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Ungewöhnliche

Vielfältige

Einzigartige

MATERIALIEN

KONZEPTE

BAUWEISEN

ARCHITEKTUR

Österreich 14,90 € Deutschland 14,90 € Schweiz 22,50 sfr

Innovative

A EKT

ARCHIT STEN

DA

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der besten deutschen Architekturbüros!

HO« DER D EU IS W

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100

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DEUT

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Z AN

Ausgabe 2015 / 16

BA

UK

U LT U

R • MIT A D

RE

SS

E


Otl Aicher


IN HALT

IN HALT

100 ARCHITEKTEN

100 HÄUSER

No.

Architekt / Bürostandort Bundesland

1

2

3

4

5

Langensteiner Bienhaus Architekten / BW 

6

7

8

9

10

35

Seite

No.

Architekt / Bürostandort Bundesland

DANKE Architekten / NW 

 6

51

TKA Thomas Kröger Architekt  / BE 

 94

Katrin Hootz Architektin / BY 

 8

52

PLANPOPP Architektur Stadtplanung  / BE 

 96

Architektenbüro Stocker  / BW 

 10

53

motorplan Architekten + Stadtplanung  / BW 

AMUNT / BW 

 14

54 leonardhautum  / BE & BY 

 16

55

bernd zimmermann_architekten  / BW 

FRITSCH+SCHLÜTER Architekten / HE 

 18

56

Osterwold°Schmidt Exp!ander Architekten  / TH 

 102

FINCKH ARCHITEKTEN / BW 

 20

57

Hütten & Paläste Architekten  / BE 

 104

hiendl_schineis architektenpartnerschaft  / BY

 22

58 COASToffice  / BW 

 105

Titus Bernhard Architekten / BY 

 24

59

Thomas Beyer Architekten  / BE 

 106

Irlenbusch von Hantelmann – Architekten / SN 

 26

60

Kleine Metz Architekten  / BE 

 107

11

AHM Architekten / BE 

 28

61

GRAFT / BE 

 108

12

Andreas Petermann Architekt / BY 

 30

62

peter haimerl . architektur  / BY 

 110

13

buchner + wienke architekten / BE 

 32

63 as2architektur  / HB 

 112

14

reinhardt_jung / HE 

 34

64

FRIEDRICH POERSCHKE ZWINK Architekten  / BY 

 113

15

claim / BE 

 40

65

Grüttner Architekten  / NW 

 114

16

ist a r c h i t e k t u r / SN 

 42

66 ARCHITEKTEN WANNENMACHER + MÖLLER  / NW   116

17

Peter Ruge Architekten / BE 

 43

67

Schneider | Architekten  / BW 

 117

18

Andreas Heupel Architekten / NW 

 44

68

SCHENKER SALVI WEBER ARCHITEKTEN  / W (AT) 

 118

19 J. MAYER H. / BE 

 46

69

+studio moeve architekten  / HE 

 120

20

MBA / S Matthias Bauer Associates / BW 

 48

70 Thoma.Lay.Buchler.Architekten  / BW 

 121

21

Atelier ST / SN  

 50

71

Deppisch Architekten  / BY 

 122

22

Uwe Schröder Architekt / NW 

 51

72

(se)arch Architekten  / BW 

 123

23

Ruf+Partner Architekten und

73

Möhring Architekten  / BE & MV 

 124

AR-BR architecture  / BE  

 52

74

sprenger von der lippe Architekten  / HH 

 126

24

Braun & Güth Architekten / HE 

 53

75

Franken Architekten  / HE  

 128

25

gruppeomp architekten  / NI & HB 

 54

76

Barkow Leibinger  / BE 

 130

26

bräuning architekten mit

77

k_m architektur  / V (AT) 

 131

Architekt Christoph Höhne  / BW

78

HEIDE & VON BECKERATH  / BE 

 132

 55

SchleswigHolstein

 97  100

JAN RÖSLER ARCHITEKTEN & S. Rickhoff / BE 

 56

79

28

brandt + simon architekten  / BE

 58

80 töpfer.bertuleit.architekten  / BE  

29

Alexander Brenner Architekten  / BW

 60

81 hm-architektur  / NI 

 138

30

berger röcker architekten  / BW

 62

82 LUSINARCHITEKTUR  / BE  

 140

31

Manuel Herz Architekten / NW 

 64

83

Anne Lampen Architekten  / BE 

 142

32

Architekten Spiekermann  / NW

 66

84

Svenja Bodenstedt  Architektin / HH 

 143

33

BeL, Sozietät für Architektur / NW 

 68

85

Brandlhuber+ / BE 

 144

34

Allmann Sattler Wappner Architekten  / BY

 70

86

Cyrus | Moser | Architekten  / HE 

 148

35

KMT Architekten und Ingenieure / HH 

 72

87 FORMAT ELF ARCHITEKTEN  / BY 

 150

36

MCKNHM Architects / NW 

 73

88 WACKER|ZEIGER|ARCHITEKTEN  / HH 

 152

37

ARCHITEKTEN STEIN HEMMES WIRTZ  / RP & HE 

 74

89

Architekturbüro Studio b2  / NI  

 153

38 naumannarchitektur  / BW 

 76

90

2D+ Architekten  / BE  

 154

39

Westphal Architekten  / HB  

 78

91

Biehler Weith Associated  / BW 

 156

40

Bayer & Strobel Architekten  / RP

 79

92

Laura Jahnke Architekten  / HH  

 158

41

Fabian Evers Architektur & 

93

MRLV Architekten  / HH 

 159

Wezel Architektur / BW 

94

Kraus Schönberg Architekten  / BW & HH 

 160

42

petersen pörksen partner

95

andreas gehrke . architekt  / BE  

 162

architekten + stadtplaner / HB & SH 

 82

96

Meixner Schlüter Wendt Architekten  / HE  

 164

43

AFF Architekten / BE 

 84

97 boosarchitekten  / BY 

 166

44

Birgit Wessendorf Architekten  / BE

 86

98 kadawittfeldarchitektur  / NW 

 168

45

fabi architekten  / BY

 87

99

Bembé Dellinger  Architekten / BY 

 172

46

baumraum / HB 

 88

100

Architekturbüro Scheder  / RP 

 175

47

gildehaus.reich architekten / TH 

 90

48

CHRIST.CHRIST associated architects / HE  

 91

49

Helm Westhaus Architekten  / BE

 92

Editorial 

50

pape+pape architekten  / HE

 93

73

 98

27

 80

Büro für Architektur & Städtebau Berlin  / BE  

Seite

 134  136

74 83

25

 5  178

Architekten-Index 

 188

 190

Vertriebs- und Qualitätspartner 

Impressum 

88

Bremen

95

89

94 51

Hamburg

79

63 28

76

13

60 46

10

59

Berlin 52

81 17 27

NordrheinWestfalen

57 23

65

36

96

Sachsen

Hessen

31 22

86

43

75

80

Thüringen 24

14

RheinlandPfalz

16

47

48

1

100

6 56

ADRESSEN

50

der vorgestellten

37

Architekturbüros

69

Saarland

Brandenburg

11

33

98

21

Sachsen-Anhalt

32

44

61

15

66

78

90

85 18

82

49

Niedersachsen

auf Seite 188 38

100

55

20

53

40

45

68 26

19

3

7

58

12

41

71 8

4

29

54

97 34

99 30

62

Bayern

5

67

87

9 2

Baden-Württemberg 72

 36

Produkte 

93 42

39

70

Fang das Licht 

MecklenburgVorpommern

92

84

77

91 64

 192 * 100 Häuser in ganz Deutschland: Wir haben zur besseren Lesbarkeit für jedes Architekten-Haus ein individuelles „Icon“ kreiert und auf unserer Landkarte positioniert. Diese Übersicht zeigt die geografische Verteilung in den Regionen und Bundesländern – und nicht den exakten Standort.

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INHALT

INHALT 

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„Unser Alltag wird zu einem wesentlichen Teil durch die Architektur bestimmt, die uns Tag für Tag umgibt.“   *

Design by L äufer + KeicheL 2 0 15

100 × Mehrwert

N O N O T O

Einfamilienhäuser sind immer noch die Spielwiese für experimentelle Architektur. Nirgendwo ist so viel Raum für individuelle „Wohn“-Wünsche und Lebens(t)räume – und Entwürfe jenseits des Standards. Denn: Ein Haus ist längst nicht mehr nur ein Haus. Dennoch werden in Deutschland nur zirka zehn Prozent aller über 15 Millionen Einfamilienhäuser (2013) von Architekten geplant. Das ist vor allem in Hinblick auf neue, ökologische Herausforderungen eine sehr geringe Anzahl. Intelligente, kreative Lösungen sind gerade bei Fragen zu Energie-konzepten, Sanierungen oder urbaner Nachverdichtung gefragt. Aber nicht nur. „Architektur beginnt, wenn zwei Backsteine sorgfältig zusammengesetzt werden“, sagte Ludwig Mies van der Rohe, aber „verwechseln Sie bitte nicht das Einfache mit dem Simplen“. Die Moderne hat viel zu einer freieren, lichtdurchfluteten Architektur beigetragen und Sachlichkeit und Funktionalität mit neuen Formen und Bauweisen kombiniert. Nur so kann ein modernes Haus entstehen, im Verständnis aller Parameter – und dafür braucht man Architekten. Das Magazin tritt 100 Mal diesen Beweis an.

„100 Häuser“ stellt damit Architektur als kollektives Produkt von Architekten, Bauherren und Produzenten in den Vordergrund. Ohne Partner in allen Branchen ist Qualität nicht möglich, und kurzfristige Einsparungen sind nicht langlebig. Viele Beispiele zeigen auch prototypische Materialien, Fassaden, räumliche Modelle, Bauweisen oder Energiekonzepte, wie die Plus-Energie-Häuser von GRAFT Architekten in Berlin. Wir wollen mit dem Magazin „100 Häuser“ nicht nur eine (mögliche) Vielfalt in der Architektur zeigen, sondern Ihnen den Mehrwert Architektur als ganzheitliches Konzept vermitteln. Dabei geht es vorrangig nicht um Spektakuläres oder formale Ansprüche – außergewöhnliche Lösungen liegen oft im Detail und im Wissen, wie sorgfältig man mit dem Bestand, Stadt- und Landschaftsraum umgehen kann und muss. Unsere Auswahl zeigt 100 Häuser aus allen 16 Bundesländern und von 100 Architekten und Architektinnen. Lage, Bauordnung oder Budget stellen Parameter dar, zeigen aber auch, dass Planung bei jedem Budget wichtig ist. Die länderspezifische Auswahl lässt dabei, wenn auch regional durchaus unterschiedlich, ein Gesamtbild der deutschen Baukultur entstehen. Jedes Haus erzählt außerdem eine persönliche Geschichte, eine Geschichte über Bauherren, Lebensmodelle oder Entscheidungsfindungen – die schlussendlich zu einem individuellen Ergebnis geführt haben. Durchaus mit Anekdoten und durchaus auch mit Misserfolgen und Fehlschlägen. Was zählt, ist der partnerschaftliche Prozess. Kleine Häuser oder große Villen, Holzhäuser oder moderne Betonskulpturen, Umbauten oder Zubauten, daraufgesetzt oder eingefügt … Wohnraum ist genauso individuell wie seine Bewohner.

Lassen Sie sich inspirieren, von Architektur, 100 Mal und mehr!

Manuela Hötzl Chefredaktion „100 Häuser“

CHAIR mAde

zeitraum-moebel.de

Foto: Helena Wimmer

fRom solId wood

*

Jürgen Tietz 1998 in: Geschichte der Architektur des 20. Jahrhunderts

EDITORIAL 

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„Livingtube“ ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was seine Bauherren bis dahin gewohnt waren. Architekt Michael Danke und seine Frau lebten 25 Jahre in einem Bauernhaus aus dem Jahr 1840. „Die Wände waren ganz dick, die Räume und Fenster sehr klein, es gab wenig Sonne, und dadurch waren die Räume sogar im Sommer kühl“, erklärt Michael Danke. Irgendwann kam die Idee für etwas Neues: Ein Gegenstück musste her. „Wir sehnten uns nach Wärme, großen Räumen und mehr Licht.“ Seine Frau habe ihm beim Entwurf alle Freiheiten gelassen, sagt Danke, und so entstand ein in sich geschlossenes einheitliches Holzhaus in kubischer Gestalt und mit Lofträumen, die in Röhrenform gehalten sind. Dachflächenfenster durchfluten das Bad mit Sonne. Es gibt noch eine hölzerne Terrasse nach Süden und einen Garten. Das Haus wirkt im Inneren warm, offen und herzlich, trotz der von außen sehr aufgeräumten, klaren und schlichten Struktur. Das Massivholzhaus ist zudem besonders nachhaltig. Alle Elemente bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen, und es hat eine CO 2 -Bindung von 100 Prozent. „Ich bin

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Architektur DANKE Architekten (Michael Danke) Web www.danke-architekten.de Objekt Livingtube Kategorie Neubau, Passivhaus, Holzbau Fassadenmaterial Faserzementplatten / www.eternit.de Adresse k. A. Bauherr Familie Danke Planungsbeginn 2008 Fertigstellung 2011 Nutzfläche 97 m² Wohnfläche + 25 m² Nutzfläche / Garage Kosten k. A. Auszeichnungen Holzbaupreis NRW 2013; Holzbaupreis Eifel 2012 Fotos Conné van d ’Grachten / VELUX Deutschland

gelernter Maurer und habe lange gebraucht, um zu erkennen, welche Qualität das Massivholzhaus besitzt“, sagt Danke. Das Holz als Material passt sich zudem der modernen Bauweise perfekt an. „Die Einstoffigkeit, die ungeheure Wärme, der Duft des Holzes, aber auch die Modernität und Einfachheit erfreuen uns jeden Tag“, erzählt der Architekt. Das Haus fügt sich in seiner äußeren Gestalt auch gut in die direkte Umgebung ein. Es besitzt sozusagen einen Regenmantel, der „schuppenartig“ vor nassen Wetterbedingungen schützt. Diese Bauweise mit Eternitfassade ist in der Eifel, wo das Haus steht, sehr üblich, erklärt Danke. Als Ganzes ist der „Livingtube“ definitiv ein Gegenstück zum alten Bauernhaus, mit dem sich Architekt Danke und seine Frau ihren eigenen Wohntraum erfüllt haben. mat

Lichtes Holzstück

Sieht kompliziert aus? Für unsere Designer und Ingenieure ist es vielmehr ein Kunstwerk, das eine Geschichte über durchdachte technische Komponenten und höchste Fertigungsqualität erzählt. Klappbare und vielfältig erweiterbare Dusch-Einhängesitze aus dem ErgoSystem® lassen Sie sitzen – im positiven Sinne: Barrierefreiheit war nie zuvor so attraktiv, bequem und zuverlässig. Denn das Gute entsteht aus der Summe seiner Teile. www.fsb.de/ergosystem 6 

Büro DA N K E A R C H I T E K T E N , N O R D R H E I N - W E S T FA L E N  / Haus N O R D R H E I N - W E S T FA L E N


Charakterstark und ziegelfein

2 Architektur Katrin Hootz (damals in Goetz Hootz Castorph Architekten) Web www.katrinhootz.com / www.goetzcastorph.de Objekt Haus H Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus Fassadenmaterial Vormauerziegel Adresse München Bauherren Privat Planungsbeginn 2006 Fertigstellung 2008 Nutzfläche ca. 300 m² Kosten k. A. Auszeichnung BDA-Preis Bayern (Nominierung) Fotos Michael Heinrich / www.mhfa.de

selbst als eine Art Begrenzungsmauer am Rand zu positionieren und die Zimmer, wie vom Bauherrn gewünscht, linear – zu einer Enfilade – aneinanderzureihen. Außerdem wurden bewusst Deckenhöhen variiert, um den Räumen individuellen Charakter zu verleihen. Im Zusammenspiel mit der schwingenden, bis zu vier Meter tiefen Buchenhecke der Landschaftsplaner der Firma Vogt umschließt das Gebäude das Grundstück wie eine breite Gartenmauer. Der Architektin Katrin Hootz, die das Projekt für Goetz Hootz Castorph betreute, war es wichtig, handwerkliche Elemente des typischen Ziegelbaus in dieses Werk einzuarbeiten. So finden sich die bekannten Lochspiele an der Fassade, die auch an Bauten in Norditalien häufig zu entdecken sind. Passanten bleibt das wahre Aussehen des Objekts zunächst verborgen, denn es reiht sich an der Straßenfront in seine Umgebung von typischen Einfamilienhäusern ein. Erst wenn das Grundstück betreten wird, lässt sich die winkelförmige Struktur erkennen. Und mittlerweile erlebt der Ziegel als Baumaterial in München ein regelrechtes Hoch. „Das Angebot an unterschiedlichsten Formaten und Farben ist reichhaltig, und die Firmen sind oft ausgebucht“, sagt Architektin Katrin Hootz. mak

Das Architektenteam Goetz Hootz Castorph war im Jahr 2006 seiner Zeit voraus, als es für den Entwurf des „Hauses H“ in der Münchner Vorstadt Ziegel als Fassadenmaterial vorsah. Damals war ein Ziegelbau in Bayern so selten, dass es schwierig war, in näherer Umgebung passende Zulieferer für die notwendigen frostsicheren Ziegel zu finden. Ebenso schwierig gestaltete sich die Suche nach ausführenden Baufirmen, die mit diesem Material ausreichend Erfahrung hatten. Mit Mut zum Vorausdenken konnte das Büro Goetz Hootz Castorph den kleinen Wettbewerb für dieses Familienhaus gewinnen. Der Plan überzeugte neben der Materialwahl mit der Idee, das Objekt nicht mittig auf das Grundstück zu setzen, sondern das Bauwerk

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Büro K AT R I N H O O T Z , B AY E R N  /  Haus B AY E R N

Büro K AT R I N H O O T Z , B AY E R N  /  Haus B AY E R N  

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Das Hexaeder des Bauprojekts „Topoi Engelsbrand“ bildet den Anfangspunkt eines nahezu philosophischen Gesamtkunstwerkes, dessen einzelne Orte ihre ganz persönliche Bedeutung haben. Architekt Florian Stocker bezeichnet die beiden Wohnhäuser des gigantischen Geländes am Schwarzwald als eine Charakterstudie ihrer Bauherren, die das Projekt als Brüder gemeinsam in Auftrag gaben. Während das Haus in der Mitte des Geländes buchstäblich mit der Natur zusammenfließt – ein natürlicher Bach trennt die beiden Teile des Hauses –, steht der Hexaeder für Rationalität. Deshalb ist er am weitesten vom Waldrand entfernt. Stocker: „Es ist wichtig, wo das Gebäude auf dem Grundstück steht: bei der künstlichen Landschaft. Deswegen ist es auch geometrisch und ausgenordet – wie ein Startblock. Es war wichtig, dass es sehr präzise gefasst wurde. Die Kanten sind wie Bügelfalten in der Hose. Außen ist es ein sehr strenges und konkretes Haus, und innen hat es eine verspielte Choreografie.“ Durch seine Innenarchitektur wie das geschwungene Treppengeländer oder die integrierte Bibliothek vereint – von Stocker bewusst konzipiert – das

Architektur Architekturbüro Stocker Web www.atelier-stocker.de Objekt Topoi Engelsbrand Kategorie Neubau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Sichtbeton / Karl Köhler Besigheim Adresse Engelsbrand Bauherr Privat Planungsbeginn 2009 Fertigstellung 2014 Nutzfläche k. A. Kosten über € 500.000,– Fotos Florian Stocker, Brigida González / www.brigidagonzalez.de

RAUMKUNST IM SCHWARZWALD

Türdrücker 1144 von FSB, Design: Jasper Morrison, www.fsb.de

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Büro A R C H I T E K T U R B Ü R O S T O C K E R , B A D E N - W Ü R T T E M B E R G  /  Haus B A D E N - W Ü R T T E M B E R G

Hexaeder Kunst, Verstand und Zivilisation. „Wenn man das Haus betritt, öffnen sich geschachtelte Ebenen und Flächen.“ Im Gegensatz dazu stehen die weiteren Orte am Grund für die langsame Rückkehr zur Natur, zum Ursprung: „von der künstlichen Landschaft zum wilden Wald“. Ein Herzstück des Hexaeders ist mit Sicherheit der persönliche Arbeitsplatz des Bauherrn, der aus dem Stamm einer riesigen Eiche, die ein Blitz während der Bauarbeiten fällte, gefertigt wurde. Denn auch im Wohnbereich soll nach Stocker das Sujet der Orte erhalten bleiben: „Es ist wichtig, dass innen immer wieder persönliche, kleine Bereiche vorhanden sind, wo man alles greifen kann. Ganz oben ist die letzte Zelle, wo man ganz für sich sein kann.“ Die Besonderheiten sind es, die dem Inneren einen unverwechselbaren Charakter verleihen. Auch der Türdrücker 1144 von FSB schmeichelt sowohl dem Auge wie auch der Hand. Stoff und Form finden gelungen zusammen, so wie sie im ganzen Hexaeder zusammenfinden. So wie es Stocker schafft, seine Architektur in den vorgefundenen Kontext einzubetten, fügt sich der Türdrücker 1144 in den Kontext des Gebäudes ein. Beheizt wird das Haus über Geothermie, was den Energiebedarf zu einem großen Teil, jedoch nicht völlig abdeckt. Aber Stocker ist hoffnungsvoll: „Im Schwarzwald achtet man durch die Abgeschiedenheit generell auf eine gewisse Autarkie, und das Haus ist auf dem Weg dahin.“ Wie der Fluss am Gelände bleibt auch das Projekt weiterhin in Bewegung und hat seinen Endpunkt noch nicht erreicht. mas Büro A R C H I T E K T U R B Ü R O S T O C K E R , B A D E N - W Ü R T T E M B E R G  / Haus B A D E N - W Ü R T T E M B E R G 

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Die Klinke wird digital. Was vor über 130 Jahren mit Möbelbeschlägen seinen Anfang nahm, hat sich weltweit zu einem Synonym für ästhetisch und funktional herausragende Tür- und Fensterbeschläge entwickelt: FSB. Als Mentor von FSB hat sich der Designgeneralist Otl Aicher vor gut 35 Jahren mit Werkzeugen zur Verlängerung der Hand in ihrer gesamten Vielfalt auseinandergesetzt. Was erwartet der Mensch respektive seine Hände beim Zugreifen? Wie kommunizieren Objekt und Benutzer? Wie sind Ergonomie und Ästhetik zu versöhnen? Die Erkenntnisse mündeten in einer Vielzahl von Büchern rund um das Thema „Greifen und Griffe“ und finden bei FSB bis in die Gegenwart praktische Anwendung. Erscheint die Klinke auf den ersten Blick nur als ein unscheinbarer Gebrauchsgegenstand, so wird beim genauen Hinsehen ihre erstaunliche Komplexität offenbar.

A DV ERTO R I A L

Evolution an der Tür.

Das Logo von FSB (links), entworfen von Otl Aicher und inspiriert durch die „Urform“ der Klinke, welche der Philosoph Ludwig Wittgenstein für das Haus seiner Schwester erdacht hat.

Die Türklinke, ein Werkzeug zur Verlängerung der Hand.

Analog wird digital: isis ® Zutrittsmanagement-Systeme vereinen die Ästhetik klassischer Türbeschläge mit elektronischem Komfort.

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FSB × 100 Häuser

FSB geht mit einer Vielzahl von Materialien und Oberflächen, (Griff-)Formen, anwendungsspezifischen Varianten und vervollständigendem Zubehör auf sämtliche Anforderungen der Architektur ein. Diese Vielfalt dient in ihrer Gesamtheit nur einem einzigen Zweck: dem Menschen ein Werkzeug in die Hand zu legen, das Zu- und Ausgänge erschließt und an der Schnittstelle zwischen Architektur und Mensch zuverlässig seinen Dienst verrichtet. (Tür-)Griffe bevölkern unseren Alltag in vielfältigen Spielarten, und regelmäßig werden sie zum Ärgernis, wenn sie ihrer Aufgabe aus ergonomischen oder funktionalen Gründen nicht gerecht werden. Sie verdienen folgerichtig nicht weniger Aufmerksamkeit als ein bequemer Stuhl, ein wackelfreier Tisch oder eine zweckmäßige wie auch formschöne Schreibtischleuchte. Das erscheint heute umso bedeutsamer, wenn man sich die grundlegenden Veränderungen in der Nutzung von Gebäuden vor Augen führt. Insbesondere in Objektbauten wie z. B. Verwaltungsgebäuden, Hotels oder Schulen gehen die Anforderungen an einen Beschlag heute weit über die herkömmliche mechanische Betätigung der Tür hinaus.

Vielmehr sind Lösungen gefragt, die auf flexible und komfortable Weise das Gebäude in seiner Ganzheit organisieren. FSB hat die ästhetische Qualität seiner klassischen analogen Beschläge mit einem nicht minder durchdachten digitalen Innenleben kombiniert. Entstanden ist eine Systemfamilie für elektronisches Zutrittsmanagement: Unter der Marke isis ® finden sich adäquate Lösungen unterschiedlicher Komplexität für Innen- und Außentüren. Mit isis ® M100 und kartenbasierter Programmierung direkt am Beschlag gelingt der kostenattraktive Einstieg für kleinere Objekte. In mittleren bis großen Gebäudestrukturen spielt isis ® M300 die Vorteile seiner vollständig LAN/WLAN-basierten Administration aus. Eine Auswahl an klassischen Rohrgriffdesigns wiederum wurde mit einem biometrischen Fingerscanner versehen (isis ® F). Für FSB ist das nicht mehr – und nicht weniger – als die Evolution der Türklinke, wie sie bereits von Ludwig Wittgenstein und Otl Aicher begriffen wurde. www.fsb.de

FSB × 100 Häuser 

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FALTKUNST

Wie eine Schwimmhaube zieht sich die wasserdichte graue Hülle vom Dach bis zum Erdgeschoss. Merkwürdig verwinkelt ist die tiefgraue Fassade – fast so, als krümme sich das Haus wie ein Schwimmer kurz vorm Sprung ins kalte Nass. Hinter dem futuristischen Einfamilienhaus in Tübingen verbirgt sich ein intelligent konstruierter und kostengünstiger Massivholzbau, der alle Anforderungen von Passivhausstandard und Nachhaltigkeit erfüllt. Die Assoziation mit Sportbekleidung ist gar nicht so weit hergeholt: Die Arbeitsvorstellung von dem Haus seien ein Trekkingschuh und eine Outdoorjacke gewesen, heißt es beim Architekturbüro AMUNT. Tatsächlich wirkt „Just K“ robust nach außen, im Inneren hingegen dominieren sanfte Strukturen. Das Wohnhaus wurde aus 136 Elementen konstruiert und lässt sich – wenn es die Familiensituation erfordert – in zwei separate Einheiten aufteilen. Die ungewöhnliche Form hat einen praktischen Hintergrund: Die Nachbarin der Bauherren wollte sich nicht den Blick

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Architektur AMUNT, Architekten Martenson und Nagel Theissen (Björn Martenson, Sonja Nagel und Jan Theissen) Web www.amunt.info Objekt Just K Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus, Holzbau Adresse Tübingen Bauherr Privat Planungsbeginn 2008 Fertigstellung 2010 Nutzfläche 138 m² Kosten € 300.000,– (Bauwerk 300er- + 400erKosten) Auszeichnungen u. a. Hugo-Häring-Auszeichnung 2011; Häuser des Jahres (Callwey) Fotos Brigida González / www.brigidagonzalez.de Türdrücker 1106 von FSB Design: Christoph Mäckler, www.fsb.de

auf das Tübinger Schloss verstellen lassen. Hinzu kam die geringe Größe des Hanglage-Baugrundstücks. Doch was viele Architekten immer wieder in Verzweiflung treibt, ließ das Dreierteam von AMUNT zu Höchstform auflaufen. Sie entwarfen trotz einschränkender Bebauungspläne ein innovatives fünfgeschossiges Raumwunder für vier Kinder und zwei Erwachsene. Während außen die Farbe Grau dominiert, zieht sich durch den Innenraum helles Holz – Treppen, Böden sowie die mitgeplanten und -gebauten Einbaumöbel wurden aus weiß pigmentierter Lauge und Seife behandelt, um den hellen Farbton des Holzes zu erhalten. Und auch im Detail überrascht das Haus: So sind die Türgriffe aus hellem, natürlichem Aluminium so unscheinbar wie die Astlöcher der Holzmaserung. Der eingesetzte Türdrücker FSB 1106 spricht eine traditionelle Formensprache und beruft sich auf Vorbilder der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts. „Just K“ zieht damit nicht nur die Blicke der Tübinger Nachbarn auf sich. Auch die Fachwelt brachte dem 2010 fertiggestellten Haus viel Aufmerksamkeit entgegen und zeichnete es mit Preisen aus. map

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Büro A M U N T, B A D E N - W Ü R T T E M B E R G & N O R D R H E I N - W E S T FA L E N  / Haus B A D E N - W Ü R T T E M B E R G

Büro A M U N T, B A D E N - W Ü R T T E M B E R G & N O R D R H E I N - W E S T FA L E N  /  Haus B A D E N - W Ü R T T E M B E R G 

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Architektur Langensteiner Bienhaus Architekten Web www.langensteinerbienhaus.de Objekt Haus W Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenfirma Laifer Holzsysteme, Achern Adresse KarlsbadSpielberg Bauherr k. A. Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 2012 Nutzfläche 140 m² Kosten k. A. Auszeichnungen Hugo-Häring-Auszeichnung 2014; Beispielhaftes Bauen im Landkreis Karlsruhe 2006–2013 Fotos Langensteiner Bienhaus Architekten

Gebranntes Holz mit Bodenhaftung Der Bodenbelag hingegen ist weniger der Naturverbundenheit geschuldet als der Offenheit von Architekten und Bauherren. Langensteiner und seine Kollegin Julia Bienhaus wagten dafür ein für sie bislang einmaliges Experiment mit Straßenbelag vulgo Asphalt. Abgesehen davon, dass Asphalt ein sehr billiges Material sei, entwickle er mit wenigen Handgriffen eine Haptik, die mit handelsüblichem Estrich kaum erreicht werden könne. „Wir wollten den Gussasphalt eigentlich so lassen, wie er ist. Er kommt aber, wenn er fertig ist, sehr rau daher, sodass wir ihn grob abgeschliffen haben, damit der Putzlappen nicht fasert“, erklärt der sichtlich begeisterte Architekt. Vereint werden die gegensätzlichen Materialien gewissermaßen in der Fassade, dem chiffonartigen Holzkleid: Über einer Regenhaut aus Flachdachdichtungsbahnen ordnen sich Holzlatten mal flach, mal hochkant aneinander. Jede einzelne davon hat die Bauherrin in mühevoller Kleinarbeit mit einer Gasflamme angebrannt und dem Haus so sein verwegenes Antlitz gegeben. maj

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Berlin Chair, Design: Meinhard von Gerkan / Lox, Design: PearsonLloyd © Walter Knoll

Wenn Architekt Ulrich Langensteiner von seinem Projekt im badischen Karlsbad-Spielberg spricht, verwendet er gerne das Adjektiv „pur“. Die weißen Wände, der tiefschwarze Boden – ja, „pur“ beschreibt das Haus wohl recht gut. Und wenn Ulrich Langensteiner „pur“ sagt, dann meint er damit nicht nur die optischen Aspekte seines Werks, sondern vor allem auch die Materialien. Als sportbegeisterte Familie nutzen die Bauherren jede Gelegenheit, um in die Berge zu fahren, sei es in das nahe gelegene Allgäu oder auch mal nach Österreich. Diese Naturverbundenheit wollten sie auch in ihrem Eigenheim spüren. Auf den ersten Blick ins Hausinnere kaum erkennbar, handelt es sich bei den weiß getünchten Wänden deshalb nicht um verputzte Ziegelwände, sondern um weiß lasierte Vollholzwände. Auch wenn man es nicht sofort sieht, würde man laut Langensteiner aber gleich spüren, dass man sich in einem Holzhaus befindet, ohne das Gefühl zu haben, in einer Skihütte zu sein.

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Niemand weiß, wie das Einfamilienhaus in Seeheim in Zukunft einmal aussehen wird. Es wird zwar seine Form behalten, aber ob es in einigen Jahren noch seine heutige Farbe haben wird, ist nicht vorhersehbar. Der Grund dafür ist das spezielle Material, das für Dach und Fassade verwendet wurde. Die gesamte Außenhaut des Hauses besteht aus voroxidiertem Kupfer. Dieses behält – je nachdem, wie die Umwelteinflüsse in den nächsten Jahren sein werden – entweder seine aktuelle tarnend-dunkle Farbe, durch die das eigentliche Gebäudevolumen nicht direkt wahrnehmbar ist. Es kann jedoch auch sein, dass sich das Äußere des Hauses zu einem schönen Türkis entwickelt, wie man es von alten Kupferdächern kennt. „Wie eine Jeans, die einem immer besser gefällt, je länger man sie trägt“, so stellt sich Architekt Johannes Schlüter die Metamorphose des Baus vor. Doch ganz egal, wie das Haus eines Tages aussehen wird, es wird stets die ursprüngliche Idee des Gebäudes als ein aus einem Guss geformter Monolith transportieren. Um diesen Eindruck zu erwecken, umspannen die Kupferschindeln in Form großflächiger Rauten den gesamten Außenbereich. „Das Schwierigste an diesem Projekt war tatsächlich das Getüftel mit der Außenhaut, deren Details erst während der Bauphase entwickelt werden konn-

Architektur FRITSCH+SCHLÜTER Architekten Web www.fritsch-schlueter.de Objekt Einfamilienhaus in Seeheim Kategorie Neubau Fassadenmaterial /  Fassadenfirma Voroxidiertes Kupferblech / Klaus Riegler Bauspenglerei und Metallbedachungen GmbH Adresse Seeheim Bauherr Privat Planungsbeginn 2007 Fertigstellung 2010 Nutzfläche 305 m² Kosten k. A. Auszeichnungen u. a. best architects award 13 (Winner); European Copper in Architecture Award 2011 (Commended) Fotos Christoph Kraneburg, Henner Rosenkranz

DIE JEANSMETAMORPHOSE 18 

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ten“, erinnert sich Schlüter. Das Kupfer ist nämlich nicht nur die schicke Verkleidung des Hauses, sondern hat gleichzeitig auch Aufgaben als wasserführende und klimaaktive Schicht. Um den verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden, wurde die jahrhundertealte Einhangtechnik angewandt, bei der die Schindeln ineinander verhakt werden. Ästhetisch gesehen bildet die dunkle Fassade einen klaren Kontrast zum hellen Inneren des Hauses. Die angestrebte Einheit der Oberfläche wird von vier großen Einschnitten unterbrochen. Dies lässt einerseits Sonnenlicht ins Haus und bringt andererseits die unterschiedlichen Ausblicke über die Rheinebene und zum dichtem Wald zur Geltung, die das Grundstück so besonders machen. val

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Architektur FINCKH ARCHITEKTEN Web www.finckharchitekten.de Objekt Haus F Kategorie Neubau / Passivhaus Fassadenmaterial / Fassadenfirma Polycarbonat / Rodeca; Glas, Holz / Salzmann Adresse Esslingen Bauherr Familie Finckh Planungsbeginn Mitte 2010 Fertigstellung Anfang 2012 Nutzfläche 203 m² Kosten € 269.000,– Auszeichnungen best architects award 15 (Gold); Hugo-Häring-Auszeichnung 2014; Häuser-Award 2014; Beispielhaftes Bauen 2012 Fotos Thomas Sixt Finckh

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DAS WANDEL BARE HAUS Wenn die eigene Frau die Bauherrin ist, wird die persönliche Anforderung, das Haus so ideal wie möglich zu gestalten, natürlich besonders groß. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass man sich auch auf die Suche nach dem perfekten Stück Land macht. Im Gegenteil: „Wir wollten ein bezahlbares Grundstück im Großraum Stuttgart. Dabei haben wir auch Problemgrundstücke ins Auge gefasst, auf die architektonisch reagiert werden kann“, erzählt Architekt und Bauherr Thomas Finckh. Die Fläche ist in der Tat schmal, abschüssig und galt als unbebaubar. Auch stehen die Nachbarhäuser relativ nahe und drohten die Privatsphäre zu gefährden. Diesen Umstand löste Finckh mit einer Wand aus Polycarbonatpaneelen, die nicht nur günstig, dämmend und wetterfest ist, sondern tagsüber natürliches Licht spendet und das Haus nachts im wahrsten Sinne des Wortes erleuchten lässt. Zum Ausgleich verglaste man die Nord- und Südfassade komplett. Denn das Zusammenspiel von Licht und Schatten sowie fließende Räume waren Familie Finckh ein großes Anliegen. „Das Herzstück des Gebäudes ist der offene Wohn- und Essbereich, der in den Garten übergeht und wo durch die transluzente Fassade aus Osten am Morgen spannende Lichtstimmungen auf den Esstisch gezaubert werden. Der Lounge-

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bereich mit seiner Glasöffnung nach Süden lässt wiederum einen fantastischen Weitblick zu und wird am Abend durch das warme, atmosphärische Licht aus Westen geprägt.“ Künstliches Licht wird durch LED-Lampen erzeugt, die direkt in den Bau integriert wurden und verhältnismäßig günstig waren. „Bei dieser Beleuchtungsplanung war es uns wichtig, bei Tag keine Leuchten zu sehen, die die Architektur stören“, so Finckh. Auch beinahe die gesamte Innenarchitektur, angefangen bei den Schränken bis hin zum Esstisch, wurde von der Familie selbst entworfen. Dabei lag besonderes Augenmerk auf Materialehrlichkeit: Beton sollte als Beton sichtbar sein, Glas als Glas – ohne Rahmen, „ein Zusammenspiel von Haptik, Transparenz und Licht“. Auch auf Launen und stilistische Vorlieben kann dabei eingegangen werden. „Farbe, Moden, Empfindungen werden mit mobilen Einrichtungen erzeugt, die jederzeit mit geringem Aufwand veränderbar sind.“ So passt sich das Haus seinen Bewohnern an und nicht umgekehrt. mas

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Mitten im Augsburger Domviertel, wo die verwinkelten Gässchen sakrale Namen wie „Auf dem Kreuz“, „Jesuitengasse“ oder „Heilig-Kreuz-Straße“ tragen, entstand vor siebeneinhalb Jahren ein Neubau der etwas unorthodoxeren Sorte: statt kleiner Gucklöcher als Fenster raumhohe Glasflächen, statt unschuldig weißer Wände schwarzbraune Faserzementplatten. Bei den Baubehörden der denkmalgeschützten Innenstadt stieß das Projekt von Architektin Regina Schineis sofort auf Gegenliebe und wird heute gerne als Vorzeigeobjekt für innerstädtisches Bauen herumgereicht. Die Idee, das bestehende Gebäude zu renovieren, verwarfen Bauherrin und Architektin bald. „Es war ein altes Häuschen, aber so verunstaltet, dass es nicht erhaltenswert war. Ich unterstütze das dann auch, wenn jemand Mut zum Neuanfang hat und den alten Dingen nicht zu sehr nachhängt“, erklärt Schineis den Entschluss für einen Neubau. Regina Schineis’ Aufgabe war es dann, auf einem Grundriss von gerade mal 50 Quadratmetern der Bauherrin ein lichtdurchflutetes Zuhause mit genügend Privatsphäre zu planen – in der engen Innenstadtsituation keine leichte Aufgabe. Um an Raum und vor allem Licht zu kommen, blieb der Architektin nur eine Möglichkeit: nach oben bauen. Und weil die Augsburger Innenstadt nicht nur oberirdisch historisch wertvoll ist, sondern im Erdreich Reste römischer

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Siedlungen birgt, verzichtete Schineis der Einfachheit halber auf eine Unterkellerung und strebte mit drei Stockwerken dem Licht entgegen. „Einen Keller zu bauen heißt in Augsburg immer, dass die Archäologen kommen. Die muss dann der Bauherr bezahlen, und das Bauvorhaben ist auf unbestimmte Zeit blockiert.“ In einer derart dicht bebauten Lage ein Wohnhaus mit raumhohen Fensterflächen zu errichten könnte glatt als Exhibitionismus missverstanden werden, wären da nicht die Faltschiebeläden. Möchten sich die Bewohner vor neugierigen Blicken der Passanten schützen, dann können sie ihr Haus praktisch komplett verschließen. Etwas Licht dringt dann nur noch durch die feinen Schlitze in den Faserzementplatten nach innen. maj

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Architektur hiendl_schineis architektenpartnerschaften Web www.hiendlschineis.com Objekt Haus L Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Faserzementtafeln, www.eternit.de / www.sedlmeyr.de Adresse Augsburg Bauherr Privat Planungsbeginn 11/2005 Fertigstellung 9/2007 Nutzfläche 154 m² Kosten k. A. Auszeichnungen Thomas-Wechs-Preis 2008; Jahrbuch für Architektur 2008 Fotos Eckhart Matthäus /www.em-foto.de

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Architektur Titus Bernhard Architekten Web www.bernhardarchitekten.de Objekt Haus K Kategorie Neubau Fassadenmaterial Putz Adresse Starnberg-Söcking Bauherr Privat Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 2012 Wohnfläche 375 m² Kosten k. A. Auszeichnungen Reiners Stiftung Hamburg 2014 (1. Preis); best architects award 13 Fotos Jens Weber Photography / www.jensweber.net

mehr Privatsphäre schaffen, indem wir die bauliche Nachbarschaft ausblenden. Gleichzeitig soll der Blick auf die landschaftlichen Highlights dieses Standorts gelenkt werden.“ So dominieren Übergänge von innen nach außen – wie etwa zwischen der Terrassenlandschaft mit Pool und Wohnzimmer –, komplexe Verschachtelungen, Oberlichter und Lichthöfe, die mit den Spannungspaaren aus weit und nah, hell und dunkel, Architektur und Natur spielen. Komplett aus weißem, feinkörnigem Marmorputz und warmem, hellem Sandstein, ist das preisgekrönte Haus aber kein Projekt, das oberflächlich beeindrucken möchte, sagt Bernhard: „Es gibt schöne Perspektiven aus dem Haus, wo der Blick wie durch ein Passepartout in den Garten geführt wird. Für mich fasst genau dieses Leitmotiv das zusammen, worum es uns gegangen ist: um einen kreativen Umgang mit Außenraum-Innenraum-Qualitäten – und nicht um Stilfragen, Form oder Materialität.“ map / mah

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Auch wenn man es heute kaum glauben mag: Das Grundstück in der Nähe von Starnberg galt lange als schwer verkäuflich. „Viele Käufer schreckte die exponierte, abschüssige Lage ab“, erklärt Titus Bernhard. Doch als der Architekt und sein Team den Auftrag bekamen, ein Haus auf dem eigenwilligen, beinah verwilderten Grund zu bauen, waren sie begeistert: „Wer hat schon einen Buchenwald vor der Tür?“ Schnell war die Idee geboren, die verborgenen Qualitäten des Grundstücks zu aktivieren und Haus und Garten als konzeptionelle Einheit zu inszenieren. „Für den Bauherrn und uns war der ganzheitliche Ansatz wichtig, sodass wir den Auftrag für die Planung von Haus, Garten und Interior erhielten“, erklärt Bernhard, der seine Idee auf praktisch jeden Quadratzentimeter des Grundstücks ausdehnen konnte. „Wir wollten

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Die Mauern aus Sandstein, die Fenster nach oben hin bogenförmig, im Inneren Holzbalkendecken: Ein 400 Jahre altes Domänengebäude hat den Bauherrn und seine Familie sofort in den Bann gezogen. Der Charme der alten Gemäuer sollte nun dazu dienen, ein Mehrgenerationen-Wohnhaus entstehen zu lassen. Das Haus verfügt über zwei Wohnungen, die mit eigenem Schlafzimmer, Badezimmer, Wohn- und Kinderzimmer ausgestattet sind. Das Besondere an diesem Bau sind aber die Verbindungsräume: „Wir haben Räume geschaffen, die als verbindendes und trennendes Element von allen genutzt werden“, sagt der Architekt Justus von Hantelmann. Da gibt es die Diele – ein großer Raum, der zum Beispiel für Feste genutzt werden kann –, das Gästezimmer und ein Gästebad. Eine der wichtigsten Anforderungen des Bauherrn war aber die Barrierefreiheit. Auch die galt es herzustellen. Während die Eingänge zum

Architektur Irlenbusch von Hantelmann - Architekten (Kai Irlenbusch, Justus von Hantelmann) Web www.ih-architekten.de Objekt Domäne Kategorie Umbau Fassadenmaterial Oberkirchner Sandstein Adresse k. A. Bauherr Privat Planungsbeginn 10/2011 Fertigstellung 5/2013 Nutzfläche 364 m² Wohnfläche, 109 m² Werkstatt und Lager Kosten k. A. Fotos Irlenbusch von Hantelmann – Architekten

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Charme der Domäne Haus auf der Hofseite liegen, orientiert sich das Wohnen zum Garten und zur Landschaft hin. Im Inneren sind Eingänge und Wohnraum offen verbunden – ein Baustil, der vor allem den Kindern genug Raum zum Spielen bietet. Gestalterisch orientierten sich Bauherr und Architekten am Ausgangspunkt: der alten Domäne mit ihren Gemäuern. „Es wurde aber nicht der Kontrast oder Gegensatz gesucht“, so von Hantelmann, „die Umgestaltung sollte vielmehr als selbstverständliche Fortführung des Vorhandenen in einer zeitgemäßen Umsetzung verstanden werden.“ Vergangene Bauphasen wurden so mit neuen Elementen zu einem Gesamtbild zusammengefügt. Die vor dem Umbau eher bedrückende Atmosphäre mit niedrigen Decken, kleinen Fenstern und vielen kleinen Räumen sowie engen Fluren wurde radikal durchbrochen. Entstanden sind große Räume, eingebettet in die Grundmauern, helle Wände und breite Fenster. Die Innenausstattung ist modern, aufgeräumt und freundlich. So konnten die Architekten sicherstellen, dass sich alle Generationen wohlfühlen und genug Raum haben. Der Charme der 400 Jahre alten Domäne bleibt den Bewohnern trotzdem erhalten. mat

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„Einen Bungalow zu bauen ist ein Architektentraum“, freut sich Rolf Mattmüller von AHM Architekten. Was für ein Glück, dass in der Nachbarschaft des zu entwickelnden Grundstücks in Arnsberg die eingeschossigen Flachbauten aus den 1960ern und 1970ern vorherrschten. Die Architekten strebten deshalb eine aktuelle Interpretation des Bungalows an und entsprachen damit gleichzeitig dem Wunsch des Bauherrn, alle Räume auf einer Ebene stufenlos erreichen zu können. Der Bungalow wurde ganz klassisch auf einem L-förmigen Grundriss organisiert, wobei ein zentraler Eingang den Bau in zwei Bereiche gliedert. Der südwestliche Teil, mit Küche, Wohn- und Esszimmer, öffnet sich in Richtung Garten, den ein lebendiger Zaun vor Blicken von außen schützt. Zusätzlich wurde das Gelände in Richtung Hecke leicht angehoben, was den Sichtschutz noch weiter verstärkt. Als Verbindung zwischen innen und außen dient ein keramischer Bodenbelag aus Feinsteinzeug. Im östlichen Teil des Gebäudes befinden sich die privaten Räume, also Bad, Schlaf- und Arbeitszimmer. Die Fassade aus Wasserstrichziegeln wurde in wildem Verband verlegt, was dem Bungalow ein abwechslungsreiches Äußeres verleiht, während das Innere bewusst reduziert ist und die Wände glatt geputzt wurden. Der Neubau sollte sich wie von selbst in die Umgebung einfügen und dabei alle zeitgemäßen Anforderungen erfüllen, wie etwa eine wärmeisolierende Glasfront. Diese stellte besondere Herausforderungen

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an den örtlichen Metallbauer, der vor der Aufgabe stand, eine dreifache Glaskonstruktion im Ausmaß von 450 mal 300 Zentimetern in Richtung Garten einzubauen. Das erforderte ein hohes Maß an Präzision, doch wie Architekt Mattmüller anerkennend bemerkt: „Als Berliner Architekturbüro war es eine Freude und sehr beeindruckend zu sehen, wie hoch die handwerkliche Qualität der Firmen aus dem Sauerland ist.“ val

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Architektur AHM Architekten (Peter Arnke, Brigitte Häntsch, Rolf Mattmüller) Web www.ahm-architekten.de Objekt Bungalow in Mühlenberg Kategorie Neubau Adresse Arnsberg Bauherr Familie Kröber Planungsbeginn 2012 Fertigstellung 6/2014 Nutzfläche 250 m² Kosten k. A. Fotos Peter Neusser / www.peterneusser.de

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WENIGER BRAUCHT MEHR

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Holzständerbauweise, der aus der großteils sattelbedachten Siedlung zwar optisch hervorsticht, mit seiner Wohnnutzfläche von 103 Quadratmetern aber genau dem Standard der örtlichen Siedlungsstruktur aus den 1950er-Jahren entspricht. Genauso schlicht, wie der Kubus von außen wirkt, ist auch sein Innenleben: Offene Räume ohne Trennwände erlauben einen ungestörten Blick in den Garten, selbst das Badezimmer geht türlos in das Schlafzimmer über, und den Blick störende Geräte verschwinden hinter den weiß glänzenden Fronten der selbstgezimmerten Einbaumöbel und geben dem Raum so seinen puristischen Charakter. Und weil Petermann fließende Übergänge zu mögen scheint, hat er hier auch gleich sein Architekturbüro einquartiert. „Für mich war es immer sehr störend, dass mein Büro nicht in der Nähe des Wohnortes war. Wenn ich eine Idee habe und schnell was nachgucken möchte, will ich nicht weit fahren müssen“, erklärt Petermann die Entscheidung für ein Wohnatelier. maj

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Andreas Petermann und seine Partnerin haben sich genau überlegt, was sie in ihrem Eigenheim wirklich brauchen. Türen? Brauchen Petermanns nicht! Ein Geländer vor den raumhohen Schiebefenstern im ersten Stock? Brauchen Petermanns ebenfalls nicht! Architekt und Bauherr Andreas Petermann plante nach dem Motto „Was es nicht braucht, macht man nicht“. Die ersten Pläne für das eigene Haus entstanden schon vor über 20 Jahren, als er zusammen mit seiner Schwester das Grundstück in einer klassischen Siedlung mit Einfamilienhäuschen in großzügigen Gärten am Stadtrand von Augsburg gekauft hat. Klar war von Anfang an, dass dem Altbestand – Baujahr 1955 – irgendwann ein Neubau hinzufügt wird. Zu Papier gebracht hat Petermann die Ideen aber erst elf Jahre später. „Als Architekt tendiert man beim eigenen Haus immer dazu, ein absolutes Optimum zu erreichen oder nochmal neue Impulse zu integrieren. Da muss man sich irgendwann selbst disziplinieren und sagen, das passt jetzt so, jetzt wird gebaut“, beschreibt Petermann seine Erfahrungen, die er auch seinen Kunden ans Herz legt. Herausgekommen ist ein Kubus in

Architektur Andreas Petermann Architekt Web www.andreaspetermann.de Objekt Atelier Petermann Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus, Holzbau Fassadenmaterial Eichenholz Adresse Augsburg Bauherr Andreas Petermann Planungsbeginn 2006 Fertigstellung 2007 Nutzfläche 103 m² Kosten € 119.500,– (brutto) + € 60.000,– (brutto) Eigenleistung Auszeichnung Architektouren 2008 ByAK Fotos Udo Geisler / www.udo-geisler.de

Bunt ist meine Lieblingsfarbe Walter Gropius

Alle Häuser sollten von Gesetzes wegen weiß sein Le Corbusier


wunderhaus.com Foto: Hubertus Hamm

Mitten im Berliner Stadtteil Treptow steht zwischen Bäumen, Gestrüpp und Villen ein Gebäude, das buchstäblich verschwindet. Und das mit voller Absicht: Der silbern glänzende Kubus nimmt im Sommer die Farbe der Blätter an, im Winter reflektiert er wie ein Spiegel die Schneelandschaft. „Sogar Freunde von mir, die das Projekt gut kennen, hätten es beim Spazierengehen fast übersehen“, sagt Birgit Wienke. Genau betrachtet ist das Projekt aus dem Büro buchner + wienke architekten ein gut behüteter Schatz mit Camouflage: eine futuristische Fassade, komplett aus glatt poliertem Edelstahl. Der Auftrag an die Architekten lautete, das ursprünglich als Stall genutzte Gebäude zu einem modernen Atelier umzubauen – mitten in einem traditionellen Ostberliner Ensemble aus Wohngebäuden, einem Veranstaltungsbau und einer repräsentativen Villa. Das Atelier sollte den Eigentümern – zwei Designern – als kreative Werkstätte und Rückzugsort dienen. Deshalb lag die Idee nahe, die Fassade wie eine Camouflage zu konzipieren. „Da das Ganze als Ensemble gebaut ist und Teil des denkmalgeschützten Treptower Parks ist, wurde auch die Fassade des Ateliers mit dem Denkmalamt abgestimmt.“ Und obwohl das Amt die Neuinterpretation des Ensembles unterstützte, war der Weg zur spiegelglatten Fassade lang – aus technischen Gründen: „Von der Nutzung her stellt das Atelier etwas Besonderes dar, deshalb sollte es nach außen hin das auch repräsentieren. Gleichzeitig sollte es etwas zum Abtauchen sein. Insofern suchten wir eine Hülle, mit der sich diese Bedürfnisse kombinieren ließen“, sagt Wienke. Schließlich – nach umfassender Materialrecherche,

Architektur buchner + wienke architekten (mit kreativer Mitwirkung der Bauherren Angela Spieth und Michael Oehler) Web www.buchnerundwienke.de Objekt Atelierhaus Kategorie Umbau Fassadenmaterial Edelstahl Adresse Berlin-Treptow Bauherren Angela Spieth und Michael Oehler Planungsbeginn 2005 Fertigstellung 2008 Kosten k. A. Auszeichnungen u. a. Heinze Architekten Award 2011 – „Einzigartiger Nichtwohnbau“ (Shortlist); Deutscher Fassadenpreis FVHF 2009 (1. Preis); Office Application Award – „Best Workplace“ (1. Preis) Fotos Marcus Bredt / www.marcusbredt.de

Edelstall 13 die auch Werkstattbesuche beim Metallbauer einschloss – entschieden sich die Bauherren für das widerstandsfähige, aber nicht ganz kostengünstige Metall. Wienke und ihr Team entwickelten eine Fassade, deren Einzelteile gekantet sind und – je nachdem, wie man das Haus betrachtet – den Himmel oder den Boden reflektieren. Mit dem verführerisch glänzenden Material lassen sich aber nicht nur optisch reizvolle Effekte erzielen. Da es sich um eine hinterlüftete Fassade handle, sei die Konstruktion haltbarer als herkömmliche Verbundsysteme, erklärt Wienke. Ein Haus, das sich mit den Jahreszeiten wandelt, aber so schnell nicht altern wird. map

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böhmler im tal führt die großen Marken dieser Welt – zum Beispiel das Möbelbausystem von USM . Fotografiert im Müllerschen Volksbad in München . www. boehmler. de


Das VierviertelHaus

Architektur reinhardt_jung Web www.reinhardtjung.de Objekt 4 in 1_Viergenerationenhaus im Goldenen Grund Kategorie Umbau Adresse Bad Camberg Bauherren Katja und Brian Jones Planungsbeginn 2004 Fertigstellung 2008 Nutzfläche 252 m² Kosten k. A. Auszeichnungen DEUBAU-Preis 2012 (Nominierung); MAX 40 – BDA-Preis 2010; Das Goldene Haus 2009 Fotos lumen / www.lumenphoto.de

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Den Bedürfnissen von vier Generationen einer Familie musste Reinhardt Jung beim Umbau des Originalhauses in Bad Camberg gerecht werden. Deshalb wurde der Altbau von 183 auf 252 Quadratmeter erweitert, wurde Neu mit Alt verzahnt. Denn in einem Haus, in dem eine Ur- auf eine Enkelgeneration trifft, brauchen alle ihre Rückzugsorte. Die weiten, um einen Kern gruppierten Gemeinschaftsräume stellen das Gegenstück zu den übrigen Raumsequenzen dar, die den jeweiligen altersbedingten Bedürfnissen gerecht werden. Ersteres, damit sich die Generationen begegnen, Zweiteres, damit sie sich aus dem Weg gehen können. „Das Miteinander und Zusammenfügen von Altem im Neuen und vom Neuen im Alten“ war ein besonderes Anliegen von Architekt Reinhardt Jung. So wurden im ganzen Haus „Zitate“ verstreut, also Elemente der jeweils

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anderen Seite in die neuen und in die bereits bestehenden Räume eingefügt – wie etwa Omas Originalkronleuchter im Kaminzimmer oder die vier Meter hohe (Sie haben richtig gelesen: vier!) Dusche in der bereits vorhandenen Nasszelle. Eigentlich wäre es ja genug Arbeit gewesen, so viele verschiedene Interessen berücksichtigen zu müssen. Doch laut Gesetz (Einfügen des Bauvorhabens in seinen Kontext) mussten auch die Nachbarn dem ambitionierten Projekt zustimmen, bei dem neben den ganzen Erweiterungen auch der Garten mit dem Ausbau zusammengefügt und mit ihm verschmolzen wurde. Als Resultat kann etwa das Kaminzimmer vollständig geöffnet werden, wodurch es Außen- und Innenraum in einem ist. Und die Nachbarn stimmten zu, es handelte sich in der Tat um „liebe“ Nachbarn, die das Projekt voll unterstützten. „Der Nachbar auf der Nordwestseite ließ sogar eine Baulast in sein Grundbuch eintragen, damit das Projekt so realisiert werden konnte.“ Dennoch dauerte es fast ein ganzes Jahr, bis alles fertig geplant war und mit dem Bau begonnen werden konnte. Nun vereinen sich im neuen Viergenerationenhaus wie erhofft Neu und Alt. Nicht zuletzt entlang des von Großvaterhand geschmiedeten Geländers im Treppenhaus. val

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Architektur wird gerne atmosphärisch beschrieben, als ein ganzheitliches – idealerweise fast magisches – Erlebnis von Raum. Licht spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Schon für Platon ist das Gute das „Leuchtendste des Seienden“. Licht steht für Erkenntnis und Wahrheit. Es ist Medium, Inhalt und Botschaft – und hebt sich vom Dunklen ab. Licht und Schatten sind nicht nur metaphorisch ständige Antipoden, bedingen einander, sondern bilden eine sich ständig wandelnde Einheit.

von Manuela Hötzl

Architektur aus Licht Nun ist mit der Moderne eine Lichtarchitektur eingeleitet worden, die Schatten gleichsam aus der Architektur verschwinden lässt. Eine neue Transparenz, beginnend mit dem Crystal Palace, prägte die Bauten des 20. und 21. Jahrhunderts. Die industrielle Revolution und der Einsatz von Eisenträgern ermöglichten den Verzicht auf tragendes Mauerwerk und den Einsatz großflächiger Glasflächen. Bruno Taut baute seinen Glaspalast und rief: „Was wäre die Konstruktion ohne den Eisenbeton!“ Die Schönheit des Bauens wurde mit dem Material, dem „Gewand der Seele“, gleichgestellt. In den letzten 100 Jahren hat sich diese These im Bauen manifestiert – das Licht, vor allem künstliches, ist omnipräsent. Man sieht es an den Städten, ihren Silhouetten, an den Medienfassaden und Beleuchtungen der

Häuser und Straßen. Längst spricht man von Lichtverschmutzung. Neben dem Licht selbst haben auch eine Zeichenhaftigkeit und Reizüberflutung zugenommen. Dagegen sucht man in der Kunst, wie James Turrell, wieder den leeren Raum. Zurück zu einem Raum der Wahrnehmung. Licht nicht als Erkenntnis, vielmehr als reine Unterstützung des Erscheinens. In der Architektur sind Licht und Lichtplanung jedoch komplex geworden und können längst nicht mehr als reine Fassaden- und Konstruktionsfrage abgehandelt werden – der Traum vom leeren Raum als reinem Licht- und Schattenspiel bleibt jedoch. Der Schweizer Architekt Peter Zumthor sagt etwa im Buch „Atmosphären“ (FSB): „... wir holen keinen Elektroplaner und sagen: Okay, wo wollen wir da noch Leuchten setzen und wie wollen wir das Ding ausleuchten? Sondern diese Vorstellung ist von Anfang an dabei. Die eine Lieblingsvorstellung ist die: das Gebäude zunächst als Schattenmasse zu denken und dann nachher, wie in einem Aushöhlungsprozess, Lichter zu setzen, Licht einsickern zu lassen.“

Das Sichtbarmachen der Dinge Das „Jahr des Lichts“ fokussiert verstärkt wieder auf eine wissenschaftliche Herangehensweise: Die Themen sind unter anderem Lichtverschmutzung und das Sparen von

Astrid Unger, Pressesprecherin und Leitung PR, VELUX Deutschland GmbH

„Tageslicht ist eine Ressource, die uns täglich angeboten wird und kostengünstig zur Verfügung steht. Und als solche sollten wir es nutzen und planerisch einsetzen mit dem Ziel, nachhaltige Gebäude nach den Aktivhausprinzipien zu errichten – also Gebäude, in denen Energieeffizienz mit einem besonderen Augenmerk für das Raumklima, die Gesundheit und das

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Fang das Licht

Das wohl bekannteste Zitat zum Thema „Licht und Architektur“ stammt von Le Corbusier aus 1922, „Vers une architecture“: „Architektur ist das kunstvolle, korrekte und großartige Spiel der unter dem Licht versammelten Baukörper.“ Seit der Moderne, der Erfindung der Curtain Wall, großflächiger Fensterflächen und anderer Technologien, die eine neue Transparenz in das Bauwesen und in die Ideologie des Bauens gleichermaßen brachten, hat sich jedoch viel verändert. 2015 hat die UNESCO zum „Jahr des Lichts“ ausgerufen. Das Motto lautet: „Licht für Wandel“ und soll an die Bedeutung von Licht als elementare Lebensvoraussetzung für Menschen, Tiere und Pflanzen und daher auch als zentraler Bestandteil von Wissenschaft und Kultur erinnern. Eine Bestandsaufnahme.

Foto: VELUX Deutschland

Wohlbefinden der Nutzer sowie die Umwelt kombiniert wird.“

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Fang das Licht 

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Foto: Brigida Gonzaléz

Die rahmenlosen Schiebefenster, entwickelt und hergestellt in der Schweiz, ermöglichen schwellenlose Übergänge mit spektakulärem Weitblick. www.sky-frame.ch („Villa Moos“ von Biehler Weith Associated, www.biehler-weith.de, Projekt No. 91)

„Kunststück“ – MANDALA NO. 1, Halogen- und LED-System von www.willowlamp.com

Gregor Radinger, Leiter des Zentrums für Umweltsensitivität, Donauuniversität Krems (AT)

„Unsere Lebensweise läuft tatsächlich immer häufiger unserer ‚biologi-

Der wichtigste Zeitgeber ist dabei das Tageslicht.“

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Fang das Licht

Gesundes Licht

Licht oder die Entwicklung kostengünstiger, energieeffizienter Lichtquellen für Entwicklungsländer. Außerdem soll der Zusammenhang zu angewandter Physik wieder vermehrt hergestellt werden. Wissenschaftliche Erkenntnisse über Licht erlauben ein besseres Verständnis des Kosmos. Biorhythmus und Tageslicht – in Verbindung mit Luft und Wohlbefinden – behandelt „Licht“ als ganzheitlichen Planungsbaustein für Räume unserer Zeit.

Zeitgeber Tageslicht Gregor Radinger, Leiter des Zentrums für Umweltsensitivität an der Donauuniversität Krems (Österreich), sieht Lichtplanung als „ein interdisziplinäres Betätigungsfeld, dessen Aufgabe weit über das Sichtbarmachen der Dinge und die Inszenierung von Räumen hinausgeht“. Ein großes Thema ist der Zusammenhang z wischen künstlichem und natürlichem Licht. Die Landesbauordnungen schreiben – je nach Bundesland verschieden – z wischen 1/8 bis 1/10 der Raumgrundfläche als Mindest-Lichtfläche vor. Großzügiger ist die Empfehlung nach DIN 5034 „Tageslicht in Innenräumen“: „Die Breite des durchsichtigen Teils des Fensters (bz w. die Summe der Breiten aller Fenster) sollte mind. 55% der Breite des Wohnraumes betragen.“ Diese Mindestanforderung widerspricht der Meinung von Tageslichtexperten wie auch der Firma VELUX: Je größer die Lichtfläche, desto größer der Wohnkomfort. Aber nicht nur – auch Außenflächen sollten möglichst viele nutzbar sein.

Grundsätzlich ist der Mensch konzipiert für ein Leben im Freien, doch der Durchschnittseuropäer verbringt 90 Prozent seiner Zeit in geschlossenen Räumen. Umso wichtiger wird die Menge des Tageslichts – nicht zuletzt für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Doch dabei gibt es oft ein Missverständnis: Viele Fensterflächen bedeuten zwar mehr Tageslicht – für einen funktionierenden Rhythmus unseres Organismus ist das aber längst nicht genug. Der höchste Tageslichtanteil reicht nicht aus, um Menschen wirklich gesund zu erhalten. UV-Strahlung, die für eine Vielzahl an physiologischen Vorgängen verantwortlich ist, kann Bauglasflächen nicht durchdringen. Gerade Zwei- und Dreifachverglasungen lassen die notwendigen Strahlungen nicht durch. Radinger: „Unsere Lebensweise läuft tatsächlich immer häufiger unserer ‚biologischen Uhr‘ zuwider. Der menschliche Organismus hat seinen ganz eigenen Rhythmus mit unterschiedlichen Periodenlängen: Herzschlag, Atmung, Schlaf, Zellerneuerung. Ohne Signale von der Außenwelt würde unser innerer Rhythmus stur in etwa dem 24-Stunden-Zyklus folgen. Externe Reize können uns da als Zeitgeber hilfreich sein: Sie bringen uns dazu, unsere innere Uhr zu justieren. Man spricht von einer ‚Synchronisation‘. Der wichtigste Zeitgeber ist dabei das Tageslicht.“ Also ist es notwendig, sich auch immer wieder im Freien aufzuhalten. Dass das nicht immer möglich

Bereits 1903 erkannte der dänische Wissenschaftler Niels Finsen, dass direktes Sonnenlicht Tuberkulose heilen kann. Lichttherapie wurde somit wieder fixer Bestandteil westlicher Medizin. Auch Architekten nahmen diese Erkenntnis auf und designten tageslichtdurchflutete Räume, um ein gesundes und hygienisches Umfeld zu schaffen. Wie wichtig direktes Licht in Gebäuden ist, besonders in Hinblick auf dessen positive Auswirkungen, ist unumstritten. Der Arzt Richard Hobday, Wissenschaftler und Spezialist für Sonnenlichttherapie und solares Design für die Gesundheit, erklärt: „Wir wissen heute, dass direktes Sonnenlicht vor Krankheiten bewahrt und für ein gesundes Innenraumkli-

Foto: Copyright - Sawaya & Moroni, Milano / Credit – Santi Caleca; Privaträumlichkeiten von Sawaya & Moroni; Masterpiece Chandelier VORTEXX by Zaha Hadid / Patrik Schumacher; In collaboration with SAWAYA & MORONI, Masterpiece Chandelier LQ by Hani Rashid

schen Uhr‘ zuwider. Der menschliche Organismus hat seinen ganz eigenen Rhythmus mit unterschiedlichen Periodenlängen: Herzschlag, Atmung, Schlaf, Zellerneuerung. Ohne Signale von der Außenwelt würde unser innerer Rhythmus stur in etwa dem 24-StundenZyklus folgen. Externe Reize können uns da als Zeitgeber hilfreich sein: Sie bringen uns dazu, unsere innere Uhr zu justieren. Man spricht von einer ‚Synchronisation‘.

ist, weiß auch Astrid Unger von VELUX, das Tageslichtplanung für Architekten anbietet: „Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse deuten zweifelsfrei darauf hin, dass das uns umgebende Licht eine direkte Wirkung auf Körper und Geist des Menschen hat. Wir Menschen verfügen über eine innere Uhr, die wichtige biologische Prozesse rhythmisch steuert, wie z. B. den Tag-Nacht-Rhythmus. Um diese innere Uhr zu synchronisieren, braucht der Mensch jeden Tag eine gewisse Menge an Licht, die normalerweise nur das Tageslicht zur Verfügung stellen kann und die weit über dem liegt, was beispielsweise zum Lesen notwendig ist.“ Tageslicht, das wir über das Auge wahrnehmen, beeinflusst unsere innere Uhr, den zirkadianen Rhythmus. Aus dieser Sicht sind die meisten Gebäude absolut unterversorgt mit Tageslicht. Wir sind Innenraummenschen geworden, obwohl wir evolutionär für den Außenraum geschaffen sind. VELUX stellt sich die Frage „Wie viel Tageslicht braucht der Mensch?“ immer wieder – das muss für jeden Bau, ob Einfamilienhaus oder Bürogebäude, ausverhandelt werden. VELUX: „Tagsüber arbeiten wir bei künstlichem Licht im Büro und wundern uns, dass wir bei matten 500 Lux nie richtig munter werden. Im Vergleich dazu: Selbst ein bedeckter Himmel im Freien hat 8.000 Lux.“

Zumtobel Masterpieces sind halb Leuchte, halb Kunstwerk. www.zumtobel.com/masterpieces

ma sorgt. Und es gibt Beweise dafür, dass wir unsere Abwehrkräfte gegen Infektionen durch ausreichend viel Kontakt mit direktem Sonnenlicht stärken – auch wenn wir uns hinter Glas befinden. Wir wissen auch, dass Infektionen ‚indoor events‘ sind. Für Grippe verantwortliche Viren vermehren sich im Innenraum und sterben sofort, wenn sie Tageslicht und frischer Luft ausgesetzt werden.“ Auch die Leistungsfähigkeit nimmt bei mehr Tageslicht zu und beeinflusst in großem Maße die Entwicklung von Kindern. Die amerikanische Heschong Mahone Group etwa weist nach, dass Schulkinder in Klassenzimmern mit viel Tageslicht eindeutig leichter lernen. In einer Schule im kalifornischen Capistrano hat sich dies wissenschaftlich durch eine Studie bestätigt: Seitdem die Kinder in tageslichtdurchflutete Klassenzimmer gewechselt sind, steigerten sich die Lernerfolge um 20 Prozent in Mathematik und um 26 Prozent beim Lesen. Ein ähnliches Ergebnis gab es in rund 3.000 weiteren Schulen der USA: Die Tageslicht-Einstrahlung fördert zusätzlich die Konzentration.

Energetische Lichtplanung Astrid Unger: „Die optimierte Tageslichtnutzung im Inneren trägt nicht nur zum Wohlbefinden der Bewohner bei, sondern senkt auch den Energieverbrauch eines Gebäudes. So kann der Einsatz künstlicher Beleuchtung reduziert werden, und solare Energieeinträge durch die Fenster sorgen dafür, dass weniger geheizt werden muss.“ Radinger: „TageslichtArchitektur bedeutet nicht, Glashäuser zu bauen – es geht vielmehr um die strategische Positionierung von Fenstern, Oberlichten, Dachflächenfenstern, Flachdachfenstern und ähnlichen Belichtungselementen zur Erreichung eines Belichtungsniveaus, das den menschlichen Anforderungen Rechnung trägt.“ Planen kann man die Nutzung der hohen visuellen Qualität des natürlichen Lichts während des Tages bei gleichzeitiger Berücksichtigung solarer Energieeinträge sowie die Verwendung künstlicher Beleuchtung, die auf die visuellen und physiologischen Bedürfnisse der Nutzer von Gebäuden abgestimmt ist, so Radinger. In jedem Wohnhaus sollte deswegen jedoch auch auf eine gute Mischung aus Natur, Tageslicht und künstlichem Licht geachtet werden. Nach Zumtobel werden 19 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs für Beleuchtung verwendet. Das birgt viel Einsparungspotenzial. Und dafür braucht man mitunter kompetente Lichtplaner. Dabei sind gestalterische Kompetenzen, bauphysikalische, lichttechnische und physiologische Kenntnisse gefragt, welche auch die Einflussnahme von künstlicher Beleuchtung auf Ökosysteme miteinbeziehen. Achim Straub, Product Manager Residential Lighting von Zumtobel: „Eine wesentliche Grundlage für die

Achim Straub, Product Manager Residential Lighting von Zumtobel

„Zumtobel bringt aus den verschiedenen Anwendungsbereichen der professionellen Gebäudebeleuchtung ein umfassendes Wissen über Licht und dessen Wirkung auf den Menschen mit. Von dieser Expertise kann jetzt auch der private Bauherr profitieren. Auch im privaten Bereich gilt, je früher ein Lichtplaner in das Projekt eingebunden wird, desto besser kann auf die individuellen Wünsche des Bauherrn eingegangen werden. Zudem erfüllt eine hochwertige Lichtlösung nicht nur die Bedürfnisse der zukünftigen Bewohner, sondern steigert auch den Wert der Immobilie.“

Lichtplanung ist auch die Nutzung der Räume: Wie bewegt man sich, wo hält man sich auf? Heute verschmelzen Lebens- und Arbeitsräume oft. Eine Anforderung, für die Zumtobel aus seiner Tätigkeit in der professionellen Gebäudebeleuchtung wertvolle Erfahrungswerte einbringt. Die Lichtplanung unterteilt die Räume, erzeugt Lichtinseln und verleiht dem Raum dadurch auch sanfte Strukturen. In Abhängigkeit von der Tageszeit oder dem Bauherrenwunsch entsprechend schafft sie mit Hilfe von einfach bedienbaren Lichtmanagementsystemen die unterschiedlichsten Atmosphären. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Kontext die fortgeschrittene Entwicklung der LED. Die LED ist nicht nur das effizienteste Leuchtmittel, sie ersetzt auch die bisher verbreitete Halogenlampe und bietet neue Möglichkeiten, um eine emotionale Stimmungen zu schaffen. Mit Licht werden die Räume zu einem Zuhause.“ Das Zitat von Le Corbusier zeitgemäß: „Architektur ist das kunstvolle, korrekte und großartige Spiel mit dem Licht und dem Baukörper." Fang das Licht 

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LICHTSPIELE IM KÖNIGSWALD Ein Ehepaar, das in Rente gegangen ist, wollte sich einen Wunsch erfüllen: ein Haus, in dem sie zu zweit leben und Gäste einladen können. An sich nichts Besonderes, gäbe es da nicht die etwas ungewöhnliche Lage: Das Haus sollte mitten im Wald zwischen roten Kiefernstämmen gebaut werden, deren Kronen Schatten spenden. „Den Bauherren hat das Grundstück auf Anhieb gefallen“, erzählt Architekt Hartmut Flothmann, „und toll sind auch die Bäume, die wir weitestgehend stehen lassen wollten und konnten. Sie geben dem Grundstück eine Struktur.“ Das Haus besteht aus zwei würfelartigen Räumen, die zueinander gedreht und jeweils 60 Quadratmeter groß sind. Somit ist das Innere auch funktional in Schlafhaus und Wohnhaus geteilt. „Wir haben einen offenen Grundriss als Bungalow entwickelt, der den

Architektur claim (Olga Skaba, Hartmut Flothmann) Web www.claimspace.de Objekt Waldhaus am Königswald Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Holz Adresse Potsdam Bauherr Privat Planungsbeginn k. A. Fertigstellung 2012 Nutzfläche 113 m² Kosten k. A. Auszeichnungen u. a. German Design Award 2014 (Special Mention) Fotos Guntram Jankowski und claim

Waldgarten mit dem Kronendach zur Erweiterung der Wohnräume macht“, erklärt Flothmann. Die Bauherren wünschten sich zudem eine nachhaltige und ressourcenschonende Bauweise. Im Rahmen des Budgets hat das Architektenteam versucht, dieser Anforderung gerecht zu werden. Dabei richtete sich das Hauptaugenmerk auf einen hohen Standard der Dämmhülle. Auch der Holzrahmenbau beispielsweise wurde aus lokal verfügbarem Holz hergestellt. Kontraste spielen ebenfalls eine große Rolle: Die Fassade ist in einem matten Schwarz gehalten, das Weiß der Innenräume hingegen wird erst im Bereich der Südfassade nach außen hin sichtbar. Ein stilistischer Zug, der Einfachheit und Schlichtheit ausdrückt. Das ursprüngliche Haus, an dessen Stelle das Waldhaus getreten ist, war eine Datscha, wie man sie aus Zeiten der DDR noch kennt, mit grünem Unterholz. Mit viel Fantasie und in einem längeren Prozess des Entwerfens und Verwerfens ist dieses Waldhaus entstanden. Auch für Flothmann war dessen Bau ein spannender Vorgang: „Entwerfen ist jedes Mal ein Abenteuer und Wagnis, dessen Ergebnis man nicht vorwegnehmen kann, aber man kennt den Prozess und Weg dahin.“ mat

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Im sächsischen Zabeltitz steht ein fichtenholzverkleidetes Haus, das buchstäblich Köpfe verdreht. Zwar sind hier, im Norden von Dresden, scheunenartige Gebäude keine Seltenheit, doch mit seiner monolithisch wirkenden Vorderfront und der Fenstergalerie an der Südseite sticht das „Haus J“ in der traditionellen Umgebung hervor. „Vielleicht kommt an, dass es extrem durchdacht und trotzdem simpel ist“, erklärt Jörg Zimmermann von ist a r c h i t e k t u r den Erfolg des Projekts. Mit der Kombination aus ländlicher Bausubstanz und zeitgenössischer Architektur haben er und sein Kollege Maximilian Meixner nicht nur die Bauherren des Wohnhauses überzeugt, sondern auch in der Architekturszene gepunktet. 2013 gewannen sie mit „Haus J“ im Rahmen des Sächsischen Landeswettbewerbs „Ländliches Bauen“ einen Sonderpreis für „Qualität im Detail“. Doch vom alten Bestand bis zum preisgekrönten Haus war es ein langer Weg, erinnert sich Zimmermann. Ursprünglich stand auf dem Grundstück ein L-förmiger Kindergarten, der bis zur Wende in Betrieb war. Danach wurde es in drei Teile geteilt. Der Spielplatz auf der Hinterseite, auf dem heute das „Haus J“ steht, fristete lange ein Schattendasein. „Die Bauherren waren sich zunächst nicht sicher, ob sie einen guten Kauf gemacht haben, da die umliegenden Grundstücke in dieser Gegend etwas größer sind.“ Außerdem sollte genug Platz für den Nachwuchs sein, den die junge Familie erwartete. Was sie am Ende jedoch überzeugte: Direkt vor der Haustür liegen Kastanienallee, Barockgarten und eine beeindruckende Auenlandschaft, die man heute direkt vom Obergeschoss aus betrachten kann. Dass die moderne Neuinterpretation sich so natürlich in den

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Architektur Peter Ruge Architekten (Pysall Ruge, Peter Ruge, Kayoko Uchiyama, Matthias Matschewski, Akane Tazawa) Web www.peter-ruge.de Objekt Haus O Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus Fassadenmaterial / Fassadenfirma Beton und Glas / Frontplan Ingenieurbüro Adresse k. A. Bauherr Privat Planungsbeginn 2007 Fertigstellung 2011 Nutzfläche 360 m² Kosten k. A. Fotos Werner Huthmacher / www.huthmacher-data.de

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NACH DEM DORNRÖSCHENSCHLAF Architektur ist a r c h i t e k t u r (Maximilian Meixner, Jörg Zimmermann) Web www.istarchitektur.de Objekt Haus J Kategorie Umbau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Vorhangfassade Holz (Fichte, Glattkantprofil) / Zimmerei Waltke GmbH Adresse Zabeltitz Bauherr Privat Planungsbeginn 5/2011 Fertigstellung 9/2012 Nutzfläche 268 m² Kosten k. A. Auszeichnung Sächsischer Landeswettbewerb „Ländliches Bauen“ 2013 (Sonderpreis „Qualität im Detail“) Fotos ist a r c h i t e k t u r

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Rest des Ortes einfügt, hat nicht nur mit der liebevollen Renovierung des Bestands zu tun, dessen Mauerwerk erhalten ist und sich hinter der Holzfassade versteckt. Beim Umbau ließ man sich außerdem von den Torhäusern im nahe gelegenen Schloss aus dem 17. Jahrhundert inspirieren und übernahm den Grundriss vom Bestandshaus, erklärt Zimmermann. Lediglich das Obergeschoss wurde neu aufgesetzt und die Fenster neu eingesetzt. Von vorne nach hinten betrachtet, wird das Haus immer privater, erklärt der Architekt das Innenraumkonzept: Nach dem offenen Wohnbereich folgen Schlafzimmer, Sauna und Bad. „Es war nicht immer leicht, die Detaildichte durchzuziehen, die wir mit den Bauherren geplant hatten“, sagt Zimmermann. Doch die intensive Planungsphase hat sich ausgezahlt: Den ehemals verwaisten Spielplatz konnten die Architekten aus seinem Dornröschenschlaf holen und darauf ein Haus hinsetzen, das wohl noch lange ein Hingucker bleiben wird. map

Ein viergeschossiges Mehrfamilienhaus am Hang mit Blick auf zwei brandenburgische Seen: Der Wunsch des Architekten Peter Ruge war es, die wundervolle Umgebung für die Planung dieses Neubaus zu nutzen: „Das Besondere an diesem Haus ist seine Lage. Wir haben bei der Planung ein Konzept gefunden, bei dem sich die Architektur zurücknimmt und die Bewohner mit der Natur leben.“ Entsprechend ist das Äußere des Mehrfamilienhauses von architektonischer Schlichtheit geprägt. Die schmalen Fassaden bestehen aus Glas – nach Süden in den Garten und nach Norden jeweils mit Blick über einen brandenburgischen See; die Fassaden der Längsseiten zu den Nachbarn sind überwiegend geschlossen und aus Sichtbeton. Nach außen zurückhaltend und modern, entfaltet das Haus seine Besonderheit im Inneren. Durch die Glasfassaden wirkt es hell und freundlich und verwandelt sich mit den Jahreszeiten. Im Winter haben die Bewohner einen sonnigen Panoramablick, während in den Sommertagen ein dichtes Laubdach vor der direkten Sonneneinstrahlung schützt. Und das gilt für alle vier Geschosse. Doch beim Konzept stand nicht nur das Spiel mit den Jahreszeiten im Vordergrund, sondern auch die Wandelbarkeit in der Benutzung. „Das Haus wurde so gebaut, dass es unterschiedlich und nachhaltig bewohnt werden kann“, erklärt Ruge. Derzeit nutzt der Bauherr alle vier Geschosse, im Haus können theoretisch aber drei bis vier Parteien wohnen. Die Wohnungen werden durch ein einziges architektonisch sehr auffälliges Element verbunden: eine futuristisch anmutende diagonal angelegte Außentreppe. Die Wohnungseingänge befinden sich daher schräg über die Ostfassade verteilt. „Die große Herausforderung war es, im offenen Raumkonzept ausreichend Privatsphäre

für die Bewohner herzustellen. Ebenso war es wichtig, bei der Bebauung des Grundstücks die geplante Qualität 1:1 umzusetzen“, sagt Ruge. Durch eine intelligente Technik kann das Gebäude individuell und von jedem Ort aus gesteuert werden und verbraucht minimale Energie. Offen, wandlungsfähig, vernetzt: Das „Haus O“ zeigt, welches Potenzial in modernen Einfamilienhäusern steckt und wie man modern mit Bezug zur Landschaft und Natur leben kann. mat

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Architektur Andreas Heupel Architekten Web www.heupel-architekten.de Objekt Speicher Münsterland Kategorie Umbau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Zimmereiarbeiten und historisches Eichenholz / Zimmerei Rieping und Fa. Kappel Adresse Drensteinfurt Bauherr Privat Planungsbeginn 6/2008 Fertigstellung 9/2009 Nutzfläche 130 m² Kosten k. A. Fotos Roland Borgmann

A DV ERTO R I A L

www.kellerag.com

MAXIMUM VIEW

Stille

im GEBÄLK Loftartige Wohnräume oder Großraumbüro – was man alles aus einem alten Speicher machen kann, hat schon Hamburg in seiner Speicherstadt vorexerziert. Dasselbe, nur in kleinerem Maßstab, hat Architekt Andreas Heupel vor sechs Jahren aus einem Speicher im idyllischen Münsterland gemacht. Durch überfüllte Supermarktregale und Hightech-Kühlräume heute überflüssig geworden, sollte das Backsteingebäude auf dem Bauernhof zu einem Wochenendhaus umfunktioniert werden. Andreas Heupel bot den Bauherren ein Rundumprogramm: Er kümmerte sich nicht nur um die Instandsetzung des Speichers, sondern entwarf gleich auch die Möbel und plante die Außengestaltung. Obwohl der Speicher aus dem 18. Jahr-

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Diese Premium-Villa mit einzigartigem Panoramablick wurde in erster Reihe des Berghanges errichtet. Der spektakuläre Ausblick über das Rhonetal und die umliegende Bergwelt wird durch ein von der luxemburgischen Fa. KELLER AG entwickeltes, rahmenloses Design-Schiebesystem inszeniert. Die großen DesignGlasflächenfenster vom Typ KELLER minimal windows® zur Ost-, Süd- sowie Westseite hin können teils komplett geöffnet werden und verwandeln die Räume im Sommer in ein Outdoor-Luxusdomizil. Die „Villa Wallis“ in der doppelsprachigen Gemeinde Sierre wurde von dem renommierten Schweizer Architekturbüro Renggli designt.

Die filigranen Design-Fensterrahmen mit Fest- und Schiebeelementen wurden fluchtgerecht zu Wänden, Decke und Böden integriert. Der einzige sichtbare Rahmen ist derjenige zwischen dem Fest- und Schiebefenster, mit einer Breite von nur 21mm. Bauherr und Architekt wollten die Villa mit einem modernen und nachhaltigen Design ausstatten, das sehr energiesparend ist. Die Verwendung von großen Mengen an Glasfassaden durfte diese anspruchsvollen Ziele nicht beeinträchtigen.

hundert sehr baufällig war, versuchte er, die Fassade optisch so wenig wie möglich zu verändern. Löcher im Mauerwerk wurden deshalb mit wiederverwendeten Backsteinziegeln aufgefüllt. Der kleine Garagenanbau aus den 1950er-Jahren hingegen bekam ein völlig neues Antlitz aus Eichenholz. „Der Anbau war ganz schlimm und hässlich. Dieser Bauteil war sekundär, das wollten wir auch darstellen“, sagt Andreas Heupel, dem es wichtig war, dass der alte Speicher die Hauptattraktion blieb. Die Raumaufteilung im Hausinneren folgt demselben Grundsatz: Haupträume wie Schlafzimmer und Wohn-Ess-Bereich befinden sich im alten Teil, die ehemalige Garage beherbergt hingegen Nebenräume wie den Eingangsbereich und das Badezimmer. Von der Vergangenheit des alten Speichers zeugen heute noch die alten Balken und Holzböden. Besonders im Obergeschoss, das zum First hin offen ist, kann man das uralte Gebälk freien Blickes bestaunen. Den Wohnraum im Erdgeschoss hat Andreas Heupel mit einer Treppe gegliedert, die gleichzeitig als Schrank dient und Kaffeemaschine, Kühlschrank und Fernseher in sich aufnimmt. Den Ausblick in die parkähnliche Landschaft des Münsterlandes kann man am besten von der Badewanne aus genießen. Damit das möglich ist, hat Andreas Heupel die Wanne auf das Niveau des Fensters angehoben. maj

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KELLER AG × 100 Häuser 

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Architektur J. MAYER H. (Hans Schneider, Jürgen Mayer H., Andre Santer) Web www.jmayerh.de Objekt Dupli.Casa Kategorie Neubau Adresse k. A. Bauherr Privat Planungsbeginn 2005 Fertigstellung 2008 Nutzfläche 1.190 m² Kosten k. A. Auszeichnungen Chicago Athenaeum, International Architecture Award 2009; Jury Award Wallpaper* 2008 Fotos David Franck Photographie / www.davidfranck.de

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Modellierte Familienidylle Futuristisch, modern, ja wie von einem anderen Stern. Die weiße Villa nahe Ludwigsburg, die durch ihre geometrische Form hervorsticht, fasziniert – nicht nur Architekturexperten in Fachjournalen. „Überraschend groß war die Aufmerksamkeit der Presse und Öffentlichkeit auf das Gebäude“, sagt Wilko Hoffmann vom Büro J. Mayer H., das die Idee zu dem ungewöhnlichen Gebäude hatte. „Ich denke, wir haben hier in Gestaltung, Form und Ausdruck etwas völlig Neues geschaffen, was niemand erwartet hätte.“ Dabei sei die eigenwillige Form kein Designgag, sondern habe mit der Geschichte des Vorläuferbaus aus dem Jahr 1984 zu tun, erklärt Hoffmann. „Als die aktuellen Besitzer das Einfamilienhaus bezogen und das erste Kind erwarteten, wurde angebaut, ebenso für das zweite, dann kam ein Indoor-Pool dazu – und so weiter. Am Ende hatte das Haus keine klaren Konturen mehr.“ Ein Umbau war nötig geworden, gleichzeitig wollten die Bauherren ihre in Beton gegossene Familienhistorie erhalten. Deshalb griffen die Architekten zu einer ungewöhnlichen Lösung: Das Kellergeschoss wurde als „Abdruck“ der Geschichte erhalten, konzeptionell dupliziert und verdreht. Die darauf liegenden Obergeschosse erhielten dadurch

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nicht nur eine neue Form, sondern wurden komplett neu ausgerichtet. Alle Schlafzimmer im Obergeschoss haben nun zum Beispiel einen guten Blick in das Tal. Durch den kreativen Umgang mit Ressourcen stellten die Architekten allerdings nicht nur einen Bezug zwischen Alt und Neu her, sondern schufen ein Gebäude, das in Bezug auf Nachhaltigkeit überrascht. Viele Abbruchmaterialien des Hauses, wie die Betondecken, wurden etwa auch bei der Modellierung der Gartenanlage für den Neubau wiederverwertet; und durch die Nutzung des alten Grundrisses mussten keine neuen Flächen versiegelt werden. Außerdem erhielt die Villa durch den aufwendig mit Hand und Schablonen rund geschliffenen Porenbeton eine starke Dämmung. Heute erscheint das weiße Haus wie aus einem Guss – ein Effekt, der durch die fugenlosen Oberflächen erzielt wurde. Diese „Haut“ musste teilweise mithilfe von 1:1-Modellen in Werkstätten und mit Herstellern zusammen erarbeitet werden, erklärt Hoffmann. Ein Aufwand, der sich ausgezahlt hat: „Trotz eines völlig neuen Designs ist es ein Haus, in dem jeder sich zu leben vorstellen kann oder fast wünscht.“ map

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in Verbindung mit einer Gastherme für ein Optimum an Energieeffizienz und Komfort. Um drei der vier Seiten legt sich ein Glasband, das das Haus tagsüber mit natürlichem Licht durchflutet, passive Solargewinnung fördert und dem Gebäude abends einen orangeroten Schimmer verleiht. Doch es sind die kleinen, runden Fenster, die an allen Seiten auf unterschiedlichen Höhen des Gebäudes angebracht sind, die ins Auge stechen. Dabei geht es um das Zusammenspiel zwischen Innen- und Außenwelt, „ein Zwischenspiel von Höhle und Glashaus“ – für Bauer das übergeordnete Thema. „Während die großformatigen Öffnungen eher eine Entmaterialisierung darstellen und ohne sichtbaren Rahmen ausgebildet sind, wird die Wand hier prägnanter als das Fenster selbst und dadurch besonders wirksam. Diese runden Augen lassen einerseits ein magisches Licht einfallen, weil sie sehr eng beieinanderliegen, und geben andererseits gezielte Blicke in die Stadt oder zu den Sternen frei.“ Ein weiteres Highlight ist die Treppe, die vom Untergeschoss bis ins Dachgeschoss führt. Während sie am unteren Ende aus Beton und Massivholz besteht und bis zum Anstieg ins Dachgeschoss von einer Wand begleitet wird, schweben die letzten elf Stufen scheinbar frei in der Luft – nur von Stahlseilen getragen. Nach Bauer erzeugt diese Konstruktion beim Betreten ein magisches Gefühl: „Es ist eine schwebende Empfindung beim Nachobenschreiten und steht für die allmähliche Auflösung der unteren Erdgebundenheit.“ mas

KRISTALLWELT IM BETONGUSS

„Ein Haus am Meer – am Stuttgarter Häusermeer.“ So bezeichnet Architekt Matthias Bauer das kantige „Haus 36“, das von einem Hügel aus das dicht besiedelte Gebiet, den Stuttgarter Westen, überblickt. Im 19. Jahrhundert stand an dieser Stelle ein Pavillon, der später zu einem kleinen Wohnhaus ausgebaut wurde. Ein Baufenster gab die Grundfläche von zehn mal zwölf Metern vor. Auch die Traufhöhe sowie ein Giebeldach waren nach Bauverordnung vorgegeben. Hier manipulierte der Architekt geschickt, um nutzbare Fläche und Raumwirkung zu optimieren. Das erklärt die ungewöhnliche Form des Hauses, sagt Bauer: „Bei genauer Betrachtung sind es ganz wenige, präzise Griffe, die zu dieser relativ komplexen geometrischen Anmutung führen.“ Durch die monolithische Bauweise mit TECHNOlith Dämmbeton wirkt die Fassade wie Stein und verleiht dem Haus ein Gefühl von Ursprünglichkeit. Das Material ist innen und außen als Sichtbeton ausgeführt, mit allen thermischen Vorteilen. Es kühlt im Sommer und wärmt im Winter. Außerdem sorgen eine oberflächennahe Geothermie und eine Wärmepumpe

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20 Architektur MBA/S Matthias Bauer Associates Web www.mbas.de Objekt Haus 36 in Stuttgart Kategorie Neubau Dämmbeton TECHNOlith von TECHNOpor, www.technopor.com Adresse Stuttgart Bauherr Privat Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 2/2014 Nutzfläche 370 m² Kosten k. A. Auszeichnungen u. a. The European Union Prize for Contemporary Architecture – Mies van der Rohe Award 2015 (Nomination); WAN Concrete Architecture 2014 (Winner) Fotos Roland Halbe / www.rolandhalbe.de

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Wäldliche Idylle

Dieses Holzhäuschen im märkischen Kiefernwald hat Geschichte: Wo jetzt ein modernes Wochenendhaus steht, befand sich früher ein einfaches kleines, eingeschossiges Sommerholzhaus mit unausgebautem Dachboden aus dem Jahr 1926. Ein altes Schwarzweißbild erinnert noch daran. Zunächst war die Versuchung für die Bauherren groß, das Haus zu sanieren und somit auch die historischen Spuren zu erhalten. Leider war das nicht möglich, da es zu desolat war, wie die Architekten erklären. Daher musste etwas Neues im Stil des Alten her. Das Gebäude wurde komplett als Holzkonstruktion in Kiefernholz errichtet. Diese wurde dann gedämmt und analog dem Vorgängerbau außen mit einer dunkelbraun lasierten Holzschalung der gleichen Holzart verkleidet. Der konzeptionelle Ansatz war, so die Architekten, die Atmosphäre des dunklen Waldhäuschens in dem neuen Wochenendhaus wiederkehren zu lassen – und das ist auch gelungen. Wenn man vor dem neuen Bau steht, fühlt man sich sehr an das Schwarzweißbild aus den 1920er-Jahren erinnert. Nicht nur die Form des Hauses ist der des Vorgängerbaus sehr ähnlich, es wurde auch exakt auf dem gleichen Standort errichtet. Die Fensteröffnungen jedoch sind in Größe und Anordnung nicht an die Historie angelehnt. Zwar verweisen die weißen Rahmungen auf den Vorgänger, doch in ihrer extrabreiten Ausführung sind sie modern gehalten. Die Fassade nach Süden zum Wald hin wurde mit einer großen Panoramaverglasung komplett geöffnet. Und der neue Zugang im Stil der alten Türe befindet sich nun auf der Nordseite. Als farblicher Kontrast zum dunklen Äußeren sind die Innenwände weiß gestrichen. Auffällig ist, dass die beiden Schlafkojen im Obergeschoss nur – durch eine verborgene Tür in der Wand – über eine steile Leitertreppe zu erreichen sind. Die Möbel sind modern, doch eher romantisch, mit vielen Details und einer sehr heimeligen Atmosphäre. Das Holzhäuschen im märkischen Kiefernwald ist ein Spiel mit Sehgewohnheiten, zeitgenössisch einerseits und eine liebevolle Hommage an das kleine Sommerhäuschen aus vergangenen Zeiten andererseits. mat Architektur Atelier ST Web www.atelier-st.de Objekt Waldhaus Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Holzschalung, Kiefernholz, dunkelbraun lasiert Adresse k. A. Bauherr Privat Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 2011 Nutzfläche 62 m² Kosten k. A. Auszeichnungen u. a. BDA-Preis Brandenburg 2012; best architects award 12 Fotos Werner Huthmacher /  www.wernerhuthmacher.de

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Es ist immer gut, einen Bezugspunkt zu haben, vor allem wenn man mit Perspektiven arbeitet. Im Fall des „Hauses Hundertacht“ des Architekten Uwe Schröder bildet das etwas höher gelegene „Haus Clement“ den Gegenpol zum weiter unten gelegenen dreigeschossigen Bau. Die Geschwisterhäuser beziehen sich als Ensemble aufeinander, wobei die Achse des „Hauses Hundertacht“ leicht von der Straßenflucht abweicht. Damit wird eine zweite Ebene zur bereits bestehenden Terrassierung geschaffen, die die beiden Häuser über das natürliche Gelände miteinander verbindet. Die Terrassierung wird auch am „Haus Hundertacht“ selbst weitergeführt, das sich zur Straße hin wie ein gewöhnliches Haus präsentiert und erst von der Seite seinen

Sublimes Stadthaus

besonderen Charakter offenbart. Der Bau besteht nämlich wie ein Schneemann aus drei von unten nach oben kleiner werdenden Elementen. Das Fundament bildet ein breites Erdgeschoss, in dem sich Wohnraum, Esszimmer, Küche und Nebenräume befinden. Darüber befindet sich das erste Obergeschoss mit zwei Individualräumen und einem Bad. Ganz oben, im zweiten Obergeschoss, gibt es noch ein zweites Bad und ein kleines Studiolo. Da die Etagen von Stufe zu Stufe kleiner werden, entstehen auf der der Straße abgewandten Seite des Hauses zwei weitere Terrassen. Als verbindendes Element zwischen außen und innen fungiert der auch für die Akzentuierung der Etagenabschnitte des Hauses verwendete Torfbrandklinker. Dieser zieht sich von der Straße weg ins Erdgeschoss und bis zu den Gartenterrassen und lässt so Innen und Außen ineinanderfließen. val

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Architektur Uwe Schröder Architekt Web www.usarch.de Objekt Haus Hundertacht Kategorie Neubau Adresse k. A. Bauherr Privat Planungsbeginn 2000 Fertigstellung 2007 Nutzfläche 160 m² Kosten k. A. Auszeichnungen u. a. Architekturpreis NordrheinWestfalen 2011 Fotos Stefan Müller Fotografie / www.stefanjosefmueller.de

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Ein kleines, altes Häuschen aus dunklem Holz mit nur 30 Quadratmetern diente dem größeren Neubau als Inspirationsquelle und Anstoß. Es liegt auf einem in Familienbesitz befindlichen Waldgrundstück in Hanglage – umrahmt von einer satten Wiese und dichten Baumlandschaft –, das der Bauherr einige Jahre als Feriendestination nutzte, bevor er beschloss, sich hier sein eigenes Zuhause zu errichten. „Wir haben uns gefragt, wie wir ein neues Ensemble errichten können, das sich perfekt ins Gelände integriert und auch das alte Häuschen als einzigen Zeitzeugen miteinbezieht“, erklärt Architekt Karsten Ruf. Die Antwort auf diese Frage ist das „Wohnhaus Falkenberg“, die moderne Übersetzung eines Holzhauses, das mit einem neu gebauten Schuppen, dem dunklen kleinen Haus und den Bäumen ein schönes Zusammenspiel am Rande eines Waldes ergibt. Das eingeschossige Wohnhaus ist barrierefrei und hat eine Terrasse, die sich über drei Seiten erstreckt. Außerdem ist es sehr offen gehalten – auf allen Seiten gibt es Ausgänge zum Außengelände, auf der Hangseite kann man direkt in den Garten spazieren. Das Konzept wurde gemeinsam mit dem Bauherrn entwickelt, erklärt Ruf. Dabei gehe es um das Zusammenspiel von Schwere und Leichtigkeit.

Hippe Cafés, kleine Buchläden, der Obst- und Gemüsehändler ums Eck – der Frankfurter Stadtteil Nordend zieht junge, urbane Menschen in Scharen an. Studenten wie Familien mischen sich hier unter die alteingesessenen Bewohner. Genau diese Mischung gefällt Stella Rothenberger und ihrem Partner und hat die beiden dazu bewogen, sich hier auf Quartiersuche für ihre mittlerweile sechsköpfige Familie zu machen. Gefunden haben sie ein heruntergekommenes Mehrfamilienhaus in einer der ältesten Straßen Frankfurts. Von außen kaum erkennbar, verbarg sich hinter der altbackenen 1950er-Jahre-Fassade ein Altbau im klassischen Stil. „Das Haus war in keinem guten Zustand

Architektur Ruf + Partner Architekten und AR-BR architecture Web www.rufpartnerarchitekten.de Objekt Wohnhaus Falkenberg Kategorie Neubau, Massivkeller mit Holzbau Fassadenmaterial Unbehandeltes Lärchenholz Adresse Falkenberg Bauherr Privat Planungsbeginn 2007 Fertigstellung 2009 Nutzfläche 236 m² Kosten k. A. Auszeichnung Ausgewähltes Projekt für den Tag der Architektur 2010 Fotos Karsten Ruf

24 und sehr zugemüllt“, erzählt Bauherrin Stella Rothenberger. „Aber wir wussten, dass das Haus aus dem 19. Jahrhundert ein schönes Herz hat. Das haben wir gemerkt, als wir reingekommen sind und die alten Fliesen und die hohen Räume gesehen haben.“ Familie und Freunde quittierten ihr Vorhaben mit skeptischen Blicken. „Ich wusste, dass damit eher Entsetzen gemeint war“, sagt Rothenberger, die sich von ihrem Vorhaben aber nicht mehr abhalten ließ. Auch wenn bei den Umbauarbeiten viel verändert werden musste, haben die Bauherren erhalten, was vom Bestand noch zu retten war. Und so ziert heute neben ein paar alten Kassettentüren auch eine knarrende, alte Holztreppe das Stadthaus. Wo dann aber doch was Neues hermusste, brachten die Bauherren viele eigene Ideen ein. Großen Wert legten sie dabei auf natürliche, möglichst unbehandelte Materialien. Ähnlich wie zu Beginn der Bauarbeiten ernteten sie auch für ihre Vorschläge hie und da verwunderte Blicke. So zum Beispiel bei den Schlafkojen für die Kinder. „Das war immer mein Traum. Ich fand solche Kojen immer gemütlich“, schwärmt Stella Rothenberger. Genauso wie sie in diesem Fall den Tischler auf ihre Seite brachte, gelang es ihr auch, entgegen modernen Standards das Esszimmer im ehemaligen Kellergewölbe unterzubringen. Das Bauherrenpaar bedauert seine teils unkonventionellen Entscheidungen heute keine Sekunde und beweist damit, dass es sich lohnen kann, mit Mut zum Experimentieren an ein Bauprojekt heranzugehen. maj

23 HELLES HOLZ AM WALDRAND Während das Kellergeschoss massiv in dunkel eingefärbtem Sichtbeton gehalten ist, zeigt sich das Wohngeschoss in einem hellen Holz, das durch die Holzrahmenbauweise sein modernes Aussehen bekommt. „Holz ist ein sehr dankbares Material, man kann schnell bauen, und es fügt sich sehr gut in die naturbelassene Umgebung ein“, sagt Ruf. Eine weitere Besonderheit: Der Keller ist nur halb so tief wie das Obergeschoss, wodurch das Gebäude nicht allzu groß wirkt. Der Bauherr möchte in diesem Haus seinen Lebensabend verbringen, das alte dunkle Häuschen, das als Inspirationsquelle diente, steht nun auch für Familie und Freunde offen. Die perfekte Ruheoase, auf einem kleinen Hang am Rande des Waldes. mat

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Haus mit Herz Architektur Braun & Güth Architekten (Sascha Christine Braun, Daniel Güth) Web www.braun-gueth.com Objekt Haus Pünktchen Kategorie Umbau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Ornament / Dirk Schumann (Dynamo Studio Architekten) und Matthias Scherer (Hallo Welt Design Bureau) Adresse Frankfurt am Main Bauherr Familie Rothenberger Planungsbeginn 4/2008 Fertigstellung 11/2011 Nutzfläche 300 m² Kosten k. A. Fotos Peter Unsinn

Büro B R AU N  &  G Ü T H A R C H I T E K T E N , H E S S E N  /  Haus H E S S E N 

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Architektur gruppeomp architekten Web www.gruppeomp.de Objekt Haus GU Kategorie Neubau Fassadenmaterial Verblender, Lärchenschalung Adresse Oldenburg Bauherr Privat Planungsbeginn 2005 Fertigstellung 2007 Nutzfläche 130 m² Kosten € 270.000,– Fotos gruppeomp architekten

Wer möchte schon gewöhnlich sein? Die Bauherrenfamilie, die im „Haus GU“ wohnt, wohl nicht. Verspielt sollte das Haus sein, klar und ein Ausruck gegenwärtiger Architektur – das war die Anweisung der Bauherren. Und ganz wichtig: Es sollte nicht snobistisch sein oder belehrende Attitüden haben, wie die Architekten von gruppeomp erklären. Der Neubau liegt direkt an einem See in der Nähe der Oldenburger Innenstadt. In seiner Erscheinung bricht das Gebäude mit den gewöhnlichen Konventionen eines Einfamilienhauses. Gerade wenn man es von der Straßenseite aus betrachtet, wirkt es sehr verschlossen, dunkel und sogar etwas merkwürdig. Die Haustür besteht aus einer einfachen Platte, die sich zwischen zwei großen verglasten Wänden befindet. Man blickt quasi direkt in den Vorraum und die Garderobe. Das ist umso ungewöhnlicher, als der Rest der Eingangsseite des Hauses wie zugemauert wirkt, was auch mit den dunklen Ziegeln zu tun hat. Auch die Fenster sind nicht so positioniert wie

Eine parkartige Umgebung mit Südhanglage und altem Baumbestand: Hier stehen die drei Einfamilienhäuser, die Architekt Stefan Bräuning gemeinsam mit dem Architekten Christoph Höhne gestaltet hat. Alle drei Bauherren hatten unterschiedliche Vorstellungen und Wünsche – das führte zu spannenden und individuellen Wohnräumen, wie Architekt Bräuning erklärt. Die größte Herausforderung für die Architekten in der Planungsphase war eine als Kulturdenkmal eingetragene Jugendstilvilla in unmittelbarer Nachbarschaft. „Wesentlich erschien uns, dass diese nicht noch durch eine weitere moderne Mehrfamilienhaus-Stadtvilla erdrückt wird“, so Bräuning. Daher haben sich die Architekten gemeinsam mit den Bauherren entschieden, drei Einfamilienhäuser auf dem Grundstück anzuordnen. Gemein ist ihnen allen

25 Ziegelgraue Schlichtheit in der Nachbarschaft. Gewöhnlich ist dieses Haus auf keinen Fall. Geht man jedoch einmal um die Ecke, zeigt sich das Gebäude in einem ganz anderen Licht. Es wird offener, und die dunklen Ziegel verwandeln sich in eine helle, leichte Holzfassade. Durch riesige verglaste Wände ist das Wohnzimmer zu erkennen, und das obere Geschoss weist ein großes dreiteiliges Fenster auf. Auch das Innere des Hauses zeigt, wie die Bauherrenfamilie ihr ganz eigenes Verhältnis von Schlichtheit und Moderne gefunden hat. Die Möbel sind sehr klassisch in hellem Holz oder ganz in Weiß gehalten und beschränken sich auf das Wesentliche: die Nutzbarkeit. Es geht vor allem darum, dass alles seinen Platz hat und Ordnung geschaffen wird. Die Innenausstattung protzt nicht mit außergewöhnlichen Designermöbeln, sondern präferiert Schlichtheit und Funktion. In dieser klaren Struktur zeigt sich auch wieder das Ungewöhnliche: ein Haus mit großen Anforderungen an eine moderne Struktur, das gleichzeitig nicht auffallen möchte. mat

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Architektur bräuning architekten mit Architekt Christoph Höhne Web www.braeuning-architekten.de Objekt 3 Häuser am Hang Kategorie Neubau Fassadenmaterial Stahlbetonhalbfertigteile mit Vollwärmeschutz (WDVS) Adresse Esslingen Bauherr Privat Planungsbeginn 2008 Fertigstellung 2011 Nutzfläche je Haus ca. 260–280 m² Kosten k. A. Fotos Sarah Schmid, vier | kom

NEU = 3 × 3 eine fließende Raumfolge mit großzügigem Galeriewohnraum. Die Bauherren haben sich neben der individuellen Raumaufteilung auch gewünscht, dass es keine raum- und sichtbegrenzenden Bauteile wie Hecken oder Zäune gibt. Die Häuser fügen sich in die natürliche Hanglage ein und sind in ihrer Aufteilung und äußerlichen Erscheinung klassisch gehalten; im Inneren entfalten sie dann unterschiedliche Stile. Durch großzügige Fensterflächen sind die Räume lichtdurchflutet und erlauben schöne Panorama-Ausblicke: spannende Blickbezüge auf den alten Baumbestand und ins Tal (es wurde darauf geachtet, dass sich die Bauten nicht gegenseitig den Ausblick verstellen). Beheizt werden alle drei Gebäude über Gasbrennwertthermen mit Fußbodenheizung und Stückholzöfen. Das Brauchwasser wird mit Solarthermie erwärmt. Auch ohne Zäune wurde die Privatheit gewahrt, eine angenehm offene Atmosphäre zwischen den Baukörpern geschaffen und der gesamten Umgebung eine Leichtigkeit verliehen, ohne sich stilistisch hinter den bereits vorhandenen Villen verstecken zu müssen. mat

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Architektur JAN RÖSLER ARCHITEKTEN & S. Rickhoff Web www.janroesler.de Objekt Haus Stein Kategorie Umbau Fassadenmaterial Backstein Adresse k. A. Bauherr Privat Planungsbeginn 2009 Fertigstellung 2011+2013 Nutzfläche 240 m² Kosten k. A. Auszeichnungen Fritz-Höger-Preis 2014; Häuser des Jahres 2013; BDA-Nachwuchsförderpreis 2013 Fotos Simon Menges

Scheunen   romantik 27

kann man ja gleich zu Hause bleiben“. Die Eigentümerfamilie wollte ursprünglich selbst Hand anlegen, hat sich nach längerer Planung aber doch dafür entschieden, mit JAN RÖSLER ARCHITEKTEN zu kooperieren, um dieses Projekt umzusetzen. Eine Linie zieht sich durch das Konzept: wenige Eingriffe in die ursprüngliche Gestalt und das Zusammenspiel von hochwertigen Materialien und bereits vorhandenen Elementen. Beispielsweise wurde ein Ziegelboden an anderer Stelle neu verlegt. „Dadurch konnte er seine Wirkung erst voll entfalten“, erklärt Rösler. Während das Erdgeschoss mit härteren Materialien für die Tagesnutzung gedacht ist, befinden sich in den oberen Räumen Möglichkeiten zum Zurückziehen und Genießen. Und so wartet die umfunktionierte Scheune unscheinbar hinter Holztoren auf ihre Besitzer, um sich dann in ein Ferienhaus zu verwandeln. Und umgekehrt: Wenn die Hausherren wieder abreisen, wird aus der modernen Architekturperle erneut eine Bauernscheune mit abgenutzter, rauer Außenfläche. Eine von vielen in Sachsen-Anhalt, möchte man meinen. Aber diese ist etwas ganz Besonderes. mat

Zunächst ist an diesem Gebäude nichts Auffälliges zu erkennen. Es ist eine alte Bauernscheune aus Backstein mit verschlossenen Holztoren vor den Eingängen und Fenstern. Die Fläche darum herum ist verwildert und naturbelassen. Hier soll sich ein Ferienhaus befinden? Im ersten Moment kaum zu glauben. Öffnen sich jedoch Tür und Tor, ist es wie eine Zeitreise: Die alte Scheune zeigt ein komplett neues Gesicht. Das Haus überrascht mit edlen Materialien und einem modernen minimalistischen Interieur. Die Idee des Ferienhauses stammt von den Bauherren selbst. „Moderne Wohnvorstellungen entsprechen nicht den Funktionsabläufen eines Stalls. Hierfür ein passendes Konzept zu entwickeln war eine der größten Herausforderungen“, erklärt der Architekt Jan Rösler. Ein Ferienhaus müsse zudem einen Kontrast zum täglichen Wohnen bilden, „sonst

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Oscar Wilde

Stadtschuppen

Nicht jede untypisch große Brachfläche in Berlin hat eine politische Vergangenheit. Auf dem Grundstück in der Maximilianstraße, gleich hinter der Bezirksgrenze des boomenden Prenzlauer Bergs, befand sich früher der Zugang zu einer Gärtnerei – und nun eine Baulücke zwischen einem viergeschossigen Mehrfamilienhaus, Garagen und einem seit 20 Jahren stillgelegten Wirtschaftsgebäude. Und obwohl selbst die Nachbarn die baufälligen Überreste der Gärtnerei als „Rattenhaus“ bezeichneten, sei es nicht einfach gewesen, Veränderungen auf dem Standort durchzusetzen, erzählt Ralph Brandt von brandt+simon architekten. Denn das Stadtplanungsamt musste erst überzeugt werden, dass ihr Plan eine angemessene Lösung für das innerstädtische Grundstück darstellt. Dieser lautete: ein umweltfreundliches Einfamilienhaus

Architektur brandt+simon architekten (Martin Simon, Ralph Brandt) Web www.brandtundsimon.de Objekt Schuppen Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus, Holzbau Fassadenmaterial Biberschwanzziegel Adresse Berlin-Pankow Bauherr Privat Planungsbeginn 2007 Fertigstellung 2009 Nutzfläche 160 m² Kosten € 1.030,–/m² BGF Auszeichnungen u. a. DEUBAU-Preis 2012 (Nominierung); DAM – Preis für Architektur in Deutschland 2010 (Nominierung) Fotos brandt+simon architekten; Michael Nast / www.lichtkombinat.de

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für eine kleine Familie mit vielen Büchern und häufigem Besuch, ein vollwertiges Arbeitszimmer und ein Garten mit Gemüse, Obstbäumen und Rasen. „Die Bauherren wünschten sich ein Original von uns. Deshalb planten wir ein äußerlich nicht ganz durchschnittliches Haus, das trotzdem wunderbar und ganz normal bewohnt werden kann.“ Und so wurde ein dreigeschossiges Holzhaus entwickelt, dessen Fenster scheinbar ohne Ordnung auf der Oberfläche schwimmen. Mit der Kombination aus Steil- und Flachdach würde es dennoch in der Nachbarschaft kaum auffallen, wären da nicht 8.350 Stück Biberschwanzziegel, die das Gebäude wie Schuppen bunt ummanteln. Die Wahl des ungewöhnlichen Fassadenmaterials hat nicht nur ästhetische Gründe, erklärt Brandt. Die Ziegel lassen der Holzkonstruktion zu jeder Jahreszeit genug Luft zum Atmen, reagieren also auf Schwindund Quellverhalten des Holzes und bieten einen dauerhaften Witterungsschutz. Was die Architekten zusätzlich überzeugte: Die Ziegel können von praktisch jedem Handwerker montiert werden und ermöglichen deshalb eine kostengünstigere Konstruktion. Bis sie jedoch jenes Material fanden, dauerte es eine Weile. Ausgerechnet im Baumarkt stolperten sie schließlich über die bunt glasierte Biberschwanzkollektion des Grafikers Friedrich von Garnier, der von Architekten übrigens nicht viel gehalten habe, sagt Brandt. „Wir ließen uns eine ganze Bandbreite dieser farbigen Ziegel ins Büro kommen und konnten die Bauherren nach anfänglichem Zögern dafür begeistern. Sie sind sehr witterungsbeständig und ermöglichten zudem eine pixelartige Gestaltung, wodurch wir das eigentlich äußerst Traditionelle des Baustoffs neu interpretieren konnten.“ Der einzige Nachteil: Man kann den Schneeschieber nicht an der Fassade abklopfen. „Das hat der Bauherr getestet. Allerdings nur einmal.“ map

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Wäre die Natur behaglich, hätten die Menschen die Architektur nicht erfunden.


Architektur Alexander Brenner Architekten Web www.alexanderbrenner.de Objekt SU House Kategorie Neubau Adresse Stuttgart Bauherr Privat Planungsbeginn k. A. Fertigstellung 2012 Nutzfläche 940 m² Kosten k. A. Fotos Zooey Braun / www.zooey-braun.de

Von außen sieht es sehr verspielt aus, fast wie ein Labyrinth, mit vielen verschachtelten Räumen: Das „SU House“ ist eine bis ins kleinste Detail durchgeplante Villa für eine kunstliebende Bauherrenschaft und deren Familie. Es liegt im Villenviertel im Süden von Stuttgart, direkt am Waldrand. Das Erste, was sofort auffällt, ist der Garten. Auch dieser wurde wie das Haus von Alexander Brenner entworfen. Im Gegensatz zur kubischen Gestalt des Hauses herrschen hier sinnlich gerundete und naturnahe Formen vor. Vom Garten aus gelangt man zum silberglänzenden Garagenkörper, einer weiteren Besonderheit. In diesem Schmuckkästchen mit einer Fassade aus Aluminiumschaumplatten werden die fahrbaren Kunstwerke gelagert. Die Garagenwand geleitet den Besucher zum Hauseingang. Betritt man das Haus, so erstreckt sich vor einem ein gemütlicher Wohnbereich mit offenem Kamin und elegantem Interieur. Durch wohl platzierte Oberlichter und eine spezielle Lichtinstallation werden die hier ausgestellten Bilder und Skulpturen perfekt in Szene gesetzt. Neben dem Wohnbereich befindet sich im Erdgeschoss auch ein Büro- und Arbeitsbereich. Von dort gelangt man zum Herzstück der Villa: einem zweigeschossigen Atelier. Dieser fast sakrale Bereich dient hauptsächlich der Präsentation von Kunst. Hier kommt die Leidenschaft der Bauherrenschaft zum Tragen. Im Obergeschoss befinden sich alle Schlafräume und die dazugehörigen Bäder. Im Hauptschlafraum mit offenem Kamin und Dachterrasse blickt man auf ein

RÄUMLICH GERAHMTE KUNST

29 weites Landschaftspanorama. Im Gartengeschoss gibt es einen Spa-Bereich samt Sauna und Dampfbad sowie einer Schwimmhalle. Die Leidenschaft für Kunst, Gartenkultur, aber auch erholende Elemente wurden so in einer Villa vereint. Das Wichtigste beim Planen einer Villa sei ein ganzheitlicher Ansatz, erklärt Architekt Alexander Brenner: „Ganzheitliches Arbeiten, das heißt die Gestaltung aller Einzelheiten bis zur Gesamtheit, gehört zu unserer büroeigenen Denkkultur.“ Der Tätigkeitsschwerpunkt des Architekten liegt auf modernen Villen, und sein „SU House“ zeigt, wie verschiedene Wohn- und Lebensbereiche von der Konzeption bis zum fertigen Bau mit höchstem Anspruch miteinander verbunden werden können. mat

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Etwas Archaisches wollte der Bauherr: ein monolithisches Gebäude durch und durch aus Beton, von Boden und Fenstern abgesehen. Was auf den ersten Blick nicht allzu schwierig erschien, wurde bald zu einem Forschungsprojekt für Leichtbeton und führte letztendlich zu einer engen Zusammenarbeit mit der Firma Liapor, wie Architekt Daniel Berger erzählt: „Es steckt viel Recherche im Projekt. Zeitintensive Absprachen mit dem Bauherrn und den Herstellern. Die eigentliche Planung und Realisierung jedoch ging aufgrund der einfachen und wenigen Details recht zügig voran.“ Das entsprach auch der Gesinnung des Bauherrn: in unserer komplizierten Welt etwas Einfaches entstehen zu lassen – mit möglichst geringem Arbeits- und Materialaufwand. Die großzügige Verglasung der Wände auf der einen Seite des Einfamilienhauses erlaubt zudem den freien Blick auf die weite Landschaft. Auf der anderen Seite befindet sich ein Werkhof, der durch die monolithischen Betonwände den Bewohnern des Hauses verborgen bleibt. So entsteht ein Gefühl von Privatsphäre, Einfachheit, Natürlichkeit

MONOLITH AUS BETON

und Offenheit. Das spiegelt sich auch im Inneren des Hauses wider. Küche und Wohnraum sind zusammengefasst und bieten mit ihren 60 Quadratmetern reichlich Raum für Bewegung und Gedanken. Auch ein großzügiger Eingangsbereich war dem Bauherrn wichtig, wo man sich Zeit zum An- und Auskleiden, für Empfang und Abschied lassen kann, ohne dabei übereinander zu stolpern. Der Wohnraum ist überdies mit einem modernen Kamin – das vielleicht aufwendigste Element des Gebäudes – ausgestattet, der reichlich Wärme und Behaglichkeit erzeugt. Falls dieser an manchen Wintertagen dann doch nicht genügt, sorgt die Fußbodenheizung auf der gesamten Wohnfläche für Wohlgefühl. Auch die Beleuchtung ist einfach gehalten, erklärt Berger: „Die Grundbeleuchtung ist in die Decke integriert, mit einfachen Aussparungen und Fassungen – ebenfalls ganz archaisch. Man wollte eben keine teuren Designleuchten, sondern etwas auf Einfachheit Beruhendes.“ Einfach wirkt das Gebäude, und gerade darin liegt sein Reiz. mas

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Architektur berger röcker architekten (Daniel Berger, Peter Röcker) Web www.bergerroecker.de Objekt Einfamilienhaus in Haigerloch Kategorie Neubau Fassadenmaterial Dämmbeton /  www.liapor.com Adresse Haigerloch Bauherr Privat Planungsbeginn 2007 Fertigstellung 2010 Nutzfläche ca. 190 m² Kosten ca. € 400.000,– Auszeichnungen best architects award 12; Hugo-Häring-Auszeichnung 2011 Fotos Brigida Gonzáles / www.brigidagonzalez.de

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31 der Plan von der Verwaltung genehmigt – nach 18 Monaten, dem Sechsfachen der gesetzlich erlaubten Bearbeitungsdauer. Obwohl die Decken auf Wänden der Nachbargebäude aufliegen; obwohl geltende Baulinien missachtet werden, obwohl die Fluchttreppe nicht auf einer Außenwand liegt. Im Inneren befinden sich zwei Apartments, deren Bewohner von den unkonventionell ausgerichteten Wänden und bewusst platzierten Ausblicken profitieren: Die Räume sind kompakt und großzügig zugleich, und trotz Verwinkelungen sind die Wohneinheiten überraschend hell. Mit „Legal Illegal“ testeten Architekt und Behörden Grenzen aus und zeigten, dass es sich ab und zu lohnt, diese zu überschreiten. map

Zwischenräumliches 64 

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Was tun, wenn ein Entwurf zeigt, dass ein gewöhnliches Gebäude mit knapp 140 Quadratmeter Grundfläche völlig uninteressant, aber alles andere wiederum nicht genehmigungsfähig wäre? Wenn zwischen Bauherren, Architekten und Behörden ein Widerspruch zwischen Vorschriften und gebauter Realität besteht? Genau: Man errichtet ein Haus, das völlig unzulässig ist und sich trotzdem an Regeln hält. Diesen Widerspruch weiß der Architekt Manuel Herz mit „Legal Illegal“ zu verbinden: Auf einem schmalen Grundstück in KölnBayenthal steht ein Baukörper, der nur zur Hälfte existieren sollte. Weil die am Grundstück anschließende historische Lagerhalle nicht überbaut werden darf, entschied sich Herz im hinteren Teil für einen Freibereich mit mehreren Terrassenebenen. Der untere, konventionelle, fast „brave“ Teil entspricht somit allen Vorschriften und wird für Büros verwendet. Oberhalb dieses Körpers befindet sich hingegen ein Gebilde mit auffällig roter Polyurethanhaut, das überall sonst, nur nicht hier die Baupolizei auf den Plan rufen würde: Da das für das Grundstück vorgegebene Maß der baulichen Nutzung bereits mit dem unteren Teil ausgenutzt wird, ist es illegal. Und trotzdem wurde

Architektur Manuel Herz Architekten Web www.manuelherz.com Objekt Legal Illegal Kategorie Neubau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Polyurethanbeschichtung / Reaku Hobein Adresse Köln-Bayenthal Bauherr TURRIS Immobilien GmbH & Co. Planungsbeginn 2000 Fertigstellung 2003 Nutzfläche 380 m² Kosten € 800.000,– (KG 200–700, brutto) Auszeichnungen Kölner Architekturpreis 2003; Deutscher Architekturpreis Beton 2003 Fotos Boris Becker

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Architektur Architekten Spiekermann Web www.architekten-spiekermann.de Objekt Atriumhaus in Münster Kategorie Neubau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Klinker, Aluminiumtafeln / Hebrok Ziegler Adresse Münster Bauherr Privat Planungsbeginn 6/2011 Fertigstellung 10/2012 Wohnfläche 232 m² Kosten k. A. Auszeichnung Heinze Architekten Award 2014 – „Eindrucksvolle Wohnarchitektur“ (Shortlist) Fotos Frank Vinken / www.frankvinken.com

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Atrium schließlich gedacht – für die Verbindung von innen und außen, was durch die komplette Verglasung der Innenseite kompromisslos zum Ausdruck gebracht und durch den fließenden Übergang der Bodenmaterialien noch weiter unterstützt wird. Offen ist der U-förmige Bau allerdings nur nach innen. Nach außen hin bietet die Backsteinfassade die gewünschte Privatsphäre, und die Lücke im U wird von einer mit Büschen und Bäumen bepflanzten Aufschüttung vor Blicken geschützt. Die Außenseite des Atriumhauses hat es ebenfalls in sich. Jeder Stein ist ein handgeformtes Unikat. Gemeinsam rahmen sie die Aluminiumplatten, das zweite Gestaltungselement der Fassade. Nur wenige Fenster brechen die Geschlossenheit der Oberfläche. Umso stärker wirkt der Kontrast, wenn man das Gebäude betritt und die Offenheit des Atriums in Erscheinung tritt. „So ein Bauvorhaben ist nur umsetzbar, wenn die Bauherren voll hinter einem stehen“, erklärt Spiekermann. Bedankt hat er sich dafür mit einem Wohnhaus, dem man seine Massivität nicht ansieht, das vielmehr leicht und schwebend wirkt. val

TRAGKRAFT IN BACKSTEIN Es gibt ja genügend Menschen, die immer wieder gerne mit billigen Tricks Eindruck schinden. Der Grund aber, warum die Bauherren des Atriumhauses in Münster während der Errichtung ihres neuen Heimes sprichwörtliche Bauklötze gestaunt haben, war weder billig noch ein Trick, um Eindruck zu schinden. Es lag vielmehr an dem gewaltigen Stahlträger, der eines Tages angeliefert wurde, damit der Boden unter dem Wohnzimmer genug Stabilität erhält und die schwere, dreifache Glaskonstruktion tragen kann. „Das war die größte Herausforderung bei dem ganzen Unterfangen“, erinnert sich Oliver Spiekermann, der verantwortliche Architekt. Ohne den Stahlträger würde dieser Teil des Gebäudes nicht so schön in den Garten hineinschweben können. Und dazu ist das

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Wer in der Nähe von Köln ein Haus nach seinem Geschmack bauen will, der braucht entweder viel Geld oder gute Ideen. Denn in Nachbargemeinden wie Hürth, mit viel Grünflächen und guter Verkehrsanbindung an die Großstadt, sind die Grundstücke teuer. Für das Traumhaus selbst bleibt deshalb oft wenig übrig, weiß Anne-Julchen Bernhardt von BeL, Sozietät für Architektur. Bernhardt ist verantwortlich für das Projekt „Kleines Haus Blau“ und beriet die Bauherren, denen nach dem Kauf des Grundstücks nur mehr ein kleines Budget zur Verfügung stand. Schon nach den ersten Entwürfen war klar: „Ein neues Haus für 200.000 Euro inklusive Architekten und allem ist nicht drin.“ Dabei waren die Wünsche der Bauherren bescheiden: Platz zum Arbeiten, Platz für Kinder, und der Garten sollte näher an den Wohnbereich rücken. „Da haben wir gesagt: Okay, wir bauen den Bestand um.“ Dieser hatte einer älteren Dame gehört, die Renovierung war überfällig: ein baufälliger Dachstuhl, wenig Licht und zu kleine Fenster. Dazu kamen eine schlechte Raumaufteilung und insgesamt etwa 80 Quadratmeter Nutzfläche, die dem Paar, das eine Familie gründen wollte, Kopfschmerzen bereiteten. „Unsere Idee war, das Haus als Rohbau zu nehmen und zu optimieren. Stück für Stück. Wie viel kann man dranbauen? Wo kann man etwas größer machen? Oder komprimieren?“ Die Antwort auf diese Fragen: Die Architekten vergrößerten das Haus auf der gesamten Breite um 2,20 Meter, statt einer innen liegenden Treppe geht der Weg nun an der Außenwand ins Obergeschoss. Unter dem Dachstuhl gibt es jetzt eine Art „Raumreserve“, die bei Bedarf als Schlafzimmer genutzt werden kann. Dank einer neuen Raumaufteilung, einer verglasten Außenwand und einem Plus von etwa 40 Quadratmeter Nutzfläche konnten die Architekten bei minimalem Aufwand ein neues Wohngefühl und innen mehr Bezug zum großen Garten schaffen. Und nebenbei verpassten sie dem Haus einen neuen Anstrich, der das Gebäude zum Hingucker macht: in Blau, der Lieblingsfarbe der Bauherren. „Wir haben uns für eine Farbe entschieden, die ein

Justus Dahinden

Architektur BeL, Sozietät für Architektur (Anne-Julchen Bernhardt und Jörg Leeser) Web www.bel.cx Objekt Kleines Haus Blau Kategorie Umbau Tragwerksplanung Fritz Münster Adresse Hürth Bauherr Privat Planungsbeginn 7/2010 Fertigstellung 5/2012 Nutzfläche 136 m² + 36 m² Dachgeschoss, vorgerüstet für Ausbau Kosten € 260.000,– (brutto) Auszeichnungen Kölner Architekturpreis 2014; Das Goldene Haus 2013 Fotos Veit Landwehr / www.bildpark.net

Blau machen

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Eigenleben führt. Uns hat gefallen, dass sie auf dem Putz und der Erweiterung aus Stahl und Holz mit den Lichtverhältnissen spielt, sie sieht je nach Wetter anders aus.“ Und wer glaubt, ein knappes Budget töte jede Art von Kreativität, der irrt: „Wir haben viele Ideen verworfen oder mussten sie verfeinern. Letztendlich gab es ein mehr oder weniger millimeterweises Austarieren, wie viel Quadratzentimeter wir uns leisten können – dieser Prozess war höchst spannend“, sagt Bernhardt. Mit ein bisschen Geduld und Fingerspitzengefühl könne man deshalb auch mit einem knappen Budget seine Vorstellungen von einem Leben im Grünen realisieren. map

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Das zentrale Problem der Architektur ist der Raum, der den Menschen an Leib und Seele gesund erhält.


Experimentelles Haus

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„Dem Haus der Gegenwart eine Zukunft geben“, schoss es Martin Hippius durch den Kopf, als er hörte, dass das „Haus der Gegenwart“ in München-Riem zurückgebaut – sprich abgerissen – werden sollte. Hippius vermittelt beruflich Foto- und Filmlocations und hat das Haus im Zuge dessen schätzen gelernt. Also ließ er das Modellhaus abbauen und lagert es nun in einer Halle, bis es seiner eigentlichen Bestimmung als bewohntes Haus zugeführt wird. An einem Tag im Monat möchte er es dann Studierenden und Architekturinteressierten zur Besichtigung öffnen. „Ich würde sagen, 29 Tage im Monat ist es für mich Wohn- oder Wochenendhaus, und am 30. Tag finden die Begehungen statt“, so Hippius. Ursprünglich sollte das „Haus der Gegenwart“ aus der Hand der Architekten Allmann Sattler Wappner nur auf dem Papier oder als Modell existieren. Der Entwurf des Münchner Büros belegte 2001 bei einem Wettbewerb, organisiert vom „Süddeutsche Zeitung Magazin“, den zweiten Platz. Ziel des geladenen Wettbewerbs war es, renommierten Architekten Ideen zu innovativen Wohnformen zu entlocken. Allmann Sattler Wappner Architekten legten ihr Hauptaugenmerk auf das Thema Flexibilität. Markus Allmann zu den Grundlagen des Konzepts: „Die Lebensentwürfe sind viel fragiler, das Leben selbst viel flüchtiger geworden.“ Dieser Idee folgend, entstand ein Einfamilienhaus, das gängige Wohnkonzepte sprichwörtlich auf den Kopf stellt. Ebenerdig liegen drei getrennt begehbare Boxen, die nach Belieben flexibel genutzt werden können. Darüber schwebt der Wohnraum, der die drei Teile verbindet und gleichzeitig einen überdachten Platz zwischen den Boxen schafft. Ob dieses Hausmodell praxistauglich ist? „Ich glaube, da stecken richtig gute Ideen drinnen“, sagt Allmann. Umgesetzt wurde das Haus so nur dieses eine Mal, als Anschauungsobjekt bei der Bundesgartenschau. „Wir hatten das Ding eigentlich schon komplett vergessen, als wir den Anruf bekamen, dass man überlegt, unser Haus zu bauen“, erzählt Markus Allmann. Und dieses einzige Exemplar lagert derzeit in einer Halle seines jetzigen Besitzers und soll, so die Baubehörde es zulässt, bald an einem See in Bayern wieder aufgebaut werden. Ein flexibles Haus eben. maj

Architektur Allmann Sattler Wappner Architekten (Markus Allmann, Amandus Sattler, Ludwig Wappner) Web www.allmannsattlerwappner.de Objekt Haus der Gegenwart Kategorie Neubau Adresse München-Riem (bis 2012) Bauherr Haus der Gegenwart GmbH Planungsbeginn 2001 Fertigstellung 2005 Nutzfläche 252 m² Kosten € 304.000,– Auszeichnung Architekturwettbewerb SZ-Magazin 2001 (2. Platz) Fotos Florian Holzherr / www.architekturfoto.net

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Die Verbindungen zwischen Glücksburg und Deutschlands nördlichem Nachbarland Dänemark sind unübersehbar. Im berühmten Wasserschloss der Stadt residierte sogar zeitweilig das dänische Königshaus. Von dieser engen Beziehung ließ sich Architekt Oliver Hagemann inspirieren, als ihn ein befreundeter Bauherr mit einem Projekt in Glücksburg beauftragte. Die Bauherren aus Hamburg hatten ein Grundstück, rund einen halben Kilometer vom Glücksburger Schloss, als Ort für ihren Zweitwohnsitz erworben. Hagemann schwebte von Beginn an ein moderner Bau vor. Die Ortsversammlung äußerte bald Bedenken, dass das Haus nicht nach Glücksburg – in ein Gebiet von ein- und zweigeschossigen Villen sowie Einfamilienhäusern – passen werde. „Das Flachdach und die Modernität wurden als unruhig wahrgenommen. Die Menschen konnten sich sehr schwer reindenken“, erinnert sich

LICHTWEISSE GLÜCKSBURG

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Architektur KMT Architekten und Ingenieure (Oliver Hagemann) Web www.kmt-ai.de Objekt Neubau Einfamilienhaus Kategorie Neubau Fassadenmaterial Putz, Klinker Adresse Glücksburg Bauherr Privat Planungsbeginn 2008 Fertigstellung 2010 Nutzfläche 209 m² Kosten k. A Fotos Christian Geisler / www.christiangeisler.com

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der Architekt. Ziel war, die Eleganz einer weißen Villa auf das Haus zu übertragen. Als Hommage an die Nähe Dänemarks wählten die Planer einen Stein der Firma Petersen aus Egernsund am gegenüberliegenden Ufer der Flensburger Förde. „Aus Respekt und Wertschätzung für den Ort ist es wichtig, mit der Umgebung zu arbeiten, ich fände es sonst zu brachial“, sagt Hagemann. Das obere Geschoss sitzt nun auf einem Sockel, der mit Klinkerziegeln gemauert wurde. Das Highlight, im buchstäblichen Sinn des Wortes, ist die Lichtführung. Großzügige Fenster versorgen das Haus zu jeder Zeit mit Tageslicht. Süd- und Ostlicht werden durch die Bauweise so inszeniert, dass sich mit dem Sonnenstand die Stimmung im gesamten Haus verändert. Architekt Hagemann legt großen Wert auf das Spiel mit Licht und Schatten, denn hierdurch ist Weiß nicht nur weiß: „Licht und Schatten sind die Ornamentik der Moderne, dadurch entstehen Wärme und Eleganz. Es ist das Schlimmste, wenn man einen weißen Kubus baut, ohne das Licht zu inszenieren. Es wirkt dann kalt und seelenlos.“ Wärme und Geborgenheit müssen im Zentrum des Wohnbaus stehen. Auch deshalb spielen Erdtöne und Holz im Inneren des Hauses eine entscheidende Rolle. mak

PÜNKTCHEN MIT HIRSCH

Architektur MCKNHM Architects (Mark Mückenheim) Web www.mcknhm.com Objekt CMYK House Kategorie Umbau, Neubau, Holzbau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Holz, Stahl und Textil / Ellermann GmbH Adresse k. A. Bauherr Privat Planungsbeginn 2011 Fertigstellung 2013 Nutzfläche 162 m² Kosten k. A. Fotos Julien Lanoo / www.julienlanoo.tumblr.com

Zugegeben, ein Baugrundstück an einer Kiesgrube zu kaufen birgt ein gewisses Risiko: Was, wenn die Grube einmal aufgelassen, mit Müll zugeschüttet wird? Als der Vater des Bauherrn das Grundstück in den späten 1950er-Jahren gekauft hat, um darauf sein Haus zu bauen, ging er deshalb auf Nummer sicher und öffnete das Haus zur gegenüberliegenden Seite hin. Schließlich war noch nicht klar, was mit der Grube passieren sollte. Er hatte aber Glück: Aus der ehemaligen Kiesgrube wurde ein idyllischer See, umgeben von Wäldern. Sich diesem Naturschauspiel zu verschließen war somit überflüssig, und für seine Umbaupläne vor vier Jahren holte der Sohn des Bauherrn das international renommierte Architektenteam von Mark Mückenheim an seine Seite. Zusammen arbeiteten sie an zwei Zielen: Der angrenzende See sollte eine größere Rolle spielen, und dem Bestand sollte etwas Neues hinzugefügt werden, das dem Ensemble eine neue Gesamtwahrnehmung verleiht. Für Letzteres sorgen drei Pavillons, die dem bestehenden Gebäude beigefügt bzw. aufgesetzt wurden. Einer davon wird als Garage genutzt, der zweite ist ein zum See hin ausgerichtetes Gästehaus mit Sauna, den dritten haben die Architekten auf das bestehende Haus draufgesetzt, um auch hier einen Blickbezug zum See herzustellen. Für die neue Gesamtwahrnehmung sorgt aber vor allem die spezielle Fassade, welche die Pavillons vom Altbestand abhebt. Bei der Entwicklung der bedruckten Fassadentextilie definierten Architekten und Bauherren drei Wahrnehmungsstufen: Steht man direkt vor einem der Pavillons, schaut man auf ein Sammelsurium an Punkten in

36 den Farben Cyan, Magenta, Yellow und Key – daher auch der Name des Hauses „CMYK“. Wenn man sich entfernt, verschwimmen diese Punkte zu einem camouflageartigen Muster, welches die Neubauten mit der umliegenden Natur vereint. Erst aus einer Distanz von 50 bis 100 Metern fügen sich die bunten Punkte zu einem Bild zusammen, das eine Waldlandschaft mit Hirsch zeigt. Dieses in der Fassade versteckte Motiv erinnert daran, dass der Vater des Bauherrn begeisterter Jäger war, und spielt gleichzeitig auf die Trailrunning-Passion des Sohnes an, der wöchentlich bis zu 100 Kilometer auf Waldpfaden zurücklegt. maj

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„Das Bauherren-Paar wünschte sich ein modernes, im besten Fall zeitloses Haus. Es sollte aus Holz sein, möglichst wenig Energie verbrauchen oder idealerweise sogar Energie gewinnen“, erzählt Architekt Roger Wirtz. Der Bauherr betreibt einen überregionalen Fensterbaubetrieb. Daher sollten vor allem auch hinsichtlich Größe und Qualität der Fenster die Grenzen des Machbaren ausgelotet werden, wie der Architekt erklärt. Die Bauherren waren bei ihren Anforderungen sehr experimentierfreudig, und das ist dem Haus auch anzusehen. Das Grundstück liegt auf einem Nordhang mit einem wunderbaren Ausblick auf den Hochwald. Schnell sei die Idee gekommen, eine „Wohnplattform zu schaffen“,

Energetische

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sagt Wirtz. Diese Plattform sollte im ersten Geschoss den Panoramablick nach Norden ermöglichen, gleichzeitig sollte sich der Wohnbereich großzügig zur südseitigen Terrasse hin öffnen. Diese Idee wird durch die auf den ersten Blick ungewöhnliche äußere Gestalt des Hauses unterstützt – der Holzbau liegt auf dem Hang auf. In Größe, Höhe und Dachform lehnt er sich an die benachbarten Gebäude an. Auf den Dachflächen sind nach Süden und Norden Photovoltaik-Module angeordnet. Durch diese zusätzliche Komponente kann das Passivhaus auch als +Energiehaus betrieben werden. Im Inneren besteht das Haus im Erdgeschoss aus Sichtbeton und im Obergeschoss aus Massivholz. Es besticht durch sein großzügiges Raumerlebnis. Die Konstruktion wird bewusst sichtbar und in ihrer natürlichen Oberfläche belassen. Das Interieur wurde aus hochwertigsten Materialien hergestellt. Das Highlight des Hauses, wie sollte es anders sein, ist aber der spektakuläre Blick durch das große Fenster nach Norden. Hier breitet sich ein schönes Landschaftspanorama aus. Dass ein Passivhaus modern, experimentell und doch wohnlich sein kann, beweist dieser Bau allemal. mat

Aussichtslage

Architektur ARCHITEKTEN STEIN HEMMES WIRTZ (Hans-Jürgen Stein, Thomas Hemmes, Roger Wirtz) Web www.stein-hemmes-wirtz.de Objekt +Energiehaus Farschweiler Kategorie Neubau, Niedrigenergiehau / Passivhaus, Holzbau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Holz / Annen GmbH + Co.KG Adresse Farschweiler Bauherr Privat Planungsbeginn 2006 Fertigstellung 2012 Nutzfläche ca. 185 m² Kosten k. A. Auszeichnungen u. a. Architekturpreis Energie Rheinland-Pfalz 2013 (Anerkennung); Holzbaupreis Rheinland-Pfalz 2011 (Anerkennung) Fotos Eibe Sönnecken

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Was sollte man auch sonst mit einem ehemaligen Schweinestall anstellen, der als Steinruine irgendwo auf einem Grundstück im Pfälzer Wald steht und eigentlich nur noch als Lager dient, als aus ihm einen preisgekrönten Ausstellungsraum zu machen? Das bereits 1780 errichtete und im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Steinhäuschen nahmen die Architekten zwar erst wahr, nachdem sie bereits einige Male an dem hinter Mülltonnen und Gestrüpp verborgenen Gebäude vorbeigegangen waren. Doch sobald sie realisiert hatten, welches Kleinod sich hinter der Maske aus Schmutz und Brombeerranken versteckte, waren sie von dessen altem Gemäuer fasziniert. „Danach bestand die größte Schwierigkeit darin, die Bauherrin davon zu überzeugen, die Ruine überhaupt zu nutzen“, sagt Architekt Martin Naumann. Die hatte sich nämlich eher etwas Glänzendes, neu Angefertigtes für den von ihr gewünschten Ausstellungsraum vorgestellt. Es wurde schließlich eine Fusion aus Neu und Alt, eine Variation des alten Themas „Haus im Haus“. „Der Charme und die Geschichte des ursprünglichen Häuschens sollten nach Möglichkeit noch weiterhin erkennbar

Architektur naumannarchitektur (Stefanie und Martin Naumann) Web www.naumannarchitektur.de Objekt S(ch)austall Kategorie Umbau, Holzbau Adresse Ramsen Bauherren Landgasthof Forelle GmbH & Co KG, Marion von Gienanth Planungsbeginn 2004 Fertigstellung 2004 Nutzfläche 21 m² Kosten € 20.000,– Auszeichnungen u. a. DEUBAU-Preis 2008 (Anerkennung); contractworld.award 2007 (Sonderpreis); Deutscher Architekturpreis 2007 (Anerkennung); AR-Awards London 2005 (1. Preis) Fotos Zooey Braun / www.zooeybraun.de

Holz im Steinpelz

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bleiben“, so Naumann. Gleichzeitig wollten die Architekten den Raum nach heutigen Maßstäben nutzbar machen. So kam es schließlich zur Idee vom Holz im Steinpelz. „Es ging darum, Respekt vor der Geschichte zu zeigen und trotzdem einen modernen Ausstellungsraum zu kreieren.“ Um dies zu erreichen, wurde das ursprüngliche Gebäude komplett entkernt, entmüllt, das Dach, das ohnehin kurz vor dem Einsturz stand, abgetragen, und alle baufälligen Teile wurden abgerissen. Der neue Teil wurde komplett aus Holzbautafeln zusammengebaut und erst hinterher mit einem Autokran zwischen den bestehenden vier Wänden platziert. Was dabei herauskam, brachte der am Bau beteiligte Zimmermann mit einem Satz auf den Punkt: „Das ist kein Haus, das ist ein Kunstwerk.“ val

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Light for Generations

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TIZIO

TOLOMEO

DEMETRA

Richard Sapper

Michele De Lucchi

Naoto Fukasawa

1972

1987

2012

40 Jahre Designpreise BIO 9 Gold Medal Compasso d‘Oro ADI Casamica Per l‘accessorio Green Good Design Award Haus Industrieform iF Product Design Award red dot Product Design Award SNAI Oscar des Architectes d‘Intérieur artemide.de


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Eigentlich war die Aussage einer Nachbarin als Beschwerde gemeint. Doch Architekt Peter Strobel sagt anerkennend: „Diese Frau hat es verstanden.“ Als sein Objekt, das letzte Haus am Ende einer kleinen Ortschaft mit 1.500 Einwohnern im Saarland, fertiggestellt wurde, erreichte Strobel die Kritik, das Gebäude sehe doch eher aus wie eine Scheune denn wie ein Haus für eine Familie. Der Erbauer sah das als ein Kompliment. Es war das erste Holzhaus, das das Büro Bayer & Strobel entworfen hat, und der Architekt entschied sich bewusst dafür, dem Objekt einen ländlichen Charakter zu verleihen. Offenheit, Einfachheit und Wirtschaftlichkeit standen bei der Planung im Vordergrund. Das Haus sollte Teil seiner natürlichen Umgebung werden – Teil einer spärlich bebauten, hügeligen Wiesenlandschaft. Obwohl es sich bei dieser Ecke des Saarlandes, im Raum St. Wendel, nicht um eine typische Holzbaugegend handelt, entschieden sich Bauherren und Architekt für Holz als Baumaterial. Das Haus an einen Hang zu bauen, der sich in zwei Richtungen neigt, und ein ungewöhnlich schmales Grundstück stellten die Planer vor eine Herausforderung. Es sollte so wenig wie möglich mit Erdarbeiten in die Topografie der Umgebung eingegriffen werden. Die Offenheit manifestiert sich durch den Autostellplatz an der einen sowie den Wohnzimmerbereich mit Fernblick in die Natur auf der anderen Seite. Die beinahe landwirtschaftliche Bauweise orientiert sich am Lebensstil der Bewohner. Das Haus wird von einer Familie bewohnt, die ursprünglich aus der Gegend stammt, aber lange Jahre in der Bundeshauptstadt Berlin verbrachte. Der Wunsch, später mit Kind und Getier wieder zurück aufs Land zu ziehen, blieb aber lebendig. Architekt Peter Strobel schuf den passenden Wohnraum dafür. „Die Bewohner haben Hunde, Katzen, betreiben Gartenbau, die Kinder haben einen Schlitten, dafür wollten wir Platz schaffen“, erklärt er. mak

Architektur Westphal Architekten (Jost Westphal) Web www.westphalarchitekten.de Objekt Atelieranbau an ein Wohnhaus Kategorie Neubau, Umbau Fassadenmaterial Kupfer Adresse Bremen-Lesum Bauherr Privat Planungsbeginn 2008 Fertigstellung 2013 Nutzfläche k. A. Kosten k. A. Fotos Anke Müllerklein

Laub in Kupfergrün

Familien-Scheune

Die Kupferzeit liegt mehrere tausend Jahre in der Vergangenheit. In Bremen-Lesum hat der uralte Rohstoff für ein spezielles Projekt eine kleine Renaissance erfahren. Das Büro Westphal Architekten wurde vor die Aufgabe gestellt, ein Atelier zu entwerfen. Es sollte ein Neubau und gleichzeitig Ergänzung und Anbau zu einem freistehenden Haus werden, das in den 1990ern inmitten eines großzügigen Grundstückes erbaut wurde. Die Bauherren ließen dem Architekten freie Hand, und Westphal suchte nach Motiven am Haupthaus, die sich weiterführen ließen. Die Formen des Gebäudes, die einer einfachen Geometrie folgen, inspirierten ihn nicht ausreichend. Doch als er das Baumaterial des Haupthauses genauer betrachtete, entdeckte er die aus Kupfer gefertigten Schrägdächer als idealen Anknüpfungspunkt. Die Materialentscheidung war gefallen. Gemeinsam mit der Bauherrin, die das Atelier für ihre Arbeit als Textildesignerin in Auftrag gab, wurde eine Ornamentik für die Kupferfassade des Gebäudes entworfen, die sich am Laub der Gärten der unmittelbaren Umgebung orientiert. Diese wurde mit einer speziellen Frästechnik ins Metall eingearbeitet. Architekt Westphal freut es, dass sich so auch die Handschrift der Bauherren im Bauwerk wiederfindet. Zudem konnte mit diesem Design die Natur, die das Grundstück umgibt, noch näher an das Gebäude herangeführt werden. Die Fassade wirkt nun selbst beinahe wie ein Blätterwald. Die herrliche Parkanlage rund um das Atelier verleitete den Architekten, auf den vollen Durchblick zu setzen. Zwei Fronten des Zubaus bestechen durch großzügige Glasflächen. Westphal setzte in seiner Planung bewusst auf den Kontrast zwischen einem modernen Design und einem uralten Baustoff. „Wir wollten das Material modern interpretieren und in die Umgebung einbetten. Kupfer wird nicht oft verwendet, es wird stumpf und grünlich, aber so ist es möglich, dass ein Haus in Würde altern kann.“ mak

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40 Architektur Bayer & Strobel Architekten Web www.bayerundstrobel.de Objekt Haus in O Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Holz Adresse k. A. Bauherr Privat Planungsbeginn 1/2013 Fertigstellung 5/2014 Nutzfläche 198 m² Kosten € 400.000,– Auszeichnung Deutsches Architekturjahrbuch 2015 Fotos Peter Strobel

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Der MENSCH und seine MASCHINE Manche sagen, der beste Freund des Menschen sei der Hund. Nicht für den Auftraggeber der Architekten Fabian Evers und Christoph Wezel. Zum Spaziergang in den Wald nimmt dieser lieber seinen Unimog, einen allradgetriebenen Kleinlastwagen, mit. „Als Ausgleich zum Alltag geht er mit seinem Unimog in den Wald und schlägt Kleinholz für den Verkauf. Er hat Spaß mit dem Fahrzeug. Das ist seine private Leidenschaft. Er wollte einfach einen kurzen Weg zu seinem Unimog haben. Ihm hätte auch ein Schlafsack unterm Getriebe genügt“, lacht Fabian Evers. Trotzdem schlug ihm Evers nach einigen Überlegungen vor, Wohn- und Schlaflager statt unter dem Fahrzeug einfach darüber zu errichten. Das war neben der gewünschten Zweckmäßigkeit auch die kostengünstigste Variante – eine weitere Herausforderung an die Architekten, die Evers gerne annahm: „Ich hatte zwar keinen direkten Rahmen, aber die Vorgabe und den persönlichen Ehrgeiz, den Bau so kostengünstig wie möglich zu halten. Es macht auch Spaß, in einem Low-Budget-Rahmen zu planen und ihn als strikten Parameter zu sehen.“

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Architektur Fabian Evers Architektur & Wezel Architektur (Christoph Wezel) Web www.fabianevers.com / www.wezelarchitektur.de Objekt Haus Unimog Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Aluminium, Polycarbonat-Lichtplatten-Welle Adresse Ammerbuch Bauherr Privat Planungsbeginn 3/2011 Fertigstellung 3/2012 Nutzfläche 67 m² Kosten € 149.500,– (brutto) Fotos Michael Schnabel / www.michaelschnabel.com; Sebastian Berger / www.sebastianberger.de

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Deshalb ist der Schlafplatz inklusive Hebebühne für den Unimog auch mit Lichtplatten ausgestattet, die tagsüber eine stromfreie Lichtquelle zum Arbeiten bieten, während sie den Blick von außen verwehren. Der Zugang zum menschlichen Wohnraum führt über eine Außentreppe hinauf auf eine großzügige Loggia, die, abgewandt von der angrenzenden Hauptstraße, den Blick auf Felder und Natur offenbart. Das Problem des Lärms hat Evers gelöst, indem er auf der straßenseitigen Wand die Fenster einfach wegließ. Drinnen ist es gemütlich, einfach und zweckorientiert. Beheizt wird nur durch einen Kamin. Heizmaterial beschaffen Bauherr und Unimog in Teamarbeit. Auch Wände und Boden bestehen komplett aus Holz. Evers’ persönlicher Favorit ist aber das Dach, das das Haus mit seinen umgeklappten Aluminiumplatten wie einen Scherenschnitt erscheinen lässt. „Das ist meine Lieblingsansicht: unten der transluzente Körper und oben dieses einfache Modellhaus.“ Obwohl sich ein Haus nach Paragraf 34 in Deutschland in die Umgebung eingliedern muss und Evers’ Entwurf sich dezidiert abhebt, gab es vonseiten der Behörde keine Beschwerden, und so können Bauherr und Unimog glücklich ihr neues Zuhause genießen. mas

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Abreißen oder sanieren? Das war die große Frage bei einer maroden Scheune, die seit den 1990er-Jahren nicht mehr bewohnt und bewirtschaftet wurde. Die Lage direkt am ehemaligen Zaun der innerdeutschen Grenze am Ufer des Schaalsees und das denkmalgeschützte Umfeld des Dorfes machten den Charme der Situation aus. Aufgrund des desolaten Zustands und der Dimensionen der 40 Meter langen Scheune war für die Bauherren eine Sanierung ohne horrende Kosten aber schwer vorstellbar. Doch genau darin lag für das Team petersen pörksen partner architekten die große Herausforderung, wie sie selbst erklären. Ein bereits bestehender Einbau von Wohnräumen im seeseitigen Teil der Scheune war der Anknüpfungspunkt

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der Planung, die den Erhalt des Milieus zum Ziel hatte. Entstanden ist ein offenes, freundliches Ferienhaus, das eine komplett neue Nutzung der Scheune zulässt und eine andere Atmosphäre schafft. Für diese besondere Leistung erhielten die Architekten gleich zwei Preise: den Landesbaupreis Mecklenburg-Vorpommern und den BDA-Preis MecklenburgVorpommern. An das Gehäuse tasteten sich die Architekten vorsichtig heran, die denkmalgeschützte Gebäudehülle wurde in Teilen wieder auf den früheren Stand zurückgebaut und saniert. Sie besteht aus einer Ziegelfassade. Im Inneren sind weite Räume entstanden. Im Erdgeschoss wurden drei Räume miteinander verbunden und mit schlichten modernen Möbeln aus dunklem Holz eingerichtet. Damit ein fließender Übergang zwischen Wohnraum und überdachtem Außenraum geschaffen werden konnte, wurde der Massivbau um eine Treppe erweitert, die vor den bestehenden Einbau gestellt wurde. Der Außenraum ist wohl der schönste Teil des Ferienhauses. Er ist nach Osten geöffnet und hofartig gestaltet. Dort befindet sich auch ein Gitterroststeg, welcher längs durch den Raum auf eine Terrasse führt. Von hier aus kann der Besucher bei geöffneten Läden ungestört Seepanorama und Natur genießen. Das Dorf, in dem sich die Ferienscheune befindet und das jahrzehntelang im Niemandsland zwischen Ost und West lag, zählt jetzt zum Naturschutzgebiet des Biosphärenreservats. mat

NEUGEBURT Architektur petersen pörksen partner architekten + stadtplaner (Klaus-H. Petersen, Jens Uwe Pörksen, Markus Kaupert, Andreas Christian Hühn) Web www.ppp-architekten.de Objekt Scheune in Techin Kategorie Umbau Fassadenmaterial Ziegelmauerwerk Adresse Techin Bauherr Privat Planungsbeginn 12/1999 Fertigstellung 8/2003 Nutzfläche 173 m² Kosten € 382.000,– (Bauwerkskosten) Auszeichnungen BDAPreis M-V 2007; Landesbaupreis M-V 2004 Fotos Stephan Baumann /  www.bild-raum.com

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Zukunft im Rückspiegel Architektur AFF Architekten Web www.aff-architekten.com Objekt Haus Zivcec Kategorie Neubau Fassadenmaterial Beton-Formsteine (WDVS) Adresse Weimar Bauherr Familie Zivcec Planungsbeginn 2004 Fertigstellung 5/2005 Nutzfläche 111 m² Kosten € 150.000,– (KG 300–400) Auszeichnung Europäischer Kalksandsteinpreis 2005 (1. Platz) Fotos AFF Architekten

Mit dem Ende der DDR wurden auch die russischen Truppen aus Weimar abgezogen, zurück blieb ein 300 Hektar großes Militärareal, eine Brache in bester Innenstadtlage. Davon hat die Stadtverwaltung nur wenige Jahre später einen Teil, ein Filetstück gewissermaßen, für das Stadtentwicklungsprojekt „Neues Bauen am Horn“ freigegeben. Das städtebauliche Konzept dazu lieferte der Wiener Architekturprofessor Adolf Krischanitz. Und weil Weimar für das Bauhaus bekannt ist, war es nur logisch und konsequent, dass das neue Stadtviertel wesentlich von diesem Stil geprägt sein sollte. Ähnliche Pläne gab es schon 1922, umgesetzt wurden sie allerdings nie. Ein einfaches „Remake“ der damaligen Pläne sollte das neue Stadtquartier aber nicht werden, schreibt das Berliner Architektenduo Sven und Martin Fröhlich auf seiner Homepage. Vielmehr strebte man einen Projektionsversuch für die Zukunft des Wohnens im 21. Jahrhundert an, welcher vor allem auf neue Nachbarschaften setzt. Auf einer kleinen Parzelle mit einer Breite von nur 7,50 Metern lieferten die beiden vor zehn

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Jahren einen beispielhaften Beitrag dazu. Als Reminiszenz an den Bauhausstil mussten alle Häuser mit einem Flachdach geplant werden. Stiltypisch sind auch die dabei verwendeten Materialien: Fertigbauteile, von lokalen Handwerkern gefertigte Holzfenster und Beton. „Besucher der Siedlung munkeln heute, dass den Häusern ein Dach fehle, im Inneren fänden sie sie aber alle sehr schön“, beschreibt Architekt Martin Fröhlich die Reaktionen von Passanten. Betreten wird das U-förmige Haus über einen Innenhof, drumherum gliedern sich die Küche und der hallenartige Wohnraum. „Im Grunde kann man wie bei einem Teleskop durch drei Räume bis auf die Straße durchschauen“, so Fröhlich. Damit umgekehrt nicht allzu viele neugierige Blicke nach innen fallen, wird der Innenhof von einer Mauer begrenzt. Wie ein Ornament legen sich die durchbruchplastischen Betonwürfel an die Grundstücksgrenze – damit lassen die Architekten einen Baustein der Plattenbauten aus den 1970er-Jahren wiederauferstehen, welcher zur Aufhübschung der tristen Fassaden erfunden wurde. maj

Es gibt nur zwei Dinge in der Architektur: Menschlichkeit oder keine.

Alvar Aalto


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Manchmal sind es die Aufträge mit den klarsten Vorgaben, die die schwierigsten sind: „Der Bauherr wollte einen Archetyp, etwas Außergewöhnliches. Er hatte sehr klare Vorstellungen von seinem Traumhaus“, sagt Stephan Fabi. Auf dem Grundstück eines ehemaligen Wärterhäuschens am Wehrgraben sollte ein Rückzugsort entstehen – minimalistisch und frei von Störungen. Keine leichte Aufgabe für den Architekten, da einerseits auf engem Raum direkt neben einem steilen Hang gebaut wurde, der zwischendurch ins Rutschen kam, und andererseits der Bauherr – selbst Innenarchitekt – keine Kompromisse eingehen wollte. „Letztendlich fand ein befruchtender Austausch statt. Wir haben im Prozess gelernt, alles zu hinterfragen und nichts

Architektur fabi architekten (Stephan Fabi, Nina Fabi, Kristina Binder) Web www.fabi-architekten.de Objekt Schwarz auf Weiß – Atelierhaus Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Putz Adresse k. A. Bauherr Thomas Jäger Planungsbeginn 2009 Fertigstellung 2012 Nutzfläche 100 m² Kosten k. A. Auszeichnungen Häuser-Award 2014; Publikumspreis „geplant + ausgeführt“ 2014 Fotos Herbert Stolz / www.fotodesign-stolz.de

Architektur Birgit Wessendorf Architekten Web www.wessendorfberlin.com Objekt Haus in Märkisch Buchholz Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Zedernholz / Fa. Ihle mit Thomas Meinhardt Adresse Märkisch Buchholz Bauherr Michael Wessendorf Planungsbeginn 2009 Fertigstellung 2011 Nutzfläche 142 m² (inkl. Kellerräumen) Kosten € 300.000,– Auszeichnung Baukulturpreis Brandenburg 2011 Fotos Birgit Wessendorf Architekten

Eigentlich, sagt Birgit Wessendorf, sei der Süden von Berlin nie so ihr Ding gewesen. „Am Wochenende waren mein Mann und ich oft im Norden. Im Süden ist es oft viel schwieriger, ans Wasser zu kommen, und es gibt auch mehr Industrie.“ Doch einmal paddelten sie genau in diese Richtung und entdeckten das Grundstück: eine große, sumpfige Wiese, die als Baugrund zum Verkauf stand. „Dieser Platz am Wasser mit Blick direkt auf die Dahme, wo man das Paddelboot anlegen kann – als wir den entdeckten, haben wir gesagt: Lass uns das machen!“ Doch bis der Bagger über das Grundstück fuhr, dauerte es. „Wir pflanzten die ersten drei Jahre Bäume, um die Landschaft zu strukturieren. Zum schlammigen Torfteppich kam die Hanglage dazu.” Letztendlich musste Wessendorf das Grundwasser absenken und den Boden austauschen. Dazu kam noch ein Keller aus WU-Beton – ein ganz schöner Aufwand, der sich allerdings lohnte. Das Ergebnis ist nämlich ein preisgekröntes, nachhaltig gebautes Wohnhaus; eine Art Aussichtsturm aus Holz mit Öffnungen, die den Blick auf das angrenzende Naturschutzgebiet lenken. Im Inneren besteht das Haus im Erdgeschoss praktisch nur aus einem Raum. Das Obergeschoss führt auf einen dreiseitig umschlossenen Platz ohne Dach. Von der breiten Brüstung aus kann man die Vögel vorbeiziehen sehen oder am Boden liegend bei klarem Nachthimmel die Sterne betrachten. Für Wessendorf eine Hommage an den schwierigen, aber schönen Standort. „Wir haben all die Jahre diese Landschaft von einem Jägerstand aus betrachtet. Da kam mir die Idee, auch das Haus als eine Art Turm zu planen.“ Die Orientierung hin zum Wasser hat einen weiteren, pragmatischen Grund: Da das Grundstück an eine stark befahrene Straße grenzt, wurde das Haupthaus so platziert, dass der Lärm ausgeblendet wird. Und auch beim Baumaterial suchte Wessendorf aus gutem Grund die Nähe zum Natürlichen. „Ich hatte kurz vor Planungsbeginn ein Schwimmbad aus Sichtbeton geplant und suchte nach einem dem Ort angemessenen Material.“ Und so entwickelte Wessendorf einen komplexen Bauplan aus insgesamt 57 Leimholztafeln für das Holzhaus. Wie bei einem Lego-Haus wurden die Einzelteile im Werk gefertigt und in nur zwei Tagen auf der Baustelle zusammengesteckt. Dieses Grundgerüst bekam eine Zellulosedämmung und eine schützende Hülle aus Zedernholz. Heute ist für Wessendorf das Haus mehr als ein Arbeits- und Rückzugsort. Oft sitze sie auf ihrem Lieblingsplatz, einer erhöhten Sitznische im Erdgeschoss mit dem großen Fenster in Richtung Fluss, und entdecke jeden Tag etwas Neues. „Es fühlt sich an wie in einem Schiff auf Reise. Es wird mir einfach nicht langweilig hinauszusehen.“ map

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EIN SCHIFF AUF REISE

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Schwarz auf weiß für gegeben hinzunehmen.“ Am Ende entstand ein eigenwilliges Haus, abgewandt von den Nachbarhäusern mit Blick auf die Natur. Die ungestörte Aussicht ermöglichen zwei zueinander verdrehte Gebäudevolumina: Ein schwarzer Satteldachbaukörper liegt auf einer Flachdachkiste, die bis über die Hangkuppe hinausreicht. So können sich die Bewohner des Hauses auf den Wald, die Umgebung und das Tal konzentrieren, erklärt Fabi. Deshalb wurden auch auf der einen Seite des Gebäudes keine Fenster installiert. Und auch die Inneneinrichtung wurde auf das Wesentliche reduziert: Vom Garderoben- und Empfangsraum im Erdgeschoss gelangen Besucher über eine Treppe nach oben, wo gearbeitet, gegessen, gefeiert und entspannt wird – stets mit Blick nach draußen. Damit diese Nähe zur Natur nicht gestört wird, ging der Bauherr teilweise sogar weiter als die Architekten. Er setzte beispielsweise durch, dass die Treppen im Inneren und der gesamte Außenbereich nicht mit Geländer gesichert werden, erinnert sich Fabi. „Ein Gebäude, wo man eben alle Sinne beisammenhaben muss.“ Denn bei einem Besuch im Garten könnten Spaziergänger theoretisch ins Tal hinunterstürzen. map Büro FA B I A R C H I T E K T E N , B AY E R N  /  Haus B AY E R N  

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46 Ein Baumhaus, das bedeutet in Kindertagen mehr Refugium denn Wohnstätte, mehr einen in luftiger Höhe installierten Raum als „elternsicheres“ Versteck, Höhle und Schatzkammer denn Schlaf- und Wohnraum oder gar Arbeitsfläche. Wenn Erwachsene sich ihren Traum vom Baumhaus erfüllen und nicht nur roh gehobelte Bretter und übriggebliebene Balken zur Verfügung haben, ist das anders. Man kann sich die Leichtsinnigkeit einer festen Treppe durchaus erlauben. Und die Bauherren dieses kupfernen Kubus ließen nicht nur ein Badezimmer integrieren, sondern auch große Bett- und Sofaflächen, einen Kleiderschrank, eine Minibar und einen Schreibtisch. Auf nur 17 Quadratmetern verwirklichten sie damit die Idee vom voll bewohnbaren Baumhaus. Zugegeben: Ein richtiges Baumhaus ist der Kupferkubus eigentlich nicht, denn er ruht ausschließlich auf einem Stahltragwerk. Man befindet sich aber immerhin in fünf Meter Höhe über dem Erdboden und wird damit fast eins mit den Baumkronen, die das kleine Objekt umsäumen. Wem der Abstand zum Boden zu schwindelerregend ist, der kann auf die Terrasse ausweichen, die einen Meter niedriger liegt. Sie

ZWEIGSAMKEIT Architektur baumraum (Andreas Wenning) Web www.baumraum.de Objekt Kupferkubus Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Kupfer / JWD Fassadentechnik Adresse Werder bei Berlin Bauherr Privat Planungsbeginn 2009 Fertigstellung 2010 Nutzfläche 17 m² plus 18 m² Terrasse Kosten € 65.000,– Auszeichnung Reiners Stiftung Hamburg 2011 Fotos Markus Bollen

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verkörpert dann auch wieder die Tugenden eines richtigen Baumhauses: denn das Plateau wird von einer Eiche getragen, an der es mit einer Seilkonstruktion und speziellen Gurtschlaufen aufgehängt ist. Die Frisch- und Abwasserversorgung ist ebenfalls professionell integriert, Strom gibt es sowieso. Alle Zu- und Ableitungen sind unsichtbar in eine der Stahlstützen integriert. Bleibend sichtbar dagegen der warme, rötliche Farbton der Hülle des Mini-Domizils, denn ein Klarlack bewahrt die Kupfertafeln vor der Oxidation. ras

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Architektur gildehaus.reich architekten (Andreas Reich, Bernd Gildehaus, Felix Flechtner, Torsten Köppe) Web www.gildehausreich.de Objekt Haus B Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus Fassadenmaterial / Fassadenfirma Sichtbeton-Fertigteilfassade / MBW-Massivbau Wohlsborn Adresse Weimar Bauherr Privat Planungsbeginn 2/2002 Fertigstellung 9/2003 Nutzfläche 280 m² Kosten k. A. Fotos Andreas Reich

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Wenn man die Geschichte dieses Hauses erzählt, kommt man nicht darum herum, auch von seiner Umgebung zu sprechen. Im Jahr 1920 wurde auf einem ehemaligen Kasernengelände in Weimar ein neues Stadtquartier geplant. Doch erst 2000 konnte das moderne Wohngebiet – unter neuen Rahmenbedingungen – realisiert werden. Als „Bauhaus-Siedlung“ bezeichnet, ist das fertige Quartier nur wenige Gehminuten von der Altstadt in Weimar entfernt. Hier steht das „Haus B“. Die Idee war, das Gebiet in unterschiedlich große Baufelder mit Parzellen einzuteilen und feste Regeln über Lage, Größe und Zuschnitt zu setzen. Daraus entstand eine eigene architektonische Grammatik. Vor diesem Hintergrund war es die Herausforderung für den Architekten, ein Haus entstehen zu lassen, das sich in die entsprechende Umgebung einfügt. Die Form des Hauses, das von außen wie ein groß

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Architektur CHRIST.CHRIST associated architects (Roger Christ) Web www.christ-christ.cc Objekt Haus S Kategorie Umbau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Sichtbeton, geschroppte Eiche, Holz / Metallbau Landua Adresse Wiesbaden Bauherr Privat Planungsbeginn 7/2009 Fertigstellung 7/2011 Nutzfläche 452 m² Kosten k. A. Auszeichnungen u. a. German Design Award 2014 (Special Mention); best architects award 13 Fotos Thomas Herrmann / www.thomas-herrmann.com

EINS AUFS DACH

SCHNITTIGES QUADERSPIEL gegliederter Quader aussieht, war also kein Zufall, wie der Architekt Andreas Reich erklärt: „Ein strenger Kubus mit darin eingeschnittenen Freiräumen, wie wir ihn gewählt haben, war eine logische Antwort auf die uns vorgegebenen Regeln.“ Die größte Herausforderung sei darin gelegen, die zu dieser Zeit noch nicht bekannten Nachbargebäude beim Entwurf zu berücksichtigen. Das Haus auf einem der größten Einzelgrundstücke der Siedlung fügt sich so in den Gesamtkontext ein. Auch der Entwurf folgt in seinem Aufbau einem klaren Plan. Aus einem einfachen Quader wurden Teile „herausgeschnitten“. So konnte ein Zusammenspiel von Innen- und Außenräumen entstehen. Den Rahmen dieses Zusammenspiels bildet eine Fassade aus Sichtbetonelementen. Und so ist das „Haus B“ ein Teil dieses architektonisch inspirierenden Wohnquartiers und hat sich durch die klare Struktur seinen eigenen Platz geschaffen. Es erzählt nun seine eigene Geschichte von Architektur, modernem Wohnen und einem unverwechselbaren Wohnquartier mitten in Weimar. mat

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Was tun, wenn Bauflächen rar sind? Einfach ein Dach als Grundstück verwenden. Diese Art der städtischen Nachverdichtung empfinden die Architekten von CHRIST.CHRIST als zentrales Thema heutiger Stadtentwicklung. Dementsprechend gingen sie an die Aufgabe zur Neugestaltung des „Hauses S“ mit genau dieser Lösungsstrategie heran. Das „Haus S“ in Wiesbaden war ursprünglich ein bungalowartiges Wohnhaus, das in den 1960er-Jahren vom Wiesbadener Innenarchitekten Wilfried Hilger für sich und seine Familie errichtet worden war. „Bei solchen Unterfangen wird der Architekt stets vor die Frage gestellt, wie mit der bereits vorhandenen Bausubstanz zeitgenössisch umgegangen werden soll“, so der für die Planung verantwortliche Architekt Roger Christ. „Zum Glück waren die Bauherren von Anfang an sehr engagiert, sodass wir sehr offen über die Möglichkeiten diskutieren konnten.“ Zuerst galt es, das alte Gebäude so zu verstärken, dass es eine Aufstockung aushalten konnte. Über 24 Pins verband Stahlbau Eulberg einen Stahlrost mit der Bausubstanz. Auf der derart geschaffenen Ebene konnten die drei neuen Baukörper errichtet werden. Die einzelnen Elemente sind nur durch Glasgänge miteinander verbunden und ansonsten jeweils eigenständige Teile des Neubaus.

„Der schwierigste Teil des ganzen Projekts war das Bauen im bewohnten Zustand“, so Christ. Denn sowohl die neuen Eigentümer als auch Wilfried Hilger wohnten während der Bauzeit im alten Gebäude. Deshalb mussten die Arbeitszeiten perfekt mit den Zeitplänen der Eigentümer abgestimmt sein, und größere Arbeitsvorgänge mussten in die Urlaubszeit der Bewohner gelegt werden. Dennoch hat Christ das Projekt in guter Erinnerung. „Nur selten kann man mit den Bauherren auf einer Ebene über einen Entwurf sprechen.“ Tatsächlich lief die Zusammenarbeit so glatt, dass Architekten und Eigentümer bis heute befreundet sind. val

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Wer hoch oben am Hang baut, will weit nach unten sehen können. Nicht anders war es im Fall des von pape+pape geplanten Wohnhauses in Bacharach. „Hier wurde natürlich besonders viel Wert darauf gelegt, den Ausblick voll zur Geltung kommen zu lassen“, so Tore Pape. Die Stadt Bacharach liegt nämlich inmitten des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal. Dementsprechend ging es beim Bau des Hauses um den spektakulären Blick auf eine 2.000 Jahre alte Kulturlandschaft im Herzen Europas. Von der auf Straßenniveau gelegenen Garage aus überbrückt eine Treppe aus Sichtbeton die rund acht Höhenmeter bis zum Hauptgebäude. Eine Glasfront mit Schiebetüren verbindet Innen- und Außenbereich des Wohnteils und gibt auch vom Wohnzimmer aus den Blick ins Tal frei. Als Gegenstück zu den leichten Glasbauteilen setzten die Architekten regionalen Naturstein ein, der dem Haus Geborgenheit verleiht und es in den Hang einpasst. So wurde die Verbindung von gläserner Leichtigkeit und steinerner Schwere geschaffen, die pape+pape beabsichtigt hatten. Zusätzlich verleiht die ebenfalls mit Naturstein verkleidete Außenhaut den massiven Gebäudeblöcken die charakteristische Schlichtheit und fügt sie in die umliegende Wildwiese ein. Die Realisierung

Die Leichtigkeit DES STEINS

Architektur Helm Westhaus Architekten (Heide Helm, Maik Westhaus) Web www.helmwesthaus.de Objekt Haus Paladino Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus, Holzbau Fassadenmaterial Western-Red-Cedar-Holzfassade Adresse Berlin Bauherr Privat Nutzfläche 347 m² Kosten k. A. Fotos Florian Profitlich, Antonio Paladino / www.antoniopaladino.com

Jeder Hausbesitzer wünscht sich ein Stückchen Natur in seiner Nähe. Dieses Niedrigenergiehaus in Berlin ist, trotz Großstadt, komplett von Grün umgeben. „Die architektonische Herausforderung lag darin, ein lichtdurchflutetes Haus zu entwerfen, obwohl im Süden ein zweieinhalbgeschossiges Haus steht und im Norden riesige Pappeln“, erklärt Architekt Maik Westhaus. Der Trick: Hauslange Lichtstreifen direkt unter den Decken bringen das Licht tief in den Raum. Der zweigeschossige Eingangsbereich wird durch das Deckenlicht ausgeleuchtet, und Verglasungen im Inneren schicken

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HOLZIGER LUFTRAUM

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das Licht quer durch das Haus bis auf die nördliche Außenwand. Und dann gibt es da noch großzügige Fenster nach Osten, Westen und Norden. Diese holen die Natur direkt ins Haus. „Man lebt wie in einem Baumhaus mitten in der Stadt“, sagt Westhaus. Nachhaltigkeit spielte bei der Auswahl der Baumaterialien ebenfalls eine große Rolle. Für den Bau wurden schadstoffarme, ressourcenschonende und langlebige Materialien verwendet. Zum Beispiel verfügt das Haus über eine unbehandelte Holzfassade, eine ökologische Holzfaserdämmung und langlebige Holzfenster aus Lärchenholz. „Das Bewusstsein für eine nachhaltige Linie war bei allen vorhanden. Dadurch haben alle ihr Bestes für dieses Ziel gegeben“, so Westhaus. Das Treppenhaus teilt das Gebäude in einen zwei- und einen dreigeschossigen Teil. Das Atelier besteht aus zwei Räumen, einer im ersten und der andere im zweiten Obergeschoss als überdachtes Freiluftatelier. Der Bauherr, ein Kameramann mit italienischen Wurzeln, hat das Architekturbüro Helm Westhaus über ein Referenzprojekt gefunden und wollte seine Idee vom eigenen nachhaltigen Stadthaus mit ihnen realisieren. „Das Besondere beim Bau war, dass alle – Bauherr, Statiker und Architekten – den Entwurf gemeinsam entwickelt haben und diese Teamarbeit eine tragende Säule für uns alle war“, sagt Westhaus. Eine tragende Säule, um das Naturparadies mitten in der Stadt zu kreieren: das „Haus Paladino“. mat

50 Architektur pape+pape architekten (Tore und Ulrike Pape) Web www.papeundpape.de Objekt Wohnhaus in Bacharach Kategorie Neubau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Naturstein / Lange, Glas / Norma Metallbau Adresse Bacharach Bauherr Privat Planungsbeginn 4/2012 Fertigstellung 5/2014 Nutzfläche 145 m² Kosten k. A. Fotos Oliver Rieger / www.oliverrieger.com

des Vorhabens brachte allerdings einige Herausforderungen mit sich. „Die Zufahrtsstraße hatte eine Beschränkung von zehn Tonnen Maximalgewicht. Das mussten wir in Ausnahmefällen überschreiten.“ Hinzu kam die Schwierigkeit, die acht Meter Höhenunterschied zwischen Straße und Wohnhaus zu überbrücken. Dafür war ein Kran nötig, der die Bauteile nach oben hieven konnte. Um wiederum den Kran zu stabilisieren, wurde in den Wintermonaten ein zusätzliches Plateau errichtet. Glück hatte das Architektenteam mit dem Bauherrn, der von Anfang an interessiert und mit großer Unterstützung hinter dem Projekt und den Ideen stand. „Es kommt nicht oft vor, dass Architekt und Bauherr eine Einheit bilden“, so Pape. val

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DAS WERK IM HAUS

Architektur TKA Thomas Kröger Architekt Web www.thomaskroeger.net Objekt Werkhaus Kategorie Neubau, Umbau, Holzbau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Perforiertes Wellblech / Laukien GmbH Adresse k. A. Bauherr Privat Planungsbeginn 2009 Fertigstellung 2013 Nutzfläche 498 m² Kosten k. A. Auszeichnungen Häuser des Jahres 2014; Gestaltungspreis Baukultur Wüstenrot Stiftung 2014 Fotos Thomas Heimann

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und fügt sich so sanft in die Hügellandschaft der Uckermark ein. Im Inneren ist es sehr einfach und klar strukturiert. Es gliedert sich in eine Werkstatt, einen Wohnbereich und einen Wirtschaftsteil mit Büro und Aufenthaltsräumen. Diese drei Bereiche wurden nach ihrer Funktion und ihrem Nutzen so angelegt, dass sie jederzeit leicht zu erreichen sind. Eine besondere Herausforderung war, dass die Werkstatt bereits während der Bauzeit in Betrieb genommen wurde, erklärt der Architekt. Das führte auch dazu, dass die Konstruktion aus heimischer Kiefer schon in der Tischlerei vor Ort von Hand genagelt und zur Montage vorbereitet wurde. Der Innenausbau wurde ebenfalls vor Ort vom Bauherrn selbst gefertigt. Die Besonderheit bei diesem Haus ist der Kontrast zwischen rohen Materialien und feinen Oberflächen. Die Wände des Schlafzimmers sind beispielsweise komplett mit Holzdielen beplankt und hinterlassen einen sehr naturverbundenen, traditionellen Eindruck. Die Möbel sind funktional und bestechen durch ihre augenfällige Detaillierung und Handwerkskunst. Das „Werkhaus“ stellt eine Verbindung zwischen Wohnen und Arbeiten her, die weder das Praktische noch das Heimelige hintanstellt. Definitiv eine Werkstätte der anderen Art. mat

Mit seinen hallenartigen Ausformungen wirkt das Gebäude von außen wie eine Werkstätte oder Fabrik. Dass hier auch jemand wohnt, ist nicht sofort ersichtlich. Aber dieses „Werkhaus“ ist etwas Besonderes: 1987 als Schlosserei und Schmiede errichtet, wünschte sich der Bauherr, er ist Produktentwickler und Tischler, eine neue Nutzung des Gebäudes für seine Arbeit, für die er eine Werkstätte benötigte. Die zweite Anforderung war, das Haus auch mit einem Wohnbereich auszustatten, daher wurden teilweise neue Elemente hinzugebaut, wie Architekt Thomas Kröger erklärt. Das „Werkhaus“ ist komplett in grünem Wellblech eingekleidet

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Variabel und durchlässig. Möchte man das Denken und Schaffen von Wolfram Popp mit zwei Worten zusammenfassen, es wären wohl diese. Mit seinem Ansatz wurde der Architekt weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt. Nach dem Erfolg seiner Estradenhäuser, die das innerstädtische Mehrfamilienhaus mit ihrer Offenheit und Flexibilität neu definierten, nahm sich Popp der Architektur des Einfamilienhauses an: Auf dem Grundstück am alten Augustaplatz sollte für eine fünfköpfige Familie ein offenes, nachhaltiges und neu gedachtes Einfamilienhaus entstehen. Ein experimentelles Vorhaben, das im gutbürgerlichen Bezirk Berlin-Zehlendorf zunächst für Staunen sorgte: Ausgerechnet hier, zwischen prachtvollen Anwesen und 1950er-Jahre-Bungalows, platzierte Popp eine grazile Stahlkonstruktion. Der rund 360 Quadratmeter große Neubau konkurriert dabei nicht mit dem gebauten Umfeld, sondern bettet es behutsam ein: Die hohe Mauer mit Belvedere, die einst das Vorgängerhaus umgab und laut Bauvorschrift erhalten werden musste, dient heute als Sichtschutz und Antipode. So konnte der Architekt das neue Haus möglichst

GRAZILES FLIMMERWERK

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Architektur PLANPOPP Architektur Stadtplanung (Wolfram Popp) Web www.planpopp.com Objekt Haus am Platz Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Filigranverglasung / System SkyFrame; Vollholzkonstruktion / MHM; umlaufende farbige Fächermanschette /  geschützte Sonderkonstruktion von PLANPOPP Adresse Berlin-Zehlendorf Bauherr Privat Planungsbeginn 10/2009 Fertigstellung 5/2011 Nutzfläche 360 m² + 160 m² Keller Kosten € 1.150,– / BGF nach DIN 277 / 276 KG 300+400 Auszeichnung Heinze Architekten Award 2014 (2. Publikumspreis) Fotos Wolfram Popp

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Architektur Motorplan Architektur + Stadtplanung Web www.motorplan.eu Objekt Wohnhaus GHN Kategorie Neubau, Umbau Fassadenmaterial Putz auf Wärmedämmverbundsystem Adresse k. A. Bauherr Privat Planungsbeginn 2005 Fertigstellung 2007 Nutzfläche 215 m² Kosten k. A. Fotos Andreas Kunert / www.andreaskunert.de

Die Zier der Bescheidenheit Gerade kleinere Gemeinden, die über Jahrhunderte hinweg gewachsen sind, zeichnen sich oft durch eine gewisse Homogenität in der Bebauung aus. Das gilt erst recht für die in vielen Fällen sogar historischen Dorfkerne, in denen sich Häuser aneinanderreihen, die selten jünger als 100 Jahre sind. Tut sich eine Baulücke auf, muss maßvoll und angemessen planen, wer nicht das gesamte Stadtbild verschandeln will. Mit diesem Sachverhalt konfrontiert sahen sich die Bauherren und die Architekten dieses Hauses. Im alten Dorfkern einer baden-württembergischen 10.000-Einwohner-Gemeinde gelegen, mussten auf dem Grundstück zunächst ein älteres Wohnhaus und eine kleine Scheune weichen. Die Garage und Teile der Fundamente und der Bodenplatte wurden dabei für das neue Haus genutzt. Die Beteiligten mussten bei der Planung genau jene beiden Aspekte unter einen Hut bringen: Auf der einen Seite musste die gewachsene Struktur des dörflichen Umfeldes berücksichtigt werden, auf der anderen Seite wollten die Bauherren ihre eigene Individualität auch architektonisch umgesetzt wissen. „Wir mussten eine Antwort finden auf die in der Umgebung vorherrschende eigentümliche Bastel- und

Anbauästhetik vergangener Jahrzehnte und die Frage, inwieweit sich ein selbstbewusster Ausdruck zeitgenössischer Architektur in einem solchen Umfeld verwirklichen lässt“, so der Architekt Bernhard Wondra. „Das haben wir mit wenigen, aber konsequenten Gestaltungsmitteln geschafft“, erzählt der Ingenieur weiter. Hauptthemen waren der sensible Umgang mit den Gebäudefluchten und der Maßstäblichkeit der Nachbargebäude. Der Bau führt fast schon bescheiden die ihn umgebenden Kanten und Fluchten weiter und zeichnet wie die Nachbarhäuser die Linie der Straße nach. Würde man es nicht wissen, man würde erst auf den zweiten Blick erkennen, dass es sich um einen modernen Neubau handelt. Nach außen öffnende Fenster unterstreichen die Abwicklung der Fassade und bieten beim Blick nach draußen – weil nach innen rahmenlos – eine nahezu bildhafte Wahrnehmung der Umgebung. Immer aber bleibt die Hauptfassade eine dünne, fast verletzliche Schnittstelle zwischen öffentlichem und privatem Raum. ras

nahe an die Straße rücken, ohne dass die Bewohner um ihre Privatsphäre fürchten müssen. Und nicht nur außen setzte sich der Architekt intensiv mit Geschichte und Umfeld des Grundstücks auseinander, auch im Inneren überlegte er sich maßgeschneiderte Lösungen für die Bauherren. Die Wohnräume erstrecken sich auf zwei Ebenen und sind wegen der leichten Stahlskelettbauweise von jeder Traglast befreit. Dazwischen eingesetzt befinden sich sogenannte Sekundärräume – Speisekammer, Toilette im Erdgeschoss und Individualräume im Obergeschoss. Schiebeelemente statt Türen verändern die Raumbeziehungen ständig und laden dazu ein, das Haus immer wieder neu zu gestalten. Und so scheinen vom Eingangs- über den Wohnbereich im Erdgeschoss bis zu den Kinder- und Elternraummodulen im zweiten Stock hier alle Raumgrenzen aufgehoben zu sein. Doch nur fast: Mit wenigen Handgriffen lässt sich das Gebäude komplett verwandeln – in ein Labyrinth zum Beispiel. map

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Architektur leonardhautum (Kristin Leonard, Lisa Hautum) Web www.leonardhautum.com Objekt NOCKI … ein Flickwerk Kategorie Umbau, Erweiterung Dämmbeton TECHNOlith von TECHNOpor, www.technopor.com Adresse München Bauherren Angelika und Martin Hautum Planungsbeginn 4/2011 Fertigstellung 4/2012 Nutzfläche 100 m² Kosten € 250.000,– Auszeichnungen DEUBAU-Preis 2014 (Nominierung); Hans-Schaefers-Preis 2013 (Nachwuchsförderpreis BDA Berlin) Fotos Yatri Niehaus

URBANER ZUCKER Eine gute Nachbarschaft kann ein Segen sein. Wenn der Zucker alle ist zum Beispiel. Oder der Handbohrer streikt. Im Fall des Projekts NOCKI in München führte eine Nachbarschaftsbeziehung sogar zu einem neuen Zuhause. Es begann alles 2011, erzählt Lisa Hautum. Damals studierte sie Architektur in München und wohnte am Fuße des Nockherberges. Hier reihen sich Häuser in unterschiedlichsten Formen und Farben aneinander; steile, enge Treppen ziehen sich den Berg empor. Inmitten dieser idyllischen Umgebung war 1890 als Schreinerwerkstatt ein Rückgebäude erbaut worden. Es wurde im Laufe der Zeit zum Wohngebäude umgenutzt, angebaut und aufgestockt, bis es in der Folge eines Brandes in den 1990er-Jahren als leere Ruine stehen blieb. Und genau neben dieser Ruine hatte Hautum als Studentin gewohnt – und ihr eigentlich wenig Beachtung geschenkt. Bis eines Tages die Nachbarn mit ihr Kontakt aufnahmen. „Sie hatten ein Paket von mir angenommen, und beim Abholen erfuhr ich, dass sie verkaufen wollen.“ Und auch wenn das stark beschädigte Gebäude durch alles andere als durch seine Schönheit ins Auge stach – für die Architektinnen war schon damals klar: Hier sollen die Eltern von Hautum ihren Wohntraum verwirklichen. Diese suchten schon lange ein neues Heim in München. Dass sie in NOCKI das richtige Objekt für ihren Traum gefunden haben, davon mussten die Bauherren aber erst überzeugt werden: „Es war für meine Eltern zunächst schwierig, sich in dieser Ruine etwas Schönes vorzustellen. Das Positive war, dass wir alle Dinge direkt auf der Baustelle besprechen konnten.“ Hinzu kam, dass Hautum NOCKI

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mit ihrer ehemaligen Studienkollegin und Freundin Kristin Leonard gemeinsam plante. „Das Projekt war unser erstes Haus, in das wir all unsere Arbeit und Gedanken aus dem gemeinsamen Studium einfließen lassen konnten.“ Und so entstand nach und nach und teilweise in mühevoller Handarbeit aus dem Alten etwas Neues: Der monolithische Baukörper aus wärmedämmenden TECHNOlith Sichtbeton erweitert das Gebäude um einen Raum in den Hang hinein. Er wirkt wie eine eigenständige ‚Figur‘, ersetzt, wo nichts mehr zu erhalten war und fügt sich ein, wo Lücken zu schließen waren. Auch im Außenbereich spielten die Architektinnen mit dem, was ehemals war: Das neue, handgefalzte Dach etwa hat dieselbe Form wie sein Vorgänger. So auch die – eigentlich unerwünschte – Windschiefe. Diese behielten die Architektinnen bewusst und nicht nur aus baurechtlichen Gründen bei: „Uns persönlich gefällt am besten an diesem Haus, dass nicht alles perfekt ist. Man sieht die Handwerkskunst, die Spuren der Arbeit, die Geschichte.“ map

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Fast möchte man glauben, Architekt Bernd Zimmermann hätte bei diesem Projekt nach der Prämisse „Auffallen um jeden Preis“ gearbeitet. Fragt man bei ihm nach, war aber genau das Gegenteil sein Ziel. Der Architekt wollte sich mit der verspiegelten Fassade bestmöglich in die Umgebung einpassen, die Umwelt gewissermaßen aufnehmen, ohne sich anzubiedern. Und tatsächlich: Wenn sich Himmel und Nachbarhäuser in der polierten Edelstahlfassade spiegeln, geht das Haus geradezu darin unter und wirkt dadurch leichter und kleiner, als es in Wirklichkeit ist. Was für die Fassade gilt, gilt auch für das Hausinnere: Wie aus einem Guss geformt schält sich das konsequent in Weiß gehaltene Interieur förmlich aus den weißen Wänden heraus. „Wir wollten ein ruhiges Außen schaffen, einen homogenen Körper, der sich innen in einer Raumskulptur auflöst“, sagt Bernd Zimmermann. Zur Straße hin legt sich eine schwebende Betonmauer wie ein Bügel um das

Architektur bernd zimmermann_architekten Web www.berndzimmermann-architekten.de Objekt Wohnhaus WZ2 Kategorie Umbau, Niedrigenergiehaus Fassadenmaterial / Fassadenfirma Edelstahl spiegelpoliert / Buck GmbH Adresse k. A. Bauherr Privat Planungsbeginn 10/2011 Fertigstellung 1/2013 Nutzfläche 180 m² Kosten k. A. Auszeichnung Hugo-Häring-Auszeichnung 2014 Fotos Valentin Wormbs / www.wormbs.de

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Spieglein, Spieglein an der Wand Grundstück. Verankert im Fundament an den beiden Enden, verleiht der Bügel dem Haus noch mehr Leichtigkeit. Ursprünglich 1956 als Dreifamilienhaus errichtet, wurde das Haus vor einigen Jahren von den Bauherren gekauft, um es auf die Bedürfnisse eines Zweipersonenhaushalts zurechtzuschneidern. Statt es abzureißen, unterzogen sie es einer Rundumerneuerung, entkernten es fast vollständig, verschlossen Fensteröffnungen, um sie an anderer Stelle in anderer Form wieder anzulegen, und gaben der Fassade jene neue Hülle. Ziel war es, nicht einfach Geschoss über Geschoss anzuordnen, sondern im Hausinneren asymmetrische Ebenen mit Blickbezügen zueinander zu schaffen. „Wir wollten unterschiedlich hohe Raumsituationen schaffen“, erklärt Zimmermann. Dass sich hier nicht nur die Bauherren wohlfühlen, sondern auch eine Schar Elstern, die sich im Kirschlorbeerstrauch im Garten eingenistet hat, lässt sich auch wissenschaftlich begründen. Laut Studien kann die Elster als einziges Nicht-Säugetier ihr eigenes Spiegelbild erkennen. Diesem Talent können die Elstern im „Wohnhaus WZ2“ wie an keinem anderen Ort nach Lust und Laune nachgehen. maj

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Die Rückkehr aus dem Ausland ist oft der ideale Zeitpunkt für Veränderungen. Der Kopf ist voll neuer Eindrücke, und plötzlich ist die Kraft da, ein Großprojekt wie den Umbau eines Hauses anzugehen. Zumindest erging es einer jungen vierköpfigen Familie so, die nach längeren Auslandsaufenthalten in das Haus der Großeltern einzog. Ein Familienerbstück am Stadtrand, das 1956 erbaut und im Grunde intakt war, aber renovierungsbedürftig. „Eine Studentenbude“, wie die neuen Bewohner fanden. Und so wurde gemeinsam mit dem Architektenbüro Osterwold°Schmidt eine radikale Rundumerneuerung in Angriff genommen: „Die Bauherren wollten ein kühles, fast sachliches und vor allem neues Haus, da sie mit dem 50er-Jahre Charme des alten Bestands nicht so richtig warm wurden“, erklärt Architekt Matthias Schmidt. Daher entschloss man sich zu einem ungewöhnlichen Schritt: das Grundstück zu erweitern und dem Haus einen komplett neuen Rahmen zu geben. Das Ergebnis ist ein großzügiger Bungalow, in

NEUE RAHMEN SETZEN dem der Wohnbereich auf einer Ebene organisiert wurde. Aber das eigentliche Highlight steckt in der Mitte – oder besser gesagt, teilt und verbindet den Bau: die gläsernen Höfe. Ein Ziel des Umbaus war ja, den schönen unverbauten Blick des Grundstücks in Szene zu setzen, erklärt Schmidt. „In diesem Sinne ist ein Patio ein äußerst interessantes Element, da durch die besondere Erlebbarkeit des Außenbereichs mit wechselndem Licht und Klima fast eine Auflösung des umschlossenen Raumes ermöglicht wird.“ Die Höfe belichten außerdem den gesamten Wohnbereich bis in den Keller hinab. Und auch wenn das Bauen in die Breite verschwenderisch klingen mag, war es das nicht: Solarkollektoren auf dem Flachdach sorgen für Wärme im Haus, außerdem kamen beim Umbau nachwachsende oder recyclefähige Rohstoffe zum Einsatz. Die wohl größte Herausforderung bei dem Projekt, so Schmidt, war aber die Grundsatzfrage: Wie weit kann man bei einem Umbau eines 50er-Jahre-Hauses gehen? In diesem Fall war die radikale Kompletterneuerung genau das, was sich die Bauherren gewünscht haben. Und sogar der Vater des Bauherrn, der als Kind die Entstehung des „Originalhauses“ nach den damaligen Ansprüchen miterlebt hatte, reagierte auf den Umbau positiv, sagt Schmidt. Denn zum Glück der Architekten bewunderte dieser auch die Bauten Sep Rufs – und der hat nicht zuletzt mit seinem Kanzlerbungalow in Bonn deutsche Architekturgeschichte geschrieben. map

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Unter einer guten Form verstehen wir eine natürliche, aus ihren funktionellen und technischen Voraussetzungen entwickelte Form eines Produktes, das seinem Zweck ganz entspricht und das gleichzeitig schön ist.

Architektur Osterwold°Schmidt Exp!ander Architekten (Antje Osterwold, Matthias Schmidt) Web www.osterwold-schmidt.de Objekt Wohnhaus in Selb Kategorie Neubau, Umbau Adresse Selb Bauherr Privat Planungsbeginn 2006 Fertigstellung 2008 Kosten k. A. Auszeichnungen u. a. best architects award 13; Häuser des Jahres 2011 (Anerkennung) Fotos Matthias Schmidt

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Max Bill


Fast verschwindet sie mit ihrer transparenten Hülle zwischen den gelben Rapsfeldern. Von der Straße aus ist von der knapp 50 Quadratmeter großen Finnhütte nur das überdimensionale Dach zu sehen. Dennoch erregt dieses unscheinbare Projekt in MärkischOderland die Gemüter und füllt mittlerweile dicke Aktenmappen der brandenburgischen Baubehörde: Aufgrund der offiziellen Zulassung als „Mehrzweckgebäude“ – ein überholter Begriff, der noch aus der DDR-Zeit stammt – ist derzeit noch unklar, ob das Amt die Hütte auch zum Wohnen freigibt. Für die beiden Architekten Nanni Grau und Frank Schönert vom Büro Hütten & Paläste ist die Sache jedoch klar: „Nurdachhäuser waren in der DDR verbreitete Freizeithäuser. Indem wir bei diesem Projekt den Baukörper unangetastet lassen und in seiner Funktion als Sommerdomizil mit wenigen Eingriffen reaktivieren, verbeugen wir uns vor dem historischen Original.“ Die Hütte, etwa eine Stunde von Berlin entfernt gelegen, grenzt an einen Naturpark. Der ideale Ort für eine Sommerresidenz, dachten sich die Bauherren und kauften das Objekt, um das sich der Alteigentümer schon lange nicht mehr gekümmert hatte. Begeistert von der Einfachheit von Form und Konstruktion gingen die Architekten behutsam mit dem Bestand um. Schadhafte Baustoffe wurden entfernt und Fenster ausgetauscht, der Rest blieb erhalten. Die neue Außenhülle aus transparenten Wellplatten habe mehrere Funk-

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Schräg gedacht

tionen, erklärt Grau die simple, aber effektive Konstruktion. „Sie schützt den Originalbestand und erweitert die Hütte um einen Wintergarten. Außerdem kann damit nebenbei passiv Energie gewonnen werden.“ Der Luftraum zwischen transparenter Hülle und Dach wird nämlich zur solaren Warmwasserbereitung genutzt, der Wintergarten heizt wiederum das Haus in den Übergangszeiten. Und da der Innenraum klein ist, organisierten ihn die Architekten um einen konzentrierten Funktionsbereich, sodass der verbleibende Wohnraum größer wirkt und Rückzugsräume unterschiedlicher Qualität entstehen. Nach Abschluss der Umbauarbeiten wird das Haus nur noch aus einem Grund diskutiert, hoffen Schönert und Grau – nämlich als gutes Beispiel dafür, wie man respektvoll mit einem Bestand umgeht und gleichzeitig moderne Raumnutzung einfügt. map

Architektur Hütten & Paläste Architekten (Nanni Grau und Frank Schönert) Web www.huettenundpalaeste.de Objekt Finnhütte Ihlow Kategorie Umbau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus, Holzbau Fassadenmaterial Plexiglas-Wellplatten, nordische Fichte Adresse Ihlow Bauherr Privat Planungsbeginn 6/2013 Fertigstellung 10/2015 Nutzfläche 45 m² Kosten ca. € 80.000,– (reine Baukosten) Fotos Hütten & Paläste Architekten

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Der Porsche im Wohnzimmer und Captain Kirk in der Küche – Architekt Zlatko Antolovic und sein Team haben beim „TBone House“ ordentlich in die Extravaganz-Kiste gegriffen. Nun steht der Porsche der Bauherren nicht wirklich im Wohnzimmer, doch die Garage folgt denselben Gestaltungsmustern. In der Küche könnte allerdings tatsächlich Captain Kirk Kochlöffel oder Pfannenwender schwingen. Der Kochbereich gleicht der Kommandobrücke des Raumschiffes Enterprise. Es ging den Architekten aber nicht darum, einen Schauraum für einen Oldtimer zu schaffen, sondern generell die Nutzung der Garage zu hinterfragen. Der Raum ist wie das Wohnzimmer mit Fußbodenheizung ausgestattet. Die Bewohner nutzen ihn mittlerweile als Partyraum, Spielzimmer, Gästezimmer oder einfach nur als Abstellraum. „Die Garage soll nicht einfach nur ein Raum sein, in dem nachts ein Auto steht und der am Tag leer ist“, meint Antolovic. Das „TBone“ war das erste Projekt von Zlatko Antolovic’ Büro. Auch deshalb gibt es beim Interieur, das ebenfalls von den Architekten entworfen wurde, versteckte Anspielungen. Die Hommage an Captain Kirk ist nur eine davon, weniger offensichtlich ist etwa das Leder an der Wohnzimmerwand, das dem der Porsche-Sitze entspricht. So monolithisch das Objekt von außen wirkt, im Innern wurde auf Vielschichtigkeit gesetzt. Dem offenen Erdgeschoss steht ein introvertierter Schlafbereich im Obergeschoss gegenüber. Die Natur spielt bei diesem Objekt aber eine ebenso wichtige Rolle wie die Extravaganz. Das Haus liegt inmitten eines alten Obstbaumhains an einer leichten Hanglage am Stadtrand von Waiblingen, ohne Nachbarn in der unmittelbaren Umgebung. Das T in der Landschaft sorgte für Verwunderung in der Bauphase. „Die Reaktionen waren aber durchwegs positiv“, erinnert sich der Architekt, der dieses Projekt auch als Kickstarter für sein damals noch junges Büro nutzen konnte. „Es hätte übrigens auch ein C oder D werden können, aber das hätte keinen Sinn ergeben“, scherzt Antolovic. mak

Architektur COASToffice architecture Web www.coastoffice.de Objekt TBone House Kategorie Neubau Adresse Waiblingen Bauherr Privat Planungsbeginn 10/2004 Fertigstellung 7/2006 Nutzfläche 151 m² Kosten k. A. Auszeichnung 50 beste Einfamilienhäuser Fotos Valentin Jeck / www.jeck.ch, David Franck Photographie / www.davidfranck.de

CAPTAIN KIRK MIT KOCHLÖFFEL

58 Büro C OA S T  O F F I C E A R C H I T E C T U R E , B A D E N - W Ü R T T E M B E R G  /  Haus B A D E N - W Ü R T T E M B E R G 

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Er habe zu Beginn eine ganze Menge an Vorstellungskraft aufbringen müssen, sagt Thomas Beyer. Denn die Möglichkeiten des abgelegenen Grundstücks, auf dem ein Haus für vier Personen mit lichtdurchfluteten Räumen und idealem Blick auf den nahe gelegenen Schwielowsee entstehen sollte, waren zunächst schwer zu erkennen: Verwildert und mit einem Konglomerat aus Gartenlaube, Anbauten und Garage komplett verbaut, zeigten erst Entwürfe auf dem Papier, was in diesem Grundstück alles steckt. Heute ist es nicht mehr wiederzuerkennen. Der Länge nach erstreckt sich das „Haus W“ auf drei Ebenen, die aus zueinander versetzten Kuben bestehen. „Diese Form ist nicht nur der Hanglage geschuldet“, erklärt Beyer. Mit dem ungewöhnlichen Raumprogramm sollten außerdem Innen- und Außenraum über die Terrassen verwoben und das Haus mit Licht durchflutet werden. Und so verbinden heute Terrassen, die allen Ebenen vorgelagert sind, das Haus direkt mit

Kubenspiel

Verschlungene Räume, kreisförmige Außenwände und eine sehr auffällige Holzmauer: Das „Schreibhaus“ am Steinhuder Meer sollte für die Bauherren Raum für Inspiration bieten und als Seminarstätte nutzbar sein. Die Bauherren halten Schreibseminare ab und wollten diese in einem besonderen Rahmen stattfinden lassen. Das ist aber nicht alles: Das „Schreibhaus“ soll gleichzeitig auch als Ferien- und Gästehaus für das Bauherrenpaar dienen. „Da es vor allem ein Wochenend- und Sommerhaus ist, braucht es keine geraden Wände für wertvolle Gemälde. Das hat die kurvilineare Sprache erlaubt“, erklärt Architekt Holger Kleine. Damit der Spagat zwischen Seminarräumen und Wohnatmosphäre gelingt, hat sich der Architekt auf die Reduktion der Materialien konzentriert. Nur wenige wie Türen aus Glas, Lehmputzwände, weiße Decken und eine Holzverkleidung wurden gewählt, damit in dem Raum Ruhe einkehren kann. Der extrovertierte Teil besteht definitiv in der großen kreisförmigen Form des Hauses. Es hat zwei Geschosse und verfügt sowohl im oberen als auch im unteren Geschoss über überdachte Außenräume. Für viel Helligkeit wurde gesorgt: Auffällig sind die großen Glasfenster, die das Haus von allen Seiten prägen. Die Fassade besteht aus Holz: Durch die Verwendung von Lärche und Thermoholz für die Außenwände zeigt Architekt Kleine, dass auch im Holzbau die Realisierung komplexer Raumformen möglich ist. „Das Bauherrenpaar hatte bereits ein Holzhaus in dieser Gegend, das zu feucht war. Also haben wir den Betonkern als Speicher geplant und gebaut; klar war aber, dass der Neubau wieder ein Holzhaus wird“, erzählt der Architekt. Innen ruhig und minimalistisch, außen extrovertiert und auffällig. Das „Schreibhaus“ spielt mit seinen Kontrasten und ist für das Bauherrenpaar eine immerwährende Inspirationsquelle, ebenso wie für seine Besucher. mat

59 Architektur Thomas Beyer Architekten Web www.beyerarchitekten.de Objekt Haus W Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Beton, Holz Adresse Caputh Bauherr Privat Planungsbeginn 2008 Fertigstellung 2010 Nutzfläche 250 m² Kosten € 351.000,– Auszeichnung Häuser-Award 2012 (Leserpreis) Fotos Thomas Beyer

60 dem Garten. Zusätzlich wird der Innenraum durch die hohen Verglasungen erweitert. Während sich der Wohnbereich über das gesamte Erdgeschoss erstreckt, gelangt man über eine Treppe direkt in das Studio im Obergeschoss. Da die Architekten kostengünstig und gleichzeitig ressourcensparend bauen wollten, besteht das Haus hauptsächlich aus einheimischem Holz, vorgefertigten Wandelementen zur Wärmedämmung und BetonFertigteilen. In einer Zisterne sammelt sich außerdem Regenwasser, das zur Bewässerung genutzt wird, und das Gebäude wird durch eine Wärmepumpe mit Tiefenbohrungen beheizt, wodurch kein CO 2 -Ausstoß vor Ort entsteht. Heute erinnert auf dem Grundstück nichts mehr an seine schattige Vergangenheit: viel Licht, gut proportionierte Räume und Glasflächen, die das Haus geradezu auflösen. Ein Haus, sagt Beyer, das gefühlt durch die Bäume fliege. map

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Formensprache in Bewegung Architektur Kleine Metz Architekten (Holger Kleine) Web www.kleinemetz.de Objekt Schreibhaus am Steinhuder Meer Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus, Holzbau Fassadenmaterial Lärche, Thermoholz Adresse Steinhude Bauherr Privat Planungsbeginn 2002 Fertigstellung 2004 Nutzfläche 130 m² Kosten k. A. Auszeichnungen u. a. best architects award 10 Fotos Werner Huthmacher / www.huthmacher-data.de

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Architektur GRAFT (Gregor Hoheisel, Lars Krückeberg, Wolfram Putz, Thomas Willemeit) Web www.graftlab.com Objekt Holistic Living / www.holisticliving-berlin.de Kategorie Neubau, Plus-Energie-Haus, Holzbau Fassadenmaterial Holz Adresse k. A. Bauherr Privat Planungsbeginn 2013 Fertigstellung 2015 Nutzfläche 818 m² Kosten k. A. Fotos Tobias Hein

Ganzheitlich im Kreislauf 108 

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und vorhandene elektrische Überschussenergie für Elektromobilität zu nutzen. Wert wurde auch auf die Verwendung nachhaltiger und ökologischer Materialien gelegt. Holz, Holzfaserdämmung und Lehmputz bestimmen Konstruktion und Oberflächen und stehen sowohl für Natürlichkeit und Gesundheit als auch für vollständige Wiederverwertbarkeit. Die Baumaterialien wurden über ihren gesamten Lebenszyklus betrachtet, von der Gewinnung und Verarbeitung über die Nutzung, Pflege und Veränderbarkeit bis hin zum Abriss und der Entsorgung bzw. Wiederverwendung. Baustoffe wie Abdichtungsmaterialien werden auf ein absolutes Mindestmaß reduziert und nach Möglichkeit nicht verklebt, sodass sie am Ende ihres Lebenszyklus getrennt wiederverwendet oder entsorgt werden können. Die verwendeten Materialien zeichnen sich allerdings nicht nur durch ihre vollständige Rezyklierfähigkeit, sondern auch durch ihre raumklimatischen Eigenschaften aus. Natürliche Materialien wie Holz oder Lehm sorgen für gutes Raumklima, unterstützen die Wohngesundheit und verbessern die Feuchteregulierung im Haus. Gleichzeitig spielt die raffinierte Planung Hand in Hand mit der Reduzierung des Energie- und Ressourcenverbrauchs und für Verbesserung der CO 2 -Bilanz. Fast ganz nebenbei ist auch eine Architektur entstanden, die mit offenen Raumabfolgen, größtmöglicher Transparenz und „Leben im Grünen“ punktet. Die Wertschätzung der Natur bildet die Wohnkultur der Zukunft. Architektur mit Mehrwert. mah

Das Architekturbüro GRAFT ist bekannt durch seine experimentierfreudigen Entwürfe, innovativen Nachhaltigkeitskonzepte, futuristische Formensprache – und seine Verbindung zu Brad Pitt; 1998 von Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit in Los Angeles, Kalifornien gegründet, haben GRAFT seit 2001 auch einen Bürositz in Berlin. Das Projekt „Holistic Living“ basiert auf dem ganzheitlichen Konzept von Architektur, innovativer Technik, nachhaltiger Mobilität und ökologischer Wohngesundheit. Mobilität eingeschlossen: Zwischen den Stadtzentren von Berlin und Potsdam entstehen die drei Plus-Energie-Häuser, die ihren Mietern auch anbieten, ein Elektrofahrzeug zu leasen

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EIN

HAUS

Architektur peter haimerl . architektur Web www.peterhaimerl.de Objekt Birg mich, Cilli! Kategorie Umbau Adresse Viechtach Bauherr Peter Haimerl Planungsbeginn 2005 Fertigstellung 2008 Nutzfläche 120 m² Kosten € 150.000,– Auszeichnungen Deutscher Architekturpreis 2011 (Anerkennung); BDA-Preis 2010; Architekturpreis Beton 2008 Fotos Edward Beierle, Jutta Görlich / www.edwardbeierle.de

EIN

HAUS

für Eine wilde Bäuerin war die Cilli. Den Nachbarskindern hat sie mit der Mistgabel nachgesetzt, wenn ihr diese wieder mal die Äpfel vom Baum klauen wollten; Fremden, die über ihre Wiese spazierten, hat sie den Teufel gewünscht. Wenn Peter Haimerl von der Cilli erzählt, meint er mal das alte Bauernhaus, mal die Bäuerin, die bis vor 40 Jahren darin gewohnt hat. Wüsste man es nicht besser, würde man glauben, die Cilli wohne immer noch in diesem Haus – von außen ist kaum erkennbar, dass hier ein Architekt Hand angelegt hat. „Wir haben den Umbau so gemacht, dass das Haus selbst damit zufrieden wäre“, erklärt Architekt und Bauherr Peter Haimerl, fast so, als ob ihm die mistgabelschwingende Bäuerin aus seiner Kindheit immer noch im Kopf herumspuken würde. Als die Familie von Peter Haimerl das Haus im Bayrischen Wald vor über 30 Jahren von der Cilli übernahm, hatte der Architekt die abenteuerlichsten Pläne: eine wilde Skulptur etwa, die aus dem Dachstuhl ragt, um nur einen davon zu nennen. Genauso wild, wie seine Ideen waren, hat er damals begonnen, Decken einzureißen. „Da habe ich noch geglaubt, dass ich mir als Architekt ein Werbeobjekt hinstellen muss“, erzählt Peter Haimerl heute. Doch als er merkte, dass er damit mehr kaputt als richtig macht, legte er eine Pause ein. Bis 2007. Mit den

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62 Jahren ruhiger und überlegter geworden, planten Peter Haimerl und seine Frau Jutta Görlich schließlich nach der Prämisse „Es muss nicht perfekt, aber gut genug sein“. Dieser Überzeugung entsprechend, fügten die Bauherren dem maroden Bauernhaus vier Kuben aus wärmedämmendem Glasbeton ein. So wird das Haus dort gestützt, wo es schon stark angegriffen war und wo Peter Haimerl es vor über 20 Jahren, wie er es nennt, „zerstört“ hat. Neben den originalgetreu übernommenen Räumen geben die Kuben dem Innenleben so eine neue Struktur. „Man geht immer vom Alten ins Neue. Unser Programm war, dass in den neuen Kuben keine alten Möbel stehen dürfen und umgekehrt“, erklärt der Bauherr die Idee dahinter. Bewohnt wird das Haus von Familie Haimerl immer nur für wenige Tage: „Wir fahren da hin zum Denken. Das ist unser Denkhaus.“ Was wohl die Cilli dazu sagen würde? maj

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Architektur as2architektur (Rainer Schürmann) Web www.as2-bremen. de Objekt Haus Wasserkunst Kategorie Neubau Fassadenmaterial Vormauerziegel Orange Spezial Adresse Tanzwerder Bauherren Gunda und Rainer Schürmann Planungsbeginn 4/2011 Fertigstellung 6/2012 Nutzfläche 310 m² Kosten € 560.000,– (KG 300 und 400) Auszeichnungen Fritz-Höger-Preis 2014 (Special Mention); Brick Award 2014 (Shortlist); Bremer Staatspreis „Bauherrenpreis 2013“ Fotos Stefan Müller / www. stefanmueller-photography.de

63 Am Anfang steht immer die Angst vor dem leeren Blatt. Bevor der Bremer Architekt Rainer Schürmann gemeinsam mit seiner Frau bei einem Urlaub in der Schweiz die ersten Skizzen für sein zukünftiges Eigenheim zu Papier brachte, gingen ihm beunruhigende Gedanken durch den Kopf: „Da darf nichts schiefgehen.“ Wenn ein Architekt sein eigenes Haus plant, steht sein Ruf ganz besonders auf dem Spiel. Als Standort für sein Projekt wählte Schürmann den Stadtwerder, der als Halbinsel in der Weser zwischen Bremer Alt- und Neustadt liegt. Architektonisches Markenzeichen dieses Stadtteiles ist der Wasserturm mit seinem quadratischen Grundriss. Die Fassade eines typischen Bremer Stadthauses ist in der Regel verputzt. Am Stadtwerder erhielten die Industriegebäude zur Gründerzeit eine Ziegelfassade. Der Planer folgte bei seinem Projekt dem Stil der unmittelbaren Umgebung. Die Ziegelfassade seines „Hauses Wasserkunst“ wird von Glasflächen unterbrochen. Die Frontseite dominiert ein Lochmauerwerk. Licht und Ordnung – Schürmanns Essenzen für diesen Bau. Bremens Stadtplaner haben für den Stadtwerder dreigeschossige Gebäude vorgesehen. Viele Familien haben sich angesiedelt. „Unser Haus kann mit uns wachsen und schrumpfen“, sagt Schürmann. Auch sein Haus hat drei Etagen und ist als Hybrid geplant. Die Geschosse gehören momentan zusammen, sind aber so konzipiert, dass sie auch unabhängig voneinander genutzt werden könnten. Der Architekt orientierte sich an Fragen wie: Wie kann ich Wohnraum nachhaltig nutzen? Wie lange lebe ich an einem Ort? Oder: Wie kann ich mein Haus nutzen, wenn ich nicht mehr mobil bin? Wer jung ein Haus baue, denke oft nicht daran, dass der Hausumbau für die Ansprüche des Alters zur Herausforderung werden könne, meint er. Man müsse das mitdenken, fordert der Architekt. Die anfängliche Angst, dass bei seinem Haus etwas schiefgehen könnte, war übrigens nicht berechtigt. Rainer Schürmann hat für sein Projekt mehrere Auszeichnungen bekommen. „Wir fahren nicht mehr in Urlaub, weil wir uns zu Hause so wohlfühlen“, sagt er und lacht. mak

Dass seine Idee so gut ankommt, hätte sich Architekt Klaus Friedrich selbst nicht gedacht. „Ich kenne das Grundstück und die Bauherrin schon sehr lange. Eines Tages habe ich ihr dann den Vorschlag gemacht, man könne dort ein Ferienhaus bauen.“ Dann ging alles ganz schnell. Bereits nach zwei Wochen kam die Entscheidung der Bauherrin, und Friedrich konnte mit seinem Architekturbüro mit der Planung beginnen. „Dabei hatte ich nicht einmal eine konkrete Absicht, sie zu überzeugen“, erzählt Friedrich. Die wichtigsten Forderungen der Bauherrin: Das Haus soll die schöne Aussicht auf das Naturpanorama mit Blick auf zwei Berge ermöglichen und möglichst günstig sein. Entstanden ist ein modernes Ferienhaus mit Holzfassade und minimalistischer Ausstattung ohne Schnickschnack. Schlicht, funktional, zeitgemäß. Aber welche Anforderungen gibt es an ein modernes Ferienhaus? „Es sollte etwas Ursprüngliches vermitteln und nicht dieselbe Form von Luxus und Komfort bieten, die man in der Stadtwohnung hat. Ferien sind immer etwas Improvisiertes, etwas Provisorisches“, erklärt Friedrich. Das Haus bietet auf jeden Fall eines: viel Platz. Zwei Zimmer im Obergeschoss mit zwei weiteren Schlafkabinen bieten Übernachtungsmöglichkeiten für sechs Personen. Bei Bedarf können im Erdgeschoss weitere Gäste übernachten. Durch die angehobene Terrasse wurde auch das Problem der Hanglage, in der sich das Haus befindet, gelöst. „So hat man nicht das Gefühl, auf der Wiese zu sitzen, sondern genießt durch die angehobene Terrasse auch etwas Privatsphäre“, sagt Friedrich. Die Form der Scheune ist an die vielen in der Umgebung zu findenden Holzstadel angelehnt. Traditionelle

Architektur FRIEDRICH POERSCHKE ZWINK Architekten (Klaus Friedrich, Ute Poerschke, Stefan Zwink) Web www.fpz-architekten.de Objekt Haus D Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Fichtenschalung, sägerau / Fa. Prutscher Oy Mittelberg Adresse k. A. Bauherr Privat Planungsbeginn 2007 Fertigstellung 2009 Nutzfläche 160 m² Kosten € 238.000,– (KG 200–700, brutto) Auszeichnung Häuser-Award 2011 (Anerkennung) Fotos Michael Heinrich / www.mhfa.de

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ZIEGEL

Ferien auf der Platte 64

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Bauernhäuser in Massiv-Holz-Mischbauweise, wie sie im Ortskern noch anzutreffen sind, werden nicht mehr errichtet – nur noch Ziegelbauten mit Holzapplikationen. Das erkläre auch, warum man sich beim Bau für das Material Holz entschieden habe, so der Architekt. Dieser klassische Stil wurde zeitgemäß interpretiert, ohne den Charakter einer Scheune komplett zu verleugnen. So konnte Friedrich gemeinsam mit der Bauherrin auf einem unscheinbaren Grundstück ein geräumiges Ferienhaus errichten, das sowohl innen als auch außen viel Platz für Improvisation bietet. mat

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Architektur Grüttner Architekten (Bernd Grüttner) Web www.gruettner-architekten.de Objekt Erweiterung Wohnhaus Greshake Kategorie Anbau Fassadenmaterial AluverbundPaneele / PREFA, www.prefa.com Adresse k. A. Bauherren Eheleute Greshake Planungsbeginn 2012 Fertigstellung 2014 Nutzfläche 57 m² Kosten k. A. Fotos PREFA

selbst dar“, so Grüttner. „Er nimmt ganz bewusst nicht die klassische Struktur des alten Gebäudes auf, mit dessen Kalksandsteinmauer und den schwarzen Dachziegeln. Das Hauptthema war ein einfacher Baukörper, der gestalterisch nicht mehr zu reduzieren ist.“ Der Pfiff des kantigen Anbaus indes ist seine Fassade. Bronzefarbene Aluminiumverbund-Paneele von PREFA verkleiden den neuen Gebäudeteil vollständig. Besonders knifflig war die Teilung der Paneele, weil beim Übergang von der Fassade zum Dach ihre Fugenteilung stets beibehalten wurde. Selbst die kleinste umlaufende Ecke wurde jeweils nach Passieren des Ortgangs wieder eingefügt. Das verstärkt noch den reduzierten Charakter dieses schlicht-sachlichen Gebäudes und lässt es wie eingepackt wirken, wie aus einem Guss. ras

Das Wort „Anbau“ klingt in den Ohren vieler Menschen nach Stückelei und Pultdach, nach Gebäudeerweiterungen, die architektonisch eher unangenehm auffallen, und nach dem Bedürfnis, schnell und zweckmäßig zusätzlichen Raum zu schaffen. Dass die sinnvolle und architektonisch ansprechende Erweiterung eines Wohnhauses eine so einfache Aufgabe nicht ist, war den Bauherren von vornherein klar. Ihr Ziel: vernünftige Architektur, die den schon bestehenden Stil nicht einfach nur vergrößert. Die Idee des Architekten Bernd Grüttner war ein Baukörper, der zwar bestehende Grundzüge aufnimmt, sich aber durch die Wahl der Materialien unzweideutig vom ursprünglichen Gebäude unterscheidet. Heraus kam ein zur Nordseite hin so gut wie vollständig geschlossener, formal schwer zu beschreibender Kubus mit kristalliner Form, der auf der Spitze zu stehen scheint, während er Dachneigung und Firsthöhe des alten Gebäudes übernimmt. Zur Südseite hin öffnet sich die Fassade komplett und verbindet sich mit dem Garten. „Der Neubau stellt sich

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KRISTALL IM GOLDKLEID

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SCHÖNE SCHEUNE Bei Planung und Bau des „Wohnhauses Möllmann“ standen drei Hauptthemen im Vordergrund: Der erste Aspekt ist philosophisch-theoretischer Natur. Es ist die Idee, dass Raum kein absolutes System ist, in welches Objekte nur eingefügt werden. Erst durch die Platzierung von Objekten und deren Zusammenspiel entsteht Raum. Das zweite Hauptthema ist wesentlich greifbarer und betrifft die Verbindung von Alt und Neu. Jeder Ort, egal ob ländlich oder urban, hat eine Geschichte, die mit diesem Ort assoziiert wird. In Zeiten konstanten Wandels kann ein Haus ein Anker der Ruhe sein. Die Nachbarhäuser des „Wohnhauses Möllmann“ stehen bereits seit Jahrzehnten an Ort und Stelle. Und weil das Haus in die Umgebung passen sollte, orientierten sich die Architekten von Wannenmacher + Möller an der traditionellen westfälischen Architektur. „Außerdem hat mich immer schon die Scheune als Baukörper interessiert“, so Andreas Wannenmacher. Es ist ein einfaches, am Nutzen orientiertes Konzept, das hinter der Scheune steckt. Vier Wände und ein geneigtes Dach, was zusätzlich noch dem offiziellen Bebauungsplan entgegenkam, der ein Flachdach ausschloss.

Abgesehen davon ist eine Scheune normalerweise länger, als sie breit ist. Mehr Vorgaben hatte die Idee nicht. Genau dieses einfache Konzept wurde zum Vorbild für das Wohnhaus. Ebenfalls in der Tradition der Umgebung steht das Fassadenmaterial, die Grauwacke, die früher noch an örtlichen Steinbrüchen abgebaut wurde und für das „Wohnaus Möllmann“ von etwas weiter weg herangeschafft werden musste. Der dritte Aspekt, der beim Bau berücksichtigt wurde, betrifft die Verbindung von innen und außen. Während das Gebäude nach Norden hin – auf der der Straße zugewandten Seite – sehr geschlossen gehalten ist, ist es nach Süden hin komplett offen. Hier verbinden sich Wohnraum und Garten durch die gläserne Außenwand. Wie ein Januskopf zeigt das Haus auf allen Seiten verschiedene Aspekte. val

Ein Baugrund am Rande einer dicht bebauten Siedlung, das Gelände fällt leicht zur davorliegenden Wiese ab, der Blick schweift ungestört über Wälder und Wiesen – für die Architekten Sabine und Dieter Schneider war klar, dass diese Voraussetzungen optimal in Szene gesetzt werden sollten. „Dieser tolle Ausblick sollte von möglichst vielen Räumen erlebbar sein“, erklärt Schneider die grundlegende Idee hinter ihrem Entwurf. Von der Rückseite wirkt der schwarze Kubus verschlossen, nur vereinzelt durchbrechen schmale Fensterschlitze die dunklen Faserzementplatten. Nach vorne hingegen öffnet sich das Haus mit einer verglasten Front. Ähnlich einem Periskop, das bei U-Booten als Sehrohr dient, schaut das Haus also auf die unverbaute Wiese mit lockerem Baumbestand. Verstärkt wird diese Parallele durch die beiden übereinander

Architektur ARCHITEKTEN WANNENMACHER + MÖLLER (Andreas Wannenmacher, Hans-Heinrich Möller, Christof Wannenmacher) Web www.wannenmacher-moeller.de Objekt Wohnhaus Möllmann Kategorie Neubau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Grauwacke /  Quirrenbach Adresse Bielefeld Bauherr Privat Planungsbeginn 2002 Fertigstellung 2004 Nutzfläche 598 m² Kosten € 700.000,– Auszeichnung BDA-Preis Ostwestfalen-Lippe 2007 (Anerkennung) Fotos Csaba Mester / www.mester-fotografie.de

Architektur Schneider | Architekten Web www.schneider-architekturbuero.com Objekt Wohnhaus in Waldenbuch Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus (Kfw-Energie-Effizienzhaus 55), Holzbau Fassadenmaterial Zementfaserplatten Adresse Waldenbuch Bauherr Privat Planungsbeginn 12/2011 Fertigstellung 1/2013 Nutzfläche 410 m² Kosten k. A. Fotos Johannes Vogt / www.johannesvogt.de

Wald und Wiesen in Nahaufnahme

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verdrehten Baukörper: Der eingeschossige Unterbau in Sichtbeton orientiert sich parallel zum Hang, die darüber liegenden Geschosse in Holzständerbauweise ragen leicht über das Untergeschoss und orientieren sich entlang der Grundstücksseiten. Das geneigte Gelände haben die Architekten in den Entwurf aufgenommen, wodurch die drei Geschosse jeweils zwei leicht versetzte Ebenen bekommen haben, sogenannte „Split-Level“. Um bestmöglich von der spektakulären Aussicht zu profitieren, liegen alle Wohn- und Gemeinschaftsräume im vorderen Teil des Hauses. Räume, die untertags weniger intensiv genutzt werden, befinden sich im hinteren Teil. „Unser allererster Entwurf hat den Bauherrn sofort begeistert und wurde dann mit kleineren Änderungen genau so ausgeführt“, sagt Schneider. Weil der Bauherr die Landschaft aber nicht nur gerne anschaut, sondern am liebsten mit dem Fahrrad selbst erkundet, gibt es im Untergeschoss neben Sauna und Fitnessbereich auch einen Fahrradkeller mit Werkstatt. maj

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68 Ein Haus ist ein Haus ist ein Haus – so möchte man denken. Doch die Wünsche, Anforderungen und Bedürfnisse von Bauherren unterscheiden sich ebenso wie Grundstücke, Bauordnungen, Budget und mögliche Bauweisen. Für Architekten gilt, möglichst kreativ mit diesen Parametern umzugehen und sie in ein perfekt maßgeschneidertes Haus umzuformen – immer wieder. Im Falle des „Hauses S“ hatten die Architekten Schenker Salvi Weber, ein Trio aus österreichischen und Schweizer Architekten, einen besonders gut vorbereiteten Bauherrn, der sich mit der Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts auseinandersetzte und sich sozusagen einen Katalog der besten Bauwerke – und Vorbilder – zusammenstellte. Diesen legte er den Architekten, die sich zudem einem kleinen Wettbewerb stellen mussten, vor. „So einen engagierten Bauherrn findet man selten“, erklärt Thomas Weber. „Den Vorgaben gerecht zu werden stellte anfangs für

Flächiges Objekt

uns eine Hürde dar; aber natürlich bietet diese Offenheit für Architektur auch viel Verständnis für ein gutes Raumprogramm.“ Neben dem Anspruch einer modernen, zeitgenössischen Architektur wollte der Bauherr ein ebenerdiges Haus mit mindestens 100 Quadratmeter zusammenhängender Wohnfläche. Schenker Salvi Weber haben sich von außen nach innen an das Haus angenähert. Vom Grundstück her, mit einem bestehenden Häuschen (das später zur Garage wurde), rundum von kleinteiliger Bebauung umgeben, war die Rücksicht auf den schönen Baumbestand relevant für die Situierung der Villa: weg von der Straße und fast genauso quadratisch ausgeformt wie die Grundstücksfläche. Der Hauptwohnraum Richtung Garten ist mit 4,20 Meter Raumhöhe als eigener Baukörper geformt, und die Terrasse bildet einen Rahmen aus Sichtbeton um die vollflächige Verglasung. Die Architekten sprechen von einem schichtartigen Aufbau des Hauses. Vom Garten bis in die Schlafräume sind die Baukörper ineinandergeschoben und miteinander verbunden, einschließlich eines innen liegenden Hofes im hinteren Bereich. Clevere, einfache Verbindungen, Details und Sichtbeziehungen bestimmen die moderne Atmosphäre der Villa. Nicht zuletzt die ganzheitliche Gestaltung macht das Haus zum Haus. mah

Architektur SCHENKER SALVI WEBER ARCHITEKTEN Web www.sswarchitekten.com Objekt Haus S Kategorie Neubau Fassadenmaterial Sichtbeton Adresse Ehingen Bauherr Privat Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 2013 Nutzfläche 283 m² Kosten € 780.000,– (brutto) Auszeichnung Beispielhaftes Bauen Alb-Donau-Kreis und Ulm 2007–2013 Fotos Conné van d’Grachten

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Architektur +studio moeve architekten (Michael Mogilowski) Web www.moevearchitekten.de Objekt DreiRaumHaus Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Holz / Holzbau Lehmann GmbH Adresse Sprendlingen Bauherr Privat Planungsbeginn 5/2012 Fertigstellung 5/2013 Nutzfläche ca. 70 m² Kosten k. A. Fotos Christoph Kraneburg / www.kraneburg.net

Ein Mensch, zwei Hunde, drei Räume

In Freiburg im Breisgau wird es den Architekten nicht so leicht gemacht. Die Stadt bezeichnet sich selbst als eine der Geburtsstätten der Umweltschutzbewegung und trägt heute den Beinamen „Green City“. Die Tageszeitung „Die Welt“ nennt Freiburg das „Eldorado der Öko-Spießer“. Wie auch immer man zur Politik dieser Stadt steht, für Planer und Bauherren bedeutet sie strikte Vorgaben. Beim „Wohnhaus K“, das am Hausberg von Freiburg errichtet wurde, gelang es dem Architektenteam Thoma.Lay.Buchler, die Voraussetzungen optimal auszunutzen. Die maximale Grundfläche von zehn mal elf Metern durfte nicht überschritten werden. Das Grundstück, auf dem das Haus gebaut wurde, ist mit 500 Quadratmetern relativ klein bemessen. Außerdem ist in dieser Lage nur ein Vollgeschoss erlaubt. Architekt Thoma bediente sich daher eines kleinen Tricks, wie er sagt, und entwarf einen Wohnbereich mit Galerie (Split-Level), der mit den von ihm gewählten Ausmaßen baurechtlich keinem zweiten Geschoss entspricht. Der Vorteil: Die fünfeinhalb Meter hohe Glasfront, die sich über zwei Ebenen erstreckt, bietet einen einmaligen Ausblick über die Stadt Freiburg mit dem Münster im Mittelpunkt. Das Flachdach des Objekts nutzte Thoma, um Freiburgs Entwässerungsvorschriften zu entsprechen. Die Bauregelung sah für dieses Grundstück einen Wasserspeicher vor, damit das Abwassernetz nicht überbeansprucht wird. „Eigentlich hätte man eine große Zisterne bauen müssen. Wir haben

Architektur Thoma.Lay.Buchler.Architekten Web www.thoma-lay-buchler.de Objekt Wohnhaus K Kategorie Neubau Fassadenmaterial WDVS Außenputz Adresse Freiburg Bauherr Privat Planungsbeginn 8/2010 Fertigstellung 2012 Nutzfläche 230 m² Kosten € 695.155,– Auszeichnung Beispielhaftes Bauen Bezirk Freiburg 2006–2014 Fotos Olaf Herzog / www.olafherzog.de

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69 „Ich brauche nicht viel Platz, nur drei Räume für mich und meine zwei Hunde, und bitte ohne Türen“ – das war die Anweisung der Bauherrin an den Architekten Michael Mogilowski. In Frankfurt bewohnte die Frau eine kleine Dreizimmerwohnung, mit der sie sehr zufrieden war, erzählt er, „also dachten wir uns, wir bauen ihre bisherige Wohnwelt bezogen auf die Wohnfläche nach und gestalten drei Räume mit fließendem Übergang und lassen die Türen weg“. Die Hunde würden die Türen ohnehin von alleine aufmachen, daher seien sie überflüssig geworden, wie die Bauherrin Mogilowski erklärte. Das Haus steht auf einem etwa 765 Quadratmeter großen Grundstück und scheint mit seinen rund 70 Quadratmetern fast darin zu verschwinden. Das Grundstück hat die Bauherrin von ihren Eltern geerbt, direkt daneben befindet sich auch deren Gärtnerei. Das Konzept ist geprägt vom Material Holz. „Das Material hat ganz viel mit

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der Gärtnerei zu tun, das war klar. Aber auch aus preislichen Gründen, wegen der Schnelligkeit in der Herstellung, bietet Holz viele Vorteile. Im Vordergrund steht aber die persönliche Nähe der Bauherrin zu diesem Material“, sagt Mogilowski. Die Fassade aus unbehandelten Kiefer-Holzlatten, die wechselweise horizontal und vertikal angeordnet sind, setzt ganz eigene Kontraste. Die Idee der Verzahnung zwischen innen und außen ist ebenfalls eine tragende Säule im Konzept. Zwischen der Natur und dem Gebäudeinneren sind die Übergänge fließend gestaltet und schaffen dadurch aus dem Innen und Außen eine Einheit auf dem Gelände. Für den Bau des Hauses wurden nur natürliche Rohstoffe verwendet, die sich in das nachhaltige Konzept fügen. Flexibel ist das Haus trotzdem: „Bei den drei Räumen muss es natürlich nicht bleiben. Das Haus lässt sich ganz leicht nach oben und in die Fläche vergrößern“, sagt Mogilowski, „je nach persönlicher Lebenssituation und Wünschen der Besitzerin.“ Auch Türen lassen sich im Nachhinein noch einbauen. „Wir haben im Badezimmer eine Schiebetür eingerichtet, da wir doch nicht ganz auf Türen verzichten wollten“, erklärt der Architekt. „Es nützt jedoch nichts. Die Hunde können auch diese Tür mittlerweile öffnen.“ mat

AM GIPFEL DER HOHEN GLAS-WAND für das Dach spezielle Filtermatten gewählt, um das Wasser am Dach zu halten und gleich für die Dachbegrünung zu verwenden“, so Thoma. Auch bei der Energieversorgung von Privathäusern sieht die Stadt strengere Regeln vor. Teilweise müssen die bundesweiten Grenzwerte in Freiburg nochmals um rund 40 Prozent unterschritten werden. Das „Wohnhaus K“ wurde mit einer Gasbrennwerttherme sowie kontrollierter Be- und Entlüftung mit Wärmegewinnung ausgestattet. Auf dem begrünten Flachdach wurde zusätzlich noch eine Photovoltaikanlage integriert. mak

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Links und rechts jeweils eine Hauswand, viel Schatten und wenig Licht, dazu Straßenlärm – für eine Garage mit zwei Stellplätzen kein ungewöhnlicher Bauplatz. Möchte man an derselben Stelle allerdings zeitgemäßen Wohnraum schaffen, gleicht die Arbeit des Architekten der eines Gefäßchirurgen. Johannes Dantele vom Büro Deppisch Architekten ist es gelungen, aus einer ehemaligen Garage ein Einfamilienhaus zu zaubern, das all diesen Widrigkeiten trotzt. Die schmale Stadtlücke, in die Dantele das Einfamilienhaus einfügen sollte, liegt am Rand der denkmalgeschützten Innenstadt von Freising, direkt am Verlauf der alten Stadtmauer. Denkmalgeschützt ist das Wohngebiet nicht, dafür aber im ensemblegeschützten Bereich. Die Planung erfolgte deshalb in enger Abstimmung mit den Baubehörden. „Wir haben um jeden Zentimeter gekämpft, damit wir in die Höhe bauen durften“, erklärt Dantele, „und damit sich die Materialität in die Umgebung einfügt, haben wir das Pultdach mit roten Ziegeln gedeckt und die Fassade verputzt.“ Die Nachverdichtung von innerstädtischen Wohngebieten wird von Baubehörden heute gerne gesehen, verschont man damit doch unbebauten Boden an den Speckgürteln der wachsenden Städte. Und so steht heute da, wo vor acht Jahren noch eine eingeschossige Garage mit Werkstatt ihren Dienst tat, ein dreigeschossiges, modernes Einfamilienhaus. Um an das spärlich vorhandene Licht zu kommen, öffnete Johannes Dantele das Haus zu zwei Seiten hin mit großzügigen Fensterflächen, die dank integrierter Nachströmelemente zum Lüften nicht

Lückenlos

72 Architektur (se)arch Architekten (Stefanie und Stephan Eberding) Web www.se-arch.de Objekt Haus G12 Kategorie Neubau Adresse Überlingen Bauherr Privat Planungsbeginn 2009 Fertigstellung 2011 Nutzfläche 412 m² Kosten k. A. Auszeichnungen u. a. Heinze Architekten Award 2012 Fotos Zooey Braun / www.zooeybraun.de

ON-OFFBLICKBEZIEHUNG

Architektur Deppisch Architekten (Projektleitung Johannes Dantele) Web www.deppischarchitekten.de Objekt Stadtlücke Kategorie Neubau Fassadenmaterial Hohllochziegel, einschalig, verputzt Adresse Freising Bauherr Privat Planungsbeginn 2007 Fertigstellung 11/2009 Nutzfläche 134 m² Kosten € 250.000,– (KG 300–400) Auszeichnung ByAK Bauherrenhandbuch Fotos Sebastian Schels  /  w ww.schels.net

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Raum ist wahrer Luxus. Diese Aussage könnte man einfach so stehenlassen, denn im Grunde ist dem nichts hinzuzufügen. Aber wie immer liegt der Teufel im Detail. Denn wo viel Platz zur Verfügung steht, da droht immer auch die Gefahr räumlicher Leere, das Gefühl von Verlorenheit, das Fehlen von Geborgenheit und Abschirmung, wenn ein Großteil der nutzbaren Flächen oft unbewohnt ist oder sonst selten genutzt wird. Besonders diesen Aspekt hatten die Bauherren im Blick, während sie gemeinsam mit den Architekten Stefanie und Stephan Eberding ihr großzügiges Wohnhaus auf einem exklusiven See-

geöffnet werden müssen. Über die „Himmelsleiter“, wie der Architekt die bis in das Dachgeschoss offene Treppe nennt, fällt das Tageslicht bis ins Erdgeschoss. Dort oben, wo riesige Glasflächen an zwei Seiten das meiste Licht einfangen, hat er auch den von den Bauherren gewünschten Wohn- und Essbereich platziert. Das Erdgeschoss hingegen kann bei Bedarf mit minimalem Aufwand zu einer eigenständigen Wohneinheit umfunktioniert werden. Der Platz, den sich bis 2007 zwei Fahrzeuge geteilt haben, wäre dann also zwei kompletten Wohneinheiten gewichen. maj

grundstück am Bodensee planten. Auf gut 400 Quadratmeter Nutzfläche entstand ein Haus mit variabler Aufteilung, die der je nach Jahreszeit unterschiedlichen Belegung Rechnung trägt. Denn während in den Sommermonaten die fünfköpfige Familie mit zusätzlichen Gästen das Haus belebt und die Gartenebene mit den Gästezimmern und dazugehörigem Pool- und Uferbereich stärker in den Vordergrund rückt, herrschen in den Wintermonaten Phasen mit Minimalbelegung vor, wenn das Ehepaar das Haus alleine bewohnt. Und genau dieser Umstand war die Herausforderung. Die Architekten lösten das Problem durch eine horizontale Zweiteilung des Gebäudes. Das obere Geschoss dient als kompletter und autarker Wohnbereich mit allen Wohnfunktionen, wenn die Bauherren alleine sind. Kommen Gäste, können Bereiche im Erdgeschoss einbezogen werden. Der Grundriss lässt erkennen, wie die Planer das Gebäude in Module unterteilt haben, die – je nach Bedarf – aktiviert oder deaktiviert werden können. Das Bauwerk ist so einerseits ein Sommerhaus mit viel Platz, andererseits ist ein Winterhaus integriert, das auf vernünftiger Größe von nur zwei Personen genutzt werden kann, ohne die nachteilige Weitläufigkeit eines sehr großen Gebäudes. ras

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„Generell ist es schwer, ohne Bauherrn bzw. ohne künftigen Nutzer und seine individuellen Wohnwünsche zu bauen“, so Norbert Möhring. Einzig Bebauungsbestimmungen, Straßenlage und Materialvorgaben bildeten die grundsätzlichen Parameter für die drei Ferienhäuser. Im Detail: eingeschossige Bauweise, Reet als Dachmaterial und Abstand zueinander. Möhring entwarf ein Ensemble, das den Bestimmungen entsprach, und entwickelte ein Haustrio, das sich an einem dörflichen, traditionellen Charakter orientiert und dennoch modernes Wohnen ermöglicht. Der Architekt interpretierte die Scheune als Prototyp einer individuellen Villa mit großen Glasfenstern an der Ost- und Westseite. Diese sind straßenabgewandt und dadurch wenig einsehbar – und bilden gleichzeitig zwei großformatige Eingangsportale, denen Loggien mit einem überdachten

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Neue Generation

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von Scheune Architektur Möhring Architekten Web www.moehring-architekten.de Objekt Scheunentrio Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus Fassadenmaterial Holz / Reet Adresse Prerow Bauherr Michael Mayer Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 2013 (1. Haus) Nutzfläche 238 m² Kosten k. A. Auszeichnung Landesbaupreis Mecklenburg-Vorpommern 2014 Fotos Stefan Melchior

Außenbereich vorgesetzt wurden. Zwei große, schwarze Tore schließen die Loggia und vermitteln die Assoziation mit einer Scheune. Die Giebelseiten mit Ausrichtung nach Norden und zur Straße hingegen sind aus Holz und mit Schiebeläden als Sicht- und Sonnenschutz aus demselben Material vollkommen verschließbar. Auch das Innere teilt sich in einen offenen Wohnbereich mit einem Luftraum bis zum Dach und in einen geschlossenen Bereich mit den Schlafräumen. Hier dominiert ebenfalls Holz. Konstruktiv und bei vielen Details, wie den Treppen, herrscht allerdings Metall vor – denn der Bauherr führt eine metallverarbeitende Firma. Die Gestaltung prägt jedoch das Schilf bzw. Reet, das nicht – wie üblich – nur das Dach deckt, sondern über die seitlichen Fassaden bis an die Unterkante der leicht schwebenden Häuser führt. Handwerklich eine Herausforderung, formal ein gelungenes Element, das den Häusern diesen speziellen Charakter verleiht. Nebenbei ist so auch die Traufhöhe von 4,50 Metern kaum wahrnehmbar, und die Dämmwerte machen zudem jeden Teil des Trios zu einem Niedrigenergiehaus. mah

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Architektur sprenger von der lippe Architekten (Richard Sprenger, Oliver von der Lippe) Web www.sprengervonderlippe.de Objekt Hausboot „Radio Yerevan“ Kategorie Neubau Fassadenmaterial  Glas, Cortenstahl Adresse Hamburg Bauherr Privat Planungsbeginn 5/2007 Fertigstellung 11/2011 Nutzfläche 140 m² Kosten k. A. Fotos Archimage / Meike Hansen

Geduld und Gelassenheit waren für die Hamburger Architekten Oliver von der Lippe und Richard Sprenger bei der Planung des Hausbootes „Radio Yerevan“ besonders vonnöten, denn es war nicht nur ihr erstes Hausboot, sondern auch eine Premiere für Hamburg. 2007 schrieb die Stadt einen Wettbewerb für zehn Liegeplätze im Eilbekkanal aus. Der Beginn eines Genehmigungsprozesses voller Herausforderungen. Normales Baurecht greift hier nicht, schließlich gibt es kein Grundstück, und die Hausboote werden offiziell als Schiffe zertifiziert. Von einer typischen Schiffsform haben sich die Architekten bereits in der Planungsphase verabschiedet. „Für uns war immer klar, dass wir etwas bauen wollen, dass das Hausboot nur in Ausnahmefällen bewegt werden wird“, sagt Richard Sprenger. So entstand die Idee, sich an der Optik eines Schiffswracks zu orientieren. Diesem Bild folgend, wählten Sprenger und von der Lippe Cortenstahl als Fassadenmaterial, der durch seine Haptik und rostbraune Farbe einem von den Gezeiten gezeichneten

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Rostbraunes Neuland

Wrack am nächsten kommt. Das Stahlkonstrukt wird von einem Ponton aus Stahlbeton getragen und erreicht einen Tiefgang von einem Meter vierzig. Als Kontrast dazu besteht das Obergeschoss aus einer leichten Stahlkonstruktion mit Glasfronten. Das Hausboot wurde wie ein normales landseitiges Gebäude an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen und über flexible Leitungen mit Trinkwasser, Gas und Elektrizität versorgt. Der Name „Radio Yerevan“ ist eine ironische Anspielung auf die armenische Herkunft des Bauherrn. Die Hamburger Politik war von diesem Pilotprojekt angetan. Sprenger und von der Lippe planen bereits ihr nächstes Hausboot, diesmal am Victoriakai im Stadtteil Hammerbrook. Alle dortigen Liegeplätze sind bereits reserviert. mak

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Alt-Sachsenhausen, das historische Altstadtviertel im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen, ist geprägt von kleinteiligen Fachwerkhäusern und ein paar Gründerzeitbauten. Dort sollte ein marodes Haus umgebaut werden, das unter Denkmalschutz stand. Der Bauherr äußerte den Wunsch, das Haus als Atelier, Fotostudio, Büro und Wohnung zu nutzen. Doch nach längerer Prüfung legten die Architekten dem Amt für Denkmalschutz die Pläne vor und konnten sich auf einen Abriss und Neubau dieses Wohn- und Atelierhauses einigen. Eines sei aber sofort klar gewesen, wie Architekt Bernhard Franken erklärt: Die Grundform des Hauses sollte auch beim

75 FASSADE MIT GESCHICHTE

Architektur Franken Architekten (Bernhard Franken) Web www.franken-architekten.de Objekt Kleine Rittergasse 11 Kategorie Neubau Adresse Frankfurt am Main Bauherr Privat Planungsbeginn 7/2011 Fertigstellung 7/2014 Nutzfläche 452 m² Kosten k. A. Fotos Oliver Tamagnini, Axel Stephan

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Neubau erhalten bleiben. „Für uns gab es jetzt die Chance, ein Haus im historischen Kontext zu errichten. Das bedeutet, dass wir die Traditionen dieses Stadtteils genau analysiert haben und die Essenz einer Tradition mit zeitgenössischen Baumaterialien und Techniken interpretiert haben“, so Franken. Das Ergebnis: ein dreiteiliges Gebäude mit einem gläsernen Mitteltrakt. Im Erdgeschoss befinden sich das Atelier mit Fotostudio, Ausstellungsräume, die Küche mit einer Bar und eine Apfelweinpresse. Im ersten Stock die Büros, im zweiten Obergeschoss zwei Wohnungen. Die Fassade war wohl die größte Herausforderung: Für den Betrachter sieht es so aus, als sei darin eine Schrift eingeprägt. Diesen Effekt erreichten die Architekten mittels „Zitterstrich“, der in den Putz eingraviert wurde – nämlich genau an den Stellen, an denen beim alten Gebäude Fachwerkbalken befestigt waren. Dieses Stilmittel passt sich an die traditionelle und handwerkliche Bauweise dieses Stadtviertels an. Am Ende gehe es aber vor allem darum, eine Architektur der Gegenwart zu schaffen, erklärt Franken: „Das Ergebnis sollte so offen bleiben, dass der Betrachter seine eigene Persönlichkeit in die Geschichte mit einbringen kann.“ mat

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Modernes Leben, loftähnliche Räume zum Lesen, Wohnen und Arbeiten und Funktionalität vor edlem Schnickschnack – wie eine moderne Interpretation des Archetypus Haus aussieht, lässt sich bei dem Einfamilienhaus im Prinzenviertel von Karlshorst im Südosten Berlins gut erspüren. „Es fügt sich in die Umgebung ein, gibt sich aber zugleich als etwas Neues, Modernes zu erkennen“, erklären die Architekten Frank Barkow und Regine Leibinger. Das „Moderne“ ist bereits auf den ersten Blick zu sehen: Von außen besticht das Haus durch klare, minimalistische Strukturen, die nur durch die unregelmäßig angelegten Fensterflächen absichtlich unterbrochen werden. Das Dach besteht aus Metall und die äußere Hülle des Hauses aus

Es könnte so einfach sein im Leben: Grundstück gefunden, Architekt beauftragt, und schon laufen die Planungen zum neuen Domizil. Aber dann kommt es doch manchmal anders, als man denkt. Den Bauherren dieses Bungalows war im Grunde auf manchen Teilstrecken der Bauphase ihre eigene Bescheidenheit im Weg. Zu lang, zu auffällig, zu modern, zu anders. So empfanden sie den Entwurf der in Österreich und der Schweiz ansässigen Architekten von k_m architektur, vor allem im Vergleich zur restlichen Bebauung des kleinen Dorfes, wo sie einen Obstanbaubetrieb besitzen. Als irgendwann die Verlegung der landwirtschaftlichen Hofstelle an den Ortsrand anstand, sollte dort auch ein Wohnhaus für die Familie entstehen. Platz dafür gab es genug auf der hofeigenen Obstwiese. „Die Bauherrenschaft war anfangs sehr skeptisch“, so ein Mitarbeiter des Architekturbüros. Schon die geplante Dachbegrünung lehnte der Bauherr ab. Aber auch die Gemeinde zeigte sich nicht sonderlich entgegenkommend, weswegen die Architekten mit geschickten Verfremdungsmaßnahmen arbeiteten, wie zum Beispiel großen GeranienTopfpflanzen, die dem Bau einen dörflich-ländlichen und damit passenden Charakter verleihen sollten. Die Bauherren befürchteten hauptsächlich, dass der moderne, großzügige Bau von den restlichen Dorfbewohnern nicht angenommen werden würde. Dass er zu protzig, zu fremd wirken

Architektur Barkow Leibinger (Frank Barkow, Regine Leibinger) Web www.barkowleibinger.com Objekt Haus Berlin-Karlshorst Kategorie Neubau Fassadenmaterial Porenbeton, verputzt mit unterschiedlichen Kammstrukturen Adresse Berlin-Karlshorst Bauherr Privat Planungsbeginn 1/2005 Fertigstellung 9/2006 – 7/2007 Nutzfläche 277 m² Kosten k. A. Fotos Stefan Müller Fotografie /www.stefanjosefmueller.de

LoftEffekt 76 130 

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Porenbeton, der unterschiedlich verputzt wurde und so die Fassade mit verschiedenen Schattierungen hervorhebt. „Um einen besonderen Effekt zu erzielen, wurden neben traditionellen Formen des Kammputzes eigene Schablonen für ein einzigartiges Muster entwickelt“, erklären die Architekten. Der explizite Wunsch der Bauherren nach einer eher rauen, industriellen Materialität vor edlen Oberflächen zieht sich durch das gesamte Konzept. So ist ein Haus entstanden, das offene, aber gleichzeitig auch introvertierte Räume anzubieten hat – für alle Situationen des Alltags. Im Inneren ist das Haus auf drei Etagen wie ein Loft aufgebaut. Die Räume sind frei, offen, durchlässig. Durch die unterschiedlich angelegten Glasflächen entsteht ein interessantes Lichtspiel mit viel Blick nach außen, aber mit genug Rückzugsräumen nach innen. Es gibt zwei Wohnebenen und ein zum Büro ausgebautes Dachgeschoss mit eingeschnittener Loggia. Diese, ein Balkon innerhalb des Baukörpers, blickt direkt auf den Garten. Ein Ort zum Arbeiten mit Ausblick auf die Natur. Modernes Wohnen also, das alle Lebensbereiche umfasst und so eine Work-Life-Balance schafft. mat

KLAPPE AUF

77 Architektur k_m architektur Web www.k-m-architektur.com Objekt EFH im Obstgarten Kategorie Neubau Fassadenmaterial Kupfer / Lärchenholz Adresse k. A. Bauherr Privat Planungsbeginn 2008 Fertigstellung 2010 Nutzfläche 174 m² Kosten k. A. Fotos k_m architektur

würde. Oft mussten die Architekten sich vor ihren Entwurf stellen und die Machbarkeit des Objektes mit der Kompetenz und der Autorität des Ingenieurs standhaft verteidigen, auch gegen die Ansichten lokaler Handwerker, die vieles als „nicht machbar“ abtaten. „Viel Überzeugungsarbeit“ musste geleistet werden, und „manchmal war es mühsam, weil alles infrage gestellt wurde“, so der Tenor aus dem Architekturbüro. Aber so vehement die Hürden von vielen Seiten aufgebaut wurden, so froh waren am Ende alle, als es geschafft war. „Als es stand, fanden das Haus alle toll“, so die Architekten. Bei guter Sicht kann der Bauherr und Obstbauer bis zum Horizont blicken. Davor hat er freie Sicht auf seine Obstplantage. Und das alles von jedem Zimmer aus. Fast scheint es, als sei das Haus einzig dafür entworfen worden, den Obstbäumen beim Gedeihen zuzusehen. ras

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Ländliches Loft im Scheunenmantel Was macht eine junge Familie, wenn sie in Berlin-Mitte lebt und aus dem täglichen Großstadtgewimmel ausbrechen möchte? Sie lässt sich ein Wochenendhaus auf dem Land bauen. Aber nicht irgendein klassisches Landhaus – die Atmosphäre der Großstadt bleibt spürbar, wenn man sich das Ferienhaus ansieht. Es besteht außen aus schwarz gestrichenem Holz, mit großen Fenstern und einem Schrägdach. Wenn es die Familie gerade nicht benützt, lässt es sich mit einer Gitterschiebetür von außen komplett verriegeln. Sind dann auch noch die Fensterläden geschlossen, sieht es wie eine moderne Scheune aus. Was sich dahinter verbirgt, lässt sich kaum erahnen. Das Grundstück liegt direkt hinter dem Oderdeich im Oderbruch

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Architektur HEIDE & VON BECKERATH (Tim Heide, Verena von Beckerath) Web www.heidevonbeckerath.com Objekt Haus im Oderbruch Kategorie Neubau, Umbau, Holzbau Fassadenmaterial Hinterlüftete Holzfassade: Nut-und-Feder-Schalung, Fichte, zweifach gestrichen mit schwedischer Schlammfarbe Adresse k. A. Bauherr Privat Planungsbeginn 2/2007 Fertigstellung 6/2009 Nutzfläche 115 m² Kosten k. A. Auszeichnungen u. a. BDA-Preis Brandenburg 2012; DAM – Preis für Architektur in Deutschland 2011 (Nominierung) Fotos Maximilian Meisse / www.meisse.de

zwischen Berlin und der polnischen Grenze. Vom Flair des Fischerhauses, das sich einst hier befand, ist nicht mehr viel zu spüren. In seiner direkten Umgebung, die traditionell-dörflich ist, sticht das Haus durch die schwarze Fassade hervor, fügt sich aber durch seine äußere Form in das Ensemble aus einer unter Naturschutz stehenden Ulme, dem Deich und einem alten Schuppen ein. Innen zeigt das Haus ein neues, frisches Gesicht: Die Wände sind hell, die Möbel ebenfalls in einem schlichten Weiß gehalten und eher funktional als prunkvoll in Szene gesetzt. Es gibt viel Freiraum, kitschige Details, die an das Landlust-Leben erinnern, sucht man vergeblich. Die Raumaufteilung ist raffiniert, Bad und Küche sind offen an den zentralen Wohnraum angelegt. So sind die Räume ineinander verschränkt, und es gibt von überall viel Blick nach außen. Der moderne Stil der Stadt spiegelt sich im Ferienhaus wider. Es beweist, dass sich ein Landhaus nicht unbedingt in Klischees verlieren muss, um Wohlfühlcharakter zu haben. Es ist vielmehr eine moderne Interpretation für die Flucht aus dem Großstadtalltag. mat

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Hohe Grundstückspreise, Platzmangel in den angesagten innerstädtischen Gebieten und spekulative Geschäfte mit Immobilien – Christian von Borries kennt die Probleme, unter denen Metropolen wie Berlin leiden. Mehrmals musste der Künstler den Ort seiner Arbeitsräume wechseln, schließlich wurde er aus einer Immobilie rausgekauft. Diese Erfahrungen gaben Anstoß für das Low-Budget-Projekt „Penthouse Berlin“: Auf dem Dach eines im Jahr 1900 errichteten Gewerbebaus mit Klinkerfassade sollte abseits des Gewohnten ein neuer Arbeitsraum entstehen. Für nur 70.000 Euro. Kein Projekt, das später Gewinne abwerfen sollte, sondern ein politisches, das die Möglichkeiten des günstigen Bauens aufzeigen und gängige Vorstellungen vom Wohnen infrage stellen solle, erklärt Christof Mayer die Idee dahinter. Der Architekt war für die Konzeption des Gebäudes verantwortlich, das wegen seines kritischen und zugleich minimalistischen Ansatzes mit dem Architekturpreis „Zukunft Wohnen 2012“ aus-

Dachgewächs gezeichnet wurde. Um Materialkosten zu sparen und gleichzeitig einen flexiblen Wohnraum zu schaffen, habe man sich für ein Gewächshaus als äußere Hülle entschieden, erklärt Mayer. Wie im Glashaus gibt es unterschiedliche Klimazonen, die sich einfach regulieren lassen. So wird etwa Sonnenenergie passiv genutzt, sommerlicher Wärmeschutz durch Vorhänge und natürliche Lüftung erreicht. Auch in Bezug auf die Größe der Wohnfläche geben die Jahreszeiten den Ton an: Im Winter steht den Bewohnern weniger Fläche zur Verfügung, im Sommer wiederum kann der Wohnraum nach außen auf die Terrasse erweitert werden. Hegemonietempel, Ort der Kontemplation oder Kunst-Haus – für Mayer sind bei diesem Projekt viele Lesarten möglich: „Berlin wird oft mit dem Spruch ‚arm, aber sexy‘ in Verbindung gebracht. Vor diesem Hintergrund fand ich den Widerspruch ‚Penthouse, aber günstig‘ aus planerischer Sicht reizvoll. Aber auch, weil man als Architekt selten die Möglichkeit hat, bei so einem Projekt mitzumachen. Das muss man, denke ich, auch ausnutzen – und ökonomische Interessen mal beiseitelassen.“ map

Architektur Büro für Architektur & Städtebau Berlin (Christof Mayer) Web www.heberle-mayer.de Objekt Penthouse Berlin Kategorie Neubau Fassadenmaterial Polycarbonat Adresse Berlin-Wedding Bauherren Christian von Borries, Vera Tollmann Planungsbeginn 10/2008 Fertigstellung 2/2010 Nutzfläche 46/80/128 m² Kosten € 70.000,– Auszeichnung Architekturpreis Zukunft Wohnen 2012 Fotos Frank Hülsbömer

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„Das Haus hat unser Leben im Alltag total positiv verändert“ – ein Kompliment des Bauherrenpaares an ihre Architekten, das größer nicht sein könnte. Dabei war der erste Entwurf ihrer Vorgaben – ein kleines Haus sollte es sein, das sich von der Umgebung abgrenzt und möglichst wenig Einblicke gewährt – dann doch eine Überraschung: Die Pläne zeigten praktisch keine Fenster. Nur nach Süden öffnet sich der dort situierte großzügige Wohn- und Essbereich mittels einer Glasfassade ins Grüne – alle anderen Räume wie Bad, Schlaf- und Gästeräume werden indirekt über eingeschnittene, begrünte Patiohöfe belichtet. Das stringente Konzept des kleinen Bungalows hat nicht nur gestalterische Ursachen: „Wir halten nicht viel von übertriebener Hightech und wählen eher nach nachhaltigen, regionalen Baustoffen und ent-

Erhellendes Innenleben

80 sprechenden Energiekonzepten“, so die Architekten Sandra Töpfer und Dirk Bertuleit. Dem Wunsch der Bauherrin nach einem Naturbaustoff und einem angenehmen Raumklima wurde demnach mit dem Massivbau aus einschaligem Ziegelmauerwerk (ohne Dämmung) entsprochen. Im nahen Werk in Freital produziert, vereint die Wahl des Ziegels außerdem in Herstellung und Transport ökologische und ökonomische Gesichtspunkte. Auch alle Innenwände wurden mit Ziegeln errichtet und beidseitig mit diffusionsoffenem Kalkgipsputz versehen. Neben den klimaregulierenden Eigenschaften kann das Gebäude auch mit sehr guten Energiewerten aufwarten. Überhaupt überzeugt das „Haus ohne Fenster“ mit seiner einfachen wie intelligenten Raumabfolge, die von außen wenig Einsicht bietet – und so ausschließlich im Verborgenen erlebbar wird. Exklusiv für ihre – zufriedenen – Bewohner. mah

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Jürgen Tietz Architektur töpfer.bertuleit.architekten (Sandra Töpfer, Dirk Bertuleit) Web www.tb-architekten.de Objekt Patiohaus Freital Kategorie Neubau Fassadenmaterial Massivbauweise, einschaliges Mauerwerk Adresse Freital Bauherr Privat Planungsbeginn 2011 Fertigstellung 2012 Nutzfläche 135 m² Kosten € 246.000,– Fotos töpfer. bertuleit.architekten

Unser Alltag wird zu einem wesentlichen Teil durch die Architektur bestimmt, die uns Tag für Tag umgibt.


HIMMEL ÜBER BETON Architektur hm-architektur (Holger Meyer) Web www.hol-meyer.de Objekt Haus Meyer Kategorie Neubau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Stahlbetonfertigteilelemente / MüllerAltvatter aus Holzminden Adresse Groß Munzel Bauherren Henrieke und Holger Meyer Planungsbeginn 2009 Fertigstellung 2010 Nutzfläche 173 m² Kosten k. A. Auszeichnung Preisträger „Flachdach im Fokus“ 2012 von VELUX Fotos Christian Richters

Essräume. Leben und Arbeiten in einem Haus – diesen Wunsch konnte sich der Architekt ebenfalls erfüllen: Meyer hat sich sein eigenes Architekturbüro auf der Südseite des Hauses geschaffen. Das Haus vermittelt von außen Moderne und Innovation, im Norden öffnen sich die Zimmer hin zur Landschaft – große Fensterausschnitte ermöglichen im Inneren lichtdurchflutete Räume. Die Form der Räume ist klar aufgeteilt und klassisch quadratisch gehalten. Auf Nachhaltigkeit wurde ebenfalls großer Wert gelegt, wie der Architekt erklärt: Für die Funktionen Heizen, Lüften, Warmwasserbereiten und Kühlen besteht im Haus nur ein Gerät, das alles gleichzeitig kann. Das Einfamilienhaus polarisiert schon auf den ersten Blick: Mit seiner Form, der Farbe und dem Beton ist es auf jeden Fall eines – ein ungewöhnliches Haus im ästhetischen Einheitsbrei. mat

Die Liebe des Architekten Holger Meyer zum Material Beton ist zentral, wenn man die Entstehungsgeschichte dieses Einfamilienhauses erzählen möchte. Es ist ein persönliches Werk, das er gemeinsam mit seiner Frau für sich und die Familie realisiert hat und das Zeichen seiner Lebensgeschichte trägt. Meyer hat in der Schweiz als Architekt gearbeitet und wurde bereits während seiner Studienzeit von der „Bündner Architektur“ geprägt – einer Bauweise, frei von ästhetischem Einheitsbrei, die sich vor allem durch architektonische Innovation auszeichnet. Schon seit damals spiele Beton für ihn eine große Rolle, wie er erklärt, und das ist an seinem Haus unmittelbar ablesbar: Die Fassade besteht aus dunklem, monolithisch anmutendem Beton, das Gebäude fällt in der direkten Nachbarschaft mit seiner Farbe, aber auch mit der Form sofort auf. Die Innenwände sind weiß und die Atmosphäre wohnlich hell und aufgeräumt. Auf der nördlichen Seite befinden sich die Schlafräume und im Süden die Wohn- und

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Ein Haus ohne Keller? Denkbar, aber nicht sinnvoll, dachte sich Bauherr René Jankowski, als er das erste Mal vor seinem geerbten Grundstück stand. Auf dem Hinterlandflurstück im Berliner Stadtteil Lichtenrade (Bezirk TempelhofSchöneberg) stand ein baufälliger Bungalow aus den 1960er-Jahren, der im Grunde nicht mehr zu retten war. Das alte Haus hatte allerdings etwas zu bieten, auf das viele Bauherren heutzutage oft verzichten: Es war voll unterkellert. Diesen Keller wollte Jankowski erhalten, das Haus selbst ließ er abbrechen. Man sah sich jedoch mit einer baurechtlichen Bestimmung konfrontiert, die eine Traufhöhe von vier Metern vorschreibt. Eine Vorgabe, die normalerweise nicht weiter erwähnenswert wäre, in diesem Fall aber eine gewisse Wirkung entfaltete, weil der Keller bereits 1,25 Meter aus dem Gelände herausragte. Zwar ließ sich innerhalb der verbleibenden 2,75 Meter das Erdgeschoss mit großzügiger Raumhöhe planen, die vier Meter bis zur Traufhöhe waren damit aber ausgeschöpft. Platz für einen Kniestock

im Obergeschoss war nun nicht mehr vorhanden. Die Dachschräge musste also direkt an der Oberkante des Fußbodens beginnen, was zu relativ schlecht nutzbaren Räumen führte. Der Architekt Alexander Lusin von LUSINARCHITEKTUR löste das Problem, indem er auf beiden Seiten des 45-Grad-Satteldaches Gauben einplante, die das Geschoss viel besser nutzbar machen und dem Gebäude mit ihrer ungewöhnlichen und eigenwilligen Gestalt außerdem eine skulpturale Form verleihen. Hinzu kam die Idee, das gesamte Haus in eine einheitliche Hülle zu kleiden. Nach diversen Materialrecherchen und -untersuchungen fiel die Wahl auf einbrennlackierte Aluminiumpaneele des thüringischen Aluminiumdach-Spezialisten PREFA. Dass die Paneele – die in verschiedenen Farben zu haben sind – für dieses Haus in Hellgrau gewählt wurden, passt zum Gesamtkonzept, weil es den monolithischen Charakter des Hauses unterstreicht und abrundet. ras

Bau in Grau

82 Architektur LUSINARCHITEKTUR (Alexander Lusin) Web www.lusin-architektur.de Objekt MO8 Kategorie Neubau Fassadenmaterial PREFA FX.12, www.prefa.com Adresse Berlin-Lichtenrade Bauherr René Jankowski Planungsbeginn 1/2013 Fertigstellung 5/2014 Nutzfläche 159 m² Kosten k. A. Fotos Wolfgang Croce, LUSINARCHITEKTUR und Johannes Morhard

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Architektur Anne Lampen Architekten Web www.anne-lampen.de Objekt Villa in HamburgNienstedten Kategorie Neubau Fassadenmaterial Mineralische Wärmedämmung, verputzt Adresse Hamburg-Nienstedten Bauherr Privat Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 2012 Nutzfläche 318 m² Kosten k. A. Fotos Lon Godin / www.longodinphotography.blogspot.com

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BÜCHER

HAUS

Die Bibliothek vom Naturschutzgebiet nur einen Steinwurf entfernt: Bücher und die Verbindung zur Natur sind die Hauptelemente des Projektes der Hamburger Architektin Svenja Bodenstedt. Das Bauen am Naturschutzgebiet ist reizvoll, wenn es auch eine Reihe strenger Auflagen mit sich bringt. Die Stadt Hamburg war bestrebt, den Charakter der Siedlung im Naherholungsgebiet zu bewahren und die Häuser im Stadtteil Volksdorf nicht zu groß werden zu lassen. Ein Auflage besagte, dass die Grundfläche eines Gebäudes 150 Quadratmeter nicht überschreiten darf. „Nicht einen Quadratmeter mehr“, erinnert sich Bodenstedt. Weiters konnte bei diesem Projekt nur die Hälfte des Gartens bebaut werden, auch ein Gartenhäuschen ist in diesem Gebiet nicht erlaubt. Das Grundstück selbst war anfangs komplett verwildert. Bodenstedt bezeichnet es als Perle, die sich aber lange nicht verkaufte. Bei der Planung des Hauses spielte die Büchersammlung der Bauherren ein zentrale Rolle. Die Architektin hatte für rund 1.000 Bücher Platz zu schaffen. In der Bibliothek verbinden sich

Architektur Svenja Bodenstedt Architektin Web www.bod-architektin.de Objekt Wohnen mit Büchern Kategorie Neubau Fassadenmaterial Verblender, Holzverschalung (Lärche) Adresse Hamburg-Volksdorf Bauherr Privat Planungsbeginn k. A. Fertigstellung 6/2012 Wohnfläche 230 m² Kosten k. A. Auszeichnungen Tag der Architektur 2012 in Hamburg; Referenzprojekt von Velux Fotos Helmut Hassenrück / VELUX Deutschland

BLICKBEZIEHUNGEN Die Bauherren dieser Villa wussten genau, was sie nicht wollten: in einem jener Rotklinkerbauten aus den 1920er- und 1930er-Jahren wohnen, die typisch sind für die Hamburger Elbvororte Othmarschen und Nienstedten. Jene meist quadratischen Walmdachhäuser sind prägend für die beiden im Bezirk Altona liegenden Stadtteile und stets präsent, wenn man die von uralten Bäumen gesäumten Straßen durchstreift. „Wir wollten nicht in einer Kaffeemühle wohnen“, so die Bauherrin. Der Wunsch der Eheleute: modern wohnen, am liebsten unter einem Flachdach. Die Berliner Architektin Anne Lampen nahm sich der Sache an und entwarf das schlichte, weiße Haus, das mit seinen kubischen Formen der klassischen Moderne folgt. Der weiße Putz steht in angenehm mildem Kontrast zur grauen Schiefereindeckung und unterstützt die Maßgabe, die aller Planung stets zugrunde lag: keine Effekthascherei. Eine klare Linienführung war deshalb der rote Faden des gesamten Konzepts. Zeigt sich das Gebäude von der Straßenseite her eher hanseatisch kühl und etwas unzugänglich, mit wenigen schmalen Fenstern und viel Außenwand, so öffnet es sich zur Grundstücksseite hin dafür umso großzügiger. Raumhohe Fensterflächen über die gesamte Breite des Gebäudes lassen viel Licht ins Innere. In verschiedene Ebenen gegliedert, finden sich ein Souterrain, ein Naturbadeteich mit Biotop und der eigentliche Wohnbereich. Im Inneren wird der Anforderung nach einer großzügigen und weitläufigen Raumgestaltung mit einem offenen Grundriss mit fließender Raumabfolge entsprochen, auf eine verschachtelte Raumordnung wird völlig verzichtet. Das gilt auch für die Vertikale: 3,65 Meter Deckenhöhe über dem Essbereich. Darüber ruht die Badewanne, aus der man einen Blick über die Elbe genießt. „Das war für mich zentrales Thema der Planung: möglichst viele schöne Ausblicke zu inszenieren“, erklärt Architektin Anne Lampen. Den Planungen in den Weg stellte sich zunächst das hamburgische Baurecht. Denn das schreibt in jener von Einfamilienhäusern dominierten Lage

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ein Schrägdach vor. Mit dem Gesamtkonzept war das aber schon aus ästhetischen Gründen nicht zu vereinbaren. Und so einigte man sich auf einen fast schon genialen Kompromiss: Zum Einsatz kam ein Plattformdach mit relativ stark angeschrägten Seiten. Der Clou: Eine umlaufende Attika verdeckt die Dachschräge weitgehend. Vor allem wenn man sich im direkten Umfeld des Hauses aufhält, ist das Dach nicht zu sehen, und der Betrachter hat den Eindruck, er stehe vor einem Haus mit Flachdach. ras

Natur und Literatur; die Panoramafenster bieten größtmöglichen Ausblick ins Grüne. Die Bücher nahm die Architektin auch als Inspiration für die Form des Hauses. „Die Form soll eine Geschichte erzählen. In diesem Fall ist es ein Bücherturm aus Holz, der vom Ziegelbau umringt wird“, so die Architektin. Die Wohnräume wurden möglichst ruhig und reduziert gestaltet. Um Möbel zu sparen, wurden mit Trockenbauelementen Nischen für CDs oder Küchengeräte geschaffen. Geschickt gliedert der große, zweiseitige Kamin das Ineinanderfließen von Wohn- und Esszimmer sowie Küche. Für die Fassade griff Bodenstedt auf den für Hamburg so typischen Ziegel zurück, allerdings nicht ohne persönliche Interpretation. Die Kombination mit Holz bei der Bibliothek und an der Hausfront gibt der Fassade Struktur. Um eine natürliche Lüftung zu ermöglichen, wurden am Dach vier Velux-Fenster angebracht. So lässt sich das Hausklima auf natürliche Weise steuern. mak

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Architektur Brandlhuber+ Web www.brandlhuber.com Objekt Antivilla Kategorie Umbau Fassadenmaterial /  Fassadenfirma Putzfassade geschlämmt / L&F Metallbau GmbH Adresse Potsdam-Krampnitz Bauherr Arno Brandlhuber Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 2014 Nutzfläche 440 m² Kosten € 896.000,– (KG 100–700) Planung Gebäudekommunikation: Siedle, www.siedle.de Fotos Erica Overmeer

Der Architekt Arno Brandlhuber, bekannt für seine unkonventionellen Konzepte und die Versuche, Architektur, ihre Funktionen und Materialitäten neu zu denken, hat mit der „Antivilla“ in Potsdam ein neues, starkes Statement zur Typologie Wohnhaus hinzugefügt. Als Arno Brandlhuber das Grundstück am Krampnitzsee gekauft hatte, war der Bestand des rund 500 Quadratmeter großen Stofflagers einer ehemaligen Trikotagenfabrik bereits zum Abriss freigegeben. Architekt Brandlhuber: „In jedem Bau steckt schon so viel Energieverbrauch, deshalb ist mir die Bewahrung des Bestandes sehr wichtig. Außerdem konnte man so die Größe erhalten.“ „Uns ist es prinzipiell wichtig, in Varianten zu denken“, erklärt Thomas Schneider, Partner bei Brandlhuber+. Die Nutzung sollte variabel bleiben und nicht offensichtlich: „Antivilla“ eben. Die Patina der Oberfläche wurde erhalten und der DDRPutz teilweise ergänzt; klassische Wärmedämmung wurde vermieden – und durch Klimazonen rund um den Kamin ersetzt. Vorhänge dienen dazu, den Raum im Obergeschoss dem Klima anzupassen – von 50 bis 200 Quadratmeter kann die Größe verändert werden. Dafür wurde das Gebäude im Inneren entkernt und

85 alle nichttragenden Wände entfernt. Das Satteldach aus Wellplatten wurde abgetragen und durch ein neu konzipiertes Flachdach ersetzt. Zusätzlich wurde das Dach konstruktiv als Überzug ausgebildet, wodurch bis zu fünf Meter breite Wandöffnungen in das vorhandene Mauerwerk geschlagen werden konnten – und das im wahrsten Sinne. Das Lager war 1980 von einer Lehrlingsbrigade errichtet worden – und da jeder Lehrling ein Fenster mauern musste, gibt es in dem Haus viele, jedoch kleine Fenster. Brandlhuber: „Sicher hat sich schon jeder einmal einen Hammer gewünscht, um ein Loch in die Wand zu schlagen und seine Aussicht zu verbessern – nun, das haben wir an einem Wochenende an dem Haus ausgelebt.“ Übrig geblieben sind die, mittlerweile typischen, „Antivilla“Fenster: ausgebissen, unregelmäßig, grob und roh wie der Rest des Hauses. Der Blick auf den See ist damit frei. mah

AUSSICHT AUF GEGENMODELLE 144 

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A DV ERTO R I A L

TÜRKOMMUNIKATION JENSEITS DES ÜBLICHEN Die Materialität der „Antivilla” ist antikosmetisch roh und ergänzt unter anderem den DDR-Putz des Bestandes. Architekt Arno Brandlhuber wollte ein Haus mit flexibler Nutzung und es auch so aussehen lassen. Kein gewöhnliches Wohnhaus sollte es sein – auch die Türkommunikation seiner Villa liegt jenseits des Üblichen. Siedle hat sie nach den Ideen des Architekten entworfen und gebaut, als Fortsetzung des Gebäudes mit anderen Mitteln.

Arno Brandlhuber im Gespräch mit Anh-Linh Ngo (ARCH+) Anh-Linh Ngo: Design vermittelt sich heute vorwiegend durch Oberflächen. Wie nähert man sich als Entwerfer dem klassischen Produktdesign? Arno Brandlhuber: Wir haben das Konzept der radikalen Akzeptanz des Bestehenden auch auf das Produktdesign angewandt. Anstatt für die Sprechanlage eine neue Materialoberfläche einzuführen, haben wir uns dazu entschlossen, den vorhandenen DDR-Kratzputz an der Fassade nachzubilden. Dazu wurde ein Silikonabdruck von der Fassade abgenommen und als Aluguss hergestellt. Wir haben uns mit der Geschichte von Siedle auseinandergesetzt und ein Gussverfahren vorgeschlagen, um eine Verbindung zur handwerklichen Tradition der Firma herzustellen, die im 18. Jahrhundert mit dem Glockenguss für die Uhrenmanufaktur begonnen hat. Zudem besitzt der uneloxierte Aluguss nicht nur eine ähnliche Haptik und Oberflächenstruktur wie der graue, raue Putzuntergrund, sondern führt auch eine Zeitlichkeit in ein ansonsten auf makellose Perfektion ausgerichtetes technisches Gerät ein. Das Material verwittert und verändert sich durch die Benutzung. Diese Zeitlichkeit haben wir auch bei den Fensterrahmen eingeplant, die ebenfalls aus uneloxiertem Aluminium bestehen. Auf der Materialebene gibt es also eine direkte Beziehung zur Gesamtkonzeption des Gebäudes.

Architektur Brandlhuber+ Web www.brandlhuber.com Objekt Antivilla Bauherr Arno Brandlhuber Planung Gebäudekommunikation: Siedle, www.siedle.de Elektroinstallation Türck, Berlin Künstler Timo Klöppel Fotos Siedle

Auf der konstruktiven Basis von Siedle Steel, zu erkennen am typischen quadratischen Lochmuster, entstand nach der Vorgabe des Architekten ein Werkstück aus Aluminiumguss. Die Form hat der Künstler und Glockengießer Timo Klöppel direkt von der Fassade abgenommen, gegossen hat eine Spezialfirma im Schwarzwald. Aus dem Rohling hat die Siedle-Manufaktur eine Türstation gefertigt, die buchstäblich eins wird mit der Fassade.

REFUGIUM Zufluchtsort: Ein Unternehmerpaar hat sich ein Zuhause im besten Sinn des Wortes geschaffen. Mit dem nötigen Abstand zu einem fordernden Alltag und viel Raum für die Kunst, mit der es sich umgibt. Die Komponenten der Gebäudekommunikation sind innen wie außen sorgfältig ausgewählte Ergänzungen der Architektur und der Einrichtung, die Bezug nehmen zu den umgebenden Materialien. An der Eingangstür ist die Anlage Teil eines langen, flächenbündig eingesetzten Paneels, das durch die Materialkorrespondenz zum Bronzerelief zusätzlichen Reiz erfährt. Gut erkennbar ist der lebendige Charakter des brünierten Messings, das sich im Lauf der Zeit verändert. www.siedle.de

Architektur Karin Kaiser, Gaggenau Elektroplanung Klaus Strobel, Gaggenau Installation Türkommunikation Siedle Systemintegration KWD, Karlsruhe Standort Süddeutschland

Ein weithin sichtbares Merkmal der „Antivilla“ sind die grob herausgeschlagenen Fensteröffnungen. Um diesen speziellen Blick nach draußen im Videobild von der Schwelle abzubilden, hat Siedle eine Kamera 180 mit extragroßem Sichtfeld nach hinten versetzt.

EDLE ZURÜCKHALTUNG

Ergebnis: Die Ränder der Kameraöffnung begrenzen das Sichtfeld auf ganz ähnliche Weise wie die Fensterdurchbrüche.

Architektur Axial Architekten, Wiesbaden Elektroinstallation Elektro Glaß, Schlangenbad Standort Wiesbaden

Ein stringentes Konzept von Durchlässigkeit und Transparenz verleiht dem Wohnhaus im Wiesbadener Komponistenviertel seine besondere Raumwirkung. Zur Straßenseite gibt sich das Gebäude bewusst zurückhaltend, um sich dann zum Garten hin fast vollständig zu öffnen. Die zurückhaltende Form des Gebäudes bricht der Entwurf durch die Betonung des Eingangs. Mit der Rauheit des Sichtbetons kontrastiert die makellose Oberfläche der Türstation aus massivem, gebürstetem Edelstahl, die von keiner sichtbaren Befestigung unterbrochen wird. Die flächenbündige Videokamera und die integrierte Zutrittskontrolle sorgen für diskrete Sicherheit. www.siedle.de

www.siedle.de

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SIEDLE × 100 Häuser 

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Architektur Cyrus|Moser|Architekten (Oliver Cyrus und Andreas Moser) Web www.cma-arch.de Objekt Villa W Kategorie Neubau Fassadenmaterial Wärmedämmverbundsystem, Putz und Naturstein Adresse Hornau Bauherr Privat Planungsbeginn 1/2007 Fertigstellung 12/2008 Nutzfläche 325 m² / 440 m² Kosten k. A. Fotos Andreas Moser / Christoph Kraneburg

KELLER minimal windows

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Das rahmenlose Schiebefenster für maximale Transparenz

Weißheit Dem Entwurf war ein kleiner Wettbewerb zwischen dem Bauherrenpaar vorangegangen: Fertigteilhaus oder individuelle Planung standen einander konkurrierend gegenüber, erzählt der Architekt Andreas Moser. Nicht zuletzt die identischen Kosten der zwei Modelle überzeugten schließlich beide Bauherren. Das Haus wurde fast ohne Änderungen gegenüber dem ersten Entwurf umgesetzt, so gut waren die Vorgaben getroffen. „Und das, obwohl die etwas expressiver anmutende Formensprache mit ihren 15 Meter langen Trägern, welche die Landschaft

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mit einbinden, das komplette Gegenteil des Fertighauses darstellte“, sagt Moser. Und so entstand in einer hessischen Gemeinde ein großzügiges Haus für eine junge Familie mit spektakulärem Ausblick über den Taunus. Rund um das 1.000 Quadratmeter große Grundstück reihen sich Seite an Seite 1970er-JahreBungalows und eingeschossige Satteldachhäuser. Dass hier eine futuristische Villa komplett in Weiß hingebaut wurde, war für die Nachbarschaft zunächst eine Provokation, erinnert sich der Architekt: „Wir haben uns für diese Form nicht entschieden, weil wir etwas Schräges machen wollten. Der Grundriss ist der Lage des Grundstücks geschuldet und eine ganz pragmatische Lösung. Dennoch sind wir selbst überrascht, dass das Haus im Vergleich zu unseren anderen Projekten so wenig polarisiert. Es trifft selbst bei den älteren Nachbarn auf anerkennende Zustimmung. Immer wieder hören wir bei unseren anderen Häusern mit geschlossenen Straßenfassaden den Vergleich mit dem Stromhäuschen ohne Fenster. Nicht so aber hier, wo wir es viel mehr vermutet hätten.“ Eben weil das Haus dicht an dicht an die Nachbargebäude grenzt, galt es, platzsparend zu arbeiten: Das Eingangsgeschoss mit Garage, Wellnessbereich und Außenhof sowie Kellerund Technikräume wurden deshalb halb in den Hang eingegraben. Auf diesem Sockel liegt das zweistöckige Wohnhaus, das sich auf den ersten Blick merkwürdig zu verrenken scheint: Der untere Bereich schmiegt sich U-förmig rund um die zentrale Terrasse. Dank dieser Form können die Bewohner ungestört die Sicht auf den Taunus genießen. Die L-förmige obere Etage, die die Schlafräume beherbergt, bietet wiederum Schutz vor den Einblick von außen. Und auch im Innenraum haben die Architekten eine Lösung gefunden, die rundherum passt: Die Räume wurden in „Zonen“ gegliedert, damit sie „eine gewisse Offenheit besitzen, aber in ihrer Funktion definiert bleiben“, wie Moser sagt. Das Innendesign schließlich trägt ebenfalls klar die Handschrift der Architekten. mah / map

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YEARS

BERLIN

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www.kellerag.com

of excellence

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87 Architektur FORMAT ELF ARCHITEKTEN Web www.formatelf.de Objekt Hofgut Hafnerleiten Kategorie Neubau (Drei Häuser) Fassadenmaterial / Fassadenfirma Holz / Holzbau Huber Adresse Bad Birnbach Bauherr Hofgut Hafnerleiten Planungsbeginn 2011 Fertigstellung 2013 Nutzfläche 3 × 60 m² Kosten k. A Auszeichnungen best architects award 15; Architektouren 2014 Fotos Lothar Reichel

Wohnraum mit der Natur verschmelzen zu lassen, erklären die Architekten: etwa durch die großzügigen Fenster oder Ausgänge, die direkt in den Wald oder zum Bootssteg führen; aber durch ihr äußeres Erscheinungsbild – das edle, wettergegerbte schwarze Holz – verwachsen die Langhäuser buchstäblich mit der Natur. Dazu kommen im Inneren gemütliche Schlafkojen und ein Kamin. Das vielleicht Beste an diesem Ensemble: Morgens gibt’s frischgemahlenen Kaffee mit Brötchen direkt vor die Haustür. mah

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Büro F O R M AT E L F A R C H I T E K T E N , B AY E R N  /  Haus B AY E R N

Am Anfang war es nur eine Idee: Wie wäre es, außerhalb der Stadt, mitten in der niederbayrischen Idylle, eine Kochschule zu eröffnen? Wo Gäste vorbeikommen, experimentieren, entspannen und feiern können? Diesen Traum erfüllte sich Erwin Rückerl mit seiner Frau Anja Horn 1999 auf dem Hofgut in Bad Birnbach – und es war der Beginn eines Traumprojekts, an dem bis heute gearbeitet wird: Bald kamen Unterkünfte hinzu, damit die Gäste über Nacht bleiben können – ein Bootshaus, ein Baumhaus, ein Hang- und Wiesenhaus, die jeweils für zwei Personen Platz bieten. Die „Themenhäuser“ waren so beliebt, dass das Paar entschied, weiter zu expandieren. 2011 eröffneten fünf „Entspannungswürfel“ mit Sauna-, Wellness- und Massageräumen. Für die jüngsten Veränderungen am Hofgut sind Stefan Hanninger und Robert Maier vom Architekturbüro FORMAT ELF verantwortlich: Vor zwei Jahren kamen drei „Rottaler Langhäuser“ hinzu. Die minimalistisch designten Häuschen sind von den typisch bayrischen Satteldachhäusern inspiriert und für jene Gäste vorgesehen, die etwas länger auf dem Hofgut bleiben möchten. Sie bieten ein bisschen mehr Wohnraum als die bisherigen Gästehäuser und ermöglichen mit eigener Küche und einer eigenen Gartenanlage mit Teich etwas mehr Privatsphäre. Und auch wenn alle drei Häuser sich zum Verwechseln ähnlich sehen – jedes von ihnen ist einzigartig. Was die drei vereint, ist, den

DREI HÄUSER MIT FORMAT Büro F O R M AT E L F A R C H I T E K T E N , B AY E R N  /  Haus B AY E R N  

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LEICHTE HOLZKLAMMER

Architektur WACKER| ZEIGER|ARCHITEKTEN Web www.wackerzeiger.de Objekt Einfamilienhaus in Hamburg-Blankenese Kategorie Neubau Fassadenmaterial Abbruchsteine als Verblendmaterial Adresse HamburgBlankenese Bauherren Sonja und Kai Matthiesen Planungsbeginn 2007 Fertigstellung 2009 Nutzfläche 230 m² Kosten € 625.000,– Fotos Martin Böttcher

Ein gewisses Maß an Überzeugungsarbeit war notwendig, um den Stadtplanungsausschuss der Hansestadt Hamburg davon zu überzeugen, dass dieser zweigeschossige Flachdachbau den gewünschten und geforderten Bezug zu den Nachbarhäusern herstellt. Denn schon formal steht das Gebäude in einer gewissen Spannung zum Umfeld, wenngleich es die Schlankheit der benachbarten Giebelhäuser durchaus aufnimmt. Anfang der Planungen wollten die Bauherren für das Bestandshaus – ein zu Beginn der 1930er-Jahre errichtetes Zweifamilienhauses mit Walmdach – ein Raumprogramm für ihre vierköpfige Familie entwickeln lassen. Sie beauftragten das Architekturbüro Wacker Zeiger mit den Planungen für den Umbau. Bei genauerem Hinsehen zeigte sich jedoch, dass die Wohnvorstellungen der Bauherrenschaft mit großen Zimmern, offenem Wohnen und großzügigen Raumzusammenhängen die Eigenart und den Charme des bald 100-jährigen Altbaus weitgehend verdrängt hätten. Man entschied sich daher für einen Abriss des alten Hauses und übereignete das Projekt damit einem ganz neuen Problemfeld: Denn in der Wohnstraße in einem der Hamburger Elbvororte gilt ein Bestandsschutz, der zwar den Abriss von Gebäuden nicht verbietet, aber von Neubauten fordert, dass sie sich dem Charakter der nachbarschaftlichen Gebäude anpassen. In den Ausschüssen des Bezirksamtes Altona folgten heiße Diskussionen und kontroverse Debatten darüber, welche Größe und welche Gestalt des Neubaus als angemessen, mithin für diesen Ort passend angesehen

Architektur Architekturbüro Studio b2 (Marcus Lechelt, Axel Meinhard) Web www.studio-b2.de Objekt Einfamilienhaus in Hittfeld Kategorie Neubau, Umbau, Holzbau Fassadenmaterial Lärchenholz Adresse Hittfeld Bauherr Privat Planungsbeginn 3/2010 Fertigstellung 10/2010 Nutzfläche 190 m²Kosten k. A. Fotos Anya Zuchold photography

SCHLANK IN BACKSTEIN

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Büro WAC K E R|Z E I G E R|A R C H I T E K T E N , H A M B U R G / Haus H A M B U R G

werden können. Dabei wurde sogar die Empfindung des Bauherrn berücksichtigt, der vom Obergeschoss des alten Hauses nach eigenen Aussagen „endlos in die Weite“ habe schauen können. Man einigte sich am Ende auf den Entwurf der Architekten, der ein zweigeschossiges Haus mit Staffel vorsah, das sich in zwei ineinander verschobenen Quadern präsentiert. Eingehalten wurde auch eine absolute Höhe, die dem Bauherrn dennoch den Blick bis zum Horizont ermöglicht und die sich an der Obergeschosshöhe des Altbaus orientiert. Nicht zur Diskussion stand die Fassade: So wie der Bestandsbau kam eine Backsteinfassade zum Einsatz. Von außen ist eben doch wieder alles beim Alten. ras

Eine interessante würfelartige Form und eine große Fensterfläche fallen als Erstes auf, wenn man sich das Haus mit Holzfassade in Niedersachsen ansieht. Speziell saniert, sollte es dem als Outdoor-Fotograf arbeitenden und naturliebenden Bauherrn eine neue und natürliche Wohnqualität bieten. Prägend für die Idee zum Konzept sei dessen Vorliebe für eine puristische, also auch zurückhaltende Raumgestaltung und für den Einsatz von natürlichen Materialien gewesen, wie Architekt Marcus Lechelt erklärt. Das kleinteilige Siedlungshaus wurde umgestaltet und ist jetzt von einem großzügigen Raumkonzept geprägt. Weitere Hauptanforderungen seien ein zeitgenössischer Grundriss mit neuen Innen- und Außenverbindungen und ein neues energetisches Konzept gewesen, sagt Lechelt. Von außen wirkt das Gebäude tatsächlich sehr unaufgeregt, die unbehandelte Lärchenfassade gibt ihm zudem eine natürliche Anmutung. Innen ist es offen, hell und freundlich. Die moderne, ins Auge fallende Einrichtung erzeugt eine wohnliche Atmosphäre. Geradlinige Raumstrukturen mit

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Akzenten durch natürliche Materialien ziehen sich durch das Konzept, so Lechelt. Die nach ökologischen Kriterien ausgesuchten Naturmaterialien sorgen für eine gesunde und natürliche Wohnqualität. Naturbelassene Eichenbohlen, die vertikal als Raumteiler in den Eingangsbereich gestellt wurden, lassen den Besucher wie durch eine Baumstruktur in den Raum kommen. Die großzügige, offene Anlage der Räume bieten dem Outdoor-Fotografen viele Möglichkeiten, die von Reisen mitgebrachten Exponate auszustellen, besonders die in eine Restfläche des neuen Treppenaufganges gesetzte Vitrinenwand. Alles in allem eine gelungene Sanierung: Wie eine leichte Klammer umschließen die in Holzrahmenbauweise errichteten Erweiterungen mit der ebenfalls neu eingefassten Garage den massiven Bestand des Einfamilienhauses aus den 1970er-Jahren. mat

Büro A R C H I T E K T U R B Ü R O S T U D I O B2 , N I E D E R S AC H S E N  / Haus N I E D E R S AC H S E N  

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Als im Frühjahr 2012 ein junges Bauherrenpaar beschloss, seinen Lebensmittelpunkt von Berlin aufs Land zu verlegen, begann für das Büro 2D+ Architekten ein spannendes, aber nicht ganz einfaches Projekt: Mit der Idee des Umzugs waren auch ganz spezifische Wünsche an den Umbau bei Wandlitz verbunden: Platz und Komfort sollte das neue Heim bieten – und noch dazu energieeffizient und möglichst kostengünstig gebaut werden. Doch das Gartengrundstück, bisher von den Bauherren nur als Sommerresidenz genutzt, erlaubte eine Bebauung mit maximal 100 Quadratmetern. Den Architekten erschien die Aufgabe zunächst unlösbar. Wie sollte es möglich sein, die Großzügigkeit und Offenheit einer weitläufigen Berliner Stadtwohnung auf einer so kleinen Fläche ohne Einschränkungen bei Komfort und Ausstattung zu realisieren? Die Lösung fand sich in der engen Verbindung von Architektur und Innenausbau: einem „Wohnmöbel”, das auf 78 Quadratmetern einen Wohnbereich mit drehbarem Kamin und vollwertiger Einbauküche, einen Wellnessbereich mit Sauna und einen Schlafbereich vereint. Der Idee des Wohnmöbels folgen auch die Einbauschränke, die – hinter hölzernen Wandpaneelen verborgen – genug Stauraum bieten. Großflächige Verglasungen auf den Längsseiten des Hauses schaffen eine Verbindung zwischen den Innenräumen, den vorgelagerten Terrassen und dem Garten. Im Sommer erweitert sich so der Wohnraum durch Öffnung der dreiteiligen Hebe-Schiebe-Anlage auf die Terrassen und Gartenbereiche. Die Idee der Reduktion, verbunden mit der sinnvollen und schonenden Nutzung von Ressourcen, übertrugen die Architekten auch auf die Konstruktionsweise des Hauses: Unter Verwendung heimischer Hölzer und natürlicher

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Halb Haus, halb Möbel Architektur 2D+ Architekten Web www.2dplus.com Objekt Haus Wandlitz Kategorie Neubau Fassadenmaterial Lärche, vorvergraut Adresse Wandlitz Bauherr Privat Planungsbeginn 4/2012 Fertigstellung 5/2014 Nutzfläche 78 m² bzw. 152 m² (inkl. Terrassen und Schuppen) Kosten € 301.000 (brutto, inkl. Einbauten und Ausstattung) Auszeichnungen Anerkennung Deutscher Holzbaupreis 2015, Brandenburgischer Baukulturpreis 2015, Häuser des Jahres Award 2015, Häuser Award 2016 Fotos Karel Kuehne, Michael Bölling

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Büro 2 D+ A R C H I T E K T E N , B E R L I N  /  Haus B E R L I N

Dämmstoffe wurde das Haus in Holzständerbauweise errichtet und mit einer vorvergrauten, naturbelassenen Lärchenholzschalung verkleidet. Auch die vorgelagerten Terrassen folgen der Idee einer sinnvollen Ressourcennutzung. Im Winter reduziert sich das Haus auf seine wesentliche Funktion, und das zu beheizende Volumen ist minimiert. Sobald es die Temperaturen zulassen, erweitert sich der Wohnraum nach außen, und die Terrassen ergänzen den Wohnraum als wettergeschützte Pufferzonen. Im Außenraum blieb durch die reduzierte Grundfläche ein Großteil des Baumbestandes erhalten, insbesondere die markante märkische Kiefer, die der Bauherr in seiner Kindheit selber gepflanzt hat. Nach neunmonatiger Bauzeit war das Unmögliche geschafft. Ein Prototyp des neuen Wohnens. Halb Haus, halb Möbel, das auf knapp 80 Quadratmeter Wohnfläche alle Annehmlichkeiten des modernen Lebens vereint – ein „erschwinglicher Luxus“, wie die Architekten sagen. map

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Weitere Bücher, Editionen und vieles mehr: / For more books, editions and much more, just visit: www.vfmk.org

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Besser könnte die Lage nicht sein: direkt am Bodensee, noch dazu mit eigenem Zugang zum See. Allein das Grundstück, das in Fachmedien mit dem Attribut „Premium“ ausgezeichnet wurde, lädt zum Träumen ein. Dazu kommt ein Haus, das diesem einzigartigen Stück Erde Rechnung trägt. Verantwortlich für dieses Zusammenspiel aus Natur, Moderne und Zuhause sind die Architekten Biehler Weith. Die Idee war, auf dem schmalen Grundstück ein Gebäudeensemble aus drei polygonalen Baukörpern zu errichten, das mit der gegebenen Landschaft spielt und sie in Szene setzt, erklären die Architekten. Da man das Grundstück über den gefassten Südhof zwischen den Gebäuden betritt, wird man gleich beim Hauseingang mit einem wunderschönen Blick auf den Bodensee begrüßt. Und nicht nur der Weg zum Haus, auch die Gebäudehülle selbst sorgt dafür, dass die Umgebung nicht aus dem Auge verloren wird: Die Aluminiumverbundplatten auf dem Dach und der Fassade ziehen sich wie eine Haut komplett über alle drei Gebäudeteile und bilden geometrische Formen. Diese Konstruktion sorgt von außen betrachtet nicht nur für interessante Spiegelungen; auch der Farbton des Hauses lässt jeden Besucher kurz innehalten: Ist es golden? Grün? Oder doch beige? Tatsächlich lässt sich der Farbton des Hauses nicht genau bestimmen und variiert je nach Tages- und Lichtverlauf. Das Farbspektrum der Fassade wurde bewusst so gewählt, damit sich das Gebäude – trotz großzügigen Verglasungen und auffälliger geometrischer Form – problemlos in die Landschaft einfügt, erklären die Architekten. Schließlich soll sich das Gebäude harmonisch in die umliegende Umgebung einfügen und ein Teil der Landschaft werden. Und nicht umgekehrt. map

91 Architektur Biehler Weith Associated Web www.biehler-weith.de Objekt Villa am Bodensee Kategorie Neubau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Alucobond / Fa. Wittenauer Adresse am Bodensee Bauherr Privat Planungsbeginn 2012 Fertigstellung 2014 Nutzfläche k. A. Kosten k. A. Fotos Brigida González

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ANDREAS ROST Der unbekannte / The unknown / L’inconnu

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Oscar Niemeyer in Algiers

Die von Oscar Niemeyer geplante Universitätsanlage in Algier – seit 1975 in Betrieb – ist selbst unter Architekturfachleuten kaum bekannt. Vom brasilianischen Präsidenten Houari Boumediene beauftragt, sollte dieser Baukomplex kurze Zeit nach dem Sieg über den Kolonialismus die Zukunftsvisionen eines neuen, freien Lebens verkörpern: THE GREAT GESTURE. Andreas Rost spürt mit seinem Fotoprojekt dem Genius Loci dieser Illusion aus Stein und Beton nach. Seine Bilder sind poetische und formstarke Annäherungen an die Gegenwart der Geschichte und zugleich autonome Werke künstlerischer Fotografie.

DESIGN DETAILS

Sarah Thußbas TEXTE Matthias Flügge, Sebastian Redecke SPRACHE German / English / French Klappenbroschur, 21 x 23 cm, 164 Seiten, 73 Abb. in Farbe Euro 30,– ISBN 978-3-86984-559-3


Fotos stehen am Anfang, wenn es nach Laura Jahnke geht. Nicht nur ein Foto, ein Haufen Fotos, wobei das Entscheidende ist: Was auf den Bildern zu sehen ist, muss gefallen; den Bauherren nämlich. Architektin Jahnke bittet ihre Bauherren, sie mit solchen Bildern zu versorgen: „Wir wollen erkennen, was der Bauherr wirklich mag. Eher klassisch elegant? Welche Farben, welche Haptik?“, sagt sie. Ohne dieses Hilfsmittel bliebe die Bandbreite der Geschmäcker zu unübersichtlich. Die intensive Auseinandersetzung mit Geschmack und Stil hat sich auch beim „Haus Kö“ im idyllischen Hamburger Stadtteil Wellingsbüttel bezahlt gemacht. „Sie waren sehr jung und modern, in der Grundhaltung klassisch“, beschreibt die Architektin den Geschmack der Bauherren. Jahnke plante und betreute die Sanierung und Erweiterung ihres Hauses aus dem Jahr 1968. Es liegt im Grünen, von Villen und Einfamilienhäusern umgeben, und erinnerte Jahnke an die klassische Moderne und Adolf Loos. Ein Haus mit guten Elementen, das aber der Architekt nicht zu Ende gedacht hatte, so ihr Eindruck. „Wir mussten nicht mit Riesenehrfurcht an das Projekt herangehen“, sagt sie, „es war nicht elegant, es war nicht großzügig.“ Genau diese Eleganz und Großzügigkeit sollten in das Bauwerk einziehen – und spiegelt nun der Eingangsbereich besonders wider, der komplett neu gestaltet wurde und den Villencharakter unterstreicht. Der Architektin war es darüber hinaus wichtig, dem Draußen genauso viel Bedeutung beizumessen wie dem Drinnen und der Frage nachzugehen: Wie lassen sich beide Bereiche verbinden? Dies gelang mit der Materialwahl für den Bodenbelag. Der Travertin-Stein zieht sich bis in den Wohnbereich durch. Und eine Glasfassade mit übergroßer Schiebetür verbindet Garten und Wohnzimmer. Den Hauptakzent im Wohnbereich bildet allerdings die freistehende Treppe. Deren eindrucksvolle Wirkung wird wohl dazu führen, dass zukünftige Bauherren mit einem Foto der Treppe ins Büro von Laura Jahnke kommen werden und den Worten: „Das will ich auch.“ mak

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Architektur MRLV Architekten (Mirjana Markovic, Aleksandar Ronai, Manfred Voss) Web www.mrlv.de Objekt Strandhaus K Kategorie Neubau Fassadenmaterial Naturstein Schiefer Adresse Hamburg-Blankenese Bauherr Privat Planungsbeginn 1/2003 Fertigstellung 2/2005 Nutzfläche 220 m² Kosten € 1,12 Mio. (brutto) Fotos Klaus Frahm

Ein helles Haus sollte es werden. Mit diesem ersten Wunsch kam das Ehepaar K. in das Büro der Hamburger Architektin Mirjana Markovic. Aber auch mit Kompromissbereitschaft und dem Anliegen, dass das Haus eine Handschrift tragen solle. Mehr Vorgaben gab es nicht. Die K.s hatten sich ein kleines Hanggrundstück mit Blick auf die Elbe in Blankenese am westlichen Hamburger Stadtrand gekauft, um dort ihre Altersresidenz errichten zu lassen. Auf dem Grundstück befand sich ein Strandhaus aus den 1960erJahren. Der Freitagnachmittag wurde für mehrere Wochen zum Jour fixe im Büro der MRLV Architekten mit Mirjana Markovic. Sie erinnert sich mit Freude an die Arbeit mit den engagierten Bauherren zurück. Der Architektin schwebte von Anfang an ein moderner Bau vor. Kein leichtes Unterfangen, denn im klassizistisch und vom Heimatstil geprägten Blankenese gibt es klare Vorstellungen, was und wie gebaut werden soll. Ein starker Bürgerverein wacht über die Einhaltung der nicht förmlich festgelegten Vorgaben. Die unmittelbaren Nachbarn fanden aber Gefallen an Markovics Entwürfen. Vom ursprünglichen Gebäude blieben nur noch Stützen, der Grundriss und eine Hangwand übrig. Die gewünschte Handschrift wird bei der Materialwahl sichtbar. „Es ist ein Haus wie aus einem Guss“, sagt die Architektin. Der grün-graue Schieferstein wurde zum wichtigsten Baustoff. Im Garten liegt er als Bruchstein. Die Fassade wurde mit Schiefersteinplatten verkleidet, und das Gartengeschoss und die Badezimmer bestehen im Wesentlichen aus poliertem Schiefer. Der anfäng-

Looslassen Treppenhaus mit Elbblick

92 Architektur Laura Jahnke Architekten Web www.laurajahnke.de Objekt Wohnhaus Kö Kategorie Neubau, Erweiterung + Umbau Fassadenmaterial  Porenbeton mit Mineralfaserputz Adresse HamburgWellingsbüttel Bauherren k. A. Planungsbeginn 2009 Fertigstellung 2010 Nutzfläche 290 m² Kosten k. A. Fotos Hagen Stier

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Büro L AU R A JA H N K E A R C H I T E K T E N , H A M B U R G  /  Haus H A M B U R G

liche Wunsch nach einem hellen Haus musste also aufgegeben werden. „Weißer Stein wäre mit der Zeit grün geworden, das ging nicht“, erklärt Markovic. Das Ehepaar K. ließ sich leicht überzeugen. Als Kontrast zum dunklen Gestein wurde das Haus mit großzügigen Fensterflächen ausgestattet, bietet sich doch nach drei Himmelsrichtungen ein Ausblick auf die Elbe. Als die erwachsenen Kinder des Ehepaars K. die Baustelle zum ersten Mal besuchten, schnauften sie nicht schlecht. Das Bauwerk ist nur über mehrere Dutzend Treppen zu erreichen. Architektin Markovic erinnerte sich schließlich an ihren letzten Schweizaufenthalt, bei dem sie einen Almlift sah. Ein solcher erschien ihr auch für den Hang zum Haus der K.s perfekt geeignet, für nicht mehr ganz so junge Bauherren und Gäste gleichermaßen. mak

Büro M R LV A R C H I T E K T E N , H A M B U R G  /  Haus H A M B U R G 

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WHITE CUBE EINMAL HOCH Architektur Kraus Schönberg Architekten Web www.kraus-schoenberg.com Objekt Haus W Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Douglasienschalung Adresse Wohldorf-Ohlstedt Bauherr Privat Planungsbeginn 8/2006 Fertigstellung 12/2007 Nutzfläche 125 m² Kosten € 285.000,– Auszeichnung Deutscher Holzbaupreis 2009 Fotos Ioana Marinescu / www.ionanamarinescu.com

Mit einer Höhle assoziiert man in der Regel keine besonders wohnlichen Eigenschaften. Die beiden Architekten Timm Schönberg und Tobias Kraus haben es geschafft, eine Wohnhöhle in die Walddörfer der Hamburger Vorstadt zu bauen. „Es ist uns gelungen, eine ganz besondere Stimmung zu schaffen. Es hat etwas Höhlenartiges, ohne beklemmend zu wirken“, beschreibt Timm Schönberg das Ergebnis seiner Planung. Auch die Bewohner sind hoch zufrieden. Deren Familienstruktur nahmen die Architekten als Anlass, um das Spannungsverhältnis zwischen Gemeinschaft und Individualität auszuloten. Eine Patchwork-Familie braucht eine gute Mischung aus beidem, um funktionieren zu können. Dazu kam die baurechtliche Vorgabe, dass auf diesem Grundstück nur eingeschossig mit Dach gebaut werden darf. Dem stand der Wunsch der Bauherren nach zwei Vollgeschossen gegenüber. Die Lösung: Der Gemeinschaftsraum mit Küche und Wohnzimmer wurde tiefer gelegt, ragt nur 1,40 Meter über die Grasnarbe und gilt daher baurechtlich als Keller. Um den Raum ausreichend mit Tageslicht zu versorgen, wurden alle Seiten des Untergeschosses verglast. Außerdem ermöglichen die Fenster einen Blick auf den angrenzenden Wald. „Da kommen sogar Marder und Igel und gucken hinein“, erzählt Schönberg. Das Atrium mit einer Raumhöhe von sechs Metern bildet den Kern des Hauses und ist ein weiterer Tageslichtspender. Alle Schlafräume bieten einen Blick hinein und lassen sich mit Rollläden abgrenzen. Durch die unterschiedlichen Höhen der Schlafräume hängen diese wie Stalaktiten von der Decke in den Gemeinschaftsraum.

Zwischen den Räumen wurden bewusst kleine Barrieren in Form von Treppen geschaffen, um die einzelnen Elemente auf Distanz zu halten. Das „Haus W“ fand auch aufgrund seiner ausgeklügelten Statik weltweit Anklang bei der Fachwelt. Ingenieur Werner Sobek plante ein Holztragwerk, das auf einbetonierten Rundstützen steht. Die „Frankfurter Allgemeine“ schrieb anerkennend zu dem Projekt: „Es gibt sie doch, die neue deutsche Architektur.“ mak

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Büro K R AU S S C H Ö N B E R G A R C H I T E K T E N , B A D E N - W Ü R T T E M B E R G & H A M B U R G  / Haus H A M B U R G

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Büro K R AU S S C H Ö N B E R G A R C H I T E K T E N , B A D E N - W Ü R T T E M B E R G & H A M B U R G  /  Haus H A M B U R G 

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Das Haus, das der Berliner Architekt Andreas Gehrke für eine junge Familie aus Neubrandenburg umgebaut und erweitert hat, erzählt eine Geschichte, die bis in die 1930er-Jahre zurückreicht. 1937 wurde das Gebäude in einer Siedlung im Nordosten der Stadt gebaut. Die Besitzer erweiterten den einfachen Ziegelbau mit Satteldach gleich nach dem Zweiten Weltkrieg nach hinten. Später kam noch eine Garage als Begrenzung nach Westen hinzu. Auch ein Stück DDR-Geschichte steckt in diesem Bauwerk: In den 1970ern wurde die Lücke zwischen Garage und Haupthaus mit einem verklinkerten Flachbau ausgefüllt. Dieser besteht aus Elementen, wie sie auch für den Plattenbautyp WBS 70 (Wohnbauserie 70) verwendet wurden. In der Oststadt von Neubrandenburg wurde der erste WBS-70-Block der DDR erbaut. 2008 war Andreas Gehrke an der Reihe, die Geschichte des Hauses weiterzuschreiben. Die Bauherren wünschten sich eine Verdoppelung der Wohnfläche des ursprünglichen Gebäudes. Gehrke plante ein zweites Geschoss samt Flachdach, mit dem das örtliche Stadtbauamt wenig Freude hatte. Es folgten intensive Verhandlungen mit der Baubehörde, da es auch Bedenken wegen des Brandschutzes gab. Schließlich bot Gehrke an, den typischen Giebel des Satteldachs zu erhalten, und es konnte ein Kompromiss gefunden werden. Der Faktor Geld spielte eine wichtige Rolle. Durch geschickte Planung und das fleißige Handanlegen der Bauherren in der Bauphase konnte das begrenzte Budget eingehalten und auch die Erdwärmesonden

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finanziert werden. Durch die effiziente Energieversorgung unterschreitet der Neubau die geforderten Standards der Energieeinsparverordnung um die Hälfte. Es gab aber Nachbarn, die bis zum Schluss von diesem Baustil nicht überzeugt werden konnten. „Manche Passanten sagten, es sehe aus wie ein UFO“, erinnert sich Gehrke. Die anfangs skeptische Chefin des Stadtbauamtes meinte hingegen zufrieden, dies sei ein gutes Beispiel, wie sich solche Reihenhaussiedlungen durch Umbauten modernisieren ließen, und sie hoffe auf Nachahmer. mak

Architektur andreas gehrke . architekt Web www.andreasgehrke.com Objekt Haus V Kategorie Neubau, Umbau Adresse Neubrandenburg Bauherr Privat Planungsbeginn 2008 Fertigstellung 2009 Nutzfläche 130 m² Kosten € 134.000,– Fotos Florian Profitlich

Faktor Giebel

Man wird meistens erst dann ein Haus errichten, wenn man lange genug davon geträumt hat.

Romana Prinoth Fornwagner 162 

Büro A N D R E A S G E H R K E . A R C H I T E K T, B E R L I N  /  Haus M E C K L E N B U R G -VO R P O M M E R N


Es gibt zwei Möglichkeiten, mit behördlichen Vorgaben umzugehen, wenn man sie nicht einfach brav befolgen will. Entweder man geht den harten Weg und lehnt sich dagegen auf, oder aber man setzt sich kreativ mit den Richtlinien auseinander und nimmt sie als Inspiration und Ansporn. So sahen die Architekten von Meixner Schlüter Wendt auch die Auflage, dass das neue Wohnhaus in Kronberg im Taunus ein Satteldach haben musste, mehr als Herausforderung denn als Hindernis. „Aus den individuell ausgeformten Dächern der historischen und aktuellen Bebauung in der Umgebung und der behördlichen Vorgabe ergab sich eine interessante Auseinandersetzung mit dem Thema.“ Aus der amtlichen Notwendigkeit machten die Architekten einen der drei Hauptpfeiler ihres Projekts,

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als da sind: ein besonderes Erdgeschoss, das in die Obstwiese eingebettete „Gartengeschoss“ und eben das ausladende Dach als Krönung des Ganzen. Besonders knifflig war die Errichtung des Vordachs, das motorisch drehbar und stufenlos zwischen maximalem Schatten und freier Sicht auf den Himmel verstellbar ist. Das unter dem Satteldach liegende Gartengeschoss ist komplett verglast und auf diese Weise ebenerdig zur Obstwiese hin offen. Unter dem Gartengeschoss befindet sich das Erdgeschoss, wobei der Name hier irreführend ist, weil das Erdgeschoss vollständig in die Erde eingegraben ist und somit eigentlich der Keller sein müsste. Alles in allem also ein gewagtes Projekt, das nicht umsonst sowohl die Neugier als auch den Argwohn der Anrainer auf sich zog. Auch bei diesem Projekt zeigte sich wieder, wie wichtig und angenehm es für Architekten ist, mit Bauherren zusammenzuarbeiten, die sich von Ideen begeistern lassen. Bei der – nicht immer leichten – Umsetzung standen die Bauherren bis zuletzt voll hinter ihren Architekten. val

Sattel Fest

im Architektur Meixner Schlüter Wendt Architekten (Claudia Meixner, Florian Schlüter, Martin Wendt, Georg Kratzenstein) Web www.meixner-schlueter-wendt.de Objekt Haus F Kategorie Neubau Fassadenmaterial Alucubond Adresse Kronberg im Taunus Bauherr Privat Planungsbeginn 2005 Fertigstellung 2007 Nutzfläche 300 m² Kosten k. A. Auszeichnung World Architecture Festival 2008 (Shortlist für World Building of the Year – „Private Houses“) Fotos Christoph Kraneburg

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Büro M E I X N E R S C H L Ü T E R W E N D T A R C H I T E K T E N , H E S S E N  /  Haus H E S S E N

Büro M E I X N E R S C H L Ü T E R W E N D T A R C H I T E K T E N , H E S S E N  / Haus H E S S E N 

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Wer ein Haus am See baut, der will vor allem eines: einen guten Blick ins und aufs Blaue. Schwierig wird das vor allem dann, wenn nicht eine, sondern gleich drei Familien in dem Haus wohnen und die Aussicht genießen wollen. Im Fall des „Mehrgenerationenhauses“ am Ammersee konnte Architekt Daniel Boos diesen Wunsch aber glücklicherweise leicht erfüllen: „Es war nicht besonders schwierig, da die Örtlichkeit in jeder Hinsicht zwar immer wieder andere, jedoch gleichwertig interessante Ausblicke gewährt.“ Ein bisschen Inszenierung war dennoch nötig – und so wurden die Fassadenfronten großzügig mit Schiebefenstern verglast. Die Innenräume wiederum sind offen gestaltet, damit keine Wand, keine Ecke, kein überflüssiges Interieur die Sicht von innen nach außen verstellt. Außerdem verpasste der Architekt dem Haus am Ufer des Ammersees eine spezielle Form: ein parallel verschobenes Rechteck. Durch den „Knick“ im Grundriss schuf der Architekt nicht nur ein Haus, das von außen betrachtet fast

schon wie eine Skulptur aussieht. Durch ihn nimmt das Haus auch wie selbstverständlich die Achsen der natürlichen Umgebung auf und schafft dadurch neue Blickbeziehungen. Die fibreC-Fassade aus Glasfaserbeton in Silbergrau verstärkt den monolithischen Charakter des Hauses. Man habe sich für dieses spezielle Fassadenmaterial von Rieder entschieden, weil „die Haptik und Materialität des Baustoffs einmalig auf dem Markt sind, besonders im Zusammenspiel mit den Sichtbetonflächen“, sagt Boos. Das Thema „Mehrgenerationenhaus“ griff der Architekt aber nicht nur über die Kubatur, sondern auch über die Außenflächen auf: Mehrere Terrassen ermöglichen vor- und rückseitig sowie auf dem Dach weitere Perspektiven und Rückzugsmöglichkeiten. Das Haus am Ammersee ermöglicht damit tatsächlich fast aus jedem Winkel einen hervorragenden Blick auf den Ammersee – für alle Bewohner. map

SILBERRÜCKEN Titus Bernhard Architekten BDA, Augsburg

öko skin Betonfassade | Fassadenlatten aus Glasfaserbeton

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Büro B O O S A R C H I T E K T E N , B AY E R N  / Haus B AY E R N

| Kein Abschleifen oder Streichen Architektur boosarchitekten (Daniel Boos) Web www.boos-architekten.de Objekt Mehrgenerationenhaus am Ammersee Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus Fassadenmaterial fibreC-Fassade, Silbergrau MA Adresse München Bauherr Privat Planungsbeginn 1/2012 Fertigstellung 7/2014 Nutzfläche 380 m² Kosten k. A. Fotos Ditz Fejer

| Brandschutzklasse A1 - nicht brennbar | Lebendiges Farbspiel an der Fassade www.rieder.cc


A DV ERTO R I A L

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100 x Design

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In einer ruhigen Wohngegend im Aachener Südviertel steht zwischen Ein- und Mehrfamilienhäusern und hinter hohen Hecken ein weißes Haus mit einem auffälligen Holzaufbau. Auffällig, weil ein Teil des Aufbaus über die Kante hervorragt – als hätte jemand das Obergeschoss nachträglich vorsichtig aufgesetzt und dann ein bisschen zur Seite geschoben. Dahinter steckt das Team vom Büro kadawittfeldarchitektur. Bis 2007 stand hier ein gewöhnliches, in den 1950er-Jahren erbautes Wohnhaus, erklären die Architekten. Es war bereits einmal renoviert worden, doch die Bewohner, eine vierköpfige Familie, benötigten nach und nach mehr Platz und beauftragten das Architektur-büro mit dem Umbau. Dabei gab es bei Planungsbeginn mehrere Ansätze – unter anderem auch einen Pavillon-Anbau im Garten. Am Ende entschieden sich die Bauherren für den Dachausbau mit Weitblick. Die Idee war, eine zusätzliche Etage zu schaffen, wo sich die Eltern zurückziehen und die landschaftlich wunderschöne und ruhige Wohngegend betrachten können. Der Eindruck, dass jemand den Aufbau nachträglich wie einen Hut aufgesetzt hätte, ist dabei gar nicht mal so weit hergeholt: Tatsächlich wurde

beim Umbau der vollständig vorgefertigte Dachaufbau in Holzrahmenbauweise auf die bestehende Struktur montiert. Ein riesiger Kran hob die vorgefertigten Teile hoch. Stück für Stück wurden diese dann in Millimeterarbeit direkt auf dem Dach montiert. Dabei war der Umbau bei „laufendem Betrieb“ eine der größten Herausforderungen bei diesem Projekt, heißt es bei kadawittfeldarchitektur. Doch der Aufwand hat sich gelohnt: Mit seiner spezifischen, auf sein Umfeld reagierenden Formgebung passt der Aufbau auf die bestehende Struktur des Bestands – eben wie ein maßgefertigter Hut auf den Kopf seines Trägers. Sogar der WDR berichtete über den Dachgeschossumbau, der mit seinem eigenständigen Charakter in Material und Formgebung Vorbild für den Umgang mit vergleichbarer Bausubstanz sein könnte. map

Seit Jahren schießen „Design Shopping Events“ wie Pilze aus dem Boden. Leider ist nicht immer drin, was drauf steht: Allzu oft wird Design schlicht als Handgemacht übersetzt, Gestaltungsqualität ist Nebensache. Anders bei der blickfang, die sich mit jährlich sechs Standorten, 700 ausstellenden Designern, 90.000 Besuchern und einem eigenen Onlineshop die größte Designverkaufsmesse im deutschsprachigen Europa etabliert hat.

Architektur kadawittfeldarchitektur Web www.kadawittfeldarchitektur.de Objekt Loft L Kategorie Umbau, Holzbau Fassadenfirma Barthel Korr GmbH Adresse Aachen Bauherr Privat Planungsbeginn 2007 Fertigstellung 2007 Nutzfläche 68 m² (Bruttogeschossfläche) Kosten k. A. Fotos Angelo Kaunat

Büro K A DAW I T T F E L DA R C H I T E K T U R , N O R D R H E I N - W E S T FA L E N  /  Haus N O R D R H E I N - W E S T FA L E N

www.blickfang-onlineshop.com findet die Messe zudem rund ums Jahr im Netz Erweiterung. Tatsächlich steht auf blickfang-Messen immer der Denker, Macher, Vater des Entwurfs am Stand. Ansprechen ist ausdrücklich erwünscht – damit das passieren kann, was die Macher als „Where design gets personal“ bezeichnen. Da eine Jury dafür sorgt, dass Hobby-Gestaltung gar nicht erst präsentiert werden darf, erwartet ein fein kuratiertes Portfolio den Besucher. Durch das enge Netzwerk in die junge, selbstproduzierende Designszene finden sich durchaus unkonventionelle und weitestgehend unbekannte Entwürfe auf der blickfang – doch im Gegensatz zu vergleichbar konzeptstarken Designfestivals kann der Besucher auf der blickfang alles, was er sieht, auch kaufen.

1 Karaffe und Gläser – Karina Wendt, www.karina-wendt.de 2 Modern Batik I + II – Other Objects, www.otherobjects.de 3 Split Regalsystem – Neuvonfrisch, www.neuvonfrisch.de 4 Satztisch Sosa – Arno Wolf, www.arnowolf.ch 4

www.blickfang.com

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Betritt man eine blickfang, egal in Hamburg oder Wien, Stuttgart oder Zürich, ist der erste Eindruck immer ähnlich: Hippe Menschen flanieren an noch hipperen Ausstellern vorbei; junge Frauen beugen sich tuschelnd über filigrane Schmuckstücke; ein älterer Herr nimmt probeweise auf einem Stuhl Platz. Im Hintergrund summt Musik, und natürlich findet sich irgendwo eine Lounge, die eine Rückzugsmöglichkeit vom Messetrubel bietet, während tätowierte Barkeeper mit Grandeur Frucht- und Gemüsesäfte mixen. Aber Wohlfühlatmosphäre macht noch kein Design. Das passiert erst an den Ständen: In zwischen vier bis 25 Quadratmeter großen Boxen bieten Aussteller ihre Produkte aus den Bereichen Möbel, Leuchten, Tableware, Mode und Schmuck an. Unter

5 Porzellanmanufaktur feinedinge*, www.feinedinge.at 5

blickfang × 100 Häuser 

Die blickfang-Termine: blickfang Wien | MAK | 30 | 31 | 01 Oktober/November 2015 blickfang Hamburg | Deichtorhallen | 13 | 14 | 15 November 2015 blickfang Zürich | Kongresshaus | 20 | 21 | 22 November 2015 blickfang Stuttgart | Liederhalle 11 | 12 | 13 März 2016 blickfang Basel | Messe Basel | 29 | 30 | 01 April/Mai 2016 blickfang München | Frühjahr 2016

Holzlastig

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Objekt Sensor-Backöfen von Bosch Design Robert Sachon für Bosch Web www.sensor-backen.de Kategorie Hausgeräte Ausführungen Vulkan Schwarz, Edelstahl und Polar Weiß Sensortechniken PerfectRoast Bratenthermometer und PerfectBake Backsensor Weitere Objekte der Serie 8 Sensor-Backöfen, Dampfgarer, Kaffee-Vollautomaten Hersteller Robert Bosch Hausgeräte GmbH / www.bosch-home.de Auszeichnungen Vulkan Schwarz: reddot award 2015 best of the best, Interior innovation award 2015 Best of Best, IF Design Award 2015; Edelstahl: reddot award 2015 winner, IF Design Award 2015, German Design Award Winner 2015; Polar Weiß: reddot award 2015 winner, IF Design Award 2015

HEISSE Öfen für coole HÄUSER

Zu einer modernen, individuellen Architektur gehört auch anspruchsvolles und innovatives Design. Nicht nur in der Haustechnik spielt dabei die Digitalisierung eine immer größere Rolle, auch bei Einbaugeräten setzen neue Technologien neue Maßstäbe. Die Einbaugeräte der Serie 8 von Bosch punkten in beiden Kategorien: Design und Innovation. Besonders sind die Geräte nicht nur durch ihre hochwertig verarbeiteten schwarzen Glasfronten, die zu den unverwechselbaren Merkmalen gehören; auch der markante, haptisch einzigartige und besonders intuitive Bedienring fällt auf. Damit haben die Benutzer mit einem Dreh alle Funktionen im Griff. Diese werden übersichtlich und anschaulich auf dem hochauflösenden TFT-Touchdisplay dargestellt, unterstützt von speziellen Bildwelten und einem begleitenden Akustikdesign. „Wir bewegen uns in einer Zeit, die von Themen wie ,Digital Transition’ und ,Simplification’ geprägt ist“, sagt Robert Sachon, Chefdesigner bei der Robert Bosch Hausgeräte GmbH. „Wir nutzen den Trend zur Digitalisierung ganz bewusst, um unsere Geräte immer noch ein bisschen besser zu machen. Besser darf aber niemals komplizierter bedeuten. Im Gegenteil: Wir übersetzen komplexe Technik mithilfe digitaler Komponenten so, dass sie das Leben leichter macht.“ Einfachheit,

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Bosch × 100 Häuser

ab, sobald der optimale Feuchtigkeitsgrad erreicht ist. Das PerfectRoast Bratenthermometer perfektioniert die Zubereitung von Fleisch, Geflügel und Fisch auf den Punkt genau – durch Messung der Kerntemperatur an drei verschiedenen Stellen werden Messfehler vermieden. Eine besonders gleichmäßige Verteilung der warmen Luft im Ofen wird außerdem durch die neu entwickelte 4D Heißluft ermöglicht. Für Furore sorgt auch das Design der Geräte: Die hochwertige Edelstahlblende oder Vollglasblenden in Vulkan Schwarz oder Polar Weiß mit einem Bedienring aus Edelstahl unterstreichen das moderne und wertige Design der Serie 8. Die eleganten Abschlussleisten beim Edelstahlgerät sorgen bei nebeneinander arrangierten Geräten für ein besonders homogenes Erscheinungsbild. Neben den Backöfen bietet die Linie einen intelligenten Kaffee-Vollautomaten, ein leistungsstarkes Mikrowellen-Gerät, Dampfgarer und Wärmeschubladen. Wer gerne einen Dampfgarer hätte, aber der Platz für ein zweites Gerät nicht ausreicht, für den gibt’s den Sensor-Backofen der Serie 8 auch mit einem integrierten vollwertigen Dampfgarer. Die Einbaugeräte bieten, ob nebenoder übereinander eingebaut – eine perfekte Einheit für die moderne Küche – kulinarisch und gestalterisch. bosch

Klarheit und der „Joy of Use“ stehen daher neben Präzision und Qualität im Mittelpunkt. Mit dem Bedienring des Backofens manövriert man einfach und sicher durch die intuitive Menüführung und, wenn gewünscht, durch den Bosch Assist. Wird dieser mit nur wenigen Angaben über das Gericht gefüttert, wählen die Sensor-Backöfen die Zubereitungsart selbstständig aus. Für vollendetes Backen und Braten stehen hier PerfectRoast Bratenthermometer und PerfectBake Backsensor zur Verfügung. Der patentierte PerfectBake Backsensor überwacht zum Beispiel laufend die Feuchtigkeit im Inneren des Backofens und schaltet den Ofen selbsttätig Bosch × 100 Häuser 

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Architektur Bembé Dellinger Architekten Web www.bembe-dellinger.de Objekt Villa N Kategorie Neubau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Sichtbeton /  Baugeschäft Schuster Adresse Bachern Bauherr Privat Planungsbeginn 2008 Fertigstellung 2010 Nutzfläche 231 m² Kosten k. A. Fotos James Silverman

99 Bügelleicht über die Wellen So gut wie jeder Architekt oder Bauherr kann ein Lied singen über die Herausforderungen, die es während der Errichtung eines Hauses zu bewältigen gilt. Für die Bauherren dieses kompromisslos ästhetisch-zeitgenössischen Hauses war die größte Hürde überhaupt, einen Bauplatz zu finden, der ihren Vorstellungen entsprach. „Finden Sie mal ein Grundstück an einem See in Bayern“, so die Hausherrin nicht ohne Zynismus in der Stimme. Und in der Tat: Die großen bayerischen Seen zeichnen sich vor allem durch die meist dichte Bebauung ihres Ufers aus. Dennoch wurde man zunächst fündig: Am Tegernsee fand sich nach eineinhalb Jahren intensiver Suche ein geeignetes Grundstück. Aber auch in Bayern ist das Bauamt die erste Hürde, die es zu nehmen gilt. Mit der Umsetzung der hohen ästhetischen Ansprüche der Bauherrenschaft konnte man sich im Bauamt des Landkreises Miesbach jedenfalls nicht anfreunden. Zeitgenössische Bauten sind nicht erlaubt, ausschließlich traditionelle Architektur kommt überhaupt infrage. Also ging

die Suche weiter, diesmal aber mit dem Augsburger Architekturbüro Bembé Dellinger. Fündig wurde man an einem kleinen See westlich von München. Zur Verfügung stand ein schmales Grundstück auf sehr abschüssigem Gelände, auf dem noch ein kleines Haus stand. Und erst nachdem die Bauherren im Obergeschoss waren, stand die wichtigste Bedingung für den neuen Entwurf fest: der Blick auf den See. „Die Aussicht ist in weiten Teilen spektakulär“, so ein Mitarbeiter von Bembé Dellinger. „Wir haben diese Eigenschaft mit weitauskragenden Balkonbügeln unterstützt. Sie unterstützen wie ein Passepartout die Aussicht in die Ferne und blenden das Umfeld gezielt aus.“ Die spannendsten Bauwerke entstehen mit Konsequenz – und oftmals Durchhaltevermögen – von Bauherren und Architekten gleichermaßen. ras

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Büro B E M B É D E L L I N G E R A R C H I T E K T E N , B AY E R N  /  Haus B AY E R N

Büro B E M B É D E L L I N G E R A R C H I T E K T E N , B AY E R N  /  Haus B AY E R N  

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„Ein kleines Haus“ tauften die Architekten das Projekt, das am Rande eines dorfähnlichen Vorstadtgebietes zwischen Mannheim und Saarbrücken entstand. Dass es wirklich nur ein recht kleines Haus wurde, ist zunächst natürlich den Intentionen und Zielsetzungen der Bauherren geschuldet, wohl aber nicht zuletzt auch der Beschaffenheit des Grundstückes. Denn bei einer Grundstücksbreite von nur 9,50 Metern, die gerade einmal der Länge von zwei hintereinan-

Wenn man uns Architekten konsequent tun ließe, wovon wir träumen, wäre die Welt ein besserer Ort.

KLEINKUNST

dergestellten Mittelklasse-Pkws entspricht, kann nur ein schmales Haus Platz finden. Vor allem die Einhaltung der Abstandsflächen zu den Nachbargrundstücken war eine besondere Herausforderung auf dem ohnehin schon wenigen Raum. Erst die durch den Holzrahmenbau relativ schlanke Außenwand von nur 25 Zentimetern machte es möglich, den schmalen Streifen unter Einhaltung der baurechtlichen Bestimmungen überhaupt zu bebauen. Mit 3,50 Metern ist der Baukörper dann auch aufsehenerregend schmal geraten, mit einer Länge von fast 13 Metern jedoch im Vergleich zur Breite sehr lang. Der Architekt Jonathan Scheder fasst das Objekt recht treffend zusammen, wenn er es als ein „Raumkontinuum mit differenzierten Raumeindrücken, eng und weit, niedrig und hoch, klein und großzügig“ beschreibt. Das Haus stehe „vertraut und gleichwohl fremd in seiner Nachbarschaft“, so der Architekt fast ein wenig sentimental. Und in der Tat kann der Betrachter eine gewisse Ironie spüren, mit der sich das auf Stelzen daherkommende Gebäude seinen Nachbarn selbstbewusst präsentiert. ras

Architektur Architekturbüro Scheder Objekt Ein kleines Haus Kategorie Neubau, Holzbau (auf Stahlskelett) Fassadenmaterial Douglasienschalung, grau gestrichen Adresse Kaiserslautern-Hohenecken Bauherr Privat Planungsbeginn 6/2012 Fertigstellung 5/2014 Nutzfläche 56 m² Wohnfläche + 7 m² zusätzliche Nutzfläche (Technik-Abstellbox) Kosten € 140.000,– Fotos Maja Wirkus / www.maja-wirkus.com

100 Zaha Hadid Büro A R C H I T E K T U R B Ü R O S C H E D E R , R H E I N L A N D - P FA L Z  / Haus R H E I N L A N D - P FA L Z  

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HAUSBESUC H

Zeit man in seinem Zuhause verbringt, und es probehalber mit dem Aufwand bei der Wahl seines Autos oder seiner Kleidung vergleichen – nur um sie nach kurzer Zeit wieder auszutauschen! Last, but not least ist es wie im Leben: Man kann nicht alles haben, und viel Geld hilft auch nicht immer – im Gegenteil: Ich finde diejenigen Lösungen am reizvollsten, bei denen mit einem übersichtlichen Budget unkonventionelle Lösungen gefunden wurden.

Ort und Stellung

„100 Häuser“ stellte 10 Fragen an den Architekten, Kurator und Bauherrn Ulrich Müller. 1. Wie schwierig ist es als Theoretiker, Kurator, ein Haus zu planen – hat man da nicht schon zu viele Bilder im Kopf? Diese Vermutung ist vollkommen richtig, man hat tausend Bilder von wunderbaren Projekten im Kopf. Und da ich das große Glück habe, für die Ausstellungen in meiner Galerie mit den Besten der Besten zusammenarbeiten zu dürfen, sind diese Bilder sehr stark und lassen sich eigentlich nicht übertreffen. Sie können einen jedoch nicht nur verleiten, sondern forcieren zugleich auch eine eindeutige eigene Haltung, die dann schließlich auch eine ganz entgegengesetzte sein kann. Schließlich kommt es ja nicht darauf an, etwas zu kopieren, sondern etwas aus den vielen Lösungen herauszufiltern und Anregungen für eigenständige Lösungen zu finden. In jedem Fall bewundere ich die Architekten jedes Mal aufs Neue, wenn sie mir ihre Projekte vorstellen. Gerade der Bau eines Einfamilienhauses ist die höchste Kunst des Entwerfens. Da ich selbst Architekt bin und lange Jahre entworfen und gebaut habe, kann ich sehr gut nachvollziehen, in welchem Spannungsfeld sich die Architekten und ihre Bauherren bewegen. 2. Haben Sie überlegt, einen Architekten zu engagieren? Als wir das für uns passende Grundstück gefunden hatten, war ich bereits seit fünf Jahren ausschließlich mit der Galerie beschäftigt. Meine ursprüngliche Idee, beide Berufe – also Architekt und Galerist – parallel auszuüben, hat sich leider nicht verwirklichen lassen. Aus diesem Grunde war ich zu diesem Zeitpunkt etwas – wie man so sagt – „aus der Übung“ und habe zunächst darüber nachgedacht, einen Architekten zu engagieren. Außerdem hatte ich tatsächlich die von Ihnen eingangs genannten Bilder im Kopf. Deshalb habe ich zunächst mit Peter Märkli and AFF Architekten gesprochen, die beide sehr aufgeschlossen waren. Am Ende ist es jedoch anders gekommen: Da auf unserem Grundstück ein etwas kompliziertes Baurecht herrschte,

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Architektur Galerie Berlin

musste ich selbst zahlreiche Überlegungen anstellen, wie es überhaupt zu bebauen war. Dieser Prozess hat schließlich eine derartige Eigendynamik gewonnen, dass ich ihn zu Ende geführt und das Haus selbst entworfen habe.

7. Wie wichtig ist das Einfamilienhaus für die Architekturgeschichte? Wir alle kennen und schätzen die herausragenden Beispiele der jüngeren Architekturgeschichte: Adolf Loos hat mit seinem „Haus Müller“ den Raumplan zelebriert, Le Corbusier mit der „Villa Savoye“ eine echte Stilikone erschaffen. In Berlin gibt es mit dem „Haus Lemke“ von Mies van der Rohe sein letztes Wohnhaus, das Bescheidenheit und Großzügigkeit in einzigartiger Weise verbindet. Und in den 1990ern waren es die Einfamilienhäuser von Peter Märkli, die eine ganze Generation von Architekten beeinflusst haben und es immer noch tun – weg vom Chic und Hochglanz, hin zu einer archaisch und rural anmutenden Ästhetik. Dass die genannten Projekte – die Liste ließe sich selbstverständlich noch weiter fortführen – ihrer Zeit derart voraus und schließlich stilprägend waren, hat seinen guten Grund: Die Bauaufgabe des Einfamilienhauses lässt sowohl dem Bauherrn als auch dem Architekten eine enorme Freiheit. Im Idealfall spornen sich beide immer wieder neu an, um bestehende Denkmuster zu überwinden. Diese Freiheit können größere Bauaufgaben aufgrund ihrer gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen naturgemäß nicht bieten.

3. Wie zeitgemäß, in ökologischer Hinsicht, ist es überhaupt, ein Einfamilienhaus zu bauen? Im Prinzip ist die Bauaufgabe des Einfamilienhauses in globaler Hinsicht eine, die überproportional viel Ressourcen in Anspruch nimmt. Dem Wunsch nach individuellem Ausdruck kann man sich jedoch nicht einfach verschließen – er ist ja schließlich auch eine Errungenschaft unserer demokratischen Einstellungen. Deshalb kann man nicht nur Mehrfamilienhäuser mit möglichst wenig Außenwandfläche verordnen. Umso wichtiger ist es, dass man versucht, Ökonomie und Ökologie in Einklang zu bringen. Das beginnt bereits beim Entwurf, der die sinnvolle Ausrichtung der Räume festlegt, geht über die Verwendung möglichst umweltverträglicher Materialien und endet bei der Nutzung der technischen Möglichkeiten zur Minimierung des Energieverbrauchs. Hierbei kommt es darauf an, dem Bauherrn zu vermitteln, dass die eventuell dafür entstehenden Mehrkosten immer gut angelegtes Geld sind. 4. Nach der eigenen Erfahrung – was würden Sie anders machen? Wir hatten das große Glück, viel Zeit für den Entwurf zu haben. Zusätzlich habe ich mich immer wieder mit befreundeten Kollegen ausgetauscht: Sie haben mir von ihren Erfahrungen berichtet und mich vor allem in technischen Punkten beraten. Darüber hinaus haben wir uns viele Beispiele angesehen. Denn trotzdem ich das Haus für meine Frau und mich entworfen habe, gab es doch die „klassische“ Teilung der Interessen: Während meine Frau berechtigterweise akribisch auf die Funktionalität geachtet hat, richtete sich mein Fokus stark auf die ästhetischen Eigenschaften. Das geduldige Abwägen hat am Ende dazu beigetragen, dass wir auch nach fünf Jahren des Bewohnens eigentlich noch sagen können: Es gibt keine Änderungswünsche! 5. Was würden Sie anderen Bauherren, die sich ein Haus bauen wollen, mit auf den Weg geben? Diese Frage muss man auf mehreren Ebenen betrachten: Zunächst einmal würde ich jedem potenziellen Bauherrn empfehlen, mit einem Architekten zu bauen. Auch wenn die meisten dadurch vermutlich mit Ideen konfrontiert werden, die sie bislang noch nicht kannten, werden sie danach ein Leben lang stolz darauf sein, etwas wirklich Einzigartiges bewohnen zu können. Leider gibt es den Irrglauben bzw. das hartnäckige Gerücht, dass ein Architekt ein Projekt verteuert. Das kann natürlich auch passieren, in der Regel ist jedoch das Gegenteil der Fall: Ein guter Architekt verfügt über einen unschätzbaren Erfahrungsvorsprung und kennt die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen am besten. Darüber hinaus ist es wichtig, sich Zeit für so ein Projekt zu nehmen. Man muss immer daran erinnern, wie viel

Fotos: Stefan Müller (linke Seite), Jan Bitter (diese Seite)

Ulrich Müller hat 1999 die Architektur Galerie Berlin gegründet und seitdem bereits über 50 Architekten – vorwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – vorgestellt. In der vielfältigen Berliner Ausstellungsszene versteht sich die Galerie als „Forum für die Auseinandersetzung mit Architektur jenseits einer konventionellen Ausstellungspraxis“. Bei ihm werden vielmehr Ideen, Entwürfe und Bauten in konzeptionellen Ausstellungen gezeigt, bei denen „atmosphärische Assoziationsräume“ im Vordergrund stehen. Zudem hat Ulrich Müller, selbst studierter Architekt, sich 2010 ein Haus in der Nähe von Berlin geplant und gebaut.

6. Was ist Ihr (gebautes) Traumhaus? Aufgrund meines Berufes habe ich wirklich viele wunderbare Beispiele gesehen – Häuser, in denen ich gerne einmal eine Weile leben möchte. Trotzdem kann ich leider nicht mit einer spektakulären Antwort dienen. Ein tolles Appartement in New York City ist genauso das Ergebnis seiner Umstände wie ein umgebautes Bauernhaus auf dem Land, hat also seine beneidenswerten Eigenschaften und auch solche, die man nicht ein ganzes Leben lang um sich haben möchte. Ein „Traumhaus“ würde ich deshalb gerne eher atmosphärisch beschreiben: einfache Materialien, flexibler Grundriss, paritätische Mischung aus solide und experimentell. Jetzt können sich die Leser ihre Gedanken dazu machen …

8. Gibt es eine deutsche Baukultur? Und wie könnte man sie beschreiben? Das ist eine heikle Frage! Wie Sie wissen, beschäftige ich mich seit vielen Jahren besonders mit zeitgenössischer Architektur aus der Schweiz und Österreich. In der Schweiz gibt es – auch aufgrund der sehr soliden Ausbildung an den Architekturschulen sowie der ökonomischen Möglichkeiten – eine herausragende Qualität bei der Baukultur. Die Beispiele aus Österreich wiederum zeigen eine enorme Bandbreite an gestalterischen Experimenten. Das alles ist in Deutschland so nicht der Fall. Hier überwiegen im Zweifelsfall primär ökonomische Überlegungen und ästhetische Angepasstheit. In gewisser Hinsicht entspricht ein Großteil der zeitgenössischen deutschen Architektur exakt dem Bild, das man sich im Ausland von den Deutschen macht. Gerade die Beispiele im vorliegenden Band zeigen jedoch, dass in den letzten Jahren auch hier ein enormes Umdenken stattgefunden hat. Die 100 Einfamilienhäuser zeigen wunderbar, dass die Welt globaler geworden ist. Viele Projekte könnten in dieser Form und Qualität auch in Österreich, der Schweiz oder sonst wo auf der Welt entstanden

sein. Um ehrlich zu sein, bin ich überrascht über die große Anzahl der wirklich herausragenden Häuser, die Sie vorstellen.

9. Sie kommen von der Architektur, Kunst zur Galerie – was macht Architektur – oder wie macht man Architektur – interessant? Die Frage, ob Architektur „interessant“ ist, ist eine des Blickwinkels. Meine Erfahrung ist es, dass „interessant“ oft mit „spektakulär“ verwechselt wird. Das hat natürlich mit der gesellschaftlichen Entwicklung zu tun: Aufgrund der immer schnelleren Informationsströme und ihrer globalen Verfügbarkeit müssen egal welche Nachrichten immer noch „neu“ und „sensationell“ sein, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden. Das Baugeschäft ist aber weder ein schnelles noch ein kurzlebiges. Schon allein deshalb gilt es, darüber nachzudenken. Dass dennoch viel Unreflektiertes, auch in der Szene, passiert, ist auch klar. Oft wird auch einfach nach Bildern gebaut – aus völligem Unverständnis und nach rein modischen Gesichtspunkten. Es kommt jedoch nicht darauf an, jedem Trend hinterherzulaufen, sondern nach eigenen Möglichkeiten zu suchen. Wenn man den Ort, seine Struktur und Geschichte ernst nimmt, die eigenen Bedürfnisse exakt analysiert und den Architekten als reflektierenden Ideengeber und Partner versteht, entsteht automatisch etwas, das interessant ist. 10. Welche Ausstellung hat Sie am meisten inspiriert oder überrascht? Jede Ausstellung hat ihren eigenen Reiz: Immer wieder finden die Architekten wichtige und interessante Themen und entwerfen eine beeindruckende Inszenierung dafür. Manchmal habe ich den Eindruck, dass jeder Architekt die vorangegangene Ausstellung als Messlatte betrachtet, über die er unbedingt springen muss. Was natürlich wunderbar ist … Um trotzdem ein paar Beispiele zu geben, möchte ich stellvertretend vielleicht folgende nennen, die jeweils grundsätzliche Fragen des Entwerfens beleuchtet haben: Die Münchner Architekten bogevischs buero (Bild oben) haben eine den Galerieraum vollständig ausfüllende „walk-in sculpture“ entworfen. Ihre Geometrie und Farbgebung ermöglichten den Besuchern sehr unterschiedliche Raumwahrnehmungen auf engstem Raum. Holzer Kobler Architekturen (Bild Mitte) aus Zürich wiederum haben mittels großformatiger Fotos ihr Büro nach Berlin transferiert, um den Besuchern einen Eindruck von der Arbeitsatmosphäre in ihrem Atelier zu vermitteln. Und die mexikanische Architektin Tatiana Bilbao (Bild unten) hat den Galerieraum in ein Labor der Sinne transformiert. Das Schalungsholz für diese Installation kam direkt von einer ihrer Baustellen. Aber wie gesagt: Ich könnte die Liste noch unendlich weiterführen …

Architektur Galerie Berlin

Karl-Marx-Allee 96 10243 Berlin www.architekturgalerieberlin.de

Seit 2010 gibt die Architektur Galerie Berlin alle zwei Monate den Kalender „AAB – Architektur Ausstellungen Berlin“ heraus. Im Jahr 2012 hat Ulrich Müller die OnlinePlattform „AAD – Architektur Ausstellungen Deutschland“ gegründet – seit 2014 wird diese unter „AEX – Architecture Exhibitions International“ geführt. www.architektur-ausstellungen.de www.architecture-exhibitions.com Architektur Galerie Berlin 

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PRO DU K TE

PRODUKTE „100 Häuser“ präsentiert die Highlights der aktuellen Designwelt. VOGEL-STRAUSS-TAKTIK Verführung im Tanzschritt – Eine Explosion von Farben, inspiriert von Afrika, zeigt die Outdoor-Kollektion BANJOOLI von Designer Sebastian Herkner für Moroso. Die Form des Sessels, insbesondere der Armlehnen, wurde vom Hochzeitstanz angeregt, den der Vogel Strauß („banjooli“ in der Sprache Wolof) vollführt, um das Weibchen zu umwerben. BANJOOLI ist Teil des Projekts M’Afrique, einer Kollektion von Sitzmöbeln, die von Designern initiiert wurden und von afrikanischen Handwerkern aus dem Garn der Fischernetze angefertigt werden. Sofa, Stuhl, Tisch: Die Bespannung der Stahlstrukturen ist in vielen Farben erhältlich und unterschiedlich kombinierbar. So erhält jede Kollektion eine persönliche Note. Die handgefertigten Originale holen – nicht nur atmosphärisch – ein Stück Afrika in Ihren Garten.

www.moroso.it

DIE WAND IM TREND Effektvolles Design in 3D – Die ARSTYL WALL PANELS, das neue Produkt der nmc Deutschland GmbH, liegt derzeit voll im Trend. Die hochwertigen dreidimensionalen Wandpaneele aus Polyurethan bieten eine ideale Basis für kreative Gestaltungslösungen und begeistern Innenarchitekten, Designer und Bauherren gleichermaßen. Die ARSTYL WALL PANELS gibt es in sechs Designvarianten, die gemeinsam mit den beiden international renommierten Designern Michaël Bihain aus Belgien und Martin Boagers aus den Niederlanden entwickelt und bereits mehrfach bei verschiedenen Trend Awards nominiert und ausgezeichnet wurden.

www.nmc-dekowelt.de

EINFACH, ZEITLOS, AUSGEWOGEN Roter Evergreen – Normalität und zeitlose Qualität sind die Grundlage des BOLD-Designs von Patricia Urquiola. Die funktionale Eleganz des Sofas lässt Schönheit in Oberfläche, Details und Ästhetik von BOLD schon jetzt zum „Evergreen“ werden.

www.moroso.it

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PRO DU K TE

PRO DU K TE

FLIEGENDER TEPPICH FÜR TAGTRÄUMER In den großzügigen Gärten traditioneller Herrenhäuser in Iran und Indien gehören mit bunten Kissen gepolsterte Diwane zu den wichtigsten Möbelstücken. Häufig werden sie unter einem schattenspendenden Baum aufgestellt. Inspiriert von diesem Entspannungsort, hat Jan Kath sein erstes Möbelstück entworfen: den DAYDREAMER. Teppiche aus seiner Kollektion „Erased Heritage“ (von Hand geknüpft aus Wolle und Seide) werden zu Matratzen und Kissen in verschiedenen Größen umgearbeitet. Sie sind, nach traditioneller orientalischer Art, mit handgedrehter Rohbaumwolle gefüllt. Das Untergestell aus pulverbeschichtetem Stahl, bespannt mit Rindsleder, hat der Designer in Zusammenarbeit mit den holländischen Möbelspezialisten „Founded“ kreiert. Ziel war es, eine Konstruktion zu entwickeln, die die massive Matratze tragen kann und gleichzeitig leicht und filigran wirkt, sodass es den Anschein hat, das TeppichBett würde schweben.

www.jan-kath.com

NONOTO – EINE DESIGNIKONE Der Massivholzstuhl NONOTO knüpft an die Tradition der großen Klassiker an. Aus allen Richtungen betrachtet ist er zeichenhaft und berührt den Betrachter emotional. Zugleich ist NONOTO ein echter Stuhl. Er ist zum Sitzen gemacht, das heißt, Statik, Gewicht und Langzeit-Sitzkomfort sind in hohem Maß ausgereift. Und schließlich ist NONOTO ein modernes Produktkonzept. Der Stuhl besitzt einen flexiblen Aufbau, er ist vielseitig wandelbar und lässt sich zu einer umfassenden Produktfamilie ausbauen. NONOTO ist unplugged gestaltet, wird jedoch auf modernsten CNC-gesteuerten Fräsmaschinen gefertigt.

www.zeitraum-moebel.de

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PRO DU K TE

PRO DU K TE

SCHWUNGVOLLER LIEBLINGSPLATZ Design, das bewegt – oyo, das neue Premium-Sitzmöbel von aeris, kann wippen, schwingen oder schaukeln. Mit kühnem Schwung bittet der oyo zu Tisch, lässt am Schreibtisch Platz nehmen und macht überall eine gute Figur. Der Sattelstuhl und Freischwinger ist das Ergebnis einer kreativen Zusammenarbeit zwischen aeris und dem vielfach ausgezeichneten Designer Martin Ballendat. Ihr gemeinsames Ziel war die Entwicklung eines Stuhls mit einer spannenden Ästhetik und der unwiderstehlichen Einladung zum Bewegtsitzen. Sitzfläche und Lehne sind organisch aus einem Stück geformt, der Fuß aus glanzverchromtem Stahl passt perfekt zum Design der Schale. So entsteht eine spannende Verbindung zwischen einer sehr schwungvollen Gestaltung und einem Stuhl mit einzigartigen Funktionen. Ob im Konferenzraum, im Loungebereich oder zu Hause – mit seinem zeitlosen, dynamischen Design ergänzt der oyo jeden Einrichtungsstil um einen außergewöhnlichen Blickfang.

www.aeris.de/oyo

FEINSTOFFLICH IN 3D Wandraum aus Stoff – Escher ein einzigartiger Stoff in innovativem 3D-Design. Aus der brandneuen Herbst / Winter-2015-Kollektion Pugin von Designers Guild. Dieser einmalige Stoff wird in einer Ecru-Farbpalette aus reiner Baumwolle gewebt – eine Hommage an die Erkundungen der Unendlickeit des Grafikers und Künstlers Maurits Escher.

www.designersguild.com

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SCHICHTWECHSEL Zeitlos. Tisch und Bank der Wiener Designerin Lisa Weilandt aus der Serie ARCTYPES bestechen durch eine reduzierte Formensprache mit klarer Linienführung. Eine intelligente Kantenlösung ermöglicht die betont schmale Kontur – haptisch und optisch überzeugt die abriebfeste Oberflächenbeschichtung mit Lederfaserstoff, einem Recycling-Produkt aus vegetabil gegerbten Lederresten. Von einer innovativen Möbelwerkstatt aus geölter massiver Eiche gefertigt, setzen ARCTYPES Akzente und definieren die Kombination Tisch und Bank auf höchst elegante und inspirierende Weise neu.

www.arctypes.eu

RICHARD NEUTRA IS BACK! Eine kleine Sensation ist die Wiederentdeckung der NEUTRA-Möbel aus den 1940er-Jahren: Der Architekt und gebürtige Österreicher gelangte mit seinen Villen zu Weltruhm. Er entwarf und produzierte Möbel ausschließlich für seine Bauten und nie in Serie. Dion Neutra – sein Sohn und ebenfalls Architekt in Los Angeles – produziert nun gemeinsam mit VS in Manufaktur in Deutschland ausgewählte Stücke seines Vaters. Erhältlich sind verschiedene Sofas, Sessel, Stühle, Hocker, Tische … in verschiedenen Materialien und Stoffen.

www.vs.de/neutra oben: Cantilever Chair Steel, 1929, Lovell Health House unten: Boomerang Chair, 1951, Logar House

Showroom München: www.kussmannsacher.de

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PRO DU K TE

PRO DU K TE

VON DER SCHÖNHEIT DES ALTERNS Türstationen aus brüniertem Messing – Siedle bietet Türstationen aus brüniertem Messing in den Designlinien Classic und Steel an. Beide zeichnen sich durch klare Gestaltung, hochwertige Materialien und perfekt funktionierende Technik aus. Von Hand brüniertes Messing ist ein lebendes, veränderliches Material. Jede dieser Türstationen entwickelt mit der Zeit ihre eigene, besondere Ästhetik. Wind und Wetter spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Benutzung. Häufig dunkelt das Metall nach und wird homogener; es kann aber auch Spuren des Gebrauchs zeigen und entwickelt so eine authentische Patina. Darin liegt die Schönheit des Alterns – der Prozess hat jedoch keinerlei Einfluss auf die Funktionsfähigkeit und Langlebigkeit der Türstation. Siedle Steel erfüllt darüber hinaus auch besondere individuelle Ansprüche, denn jede Anlage wird als Einzelstück speziell nach Kundenwunsch gefertigt.

www.siedle.de

Flächenbündige Türstation der Designlinie Steel aus brüniertem Messing. Die Zeit und intensive Benutzung haben Spuren in Form einer natürlichen Patina hinterlassen.

ÄSTHETIK, KOMFORT UND FUNKTION ErgoSystem® A100 – Grundidee des ErgoSystems ist die einzigartige diagonale Ausrichtung eines ovalen Griffquerschnittes. Sie folgt konsequent den Gesetzen der Greifergonomie und steht für unerreichten Komfort und sicheren Halt. Die Hand umgreift den elliptischen Querschnitt formschlüssig – mit geringerem Kraftaufwand. ErgoSystem® A100 ist zudem dank variabler Farbkonstellationen individuell auf Interieur und Ambiente abstimmbar. Stützen/statische Bauteile und Handläufe/Griffe sind in ihrer Farbgebung kombinierbar. Sie können in identischer oder unterschiedlicher Farbe ausgeführt werden.

Türstation der Designlinie Classic aus brüniertem Messing und mit einer dazu passenden gravierten Ruftaste.

www.fsb.de

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ARC H ITEK TEN - IN DE X

100 ARCHITEKTEN 100 ADRESSEN BADENWÜRTTEMBERG (se)arch Architekten www.se-arch.de Stuttgart Projekt No. 72  Seite 123 Alexander Brenner Architekten www.alexanderbrenner.de Stuttgart Projekt No. 29  Seite 60 AMUNT www.amunt.info Aachen / Stuttgart Projekt No. 4  Seite 14 Architekturbüro Stocker www.atelier-stocker.de Remshalden Projekt No. 3  Seite 10

berger röcker architekten www.bergerroecker.de Stuttgart Projekt No. 30  Seite 62

bernd zimmermann _architekten www.berndzimmermannarchitekten.de Ludwigsburg Projekt No. 55  Seite 100 Biehler Weith Associated www.biehler-weith.de Konstanz Projekt No. 91  Seite 156 bräuning architekten mit Architekt Christoph Höhne www.braeuning-architekten.de Esslingen Projekt No. 26  Seite 55 COASToffice www.coastoffice.de Stuttgart Projekt No. 58  Seite 105 Fabian Avers Architektur & Wezel Architektur www.fabianevers.com www.wezelarchitektur.de Stuttgart Projekt No. 41  Seite 80 FINCKH ARCHITEKTEN www.finckharchitekten.de Stuttgart Projekt No. 7  Seite 20

Langensteiner Bienhaus Architekten www.ulrichlangensteiner.de Ettlingen Projekt No. 5  Seite 16 MBA/S Matthias Bauer Associates www.mbas.de Stuttgart Projekt No. 20  Seite 48 motorplan Architekten + Stadtplanung www.motorplan.eu Mannheim Projekt No. 53  Seite 97 naumannarchitektur www.naumannarchitektur.de Stuttgart Projekt No. 38  Seite 76 Schneider | Architekten www.schneider architekturbuero.com St. Georgen Projekt No. 67  Seite 117 Thoma.Lay.Buchler. Architekten www.thoma-lay-buchler.de Todtnau / Stuttgart Projekt No. 70  Seite 121

BAYERN Allmann Sattler Wappner Architekten www.allmannsattlerwappner.de München Projekt No. 34  Seite 70 Andreas Petermann Architekt www.andreaspetermann.de Augsburg Projekt No. 12  Seite 30 Bembé Dellinger Architekten www.bembe-dellinger.de Greifenberg Projekt No. 99  Seite 172 boosarchitekten www.boos-architekten.de München Projekt No. 97  Seite 166 Deppisch Architekten www.deppischarchitekten.de Freising Projekt No. 71  Seite 122

fabi architekten www.fabi-architekten.de Regensburg Projekt No. 45  Seite 87 FRIEDRICH POERSCHKE ZWINK Architekten www.fpz-architekten.de München Projekt No. 64  Seite 113 FORMAT ELF ARCHITEKTEN www.formatelf.de Töging am Inn Projekt No. 87  Seite 150 hiendl_schineis architektenpartnerschaft www.hiendlschineis.com Augsburg Projekt No. 8  Seite 22 Katrin Hootz Architektin www.katrinhootz.com München Projekt No. 2  Seite 8

leonardhautum www.leonardhautum.com Berlin / München Projekt No. 54  Seite 98

peter haimerl . architektur www.peterhaimerl.de München Projekt No. 62  Seite 110 Titus Bernhard Architekten www.bernhardarchitekten.com Augsburg Projekt No. 9  Seite 24

BERLIN 2D+ Architekten www.2dplus.com Projekt No. 90  Seite 154 AFF Architekten www.aff-architekten.com Projekt No. 43  Seite 84 AHM Architekten www.ahm-architekten.de Projekt No. 11  Seite 28 andreas gehrke . architekt www.andreasgehrke.de Projekt No. 95  Seite 162 Barkow Leibinger www.barkowleibinger.com Projekt No. 76  Seite 130 Birgit Wessendorf Architekten www.wessendorf-berlin.com Projekt No. 44  Seite 86

ARC H ITEK TEN - IN DE X Brandlhuber+ www.brandlhuber.com Projekt No. 85  Seite 144 brandt + simon architekten www.brandtundsimon.de Projekt No. 28  Seite 58 buchner + wienke architekten www.buchnerundwienke.de Projekt No. 13  Seite 32 Büro für Architektur & Städtebau www.heberle-mayer-de Projekt No. 79  Seite 134 claim www.claimspace.de Projekt No. 15  Seite 40 GRAFT www.graftlab.com Projekt No. 61  Seite 108 HEIDE & VON BECKERATH www.heidevonbeckerath.de Projekt No. 78  Seite 132 Helm Westhaus Architekten www.helmwesthaus.de Projekt No. 49  Seite 92 Hütten & Paläste Architekten www.huettenundpalaeste.de Projekt No. 57  Seite 104 JAN RÖSLER ARCHITEKTEN & S. Rickhoff www.janroesler.de Projekt No. 27  Seite 56 J. MAYER H. www.jmayerh.de Projekt No. 19  Seite 46 Kleine Metz Architekten www.kleinemetz.de Projekt No. 60  Seite 107 Anne Lampen Architekten www.anne-lampen.de Projekt No. 83  Seite 142 LUSINARCHITEKTUR www.lusin-architektur.de Projekt No. 82  Seite 140 Peter Ruge Architekten www.peter-ruge.de Projekt No. 17  Seite 43 PLANPOPP Architektur Stadtplanung www.planpopp.com Projekt No. 52  Seite 96

Ruf + Partner Architekten & AR-BR architecture www.rufpartnerarchitekten.de Projekt No. 23  Seite 52 Thomas Beyer Architekten www.beyerarchitekten.de Projekt No. 59  Seite 106 TKA Thomas Kröger Architekt www.thomaskroeger.net Projekt No. 51  Seite 94 töpfer.bertuleit. architekten www.tb-architekten.de Projekt No. 80  Seite 136

BREMEN as2architektur www.as2-bremen.de Projekt No. 63  Seite 112 baumraum www.baumraum.de Projekt No. 46  Seite 88 Westphal Architekten www.westphalarchitekten.de Projekt No. 39  Seite 78

HAMBURG Kraus Schönberg Architekten www.kraus-schoenberg.com Projekt No. 94  Seite 160 KMT Architekten und Ingenieure www.kmt-ai.de Projekt No. 35  Seite 72 Laura Jahnke Architekten www.laurajahnke.net Projekt No. 92  Seite 158 MRLV Architekten www.mrlv.de Projekt No. 93  Seite 159 sprenger von der lippe Architekten www.sprengervonderlippe.de Projekt No. 74  Seite 126

HESSEN +studio moeve architekten www.moeve-architekten.de Frankfurt am Main Projekt No. 69  Seite 120 Braun & Güth Architekten www.braun-gueth.com Frankfurt am Main Projekt No. 24  Seite 53 CHRIST.CHRIST. associated architects www.christ-christ.cc Wiesbaden Projekt No. 48  Seite 91 cyrus | moser | architekten www.cma-arch.de Frankfurt am Main Projekt No. 86  Seite 148 Franken Architekten www.franken-architekten.de Frankfurt am Main Projekt No. 75  Seite 128 FRITSCH+SCHLÜTER Architekten www.fritsch-schlueter.de Seeheim-Jungenheim Projekt No. 6  Seite 18

NORDRHEINWESTFALEN Andreas Heupel Architekten www.heupel-architekten.de Münster Projekt No. 18  Seite 44 Architekten Spiekermann www.architekten-spiekermann.de Beelen Projekt No. 32  Seite 66 ARCHITEKTEN WANNENMACHER  + MÖLLER www.wannenmacher-moeller.de Bielefeld Projekt No. 66  Seite 116 BeL, Sozietät für Architektur www.bel.cx Köln Projekt No. 33  Seite 68 DANKE Architekten www.danke-architekten.de Mechernich Projekt No. 1  Seite 6 Grüttner Architekten www.gruettner-architekten.de Soest Projekt No. 65  Seite 114

Meixner Schlüter Wendt Architekten www.meixner-schlueter-wendt.de Frankfurt am Main Projekt No. 96  Seite 164

kadawittfeldarchitektur www.kwa.ac Aachen Projekt No. 98  Seite 168

reinhardt_jung www.reinhardtjung.de Frankfurt am Main / Sydney Projekt No. 14  Seite 34

Manuel Herz Architekten www.manuelherz.com Köln / Basel Projekt No. 31  Seite 64

pape+pape architekten www.papeundpape.de Kassel Projekt No. 50  Seite 93

MCKNHM Architects www.mcknhm.com Düsseldorf / San Francisco Projekt No. 36  Seite 73

NIEDERSACHSEN Architekturbüro Studio b2 www.studio-b2.de Brackel Projekt No. 89  Seite 153

Svenja Bodenstedt Architektin www.bod-architektin.de Projekt No. 84  Seite 143

gruppeomp architekten www.gruppeomp.de Hannover / Bremen / Rastede Projekt No. 25  Seite 54

WACKER|ZEIGER| ARCHITEKTEN www.wackerzeiger.de Projekt No. 88  Seite 152

hm-architektur www.hol-meyer.de Groß Munzel Projekt No. 81  Seite 138

Uwe Schröder Architekt www.usarch.de Bonn Projekt No. 22  Seite 51

ARCHITEKTEN STEIN HEMMES WIRTZ www.stein-hemmes-wirtz.de Kassel / Frankfurt Projekt No. 37  Seite 74 Bayer & Strobel Architekten www.bayerundstrobel.de Kaiserslautern Projekt No. 40  Seite 79

SACHSEN Atelier ST www.atelier-st.de Leipzig Projekt No. 21  Seite 50 Irlenbusch von Hantelmann – Architekten www.ih-architekten.de Leipzig Projekt No. 10  Seite 26 ist a r c h i t e k t u r www.istarchitektur.de Dresden Projekt No. 16  Seite 42

SCHLESWIG-HOLSTEIN petersen pörksen partner architekten + stadtplaner www.ppp-architekten.de Lübeck / Hamburg Projekt No. 42  Seite 82

THÜRINGEN gildehaus.reich architekten www.gildehausreich.de Weimar Projekt No. 47  Seite 90 Osterwold°Schmidt EXP!ANDER Architekten www.osterwold-schmidt.de Weimar Projekt No. 56  Seite 102

MECKLENBURG VORPOMMERN

ÖSTERREICH

Möhring Architekten www.moehring-architekten.de Berlin / Born Projekt No. 73  Seite 124

k_m architektur www.k-m-architektur.com Bregenz Projekt No. 77  Seite 131

RHEINLAND PFALZ Architekturbüro Scheder Selzenberg Projekt No. 100  Seite 175

SCHENKER SALVI WEBER ARCHITEKTEN www.sswarchitekten.com Wien Projekt No. 68  Seite 118

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INDEX

*Bei zwei oder mehreren Bürostandorten wurde derjenige gewählt, der näher zum Standort des Hauses liegt. INDEX 

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VE RTRIE BS - U N D Q UALITÄTSPARTN ER

DAS BESTE AN 100 HÄUSERN

Die Leonhard Büro Gestaltung GmbH mit Sitz am Stuttgarter Flughafen bietet einen einzigartigen Standort mit Arbeitswelten von morgen und gehört zu den führenden und innovativsten Büro- und Objekteinrichtern in Südwestdeutschland. Unser Ziel ist die Wertschöpfung im gewerblichen Objekt durch motivierende Arbeitswelten für Teams und einzelne Mitarbeiter sowie durch effizient genutzte Flächen zu erhöhen. WIR BETRACHTEN DEN RAUM ALS STRATEGISCHE RESSOURCE!

www.velux.de

www.architare.de

www.fsb.de

www.zeitraum-moebel.de

www.architonic.com

www.vs.de/neutra

Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln wir für Unternehmen optimale Konzepte. Dazu nutzen wir Begehungen, Workshops und Interviews mit Mitarbeitern. So wird Unternehmenskultur individuell inszeniert – von der Farbgebung und Materialauswahl über Akustik und Raumklima bis hin zur Beleuchtung. Unser Team aus Innenarchitekten, Architekten, Gestaltern, Projektmanagern und Handwerkern arbeitet dabei sehr persönlich und engagiert. TALENTE GESUCHT! Erfolgreich sind die, die dem Wandel vorgreifen können. Veränderungen in Arbeitswelten vorauszusehen ist unsere Leidenschaft. Lösungen dafür zu finden unsere tägliche Aufgabe. Zum Aufbau unserer Abteilung „Know How“ suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt:

www.kellerag.com

www.technopor.com

www.vfmk.org

www.blickfang.com

www.boehmler.de

www.rieder.cc

INNENARCHITEKT/IN, ARCHITEKT/IN IHR AUFGABENGEBIET:

www.leonhard-stuttgart.de

www.nmc-dekowelt.de

www.bosch-home.de

Sie übernehmen die gestalterische und kreative Verantwortung für Konzeptionen von Arbeitswelten im Wettbewerb und arbeiten dabei mit unserer Planungsabteilung, Projektmanagement und dem Vertrieb Hand in Hand zusammen. Sie verantworten dabei die Erstellung von Präsentationen und Materialkollagen. Sie sind mitverantwortlich, Wissen über die Arbeitswelten von morgen zu lokalisieren und zu generieren.

www.architekturgalerieberlin.de

www.domicil.de

www.jan-kath.com

Unsere Fläche ist unsere Inspiration. Sie sind für die Betreuung und Gestaltung unserer Flächen mitverantwortlich. IHR PROFIL: Sie haben ein abgeschlossenes Innenarchitektur- oder Architekturstudium.

www.aeris.de/oyo

www.designersguild.com

www.siedle.de

Sie verfügen über fundierte CAD-Kenntnisse und arbeiten bereits mit den Programmen Adobe Photoshop, Adobe Illustrator und AutoCAD, idealerweise haben Sie Erfahrungen mit Pcon Planner. Sie haben bereits erste Erfahrungen in der Gestaltung von Arbeitswelten. Sie freuen sich auf Verantwortung. Sie sind kreativ, motiviert und arbeiten gerne in einem engagierten und einzigartigen Team.

www.eternit.de

www.artemide.de

www.moroso.it

Leonhard Bürogestaltung GmbH Gottlieb-Manz Str. 1 70794 Filderstadt-Bernhausen, Tel. +49 (0)711/5 53 86-0 Fax +49 (0)711/5 53 86-99 info @ leonhard-stuttgart.de www.leonhard-stuttgart.de www.zumtobel.com

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INDEX

www.prefa.com

www.leicht.com

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DER VERGLEICH LOHNT SICH: Architektur in Deutschland und Österreich. Bestellen Sie auch die Sammlung 100 österreichischer Häuser – und lassen Sie sich von Baukultur „Made in Austria“ inspirieren. Ein bisschen anders, geprägt von regionaler Landschaft und Tradition – aber genauso vielfältig.

„Ijon & Mika“ Foto: Christa Stürzlinger

100 österreichische Häuser

Der Fokus der österreichischen Ausgabe 2014/2015: grüne Projekte und moderne Architektur – nachhaltiges Bauen, innovative Sanierungen und intelligente Energiekonzepte.

Ausgabe Österreich 2014/15, Deutsch, 230 × 333 mm, 184 Seiten, durchgehend in Farbe. Einzelheftpreis Österreich: 14,90 Euro Deutschland: 14,90 Euro Schweiz: 19,90 sfr

Bestellungen: order@100haeuser.de oder direkt beim Verlag für moderne Kunst: www.vfmk.org

Impressum 100 deutsche Häuser Ausgabe 2015/16

Herausgeber und Medieninhaber 100 Medien GmbH Pelzetleite 65 D-90614 Ammerndorf www.100medien.de Chefredaktion (verantwortlich) Manuela Hötzl mh@100haeuser.de Creative Direction Ralf Herms / Rosebud, Inc. rh@rosebud-inc.com Redaktion Martina Powell mp@100haeuser.de Autoren Manuela Hötzl (mah), Magdalena Jöchler (maj), Manuel Köllner (mak), Valentin Ladstaetter (val), Martina Powell (map), Manon Steiner (mas), Ralf Stowasser (ras), Manuela Tomic (mat) Design Martin Embacher / Rosebud, Inc. Illustration Ana Dumitrache, Simone Pirker / Rosebud, Inc. Plangrafik Christa Stürzlinger Lektorat Johannes Payer Titelbild Wohnhaus WZ2, Baden-Württemberg, Architekt: bernd zimmermann_architekten, Baden-Württemberg (Projekt No. 55) Foto: Valentin Wormbs

Vermarktungspartner THE 5 Andreas Hofstätter ah@100haeuser.de Rettig Media Stefan Möbius s.moebius@rettigmedia.de Anzeigen Severin Weber sw@100haeuser.de Ralf Stowasser rs@100haeuser.de Druck Holzhausen Druck GmbH www.holzhausen.at Printed in Austria Verlag VfmK Verlag für moderne Kunst GmbH www.vfmk.org Vertrieb DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH www.dpv.de Redaktionsanschrift 100 Medien GmbH Pelzetleite 65 D-90614 Ammerndorf T +49 172 894 22 90 Büro Österreich Salmgasse 4a A-1030 Wien T +43 1 535 49 70

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100 deutsche Häuser - Ausgabe 2015

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