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ZEIT Campus #3/24 Schwerpunkt Female Leadership in Science

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GUT ZU WISSEN

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Interview: Merle Hubert

Frau Rouvray, Sie leiten »Innovative Frauen im Fokus«: Weniger als ein Drittel der Professuren in Deutschland sind weiblich besetzt. Woran liegt das? Erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts dürfen F ­ rauen an Unis studieren. Dabei geht wissenschaftliche Forschung bis in die Antike zurück. Bis heute werden F ­ rauen im Wissenschaftssystem strukturell benachteiligt. Warum? Bis zum Ende der Promotion ist das Geschlechterverhältnis laut Statistischem Bundesamt nahezu paritätisch: Rund 46 Prozent der Promovierenden sind weiblich. Erst danach entscheiden sich viele ­Frauen gegen eine Karriere in der Wissenschaft. Denn: Professuren sind hart umkämpft. Auf dem Weg dahin sind Arbeitsverträge meist befristet, manchmal sogar nur auf ein halbes Jahr. Das reicht nicht zum Forschen und bedeutet, dass man immer wieder finanzielle Unsicherheit aushalten muss. Leider ist es zudem nach wie vor besonders für ­Frauen schwer, eine wissenschaftliche Karriere und Kinderbetreuung zu vereinbaren, beispielsweise wenn man zu bestimmten Zeiten im Labor sein muss. Wie können die Bedingungen für ­Frauen in der Wissenschaft verbessert werden? Es gibt verschiedene Stellschrauben: In den Strukturen der Hochschulen gibt es bisher keine Chancengleichheit. Die Politik möchte das ändern, etwa indem mehr Stellen für Professorinnen geschaffen werden. Ziel ist es, den Frauenanteil in Spitzenpositionen zu erhöhen. Außerdem braucht es mehr weibliche Vorbilder in der Öffentlichkeit. Bislang sind zum Beispiel etwa drei Viertel der interviewten Expert:innen in TV-Formaten männlich, wie eine Studie der Uni Rostock aus dem Jahr 2021 zu Sichtbarkeit und Vielfalt gezeigt hat. Auch bei wissenschaftlichen Preisverleihungen werden ­Frauen bei gleicher Expertise seltener nominiert und ausgezeichnet. Ich finde: Wissenschaftlerinnen

IN ZAHLEN

33 % der weltweit in der Wissenschaft Beschäftigten sind laut der Unesco Frauen. Besonders unausgeglichen: die Mint-Fächer.

65 aller 921 Nobelpreisträger:innen zwischen 1901 und 2023 waren Frauen. Letztes Jahr bekamen vier Frauen den Nobelpreis.

2,6 % stieg der Frauenanteil in der Forschung laut Destatis im letzten Jahrzehnt. Damit ist Deutschland im EU-Vergleich das Schlusslicht.

Christina Rouvray leitet das Metavorhaben »Innovative Frauen im ­Fokus«, das vom BMBF unterstützt wird.

können auch auf ihre Expertise aufmerksam machen. Wie können Frauen das angehen? In Fachzeitschriften veröffentlichen, Vorträge halten oder Konferenzen besuchen, all das hilft dabei, bekannter zu werden. Außerdem gibt es Expertinnen-Datenbanken, um besser auffindbar zu sein, wie beispielsweise Speakerinnen.org oder unser Projekt Innovative-Frauen.de, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Es ist sinnvoll, Social-­Media-­Platt­for­men wie Linked­In, Instagram oder X zu nutzen, um eine breite Öffentlichkeit außerhalb der eigenen Wissenschaftsdisziplin auf seine Forschung aufmerksam zu machen. An welchen Vorbildern können sich junge Wissenschaftlerinnen orientieren? Die Naturwissenschaftlerin Amelie Reigel zum Beispiel dreht @diewissenschaftlerin Videos über ihre Forschung und veröffentlicht sie auf TikTok und Instagram. Die Psychologin Sophie Elschner zeichnet zu ihrer Forschung Comics @psychosophcomic. Außerdem sind Podcastformate beliebt wie der »Zweimal 2X«-Podcast über, von und mit F ­ rauen in der Wissenschaft. Was ist noch wichtig? Wenn man eine Karriere in der Wissenschaft anstrebt, hilft es, sich früh Fähigkeiten im Bereich Social Media anzueignen wie auch in der Wissenschaftskommunikation. Es gibt verschiedene Schulungen, an denen man bereits im Masterstudium teilnehmen kann. Ich würde als Erstes an der eigenen Hochschule danach suchen. Auch »Spark-Speyer«, ein vom BMBF gefördertes Projekt, bietet Workshops an. Außerdem findet man beim Nationalen Institut für Wissenschaftskommunikation Inspiration und Best-Practice-Beispiele. Wer möchte, kann sich an die Initiatoren von PhDSciCom auf Instagram wenden und sich bei den ersten Schritten, etwa bei der Produktion von kurzen Videos, helfen lassen.

Foto: privat; Quellen: Noble Prize Outreach 2023, Unesco Science Report

Wie können Forscherinnen sichtbarer werden?


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