Vorwort Gerhard Küttner war Pfarrer in der früheren DDR. Vielen ist er und seine außergewöhnlich tiefe und prophetische Verkündigung zum bleibenden Segen geworden. Wie ein „Starez” war er ein „Bote“, der nur das weitergegeben hat, was er selbst von Gott empfing, auch in seiner Schriftauslegung. Hier sind die Texte einer Arbeitstagung wiedergegeben, die Pfr. Küttner im November 1980 vor einem ganz kleinen Kreis von Freunden in Bräunsdorf hielt. Es handelt sich um Tonbandnachschriften, also um gesprochenes Wort, das bewußt so belassen wurde, um die Unmittelbarkeit der Rede nicht zu verwischen. Nur ganz gering ist überarbeitet worden, meist nur in der Wortstellung und im Zusatz von Stellenangaben der Bibelzitate und der Anspielungen auf biblische Bezüge. Die ganze Bibelrüste – Bibelrüstzeit – ist im Originalton auch auf Cassetten vorhanden. Der Autor hat sie mir überlassen und es mir anheimgestellt, sie in eigener Verantwortung zu verwerten. Es ist die Einmaligkeit – auch allen auf dem Markt befindlichen Offenbarungsauslegungen und Kommentaren gegenüber – die mich veranlaßte, diese Botschaft nun auch als Buch herauszugeben. Der geistlich aufmerksame Leser wird es selbst merken, wie unmittelbar und aktuell Gerhard Küttners Ausführungen sind. Vorbildlich ist seine Exegese, d. h. er hört ganz genau auf die Texte und läßt sie ausreden, ohne ihnen vorschnell ins Wort zu fallen von seiner eigenen bisherigen Erkenntnis oder von seinen eigenen Gedanken und Vorstellungen her. Dadurch kommt er zum Teil zu ganz verblüffenden und ungewohnten Ergebnissen und gewinnt einen klaren Schlüssel für den Inhalt des Offenbarungsbuches. Die gesamte biblische Endzeitprophetie des Alten und Neuen Testamentes ist hier mit einbezogen. Sehr bald merkt man beim Lesen, daß es sich hier nicht um einen Kommentar im üblichen Sinn handelt, sondern um eine bevollmächtigte Botschaft des Trostes Jesu Christi an Seine Gemeinde in der Vollendungszeit. Deshalb findet man hier nicht Vers für Vers ausgelegt, sondern eine Auswahl: Schneisen, Wegweiser, Zusammenhänge und Durchblicke in das Ganze mit vielen besonders beleuchteten geistlichen Einzelermutigungen. Hier handelt es sich eben nicht um eine wissenschaftliche Abhandlung oder einen neuen weiteren heilsgeschichtlichen Fahrplan, sondern um 5
die Offenbarung Jesu Christi, um Begegnung mit Ihm, nicht um Erkenntnisse über Ihn, sondern um Ihn Selbst, nicht so sehr um Einsichten in die Zukunft, sondern um Einsichten in das Zeitgeschehen und in Seine Gegenwart, der uns Trost und Leben ist. Das Waffengeklirr der Streittheologen ist hier nur von ferne zu hören. So richtet sich diese Botschaft eigentlich nur an die wenigen, „die Ohren haben, zu hören.” Diese Verkündigung geschah vor zehn Jahren. Deshalb ist von der Kirchen- und Weltpolitik her inzwischen vieles geschehen, was beim Hören auf die Offenbarung neue Aha-Erlebnisse gebracht hat und dadurch neu beleuchtet wird, wie Gerhard Küttner sagt.
Lüdenscheid-Lobetal, im September 1998
6
Reiner-Friedemann Edel
EINFÜHRUNGSTEIL Es wird eine richtige Arbeitstagung sein – quer durch die ganze Offenbarung. Wir haben uns damit sehr viel vorgenommen. Das heißt auch, daß es nicht im üblichen Sinne um Auferbauung geht, nicht so sehr um eine seelsorgerliche Rüste. Vielleicht dürfte man eher sagen, eine Rüste, in der es um Information geht, oder sagen wir besser, in der der Geist uns mit hinaufsteigen heißt. „Steig herauf!”, wurde zu Johannes gesagt (Off. 4, 1). Und dann gibt’s von dort aus eine göttliche Perspektive. Um die wird’s gehen, daß wir Ihn hinter allem sehen lernen, was geschieht und geschehen wird und muß. Wir wollen in diesen Tagen hören, hören! Schon von der Fülle des Stoffes her wird es in dieser verhältnismäßigen Kürze der Zeit gar nicht denkbar sein, daß wir diskutieren. Es wird also zuerst das Hören dran sein und nur hören – und auch nicht vergleichen! Hier um den Tisch sitzen Brüder und Schwestern, die sich mit diesem Thema schon beschäftigt haben, die einen mehr und stärker als die anderen, d. h. auch, die schon eine Sicht haben. Aber es wäre nicht gut, wenn wir nun, indem wir hören, vergleichen, sondern wir wollen einfach das, was uns vertraut ist oder geläufig ist, dahinten lassen, und hören! Das wird sowohl das Hören erleichtern, wenn man alles andere einmal zurückläßt, aber auch das Reden wird’s erleichtern, denn dann ist eine größere Offenheit. Für das Abstimmen und Abwägen wird dann auch noch viel Zeit danach sein. Vielleicht ergibt sich’s wieder mal, daß wir zusammen sind. Dann könnte man vielleicht auch über dies und das sich austauschen. Aber diesmal hören, das ist meine Bitte. Und wir wollen versuchen, große Linien aufzuzeigen, d. h. nicht bei Einzelheiten stehenzubleiben – so wichtig auch die Einzelheiten sind. Daß wir es von vornherein sagen, so sehen wir’s: Die Offenbarung ist ein Trostbuch Gottes für die Gemeinde in der letzten Zeit. So hat’s mal einer gesagt; und dabei unterstreiche ich: Gemeinde! Ich weiß, daß es andere gibt, die das Buch nur in Zusammenhang mit Israel sehen. Aber ich sage ganz bewußt, um das von vornherein klarzustellen: Es ist das letzte Buch des Neuen Testamentes und Trostbuch der Gemeinde der letzten Zeit. Die Offenbarung des Johannes, die Apokalypse, zeigt – und das ist wohl ihr eigentliches Anliegen – den Weg der Gemeinde Jesu bis zum Ziel hin, durch die Wirrnisse der letzten Zeit hindurch bis zum Ziel. Wenn wir’s so sagen wollten: Das ist das Herzstück der Offenbarung, das eigentliche Anliegen. Und es mag sein, daß ich da
7
manches sage, was neu erscheinen könnte, ich weiß es nicht, aber eben darum wieder: Hören! Es wird in diesem Buch aufgezeigt, wie in den Wirrnissen und Schrecken der letzten Zeit – und davon ist auch die Rede, aber das ist mehr wie das Rahmengeschehen – die Gemeinde fertig gemacht wird in diesem Doppelsinn, wie wir es von uns auch gelegentlich sagen: ‘Aber heute bin ich fertig!’ Aber gerade so auch fertig für Ihn: Wie die Gemeinde in all dem fertiggemacht und endlich hinaufversammelt wird, das ist das innerste Anliegen, das Herzstück dieses letzten Buches der Bibel. Und es zeigt auch noch auf, wie sie hinaufversammelt wird, um dann zusammen mit Ihm zu kommen – Könige und Priester, durch die Er die Welt erneuert. Die Gemeinde ist der Tempel Gottes Eine Grundvoraussetzung für das Verständnis der Offenbarung des Johannes ist die Sicht der Gemeinde Jesu als Tempel Gottes, und zwar als Tempel in seiner Dreiteilung. Wenn wir Tempel sagen, da meinen wir genauso den Vorhof wie auch das Heiligtum oder das Allerheiligste. Das alles ist Tempel Gottes. Es geht sowohl im Vorhof als auch im Heiligtum als auch im Allerheiligsten immer nur um Jesus. Man könnte sagen, das sind verschiedene Offenbarungsinhalte. „Der Christus für uns” – das ist Vorhof. Das ist der Grund, auf dem alles andere ruht und allein sich entfalten kann, aber auch entfalten will und muß. Und Heiligtum symbolisiert nichts anderes als „der Christus in uns”. Und wenn wir vom Allerheiligsten reden, dann geht es im Tiefsten um die Trinität, um den „Christus, der durch uns wirkt” – und wiederum Gott durch Christus. Es geht immer um den Einen dabei. Da ist also nichts Bewertendes oder gar Abwertendes drin, aber das ist Voraussetzung für’s Verständnis der Offenbarung: die Sicht der Gemeinde als Tempel. Wie Gott den Verfasser zum Verständnis der Offenbarung führte Gott hat, ich kann’s mal bloß so sagen, von Anbeginn meines Dienstes, nachdem Er mich rausgeholt hat aus dem alten Sündenleben und ich dann Theologie studiert habe und dann 1936 ins Amt ging – von 1936 an hat Gott mich mit den Dingen der letzten Zeit beschäftigt und nie losgelassen, hat Gott mich mit der Offenbarung beschäftigt und nie losgelassen. Es kamen Jahre, wo es dann etwas verblaßte, zurücktrat, aber nur, um dann um so elementarer wieder hervorzubrechen. Und immer wieder war dran die ‘Offenbarung Johannes’. Viele Dinge waren einfach ganz klar und lebendig und wurden uns ins Licht gerückt, viele Züge, aber das Eigentliche leider nie. Immer war mein Eindruck: Die 8
innersten Fragen bleiben ungelöst – bis zu dem Zeitpunkt – das war dann das Ende der vierziger Jahre, meine Sosaer Zeit, als mir in der Stillen Zeit das Geheimnis des Tempels deutlich wurde, die Gemeinde als der Tempel Gottes, das Geheimnis: Vorhof, Heiligtum, Allerheiligstes. Das hat mich ungeheuerlich gefesselt. Es ist mir eine gewaltige Offenbarung gewesen. Das war genau die Zeit, als ich dann ein Buch in die Hand bekam erstmalig, nachdem das so lebendig geworden war: „Miß den Tempel ...” vom Großvater Edel. Ich habe kein Buch so verschlungen wie dieses Buch; und nachdem ich’s verschlungen hatte, habe ich’s noch einmal verschlungen. Ich weiß nicht, ob es noch ein zweites Buch gibt, das ich gleich zweimal hintereinander gelesen habe, und das ist nicht das letzte Mal gewesen, – aber das kam daher, weil es so sehr genau das war, weil es so eine dicke Unterstreichung dessen war, was mir gerade im Herzen so lebendig geworden ist. Wie ich da innerlich aufgejubelt habe, kann ich gar nicht sagen. Da, eines Morgens, in der Stillen Zeit am Schreibtisch, da war es, als wenn der Schlüssel zum Verständnis der Offenbarung mir plötzlich auf den Schreibtisch gelegt würde. Das war wie eine Durchschau durch dieses Buch hindurch – vom Tempel her, der Vorhof ist und der Heiligtum ist und der Allerheiligstes ist. Von daher tat sich’s auf und hat mich bis heute dann nie wieder losgelassen. Dann habe ich wieder die Bibel hergenommen, habe wieder die Offenbarung vom ersten bis zum letzten Kapitel nicht bloß durchgelesen, sondern für mich durchgearbeitet – immer wieder neue Blickpunkte! Also mit diesem Buch wird man nie fertig! Ein gewaltiges Buch ist das! Welch ein Abschluß des Kanons des Neuen Testamentes! Ach, ich hoffe, daß man ein kleines bißchen von dem mitgeben kann, aussprechen kann in diesen Tagen. Der Scheideprozeß innerhalb der Gemeinde der Endzeit In der letzten Zeit vollzieht sich nämlich in der Gemeinde Jesu ein Scheideprozeß. Sie war zu aller Zeit ein Tempel, so, daß es nicht voneinander zu lösen ist. – Man kann nie Heiligtum vom Vorhof lösen. Und man kann nicht das Allerheiligste vom Heiligtum lösen. Das ist eine Einheit. – Aber in dieser letzten Zeit vollzieht sich in der Gemeinde ein Scheideprozeß. Und alles, was Vorhof ist, oder wie soll ich’s jetzt sagen – das sagt man gar nicht gerne, weil es oft so ganz falsch gehört wird –, was dem Wesen des Vorhofs entspricht, der „Christus für uns” und das neue Leben, die Wiedergeburt, wird abgeschieden (Offbg. 11, 1). Das ist der Vorhof – mitten drin steht das Kreuz (Der Brandopferaltar ist ja nichts anderes als das Kreuz: Wie gut, daß es nicht im Heiligtum steht, da 9
könnte ja keiner hineingehen!), der Geopferte und dann die Erlösung und Versöhnung. Das alles ist Thema im Vorhof: Die Innewohnung des Geistes, der Geist der Kindschaft, sonst gibt es doch keine Versöhnung, das charismatische Leben. Das alles ist Vorhof, dort beginnt’s. Man könnte sagen: ein großer Reichtum, das gottesdienstliche Feiern, das Gebet, das Wort, das Jubeln, das Jauchzen! Alles, was dem Wesen des Vorhofs entspricht, bringt Gott auf einem anderen Weg zum Ziel als das, was das Heiligtum umschließt oder was das Allerheiligste umschließt. In dem Sinne meine ich, es ist eine Zeit, in der sich eine Scheidung vollzieht, Krisis. Das ist wirklich Krisis. Und Krisis, Gericht – Nun sag ich’s wieder nicht gern – ist aber viel mehr als Scheidung! Sie fängt am Haus Gottes an (1. Petr. 4, 17). Das wollte ich also nur vorausgeschickt haben. Wir werden’s in diesen Tagen damit zu tun haben und diese Linien, wie sie in der Offenbarung da sind, mal aufzeigen müssen. Die Gliederung der Offenbarung Voraussetzung für das Verständnis der Offenbarung ist auch, daß wir die Gliederung dieses Buches entdecken. Es hat eine ganz klare Gliederung, die ich lange, lange Zeit nicht erkannt habe. Und dadurch versteht man so vieles nicht. Da steht manches zwei- oder dreimal, manches vielleicht noch öfter, viermal. Dieselbe Sache steht mehrmals da, in ganz verschiedenen Kapiteln. Ist es eine Wiederholung, oder was ist es denn nun? Wenn man die Gliederung sieht, dann versteht man, wie dasselbe in einem anderen Zusammenhang noch einmal mit ausgesprochen werden muß. Dieses Buch ist jedenfalls ganz klar gegliedert, kristallklar gegliedert und aufgebaut. Wir werden versuchen müssen, auch das ein Stück deutlich zu machen. Also ihr merkt, wir haben ein ganz schönes Programm vor uns, wenn dieses alles aufleuchten soll. Ich will jetzt nicht Vers für Vers die Offenbarung behandeln und erbaulich auslegen, sondern versuchen, diese genannten Dinge deutlich zu machen. Verhüllung und Enthüllung – Er hat den Schlüssel zum Verständnis Noch eins muß gesagt werden, ehe wir wirklich hineinsteigen: Die Offenbarung des Johannes ist ein Bilderbuch. Und diese Feststellung ist ganz wichtig, über die Maßen wichtig! Oder wenn wir’s so sagen sollen: Sie ist wirklich Apokalypsis – Enthüllung; Geschehnisse, die vor uns liegen, noch verhüllt, so wie ein Denkmal, das noch nicht enthüllt ist. Man sieht so ein bißchen die Umrisse. Was mag wohl darunter stecken? Geschehnisse, die vor uns liegen, Geschehnisse, die verhüllt sind, werden enthüllt. Die Hüllen werden weggenommen. Es ist Blick auf Kommendes. 10
Und zugleich ist die Offenbarung ein Buch, in dem alles verhüllt wird. Enthüllung und Verhüllung zugleich. Gleich im ersten Vers wird das ja sehr deutlich. „Dies ist die Apokalypsis – die Enthüllung, die Jesus Christus vornimmt, die Ihm Gott gegeben hat, Seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen soll, und hat sie – diese Offenbarung – durch Seinen Engel gesandt – durch den Himmelsboten – und ...” – nun steht da – „gedeutet Seinem Knecht Johannes” – ‘eshmanen’ im Griechischen, ‘in Zeichen gesetzt’, heißt das. Man könnte also sagen: es ‘chiffriert’ weitergegeben. Ja, das sind Wahrheiten, und das sind Offenbarungen Gottes über Kommendes, aber chiffriert ist’s niedergeschrieben, so wie Botschaften im Krieg etwa chiffriert weitergegeben werden, verschlüsselt. Das heißt also, man muß den Schlüssel haben. Wenn man den Schlüssel nicht hat, ergibt sich der größte Unsinn. Es kann keiner verstehen. Und wenn man den Schlüssel hat, hat es einen ganz klaren, eindeutigen Sinn. Also mal ganz primitiv gesagt: Das A ist eben nicht A, sondern wird als Z geschrieben oder das B als K. Was dann zu lesen ist, das ist Unsinn. Wenn man aber weiß: das Z ist eigentlich kein Z, sondern es bedeutet A, und das K ist kein K, sondern es bedeutet B, dann kann man es entsprechend austauschen und dann steht eine klare Botschaft da. Offenbarung und Verhüllung in einem in diesem Buch, und darum in Bildern! Es geht in diesem Buch nicht um Phantastereien, sondern um ganz klare konkrete Dinge und Aussagen. Den Schlüssel hat Er Selber; und es wird um die rechte Deutung der Bilder gehen. Der Geist Selbst weist die Richtung, in der zu verfahren ist. In Kapitel 1,12 ist die Rede von sieben goldenen Leuchtern. In Kapitel 1,15 ist die Rede von sieben Sternen in der rechten Hand des Herrn. Das sind zwei Bilder: Leuchter, Sterne in der Hand des Herrn. Und dann gibt der Geist Selber die Deutung im 20. Vers: „Das Geheimnis der sieben Sterne, die du gesehen hast in Meiner rechten Hand, und die sieben goldenen Leuchter: Die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden – Vorsteher der Gemeinden – , und die sieben Leuchter sind die sieben Gemeinden.” Also ‘Sterne’, sprich Vorsteher/Engel und ‘Leuchter’, sprich Gemeinde. Und ich sagte, damit ist nur die Richtung gewiesen, in der zu verfahren ist, d. h.: und nun laßt euch schenken die Deutung der Bilder. Aber die Bilder wollen übersetzt sein. Und es wäre zu verwundern, wenn der Geist nicht Licht darüber gäbe. Ihm liegt es ja daran, daß wir verstehen, was in dem Buch gesagt ist. Und dann sind’s wirklich ganz klare, konkrete Dinge. Wichtig ist es, das von vornherein mit zu bedenken, weil sonst die Torheit geschehen müßte, daß man die Bilder 11
eben wörtlich nimmt. Und darüber kann man viel lesen, dann ist am Ende nur noch Atomkrieg in der ganzen Offenbarung. In jedem Kapitel kommt Atomkrieg vor und ist es gar nicht. Es geht um klare Aussagen, Geschehen in der letzten Zeit – sowohl was das Politische betrifft, auf dem Schauplatz ‘Welt’, als auch in der Gemeinde, die Er bereitet und zum Ziele bringt, die nach dem Willen des Herrn in dieser Welt lebt, nicht von der Welt ist, aber eine himmlische Berufung hat. Und die Zeit der Gemeinde geht ihrem Ende entgegen. Wir leben in dem Äon der Gemeinde, und das will Er nun aufzeigen, wie Er mitten in den Geschehnissen der Welt die Gemeinde fertig macht, in lauter Bildern, die letztlich wieder so schlicht sind, wie man nur irgend sich das denken kann. Es ist auch wieder so ganz schlicht! Ihn sehen in allem, was geschieht Und noch eins, das ist das Allerwichtigste, und worum es Ihm nun eigentlich geht (V. 8): Ihn sehen, Jesus – A und O! „Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende, spricht Gott, der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.” Daß wir lernen, Ihn zu sehen in allem, was auch geschieht, und immer wieder hören: Es ist der Herr! Es ist Sein Weg! Ihn sehen in all den Scheideprozessen, die sich in der Gemeinde und in den Gemeinden vollziehen. Nun sind’s ja wirklich Scheidungsprozesse, und das ist mit viel Schmerzen verbunden. Aber Ihn sehen in dem, was sich da vollzieht, Ihn sehen in den Drangsalen, die über die Völker kommen wie nie zuvor, und wie es auch nie danach je wieder sein wird (Matth. 24, 21). Und auch da Ihn sehen können: Es ist der Herr! „Wenn es geschieht, daß ihr wißt: Ich bin’s! Ich habe es euch gesagt: Ich bin’s!” Ihn sehen auch in den Katastrophen, von denen die Schöpfungswelt heimgesucht wird je länger desto mehr, die großen Geburtswehen eines neuen Äons. Es ist das Vorrecht der Gemeinde, sie sieht Ihn in allem am Werk. Und sie lebt Ihm entgegen. Wenn man es einmal so herauspicken will – 1,7: „Siehe, Er!” „Siehe, Er kommt!” Oder V. 8: „Ich bin!” „Siehe Er!” – „Ich bin!” Darum tritt uns in der Offenbarung des Johannes als allererstes Er vor die Augen, nicht irgend etwas. Es ist nicht ein Buch, das Neugier befriedigen will und das in erster Linie unser Augenmerk auf die irdischen Vorgänge richten will, das, was sichtbar ist und was da geschieht, sondern immer Er in dem allem. Zuerst tritt Er uns vor Augen. Das erste Kapitel: Unsere Blicke werden auf Ihn gerichtet. Und da nun:
12
KAPITEL 1 AB VERS 10: DAS ERLEBNIS AUF PATMOS Das wollen wir nur ganz kurz streifen, wir wollen uns nicht lange aufhalten, aber das ganz Wesentliche dabei noch einmal unterstreichen. Ich sage jetzt auch nichts Neues. Das Erlebnis auf Patmos: „Der Geist kam über mich an des Herrn Tag, und ich hörte hinter mir eine mächtige Stimme wie von einer Posaune.” – Und die Reaktion des Johannes: Er wendet sich, würden wir auch gemacht haben, weil die Stimme hinter ihm ist. Und dann steht er vor dem Herrn. Er sieht die sieben Leuchter und „mitten unter den Leuchtern einen, der war eines Menschen Sohn gleich.” Und dann Seine Erscheinung. Es ist die spätapostolische Zeit, Jesus ist noch lebendig in der Gemeinde als der Fleischgewordene, Er, der im Fleisch gekommen ist, und in 1. Joh. 4, 2 steht dann: „im Fleisch kommend”, wie die Fleischwerdung Jesu sich fortsetzt. Das heißt auch wirklich apostolisches Leben, Jesus wandelnd mitten in Seiner Gemeinde, wo das Jesusleben noch Gestalt gewonnen hat. Aber nun auch die Situation der spätapostolischen Zeit, die sich in diesem prophetischen Erlebnis widerspiegelt, wie die Gemeinde gleichsam schon Ihm den Rücken zugewandt hat und in ganz andere Richtung blickt, und dann der Anruf des Herrn, wo Johannes erst eine ganze Wende vollziehen muß, um vor Ihm zu stehen und nun Ihn zu sehen. Wieviel mehr galt das in den Jahrhunderten und bald Jahrtausenden danach! Wie weit weg konnte auch die Gemeinde von Ihm gehen und alles mögliche im Blick haben, aber nicht mehr Ihn. Es geht einzig um Ihn, den lebendigen Christus in der Gemeinde! Das wird wiederum auch das ganz besondere Anliegen der letzten Zeit sein, daß Jesus Gestalt gewinnt (Gal. 4, 19). Oder – um etwas vorauszugreifen –, daß der Sohn „herausgeboren” wird (12, 5). Und die ganze Kreatur liegt wie in Geburtswehen. Sie seufzen alle (Rö 8,19–22). Und worauf warten sie? Nicht, daß endlich der Antichrist vom Plane gehen muß und dies und das, sondern daß die Söhne offenbar werden. Was hält auf? Nicht die Mächtigen der Welt halten’s auf, nicht der Teufel kann aufhalten, das sind überwundene Mächte! Die Gemeinde hält auf! Daß doch die Söhne offenbar werden, das Wesen des Sohnes in der Gemeinde Gestalt gewinnt. Darum Ihm zugewandt sein, Ihn im Blick haben, auf Ihn zuleben! Er, Er, immer nur Er! Und wie? Dann sehen wir Ihn, königlich, priesterlich, das lange Gewand, begürtet mit goldenem Gürtel. Wir müssen nur mal beachten, was da so alles gesagt wird: Das Haupthaar wie weiße Wolle, so weiß wie der Schnee, man kann’s nicht sagen mit Worten, eben so weiß, daß sich’s nicht ausdrücken läßt. 13
Augen – Feuerflammen; Füße – goldenes Erz, glühend. Wohin die Füße gehen, das sind Schmerzen, das brennt sich ein. Seine Stimme – Wasserrauschen. Und Wasser – immer: die Masse, so wie Meer – die Völkerwelt. Und in dem, was in dieser letzten Zeit auch geschieht und wovon die Offenbarung reden wird, ganz konkrete Dinge, ganz plastisch reden wird – auch das Geschehen in dieser Welt und was hier in der Welt sich vollzieht, so wird es die Gemeinde erleben, daß sie in dem allen geweckt wird zu Ihm hin. In dem Gegenüber zu dem ‘Weiß’, das man mit Worten nicht sagen kann: sie wird Ihn erkennen, es geht uns auf, wer wir selber sind. Das ist ein Durchrichtetwerden. Die Gemeinde wird den Herrn erleben in all dem Geschehen der letzten Zeit. Wo die anderen daran verzweifeln müssen, da wird die Gemeinde bereitet. Oder die Augen, die wie Feuerflammen sind und durch alles durchdringen, so erlebt die Gemeinde den Herrn im Geschehen dieser letzten Tage. Oder Seine Füße, die hindurchgehen und brennen. Und dann in dem Geschehen, in dem, was da geredet wird – Stimmen, Stimmen in dieser letzten Zeit wie Wasserrauschen! – Aber wird die Gemeinde Seine Stimme hören lernen, Seinen Ruf, der die sieben Sterne in Seiner rechten Hand hat? Das ist dabei so tröstlich: Seine Boten und Seine Zeugen, die sind in Seiner Hand. Und niemand kann sie je dieser Hand entreißen – etwas ganz Tröstliches! Aber wiederum aus Seinem Mund ein zweischneidiges Schwert, das Wort, das Seele und Geist scheidet (vgl. Hebr. 4, 12). Hier wird wirklich Seele und Geist geschieden in dieser letzten Zeit in der Gemeinde durch die Dinge, in die wir hineingeworfen sind. Der Gemeinde wird das ein nicht auszusagender Segen, was für die Welt Schrecken ist. Sein Angesicht ist wie die Sonne in ihrer Macht, so leuchtend, da bleibt nichts verborgen, aber es wird auch alles erhellt. Da muß alles weichen, was nur an Finsternis da ist. Und das Ende ist: „wie ein Toter zu Seinen Füßen!” Da geht alles Eigenleben aus. Um dies eine wird’s gehen, nur um dies eine, Gemeinde, die sich bereiten läßt! Allerheiligstes, das heißt nichts anderes als, da ist nur noch das Sterben da, das Sterben Jesu am Leibe (2. Kor. 4, 10). Da ist der Tod, da ist alle eigene Kraft ausgegangen, aber dann ist Er da, der Lebendige, der Seine Hand auflegt: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste, und Ich bin auch der Letzte!” Der Ich am Anfang war – Pfingsten – und was danach ist, werde Ich auch am Ende sein. Meine ganze Jesusherrlichkeit muß offenbart werden in der Gemeinde.
14
Und es wird nicht möglich sein, daß die Gerichte über diese Welt ergehen und die Drangsale wie nie zuvor, ohne daß vorausgehend Seine Jesusherrlichkeit in der Gemeinde offenbart ist, daß der ganze Glanz Seiner Herrlichkeit durchbreche, daß Jesus gesehen worden ist. Das meint Er. „Ich war tot, und Ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit. Ich habe die Schlüssel des Todes und des Hades – des Totenreiches!” Er, der tötet und lebendig macht, Er, der uns alle eigene Kraft ausgehen läßt, aber Seine Kraft offenbarwerden läßt. Unsere Ohnmacht, in die ganze letzte Ohnmacht muß Er die Gemeinde führen, damit Seine Allmacht sich durch die Armen und Elenden und Schwachen kundtun kann. Er alles – so wird’s gehen! Das ist wie die große Einleitung zu dem allen, daß wir wissen, um dies wird’s letztlich gehen! Darum kann auch der Gemeinde überhaupt nichts erspart bleiben. Aber das alles hat ein einzig positives Vorzeichen, daß die Herrlichkeit Jesu offenbar werden kann in Seiner Gemeinde. Das heißt, als wenn Er sagen wollte: Nun erschreckt nicht, wenn ihr wie die Toten seid. Das ist die Stunde, wo euch das wahre Leben, das Jesusleben widerfährt (Gal. 2, 20;1. Kor. 15, 10; Joh. 17, 10): „Nicht ich, aber Christus in mir!” Nicht wir, aber Christus durch uns! Daß Er verherrlicht wird, daß Ihm der Thron wird auch in der Gemeinde, in den Heiligen und Auserwählten, die Gott Ihm gegeben hat. Es geht um das Offenbarwerden der Königsherrschaft Jesu. Das ist überhaupt das eine Thema von Johannes an, wenn es nicht das Thema von 1. Mose 1 an ist: Die Königsherrschaft Jesu! Wer ist Herr?! Wem gebührt sie als Ihm allein?! Daß sie offenbar werde in dieser Gemeinde, die so geschändet ist, die nach der ganz falschen, verkehrten Seite guckt und lebt, aber die Er durch das, was wie eine Posaune durch Mark und Bein geht und was da in dieser Welt sich zuträgt, wegblicken lehrt von allem auf Ihn Selber. Das ist das, was unbedingt vorausgehen muß. Und wenn man das gehört hat, im Herzen hat hören können, dann kann man die anderen Kapitel lesen. Und wenn man das nicht gehört hat, dann wird man mit dem anderen nie fertig werden.
DIE SIEBEN SENDSCHREIBEN Dann sind die Kapitel 2 und 3, bei denen wir uns auch nicht aufhalten. Wieviel Zeit müßten wir sonst haben! Die sieben Sendschreiben sind das nächste, der nächste Schritt. Das sind Briefe, die gelesen worden sind in den sieben Gemeinden in Kleinasien. Da ist ein Brief an die Gemeinde in Ephesus – die Gemeinde damals – und ein Brief an die Gemeinde in 15
Smyrna oder Pergamon usw., Gemeinden, wie sie damals in Kleinasien waren. An sich ist das herrlich: es sind ja prophetische Botschaften an die Gemeinden, die Johannes als der Prophet des Neuen Testamentes entgegennimmt und sie dann vermittelt – Briefträger. Propheten wollen und sollen gar nicht mehr sein als Briefträger. Sie sollen nicht einmal immer und unbedingt ihre Botschaften verstehen wollen. Wenn die Propheten anfangen, ihre Botschaften zu deuten, da kommt meist großer Unsinn heraus und viel Verwirrung. Das sollen sie mal anderen überlassen. Empfangen und weitergeben! Es ist sehr tröstlich, daß der Herr für jede Gemeinde Seine besondere Botschaft hat. Es ist sehr tröstlich, daß Er jede Gemeinde aufs beste kennt. Es wird auch sehr tröstlich sein in diesen letzten Zeiten und aller Verwirrung. Der Herr kennt die Gemeinde aufs allerbeste – auch in Bräunsdorf, und Er weiß genau, was im Schniewindhaus geschieht und was in Halle ist. Er weiß. „Ich weiß”, sagt Er hier immer. „Ich weiß!” Jeder Gemeinde gibt der Herr ihr Besonderes. Man möchte fast sagen, keine Gemeinde hat den ganzen Herrn. Es ist ja so wunderbar, daß das in einem Zusammenhang steht, was da den Gemeinden geschrieben wird und was im ersten Kapitel vorausgegangen ist. „Dem Engel der Gemeinde zu Ephesus schreibe: Das sagt, Der da hält die sieben Sterne in Seiner Rechten und Der da wandelt mitten unter den sieben goldenen Leuchtern!” Noch ist’s apostolisches Leben, noch! Johannes ist ja wohl, wenn ich nicht irre, auch der Bischof in Ephesus gewesen und Apostel Jesu Christi, der letzte. Auch andere Apostel hat’s noch gegeben, und noch hat man auch geprüft: Sind’s wirklich Apostel? Noch ist Jesusleben inmitten der Gemeinde, noch ist’s apostolische Gemeinde, noch lebt und handelt man in apostolischer Kraft. Aber wiederum nur dies Stücklein. Ephesus – Der die Sterne in Seiner Hand hat, und Er, Der mitten in der Gemeinde lebendig gegenwärtig ist. Gott im Fleisch. Ganz anders ist es dann bei Smyrna: „Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden.” Wieder ein Zug in dem Bilde Jesu. Und keiner Gemeinde gibt Er so das Ganze hin. Es ist nur ein Anteilhaben an dem Leben des Sohnes Gottes, auch gemeindlich. Oder Pergamon: „Das sagt, der da hat das scharfe, zweischneidige Schwert.” Und so könnten wir weitergehen. Es ist immer nur ein Anteilhaben. Jede Gemeinde empfängt ihr Teil. Das ist ihr offenbart. Das ist ihr im besonderen gegeben. Jede Gemeinde hat teil an dem ganzen Christus, aber hat wiederum nur ihr Teil, so wie die Hand ja auch nur ihr Teil hat am Leben des ganzen Leibes, und das Herz hat auch sein Teil am Leben des ganzen Leibes. Das ist ganz wichtig! Sie alle miteinander 16
sind dazu berufen, den ganzen Christus darzustellen, sichtbar zu machen, sie alle miteinander! Wiederum nur so, daß alle sich um die eine Mitte drehen. Das Geheimnis des Lichtes – der Farbenkreis ergibt weiß Ich hab’s immer wieder mal gesagt und will daran nur erinnern: Dieses Licht und das Geheimnis des Lichtes, diese ganze Farbenskala – der Regenbogen! Da ist ein Lichtstrahl und das Hellste, was es gibt, aufgeblättert und entfächert. Und dann das Gegenstück: das ist die Scheibe mit einer Achse in der Mitte, wo in schönen klaren Farben die Regenbogenfarben rundum in Keilen aufgesetzt sind und die man um die Mittelachse dreht. – Jedenfalls ich halte das immer wieder kaum für möglich, daß daraus weiß wird, wenn es sich um die Mitte dreht. Aber unsere Konfirmanden haben sich davon überzeugen müssen. Sie haben sich solch ein Ding gemacht! Aha, jedes hat seine Farbe, auch die Gemeinden. Jede Gemeinde hat gleichsam ihr Teil, ihre Farbe, wenn man so sagen will. Sie sind alle Licht (Joh. 8, 12; Matth. 5, 14). „Ich bin das Licht.” – „Ihr seid das Licht.” Vielleicht haben die Evangelischen das Blau, das ist ein bißchen kalt. Und die anderen haben das feurige Rot oder das warme Gelb oder Grün. Wenn jeder sich um sich selber dreht, bleibt blau blau und gelb gelb und rot rot, und wenn’s noch so schön blau, gelb oder rot ist. Und es wird nie weißes Licht sein. Aber wenn sich’s um die eine Mitte dreht, sie alle, alle haben teil an dem einen Jesus, und wenn sie sich mit dem, was ihnen gegeben ist, um den einen Jesus drehen, dann wird’s licht in der Gemeinde, und das heißt, ‘Licht in der Welt’. – Immer nur um die eine Mitte. Sicher ist das auch ein Wort zur Konfessionsfrage. Die ist durchaus nicht nur ein Negativum – das auch und leider sehr! „Apollisch, kephisch, paulisch, christisch!” – und das Urteil des Apostels (1. Kor. 1, 12; 3,1–4): Alle „fleischlich” – die Christischen mit einbezogen. Und die ganze Konfessionsfrage – es ist nicht schwer, deutlich zu machen, wieviel Fleisch das ist. Aber eben nicht nur negativ, sondern dahinter ist sicher auch einfach eine Gegebenheit zu sehen. Denn auch da wirkt Gott. Vielleicht ist die Katholische Kirche die Kirche der Menschwerdung im besonderen. Ich freue mich dann immer, wenn ich im Lukasevangelium lese (2, 16): „Sie sahen beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.” Also als erstes die Maria und dann der Josef, aber dazu auch noch das Kind in der Krippe. Vielleicht darf man so weit gehen. Oder die Evangelische Kirche als die Kirche der Reformation, als die Kirche des Kreuzes, der Rechtfertigung, die ja das nun wirklich als ein ganz besonderes Pfund neu empfangen hat. 17
Die Pfingstgemeinden! Die Orthodoxen – die Auferstehungskirche, die Osterkirche. Wie auch jedes ein Stück hat von dem einen, großen, herrlichen Leben, das das alles umschließt. Und wir erleben, wie auch da, wo das Einswerden miteinander um die eine Mitte sich heute vollzieht, dann wirklich Lichtkräfte freiwerden – und Finsternis zurückweicht und ein Stück Herrlichkeit hereinbrechen kann und Sieg. Eine prophetische Vorschau der Kirchengeschichte Außerdem, und das will auch noch gesagt werden, und das haben immer wieder Leute entdeckt, die sich sehr mit Bibel und mit Kirchengeschichte befaßt haben: Es ist wie ein prophetisches Vorwegschauen, daß jede dieser Gemeinden, eben wirkliche Gemeinden in Kleinasien, gleichsam einen Abschnitt der Kirchengeschichte bis zum Ende hin symbolisieren. Ich muß sagen, davon bin ich zutiefst überzeugt! Es werden so wunderbare Züge sichtbar in diesen Schreiben, wenn man’s einmal unter diesem Aspekt liest, womit nicht gesagt sein soll, daß man es nur so lesen könnte und dürfte. Außerdem sind ganz, ganz viele Wahrheiten in jedem Sendschreiben für uns alle persönlich, die wir für uns annehmen können und müssen! Aber es ist wie eine prophetische Vorschau. Man würde also sagen: Der Weg der Kirchengeschichte ist bis zum Ende hin beschrieben! Prophetische Vorschau, das wäre das nächste: Nach dieser Schau führt Christus nun die Gemeinde auf ihrem Weg durch die, wir sagen’s jetzt, Jahrhunderte hindurch bis zum Ziele hin. Nach Ihm die Gemeinde, und die geht einen Weg. Und das fängt gleich im ersten Sendschreiben mit dem tiefen Fall an. Und wenn man’s so sieht, dann hat man immer wieder verstanden: Ephesus – die spätapostolische Zeit. Oder dann hat man in Smyrna die Zeit der Christenverfolgungen gesehen: Gemeinde im Schmelztiegel, die sich dann angeschlossen hat. Wunderbar, daß es die Gemeinde ist, wo kein Tadel gesprochen wird. Wenn Gott in Läuterungsgerichte hineinnimmt, dann haben auch wir aufzuhören zu tadeln. Das sind Geliebte Gottes, die Er auf Seine Weise Sich bereitet, wenn es keinen anderen Weg mehr gibt als diesen. Oder wo Pergamon ist, die Staatskirche, die dann daraus hervorgewachsen ist – Konstantin usw. – Pergamon. Oder Thyatira, das wäre ja nun das Sendschreiben der Katholischen Kirche. Wenn wir Zeit hätten, würde ich gern noch einmal versuchen, einen Aufriß zu geben. Aber ich stelle das zurück. Im Sendschreiben an Thyatira, wenn man das einmal richtig gesehen hat, stehen Kostbarkeiten drin. Da leuchtet einem auch etwas auf von der Weisheit Gottes und auch von der großen Liebe Gottes. Es fängt ausgerechnet mit den Worten an: „Das sagt der Sohn Gottes.” Es geht um den Sohn Gottes; Seine 18
Augen sind wie Feuerflammen, die Füße wie golden Erz. Aber das soll jetzt nicht dran sein. Sardes in Kapitel 3 würde in diesem Zusammenhang gesehen das Sendschreiben der Kirchen der Reformation sein. Und was bedeutet es, daß Er der Kirche der Reformation ausgerechnet sagen würde: „Das sagt, Der die sieben Geister Gottes hat”? Nicht bloß zwei oder drei oder einen, „...und die sieben Sterne” – und daß Er ihr sagt: „Ich weiß deine Werke. Du hast den Namen, daß du lebst, und bist tot.” – Gedenke! „Ich habe deine Werke nicht als völlig erfunden vor Meinem Gott.” Das ist die Kirche, mit der Er über die Werke redet! Philadelphia, so würde man dann sagen, das ist das Schreiben an die klugen Jungfrauen und das, was sich aus den Verschiedensten heraussammelt, bereitet für Ihn. Und an Laodizea – törichte Jungfrauen. Nur, daß das mal mit gesagt ist, wenn wir schon über die Offenbarung sprechen wollen, wie ein Aufriß der Kirchengeschichte. Und auch da ist’s so, daß Gott Geschichte vorweg schreibt. Und wenn man’s so sieht, ist’s wiederum über die Maßen tröstlich. Nicht, daß Gott ganz überrascht ist und erschrocken dasteht: Was ist denn bloß daraus geworden? Wie schön haben wir angefangen miteinander? Sondern Gott zeigt auf: Es ist Sein Weg, auch wiederum Sein Weg mit all den schrecklichen Tiefen, und es ist Sein Weg, wo wir nur sagen müssen, wir sind im allerletzten Stücklein dieses Weges.
KAPITEL 4: HINEINGENOMMEN IN DEN HIMMEL Mit Kapitel 4 beginnt nun das Eigentliche, nun wirklich das Endzeitgeschehen, aber nun umfassend, sowohl was die Welt betrifft, als auch was die Gemeinde, die Kirche betrifft. Dort würde also der Einstieg sein: Kapitel 4 und 5. Diese beiden Kapitel – nur daß wir’s noch einmal andeuten – sind die Kapitel, die mit der Aufforderung beginnen: „Steig herauf, Ich will dir zeigen!” Ich bin mir dessen bewußt, daß man die Offenbarung nie recht lesen wird, nie die Dinge erkennen wird, ohne daß man seinen Platz im Himmel eingenommen hat, wo man hingehört (Eph. 2,6; Phil. 3,20; Kol. 1,13). Das ist nicht nur eine Frage auch des losgelösten Lebens, sondern das ist zuallererst eine Frage des Glaubensstandes. Wir sind mit Ihm in den Himmel versetzt (Eph. 2, 6). Und der Geist will uns diese Grundwahrheiten lebendig machen. Wir sind mit Ihm in den Himmel versetzt. Und ich bin glücklich darüber, daß die Zeiten längst hinter uns sind, wo man jeden Morgen die Jakobsleiter hinaufgekraxelt ist. Sondern das 19
erste ist wieder, wenn ein neuer Tag beginnt und wir erwachen: ich nehme mit Ihm meinen Platz im Himmel ein. Der Leib Christi, das Haupt, das hoch hinaufragt, Er, Der Seinen Platz eingenommen hat zur Rechten der Majestät. Und wenn wir die Füße sind, mit denen Er die Erde berührt, dann haben wir allen Grund zu sagen: Wir sitzen mit Ihm im Himmel. Es ist der eine Christus. Es ist wichtig, daß wir unabhängig geworden sind von dem jeweiligen Stand unseres Heiligungslebens und was weiß ich alles. Wir nehmen mit Ihm unseren Platz ein – jeden Tag neu. Gott sei Lob und Dank! Und wenn ich auf der Nase liege, dann ist das nächste: ‘Und das alles liegt hinter uns, das Urteil Gottes. Das Todes- und Verdammungsurteil ist in Christus gesprochen, ein für allemal! Und es ist vollstreckt an Dem, Der von Sünde gar nichts weiß.’ So! Damit bin ich fertig! Und mein Leben ist Christus! Ich bin in Ihm und Er in mir. Und der Vater in Ihm. Und ich glaube, daß das in jedem Augenblick gültig ist. „Ich heilige Mich Selbst für sie”, das spricht Er dann noch aus, ehe Er den Weg geht zum Kreuz (Joh. 17, 19). „Ich heilige Mich Selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien” – Heilige seien, in Wahrheit Heilige seien eigentlich, damit sie wirklich Heilige seien. „Ein für allemal”, sagt uns dann der Hebräerbrief (10, 10), ein für allemal durch das eine Opfer, ein für allemal! Weil Er Sich für uns geheiligt hat und ich nun an Seinem Leben teilhabe, darum bin ich heilig. Und dann gehören ganz sicher die Erfahrungen alle mit dazu, daß wir mit uns selber zuschanden werden und zuschanden werden müssen, aber gründlich und restlos! Und die letzte Zeit mit all dem, was über uns ergeht, wird das Ihre dazutun, daß keiner mehr bestehen kann im Blick auf sich selber, aber dann das ‘Er’! Und nun: „Steig herauf!” Das ist nicht nur das Vorrecht eines Propheten: Das ist das Vorrecht eines jeden Gotteskindes, das im Glauben zu vollziehen, daß das zum Glaubensstand wird, Stand als ‘Stehen um jeden Preis!’ Und es bleibt dabei, ob ich’s fühle oder nicht fühle, ob ich oben bin oder down, ob es so dunkel ist oder hell, daß wir unseren Platz einnehmen! Ich glaube, das hängt ganz entscheidend damit zusammen, daß der Geist uns einen Blick geben kann für die Dinge des Reiches Gottes, für den Weg der Gemeinde, für die Bereitungsarbeit Gottes, für das Geschehen in dieser Welt. Den Seinen, den Heiligen, den Geliebten, die in Christus sind und Christus in ihnen, Er wird’s ihnen auftun: „Steig herauf, Ich will dir zeigen!” Was auch geschieht, es nimmt seinen Ausgang am Thron Dann ist der Geist über dem Johannes, und dann sieht er. Die ganze himmlische Welt und Herrlichkeit tut sich vor ihm auf. Ehe er von dem redet, was auf Erden geschieht, läßt Gott ihn in den Himmel 20
hineinblicken, weil im Himmel alles seinen Ausgang nimmt. Das ist ja das Große: Ausgang für alles, was dann zu sagen sein wird, ist der Thron Gottes, der über allen Thronen ist. Dort nimmt das alles seinen Ausgang – ganz unmittelbar und direkt. Niemals nimmt es seinen Ausgang etwa unten, in der Tiefe – „der böse Feind!” –, niemals bei den Machenschaften der Menschen, ob sie noch so klug, so verschlagen und hinterlistig, noch so mächtig sind, und was sie auch aufrollen mögen, niemals, niemals sind sie die Auslösenden. Das ist immer der Thron Gottes! Was auch geschieht, es nimmt seinen Ausgang am Thron. Darum muß Johannes zuerst den Thron sehen, den Thron in Aktion. Und dann ist es Der auf dem Thron, und dann sind es die Ältesten vor dem Thron und um den Thron. Und von dem Thron gehen aus Blitze und Stimmen und Donner. Dann sind es die sieben Fackeln, die mit Feuer brennen vor dem Thron, die sieben Geister Gottes, Gott, der Allmächtige, und der Heilige Geist in Seiner Geisteskraft, in Seiner Geistesfülle. Der Thron, der Geist, ist wirksam in dem Geschehen aller Zeiten, ist aber auch und erst recht wirksam, so möchte man fast sagen, in dem Geschehen der letzten Zeit. Immer den Thron im Auge behalten, der wackelt nicht, der steht ganz fest! Er ist gegründet. Über dem Thron der Regenbogen, das verklärte Licht und zugleich das Bundeszeichen und das Zeichen der Treue Gottes und der Treue Gottes auch im Blick auf die Völkerwelt. Noah und Regenbogen gehören ja nun auch zusammen (1. Mose 9, 13). Es ist alles das Handeln des treuen Gottes, nichts anderes, Er, der alle Macht hat, und der Geist, der nichts zurückbehält, der Sich ganz verschenkt und ganz verströmt gerade in dieser Zeit. Das alles muß Johannes zuerst sehen.
Es gibt eine Fachsprache der Propheten Es könnte eine sehr lohnende Arbeit sein, diese Fachwörter mal zusammenzutragen. Der alte Pastor Langenberg hat wohl in dieser Richtung gearbeitet. Ich weiß nicht, was das Ergebnis bei ihm ist, aber schön, daß er begriffen hat, daß es eine Fachsprache der Propheten gibt. Vor dem Thron ist es wie ein gläsernes Meer. Und das Wort ‘Meer’ im Munde der Propheten hat einen besonderen Klang. Wenn der Prophet ‘Meer’ sagt, dann ist das – nicht immer, manchmal ist es ein ganz natürliches Sprechen von der Schöpfung, dann ist eben das Meer gemeint – aber sonst in der Prophetenfachsprache ist das der Ausdruck für die Völkerwelt, diese so unruhige (Ps. 46, 4f). „… wenngleich das Meer wütete
21
und wallte und von seinem Ungestüm die Berge mitten ins Meer sänken. Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein!” Hier haben wir gleich ein zweites Prophetenbild: Der Berg – ein Symbol der irdischen Macht, auch der irdischen Reiche. Die irdischen Reiche sind Berge. Deshalb kann es dann etwa im tausendjährigen Reich heißen, daß der Berg Gottes in Jerusalem – der nun sicher keine imponierende Zugspitze ist – der höchste Berg, der größte Berg im tausendjährigen Reich sein wird (Jes. 2, 2). Das heißt nicht, daß er nach oben wächst, sondern daß dieses Völklein an der Spitze der Nationen steht. Und das Heil kommt nun von den Juden (Joh. 4, 22). Daß die große Zeit des Volkes Gottes dann angebrochen sein wird, das ist der höchste Berg, höher als alle Berge. Dann werden ihm alle Mächte huldigen. Sie kommen und bringen ihre Gaben. Es gibt also eine prophetische Fachsprache. Die ganze Offenbarung liefert unwahrscheinlich viel Material zur „prophetischen Fachsprache”, aber das ganze Alte Testament ist auch voll davon. Und das Interessante: Das geht durch die Jahrhunderte und die Jahrtausende. Es sind Bilder, die der Geist, wie Er sie damals gebraucht hat, auch heute noch gebraucht, wo etwa Geist der Offenbarung ist oder wo eben Bilder geschaut werden. Er bedient Sich durch die Jahrhunderte und Jahrtausende derselben Bilder. Das ist eben auch etwas Wichtiges. ‘Meer’ ist Völkerwelt. Und wenn das ein gläsernes Meer ist, dann heißt das, zu den Füßen Gottes ist es durchsichtig bis auf den Grund. Ihm entgeht nichts. Die Völkerwelt – immer zu den Füßen Gottes – ist für Ihn durchsichtig, durchscheinend. Es gibt nichts, was sich je verbergen könnte. Und dann sind da die himmlischen Gestalten um Gott her oder die lebendigen Kreaturen, Lebewesen, die vier höchsten Geschöpfe – denn sie sind ja Kreaturen: Löwe, Stier … Dabei wollen wir uns jetzt nicht aufhalten. Zum Bedenken und Bewegen könnte ich nur sagen: Zum einen ist es in jedem dieser Lebewesen wie eine Fotografie des Sohnes, aber immer nur eine Seite: Der Löwe als der König, der Stier als der Geopferte, das Menschenantlitz der Menschgewordene, der Adler mit seinem Höhenflug, der Sohn Gottes. Man könnte sagen, es sieht so aus, als wenn Gott die Fotografien Seines Sohnes allezeit um Sich haben will. Und zum anderen sind das auch wieder Symbole der Evangelien und Evangelisten geworden. Jedes Evangelium hat sein Symbol. Auf der Tafel hier im Gemeindesaal sehen wir sie, als wenn es die Kreaturen wären, die einmal in ständiger Bewegung vor Gott sind. Aber sie sind wie die Wächter über den Lauf des Evangeliums in der Welt, so daß Er die höchsten der Geschöpfe dort hat, wo es ums Evangelium geht, damit 22
das ganze Evangelium in die Welt hineinkommt und die Welt vom Evangelium durchdrungen ist. Das alles gehört ja mit hinein in die Heilig-Darbringung und in die Anbetung.
KAP. 5: DIE GESCHICHTE DER WELT IN DER HAND GOTTES
Dann kommt das 5. Kapitel, wo es nun um das Buch geht. Nun kommen wir schon unmittelbar an das Geschehen der letzten Zeit heran. Das Buch in der Hand Gottes ist uns allen schon vertraut. Daß ich’s nur noch einmal aufklingen lassen muß, es ist die Frage, was für ein Buch? Und wir werden’s ja mit dem Buch nun in diesen Tagen zu tun haben. Es ist, wie der Ablauf in den folgenden Kapiteln dann zeigt, das Geschichtsbuch, in dem verzeichnet ist die Geschichte der Welt, der Gemeinde in der Welt, in diesem letzten Ablauf bis zum Ziele hin. Denn wir werden dann sehen: Das Buch ist versiegelt. Das heißt also, man kann’s nicht auftun, man kann nicht hineinsehen: Was steht denn da? Wenn ein Siegel gebrochen wird, ein Kapitel aufgetan ist, dann geschieht Entsprechendes hier in dieser Welt. Und wenn wieder ein Siegel gebrochen ist und wieder ein Kapitel aufgeschlagen ist: Es geschieht Entsprechendes hier in dieser Welt – von einem Siegel zum andern. Das ganze Buch wird entfaltet, und das heißt, alles, was darin zu lesen ist, geschieht nacheinander, so wie die Kapitel aufgeschlagen werden, hier in dieser Welt. Also ist es ein Geschichtsbuch Gottes. Gott schreibt eben Geschichte vorweg, während wir sie nur hintendrein schreiben können. Gott wird nie überrascht. Und für uns bleiben Geheimnisse, die wir letztlich nie ergründen und erklären können: auf der einen Seite die Freiheit der Entscheidung und auf der anderen Seite, wie Gott geplant hat bis in die Einzelheiten hinein, vorweg wissend, vorweg handelnd und doch dabei den Menschen ganz Mensch sein lassend auch in seiner freien Entscheidung. Das gilt selbst für die Mächte der Finsternis, die auf den Plan gerufen sind und nun handeln. Aber auch das kommt für Gott nie überraschend. Und es kommt das, was Gott längst vorher Seinem Knecht offenbart hat, immer genau so! Auch wenn’s noch so dicke kommt und wenn wir in den Fluten fast ertrinken möchten und wir zu Gott schreien wollen: Er sagt: „Ich weiß schon! Ich weiß schon!” Es ist immer wieder dies: „Ich bin’s! Laß nur … Ich hab’s doch gesagt. Erschrick nicht, Kind, erschrick nicht. Ich bin’s.” Das ist alles Trost. Um dieses Buch geht’s. Kap. 5,1: „In der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß” – in der Hand Gottes des Vaters – ein Buch, beschrieben inwendig, 23
auswendig, versiegelt mit sieben Siegeln.” Es muß also eins nach dem anderen gelöst werden. Es ist eine Nacheinanderfolge. Das werden wir sehr beachten müssen. Und ich wundere mich, daß dies so wenig beachtet wird. Es wird manches immer wieder gesagt und gedeutet und sicher auch viel Richtiges in dem, was dann geschieht, wenn die Siegel geöffnet werden, aber so kreuz und quer durcheinander durch die Geschichte, daß man den Eindruck hat, sie haben ganz übersehen: hier ist die Rede von einer ganz klaren Aufeinanderfolge, eines nach dem andern. Das ist Ablauf, wovon hier die Rede sein wird. ‘Sieben Siegel’, es geht von einem Kapitel zu dem nächsten. Aber das Buch ist in der Hand Gottes! Dann kommt der starke Engel mit mächtiger Stimme! Was muß Johannes – wenn ich mich in ihn einmal hineinversetze – schauen, hören, und was heißt das bloß: ‘mächtige Stimme’? Und was ist der starke Engel, der Bote Gottes? Wer ist würdig, das Buch aufzutun? Und die Frage? – Ach das ist wieder Gott, der Pädagoge. Wie oft fragt Er die Propheten: „Was ist denn da?” Wie Gott uns helfen will, uns Dinge bewußt zu machen! Wie Gott uns mitbeteiligen will an dem allen, was hier geschieht! Das ist Ihm ein großes Anliegen, Er veranlaßt uns, gleichsam auch nachzusinnen. „Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen?” – anders übersetzt: „Wer ist würdig, Licht zu geben für die kommende Zeit? Wer kann uns sagen, wo das noch hinausgeht? Und wie soll das enden?” Um die Frage geht’s, wobei man sich auch einmal bewußt machen muß: Die Stellung des Johannes als der letzte der Apostel Was hatten sie alles erhofft! Sie hatten sich etwas erhofft für Israel. Das wird noch zu Pfingsten deutlich (Apg. 1, 6): „Wirst Du um die Zeit aufrichten usw. … Israel?” Und was hat Johannes miterlebt? Die anderen haben’s ja alle gar nicht miterlebt. Sie lebten zu dieser Zeit schon nicht mehr. Sie alle haben das Martyrium erlitten, ein Apostel nach dem anderen mußte abtreten von der Bildfläche. Und Jerusalem wird zerstört und der Tempel niedergerissen und niedergebrannt. Das alte Bundesvolk! Johannes ist doch einer von ihnen. Was das ausgelöst hat an Fragen, an Bestürzung. Man muß sich doch mal hineinversetzen! Wie denn, ist es nun aus mit uns? Wo bleiben dann die Verheißungen? Theologen können das streichen mit einem Strich, Johannes offenbar nicht. Und was ist mit der Gemeinde, von der sie hofften, sie würde das Ziel ihrer himmlischen Berufung bald erleben? Der Herr würde schnell wiederkommen. Es ist unverkennbar, daß Paulus zunächst einmal in dieser Erwartung gelebt hat: Der Herr wird unverzüglich kommen!, bis ihm dann aufging, Seine Planung ist ganz anders, und er dann sagt (Phil. 1, 24
23): „Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christus zu sein.” Dann weiß er, sein Ziel ist, bei Christus zu sein. Aber das war ja nicht das einzige, was erschrecken ließ, daß sich’s hinauszögerte, sondern die erschütterndste Frage war: Was ist aus der Gemeinde geworden? „Demas hat die Welt wieder liebgewonnen.” Und das war doch nicht bloß einer (2. Tim. 4, 10). Durch welche Erschütterungen es da gegangen ist! Welche Verflachung! Dieses Ihm den Rücken Zuwenden, nicht mehr ganz Ihm, sondern nur noch ganz der Arbeit für Ihn hingegeben sein! Das ist eine andere Sache, als ganz dem Herrn zugewandt zu sein. Die Arbeit für Ihn kann mein Leben völlig absorbieren, und es bleibt nichts für Ihn. Was ist aus der Gemeinde geworden? Verflacht. Die ‘erste’ Liebe – Liebe des Anfangs Und so heißt es gleich im ersten Sendschreiben – und das ist die Gemeinde, die den Johannes in besonderer Weise angeht – : „Von welcher Höhe bist du gefallen?” Das Sendschreiben sagt Wunderbares, wie sie noch prüfen, ob sie wirklich Apostel sind oder nicht, und daß sie sie als Lügner erfunden haben. Und sie arbeiten und arbeiten noch mehr und immer noch mehr, und sie sind treu in dem allen, haben eine große Geduld. Wunderbar, wunderbar! „Aber Ich habe wider dich ...”, geht’s dann weiter. „Ich habe wider dich, daß du die erste Liebe verläßt.” Nicht das, wie’s so oft gehört werden kann, wenn einer sich bekehrt hat, ist die erste Liebe. – Ihr guten Leute, wenn das nur die erste Liebe wäre! – Die Liebe des Anfangs, die apostolische, diese Gottesliebe, die hier ausgegossen und Gestalt geworden ist, die Liebe des Anfangs, wo der Eine alles war, Jesus Christus. Das ist doch etwas, was bei der Bekehrung noch gar nicht da sein kann, sondern wo hinein man wachsen muß, wofür einer bereitet werden muß vom Geist. Da hat der Geist ja so viel Arbeit und Mühe dabei. Aber wo ist das, was am Anfang so beglückend war, die Liebe Gottes, die Liebe Christi, die erste Liebe. „Tu Buße! Wenn nicht, Ich werde kommen, Ich werde den Leuchter wegstoßen.” Deine Gemeinde wird weggestoßen werden! Was sind das für Worte! Und Johannes selbst auf dem Inseleiland Patmos, dieser Felsenwelt. Wenn’s so ist, und ich zweifle nicht daran, wie es in den Apostelberichten mitgeteilt wird: Auch er ist ein Märtyrer, der Letzte der Apostel. Es wird ja berichtet, wie er zum Tode verurteilt worden ist und wie er vor den Toren von Rom in siedendes Öl getaucht wurde und er unversehrt herausging. Das sei der Anlaß gewesen zu seiner Verbannung nach Patmos: Der Mann muß weg, aber noch mal .., an ihn hat sich selbst der Kaiser nicht rangetraut. So etwa ist der Ablauf der Dinge. Man muß sich das mal mit vergegenwärtigen. Durch was sind die Männer hindurchgegangen! 25