Issuu on Google+


1 Rudi Pinke DIE ZEICHEN DER ZEIT ERKENNEN


2

DIE ZEICHEN DER ZEIT ERKENNEN


3 Rudi Pinke

DIE ZEICHEN DER ZEIT ERKENNEN UND ERMUTIGUNG ERFAHREN


4

DIE ZEICHEN DER ZEIT ERKENNEN

Copyright © 2005 by Asaph Verlag, D-Lüdenscheid 1. Auflage 2005 Als Bibelübersetzung wurde, soweit nicht anders vermerkt, die Revidierte Elberfelder Übersetzung von 1996, ©1985 R. Brockhaus Verlag Wuppertal und Zürich, verwendet. Umschlaggestaltung: JOUSSENKARLICZEK, D-Uhingen Satz/DTP: Jens Wirth/ASAPH, D-Lüdenscheid Druck: Breklumer Druckerei M. Siegel, D-Breklum Printed in the EU ISBN 3-935703-53-8 Bestellnummer 147353 Für kostenlose Informationen über unser umfangreiches Lieferprogramm an christlicher Literatur, Musik und vielem mehr wenden Sie sich bitte an: ASAPH D-58478 Lüdenscheid E-Mail: asaph@asaph.net www.asaph.net


5

INHALT Vorwort ................................................................................. 7 Einleitung .............................................................................. 9 Zeichen definiert: Wetterleuchten .................................................................... 15 Jesus und Zeichen: Werben um Wahrheit........................................................... 23 Jesu Gegner und Zeichen: Wunschdenken und Widerrede ........................................... 31 Jesu Freunde und Zeichen: Wissen, was läuft ................................................................ 43 Zeichen des Jona: Weigerung und Willigkeit ................................................... 49 Zeichen der Zeiten: Wetter, Wehen, Weitblick .................................................... 55 Zeichen unserer Zeit: Wachsam fßr die Ewigkeit .................................................. 65 Schlussgedanken ............................................................... 109


6

DIE ZEICHEN DER ZEIT ERKENNEN


7

VORWORT Die geistlich wichtigen „Zeichen der Zeiten“ sind erkennbar. Sie verlassen ihre embryonale Form vergangener Jahre. Trends zeigen deutlicher als zuvor in die von biblischer Prophetie angekündigte Richtung. Das Tempo der Wandlung nimmt zu. Besonders heftig vibriert der Zeiger der Uhr im Nahen Osten. Gerade auch geistlich empfindsame Menschen merken, dass sich die Dinge heute in nie dagewesener Weise zu beschleunigen scheinen. Die Welt sucht ihre Position für den Endkampf um Jerusalem, der Stadt Gottes. Neuartige politische und militärische Allianzen entstehen. In Jerusalem erst wird das Maß des Bösen voll werden. Nicht irgendwo sonst auf der Welt. In Jerusalem fällt die Entscheidung. Christus wird dem Bösen dort ein Ende setzen. Er und niemand sonst ist das eigentliche „Zeichen unserer Zeit”. Und an ihm scheiden sich immer noch die Geister. Terror und Naturkatastrophen sind außer Kontrolle, wie es scheint. Und doch folgt alles der Choreographie Gottes! So merkwürdig sich das anhört, angesichts einer Welt, die aus den Fugen gerät. Alles strebt auf ein Ziel zu und wir können das leicht herausfinden. Jesus hat uns früh genug gesagt, dass diese Dinge passieren, damit wir sicher sind, dass Gott jetzt und zukünftig alles unter Kontrolle hat. Ich finde, eine genauere Beobachtung von Zeichen auf unserem Weg in die Zukunft ist dringend angesagt. Wir brauchen eine neue Lust, den „göttlich-biblischen Faktor“ im Weltszenario zu entdecken und zu verstehen, damit wir nicht wirklich überrascht werden. Denn die prophetischen Aussagen der Schrift sagen deutlich, dass Jesus plötzlich und unerwartet wiederkommen wird, um seine Gemeinde, seine Braut zu sich zu nehmen. „Er wird kommen wie ein Dieb in der Nacht“ (1. Thes. 5,2).


8

DIE ZEICHEN DER ZEIT ERKENNEN

Untrüglich wird Christus ein zweites Mal kommen, um die Ungläubigen zu richten. Bevor das geschieht, werden eine Menge Zeichen wie funkelnde Sterne vom glühenden Zorn und von der zärtlichen Liebe unseres Gottes künden, uns anzeigen, wo unsere Reise hingeht (Lk. 21,25-27). Nach meiner festen Überzeugung sind epochale Zeichen allgegenwärtig. Sie dienen dazu, die Gläubigen zu stärken und noch fester an Jesus zu binden. Für die Ungläubigen sind sie ein Appell, sich unbedingt und umgehend Gott zuzuwenden. „Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe“ (Lk. 21,28). Ich wünsche mir, dass die Informationen dieses Büchleins dazu beitragen, das Interesse an biblischer Prophetie neu zu wecken und den aufmerksamen Leser so zu ermutigen, wie ich beim Schreiben ermutigt wurde. Wegen des Formats dieser Arbeit und meines eigenen „selektiven“ Blicks ist Vollständigkeit weder möglich noch gewollt. Rudi Pinke


9

EINLEITUNG Im biblischen Gesamtkonzept spielt Prophetie eine große Rolle. Viele Verheißungen haben sich schon erfüllt. Eine große Anzahl prophetischer Aussagen bezieht sich indes gerade auf unsere Zeit und wartet noch auf ihre Erfüllung. Prophetie sagt u. a. bestimmte Ereignisse und Entwicklungen voraus. Jemand hat ausgerechnet, dass etwa 165.000 Worte vorhersagender Prophetie in der Bibel stehen. Das entspricht zwei Dritteln des ganzen neutestamentlichen Textes.

Gebot der Stunde: Prophetie ernst nehmen Viele Leser wird es überraschen, dass es mehr prophetisches Material in den Evangelien von Matthäus, Markus und Lukas gibt als im ganzen Buch der Offenbarung. Kein Wunder, dass wir ermahnt werden, uns zu unserer eigenen Sicherheit damit zu beschäftigen: Und so besitzen wir das prophetische Wort umso fester, und ihr tut gut, darauf zu achten als auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in euren Herzen aufgeht, indem ihr dies zuerst wisst, dass keine Weissagung der Schrift aus eigener Deutung geschieht. Denn niemals wurde eine Weissagung durch den Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern von Gott her redeten Menschen, getrieben vom Heiligen Geist (2. Petrus 1,19-21).

Warum ist Prophetie heute noch wichtig? Der gehorsame (prophetische) Nachfolger Jesu studiert das prophetische Wort, um den richtigen (geistlichen) Weg durch die Wüste des gegenwärtigen Zeitalters zu finden und um das


10

DIE ZEICHEN DER ZEIT ERKENNEN

Ziel des Reiches Gottes klar vor Augen zu haben. Nicht im Sinne von: „Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist ‚rot‘ oder ‚viereckig‘ oder ‚kommt bald‘.“ Prophetie in der Bibel hat nichts Spekulatives, sondern sie verbindet ganz einfach die Zeiten miteinander.

Gottes Position macht Prophetie notwendig Gott steht außerhalb von Zeit und Raum – im Gegensatz zu uns Menschen. Deshalb brauchen wir die prophetische Verbindung der Zeiten und Räume, damit wir Zusammenhänge verstehen und wissen, was Gott will und tut. Das bedeutet: Manchmal kennen wir den Zeitpunkt der Erfüllung einer Prophetie genau, wie z. B. der greise Simeon im Tempel von Jerusalem (Lk. 2,26-30). Die Zeit der Erfüllung einer Prophetie kann aber auch aus der Sicht von uns Menschen noch unsicher sein, wie etwa die Wiederkunft Jesu. Und das, obwohl Gott bereits alles genau festgelegt hat. Goldene Regel Es kann eine mehrfache Erfüllung einer einzigen prophetischen Aussage geben. So wurde die Rückkehr der Israeliten aus dem babylonischem Exil und die Rückkehr der Juden aus den Nationen zu unserer Zeit in einer einzigen prophetischen Aussage angekündigt (z. B. Hes. 39,28). Auch einige Prophetien des Daniel wurden schon in der Vergangenheit erfüllt, die vollständige Erfüllung indes steht noch aus (Dan. 9,26-27; 11,21-35). Dennoch ist Prophetie so angelegt, dass wir sie verstehen und damit etwas Nützliches anfangen können: Wir wissen, was los ist. Das hat mit elitärer Geheimniskrämerei nichts zu tun. Wie ist das zu verstehen? Wir müssen uns das so vorstellen, als wenn wir in einiger Entfernung eine Bergspitze sehen. Nur wenn wir uns in die


EINLEITUNG

11

richtige Position bringen, können wir eine zweite Bergspitze sehen, die in noch weiterer Entfernung hinter der ersten liegt. Und das Tal, das sich zwischen den beiden Berggipfeln befindet, das sehen wir schon gar nicht, selbst wenn es sehr weit ist. So ist das auch mit den Prophetien, die eine mehrfache Erfüllung zu unterschiedlichen Zeiten ankündigen. Entweder wir bringen uns in die richtige Position – oder wir sehen nur Teile des Panoramas.

Auch das ist wichtig In den biblischen Texten setzt sich das prophetische Wort zusammen aus den Lehren Jesu und der Apostel über die letzten Dinge dieser Zeit und aus den prophetischen Aussagen des AT. Manche prophetische Aussage entdeckt man erst beim zweiten Hinsehen, wie die Sache mit dem Feigenbaum, der – für jeden Bibelkenner unbezweifelbar – das Volk Israel meint (Mt. 24,32). Informieren und kommunizieren Das bedeutet für uns zweierlei. Prophetische Information meint gleichzeitig auch prophetische Verantwortung: einerseits offen zu sein für diesen wichtigen Teil der Schrift und andererseits „richtig“ damit umzugehen und nicht zu spekulieren. Motto: Null Toleranz für Fantastereien. Daneben besteht der zentrale Inhalt der Prophetie immer aus dem Hinweis auf und dem Zeugnis von Jesus. Und ich fiel zu seinen Füßen nieder, ihn anzubeten. Und er spricht zu mir: Siehe zu, tu es nicht! Ich bin dein Mitknecht und der deiner Brüder, die das Zeugnis Jesu haben. Bete Gott an! Denn das Zeugnis Jesu ist der Geist der Prophetie (Offenbarung 19,10).


12

DIE ZEICHEN DER ZEIT ERKENNEN

Zeichenhafte Ereignisse In einem der wichtigsten prophetischen Kapitel der Bibel, Matthäus 24, fragen die Jünger Jesus nach einem prophetischen Zeichen für seine Wiederkunft und die Vollendung des Zeitalters. Sie fragen, ob das „mit Ansage“ passiert, ob vorher also menschlich verständliche, ankündigende Zeichen geschehen werden – Ankündigungen, Uhrzeiger, Signale, eben Zeichen, Sinneswahrnehmungen, die das Offenbarungswissen der Bibel begleiten oder ihm vorausgehen und es bestätigen. Jesus nennt Zeichen Und Jesus legt seinen Jüngern bereitwillig die angefragten Zeichen vor. Zeichen als Vorboten, Hinweise auf Entwicklungen und Ereignisse, die später eintreffen. Merke: Die Jünger Jesu hatten zu diesem Zeitpunkt den Heiligen Geist noch nicht empfangen. Deshalb war das Verständnis geistlicher Zusammenhänge für sie nicht immer ganz leicht. Die Jünger wussten nicht, was wir wissen Und: Jesus spricht zu ihnen als Juden und nicht als Vertreter der Gemeinde, denn die gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Auch das hat Bedeutung. Schließlich hatten sie auch nicht das Panorama verfügbar, das wir 2000 Jahre später überblicken. Wir haben den Geist, die Gemeinde, das Panorama der Bibel, die fortlaufende Offenbarung, die erfüllten Prophetien, um die Zeichen zu erkennen und einzuordnen. Das sollte in uns eine himmlische Lust anfachen, noch besser informiert zu sein. Zeichen erkennen Als am zweiten Weihnachtstag 2004 eine gewaltige Todeswelle viele südasiatische Küstenregionen zerstörte, fragten etliche Menschen, ob das ein prophetisches Zeichen sei, ein Signal für bevorstehende endzeitliche Katastrophen, eine Warnung Gottes


EINLEITUNG

13

– oder gar göttliches Gericht. Viele Christen waren unsicher und kamen in akuten Erklärungsnotstand. Fragen nach der prophetischen Bedeutung der Vorgänge blieben indes bis heute weitgehend unbeantwortet.

Fragen, Fragen … Die Antwort von Kirchen und Kanzeln ließ viel Platz für Spekulationen. Und das ist eben nicht „richtig“. Frage: Wie gehen Christen – im Geist, in der Gemeinde und im Besitz des biblischen Panoramas – mit so einem Ereignis um? Sollen wir das alles schulterzuckend beiseite schieben? Geht uns das wirklich etwas an? Sollen wir mit der Welt zusammen Unwissenheit „kultivieren“? Wenn nein, kann man vielleicht doch irgendwelche bedeutsamen Erkenntnisse gewinnen? Viele Fragen in einer unübersichtlichen Zeit. … an Gott und sein Wort Mit solchen Fragen wollen wir uns nachfolgend beschäftigen. Nicht mit wissenschaftlicher Tiefe oder sorgfältiger Gegenüberstellung unterschiedlicher theologischer Standpunkte und Lehrmeinungen zu Detailfragen, sondern mit der Absicht, auf der Grundlage einfacher biblischer Fakten und aktuell gültiger Zeichen den Leser zu ermutigen. Denn bei aller berechtigter Sprachlosigkeit leben wir immerhin noch in der Zeit der Gnade. Und Gottes Gnade ist es, die uns Einblick gewährt in sein Denken und Handeln. Denn der Herr, HERR, tut nichts, es sei denn, dass er sein Geheimnis seinen Knechten, den Propheten, enthüllt hat. Der Löwe hat gebrüllt, wer fürchtet sich da nicht? Der Herr, HERR, hat geredet, wer weissagt da nicht (Amos 3,7-8)?


14

DIE ZEICHEN DER ZEIT ERKENNEN

Priesterlich zwischen Gott und der ratlosen Welt Wir leben in einer Zeit, die unvermeidlich prophetischen Charakter hat, weil so viele Prophetien im Wort Gottes noch nicht erfüllt sind. Und vieles heilsgeschichtlich Wichtige passiert direkt vor unseren Augen. Das zu erleben haben sich Generationen vor uns gewünscht. Darum müssen wir selbst prophetisch sein, um unsere Orientierung in einer Zeit des Chaos bewahren zu können. Prophetisch sein heißt: das Offenbarungspotential Gottes ausschöpfen und zur Grundlage des Lebens und der eigenen Entscheidungen machen. Und: einer ratlosen Welt auf der Suche nach neuen Perspektiven helfend zur Seite stehen. Das ist schließlich der Auftrag der Kinder Gottes (Römer 8,19ff). Zeichen statt Lehrmeinungen Es geht uns nicht so sehr darum, Einzelheiten über die Person des Antichristen, die Entrückung der Gemeinde oder die Trübsalszeit herauszufinden, sondern uns mit relevanten Zeichen unserer Zeit zu beschäftigen, die wir leicht sehen, erkennen und im Licht der Bibel bewerten können. Wichtiger Zusatznutzen Außerdem: Wenn wir unsere Zeit und die großen und kleinen Vorkommnisse richtig beurteilen können, dann sind wir weitgehend immun gegen Täuschungen jeder Art. Und das ist es, was Jesus seinen Jüngern in Matthäus 24 im Rahmen seiner Endzeitrede dringend ans Herz legt: wachsam zu sein und sich nicht täuschen zu lassen. Wer sich auskennt, ist besser dran, kann gelassen bleiben und sich freuen. Der Kluge sieht das Unglück und verbirgt sich, die Einfältigen aber gehen weiter und müssen es büßen (Sprüche 22,3).


15

1. ZEICHEN DEFINIERT: WETTERLEUCHTEN Und die Pharisäer und Sadduzäer kamen herbei und um ihn zu versuchen, baten sie ihn, er möge ihnen ein Zeichen aus dem Himmel zeigen. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Wenn es Abend geworden ist, so sagt ihr: Heiteres Wetter, denn der Himmel ist feuerrot; und frühmorgens: Heute stürmisches Wetter, denn der Himmel ist feuerrot und trübe. Das Aussehen des Himmels wisst ihr zwar zu beurteilen, aber die Zeichen der Zeiten könnt ihr nicht beurteilen. Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht verlangt nach einem Zeichen, und kein Zeichen wird ihm gegeben werden als nur das Zeichen Jonas. Und er verließ sie und ging weg (Matthäus 16,1-4).

Zeichen mit geistlicher Absicht I Zuerst machen wir uns klar, was die Bibel unter „Zeichen“ versteht. Für Zeichen steht im NT das griechische Wort semeion, was zumeist mit „Zeichen mit gewollt geistlicher Tragweite“ übertragen werden kann. Gemeint ist ein staunenswertes Zeichen, das über sich hinaus auf etwas Größeres verweist, ein Art Fingerzeig Gottes. Als am ersten Pfingstfest an den Jüngern Unerklärliches sichtbar wurde, erklärte Petrus diese Dinge als Zeichen für die Anwesenheit des Heiligen Geistes. Zeichen mit geistlicher Absicht II Das Zeichen selbst ist nicht das an sich Wertvolle. Vielmehr wird der Verursacher/Täter des Zeichens als von Gott kommend und von ihm beauftragt ausgewiesen. Im Pfingstbeispiel ist der Verursacher des Zeichens der Heilige Geist.


16

DIE ZEICHEN DER ZEIT ERKENNEN

Zeichen mit geistlicher Absicht III Gottes Macht und Vollmacht wird in der Person des Überbringers beglaubigt. In unserem Beispiel predigt Petrus in der Kraft des Heiligen Geistes und dreitausend bekehren sich. Ein wunderbares Zeichen. Petrus ist der Verursacher, von Gott beauftragt. Oder denken wir an Jesus, der auf der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandelte: ein Zeichen. Nie war Gottes Ausweis der Kraft stärker auf einem Menschen als auf Jesus. In seiner Zeit war er das wichtigste Zeichen von Gott. Und er bleibt es für alle Zeiten (Joh. 2,11;23). Auch für unsere Zeit. Zeichen sind keine Beweise Jesu Wunder sind zwar keine wissenschaftlichen Beweise seiner göttlichen Sendung, aber doch sichere Hinweise darauf. Es ist also grundsätzlich nicht falsch, dass die Religiösen Israels nach einem Zeichen fragen. Aber es ist unanständig, die Zeichen, die Jesus schon tut, nicht als solche anzuerkennen. Zeichen sind so gut wie Beweise Die Pharisäer verwechseln Zeichen mit Beweis. Sie wollen eigentlich einen Beweis seiner Messianität. Jesus hingegen tat Wunder, um ihnen Zeichen, Hinweise zu geben, aber nicht, um eine Beweisführung über sich und seine Göttlichkeit anzutreten. Das geforderte beweisende Zeichen erhalten sie nicht. Ein reines, gottesfürchtiges Herz kann aber mit dem gegebenen Zeichen etwas anfangen. Wir selbst sind ein Zeichen Semeion sind auch Zeichen, die die Christen als Gesandte Jesu ausweisen. Jeder ganz normale Christ ist ein Zeichen für Jesus und den Erlösungsplan Gottes, wenn er der Welt bezeugt, was er im Herzen über Gott glaubt. Denken wir auch an große Heilungsprediger oder Evangelisten, wo dieser zeichenhafte


WETTERLEUCHTEN

17

Vorgang besonders deutlich wird. Aber eigentlich sollten wir alle dieses Zeichen für Christus sein (Mk. 16,17-20).

Bedeutungsvolles Zeichen Ein semeion kann aber auch ein Hinweis im normalen Sinn sein, wenn irgendein Geschehen, eine Handlung, eine Entwicklung (Trend), eine Erscheinung oder eine Abbildung ein Zeichen für etwas „anderes“ ist. Beispiel: Der „normale“ Kuss des Judas war zunächst Teil der orientalischen Begrüßungszeremonie, dann aber das vereinbarte Zeichen für die Angreifer, Jesus gefangen zu nehmen. Die Beschneidung ist zunächst die Entfernung der Vorhaut am männlichen Glied, dann aber das Zeichen für die Beziehung zwischen Gott und seinem Bundesvolk Israel (Mt. 24,3.24.30; 26,48; Röm. 4,11). Verkehrszeichen Zeichen kann man auch als Hinweis, Signal, Sinnbild oder Symbol definieren, das etwas ankündigt oder verkündigt, was schon da ist oder bald kommt. Denken wir an den Straßenverkehr. Hier geben bestimmte Zeichen bestimmte Informationen. Sie zeigen uns an, wo wir uns gerade befinden, und warnen uns vor möglichen Gefahren. Bevor wir unseren Führerschein bekommen, müssen wir die Bedeutung dieser Zeichen gelernt haben. Zeichentraining Wird ein Fußgängerübergang, eine scharfe Rechtskurve oder ein Wildwechsel angekündigt, wissen wir, was wir zu tun haben. Wenn wir das Ortsschild mit dem Namen der Ortschaft sehen, wird uns bewusst, dass wir das heiße Röhren unseres Motors auf schlappe 50 Stundenkilometer herunterdrosseln müssen und mit anderen Verkehrsverhältnissen und Teilnehmern rechnen müssen als auf der Landstraße oder der Autobahn.


18

DIE ZEICHEN DER ZEIT ERKENNEN

Zeichen läuten die letzte Runde ein Dasselbe gilt für prophetische Zeichen, die unsere Aufmerksamkeit auf sich lenken. Zeichen sind dazu da, uns ein Gesamtbild, eine Situation oder einen Ausschnitt davon zu zeigen, sie können uns aber nicht alles bis ins kleinste Detail erklären. Was wir bekommen, sind Einblicke, Informationen, Hinweise, die wir verwerten können. Beim 5000-m-Lauf läutet die Glocke die letzte Runde ein, was so viel heißt wie: Das ist dein Signal, dein Zeichen. Jetzt kannst du alles geben, was in dir steckt, jetzt fällt die Entscheidung über Sieg und Niederlage. Besondere Taten weisen auf Gott hin Ähnlich werden Machttaten, herrliche Taten, verwunderliche Taten, Großtaten, seltsame Taten und erschreckende Taten im NT erwähnt, oft als „Zeichen und Wunder“ übersetzt und in den Bereich von „gottgegebenen Zeichen“ gerückt. An ihnen berauschen sich letztlich die Hoffnungen der Menschheit. Wie ein Dieb in der Nacht oder doch „Zeichen“? Auf der einen Seite sagt uns die Bibel, dass Jesus plötzlich und unerwartet, „wie ein Dieb in der Nacht“, kommen wird, also ohne ein ankündigendes Zeichen. Was aber die Zeiten und Zeitpunkte betrifft, Brüder, so habt ihr nicht nötig, dass euch geschrieben wird. Denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn so kommt wie ein Dieb in der Nacht (1. Thessalonicher 5,1-2). Auf der anderen Seite werden jede Menge Zeichen im weiteren Vorfeld des Ereignisses die „Söhne und Töchter des Lichts“ so eindrucksvoll auf Jesus hinweisen und auf sein Kommen vorbereiten, dass niemand sagen kann, er habe von nichts eine Ahnung gehabt.


WETTERLEUCHTEN

19

Und es werden Zeichen sein an Sonne und Mond und Sternen und auf der Erde Angst der Nationen in Ratlosigkeit bei brausendem und wogendem Meer, während die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen, denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in einer Wolke mit Macht und großer Herrlichkeit. Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht (Lukas 21,25-28).

Was lehrt die Bibel noch über Zeichen? Das AT kennt verschiedene Arten von Zeichen, die auf etwas hinweisen oder an etwas erinnern. In 1. Mose 1,14 sind Sonne, Mond und Sterne als Zeichen zur Bestimmung der Zeit, von Tagen und Jahren, erwähnt. Manche Zeichen führen zur Erkenntnis der Größe Gottes, z. B. die Wunder, die er im Zusammenhang mit der Befreiung Israels aus Ägypten getan hat. Oder die er vor unseren Augen mit der Befreiung der Juden aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion tut. Zeichen: Glauben an Gott Daneben wollen sie ganz allgemein zum Glauben an Gott führen und vor Unglauben warnen. In Jesaja 7,11 fordert Gott Ahas, den König von Juda, sogar auf, ein Zeichen von ihm zu verlangen. Als der sich nicht traut, verkündet Gott in Vers 14 die Geburt Jesu Christi als sicheres Zeichen. In Jesaja 8,18 erklärt der Prophet, dass er selbst ein Zeichen geworden ist von Gott und für Gott. Zeichen: Gottes Hilfe für Einzelne und Gruppen Zeichen bestätigen auch die Berufung Gottes für einen Menschen wie bei Mose oder Gideon. Das Kainszeichen stellt Kain


20

DIE ZEICHEN DER ZEIT ERKENNEN

unter den Schutz Gottes. Auch das Blut an den Türpfosten der Israeliten vor ihrem Auszug aus Ägypten war ein Zeichen und machte sie für den Todesengel unantastbar. Als Bundeszeichen zwischen Gott und Menschen gelten der Regenbogen, die Beschneidung, der Sabbat.

Zeichen zum Guten Psalm 86,17 spricht von einem Zeichen zum Guten, einem göttlichen Zeichen der Hilfe und des Trostes für David, das auch seine Feinde sehen können. Zeichen aller Zeichen: Jesus Das wichtigste Zeichen indes bezieht sich im AT und NT auf Jesus (Jes. 7,14, Mt. 12,38ff) – sei es, dass er selbst das Zeichen ist, sei es, dass er Zeichen wirkt (Lk. 2,34, Joh. 4,54; 20,30). Auch das Zeichen des Jona, das Jesus den Pharisäern verspricht, ist letztlich ein Hinweis auf ihn selbst, Jesus. Schließlich wird noch darauf hingewiesen, dass auch Dämonen Zeichen wirken (Offb. 16,14). Zeichen: Teil des Evangeliums Zusammengefasst: Im NT-Kontext gibt es Zeichen als Erkennungszeichen und Hinweise mit unterschiedlicher Bedeutung. Für uns sind die Zeichen besonders wichtig, die zum Offenbarungshandeln Gottes gehören und Glauben wecken oder bestätigen, die auf Gott hinweisen. Und schließlich „Zeichen der Zeiten“ (Mt. 16,3), geschichtliche Ereignisse und Entwicklungen (Trends), die auf das heilsgeschichtliche, fortschreitende Handeln Gottes hinlenken. Mit Hilfe von Zeichen sollen nicht nur Erkenntnisse vermittelt werden, sondern sie sollen zu bestimmten positiven Verhaltensweisen hinführen. Das hat generell eine Steigerung der Lebensqualität zur Folge.


WETTERLEUCHTEN

21

Und das ermutigt dich, lieber Leser Wenn du lernst, mit „Zeichen“ in ihrer biblischen Funktion umzugehen, wirst du Freude und Zuversicht empfinden. Übung Lies ein Kapitel oder ein Buch in der Bibel unter dem Aspekt, dort Zeichen der hier besprochenen Art zu entdecken.


147353