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Schwarmgeist?

Eigentümerhinweis

Impressum Schwarmgeist? ISBN 978-3-95459-521-1 Best,-Nr. 148521 © 2013 by Asaph AG, CH-8280 Kreuzlingen Umschlag: K.H. Schablowski Gesamtherstellung: Asaph AG, Schweiz


Warum dieses Buch? 1. Schwarmgeist? 1.1. Die Schwere der Angriffe gegen die Pfingstbewegung 1.2. Eine nötige Antwort 1.3. Schwarmgeist - kein biblischer ... 1.4. ... sondern ein lutherischer Begriff 2. Biblische Prüfsteine 2.1. Prüfet die Geister 2.2. Seltsame Geisterprüfungen 2.3. Falsche Propheten? 2.4. Gottgegebene Prophetie? 2.5. Propheten im Alten Bund 2.7. Tatsächlich keine Propheten mehr? 2.8. Biblische Prüfsteine falscher Propheten 2.9. Prüfsteine im Neuen Testament 3. Unbiblische Prüfsteine 3.1. Die Geistestaufe 3.1.1. Das Zeugnis der Väter 3.1.2. Das Zeugnis der Schrift 3.1.3. Einwände knapp beantwortet 3. 2. Das Sprachenreden (Zungenreden) 3.2.1. Das Faktum des Sprachenredens 3.2.2. Die Bedeutung des Sprachenredens 3.2.3. Die Begrenzung des Sprachenredens 3.2.4. Einwände kurz widerlegt 3.3. Die Weissagung 3.3.1. Kritik 3.3.2. Weissagung in der Bibel 3.3.3. Mangel an Weissagung


3.3.4. Verheißung der Weissagung 3.3.5. Notwendigkeit, Bedeutung, Wirkung der Weissagung 3.3.6. Beurteilen - Dämpfen der Weissagung 3.3.7. Ermutigung zur Weissagung 3. 4. Die Gabe der Unterscheidung der Geister 3.4.1. Prüfet die Geister! 3.4.2. Göttliches Gleichgewicht 3.4.3. Fünf Voraussetzungen eines geistlichen Gebrauches 3.5. Nüchternheit - Seid nüchtern! 4. Werdet voll Geistes! 4.1. Schwarmgeisterei oder Schwärmerei? 4.2. Eine ernste Warnung! 4.3. Widerstrebet nicht! 4.4. «Werdet voll Geistes!»


Warum dieses Buch? Der Aufbruch charismatischer Bewegungen in manchen Kirchen und Freikirchen hat verschiedenste Reaktionen hervorgerufen. Für die einen bedeutet er die «Wiederentdeckung des Heiligen Geistes» (Lienhard/Meyer). Andere wieder sehen in ihm eine unerwartete Erweiterung der alten Pfingstbewegung. Dies hat eine Reihe von gegnerischen Pamphleten und Schriften auf den Plan gerufen. Terminologie und Gedankenführung sind dabei verblüffend ähnlich, ob nun ein Lutheraner gegen die neue innerkirchliche Erscheinung antritt oder ein Jesuit aus der «Marianischen Legion der Rosenkranzbeter» gegen katholische Charismatiker wettert. Es ist nicht unser Auftrag, uns in diesem Rahmen mit der Polemik gegen die charismatischen Bewegungen auseinanderzusetzen. Da sich aber die «Argumente» auch gegen die Pfingstbewegung richten, ist eine Antwort unsererseits angezeigt. Zum vornherein soll klar sein, dass es nicht um eine Verteidigung der Pfingstbewegung geht. Aber ein Schweigen auf die so keck vorgetragenen Angriffe wäre nicht nur unbiblisch und unbrüderlich; es könnte zudem den Anschein erwecken, als könnten die Einwände nicht biblisch widerlegt werden. Aber es geht um viel mehr: Die Wahrheiten, die hier umkämpft werden, sind nicht pfingstliche, sondern biblische Wahrheiten. Es sind Wirklichkeiten, die zur gesunden Entfaltung des Leibes Christi unabdingbar nötig sind, auch genauso nötig sind für die Entfaltung jedes Wiedergeborenen. Es geht dabei nicht allein um Wirkungen des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist ist die Realpräsenz Christi; somit geht es um den ganzen Christus. Nicht umsonst warnt Jesus: «Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung wider den Geist wird nicht vergeben werden. Und wer ein Wort wider den Sohn des Menschen redet, dem wird vergeben werden; wer aber eins wider den Heiligen Geist redet, dem wird nicht vergeben werden, weder in dieser noch in der zukünftigen Welt!» (Matth. 12, 31. 32) Um so atemberaubender, wie sorglos manche Biblizisten mit dem Bibelwort, mit dem sie so wacker um den Heiligen Geist zu streiten den Anschein geben, umgehen! Nicht genug, dass die Kritiker aus Kirchen und innerkirchlichen Gemeinschaften selber im Glashaus sitzen! Man denke nur an ihren so weitherzigen Umgang mit dem Worte Gottes, was die Kindertaufe, das Abendmahl, das Gemeindeverständnis und nicht zuletzt den Heiligen Geist, die Gaben des Geistes usw. anbetrifft. Die Steine, mit denen sie sich auf Pfingstbewegungen und charismatische Bewegungen zu werfen beauftragt glauben, werden kunterbunt aus dem Schriftzusammenhang zusammengelesen. Doppelte Kühnheit! Dies darf nicht unwidersprochen bleiben. Die scharfe Polemik macht eine deutliche Sprache auch unsererseits nötig. Dennoch: Hier soll nicht der Graben verbreitert werden. Es soll vielmehr vielen Mut gemacht werden, sich nicht verunsichern zu lassen, sondern sich im Anliegen um Erfüllung mit dem Heiligen Geist getrost dem anzuvertrauen, der ausdrücklich verheißen hat, niemandem einen Skorpion zu geben, der ihn um ein Ei bittet! Es soll ein Ansporn sein, dem Geist freie Bahn zu machen, der Jesus verherrlicht (Joh. 16, 14)!

1. Schwarmgeist?

Zutiefst könnte es einem widerstreben, dem «Schwarmgeist» die Ehre eines Buchtitels zu erweisen! Und doch, es ist nötig. Immer wieder erscheinen Schriften, in denen sich die Warnungen geradezu überschlagen: Von frommen Verführungen ist da die Rede, von falschen Propheten, vom Einbruch spiritistisch-dämonischer Kräfte, von Irr-, Zungen-, Pfingst- und Nebelgeistern - und, eben, von Schwärmerei, vom Schwarmgeist. Der Teufel in frömmsten Masken inmitten der Gemeinde! Kein Wunder, wenn Pastor Karl Layer in seinem Kommentar zu den «Frommen Verführungen» von Dr. E. Lubahn gar bald ins Texten kommt: «Nüchternheit ist das Gebot der Stunde, denn fromme Verführung ist die Gefahr der Stunde!» Wer ist denn gemeint? Einige, die sich in Ausübung ihres göttlichen Wächteramtes zu lautem Warnen verpflichtet sehen, nennen deutsch und deutlich Ross und Reiter. Sie sagen rundheraus, dass es hier um die Pfingstbewegung geht. Es wird z. B. an die «Berliner Erklärung» angeknüpft, die 1909 die «sogenannte Pfingstbewegung» als «von unten» bezeichnete. Oder man sieht es andersherum wie Dr. Lubahn: «Viele Pfingstkreise haben einen geistlichen Ursprung. Manche von ihnen sind aber in die seelische Schwärmerei hinein verführt worden und endeten - leider nicht selten - in der Dämonie.»


Aber die Pfingstbewegung ist nicht der Auslöser dieser neuerlichen Welle pfingstgegnerischer Schriften. Auch wenn man die Pfingstbewegung nennt, haut man lediglich den Sack, meint aber den Esel. Denn es ist der charismatische Aufbruch innerhalb der historischen Denominationen, der so zu schaffen macht. Nachdem man sich in einem jahrzehntelangen erbitterten Kampf einigermaßen gegenüber der Pfingstbewegung abgegrenzt hatte, brachen nun die gleichen Erscheinungen, in denen man ja den Pferdefuß des Pfingstdämons erkannt zu haben glaubte, mitten in ihren eigenen Kirchen aus. Die Panik ist verständlich, die nun Pamphlete und ganze Bücher hervorbrachte. So werden denn auch die charismatischen Bewegungen und die katholische Pfingstbewegung namentlich genannt. So weit, so klar. Diffuser wird es, wenn solch schwere Geschütze gegen sogenannte «schwarmgeistige Kreise» aufgefahren werden. Jeder kann sich dann seinen eigenen Reim machen, wer damit gemeint ist. Hier wird also nicht nur die Pfingstbewegung der «Nebelgeisterei» bezichtigt, hier wird selber kräftig eingenebelt! Die Pfingstbewegung ist durchaus greifbar! Ihr überwältigendes Gros ist in Gemeindeverbänden zusammengefaßt, die jederzeit Red' und Antwort stehen können. Wir haben Verlage, wir haben Bücher, wir haben offizielle Zeitschriften. Wie erbärmlich hebt es sich ab, wenn Dr. Lubahn zum «Beweis», dass «manche Pfingstkreise in der Dämonie endeten», das Versagen «eines Pfingstpredigers» anführt! Wem würde es auch einfallen, irgendeine Kirche oder irgendeine Freikirche aufgrund des Versagens einer ihrer Pfarrer oder Prediger zu verurteilen! Ist das nicht heller Wahnsinn? oder: Fritz Hubmer geht als Einleitung zur «Berliner Erklärung» auf eine 108 Maschinenseiten umfassende Protestschrift einer Verfasserin «aus dem Großraum Stuttgart» ein! Verständlich, dass sich die Gegenseite dankbar zu solch vagen Begriffen wie «schwarmgeistige Kreise» flüchtet; sie hat dann in grellsten Farben buchstäblich den Teufel an die Wand gemalt, ohne selber irgendwie greifbar zu sein. 1.1. Die Schwere der Angriffe gegen die Pfingstbewegung Aus vielen Gesprächen weiß ich: Viele, viele Brüder aus Kirchen und Freikirchen weisen das Ansinnen, die Pfingstbewegung am Rand des Abgrundes anzusiedeln, weit von sich. In manchen Allianzkreisen findet man diese Verteufelung geradezu grotesk. Selbst Hubmer schreibt in «Zungenreden-Weissagung», es wäre längst kein Geheimnis mehr, dass die Bestrebungen, zumindest unter die Vergangenheit mit der Mühlheimer Bewegung einen Strich zu ziehen und sie in die Deutsche Evangelische Allianz aufzunehmen, wesentlich nur an den Bedenken Gnadaus (landeskirchlicher Gemeinschaftsverband in Deutschland) scheiterten. Dennoch erscheinen stets neue Schriften, die noch immer auf die einzigartige «Berliner Erklärung» zurückgreifen, in der 56 Männer des Gnadauer Verbandes und der Evangelischen Allianz am 15. 9. 1909 festhielten, die Pfingstbewegung wäre «von unten». 1.2. Eine nötige Antwort Hier ist eine Antwort unsererseits notwendig. Zwei Tatsachen erleichtern die Ausgangslage: 1. Beide Seiten rufen zu einer Prüfung anhand des Bibelwortes auf. «Wir haben Gottes heiliges Wort Alten und Neuen Testamentes. Wo es sein 'Es-steht-Geschrieben' dem Glauben an die Hand gibt, da ist augenblicklich eine andere Situation gegeben!» (Hubmer). Natürlich wird Martin Luther angeführt: «In Gott ist nichts, was nicht auch in seinem Wort wäre.» Pfr. Dr. G. Bergmann, der in seinem Buch «Was kommt auf uns zu?» in einem Kapitel vor dem «Einbruch von Schwarmgeist» warnt, schreibt in einem persönlichen Brief: «Wir haben doch einfach und schlicht zu fragen: Was ist Sünde? Was ist gegen die Heilige Schrift? Diesen Fragen hat sich alles zu stellen: nicht nur unsere Brüder in den Pfingstgemeinden, sondern ebenso in allen anderen Kreisen. Wir alle müssen uns befragen lassen und uns an der Schrift orientieren. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir uns in diesen Grundlagen und in der gemeinsamen Verpflichtung, alle Aussagen an der Schrift zu überprüfen, völlig eins sind.» Jawohl, völlig eins! 2. Es gibt kein grundsätzlich verschiedenes Bibelverständnis. Auf beiden Seiten gilt das biblizistische Bibelverständnis, beidseits gilt Luthers: «Das Wort sie sollen lassen stahn!» Hier muss allerdings beigefügt werden, dass die Berufung auf die eigene Biblizität subjektiver Erkenntnis unterliegt. In seiner interessanten Auseinandersetzung «Zur Kritik an den Geistesgaben» schreibt Robert Rüegg: «Vom frühen Mittelalter an bis zum Pietismus und weiterhin sah man in der Bibel hauptsächlich den Vater als Schöpfer und Herrscher, zu wenig den erlösenden Sohn und besonders den leitenden wie er-


neuernden Geist. Darum gibt es heute nicht bloß eine neu-rationalistische Theologie, sondern gerade diese Gemeinschaftskreise huldigen weitgehend einem rationalistischen Biblizismus. Darunter verstehe ich eine Bibeltreue, die aus dem Wort einen papierenen Papst macht, ein möglichst unwandelbares System, das bei näherem Zusehen dem verstandesgläubigen Menschenbild und der kirchlichen Gewohnheit viel zu stark unterliegt.» So gesehen ist unübersehbar: Würden die Kritiker nicht nur laut nach dem Bibelwort rufen, sondern sich auch konsequent danach richten, würde sich in ihrem Dienst und in ihren Kirchen manches gründlich ändern! Vorerst ist aber noch eine weitere Frage zu beantworten: 3. Ist die Verteidigung der Pfingstbewegung überhaupt nötig? Manche empfinden solche Auseinandersetzungen als hässliches Theologengezänk. Warum hat es denn die Pfingstbewegung überhaupt nötig, sich zur Wehr zu setzen? Dieses Empfinden ist erstaunlich. Ist es denn gleichgültig, wenn der Leib Christi dermaßen zerrissen wird, indem ein Teil als dämonisch deklariert wird? Sicher, wir selber brauchen diese Verteidigung nicht. Wenn wir unsere Jugend über die «Berliner Erklärung» orientieren, ernten wir ungläubige Heiterkeit. Es geht nicht um unsere Bewegung, aber es geht um den Gesamtleib Christi! Wohl ist es wahr: Liest man die neuerlichen Anti-Pfingstschriften, bekommt man den Eindruck, dass eine Einigung unmöglich sei. Am liebsten würde man dann einfach seinen Weg gehen. Und doch weigern wir uns zu glauben, dass auf der andern Seite nicht auch viele Geschwister sind, die aufrichtig nach der Wahrheit in dieser bitteren Auseinandersetzung fragen. Ihnen rufen wir zu, wie sehr wir unter dieser entsetzlichen Spaltung leiden! Darum: Wenn die «Bekenntnisbewegung» aufruft, ihr biblisch völlig unhaltbares Pamphlet «Prüfet die Geister» zu verteilen, dann rufen wir auf, unsere Stellungnahme im Dutzend zu verteilen, denn ein Wort der Klärung unsererseits ist deshalb bitter nötig, weil auf der anderen Seite Brüder sind! Zum andern: Es geht nicht um die Pfingstbewegung, es geht um biblische Wahrheiten, die zur gesunden Entfaltung des Lebens der Gemeinde nötig sind. Wie können wir schweigend zusehen, wie diese Wahrheiten verdächtigt, ja gar als «von unten» bezeichnet werden! Hier ist unser biblisches Zeugnis, aber auch das Zeugnis unserer Erfahrung eine absolute Notwendigkeit! 1.3. Schwarmgeist - kein biblischer ... Im Kampf gegen Schwarmgeist und Pfingstbewegung erschallt nun der Kampfruf: Das Wort sie sollen lassen stahn! Das Lutherwort wird für Titel verwendet; oder man sagt das gleiche in anderen Worten, wie z. B. «Klare Erkenntnisse des Wortes Gottes». Pfarrer Rud. Bäumer formuliert für die «Bekenntnisbewegung»: «Der Heilige Geist tut nichts gegen die offenbarung Jesu und darum auch nichts gegen die Heilige Schrift. Er tut aber auch nichts gegen die offenbarung Jesu und darum auch nichts ohne die Heilige Schrift, wie die Schwärmer meinten und meinen! Darum müssen wir unter allen Umständen in den entsetzlichen Verwirrungen der Christenheit auf die Schrift hören ...» Das alles hört sich ausgezeichnet an. Bescheidener wird die Sache, wenn man merkt, dass hier Heilige Schrift und eigene Erkenntnisse bedenkenlos und unbescheiden gleichgestellt werden. Die Heilige Schrift ist so, wie wir sie verstehen. Dermaßen daran gewöhnt, sich als die wahren Sachwalter Gottes zu verstehen, entschlüpfen ihnen Gegenüberstellungen wie folgende sehr leicht, noch in Kapitelüberschriften: «Geistestaufe in schwärmerischer Weise - Geistestaufe nach dem Zeugnis der Bibel» (letzteres soll heißen: so, wie wir sie sehen); «Nichtbiblisches Zungenreden (der Pfingstler) - biblisches Zungenreden (soll heißen: so, wie wir es verstehen, wenn wir es auch nicht haben)». Natürlich dürfen wir nun erwarten, dass der Kampf, wenn schon, dann biblisch ausgetragen wird. Wir müssen aber feststellen: Die Schlagworte, die man nun seit siebzig Jahren gegen die Pfingstbewegung schleudert, kommen in der Bibel nicht einmal vor! Lesen Sie die Bibel von Mose bis offenbarung: Sie finden «Schwärmerei», «Schwarmgeist» nicht ein einziges Mal! überhaupt nicht! Man tut so, als kämpfte man mit dem Schwert des Geistes, bei näherem Hinsehen sind es Holzklingen. Auch «Nebelgeister», «Pfingstgeister», «Zungengeister», «Schwarmgeister» - das alles ist ein Wust hochgepeitschter unbiblischer Begriffe, zu der Versuchung der Endzeit hochstilisiert, die wir aber in der Bibel nicht einmal finden. Tatsache ist vielmehr: Schwärmerei ist nicht ein biblischer, 1.4. ... sondern ein lutherischer Begriff Hier folgt kein Versuch, den Reformator Martin Luther zu beurteilen. Auch wir wissen etwas davon, was wir ihm verdanken. Das macht uns aber nicht blind für seine groben Fehler, die bis heute ihre tragischen


Nachwirkungen haben. Da erstaunt uns nun, wie unbesehen offensichtlich das «reformatorische Erbe» übernommen wird, wie denn der Ruf nach «dem Glauben der Väter» erstaunlich oft und laut ertönt. «Wir bleiben bei dem Glauben unserer gläubigen Väter» kann z. B. eine Artikelserie in «Der feste Grund» lauten -so heißt sogar eine Schallplatte. Wir verdanken den gläubigen Vätern sicher sehr viel, auch unseren gläubigen Vätern der Pfingstbewegung. Nie und nimmer würden wir uns dafür hergeben, ihr Koordinationsystem über die Bibel zu legen, so sehr wir uns weigern, ein lutherisches Koordinatensystem zu akzeptieren. Das Wort sie sollen lassen stahn! Es zeugt nicht für die Zuverlässigkeit dieser Bibelfesten, dass sie darin ausgerechnet einem Luther folgen, wie er sich in Bernanos Luther-Fragment niedergeschlagen hat: «Den Kopf verloren ist los-geprescht wie ein Ackergaul, der in ein Wespennest tritt, links und rechts Hufschläge austeilend, ist er Hals über Kopf davongestürmt ..» Das ist die Quelle, und nicht das Bibelwort! Hören Sie Luther selbst: «.. . damit wir uns bewahren vor den Enthusiasten, d. h. Geistern, die sich rühmen, ohne oder vor dem Wort den Geist zu haben . Das ist alles der alte Teufel und die alte Schlange, der Adam und Eva auch zu Enthusiasten machte. Der Enthusiasmus steckt in Adam und Eva und ihren Kindern von Anfang bis zum Ende der Welt, von dem alten Drachen in sie gestiftet und gegiftet, und ist alles Ketzerei, auch das Papsttum und Mohammeds Ursprung. Alles, was ohne Wort und Sakrament vom Geist gerühmt wird, das ist der Teufel.» Es ist der Luther, der den geisterfüllten Kaspar Schwenckfeld nicht nur «Stenkfeld», sondern «vom Teufel besessen, ein verdammt Lästermaul» schimpfte, wie er auch Sebastian Franck «als des Teufels eigenes und liebstes Maul» verhöhnte, als «Enthusiast und Geisterer, dem nichts gefällt, denn Geist, Geist, Geist .. .» Walter Nigg sagt in seinem sehr gutmütigen Luther-Bild: «In seinem ungestümen Temperament prägt Luther den Ausdruck 'Schwärmer', mit dem er alles niederschlug, was nur von entfernt in diese Richtung schaute. Luthers Spott ist an den Spiritualisten bis zum heutigen Tag haften geblieben, so dass sich die Christen gar nicht mehr unvoreingenommen mit ihnen beschäftigen. In Luthers Kampf gegen die 'Geisterer' sind Recht und Unrecht seltsam verschlungen. Er überwand auch diesen Feind, aber er nahm dafür Schaden an seiner Seele, indem sich in ihm durch den Kampf mit den 'Schwarmgeistern und Propheten' eine 'Verstauchung' ereignete ... Dermaßen grobschlächtig brach Luther die Fragen der mittelalterlichen Mystik übers Knie, und diese massive Ablehnung wurde leider von vielen Professoren und Pastoren des Protestantismus nur allzu bereitwillig übernommen.» Allerdings! Statt mit Bernanos auszurufen: «O Wut, o Bestürzung, o herzzerreißendes Missgeschick . ..» werden diese zwar lutherischen, aber völlig unbiblischen Schlagwörter von Biblizisten unserer Tage noch immer hochgespielt. Einmal mehr: Es geht hier nicht um eine Verteidigung der Pfingstbewegung. Sie hat sie nicht nötig. Es geht vielmehr darum, vielen Geschwistern, die sich noch immer durch solche Irreführungen verunsichern lassen, zuzurufen: Haltet euch an das Bibelwort: «Ihr werdet mit Heiligem Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen ... Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist über euch kommt, und werdet meine Zeugen sein! -Und sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und fingen an, in anderen Zungen zu reden, wie der Geist ihnen auszusprechen gab. - Petrus aber sagte zu ihnen: Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und allen in der Ferne, so viele der Herr, unser Gott, herzuruft!» (zitiert aus Apg. 1 und 2)

2. Biblische Prüfsteine

2.1. Prüfet die Geister Die blanke Angst könnte einem in die Glieder fahren, wenn man all die Schriften liest, die angesichts des anrückenden Schwarmgeistes Generalalarm auslösen. Erich Lubahn sieht die Gläubigen in beständiger akuter Gefahr der Verführung. Tausenderlei Weisen und Methoden habe der Teufel. Lügengeister versuchten gerade die eifrigen Gläubigen. Böse Geister mischten gerne biblische Lehren mit menschlichen Erwägungen. Einmal komme der Teufel mit Überraschungsangriffen, ein andermal mit Hilfe langer Vorbereitungen. Pfr. Bäumer übersieht das Gebälk im kirchlichen Auge offensichtlich sehr großherzig; ihn schmerzt der Splitter im Auge anderer. Er sieht die Gefahr (bei andern) gerade in «den geringsten Anfängen des Abrutschens in eine von der Heiligen Schrift gelöste Schwärmerei.» Im weiteren kann er schreiben: «Schon und gerade der erste kleine, bedeutungslos erscheinende Schritt ist der gefährlichste. Der Teufel verkleidet sich als ein Engel des Lichts. Tarnung und Betrug, 'groß List' sind seine schlimmsten Waffen!» Prof. Beyerhaus warnt vor «Leuten, die durch Körperberührungen ein besonderes geistliches Erlebnis vermitteln wollten, in Wirklichkeit aber einen dämonischen Geist weitergeben». Auch Dr. Bergmann weiß: «Die Wand zwischen Psychischem (Seelischem) und Dämonischem ist in nicht wenigen Fällen hauchdünn ... Wir lesen in der Heiligen Schrift: 'Verflucht sei, wer ein Jota hinzutut oder abtut.'» Auch von Eicken sieht «den Feind sofort auf dem


Plan, wenn Gottes Geist wirkt. Der Feind verhüllt dabei den Blick für die Erkenntnis letzter dämonischer Tiefen, die sich tarnen als Engel des Lichtes.» Nach von Eicken ist dieser Sturz in dämonische Fallgruben schließlich eine Strafe Gottes für besonders Eifrige, denn «Gott lässt uns nicht ungestraft, wenn wir ihn auf allerlei Weise nötigen wollen». Also: «Den Teufel spürt das Völklein nie, und wenn er sie beim Kragen hätte.» - das gilt gerade im besonderen dem gläubigen Völklein. Der laute Ruf: «Prüfet die Geister!» ist deshalb verständlich.


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