöhnliche Ausstellung. Sehr intensiv, viele Fakten und wahnsinnig spannend. Ein großartiger Künstler. Ist definitiv den Preis wert. Kann man nur empfehlen. Tolle Eindrücke bekommen und man hat hinterher erstmal was zum nachdenken.

Pergamonmuseum. Das Panorama Mabbet via Tripadvisor Die moderne Form eines Museums. […] Manche Skulpturen sind vielleicht sogar besser zu sehen als im eigentlichen Museum. Schade, dass wenn der Pergamonsaal wieder öffnet, das Panorama nicht mehr gezeigt werden kann. Wäre eine tolle Ergänzung gewesen.

Asisi Panorama Berlin Christian D. via Facebook Beeindruckendes künstlerisches Gedenken an die Geschichte Berlins im Kalten Krieg, das so realistisch erscheint, als wäre es erst gestern gewesen.

Gasometer Pforzheim Nicole S. via Tripadvisor Ein beeindruckendes, ergreifendes, emotionales Erlebnis, wenn man ganz im Hier und Jetzt ist. […] Ich fahre sicher noch einmal hin. Mein 2-Jähriger Sohn war auch dabei. Habe ihm alles erklärt und gezeigt. War für ihn auch altersentsprechend interessant. Waren über 2 h dort.

Verantwortlich Mathias Thiel Redaktion/Lizenzen Sebastian Oswald, Fanny Thiel Layout Denise Lüderitz Korrektorat Sebastian Oswald Bildnachweis Wenn nichts anderes angegeben © asisi Seite 8 Foto: Felix Broede © asisi Seite 12, 23, 30 Foto: Tom Schulze © asisi Seite 18 Foto: David Oliveira © asisi Seite 20 Janny Mayr ©asisi Seite 24 Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke, Bernardo Bellotto; bpk | Staatliche Kunstsammlungen Dresden | Elke Estel Seite 27 Foto: Thomas Boivin © asisi

Asisi Panorama Berlin Anonym via Getyourguide Beeindruckende Darstellung der Geschehnisse 1961–1989. Und die Kreuzberger Szenerie Klasse! Sehr gut eingefangen, wie unwirklich es eigentlich war. Ich kann es beurteilen, da es „meine Zeit“ war. Unbedingt ansehen. Panometer Dresden Brigitte D. via Google Einfach toll, muss man gesehen haben. Beeindruckend und schön. Dresden im Barock, so könnte es gewesen sein.

IM NÄCHSTEN HEFT

BLICK AUF DIE KATHEDRALE PANORAMA, HINTERGRÜNDE UND ERÖFFNUNG AUSSERDEM: WAS BRINGT DAS AUSSTELLUNGSJAHR 2023?

Ab Dezember 2022 an unseren Panorama-Standorten in Berlin, Dresden, Leipzig, Wittenberg und Pforzheim.

Gasometer Pforzheim Martina B. via Google Ein Besuch der sich wirklich lohnt. Im wahrsten Sinne „abtauchen“ in eine andere Welt. Mit absoluter Hochachtung für den Künstler, der einem die Entstehung seiner Werke (über Jahre) näherbringt und uns mit auf diese Reise nimmt. Immer wieder neue Details sind zu entdecken und man wird liebevoll in den Schoß der Unterwasserwelt gelegt. Traumhaft...


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