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Was mit einem Funken begann ... entwickelte sich zur Ikone.

Der Unterschied heißt Gaggenau. 30 Jahre lang haben wir diesen einen Backofen perfektioniert. Unser jüngstes Werk betont sein unverwechselbares Design mit einer Tür aus einem einzigen Stück Edelstahl: beeindruckende 90 cm breit und 3 mm stark. Sie eröffnet Ihnen eine ungeahnte Welt kulinarischer Möglichkeiten. Dieses neu gestaltete, in Handarbeit geschaffene Kunstwerk ist Ausdruck unserer Werte, unseres Könnens und unseres Charakters. Wir haben ihm den Namen EB 333 gegeben – eine Hommage an 333 Jahre, in denen wir Metall verarbeiten. Und schon immer ging es um mehr als um einen Backofen: ein Versprechen, Meisterwerke zu erschaffen. Informieren Sie sich unter gaggenau.com.


inhalt

100 architekten No.

Architekt / Bürostandort Bundesland

1

Amunt / NW 

 6

53

bayer | uhrig Architekten / RP 

 94

2

Yonder – Architektur und Design / BW 

 8

54

ABOA-aufbauostarchitekten / SN 

 95

3

Bottega + Ehrhardt Architekten / BW 

 10

55

Steiner Weißenberger Architekten / BE 

 96

4

Arnhard & Eck Architekten / BY 

 12

56

bächlemeid / BW 

 97

5

Werner Sobek / BW 

 14

57

Petra und Paul Kahlfeldt Architekten / BE 

 98

6

deckert mester architekten / TH 

 16

58

HS Architekten / BE 

7

Unterlandstättner Architekten / BY 

 18

59

Behnisch Architekten / BW 

 102

8

bromsky architekten / BE 

 20

60

Ian Shaw Architekten / HE 

 103

9

Peter Ruge Architekten / BE 

 22

61

Mißfeld Kraß Architekten / SH 

 104

GATERMANN + SCHOSSIG Architekten / NW 

 24

62

(se)arch Architekten / BW 

 105  106

10

Seite

No.

Architekt / Bürostandort Bundesland

 100

11

Architekten Pfeifer, Roser, Kuhn / BW 

 26

63

Flügge Architekt / NI 

12

Steimle Architekten / BW 

 28

64

architech / Han Slawik Architekt / NI 

 107

13

Architekt Peter Diepenbroek / HB 

 30

65

Kai Dongus / BW 

 108

14

LA`KET Architekten / HB 

 31

66 HAAS Architekten / BE 

 110

15

KANTWEG / HB 

 32

67

Fesselet Krampulz Architectes (CH)

16

Ecker Architekten / BW 

 34

mit Michael Meyer / BW 

 111

17

Ippolipo Fleitz Group – Identity Architects / BW 

 36

68

Susanne Nobis Architektin / BY 

 114

18

liquid & fay architekten / HE 

 37

69

ludloff+ludloff / BE 

 116

19

Renzo Piano Building Workshop, architects (IT) 

 38

70

Büros für Konstruktivismus / BE 

 117

20

F29 Architekten / SN 

 40

71

meck architekten / BY 

 118  120

21

LABOR WELTENBAU ELMAR GAUGGEL / BW  

 41

72

urbanegestalt PartGmbB / NW 

22

KÜHNLEIN Architektur / BY 

 42

73

Thomas Bendel Architekt / BE 

 122

23

mvm+starke / NW  

 44

74

Henrich Rauschning Architekt / BE 

 123

24

daniela resch architektur&design / BW 

 46

25

K17 Steingräber. Architektur / NI 

 48

FOKUS BETON 

26

quadrat+ architekten / NW

 50

75

wiewiorra hopp schwark architekten / BE  

 126

27

Finsterwalder Architekten / BY 

 54

76

Blocher Blocher Partners / BW 

 128

28

lynx architecture / BY

 56

77

pier7 architekten / NW 

 129

29

André Lemmens Architekten / NW 

 58

78

FINCKH ARCHITEKTEN / BW 

 130

30

Riek-Architektur / NW 

 60

79

studioRAUCH / BY  

 132

 124

31

Braun Krötsch Architekten / BY 

 62

80

AV1 Architekten / RP  

 136

32

STELLWERK architekten / SN 

 63

81

koeberl doeringer architekten / BY 

 138  140

33

UNStudio (NL) 

 64

82

TILLMANN WAGNER ARCHITEKT / BE  

34

Nalbach + Nalbach / BE 

 66

83

Gian Salis Architektur (CH) 

 141

35

Beer Architektur Städtebau / BY 

 70

84

Axel Tilch Gisela Drexler Architekten / BY 

 142  144

36

Architekt Matti Schmalohr / NI 

 71

85

Käß Hauschildt / SN 

37

stocker dewes architekten / BW 

 72

86

WOLTERECK FITZNER Architekten / SN 

 146

38

Architekturbüro Feyferlik/Fritzer / ST (AT) 

 74

87

Reichel Schlaier Architekten / BW 

 148

39

splendid_architecture / HB  

 76

88 augustinundfrankarchitekten / BE 

 150

40

Günter Pfeifer Architekt / BW 

 77

89

rh-architektur / BY  

 152

41

vonMeierMohr Architekten / BY 

 78

90

F64 Architekten / BY  

 154

42

netzwerkarchitekten / HE 

 79

91

sikora Architekt / BY 

 156

43

snarq architekten / SN 

 80

92

AFF architekten / BE  

 158

93

maio & maio architekten / BY 

 160

44

Atelier ST / SN 

 82

45

wulf architekten / BW 

 84

46

eins:eins architekten Hillenkamp & Roselius / HH   85

94

raumwerk.architekten / NW 

 164

47

Anne Lampen Architekten / BE 

 86

95

Leinen und Schmitt Architekten / SL  

 168

48

Engelshove Bau / NW  

 88

96

MVRDV (NL)  

 170

49

Bodamer | Faber Architekten / BW

 89

97

GEWERS PUDEWILL / BE 

 174

50

Wirth Architekten / HB

 90

98

Gellink + Schwämmlein Architekten / BW 

 176

51

nps tchoban voss / BE 

 91

99

Stephan Maria Lang / BY 

 178

52

JEBENS SCHOOF ARCHITEKTEN / SH 

 92

100

studio3-architekten & allergutendinge / BY 

 180

Editorial 

 128

Architekten-Index 

 192

Vertriebs- und Qualitätspartner 

Impressum  Inhalt

 5

Produkte 

2 

Seite

 198  200


inhalt

100 häuser 61

SchleswigHolstein

52

MecklenburgVorpommern 14

Hamburg 50

15

46

13

39

Bremen 47

Niedersachsen 55 63

8

64

66 44 69

97

36

48

30

26

58

Berlin 75

70

88

34

Brandenburg

Sachsen-Anhalt 25

77

NordrheinWestfalen

10 72

86 32

43

94

1

74

82

51

29

9

57

Sachsen

6 100

20

54

23

Hessen

Thüringen

92

100

42

RheinlandPfalz

18

Adressen

38

der vorgestellten

53

Architekturbüros

Saarland

auf Seite 188

16

80

60

22 65

95 21

87 98

24

59

78

3

Bayern

96

85

17 12

45

33

31 76

28

62

35

7

71 5 40

79 49

37

91

67

93

84

Baden-Württemberg 73

11

81

99

56

89

83 19 2

68

27

41

4

90

* 100 Häuser in ganz Deutschland: Wir haben zur besseren Lesbarkeit für jedes Architekten-Haus ein individuelles „Icon“ kreiert und auf unserer Landkarte positioniert. Diese Übersicht zeigt die geografische Verteilung in den Regionen und Bundesländern – und nicht den exakten Standort. Inhalt 

3


Jetzt am Kiosk oder unter 100haeuser.de

Foto: Donal Murphy

Rosebud

Die besten BĂźros von heute fĂźr die Arbeit von morgen.


Ein Lächeln als Fundament

Foto: Helena Wimmer

Federico Babina über seine Illustrationsserie „ARCHISUTRA“.

„Manchmal bin ich ein Architekt mit einer Leidenschaft für Illustration, manchmal ein Illustrator mit Liebe zur Architektur“, so Federico Babina. Für ihn muss ein Architekt geradezu ein guter Illustrator sein. Eine Zeichnung erklärt ein Projekt immer als Erstes – und muss nicht nur aussagekräftig sein, sondern eine Geschichte erzählen, die durchaus emotional berühren soll. Humor darf dabei nicht fehlen, vor allem um Architektur auch einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. „Architektur ist für Menschen von Menschen gemacht. Architektur darf nicht nur für Architekten sein. „Ich weigere mich, Architektur als abstrakte oder elitäre Profession zu sehen.“ Für „100 Häuser“ hat Babina seine Serie „ARCHISUTRA“ erweitert – und referenziert dabei auf ein Zitat des Architekten Bernard Tschumi: „Architektur ist der ultimative erotische Akt.“ Die spielerische Haltung Babinas wird bei den Illustrationen deutlich, hat aber durchaus einen wahren Kern. „Es ist immer ein Spaß, mit architektonischen Formen und Volumina zu experimentieren und Geometrien zu verflechten. Viele architektonische Konstruktionen lehnen sich, freiwillig oder unfreiwillig, an metaphorische Inhalte oder sexuelle Symbolik an.“ Und: „Die semantische, metaphorische und symbolische Bedeutung von Architektur ist eine Konstante, unabhängig vom Stil oder der Zeit.“ Die Illustrationen eines architektonischen Kamasutra darf man also mit Augenzwinkern betrachten – aber vielleicht nimmt man die eine oder andere Architektur durch Babinas Filter anders wahr. Auf jeden Fall mit einem Lächeln. www.federicobabina.com

Variantenreiche Architektur:

Planen, nicht nur Bauen

Warum 100 Projekte von 100 Architekturbüros aus ganz Deutschland? Es gibt genau 100 Erklärungen dafür, und alle finden Sie auf den nächsten Seiten: Wir glauben an die Vielfalt, wir glauben an Individualität und wir glauben an den Mehrwert von Architektur. Und nicht zuletzt: an die gemeinsame Sache von Planern und Bauherren. Zu der erneut variantenreichen Auswahl an Häusern – von klein bis groß, von mobilen Minihäusern über verdichtende Stadtmodelle, upcycelte Plattenbauten bis zur Villa am Hang – erzählen die Geschichten der Häuser ihre Entstehungs- und Planungsprozesse. Nichts ist rein formal, sondern alle Häuser gehen auf die Bedürfnisse ihrer Bewohner ein. Themen sind jedoch vermehrt Wohnen und Arbeiten, Nachverdichtung in urbanen Gebieten oder kostengünstiges Bauen. Die Umsetzung erfolgt durchaus mit Tricks aus der Fachkenntnis der Architekturbüros und zeigt, dass gute Planung maßgeschneiderte Konzepte umsetzen kann und dennoch Kosten spart.

„Ein Ding ist bestimmt durch sein Wesen. Um es so zu gestalten, dass es richtig funktioniert – ein Gefäß, ein Stuhl, ein Haus –, muss sein Wesen zuerst erforscht werden; denn es soll seinem Zweck vollendet dienen … “ * Unter dem Schwerpunkt Beton finden Sie allein 20 Varianten, mit dem Baustoff umzugehen – und seine Vorteile: Der Reiz des Materials liegt nicht nur in seiner Ästhetik, Haptik oder seiner Formbarkeit, die Gestaltung von Beton lässt ein breites Spektrum an Oberflächen zu: von glatt bis rau, vom strikten Fugenbild bis zu freien Gussformen. Statements der Architekten und Architektinnen erklären die Vorteile und nebenbei auch die konstruktiven, statischen und guten bauphysikalischen Eigenschaften des Baustoffs, der (fast) keine Wünsche offenlässt. Illustriert wird die Ausgabe von „100 Häuser“ diesmal vom italienischen Architekten Federico Babina – seine Serie „Archisutra“ ist durchaus mit ein wenig Ironie auf die nicht immer selbstreflexive Sichtweise des Berufsstandes zu sehen. Freuen Sie sich also mit uns und lassen Sie sich inspirieren!

Manuela Hötzl Chefredaktion „100 Häuser“

* Zitat: Walter Gropius editorial 

5


Architektur Amunt (Björn Martenson, Sonja Nagel, Jan Theissen) Web www.amunt.info Objekt Scherber Kategorie Umbau Fassadenmaterial Bimsstein Adresse Aachen-Richterich Bauherr Privat Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 2011 Nettonutzfläche 144 m² (50 m² Erweiterung) Kosten EUR 203.000,– Auszeichnungen Deutscher Architekturpreis 2013 Fotos Filip Dujardin / www.filipdujardin.be

1

Durch den Umbau wuchs das Haus um 50 Quadratmeter

Offen(sichtlich) eingefügt Eigentlich verliefen Planung und Umsetzung des Hauses „Scherber“ in Aachen ja sehr harmonisch. Der einzige Punkt, in dem sich Bauherren und Architekt nicht einig waren, betraf ausgerechnet den Standort des WCs. Wie in hiesigen Breitengraden üblich, wünschten sich die Bauherren eine Toilette gleich beim Hauseingang. Für den planenden Architekten Björn Martenson war das aber ein No-Go. „Schon während des Studiums war das ein Running Gag. Eine solche Architektur ist eigentlich überholt“, sagt Martenson. Er bestand darauf, die Toilette in den hinteren Teil des Haus zu legen. „In Indien zum Beispiel ist es normal, dass der Weg zum WC hinters Haus führt.“ Heute ist die Familie mit drei Kindern glücklich mit der ungewöhnlichen Lösung, die sich auch positiv auf die Raumaufteilung auswirkt. Zwischen den Bauherren und Martenson bestand von Anfang an ein ganz besonderes Vertrauensverhältnis. Man kannte sich schon eine Weile, gingen die Kinder doch in denselben Kindergarten. Die Planung war nicht nur von der Grundidee bestimmt, so viel Substanz wie möglich behalten zu wollen, sondern auch von einem recht knapp bemessenen Budget geprägt. Mit nur geringen Mitteln

6 

Büro A munt, N ordrhein - W estfalen & B aden - W ürttemberg / Haus N ordrhein - W estfalen

musste man daher so viel Raum wie möglich anbauen, damit alle drei Kinder genügend Platz haben. Ziel war es, den ortsüblichen Charakter zu behalten – und das ist gelungen. Das Haus „Scherber“ liegt in einer typischen Arbeitersiedlung des Berg- und Kohleabbaus. Die Bauherren hatten aus ihrem Mietshaus ausziehen müssen; in der Region wollte man aber bleiben. Die Siedlung, in der das Grundstück liegt, ist einfach und teils prekär: Die Reihenhäuser sind einheitlich in Backstein gehalten. Erst mit der Zeit wurden sie ausgebaut und angepasst – ursprünglich hatten sie keine Sanitäranlagen im Haus, fließendes Wasser gab es nur in der Küche. Mit dem Umbau ist das Haus um rund 50 Quadratmeter gewachsen. Den Lieblingsraum der Familie bildet heute das Wohnzimmer mit integrierter Esszeile – ein heller Raum mit großen, verspiegelten Fenstern, der zum glücklichen Beisammensein einlädt. Auf den ersten Blick von außen würde man vielleicht vermuten, dass das Haus noch gar nicht fertig ist. Der Übergang zwischen den Substanzen aus verschiedenen Backsteinarten ist nicht versteckt – eine mutige Umsetzung, die auch den Deutschen Architekturpreis gebracht hat. roa


Wir haben eine Schwäche für Alt-Metall: Bronzezeit bei FSB. Wir haben uns auf unsere drei Buchstaben gesetzt und dabei die Schönheit eines Materials wiederentdeckt, das einer ganzen Epoche seinen Namen gab: edle Bronze. Aus diesem Werkstoff haben wir ein umfangreiches Sortiment von zeitlosen Tür- und Fensterbeschlägen entwickelt – ergänzt um ausnehmend schöne Griffe und Accessoires rund um die Haustür. Das Besondere an dieser Legierung ist ihr ästhetischer Reiz: Bronze patiniert im Laufe des Gebrauchs. So wird jeder Griff zu einem Unikat, denn er trägt Ihre individuelle Handschrift. Entdecken Sie die Neuzeit der Bronze im Internet unter www.fsb.de/bronze


Architektur Yonder – Architektur und Design (Benedikt Bosch, Katja Knaus) Web www.studioyonder.de Objekt Haus P Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Abgeflammte Rombusschalung aus Fichte, kerngedämmter Sichtbeton (Untergeschoss) Adresse Oberreute Bauherr Privat Planungsbeginn 07/2013 Fertigstellung 03/2015 Nutzfläche 183 m² (Nettonutzfläche 133 m²) Kosten k. A. Fotos Rena Lorenz (1, 4), Brigida González (2, 3, 5) / www.brigidagonzalez.de

G(l)anzstück in Teilchen Hier sind sie vereint: der traditionelle Baustil des Allgäus und eine eigenständige, zeitgenössische Architektur

8 

Büro Yonder – A rchitektur und D esign , B aden - W ürttemberg /  Haus B ayern

1


2

3

4

2 5

Die Bauherren aus Hamburg reisen maximal zulässiges Bauvolumen gab – für ein schon seit Jahren mit ihrer Familie klassisches Allgäuer Wohnhaus mit flachem gerne in die Berge und lieben das AllSatteldach und einem Vollgeschoss. Die große gäu. Hier sollte nun ein Feriendomizil entsteGrundfläche wurde für das Ferienhaus nicht hen, ein Ort für die ganze Familie und Freunde. benötigt. Vielmehr wünschte sich die siebenDie Bauherren wurden durch die Veröffentliköpfige Familie einen Hof, der vor neugierigen chung des „Bienenhus“ – eines Ferienhauses Blicken schützt. So wurde aus der Grundin Krumbach in Vorarlberg – auf die Archiform des traditionellen Baukörpers ein Stück tekten von Yonder – Architektur und Design „herausgeschnitten“ – und aus einem wurden aufmerksam. „Nachdem sie das ‚Bienenhus‘ zwei: ein Wohnhaus und ein Lagerschuppen. gesehen hatten, wollten sie eigentlich genau Das Zusatzgebäude ist noch unvollendet, soll so ein Haus. Es war ihnen aber klar, dass an aber ein Carport werden. Die Wand zum Hof einem anderen Ort, für andere Menschen auch wurde schräg ausgebildet, um so im Inneren ein anderes Haus entstehen würde. Insofern großzügigere Räume schaffen zu können und gibt es heute Elemente, die mit dem ‚Bienengleichzeitig im Dach Fläche für zwei „Sternhus‘ verwandt sind, und dennoch ist ein ganz guckerfenster“ zu erhalten, die viel Licht und eigenes, anderes Haus entstanden“, erzählt die Atmosphäre in das Haus bringen. Betritt man Architektin Katja Knaus. Dem Gebäude gelingt es, blickt man über den Treppenraum direkt es, den traditionellen Baustil des Allgäus und auf das Allgäuer Bergpanorama. Laut der Areine eigenständige, zeitgenössische Architekchitektin hat die harmonische Zusammenarbeit tur zu vereinen. Ausgangspunkt für die Baumit den Bauherren maßgeblich zum Gelingen weise war, dass es auf dem Grundstück ein des Projekts beigetragen. las Büro Yonder – A rchitektur und D esign , B aden - W ürttemberg /  Haus B ayern  

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3

Architektur Bottega + Ehrhardt Architekten Web www.be-arch.com Objekt Haus K Kategorie Neubau Fassadenmaterial Wassergestrichener kohlegebrannter Ziegel D91 Fassadenfirma Petersen Tegl Adresse Stuttgart Bauherr Privat Planungsbeginn 07/2010 Fertigstellung 04/2013 Nutzfläche 457 m² (Nettonutzfläche 354 m²) Kosten k. A. Auszeichnungen Beispielhaftes Bauen Stuttgart 2011–2015 Fotos David Franck Photographie / www.davidfranck.de

Wie ein Fels am Berg 10 

Büro B ottega + E hrhardt A rchitekten , B aden - W ürttemberg / Haus B aden - W ürttemberg


Eine Wohlfühloase – mit Blick auf Stuttgart und vielen Terrassen

Wie ein steinerner Palast erhebt sich das „Haus K“ über den Dächern von Stuttgart. Seine Bauherren wollten ein einzigartiges Haus, das genügend Platz für Haupt- und Einliegerwohnung hat, erzählen die für den opulenten Bau zuständigen Architekten Bottega + Ehrhardt. Also sozusagen eine zweite Wohnung in der Wohnung. Zuerst wollte man an dem bestehenden Gebäude basteln. Die Bauherren waren begeistert, die Baubehörden jedoch nicht. Weil ein Umbau mit den Auflagen nicht vereinbar war, entschloss man sich zum Abriss des bestehenden Gebäudes und plante einen Neubau. Was rückblickend gar nicht so ungelegen kam – bekamen die Bauherren doch ein eigenes, „handgeschnitztes“ Eigenheim. Über drei Etagen erstreckt sich nun das Gebäude. An der Hangseite befinden sich

auf allen Stöcken mehrere Glasfronten. Hier genießt man den Ausblick über Stuttgart. Im Inneren setzt man auf Schlichtheit mit Stil. Ein moderner Kamin im Wohnzimmer, weiße Wände. Eine Betonstiege verbindet die verschiedenen Stöcke. Das Wichtigste für die Bauherren: Gemütlichkeit. So verfügt das Gebäude über mehrere Terrassen auf verschiedenen Seiten des Hauses, sodass sowohl Sonnenaufgang als auch Sonnenuntergang genossen werden können – oder die Bauherren kommen hier einfach mal zum Durchatmen her, nachdem sie sich im eigenen Sauna- und Fitnessbereich ausgepowert haben. Das „Haus K“ ist eine eigene Wohlfühloase, ein Palast, ein Fels am Berg. Hier lässt es sich leben. Hier hat man seine Ruhe. Vor allem deshalb, weil die nächsten Nachbarn die Tiere im Wald sind. rzt Büro B ottega + E hrhardt A rchitekten , B aden - W ürttemberg / Haus B aden - W ürttemberg 

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Architektur Arnhard und Eck Architekten (Christine Arnhard, Markus Eck) Web www.arnhardundeck.de / www.gut-feeling.me Objekt Holzhaus am Auerbach Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus /  Passivhaus, Holzbau Fassadenmaterial Massivholz Adresse Oberaudorf Bauherr Christine Arnhard, Markus Eck Planungsbeginn 02/2013 Fertigstellung 12/2014 Nutzfläche 142 m² (Nettonutzfläche 101 m²) Kosten EUR 300.000,– Auszeichnungen artouro 2016 (Nominierung) Fotos Florian Holzherr / www.florian-holzherr.com

Schmales Schwarz

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13 Meter lang und nur 4 Meter breit: für die Bauherren der perfekte „Wohlfühl-Rückzugsort“

Am Fuße der Bayrischen und Tiroler Alpen – am Auerbach im Inntal – haben sich die Architekten Christine Arnhard und Markus Eck ein Ferienhaus ganz nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen gebaut. Dies sei ihr erstes gemeinsames Projekt gewesen, erzählt Arnhard: „Deshalb war eine der größten Herausforderungen sicherlich die Auseinandersetzung mit meinem Mann. Denn normalerweise sind Bauprojekte für uns ja geschäftlich.“ Die Intention beim rund 13 Meter langen und nur vier Meter breiten Ferienhaus: ein persönliches Refugium, fernab vom hektischen Alltag. Der Bau sei von zwei Ideen geleitet worden, erklärt die Architektin: Die relativ kleinen Räume sollten erstens durch die versetzten Etagen und offenen Bezüge zu den anderen Räumen eine Großzügigkeit erhalten. Und zweitens die jeweils sehr unterschiedlichen, aber immer raumbestimmenden Bezüge nach draußen: Diese sollen die Qualität des kleinen Hauses betonen und einen Bezug zur Umgebung herstellen, so Arnhard. „Für uns ist es der perfekte Wohlfühl-Rückzugsort.“ Ein besonderes Augenmerk legten die

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Büro A rnhard und E ck A rchitekten , B ayern /  Haus B ayern

Architekten auf die Materialien, mit denen sie arbeiteten – es wurden vor allem natürliche und massive Baustoffe verwendet. Gemeinsam mit ihrem Mann stapelte Arnhard beispielsweise über 11.000 massive Lehmziegel. Lehmputz umschließt die Wandheizung, speichert die Wärme auf natürliche Art und Weise. Die Wände und das Dach des Hauses wurden wiederum als massive Holzkonstruktion millimetergenau nach Plan vorgefertigt. Dabei wurden die Teile aus statischer Sicht überdimensioniert. So komme etwa die Gebäudehülle durch die massiven Bauteile ohne zusätzliche Dämmmaterialien aus, erklärt Arnhard. Eine weitere Besonderheit: Die Eingangstür und das Garagentor wurden in gleicher Stärke wie die Hauswand gefertigt. So bekomme man schon beim Betreten des Hauses – beispielsweise beim Öffnen des über eine halbe Tonne schweren Garagentors – ein Gefühl für die Materialien, die hier verbaut wurden. Die massiven Tore seien aber keinesfalls ein Symbol für Abschottung – im Gegenteil! Sie hätten sich hier zwar einen persönlichen Rückzugsort geschaffen, Gäste seien aber immer willkommen. sol


Eg g C h a i r, D e s i g n : A r n e J a c o b s e n / L e u c h t e Ka i s e r D e l l , D e s i g n : C h r i s t i a n D e l l / S o fa Fa v n , D e s i g n : J a i m e H a y o n © R e p u b l i c o f Fr i t z H a n s e n

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Der transparente Ganzglas-Kubus steht für offenes Wohnen mit flexiblem Grundriss

Autarke Aussicht

Architektur Werner Sobek Web www.wernersobek.com Objekt H16 Kategorie Neubau Fassadenmaterial Stahlbau, Betonfertigteile, Natursteinwand Fassadenfirma Basler Metallbau (Fassade, Dach), R. Bayer Beton und Terrazzogruppe (Betonfertigteile), Berger (Rohbau, Natursteinwand) Adresse Meßstetten-Tieringen Bauherr Georgia und Helmut Link Planungs­ beginn 05/2004 Fertigstellung 09/2006 Nettonutzfläche ca. 250 m² Kosten k. A. Fotos Zooey Braun / www.zooeybraun.de

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Büro W erner S obek , B aden - W ürttemberg / Haus B aden - W ürttemberg


Auf der Schwäbischen Alb, baulich geprägt von Burgen, Bauernhöfen und Bürgerhäusern, findet sich in MeßstettenTieringen ein Bauwerk, das sich den üblichen Sehgewohnheiten widersetzt. Entworfen wurde es vom Stuttgarter Architekten Werner Sobek (auch bekannt für sein experimentelles Wohnhaus „R128“) für eine junge Unternehmerfamilie, mit dem Anspruch, Natur und Architektur in Einklang, aber nicht in Gleichklang zu bringen. So entstand ein Wohnhaus, das im Kern aus zwei kontrastierenden Kuben besteht und derart auf die besondere Situation des Hanggrundstückes mit Bewaldung im Hintergrund reagiert. Der transparente Ganzglas-Kubus mit Ess-, Koch- und Wohnbereich steht für offenes Wohnen mit flexiblem Grundriss. Er sitzt zum Teil auf einem schwarzen, optisch geschlossen wirkenden Kubus auf, der private Räume mit Rückzugsmöglichkeiten beinhaltet. Garage und Technikräume finden sich in einem separiert stehenden Quader aus hellem Sichtbeton. Auf diesem „Nebenbau“ ist eine offene Terrasse aufgesetzt, die mit dem Glaskubus verbunden ist. Eine Natursteinmauer dient dem Hangabschluss und gibt Raum für das Ensemble, welches sich vor dem

hoch aufragenden Waldbestand demütig und selbstsicher zugleich abbildet. Auch das Innere ist durch Reduktion und exakt gesetzte Linien und Elemente geprägt. Wie etwa der markant rote Schrank im Kern des Gebäudes, der im schwarzen Kubus beginnt und entlang der Verbindungsstiege in den oberen Glaskubus ragt. So wie die Küchenelemente ist auch der Schrank ein Entwurf von Werner Sobek. Das Ensemble vermag aber nicht nur formal und funktional zu überzeugen, sondern auch energietechnisch. Der Glaskubus besitzt eine hochwertige Dreifachverglasung mit sehr gutem Wärmedurchgangswiderstand und Sonnenschutzbeschichtung. Das Tragwerk beider Kuben besteht aus einem Stahlskelett. Ein speziell abgestimmtes Klimakonzept sorgt für ein

angenehmes Raumklima ohne die Verwendung fossiler Brennstoffe. Der Innenraum wird über Erdsonden und Wärmerückgewinnung beheizt bzw. gekühlt, zugleich sorgt eine mechanische Lüftung über einen Erdkanal für erstklassige Luftqualität. Die in das Flachdach integrierte Photovoltaikanlage deckt den gesamten Strombedarf; somit zeigt sich das Wohnhaus „H16“ als energetisch autark. Darüber hinaus fällt das Gebäude auch in die Kategorie „Smart Home“, da die Gebäudeautomation via Tablet gesteuert werden kann. Was zeigt, dass sich Hightech und Nachhaltigkeit definitiv nicht ausschließen. Und dass man als Draufgabe auch noch einen fantastischen Panoramablick auf die Hohe Schwabenalb und ihre Täler hat, soll nicht unerwähnt bleiben. cao

5 Büro W erner S obek , B aden - W ürttemberg /  Haus B aden - W ürttemberg 

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Die fünf Meter lange Überdachung dient als Carport, manchmal werden aber auch kleine Feste darunter gefeiert

Fräulein Villa Architektur deckert mester architekten (Joachim Deckert, Rainer Mester) Web www.dmarchitekten.de Objekt Villa Carlotta Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Nut-und-FederLärchenholz mit Lignosil-Anstrich Fassadenfirma Häussermann Adresse Erfurt Bauherr Privat Planungsbeginn 01/2013 Fertigstellung 08/2014 Nutzfläche 271 m² (Nettonutzfläche 171 m²) Kosten k. A. Fotos Victor S. Brigola / www.victorbrigola.com

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Wenn inmitten einer Wohnsiedlung der 1920er-Jahre ein futuristischer Wohnkomplex hingestellt wird, kann das durchaus die Nachbarn vor den Kopf stoßen. Dennoch wollte die Familie genau dieses Haus und kein anderes: ein modernes Heim, das die Umgebung sinnvoll nutzt und von der Familie mit Freude und Begeisterung genutzt wird. Und nun steht es da, zwischen vielen anderen Einfamilienhäusern, die jedoch alle etwas mit der „Villa Carlotta“ gemeinsam haben: Am Anfang standen auf dem Grundstück nämlich zwei Gartenhütten und ein paar Büsche – wie es hier früher eben üblich war. Viele dieser Gartenlauben sind mittlerweile abgerissen und durch Einfamilienhäuser ersetzt worden. Und nun mussten auch die letzten zwei Hütten weichen und der „Villa Carlotta“ Platz machen. Die Familie wollte ein „außergewöhnliches Haus“, erzählen die Architekten. Doch so etwas entsteht nicht von heute auf morgen: „Die Planung hat sich in einigen Gesprächen entwickelt. Allerdings war die Bauherrenschaft vom Raumkonzept sofort begeistert.“ Das Haus befindet sich auf einem Steilhang – betreten wird es im

Büro deckert mester architekten , T hüringen /  Haus T hüringen

Erdgeschoss. Vor der Tür: eine fünf Meter lange Überdachung. Im Normalfall benutzt sie die Familie als Carport, manchmal werden aber auch kleine Feste darunter gefeiert. Hat man die „Villa Carlotta“ dann einmal betreten, will man sie nicht mehr verlassen. Zumindest erging es den heutigen Bewohnern so. Strahlt die Familie beim Anblick ihres neuen Heims, so tun dies Wände, Boden und Decke auf ihre Art – sie sind in schlichtem Weiß gehalten. Der Stil zieht sich durch das ganze Gebäude, wobei jeder Raum seinen eigenen Charme hat. Geschlafen und gearbeitet wird im Erdgeschoss, gegessen und gefeiert im Untergeschoss. Der Lieblingstreffpunkt ist der Wohn- und Essbereich, der sich über beide Ebenen erstreckt und sich ganzflächig über eine Glasfront zur Terrasse und dem anliegenden Garten öffnet. An Orten, wo die Familie Sonne tankt und die Kinder Kinder sein dürfen, fehlt es hier nicht. Und wenn die Sonne untergeht, ist die „Villa Carlotta“ ein Rückzugsort. Eine Ruheoase, wo Privatsphäre großgeschrieben wird. Für die Familie ist es schlichtweg ein Traumhaus. Oder besser gesagt: ihre Traumvilla. rzt


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Architektur Unterlandstättner Architekten Web www.u-architekten.de Objekt Haus Krailling Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus (Luftpumpe) Fassadenmaterial Stolit K6, anthrazit durchgefärbter Raumputz Fassadenfirma Maler Hirsch GmbH Adresse Krailling Bauherr Privat Planungsbeginn 07/2011 Fertigstellung 03/2013 Nutzfläche 350 m² (Nettonutzfläche 300 m²) Kosten k. A. Fotos Michael Heinrich (2, 3), Henning Rogge (1)

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Oberflächen-Mix aus Eiche, Glattputz und stark strukturiertem anthrazitfarbenem Putz

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Souveräne Skulptur „Der Neubau im Würmtal bei München für eine Familie mit drei Kindern, Gästebereich und Home Office ist durch eine individuelle innere und äußere Raumstrukturierung geprägt.“ So beschreibt das Münchener Team Unterlandstättner Architekten in aller pragmatischen Kürze die 2013 abgeschlossene Bauaufgabe in der kleinen Gemeinde Krailling. Dabei ist etwas gelungen, das alles andere als pragmatisch, vielmehr erstaunlich künstlerisch ist. „Erstaunlich“ deshalb, weil der Baugrund in einer erschlossenen 1960er-Jahre-Siedlung liegt, verbunden mit ortsspezifischen Auflagen wie etwa vorgeschriebener Kubatur oder strikter Ausführung mit Satteldach. Unterlandstättner Architekten gelang es trotz (oder vielleicht sogar wegen) dieses paragrafischen Hintergrunds,

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eine souveräne Lösung zu finden. Durch das Reflektieren der gebauten Umgebung, die Berücksichtigung und die Fokussierung der Ausblicke auf die eigenen unverbauten Freibereiche und die Reduzierung nachbarschaftlicher Einblicke in das Gebäude entstand ein Baukörper, der sich typologisch in seine dichte Umgebungsbebauung einbindet und dabei einen eigenständigen und unverwechselbaren, auf den Ort bezogenen Charakter entwickelt. Abzulesen etwa an den prägnanten Einschnitten, die ein Paradebeispiel für perfektes „Weglassen“ sind. Durchdacht auch der Oberflächen-Mix, bei dem sich Eiche und Glattputz in Relation zur stark strukturierten anthrazitfarbenen Putzfassade setzen und derart die Blickbeziehungen und die räumliche

Büro U nterlandstättner A rchitekten , B ayern /  Haus B ayern

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Verschränkung von Innen- und Außenraum verstärken. Die prägnante Raumstruktur sowie die Differenzierung der eingesetzten Materialien des dreigeschossigen Baukörpers findet im Innenausbau eine kongeniale Fortsetzung. Vom Architektenteam gestaltet, war er ein elementarer Bestandteil des Entwurfsprozesses. Sorgfältig und in direkter Absprache mit den Bewohnern ausgesuchte Materialien sind Teil des gesamtheitlichen Konzepts. Ob Bodenbelag, Armaturen, Möbeloberflächen … – in Summe ergibt sich schlicht eine souveräne (Wohn-)Skulptur. cao


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Ein Stadel ist das, was in Österreich unter „Scheune“ verstanden wird. Ein mehr oder weniger voluminöser, simpler Ziegel-Holz-Baukörper zur Unterbringung von bäuerlicher Gerätschaft und Heu. Im deutschen Brandenburg steht „Scheune“ für ein wenig mehr, Pardon: viel mehr. Nämlich eine „Kathedrale der Landwirtschaft“ von ziemlich beeindruckenden Ausmaßen. Wuchtige Backsteinquader dominieren die Fassade, in die große Lüftungsschlitze eingelassen sind, komplettiert vom massiven mit grobem Schiefer bedeckten Dach. Ein ebensolches archaisches Unikum fand sich in Päwesin, 50 Kilometer nördlich von Potsdam gelegen, und diente als Basis für einen umfangreichen Umbau und eine damit verbundene Neuorientierung. Für den Auftraggeber, eine mehrköpfige Baugruppe, sollten unterschiedliche Nutzungen unterzubringen sein: eine Ferienwohnung mit Büro, ein Wohnatelier für einen Maler und ein Chorprobenraum mit Wohnstudios. Das Berliner Büro bromsky Architekten löste die Aufgabe, indem sie die mittig gelegene Tordurchfahrt zum Gemeinschaftsraum erhob. Die drei in sich abgeschlossenen Einheiten gruppieren sich um diesen „Scheunensalon“, wobei der 200 Quadratmeter große Probenraum das gesamte Dachgeschoss beansprucht. Jener wird über eine außenliegende Treppe aus Betonfertigteilen erschlossen. Die bis zu 5,5 Meter hohen Einheiten sind geprägt durch offene Raumfolgen auf verschiedenen Höhen, wobei die großzügigen Fensteröffnungen dem Raster des Innenraums folgen. Das konstruktiv Spannende an der „Wohnscheune“ ist die „Haus im Haus“-Konstruktion. So tragen neue Bodenplatten ein kerngedämmtes, von innen vorgesetztes Mauerwerk, das die Deckenlast aufnimmt. Der Dachstuhl wiederum wurde durch ein stützenfreies Binderdachtragwerk ersetzt, das auf den Bestandswänden aufliegt. Was die Transformation im Besonderen einzigartig macht, ist das Verständnis der Architekten als auch der Bewohner, dass hier kein (landwirtschaftlicher) Industriebau zu einem Mehrfamilienhaus degradiert wurde, sondern die baulichen Fakten so abgeändert wurden, dass sie dem Anspruch der Nutzer perfekt angepasst sind und der ursprüngliche Charakter dennoch in seiner archaischen Dominanz erhalten blieb. Wenngleich nach zeitgenössischen gestalterischen Parametern. Mehr noch: Handwerker vor Ort konnten ihr Wissen um lokale Bautechniken samt Verwendung regionaler Materialien einbringen. Auch das ist ein eminenter Bestandteil guter Architektur. cao

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Büro bromsky A rchitekten , B erlin /  Haus B randenburg

Architektur bromsky Architekten (Jan Liebscher, Franziska Streb) Web www.bromsky.de Objekt Scheunenlofts – Umbau Scheune Päwesin Kategorie Umbau Fassadenmaterial Vollziegel-Mauer-werk (Bestand) Adresse Päwesin Bauherr Baugemeinschaft Bocher, Dornfeld, Kleielin, Liebscher Planungsbeginn 05/2011 Fertigstellung 01/2014 Nutzfläche 515 m² Kosten EUR 520.000,– Fotos Werner Huthmacher / wernerhuthmacher.de


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Mehr Scheune mit Salon

Die Tordurchfahrt wird zum Gemeinschaftsraum erhoben. Die drei in sich abgeschlossenen Einheiten gruppieren sich um diesen „Scheunensalon“

Büro bromsky A rchitekten , B erlin /  Haus B randenburg  

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Architektur Peter Ruge Architekten (Peter Ruge, Kayoko Uchiyama, Matthias Matschewski, Jan Müllender, Alejandra Pérez Siller) Web www.peter-ruge.de Objekt Haus M Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus (KFW-Energieeffizienzhaus 55) Fassadenmaterial Putz, Glas, Holz Adresse Berlin-Wilmersdorf Bauherr Privat Planungsbeginn 09/2012 Fertigstellung 02/2015 Nutzfläche 290 m² (Nettonutzfläche 251 m²) Kosten k. A. Fotos Ira Efremova / www.iraefremova.com

Eine gestalterische Synthese aus zwei unterschiedlichen Baukulturen zu erschaffen ist zweifelsohne eine der schwierigeren Aufgaben in der Architektur. Die Gefahr, ein Hybrid zu kreieren, das „weder Fisch noch Fleisch“ ist, oder eine Kulisse voller Zitate, ist dabei immer vorhanden. Außer man heißt Peter Ruge und ist gestalterisch in beiden Welten zu Hause. Konkret: Der Betreiber von Büros (Peter Ruge Architekten) in Berlin und Hangzhou (China) vermittelt sein Wissen nicht nur als Professor im Bauhaus Dessau, sondern kann auch auf eine intensive Beschäftigung mit japanischer Bautradition vor Ort zurückblicken. Beste Voraussetzungen somit für eine japanisch-deutsche Familie im Berliner Stadtteil Wilmersdorf, von ihm ein dreigeschossiges Wohnhaus errichten zu lassen. Entsprechend den Vorgaben der Bauherrenschaft sollte es (natürlich) viele Elemente der japanischen Wohnkultur beinhalten, sich zugleich aber auch in die umgebende Villenbebauung einfügen. Auf dem sehr schmalen Grundstück steht ein schlichter, länglicher Baukörper, der straßenseitig zweigeschossig ausgeführt ist, während er im Gartenbereich auf drei Geschosse anwächst. Durch einen Höhenvorsprung zum Grundstücksinneren ergibt sich nämlich ein ebenengleich mit dem vorgelagerten

Hofgarten verbundenes Gartengeschoss. In diesem befinden sich der zentrale Küchen- und der abgesenkte Essbereich sowie ein japanisches Bad. Der Hofgarten beherbergt eine großzügige Holzterrasse und ist – traditionell fernöstlich – mit einem japanischen Kirschbaum und Bambus bepflanzt. Nach Süden, also gartenseitig, ist das Gebäude großflächig verglast, wobei alle drei Geschosse im Inneren mit einem Luftraum miteinander verbunden sind. Gelungen ist auch der Materialmix: Fußböden aus Bambus treffen auf Innenwände aus Sichtbeton. Fernöstliche Details akzentuierten den Raum, wie etwa in den Boden eingelassene Sitzgelegenheiten im Essbereich samt riesigem niederem Esstisch aus Bambus oder die zwischen den drei Kinderzimmern im Obergeschoss angeordneten Schiebetüren, die sich als Hommage an japanische „Fusuma“ darstellen. Mehrfach für nachhaltiges Bauen ausgezeichnet, hat der Architekt auch in diesem Fall das Gebäude entsprechend ökologisch aufbereitet. So entspricht es, gezielt nach Süden ausgerichtet, um auch die Wintersonne maximal nutzen zu können, einem KFW-Energieeffizienzhaus 55. Tradition und Moderne treffen sich nicht nur in der Gestaltung, sondern auch im Energiekonzept. cao

Fußböden aus Bambus treffen auf Innenwände aus Sichtbeton

Fernöstlicher Akzent

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Büro P eter R uge A rchitekten , B erlin /  Haus B erlin


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Gibt man in die Google-Bildsuche den Namen des Kölner Architekten Peter Neufert ein, spuckt die Suchmaschine als ersten Treffer das „Haus X1“ in Köln-Hahnwald aus, sein eigenes Wohnhaus. Das 1962 fertiggestellte Einfamilienhaus ist nicht nur bei Google eine feste Größe: Über das Rheinland hinaus ist das Gebäude mit dem Tonnengewölbe Architekten und Architekturliebhabern ein Begriff. Darum soll es hier aber nicht gehen. Jahre nach dem Tod des Architekten hat dessen Ehefrau beschlossen, noch einmal ein Bauprojekt in Angriff zu nehmen. Statt der Sanierung des denkmalgeschützten Hauses sollte auf dem Grundstück ein Neubau entstehen, der den Ansprüchen altersgerechten Wohnens genügt. „Es gab zwar keine gestalterische Vorgabe der Baudenkmalpflege zum Haus selbst, wohl aber wollte man ein schlichtes Gebäude, das sich doch deutlich zurücknimmt“, erklärt Architekt Sven Gaeßler. Schlicht? Altersgerecht? Klingt im ersten Moment nicht besonders prickelnd, täuscht aber. Beim eingeschossigen Neubau wurde nicht an Großzügigkeit gespart. Mit Raumhöhen zwischen 2,80 und 4,70 Metern schufen die

Architekten von GATERMANN + SCHOSSIG ein ähnliches Wohngefühl wie im „Haus X1“, dessen Räume mitunter sechs Meter Luft nach oben haben. Die unterschiedlichen Raumhöhen ergeben sich aus zwei erhöhten Kuben, die aus dem Baukörper herausgeschnitten und über dem Dach verdreht wurden. Als Architekturliebhaberin hat sich die Bauherrin von Anfang an eingebracht. „Sie hat ein schönes Hintergrundwissen, sodass wir gemeinsam einen guten Austausch in der Planung hatten“, erzählt Gaeßler. Eingebracht hat sich die Bauherrin vor allem bei der Raumgestaltung. Auf ihr Konto geht etwa der kupferfarbene Estrichboden. „Normalerweise lassen die Bauherren einen konventionellen Oberboden wie Parkett verlegen, das wollte die Bauherrin nicht, sie wollte einen ganz homogenen Bodenbelag haben“, sagt Architekt Gaeßler. Woran man das altersgerechte Wohnen erkennt, fragen Sie sich? Daran, dass aus dem barrierefreien Haus bei Bedarf eine weitere Wohnung abgetrennt werden kann. Davon ist vorerst aber keine Rede: Wenn der Bauherrin danach ist, schaut sie immer noch in ihrer Bibliothek im zweigeschossigen „Haus X1“ vorbei. maj

Die Bauherrin wollte nichts Konventionelles. Und so viel die Wahl auf den kupferfarbenen Estrichboden 3

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Büro GAT E R M A N N  + S C H O S S I G A rchitekten , N ordrhein - W estfalen /  Haus N ordrhein - W estfalen


Neue GroSSe Architektur GATERMANN + SCHOSSIG Architekten (Dörte Gatermann, Sven Gaeßler) Web www.gatermann-schossig.de Objekt Haus Neufert Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus Fassadenmaterial Hinterlüftete, verklebte Vorhangfassade, großformatige Aluminium-Fassadenpaneele mit Schliff Fassadenfirma Reynobond Adresse Köln-Hahnwald Bauherr Privat Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 2013 Nettonutzfläche 170 m² Kosten k. A. Auszeichnungen Häuser des Jahres 2014; Die 50 besten Einfamilienhäuser des Jahres 2014; Heinze ArchitektenAWARD 2014 (Shortlist) Fotos Jens Willebrand (1,2,4) / www.willebrand.com; GATERMANN + SCHOSSIG Architekten (2)

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Büro GAT E R M A N N  +  S C H O S S I G A rchitekten , N ordrhein - W estfalen /  Haus N ordrhein - W estfalen 

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Familienzelt Wer zusammen ein Haus baut, der will auch zusammen wohnen. Was meist stimmen mag, trifft auf das „PatchworkHaus“ im baden-württembergischen Müllheim nicht wirklich zu. Die Bauherrin, eine Wissenschaftlerin an der Uni Basel, wünschte sich ein Heim für sich, ihre Kinder und eine Tante. Quasi nach dem Motto „Alle unter einem Dach“. Aber jedem das Seine. „Es sollte kein klassisch getrenntes Doppelhaus werden, sondern ein Heim mit der Möglichkeit, getrennt und zugleich gemeinsam zu wohnen“, sagt Architekt Christoph Kuhn. Das allein macht dieses Projekt schon zu etwas Besonderem.

Dieser Effekt ist kein Design-Gag, sondern dem speziellen Energiekonzept geschuldet

Dazu kam aber noch ein weiterer Wunsch der Bauherrin, die sich durch ihre Arbeit mit Natur und Umwelt verbunden fühlt: Ihr Zuhause sollte so energieeffizient wie möglich funktionieren. Und so plante die Architektengemeinschaft Pfeifer, Roser, Kuhn am Rande einer Wohnsiedlung ein Unikat. Wobei: Von außen betrachtet sehe das Haus mit klassischem Satteldach gar nicht so besonders aus, ja, für viele vielleicht abweisend. Das ändere sich aber schlagartig, wenn man ins Innere trete, so Kuhn. Das Herzstück der Patchwork-Wohngemeinschaft ist riesig, hell – und erinnert an ein Zelt. Von der Haupthalle aus führen links und rechts Treppen in die jeweiligen Wohnbereiche. Dach und Seitenwände bestehen aus PolycarbonatPlatten, die das Sonnenlicht praktisch ungefiltert ins Innere lassen. Die Konstruktion, die dem Haus dieses zeltartige Aussehen verleiht und es nachts milchig schimmern lässt, ist allerdings kein Design-Gag, sondern dem speziellen Energiekonzept geschuldet. Die seitlichen und oberen Flächen des Hauses funktionieren nämlich als Luftkollektoren, erklärt Kuhn. Die warme Luft steigt so gezielt nach oben und kann sich in der Dachspitze sammeln. Von dort wird sie mit einem kleinen Ventilator – das einzige technische Hilfsmittel hier – nach unten in die Halle geblasen. An kälteren Tagen sorgt zusätzlich eine Bodenheizung für Wärme, die mit der Energie einer nahe gelegenen

Hackschnitzelanlage gespeist wird. Und sollte sich die Bauherrin irgendwann auch von dieser Energiequelle abkoppeln wollen, steht ein zweiter Kamin bereit, der das Haus über einen Pufferspeicher wärmt. Anderswo, weiter im Norden oder im Süden, würde so ein Haus übrigens gar nicht funktionieren. „Da wäre es entweder zu kalt oder viel zu heiß“, sagt Kuhn. Aber nicht nur deshalb ist das Projekt in Müllheim einmalig. „Wir mussten schon sehr weitgehend das energetische Konzept und das Raumkonzept miteinander verbinden.“ Anders gesagt: Würde man hier nicht zusammen und doch getrennt wohnen wollen, würde das Haus ganz anders aussehen – und funktionieren. map

11 Architektur Architektengemeinschaft Pfeifer, Roser, Kuhn Web www.kul-architekten.de Objekt Patchwork-Haus in Müllheim Kategorie Neubau Fassadenmaterial PolycarbonatStegplatten Fassadenfirma Rodeca Adresse Müllheim Bauherrin Claudia Daubenberger Planungsbeginn 2003 Fertigstellung 2005 Nutzfläche 325 m² mit Spitzboden, 294 m² ohne Spitzboden Kosten EUR 480.000,– (KG 200–700 inkl. MwSt.) Auszeichnungen Gestaltungspreis der Wüstenrot Stiftung 2008: „Energieeffiziente Architektur in Deutschland“ (Anerkennung); BDA – Auszeichnung guter Bauten 2005 Fotos Ruedi Walti

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Büro A rchitektengemeinschaft P feifer , R oser , K uhn , B aden - W ürttemberg / Haus B aden - W ürttemberg


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Massiv leicht Ein gelungener Spagat zwischen Gegensätzen: durchsichtig und abgeschottet, ruhig und kommunikativ, leicht und massiv

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Büro S teimle A rchitekten , B aden - W ürttemberg /  Haus B aden - W ürttemberg


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Ein lichtdurchfluteter, kommunikativer und transparenter Wohnraum solle es werden, sagte sie. Ein privater, ungestörter und uneinsichtiger Ort der Ruhe solle es werden, sagte er. Die Steimle Architekten standen vor der Aufgabe, ein Gebäude zu entwerfen, das die unterschiedlichen Wesenszüge ihrer Auftraggeber selbst verkörpert und nebeneinander bestehen lässt. „Eine spannende Aufgabe für zwei sehr unterschiedliche Bauherrn“, charakterisiert Architekt Thomas Steimle den Entwurf für die „Cityvilla“ in Tübingen. Das Ergebnis ist ein Spagat zwischen Gegensätzen – durchsichtig und abgeschottet, ruhig und kommunikativ, leicht und massiv. Auf den ersten Blick vermittelt die Villa eine abschirmende Wirkung. Mit ihrer klaren, scharf umrissenen Form in leichter Hanglage zeigt sie sich von außen relativ geschlossen. Mit Betonfertigteilen, metallisch eingefassten Laibungen und Sichtbeton schufen die Architekten bewusst eine äußerst standhafte Materialität. Den Blick

gezielt auf das Panorama der Schwäbischen Alb gerichtet, blendet das Haus die Nachbarbebauung aus. Beim Betreten der Villa jedoch entsteht der „Überraschungseffekt“, wie es Thomas Steimle beschreibt: „Es ist ein ganz besonderer Raumeindruck“, so der Architekt. „Das Gebäude hat eine harte Schale und trotzdem einen sehr lichten und wohnlichen Charakter im Inneren. Das spürt man beim Eintreten sofort.“ Das Haus ist einerseits stark gegliedert und lässt andererseits durch die Offenheit der Räume vielschichtige Blickbeziehungen zu. Die fünfköpfige junge Familie mit Hund und Katze sei überaus glücklich mit ihrem Heim, berichtet Steimle: „Wenn Gäste da sind, wird immer im Zwischenleben zwischen innen und außen gefeiert. Die transparente und kommunikative Verbindung wird richtiggehend gelebt.“ Trotz der vielschichtigen Vernetzung sind Gebäude und Garten von außen nicht einsehbar, was den vom Bauherrn gewünschten Effekt eines Rückzugsortes schafft. res

Architektur Steimle Architekten (Thomas Steimle, Christine Steimle) Web www.steimle-architekten.com Objekt S3_Cityvilla Kategorie Neubau Fassadenmaterial Betonfertigteile, Alucobond-Verkleidungen Fassadenfirma Skyframe Adresse Tübingen Bauherr Privat Planungsbeginn 10/2012 Fertigstellung 08/2014 Nettonutzfläche 265 m² Kosten k. A. Auszeichnungen Häuser Award 2016 Fotos Brigida González / www.brigidagonzalez.de

Büro S teimle A rchitekten , B aden - W ürttemberg / Haus B aden - W ürttemberg 

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Es erfordert besonderes Fingerspitzengefühl, als Architekt zwischen den unterschiedlichen Vorstellungen der Auftraggeber zu vermitteln. Für die Stadtvilla in Bremen, die unter der Federführung von Peter Diepenbroek entstand, wünschte sich die Bauherrin ein in Norddeutschland übliches Steildach, während Architekt und Bauherr eher zu einer Variante mit Flachdach tendierten. Diepenbroek gelang es, über eine spielerische Zusammenführung der ersten Überlegungen mit zusammen­ geschobenen Körpern auch die Bauherrin von seinen Entwürfen zu überzeugen. Die Entscheidung für die Flachdachausführung auf den einzelnen Gebäudekörpern brachte ganz eigene Möglichkeiten und Vorteile mit sich. So entstanden durch die ineinander verschachtelten Geschosse einige Grünflächen. Auf diese Weise konnten die Standortnachteile des engen Stadtgrundstücks ausgeglichen werden, da der Garten gemeinsam mit dem Haus in die Höhe wuchs. Das erhöhte die Lebensqualität und erhielt den Rückzugsraum für die

Architektur Peter Diepenbroek Web www. diepenbroek.de Objekt Stadtvilla in Bremen-Oberneuland Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus Fassadenmaterial Stahlbeton, WDVS, Naturstein Adresse Bremen-Oberneuland Bauherr Privat Planungsbeginn 06/2008 Fertigstellung 11/2009 Nutzfläche 295 m² (Nettonutzfläche 241 m²) Kosten k. A. Fotos Elisa Meyer / www.studio-em.de

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zukünftigen Bewohner. Ganz besonders erinnert sich Architekt Diepenbroek an die Herausforderung, eines der Highlights des Entwurfs zu realisieren, nämlich eine Wand des Hauses aus echtem Naturstein zu mauern. Nachdem sich in Deutschland keine geeignete Firma fand, wurde ein Unternehmen aus St. Moritz in der Schweiz mit der kniffligen Aufgabe betraut. Die Errichtung der Natursteinwand dauerte schließlich drei Monate, in denen die Arbeiter sechs Tage die Woche von sieben Uhr morgens bis sechs Uhr abends jeden einzelnen Stein zuerst mit der Flex und anschließend mit dem Hammer bearbeiteten. Das verursachte eine entsprechende Lautstärke. „Sie können sich vorstellen, wie gut die Nachbarn auf mich zu sprechen waren“, sagt Diepenbroek. Trotz der anstrengenden Planungs- und Bauphase blickt der Architekt gerne auf das Projekt zurück. Der Mut der Auftraggeber zu einem ungewöhnlichen Entwurf wurde mit einem hochwertigen Ergebnis belohnt. val

In Stein gebaut 13

Büro P eter D iepenbroek , B remen / Haus B remen

Wand aus echtem Naturstein: Die Errichtung dauerte drei Monate, in denen die Arbeiter sechs Tage die Woche von sieben Uhr morgens bis sechs Uhr abends jeden einzelnen Stein zuerst mit der Flex und anschließend mit dem Hammer bearbeiteten


Architektur LA’KET Architekten (Tim Kettler, David Lagemann) Web www.laket.net Objekt Volksvilla 001 – RÖGE Kategorie Neubau Fassadenmaterial Klinker, Verblendarbeiten Fassadenfirma Gima, Van der Voorn & Plazuk Adresse Hamburg Bauherr Privat Planungsbeginn 05/2009 Fertigstellung 10/2011 Nutzfläche 225 m² (Nettonutzfläche 175 m²) Kosten k. A. Auszeichnungen BDA Hamburg Preis 2012 (3. Platz); Bauwerk des Jahres 2011 Fotos Ralf Buscher / www.ralfbuscher.de

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Lösung für das Problem „Vorstadtgarage“: Das Auto wird direkt unter dem Gebäude abgestellt

Cooler Kubus LA’KET Architekten – das sind David Lagemann und Tim Kettler mit Sitz in Hamburg. Ein Kollektiv, das sich primär der streng geometrischen Formfindung mit erstaunlichen Rauminszenierungen verschrieben hat. Ihr allererstes Beispiel (von mittlerweile zahlreichen) für diese Philosophie findet sich im Rögenweg in Hamburg-Volksdorf. Ein architektonisch konservativ geprägtes Viertel mit überwiegend archaischen Stadtvillen, in das LA’KET eine zeitgenössische Variante einer ebensolchen Villa platzierten. Das Haus ist grundstücksbedingt als kompakter Split-Level-

Typus konzipiert, wobei der ebenen Topografie des Grundstücks eine Art „künstlicher Topografie“ des Hauses entgegengesetzt wird. Die dadurch entstehenden Ebenen schaffen durch unterschiedliche Raumhöhen spannende und abwechslungsreiche Raumabfolgen, die um einen zentralen Erschließungsbereich gruppiert sind. Besonders gelungen zeigt sich dabei die vertiefte Lounge-Landschaft, ein Relikt aus 1960er-Jahre-US-Apartments, das in der Interpretation der Planer eine komplett neue, atmosphärische Raumwirkung erzielt. Exzellent ausgeführt sind auch die äußeren Merkmale:

Der durch die Gebäudegeometrie mit Auskragung entstehende überdeckte Vorbereich mit integriertem Stellplatz löst auf dem schmalen Grundstück das Problem „Vorstadtgarage“, indem man das Auto direkt unter dem Gebäude, beim Eingangsbereich, abstellt. Obwohl der Baukörper in seiner selbstbewussten Zurückhaltung sich auf den ersten Blick von den umgebenden Gebäuden abhebt, erscheint er nicht als Fremdkörper. Denn charakteristische Elemente wie der Klinker an der Fassade nehmen den Dia­log mit den Nachbarhäusern auf. Man grenzt sich nicht ab und ist dennoch einzigartig. cao

Büro L A’ K E T A rchitekten , H amburg /  Haus H amburg 

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Die Muse des Fotografen

Architektur KANTWEG (Bastian Grell) Web www.kantweg.de Objekt Einfamilienhaus Kubus Kategorie Neubau Fassadenmaterial Verblendstein Adresse Hamburg Bauherr Privat Planungsbeginn 12/2008 Fertigstellung 06/2010 Nutzfläche ca. 228 m² (Nettonutzfläche 135 m²) Kosten k. A. Fotos KANTWEG GmbH

Hier öffnet sich das ansonsten eher geschlossene Gebäude über eine riesige Glasfläche

Bastian Grell mag Kuben. Geradlinig und formschön findet er sie, so, wie Architektur sein soll. „Aber natürlich muss der Kunde sich wohlfühlen“, sagt der Geschäftsführer des Architekturunternehmens KANTWEG Häuser. „Er muss schließlich im Haus wohnen.“ In erster Linie setzt er daher die Wünsche der Bauherren um. „Aber ich fühle mich verantwortlich dafür, dass beim Bauen gewisse Grundprinzipien der Architektur beachtet werden.“ Das war bei diesem Projekt leicht: Der Bauherr, ein erfolgreicher Fotograf, habe ein gutes Auge und erkenne gute Architektur, sagt Grell. „Aber er sieht eben auch jeden Millimeter einer nicht exakt geraden Fuge.“ Der Fotograf wusste genau, was er wollte: Reduziert und minimalistisch

sollte der Bau sein, mit gerader Linienführung und Stringenz in der Optik der Fassade. Also entwarf der Architekt einen Kubus und verwendete einen anthrazitfarbenen Verblendstein mit glatter Oberfläche, auch die Holzfenster sind in Anthrazit gehalten. Passend dazu entschied sich Grell im Inneren für einen Holzfußboden, der Wärme ausstrahlen soll. Denn: „Außen haben wir die Härte, daher wollten wir innen Wohnlichkeit schaffen.“ Dazu wünschte sich der Bauherr ein großes Kellergeschoss für sein Fotoatelier. Das bekam er dann auch – und ein bisschen mehr: Der neu entstandene Keller geht nämlich über die Hausaußengrenzen hinaus und schafft so Platz für das Atelier und einen zusätzlichen Gästeraum. Da das Haus

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Büro K A N T W E G, H A M B U R G & B E R L I N  /  Haus H amburg

mitten in Hamburg steht und von Bürogebäuden sowie Ein- und Mehrfamilienhäusern umgeben ist, bleiben alle Fassadenseiten bis auf die Südseite eher geschlossen. Nach Süden öffnet sich der Bau aber umso mehr: Eine riesige Glasfläche schafft Weite und lässt viel Licht ins Innere. So entstand ein heller Koch-, Ess- und Wohnbereich, dessen L-Form aber verhindert, „dass man ständig das Gefühl hat, vom Wohnzimmer in die Küche zu schauen“, sagt Grell. Auch das kann und soll Architektur sein: durch Lichtführung und Raumordnung ein Haus schaffen, das einfach und praktisch zu bewohnen ist. In der Form eines Kubus, natürlich. has


16 Einst ein Café, heute Wohnung und Büro zugleich

1950

Dass sich hier in den 1950er-Jahren ein Café befand, ist kaum noch zu erkennen. Alte Schwarzweißfotos aus dem Familienbesitz der Architektin Dea Ecker lassen erahnen, welche Stimmung hier einmal geherrscht haben muss: Das Café war ein beliebter Treffpunkt, ein lichtdurchfluteter Raum mit offener Galerie lockte die Gäste an. „Das Café meiner Urgroßeltern war ein angesagter Ort, sogar Vernissagen und Modeschauen fanden hier statt“, erzählt Ecker. Von diesem Flair war aber kaum etwas übrig, als sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Architekten Robert Piotrowski, das sanierungsbedürftige Gebäude übernahm. Das Hinterhaus wurde schon lange nur noch als Wohnhaus genutzt und im Laufe der Zeit verbaut. Die Glasfassade war zugemauert, die

2004

2014

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Büro E cker A rchitekten , B aden - W ürttemberg /  Haus B aden - W ürttemberg

Galerie mit einer durchgehenden Geschossdecke geschlossen. Aufgrund der guten Lage des Gebäudes in einem begehrten Wohnviertel Heidelbergs entschieden sich die beiden Architekten dazu, das Haus von Grund auf zu sanieren und selbst als Büro und als Wohnort zu nutzen. So wurde der Bestand entkernt, die markante Betonrippendecke freigelegt und der zweigeschossige Gartenraum mit seiner offenen Galerie wieder zum Vorschein gebracht. Die Wohnfläche erweiterten die beiden Architekten mit einem aufgestockten Staffelgeschoss. Das Ziel, dem Haus die Würde von früher zurückzugeben, hatten sie dabei stets im Blick. „Wir wollten, dass der Optimismus und die Leichtigkeit von damals in der Wahl der Materialien und der Möblierung wieder aufleben“, sagt die Architektin. Von der Straße aus sieht man diesen Wandel nicht. Nur ein kleines Schaufenster lässt einen Zugang erahnen. Im Inneren verbindet ein langer, schmaler Raum Vorderund Hinterhaus miteinander. Im rückwärtigen Bereich liegt die Wohnung der Architektenfamilie. Im Vorderhaus, wo früher Kuchen, Torten und Pralinen verkauft wurden, befindet sich heute das Büro. sol


Architektur Ecker Architekten (Dea Ecker, Robert Piotrowski) Web www.ecker-architekten.de Objekt RS29 Kategorie Umbau Fassadenmaterial Vollwärmeschutz mit Filzputz Adresse Heidelberg Bauherr Dea Ecker, Robert Piotrowski Planungsbeginn 09/2011 Fertigstellung 09/2014 Nutzfläche 113 m² (Büro mit Werkstatt und Archiv), 160 m² (Wohnfläche) Kosten k. A. Fotos Brigida González / www.brigidagonzalez.de

Back home Büro E cker A rchitekten , B aden - W ürttemberg / Haus B aden - W ürttemberg 

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17 Wie kreiert man etwas Unverwechselbares, das zugleich strengen örtlichen Bauvorschriften entspricht? Die Ippolito Fleitz Group aus Stuttgart stand genau vor dieser Herausforderung, als der Bauherr, Joachim Fischer, sie mit der Planung seines Einfamilienhauses beauftragte. Die Familie hatte zuvor in einer großen Altbauwohnung in Stuttgart gewohnt, die im Wesentlichen aus zwei riesigen Räumen bestand. An sein neues Heim hatte der designaffine Bauherr einerseits ökologische Ansprüche, andererseits hatte er genaue ästhetische Vorstellungen. Diese galt es nicht nur miteinander zu verbinden, sondern an die eigenwillige ortstypische Bebauung der schwäbischen Gemeinde Denkendorf anzupassen. Als Ergebnis wohnt Familie Fischer nun in einem Einfamilienhaus, das sich visuell absetzt und trotzdem in die Nachbarschaft einfügt.

Der gleiche graue Farbton wurde sowohl für die Dachziegel als auch für die glatt verputzte Fassade verwendet und sorgt dafür, dass die verschiedenen Elemente des Hauses wirken wie aus einem Guss. Diese Einheitlichkeit wird nur teilweise unterbrochen – beispielsweise durch die unterschiedlichen Höhen, Breiten und Formen der Fenster. Um das Ortsbild nicht zu stören, entschieden sich die Architekten für ein Giebeldach und orientierten die Trauf- und Firsthöhe an den Nachbarbauten. Die ländliche Szenerie steht zwar im Kontrast zum modernen Inneren des Hauses, findet jedoch trotzdem Eingang – dafür sorgen ein L-förmiges Panoramafenster und eine große Fensterfront mit Tür, die den Raum zur Terrasse hin erweitern. Abends wird die natürliche Lichtquelle durch außergewöhnliche Lichtspiele ersetzt: Eine programmierbare LED-Leiste an der Decke taucht den Wohnbereich der Familie in eine der jeweiligen Stimmung oder Vorliebe entsprechende Farbe. Die mittlere der drei Ebenen gestalteten die Architekten als loftartigen Wohnraum – eine Anspielung an das frühere Zuhause in der Stadt. So muss Familie Fischer nicht auf das ihnen vertraute Lebensgefühl verzichten. res

Silhouettenspiel Graue Dachziegel, grauer Putz = wie aus einem Guss

Architektur Ippolito Fleitz Group – Identity Architects (Peter Ippolito, Gunter Fleitz) Web www.ifgroup.org Objekt Haus F Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus (KfW-60-Haus) Fassadenmaterial Außenwände Stahlbeton und Mauerwerk, 20 cm Polystyroldämmung, Putzfassade Adresse Denkendorf Bauherr Joachim Fischer Planungsbeginn 01/2007 Fertigstellung 07/2008 Nettonutz­fl äche 245 m² Kosten k. A. Fotos Bruno Helbling / www.helblingfotografie.ch

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Büro I ppolito F leitz G roup – I dentity A rchitects, B aden - W ürttemberg / Haus B aden - W ürttemberg


Main-ly Outstanding An der schmalsten Stelle ist das Haus gerade mal 3,40 Meter breit

18 Architektur liquid & fay architekten (Kerstin Schultz, Werner Schulz, Harald Fay) Web www.clickliquid.de Objekt Haus Walter Kategorie Neubau Fassadenmaterial Putz Adresse Frankfurt-Fechenheim Bauherr Martin Walter Planungsbeginn 2007 Fertigstellung 2010 Nutzfläche 115 m² Kosten EUR 270.000,– (Nettobaukosten) Auszeichnungen Vorbildliche Bauten im Land Hessen 2014; Auszeichnung guter Architektur in Hessen 2013: „Martin-ElsaesserPlakette“ des BDA Fotos Eibe Sönnecken / www.eibefotografie.de

Hohe Arbeitslosigkeit und wirtschaftlich schwach – derlei Attribute hört man im Zusammenhang mit der Finanzmetropole Frankfurt selten. Doch es gibt Ausnahmen: Vor zwei Jahren fielen diese Worte in einem Artikel über den Stadtteil Fechenheim in der „Frankfurter Rundschau“. Und genau hier, wo der Main eine bauchige Schleife macht, verwirklichte Martin Walter vor sechs Jahren seinen lang gehegten Plan vom Eigenheim. Wie so vieles im Laufe des Projekts war es ein Kompromiss: Raus aus der Stadt wollte Walter dafür nämlich nicht. Weil innerstädtisches Wohnen in Frankfurt unbezahlbar und der Wunsch nach einem eingeschossigen Bungalow mit der Bauordnung der Stadt nicht vereinbar war, wurde es eben Fechenheim. Bereut hat der Bauherr diese Entscheidung nie: „Da ist ein Autohändler, dort steht eine Kletterhalle, um die Ecke war damals noch ein Puff, und ein Bahnhof ist auch direkt hier – es muss nicht perfekt sein, so ein bisschen durcheinander finde ich immer spannend und reizvoll.“ Verabschiedet hat sich Walter dann auch vom eingeschossigen, flachen Baukörper – dafür war das Grundstück

zu schmal. Noch bevor Architektin Kerstin Schultz überhaupt den Bleistift aufs Papier setzen konnte, stand Walter schon mit vier fertigen Modellen in ihrem Büro. Vom schmalen Grundriss – an der schmalsten Stelle ist das Haus gerade mal 3,40 Meter breit – hat Schultz den Baukörper über vier Split Level nach oben gezogen. Dadurch wurden Räume ohne viele Wände geschaffen. Großzügige Raumhöhen waren für Walter dabei zweitrangig: „Ich fand es immer spannender, wenn ein Raum weitläufig ist, er muss nicht immer kathedralenartig sein.“ Dass dem Bauherrn offene Räume wichtiger sind als hohe, zeigt auch das komplett verglaste Badezimmer in der obersten Ebene – „das Aquarium“ nennt es Walter nicht umsonst. Eigentlich hätte er sich an dieser Stelle ein Atrium gewünscht. Zu teuer, meinte die Architektin. Damit wären wir wieder bei den Kompromissen. „Die vielen Kompromisse, die man eingegangen ist, werden durch so Kleinigkeiten dann doch wieder aufgelöst. Deswegen bin ich da auch nicht traurig“, sagt der hörbar glückliche Bauherr. maj Büro liquid & Fay A rchitekten , H essen /  Haus H essen 

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Architektur Renzo Piano Building Workshop, architects Web www.rpbw.com Objekt Diogene Kategorie Niedrigenergiehaus / Passivhaus („emergency accommodation“) Fassadenmaterial Sperrholz, Beton, Holz Adresse Mobil Bauherr Vitra GmbH Planungsbeginn 2011 Fertigstellung 2013 Nutzfläche 7,5 m² Kosten k. A. Fotos Ariel Huber © Vitra AG

Gedachtes für mobile Denker Egal welches Wetter, egal auf welchem Untergrund: Dieses Mini-Haus funktioniert immer und überall

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Büro R enzo P iano B uilding W orkshop, architects, G enua (I T )  / Haus mobil

Der griechische Philosoph Diogenes sah weltliche Luxusgüter als überflüssig an. Um sich ihrer zu entledigen, soll er freiwillig das Leben der Armen geführt und in einem Vorratsfass gehaust haben. Über 2.000 Jahre später ehrt ein kleines Haus, das gleichzeitig ein großes Projekt ist, sein Gedankengut und seinen Namen: „Diogene“ ist ein voll ausgestattetes Wohnhaus mit 2,4 × 2,4 Meter Grundfläche, einer Firsthöhe von 3,2 Metern und einem Gewicht von 1,2 Tonnen. Obwohl der italienische Architekt Renzo Piano keinen spezifischen Kunden für sein Herzensprojekt hatte, begann er eigenständig mit dessen Entwicklung. Das Ideal eines minimalistischen Wohnens hatte den Pritzker-Preis-Träger seit seinen Studientagen fasziniert. „In diesem Jahrhundert fand eine bedeutsame Entdeckung statt: Die Erde ist fragil, und die Energie, die wir verwenden, ist nicht unendlich. Die Architektur kann sich Verschwendung nicht länger leisten“, erklärt er seine Motivation. Renzo Pianos Mini-Haus funktioniert als autarkes System – unabhängig von den jeweiligen Klimaverhältnissen und der vorhandenen Infrastruktur. Dafür sorgen eine hochkomplexe technische Struktur und Installationen wie Solarmodule, ein Regenwassertank, eine biologische Toilette, Dreifachverglasung und natürliche Ventilation. Die Wohneinheit ist ein Rückzugsort und dabei Minimalismus in reinster Form: Vorhanden ist nicht mehr als das, was gebraucht wird. Dabei befriedigt sie absichtlich nicht alle Bedürfnisse im gleichen Ausmaß – Kommunikation beispielsweise soll woanders stattfinden. Auf diese Weise lädt das Haus seine Gäste oder Besitzer dazu ein, die Beziehung zwischen dem Individuum und der Gesellschaft zu überdenken. Das Architekturbüro Renzo Piano Building Workshop fand schlussendlich mit der Schweizer Vitra AG einen Partner und Auftraggeber. Seit 2013 ist „Diogene“ als kleinstes Gebäude auf dem VitraCampus der Öffentlichkeit zugänglich. Ob das Haus weiterentwickelt und in Serie produziert wird, ist noch unklar. res


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Nicht nur mit direkter Verbindung zum Garten, sondern auch einem einzigartigen Blick über das Tal

Architektur F29 Architekten (Peter Zirkel) Web www.f29architekten.de Objekt Haus Gaber Kategorie Neubau Fassadenmaterial Naturschiefer Fassadenfirma Mühle, Cunnersdorf Adresse Dorfhain Bauherr Verena Gaber, Frank Richter Planungsbeginn 09/2005 Fertigstellung 03/2007 Nutzfläche 131 m² (Nettonutzfläche 99 m²) Kosten EUR 210.000,– Auszeichnungen Sächsischer Landeswettbewerb 2011 – „Ländliches Bauen“ (1. Preis) Fotos Frank Heinrich Müller

Fein am Dorfhain

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Inmitten von Streuobstwiesen mit herrlichem Blick auf den Tharandter Wald liegt das Zuhause von Verena Gaber und Frank Richter. Als einziges Architektenhaus weit und breit erschien es in der Bauphase zunächst vielleicht als ungewöhnlicher Exote in der Gemeinde Dorfhain, etwa 20 Kilometer südlich der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. „Wie sich aber Pflanzen in ihrer Umgebung verwurzeln und behaupten, so fügte sich auch unser Haus bald in die Landschaft ein“, erklären die naturliebenden Bauherren. Erreicht wird dies durch das elegante Anthrazit des regional oft verwendeten Schiefers, das in Kombination mit der feinen umlaufenden Kupferlaibung an Fassade und Dach für einen klaren und erdverbundenen Look sorgt. Ein weniger individuell gestaltetes Haus wäre allerdings auch aus rein praktischen Gründen kaum infrage gekommen. Immerhin waren sich die Bauherren der Herausforderungen des eigenwilligen Baugrundstücks mit unvorteilhafter extremer Nordhanglage nur zu bewusst. So legten sie das Projekt in die erfahrenen Hände ihres befreundeten Architekten Peter Zirkel und seines Teams von F29 Architekten. Ein Haus zu konzipieren, welches dennoch „für die Sonne gemacht“ ist, sei also im

Büro F2 9 A rchitekten , S achsen /  Haus S achsen

Fokus seiner Arbeit gestanden, erzählt der Architekt. Dies galt umso mehr, als auch die Ausrichtung des Hauses von strikten Bauauflagen diktiert wurde. Die Lösung brachte eine „indirekte Südlichtführung, bis hinab zum unteren Wohnraum, die durch die Staffelung der parallel zum Hang verlaufenden Satteldächer über Oberlichter erreicht wird“, erklärt Zirkel. Spätestens die Gestaltung des hellen Wohnraums zeigt, welche Vision die Bauherren und ihr Architekt teilten. Wohn- und Schlafzimmer sowie das zentrale große Arbeitszimmer besitzen nicht nur eine direkte Verbindung zum Garten, sondern eröffnen auch einen einzigartigen Blick über das Tal am Rande des Naturschutzgebiets. Damit das so bleibt, haben sich die Bauherren viel Zeit bei der liebevollen Gestaltung des Naturgartens gelassen. Um Platz für Staudenbeete und Obstgehölze zu schaffen, kommt immerhin „bis heute noch häufig die Spitzhacke zum Einsatz, um das halbe Osterzgebirge aus dem Boden zu holen“, scherzen die beiden – und lassen besonders solche Tage gerne entspannt auf ihrer Terrasse mit Blick über Garten und Wald ausklingen. sos


Rahmenbau Als ein befreundetes Paar ein ehemaliges Bungalowhaus aus den 1960er-Jahren in exklusiver Halbhöhenlage in Pforzheim erwarb, verliebte sich Elmar Gauggel vom Büro LABOR WELTENBAU auf Anhieb in das Projekt. „Das Bestandsgebäude wirkte im Vergleich zu seiner Nachbarbebauung sehr unscheinbar und kümmerlich. Ich sah das Potenzial, es in eine moderne Lifestyle-Villa umzugestalten, ohne den originellen Charakter der Architektur zu zerstören“, sagt Gauggel. Um es an ein zeitgenössisches Wohnniveau anzupassen, musste jedoch einiges getan werden. Da eine Kernsanierung aller Wohnbereiche erforderlich war, konnte der Architekt die Grundrisse vollständig neu anordnen. Anstelle der kleinteiligen Zimmer im Erdgeschoss entstand ein großer Raum zum Wohnen, Essen, Kochen und Arbeiten. Dieser wurde durch eine neu geschaffene 60 Quadratmeter große Terrasse mit eigenem Zugang zum Garten erweitert. Gauggel sieht hier das Zentrum des Hauses: „Durch die Panoramaverglasung verschmilzt der Wohnraum mit der Landschaft, und das Familienleben kann sich ohne Barriere zwischen dem Innen- und Außenbereich abspielen.“ Im unteren

Geschoss befinden sich die Schlafzimmer, die Bäder sowie ein Spielraum für die Kinder. Die Hausbewohner haben auch von dieser Etage aus großzügigen Zugang ins Freie. Um dem außen ganz in Weiß gehaltenen Haus eine warme und freundliche Wohnatmosphäre zu geben, sind im Inneren leicht strukturierte und farblich gebrochene Oberflächen zu finden. Eine spezielle Herausforderung war es, dem Gebäude mehr Größe und Dominanz zu verleihen – und das, ohne gleichzeitig das Budget für die Bauherren in die Höhe zu treiben. Die Lösung: eine klare geometrische Form und eine sekundäre Konstruktion aus angelehnten Stahlbügeln. Derart ist das Haus nicht nur ein Zwischenraum aus Innen- und Außenbereich, sondern auch aus Licht und Schatten. „Die Konstruktion inszeniert ein Schattenspiel auf der puren, weißen Fassade und bringt je nach Tageszeit und Wettersituation Lebendigkeit in die Architektur.“ res

21 Zwischenspiel aus Licht und Schatten — durch angelehnte Stahlbügel

Architektur LABOR WELTENBAU (Elmar Gauggel) Web www.laborweltenbau.de Objekt Haus SCH Kategorie Umbau Fassadenmaterial Wärmeverbundsystem Adresse Pforzheim Bauherr Raphael und Stella Scherer Planungsbeginn 02/2012 Fertigstellung 07/2013 Nutzfläche 280 m² (Nettonutzfläche 240 m²) Kosten EUR 650.000,– (brutto) Fotos Oliver Kern / www.oliverkern-fotografie.de

Büro L A B O R W E LT E N B AU, B aden - W ürttemberg /  Haus B aden - W ürttemberg 

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Gutshof 2.0 Wie hingemalt steht es da. Inmitten saftig grüner Wiesen, flankiert von nahe liegenden Baumreihen und in seiner Erhabenheit in sich selbst ruhend. Die Rede ist von einem Hofhaus in der ländlichen Umgebung von Neumarkt in der Oberpfalz aus der Feder des bayrischen Büros KÜHNLEIN Architektur. Das Spezielle an diesem „Gutshof 2.0“ ist nicht nur die Neuinterpretation eines archaischen Landhofes, sondern auch die bemerkenswerte Optik, bei der Konstruktion und Gestaltung sich unmittelbar bedingen. So besteht das Gebäude zur Gänze aus Holz, wobei nicht nur alle Wände und Decken aus Brettsperrholz gefertigt sind, sondern auch die gesamte Möblierung (mit Ausnahme der Stühle). Darüber hinaus sind im Inneren alle Brettsperrholzober-

flächen sichtbar, folglich waren keine Verkleidungen oder Verputzarbeiten notwendig. Außen wird die Gebäudehülle von vertikalen spalierartig angeordneten Lärchenleisten eingefasst, die dem Ensemble ein prägnantes, selbstbewusstes Erscheinungsbild verleihen. Besonders gelungen: das Wechselspiel aus großen Öffnungen im Innenhof und den hinter den Holzlamellen „versteckten“ Lichtbändern, die den Blick nach außen freigeben, gleichzeitig aber keinen Einblick erlauben. Schönes Detail am Rande: Die (derzeit noch) helle

Hier ist alles Holz: die Fassade, die Decke, die Wände – das ganze Haus samt Möblierung (bis auf die Stühle)

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Büro K Ü H N L E I N A rchitektur , B ayern /  Haus B ayern


Lärchenholzfassade wird mit der Zeit vergrauen sogar aus Kupferblöcken ausgefräst und die und derart das Objekt elegant „altern“ lassen. Elektroinstallationen mit Kupferrohren sichtbar Das ebenerdige, barrierefreie Gebäude verlegt. Konstruktives Know-how zeigte KÜHNgliedert sich in ein Wohnhaus mit Wohn-, Koch- LEIN Architektur auch bei der Gründung des und Essbereich sowie in ein Schlafhaus samt Hauses: Durch eine schwimmende Gründung Bädern und Kinderzimmer. Ein flacher Zwider 20 Zentimeter starken Stahlbetonplatte auf schenbaukörper verbindet die beiden Häuser Glasschaumschotter konnte auf aufwändige und stellt den großzügigen Eingangsbereich Fundamente und Frostriegel verzichtet werden. dar. Durch diese Anordnung ergeben sich zwei Und da ein derart natürliches Haus auch Höfe: der Eingangshof als halb private Vor„natürlich“ versorgt sein will, wird dieses mit fläche und der intimere Terrassenhof, der sich einer Erdwärmepumpe beheizt. Eine Fußin die weite Landschaft der Jurahochebene bodenheizung und die zusätzliche Wandheiorientiert. Als Kontrast zu der Fülle an Holzelezung in den Bädern garantieren eine angenehmenten und -möbel wurde für alle metallischen me Strahlungswärme. Für zusätzliche Wärme Oberflächen der warme Farbton des Kupfers und Behaglichkeit sorgt der drehbare Holzofen verwendet, Schalter und Steckdosen sind im Wohnbereich. cao

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Architektur KÜHNLEIN Architektur (Michael Kühnlein jun. und Michael Kühnlein sen.) Web www.kuehnlein-architektur.de Objekt Wohnhaus aus Holz Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Lärchen-Holzleisten, unbehandelt Adresse Neumarkt Bauherr Verena und Simon Kühnlein Planungsbeginn 06/2013 Fertigstellung 09/2014 Nutzfläche 200 m² (Nettonutzfläche 180 m²) Kosten EUR 500.000,– Auszeichnungen Callwey „Häuser des Jahres“ 2015; Architektouren 2015 Fotos Erich Spahn / www.erich-spahn.de

Büro K Ü H N L E I N A rchitektur , B ayern /  Haus B ayern  

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Architektur mvm+starke (Michael Viktor Müller, Sonja Starke) Web www.mvm-starke.de Objekt Haus am See Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Aluminiumschindeln Fassadenfirma Prefa / www.prefa.de Adresse Heimbach Bauherr Sonja Starke, Michael Viktor Müller Planungsbeginn 05/2004 Fertigstellung 05/2005 Nutzfläche ca. 137 m² Kosten EUR 168.000,– Auszeichnungen Architekturpreis NRW 2007; BDA Aachen 2006; Holzbaupreis NRW 2006 Fotos Thomas Koculak / www.koculak.de

Der Ausblick geht nicht nur nach vorne auf den See, sondern auch nach hinten in den Nationalpark Eifel

Rollentausch

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„Architekten“, meint Michael Viktor Müller, „sollten mindestens einmal im Leben auch Bauherren sein. Wenn man den Erwägungsprozess einmal mitgemacht hat und mit seinem eigenen Budget planen musste, dann profitiert man bei jedem zukünftigen Projekt von der Erfahrung.“ Michael Viktor Müller weiß, wovon er spricht. 2004 nahm der Architekt nämlich selbst die Rolle des Bauherrn ein. Gemeinsam mit seiner Partnerin Sonja Starke vom Büro mvm+starke plante er das Ferienhaus am See. Einfach war der Rollentausch nicht: Zu dem begrenzten Budget kam auch ein Bebauungsplan aus den 1970erJahren, der Grenzen setzte. Vorgeschrieben waren Satteldach und maximal ein Geschoss. Verboten waren die Materialien Holz, Kunststoff sowie Eternit als Fassadenverkleidung. Entstanden ist am Ende ein Konzept, das „an keiner Ecke eine Frage offenlässt“, so Müller. Während sich das Schlaf- und das Gästezimmer ganz intim unter dem Dach ducken, dient das Untergeschoss als Arbeitsbereich für die beiden Architekten. Und dazwischen: der Ausblick. Der geht nicht nur nach vorne in Richtung See, sondern auch nach hinten, hinein in die Laubwälder des Nationalparks Eifel. Um beide Blickpunkte zu verbinden, wurde das Herzstück des Hauses – der Wohnraum – als Röhre konzipiert und die Natur durch wandhohe Faltschiebefenster auf beiden Seiten hereingeholt. Außerdem kleideten Müller und Starke ihren Wohnbereich vom Boden bis zur

Büro mvm+starke , N ordrhein - W estfalen /  Haus N ordrhein - W estfalen

Decke in dunkelrotbraunes Merbauholz. Das, erklärt Müller, verstärke aber nicht nur den „Röhreneffekt“. Es stärke auch den Raum selbst. Kontrast schaffen völlig in weiß gehaltene Möbel und Einbauten. Der besagte Effekt sollte aber auch im Außenbereich sichtbar werden: „Wir haben ein Material gesucht, das für die Fassade ebenso wie für das Dach funktioniert.“ Holzschindeln hätten das gekonnt, Eternit auch. Beide Materialien verbietet der Bebauungsplan. „Als der Plan geschrieben wurde, waren Aluminiumschindeln ein nahezu unbekanntes Material. Für uns hat sich damit eine Lücke ergeben, die wir nutzten.“ Und so glänzt das Haus nun vom Boden bis zum Giebel silbrig. Formell hielt man sich also an alle Vorschriften, interpretierte sie nur auf ungewöhnliche Weise. Ein Rollentausch also, der gut ausgegangen ist. ros


WILD PITCH

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Heim   Das Fassadenmaterial aus schwarzem Schiefer, bewusst mit unregelmäßiger, rauer Zeilenstruktur, erinnert an einen Schutzpanzer

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Büro daniela resch architektur & design , B aden - W ürttemberg / Haus B aden - W ürttemberg


vorteil 24 Architektur daniela resch architektur & design Web www.danielaresch.de Objekt Architektenhaus Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus Fassadenmaterial Schiefer Adresse Stuttgart Bauherr Familie Resch Planungsbeginn 2012 Fertigstellung Ende 2013 Nutzfläche 300 m² Kosten k. A. Fotos Achim Birnbaum / www.achimbirnbaum.eu

Das Schönste und Schwierigste an der Doppelfunktion als Bauherrin und Architektin war für Daniela Resch, als Architektin so viele Möglichkeiten der Baukunst zu kennen, sie aber als Bauherrin nicht alle ausprobieren zu können. Sie verwarf alte Konzepte, konzentrierte sich auf neue Ideen und hätte wohl unendlich lange weiterplanen können. Da war es fast eine Erleichterung, dass das Grundstück einerseits aufgrund seiner Beschaffenheit, andererseits aufgrund der relativ strengen Bauvorschriften einige Herausforderungen bereithielt, die verschiedene Lösungsansätze von vornherein nicht zuließen. So fiel etwa die Konstruktion eines Flachdachs weg, es wäre nicht genehmigungsfähig gewesen. Zusammen mit der Hanglage und den vorgeschriebenen Höhen und Baulinien sowie der tiefen Baugrube auf der kleinen Grundfläche gab es verschiedene Aufgaben zu lösen. Doch am Ende gelang es Resch, innerhalb von nur sieben Monaten ein Gebäude zu errichten, das sich sowohl in die Umgebung einfügt als auch als eigenständiger Baukörper funktioniert. Dazu trägt unter anderem das Fassadenmaterial bei. Der schwarze Schiefer lässt das Haus nie bedrohlich oder dunkel wirken, sondern fügt sich wie selbstverständlich in das Wohngebiet ein. Gleichzeitig erinnert seine bewusst unregelmäßige, raue Zeilenstruktur an einen Schutzpanzer. Im Inneren wirkt das Haus überraschend großzügig. Das Treppenhaus verbindet mit Luftraum und Galerie die Ebenen und schafft zusammen mit der sieben Meter hohen Diele und dem Polygonaldach Freiräume für die Bewohner. Für die nötige Gemütlichkeit sorgen Naturstoffe – wie etwa Carrara-Marmor oder wildes Olivenholz –, denen an bestimmten Stellen durch Hightech-Elemente ein bewusster Kontrast gesetzt wird. val

Büro daniela resch architektur & design , B aden - W ürttemberg / Haus B aden - W ürttemberg 

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Spielerische Transformation

Bevor diese imposante Fassade entstehen konnte, musste das Bestandshaus bis zum Rohbau abgetragen werden

Architektur K17 Steingräber. Architektur Web www.k17office.de Objekt Holzbox Kategorie Umbau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus, Holzbau Fassadenmaterial Holz Fassadenfirma Tischlerei Grund, Uslar Adresse Uslar Bauherr Privat Planungsbeginn 08/2011 Fertigstellung 08/2015 Nutzfläche 550 m² (Nettonutzfläche pro Einheit 180 m²) Kosten ca. EUR 400.000,– Auszeichnungen Tag der Architektur 2016 Fotos Tim Grimme, K17 Steingräber. Architektur

25 Anfangs waren die Befürchtungen groß. Der Gedanke, einen ehemaligen Kindergarten von oben bis unten in Holz zu hüllen, ist auch nicht gerade ein alltäglicher. Ob dadurch die Innenräume Tageslicht einbüßen werden oder – noch viel schlimmer – der Blick nach draußen wie im Gefängnis anmuten wird? Und wie putzt man mit vorgehängter Fassade die dahinter befindlichen, festverglasten Fenster? Das fragten sich nicht nur die Bauherren, sondern auch so mancher Anrainer. In enger Zusammenarbeit mit dem Büro K17 Steingräber. Architektur rund um Tim Grimme stellten sich die beiden Brüder, die den Kindergarten seit den 1960er-Jahren in Familienbesitz haben, diesen Fragen. Bis die nun optisch prägende Fassade an ihrem Platz war, mussten aber zuerst die Altlasten beseitigt werden. Der Kindergarten wurde bis zum Rohbau abgetragen, um auch die letzten Asbestspuren zu beseitigen. Erst dann konnte für das zukünftige Zweifamilienhaus

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Büro K17 S teingr ä ber . A rchitektur , N iedersachsen /  Haus N iedersachsen

aufgestockt werden. Mittig im Haus wurde ein Atrium geschaffen, das nicht nur Licht hineinlässt, sondern auch beide Häuserhälften optisch stärker miteinander verbindet. Immerhin könnte man seinem Nachbarn nun – am Schreibtisch sitzend – in die Augen schauen. Im Obergeschoss wurde außerdem ein Laubengang hinter der Fassade eingeplant. Damit wurde nicht nur das Fensterputzproblem gelöst, sondern im Zusammenspiel mit dem Atrium das gesamte Haus mit Licht durchflutet. Dass die anfänglichen Befürchtungen umsonst waren, merkten die Bauherren schnell – und auch die Anrainer beim Tag der Architektur 2016. Hier war es möglich, seinen ehemaligen Kindergarten, sprich: das nun holzverkleidete Zweifamilienhaus, zu besuchen. Das Feedback hätte nicht positiver ausfallen können. Denn selbst die Erinnerung an den Kindergarten hat ihren Platz gefunden – im bunt gestalteten Eingangsbereich. ros


Architektur quadrat+ (Thomas Köster, Alexander Pick) Web www.quadratplus.de Objekt Haus aus Backstein Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus (KFW 55) Fassadenmaterial Klinker Kohlebrand rot-blau-bunt Klinkerhersteller Deppe Backsteinkeramik Adresse Haltern am See Bauherr Sonja Fell, Alexander Pick Planungsbeginn 12/2012 Fertigstellung 3/2014 Nutzfläche 247 m² (Nettonutzfläche 194 m²) Kosten EUR 358.000,– Fotos Detlef Podehl / www.podehl.com

Türdrücker 1093 von FSB Design: Jahn / Lykouria, www.fsb.de

Glücksfall am See Um das richtige Grundstück für das richtige Gebäude zu finden, braucht man Erfahrung, Wissen – und eine Portion Glück. Das, so ist sich Architekt Alexander Pick sicher, hatte er bei der Realisierung seines Eigenheims: „Wir wollten ein Grundstück in einer gewachsenen Struktur.“ Noch dazu sollte es ein Ort sein, dessen Bebauungsplan ein Flachdach vorsah. Ein solches Grundstück zu finden gestaltete sich in Haltern am See allerdings schwierig. Die Weichen waren schon auf den Erwerb eines Altbaus gestellt, da stieß der Architekt durch Zufall an einem Sonntagabend auf ein Grundstück in unmittelbarer Nähe zum See. Schnelles Handeln war nun gefragt. „Montagmorgen haben wir es gekauft“, sagt Pick. Ein Glücksfall. Und so wurde neu gebaut. Der Architekt wollte das Eigenheim so klar und reduziert wie möglich. Wohl auch deshalb ist das Haus, das er für sich und seine Familie entworfen hat, ein Kubus mit wenigen, aber großen Öffnungen und einem Flachdach geworden. Beim Fassadenmaterial fiel die Wahl auf Backstein, was Pick passend findet, schließlich wohnt er mit seiner Familie an der Grenze von Ruhrgebiet und Münsterland, das für seine Backsteinziegel bekannt ist. Außerdem mag er das Material – es sei alt und ehrlich. Damit der Backstein voll zur Geltung kommen kann, ist in der Nordfassade nur ein Einschnitt für den Eingang vorgesehen, die Aufenthaltsräume orientieren sich Richtung Süden. Pick: „Ich wollte es einfach und minimalistisch.“ Das reduzierte Äußere, das Spaziergänger zuweilen zur Bezeichnung „Bunker“ veranlasst, wird im Innenbereich durch die Böden aus rustikalen Eichendielen, die Sichtbetondecken und die weiß verputzten Wände zu einem wohnlichen Erscheinungsbild. „Im Kopf war die Idee für so ein minimalistisches Haus schon immer vorhanden.“ Auch deshalb konnte das Projekt innerhalb weniger Monate umgesetzt werden. Der Neubau aus Backstein bietet nun dem Architekten mit seiner Familie ein neues Zuhause mit dem Stausee auf der einen und den Auen auf der anderen Seite. Ein Glücksfall eben. has

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Büro Q uadrat+, N ordrhein - W estfalen /  Haus N ordrhein - W estfalen


Der Bauherr wollte es einfach und minimalistisch – außen in Backstein, innen mit Sichtbetondecken und weißen Wänden

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Büro Q uadrat+, N ordrhein - W estfalen / Haus N ordrhein - W estfalen 

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Funktionalität

FSB Ästhetik Um diese drei Begriffe geht es beim Ergo­ System ® von FSB: Funktionalität, Ergonomie, Ästhetik. FSB setzt damit seine 135-jährige Kompetenz rund um „Greifen und Griffe“ auf die Gestaltung von barrierefreien Produkten im Sanitärbereich fort. Das ErgoSystem ® basiert auf dem universellen Gedanken und Konzept „Design-für-alle“ und fokussiert auf die Belange von Menschen aller Altersgruppen. Dass funktionale und ergonomische Produkte zudem ästhetisch sein können (man sollte vielmehr sagen: müssen), zeigt das mehrfach ausgezeichnete Design. Mit dem in zwei Ausprägungen verfügbaren ErgoSystem ® – A100 (A = Aluminium, in verschiedenen Farben pulverbeschichtet) und E300 (E = Edelstahl, fein matt gebürstet oder poliert) – liefert FSB für unterschiedliche Betreiber-, Bauherrenund Budgetanforderungen stets die passende Lösung.

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FSB × 100 Häuser

Ergonomisch perfekt: der ovale Griff-Querschnitt Beiden Systemausprägungen gemein ist die Grundidee der am Markt einzigartigen diagonalen Ausrichtung eines ovalen Griffquerschnittes. Dieser folgt konsequent den Gesetzen der Greifergonomie und steht für unerreichten Komfort und sicheren Halt. Die Hand umgreift den elliptischen Querschnitt formschlüssig. Im Vergleich zu einer kreisrunden Querschnittsform muss die Hand erheblich weniger Kraft aufwenden, um das Verdrehen am Griff zu verhindern. Hinzu kommt die 45°-Neigung des Ovalrohrs in einer diagonalen Schrägstellung, die sich aus dem räumlichen Ablauf beim Zugreifen ableitet. Auf diesem ergonomischen Konzept basierend, fügt das ErgoSystem ® A100 einen offenen Greifraum hinzu. Wand, Stütze und

Griff formen das statische Prinzip eines Dreiecks aus, welches subjektiv und objektiv für hohe Belastbarkeit und Stabilität einsteht: Das Greiferlebnis wird als besonders angenehm und sicher empfunden. Optimale Sichtbarkeit im Raum Das ErgoSystem ® A100 ist dank variabler Farbkonstellationen individuell auf Interieur und Ambiente abstimmbar. Stützen / statische Bauteile und Handläufe / Griffe sind in ihrer Farbgebung kombinierbar. Dabei können Stützen und Handlauf in ErgoSystem ® A100 in identischer oder unterschiedlicher Farbe ausgeführt werden. So können ausreichende Kontraste für optimale Sicht- und Ablesbarkeit im Raum erzielt werden. www.fsb.de


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Das ErgoSystem ® A100 fertigt FSB in vier Oberflächen bzw. sechs Farbstellungen, wobei gleichzeitig Beschichtungen mit unterschiedlichen Glanzgraden zum Einsatz kommen.

FSB × 100 Häuser 

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„Fred & Ginger“: Benannt nach dem Tanzduo Fred Astaire und Ginger Rogers, zeigen (und fordern) die beiden Wohnhäuser durchaus Beweglichkeit

Duo im Takt Alles begann in einer Galerie in Salzburg. „Wir waren bei Thaddaeus Ropac eingeladen“, erinnert sich Architekt Rudolf Finsterwalder. „Dort standen viele Skulpturen.“ So kam es zu den ersten Skizzen für zwei kleine, ungewöhnliche Holz-Wohnhäuser, die bald den Namen „Fred & Ginger“ in Anlehnung an das berühmte Tanzduo Fred Astaire und Ginger Rogers tragen sollten. Die Idee dafür lieferte eine ältere Dame am Bauamt, die meinte: „Die Häuser tanzen so schön.“ Damit sprach sie dem Architekten und Bauherrn Finsterwalder aus der Seele: „Ich wollte zwei Häuser mit skulpturalem Ansatz, die in einer Beziehung zueinander stehen.“ Dynamisch sollten die Baukörper sein, wie zwei Tänzer, die aufeinander und auf ihre Umgebung reagieren – oder besser gesagt: auf den Bauplatz. Denn dort steht eine Birke, die Finsterwalder unbedingt erhalten wollte. „Das ist ja eher untypisch für einen Architekten“, findet er. Um den Wurzeln genug Raum zu lassen, wurde „Gingers“ Erdgeschoss relativ weit weg vom Baum gebaut, das erste Obergeschoss springt nach vorne, und das zweite kippt regelrecht in den Baum. „Es sind keine Häuser für jedermann“, so der Architekt. Das habe man auch beim Vermieten gemerkt. Wegen der ungewöhnlichen Winkel hätten manche Besucher bei der Besichtigung gleich wieder den Ausgang gesucht. Bei all der Experimentierfreudigkeit ist es ihm ein Anliegen, bezahlbare und nachhaltige Häuser zu entwerfen. Für Außen- und Innenwände, Dach und Decken verwendete er daher PHEPlatten. „Das klingt jetzt nicht sehr sexy“, sagt Finsterwalder – und gerät trotzdem ins Schwärmen: Vor allem in Sachen Statik, Wärmedämmung und Akustik bewähren sich die aus Fichtenhölzern bestehenden Platten, die ohne Leim mit Aluminiumnägeln miteinander verbunden sind. „So leben die Bewohner mit dem Baum und in dem Baum“, meint er. Und tatsächlich: Durch die kleine Grundfläche der Häuser – sechs mal neun Meter – und die nach oben hin auskragenden Etagen ähneln sie Bäumen mit ihren Kronen. has

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Büro F insterwalder A rchitekten , B ayern /  Haus B ayern


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Architektur Finsterwalder Architekten (Maria José Finsterwalder da Silva Araújo, Rudolf Finsterwalder) Web www.finsterwalderarchitekten.com Objekt Fred & Ginger Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Holz-Stulpschalung Adresse Stephanskirchen Bauherr Rudolf Finsterwalder Planungsbeginn 05/2014 Fertigstellung 11/2015 Nettonutzfläche Fred ca. 120 m², Ginger ca. 140 m² Kosten ca. EUR 550.000,– Fotos Josefine Unterhauser / www.unterhauser.de

Türdrücker 1001 von FSB Design: Peter Bastian, www.fsb.de

Büro F insterwalder A rchitekten , B ayern /  Haus B ayern  

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Architektur lynx architecture (Susanne Muhr, Volker Petereit) Web www.lynx-a.com Objekt Haus EW Kategorie Neubau, Holzbau (OG ab Brüstung aus Brettsperrholz) Fassadenmaterial Kirchheimer Muschelkalk Adresse München Bauherr Privat Planungsbeginn Frühjahr 2011 Fertigstellung 02/2013 Nutzfläche 480 m² (Nettonutzfläche 380 m²) Kosten k. A. Fotos Gunter Bieringer / www.gunterbieringer.de

Ein Pool wie ein Aquarium: Eine 23 Zentimeter dicke, zwei mal sechs Meter große und sechs Tonnen schwere Plexiglasscheibe wurde extra für die eigenwillige Konstruktion angefertigt

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Büro lyn x architecture , B ayern /  Haus B ayern


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Wasserspiele Von der Straße aus ist nur wenig von dem ausgeklügelten und detailverliebten Bau zu erkennen, der sich hinter der steingewordenen Hecke verbirgt. Ein großer Teil des Gebäudes wurde im Boden versenkt, wie etwa der Pool, der eines der zentralen Elemente bildet. Er ist – abgesehen von dem verträumten, langgezogenen Teich an einer der Längsseiten des Grundstücks – eine Hommage an die große Liebe der nun dort wohnhaften sechsköpfigen Familie zum Wasser. Aus dieser Anforderung heraus habe sich auch eine der größten Schwierigkeiten des Projekts entwickelt, erzählt Susanne Muhr von lynx architecture. Da der Pool wie ein gigantisches Aquarium einsehbar sein sollte, war eine Spezialkonstruktion dafür nötig. Eine 23 Zentimeter dicke, zwei mal sechs Meter große und sechs Tonnen schwere Plexiglasscheibe wurde extra für die eigenwillige Konstruktion angefertigt. Anlieferung und Montage

dauerten einen knappen Tag und riefen die gesamte Nachbarschaft auf den Plan. Die Planung und Abwicklung solcher Herkulesaufgaben wären ohne einen eigens dafür zuständigen Projektarchitekten, in diesem Fall Dirk Härle, Mitarbeiter bei lynx architecture, nicht denkbar gewesen. Was die Architekten entwickelt und gebaut haben, ist nur noch mit Fantasie als Haus erkennbar. Viele Details im Inneren – wie Sauna, Whirlpool und zugehöriger Ruhebereich – erinnern in Stil und Form mehr an einen Wellnesstempel oder an eine ambitionierte Illustration für ein hippes Start-up. Dementsprechend arbeits- und entwurfsintensiv sei der Entwicklungsprozess gewesen, erinnert sich Muhr. An dessen Ende gelang es dem Team, städtebauliche, funktionale und emotionale Anforderungen unter einen Hut zu bringen und das für diese Familie perfekte Haus zu realisieren. val

Büro lyn x architecture , B ayern /  Haus B ayern  

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In Kleve, einer Stadt an der deutschniederländischen Grenze, konnte sich ein Architekt einen Wunsch erfüllen: Sein erster Bauherr war er selbst. Ein persönliches Projekt – und fast ein Selbstversuch: „Das Projekt hatte einen ganz besonderen Wert für mich“, erzählt André Lemmens, denn das Hauses ist Teil der Familiengeschichte, wohnten doch im Altbau die Großeltern. Gemeinsam mit seinem Vater, der beim Entwurf half, hat Lemmens das Gebäude aus den 1950er-Jahren um einen kubischen Anbau erweitert. „Ich war ein junger Architekt, gleichzeitig Bauherr, und mit der Erfahrung meines Vaters habe ich den Entwurf einige Male überarbeitet und überdacht.“ Die größte Herausforderung beim Umbau war es, Alt und Neu harmonisch zu verbinden. Realisiert wurde das durch eine Glasfuge. Dennoch stehen die beiden Gebäudeteile in Kontrast zueinander. Das Vorderhaus ist ein typisches

Backsteinhaus mit Mansardendach. Das äußere Mauerwerk des hinteren, zugebauten Teils ist zweischalig aufgebaut und mit einem hellen Zementputz versehen worden. So wurde trotz bescheidener finanzieller Mittel eine gute Dämmung erzielt. Bei der Planung musste man vor allem die viel befahrene B220-Straße berücksichtigen. Die Wohnräume wurden daher im hinteren Bereich angesiedelt, das Büro, über drei Etagen verteilt, richtet sich zur Straßenseite. Die Abrückung des Anbaus vom Haupthaus schafft überdies mehrere hofartige Außenräume. Alt und Neu – verbunden und doch sehr unterschiedlich. Vor zwei Jahren wurde der hintere Teil des Hauses verkauft, heute lebt ein junges Paar darin. Auch sie lieben das Haus. „Sie tragen die Idee vom Bauen hier am Niederrhein weiter“, sagt Architekt, Planer und Ex-Bewohner André Lemmens. roa

Generationenprojekt: Im Altbau wohnten die Großeltern. Gemeinsam mit seinem Vater hat Architekt Lemmens das Haus um einen kubischen Anbau erweitert

Doppelspiel

29 Architektur André Lemmens Architekten Web www.lemmens-architekten.de Objekt Haus 204 Kategorie Umbau Fassadenmaterial Zementputz Fassadenfirma Kleindorp Adresse Kleve Bauherr André Lemmens Planungsbeginn 2000 Fertigstellung 2002 Nettonutzfläche 180 m² Kosten ca. EUR 200.000,– Fotos Peter Leenders / www.leenders.de

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Büro A ndr é L emmens A rchitekten , N ordrhein - W estfalen / Haus N ordrhein - W estfalen


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Architektur Riek-Architektur (Detlef Riek) Web www.riek-architektur.de Objekt Haus Broich Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus, Holzbau Fassadenmaterial Cortenstahl Adresse Mülheim an der Ruhr Bauherr Detlef Riek Planungsbeginn 2009 Fertigstellung 2010 Nutzfläche 300 m² (Nettonutzfläche 245 m²) Kosten EUR 310.000,– Fotos Carlo Giannotta

Grund für den besonderen „Look“ ist die geknickte Form des Grundstücks

Schubladenlook Von vorne sieht das „Haus Broich“ in Mülheim an der Ruhr aus wie ein ganz normales Gebäude mit wunderschön oxidierter Cortenstahlfront. Geht man aber darum herum, eröffnet sich eine Dimension der Form, die zuerst nicht wahrnehmbar war. Von der Seite sieht es nämlich so aus, als wäre der hintere Teil des Hauses wie eine Schublade aus dem vorderen Teil herausgezogen worden. Grund für diese besondere Konstruktion sei die eigenwillige Form des Grundstücks gewesen, erklärt Architekt Detlef Riek. Er wollte einen klaren Baukörper auf den eher schmalen, abknickenden Bauplatz stellen. So kam er auf die Idee des Schubladenlooks. Darüber hinaus setzte Riek auf ökologische Gesichtspunkte: Er ließ eine Wärmepumpe installieren, für die Toilettenspülung und die Waschmaschinen wird Regenwasser verwendet, und die verwendeten Materialien sind so umweltschonend wie möglich.

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Als Bauherr und Architekt in Personalunion konnte sich Riek so richtig austoben – und kam sich „wie ein kleiner Junge im Sandkasten“ vor. So ist etwa die Fassade des Hauses ein selbstentwickeltes Experiment, das nun seit über fünf Jahren gut funktioniert. Für einen externen Bauherrn wäre Riek ein solches Risiko wohl nicht eingegangen. Aber da er das Haus für sich selbst baute, eröffneten sich Möglichkeiten, die er sonst kaum gehabt hätte. Die einzige Herausforderung war das relativ geringe Budget, dessen Einhaltung mit dem Wunsch nach individueller Gestaltung konkurrierte. Aber Riek hatte Glück und konnte etwa das Material für die Giebelfassaden – den Cortenstahl – relativ günstig über einen Freund beziehen. Auch bei der Montage erwischte er ein ökonomisches Angebot, das nur ein Fünftel der Kosten des teuersten Angebots betrug. Alles in allem war das Projekt für Riek vor allem eines: ein Riesenspaß. val

Büro R iek- A rchitektur , N ordrhein - W estfalen / Haus N ordrhein - W estfalen


Lebensräume für Unternehmen designfunktion entwickelt ganzheitlich Büro- und Arbeitswelten, die Unternehmen erfolgreicher machen. Auch im Objekt- und Wohnbereich sind wir ein zuverlässiger Partner – besonders geschätzt von Architekten und Innenarchitekten.

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Architektur Braun Kroetsch Architekten (Stefan Krötsch, Florian Braun) Web www.braunkroetsch.de Objekt Recyclinghaus Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Sackleinen Adresse München Bauherr Privat Planungsbeginn 10/2014 Fertigstellung 05/2015 Nutzfläche 24 m² (Nettonutzfläche 18 m²) Kosten EUR 4.500,– (Anbau) Fotos Matthias Kestel (2), Simone Rosenberg (1)

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Eigenwillig: Haus mit Textilbespannung, der Anbau „Recyclinghaus“ ist mit Sackleinen verkleidet

Vintage Puzzle Meistens sind es die Häuser, über die die Architekten eine Geschichte erzählen können. Das „Recyclinghaus“ bei München ist eine Ausnahme. Hier sind es die Materialien, die den Ton angeben. Normalerweise wäre das Holz, aus dem der Zubau fast komplett besteht, nur mehr als Brennholz verwendet worden, erklären die für den Bau zuständigen Architekten Braun und Krötsch. Stück für Stück wurden die Materialien, die großteils von einem Abbruchgebäude aus der Nähe stammten, zusammengetragen. Wobei das Sammeln nicht die größte Herausforderung bei diesem Projekt gewesen sei: „Am schwierigsten war es, die Baustoffe und Einzelteile zu einer konstruktiven und gestalterischen Einheit zu fügen.“ Bisweilen musste die Planung sehr kurzfristig auf neu dazukommende Materialien und Bauteile reagieren. Am Ende passte doch alles gut zusammen – und das hat vielleicht damit zu tun, dass die Architekten die Bauherren und das Grundstück bereits gut kannten: Vor fünf Jahren wurde ihnen die Sanierung des Haupthauses anvertraut. Und

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da man dieses mit einer Textilbespannung verkleidet hatte und man dem Stil treu bleiben wollte, wurde auch das „Recyclinghaus“ mit Sackleinen bespannt. Ein Projekt, bei dem man die Materialien selbst sucht und wie bei einem Puzzle zusammenbaut, ist aufwändig. Aber es erzeugt am Ende vor allem ein Gefühl: Stolz, den Materialien einen neuen Sinn gegeben zu haben. Und das zum Teil einen hochwertigeren, als sie vorher hatten, so die Architekten. Für die Bauherren ist das „Recyclinghaus“ jedenfalls mehr als nur ein Zubau mit Abstellraum – es ist ein Ort, an dem sich die Familie zurückziehen kann und vor fremden Blicken geschützt ist. Als vor einiger Zeit das Grundstück geteilt worden war, entstand unmittelbar neben dem Haus der Bauherren ein neues Gebäude. Mit dem „Recyclinghaus“ hat die Familie nun ein Refugium bekommen, das nicht nur den Materialien, aus denen es besteht, einen neuen Sinn gibt, sondern auch dem Garten, den die Kinder nun wie ein zweites Wohnzimmer verwenden können. rzt

Büro B raun K rötsch A rchitekten , B ayern /  Haus B ayern

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Architektur STELLWERK architekten (Philipp Herrich) Web www.stellwerk.org Objekt Einfamilienhaus KA18a Kategorie Neubau Adresse Dresden-Rochwitz Bauherr Privat Planungsbeginn 11/2010 Fertigstellung 07/2012 Nutzfläche 335 m² (Nettonutzfläche 285 m²) Kosten EUR 500.000,– Fotos Volker Kreidler

Schauraum Auf einem 1.200 Quadratmeter großen Grundstück an einer wenig befahrenen Straße im Dresdner Stadtteil Rochwitz plante das ebenfalls aus der Sachsen-Metropole stammende Architekturteam STELLWERK ein repräsentatives Einfamilienhaus für eine junge Familie. Die nähere Umgebung ist durch eine überwiegend offene Einzelhausbebauung geprägt, weshalb sich das Gebäude in der Straßenflucht der benachbarten Objekte positioniert. Das Grundstück dominieren einige alte Eichen, die in ihrer Erhabenheit zu Recht erhalten werden mussten. Der Neubau besteht aus zwei verschränkten Baukörpern: einem langgestreckten, eingeschossigen, riegelartigen Gebäudeteil in Ost-West-Ausrichtung mit Flachdach und Dachterrasse sowie einem auf diesem lagernden zweiten Körper mit einem sehr flach geneigten Satteldach, welcher sich über Keller,

Erdgeschoss und Obergeschoss erstreckt. Das Gebäudevolumen fügt sich dabei ganz bewusst in den Freiraum zwischen den zu erhaltenden Bäumen ein; durch subtile Knicke in der Kubatur schmiegt sich der Bau umso mehr zwischen den Baumbestand. Der Zugang zum Gebäude in Form eines zurückgesetzten Eingangsbereichs findet sich an der Ostfassade. Dadurch entstand ein geschützter, überdachter und vor allem optisch deutlich definierter Bereich. An der Südseite sowie an der West- und Nordseite ist dem Gebäude eine Terrasse vorgelagert. Große, öffenbare Fensterflächen schaffen zusammen mit der umlaufenden Terrasse einen direkten Bezug zur Natur. Die beiden zugleich separierten und doch zusammengehörigen Baukörper verdeutlichen auch die verschiedenen Raumnutzungen. So befinden sich in dem riegelartigen Gebäudeteil Räume mit gemeinschaftlicher Nutzung, wie Wohnzimmer, Essbereich und Küche. Der aufliegende Teil wiederum beherbergt die Privaträume der Familie, wie Elternbereich mit Schlafzimmer, Ankleidezimmer, Bad und die beiden Kinderzimmer mit Kinderbad im Obergeschoss. Im Erdgeschoss sind Arbeits- und Gästezimmer mit Gästebad angeordnet. Die Fassade des Hauptbaukörpers besteht aus einem grobkörnigen Kratzputz,

die asymmetrischen und ungleichmäßigen Fensterfaschen wurden hingegen mit einem Glattputz in etwas dunklerer Farbgebung ausgeführt, ebenso wie die erdgeschossige Kubatur. Derart wird eine Verbindung der beiden Baukörper unterstrichen. Als Fenster kamen Holz-Alu-Elemente zum Einsatz. Die Materialien im Innenraum wurden bewusst reduziert ausgewählt. Im gesamten Haus findet sich ein einheitlicher Parkettboden, der mit den hellen Tönen der Wände und Decken harmoniert. Auf den Punkt gebracht: zwei Seelen in einer Brust bzw. zwei Baukörper, die ein gut durchdachtes Gebäude ergeben. cao

Das Gebäudevolumen fügt sich mit subtilen Knicken in den Freiraum zwischen den Bäumen ein

32 Büro S T E L LW E R K architekten , S achsen /  Haus S achsen 

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„Ein Großprojekt ist wie eine Sinfonie – ein Einfamilienhaus wie eine Sonate“, sprach einst der große österreichische Architekt Wilhelm Holzbauer. Ähnlich dürfte es wohl auch das weltweit tätige UNStudio, mit Hauptsitz in Amsterdam, sehen. Primär fokussiert auf Großbauten, wie etwa den Wolkenkratzer Ardmore Residence in Singapur oder das Grand Musée de l’Afrique in Algeriens Hauptstadt Algier, komponierte UNStudio eine vergleichsweise kleine „Sonate“ für einen privaten Bauherrn in Stuttgart. Das „Haus am Weinberg“ trägt Standort und Typologie im Namen. Ausgangspunkt ist eine zugleich ländliche wie vorstädtische Umgebung, mit dem Blick auf die gestuften Terrassen eines alten Weinberges im Rücken und der Aussicht auf die Stadt im Vordergrund. Die Planer haben auch bei dieser vergleichsweise kleinen Bauaufgabe nicht auf die „große Geste“, die vielen ihrer Projekte innewohnt, verzichtet. So entstand ein schneeweißes Gebäude, welches in seiner „beschwingten“ Ausformulierung

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Bezug auf die Weinberge nimmt, während es sich in seiner geometrischen Ausprägung als klar strukturiertes, exklusives Habitat darstellt. Kern des Hausdesigns ist der „Twist“, am besten übersetzt mit Drehung bzw. Rotation. Soll heißen: Die innere Zirkulation, die Bestimmung von Aussichtspunkten und vor allem die Benutzung passieren rund um eine Haupttreppe im Gebäudekern, welche die Gehwege zwischen den Ebenen und die daraus entstehenden Sichtbezüge steuert. Unterstützt wird dieses Ambiente durch die auf ein Minimum reduzierte Betonstruktur des Gebäudes, die konstruktiv so gestaltet wurde, dass durch geschickte Positionierung tragender Teile ein Maximum an offenem Raum erzeugt wird. Ein weiteres wichtiges „Designelement“ ist die Lichtorganisation. So lassen die vier verglasten Gebäudeecken das Sonnenlicht bis weit in das Hausinnere gelangen, bei gleichzeitiger opulenter

Büro U N S tudio, A msterdam (N L)  /  Haus B aden - W ürttemberg

Fernsicht nach außen. Die Materialität des Inneren des Hauses betont weiter die allgemeine Atmosphäre des Lichts durch Eichenparkett, Naturstein und weiße Stuckwände mit Fragmenten aus reflektierendem Stein. Bewusst dunkel gehalten ist hingegen der akustisch speziell konstruierte Musik- und Gesellschaftsraum, der einen perfekt komponierten Kontrast zum Rest darstellt. Auch dieser Raum ist Teil des „Rotationsprinzips“, in dem man das Haus durchwandert und von einem Moment auf den anderen neue Raumcharakteristika entdeckt. In das Gesamtkonzept eingebunden zeigt sich auch die Gartengestaltung als Weiterführung des Hausgrundrisses, indem unterschiedliche Zonen der Bepflanzung und Blütenpracht in stets neu zu entdeckender Abfolge geschaffen wurden. Es bleibt spannend. cao


Rotationsprinzip Unterstützt wird die Form durch die auf ein Minimum reduzierte Betonstruktur, die konstruktiv so gestaltet wurde, dass durch geschickte Positionierung tragender Teile ein Maximum an offenem Raum erzeugt wird

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Architektur UNStudio (Ben van Berkel, Caroline Bos, Gerard Loozekoot, Astrid Piber, Hannes Pfau, Harm Wassink) Web www.unstudio.com Objekt Haus am Weinberg Kategorie Neubau Fassadenmaterial Pulverbeschichtetes Aluminium Fassadenfirma Ebener GmbH Fassaden-Profiltechnik, Wagner Glas- und Metallbau GmbH, Albstadt (Verglasung, Produkt: Skyframe / Wicona) Adresse Stuttgart Bauherr Privat Planungsbeginn 2008 Fertigstellung 11/2011 Nutzfläche 920 m² (Nettonutzfläche 618 m²) Kosten k. A. Fotos Iwan Baan / www.iwan.com

Büro U N S tudio, A msterdam (N L)  / Haus B aden - W ürttemberg 

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Mauersicht Das Haus kommt fast ohne Wände aus. So bleibt trotz Schmalheit viel Raum, Licht und Luft

Anhand des Friedrichswerders lässt sich gut ein Stück Berliner Stadtgeschichte erzählen: Er zählt zu den ältesten Siedlungsgebieten Berlins und ist mit seinem ungleichmäßigen Straßenraster anders als andere Stadterweiterungen, die hier alle einen orthogonalen Grundriss haben. Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile von Friedrichswerder zerstört, vor allem im südlichen Bereich zwischen Werderschem Markt und Hausvogteiplatz. Heute steht dort eine Reihe von Stadthäusern. Man wohnt in bester Lage – nämlich Berlin-Mitte –, aber mit Garten oder großer Terrasse, wie in einer Vorstadt. Das Beste aus beiden Welten also. Inmitten dieser innerstädtischen Idylle entwarf Architektin Johanne Nalbach sieben Einfamilienhäuser. Schmal und hoch sind die „Townhouses“: sechs bis sieben Meter breit, vier bis fünf Etagen hoch und dreizehn bis achtzehn Meter tief. Was jedes einzelne von ihnen so herausfordernd macht, sind die langgezogenen Geschosse, die Architekten vor allem bei der Belichtung vor Probleme stellten. Nalbach entschied sich beim „Townhouse P15“ am Caroline-von-Humboldt-Weg für einen offenen Grundriss. Soll heißen: weiträumige Flächen, die ineinander übergehen, ohne durch Wände unterteilt zu werden. Dadurch fließt so viel Licht wie möglich durch die Etagen. Auch wenn alle sieben Häuser von Nalbach schon aufgrund ihrer Ausmaße optisch zusammengehören, gleicht keines dem anderen, hatten doch auch die Bauherren einiges mitzureden. Das merkt man u. a. an den unterschiedlichen Fassaden. Im Fall des „Townhouse P15“ besteht diese etwa aus Klinker, dessen einzelne Steine im Tageslicht in den verschiedensten Farben schillern; ein Effekt, der dem speziellen Rohmaterial und Brennprozess geschuldet ist. Auch hier war der Architektin eine Verbindung zur Baugeschichte Berlins wichtig. Von „regionalen Bezugspunkten“ ist die Rede und von der „Materialität der Stadt“, die sich in den Stadthäusern widerspiegelt. So ist etwa der Klinker auch im Rest von Berlin-Mitte keine Seltenheit. has

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Büro N albach  +  N albach , B erlin  /   Haus B erlin

Architektur Nalbach + Nalbach (Johanne Nalbach) Web www.nalbach-architekten.de Objekt Townhouse P15 Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus Fassadenmaterial Klinker im Stromverband Fassadenfirma Wittmunder Klinker Adresse Berlin-Mitte Bauherr Privat Planungsbeginn 2004 Fertigstellung 2008 Nutzfläche ca. 750 m² (Nettonutzfläche ca. 650 m²) Kosten ca. EUR 1,8 Mio. Auszeichnungen da! 2009 Architektenkammer Berlin Fotos Tobias Wille / www.tobiaswille.com


Das GLASSHOUSE® der KELLER AG bildet das Herzstück der Villa. Das Profilsystem besteht aus Designprofilen, die sich durch besonders schmale Ansichtsbreiten auszeichnen. Ein Highlight ist die sich völlig öffnende Ecklösung.

Ein Leben im

Glas haus

Wintergarten einmal anders: Die Wohnraumerweiterung ist gleichzeitig Schutz wie auch pure Transparenz und Wohnen in der Natur. Architekt Joël Claisse gibt dem Haus ein neues Herzstück. Das KELLER GLASSHOUSE® ergänzt Haus und Garten und inszeniert beides als konzeptionelle Einheit.

Architektur: Joël Claisse, www.claisse-architecte.be

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Keller AG × 100 Häuser

Fotografie: Hilde Verbeke


A dvertorial

www.kellerag.com

Für den Bauherrn war der ganzheitliche Ansatz wichtig. Die Privatsphäre sollte gewahrt bleiben, gleichzeitig sollte aber der Blick auf die landschaftlichen, natürlichen Highlights gelenkt werden. Es wurde ein offener Raum mit klaren Konturen geschaffen, der als bindendes und trennendes Element fungiert.

Eine der wichtigen Anforderungen des Bauherrn war der fließende Übergang der Bodenmaterialien und der hohe Standard der Dämmhülle, die es herzustellen galt. Das Profilsystem für diesen Wintergarten besteht aus wärmegedämmten Designprofilen, die sich durch besonders schmale Ansichtsbreiten auszeichnen. Ein Highlight ist die sich völlig öffnende Außenecklösung.

Die großformatigen Öffnungen sind fast ohne sichtbare Rahmenprofile ausgebildet, was die Gesamtwirkung der Konstruktion noch prägnanter macht. Es entsteht ein Gefühl von Einfachheit, Natürlichkeit und Offenheit.

Entstanden ist ein großer, heller, an das bestehende Haus angelehnter Wohnraum mit breiten, raumhohen Schiebefenstern. Die Innenausstattung ist modern, aufgeräumt und freundlich. Dank des innovativen Designs ist es ein Wintergarten, in dem jeder sich zu leben vorstellen kann. Ein kreativer Umgang; zwischen innen und außen.

© KELLER minimal windows ®

Keller AG × 100 Häuser 

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Architektur Beer Architektur Städtebau (Anne Beer) Web www.beerarchitektur.de Objekt Wohnhaus mit Musikraum Kategorie Neubau Fassadenmaterial Maggia-Gneis Fassadenfirma Steinwerkstatt Weiler Adresse München Bauherr Privat Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 2012 Nettonutzfläche 440 m² Kosten k. A. Fotos Daniel Mosch

Der Ton macht das Haus

35 Wie ein silberner, feingeschliffener Diamant ragt das „Wohnhaus mit Musikraum“ im Münchner Stadtteil Harlaching empor. Im Kontext des grünen Athener Platzes wirkt die Fassade aus dem Naturstein Maggia-Gneis sogar noch prächtiger und schimmernder. Aber nicht nur außen ist das Haus aus Stein, auch innen dominiert das Naturmaterial. Der Baustoff aus der Schweiz wurde für die vertikalen Flächen so geschnitten, dass sie gestreift erscheinen. Für die horizontalen Ebenen hingegen ist

durch den Schliff ein wolkenartiges Muster entstanden – derart wirkt die statische, kubische Komposition trotzdem leicht und unbeschwert. Für die Böden wurde Kirschholz gewählt, das den Stein gut ergänzt. Aus einer eher kleinen Parzelle hat die Architektin Anne Beer das Maximum herausgeholt: Auf über 400 Quadratmetern und auf vier Etagen lässt es sich mit Sicherheit gut leben. Das unbestrittene Highlight befindet sich aber im zweiten Obergeschoss. Dort wurde ein Musikraum geschaffen, der allen akustischen Anforderungen gerecht wird.

Der Naturstein Maggia-Gneis aus der Schweiz dominiert außen – und innen

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Büro B eer A rchitektur S tä dtebau, B ayern /  Haus B ayern

Blickfang dabei: eine großzügige NotenarchivWand. Das ausgefeilte Raumklangkonzept sorgt für ein sinnliches Wohnumfeld auf allen Ebenen. Ganz virtuos hat Architektin Beer auf der architektonischen Klaviatur gespielt. Tonangebend war der Wunsch, die Umgebung des Hauses zu integrieren. So hat jeder Raum einen Bezug zur Außenwelt, die Innenräume sind durch Terrassen verknüpft. Die Aufenthaltsräume verstehen sich quasi als Lobeshymne an die parkartige Einbettung des Grundstückes. roa


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Innen machen die luftigen und in die Höhe ragenden Räume den Charakter des Hauses aus

Architektur Matti Schmalohr Web www.schmalohr.net Objekt Haus B in R – Lärchengold und Gletscherweiß Kategorie Neubau Fassadenmaterial Lärchenholz Fassadenfirma Georg Hecht Gbr. Adresse Bückeburg Bauherr Josi und Dieter Barkhausen Planungsbeginn 08/2012 Fertigstellung 05/2013 Nutzfläche 120 m² (Nettonutzfläche 80 m²) Kosten EUR 160.000,– Auszeichnungen Velux Architekten-Wettbewerb 2015 (Nominierung) Fotos Klaus Dieter Weiss / www.klausdieterweiss.com

Lärchengold Liebevoll wird das „Haus B in R“ von den Nachbarn als „Kartoffelkiste“ bezeichnet. Nun lässt die längliche Form des Hauses mit der Fassade aus Lärchenholz tatsächlich den Vergleich mit einer übergroßen Kiste zu – aber nur auf den ersten Blick. Die Form des Hauses spiele absichtlich mit den Sehgewohnheiten, sagt Architekt Matti Schmalohr. Innen machen die luftigen und in die Höhe ragenden Räume den Charakter des Hauses aus. Der Neubau dient einem Weinhändler und seiner Frau als Alterssitz in der Nähe ihrer Kinder. Zuvor wohnte das Ehepaar direkt unter dem Dach eines alten Ziegelhauses aus dem Jahr 1900, welches sich in der

unmittelbaren Nachbarschaft auf dem gleichen Grundstück befindet. „Das Haus ist für ältere Menschen unzumutbar“, sagt Schmalohr, „es gibt wenig Licht, keinen direkten Zugang in den großen Garten, und es ist nicht barrierefrei.“ Letzteres, die Barrierefreiheit, sei daher eines der großen Themen für den Neubau gewesen. „Durch den unterirdischen Weinkeller als Fundament war es nicht ganz einfach, die Barrierefreiheit komplett herzustellen“, sagt der Architekt. Die größte statische Herausforderung, so Schmalohr, sei die Gründung auf dem Weinkeller gewesen. Die große Verbesserung gegenüber dem alten Wohnsitz wird beim Betrachten des Neubaus unmittelbar deutlich:

„Haus B in R“ zeichnet sich durch klare Räume, viel Licht und Luft und einen direkten Zugang zum Garten aus. Einfachheit und Funktionalität dienten als Motto für den Bauentwurf, bei dem Schmalohr viel kreativen Freiraum hatte, wie er erklärt. Platziert ist das Haus zwischen zwei über 60 Jahre alten Bäumen. Ein auffälliges Gebäude, verkleidet in Holz, hoch und lang: Und es kommt einem der Vergleich mit der Kartoffelkiste wieder in den Sinn – auch wenn man eher an eine moderne, architektonisch anspruchsvolle Kiste denkt, die natürlich für Menschen gemacht ist. mat

Büro M atti S chmalohr , N iedersachsen /  Haus N iedersachsen 

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Einen ehemaligen Pferdestall zu einem Wohnhaus umbauen: Das Architektenehepaar Stocker-Dewes hat sich mit diesem Projekt seinen ganz eigenen Wohntraum erfüllt. So ist ein Familienhaus mit einem Büroraum und genug Platz für eine dreiköpfige Familie entstanden. Es befindet sich mitten in der Natur, am Ende eines Tals, mit dem Wald direkt nebenan. Dieser habe auch als Inspirationsquelle für das Material der Fassade gedient, erzählen die Architekten. Ziel sei es gewesen, mit der Materialwahl von Fassade und Dach die Struktur des Waldes widerzuspiegeln. Daher wurde die Außenfassade mit geflämmtem Tannenholz verkleidet. Spannend sei vor allem der noch unerforschte Prozess beim Flämmen gewesen, sagt Architekt Wolfgang Stocker. Symbolisiert die Fassade also die Baumstämme der umgebenden Waldlandschaft, so verweist die intensiv begrünte Dachfläche auf das Tannengrün. „Die lange, schmale Form des ehemaligen Pferdestalls hat uns auf die Idee gebracht, mittels eines zweigeschossigen inneren Baukörpers zwei klar getrennte Nutzungszonen zu errichten“, berichtet Stocker weiter. So besteht das Haus aus einem Büro- und Arbeitsbereich auf der einen und aus einem Wohnbereich auf der anderen Seite. Über den Haupteingang kommt man in den Büroraum. Im Anschluss befinden sich dann die Wohnräume. Ein witziges Detail: Der ehemalige Futtergang des Pferdestalls dient weiterhin als eine Art Gang, der nun allerdings die beiden Wohneinheiten trennt. „Zu unserem Konzept gehörte es, eine Stimmigkeit mit der Natur im Außenbereich des Hauses zu erzeugen, aber auch eine reduzierte Anzahl an Materialien zu verwenden, spezielle Details herauszuarbeiten und im Inneren ein einheitliches Raumkontinuum zu schaffen.“ Die Innenräume zeichnen sich dabei durch Einbauten aus Eichenholz und Siebdruckplatten aus. Estrich und Beton am Boden sind dabei gemeinsam mit der Außenfassade von zurückhaltender Eleganz – und beweisen, dass man einen ehemaligen Pferdestall tatsächlich in ein mondänes und anspruchsvolles Einfamilienhaus samt Büros umbauen kann. mat

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Aus einem ehemaligen Pferdestall wird „Home und Office“ in einem und zu einem großen Ganzen

Büro stocker dewes architekten , B aden - W ürttemberg /  Haus B aden - W ürttemberg


Architektur stocker dewes architekten (Wolfgang Stocker, Silke Stocker-Dewes) Objekt Umbau eines Pferdestalls zu einem Wohngebäude mit Büro Kategorie Umbau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus Fassadenmaterial Geflämmte Tannenholzverkleidung Fassadenfirma Zimmerei Karl Burger (Holzverkleidung), Flämmarbeiten in Eigenleistung Adresse Freiburg Bauherr Wolfgang Stocker und Silke Stocker-Dewes Planungsbeginn 11/2009 Fertigstellung 10/2011 Nutzfläche 180 m² (Nettonutzfläche 80 m²) Kosten EUR 500.000,– Auszeichnungen Beispielhaftes Bauen 2015; Hugo-Häring-Auszeichnung 2014 Fotos Yohan Zerdoun, Architectural Photography / www.yohanzerdoun.com

Natürlicher Galoppwechsel

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Im bekanntesten Kurort Deutschlands steht das atemberaubende „Haus M.“ für eine fünfköpfige Familie. Seit der ersten Begehung war klar: Die Landschaft und vor allem der sehr alte Baumbestand des Grundstücks in Hanglage im bayrischen Bad Kissingen müssen nicht nur unbedingt erhalten bleiben, sondern auch integriert werden. Angrenzend an ein Wasserschutzgebiet, besteht das nunmehr neu gebaute Haus aus zwei Gebäudeteilen, die unabhängig voneinander genutzt werden können. Die Familie M. versteht das clevere Konzept jetzt so: Der eine Teil wird von den Kindern zum Spielen und Wohnen benutzt, der andere Teil gehört ganz den Eltern. Wobei das klassische Muster „Oben wird geschlafen, unten gewohnt“ aufgebrochen und auf den Kopf gestellt wurde. Entworfen haben das Haus die Architekten Wolfgang Feyferlik und Susanne Fritzer aus Österreich. „Die Bauherren versuchten zuerst, ein ähnliches Konzept

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Büro F eyferlik /  F ritzer , S teiermark (AT )  /  Haus B ayern


Die hohe Kunst des weiten Blicks bewiesen die Architekten – jetzt haben ihn die Bauherren

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Darüber hinaus offen

Architektur Feyferlik / Fritzer (Wolfgang Feyferlik, Susanne Fritzer) Objekt Haus M. Kategorie Neubau Fassadenmaterial Folie / Holz / Glas Fassadenfirma Wiedamann / Eyrich-Halbig / Glas Meisl Adresse Bad Kissingen Bauherr Privat Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 2013 Nutzfläche 235 m² Kosten k. A. Fotos Paul Ott Photografiert / www.paul-ott.at

mit Architekten aus ihrem Bekanntenkreis umzusetzen – das führte aber zu keinem befriedigenden Ergebnis“, schildert Fritzer. „Schlussendlich haben sie uns kontaktiert und waren positiv überrascht, dass die räumliche Entfernung für uns kein Thema war.“ Immerhin trennen Bad Kissingen und Graz mehr als 600 Kilometer. Die Distanz hat im Ergebnis keine Spuren hinterlassen. „Die Chemie hat gepasst“, so die Architektin. Das Haus fügt sich mit seinen umrundenden Verglasungen nahtlos in die Geografie des Ortes ein. Für die Bauherren waren Aussicht – mit Blick auf jene Berge, wo sie Skifahren lernten – Privatsphäre und reichlich Platz für die Kinder und die gesammelten Kunstobjekte wichtig. Zum Einsatz kamen Materialien, die schön altern – mit allen Konsequenzen: Schrammen, Macken und Verfärbungen. Denn Zeitlosigkeit setzt Zeichen und bleibt lebendig. roa

Büro F eyferlik / F ritzer , S teiermark (AT )  /  Haus B ayern  

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Versteckte Villa Architektur splendid_architecture (Stephan Schmid) Web www.splendid-architecture.com Objekt Wohnhaus Hamburg Kategorie Neubau Fassadenmaterial Verblendziegel, Trespaplatten, Alufassade Adresse Hamburg-Othmarschen Bauherr Privat Planungsbeginn 02/2011 Fertigstellung 01/2013 Nutzfläche 380 m² Kosten k. A. Fotos Ralf Buscher / www.ralfbuscher.de

Gesamtkunstwerk Innenraum: Architekt Schmid entwarf hier sämtliche Einbaumöbel, Objekte wie Küche, Kamin, Sauna und Sanitärbereiche

39 Was macht eine Villa zu einer Villa? Mit einer Villa verbindet man Größe, Eleganz und Weitläufigkeit, oft Prunk und Opulenz, nicht selten Protzigkeit. Es sind Gebäude, die sich von anderen abheben. Architekt Stephan Schmid hat es sich zum Ziel gemacht, den Typus der Villa weiterzuentwickeln, neu zu interpretieren. Das musste er auch, denn die Bauherren für das Projekt in Hamburg-Othmarschen wollten gar keine Villa. Zumindest keine, die sich als solche allzu sehr aufdrängt. Trotz der Größe des Baus sollte das Heim für die Familie mit zwei Kindern in der Außendarstellung bescheiden sein. Ohne jegliche Spur von Protzigkeit oder Opulenz, aber eben doch großzügig. Das Grundstück, das die Bauherren erworben hatten, bevor Schmid mit der Planung begann, sollte ausgenutzt werden. Um den Bau reduziert zu halten, verwendete Schmid möglichst wenig verschiedene Materialien: Glas für die Fassade, Trespaplatten für die Verkleidung im Obergeschoss und die in Norddeutschland sehr verbreiteten Verblendziegel.

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Büro splendid_ architecture , H amburg / Haus H amburg

Das Ergebnis: ein sich vom Untergrund lösender aufgeschnittener und ausgehöhlter massiver Kubus, unter dem sich im Erdgeschoss ein zum Garten hin öffnender freier Grundriss entwickelt. Als „zurückhaltend“ bezeichnet Schmid den Bau. Und doch: „Es ist und bleibt eine Villa, nicht im klassischen Sinn, aber wegen der Größe des Baus.“ Auch im Inneren finden sich einige Villa-Elemente: Große Fensterflächen, viele Lufträume und die offene Küche schaffen Weite. „Die Grundrisse aller Geschosse haben wir relativ offen gehalten, aber trotzdem bleiben genügend unterschiedliche Rückzugsbereiche“, sagt der Architekt. Auch die Einrichtung entspricht den besonderen Vorstellungen der Bauherren. „Sie haben sich lange damit beschäftigt, was es am Markt gibt. Das war ihnen aber nicht individuell genug.“ Also entwarf Schmid eigens sämtliche Einbaumöbel und Objekte wie Küche, Kamin, Sauna und Sanitärobjekte. „Die Bauherren wollten eben ein sehr individuelles Haus.“ Eine Villa, aber eben doch keine Villa. has


Architektur Günter Pfeifer Web www.pfeiferarchitekten.de Objekt Umbau und Erweiterung eines Wohnhauses Kategorie Umbau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus Fassadenmaterial Polycarbonatplatten Fassadenfirma Rodeca Adresse Freiburg Bauherr Privat Planungsbeginn 3/2012 Fertigstellung 07/2013 Nutzfläche 400 m² Fotos Claudius Pfeifer

Ein Mehrgenerationenhaus mit viel Gemeinschaft und Privatheit

Energetische Symbiose „Die Wünsche und Anforderungen der Bauherren hörten sich bei diesem Projekt erst einmal einfach an“, sagt Architekt Günter Pfeifer. „Das Ehepaar, beide Freiberufler, wünschten sich zwei möglichst getrennte, eigenständige Lebensbereiche, die sich in einfachen Überschneidungen tangieren.“ Doch am Ende sollten mehrere Generationen getrennt und doch gemeinsam wohnen – eine nicht ganz so einfache Aufgabe. Pfeifer entschied, die Erweiterung des Hauses so anzulegen, dass das Erdgeschoss den Senioren vorbehalten ist, der Eingang für diesen Wohnabschnitt liegt dabei im alten Haus. Die junge Generation wiederum nutzt den Eingang des neuen Hauses. Was aber nicht heißt, dass hier ein strenger Generationenbruch herrscht. Denn das eigentliche Leben spielt sich ganz oben, im Dachgeschoss, ab. Und dieses erstreckt sich über den ehemaligen Dachboden des alten Hauses und den neu errichteten Bauteil. Der Garten wird ebenfalls gemeinsam genutzt: Vom ersten Obergeschoss verläuft eine

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zusätzliche Treppenverbindung in den Garten auf der Westseite. Ein kleines Zugeständnis an die Jungen gibt es aber doch: Ihnen steht als privater Außenraum die Dachterrasse zur Verfügung. „Die Herausforderung bei diesem Projekt war allerdings die energetische Versorgung des alten Hauses mithilfe des neuen Hauses“, erzählt Pfeifer weiter. Anders gesagt: Das Alte soll vom Neuen profitieren und gestärkt werden. Konkret erzeugt heute das neue Haus so viel solare Energie, dass diese über ein Lüftungssystem das Bestandshaus mitversorgt. Dem Ganzen liegt ein System zugrunde, das sich „kybernetisches Prinzip“ nennt. Dabei wird solare Energie mithilfe von Luftkollektoren auf allen Wand- und Dachseiten des Anbaus gesammelt. Dies ist auch der Grund für die ungewöhnliche Geometrie des Neubaus und den ungewöhnlichen zweischaligen Wandaufbau mit einer kompletten Einhüllung aus Polycarbonatplatten als sogenanntem Luftkollektor, erklärt Pfeifer. Die solar erwärmte Luft wird von dort mit einem Rohrsystem in jeden Raum geleitet. Geregelt wird der Bedarf übrigens ganz einfach: über den Raumthermostat. sol

Büro G ünter P feifer , B aden - W ürttemberg /  Haus B aden - W ürttemberg 

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Holz in der Schwebe Unsichtbarer Handwerk-Beton, versteckt von der Lärchenholzverkleidung – eine gute energetische Paarung

„Jedes Projekt beginnt mit der liebevollen Auseinandersetzung mit den Bauherren und dem Ort“, sagt Stefan Mohr – und er muss es wissen. Der Architekt war zusammen mit seinem Team bei vonMeierMohr Architekten zuständig für die Planung und den Entwurf des „Rauchkuchlhauses“ am oberbayrischen Schliersee: ein Energiesparhaus mit außergewöhnlichem Charakter. Zum Schliersee, einem Ort voller Tradition und Heimatverbundenheit, hätte nämlich ein allzu moderner, fremder Klotz ganz und gar nicht gepasst. Deshalb waren das Bewahren alter Werte und das Anpassen an Umgebung, Klima und Jahreszeiten stets begleitende Gedanken bei der Planung des Einfamilienhauses. Wie bei der „Rauchkuchl“, die dem Projekt den Namen gab. Ursprünglich bildeten deren Steine große Kamine, die als Koch- und Feuerstellen genutzt wurden. Dieser Tradition folgend, haben nun Küche und Kamine im „Rauchkuchlhaus“ auf diese Art Abzüge und das Badezimmer eine komplette Wasserinstallation erhalten. Auch die Wandheizung funktioniert durch Lüftung über natürliche Konvektion in

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den Steinen. Die bewusste Auseinandersetzung der Planer mit der Umgebung tritt aber auch anderswo zutage: Das Grundstück gibt einen atemberaubenden Blick in die Bergwelt frei, den die Bauherren durch die vielen, großzügigen Fenster, auf der Terrasse und im Garten genießen können. Wobei die Lage des Hauses – idyllisch am Dorfrand – nicht ganz unproblematisch war: Der sumpfige Boden machte es nötig, das Gebäude auf Pfählen zu errichten. Profitieren konnten alle Beteiligten vom Fachwissen des Bauherrn, der im Energiemanagement tätig ist. Mit seiner Hilfe konnte ein ausgeklügeltes Energiekonzept für das „Rauchkuchlhaus“ ausgearbeitet werden. Die angesprochenen „liebevollen Auseinandersetzungen“ waren übrigens im Nachhinein betrachtet Kleinigkeiten. Etwa, wie der Beton nun beschaffen sein soll, erinnert sich Mohr. Die Lösung: Man einigte sich am Ende auf einen handwerklich hergestellten Beton, der mit der Lärchenholzverkleidung des Hauses eine perfekte Kombination ergibt. Das „Rauchkuchlhaus“ ist also ein wahres Allroundtalent – im besten Sinn und in bester Lage. roa

Büro von M eier M ohr A rchitekten , B ayern / Haus B ayern

Architektur vonMeierMohr Architekten (Helgo von Meier, Stefan Mohr) Web www.vonmeiermohr.de Objekt Rauchkuchlhaus auf der Seewiese am Schliersee Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Lärchenholz (Schalung) Fassadenfirma Fenster Schreinerei Reil, Schliersee; Holzbau Zimmerei Reckersdrees, Schliersee Adresse Schliersee Bauherr Privat Planungsbeginn 01/2009 Fertigstellung 06/2010 Nutzfläche 200 m² Kosten k. A. Fotos Johannes Kottjé / www.kottje.de


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Wenn angehende Bauherren in das Büro der netzwerkarchitekten in Darmstadt kommen, müssen sie erst mal selbst zu Papier und Stift greifen. Aber nicht, um zu zeichnen. „Wir bevorzugen es, wenn die Bauherren nicht selber zeichnen“, sagt Architekt Oliver Witan. Sie sollen in kurzen, knappen Sätzen ihre Wohnvorstellungen niederschreiben. „Daraus lesen wir dann die Wohnwelten heraus, die zu diesen Bauherren passen könnten.“ Aus einem dieser Prozesse ist an den Ausläufern des Taunusgebirges ein neues Zuhause für eine fünfköpfige Familie entstanden. Den zweigeschossigen Bau platzierten die Architekten dabei am hinteren Ende des Hanggrundstücks. Nach vorne hin haben

die Bauherren so nicht nur einen herrlichen Blick in die Rheinebene, sondern auch einen weitläufigen Garten. Damit sie den auch ohne Steigeisen betreten können, wurde am Entree des Grundstücks die Garage untergebracht, womit die Fläche bis zum Haus hin geebnet werden konnte. Als gestalterische Klammer zwischen oben und unten, Haus und Garage, fungieren Sichtbetonfassadenelemente, die vor die Dämmung gehängt wurden. „Wir wollten nicht einfach ein verputztes Haus, wir wollten, dass das Entwurfsprinzip gestaltprägend wird für die Fassaden- und Detailausbildung“, erklärt der Architekt. Von der Rückseite, die bis auf die Fensterausschnitte komplett mit den Betonelementen umschlossen ist, über die

Terrassenplatten, die entlang der Seitenwände leicht hervorkragen, bis hinunter zur Garage zieht sich die vertikal geschalte Sichtbetonfassade wie ein grauer Faden durch das Konzept. Die drei übereinandergeschichteten Terrassenflächen ziehen sich nach oben hin Stück für Stück zurück. „Dadurch haben wir im Sommer einen natürlichen Schutz vor der Sonne. Gleichzeitig lassen wir die flachstehende Wintersonne bis tief in die Räume hinein und haben dadurch solare Gewinne“, sagt Architekt Witan zur Idee dahinter. Und wo viel Sonne, da ist auch ein schöner Ausblick. Nicht nur in die Rheinebene, sondern zu den Seiten hin auch Richtung Frankfurter Skyline. Ein Kontrastprogramm eben. maj

Terrassen mit Aussicht Rundum Beton: Als gestalterische Klammer fungieren Sichtbetonfassadenelemente, die vor die Dämmung gehängt wurden

Architektur netzwerkarchitekten (Thilo Höhne, Karim Scharabi, Philipp Schiffer, Jochen Schuh, Markus Schwieger, Oliver Witan) Web www.netzwerkarchitekten.de Objekt Haus J Kategorie Neubau Fassadenmaterial Betonfertigteile Adresse Hofheim / Frankfurt am Main Bauherr Privat Planungsbeginn 2008 Fertigstellung 2011 Nutzfläche 192 m² Kosten k. A. Fotos Jörg Hempel / www.joerg-hempel.com

Büro netzwerkarchitekten , H essen /  Haus H essen 

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Architektur snarq architekten (Sebastian Sasse, Nina Nolting) Web www.snarq.net Objekt Haus am Hang Kategorie Neubau Fassadenmaterial Lärchenholzfassade, WDVS + Putzfassade Fassadenfirma Bauen mit Holz, Malermeister Kuhne GmbH Adresse Halle-Kröllwitz Bauherr Privat Planungsbeginn 10/2014 Fertigstellung 08/2015 Nutzfläche 235 m² (Nettonutzfläche 185 m²) Kosten EUR 410.000,– (KG 300/400) Fotos Eduardo Novo

Blüte am Waldrand

Nur der vordere Teil des Grundstücks wurde verbaut, weil es offiziell zum Biotop erklärt wurde

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Blühende Wiesen am Hang und dahinter ein Wald – das war das Bild, das sich den snarq architekten bei der ersten Sichtung eines Grundstücks in Halle an der Saale bot. „Wir waren sofort beeindruckt von der natürlichen Landschaft, die lange brach gelegen war“, erzählt Architektin Nina Nolting. Für die Auftraggeber war die Naturbelassenheit des Hangs das ideale Setting für ihr Einfamilienhaus. „Es war dem Bauherrn sehr wichtig, nach seinen anstrengenden Arbeitstagen einen von der Natur umgebenen Rückzugsort zu haben“, sagt Nolting. Für die Architekten war ebendieser Faktor jedoch eine baurechtliche Herausforderung: Seltene Pflanzen hatten sich angesiedelt, und obwohl das Wohngebiet kein Naturschutzgebiet ist, wurde ein Teil des Grundstücks zum Biotop erklärt. „Es war ein langer Prozess, doch wir konnten uns darauf einigen, dass wir lediglich den vorderen Teil bebauen.“ Die Architekten suchten nach einer Lösung, den Hang möglichst wenig zu belasten und das Haus stattdessen sanft in

Büro snarq architekten , S achsen /  Haus S achsen

die Landschaft einzufügen – und fanden diese auch: In den Fels wurde ein L-förmiger, dunkel geputzter Körper eingeschoben, auf dem ein mit Lärchenholz verkleideter Riegel aufliegt. Auch im Inneren des Hauses funktioniert das Zusammenspiel mit der Natur: Schlafbereich, Bad und Ankleideraum im Erdgeschoss werden über einen in den Fels gegrabenen Lichtschacht erhellt und orientieren sich zur privateren Seite nach Osten mit Blick auf den Fels. Auch in der oberen Etage eröffnet sich durch ein raumhohes, großes Fensterelement ein atemberaubender Blick den Hang hinauf in den Wald. Raumhohe Verglasungen auf beiden Stockwerken schaffen außerdem einen sanften Übergang zwischen Innen- und Außenbereich: „Wenn die Bewohner das Glas zwischen Wohnraum und Wald öffnen, befinden sie sich zur Hälfte drinnen und zur Hälfte in der Natur.“ Der Wunsch nach einem Rückzugsort im Grünen wurde also erfüllt – sogar das eine oder andere Reh soll der Bauherr bereits gesehen haben. res


Die Fassade ist inspiriert von der Vorliebe der Bauherrin für den japanischen Minimalismus und die russische Moderne

Die Idee für das Haus ist dem Architekten im Urlaub gekommen. Er hat sofort eine Skizze erstellt und sie an die Bauherrin geschickt. Das Feedback: Begeisterung. „Die Bauherrin hat lange Zeit in Russland gelebt und sich viel mit asiatischer minimalistischer Architektur beschäftigt. Sie war sehr angetan, welche räumlichen Möglichkeiten der Entwurf bietet – trotz der kleinen Grundfläche und der enormen Reduzierung“, so die Architekten vom Atelier ST. Die Planung: mit viel Liebe zum Detail. Auf den ersten Blick wirkt „Sandwich“ recht schlicht. Da die Außenfront aus Glas ist, braucht man jedoch das Haus nicht einmal zu betreten, um zu merken, dass es sich hier um ein ganz spezielles Werk handelt. Der Innenraum ist sehr individuell gestaltet und vom Design her bis ins kleinste Detail durchgeplant. Von Anfang an war die Bauherrin mit den Architekten einer Meinung. „Nur die konsequente Gestaltung aller Möbel, Regale und Trennwände in Seekiefersperrholz – bei dieser Entscheidung musste die Bauherrin eine Nacht drüber schlafen.“ Die Möbel sind schlicht gehalten, alles Einzelstücke. Ähnlich wie die Kunst

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Büro Atelier S T, S achsen /  Haus B randenburg

an den Wänden. Doch das Besondere an „Sandwich“ ist definitiv die namensgebende Bauweise: Das Haus kommt nämlich ohne Außenwände aus. Dazu die idyllische Umgebung: der Wald, die Aussicht auf den See. „Es ist ein Haus, das sich auf dem Grundstück tarnt und versteckt – und trotzdem präsent ist.“ Die Fassade ist inspiriert von der Vorliebe der Bauherrin für den japanischen Minimalismus und die russische Moderne. Doch so unkompliziert sich die Zusammenarbeit zwischen Architekten und Bauherrin gestaltete, so schwierig war der Bau von „Sandwich“. Das Grundstück steht zum Teil unter Naturschutz, und es habe lange gedauert, bis man sich mit den Behörden einig gewesen sei, so die Architekten. Dazu kam die Klage des Nachbarn, der 45 Meter hohe Kran auf der Baustelle würde seinen Luftraum beeinträchtigen – und zwar schon am ersten Baustellentag. Aber vielleicht ist es auch der lange Weg, der dieses Haus zu einem echten Einzelstück macht. Wert war er es auf jeden Fall. rzt


44 Japan im deutschen Wald Architektur Atelier ST (Silvia SchellenbergThaut, Sebastian Thaut) Web www.atelier-st.de Objekt Sandwich Kategorie Neubau Fassadenmaterial Verglaste Aluminiumkonstruktion und Profilglas Adresse Potsdam Bauherr Privat Planungsbeginn 08/2013 Fertigstellung 04/2015 Nutzfläche 111 m² Kosten EUR 470.000,– Fotos Bertram Bölkow / www.bertramboelkow.de

Büro Atelier S T, S achsen /  Haus B randenburg  

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Haushohes Panorama

Architektur wulf architekten Web www.wulfarchitekten.com Objekt Haus wu Kategorie Neubau Fassadenmaterial Selbstver­ dichtender Beton, Glas, Zedernholz Fassadenfirma Griesinger, Lacker, Effmert & Gause Adresse Stuttgart Bauherr Tobias Wulf Planungsbeginn 08/2001 Fertigstellung 04/2004 Nettonutzfläche 250 m² Kosten k. A. Auszeichnungen Beispielhaftes Bauen Stuttgart 2002– 2007; BDA-Auszeichnung 2005 Fotos Roland Halbe / www.rolandhalbe.eu

Hinten Zedernholz, vorne Beton und viel Aussicht

auf der alten Weinbergtreppe stehen. Treppen spielen beim „Haus wu“ eben eine wichtige Rolle – schließlich hat es insgesamt fünf Stockwerke. Trotzdem gibt es auf jeder Ebene einen Zugang zu einem Freibereich: Mal ist es ein Garten, mal ein Balkon, mal die Dachterrasse. Und der Hauseingang ist über einen Steg erschlossen: „Damit liegt der Zugang von der Straße her so, dass man dort nicht jeden Tag Treppensteigen muss“, erklärt Tobias Wulf. Entgegen dem allgemeinen Trend zum Purismus Ort, an dem es steht, ist geschichtsträchtig: sind die Ebenen unterschiedlich gestaltet – mit Das Gebäude schmiegt sich an einen alten Steinbelag im Eingangsbereich, EpoxidharzWeinberg mit Aussicht über die gesamte beschichtung im Schlafbereich oder ParkettStadt. „Wir haben das Grundstück verwildert boden im Wohnbereich: „Wir wollten hier und verlassen vorgefunden“, erzählt Tobias differenzieren“, sagt Wulf, „damit man gleich Wulf, „Rebstöcke waren keine mehr da, aber am Bodenbelag erkennt, auf welcher Ebene mittendurch verlief noch die alte Weinbergman sich befindet.“ Auch die Fassade besteht treppe aus Sandstein.“ Den Verlauf dieser aus verschiedenen Materialien: einerseits SichtWeinbergtreppe haben die Wulfs im „Haus wu“ beton, andererseits Zedernholz. Doch durch erhalten, denn alle Treppen im Inneren des die Witterung gleichen sich die Oberflächen Hauses liegen ebenfalls auf der Mittelachse – im Lauf der Jahre aneinander an – bis das und durch die Panoramaverglasung hat man „Haus wu“ beinah mit dem geschichtsträchtigen von dort einen Ausblick, als würde man noch Weinberg verschmolzen sein wird. raf

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Wer im Internet nach dem „Haus wu“ sucht, findet keine Architektur, sondern Literatur: „Die Frauen des Hauses Wu“ ist ein berühmter Roman der Literaturnobelpreisträgerin Pearl S. Buck über ein Adelsgeschlecht im alten China. Darauf angesprochen, lacht Tobias Wulf von wulf architekten aber nur auf: „Nein, zum Roman gibt es keine direkte Beziehung – ‚wu‘ ist einfach mein Kürzel hier im Büro.“ Seit 2004 gibt es nicht nur im alten China, sondern auch in Stuttgart ein „Haus wu“: ein Gemeinschaftsprojekt der Architekten Tobias Wulf und seiner Frau Annika. Und der

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Büro wulf architekten , B aden - W ürttemberg /  Haus B aden - W ürttemberg


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Eine einfache Bauaufgabe verbarg sich zunächst hinter dem Ansinnen der Bauherrenschaft an Julian Hillenkamp und Christoph Roselius von eins:eins architekten aus Hamburg. Ausgangspunkt war ein räumlich klein strukturiertes Siedlungshaus aus den 1930er-Jahren auf einem sehr schmalen Grundstück in Hamburg-Blankenese. Aufgrund von Familienzuwachs sollte dieses erweitert werden, was üblicherweise Gartenfläche kostet. Doch genau das wollten die Bewohner vermeiden. „Wir wollen vom Garten so wenig wie möglich verschenken, denn genau dafür sind wir ja ins Grüne gezogen“, betonten die Bauherren, was aufgrund des knapp 600 Quadratmeter kleinen Gartens verständlich ist. Für das Architektenteam geriet daher die Erweiterung zu einem Denk- und Kraftakt. Ein Geschoss einzuziehen war schon aufgrund der Bauordnung obsolet. Die Lösung bestand daher in einem seitlichen Anbau. Ein leicht ansteigender Weg führt von der Straße zum Haus, mit der wegbegleitenden Mauer bildet sich der neue Eingangsbereich. Wohn- und Essbereich wurden durch weitgehende

Entnahme trennender Wände zu einem einzigen Raum zusammengefasst, nunmehr gegliedert von festen Einbauten wie Küchenzeile und Treppe. Eine Terrassentür, die sich über die gesamte Breite öffnen lässt, erweitert den Innenraum auf das großzügige Holzdeck und den geliebten Garten. Im Obergeschoss wird mit dem neuen Baukörper das bestehende Kinderzimmer vergrößert. Ein Ankleideraum mit integriertem Kleiderschrank dient zugleich als Übergang zwischen Alt- und Neubau, von hier führt eine einläufige Treppe in die „Elternwelt“ des zweiten Obergeschosses. Der Weg endet im Elternschlafzimmer – einer räumlichen Symbiose aus Neu und Alt. Der Anbau sattelt hier auf dem Bestandsdach auf, wobei der Blick über groß dimensionierte Oberlichter weitergeführt wird. Statt einer Imitation der archaischen Bauweise gestalteten eins:eins architekten einen zeitgenössischen Kontrast zum Bestand, der darüber hinaus gerade mal knappe zehn Quadratmeter projizierter Fläche beansprucht, bei einem Wohnraumgewinn von insgesamt 31 Quadratmetern. So was nennt man wohl die Quadratur des Kreises. cao

Quadratur des Kreises Das klein strukturierte Siedlungshaus aus den 1930er-Jahren wurde zu einer modernen Mini-Villa

Architektur eins:eins architekten Hillenkamp & Roselius Partnerschaft mbB Web v Objekt Wohnhaus in Blankenese Kategorie Umbau Fassadenmaterial WDVS Adresse Hamburg-Blankenese Bauherr Privat Planungsbeginn 03/2007 Fertigstellung 11/2010 Nutzfläche 325 m² (Nettonutzfläche 291 m²) Kosten EUR 307.000,– Fotos Köster & Lumma GbR / www.koesterundlumma.com

Büro eins : eins architekten , H amburg /  Haus H amburg 

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Einfach Ein Grundstück am Nordrand von Berlin mit altem Baumbestand, märkische Kiefern inklusive. In diesem wunderbaren Umfeld sollte nach Wunsch der Bauherren ein Flach(dach)bau ohne störende Dachschrägen mit großzügigen Sichtbezügen zur Natur entstehen. Diese Vorgabe sollte sich als beinahe unlösbar herausstellen, da die Bauordnung geneigte Dächer in Kombination mit einem 1,20 Meter hohen Drempel verbindlich vorschrieb. Kurz gesagt: ein typisches Satteldachhaus, bei dem ein ausgebautes Dachgeschoss nur mit Dachschrägen möglich sein würde. Darüber hinaus war ein eingeschossiger Bau wegen des hohen Raumbedarfs keine realistische Option. Ein Dilemma, das die Berliner Architektin Anne Lampen mit einem exzellenten Kunstkniff löste: Der First des Satteldaches wurde diagonal gelegt, wodurch die Ecke des Hauses als abgewickelte Fassade definiert wird. Dadurch entsteht im tiefsten Bereich des Daches ein Drempel mit einer möglichst geringen Höhe (praktisch null). Zwei große Gauben schieben sich aus

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spitze

diesem Dach heraus, und derart entstehen im Obergeschoss Zimmer mit raumhohen vertikalen Außenwänden – ohne Dachschrägen. Die zuständige Beamtenschaft war ob dieser „Regelauslegung“ zwar irritiert, da das Ganze aber den gesetzlichen Vorgaben entsprach, musste diese expressionistische Bauskulptur bewilligt werden. Im Inneren dominieren unter anderem ein imposanter Luftraum von über sechs Meter Höhe, der beide Geschosse verbindet, als auch ein im Erdgeschoss geschickt im Zentrum platzierter offener Kamin. Gut gelöst zeigt sich auch die Wendeltreppe ins Obere. Jene schwingt sich anmutig durch das Haus, und trotz der umgebenden großflächigen Verglasung ist sie so positioniert, dass man von außen keinen Einblick darauf hat – Stichwort: Privatheit. Nützliches Detail: Ein Wäscheschacht befördert die Schmutzwäsche direkt in den Keller, in dem sich neben einem

Büro A nne L ampen A rchitekten , B erlin /  Haus B randenburg

Gästeapartment und der Haustechnik auch die Waschküche befindet. Gewohnt und gekocht wird im Erdgeschoss, während das Obergeschoss Schlaf- und Nassräume beherbergt sowie eine Arbeits- und Lesegalerie. Durchdacht zeigt sich auch die Konstruktion. Der Keller wurde aus Beton gegossen. Die Tragkonstruktion des sichtbaren Baukörpers besteht aus Stahl, kombiniert mit einer Holzrahmenkonstruktion. Die Außenwände mit OSB-Beplankung und Zellulosedämmung stellen sich konstruktiv als diffusionsoffener Aufbau mit mineralischer Verputzung dar. Als Bodenbeläge wurden Eichendielen und Schieferplatten verwendet. Das komplette Gebäude wird mit Geothermie beheizt und verfügt über eine kontrollierte Lüftungsanlage, die mit der Fußbodenheizung kombiniert ist. Einfach spitz(e), das Ganze! cao


Geneigt einmal anders: die Interpretation von Satteldach und Gaupe

Architektur Anne Lampen Architekten (Mitarbeiterin: Kathrin Haase-Polat) Web www.anne-lampen.de Objekt Haus A Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus Fassadenmaterial Stahlkonstruktion mit Holzfachwerk und Zellulosedämmung / Putzfassade Adresse Glienicke / Nordbahn Bauherr Privat Planungsbeginn 03/2010 Fertigstellung 06/2012 Nutzfläche 295 m² (Nettonutzfläche 286 m²) Kosten k. A. Fotos Werner Huthmacher / wernerhuthmacher.de

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Perfektes Steingrau Architektur Engelshove Bau Web www.engelshove.de Objekt Attraktives Mehrgenerationenhaus aus Ziegel Kategorie Neubau, Passivhaus Fassadenmaterial Vormauerziegel („Polaris“, hellgrau nuanciert), Eternit-Fassadentafeln „Natura“ (NU 251, anthrazit), Schüco-Fenster AWS 60 Fassadenfirma Wienerberger / www.wienerberger.com, Eternit / www.eternit.de, Schüco / www.schüco.com Adresse Neuenkirchen Bauherr Bauherrengemeinschaft Engelshove Hoffmann Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 2013 Nettonutzfläche Wohnung 1: ca. 322 m²; Wohnung 2: ca. 105 m² Kosten k. A. Fotos Arndt Haug (Wienerberger), Cornelia Suhan (Schüco)

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Zeitloses Klinkerhaus für mehrere Generationen

„Wenn Architekten für sich selbst bauen, ist es nicht immer einfach. „Weil man weiß, was es alles gibt, weil man viel kennt“, sagt Architektin Anja Engelshove, die nicht nur für sich, sondern für ihre vierköpfige Familie und ihre Eltern plante. Und so war die Familie länger auf der Suche nach einem passenden Grundstück. Breit genug sollte es sein für ein Haus, unter dessen Dach mehrere Generationen ihren eigenen Bereich haben können. „Ich habe alles akribisch geplant“, sagt Engelshove. Fündig wurden die Bauherren dann in einer Wohnsiedlung nur zwei Straßen von ihrem früheren Heim entfernt. Der Bebauungsplan

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sah einen zweigeschossigen Flachdachbau vor – „genau das war unser Wunsch“, so die Architektin. Den Ausschlag gab auch der unverbaubare Blick ins Grüne nach Südwesten. „Für die nächsten Jahrzehnte gucken wir in die Natur.“ Und zwar durch große Glasflächen direkt vom Eingang des Mehrgenerationenhauses über den Wohnbereich hinaus in den Garten. „Das ist auch das, was uns jetzt jeden Tag zur Ruhe kommen lässt“, sagt Engelshove. In ihrem Arbeitszimmer bevorzugt die Architektin, die oft zu Hause arbeitet, hingegen Trubel statt Stille. „Ich habe es gern, wenn um mich herum etwas los ist.“ Deshalb gestaltete sie

Büro E ngelshove B au, N ordrhein - W estfalen / Haus N ordrhein - W estfalen

ihren Bürobereich sehr offen. Für ihre Eltern wurde ebenerdig barrierefrei gebaut. Man lebt nebeneinander – mit Verbindungstür. Bei den Materialien war Engelshove eine gewisse Zeitlosigkeit wichtig. „Ich wollte keine Trendgeschichten.“ Lange war sie auf der Suche nach dem perfekten grauen Stein. „Das hatte ich mir in den Kopf gesetzt.“ Schließlich wurde es ein grauer Klinker, 60 Zentimeter lang und nur vier Zentimeter breit. „Das hat schon die Gemüter gespalten“, erinnert sich die Architektin, die von so manchem darauf angesprochen wurde. Trotzdem fügt sich der Bau gut ein – schließlich ist er ja zeitlos. has


GroSSzügig mediterran Beim Material wurde Wert auf die Verwendung bewährter natürlicher und recyclingfähiger Baustoffe gelegt, wie bei der Fassade Klinker

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Architektur Bodamer | Faber Architekten (Hansjörg Bodamer, Achim Bodamer, Alexander Faber) Web www.bodamer.net Objekt Wohnhaus R+J Kategorie Neubau Fassadenmaterial Geschlemmter Klinker Adresse k. A. Bauherr Privat Planungsbeginn 2012 Fertigstellung 08/2013 Nutzfläche 420 m² Kosten k. A. Auszeichnungen Heinze ArchitektenAWARD 2014 (Shortlist) Fotos Roland Halbe / www.rolandhalbe.eu

„Wir wurden vom Bauherrn selbst, im Rahmen einer Einweihungsfeier für ein Facharztzentrum, gefragt, ob wir Interesse an einem Wettbewerb für sein Wohnhaus hätten“, erzählt Architekt Achim Bodamer. Sein Architektenteam konnte sich gegen die Konkurrenz durchsetzen und bekam zwei Monate später grünes Licht für die Konzeption des Einfamilienhauses. „Schon 15 Monate später stand das Gebäude“, so der Architekt. Es wurde auf einem 1.700 Quadratmeter großen Grundstück errichtet. Für den Bauherrn war es wichtig, dass das Haus klar in unterschiedliche Bereiche getrennt ist. Im Untergeschoss ist ein Spa-Bereich mit Sauna entstanden. Von dort gelangt man, von einem bunt blühenden Steingarten begleitet, zum Schwimmbad im Garten. Ebenso befinden sich im Untergeschoss ein Weinkeller, ein Hobbyraum und Garagen. Das Erdgeschoss sollte, im Gegensatz zum Untergeschoss, alle Räume vereinen, in denen sich Familie und Gäste treffen, also Küche, Kaminzimmer und Arbeitszimmer. Und im Obergeschoss befinden sich Ruhezimmer und der Bereich des Bauherrenpaares. Das Haus sollte trotz der großen Nutzfläche von 420 Quadratmetern nicht protzig erscheinen, so der Wunsch des Bauherrn – das ist den Architekten durch die klare und nüchterne Strukturierung gelungen. Ebenso sollte mit nachhaltigen Materialien gebaut werden. „Beim Material wurde Wert gelegt auf eine möglichst weitgehende Verwendung bewährter natürlicher und recyclingfähiger Baustoffe sowie die Erarbeitung eines reduzierten und dezidierten

Materialkonzeptes“, so Bodamer. Von außen erscheint das Haus wegen seiner Fassade aus geschlemmtem Klinker fast mediterran. Die hellen Ziegel geben dem Bau einen warmen und naturbelassenen Schliff. Dieses Konzept zieht sich auch im Inneren wie eine Linie durch: ein Haus, das mehr ist als nur Wohnraum. Es umfasst alle Lebensbereiche und bietet genug Platz für die gesamte Familie. mat

Büro B odamer | Faber A rchitekten , B aden - W ürttemberg / Haus B aden - W ürttemberg 

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Haus statt Gaupe

Architektur Wirth Architekten (Jan Wirth, Benjamin Wirth) Web www.wirth-architekten.de Objekt Haus Chapeau! Kategorie Umbau Fassadenmaterial Stahlbetonskelett, mit Porenbeton ausgefacht, verputzt Adresse Bremen Bauherr Daniel Knezovich Planungsbeginn 07/2013 Fertigstellung 01/2016 Nutzfläche 207 m² (Nettonutzfläche 165 m²) Kosten k. A. Fotos Christian Burmester / christianburmester.com

„Das Haus hat einfach nicht darauf reagiert, dass es ein Eckhaus ist“, sagt Benjamin Wirth von Wirth Architekten und meint damit die Ausgangssituation für das Projekt „Chapeau!“ in Bremen. Wie ein klassisches Reihenhaus richtete es sich nämlich mit Fenstern und Funktionen nach vorne zur Straße. Die seitlich freie Wand blieb ungenutzt. Der Umbau sollte dieses Problem lösen. Dabei waren die Vorstellungen des Bauherrn zu Planungsbeginn nicht nur ganz klare, sondern auch ganz andere: Die Dachkammer sollte zwar als Wohnraum genutzt werden, ermöglichen sollten das aber zwei Gaupen. Diese übliche Form des Dachausbaues hätte zwar den Einzug von senkrechten Fenstern erlaubt und damit mehr Licht ergeben, mehr Wohnraum wäre aber nicht entstanden. „Wir dachten uns, da ist mehr rauszuholen, und der Bauherr hat den neuen Vorschlag sofort positiv angenommen.“ Es entstand ein fruchtbarer Dialog zwischen dem Architekten und dem Bauherrn. Und der war nötig. Denn sowohl der Neubau als auch die Renovierungsarbeiten am Bestandshaus waren schwierig. So drohten etwa die 4,5 Meter hohen Wände des neuen

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Büro W irth A rchitekten , B remen /  Haus B remen

Stadthaus: Die großen Eckfenster geben eine komplett neue Aussicht in die Stadt frei

50 Wohnraumes einfach einzuknicken. Deshalb wurde das bröcklige Mauerwerk mit einem Stahlbetonskelett unterstützt – was auch seine Vorteile anderswo hatte: Dadurch konnten die Giebelwände des Bestandshauses behalten werden. Wobei: „Alles wäre einfacher gewesen, wenn wir die Giebel weggenommen hätten“, erzählt der Architekt. „Aber damit hätten wir uns das Haus bloß zurechtgeknetet, anstatt auf seine Identität einzugehen. Und das war nicht das Ziel.“ Die Giebel blieben – und der neue Wohnraum wurde wie eine Kiste dazwischengeschoben. Zusammen mit den Giebelwänden durfte das Haus auch seine Identität behalten, durch den Ausbau reagiert es aber anders mit seiner Umgebung. So geben die großen Eckfenster eine komplett neue Aussicht in die Stadt frei. Mehr noch – durch den gewagten Ausbau wurden nicht nur 35 Quadratmeter Wohnraum dazugewonnen, sondern auch Lebensqualität. In der vormals finsteren Dachkammer finden sich nun ein lichter Wohnbereich und eine Galerie; von der Hauptstraße abgewendet sogar noch eine Außenterrasse. Und das alles so gestaltet, wie es für ein Eckhaus angemessen ist. ros


Kontrastprogramm

Unten geerdet und robust, oben praktisch schwebend Architektur nps tchoban voss, Sergei Tchoban, Philipp Bauer (Projektpartner) Web www.nps-tchoban-voss.de Objekt Villa bei Potsdam Kategorie Neubau Fassadenmaterial Backstein / Aluminiumblech (Dieringer Blechbearbeitung, Berlin) Adresse Wilhelmshorst Bauherr Privat Planungsbeginn 09/2012 Fertigstellung 06/2015 Nutzfläche 401 m² (Nettonutzfläche 349 m²) Kosten k. A. Auszeichnungen German Design Award 2017 (Nominierung); DAM Preis für Architektur in Deutschland 2017 (Nominierung); Iconic Award 2016 – Kategorie „Domestic“ (Gewinner) Fotos Martin Tervoort / www.martintervoort.de

Kontraste sind es, die Sergei Tchoban reizen. Die Kontraste verschiedener Materialien, unterschiedlicher Formen und ihr Zusammenspiel. „Dadurch wird die zeitgenössische Architektur stark“, sagt der Architekt. Diesen Zugang hat er in der von ihm geplanten Villa bei Potsdam, einem Einfamilienhaus an einer Lichtung im märkischen Kiefernwald, verwirklicht: Der Kubus aus Mauerwerk im Erdgeschoss gibt sich geerdet und robust, während der Glaskörper darüber scheinbar schwebt. Tatsächlich sind die zwei Baukörper übereinandergestapelt, aber auseinandergeschoben – wie eine wagemutige Anordnung von riesigen Legosteinen. Die Geschosse überlappen

sich um nur 70 Quadratmeter, der Überstand beträgt dafür bis zu sieben Meter. Das schafft viel Platz für Terrassen mit Blick auf den Wald – eine Vorgabe des Bauherrn. „Verzahnung mit der Natur“, nennt es der Architekt und sieht darin Kontraste, wie sie etwa durch die horizontalen Linien des Gebäudes und die vertikalen Bäume entstehen. Zusammengeführt werden die zwei Kuben im Inneren von einer Wendeltreppe, die sich genau in der Mitte des Gebäudes befindet und wie eine futuristische Skulptur anmutet. Ein „wahres Architekturspiel“, findet Tchoban. Der Bauherr habe die Idee des gesamten Projekts stark mitgetragen. Neben einigen statischeren Varianten wählte er nämlich diese kontrastreichere Konstruktion. „Das hat mich sehr gefreut“, sagt der Architekt. Trotz der vielen Kontraste bleibt die Villa in ihrer Nachbarschaft verwurzelt. So ähnelt die horizontale Gliederung den anderen Bauten in der Villenkolonie bei Wilhelmshorst. Und auch in Sachen Farben und Material bezog man sich auf die Umgebung: Der dunkelrote Klinker des Mauerwerks und das Silber in der Oberetage finden sich auch in den Nachbarshäusern. Kontrastprogramm also, mit Sinn für Lokalkolorit. has

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Architektur JEBENS SCHOOF ARCHITEKTEN (Ole Jebens, Peter Schoof) Web www.jebensschoof-architekten.de Objekt Haus B Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus, Holzbau Fassadenmaterial Lärche, unbehandelt Fassadenfirma Naturbau Meldorf Adresse Epenwöhrden Bauherr Privat Planungsbeginn 06/2011 Fertigstellung 11/2012 Nutzfläche ca. 171 m² inkl. Garage, Schuppen (Nettonutzfläche ca. 132 m²) Kosten EUR 170.000,– brutto (KG 300–400) Auszeichnungen Tag der Architektur SH 2013 Fotos Andreas Birresborn (1, 2) / www.andreas-birresborn.de, Volker Smidt (3), Michael Maria Rosen (4)

Vom Bad aufs Sofa: Das Haus zeichnet sich durch eine ungewöhnliche Offenheit im Grundriss und in der Höhe aus

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Der Dusenddüwelswarf, ein Zungenbrecher der oberen Kategorie, bezeichnet einen Gedenkstein von historischer Bedeutung, der zugleich die besondere Sehenswürdigkeit der 800-Seelen-Gemeinde Epenwöhrden in Schleswig-Holstein ist. Eine weitere – allerdings private und weit jüngeren Datums als der archaische Stein – Attraktion stellt ein Einfamilienhaus in Holzrahmenbauweise mit klassischem Satteldach dar, das in Form und Funktion eine ausgesprochene, vor allem auch optisch-ästhetische Glanzleistung ist. Gemeinsam mit dem Bauherrenpaar entwickelten Ole Jebens und Peter Schoof vom in Heide (in direkter Nähe zu Epenwöhrden)

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Büro J E B E N S S C H O O F A R C H I T E K T E N , S chleswig - H olstein /  Haus S chleswig - H olstein

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Wohnen im Bade 3

ansässigen Büro JEBENS SCHOOF ARCHITEKTEN ein innovatives Wohnkonzept, das von einer ungewöhnlichen Offenheit in Grundriss und Gebäudehülle lebt und zugleich die Privatheit gegenüber dem öffentlichen Raum bewahrt. Dem Wunsch der Bauherren nach einem möglichst großzügigen Wohn- und Essbereich mit direktem Bezug zu den privaten Räumen wurde durch eine scheunenartige Grundkonzeption des Hauses entsprochen, das sich um eine offene Wohnhalle entwickelt. Der Grundriss bietet im Erdgeschoss einen zentralen Wohn-Ess-Bereich mit offener Küche, der über eine durchgehende Achse von Ost nach West erschlossen wird. Diese Achse wird

durch einen Materialwechsel im Fußbodenbelag hervorgehoben. Der Wohnraum, in dessen Zentrum sich ein markanter freistehender Kamin befindet, öffnet sich bis unter den First und lässt das Gebäudevolumen eindringlich wirken. Das Elternschlafzimmer ist nur durch Schiebetüren von Bad und Wohnzimmer getrennt (oder offen). Eine raumgreifende Stahltreppe führt in das Obergeschoss zu den zwei Kinderzimmern und zum kleinen, offenen Arbeitsbereich. Die Außenwände wurden mit unbehandeltem (sibirischem) Lärchenholz verschalt (Boden-Deckel-Schalung). Das Dach mit seiner hellgrauen Deckung harmoniert mit der mit den Jahren ergrauenden Fassade und fügt

sich derart in die höfische Nachbarbebauung ein. Der Carport und der Schuppen bilden den nördlichen Abschluss des Gebäudes. „Der Neubau wurde konsequent auf kostensparende Maßnahmen getrimmt, wie etwa durch die Verwendung von Wellfaserzementplatten für das Dach“, sagen die Architekten und betonen: „Darüber hinaus wurden alle Details im Vorwege geplant und durchgezeichnet, sodass der Bauherr viele Arbeiten in Eigenregie durchführen konnte.“ Somit nicht nur in Benutzung und Betrieb top, sondern auch im Bauprozess effizient. cao

Büro J E B E N S S C H O O F A R C H I T E K T E N , S chleswig - H olstein /  Haus S chleswig - H olstein 

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Verandahaus

Die Anforderung: temporäres Wohnen, das sich nicht so anfühlen soll

Architektur bayer | uhrig Architekten (Andrea Uhrig, Dirk Bayer) Web www.bayer-uhrig.de Objekt Häuser für amerikanisches Wohnen Kategorie Neubau Fassadenmaterial WDVS Adresse Rodenbach Bauherr Privat Planungsbeginn 05/2005 Fertigstellung 04/2007 Nutzfläche k. A. Kosten k. A. Fotos Michael Heinrich / www.mhfa.de

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Architekten sind es gewohnt, ein Gegenüber zu haben. Einen Bauherrn, mit dem man über dessen Wohngewohnheiten, Lebensformen und familiäre Bedürfnisse sprechen kann, um diese dann in einen Entwurf einfließen zu lassen. Was aber tun, wenn man für unbekannte Nutzer ein Einfamilienhaus planen soll? Ohne zu wissen, wie alt die Bewohner sind, wie lange sie dort wohnen werden, was sie brauchen und wie viele sie sind? Vor dieser Herausforderung standen die Architekten Dirk Bayer und Andrea Uhrig, als sie beauftragt wurden, zwei Häuser für amerikanische Familien, die meist nur ein paar Jahre auf der Militärbasis Ramstein stationiert sind, zu entwerfen. Die Vorgabe: temporäres Wohnen, das sich nicht so anfühlen soll. „Wir wollten aktuelle Architektur“, sagt Dirk Bayer. Die sollte aber trotzdem typische Elemente US-amerikanischer Bauten enthalten. „Wir dachten da immer an ‚Die Waltons‘: Sie sitzen auf der Veranda, schauen auf die Straße, im

Büro bayer |  uhrig A rchitekten , R heinland - P falz /  Haus R heinland - P falz

Obergeschoss drei Fenster.“ Das wurde dann auch zur Leitidee für den Bau der Prototypen: eine vorgelagerte Veranda und drei Fenster. „Wegen der Hanglage müssen die Häuser ein bisschen schweben“, sagt der Architekt. Er findet das sehr passend. „So sind ja auch die Nutzer. Nicht verankert. So, als ob sie wegschweben könnten.“ Bei Bedarf können die Häuser auch über die Treppe getrennt werden. „Da müsste man nur eine Tür einbauen, und schon hätte man oben und unten getrennte Einheiten“, so Bayer. Das Innere haben die Architekten bewusst bescheiden gehalten, „ganz im Sinne der Nutzungsneutralität“. So sind alle Räume etwa gleich groß, und es gibt viele Bäder – „das war sehr wichtig“. Egal welche Möbel die neuen Bewohner aus Amerika mitbringen, die Räume passen sich an. Dazu noch eine große Garage für den Mustang, ein vorgelagerter Garten und hinter dem Haus noch einer – wie in den USA, nur eben in Rodenbach bei Kaiserslautern. has


Architektur ABOA – aufbauostarchitekten Web www.aboa-architekten.de Objekt Mikrohaus FB#425 Kategorie Neubau Fassadenmaterial Putz Adresse Zwickau Bauherr Privat Planungsbeginn 11/2009 Fertigstellung 10/2011 Nutzfläche 106 m² Kosten EUR 159.360,– Fotos Atelier Träupmann

MaSSanzug, klein geschnitten

In der „Nase” befindet sich das Schlafzimmer, unter ihr der Autoabstellplatz

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Ein extrem schmales Grundstück mit nur 11,90 Meter Breite, ein ebenso schmales Budget – und dazu noch die strengen Vorgaben vom Bauamt. Schon beim Erstgespräch war für Michael Uhlig von ABOA – aufbauostarchitekten klar, dass er es hier mit einem besonders kniffligen Projekt zu tun hat: „Die Bauherren haben sehr günstig das Grundstück eines alten Schrebergartens bekommen“, erzählt er, „also sind sie zu uns gekommen und haben gefragt: Schafft ihr es, dafür einen Entwurf zu kreieren?“ Das Büro ABOA schaffte es. Es entwarf das „Mikrohaus FB#425“, das heute in Cainsdorf, einem Stadtteil von Zwickau, steht. Der kryptische Name hat übrigens keine tiefere Bedeutung. Doch für den Architekten passte er perfekt zu der strengen und futuristischen Optik, die von den Bauherren gewünscht war. Nicht nur größenmäßig ist das „Mikrohaus“ auf das Nötigste reduziert: Innen wie außen dominieren gerade Linien und klare Kontraste. Massiver Sichtbeton trifft auf helle Trockenbau-Wände. Dabei sieht die Bauordnung

im Ort eher das klassische Häuschen mit Giebeldach vor: Dachfirst und straßenseitige Traufe sind Pflicht. Beides hat ABOA dem „Mikrohaus“ verpasst – allerdings in Minimalausführung. Sogar bei der Raumaufteilung haben die Architekten aus der Not eine Tugend gemacht: Im Erdgeschoss befinden sich nur die Küche und ein kleines Arbeits- bzw. Gästezimmer. Das Wohnzimmer hingegen wurde in den ersten Stock verlegt – mit direktem Zugang zur Dachterrasse. Doch was beim „Mikrohaus FB#425“ schon von Weitem auffällt, ist seine „Nase“. So nennt Architekt Michael Uhlig die Auskragung zur Straßenseite hin, in deren Innerem sich das Schlafzimmer befindet. Sie dient nicht nur als Blickfang – sondern auch als überdachter Autostellplatz. „Wir versuchen einfach, den Bauherren ihren Maßanzug zu geben, der sich genau ihren Bedürfnissen anpasst“, sagt Uhlig. Und mit dem „Mikrohaus FB#425“ ist ihm das gelungen – auch wenn es alles andere als einfach war. raf

Büro A B OA – aufbauostarchitekten , S achsen /  Haus S achsen 

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Architektur Steiner Weißenberger Architekten (David Steiner, Karl Weißenberger) Web www.steinerweissenberger.de Objekt Solar-Wohnhaus Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus Fassadenmaterial Holzschalung Lärche Adresse Umland von Berlin Bauherr Privat Planungsbeginn 12/2012 Fertigstellung 10/2014 Nutzfläche 170 m² (Nettonutzfläche 143 m²) Kosten EUR 280.000,– brutto (KGR 300+400) Fotos David Steiner

55 Die Ausmaße des Hauses bemessen sich nach den Modulen der Photovoltaikanlage, die Dachneigung nach der optimalen Sonneneinstrahlung

Der Sonne entgegen Manche Bauherren lassen Architekten freie Hand, andere haben nur eine vage Vorstellung davon, wie ihr Heim aussehen soll. Und dann gibt es die, die so in ein Projekt involviert sind, dass sie sogar die Bauleitung übernehmen und die Statik selbst berechnen. Mit einem solchen Bauherrn planten und bauten die Architekten David Steiner und Karl Weißenberger in der Nähe von Berlin ein spezielles Einfamilienhaus: Das komplette Dach sollte als Photovoltaikanlage der Energieerzeugung dienen. Die Idee dafür kommt nicht von ungefähr: Der Bauherr ist Bauingenieur und arbeitet bei einer Firma, die Photovoltaikanlagen herstellt. Um die Dachfläche optimal für die geplante Anlage auszunutzen, entwarfen die Architekten ein Schrägdach. Auch sonst richteten sie den Bau ganz nach der Sonne aus. Die Ausmaße des Hauses bemessen sich nach den Modulen der Anlage, die Dachneigung nach der optimalen Sonneneinstrahlung. „Ein Haus mit Dachneigung in eine Richtung sieht aber schnell aus wie ein Schuppen mit Fenstern“,

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Büro S teiner W ei S S enberger A rchitekten , B erlin /  Haus B randenburg

meint Weißenberger. Um diesen Effekt zu vermeiden und um, wie der Architekt es nennt, „aus dem Schuppenbild rauszukommen“, wurden die Straßen- und die Gartenfassade leicht gekippt. Diese Schrägstellung der Wände lässt eine Art Skulptur entstehen – eine Photovoltaikskulptur. Die Konzeption des Hauses als Sonnenkraftwerk hatte noch einen weiteren Effekt: Damit die Photovoltaikanlage optimal genutzt werden kann, kippt das Dach gen Süden. „So verringert sich aber gerade zum Garten hin die Höhe des Hauses – was man ja in Hinblick auf die Wohnräume eigentlich nicht möchte“, so Weißenberger. „Wie wir es gelöst haben, fällt das aber gar nicht auf.“ Die Architekten richteten nämlich die Nutzräume im Erdgeschoss zur Straßenseite hin aus und gestalteten sie so offen, dass der Luftraum über eine Galerie im Obergeschoss bis unter das schräge Dach reicht. So sind der Bauherr und seine Familie immer auf der Sonnenseite. has


Schichtwechsel „Wir haben diesem Haus so etwas wie eine zweite Haut gegeben. Die Bauherren hatten ganz klare Wünsche, und daraus entwickelte sich dieses Projekt“, so beschreibt Architekt Martin Bächle das „Haus K“. Die Familie mit zwei erwachsenen Kindern wollte das bestehende Gebäude behalten und um ein Garagenbauwerk erweitern. Außerdem waren sie mit den bestehenden Terrassenflächen nicht zufrieden. „Diese galt es für uns daher zu überdenken“, so Bächle. Die Lösung: Das bestehende Wohngebäude aus dem Jahr 1976 wurde erhalten und mit einer Gebäudehülle aus gefalteten Kupferstäben umfasst. „Das war

bei diesem Projekt sicher eine der größten Herausforderungen“, erzählt Bächle, „die äußere Bauform als Kernhaus im Stil der 70erJahre weiterhin erkennbar zu belassen und durch eine neue Haushülle zu ergänzen.“ Die einzelnen Stäbe lassen die Hülle fragil und zart wirken und geben dem ursprünglichen Haus einen sehr modernen Ansatz. Sie erfüllt aber auch noch eine ganz andere Aufgabe: Zwischen Bestand und Kupferkleid, zwischen innen und außen entstanden neue Räume, die unterschiedlichen Zwecken dienen: ein Treppenweg mit Vorplatz zum Haupteingang, zwei Terrassen, von denen man den Ausblick auf den

Bodensee in Richtung Südosten genießen kann, oder ein Kinderbereich im Erdgeschoss. Die Kupferfassade hat allerdings auch noch einen dritten Aspekt: Denn gemeinsam mit den weiten Überdachungen biete die äußere Schicht dem Kernhaus auch nachhaltigen Schutz, erklärt der Architekt. Das Ergebnis nennt er eine „abstrakte Darstellung der Typologie Einfamilienhaus“. Das quasi neue Kleid ermöglicht eine gelungene Verbindung zwischen Alt und Neu, verbindet ein klassisches Einfamilienhaus mit einem modernen, vielleicht etwas abstrakten Zugang zum Thema Wohnen. sol

Architektur bächlemeid (Martin Bächle, Karin Meid-Bächle) Web www.baechlemeid.de Objekt Haus K Kategorie Umbau Fassadenmaterial Kupferhaut mit Kupferstäben, Kalkputz Adresse Konstanz Bauherr Privat Planungsbeginn 04/2014 Fertigstellung 09/2015 Nutzfläche 404 m² (Nettonutzfläche 273 m²) Kosten k. A. Fotos Roland Halbe / www.rolandhalbe.eu

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Gefaltete Kupferstäbe umfassen das Bestandsgebäude

Büro b ächlemeid, B aden - W ürttemberg / Haus B aden - W ürttemberg 

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Nach innen gerichtet: Die Fassade des alten Gleichrichterwerks blieb, bis auf die ausgetauschten Gläser der Stahlfenster, unangetastet

Musterhaus

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Viele Gebäude, die am Beginn des 20. Jahrhunderts als Teile städtischer Stromversorgung errichtet wurden, verloren ihren Zweck nach einigen Jahren. So auch ein 1928 für die Gleichstromversorgung der Straßenbahn gebautes Gleichrichterwerk in Berliner-Zehlendorf. Bereits Anfang der 1960er-Jahre wurde das Gebäude obsolet und stand, abgesehen von einer kurzen Zwischenmiete durch die Freie Universität, jahrzehntelang leer. Dafür gab es laut Architekt Paul Kahlfeldt zwei Hauptgründe: „Das Gebäude ist eingezwängt in banalste Architektur der 50er- und 60er-Jahre. Viele Interessenten hat das sehr abgeschreckt.“ Zudem liegt das Grundstück an einer vielbefahrenen Straße. Glücklicherweise fanden sich schließlich nach der Jahrtausendwende Käufer, nämlich Kahlfeldts Bruder Stefan und dessen Frau Angelika. Beim Umbau eines so alten Gebäudes haben allerdings nicht nur Besitzer und Architekten ein Wörtchen mitzureden. So waren die größten Herausforderungen „wie immer die Behörden – in diesem Fall besonders das Denkmalamt“, sagt Kahlfeldt. Dementsprechend wurde etwa ein ursprünglich geplanter Typenbau aus gestalterischen Gründen von der Genehmigungsbehörde abgelehnt. Dennoch gelang es, aus dem vormaligen Gleichrichterwerk ein schönes Wohnhaus mit zwei Wohnungen

Architektur Petra und Paul Kahlfeldt Architekten Web www.kahlfeldt-architekten.de Objekt Haus K Kategorie Umbau Adresse Berlin-Zehlendorf Bauherr Angelika und Stefan Kahlfeldt Planungsbeginn 11/2006 Fertigstellung 10/2008 Nutzfläche k. A. Kosten k. A. Fotos Stefan Müller

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Büro P etra und Paul K ahlfeldt A rchitekten , B erlin / Haus B erlin

zu machen. Dazu nutzten die Architekten geschickt die vorhandene Skelettstruktur und setzten kurzerhand die Trennwände nach den geänderten Grundrissen neu. Um den Anforderungen des Wärmeschutzes gerecht zu werden, mussten neue Holzfenster und eine gemauerte Innenschale eingebaut werden. Zusätzlich ermöglichen nun einige neue Austritte auf der rückwertigen Seite einen direkten Zugang zum Garten und ein paar neue Fenster die Belichtung der dort gelegenen Räume. Die übrige Fassade blieb, bis auf die ausgetauschten Gläser der Stahlfenster, unangetastet. So wurden aus dem alten Gleichrichterwerk mit geringfügigen Änderungen außergewöhnliche und gleichzeitig selbstverständliche Wohnräume. val


„Wisst ihr was, ich schreibe jetzt eine App mit euch zusammen“, zitiert Architekt Harald Schindele den technikverliebten Bauherrn. Geschrieben hat die App dann zwar nicht der Bauherr selbst, genutzt wird sie aber ausschließlich zur Steuerung seiner Villa in Berlin-Grunewald. Über Tablet und Smartphone kann die vierköpfige Familie damit Vorhänge zur Seite schieben, das Licht heller oder dunkler machen, Musik einlegen oder die Alarmanlage steuern. „Da sind die Firmen ein bisschen hin und her gerutscht“, erinnert sich Architekt Schindele an die Reaktion der beteiligten Firmen. Mitgemacht haben sie schließlich trotzdem. Zwei Jahre haben Bauherren und Architekten an den Plänen für das Haus herumgetüftelt. Aufwändig war neben der Haustechnik auch der Baukörper selbst. Im Berliner Villenviertel Grunewald reihen sich an den Straßenseiten Einfamilienhäuser im klassischen Stil aneinander, dahinter breiten sich großzügige Gärten aus. Seit den 1970er-Jahren haben sich zwar auch modernere Mehrfamilienhäuser unter die klassischen Villen gemischt, die „Villa M“ sticht aus diesem Potpourri trotzdem hervor. Ihren auffälligen Baukörper verdankt sie dem Sonnenverlauf: An ihm haben sich die Architekten orientiert, um möglichst viel Sonne in das Haus zu bekommen und möglichst wenig Schatten in den Garten zu werfen. „Von April bis Oktober ist der Garten tatsächlich in der Sonne, während

Möglichst viel Sonne und wenig Schatten: Seinen auffälligen Baukörper verdankt das Haus dem Sonnenverlauf

die Nachbarhäuser Schatten in ihre Gärten werfen“, erklärt Harald Schindele. Umgekehrt hat der Garten aber sehr wohl seine Spuren an der Hausfassade hinterlassen: Inspiriert von einem Tannenzapfen, den Architekt Schindele am Grundstück gefunden hat, ließ der Bauherr exakt 15.276 Fliesen nach diesem Muster anfertigen. „Die Fliesen mussten einzeln zertifiziert werden, weil sie außerhalb der Norm waren“, sagt Schindele. Nur wenige Wünsche offen lässt auch das Hausinnere mit seinen knapp 600 Quadratmetern. Neben Wohn- und Essbereich im Erdgeschoss und den Privaträumen im zweiten Geschoss kann man sich im Geschoss dazwischen im Kino, dem Musizierzimmer oder in der Bibliothek unterhalten. Ein App-gesteuertes Haus mit Kino – nein, Mark Zuckerberg ist es nicht, der hier wohnt. maj

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Büro H S A rchitekten , B erlin /  Haus B erlin


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Architektur HS Architekten (Markus Hirschmüller, Harald Schindele) Web www.hsarchitekten.com Objekt Villa M Kategorie Neubau Fassadenmaterial Diamantfliesen Fassadenfirma Golem Kunst- und Baukeramik Adresse Berlin-Grunewald Bauherr Privat Planungsbeginn 2008 Fertigstellung 2012 Nutzfläche 598 m² Kosten k. A. Fotos Carsten Krohn

Sonnige Tannenzapfen Büro H S A rchitekten , B erlin /  Haus B erlin  

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Alles bleibt anders Architektur Behnisch Architekten (Stefan Behnisch, Stefan Rappold) Web www.behnisch.com Objekt Haus S Kategorie Umbau, Holzbau Adresse Stuttgart Bauherr Privat Planungsbeginn 02/2012 Fertigstellung 11/2014 Nutzfläche 133 m² Neubauanteil plus 100 m² Dachterrasse; 425 m² gesamt Kosten k. A. Fotos David Matthiessen / www.davidmatthiessen.de

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Dem Wunsch des Bauherrn folgend, wurde das Wohngebäude aus den 1930er-Jahren dergestalt umgebaut, dass sowohl die ruhige Hanglage am Waldrand im Stuttgarter Süden als auch der Ausblick über die Stadt Stuttgart im Mittelpunkt standen. Die gestalterische Idee von Behnisch Architekten bestand darin, ein schlichtes, zurückhaltendes Objekt zu konzipieren, das sich in seiner gläsernen Materialität und Optik von der massiven Bauweise des bestehenden Gebäudes abhebt, ohne dieses zu dominieren. Sprich: An die Stelle des bestehenden Satteldaches trat ein eingeschossiger, neuer Dachaufbau. Dieser kragt an der Süd- und Westseite über das Erdgeschoss hinaus, um sich deutlich vom Altbau zu unterscheiden und als selbstbewusster neuer Teil des Ganzen einen eigenständigen Akzent zu setzen. Gleichzeitig schaffen die Überstände interessante Außenräume und geschützte Flächen im Garten. Die Position der neuen „gläsernen Box“ resultiert einerseits aus den Vorgaben des Baurechts und soll andererseits jeder Gebäudeseite eine eigene Qualität geben. Das neue, großzügige Wohngeschoss ist als offener Grundriss gestaltet, der durch „Boxen“ zoniert wird und mit einer gläsernen Hülle umschlossen ist. Eine Außentreppe, die auf einem teilweise

abgetragenen Erker platziert ist, führt hinauf auf das Flachdach, auf dem eine mit Holzdielen belegte Dachterrasse in freier Form einen herrlichen Blick über die Stadt bietet. Im Innenraum schaffen die hölzernen „Boxen“ und der Boden aus Nussbaum eine warme, einladende Atmosphäre und ruhige Oberflächen. Die Wandverkleidung nimmt Türen, Regale und Einbauschränke sowie ein TV-System auf. Betritt man die Bäder, ändert sich die Stimmung. Die Wände sind dunkel und glatt beschichtet, während farbige Möbel Kontraste setzen. Aufgrund der nicht eruierbaren Tragfähigkeit von Untergrund, Wänden und Fundamenten wurde eine vorgefertigte Brettschichtholz-Konstruktion als leichte Bauweise gewählt. Die gläserne Hülle besteht aus einer raumhohen Verglasung mit großen Scheibenformaten, die einen maximalen Ausblick nach allen Seiten erlauben. Ein außenliegender Sonnenschutz aus Metallgewebe filtert diesen Ausblick und schützt gleichzeitig vor sommerlicher Überhitzung. Heiz- und Kühldecken sowie -böden regulieren das Raumklima im Winter und im Sommer. Hinsichtlich der Energieeffizienz sind alle neuen Bauteile mit hoch energieeffizienten Materialien errichtet, während die bestehende Konstruktion unverändert blieb. Zusammengefasst: Alles bleibt anders. cao

Durchblick: An die Stelle des bestehenden Satteldaches trat ein eingeschossiger, neuer Dachaufbau (inklusive Terrasse obenauf)

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Büro B ehnisch A rchitekten , B ayern & B aden - W ürttemberg / Haus B aden - W ürttemberg


Landschaft im Blick

Betonhaus mit fantastischem Ausblick

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Architektur Ian Shaw Architekten Web www.shaw-architekten.de Objekt Villa S Kategorie Neubau Adresse Schriesheim Bauherr Privat Planungsbeginn 04/2013 Fertigstellung 02/2015 Nutzfläche ca. 345 m² Kosten k. A. Fotos Felix Krumbholz / www.felixkrumbholz.com

Bei solch einem Panorama wird manchem schwindelig. Beinahe monumental erhebt sich die „Villa S“ in Schriesheim. Die Terrasse der Villa gewährt einen atemberaubenden Ausblick über das Rheintal, den Odenwald und die Ruinen der Strahlenburg. An sonnigen Tagen sieht man sogar bis zum Schwarzwald. Das Frankfurter Büro des Architekten Ian Shaw hat in dieser einmaligen Landschaftskulisse ein zweistöckiges Einfamilienhaus realisiert. „Als wir das erste Mal auf dem Grundstück waren, haben wir uns gemeinsam auf eine Leiter gesetzt und in die Ferne geblickt. Da wussten wir: Diesen Ausblick müssen wir einfangen“, erinnert sich Shaw über das erste von vielen anregenden Gesprächen mit den Bauherren. In das Haus gelangt man durch eine Eingangstür aus Holz. Sie bildet einen Kontrastpunkt zum Beton, der die restliche Fassade ausmacht. Keine Mühe wurde gescheut. Der Beton sei sogar teilweise per Hand bearbeitet worden, so der Architekt. Ungewöhnlich an dem Haus ist auch, dass sich wegen der Hanglage der Eingang im Obergeschoss befindet. Das obere Stockwerk bietet gemeinsam mit der beeindruckenden Terrasse viel Platz und Raum zur Entfaltung, das Untergeschoss soll ein möglicher Rückzugsort sein. Shaw wollte eine Atmosphäre schaffen, in der sich die Bewohner wohlfühlen: „Von außen wirkt das Haus symmetrisch, aber das ist es nicht.“ Und dabei hat Shaw nicht nur architektonisch das richtige Gespür bewiesen. Als er dem Ehepaar den ersten Entwurf für das Haus in Hanglage präsentierte, war das Paar etwas verdutzt, weil der Architekt im unteren Geschoss eine komplette Einliegerwohnung geplant hatte. Denn wenn man die Rigipswände abbaut, entstehen neue Zimmer, die flexibel nutzbar sind. Shaw wollte eine langfristige Wohnlösung anbieten. Er wusste, dass sich Lebenssituationen schnell ändern können. Vier Monate später sollte er damit genau den richtigen Riecher gehabt haben, denn die Bauherren erwarteten ihren ersten Nachwuchs. Die mittlerweile vierköpfige Familie ist damit rundum zufrieden. „Heute sind sie sehr glücklich darüber, dass sie am Anfang der Planung offen genug für meine Ideen waren“, so Shaw. roa Büro I an S haw A rchitekten , H essen / Haus B aden - W ürttemberg 

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R a u m n a h m e Wie fühlt man sich in einem ehemaligen Schweinestall? Sauwohl, sagen die Bauherren

Wer würde schon gern in einem Schweinestall leben? Das Paar, das diesen ehemaligen Schweinestall bewohnt, tut das jedenfalls sehr gerne – nicht umsonst haben sie dem Haus den Namen „Sauwohl“ gegeben. Es steht in einem kleinen Dorf in Angeln, einer ländlichen Gegend ganz im Norden Deutschlands, in der die Landwirtschaft schon bessere Zeiten gesehen hat: In den 1980ern gebaut, stand der Stall später leer, um schließlich von Mißfeldt Kraß Architekten aus Lübeck umgebaut zu werden. „Wir haben ihn so vorgefunden, als wäre gerade die letzte Sau bei der Tür raus“, sagt Tobias Mißfeldt. Ein Neubau sei an der Stelle wegen der Bauordnung nicht möglich gewesen: Es galt, mindestens 50 Prozent der alten Bausubstanz zu erhalten. Also machten die Architekten aus der Not eine Tugend: „Wir wollten den Raum des Stalles, wie wir ihn erlebt haben, möglichst erhalten, damit er seine

Geschichte erzählen kann.“ Außen fügten die Architekten nur eine Schale aus Wärmedämmung und Ziegeln hinzu. Innen hingegen verzichteten sie auf Trennwände – stattdessen ließen sie Möbel anfertigen, die nicht nur als Regal, Schrank oder Hängefläche dienen, sondern auch die räumliche Trennung übernehmen: „Sie erfüllen alle Anforderungen, was Akustik und Verschließbarkeit betrifft“, sagt Mißfeldt, „aber man spürt, das ist ein Möbel und keine Wand.“ Ansonsten lässt im Innenbereich nichts mehr auf die ursprüngliche Nutzung des Gebäudes schließen – bis auf die Falltür, die im Boden der Küche eingelassen ist. Über eine kleine Stiege führt sie in einen der Schächte, in denen früher der Schweinemist landete. Doch hier lagert schon lange keine Gülle mehr, sondern der eine oder andere edle Tropfen: Der Schacht dient heute als Weinkeller. raf

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Architektur Mißfeldt Kraß Architekten (Tobias Mißfeldt, Hauke Kraß) Web www.missfeldtkrass.de Objekt Sauwohl Kategorie Umbau Fassadenmaterial Ziegel Fassadenfirma Petersen Tegl Adresse Raum Flensburg Bauherr Privat Planungsbeginn 03/2010 Fertigstellung 04/2012 Nutzfläche 229 m² (Nettonutzfläche 178 m²) Kosten k. A. Fotos Johannes Kottjé / www.kottje.de

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Büro M i S S feldt K ra S S A rchitekten , S chleswig - H olstein /  Haus S chleswig - H olstein


Kontrastreich in einem Streich Das Städtchen Metzingen südlich von Stuttgart ist bekannt als Hauptsitz von Hugo Boss und Heimstatt unzähliger ModeOutlets. Doch ursprünglich wurde Metzingen vom Weinbau dominiert. Das Wahrzeichen der Stadt ist der Kelternplatz, wo in großen Fachwerkhäusern – genannt Keltern – die Weintrauben der Gegend weiterverarbeitet wurden. Seit 2012 ist dieser Platz um eine Attraktion reicher: das „Haus E17“ von (se)arch Freie Architekten. Die Fläche sei davor als Parkplatz genutzt worden, sagt Stephan Eberding von (se)arch, denn das winzige, unregelmäßig geformte Grundstück habe als beinah unbebaubar gegolten. Dazu kamen die amtlichen Vorgaben, nach denen etwa ein Steildach vorgeschrieben war. „Aber wir haben gesagt, das alles kommt uns gerade recht“, erzählt Eberding, „denn daraus können wir eine Identität entwickeln.“ Und so ist nicht einfach nur ein Haus entstanden, sondern eine „Wohnskulptur“, wie Eberding es ausdrückt: „Wir haben ein Volumen geformt und dann nach den Vorstellungen des Bauherrn die Räume herausgeschält.“ Zu diesen Vorstellungen gehörte, dass das „Haus E17“ im Inneren einen loftartigen Eindruck vermitteln sollte. Und weil die Fläche dafür nicht vorhanden war, gingen die (se)arch-Architekten in die Vertikale: Die Wohnräume gehen fließend ineinander über, Halbstöcke und Lufträume lassen Sichtbezüge entstehen und bringen Tageslicht bis ins Untergeschoss. Alle Funktionsräume und auch die Treppen sind in einer Schiene am Rand des Hauses untergebracht. Zum Blickfang macht das „Haus E17“ aber vor allem die – zuerst willkürlich anmutende – Lage der Fenster. Sie sei ebenfalls ganz an die Wünsche des Bauherrn angepasst, sagt Architekt Stephan Eberding, denn die Fenster befinden sich genau an den Stellen, die auch die besten Ausblicke bieten: zu den Weinbergen der Umgebung, zu den Gipfeln der Schwäbischen Alb – und natürlich zu den Keltern in der Nachbarschaft. raf

Architektur (se)arch Architekten (Stefanie Eberding, Stephan Eberding) Web www.se-arch.de Objekt Haus E17 Kategorie Neubau Fassadenmaterial Kalkstein, verputzt (WDVS) Adresse Metzingen Bauherr Privat Planungsbeginn 02/2009 Fertigstellung 04/2012 (Außenlagen) Nutzfläche 200 m² (Nettonutzfläche 180 m²) Kosten k. A. Auszeichnungen Hugo-Häring-Auszeichnung 2014, BDA Neckar-Alb; Beispielhaftes Bauen Landkreis Reutlingen 2014 Fotos Zooey Braun / www.zooeybraun.de

62 Die Fensterkörper sind wie Fernrohre auf die Gipfeln der Schwäbischen Alb

Büro (se) arch , B aden - W ürttemberg / Haus B aden - W ürttemberg 

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Architektur Flügge Architekt Web www.architekt-fluegge.de Objekt Generationenwohnen Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus Fassadenmaterial Klinker Fassadenfirma Janinhoff Klinker Manufaktur Adresse Wunstorf Bauherr Privat Planungsbeginn 08/2014 Fertigstellung 08/2015 Nutzfläche 285 m² (Nettonutzfläche 250 m²) Kosten k. A. Fotos Christian Burmester / christianburmester.com

Musik innen, Klinker außen – ein Wechselspiel aus hellen und dunklen Tönen

Wechselspiel im Einklang

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Eine Neubausiedlung in Wunstorf, nordöstlich von Hannover: Hier reiht sich Einfamilienhaus an Einfamilienhaus – eine Gegend, die nicht unbedingt für ihre architektonischen Reize bekannt ist. Umso mehr sticht ein Haus ganz am Rande der Siedlung hervor: „Generationenwohnen“ von Architekt Hinnerk Flügge. „In dem Haus wohnt die Bauherrin gemeinsam mit ihrer Mutter“, erklärt Flügge den Projektnamen. Und für beide gibt es im Obergeschoss zwei getrennte, gleich große Wohneinheiten – mit Schlafzimmer, Ankleideraum und jeweils einem eigenen Badezimmer. Die ineinander verschachtelten Kuben, die klaren Formen und die schlichte Gestaltung verraten sofort: Flügge hat sich ganz dem Bauhaus-Stil verschrieben. Doch statt einen für den Stil typischen, ja fast schon klischeehaften weißen Block in die Landschaft zu stellen, hat er bei der Fassade auf eine spezielle Art

Büro F lügge A rchitekt, N iedersachsen /  Haus N iedersachsen

von Ziegeln gesetzt: Klinker von der Manufaktur Janinhoff bei Münster. „Die werden im Ringofen gebrannt“, erklärt Flügge, „und weil die Steine an verschiedenen Stellen an der Hitzequelle stehen, verfärben sie sich unterschiedlich.“ Das Wechselspiel aus hellen und dunklen Tönen ist es, was dem Generationenhaus schon von außen eine lebendige Optik verleiht. Die gleiche Funktion übernimmt im Innenbereich ein Boden aus massiven Eichendielen, der im Kontrast mit den weißen Wänden und Möbeln besonders zur Geltung kommt. Und das gilt erst recht für das Musikzimmer, wo – gerahmt von einer durchgängigen Fensterfassade – ein weißer Flügel steht. „Das war ein Muss, denn die Mutter der Bauherrin ist Musiklehrerin und gibt dort auch Unterricht“, sagt Architekt Hinnerk Flügge. Und schon wegen der Atmosphäre dürften Klavierstunden hier besonders beliebt sein. raf


64 Klein, aber fein – und durch die Holzwände angenehmer und gesünder als in einer Hülle aus Stahl

Frachtstück

Zwanzig Fuß lang und acht Fuß breit muss die „HomeBox“ sein, das war dem Architekturprofessor Han Slawik wichtig. Denn das ist die Norm. Frachtcontainer mit diesen Maßen können verschifft und rund um den Erdball verschickt werden – genauso wie Slawiks mobiles Minihaus. Die Ecken der Wohnbox sind aus Stahl gefertigt, um von Kränen gefasst werden zu können. Der Rest des Containers ist aus Holz – nicht nur, weil Reparaturen dadurch billiger und einfacher sind. „Wohnen in Holzwänden ist angenehmer und gesünder als in einer Hülle aus Stahl“, begründet der Architekt seine Materialwahl. Das autarke Holzhaus bietet Sanitärraum, PantryKüche, Essplatz, einen Schlaf- und einen Aufenthaltsbereich – und braucht trotzdem nicht mehr als rund sieben Quadratmeter Platz. Es kann somit entweder Baulücken bis zu deren endgültiger Bestimmung füllen, einzeln als „Nomade“ in städtischer oder landschaftlicher Situation oder auch als Teil eines ContainerDorfes stehen: „Bei Großveranstaltungen wie einer Olympiade könnten die Boxen weltweit als Hotels oder Herbergen errichtet werden“, sagt Slawik. Die vertikale Ausrichtung des transportablen Wohnhauses wurde bewusst gewählt – zum einen, damit es weniger Grundfläche benötigt, und zum anderen zugunsten des Wohnkomforts auf drei Stockwerken. „Würde man die ‚HomeBox‘ horizontal in einer Innenstadt aufstellen, wären die Bewohner auf Augenhöhe mit parkenden Autos. So hat man zwar im Erdgeschoss noch Kontakt zum öffentlichen Bereich, kann sich aber auch oben wie in einem Turmzimmer aufhalten. Dort ist es ruhiger und sonniger.“ Auch wenn die Entwicklung der „HomeBox“ für Han Slawik abgeschlossen ist, entstehen auf seinem Skizzenblock ständig neue Ideen für modulares Bauen. Als Nächstes möchte er aus Testboxen eine noch kleinere und nützlichere Box – die Micro(Home)Box – weiterentwickeln: eine würfelförmige Einheit, die beliebig kombinierbar ist. „Diese könnte besonders schnell und unkompliziert auch als Schutzraum für Menschen in Krisengebiete verschickt werden.“ res

Architektur architech / Han Slawik Architekt (Projektpartnerin: Sonja Tinney) Web www.architech.pro Objekt HomeBox Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Dreischichtplatte, fugenlos Adresse Mobil Bauherr architech – Studio für Architektur und Technik Planungsbeginn 2004 Fertigstellung 2009 Nutzfläche 6,94 m² („Footprint“), Nettonutzfläche 14,35 m² (ohne Treppen, Terrasse) Kosten EUR 25.000,– Auszeichnungen BDA Preis Niedersachsen 2010 Fotos architech

Büro architech / H an S lawik A rchitekt, N iedersachsen & A msterdam (N L)  /  Haus mobil  

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PS de luxe Ob die Bewohner auch beruflich mit Luxuskarossen zu tun haben, konnte aus Gründen der Wahrung der Privatsphäre nicht eruiert werden. Die besondere Vorliebe der Bauherren für Gestalt gewordene Geschwindigkeit ist aber unbestritten, verfügt doch dieses beeindruckende Refugium in BietigheimBissingen (in der Nähe von Stuttgart) über eine im Sockelgeschoss integrierte Garage für elf (!) Fahrzeuge plus einem zusätzlichen Abstellplatz für zwei Autos im Erdgeschoss. Das Ungewöhnliche daran: Während in herkömmlichen Bauaufgaben der Garage zumeist ein separierter Standort zugewiesen wird, sind diese hier integraler Bestandteil des über 1.000 Quadratmeter großen dreigeschossigen Baukörpers und belegen derart die automobile Leidenschaft der Bewohner. Verantwortlich für das luxuriöse „Autohaus“ zeichnet der Ludwigsburger Architekt Kai Dongus. Dessen primäre Entwurfsidee fußt auf einem die Fassade(n) prägenden Metallband samt Alucobond-Platten, welches den Hang hinaufsteigend sämtliche Funktionsbereiche umschließt. Eingebettet in einen großen Grünraum mit natürlichem Blickschutz gegenüber Anrainern und Öffentlichkeit, zeigt sich die im Erdgeschossgrundriss H-förmige Gebäudestruktur vor allem an den Längsseiten komplett transparent aufgelöst und definiert derart den rückwärtigen, ruhigen Außenbereich einschließlich des talseitigen Gartens mit beeindruckender Aussicht. Auf das ebenerdige

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Hauptgeschoss, welches Wohn-, Schlaf- und Wellnessbereiche beherbergt, wurde das Dachgeschoss verschwenkt aufgesetzt, was nicht nur eine hohe Dynamik zeitigt, sondern aufgrund der dadurch entstandenen dreiecksförmigen Dachterrassen dem Gesamtensemble eine hochdramatische Note verleiht. Weitere spannende Details sind etwa die von der Metallspange spektakulär überspannte zentrale, zweigeschossige Eingangshalle oder der stirnseitig, direkt beim Gebäude angelegte Pool samt Überlauf. Weshalb der Architekt zu Recht festhält: „Besondere planerische Beachtung fanden nicht nur die intensiven, die Wohnqualität positiv beeinflussenden Außenbezüge, es wurde auch im besonderen Maße Wert auf perfekte Ausführungs- und Detailqualität gelegt.“ Abzulesen u. a. auch an der Inneneinrichtung: Sämtliche Einbaumöbel wurden von Kai Dongus projektspezifisch entworfen und konstruktiv umgesetzt. cao

Büro K ai D ongus, B aden - W ürttemberg /  Haus B aden - W ürttemberg

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Hohe Dynamik und Leidenschaft: das Haus auf dem Haus – eigentlich Autohaus

Architektur Kai Dongus Web www.dongus.com Objekt Haus T Kategorie Neubau Fassadenmaterial Alucobond Fassadenfirma Aluform Adresse Bietigheim-Bissingen Bauherr Privat Planungsbeginn 10/2009 Fertigstellung 10/2013 Nutzfläche 1.080 m² (Nettonutzfläche 580 m²) Kosten k. A. Fotos Fotodesign Rolf Schwarz

Büro K ai D ongus, B aden - W ürttemberg / Haus B aden - W ürttemberg 

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66 Hinauf und hinunter geht es durch die verschiedenen Ebenen und Wohneinheiten der „Villa in Dahlem“. Offen sichtbare Stufen durchziehen den Bau und verschachteln die unterschiedlichen Räume miteinander, sodass man stets das Gefühl hat, hinter dem nächsten Absatz etwas Neues entdecken zu können. Und tatsächlich hält das vom Büro HAAS Architekten geplante, großzügige Gebäude viele Überraschungen bereit. Vom langgezogenen, nur hüfthohen Bücherregal im Obergeschoss zum Beispiel über den offenen Kamin zu ebener Erde bis zum eleganten Pool im Untergeschoss geizt das Haus weder mit stilsicheren Eigenheiten noch mit Vielseitigkeit.

Viel Licht trotz Nordausrichtung durch raumhohe Verglasung im Erdgeschoss und ein horizontales Fensterband entlang der Galerie

Insgesamt verfügt es über drei ineinandergreifende Baukörper. Diese fügen sich in die bestehende Terrassierung des Grundstücks ein, das auf 78 Meter Länge einen Niveauunterschied von drei Metern aufweist. In den drei Baukörpern sind vier Ebenen übereinandergelegt, wobei diese wiederum in unterschiedlichen Höhen in sich selbst versetzt sind, sodass man eigentlich auch von sieben Ebenen sprechen könnte. Mit jedem Stock nimmt die Fläche im Hausinneren ab. Gleichzeitig entstehen dort, wo die Innenräume fehlen, neue, terrassenartige Außenräume, deren Vor- und Rücksprünge sich je nach Betrachtungswinkel überlagern. Dadurch wird das Gefühl von Größe und

Weitläufigkeit noch verstärkt, und auch der Stufencharakter findet sich darin wieder. Im Gegensatz zu diesem hohen Grad an Komplexität war das eigentliche Ziel des Entwurfs recht einfach: Trotz der ungünstigen Nordausrichtung des Grundstücks sollte möglichst viel Sonnenlicht in den Wohnbereich geholt werden. Diese Aufgabe wird durch großzügige verglaste Einschnitte in der mit Kalkschlämme überzogenen Klinkerfassade erfüllt – raumhohe Verglasung im Erdgeschoss und ein horizontales Fensterband entlang der Galerie im Obergeschoss bieten das nötige transparente Raumvolumen für natürliche Beleuchtung auf allen Ebenen. val

Flotter Stufenschnitt

Architektur HAAS Architekten (Friedhelm Haas, Silke Gehner-Haas) Web www.haas-architekten.de Objekt Villa in Dahlem Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus Fassadenmaterial Klinker, Kalkschlämme Fassadenfirma Petersen Ziegel Adresse Berlin-Dahlem Bauherr Privat Planungsbeginn 09/2009 Fertigstellung 2012 Nutzfläche 530 m² (Nettonutzfläche 420 m²) Kosten EUR 1,7 Mio. Fotos Atelier Altenkirch / atelier-altenkirch.de

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Büro H A A S A rchitekten , B erlin /  Haus B erlin


Architektur Fesselet Krampulz Architectes mit Michael Meyer, freier Architekt Web www.fesseletkrampulz.ch Objekt HDM_Haus Daniel Mindelheim Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus (KFW 70), Holzbau Fassadenmaterial Lärche, unbehandelt Adresse Mindelheim Bauherr Daniel und Kristin Krampulz Planungsbeginn 01/2015 Fertigstellung 06/2016 Nutzfläche 152 m² (Nettonutzfläche 128 m²) Kosten EUR 440.000,– brutto (inklusive Einbauten, Küche, Außengestaltung, Honorare) Fotos Benjamin Krampulz

Holz in Holz Holzfassade, Holzboden und Holzdecke – das Holzthema wurde konsequent realisiert

Das Haus im Norden der Kreisstadt Mindelheim hätte eigentlich ein ganz anderes werden sollen. Für seinen Bruder, damals noch Single, hatte es Benjamin Krampulz geplant. Der wollte es ganz klein und simpel. „Das war ein komplett anderes Haus“, sagt Krampulz. Doch dann lernte der Bruder seine jetzige Frau und ihre zwei Kinder kennen – und es musste plötzlich für vier Personen geplant werden. „Da war der ursprüngliche Entwurf eigentlich schon fertig für das Baugesuch“, sagt der Architekt. Das Erdgeschoss konnte nicht mehr wie vorgesehen ganz offen bleiben, und auch eine Abstufung zwischen dem privaten Bereich im Obergeschoss und dem Wohnbereich darunter wurde nötig. Trotzdem sollte alles so direkt und kompakt wie möglich bleiben. „Deshalb war unser Ziel, den Grundriss so zu organisieren, dass praktisch nur Hauptnutzflächen entstehen. Das heißt, jeder Raum im Haus bekommt eine präzise Funktion.“ Mit dem Projekt betrat Krampulz gleich doppelt Neuland: Zum ersten Mal plante der in der Schweiz tätige Architekt für die eigene Familie, und noch nie

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hatte er ein Projekt in Deutschland, seinem Heimatland, realisiert. Dort kannte er keinen einzigen Handwerker, hatte keine Kontakte. Also machte er sich im Internet auf die Suche. „Das war schon ein kleines Abenteuer, dennoch hat wirklich alles sehr gut funktioniert.“ Der gelernte Zimmermann half auch am Bau. „Es war sehr spannend, nicht nur zu zeichnen, sondern auch vor Ort mitanzupacken“, sagt Krampulz. „Ich habe dabei sehr viel gelernt.“ Als Zimmermann freute er sich auch über den Wunsch des Bruders nach einem Holzhaus. Dass er das Holzthema konsequent durchziehen würde, war klar. Wenn schon, denn schon: Holzfassade, Holzboden und Holzdecke. Da der Bruder nur wenig mit der Pflege zu tun haben wollte, entschieden sich die Bauherren für eine unbehandelte Lärchenfassade, die mit der Zeit ergraut. Auch sonst versuchte der Architekt, so viele Materialien wie möglich unbehandelt zu lassen. Die Holzdecke etwa ist nur leicht gekalkt, und der Kamin aus Rohstahl wird anrosten. Das Haus wird also altern – schön natürlich und in Würde. has

Büro F esselet K rampulz A rchitectes, V evey (C H) mit M ichael M eyer , B aden - W ürttemberg /  Haus B ayern  

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ARCHITARE, DIE ADRESSE(N) Seit 20 07 tref fen bei archit are Premiummarken auf echte Leidenschaf t f ür s Einrichten. Präsentier t werden in Nagold it alienische Marken, wie Moroso und deut sche Traditionslabels wie C or.

Der Office-Bereich im Erdgeschoss wurde just neu gestaltet. Dort entdecken Besucher, welche Vielfalt in der modernen Office-Welt steckt. Unterschiedliche Arbeitsbereiche,
von der Empfangssituation über Besprechungslösungen und Teamarbeitsplätze bis hin zum exklusiven Chefbüro präsentieren sich mit neuen Modellen und Farben. Da architare viele Gesamtplanungen für Unternehmen realisiert, reicht das Angebot vom flexiblen Joyn-Tisch von Vitra bis zum Executive Equipment von Vario, USM oder Walter Knoll.

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architare – das Einrichtungshaus für Raumkonzepte und individuelles Einrichten.

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architare × 100 Häuser


A dvertorial

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Auf vier Etagen versammeln sich im architare-Haus im Stuttgarter Killesberg Premiummarken internationaler Einrichtungsmarken: Cassina, Giorgetti, Porro, Zanotta und Knoll International. Besonders prominente Kollektionen sind in sogenannten Branded Spaces inszeniert. Das italienische Kultlabel B&B Italia ist dabei, Montana und Fritz Hansen, aber auch die italienische Edelmarke Poltrona Frau und Vitra.

Fotos © Tom Ziora

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www.architare.de

architare × 100 Häuser 

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Natursamkeit Mitten in der Natur mit Ausblick auf einen alten Baumbestand und einen See – bei diesem Bauplatz war von Anfang an klar, dass die Umgebung, die Natur, die Landschaft eine wichtige Rolle bei der Planung des Hauses spielen würden. Die Bauherren, eine vierköpfige Familie, wollten hier an diesem Ort Wohnen und Arbeiten miteinander verbinden und dabei stets den eindrucksvollen Ausblick genießen können, erzählt Architektin Susanne Nobis. Deshalb entstanden zwei schmale, lange Baukörper mit einem dazwischenliegenden Eingangsbereich. Das eine Gebäude ist als Wohnhaus gedacht, im anderen sind ein ebenerdiger Arbeitsbereich und Schlafräume im Obergeschoss untergebracht. Mit raumhohen Verglasungen der Giebelfassaden habe sie versucht, den Wunsch nach Nähe zur Umgebung zu erfüllen, so Nobis. Zusätzlich solle eine sehr natürliche Belichtung die Trennung zwischen Innen- und Außenraum vergessen lassen. Dank des 17 Meter langen Oberlichts im Firstbereich verändert sich das Licht im Wohnraum des Hauses mit jeder Jahreszeit – wenn nicht sogar stündlich – und schafft so Licht- und Schattenspiele. Integrierte Öffnungsflügel im Dachfirst sorgen für den ein oder anderen Luftzug von draußen. Und auch sonst wird es hier, trotz meterhoher Fenster, im Sommer nicht wirklich heiß: Rundhölzer vor den Längsfassaden dienen nämlich als Spalier für Pflanzen, die die Fassade umranken und Schatten spenden. „Meiner Meinung nach macht die Reduktion auf das Wesentliche dieses Objekt aus“, sagt Nobis. „Beispielsweise konnten wir Material einsparen, indem wir uns die Konstruktion des Hauses zunutze machten.“ So wurden etwa zwischen dem Wohnbereich und der tragenden Holzkonstruktion in der Küche einfach Regale eingezogen. Auch bei der Art des Materials fiel die Wahl auf etwas Naheliegendes: Heimische Hölzer wie Fichte kamen für Wände und die Holzständer-Konstruktionen zum Einsatz. Wer trotz natürlicher Materialien und Tageslicht im Inneren des Hauses noch nicht genug Umgebung hat, kann diese auch von den Terrassen aus genießen. Sie sind ähnlich wie Bootsstege direkt über dem Wasser angebracht und laden zum Verweilen ein. sol

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Büro S usanne N obis, B ayern /  Haus B ayern

Architektur Susanne Nobis Objekt Toward Landscape Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Vorbewittertes Aluminiumblech, horizontal gekantet; FalZinc (falz­b ares Aluminium mit Zinkoberfläche) Fassadenfirma Corus Bausysteme Adresse Am Starnberger See Bauherr Privat Planungsbeginn 2004 Fertigstellung 2006 Nutzfläche 280 m² (Nettonutzfläche 203 m²) Kosten k. A. Fotos Roland Halbe / www.rolandhalbe.eu


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Licht- und Schattenspiele dank eines 17 Meter langen Oberlichts im Firstbereich

Büro S usanne N obis, B ayern /  Haus B ayern  

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Architektur ludloff+ludloff (Laura Fogarasi-Ludloff, Jens Ludloff) Web www.ludloffludloff.de Objekt Haus FL Kategorie Neubau, Niedrig­ energiehaus / Passivhaus, Holzbau (Nord- / Südfassade) Fassadenmaterial Holz Fassadenfirma Tischlerei Voigt Adresse Berlin-Mitte Bauherr Laura Fogarasi-Ludloff, Jens Ludloff Planungsbeginn 01/2006 Fertigstellung 07/2008 Nutzfläche 260 m² (Nettonutzfläche 230 m²) Kosten EUR 320.000,– Auszeichnungen Häuser Award 2010 (1. Preis); Gestaltungspreis der Wüstenrot Stiftung 2010 (engere Wahl); Bauweltpreis 2009 (ausgewählte Arbeit) Fotos Werner Huthmacher / wernerhuthmacher.de

Trapezkunst

Ein Haus voller Gegensätze auf historischem Boden: vorne geschlossen, hinten verglast

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Büro ludloff+ludloff, B erlin / Haus B erlin

Bauwerke können Geschichte schreiben – ein eindrucksvoller Beweis dafür ist die Berliner Mauer. In unmittelbarer Nähe der Gedenkstätte entlang der Bernauer Straße befindet sich ein gebogener Straßenzug aus 16 unterschiedlichen Reihenhäusern. Eine Gruppe privater Bauherren und Planer stand hier vor der Aufgabe, dem Ort neues Leben einzuhauchen, ohne ihm seine Geschichte zu nehmen. In einer Wegbiegung inmitten der Reihe steht das Wohnhaus von Laura Fogarasi-Ludloff und Jens Ludloff, Architekten und zugleich Bauherren. „Das im Erbbaurecht vergebene Grundstück am ehemaligen Mauerstreifen bot einen offenen Möglichkeitsraum zum Test einer horizontalen Baugruppe“, beschreibt Laura Fogarasi-Ludloff ihre Faszination für den Standort. Die Lage unmittelbar an der Schnittstelle zwischen der dichten gründerzeitlichen Bebauungsstruktur Ostberlins und den Idealen des aufgelockerten modernen Wohnungsbaus der 1960er- und 1970er-Jahre des Westens von Berlin habe Raum für Experimente geschaffen. Der trapezförmige Grundriss veranlasste die beiden Architekten zu SpannungsvollSpielerischem im Inneren – besonders bei der Farbwahl. Neben großen Sichtbetonflächen wirken die Anstriche der Wände und Linoleumböden noch kräftiger. Verschiedene Form- und Farbkombinationen scheinen die Wohnräume je nach Perspektive zu verändern und mit dem Raumgefühl der Bewohner zu spielen. Ebendas bezeichnet die Architektin auch als eines ihrer Merkmale: „Das Zusammenspiel und der Austausch zwischen der von uns geschaffenen Farbwelt und der Lebenswirklichkeit, die Erkenntnis der Illusion und das Besondere in der Alltäglichkeit.“ Das Äußere des Hauses besteht aus Gegensätzen: Auf der schmalen Nordseite ist die Fassade geschlossen und aus dunkel gestrichenem gemasertem Fichtenholz gefertigt, während die helle Südseite vollständig verglast ist. Die Gestaltung lässt das Haus auf den ersten Blick fast zweigeteilt wirken – ganz so wie die Geschichte rund um das Grundstück. res


Pinienduft mit Pony

Architektur Büros für Konstruktivismus (Sandra Bartoli, Silvan Linden) Web www.buerosfuerkonstruktivismus.de Objekt Charred House Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Charred Wood (geflämmtes Fichtenholz) Adresse Kagel Grünheide Bauherr Ulrike und Kim Feser Planungsbeginn 06/2011 Fertigstellung 08/2012 Nutzfläche 80 m² Kosten EUR 80.000,– Fotos Martin Eberle (Eberle & Eisfeld) / www.eberleeisfeld.de

Ulrike und Kim Fesers gemeinsame Vision vom Wohnen beinhaltete kein kategorisches Entweder-oder: Natur versus Stadt. Das kreative Paar, beide im Kunst- und Kulturbereich tätig, schätzt sowohl das inspirierende Umfeld ihrer Wohnung mitten in Berlin als auch die Ruhe und Abgeschiedenheit ihres „Charred House“ etwa 35 Kilometer vor der Stadt. Wer den Duft von Pinien liebt, kann sich leicht vorstellen, warum die Bauherren lange Verhandlungen mit der Baubehörde in Kauf nahmen, um sich ihren Traum vom Zweitwohnsitz unter Bäumen zu erfüllen. Gerade die Auflagen von nur 70 Quadratmeter bebaubarer Grundfläche und einer geringen Firsthöhe in der Wochenendsiedlung inspirierten die Architekten von den Büros für Konstruktivismus zu besonders funktionalen Lösungen. Immerhin ging es neben dem eigentlichen Wohnraum mit Küche, Bad, Wohn- und Schlafbereich um nichts weniger als die Verwirklichung eines Ateliers mit Nordlicht und eines kleinen Tonstudios. Gelungen ist dieser ehrgeizige Spagat durch ein Großmöbel, welches die räumliche

Für diese Fassade nahmen die Eigentümer den Gasbrenner selbst in die Hand

70 Unterteilung auf zwei Etagen ermöglicht und gleichzeitig einen großzügigen Gesamtraum entstehen lässt. Die beiden gegenüberliegenden Glasflügeltüren, erklärt das Architektenteam, unterstreichen das offene Konzept und „das Spiel mit der Maßstäblichkeit“ des „Charred House“. Für die Außenfassade des Holzhauses nahmen die Eigentümer den Gasbrenner selbst in die Hand. Das Fichtenholz wurde von ihnen nach der ursprünglich aus dem alten Japan stammenden traditionellen Versiegelungsmethode des Flämmens bearbeitet. Da die dünne Kohleschicht die Fassade unempfindlich für Pilze und Mikroben macht, wird das Holz deutlich haltbarer. Ein weiterer schöner Nebeneffekt dieser ökologischen Lösung ist natürlich die grau-schwarze Farbe, die sich besonders harmonisch in die kleine Waldschneise des Grundstücks einfügt. Wo also früher eine vergessene alte Laube auf einem verwilderten Grundstück stand, lebt und arbeitet heute die Familie Feser. Und seit einiger Zeit grasen auch zwei Ponys unter den Pinien. sos

Büro B üros für Konstruktivismus, B erlin /  Haus B randenburg  

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Architektur meck architekten (Andreas Meck) Web www.andreasmeck.de Objekt Das schmale Haus Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Holz Fassadenfirma KOBUS Hausmanufaktur, Unterreit Adresse München Bauherr Katharina und Gerhard Matzig Planungsbeginn 05/2008 Fertigstellung 08/2009 Nutzfläche 124 m² Kosten k. A. Auszeichnungen VELUX Architekten-Wettbewerb 2011 (Nominierung) Fotos Florian Holzherr / www.florian-holzherr.com

GröSSe groSSgeschrieben Das Holzhaus hat alle Elemente, die ein Haus zum Haus machen: ein Satteldach, eine schwarze Schale,weiße Fenster, Regenrinnen, Schornstein und Kiesweg

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Die Ausgangssituation: Einer Familie mit drei Kindern wurde es in der städtischen Altbauwohnung zu eng. Der Wunsch nach einem Haus im Grünen war groß. So weit, so klassisch. Dass aber weder Grundstück noch Budget groß genug waren für die Ansprüche der Bauherren – zwei bekannte Münchener Architekturjournalisten – machte das Unterfangen für Architekt Andreas Meck dann doch zu etwas Besonderem. Der Ort, wo das Haus entstehen sollte, liegt in einem Vorort von München. Einst von großzügig parzellierten Grundstücken geprägt, waren nach und nach Teile der Flächen verkauft worden. Mit dem Ergebnis, dass Bauplätze mit ausgefallenen Zuschnitten entstanden. Wie jener, den die fünfköpfige Familie erworben hatte: ein langes, schmales Grundstück, auf dem man sich aufgrund der Vorschriften gestalterisch nur in einem engen Rahmen bewegen durfte.

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Büro meck architekten , B ayern /  Haus B ayern

Und dann war da noch das knappe Budget. Noch bevor der Architekt den ersten Strich zeichnete, wurden die Baukosten so exakt wie möglich festgelegt. Was macht man also mit so einer Ausgangssituation? Man baut ein schmales Haus – und arbeitet sehr diszipliniert. Das Holzhaus, so der Architekt, habe alle Elemente, die ein Haus zum Haus machen. Und die zeigt es auch: ein Satteldach, eine schwarze Schale, weiße Fenster, Regenrinnen, Schornstein und Kiesweg. Für Meck ist es ein Haus, das von seinen Widersprüchen lebt – zwischen niedrig und hoch, einfach und komplex, außen schwarz und innen weiß, Leichtigkeit (ebenholzfarbene, sägeraue Holzschalung) und Schwere (Treppen aus Sichtbeton). Das Erdgeschoss ist als Großraum konzipiert, kann aber durch ein Schiebeelement in kleinere Räume aufgeteilt werden. So bekommt die fünfköpfige Familie ein kleines und großes Haus zugleich. has


Freches Grau

Architektur urbanegestalt PartGmbB (Ulrich Böttger) Web www.urbane-gestalt.de Objekt Villa W. Kategorie Neubau, Niedrig­ energiehaus / Passivhaus Fassadenmaterial Ziegel Fassadenfirma Petersen-Ziegel / Dänemark Adresse Köln Bauherr Privat Planungsbeginn 2006 Fertigstellung 2010 Nutzfläche 600 m² Kosten k. A. Auszeichnungen FritzHöger-Preis 2011 (Nominierung) Fotos Rainer Mader

Alles grau, aber lebendig: die grauen dänischen Ziegel, grau lasiertes Lärchenholz, grau eloxierte AluFassade, im Innenraum hellgraue Natursteinböden

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Büro urbanegestalt Part G mb B, N ordrhein - W estfalen /  Haus N ordrhein - W estfalen


Eine großzügige Anlage sollte es werden, mit viel Licht und Raum für die zukünftigen Bewohner – so lauteten die Vorgaben, die Architekt Ulrich Böttger von seinem Bauherrn erhielt. Bei einer gemäß Bebauungsplan maximal bebaubaren Grundfläche von 200 Quadratmetern und einer mit nur einem Vollgeschoss zulässigen Bebauung gar kein so leichtes Unterfangen. „Normalerweise kommt da ein recht harmloses Haus raus“, sagt Böttger. Andere hätten sich wohl auch mit einem zusätzlichen Dachgeschoss zufrieden gegeben. Böttger aber entwarf für seinen Bauherrn, für den er schon vor 15 Jahren gebaut hatte, ein „U“ mit einem Innenhof und ließ das Atrium um drei Meter absenken. Dadurch scheint die Sonne auch in das so geschaffene Untergeschoss. „Es sieht von außen noch immer harmlos aus, hat aber innen drei Geschosse“, so der Architekt – insgesamt also 600 Quadratmeter Nutzfläche. Die Räume im Erdgeschoss sind 4,0 Meter hoch, die Fenster und Türen 3,50 Meter. Dass das alles überhaupt möglich war, wollte selbst die Bauaufsicht lange nicht glauben – bis sie einsehen musste: „Alle Auflagen des Bebauungsplans wurden erfüllt“, sagt Böttger. Auch nur auf den ersten Blick harmlos mutet die Farbe der „Villa W.“ an: Grau ist sie – innen und außen. Fachleute würden wohl von einer „großen Farbhomogenität“ sprechen. Tatsächlich ist es ein „freches Grau“, wie Böttger meint. Die grauen dänischen Ziegel, grau lasiertes Lärchenholz, grau eloxierte Alu-Fassade, im Innenraum hellgraue Natursteinböden – alles grau, aber lebendig. Und trotzdem: „Die einzige Farbe sind die Menschen“, findet der Architekt. Dies Menschen wollten nicht nur viel Platz und Licht in ihrem neuen Heim, sondern auch Nachhaltigkeit: CO2-neutral sollte die Energie für Heizung und Warmwasserbereitung sein. „Anständig“ nennt Böttger das. Er bekleidete die Dachhaut vollständig mit einer Photovoltaikanlage, verwendete natürliche Baustoffe und installierte eine Erdwärmeheizung. Das Haus öffnet sich nach Süden – „dort holen wir uns die Energie“. Ein gar nicht harmloses Haus also. has Büro urbanegestalt Part G mb B, N ordrhein - W estfalen / Haus N ordrhein - W estfalen 

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Architektur Thomas Bendel Architekt Web www.thomasbendel.de Objekt Haus Weißenrieder Kategorie Neubau Fassadenmaterial Putz Fassadenfirma Baum GmbH Adresse Aulendorf Bauherr Privat Planungsbeginn 01/2011 Fertigstellung 2013 Nutzfläche ca. 203 m² (Nettonutzfläche ca. 159 m²) Kosten EUR 420.000,– (inklusive Innenausbau, Garten etc.) Fotos Thomas Bendel

Planhoheit

Das turmartige Gebäude ermöglicht das Wohnen auf drei Ebenen

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„Kostengünstig bauen“ ist ein sehr dehnbarer Begriff. So manch einer versteht darunter „billiges Bauen“, dessen Ergebnis sich am Ende das Tages als ziemlich teuer herausstellen kann. Eine Art Role Model eines kostengünstigen Wohnhauses samt all seinen positiven Aspekten findet sich im badenwürttembergischen Aulendorf, einer Kleinstadt im Landkreis Ravensburg. Die Baukosten von 420.000 Euro klingen zunächst nicht nach „Schnäppchen“, doch angesichts dessen, was der Berliner Architekt Thomas Bendel seiner Klientel, der Familie Weißenrieder, an opulenter Wohnfläche auf mehreren Ebenen, hoher Wohnqualität und ästhetischer Aufbereitung beschert hat, muss man respektvoll den Hut ziehen. Und so funktioniert das Refugium: Die Fassade bildet ein mehrfach vertikal geknicktes Band, das sich wie eine Spirale im obersten Geschoss nach innen zieht und dadurch eine Terrasse formt. Die Attika als oberer Abschluss der Außenwand knickt, der Fassade gleich, ebenfalls mehrfach ab, stellt in ihrer Formensprache Bezüge zur lokal vorherrschenden Steildachbebauung her und schafft dadurch zugleich qualitativ unterschiedliche Aufenthaltsbereiche auf der Terrasse. Das turmartige Gebäude ermöglicht das Wohnen auf drei Ebenen, was nicht nur zur Entzerrung unterschiedlicher Wohn- und Arbeitsbedürfnisse

Büro T homas B endel A rchitekt, B erlin /  Haus B aden - W ürttemberg

und funktionaler Abläufe führt, sondern die Vielfalt der visuellen Verbindungen zum Außenraum wesentlich erhöht. Die Innenräume wurden im Wesentlichen aus den Bereichen zwischen den zentralen Kerneinbauten (Treppe, Kamin und Einbauschränke) und den sie umfassenden Außenwänden gebildet. Die Grundrisse sind somit Ausdruck einer Ganzheitlichkeit von Hülle und Inhalt, von Funktion und Form. Um die Kosten gering und effizient zu halten, folgte der Architekt pragmatischen baulichen Regeln. Wie etwa ein unbeheizter Keller, so wenig Dachfläche wie möglich oder die Ausführung einer Putzfassade auf einfachen Dämmplatten. Einsparen ist aber nicht gleich „Sparen um jeden Preis“. Weshalb man bei neuralgischen Punkten wie etwa beim Vollholzparkett oder den Alu-Fenstern den Wert über den Preis stellte. Kontrastierend dazu die geschliffenen Sichtbetonoberflächen bei Decken und einzelnen Wänden sowie einfach gekalkte weiße Innenwände. Dieser Spannungbogen aus der Kombination von Parkett und Beton macht das Innere mindestens ebenso attraktiv wie das äußere Erscheinungsbild. Feinheiten wie etwa die rundum laufende schmale Bekiesung oder die brückenähnliche Eingangstreppe sind nur einige von vielen Details, die in Summe wenig Geld, aber viel Gedankenarbeit kosteten. cao


Architektur Henrich Rauschning Web www.architekt-rauschning.de Objekt CRO Kategorie Umbau Fassadenmaterial Lärche, mineralische Dämmung Fassaden­fi rma Zimmerei Thomas Telleis, Werneuchen Adresse Oderaue Bauherr Privat Planungsbeginn 01/2013 Fertigstellung 06/2015 Nutzfläche 178 m² (Nettonutzfläche 133 m²) Kosten EUR 250.000,– (inkl. Honorare) Fotos Architekturbüro Henrich Rauschning

Türen und Tore

Der Clou: Sämtliche Fenster- und Türöffnungen sind, wenn verschlossen, eine nahtlose Fläche (und Fassade)

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Henrich Rauschning und sein Team aus Berlin konzentrieren sich im Besonderen auf die Revitalisierung und Umgestaltung von Altbauten. Dass der Architekt dabei stets erstaunliche bis ungewöhnliche Lösungen findet, belegt dieser Umbau samt Renovierung eines Neubauernhofes aus den 1950ern in Brandenburg. Zur Erklärung: Ein Neubauernhof ist bzw. war ein rasch und simpel errichtetes Bauernhaus, das Wohnen, Wirtschaften und Nutztierhaltung unter einem Dach vereinte. Es wurde anno dazumal jenen Vertriebenen zur Verfügung gestellt, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs in hoher Zahl in ihre Heimat (der damaligen DDR) zurückströmten. Vor ein paar Jahren erwarb ein Berliner Soziologieprofessor einen solchen inmitten von Feldern gelegenen Neubauernhof, der ihm und seiner Familie als Zweitwohnsitz und Ruhepol dienen sollte. Vorgabe an den Architekten: offene, helle Räume mit direktem Gartenbezug. Der vorhandene Bestand zeigte ein mit einfachsten Materialien errichtetes Bauwerk, das zwar schon in den 1960ern in ein Sommerhaus transformiert wurde, jedoch alles andere als energietechnisch positiv oder gar winterfest war. Rauschning entschied sich aufgrund der extrem dünnen Außenwände, das Haus dämmungstechnisch „einzupacken“ und die verwendete Mineralwolle mit einer Schalung aus sägerauem Lärchenholz zu verkleiden. Der Clou dabei: Sämtliche Fenster- und Türöffnungen wurden mit verschließbaren Läden versehen, welche, wenn alle geschlossen sind, die Fassade als nahtlose Fläche ausweisen. So erscheint das Haus wie eine Skulptur, die mit der Umgebung verwächst. Ein imposanter Anblick, dem die spannende Metamorphose folgt, wenn das Haus (zumeist am Wochenende) in Betrieb genommen wird und nacheinander die Türen und Fenster geöffnet und die Räume mit Licht geflutet werden. Nützliches Detail am Rande: Die Fassade ist pflegeleicht, weil das Holz nicht behandelt werden muss und darüber hinaus durch fortschreitendes Ergrauen seine Charakteristik verändert. Ein weiterer wichtiger Eingriff war die Umformung der zuvor kleinformatigen Erdgeschossfenster in bodentiefe Türen. So kann man über gezählte neun (!) Türen von jeder Hausseite aus direkt den Garten betreten. Allerdings nur über Blockstufen statt Terrassen. Warum? Weil die Bewohner erst mal sondieren, wo und wann die Sonne am schönsten steht. Zugleich ist die Oderaue eine sehr windige Landschaft, weshalb sich die Bauherren viel Zeit lassen, um herauszufinden, welche Plätze rund um ihr Haus sich als Terrassen eignen. Entschleunigung pur! Wesentlich schneller gestaltet sich der Zugriff auf die Haustechnik. Die erfolgt nämlich via Smart-Technologie, damit man während der Fahrt von der Stadt aufs Land schon vorab per Smartphone die Heizung anlaufen lässt. Nicht nur dies transformierte das archaische Neubauernhaus in ein neues Bauernhaus mit hoher Wohn- und Lebensqualität. cao Büro H enrich R auschning, B erlin /  Haus B randenburg  

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Rendering: © PETER HAIMERL . ARCHITEKTUR

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Büro P E T E R H A I M E R L . A R C H I T E K T U R , www. peterhaimerl .com / Haus H AU S . PAT E N B ayerland KG, www. schedlberg. de


Der Baustoff Beton erlebt seine zweite Moderne. Der Reiz des Materials liegt nicht nur in seiner Ästhetik, Haptik oder seiner Formbarkeit. Die Gestaltung von Beton lässt ein breites Spektrum an Oberflächen zu: von glatt bis rau, vom strikten Fugenbild bis zu freien Gussformen. Die folgenden Beispiele mit Statements der Architekten und Architektinnen beweisen diese Vielfältigkeit und nebenbei auch die konstruktiven, statischen und guten bauphysikalischen Eigenschaften des Baustoffs, der (fast) keine Wünsche offenlässt. Büro P E T E R H A I M E R L . A R C H I T E K T U R , www. peterhaimerl .com / Haus H AU S . PAT E N B ayerland KG, www. schedlberg. de 

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Architektur wiewiorra hopp schwark architekten (Carsten Wiewiorra, Anna Hopp, Guido Schwark) Web www.whs-architekten.de Objekt Wohnen im MinimalRaum / Plattenpalast Kategorie Recycling Fassadenmaterial Recycelte Betonplatten Adresse Berlin-Mitte Bauherr Carsten Wiewiorra Planungsbeginn 2014 Fertigstellung 2015 Nutzfläche 30 m² Kosten EUR 60.000,– Auszeichnungen AIT-Special Award |  Best in Interior and Architecture 2016, Kategorie „Living /  Housing” Fotos Christian Rose / www.christianrose.org

Palast aus Platten

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Büro wiewiorra hopp schwark architekten , B erlin / Haus B erlin

Wie viel Platz ist mindestens nötig, um weder auf Komfort noch auf Ästhetik verzichten zu müssen? Offenbar funktioniert das auf 30 Quadratmetern durchaus, wie der Umbau der Mini-Galerie „Plattenpalast“ in Berlin beweist. Aus recycelten Platten und Fenstern des Palastes der Republik gelang es den Architekten Carsten Wiewiorra, Anna Hopp und Guido Schwark, einen „Minimal-Raum“ zu entwerfen, der alle nötigen Funktionen aufweist und trotzdem genügend Platz für Individualität bietet. Die aktuelle Version entstand aus dem Gewinnerkonzept des bad*future-Wettbewerbs von Grohe und der Hochschule OstwestfalenLippe. 45 Masterstudiengang-Studierende der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur hatten mehrere Monate Zeit, ein Projekt zu entwickeln, das das Leben auf kleinstem Raum berücksichtigen sollte. Gewonnen hat das Konzept von Damaris Deger und Sarah Hientzsch, die eine intelligente Wand als Kernstück der Planung einbauten. Sie entwarfen Wandelemente, die den Raum mit wenigen Handgriffen von einem Funktionsbereich in einen anderen verwandeln, sei es nun Küche, Büro oder Schlafzimmer. Darin liegt auch die Grundidee des Konzepts: die Möglichkeit, Individualität trotz Knappheit ausleben zu können. Je nach Persönlichkeit lässt sich der Raum umgestalten und beinhaltet keine klaren Vorgaben. Trotz der geringen Größe lässt sich der „Plattenpalast“ so frei gestalten, dass der Bewohner oder die Bewohnerin selbst entscheiden kann, wo er oder sie isst, schläft, arbeitet oder sich ausruht. Aufgrund des zukunftsweisenden Konzepts der multifunktionalen Wand kann der „Plattenpalast“ aber auch nach wie vor als Ausstellungsfläche genutzt werden. Carsten Wiewiorra hat nach der Fertigstellung gleich mal selbst darin probegewohnt und freute sich über den vielen Stauraum, der trotz der kleinen Fläche zur Verfügung steht. Dadurch wird der Raum selbst enorm entlastet und ist frei für Dinge, die man gerade braucht. val


Wohnen im „Minimal-Raum”: Das kleine Haus ist in vielerlei Hinsicht experimentell – materialtechnisch und konzeptuell; DDR-Moderne upcyclet

Sabine Wulff

Beton ist ein ungewöhnliches Upcyclingprodukt. Das Besondere am „Plattenpalast” ist natürlich aus architekturhistorischer Sicht der Reiz, die Inkunabel der DDRModerne, den Plattenbau, in ein kleines zeitgemäßes Modell für zukünftige Nutzungsansprüche zu transformieren. Dies hat natürlich auch etwas Experimentelles.

Büro wiewiorra hopp schwark architekten , B erlin /  Haus B erlin  

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T errassenhaus Es scheint fast so, als würde der Kubus über Stuttgarts Talkessel schweben. Hoch über der Straße überragen die zwei oberen Stockwerke ein etwas zurückgesetztes Erdgeschoss. Der Alltag der Bauherren, einer dreiköpfigen Familie, findet in allen drei Geschossen statt. Vor allem bei der Gestaltung der Außenbereiche wurde der steile Hang genützt, und es konnten insgesamt fünf Terrassen errichtet werden. Neben kreativen Möglichkeiten zur Schaffung zusätzlicher Außenräume sei das Bauen am Steilhang aber auch immer eine Herausforderung, sagt Michael Mirwald von Blocher Blocher Partners. In diesem Fall sei die Gründung äußerst problematisch und aufwändig gewesen, erzählt er. Je steiler das Grundstück, desto größer die Gefahr, dass ein

Architektur Blocher Blocher Partners (Dieter Blocher, Jutta Blocher, Wolfgang Mairinger, Anja Pangerl, Jürgen Gaiser, Angela Kreutz, Vandana Shah) Web www.blocherblocher.com Objekt Einfamilienhaus Stuttgart Kategorie Neubau Fassadenmaterial Stahlbeton Adresse Stuttgart Bauherr Privat Planungsbeginn 2009 Fertigstellung 07/2010 Nutzfläche 505 m² (Nettonutzfläche 325 m²) Kosten k. A. Fotos Nikolaus Koliusis / www.koliusis.de

Alles andere als kühl: Der Sichtbeton strahlt in Kombination mit dem bronzefarbenen wärme und Geborgenheit aus

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Büro B locher B locher Partners, B aden - W ürttemberg / Haus B aden - W ürttemberg

Teil des Untergrundes abgleitet. Ein geländegängiger Bagger grub deshalb eine Zwischenaushub-Ebene. Darauf wurden teilweise sehr tief reichende Streifenfundamente angebracht. Diese tragen nun nicht nur das Haus, sondern stützen auch das Gelände ab. Von all dem Aufwand ahnt man von außen nichts. Sichtbar sind vor allem die großen Verglasungen Richtung Süden und Westen und die dominierenden Betonflächen. „Dieses Wohnhaus ist ein gutes Beispiel für die Vielseitigkeit des Baustoffs Beton. Unsere Architekten gewinnen Beton immer wieder neue Seiten ab und konnten das bei diesem Objekt gut zeigen“, erklärt Mirwald. Auch wenn man Beton selten mit einer warmen Ausstrahlung in Verbindung bringt, wurde genau das hier versucht. Der Sichtbeton wurde teilweise sandgestrahlt und wirkt in Kombination mit dem bronzefarbenen Alu, aus dem die Fenster und die Außentüren hergestellt sind, alles andere als kühl. Das Garagengeschoss auf Straßenniveau ist die Basis des Hauses. Von dort aus fährt ein Aufzug alle Wohnetagen barrierefrei an. Auch über einige Stufen erreicht man von der Straße aus die Eingangsebene. Hier im Erdgeschoss kocht, isst und wohnt die Familie und genießt einen grandiosen Blick auf Stuttgart, der Stadt, über der ihr Haus thront. sol


Architektur pier7 architekten Web www.pier7-architekten.de Objekt Wohnhaus K 15 Kategorie Umbau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus Fassadenmaterial Eternit-Großformat, Burckhardt’s SOREG-glide Schüco Fassadenfirma Dach und Wand, Alubau Puhlmann Adresse Düsseldorf Bauherr Privat Planungsbeginn 01/2013 Fertigstellung 07/2015 Nutzfläche 560 m² (Nettonutzfläche 365 m²) Kosten k. A. Fotos Michael Reisch / www.michaelreisch.com

Eine riesige Glasfassade mit rahmenlosen Fenstern holt das private Grün mitten ins Haus

Durchsicht in Form Bauen im Bestand – so lautete die gestalterische Herausforderung, der das Düsseldorfer Kreativkollektiv pier7 mit Klarheit, souveräner Lichtführung und Liebe zum Detail begegnete. Ausgangspunkt war ein 1959 errichtetes Wohngebäude mit ausgebautem Spitzboden. Im Zuge der Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen blieben nur Kellerund Erdgeschoss erhalten, wobei Letzteres gartenseitig um ca. 4,30 Meter erweitert wurde, sodass ein großzügiger Wohn- und Essbereich samt Küche entstand. Die Vorgabe des Bauherrn für das Objekt in Hanglage in einem reinen Wohngebiet in Düsseldorf bestand darin, sich zur Straße hin eingeschossig darzustellen. Durch einen geschickten Versatz in der Fassade generierte man ein Staffelgeschoss, das optisch den gewünschten niederen Effekt vermittelt, während dahinter der Baukörper auf bis zu drei Ebenen anwächst. Die straßenseitige Zurückhaltung wird derart zum Garten hin großzügig ins Gegenteil verkehrt. Eine elegante, filigrane Glasfassade mit rahmen­ losen Fenstern holt das private Grün mitten ins Haus und bricht die Grenzen zwischen In- und Outdoor. Eine Terrassenlandschaft auf zwei Ebenen samt Pool dominiert den öffentlich nicht einsehbaren Gartenbereich. Im Wohnraum

wiederum geben Sichtbeton und veredelter Estrich den Ton an. Die Geschosshöhe wurde angehoben, raumhohe Türen strecken den Raum zusätzlich. Die Stahlstützen wirken leicht und sind wie die Stahltreppe bewusst angerostet, wodurch das Wohnambiente ein ganz eigenes Flair vermittelt. Im Kontrast dazu verbreitet die grob strukturierte Holzwand heimeliges Wohlbehagen. Anstelle von geschlossenen Wänden ordnen die Stützen den lichtdurchfluteten Wohnbereich, der Lebens­ bereich der Bewohner erstreckt sich somit über die gesamte Ebene. Das Gebäude besticht auch durch einen hohen Durcharbeitungsgrad. So wirkt etwa der Baukörper aus der Ferne plastisch, die nahezu grafisch strenge Aufteilung ähnelt jedoch der eines bewohnten Regals. Eine „Ordnung“, die Ruhe und Zurückhaltung ausstrahlt und derart den Bewohnern anspruchsvolle und individuelle Wohnqualität bietet. Diese findet ihre Fortsetzung konsequenterweise auch im Energiekonzept. Eine Photovoltaikanlage am Dach und Geothermiesonden im Erdreich bestimmen dieses. Alles in allem ist der Baukörper energetisch komplett unabhängig und damit Selbstversorger. Form und Funktion im Gleichklang, die Grundparameter von durchdachter Architektur. cao

Büro pier 7 architekten , N ordrhein - W estfalen / Haus N ordrhein - W estfalen 

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Der Duft von Heu

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Büro F I N C K H A R C H I T E K T E N , B aden - W ürttemberg /  Haus B aden - W ürttemberg


Scheunenthema: Der Fassade aus Beton verliehen die Architekten eine holzartige Maserung, indem sie die Schalungshölzer zuvor sandstrahlten

Architektur FINCKH ARCHITEKTEN (Thomas Sixt Finckh) Web www.finckharchitekten.de Objekt Haus B Kategorie Neubau Fassadenmaterial Sichtbeton Adresse Ostfildern-Ruit Bauherr Privat Planungsbeginn 05/2007 Fertigstellung 01/2009 Nutzfläche 166 m² (Nettonutzfläche 133 m²) Kosten ca. EUR 249.000,– Auszeichnungen Häuser Award 2011 Fotos Zooey Braun / www.zooeybraun.de

Seine Kindheitserinnerungen gehen zu lassen ist nicht einfach. Der Duft nach frischem Heu, das Klettern auf den Holzbalken, die Aufregung vor dem Absprung – all das verband ein Familienvater aus Ostfildern-Ruit mit der alten Scheune seines Großvaters. Der Ort ist noch heute geprägt von Gärten mit kleinen Obsthäusern und Vieh, jedoch werden die zahlreichen Stallgebäude aufgrund der baulichen Verdichtung des Dorfkerns nach und nach durch Wohngebäude ersetzt. „Der Bauherr kam auf uns zu und fragte, was wir mit dem Gebäude machen können“, erzählt der Stuttgarter Architekt Thomas Sixt Finckh. „Er wollte die ganze Erinnerung mit der Scheune

nicht einfach nur abreißen, aber trotzdem dort wohnen.“ Auch die Bauherrin hatte einen speziellen Wunsch an das neue Haus – es sollte aus Beton sein. Die Architekten fanden schlussendlich einen Weg, die unterschiedlichen Vorlieben zu vereinbaren und ein modernes Haus mit nostalgischem Touch zu kreieren: „Die Familie sollte eine bewohnbare Scheune bekommen. Deshalb verliehen wir dem Beton eine holzartige Maserung, indem wir die Schalungshölzer zuvor sandstrahlten“, so Finckh. Das Haus ehrt nun die eigentümliche Vergangenheit der Ortschaft und provoziert gleichzeitig die alten Strukturen. Die Enge des Standorts erforderte einen passgenauen

Baukörper, der sich auf einer Seite ans Nachbargebäude anlehnt. Das Scheunenthema ist nicht nur in der Optik des Betons präsent, sondern auch in anderen Elementen wie den steil geneigten Dachflächen oder dem großen Tor, welches durch den hofartigen, überdachten Außenraum bis in den Garten führt. Das Innere ist – ganz nach dem Prinzip der historischen Speichergebäude – sehr reduziert gehalten: Betonboden im Erdgeschoss, Holzboden in den oberen beiden Stockwerken und eierschalenfarbene Wände. „Genauso wie das Heu in einer Scheune bringen hier erst Wohnaccessoires und Spielsachen Leben in die reduzierte Hülle.“ res

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Ein Anbau, der sich erst auf den zweiten Blick zu erkennen gibt

Beton

Architektur studioRAUCH Web www.studiorauch.com Objekt An- und Umbau EFH Grünwald Kategorie Umbau Fassadenmaterial Sichtbetonfertigteile Fassadenfirma Rudolph Adresse Grünwald Bauherr Privat Planungsbeginn 10/2010 Fertigstellung 11/2011 Nutzfläche 280 m² (Nettonutzfläche 195 m²) Kosten k. A. Fotos Florian Holzherr / www.florian-holzherr.com

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Büro studio R AU C H , B ayern /  Haus B ayern


Stephan Rauch

Warum haben Sie Beton als Material gewählt? Die Bauherren und ich haben uns sehr für den archaischen Charakter des Betons interessiert. Gerade in Kombination mit anderen „cleanen” Elementen und Materialien hat er einen ganz besonderen Reiz. Die schwere und felsige Ästhetik bietet sonst kaum ein anderes Material. Automatisch hat man trotz Neubau eine gewisse Patina, die man bei vielen anderen Materialien – oder gewöhnlichen Ausführungen – vergeblich sucht.

   Es scheint auf den ersten Blick ein moderner Neubau zu sein. Erst bei genauerer Betrachtung merkt man, dass es sich beim Haus in Grünwald um einen Anbau, eine Erweiterung handelt. In seiner Ursprungsform war es ein in den 1960er-Jahren gebautes Einfamilienhaus. „Die Grundidee“, sagt Architekt Stephan Rauch, „war, den Anbau nicht stringent in einer Linie ans Bestandshaus anzusetzen.“ Deshalb hat Rauch einen zusätzlichen, vieleckigen, zweigeschossigen Raum aus Beton direkt zum Einfamilienhaus hinzugefügt, der mit Höhen spielt. „Eine bewusste Brechung war hier notwendig und gewünscht.“ Diese Brechung ist auch im Inneren spürbar: Sichtbeton hebt sich als Material optisch deutlich vom Bestandshaus ab. Neben Beton als einfachem und zurückhaltendem Material hat Rauch für die Fenster Kiefer verwendet. Der neue Teil des Hauses ist daher minimalistisch und klar gehalten. Ein Raum sticht aber besonders hervor: Das Badezimmer mit Schrägdach und einer bewusst platzierten rechteckigen Badewanne kreiert eine warme Stimmung und wirkt durch das puristische Design zurückhaltend und ruhig. Der Anbau besteht aus mehrschaligen wärmegedämmten Betonfertigteilen. Diese seien auch die größte Herausforderung beim Bau gewesen, sagt Rauch: „Da durfte nichts schiefgehen. Denn einmal gefertigt, sind die

Teile da und müssen exakt passen.“ Im Inneren herrscht dank luftig und großzügig geplanter Räume eine einnehmende Galerie-Atmosphäre. Trotz eher engen Budgets seien die Haptik bzw. Oberflächen der verwendeten Materialien wichtige Anforderungen gewesen, sagt Rauch. Mit einem speziellen Verfahren ist eine glatte und weiche Oberflächenoptik entstanden. Die Erweiterung des Hauses in Grünwald ist wahrlich eine Betonskulptur – wie aus einem Guss. mat

Was sind die Besonderheiten bei diesem Projekt? Da vor Ort gegossener Sichtbeton, insbesondere wenn innen und außen gewünscht, das Budget gesprengt hätte, haben wir uns für großformatige Fertigteile entschieden. Diese sind sogenannte Thermoaußenwände, d. h. mehrschalige vorgefertigte und mit Zwischendämmung versehene Elemente. Natürlich heißt das, extrem genaue Planung, denn einmal im Werk gefertigt, kann auf der Baustelle nichts mehr geändert werden. Ferner gibt es das wichtige Thema der Fugensetzung. Bei dieser Bauweise sind sie besonders prägnant und müssen vorher genau gesetzt werden.

Büro studio R AU C H , B ayern /  Haus B ayern  

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© Florian Holzherr


Architektur AV1 Architekten (Michael Schanné, Boris Dujmovic, Albert Urig) Web www.av1architekten.de Objekt Haus BJ – Solitär in der Landschaft Kategorie Neubau Adresse Trippstadt-Langensohl Bauherr Familie BJ Planungsbeginn 12/2004 Fertigstellung 05/2006 Nutzfläche 395 m² Kosten k. A. Fotos Michael Heinrich / www.mfha.de

Beton-

Einfamilienhäuser sind eigentlich nicht das Metier von AV1 Architekten. „Da muss die Chemie stimmen“, sagt Architekt Michael Schanné, der mit seinem Büro eher Bibliotheken und Hochschulen plant. In diesem Fall hat die Chemie gestimmt. Feste Vorstellungen von ihrem neuen Haus hatten die Bauherren am Anfang nicht. „Es sollte ein gutes Haus werden“, erinnert sich Schanné an deren Wünsche. Fast zwei Jahre lang haben sie sich mit den Architekten im 2-Wochen-Rhythmus zusammengesetzt und an den Bauplänen gefeilt. „Die waren am Schluss schon auf der Höhe von einem Architekturstudenten mit Vordiplom. Mittlerweile könnten sie auch die Bauleitung übernehmen“, schwärmt Schanné. Herausgekommen ist dabei ein auf den ersten Blick verschlossener, düsterer Kubus. Die äußerste Schale der dreischichtigen Betonfassade wurde dafür mit Eisenoxid-Pigmenten eingefärbt. Im Gegensatz dazu wurde die Innenseite, genauso wie die Innenwände und Decken, weiß verputzt. Durch den Einsatz identer Materialien und ebenfalls weißer

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Fußböden entstehen fließende Übergänge zwischen den einzelnen Räumen. Zentrum der fast 400 Quadratmeter großen Wohnfläche ist der zweigeschossige Salon im Erdgeschoss. Statt den Raum bis ganz nach vorne an die Hausfassade zu ziehen, wurde dem Salon über einen Einschnitt in der Betonwand ein Innenhof mit Glasdach vorgelagert. Der Betonausschnitt liegt wie aus einem Würfel herausgeklappt auf der Wiese davor und wird als Terrasse genutzt. Als Sichtschutz fungiert ein beweglicher Vorhang aus semitransparentem Edelstahlgewebe. Details wie diese haben Bauherren und Architekten gleichermaßen einige Nerven gekostet. „Für den Metallvorhang zum Beispiel haben wir zwei bis drei Firmen verschlissen“, erzählt Schanné. Keine Nerven kosten sollte hingegen das Zusammenleben der vierköpfigen Familie: Eltern und Kinder bewohnen deshalb jeweils einen eigenen Flügel. Eine Brücke, die über den Salon führt, verbindet die beiden Wohnbereiche. Alles in allem: ein gutes Haus zweier mutiger Bauherren. maj

Büro AV1 A rchitekten , R heinland - P falz /  Haus R heinland - P falz

Michael Schanné

Wir haben Beton für die Konstruktion des Hauses aufgrund der Konzeption des Tragwerks gewählt. Die Wahl des Materials steht bei der Gestaltfindung in Abhängigkeit zu den konstruktiven wie statischen Erfordernissen.


Der mehrschalige Aufbau der Betonwand mit Kerndämmung besitzt auf der nichttragenden Außenschale eine AnthrazitEinfärbung. Der dunkle Farbton entsteht durch die Zugabe von fünf Prozent Eisenoxid in den Beton

Büro AV1 A rchitekten , R heinland - P falz / Haus R heinland - P falz  

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Der Beton spiegelt wider, was das schmale Haus doch so lange war: eine Gasse. Die starke Kerndämmung trägt zu den Energiestandards bei und senkt die Heizkosten

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Büro koeberl doeringer architekten , B ayern & O berösterreich (AT ) /  Haus B ayern


Architektur koeberl doeringer architekten (Albert Köberl, Alfons Döringer) Web www.koeberl-doeringer.com Objekt Haus über der Gasse Kategorie Umbau Fassadenmaterial Beton Adresse Passau Bauherr Margot Meierhofer Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 2011 Nutzfläche 772 m² Kosten k. A. Auszeichnungen Architekturpreis Beton 2014 Fotos koeberl doeringer architekten

Barocker Beton In Passau ist es ziemlich schwierig, nicht vor einem denkmalgeschützten Haus zu stehen. Die Stadt, an der Ilz, Inn und Donau aufeinandertreffen, war immer ein strategisch wichtiger Punkt. Davon haben nicht nur ihre Bewohner profitiert, sondern vor allem die Architektur. Die so bekannte Passauer Innenstadt wurde zwischen 1662 und 1680 – nach zwei verheerenden Bränden – erbaut. Das Haus in der Schmiedgasse 32 ist vergleichbar jung. Erst im 18. Jahrhundert wurde es in der sich immer weiter verdichtenden Stadt in einen Gasseneingang gesetzt. Das „Haus über der Gasse“, wie es die Architekten Albert Köberl und Alfons Döringer nennen, wurde nun grundsaniert und renoviert. Auf ungewöhnliche Weise – will sich die Sichtbetonfassade auf den ersten Blick doch nur widerstrebend in das barocke Bild einpassen. Aber eben nur auf den ersten Blick. Denn bei der Renovierung wurden selbst kleinste Details von den Architekten hinterfragt. Material und Proportion ebenso wie Farbigkeit. Hinzu kommt, dass der Beton widerspiegelt, was das schmale Haus doch so lange war: eine Gasse. Hinter der Fassade versteckt sich jedoch mehr als ein

historisches Statement, die zwölf Zentimeter starke Kerndämmung trägt zu den Energiestandards bei und senkt die Heizkosten. Auch im Innenraum dominiert der Beton, im Zusammenspiel mit den hölzernen Dielen erzeugt er hier eine spannende Wohnatmosphäre. Dass diese nicht nur spannend, sondern auch harmonisch warm ist, liegt nicht zuletzt an einem neuen Heizsystem. Heizkörper sucht man vergebens, denn die Kupferrohre im Wandheizsystem temperieren das Haus optimal. Um das Historische mit dem Modernen zu verbinden, mussten aber obendrein Schwierigkeiten bewältig werden. So wurde der historische Dachstuhl erhalten, musste aber mit einem speziellen Trockeneisverfahren gereinigt werden. Der offene Dialog mit den Behörden und dem vielbeschäftigten Passauer Denkmalschutzamt war den Architekten ebenso wichtig wie mit der ambitionierten Bauherrin. Davon und von der Detailgenauigkeit von koeberl doeringer architekten profitiert das schmale Haus nun. Denn warme Wohnatmosphäre und Sichtbeton sind hier ebenso wenig ein Gegensatz wie historisches Gemäuer und moderne Architektursprache. ros

Büro koeberl doeringer architekten , B ayern & O berösterreich (AT )  /  Haus B ayern  

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Die Kinder von Sanssouci Als der Architekt Tillmann Wagner den Auftrag „Ein fantastisches Material“, sagt der Architekt, „auch wenn es bekam, in der Nähe des Groß Glienicker Sees in Potsdam ein Schrammen bekommt und Spuren des Lebens sichtbar werden, Einfamilienhaus zu errichten, war eines klar: Es musste schnell sieht es nie schäbig aus.“ An diese beiden Hausteile schmiegt gehen. Die Bauherren hatten ihr altes Haus schon verkauft, und sich das langgestreckte Küchenhaus, das die Pavillons mitnun blieben nur zehn Monate, um für die fünfköpfige Familie einander verbindet. Und obendrauf, quer über Küchen- und ein neues Zuhause zu schaffen. Doch Wagner fand sofort Kinderhaus, hat Wagner das Elternhaus gesetzt, das mit seiner die nötige Inspiration – und zwar an der Wand seines Büros. Verkleidung aus dicken Zedernholz-Rhombusprofilen schon Dort hängt ein alter Kupferstich, der die Römischen Bäder im von weitem ein Blickfang ist. Doch die Aufteilung in Pavillons Potsdamer Park Sanssouci zeigt: „Ein fantastisches Beispiel des ist nicht nur eine Reminiszenz an die Römischen Bäder, sie hat Klassizismus, das ich mir seit Jahrzehnten gerne ansehe.“ Die auch praktische Gründe: Wenn der Nachwuchs auszieht, kann Römischen Bäder bestehen aus verschiedenen Pavillons, die aus dem Kinder- schnell ein Arbeitshaus – oder auch eine Einüber Arkaden miteinander verbunden sind – und dieses Thema liegerwohnung – werden. Und auch wenn es untypisch ist, bei sollte auch Tillmann Wagners Landhaus bei Potsdam bestimmen. einem Einfamilienhaus die Bereiche von Kindern und Eltern so Es ist ebenfalls in Pavillons aufgeteilt, die sich sowohl in den deutlich zu trennen – es sei eine ganz bewusste Entscheidung verwendeten Materialien als auch in der Nutzung unterscheiden. gewesen: „Die Kinder wollen sich hin und wieder mal zurückIm Erdgeschoss liegen der Wohnzimmer-Pavillon und das Kinziehen, und auch die Eltern haben Anspruch auf ein Privat­ derhaus mit einer Fassade aus zweifarbigem Muschelkalkputz: leben“, sagt Wagner und lacht – „wenigstens ab und zu.“ raf

Die Römischen Bäder im Potsdamer Park Sanssouci dienten als Inspirationsquelle

Architektur TILLMANN WAGNER Web www.tillmannwagner.de Objekt Landhaus bei Potsdam Kategorie Neubau Fassadenmaterial Bremer Muschelkalkputz, ZedernholzRombusprofile Fassadenfirma Marbos Adresse Bei Potsdam Bauherr Privat Planungsbeginn 01/2008 Fertigstellung 11/2008 Nettonutzfläche 250 m² Kosten EUR 250.000,– Fotos TILLMANN WAGNER ARCHITEKT

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Büro T I L L M A N N WAG N E R , B erlin /  Haus B randenburg


Ein wilder Hang mit Blick auf ein breites Landschafts- und Häuserpanorama: Das „Wohnhaus am Hang“ in BadenWürttemberg fällt so oder so auf. Von außen besticht es durch große Fenster aus Glas, gepaart mit einer Fassade aus Sichtbeton. Die großzügige Terrasse erhebt sich über dem Panorama und bietet viel Platz. Die ungewöhnliche Hanglage ergibt sich aus der Geschichte: Früher wurden an diesem mit wildem Gehölz bewachsenen, steil abfallenden Sonnenhang Weinreben kultiviert. Heute herrscht die Ungezügeltheit der Natur. Für die Bauherren ermöglichte die Lage die Errichtung eines günstigen Wohnhauses mit kleinen Räumen, aber großen Holzfenstern, die die Bewohner immer mit der Natur in Verbindung halten sollen. Zwei Terrassenmauern verankern das Haus im Hang. Die untere Mauer schafft eine große Öffnung zur Garage und Werkstatt und Platz vor dem Haus. Im darüber liegenden Eingangs- und Schlafgeschoss führt die zweite Mauer zum Hauseingang und zieht sich durch das ganze Haus. „Dem wilden und steilen Hang habe ich die geraden Terrassierungsmauern entgegengesetzt. Sie geben den nötigen Rückhalt“, sagt Architekt Gian Salis. Auf der Seite des Hangs befinden sich Räume wie Garderoben oder Abstellräume. Talseitig sind die Schlafzimmer und das Bad angeordnet. Darüber liegt der offen gestaltete Wohn- und Essraum. Im Sommer bieten die Räume, die dem Hang und den Büschen zugewandt sind, Schatten, die talseitigen Zimmer werden hingegen fast schon zu Loggien – in denen es eine direkte Verbindung vom Innenraum zum Außenbereich gibt. „Die Bauherrenschaft wünschte sich ein modernes, aber einfaches Haus aus Sichtbeton, welches Beziehungen zur Natur schafft“, sagt Salis. Mit der Architektur der Terrassenmauern ist dies gelungen. Das „Wohnhaus am Hang“ ist nicht nur mit der Natur verbunden – es ist quasi in ihr verankert. mat

Architektur Gian Salis Web www.giansalis.ch Objekt Wohnhaus am Hang Kategorie Neubau Fassadenmaterial Sichtbeton Adresse Wyhlen Bauherr Privat Planungsbeginn 06/2010 Fertigstellung 03/2013 Nutzfläche 224 m² (Nettonutzfläche 148 m²) Kosten k. A. Auszeichnungen Häuser des Jahres 2014 Fotos Gian Salis Architektur

Gian Salis

Das Rückgrat des „Hauses am Hang“ ist seine Längsmauer, diese ist Rück- und Trennwand – und wird ​a ußen als Terrassierungsmauer weitergeführt. Sie ist damit auch verbindendes Element und bildet die Verankerung mit der Umgebung. Zudem kühlt die Betonmauer tagsüber die Räume und gibt abends die Wärme der Sonne wieder ab. Das alles war in dieser Form nur mit Beton möglich.

Ein „Haus aus Beton“ war der ausdrückliche Wunsch der Bauherrenschaft

Sichtweise Sichtbeton Büro G ian S alis, Z ürich (C H)  / Haus B aden - W ürttemberg 

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Durch und durch: Mit rot durchgefärbtem Leichtbeton haben die Architekten ein durchdachtes Wohnhaus gebaut

Drei Farben: Rot F: Soll nun ein Haus so aussehen wie ein Schlafwagen oder wie ein Schiff? S: Nein. F: Wie denn? S: Wie ein Haus. Sucht man im Internet nach dem auffällig roten Gebäude am Ammersee, stößt man immer wieder auf diesen Abschnitt aus Josef Franks „Vom neuen Stil“. Diese kleine Sequenz stellen die Architekten Axel Tilch und Gisela Drexler ihrer Projektbeschreibung voran – weil sie zeigt, welche Überlegungen dem Projekt bei der Planung vorausgegangen sind: Das optisch ungewöhnliche Gebäude ist Gästehaus und Atelier zugleich. Ein Pavillon mit flachem Dach und Sonnendeck, dessen Grundriss aus zwei Trapezen besteht: einem großen, das sich nach Süden öffnet, und einem schmalen, sich verjüngenden nach Norden. Wie ein Bumerang liegt das Gebäude in der Wiese, erklären die Architekten – in der Mitte befindet sich die Box, die als Gelenk fungiert, mit Dusche, Waschbecken und WC. Klingt einfach, sieht jedoch sensationell aus.

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Büro A x el T ilch G isela D re x ler A rchitekten , B ayern / Haus B ayern


Architektur Axel Tilch und Gisela Drexler Web www.sunhouse.twoday.net Objekt Atelier und Gästehaus Kategorie Neubau Fassadenmaterial Gefügedichter Leichtbeton Adresse Riederau am Ammersee Bauherr Gisela Drexler Planungsbeginn 06/2011 Fertigstellung 02/2014 Nutzfläche 50 m² Kosten k. A. Fotos Michael Christian Peters

Gisela Drexler

Beton haben wir gewählt, weil wir bereits vor 30 Jahren unser Einfamilienhaus in Leichtbeton gebaut haben – und zwar nach dem „Passiven Solarprinzip“. Es handelt sich um ein schlankes, langes Rechteck von 5 mal 18 Metern, mit der langen Seite exakt nach Süden ausgerichtet und zweigeschossig verglast. Durch die Speicherfähigkeit des Betons ist für uns die tiefstehende Sonne quasi eine natürliche Heizung im Winter, im Sommer kühlt der Beton. Und das ist für uns die Besonderheit des Leichtbetons: die doppelte Fähigkeit von optimaler Dämmung und optimaler Speicherung.

Auch, weil das Gebäude aus rot durchgefärbtem Leichtbeton besteht, der seine spezielle Farbe durch die Pigmentbeimischung von fünf bis sieben Prozent Eisenoxyd erhält. Wobei das Rot das Wohnen und Arbeiten im Inneren nicht zu stören scheint: „Die rohe Sichtbetonwand mit ihrem heftigen Anblick lässt uns in Ruhe, sie tut nicht so, als ob, sie zeigt, und sie ist, was sie ist“, so die Architekten. Und so einfach wie das Konzept anmutet, ist auch die Haustechnik: minimalistisch. Die Sonnenenergie wird bei diesem Gebäude ohne Umwandlungsverluste über die großen Schiebefenster genutzt und im Boden und den Wänden gespeichert. Sollte es doch einmal nicht funktionieren, hilft ein Grundofen, der über zehn Stunden Strahlungswärme abgibt, und eine elektrische Fußbodenheizung zur Bodentemperierung. Im Übrigen gilt – und diesmal zitieren die Architekten den Künstler Nam June Paik: „When too perfect, dann lieber Gott böse.“ Ein Satz, der viel Interpretation zulässt, aber wohl darauf verweist, dass nicht alles planbar ist und kleine Makel zum Leben gehören – ebenso wie zu einer lebendigen Oberfläche. map

Büro A x el T ilch G isela D re x ler A rchitekten , B ayern /  Haus B ayern  

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Monolithische Kraft Es wurde ein innerer Skelettbau kon­ struiert, der mit der selbsttragenden Hülle punktuell verbunden wurde

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Büro K ä S S H auschildt, S achsen /  Haus B aden - W ürttemberg


Architektur Käß Hauschildt (Isolde Käß, Jan Hauschildt) Web www.kaesshauschildt.de Objekt Haus KW Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus Fassadenmaterial Sichtbeton Fassadenfirma Markus Deuschle Adresse Esslingen Bauherr Privat Planungsbeginn 08/2007 Fertigstellung 08/2009 Nutzfläche 135 m² Kosten EUR 325.000,– Auszeichnungen Beispielhaftes Bauen Kreis Esslingen 2012; Hugo-Häring-Auszeichnung 2011 Fotos Antje Quiram / www.antjequiram.com

Isolde KäSS, Jan Hauschildt

Warum haben Sie Beton als Material gewählt? Das Material stand beim „Haus KW“ noch vor den ersten Entwurfsskizzen fest. Wir haben ausgiebig gebaute Beispiele im Vorfeld besichtigt, um die richtige Ausführung festzulegen. Fasziniert hat uns am Beton, dass es ein monolithisches Material – fast ohne Fügungen – sein kann. Das Gebäude gliedert sich auf diese Weise ausschließlich über die Öffnungen, die in die ansonsten nahtlose Außenhaut eingeschnitten sind. Die Zeichnung der Betonoberfläche entwickelt ein starkes Eigenleben und wirkt natürlich rau. Sie nimmt dem Gebäude das Artifizielle, sodass es sich wie ein Fels in die umgebenden Streuobstwiesen einfügt. Ebenso kommt es dem Wunsch des Bauherrn nach einer robusten und langlebigen Fassade entgegen.

Am Rande eines Neubaugebiets in Esslingen am Neckar erhebt sich ein Monolith zwischen den Ein- und Mehrfamilienhäusern. Wie ein Fels in der Natur wird das Haus aus Sichtbeton von den alten Streuobstwiesen der Gegend umspielt und fügt sich so trotz seiner präzisen und kubischen Form harmonisch in die Umgebung ein. Die schlichte Gebäudehülle strahlt ruhende Massivität aus und unterstreicht durch ihre natürliche Alterung eine zeitlose Beständigkeit. Trotz der eher rationalen Erscheinung sei das Projekt ein Versuchsbau mit ungewissem Ausgang gewesen, wie die Architekten Isolde Käß und Jan Hauschildt erklären. Besonders bei der Konstruktion des Garagendachs, das gleichzeitig als Terrassenfläche genutzt wird, gingen die beiden ein Risiko ein: Das einschalige Dach aus wasserundurchlässigem Beton hielten sämtliche dazu befragten Fachleute für untauglich, da es Risse bekommen und undicht werden würde. Lediglich der mit dem Projekt betraute Statiker befürwortete die Idee und bezeichnete

die Gefahr, dass Risse entstünden, als gering. Zusammen mit den Bauherren entschlossen sich die Architekten schließlich, das Risiko einzugehen. Und tatsächlich ist die Konstruktion bis heute absolut dicht und vervollständigt das Konzept mit seiner robusten Ästhetik. Solche mutigen und im Endeffekt richtigen Entscheidungen sind nur möglich, wenn ein starkes Vertrauensverhältnis zwischen Architekt und Bauherrn besteht, was beim „Haus KW“ in Esslingen zum Glück der Fall war. Allerdings lag die größte Herausforderung nicht in der ​R isikoabwägung, sondern darin, die konstruktive Durcharbeitung der Innendämmung ausführen zu können. Aufgrund des Budgets waren technische Lösungen wie Schaumglas oder Isokörbe nicht durchführbar. Die Lösung lag schließlich in der Aufspaltung des Tragwerks. Es wurde ein innerer Skelettbau konstruiert, der mit der selbsttragenden äußeren Hülle punktuell verbunden wurde – und das Ideal des Steins in der Natur möglich machte. val

Was sind die Besonderheiten bei diesem Projekt? Die Betonfassade ist als selbsttragende Hülle konzipiert. In diese Fassade ist das eigentliche Gebäude als Skelettkonstruktion eingestellt und nur punktuell mit der Fassade verbunden. Hierdurch konnte eine konsequente thermische Trennung zu vertretbaren Kosten erreicht werden. Um den monolithischen Charakter des Materials zu unterstreichen, wurden die Ankerlöcher der Standard-Rahmen-Schalung flächig verspachtelt. Bei der Attika und den Fensterbrüstungen wurde auf Abdeckbleche zugunsten einer Flüssigkunststoffabdichtung bzw. einer Verkieselung verzichtet. Neben den Außenwänden ist auch das Garagendach aus Beton hergestellt. Die Ausführung des Daches mit WU-Beton (wasserundurchlässig) machte zusätzliche Aufbauten überflüssig und führt die Betonoberfläche nahtlos auch über die Terrasse hinweg.

Büro K ä S S H auschildt, S achsen / Haus B aden - W ürttemberg 

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In einem kleinen Dorf nordöstlich von und in unmittelbarer Nähe zu Leipzig ist die Urbanität der Sachsen-Metropole nicht zu spüren. Hier herrscht ländliche Idylle, verbunden mit aufwändiger Feldarbeit, konzentriert in landwirtschaftlichen Betrieben. Die Bauherrenschaft des hier vorgestellten Objekts betreibt eine derartige Einrichtung. Eine siebenköpfige Familie, die einen einfach und pragmatisch gestalteten langgestreckten Landhof bewohnt, der ob der Anzahl der Bewohner seine wohnlichen Grenzen aufzeigte. Also beauftragte man das Leipziger Büro WOLTERECK FITZNER, einen Erweiterungsbau zu planen, der primär Wohn- und Essraum beinhalten sollte. Die ursprüngliche Idee des Bauherrn, an den archaischen Bestand einen klassischen Wintergarten anzudocken, wurde letztendlich fallen gelassen, da Projektverantwortlicher Jan Fitzner eine Idee aufs Tapet brachte, die vor allem darin bestand, dieser funktional geprägten, heterogenen Umgebung einen festen Punkt zu geben, der dem gesamten Ensemble einen neuen Charakter zuweist. Das Ergebnis mündete in einen ca. 60 Quadratmeter großen eingeschossigen Pavillon, der auf den ersten Blick streng geometrisch anmutet. Architekt Fitzner dazu: „Wir streben in unseren Arbeiten immer danach, klare, ruhige Räume zu schaffen. Eine Ordnung, die die Möglichkeit eröffnet, diese Räume frei und ungezwungen zu nutzen.“ Genau das ist auch mit diesem Zubau gelungen. Eine schmale Glasfuge zeigt sich als (zartes) Trennelement zwischen Alt und Neu und erlaubt gleichzeitig eine Belichtung des Raumes dahinter. Jener ist die vorhandene Küche, über die man den Kubus betritt. Er besteht aus einem großen Ess- bzw. Kommunikationsraum und einer durch eine Kaminwand getrennten kleinen Sitzgruppe. Eine als Lesesofa ausgebildete Wandnische mit eigenem Oberlicht dient diesem Bereich als Rückzugsort vom Arbeits- bzw. Familienalltag. Wurde der Zubau mit seinen großzügigen Fensterflächen komplett aus glatt geschaltem Sichtbeton ausgeführt, so regiert im Inneren großflächig Eichenholz. Nettes Detail am Rande: Der extra angefertigte Esstisch besteht aus uraltem Eichenholz, welches der Bauherr seit langen Jahren für einen speziellen Einsatz wie diesen gelagert hatte. Die zugehörige Terrasse ist von einem Betonrahmen umgeben, der in seiner Optik eine offene Weiterführung des Kubus darstellt und sich derart als Balance zwischen geschütztem Innenraum und umgebender Natur versteht. Darüber hinaus können hier später einmal Sonnensegel verankert werden. In Summe ist es WOLTERECK FITZNER gelungen, einen Baukörper zu kreieren, der kein Fremdkörper ist und sich dennoch an den Bestand nicht anbiedert. Er nimmt sich nicht zu wichtig, ist aber für das Ensemble sehr wohl wichtig. Vor allem jedoch: Hier wurde eine kleine Bauaufgabe großartig gelöst. cao

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Büro W O LT E R E C K F I T Z N E R A rchitekten , S achsen /  Haus S achsen


Eine schmale Glasfuge bildet ein (zartes) Trennelement zwischen Alt und Neu und erlaubt gleichzeitig eine Belichtung des Raumes dahinter

Wohn-Landgewinn Jan Fitzner

Warum haben Sie Beton als Material gewählt? Der Übergang zwischen Innenund Außenraum ist das zentrale Entwurfsthema des Projektes. Wir haben uns ein Gefäß vorgestellt, dessen Wandungen den neuen Wohnraum umschließen. Diese Hülle sollte sinnlich erlebbar sein. Das Innere warm und weich und das Äußere massiv und skulptural. Der Kontrast zwischen dem Material Holz (Eiche) und Sichtbeton macht diese abstrakte Idee auf eine sehr authentische Weise optisch und haptisch erlebbar. Was sind die Besonderheiten bei diesem Projekt? Die Ausbildung des Sichtbetons vor Ort erforderte eine genau Planung der Schalung und der Betonierabschnitte, um ein möglichst großflächiges und gleichmäßiges Fugenbild zu erreichen. Die helle Farbigkeit des Betons ist das Ergebnis der gezielten Wahl eines regionalen, sehr hellen Sandes als Zuschlagstoff. Architektur WOLTERECK FITZNER Architekten (Clemens Woltereck, Jan Fitzner) Web www.wfarc.de Objekt Wohnhaus bei Leipzig Kategorie Neubau (Erweiterung), Umbau Adresse Delitzsch Bauherr Privat Planungsbeginn 01/2013 Fertigstellung 12/2014 Nutzfläche 60 m² (plus 50 m² Terrasse) Kosten k. A. Fotos Gunter Binsack / www.gunterbinsack.de Büro W O LT E R E C K F I T Z N E R A rchitekten , S achsen /  Haus S achsen 

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Freiraum der Moderne Großzügig, offen und modern. Das sind sicherlich Begriffe, die einem beim Anblick dieses Einfamilienhauses in den Sinn kommen. Es sind auch jene Eigenschaften, die den Bauherren, einer fünfköpfigen Familie, für ihr Wohnhaus von Anfang an wichtig waren. Zusätzlich waren die für eine Wohnsiedlung der 1980er-Jahre typischen Vorgaben des Bebauungsplanes zu berücksichtigen. Die Grundstücke sind rechteckig, und die Gebäude bekommen gleichförmige Satteldächer, erzählt die Architektin Elke Reichel: „Das waren die Wünsche und Vorgaben. Wir entschieden uns deshalb für ein Gebäude mit einer Stahlbetonskelettkonstruktion und breiten, umlaufenden Balkonen. Und natürlich mit dem geforderten Satteldach.“ Zusätzlich ließ sich ihr Team aber auch noch einige Besonderheiten einfallen: Um die Balkone bei jedem Wetter nutzen zu können, ragt das Dach über diese hinaus und schützt sie und jeden, der auf ihnen Platz nimmt, vor Regen. Der große Überstand nach Süden dient besonders in den Sommermonaten

Zwischen dem Stahlbetondach und dem Baukörper verläuft eine umlaufende, verglaste Fuge. Das Dach wirkt dadurch, als würde es über dem Haus schweben

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Büro R eichel S chlaier A rchitekten , B aden - W ürttemberg /  Haus B aden - W ürttemberg


Architektur Reichel Schlaier Architekten (Elke Reichel, Peter Schlaier) Web www.reichel-schlaier.de Objekt Einfamilienhaus Feuerbach Kategorie Neubau Fassadenmaterial Holzverkleidung, Glas Fassadenfirma Dura Sidings, Schüco, Sky-Frame Adresse Stuttgart-Feuerbach Bauherr Privat Planungsbeginn k. A. Fertigstellung 01/2016 Nutzfläche 386 m² (Nettonutzfläche 367 m²) Kosten EUR 1,5 Mio. Fotos Brigida González / www.brigidagonzalez.de

als zusätzlicher Sonnenschutz, ohne die Verbindung von Innen- und Außenraum zu behindern, wie es klassische Jalousien tun würden. Zwischen dem Stahlbetondach und dem Baukörper verläuft eine umlaufende, verglaste Fuge. Das Dach wirkt dadurch, als würde es über dem Haus schweben. Und seine Höhe ermöglicht dem Wohn- und Essbereich seinerseits eine tolle Raumhöhe, während große Glasflächen in Richtung Süden einen unbehinderten Blick auf Obstwiesen, Wald und den Stuttgarter Fernsehturm erlauben. Ein großzügiges Haus also, das sowohl Bewohnern als auch Besuchern leicht zugänglich ist, denn: „Die Bauherren wünschten sich ein Haus mit direktem Zugang ins Freie von möglichst allen Räumen. Vor allem im Sommer sollte durch großflächiges Öffnen der Fassaden die Trennung von Wohn- und Außenraum aufgehoben werden. Und genau diese großzügige Offenheit haben wir versucht, hier umzusetzen“, so Reichel. sol

Büro R eichel S chlaier A rchitekten , B aden - W ürttemberg / Haus B aden - W ürttemberg 

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In Gedanken auf See Architektur augustinundfrank architekten Web www.augustinundfrank.de Objekt Strandhaus Kategorie Neubau Fassadenmaterial Stahlbeton Adresse Bad Saarow Bauherr Privat Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 2012 Nutzfläche 180 m² (Nettonutzfläche 170 m²) Kosten EUR 500.000,– Auszeichnungen Häuser Award 2014 Fotos Werner Huthmacher / wernerhuthmacher.de

Damit die Wände nahtlos in das Satteldach übergehen, wurde dieses ebenfalls in Beton ausgeführt; dazwischen verdeckte Dachrinnen

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Spaziergänger am Scharmützelsee im östlichen Brandenburg bleiben oft an derselben Stelle stehen. Es ist jene Stelle, an der sich zu den Kiefern am Uferweg ein Gebäude aus Sichtbeton gesellt hat. „Die meisten schauen nicht nur auf das Haus, sondern vor allem durch das Haus hindurch“, sagt Architekt Georg Augustin. Die Fensterfront des Erdgeschosses, die minimalistische Einrichtung und das leicht ansteigende Grundstück erlauben schließlich eine gute Sicht auf den See auf der anderen Seite des Gebäudes. Ursprünglich schlug das Berliner Architekturbüro augustinundfrank ein Holzhaus vor, doch der Bauherr wünschte sich Beton. „Das hat uns verwundert, doch vor Ort haben wir verstanden, warum“, erzählt der Architekt. „Ein robustes und pflegeleichtes Gebäude eignet sich für die feuchte Witterung am See besser.“ Das wasserundurchlässige Betongebilde zu konstruieren war keine einfache Aufgabe: „Der Rohbau war sehr kompliziert, benötigte viele

Büro augustinundfrank architekten , B erlin /  Haus B randenburg

Durchsteifungen. Aber als er stand, war das Haus fast schon fertig.“ Damit die Wände beinahe nahtlos in das vom Bebauungsplan vorgeschriebene Satteldach übergehen, wurde dieses ebenfalls in Beton ausgeführt und die Dachrinnen verdeckt angeordnet. Mit einigen Kniffen durchbrachen die Architekten das strenge Erscheinungsbild und verhalfen diesem stattdessen zu seinem speziellen Charakter: Der First bringt Bewegung in die Form, indem er schräg anstatt parallel zu den Traufkanten verläuft. Die Holzleistenschalung lässt das Wochenendhaus außerdem wie einen Holzbau aussehen und integriert es in die umliegende raue Vegetation. Was die Spaziergänger auf der Straße nicht wissen können: Der steinerne Charakter des minimalistischen Erdgeschosses geht in der oberen Etage in eine warme und heimelige Atmosphäre über. Hier regiert das Holz, ganz wie im Bauch eines Schiffes. So sind die Bewohner des Hauses in Gedanken immer auf dem See. res


Ute Frank und Georg Augustin

Eine Betonstruktur, die im Innern ausgebaut wird, bildet im Grunde eine sehr einfache Bauweise. Darüber hinaus hat das Material in unserem Fall einen entscheidenden Einfluss auf die Atmosphäre des Ortes. Die natürlichen Oberflächen harmonisieren den Neubau in ganz besonderer Weise mit der Vegetation und der Topografie des Grundstücks und der Umgebung. Hinsichtlich der über den Bebauungsplan vorgeschriebenen Gebäudeform (Satteldach) ist der Stahlbeton in der Lage, diese in einem Guss, mit homogenen Oberflächen, abzubilden.

Büro augustinundfrank architekten , B erlin /  Haus B randenburg  

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Minimal Maximal

Wohnen bedeutet, genau wie in neuen Bürowelten, immer mehr eine Kombination von Rückzug und Gemeinschaft – und möglichen Arbeitsplätzen. Diese Grundstruktur ist auch beim Wohnhaus des Architektenpaares Ralf Bernhardt und Heike Nickel die Basis. Die drei Kinder- plus Elternschlafzimmer im ersten Stock sind klein, mit Schiebetüren variabel abtrennbar, haben aber jeweils vorgelagerte Arbeits- oder Spielflächen. Das Erdgeschoss, ein großer Wohnraum mit Ecken und Nischen – aber im Wesentlichen ein Raum –, lässt ebenso flexible Ess-, Koch-, Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten zu. „Der minimalistische Gestaltungsansatz war die Grundlage für die Planung unseres Hauses. Klarer Kubus mit wenigen,

dafür großen Öffnungen im Baukörper, Innenraumeinteilung strukturiert und reduziert, auch bei der Materialwahl bis hin zur Haustechnik haben wir immer nur das absolut Notwendigste umgesetzt“, so Architekt Bernhardt. Außen zeichnet sich das Wohnhaus ebenso durch Schlichtheit aus. Diese ist allerdings massiv. Die Betonwände (Leichtbeton mit Glasschaumschotter als Zuschlag) kommen ohne zusätzliche Wärmedämmung aus und sind recht roh in ihrer Erscheinung, da die Bewehrung reduziert, keine Sichtbetonschalung verwendet wurde, sondern herkömmliche. Geschalt wurde praktisch in einem Stück, bis zu vier Metern; außerdem bearbeiteten die Bauherren die Fassade, um die Fläche noch mehr aufzurauen.

Zusammen mit einem holzbeheizten Grundofen und Photovoltaikelementen auf dem Flachdach setzt auch das ganzheitliche Energiekonzept auf „Less is more“ – und kommt ohne zu viel Technik aus. Neben der umfassenden Betonhülle (auch innen finden sich Sichtbetonflächen) legte der Architekt als gelernter Schreinermeister den Fokus auf das Material Holz. Fenster und Inneneinrichtung, wie Holzeinbauten, Bodendielen, Treppen und Verschalungen, sind maßgeschneidert in Holz und kontrastieren wunderbar mit dem Beton. Der Wunsch nach einem minimalen Haus mit maximaler Wohnlichkeit ist gelungen – und beweist: Auf je weniger man setzt, desto mehr Wissen und Planung ist vonnöten. mah

Ralf Bernhardt

„Entwurfsunterstützend haben wir ein Material für die Außenhülle gesucht, das alle notwendigen Anforderungen wie Witterungsschutz, Wärmedämmung, Wärmespeicherung und die fertige Oberfläche innen und außen erfüllt. Der Wärmedämmbeton hat für uns all diese Zwecke erfüllt und uns dabei eine spannende Oberflächenstruktur geboten.“

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Büro R h - architektur , B ayern /  Haus B ayern


Neben dem Beton legte der Architekt als gelernter Schreiner­m eister den Fokus auf das Material Holz

Architektur Rh-architektur (Ralf Bernhardt und Heike Nickel) Objekt Wohnhaus Bernhardt Nickel, Weißensberg Kategorie Neubau Fassadenmaterial Wärmedämmbeton Fassadenfirma Heidelberger Beton GmbH, Werk Niederwangen, Wangen im Allgäu (Beton) Adresse Weißensberg Bauherr Ralf Bernhardt und Heike Nickel Planungsbeginn 01/2012 Fertigstellung 09/2014 Nutzfläche 155 m² Fotos Darko Todorovic

Büro R h - architektur , B ayern /  Haus B ayern  

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Beton im Grünraum

Stephan Walter

Warum haben Sie Beton als Material gewählt? Aufgrund der Hanglage und der großflächigen plastischen Gliederung des Bauvolumens war eine Massivbauweise nahe­liegend. Ausschlag­ gebend für die Wahl von sichtbaren Betonflächen waren das Massive, die Haptik und die Robustheit von Beton. Entscheidend war aber auch das gute Zusammenspiel von Beton mit anderen Materialien wie zum Beispiel Holz im Innenausbau. Was sind die Besonderheiten bei diesem Projekt? Eine Herausforderung war die Verwendung großformatiger kerngedämmter Betonwände als Halbfertigteilkonstruktion, die bisher vorwiegend im Gewerbebau eingesetzt wurden – und nicht im individuellen Hausbau. Das präzise ausformulierte Fugenbild der äußeren Betonflächen wird durch diese Konstruktionsart bedingt.

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Büro F 6 4 A rchitekten , B ayern /  Haus B ayern

Architektur F64 Architekten (Martin Kopp, Philip Leube, Rainer Lindermayr, Thomas Meusburger, Stephan Walter) Web www.f64architekten.de Objekt Wohnhaus L15 Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus Adresse Kempten Bauherr Privat Planungsbeginn 03/2010 Fertigstellung 09/2011 Nutzfläche 468 m² (Nettonutzfläche 332 m²) Kosten k. A. Auszeichnungen Häuser Award 2013 (Anerkennung) Fotos Rainer Retzlaff / www.rainerretzlaff.com


Die thermische Aktivierung der sichtbaren Betondecken und die gleichzeitige Integration von Schallabsorbern im großen, zentralen Raum waren technisch und planerisch anspruchsvoll, unterstützen das Konzept möglichst unverkleideter Oberflächen und führen zu einem hervorragenden Raumklima

Beton, oftmals Sinnbild für urbanen Brutalismus, zeigt in den Händen kreativer Geister sein „menschliches“ Antlitz. Das wussten bereits die Künstler des berühmten Bauhauses, das weiß auch Stephan Walter von F64 Architekten aus dem bayrischen Allgäu. Ebendort, in Kempten, errichtete man auf einem stark durchgrünten, in ruhiger Wohnlage befindlichen Grundstück einen monolithischen Flachbau, bei dem man durch die strikte Geometrie und den überwiegenden Einsatz von Sichtbeton zum Schluss kommen könnte, hier würde ein künstlicher Fremdkörper das natürliche Grün konterkarieren. Doch das Gegenteil ist der Fall! Durch geschickt gesetzte, großzügige Öffnungen wird die harte Schale aufgebrochen und der weiche Kern freigelegt. Dabei zeigt sich, dass auch im Inneren die in Halbfertigteilkonstruktion ausgeführten Betonflächen nachhaltig die Wohncharakteristik bestimmen und mit der durchgehenden weißen Einbaumöblierung und den weißen Innentüren ein spannendes, differenziertes Wechselspiel ergeben, bei dem die anthrazitbeschichteten Fenster noch für einen zusätzlichen zurückhaltenden Kontrast sorgen. Selbiger „Kniff“ zeigt sich auch bei den Bodenbelägen: Während im Erdgeschoss die Böden fugenlos mit dunkel eingefärbtem Zement beschichtet sind, korrespondieren im Obergeschoss rustikale Eichenholzdielen (und -fenster) mit der Betonoberfläche. Gelungen ist auch das Raumkonzept, in dessen Mittelpunkt der Wunsch der Bewohner, einer fünfköpfigen Familie, stand, von möglichst vielen Aufenthaltsräumen aus einen direkten Zugang zum Garten zu haben. Was nicht zuletzt aufgrund der vorhandenen Topografie mit dem ansteigenden Gelände dazu führt, dass man sowohl von den Kinderzimmern im Obergeschoss als auch vom großen Wohnraum im Erdgeschoss aus den Garten ebenerdig betreten kann. Ein rundum durchdachtes Konzept also, das im Vorfeld auch von ein wenig Glück begünstigt war. Denn mitten auf der Parzelle steht seit ewigen Zeiten eine wunderschöne Blutbuche, die aufgrund ihrer Ausmaße die Planung nachhaltig beeinflusste, indem man entschied, um den Baum herumzubauen. Stephan Walter: „Die Blutbuche hat den Gestaltungsprozess sogar vereinfacht, da wir letztendlich weit näher an die Grundstücksgrenzen bauen durften. Wäre der Baum gefällt worden, hätten wir im Endeffekt ein weit kleineres Baufenster erhalten als umgekehrt mit der Buche.“ Seitdem existieren Baum und Beton in trauter Zweisamkeit und ergänzen sich prächtig. cao

Büro F 6 4 A rchitekten , B ayern /  Haus B ayern  

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Florian Sikora

Beton (Stahlbeton) vereint für mich, statisch unter Spannung gesetzt und exponiert, Stärke und Fragilität in einem Werkstoff. Bei der Herstellung auf der Baustelle durchläuft der Beton verschiedene Aggregatzustände, die für mich als Metapher für den Formfindungsprozess an sich stehen können. Der Stahlbeton impliziert somit latente Umformungsprozesse, die mit seiner äußeren Erscheinung in Widerspruch zu stehen scheinen und dadurch die Sinne des Betrachters stimulieren können. Beim Haus Ziegler wollte ich darüber hinaus der äußeren Erscheinung einen barock anmutenden Schwung geben, ähnlich einer wellenartigen Handbewegung, die eine 8 nachzeichnet. Der Schwung wirkt durch einen ausgewogenen Materialmix, eine Art Collagetechnik, nicht allzu sehr erstarrt, sondern eher gelenkig. Zeit sollte als architektonische Komponente sichtbar werden.

Architektur Florian Sikora Web www.sikora-architektur.de Objekt Neubau eines Wohnhauses Kategorie Neubau, Holzbau (teilweise) Fassadenmaterial Holz, Beton, KalZip, Glas Adresse Haag in Oberbayern Bauherr Gertraud und Karl Ziegler Planungsbeginn 07/2009 Fertigstellung 05/2013 Nutzfläche 181 m² (Nettonutzfläche 145 m²) Kosten k. A. Fotos Thomas Drexel (DVA, Randomhouse)

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Büro F lorian S ikora A rchitekt, B ayern /  Haus B ayern


Das Augenspiel Raue Materialien wie Beton und Holz für die Fassade sollen absichtlich provozieren

Mit einem spannenden Neubau wollte das Ehepaar Ziegler einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Das Haus in Oberbayern dient dem Paar als ruhiger und gemütlicher Alterssitz, jetzt, wo die Kinder aus dem Haus sind und eigene Familien gegründet haben. Es befindet sich in einer nahezu märchenhaft romantischen Landschaft, umgeben von der Burgruine von Haag und einer von Hügeln geprägten Wiesenlandschaft. Das Wohnhaus wirkt verspielt, verwinkelt, labyrinthisch und angenehm introvertiert. Das liegt daran, dass es zur Wiese hin mit großen Glasfenstern und -wänden seine private Seite zeigt, während es sich auf der Straßenseite mit gestaffelten Betonscheiben nur halböffentlich präsentiert. Wie die vielseitige Umgebung könne man sich auch das Gebäude als Landschaft

vorstellen, sagt Architekt Florian Sikora. „Mit einer Vielzahl von Elementen, die als Wege, Plätze, Nischen, Hügel, Berge, Klippen oder vieles mehr gedeutet werden können.“ Kein Raum ist wie der andere, und jeder erfüllt spezielle Anforderungen – wie beispielsweise genug Platz für das Hobby der Bauherrin, die privat Musikunterricht gibt. Das Haus ist weitgehend barrierefrei und altersgerecht gebaut. Dabei legten die Bauherren einen großen Fokus auf die Energie-Selbstversorgung. Der Neubau verfügt über eine Wärmepumpe, eine Solarthermieanlage, eine Photovoltaikanlage und eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Er ist also durch und durch nachhaltig gebaut. Raue Materialien wie Beton, der für die Fassade gewählt wurde, sollen absichtlich provozieren und zu Veränderungen anregen, sagt Sikora. So ist ein modernes Haus in einer formenreichen und spielerischen Umgebung entstanden, das selbstbewusst auftritt und sich auf den ersten Blick keinesfalls als klassischer Alterssitz einstufen lässt. Vor allem aber sei das Haus inspiriert durch eines, sagt Sikora: den geistreichen Charakter des BauherrenEhepaares. mat

Büro F lorian S ikora architekt, B ayern /  Haus B ayern  

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Die Form vollendet

Die Strukturen der ehe­ maligen Holzlaube haben der flüssigen Betonmasse einen Abdruck verliehen, der ein beseeltes Bild erzeugt

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Büro A F F architekten , B erlin /  Haus S achsen


Architektur AFF architekten (Martin Fröhlich, Sven Fröhlich) Web www.aff-architekten.com Objekt Schutzhütte am Fichtelberg Kategorie Neubau Fassadenmaterial Beton Fassadenfirma SUD Ingenieur- und Baugesellschaft Adresse Tellerhäuser Bauherr Privat Planungsbeginn 06/2008 Fertigstellung 01/2010 Nutzfläche 82 m² (Nettonutzfläche 74 m²) Kosten EUR 60.000,– Auszeichnungen BDA Preis Sachsen 2013 Fotos AFF architekten

Für ein Bauvorhaben wie die Schutzhütte in Tellerhäuser gibt es zwei mögliche Herangehensweisen: entweder eine lange, intensive Planungs- und Testphase oder uneingeschränkte Experimentierfreude. Die mit dem Entwurf beauftragten Architekten Martin und Sven Fröhlich entschieden sich für Letzteres. Der Plan: die ursprüngliche Laube vor Ort in die Schalung der neuen Hütte aus Beton einzubeziehen (wie im Übrigen auch alle anderen eingesetzten Materialien einen Bezug zum Ort aufweisen). Die alte Laube bildet sich im wahrsten Wortsinn im neuen Gebäude ab. Bei der Suche nach einer ausführenden Firma fanden sie sich jedoch mehr mit aufklärenden Gesprächen beschäftigt als mit technischen Leistungstexten. Schlussendlich ergab sich ein Team, das bereit war, sich bei der Wahl des Schalmaterials auf das Unbekannte einzulassen. Denn keiner wusste, wie viel Druck die bestehende Laubenwand aushalten würde. Bevor die eigentliche Arbeit mit dem Beton jedoch begonnen werden konnte, galt es, ein anderes Problem zu lösen: Da das Grundstück recht abgelegen liegt, musste die Frage geklärt

werden, wo der Beton für die Schutzhütte produziert werden sollte. Lange Zeit wurde eine Vor-Ort-Mischanlage favorisiert. Dem machte allerdings der überraschend frühe Wintereinbruch mit starkem Schneefall einen Strich durch die Rechnung. Dieser zwang das Mischfahrzeug zur Umkehr – und machte am Ende eine komplette Lieferung notwendig. Trotz aller Schwierigkeiten gelang es schließlich, die ursprüngliche Idee der Rückbesinnung auf das Elementare und Archaische zu verwirklichen. Anja Fröhlich: „Die Fügungen, Einteilungen und Strukturen der ehemaligen Holzlaube haben unserer flüssigen Betonmasse einen Abdruck verliehen, der ein beseeltes Bild erzeugt. Nicht nur wir sahen die Geborgenheit im Abdruck der alten Laube, sondern freuten uns gemeinsam mit den Bauarbeitern über den Zugewinn einer Qualität. Sie betrachteten ihre Arbeit wie eine Ikone, wirkt sie doch eher wie eine Möbelwand in einer guten Stube als wie die verborgenen Wandabwicklungen unzähliger bisher betonierter Keller. So gingen wir mit dem Mehrwert auseinander, Beton gemütlich wirken zu lassen.“ Dies äußert sich nicht nur

in der Schlichtheit der Betonkonstruktion selbst, sondern auch in der reduzierten Inneneinrichtung des Gebäudes. Ohne fließendes Wasser, ohne Boiler und ohne Toilettenspülung findet sich der Besucher sich selbst überlassen. Und genau so soll es sein. Abgeschieden von der Dynamik des modernen Lebens, ist die Schutzhütte ein spartanischer Ort der Bescheidenheit und Genügsamkeit. Aber mit einer Geschichte, die sich überall ablesen lässt, wenn man sich darauf einlässt. val Büro A F F architekten , B erlin /  Haus S achsen 

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Die einzigartige Textur der Oberfläche wird durch den Einsatz einer schwach saugenden Schalung mit leichter Holzmaserung erzeugt. Die durchgehend scharf ausgebildeten Betonkanten erzeugen dennoch klare Konturen

Textur der Moderne 1

Katrin Maio und Gianfranco Maio

Warum haben Sie Beton als Material gewählt? Ausschlaggebend für die Entscheidung war die ausdrückliche und somit programmatische Vorliebe unserer Bauherren für Sichtbeton sowie ihre Bereitschaft, einen sehr konsequenten Einsatz des Materials innen wie außen zuzulassen: Die lebendigen, handwerklichen Eigenschaften der Sichtbetonoberflächen werden hier als Merkmal besonderer Wertigkeit und Exklusivität neu gedeutet. Was sind die Besonderheiten bei diesem Projekt? Wir haben versucht, die Einmaligkeit des gegossenen Betons als Maßanfertigung zu interpretieren sowie dessen hohe handwerkliche Qualität durch zusätzliche Präzision zu unterstreichen. Wandoberflächen und die technisch unvermeidlichen Schalungsfugen sind auf die jeweiligen Räume und Ansichten abgestimmt. Daraus ergab sich beim Entwurfsprozess eine ständige Wechselwirkung zwischen funktionalen Anforderungen an Räume und deren Größe und den technisch umsetzbaren Gliederungen der begrenzenden Raumflächen. Präzision war gefragt: Sichtbeton verzeiht keine Fehler. Eine zusätzliche Herausforderung lag im Wunsch der Bauherren, das Haus funktional bis ins kleinste Detail zu planen: Alle Räume (innen wie außen), Einbaulösungen, Möbel und Elemente sind ganzheitlich und gleichwertig detailliert durchgeplant. Das bedingt, dass auch jeder Funktion ihr Ort zugewiesen und sie damit unverrückbar ist.

Architektur maio & maio architekten Web www.maiomaio.de Objekt Sichtbetonhaus Kategorie Neubau Fassadenmaterial Sichtbeton Fassadenfirma Xaver Riebel Bauunternehmung Adresse Oberbayern Bauherr Privat Planungsbeginn 07/2011 Fertigstellung 04/2014 Nutzfläche 500 m² (Nettonutzfläche 300 m²) Kosten k. A. Fotos Markus Dobmeier (1, 2), Uwe Lukas Schneider (3) / www.uwelukasschneider.de, Gerhard Schwengler (Portrait)

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Büro maio & maio architekten , B ayern /  Haus B ayern


Beton verzeiht keine Fehler. Perfekt ausgeführt kommen seine Vorteile jedoch voll zur Geltung. Die Decke zum Beispiel steht auf nur wenigen Wandscheiben und Stützen, die aber trotzdem genügend Kraft bieten, um das Obergeschoss weit in den Hof hineinragen zu lassen

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Dass ein Bauherr als Herzenswunsch Sichtbeton als Hauptbausubstanz nennt, kommt nicht häufig vor. Schließlich ist Sichtbeton eher Ingenieurmaterial. Aber wenn schon, denn schon, dachte sich das deutschitalienische Architektenehepaar Katrin und Gianfranco Maio und verwendete den Sichtbeton gleich außen und innen. Um aber im Inneren keine allzu kühle Atmosphäre entstehen zu lassen, gestalteten maio & maio architekten die Betonoberflächen in einem holzartigen Stil. Die Maserung erzeugt eine warme, geschmeidige, samtig anmutende Textur. Sichtbeton als Hauptmaterial zu verwenden sei eine trickreiche Angelegenheit, erklären die Architekten. Da das Material keine Fehler verzeiht, ist im Vorfeld ein enormer Planungsaufwand vonnöten. Lässt man sich allerdings darauf ein und nützt die spezielle Materie zu seinem Vorteil, so bietet Sichtbeton – allem voran durch seine enorme Tragfähigkeit – besondere Möglichkeiten.

Dies wurde von den Architekten besonders im Erdgeschoss ausgenutzt. Die Decke steht auf nur wenigen Wandscheiben und Stützen, die dennoch genügend Kraft bieten, um das Obergeschoss weit in den Hof hineinragen zu lassen. Ebenso war die sich großzügig öffnende Fassade des ersten Stocks nur mit diesem starken Material so konstruierbar. Ein weiterer Vorteil des Betons ist die mögliche Präzision, die sich auch der Bauherr wünschte. Das Haus sollte funktional bis ins kleinste Detail durchkonstruiert, die Räume und Nebenräume auf perfekte Art und Weise „programmiert“ sein. Sogar einzelne Schubfächer wurden von vornherein so geplant, wie man sie schlussendlich einbaute. Solch ausufernde Genauigkeit ist nur durch eine ausgedehnte Vorentwurfsphase möglich, die für die Architekten generell bei ihren Projekten den entscheidenden Teil der Planung ausmacht. val

Büro maio & maio architekten , B ayern /  Haus B ayern  

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Foto: Uwe Lukas Schneider


Architektur raumwerk.architekten (Ragnhild Klußmann) Web www.raumwerkarchitekten.de Objekt minimax Kategorie Neubau (Anbau EFH) Fassadenmaterial Holzlamellen, WDVS Fassadenfirma Velfac (Fenster) Adresse Köln-Bickendorf Bauherr Privat Planungsbeginn 03/2012 Fertigstellung 06/2013 Nettonutzfläche 65 m² (davon 11 m² Schuppen) Kosten EUR 93.000,– Fotos raumwerk.architekten

Mini macht groß

Im Gegensatz zum verspielten Altbau spricht die Erweiterung eine neue, schlichtere Sprache, und pure Materialien wie Sichtbeton dominieren

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Gemütlich war der Altbau der Familie in Köln-Bickendorf schon immer. Das liebevoll restaurierte Gebäude mit seinen zahlreichen kleinen Räumen auf verwinkeltem Grundriss war fein – aber irgendwann zu klein. „Die Familie benötigte einerseits mehr Platz für ein weiteres Kinderzimmer und andererseits Raum zum Durchatmen“, sagt Ragnhild Klußmann von raumwerk.architekten. Der L-förmige Zuschnitt auf engstem Grundstück erlaubte eine minimale Hauserweiterung zu einem U, indem an der Stelle des Holzschuppens ein schmaler Baukörper von vier mal zwölf Metern eingefügt wurde. „Obwohl es flächenmäßig das kleinste Projekt ist, das wir jemals gemacht haben, verschafft es dem bestehenden Haus unglaublich viel Größe“, freut sich die Architektin. Der neu entstandene hohe Essraum und das Zimmer im Obergeschoss bringen nun die Luftigkeit, die zuvor vermisst wurde. Zusätzlich zur schon bestehenden kleinen Terrassentür öffnet sich das Gebäude zum Innenhof und mit einer großflächigen Verglasung zum

Büro raumwerk . architekten , N ordrhein - W estfalen / Haus N ordrhein - W estfalen

Garten. Im Gegensatz zum verspielten Altbau spricht die Erweiterung eine neue, schlichtere Sprache, und pure Materialien wie Sichtbeton, Brücken aus massivem Holz oder Bretterstapel dominieren. Obwohl sich manche Elemente wie das Eichenholz durch Alt- und Neubau ziehen, wurden die beiden Teile bewusst nicht komplett aneinander angeglichen: „Wir sahen die Schnittstelle zwischen Alt und Neu als besonderes Gestaltungspotenzial und haben diesen Übergang deshalb thematisiert“, sagt Klußmann. „Es ist spannend, eine Stufe hochzugehen und dadurch von einem Gebäude ins andere zu treten.“ Auch die Aufteilung der Wohnräume veränderte sich durch die Erweiterung des Ursprungshauses grundlegend. „Der Anbau schaffte Verbindungen zwischen Zimmern im alten Haus, die zuvor nicht existierten“, so die Architektin. Mit einem verhältnismäßig kleinen Eingriff wurde alles neu systematisiert, und der neu gewonnene Raum ist nun Drehund Angelpunkt der Familie. res


www.thonet.de


Architekt Gerald Kessler hat das Ferienhaus „Das Hochkönig“ unter Berücksichtigung besonderer ökologischer und architektonischer Gesichtspunkte liebevoll renoviert. Nicht zuletzt verleiht die „concrete skin vintage“ von Rieder in Kombination mit Holz der Fassade ein besonderes Erscheinungsbild, da keine Platte – und kein Holz – gleich erscheint.

F er i e n haus m i t

v i n t a g e fassade

Architektur: Architektur Kessler, www.architektur-kessler.at

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Rieder × 100 Häuser

Fotografie: Ditz Fejer, www.ditzfejer.at


A dvertorial

www.rieder.cc

Aber nicht nur im Außenbereich, auch innen am Kamin, in den Badezimmern und als Fußboden wurde Beton von Rieder eingesetzt. In Kombination mit heimischem Altholz und unterschiedlichen Textilien wirkt der großzügig eingesetzte Beton nie kühl, sondern verleiht den Räumen einen modernen Charakter. Viele traditionelle alpine Elemente geben den beiden modernen Ferienwohnungen eine warme Atmosphäre.

Die neue Fassadenplatte „concrete skin vintage“ von Rieder kam hier erstmals zum Einsatz

Das Ferienhaus „Das Hochkönig“ mit den beiden Appartements „peda & ida“ liegt sehr idyllisch am Sonnenhang von Dienten in Salzburg. Die freistehende Ferienimmobilie mit großer Terrasse und Panoramablick ist idealer Rückzugsort und Ausgangspunkt für sportliche Aktivitäten in der Region. Es kamen nur hochwertige Materialien und Stoffe aus der Region zum Einsatz. Ein Mix aus „ehrlichen“ Materialien, die aus der Umgebung stammen, und modernen Elementen aus Beton. Eine architekto­ nische Besonderheit an diesem Gebäude ist die

Fassade: Zum ersten Mal kam die neu entwickelte Fassadenplatte „concrete skin vintage“ von Rieder zum Einsatz. Eine neue Produktionstechnik erlaubt es Rieder, den Paneelen – mit ihrer für Beton charakteristischen lebendigen Oberfläche – ein Wechselspiel an Farbschattierungen und Wolkeneffekten zu geben. Die natürliche Unvollkommenheit und Unregelmäßigkeit in der Optik der vintage-Platte verleiht der Fassade ein einzigartiges Erscheinungsbild und vor allem Individualität, da keine Platte einer anderen gleicht. Die Verknüpfung von altem

Die Vision einer dünnen und zugleich stabilen Fassadenplatte aus Beton, die Umwelteinflüssen standhält und dabei nachhaltig und ästhetisch ist, prägte Rieder bei der Entwicklung des Materials fibreC. concrete skin ist eine mit Glasfasern verstärkte Betonplatte, welche die Vorteile von Glasfasern und Beton in sich vereint. Handwerk und neuem Wissen und das Bestreben nach Einfachheit und Natürlichkeit finden in dieser neuen Oberfläche Ausdruck. Die Konzentration auf das Wesentliche und die optische Zufälligkeit machen den Charme der vintage-Oberfläche aus. Insgesamt sieht man dem Haus Gastfreundlichkeit und alpine Kultur vom Feinsten an – Material und Raum kombinieren sich stimmig; ganz Ferienhaus.

Rieder × 100 Häuser 

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95 Architektur Leinen und Schmitt Architekten (Christof Leinen, Barbara Schmitt-Leinen) Web www.leinenundschmitt.de Objekt Haus Roter Fels Kategorie Neubau Fassadenmaterial Klinker Adresse Überherrn Bauherr Familie Leinen Planungsbeginn 2005 Fertigstellung 2008 Nutzfläche 170 m² (Nettonutzfläche 125 m²) Kosten EUR 265.000,– Fotos Leinen und Schmitt Architekten

Die rote Klinkerfassade gibt dem Haus den Namen – und schafft beste energetische Bedingungen

Roter Fels

Wie kann man auf einer recht kleinen Fläche von 170 Quadratmeter Nutzfläche das Wohnen optimal organisieren? Wenn ein erfahrenes Architektenpaar diese Frage nicht beantworten kann, dann wohl niemand. Christof Leinen und Barbara SchmittLeinen haben sich mit dem „Haus Roter Fels“ ihren Traum des Eigenheims im saarländischen Überherrn erfüllt. „Die Schwierigkeit war wohl, die Wohn- und Gestaltungswünsche zweier Architekten unter einen Hut zu bringen“, gibt Barbara Schmitt-Leinen preis. Dies sei aber geglückt, und rückblickend betrachtet würden die beiden in Saarlouis tätigen Architekten auch „gar nichts“ anders machen. Eine besondere Herausforderung war die Hanglage – mit all ihren bekannten Vor- und Nachteilen. Genutzt wurde sie, indem das Haus als freie Skulptur wie ein roter Fels in die Landschaft gestellt

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Büro L einen und S chmitt A rchitekten , S aarland /  Haus S aarland

wurde. Besonders zufrieden sind die Bauherren und Architekten mit der Terrasse und dem dort möglichen Fernblick. Das Haus weist ein zweischaliges Mauerwerk auf. Außen besteht die Fassade aus Klinker, einer besonderen, sehr hart gebrannten Ziegelsteinart. Auch Nachhaltigkeit und Energieeffizienz sind beim „Haus Roter Fels“ nicht zu kurz gekommen: Die Verbrauchskosten können dank einer Pelletheizung und zehn Quadratmeter großer Solarpaneele gering gehalten werden. Zwei exklusive Highlights lassen schließlich ein Wellnessflair aufkommen: Im Bad befindet sich eine mobile Badewanne, und auch eine Außenbadewanne ist vorhanden. Kombiniert mit dem Blick über das Überherrner Tal, haben Christof Leinen und Barbara Schmitt-Leinen ihren eigenen Felsen in der Brandung erbaut. roa


Die einzelnen Etagen wurden nicht übereinander, sondern versetzt angelegt

Ein Haus, drei Erdgeschosse – was wie ein Fantasiegebäude klingt, ist am Stadtrand von Stuttgart Realität. Die steile Hanglage eines Grundstücks im württembergischen Weinbaugebiet veranlasste das weltweit erfolgreiche niederländische Architekturbüro MVRDV zu einem außergewöhnlichen Entwurf: Die einzelnen Etagen des dreistöckigen Hauses wurden nicht übereinander, sondern versetzt angelegt. Zusätzlich sind die drei Stufen durch eine gläserne Mittelfront in zwei Hälften geteilt. Je nach Blickwinkel ähnelt das holzverkleidete Gebäude so aufeinandergestapelten Schachteln oder erweckt den Anschein, als klettere es selbst den Hang empor. Durch die außergewöhnliche Bauweise wird jede Etage zum Erdgeschoss, denn alle führen in den Außenbereich: Der oberste Stock befindet sich auf Straßenniveau, der mittlere führt über einen Balkon auf den Hang, und der unterste eröffnet einen Zugang zum Rasen auf der Hinterseite. Damit wurde das Hauptkriterium der Auftraggeber erfüllt: „Uns ist vor allem wichtig, möglichst viel Bezug zur Natur zu haben, und dieser besteht in jedem Raum und jeder Ecke des Hauses“, so die Bauherrin in einem Videointerview mit dem Architekturmagazin „Dezeen“. Die treppenförmige Bauweise des Einfamilienhauses wirkt sich auch auf den Wohnraum aus: „Das Haus ist eigentlich sehr geradlinig, aber der Aufenthalt im Inneren ist eine ganz spezielle Erfahrung“, so Jacob van Rijs, Direktor von MVRDV. „Besonders beim Eintreten ist man überrascht darüber, nicht nur eine Aussicht auf den Hügel, sondern gleichzeitig bis ins unterste Stockwerk zu haben.“ Der Bauherr ist fasziniert von den Auswirkungen der Architektur auf das räumliche Empfinden im Inneren seines Hauses: „Dieser gestaffelte Raum, der sich neun Meter bis nach unten durchzieht, bietet ein vollkommen anderes, neues Raumgefühl.“ Auch seine Frau betont die Großzügigkeit des Hauses, die erst beim Eintreten erlebbar sei, und fügt hinzu: „Viele Leute waren erst mal skeptisch, aber alle, die hier vorbeilaufen, finden das Haus toll!“ res

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Büro MV rdv, R otterdam (nl)  /  Haus B aden - W ürttemberg

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Fliegender HollAnder

Architektur MVRDV (Winy Maas, Jacob van Rijs, Nathalie de Vries) Web www.mvrdv.com Objekt Haus am Hang Kategorie Neubau Fassadenmaterial Holz Adresse Stuttgart Bauherr Privat Planungsbeginn 2002 Fertigstellung 2005 Nutzfläche 300 m² (Nettonutzfläche 220 m²) Kosten EUR 300.000,– Fotos Roland Halbe / www.rolandhalbe.de

Büro MV rdv, R otterdam (nl)  / Haus B aden - W ürttemberg 

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Ganzheitlich LEICHT Neuinszenierung der LEICHT Küchen. Im gesamten Wohnraum mit der Küche prägend und stilbildend zu wirken, das ist der Anspruch von LEICHT. In diesem Sinn überzeugt das Unternehmen immer wieder aufs Neue mit differenzierten Planungskonzepten, neuen Küchenkompositionen und überraschenden Kombinationen von Materialien und Oberflächen.

Exklusive Atmosphäre über die Küche hinaus. Der ganzheitliche LEICHT Planungsansatz ermöglicht es überdies, mit maßgefertigten, echtholzfurnierten Wandpaneelen den gesamten Wohnraum zu gestalten.

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Leicht x 100 Häuser


A dvertorial

Die neu strukturierte und durchkomponierte Küchenarchitektur zeichnet sich durch eine wandgebundene, raumhohe Funktionszeile mit Elementen in unterschiedlichen Tiefen und Materialien aus.

Die Komposition wird durch das fein abgestimmte Material- und Farbkonzept mit einem spannenden Dreiklang aus mattem Glas, metallisch schimmerndem Lack und strukturiertem Holz unterstützt.

www.leicht.com Leicht x 100 Häuser 

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Architektur aus der Natur

Naturnah: Alle Räume haben Ausblick in den Wald, auf den See und die restliche Umgebung

Hätte der Bauherr sein neues Zuhause für ein anderes Grundstück planen lassen, würde seine Villa heute komplett anders aussehen. Die Architekten von GEWERS PUDEWILL ließen die Umgebung an einem Potsdamer See großen Einfluss auf ihre Ideen ausüben und bezeichnen das daraus entstandene Objekt als „genau für diesen Ort gemacht“. Der Grundgedanke: Die Villa sollte mit der Natur leben und nicht gegen sie. Das zeigt sich unter anderem darin, dass alle Räume neue Ausblicke in den Wald, auf den See und die restliche Umgebung bieten. Während das Gebäude zur Straßenseite eher abgeschirmt auftritt, öffnet es sich auf der anderen Seite für die

Natur – im wahrsten Sinne des Wortes: Die großflächigen zum Wasser gewandten Glasfronten können von den Bewohnern komplett aufgeschoben werden. „Neben den Blickbeziehungen zum See sind Nachhaltigkeit und die Integration von innovativen Energiekonzepten wichtige Aspekte“, erklärt Architekt Georg Gewers. So wurden beispielsweise emissionsfreie Farben benutzt und die Geothermie in den Fokus des Energiekonzepts gestellt. Direkt der Natur entnommen wurde außerdem das Material für die Fassade: Valser Gneis, ein Naturstein aus den Schweizer Alpen, verleiht der Villa einen kraftvollen und ruhigen Mantel. Die größte Herausforderung stellte für die

97 Architektur GEWERS PUDEWILL (Georg Gewers, Henry Pudewill) Web www.gewers-pudewill.com Objekt Villa Potsdam Kategorie Neubau Fassadenmaterial Valser Gneis Adresse Potsdam Bauherr Privat Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 07/2012 Nutzfläche 204 m² (Nettonutzfläche 168 m²) Kosten k. A. Fotos Christian Gahl

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Büro G E W E R S P U D E W I L L , B erlin /  Haus B randenburg

Architekten das Brandenburger Baurecht dar. Auf dem „Traumgrundstück“, wie Gewers es nennt, stand nur ein äußerst schmales Baufenster zur Verfügung. Auf diesem musste unter schwierigen baurechtlichen Vorgaben ein individuelles Stück zeitgenössischer Architektur entstehen. Um die Fläche bestmöglich zu nutzen, schichteten GEWERS PUDEWILL unterschiedliche Baukörper übereinander. Diese Bauweise brachte einen weiteren Vorteil: Ohne vorstehende Balkone anfügen zu müssen, entstand bei den Baukörpern jeweils eine Terrasse – wiederum eine Eigenheit des Hauses, die auf einem anderen Grundstück womöglich nicht entstanden wäre. res


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Der Blick für das Wesentliche Manchmal ist das Wichtigste am eigenen Zuhause gar nicht das Zuhause selbst, sondern der Ausblick, den man am Balkon oder am Fenster genießen kann. Und wenn man diesen Ausblick schon ganz klar vor Augen hat, lange bevor das Haus steht, dann weiß man als Architekt, dass es wohl so sein soll. Auch wenn es schwierig ist, den Traum wahr werden zu lassen. So wie beim „Haus Drei“: Die Bauherren wünschten neben der Aussicht über die Schwäbische Alb einen direkten Blick auf das mittelalterliche Kloster im Ortskern. Vom Bebauungsplan und dem engen Bauplatz her war dieser Wunsch allerdings gar nicht so einfach zu erfüllen. Aber weil der Traum kein Traum bleiben sollte, gestalteten die für das Projekt zuständigen Architekten Gellink + Schwämmlein die Südseite des Hauses so offen wie möglich. Über drei Stöcke können die Bauherren nun den Panoramaausblick ins Tal und auf das Kloster genießen – sei es auf der großzügigen Terrasse, dem Balkon oder durch die Glasfront im obersten Stock. Das Einzige, was den Traum vom fantastischen Ausblick noch trüben hätte können, ist die Einflugschneise, die direkt über dem Haus liegt. Dieser begegneten die Architekten mit einem Satteldach aus Beton, das die Familie im Inneren vor dem Lärm der überfliegenden Flugzeuge schützt. Die spezielle Konstruktion schont aber nicht nur die Ohren, sondern zieht auch die Blicke auf sich: Im Gegensatz zu vielen Gebäuden in der Umgebung ziert nämlich kein rotes oder schwarzes Ziegeldach das Haus, sondern die gesamte Fassade sowie das Dach wurden nach einer Idee der Architekten mit hellgrauen Eternitplatten verkleidet. Das Ergebnis: ein Haus, das wie aus einem Guss dasteht. Und noch dazu ohne Kompromisse – so, wie es sich die Bauherren vorgestellt haben. rzt

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Büro G ellink + S chwä mmlein A rchitekten , B aden - W ürttemberg / Haus B aden - W ürttemberg


Architektur Gellink + Schwämmlein Architekten (Hanjo Gellink, Markus Schwämmlein) Web www.gs-arc.de Objekt Haus Drei Kategorie Neubau Fassadenmaterial Eternit-Faserzementplatten (Pictura 8 mm) Fassadenfirma Eternit / www.eternit.de Adresse Raum Stuttgart Bauherr Privat Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 04/2014 Nutzfläche 333 m² Kosten EUR 1,2 Mio. Fotos Brigida González / www.brigidagonzalez.de

Aus einem Guss: All-in-one-Fassade aus Eternit

Büro G ellink +  S chwä mmlein A rchitekten , B aden - W ürttemberg / Haus B aden - W ürttemberg 

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See

Boot Haus

Sichtbetonkern mit Holzfassade

99 Das „Haus K“ ist der perfekte Platz für Aussteiger – für Aussteiger auf hohem Niveau. Das Ehepaar, das den Neubau in Auftrag gegeben hat, habe mehr als nur ein Haus inmitten der Natur gewollt, erzählt Architekt Stephan Maria Lang. Seine Antwort war ein Gebäude zwischen Bäumen und den Osterseen in den Feuchtwiesen mit skandinavischer, zeitloser Eleganz. Anfangs sei es schwer gewesen, das Haus zu planen, erinnert sich Lang. Denn das Grundstück ist – trotz einer beachtlichen Größe von rund 6.000 Quadratmetern – sehr schmal mit direktem Zugang zum See, den das Ehepaar mit eigenem Bootshaus nutzen wollte. Das Hauptgebäude

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Architektur Stephan Maria Lang Web www.stephanmarialang.de Objekt Haus K Kategorie Neubau Fassadenmaterial Holzschindeln Fassadenfirma Greinwald (Holzschindeln), Skyframe (Fassade) Adresse Starnberger See Bauherr Privat Planungsbeginn 10/2008 Fertigstellung 08/2011 Nutzfläche 300 m² Kosten k. A. Auszeichnungen Callwey „Die besten Gärten des Jahres“ 2016 Fotos Hans Kreye / www.architekturformat.com

sollte wiederum kein typisches Sommerhaus werden, sondern stets ins Erscheinungsbild passen – egal zu welcher Jahreszeit. Die größte Herausforderung sei jedoch gewesen, die Wünsche der Bauherren zu erfüllen. Und das auf einem schwierigen Grundstück mit einer Reihe von außergewöhnlichen baugesetzlichen Vorgaben. Der Architekt verstand es jedoch, diese für sein Konzept zu nutzen: „Für das Dach waren ausnahmsweise Holzschindeln als Alternative zu roten Dachziegeln möglich. Als Schlussfolgerung der Auflagen entstand ein Konzept für einen Sichtbetonkern, über den die Holzfassade gelegt wurde.“ Trotz der Offenheit des Gebäudes schuf der Architekt eine intime

Büro S tephan M aria L ang, B ayern /  Haus B ayern

Atmosphäre – selbst auf der großzügigen Holzveranda beim Schlafzimmer sind die Bewohner vor fremden Blicken geschützt. So wie das Hauptgebäude fügt sich das Bootshaus am Wasser in die Umgebung ein, als wäre es schon immer da gewesen. Auch wenn der Weg zu diesem organischen Konzept nicht immer leicht war, sei für ihn der Kompromiss keine Lösung: „Ich versuche, genau hinzuspüren, wie für den Ort und die Sehnsüchte des Bauherrn eine Entwurfslogik entwickelt werden kann. In kritischen Momenten einzelner Entscheidungen gibt es weder das eine noch das andere, sondern eine bessere dritte Lösung.“ rzt


A dvertorial

Als Laie mag man sich denken, eine Blumenwiese zu bebauen sei das Beste, was einem Architekten passieren kann. Eine Spielwiese zum Austoben geradezu. Andreas Schmitzer sieht das anders: „Wenn man so viele Möglichkeiten hat, wenn keine Baulinien oder ähnliche Begrenzungen dich beschränken, dann wird es schwierig. Tatsächlich wäre es einfacher gewesen, das Haus an einem Felsvorsprung zu errichten“, sagt der Architekt vom Büro Project A01.

Spielwiese und Sonnendeck Aufgrund der vielen Möglichkeiten entschied sich Schmitzer, das Haus von innen nach außen zu planen. Außen wie innen sieht das Konzept vor, Grenzen zu verwischen: So geht der großzügig angelegte Garten in die angrenzenden Felder über und fasst die gesamte Anlage. Gleichzeitig steht das Haus für sich: Es ist als ganzheitlicher Körper geformt, der sich vom Gelände „als Solitär“, wie Schmitzer sagt, absetzt. Wegen des vielen freien Geländes rundherum sei es auch eine Herausforderung gewesen, das Haus so zu planen, dass Passanten keinen Einblick ins Innere bekommen, erklärt der Architekt. Entstanden ist ein Gebäude, dessen Hauptkörper aus zwei zueinander verschobenen Elementen besteht. Durch die horizontale Verschiebung entsteht zwischen den Elementen ein hoher Luftraum, der unter anderem als Eingangsbereich genutzt wird. Auf gut 350 Quadratmetern finden die Bewohner alles, was zu einer luxuriösen Villa gehört – vor allem einen großzügigen Wohnbereich im Erdgeschoß sowie Terrasse, Garten und Poolbereich.

sunsquare.com

Eine besondere Anforderung des Bauherrn an die Planer war die Freiraumgestaltung: Die Pflanzen wurden vom Büro für Gartengestaltung Kramer & Kramer so positioniert, dass sie zwar Sichtschutz bieten, das Gebäude aber nicht zu sehr eingrenzen. So konnte die Weite des Grundstücks erhalten bleiben. Zudem gelang es, einen Bereich für die Kinder und eine Art Sandstrandbereich beim Pool mit freistehenden sunsquare Sonnensegel zu errichten, die auf der ehemaligen Blumenwiese Platz zum Spielen und Entspannen bieten. map

sunsquare x 100 Häuser 

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Unterwegs mit Herz und Seele

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Auf gerade mal zehn Quadratmeter Nutzfläche bietet die von Studierenden der Bauhausuniversität Weimar im Jahr 2012 entwickelte sogenannte „Seelenkiste“ Raum zum Kochen, Essen, Schlafen und Arbeiten für zwei Personen. Doch damit nicht genug, wie Daniel Reisch, damals wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fakultät, erklärt: „Das kleine Gebäude lässt sich mit wenigen Handgriffen und einfachen Hilfsmitteln auf- und abbauen und in einem einfachen Kleinbus transportieren.“ Die Transportfähigkeit war essenziell für das als mobile Forschungsstation geplante Häuschen. Deshalb wurde speziell auf leichte Baumaterialien gesetzt, wie etwa auf glasfaserverstärktes Laminat für die Fassade. Überrascht war Reisch von den umfassenden Reaktionen auf die „Seelenkiste“: „Wohnraum ist in vielen Gegenden offensichtlich so knapp

Architektur studio3-architekten (Daniel Reisch, Katinka Temme) und allergutendinge (Matthias Prüger, Ulrike Wetzel, Manuel Rauwolf) Web www.studio3.allyou.net // cargocollective.com/allergutendinge Objekt Seelenkiste Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Glasverstärktes Laminat Adresse Weimar Bauherr Eigenbau Planungsbeginn 11/2011 Fertigstellung 06/2012 Nutzfläche 10 m² Kosten EUR 10.000,– (+ Eigenleistung) Fotos Matthias Prüger

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Büro studio 3 - architekten  &  allergutendinge , B ayern  /  Haus T hüringen

geworden, dass Konzepte, die architektonisch auf dieses Problem eingehen, auf großes Interesse stoßen.“ Das Einzige, was der mobilen Forschungsstation fehlt, sind Dusche und Toilette. „Eine Toilette ließe sich erst einmal mit relativ geringem Aufwand integrieren“, so Reisch, „der Aufwand besteht vielmehr in der Zuleitung der Medien und der Installation an das Wasser- und Kanalisationsnetz.“ Dies wäre nur durch geringere Mobilität möglich, der jedoch die komplette Autarkie vorgezogen wurde. Einer der wichtigsten Schlüssel dazu, dass trotz der geringen Wohnfläche der „Seelenkiste“ für die Bewohner kein Gefühl der Enge entsteht, liegt in der Implementierung verschiedener Klappensysteme, die das Mini-Haus nach außen hin öffnen. Dadurch werden die zehn Quadratmeter Nutzfläche geschickt um die jeweilige Umgebung erweitert. val

Offen mit Klappensystemen: Trotz der geringen Wohnfläche entsteht kein Gefühl der Enge


PRODUKTE

„100 Häuser” präsentiert Ihnen die innovativsten Produkte, Möbel und Hersteller – zum Schwerpunkt Beton und mehr ...

Leichtgewicht Von wegen grau und trist: Dass Beton viel mehr als ein steinharter Baustoff für Tunnel oder Brücken sein kann, zeigt ein Experiment der besonderen Art. Der „Betonvorhang“, den das Vorarlberger Architekturbüro memux (Thomas Mennel, Reinhard Muxel) in Kooperation mit Christine Pils und Werner Schedler entwarf, ist alles andere als starr und unförmig. Seine Leichtigkeit und Flexibilität verdankt der Vorhang seiner speziellen Konstruktion, die an eine Steppdecke erinnert. Hunderte quadratische Betonpolster hängen mittels Gurtband und Ösen an einem Standardschiebebeschlag. Zusammen ergeben sie eine Art Textil, das andersartig und alltagstauglich zugleich ist. Das preisgekrönte Kunstwerk (red dot design award 2008, Adolf Loos Preis Design 2007) ist im Innen- und Außenbereich anwendbar und eignet sich sowohl als Sonnen-, Wind- und Sichtschutz als auch als Fassadenelement oder Raumteiler mit Wärmespeicherfunktion. Farbe und Form der Betonpolster lassen sich je nach Bedarf anpassen. Dadurch ergeben sich eine Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten, die über das vertikale Hängen des Vorhangs hinausgehen und den Betrachter daran erinnern, dass Beton manchmal einen weichen, ja fast schon poetischen Charakter haben kann.

www.memux.com

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PRODUKTE


PRO DU K TE

einfach guter Beton Schlicht, elegant und zeitlos. Das sind die Eigenschaften von Beton, die sich Villa Rocca für Inneneinrichtungen zu Nutze macht. Einzelstücke im Raum werden aufgrund des Materials und seiner speziellen Verarbeitung zu etwas ganz Besonderem – und setzen, ergänzt mit anderen Materialien wie Holz oder Stahl, spannungsreiche Akzente. Neue Technologien ermöglichen zudem nahezu jede Form, Oberfläche und Farbe. Beton ist ein außergewöhnliches Material, gemischt aus Sand, Kies, Zement und Wasser. Der Herstellungsprozess ist geprägt von handwerklicher Erfahrung, technischer Finesse und persönlicher Hingabe. Das Ergebnis – das Produkt an sich – bleibt bis zu einem gewissen Grad immer „unbestimmbar“. Aber genau diese Einzigartigkeit macht ein Betonstück von Villa Rocca zu einem jeweils individuellen und von Kunden seit 20 Jahren geschätzten Produkt.

www.villarocca.de

PRODUKTE 

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PRO DU K TE

Die Leichtigkeit des Scheins Die Aplomb-Familie bekommt 2016 Zuwachs: Neben den Hängeleuchten aus Beton (in drei Farben erhältlich), schon fast Klassiker in der Wohnraumgestaltung, die sich an verschiedene Stilrichtungen anpassen, zeichnet sich die große Version durch eine neue Form und die damit einhergehende neue Funktion aus: Eine in die Leuchte integrierte LED-Lampe strahlt breit nach unten, während die Originalversion der Aplomb einen punktuellen Lichtstrahl auf die Fläche unter ihr wirft. Gefertigt wird Aplomb in einem handwerklichen Verfahren von italienischen Experten aus dem Bereich der Zementverarbeitung. Eine Herausforderung bei der Entwicklung der Leuchte war es, vor allem eine geringe Materialstärke, eine filigrane Form und eine raue, aber zugleich haptisch angenehme Oberfläche zu erzielen.

www.foscarini.com

Be-Ton-Lage Als Teil der „Lito-Serie” entwarf der Designer Stephan Schulz von BETONIU die zwei konvex und konkav gestalteten Beistelltische „Lito”, die zeigen, wie vielfältig das Naturmaterial ist: Statt Statik betont „Lito 2 + 3“ Dynamik und Kraft – und trägt so zum guten Ruf des Betons als multifunktionaler Baustoff für Möbel bei. Den Unterschied zwischen den beiden Modellen machen einerseits die Maße (Grundfläche bei beiden 360 × 360 mm, Höhe 360 mm bei „Lito 2” und 350 mm bei „Lito 3”), andererseits die Konturierung der Betonplatte. Bei „Lito 2” findet sich eine erhabenere Oberfläche mit abgeschrägter Kante, während „Lito 3” einen konvexen Rand aufweist, der zu einem mittigen Tableau hin abfällt.

Beide Objekte tragen übrigens das Siegel „handgemacht in Leipzig“: Jede einzelne Tischfläche wird per Hand in der Betoniu-Manufaktur hergestellt und ist somit ein Unikat. Auch die Stahlgestelle werden in Sachsen gefertigt und sind in vielen verschiedenen Farben erhältlich. So viel Liebe zum Detail bleibt nicht unbeachtet und so wurde der Hocker mit dem German Design Award 2016 nominiert.

betoniu.com

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PRODUKTE


PRO DU K TE

Zement in der Horizontalen Die Leichtigkeit der Ästhetik von Boiacca – der Tisch aus Zement für innen und außen. Die Oberfläche ist mit einer transparenten Schutzbehandlung versehen, wodurch die Oberfläche spürbar glatt und wasserabweisend wird. Das Design wirkt nicht nur filigran und leicht – Boiacca ist das Ergebnis einer Reihe von Untersuchungen und Prototypen, um einen Tisch mit möglichst wenig Gewicht zu erzielen und ihn mühelos von zwei Personen transportierbar zu machen. Zu diesem Zweck wurden die Beine mit einem Metallkern verstärkt und eine monolithische, aber dennoch dünne Platte (13 mm) hergestellt.

www.kristalia.it

PRODUKTE 

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Fotos: Alexander Künzel

Messer scharf Florian Stockinger macht nicht nur Messer, er liebt sie auch – der Jungunternehmer aus Niederösterreich ist Meister der Messerschmiedekunst und spezialisiert auf die Herstellung von Damast-Stahl. Damast ist ein gefalteter Stahl, der sich durch besondere Eigenschaften auszeichnet und durch seine Maserung überzeugt. Für exquisite Griffe werden heimische und exotische Maserhölzer, altes Mammutelfenbein, Rothirschhorn und stabilisierte Hölzer auf Lager, die weder Feuchtigkeit noch Gerüche aufnehmen, verwendet. Neben verschiedenen Arten von Messern, wie einem derzeit in Entwicklung stehenden Serienklappmesser, bietet Stockinger auch Sonderanfertigungen und Messerbeschichtungen mit speziellen Gleiteigenschaften, mit Oberflächenstabilität und Korrosionsbeständigkeit. Messer im Bild: ein in Honsanmai-Technik handgeschmiedetes Gyotu mit 21 mm Klingenlänge und einem Griff aus Ebenholz (Schneidlage mit 61 HRC Härte). Es liegt gut in der Hand – und stellt ein Glanzstück für jede Küche dar.

www.lilienstahl.at

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PRODUKTE


Besser als Beton Mosa Solids – Solide steht für starke Materialien, die sich nicht verformen und ihren ursprünglichen Wert behalten. Die Kollektion Mosa Solids überträgt diesen Materialcharakter ganz individuell in ihrer Robustheit, Ausstrahlung und Funktionalität. Jede Fliese der Mosa Solids-Kollektion erhält während des Herstellungsprozesses eine eigene Textur. Die Variationen, die durch die Verwendung von Sprühgranulat, Körnern und Flocken entstehen, erzeugen ein starkes, visuelles Bild und behalten zudem die guten Eigenschaften der Fliesenoberfläche. Die Mosa Solids-Kollektion bietet zwölf neue, natürliche Farben, die Wänden, Fußböden oder Fassaden Wärme und Tiefe verleihen. Die Standardfliesengröße beträgt 60 × 60 cm. Mosa Solids ist auch in diversen StreifenFormaten sowie in der Größe 90 × 90 cm verfügbar.

www.mosa.com

PRODUKTE 

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PRO DU K TE

SUSHI-VARIATIONEN Die neue Sushi Collection von Designer Edward van Vliet ruft viele Assoziationen hervor. Während die ursprüngliche Linie von der Reichhaltigkeit der Farben gekennzeichnet ist, ist die Blue Edition erhabener, mit feinen, geometrischen Mustern mit dezenteren Farben, die von Himmelblau bis Königsblau und Kobaltblau reichen. Diese Mischung aus Farben, Formen und Mustern inspiriert zu einem variantenreichen SitzplatzMenü. Je nach Zusammenstellung hat das spielerische Design alles in sich: Tradition, Zukunft, digitale Rationalität oder Romantik – und kreiert räumliche Landschaften. Die erstaunliche Vielfalt der Sushi Collection bietet damit eine große Auswahl an Sitzmöglichkeiten für den Lounge-Bereich: innen wie außen.

www.moroso.it

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PRODUKTE


PRO DU K TE

Voll Holz Massives Holz biegt sich um ein bodentiefes, üppiges Sitzpolster: Das BUGHOLZ-SOFA 2002 des deutschen Designers Christian Werner bietet hohe Bequemlichkeit und zwanglosen Sitzkomfort. Der große Holzbügel umschließt die Polsterelemente hinten und an den Seiten wie eine große Schlaufe, was dem Zweisitzer eine besonders luftige Anmutung verleiht. Das Holz ist wahlweise in gebeizter oder lackierter Buche oder in Esche geölt, lackiert oder gebeizt ausgeführt. Der Beistelltisch 1025 von James Van Vossel steht für maximale Eleganz und minimale Essenz: Drei Holzbeine beschreiben in gleichmäßigen Abständen von je 120 Grad einen imaginären Kreis auf dem Boden. Neben seiner Funktion als Beistelltisch überzeugt der 1025 auch durch seine präzise Fertigungsqualität – innovative Technologie trifft hier auf handwerkliche Raffinesse. Der Beistelltisch 1025 aus Vollholz mit einer Höhe von 48 cm und einem Durchmesser von 45 cm ist in Esche, Eiche und Nussbaum erhältlich.

www.thonet.de

PRODUKTE 

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die Architektur des guten Geschmacks

Deckenhohe Baumstämme aus dem Schwarzwald, vertikal vor der Glasfassade gruppiert, symbolisieren die stabilen Säulen der Tradition und den Ursprung von Gaggenau. Warme Farben der Echtholz- Elemente setzen einen Kontrapunkt zu den Gerätekombinationen aus Edelstahl und Glas.

München: Erster Showroom in Deutschland Gaggenau steht für Ästhetik, Design, Perfektion – und Kochkultur. Das Unternehmen, dessen Geschichte bis ins Jahr 1683 zurückreicht, hat mit international prämierten Einbaugeräten die private Küche immer wieder revolutioniert. Im ersten Showroom in Deutschland, im Münchner Stadtteil Bogenhausen, ist die faszinierende Welt der Traditionsmarke erlebbar. Hier stellt Gaggenau die Vielfalt der Geräte vor, vermittelt Wissen und zelebriert Koch- und Genusskultur auf höchstem Niveau. 190 

Gaggenau x 100 Häuser


A dvertorial

Internationales Showroom-Konzept Weltweit ist Gaggenau in über 50 Ländern mit Flagship‑Showrooms in den Metropolen vertreten. Jeder Showroom vermittelt die faszinierende Markenwelt von Gaggenau und greift in seiner jeweiligen Architektur lokale Gegebenheiten und kulturelle Elemente auf – auch bei den neuen Standorten in London, Wien und München. Das Architekturbüro eins:33 aus München gestaltet alle Showrooms von Gaggenau.

MARKENERLEBNIS MIT ALLEN SINNEN Mit den Einbaugeräten zeigt der Hersteller exklusiver Hausgeräte in den Showrooms, wie sich professioneller Anspruch in der privaten Küche umsetzen lässt. Bei Genussveranstaltungen können Kunden feststellen, welche Technik ihren Kochgewohnheiten am besten entspricht. Neben regelmäßigen Kochevents zur Information über Bedienung, Anwendung und Pflege der Geräte inszeniert Gaggenau in den Showrooms ein wahres kulinarisches Feuerwerk mit Spitzenköchen, Spitzenwinzern und weiteren Experten.

www.gaggenau.com

www.gaggenau-showroom.de

www.gaggenau-genusswelt.de

Gaggenau x 100 Häuser 

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architekten - inde x

100 Architekten 100 Adressen BADENWÜRTTEMBERG (se)arch Architekten www.se-arch.de Stuttgart Projekt No. 62 Seite 105 Architektengemeinschaft Pfeifer, Roser, Kuhn www.kul-architekten.de Freiburg im Breisgau Projekt No. 11 Seite 26 bächlemeid www.baechlemeid.de Konstanz Projekt No. 56 Seite 97 Behnisch Architekten www.behnisch.com Stuttgart Projekt No. 59 Seite 102 Blocher Blocher Partners www.blocherblocher.com Stuttgart & Mannheim Projekt No. 76 Seite 128 Bodamer | Faber Architekten www.bodamer-faber.net Stuttgart Projekt No. 49 Seite 89 Bottega + Ehrhardt Architekten www.be-arch.com Stuttgart Projekt No. 3 Seite 10 daniela resch architektur & design www.danielaresch.de Stuttgart Projekt No. 24 Seite 46 Ecker Architekten www.ecker-architekten.de Heidelberg & Buchen Projekt No. 16 Seite 34 FINCKH ARCHITEKTEN www.finckharchitekten.de Stuttgart Projekt No. 78 Seite 130 Gellink + Schwämmlein Architekten www.gs-arc.de Stuttgart Projekt No. 98 Seite 176

Günter Pfeifer Architekt www.pfeiferarchitekten.de Freiburg Projekt No. 40 Seite 77 Ippolipo Fleitz Group – Identity Architects www.ifgroup.org Stuttgart Projekt No. 17 Seite 36 Kai Dongus www.dongus.com Ludwigsburg Projekt No. 65 Seite 108 Krampulz Meyer Architekten www.krampulzmeyer.de Stuttgart Projekt No. 67 Seite 111 LABOR WELTENBAU ELMAR GAUGGEL www.laborweltenbau.de Stuttgart Projekt No. 21 Seite 41 Reichel Schlaier Architekten www.reichel-schlaier.de Stuttgart Projekt No. 87 Seite 148 Steimle Architekten www.steimle-architekten.com Stuttgart Projekt No. 12 Seite 28 stocker dewes architekten Freiburg Projekt No. 37 Seite 72 Werner Sobek www.wernersobek.com Stuttgart Projekt No. 5 Seite 14 wulf architekten www.wulfarchitekten.com Stuttgart Projekt No. 45 Seite 84 Yonder – Architektur und Design www.studioyonder.de Stuttgart Projekt No. 2 Seite 8

BAYERN allergutendinge www.cargocollective.com/ allergutendinge Projekt No. 100 Seite 180 Arnhard & Eck Architekten www.arnhardundeck.de / www.gut-feeling.me München Projekt No. 4 Seite 12 Axel Tilch Gisela Drexler Architekten www.sunhouse.twoday.net Riederau Projekt No. 84 Seite 142

Rh-architektur Heike Nickel, Ralf Bernhardt Weißensberg Projekt No. 89 Seite 152 sikora Architekt www.sikora-architektur.de München Projekt No. 91 Seite 156 Stephan Maria Lang www.stephanmarialang.de München Projekt No. 99 Seite 178 studio3-architekten www.studio3.allyou.net Augsburg Projekt No. 100 Seite 180

Beer Architektur Städtebau www.beerarchitektur.de München Projekt No. 35 Seite 70

studioRAUCH www.studiorauch.com München Projekt No. 79 Seite 132

Braun Krötsch Architekten www.braunkroetsch.de München Projekt No. 31 Seite 62

Unterlandstättner Architekten www.u-architekten.de München Projekt No. 7 Seite 18

F64 Architekten www.f64architekten.de Kempten Projekt No. 90 Seite 154

Susanne Nobis Berg Projekt No. 68 Seite 114

Finsterwalder Architekten www.finsterwalderarchitekten.com Stephanskirchen Projekt No. 27 Seite 54 koeberl doeringer architekten www.koeberl-doeringer.com Passau Projekt No. 81 Seite 138 KÜHNLEIN Architektur www.kuehnlein-architektur.de Berching Projekt No. 22 Seite 42 lynx architecture www.lynx-a.com München Projekt No. 28 Seite 56 maio & maio architekten www.maiomaio.de München Projekt No. 93 Seite 160 meck architekten www.andreasmeck.de München Projekt No. 71 Seite 118 PETER HAIMERL . ARCHITEKTUR www.peterhaimerl.com München Seite 124

vonMeierMohr Architekten www.vonmeiermohr.de Schondorf am Ammersee & München Projekt No. 41 Seite 78

Berlin AFF architekten www.aff-architekten.com Projekt No. 92 Seite 158 Anne Lampen Architekten www.anne-lampen.de Projekt No. 47 Seite 86 Henrich Rauschning Architekt www.architekt-rauschning.de Projekt No. 74 Seite 123 augustinundfrankarchitekten www.augustinundfrank.de Projekt No. 88 Seite 150 bromsky architekten www.bromsky.de Projekt No. 8 Seite 20 Büros für Konstruktivismus www.buerosfuerkonstruktivismus.de Projekt No. 70 Seite 117 GEWERS PUDEWILL www.gewers-pudewill.com Projekt No. 97 Seite 174 HAAS Architekten www.haas-architekten.de Projekt No. 66 Seite 110

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architekten - inde x HS Architekten www.hsarchitekten.com Projekt No. 58 Seite 100 ludloff + ludloff www.ludloffludloff.de Projekt No. 69 Seite 116 Nalbach + Nalbach www.nalbach-architekten.de Projekt No. 34 Seite 66 nps tchoban voss www.nps-tchoban-voss.de Projekt No. 51 Seite 91 Peter Ruge Architekten www.peter-ruge.de Projekt No. 9 Seite 22 Petra und Paul Kahlfeldt Architekten www.kahlfeldt-architekten.de Projekt No. 57 Seite 98 Steiner Weißenberger Architekten www.steiner-weissenberger.de Projekt No. 55 Seite 96 Thomas Bendel Architekt www.thomasbendel.de Projekt No. 73 Seite 122 TILLMANN WAGNER ARCHITEKT www.tillmannwagner.de Projekt No. 82 Seite 140 wiewiorra hopp schwark architekten www.whs-architekten.de Projekt No. 75 Seite 126

Bremen Peter Diepenbroek Architekt www.diepenbroek.de Projekt No. 13 Seite 30 Wirth Architekten www.wirth-architekten.com Projekt No. 50 Seite 90

Hamburg eins:eins architekten www.einszueins.eu Projekt No. 46 Seite 85 KANTWEG www.kantweg.de Projekt No. 15 Seite 32 LA’KET Architekten www.laket.net Projekt No. 14 Seite 31 splendid_architecture www.splendid-architecture.com Projekt No. 39 Seite 76

Hessen Ian Shaw Architekten www.shaw-architekten.de Frankfurt am Main Projekt No. 60 Seite 103 liquid & fay architekten www.clickliquid.de Reichelsheim / Frankfurt am Main Projekt No. 18 Seite 37 netzwerkarchitekten www.netzwerkarchitekten.de Darmstadt Projekt No. 42 Seite 79

Niedersachsen architech / Han Slawik Architekt www.architech.pro Bad Bentheim Projekt No. 64 Seite 107 Flügge Architekt www.architekt-fluegge.de Wunstorf Projekt No. 63 Seite 106 K17 Steingräber. Architektur www.k17office.de Uslar Projekt No. 25 Seite 48 Matti Schmalohr Architekt www.schmalohr.net Bückeburg Projekt No. 36 Seite 71

NordrheinWestfalen Amunt www.amunt.info Aachen Projekt No. 1 Seite 6 André Lemmens Architekten www.lemmens-architekten.de Kleve Projekt No. 29 Seite 58 Engelshove Bau www.engelshove.de Neuenkirchen Projekt No. 48 Seite 88 GATERMANN + SCHOSSIG Architekten www.gatermann-schossig.de Köln Projekt No. 10 Seite 24 mvm+starke www.mvm-starke.de Köln Projekt No. 23 Seite 44

quadrat+ architekten www.quadratplus.de Lünen Projekt No. 26 Seite 50

STELLWERK architekten www.stellwerk.org Dresden Projekt No. 32 Seite 63

raumwerk.architekten www.raumwerkarchitekten.de Köln Projekt No. 94 Seite 164

WOLTERECK FITZNER Architekten www.wfarc.de Leipzig Projekt No. 86 Seite 146

Riek-Architektur www.riek-architektur.de Mülheim Projekt No. 30 Seite 60 urbanegestalt PartGmbB www.urbane-gestalt.de Köln Projekt No. 72 Seite 120

Rheinland-Pfalz AV1 Architekten www.av1architekten.de Kaiserslautern Projekt No. 80 Seite 136 bayer | uhrig Architekten www.bayer-uhrig.de Kaiserslautern Projekt No. 53 Seite 94

Saarland Leinen und Schmitt Architekten www.leinenundschmitt.de Saarlouis Projekt No. 95 Seite 168

Sachsen ABOA-aufbauostarchitekten www.aboa-architekten.de Zwickau Projekt No. 54 Seite 95 Atelier ST www.atelier-st.de Leipzig Projekt No. 44 Seite 82 F29 Architekten www.f29architekten.de Dresden Projekt No. 20 Seite 40 Käß Hauschildt www.kaesshauschildt.de Leipzig Projekt No. 85 Seite 144 snarq architekten www.snarq.net Halle Projekt No. 43 Seite 80

pier7 architekten www.pier7-architekten.de Düsseldorf Projekt No. 77 Seite 129

*Bei zwei oder mehreren Bürostandorten wurde derjenige gewählt, der näher am Standort des Hauses liegt.

Schleswig-Holstein JEBENS SCHOOF ARCHITEKTEN www.jebensschoof-architekten.de Heide Projekt No. 52 Seite 92 Mißfeld Kraß Architekten www.missfeldtkrass.de Lübeck Projekt No. 61 Seite 104

Thüringen deckert mester architekten www.dmarchitekten.de Erfurt Projekt No. 6 Seite 16

Italien Renzo Piano Building Workshop, architects www.rpbw.com Genua Projekt No. 19 Seite 38

Niederlande MVRDV www.mvrdv.com Rotterdam Projekt No. 96 Seite 170 UNStudio www.unstudio.com Amsterdam Projekt No. 33 Seite 64

Österreich Architekturbüro Feyferlik / Fritzer Graz Projekt No. 38 Seite 74

Schweiz Fesselet Krampulz Architectes www.fesseletkrampulz.ch Vevey Projekt No. 67 Seite 111 Gian Salis Architektur www.giansalis.ch Zürich Projekt No. 83 Seite 141

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Informationen und Bestellung www.collectorsagenda.com

Architektur und Kunst können als Ausdruck verstanden werden, wie sich der Mensch gegenüber seiner Umwelt behauptet, und wie er sie zu meistern versteht. Wir haben für Sie verschiedene Werke internatio­naler Künstlerinnen und Künstler, die dieses Zusammenspiel unter viel­fältigen Aspekten betrachten und neu aufzeigen, als limitierte Kunsteditionen zusammengestellt. W er n er F e i ers i n ger Walter N i eder m ay r

Werner Feiersinger: Der Bildhauer und Fotograf Werner Feiersinger (*1966 in Brixlegg, Tirol) hinterfragt in seinen Arbeiten die Brüche und Widersprüche, die von ambivalenten Objekten und Fotografien von hinlänglich Bekanntem ausgehen. Das Ergebnis weist oft einen überraschend unkonventionellen Blickwinkel auf. So präzise Feiersinger an der Ausführung seiner Fotografien arbeitet, so umfangreich sind vorausgehende Recherchen und Vorbereitungen.

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Walter Niedermayr (*1952 in Bozen, Südtirol) ist einer der großen europäischen Fotokünstler unserer Zeit. Bekannt wurde er vor allem durch seine Bildserien zu alpinen Landschaften, die durch ihre zurückgenommene Farbdichte bestechen.

Die Edition zeigt eine Innenansicht des Hauses in Bozen von PAUHOF Architekten. Mit den beiden Architekten Michael Hofstätter und Wolfgang Pauzenberger verbindet Niedermayr eine langjährige Freundschaft, die immer wieder in gemeinsamen Projekten mündete.

Seit 1985 arbeitet Walter Niedermayr an Projekten, in denen er den Raum als von Menschen besetzte und gestaltete Realität untersucht. Alpine Regionen und urbane Orte, Architekturen und Industrien wie auch Gefängnisse und Krankenhäuser sind dauerhafte Themen seiner Auseinandersetzungen.

Bildraum P 28/2007 Diptychon, zwei Fotografien gerahmt in Aluminium Format je 30,7 × 39,5 cm Auflage 10 + 3 a. p., signiert und nummeriert (inkl. signierter Publikation „Remixed“, Verlag AR/GE Kunst) Preis 2.000 Euro (exkl. MwSt.)

100 Häuser x Collectors Agenda

Die Edition zeigt eine gerahmte Fotografie aus Feiersingers umfangreicher Serie „Chandigarh Redux“. Chandigarh, Le Corbusiers Planstadt im Norden Indiens, ist ein besonderer Ort, nicht nur weil er von ebenjenem einflussreichen Architekten der Klassischen Moderne erdacht und erbaut wurde, sondern auch weil hier die Vision einer gebauten Klassischen Moderne von Grund auf exerziert werden konnte. Untitled (Chandigarh), 2013 Fotografie, gerahmt in weißem Holzrahmen Format 48 × 36 cm Auflage 15, signiert und nummeriert Preis 1.500 Euro (inkl. MwSt.)


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A n dreas R ost

L ú a C oderch

Andreas Rost (*1962 in Weimar, Deutschland) ist für seine zumeist schwarz-weißen Fotografien über das Leben in der Großstadt bekannt geworden. Während er bei seinen GroßstadtReflexionen teilweise auf den Blick durch den Sucher verzichtet, geht er bei den Fotografien zum unbekannten Oscar Niemeyer in Algier einen anderen Weg. Alles ist sorgsam illustriert. Andreas Rost untersucht mit seinem Fotoprojekt zum ersten Mal die Université des Sciences et de la Technologie Houari Boumédiène in Al-

gier, die bislang selbst unter Architekten wenig bekannt ist. Rosts Fotografien legen Zeugnis ab von einem letzten Großentwurf einer gescheiterten Utopie. Die groSSe Geste – Oscar Niemeyer in Algier courtesy pavlov’s dog Fotografie, A1A artprint Format 85 × 60 cm Auflage 10 + 3 a. p., signiert und nummeriert (inkl. Publikation, Verlag für Moderne Kunst) Preis 1.800 Euro (inkl. MwSt.)

W er n er S chr ö dl

„International Style [Onyx Wall]“, mit freundlicher Genehmigung der Fundació Joan Miró, © Pere Pratdesaba

Lúa Coderch (*1982 in Iquitos, Peru) interessiert sich für das Oberflächliche und Scheinbare. Sie untersucht die Materialität persönlicher und historischer Schilderungen und die ästhetische Qualität von Phänomenen wie Aufrichtigkeit, Wert oder Täuschung. 2014 entstand „International Style [Onyx Wall]“, eine maßstabsgetreue Reproduktion der Onyx-Wand des Deutschen Pavillons von Mies van der Rohe aus PVC. Nachdem der Pavillon 1930 abgerissen worden war, beschloss Barcelona 1986, ihn als Architekturikone und Touristenattraktion neu zu errichten – ein Versuch, Erinnerungen an das Franco-Regime hinter sich zu lassen und demonstrativ an das internationale Zeitgeschehen anzuknüpfen. Die aufblasbare Skulptur drückt die Willkür dieses Unterfangens aus. „Souvenir [Onyx]“ nimmt Bezug auf das imposante Unikat und beeindruckt auch als Edition im Maßstab 1:4 zutiefst. Souvenir [Onyx], 2016 Digitaldruck, aufblasbare PVC-Membran Format 293 × 155 × 10 cm Auflage 8 + 1 a. p. Preis 1.440 Euro (inkl. MwSt.)

Werner Schrödls (*1971 in Attnang-Puchheim, Oberösterreich) fotografisches Werk setzt in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre ein. „Der Künstler versteht Fotografie als ein Medium, das unsere Sehgewohnheiten verunsichert, manipuliert und unseren Blickpunkt auf die wahrgenommene Wirklichkeit verändert. Der Fotoabzug ist kein reines objektiviertes Zeitfenster, das eingefroren wird – ‚so ist es gewesen‘ nach Roland Barthes –, sondern eine konstruierte Situation des Potenziellen. Momente des Irritierenden, Rätselhaften und Unheimlichen treten in mentale Bildräume ein.“ Florian Steininger

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100 Häuser x Collectors Agenda

Für die Kampagne der BAI „Ideen brauchen Raum“ setzte Werner Schrödl „161 candela“ 2016 um. Die Edition zeigt eine arrangierte Szenerie außerhalb Wiens und wurde uns von der BAI zur Verfügung gestellt. 161 candela, 2016 / © BAI C-print kaschiert auf 2 mm Aludibond, gerahmt mit entspiegeltem Museumsglas Format 60 × 90 cm Auflage: 10 + 3 a. p. signiert und nummeriert (inkl. Publikation „Snooky Games“, Verlag für Moderne Kunst) Preis 1.500 Euro (inkl. MwSt.)

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Titelbild Projekt No. 88, Seite 150 Architektur: augustinundfrank architekten, Berlin Foto: Werner Huthmacher, www.wernerhuthmacher.de

Herausgeber und Medieninhaber 100 Medien GmbH Pelzetleite 65, D-90614 Ammerndorf www.100medien.de

Verlag VfmK Verlag für moderne Kunst GmbH www.vfmk.org

Chefredaktion (verantwortlich) Manuela Hötzl, mh@100haeuser.de

Vertrieb Morawa Pressevertrieb GmbH www.morawa.com

Creative Direction Ralf Herms / Rosebud, rh@rosebud-inc.com Redaktion Martina Powell, mp@100haeuser.de Autoren Rosanna Atzara (roa), Raffael Fritz (raf), Manuela Hötzl (mah), Magdalena Jöchler (maj), Valentin Ladstätter (val), Sophie Liebhart (sol), Carlos Oberlechner (cao), Martina Powell (map), Rosa Schaberl (ros), Sonja Schneider (sos), Laura Schrettl (las), Hannah Stadlober (has), Rebecca Steinbichler (res), Manuela Tomic (mat), Robert Ziffer-Teschenbruck (rzt) Design Martin Embacher / Rosebud Lektorat Johannes Payer

DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH www.dpv.de Redaktionsanschrift 100 Medien GmbH Pelzetleite 65, D-90614 Ammerndorf T +49 172 894 22 90 Büro Österreich Salmgasse 4a, A-1030 Wien T +43 1 535 49 70

Copyrights Alle Texte, Bilder, Grafiken in dieser Publikation unterliegen dem Schutz des Urheberrechts und anderer Schutzgesetze. Die Textrechte liegen bei den Autoren. Auszugsweiser Nachdruck mit Quellenangabe ist gestattet, sofern die Redaktion davon informiert wird. Der Inhalt dieser Publikation darf nicht zu kommerziellen Zwecken kopiert, verbreitet, verändert oder Dritten zugänglich gemacht werden. Einige Seiten enthalten außerdem Bilder, die dem Copyright Dritter unterliegen. Gesetzliche Hinweise Diese Publikation wurde mit größtmöglicher Sorgfalt zusammengestellt. Trotzdem kann der Herausgeber für die Fehlerfreiheit und Genauigkeit der enthaltenen Informationen nicht garantieren. Die Redaktion sichert zu, dass alle Angaben entsprechend den geltenden datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich behandelt werden. Die Pläne wurden freundlicherweise von den Planungsbüros zur Verfügung gestellt und zur besseren Lesbarkeit teilweise geringfügig überarbeitet. Vereinzelt wird in Texten auf Produkte, Marken oder Firmen hingewiesen. Dies geschieht ausschließlich unter inhaltlichen Gesichtspunkten und dient dem besseren Verständnis. Bezahlte Inhalte sind entsprechend gekennzeichnet. Wir sind der kompromisslosen Gleichberechtigung der Geschlechter verpflichtet. Und doch verwenden wir die maskuline Schreibweise von Personenbezeichnungen – zur besseren Lesbarkeit unserer Beiträge. DPV Deutscher Pressevertrieb ISSN: 4-190147-414900 Buchhandelsvertrieb Verlag für moderne Kunst ISBN: 978-3-903131-78-1 Einzelheftpreis Deutschland: 14,90 Euro Österreich: 14,90 Euro Schweiz: 22,50 sfr Luxemburg: 14,90 Euro

Vermarktungspartner THE 5 / Andreas Hofstätter ah@100haeuser.de Druck Holzhausen Druck GmbH, www.holzhausen.at Printed in Austria

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