der Hölle auf. Dennoch vergibt sie nach dem Genozid den schuldigen Milizen öffentlich, so dass eine Frau ausruft: «Oh, Denise, vergib uns wie Jesus Christus am Kreuz!» Nach dem Völkermord hat sie nur ein Ziel: Sie will überlebende Witwen und Waisen aus ihrer tiefen Traurigkeit und Traumatisierung, aus Armut und Einsamkeit herausholen. Heute arbeitet sie mit ihrem zweiten Mann, dem Theologen Dr. Wolfgang Reinhardt, von Deutschland aus für die Opfer des Genozids und unterstützt viele Selbsthilfeprojekte in Ruanda. Ihre Mission: Liebe, Frieden, Aufarbeitung, Neuanfang. Johannes Pfründer, der Co-Autor dieses Buches, wurde 1951 in Ludwigsburg bei Stuttgart geboren. Mitte der Achtzigerjahre studierte er Theologie in Basel. Danach lebte er mit seiner Familie als theologischer Lehrer viele Jahre in Südamerika. Dort
Im grausamsten Völkermord nach dem Zweiten Weltkrieg sterben in Ruanda 1994 über eine Million der damals so genannten Tutsi, hinweggerafft von aufgestachelten Hutu. Gesteuert vom damaligen Regime Ruandas, sollen die Milizen die Minderheit der Tutsi radikal ausrotten. Mittendrin im apokalyptischen Sterben ist Denise Uwimana. Ihr Mann und große Teile ihrer Familie werden ermordet. Denise aber überlebt. Ihr wird bewusst, dass sie gnädig bewahrt wurde und eine neue Lebensaufgabe hat: Sie soll anderen Mut machen, trotz Leid und Verzweiflung an Gott zu glauben. Sie vergibt den Tätern des Genozids öffentlich und hilft seitdem überlebenden Witwen und Waisen aller Volks-
begann er seine schriftstellerische Tätigkeit. Seit 2006 lebt und arbeitet er in Wetzlar, Mittelhessen. Er ist Leiter der West-Europa-Mission.
I S B N 978-3-7655-1552-1
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783765 515521
www.brunnen-verlag.com
mit Johannes Pfründer und Wolfgang Reinhardt
Denise Uwimana-Reinhardt verlor 1994 ihren Mann Charles und viele Familienmitglieder im ruandischen Völkermord, überlebte aber wundersam mit drei Kindern. Seither erzählt sie in vielen Ländern von ihren Erfahrungen mit Gott und arbeitet als Sozialarbeiterin und Seelsorge-
Mit Gott in der Hölle des ruandischen Völkermords Sie war, was man eine Tutsi nannte.
gruppen, das Trauma zu überwinden.
BRUNNEN
Vor Denise Uwimana tut sich 1994 der Abgrund
mit Johannes Pfründer und Wolfgang Reinhardt
heißt ihre Antwort: Liebe!
Mit Gott in der Hölle des ruandischen Völkermords
Nach dem Trauma
Denise Uwimana-Reinhardt
Denise Uwimana-Reinhardt
Denise Uwimana-Reinhardt
Und sie war eine Christin. Mitten im Inferno wurde sie wundersam bewahrt. Mit gutem Grund: Auf sie wartete ein Auftrag der Liebe …
BRUNNEN
rin für die Überlebenden. Seit 2008 wohnt sie in Deutschland und hilft von dort aus den traumatisierten Opfern in Ruanda, gemeinsam mit ihrem Mann Dr. Wolfgang Reinhardt. Der frühere Gemeindepfarrer und Dozent koordiniert seit 1997 Hilfe und Partnerschaft mit Überlebenden des Genozids. Sein zweiter Schwerpunkt ist die Erforschung von neueren Erweckungsbewegungen.
Denise Uwimana-Reinhardt Mit Gott in der Hçlle des ruandischen Vçlkermords
EL AS terial B G a LA es M R t E z N V schüt E N e UN ght-g R i B pyr Co
Widmung Ich widme dieses Buch den Opfern der Genozide in Ruanda und überall in der Welt, meinen lieben Eltern, meiner Schwiegermutter und den Verwandten, meinen drei Sçhnen, die nur durch ein Wunder überlebt haben, sowie vier Waisenkindern und Wolfgang, meinem zweiten Traum-Mann. Danke für deine Liebe und Ermutigung. Sowie meinen lieben Schwestern, Brüdern und Kindern bei «Iriba Shalom». EL
l S BA ateria G M Schalom! LA ER ütztes V N h NE -gesc N t U BR yrigh p Co In Erinnerung …
… besonders an meinen lieben ersten Mann, Charles: Ich werde dich im Himmel treffen, ebenso wie die liebe Tante Priscille, die Großeltern Ephraim und Damaris, Großonkel Seka Heka und Sefuku, die Cousinen ThØr se, Aline und Cousin Manasse. … an die Freunde Viateur, Oscar, ConsolØe und an dich, lieber Onkel Josias, der du mir vor deinem Tod die Botschaft schriebst: «Er ist dein Gott, der vor deinen Augen große Wunder tut.»
Denise Uwimana-Reinhardt (mit Johannes Pfründer und Wolfgang Reinhardt)
Mit Gott in der Hçlle des ruandischen L Vçlkermords l SE BA eria
t AG s Ma L R VE hützte N E esc NN tman Sie war, was eine Tutsi nannte. -g U BR yrigh p eine Christin. Mitten im Und sieCowar
Inferno wurde sie wundersam bewahrt. Mit gutem Grund: Auf sie wartete ein Auftrag der Liebe …
Verlag Basel . Giessen
EL AS terial B G a LA es M R t E Deutschen Bibliografische Information der Nationalbibliothek z N V sverzeichnet hüt c Die Deutsche Nationalbibliothek diese Publikation in der E e NN t-gdetaillierte Deutschen Nationalbibliografie; bibliografische Daten sind im U h igüber BRInternet r www.dnb.de abrufbar. y p Co
2013 by Brunnen Verlag Basel Umschlag: Spoon Design, Olaf Johannson, Langgçns Foto Umschlag: Davide Mazzoran / Shutterstock.com Foto hintere Umschlagseite: Lucian Coman / Shutterstock.com Alle Fotos im Bildteil: Denise und Wolfgang Uwimana-Reinhardt Satz: InnoSet AG, Justin Messmer, Basel Druck: CPI – Ebner & Spiegel, Ulm Printed in Germany ISBN 978-3-7655-1552-1
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Inhalt 1. Den Tod vor Augen ....................................................... 2. In ständiger Todesangst.................................................. 3. Meine Kindheit in Burundi............................................ 4. Umzug nach Kaziba im Kongo ...................................... 5. Mein Leben in Kalambi ................................................. 6. Erfahrungen mit den Fetischfrauen ............................... EL al 7. Zu Besuch bei den Großeltern in Ruanda AS te..................... ri B 8. Erweckung unter den Kindern in Kalambi G a .................... A M L 9. Die Oberschule in Bideka.............................................. ER ütztes V N scBwegera............................... h 10. Umzug von Kalambi NE -nach e N g 11. Erste traumatische .................................... t U ghErfahrungen BR yrimit 12. Meine Hochzeit Charles ......................................... op 13. Ein neuesCLeben in Bugarama........................................ 14. Meine Ehe und Familie.................................................. 15. Charles kommt ins Gefängnis ....................................... 16. Die Lage in Ruanda spitzt sich zu ................................. 17. Leben zwischen Bangen und Hoffen ............................. 18. Gott lässt mich nicht im Stich....................................... 19. Bewahrung in großer Not .............................................. 20. Bewahrung in der Hçlle................................................. 21. Operation Turquoise ..................................................... 22. Besuch bei meinen Eltern.............................................. 23. Ein Leben unter null Grad............................................. 24. Erste Gespräche mit Vçlkermordwitwen in Bugarama... 25. Ein neues Leben in Kigali .............................................. 26. Mein Dienst an Witwen und Waisen in Kigali............... 27. Gottes Auftrag für mich ................................................
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28. Reisen nach Europa ....................................................... 266 29. Ein neues Leben in Deutschland ................................... 268 Anhang: «Iriba Shalom» in Mukoma..................................... 281 Danksagung .......................................................................... 285 Kontakt................................................................................. 288
EL AS terial B G a LA es M R t E z N V schüt E N e UN ght-g R i B pyr Co
1. Den Tod vor Augen
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1. Den Tod vor Augen Samstag, 16. April 1994, 13.00 Uhr. Eine kleine Arbeitersiedlung der Zementfabrik CIMERWA (CIMENTS DU RWANDA) im äußersten Südwesten von Ruanda, nahe der Stadt Bugarama, im Dreiländereck, nur wenige Kilometer von der Grenze nach Burundi und dem Kongo entfernt. Ein sonniger, nachçsterlicher Frühlingstag mit angenehmen Temperaturen. Es kçnnte ein gemütlicher, arbeitsfreier Samstag sein. Stattdessen wird dies der grausamste und unvergesslichste Tag meines ganzen Lebens. Der Horror ist kaum zu beschreiben. Immer wieder läuft er vor meinen inneren Augen ab … «Komm, Denise! Ich bin noch am Leben», flüstert Manasse, mein EL Cousin, unter dem Bett. AS terial B Ich bücke mich und versuche, A unter G das MaBett zu kriechen. Als L Kçrper s R ich den Boden berühre, liegt mein im Blut meiner Vere t VE hütz N wandten. Ich versuche, mich seitlich zwischen dem ZementboE esc N N g den und dem Brett, auf dem die Matratze liegt, unter das Bett zu RU right B schieben. Aber espist y viel zu eng. Co nicht!» «Nein, ich kann «Bitte versuche es noch einmal!», ermutigt mich Manasse. Mühsam quäle ich mich ein zweites Mal unter das Bett. Mein Puls pocht im ganzen Kçrper. Jeder einzelne Knochen schmerzt mich auf dem rauen Zementboden. Ich bin bemüht, meinen großen, runden Bauch vollkommen unter dem Bett zu verstecken. Das Baby kann jederzeit kommen. An meinem Rücken spüre ich die Wärme, die von Manasse ausgeht. «Oh, Mann! Unsere Zeit ist gekommen!», hatte Wasiwasi vor neun Tagen gesagt. Manasse sagt hinter meinem Rücken: «Warum bin ich unter dem Bett? Nur weil ich als Tutsi geboren bin? Gott, hilf mir! Wie geht es meiner Frau Valerie? Sie ist ebenfalls schwanger. Ich werde mein Baby niemals sehen! Oh, Gott! Ich lege meine Frau und mein Kind in deine Hände!» Mein Cousin liegt vçllig regungslos neben mir. Er getraut sich
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kaum zu atmen. Sein Herz klopft in Todesangst. Wir wissen, dass sie wiederkommen werden, früher oder später. Manasse, der arme, war von Rwamatamu nach Bugarama umgezogen, um eine Arbeit in der Zementfabrik zu bekommen. Wegen einer Bestimmung, die der Volksgruppe der Hutu den Vorrang gab, konnte er seine Schule nicht beenden. Schon vor dem Vçlkermord wurden in Ruanda seit Jahrzehnten Tausende von Tutsi-Schülern benachteiligt. In der Zementfabrik arbeitete Manasse in der Abteilung, in der Säcke hergestellt wurden. Bugarama ist ein fruchtbarer Ort. Viele Leute aus Gikongoro und Kibuye waren nach Bugarama umgezogen, um hier auf den Reisfeldern oder in der Zementfabrik zu arbeiten oder sonst wie Geld zu verdienen.
EL AS terial B Sie werden uns suchen, und – da bin AGichsmir Masicher – sie werden LVertrauen R uns finden. Ich habe kein großes in dieses Versteck. e t E ütz N Versten h Immerhin hat Manasse Eden Angriff hier unter dem Bett escmeine einzige Chance sei. Das NNdasst-gdas überlebt. Er sagt U mir, igh BR wäre Haus zu verlassen pyr Selbstmord. Sie sind überall, auf der Strao C ße, auf dem Nachbargrundstück, am Zaun. Wie ein Heuschreckenschwarm bedecken sie das Land. Sie, das sind Fremde, Nachbarn, Kollegen, Menschen der Bevçlkerungsgruppe der Hutu aus Ruanda und den umliegenden Gebieten. Sie haben sich versammelt, um uns Tutsi zu tçten. Sie haben sich zu Milizen zusammengeschlossen und nennen sich «Interahamwe», was so viel wie «die gemeinsam kämpfen» bedeutet. Die Nachmittagssonne spiegelt sich in dem dunklen Rot an den Wänden. Schmierige Schlieren und großflächige Spritzer glänzen wie frischer Nagellack. Überall Blut. Jetzt erst spüre ich die Feuchtigkeit um mich herum und unter mir. Mein KitengeKleid hat sich längst mit dem Blut meiner Verwandten vollgesogen. Die Luft ist erfüllt vom Geruch des frischen Blutes. Sind sie alle tot? «Jesus von Nazareth, hilf mir!»
1. Den Tod vor Augen
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Das ist die Stimme von ThØr se, meiner sechzehnjährigen Cousine. Sie lebt noch. Ihr Hilferuf geht in ein Stçhnen über und erstirbt. Ich getraue mich nicht, nach ihr zu sehen. Dann hçre ich ein leises Klirren. Es klingt, als ob ein Windhauch die Kleiderbügel im Schrank leicht gegeneinanderstçßt. «Was war das?», flüstere ich kaum hçrbar. Manasse antwortet hauchend: «Der Student. Er hat sich im Schrank versteckt. Sie haben ihn nicht entdeckt.» Epa, der siebzehnjährige Student, besuchte seine Verwandten in der Nähe. Als der Angriff der Interahamwe begann, tauchte er plçtzlich in meinem Haus auf. Ich habe ihn nie zuvor gesehen. Wir sind zehn Personen in meinem Haus: Manasse, 29, mein Cousin; ThØr se, sechzehn, und Aline, fünfzehn, meine CousiEL al die Tochter nen; Anselm, mein Schwager; die vierjährige AS tJosiane; ri der siebzehnB von Gasore, eines ArbeitskollegenAmeines G MMannes; ae s RL und jährige Samuel, der mir im E Haus zte im Garten hilft; Epa, der t V ü h Student; meine beiden Kinder Fiston, vier Jahre, und Christian, EN esc Denise Uwimana, 29. NNich,t-gSakina eineinhalb Jahre,Uund igh meinen Mann, so sehr. Vor elf Tagen BR Charles, Ich vermisse pyr o C letzten Mal gesehen. Er arbeitet jetzt im Minishabe ich ihn zum terium für Handel, Industrie und Bergbau und hatte über Ostern ein paar Tage Urlaub. Charles ist Tutsi, wie ich. Sein Leben ist ebenso in Gefahr wie meines. Er hatte, wie ich, in der Zementfabrik gearbeitet, wo wir uns auch kennenlernten. Er war im Oktober 1990 mit anderen intellektuellen Tutsi verhaftet und ins Gefängnis gesteckt worden, nur weil er Tutsi ist. Als er aus dem Gefängnis entlassen worden war, ließen ihn die Direktoren, allesamt radikale Hutu, nicht mehr in der Zementfabrik arbeiten. Sie wollten ihn nicht mehr sehen und wünschten seinen Tod. Lebt mein Mann noch? Charles wohnt in Kamembe, wenige Kilometer vom Kivu-See entfernt, der Ruanda vom Kongo trennt. Charles kann schwimmen. Vielleicht kann er sich über den See in den Kongo retten? Ich hoffe, dass er zu meinen Eltern nach Bwegera im Kongo fliehen kann. «Jesus von Nazareth, hilf mir!»
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ThØr se lebt noch. Aber ihr Rufen klingt schwächer. Sie ist mehrere Male von einer Machete oder einem Schwert getroffen worden und verblutet langsam. Ich habe sie vor mir liegen sehen, als ich vor einer Stunde aus dem Badezimmer kam, wo ich mich eingeschlossen hatte, als der Angriff begann. Was ist geschehen? Ich versuche mich zu konzentrieren. Das Grauen um mich her und die Todesangst in meinem Innern machen es mir schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Oh, Gott! Was ist hier nur los? Ich kann kaum mehr beten. Alles ist so schwer zu verstehen. Aber alles, was heute passiert, ist wahr, ist Wirklichkeit. Langsam nehmen die Ereignisse der vergangenen Minuten klare Formen in meinem Gedächtnis an. Als der Angriff auf mein Haus erfolgte, kauerten wir uns alle L im Flur auf den Boden. Wir hçrten, wie A die SEMilizen ial in die Luft r B e t schossen und die ersten Häuser derATutsi Siedlung anG inMunserer a L Umgebung s R griffen. Sie wollten in der ganzen Angst und Schree t VE hütz N cken verbreiten, damit es kein Hutu wagte, den Tutsi zu helfen. E esc NNsie tzuerst g Wir befürchteten,Udass Handgranaten ins Haus werfen R righ B würden. Im Flur fühlten py wir uns am sichersten. Co gab es nirgendwo Sicherheit. Sie wollten uns Aber dieses Mal eigenhändig tçten und schlugen die Hintertür mit ihren ¾xten ein. Das schrille Schrammen des berstenden Metalls, als die Stahläxte der Mçrder in die mit Blech verkleidete Tür an der Rückwand des Hauses fuhren, gellt mir noch immer in den Ohren. Als sie das Haus betraten, floh ich ins Badezimmer. Ich war innerlich tief verwundet und sagte zu Gott: «Oh Gott, du enttäuschst mich! Warum hast du mir nicht vorher gesagt, dass ich sterben muss und deine Braut sein werde? Dann hätte ich mich auf meinen Tod vorbereiten kçnnen. Stattdessen hast du mir versprochen, mich zu beschützen. Jetzt werde ich sterben und in den Himmel zu dir gehen. Dennoch enttäuschst du mich, weil du es mir nicht gesagt hast.» Nachdem ich Gott meine Enttäuschung entgegengerufen hatte, verschwand meine Angst vor dem Tod. Ich spürte eine neue Kraft in mir und würde den Milizen entgegentreten.
1. Den Tod vor Augen
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Wenig später zertrümmerten die Interahamwe in wenigen Sekunden die Holztür zum Badezimmer mit ihren Stahläxten. Dann standen sie unmittelbar vor mir. Fünf Männer drängten sich in den winzigen Raum und behinderten sich dabei gegenseitig. Ich trat ihnen äußerlich ruhig und gefasst entgegen. Auf dem Rücken trug ich, in ein Tuch gebunden, meinen kleinen Christian. Meine Arme hielt ich verschränkt über meinem Bauch, der sich unnatürlich von meinem durch Hunger abgemagerten Kçrper abhob und in dem mein drittes Kind darauf drängte, das Licht einer unendlich grausamen Welt zu erblicken. Einer der Angreifer hielt ein langes Schwert, von dem frisches Blut tropfte, in der Hand. Die Angst- und Todesschreie meiner Mitbewohner gellten mir noch in den Ohren. Die Mordwaffe blitzte direkt vor meinen Augen. EL al Ich blickte in ein von der grausamen SchwerASkçrperlichen i r B e t arbeit schweißnasses, wutverzerrtes Die tiefdunkle G Gesicht. Ma LA eund s R Haut des unbekleideten Oberkçrpers die weißen, bçse funt E tz N V schühatten kelnden Augäpfel desEAngreifers etwas Dämonisches an N -ge sich. Er trug einen UNbreiten ht Gürtel, an dem eine ganze Reihe von R g i B r y seiner Bewegungen hin- und herschwanHandgranaten beipjeder Co gen und mit klackenden Geräuschen gegeneinanderstießen. Auf der nackten Brust kreuzten sich zwei Patronengurte, die lückenlos mit Gewehrmunition gefüllt waren. Die Bande brauchte nicht zu schießen. Sie verrichteten ihre Arbeit mit dem blanken Stahl und ließen ein Meer von Blut zurück. «Wir werden dich tçten!», bestimmte der Mann mit dem Schwert. «Warum wollt ihr mich tçten?», fragte ich und versuchte, meiner Stimme einen festen Klang zu geben. Ich war bereit zu sterben, aber ich würde mich nicht einfach abschlachten lassen. «Du gehçrst zu den Leuten, die Präsident Ndadaye von Burundi getçtet haben.» Das war schon im vergangenen Jahr geschehen. An seinen Worten erkannte ich, dass die Mçrder in meinem Haus zu einer Hutu-Miliz aus Burundi gehçrten, die in Ruanda lebten und sich dem Mordfeldzug der Hutu aus Ruanda angeschlossen hatten.
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«Damit habe ich nichts zu tun. Ndadaye hat die Grenze für uns geçffnet, und wir konnten in Burundi einkaufen. Das hat uns geholfen. Ich würde niemals etwas gegen ihn unternommen haben.» Nachdem Präsident Ndadaye die Grenze zu Ruanda geçffnet hatte, konnten wir, was vorher nicht mçglich war, nach Cibitoke in Burundi fahren und dort auf dem Markt einkaufen. Dort gab es bessere Waren und eine grçßere Auswahl. Bugarama, wo wir lebten, war nur wenige Kilometer von der Grenze zu Burundi entfernt. Während der Schwertträger kurz überlegte, drängte sich ein anderer nach vorn und rief: «Gib uns Geld!» «Ich habe kein Geld. Nehmt alles, was ihr im Haus findet. Ich schenke es euch!» L «Wir wollen keine Sachen. Wir wollen A Geld!» SE rial B te «Tut mir leid. Ich habe kein Geld!» AG s Ma L «Dann musst du sterben!» ER V hützte N Der Mann hob seine Waffe. sc spürte, dass er es ernst meinte, NE -geIch N und beschwichtigte ihn: «Doch, ich habe Geld. Lasst es mich hoRU right B len. Es ist in meinem pySchlafzimmer.» Co hatten sich, soweit es ging, in das winzige BaDie fünf Mçrder dezimmer hineingedrängt und sich dabei gegenseitig blockiert. Unter Fluchen, Schimpfen und gegenseitigem Stoßen schafften sie es schließlich, den Türrahmen freizugeben und an die Wand des Hausflures zurückzuweichen. Ich konnte zwischen ihnen hindurchgehen. Sie folgten mir dicht auf den Fersen. Die Tür zum Schlafzimmer war halb offen. Gleich dahinter saß mein Schwager Anselm zusammengekauert bewusstlos auf dem Boden mit dem Rücken zur Wand. Er war schwer am Kopf verletzt, und die Wand war voll mit seinem Blut. Obwohl er sich nicht bewegte, lebte er vermutlich noch, als ich über ihn stieg, um an mein Bett heranzukommen. Neben ihm lagen ThØr se und Aline. Anselm und ThØr se waren über und über mit Blut verschmiert. Aline hatte keine sichtbaren Verletzungen. Wahrscheinlich war sie mit einer Keule niedergeschlagen worden. Die beiden Mädchen lagen stçhnend im Sterben.