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Das Kulturmagazin im Bergischen Land 01/2019 Januar-März

die beste Zeit ISSN 18695205

Geburtstag 150 Jahre Else Lasker-Schüler Porträt Universitätsgalerie Oktogon im Klophauspark Auszeichnung Glanzstoff – Akademie der inklusiven Künste Zukunft Bergische Klimagespräche 2018 Tanztheater Neue Doppelspitze – Neuer Aufbruch

01/ 2 019 J a n u a r - M ä r z / 5. 8 0 €


Stu_besteZeit_2019 16.11.18 17:56 Seite 1

Börse im Keller?

Knospe, Spaten und Feines – für die kommende Gartensaison

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Editorial Liebe Leserinnen, lieber Leser. Friedrich Engels ist länger tot als Else Lasker-Schüler. Am Ende ihres Lebens waren beide fast gleichaltrig, nämlich 75 Jahre alt. Der Barmer starb 1895 in London. Die Elberfelderin 1945 in Jerusalem. In der Fremde. Beide sind zeitlos. Während er auf den Verstand zielt, trifft sie mit ihren Texten und Bildern ins Herz. Gemeinsam ist ihnen auch, dass sich bis heute die Meinungen über sie spalten. Mit dem „Else Lasker-SchülerJahr 2019“ und dem „Engels-Jahr 2020“ scheinen jedoch beide in ihrer Heimatstadt angekommen zu sein. Else Lasker-Schüler also. Entweder man mag sie. Oder man lehnt sie ab. Man hat sie in viele Schubladen gesteckt: Königin der Bohème, Pionierin des literarischen Expressionismus, Poetin der Zeichenfeder, „erste Performerin“ (Yehuda Amichai), „größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte (Benn), „stärkste und unwegsamste lyrische Erscheinung des modernen Deutschland“ (Karl Kraus). „Alkoholikerin“ (Kafka). Der Dichter Klabund sagte über sie: „Else LaskerSchüler trägt ihr Herz an einer goldenen Kette um den Hals. Sie ist ohne Scham: jeder darf es betrachten.“ Zusammen mit Engels und der ebenfalls lange umstrittenen Pina Bausch gehört Else Lasker-Schüler zu den „kulturellen Helden Wuppertals“ (Nick Dmitriev). Eine schillernde Heldin mit zahlreichen Pseudonymen wie Jussuff, Tino von Bagdad oder Indianer. Man muss sich auf sie einlassen. Wie etwa der Wuppertaler Wolfgang Schmidtke, einer von mehr als 450 Komponisten, die ihre Lyrik vertonten: „Weil es da immer wieder Gefühle und Bilder gibt, die Innerstes spiegeln und verträumt sind – und im nächsten Moment von der Außenwelt durchbrochen werden und ins Schmerzhafte umschlagen.“ Johannes Rau hielt „die wunderbare Künstlerin“ für unpolitisch. Welch ein Trugschluss. Wer von des Kaisers Polizei mit Vortragsverbot im „Cabaret zum Peter Hille“ belegt wird, wer gegen die Diskriminierungsparagrafen 175 (Homosexuelle) und 218 (Abort) polemisiert, den Antisemitismus als Erbkrankheit anprangert - der soll unpolitisch sein? Auch wusste Else Lasker-Schüler, dass Presse- und Meinungsfreiheit nicht uneingeschränkt die der Autoren ist. Mit ihrer Streitschrift „Ich räume auf“ wendet sie sich gegen die Macht der Verleger, die sie ausbeuten und ihres

„stolzesten Besitzes“ berauben. Ganz schön mutig für eine alleinerziehende Mutter, die mit diesem Pamphlet an dem Ast sitzt, auf dem die angeblich so Apolitische sitzt. Mit dem „Malik“ schrieb sie 1919 lange vor Remarque den Antikriegsroman schlechthin. Ihr erstes Theaterstück „Die Wupper“ – gewidmet ihrer Geburtsstadt - ist nicht nur eine Milieustudie über die da unten und die da oben, sondern thematisiert (damals ungewöhnlich) auch Vergewaltigung und Exhibitionismus, während sie in ihrem zweiten Bühnenwerk „Arthur Aronymus“ mit poetischer Wucht den Antisemitismus in christlich-jüdischer Versöhnung münden lässt. Ihr letztes Drama „IchundIch“ (1941) ist eine Antifaschismus-Tragikomödie, welche Faust angesichts des Grauens vor die Gretchenfrage der deutschen Kultur stellt. Else Lasker-Schüler stellt sie. Dazu ist in diesem „Else-Jahr“ ein „Perspektivwechsel“ festzustellen. Damit meine ich nicht nur die Beiträge über die Galeristen Grölle und Zheleznyak oder die alternativen Spielstätten ort und LOCH, sondern die Haltung der Stadt Wuppertal, die im Jubiläumsjahr erfreulicherweise mit der ELS-Gesellschaft und anderen Vereinen kooperiert. Andere Blickwinkel eröffnet auch Heiner Bontrup. Er porträtiert gleich zwei starke Frauen: Else Lasker-Schüler, die das Recht auf Fantasie und damit die Würde des Menschen auch in den Zeiten des Staatsterrors verteidigt, und die frühere Pina Bausch-Tänzerin Chrystel Guillebeaud. Sie setzt sich in „Dein Femur singt“ mit der Sterblichkeit auseinander. Was die beiden sonst so ungleichen Künstlerinnen miteinander verbindet, ist der Humor. Hajo Jahn Gründer und Vorsitzender der Else-Lasker-Schülergesellschaft


Inhalt 04 Else Lasker-Schülers Weltfluchten

Meinwärts

Galerie GRÖLLE PASS PROJECTS

Perspektivenwechsel

4 12

Die Universitätsgalerie Oktogon im Klophauspark

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft 18

12

Bruder-Klaus-Kapelle in Wachendorf

Dem Himmel nah

„LOCH“ und „ort“ ausgezeichnet

Bundesweiter APPLAUS Von Jazz und Kammermusik

Wuppertals Third Stream Glanzstoff – Akademie der inklusiven Künste e.V.

„Wir gehören einfach auf die Bühne“ Lauren Schubbe, Inspizient am Opernhaus

Funktionieren wie ein Uhrwerk

18

24 2

Party in Hagen, Neuentdeckung in Wuppertal

Opernhighlights

24 30 32 36 42 46


36 Das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch

Ärmel aufkrempeln

Petrichor – eine Kolumne von MC Graeff

Klebenslänglich!

Chrystel Guiellebeauds Tanz mit dem Tod

Dein Femur singt

Künstlerbuch – Michael Zeller, Jorgo Schäfer

Luft nur

Bergische Klimagespräche 2018

Kunst und Transformation Buchvorstellung

Die große Transformation Neue Kunstbücher vorgestellt von Thomas Hirsch

Mit System

Paragrafenreiter

Die Kunst des Feierns Ausstellungen, Bühne, Musik, Kino

52 57 58

42

60 62 69 70 72

Kulturtipps Verkaufsstellen

73

Impressum

80

46

79

58 3


Meinwärts Else Lasker-Schülers Weltfluchten

Ich war 13 oder 14, und mein Lieblingsort war eine alte Buchhandlung in meiner Heimatstadt. Beim Stöbern fiel mir ein Gedichtband in die Hände: „Lyrik des expressionistischen Jahrzehnts“ - mit einem Geleitwort von Gottfried Benn. In diesem Band begegnete ich zum ersten Mal den Gedichten von Else Lasker-Schüler. Ich erinnere mich, dass mir ihre Gedichte in diesem Bändchen wie Fremdkörper vorkamen. Abgesehen von ihren Versen und denen Georg Trakls durchwehte ein nüchterner, ein böser und anklagender Ton die Verse. Größer konnte der Kontrast der Lyrik Else Lasker-Schülers nicht sein als etwa zu der Gottfried Benns, dessen literarische Mentorin und Geliebte sie wurde. Benn, der als Pathologe tagsüber Leichen sezierte und nachts Gedichte schrieb, schaute mit einem mitleidlosen Blick auf die Wirklichkeit. In den Morgue-Gedichten nimmt er den Leser an die Hand, führt ihn durch die „Krebsbaracke“ und konfrontiert ihn - obszön mit dem Voyeurismus des Lesers spielend - mit der physischen Seite menschlichen Leidens. Bei Else Lasker-Schüler nichts davon: kein Zynismus, kein poetisches Lautsprechertum, keine lyrischen Zampanoiaden, kein „Ecce homo-Pathos“, keine Menschheits-, keine Götterdämmerung. Stattdessen Elegien, die nicht nach außen, sondern nach innen tönen - wie etwa in der letzten Strophe des Gedichtes „Lied an Gott“: 4


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Foto links: Else Lasker-Schüler war eine der ersten Künstlerinnen, die ihre Sprachkunst öffentlich inszenierte: einer früher Vorläuferin der Performance-Kunst Seite 7: Else Lasker-Schülers Laufbahn begann als Poetin der Zeichenfeder: Hier ein Selbstbildnis als alttestamentarischer Jussuf (Joseph).

Vater war ein wohlhabender Privatbankier, Else erlebte ihn als Beschützer der Familie und als einen salomonischen, gütigen Mann. Ihre Mutter war für sie der „große Engel, der neben mir ging“.

Wo ende ich? – O Gott!! Denn in die Sterne, auch in den Mond seh ich, in alle Deiner Früchte Tal Der rote Wein wird schon in der Beere und überall – die Bitternis – in jedem Kerne.

Else Lasker-Schüler spricht „meinwärts“, eine ihrer unnachahmlichen Wortneuschöpfungen, die die Fluchtbewegung ihrer Poesie so treffend beschreibt. Ihre männlichen Zeitgenossen klagen, fluchen, wenden ihre Wut ob des unkontrollierten Wachstums der Städte, der Naturzerstörung, der verlogenen politischen Parolen des Kaiserreichs in Zynismus und Pathos. Sie aber wendet sich vor allem nach innen. Diese Unterschiede waren mir damals nicht bewusst; merkwürdig fremd blieben mir ihre Gedichte. Zu viel Mond und zu viele Sterne waren mir darin: verblichene Sprachbilder vergangener Epochen. Das änderte sich, als ich begann, mich mit der Lebensgeschichte Else LaskerSchülers zu beschäftigen: Else Schüler wuchs sehr behütet am unteren Rand des vornehmen Briller Viertels auf, in dem die durch Textilproduktion und -handel reich gewordenen Elberfelder Bürger sich niedergelassen hatten. Der

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So beschützt sie sich in ihrer Familie fühlte, so angsteinflößend, so fremd erschien dem Kind zum Teil die Welt außerhalb. Sie erlebt antisemitische Hänseleien der Nachbarskinder und hat einen sehr sensiblen und genauen Blick für die Ungleichheit der Lebensverhältnisse im Tal der Wupper; Bilder bitterer Armut und latenter oder auch offener Aggression prägen sich bei ihr ein bei ihren Spaziergängen mit dem Vater durch die Arbeiterquartiere der Nordstadt. Die damit einhergehende soziale Frage wird sie später in dem surreal-naturalistischen Drama „Die Wupper“ verarbeiten und den Magischen Realismus auf der Bühne vorwegnehmen. Seismografisch nimmt Else Schüler die Stimmungen um sich herum wahr. In ihrer Innenwelt beginnt sie, der Spur der Bilder, die vor ihrem geistigen Auge ablaufen, zu folgen. Es ist der Ursprungsort ihrer Einkehr ins Ich und der Ausgangspunkt ihrer Fantasiereisen, die sie später zu großer Literatur machen wird. Else war das Wunderkind ihrer Familie; mit vier Jahren konnte sie bereits lesen und schreiben. Ihre Begabung hat sie nicht in einem akademischen Sinn fruchtbar gemacht, stattdessen wurde sie „weltflüchtig“. Das lag nicht nur an den Umständen, die es klugen Frauen schwer machten, in einer von Männern dominierten akademischen und literarischen Welt Erfolg zu haben. Es lag auch an ihr selbst. Weltflüchtig begibt sie sich hinein in ihre Anderwelt, ihr nowhere land. Hier spinnt sie sich ein: „Fäden möchte ich um mich ziehn“. Aber von hier aus spinnt sie sich auch aus: in die reale Welt, in der sie lebt. Dieses nowhere land ihrer Kindheit ist der Ort, an den sie immer wieder zurückkehren wird, wenn die Katastrophen des Lebens sie einholen. Auch sie und ihre Familie bleiben von Schicksalsschlägen nicht verschont. Die 13-Jährige erlebt den Tod des Lieblingsbruders Paul; als sie 21 Jahre jung ist, stirbt ihre Mutter. Die bald darauf geschlossene Ehe mit dem Arzt Berthold Lasker scheitert. Ihren Sohn Paul zieht sie alleine groß. Zehn Jahre verbringt sie mit ihrem zweiten Ehemann Herwarth


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Walden, dem Herausgeber des Zentralorgans des Expressionismus, bis er sie für eine jüngere Künstlerin verlässt: eine tiefe Kränkung. Sie rächt sich so fantasievoll wie zielgenau. In ihrem Fortsetzungsroman „Mein Herz“, den sie in der von Walden herausgegeben Zeitschrift veröffentlicht, setzt sie ihm mit einem ominösen Orientalen Hörner auf.

Politisches Verhängnis Nachdem 1927 ihr Sohn Paul nach langer Krankheit gestorben war, zog sie sich fast vollständig aus dem öffentlichen literarischen Leben zurück. Nach der Machtergreifung der Nazis werden ihre Bücher verbrannt, sie wird auf offener Straße von einem SA-Trupp geschlagen und geht bereits 1933 in die Schweiz. Obwohl ihr Versöhnungsstück „Arthur Aronymus und seine Väter“ im Schauspielhaus Zürich unter großem Beifall aufgeführt wurde – in der ersten Reihe sitzt Thomas Mann –, wird sie zur persona non grata erklärt. Sie erhält, wahrscheinlich auf Druck des „Reichs“, Publikationsverbot. Das kommt für sie – für die Schreiben und Publizieren wie Atmen ist – einem Todesurteil gleich. Nach einer Palästinareise verweigert die Schweiz ihr die Heimreise; der Zweite Weltkrieg ist ausgebrochen. Mit 70 sitzt sie nun in Jerusalem fest, muss wieder von vorne anfangen. Dort schreibt sie mit „IchundIch“ ihr wohl schwierigstes, ihr tiefstes Werk. Im Labyrinth dieses Dramas und seines Personals spiegelt sie sich selbst und ihr Leben. Das Stück ist Spectaculum Mundi, Welttheater wie Goethes Faust: ein Parforceritt vom Himmel durch die Welt zur Hölle, ein Danse Macabre, in dem sich die hellen und die dunklen Gestalten Deutschlands begegnen: Goethe und Goebbels, Faust und Schirach, Mephisto und Ribbentrop. Zugleich ist dieses Stück eine Meditation über sie selbst und ihren Ort in der Welt – mitten im Exil. In dieser Zeit entsteht auch die berühmte Gedichtsammlung „Mein blaues Klavier“. Woher nahm sie diese Kraft zum Überleben, diese psychische Widerstandsfähigkeit? Sie war von den furchtbaren Ereignissen ihres Lebens existentiell tief berührt, aber es ist auffällig, dass Else Lasker-Schüler an den Krisenpunkten ihres Lebens in literarischer Hinsicht besonders produktiv wurde. Sie kehrt dann – wie sie es schon als Kind tat – „meinwärts“ ein. Das Niemandsland ihrer Kindheit, das Reich der Fantasie, gestaltete sie um in das Land ihrer Dichtung. Sie schreibt Gedichte, die bis heute zu den Wunderwerken deutscher Sprache zählen, beispielsweise „Mein Alter Tibetteppich“. Für Karl Kraus gehörte dieses Gedicht „zu den entzückendsten und ergreifendsten, die ich je gelesen habe, und 8

Die erste Postkarte von Franz Marc an Else Lasker-Schüler: Es war der Anfang einer langen Korrespondenz aus Briefen und Postkarten und zugleich der Beginn einer großen Freundschaft.

wenige von Goethe abwärts gibt es, in denen so wie in diesem Tibetteppich Sinn und Klang, Wort und Bild, Sprache und Seele verwoben sind.“ Mehr als die Städte Zürich und Jerusalem ist die Dichtung Else Lasker-Schülers wahrer Fluchtpunkt. Sie spinnt sich hinein in andere Leben und in fremde, exotische Welten, die doch nur Spiegelungen ihres eigenen Daseins sind. Legendär ist ihre fantasievolle Kurzbiografie in der von Kurt Pinthus 1919 herausgegebenen Anthologie „Menschheitsdämmerung“: „Ich bin in Theben geboren, wenn ich auch in Elberfeld zur Welt kam im Rheinland. Ich ging bis elf Jahre in die Schule, wurde Robinson, lebte fünf Jahre im Morgenlande, und seitdem vegetiere ich.“ Für die im rheinländischen Theben, also in Elberfeld, Geborene werden vornehmlich orientalische und alttestamentarische Figuren zu den Projektionsflächen ihrer IchKonstruktion. Mit sich selbst und ihren Figuren treibt sie Mimikry, sie entwirft immer neue Selbstbilder und Bilder


schen Briefroman, der zwischen den Zeiten, dem realen Kriegsgeschehen und der mythischen Ebene hin- und herwechselt. Marc ist für sie Ruben aus der Bibel oder Ruben Marc von Cana. Menschen werden zu Wiedergängern, tauchen auf magische Weise über Jahrtausende und Kontinente hinweg wieder auf. So werden Figuren im Imaginationsraum ihrer Dichtung zu Wiedergeburten, zu Archetypen, zum privatmythologischen Personal ihrer ganz eigenen Welt(-sicht), zeitübergreifend, Spiegelungen ihrer poetischen Imagination, durch die sie den Wesenskern eines Menschen freilegt und ihn zugleich mythisch überhöht. In ihrer bildmächtigen und filmischen Art zu schreiben, ist sie ihrer Zeit voraus. Transpersonal und transtemporal ihre poetische Welt konstruierend, mit den sexuellen Identitäten spielend, mit Drogen experimentierend, eine Aussteigerin aus der Welt von Gestern (Stefan Zweig) und weit jenseits der Komfortzone bürgerlicher Sicherheit und „machtgeschützter Innerlichkeit“ (Thomas Mann) durchhaltend, erscheinen Leben und Werk Else Lasker-Schülers, retrospektiv betrachtet, wie ein Vorspiel avantgardistischer Entwicklungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Eine der seltener publizierten fotografischen Portraits von Else Lasker-Schüler.

der ihr nahe stehenden Menschen. Immer wieder häutet sie sich. Als Tino, Jussuf, Malik und Abigail der (!) Erste spielt sie nicht nur mit dem grammatischen Geschlecht, sondern auch mit der sexuellen Identität. Franz Marc gesteht sie in einem ihrer Briefe, die sie in ihren opiumgeschwängerten und sexuell unerfüllten Nächten in der Berliner Dachmansarde – „den Sternen ganz nah“ – schrieb: „In der Nacht spiele ich mit mir Liebste und Liebster; eigentlich sind wir zwei Jungens. Das ist das keuscheste Liebesspiel auf der Welt; kein Hinweis auf den Unterschied, Liebe ohne Zweck und Ziel, holde Unzucht.“

Vorreiterin Mitten in der Urkatastrophe des 20. Jahrhundert, den sie den „Wildkrieg“ nennt, wird ihr Theben zu einer Chiffre für ihre Utopie, bei der die Poesie alle kriegerischen Auseinandersetzungen überwindet. Frieden, die tiefe Sehnsucht und der Urgrund aller Religionen, ist der eigentliche Topos dieses Thebens, das auf den Landkarten dieser Welt nicht zu finden ist. Aus den wirklichen Briefen an Franz Marc gestaltet sie einen fiktiven avantgardisti-

In der Inszenierung der Einheit von Leben und Werk, in der Selbstmythisierung, in der Behauptung der Kunst als einer Gegenwelt, die Wirklichkeit transformieren kann, ist sie Beuys‘ Konzept der sozialen Plastik und den Künstlern der Fluxus-Bewegung nahe: „Es geht um in das Leben einwirkende Produktionsprozesse und nicht um die Abschottung der Kunst vor dem Leben. Das Kunstwerk ist ein Leben, und das Kunstwerk ist Leben“, beschreibt Emmet Williams die Fluxus-Programmatik. Worte, die sich mühelos auf Else Lasker-Schüler übertragen lassen. Ihre Dichtungen sind Rückzugsorte poetischen Spiels, Schreiben und Dichten Akte der Verteidigung der eigenen Würde und damit stellvertretend der Würde des Menschen überhaupt. Gegen den Wirklichkeitssinn stellt sie den Möglichkeitssinn und das utopische Denken. Mit ihrer Lyrik und Prosa behauptet sie das Existenzrecht der Fantasie und der Poesie als Heimstatt menschlicher Würde gegen Krieg und Staatsterror. Heiner Bontrup Heiner Bontrup hat in Wuppertal Germanistik und Philosophie studiert. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft sowie Gründer und Künstlerischer Leiter des Theaters Anderwelten. www.theater-anderwelten.de 9


Ich bin verliebt in meine zahnbröckelnde Stadt So schreibt Else Lasker-Schüler in ihrem berühmten Essay „Elberfeld im dreihundertjährigen Jubiläumsschmuck“. Darin macht sie ebenso wie mit ihrem Schauspiel „Die Wupper“ ihrer Geburtsstadt eine einzigartige Liebeserklärung. Die malende Dichterin ist „stolz auf ihre Schwebebahn. Immer fliegt mit Tausendgetöse das Bahnschiff durch die Lüfte über dem Wasser auf schweren Ringfüßen durch Elberfeld.“ Es ist Zeit, dass die Stadt, ihre Künstler und Vereine Else Lasker-Schüler ihre Referenz erweisen: Meinwärts ist der Obertitel der Veranstaltungen in ihrem 150. Geburtsjahr – und zugleich eine der vielen fantasievollen Wortschöpfungen der Sprachalchimistin aus dem Wupper-Tal. Mit Meinwärts endet ihr Gedicht „Weltflucht“, jedoch nicht die damit verbundene Thematik, die in die Gegenwart fortgeschrieben wird. So schlagen einige der Veranstaltungen in diesem Jubiläumsjahr den Bogen in unsere Zeit: etwa bei den jugendlichen Rappern, die sich der Lyrik des „Prinzen von Theben“ am 2. Februar in der Uni-Halle annehmen. Oder bei dem Multimedia-Stück über die drei Weltreligionen am 11. Februar im Mendelssohn-Saal der Elberfelder Stadthalle, wo die Dichterin am 22. Oktober 1912 ihre letzte Lesung in der Schwebebahnstadt hatte. Hier auch gibt es um 19.30 Uhr zum offiziellen Auftakt des Jubiläums eine Uraufführung der erfolgreichen Tänzerin Chystel Guillebeaud. Sie hat sich als Vorlage für ihre Performance das „Kartoffelpuffer“-Gedicht ausgesucht. Das Schauspiel-Ensemble von Thomas Braus trägt die unvergleichlichen Texte der „Unangepassten“ vor. Manga-Kurse in den Stadtbibliotheken Wuppertal und Solingen vermitteln Mädchen und Jungen die Kindheit von „Elsken“. Die war behütet, zugleich aber auch überschattet von Judenhass. Die Biografie der ins Exil geflüchteten Künstlerin ist die Brücke zur Diskussion über Antisemitismus am 3. März um 11 Uhr in der Bergischen Volkshochschule in Wuppertal, hochkarätig besetzt u. a. mit dem deutsch-ägyptischen Bestsellerautor Hamed Abdel Samad, 10

Präses Manfred Rekowski und Rudolf Dressler, moderiert von Marion von Haaren (WDR). Die Else Lasker-Schüler-Gesellschaft bemüht sich seit fast drei Jahrzehnen im In- und Ausland, von Polen über Tschechien, die Schweiz, Italien, Österreich und natürlich bis Israel, um Werk und Andenken der Dichterin. Dieser Einsatz bescherte uns das Manuskript „Wie ich Else Lasker-Schüler erlebte“, das in einem aufwendigen Magazin erstmals zum Jubiläumsjahr publiziert wird: Die Autorin Avital BenChorin stand der Künstlerin in Jerusalem näher als viele andere Zeitzeugen. Wir haben für unsere Beiträge dem aus dem Kulturamt vorgeschlagenen titelgebenden Wortspiel Meinwärts eine Ergänzung hinzugefügt: Das Herz der Avantgarde. Das spiegelt sich in den Exklusiv-Beiträgen von Bazon Brock, Gerold Theobalt, Klaus Becker, Heiner Bontrup, Ulrich Klan und Andreas Steffens. Letzterer nimmt expressis verbis Bezug auf das zunächst umstrittene, erst spät als genial erkannte Bühnenwerk Ichundich, das ebenso wie das bei Gerold Theobalt in Auftrag gegebene Theaterstück Prinz Jussuf von Theben (mit Folkwang-Schauspielstudenten) auch in Israel aufgeführt werden soll. Aber dies ist zum Redaktionsschluss noch ebenso ungewiss wie die Realisierung des Vorschlags, zum Geburtstag der „Versöhnerin“ eine Wuppertaler Städtepartnerschaft mit der palästinensischen Kommune Dura einzugehen. Die 1937 als „entartet“ beschlagnahmten Bilder der Künstlerin werden mit Werken ihrer Malerfreunde von „Blauer Reiter“ und „Brücke“ so erstmals im Von der Heydt-Museum ausgestellt. Damit scheint Else Lasker-Schüler, die häufig Umstrittene, endgültig angekommen zu sein bei ihren „Wuppermenschen“. Hajo Jahn Vorsitzender der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft


Meinwärts – Das Herz der Avantgarde 150. Geburtstag von Else Lasker-Schüler

Termine Januar – März 2019 Donnerstag, 24. Januar, 19 Uhr Glücksbuchladen, Friedrichstr. 52 Thomas Sparr liest aus „Grunewald

im Orient“

Samstag, 2. Februar, 11 Uhr Unihalle Wuppertal, Albert-Einstein-Str. 20

Cyrill & Maybe, zwei junge Rapper begegnen Else-Lasker-Schüler Donnerstag, 7. Februar, 11 Uhr Junior-Universität, Am Brögel 31

Präsentation der neuen Else Lasker-Schüler-Briefmarke Montag, 11. Februar, 19.30 Uhr Stadthalle Mendelssohnsaal, Johannisberg 40 Festabend am Geburtstag von Else Lasker-Schüler Meinwärts – Das Herz der Avantgarde

Chrystel Guillebeaud: Hommage an Else Lasker-Schüler, Tanzperformance zum „Kartoffelpuffer“ Wuppertaler Bühnen: Schauspieler rezitieren Els-Texte

Else Lasker-Schüler - Die Unangepasste Die Redner, Saarbrücken:

Credo – Multimediastück über die drei Weltreligionen Donnerstag, 14. Februar bis Samstag, 23. März Stadtbibliothek Wuppertal, Kolpingstr. 8 Collagen zu Els von Larissa Scheermann

Ausstellung „Töchter der Lilith“

Freitag, 1. März bis Donnerstag, 2. Mai Stadtsparkassen-Filiale Barmen, Rolingswerth 2 Ausstellung

Die Else Lasker-Schüler-Gesellschaft stellt sich vor – Fotos und Plakate Freitag, 1. März, 19.30 Uhr Theater am Engelsgarten, Engelsstr. 18

Tanz und Mysterium – Hommage für Charlotte Bara Compagnia Tiziana Arnaboldi vom Teatro s. Materno, Ascona (ch), Martin Dreyfuss, Zürich, Einführung

Zwischen den Stühlen: Helene Stöcker Uraufführung, Soloabend von und mit Beate Rüter Sonntag, 3. März, 11 Uhr Bergische VHS, Auer Schulstraße 20 Podiumsdiskussion

Antisemitismus – der Erbende verarmt Gehört der Judenhass zu Deutschland? Donnerstag, 21. März, 19 Uhr Buchhandlung von Mackensen, Laurentiusstr. 12

Ein Bündel Wegerich

Christa Ludwig liest aus ihrem Els-Roman. Else Lasker-Schüler Gesellschafte.V. Herzogstraße 42, 42103 Wuppertal vorstand@else-lasker-gesellschaft.de www.else-lasker-gesellschaft.de 11


Perspektivenwechsel Galerie GRร–LLE PASS PROJECTS

Pablo de Lillo - Interrupted Standards, Foto : Grรถlle pp

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Bert Didillon - Whatever, Foto: Ann Christine Freuwörth

Wenn er telefoniere, sagt der Galerist, stehe er meistens vor dem Fenster. Wenn ich an Jürgen Grölle denke, stellt sich vor meinem inneren Auge sofort dieser sensationelle Ausblick ein: Ich sehe einen gewaltigen Doppelpfeiler des Schwebebahngerüstes, der fest im Keller der Galerie verankert ist. Durch die eleganten, diagonalen Verstrebungen sehe ich unten die unermüdlich vor sich hin fließende Wupper, oben donnert in regelmäßigem Takt die Schwebebahn vorbei, gegenüber erstrecken sich lieblos gemauerte Rückseiten von Fabrikgebäuden. Innen sind die Galerieräume von der Sonne ausgeleuchtet. Vor mir also der Fluss, hinter mir die Kunst. Beim Blick nach draußen kann ich träumen, wende ich mich um, bin ich gefordert und muss mich denkend der Kunst stellen. Die macht es einem nicht leicht, ist sperrig, abweisend, witzig, verrückt, eigenwillig, ungefällig, meistens, jede Ausstellung eine neue Herausforderung, die Räume jedes Mal anders.

Perspektivenwechsel: Zwischen Träumen, Denken und Handeln eine Position zu finden, ja, träumend zu handeln, markiert den Lebensweg von Jürgen Grölle. Dessen Rasanz ist nichts für schwache Nerven, nicht umsonst nennt er seine Galerie GRÖLLE PASS PROJECTS. Als Galerist wird man nicht geboren. Heute i s t Jürgen Grölle seine Galerie. Eine eher indirekte Begegnung mit dieser Lebensaufgabe hatte er bereits im Haus des Architekten Heinz Rasch, 13


Isabel Kerkermeier - TAKKT, Foto : Ann Christine Freuwörth

wo der junge Maler sein erstes Atelier mietete. Hier überraschten ihn Bilder der „Bauhaushelden“, die schief und verstaubt an den Wänden hingen. Für Grölle war Rasch wegen seines unkonventionellen, vorurteilslosen und eher unheiligen Umganges mit der Kunst von Anfang an vorbildhaft: „Wie findet man als Galerist seinen Stil, wie weit kann man zulassen, dass Paradoxien sich befruchten? Wie kann eine Galerie zum Gewinn für eine Stadt werden?“ Bis dahin sollte es noch Jahrzehnte dauern! Staccato: Die 80er-Jahre waren für Jürgen Grölle turbulent. Schon als Maler verweigerte er sich dem gängigen Kunstbetrieb, Inhalt war ihm immer wichtiger, als karrieristischen Ehrgeiz zu entwickeln: „Künstler müssen nicht meinen, dass die Welt ihnen etwas schulde.“ Nach der Ausbildung zum Elektriker und dem Fachabitur studierte Grölle nicht nur Kommunikationsdesign, sondern machte auch Musik: 14

„Ich habe Saxofon gespielt, obwohl ich es gar nicht konnte, und die Leute mochten das.“ Die Improvisationen mit der Künstlergruppe „SKOLA“ war „höchste künstlerische Verdichtung, und wir hatten Megaspaß in der Vorbereitung. Es hat sich eine ungeheurere kreative Gravitation entwickelt. Ich habe gelernt, im Team zu arbeiten, zu arrangieren und zu improvisieren. Das Gesamtkunstwerk wurde gelebt. Damals hatte ich schon die Vorstellung, noch einmal ganz woanders hinzugehen.“ Es sollte nicht bei diesem ersten Atelier bleiben. Im zweiten Atelier stellte Grölle bereits Arbeiten seiner Kommilitonen aus. Auch dabei blieb es nicht, während zweier Studienjahre in Wien organisierte er interdisziplinäre Festivals. Zurück in Wuppertal mietete Grölle ein Atelier am Brögel. Auch hier eine Vorahnung: Heute, als Dozent an der „Junior Uni“, hat er von seinem Lieblingsarbeitszimmer aus denselben Blick wie damals aus dem Atelier. Die in Wien gewonnene Erweiterung des kreativen organisatorischen Horizontes nutzte Grölle für die Planung und Durchführung von zwei Großveranstaltungen: 1985 fand in einer Autowerkstatt in Oberbarmen vor über 800 Zuschau-


ern “Perpetuum Moda“ statt. Ein Jahr später folgte in der damals völlig heruntergekommenen Hofaue die legendäre Aktion „PostNukleare Aktionstage nach Tschernobyl“, an der über 30 international renommierte Künstler teilnahmen. Das war für Grölle ein Kick. Damals intensivierte sich die Ahnung, dass er noch etwas anderes könne als malen: “Irgendwie fühlte ich da schon eine andere Seite in mir. Aber so weit war es noch nicht.“ 1990 wurde der erste Sohn geboren – für Jürgen Grölle eine Wendezeit. Er beschloss, sich als Künstler zu professionalisieren: „Vorher habe ich nur geträumt, war alles Spaß, dann habe ich Ernst gemacht.“ Dazu gehörte auch der Kauf eines Hauses, das er sich „zusammengemalt“ hat. Grölle, dessen Großvater eine Schreinerei besaß und der selbst gelernter Elektriker ist, entpuppte sich auch als Dachdecker. Dieses bedingungslose Zupacken, dieses unmittelbare Handeln bedeutet auch, dass es für Jürgen Grölle keine Probleme gibt: Bevor diese sich überhaupt auftürmen können, hat er längst eine rettende Idee.

1999 lagerte Grölle seine Bilder ein, gab das Atelier auf und ging für mehrere Monate nach Chicago, eingeladen von einer Galeristin, die ihn auf der „art cologne“ entdeckt hatte. Ein Transferstipendium ermöglichte einen mehrwöchigen Aufenthalt in Nordspanien. Die damals geknüpften Verbindungen sollten für die spätere Galeriearbeit maßgeblich werden. Zurück in Wuppertal musste wieder einmal ein Atelier gefunden werden. Von der Schwebebahn aus entdeckte Jürgen Grölle das Gelände an der Friedrich-Ebert-Straße 143, auf dem sich heute die Galerie befindet. Dort mietete er eine ehemalige Autowerkstatt, unnötig zu sagen, dass er wochenlang damit beschäftigt war, Schrott zu entrümpeln. Mit Beginn des neuen Jahrtausends arbeitete Grölle, erst im Atelier und später in der Galerie, über die Volkshochschule, „Alpha“ und „Profil“, mit schwer vermittelbaren Jugendlichen und Langzeitarbeitslosen. Die Arbeit mit diesen Menschen war für ihn von großer Bedeutung: „Ich konnte das so erfolgreich machen, weil ich durch die Kunst und durch das Musikmachen die Fähigkeit entwickelt habe, immer wieder neu anzufangen, immer wieder zu improvisieren, immer wieder auf die Bühne zu gehen und zu fragen: Wo geht die Reise hin?“ Diese Einstellung

Jürgen Plamtag - De Bakelland, Foto : Grölle pp

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Kunstessen-Essen zur Kunst Désirée Angelkorte zur Ausstellung Julio Rondo, Foto : Grölle pp

SUB:BAR Konzerts im Galeriekeller - Lisa Hofmann, Foto: Grölle pp

lebte er vor: „Ich kann jedem von ihnen gegenübertreten wie einem Kunstwerk, frei und auf Augenhöhe.“ Durch die Kindheit in der Eddastraße im Zooviertel, unweit der Tiergartenstraße, hatte Grölle schon als Schuljunge den „sozialen Spagat“ und die entsprechenden Sprachen verinnerlicht. Diese anstrengende Tätigkeit hielt er so lange aus, wie seine „Batterien mit Kunst geladen waren“. Dann kam, wieder eine Wende, der radikale Ausstieg aus der Kunst samt der Aufgabe des Ateliers, bis sich „Entzugserscheinungen“ einstellten: „Weg vom Bilderschaffen war ich auf der Suche nach anderen Möglichkeiten. Die Idee war, einen Ort zu schaffen, wo ich grenzüberschreitende Projekte anregen konnte, nennen wir es Galerie, mir fiel nichts anderes ein. Mit meiner eigenen Kunst fühlte ich mich eingeengt, ich wollte einen Raum mit einer besseren Energie, den ich 16

wie ein Komponist oder Dirigent, der die Partitur erstellt, bespielen lassen kann.“ Das entsprechende Rüstzeug hatte sich Jürgen Grölle längst erarbeitet, als Maler, als Handwerker, als Organisator, Musiker und Pädagoge. Also ging er wieder zurück in die Friedrich-Ebert-Straße 143 zu seinem ehemaligen Vermieter Rudolf P. Scholz. Der freute sich, weil gerade die Musikhochschule ausgezogen war und alles leer stand. Jürgen Grölle durfte frei wählen und entschied sich für das Gebäude der ehemaligen Mensa, das sich parallel zur Wupper erstreckt – mit dem Schwebebahnpfeiler im Keller. Ende 2010 wurde GRÖLLE PASS PROJECTS eröffnet, das Konzert konnte beginnen. Es wurde viel mehr daraus als eine Galerie, neben rasch aufeinanderfolgenden Ausstellungen gibt es Vorträge, das Philosophische Café der Bergischen Universität findet dort statt, Bazon Brock gastiert mit seiner „Denkerei mobil“, Artists in Residence dürfen dort arbeiten. Es wird gekocht, getafelt, gefeiert, und es gibt Konzertabende, wie die Reihe „Fragments“. 2016 konnte Jürgen Grölle einen unmittelbar angrenzenden Raum hinzumieten, der als „Raum 2“ zum Teil von „Invention“, einem Team junger Kuratoren, bespielt wird. Drei Jahre Galeriearbeit sind dokumentiert in einer Zeitung, die Texte stammen von dem Kunsthistoriker Thomas Hirsch, der die Galerie von Beginn an schreibend begleitet, die grafische Betreuung liegt bei Caroline Rudorf. Eine weitere Dokumentation ist in Vorbereitung. Parallel zu seiner Tätigkeit als Galerist ist Jürgen Grölle Dozent an der „Junior Uni“ von der ersten Stunde an. Wer ihn kennt, kann sich vorstellen, wie er mit seiner Präsenz, seiner Erzählkunst, seinem Wortwitz und mit seinem interdisziplinären Denken die wissensdurstigen Kursteilnehmer begeistert, während sich die eigenen Batterien sofort wieder aufladen.


„Wie machen Sie das alles?“, fragte ein Besucher. „Ich mache es eben“, war die Antwort. Natürlich gibt es Zweifel, schlaflose Nächte beim Grübeln über neuen Ideen. Für Grölle sind es dieselben Entscheidungen, die er beim Malen ständig zu treffen hatte. Sein untrüglicher Kompass ist seine Intuition, das Bauchgefühl, mit dem er auch Menschen schnell einzuschätzen vermag. Das erlaubt ihm die Freiheit zu delegieren und bedingungslos zu vertrauen. Mich hat er damit mehrfach überrascht, zum Beispiel, indem er eine Kuratorin benennt und keine Ahnung hat,

es macht zu reisen und Kontakte zu knüpfen. Inzwischen ist die Galerie international vernetzt mit New York, Chicago, Spanien, Irland, Brüssel und neuerdings mit der Aussicht auf einen Raum in Spitalfields mitten in der Szene von London. Immer geht es Jürgen Grölle primär um die Sache, nicht um den Marktwert eines Künstlers, sondern um dessen Haltung. Nur junge Künstler? Fehlanzeige: „Wer mit 40 Jahren noch Kunst macht, den kann man ernst nehmen. Der Hype um ‚frisch und jung’ ist mir suspekt, er ist nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal.“

Perspektivenwechsel: In der Zufahrt zur Galerie an

Chris Dreier und Gary Farrelly - Low Hanging Fruit, Foto: Ann Christine Freuwörth

was diese ausstellen werde, oder einen Ausstellungsaustausch mit einer Galerie in Berlin vereinbart, ohne eine einzige Arbeit gesehen zu haben, oder Artists in Residence völlig freie Hand lässt und ungerührt verreist, während sie in der Galerie arbeiten. Eine solche innere Offenheit ist faszinierend. „Ob ich diese Ausstellung gut finde, weiß ich erst in einer Woche“, sagte er einmal. Heinz Rasch, der Architekt, in dessen Haus Grölle sein erstes Atelier hatte, war der Ansicht, die Akzeptanz von zeitgenössischer Kunst sei auch eine Frage der Gewöhnung. Grölle weiß sehr genau, welche „Sounds“ sein Konzert grundieren. Bei der Komposition lässt er sich von niemandem beeinflussen: „Bin ich arrogant, wenn ich Künstler ablehne?“ Diesen Vorwurf hört er oft. Von dem verstorbenen Kontrabassisten Peter Kowald hat er gelernt, wie viel Spaß

der Friedrich-Ebert-Straße 143 befindet sich eins der blauen Schilder, die historische Orte von Wuppertal beschreiben. Zu lesen ist, dass sich hier die international tätige Firma Esser entwickelte. Man stellte Litzen, Bänder und Kordeln her und spezialisierte sich zugleich auf Stahlwaren: Für die Plantagenbewirtschaftung in Südamerika wurden Macheten gefertigt. Mir scheint, als habe Grölles unbestechlicher innerer Kompass ihn, den Urwuppertaler, diesen besonderen, vom Krieg weitgehend verschonten urwuppertaler Ort finden lassen. Eingerahmt von der Gründerzeitvilla an der Prachtstraße vorn und der Wupper unter der Schwebebahn hinten, erstreckt sich das weitläufige Areal aus einer labyrinthartigen Folge von Hinterhöfen hinter Hinterhöfen, kopfsteingepflastert, mit Wohnungen, Ateliers, Kontoren, Werkstätten und Fabrikgebäuden, brückenartigen Verbindungsgängen von Gebäude zu Gebäude unter üppig gründenden Glyzinien und Efeu. Heute rumpeln Autos vorsichtig über das holprige Pflaster, früher wird es dort nach Pferd und nach Wupper gerochen haben. Die Tür zur Galerie ist fast immer angelehnt. Ein lautes Quietschen und Knarren ersetzt die Klingel. Irgendwo hinter seiner Kunst versteckt sich der Galerist am Computer – oder er telefoniert, aus dem Fenster schauend. Anwesend ist er eigentlich immer, meistens hat er Zeit. Legato? Davon ist keine Rede – alles ist im Fluss. Marlene Baum

Galerie GRÖLLE PASS PROJECTS Friedrich-Ebert-Straße 143, 42117 Wuppertal Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 15 - 19 Uhr Samstag 11 - 15 Uhr und nach Vereinbarung 17


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Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Das Oktogon im Klophauspark und sein Galerist Roman Zheleznyak im Porträt 19


Die Acht ist eine faszinierende Zahl. Die Ästhetik ihres Zahlzeichens (8) ist nahezu symmetrisch, auf die Seite gelegt wird es unendlich (∞). Man kann auch „Acht geben”. Wer dies innerhalb der Wuppertaler Kunstszene im vergangenen Jahr tat, dem dürfte das “Oktogon” nicht entgangen sein.

Ein Haus mit acht Ecken Mitten in der Stadt, in Spuckweite vom Skulpturenpark Waldfrieden und vom Hauptbahnhof, oberhalb der vielen Stufen der Wolkenburgtreppe, im Klophauspark, steht ein Haus mit acht Ecken. Es ist das letzte Überbleibsel der Villa des Ludwig von Lilienthal. Ein kleiner, neoklassizistischer Pavillon, der dort – unbeeindruckt von den andauernden architektonischen Eskapaden in der Nachbarschaft – still und schlicht und schön über dem Tal thront und die Aussicht genießt. Ein achteckiges Gebäude nennt sich in der Architektur ein „Oktogon”, und dieses spezielle Oktogon heißt mit vollem Namen Universitätsgalerie Oktogon.

Unter anderem diese Tatsache verdeutlicht, dass Zheleznyak seine Arbeit ganz in die Tradition des Raumes stellt: Etwa zehn Jahre lang (bis 2003) bespielte die Künstlerin Annelie Brusten den Pavillon unter dem Namen „Galerie Annelie Brusten”. Braune Wegweiser mit der Aufschrift „GALERIE” im Umkreis des Oktogons zeugen noch heute von dieser Geschichte. In der Galerie Annelie Brusten traf sich die zeitgenössische Kunstszene, eingeladen wurden Künstler und Kunstprofessoren (etwa Günther Uecker, Timm Ulrichs oder Tony Cragg) und ihre Studierenden (unter anderem Martin Schwenk). Es etablierte sich ein Raum für zeitgenössische, junge Kunst, der sich vor allem auf ortsspezifische Arbeiten, Installationen und Skulpturen spezialisierte.

Ein Haus mit Geschichte „Der Raum atmet”, sagt Galerist Roman Zheleznyak. Es hallt im Oktogon, seine Stimme wird achtfach zurückgeworfen von den Wänden. Es ist der Tag der Eröffnung von eight corners comfort, der inzwischen sechsten Ausstellung in der Universitätsgalerie, eine Gemeinschaftsausstellung von Miriam Steinmacher, Andrea Farrenkopf und Anna Hofmann – allesamt Künstlerinnen und Studentinnen an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.

Julia Zinnbauer in ihrer Lecture-Performance

Annelie Brusten zu Besuch an alter Wirkungsstätte

Doch die Verbindung des Pavillons mit der zeitgenössischen Kunstszene ist älter als die Galerie Annelie Brusten: Der Klophauspark war einst der Garten der Villa des Wuppertaler Kaufmanns und Kunstmäzens Ludwig Freiherr von Lilienthal, der dafür bekannt war, die lokale Szene bei sich zu Hause zu versammeln. Diese Geschichte griff die Künstlerin Julia Zinnbauer in ihrer Lecture-Performance auf, die Ende Juni im Rahmen der Wuppertaler Kunst- & Museumsnacht im Oktogon stattfand.

Ein Haus mit Raum „Der Raum atmet”, sagt Roman Zheleznyak also. Und er meint damit die Verteilung der Werke der drei Künstlerinnen in diesem Raum. Der Raum atmet aber eben auch Geschichte, eine alte, geheimnisvolle Geschichte von Kunst im Tal der Wupper. Und das macht sicher einen Teil der Faszination des Pavillons aus. Obwohl Zheleznyak es nicht zwangsläufig voraussetzt, beschäftigen sich viele Künstler in ihren ausgestellten Arbeiten mit der Form und Wirkung des Raumes, und es entstehen ortsbezogene Werke. Der Raum lädt geradezu dazu ein, ihm ein maßgeschneidertes Leben einzuhauchen. 20


eight corners comfort, die KĂźnstlerinnen Miriam Steinmacher, Andrea Farrenkopf und Anna Hofmann


eight corners comfort, Bilder dieser Ausstellung, oben rechts: Roman Zheleznyak

Der Name „Universitätsgalerie Oktogon” verrät, dass es sich beim Oktogon um ein Projekt der Bergischen Universität handelt, die als Träger fungiert. Gekoppelt an den Kunststudiengang der Wuppertaler Universität soll es eine Plattform für Kunst sein, die zeitgenössische, junge Formate in Wuppertal erlebbar macht, kostenfrei und spielerisch. Das Oktogon lädt alle ein, sich auszuprobieren: Die Kunstschaffenden, die Studierenden und die Besucher. Die ausgestellten Arbeiten sind immer jung, immer mutig – die Universitätsgalerie scheint ausdrücklich am Unperfekten interessiert, am Radikalen, an der Jugendlichkeit einer Kunst, die sich einzig um ihr Sein Gedanken macht und nicht um ihr Renommee. Der Raum mit den acht Wänden verspricht Sicherheit; prallt man auch an ihnen ab, so werfen sie einen sanft zurück in die Mitte des Raumes.

Ein Haus im Tal Mit Wuppertal verband Roman Zheleznyak wenig, als ihn Initiatorin und Professorin Katja Pfeiffer im Herbst 2017 anrief, um ihn als Galeristen für das neue Projekt Oktogon zu gewinnen. Der gebürtige Ukrainer kam mit 14 Jahren ins Ruhrgebiet, machte dort sein Abitur und studierte anschließend an der Düsseldorfer Kunstakademie. Nach dem Studium entstand (beinahe aus Versehen) seine erste Galerie „mental space”, ein „Off22

Space” im Vorderraum seines Ateliers in Bochum; ein Projekt, das inzwischen ohne festen Raum als „flexible Galerie” weiterlebt (zuletzt in einer Airbnb-Wohnung in Kiew). Daneben arbeitete er für die Galerie von Torsten Obrist und als Kurator an verschiedensten Einrichtungen (unter anderem für den Kunstraum Düsseldorf). Das letzte Jahr bot Zheleznyak also nicht nur die Gelegenheit, außergewöhnliche Ausstellungen an einem außergewöhnlichen Ort zu kuratieren, sondern machte es ihm auch möglich, Wuppertal kennenzulernen. „Die Kunst lebt hier”, sagt er und meint damit die – gemessen an der Größe der Stadt – überraschende Dichte an Galerien, an Ateliers und offenen Orten sowie den Geist der freien Szene, die selbst – oft ohne große finanzielle Mittel – Dinge und Orte entstehen lässt, wo andere die Chance nicht einmal gesehen hätten. Seine Rolle als Außenstehender erlaubt Zheleznyak einen unvoreingenommenen, klaren Blick auf Wuppertal. Herausragende Orte sind für ihn Projekte wie die „Hebebühne” oder „grölle pass:projects”. Auch die Allgegenwärtigkeit von Kunst im öffentlichen Raum hebt er als Besonderheit hervor. Hier allerdings würden mehr junge Stimmen dem öffentlichen Raum nur zugutekommen.


Ein Haus mit Zukunft An jungen Stimmen mangelt es dem Oktogon nicht: Trotz der relativ kurzen Zeit seines Bestehens liest sich die Liste der Ausstellenden beachtlich. Von lokalen Künstlern (Marc Kox) wie internationalen (Jason Gringler), von Studierenden (Miriam Steinmacher, Andrea Farrenkopf) bis zu Etablierteren (Felix Schramm, Martin Schwenk) wurden viele Bereiche bereits bespielt. In der Präsentation und Vermarktung führt Roman Zheleznyak das junge Konzept der Ausstellungen fort: Die Kommunikation läuft im Wesentlichen über die Online-Kanäle der Galerie, besonders über Instagram. Seit Kurzem findet auch das Projekt Übertragung im Oktogon statt, wobei Musiker und Soundkünstler eingeladen werden, Ausstellungen zu untermalen, und diese Performances live im Internet gestreamt werden. Noch immer fristet das Oktogon zuweilen ein Dasein unter dem Radar des Kunst- und Kultur-Mainstreams im Tal. Aber, so Zheleznyak: „Es spricht sich langsam rum!”

Die nächste Ausstellung:

situation is set von Charlotte Perrin und Mira Sasse wird eröffnet am Samstag, 19. Januar ab 18 Uhr und endet mit einer Finissage am Sonntag, 24. Februar 2019 ab 15 Uhr Universitätsgalerie Oktogon Wormser Straße 55, 42119 Wuppertal Parkmöglichkeiten finden sich an der Wormser Straße (treppenfreier Zugang) oder an der Klophausstraße. oktogon@uni-wuppertal.de Facebook: Universitätsgalerie Oktogon Instagram: @oktogonwuppertal

Neben den offiziellen Terminen besteht auch die Möglichkeit, auf Anfrage einen Besichtigungstermin zu vereinbaren.

Rasmus Zschoch Fotos: Willi Barczat

Die Universitätsgalerie Oktogon im Abendlicht

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Dem Himmel nah Bruder-Klaus-Kapelle in Wachendorf

O Herr, nimm von mir Was mich wendt von dir O Herr, gib auch mir Das mich koert zu dir O Herr, nimm mich mir Unnd gib mich eigen dir.

Diese Verse zählte Bruder Klaus zu seinen täglichen Gebeten. So will es die Überlieferung. Zu seinen Ehren wurde die Kapelle in Wachendorf gebaut. Nikolaus von Flüe, wie er mit seinem bürgerlichen Namen hieß, war ein Einsiedler und ist ein Schweizer Nationalheiliger, der von 1417 bis 1487 lebte. Er war Bauer, Ratsherr und Richter im innerschweizerischen Obwalden, bevor er sich als Einsiedler in das Bergtal von Flüli zurückzog. Dort erteilte er Gesandten der Kantone und fremden Fürsten Rat. 1481 soll durch seinen Rat ein schwerer Konflikt zwischen Stadt- und Landorden geschlichtet worden sein. Im Frühjahr des Jahres 1487 verstarb Bruder Klaus. 1649 wurde er von Papst Pius XII seliggesprochen. Bauherren der Kapelle sind die Landwirtsfamilie Trudel und Hermann-Josef Scheidtweiler, die „aus Dankbarkeit für ein gutes und erfülltes Leben“ beabsichtigten, auf eigenem Feld eine Kapelle zu bauen und sie dem Schweizer Friedensheiligen Bruder Klaus zu weihen; er ist der Schutzpatron der Katholischen Landvolkbewegung und der Ka25


tholischen Landjugendbewegung, in denen HermannJosef Scheidtweiler viele Jahre lang in verantwortlicher Position ehrenamtlich tätig war. Die Familie Scheidtweiler hatte einen ihnen bekannten Architekten gebeten, einen Plan für eine Kapelle zu Ehren von Bruder Klaus zu entwickeln. Der Architekt, der sich auf Wunsch von H.-J. Scheidtweiler um die Planung der Kapelle kümmern sollte, war der Schweizer Professor Peter Zumthor. Eine glückliche Fügung veranlasste ihn dazu, sich auf die Bitte der Familie Scheidtweiler einzulassen: Seine Mutter war ebenfalls eine Verehrerin des Schweizer Nationalheiligen Klaus, und so willigte er ein, die Kapelle zu bauen, und zwar für „Gottes Lohn“, also ohne irdische 26

Entlohnung. Die einzige Bedingung, die er hatte, war: viel Zeit. Diese brauchte es auch, war er damals nämlich mit dem Kunstmuseum des Erzbistums Köln, dem „Kolumba“ beschäftigt. Und so kam es, dass die Familie Scheidtweiler lange nichts von dem renommierten Architekten hörte. Nach ca. fünf Jahren der Ungewissheit wurde die Ungeduld und Neugierde so groß, dass nach dem Telefonhörer gegriffen wurde. Annalisa Zumthor-Cuorad, die Frau des Architekten, nahm den Anruf entgegen, verwies auf die Abwesenheit ihres Ehemannes und sagte: „Ja, mein Mann hat irgendwelche Skizzen gemacht, die hängen hier am Küchenschrank, er ist da wohl dran.“ Da wusste das Ehepaar Scheidtweiler Bescheid. Es musste sich noch weitere Jahre in Geduld üben, bevor der Grundstein für den Bau der Ka-


pelle gelegt wurde. Schließlich legten die Stifter, Freunde und Bekannte und sogar der Architekt selbst Hand an bei der Errichtung dieses Gebäudes.

Eingesegnet wurde die Kapelle im Mai 2007, gebaut „zum Lobe Gottes und der Erde“. Sie wurde zufällig im gleichen Jahr wie das Diözesanmuseum „Kolumba“ in Köln eröffnet. Die Bruder-Klaus-Kapelle in Wachendorf verfügt über einen eigenen Parkplatz, von dem aus die Kapelle bereits zu sehen ist. Sie thront in einiger Entfernung hoch oben auf einem Hügel, ein Monolith aus erdfarbenem Stein, farblich passend zur Umgebung, die sich uns als ein abgeerntetes

Getreidefeld darstellte. Man blickt zu ihm auf, bevor man sich auf den halbstündigen Fußmarsch zu ihm begibt. Kommt man dem Gebäude näher, so kann man seine fünfkantige Form erkennen. Überhaupt – Kapelle: Ist das nicht ein Gebäude mit einem Dach und Turm und Kreuz? Dieses hier sieht anders aus, mit seinen hohen glatten Wänden, ohne Fenster, ohne Dach, ohne Turm. Lediglich ein schmales eisernes Kreuz über dem dreieckigen Eingangstor lässt es als ein Gotteshaus erkennen. Wir treten durch die schwere Eisentür und finden uns in einer halbdunklen Höhle wieder, die ganz anders ist, als die glatten äußeren Wände vermuten lassen. Auch hier kein vertrautes Bild einer Kapelle, kein Altar, kein Andachtsbild. Stattdessen Wände aus rauem, zernarbtem Beton. Sie bilden einen halbwegs run27


Christel Türk und Helmut Steidler an der Bruder Klaus Kapelle Foto: Rita Küster

den Innenraum, der sich nach oben öffnet und schließlich den Blick freigibt auf den Himmel. 112 Fichtenstämme, aufgebaut in der Form eines Zeltes, bildeten den Innenraum der Kapelle. Die Stämme stammen aus einem nahe liegenden Wald. Um dieses Holzzelt herum entstand der Kapellenkörper aus gestampftem Beton. Er besteht aus Flusskies, rötlich gelbem Sand aus der Umgebung und weißem Zement. Im Inneren des von Beton umgebenen Holzzeltes wurde ein Mottfeuer in der Art eines Köhlerfeuers entzündet, das die Baumstämme antrocknen ließ und vom Beton ablöste, sodass sie leicht ausgebaut werden konnten. In der Wand befinden sich 350 mundgeblasene Glaspfropfen, gleichmäßig über die Fläche verteilt, die als Verbindung zur Außenwelt dienen und mit dem Außenlicht die Kapelle erhellen. Der Fußboden besteht aus Zinnblei, an Ort und Stelle in einem Tiegel erhitzt und aufwendig von Hand aufgebracht. An der Wand erkennt man ein Rad aus Messingguss, dem Meditationszeichen von Bruder Klaus. In der Kapelle befindet sich außerdem eine Skulptur des Bruders Klaus, eine Vorrichtung zur Aufnahme von Opferkerzen und eine Bank. Auf dem Fußboden der Kapelle hat sich eine Pfütze gebildet. Sie ist dem letzten Regen geschuldet, der ungehindert durch die Öffnung oben eindringen konnte. In der Pfütze spiegelt sich der nun blaue Himmel.

Glück hat, wer sich alleine in der Kapelle befindet. Er oder sie kann sich auf diese eigenartige Stimmung, die der umgebende Raum bietet, einlassen und zur Ruhe kommen. Eine Kurzform der Meditation sozusagen, denn der nächste Besucher kommt bestimmt schon bald: Die Kapelle lockt viele Gläubige und Architekturaffine Menschen aus Nah und Fern nach Wachendorf. 28

Tritt man schließlich wieder durch die dreieckige Stahltür nach außen, überwältigt einen die Weite der Landschaft. Über Wiesen, Wald und Felder schweift der Blick, in der Ferne ist das Siebengebirge zu erahnen. Die Sonne scheint, es ist warm und ruhig.

Anfangs gab es etwas Unruhe unter den Anwohnern, Diskussionen über den Sinn oder Unsinn eines solchen Hauses, das so ganz anders daherkam, als man es gewohnt war in der Eifel. Aber genauso, wie sich das Gebäude mit den Jahren immer mehr an die Umgebung anpasste, verstummten die kritischen Stimmen. Vielleicht werden sie eines Tages stolz sein auf dieses Gotteshaus und Architekturjuwel in ihrem Dorf. Auf das Ehepaar Scheidtweiler und auf einen prominenten Architekten aus der Schweiz, der für einen Schweizer Nationalheiligen eine Kapelle in Wachendorf in der Eifel errichtete. Helmut Steidler Fotos: Helmut Steidler

Kurztripempfehlung der Redaktion: Bruder-Klaus-Feldkapelle Iversheimer Straße 53894 Mechernich-Wachendorf www.feldkapelle.de Buchtipp: Zum Himmel offen Die Bruder Klaus Kapelle in Wachendorf von Markus Bönsch Herausgeber: Markus Bönsch


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Bundesweiter APPLAUS für Wuppertaler Spielstätten „LOCH“ und „ort“ gehören zu jenen, die in Wuppertal für eine lebendige Musikszene sorgen. In Mannheim wurden sie dafür jetzt ausgezeichnet. Allein die Namen sind schon schön schräg: In Wuppertal spielt im LOCH und im ort die Musik. Das hat nun bundesweite Aufmerksamkeit erfahren: Beide Spielstätten wurden mit dem APPLAUS für ihr „kulturell herausragendes Livemusik-Programm“ geehrt. Unter welch schwierigen Bedingungen das entsteht, ist nur eines der Themen des Gesprächs, das beste-Zeit-Redakteur Helmut Steidler mit Maik Ollhoff, Geschäftsführer des LOCH, und Wolfgang Schmidtke, Vorsitzender der Peter Kowald Gesellschaft/ort, führte. Zunächst einmal: Herzlichen Glückwunsch an Sie beide zu dieser Auszeichnung! Was bedeutet der APPLAUS-Preis für ihre beiden Organisationen? Maik Ollhoff: Die Bedeutung dieses bundesweiten Preises haben wir vor allem in Mannheim bei der Preisverleihung gespürt. All die Menschen aus Institutionen, Jury und von den vielen Spielstätten kamen auf uns zu und beglückwünschten uns ... Man merkte so richtig, wie begeistert alle sind – vom LOCH, von Wuppertal und von dem Programm, das wir auf die Beine stellen. Besonders freuen wir uns über die Auszeichnung als „Spielstätte des Jahres“ und den Preis für „Gleichstellung“, der unser Engagement für Gleichberechtigung auf der Bühne, an der Clubtür, im Backstage und im Tagesgeschäft würdigt. Wolfgang Schmidtke: Dass Wuppertal eine jahrzehntelange Tradition in Jazz und improvisierter Musik besitzt, weiß eigentlich jeder, der hier mit Kunst und Kultur zu tun hat. Der ideelle Wert ist, dass das nun auch bundesweit registriert und tatsächlich auch „belohnt“ wird. Wir bleiben mit dieser Art von Kultur nicht im Tal mit den Bergen drum herum, sondern man registriert das bundesweit. Und dann hat der Preis auch ganz einfach praktischen Wert, weil auch dieser „kleine“ Preis der Initiative Musik uns einfach hilft, besser durchs nächste Jahr zu kommen. 30

Sie drückten die Hoffnung aus, dass dieser Preis nun auch in Wuppertal in der kommunalen Politik die Wertschätzung für Ihre Arbeit erhöht – haben Sie schon irgendwelche Auswirkungen erkennen können? Ollhoff: Es kamen direkt sehr nette Glückwünsche vom Oberbürgermeister und aus der Kulturpolitik. Vor allem haben wir großen Zuspruch aus der Musikerlandschaft durch Clubs und Musiker*innen und natürlich von unseren Gästen bekommen. Alle freuen sich und sind mit uns stolz. Irgendwie ist es ja nicht nur die Spielstätte selbst, sondern auch die Musiker*innen und die Gäste fühlen sich zu Recht als Teil dieses Preises. Jetzt freuen sich alle, dass es das LOCH gibt, dass es den ort gibt, dass die ein tolles Programm machen. Das Preisgeld hilft dabei – aber auf wie sicherem Boden stehen die beiden überhaupt? Wie stemmen Sie diese ganze Arbeit? Schmidtke: Ganz konkret ist es bei uns im ort so, dass wir bei mindestens jedem zweiten Vereinstreffen darüber sprechen, wie viele Monate wir mit dem Geld, das wir auf dem Konto haben, überhaupt noch weiterarbeiten können. Das heißt, eine längerfristige Planung ist überhaupt nicht möglich, mittelfristig geht es eigentlich auch nicht. Wir sprechen tatsächlich über Zeiträume von ungefähr einem Jahr. So extrem eng ist die finanzielle Sicherung, sofern man von Sicherung überhaupt sprechen kann. Ollhoff: Mit dem Preis kommt für die Finanzierung des Programms jetzt erst mal dank Bundesmitteln eine Rettung. Was aber Faktoren wie Personal und Räumlichkeiten angeht, ist dieser Preis nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir hoffen, dass es jetzt mal einen ordentlichen Schwung gibt und man an allen Stellen realisiert, was geleistet wird. Es sind 70 Menschen, die ehrenamtlich das LOCH betreiben und die einzelnen Projekte initiieren. Unser Kollektiv ist in den vergangen Monaten stetig um neue


Mitstreiter*innen gewachsen, aber um das hochwertige und innovative Programm dauerhaft durchzuführen, bedarf es auch einer öffentlichen Unterstützung. Es fehlt vor allem an festen Stellen, die den Kulturbetrieb organisieren und koordinieren. Auf Dauer wird sich nicht jeder neben seinem eigentlichen Job als Musiker*in, Redakteur*in, Student*in auch noch im LOCH total verausgaben können. Für beide Vereine ist es also extrem eng, beide haben große Schnittmengen im Programm und sind nur ein kurzes Stück Weg voneinander entfernt – gibt es da kein Konkurrenzverhältnis zwischen ort und LOCH? Schmidtke: Ich traue mich zu sagen, dass diese Sicht der Dinge absolut kleinstädtisch ist. Wenn ich andere Städte mit einer vergleichbaren Bedeutung für diese Art der Musikkultur betrachte, dann sind zwei oder auch drei oder vier Veranstaltungsorte, in denen das gepflegt wird, auf gar keinen Fall zu viele. Ganz im Gegenteil: Ich finde das toll, wenn es mehrere Orte gibt. Diesen Konkurrenzfaktor sehe ich überhaupt gar nicht. Ollhoff: Wir finden es gerade spannend, dass es in Wuppertal gleich mehrere Spielstätten gibt, die sich experimentellen Formaten in der improvisierten Musik und im Pop widmen. Für die Zukunft wird es hoffentlich auch viele gemeinsame Aktionen geben, die auf die einzigartige Musikszene im Tal aufmerksam machen.

Ministerialdirigent Dr. Günter Winands überreichte die Auszeichnungen an Anne-Kathrin Reif für den ort (oben) und an Maria Basel und Maik Ollhoff für das LOCH. Fotos: Karl-Heinz Krauskopf

Ist da schon irgendetwas Konkretes geplant? Ollhoff: Wir arbeiten gerade an einer Idee, mit dem Verein Unerhört in der Sophienkirche, ort und LOCH eine gemeinsame Aktion auf die Beine zu stellen. Vielleicht wird es ein Wochenende der improvisierten Musik geben. Aber das braucht noch einen gewissen Vorlauf. Wir hoffen 2020 ist es so weit. Im kommenden Jahr könnte es natürlich schon gemeinsame kleine Aktionen geben. Schmidtke: Mir ist zum Thema Konkurrenz noch der Hinweis wichtig, dass wir ja schließlich auch gemeinsam musizieren. ort und LOCH werden neben vielen weiteren Aktivist*innen ganz wesentlich von Musiker*innen getragen. Neulich haben wir zum Beispiel bei der Verleihung des Von der Heydt-Preises an unseren Freund Eugen Egner noch gemeinsam nicht aus zwei Lagern, sondern aus einer gemeinsamen Ecke heraus musiziert. LOCH und ort verkörpern beide auf ganz verwandte Art einen „Wuppertaler Spirit“. Die Tradition, die Kowald, Brötzmann, Reichel und viele andere hier begründet haben, wird von beiden auf unterschiedliche Weise fortgeführt. Das sind die Wurzeln,

aus denen sich auch neue Gewächse wie das LOCH speisen. Die jüngere Generation findet dafür eigene Orte und Ausdrucksweisen. Und so ist es auch richtig. Wichtig ist nur, dass die Stadt begreift, welchen Schatz sie mit dieser lebendigen Musikkultur eigentlich hat. Mit dem APPLAUS werden seit 2013 bundesweit „herausragende Livemusikprogramme“ unabhängiger Spielstätten geehrt. Der Preis wird von der Initiative Musik mit Projektmitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien vergeben. Das LOCH erhielt den Preis in der Kategorie II (Spielstätten mit mindestens 52 Konzerten im Jahr), verbunden mit 20 000 Euro, sowie den Preis für Gleichstellung (5 000 Euro) und die Ehrenauszeichnung als „Spielstätte des Jahres“ in Kategorie II. Die Peter Kowald Gesellschaft, die jährlich 30 bis 40 Veranstaltungen im ort an der Luisenstraße organisiert, erhält den Preis in der Kategorie III (Spielstätten mit mindestens zehn Konzerten im Jahr), verbunden mit 7 500 Euro. Zum Programm: www.lochloch.de, www.kowald-ort.com 31


Mathias Haus am Vibrabaphon

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Dieter Fränzel und Maik Ollhoff begrüßen das Publikum zum zehnjährigen Jubiläumkonzert von KLANGART

Wuppertals Third Stream Über die überaus glückliche Verbindung von Jazz und Kammermusik „Music is an open sky“, hat der Wuppertaler Free-Jazzmusiker und große Improvisator Peter Kowald einmal gesagt. Und es vorgelebt: Als Grenzgänger führte er Menschen ganz unterschiedlicher Musikkulturen zusammen und zeigte in immer wieder neuen Projekten, dass dabei etwas ganz Neues und Belebendes entstehen kann. Das Besondere daran war, dass die Musikerinnen und Musiker aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt kamen und Wuppertal so zu einem Hotspot für improvisierte Musik wurde. „Was aber, wenn wir die Musiker zusammenbringen, die in Wuppertal leben, aber für ganz unterschiedliche musikalische Richtungen stehen?“, hatte sich E. Dieter Fränzel gefragt, der schon die Jazz- und Weltmusikreihe KlangArt in Tony Craggs Skulpturenpark initiiert hatte und nun darüber nachsann, wie das zehnjährige Bestehen der Reihe zu würdigen wäre. So reifte eine Idee, die einerseits naheliegt, aber wie häufig alles Naheliegende zugleich auch so fern. Dass Wuppertal über eine große Tradition im Jazz verfügt, ist allseits bekannt. Namen wie Peter Kowald, Peter Brötzmann und Hans Reichel stehen für den großen Aufbruch zu neuen Jazzufern seit den 1960er-Jahren. Brötzmann spielt noch immer, die beiden anderen sind im Jazzhimmel, wenn es denn so etwas gibt. Nachgerückt ist eine Reihe von hervorragenden Jazzmusikern, die heute im Wuppertal leben, spielen und komponieren. Unter ihnen Mathias Haus, der zu den vielseitigsten Jazz-Vibrafonisten unserer Zeit gehört und der mit nur 20 Jahren von Gary Burton nach Boston eingeladen wurde, um dort bei ihm Jazzvibrafon zu studieren. Der Bassist Jan Kazda sorgte mit seiner Formation „Das Pferd“ in den 80er-Jahren für Fusion-Furore und hat sich seither mit seiner Band KAZDA

und auch als Theater- und Filmkomponist einen Namen gemacht. Bereits zu drei „Tatorten“ und etlichen WDRProduktionen hat Kazda Filmmusiken beigesteuert. Der Pianist Roman Babik wurde erst 2016 mit dem Von der Heydt-Förderpreis der Stadt Wuppertal ausgezeichnet. Die Jury lobte ihn überschwänglich: „Babiks Instrumentalspiel ist ein Gegenpol zur gängigen Klavierästhetik. Wer in einem Konzert von Babik sitzt, erlebt einen Improvisator, der mit Esprit, fulminanter Technik und planerischer Intelligenz bis an die Grenze des Machbaren geht – wuchtig, dynamisch nach oben wachsend und mit stetem rhythmischem Druck.“

Jazz meets Klassik Doch neben dem Jazz hat Wuppertal durch die der Musikhochschule Köln angegliederte Abteilung auch Dozenten, die junge Musiker auf sehr hohem Niveau auf dem Gebiet der klassischen Musik ausbilden. Hinzu kommt das Sinfonieorchester, das einen ausgezeichneten Ruf hat. Musiker wie der Cellist Michael Hablitzel und der Bassist Harald Eller wirken immer wieder auch in Jazz- und Cross-over-Projekten mit und gehen Wege jenseits der klassischen Musik. Und natürlich die Kammerphilharmonie Wuppertal, die 2009 von Professor Werner Dickel und einigen seiner früheren Studenten, mittlerweile professionell tätigen Musikern, gegründet wurde. Das Ziel war und ist, abseits der ausgetretenen Pfade mit Freude und Leidenschaft zusammen zu musizieren, Altbekanntes wie Neuland neu zu entdecken, Studenten und auch hochbegabte Schüler mit einzubeziehen, sie an die Hand zu nehmen und ein Stück auf dem Weg in Richtung Professionalität und ein Leben als Künstler mitzunehmen. So konkretisierte sich bei E. Dieter Fränzel anlässlich des zehnjährigen Jubiläums von KLANGART die Idee, Kammermusik und Jazzsolisten zusammenzubrin33


Clemens Orth am Flügel, Jan Kazda an der E-Gitarre und Roman Babik

gen. Eine Idee, die bei Werner Dickel spontan Begeisterung auslöste: „Als Dieter Fränzel fragte, ob ich dabei bin, musste ich nicht überlegen. Der Platz, der mir seit vielen Jahren Inspiration ist, die Zusammenarbeit mit den drei Komponisten, mit denen mich viele Jahre des kollegialen und freundschaftlichen Tuns verbinden, die Erinnerung an Hans Reichel, die herrliche Spannung und Neugier auf das neu Geschaffene machten die Sache klar. Spätestens seit meiner Arbeit beim Ensemble Modern ist es ein großer Teil meiner künstlerischen Arbeit.“

Mit Roman Babik, Mathias Haus und Jan Kazda wurden drei erfahrene Protagonisten des Wuppertaler Jazz beauftragt, musikalische Werke zu komponieren, die sich auf die Kunst und die Naturerscheinungen des Parks beziehen. Außerdem wurde eine Komposition für Daxofon und Streichquartett des im Jahr 2011 verstorbenen Multi-Instrumentalisten Hans Reichel aufgeführt. Das Daxofon (ursprünglich „Dachsophon“) wurde als Musikinstrument von dem Wuppertaler Improvisationsmusiker Hans Reichel in den 1980er-Jahren erfunden. Der Name geht zurück auf die Vielfalt der Geräusche des Dachses und ein Wortspiel mit dem Erfinder des Saxofons, Adolphe Sax. Ein Holzbrettchen wird mit dem Bogen eines Cellos oder Kontrabasses gestrichen, an seiner schwingenden Seite sind die Klänge mit einem Holzklötzchen in der Tonhöhe veränderbar. Im Daxofon steckt nicht nur die Stimme des Dachses oder des Saxofons, man kann das Quietschen und Jammern, Röcheln und Jauchzen von Menschen darin hören, aber genauso auch eine Opernsängerin in ihren höchsten Koloraturen. Das Stück „Namakemono“ hatte Hans Reichel 1997 für das Kronos Quartett geschrieben, in den 1980er- und 1990erJahren das wichtigste Streichquartett weltweit für zeitgenössische Musik und dabei das gelungene Experiment unternommen, die Ausdrucksvielfalt seiner Erfindung, des Daxofons, mit dem Klangkörper der Streicher zu vereinen. Dass Harald Eller dieses Instrument spielen kann, ist ein großer Glücksfall und ein ebensolcher für das Publikum, 34

das die Musiker um Werner Dickel den urkomischen Einfällen Reichels und den immer wieder frappierend neuen Klängen des Daxofons folgten und in ihrer Musiksprache kommentierten. Das Konzert im Skulpturenpark begann also mit einem „Scherzo“.

Baumzeit Mit „Treetime“ spürte Roman Babik der Weitläufigkeit des Parks, seinen Geräuschen, dem Wehen des Windes im Blätterwerk nach, aber auch der massiven Materialität der dort versammelten Skulpturen. „Ein Fisch, ein König und der Garten“ lautete der rätselhafte und geheimnisvolle Name der Komposition von Jan Kazda, in der er nicht nur die Spannweite zwischen klassischer Musik und Jazz, sondern auch die zwischen E- und U-Musik auslotet, darin in gewisser Weise der Idee des Third Stream folgend, die der US-amerikanische Komponist Gunter Schuller in den 1950er-Jahren erfunden hatte. Für die Magie des Ortes besonders empfänglich ist Mathias Haus: „Als ich zum ersten Mal in den Skulpturenpark kam, oben auf dem Berg, und die Sonne den ruhigen, halligen Raum mit Licht flutete, besuchten mich meine lebenslangen Begleiter Sehnsucht, Liebe, Trauer, Geheimnis, Glück, Unendlichkeit und Göttlichkeit wunderbar intensiv.“ In seiner Komposition „All my life“ spürt Haus diesen Erfahrungen nach und verwandelt sie in Klangwelten, in denen eine Vibration, ein Nachspüren der ständig im Wandel begriffenen Natur spürbar wird, die zugleich Spiegelbilder innerseelischer Zustände sind. Mit großer Leichtigkeit fliegen die Töne des Marimbafons über den untergründig ausgebreiteten Klangteppich der Streicher. Das Konzert im Skulpturenpark könnte der Beginn eines wunderbaren Zusammenwirkens zwischen den unterschiedlichen in Wuppertal beheimateten Musikwelten sein. Es ist zu hoffen, dass die Kulturverantwortlichen und potenziellen Förderer der Kunst die Idee unterstützen und dafür sorgen, dass der ins Wasser geworfene Stein sich weiter – auch über Wuppertal hinaus – ausbreiten kann. Heiner Bontrup Fotos: Karl-Heinz Krauskopf


Harald Eller am Daxofon, im Hintergrund Werner Dickel an der Bratsche

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„Wir gehören einfach auf die Bühne“ Die „Glanzstoff – Akademie der inklusiven Künste e.V.“ macht professionelles Theater mit Menschen mit Handicaps. Dafür erhielt der Verein jüngst den Förderpreis des Von der Heydt-Kulturpreises der Stadt Wuppertal.

Flora bewegt sich mit eleganten Schwüngen über die Probebühne im Wuppertaler Opernhaus, dreht sich, zieht große und kleinere Kreise. Flora ist 19 Jahre alt und sitzt im Rollstuhl. Sie ist „Der kleine schwarze Fisch“ in der aktuellen, gleichnamigen Produktion von „Glanzstoff“, der Akademie der inklusiven Künste e.V. in Wuppertal.

Szenenbilder aus der Produktion des Glanzstoff-Ensembles: „Der kleine schwarze Fisch“, nach einer Erzählung von Samad Behranghi (2018).

Im Dezember feierte das Stück Premiere bei den Wuppertaler Bühnen. Wenige Wochen zuvor bei der Probe hat Flora ihren Text längst „drauf“. „Mist“, flucht dagegen Wolf, der sich verhaspelt hat. Der große, kräftige 60-Jährige spielt den Pelikan, der den kleinen Fischen auf ihrer Abenteuerreise auflauert und sie in tödliche Gefahr bringt. „Du musst auch viel, viel langsamer sprechen. Quasi in Zeitlupe“, weist Regisseur Bardia Rousta ihn an. Das setzt der Schauspieler beim nächsten Anlauf sogleich um, und plötzlich klingt seine sonore Bassstimme nicht nur schön bedrohlich, auch der fehlerfreie Text ist bestens verständlich. „Gut“, lobt der Regisseur, „wir spielen jetzt noch mal die ganze Szene durch.“ Es ist die ganz normale Probenarbeit eines Theaterensembles – das aber kein ganz normales Theaterensemble ist. Bei „Glanzstoff“ stehen Menschen im Alter von 17 bis 60 Jah-

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ren auf der Bühne, die ganz unterschiedliche körperliche und psychische Beeinträchtigungen mitbringen, darunter eine MS-Patientin und mehrere Spieler und Spielerinnen mit Trisomie 21, dem so genannten Downsyndrom. „Am schwersten ist es, die ganze Gruppe zusammenzukriegen, bedingt durch die Handicaps, die jeder hat. Alle haben ein anderes Tempo. Wir müssen sehr aufeinander hören und achten, das ist nicht immer einfach“, beschreibt Schauspielerin Andrea Lück die Situation und ergänzt: „Es ist ein bisschen wie in einer Band.“ Und so wie in einer Band die Liebe zur Musik eint bei Glanzstoff alle Beteiligten die Begeisterung fürs Theaterspielen. Trotz der verschiedenen Handicaps der Darsteller und Darstellerinnen: Das Glanzstoff-Ensemble ist keine Laienspielgruppe, und die Akademie der inklusiven Künste kein in erster Linie soziales Projekt. Was hier gemacht wird, ist

„Ich hatte den Traum, Schauspielerin zu sein, schon beerdigt. Jetzt bin ich glücklich, dass ich den Traum noch verfolgen kann.“ Nora, 34 Jahre 37


„Das Gefühl, dass man als Mensch mit Handicap etwas geben kann, das ist fantastisch. Sonst müssen wir ja eher nehmen.“ Gudrun, 57 Jahre

Theater mit professionellem Anspruch. Es geht nicht darum, ein, zwei Dutzend Menschen, die über weniger Möglichkeiten verfügen als andere, sinnvoll zu beschäftigen – es geht um Kunst. Dazu gehört auch, dass die Ausstattung in Kostüm, Maske, Requisite, Bühnenbild, dass Licht und Musik genauso aufwändig und professionell gehandhabt werden wie bei jeder anderen Produktion am Theater. „Glanzstoff“ kann dafür auf die Expertise und die Werkstätten der Wuppertaler Bühnen zugreifen, denn der als gemeinnützig eingetragene Kunst- und Kulturverein ist seit seiner Gründung im Jahr 2014 dort angesiedelt. Zuvor hatte der Theaterpädagoge Markus Höller in Kooperation mit dem Verein Mitmenschen e.V. bereits erfolgreich ein inklusives Theaterprojekt an den Wuppertaler Bühnen realisiert. „Als seine Stelle auslief und damit auch das Projekt beendet war, haben wir den Verein gegründet, um die Arbeit gemeinsam mit Markus Höller weiterzuführen“, erzählt Gründungsmitglied Uwe Schinkel.

lin fest, nachdem er erstmals bei dem von Markus Höller geleiteten inklusiven Theaterprojekt an den Wuppertaler Bühnen mitgemacht hatte. Doch eine Schauspielschule, die ihm als Menschen mit Trisomie 21 eine professionelle Ausbildung bieten würde, gab es nicht. Der Wunsch, den Traum vom Schauspielberuf für alle beeinträchtigten Menschen greifbar zu machen, führte konsequenter Weise 2017 zur Gründung des „Glanzstoff Schauspielstudios“ unter dem Dach des Vereins. „Die Ausbildung im Studio ist für die Dauer von drei Jahren konzipiert und findet ganztägig an zwei Werktagen statt. Hier unterrichten Profis aus den Bereichen Theater, Tanz, Film und Fernsehen. Ziel ist es, Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen für die Arbeit in diesen Bereichen zu professionalisieren. Dabei wird jedes Semester ein neuer inhaltlicher Schwerpunkt gesetzt“, erklärt Uwe Schinkel. Darüber hinaus proben die Schauspieltrainees einen Tag in der Woche für eine Inszenierung, die in den Spielplan der Wuppertaler Bühnen aufgenommen wird – so wie zuletzt „Der kleine schwarze Fisch“ nach einem gleichnishaften Märchen des iranischen Autors Samad Behranghi, in dem es um Aufbruch geht, um Freiheit und um den Mut, die von anderen gesteckten Grenzen zu überschreiten. Wie beinahe immer waren auch dieses Mal alle Vorstellungen ausverkauft. Von Anfang an hat das Glanzstoff-Ensemble viel beachtete Produktionen auf die Bühne im Theater am Szenenbilder aus den Produktionen des Glanzstoff-Ensembles: Seite 39, oben und rechts: „Die Ballade vom Seiltänzer Felix Fliegenbeil“ nach Michael Ende (2018).

2018 hat die Stadt Wuppertal die Akademie der inklusiven Künste e.V. für ihre integrative Theaterarbeit mit dem Von der Heydt-Förderpreis bedacht. Für Marion Roemer, Vorsitzende des Vereins, zählt nicht nur die willkommene Finanzhilfe von 5000 Euro Preisgeld: „Natürlich hilft uns jeder Euro, da wir bislang nicht institutionell gefördert werden. Vor allem freut uns aber die Anerkennung der Stadtgesellschaft, die sich in diesem Preis ausdrückt. Das zeigt uns, dass wir hier wirklich dazugehören und unsere Arbeit geschätzt wird.“ Marion Roemers Sohn Merlin spielt auch im GlanzstoffEnsemble, und er ist sogar so etwas wie die Keimzelle des Ganzen. „Ich möchte Schauspieler werden,“ stand für Mer38

Seite 38/39, links und mitte: „Leonce und Lena“, Komödie nach Georg Büchner (2016).

Engelsgarten oder im Wuppertaler Opernhaus gebracht, darunter „Die Bürgschaft“ nach Friedrich Schiller, gefolgt von der Komödie „Leonce und Lena“ nach Georg Büchner, „Planet der Affen“ nach dem Roman von Pierre Boulle oder „Die Ballade vom Seiltänzer Felix Fliegenbeil“ nach Michael Ende.


Dass die Produktionen als „nach“ und nicht „von“ ausgewiesen sind, hat seinen Grund: Natürlich müssen die Vorlagen an die Möglichkeiten der Spieler und Spielerinnen angepasst werden. Nicht jeder ist gleichermaßen in der Lage, Textmengen zu bewältigen, jeder verfügt über unterschiedliche Möglichkeiten körperlichen Ausdrucks. Dass dies

„Ich genieße das sehr, von den normalen Maskenbildnern geschminkt zu werden. Wir sind hier gleichwertig. Das ist einmalig.“ Diana, 51 Jahre 39


Szenenbilder aus der Produktion des Glanzstoff-Ensembles: „Die Bürgschaft“ nach Friedrich Schiller (2015).

nicht in erster Linie Einschränkung bedeuten muss, sondern einen ganz eigenen Reichtum hervorbringen kann, beweist das Ensemble mit jeder Produktion aufs Neue. Für Thomas Braus, Schauspielintendant der Wuppertaler Bühnen, ist das Glanzstoff-Ensemble mithin auch eine echte Bereicherung für das Haus und für die Stadt: „Menschen mit einem Handicap bzw. einer Behinderung gehören in die Kunst und auf die Bühne, denn sie haben ihre besondere und eigene Art und Weise, Theater zu spie-

„Am schwierigsten ist, den Text zu lernen.“ Merlin, 31 Jahre

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len, die für alle, sowohl für das Publikum als auch für die Schauspielerinnen und Schauspieler, nur bereichernd sein kann. Besonders das Theater öffnet den Blick auf die Unterschiedlichkeiten und Einzigartigkeiten der Menschen und wehrt sich gegen die Angst vor dem anderen und dem Fremden“, sagt er. Regisseur Bardia Rousta, der die Leitung des Ensembles nach dem Weggang von Markus Höller Anfang 2018 übernommen hat, beschreibt den Kern der Theaterarbeit mit Menschen, die gemeinhin als behindert bezeichnet werden, so: „Es geht nicht darum, ihnen zu sagen, was sie nicht können, sondern ihnen zu zeigen, was sie alles können. Sie merken, dass sich für sie ganz neue Möglichkeiten eröffnen und sie plötzlich selber Wege finden, aus ihrer Schwäche eine Stärke zu machen. Es geht um dieses Sich-


selber-Ernstnehmen, auch konzentriert zu arbeiten und zu merken: Es gibt ja nichts, was ich nicht kann. Es gibt für mich keine Grenzen.“ Denn in der großen Traummaschine Theater ist schließlich grundsätzlich alles möglich. „Auf der Bühne gibt es nichts, was sie nicht können. Sie können fliegen, wenn sie wollen,“ sagt Rousta.

dem Glanzstoff-Ensemble gleichberechtigt miteinander spielen. Wie lang der Weg dorthin noch ist? „Es wäre unrealistisch zu sagen, dass das für alle zwölf in nächster Zeit realisierbar ist“, räumt Rousta ein. „Aber für 2020 wünsche ich mir eine Produktion, in der mindestens einer unserer Darsteller mitspielt.“

Der Regisseur und Theaterpädagoge mit iranischen Wurzeln bringt viel Erfahrung in der Theaterarbeit mit Jugendlichen, mit Migranten und Mitgrantinnen und mit behinderten Menschen mit. An der Arbeit bei „Glanzstoff“ hat ihn vor allem der Gedanke der Professionalisierung von Menschen mit Handicap gereizt. „Das, was wir in der Regel auf der Bühne sehen, ist ja kein reales Gesellschaftsbild, das alle Menschen abbildet“, bemängelt er. Genau das aber sollte es seiner Meinung nach sein. Mit dem Glanzstoff-Studio verfolgt er deshalb ein ehrgeiziges Ziel: Eine Produktion mit den Wuppertaler Bühnen, wo Darsteller und Darstellerinnen des Hauptensembles und solche aus

Für Wolf Dietrich, den Pelikan aus „Der kleine schwarze Fisch“ und ältestes Ensemblemitglied, ist das gar keine Frage: „Wir gehören einfach auf die Bühne“, sagt er. Es klingt durch und durch überzeugend. Anne-Kathrin Reif Fotos: Uwe Schinkel

„Es ist mein absoluter Traum, auf der Bühne zu stehen. Dass wir so akzeptiert werden, ist so toll.“ Annette, 57 Jahre 41


Lauren Schubbe während der Aufführung „Hänsel und Gretel“, November 2018

„Ich muss funktionieren wie ein Uhrwerk.“ Lauren Schubbe, Inspizient am Opernhaus Wuppertal

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Lauren Schubbe vor der Aufführung von „Hänsel und Gretel“

Im Gegenteil: Die große dunkle Bühne mit ihren Vorhängen, Zügen, Beleuchterbrücken und Scheinwerfern bleibt ein Ort der Verheißungen. Und sobald es donnert und blitzt, auch, wenn sichtbar die Nebelmaschine vorbeigetragen wird, lädt sich die Spannung auf. Das Geheimnis, wie eine Bühnenaufführung zustande kommt, lässt sich zwar in kleine Bestandteile zerlegen, es mag jedoch selbst den Beteiligten immer wieder wie ein Wunder erscheinen, dass plötzlich alles reibungslos abläuft – Musik, Bühne und Technik, irgendwann erdacht von einem Regieteam und allabendlich realisiert durch eine hoch motivierte Mannschaft aus Künstlern, Handwerkern und Technikern, die auf den Punkt genau in die ihnen bestimmte Aktion treten.

Selbst wenn man, wie in der Oper „Liberazione“, als Zuschauer eingeladen wird, auf die Bühne zu gehen und unmittelbar ins Geschehen eintauchen darf, geht der Zauber nicht verloren.

Es ist der Inspizient, der hinter der Bühne die Fäden zieht und die künstlerischen und technischen Abläufe koordiniert: „Noch 30 Minuten bis zum Beginn der Vorstellung ... noch 15 Minuten ...“ Und schließlich sind es noch fünf Minuten, bis Lauren Schubbe das Orchester, die Bühnentechniker und die Sänger einruft. Er gibt auch das Zeichen für den Gong, der die Zuschauer in den Saal bittet, spricht den exakten Beginn der Vorstellung mit den Türschließern ab und wartet gegebenenfalls, bis auch der letzte Besucher einen Parkplatz gefunden hat. Dann erst wird der Zuschauerraum abgedunkelt: „Der große Vorhang wird noch immer mit der Hand gezogen, das ist ein künstlerischer Vorgang, auf den ich nur begrenzt Einfluss habe. Es ist ganz wichtig, in welchem Tempo sich der Vorhang, passend zum Stück öffnet oder – oft auf den Punkt mit dem letzten Ton des Orchesters – schließt. Ich kann lediglich mit dem Techniker kommunizieren und baue auf sein Einfühlungsvermögen.“ 43


Während die Vorstellung läuft, sitzt der Inspizient Lauren Schubbe an seinem Pult unmittelbar seitlich vom Bühnenportal des Opernhauses. Vor ihm liegt der Klavierauszug der Oper, versehen mit zahlreichen bunten Klebezetteln und Einträgen. Auf mehreren Monitoren sind Orchester und Dirigent sowie diverse Bühnenbereiche zu sehen. Schubbe spricht seine klaren Anweisungen in verschiedene Mikrofone oder übermittelt sie per Funk oder Lichtzeichen: „Technik Umbau los, Beleuchtungsstand 125 ab, Toneinspielung 5 ab, Video 3 ab, Herr Müller zum Auftritt.“ Davon hört das Publikum in der ersten Reihe nichts, auch dann nicht, wenn einmal etwas nicht funktioniert: „Mal geht etwas kaputt, mal stimmt die Position einer Kulisse nicht oder ein Beleuchtungsstand. Wenn ein Rädchen hakt, muss ich mich blitzschnell entscheiden: Was sind die Konsequenzen, ist es gefährlich? Machen wir weiter? Reparieren wir den Schaden oder vergessen wir ihn?“ Gemeinsam mit dem Bühnenmeister ist der Inspizient weisungsbefugt. Droht Gefahr, kann die Aufführung jederzeit abgebrochen werden: „Deshalb gehe ich vor jeder Vorstellung über die Bühne und kontrolliere, ob alles so aussieht, wie es sein soll.“ Die technische Verantwortung trägt der Bühnenmeister, während die künstlerische Leitung beim Abendspielleiter liegt. „Als Inspizient ist man das Bindeglied zwischen beiden Bereichen.“ Nach jeder Vorstellung wird ein Protokoll gefertigt, in das nicht nur die genauen Zeiten einer Vorstellung eingetragen werden, sondern auch die Dauer des Applauses und die Anzahl der Besucher. Die Tätigkeit des Inspizienten ist eine Gratwanderung zwischen Kunst und Technik: „Gute Nerven braucht man auf jeden Fall. Auch Musikalität ist gefragt, man muss in der Lage sein, einen Klavierauszug souverän zu lesen und sich gegebenenfalls bei einem zeitgenössischen Werk in der Partitur orientieren zu können.“ Eine Ausbildung für diesen „Beruf“ gibt es nicht; immerhin hat sich seit 2013 ein Inspizientennetzwerk etabliert, das seit einem Jahr gemeinsam mit dem Bühnenverein ein Stellenprofil und Arbeitsbedingungen formuliert und veröffentlicht hat. Viele ehemalige Tänzer oder Sänger werden Inspizienten – gefragt sind perfekte Konzentration, Stessresistenz und die Fähigkeit, Ruhe zu bewaren, egal, was passiert. Lauren Schubbe hat in Köln Schulmusik studiert, dann folgte in Hamburg das Studium der Musiktheaterregie. Während verschiedener Praktika im Rahmen dieses Studi44

enganges und bei hochschulinternen Aufführungen wechseln die künstlerischen Aufgaben der Studierenden, mal arbeitet man als Dramaturg, mal als Inspizient, mal als Regisseur. Parallel zum Studium konnte sich Schubbe als Beleuchtungskorrepetitor an der Hamburger Staatsoper ein Zubrot verdienen: „Dieses Amt wird gern an Regiestudenten vergeben, um ihnen die Gelegenheit zu geben, den Opernbetrieb und das Repertoire kennenzulernen. Weil sie Noten lesen können, besteht ihre Aufgabe darin, den Beleuchtern oder Lichtdesignern anhand des Notentextes exakte Einsätze zu geben. Dabei hört man die Opern ständig, man lernt die Stücke, und man lernt das Lesen komplexer Partituren.“ Nach dem Studium war Schubbe sieben Jahre lang als Regieassistent an der Wuppertaler Oper unter Johannes Weigand tätig. Hier hat er unter anderem den szenischen Musical-Abend „Something Stupid Called Love“ inszeniert und im Schauspielhaus das Musical „Emil und die Detektive“ mit dem Kinder- und Jugendchor der Wuppertaler Bühnen. „Inspizient war damals ein ehemaliger Sänger, dessen sonorer Bassbariton bei den Durchrufen erklang und der durch nichts aus der Ruhe zu bringen war. Er hat mir vorausgesagt: ‚Du wirst Inspizient, das ist dein neuer Job.’“ Als während der Intendanz von Toshiyuki Kamioka das gesamte Ensemble entlassen wurde, wechselte Lauren Schubbe für vier Jahre als Regieassistent und Spielleiter an die Oper in Köln, während seine Familie in Wuppertal blieb: „Die Zeit in Kön war gut, um Erfahrungen zu sammeln, gut auch, um Eigenverantwortung in der Arbeit mit den Sängern zu übernehmen, besonders bei Repertoirevorstellungen mit Gästen. Doch die Arbeit als Spielleiter oder Regisseur, ‚eng an der Kunst’, fordert permanent den ganzen Menschen.“ Schubbe wünschte sich damals ein wenig mehr Freiheit, ein etwas besser geregeltes Berufsfeld und bewarb sich in Wuppertal, als dort die Stelle des Inspizienten vakant wurde. Seither arbeitet er gleichsam auf der anderen Seite der Bühne. Für den Inspizienten erfolgt der erste Kontakt mit einer neuen Produktion und mit dem Regieteam anlässlich der Bauprobe. Hier wird das Bühnenbild durch einfache Bauelemente angedeutet: „Dabei ergibt sich eine ungefähre Vorstellung von dem, was mich erwartet, und ich erarbeite mir das Stück. Den nächsten Kontakt bildet das Konzep-


tionsgespräch zu Beginn der szenischen Proben, wenn das Team die künstlerischen Ideen vorstellt.“ An den Proben auf der Probebühne nimmt der Inspizient in aller Regel nicht teil. Die erste Durchlaufprobe ist wichtig, weil zu diesem Zeitpunkt die künstlerischen Abläufe weitgehend festliegen. Mit Beginn der Bühnenproben, etwa drei Wochen vor der Premiere, arbeitet der Inspizient immer enger mit dem Regieassistenten und dem Bühnenmeister zusammen. Allmählich füllt sich der Klavierauszug mit farbigen Klebezetteln: „Alles Szenische markiere ich mit Blau, Technik mit Grün, ‚Achtung’ mit Rot.“ Einrufe und Lichtzeichen kommen hinzu, Umbaupläne werden mit der Bühnentechnik abgeglichen, Lichtstände mit den Beleuchtern abgesprochen, bis sich allmählich alle Steine des Puzzles ineinanderfügen. Nach der ersten Durchlaufprobe mit Bühnenbild und Licht werden auch die technischen Abläufe klarer, dann erst markiert Schubbe im Klavierauszug die entsprechenden Stellen mit farbigen Stiften. „Da das neue Team der Wuppertaler Oper ideenreich ist, wandert mein Arbeitsplatz manchmal an andere Stellen. Bei ‚Three Tales’ musste ich mein Cockpit verlassen, weil das Publikum auf der Bühne saß. Bei ‚Liberazione’ bin ich während der Vorstellung auf die Arbeitsgalerie umgezogen, als das Publikum vom Zuschauerraum auf die Bühne wechselte. Das Labyrinth der Zauberin Alcina befand sich zunächst auf der Unterbühne und wurde im Verlauf des Stückes auf Bühnenebene hochgezogen. Von der Arbeitsgalerie aus bot sich eine tolle Perspektive, ich hatte dort als einziger den Überblick. Das war wichtig, weil jederzeit garantiert sein musste, dass keine Gefahr für die Zuschauer bestand.“

Eine Seite des eingerichteten Klavierauszugs von „Hänsel und Gretel“

Lauren Schubbe gibt den Auftritt für die Mitglieder des Kinderchors

Nach der langen Zeit als Regieassistent, Spielleiter und Regisseur ist Lauren Schubbe froh, die Seite gewechselt zu haben und sich der Herausforderung zu stellen, abends an der künstlerisch-technischen „Schaltzentrale“ zu sitzen. Darüber, dass diese Tätigkeit dem Publikum verborgen bleibt, denkt er keinen Augenblick lang nach. Marlene Baum Fotos: Willi Barczat

Und raus zum Applaus

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Party in Hagen, Neuentdeckung in Wuppertal Opernhighlights in Hagen und Wuppertal

„Pariser Leben“ im theaterHagen Maria Klier, Kenneth Mattice, Stephan Boving und Chor Foto: 46 Klaus Lefebvre


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Nordrhein-Westfalen hat viele Opernhäuser. So haben Opernfans oft die Qual der Wahl, können nicht immer wissen, ob es ein anregender oder enttäuschender Abend wird, gerade wenn sie weitere Fahrten in Kauf nehmen. Deshalb hier zwei Empfehlungen, für die man auch nicht weit fahren muss. Beide Premieren waren im Jahr 2018, beide Stücke werden aber auch 2019 noch gespielt. Das Theater in Hagen läutete das Offenbachjahr 2019 (der Herr wird 200) schon im Oktober 2018 mit einer grandiosen Inszenierung von „Pariser Leben“ ein. In Wuppertal war im Dezember 2018 Premiere von Verdis „Luisa Miller“, viel seltener gespielt als seine bekannteren Werke, insofern eine Neuentdeckung. Die Regie hat sich in diesem Stück über die realistische Wiedergabe der Handlung hinaus einiges einfallen lassen. „Pariser Leben“, Chor, Extrachor, Richard van Gemert, Veronika Haller und Boris Leisenheimer, Foto: Klaus Lefebvre

„Pariser Leben“ im theaterHagen Was ist typisch französisch? Ein Croissant, das raucht und ständig um Feuer bittet! So war das jedenfalls in Hagen als Running Gag. Es gab viel zu lachen in dieser wunderbaren Aufführung von „Pariser Leben“ von Jacques Offenbach, ohne dass der ernstere Hintergrund verloren ging. Hatte man vorher das „Pariser Leben“ von Offenbach gegoogelt, blieb man etwas ratlos zurück angesichts der verzwickten und schwergängigen Handlung mit unmotivierten Aktionen und Schauplatzwechseln. Umso mehr kann man sich über die neue Textfassung des Regisseurs Holger Potocki freuen, der das Stück gründlich entrümpelt und modernisiert hat. Pariser Leben spielt in der Gegenwart, nimmt aber Offenbachs Tendenz auf, am Mythos von Paris als „Stadt der Liebe“ zu kratzen, und setzt mit intelligenten Dialogen und viel Wortwitz noch einen drauf. Und als Re48

gisseur gelingt es Potocki auch, Offenbachs Texte gestisch und mimisch umzusetzen, und das bis in die letzte Kleinigkeit und zum großen Vergnügen des Publikums. Dabei kann er sich auf das Hagener Ensemble verlassen, das seine Ideen mit hohem Engagement und größter Spielfreude auf die Bühne brachte. Nicht nur die Solisten, auch Chormitglieder und Statisten können sprechen, singen und tanzen und sind in jeder Hinsicht bewundernswert. Was Potocki geändert hat? Alles spielt in aktueller Zeit, es gibt Smartphones, das schwedische adlige Ehepaar von Gondremark landet in einer der finstersten Ecken von Paris, in einer sozialen Schicht, die ihnen fremd ist und mit der der Umgang schwer ist, alles „Ureinwohner“, die die vielen Touristen eher stören und die sie gerne ausnehmen. Auf der Party, die für den Baron arrangiert wird, füllt sich plötzlich und zur Überraschung der wenigen vorgesehenen Gäste der Saal, weil der verantwortliche Pariser eine Facebookparty mit freiem Eintritt annonciert hat, bei der Alkohol und Schnee in Massen konsumiert werden. Hier und in den anderen Massenszenen erblickt man Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, aber auch historische Personen wie z. B. Asterix, ebenso aktuelle wie eine MeToo-Aktivistin und Karl Lagerfeld. Einige Personen wurden charakterlich umgestrickt, so z. B. die ursprünglich alte und hässliche, hier aber absolut mannstolle Madame QuimperKaradec, der auch der hinzuerfundene Leibwächter Gonzo, mit knapper Lederhose, leichtem Bauchansatz, freiem Oberkörper und kräftigem Sixpack, nicht reicht. Zum Regieteam gehörten noch zwei Frauen, die in perfekter Abstimmung mit dem Regisseur in hohem Maße zum Gelingen des Abends beigetragen haben. Zum einen war das Lena Brexendorff, die ein aussagekräftiges und dabei sehr variables Bühnenbild geschaffen hatte. Hinreißend waren ihre Kostümideen. Solisten, Chor, Extrachor und Statisten mussten mit unterschiedlichsten Kostümen versorgt werden, und alles passte bei größter Differenziertheit wunderbar zusammen. Eine große Hilfe muss auch die Choreografin Andrea Danae Kingston gewesen sein, die gemeinsam mit dem Regisseur für die Massenszenen zuständig war. Diese waren ein Genuss, ungefähr 40 Leute wirbelten über die Bühne, und trotzdem war alles stimmig. Die Solisten des Hagener Theaters trafen singend, sprechend, mimisch, gestisch genau den satirischen Offenbachton. Um zwei herauszugreifen: Unklar, ob man bei Kenneth Mattice als Baron von Gondremark mehr die Stimme oder sein präzises Stolpern im betrunkenen Zustand bewundern


sollte. Und Marylin Bennett als Madame Quimper-Karadec ging voll in ihrer Rolle auf, durfte dann auch noch Vernon Dukes „April in Paris“ mit Big-Band-Begleitung zum Besten geben. Bravourös waren auch die anderen Rollen besetzt, sogar die kleineren von Chormitgliedern. Von der Sprachfärbung bis zur kleinsten Geste stimmte alles. Und Rodrigo Tomillo lieferte mit dem Hagener Orchester und Chor den perfekten Soundtrack zum Pariser Leben. Eingefügt, und das vergrößerte noch den Spaß, war aber auch andere Musik wie „Je t`aime“, eine rockige Gitarre und ein Akkordeontrio. Und bei „April in Paris“ zeigte das Hagener Orchester, dass es auch Big Band kann. Ein wunderbarer Abend, sehr vergnüglich, aber nicht klamaukig, sondern auch mit einigem Tiefgang. In der Premiere wollte das Publikum die Akteure gar nicht mehr von der Bühne lassen. „Luisa Miller“, Anton Keremidtchieff und Kind Luisa Foto: Jens Grossmann

durchaus das Niveau der von Gilda, Traviata, Aida. Dann lieferten die Sänger Überragendes ab. Die Wuppertaler Oper hatte für diese Inszenierung fünf Gäste engagiert, die alle in jeder Hinsicht überzeugten. Bei Izabela Matula als Luisa Miller war ihr Pianissimo gerade bei Spitzentönen besonders auffallend. Rodrigo Porras Garulo als Luisas impulsiver Liebhaber Rodolfo, rebellischer Sohn des Grafen Walter, beeindruckte durch seine sehr durchschlagskräftige Stimme, Nana Dzidziguri als Luisas Gegenspielerin Federica vor allem durch ihre voluminösen tiefen Töne. Den Intriganten Wurm sang Michael Tews mit markanter, sicher geführter Stimme, und Anton Keremidtchieff charakterisierte die Rolle von Vater Miller mit kraftvollem und kernigem Bariton. Die beiden Mitglieder des Wuppertaler Ensembles brauchten sich gegenüber den Gästen aber überhaupt nicht zu verstecken. Iris Marie Sojer gestaltete die Partie von Luisas Freundin empfindsam und farbenreich, und Sebastian Campiones schwarzer Bass passte hervorragend zur Rolle des diktatorischen und vor keinem Verbrechen zurückschreckenden Grafen Walter. Dass Julia Jones sich mit Verdi besonders gut auskennt, merkte man vom ersten Takt des Vorspiels an. Das Orchester reagierte aufmerksam, sicher und an entscheidenden Stellen auch mit gehöriger Rasanz auf ihr temperamentvolles, aber präzises Dirigat. Auffallend war der große Lautstärkeumfang, er ging vom zartesten Piano von Streichern und Solobläsern bis zum stärksten Fortissimo.

„Luisa Miller“ von Verdi im Wuppertaler Opernhaus Großer Opernabend in Wuppertal. Langer Beifall am Schluss, aber schon während der Aufführung immer wieder Zwischenbeifall für die Leistungen der Sängerinnen und Sänger. Und die Wuppertaler Generalmusikdirektorin Julia Jones befeuert mit ihrem Orchester noch die Dramatik des Stücks und macht damit deutlich, dass „Luisa Miller“ keinen Vergleich mit den viel öfter gespielten Publikumsrennern Verdis zu scheuen braucht. Das liegt zuerst einmal am Stück selbst. Diese Oper ist eine Entdeckung. Die Musik birst vor Leidenschaft und Emotion, vermeidet jeglichen Schematismus, sondern beleuchtet die szenischen Vorgänge sehr genau, bietet dabei überraschende Wendungen. Eine besondere Kostbarkeit ist ein A-capella-Quartett im zweiten Teil, und die „Todesgesänge“ von Rodolfo und vor allem Luisa am Schluss erreichen

Das Regieteam, die junge tschechische Regisseurin Barbora Horáková Joly, Andrew Liebermann (Bühne) und Eva-Maria van Acker (Kostüme), hatte sich dazu einiges einfallen lassen. Zum einen wurde die Personenkonstellation geschärft. Auf der einen Seite stehen der brutale und menschenverachtenden Graf (oder Konzernchef) Walter und sein „Mann fürs Grobe“, Wurm, die durch Mord an die Macht gekommen sind. Diesen beiden wurde sehr eindeutig die Witwe Federica zugesellt, die Rodolfo in einer für den Konzern nützlichen Vernunftehe heiraten soll. Als er ihr gesteht, dass er sie nicht liebt und nicht heiraten will, wirft sie ihn brutal zu Boden und reiht sich in die Riege der Bösen ein, die für ihren Vorteil über Leichen gehen. Dieser furchtbaren Phalanx stehen Walters Sohn Rodolfo und Luisa fast hilflos gegenüber, auch wenn Rodolfo weiß, auf welche Weise sein Vater an die Macht gekommen ist. Und Luisa wird, nachdem Wurm sie gezwungen hat, ihre 49


Liebe zu Rodolfo in einem Brief zu leugnen, von jenem gefoltert und vergewaltigt. Miller, Luisas Vater, kann ebenso wenig für sie tun, sieht in ihr immer noch das kleine Mädchen und nicht die junge Frau.

sei hier die Behandlung der Rolle Wurms. Ein Mann wie ein Baum, aber intrigant und feige, der sich immer wieder eine Maske aufsetzt. Sehr sehenswert seine Szenen mit Luisa, in denen Singen und Spielen aktionsreich inszeniert wurde.

Zum anderen wird die Handlung nicht eindimensional auf der Bühne gespielt, sondern die Aktionen werden gedoppelt, gedeutet, kontrapunktiert. Rodolfo und Luisa erscheinen immer wieder als Kinder, zum ersten Mal schon während des Vorspiels. Der kleine Rodolfo packt einen geschenkten Teddy aus, den er später beim vermeintlichen Verrat Luisas zerstört. Sie schreiben mit großen Buchstaben AMORE und INTRIGO an die Seitenwände, malen später Häuser und Bäume darauf, offenbar Zeichen eines einfachen glücklichen Lebens. Die werden im Laufe der Vorstellung immer mehr verschmiert und unkenntlich gemacht. Das passiert durch vier Tänzerinnen und Tänzer (Choreografie James Rosental), die selber im Gesamtverlauf immer dunkler und schmutziger werden.

Was noch zu erwähnen ist: Während der Handlung auf der Bühne erscheint eine Art von Kommentaren im Hintergrund, die nicht eindeutig sind und wohl auch nicht sein sollen. Einer davon betrifft Luisa selbst. Nach ihrer Liebesszene mit Rodolfo wird sie von mehreren Männern in den Arm genommen und liebkost. Heißt das, die junge Frau Luisa hat ihre Sexualität entdeckt und träumt? In der Pause schon wurde über die clownesk gekleidete und mit Luftballons versehene Dorfbevölkerung eifrig diskutiert. Was mag das wieder bedeuten? Gegenbild zur alles beherrschenden Diktatur? Oder etwas ganz anderes? Am Schluss wurde das Bild mit Vater Miller und Luftballon und Clown jedenfalls wieder aufgenommen. Mir scheint, dass diese Bilder zwar durchaus ambivalent, aber keineswegs beliebig sind. Gewollt ist wohl, dass sie diskutiert werden und Assoziationen oder gar Assoziationsketten freisetzen, und zwar über den Opernabend selbst hinaus und in die Gegenwart hinein.

Die Farbe Schwarz spielt überhaupt eine ganz entscheidende Rolle. Ist am Anfang die Bühne noch hell und weiß, verdunkelt sie sich immer mehr, auch die Kostüme werden immer dunkler, sogar bei Rodolfo und Luisa, schwarze Schleier liegen auf dem Boden. Öl (oder eine schwarze, wahrscheinlich giftige chemische Flüssigkeit) kommt immer wieder vor, deutet daraufhin, dass der Graf eher als brutaler Ölmagnat oder Konzernchef zu sehen ist. Seine Brutalität und fast unbegrenzte Macht werden mehrfach deutlich gemacht. Die vier Tänzerinnen und Tänzer klettern in Fässer, werden dann mit der schwarzen Flüssigkeit begossen. Die Fässer werden dann verschlossen und entsorgt. Kurz bevor der Vorhang sich nach dem 1. Akt schließt, fallen aus dem Schnürboden zwei Tankwagenladungen schwarzen Gifts, bedecken und verschmutzen die Bühne. Wenn sich der Vorhang nach der Pause öffnet, beginnt das Spiel mit einem Schrei der vier Tänzerinnen und Tänzer, die Plastikflaschen gegen die hintere Bühnenwand werfen, auf die letzte, noch nicht verschmutzte Stelle. Zweimal erscheint die Kontrastfarbe Weiß. Das Personal Walters erscheint in weißen Einmalanzügen, hat also mit Öl oder gefährlichen Chemikalien zu tun, betätigt sich auch als Tatortreiniger. Was für eine vergiftete Atmosphäre! Und Federica tanzt im Hintergrund eine Pantomime im weißen Brautkleid, nicht freudvoll, sondern bedrohlich. Um dies alles auszudrücken – alles wird immer dunkler, die Angst nimmt zu –, hat die Regisseurin sich der Personenführung sehr intensiv gewidmet. Beispielhaft genannt 50

Wenn eine private Assoziationskette erlaubt ist: Wenn die Regisseurin den Grafen Walter als gefühlskalten und aalglatten Ölmagnaten oder besser noch Chef eines Chemiekonzerns darstellt, öffnet sich die immer wieder ungerechterweise als weltfremd kritisierte Oper zur Gegenwart. Zwar wird heute kein Konzernchef mehr seinen Sohn in den Tod treiben, aber existenzgefährdende Massenentlassungen sind durchaus üblich, Hauptsache, der Gewinn stimmt. Mord unter Managern kommt zwar auch nicht mehr vor, da gibt es aber feindliche Übernahmen, goldenen Handschlag und Betrug an den Kunden. Das Wohl der Menschen (und auch der Umwelt) spielt keine Rolle, auch echte menschliche Gefühle sind zu vernachlässigen und werden, wie in dieser Inszenierung, geschwärzt, verschmutzt. So scheint plötzlich und unversehens eine aktuelle politische Dimension durch. Und ist es ein Zufall, dass einige Tage vor der Wuppertaler Premiere von „Luisa Miller“ die Firma Bayer bekannt gab, dass in Wuppertal ein gerade fertiggestelltes Laborgebäude gar nicht in Betrieb genommen wird (welche Verschwendung!) und nicht nur 350, sondern fast 1000 Mitarbeiter entlassen werden? Fritz Gerwinn Weitere Vorstellungen von „Luisa Miller“: 27.1., 17.2., 28.2.2019 Weitere Vorstellungen von „Pariser Leben“: 19.1., 26.1., 24.2., 23.3., 26.4., 5.5., 12.5.2019


„Luisa Miller“ im Wuppertaler Opernhaus Tänzer und Sebastian Campiones, Foto: Jens Grossmann

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Roger Christmann

Bettina Wagner-Bergelt, Fotos: Claudia Kempf

Ärmel aufkrempeln für einen neuen Aufbruch Das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch hat eine neue – diesmal gleichberechtigte – Doppelspitze Bettina Wagner-Bergelt und Roger Christmann sind das neue Führungsduo beim Tanztheater Wuppertal. Mit Anne-Kathrin Reif sprachen sie über ihre Vorstellungen von Teamarbeit und ihre Pläne für die Zukunft. Frau Wagner-Bergelt, Ihr offizieller Arbeitsbeginn als künstlerische Leiterin des Tanztheater Wuppertal ist Anfang Januar, doch Sie haben schon vor Wochen verkündet, Sie wollten nicht so lange warten und sofort „die Ärmel aufkrempeln“. Was haben Sie in diesen Wochen gemacht? Bettina Wagner-Bergelt: Wir haben natürlich zuerst einmal mit allen Mitarbeitern hier auf der Direktionsetage, mit denen wir direkt zu tun haben, Gespräche geführt und uns beim Ensemble vorgestellt. Und dann haben wir uns sofort damit beschäftigt, wie man das Programm so in Angriff nehmen kann, dass nicht diese ganze Spielzeit verloren geht. Da ist ja in der letzten Zeit nichts mehr gemacht worden. Was die Gastspielangebote angeht, muss das jetzt 52


schon für 2019/20 auf den Weg gebracht werden, damit alles noch pünktlich realisiert werden kann. Da ist eine Menge zu tun. Ich habe auch schon die ersten Tänzergespräche geführt, und wir haben versucht, wieder Struktur in die Informationsabläufe zu kriegen, damit nicht so viel Energie an unnötigen Stellen verloren geht. Wir haben viele Gespräche geführt, auch mit der Pina Bausch Foundation, mit Salomon Bausch, Abstimmungen, die in den letzten Monaten wohl nicht so häufig stattgefunden haben. Wir haben durch das Reden auch viele Impulse und neue Ideen bekommen – was ich überhaupt für das Allerwichtigste halte. Dass man im Gespräch Projekte entwickelt und dann schaut: Sind sie realisierbar, und was brauchen wir dafür? Ihrer beider Berufung erfolgte sehr rasch nach der fristlosen Kündigung von Intendantin Adolphe Binder – für viele vielleicht überraschend. Welche Stimmung haben Sie beim Ensemble vorgefunden? Wagner-Bergelt: Ich hatte von Anfang an den Eindruck, dass bei den meisten eine sehr positive Einstellung herrscht, dass sie sich freuen auf das, was jetzt kommt. Dass sie neugierig sind und schauen, wo wir Perspektiven für sie eröffnen, wo sie ihre Ideen mit einbringen können. Sie haben jetzt immer von „wir“ gesprochen, Sie beide betonen, dass Sie sich als eine gleichberechtigte Doppelspitze verstehen. Herr Christmann, wie sehen Sie Ihre Rolle als kaufmännischer Leiter des Tanztheater Wuppertal, womit haben Sie sich in den ersten Wochen beschäftigt? Roger Christmann: Wir haben tatsächlich die meisten Gespräche bisher zusammen geführt, was ich auch für sehr wichtig halte, weil wir beide uns ja auch gerade erst kennengelernt haben und dabei herausfinden, wo wir in dieselbe Richtung schauen und wo es auch zwischen uns noch Redebedarf gibt. Ich fand die Gespräche intern und extern wahnsinnig konstruktiv, sehr offen und mit einer sehr großen Willkommensgeste. Es gibt noch einige Dinge, die wirklich dringend sind wie die Planung der Spielzeit 2019/20 – trotzdem glaube ich, dass wir uns in der ersten Jahreshälfte noch Zeit nehmen sollten, über einige Dinge gründlicher nachzudenken und nicht alles unter Zeitdruck zu machen. Was wäre das aus Ihrer Sicht? Christmann: Es gibt ja wichtige Fragen – wie geht es langfristig mit diesem Ensemble weiter? Wie kann man lang-

fristig die künstlerische Qualität halten? Wie kann man neue künstlerische Impulse reinbringen? Welche Rolle soll dieses Tanztheater Wuppertal im Pina Bausch Zentrum spielen? Wie ist das Verhältnis zwischen Tanztheater Wuppertal und Pina Bausch Foundation? Das sind alles Fragen, wo wir den Eindruck haben, dass da in den letzten Jahren zwar vereinzelt drüber nachgedacht wurde, aber nicht wirklich Schritte unternommen wurden, um Dinge auch in Aktion zu bringen und zu etablieren. Es scheint mir wichtig, in der ersten Jahreshälfte auch Zeit und Muße freizuschaufeln, um über diese Fragen nachzudenken. Für die künstlerische Ausrichtung sind Sie, Frau WagnerBergelt, zuständig, Sie, Herr Christmann, müssen schauen, ob das, was wünschenswert und notwendig ist, auch finanziell machbar ist. Fällt Ihnen da unter Umständen die undankbare Rolle des Bremsers zu? Christmann: Ich sehe mich nicht in der Rolle des Bremsers, so definiere ich auch mein Aufgabengebiet nicht. Ich sehe mich eher in der Rolle desjenigen, der mit überlegt, wie die künstlerischen Pläne zu verwirklichen sind. Und da geht es nicht nur um finanzielle, sondern auch um personelle Fragen, um Ressourcen im Allgemeinen. Ich finde, dass die Hauptfragen im Moment nicht finanzieller Natur sind. Es sind tatsächlich viel mehr künstlerische Entscheidungen, die natürlich innerhalb eines vorgegebenen finanziellen Rahmens umzusetzen sind. Aber bisher haben wir relativ wenig über Geld gesprochen, einfach weil keine Pläne auf dem Tisch liegen, wo mir aus finanzieller Sicht angst und bange wird. Das Ensemble steht finanziell gesehen auf recht guten Füßen, die Nachfrage ist riesig, die Eigeneinnahmen entsprechend hoch. Man muss daran natürlich weiter arbeiten. Aber im Vordergrund stehen inhaltliche Fragen – und da werden wir gerade in der Anfangsphase tatsächlich alle Entscheidungen gemeinsam treffen. Wagner-Bergelt: Es ist gar nicht so sehr die Frage der Gleichberechtigung, wir wollen wirklich zusammenarbeiten und nicht davon ausgehen, dass es da zwei Positionen gibt, die ständig abgestimmt werden müssen. Im Moment besteht der Spaß darin, es gemeinsam zu machen. Dazu gehört auch, sich gegenseitig zu korrigieren und davon zu profitieren, dass jeder seine Sicht auf die Dinge einbringen kann. Und wir machen es ja auch nicht ganz alleine, sondern es sind noch eine ganze Reihe anderer beteiligt, mit denen man ja auch im Gespräch ist. Es musste jetzt alles sehr schnell gehen, um den Spielplan 53


für den Rest der Saison fertigzustellen – worauf konnten Sie sich da stützen, nach welchen Kriterien haben Sie entschieden? Wagner-Bergelt: Es gab eine Menge Ideen, aber die mussten alle mit den Dispositionsvorgaben abgestimmt werden, mit den Probenprozessen – was ist möglich, was kann man jetzt noch realisieren? Zum Glück hatte Robert Sturm, unser künstlerischer Betriebsdirektor, zusammen mit dem Repertoireteam schon einiges vorbereitet. Das haben wir alles noch mal durchgecheckt, mit der Oper und mit den Gastspielen abgestimmt, damit es auch für alle Stücke genug Probenzeit gibt und man sie auf einem wirklich hohen Niveau zeigen kann. Das ist jetzt zwangsläufig ein pragmatischer Ansatz gewesen. Für die Zukunft sind natürlich andere Kriterien entscheidend bei der Aufstellung eines Spielplans. Was für Gedanken machen Sie sich dazu? Wagner-Bergelt: Ich denke, ganz wichtig ist, dass man das ganze Repertoire dahingehend prüft: Welche thematischen Schwerpunkte, welche dramaturgischen Linien gab es im Werk von Pina Bausch, wann hat sie eine bestimmte Arbeitspraxis verändert? Dann natürlich auch: Welches sind die wichtigsten Stücke aus den verschiedenen Werkphasen? Welche Stücke sind lange nicht hier gezeigt worden? Welche sind besonders aufwändig, aber ein wichtiger Augenblick in ihrem Werk, sodass man es dringend wieder machen müsste? Dann muss man natürlich schauen, ob man die richtige Besetzung dafür hat, und es ist eine Frage, wie man das macht in diesem Drei-Generationen-Ensemble. Wie trägt man dieser Altersstruktur Rechnung in den Stücken? Da gibt es welche, wo das leichter möglich ist, und andere, die vielleicht eine jüngere Besetzung brauchen. Da muss man sehr genau hinschauen. Und dann müssen natürlich auch die Wünsche der langjährigen Gastspielpartner berücksichtigt werden, die sagen: Dieses oder jenes Stück fehlt uns noch. Oder: Das würde thematisch gut in den Spielplan passen. Und dann müssen wir eine Balance finden, das alles in einer Spielzeit unterzubringen. Sie haben in einem Interview gesagt, Sie seien für einen „wissenschaftlichen Umgang“ mit dem Repertoire. Klingt ein bisschen trocken. Was verstehen Sie darunter? Wagner-Bergelt: Wissenschaft ist nicht unbedingt trocken. Was ich sagen will, ist, dass die Pina Bausch Stiftung ja wirklich ein irrsinniges Archiv ist und dass es einfach 54

wichtig ist, bei jedem Stück auch diese Quellen methodisch fundiert zu nutzen – das Quellenstudium macht man ja nicht, wie man in einem Märchenbuch schmökert. Man muss überlegen, welche Quellen sind wichtig, welche bezieht man ein und welche nicht? Welches ist die Fassung, die genau für die Besetzung, die wir jetzt haben, richtig ist? Letztlich ist das dann eine künstlerische Entscheidung desjenigen, der die Probe leitet – und das kann man nicht alles aus dem Bauch heraus und aus der Erfahrung machen. Wir wissen alle, wie trügerisch Erinnerungen sind und wie geprägt von einem ganz subjektiven Blick darauf. Deshalb denke ich, dass dieses Archiv auch von den Tänzern sehr viel stärker genutzt werden kann und sie sich damit auseinandersetzen können, wenn sie wissen, dass sie in einem Stück dabei sind. Darüber hinaus scheint mir ein dramaturgischer, auch objektivierender Blick auf die Stücke bei Nutzung der Quellen sehr wichtig, um eine richtige oder besser: wahrhaftige Version zu finden – ergänzend zu den Erfahrungen und Erinnerungen, die viele Tänzerinnen und Tänzer aus dem Ensemble mitbringen. Solche Art Quellenstudium betrifft sicherlich sehr stark die noch in der laufenden Spielzeit vorgesehene Neueinstudierung des „Macbeth“-Stücks „Er nimmt sie an der Hand und führt sie in das Schloss, die anderen folgen“, ein Stück von 1978, das als Meilenstein im Werk von Pina Bausch gilt, als ihr Durchbruch zur Form des Tanztheaters. Es ist seit 1990 nicht mehr gespielt worden, seit 1980 nicht mehr in Deutschland – mehr eine Rekonstruktion als eine Neueinstudierung, oder? Wagner-Bergelt: Ja, tatsächlich. Das wird eine spannende Aufgabe, dafür das Team zusammenzustellen, zu entscheiden, wer das einstudiert, wer es tanzt. Es gibt dazu sehr viel Material in der Stiftung, und ich werde mich damit natürlich auch selbst sehr intensiv beschäftigen, habe damit schon vor Wochen begonnen. Das ist wirklich eine Rekonstruktion nach so vielen Jahren. Wir haben bis jetzt über den Umgang mit dem Repertoire gesprochen – die andere Frage, wenn es um die Zukunft des Tanztheater Wuppertal geht, ist aber, was darüber hinaus stattfinden soll. Was für Pläne haben sie in dieser Richtung? Wagner-Bergelt: Das ist natürlich eine ganz wichtige Frage, die verschiedene Aspekte hat, die man diskutieren muss. Pina Bausch hat den Tanz und das Theater revolutioniert, sie hat alle Genregrenzen gesprengt und hatte ästhetisch einen unglaublich radikalen Ansatz. Ich denke, es kann


jetzt nicht darum gehen, jemanden zu suchen, der ungefähr so arbeitet, wie Pina Bausch gearbeitet hat. Das war einmalig. Das muss man weder kopieren noch paraphrasieren noch kommentieren. Es geht vielmehr darum zu fragen: Wer arbeitet ebenso radikal, aber in seinem eigenen Idiom und in Reaktion auf eine Welt von heute, wie Künstlerinnen und Künstler eben 2020 arbeiten? Und wie wollen Sie so jemanden finden – und für das Tanztheater Wuppertal gewinnen? Wagner-Bergelt: Oh, da gibt es eine ganze Reihe interessanter Persönlichkeiten. Da muss man sehen, ob sie sich das zutrauen hierherzukommen. Man hat zwei Möglichkeiten – entweder man holt sich die großen Namen oder man guckt in der jungen freien Szene, wo ich mich ja auch ganz gut auskenne. Im Moment führe ich einfach viele Gespräche. Denkbar ist ja auch, dass Künstler aus einer ganz anderen Ecke kommen, wo Bewegung zwar ein Teil ihrer Arbeit ist, aber nicht der wesentliche – etwa aus der bildenden Kunst, der Musik oder mehr vom Text her.

Christmann: Ich sehe eher, dass es ein schnödes Zeitproblem ist, für 2019/20 jemanden zu finden, wo alles passt und der auch Zeit hat. Und auch für uns ist die Zeit von zweieinhalb Jahren ja recht kurz. Deshalb ist es uns ja so wichtig, Strukturen zu schaffen, auf die man aufbauen kann, damit der Nächste nicht wieder bei null anfängt. Das ist auch eine reizvolle Seite der Aufgabe, die Organisationsstrukturen so anzupassen, dass sie auch zukunftsfähig sind. Nicht nur in künstlerischer Hinsicht, sondern auch in der Art und Weise, wie das Ganze funktioniert. Um diesen Aufbruch zu stemmen und das Tanztheater in die Zukunft zu führen, muss man sich ohne Zweifel mit Herzblut in die Sache stürzen und sich mit Haut und Haaren dieser Aufgabe verschreiben. Zugleich sind Sie beide aber nur für zweieinhalb Jahre verpflichtet worden, wurden von der Stadt gewissermaßen als „Zwischenlösung“ präsentiert. Eigentlich nicht so eine schöne Rolle, oder? Wagner-Bergelt: Doch, es ist eine inhaltlich sehr anspruchsvolle Aufgabe. Und vielleicht findet man in der Zeit ja auch jemanden, der sich hier gut etabliert oder von dem man

Die beiden „Neuen Stücke“ der vergangenen Saison gingen ja schon in diese Richtung. Alan Lucien Øyen arbeitet sehr theatralisch, viel mit Text, Dimitris Papaioannou ist ursprünglich bildender Künstler ... Wagner-Bergelt: Ja, das finde ich auch wirklich wichtig, und ich denke, dass man diese Ansätze weiterdenken muss. Die beiden von Adolphe Binder auf den Weg gebrachten „Neuen Stücke“ haben eine große Aufbruchstimmung im Ensemble hervorgebracht, die auch dringend nötig war – und die durch die Ereignisse der letzten Monate sehr rüde ausgebremst wurde. Mit dem Resultat eines verletzten, verunsicherten, vielleicht sogar in Teilen gespaltenen Ensembles. Die Aufbruchstimmung braucht es aber, um das Ensemble in die Zukunft zu führen. Das heißt, Sie haben im Grunde die gleiche Aufgabe wie Ihre Vorgängerin, nur unter sehr erschwerten Vorzeichen? Wagner-Bergelt: So empfinde ich das nicht. Ich glaube tatsächlich, es ist einfacher, weil wir alle an einem Strang ziehen. Und es ist einfacher, weil wir den Blick noch ein bisschen weiter in die Runde richten, mehr Gesprächspartner für unsere Arbeit haben und auch bewusst aufsuchen, das war bisher sehr inspirierend. Und rüde ist ein starkes Wort. Ich glaube auch ein falsches, denn wer sollte denn Interesse daran gehabt haben, hier etwas einfach „rüde“ zu beenden? 55


glaubt: Der/die könnte es sein. Unsere Arbeit wird ja hoffentlich auch dazu führen, dass man in diesen zweieinhalb Jahren ein Stück klüger wird bezüglich der Frage, was das Ensemble braucht, um es in die Zukunft zu führen. Und ich glaube, dass wir dafür jetzt gute Grundlagen schaffen können. Frau Wagner-Bergelt, Herr Christmann, vielen Dank für das Gespräch. Bettina Wagner-Bergelt übernimmt ab 1. Januar 2019 die Intendanz und künstlerische Leitung des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch. Sie war von 2000 bis 2016 Stellvertretende Direktorin des Bayerischen Staatsballetts und von 1990 bis 2016 Leitende Dramaturgin und baute in München ein herausragendes internationales Repertoire aus Moderne und Avantgarde auf. Mit dem von ihr entwickelten Educationprogramm CAMPUS Staatsballett initiierte Bettina Wagner-Bergelt ein maßstabsetzendes interdisziplinäres Vermittlungsprogramm für Tanz und Ballett. 1987 gründete sie „DANCE – Internationales Tanzfestival der Landeshauptstadt München“ und war in den Jahren 1987, 1989, 2008 und 2010 dessen Künstlerische Leiterin. Ausgezeichnet wurde Bettina Wagner-Bergelt u. a. 2016 mit dem TANZPREIS der Landeshauptstadt München, 2014 dem Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres und dem Kinder-zum-Olymp!-Preis. Sie ist Vorstandsmitglied des Bayerischen Landesverbands Tanz BLZT und des Dachverbands Tanz Deutschland DTD. Bettina Wagner-Bergelt studierte in Köln und Berlin Germanistik, Theater- und Filmwissenschaft und Spanische Literaturwissenschaft; sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Roger Christmann übernimmt ab 1. Januar 2019 die kaufmännische Geschäftsführung des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch. Seit 2012 ist Roger Christmann als selbstständiger Berater für die Leitung und Finanzierung u. a. der Berliner Festspiele (Koordination des Gastspiels Einstein on the Beach), der Kultur Ruhr GmbH (InterimsGeschäftsführung 2017, Projektentwicklung 2018) und des Asian Art Theatre Guangju (Entwicklung eines Masterplans, 2015) tätig. Von 2001 bis 2011 arbeitete Christmann als kaufmännischer Geschäftsführer u. a. für Theater der Welt 2010 in Mülheim an der Ruhr und Essen und das Brüsseler kunstenfestivaldesarts. Während dieser Zeit entwickelte und koordinierte er das Projekt NXTSTP im Rahmen des EU-Programms der Europäischen Union. 56

1993 schloss Roger Christmann sein Studium der Handelsund Finanzwissenschaften an der „Ecole des Hautes Etudes Commerciales“ in Lüttich, Belgien, ab. Heute lebt er in Berlin. Adolphe Binder, Intendantin des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch seit Mai 2017, hatte beim Arbeitsgericht Wuppertal Klage gegen ihre im Juli 2018 erfolgte fristlose Kündigung eingereicht. Bei der Verhandlung am 13.12.2018 gab die Kammer Adolphe Binder Recht und erklärte die Kündigung für unwirksam. Die Tanztheater Wuppertal Pina Bausch GmbH hat erklärt, gegen das Urteil Berufung vor dem Landesarbeitsgericht Düsseldorf einzulegen. „Da das Tanztheater davon ausgeht, dass die Kündigung wirksam und das Urteil des Arbeitsgerichts fehlerhaft ist, wird auch eine Weiterbeschäftigung von Frau Binder in der Zwischenzeit nicht erfolgen“, erklärte das Tanztheater in einer Pressemitteilung. Mitte November 2018 stellte die Stadt Wuppertal Bettina Wagner-Bergelt und Roger Christmann als neue Führungsspitze vor, zunächst befristet bis zum Ende der Spielzeit 2020/21.

Die nächsten Termine in Wuppertal 17., 18., 19., 20. Januar 2019 Vorverkauf hat begonnen

1980 – Ein Stück von Pina Bausch

21., 22., 23., 24. März 2019 Vorverkauf hat begonnen

Arien

29., 30., 31. März Vorverkauf hat begonnen

Palermo Palermo

17., 18., 19., 21., 22., 24., 25., 26. Mai 2019 Vorverkauf beginnt am 22. März

Er nimmt sie an der Hand und führt sie in das Schloß, die anderen folgen


Petrichor … ist die Bezeichnung des Geruchs, der von Regentropfen auf trockenem Boden hervorgerufen wird. Petros steht im Griechischen für Stein und ichor für das Blut der Götter. In Wuppertal kennt man den Duft schon viel länger als den Begriff. In der besten Zeit ist Petrichor eine Kolumne von

MC Graeff.

Klebenslänglich! Die Zahl jener Dinge, Stoffe, Mechaniken, Prozesse oder Reformen, die nicht im heutigen Wuppertal erfunden, entdeckt oder losgetreten wurden, ist bekanntermaßen überschaubar. Das Taschenbuch in seiner heutigen Form, dessen Inhalt also weder mit Faden noch mit Draht gebunden oder geheftet, sondern stapelverleimt ist, gehört leider dazu. Allzu gerne würden wir es hier im Legendental verorten, aber die ersten Patente wurden ab 1811 in Österreich, England und Amerika vergeben. Der verwendete Latex der Hevea- und Ficus-Arten, aus dem man ab 1824 in England nebenbei Regenmäntel und Gummistiefel zu produzieren begann (auch das eine bittere Niederlage für unser Erfindertal), brach bei Kälte jedoch kurzerhand entzwei. Und genau dieses so leise wie bestialische Krachen und Bersten beim Aufschlagen eines für nicht weniger als die Ewigkeit erworbenen Buches fährt jedem Bücherliebhaber tief durch Mark und Bein. Trotz Raumnot ein Exkurs: Sowieso war das „Taschenbuch“ einst ein redaktioneller Begriff, wie uns unter vielen Beispielen auch das „Taschenbuch auf das Jahr 1812 für die Stadt und den Kanton Elberfeld“ aufzeigen mag, das als Handexemplar des „A. W. von der Heydt“ in der UB Düsseldorf ruht. Der bekannte Elberfelder Verleger J. C. Eyrich widmete es hochachtungsvoll „den Beförderern des Nützlichen und Guten“, und es enthielt neben Verzeichnissen „öffentlicher Autoritäten“ und den Namen von Kaufleuten und Fabrikanten mitsamt deren Befindlichkeiten sogar Listen ankommender und abgehender Posten beim K. K. Postamt sowie eintreffender Frachtfuhren und deren Träger, dies alles allerdings fadengebunden in festem Einband und wohl kaum mit der heutigen DSGVO zu vereinbaren, aber gewissermaßen als ein Facebook jener Tage zu betrachten. Lauschen Sie bitte einmal auf das Aufklappverhalten dieses Kulturmagazins. Und? Eben, Sie hören nichts. Kein Rücken bricht, keine Seite fleddert oder ribbelt sich raus. Genau dies beruht, inzwischen meist als Heißleim und längst nicht mehr aufgefächert kaltleimklebegebunden, auf der

Hartnäckigkeit des am 22.2.1886 in Remscheid geborenen, an der Elberfelder Höheren Handelsschule ausgebildeten und in London zum Bibliophilen gewordenen Emil Lumbeck, der als Metallwarenhändler in Paris den Vorsatz fasste, die Bücherwelt auf den Kopf zu stellen, auch wenn er noch nicht wusste, wie. Er las angeregt die Werke des Sozialphilosophen John Ruskin, dessen deutscher Verlag Langewiesche das so gut zu unserer Stadt passende Motto verkündete: „Arbeiten und nicht verzweifeln!“ Bald nach dem 1. Weltkrieg war Lumbeck auch schon Direktor bei der hiesigen Metallwarenfabrik Stocko, und ab 1926 leitete er deren Zweigwerk in Leningrad, dessen Haken und Ösen für die Schuhindustrie in Wuppertal noch mit einem Kunstharz-Schutzfilm ausgestattet wurden, der jedoch bei stetiger Benutzung absprang. Man forschte lange an der Elastifizierung herum, bis eines Tages ein Vorarbeiter in höchsten Nöten sein Wasser in einen falschen Eimer ließ, der daraufhin wieder in die Produktionskette gelangte. Und genau dies war sprichwörtlich das fehlende Glied, denn der Harnstoff als Weichmacher brachte die Erleuchtung. Nun kam Lumbecks komplexes Verständnis der Dinge ins Spiel, mit dem er, 1935 in ein Bochumer Buchhandelsunternehmen gewechselt, etwa 1937 seinen dünnflüssigen Kunstharz-Kaltleim „Eluid“ (für Emil Lumbeck in Deutschland) patentieren ließ und mit speziellen Apparaturen die Herstellung haltbarster Blockleimungen zur industriellen Serienreife brachte. Seine Erfindungen hatten – vor allem in Verbindung mit dem Hochgeschwindigkeits-Rotationsdruck – einen Bombenerfolg, dem schließlich die Enteignung durch die SS folgte, die nach dem Krieg jedoch bald rückgängig gemacht wurde. Auch die nun folgenden Geschichten würden ein ganzes Heft füllen: Mit Verwandten entwickelte er in Verden/ Aller Buchbindesysteme, deren Nachfolger Müller Martini heute noch Weltmarktführer sind. Ernst Rowohlt stieg mit seinen rororos auf Eluid um; ab 1952 folgten Telefonbücher und Handelskataloge. Der Erfinder wohnte da bereits wieder in Wuppertal und zog sich bald ins Privatleben zurück. Er erzählte sein Leben noch in hohem Alter auf Tonkassetten, welche jedoch versehentlich mit Beatles-Liedern überspielt wurden [sic!], und starb am 8. August 1979 in Elberfeld. Heute werden weltweit drei Viertel aller Bücher klebegebunden. Die Lumbeck-Villa am Pickartsberg ist längst abgerissen, sein Name in der Kulturgeschichte unserer Stadt kaum noch aufzustöbern. Nur die Seiten in Emil Lumbecks erstem kaltleimklebegebundenen Buch, die sitzen noch fest wie am ersten Tag. 57


Der dunkle Urgrund aller Religionen ist der Tod, genauer die Angst vor ihm. Irgendwann packt sie jeden von uns. Wie damit umgehen, wenn sie uns heimsucht, im Alter, bei Krankheiten oder ganz unvermutet nach dem besten Sex, den wir je hatten? Dass auch

Dein Femur singt Chrystel Guiellebeauds subversiver Tanz mit dem Tod

die Kunst den Tod zum Thema macht, verwundert nicht, ist sie doch spätestens seit dem 19. Jahrhundert säkularisierter Religionsersatz und verspricht im Unterschied zu den amtlichen Konfessionen individuellere Zugänge. Den Schrecken des Todes bannen, indem man sich mit ihm konfrontiert, ist eine uralte und offenbar Erfolg versprechende Methode. In allegorischen Darstellungen wird der Tod im danse macabre seit dem 14. Jahrhundert vergegenwärtigt: als Sensemann, Schnitter, Skelett und Gerippe. Im Bild oder im Theater als festes Sujet gebannt, löst der Totentanz in uns jenen hedonistisch gestimmten Schauer aus, den wir noch heute in Horrorfilmen so gerne konsumieren. Besucht man aber das Tinguely Museum in Basel und sieht und hört den danse macarbe der Maschineninstallation des Schweizer Großmeisters der Kinetischen Kunst, wird man atmosphärisch tief hineingezogen in die Todesmaschinerie der NS-Vernichtungslager. Das Kreischen und Quietschen der Maschine in ihrer gefühlsfernen Permutation der immer gleichen Bewegungsabläufe geht tief unter die Haut. Diese Klangwelt in ihre ganz persönliche Auseinandersetzung mit dem Tod hineinzunehmen, ist eine großartige Idee der in Wuppertal lebenden Tänzerin und Choreografin Chrystel Guillebeaud. Guillebeaud wird am 26. Juli 1971 in Paris geboren. Sie studiert Ballett bei Daniel Franck und Gilbert Meyer von der Opéra de Paris, erhält Ausbildungen in Modern Jazz, Modern Dance und Tai-Chi. Parallel nimmt sie Gesangs- und Violinunterricht. Und sie studiert bildende Kunst am Musée des Arts Déco de Paris. Von 1988 bis 1994 arbeitet sie mit den französischen Tanzikonen Phi-

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lippe Découfflé, Maryse Delente und Maurice Béjart. Dann wird sie Ensemblemitglied des Tanztheaters Wuppertal von Pina Bausch. Seit 2000 ist sie freischaffend, wirkt aber noch immer bei Produktionen der Pina-Bausch-Compagnie mit, u. a. bei dem Wim-Wenders-Film PINA 2009. Anders als bei Künsten, bei denen man im vierten oder fünften Lebensjahrzehnt zu Hochform auflaufen kann, werden Tänzer schon früh mit der Vergänglichkeit konfrontiert. Der Körper ist ihr Material, mit dem sie arbeiten wie der Bildhauer mit Stein und Holz. Mit spätestens 35 wird es schwer bis unmöglich, im Hochleistungsbereich bei international renommierten Compagnien zu tanzen. Tanzen bedeutet dann immer häufiger, den eigenen Schmerz auszuhalten. Auch davon handelt Guillebeauds Tanztheaterstück „Mein Femur singt“. Femur, das ist der Oberschenkelknochen, der beim Tanz ganz besonderen Belastungen ausgesetzt ist. Als ich sie frage, ob sie 2020 in einem Stück von mir mitwirken will, stockt Chrystel Guillebeaud: „2020?“ Sie fragt das, als ob das unendlich weit weg ist. Sie versucht, den Tag, da Tanzen auf diesem Niveau nicht mehr möglich ist, so weit wie möglich nach hinten zu schieben. Erfolgreich, denn als Zuschauer staunt man über die Dauertempi und den schier unglaublichen Intensitätsgrad ihrer Performance. Wie hart das erarbeitet ist, kann man nur ahnen. Chrystel Guillebeaud aber weiß es. Und sie weiß auch um das nahende Ende ihrer Karriere als Tänzerin. Und kommentiert es mit den Mitteln ihrer Kunst. Zu Beginn des Stücks sitzen sich ein Skelett und eine Tänzerin gegenüber. Sie redet mit ihm: über den Alltag, die Liebe, den Hass und den Tod. Sie versucht, ihn auf ihre ganz eigene Weise zu besiegen, zieht alle Register. Sie flirtet, schreit, umgarnt, erzählt, schlägt, tanzt. Sie erklärt dem Skelett orthopädische Zusammenhänge und führt sie an ihm vor, was einer gewissen Komik nicht entbehrt. Überhaupt findet Guillebeaud in ihrem Stück immer wieder diese wunderbare Balance zwischen Melancholie und Humor, ohnehin vermutlich die beste Art, dem Tod zu begegnen. Die mal witzigen, dann wieder berührenden und unter die Haut gehenden Geschichten hat sie selbst geschrieben und kombiniert mit Gedichten von Oscar Wilde. Langsam entsteht eine Vertrautheit, später sogar erotische Nähe zum Tod. Je mehr sie sich mit dem Skelett anfreundet, desto lebendiger wird es. Sie tanzt mit dem Tod und der Tod mit ihr zu der Hofmusik von Jean-Baptiste Lully, die dieser für den Sonnenkönig Ludwig XIV. komponierte. Diese barocke und bombastische Musik mit ihrer Zurschaustellung absolutistischer Pracht ist die Antithese zur

Vergänglichkeit und Vanitas und betont in dem Einpersonenstück doch das Majestätische und Erhabene des Todes. Diese Widersprüchlichkeit wird auch durch die Einspielungen der Maschinengeräusche der danse macabre-Installation von Jean Tinguely und Mecanoid von Pierre Bastien hervorgerufen: Durch ihre akustischen Permutationen erinnern sie an die Mechanik des lebendigen menschlichen Körpers und konterkarieren so das Martialische des Todes, indem sie es zugleich heraufbeschwören: Sie zeigen den menschlichen Körper – das Material des Tänzers – als einen kleinen, zyklischen Lebensmotor, der sich dynamisch und wie wahnsinnig von selbst immer weiter dem Tode entgegendreht. Angetrieben von einer Seele, die nichts anderes will als leben und gerade deswegen tanzt. Chrystel Guillebeaud löst diesen Widerspruch auf, indem sie ihre Bühnenfigur sich mit dem Tod versöhnen lässt. Sie legt sich zu dem Skelett auf einen Teppich, umarmt es und lässt sich mit dem Skelett einrollen. Das ist weit mehr als ein Zitat der Antike, in der Eros und Thanatos vereint sind, es berührt tief, weil es ein Schlussbild ist, in dem sich ein Abschiednehmen ankündigt: vom Leben. Und vom Tanzen. Melancholisch ist das und zugleich tröstlich, weil es ein tiefes Einverstandensein mit dem Ende einschließt. Heiner Bontrup Fotos: Daniel Schmitt-Spitzlicht 59


Luft nur

Ein Kßnstlerbuch im Schuber von Micheal Zeller und Jorgo Schäfer 60


Luft nur 7 Gedichte von Michael Zeller 9 mehrfarbige Holzschnitte von Jorgo Schäfer Buchbindung Roger Green handgesetzt aus der 14 Punkt „Erbar kräftig“ handgedruckt auf 300 gr. „Alt Meissen“ Rückenfadenheftung Format 32 x 24 cm „Luft nur“ gibts in einer Auflage von allerhöchstens 15 Stück, 480,- € Kontakt: www.jorgo-art.de www.michael-zeller.de

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Mit den eigenen Ideen sehen sich die Teilnehmenden der Bergischen Klimagespräche und begegnen sich.

Mit „Kunst und Transformation“ vom Heiligen Berg hinunter ins Tal Ein Dialog über die Bergischen Klimagespräche 2018 Unsere Gesellschaft stellt Fragen: Sie betreffen die Nachhaltigkeits-Transformation ebenso wie die Kunst. Was brauchen wir für ein zukunftsfähiges gutes Leben? Was brauchen wir, um den konkreten Herausforderungen des Klimawandels gerecht zu werden? Welche Berührungspunkte zwischen Kunst und Transformation gibt es, welche gemeinsamen Wege und Perspektiven versprechen zukunftsweisende Potenziale? Könnte Wuppertal hierfür eine Pilotstadt werden? Wuppertal strahlt im Bereich der Kunst mittels herausragender Künstlerpersönlichkeiten, Orte und Werke bereits über die Stadt hinaus. Und ebenso im Bereich der Transformation und Nachhaltigkeit gibt es mit dem Wuppertal 62

Institut und seinen sowohl globalen als auch zunehmend lokalen Aktivitäten ein hohes Engagement. Davon zeugt außerdem die jüngste Veröffentlichung des Instituts, „Die große Transformation. Die Kunst gesellschaftlichen Wandels“, (vgl. S. 69) die den Begriff der „Zukunftskunst“ zentral positioniert und Wuppertal als Modellstadt benennt.

Einen wichtigen Schritt in diese Richtung stellten die Bergischen Klimagespräche (BKG) im Oktober 2018 dar. Eine Gruppe von 40 Teilnehmenden setzte sich drei Tage lang zusammen, um die Brücken zwischen Kunst und Transformation auszuloten. Sie besuchten und verbanden auf vier Touren 15 Orte der Kunst und/oder Transformation in der Stadt. Der Psychologe und Mitarbeiter am Wuppertal


Auf dem heiligen Berg, Foto: Willi Barczat

Institut Matthias Wanner und die Dramaturgin und Mitbegründerin von ))freies netz werk)) KULTUR Uta Atzpodien nutzen die gemeinsame Erfahrung, um sich im Dialog über die Eindrücke, Einsichten und Ideen, die dabei entstanden sind, auszutauschen. Uta Atzpodien (UA): Matthias, die „Bergischen Klimagespräche“ als wissenschaftlich geprägtes Forum haben 2017 in Solingen-Gräfrath und 2018 erstmals in Wuppertal stattgefunden. Davor wurden sie als die „Spiekerooger Klimagespräche“ auf einer Nordseeinsel ins Leben gerufen. Wie kam es zu dem Umzug? Matthias Wanner (MW): Die Idee der 2009 an der Uni Oldenburg gegründeten Klimagespräche war es, sich für zweieinhalb Tage mit einer Zahl von ca. 30 inspirierenden Menschen zurückzuziehen und grundsätzlichen, aber auch praktischen Fragen rund um Klimaschutz, Gesellschaftswandel und der Kultur der Nachhaltigkeit nachzugehen. Dafür wurde die Insel Spiekeroog ausgewählt, die aufgrund der Distanz zum Alltagstrubel ein idealer Ort für Diskurs und Reflexion war. Durch die Verabschiedung des Klimagespräche-Gründers Prof. Dr. Reinhard Pfriem in den Ruhestand und die fehlende Neubesetzung seines Lehrstuhls musste auch für die Klimagespräche eine neue Form und ein neuer Ort gefunden werden – das Wuppertal Institut sprang ein. Statt der Insellage sollten nun aber Orte im Bergischen Land die Dringlichkeit der Nachhaltigkeitstransformation noch lebendiger werden lassen und praxisnähere Ergebnisse produzieren. Gleichzeitig durften die „Klausuratmosphäre“ und die intensive Auseinandersetzung unter den Teilnehmenden nicht verloren gehen. Das hat sowohl in Solingen-Gräfrath mit dem Themenstrang

der Zukunft von Städten und Stadtquartieren gut geklappt als auch in Wuppertal mit dem In-Beziehung-Setzen von Kunst und Transformation. Für dich, Uta, waren es ja die ersten Klimagespräche, und du hattest in der Vorbereitung einen großen Anteil daran, dass neue Formen und Formate eingewoben wurden. So hast du beispielsweise den Choreografen und ehemaligen Pina-Bausch-Tänzer Mark Sieczkarek als Mitwirkenden vorgeschlagen. Was wolltest du damit bezwecken? UA: Die Idee war, den Einstieg der Klimagespräche von Mark Sieczkarek und seinem Assistenten Gabriel Soto Eschebach für 20 Minuten mit non-verbalen Körper- und Begegnungsübungen gestalten zu lassen. Inspiriert war ich von meiner dramaturgischen Erfahrung mit dem Projekt der börse „Lebe Liebe Deine Stadt. Tanz und Performance bewegen Wuppertal“. Damals wie jetzt im Oktober hatte es eine entspannende und zugleich gemeinschaftsstiftende Auswirkung, mit einem Körpertraining zu beginnen, im eigenen Körper anzukommen und sich – zunächst ohne große Gedanken – zu begegnen. Mark Sieczkarek kann Aura in eine Gruppe tragen, das fokussiert, beruhigt und setzt gleichzeitig Kreativität frei. „Auf dem Heiligen Berg“, so heißt die Evangelische Tagungsstätte auf der Hardt, in der wir die ersten zwei Tage der Klimagespräche zu Gast waren, entstanden gleich zu Beginn eindrückliche Momente und Körperskulpturen. Ungewöhnliche Begegnungsformate: Das stand für mich für den Beginn dieser Entdeckungsreise, die das Zusammenkommen von Wissenschaft und Kunst fördert. Wie kam das Wuppertal Institut dazu, sich diesem Brückenschlag anzunähern? 63

Gruppenbild am letzten Tag der Bergischen Klimagespräche im Veranstaltungsraum vom Codeks / ELBA-Hallen, Foto: Kim Münster


„Kunst kann Identitäten erweitern und sogar sprengen. Durch neue gemeinsame Identitäten schaffen wir Solidarität.“ Selly Wane, SWANE-Café-Betreiberin

„Kunst ist Ausdruck der Fantasie über die Dinge, wie sie sein könnte.“ Pascal Biesenbach, Stadtentwickler

„Nachhaltigkeit muss gefühlt werden und nicht nur gedacht.“

„Lasst uns Kindern wirklich zuhören! Sie haben die Fantasie, die wir für eine freie und nachhaltige Zukunft brauchen.“ Meria Meyer, Wuppertal Institut

Davide Brocchi, Transformationsaktivist, Publizist, Forscher und Lehrbeauftragter

Persönliche Statements einiger Teilnehmer*innen der Bergischen Klimagespräche

„Die Künstler unserer Zeit haben die Möglichkeit und Verantwortung, einen Raum zu schaffen für Berührung mit Emotionen, Menschen und Themen. Somit wird Kunst und Kultur zwangsläufig politisch“ Kim Künster, Filmproduzentin und -regisseurin

„In Zeiten des Klimawandels brauchen wir ein gesellschaftliches, soziales und kulturelles Klima des Wandels.“ Dominik Werner, Dipl.-Pädagoge

„Für eine Nachhaltigkeitstransformation benötigen wir auch psychische Ressourcen wie Genussfähigkeit, Selbstwirksamkeit und Achtsamkeit. Künstlerische Praktiken helfen dabei, diese zu kultivieren.“ Matthias Wanner, Wuppertal Institut

Fotos: Kim Münster

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MW: Gerade zwischen der anwendungsorientierten Nachhaltigkeitswissenschaft und einer performativen Kunst gibt es interessante Parallelen. Darüber hinaus bin ich immer wieder fasziniert von der Gestaltungskraft, Ausdrucksstärke, Eigenwilligkeit und auch Achtsamkeit, die Kunst innewohnen können. Diese Zugänge finden sich in der drittmittelfinanzierten Forschung selten – ein offener Austausch hat uns also sehr gereizt. Eine wichtige Rolle für die konkrete Idee, die beiden Welten in einen Dialog zu bringen, hat übrigens auch das ))freies netz werk)) KULTUR gespielt! Das Netzwerk lädt ja regelmäßig zum Austausch mit anderen Akteuren aus der (Stadt-)Gesellschaft ein. Eine dieser Veranstaltungen hat im Januar 2018 im Wuppertal Institut stattgefunden und sowohl unseren Präsidenten Uwe Schneidewind als auch mich sehr beeindruckt. Knapp 80 Personen aus unterschiedlichen Bereichen sind der Einladung gefolgt und haben verdeutlicht, wie viel Potenzial in einer gegenseitigen Befruchtung liegen kann. So fiel die Entscheidung, eine Brücke zwischen Kunst und Nachhaltigkeit zu bauen und die Bergischen Klimagespräche 2018 unter das Motto „Kunst und Nachhaltigkeit“ zu stellen. So haben wir Christian Koch, den Projektgeschäftsführer vom Pina Bausch Zentrum, und dich dazu eingeladen, gemeinsam mit dem bisherigen Vorbereitungsteam über mögliche Teilnehmende aus dem ganzen Bundesgebiet und das Format nachzudenken. Wie hast du diesen Prozess erlebt? War er auf Augenhöhe? UA: Die Vorbereitung der Klimagespräche war eine Chance, gemeinsam grenzüberschreitende Dialoge zu gestalten. Das war faszinierend, denn es war nicht ganz klar, worauf es hinausläuft, wie in der Kunst. Der Prozess begann mit prägnanten Überlegungen zu Kunst und Gesellschaft von Reinhard Pfriem, Uwe Schneidewind und Kolleg*innen aus Wissenschaft und Wirtschaft, die wir in Diskussionen gemeinsam weiterentwickelten. Das war ein sehr aufschlussreicher Diskurs. Christian Koch und ich konnten die Vorbereitungen bereichern, mit unseren vielseitigen Kontakten zu Künstler*innen und unserem Wissen über die Kunstszene, lokal, national, international, mit Formatideen für die Klimagespräche. War der Prozess auf Augenhöhe, fragst du? Es war ein Anfang. Ich hätte mir sowohl im Vorbereitungsteam als auch bei den Klimagesprächen selbst mehr weibliche Präsenz gewünscht, dramaturgisch noch experimentellere Formate von Austausch und Begegnung, mehr menschliche Ver-rücktheit und künstlerischen Freiraum. Das braucht Zeit und Offenheit. Bei den Klimagesprächen

selbst hat sich das später ganz gut eingelöst. Für dich waren es nicht die ersten Klimagespräche. Wie hast du diesmal die Gruppe der BKG-Teilnehmer*innen erlebt, die Expeditionen gemacht haben, Touren durch Kunstorte Wuppertals? MW: Die Gruppe war dieses Mal sehr praxisnah. Nur ca. ein Viertel der Teilnehmenden kamen aus der Wissenschaft. Alle anderen waren entweder selbst (freie) Kunstschaffende, Kulturermöglicher*innen und Prozessmanager*innen, kamen aus der Kulturverwaltung oder waren andere spannende Hybride. Etwa ein Drittel kam aus NRW und aus dem Bundesgebiet, ca. zwei Drittel kamen aus Wuppertal und Umgebung. Ursprünglich wollten wir eine gleichmäßige Aufteilung für noch mehr Impulse von Außen, das hat diesmal noch nicht ganz geklappt. Insgesamt war die Gruppe sehr lebendig und hatte unheimlich viel Expertise, was konkrete Kunstproduktion und gesellschaftliche Veränderungspotenziale angeht. Dabei wurde deutlich, dass sich die Künstler*innen einerseits gegen eine Verzweckung wehren, andererseits aber ein großes Interesse und eine besondere Sensibilität für gesellschaftliche Prozesse haben. Matthias Frense, der künstlerische Leiter vom Ringlokschuppen Mülheim/Ruhr, hat treffend gefragt: „Wie kann Kunst frei und nützlich sein?“ In Bezug auf künstlerische Potenziale in Wandelprozessen wurde auch betont, dass Kunst nicht nur emotionalisieren, Menschen in Begegnungen bringen oder verzaubern kann, sondern es auch schafft, Bekanntes fremd und Fremdes attraktiv werden zu lassen. Dabei muss sich Kunst immer wieder aus der eigenen Komfortzone heraus bewegen. Aber auch die Begrenzungen wurden deutlich: Neben recht exklusiven Kunstkreisen mit großer Selbstbezogenheit gibt es auch gesellschaftliche Veränderungsnotwendigkeiten wie z.B. zu hohe Luftverschmutzung, bei denen Wandel nicht allein durch künstlerische Prozesse der Bewusstmachung erreicht werden kann. An diesen Stellen kommen andere gesellschaftliche Bereiche wie Politik und Recht ins Spiel. Mit solchen Fragen und Reflexionen im Hinterkopf bewegten sich die Touren durch die Stadt. UA: Ja, Stadt, Orte und Akteure wurden für die Klimagespräche zum Forschungsfeld. Solche Formate kennen wir über WOGA, Viertelklang, Der Berg liest, Performancenacht, Restaurant Day, Lichterwege oder auch die Jubiläumsfeier vom Wuppertal Institut, die 2016 durch den Arrenberg zog. Diesmal begleitete uns die Frage, was in Wuppertal künstlerisch im Gange ist, welche Rolle die Kunst spielt, sie 65


„Ich sehe die Aufgabe der Kunst darin, den Menschen herauszufordern, sich zu interessieren.“ Eckehard Lowisch, Bildhauer

„Zukunftskunst ist Haltung und Perspektive, um mit den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts umzugehen.“ Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Wuppertal Institut

„Kunst kann Räume schaffen, in denen Veränderung möglich wird.“ Christian Koch, Projekt-Geschäftsführer

„Was brauchen wir wirklich? Ich liebe es, wenn Kunst zum Innehalten einlädt.“

Pina Bausch Zentrum

Dr. Uta Atzpodien, Dramaturgin

„Kunst und künstlerische Interventionen sind für eine humane Stadtentwicklung unverzichtbar!“ „Wir brauchen disziplinäre Grenzgänge. Eine zentrale Frage ist: was können Institutionen in diesem Rahmen leisten?“

Hans Jürgen Heinecke, Moderator

Isabel Maria Finkenberger, Stadtplanerin

„Kunst kann Lust auf das Fremde machen, und Kunst kann Gewohntes inspirirend fremd erscheinen lassen.“ „Kunst kann keine Veränderungen in der Gesellschaft anmahnen, ohne sich selbst zu verändern.“

Daniel Hörnemann alias Walbrodt, bildender Künstler

Berthold Schneider, Intendant der Oper Wuppertal

66 Fotos: Kim Münster


spielen kann, insbesondere für gesellschaftliche Wandelprozesse. In alle vier Himmelsrichtungen zogen am Freitag, dem 12. Oktober, vier Gruppen von ca. acht Personen los. Jede davon besuchte jeweils drei Orte, die im Vorfeld als Inspirationsquelle ausgewählt worden waren: Es gab die Tour Ost zur Oper, Mobilen Oase Oberbarmen und Färberei und zum BOB Campus; die Teilnehmenden der Tour Nord wanderten vom Kulturbunker am Döppersberg über den Kulturkindergarten der Alten Feuerwache nach Utopiastadt; die Tour West startete in der börse, führte in den Skulpturenpark und dann bis in die Kunststation nach Vohwinkel. Die Tour Süd verlief von der Hardt bis zur Junior Uni, machte Halt im Café Swane mit einer Begegnung mit Tanzrauschen, und es gab einen Besuch im LOCH im ehemaligen Bücherschiff. Die Eigenheiten der Orte und das besondere Engagement der Menschen zeugen von einem vielseitigen Potenzial. Es sind Funken, die ganz Wuppertal zu einer Pilotstadt für gesellschaftlichen Wandel, konkretes Handeln und neue Perspektiven machen. Ich war selbst auf der Süd-Tour unterwegs. Die Junior Uni mit ihrer „Pädagogik der leuchtenden Augen“ in dem auffällig bunten Gebäude direkt an der Wupper setzt Akzente, die „das Herz öffnen“, wie das Hildegard Kurt umschrieb, Forscherin zu Ästhetik und Nachhaltigkeit aus Berlin. Als Dozent vermittelt der Galerist und Künstler Jürgen Grölle Kindern „die Möglichkeit zur Möglichkeit“ und fördert den Mut, sich auf die Imagination einzulassen. Auch das Swane öffnet Räume für Vielfalt und das Ausprobieren von neuen Wegen. Tanzrauschen als Tanzfilm-Kunstform tut dies ebenfalls. Im LOCH ist ein überschäumender kreativer Prozess spürbar mit einer lebendigen kollektiven Gruppe von Ermöglicher*innen. Du warst selbst bei der Tour Nord dabei. Was kannst du aus dem Norden und Westen berichten? MW: Wie auch eure Stationen unterscheiden sich alle Orte dieser Route deutlich in Finanzierung, Trägerschaft, Renommee, Räumlichkeit und Zielgruppe. Einige der besuchten Orte schienen schon von Beginn an eine ziemlich klare Vorstellung von der geplanten Kunst und den Aktivitäten gehabt zu haben. Und damit haben sie sich gezielt einen passenden Ort gesucht, um dort beeindruckend konsequent die Gegebenheiten zu nutzen. So zum Beispiel der Skulpturenpark oder auch der zukünftige Kulturbunker am Hauptbahnhof. Andere Orte wiederum entstanden viel stärker aus offenen Fragen nach der Zukunft von Räumen oder dem Interesse an gesellschaftlicher Veränderung. So zum Beispiel die Kunststation im Bahnhof Vohwinkel, Uto-

piastadt im Bahnhof Mirke oder auch die Alte Feuerwache an der Gathe. Bei der börse schienen der Ort und das Umfeld einige Jahre lang eine untergeordnete Rolle neben den künstlerischen Inhalten zu spielen. Das ändert sich nun jedoch, die börse will sich als lebendiges Stadtteilzentrum am Hesselnberg und der Südstadt etablieren – hier lassen sich soziokulturelle Impulse für eine Quartiers-Transformation gerade sehr schön beobachten! Interessanterweise hat Harald Heinrichs, Professor für Nachhaltigkeit und Politik, an den Stationen immer wieder dieselbe konstruktiv-kritische Frage gestellt: „Was hat das, was hier passiert, mit Ökologie und Nachhaltigkeit zu tun?“ Dadurch ist noch deutlicher aufgefallen, dass wir keinen „klassischen“ Nachhaltigkeitsort wie z.B. die Station Natur und Umwelt besucht haben. Gleichwohl hatte ich so deutlich wie selten das Gefühl, zentrale Qualitäten von positiven Wandelprozessen zu erleben! Besonders inspirierend war dabei die Station des Kulturkindergartens: Diese Achtsamkeit, Hingabe und das durchweg positive Menschenbild, mit dem die Akteure vor Ort versuchen, Kindern und Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen auch über Kunst und Kreativität Weltvertrauen und Selbstwirksamkeit zu vermitteln - das hat uns alle tief beeindruckt. Einen solchen Umgang mit Gesellschaft und Umwelt, mit dem Gespür für Eigenarten, Potenziale, aber auch für unsere verletzlichen Seiten würde ich mir allerorts wünschen! Was noch fehlt ist die Tour Ost. Was war dort los? UA: Die Tour Ost war ebenfalls voller Gegensätze. Sie startete im Opernhaus, eine der größten Kulturinstitutionen in der Stadt, die ihr Tun „aus der künstlerischen Notwendigkeit heraus definiert, die gegen den Alltag gedacht ist“, wie der Intendant Berthold Schneider griffig formulierte. Die Mobile Oase Oberbarmen von Roland Brus wiederum grätscht mit ihren performativen Aktionen in Forscherkitteln direkt in den Alltag der Menschen in Oberbarmen und Wichlinghausen hinein. Sie bezog auch die BKGTeilnehmer*innen in ihre Aktionen ein, vor der Färberei, dem Zentrum für Integration und Inklusion. BOB Campus, bekannt bisher als BOB Kulturwerk, wird jetzt in Millionenhöhe gefördert durch die „Montag Stiftung Urbane Räume“. Der Umbau steht konkret an und zeigt darin eine Kehrseite auch zukunftsorientierter gesellschaftlicher Prozesse. Vom Graffiti „BOB ist tot“ erzählte Christian Koch: Einige Akteure, die das Gebäude just an dem Tag verlassen mussten, hatten dies an die Wände gesprüht. Diese Geschichte, Narrative und momentanen Begebenheiten 67


erzählen viel und weisen darauf hin, wie komplex Veränderungsprozesse sein können und Menschen wahrgenommen und mitgenommen werden wollen. Das ist nicht immer einfach. Welche Rolle spielen wirtschaftliche Interessen? Welchen Stellenwert haben Zwischennutzungen und andere Entwicklungen? Bei allem sind viel Aufmerksamkeit, Bewusstheit, Achtsamkeit und Haltung gefragt. Genau darin kann uns die Kunst unterstützen. „Danach ist davor“, schrieb Meria Meyer sinngemäß, Mitarbeiterin am Wuppertal Institut. Wie kann es jetzt weitergehen? MW: Für mich waren die Klimagespräche getragen von einer neugierigen, lebendigen und kooperativen Stimmung unter den Teilnehmenden. In gewissem Sinn ist hier viel Beziehungsarbeit und Vertrauensaufbau geleistet worden, und das ist sehr wertvoll. Auch die Potenziale sind aufgeblitzt am letzten Tag im Codeks. Eine Gruppe hat eine Abschlussperformance entworfen, die eine Wandelzeitung mit dem Titel „Der Fluss heute“ und verschiedenen Schlagzeilen wie „Oper Wuppertal fusioniert mit Mobiler Oase Oberbarmen“ oder „Eröffnung des ersten Hierbleibebüros“ in verteilten Rollen auf fahrbaren Stühlen vorgestellt hat. An solche Impulse können wir anknüpfen, sollten weiter im Gespräch bleiben und daraus 2019 auch konkrete Projekte werden lassen. Und nicht zuletzt hat Uwe Schneidewind vorgeschlagen, für die Klimagespräche 2019 kein neues Themenfeld zu suchen, sondern den fruchtbaren Prozess von 2018 fortzuführen!

UA: „Transformation ist ein Kulturwandel“, sagte Birgit Schneider-Bönninger, die Leiterin des Kulturamts in Stuttgart, die dort revolutionäre Zukunftsarbeit macht. Sie war begeistert davon, wie die „kreativen Brutstätten in Wuppertal Blaupausen für eine partizipative Innovationskultur liefern, die automatisierte Denkmuster durchbricht und das Umfeld verändert.“ Diese auch menschlich erfrischende Erfahrung gilt es, zukünftig noch mehr in einem konstruktiven Dialog fortzusetzen, der Themen der so notwendigen ökologischen, ökonomischen und sozialen Transformation aufgreift, der „großen Transformation“ und „Zukunftskunst“. Für das, was wir beispielhaft über die Klimagespräche erlebt haben, entwickeln wir momentan ein Projekt: Wichtig ist, diese Pilotprozesse in Wuppertal und über Wuppertal hinaus sichtbar zu machen. Klar wurde, dass wir mehr Freiräume für den Wandel brauchen, für Wissen, Fragen, ungewöhnliche Begegnungen und Kreativität. Dafür engagieren wir uns. Dafür leuchten unsere Augen.

Entworfen während der Bergischen Klimagespräche 2018: Die fiktive Zeitung „Der Fluss“

Ausgearbeitete Simulation der Titelseiten der fiktiven Zeitung „Der Fluss“ Gestaltung und Abbildungen: Jens Oliver Robbers

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Die große Transformation Eine Einführung in die Kunst des gesellschaftlichen Wandels Die Menschheitsgeschichte ist ein fortlaufender Prozess der Veränderung, der freilich nicht immer voran, also fort-schrittlich verläuft, sondern zuweilen auch Phasen zivilisatorischen Rückschritts einlegt. Zu bestimmten Zeiten kommt es aber nicht nur zu partiellen, sondern zu grundlegenden Einschnitten, die jeden Winkel der Gesellschaft erfassen. Die Historiker bezeichnen diese Ereignisse als „Große Transformation“, von denen es bisher zwei gegeben hat: die Sesshaftwerdung des Menschen in der Jungsteinzeit mit der Erfindung von Ackerbau und Viehzucht sowie die Industrielle Revolution ab dem 17. Jahrhundert mit ihren Durchbrüchen in Technik und Wissenschaft. Diese Entwicklung der Moderne hat inzwischen aber eine solche Dynamik erreicht, hat den Planeten in seinen Naturräumen in einer beispiellosen Weise erobert, ausgebeutet und umgestaltet, dass viele Experten von einer dritten Großen Transformation sprechen – einer Umwandlung aller Bereiche, die zur Verhinderung unabsehbarer Klimaveränderungen und des Artenschwunds in Flora und Fauna eine Wende zur Nachhaltigkeit erreichen muss. Die nächste Große Transformation wird die Menschen und ihre Lebensweise mit den ökologischen Grenzen des Planeten in Einklang bringen. Wenn nicht, wird es für einen von beiden böse enden. Uwe Schneidewind, der Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, hat jetzt mit dem geballten Sachverstand seiner Forschungs-Crew am Döppersberg ein Buch geschrieben, das man ohne Übertreibung als Kursbuch in die neue vor uns liegende Zeit der Veränderung bezeichnen darf: „Die Große Transformation. Eine Einführung in die Kunst des gesellschaftlichen Wandels“. Mit 520 Seiten hat das Opus zwar Schmöker-Format, ist aber dennoch ein Wissenschaftsbuch, das dankenswerterweise in verständlicher Sprache den gesamten Horizont der Transformation abschreitet. Das Buch gliedert sich in drei Teile: Im ersten Teil werden die Problemlagen und die Lösungsansätze der Nachhaltigkeit dargestellt, die Schneidewind nicht nur als Öko-Thema, sondern auch als ein kulturelles Projekt versteht. Der zweite Teil behandelt sieben zentrale Bereiche, in denen derzeit die Wende stattfindet oder immer drängender ansteht, darunter die Energiewende, die Verkehrswende und die Agrar- und Ernährungswende.

Im dritten Teil werden die wichtigsten Akteursgruppen behandelt, die die Transformation voranbringen können, neben Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ist das auch die Zivilgesellschaft und deren Vorhut im Vordenken und „Vorhandeln“, die „Pioniere des Wandels“. Öko-Bücher, die uns zur Umkehr rufen, gibt es in Fülle. Was Schneidewinds Buch neben der thematischen Bandbreite auszeichnet ist ein neuer kultureller Ansatz, den er in die Nachhaltigkeitsbewegung hineinträgt. Um das vorhandene Wissen über Notwendigkeit und Wege der Transformation in eine gesellschaftliche Breitenwirkung zu bringen, braucht es eine – wie es die Transformationswissenschaftler nennen – „transformation literacy“, eine Art transformativen Bildungskanon. Schneidewind, der Ökonom im Umweltinstitut, hat sich nun als Spracherfinder betätigt und den sperrigen Fachterminus in das neue deutsche Wort „Zukunftskunst“ übersetzt. Das ist eine semantische Innovation, hinter der mehr steckt. Zukunftskunst wird verstanden als „neuer Blick auf die Zivilisationswende“, wie es im Buch heißt. Die erste Präsentation des Werks in Wuppertal fand daher – programmatische Aussage – nicht in der Uni oder der IHK statt, sondern in der Wuppertaler Oper, einem Leuchtturm der Kultur. Das transformative Potenzial der Kreativszene ist unverzichtbar für die Große Transformation, so der Tenor der Diskussion im Musentempel. Und der Wandel wird noch konkreter. Die Leiter der beiden Einrichtungen, Wuppertaler Oper und Wuppertal Institut, vereinbarten dort für das Jahr 2019 einen einmonatigen Ämtertausch. Der Wissenschaftler wird zum Opernintendanten, der Musiker zum Transformationsforscher. Auf den Ausgang dieser kleinen Transformation an der Wupper darf man sehr gespannt sein. Manfred Ronzheimer

Uwe Schneidewind, Die große Transformation, Hrsg.: Forum für Verantwortung 528 Seiten, S. Fischer Verlag, 12.- €


Die Poesie der Venezianischen Malerei, 302 Seiten,

Gabriele Münter,

Hardcover, 28,5 x 24,5 cm,

272 Seiten, Hardcover,

Hirmer/Hamburger Kunsthalle

Pappband, 27 x 20 cm,

2017, Preisbindung aufgehoben

Prestel, 39,95 €

Neue Kunstbücher vorgestellt von Thomas Hirsch

Mit System Paris Bordone (1500-1570) war erst Schüler und dann Konkurrent von Tizian: Beide Maler prägten das kulturelle Klima im Venedig des Seicento. Richtig „populär“ ist heute freilich nur noch Tizian. Wie sehr ihm Paris Bordone ebenbürtig war, hat Anfang 2017 eine Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle untersucht, die mit dem dazu erschienenen Katalogbuch zugleich Venedig in den Vordergrund gerückt hat, das zu dieser Zeit ein Zentrum der Innovationen in der Malerei war. Bedeutend ist Paris Bordone für sein Vermögen, mit dem Lichtspiel Poesie zu erzeugen, den Gesten Ausdruck zu verleihen und die Körper in großer barocker Sinnlichkeit darzustellen. Zugleich ist seine Malerei kalkuliert, geht virtuos mit der Perspektive und der Raumdarstellung um, handelt vom Detail, aber verliert sich nicht in diesem. Deutlich wird in seiner Kunst die Rolle der Auftragsgeber und der Beziehungen zu Königshäusern und zu Kaufmannsfamilien, deren Porträts das Schönheitsideal der Hochrenaissance übermitteln. Zugleich kennzeichnet diese Malerei ein Interesse an der Stadt und ihrer Architektur und trug eben wesentlich zum Ruhm der Venezianischen Kunst bei. Das editorische Unternehmen nun, Paris Bordone mit den Facetten seines Werkes vorzustellen, erfolgt über eine Systematik, welche den Gedanken an eine Werkgenese in den Hintergrund treten lässt. Die Stilanalyse ist vielmehr vergleichend und zieht im besonderen Palma di Vecchio und Lorenzo Lotto neben Tizian als weitere Vertreter der Malerei in Venedig hinzu. Es gibt im Buch, das bei Hirmer erschienen ist, viel zu lesen, gegliedert in gut überschaubare Kapitel, die die gesellschaftlichen und kulturellen Um70

stände – die Blüte Venedigs – sowie die einzelnen Sujets und Motive fokussieren. Beim schnellen Blättern durch das Buch scheint das vielleicht theoretisch, ist aber doch anschaulich und beeindruckend, denn es gibt schließlich die Bilder, die vergleichend einander gegenübergestellt sind. Schade nur, dass ein eigener großzügiger Bildteil fehlt. Trotzdem: Die Vergleiche sind Gold wert – und die Malerei von Paris Bordone ist ohnehin eine Wucht. Das durchaus wissenschaftliche, aber noch dem leichten Verständnis dienende Vorgehen einer Gliederung in inhaltliche und motivische Kapitel liegt auch einer weiteren sehr wichtigen Monographie der letzten Zeit zugrunde, der zu Gabriele Münter (1877-1962). Ebenfalls 2017 erschienen, aber auch zur aktuellen Ausstellung im Museum Ludwig aufliegend, wird hier ein Überblick über das Gesamtwerk der Malerin geliefert, die im frühen 20. Jahrhundert Mitglied der losen Künstlervereinigung „Blauer Reiter“ war. Die Kapitel im Katalog widmen sich einzelnen ihrer Sujets. Eines am Anfang aber stellt Gabriele Münter als Fotografin vor: Kaum 20jährig und noch bevor sie ernsthaft zu malen begann, hat sie, vor allem auf einer Reise durch Nordamerika, fotografiert und dabei wesentlich ihren Blick geschult. Später fehlen im Buch leider Vergleiche zu ihrem frühen Lehrer und zeitweiligen Lebensgefährten Wassily Kandinsky und den Freunden beim „Blauen Reiter“ Marianne Werefin und Alexej Jawlensky. Besonders hervorgehoben wird dafür ihr künstlerisches Schicksalsjahr 1908, als sie in Murnau ihren Stil ausformulierte und die Hinwendung zur Farbe unter


Olafur Eliasson,

Allgemeines Künstlerlexikon,

Experience, engl.,

je Band ca. 500 Seiten,

424 Seiten, Leinenband,

Hardcover, De Gruyter, 24,5 x 17 cm,

30 x 23,5 cm, Phaidon, 75,- €

je Band 299,- €

gleichzeitiger Zurücknahme des Realismus vollzog. Wunderbar, dass hier die Malerei für sich stehen kann und sich die Expressivität dieser schließlich doch so eigenständigen Werke vermittelt! Dass die Kontinuität der Bildlösungen und der Motive herausgestellt wird. Schade nur, dass das Spätwerk, in dem Gabriele Münter noch einmal eine abstrakte Phase hingelegt und etwa ihre Motivik der Baustellen fortgesetzt hat, eher knapp bedacht ist. Natürlich ist die Monographie unverzichtbar, wenn es um Gabriele Münter oder den „Blauen Reiter“ geht. Die Rezeption alter Kunst und weitgehend der Moderne genießt gegenüber der Gegenwartskunst ein Schattendasein. Das lässt sich ebenso für den Kunstmarkt wie für das Kunstbuch sagen. Und es führt zu dem kuriosen Phänomen, dass zu dem 1967 geborenen Olafur Eliasson bereits jetzt ein Werkverzeichnis erschienen ist, immerhin bei einem der renommiertesten Kunstbuchverlage, bei Phaidon. Eliasson ist ein Selbstläufer. Seine Inszenierungen im öffentlichen Raum und in Ausstellungshäusern sind natürlich eindrucksvoll, aber im Vergleich zu dem, auf dem sie aufbauen, eben doch nicht. Seine Bezüge findet er in der Natur: das Wasser, das Licht und mit diesem die Spektralfarben, der Nebel. Die Kunstkritik und auch er selbst verweisen auf die ZERO-Künstler der 1950er Jahre als Referenz, hinzu kommt bestimmt die Land Art mit ihren elementaren und primären Material- und Formfindungen. Eliasson hat dieses Repertoire zum einen mit den Naturwissenschaften, zum anderen mit neuester Technologie verknüpft und daraus seine Werke entwickelt; so verstanden, ist er eigenständig und ziemlich auf der Höhe seiner Zeit. Das souverän gestaltete Phaidon-Buch, das jedes Werk gut an Aufnahmen und nie überbordend in der Beschreibung vorstellt, lässt erkennen, wo Eliasson stark und wo er schwach ist: Auch ein Überflieger steht mit beiden Füßen auf der Erde. Das zeigt ebenso das Interview, das dem Katalog beigefügt ist. Der Verlag hat alles richtig gemacht.

Olafur Eliasson war gerade erst im Kunstgeschehen zugange, da legte das Allgemeine Künstlerlexikon bereits richtig los. Band 1-3 dieser knappen textlichen Vorstellungen von Künstlerpersönlichkeiten wurden 1983 im Saur Verlag in Leipzig publiziert: beginnend mit dem Buchstaben „A“; ein Jahrzehnt später wurde das Projekt wieder aufgegriffen und mit dem Verlag in München und der Redaktion weiterhin in Leipzig fortgesetzt und schloss dabei an die beiden großen deutschsprachigen Enzyklopädien Thieme Becker und Vollmer an. Ohne Abbildungen, sehr schematisch in der Struktur werden die maßgeblichen Künstlerinnen und Künstler aller Völker und Kulturen zu allen Zeiten, also bis heute vorgestellt – das ist der Anspruch. Ein Monsterunternehmen, das sich zeitweilig im Klein-Klein der Namen zu verlieren schien. Wann gehört ein Künstler hier rein und mit wie vielen Zeilen sollte er dann bedacht werden, gehört zu den Kernfragen, denen viele weitere Überlegungen zur Struktur der Artikel folgen. Seit 2012 wird das Allgemeine Künstlerlexikon von De Gruyter mit der Kernredaktion in München verlegt und seitdem ist vieles anders und effektiver geworden. Das Prozedere der Bände, von denen meist 5 im Jahr erscheinen, wird beschleunigt, indem die Künstlerauswahl strenger ist. Der Jargon ist der Zeit angepasst. Die Artikel sind mit Vitazeilen, Werkgenese, Ausstellungsliste und Bibliographie konzis und schnell einsichtig, wobei der Informationsstand mit der Faktenlage und dem Wissen des Textautoren wechselt. Vor einigen Monaten nun ist Band 100 erschienen und verdient um so mehr Grund der Erwähnung: Mit dem Buchstabenbereich „S“ biegt das Projekt, an dem rund 200 Fachautoren schreiben, allmählich auf die Zielgerade ein. Die Stadt- und Museumsbibliotheken haben es im Abonnement (und werden wahrscheinlich froh sein, wenn das Projekt abgeschlossen ist), aber die Bände sind auch einzeln zu erwerben. Jeder für sich ist ein Beispiel für bedenkenswerte kulturelle Leistungen und auch zum absichtslosen Blättern geeignet. 71


Paragrafenreiter

Die Kunst des Feierns „Essen ist ein Bedürfnis, Genießen ist eine Kunst“ François VI. Duc de La Rochefoucauld

Der Erfolg von gemeinsamen Aktivitäten gewinnt erst durch die nachträgliche Würdigung an Bedeutung. Das Feiern gemeinsamer Errungenschaften bildet den krönenden Abschluss eines erfolgreichen Projekts. Dies gilt sowohl im privaten Umfeld als auch in Organisationen und Unternehmen. Aus steuerlicher Sicht ist der Anlass der Feier ausschlaggebend dafür, ob sich die Kosten der Feier steuermindernd auswirken. Gerade für Unternehmen ist es daher besonders wichtig, bei der Veranlassung der Feier einige wichtige Rahmenbedingungen zu beachten, um einen „Fiskalkater“ zu vermeiden. Einige Anlässe für Feierlichkeiten sind im Sinne der steuerlichen Anerkennung tendenziell eher unproblematisch. Wird beispielsweise mit Mitarbeitern oder Partnern die Unterschrift unter einen neuen Vertrag gefeiert oder werden Personen im Zuge der Geschäftsanbahnung eingeladen, wird in aller Regel ein betrieblicher Anlass unterstellt. Auch bei der Verabschiedung von Kollegen oder im Falle von Jubiläen wird ein beruflicher Anlass unterstellt. Etwas genauer schaut das Finanzamt hingegen hin bei Anlässen wie Geburtstagen. Hier ist es besonders wichtig, sorgfältig auf die Auswahl der Gäste zu achten. Die Einladung eines privaten Bekannten zu einer Geburtstagsfeier im Betrieb kann die steuerliche Anerkennung beispielsweise gefährden. Ebenso unterstellt das Finanzamt häufig einen privaten Anlass, wenn nur einzelne Mitarbeiter oder Kollegen eingeladen werden. Wird hingegen ein fest definierter organisatorischer Kreis, beispielsweise eine ganze Abteilung, zur Feier eingeladen, so unterstellt der Bundesfinanzhof, dass die Aufwendungen für die Gäste nahezu ausschließlich betrieblich veranlasst sind. 72

Ein weiteres wichtiges Kriterium für die steuerliche Anerkennung von Aufwendungen für Feierlichkeiten ist die Angemessenheit der Veranstaltung. Zwar gibt es hier keine festen Betragsgrenzen, allerdings werden beispielsweise Umsatz und Gewinn eines Unternehmens oder die Üblichkeit in vergleichbaren Veranstaltungslocations für die Beurteilung der Angemessenheit regelmäßig herangezogen. Bei aller Berücksichtigung der Angemessenheit ist jedoch auch zu beachten, dass eine Feier in den eigenen vier Wänden ebenso einen privaten Anlass vermuten lässt. In welchem Maße die Gäste die betriebliche Feier am Ende genießen, ist zum Glück nur teilweise von der Höhe der Aufwendungen abhängig. Viel bedeutender ist die Wahrung des Bezugs zur Unternehmenskultur und die Fokussierung auf den integrativen Charakter einer betrieblichen Feier. Julia Neusel-Lange Steuerberaterin

Prokuristin bei der RINKE TREUHAND GmbH Leiterin der Niederlassung Wuppertal der ETL ADHOGA Steuerberatungsgesellschaft AG


Kulturtipps

Else geht aus

Ein Kunstprojekt des BBK Bergisch Land e.V. zum 150. Geburtstag von Else Lasker-Schüler

Unter dem Titel „Else geht aus“ veranstalten die Künstler*innen des BBK Bergisch Land e.V. in Wuppertal Ausstellungen, Lesungen, Performances und Musikalisches. „Else“, die den größten Teil ihres Lebens eine Unbehauste war, wird von ihrem Elternhaus in Elberfeld in die Nachbarschaft gehen, z. B. in die Gärten am Sadowaberg, auf den grünen Hügel des Nützenbergs zum Weyerbuschturm, von da aus erweitert sich der Radius in die gesamte Stadt. Eröffnet wird die Veranstaltungsreihe am 29. März 2019 im Rathaus Elberfeld, es folgen bis zum Jahresende Veranstaltungen in der Backstubengalerie, im Stadthaus am Laurentiusplatz, im Glashaus im Botanischen Garten, in der Färberei, der Internationalen Begegnungsstätte KuKuNa, der Druckwerkstatt des BBK und im Art Café K1. Im Rahmen einer Veranstaltung dieser Reihe wird außerdem der Weyerbuschturm geöffnet. Bei der finalen Ausstellung des „Else-Spaziergangs“ präsentiert der BBK ab 1. September 2019 zusammenfassend das gesamte gezeigte Programm als konzentrierte Aktion und offenes Forum für Gastkünstler*innen, Künstler*innen und Kooperationspartner*innen. Als Besonderheit wird eine „ELSE-Sänfte“ in Wuppertal unterwegs sein und das gesamte Veranstaltungsprogramm begleiten.

29. März bis 28. April 2019

Else geht aus I

Eröffnung: Freitag, 29. März, 17 Uhr Vernissage des künstlerischen Rundgangs, Ausstellung BBK Bergisch Land, Rathaus Wuppertal-Elberfeld Eröffnungsrede: Birte Fritsch, Projektleiterin und Kuratorin im Auftrag des Kulturbüros der Stadt Wuppertal Rezitationen von Else-Lasker-Schüler-Texten: Beate Rüter Künstler*innen: Ilona Butz, Petra Frixe, Ulrike Eggers, Nataly Hahn, Hassan Hashemi, Sabine Kremer, Daphna Koll, Carmen Meiswinkel, Gerd Mittreiter, Petra Mohr, Bettina Nehles, Petra Pfaff, Boris von Reibnitz, Ulla Schenkel, AnneLi Schröder, Tati Strombach-Becher Der BBK Bergisch Land e.V. kooperiert mit: Verein der Freunde und Förderer des Botanischen Gartens Wuppertal e.V.; Caritas; Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft; Förderverein „Historische Parkanlagen“; Internationales Begegnungszentrum, Kulturbüro Stadt Wuppertal.

Das ausführliche Programm ist unter www.bbkbergischland.de abrufbar. In vielfältiger Weise haben sich 30 Künstler*innen mit dem facettenreichen Leben von Else Lasker-Schüler als Künstlerin der Avantgarde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ihrem Werk auseinandergesetzt. Nur einige Aspekte seien hier genannt, die den künstlerischen Prozess der Projektgruppe beeinflusst haben: ihre Unkonventionalität, ihre „Masken“, die Entstehung des Prinzen Jussuf von Theben, einschneidende biografische Ereignisse, ihr Verhältnis zur Natur, Flucht und Vertreibung als jüdische und „entartete“ Künstlerin, ihre eigene Bezugnahme auf religiöse Inhalte, wie z. B. die Josephsgeschichte aus dem Alten Testament, und ihr „weltoffenes Judentum“.

Ulla Schenkel, Sturmwerbetour, Öl auf Leinwand, 2018, 50 x 40cm

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AUSSTELLUNGEN:

Von der Heydt-Kunsthalle

Von der Heydt-Museum

Geschwister Scholl Platz 4-6, 42275 Wuppertal-Barmen

Neuer Kunstverein Wuppertal Hofaue 51, 42103 Wuppertal

Turmhof 8,
42103 Wuppertal noch bis Sonntag, 17. März 2019

Blockbuster Museum

Die Ausstellung „Blockbuster Museum“ im Von der Heydt-Museum geht Fragen nach wie „Wie entsteht eine Ausstellung, eine Sammlungspräsentation?“ und „Was sind und was wollen, sollen und können Museen für eine moderne, offene Gesellschaft leisten?“ Anhand ausgewählter Meisterwerke aus der reichen Sammlung des Von der Heydt-Museums will die Ausstellung das Ineinandergreifen unterschiedlichster Menschen und ihrer Ansichten im täglichen Museums- und Ausstellungsbetrieb erfahrbar machen, einerseits um damit zu zeigen, dass Ausstellungen nicht aus einer zufälligen und beliebigen Aneinanderreihung von Objekten bestehen, andererseits um etwas von der Faszination weiterzuvermitteln, die von bedeutenden Kunstobjekten ausgeht.

noch bis Sonntag, 17. Februar 2019 Bogomir Ecker

Was das Foto verschweigt Bogomir Eckers Ausstellung ist als Doppelausstellung an zwei Standorten in Wuppertal konzipiert. Während die Von der Heydt-Kunsthalle sich vornehmlich seiner Auseinandersetzung mit der Fotografie, seinen frühen Nachtfotos und den „Tableaus“ widmet und diese in Wechselwirkung zu einigen ausgewählten Objekten bringt, setzt der Skulpturenpark Waldfrieden ausschließlich das skulpturale Werk in Szene.

Galerie GRÖLLE pass:projects Friedrich-Ebert-Straße 143e, 42117 Wuppertal Freitag, 18. Januar 2019, 19 Uhr

Destroy All Monsters Julia Keppeler

RAUM2

Adhesive Axercises Gilles Hellemans Fotografie, Viedeo, Modelle

Freitag, 8. März 2019, 19 Uhr

Bild, Ton, Projektionen, Unidentified Technical Objects (UTO) und live Sonderveranstaltungen Jürgen Palmtag, Doris Schmid, Olsen Initiiert von Jürgen Palmtag RAUM2 verlängert bis Sonntag, 24. Februar 2019 Paula Modersohn-Becker

Zwischen Worpswede und Paris 74

The Transparent Stillness of the Turning World Mary Ruth Walsh Film, Arbeiten auf Papier und Leinwand und Installation

Modell zur Ausstellung, Foto: Wolf von Waldow

Freitag, 11. Januar, bis 16. Februar 2019

Die Hand vor Augen

Wolf von Waldow Eröffnung: Fr., 11. Januar 2019, 19 Uhr „Die Hand vor Augen“ – die Erfahrung, die einem dazu sofort in den Sinn kommt, ist, orientierungslos im Dunkeln zu tappen und selbst das Nächstliegende, nämlich die eigene Hand, die man sich zur Selbstvergewisserung vors Gesicht hält, nicht zu erkennen. Es ist diese Art von scheinbar einfachen Sinnbildern, Gesten und Erfahrungen, die Wolf von Waldow als Rohmaterial nutzt, um sie zu komplexen Bilderfindungen zu verdichten. Zunächst vermitteln seine monochrom schwarzen Laserschnitte aus Stahl den überzeugenden Eindruck von Klarheit und Motivreduktion. Erst auf den zweiten Blick erkennt man ihre semantische Überdeterminierung. Die einzelnen Teile der Arbeit „Masterplan“, die gerade für die Ausstellung im Neuen Kunstverein entsteht, erinnern zwar an Verkehrszeichen, bieten aber keine konkreten Handlungsoptionen an. Es sind eher Einkehrzeichen, die zum Erkunden und Selberdenken einladen – und dazu, gemeinsam ein paar Schritte im Dunkeln zu tappen. Christian Weller


Freitag, 1. März, bis 13. April 2019 Shigeru Takato – Höhlen Eröffnung: Freitag, 1. März 2019, 19 Uhr Die Fotografien sind von der Innenseite aus in archäologisch bedeutsamen Höhlen aufgenommen worden, in denen prähistorische Menschen gewohnt haben. Sie zeigen die Landschaften, die die Bewohner durch ihre Höhlenausgänge sehen konnten, als Fenster zur Welt. Man kann dadurch ahnen, wie die Steinzeitmenschen damals ihre Außenwelt von ihrem Zuhause durch diese einzig vorhandene Öffnung betrachtet haben müssen. Heutzutage ersetzen diese prähistorischen Fenster unsere Fernsehund Computerbildschirme, die uns unsere Außenwelt mit einer Fülle von Informationen und Nachrichten direkt in unseren Wohnraum liefern.

Skulpturenpark Waldfrieden Hirschstraße 12, 42885 Wuppertal

ten des Materials und der Umgestaltung der uns umgebenden Welt. Seine Sentenz, dass „es viel mehr Dinge gibt, die nicht existieren, als die existieren“, verweist auf einen Quell von Dingen und Formen, die noch außerhalb unserer Wahrnehmung liegen. Für Cragg ist die Skulptur eine Methode, dieses enorme Potenzial neuer Formen und die damit verbundenen Bedeutungen, Träume und Sprachen zu erschließen. Morgaine Schäfer, Archiv No 2301, Pose 2, 2016

noch bis Sonntag, 3. März 2019 Joan Miró Skulpturen Gemeinsam mit Pablo Picasso, Henri Matisse und Georges Braque gehörte Joan Miró einer Künstlergeneration an, die die Entwicklung der klassischen Moderne geprägt hat. Ebenso wie seine berühmten Altersgenossen hat Miró nicht nur als Maler, sondern auch als Bildhauer ein bedeutendes Œuvre geschaffen. Drei seiner Bronzeplastiken wurden dem Skulpturenpark als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt und sollen ab dem kommenden Jahr im Rahmen der Dauerausstellung präsentiert werden. Doch vorab widmen wir diesen Meisterwerken eine kleine Sonderschau.

Technik: Ink-Jet Print, 80 x 100 cm, Courtesy die

noch bis Sonntag, 17. Februar 2019 Bogomir Ecker

Linolschnitte

Skulptur

Museum Morsbroich Gustav-Heinemann-Straße 80, 51377 Leverkusen Tony Cragg, DoubleStack Nr 4, 2018 © VG Bildkunst Bonn 2018, Tony Cragg, Foto: Michael Richter

Freitag, 8. Februar, bis 13. Mai 2019 Tony Cragg

Neue Skulpturen

Das künstlerische Werk Tony Craggs entfaltet sich in einem ruhelosen Prozess der Erforschung der Möglichkei-

So., 27. Januar 2019, bis So., 5. Mai 2019 The Next Generation Aktuelle Fotografie made im Rheinland Eröffnung: So., 27. Januar 2019, 12 Uhr Die Ausstellung „Die nächste Generation. Junge Fotografie made im Rheinland“ legt das Augenmerk auf diese „nächste Generation“. Sie zeigt Werke von Künstler*innen, die in den 1970er-

Künstlerin, © 2018 VG Bild-Kunst, Bonn

und 1980er-Jahren geboren sind. Geprägt von der fotografischen Tradition der Bechers, der Becherschüler oder aber auch in einiger Entfernung von diesen, verfolgen sie in ihren Arbeiten einen dezidiert konzeptuellen Ansatz. Die Grenzen des Mediums können hierbei in vielfältiger Art und Weise überschritten werden: Die Fotografie öffnet sich in den Raum, in das Bewegtbild, in die Malerei, in den Bereich zwischen Grafik und Fotografie und auch in den virtuellen Raum. noch bis Sonntag, 28. April 2019 Markus Oehlen Die Ausstellung führt Oehlens flirrende Kompositionen auf ihre grafische DNA zurück. Im Zentrum steht eine Suite von 76 Linolschnitten, die in den Jahren 1990 bis 1996 entstanden sind.

Galerie Peter Tedden Mutter-Ey-Straße 5, 40213 Düsseldorf noch bis Mittwoch, 23. Januar 2019 Gruppenausstellung

I LIKE FISHING

Mittwoch bis Freitag, 15 bis 19 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr und nach Vereinbarung 75


BÜHNE: Wuppertaler Bühnen Opernhaus Wuppertal Kurt-Drees-Straße 4, 42285 Wuppertal Liederabende im Kronleuchterfoyer des Opernhauses Kostbarkeiten aus dem Bereich des Kunstlieds werden präsentiert von Ensemblemitgliedern und Pianist*innen sowie Gästen.

Montag, 21. Januar 2019, 20 Uhr Franz Schubert

Schwanengesang

Simon Stricker, Bariton William Shaw, Klavier

Sonntag, 24. März 2019, 16 Uhr

Lieder von Franz Schubert und Franz Liszt Cornel Frey, Tenor Zora Slokar, Horn Olive Emil Wetter, Klavier

Premiere Oper: Samstag, 2. Februar 2019, 19.30 Uhr

Play* Europeras 1&2

von John Cage *von Daniel Wetzel/Rimini Protokoll Eine Produktion von Rimini Protokoll und der Oper Wuppertal „Europeras“ ist vieles in einem: ein großes Spektakel, das dem Prinzip des Zufalls gehorcht; eine alle Sinne beanspruchende Version des kollektiven Operngedächtnisses; ein ständiger Quell neuer und ungewohnter Hör- und Sichtweisen auf Altbekanntes und nicht zuletzt auch ein großes Panoptikum der Oper, das sehr unterhaltsam ist.

nungsvoller Softwareentwickler für künstliche Intelligenz, der gerade von einem Start-up in die Forschungsabteilung des milliardenschweren Rüstungsunternehmens Bimini gewechselt hat. Als Projektleiter für die Entwicklung vollautonomer Mikrodrohnen steht er im Rampenlicht, unter hohem Erfolgsdruck und gerät ins Visier von firmeninternen Neidern.

Theater am Engelsgarten

Samstag, 23. März 2019, 15 Uhr

In 80 Tagen um die Welt Eine multimediale Abenteuer-Komödie von Jules Verne

Theater Filidonia Kultshock Stockder Str. 142-148, 42857 Remscheid

Engelsstraße, 42283 Wuppertal Samstag, 23. Februar 2019, 19 Uhr Premiere: Donnerstag, 14. Februar 2019, 10 Uhr

Kleines Stück Himmel

Nuria Nuñez Hierro, Ania Michaelis Musiktheater für alle ab 2 Jahren Em und Eff geht es gut. Sie haben alles vorbereitet für einen schönen Tag. Da kommt Pe, der Vogel, und verfängt sich in ihrer Welt. Vielleicht ist er von weit hergekommen. Er stört. Er fasziniert. Und er kann singen. Dann gibt es Streit. Erst als jeder der drei etwas von sich preisgibt, öffnet sich ihr Blick. Füreinander. Etwas beginnt. Vielleicht Freundschaft.

Das andere Gesicht –

Die Scham der Gesellschaft Eine interdisziplinäre Theaterperformance Es gibt unausgesprochene Wahrheiten, denen man erst ins Auge blicken möchte, wenn es für das Wegschauen zu spät ist. Tabus sind unhinterfragte Bestandteile jeder menschlichen Gesellschaft und definieren das, was verboten, unberührbar und undenkbar ist. Wer gegen diese Regeln verstößt, muss mit Ausgrenzung, Verachtung und Missbilligung rechnen. Foto: Theater Filidonia, Kanade Hamawaki

Theater Hagen Elberfelder Str. 65, 58095 Hagen Samstag, 26. Januar 2019, 19.30 Uhr

Animal Farm Farm der Tiere

Ein deutsch-englischer TheaterProtest von George Orwell Samstag, 2. Februar 2019, 19.30 Uhr 19 Uhr Einführung

Il Turco in Italia

Komische Oper von Gioacchino Rossini

von Christoph Nußbaumeder Dr. Wolfgang Anders ist ein hoff-

Samstag, 9. März 2019, 19.30 Uhr 19 Uhr Einführung

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Ein szenischer Abend in Verdi-Chören

im

Premiere Schauspiel: Samstag, 23. Februar 2019, 19.30 Uhr

Im Schatten kalter Sterne

Viva Verdi


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MUSIK: Historische Stadthalle

Peter Kowald Gesellschaft/ ort e. V. Luisenstraße 116, 42103 Wuppertal

Johannisberg 40, 42103 Wuppertal Sonntag, 20. Januar 2019, 11 Uhr Montag, 21. Januar 2019, 20 Uhr

5. Sinfoniekonzert

Sinfonieorchester Wuppertal Julia Jones, Dirigentin Henri Dutilleux, Métaboles Wolfgang Amadeus Mozart Sinfonie Nr. 31 D-Dur KV 297 „Pariser“ Olivier Messiaen Les Offrandes oubliées Maurice Ravel Daphnis et Chloé, Suite Nr. 2

Sonntag, 3. Februar 2019, 18 Uhr

3. Orgel-Akzent - Orgel-Solo Vincent Dubois, Orgel J. S. Bach, Sinfonia aus Kantate 146 W. A. Mozart, Fantasie f-Moll KV 608 Johannes Brahms, Rhapsodie b-Moll Gabriel Fauré, Fileuse und Sicilienne aus „Pelléas et Mélisande“ Franz Liszt, Fantasie und Fuge „Ad nos ad salutarem undam“

Sonntag, 17. Februar 2019, 11 Uhr Montag, 18. Februar 2019, 20 Uhr

6. Sinfoniekonzert

Artur Pizarro, Klavier Julia Jones, Dirigentin Ludwig van Beethoven Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur op. 58 William Walton, Sinfonie Nr. 1 b-Moll

Sonntag, 17. März 2019, 11 Uhr Montag, 18. März 2019, 20 Uhr

7. Sinfoniekonzert

Frederic Belli, Posaune Ariane Matiakh, Dirigentin Antonín Dvo ák Die Mittagshexe op. 108 Gunnar de Frumerie Posaunenkonzert op. 81 Alexander von Zemlinsky Sinfonie Nr. 2 B-Dur

Kali

Sonntag, 20. Januar 2019, 20 Uhr

Kali

Die drei jungen Schweizer Nicolas Stocker, Schlagzeug, Raphael Loher, Klavier und Urs Muller, Gitarre, arbeiten an ihrer ganz eigenen Mischung aus zeitgenössischer Klassik, alternativem Rock und improvisierter Musik. Ihre Klangwelt entwickelt einen Sog ab dem ersten Ton, der die Hörer auf eine Reise durch dichtes Unterholz und steile Bergspitzen mitnimmt. Donnerstag, 31. Januar 2019, 20 Uhr Musik und Lesung:

Partita Radicale & Ulrich Land

In seinem neuen Kriminalroman „Krätze eiskalt“ entführt Ulrich Land die Leser*innen in den finnischen Winter. Begleitet wird die Lesung vom Ensemble Partita Radicale mit Gunda Gottschalk, Violine, Ortrud Kegel, Querflöte, Karola Pasquay, Querflöte, und Ute Völker, Akkordeon. Samstag, 2. Februar 2018, 20 Uhr

Soundtrips NRW

Duo Biliana Vutchkova Violine Michael Thieke Klarinette Die Musik des Duos Voutchkova/ Thieke konzentriert sich auf MikroTonalität, Bildsprache und intensive Dynamik. Mit Violine, Stimme und Klarinette kreieren sie sich langsam entwickelnde und bewegende Klanglandschaften.

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Dienstag, 12. Februar 2019, 20 Uhr

Freitag, 8. Februar 2019, 20 Uhr

Thomas Rohrer, Rabeca, Objekte, Elektronik, Michael Vorfeld, Perkussion und Saiteninstrument, Ute Wassermann, Stimme,Vogelstimmen,Objekte. Das Trio MUT arbeitet mit feingliedrigem, in sich verwobenem musikalischen Material und lässt eine mikrokosmische Hörwelt voll unorthodoxer und äußerst überraschender, rein akustischer Klänge entstehen, die sich zu vielschichtigen Texturen verdichten.

100 Jahre Bauhaus 
 Freitag, 15. Februar 2019, 20 Uhr

Mut

Vom Bauen der Zukunft – Crossover Bagdad Köln Duo, Foto: Nathalie Daligaux

Schwebeklang Klangkosmos Weltmusik Internationale Musikkulturen in Wuppertal

Lutherstift Schusterstraße 15, 42105 Wuppertal Donnerstag, 17. Januar 2019, 18 Uhr

Sahib Pashazade Duo

Klank, Foto: privat

Azerbaidschan Sahib Pashazade, Kurzhalslaute Tar Kamran Kerimov, Zylindertrommel Nagara Die beiden Mugham-Virtuosen aus dem Land des Feuers wurden 2017 für ihre atemberaubende musikalische Meisterschaft, ihre charismatische Bühnenpräsenz und unbändige Spielfreude mit dem Grand Prix des 11. Sharq Taronalari Festivals in Samarkand/Usbekistan ausgezeichnet.

Freitag, 15. März 2019, 20 Uhr

KLANK

Reinhart Hammerschmidt Kontrabass, Markus Markowski Gitarre, Elektronik, Christoph Ogiermann Violine, Tim Schomacker Schlagzeug, Hainer Wörmann Gitarre, erkunden in Echtzeit die komplexe und dichte Logik von frei improvisierten Interaktionen.

Dienstag, 26. März 2019, 20 Uhr Erhard Hirt

New York Connection

Kantige freie Improvisation und ein feurig-lebhaftes Spiel machen den Sound aus. Mark Whitecage Altsaxofon, Klarinette, Erhard Hirt Gitarre und Elektronik, Joe Fonda Kontrabass, Lou Grassi Schlagzeug, Percussion 78

Donnerstag, 14. März 2019, 18 Uhr Bassem Hawar & Albrecht Maurer Crossover Bagdad Köln Duo

Hauptkirche Unterbarmen

Timeswings

Hanne Darbovens Kunst 
 Freitag, 22. Februar 2019, 20 Uhr

Leaning into the Wind Andy Goldsworthy

Peter Kowald Gesellschaft/ ort e. V. Luisenstraße 116, 42103 Wuppertal Donnerstag, 10. Januar 2019, 20 Uhr cine:ort Paco de Lucía Auf Tour Dokumentarfilm von Curro Sánchez über das Leben seines Vaters, des legendären Gitarristen Paco de Lucía Donnerstag, 7. Februar 2019, 20 Uhr cine:ort Michel Petrucciani

Ein Leben gegen die Zeit

Der Film von Michael Radford porträtiert den genialen Pianisten Michel Petrucciani, der mit der Glasknochenkrankheit geboren wurde, als Lebemann und Energiebündel.

Martin-Luther-Straße 16, 42285 Wuppertal

Donnerstag, 7. März 2019, 20 Uhr cine:ort

Donnerstag, 7. Februar 2019, 18 Uhr Meïkhâneh Frankreich Folklore Imaginaire (Trio)

Die Pianisten Bud Powell, Bill Evans und Cecil Taylor Einführung: Lutz Felgner

KINO: Skulpturenpark Waldfrieden Café Podest Hirschstraße 12 Freitag, 1. Februar 2019, 20 Uhr

Gitte Villesen

Legenden des Jazz


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Wuppertal Cronenberg Buchhandlung Nettesheim Hauptstraße 17, 42349 Wuppertal, (0202) 47 28 70, www.nettesheim.de Wuppertal Ronsdorf Ronsdorfer Bücherstube Christian Oelemann, Staasstraße 11, 42369 Wuppertal, (0202) 2 46 16 03, www.buchkultur.de Wuppertal Vohwinkel Buchhandlung Jürgensen Vohwinkeler Straße 1, 42329 Wuppertal, (0202) 73 09 42, www.buch-juergensen.de Friseursalon Capilli Heinrich Wermann, Manteuffelstr. 2, 42329 Wuppertal, (0202) 30 13 22, www.capilli.de Remscheid Buchhandlung Thalia Remscheid Alleestr. 74, 42853 Remscheid, (02191) 59 15 50, www.thalia.de Solingen Kunstmuseum Solingen / Museumsshop, Wuppertaler Str. 160, 42653 Solingen, (0212) 25 81 40, www.kunstmuseum-solingen.de Leverkusen Schloss Morsbroich / Museumsshop, Gustav-Heinemann-Str. 80, 51377 Leverkusen, (o214) 8 55 56 28, www.museum- morsbroich.de * bis zum Redaktionsschluss bekannt

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