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Deutschland 14,90 € Österreich 14,90 € Schweiz 22,50 sfr

Beste Rahmenbedingungen: ein Holzkubus im Archetyp mit viel Frei- und Luftraum. (No. 75, Seite 130)

KEIN HAUS… …It praequam morem Avolica Neris Seratam

KEIN HAUS … Feine Kleinode: Nicht weniger, mehr Architektur.

SPECIAL

MEHR HAUS

D e A u ts rc c hi hl t e an I N k t u ds DE rb BE X  10 üro ST s! E 0

Gemeinsam, nicht zusammen. Nachbarschaftliches Wohnen.

Ausgabe 2017 / 18

HOLZ: Deutschland entdeckt den Superstar unter den Materialien – ökologisch und konstruktiv unschlagbar.

4 190147 414900

DAS GRÖSSERE MAGAZIN FÜR ARCHITEKTUR-KULTUR UND KULT-ARCHITEKTUR


Was mit einem Funken begann ... entwickelte sich zur Ikone.

Der Unterschied heißt Gaggenau. 30 Jahre lang haben wir diesen einen Backofen perfektioniert. Unser jüngstes Werk betont sein unverwechselbares Design mit einem Türpanel aus einem einzigen Stück Edelstahl: beeindruckende 90 cm breit und 3 mm stark. Dahinter eröffnet sich eine ungeahnte Welt kulinarischer Möglichkeiten. Dieses neu gestaltete, in Handarbeit geschaffene Kunstwerk ist Ausdruck unserer Werte, unseres Könnens und unseres Charakters. Wir nannten ihn EB 333 – eine Hommage an 333 Jahre, in denen wir Metall verarbeiten. Und schon immer ging es um mehr als um einen Backofen: ein Versprechen, Meisterwerke zu erschaffen. Informieren Sie sich unter gaggenau.com. Abgebildetes Produkt ist der EB 333 110 | Energieeffizienzklasse: A | auf einer Skala der Effizienzklassen von A+++ bis D.


„Manchem glückt es, überall ein Idyll zu finden: und wenn er’s nicht findet, so schafft er’s sich.“

Architektur KÜHNLEIN Architektur Fotos Erich Spahn / www.erich-spahn.de Projekt Ziegenstall (No. 15 Seite 37)

Theodor Fontane

Meeh?

100 DEUTSCHE HÄUSER

1


IN HALT

100 HÄUSER No.

Projekt / Bundesland

Seite

No.

Projekt / Bundesland

1

Grüner Mäander / SN 

 6

57

Stern des Südens / BY 

Seite  102

2

Haus M. in Leipzig / SN 

 8

58

Haus D / SN 

 104

3

Am Deich / NI 

 10

59

Einfamilienhaus „N“ / BY 

 105

4

Haus am See 2 / NW 

 12

60

Wohnhaus am See / BY 

 106

5

Altneuhaus / MV 

 14

61

Einfamilienwohnhaus in Werne / NW 

 108

6

Wohnbau in Celle / NI 

 16

62

Haus P. / NW 

 109

7

Haus H / NW 

 18

63

Haus mit Aussicht / BY 

 110

8

Wohnhaus mit Gästehaus / BY 

 20

64

Haus Blechhof / NW 

 112

9

Haus P / BE 

 21

65

Haus Siemeringstraße / SN 

 113  114

10

Konzepthaus Haussicht / BY 

 24

66

Wohnscheune / RP 

11

Haus H in Aachen / NW 

 26

67

Einfamilienhaus in Badenweiler / BW 

 117

12

B11 / NI 

 28

68

Haus Scheller-Lange / BW 

 118

13

E20 / BW 

 30

69

Wohnhaus A / BY 

 119

70

Haus m³ / BW 

 120

71

Einfamilienhaus Mülheim / NW 

 122

KEIN HAUS Doppelgarage / SN 

 36

15

Ziegenstall / BY 

 37

16

Heustadel / BY 

 38

72

Futteralhaus. Ein vorgefertigtes Minimalhaus / BE 

 126

17

Stille Örtchen / BY 

 40

73

Haus B / BW 

 128

18

Schutzhütte / BY 

 42

74

Einfamilienhaus in Holzbauweise / SN 

 129

19

rotating house / RP 

 43

75

Wohnhaus Hainerweg / HE 

 130

20

Remisenpavillon / NI 

 44

76

HausEnsemble MU74 / BY 

 132

77

Hühnerhaus / BE 

 136  138

78

Kammerspiel / BY 

21

Haus G / BW 

 46

79

Split-Level Stuttgart / BW 

 138

22

Villa K. / TH 

 48

80

Haus M / NW 

 140

23

Townhouse RHS30a / BW 

 49

81

Wolkenkuckuckshaus / BW 

 142

24

Wohn- und Galeriehaus Sömmerda / TH 

 50

82

Haus am Tegernsee / BY 

 144  146

25

Haus Reinbek / SH 

 51

83

Wohnhaus D / BY 

26

Haus Germering / BY 

 52

84

Haus in Melzow/ BB 

 147

27

Floating Penthouse Berlin / BE 

 54

85

Hunsrückweg / HE 

 150

28

Haus B / BW 

 56

86

Casa B / BW 

 152

29

Ensemble Keilberg Mansion 2.0 / SN 

 57

87

Auf der Sauhalde / BW 

 154

30

Wohlfühl-Bungalow mit Weitblick / BY 

 58

88

Wohnhaus Rommel / BW 

 156

31

Haus B Ellerbek / SH 

 60

89

Haus im Moos / BY 

 160

32

Das Rote Haus / BW 

 62

90

EFH L / BW 

 162

33

Wohnen im Hardtwald / HE 

 64

91

Holzhaisel in Weimar / TH 

 164

34

Sanierung eines denkmalgeschützten Wohnhaus / BY 

 65

35

Haus D / HH 

 66 92

Unfolding Lift – Creating Light / BE 

 172

93

Villa M / BE 

 174

94

Urban Jungle / BY 

 176

95

Wohnen für vier – Das perfekte Rezept / ST 

 178

MEHR HAUS

2

FOKUS HOLZ

14

36

Wohnquartier „Alte Feuerwache“ / SH 

 69

96

S43 / BW 

 182

37

Sonnenhof Jena / TH 

 70

97

Neue Räume in der Scheune / SN 

 183

38

Wohnhaus am Heiligenstock / HE 

 72

98

Solitär / BY 

 184

39

Paragon Apartments / BE 

 74

99

Einfamilienhaus im Kreis Göppingen / BW 

 188

40

Ausbauhaus Neukölln / BE 

 78

100

Gebäude 068 / RP 

 192

41

Wohnen in der ehemaligen Kerzenmanufaktur / NW 

 79

42

Das schwarze Haus / BE 

 80

43

Wohnhaus Prenzlauer Berg / BE 

 81

44

MFH F / NW 

 82

45

Haus Futurarc 1 / MV 

 84

Konzept des Kleinkrams / Wirth Architekten 

 44

46

Stadthaus / BY 

 86

Mehrwert / ATELIER ZAFARI 

 55

47

JOH 3 – Apartmenthaus / BE 

 87

Bühnenbilder / Graft 

48

Schwarzacher Hof / BW 

 88

Offenherzig / FABI Architekten 

49

Ein Zweifamilienhaus / BW 

 89

Höhenflug / Peter Aichler Verband Holzbau Deutschland   125

50

Wohnhäuser an der alten Stadtmauer Berlin / BE 

 90

51

Bauernhof 2.0 / BY 

 92

52

3 Stadthäuser / NI 

 93

Editorial 

53

Bremer Punkt / HB 

 94

Holz-Produkte 

54

Haus am Hang / BW 

 96

Produkte 

 196

55

Mühle Binzen / BW 

 98

Architekten-Index 

 202

56

Wohnturm am Fluss / BY 

Impressum 

 204

INHALT

 100

Interview / Architekt Viel Architektur in einem Brett / Max Otto Zitzelsberger   38

 74  101

 5  166


IN HALT

36 5

SchleswigHolstein

45

MecklenburgVorpommern

31 25

35

Hamburg 3

53

52

Bremen

84

Niedersachsen

43

40

20

72

27 6

77 42

39 9

Berlin 92

47

50 93

95

7

41

NordrheinWestfalen

71

12

80

1

62 64

11

Brandenburg

Sachsen-Anhalt

61

24

2 74

65

44

97

22 91

Sachsen

37

58

29

4

Hessen

19

14

Thüringen

33

RheinlandPfalz

38

75 85

INDEX  100 Saarland

der vorgestellten Architekturbüros

17

83

auf Seite 202

18 100

51

32 66 21

73 81

79

90

28

23

87

70 96

56

46

94 26 60

10

8

63 48

98 16

69

30 68

Baden-Württemberg 54

57

86

99

49 13

Bayern

89

88

67

15

34

59

78

76

55 82

Diese Übersicht zeigt die geografische Verteilung in den Regionen und Bundesländern – und nicht den exakten Standort. INHALT

3


Rosebud

Design Philipp Architekten, Baden-Württember Fotos José Campos

Die besten Büros von HEUTE für die Arbeit von MORGEN.

Jetzt am Kiosk oder unter 100haeuser.de


Mehr Häuser … und nicht weniger! Ein Haus ist ein Haus ist ein Haus! Wir haben das in dieser Ausgabe sehr ernst genommen. Architektur ist ein weit gefasster Begriff und gestaltet nicht nur unser persönliches Lebensumfeld, sondern unsere gesamte Umwelt. Die Verantwortung ist groß. Deswegen erweitern wir unsere – wie immer ausgezeichneten – architektonischen Beispiele der Einfamilienhäuser mit „Kein Haus“ und „Mehr Haus“. Beide Kategorien zeigen, dass ein Mini-Heustadel genauso gute Architektur sein kann wie ein Maxi-Mehrfamilienhaus – und diese sowohl auf dem Land wie in der Stadt anzutreffen ist.

Mehr Haus …

Kein Haus, aber …

FOKUS HOLZ

… präsentiert, wie kleine, feine bauliche Kleinode unsere Umwelt wunderbar mitgestalten können. Eine Schreibstube, ein Ziegenstall, ein Gartenpavillon, ein stilles Örtchen oder ein Heustadel – nicht alles ist Architektur, kann es aber sein, wie die Projekte zeigen. Nicht weniger, sondern mehr als ein Haus … ab Seite 34.

Seit einigen Jahren gewinnt Holz auch in Deutschland vermehrt an Beliebtheit, denn neben den ästhetischen Kriterien ist Holz in vielerlei Hinsicht unschlagbar: Holz ist ein hochtechnologischer und konstruktiver Werkstoff – neben der hohen Tragfähigkeit bei geringem Eigengewicht lässt sich mit Holz ein Haus fast vollständig vorfertigen und ermöglicht so kurze und trockene Baustellen. Neue Holzwerkstoffe wie massive Holzplatten (Brettsperrholz) lassen zum Beispiel auch mehrgeschossige Bauten mit Holz zu. Computerbasierte Fertigungsmethoden erlauben völlig neue Formen in der Gestaltung. Der Vorsitzende von Holzbau Deutschland, Peter Aicher, erklärt im Interview die Vorteile und Qualitäten des Werkstoffs und das Engagement in der Forschung und Entwicklung. Ein traditionelles Konstruktionsmaterial – neu entdeckt.

… zeigt den Trend zum Teilen. Mehrfamilienhäuser verbinden Gemeinsamkeit und Privatsphäre miteinander – Ökologie und Nachhaltigkeit eingeschlossen. Einsparungen bei den Errichtungskosten und geringere Betriebskosten sprechen für das Modell „Mehrfamilienhaus“. „100 Häuser“ hat überblicks­ artig die besten Lösungen des Miteinanders von Zwei- bis Mehrfamilien ausgesucht und mit Architekten wie GRAFT über den Unterschied, für unbekannte Nutzer zu planen, gesprochen … ab Seite 68.

100 Häuser … … und nicht weniger finden Sie in dieser Ausgabe – etwas weiter gestreut in der Funktion, und noch weiter im Spektrum von klein bis groß, von Schreibstube bis 100 Wohneinheiten, von Beton bis Holz.

Foto Christoph Liebentritt

Lassen Sie sich inspirieren, von Architektur, 100 Mal und mehr!

Manuela Hötzl, Herausgeberin „100 Häuser“

EDITORIAL

5


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MEHR VON ATELIER ST Projekt No. 97 Seite 183

Es grünt

Architektur Atelier ST (Silvia Schellenberg-Thaut, Sebastian Thaut) Web www.atelier-st.de Projekt Grüner Mäander Kategorie Neubau, Niedrig­ energiehaus / Passivhaus Fassaden­m aterial Holz Fassadenfirma Tischlerei Michael Krause Adresse Leipzig-Holzhausen Bauherr Privat Planungs­b eginn 10/2011 Fertigstellung 01/2014 Nutzfläche 203 m² Fotos Werner Huthmacher / www.werner-huthmacher.de

6

Büro AT E L I E R S T, S AC H S E N / Haus S AC H S E N

Das 2005 gegründete, in Leipzig beheimatete Atelier ST, hinter dem die beiden Architekten Silvia Schellenberg-Thaut und Sebastian Thaut stehen, hat vor allem im Bundesland Sachsen seine Spuren hinterlassen. So unterschiedlich ihre Projekte sind, eint sie doch vieles – vor allem die Begeisterung, mit der die Bewohner und Bewohne­ rinnen davon berichten, wie es ist, in einem Atelier-ST-Haus zu leben. „Architektur und Du“ nennt sich folgerichtig auch eine Monografie, die über das Werk des Büros vor zwei Jahren erschienen ist. Die Architektur denkt hier den Menschen ganz selbstverständlich mit. So ist es auch mit dem 2014 fertiggestellten „Grünen Mäander“, einem Wohnhaus in Leipzig-Holzhausen. Ausdrücklicher Wunsch der Bauherren war es, einen Rückzugsort zu schaffen, der wenig Einblicke bietet – ein „Haus auf den zweiten Blick“, wie die Architekten sagen. Der „Grüne Mäander“ steht auf einem großzügigen, von alten Kiefern bestandenen Grundstück: ein mehrwinkliges, mäanderndes, langgestrecktes Wohngebäude, das von der Straße her in seiner Komplexität nicht zu erfassen ist. Es überrascht auch mit einem von außen nicht zu sehenden Innenhof. Seinen besonderen Reiz bezieht der Bungalow mit Walmdach aus dem Gegensatz von vergleichsweise dunkler Hülle aus moosgrünem Holz und hellem, leuchtendem Inneren, von dem man viele spannende Blicke nach draußen werfen kann. Auch die verwendeten Materialien überzeugen in ihren Gegensätzen: Fenster aus Nadelholz, bronzene Türdrücker, Porzellangriffe an den Möbeln, geschliffener Sichtbeton und KalkGips-Putz machen den Bau abwechslungsreich und einzigartig. „Es sind die Kontraste und Brüche, die das Haus so lebenswert für die Familie machen“, fassen Silvia Schellenberg-Thaut und Sebastian Thaut ihre Idee von Architektur zusammen – und resümieren: „Es gibt für uns keine Schubladen.“ mpe


S o fa I s a n k a v o n Wa l t e r K n o l l , S t o f f i m H i n t e rg r u n d C ro q u i s d e Ti g r e v o n H e r m è s , L e u c h t e M u l t i L i t e v o n G u b i , E s s t i s c h M a n t a v o n R i m a d e s i o , S t o f f i m Vo r d e rg r u n d , Co u r b e t t e s v o n H e r m è s

ES GIBT DESIGN ZUM SITZEN UND LIEGEN. UND SOLCHES ZUM NIEDERKNIEN.

HAPPY BIRTHDAY

Internationales Top-Design trifft auf exzellente Einrichtungsberatung – willkommen bei architare. Wohnen. Office. Objekt. Standort Stuttgart . Fleiner Möbel by architare . Stresemannstraße 1 . Killesberghöhe . Telefon +49 (0)711 - 63500 / Standort Nagold . architare barbara benz einrichten . Vordere Kernenstr. 2 . Telefon +49 (0)7452 - 8475080. www.architare. de Jetzt 10-jähriges Jubiläum mitfeiern. Mehr unter architare.de


Kindheitstraum

An alles gedacht, alle Bebauungspläne bedacht und einen Hingucker in der gewachsenen Eigenheimsiedlung im Leipziger Norden geschaffen – so könnte man das „Haus M“ mit wenigen Worten beschreiben. Die Bauherren wuchsen beide in ebendieser Siedlung auf und wollten auch genau dort mit ihrer kleinen Familie leben. Mit Unterstützung der bla° Blässe Laser Architekten Partnerschaft und der Ergänzung des Kernhauses durch einen Neubau konnten sie hier ihre Wohnsituation neu erfinden – nach ihren jetzigen, modernen Ansprüchen an den Wohnkomfort. Die Architekten Stefan Blässe und Robert Laser schufen ein Rundumpaket. Im Bestandshaus befinden sich die Hauptwohnräume, im Neubau Loggia, Garage und Gästezimmer. Eine ganzheitliche Ergänzung – und doch optisch getrennt. Während der Bestand mit Trespa-Platten in Holzoptik verkleidet wurde, ist der Neubau gänzlich in Weiß gehalten und rahmt so fast wie ein Passepartout das Kernhaus. Derart behält das giebelständige Haus optisch seine Eigenständigkeit und steht trotzdem im Dialog mit dem Neuen, Modernen. Große Fenster zur Gartenseite auf beiden Etagen geben dem Haus eine lichtdurchflutete Leichtigkeit. An den Seiten bietet der Neubau gleich zwei Vorteile: Er schützt das Haus und macht es weniger einsichtig. Perfekt, um die Vorzüge der Siedlung zu nutzen und trotzdem über ein eigenes Reich zu verfügen. Der Dialog außen wurde im Inneren fortgesetzt, auch hier sind Holz und weiße Farbe tonangebend und werden von dem Beton der Küche und Treppe ergänzt. Diese ist wirklich etwas Besonderes. „Jede Treppe ist unterschiedlich und wird fast zur Skulptur“, sagen die Architekten. Von der Küche aus wirkt sie durch ihre Formgebung kunstvoll, im oberen Geschoss schafft der Treppenraum

8

neuen Platz und Wohnfläche. Eine weitere Besonderheit ist der Tresen, der die offene Küche vom Wohnbereich trennt. Trotz der optischen Kühle des Betons ist er ein wärmender Handschmeichler, denn der Tresen ist von unten beheizt. Die dunklen Einbauten in Küche und Bad sind schlicht und fügen sich harmonisch ein. „Wir haben uns gefreut, dass die Bauherren das in unserem Design und Stilempfinden fortgesetzt haben, das ist durchaus nicht immer so“, so die Architekten. tar

2

Büro B L A° B L Ä S S E L A S E R A R C H I T E K T E N , S AC H S E N  / Haus S AC H S E N

Architektur bla° Blässe Laser Architekten Partnerschaft (Stefan Blässe, Robert Laser) Web www.bla-architekten.com Projekt Haus M. in Leipzig Nord Kategorie Neubau Fassaden­m aterial Trespa Meteon Exterior Wood Decors NW 24 Greyed Cedar matt Fassadenfirma LMS Leipziger Metall- und Systemfassaden GmbH Adresse Leipzig Bauherr Privat Planungsbeginn 04/2015 Fertigstellung 12/2016 Nutzfläche 155 m2 Kosten EUR 400.000,– Fotos Steffen Junghans / www.filmfotograf.de


MELL LOUNGE BY JEHS + LAUB COR.DE


First Class Als Tor Ostfrieslands gilt das Städtchen Leer im äußersten Nordwesten Deutschlands, nahe der Emsmündung in die Nordsee. Am Rand eines Naturschutzgebietes gelegen, war das großzügige Baugrundstück also ein geeigneter Flecken, um eine kleine Zeitreise zu unternehmen. Das Team von Thomas Kröger Architekten aus Berlin stellte sich unerschrocken der Herausforderung, eine fast vergessene Bauweise, in Anlehnung an die traditionellen Gulfhäuser der Region, ins Hier und Jetzt zu übersetzen. Die Ständerbauweise aus Holz dieser Bauernhausform aus dem 17. Jahrhundert wurde in ihrer Konstruktionsart in Stahlbeton übertragen. „Rau geschalt und überdimensioniert wirkt sie raumbildend und skulptural“, erklären die Architekten. Dem roten Ziegelmauerwerk mit dem tief gezogenen Krüppelwalmdach als vielleicht einprägsamstem Charakteristikum des Gulfhauses wurde besonders viel Aufmerksamkeit gewidmet. Die Fassadenziegel konnten aus der ortsansässigen Wittmunder Ziegelei bezogen werden. Sie sind speziell in der Dachpfannenfarbe gebrannt, um „ein möglichst monolithisches Bild des Baukörpers zu erzeugen“, verraten die Architekten. Auch an den Giebelseiten des Hauses befinden sich gelungene Zitate des historischen Vorbildes. Verfügten die Wohnstallhäuser von damals neben einer kleinen Eingangstür über ein großes Scheunentor, um die Ernte einzubringen, laden hier zwei riesige Scheiben mit integrierten Terrassentüren die Sonne ins Haus. Der bis zum First offene Wohnraum beeindruckt mit klaren Linien, Funktionalität und natürlichen Materialien. So wirken die 180 Quadratmeter Wohnfläche großzügig, harmonisch und weit. Die drei Schlafzimmer des Hauses sind im ersten Obergeschoss und im gemütlichen Dachgeschoss untergebracht und verfügen über einen atemberaubenden Blick in die Wiesen- und Moorlandschaft der Umgebung. Da steht es nun also zwischen den Bäumen, das liebevolle Zitat des fast ausgestorbenen Gulfhauses, und wird, bewohnt von einer kleinen Familie, zu einem fröhlich-belebten Denkmal. sos

Architektur Thomas Kröger Architekten Web www.thomaskroeger.net Projekt Am Deich Kategorie Neubau Fassadenmaterial Klinker Fassadenfirma Wittmunder Klinker Adresse Ostrhauderfehn Bauherr Privat Planungsbeginn 11/2014 Fertigstellung 03/2017 Nutzfläche 180 m² Fotos Jan Steenblock

3

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Büro T H O M A S K R Ö G E R A R C H I T E K T E N , B E R L I N  / Haus N I E D E R S AC H S E N


Büro T H O M A S K R Ö G E R A R C H I T E K T E N , B E R L I N  / Haus N I E D E R S AC H S E N

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4 In den 1950er-Jahren wurden hier die ersten Wochenendhäuser errichtet, der Nationalpark aber erst 2004 ausgerufen. Ein Glück für die Bauherren, die ein ganz besonderes Grundstück erwerben konnten - am Fuße des National­ parks und mit Blick auf den Stausee.

Architektur mvm+starke architekten (Michael Viktor Müller, Sonja Starke) Web www.mvm-starke.de Projekt Haus am See 2 Kategorie Neubau Fassadenmaterial Lärche Fassadenfirma Holzbau Feld Adresse Heimbach Bauherr Privat Planungsbeginn 08/2015 Fertigstellung 06/2017 Nutzfläche 107 m2 Kosten EUR 265.000,– Fotos Bernd Nörig / www.bernd-noerig.de

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Büro MVM+S TA R K E A R C H I T E K T E N , N O R D R H E I N - W E S T FA L E N  / Haus N O R D R H E I N - W E S T FA L E N


Richtungswechsel Am Rande des Nationalparks Nord­ eifel liegt das Heimbacher Staubecken, ein wunderschöner See, der von einem üppig-dichten Wald umgeben ist. Das 1.300 Quadratmeter große Grundstück des Bauherrn liegt an einem stark ansteigenden Nordhang am Südufer des Sees, mit Blick auf den Meuchelberg und das gegenüberliegende Naturschutzgebiet. Trotz idyllischer Lage gab es für die mvm+starke architekten aus Köln bei der Planung des Wochenendhauses einiges zu bedenken. Die größte Herausforderung stellte dabei der Nordhang da, denn dieser bedeutete vor allem eines: wenig Sonne. Doch zum Glück gab sich der Architekt damit nicht zufrieden, sondern beobachtete den Verlauf der Sonne

über einen längeren Zeitraum ganz genau. Und siehe da: Es zeigte sich, dass die Sonne doch ihren Weg zum Haus findet, vor allem im Winter und in den Übergangszeiten, wenn sich die Bäume lichten. Aus diesem Grund wurde das Haus so ausgerichtet, dass die transparente Fassade nach hinten zeigt statt nach vorne zum See, auch wenn dadurch der Eindruck entsteht, das Haus würde falsch herum stehen. Die Bodenplatte und die Außenwände des Hauses bestehen aus Stahlbeton, Dach, Fassade und Innenausbau aus Holz. Neben seiner Konstruktion, seiner besonderen Form und seiner Transparenz begeistert das Haus jedoch vor allem mit seiner Durchsicht, denn es handelt sich im Prinzip um ein Einraumhaus.

Das bedeutet, dass alle Zimmer zwar optisch voneinander getrennt und in Wohn-Koch-EssBereich und Bad-Schlaf-Arbeits-Bereich unterteilt sind, allerdings nicht durch geschlossene Wände. Man kann also von allen Bereichen Hang, Wald und See sehen – ein wirklich toller Effekt. Der Innenraum wurde in zwei Ebenen unterteilt, die über eine Treppe miteinander verbunden sind. Der Wohnbereich befindet sich unten, der Schlafbereich im Obergeschoss. Durch die weißen Möbel und Wände entsteht ein freundliches Urlaubsambiente im Haus, welches durch den hellen Holzboden zusätzlich verstärkt wird. Perfekt für ein Wochenendhaus am See, mitten in der Natur. inv

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Anmut Hell und dunkel, hart und weich, symmetrisch und asymmetrisch, alt und neu – Gegensätze ziehen sich an. Genau dieser Gedanke kam auch dem Rostocker Architekten Roland Unterbusch, als er den Auftrag bekam, aus einem alten 1970er-Jahre-Ferienhaus in Mecklenburg-Vorpommern ein neues, zeitgemäßes Anwesen zu machen. Das ursprüngliche Gebäude mit dem hübschen, spitzen Reetdach sollte dabei allerdings nicht verändert, sondern lediglich um einen neuen, modernen Anbau ergänzt werden. Gegensatz Nummer eins: Alt trifft neu. Um auch die anderen Gegensatzpaare in das Baukonzept aufnehmen zu können, entschied sich der Architekt im ersten Schritt für einen leicht nach vorne versetzen Anbau, der in seiner Form wie eine kleine Version des Haupthauses wirkt. Gegensatz Nummer zwei: Groß trifft klein. Gleichzeitig sorgte er dafür, dass der Neubau leicht asymmetrisch konstruiert wird, was einen weiteren Gegensatz zum 1970er-Bau schafft. Darüber hinaus entschied sich Unterbusch, auch die Fassade des neuen Gebäudes anders zu gestalten, und zwar aus hellem sibirischem Lärchenholz. Auf den ersten Blick scheinen beide Häuser nun trotz aller Verbindungen wie zwei Fremdkörper nebeneinanderzustehen, denn die optischen Gegensätze sind extrem dominant. Aber: Die Lärchenholzfassade des Neubaus wird durch die Witterung allmählich ergrauen und sich in Farbton und Anmutung dem Reetdach des Haupthauses angleichen. So werden die Gegensätze mit der Zeit zu einer Einheit verschmelzen – ein wirklich schöner, nahezu philosophischer Gedanke. Das Interieur des neuen Hauses wurde ebenfalls bis ins Detail geplant. Auch hier wurde der leicht asymmetrische Gedanke fortgeführt, welcher sich unter anderem in unterschiedlichen Deckenhöhen und wechselnden Lichtverhältnissen ausdrückt. Grundsätzlich haben sich Bauherren und Architekten jedoch für eine nüchtern-zurückhaltende Inneneinrichtung entschieden, die optisch perfekt zum neuen Anbau des Hauses passt und einen spannenden Gegensatz zum traditionellen Interieur des Haupthauses darstellt. inv

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Architektur Roland Unterbusch Architekt Web www.rolandunterbusch.com Projekt Altneuhaus Kategorie Umbau (Erweiterung) Fassadenmaterial Sibirische Lärche, unbehandelt Fassadenfirma Voss & Hermann Adresse Dierhagen-Neuhaus Bauherr Dres. Sabine und Hans-Peter Fröhlich Planungsbeginn 09/2015 Fertigstellung 11/2016 Nutzfläche 92 m2 Kosten EUR 85.000,– Fotos 24millimeter Fotoagentur, Rostock / www.24millimeter.com

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Büro R O L A N D U N T E R B U S C H A R C H I T E K T, M E C K L E N B U R G -VO R P O M M E R N  / Haus M E C K L E N B U R G -VO R P O M M E R N


Architektur: Hertl Architekten ZT GmbH / Fotografie: Paul Ott

Lebens(t)raum. Moderne, anspruchsvolle Architektur. Inspirierendes Wohnkonzept. Mit Faserzement – dem Baustoff, der alles kann. www.swisspearl.de


6 Lichtregie Noble Zurückhaltung ist das Motto dieser Villa im niedersächsischen Celle. Architekt Axel Nieberg bediente sich auch bei diesem Bau seiner bevorzugten Rhetorik: minimalistische Formensprache und außergewöhnliche Lichtführung im Zusammenspiel mit natürlichen Materialien. Die 2.000 Quadratmeter Grundfläche und 364 Quadratmeter Wohnfläche wirken daher in dieser Planung nicht protzig, sondern glänzen durch lässiges Understate­ ment. So zu sehen schon an der Fassade: Die reduzierte raue anthrazitfarbene Ziegeloberfläche integriert sich mühelos in die Farbenvielfalt des angrenzenden Waldstückes. Durch den dunklen Ton verkleinert sich zudem die optische Wirkung des Gebäudes. Die 30 Meter lange Auffahrt mit einem anthrazitfarbenen Ökopflaster – mit Splittfüllung als nicht versiegelter Fläche – trägt das ihre dazu bei. Durch die Vor- und Rücksprünge der Fassade ergibt sich eine reliefartige Gebäudefigur und gleichzeitig ein Parkett für das Spiel von Licht und Schatten. Klar strukturiert ist auch der Baukörper selbst: Gegliedert in mehrere Kuben, bildet ein zweigeschossiger Riegel zum Wald hin den höchsten Teil. Die übrigen eingeschossigen Gebäudeteile sind pavillonartig gestaltet und treten diskret hinter die umliegenden imposanten Bäume zurück. Großzügige Terrassen, bestehende Pflanzungen und Neuanlegungen strukturieren den Außenraum, wobei immer der Ort mit seinen Qualitäten als Ideengeber für die architektonischen Figuren dient. Von außen erhält die Villa ihre besondere

16

Architektur NIEBERG ARCHITECT Web www.nieberg-architect.de Projekt Wohnbau in Celle Kategorie Neubau Fassadenmaterial Ziegel Fassadenfirma Klinkerwerk Hagemeister Adresse Celle Bauherr Privat Planungsbeginn 10/2013 Fertigstellung 02/2016 Nutz­ fläche 364 m² Fotos Axel Nieberg

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Wirkung durch spannend platzierte Fensteröffnungen. Daneben besticht die Atmosphäre im Inneren des Hauses durch die Verwendung natürlicher Materialien. Der Zugang zum Gebäude erfolgt gemäß dem Grundmotto als privat-subtiler, nicht einsehbarer Eingang über ein vorgelagertes Atrium. Nachdem man die Glastüren der Diele durchschritten hat, öffnet sich der Wohnbereich mit seinen fließenden Raumübergängen. Durchdacht gesetzte Fensteröffnungen und die L-förmige Anordnung des Wohnbereiches ermöglichen vielfältige Sichtbeziehungen in den Garten und zum Wald. Für die Kinder des Bauherrn ist ein eigener Trakt gestaltet worden, den später auch Gäste als separaten Bereich nutzen können. Auch hier bietet eine großzügige Verglasung einen direkten Außenraumbezug zum Wald. Im Obergeschoss des zweigeschossigen Gebäudeteils befindet sich der Elternbereich, wo ein langgestrecktes Oberlicht den Blick in den Himmel freigibt und für samtiges Streiflicht auf den Wänden sorgt. Hier sind die Fassadenöffnungen in alle Himmelsrichtungen gesetzt, vielfältige Lichtstimmungen über den gesamten Tag garantiert. Überhaupt ist das natürliche und künstliche Licht im Atelier Nieberg integratives Entwurfselement und somit Bestandteil einer jeden Planung. Für die atmosphärischen Stimmungen bei Dunkelheit arbeitete der Architekt bei diesem Wohnhaus in Celle zusätzlich mit einer akzentuierenden Beleuchtung. Versteckte Details, welche den noblen Bau immer wieder in neuem Licht erstrahlen lassen. anm


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Drehmoment Die Rebellion der Giebel: Eine einheitliche Ausrichtung gibt es bei den Häusern der Umgebung nicht, die Architekten von one fine day geben auch ihrem Projekt die Möglichkeit, sich als Rebell zu präsentieren.

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Architektur one fine day – office for architectural design (Holger Hoffmann, Hans-Peter Nünning) Web www.o-f-d.net Projekt Haus H Kategorie Neubau Fassadenmaterial Klinker (wilder Verband), weiß geschlämmt Fassadenfirma Sander Bauunternehmung GmbH Adresse Hövelhof Bauherr Privat Planungsbeginn 06/2014 Fertigstellung 03/2017 Nutzfläche 370 m2 Fotos (1, 2) Christian Richters


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Die historischen Hallenhäuser mit ihrer Holzständerkonstruktion im Innenbereich und ihren Fachwerkaußenwänden hatten alle eines gemeinsam: die Diele, in der sich praktisch das komplette Leben abspielte. Sie war Wirtschafts- und Arbeitsraum, es wurden alle Feiern in ihr abgehalten und sogar Verstorbene aufgebahrt. In den weiteren Bereichen des Hauses fanden Nutztiere Unterschlupf und Familien ihren Ruhebereich. Solche Hallenhäuser haben ihren Ursprung schon im 15. Jahrhundert und finden sich unter anderem auch in Ostwestfalen wieder. Dort wurde von Juni 2014 bis März 2017 von den Architekten des Düsseldorfer Büros one fine day – office for architectural design ein Einfamilienhaus geplant und gebaut, das sich an die Gestaltung eines solchen historischen Hallenhauses anlehnt. Mit einer Diele als Zentrum. Wunsch der Bauherren und Architekten war es neben ökologischen Aspekten von Anfang an, eine ortstypisch-tradierte und zeitgenössische Formensprache zu finden. Das zu bebauende Grundstück liegt in einer für die Region typischen Bauernschaft, die aus Bauernhöfen, Kotten und lose verteilten Einfamilienhäusern mit keinerlei städtebaulichen Konstanten oder gar homogener Ausrichtung besteht. Die Giebel der Haupthäuser zeigen sich bis heute rebellisch und öffnen sich eigenwillig zur umgebenden Landschaft. Ein Charakterzug, den auch dieser Neubau selbstbewusst angenommen hat: Seine vier verklinkerten und weiß geschlämmten Massivbau-Giebelseiten schweifen von der zentralen Diele in alle Richtungen aus. Als habe man das historische Hallenhaus über einen geometrischen Drehpunkt

im Zentrum – die Diele – auseinandergedreht und derart seine Flügel und seine komplexe und geschwungene Dachlandschaft erzeugt. Eine Dachlandschaft, die innen – wie die Wände auch – weiß verputzt und geschliffen ist und durch ihre wellenartige Form schon fast textilhaft über einem zu schweben scheint. Die Diele, mit leicht erhöhter Bibliothek, Esstisch und enger Verbindung zum Garten, scheint ihre Fühler ausgestreckt zu haben und bietet so den Bewohnern des Hauses fernab des offen

und mit großzügiger Verglasung gestalteten Zentrums die Rückzugsmöglichkeit in private Räume mit vergleichsweise kleineren Fensteröffnungen. Aufgrund der modernen, immer wieder geschwungenen Architektur ließe sich auch eine Parallele zum Herzstück eines Raumschiffes, „der Brücke“, und seinen Schlafkammern ziehen. Auf jeden Fall bietet das Haus wie jenes Raumschiff die schützende Hülle, die einen sicher durch das Universum des Alltags befördert. jur

Offener Gemeinschaftsraum und Rückzugsort in einem. Die leichte Erhöhung der Bibliothek macht dies auch ohne Wände möglich.

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Hausbesuch Gastfreundschaft ist, wenn man beim Hausbau auch gleich an zukünftige Besucher denkt. Das hat zumindest der Bauherr dieses spannenden Projektes, Ralf Meister, getan. Neben der Errichtung eines neuen 240 Quadratmeter großen Wohnhauses hat er gleichzeitig den Bau eines 100 Quadratmeter großen Gästehauses nebenan veranlasst, das wie der kleine Bruder des Hauptgebäudes aussieht und mit diesem über eine Terrasse verbunden ist. Die Bauweise der von Beer Bembé Dellinger Architekten entwickelten Häuser ist ident. Sie besitzen je zwei Ebenen, die in quaderförmige Wohneinheiten unterteilt sind, ein flaches Dach und eine geräumige Tiefgarage. Die Fassade der Häuser besteht aus einer spannenden Mischung aus Beton, Holz und Glas. Besonders schön ist jedoch, dass die der Natur zugewandte Seite der Gebäude komplett verglast ist. So gelangt nicht nur jede Menge Licht in die Räume, sondern man kann auch jederzeit den Blick in die Ferne schweifen lassen. Die Innenräume beider Häuser wurde fast zur Gänze mit Holz verkleidet. Wände, Decken, Böden – Holz, wohin man sieht. Das Material und dessen warme Farbgebung erzeugen eine rundum gemütliche Atmosphäre, die nur noch vom unnachahmlichen Duft des Holzes übertroffen wird. Ein besonderes Highlight sind jedoch die großzügigen Badezimmer, die stylish mit Beton und Stein ausgekleidet wurden. Von der geräumigen, ebenerdigen Dusche kann man dank großer Fenster direkt ins Grüne schauen – eine tolle Idee der Münchener Beer Bembé Dellinger Architekten. inv

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Architektur Beer Bembé Dellinger Architekten Web www.bbdarch.de Projekt Neubau eines Wohnhauses mit Gästehaus Kategorie Neubau Adresse Berg Bauherr Ralf Meister Planungsbeginn 08/2013 Fertigstellung 12/2016 Nutzfläche Wohnhaus ca. 240 m2, Gästehaus ca. 100 m2 Kosten EUR 2 Mio. Fotos Stefan Müller-Naumann / www.architektur-fotograf-muenchen.de

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Über fünf Ecken

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Rechteckiger Grundriss und Zeltdach – so sehen konventionelle Einfamilienhäuser aus. In einer Berliner Wohnsiedlung hat ein Projektentwickler knapp 100 Häuser dieser Art errichtet. Ein Bauherr war allerdings nicht so recht überzeugt von diesem Entwurf. Er entschied sich gegen das Musterhaus und engagierte stattdessen PAC – Project Architecture Company in Zusammenarbeit mit der Architektin Miriam Poch. Es war klar, es musste ein alltagstaugliches und zugleich außergewöhnliches Haus geschaffen werden. „Uns war es wichtig, eine individuelle Lösung für die Wünsche unseres Bauherrn zu entwickeln, auf einem relativ kleinen und baurechtlich nicht gerade einfachen Grundstück“, so die Architektin Anne Menke von PAC. Das Grundstück liegt in einer Sackgasse über Eck, noch dazu ist eine Kante des Grundstücks schräg abgeschnitten. Die bebaubare Fläche ist klein. Schwierige Situation. Es musste also ein Grundriss gefunden werden, der den geringen Platz optimal nutzt. Nach einiger Planung wurde die passende Form gefunden: ein Fünfeck. Ungewöhnlich, aber effektiv. Menke dazu: „Der polygonale Grundriss wurde mit einem einfachen Satteldach überspannt, wodurch nicht nur ein prägnantes Volumen nach außen erzeugt wird, sondern auch vielfältige und spannungsreiche Innenräume entstehen.“ Betritt man das Haus, fühlt man sich unmittelbar herzlich empfangen. Besonders der hohe, lichtdurchflutete Essbereich lädt zu entspannten Familienessen ein. Gerade die außergewöhnlichen Winkel in den Räumen verleihen einen gewissen Charme. So werden anfängliche Schwachstellen zu wichtigen Details. „Für uns zeigt das Haus, wie nützlich vermeintliche Schwierigkeiten und baurechtliche Einschränkungen sein können, sind sie doch Ausgangspunkt, ganz spezielle und überraschende Lösungen zu entwickeln“, so Architektin Menke. Das von PAC geplante Einfamilienhaus ist auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung in der sonst so einheitlichen Wohnsiedlung. jug

Architektur PAC – Project Architecture Company (Anne Menke, Richard Sharam) mit Miriam Poch Architektin Web www.project.ac / www.miriampoch.com Projekt Haus P Kategorie Neubau Fassadenmaterial Durchgefärbter Edelkratzputz Fassadenfirma MH Stuck Adresse Berlin Bauherr Boris Poblotzki Planungsbeginn 05/2016 Fertigstellung 05/2017 Nutzfläche 137 m2 Kosten EUR 325.000,– Fotos Bullahuth Fotografie und Gestaltung / www.bullahuth.de

Büro PAC , B E R L I N M I T M I R I A M P O C H A R C H I T E K T I N , Z Ü R I C H  / Haus B E R L I N

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„Räume werden durch Farben erweitert, verbunden, geschlossen (...)“, so Le Corbusier zur raumbildenden Qualität von Farbe.

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Zukunftsaussichten

Das Allgäuer Familienunternehmen Baufritz ist schon seit Jahrzehnten bekannt für seine einzigartigen Ökohaus-Projekte. Schon 1896 machte sich Zimmermeister Sylvester Fritz auf, Holzhäuser zu bauen – seine Nachkommen folgen der erfolgreichen Tradition bis heute. In der Zusammenarbeit mit dem Schweizer Designer Alfredo Häberli wurde nun ein Öko-Designhaus-Ensemble der Meisterklasse entworfen, welches nicht nur mit seiner Optik, sondern auch mit seiner gesundheitszertifizierten, biologisch einwandfreien Naturbauweise überzeugt, die Seniorchef Hubert Fritz in den 1980er-Jahren mit einer eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung einleitete und vorantrieb. Das „Haussicht“-Projekt haben die heutige Baufritz-Geschäftsführerin Dagmar Fritz-Kramer und Alfredo Häberli gemeinsam realisiert. Der Fokus lag dabei auf der Frage: Wie wollen wir in Zukunft wohnen? Es galt also, ein Hauskonzept zu entwickeln, das nicht nur der Natur- und Öko-Philosophie von Baufritz entspricht, sondern auch modernste Ansprüche zukünftigen Wohnens erfüllt. „Es war Zeit, dem ökologischen Holzbau ein neues Gesicht zu geben“, erklärt Dagmar Fritz- Kramer. Heißt im Klartext: eine neue Formensprache und ein imposantes Design. Im ersten Schritt entschied sich das Baufritz-Team statt für ein klassisches Einfamilienhaus für ein Ensemble aus Haupthaus und Nebengebäude,

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bestehend aus je zwei Ebenen, die zum größten Teil von einer wunderschönen Holzfassade geschmückt werden. Lediglich das Beton-Erdgeschoss des Nebengebäudes hebt sich durch Form, Farbe, Material und Größe vom Rest des Baus ab – ein spannender Kontrast, der sofort ins Auge sticht. Das Hauptgebäude ist von einem Stahl-Balkongeländer umgeben, das gleichzeitig als Verbindung zwischen beiden Häusern fungiert. Ebenso beeindruckend ist die Form des Daches, die vom Schiffsbau inspiriert wurde, was sich vor allem in der bugartigen, weit ausladenden und geschwungenen Optik widerspiegelt. Der Innenraum des Hauses ist ebenso beeindruckend und gut durchdacht wie sein Äußeres. Auch hier dominiert Holz als Material und sorgt in Kombination mit den weißen Wänden für eine freundliche, einladende Wohnatmosphäre. Während die Schlafräume üblicherweise im Obergeschoss zu finden sind, hat sich das BaufritzTeam für die Verlegung nach unten entschieden. Der Grund ist einleuchtend: Aus den nun oben gelegenen Wohnräumen kann man tagsüber dank großzügiger Fensterfront eine überwältigende Aussicht ins

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Grüne genießen. Man betritt den Koch-Ess-Bereich und steht gefühlt mit einem Bein im Freien, denn der knapp 90 Quadratmeter große Raum ist dreiseitig nahezu vollverglast. Dieser Aussicht verdankt das Projekt auch seinen ungewöhnlichen Namen. Aus Haus und Aussicht wurde „Haussicht“. Ein Projekt, das auf allen Ebenen begeistert! inv

Die Sonne wird beim Projekt „Haussicht“ als primäre Energiequelle genutzt. Unterstützung bekommt sie aus dem Erdreich. Ein spezieller „eTank“ speichert dort Wärme statt Strom und speist damit die Wärmepumpe.


Der Schiffbau als ureigene Form des Holzbaus war Vorbild für den Entwurf des Designers Alfredo Häberli. Mit seiner bugartigen Dachformung liegt das Haus nun in Erkheim vor Anker.

10 Architektur Alfredo Häberli Design Development Web www.alfredo-haeberli.com Projekt Konzept­ haus Haussicht Kategorie Neubau Adresse Erkheim Bauherr Bau-Fritz GmbH & Co. KG Planungsbeginn 2015 Fertigstellung 10/2016 Nutzfläche 397 m2 Fotos Jonas Kuhn

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MEHR VON ZHAC Projekt No. 41 Seite 79

Alles poly Ist das Grundstück beengt, kann man sich entweder einschränken oder um die Ecke denken. Oder auch um mehrere Ecken, wie bei diesem polygonalen Bauprojekt. Die besondere Beschaffenheit der Grundfläche rührt von der Lage dieses Neubaus her: Neben dem elterlichen Haus und angrenzend an die Straße, galt es, baurechtliche Anforderungen und funktionale Zielsetzungen unter einen Hut zu bekommen. Trotz des besonderen Grundrisses – oder vielleicht gerade deshalb – herrscht hier absolute Klarheit. Lediglich der Eingangsbereich sowie die Einbettung der Terrasse wurden leicht akzentuiert. Ansonsten dominiert bei der Außenansicht die matte dunkle Putzfassade, ergänzt von schwarz gerahmten glänzenden Glasflächen. Die dunkle Fassade könnte leicht darüber hinwegtäuschen, dass im Inneren des Gebäudes das Licht ein maßgeblicher Planungsfaktor war. Das zweigeschossige Eingangsportal verfügt im oberen Bereich über einen Glaseinlass und sorgt für ausreichenden Lichteinfall im sich über beide Ebenen erstreckenden Eingangsbereich, in dem Eichenholz als haptischer und visueller Gegenpol zur anthrazitfarbenen Sichtbetonwand etabliert wird. Beginnend als Bodenbelag, zieht er sich die Treppe hoch und als Wandverkleidung in den Wohnraum hinein, dessen Fensterfront sich nach Westen ausrichtet. Für kalte Wintertage steht im Zentrum des Raumes ein Kamin, um den herum sich die ganze Familie versammeln kann. Hier im Wohnzimmer sowie in der Küche kann man dabei zusehen, wie die Abendsonne

Architektur ZHAC Zweering Helmus Architektur + Consulting (Dirk Zweering, Christoph Helmus) Web www.zhac.de Projekt Haus H Kategorie Neubau Fassadenmaterial Putz und Glaspaneele Adresse Aachen Bauherr Privat Planungsbeginn 10/2012 Fertigstellung 08/2014 Nutzfläche 283 m2 Kosten EUR 680.000,– Fotos Peter Hinschläger

untergeht, während man im Schlafbereich mit Ankleide und Badezimmer den Luxus hat, morgens von der Sonne geweckt zu werden. Neben dem Neubau befindet sich nicht nur das elterliche Haupthaus, sondern war anfangs auf der anderen Seite eine weitere Wohnung, die in die ehemalige Garage eingepasst worden war. Nachdem die Nutzer in den Neubau

gezogen waren, wurde daraus flugs ein Carport, der in Form und Farbgebung nun mit dem polygonalen Neubau korrespondiert. Unter dem Carport, im Keller, befinden sich die Heizungs- und Lagerräume für eine Hackschnitzelheizung, mit der die Wohneinheiten des elterlichen Hauses sowie des Neubaus mit Wärme versorgt werden. mip

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Büro Z H AC Z W E E R I N G H E L M U S A R C H I T E K T U R , N O R D R H E I N - W E S T FA L E N  / Haus N O R D R H E I N - W E S T FA L E N


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Das Paradoxon Der 1980 in Göttingen geborene Architekt Tim Grimme widmet sich in seiner Arbeit nicht nur großen Gebäuden, sondern gerne auch kleinen Häusern. Sorgfalt und Hingabe, sagt er, seien wichtig – bei jedem Bauprojekt. Ein ganz besonderer Bau ist „B11“: ein 110-Quadratmeter-Wohnhaus in der Nähe von Göttingen, dem der Architekt im Jahr 2015 eine neue, wärmedämmende Gebäudehülle aus Wellplatten und einer Holzverschalung verpasst hat. Das an einem Waldrand gelegene Fachwerkhaus wurde entkernt und mit neuen, deutlich größeren Fenstern ausgestattet. Wichtig war es Grimme, die Geschichte des Hauses nicht zu negieren, sondern, im Gegenteil, in das neue Innenraumkonzept einzubeziehen: Grau gepritzte Holzbalken und Backsteinmauerwerk stehen in einem wirkungsvollen Kontrast zum gestrichenen Estrich und den aufgearbeiteten Dielenböden. „Architektur muss stets logisch begründet sein“, so Grimme. Es ist oft die Symbiose von Alt und Neu, die ihn reizt, wie auch in diesem Fall: „B11“ ist von außen ein ganz junges Gebäude, wirkt urban mit seiner Hülle aus schwarzen Wellplatten und der Holzverschalung. Seine Historie wird außen verhüllt, um im Inneren dann umso mehr zu überraschen. Das Projekt zeigt auf beispielhafte Weise, wie viel Potenzial in einem Haus stecken kann. Mit viel Sinn für das Besondere des Bestands ist hier etwas Neues erschaffen worden – eine Architektur, die sich zu ihrer Umgebung hin öffnet und im Wohnraum außen und innen verschmelzen lässt. Die auf paradoxe Weise avantgardistisch und gleichzeitig rustikal anmutet. mpe

Die schwarzen FaserzementWellplatten an Wand- und Dachflächen geben dem Fachwerkhaus nicht nur ein junges Erscheinungsbild, sondern auch eine neue Wärmedämmung.

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Architektur K17 Steingräber. Architektur Tim Grimme Web www.k17office.de Projekt B11 Kategorie Umbau Fassadenmaterial Faserzement Fassadenfirma Eternit Adresse Adelebsen Bauherr Privat Planungsbeginn 07/2013 Fertigstellung 11/2015 Nutzfläche 110 m² Kosten EUR 250.000,– Fotos Georges Pauly / www.georgespauly.com

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Beton-Kristall

„Er ist hart, sanft und ehrlich“, schwärmt Architektin Michaela Afife über den Einsatz des monochromen Werkstoffes bei ihrem Projekt „E20“. Eine spannende Konstruktion, die in ihrer Planung jedoch nicht gleich auf Zustimmung stieß. Überzeugungsarbeit musste vor allem bei den Bauherren geleistet werden. Deren Vorstellung war nämlich zunächst ein Kubus mit Flachdach – eine Bauweise, die jedoch nicht genehmigbar war. Das Team von Steimle Architekten aus Stuttgart wagte sich daraufhin an eine Neuinterpretation des Themas, machte sich frei von den formalen Bildern und legte schlussendlich einen unkonventionellen „Betondia­ manten“ vor. „Nach einem ersten kurzen Schockmoment fand dieser Entwurf mit der eigenwilligen Umsetzung aller Einflüsse und Anforderungen große Zustimmung und wurde so realisiert“, erinnert sich Afife. Innen und außen bestimmen vor allem die 50 Zentimeter starken Wände das Haus. Reduktion und Robustheit als massive Schale. „Es gibt keine minderwertigen Materialien, keine Hierarchien, keinen Status, nichts Teures. Es geht vielmehr um Rohheit, Fügung, Haptik und Sinnlichkeit“, erklärt die Architektin. So gab die sägeraue Holzbretterschalung dem Beton äußerlich Struktur und lässt ihn nun als solide, strukturierte und schützende Hülle erscheinen. Ein Kunstgriff gelang dem Team auch bei der Ausnutzung des schmalen Grundstücks: Schräg zugeschnittene Stirnseiten erlauben den Innenräumen, sich zwischen den Nachbargebäuden hindurch über die Gärten der Anwohner nach Süden und zu den Aussichtslagen zu öffnen. „So erlebt man im Gebäude die räumliche Weite trotz eng stehender Nachbarbebauung.“ Bestehendes und Neues ergänzen einander, ein konventionelles Satteldach und das sanft ansteigende Grundstück unterstützen die kantig-skulpturale Wirkung des auf einem sechseckigen Grundriss entworfenen Wohnhauses. „Wir wollten keine Villa bauen, sondern einen Ort mit

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Architektur Steimle Architekten (Thomas Steimle, Christine Steimle) Web www.steimle-architekten.com Projekt E20 Kategorie Neubau Fassadenmaterial Dämmbeton, sägeraue Holzbretterschalung Fassaden­f irma Thomas Müller Bauunter­ nehmen Adresse Pliezhausen Bauherr Privat Planungsbeginn 06/2015 Fer­t igstellung 12/2016 Nutzfläche 253 m² Fotos Brigida González / www.brigidagonzalez.de

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Charme erzeugen, bei dem die äußere Gestalt und sämtliche Innenräume ein wiedererkennbares Gesicht besitzen. Auch im Inneren sollte die Kubatur mit den variierenden Raumhöhen spürbar werden“, fasst Afife zusammen. So korrespondieren alle Räume des Wohnhauses mit der kristallinen Form: Trapezförmige Wände formen neue Raumbezüge, bewusst glatt ausgeführte Betonoberflächen kontrastieren mit den warmen Farbtönen der Einbauten aus massivem Eichenholz. Das Gesamtergebnis: sinnliches, atmosphärisch dichtes Wohnen durch strukturelle Klarheit und Beschränkung auf das Wesentliche. anm


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Überragend einmalig Fassaden-Innovation von Rieder Das Forschungs- und Sammlungszentrum in Hall ist eine wahre Schatztruhe: Millionen Sammlungsstücke der Tiroler Landesmuseen werden hier sorgsam aufbewahrt – von einer 3.000 Jahre alten Mumie, steinzeitlichen Keilen bis zu den Streichinstrumenten des legendären Tiroler Geigenbauers Jakob Stainer. Der Entwurf des Architekturbüros Franz&Sue ist ein markanter monolithischer Block, dessen dunkle und geheimnisvolle Fassade aus geformten Glasfaserbeton­ elemente zu Füßen der Tiroler Alpen das Kulturgut der Region schützt. Nur ein kleiner Teil des rechteckigen, flachen Baukörpers ist sichtbar. Das Gros des Volumens wurde in den Erdkörper getragen, der nun die Depoträume umschließt und für konstante klimatische Verhältnisse in jenen Räumen sorgt, in denen die Kulturschätze aufbewahrt werden. Während die Sammlungsstücke vor Sonnenlicht geschützt werden müssen, ist hingegen Tageslicht in den Arbeitsräumen für die knapp 35 Mitarbeiter absolut notwendig. Hierfür haben die Architekten ein Atrium in das Gebäudevolumen geschnitten, um das sich Büros und Werkstätten gruppieren.

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Dauerhaft und nachhaltig

Rieder bewahrt Tirols kostbarste Schätze Die markante Architektur unterstreicht die kühne Landschaft der Tiroler Bergwelt. Dabei verleiht die dunkelgraue Außenhaut mit dem Produkt concrete skin von Rieder dem Forschungs- und Sammlungszentrum seinen geheimnisvollen Charakter. „Das Fassadenmaterial thematisiert das Bewahren und Konservieren. Gleichzeitig entsteht durch die Haptik des Betons eine gewisse Anziehungskraft“, erläutert Erwin Stättner vom Architekturbüro Franz&Sue. „Mit der aufwendigen Gestaltung der Gebäudehülle möchten wir das Alte mit dem Neuen verbinden und lesbar machen: Ein Faustkeil aus dem siebten bis achten Jahrtausend ist eines der ältesten Werkzeuge der Sammlung. Dessen Abdruck ist es, der sich an den verformten Betonplatten abzeichnet.“ Die unregelmäßige Anordnung der glatten und verformten Elemente von 60x60 Zentimetern nimmt metaphorisch Bezug auf die Verteilung der Fundorte in Tirol, während das Fugenraster die quadratische Linierung auf Karten symbolisiert.

Doch es ist nicht nur die Verformbarkeit des Glasfaserbetons, die der Außenhaut von Gebäuden eine gewisse Lebendigkeit und Vielfalt ermöglicht, sondern auch das Material selbst. Die Paneele von Rieder sind mit nur 13 Millimeter sehr dünn, leicht und trotzdem extrem widerstandsfähig. Sie sind überdies bei der Installation einfach zu handhaben und bedürfen im Laufe der Jahre keinerlei Wartung. Denn mit einer getesteten Langzeitbeständigkeit von mehr als 50 Jahren müssen diese weder abgeschliffen noch gestrichen werden und sind zudem nicht brennbar.

Für die Fassadengestaltung hat Rieder gemeinsam mit dem Architekturbüro ein neues Produkt entwickelt, welches den industriellen Herstellungsprozess der nur 13 Millimeter dünnen Glasfaserbetonplatten mit einer handwerklichen Komponente verbindet. Das Ergebnis: Jedes der verformten Fassadenelemente ist ebenso einmalig wie die Sammlungsstücke, die im Forschungs- und Sammlungszentrum aufbewahrt werden. Bei der Produktion wird ein dem Faustkeil ähnliches Objekt verwendet, über dem der Werkstoff aufgetragen wird. Mit der Aushärtung des Glasfaserbetons entsteht nicht nur der gewünschte Abdruck, sondern auch ein materialspezifischer, einzigartiger Faltenwurf, der den Charakter eines jeden Elementes bestimmt und der Fassade des monolithischen Baus seine Lebendigkeit schenkt.

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FOTOS © Rieder Group/Ditz

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Rieder: Partner für Sonderlösungen

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Die Elemente aus Glasfaserbeton werden in der Manufaktur des Familienunternehmens vielfach gemeinsam mit Architekten, Fachplanern und Kunden für das jeweilige Projekt entwickelt und maßgeschneidert angefertigt. Hierfür beschäftigt Rieder ein eigenes Team, das sich ausschließlich um die Unterstützung von Architekten und Planern bei der Umsetzung von komplexen Projekten kümmert. Ästhetik und Funktionalität der Lösung spielen dabei eine ebenso große Rolle wie Kosteneffizienz. So hat sich Rieder in den vergangenen Jahren weg vom reinen Plattenproduzenten und hin zum Anbieter von Lösungen für komplexe Gebäudehüllen entwickelt.

Rieder × 100 Häuser

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„Alles ist Architektur“, so der österreichische Architekt Hans Hollein 1967. Missverständlich könnte man meinen, dass alles, was uns baulich umgibt, als Architektur verstanden werden kann. Jedoch meinte Hollein vielmehr, dass Architekten aufhören müssen, „nur in Bauwerken zu denken“, und viele andere Medien und Kommunikations­m ittel räumliche Erlebnisse liefern können. Wir versuchen Architekturvermittlung als Magazin „100 Häuser“ – und deswegen zeigen wir auf den folgenden Seiten, wie kleine, feine bauliche Kleinode unsere Umwelt wunderbar mitgestalten können. Eine Schreibstube, ein Ziegenstall, ein Gartenpavillon, ein stilles Örtchen oder ein Heustadel – nicht alles ist Architektur, kann es aber sein. Nicht weniger, sondern mehr als ein Haus: Architektur! 34


„Alles ist Architektur“

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MEHR VON REICHEL SCHLAIER ARCHITEKTEN Projekt No. 74 Seite 129

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Mehr Sein als Schein KEIN HAUS … … aber eine Hochstapelei. Wortwörtlich, nicht sinnbildlich. Denn die Doppelgarage in Marienberg muss nicht vorgeben, mehr zu sein. Sie ist wirklich mehr als bloß ein Unterstand. Durch die Verwendung von übriggebliebenem Holz gaben Reichel Schlaier Architekten der Garage nicht nur ein ausgefallenes, sondern auch ein ressourcensparendes Äußeres. Gekrönt wird die Brettstapelkonstruktion von einem begrünten Flachdach mit Hängepflanzen am Dachrand und der Entwurf mit einem zusätzlichen ökologischen Aspekt. Hoch gestapelt wurde hingegen wirklich in der Ausführung – Holzbohle über Holzbohle und dann vernagelt.

Architektur Reichel Schlaier Architekten (Elke Reichel, Peter Schlaier) Web www.reichel-schlaier.de Projekt Neubau Doppelgarage Kategorie Neubau Fassadenmaterial Holz Adresse Marienberg Bauherr Privat Planungsbeginn 2009 Fertigstellung 2010 Nutzfläche 50 m2 Fotos Johannes-Maria Schlorke

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MEHR VON KÜHNLEIN ARCHITEKTUR Projekt No. 34 Seite 65

Ohne Zickerei

KEIN HAUS … … aber der vielleicht rücksichtsvollste Ziegenstall Deutschlands. Natürlich erfüllt er seine Hauptaufgabe und beschützt seine Bewohner vor Wind und Wetter. Er achtet aber auch die raue Trockenrasenlandschaft und integriert sich als einfacher Körper aus Fichtenholz ganz selbstverständlich. Ausgeführt haben ihn die Architekten von KÜHNLEIN in althergebrachter Holzblockbauweise, wodurch der Stall auch noch die traditionelle Baukunst würdigt. Wirklich aufmerksam und aufmerksamkeitserregend – als architektonische Besonderheit für die Spaziergänger am vorbeiführenden Wanderweg.

15 Architektur KÜHNLEIN Architektur (Michael Kühnlein jun. + Michael Kühnlein sen.) Web www.kuehnlein-architektur.de Projekt Ziegenstall Kategorie Neubau Fassadenmaterial Fichte Adresse Seubersdorf Bauherr Bettina und Michael Kühnlein Planungsbeginn 2014 Fertigstellung 2014 Fotos Erich Spahn / www.erich-spahn.de

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Viel Architektur in einem Brett Seit 100 Jahren steht in Kneiting ein Holzstadel. Seit 100 Jahren der Witterung ausgesetzt. Nun entschieden sich die Bauherren gemeinsam mit dem Architekten Max Otto Zitzelsberger für eine „Reparatur“. Eine kleine bauliche Maßnahme mit überraschend großer Wirkung.

Wie repariert man 100 Jahre Zeichen des Verfalls? Der Stadel musste an der Südund Westseite angehoben werden und hat an beiden Seiten ein neues Fundament aus rohem Eisenbeton bekommen. Die Bretter der historischen Raffelschalung wurden auf der Westseite behutsam abgenommen. Die verfaulten und zerborstenen Schwellen, Riegel, Ständer und Kopfbänder wurden ersetzt. Das neu verwendete Holz stammt aus dem nahe gelegenen Wald. Gut erhaltene alte Hölzer wurden wieder eingesetzt. Auf Bleche und dergleichen hat man verzichtet, alles wurde stattdessen zimmermannsmäßig miteinander verbunden. Auf die fertiggestellte Konstruktion wurde dann eine Schicht Bretter aufgenagelt. Die Drahtstifte sind nicht verzinkt. Der ansetzende Rost wird für eine (nur mit Werkzeug zu lösende) Verbindung sorgen. Was war für Sie persönlich das Besondere an diesem Projekt? Der Stadel ist Teil einer kleinen

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Hofstelle im Ortszentrum von Kneiting. Es handelt sich dabei um eine alte Schmiede. Um einen zentralen Hof reihen sich ein stattliches Wohnhaus sowie das Werkstattgebäude, und nach Süden schließt der Stadel den Hofraum ab. Ein Wohnhaus an der Straße und ein rückwärtig liegendes Nebengebäude war einst die Typologie, die diesen Ort geprägt hat. Es sind nur noch we-

jedoch lässt sich nicht ohne weiteres an der Fassade befestigen. Es bedarf einer Stützkonstruktion, die in dem Fall durch Konsolenbretter gelöst wurde. Zur Gliederung der Fassadenfläche tragen somit nicht nur die Horizontalen bei. Die schwertartigen Konsolen behalten ihren Abstand pro Bretterfeld, variieren ihn aber nach oben. So entsteht ein Spiel, das klassische Fassa-

nige Höfe im Ort vorhanden, die so angeordnet sind. Ich fürchte, auch sie werden bald vollständig verschwunden sein. Mit der „Reparatur“ des alten Nebengebäudes findet nicht nur eine bauliche, sondern auch eine städtebauliche Reparatur statt. Mit einer kleinen architektonischen Intervention konnte auch auf einer größeren Maßstabsebene eine Verbesserung erreicht werden.

denordnungen (beispielsweise die der Renaissance) andeutet, die ebenfalls geschossweise abwechseln. Verkürzt gesagt: Der Ausdruck der neuen Giebelwand ist weder rein formal noch sachlich konstruktiv. „Konstruktion und Form gehören zusammen. Eine Konstruktion, welche nicht formal behandelt ist, wirkt brutal, und die Form, die nicht durch die Konstruktion bedingt ist, wird zur Phrase.“ 1 Gedacht wurde ganz im Sinne Sempers, der meinte, man müsse „aus der Naht eine Tugend machen“. 2 Am Ende steht eine Formensprache, die Ausdruck alter handwerklicher Methoden und in ihrem Erscheinen doch erkennbar ist als ein Werk unserer Zeit. So kann man nur hoffen, dass auch dieser neuen

Man sieht es nicht auf den ersten Blick, aber es stecken viele – vor allem handwerkliche – Details in diesem Gebäude, wie die Regenbretter … Regenbretter, die immer auf Höhe eines Querholzes liegen, schützen das Stirnholz vor eindringendem Wasser. Grundsätzlich entsteht die Hauptgliederung der Fassade demnach durch die bestehende historische Konstruktion, die sich durch die Regenbretter von innen nach außen passiv zeigt. Ein ordentliches Regenbrett

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Hülle aus Brettern ein 100-jähriges Bestehen geschenkt wird. Wie würden Sie Ihr persönliches Architekturverständnis beschreiben? Wie integriert sich das Projekt Heustadel in dieses Verständnis? Zum einen hat es mich gereizt, mit einer sehr kleinen baulichen Maßnahme eine in Relation weit größere Wirkung zu erzielen. Zum anderen wollte ich dem gerade in Deutschland herrschenden Trend einer übertriebenen Sanierungswut eine ganz leise Kultur des „Reparierens“ entgegensetzen, die es jahrhundertelang gab, die aber im Zuge der großen Auswahl an baulichen Maßnahmen und unseres Reichtums verloren gegangen ist. Bauen könnte viel einfacher sein, als es meist betrieben wird (auch im Hinblick auf die ständig wachsenden Verschärfungen von Gesetzen und Normen. Des Weiteren habe ich auf die regionale Wertschöpfung und auf den besonders sparsamen Umgang mit Ressourcen geachtet: Viel Holz konnte wiederverwendet werden, der andere Teil des Holzes stammt aus regionalen Wäldern in der Nähe. Es gab daher nur ganz kurze Transportwege. Am Ende haben regionale Firmen in Kombination mit nachbarschaftlicher Hilfe das Projekt umgesetzt. Zu guter Letzt konnte ich zeigen, wie viel Architektur in einem Brett stecken kann. „Der Klang der Bretter“ war mein erster Arbeitstitel, und ich habe den Eindruck, dass ich ihm treu geblieben bin.

1 Friedrich Hess, „Konstruktion und Form“, Stuttgart 1949 2 Gottfried Semper, „Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst“, Frankfurt a. M. 1860

Mit welcher Aufgabenstellung sind die Bauherren des Heustadels an Sie herangetreten? Der Stadel der alten Schmiede ist knapp 100 Jahre alt und hat seit jeher als landwirtschaftliches Lagergebäude gedient. Das tut er auch heute noch. Aber die Wetterseite liegt zum Hang und hat schwer unter der Einwirkung der Witterung gelitten. Die Bauherren haben sich zum Glück für eine „Reparatur“ des charaktervollen Nebengebäudes entschieden. In unserer Zeit voll Überfluss sind „Reparaturen“ an Gebäuden selten geworden, weshalb ich den Auftrag sehr gerne angenommen habe.

Architektur Max Otto Zitzelsberger – Architekt Web www.claudiaundmax.de Projekt Heustadel Kategorie Umbau, Holzbau Fassadenmaterial Gebrauchtes und neues Fichtenholz Adresse Kneiting Bauherr Privat Planungsbeginn 2014 Fertigstellung 2014 Nutzfläche 114 m2 Kosten EUR 12.000,– + Eigenleistung Bauherr Fotos Sebastian Schels / Simon Jüttner


KEIN HAUS … … aber ein wahrhaftiges Aufzeigen der Handwerkskunst. Mit viel Respekt für die Historie des Ortes und des Gebäudes näherte sich der Münchner Architekt Max Otto Zitzelsberger der „Reparatur“ des Heustadels. Brett für Brett durchdenkend und selbst die rostigen Details bewusst einplanend, schenkte der Architekt ihm kein neues Erscheinungsbild, sondern eines, das, weit wertvoller, dem Nutzen entspricht. Eines, das beständig ist. Vielleicht sogar die kommenden 100 Jahre überdauert.

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Eingelocht KEIN HAUS …

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… aber eine sanitäre Erlebniswelt. Für den umweltbewussten Golfclub Lauterhofen realisierten die Architekten und Golfer von Berschneider + Berschneider gleich mehrere Toilettenhäuser und eine Schutzhütte entlang des Grüns. Wahre Architekturstationen und nicht unbedingt stille Örtchen – mit klarer nachhaltiger Botschaft: Nahezu alle Materialien, die zum Bau der unterschiedlichen ThemenToiletten verwendet wurden, stammen aus der unmittelbaren Umgebung. Stroh von den Feldern des Golfclubs, vergessener Stahl, der im nahen Steinbruch gefunden wurde, Schnittholz aus einem früheren Rückschnitt und Naturstein aus einem Aushub. Ein bereicherndes Konzept, und das nicht nur für die erleichterten Nutzer.

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MEHR VON BERSCHNEIDER + BERSCHNEIDER Projekt No. 18 Seite 42 / Projekt No. 69 Seite 119

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Architektur Berschneider + Berschneider Architekten (Johannes Berschneider, Gudrun Berschneider) Web www.berschneider.com Projekt Stille Örtchen GC Lauterhofen Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Stahl, Holz, Stampfbeton Fassadenfirma Eigenleistung Adresse Lauterhofen Bauherr Golfclub Lauterhofen e.V. Fertigstellung 2015 Fotos (1, 2, 3) Erich Spahn / www.erich-spahn.de, (4) Studio b 15 / www.studio-b15.de, (5, 6) Petra Kellner / www.petrakellner.de

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MEHR VON BERSCHNEIDER + BERSCHNEIDER Projekt No. 17 Seite 40 / Projekt No. 69 Seite 119

Starke Gemeinschaft Echte Handarbeit: Das Stroh der Außenwände stammt von den Feldern des Golfclubs. Das Holz für den Dachstuhl aus dem angrenzenden Wald. Dieser wurde nach traditioneller Zimmermannskunst verwirklicht.

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Unterstand, Raststation oder Veranstaltungsort – die strohene Schutzhütte stärkte die Vereinsgemeinschaft. Schon bei der Errichtung, denn da arbeiteten die Spieler des Golfclubs mit den Architekten von Berschneider + Berschneider zusammen.

Architektur Berschneider + Berschneider Architekten (Johannes Berschneider, Gudrun Berschneider) Web www.berschneider.com Projekt Schutzhütte Langeggarten Kategorie Neubau Fassadenmaterial Stroh, Holz Fassadenfirma Eigenleistung Adresse Lauterhofen Bauherr Golfclub Lauterhofen e.V. Fertigstellung 2015 Fotos Petra Kellner / www.petrakellner.de

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KEIN HAUS … … aber ein Stück Literaturgeschichte. Denn die Architekten von quartier vier entwarfen das „rotating house“ nach dem Gartenhaus, in dem George Bernard Shaw schrieb. Ein Tisch, ein Sessel, eine Liege, ein Fenster – und trotzdem immer neue Eindrücke. Dem Namen entsprechend, lässt sich die Schreibhütte frei drehen. Der Prototyp wurde bereits realisiert, nun soll er zukünftig als Hörstation dienen. Auf dem Gelände und am höchsten Punkt der „im Tal – Stiftung Wortelkamp“ platziert und mit 360-Grad-Ausblick in die Landschaft wird hier das Hörbuch „Ein Sommer, der bleibt“ von Peter Kurzeck vorgelesen. Vom geschriebenen Wort zum gesprochenen. Vom Gartenhaus zum gebauten Literaturerlebnis.

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Architektur quartier vier (Hauke Herberg, Claudia Siebeck, Kim Wortelkamp) Web www.quartiervier.com Projekt rotating house Kategorie Neubau Adresse Hasselbach Bauherr Stiftung Wortelkamp Fotos (1) quartier vier, (2) National Trust, Matthew Androbus / www.nationaltrust.org.uk

MEHR VON QUARTIER VIER Projekt No. 65 Seite 113

Ringsherum

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Konzept des Kleinkrams Detailverliebt, sagen die meisten. Mühe in scheinbar nichtigen Kleinkram stecken, sagen Wirth Architekten. Mit dem „Remisenpavillon“ zeigen die Brüder, wie viel Mühe sie wirklich in diesen Kram investieren und welch Mehrwert für ihre Bauherren dadurch entsteht. Wenn eine Garage zum Beispiel auch für Empfänge genutzt werden kann. wurde vor 15 Jahren vom Blitz erschlagen und später vom Sturm gefällt. Der Stamm wurde zu breiten Bohlen gesägt, die jetzt die Tore bilden. Ein Restaurator hat uns beraten – wenn eine Außentür 300 Jahre überstanden hat, war sie meist nur mit Leinöl behandelt. Das Holz der Garagentore ist vierfach geölt.

Mit welcher Aufgabenstellung sind die Bauherren des „Remisenpavillons“ an euch herangetreten? Eigentlich sollte es nur eine Garage werden. Der Pavillon sollte ursprünglich dem Lagern und Bearbeiten von Brennholz dienen, zum Abstellen von landwirtschaftlichem Gerät, zum Parken von Autos. Nun kommt aber eine andere Funktion hinzu: die einer eleganten Loggia für Empfänge und Gartenfeste. Von der geplanten Garage zur gebauten Loggia mit Stellplätzen für die Autos. Welches Konzept steckt hinter eurer Planung? Der „Remisenpavillon“ ergänzt ein typisches altes Bauernhof­ ensemble der norddeutschen Region und arbeitet mit dessen Baulinien, Maßstab und den tradierten Materialien. Der Bau sollte mit einem leichten Handstrich, mit Selbstverständlichkeit und ohne die geringste Anstrengung dem Ensemble hinzugegliedert werden. Deswegen haben wir uns mit größter Mühe und

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enormer Anstrengung an das Projekt gemacht. Denn der Pavillon sollte auf keinen Fall das Gleichgewicht der bäuerlichen Struktur stören, sich aber trotzdem als neues Element zu erkennen geben. Von der Ferne erscheint der Kubus geschlossen und massig. Nähert man sich, wird die filigrane Struktur des Lochmauerwerks erkennbar, um die Ecke zeigt sich die Holzwand der raumhohen Eingangstore. Der Bau bildet eine so klare Form, dass Passanten immer wieder fragen, was das eigentlich ist. Meist wird davon ausgegangen, dass es sich um eine Kapelle handelt. Was war für euch persönlich das Besondere an diesem Projekt? Die verwendeten Materialien! Im Nachbarort stand eine alte Brandruine, deren Ziegel wahrscheinlich von der gleichen Ziegelei hergestellt wurden wie diejenigen des bestehenden Bauernhofes. Kein neuer Ziegel fügte sich in den Bestand ein wie dieser Ziegel. Das Eichenholz stammt ebenfalls aus der unmittelbaren Nähe: Eine große Eiche

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Ein wahres Highlight ist das Lochmauerwerk und die dadurch entstehenden Lichtsituationen. Warum hat man sich gerade für diese Ausführung entschieden? Der Baukörper sollte so ruhig wie möglich in der Landschaft liegen. Fensteröffnungen hätten diese Ruhe gestört, trotzdem sollte der Raum natürlich belichtet werden. Im Grunde hat der Pavillon sich selber entworfen, denn die

verlaufsförmige Anordnung des Lochmauerwerks dient dazu, die Wand zu öffnen, ohne dass ein Bruch zwischen Wand und Öffnung entsteht. Wie würdet ihr euer persönliches Architekturverständnis beschreiben? Wie integriert sich das Projekt „Remisenpavillon“ in dieses Verständnis? Wir stecken viel Mühe in scheinbar nichtigen Kleinkram, überlegte Konzepte und sorgfältige Planung. Entwurfsaufgaben beginnen bei uns in der Regel mit einer unvoreingenommenen Suche nach dem Kern der Nutzungsanforderung und einer sinnlich und funktional überzeugenden Lösung. Wir begeistern uns für ruhige, skulpturale und beständige Architektur und freuen uns über schöne und simple Detaillösungen.

Architektur Wirth Architekten (Benjamin Wirth, Jan Wirth) Web www.wirth-architekten.com Projekt Remisenpavillon Kategorie Neubau Fassadenmaterial Ziegelmauerwerk Fassadenfirma Meyer KG Adresse Affinghausen Bauherr Privat Planungsbeginn 01/2012 Fertigstellung 06/2015 Nutzfläche 42 m2 Fotos Christian Burmester / www.christianburmester.com


KEIN HAUS … … aber auch keine Kapelle. Obwohl der „Remisenpavillon“ von Wirth Architekten gern dafür gehalten wird. Kein göttliches Wunder bei der inneren Ruhe, die der Entwurf ausstrahlt. Verantwortlich für diese Ruhe sind die filigrane Struktur des Lochmauerwerks, die besondere Materialwahl und nicht zuletzt die Bescheidenheit in der Formgebung. Wenn auch als Garage geplant, wird der Pavillon nun weit vielfältiger genutzt. Als Loggia oder für Empfänge. Ein verändertes Nutzerverhalten, das aus der Qualität der Planung resultiert. Einfach wundervoll.

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Wenn ein Architekt für ein Projekt seine eigenen Grundsätze über Bord wirft, dann muss er sich seiner Sache wirklich sicher sein. Und tatsächlich wich das Team um Ulrich Langensteiner von seiner Grundüberzeugung, dass „die Balance von Funktion und Ästhetik dauerhafte Architektur hervorbringt“, für die Sanierung dieses Hauses ab. Abgesehen von konzeptionellen Veränderungen, die zukünftige Nutzung betreffend, war es die Vision einer sanften Verhüllung, die die Architekten dazu verleitete, ausnahmsweise die Ästhetik in den Vordergrund zu stellen: Hochgeschlossen, onduliert und dennoch hell und durchlässig sollte sich das Haus präsentieren. Zunächst wurde jedoch das ursprüngliche Wohnhaus mit separater Einliegerwohnung aus den 70er-Jahren weitgehend entkernt und partiell aufgestockt. Entstanden ist „ein völlig neues Gebäudeensemble aus zwei kubischen Baukörpern“, erklärt der Architekt und erfüllt damit den Wunsch der Bauherrin nach einer räumlichen Trennung von Wohnen und Arbeiten. Gemeinsam haben das neue Haupthaus mit Pool und das kleinere Bürogebäude ihr faszinierendes Äußeres: Eine eloxierte, gelochte Aluminiumfassade, die in übergroßem Abstand zur Mauer angebracht ist, zieht sich wie ein leichter Vorhang um den Baukörper und legt sich teilweise sogar über die ein oder andere Fensteröffnung. Was zunächst eigenwillig erscheinen mag, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als äußerst geschicktes Spiel mit den Möglichkeiten des Materials. Die dichte Lochung des Aluminiums sorgt innen dafür, dass das Tageslicht ungehindert in die Räume strömt und der Blick nach draußen nur sanft verschleiert erscheint. Besonders die Räume auf der Nord-Ost-Seite gewähren so keine Einblicke von außen und sorgen beispielsweise als Schlaf- und Badezimmer für eine intime Atmosphäre. Zur Blechschere wurde dann auf der Sonnenseite des Anwesens umso gründlicher gegriffen, denn hier eröffnen große Panoramascheiben spektakuläre Ausblicke. Abdeckbleche, Fensterbänke oder Eckprofile sucht das Auge vergeblich, sodass das ästhetische Moment nicht gestört wird. Wer die Regeln beherrscht, kann sie eben auch mal brechen. sos

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Privatsphäre trotz großzügiger Fenster: Wie ein leichter Vorhang legt sich die Aluminiumfassade über die Fenster des Schlafzimmers und schützt vor Blicken.

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Architektur Langensteiner Bienhaus Architekten (Julia Bienhaus, Ulrich Langensteiner) Web www.langensteiner-bienhaus.de Projekt Haus G Kategorie Umbau Fassadenmaterial Kalzit / Wellblech Fassaden­ firma Schneider Dach- und Holzbau Adresse Ettlingen Bauherr Privat Planungsbeginn 05/2013 Fertigstellung 04/2014 Nutz­ fläche 320 m2 + 70 m2 Fotos Langensteiner Bienhaus Architekten

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Talblick Eine Seite Beton – drei Seiten Glas. Ein Panorama­ ausblick, der sich sehen lassen kann.

Der Amsterdamer Architekt Paul de Ruiter hat im Jahr 2014 sein erstes Projekt in Deutschland fertiggestellt: eine Villa in Thüringen, mitten in der Abgeschiedenheit eines ländlichen Landschaftsraums. Ein kompromissloser Glas-Stahlbeton-Bau. Die Idee der „Villa K.“ ist zusammengefasst diese: ein Gebäude zu bauen, das sich so weit wie möglich zur Landschaft öffnet und durch die Fenster und von einer umlaufenden Terrasse aus herrliche Ausblicke ins Tal bietet. Drei Außenseiten des eingeschossigen Quaders bestehen daher fast ausschließlich aus raumhohen Glasflächen, lediglich die Hangseite wird von Betonplatten gebildet. Die Klarheit dieses Baus mit einer Wohnfläche von 248 Quadratmetern ist beeindruckend, auch, wie er sich als elegantes Ausrufezeichen in die Landschaft einpasst. Die Auflösung von Kategorien wie „schwer“ und „leicht“ gelingt de Ruiter hier geradezu beispielhaft. Man betritt das von Solarzellen, Wärmetauscher und Wärmepumpe mit Strom versorgte Gebäude von der Hangseite. Hier befinden sich Speisekammer, Lager-, Technik-, Wasch- und Jagdraum. Den vorderen Abschluss bildet der Außenpool zwischen Wohn- und Schlafbereich, der sich aus dem Haus herausschiebt und in den man vom Inneren des Gebäudes oder von der Terrasse einsteigt. Ein besonderer Clou dabei ist, dass sich der Terrassenboden aus Beton hydraulisch nach oben fahren lässt, sodass die Bewohner darunter hindurchschwimmen können. Die „Villa K.“ mit ihrer durchgehenden Glasfassade und dem auskragenden Vordach hat etwas überaus Luxuriöses, besticht aber gleichzeitig durch ihre Schlichtheit. Das Ganze sieht ein wenig nach Hollywood aus – passt jedoch auch hervorragend ins Erzgebirge. Wer die Architektursprache von Paul de Ruiter am Objekt studieren möchte, der kann das auch in der südniederländischen Provinz Zeeland tun, wo er – ebenfalls aus Glas und Stahl – die „Villa Kogelhof“ geplant hat, die ähnlich aufregend gestaltet ist. mpe

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Architektur Paul de Ruiter Architects (Paul de Ruiter, Noud Paes) Web www.paulderuiter.nl Projekt Villa K. Kategorie Neubau Adresse Thüringen Bauherr Privat Planungsbeginn 10/2010 Fertigstellung 10/2014 Nutz­ fläche 248 m² Fotos Pieters Kers / www.beeld.nu


Mehr als ein Lückenfüller Wenn man nicht viel Platz hat, um beim Neubau eines Wohnhauses in die Breite zu gehen, nutzt man eben Höhen und Tiefen aus, und zwar nach allen Regeln der Kunst. Johannes Daniel Michel, Teil der Ludwigsburger AMP Architekten, hat genau das mit einem hohen Maß an Stilsicherheit und Eleganz umgesetzt, denn trotz Platzmangels hat er im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt einen 216-Quadratmeter-Wohntraum auf fünf Ebenen erschaffen. Wo vorher eine kleine, alte Garage stand, steht heute das „Townhouse RHS30a“, ein modernes Stadthaus, das mit seiner glatten, grauen Fassade aus geschliffenem Putz und den versetzten, unterschiedlich großen Fenstern wahrlich nicht zu übersehen ist. Von der Straßenseite aus wirkt das Haus allerdings nahezu verschlossen. Nur acht kleine Fenster schmücken die Vorderseite und schenken den Bewohnern so maximale Privatsphäre und Lärmschutz. Die Hinterseite steht jedoch im schillernden Kontrast zur Vorderseite, den hier beeindruckt das Wohnhaus mit seiner Offenheit. Ebene eins und vier besitzen eine großzügige Glasfront über die gesamte Breite des Hauses, während Ebene zwei und drei eine große Loggia mit Blick in den dahinter liegenden Garten aufweisen. Die Optik des Gartens hat Architekt Johannes Daniel Michel übrigens auch in das Design des Hauses einfließen lassen, und zwar in Form der Loggia-Ballustraden. Statt der üblichen Designs wurde eine elegante Verzierung in Form von Blätterornamenten ausgewählt, die für ein charmantes Schattenspiel auf dem Boden sorgt – ein wiederkehrendes Element, das alle Ebenen des Hauses optisch miteinander verbindet. Es findet sich als Fensterrahmen an der Haus-Vorderseite wieder, genauso wie als Umrandung der geräumigen Dachterrasse und im Treppenhaus. Der Innenraum des Hauses ist in fünf verschiedene Wohnwelten unterteilt worden. Im Erdgeschoss befinden sich Hauseingang und Garage, darüber die Etage für die Kinderzimmer. Darauf folgt die Ebene mit Elternschlafzimmer und Bad, darüber die zwei Wohnebenen mit Küche und Wohnzimmer. Alle Räume sind nahezu komplett in Weiß und Hellgrau gehalten, wodurch in allen Zimmern eine moderne, nüchterne Atmosphäre entsteht. Besonders stylish ist die Konstruktion der Küchenmöbel. Sie stehen auf einem fast unsichtbaren Sockel, sodass es aussieht, als würden sie über dem Küchenboden schweben. Eine tolle Idee der Architekten, die angesichts der knappen räumlichen Gegebenheiten wirklich Außergewöhnliches vollbracht haben, mit einem der wohl schönsten Schattenspiele Stuttgarts. inv

23 Architektur AMP Architekten Web www.amp-architekten.de Projekt Townhouse RHS30a Kategorie Neubau, Niedrig­ energiehaus Fassadenmaterial Geschliffener Putz Stolit Milano Fassadenfirma Hans Scholl GmbH Adresse Stuttgart Bauherr Frank Peter Unterreiner Planungsbeginn 09/2013 Fertigstellung 04/2017 Nutzfläche 216 m2 Fotos Roland Halbe / www.rolandhalbe.de

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Kunst(t)raum

Eine alte Straßenmeisterei in ein architektonisches Juwel zu verwandeln ist gar nicht so einfach, vor allem, wenn sie so baufällig ist wie die ehemalige Meisterei in Sömmerda. Doch zum Glück erkannte nicht nur der Bauherr das große Potenzial des alten Gebäudes, sondern auch Christiane Hille von Tectum Hille • Kobelt Architekten aus Weimar. Das Anwesen besteht aus einer 90 Meter langen Halle mit einem quer dazu liegenden ehemaligen Sozialtrakt und einem daran angeschlossenen Galerie-Silo, der insgesamt 200 Quadratmeter Ausstellungsfläche bietet. Im Mittelpunkt der Umbauten standen die Halle und der Sozialtrakt, die zu einer großzügigen Einliegerwohnung mit 260 Quadratmeter Wohnfläche zusammengefasst wurden. Im Zuge der Renovierungen mussten sämtliche Gebäudeteile zunächst erst mal ordentlich entrümpelt werden. Bauschutt, Müll, mit Graffiti „geschmückte“ Wände – umfassende Aufräumarbeiten, die nicht zu unterschätzen waren. Danach wurden die Mauern innen um eine 25-Zentimeter-Porotonschale aus Dämmziegeln verstärkt und außen mit einer Cortenstahl-Fassade verkleidet, was den stylischen Industrial Look des Gebäudes betont und hervorragend zu den alten Stahlträgern auf der Terrasse passt – Industriecharme, wie er im Buche steht. Im Innenraum

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des Gebäudes haben sich die Eigentümer für einen spannenden Hell-Dunkel-Kontrast entschieden. Hier treffen Wände in Beige- und Creme-Nuancen auf einen Fußboden aus dunkler, geräucherter Eiche. Im Entrée des Sozialtraktes wurde statt Holzboden Estrich verbaut, doch auch hier taucht das dunkle Holz als wiederkehrendes Element in Form von Möbeln auf. Hinter dem Wohnbereich haben die Eigentümer eine große Galerie eingerichtet, die aus verschiedenen Räumen, einem Kellerkabinett, dem Heizhaus und einem Elektroraum besteht. Hier finden wechselnde Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und ein jährlicher Kunstmarkt statt, der auch im Außenbereich des Silos aufgebaut wird. Durch den Umbau der alten Straßenmeisterei wurde also nicht nur Wohnraum geschaffen, sondern auch ein Ort der Begegnung, ein Ort der Kunst – und somit ein großer Gewinn für Sömmerda. inv

Gelungene Mühe – die Entrümpelung des baufälligen Gebäudes war einiges an Arbeit. Erst dann konnten die Renovierungsarbeiten überhaupt beginnen. Gelohnt hat es sich!

24 Architektur Tectum Hille • Kobelt Architekten (Christiane Hille, Roberto Kobelt) Web www.tectum.de Projekt Wohn- und Galeriehaus Alte Straßenmeisterei Sömmerda Kategorie Umbau Fassadenmaterial Cortenstahl Fassadenfirma Maschinenbau Feld GmbH, Eigenleistung Bauherr Adresse Sömmerda Bauherr Privat Planungsbeginn 02/2013 Fertigstellung 05/2017 Nutzfläche 260 m2 Kosten EUR 295.000,– Fotos Alexander Burzik / www.alexanderburzik.de

Büro T E C T U M H I L L E • KO B E LT A R C H I T E K T E N , T H Ü R I N G E N  / Haus T H Ü R I N G E N


Gewachsenes Volumen „Architektur ist für uns der sichtbar gewordene Raum des menschlichen Zusammenlebens, geprägt durch Träume und Wertvorstellungen heutiger und vergangener Generationen“, sagen die Architekten von Schoener und Panzer in Leipzig. Dass man sie da durchaus wörtlich nehmen kann, zeigt ihr Projekt in Reinbek. Hier verwandelten sie ein Einfamilien-Arbeiterhaus aus den 1930er-Jahren mit eher beengtem Raum in ein wahres Platzwunder, ohne dass die Fassade ihren alten Charme verloren hat. Mehr Raum zu schaffen war eine der Aufgaben, denen sich die Architekten stellen mussten, eine andere, das Ganze mit einem eher kleinen Budget von 220.000 Euro zu realisieren. Beide wurden erfüllt, und das sogar preisverdächtig. Zur Straßenseite blieb das kleine Satteldachhaus fast unverändert, nach wie vor bildet es mit den umstehenden Häusern ein homogenes Gesamtbild. An der Gartenseite wurde ein zweigeschossiger Anbau aus großformatigen, hochwärmedämmenden Ziegeln mit einem leicht geneigten Dach errichtet. So gewann das Haus 120 Quadratmeter an Wohnfläche hinzu. Im neuen Teil befindet sich ein um drei Stufen höher gelegenes, offenes Wohnzimmer mit direktem Zugang zur Gartenterrasse, was dem Ganzen eine großzügige, helle Atmosphäre verleiht. Im Obergeschoss wurde

ein zusätzliches Schlafzimmer eingerichtet. Um den schon bestehenden Räumen die gleiche Großzügigkeit und Helligkeit zu geben, wurde die Zwischendecke vor dem Spitzboden zurückgebaut. Dadurch wurden die alten Holzbalken sichtbar, die mit den neuen, noch helleren Holzbalken im Dialog stehen, gleichermaßen wie Alt- und Neubau. Ein weiteres schönes Detail, das das Zusammenspiel der Generationen unterstreicht, ist der unkonventionelle Umgang mit dem Mauerwerk des Anbaus. Die großen Ziegel sind innen wie außen

Die großen Ziegel des Neubaus wurden sichtbar belassen und wie der Bestand weiß geschlämmt. Der scharfe Übergang – ein schönes Detail.

als Material sichtbar belassen und geben den Wänden dadurch Struktur. Die Oberfläche wurde weiß geschlämmt und passt sich so dem Farbton des alten Hauses an. Der Verputz folgt den Konturen des Altbaus bis hin zur Dachkante an den Giebelseiten und wird derart zur Verbindungslinie zwischen Alt und Neu. So bekommt das Mehrgenerationenwohnen eine ganz eigene Bedeutung und bekam der ungewöhnliche Materialeinsatz tatsächlich einen Preis, den „Sonderpreis Nachwuchs“ beim Deutschen Ziegelpreis 2017. tar

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Architektur Schoener und Panzer Architekten (Fabian Panzer, Michael Schoener) Web www.supa.info Projekt Haus Reinbek Kategorie Umbau Fassadenmaterial Wienerberger Poroton T7 Fassadenfirma Stroh Bauausführung Hamburg Adresse Reinbek Bauherr Privat Planungsbeginn 11/2014 Fertigstellung 09/2015 Nutzfläche ca. 145 m² Kosten EUR 220.000,– Fotos Schoener und Panzer Architekten

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Ebene mit Bestand Auf diesem Grundstück in Germering in der Nähe von München stand bis vor kurzem noch ein recht unscheinbares Haus. 2016 hat sich das Erscheinungsbild aber drastisch geändert, nachdem sich die beiden Büros ARNOLD / WERNER und tillicharchitektur gemeinsam ans Werk gemacht hatten. Sie haben den L-förmigen Bungalow aus den 1970er-Jahren bis auf die Grundmauern abgerissen, entkernt und neu aufgebaut. Ungenaue Geometrien und ein schwieriger statischer Bestand machten eine Komplettveränderung nötig. Entstanden ist ein schwarzes, schick und modern anmutendes Gebäude. Die größte äußerliche Veränderung betrifft den Dachstuhl. Er hat jetzt einen steileren Neigungswinkel, wodurch der Dachraum besser ausgenutzt werden kann. Dort ist nun Platz für zwei Kinderzimmer, eine Galerie, einen Arbeitsraum und ein Badezimmer. Ins untere Geschoss gelangt man über die Treppe, die bei der Neugestaltung des Hauses ebenfalls verändert wurde. Einst gab es eine

Wendeltreppe, nun hat sie ein Zwischenpodest, wodurch sie entspannter zu begehen ist. Dies darf auch im Sinne der Altersgerechtigkeit verstanden werden, auf die die Bauherren besonderen Wert gelegt haben. Fragt man den Architekten Sascha Arnold nach dem persönlichen Highlight des „Hauses Germering“, heißt es: „Die Öffnung des Hauses zur großen Terrasse, die die Gartenumgebung und die Terrasse zu einem Teil des Wohnraums werden lässt.“ Das gelingt vor allem dank großer Schiebeglas­türen und des barrierefreien Übergangs vom Wohnbereich nach draußen. Viel Platz gibt es nicht nur in Richtung Außenfläche, sondern auch nach oben. Die Decke des Raumes ist im Wohn­b ereich bis zum Dach geöffnet, wo ein Fenster für Lichtzufuhr auch von oben sorgt. In der dunkleren und vor allem kälteren Jahreszeit kann sich die vierköpfige Familie auf die Wärme des eingebauten Kamins freuen. Kalt sollte es dank der Fußbodenheizung im ganzen Haus aber ohnehin nicht werden. roa

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Architektur ARNOLD / WERNER, tillicharchitektur Web arnoldwerner.com, tillicharchitektur.de Projekt Haus Germering Kategorie Umbau Fassadenmaterial Holzleisten aus Fichte, schwarz getaucht Fassaden­f irma Schreinerei Zdovc Adresse Germering Bauherr Privat Planungsbeginn 10/2014 Fertigstellung 10/2016 Nutzfläche 257 m² Kosten EUR 860.000,– Fotos (1) Luis Kuhn / www.luiszkuhn.de, (2) Burko Jäger / www.burkojaeger.com

Der Bungalow aus den 1970er-Jahren wurde komplett erneuert – mit neuem Dachraum und großem Terrassenraum ausgestattet. Das bringt auch im Inneren Luft nach oben.

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Auch der umlaufende Sitzpodest, welcher im Bett mündet, wurde von Architekt Sohrab Zafari mitgeplant. Ergänzt durch die Küche und das Bad, benötigt man eigentlich nicht mehr zum Leben.

MEHR VON ATELIER ZAFARI Projekt No. 50 Seite 90

Die Verwandlung

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„Es sollte etwas Parasitäres darstellen. Einen Fremdkörper, der optisch nichts mit dem Haus darunter zu tun hat“, erzählt Architekt Sohrab Zafari über die Ausgangslage seines Entwurfs. In Berlin-Neukölln steht das „Haus darunter“, ein Plattenbau aus den 1970er-Jahren und Grundrissvorgabe für Zafaris „Floating Penthouse“. Denn der Wunsch des Bauherrn war eine Aufwertung des Bestandes durch eine Dachaufstockung. Das realisierte der Architekt auch, setzte aber noch eines drauf. Genauer gesagt: ein ganzes Haus. Denn nicht weniger ist das Penthouse – ein Haus auf dem Haus. Ein objekthafter, schwarzer Körper, von außen gesehen, und ein unglaublich lebendiger Raum, von innen betrachtet. Dieser schwingt sich völlig offen um den geschlossenen Kern, bestehend aus Technikraum, Treppe und Badezimmer. Trennende Wände gibt es zwischen Wohn-, Schlaf- und Essbereich nicht; sie werden nur von der inneren Geometrie gesondert. Die raumhohen Fenster lassen Innenraum und Außenraum verschmelzen und geben durch die Möglichkeit zur nahezu gänzlichen Öffnung immer neue Situationen frei. Die exponierte Lage – auf dem Dach und über den anderen Dächern der Stadt – macht hingegen die Jahreszeiten besonders erlebbar. „Natürlich war die Befürchtung des Bauherrn da: eine schwarze Fassade und noch dazu am Dach. Das Haus muss sich ja aufheizen. Ich war aber immer überzeugt, dass dies nicht der Fall sein wird. Vor allem, weil genau diese schwarzen Blechwände keine direkte Verbindung zum Innenraum haben“, berichtet Zafari über den Einzug des Bauherrn

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im Spätsommer 2017 und ergänzt: „Und dann kam noch ein besonderes Phänomen hinzu. Durch die umlaufende Terrasse haben wir gerade an den Brandwänden einen Luftkanal geschaffen. Die Luft zirkuliert beständig, und die schwarze Farbe absorbiert das Licht. Ich habe bis jetzt nur positive Rückmeldung erhalten und bin schon gespannt, wie der Bauherr nun den Winter erlebt.“ Zu vermuten ist aber, dass er ebenso von den Besonderheiten der

Raumsituation und der Entwurfsgewalt profitiert, wie es auch das Haus selbst tut. Wenn auch als Parasit geplant, agiert es nicht wie ein Fremdkörper. Zu viel gibt es seiner Umgebung zurück und erzählt die Geschichte der umgebenden Gebäude weiter. Von den angrenzenden, denkmalgeschützten Altbauten über das Bestandshaus aus den 1970er-Jahren zum „Floating Penthouse“ und damit in die Gegenwart. ros

Architektur ATELIER ZAFARI Web www.atelier-zafari.com Projekt Floating Penthouse Berlin Kategorie Neubau Fassadenmaterial Trapezblech Fassadenfirma Feige Bauunternehmen Adresse Berlin Bauherr Privat Planungsbeginn 03/2016 Fertigstellung 09/2017 Nutzfläche 80 m2 + 40 m2 Terrasse Kosten ca. EUR 300.000,– Fotos Werner Huthmacher / www.werner-huthmacher.de


Mehrwert

Das „Floating Penthouse“ ist vor allem eines: mehr. Es ist mehr als eine Dachaufstockung, mehr als eine Aufwertung, ja sogar mehr als ein Penthouse. In Berlin plante Architekt Sohrab Zafari ein Haus auf einem Haus, eine erlebbare Situation aus Raum und Licht – und brachte sie zum Schweben. Betrachtet man das „Floating Penthouse“ von außen, scheint es solide auf dem Dach zu thronen und nicht gerade zu schweben. Aus welcher Eigenschaft resultiert der Name? Der Name bezieht sich auf etwas, was man nicht sieht, jedoch Kern des Entwurfs ist. Ausgangslage war der Wunsch nach einer Aufstockung auf einem Gebäude aus den 1970er-Jahren, aber die letzte Decke des Hauses ist so schwach dimensioniert, dass man sie nicht ohne weiteres bebauen konnte, schon rein statisch gesehen. Dann kommt die Auflage des Baurechts hinzu, dass nur zwei Drittel der darunterliegenden Fläche verbaut werden dürfen. Eine übliche Lösung für dieses Problem wäre ein Staffelgeschoss gewesen, doch dann hätten wir einen seltsam proportionierten, schlauchartigen Körper erhalten. Besonders schön wäre dies nicht gewesen. Stattdessen sind wir auf die Idee gekommen, die Terrassen schmal zu halten, aber um alle Seiten des Penthouse herumzuziehen. Aber auch in diesem Entwurf blieb das Problem der Statik bestehen. Wir hätten die großen Glasfronten auf das Dach stellen müssen. Schlicht unmöglich. Und wie wurde das Problem schließlich gelöst? Wir haben gemeinsam mit dem Statiker eine Konstruktion entwickelt, die es erlaubt, die Terrassen sowie die Glasfronten über dem Bestand schweben zu lassen. Zuletzt musste noch entschieden werden, ob diese Konstruktion auch sichtbar sein soll. Ich habe mich aber dagegen entschieden. Das Penthouse sollte wie das Leben selbst sein:

Nicht alle wesentlichen Dinge sind sichtbar, aber spürbar. Neben dem rein formellen Auftrag einer Dachaufstockung – mit welchen konkreten Wünschen ist der Bauherr noch an Sie herangetreten? Die Auftragsbasis war eigentlich die Aufwertung des Bestandsgebäudes. Eine Aufwertung durch eine Aufstockung sozusagen. Das Penthouse sollte als optischer Fremdkörper geplant werden, der sich zwar in die Umgebung einfügt, aber dem Haus eine neue Dimension gibt. Für mich persönlich war es dann im Entwurf wichtig, dass das Projekt nicht nur äußerlich Bedeutung bekommt, sondern auch im Innenraum etwas Neues darstellt und einen ungewöhnlichen Raum bietet. Diese Kombination von Außen- und Innenraum hat schlussendlich den Bauherrn überzeugt. Nun, da es fertiggestellt ist, hat das „Floating Penthouse“ äußerlich etwas Objekthaftes an sich und besteht im Inneren eigentlich aus Raumsituationen, die sich elementar erfahren lassen. Wie kann man sich diese erlebbaren Raumsituationen vorstellen? Das Penthouse orientiert sich U-förmig um den Treppenkern. Dadurch ergeben sich drei Bereiche. Küche, Wohnzimmer und Schlafzimmer sind nicht durch Wände, sondern nur durch die Geometrie des Entwurfs voneinander abgetrennt. Der Bauherr ist vor ungefähr einem halben Jahr eingezogen und hat relativ schnell angefangen, von der Situation zu schwärmen. Von dem Raum, der auch physisch erlebbar ist. Im Innenraum findet man schnell sein Plätzchen

oder man öffnet die großzügigen Glasfronten und macht damit eigentlich die Terrasse und den Innenraum zu einem Ganzen. Das Raumangebot wurde schnell genutzt und gut angenommen. Immer wieder ist zu lesen, dass Licht und Raum die Grundpfeiler Ihres Architekturverständnisses darstellen. Können Sie diesen Zugang anhand des „Floating Penthouse“ erklären? Ich denke, gerade bei diesem Projekt ist dieses Verständnis besonders deutlich. Ich versuche, einen Raum zu schaffen, der in dieser Situation nicht gewöhnlich ist. Es geht nicht nur darum, auf die Grenzen des Grundstückes – oder in diesem Fall des Daches – einzugehen, sondern darum, Räume zu schaffen, die universeller sind. Genau das schaffe ich dann oft mit Licht. Eine Verbindung, die über die Grenzen hinausgeht und den Räumen eine besondere Tiefe verleiht. Eine besondere Lichtsituation. Eine besondere Raumsituation. Ja, etwas, das dieses kleine Penthouse viel größer macht, als es eigentlich ist. Wenn wir von Licht sprechen, ist dann Tageslicht oder künstliches Licht gemeint? Mir persönlich geht es in erster Linie um das Tageslicht. In Berlin wird mir oft gesagt, dass es nicht genügend natürliches Licht gibt, um wirklich damit zu arbeiten. Das macht man eher in Südeuropa. Da bin ich gänzlich anderer Meinung. Man muss nicht täglich in der prallen Sonne sein, um im Entwurf mit Licht zu spielen. Nur wenn wir Gebäude bauen, die das natürliche Licht nicht zeigen, kommt es uns so vor, als

hätten wir zu wenig. Da mich diese Thematik aber prinzipiell fasziniert, mache ich mir natürlich auch Gedanken um künstliche Lichtquellen. Gerade wenn es darum geht, wie eine räumliche Situation nachts wirkt, oder aber im Außenbereich. Da setze ich künstliches Licht gern in der Architektur so ein, dass durch die Beleuchtung des Außenraumes auch der Innenraum gewinnt. Eine letzte Frage: Was war für Sie persönlich das Highlight des „Floating Penthouse“? Ich habe versucht, und ich glaube, es ist mir auch gelungen, nicht die Architektur des Objekts, sondern den erlebbaren Raum in den Vordergrund zu stellen. Das Leben an sich steht hier im Vordergrund. Alle elementaren Dinge, die man zum Leben braucht, sind vorhanden. Der umlaufende Sitzpodest, der in das Bett übergeht, die eingebaute Küche und das versteckte Bad. Man hat im Penthouse das Gefühl, dass man zum Leben eigentlich nicht mehr braucht. Es ist ein Raum, der mit nichts auskommt und trotzdem so viel bietet. Dass dies möglich ist, hat mich persönlich fasziniert.

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Kreative Begrenzung

Architektur Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten (Stephan Birk, Liza Heilmeyer, Martin Frenzel) Web www.bhundf.com Projekt Haus B Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus Fassadenmaterial Wellblech Fassadenfirma Bemo, Ilshofen-Eckartshausen Adresse Beinstein Bauherr Privat Planungsbeginn 05/2014 Fertigstellung 09/2016 Nutzfläche 130 m² Kosten EUR 300.000,– Fotos Brigida González / www.brigidagonzalez.de

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Ein 197 Quadratmeter großes Grundstück. Ein beengter Bebauungsplan. Eine festgesetzte Baulinie. Ein drittes Geschoss, das um zwei Meter zurückspringen muss. Ein Budget von 300.000 Euro. Vorgaben, die Architekten bei der Planung einer Immobilie wohl eher abschrecken als anziehen. Anders beim Team von Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten aus Stuttgart mit ihrem „Haus B“. „Damit die Belichtung und Besonnung aller Nachbargrundstücke in gleicher Qualität sichergestellt ist, verlangte die hohe bauliche Dichte nach einer Kubatur“, beschreibt Stephan Birk die konsequente Entwicklung des Hauses aus dem definierten Regelfenster. Auffallend ist dabei vor allem die ungewollte optische Abgrenzung zur Nachbarschaft: Eine dunkle Wellblechfassade umspannt das ganze Gebäude und unterstreicht zusätzlich dessen skulpturale Wirkung. Als „Echo der Vergangenheit“ soll der Werkstoff auf die Geschichte des Standortes, ein ehemaliges Fabriksgelände, hinweisen. „Vor allem ist Wellblech aber auch ein industrielles, günstiges und halbwegs umweltbewusstes Material“, erklärt Birk. Und praktisch: „Es handelt sich um eine hinterlüftete, aus Schichten aufgebaute Fassadenkonstruktion. Im Falle eines Rückbaus kann sie wieder in ihre Einzelelemente zerlegt werden.“ Fenster und Türen wie herausgestanzt. Kein Regenschutz über dem Eingangsbereich. Keine Ablenkungen an der Außenhaut. Bewegung erzeugen

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allein die Wellen des Blechs. Ein disziplinierter Umgang mit den Materialien, der sich auch in den Innräumen weiterverfolgen lässt: In Absprache mit den Bauherren entschieden sich die Architekten – als Kontrapunkt zur industriellen Außenhülle – für eine pure, klare, aber auch wohnliche Atmosphäre. „Für die Einbauten haben sich einfache Tischlerplatten angeboten. Sie sind leicht zu verarbeiten, haben eine schöne warme Farbe und sind eine passende Ergänzung zu den sichtbaren Betonflächen und dem Wellblech“, beschreibt Birk

den überlegten Einsatz der Baustoffe. Wie ein Unikat vom Fließband erscheint das „Haus B“. Und auch das Weitere ist geprägt von dieser praktischen Denkweise: Als energetisch optimiertes Gebäude verfügt die Wohnschatulle aus Wellblech über kontrollierte Lüftung und Wärmerückgewinnung. Zusätzlich versorgt eine PV-Anlage auf dem Dach neben dem Wohnhaus auch ein Elektrofahrzeug mit ausreichend Strom, sollte man sich doch einmal etwa in die Stuttgarter Innenstadt aufmachen wollen. anm

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Familienrahmen

Wenn Sie Daumen und Zeigefinger Ihrer beiden Hände abspreizen und mit diesen einen Rahmen bilden, haben Sie nicht nur eine wirkungsvolle Koordinationsübung absolviert, sondern auch eine gute Vorstellung davon, wie die beiden L-förmigen Gebäude des „Ensembles Keilberg Mansion 2.0“ in Lichtenstein angeordnet sind. Auf dem parkähnlichen Grundstück der Familie entstand, gegenüber dem bereits bestehenden Elternhaus, ein Neubau, mit dem „die Idee eines Vierseitenhofes angedeutet wird“, beschreiben Joerg Springer und Robert Mieth von scarchitekten Berlin die repräsentative „Gebäudeund Landschaftsskulptur“ aus ihrer Feder. Auch die junge Bauherren-Familie hatte besondere Vorstellungen von ihrem neuen Zuhause mit 217 Quadratmeter Wohnfläche auf zwei Etagen. Entstanden ist ein Haus mit einem multifunktionalen Plateau, welches als Sockel für die Wohnebene dient und so die abfallende Topografie nicht nur in die Architektur einbezieht, sondern diese inszeniert. Eine ungewöhnliche Art Freitreppe führt hinauf und ist mit ihrer Rampe und den Stadionstufen wie geschaffen für große Feste oder familiäre Geselligkeit an warmen Sommerabenden. Das weit herausragende Dach des Plateaus bietet dabei Schutz vor jeder Witterung, sofern man sich nicht gleich nach drinnen zurückziehen möchte. Die besten Partys finden ja ohnehin angeblich in der Küche statt. Praktisch also, dass sich sowohl diese als auch das hallenartige Wohnzimmer direkt durch je eine Glastür vom Plateau aus begehen lassen. Über die gesamte Länge des Wohnzimmers erstreckt sich nicht nur eine maßgefertigte Sofalandschaft, sondern vor allem die riesige Glasfront nach Westen, die den Ausblick wie ein Foto vom Garten wirken lässt und das Wohnen auf dieser Etage transparent macht. Die privaten Räume des Hauses lassen sich durch eine Treppe zwischen Küche und Wohnzimmer wie auch durch einen separaten Zugang erreichen. Sie befinden sich in der unteren Etage, die topografisch „die Landschaftsmulde in Besitz“ nimmt, wie die Architekten erklären. Nach Osten orientiert, wenden sich alle Zimmer der Morgensonne zu und laden auch zu Momenten der Zurückgezogenheit ein. Große Nähe und Offenheit sowie ein sich ergänzendes Miteinander bestimmen das Leben der Familie – die vervollständigende Bebauung des Grundstücks spiegelt diese Werte architektonisch und unterstützt ganz praktisch ihre Lebbarkeit. Ein bildschön gestalteter – Familienrahmen. sos

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Architektur scarchitekten Berlin (Joerg Springer, Robert Mieth) Web www.scarchitekten.de Projekt Ensemble Keilberg Mansion 2.0 Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus Fassadenmaterial Blauschwarzer Theumaer Fruchtschiefer Fassadenfirma Keilberg Gebäudesanierungs GmbH & Co. KG Adresse Lichtenstein Bauherr Claudia und Immanuel Keilberg Planungsbeginn 03/2013 Fertigstellung 07/2017 Nutzfläche 217 m² Wohnfläche, 161 m² zusätzliche Nutzfläche Fotos Swen Gottschall Berlin / www.swengottschall.de

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Fast wie draußen

Es heißt, der Blick in den Wohnraum eines Menschen sei wie ein Blick in dessen Seele. Der Blick der hier lebenden Bauherren kennt vor allem eine Richtung: nach draußen. Zur Straße hin die Privatsphäre mit schwarzem Kalkschiefer wahrend, öffnet sich die komplette Südseite des leicht U-förmigen Bungalows mit einer großen Ganzglasfassade, die die Sicht auf die Landschaft ringsum freigibt. Dabei gibt es auch drinnen sehr viel zu entdecken. „Die Fenster zum Innenhof können auf allen Seiten aufgeschoben werden und lassen den Außen­b ereich durch die Überdachung und Heizquellen auch an kalten Tagen mit dem Wohnraum verschmelzen – eigentlich haben wir unser privates, intimes Wellnesshotel geschaffen“, beschreibt Architekt und Bauherr Thomas Meese das entworfene Refugium. Dementsprechend großzügig ist auch die Spa-Landschaft mit Sauna und Liegebereich gestaltet – beim Bad in der an der Fensterfront platzierten freistehenden Steinbadewanne reicht die Sicht bis zur Zugspitze in den Alpen. Fast so, als bade man draußen in der Natur. Zwei Jahre lang wurde nach dem geeigneten Grundstück für das eigene Traumhaus gesucht. Das existierte schon längst als Modell, bevor es an einem Ortsrand vor den Toren Augsburgs zur Realität wurde. Die barrierefreie Bauweise stellt sicher, dass es auch im hohen Alter noch genutzt werden kann. Mit der Einliegerwohnung im Untergeschoss wurde ebenfalls an die Zukunft gedacht: Mit eigenem Badezimmer und durch einen separaten Zugang erreich­b ar, kann diese irgendwann vom Sohn genutzt werden – oder, falls notwendig, von einer Pflegekraft. Bis dahin steht das Haus, das über ein Gästezimmer mit eigenem Bad verfügt, vor allem Freunden und der Familie der Bauherren offen. Angel­­ punkt ist die zentral gelegene Wohnküche mit Bar und einer eigenen Bierzapfanlage in der Speisekammer. Von hier aus gelangt man auf die Terrasse, deren „Chill-out Area“ um eine offene Feuerstelle angeordnet ist. Und vielleicht schwimmt man ja noch eine Runde im Pool. Kein Wunder, dass es auch Gäste gibt, die bleiben – wie die Glückskatze, die sich das Haus als permanente Residenz auserkoren hat. mip

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An später gedacht: Der abgesenkte lederbezogene Sitzbereich rund um den Kamin kann zum Zwecke der Barrierefreiheit aufgeschüttet werden.


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Architektur Meese Architekten Web www.meese-architekten.de Projekt Wohlfühl-Bungalow mit Weitblick Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus Fassadenmaterial Kalkschieferplatten, verklebt Fassadenfirma A8 Stone Adresse Affing Bauherr Thomas Meese Planungsbeginn 2012 Fertigstellung 03/2015 Nutzfläche 310 m² Fotos Thomas Drexel

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Nordisch by Nature Nordische Schönheit: Das eingeschossige Giebelhaus nimmt sich die nüchterne Klarheit von Gehöften der Region zum Vorbild.

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Am Anfang stand die Frage der Bauherren: „Wie können wir unsere Vorstellungen mit in die Nachbarschaft einfügen?“ Die Nachbarschaft ist typisch für das Hamburger Umland: ein dichtes Neubaugebiet mit Einfamilienhäusern. Die Idee der Bauherren, wie das neue Haus aussehen sollte, machte die Aufgabe besonders interessant, erinnern sich die Architekten Marc-Philip Reichwald und Peter-Karsten Schultz, die Büros in Berlin und Hamburg betreiben: „Die Bauherren wünschten sich eine zurückgenommene Architektur. Einen Holzbau, der die heiter entspannte Einfachheit nordischer Ferienhäuser ebenso wie die nüchterne Klarheit von Gehöften dieser Region aufnimmt.“ Und genau so sieht der Winkelbau „Haus B Ellerbek“ in Ellerbek bei Hamburg heute aus: zwei nur eingeschossige Häuser mit zumeist offenem Giebelraum, im Winkel direkt aneinandergesetzt, präzise verschalt mit Lärchenholz, mit einer Dacheindeckung aus dänischem Trapezblech. „Das Haus ist niedriger als die anderen Häuser der

Siedlung“, so Schultz. Es ist eine besondere Mischung aus Kargheit und Eleganz, die dieses Gebäude ausstrahlt, das von einer Wiese und einem Garten umgeben ist. Besonders die Details hier sind auch überaus stimmig: Die Holzschalung der Fassade etwa zieht sich gekonnt über die Haustüre. In seiner ganzen Schlichtheit – man beachte die weißen Fronten der Küchenmöbel, die Fliesen oder den zwölf Meter langen Flur mit seiner Verkleidung aus Seekiefernplatten – hat der Bau auch etwas Leichtes. Immer wieder lässt er tatsächlich an nordische Ferienhäuser denken. Ein Augenschmeichler ist unter anderem der besonders schöne Guss­ asphaltboden des Gebäudes. Es ist ein Haus für eine vierköpfige Familie, durch das an heißen Sommertagen der nordische Wind wehen kann: Der offene Essbereich lässt sich durch zwei gegenüberliegende Schiebetüren in eine Art bedachte Terrasse verwandeln. Ein Hybrid aus Ferienhaus und Gehöft im Neubaugebiet – das auf einfachste und edelste Weise gestaltet ist. mpe

Architektur REICHWALDSCHULTZ (Marc-Philip Reichwald, Peter-Karsten Schultz) Web www.reichwaldschultz.de Projekt Haus B Ellerbek Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Lärche, gehobelt, mit Vergrauungslasur Fassadenfirma Christian Stolz Bauen, Hamburg Adresse Ellerbek Bauherr Privat Planungsbeginn 02/2016 Fertigstellung 03/2017 Nutzfläche 155 m² Fotos Marcus Ebener / www.marcus-ebener.de

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Der kleine Balkon über der Eingangstür wurde ironisch „Bootsanleger“ getauft, in der Hoffnung, dass er dieser Funktion niemals gerecht werden muss.

Ochsenblutrot Ganz und gar ochsenblutfarben taucht das Doppelhaus in der beliebten Neubaugegend Bruchsals zwischen der dicht bebauten Nachbarschaft auf. Hier sieht kaum ein Haus aus wie das andere, und dennoch strahlt ausgerechnet „Das Rote Haus“ eine wohltuende Ruhe aus, was der monochromen Farbgebung von Dach, Wänden und Details zuzuschreiben ist. Gleichzeitig wurde hier eine Bauauflage der Stadt umgesetzt, denn ein rotes Ziegeldach war gestalterische Vorgabe. Auf drei Etagen und mit insgesamt 164 Quadratmetern konnte verwirklicht werden, was die Familie mit zwei Kindern sich am meisten wünschte: viel Raum. Zugunsten der Wohnfläche rangen die Architekten tatsächlich um jeden Meter, „da das Baugrundstück eine sehr begehrte citynahe Lage besitzt und daher eher aus der beengten Restfläche neben einer bereits gebauten

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Doppelhaushälfte bestand“. Auf die üblichen Dachüberstände konnte beispielsweise ganz verzichtet werden, sodass ein Doppelhaus mit vier statt der üblichen zwei Ecken entstand. Ein nicht ausschließlich funktionaler Kunstgriff, denn die Eigenständigkeit des Gebäudes wird so hervorgehoben. Die Proportionen konnten weiter optimiert werden, indem der Kamin als vertikales Element an der breiten Giebelfassade errichtet wurde. Eine Herausforderung bei der Planung bestand für das Team um Norman Binder und Andreas-Thomas Mayer darin, stets die besondere Lage in einem Hochwassergebiet mitzudenken. So wurde das tiefliegende Eingangsgeschoss als „weiße Wanne“, also als

wasserdichte Stahlbetonkonstruktion, umgesetzt. Alle Öffnungen auf dieser Ebene können gegen etwaiges eindringendes Wasser abgedichtet werden. Im Inneren setzt sich die puristische Architektur fort und nimmt sich mittels klarer, einheitlicher Materialien zurück. Massives Eichenparkett, weiße Wände und lichtgraue Holzfenster unterstreichen das Konzept, denn der „Stahlbeton der Konstruktion wird innen als Sichtbeton erlebbar“, wie Binder erklärt. Herzstück des Familienheims ist der elegante Kamin aus Stahlblech im Wohnzimmer, der als Mittelpunkt zwischen der offenen Küche und der Glasfront zur Gartenterrasse Gemütlichkeit garantiert. sos

Architektur f m b architekten (Norman Binder, Andreas-Thomas Mayer) Web www.fmb-architekten.de Projekt Das Rote Haus Kategorie Neubau Adresse Bruchsal Bauherr Privat Fertigstellung 2016 Nutz­f läche 164 m² Fotos Andreas-Thomas Mayer

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Mut zum Maß Architektur gronych + dollega architekten (Peter Gronych, Yvonne Dollega) Web www.gronych-dollega.de Projekt Wohnen im Hardtwald Kategorie Neubau Fassadenmaterial Glas, Metall, Putz Adresse Bad Homburg vor der Höhe Bauherr Privat Planungsbeginn 2014 Fertigstellung 2016 Nutzfläche 270 m² Fotos gronych + dollega architekten ie Stahltreppe prägt als D Raumskulptur den Innenbereich.

Der kreisförmige Essplatz schwebt scheinbar über der Wasserfläche.

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Im Hardtwald in Bad Homburg findet man nicht nur viel Geld und schöne alte Villen, sondern auch Beispiele, wie mutige Architektur aussehen kann. Das Neubauprojekt „Wohnen im Hardtwald“ von gronych + dollega architekten ist eines, das sich überdies perfekt in den Bestand einfügt. Der Bestand, das sind hier vor allem viele alte Bäume, die mit der skulpturalen Architektur eine ungewöhnliche Verbindung eingehen. Auf einem vergleichsweise kleinen Grundstück und fußend auf dem Bebauungsplan mit seinen strengen Vorgaben, was etwa Dachneigung und Größe des Baukörpers betrifft, ist hier etwas Besonderes gelungen: „Ziel war es“, sagen die Architekten aus Wetzlar, „großzügige Bezüge zwischen innen und außen zu definieren.“ Im Außenbereich reflektierende Wasserflächen, die wechselnde Raumstimmungen erzeugen, dazu hohe Verglasungen im Erdgeschoss – so wird die Grenze vom Außen- zum Innenraum transparent. Das mehrfach preisgekrönte Einfamilienhaus punktet aber nicht nur mit der Einbeziehung der Umgebung in die Architektur, sondern auch mit einer besonderen Kühnheit des markanten, monolithischen Entwurfs. Vorgaben begreifen die Architekten als Herausforderung, wie sie sagen: „Randbedingungen muss man immer positiv bewerten, sie bieten eine unerschöpfliche Quelle für das Entwickeln der baulichen Gestalt. Beim Entwerfen ist man froh, wenn man ein paar Maße hat. Schließlich ist die Form selbst nicht vorgeschrieben. Erst die sinnvolle Anordnung und Ausformung der Elemente lässt Architektur entstehen.“ Betritt man das Obergeschoss verliebt man sich vollends in dieses Haus: „Die Schrägverglasungen erzeugen ein Gefühl, als lebe man in den Baumwipfeln“, fassen es die Architekten zusammen. „Wohnen im Hardtwald“ ist ein schönes Beispiel für innovative Architektur, die sich an den individuellen Bedürfnissen der Bewohner orientiert, sensibel auf den vorhandenen Ort reagiert und in ihrer kraftvollen skulpturalen Ausformung zum Unikat wird. mpe


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Einem uralten, heruntergekommenen Haus neues Leben einzuhauchen – davon träumen viele. Auch Theresa Wiechova und Armin Kollinger, die Eigentümer dieses wunderschönen Wohnhauses. Zwei Jahre lang hat es gedauert, das baufällige Wohnhaus zu renovieren und zu sanieren. Einige Teile des Gebäudes waren verschüttet, Strom und Kanalisation Fehlanzeige. Das denkmalgeschützte Haus liegt am höchsten Punkt der bayerischen Kleinstadt Berching südlich von Nürnberg. Es wurde 1730 errichtet und maß damals gerade einmal 8,70 mal 6,70 Meter. Vermutlich wurde das Häuschen von einer Tagelöhnerfamilie in bescheidenen Verhältnissen gebaut. Eine Stube, eine Küche, eine Kammer und ein kleiner Stall, der Platz für ein bis zwei Ziegen und ein paar Hühner bot – mehr gab es nicht. 1834 wurde das Haus nach Süden um ca. 3,50 Meter erweitert, um 1910 an der Nordseite angebaut, wodurch das Anwesen schließlich seine heutige stattliche Länge bekam. Im Zuge der Renovierung hat sich das alte Gemäuer zu

einem klassischen Oberpfälzer Bauernhof gemausert. Das Dach wurde neu gedeckt und die Fassade in strahlendem Weiß neu verputzt. Der baufällige Holzanbau wurde durch eine neue Konstruktion ersetzt, welche in einem schönen, natürlichen Kontrast zum Weiß des Haupthauses steht. Während sich im Holzanbau ein Atelier befindet, liegen die Wohnräume im steinernen Teil des Gebäudes. Verteilt auf zwei Ebenen, getrennt durch eine wunderschöne Balken-Bohlen-Decke. Beim Renovieren der Innenräume haben die Eigentümer und KÜHNLEIN Architektur versucht, so viel wie möglich vom Charme vergangener Tage zu erhalten, wie die alten Putze, die Fachwerke, die historischen Innentüren sowie die Fenster und Türöffnungen. Genau wie außen dominiert auch in den Wohnräumen der Kontrast zwischen weißen Wänden und verschiedenen, warmen Holznuancen. Dadurch entsteht die für Bauernhäuser typische ländliche Gemütlichkeit, die jedoch durch einige moderne Elemente wie die mintfarbenen Anstriche aufgelockert wird. inv

MEHR VON KÜHNLEIN ARCHITEKTUR Projekt No. 15 Seite 37

Die Ver­voll­stän­di­gung

Architektur KÜHNLEIN Architektur (Michael Kühnlein jun., Michael Kühnlein sen.) Web www.kuehnlein-architektur.de Projekt Sanierung eines denkmalgeschützten Wohnstallhauses Kategorie Umbau Adresse Berching Bauherr Theresa Wiechova und Armin Kollinger Planungsbeginn 03/2011 Fertigstellung 03/2016 Nutzfläche 150 m2 Fotos Erich Spahn

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Als Ganzes gedacht

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In dem kompakten Kernmöbel aus Holz sind sämtliche Nebenräume integriert. Der gemeinschaftliche Wohnbereich verläuft gänzlich offen darum herum.

Architektur Thomas Baecker Bettina Kraus Web www.tbbk.de Projekt Haus D Kategorie Neubau Fassadenmaterial Dachziegel Fassadenfirma Wienerberger Adresse Hamburg Bauherr Privat Planungsbeginn 10/2014 Fertigstellung 01/2017 Nutzfläche 205 m² Kosten EUR 850.000,– Fotos Filip Kujawski

Auf einem schmalen Grundstück in Hamburg zwischen zwei konventionellen Wohnhäusern steht das „Haus D“. Unaufgeregt fügt es sich in die Umgebung ein. Privat, zurückgezogen. Mit einer Ausschreibung begab sich der Bauherr und Eigentümer auf Architektensuche und fand Thomas Baecker und Bettina Kraus. „Im Grunde hat er uns freie Hand gegeben, er wollte jedoch etwas, das heraussticht, gleichzeitig aber nach der Landhausverordnung genehmigungsfähig ist“, erinnert sich Kraus. Eine komplizierte Aufgabe, da das Grundstück ziemlich klein und schmal ist, Ostund Westseite werden von den Nachbarliegenschaften „eingepackt“, und die beste Aussicht bietet auch noch die Südseite zur Straße hin. Für den geplanten Neubau reichte es also nicht, sich von den Farben und Formen der Umgebung inspirieren zu lassen. Es galt, sich dem Typus des ortsüblichen Landhauses mit modernen Augen zu nähern. Entstanden ist so ein monolithischer Baukörper, der seine eigentliche Struktur mit einer Tarnkappe aus Dachziegeln geschickt zu verstecken weiß. „Generell haben wir ganz gerne eine Fassade überallrum bzw. keine Grenze zwischen Wand und Dach“, erklärt die Architektin ihren Kniff, die Ziegelverkleidung des Daches bis zum Boden zu ziehen. „Je näher man hingeht, desto mehr Feinheit entwickelt der Bau und bildet immer andere Formen. Je weiter man rumgeht, umso dynamischer wird er.“ Baecker und Kraus kokettieren auch mit der historischen Architektur des Walmdaches, das auch auf der Giebelseite geneigte Dachflächen hat. Trotz nostalgischen Bezugs eine moderne und zeitlose Interpretation. Die charakteristische Kubatur des „Hauses D“ liegt aber unter dem Ziegelschleier verborgen und lässt sich erst durch die beiden inneren Gebäudevolumen erklären. Würde man die Dachhaube abnehmen, könnte man sehen, dass es sich um kleine Häuser in einem großen handelt, inklusive dazugehöriger „innerer Fassade“. Bei der Organisation der Wohnbereiche trifft man auf zwei Extreme: „einerseits der kollektive Raum im Erdgeschoss mit seiner maximalen Offenheit, andererseits, im oberen Geschoss, der individuelle Bereich“, erklärt die Architektin. Praktisch übersetzt, dreht sich im unteren Stockwerk alles um den „Kern“ – ein

Wohnblock mit Küche und einer Sitznische, die an ein Zugabteil erinnert. Als Kontrast die Etage darüber: ein Cluster aus geschlossenen Räumen, der sich rund um einen zentralen, von oben belichteten offenen Verteilerraum gruppiert. Die dritte Ebene beansprucht der sichtgeschützte Wintergarten mit Sauna für sich, der zudem einen Ausblick über den Hang und in den Himmel erlaubt. Überhaupt kommt beim „Haus D“ alles von oben, nicht nur das Dach, sondern zum Beispiel auch die Beleuchtung und Belüftung der Badezimmer. Offen und geschlossen, von der Fassade über die Fenster bis hin zur Raumanordnung. Das Ganze unter einem nach Maß geschneiderten Schleier aus Ziegeln, der ein organisches natürliches Inneres aus Holz und Estrich beschützt. anm

35 Gänzlich mit Wienerberger Dachziegeln eingedeckt wirkt das Haus wie ein großer Monolith.

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MEHR AL S EIN HAUS

Mehrfamilienhäuser sind ein Trend, der Gemeinsamkeit und Privatsphäre miteinander verbindet – Ökologie und Nachhaltigkeit eingeschlossen. Einsparungen bei den Errichtungskosten und geringere Betriebskosten sprechen außerdem für das Modell „Mehrfamilienhaus“.

100 Häuser zeigt Beispiele in unterschiedlichen Größen von „Zwei-“ bis „Mehrfamilien“, die modern, effektiv und variabel in der Nutzung sind – und außerdem einfach gute Architektur.


Stahlhartes Zentrum Ein für die Kieler Innenstadt besonders wichtiges Architekturprojekt ist die „Alte Feuerwache“. Mit viel Augenmaß für die städtische Typologie ist auf dem ehemaligen Gelände der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Feuerwache in historischer Lage ein autofreies Wohnquartier aus Eigentumswohnungen, Stadthäusern und Studenten­ apartments gebaut worden, das als Auftakt der Revitalisierung der Kieler Innenstadt gilt und direkt an die Fußgängerzone der Altstadt angebunden ist. Autos sind hier nicht zu sehen; eine gemeinsame Tiefgarage ermöglicht ein autofreies Wohnareal. In unmittelbarer Nachbarschaft zu historischen Fachwerkbauten ist das mit Cortenstahl verkleidete Gebäude Zentrum der neuen Wohnsiedlung. Das Haus mit Satteldach bietet Platz für zwei Wohnungen und für ein Café im Erdgeschoss. Das „kleine Zentrum des neuen Backsteingebiets“, wie die Architekten Ingeborg Lindner-Böge und Jürgen Böge sagen. Das Hamburger Büro Böge Lindner K2 Architekten hat hier einen besonderen Akzent gesetzt: Auf wirkungsvolle Weise trifft das industrielle Stahl-Material – das auch als Hommage an die Kieler Schiffsbauindustrie verstanden werden will – auf die traditionelle Haustypologie der Altstadt: „Das Satteldach steht für ein Verbindungsstück des Viertels mit der Struktur der Altstadt“, so die Architekten. Zudem hat das Büro mit zwei fünfgeschossigen Mehrfamilienhäusern aus rotem Ziegel den nördlichen Abschluss des Quartiers geplant. Die Wohnungen im Stahlhaus – Apartments mit großen Glasschiebefenstern – sind als offener Wohnraum gestaltet. Die obere Wohnung ist eine Maisonette-Architektur mit einem zweigeschossigen Wohnzimmer mit Stahltreppe und Galerie, von welcher die Aussicht auf die Hauptstraße des neuen Quartiers führt. mpe

Architektur BLK2 Böge Lindner K2 Architekten (Jürgen Böge, Ingeborg Lindner-Böge, Lutz Keßling, Detlev Kozian ) Web www.boegelindnerk2.de Projekt Wohnquartier „Alte Feuerwache“ in Kiel, BF 4 Kate­g orie Neubau Fassadenmaterial Cortenstahl Fassadenfirma Sörensen Bartsch Stahl- und Metallbau Adresse Kiel Bauherr PAF Projektgesellschaft mbH & Co. KG Planungs­ beginn 09/2012 Fertigstellung 12/2016 Nutzfläche 330 m² Fotos Ralf Buscher Photography / www.ralfbuscher.de

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MEHR VON J. MAYER. H ARCHITEKTEN Projekt No. 47 Seite 87

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Tanz der Polygone Wie viele Seiten hat ein Haus? Vier, wäre wohl die häufigste Antwort. Nach der Betrachtung des Projektes Sonnenhof von J. MAYER. H Architekten müsste man diese aber definitiv revidieren. Denn die vier Geschäfts- und Wohngebäude sind sprichwörtlich vielseitig und fallen damit aus dem Rahmen des Gewöhnlichen. Die vielen Flächen und schrägen Kanten formen vier Diamanten mit viereinhalb bis sechs Geschossen, welche zwar nicht nach Aufmerksamkeit schreien, aber trotzdem im historischen Stadtbild auffallen. Die vier Baukörper sitzen jeweils am Rand des Grundstücks und definieren in ihrer Mitte einen öffentlichen Platz, der typisch für die mittelalterliche Stadt ist. Die Anordnung der Gebäude ermöglicht viele Durchgänge sowie Abkürzungen und verbindet die umliegenden Stadträume miteinander, anstatt diese voneinander zu trennen. In dem Ensemble befinden sich Flächen für Gewerbe, Büros und Wohnungen. Das Konzept unterstützt die Diversität von verschiedenen Nutzungen in der Stadt, damit diese auch abwechslungsreich und lebendig bleibt. Die polygonalen Außenformen setzen sich im Grundriss weiter fort und erzeugen vielfältige Raumsituationen. Die 29 Wohnungen – zwischen 60 und 120 Quadratmeter groß – laufen meistens über eine Ecke weiter, somit können die Bewohner aus verschiedenen Winkeln den Ausblick auf die Stadt genießen. Die polygonale Gestaltung setzt sich im Außenraum fort, von der Fassade laufen die schwarzen Flächen über den Boden weiter. Damit verschmelzen die Gebäude mit ihrer Umgebung und bilden eine Einheit. Oft erhalten die Geometrien noch eine Funktion als Pflanzenbeete, Belüftungsöffnungen, Sitzflächen oder Beleuchtung und erzeugen einen attraktiven Stadtraum. J. MAYER. H Architekten demonstrieren auf außergewöhnliche Weise, welche Formen es jenseits vom herkömmlichen Rechteck gibt. Sie lassen die Polygone für sich tanzen und zeigen auf, wie schön doch Vielseitigkeit sein kann. erc

Architektur J. MAYER. H und Partner, Architekten mbB (Jürgen Mayer H., Hans Schneider, Andre Santer) Web www.jmayerh.de Projekt Sonnenhof Jena Kategorie Neubau Fassadenfirma Medicke Metallbau GmbH, S+L Szymanski GmbH Adresse Jena Bauherr Wohnungsgenossenschaft Carl Zeiss Jena eG Planungsbeginn 2008 Fertigstellung 2015 Nutzfläche ca. 5.635 m2 Kosten EUR 16 Mio. Fotos David Franck Photographie / www.davidfranck.de

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Architektur Christ.Christ. associated architects Web www.christ-christ.cc Projekt Wohnhaus am Heiligenstock Kategorie Neubau Fassadenmaterial Putz Fassadenfirma Demant GmbH Adresse Wiesbaden Bauherr Pered GmbH Planungsbeginn 06/2012 Fertigstellung 06/2014 Nutzfläche 442 m² Fotos Thomas Herrmann / www.thomas-herrmann.com

1  Der offen gestaltete Wohn- und Essbereich wird nur von der Treppe zu den Schlafzimmern begrenzt. 2  Sehen und gesehen werden – das gänzlich in Weiß getauchte Haus von Christ.Christ. associated architects ist im Villenviertel von Wiesbaden ein wahrer Hingucker.

Weiß wie Schnee

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Kleines Grundstück, viel vermietbare Wohnfläche – so lautete die Aufgabenstellung des Wiesbadener Bauherrn Pered an das Architektenteam von Christ.Christ. associated architects. Doch wie bewerkstelligt man so einen Auftrag, ohne dass am Ende ein uncharmanter Wohnklotz entsteht? Richtig, mit einer schicken, gut durchdachten Verpackung und einer cleveren Aufteilung der Wohneinheiten. Die ungewöhnliche Fassadengestaltung ist tatsächlich das Erste, was einem beim Betrachten des Gebäudes auffällt, denn es strahlt schneeweiß zwischen den Nachbarhäusern des Wiesbadener Villenviertels hervor – und zwar vom Dach bis zur Haustür. Diese besondere Gestaltung zeigt, wie gut durchdacht das Konzept der Architekten ist, denn es ist nicht nur designorientiert, sondern vor allem funktionaler Natur. Die weißen Dachziegel reflektieren das Sonnenlicht und wirken so einer Überhitzung des Dachgeschosses entgegen – simpel, aber clever und perfekt für Regionen mit heißen Sommertagen. „Aufgrund der schmutzunempfindlichen Glasur der Dachziegel bleibt dieser Effekt langfristig erhalten“, so das Architektenteam von Christ.Christ. Einen ähnlich funktionalen

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Hintergrund haben auch die Fassadengestaltung und die ebenso weiß gehaltenen Klapp-Fensterläden aus Streckmetall. Sie können von innen über einen Kurbelantrieb bewegt werden und ermöglichen nicht nur Privatsphäre, sondern auch optimalen Sonnenschutz. Außerdem erzeugen sie reizvolle Lichtspiele, sowohl im Innenraum als auch an der Fassade, so die Architekten. Doch wie sieht es nun mit den inneren Werten des Gebäudes aus? Die Antwort liegt im Buchstaben L, denn in genau dieser Form wurden die vier Mietwohnungen des Hauses angelegt. Zwei von ihnen befinden sich im Erdgeschoss, mit je einem Raum im ersten Stock. Zwei Wohnungen liegen unterm Dach, ebenfalls mit je einem Raum im ersten Stock des Hauses. Das Tolle an dieser Aufteilung: Alle Schlafzimmer liegen auf derselben Etage – so ist eine gute Nachtruhe aller Wohnparteien nahezu garantiert. Die unterschiedlichen Ebenen sind über eine Treppe erreichbar, die gleichzeitig als Raumteiler zwischen Wohn- und Essbereich fungiert – eine hervorragende Verknüpfung zwischen Funktion und Optik und eine anspruchsvolle Herausforderung, die die Architekten bei diesem Projekt mit Bravour gemeistert haben. inv

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Bühnenbilder

MEHR VON GRAFT Projekt No. 93 Seite 174

Die Frage nach minimalem, flexiblem Wohnraum beschäftigt Architekten momentan nicht nur weltweit, sondern hat auch historisch eine lange Geschichte. GR AFT näherte sich am Berliner Prenzlauer Berg ebenso dieser Frage an und beantwortete sie mit einem flexibel nutzbaren Kubus. Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit, Gründungspartner von GR AFT, über reaktionsfreudige Raumkonzepte und Architektur, die mehr ist als nur Form.

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Sie haben Ihrem Projekt den Namen „Paragon Apartments“ gegeben. Bezieht sich der Name auf eine Vorbildfunktion [engl. „paragon“ = Vorbild]? Ja, aber der Name entstand beim Entwickler. Nachdem wir die These aufgestellt hatten, dass wir hier am Prenzlauer Berg sukzessive immer höhere Mietpreise und immer mehr Singlehaushalte sehen, stellten wir uns die Frage: Was ist die kleinste räumliche Variante, die immer noch eine starke Qualität zeigt und trotzdem finanzierbar bleibt? Für das Projekt entwickelten wir einen minimalen Grundkubus, der aber als zusammenhängender Raum erlebbar bleibt. Viele Architekten haben sich in der Geschichte der Thematik des minimalen Wohnraums angenommen, auch für uns war dies ein spannendes Thema. Von dem Entwurf war der Entwickler begeistert, er meinte, so soll zeitgenössisches Wohnen eigentlich aussehen – daher auch der Hinweis auf die Vorbildfunktion im Namen. Kleine Wohneinheiten sind in den Großstädten dieser Welt ein Riesen­ thema. Welches Grundkonzept steht hinter dem Kubus, den Sie entwickelt haben? Der erlebbare Raum und der loftartige Charakter. Wir haben die Fläche auf 37,5 Quadratmeter reduziert und eine weitere Tür eingefügt. Nun gelangt man, wenn man die Wohnung betritt, vom Eingang eigentlich direkt in das Badezimmer. Dieses ist durch eine weitere Tür mit dem Schlafzimmer verbunden. Der Schlafraum wird hingegen durch eine zusätzliche

Schiebetür vom Wohnraum getrennt. Das hat gleich mehrere Vorteile: Die ganze Wohnung ist sozusagen in einem Durchlauf begehbar. Ist man alleine, kann man die Türen öffnen und lebt in einem Loft. Hat man Besuch, trennt man Schlafzimmer und Wohnraum und hat seine Privatsphäre. Außerdem ist es möglich, vom Bett im Schlafraum und vom Wohnraum aus immer diagonal durch die Glasfassade zu schauen. Der vorgelagerte Balkon funktioniert so wie ein geliehener Zusatzraum. Der Projektstart 2013 liegt nun doch schon etwas länger zurück – können Sie sich noch erinnern, mit welchen Wünschen der Bauherr an Sie herangetreten ist? Es gab den Wunsch nach einem heterogenen Mix an Wohnungen. Ein gewisser Mix ist ja eigentlich in fast jedem Wohnbauprojekt vorhanden, aber hier war er weitaus extremer angedacht, und wir haben ihn dann als Büro vielleicht sogar ins noch Extremere gesteigert. Das extrem Heterogene ist auch dem Umstand geschuldet, dass wir hier nicht nur neu gebaut, sondern auch ein bestehendes Gebäude, welches im Zentrum der Anlage steht, umgenutzt haben. Vormals war es ein Sanatorium, das nun mit unserer „Boxenarchitektur“ überformt wird. Wir hatten den Wunsch, einen Kiez im Kiez zu erzeugen. Deswegen sind die Apartments im Erdgeschoss auch mit einer Kindertagesstätte, einem Café und einem Biomarkt ausgestattet. Es gibt sehr, sehr große Wohnungen mit bis zu 250 Quadratmetern und sehr, sehr kleine. Wobei es mehrere Gründe gab, sich auf

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die Suche nach dem absoluten Minimum zu begeben. Nicht nur, um Wohnraum leistbar zu machen, oder gar, um dem Entwickler mehr Wohnungen auf derselben Fläche zu ermöglichen. Wir wollten auch versuchen, aus jeder Wohnung einige Quadratmeter abzuschneiden, diese zu sammeln und daraus qualitative Gemeinschaftsräume entstehen zu lassen. Wie kann man sich diese Gemeinschaftsräume vorstellen? Es gibt so eine Situation zum Beispiel im Erdgeschoss, sehr zentral gelegen am Haupteingang. Ein großer Bereich, gestaltet wie eine Bibliothek und Soho-Club, mit Dinnertable

und kleiner Küche in einem. Den Raum kann man mieten oder sich tagsüber einfach zum Arbeiten reinsetzen, und diese Räume funktionieren wirklich sehr gut. Vor allem, weil diese Gemeinschaftsräume sehr aufwendig und damit sehr repräsentativ gestaltet sind. Gerade Leute, die neu in der Stadt sind, nehmen das stark an. Man mietet sich eine kleine Wohnung, hat aber gleichzeitig einen Platz zum Arbeiten und empfängt hier auch schon einmal Geschäftskunden, die man in die Wohnung nicht einladen würde. In Verbindung mit dem kleinen Café, dem großen Biosupermarkt und der Kindertagesstätte muss man das Gebäude eigentlich gar nicht mehr verlassen.


Die Projekte von GRAFT werden auch immer wieder mit der geschwun­ genen Formgebung assoziiert. Findet man diese auch in den „Paragon Apartments“? Es gibt sie, aber es gibt sie hier selten. Zum Beispiel durch die schräggestellten Wände und die triangulierte Form in den Gemeinschaftsräumen. Es ist aber die geschwungene Form für uns nicht als stilistisches Mittel wichtig. Sie ist vielmehr das Ergebnis einer Suche. Es interessiert uns, Architektur zu gestalten, die aussieht, als wäre sie durch die Bewegung und die zwischenmenschlichen Rituale der Nutzer selbst entstanden. Als hätte die Architektur nicht einfach nur ein Eigenleben als Form, sondern als hätte sie eine vorbedachte Reaktion und als hätte sich das Leben in ihr abgedrückt. Dadurch kommen oft diese abgerundeten Formen zustande. Das ist kein formal dogmatisches Interesse, sondern das Interesse daran, die Architektur als ein Bühnenbild für das Leben selbst zu verstehen. Das kann aber auch – wenn wir über die „Paragon Apartments“ sprechen – darin bestehen, dass wir die Situation mit den Türen haben, um auf die Bedürfnisse zu reagieren. Wie sieht der Entwurf für ein „Bühnenbild des Lebens“ aus, wenn man das Leben der zukünf­t igen Nutzer nicht kennt? Gerade bei einem so großen Projekt mit so vielen Bewohnern und so unterschiedlichen Ansprüchen? Das ist eigentlich, was uns schwerpunktmäßig beschäftigt. Es geht uns nicht darum, möglichst viele Unterschiedlichkeiten zu erzeugen. Es geht darum, dass die Wohnung in sich so flexibel ist, dass sie auf bestimmte Lebenssituationen und sogar auf bestimmte Tagessituationen reagieren kann. In diesem Entwurf ist das die angesprochene Situation mit den Türen. Ich habe nicht nur ein Schlafzimmer als funktionale Kajüte, sondern das ganze Raumkonzept basiert darauf, dass man in einem gefühlt viel größeren Raum lebt und trotzdem nicht dieselbe Situation wie in einem Loft hat, wo, auch wenn Besuch kommt, ständig alles offen ist. Diese Flexibilität lebt der eine Bewohner vielleicht stark aus

Architektur GRAFT Gesellschaft von Architekten (Lars Krückeberg, Wolfram Putz, Thomas Willemeit) Web www.graftlab.com Projekt Paragon Apartments Kategorie Neubau, Umbau Fassadenmaterial Beton, Putz Fassadenfirma Isokorb Schöck Bauteile GmbH Adresse Berlin Bauherr Trockland Management GmbH Planungsbeginn 11/2013 Fertigstellung 06/2016 Nutzfläche 16.041 m2 Fotos Kevin Fuchs

und nutzt beide Raumsituationen abwechselnd, während ein anderer ständig im Loftcharakter lebt. Für den Entwurf bedeutet das: den Nutzer mit möglichst viel Freude einzubeziehen. Als Architekt weiß man natürlich um die Verantwortung, die man gegenüber den Nutzern trägt. Im Vorfeld macht man sich daher viele Gedanken, was Nutzer möchten, wie sie sich verhalten und was es braucht, damit sie sich in ihrem gebauten Umfeld wohlfühlen. Das gehört zu unserer Grundhaltung. Es sollte nie darum gehen, sich selbst zu verwirklichen, sondern um die Menschen, für die man entwirft, und die Unterschiedlichkeit ihrer Lebensentwürfe.

genau so, wie wir uns das vorgestellt haben. Vor allem weil wir einen guten Kontakt zur Café-Besitzerin pflegen und aus erster Hand erfahren, was gut und vielleicht auch nicht so gut läuft. Aber bis auf kleinere Kinderkrankheiten scheint es eine durchwegs freudvolle Atmosphäre zu sein.

Eine abschließende Frage: Wie wurde das Projekt bis jetzt angenommen? Gibt es schon Feedback? Man hat bei solchen Projekten schon oft das Gefühl: Nun ist das Kind auf der Welt, lernt laufen und läuft weg. Es hat einfach ein eigenes Leben, und man muss das auch abgeben. Aber ich fahre immer wieder gern vorbei und sehe das Leben und die Lebendigkeit und habe das Gefühl, es funktioniert

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„Ein Beispiel an Reduktion“ – Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit über die „Paragon Apartments“

„Die Wohnung muss wie ein Werkzeug sein, mit dem man flexibel reagieren kann. Je nach Stimmung, Vorliebe und Sehnsuchtssuche nach Privatsphäre. Sie muss in sich ein Spektrum der räumlichen Erlernbarkeit bieten – obwohl und gerade weil sie so minimiert ist.“

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MEHR VON GRAFT Projekt No. 93 Seite 174

„Im Gegensatz zu der durchgängigen Blockrandbebauung im Viertel kann, aufgrund einer öffentlichen Grünfläche, unser Block nicht geschlossen werden. Nun betritt man die Anlage über diesen Freiraum und erlebt alle drei Höfe als Kontinuum. Man hat das Gefühl, das Öffentliche durchwegt das ganze Projekt.“

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Vorbildfunktion Die Idee des „Ausbauhauses Neukölln“ ist es, Raum zum Wohnen für unterschiedliche Lebensentwürfe und Budgets anzubieten. Das Baugruppenprojekt mit 24 Einheiten in Berlin-Neukölln ist nach einem Ausbauhaus-Konzept geplant. „Wir können hier räumlich großzügige Wohnverhältnisse zu Preisen des sozialen Wohnungsbaus anbieten“, sagen die Architekten Jana Richter und Henri Praeger. Eine Besonderheit des Mehrgenerationenhauses besteht darin, dass verschiedene Ausbaustandards – nämlich „Loft“, „Wohnung“ und „Rohbau“ – erworben werden können. „Der große Vorteil gegenüber konventionellen Lösungen ist, dass man preiswert ins Eigentum einsteigen und später individuell weiterbauen kann“, so die Planer. In seinem Konzept folgt das 2014 fertiggestellte Gebäude einem Regalsystem, das kostengünstig durch Vorfertigung realisiert werden kann und im Grundriss wie auch im Ausbau hochflexibel bleibt. Alle Einheiten haben eine Deckenhöhe von drei Metern und eine 20 Quadratmeter große Loggia nach Süden, wo sich auch Gärten befinden. Ein gemeinschaftlich genutzter Hof mit Fahrradstellplätzen, einem Spielplatz und Sitzbänken fördert die Kommunikation in der Nachbarschaft. Die Architekten Praeger Richter zeigen mit diesem dunkelgrauen, monolithischen Bau, dass qualitativer Wohnungsbau auch günstig funktionieren kann, und wurden dafür auch mehrfach prämiert, unter anderem mit der Auszeichnung „Wohnraum für alle“. Weitere Bauten dieser Art sind bereits in Lichtenberg und Pankow realisiert worden. „Die Kostentreiber beim Neubau sind in der Regel lange Planungs- und Bauzeiten“, stellt das Team fest. „Wir wollten weg vom teuren, individualisierten Bauen des Hauses an sich, zugleich aber gerade dadurch einen individuellen Ausbau der Innenräume ermöglichen. Wohnraum lässt sich auch bezahlbar realisieren.“ So entstanden gehobene, effiziente Neubauwohnungen für unter 2.000 Euro pro Quadratmeter. „Wir haben hier eine durchmischte Wohngemeinschaft mit einem sehr hohen Anteil an Identifikation“, resümieren die Architekten. Ein Gebäudekonzept, das als Vorbild dienen sollte. mpe

Architektur Praeger Richter Architekten Web www.praegerrichter.de Projekt Ausbauhaus Neukölln Kategorie Neubau Adresse Berlin-Neukölln Bauherr Ausbauhaus Neukölln GbR (Baugruppe) Fertigstellung 10/2014 Nutzfläche 2.680 m² auf 24 Einheiten (22 Wohn- und 2 Gewerbeeinheiten) Kosten EUR 5,1 Mio. gesamt Fotos Andreas Friedel & Christoph Naumann / www.naumannfriedel.de

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Es werde Licht

Im Herzen dieses schönen Mehrfamilienhauses steckt etwas ganz Besonderes, und zwar eine alte Kerzenmanufaktur. Bis 2015 wurden hier über mehrere Jahrzehnte hinweg Pilger- und Kirchenkerzen hergestellt, in Handarbeit, ganz traditionell. Um diese Stätte auch nach ihrer Stilllegung weiterhin zu würdigen, haben sich der Bauherr und die Aachener Architekten Dirk Zweering und Christoph Helmus darauf geeinigt, den vorhandenen Rohbau und die Fertigungshalle zu erhalten. Das brachte nicht nur einen nostalgischen Gewinn mit sich, sondern erfüllte vor allem auch einen funktionalen Zweck. Mit dem Erhalt der ursprünglichen Rohbaustrukturen konnten nämlich jede Menge Abrissabfälle und Recyclingaufwendungen eingespart werden – umgerechnet 51 Tonnen CO2. Eine tolle Sache im Sinne der Nachhaltigkeit! Nach der Entscheidung, den Rohbau und die Fertigungshalle zu erhalten, machten sich Bauherr und Architekten an die Planung der verschiedenen Wohneinheiten. Fünf Wohnungen sollten darin entstehen, am besten mit viel Platz und Licht. Um diesen Plan in

die Realität umzusetzen, entschied man sich nicht nur für einen Umbau, sondern auch für einen Anbau, und zwar im Norden und Süden des Hauses. Der hintere, nördliche Anbau beherbergt nun Haustechnik- und Lagerflächen der Wohnungen, während der vordere Teil die Wohnungen um viel Platz erweitert, geschmückt mit einer hübschen, modernen Holzfassade aus Weißtanne, die sich über die gesamte Längsseite des Gebäudes erstreckt. Der Anbau wurde mit zehn bodentiefen Fenstern ausgestattet, wodurch alle Wohneinheiten jede Menge Licht bekommen sowie einen Zugang zum Garten bzw. zum Balkon im Obergeschoss. Im Erdgeschoss des Gebäudes befinden sich drei Wohnungen, im Obergeschoss zwei. Die Anzahl der Wohnräume liegt zwischen zwei und drei Zimmern. Optisch ähneln sich die Wohneinheiten dennoch, denn sie wurden alle im gleichen Stil gestaltet, nämlich ganz klassisch mit weißen Wänden und Holzböden. Dem Bauherrn und den Architekten ist es also auf geschickte Art und Weise gelungen, das alte Gebäude im Kern zu erhalten und trotzdem modernen Wohnraum zu schaffen. inv

Architektur ZHAC Zweering Helmus Architektur + Consulting (Dirk Zweering, Christoph Helmus) Web www.zhac.de Projekt Wohnen in der ehemaligen Kerzenmanufaktur Kategorie Umbau Fassadenmaterial ThermoSan-Fassadenputz, Dura Patina Weißtanne Fassadenfirma Werner Neumann GmbH, van Meegern GmbH, Holz Derks Adresse Kevelaer Bauherr Privat

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Planungsbeginn 01/2016 Fertigstellung 10/2017 Nutzfläche 420 m2 Kosten EUR 650.000,– Fotos Peter Hinschläger / www.hinschlaeger.de

Büro Z H AC Z W E E R I N G H E L M U S A R C H I T E K T U R + C O N S U LT I N G, N O R D R H E I N - W E S T FA L E N  / Haus N O R D R H E I N - W E S T FA L E N

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Ins Schwarze getroffen Architektur Anne Lampen Architekten Web www.anne-lampen.de Projekt Das schwarze Haus Kategorie Neubau Fassaden­m aterial Frei tragende Holzständerkonstruktion mit schwarzer Massivholzverschalung Fassadenfirma Pause Dachdecker – Maurer GmbH Zimmerei & Holzbau Adresse Berlin-Mitte Bauherr Privat Fertigstellung 12/2013 Nutz­f läche 772 m² Fotos Lon Godin

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Inmitten der Spandauer Vorstadt, dieses historischen Bezirks in Berlin-Mitte, entstand im Jahr 2013 ein Bau, der sich ziemlich markant von den Gründerzeitbauten der Umgebung abhebt. Die Architektin Anne Lampen hat hier mit dem „schwarzen Haus“ einen sympathischen Solitär geschaffen: ein viergeschossiges Gebäude mit einer schwarzen Massivholzverschalung, das alles andere als düster oder abweisend wirkt. Nach einem intensiven Genehmigungs- und Abstimmungsverfahren errichtet, betreibt die Bauherrin nun im Erdgeschoss ihr Büro, während in den oberen Geschossen Wohnungen untergebracht sind, deren Raumhöhen variieren. „Ich baue Häuser, in denen ich selbst gerne leben würde“, sagt Lampen. Betrachtet man das Gebäude, dann glaubt man ihr sofort. Denn auch die Details überzeugen: Die großen Fenster, Schiebeläden, Holzlamellen und Balkongeländer sind ebenfalls aus schwarzem Holz gefertigt. „In der Architektur entspricht die Qualität des Entwurfs der Komplexität der Vorstellungskraft. Das Spiel mit Innen- und Außenraum, Sichtachsen und Funktionsabläufen entsteht aus der ebenso abstrakten wie greifbaren Idee, ideale Räume zu schaffen“, erläutert die Architek­tin, die ihr Büro, das inzwischen 18 Mitarbeiter beschäftigt, 1994 in Kreuzberg gegründet hat. Als eine „klare, sensitive Interpretation der Moderne“ versteht sie ihre mehrfach prämierte Architektur. Klar und sensitiv ist auch „Das schwarze Haus“, dessen Konstruktion aus Stahlbetonwänden und Stahlbetondecken besteht. Die Fassade ist eine freitragende Holzständerkonstruktion mit Zellulosedämmung. In diesem Haus würde man tatsächlich selbst gerne leben! mpe

1  Nicht nur die Fassade wurde aus Holz gefertigt, sondern auch die Fenster, Schiebeläden und Balkongeländer. Zusätzlich wurden als Sichtschutz im Erdgeschoss feste Holzlamellen integriert. 2  Die Stahlbetonwände und Stahlbeton­ decken wurden im Innenraum zum Teil roh belassen.


43 Fast schüchtern schmiegt sich die kleine Ziegelpyramide an das große, schützende Nachbarhaus. Versteckt im Innenhof einer gründerzeitlichen Blockrandbebauung in Berlin-Prenzlauer Berg entstand 2016 ein Haus mit zwei Wohneinheiten, das ungewohnt und eigenständig wirkt, gleichzeitig aber voller versteckter Bezüge ist: „Der Bau schließt bündig mit den Außenkanten des giebelständigen Bestandsgebäudes ab, die Materialität und vor allem die Farbgebung der Ziegelhülle nimmt die Farben der umgebenden Fassaden auf“, heißt es aus dem Büro von Frank Barkow und Regine Leibinger. Bevor das Ergebnis aber präsentiert werden konnte, musste noch zwischen den Behörden vermittelt werden. Der Denkmalschutz wünschte sich einen Neubau in der Kubatur eines im Krieg zerstörten Quergebäudes, welcher die ursprüngliche Situation des Ensembles wiederherstellen sollte. Ein Veto kam vonseiten der Bauaufsicht, heutige Abstandsflächenregelungen wären dabei nicht eingehalten worden. Die Lösung bot schließlich eine eigenwillige Kubatur, welche an die typische Hausform vieler Kinderzeichnungen erinnert. Auffallend dabei ist, dass der gesamte Baukörper nahtlos von einer Ziegelhaut überzogen ist. „Ziel war es zu zeigen, dass es sich bei dem ‚Dach‘ nicht um ein Dach im herkömmlichen Sinne, sondern um eine geneigte Fassade handelt. Entsprechend ist auch die eingesenkte Dachterrasse nahtloser Bestandteil der Ziegelhülle.“ Nicht weniger als 20.000 Ziegel in sechs verschiedenen Farben – von Weißlich, Gelb, Orangebraun und Rosa bis Grau – wurden für diesen Effekt eigens hergestellt und verarbeitet. Ihr Farbspektrum greift die Tonalität der umliegenden Innenhoffassaden auf. Auflockerung bieten die unregelmäßigen Fensteranordnungen. Was hier nach Zufall aussieht, folgt einem genauen Plan: „Die Fenster des Neubaus nehmen dort, wo sie unmittelbar an das Bestandsgebäude anschließen, die Proportionen der dortigen historischen Fenster auf.“ Ihre breiten Rahmen aus geschliffenem, eloxiertem Aluminium sind flächenbündig in den Baukörper eingelassen. Metallisch schimmernd, glatt und scharfkantig – industrielle Gegengewichte zur handwerklichen Fassade. Kontrastreich präsentiert sich auch der Innenraum der beiden Maisonette-Wohnungen: „Die Fügung des Gebäudes aus STB-Halbfertigteil­ e lementen sollte sichtbar gemacht werden, daher finden sich im Treppenhaus rohe, unbehandelte Betonoberflächen. In den Wohnungen sind die Betondecken ebenfalls roh und unbehandelt, die Wände geputzt bzw. gespachtelt, die Böden sämtlich in Eiche, die ebenfalls im Treppenhaus wieder aufgenommen wird.“ Ein eigenständiger Charakter, der dennoch „ensembletauglich“ ist. Vertrauter Bekannter und aufregender Fremder zugleich. anm

Dachstein

Architektur Barkow Leibinger (Frank Barkow, Regine Leibinger) Web www.barkowleibinger.com Projekt Wohnhaus Prenzlauer Berg Kategorie Neubau Fassaden­ material Ziegel Fassadenfirma Janhsen Bau GmbH, GOLEM Kunst- und Baukeramik GmbH Adresse Berlin Bauherr Privat Planungsbeginn 01/2015 Fertigstellung 07/2016 Nutzfläche 870 m2 Fotos Simon Menges / www.simonmenges.com

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Gemeinschaftsgefühl Eigenständig und mit viel Selbstbewusstsein scheint sich jedes der drei Ziegelhäuser in dem Stadtbild von Bergisch Gladbach zu behaupten. Jedes orientiert sich mit der Giebelfront zur Straße und zeigt der Stadt, was es zu bieten hat: besonders ausgeprägte Farbnuancen der Fassade, ein verspielter Wechsel im Verband und großzügig gesetzte Fenster. Dass es sich aber um einen großen Baukörper und nicht um drei Häuschen handelt, wird erst auf den zweiten Blick klar. Das Büro HPA+ Architektur aus Köln plante hier einen Gebäudekomplex für mehrere Generationen, der auf die Bedürfnisse all seiner Bewohner eingeht. Sechs Wohneinheiten auf zwei Geschossen und in unterschiedlichen Größen – vom 1-Zimmer-Apartment bis zur

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3-Zimmer-Wohnung – sind barrierefrei erschlossen. Im ersten Stock durch einen Laubengang, der in Sichtbeton und als farblicher Ruhepol zum Klinker ausgeführt wurde. Mittels Fahrstuhl sind wirklich alle Wohnungen auch mit dem Rollstuhl erreichbar. Die großformatigen Fenster im vorkragenden Obergeschoss geben den Wohnungen viel Licht und eine moderne Leichtigkeit. Und noch eines haben alle Wohneinheiten gemeinsam: Jeder steht ein privater Freiraum zur Verfügung. Balkone im Obergeschoss und Terrassen im Innenhof für die Bewohner darunter. Dieser kann wiederum von allen genutzt werden. Eigenständig und doch als Gemeinschaft stehen also nicht nur die Häuser selbst zusammen, sondern wohnen auch die Mieter der Ziegelhäuser. tar

Büro H PA+ A R C H I T E K T U R , N O R D R H E I N - W E S T FA L E N  / Haus N O R D R H E I N - W E S T FA L E N

Architektur HPA+ Architektur Web www.hpa.de Projekt MFH F Kategorie Neubau Fassadenmaterial Klinker, beschnitten zu Riemchen Fassadenfirma Röben, Klinker-Zentrale Adresse Bergisch Gladbach Bauherr Privat Planungsbeginn 2015 Fertigstellung 2016 Nutzfläche 600 m2 Kosten EUR 1,1 Mio. Fotos Detlef Podehl, Podehl Fotodesign / www.podehl.com


1  In drei Teile gliedert sich der Baukörper und passt sich damit der kleinteiligen Bebauung der Umgebung an. 2+3  Für das einheitliche und doch mannigfaltige Erscheinungsbild wurde der Klinker in unterschiedlichen Farbnuancen gewählt, als Riemchen beschnitten und auf Kreuz­ fuge verlegt. 4  Jede der sechs Wohneinheiten hat einen privaten Außenraum. Der restliche Innen­ hof und der Garten werden hingegen gemeinschaftlich genutzt.

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In Warnemünde, ganz in der Nähe des Ostseestrandes, inmitten einer Neubausiedlung (mit einem ungewöhnlich großzügigen Bebauungsplan) ist ein Raumschiff gelandet. Oder ist es eher ein großes Schiff? Oder am Ende doch ein Haus? Der Rostocker Architekt Holger Borgwardt hat hier im Jahr 2014 ein Gebäude mit einer ungewöhnlich hellen Sichtbetonfassade geschaffen, dessen Name „Haus Futurarc 1“ Programm ist. Seine auffällige Bauform lässt sich in verschiedene Richtungen interpretieren, doch ist sie vor allem: futuristisch. Der Bau aus Stahlbeton mit Innendämmung steht auf einem exponierten Eckgrundstück. „Der Grundriss ist auch dem Zuschnitt des Grundstücks geschuldet“, sagt der Architekt, der zu seinen Vorbildern den Binzer Bauingenieur Ulrich Müther zählt, der mit seinen Schalen-Bauwerken in der DDR Architekturgeschichte geschrieben hat. „Haus Futurarc 1“ besticht durch seine rundum verglasten Wohn- und Esszimmer, von denen man in den oberen beiden Geschossen sogar das Meer sehen kann. Viel Tageslicht strahlt in die Räume, noch mehr Licht und Sonne gibt es natürlich auf den Sonnendecks mit den umlaufenden Balkonbrüstungen. Innen und außen fließen hier förmlich ineinander. Kleinere, quadratische Fenster in den übrigen Räumen wirken trutzig und stehen im Kontrast zu den großen Fensterflächen. Im Inneren überzeugt die Architektur mit ihrer hellen, luftigen Schlichtheit: helles Holz, weiße Wände, große Fenster, edler Naturstein in den Bädern. mpe

Architektur Futurarc (Holger Borgwardt) Web www.futurarc.de Projekt Haus Futurarc 1 Kategorie Neubau Fassadenmaterial Sichtbeton Fassadenfirma bsb Bau Malchin Adresse Rostock Bauherr Holger Borgwardt Planungsbeginn 2011 Fertigstellung 2014 Nutzfläche 402 m² Fotos Stephan Falk / www.baubild.com

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Spitze Aussichten

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Schutzfunktion

Passau, die Stadt, in der Donau, Inn und Ilz zusammenfließen, erlebte schon zahlreiche Katastrophen. Das Jahrhundert­ h ochwasser von 2013 ist noch einigen in Erinnerung. Gewaltige Wassermassen überfluteten die Passauer Altstadt und zerstörten dabei viele Häuser. Dieses Schicksal musste auch ein Mehrfamilienhaus auf der südlichen Uferseite des Inn über sich ergehen lassen. Das Studio für Architektur Bernd Vordermeier hat nun dem Grundstück ein neues Haus geschenkt. „Die Freiheit, mit der wir das Projekt bearbeiten konnten, war wirklich besonders“, schwärmt Vordermeier. Die Idee von einem Mehrfamilienhaus wurde beibehalten. Auch wenn das Budget begrenzt war, hatte ein Detail große Priorität: Das neue Haus soll gegen Hochwasser geschützt sein. Dafür wurde der Technikbereich strikt von den drei Wohneinheiten getrennt. Das spiegelt sich auch in der Materialwahl wider. „Außen trotzen robuste Materialien den Umwelteinflüssen, innen sorgt der Holzmassivbau für eine behagliche Wohnatmosphäre“, so Vordermeier. Das Gebäude steht auf einem Betonsockel, in dem sich Pkw-Stellplätze befinden. Die Wohnflächen wurden in das erste und zweite Geschoss verlegt, so sind sie vor einer erneuten Überschwemmung sicher. Betrachtet man das Haus von der Straßenseite, sieht man nur eine fensterlose WU-Beton-Wand vor sich.

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Bei den Anrainern herrschte anfangs große Skepsis. „Gerade als der Betonbau fertig wurde, wirkte der Treppenturm ohne Öffnungen in der Südfassade für die Öffentlichkeit sehr befremdlich“, gesteht Vordermeier ein. Nach hinten hin wird der Betonblock durch eine Blechverkleidung und Fensteröffnungen aufgelockert. Beim Betreten des Hauses wird man von einem schlichten und kühlen Treppenhaus aus Beton empfangen. Erst beim Öffnen der Wohnungstür strahlen einem helle Massivholzwände entgegen. Diesen Materialwechsel erklärt Vordermeier so: „Die Konsequenz, dass Holz nur im Wohnen stattfindet, brachte diese Trennung mit sich.“ Mittlerweile ist dieses Konzept auch für die Anrainer nachvollziehbar, und letztendlich konnten alle von dem Neubau überzeugt werden. jug

46 Architektur Studio für Architektur Bernd Vordermeier Web www.studio.berndvordermeier.com Projekt Stadthaus Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus, Holzbau Fassadenmaterial Aluminium-Doppelstehfalzdeckung Fassadenfirma Spenglerei Max Keim Adresse Passau Bauherr Privat Planungsbeginn 10/2014 Fertigstellung 02/2016 Nutzfläche 158 m2 Kosten EUR 500.000,– Fotos Andrea Vordermeier

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Architektur J. MAYER. H und Partner, Architekten mbB (Jürgen Mayer H., Hans Schneider, Andre Santer) Web www.jmayerh.de Projekt JOH 3 – Apartment­ haus Kategorie Neubau Fassadenmaterial Vorgehängte Lamellenfassade Fassadenfirma Rupert App GmbH Adresse Berlin Bauherr Euroboden Berlin GmbH Planungsbeginn 2008 Fertigstellung 2012 Nutzfläche ca. 4.157 m2 Kosten EUR 9.880.000,– Fotos Ludger Paffrath /

Wasserwirtschaft Nahe am Wasser gebaut: Im Fall des Projekts JOH 3 hat dies nichts mit Trauer zu tun. Vielmehr ist es im wahrsten Sinne nahe am Wasser errichtet worden. Nämlich an der Spree in Berlin, mit Blick aus den Wohnungen heraus auf die Museumsinsel. In einer Baulücke realisierte das Büro von J. MAYER. H Architekten einen Entwurf für ein Mehrfamilienhaus mit 21 Wohneinheiten auf fast 4.200 Quadratmetern. Das Wasser ist dabei nicht nur standortprägend, sondern lässt sich auch thematisch an der Fassade wiederfinden. Sogleich kommt die Assoziation in den Sinn, betrachtet man die Aluminiumlamellen, die in dreidimensionalen Wellen über die Glasfassade laufen. Dass sie eigentlich als Sichtschutz dienen, ändert nichts an dem stimmungsvollen Bild. Die organische Formsprache wurde in den Innenraum übertragen, denn auch hier wurde alles nach Entwürfen von J. MAYER. H realisiert: von den Treppen und Aufzügen bis hin zu den Innenräumen der Wohneinheiten. Alles scheint in einem ganzheitlichen Gestaltungskonzept zusammenzufließen. Während das Erdgeschoss für Gewerbeeinheiten bestimmt ist, finden sich in den sechs Stockwerken darüber die unterschiedlichen Wohnformen. Von den Pent­ houses ganz oben über die Apartments bis hin zu den „Townhouses“ mit privatem Garten. Dieser Zugang zur belebten Natur ist nicht an der Fassade ablesbar. Er bleibt von außen betrachtet verborgen. Im Zentrum des Projekts JOH 3 befindet sich ein begrünter Gartenhof mit gestaffelten Hofgärten. Damit schafft das Architektenbüro nicht nur einen ruhigen, qualitativen Rückzugsort inmitten der Stadt, es bezieht sich auch historisch auf das klassische Berliner Wohnhaus. ros

MEHR VON J. MAYER. H ARCHITEKTEN Projekt No. 37 Seite 70

www.ludger-paffrath.de

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Der Geschichte neuer Glanz

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Jeder hat sich schon erträumt, ein altes herrschaftliches Haus zu besitzen. Womöglich selbst Stück für Stück seine Geschichte freizulegen. Sich ausgemalt, welch gesellschaftliche Ereignisse in den historischen Räumen gefeiert wurden. Die Bauherren Karin Meid-Bächle und Martin Bächle konnten sich diesen Traum erfüllen. Nicht nur, weil sie die Restaurierung und Renovierung eines solchen Hauses in Auftrag gegeben haben, sondern weil sie sie selbst geplant haben. Sie leiten als Partner das Architekturbüro bächlemeid architekten stadtplaner in Konstanz. Die Stadt, in der der „Schwarzacher Hof“ – heute ein repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus – um 1630 als dreigeschossiges Hauptgebäude mit Kernbauten aus Stein errichtet wurde. Später erweitert, wartet der Bau mit weiteren architektonischen Schätzen auf. Es kam etwa zu einem palaisartigen Ausbau der Innenräume mit spätbarocken und klassizistischen Ausstattungsmerkmalen, wie man sie aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert kennt. Das zwei­ geschossige Hofgebäude hat seinen Ursprung ebenfalls im 17. Jahr­ hundert und wurde im 19. Jahrhundert mit einem zusätzlichen Geschoss versehen. Wie Dornröschens Schloss nach dem 100-jährigen Schlaf sollte der „Schwarzacher Hof“ in zwei Bauphasen (2007–2009 und 2015–2017) durch Restaurierung und Renovierung zum Leben erweckt werden. Und wie Dornröschen sollte seine ganze Schönheit in altem Glanz erstrahlen. bächlemeid architekten stadtplaner und die Restauratoren Carmen Witt-Schnäcker und Stefan Bussmann übernahmen die Verantwortung für das Abtragen und den Rückbau von Ein- und Zubauten am Gebäudekomplex. Die Zielsetzung war klar definiert: Die historische Bausubstanz sollte auf allen Ebenen wieder erlebbar werden.

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Alle Trennwände sollten herausgenommen, historische Räume mit allen Details zu ihrem Ursprung zurückgeführt und die alte Raumfolge freigelegt werden. „Ausgegraben“ und in mühsamer Kleinarbeit reanimiert wurden unter anderem ein Festsaal aus dem 19. Jahrhundert im zweiten Obergeschoss des Vorhauses sowie eine Kapelle im Hofgebäude. Der Saal besticht durch seine klassizistischen Bestandteile. Flügeltüren mit floral geschmückten Supraporten und der historische Dielenfußboden aus einer barocken Bauphase sind nur einige zu nennende Elemente. Die Hauskapelle stammt, wie figürliche Ausmalungen verraten, aus früh­ barocker Zeit. So gleicht die Begehung des „Schwarzacher Hofes“ einem Museumsrundgang. Lediglich nicht restaurierbare Fehlstellen wurden durch moderne Architektur vervollständigt. Diese kann man selbst als Außenstehender bewundern. Im Erdgeschoss hat bulthaup kürzlich seinen Showroom eröffnet. Die dezente Integration moderner Elemente in ein von historischer Schönheit strotzendes Gebäude lässt den Besucher unweigerlich in die Geschichte der Stadt zurückreisen. Und plötzlich ist man mittendrin, wenn sich die Gesellschaft zu Feierlichkeiten trifft, wie es sie heute nicht mehr gibt. jur Architektur bächlemeid architekten stadtplaner (Karin Meid-Bächle und Martin Bächle) Web www.baechlemeid.de Projekt Schwarzacher Hof Kategorie Umbau Adresse Konstanz Bauherr Karin Meid-Bächle und Martin Bächle Planungsbeginn 1. Bauabschnitt 2007 / 2. Bauabschnitt 2015 Fertigstellung 1. Bauabschnitt 2009 / 2. Bauabschnitt 2017 Nutzfläche 1.090 m² Fotos (1, 2) Daniel Gerteiser _ bulthaup am see / www.am-see.bulthaup.de, (3) Nina Baisch / www.ninabaisch.de

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Auf einer Obstbaumwiese in Hanglange in einem Teilort von Stuttgart wollten sich die Bauherren in Zukunft heimisch fühlen. Eine Wiese reicht aber noch nicht zum Wohnen aus, und so begannen im Jahr 2012 Harald Baumann, Camilo Hernandez und ihr Team von u3ba Architekten aus Stuttgart mit der Planung des Projektes. Zweieinhalb Jahre dauerte es, bis ein neuartiger Niedrigenergie-Doppelhaustyp fertig war und die Eigentümer ihr neues Zuhause beziehen konnten. Schon zu Beginn stand fest, dass kein großes Einfamilienhaus, sondern ein Doppelhaus in Holzbauweise errichtet werden sollte. Die Bauherren wollten die Hälfte des Hauses aus wirtschaftlichen Gründen veräußern. Doch hätte man ein Haus gebaut und klassisch geteilt, wären zwei relativ schmale Haushälften entstanden. Baumann und Hernandez wollten den besonderen Wünschen ihrer Auftraggeber gerecht werden und eine andere Lösung finden. Man entschied sich, nicht „schlauchig“, sondern „verschachtelt“ zu bauen. Beide Haushälften greifen inein­ ander, so entstehen größere Räume, die vom Standard abweichen, jeder Doppelhaushälfte ihre eigene Note geben und sie gleichzeitig als eine Einheit erscheinen lassen. Die durch dieses Vorgehen entstandene Raumaufteilung sorgt dafür, dass man beim Betreten der Häuser direkt ins Wohngeschehen tritt und in den oberen Geschossen die private Ruhe findet. Betrachtet man das Haus von außen, überrascht es mit seinen unterschiedlich angeordneten und immer bodentiefen Fensterfronten. Die Anordnung ist natürlich nicht willkürlich entstanden. Steht man im Haus, fängt man mit jedem Blick nach außen ein besonderes Bild ein. Da kann man auch schon mal länger verharren und sich der besonderen Aussicht hingeben. Fast scheint es, als warte an jeder Ecke eine kleine Überraschung auf den Besucher, und doch entsteht trotz der abwechslungsreichen und unerwarteten Bauweise mit ihren verschiedenen Besonderheiten ein vertrautes Gefühl. Man fühlt sich sofort geborgen, was vor allem durch die Verarbeitung sich wiederholender Materialien

Überraschungs­momente an Fassade und im Innenbereich gelingt. Die Fensterrahmen und deren gelegentliche vertikale Lamellen wurden aus warmem Eichenholz gefertigt, welches sich innen als Eichenparkett wiederfindet. Die Böden, gepaart mit großen, weißen Wandflächen, spiegeln das freundliche und offene Äußere im Inneren wider. Bauherren und Architekten sind mehr als glücklich mit dem Ergebnis. Ihr oberstes Ziel haben sie erreicht: Anders als bei anderen Doppelhäusern überkommt einen beim Besuch beim Nachbarn nicht das Gefühl, man stehe im eigenen Haus, in dem nur die Möbel ausgetauscht wurden. jur

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Architektur u3ba Architekten (Camilo Hernandez, Harald Baumann) Web www.u3ba.de Projekt Ein Zweifamilienhaus Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus, Holzbau Fassaden­m aterial Putz Fassadenfirma Arnold, Korntal-Münchingen Adresse Stuttgart Bauherr Privat Planungsbeginn 03/2012 Fertigstellung 11/2014 Nutzfläche 282 m² Kosten EUR 600.000,– (brutto) Fotos Studio Nordbahnhof Sach- und Werbefotografie Vertriebs GmbH, Tobias Oexle

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„Der Ursprung von Berlin“ – Sohrab Zafari über die „Wohnhäuser an der alten Stadtmauer“

„Das Grundstück liegt in einer der ältesten Gassen Berlins. Da gibt es tatsächlich noch mittelalterliche Strukturen, welche ich in einer zeitgemäßen Sprache wiedergeben wollte. Die Enge und Weite von Gassen und Plätzen. Die Kleinteiligkeit. Nun sogar an der Fassade ablesbar: Die ist nicht austauschbar, sondern ein erlebbarer Raum.“

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„Auch die Wohnungen wurden mitgestaltet. Mir ging es um die Vielfalt. Bereits im Grundriss und natürlich auch in der Gestaltung. Eine Wohnung war luxuriös gewünscht. Die andere sollte cool und pur sein. Keine ist wie die andere, und doch ist alles eine gemeinsame Sprache.“ MEHR VON ATELIER ZAFARI Projekt No. 27 Seite 54

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Architektur ATELIER ZAFARI Web www.atelier-zafari.com Projekt Wohnhäuser an der alten Stadtmauer Berlin Kategorie Neubau Fassadenmaterial Putz Fassadenfirma Kaplan Bauunternehmung Adresse Berlin Bauherr Privat Planungsbeginn 10/2011 Fertigstellung 03/2014 Kosten EUR 4,5 Mio. Fotos (1) Aviel Avdar / www.avielavdar.com, (3) Werner Huthmacher / www.werner-huthmacher.de, (2, 4, 5) Christian Dammert / www.christian-dammert.com

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1  Ziegelrotes Linoleum im Treppenhausflur stellt den Bezug zur benachbarten Kirche aus Klinker her.

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2  In den Baumwipfeln. Alle Loggien und Terrassen öffnen sich zum Garten und damit zum Apfelbaum.

Aussicht mit Apfel Architektur arcs architekten (Christian Sandweger, Hantje Hipp) Web www.arcs.de Projekt Bauernhof 2.0 Kategorie Neubau Fassaden­m aterial Beton / Holz Fassadenfirma Adldinger Bauunternehmen, Rupprecht Holzbau GmbH Adresse Neumarkt-Woffenbach Bauherr Privat Planungsbeginn 04/2016 Fertigstellung 05/2017 Nutzfläche 423 m² Kosten EUR 1,05 Mio. (brutto)

1984 wurde Woffenbach zum baumfreundlichsten Stadtteil von Neumarkt gekürt. Gar nicht verwunderlich also, dass hier in der Oberpfalz schon mal ein Apfelbaum im Zentrum eines Entwurfs steht. Wenn auch viele Jahre später, denn die Planung des Projekts „Bauernhof 2.0“ – ein Mehrfamilienhaus-Neubau – begann erst im April 2016. Auf dem Grundstück, das die Bauherren erworben hatten, stand ein historisches Bauernhaus, doch das war nicht sanierbar. Als das Architekturbüro arcs architekten den Auftrag annahm, gab es zwei Zielsetzungen: Der entstehende Bau sollte nicht als „der Neue“ herausstechen, sondern sich mit den für den Ort typischen historischen Bauernhöfen anfreunden. Und der Apfelbaum, den die Erbauerin des Bestandshauses gepflanzt hatte, sollte erhalten bleiben, ja sogar eine besondere Rolle einnehmen. Dies und noch mehr ist den Architekten gelungen. Optisch nähert sich das Gebäude der vorherrschenden traditionellen Bauweise, trägt aber trotzdem ein neues, modernes Gewand. Charakteristisch für die alten Bauernhäuser ist das Sockelgeschoss aus Naturstein, und auch der Neubau steht in der Verwendung von natürlichen und ökologischen Baustoffen seinem Vorgänger in nichts nach. Der Sockel entstand aus Dämmbeton, dessen Wirkung durch einen Hochleistungsdämmputz von innen unterstützt wird. Weiters wurde die ursprüngliche Bauweise dadurch berücksichtigt, dass man sich entschied, im oberen Geschoss eine Holzrahmenkonstruktion mit horizontaler Lärchenschalung aufzusetzen. Das Ergebnis nach der Fertigstellung des Projekts 2017: fünf einzigartige Wohnungen, offen gestaltet für Bewohner unterschiedlichster Konstellationen, in deren Räumen sich das Konzept von Beton im Erdgeschoss und Holzverarbeitung im Obergeschoss fortsetzt. Der Neubau hat durch seine moderne Bauweise seinen eigenen Charakter, spiegelt im Inneren aber gekonnt Details aus der historischen Umgebung wider. Die mit rotem Linoleum belegte Treppe „solidarisiert“ sich etwa mit der benachbarten Kirche aus Klinkerziegeln. Die Verwendung von Großdielen in rustikaler Ausführung erinnert an Bodenbeläge aus früherer Zeit. Es gelingt der Spagat, eine eigene Note zu bewahren, ohne ins Abseits zu geraten. Der schönste Beweis dafür ist der benachbarte Bauer, der den Neubau mit den Worten kommentierte, er sehe aus, als sei er schon immer da gestanden. Und zumindest der Apfelbaum stand tatsächlich „schon immer“ da – bei der Fertigstellung im Mai womöglich in voller Blüte. Und steht im Zentrum: Alle Loggien und Terrassen des Neubaus sind auf ihn gerichtet. jur

Fotos Antje Hanebeck 2

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1  Durch den eingeschossigen Zwischentrakt lockert sich straßenseitig das Gesamtbild der drei Häuser auf. 2  Ein lichtdurchfluteter Wohnbereich und eine halb offene Küche, beides findet sich im Erdgeschoss. Ebenso wie ein separates Zimmer, das von den Architekten als Arbeits- oder Gästezimmer angedacht ist.

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In Reih und Glied

„Die Umgebung wird geprägt von einer großzügigen Einfamilienhausbebauung aus den 70er-Jahren mit Walm-, Pult-, Reet- und Flachdächern, Solitärbauten mit großen Abständen untereinander, teilweise sogar moderner Architektursprache auf parkähnlichen Grundstücken. Ein massiver, ungegliederter Gebäudekomplex hätte den Rahmen der Umgebung gesprengt“, beschreibt Architektin Anne Braunholz die Annäherung an die Siedlung am Oelzepark. Seit über 50 Jahren wird bei Braunholz Architekten Architektur als Gestaltung der Umwelt verstanden, so auch hier. Drei Stadthäuser sollten auf einem großzügigen, parkähnlichen Grundstück im Lüneburger Ortsteil Häcklingen gebaut werden, direkt an einem innerstädtischen Naturschutzgebiet mit Bachläufen, Teich und altem Baumbestand. „Vermeidung eines Reihenhauscharakters, Sichtschutz und Abgrenzung untereinander, Besonnung der Innenhöfe sowie Auflockerung mit großer Baumpflanzung“ waren die Rahmenbedingungen. Man entschied sich für klassische sogenannte „Kettenhäuser“ mit je 165 Quadratmeter Wohnfläche. Dabei handelt es sich um Einfamilienwohnhäuser, die allesamt gleichartig gestaltet sind und trotz geringer Unterbrechungen eine Reihung bilden.

Individualität trotz Enge. Beim Oelzepark erhielt jede Einheit eine 20 Quadratmeter große überdachte Terrasse sowie eine großzügige und nicht einsehbare 20 Quadratmeter messende Balkonfläche, die zum Park ausgerichtet ist. Begrünte Innenhöfe ermöglichen den Bewohnern einen uneingeschränkten Blick in die Natur und bieten Sichtschutz auf die angrenzenden Gebäude. Die Gartenrasenfläche gehört der Gemeinschaft, „diese sollte nicht durch kleinteilige Abgrenzungen den Panoramablick auf die herrliche Waldkulisse beeinträchtigen. Bisher scheint das zu funktionieren“, fügt Anne Braunholz hinzu. Höhenstaffelung und Materialwechsel – weiße Putzfassaden vs. waagrechte Holzverkleidungen – geben den Eindruck von drei einzelnen Häusern. Eine Rhetorik, die auch im Inneren anzutreffen ist. „Holzfußböden in allen Wohn- und Schlafräumen in Anlehnung an das verbindende Außenmaterial Holz. Schlichte weiße Wand- und Deckenflächen der Innenräume finden sich in der Zwei-Geschoss-Putzfassade der Hauptkörper wieder. Der Ge­ samtbaukörper lebt vom Wechselspiel der Ein- und Zweigeschossigkeit und der Putz- und Holzfassaden.“ Moderne Zukunft eben, gebaut auf klassischem Fundament. anm

Architektur Braunholz Architekten Web www.braunholz-architekten.de Projekt 3 Stadthäuser Kategorie Neubau Fassadenmaterial Wärmedämmverbundsystem und Rhombus-Holzschalung Adresse Lüneburg Bauherr Privat Planungsbeginn 09/2013 Fertigstellung 11/2014 Nutzfläche jeweils 165 m2 Fotos Sebastian Glombik / www.sebastianglombik.com

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Auf den Punkt gebracht Modulare Mehrfamilienhäuser: Jeder Grundkubus beträgt nur 14 × 14 Meter, die Wohnungen selbst können darin aber flexibel arrangiert werden. Von 30 bis zu 138 Quadratmetern.

Der im Jahr 2011 von der Bremer Wohnungsbaugesellschaft GEWOBA in Kooperation mit der Architektenkammer und dem damaligen Senatsbaudirektor Franz-Josef Höing ausgelobte Ideenwettbewerb „Ungewöhnlich wohnen“ war Anlass für das Berliner Büro LIN Architekten Urbanisten, das Projekt „Bremer Punkt“ zu entwickeln. In der Bremer Neustadt stehen inzwischen drei der „Bremer Punkte“: viergeschossige Wohnhäuser, welche die in den späten 1950er-Jahren errichtete Gartenstadt Süd nachverdichten. „Uns ging es hier um einen flexiblen Gebäudetyp, der Voraussetzungen für vielfältige Wohnmuster schafft: Wohnen und Arbeiten ebenso wie Angebote für unterschiedliche Familienkonstellationen, Singlehaushalte oder gemeinschaftliche Wohnformen. Damit können je nach Standort unterschiedliche Nutzergruppen angesprochen werden“, so die Architekten. Die Grundfläche der Häuser beträgt nur jeweils 14 mal 14 Meter – sie setzen sich damit deutlich von der Größe der sie umgebenden Zeilenbauten ab. Doch sahen die Architekten ihre Aufgabe nicht darin, hier kleine Solitäre zu schaffen, die sich vom Bestand abheben. Im Gegenteil: Die Architektur fügt sich vollends in die Siedlung ein. In dem in modularer Holzfertigbauweise errichteten Gebäude sind je nach Bedarf Ein- bis Sechszimmerwohnungen untergebracht, die zwischen 30 und 138 Quadratmeter groß sind. Besonderes Augenmerk legten die Architekten auf große Fenster, verglaste Loggien, aber auch auf die Barrierefreiheit und Aspekte der Nachhaltigkeit. Steht man vor den Gebäuden, ist man erstaunt, dass eine solche zügig montierbare Architekturlösung nicht zum Standard in den vielen deutschen Nachkriegswohnsiedlungen geworden ist: Der kompakte, viergeschossige Baukörper erreicht Energiestandard KfW 55 und setzt auch visuell neue Maßstäbe: Die Art etwa, wie sich das Haus mit offenem Laubengang zu seiner Umgebung öffnet, wie Fenster und Loggien die Fassade gliedern, wertet auch den vorhandenen Baubestand markant auf und tritt mit diesem in einen spannenden Dialog. Schöner, kostengünstiger Wohnraum ist fatalerweise in Deutschland sehr selten. Mit den inzwischen mit verschiedenen Architekturpreisen ausgezeichneten „Bremer Punkten“ bieten LIN Architekten Urbanisten eine seriell umsetzbare Lösung zur Schaffung neuen Wohnraums in Lücken und Freiflächen vorhandener Siedlungen der Nachkriegszeit an. Bereits jetzt sind weitere Gebäude in Planung. mpe

53 Architektur LIN Architekten Urbanisten Web www.lin-a.com Ausführungsplanung Kahrs Architekten Projekt Bremer Punkt Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus, Holzbau Fassadenmaterial Putz Fassadenfirma Sto Adresse Bremen Bauherr GEWOBA Aktiengesellschaft Wohnen und Bauen Planungsbeginn 2013 Fertigstellung 10/2016 Nutzfläche 427 m² Fotos Nikolai Wolff, Fotoetage / www.nikolaiwolff.de, www.fotoetage.de

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Entgegengestemmt Im Jahr 1996 in Wien gegründet, hat sich das Büro archipel architekten ein scheinbar ganz einfaches Motto auf die Fahnen geschrieben. „archipel steht für Netzwerk und Entwicklung“, so ist es zu lesen. Auf die Architektur bezogen heißt das: „Wir schaffen Möglichkeitsräume im Großen wie im Kleinen. Wir bauen, lehren und forschen. Wir erzeugen Spannung, das treibt voran.“ Ein besonders von Spannung getragener Bau ist das „Haus J“, das Johannes Kraus und sein Büro im Breisgau gebaut haben. Die Lage des Grundstücks ist von einzigartiger Qualität: Ebnet ist ein ländlicher Stadtteil im Osten von Freiburg. Am ehemaligen Rossplatz fanden die Architekten einen steilen Südhang mit herrlicher Sonnenlage vor. Auch wenn der Bau ein markantes Beispiel moderner Architektur ist, so wird hier

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doch die Typologie des historischen Gebäudes der Region, des Schwarzwaldhauses, aufgegriffen, wie der Architekt betont: Die hier auffällig gefaltete Hülle der Dach- und Fassadenflächen aus Zink schützt die darunter liegenden Innen- und Außenräume. Dem klassischen Material der Gegend, der Holzschindel, wird ebenfalls Referenz erwiesen: Sie dient hier als Verkleidungsmaterial der seitlichen Fassaden. So entsteht ein mit Alternativenergien wie Tiefenwärme und Sonnenkollektoren ausgestatteter Bau mit 410 Quadratmetern Nutzfläche, der sich nicht nur in die ländlich geprägte Umgebung mit ihren zum Teil noch historischen Gebäuden und Schuppen einfügt, sondern der mit seinen vier Hauptgeschossen – von denen das obere Studio aus dem Baukörper auskragt – auch gleichzeitig einen fantastischen Blick

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auf den Hochschwarzwald bietet. Die beiden unteren Wohnungen stehen zudem mit Gartenflächen in Verbindung. Im Inneren dominieren Holzparkett, weiße Wände, Holzfenster und Sichtbetonflächen – naturgemäß sind es auch die wunderbaren Blicke nach draußen, welche das Gebäude im Inneren bestimmen. Dem Architekturbüro ist hier ein besonderer Entwurf geglückt. Die Umgebung und die Architektur bereichern sich auf vielgestaltige, überraschende Weise. mpe

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Architektur archipel architekten – Architekt Johannes Kraus Web www.archipel.at Projekt Haus am Hang Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus, Holzbau Fassaden­ material Holzschindeln, Zinkblech, Hartfaserplatten Adresse Freiburg im Breisgau Bauherr Privat Planungsbeginn 2011 Fertigstellung 2014 Nutzfläche 410 m2 Kosten EUR 1,2 Mio. Fotos Rupert Steiner / www.rupertsteiner.com

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1+2  Zwei Familien und eine Wohnung – hinter diesen Wänden verbergen sich ungewöhnliche Raumqualitäten. 3+4  Flexible Räume – ob nun durch die vertikale wie horizontale Schaltbarkeit oder die Nutzungsoption als Bühne und Rückzugsort.

Architektur Vécsey Schmidt Architekten (Christoph Schmidt, Susann Vécsey) Web www.vsarch.ch Projekt Mühle Binzen Kategorie Neubau, Umbau, Holzbau Fassadenmaterial Holz, Putz Fassa­d enfirma Rösler Holzbau Adresse Binzen Bauherr Privat Planungsbeginn 04/2014 Fertigstellung 09/2016 Fotos (1, 2) Rasmus Norlander / www.rasmusnorlander.se, (3, 4) Christoph Schmidt

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Bühne frei Was bedeutet „Dorf“ überhaupt jenseits der verklärten Vorstellung eines Lebens in Verbundenheit mit der Natur? Ist der Vorteil des Wohnens auf dem Dorf das enge Verhältnis zu den Nachbarn oder die Distanz zu ihnen? Bei dem Projekt „Mühle Binzen“ von Vécsey Schmidt Architekten ist die Verbundenheit zur Natur auf jeden Fall ein Vorteil – man kann kaum idyllischer wohnen. Gelegen an einem kleinen Waldstück, plätschert der Bach vor der Haustür – nur am Zustand der Mühle musste man noch arbeiten. Architektur versus wilde Natur, eine nicht ganz alltägliche Aufgabe für ein Architekturbüro. Die Spannung zwischen der wilden Natur und der alten Mühle steigerte die Schönheit des Ortes.

Das Bestandshaus war lange Zeit unbewohnt, efeuumrankt und von mehreren Schuppen umstellt. Von der Lebendigkeit der ehemaligen Mühle, die einst den umliegenden Dörfern abwechselnd als Ausflugsrestaurant oder Vergnügungslokal diente, war nichts mehr zu spüren, auch fehlte es an der notwendigen technischen Infrastruktur. Die Aufgabe an die Architekten war hier also klar: einen Lebensmittelpunkt für zwei Familien zu schaffen und gleichzeitig einen Raum für Veranstaltungen in der Mühle, der den Auftraggebern, die Schauspieler sind, als Bühne dienen soll. So bekam der Teil im neuen Anbau auch einen besonderen Auftritt, der in seiner Ausführung im schönen Kontrast zu der aus Backstein gebauten Mühle steht.

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Die zweifarbige Holzfassade wirkt von außen fast wie ein Zirkuszelt. Innen bekommen die Räume durch die Holzverkleidung einen ganz eigenen Charme und grenzen sich sowohl räumlich als auch optisch vom bestehenden Haus ab. Mit dem Neubau entstanden drei geometrisch präzise Außenräume, der rückwärtige Hof, die erhöhte Terrasse sowie der Hof auf der Vorderseite. Die Anordnung der Räume und ihrer Türen bietet den Bewohnern die Möglichkeit einer vertikalen und horizontalen Schaltbarkeit, d. h., die beiden Studios können getrennt oder als eine Einheit genutzt werden. Nun stehen beide Häuser, unter Wahrung ihrer Eigenständigkeit, im engen Dialog miteinander. tar

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1  In Würde altern dürfen in dieser barrierefreien Wohnung auch die Materialien: Eiche, Kalkstein, Corian, Kupfer, Glas und Rohstahl machen auch in vielen Jahren noch einen guten Eindruck.

MEHR VON FABI ARCHITEKTEN Projekt No. 57 Seite 102 / Projekt No. 98 Seite 184

2+3  Auf Höhe der Baumkronen und mit Blick auf den Fluss: Auf der 4. Ebene des Wohnturmes befindet sich neben Küche, Essbereich und Arbeitsraum auch die Aussichtslounge vom Wohnbereich auf die Donauauen.

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Wohnen zum Quadrat Zwölf mal zwölf hoch fünf, und das durch zwei: So ähnlich könnten die Angaben für diesen an der Donau gelegenen Wohnturm in Regensburg lauten. Zwölf mal zwölf Meter ist der Grundriss, auf dem dieser fünfgeschossige massive Baukörper mit Lochfassade hochragt. Zwei steht für die Anzahl der Wohnungen im Haus. Der private Bauherr hat hier mit dem Architekten Stephan Fabi nicht nur sein Altersdomizil verwirklicht, sondern auch eine Einliegerwohnung untergebracht, bei der man sich trotzdem als alleiniger Herr im Haus fühlen sollte. Aktuell wird die Einliegerwohnung zwar nur fallweise von Familie und Freunden des Bauherrn genutzt (etwa wenn die Tochter auf Besuch ist oder Gäste mal länger bleiben). Doch auch eine Vermietung an Fremde soll nicht ausgeschlossen werden. Da ließe man sich besonders ungern in die Privatsphäre blicken. „Wir haben darauf geachtet, Außenbereiche zu haben, die so zueinander gewandt sind, dass man das Gefühl hat, ich bin da relativ alleine. Wenn ich einen Außenbereich habe, in dem jeder sieht, was ich esse,

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und alles live mitkriegt, hält man sich da nicht gerne auf“, erklärt Stephan Fabi, warum die Freibereiche aus Sichtbeton in unterschiedliche Himmelsrichtungen hin angeordnet wurden. Eine gleichwertige Verteilung der Wohnräume in alle Himmelsrichtungen machte die quadratische Grundfläche nötig – eine Reminiszenz an die mittelalterlichen Geschlechtertürme von Regensburg. Gerade der oft stiefmütterlich behandelte Norden wurde in der Hauptwohnung durch ein Esszimmer mit Eckverglasung und die Loggia aufgewertet. Diese erstreckt sich über mehrere Etagen, sollte aber trotzdem einheitlich wirken. Nun verbindet eine freitragende Treppe das dritte Geschoss mit seinen Schlafräumen und Badezimmern mit dem darüber liegenden Wohngeschoss mit Küche, Essbereich und Arbeitsraum. Wer Ruhe sucht, findet diese ganz oben in der fünften Etage im Rückzugsraum mit Zugang zur Dachterrasse mit Außenküche. Die Rechnung geht auf: Bei der 270-Grad-Aussicht über Regensburg und den Naturraum der Donauauen ist man hier zu 100 Prozent entspannt. mip

Architektur fabi architekten Web www.fabi-architekten.de Projekt Wohnturm am Fluss Kategorie Neubau Fassadenmaterial Horizontaler Besenstrichstruktur-Putz Adresse Regensburg Bauherr Privat Planungsbeginn 07/2014 Fertigstellung 06/2016 Nutzfläche 370 m2 Fotos Herbert Stolz / www.herbertstolz.de


Offenherzig Quadratisch gut: Eingebettet in ein Quartier, dessen städtebauliches Konzept eine dichte, urbane Qualität vorsieht, hat der Architekt Stephan Fabi in diesem fünfstöckigen Haus auf einer Grundfläche von zwölf mal zwölf Metern zwei Wohneinheiten untergebracht. Welche Anforderungen gab es an das Projekt? Wir haben einen privaten Bauherrn, der in dem Gebäude eine zweite Wohneinheit generiert hat und die erste Wohneinheit selbst nutzt. Durch den direkten Kontakt hatte man hier keinen anonymen Wohnungsbau, sondern den Nutzer live dabei. Wir konnten die Wohneinheiten wirklich gemeinsam planen und die Wünsche des Bauherrn weitgehend umsetzen. Die zusätzliche Wohnung, eine Einliegerwohnung, ist eigentlich für die Tochter gedacht, die in Berlin lebt, aber auch oft mit dem Kind da ist. Oder für Gäste, die länger bleiben. Später möglicherweise für die Vermietung oder auch für Pflegepersonal. Sie ist so gestaltet, dass sie separat abgeschlossen werden kann. Es ist eine ganz separate Wohneinheit und könnte ab sofort vermietet werden, auch an jemand Fremden. Worin unterscheidet sich die Planung eines solchen Hauses von einem Einfamilienhaus; worauf gilt es besonders zu achten? Neben ganz pragmatischen Dingen wie Brandschutz und Schallschutz vor allem, dass jeder seine individuellen Freibereiche hat. Das ist immer sehr wichtig, auch bei größeren Wohnungsbauten. Man weiß es von sich selbst, dass man Rückzugsbereiche braucht. Wenn ich einen Außenbereich habe, in dem ich mich in keiner Weise zurückziehen kann, hält man sich da nicht gerne auf. Deshalb schauen wir immer, dass wir Außenbereiche haben, die so zueinander gewandt sind, dass man das Gefühl hat, man ist hier relativ alleine. Obwohl es sich um ein Grundstück handelt, das in der Stadt ist, haben wir es auch hier geschafft, durch die Höhenstaffelung und durch die Ausrichtung in die verschiedenen

Himmelsrichtungen die Freibereiche zu zonieren. Man hat auch in der Wohnung das Gefühl, wenn ich ins Freie trete, ist da kein anderer mehr. Was bei diesem Projekt gleich auffällt, ist der quadratische Grundriss. Dieser hat sich ganz pragmatisch aufgrund des Bebauungsplanes ergeben, der Punkthäuser vorsieht. Wir haben den gleich übernommen, weil es sich angeboten hat, hier einen sehr schlanken, hohen Baukörper zu formen. Bei so einem quadratischen Grundriss verabschiedet man sich schnell von diesem reinen „Süden ist gut, Norden ist böse“. Das führt dazu, dass man sehr gleichwertige Räume in allen Himmelsrichtungen anbietet und die Räume relativ gleichwertig positioniert. Wir haben ja im Norden den Fluss und nicht nur kleine Pufferräume nach Norden, sondern schöne, große Räume wie das Ess­ zimmer mit Eckverglasung. Es gibt sogar eine Loggia nach Norden. Die Wohnräume selbst erstrecken sich hier ja über mehrere Etagen. War das eine Herausforderung? Es war nicht so gedacht, dass man jede Ebene für sich sieht, sondern dass man die Ebenen miteinander verbindet. Die große Einheit geht eigentlich über alle Geschosse. Der Eingang ist ein sehr großzügiger, luftiger Bereich, wo man dann eine Treppe hochgehen kann, um die beiden Wohnungstüren zu erreichen. Und ab da erstreckt sich eigentlich nach oben hin bis zur Dachterrasse die Hauptwohnung. Es klingt ein bisschen komisch, dass es eine altersgerechte Wohnung ist, aber sie hat auch einen Aufzug; die Höhe der Geschosse wird praktisch mit dem Aufzug ausgeglichen und ist wirklich eher altersgerecht

orientiert. Bisher wohnten die Bauherren zwar schon in Regensburg, aber ganz woanders – sie haben sich jetzt wirklich als Altersdomizil diesen Platz ausgesucht. Was ist Ihnen bei der Gestaltung von Lebensräumen wichtig, und wie spiegelt sich das in diesem Projekt? Die Verwendung von Materialien, die schön altern dürfen. Wir haben hier einen ganz massiven, angenehmen Boden; wir haben fast überall Naturstein oder Parkett, in dem Fall jetzt Eichenparkett als Innenparkett. Wir haben Mauerwerk, also keines mit Verbundsystem oder Sonstiges, sondern eine wirklich massive Außenkonstruktion. Schöne Farbgebungen, wir haben pigmentierte Naturfarben, die einfach den Raum sehr stark gestalten. In Ihren Projekten gibt es immer wieder interessante Aussichten. Beim Wohnturm am Fluss etwa anhand der am Eck aufgerissenen Fassade. Wie hat sich dieses Element ergeben? Ganz einfach. Das ist an der Stelle der schönste Blick auf

den Fluss und die Au; da fließt die Donau unmittelbar dran vorbei. Man ist in der Höhe der Baumkronen und blickt auf den Fluss sowie auf die gegenüberliegenden Hügel. Das muss man einfach aufmachen. Was ist für Sie das Besondere an diesem Projekt? Die Ausrichtung in alle Himmelsrichtungen. Dass wir im Norden den Fluss haben und im Süden die Stadt mit Blick auf die Altstadt und auf den Dom. Im Westen gibt es eine sehr schöne Belichtungssituation. Und im Osten einfach die aufgehende Sonne, die wirklich reinkommt und quer durchs Haus flutet, sodass man am Morgen schon die Helligkeit voll mitbekommt. Ich kann, wenn ich mich im Haus bewege, den ganzen Tag den Lauf der Sonne mitverfolgen. Wir haben uns bewusst für die Lochfassade entschieden, also keine großflächigen, aufgerissenen Seiten. Das Größte ist die Ecke, die aufmacht. Ansonsten sind es eigentlich ganz klassische Öffnungen, die in diesen massiven Körper gestanzt sind. Und es gibt trotzdem sehr viel Licht; es ist ein sehr helles, freundliches Gebäude.

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Architektur fabi architekten Web www.fabi-architekten.de Projekt Stern des Südens Kategorie Neubau Fassadenmaterial Glattputz / Lärchenholzverschalung Adresse Pentling Bauherr Privat Planungsbeginn 11/2015 Fertigstellung 07/2017 Nutzfläche 230 m2 Fotos Herbert

MEHR VON FABI ARCHITEKTEN Projekt No. 56 Seite 100 / Projekt No. 98 Seite 184

Stolz / www.herbertstolz.de

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„Wenn man so einen Blick hat, so einen völlig unverbaubaren Freiblick in die Landschaft, und man hat ein Badezimmer mit Sauna und Wellness-Bereich, dann möchte man auch ins Freie gehen können. Man kann auf den Loggia-Balkon treten, sich da abkühlen, die Liege aufstellen und in die Weite schauen.“

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„Meistens mit Westwind“ – Stephan Fabi über den „Stern des Südens“

„Da man dort das erste Haus nach Westen ist und kein Schutz dem Gebäude vorgelagert ist, merkt man, dass es sehr windig oben ist. Wir haben diese eingeschnittene Loggia wie eine Art Strandkorb als WindschutzFreibereich geplant, damit man der Natur ein bisschen geschützter gegenübersteht.“

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Architekturhochburg

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Es gibt immer ein erstes Mal. So profan die Aussage, so sicher trifft sie auf die Ausgangssituation von „Haus D“ zu. „Wir wollen eine Burg.“ Mit diesem Wunsch trat der Bauherr 2015 an das Team von DÖLLMANN Design + Architektur heran. Nicht nur ein ungewöhnliches Anliegen, sondern mit Sicherheit auch eines, mit dem sich Peter Döllmann zum ersten Mal konfrontiert sah. Gänzlich ernst war der Wunsch vielleicht auch gar nicht, nur symbolisierte die Burg, was der Bauherr in Wirklichkeit suchte. Einen Rückzugsort. Ob nun mit oder ohne Zugbrücke. Gerade für den Wunsch nach Privatsphäre könnte das gekaufte Grundstück auch nicht besser geeignet sein. An der Waldgrenze gelegen und nahezu uneinsehbar, öffnet sich der Baumbestand nur zur Straßenseite. Das Haus reagiert wiederum konträr und verstärkt die Intimität der Lage: Es verschließt sich zur Straße und öffnet sich mit großzügiger Verglasung zu Garten und Wald. „Die Lage am Waldrand inspirierte uns, den Gartenrundgang um das Haus herum auf allen Geschossebenen zu ermöglichen“, erklärt Peter Döllmann eine der

Grundideen des Entwurfes. Um den Zugang zum Garten auch in der Höhe möglich zu machen, nutzte er das Grundstücksniveau weitestmöglich aus. Eine Entscheidung, welche nun die Gestaltung der Innenräume ebenso prägt wie die der Außenbereiche. Sie sind nun wirklich autark aus jedem Geschoss begehbar, aber auch als Rundgang so verbunden, dass man die innere Erschließung nicht nutzen muss. Das Haus hingegen wurde als komplexer Multi-Split-Level ausgeführt – als Einheit über alle Ebenen verbunden, scheinen sich die Räume gänzlich auf den Außenbereich einzulassen und die Gartengestaltung findet förmlich über alle Wohnbereiche Einzug in das Haus. Mit diesem Entwurf ist Peter Döllmann eine gestalterische Einheit aus räumlich spannendem Inneren und vielfältig erlebbarem Äußeren gelungen, wobei der Wunsch nach einer mittelalterlichen Festung respektiert wurde. Großzügig und funktional im Inneren, außen kleinteilig und mit ungewöhnlichen Aussichtspunkten, aber doch ein wenig abgeschottet vom Umland erinnert „Haus D“ nun wirklich an eine Burg. ros

Architektur DÖLLMANN Design + Architektur Web www.doellmann.eu Projekt Haus D Kategorie Neubau Adresse Dresden Bau­h err Privat Planungsbeginn 2015 Fertig­s tellung 2017 Nutzfläche 310 m2 Fotos Christoph Reichelt / www.blickpunktstudios.de

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BuchenBlick

Architektur WSM Architekten Web www.wsm-architekten.com Projekt Einfamilienhaus „N“ Kategorie Neubau, Passivhaus Fassaden­m aterial Dämmplatte WDVS EPS Qju Fassadenfirma Brillux Adresse Feldafing Bauherr Privat Planungsbeginn 06/2012 Fertigstellung 11/2014 Nutzfläche 194 m² Fotos Sascha Kletzsch / www.sascha-kletzsch.de

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Am Anfang stand die Buche. Ein Baum als Ausgangspunkt der planerischen Tätigkeiten der beiden Architekten Tobias Schmidt und Florian Wiesler. Sie haben das neue Haus, das auf dem Grundstück 2014 fertiggestellt wurde, mit entsprechender Berücksichtigung von dessen majestätischer Gestalt entworfen. Aus mehreren Bereichen des Gebäudes haben die Bewohner nun einen herrlichen Blick auf die Buche. Selbst aus dem Schlafzimmer lässt sich der Wechsel der Jahreszeiten angesichts der sich verändernden Blätterfarbe hautnah miterleben. Das Wohnen in den Blättern kommt bei den Bauherren gut an, dabei hatten sie ursprünglich ganz andere Vorstellungen von ihrem Eigenheim. Angefragt wurde ein schicker Flachdachbau im Bauhausstil, geworden ist es ein kubisches, skulpturales und modernes Objekt. Beim Anblick des Entwurfs der beiden WMS-Architekten waren die Bauherren erstaunt. „Und doch waren sie von Beginn an fasziniert davon“, erzählt Wiesler die Geschichte des Familienhauses, das aus einem ein- und einem zweigeschossigen Bereich, einer Garage und einem Haupthaus besteht. Ein mehrfach gefaltetes Dach verbindet die Elemente zu einem monolithischen Baukörper. Das war eine Herausforderung: „Jede Dachfläche musste immer wieder auf Windschiefigkeit geprüft werden. Eine Sisyphusarbeit“, erinnert sich der Architekt. Dass die Natur nicht nur buchstäblich im Zentrum des Einfamilienhauses in Feldafing steht, bedeutet auch, dass auf Nachhaltigkeit und sparsamen Energieverbrauch allergrößter Wert gelegt wurde. Selbst der Bauschutt des alten Bestandshauses wurde zum großen Teil für das neue Gebäude verwendet. Für das Energiekonzept inklusive Dämmung, Sole-Wärmepumpe, Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und Photovoltaikanlage erhielt das Einfamilienhaus den Energiesparpreis des Landkreises Starnberg. „Als allerletzte Konsequenz schafften die Bauherren vor einem Jahr ihren benzinbetriebenen Pkw ab und fahren seitdem nur noch mit (eigenem) Strom“, berichtet Wiesler. Mit Sicherheit eine Bestätigung für die Architekten, die rückblickend nichts anders gemacht hätten. Diese Architektur „jenseits von Rendite und Pflichterfüllung“, so Wiesler, ist eben die Kür. roa

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Seebühne „Was Architektur einzigartig macht, ist die Summe vieler kleiner, sorgfältig geplanter Details“, weiß man im Team von landau + kindelbacher. Bei ihrer 2016 fertiggestellten Version eines modernen Seehauses zeigt sich das etwa anhand der Natur, die von einem großen, stützfreien Panoramafenster wie von einem Passepartout umrahmt wird. Überhaupt steht der Ausblick auf die Landschaft im Mittelpunkt des ganzheitlichen Entwurfs. Gezielt gesetzte Öffnungen führen das Auge über den Pilsensee und das Kloster Andechs ins bayerische Alpenvorland. Eine Inszenierung, die sich je nach Tages- und Jahreszeit immer wieder verändert. Zeitlos und doch innovativ. Die Architektur von landau + kindelbacher ist laut eigener Aussage „bestimmt durch die konzeptionelle Klarheit und die Nachhaltigkeit der Entwürfe“. So verwundert es auch nicht, dass der massive Sockel aus Wachenzeller Dolomit ganz natürlich aus der starken Hanglage des Grundstückes herauszuwachsen scheint. Das schlanke Profil der Holzfassade aus sägerauer Fichte nimmt die lokale Formensprache auf und symbolisiert Verbundenheit mit der Umgebung. Anstelle eines großen Baukörpers verteilen sich die 229 Quadratmeter des

Raumprogramms auf zwei getrennte einfache und kompakte Volumen. Während sich die archetypische Form der Liegenschaft zur Straße eher geschlossen zeigt, öffnet sie sich zum See hin über die ganzen Breite. Der Eingang, hinter dem sich der zweigeschossige Wohnraum sowie eine Schlafgalerie verbirgt, liegt auf Straßenniveau und erstreckt sich in den Dachraum hinein, zum Garten kommt man über das erste Untergeschoss. Der Wunsch nach Natürlichkeit lässt sich auch im Innenraum erkennen, der weit mehr ist als reine „Ausstattung“. Nicht das einzelne Detail – darunter die Eichendielen in unterschiedlichen Breiten – steht hier im Fokus, sondern der virtuose Umgang mit und die unerwartete Kombination von Material und Oberflächen. Ein Stil, der auf nachhaltigen, langlebigen Werkstoffen, gepaart mit modernen Raumentwürfen, beruht. Durch die Addition dieser Werte blickt das „Haus am See“ einerseits zurück in die Vergangenheit, ist aber andererseits im Heute angekommen. Jedes Bauprojekt lebt vom persönlichen Stil, der in einer sinnlichen Gesamterfahrung resultiert. Beim „Haus am See“ heißt das: zukunftsweisende Architektur, gepaart mit Schönheit und Tradition. anm

Architektur landau + kindelbacher (Gerhard Landau, Ludwig Kindelbacher) Web www.landaukindelbacher.de Projekt Wohnhaus am See Kategorie Neubau Fassadenmaterial Naturstein (Wachenzeller Dolomit), Fichte Bauherr Privat Planungs­b eginn 2013 Fertigstellung 2016 Nutzfläche 229 m² Fotos Christian Hacker / www.christianhacker.format.com

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Naturpanorama – wie ein großer Wintergarten ist der Wohnraum konzipiert. Vom Sofa segeln die Gedanken über den See.

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Ein 30-Parteien-Mehrfamilienwohnhaus als direkter Nachbar in einer Einfamilienhaussiedlung. Kein gewöhnlicher Anrainer und keine leichte Ausgangsbasis, wenn man sich Rückzugsmöglichkeiten im Eigenheim wünscht. In Werne haben sich VICKERS ARCHITEKTEN des Problems der Privatsphäre-Einstellungen angenommen und es mit einem Kniff im Grundriss gelöst. Der Neubau wurde auf dem Grundstück nach Nord-Süd ausgerichtet und die Garage sowie der Koch- und Essbereich aus dem Grundkubus herausgelöst. Nach vorne verschoben und gegeneinander versetzt, entstehen im Inneren sichtgeschützte Räume und im Außenbereich eine privatere Eingangssituation. Dieser Wunsch nach Sichtschutz und Rückzug ist auch an der Fassadengestaltung ablesbar. Fast gänzlich geschlossen präsentiert sich das 175 Quadratmeter große Einfamilienwohnhaus, zumindest wenn man es von der Straße betrachtet. Rückseitig im Garten, aber auch in den Innenräumen zeigt es sich hingegen unerwartet offen. Große, lichte Räume, vor allem im Erdgeschoss durch die großzügige Fensterfront zum Garten. Hier befinden sich Wohnzimmer, offene Küche und Esszimmer. Der Außenraum ist ebenerdig begehbar, sodass im Sommer, wenn die Fensterfront geöffnet ist, Garten und Wohnraum

zu einer Einheit werden. Die Garage, die vor das Haus gesetzt wurde, gibt dem Eingangsbereich etwas Privates und dient gleichzeitig der oberen Etage als Balkon, schafft also einen zusätzlichen Freiraum. Im Kontrast zur ziegelroten Fassade zeigt sich der Innenraum in kühlen Farben. Weiße, glatt verputzte Wände und anthrazitfarbene Bodenfliesen erzeugen einen zurückhaltenden Eindruck. Durch ihre Klarheit bieten die Räume aber eine gute Kulisse, um jeweils vom individuellen Lebensstil der Bewohner belebt zu werden. Eine moderne, zeitgemäße Umsetzung eines Einfamilienhauses, mit viel Rücksicht auf das private Familien­ leben. tar

Architektur VICKERS ARCHITEKTEN Web www.vickersarchitekten.de Projekt Einfamilienwohnhaus in Werne Kategorie Neubau Fassadenmaterial Klinker Fassadenfirma Hagemeister Adresse Werne Bauherr Fam. Böhmer Planungsbeginn 06/2015 Fertigstellung 12/2016 Nutzfläche 175 m² Fotos Roland Borgmann / www.rolandborgmann.com

PrivatsphäreEinstellungen

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Pole Position

Architektur Geitner Architekten Web www.geitnerarchitekten.de Projekt Haus P. Kategorie Neubau Fassaden­m aterial Mineralischer Oberputz Fassadenfirma PaKo Bautenschutz GmbH Adresse Düsseldorf Bauherr Privat Planung­s beginn 09/2014 Fertigstellung 09/2016 Nutz­ fläche 350 m2 Fotos Michael Reisch / www.michaelreisch.net

Die Düsseldorfer Architekten Leona und Andreas Geitner verbinden in ihrer Arbeit stets zwei Pole. Zum einen geht es ihnen darum, schlichte und präzise Bauten mit einem besonderen Formwillen zu entwickeln. Zum anderen möchten sie eine Atmosphäre schaffen, in der sich die Bewohner ihrer Häuser wohlfühlen. Dass in diesem Spannungsfeld gute Architektur entstehen kann, beweist unter anderem das „Haus P.“ in Düsseldorf. Ein Gebäude, dessen zeitlose Formensprache sich mit viel Sinn für ausgewählte Materialien verbindet. „Haus P.“ ist ein Wohnhaus für eine Familie mit drei Kindern, gelegen am Düsseldorfer Stadtrand. Während das Gebäude straßenseitig ein geschlossenes Bild erzeugt, zeigt es sich gartenseitig dreigeschossig und fast vollständig durch raumhohe Fensterflächen aufgelöst. „Wir versuchen immer, einfache und klare Raumkonstellationen mit einer eindeutigen Ausrichtung zur Umgebung zu entwickeln, um Innenraum und Außenraum zu verknüpfen“, so Leona Geitner im Magazin „Der Architekt“. Diese einfachen und klaren Raumkonstellationen finden sich auch im „Haus P.“ – vom Erdgeschoss, das als offener und öffentlicher Raum mit repräsentativer Wirkung definiert wurde, bis in die darüber und darunter liegenden Rückzugsräume der Eltern und Kindern. Und auch die Ausrichtung ist eindeutig: in die umgebenden Baumkronen. Denn der Bezug zum Stadtwald prägt das großzügige Hanggrundstück. Diese besondere Naturkulisse bestimmt auch das Innere des Hauses – „eine Raumskulptur mit Blickbeziehungen nach außen und durch alle Etagen“, wie die Architekten es beschreiben. Weiße Wände, Eichendielen und heller Naturstein. „Wir wollten eine ruhige und natürliche Atmosphäre schaffen“, resümieren Leona und Andreas Geitner. mpe

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„Ein Haus, das die Lage feiert“, so beschreibt der Münchner Architekt Stephan Rauch eines seiner schönsten Wohnhausprojekte. Ein ungewöhnlicher Satz. Und es ist ja auch nur die halbe Wahrheit. Denn tatsächlich feiert Rauchs Entwurf des „Hauses mit Aussicht“ in gleichem Maße auch die Architekturkunst selbst. studioRauch mit Sitz in München hat hier einen Bau realisiert, der sich mit seinem polygonalen Grundriss und zweifach geneigten Satteldach in der so bevorzugten Hanglage am oberbayrischen Pilsensee zu behaupten versteht. Doch es stimmt schon: Diese Lage ist wirklich atemberaubend! Entscheidend sind bei diesem 2016 fertiggestellten Bau die Blicke, die Sichtbezüge: Berg- und Seeblick im Dachgeschoss, offenes Wohnen mit Seeblick im Mittelgeschoss. Geschlafen wird in der Hangetage. Und von außen? Schlicht, fast bescheiden, monolithisch und kompakt ist dieses Haus, das aber in der Gestaltung der

Innenräume auf hohe Komplexität und dabei auch noch auf maximale Nachhaltigkeit setzt: Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Garage ist – so geht ökologische Architektur! – selbst ein Augenschmaus. Was am „Haus mit Aussicht“ so gefällt, ist die Verständlichkeit der Formensprache, die klare Kontur. Die Schönheit der gefundenen Lösung mit der Außenhaut aus Holz auf einem so ungewöhnlichen, herrlichen Grundstück. Rauch – der früher auch als Architekturjournalist gearbeitet hat – baut vor allem in München und seiner oberbayrischen Heimat. Hier gelang ihm bereits eine ganze Reihe von Wohnhäusern, die auf selbstverständliche Weise einen sehr hohen Anspruch erfüllen: „Anspruchsvolles, zeitgenössisches Bauen und Sanieren“ – darum geht es Stephan Rauch und seinem Büro. „Daneben liegt unser Fokus auf Energieeinsparung und Nachhaltigkeit“, sagt der Architekt. mpe

Aussichtsreich

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Zurückhaltend offen: Berg– und Seeblick im Dachgeschoss, offenes Wohnen mit Seeblick im Mittelgeschoss; Wohnen und Leben mit atemberaubenden Aussichten.

63 Architektur studioRauch Web www.studiorauch.com Projekt Haus mit Aussicht Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Holzlattung, grau lasiert Adresse Hechendorf Bauherr Privat Planungsbeginn 01/2015 Fertigstellung 08/2016 Nutzfläche ca. 200 m² Fotos Florian Holzherr / www.florian-holzherr.com

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An der Baumgrenze

Das 1996 gegründete Neusser Büro Wichmann Architekten versteht sich als „Partner unserer Bauherren“. Eine ganz individuelle, maßgeschneiderte Lösung gelang Richard Wichmann und Projektleiter Marvin Keim mit dem Bau des Haus Blechhof für einen privaten Bauherrn. Eine Besonderheit des nur eingeschossigen Projekts war das sehr große Grundstück von etwa 5.000 Quadratmetern und die Lage am Waldrand. Hier galt es, ein Wohnhaus zu realisieren, das sich im Grundkonzept an bäuerlichen Bauformen orientiert und diese auf überraschende Weise ins Moderne wandelt. So stellt das Wohnhaus zusammen mit dem Nebentrakt eine Hofanlage mit Blauglockenbäumen dar, deren seitliche Begrenzung durch Buchenhecken gebildet wird. Auch ein Kräutergarten gehört zu dem Anwesen, genauso wie eine große Sonnenterrasse zur Waldseite hin. Prominentestes Baumaterial ist der Vollsteinklinker, der hier mit Zinkblech und Holz auf ästhetisch äußerst reduzierte, minimalistische Weise zum Einsatz kommt. Doch keinesfalls wirkt diese Architektur karg oder spartanisch, sondern großzügig nicht nur in der Raumhöhe, sondern auch in den großen Glasflächen, die das Haus zu Hof und Wald öffnen. Im Inneren ist der zentrale Ess- und Wohnbereich das Herz des 2013 fertiggestellten, barrierefreien Gebäudes, das auch auf einen Keller verzichtet. Weiß verputzte Wände, weiße Möbel und dunkle Granitböden prägen den paradoxal schlichten wie spektakulären Bau, der nicht nur optisch ein Genuss ist, sondern auch in Sachen Energieeffizienz vorbildlich: Die Beheizung erfolgt durch Erdwärme und eine Fußbodenheizung. mpe

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Architektur Wichmann Architekten Ingenieure Web www.wichmann-architekten.de Projekt Haus Blechhof Kategorie Neubau Fassadenmaterial Backsteinklinker Adresse Dormagen Bauherr Privat Planungsbeginn 05/2010 Fertigstellung 07/2013 Nutzfläche 240 m2 Fotos Jens Kirchner

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Charakterstärke Fensterlos zeigt sich der Dachaufbau zu den höheren Gebäuden der Umgebung hingewendet. Gesicherte Privatsphäre im Schlafzimmer.

Architektur quartier vier – Herberg | Siebeck | Wortelkamp Architekten Landschaftsarchitekten Web www.quartiervier.com Projekt Haus Siemeringstraße Kategorie Umbau, Niedrigenergiehaus, Holzbau Fassadenmaterial Klinker, Kalk-Zement-Putz, Aluminium, Film-Sperrholz Fassadenfirma Fassadentechnik Mölkau GmbH Adresse Leipzig Bauherr Privat Planungsbeginn 09/2012 Fertigstellung 08/2014 Nutzfläche 180 m2 Kosten EUR 380.000,– Fotos Michael Moser / www.michaelmoserimages.de

MEHR VON QUARTIER VIER Projekt No. 19 Seite 43

„Die Idee, wie wir mit den Schwächen des Hauses umgehen, kam eigentlich schon bei der ersten Begehung“, erinnert sich Architekt Kim Wortelkamp an den Projektbeginn. Bereits 2012 begleitete das Architekturbüro quartier vier die Bauherrin zur Besichtigung des Objektes in der Siemering­ straße und riet der jungen Musikerin zum Kauf. Die „Schwächen“ waren der Lage sowie der vormaligen Nutzung geschuldet. In der eingeschossigen Fabrik wurden ehemals Förderbänder hergestellt – ein exponierter, langgezogener Baukörper, kaum Tageslicht im Inneren und umringt von mehreren fünfgeschossigen Wohnhäusern, die eine starke Einsehbarkeit und entsprechend wenig Möglichkeit für Privatsphäre mit sich brachten. Also mehr als anregende Rahmenbedingungen für den Entwurf von quartier vier. Wie damit umgegangen wurde, erklärt Wortelkamp so: „Wir wollten Intimität erzeugen und entschlossen uns, ein Atrium aus dem Grundriss zu schneiden und das entnommene Raumvolumen als Dachaufbau draufzusetzten.“ Ein Eingriff in den Grundriss – eine Lösung für alle Probleme. Denn das Atrium bietet nicht nur einen geschützten Außenraum, es lässt auch viel Licht durch die raumhohen Fenster in den Wohnraum. Der Dachaufbau wiederum schirmt die Räume und das Atrium darunter vor Blicken aus den umliegenden Gebäuden ab. Zusätzlich lässt er einen weiteren, blickgeschützten Außenraum entstehen – eine kleine Dachterrasse. Selbst hält der Dachaufbau sich aber bedeckt: Er ist gänzlich in Aluminiumblech gekleidet, seitlich zu den gründerzeitlichen Wohnhäusern fensterlos. Ein Dachaufbau als Problemlöser und Kontrast zum historischen Charakter des Hauses. Dieser wurde nämlich nicht nur erhalten, sondern teilweise sogar wiederhergestellt. Die Zusammensetzung des früheren Verputzes wurde eigenes nachgemischt und die Klinkerfassade nur innen gedämmt und das Mauerwerk teilweise auch sichtbar gemacht. Der spröde Industriecharakter wurde also glaubhaft in die Moderne übertragen. Oder wie Wortelkamp sagt: „Wie in einer guten Partnerschaft arbeiten nun zwei gleichwertige, starke Charaktere zusammen. Das Alte und das Neue.“ ros

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Architektur MÜLLERS BÜRO Architektur & Design Web www.muellersbuero.de Projekt Wohnscheune Kategorie Umbau Fassadenmaterial Holzschalung, sägerau Adresse Vollmersweiler Bauherr Privat Planungsbeginn 02/2013 Fertigstellung 02/2015 Nutzfläche 300 m2 Kosten EUR 360.000,– Fotos Werner Huthmacher / www.werner-huthmacher.de

Gute Nachbarschaft In der Südpfalz, zwischen Rhein und der Deutschen Weinstraße, ganz nah an der französischen Grenze, liegt die 200-Seelen-Gemeinde Vollmersweiler, die man gemeinhin nicht mit zeitgenössischer Architektur in Verbindung bringt. Aber hier hat MÜLLERS BÜRO seinen Sitz, ein Planungsbüro auf den Gebieten Architektur sowie Produkt- und Möbeldesign, das sich Neubauten genauso widmet wie Sanierungen. Besonders die Sanierung eines unscheinbaren Gebäudes in Vollmersweiler selbst hat für Aufmerksamkeit gesorgt: die „Wohnscheune“! Fertiggestellt im Jahr 2015, war sie ehemals ein Wirtschaftsgebäude inmitten des Dorfes, das nun zum Wohnhaus umgestaltet wurde. Wichtig war dem Architektenteam von MÜLLERS BÜRO jedoch, dass die ehemalige Nutzung als Scheune ablesbar und der ursprüngliche Charakter des Gebäudes erhalten blieb. So entschied sich Architekt Ralf Müller dazu, nicht in die Gebäude- und Tragstruktur einzugreifen und stattdessen die „Hülle mit einer neuen Fülle“ auszustatten. „Viel Zeit wurde aufgewendet, um das bestehende Gebäude zu begreifen und den ‚genius loci‘ zu erspüren“, so Müller: „Hülle – Raum – Licht – neuer Inhalt, also Fülle, wurden zu den zentralen Begriffen bei der Planung.“ Die Idee der Architekten war es, vier große Öffnungen in die westliche Wand zu schneiden – die Fensterformate extrem zu überhöhen, sehr viel Licht in die Wohnräume zu lassen und gleichzeitig das Wesen einer Scheune, vor allem die Höhe, zusätzlich zu betonen. Im Inneren gibt es öffentliche und private Bereiche, wie Schlafzimmer, Bad und Ankleide, wobei sich Letztere in einem hochglänzenden, weißen Kubus befinden, der bewusst einen auffälligen Gegensatz zum Bestand darstellt. Im Mit- und Gegeneinander aus alt und neu, grob und glänzend, öffentlich und privat liegt der besondere Reiz dieser Architektur, deren Hof und Garten die Wohnfläche nach außen erweitern – genauso wie die etwa 100 Quadratmeter große Terrasse, die auf südpfälzische Wiesen und Weinberge blicken lässt. Diesen Ausblick genießen nun auch die netten Mitbewohner: ein schon lange in der Scheune lebendes Schleiereulen-Paar samt Nachwuchs, das nach dem Umbau wieder einziehen durfte. mpe

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Die Verjün­gungskur Die Fassade aus anthrazitfarben beschichteten Holzlamellen verbindet Bestand und Aufstockung zu einem einheitlichen Ganzen. Die tiefen Fensterlaibungen bringen hingegen Dynamik in die gemeinsame Struktur.

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Ist man als Haus erst einmal in die Jahre gekommen, hat man entweder das Glück, ein so hohes Alter erreicht zu haben, dass man für seine historischen Besonderheiten bewundert wird, oder man hegt den innigen Wunsch, sich noch einmal neu zu definieren und aufzublühen. Ein Einfamilienhaus aus den 1950er-Jahren in Badenweiler durfte sich noch einmal ganz neu erfinden und erhielt dank einiger Umbau- und Anbaumaßnahmen ein neues und modernes Erscheinungsbild. Sein eigentliches Geburtsjahr ist ihm heute nicht mehr anzusehen, es wartet auf mit den Vorzügen moderner Architektur. Der Freier Architekt Frank Heinz hat gemeinsam mit seine Frau und Büropartnerin die Planungen für die Verjüngungskur im Mai 2013 übernommen und das Objekt im August 2015 fertig gestellt. Ihnen ist gelungen, was vorige Bau- und Anbaumaßnahmen nicht realisieren konnten: Durch das Entfernen alter Anbauten und die Aufstockung von einer Gebäudehälfte entstanden große und helle Räume mit höheren Decken, in den beiden Obergeschossen der Aufstockung zusätzlich mit Terrassen und unverbaubarem Blick in die französischen Vogesen. Ein Befreiungsschlag. Die reizvolle Landschaft in der Nachbarschaft und das recht große Grundstück ließen den Planungen einigen Spielraum, die geneigte Dachform, die über den gültigen Bebauungsplan vorgegeben war, war allerdings eine Herausforderung. Frauke Roeder und Frank Heinz machten sie sich zunutze. Er realisierte einen hölzernen Anbau und integrierte die Dachneigung von 23 Grad als Brücke zum bestehenden Wohnhaus. Der moderne Anbau nimmt dieses mit seiner Holz­ lamellenfassade unter seine Fittiche und lädt es ein, sich auf seine Lebensphilosophie einzulassen und neu zu interpretieren. Diese Neuinterpretation gelingt nicht nur außen nahezu perfekt, sondern auch innen, wo einen eine offen gestaltete Wohnatmosphäre empfängt, deren Farbgebung die abwechselnd dunklen und hellen Partien der Außenfassade widerspiegelt. Der Wohn- und Essbereich mit offenem Kamin und Küche geht nahtlos in die Treppe aus gefaltetem Stahlblech über, die dezent in die oberen Bereiche führt. Diese sind mit weißlich geölten Holzböden versehen und nehmen das helle und offene Ambiente auf. All dies weckt die Vorstellung eines Durch-die-Räume-Gleitens – in einem Haus, das die alten Barrieren hinter sich gelassen hat und in neuem, zeitlosem Glanz erstrahlt. jur

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Architektur Frank Heinz, Freier Architekt Web www.roeder-heinz.de Projekt Einfamilienhaus in Badenweiler Kategorie Umbau, Holzbau Fassadenmaterial Vertikale Holzlamellen Fassadenfirma Hansmann Adresse Badenweiler Bauherr Privat Planungsbeginn 05/2013 Fertigstellung 08/2015 Nutzfläche 270 m² Fotos Olaf Herzog / www.olafherzog.de

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Architektur Philipp Architekten Web www.philipparchitekten.de Projekt Haus Scheller-Lange Kategorie Neubau, Niedrig­ energiehaus, Holzbau Fassadenmaterial Putz / FunderMax-Paneele Adresse Ulm Bauherr Familie Scheller-Lange Planungsbeginn 2012 Fertigstellung 2013 Nutzfläche 601 m², davon 429 m² Wohnfläche Fotos José Campos / www.josecamposphotography.com

Lichtblicke Der Wetterhahn am Eingang des Gebäudes erinnert noch an das Bürgermeisterhaus, das lange Zeit auf diesem wundervoll gelegenen Grundstück stand. Eine kleine Erinnerung, denn sonst ist nichts beim Alten geblieben. Im Gegensatz zum massig wirkenden Vorgängerbau überzeugt das „Haus Scheller-Lange“ mit Leichtigkeit. Vor allem räumlich, trotz der 429 Quadratmeter Wohnfläche. Es finden sich lichte und großzügig geschnittene Räume, auf drei Ebenen verteilt. Durch den Eingang auf Straßenniveau erhielt das Haus eine Hof- und Eingangssituation, die zum Verweilen einlädt. In diesem Teil sind die Kinder- und Gästezimmer untergebracht. Von der schönen Vollholztreppe, die durch den Kontrast zu den hellen Wänden wie ein Kunstobjekt wirkt, gelangt man ins nächste Geschoss, die eigentliche Wohnebene. Sie wurde so angelegt, dass man den Außenbereich mit dem Pool, dem dunklen Holzdeck und der hellen Sitzlounge im

Blick hat. Das Dach des Untergeschosses reicht schützend über die Terrasse und verläuft als Rahmen um die gesamte Fläche des Pools. Als Rückzugsort dient das Obergeschoss, an das sich eine Dachterrasse mit Jacuzzi anschließt. Von hier hat man einen fantastischen Blick auf das Ulmer Münster. Denn das Haus genießt mit seiner Lage alle Vorzüge – es liegt in unmittelbarer Nähe des Ulmer Stadtzentrums und hat trotzdem die Natur direkt vor der Haustür mit angrenzenden Schrebergärten und einem Waldgebiet. Aber nicht nur der Blick von der Dachterrasse ist erwähnenswert. Ist es zu kalt, um den Abend draußen zu verbringen, zieht man sich in die Bibliothek zurück. Der verglaste Luftraum schafft auch im Inneren spannende Sichtbeziehungen, die man mit einem Glas Wein in der Hand, das man sich zuvor aus dem hauseigenen Weinkeller geholt hat, genießen kann. tar

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Die „Revitalisierung“ der historischen Ganghofersiedlung gilt als eines der anspruchsvollsten Sanierungsprojekte der Welt­ erbe-Stadt Regensburg in den letzten Jahrzehnten. Erbaut 1939 für die Arbeiter der Messerschmittwerke, war die großflächige Gartenstadt auch 70 Jahre danach noch beinahe im Originalzustand erhalten. Modernes Wohnen in klassischer Bausubstanz sollte dieses Stück Zeitgeschichte nun aber in die Zukunft katapultieren. Dass bei der Neugestaltung der Vergangenheit Rechnung getragen wird, darüber wachte der Denkmalschutz. Einheitliche Bauformen mussten trotz Sanierung und Modernisierung erhalten bleiben, individuelle Erweiterungsgebäude im Bereich der Siedlungshäuser waren aber genehmigt. Vordergründig wenig Spielraum. Für das Team von Berschneider + Berschneider aber eine kleine kreative Spielwiese. So wurden bei ihrem „Wohnhaus A“ die Richtlinien des Denkmalschutzes bis ins Detail eingehalten, gleichzeitig erfüllt das schmucke Eigenheim aber alle Anforderungen an eine moderne Gebäudehülle. Vom groben Fassadenputz bis hin zur originalgetreuen Dachrinne – das alte Herz erhielt eine neue Seele. Dank dem Einsatz einer Wandheizung konnte auf Heizkörper im Innenraum verzichtet werden, die sanierte alte Treppe und die erhaltenen Decken und Böden verströmen den Charme einer Altbauimmobilie. Offene Grundrisse erlaubten sonnige, helle Räume, wie man sie sonst kaum im dichten Stadtgebiet findet. Ein bewusst eingesetzter

architektonischer Kontrast kratzt schließlich die „Kurve“ in Richtung Gegenwart: Als offene Box reicht der neue Anbau in den übergroßen Eigengarten hinein. Breite Glasflächen über beide Geschosse bringen das Grün der Umgebung in den Innenraum. Die Ausführung als Winkel, gepaart mit dem weiten Abstand zur nächsten Immobilie, erlaubt nicht nur eine wettergeschützte Terrasse mit freiem Blick in die Natur, sondern schützt zudem vor neugierigen Blicken der Nachbarn. Eine stimmige Collage aus Denkmalschutz und Erweiterung in einem Guss. anm

Architektur Berschneider + Berschneider Architekten (Johannes Berschneider, Gudrun Berschneider) Web www.berschneider.com Projekt Wohnhaus A Kategorie Erweiterung, Umbau Fassadenmaterial Münchner Spritzwurfputz nach alter Handwerkstechnik Fassadenfirma Maler Bauer,

MEHR VON BERSCHNEIDER + BERSCHNEIDER Projekt No. 17 Seite 40 / Projekt No. 18 Seite 42

Ein Herz und eine Seele

Lappersdorf Adresse Regensburg Bauherr Privat Fertigstellung 04/2015 Nutz­f läche 254 m2 Fotos Erich Spahn / www.erich-spahn.de

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Rückenfrei Unzugänglich und zugeknöpft gibt sich die Straßenseite des Gebäudes. Ein leichter Knick, keine Fenster, nur eine schmale Eingangstür. Augenscheinlich ein schlichter eingeschossiger Baukörper. Jedoch: Auf der Rückseite geizt die Liegenschaft ganz und gar nicht mit ihren Reizen. Offen und freizügig lässt sie tiefe Einblicke in ihre dreigeschossige Struktur zu. Diese Planung hat damit zu tun, dass die Vorderseite an einer stark befahrenen Straße liegt. Als Gegenpol ermöglicht die freie Hinteransicht einen weiten Blick in den Stuttgarter Stadtkessel, streckt das Haus diesem seine vielen Fenster entgegen. Vor allem die obere Etage, welche naturgemäß die beste Möglichkeit zur Weitsicht bietet, besteht fast ausschließlich aus Glasflächen. Über diesem vorspringenden Geschoss lädt eine große Dachterrasse Besitzer und Besucher dazu ein, das weitläufige Panorama auch „open air“ zu genießen. Um die Hanglage optimal auszunutzen, teilte das Team von m3 architekten die Geschosse in sogenannte „Split Level“. Diese ersetzen die Stockwerkordnung des klassischen

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Hausbaus. Kurz gesagt: Man schneidet das Haus in der Mitte durch und fügt die beiden Hälften jeweils versetzt um ein halbes Stockwerk wieder zusammen. Dadurch bilden sich Ebenen, die nicht an den horizontalen Verlauf einer herkömmlichen Etage gebunden sind. Beim „Haus m3“ dient, über die gesamte Höhe, ein Luftraum als verbindendes Element. Später kann dieser auch einmal als Aufzugsschacht genutzt werden. Die Ebenen der Split-Liegenschaft können durch die entstandene Abtreppung den Gegebenheiten des Grundstückes leichter folgen. Durch die Minimierung von Treppen- und Flurräumen bleibt bei dieser speziellen Bauweise auch noch mehr Raum zum Leben. Das vom Stuttgarter Büro m3 architekten erbaute Wohnhaus umfasst vier solcher Levels. Das zweite Geschoss beherbergt die Wohnräume, Schlafzimmer und Bäder finden sich im Untergeschoss. Eine garantiert abwechslungsreiche Wohnatmosphäre. Dennoch gibt es beim „m3“ ein Treppenhaus, das vor allem durch die Verbindung der Werkstoffe – Stahl, Holz und Glas – die Blicke auf sich zieht.

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Um die Materialität der Außenhülle nach innen zu bringen, kam auch im Inneren Sichtbeton zum Einsatz. In Kombination mit dem hellen Holzfußboden entstand so eine moderne und zugleich gemütliche Optik. Ein individuelles Haus, welches seine Schätze erst auf Einladung durch den Hausherrn preisgibt. anm


Das Treppenhaus verbindet die Split Levels des Hauses – eine Kombination aus Stahl, Holz und Glas, ermöglicht die Erschließung und bringt auch von oben Licht in alle Etagen.

70 Straßenseitig dunkel und verschlossen, lockt nur die gelbe Eingangstür in das überraschend helle Glashaus dahinter.

Architektur m3 architekten Web www.m3-architekten.com Projekt Haus m3 Kategorie Neubau Fassadenmaterial Rockpanel Fassadenfirma Cilingir Holzbau und Dachdecker Adresse Stuttgart Bauherr Privat Planungsbeginn 03/2014 Fertigstellung 06/2016 Nutzfläche 250 m² Kosten EUR 1 Mio. Fotos Oliver Rieger Photography / www.oliverrieger.com

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Mauerschau

Kein Fenster. Kein Lärm. Zur Straßenseite hält sich das Einfamilienhaus in Mülheim gänzlich bedeckt.

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Architektur Georg Döring Architekten Web www.doering-architekten.de Projekt Einfamilienhaus Mülheim Kategorie Neubau Fassadenmaterial Klinker Fassadenfirma Hebrok Adresse Mülheim a. d. Ruhr Bauherr Privat Planungsbeginn 02/2014 Fertigstellung 10/2016 Nutzfläche 316 m² Fotos Michael Reisch / www.michaelreisch.net

An stark befahrenen Landstraßen wohnt es sich in der Regel nicht sonderlich idyllisch, vor allem wenn zwischen Fahrbahn und Haustür nur wenige Meter liegen. Zum Glück erkannten die Mülheimer Bauherren das großartige Potenzial des Grundstücks aber trotz dieses Problems, denn abgesehen von seiner Straßenlage überzeugt der Bauplatz nach hinten hinaus mit einem angrenzenden Landschaftsschutzgebiet – perfekt für einen großen, ruhigen Garten. Zuerst galt es jedoch, das Straßenlärm-Problem in den Griff zu bekommen – eine nicht zu unterschätzende Herausforderung für das Architektenteam von Georg Döring aus Düsseldorf. Doch dieses ließ seine ganze Kreativität spielen und machte die Schwäche des Grundstücks mit einem ausgeklügelten Konzept zu seiner Stärke. Es entwarf das neue Haus als eine Art Kubus, der sich über drei Ebenen erstreckt – Tiefgarage, Erdgeschoss und Obergeschoss. Der Clou an der Sache: Der vordere Teil des Hauses, der an der Straße liegt, ist bis auf den Hauseingang komplett geschlossen, voll und ganz vom steinernen Mauerwerk ummantelt – keine Fenster, keine Balkone, keine Terrasse. Und wo keine Fenster sind, da ist auch (nahezu) kein Lärm. Rückseitig jedoch ist das Haus fast nicht wiederzuerkennen. Die Gartenseite begeistert durch eine raumhohe Glasfassade, die dem großen, offenen Wohnbereich im Erdgeschoss jede Menge Licht und einen wunderbaren Blick in die Natur schenkt. Das Gleiche gilt für das Obergeschoss, in dem die Schlafzimmer des Einfamilienhauses liegen. Hier befindet sich eine große, einladende Terrasse, die auf dem Vorsprung über dem Wohnzimmer angelegt wurde – perfekt fürs Sonntagsfrühstück in geschützter, privater Atmosphäre. Das Innere des Hauses ist vor allem im Erdgeschoss äußerst gemütlich gestaltet. Der Wohnbereich ist groß, offen und weiß gestrichen, was ihm eine durch und durch freundliche Stimmung verleiht. Der helle Holzboden wie die edel gerahmte Fensterfront unterstreichen die harmonische Atmosphäre. Im Treppenhaus und im Flur findet sich eine Designidee der Architekten, die gut zum nüchternen Stil des Gebäudes passt. Die Wände weisen hier einen spannenden Materialmix aus Holz, Putz und Sichtbeton auf – eine interessante Kombination, die einen tollen Übergang von den gemeinsam genutzten Räumen nach oben in den privaten Bereich bildet. inv

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Von Ahorn  Von dekorativ  Von Furnier  Von handgeschnitzt  Von lokal  Von natur  Von rund  Von sägerau  Von traditionell  Von weich  Von Zirbe 

 bis Zeder  bis konstruktiv  bis Fachwerkbinder  bis maschinell  bis exotisch  bis geölt  bis eckig  bis glatt  bis hochtechnologisch  bis hart  bis Apfel

Zurück zur Natur ... und dies ist nur eine kleiner Auszug an Arten, Eigenschaften und Anwendungen die alle auf das Material Holz zutreffen. Holz ist untrennbar mit der menschlichen Entwicklung und Behausung verbunden. Von Anfang an vereint es die Menschen rund um das Feuer, spendet Wärme und bietet Schutz vor der Außen­welt. Bei der Entstehung der Architektur spielt Holz in seiner ursprünglichen Form eine bedeutende Rolle. Am Beginn stand laut dem Architekten Vitruv eine sogenannte Urhütte – ein Gebilde aus Baumstämmen und Ästen. Diese Theorie der Urhütte formulierte er im 1. Jahrhundert v. Chr. Sie gehört zu den gängigsten Anschauungen zum Ursprung der Architektur. Menschen und Holz sind untrennbar miteinander verbunden.

Seit einigen Jahren gewinnt Holz auch in Deutschland vermehrt an Beliebtheit, denn neben den ästhetischen Kriterien ist Holz in vielerlei Hinsicht unschlagbar: Holz ist ein hochtechnologischer und konstruktiver Werkstoff – neben der hohen Tragfähigkeit bei geringem Eigen­ gewicht lässt sich mit Holz ein Haus fast vollständig vorfertigen und ermöglicht so kurze und trockene Baustellen. Neue Holzwerkstoffe wie massive Holzplatten (Brettsperrholz) lassen zum Beispiel auch mehrgeschossige Bauten mit Holz zu. Computerbasierte Fertigungsmethoden erlauben völlig neue Formen in der Gestaltung. Ein traditionelles Konstruktionsmaterial – neu entdeckt.


Höhenflug Der Trend zum Holzbau ist auch in Deutschland spürbar, in BadenWürttemberg war 2016 schon jedes dritte Einfamilienhaus ein Holzbau. Aber das sind nicht die einzigen positiven Nachrichten. Der Vorsitzende von Holzbau Deutschland, Peter Aicher, erklärt im Interview die Vorteile und Qualitäten des Werkstoffs und das Engagement in der Forschung und Entwicklung. Der Holzbau wird schneller, höher, und darüber hinaus bleibt er immer ökologisch. Heute ist Holz Ihr ständiger Wegbegleiter, aber wie hat dieser Weg begonnen? Wie entstand diese Leidenschaft für das Material? Meine Vorfahren waren schon Zimmerer, und ich durfte bereits als kleiner Bub nach der Schule in der Werkstatt meines Vaters helfen. Meine Leidenschaft für den Beruf Zimmerer ist im Laufe der Zeit bis heute immer weiter gestiegen. Zum einen ist es ein sehr traditionelles Handwerk, zum anderen ist es inzwischen ein HightechBeruf geworden. Unser Beruf hat sich durch die Automatisierung und Vorfertigung sowie die Digitalisierung sehr schnell weiterentwickelt. Rein beruflich beschäftigen Sie sich tagtäglich mit Thematiken rund um das Holz, aber wie sieht es privat aus? Was bedeutet das Material für Sie persönlich? Holz in jeglicher Form begleitet mich bereits mein Leben lang. Allein schon deshalb schätze ich diese Haptik in meinem direkten Umfeld so sehr. Wenn ich ein Stück Holz in die Hand nehme und weiterverwerte, sei es als Werkstoff oder bei einem Lagerfeuer in Alaska, dann habe ich immer einen großen Respekt vor diesem Alleskönner. Als Verbandspräsident auch noch mitzuarbeiten, um Holz gesamtgesellschaftlich als Werkstoff zu etablieren, aber auch bei der Forschung und der Entwicklung mitwirken zu dürfen, die zur weiteren Entwicklung des Holzbaus beitragen, bedeutet mir sehr viel. Aber es ist ja nicht nur die Leidenschaft für das Material selbst, sondern auch für das Handwerk, welche Ihre Arbeit bestimmt. Wie hat sich der

Holzbau in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren entwickelt? Vor allem haben wir in den letzten Jahren die Fertigung von Bauteilen optimiert. Wir können heute großdimensionierte Wand-, Decken- und Dachelemente in unseren Werkhallen herstellen und montagefertig auf die Baustelle liefern. Das macht uns beim Bauen schnell. Und durch diese Vorfertigung sind unsere Bauteile auch von sehr hoher Qualität, und damit können sie dann sehr präzise auf der Baustelle montiert werden. Außerdem haben wir uns schon sehr früh mit der Tragkonstruk­tion als auch mit der Bauphysik befasst. Wenn man bedenkt, dass bis vor etwa 30 Jahren die gesamte Wertschöpfung einer Zimmerei in der Errichtung eines Dachstuhls lag, ist das schon ein Quantensprung. Heute erstellen wir schlüsselfertige Ein- und Zweifamilienhäuser, und was den mehrgeschossigen Holzbau angeht, können wir richtig in die Höhe bauen. Gefühlt liegen Holzhäuser gerade im Trend, aber was sagen die Daten und Fakten dazu? Ist ein Trend erkennbar? Dieser Trend hat mit Gefühl wenig zu tun. Der Holzbau hat in den vergangenen Jahren stetig an Bedeutung gewonnen. Seit 1998 stellen wir einen steigenden Trend für Gebäude in Holzbauweise fest. Gerade bei den Eigenheimen in den südlichen Bundesländern ist dieser Trend deutlich zu sehen. Beispielsweise lag in Bayern im Jahr 2006 der Anteil an Holzgebäuden ebenso wie in Baden-Württemberg noch bei 19 Prozent. Zehn Jahre später, also im Jahr 2016, waren es schon 26 Prozent Eigenheime in Holzbauweise. In Baden-Württemberg war letztes Jahr knapp jedes

dritte genehmigte Eigenheim ein Holzbau (31,8 Prozent). Wir sehen aber auch einen Trend zur städtischen Nachverdichtung. Hier kann der Holzbau seine Vorteile ausspielen. Nicht nur aufgrund seines ökologischen Potenzials. Holz ist leicht und ermöglicht so Aufstockungen auch bei geringen statischen Reserven. Welche Forschungen und neuen Konzepte verfolgen Sie momentan persönlich? Auf welche neuen Entwicklungen kann man sich in den kommenden Jahren freuen? Ich persönlich freue mich, dass der moderne Holzbau immer mehr zu einer interessanten Alternative für Bauherren und Planer wird. Aber verglichen mit dem, was der Holzbau an architektonischen, konstruktiven und ökologischen Möglichkeiten bietet, ist sein Potenzial noch nicht von allen erkannt worden. In den kommenden Jahren werden wir aber sehen, dass sich der Holzbau vermehrt in den Städten etabliert. Deshalb engagieren wir uns stark in Forschung und Entwicklung. Gerade beim Brandschutz, bei der Innenraumluft und dem Schallschutz haben wir wichtige Projekte auf den Weg gebracht. Wir sind ständig dabei, geeignete Arbeitsmethoden und -verfahren zu entwickeln, die die Bauprozesse effizienter und wirtschaftlicher machen. Im Hinblick auf brandsichere Holzbaukonstruktionen hat sich in den letzten Jahrzehnten zwar enorm viel weiterentwickelt, aber einige unserer Bauordnungen berücksichtigen hier noch immer nicht den aktuellen Stand der Technik. Hier wollen wir erreichen, dass der Holzbau, insbesondere auch im mehrgeschossigen Bau, gleichberechtigt behandelt wird, damit er

als nachhaltige Bauweise sein volles Potenzial ausschöpfen kann. Ein großes persönliches Anliegen ist es, immer wieder darauf hinzuweisen, wie wirksam das Bauen mit Holz für den Klimaschutz ist. Es wird immer wichtiger, mit nachwachsenden Ressourcen zu bauen. Gibt es Bereiche, von denen Sie denken, dass Holz noch unterrepräsentiert ist? Sozusagen ein „Underdog“, aber eine gute Alternative zu bestehenden Lösungen? Was den Mehrfamilienhausbau angeht, werden wir langsam stärker, aber auch hier sagen wir, da geht mehr. Noch unterrepräsentiert sind wir bei den wirklich großen Projekten im Nichtwohnungsbau. Dabei bietet auch hier der Holzbau viele Möglichkeiten. Wir können ja beim Holzbau die unterschiedlichsten Bauweisen für jeden Bedarf anbieten – ob Holzrahmen- oder Holzmassivbau bis hin zur Hybridbauweise. In Hamburg wird gerade bis 2021 das erste Holzhochhaus in Deutschland realisiert. Glauben Sie, dass es für den Holzbau auch eine Grenze gibt? Eigentlich kann man mit Holz alles bauen, was man will. Das Holzhochhaus in der HafenCity in Hamburg ist mit seinen 64 Meter Höhe und 18 Stockwerken schon spektakulär. Aber internationale Projekte zeigen, dass es noch höher geht. In Vancouver wurde gerade ein Gebäude mit 52 Meter Höhe gebaut, und in Wien wird es mit 84 Metern und 24 Stockwerken noch höher hin­ausgehen. Hinsichtlich der Tragfähigkeit zeigen diese Beispiele, dass der Holzbau statisch mit solchen Höhen keine Probleme hat. Gemessen an seinem Eigengewicht, hat Holz nahezu geniale statische Eigenschaften.

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Inhalt:Leben

2011 war Maxim Kurennoy gemeinsam mit Frau und Kind auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Überhöhte Preise und die Schwierigkeit, eine passende Lage zu finden, stellten die junge Familie vor eine unmögliche Herausforderung. Aus dieser Not heraus entstand die Idee zu einem flexiblen Haus, das nicht an die Umgebung gebunden ist und sich so einfach organisieren lässt wie eine Bestellung im Internet. Gemeinsam mit Architektin Nataliya Sukhova (Transstruktura) entwickelte man das „Futteralhaus“. Hergestellt in Serienproduktion, werden diese eleganten, schwarzen Holzhäuser noch in der Fabrik zusammengebaut und eingerichtet, erst danach werden sie bezugsfertig an die neuen Besitzer ausgeliefert. Das Aufstellen am vorbereiteten Standort und das Anschließen an die Versorgungsinfrastruktur nehmen so nur maximal zwei Tage in Anspruch. Ideal für professionelle Nomaden und überzeugte Minimalisten. Ob nun an urbanen oder an abgelegenen Orten, ganz unabhängig von festen Betonflächen – die zurückhaltende Wohnhülle ermöglicht Mobilität und Lebensqualität. Das eingeschossige Modul beinhaltet einen Wohnraum mit Küchenzeile, eine Schlafnische sowie ein Badezimmer mit Dusche und WC. Von der gefliesten Dusche abgesehen wurde für den gesamten Innenausbau weiß gebeiztes Nadelholz verwendet,

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vom Fußboden bis zur Decke. Die Einbaumöbel wurden eigens konzipiert und bieten viel versteckten Stauraum. Dank einer großzügigen Fensterfront wird der gerade einmal 19 Quadratmeter große Innenraum mit der großen Holzterrasse sowie dem Außenraum verbunden und die Grundfläche verdoppelt. Durch die großen Fenster, das weiße Holz und die durchdachten Möbel wirkt das Haus trotz minimaler Wohnfläche nie überladen. Die schlichte Holzleichtbauweise spiegelt hingegen das selbstauferlegte Ziel des Architektenteams wider, nämlich allein durch die Bauweise Stress zu minimieren. Denn kleine Räume bedeuten auch weniger Trödel und Unordnung, weniger Ablenkung und minimale Wartung. Übrig bleibt dafür mehr Zeit und Raum zum Leben. Nicht weniger durchdacht als das Innenraumkonzept ist übrigens die energetische Versorgung des Hauses: Das Smart Home bedient sich der Solarenergie und für künftige Modelle ist auch ein Regenwassernutzungssystem angedacht. Durch den funktionalen Gebrauch der natürlichen Ressourcen kann dieses Haus auf Wunsch sogar weitgehend autark betrieben werden. Ein nachhaltiger Zugang, der sich auch in der Wahl der ökologischen Materialien und Dämmstoffe zeigt. Ein Batteriespeicher ermöglicht es zudem, Elektrofahrzeuge an der hauseigenen „Tankstelle“ aufzuladen

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– ein weiterer Schritt in die Zukunft des nachhaltigen Wohnens. Eingedenk der eigenen Odyssee am Immobilienmarkt vertreiben der jetzige Bauherr Kurennoy und sein Team das „Futteralhaus“ selbst. Rund 41.750 Euro kostet die Basisversion und liegt damit unter dem durchschnittlichen Marktpreis. Dies ist durch Add-on-Services möglich. Über eine eigene App kann der zukünftige Bauherr seine überschüssige Energie an Elektroautobesitzer verkaufen oder das Haus vermieten, wobei dann eine kleine Provision für das Bereitstellen der APP-Plattform an das Futteral-Team geht. Eine kleine, aber intelligente Lebensrevolution, die auch langfristig dazu ermutigt, sich zu beteiligen. Das „Futteralhaus“ liefert dazu das Etui, den Inhalt bestimmen die Besitzer. anm

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1  Das kleine Schwarze. Die Farbe des „Futteralhauses“ ist nicht nur schick, sondern auch ökologisch. Sie besteht ausschließlich aus gekochtem Leinöl, Mineralpigmenten und Bindemitteln. 2+3  Holz in Holz: Das Haus kommt zu Ihnen. Voll ausgestattet und voll Holz – Möbel wie Fassade.

NATALIYA SUKHOVA Holz wirkt sehr zeitgemäß und liegt im Trend, gleichzeitig ist es aber ein uralter und authentischer Werkstoff. Für meine Projekte finde ich oft Inspiration in den 200 bis 300 Jahre alten Holzhäusern der nördlichen Länder wie Russland oder Norwegen. Holzbauten erleben eine Renaissance, und es freut mich zu sehen, dass immer neue Konstruktionsarten, Oberflächenbehandlungen und Anwendungen gefunden werden.

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Architektur Nataliya Sukhova Transstruktura – Architektur Stadt Objekt / Maxim Kurennoy, Anete Leskevica, Luigi Scapin – Futteralhaus GmbH Web www.transstruktura.com / www.futteralhaus.com Projekt Futteralhaus. Ein vorgefertigtes Minimalhaus Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Fichtenholzschalung, schwarz geölt Adresse Berlin Bauherr Futteralhaus GmbH Planungsbeginn 07/2015 Fertigstellung 06/2016 Nutzfläche 19,3 m² Kosten EUR 41.750,– Fotos Dmitiy Yagovkin / www.photointer.ru

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Drang zum Hang In den 1950er-Jahren kam jemand auf die famose Idee, ein Wohnhaus in diesen Hang in Stuttgart zu bauen. Fast 50 Jahre später wusste auch eine namhafte Architektenfamilie diese eindrucksvolle Schräglage zu schätzen. Sie bezog das schon mehrfach veränderte Gebäude kurz vor der Jahrtausendwende, um ihm nun im Zuge eines Umbaus den letzten Schliff zu verleihen. Kein Wunder, dass die Inszenierung des überwältigenden Ausblicks über den Stuttgarter Kessel der Star dieses Sanierungsprojekts war, der entsprechend mit einer weiträumigen Dachterrasse gewürdigt wurde; aber auch von innen geben die großzügigen Fenster immer wieder den Blick über Stuttgart frei. „Mit einem Gebäude in solcher Lage entsteht, frei nach Christopher Alexander, immer ein ‚janusköpfiges

Haus‘ mit zwei völlig unterschiedlichen Fassaden: einer eingeschossigen zur Hangseite und einer mehrgeschossigen in Richtung Tal“, erklärt das Architekturduo Benedikt Bosch und Katja Knaus von Yonder, weshalb man sich mit der Fassade intensiv auseinandergesetzt hat. Durch die diagonale Setzung der Unterkonstruktion verlieh man der Holzlamellenfassade ihren ungewöhnlichen Moiré-Effekt. „In diesem Projekt haben Architekten für Architekten geplant. Da sehen die grundsätzlichen Diskussionen über die Architektur natürlich anders aus als bei einer Planung mit Laien“, so Yonder über die teilweise langen und intensiven Gespräche. Die Bauherren haben sich etwa gegen große Öffnungen oder Galerien innerhalb der Geschosse entschieden. Um den Wohnebenen dennoch eine deutlich spürbare

Zusammengehörigkeit zu geben, wurden Elemente aus Holz als Bindeglieder eingesetzt: Möbeleinbauten aus Nussbaum- und Eichenholz sowie Eichenparkett erstrecken sich über die Etagen und lassen diese optisch ineinander übergehen. Mit dem Ergebnis sind nun alle Beteiligten sehr glücklich. Für den Umbau wurde zwar das bestehende Dach- und Erdgeschoss in Teilen abgetragen, im Sinne der Nachhaltigkeit aber so viel Bestand wie möglich erhalten. Denn erklärtes Ziel war eine absolute energetische Nachhaltigkeit: „Mittels Geothermiesonden in Verbindung mit Heiz- und Kühlflächen für Fußboden und Decken sowie sensibel eingefügten, großflächigen Photovoltaikschindeln ist es uns gelungen, ein nahezu energieautarkes Gebäude zu schaffen.“ Das freut auch die Umwelt. mip

73 Architektur Yonder – Architektur und Design (Katja Knaus, Benedikt Bosch) Web www.studioyonder.de Projekt Haus B Kategorie Umbau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus, Holzbau Fassadenmaterial Lärchenlattung mit diagonal verlaufender Unterkonstruktion Fassadenfirma Fensterbau Erich Schillinger GmbH, Zimmerei Barner GbR Adresse Stuttgart Bauherr Privat Planungsbeginn 04/2011 Fertigstellung 04/2015 Nutzfläche 282 m2 Fotos Brigida González / www.brigidagonzalez.de

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Büro YO N D E R – A R C H I T E K T U R U N D D E S I G N , B A D E N - W Ü R T T E M B E R G  / Haus B A D E N - W Ü R T T E M B E R G


Zurück zum Ursprung

Der vom Stress geplagte Mensch träumt sich nicht selten in die Stille der Natur. Und irgendwie findet er sich in seiner Fantasie schnell in einer einsamen Holzhütte im Wald wieder. Fernab der Großstadthektik. Das einzige Geräusch: Vogelgezwitscher, vielleicht noch ein leise rauschender Bach. Wenigstens für ein paar Tage. Um endlich abzuschalten. Ein Klischee? Vielleicht. Aber auch wieder nicht. Dass der Mensch in viel früheren Zeiten im Einklang mit der Natur gelebt hat, bestreitet niemand. Aber auch das Holzhaus gehört zu seiner Geschichte. Holz ist einer der ältesten Baustoffe der Welt. Konstruktionen aus Holz, in denen Menschen gewohnt haben und heute noch wohnen, finden sich überall auf der Welt. Im Harz steht ein Holzhaus, das über 800 Jahre alt ist. Aber was tun, wenn die mentale Flucht in die Holzhütte oder deren Anmietung für ein paar Tage nicht ausreichen? Wenn man die Vorzüge früherer Lebensweisen in seinen Alltag einbauen will? Man baut sich ein Holzhaus im Umland von Leipzig. Reichel Schlaier Architekten aus Stuttgart übernahmen die Planung des Projektes im August 2015 und konnten das Einfamilienhaus im Dezember 2016 fertigstellen. Das an einem Ortsrand gelegene Grundstück mit unverbaubarem Blick über umliegende Wiesen und Felder inspirierte zu einer ursprünglichen Holzbauweise und den damit einhergehenden Vorteilen, die schon alte Holzhäuser mit sich brachten. Durch die Verwendung naturbelassener, atmender und lediglich gedübelter Materialien wird ein ausgesprochen angenehmes und natürlich gesundes Raumklima geschaffen. So gehen vom Haus gleichzeitig Ruhe und Wärme aus. Diese Immobilie im Besonderen erstrahlt dank moderner Architektur mit ihren großen und bodentiefen Fensterfronten zu jeder Tageszeit im Licht und verschmilzt scheinbar grenzenlos mit dem Garten, der gefühlt zum Wohnraum dazugehört. Im Innenbereich offen und großzügig gestaltet, ergeben sich dennoch Rückzugsnischen, von denen aus man den Blick in die Ferne schweifen lassen kann. Die Außenfassade ist mit Lärchenholz verkleidet, was die positive und helle Erscheinung des Hauses zusätzlich unterstützt. Ein Wohlfühlhaus, das die Seele ruhiger werden lässt. Nicht nur in der Fantasie, nicht nur für ein paar Tage. Im Alltag. Vielleicht sogar für die nächsten 800 Jahre. jur

MEHR VON REICHEL SCHLAIER ARCHITEKTEN Projekt No. 14 Seite 36

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Architektur Reichel Schlaier Architekten (Elke Reichel, Peter Schlaier) Web www.reichel-schlaier.de Projekt Einfamilienhaus in Holzbauweise Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Holzlattung Lärche Fassadenfirma Scheffler Vollholzhäuser GmbH & Co. KG Adresse Leipziger Umland Bauherr Privat Planungsbeginn 08/2015 Fertigstellung 12/2016 Nutzfläche 200 m2 Fotos Brigida González / www.brigidagonzalez.de

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75 Architektur JOP Architekten Web www.jop-architekten.com Projekt Wohnhaus Hainerweg Kategorie Neubau, Passivhaus, Holzbau Fassadenmaterial Putz und Lärchenholzverschalung Fassadenfirma Steico Adresse Frankfurt am Main Bauherr Privat Planungsbeginn 07/2012 Fertigstellung 08/2015 Nutzfläche 314 m2 inkl. Terrassenfläche Fotos Richard Pflaume / www.richardpflaume.com

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Übersinnlich Passiert man dieses Haus in Frankfurt am Main und betrachtet es beiläufig, traut man seinen Sinnen nicht. Das Haus scheint einige Zentimeter über dem Boden zu schweben. Was für eine Sekunde irritiert, beeindruckt bei näherem Hinsehen: Durch das Zurückspringen des Untergeschosses entsteht der Eindruck, die oberirdische Kubatur des Gebäudes würde über der Geländeoberkante in der Luft hängen. Dies ist nicht die einzige „Täuschung“, mit der das Haus aufwartet, die Überraschungen setzen sich fort. Die Immobilie erfüllt zunächst die archetypischen Merkmale eines Einfamilienhauses: ein giebelständiges, zur Straße hin orientiertes Gebäude mit – an die Nachbarschaft angepasstem – geneigtem Dach. Und doch sticht es heraus. Seine moderne und selbstbewusste Architektur wirkt ähnlich anziehend wie sein vermeintlicher Schwebezustand. Ein aus Holz verarbeiteter Kubus „wohnt“ in einem weißen Rahmen, der eben an jene traditionelle Bauweise mit Satteldach erinnert. Spätestens beim Begehen der Innenräume wird klar, dass auf eine herkömmliche architektonische Gestaltung der Wohnbereiche verzichtet wurde. Helle und offene Räume gehen schwebend ineinander über und vermitteln das Gefühl, das Haus gleitend erkunden zu können – bis hinein in den hauseigenen gartenseitigen Pool, der das Untergeschoss fließend ins Freie verlängert. Bei der Aufnahme der Planungen galt es, einige Rahmenbedingungen unter einen Hut zu bringen. Auf der einen Seite der Wunsch des kunstaffinen Bauherrn nach einem Bau mit Flachdach, Dachterrasse und offenen sowie großzügigen Räumen. Auf der anderen Seite das recht schmale Grundstück mit der Auflage der Stadt, die ein Satteldach vorsah. Das innovative Konzept von JOP, die Haus-im-Haus-Lösung, konnte alle Parteien zufriedenstellen. Es entstand eine Hülle in der Form eines

klassischen Hauses mit ebenjenem Satteldach – wenn auch mit einer Flachdachbeschichtung. Hinzu kam dann das innere Haus, welches mit seiner großzügigen Gestaltung und seinen einladenden Loggien den Bauherrn überzeugte. Beide Bauelemente thronen auf dem Untergeschoss aus Stahlbeton und ergänzen sich in ihrer Materialität und Farbe. Ein weiterer Kniff sind die durch Überlagerung von Innen-Haus und Hülle entstandenen Zwischenräume. So konnte auch die Dachterrasse gewonnen werden, die einen herrlichen Blick über den nahe gelegenen Stadtwald bietet. Ein Wald, dessen Baumspitzen, wenn er morgens im Nebel liegt, in der Luft zu schweben scheinen – ganz wie das Haus, das mal wieder unsere Sinne täuscht. jur

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1  Das Innen-Haus und die Hülle unterscheiden sich konsequent. In Farbe, Form und Materialität. Als Holzbau ausgeführt und auf das aus Stahlbeton errichtete Untergeschoss aufgesetzt. 2  Der Wunsch des Bauherrn nach einem Grundriss mit hellen, offenen Räumen wurde definitiv erfüllt. 3  Durch die Überlagerung des Innen-Hauses mit der Hülle und bewusst gesetzten Ausschnitten entsteht eine spannende Raumsituation auf der Dachterrasse.

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ULI GASSNER & PETER ZARECKY Holz ist wohl der am besten zum Thema Wohnen passende Baustoff. Er strahlt Ruhe, Wärme und Behaglichkeit aus und bringt durch die Textur auch eine wunderschöne Optik und Ausstrahlung mit sich. Auch hinsichtlich Nachhaltigkeit, Umweltschutz gibt es wohl kaum einen besseren Bau­ stoff. Mit schönen Details und modernen Schichtleimholztechniken wie z. B. den Brettschichtholz­ deckenelementen lassen sich ohne „Lederhosen-Optik“ sehr moderne Häuser verwirklichen.

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Sägeraues Holz vor der Hütte 5.000 Quadratmeter zählt das Grundstück am Ortsrand des alten bayrischen Dorfes Polling. Die Aussicht: Wiesen, Kühe, Berge. Darauf wollten die ambitionierten und architekturaffinen Bauherren zwei Wohnhäuser errichten lassen. Das eine für die eigenen Eltern, das andere zur Vermietung. Optisch wünschte man sich zeitgenössische Architektur mit Bezug zu und im Kontext von einem traditionellen Dorf. „Zum einen hat der Bauherr nämlich einen engen Bezug zum Handwerk und zu Materialien, zum anderen auch ein Gespür für schöne Details und gute Gestaltung“, erklärt Architekt Peter Zarecky, der mit seinem Kollegen Uli Gassner den Auftrag übernahm. Bei der Planung kam zunächst dem Fundament besondere „tragende Bedeutung“ zu, denn der lehmige Boden machte aufwendige Gründungsarbeiten notwendig. Um die nicht belastbaren Bodenschichten zu überbrücken und das Gewicht tief in die Erde auf einen stabilen Untergrund abzuleiten, entschied man sich, Betonpfähle in den Grund zu bohren. Die Stabilität der geplanten Gebäude sicherte man zusätzlich mit Streifenfundamenten ab. Sie bestehen aus Stahl und Beton und werden dem jeweiligen Grundriss entsprechend in den Boden betoniert. Bei dieser vergleichsweise kostengünstigen und materialsparenden Fundamentvariante wird ausschließlich der Bereich unter den tragenden Gebäudewänden mit Beton gekräftigt. Der Vorteil liegt darin, dass die Grundfläche nicht vollständig zementiert ist.

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Fassadenspiel: Wie bei traditionellen Scheunen üblich spannen die sägerauen Bretter einen Sichtschutz vor die Villa. Natürlichkeit im Wohn- und Außenraum.

Um die Last aber noch weiter zu verteilen und die geplanten Gebäude darauf besser vor drückendem Wasser im Bodenbereich zu schützen, setzte man auf diesen Umriss noch eine Bodenplatte aus Stahlbeton. Nun erst war es möglich, die beiden Häuser mitsamt Garagen in Holzständerbauweise zu errichten. „Für uns war die Verwendung von Holz aufgrund der benachbarten holzverschalten Bauernhäuser genau der richtige Ansatz, denn gerade im ländlichen Bereich stellt dieses Material durch den unmittelbaren Bezug zur Natur den richtigen Baustoff für die Häuser und Fassaden dar“, so Architekt Zarecky. Anknüpfen an Historie, aber zeitgemäß interpretieren und umsetzen hieß es auch bei der Anordnung der Häuser. Deren auf den ersten Blick „lose“ Platzierung erweist sich auf den zweiten Blick als Konzept, das sich auf die geschichtlichen Anfänge des Ortes aus dem Jahr 750 zurückbesinnt und an eine mittelalterliche Dorfstruktur erinnert. „Zwei fast gleiche, jedoch zueinander spiegelverkehrte L-förmige Häuser und zwei freistehende Garagennebengebäude als Schallschutzkisten in der Zufahrt schwimmen scheinbar frei, jedoch fein austariert und verdreht in der großen Wiesenfläche mit Ausrichtung nach Süden in Richtung Berge. Die dadurch entstehenden Freiräume und Blickachsen lassen zusammen mit den sich beim Rundgang um die Häuser stetig verändernden Fassadendurchblicken sehr spannende wechselnde Motive entstehen“, so die Architekten. Das Fehlen von Zäunen gewährt fließende Übergänge, und für beide Bewohnergruppen (Eltern und Mieter) ergeben sich Sichtachsen auf die umliegende Landschaft und die Berge. Rhetorisch verband man die beiden Gebäude auch mit der Außenwand, quasi dem „Holz vor der Hütte“. Denn dabei handelt es sich um eine vorgehängte zusätzliche Fassade aus sägerauen Lärchenlatten, die besonders im Spiel mit dem Licht ihre sinnliche Wirkung entfaltet. Sie zieht sich nicht nur als zweite Schicht um den ganzen Baukörper, sondern schirmt auch die Terrassenflächen in den jeweiligen oberen Stockwerken ab. Als Effekt entsteht so outdoor ein privates Indoor-Gefühl. Die „Entschärfung“ des traditionell ausgeprägten Dachüberstandes durch das vorgesetzte Profil aus Latten verleiht den Häusern optisch darüber hinaus eine kubistische, moderne Erscheinung. Ähnliche Motive finden sich auch im Innenbereich der beiden Häuser wieder, unter anderem im Einsatz der Brettstapeldecke, die auch jeweils vom Erdgeschoss aus sichtbar bleibt. Die Innenwände wurden mit Gipskarton verkleidet, Decken und Fußböden sind aus Holz. Großzügige Verglasungen öffnen die Räume nach außen und lassen sie Natur und Licht atmen. Zeitlose Qualität, die gleichzeitig für ihre Zeit steht. anm

Architektur Gassner und Zarecky Architekten und Ingenieure (Uli Gassner, Peter Zarecky, Gregor Szinyai) Web www.gassner-zarecky.de Projekt HausEnsemble MU74 Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Lärche, sägerau, auf Schlosser-Konstruktion Fassadenfirma Anton Ambros GmbH Adresse Polling Bauherr Privat Planungsbeginn 01/2012 Fertigstellung 09/2015 Nutzfläche Haus Ost 239 m², Haus West 184 m² Fotos Gregor Szinyai / www.szy.de

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Architektur Büros für Konstruktivismus (Sandra Bartoli, Silvan Linden) Web www.buerofuerkonstruktivismus.de Projekt Hühnerhaus Kategorie Umbau Fassaden­ material Putz Adresse Berlin Bauherr Privat Planungsbeginn 09/2015 Fertig­ stellung 07/2016 Nutzfläche 30 m2 Kosten EUR 60.000,– Fotos Martin Eberle / www.eberleeisfeld.de

Kreuzkönig Der Renovierung eines ehemaligen Hühnerhauses ging ein ungewöhnlicher und gerade deswegen sehr charmanter Ansatz voraus. Im Garten einer Villa aus den 1930er-Jahren von Grün umgeben, steht das kleine Häuschen zwar unter Denkmalschutz, war aber auch schon etwas die Jahre gekommen. Die Architekten Sandra Bartoli und Silvan Linden von Büros für Konstruktivismus entschieden sich deswegen, das äußere Erscheinungsbild einfach zu erhalten: ein bisschen windschief und der Putz mit kleinen Rissen. Man konzentrierte sich auf das Innere des Hauses und erzeugte einen Kontrast. Ohne viel Aufhebens entstand ein gut durchdachtes, helles Designbüro. „Ein neues Haus im Haus“ nennen es die Architekten. Denn der Raum wurde komplett entkernt, die massive Zwischendecke entfernt und durch ein Zwischengeschoss ersetzt. Ausgekleidet wurde das ganze Haus komplett mit massivem Kiefernholz, und die vorhandene Einrichtung wie die Treppe und das in die Treppe integrierte Regal wurden aus demselben Material gefertigt. Selbst der ursprüngliche Schornstein und der vorhandene Stahlträger wurden mit Holz ummantelt, die nun in Form eines Kreuzes im Raum stehen, um die Geometrie zu stützen. Derart erhält das Haus bis in den Giebel eine helle Uniformität. Diese schließt Flexibilität aber nicht aus, wie die integrierten Wohnelemente, allen voran die Treppe mit verschiebbaren Stufen, zeigen. Entstanden ist ein Haus, das alle Vorzüge, wie den dreieckigen Dachgiebel und die großen Fenster zur Südseite, behielt, die Materialwahl und die geometrischen Formen lassen es aber weitaus großzügiger und heller als zuvor erscheinen. Der eher kühle, graue Boden gibt dem Raum zusätzlich die Modernität, die einem Designbüro entspricht. tar

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1  Mit Holz verkleidet wurden auch der Schornstein und der querende Stahlträger. 2  Alt, aber nicht veraltet. Der Hühnerstall wurde bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet und durfte sein äußeres Erscheinungsbild auch bei der Sanierung behalten.

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Holz3 Die Grundidee hinter dem Projekt „Kammerspiel“: kleinster Wohnraum mit einem Maximum an Möglichkeiten. Das komprimierte Möbel mit viel Raum erdachte der Möbeldesigner Nils Holger Moormann. Gemeinsam mit der B&O-Gruppe in Bad Aibling, einem der führenden Dienstleister für die Wohnungswirtschaft in Deutschland, näherte er sich der Thematik „Wohnen auf kleinem Raum“ an und entwickelte einen hölzernen Kubus, der Schlafzimmer und Bibliothek, Stauraum und Sofa, Küchentisch und Ankleidezimmer in einer Box integriert. Als Grundlage des Aufbaus lässt sich das Hochbett definieren, schon die Treppenstufen hinauf werden als Stauraum genutzt, ebenso wie der Hohlkörper unter dem Bett. Die seitlichen Wandmodule lassen sich hingegen frei adaptieren. Flexible Lösungen für jeden Nutzeranspruch: ob nun als Halterung für Sportgeräte, Küchenzeile, Bücherwand oder Sitznische. Der Wohnkörper wird dem Bewohner angepasst. Eine Konstante hat jedoch jeder Kubus: die Materialität. Jeder Kubus besteht aus beschichtetem Birken-Furniersperrholz und Seekiefer-Sperrholz. Holz ist Moormanns erklärtes Lieblingsmaterial, und er kann das ebenso prägnant begründen wie die Grundidee zu seinem Entwurf: „Haptik, Geruch, gutes Altern, Wärme, wohnliche Anmutung und eine natürliche Nähe zum Menschen.“ ros

78 Architektur Nils Holger Moormann Web www.moormann.de Projekt Kammerspiel Adresse Bad Aibling Bauherr B&O-Gruppe Planungs­b eginn 04/2016 Fertigstellung 01/2017 Fotos Julia Rotter / www.juliarotter.de

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Ganzheitlich geteilt

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Wenn ein Gebäude nicht dem klassischen Aufbau – also Stockwerk über Stockwerk – folgt, sondern die Ebenen und Halbebenen miteinander verbunden werden, spricht man von Split-Level-Bauweise. Auf dem Grundstück mit einem Gefälle von stellenweise bis zu 100 Prozent lag diese Lösung für den Architekten Klaus Schlosser auf der Hand. Denn eine solche Konstruktion eignet sich besonders für das Bauen am Hang. Durch die fehlenden Flure wurde in dem 2015 errichteten Einfamilienhaus Platz gespart und ein Maximum an Wohnqualität im dichtbebauten Stuttgarter Vorort Leonberg erreicht. Alle Wohnbereiche sind aufgrund der besonderen Bauweise nur über Treppen begehbar. „Natürlich musste man sich an diese Bewegung zwischen den Ebenen erst gewöhnen“, erzählt Schlosser. Die vierköpfige Familie sei aber sehr schnell davon begeistert gewesen. Am Anfang der Planung stand der Wunsch nach einer Südterrasse, die vor Einblicken der Nachbarn weitestgehend geschützt sein sollte. „Die Bauherren waren wirklich sehr erstaunt über die erste Skizze, in der die Terrasse im Dachgeschoss des entworfenen Split-Level-Hauses platziert war.“ Dort befindet sich jetzt auch ein Wohn- und Essbereich – ganz oben, wo die Sonne auch im Winter bis in die Tiefen des Hauses eindringen kann. Nur eine Kleinigkeit wurde bei der Planung übersehen: Es fehlte die Garage – „für ein Haus in Schwaben eigentlich undenkbar, habe ich mir sagen lassen“, berichtet der Architekt. Also wurde sie kurzerhand nachgeliefert. Das eigentliche Highlight ist aber wohl der Infinity Pool, just an der steilsten Stelle des Hanges. Er sollte die größte Herausforderung beim Bau werden. „Der Planungsprozess ging uns tatsächlich sehr leicht von der Hand, zumal wir uns mit dem Werkstoff Holz gut auskennen.“ Dass der Split-Level-Bau ein Holzhaus ist, würde man auf den ersten Blick gar nicht vermuten, denn es ist mit Titanzinkblech verkleidet. roa

Architektur Klaus Schlosser Architekten Web www.klausschlosserarchitekten.com Projekt Split-Level Stuttgart Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Zink Fassadenfirma Ness Adresse Stuttgart Bauherr Privat Planungsbeginn 2014 Fertigstellung 2015 Nutzfläche 290 m² Fotos Stefan Müller / www.stefanjosefmueller.de

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1 N achtisch mit Aussicht auf mehr. Die großzügigen Fenster­ fronten geben den Blick auf die Baumkronen der Umgebung frei. 2 H olzhaus mit Zinkfassade: 100 Prozent Hanglage und 100 Prozent Wohntraum mit Pool in den Baumwipfeln.

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Gemeinsam gedacht „Nachhaltigkeit und Ökologie sind die Basis des Entwurfsgedankens. Wir wollen keine großen Fußspuren auf der Erde hinterlassen und dennoch nicht auf gute Architektur und Design verzichten“, erzählt die Architektin und Bauherrin Marai Ströcker über ihre eigenen vier Wände. Zusammen mit ihrem Mann realisierte sie das Haus in Mellrich und bewies, dass Architektur und Design mit einer ökologischen Planung ganz ausgezeichnet harmonieren. Entstanden ist nicht nur ein Wohnhaus für die Familie, sondern ein ganzes Gebäudeensemble. Verschachtelt schieben sich Wohnhaus, Werkstatt und Garage ineinander und werden zum großen gemeinsamen Ganzen. Eine Thematik, die auch im Innenraum fortgeführt wird. Der Grundriss im Erdgeschoss wurde so offen wie möglich belassen. Räumlich gesehen durch die große Wohnküche, aber auch durch die großen Fensterfronten, die den Wohn- und Essbereich zur umgebenden Landschaft öffnen. Und sollte doch einmal der Wunsch nach Ruhe bestehen, lässt sich der dahinter liegende Multifunktionsraum durch Schiebetüren vom Wohnbereich abtrennen. Alle Räume gruppieren sich um die innenliegende, gradläufige Betontreppe, die zu privaten Rückzugsräumen, wie den Kinder- und Schlafzimmern, führt. Aber auch hier kommt das Konzept der Gemeinsamkeit zum Tragen – mit einem für alle nutzbaren offenen

Bereich. Nur die verbindende Treppe und die Bodenplatten wurden in Beton ausgeführt, alle anderen Elemente des Hauses sind aus Holz. Dabei wurden im Sinne der Nachhaltigkeit ausschließlich heimische Holzarten verwendet. Vom Lärchenholz bei der Fassade über Kiefer bei den Fenstern bis zur Terrasse aus Douglasie. Während die Planung bei der Frau des Hauses und Architektin Marai Ströcker lag, kümmerte sich ihr Mann – der sonst elektrische Steuerungssysteme für Autos entwickelt – um die ausgeklügelte Elektroplanung. Die Fußbodenheizung wird ausschließlich über eine App gesteuert, die Temperatursteuerung befindet sich hinter den dreifach belegten Lichtschaltern. Ein Schalter kann drei verschiedene Lichtstimmungen steuern, die die Familie in allen Räumen nutzen kann. Am Eingang befindet sich ein All-off-Schalter, der nicht nur

alle Lichter ein- und ausschalten kann, sondern auch bemerkt, wenn noch ein Fenster offen steht. So wird der Ansatz, ökologisch zu planen, auch ökonomisch zum Vorteil. Eine nachhaltige Herzensangelegenheit auf 280 Quadratmetern, die sich sehen lassen kann. tar

Architektur Rinsdorf Ströcker Architekten Web www.rsarchitekten.com Projekt Haus M Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Lärche Adresse Mellrich Bauherr Ströcker / Oel Planungsbeginn 08/2014 Fertigstellung 12/2015 Nutzfläche 280 m2 Fotos Designbüro Eschrich / www.designbuero-eschrich.de

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Über den Wolken

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Das „Wolkenkuckuckshaus“, das auf einem steilen Hang über dem Seebacher Achertal thront, ist wahrlich einzigartig. Bei gutem Wetter kann man von hier aus nicht nur die Ausläufer des Schwarzwaldes überblicken, sondern auch bis zu den Vogesen und nach Straßburg schauen. So richtig magisch wird es jedoch erst, wenn die Nebelschwaden aus dem Achertal die steilen Hänge erklimmen, sodass es scheint, als würde das Haus über den Wolken schweben – ein wunderschönes Naturschauspiel, dem das „Wolkenkuckuckshaus“ auch seinen ungewöhnlichen Namen verdankt. Der Begriff „Wolkenkuckuckshaus“ stammt ursprünglich aus dem 5. Jahrhundert vorchristlicher Zeit und bedeutet heute so viel wie „Luftschloss“. Und das ist es definitiv, ein Schloss in luftiger Höhe. Der zweite Teil des Begriffes passt aber auch hervorragend zum Standort

des Hauses, der Schwarzwald-Region, die schließlich berühmt für ihre Kuckucksuhren ist. Das Gebäude am Ortsrand Seebachs beeindruckt freilich nicht nur mit seinem Namen, sondern vor allem mit seiner Konstruktion, die aus zwei Teilen besteht. Das Untergeschoss wurde aus dem 1950er-Jahre-Wohnhaus übernommen, das hier zuvor vom Bauherrn bewohnt wurde. Dieser Teil des Gebäudes wurde von den Architekten gründlich aufgemöbelt, energetisch ertüchtigt und mit einer schicken Schieferfassade verkleidet. Auf diesen Unterbau, der sich perfekt in den Hang einfügt, setzten die Architekten den oberen, modernen Teil des Hauses, der mit vorvergrautem Weißtannenholz verkleidet wurde, das farblich perfekt zum Schiefer des unteren Gebäudeteils passt. „Das Vorvergrauen bedeutet, dass das Holz vom ersten Tag an eine natürliche Patina hat.

Das lässt die Fassade natürlicher wirken und erfordert keine weitere Nachbehandlung mehr, weil das Holz auf natürliche Weise homogen abwittert“, erklärt Andreas Körner von ÜberRaum Architects die Wahl des Materials. Der Innenraum des Hauses ist fast noch spektakulärer als seine Fassade, denn durch die offenen Wohnebenen, die hohe Decke und die Galerie entsteht auch innen das Gefühl, bis in den Himmel schauen zu können. Unterstützt wird dieser Eindruck von den vielen Kastenfenstern, die den Bewohnern aus allen Räumen einen weiten Blick in die Ferne erlauben. Das Besondere ist dabei vor allem die Anordnung der Fenster, denn statt starrer Geradlinigkeit haben die Architekten auf eine verspielte, versetzte Anordnung gesetzt, was den Räumen viel Helligkeit und eine himmlische Leichtigkeit verleiht – perfekt für ein „Wolkenkuckuckshaus“. inv

Architektur ÜberRaum Architects (Daniela Seifermann, Markus Seifermann) Web www.uber-raum.com Projekt Wolkenkuckuckshaus Kategorie Umbau, Niedrigenergiehaus, Holzbau Fassadenmaterial Weißtanne, vorvergraut Fassadenfirma HolzHaus Bonndorf Adresse Seebach Bauherr Privat Planungsbeginn 08/2012 Fertigstellung 04/2016 Nutzfläche 220 m² Kosten EUR 550.000,– Fotos René 2

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Lamb / www.rene-lamb.de


1  Einfach himmlisch: Das Luftschloss setzt auf Holz und wird außen wie innen eins mit dem Naturraum. 2+3  Die großzügigen Kastenfenster bieten Fernblick aus allen Räumen des Hauses. 4  Himmlische Leichtigkeit. Ein Eindruck, der im Inneren vor allem durch die hohe Decke und die Galerie entsteht.

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MARKUS SEIFERMANN Holz ist ein natürlicher Baustoff mit vielen Vorteilen, sowohl energetisch als auch konstruktiv. Zudem ist Holz ein Material, welches oft lokal verfügbar ist, was sich positiv auf die Energiebilanz auswirkt, da lange Transportwege wegfallen und die Herkunft nachvollziehbar ist. Im Fall des „Wolkenkuckuckshauses“ fiel die Wahl auf eine vorgefertigte Holzkonstruktion, um die Arbeiten auf der Baustelle so kurz wie möglich zu halten. Dies erlaubte der jungen Familie, rasch wieder in ihr Heim einzuziehen, und half, hohe Kosten einer Zwischenmiete zu verringern. 4

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Architektur su und z Architekten (Stefan Speier, Reinhard Unger, Florian Zielinski) Web www.suundz.de Projekt Haus am Tegernsee Innenraumgestaltung Holzrausch Planung GmbH Kategorie Neubau, Effizienzhaus Fassadenmaterial Altholz und Lärche Fassadenfirma Zimmerei Andreas Stoib Adresse Rottach-Egern Bauherr Privat Planungsbeginn 06/2013 Fertigstellung 04/2016 Nutzfläche 409 m² Fotos Koy + Winkel Fotografie / www.kundw.org

Naturtalent

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Natur trifft Luxus – so könnte man das große, offen gestaltete Holzhaus am südlichen Ufer des Tegernsees wohl am besten beschreiben, denn hier verschmelzen Gebäude und Umwelt auf allerhöchstem Designniveau. Der wohl beeindruckendste Teil des Massiv­ hauses ist seine Fassade aus Altholz, die mit ihrem leicht verwitterten Used-Look eine perfekte Harmonie mit dem natürlichen Umfeld aus Wasser und Bergen eingeht, ohne protzig zu wirken. Und genau das hatten die su und z Architekten aus München auch im Sinn – eine Verknüpfung zwischen Natur und Design, zwischen Tradition und Heute. Der Traditionsaspekt ist vor allem im Aufbau des Hauses erkennbar. Der Bau ist simpel, doch der große, vorgelagerte Balkon, die Holzfensterläden und der weite Dachüberstand verorten ihn sofort in seiner oberbayrischen, alpenländischen Heimat, dem Tegernsee. Hervorzuheben ist auch die Terrasse, die hinter dem Haus liegt. Statt großer Rasenflächen haben die Münchner Architekten auch hier auf Holz gesetzt und eine großzügige Fläche über die gesamte Breite des Gebäudes geschaffen, die viel Platz für Sitzgelegenheiten bietet – und zwar auf mehreren Ebenen, um die Höhenunterschiede des Grundstücks aufzufangen. Das Innere des Hauses steht der äußeren Gestaltung in nichts nach. Die drei Ebenen sind

klar gegliedert. Im Untergeschoss befinden sich die Kellerräume, eine kleine Sauna und der Zugang zum Patio, der das Hauptgebäude mit einem kleinen, vorgelagerten Nebengebäude verbindet. Im Erdgeschoss liegen die großzügigen, offenen Wohnräume des Hausherrn, im oberen Stockwerk die Schlafräume. Die Wände sind größtenteils weiß verputzt, während Böden, Möbel und Treppenverkleidungen aus Holz bestehen, was für eine gemütliche, warme Atmosphäre und einen unverwechselbaren Duft im ganzen Haus sorgt. Holz wird also auch im Innenraum des Gebäudes zum zentralen Gestaltungselement und schlägt den Bogen zwischen Natur, Tradition und Moderne. inv

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1  Upcycling: Die Fassade besteht aus einer Kombination von Altholz und Lärchenlamellen. Hier stimmen alle Details – Wohnqualität mit viel Holz. 2+3  Holz, Naturstein und weiß verputzte Wände lassen den Innenraum licht und offen, aber zugleich warm und gemütlich wirken.

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Kunstgriff

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Architektur Berschneider + Berschneider Architekten (Johannes Berschneider, Gudrun Berschneider) Web www.berschneider.com Projekt Wohnhaus D Kategorie Neubau Fassadenmaterial Naturstein, Holzlamellen, Lärche Fassadenfirma Die Steinwerkstatt, Schreinerei Streb Adresse Neumarkt in der Oberpfalz Bauherr Privat Fertigstellung 02/2013 Nutzfläche 376 m2 Fotos (1) Erich Spahn / www.erich-spahn.de, (2, 3) Petra Kellner / www.petrakellner.de

„Eine Skulptur aus Holz und Stein“ betitelt das Architekturbüro von Berschneider + Berschneider sein Projekt in Neumarkt. Zu Recht. Denn so wie sich die Quader aus Kirchheimer Muschelkalk und Lärchenholz in den steilen Berghang stemmen, wirken sie wirklich skulptural und das ganz ohne Zutun eines Bildhauers. Diese Aufgabe haben hier die Handwerker der Steinwerkstatt übernommen. Vor Ort Stein für Stein selektiert, errichteten sie eine Natursteinmauer, ganz der alten Handwerkskunst entsprechend, und gaben dem Haus so seine Standhaftigkeit. Denn die bruchrauen Mauersteine bilden den Sockel des Hauses, welches durch die Holzlamellen-Fassade nach oben – zu den Wohnräumen hin – an Leichtigkeit gewinnt. Die Lamellen dienen dabei nicht nur als Sonnenschutz, sondern auch als Sichtschutz vor zu neugierigen Anrainern. Noch mehr Privatsphäre als das Lärchenholz gibt jedoch der eingesteckte Atriumhof. Ein sehr privater Außenbereich, dessen Qualitäten zum Beispiel aus der Badewanne heraus einsehbar sind. Ob das Atrium hier wirklich als „außen“ zu bezeichnen ist, kommt ganz auf die Bewohner, Stimmungs- und Wetterlage an – das Glasdach kann variabel geschlossen oder geöffnet werden. Nicht nur im Außenbereich haben die Architekten und Handwerker ihrer Kunstform alle Ehre gemacht, auch die Innenräume wurden von Berschneider + Berschneider gestaltet und mit Handwerkern aus der Umgebung ausgeführt. Durchgängig entschied man sich im Inneren für Eichenholz. Von der Wandverkleidung über den Bodenbelag und die Türen bis zu den Einbauten. Nur die Bearbeitungsform des Holzes wurde an Verwendungsort und zukünftige Anforderungen angepasst. Ein Haus nach allen Regeln der (Handwerks-)Kunst. ros

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Rot sehen

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„Das Ferienhaus in der weiten Landschaft der Uckermark empfängt seine Bewohner mit räumlicher und atmosphärischer Geborgenheit“, schwärmt Architektin Antje Freiesleben. Wer nun ein großes, modernes Haus erwartet, liegt völlig falsch. Das Budget war begrenzt. Es mussten Abstriche gemacht werden, dennoch sollten die Bauherren auf nichts verzichten müssen. Das Endprodukt ist ein kleines, aber feines Ferienhaus mit unbezahlbarem Ausblick. Dass es sich um ein Holzhaus handelt, ist von außen fast nicht zu erkennen, im Inneren durch die riesigen Flächen aus Grobspanplatten jedoch sofort klar. Diese sind eher ungewöhnlich, haben aber einen simplen Grund. „Wegen der Kostenersparnis in Höhe von rund 15.000 Euro hat die Bauherrenschaft auf die Verkleidung der Innenwände verzichtet“, erklärt Freiesleben. Die Sparmaßnahme bringt zudem eine eigene Gemütlichkeit in das Ferienhaus. Der begrenzte Innenraum wurde optimal genutzt. Die Wohnküche misst an der höchsten Stelle stolze fünf Meter. Daher konnte eine zweite Etage, die zusätzlichen Stauraum bietet, in den Raum eingebaut werden. Weil nicht nur wenig Geld, sondern auch wenig Platz zur Verfügung stand, ist die obere Ebene lediglich mit einer einfachen Leiter zugänglich. Auch von außen kann sich das Haus sehen lassen. Die Außenwände und das Dach werden von einem rotem Blech ummantelt. Auf die Frage, warum sich die Bauherren für die Farbe Rot entschieden haben, gibt es auch hier eine simple Antwort. „Rot war der Restposten des Lieferanten, den er uns um 5.000 Euro günstiger anbieten konnte als jede andere Farbe“, lacht die Architektin. Das idyllische Ferienhaus überzeugt mit seiner scheinbaren Einfachheit und der traditionellen Bauweise. Antje Freiesleben zeigt sich ebenfalls begeistert: „Traufe und Giebel, Dachüberstand, Pfetten, Stützen, Wände, Boden und Deckenkonstruktion: An diesem Haus sind alle diese Elemente sichtbar, so etwas baut man heute nur noch selten.“ jug

Architektur Modersohn & Freiesleben Architekten Partnerschaft (Antje Freiesleben, Johannes Modersohn) Web www.mofrei.de Projekt Haus in Melzow Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Blech Fassadenfirma Zimmerei Masch Adresse Melzow Bauherr Privat Planungsbeginn 12/2015 Fertigstellung 12/2016 Nutzfläche 94 m² Kosten EUR 130.000,– Fotos Maximilian Meisse / www.meisse.de

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ANTJE FREIESLEBEN Holz ist traditionell ein gebräuchliches Material für ein Dach. Auch für den Boden im Erdgeschoss und die Wände ist Holz ein Baustoff mit vielen Pluspunkten. Im Inneren schafft der natürliche Baustoff ein angenehmes Wohnklima und Behaglichkeit, worauf wir großen Wert legen. Holz ist ein regenerativer Baustoff, das entspricht unserem ökologischen Anspruch, dem wir darüber hinaus mit einer mineralischen Dämmung und Solarthermie gerecht werden. Aufgrund ihres hohen Vorfertigungsgrades und der großen Bauteile haben Holzbauten eine kurze Bauzeit. Und auch hier spielen die Kosten wieder eine Rolle, beispielsweise ist eine Bodenplatte aus Holz ungleich günstiger als eine aus Beton.

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Bßro M O D E R S O H N & F R E I E S L E B E N A R C H I T E K T E N , B E R L I N  / Haus B R A N D E N B U R G

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Die jungen Wilden

85 Architektur MIND AC (Jan Dechow, Julia Buschlinger) Web www.mind-ac.com Projekt Hunsrückweg Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Unbehandelte Lärche Fassadenfirma Zimmerei Borrmann, Dexheim Adresse Mainz-Bischofsheim Bauherr Privat Planungsbeginn 10/2015 Fertigstellung 09/2017 Nutzfläche 99 m2 Kosten EUR 258.000,– Fotos Nick Frank

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„Es war der Geruch nach Holz“, erzählt Architektin Julia Buschlinger von MIND AC, „der den Bauherrn auf uns aufmerksam gemacht hat.“ Gemeinsam mit ihrem Büropartner Jan Dechow arbeitete sie 2015 an der Realisierung des eigenen Bürogebäudes, ein für Gesprächsstoff sorgender Holzmassivbau in Mainz-Bischofsheim. „Ich glaube, wir haben damals das erste Holzhaus im Ort gebaut. Den Bauherrn hat das einfach angesprochen, schon beim ersten Kontakt erzählte er, wie gut unsere Baustelle riecht.“ Ein Architekturbüro, das nicht nur optische, sondern auch olfaktorische Argumente vorbringen konnte – das gab für den Bauherrn den Ausschlag sowohl hinsichtlich Architekten- als auch Materialwahl. Doch noch viele weitere Entscheidungen waren zu treffen. Denn das Haus „Hundsrückweg“ wartete mit einigen Herausforderungen auf. Das Budget war besonders beschränkt. Der junge Bauherr konnte sich keinen eigenen Baugrund leisten und wollte stattdessen auf elterlichem Boden bleiben. Dieses Grundstück bot jedoch gerade genügend Platz für einen kleinen Anbau. Trotzdem gelang es den Architekten, dem Wunsch nach einem eigenständigen Einfamilienhaus nachzukommen, indem sie einen Entwurf vorlegten, der beides verband. Während sich das Erdgeschoss einem Anbau gleich mit einer Hauswand am Bestandshaus orientiert, geht das zurückversetzte Geschoss darüber auf Distanz. Der Dreh- und Angelpunkt der Formgebung liegt dabei im Erdgeschoss. Genauer gesagt im Treppenkern, denn den Architekten von MIND AC reichte es nicht, auf einer extrem kleinen Grundfläche einen qualitativ hochwertigen Raum zu erzeugen. Sie wollten auch für Spannung sorgen. Deswegen wurde der Kern nicht linear im Grundriss platziert, sondern leicht gedreht und mit ihm das Geschoss darüber. Dieser Kniff sorgt im Erdgeschoss und damit in der offenen Wohnlandschaft für ein strukturiertes Raumgefühl. Im ersten Stock bietet er sogar noch mehr Vorteile: Die Loggia des Bestandes kann weiterhin genutzt werden, das neue Einfamilienhaus erhält eine eigene Dach­ terrasse und ist überdies zum Bestand hin, mit einem zusätzlichen Schlafzimmer, erweiterbar. Die Eigenständigkeit erhält das Haus hingegen

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nicht ausschließlich durch das Obergeschoss, auch die hölzerne Fassade trägt dazu bei. Dabei resultiert auch sie aus den budgetären Einschränkungen. Man entschied sich für unbehandelte Lärche und verkleidete das Haus damit vom Boden bis zur Dachkante. Jedoch wieder nicht ohne konzeptionellen Dreh, wie Julia Buschlinger erklärt: „Das sind doch recht einfache, günstige Hölzer. Gemeinsam mit der Zimmerei haben wir beschlossen, die Hölzer im Wechsel von stehend und liegend zu montieren, und so ein optisch wirklich spannendes Resultat erhalten.“ Ein kleiner Kniff – wie schon im Innenraum – mit großer Wirkung. ros

1+2  Verbunden und doch getrennt. Beide, das Haus der Eltern und das Haus des jungen Bauherrn, stehen für sich. Die neue Dachterrasse wird mittlerweile aber schon von beiden Parteien gemeinsam genutzt. 3  Im Erdgeschoss die offene Wohnlandschaft und oben auf das Schlafzimmer. Holz verbindet beide Geschosse optisch. 3

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Schlicht in Schindeln „Wenn an einer so steilen Hanglage gebaut wird, dann muss es eine Berghütte werden!“ Diese erste Idee stand am Anfang für den Entwurf eines Einfamilienhauses in Heidenheim. Und so wurde es gemacht: Zwei Riegel in L-Spreizung bilden das Gebäude. Ein eingeschossiger Riegel aus Sichtbeton mit Dachbegrünung. Darüber ein dreigeschossiger Schindelbau. Prägend für den 2015 vollendeten, schlichten Baukörper ist die bewegte, in dunklen Tönen changierende Fassade aus Rotzeder-Schindeln. Im Kontrast dazu stehen die naturbelassenen Eichenrahmen der zahlreichen großen und kleinen Holzfenster, welche die Fassade lebendig gliedern. Im Innenraum werden die Materialien des Außenbaus aufgenommen: Hier trifft Sichtbeton auf eine Holzdecke und Eichenparkett. Man sieht, dass der Architekt selbst auch gelernter Zimmermann ist. Der offene Grundriss der „Berghütte Bamann“ – welche die Architekten Lena und Markus Bamann selbst als Wohnhaus und Büro nutzen – nimmt die natürliche Topografie des Berghanges auf. Von besonderem Reiz sind die Blickwinkel auf die Stadt, aber auch ins Grüne. „Der Grundriss und die Raumsortierung auf differenzierendem Niveau zielen auf ein offenes und kommunikatives Wohnen“, erläutert der Architekt. Die Übergänge zwischen innen und außen sind mit Rasen- und Terrassenflächen fließend gestaltet. „Da es sich um unser eigenes Zuhause handelt, waren persönliche Vorlieben wie die Liebe zur Natur, die Begeisterung für die Urtümlichkeit der Berge, aber auch die Liebe zu moderner Wohnkultur sehr individuelle Faktoren, die unseren Entwurf prägen“, ergänzt der Heidenheimer Planer. mpe

Architektur Bamann Architekten (Markus Bamann, Lena Bamann) Web www.bamannarchitekten.de Projekt Casa B Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Schindeln Fassaden­f irma Eigenleistung Adresse Heidenheim Bauherr Lena und Markus Bamann Planungsbeginn 03/2013 Fertigstellung 05/2015 Nutz­f läche 160 m² Kosten EUR 500.000,– Fotos Markus Bamann

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1+4  Die Liebe zur Natur, die Begeisterung für die Berge und die Bewunderung der Urtümlichkeit beeinflusste den Entwurf der Bauherrn und Architekten Lena und Markus Bamann. 2  Die Lampen von NYTA erleuchten die funktionale aber gemütliche Küche.

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3  Besonders offen und kommunikativ zeigen sich alle Räume durch die halbgeschossige Splitt-Level-Bauweise. Die Materialen werden hier bewusst gezeigt: Vom Sichtbeton bis zum Eichenholz.


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HOLGER LOHRMANN Holz ist einer der nachhaltigsten Baustoffe überhaupt. Neben der Nutzung der ökologischen und bautechnischen Eigenschaften interessieren wir uns gleichermaßen für die ästhetischen und semantischen Qualitäten, welche im kollektiven Unterbewusstsein der Menschen verankert sind.

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1 G anzheitlich gedacht. Die Einbaumöbel wurden von lohrmannarchitekt gleich mitentworfen. 2 A ußen Douglasienholz – innen Weißtanne. Die Wahl der verwendeten Materialien kann auch als Reminiszenz an die ortstypischen Bauernhäuser und Scheunen gesehen werden.

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Landschaft­­liche Idylle mit Stadtblick Architektur als Schnittstelle zwischen Tradition und Moderne. Wenig attraktiv klingt der Name des Projekts, „Auf der Sauhalde“, in Stuttgart. Das Ergebnis von lohrmann­ architekt kann sich jedoch sehen lassen. „Jede Bauaufgabe ist einzigartig und wird maßgeblich durch die historischen und physischen Gegebenheiten des Ortes sowie die Bedürfnisse der zukünftigen Nutzer bestimmt“, heißt es aus Lohrmanns Büro. Bei diesem Projekt traf das gleich in mehrfacher Hinsicht zu: Auf dem landschaftlich idyllisch gelegenen Grundstück befand sich nämlich bereits ein Gebäude in Nachkriegsarchitektur. Dieses galt es in die Planung miteinzubeziehen. Darüber hin­ aus wünschte sich der Bauherr für sich und seine fünfköpfige Familie, dass der enge Raum einem großzügigen, fließenden weicht. „Der Wunsch war, einen Ort zu schaffen, der wie selbstverständlich wirkt und Gelassenheit ausstrahlt, sowie ein Haus zu realisieren, welches sich in die Umgebung der Streuobstwiesen mit Zurückhaltung einfügt“, fasst der Architekt zusammen. Das gestalterische Korsett wurde aber noch enger geschnürt, da die Baustelle nur schwer zugänglich war – die Liegenschaft liegt 80 Meter von der nächsten Straße entfernt. „Dies erforderte eine Bauweise, bei der kein großer Kran benötigt wird.

Daher war es von Vorteil, das Wohnhaus als Holzständerbau zu realisieren.“ Bei diesem Prinzip wird ein Gebäude aus vielen einzelnen Teilen zusammengefügt, die mit geringerem Aufwand vom Lagerplatz zur Baustelle gefahren oder sogar getragen werden können. Das Untergeschoss des Vorgängerbaus, welches beim Umbau erhalten blieb, bildet den Sockel für den neuen zweigeschossigen Aufbau. Auch in der Wahl der Materialien setzte man auf Tradition: Der Unterteil des Gebäudes wurde, typologisch ähnlich anderen süddeutschen Bauernhäusern, mit grauem Kellerwurfputz verkleidet, die Holzverschalung in den anderen beiden Geschossen mit gattersägerauen unbehandelten Douglasienbrettern. Engobierte dunkelbraune Biberschwanzziegel decken das Dach. Innen erhält das kleine Haus mit den 147 Quadratmetern seine Großzügigkeit vor allem durch die offene Raumstruktur, die vertikalen geschoss­ übergreifenden Blickbeziehungen sowie die großflächigen Giebelverglasungen. Rauer Sichtbeton und helles Tannenholz an Wänden und Decken erzählen von der Einfachheit der Elemente. Lohrmanns zeitgenössische Interpretation einer regionaltypischen Feldscheune abstrahiert die historischen Bezüge und wirkt so zeitlos, funktional und poetisch. anm

87 Architektur lohrmannarchitekt Web www.lohrmannarchitekt.de Projekt Auf der Sauhalde Kategorie Umbau, Holzbau Fassadenmaterial Gattergesägte Schalung aus Douglasie, Sockel aus grauem Kellerwurfputz Fassadenfirma Holzbau Schaible Adresse Stuttgart Bauherr Privat Planungsbeginn 03/2014 Fertigstellung 04/2016 Nutzfläche 147 m² Fotos Volker Schrank / www.volker-schrank.de

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Rundum Holz

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„Es war von Anfang an klar, dass das Haus vorwiegend aus Holz gebaut wird“, erzählt Baumeister Jürgen Haller über die Entstehungsgeschichte des „Hauses Rommel“ in Baden-Württemberg. Immerhin gibt es einen ganz persönlichen Bezug der Bauherrenfamilie zu diesem Werkstoff: einen Holzhandel in der Familie. Holz ist für sie daher nicht nur Baumaterial, sondern Lebenskultur und ökologisches Material, das Geborgenheit und Wärme ausstrahlt. Nicht zuletzt deshalb wurde genau Jürgen Haller der Bau des Eigenheims anvertraut. Auf die Architekten aufmerksam wurde die Familie durch dessen Neuinterpretation des Bregenzerwälderhauses in Mellau in Vorarlberg. Die Holzbaukunst des westlichsten österreichischen Bundeslandes fasziniert die Auftraggeber schon seit langem. Das Wohnhaus am Rande eines Gewerbegebietes zu bauen war eine Herausforderung. Das Grundstück hatte die Bauherrin geerbt, früher wurde es landwirtschaftlich genutzt. Nun steht neben den Blumenwiesen und Obstbäumen das zweigeschossige Holzhaus. Konkret wählte man eine Holzriegelbauweise mit einer Weißtannenfassade in unterschiedlichen Breiten. Horizontal finden sich Akzente in Gestalt schwarzer Trennfugen, die neben den großen Fenstern für zusätzliche Struktur sorgen. Durch diese soll die Natur ins Innere des Baus geholt werden. Mit Erfolg, wie Haller erzählt: „Nach einem Jahr im Haus hat die Bauherrenfamilie noch immer kein Bild aufgehängt, da sie noch immer damit beschäftigt sind, die Architektur des Hauses und das Landschaftspanorama durch ihre Fenster zu genießen.“ Innen ist das Haus mitunter extravagant, mit riesigem Kamin, Schlafräumen mit Nasszellen und einem zusätzlichen großen Wellnessbereich. Für die Einrichtung wurde ebenso hauptsächlich auf Holz gesetzt. Viel Platz an der freien Luft gibt es auf den geräumigen Loggien und Terrassen. roa

1  Holzbaukunst: Das zweigeschossige Holzhaus spielt mit der Natur, dem Material und macht die Holzbox zum Rundum-Wohlfühlraum. 2+3  Hauptaugenmerk wurde im Innenraum auf das Erdgeschoss gelegt, was aber nicht bedeutet, dass sich die Schlafräume und das Wellnesszimmer im Stock darüber nicht auch sehen lassen können.

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Architektur Baumeister Jürgen Haller – Architektur und Baumanagement Web www.juergenhaller.at Projekt Wohnhaus Rommel Kategorie Neubau Fassaden­ material Offene Weißtannenfassade, naturbelassen Fassadenfirma Kaspar Greber Holz- u. Wohnbau GmbH Adresse Dellmensingen Bauherr Christine & Dominik Rommel Planungsbeginn 2015 Fertigstellung 2016 Nutzfläche 266 m² Fotos Albrecht Imanuel Schnabel / www.albrecht-schnabel.com

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Bauklötze staunen Es gibt Wohnprojekte, bei denen man schnell den Eindruck bekommt, die Architekten haben bei der Planung mit Bauklötzen experimentiert. Beim „Haus im Moos“ war es tatsächlich so – und der daraus resultierende Entwurf so überzeugend, dass er bis zur Fertigstellung des Gebäudes nicht mehr verändert wurde. Zustande kam er bei einer Besprechung des Münchener Architekten Thomas Pscherer mit dem Bauherrn Dieter Geier. Während die grundsätzlichen Anforderungen, die das Haus erfüllen sollte, diskutiert wurden, veranschaulichten die beiden die vorgetragenen Ideen mit Bauklötzen – und schon entstand eines der kreativsten Bauprojekte überhaupt. Die Vorgaben des Bauherrn waren allerdings gar nicht so simpel, wie es die Entwurfsentwicklung vermuten ließe. Das neue Wohnhaus sollte nämlich nicht nur jede Menge Platz für eine Großfamilie mit vier Kindern bieten, sondern darüber hinaus so konstruiert werden, dass alle Parteien auch mal Ruhe voneinander haben können. Heißt:

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die Errichtung eines abgegrenzten, aber trotzdem angeschlossenen Bereiches für die Kinder, der nach deren Auszug zur Praxis umfunktioniert werden kann. Aus dieser Vorgabe heraus entwickelten Bauherr und Architekt ein Haus, das aus drei Wohneinheiten, den Bauklötzen, besteht, die durch ein mittiges Atrium und einen Wintergarten verbunden sind. Die unteren Gebäudeteile enthalten die Wohnräume bzw. den Kinderbereich, während sich oben die Privaträume der Eltern befinden. Neben dem funktionalen Aspekt gab es aber auch noch den Wunsch, das Haus ansprechend in die umgebende ländliche Idylle zu integrieren und aus allen Zimmern einen möglichst freien Blick in die Natur zu haben. Aus diesem Grund haben sich Architekt und Bauherr für eine natürlich verwitterte Holzfassade entschieden, die mit der Mooslandschaft fantastisch harmoniert. Darin integriert finden sich große Fensterflächen, die den Blick in die Ferne erlauben und gleichzeitig viel Licht ins Haus lassen. Das

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Innere des Hauses profitiert von den großen, bodentiefen Fenstern, denn an schönen Tagen erstrahlt das zurückhaltende, weiße Interieur förmlich im Licht der Sonne. Außer­ d em bilden die minimalistischen, weißen Ober­flächen einen neutralen Rahmen für die wunder­ schönen Ausblicke. Man sollte als Architekt also ruhig öfter mal mit Bauklötzen spielen – denn daraus können die schönsten Ideen entstehen. inv

Architektur Thomas Pscherer Architekt Web www.pscherer-architekt.de Projekt Haus im Moos Kategorie Neubau, Niedrig­ energiehaus / Passivhaus, Holzbau Fassadenmaterial Holz Adresse Königsmoos Bauherr Dieter Geier Planungsbeginn 10/2013 Fertigstellung 0A1/2015 Nutz­ fläche 236 m2 Kosten EUR 550.000,– Fotos Thomas Pscherer


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1  Auf Holz klopfen ist hier nicht schwer: Der Architekt verzichtet in der Kon­ struktion auf Leim und Stahl und setzt stattdessen auf Konstruktionsvollholz und verbindende Holzschrauben. 2  Minimalistisch und klar – der gänzlich weiße Innenraum hält sich zurück. Das Moosgrün der umgebenden Landschaft hat Vorrang. 3  Picturesque An- und Ausblicke. Architekt Thomas Pscherer integriert nicht nur das Haus in die Landschaft, er inszeniert die Landschaft auch aus dem Haus heraus. 1

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Vollholz In der kleinen Gemeinde Schwieberdingen bei Ludwigsburg ist der Ortskern noch heute geprägt durch landwirtschaftliche Anwesen. Hier modern mit Holz zu bauen war die Idee des Ludwigsburger Architekten Kai Dongus. Der Neubau eines Einfamilienhauses sollte sich an der Typologie der Umgebung orientieren – an Holzscheunen und Schuppen. Mit Wohngebäude und Nebengebäude, das einen Carport, Abstellräume und einen Hofladen beherbergt, hat der Architekt zwei Bauten errichtet. Der alte Baumbestand und auch eine Natursteinmauer konnten erhalten werden. Ein kleiner Fluss, die Glems, tangiert das Grundstück. Das auffälligste Charakteristikum des FKW-40+-Baus ist die Verkleidung der Dächer und Außenwände mit Lärchenholz. Der massiven Geschlossenheit der Baukörper zuträglich ist auch die Belegung einiger Fenster und Lüftungsöffnungen mit Schalung. Auf einen Dachüberstand wurde bewusst verzichtet. Auch innen bestimmt Holz – Holzdecken, Holzwände und Holzmöbel – den Bau. Eine Holztreppe führt in das Obergeschoss mit Badund Schlafräumen, einem Sport- und Fernsehzimmer und einem Technik­raum. „Angestrebt war die Reduzierung auf ein Material“, sagt Kai Dongus, der an der Universität in Stuttgart studiert hat und später im Büro Behnisch & Partner arbeitete. „Dies sollte dem Baukörper und dem Inneren eine möglichst monochrome Wirkung verleihen. Dach und Wand bestehen aus einem Baustoff, welcher sich auch im Inneren wiederfindet. Sämtliche Innenwand­ flächen, die Treppe und sogar die Einbaumöbel wurden von einem Schreiner aus der Gegend ausgeführt“, so der Architekt weiter, dessen Arbeit jüngst mit dem Hugo-Häring-Preis ausgezeichnet wurde. mpe

Architektur Kai Dongus Freier Architekt Web www.dongus.com Projekt EFH L Kategorie Neubau, Niedrig­e nergiehaus / Passivhaus, Holzbau Fassadenmaterial Lärche Fassadenfirma Holzbau Lang Bauherr Privat Planungsbeginn 2013 Fertigstellung 2016 Nutzfläche 210 m² Kosten EUR 600.000,– Fotos Nikolaus Gruenwald Photography / www.nikolaus-gruenwald.com

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KAI DONGUS Ein alter, vom Großvater errichteter Holzschuppen war baufällig und musste dem geplanten Gebäude weichen. An dessen Stelle sollte ein moderner Holzbau treten, welcher sich selbstverständlich in das von Gebäuden landwirtschaftlicher Nutzung geprägte Umfeld einfügt. Das neue Holzhaus sollte die Typologie der alten Holzscheunen und Schuppen übernehmen und in die heutige Zeit transformieren.

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1+2+3  Reduktion auf das Wesentliche ist das Motto dieses Hauses. Außen- und Innenwände, Dach und Decken sind aus Holz – und schaffen eine homogene Atmosphäre.

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Malawi meets Mittelgebirge Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet am Weimarer Stadtrand die Tradition des Erzgebirges auf die afrikanische Sehnsucht nach Gemütlichkeit trifft? Das „Holzhaisel“ von Osterwold°Schmidt EXP!ANDER schafft diesen kulturellen Spagat. „Es ist eine vielleicht etwas ungewöhnliche Kombination von flachem Dach und Steildach“, beschreibt Architekt Matthias Schmidt die schnittige Verschmelzung der beiden Formen. Am Beginn stand aber erst einmal die lange Suche nach einem passenden Grundstück. Gefunden wurde es am äußersten Rande Weimars. Die Vorteile: Nähe zur City, gleichzeitig naturverbundener Charakter am Waldsaum. Jedoch: Auf dem großzügigen Areal stand bereits ein Haus aus den 1950er-Jahren. Sanierung oder Umbau waren nicht gewünscht. Darüber hinaus gehörte der freie Teil des Grundstücks zum sogenannten „städtischen Außenbereich“, es gab dafür also keinen Bebauungsplan. Ein „vorhabenbezogener“ Plan erlaubte schließlich zwei Einfamilienhäuser auf dem Areal, einem Neubau stand nichts mehr im Wege. „Gewünscht war ein in der Größe effizientes Haus in ‚sauberer‘ Bauweise mit schönem Raum zur individuellen Entfaltung und familiären Geborgenheit“, so Schmidt. Nicht nur die erzgebirgische Heimat, auch die Jahre an der schottischen Küste sowie die regelmäßigen Aufenthalte in Malawi schafften seitens der neuen Bewohner eine Wohnerwartung, die berücksichtigt werden sollte. Die architektonische Antwort: „Holzhaisel“. Scharfe Konturen und steiles Spitzdach,

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eine Symbiose des erzgebirgischen Satteldaches mit den offenen afrikanischen Terrassen und deren weit überstehenden Dächern – „geerdet und behütet, leicht und licht, offen und bergend zugleich“. Assoziationen zu Schutzhütten in abgelegener Natur sind durchaus gewollt. Holzkochofen und Kamin mit Ofenbank – elementare Symbole in der Geschichte des Wohnens – lassen zudem an schottische

Behaglichkeit denken. Holz gibt es nicht nur vor der Hütte, „auch im Innenraum sind bei Deckenuntersichten, Türen und Möbeln letztlich immer ‚holzsichtige‘ Bauteile vorhanden“, erklärt Schmidt. Der eingeschossige Bau mit seiner bezeichnenden Kontur schneidet scharf in die Umgebung ein und verschmilzt doch mit ihr. Gebaute Vielfalt, die Einigkeit demonstriert. anm

Architektur Osterwold°Schmidt EXP!ANDER Architekten (Antje Osterwold, Matthias Schmidt) Web www.osterwold-schmidt.de Projekt Holzhaisel in Weimar Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Lärche Adresse Weimar Bauherr Privat Planungsbeginn 06/2014 Fertigstellung 05/2016 Nutzfläche 148 m2 Kosten EUR 264.600,– Fotos Michael Miltzow, Steffen Michael Gross / www.bildwerk-weimar.de

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BEI DER HÄNGELEUCHTE SKIPPER, WAS MACHT FÜR SIE HIER DIE BESONDERHEIT AUS?

Die Idee allein, aus Holzfurnierstreifen auf so schwungvolle Art eine Leuchte entstehen zu lassen, ist bemerkenswert. Und die Wirkung der Leuchte mit ihrer Leichtigkeit, ihrer skulpturalen Form und dem warmen Licht, das sie ausstrahlt, begeistert uns und unsere Gäste immer wieder.

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Wir haben uns selbst in einem Dachloft mit viel Holz eingerichtet, angefangen von den Eichendielen über freigelegte Balken bis hin zu Esstisch, Stühlen und Leuchten aus Holz. Kombiniert mit zurückhaltenden Farbtönen wie Weiß, Grau und Schwarz entsteht eine harmonische, typisch „hyggelige“ Atmosphäre. Wir spüren die beruhigende, erdende Wirkung von Holz in der Architektur und Einrichtung. Es ist ein absolutes Wohlfühlmaterial.

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WELCHEN EINFLUSS HAT HOLZ IN IHREM PRIVATEN LEBEN?

David Trubridge ist ein sehr naturverbundener Designer aus Neuseeland, den die Formen der Natur schon seit seiner Kindheit faszinieren. Korallen, die er am Strand fand, inspirierten ihn zur Leuchte Coral. Sie ist so simpel wie clever, denn sie besteht aus 60 Wiederholungen derselben Form. Nach ein paar Experimenten mit einer Glühbirne war diese eindrucksvolle Leuchte geboren.

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Holz strahlt eine angenehme Wärme aus, ist authentisch und durch seine organische Zeichnung immer individuell. Das sanfte Licht, das durch eine Leuchte aus Holzfurnier scheint, ist unübertroffen schön und gemütlich. Außerdem ist Holz ein nachwachsender Rohstoff, sodass wir bei vernünftiger Forstwirtschaft die Ressourcen der Natur nicht unnötig strapazieren.

SIE HABEN SELBST GESAGT, DASS SIE ES LIEBEN, DIE GESCHICHTE DER PRODUKTE ZU ERZÄHLEN. WELCHE IST IHRE LIEBLINGSANEKDOTE?

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WAS K ANN HOLZ , WAS ANDERE MATERIALIEN NICHT KÖNNEN?

Wir kennen alle Designer persönlich und haben viele schon in ihren Studios und Werkstätten besucht. Es ist toll, am Entstehungsprozess neuer Designobjekte teilzuhaben. Wir achten bei der Auswahl der Designmöbel und Leuchten auf Funktionalität, hochwertige Verarbeitung und zeitloses Design. Alle Objekte in unserem Shop sollen lange glücklich machen und gerne auch an die nächsten Generationen weiter­ gegeben werden.

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Wir haben uns während unserer Zeit in Dänemark ausführlich mit Design beschäftigt und mit Stefans Hintergrund als Architekt ein fachliches Auge auf die dänische Designphilosophie geworfen. Holz sticht da als zentrales Material hervor, weil es ehrlich ist, viel kreativen Spielraum zur Bearbeitung bietet, die Sinne anspricht und einfach zeitlos schön ist. Für uns ist durchdachtes Design eine absolute Bereicherung im Alltag. Wir wollen aber keine Abstriche machen, wenn es um Nachhaltigkeit und Umweltschutz geht. Wir lieben die Natur und Holz als eines ihrer schönsten Materialien.

WIE GEHEN SIE BEI DER AUSWAHL VON DESIGNERN VOR UND WAS IST IHNEN BEI DEN OBJEKTEN WICHTIG?

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WIE KOMMT MAN DA ZU, DASS MAN SEIN LEBEN VOLL UND GANZ EINEM ROHSTOFF WIDMET?

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„Hygge“ – das dänische Lebensgefühl steht für Lebensfreude und Behaglichkeit. Die Gründer von HolzDesignPur, Franziska und Stefan Weiland, leben diese nordische Philosophie und bieten auf ihrer Plattform ausgewählte Designobjekte für eine „Hygge“-Atmosphäre in jedem Wohnraum. Dabei setzen sie ausschließlich auf den Werkstoff Holz. In ihrem Showroom und Café in Jena kann man seit kurzem die nordische Designwelt der Möbel und Leuchten von HolzDesignPur bei einer Tasse Kaffee erleben – im Gespräch mit 100 Häuser erzählt das Paar, wie man „Holz & Hygge“ als Lebensund Designkonzept verbindet.

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HolzDesignPur

Holzdesign – vom Kerzenständer über Leuchten, Massivholz-Esstische und Betten – findet man im Online-Shop von HolzDesignPur. Die Kollektion setzt ausschließlich auf den Werkstoff Holz und auf schlichte Formensprache. Die Objekte werden von ausgewählten Designern entworfen und produziert. Inspiriert von der Natur wird bei HolzDesignPur einzigartiges Design für den modernen Wohnraum mit höchstem Anspruch lebendig.

www.holzdesignpur.de

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Garderobe COAT FRAME von We Do Wood — 53 × 150 × 7 cm

Schreibtisch POET DESK von Nordic Tales — 136 × 55 × 72 cm HolzDesignPur × 100 Häuser

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SEILTANZENDE SIEBENSCHLÄFER

→ Der Seiltänzer tanzt aus der Tischreihe, weil rote oder schwarze Seile die Metallbeine mit der Tischplatte verbinden. 90/160/190/220 × 90, 120 × 120

Bei Moormann versteht man unter Seiltänzer und Siebenschläfer – einen Tisch und ein Bett. Die Namen verraten schon, dass es sich dabei um Möbel handelt, die auf den ersten – und manchmal auch zweiten Blick – etwas anders sind als herkömmliche Möbel. Sie besitzen Einfachheit, Konsequenz und eine gute Portion Humor; Eigenschaften, die auch für Gründer und Designer Nils Holger Moormann die drei Hauptkomponenten für seine Kreationen darstellen. In der Nähe des Chiemsees und umgeben von Kühen kreiert Moormann mit viel Leidenschaft zusammen mit jungen Designtalenten und der hausinternen Kreativabteilung seine Möbel. Diese werden im Umkreis von 40 km von regionalen Unternehmen unter Einsatz von traditionellen Handwerkstechniken und modernen Technologien produziert. Wenn man sich ein Möbel von Moormann zu sich nach Hause holt, dann wird es zu einem treuen Wegbegleiter, denn es hält ein Leben lang.

FOTO Jäger & Jäger

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↓ Der Siebenschläfer lässt sich blitzschnell und metallfrei in Rot, Weiß oder Schwarz zusammenstecken. Die Ruhephasen dauern von Januar bis Dezember. 90/120/140/160/180 × 200/220

www.moormann.de Nils Holger Moormann × 100 Häuser


Regalseiten und Tablare werden im Verbund mit Aluminium-Schienen stabilisiert, so entsteht ein transparentes Regal mit viel Stauraum. Das Regalsystem FNP bietet so viele Möglichkeiten und Zubehörelemente, dass es an jede Raumsituation auch im Nachhinein adaptierbar ist. Ein idealer Baukasten für Erwachsene. ↑ Chapeau! Vor diesem ausklappbaren Garderobenständer zieht man gerne seinen Hut ab.

FOTOS Jäger & Jäger

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← Berge an Ordnern oder Kleidung verstaut der 2.224 mm hohe K1. Die markanten waagrechten Schlitze sind Teil der Konstruktion und das System ist mit 35,5 und 55,5 cm breiten Segmenten endlos erweiterbar.

Nils Holger Moormann × 100 Häuser

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HOL Z- PRODU K TE

TISCHFREIHEIT Natürliche Oberflächen, präzise geformte Metallgestelle und ein ausgewähltes Farbspektrum sind die charakteristischen Merkmale der PLOG-Serie des Hamburger Designers Jan Cray. In seinem reduziert anmutenden PLOG Ess- und Arbeitstisch stecken allerlei Facetten, die ihn zum idealen Ort für jegliche Anlässe machen. Die außensitzenden Tischbeine ermöglichen eine optimale Sitzplatznutzung und großzügige Beinfreiheit. Der Tisch ist ab 1,6 m bis zu 3 m Länge erhältlich und bietet somit bis zu 14 Personen Platz zum Arbeiten, Feiern oder Essen. Bei Bedarf kann man die Fläche mithilfe von Ansteckplatten erweitern, die mechanisch sowie ästhetisch passgenau sitzen und sogar den Maserungsverlauf weiterführen. Die Farbpalette der pulverbeschichteten Metallbeine reicht von auffällig bis elegant und kann mit unterschiedlichen Tischplatten kombiniert werden. Ein perfektes Herzstück für jeden Wohn- und Arbeitsbereich.

www.jancray.de

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PRODUKTE


HOL Z- PRODU K TE

EINE TISCH-IKONE IN 10 ABSTUFUNGEN Den ess.tee.tisch entwickelte Jürg Bally 1950 als Geschenk für seine zukünftige Ehefrau Ica – mittlerweile gehört dieser Entwurf nicht nur zu den bekanntesten des Architekten, er wurde auch zu einer Schweizer Design-Ikone. Der offizielle Prototyp von damals steht heute in der Designsammlung des Museums für Gestaltung in Zürich. Die Idee des Verstellens hat in einer Zeit der steigenden Mobilität und sich verändernden Wohnverhältnisse nichts an Aktualität verloren. Deswegen perfektionierte 2014 Daniel Hunziker in 400 Arbeitsstunden die simple wie geniale Konstruktion für die älteste Stuhl- und Tischmanufaktur der Schweiz – Horgenglarus. Die drei gekreuzten Beine können in zehn Stufen mit der selbsthemmenden Aufzugsmechanik mühelos in der Höhe von 42 bis 74 cm verstellt werden, ohne den Tisch abräumen zu müssen. Ein Tisch zum Essen und Teetrinken eben. ess.tee.tisch: Tischplatte in Linoleum mit Massivholzkante, Durchmesser 95 cm; Untergestell in Massivholz, höhenverstellbar 42-74 cm.

www.horgenglarus.ch

KLASSISCH SITZEN Wie wird ein Möbel zum Klassiker? Die Magie von Designobjekten beruht auf „der Verbindung eines bequemen, geschichtlich legitimierten Möbeltyps mit einer zeitgemäßen Form- und Konstruktionsgrammatik“, so Arthur Rüegg, Schweizer Architekt und Publizist. Horgenglarus entwickelte um 1918 den Stuhl „Classic 1-380“, der nunmehr seit 100 Jahren kontinuierlich und unverändert von Horgenglarus, der ältesten Stuhlund Tischmanufaktur der Schweiz, produziert wird – und längst zum Schweizer Kulturgut zählt: „klar und schnörkellos in seiner Form, materialgerecht in seiner Fertigung und unprätentiös, robust, nachhaltig und selbstverständlich – eine Ikone des Schweizer Designs“, beschreibt Hubertus Adam, Journalist, Architekturkritiker und ehemaliger Direktor des Architekturmuseums Basel, den Stuhl. Die qualitativ hochwertige Handarbeit und die solide Konstruktion der Sitzzarge, der Hinter­ füße und des Rückens aus gebogenem Massivholz garantieren einen einmaligen Sitzkomfort. Das schlichte Design, gepaart mit Langlebigkeit und feinster Handwerkskunst, steht für Horgenglarus – und hat den verdienten Platz in der Reihe der Möbelklassiker längst bewiesen.

www.horgenglarus.ch

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Architektur SPANS associates (Nicolas Sterling und Elke Sterling-Presser) Web www.spans-associates.com Projekt Unfolding Lift – Creating Light Kategorie Umbau Adresse Berlin Bauherr Privat Planungsbeginn 11/2016 Fertigstellung 04/2017 Nutzfläche 220 m2 Kosten EUR 60.000,– Fotos Andreas Pein, laif Agentur f. Photos & Reportagen GmbH / www.laif.de

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Herzstück und Hingucker in einem: Die Treppe befindet sich genau im Zentrum des Hauses.

Weiße Wände, weiße Möbel und Licht. Zurückhaltung als bestmögliche Leinwand für das bunte Lichtspiel.

Lichtspiele Am Anfang leuchtete eine blaue Neonröhre. Das Erinnerungsstück, das für die gemeinsamen Besuche eines Londoner Untergrund-Clubs steht, kreierte für das Architekten- und Ingenieurpaar während der Umbauarbeiten in ihrem eigenen Wohnhaus einen so schönen Effekt, dass sie diesen weiterentwickelten. Hinzu kommt noch die Begeisterung für die Lichtkünstler Dan Flavin und James Turrell – und fertig war das Farb- und Lichtkonzept für ihre Doppelhaushälfte im Berliner Ortsteil Zehlendorf. Im ersten Schritt befreiten sie den Bau aus den 1970er-Jahren von allem Überflüssigen und tauchten dann die Innen­ räume in ein Bad aus färbigem Licht. Das Ziel des Umbaus war, Offenheit und direktes Licht in das Gebäude zu bringen. Im Erdgeschoss wurde die Küche zum Wohnzimmer hin geöffnet. Beim bestehenden Durchbruch vom Schlafzimmer ins obere Giebelzimmer befestigte man lediglich ein Netz zur Absturzsicherung. Die weißen Raumwände fördern das offene und helle Gestaltungskonzept. Das Architekturund Ingenieurbüro SPANS associates hat neben dem Büro in der Stadt, hier im geräumigen Souterrain, ein Homeoffice, von welchem aus sich eine neonorange Treppe über vier Ebenen bis unters Dach windet. Die lackierte Holztreppe hebt sich klar von den weißen Flächen ab und wird zu einem abstrakten, eigenständigen Objekt, das aber trotzdem alle Räume zusammenhält. Somit bildet die Treppe das Rückgrat des Hauses und ist dessen

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Energiezentrum. Das Vorzimmer empfängt den Besucher mit einem angenehmen Rosaton. Von der freistehenden Badewanne aus genießt man den Blick durch das Dachfenster in die Baumkronen und stellt per Fernbedienung die gewünschte Farbstimmung der LED-Lichtleiste ein. Jeder Raum besitzt eine eigene farbliche Lichtinszenierung. Die Architekten bezeichnen ihr Konzept als „ausschwärmendes Licht“, das sich ab einem gewissen Zeitpunkt ausbreitet. Erst bei Sonnenuntergang beginnen in dem äußerlich unscheinbaren Haus die vielen Lichtstimmungen und Farbtöne miteinander zu tanzen. erc


This book calls for a new approach to urbanization and how to solve some of the most urgent and globally pervasive problems of our time. — SALIL SHETTY Secretary General of Amnesty International

Can architecture and design reverse inequality? Everyone has a right to a more civil and community sharing urban life. — STEFANO BOERI Architect

A humanist vision looking to the future. — SILVIO BAVA Le Monde Diplomatique Brazil

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MEHR VON GRAFT Projekt No. 39 Seite 74

Ein unbekanntes Wohnobjekt Außergewöhnlich, ja fast schon „außer­i rdisch“: ein Uwo, ein unbekanntes Wohnobjekt. Ein Neubau, den es in diesem Stadtteil, der vorrangig von Altbauvillen geprägt ist, so noch nicht gibt. Er hat etwas Geheimnisvolles, wie ein Findling. Das ist ein riesiger Stein, der in Landschaften auftaucht, in die er gar nicht hinzugehören scheint. Die Assoziation zum Findling wurde bewusst gewählt, als die Architekten von GRAFT Berlin mit den Planungen für den Bau im Jahr 2013 begonnen haben. Stark wie ein Findling, der einer glazialen Landschaft entsprungen ist, verortet sich der Neubau im Jahr 2017 in seiner Umgebung und ist Sinnbild für Kraft und Stabilität. Von der klassischen Architektur wurde abgewichen, um mit neuen Wegen in der Formensprache etwas Einzigartiges zu kreieren. Wie das Rätsel um den Findling möchte man auch dieses Einfamilienhaus, die „Villa M“, erforschen. Steht die Villa in ihrer trapezoiden und skulpturalen Form vor einem, erahnt man ihr einzigartiges Wohngefühl. Vielleicht ist es, wie in einem ausgebauten Asteroiden durch

die Galaxie zu schweben. Gut geschützt durch die Fassade aus Keramikplatten, was wieder an den Findling erinnert. Errichtet wurden vier Geschosse, deren Sichtachsen auf die Grünflächen der Umgebung gerichtet sind. Immer wieder gibt es horizontale Einschnitte für Loggien. Raumhohe Glasflächen sorgen für Licht und geben den Blick frei auf den begehrten Stadtteil Berlin-Grunewald. Betritt man das Haus, verstärkt sich das Gefühl einer anderen Dimension. Die expressive Formensprache setzt sich fort und lässt einen über fließende Übergänge durch die offen und hell gestalteten Geschosse gleiten. Man strömt vom prismatisch angelegten Wohnzimmer mit Kamin und Sitzgelegenheit in die Küche und die angrenzenden Räume und über die geschwungene Innentreppe nach oben aus. Im Dachgeschoss gibt es eine Einliegerwohnung, im Kellergeschoss einen Spa-Bereich. Entsprechend dem futuristischen Erscheinungsbild des Hauses wurden langlebige und wiederverwertbare Materialien verwendet, außerdem reagiert seine Ausrichtung auf den Sonnenstand. Die „Villa M“ läutet eine

neue Generation moderner Häuser ein, und wie beim Findling hat man den Eindruck, das Objekt wird dank seiner Stabilität und Stärke noch in vielen tausend Jahren dort stehen. Einer anderen Zeit entsprungen. jur

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Ein Uwo (unbekanntes Wohnobjekt) sichtet man im Berliner Grunewald. Eine Skulptur in Keramik und Glas, die eine neue Dimension des Wohnens bietet.

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93 Architektur GRAFT Gesellschaft von Architekten (Lars Krückeberg, Wolfram Putz, Thomas Willemeit) Web www.graftlab.com Projekt Villa M Kategorie Neubau Fassadenmaterial Keramik Fassadenfirma Vidrostone Adresse Berlin Bauherr Privat Planungsbeginn 04/2013 Fertigstellung 07/2016 Nutzfläche 529 m² Fotos 3

(1, 3) Frank Herfort, (2) Tobias Hein

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Schönes Sammlerstück Architektur Dreimeta Web www.dreimeta.com Projekt Urban Jungle Kategorie Umbau / Renovierung Adresse Augsburg Bauherr Privat Planungsbeginn 2013 Fertigstellung 2013 Nutzfläche 300 m² Foto Steve Herud / www.steveherud.com

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Wenn Sammler auf der ganzen Welt etwas verbindet, dann ist es im Allgemeinen eine wertschätzende Haltung gegenüber Dingen mit einer Geschichte. So erhielten die Architekten von Dreimeta in Augsburg einen kniffeligen Auftrag von ihrem Kunden, der selbst ein Gestalter mit Sinn für Sammlerstücke und besonderes Handwerk ist. Das Objekt, das behutsam saniert und aufgewertet werden sollte, war nämlich ein Bungalow aus dem Jahr 1969. Ein „versteckter Schatz mitten im Urban Jungle“ der Augsburger Innenstadt, wie die Architekten begeistert feststellten und sich ans Werk machten, „neuestes Wohnen mit dem Charakter des Hauses zu verbinden“. Die Idee für das Konzept war ein Gedankenspiel, denn es sollte quasi mit dem Kopf des Architekten von 1969 erdacht und erarbeitet werden. Die Frage, um die sich beim Umbau alles drehte, formuliert das Team von Dreimeta so: „Was hätte der Architekt des Hauses gemacht mit den Mitteln von heute?“ Nun, das werden wir wohl nie erfahren. Aber Dreimeta setzte auf jeden Fall eins oben drauf. Ein Stockwerk nämlich, sodass Wohnen und Arbeiten nunmehr auf drei Etagen in den Wipfeln der Bäume, die das Haus dreiseitig umstehen, stattfinden kann. Die 60 Quadratmeter große Aufstockung in Holzbauweise beherbergt nun das Wohnzimmer, Arbeitszimmer und ein Gästezimmer und ruht auf einer großzügigen Dachterrasse. Die Sanierung, abseits des neuen Stockwerks, konnte mit Wertschätzung für die hochwertige Substanz und mit behutsamen räumlichen Eingriffen durchgeführt werden. Nur ein gemauerter Rundbogen musste weichen, um klare Linien umsetzen zu können. Dennoch ist die Inneneinrichtung voller gewollter Brüche. „Die Küche, die Treppe, alle Türen und Einbauschränke sind Eigenentwürfe, der Tisch und die handwerklich extrem aufwendigen Schiebetüren wurden vom Bauherrn selbst angefertigt“, berichten die Architekten. Das stilistisch perfekt passende Küchenregal ist ein Entwurf von Dieter Rams. Mit dem Umbau wurde das Haus nicht nur funktional und gestalterisch aufgewertet. Die dekorativen Reisefundstücke aus aller Welt haben zusammen mit ihrem Sammler ein angemessenes Zuhause gefunden. sos


ARCHITONIC REPORT

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95 Wahre Größe zeigen Mit ehrlicher Zurückhaltung präsentiert sich das Haus in Magdeburg seinen Besuchern. Die Besonderheit daran? Es tut dies in einer Größenordnung von 225 Quadratmetern. Ein großer Hausbau, der sich durch klare Linien auszeichnet, der seine Funktionalität ausstellt, aber dennoch nicht nüchtern oder kühl wirkt, sondern – im Gegenteil – Wärme ausstrahlt: Das ist „Wohnen für vier“. Die Bauherren wollten einen minimalistischen Augenschmeichler in einer noch ländlich geprägten Vorstadtsiedlung, die vor allem mit Einfamilienhäusern aus den 1950er-Jahren bebaut ist. Hier, in der Welt der Satteldächer, eckt das kubische weiße Gebäude überraschenderweise nicht an, sondern fügt sich ein. Das liegt vor allem auch am Material Holz, das im hellen Inneren – als Holzbalken in der Dachkonstruktion – wie auch außen an der Verschalung der Eingangssituation und Garage sowie an den Holzlamellen für die großzügigen Fensterfronten üppig Verwendung fand. In der oberen Etage werden über eine Galerie auf der Ostseite die Kinderzimmer mit kleinem Bad und auf der Westseite das Schlafzimmer, die Ankleide und ein großes Badezimmer samt Sauna erschlossen. Andreas Müller und Sebastian Schulze von META architektur haben diese obere Etage ein Stück zurückversetzt und variieren sie zudem in der Höhe. Auch Details wie die am Eingang abgerundete Fassade lassen den Bau leichter und schlanker wirken. Besonders erwähnt sei noch das über zwei Etagen reichende Esszimmer, der lichtdurchflutete Mittelpunkt des Hauses, der alle Räume miteinander verbindet. Und so ist META architektur in Magdeburg ein Bau geglückt, wie man ihn viel zu selten sieht. Ein helles, lichtdurchflutetes Wohnhaus, das genügend Platz für eine Familie bietet, das großzügig ist, doch das sich gleichzeitig nicht als monumentaler Solitär von seiner Umgebung abschirmt, sondern sich offen, freundlich und überaus einladend gibt. mpe

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Architektur META architektur (Andreas Müller, Sebastian Schulze) Web www.metaarchitektur.de Projekt Wohnen für vier – Das perfekte Rezept Kategorie Neubau Fassadenmaterial WDVS Fassadenfirma HOC-Management GmbH Adresse Magdeburg Bauherr Privat Planungsbeginn 2013 Fertigstellung 2014 Nutzfläche 225 m² Kosten EUR 650.000,– Fotos Philipp Böhme / www.fotonen.eu


ALLES UNTER NEUEM LICHT – www.milano.de milano.design ... ist die erste Adresse im süddeutschen Raum für edle, exklusive Designerleuchten und steht für Markenqualität – nicht nur mit dem Schauraum Stuttgart, jetzt auch brandaktuell unter www.milano.de Highlights / Brands:

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HAUS AM SEE Aus den kargen Vorschriften der Bauordnung wurde ein lichtdurchflutetes Haus mit einem praktischen Nebengebäude an einem Schottersee gedrechselt. Außen besticht der mattbraune Baukörper durch schlichte Eleganz. Innen erzeugen differenzierte Raumhöhen, vorstehende Bauteile und ein abgegrabener Keller ungeahnte Weite. Eine direkte Bebauung des Ufers war wegen des stark schwankenden Pegels des Grundwassersees nicht möglich, doch durch die Auflösung des Volumens in Hauptund Nebengebäude gelang eine intensive Verschränkung von Wohnen, Gartenraum und Teich.

PRODUK T Swisspearl Fassadentafel NOBILIS ARCHITEK T DI Katha Nagy FOTOGRAF Herta Hurnaus

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„All in one“ mit Swisspearl Um das gegliederte Volumen, das sich aus all diesen Parametern und dem Raumkonzept ergab, als homogenes Ganzes zu fassen, hat sich die Architektin für ein einheitliches Material für Fassade und Dach entschieden und das äußere Strukturbild des Hauses weitgehend minimiert. Um auch auf Kellerniveau ins Freie treten und die Räume ausreichend natürlich belichten zu können, wurde ein Teil des Gartens abgesenkt. Diese Wanne bietet nicht nur die Intimität eines blickgeschützten Gartens, sondern ist auch wegen des starken Windes am Seeufer ein Labsal. Unter der Dachgaube stülpt sich im Norden die Stiege aus der Wetterseite, windgeschützt drückt sich die dunkel verkleidete Eingangsnische in die Westwand. Zwar ist das Vorzimmer nur 2,10 Meter hoch, doch gleich dahinter steigt die Decke an. An der Nordwand führt eine einläufige Treppe auf die Arbeitsgalerie, von der man die ganze Wohnebene überblickt. In die massive Mauerscheibe des Stiegenund Sanitärkerns sind Bücherregale und ein Kamin integriert, davor breitet sich der offene, verglaste Wohnbereich aus. Zur räumlichen Differenzierung und maximalen Ausnutzung der Kubatur wurden die Bereiche mit unterschiedlichen Raumhöhen ausgebildet und miteinander verschränkt. Das Esszimmer wurde erhöht realisiert, um vom Esstisch aus einen Blick auf den See zu haben, da man nicht direkt am See vorne bauen durfte. Dadurch konnte das darunter liegende Schlafzimmer mit einer Raumhöhe von 2,90 Metern realisiert werden. Andere Räume wie Bad, WC oder Eingangsbereich haben dafür nur eine Höhe von 2,10 Metern. Ein einheitlicher Bodenbelag (Industrieparkett) verstärkt die Verwobenheit der einzelnen Raumbereiche, die schlichte weiße Möblierung sorgt für zusätzliche Großzügigkeit. Das seenahe Nebengebäude mit 23 Quadratmeter Nutzfläche fungiert als Ruheraum und Gästezimmer ebenso wie als Schuppen und ist mit einer Sauna und einem Minibad ausgestattet. Der Entspannungsraum wurde an beiden Seiten, Richtung See und Richtung Haus, vollflächig verglast, um von der Terrasse des Haupthauses ebenfalls noch den Durchblick auf die Wasserfläche zu gewähren. Die Sauna hat ein kleines Fenster zum See, und es ist eine weitere Annehmlichkeit dieses Wohnhauses am Wasser, dass man unmittelbar nach dem Saunagenuss ins kühle Nass springen kann. www.swisspearl.de

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Die Klassische Moderne Östlich der Stuttgarter Innenstadt lag das in den 1960er-Jahren von den Architekten Traub entworfene Verwaltungsgebäude für den Haftpflichtverband der Deutschen Industrie. Schon damals machte man sich die für Stuttgart so typische topografische Situation der Halbhöhenlage zunutze und positionierte das Gebäude senkrecht zum Hang. Von der Stadt aus betrachtet, erschien der eigentlich dreigeschossige Baukörper zweigeschossig, sogar die Baumasse wurde als geringer und angemessen empfunden. Eine dezente braungraue Farbgebung der Fassaden unterstützte die optische Illusion noch zusätzlich. Die Liegenschaft verschmolz mit dem Grün der nahe gelegenen Uhlandshöhe und wurde Teil der „Stadtlandschaft“. 2010 plante man, das historische Verwaltungsgebäude in ein Wohn- und Bürohaus umzugestalten. Mit Rücksicht auf die Qualitäten des Ortes nahm man aber von einem kompletten Abbruch Abstand. Im beauftragten Team von wittfoht architekten ist man nämlich der Überzeugung, dass „Architektur mehr ist als nur die Erfüllung von Raumprogrammen. Es besteht ein offensichtlicher Zusammenhang

zwischen dem inneren Aufbau eines Gebäudes, seinem Ausdruck im öffentlichen Raum und dem Standpunkt, den es in Bezug auf das gesellschaftliche Zusammenleben einnimmt.“ Der daraufhin geplante und ausgeführte Umbau nahm die architektonischen Elemente und Prinzipien des Vorgängers auf und übersetzt sie in einen neuen, zeitgemäßen Kontext. Erhalten blieb die klassische Zweiteilung des Baukörpers in Gebäuderiegel und Sockel wie auch die Material- und Farbwahl. Als besondere Herausforderung in bautechnischer, energetischer und gestalterischer Hinsicht stellte sich die Fassade dar: Angelehnt an den Urzustand, bediente man sich im Hinblick auf die hybride Funktion (Wohn- und Bürogebäude) zwar eines zeitgemäßen Repertoires, die Fassaden des Treppenhauses und im Osten blieben bei der Neugestaltung aber erhalten. Dafür entschied man sich bei den zwei Obergeschossen für eine moderne Metall-Glas-Fassade mit neuen, zum Teil etagenhohen Fensterelementen. Besonders auf der Gartenseite intensivieren sie den Bezug zum Außenbereich. Der ursprünglich mit Naturstein versehene Sockel wurde saniert und

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mit hochwertigem Putz verkleidet. In hellem Grau setzt er sich so bewusst von den Obergeschossen ab und betont den „schwebenden Charakter“ des Riegels. Die räumlich-funktionale Aufteilung im Inneren sieht im Gegensatz zum Verwaltungsbau aus den 1960ern nun eine zweigeteilte Nutzung vor: Erdgeschoss und erstes Obergeschoss sind helle, großzügige Büroräume, die Wohnräume mit offenem Grundriss finden sich im zweiten Stock. Über die Wohnebene lässt sich auch die begrünte Dachfläche, die teilweise auch als Terrasse nutzbar ist, erreichen. Den oberen Abschluss formt eine metallicgraue Pergola. Erfahrung, kombiniert mit Innovation. Ein mehrfach ausgezeichnetes Architekturverständnis und ein sensibler Umgang mit dem historischen Erbe. anm

Architektur wittfoht architekten Web www.wittfoht-architekten.com Projekt S43 Kategorie Umbau Fassadenmaterial Metall-Glas Fassade aus eloxierten Aluminium­profilen mit Dreifachverglasung Fassaden­f irma Wicona / MBM Konstruktionen Adresse Stuttgart Bauherr Privat Planungsbeginn 06/2010 Fertigstellung 10/2013 Nutzfläche 396 m² Fotos Brigida González / www.brigidagonzalez.de


Scheunenräume Der Reiz des Bestandes haben die Architekten bei diesem Umbau voll ausgeschöpft und verstärkt. Mit Materialien, Fensterkörpern und viel Sinn für Raum.

Die Treppe aus feinen Holzprofilen führt nicht nur in die Privaträume der jungen Familie, sie ist auch als Raumteiler zwischen Foyer und Wohnbereich gedacht.

Wie man ein einfaches historisches Wirtschaftsgebäude perfekt in ein zeitgenössisches Wohnhaus und einen Firmensitz transformieren kann, zeigt das Projekt „Neue Räume in der Scheune“. Das Leipziger Büro Atelier ST hat hier eine ehemalige Scheune eines Vierseitgehöfts in der kleinen Ortschaft Sermuth im Naturraum Muldental bei Leipzig umgebaut. Wichtig war den Architekten, dass die historische Bausubstanz in ihrem Kern nicht verloren geht: Der Bestand leitete hier die Gestaltung. Spätere Anbauten wurden entfernt. Das nicht mehr Vorhandene durch Neues ersetzt. Der von außen elfenbeinfarben geschlämmte Bau mit den großen Fassadenöffnungen, dem offenen Dachstuhl im Inneren und dem Patio gewinnt seinen Reiz aus der Einfachheit der Materialien wie etwa des ortstypischen Schiefers. „Wir sind offen für alles, was unsere Kreativität weckt“, sagen die Architekten Silvia Schellenberg-Thaut und Sebastian Thaut – und diese Offenheit zeigt auch dieser mehrfach ausgezeichnete Entwurf. Aus Bekanntem entwickelten die beiden Planer eine originäre Architektur, die genauso viel Respekt vor dem Vorhandenen hat wie Mut, modern und funktional zu sein. „Intuition, Gefühl und Sinnlichkeit“ seien die Konstanten in der Architektur des Ateliers ST, so hat es Christina Budde, Kuratorin am Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt, einmal ausgedrückt. „Neue Räume in der Scheune“ ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man vorhandene Bausubstanz im ländlichen Raum bewahren und nutzen kann. Man beachte aber auch die vielen Details! Etwa die monumentalen Betoneinfassungen der Fenster und Türen oder die Holztreppe mit ihrer Brüstung, die an eine große Harfe denken lässt. mpe

MEHR VON ATELIER ST Projekt No. 1 Seite 6

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Architektur Atelier ST (Silvia Schellenberg-Thaut, Sebastian Thaut) Web www.atelier-st.de Projekt Neue Räume in der Scheune Kategorie Umbau Fassadenmaterial Mauerwerk Fassadenfirma MM Bau Werdau Adresse Großbothen / Sermuth Bauherr Privat Planungsbeginn 09/2010 Fertigstellung 06/2013 Nutzfläche 174 m² Wohnen und 244 m² Gewerbe Fotos Werner Huthmacher / www.werner-huthmacher.de

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„Eine nette Anekdote: Der Künstler hat seine Lebensgefährtin über das Gebäude gefunden. Sie ist Musikerin und hat angefragt, ob sie Fotos der Musikgruppe vor der Cortenstahlfassade machen dürfen. Dabei haben die beiden sich kennengelernt. Sie wohnt jetzt auch im Haus.“

„Wie ein Einzelstück Metall in der Wiese“ – Stephan Fabi über den „Solitär“

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MEHR VON FABI ARCHITEKTEN Projekt No. 56 Seite 100 / Projekt No. 57 Seite 102

„Atelier und Wohnhaus unter einen Hut bringen? Ganz einfach: Beides ist konsequent in links und rechts getrennt, sichtbar auch an der Fassade. Die Längsseite hat nur einen großen Öffnungsbereich, da ist der Wohnbereich dahinter. Alles, was nach Süden geschlossen ist, ist Atelier.“

Architektur fabi architekten Web www.fabi-architekten.de Projekt Solitär Kategorie Neubau Fassadenmaterial Cortenstahlplatten Adresse Blaibach Bauherr Leo Schötz Planungsbeginn 05/2014 Fertigstellung 12/2016 Nutzfläche 127 m2 Wohnen + 125 m2 Atelier Fotos Herbert Stolz / www.herbertstolz.de

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Leben auf Wipfelhöhe! Diesen Traum erfüllte sich ein Unternehmerpaar im Ruhestand. Ihr Penthouse in Freudenstadt verbindet den Rundumblick ins Grüne mit klarer Architektur und ausgesuchten Designermöbeln von architare www.architare.de

Im Wohnzimmer harmonieren der Sessel Grande Papilio von B & B Italia und der Vitra Schaukelstuhl RAR mit dem Redondo Sofa, das Patricia Urquiola für Moroso entworfen hat. Dazu kombinierte das architare Team einen Teppich von Kymo.

DESIGN M I T

W E I T B L I C K Text: NICOLE KNAUPP Fotos: MIRJAM FRUSCELLA & DANIELE MANDUZIO

Wie ein „Haus im Haus“ fühlt sich das Penthouse mit dem traumhaften Blick über das Christophstal und den Schwarzwald an. Die Wohnung belegt die komplette obere Etage des Mehrfamilienhauses. Ideal für den Bauherren, der mit seinem neuen Domizil in Freudenstadt den perfekten Altersruhesitz für sich und seine Frau plante. „Wir wollten Haus und Garten gegen eine Wohnung eintauschen, dabei aber auf keinen Fall auf Individualität und Privatsphäre verzichten,“ so der Hausherr. Gemeinsam mit der Schreinerei Ade plante und realisierte er den Innenausbau mit Küche, Bad, Schlafzimmer sowie Einbauschränken, die zugleich als Wände fungieren. Mit der Möblierung des neuen Domizils wurde architare beauftragt. Peter Hauber, Leiter des

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architare Standort Nagold, entwickelte für den designaffinen Bauherren das optimale Gestaltungskonzept – mit einem spannenden Mix aus Möbeln von Moroso und B&B Italia. Besonders beliebt bei den Bewohnern ist das Redondo Sofa von Moroso, dessen samtig weicher Stoffbezug mit den türkisfarbenen Holzschindeln der Wohnzimmerwand korrespondiert. Auch die Husk Stühle von B&B Italia vereinen modernen Komfort mit individuellem Design. Auf der Terrasse kombinierte das architare Team zu einem maßgefertigten Esstisch aus Corian die minimalistischen Stühle Forest von Weishäupl. So trübt nichts den Blick auf Wald und Himmel, zugleich stellen die feinen Verästelungen der Sitzschale auf leichtfüßige Art den Bezug zur Umgebung her.


„DER BAUHERR IST SEHR DESIGN AFFIN. GEMEINSAM ENTWICKELTEN WIR EIN MODERNES EINRICHTUNGSKONZEPT, DESSEN KLARHEIT DER NATUR VOR DEN FENSTERN DEN VORTRITT LÄSST, SICH ABER DEN NOCH BEHAGLICH UND WARM ANFÜHLT.“ PETER HAUBER R, LEITER DES ARCHITARE STANDORT NAGOLD

Grün soweit das Auge reicht: Die Terrasse scheint über dem Tal zu schweben. Zu dem maßgefertigten Tisch aus weißem Corian kombinierte architare die Stühle Forrest von Weishäupl, die mit ihren verästelten Sitzschalen das Waldthema modern interpretieren.

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Die Küche ist wie der Esstisch ein maßgefertigtes Einzelstück. Die Esszimmerstühle Husk von B & B Italia erinnern an weiche Capitonné-Möbel. Den Komfort der gesteppten Polsterung weiß der Hausherr auch im kleinen Herrenzimmer neben dem Wohnraum zu schätzen. Hier steht der Sessel von Patricia Urquiola vor einer Holzwand, die aus alten Schindeln angefertigt wurde.

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Ausblicke ohne Einblicke – nach diesem System wird das Haus „geschachtelt“, mit viel Luft und Licht im Inneren.

Ein Hauch von Hollywood Hills in Baden-Württemberg. Diesen Eindruck erhält der Besucher, wenn er zu dem Haus kommt, das am Südhang einer alten Schiefergrube im Raum Göppingen errichtet wurde. Die Aussicht ist unverbaubar, der Blick geht über das Filstal bis zur Schwäbischen Alb am Horizont. Wenn sich das Wetter dann auch noch ungeniert seinen Kapriolen hingibt, wird man Zeuge des einen oder anderen Naturschauspiels. Diese Lage schrie förmlich danach, sich nicht „zuzubauen“. Trotzdem war der Wunsch der Bauherren, eine Familie mit drei Kindern, nach Privatsphäre groß. Einerseits will man ganz in die Natur eintauchen, andererseits soll einem aber keiner auf den Teller schauen können. Patrick Schiller nahm mit seinem Büro Schiller Architektur die Herausforderung an. Neben der Offenheit der Räume berücksichtigte er bei seinem Entwurf alle weiteren Wünsche der Bauherren. Das Haus sollte zu einem späteren Zeitpunkt zu einem Zweifamilienhaus umgewandelt werden können, eine Doppelgarage aufweisen und ein niedriges Energieniveau besitzen, außerdem sollte es nachhaltig gebaut werden. Alle Vorgaben wurden umgesetzt, und es entstand eine wirklich besondere Immobilie, bei der man den Eindruck gewinnt, sie habe sich bescheiden und beeindruckend zugleich in ihre natürliche Umgebung integriert. Das Haus wurde mit seiner Nordseite an den Hang gebaut und wirkt so zunächst eingeschossig. Doch in südlicher Ausrichtung gibt es ein Untergeschoss, in dem sich die Kinderzimmer, Arbeitszimmer und Abstellräume befinden. Das untere Geschoss sowie das obere mit dem Elternschlafzimmer und den übrigen Wohnbereichen gewinnen ihre ganz besondere Note durch die umfangreiche Verglasung ihrer Räume. Ebenso überraschend ist die durchaus ungewöhnliche Raumhöhe von mindestens 3,75 Metern. Ein Haus, um sich zu entfalten, mit Privaträumen, die von außen nicht einsehbar sind. In dem auch an grauen Wintertagen das maximale Sonnenlicht eingefangen wird. Ein Haus, in dem man sich ans bodentiefe Fenster stellt, bis zur Alb blickt und diesen Hauch der Hollywood Hills verspürt. jur

Architektur Schiller Architektur Web www.schiller-architektur.de Projekt Einfamilienhaus im Kreis Göppingen Kategorie Neubau Fassaden­m aterial Putz / Eternit Adresse Raum Göppingen Bauherr Privat Fotos Brigida González / www.brigidagonzalez.de

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POLSTERKULTUR: WEICHER ALS WEICH www.cor.de

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Lässig, gemütlich, bodenständig — Moss von Jehs+Laub sorgt mit seinen weichen Kissen für Loungekultur mit Kuschelfaktor. Mit drei Sofabreiten und acht Sofa­ elementen plus Hocker lassen sich eine Vielzahl an Sitzlandschaften konfigurieren. Moss schwebt auf zier­ lichen Metallfüßen dezent über dem Boden.

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Tiefenentspannt – ein Zustand, den der Sofa­e ntwurf „Moss“ zum Programm macht. Auf dem neuen Polster­m öbel ruht man wie auf einem Bett aus Moos. Weder den genügsamen Softie noch die lässige Couch-Potato hatten die Designer Markus Jehs und Jürgen Laub vor Augen, wenn es um die Zielgruppen für das neue, besonders weiche und großzügige COR-Sofa geht. Ihnen schwebte von Beginn an eher vor, eine Art Diwan für das 21. Jahrhundert zu entwerfen. Mit Moss ist ein modernes Sitz- und Ruhemöbel entstanden, fast ein Liegemöbel – und formal eine Weiterentwicklung von Polstern, auf denen man einfach „nur“ gut und bequem sitzt. Geprägt ist der Designansatz von dem größtmöglichen Komfort. Realisiert in einer archaisch-reduzierten Formensprache, deren Elemente und Konturen wie aus einem Monolithen herausgearbeitet scheinen. Typisch COR, führt „Moss“ aber ein Eigenleben. Den monolithischen Möbelkörper segmentieren feine Einschnitte, von plastisch wirkenden Ziernähten (Paspeln) zusätzlich betont. Wie die großen Kissen mit sanftem Knautscheffekt sind auch die Seiten- und Rückenpartien sanft abgerundet; ein gestalterischer Kunstgriff zugunsten einer modernen, eher lässig-coolen Gesamtwirkung.

SITZKOMFORT IN REINKULTUR „Materialfülle und eine zur direkten Sitzfläche hin immer weicher werdende Polsterung mit Daunen zum Abschluss sind funktional begründet, keine luxuriöse Spielerei“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Leo Lübke. „Mit Moss verwirklichen wir unsere Idee von Sitzkomfort in Reinkultur. Wer auf ihm Platz nimmt oder ruht, soll sich sofort entspannen, fast ‚schweben’ können.“ Die Sitzmöbelmanufaktur übernimmt damit erneut Pionierfunktion. Die steigenden Bedürfnisse an einen ergonomischen Komfort durch die Verarbeitung volumenreicher Materialien umzusetzen ist bisher hauptsächlich im Premiumsegment der Betten- und Matratzenhersteller eine gängige Praxis. Sie berücksichtigt, dass die flexible Anpassungsfähigkeit von Polstern an die Körperkonturen und das individuelle Gewicht erhebliche Vorteile für die Wirbelsäule und das allgemeine Wohlbefinden bietet.

DIWAN FÜR DAS 21. JAHRHUNDERT Auf der imm cologne 2018 in Köln wird Moss zum ersten Mal dem internationalen Publikum vorgestellt – als weichstes, bequemstes Modell der Gesamtkollektion, auf dem man ebenso gut sitzen wie liegen kann. COR hat damit die Loungeidee zugunsten eines modernen, dennoch sehr gemütlichen Diwans weiterentwickelt. Dessen Kulturgeschichte reicht bis ins antike Persien und Osmanische Reich zurück, führt im Mittelalter nach Europa, im Empire vor allem nach Frankreich. In Österreich, an der Schwelle zum Orient, sind die Begriffe Sofa und Diwan gleichbedeutend. Wie man diesen heute am besten nutzt, entscheiden Sie selbst! Seine Wiege steht in jedem Fall in Rheda-Wiedenbrück.

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ArchitekturSouvenir

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Foto Privat

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Unten Familienleben, oben Arbeit: Die loftartige Wohnung mit Hallencharakter bringt beides unter einen Hut.

Erst Trafo-Station, zwischendurch Souvenirshop, nun Einfamilienhaus: Dieses Haus hat eine ungewöhnliche Geschichte. 2013 erhielten die Bauherren den Zuschlag zum Kauf dieses denkmalgeschützten Gebäudes. Danach begann eine mit drei Jahren recht lange Realisierungsphase, die 2015 unterbrochen werden musste. Da wurde das historische Bauwerk nämlich als Souvenirshop für die auf dem Gelände stattfindende Landesgartenschau verwendet, was einen zwischenzeitlichen Baustopp erforderte. Trotz einjähriger Pause wurde mit der Werkgemeinschaft Landau ein behutsames Konzept für die ehemalige Trafo-Station auf dem Kasernengelände „Estienne et Foch“ in Landau umgesetzt. Einerseits galt es, dem historischen Charakter gerecht zu werden und den Umbau denkmalgerecht zu gestalten. Zum anderen war die Vision energieeffizientes und nachhaltiges Wohnen. Mittels sanfter architektonischer Eingriffe konnte dies trotz einer Totalsanierung realisiert werden. Das Innere des Hauses erhielt eine klare und zeitgenössische Ausrichtung, bei der Sprossenfenster und Stahlstützen sowie der hallenartige Charakter als Reminiszenz an die über 100

Jahre alte Bausubstanz bestehen bleiben. Das äußere Erscheinungsbild blieb weitgehend unangetastet. Für die Bauherren entstand ein loftartiges Wohngefühl, bei dem geselliges Leben mit Kindern und konzen­ triertes Arbeiten eine gelungene Symbiose eingehen. Deshalb schwebt die Arbeitsgalerie ein wenig abgekapselt über dem Wohnbereich – den kann man von hier aus als Zentrum des familiären Geschehens überblicken und sich später dazugesellen. Zentraler Ankerpunkt für die Familie ist ein luftiger Wohnraum, der Esszimmer und Küche integriert und über neue Tür- und Fensteröffnungen in direkter Verbindung zu Garten und Terrasse steht. Tritt man ins Grüne hinaus, befindet man sich immer noch in stadträumlicher Lage. Im Laufe der Zeit wandelte sich das Stadtviertel und besteht nun aus einer Mischung aus historischen Kasernengebäuden und modernen Bauten; verkehrsberuhigt und doch zentral. Kein Wunder, dass sich dieses Familienhaus hier perfekt integriert. Und auch mit Preisen gewürdigt wurde. 2017 erhielt das Haus einen Preis beim Tag der Architektur sowie den Sonderpreis für die beste Modernisierung von Schöner Wohnen. mip

Architektur Werkgemeinschaft Landau Freie Architekten (Jürgen Sebastian, Carolin Seegmüller, Peter Sebastian) Web www.wgld.de Projekt Gebäude 068 Kategorie Umbau Fassadenmaterial Bestehende Ziegelfassade mit Porenbeton-Innendämmung Adresse Landau Bauherr Katharina und Timo Rinck Planungsbeginn 09/2013 Fertigstellung 07/2016 Nutz­f läche 185 m2 Kosten EUR 570.000,– Fotos Nikolay Kazakov / www.kazakov.de

Geschichtsträchtig ist hier sogar der Esstisch, ist er doch aus Bauholz gefertigt.

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Büro W E R KG E M E I N S C H A F T L A N DAU A R C H I T E K T E N , R H E I N L A N D - P FA L Z / Haus R H E I N L A N D - P FA L Z


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DIE ARCHITEKTUR DES GUTEN GESCHMACKS

Deckenhohe Baumstämme aus dem Schwarzwald, vertikal vor der Glasfassade gruppiert, symbolisieren die stabilen Säulen der Tradition und den Ursprung von Gaggenau. Warme Farben der Echtholzelemente setzen einen Kontrapunkt zu den Gerätekombinationen aus Edelstahl und Glas.

MÜNCHEN: ERSTER SHOWROOM IN DEUTSCHLAND Gaggenau steht für Ästhetik, Design, Perfektion – und Kochkultur. Das Unternehmen, dessen Geschichte bis ins Jahr 1683 zurückreicht, hat mit international prämierten Einbaugeräten die private Küche immer wieder revolutioniert. Im ersten Showroom in Deutschland, im Münchner Stadtteil Bogenhausen, ist die faszinierende Welt der Traditionsmarke erlebbar. Hier stellt Gaggenau die Vielfalt der Geräte vor, vermittelt Wissen und zelebriert Koch- und Genusskultur auf höchstem Niveau.

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Gaggenau × 100 Häuser


A DV E R T O R I A L

INTERNATIONALES SHOWROOM-KONZEPT Weltweit ist Gaggenau in über 50 Ländern mit Flagship‑Showrooms in den Metropolen vertreten. Jeder Showroom vermittelt die faszinierende Markenwelt von Gaggenau und greift in seiner jeweiligen Architektur lokale Gegebenheiten und kulturelle Elemente auf – auch bei den neuen Standorten in London, Wien und München. Das Architekturbüro eins:33 aus München gestaltet alle Showrooms von Gaggenau.

MARKENERLEBNIS MIT ALLEN SINNEN Mit den Einbaugeräten zeigt der Hersteller exklusiver Hausgeräte in den Showrooms, wie sich professioneller Anspruch in der privaten Küche umsetzen lässt. Bei Genussveranstaltungen können Kunden feststellen, welche Technik ihren Kochgewohnheiten am besten entspricht. Neben regelmäßigen Kochevents zur Information über Bedienung, Anwendung und Pflege der Geräte inszeniert Gaggenau in den Showrooms ein wahres kulinarisches Feuerwerk mit Spitzenköchen, Spitzenwinzern und weiteren Experten.

www.gaggenau.com

www.gaggenau-showroom.de

www.gaggenau-genusswelt.de

Gaggenau × 100 Häuser

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PRO DU K TE

WOLKENUNIKAT Was macht man aus einem ausrangierten Flugzeug? Die Piloten – und prämierten Designer – Marius Krämer und Julian Schneider entwickeln aus ausrangierten Flugzeugteilen einzigartige Möbel und Designelemente. Die raffinierte Umsetzung gepaart mit dem Industrial Chic der Stücke verleihen den Objekten einen unvergleichlichen Charme. Seitenruder werden zu Tischen, Triebwerkeinlässe zu Whirlpools, Frontscheiben zu Beistelltischen oder Teile von Bordwänden zu Regalen. Nachdem die Flugzeugteile in jedem Winkel der Erde waren, bekommen sie eine neue Funktion, behalten aber ihren originalen Charakter. Die Passagierfenster werden so zu Wandbars und dienen als einzigartige Stellfläche für das letzte Reisesouvenir. Die Anzahl der Fenster ist individuell wählbar und somit auch die Größe. Mit der Plakette der Flugzeugdaten wird jedes Stück von Flugzeugmoebel zu einem Unikat und erzeugt nicht nur über den Wolken eine besondere Atmosphäre.

www.flugzeugmoebel.de

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PRODUKTE


PRO DU K TE

EINFACH SCHÖN Drei unterschiedliche, formschön taillierte Leuchtentypen ergeben die Familie Pretty von Nyta. Die vielfach preisgekrönte deutsche Lichtmarke Nyta setzt sich aus drei passionierten Leuchtendesignern zusammen, die eine Leidenschaft verfolgen: Leuchten zu gestalten, die ansprechen, überzeugen und selbstverständlich wirken. Die Familie Pretty besitzt eine elegante, weich fließende und klare Silhouette, die in einem aufwendigen handwerklichen Prozess aus einem Stück gewonnen wird. Die Metallschirme können matt oder glänzend in den Farben Schwarz oder Weiß lackiert sein und bieten je nach Anforderung eine unterschiedliche Form an. Pretty wide erzeugt offenes, direktes Licht. Pretty long kreiert einen klaren, schmalen, fokussierten Lichtkegel und Pretty small ist einfach die kleine, klassische Variante. Ein schlichter dreifacher Lichtgenuss.

www.nyta.eu

PRODUKTE

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PRO DU K TE

EINGEPENDELT Tradition und Qualität vereint mit zeitlosem, funktionalem Design. Dieses Motto vereinen David Einsiedler und Joke Rasch, seit 2016 Inhaber der historischen Leuchtenmarke Midgard, bei der Pendelleuchte K 831. Die Designer greifen dabei auf einen Leuchtenklassiker der Firma Kandem aus dem Jahre 1931 zurück. Bei der Re-Edition orientierten sie sich ganz bewusst an dem Funktionsprinzip des ursprünglichen, durch das Bauhaus geprägten Entwurfs, interpretieren diesen jedoch in Hinsicht auf Form und Material zeitgemäß. Das wichtigste gestalterische Merkmal der K 831 ist – damals wie heute – der rundum schwenkbare Reflektor. Nicht nur beim Metallschirm, sondern auch während der ganzen Herstellung kommen traditionelle Materialien und Fertigungstechniken zum Einsatz. Die ausschließlich in Deutschland produzierte Kollektion bietet ein breites Farb- und Materialspektrum an, neben unterschiedlichen Schirmvarianten kann auch das höhenverstellbare Kabel in verschiedenen Farben gewählt werden. Die daraus resultierende hohe Individualisierbarkeit in Kombination mit der flexiblen Lichtsteuerung macht die K 831 zu einer zeitlosen und universell einsetzbaren Pendelleuchte.

www.midgard.com

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PRODUKTE


PRO DU K TE

BEFLÜGELNDES FARBENSPIEL Afrika, Afrika – ein Kontinent reich an unzähligen Inspirationsquellen für Kreative, wie auch Tord Boontje mit seinem Design „Shadowy“ für Moroso beweist. Es ist Teil des Projekts M’Afrique, eine Möbelserie, die die Einzigartigkeit, Vielseitigkeit – und den Farbenreichtum – des Kontinents ausdrückt. Die Shadowy Kollektion zeigt eine moderne, funktionale Herangehensweise an die Form, wobei man die alten afrikanischen Handwerkstechniken besonders berücksichtigte. Die Bespannung der handbemalten Stahlrohre besteht aus gewebten Kunststoff­ fäden, die in Afrika üblicherweise Verwendung bei Fischernetzen finden. Deshalb sind die Objekte besonders widerstandsfähig gegen Sonne, Wasser und Abnutzung. Die Muster von Stuhl, Hocker und Chaiselongue sind in vielen Farben und Farbkombinationen erhältlich und werden von lokalen afrikanischen Handwerkern hergestellt. Die leichten, schwungvollen und bezaubernden Formen von Shadowy holen – nicht nur atmosphärisch – ein Stück Afrika in den Garten.

www.moroso.it

PRODUKTE

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ARC H ITEK TEN - IN DE X

100 ADRESSEN BA D E N W Ü RT TE M BE RG AMP Architekten www.amp-architekten.de Ludwigsburg Projekt No. 23 Seite 49 bächlemeid architekten stadtplaner www.baechlemeid.de Konstanz Projekt No. 48 Seite 88 Bamann Architekten www.bamann-architekten.de Heidenheim Projekt No. 86 Seite 152 Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten www.bhundf.com Stuttgart Projekt No. 28 Seite 56 f m b architekten www.fmb-architekten.de Stuttgart Projekt No. 32 Seite 62 Frank Heinz, Freier Architekt www.roeder-heinz.de Waldkirch Projekt No. 67 Seite 116 Kai Dongus Freier Architekt www.dongus.com Ludwigsburg Projekt No. 90 Seite 162 Langensteiner Bienhaus Architekten www.langensteiner-bienhaus.de Ettlingen Projekt No. 21 Seite 46 lohrmannarchitekt www.lohrmannarchitekt.de Stuttgart Projekt No. 87 Seite 154 m3 architekten www.m3-architekten.com Stuttgart Projekt No. 70 Seite 120 Philipp Architekten www.philipparchitekten.de Waldenburg Projekt No. 68 Seite 118 Schiller Architektur www.schiller-architektur.de Uhingen Projekt No. 99 Seite 188

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INDEX

Steimle Architekten www.steimle-architekten.com Stuttgart Projekt No. 13 Seite 30 u3ba Architekten www.u3ba.de Stuttgart Projekt No. 49 Seite 89 wittfoht architekten www.wittfoht-architekten.com Stuttgart Projekt No. 96 Seite 182 Yonder – Architektur und Design www.studioyonder.de Stuttgart Projekt No. 73 Seite 128 Reichel Schlaier Architekten www.reichel-schlaier.de Stuttgart Projekt No. 14 Seite 36 Projekt No. 74 Seite 129

BAY E R N arcs architekten www.arcs.de München Projekt No. 51 Seite 92 ARNOLD / WERNER www.arnoldwerner.com München Projekt No. 26 Seite 52 Beer Bembé Dellinger Architekten www.bbdarch.de Greifenberg Projekt No. 8 Seite 20 Berschneider + Berschneider Architekten + Innenarchitekten www.berschneider.com Pilsach Projekt No. 17 Seite 40 Projekt No. 18 Seite 42 Projekt No. 69 Seite 119 Dreimeta www.dreimeta.com Augsburg Projekt No. 94 Seite 176 fabi architekten www.fabi-architekten.de Regensburg Projekt No. 56 Seite 100 Projekt No. 57 Seite 102 Projekt No. 98 Seite 184

Gassner und Zarecky Architekten und Ingenieure www.gassner-zarecky.de Riemerling bei München Projekt No. 76 Seite 133 KÜHNLEIN Architektur www.kuehnlein-architektur.de Berching Projekt No. 15 Seite 37 Projekt No. 34 Seite 65

BE R L I N Anne Lampen Architekten www.anne-lampen.de Berlin Projekt No. 42 Seite 80 ATELIER ZAFARI www.atelier-zafari.com Berlin Projekt No. 27 Seite 54 Projekt No. 50 Seite 90

landau + kindelbacher Architekten Innenarchitekten www.landaukindelbacher.de München Projekt No. 60 Seite 106

Barkow Leibinger www.barkowleibinger.com Berlin Projekt No. 43 Seite 81

Max Otto Zitzelsberger www.claudiaundmax.de München Projekt No. 16 Seite 38

Büros für Konstruktivismus www.buerofuerkonstruktivismus.de Berlin Projekt No. 77 Seite 136

Meese Architekten www.meese-architekten.de Aichach Projekt No. 30 Seite 58

GRAFT Gesellschaft von Architekten www.graftlab.ocm Berlin Projekt No. 39 Seite 74 Projekt No. 93 Seite 174

Nils Holger Moormann www.moormann.de Aschau im Chiemgau Projekt No. 78 Seite 137 Studio für Architektur Bernd Vordermeier www.studio.berndvordermeier.com Ortenburg Projekt No. 46 Seite 86 studioRauch www.studiorauch.com München Projekt No. 63 Seite 110 su und z Architekten www.suundz.de München Projekt No. 82 Seite 145 Thomas Pscherer Architekt www.pscherer-architekt.de München Projekt No. 89 Seite 160 tillicharchitektur www.tillicharchitektur.de München Projekt No. 26 Seite 52 WSM Architekten www.wsm-architekten.com Pöcking Projekt No. 59 Seite 105

J. MAYER. H Architekten www.jmayerh.de Berlin Projekt No. 37 Seite 70 Projekt No. 47 Seite 87 Klaus Schlosser Architekten www.klausschlosserarchitekten.com Berlin Projekt No. 79 Seite 138 LIN Architekten Urbanisten www.lin-a.com Berlin Projekt No. 53 Seite 94 Modersohn & Freiesleben Architekten Partnerschaft www.mofrei.de Berlin Projekt No. 84 Seite 147 Nataliya Sukhova Transstruktura – Architektur Stadt Objekt www.transstruktura.com Berlin Projekt No. 72 Seite 126 PAC – Project Architecture Company www.project.ac Berlin Projekt No. 9 Seite 21 Praeger Richter Architekten www.praegerrichter.de Berlin Projekt No. 40 Seite 78


ARC H ITEK TEN - IN DE X

100 ARCHITEKTEN REICHWALDSCHULTZ www.reichwaldschultz.de Berlin Projekt No. 31 Seite 60 scarchitekten Berlin www.scarchitekten.de Berlin Projekt No. 29 Seite 57 SPANS associates www.spans-associates.com Berlin Projekt No. 92 Seite 172 Thomas Baecker Bettina Kraus www.tbbk.de Berlin Projekt No. 35 Seite 67 Thomas Kröger Architekten www.thomaskroeger.net Berlin Projekt No. 3 Seite 10

BR E M E N Wirth Architekten www.wirth-architekten.com Bremen Projekt No. 20 Seite 45

H ESS E N Christ.Christ.associated architects www.christ-christ.cc Wiesbaden Projekt No. 38 Seite 73

Roland Unterbusch Architekt www.rolandunterbusch.com Rostock Projekt No. 5 Seite 14

N I E D E R SAC H S E N Braunholz Architekten www.braunholz-architekten.de Lüneburg Projekt No. 52 Seite 93 NIEBERG ARCHITECT www.nieberg-architect.de Hannover Projekt No. 6 Seite 16 K17 Steingräber. Architektur Tim Grimme www.k17office.de Uslar Projekt No. 12 Seite 28 VICKERS ARCHITEKTEN www.vickersarchitekten.de Lingen Projekt No. 61 Seite 108

NORDRHEINW ESTFA L E N Geitner Architekten www.geitnerarchitekten.de Düsseldorf Projekt No. 62 Seite 109 Georg Döring Architekten www.doering-architekten.de Düsseldorf Projekt No. 71 Seite 122

gronych + dollega architekten www.gronych-dollega.de Wetzlar Projekt No. 33 Seite 64

HPA+ Architektur www.hpa.de Köln Projekt No. 44 Seite 82

JOP Architekten www.jop-architekten.com Frankfurt am Main Projekt No. 75 Seite 130

mvm+starke architekten www.mvm-starke.de Köln Projekt No. 4 Seite 12

MIND AC www.mind-ac.com Mainz-Bischofsheim Projekt No. 85 Seite 150

one fine day – office for architectural design www.o-f- d.net Düsseldorf Projekt No. 7 Seite 18

M EC K L E N BU RG VO R P OM M E R N Futurarc Holger Borgwardt www.futurarc.de Rostock Projekt No. 45 Seite 84

Rinsdorf Ströcker Architekten www.rsarchitekten.com Lippstadt Projekt No. 80 Seite 140

Wichmann Architekten Ingenieure www.wichmann-architekten.de Neuss Projekt No. 64 Seite 112 ZHAC Zweering Helmus Architektur + Consulting www.zhac.de Aachen Projekt No. 41 Seite 79 Projekt No. 11 Seite 26

R H E I N L A N D - PFA L Z MÜLLERS BÜRO Architektur & Design www.muellersbuero.de Vollmersweiler Projekt No. 66 Seite 114 Werkgemeinschaft Landau Freie Architekten www.wgld.de Landau Projekt No. 100 Seite 192

SAC H S E N Atelier ST www.atelier-st.de Leipzig Projekt No. 1 Seite 6 Projekt No. 97 Seite 183 bla° Blässe Laser Architekten Partnerschaft www.bla-architekten.com Leipzig Projekt No. 2 Seite 8 quartier vier – Herberg | Siebeck | Wortelkamp Architekten Landschaftsarchitekten www.quartiervier.com Leipzig Projekt No. 19 Seite 43 Projekt No. 65 Seite 113 Schoener und Panzer Architekten www.supa.info Leipzig Projekt No. 25 Seite 51

SAC H S E N -A N H A LT META architektur www.metaarchitektur.de Magdeburg Projekt No. 95 Seite 178

S C H L ES W I G H O L STE I N BLK2 Böge Lindner K2 Architekten www.blk2.de Kiel Projekt No. 36 Seite 69

TH Ü R I N G E N Osterwold°Schmidt EXP!ANDER Architekten www.osterwold-schmidt.de Weimar Projekt No. 91 Seite 164 Tectum Hille • Kobelt Architekten www.tectum.de Weimar Projekt No. 24 Seite 50

I NTE R N ATI O N A L Alfredo Häberli Design Development www.alfredo-haeberli.com Zürich Projekt No. 10 Seite 24 archipel architekten www.archipel.at Wien Projekt No. 54 Seite 96 Baumeister Jürgen Haller www.juergenhaller.at Mellau Projekt No. 88 Seite 156 Döllmann Design + Architektur www.doellmann.eu Wien Projekt No. 58 Seite 104 Miriam Poch Architektin www.miriampoch.com Zürich Projekt No. 9 Seite 21 Paul de Ruiter Architects www.paulderuiter.nl Amsterdam Projekt No. 22 Seite 48 ÜberRaum Architects www.uber-raum.com London Projekt No. 81 Seite 142 Vécsey Schmidt Architekten www.vsarch.ch Basel Projekt No. 55 Seite 98

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Mehr von 100 Häuser:

100 FERIEN Häuser Ausgabe 2017 Paperback, 23 × 33 cm, 176 Seiten, Abb. in Farbe, 14,90 Euro

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www.vfmk.org

Impressum 100 DEUTSCHE HÄUSER AUSGABE 2017/18 Das größere Magazin für Architektur-Kultur und Kult-Architektur

Herausgeber und Medieninhaber 100 Medien GmbH Pelzetleite 65, D-90614 Ammerndorf www.100medien.de Chefredaktion (verantwortlich) Manuela Hötzl, mh@100haeuser.de Creative Direction Ralf Herms / Rosebud, rh@rosebud-inc.com Redaktion Rosa Schaberl, rs@100medien.com Autoren Rosanna Atzara (roa), Erik Czejka (erc), Julia Gmeiner (jug), Manuela Hötzl (mah), Andreas Maurer (anm), Marc Peschke (mpe), Michaela Putz (mip), Julia Riefenstahl (jur), Tanja Rose (tar), Rosa Schaberl (ros), Sonja Schneider (sos), Ina Volkmer (inv) Design Cristina Bianchi / Rosebud Lektorat Renate Messenbäck, Johannes Payer Head of Marketing & Sales Andreas Hofstätter M: +49 152 54561426 ah@100haeuser.de

Titelbild Projekt No. 75, Seite 130 Architektur: JOP Architekten, Hessen Foto: Richard Pflaume / www.richardpflaume.com Verlag VfmK Verlag für moderne Kunst GmbH www.vfmk.org Vertrieb Morawa Pressevertrieb GmbH www.morawa.com DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH www.dpv.de Redaktionsanschrift 100 Medien GmbH Pelzetleite 65, D-90614 Ammerndorf T +49 172 894 22 90 Büro Österreich Salmgasse 4a, A-1030 Wien T +43 1 535 49 70 Anzeigen & Marketing THE 5 Schönblickstraße 45 D–72221 Haiterbach

Copyrights Alle Texte, Bilder, Grafiken in dieser Publikation unterliegen dem Schutz des Urheberrechts und anderer Schutzgesetze. Die Textrechte liegen bei den Autoren. Auszugsweiser Nachdruck mit Quellenangabe ist gestattet, sofern die Redaktion davon informiert wird. Der Inhalt dieser Publikation darf nicht zu kommerziellen Zwecken kopiert, verbreitet, verändert oder Dritten zugänglich gemacht werden. Einige Seiten enthalten außerdem Bilder, die dem Copyright Dritter unterliegen. Gesetzliche Hinweise Diese Publikation wurde mit größtmöglicher Sorgfalt zusammengestellt. Trotzdem kann der Herausgeber für die Fehlerfreiheit und Genauigkeit der enthaltenen Informationen nicht garantieren. Die Redaktion sichert zu, dass alle Angaben entsprechend den geltenden datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich behandelt werden. Die Pläne wurden freundlicherweise von den Planungsbüros zur Verfügung gestellt und zur besseren Lesbarkeit teilweise geringfügig überarbeitet. Vereinzelt wird in Texten auf Produkte, Marken oder Firmen hingewiesen. Dies geschieht ausschließlich unter inhaltlichen Gesichtspunkten und dient dem besseren Verständnis. Bezahlte Inhalte sind entsprechend gekennzeichnet. Wir sind der kompromisslosen Gleichberechtigung der Geschlechter verpflichtet. Und doch verwenden wir die maskuline Schreibweise von Personenbezeichnungen – zur besseren Lesbarkeit unserer Beiträge. DPV Deutscher Pressevertrieb ISSN: 4-190147-414900 Buchhandelsvertrieb Verlag für moderne Kunst ISBN: 978-3-903228-70-2 Einzelheftpreis Deutschland: 14,90 Euro Österreich: 14,90 Euro Schweiz: 22,50 sfr Luxemburg: 14,90 Euro

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