Yadegar Asisi | 360°-Panorama | Spielplan Januar 2023

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PFORZHEIM
ERFOLGSGESCHICHTE
GASOMETER
PERGAMON – EINE ANTIKE

Editorial 3

Pforzheim + Berlin PERGAMON – Eine antike Erfolgsgeschichte 4 Interview Neues aus dem Atelier 8 Spielplan 2023 10

Panoramageschichte Der richtige Standpunkt 14

Wittenberg Ein 500 Jahre alter Blick 16 Dresden Barockes Kuriositäten-Kabinett 18 Berlin Berliner Erinnerungskultur 22

Konstanz Der Weg zum Werk 24

Leipzig Die Befreiung der Malerei 26 Standorte und Kontakt 30 Besucherstimmen 31

LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER,

auch in dieser dritten Ausgabe unseres Spielplans finden Sie wieder die wichtigsten Informationen, Programmpunkte und Hintergründe zu den Projekten von Yadegar Asisi. Und 2023 ist ein spannendes Jahr: Nach der Pandemie in den vergangenen Jahren blicken wir zum ersten Mal seit langer Zeit wieder auf ein Jahr, in dem Kultur- und Veranstaltungsorte aller Wahrscheinlichkeit nach vollständig und ohne Beein trächtigungen geöffnet sein werden. Auch wenn die gesamtgesellschaftliche Situation vielen Menschen beim Blick auf das Weltgeschehen wohl einige Sorgen falten auf die Stirn treibt, so ist die kulturelle Öffnung doch eine gute Nachricht. Denn sind nicht ebendiese Kulturorte in Zeiten wie diesen umso wichtiger? Um sich abzulenken, aber auch um voneinander zu lernen und gesellschaftliche Phänomene verstehen zu können? Um die Geschichte und das Verhalten des Menschen besser reflektieren zu können? Wir denken: Ja, auf jeden Fall!

In unserer Titelstory findet sich das Thema im Rahmen einer einzigartigen Projekt-Kooperation zur Kultur geschichte der Menschheit: PERGAMON – eine Zusammenarbeit der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin mit dem Studio asisi. Das Projekt ist ab März 2023 auch in der baden-württembergischen Kulturstadt Pforzheim zu sehen. Lesen Sie die spannende Entstehungsgeschichte des wegweisenden Ausstellungsprojekts und Sie werden verstehen, was das Panorama in Ergänzung zu musealen Exponaten wirklich leisten kann.

Apropos Panorama – wissen Sie eigentlich, was die Wortschöpfung bedeutet? Und wer diese Kunstform erfunden hat? Wir verraten es Ihnen im ersten Teil einer Reihe von Beiträgen zur Geschichte des Panoramas. Denn obwohl Yadegar Asisi heute der weltweit wohl einzige „Panorama-Künstler“ ist, der Werke dieser Dimension kreiert, gab es im 19. Jahrhundert eine regel rechte Panorama-Euphorie mit zahlreichen Künstlern und Ausstellungsorten, bis dann zum Ende des Jahr hunderts das Panorama vom Kino als Unterhaltungs medium für die Massen abgelöst wurde.

Abgelöst wird auch das Anti-Kriegsprojekt NEW YORK 9/11 im Panometer Leipzig. In unserem Beitrag zur neuen Ausstellung DIE KATHEDRALE VON MONET finden Sie schon vor der Eröffnung im Herbst dieses Jahres eine Vorschau auf die Ausstellung zur zeit genössischen Malerei mit bislang unveröffentlichten Werken von Yadegar Asisi. Eine weitere Vorschau gibt Ihnen unser Beitrag zum zukünftigen Ausstellungsort Konstanz. Am Bodensee entsteht eine Rotunde nach Entwürfen des Architekturbüros Sauerbruch Hutton, in der ab 2024 ein Panorama zum Konstanzer Konzil, einer der wichtigsten Kirchenversammlungen des Spät mittelalters, gezeigt wird. Die wichtigsten Meilensteine zur Entstehung eines Panorama-Projekts haben wir exemplarisch an diesem Werk zusammengefasst.

Sie haben Anregungen, Wünsche oder Fragen zu den Werken Yadegar Asisis? Schreiben Sie uns oder kommentieren Sie direkt auf Facebook, Instagram oder YouTube. Wir freuen uns auf Ihre Meinung und Bewertungen und hoffen, Sie bald wieder in einem unserer Ausstellungsorte begrüßen zu dürfen.

Ihr Studio asisi

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Editorial

EINE ANTIKE ERFOLGSGESCHICHTE

Mit der Eröffnung von PERGAMON erhält das Gasometer Pforzheim im März 2023 ein weiteres Panorama von Yadegar Asisi: ein Panorama der Antike mit einer ganz besonderen Geschichte.

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| Gasometer Pforzheim & Pergamonmuseum. Das Panorama
PERGAMON

Als eine Delegation der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin vor mehr als 15 Jahren das Panorama ROM 312 im Panometer Leipzig betrachtete, war noch nicht absehbar, welche einzigartige Symbiose von Kunst und Wissenschaft aus diesem Besuch erwachsen würde. Aus der ersten Kontaktaufnahme zu Yadegar Asisi wurde bald ein konkreter Plan: Die jahrzehntelangen Bemühungen der Antikensammlung um die wissen schaftliche Aufarbeitung, Erforschung und Erhaltung ihrer pergamenischen Fundstücke sollte erstmals in der Neu zeit in einer Ausstellung zusammengeführt werden. Eine Kombination aus aktuellen wissenschaftlichen Erkennt nissen mit künstlerischen Visualisierungen sollte die seit 2000 Jahren vergangene Welt der hellenistischen Kultur metropole erlebbar machen – so die Grundidee.

Die archäologische Sonderausstellung mit einem Panoramabild Yadegar Asisis wurde in Rekordzeit von nur wenigen Jahren geplant und umgesetzt. Für das Bild wurde eigens ein Rundbau im Hof des Pergamon museums auf der Museumsinsel errichtet. Originale Antiken aus den Archiven der Sammlung vervoll ständigten in neuer Inszenierung und Kontextualisierung das Ausstellungskonzept. So wurde etwa die Darstellung der Olympischen Götter in Ergänzung zu den gezeigten Götterstatuen als Spiegel-Installation realisiert, um Besuchern die Größe des antiken Götterkosmos zu ver deutlichen.

Das 360°-Panorama führt in das Jahr 129 n. Chr. in die Stadt Pergamon in der römischen Provinz Asia Minor, an die Westküste der heutigen Türkei. Die griechisch geprägte Stadt war in der hellenistischen Epoche nach dem Tod Alexander des Großen zur Kulturmetropole und einem selbstständigen Königreich aufgestiegen, fiel jedoch durch Erbschaft an Rom. Dargestellt ist die römische Zeit unter Kaiser Hadrian, dessen Besuch für die Zeit belegt ist. Eingebettet in die Terrassen der Akropolis auf dem 300 Meter hohen Burgberg, fügen sich die monumentalen Bauwerke mit ihren Tempeln und dem Theater in die hügelige Landschaft ein. Am Fuße des Burgbergs erstreckt sich die römische Stadtanlage, am Horizont ist das Mittelmeer zu erahnen. Mehr als 1,5 Millionen Besucher aus aller Welt sahen die einjährige Sonderausstellung nach ihrer Eröffnung 2011, was die Schau zu einer der erfolgreichsten deutschen Aus stellungen überhaupt machte.

Nach dem ersten großen Erfolg der Kooperation ver wundert es nicht, dass die Verbindung aus Panorama und Antiken-Ausstellung schon wenige Jahre später ein Comeback erlebte. Im Zuge der temporären Teil schließung des Pergamonmuseums durch den Umbau des Museumsbaus erhielt das Projekt einen eigens erbauten Ausstellungsort in Form einer Rotunde direkt

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Spiegel-Installation in der ersten PERGAMON-Ausstellung 2011 in Berlin.

gegenüber der Museumsinsel. Für die Eröffnung des neuen Ausstellungsbaus im November 2018 wurden sowohl das Gesamtkonzept der Ausstellung als auch das Panorama überarbeitet.

Da der große Pergamonaltar während der Baumaß nahmen für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sein würde, wurde dieser nun besonders aufwendig inszeniert. Der Altar zeigt auf mehreren Reliefs altgriechische Götter- und Heldensagen, die Legende von Telephos als Gründungs geschichte der Stadt und den Kampf der Giganten gegen die Olympischen Götter. Teile des großen Frieses, des kleineren Telephos-Frieses, eine zeichnerische Rekonstruktion des gesamten Nordfrieses von Yadegar Asisi sowie die Neuinszenierung im Panorama fanden ihren Weg in die aktualisierte Ausstellung. Der welt berühmte Altar, das Besucher-Highlight des Pergamon museums, ist in der ersten Version des Panoramas von 2011 noch mit Pflanzen bewachsen. Jetzt wurde er in seiner ursprünglichen Funktion als Opferaltar dargestellt, inklusive Tieropfern und deren Verbrennung durch die Priesterschaft. In minutiöser zeichnerischer Detailarbeit rekonstruierte Yadegar Asisi in einem erstmaligen Ver such den Nordfries des Altars in seiner gesamten Länge. Gefunden hatten die Archäologen stets nur Reste der pergamenischen Skulpturen und Friesplatten, da diese

über die Jahrhunderte nicht nur der Witterung ausgesetzt waren, sondern auch umgenutzt und zum Beispiel zur Verteidigung der Stadt in der byzantinischen Mauer ver baut wurden.

Neben der künstlerischen Vervollständigung der Lücken in der wissenschaftlichen Forschungsarbeit, war Asisi bemüht, möglichst vielen weiteren Ausstellungsobjekten visuellen Kontext zu verschaffen und diese einmaligen Fundstücke in ihrer vormaligen Umgebung zu zeigen. So finden sich in der 2018er-Ausstellung einige Zeichnungen, Gemälde und Studien zu Funden der Antikensammlung, die dem Besucher eine gänzlich andere und vor allem emotionalere Erfahrung der Originale ermöglichen. Ebenfalls für Kontext sorgte eine neuartige Installation einer weiblichen Gewandstatue, deren Gewand mithilfe von Projection Mapping in verschiedenen Farbversionen illuminiert wurde und somit die echte Farbigkeit antiker Skulpturen verdeutlicht. Diese waren nicht monochrom oder weiß, sondern bunt und lebensecht bemalt, was sich durch Farbpigmente auf den Oberflächen vieler Skulpturen nachweisen lässt.

Abbildung links: Besucher vor der zeichnerischen Rekonstruktion des Pergamonaltars mit dem Altar im Panorama im Hinter grund.

Abbildung unten:

Blick auf die farbig inszenierte Gewandstatue und kontextualisierende Zeichnungen von Yadegar Asisi.

Das mit mehreren Auszeichnungen vom Red Dot Award, Iconic Award und dem ADC Deutschland prämierte Projekt wird nun erstmals auch im süddeutschen Raum zu sehen sein. Im Gasometer Pforzheim werden dann nicht nur das Panorama, sondern auch Elemente der begleitenden Ausstellung mitsamt einiger Installationen gezeigt.

Damit wird auch die Brücke zur eigenen historischen Vergangenheit geschlagen, wurde Pforzheim doch selbst unter dem Namen Portus (lat. für „Hafen“) von den Römern gegründet und gehörte über Jahrhunderte zum römischen Weltreich. Die Siedlung war zwar keine Kultur metropole wie das tausende Kilometer östlich gelegene Pergamon, aber dennoch durch die günstige Lage an der Enz eine kleine Verkehrs- und Handelsstadt in der Provinz Obergermanien. Wie Pergamon war jedoch auch Pforzheim nicht gefeit vor den Umbrüchen und Zer störungen der Spätantike und Völkerwanderungszeit.

So ist es umso wichtiger, das Gefühl dieser heute für viele Menschen nicht mehr fassbaren Zeit zu vermitteln und wirklich erfahrbar zu machen. Mit diesem Ziel vor Augen wird die Antike ab März 2023 mit PERGAMON auch in Pforzheim wieder lebendig.

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NEUES AUS DEM ATELIER

Yadegar Asisi spricht im Interview zu neuen Projekten und Standorten im Jahr 2023 und verrät, was er den Menschen für ihren ersten Besuch eines Panoramas gern mit auf den Weg gibt.

2022 war ein ereignisreiches Jahr für den asisi Kosmos. Im Panometer Leipzig startete mit NEW YORK 9/11 ein wegweisendes Anti-Kriegsprojekt, zeitgleich endeten Projekte, manche feierten aber auch Jubiläen. Wie sehen Sie das Jahr im Rück blick?

Neben den genannten Projekten bleibt mir hier all gemein die Zeit nach der Pandemie in Erinnerung. Es berührt einen wirklich, dass die Besucher nach wie vor so zahlreich die Panoramen besuchen. Es bedeutet mir sehr viel, dass sich eine derart große Gemeinschaft gebildet hat, die meine Werke und das Panorama als solches als Wert und Sinn stiftend erkennt. Ich bin wahrhaftig dankbar. Und im Ver gleich sehe ich, dass viele Kulturinstitutionen da ganz andere Probleme haben. Das macht mich umso demütiger. Uns wird durch diesen Zuspruch bestätigt, dass wir so weitermachen können – die schwierigen Zeiten liegen hinter uns. Wir haben die Arbeit an weiteren, zukünftigen Werken nicht unterbrochen. Und von diesen wird es noch einige geben, auch einige, die garantiert überraschen werden. Bleiben Sie gespannt!

Und was erwartet die Besucher der asisiPanoramen dann ganz konkret 2023?

Was wir jetzt schon verraten können: Es wird zwei Eröffnungen geben, bei denen bekannte Themen neu und spannend aufbereitet werden. Im Gasometer Pforzheim zeigen wir PERGAMON, das historische Panorama, das auch an der Berliner Museums insel zu sehen ist. Im Herbst kommt dann das erste gemalte (und anschließend digitalisierte) Panorama zur impressionistischen Malerei in das Panometer Leipzig. Die Erstveröffentlichung fand bereits während der Hochphase der COVID-Epidemie in Frankreich statt und ich dachte mir, dass ein solches malerisches Werk dem deutschen Publikum nicht vorenthalten werden darf. Das Panorama heißt bis lang DIE KATHEDRALE VON MONET, am Konzept zur Ausstellung arbeite ich gerade. Es wird auf jeden Fall ein Hohelied auf die Malerei. Die Frage ist doch, welche Bedeutung diese in der heutigen Zeit noch hat. Das ist das Thema, was mich an diesem Projekt interessiert. Mein Ausgangspunkt ist der Impressionismus – ein Paradigmenwechsel in der Geschichte der Malerei.

Gibt es (weitere) neue Projekte oder Standorte über die Sie schon berichten können?

Ganz klar, es ist vieles in Arbeit. Wir arbeiten an einigen Projekten im In- und Ausland, über die wir jedoch – wie so oft – noch nicht sprechen können. Die Entstehungsphase solcher künstlerischen Groß projekte zieht sich immer über mehrere Jahre hin und man kann sich während des Prozesses nie ganz sicher sein, ob wirklich alles so klappt, wie man sich das vorstellt. Und ich möchte einfach keine falschen Erwartungen schüren. Was sich schon sicher bestätigen lässt, ist die Eröffnung eines weiteren Panorama-Standorts in Süddeutschland.

Die großartige Stadt Konstanz am Bodensee wird ein Panorama zur eigenen Stadtgeschichte bekommen. Thema ist das Konzil von Konstanz, bei dem die langjährige Kirchenspaltung, durch die es bis zu drei Päpste gleichzeitig gab, überwunden wurde. Das Bild wird aber die ganze Vielfalt dieser Zeit zeigen – den Prunk der Machthaber genauso wie das Elend in den dunkelsten Gassen. Was mich jetzt schon begeistert: Es wird das erste Panorama sein, das zwei andere miteinander verbindet und einen thematischen Drei klang schafft. Der Bogen wird von den Anfängen des Christentums mit Kaiser Konstantin in ROM 312 über die Spaltung und das Konstanzer Konzil von 1414 bis 1418 bis hin zur Reformation und Martin Luther in LUTHER 1517 gespannt.

Zu guter Letzt: Gibt es etwas, was Sie den Besuchern Ihrer Werke für 2023 oder grundsätzlich mit auf den Weg geben möchten?

Wer sich schon einmal ein Panorama angesehen hat, sollte sich bewusst machen, dass alle diese Werke vergänglich sind. Eines Tages verschwinden sie wieder und so manches Mal können wir ein Projekt nicht zweimal zeigen. Wer also Gefallen an dieser Kunstform findet, kann sich gern bei uns (Anmerkung der Redaktion: z. B. auf www.asisi.de) informieren, um sich ein Gesamtbild zu machen. Wir zeigen gern, welche Werke, wo und von wann bis wann gezeigt werden. Und mittlerweile gibt es ja glücklicherweise deutschlandweit einige Stand orte, die einen Besuch ermöglichen. Wichtig wäre auch zu verstehen, dass die Werke aufeinander aufbauen und zusammengehören. Obwohl die Themen auf den ersten Blick häufig gar nicht so ähnlich erscheinen, so ergeben sie doch, wie zuvor beschrieben, einen Zusammenhang in der Art und Weise der Auseinandersetzung, der Heranführung an ein Thema und der künstlerischen Aussage. Alles basiert auf der malerischen Idee, auf der in meinen Augen idealen, perspektivischen Ansicht eines Ortes und dem Gefühl, das dadurch vermittelt wird. Deswegen empfehle ich auch immer zumindest einmal in meine Videoreihe Sehen&Gestalten auf YouTube zu schauen. Dort arbeite ich an einer Herzensangelegenheit und motiviere die Menschen mehr zu zeichnen. Ich nehme Ihnen die Angst vor dogmatischen Irrlehren und Talentglauben, erkläre Hintergründe und Intention meiner Panoramen und vermittle unter anderem auch die Grundlagen des perspektivischen Zeichnens.

Das Feedback vieler Zuschauer bestätigt genau das: Die Erklärung scheint mir zu gelingen. Was ich tag täglich an Verbesserungen bei meinen „Schülern“ sehe, ist wirklich wunderbar und sagt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Und auch für die Besucher der Panoramen kann das Wissen um zeichnerisches Handwerk und Perspektive eine ganz neue Welt der Ausstellungserfahrung eröffnen.

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2023

PANORAMEN, LOCATIONS UND DATEN AUF EINEN BLICK

Panometer Leipzig

NEW YORK 9/11 BIS HERBST 2023

Panometer Leipzig

DIE KATHEDRALE VON MONET AB HERBST 2023

In NEW YORK 9/11 erinnern fünf Installationen und ein 360°-Panorama an die Anschläge des 11. September und ihre globalen Auswirkungen. Im Panorama blicken Sie auf die Szenerie um das World Trade Center am Morgen des Schicksalstags, fünf Minuten vor den Attentaten. Mit dem Wissen um die nachfolgenden Katastrophen wird dieses Bild des morgendlichen Manhattans zu einer scheinbar utopischen Momentaufnahme.

Informationen und Öffnungszeiten unter: www.panometer.de

In DIE KATHEDRALE VON MONET führt Sie Yadegar Asisi auf eine Reise zurück zum Beginn der modernen Malerei. Das Panorama zeigt den Platz der berühmten Kathedrale Claude Monets als impressionistische Malerei in einer abstrakten Farb- und Licht inszenierung. Vor überlebensgroßen Pinselstrichen stehen Sie im Inneren eines riesigen Gemäldes und begegnen den großen Malern der frühen Moderne.

Informationen unter: www.asisi.de

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DIE MAUER

PERGAMON

Das Panorama der Berliner Mauer ist ein künstlerisch verdichteter Blick auf die Zeit des geteilten Berlins der 80er-Jahre. Werfen Sie einen Blick über den scharf bewachten Todesstreifen und erleben Sie, wie alltäg lich, kreativ und zugleich banal grausam das Leben in den Grenzgebieten der Stadt zur Hochzeit des Kalten Krieges war.

Informationen und Öffnungszeiten unter: www.die-mauer.de

Das Panorama vermittelt mit einem atemberaubenden Rundblick auf die Akropolis und die umgebende Landschaft eine lebendige Vorstellung Pergamons im Jahr 129 n. Chr. Wandeln Sie auf den Spuren Kaiser Hadrians und erleben Sie Kultur und Lebensweise der griechisch-römischen Stadt in einer einzigartigen Symbiose aus Kunst und Wissenschaft.

Informationen und Öffnungszeiten unter: smb.museum/pmp

11 asisi Panorama Berlin
Pergamonmuseum. Das Panorama (Berlin) PERGAMON MEISTERWERKE DER ANTIKEN METROPOLE UND 360° PANORAMA VON YADEGAR ASISI

DRESDEN IM BAROCK

Wittenberg360

LUTHER 1517

In DRESDEN IM BAROCK erleben Sie die Residenz stadt und das barocke Lebensgefühl inmitten der Blütezeit des sächsischen Hofes: Vom Turm der Hof kirche schweift der Blick über weite Plätze und enge Gassen hin zu den mächtigen Prunkbauten, während berühmte Zeitgenossen wie August der Starke oder Johann Sebastian Bach auf ihre Entdeckung warten.

Informationen und Öffnungszeiten unter: www.panometer-dresden.de

In LUTHER 1517 stehen Sie mitten in der spätmittel alterlichen Lebenswelt des großen Reformators auf dem Schlossplatz von Wittenberg. Kommen Sie mit auf eine bildgewaltige Entdeckungstour durch die Stadt an der Wende zur Neuzeit und erleben Sie die Geschichte Martin Luthers über mehr als 30 Jahre verdichtet in einem epochalen Panorama.

Informationen und Öffnungszeiten unter: www.wittenberg360.de

12 Panometer Dresden

Gasometer Pforzheim

GREAT BARRIER REEF BIS ANFANG MÄRZ 2023

PERGAMON AB 18. MÄRZ 2023

In GREAT BARRIER REEF präsentiert Yadegar Asisi die größte Rifflandschaft der Erde in einem Werk, das ver schiedene Naturräume mit einer Gesamtgröße Frank reichs zu einem eindrucksvollen Unterwasserpanorama kombiniert. Erkunden Sie ein einzigartiges Ökosystem mit einer unvergleichlichen Vielfalt und tauchen Sie ein in die Wunderwelt Korallenriff.

Informationen und Öffnungszeiten unter: www.gasometer-pforzheim.de

Das 360°-Panorama PERGAMON führt Sie in die griechisch-römische Kulturmetropole im Jahr 129 n. Chr. Erleben Sie eine einzigartige Symbiose aus Kunst und Wissenschaft in einem Ausstellungs rundgang, der antike Originale mit aktuellster archäo logischer Forschung und einer künstlerischen Inszenierung verbindet, welche die Lebenswelt der Antike wieder auferstehen lässt.

Informationen und Öffnungszeiten unter: www.gasometer-pforzheim.de

Gasometer Pforzheim

DER „RICHTIGE“ STANDPUNKT

Das Panorama, eine Erfindung von Robert Barker

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Panoramageschichte

Wer behauptet, immersive Kunst sei eine Entdeckung des digitalen Zeitalters, hat noch nichts von Robert Barkers „Panorama“ gehört. Der Hype der Immersion begann vor mehr als zweihundert Jahren: Bereits im 18. Jahrhundert besuchten Menschen immersive 360°-Erlebnisse.

Was macht ein Medium eigentlich immersiv? Die Antwort hängt von der Beziehung zwischen dem eigenen Körper und dem Medium ab, und der Gedanke ist keineswegs neu. Wenn wir die frühesten Beispiele für immersive Techniken in illusorischen Räumen betrachten, wird uns klar, wie alt dieses Konzept eigentlich ist. Die Verwendung eines aus gedehnten linearen Raums zu Darstellungszwecken hat jedoch weitaus ältere historische Vorläufer als das Panorama. Etwa ein Jahrtausend vor der christlichen Ära zeichneten die Chinesen, Ägypter und Babylonier historische und mythologische Ereignisse in lang gestreckten visuellen Erzählungen auf.

Obwohl der Begriff „Panorama“ heute für jeden umfassenden Überblick über ein Thema steht, sei es visuell oder inhaltlich, hatte er zum Zeitpunkt seiner Entstehung eine ganz bestimmte Bedeutung. Das Wort wurde 1792 von dem irischen Maler Robert Barker (1736 1806) aus den griechischen Wörtern ‚p ā n‘ = alles und ‚hór ā ma‘ = sehen, zusammen gesetzt. Barkers Patent für ein 360-Grad-Gemälde der „Natur auf einen Blick“ betonte die Konstruktion „eines richtigen Standpunktes“ als Mittel, um dem Betrachter „das Gefühl zu geben, als wäre man tat sächlich vor Ort“.

Diese Idee wurde erstmals von Barker selbst verwirk licht, der eine Ansicht seiner Heimatstadt Edinburgh mit Aquarellfarben auf Leinwand und Papier auf eine halbkreisförmige Fläche malte und sie dann an einem zu diesem Zweck errichteten Rundbau auf hängte: einer Rotunde. Dieses erste Werk wurde anschließend in weiteren Städten ausgestellt und veranschaulichte von Anfang an zwei Merkmale von Panoramen: Vorläufigkeit und regelmäßige Orts wechsel. Die eigentliche Einführung des neuen Mediums fand jedoch in London statt. Hier gründete Barker eine Aktiengesellschaft, um seine Erfindung in großem Maßstab zu entwickeln. In kurzer Zeit waren Barkers Londoner Rotunden äußerst erfolgreich. Die Besucher zahlten Eintritt und gelangten über einen Tunnel in die Mitte der Rotunde zu einer Plattform, von der aus sie das Motiv in seiner Gesamtheit betrachten konnten.

Barkers Panoramen tourten durch Europa und brachten eine ganze Generation von Panoramisten hervor, darunter auch seine Söhne, die seine Arbeit fortsetzten. Jedes neue Motiv, das Landschaften, Stadtansichten oder Schlachtszenen zeigte, hatte eine ganz besondere, noch nie dagewesene und äußerst ungewöhnliche Wirkung: es vermittelte dem Betrachter das Gefühl, wirklich dabei zu sein. Diese Beeinflussung der visuellen Wahrnehmung unter scheidet sich jedoch nicht von dem Prinzip, auf dem Technologien wie Virtual Reality oder Augmented Reality beruhen. Sie besteht in der künstlichen Ein führung von visuellen Elementen in den Raum, in dem wir uns befinden, um eine Illusion von einem anderen Ort zu erzeugen.

Das Panorama wurde eines der erstaunlichsten und beliebtesten visuellen Spektakel des 19. Jahr hunderts: Seine Erfindung stellte einen Meilenstein in der Entwicklung der visuellen Technologien dar.

Abbildung unten links: Querschnitt von Robert Barkers Panorama rotunde am Londoner Leicester Square. Gezeigt wurden ein Panorama der Stadt London (oben, klein) sowie ein Großpanorama der Umgebung von Edingburgh (unten, groß).

Abbildung unten rechts: Erstes Patent für ein Panorama von Robert Barker, 1787. Übersetzung der Patentschrift: Spezifikation des Patents, das Herrn Robert Barker aus der Stadt Edinburgh, Portraitmaler, erteilt wurde; für seine Erfindung einer ganz neuen Vorrichtung oder eines Apparates, von ihm La Nature à Coup d‘Oeil genannt, zum Zwecke der Darstellung von Ansichten der Natur im Großformat, durch Ölmalerei, Fresko, Aquarell, Kreide oder jede andere Art von Malerei oder Zeichnung.

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EIN 500 JAHRE ALTER BLICK

LUTHER 1517 ist trotz der lebendig-verdichteten Darstellung ein Panorama, das die Lebenswelt des frühen 15. Jahrhunderts in einem zuvor ungekannten Realismus einfängt.

16 LUTHER 1517 | Wittenberg360

Kennen Sie das? Sie besuchen ein Panorama von Yadegar Asisi und so manche Ansicht, manche Szenerie, insbe sondere in den historischen Werken, kommt Ihnen seltsam vertraut vor? Als ob Sie ebendiesen Blick schon einmal an anderer Stelle gesehen haben? Das Gefühl kommt nicht von ungefähr und ist wohl meist der stimmigen Inszenie rung und dem hohen Grad an Realismus und Detailge nauigkeit geschuldet. Gelegentlich finden sich aber auch historische Stadtansichten, die beinahe oder exakt so im modernen Stadtbild wiederzuerkennen sind. Doch erst im Panorama erkennen wir ihre Geschichte und die Patina, die sie umgibt.

Im Panorama LUTHER 1517 können Sie diesen Effekt sehr gut am Blick auf die Stadt- und Pfarrkirche St. Marien nachvollziehen. Vom Standpunkt des Betrachters am Wit tenberger Schlossplatz schaut man die Coswiger Straße oder die parallel verlaufende Schlossstraße entlang bis zur Marienkirche. Der Blick auf das Gotteshaus ist der selbe wie vor 500 Jahren, nur Details haben sich geändert. So sind die Spitztürme der Kirche achteckigen Hauben gewichen – eine bauliche Änderung, die noch in der Refor mationszeit nach Luthers Tod erfolgte. Es musste Platz für Kanonen geschaffen werden, um in Zeiten des Schmal kaldischen Krieges kaiserliche Truppen abzuwehren. Der Bedeutung der Kirche taten diese baulichen Änderungen keinen Abbruch. Denn das heutzutage älteste Gebäude der Lutherstadt ist die Mutterkirche der Reformation. Hier

wurde die erste Heilige Messe in deutscher Sprache gefei ert, es predigten die Reformatoren Luther und Bugenha gen.

Auch die beiden parallel verlaufenden Straßenzüge sind heute noch genauso nachzuvollziehen wie im 16. Jahr hundert. Geändert hat sich vorrangig die Bausubstanz, das Fachwerk ist im Vergleich moderneren Bauweisen gewichen. Umso beeindruckender wirken die Straßen dahingegen in der Darstellung in Yadegar Asisis Pano rama. Neben den minutiös und realistisch gezeichneten Häusern erwecken insbesondere die Figuren die Epoche zu neuem Leben. Asisis Wittenberg der Reformationszeit wirkt voller als die heutige Stadt, es ist eine verdichtete Realität, die eine regelrechte Aufbruchsstimmung zeigt. Auf dem Pflaster tummeln sich Ablasshändler, Handwerker und Bürger gleichermaßen. Vor der Amtsmühle auf dem heutigen Schlossplatz mahlen der Müller und seine Gesel len mithilfe zweier Bäche Getreide. Im 19. Jahrhundert wurden die beiden, im Panorama gut sichtbaren, Wasser läufe geschlossen, um die hygienischen Zustände in der Stadt zu verbessern und erst 2006 im heutigen Zustand wiederhergestellt.

Mit dem Wissen um die Vergangenheit und dem Detail reichtum der historischen Panoramen von Yadegar Asisi ergeben sich also immer spannende neue Perspektiven für das Hier und Jetzt.

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Wenige

historische Epochen

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sind
Gegenwart
Klischees
Barock. Auch
Panorama DRESDEN
Kaum ein anderes Panorama enthält auf den ersten Blick so viele wundersame Szenen wie DRESDEN IM BAROCK. Szenen wie die des Hofnarren Fröhlich, der beschwingt auf einem von Schweinen gezogenen Karren durch den Panoramavordergrund reitet, sind jedoch nicht Yadegar Asisis überbordender Fantasie geschuldet, sondern beruhen allesamt auf authen tisch-historischen Überlieferungen aus der barocken Gesellschaft. Meist sind die für uns häufig grotesken Szenen wohl der Vergnügungssucht und dem Gel tungsbewusstsein des Adels geschuldet, aber auch das gemeine Volk wollte sich unterhalten lassen. Dafür sorgte zum Beispiel Johann Karl von Eckenberg, eine europäische Berühmtheit und früher Kraftsportler, der Kanonen und Pferde mit einer Hand hob oder sich Felsbrocken auf dem Leib zertrümmern ließ, woran er letztlich auch verstarb. Die Vergnügungen des dieser
in der
so mit
aufgeladen wie der
wenn das
IM BAROCK viele
Vorurteile entkräftet –einige Klischees enthalten auch einen Funken Wahrheit.
DRESDEN IM BAROCK | Panometer Dresden
BAROCKES KURIOSITÄTEN-KABINETT

Dresdner Hochadels waren vielleicht weniger martia lisch, aber in heutiger Betrachtung nicht weniger kurios und, wie man wahrscheinlich schon vermutet, in jedem Fall dekadent.

Das Panorama zeigt etwa die Anlieferung der heute weltberühmten „Sixtinischen Madonna“, ein Bild Rafa els, das der exzessive Kunstsammler König August III. von seinen Kunstagenten für die exorbitante Summe von 25.000 Scudi in Norditalien kaufen ließ. Er wurde förmlich getrieben von seinem Wunsch, einen echten Raffael zu besitzen. Für die Erfüllung dieses Wunsches war August bereit, eine Summe zu zahlen, die jeden Rahmen sprengte. In damaliger Kaufkraft gerechnet, konnte man davon mehr als 100 Dienstboten über 20 Jahre lang beschäftigen. Absurd hohe Summen für Kunst auszugeben, scheint uns meist ein Phänomen der Moderne zu sein. Aber schon die Superreichen und Herrscher des 18. Jahrhunderts verschafften sich, in bester barocker Tradition, Geltung durch die Zurschau stellung von Reichtum.

Eine weitere Analogie zur alltäglicheren „Protzerei“ der Moderne sind die ebenfalls im Werk präsenten, prunk vollen, goldenen Gefährte des Königshauses: Am Ufer der Elbe sehen wir exemplarisch ein vergoldetes Prunk schiff in der Form einer venezianischen Barke. Das –nach dem Staatsschiff der Dogen in Venedig – „Bucen taurus“ genannte Gefährt war prunkvoll ausgestattet und wurde anlässlich der Hochzeit des kursächsischen Thronfolgers mit der habsburgischen Kaisertochter 1719 auf Kiel gelegt. Dass allein die Vergoldung des Schiffs umgerechnet 240 Jahresgehälter eines norma len Handwerkers kostete, stimmte das Volk angesichts der zu dieser Zeit in Sachsen grassierenden Hungers not, höchstwahrscheinlich alles andere als fröhlich.

Etwas weniger kostspielig, aber nicht minder auffällig, ist die goldene Kutsche auf der Augustusbrücke. Die Wahl der goldenen Kutsche als augenfälligste Reprä sentanz des Königtums im öffentlichen Raum, war damals wie heute in allen Herrscherhäusern weitver breitet. So finden sich die Prunkgefährte selbst in der Gegenwart noch in einigen europäischen Königshäu sern, werden aber meist nur zu feierlichen Anlässen genutzt.

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YADEGAR ASISI

PANORAMEN VON 2003 – 2018

Die ultimative Panorama-Werkschau dokumentiert die monumental-immersiven Rauminstallationen von Yadegar Asisi, die in der Zeit zwischen 2003 und 2018 realisiert wurden. Umfangreiche Textbeiträge und ausführliche Bildstrecken zu den Panoramen sowie zu Asisis Vorarbeiten –Zeichnungen, Skizzen, Aquarelle oder Gouachen – geben einen intensiven Einblick in die Entstehung der Panoramen und die künstlerische Intention für das jeweilige Projekt.

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Erhältlich in unseren Ausstellungsshops, auf amazon.de und shop.panometer.de

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BERLINER ERINNERUNGSKULTUR

Wie muss Erinnerungskultur gestaltet sein, um Menschen nachhaltig zu erreichen? Was leisten öffentliche Einrichtungen und private Initiativen und welchen Beitrag leistet Yadegar Asisis Panorama DIE MAUER?

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1989 war die Stadt Berlin der Mittelpunkt der Welt. Wer in dieser Nacht an den Berliner Grenzübergängen dabei war, wird die grenzenlose Glückseligkeit, die riesige Wiedersehensfreude und die Vereinigung der Menschen aus beiden Teilen Berlins nie vergessen. Die anfängliche Ungläubigkeit, die Grenzübergänge ohne Kontrollen und ohne sonstige bürokratische Hindernisse überqueren zu können, wurde durch die Realität entkräftet.

Was dann folgte, war ein natürlicher menschlicher Impuls – der Mauerabbau. Die Mauer, die weltweit zum Symbol der Unfreiheit und der Verletzung der Menschenrechte geworden war, sollte schnellst möglich aus dem Stadtbild verschwinden. Da die

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DIE MAUER | asisi Panorama Berlin

Mauer über Nacht zu einem begehrten Kaufobjekt wurde, konnte sie in den Neunzigerjahren Stück für Stück gewinnbringend aus dem Stadtbild entfernt werden. Kritischen Stimmen, wie der von Willy Brandt, der dafür plädierte ein kleines Stück der Mauer zu bewahren, wurde nur bedingt Bedeutung bei gemessen.

Doch was in Berlin erinnert heute noch an die deutsche Teilung vor über 33 Jahren? Verschiedene öffentliche Einrichtungen haben sich das Gedenken zum Auftrag gemacht. Die Gedenkstätte Berliner Mauer beispielsweise bewahrt Reste der Grenz anlagen, dokumentiert und vermittelt die Geschichte der Teilung Berlins und gedenkt den Opfern. Die East Side Gallery stellt als lebendiges Mahnmal ein Symbol der Freude und Hoffnung über eine überwundene Mauer dar.

Neben dem „öffentlichen Erinnern“ leisten private Initiativen, Projekte und Künstler wichtige Erinnerungs arbeit. Dazu zählt auch Yadegar Asisis Projekt DIE MAUER: Das 60 Meter lange und 15 Meter hohe Panorama am Checkpoint Charlie ist sein wohl bis lang persönlichstes Kunstwerk. Asisi verarbeitet seine Erfahrungen als Zeitzeuge des Lebens an der Kreuz berger Mauer der 1980er-Jahre sowie seine Kindheit

und Jugend in der DDR. Er gibt einen Einblick in den Alltag an und mit der Mauer, außerhalb der tragischen Ereignisse. Eine Fotoausstellung führt ergänzend mit ca. 80 Privatfotos aus der Berliner Bevölkerung in die Zeit des Mauerbaus, der Teilung und des Mauerfalls ein.

Das Mauer-Panorama mit der begleitenden Zeit zeugen-Ausstellung leistet für die Gedenkkultur einen immens wichtigen Beitrag, indem es uns emotional berührt und hilft, uns an das Kreuzberger Lebens gefühl zur Zeit des Kalten Krieges zu erinnern – ein Umstand, der in Berlin so nirgends anders zu erleben ist. Erinnerungen sollten durch lebendige Erinnerungsorte und Berichte von Zeitzeugen und Zeitzeuginnen aufrecht gehalten und an folgende Generationen weitergegeben werden. Sie dürfen niemals zum Erliegen kommen. Die ständige Aus einandersetzung mit dem Thema und die öffentliche Diskussion bleiben unabdingbar, die Freiheit sollte nicht als Selbstverständlichkeit angesehen werden. Man sollte sich ihrer Kostbarkeit immer wieder aufs Neue bewusst werden, denn sie verdient unser aller Aufmerksamkeit.

DER WEG ZUM WERK

Wie entsteht eigentlich ein Panoramaprojekt von Yadegar Asisi? Wir haben anhand des nächsten historischen Panoramas in Konstanz die wichtigsten Meilensteine der Entstehung zusammengetragen.

Aller Anfang ist schwer. So abgedroschen das Sprich wort auch klingen mag, in der Genese von Panorama projekten ist es nur allzu wahr. Dass die Entstehung eines Panoramas von Yadegar Asisi zu einem meist lang wierigen Prozess wird, ist angesichts der Dimensionen und Details der Werke nur allzu naheliegend. Einen wesentlichen Teil des immensen Vorgangs machen daher die künstlerische Annäherung an das Thema und dessen Ausarbeitung sowie die baulichen Besonder heiten der Ausstellungsorte aus.

Wagen wir uns am Beispiel des zukünftigen Panoramas zum Konstanzer Konzil an eine Chronologie der Ereig nisse.

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KONZIL VON KONSTANZ | Panorama Konstanz

2017: Faszination und erste Ideen Yadegar Asisi und die Projektverantwortlichen im Pforzheimer Gasometer denken erstmals über ein weiteres Projekt in der Region nach. Konstanz am Bodensee bietet mit dem Konzil von 1414 bis 1418 ein wegweisendes historisches Ereignis, das Yadegar Asisis künstlerische Auseinandersetzung mit der Religions geschichte des Christentums vervollständigt. Nach ROM 312 und LUTHER 1517 soll auch das Panorama zum Konzil von Zerstörung und Wiederaufbau in Zeiten religiöser Umbrüche erzählen. In der ersten Phase der Ideenfindung entstehen Skizzen und erste 3D-Modelle der spätmittelalterlichen Stadtanlage.

2018: Wahl des Standorts

Die Bauplanung für eine Rotunde an der Auffahrt zur Konstanzer Schänzlebrücke beginnt. Erste Entwürfe kommen vom renommierten Architekturbüro Sauerbruch Hutton und sehen eine polychrome Fassade als Blick fang vor. Yadegar Asisi stellt im Sommer seine aus gearbeitete Skizze des Panoramas den Projektbeteiligten vor.

2019: Szenengestaltung und Fotoshootings

Die Ideen für Szenen und die Figuration werden immer konkreter. In mehreren Workshops mit Historikern werden Details und Figuren der Epoche für eine authentische

Darstellung besprochen. Auf Fotoreisen in Kroatien und Deutschland werden Bilder als Grundlage für die malerische Ausgestaltung der Landschaft und Archi tektur gesammelt. Im September des Jahres findet ein zehntägiges, ausgedehntes Fotoshooting mit zahlreichen Komparsen statt.

2020/2021:

Fotoreisen und Bildbearbeitung

In Berlin, Konstanz und Umgebung wird weiteres Bild material gesammelt. Während die Ausarbeitung des 3D-Modells ihren Abschluss findet, liegt der Fokus nun in der malerischen Ausgestaltung und Bildbearbeitung. Figuren aus dem Fotoshooting werden eingearbeitet, Fassaden realistisch mit Strukturen versehen, Licht und Schatten ausdefiniert. Ein mehrjähriger BildbearbeitungsProzess beginnt.

2022: Erster Spatenstich

Während das Panorama im Berliner Studio immer weiter ausgearbeitet wird, verkünden die Projektbeteiligten in Konstanz den Baubeginn für die Rotunde nach Plänen von Sauerbruch Hutton im kommenden Frühjahr.

Für 2024 ist die Eröffnung der Ausstellung geplant. Bis dahin wird das Panorama finalisiert, gedruckt, inszeniert und mit einer passenden Begleitausstellung versehen.

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DIE BEFREIUNG DER MALEREI

Yadegar Asisi ist seit seiner frühesten Kindheit ein begeisterter Zeichner und Maler. Mit der KATHEDRALE VON MONET bringt er eines seiner absoluten Herzensprojekte ab Herbst 2023 erstmals nach Deutschland in das Panometer Leipzig.

Betritt man das Atelier von Yadegar Asisi steigt dem Besuchenden nur allzu oft der Geruch von Ölfarben in die Nase. Kaum ein Tag vergeht, an dem der viel seitige Künstler nicht vor der Leinwand steht, in seinem Skizzenbuch oder auf dem Tablet zeichnet. Spätes tens mit der Veröffentlichung seiner YouTube-Reihe Sehen&Gestalten ist seine Hingabe zum perspektivi schen Zeichnen und zur Malerei auch einem größeren Publikum bekannt. Wenn man ihn nach der Technik zur Entwicklung seiner Panoramen fragt, spricht Asisi zumeist von „Malerei mit modernen Mitteln“. Dass er der Malerei auch in ihrer klassischen, analogen Form zugetan ist, beweist ebenfalls sein Hauptwerk der Pan oramen, malte er doch DIE KATHEDRALE VON MONET als erstes seiner Monumentalgemälde vollständig in Öl. Das großformatige, mehrere Meter breite Ölbild wurde nach seiner Fertigstellung aufwendig fotografiert, digi talisiert, gedruckt und als 30 Meter hohes Panorama zusammengefügt. Durch die hohe Auflösung und die panoramatische Dimension ergibt sich ein einzigartiger

Effekt: Nah am Bild lösen sich jegliche Strukturen kom plett auf und man steht in einem abstrakten Meer aus Pinselstrichen und Farbkontrasten. Erst mit ausreichend räumlichem Abstand ergeben sich für das menschliche Auge wahrnehmbare Strukturen.

Das 2020 für die Dauer von einem Jahr zunächst im französischen Rouen ausgestellte Panorama zeigt, im impressionistischem Pinselduktus gemalt, die Kathe drale der normannischen Hauptstadt mit dem umge benden Place de la Cathédrale. Genau hier malte der berühmte Protagonist der impressionistischen Bewe gung Claude Monet seine Kathedralen-Serie in wech selnden Lichtstimmungen. Mit etwas Fantasie ist der dargestellte Ort also einer unter wenigen oder vielleicht sogar der Geburtsort der Malerei, wie wir sie heute kennen: Losgelöst von ihren zuvor stark formalisierten Motiven, akademischen Zwängen und heroisierenden Darstellungen. Vielfalt, Emotionalität und Abstraktion hielten Einzug, die Funktion als primäres Mittel zur Abbildung von Realität und Geschichte entfiel.

Während die begleitende Ausstellung in Rouen noch ihrer historisch-informativen Mission zur Vermittlung der Geschichte der Malerei verhaftet war, wird die Inszenie rung im Panometer Leipzig deutlich freier und künst lerischer. Schon auf dem Weg zum Panorama werden einige bislang unveröffentlichte Gemälde Asisis zu betrachten sein, was dem Rundgang im Panometer den Anschein einer weitläufigen Galerie gibt.

Inhaltlich stellt Yadegar Asisi die Frage nach dem Warum. Was nützt uns die traditionelle Malerei noch in einer Zeit, in der Künstliche Intelligenzen in Sekunden bruchteilen Bilder kreieren? Er beschäftigt sich mit dem Prozess des Malens als Selbsterkenntnis und Wahr nehmungsübung. Und er zeigt Bilder aus seiner mehr als 40 Jahren andauernden Schaffenszeit als bildender Künstler. Für Yadegar Asisi steht die Malerei im Zent rum seines Wirkens. In ein Projekt wie dieses fließt also seine ganze Hingabe und Leidenschaft. Ab Herbst 2023 können Sie sich davon im Panometer Leipzig live überzeugen.

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PERGAMONMOUSEUM. DAS PANORAMA

Impressum

Ausgabe 12/2022 asisi F&E GmbH Oranienplatz 2 10999 Berlin

office@asisi.de www.asisi.de

Verantwortlich Mathias Thiel

Redaktion

Sebastian Oswald Yvonne Schünemann Aixa Navas Valbuena

Layout Denise Lüderitz

Korrektorat

Sebastian Oswald Bianca Wohlfromm

Bildnachweis Wenn nichts anderes angegeben © asisi

Cover, Seite 4, 5, 12, 13, 16, 25 Foto: Tom Schulze © asisi

Seite 2: Foto: Felix Broede © asisi

Seite 14

Quelle: British Library Creator: Robert Mitchell

Seite 15 Quelle: British Library

Seite 20, 23 Foto: David Oliveira © asisi

Seite 24 Bild: © Sauerbruch Hutton Seite 27 Foto: Beate Nelken © asisi

BESUCHERSTIMMEN

Wir sind jedes Mal berührt und dankbar, wie Besucher auf unsere Panoramen reagieren und freuen uns, ihre Einträge in unseren Gästebüchern zu lesen. Ein paar davon sind hier zusammengetragen:

Panometer Leipzig via Instagram

Die Ausstellung und das Panorama sind kaum in Worte zu fassen. Ich war bereits mehrfach in NYC und auch an den entsprechenden Stellen des Geschehens. Der Besuch heute am 11.09. war für mich sehr bewegend und auch wie eine Zeitreise... Das Panorama hat es in der Tat ge schafft mich zum 11.09.2001 zu entführen, kurz bevor sich die Welt nachhaltig verändert hat.

Panometer Leipzig via Instagram

Die Stimmung fanden wir beeindruckend aber auch beklemmend! Wir können diese Aus stellung nur weiterempfehlen! Danke für einen schönen Tag!

Asisi Panorama Berlin Monika via Regiondo

Ein ganz tolles Erlebnis der speziellen Art! Emp fehlenswert für alle Berlin-Besucher, allen voran Kinder und junge Erwachsene, die ein Stück Mauergeschichte hautnah erleben wollen.

Asisi Panorama Berlin Carolina via Regiondo

Ich bin von dieser Erfahrung begeistert! Es ist ein Erlebnis, das im Herzen festbleibt. Auch das nachfolgende Video fand ich interessant. Sehr für Familien geeignet, da man selber ent scheidet wieviel Zeit man dort verbringt. Sehr empfehlenswert!

Pergamonmuseum. Das Panorama via GetyourGuide

Pergamon auf diese Weise zu erleben, war wunderschön, auch emotional ein Genuss durch entsprechende Musik und Geräusche!

Pergamonmuseum. Das Panorama Katharina via Google

Ein atemberaubendes Panorama der antiken Stadt weckt ein Gefühl des tiefen Eintauchens in die Ära. Für Kinder und Jugendliche sehr zu empfehlen.

Wittenberg360 via Google

Ich bin mehrfach Wiederholungstäter. 4mal war ich schon hier und immer wieder neue Eindrücke. Auch unser Besuch aus dem tiefsten Westen Deutschlands war beeindruckt.

Wittenberg360

Susanne E. via Google

Ein wunderbarer Abschluss unseres Aufenthalts in Lutherstadt Wittenberg. Sehr freundliches Personal, wir konnten unser Radler-Gepäck während des Besuchs einstellen. Danach ge nossen wir noch Kaffee und Gebäck. Die Aus stellung / Darbietung war toll. Wir konnten uns gar nicht genug sehen und hören. Immer wieder Neues entdeckt.

Panometer Dresden via Gästebuch

Der Besuch übertraf alle Erwartungen und schenkte uns einen wundervollen Einblick in die damalige Zeit. Sehr gut.

Panometer Dresden Thomas F. via Google

Heutzutage ungewöhnliche Methode der bild lichen Darstellung aber immer noch faszinie rend. Sehr empfehlenswert ist die angebotene Führung in der vorgelagerten Ausstellung. Dann sollte man aber durchaus zwei Stunden Zeit einplanen. Für Insider: wir haben die Bierflasche gefunden.

Gasometer Pforzheim Uli & Alex via Gästebuch

„Wonderful - Unbeschreiblich schöne Ansichten des Riffs. Ein Meisterwerk! Wir gehen gleich mal den Tauchrucksack packen“

Gasometer Pforzheim Familie M. via Instagram

„Ihr Lieben, unser Besuch bei euch hat mich tief berührt . Was ein Wunderwerk ,was ein Erlebnis!! Wir waren sprachlos vor so vielen Ein drücken. Dank danke danke !!!!“

Gasometer Pforzheim Melly und Andy via Instagram

„Danke für dieses Erlebnis, wir sind immer noch geflasht und können es nur empfehlen!“

Ab Dezember 2023 an unseren Panorama-Standorten in Berlin, Dresden, Leipzig, Wittenberg und Pforzheim.

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IM NÄCHSTEN HEFT BLICK NACH KONSTANZ
HINTERGRÜNDE UND ERÖFFNUNG
PANORAMA,
AUSSERDEM: WAS BRINGT DAS AUSSTELLUNGSJAHR 2024?

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