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ISSN 18695205

Ausstellung Sigmar Polke im Museum Morsbroich Ausstellung Markus Lüpertz im Skulpturenpark Waldfrieden Ausstellung Jankel Adler im Von der Heydt-Museum Wuppertal Porträt Kapellmeister Johannes Pell Tanztheater Alan Lucien Øyen im Gespräch Literatur Wuppertaler Literatur Biennale 0 2 / 2 018 A p r il -Ju ni / 5. 8 0 €


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Editorial Die Redaktion schreibt mir eine Mail und fragt an , ob ich nicht das Editorial für „die beste Zeit“ schreiben möchte. Schreiben tue ich ja gern, und los geht es damit, dem neuen Stück einen Takt zu geben, die Zeit will ja strukturiert sein, und natürlich das Tempo, damit ich weiß, wie die Zeit vergeht - wird angegeben in bpm, beats per minute - aua, warum hat der musikalische Impuls den gleichen Namen wie der Kinnhaken: Schlag? Doch nicht so schlimm, liegt sicher am Herzschlag, den steten rhythmischen Fluss nennen wir ja auch Puls, wenn die musikalische Zeit gleichmäßig vergeht.

Jetzt sitze ich am Rechner, an dem ich die meiste Zeit Töne organisiere, und sinniere, ob ich überhaupt die Zeit habe, diesen Text zu schreiben. Völliger Schwachsinn, diese Formulierung „Zeit haben“, ich kann unmöglich Zeit haben, wenn es da irgendwelche Besitzverhältnisse gibt, dann hat höchstens die Zeit mich. Mir ist es tatsächlich egal, ob mein Zug 40 Minuten verspätet ankommt und ob die Ampel noch dreimal auf rot schaltet, ich kann keine Zeit haben, muss nur irgendwie mit ihr klarkommen. Sorry, ich wollte ja über Musik sprechen, weil ich mit der (und meiner Frau) am liebsten die Zeit verbringe. Axel Jungbluth, der uns die Jazzharmonielehre erklärte und einer der besten Lehrer war, den ich kennenlernen durfte, wagte gar eine Definition von Musik. Er meinte: „Musik ist die Organisation von Zeit mittels Tonhöhen und Tondauern.“ Also nehme ich mir jetzt die Zeit, nein, wieder eine blöde Formulierung, wenn ich sie genommen hab, die Zeit, muss ich sie ja auch irgendwo hinstecken/ablegen/reinlegen. Also noch mal: Ich nutze jetzt die Zeit, um Euch ein paar einfache, aber vielleicht wissenswerte Dinge über die musikalische Zeit zu sagen. Ich fasse mich kurz, versprochen! Schließlich will ich Eure Zeit nicht stehlen (dann müsste ich sie ja sicherheitshalber vor Euch verstecken, und das würde Zeit kosten, shit, in welcher Währung eigentlich?). Was ich zur musikalischen Zeit sagen wollte: Der entscheidende Unterschied zwischen der Jazzmusik und der, die wir die klassische nennen (schallt herüber aus alten Zeiten), besteht in dem fundamental unterschiedlichem Umgang mit der musikalischen Zeit. Ach, sorry, zuvor kurz (Zeiteinschub) noch eine andere Information. Musik besteht prinzipiell aus der Kontrolle von zwei Zeitebenen, dem unter

der Musik liegenden Puls und dem sich darüber entfaltenden Rhythmus. Ein jeder musikalischer Moment kann nur funktionieren, wenn beide Ebenen von dem/der Musiker/in sicher kontrolliert werden. Je nachdem, ob wir jetzt die Zeit des Pulses oder die Zeit des melodischen Rhythmus präferieren, entsteht eine musikalische Welt, die in ihrer Rezeption völlig konträr gewertet wird. Die entscheidende Prägung des Jazz kommt aus Afrika, und in den dortigen Musiken gibt es kein accelerando, kein ritardando, die Zeit kann also weder gedrängt noch gedehnt werden. Jazz ist dann gut, wenn die rhythmisch-melodischen Motive sich bei aller Raffinesse ihre letztliche Qualität immer an der energetischen Reibung mit dem gleichmäßig laufenden Puls erspielen. Das Ergebnis heißt Groove und ist das oberste der zehn Gebote. Viele Hörer/innen der klassischen Musik macht dieses stete Dranbleiben am Puls regelrecht nervös, sie lieben anderes. Die klassische Musik (schon vor Jahrzehnten hatte ich mir geschworen, sie nie wieder so zu nennen, schließlich orten wir sie zeitlich 50 Jahre nach Bach und 50 Jahre vor Brahms, gehen also sehr großzügig mit der Zeit um) lebt davon, die Zeit unterschiedlich schnell/ langsam vergehen zu lassen. Ich sage, vereinfacht, sie traut sich, das Geschehen in der rhythmisch-melodischen Entwicklung als so wichtig zu erachten, dass sie den darunter liegenden Puls häufig variiert. Das wiederum macht die Jazzfreaks wieder regelrecht nervös - wat’n das? Groovt überhaupt nicht. Beide sehen nur eine Seite der Münze (Zeit ist Geld). Besonders schön ist, wenn es Musiker/innen ab und an schaffen, beide Versionen der Zeit zu kombinieren, wenn Charles Mingus in „Fables of Fabous“ die Zeit ständig mal schneller, mal langsamer vergehen lässt oder wenn Beethoven seine letzte Klaviersonate so schreibt, dass nur eine Interpretation sinnvoll ist: Sonate Nr. 32 groovt ohne Ende und bleibt hoffentlich schön am Puls. Ich denke, wir sollten es schaffen, alle Dogmen über den Haufen zu werfen, dann entsteht vielleicht nicht die beste, aber eine aufregende und inspirierende Zeit, die beste habt Ihr ja sowieso gerade in der Hand.

Wolfgang Schmidtke, Jazzmusiker


Inhalt 4 Sigmar Polke im Museum Morsbroich in Leverkusen

Schöne Aussichten

Markus Lüpertz im Skulpturenpark Waldfrieden

Der Tod, der bleiche Freier

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Jankel Adler im Von der Heydt-Museum Wuppertal

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Maler zwischen jüdischer Tradition und europäischer Avantgarde Hengesbach Gallery – ein Porträt

Räume für neue Kunst

Petrichor – eine Kolumne von MC Graeff

Inside out!

Kapellmeister an der Oper der Wuppertaler Bühnen

Johannes Pell

Im Gespräch mit Anne-Kathrin Reif:

Gastchoreograf Alan Lucien Øyen Dieser Frauenchor ist zum Staunen!

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WoW – Women of Wuppertal Die hohe Kunst der Improvisation Meister der freien Form

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Festival der Peter Kowald Gesellschaft und unERHÖRT

Alexander von Schlippenbach zum 80.

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Der Auftakt zu KLANGART 2018

Synästhetische Symbiosen 125 Jahre Nordpark

Der Barmer Norden punktet grün Vom 6. bis 19. Mai 2018 mit 30 Veranstaltungen

Die Wuppertaler Literatur Biennale Else Lasker-Schüler Lyrikpreis 2018

Die Welt schlief, nur wir waren wach Das Werk des Künstlerphilosophen Bazon Brock

Totgesagte leben länger

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Über künstlerische Freiräume für Transformationen

Grabowski und die lange, schmale, seltsame Aktionistenstadt

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Zwei Wuppertaler erzählen aus New York

Rita Paul und das Washington Square Hotel

Neue Kunstbücher vorgestellt von Thomas Hirsch

Still, aber populär Paragrafenreiter

Hölle! Steuern sind langweilig! Ausstellungen, Bühne, Kino, Musik, Literatur

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Kulturtipps Verkaufsstellen

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Impressum

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Museum Morsbroich, Foto: Holger Klaes

Schöne Aussichten Das Museum Morsbroich in Leverkusen zeigt Fotografien von Sigmar Polke Noch vor kurzer Zeit schien die Zukunft von Museum Morsbroich ungewiss. Tragisch, wenn gerade eine kulturelle Institution, deren Ziele von Anfang an im Zeichen des Aufbruchs und der Aktualität standen, vermeintlichen Sparzwängen zum Opfer gefallen wäre. Durch seine fortschrittliche programmatische Ausrichtung verschrieb sich das 1951 eröffnete Museum unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg konsequent der Nachkriegskunst und den Strömungen der Avantgarde. Durch viel beachtete Ausstellungen zeitgenössischer Kunst sowie den systematischen Aufbau einer Kunstsammlung, deren Bestand durch Erwerbungen bis in die Gegenwart hinein erweitert wird, erlangte das Museum Morsbroich nationale und internationale Anerkennung, die 2009 in der Ehrung durch den internationalen Kritikerverband AICA als Museum des Jahres kulminierte. 2016 erschütterte dann die verheerende Prognose der Wirtschaftsprüfer die gewachsene Institution. Im Hinblick auf den maroden Kulturetat der Stadt Leverkusen (in deren Besitz sich das Schloss Morsbroich seit 1974 befindet und gleichwohl durch deren Zuschüsse maßgeblich unterstützt wird) und zur raschen Einleitung von Sparmaßnah4

men wurde die Auflösung des Museumsbetriebs und der Verkauf der stattlichen Sammlung, die Werke von Joseph Beuys bis Gerhard Richter umfasst, empfohlen. Prominente Fürsprecher hatten mit Protestbriefen eine Neubewertung der Lage veranlasst, um die Schließung des Museums abzuwenden. Im Januar 2018 stimmte der Rat der Stadt Leverkusen dem umfassenden Konzept des Museumsvereins zur zukunftsweisenden Standortsicherung zu. Neben einer verstärkten kommerziellen Nutzung der historischen Schlossanlage, die sich im Laufe der Jahrhunderte vom mittelalterlichen Rittersitz zu einem schmucken Rokoko-Schlösschen entwickelt hatte und deren Park für den Bürger Leverkusens (durch die Einrichtung eines Skulpturen- und Naturlehrpfads sowie eines Spielplatzareals) als Ausflugsort attraktiv gestaltet werden soll, ist auch ein Neubau vorgesehen, welcher Wechselausstellungen unter optimierten technischen Bedingungen ermöglichen soll. So bleibt zu hoffen, dass der Erhalt dieses Juwels in der Museumslandschaft von NRW damit gewährleistet ist. Währenddessen darf man den Blick nach vorne richten und sich auf kommende Aktivitäten und Ausstellungen in der gewohnten, sehr hohen Qualität freuen.


Museum Morsbroich, Luftbild, Foto: Uwe Miserius

Architekturbüro Hermann Kaufmann ZT, Massenmodell des geplanten Neubaus für Wechselausstellungen; © archprodesign, Düsseldorf

Ein anstehendes Highlight ist sicherlich die Ende Mai eröffnende Schau mit meist unveröffentlichten Fotografien des rheinischen Schwergewichts Sigmar Polke, deren Entstehungszeit zwischen 1970 und 1980 liegt. Polke, der schon als Maler erfolgreich war, wandte sich in den 1970erJahren verstärkt anderen künstlerischen Ausdrucksformen zu, vor allem die Fotografie bildete einen Schwerpunkt innerhalb seines damaligen Schaffens, welches er als kollektive Produktion auffasste. 1972 brach Polke aus den gesellschaftlichen Konventionen aus und verabschiedete sich 5


Sigmar Polke, ohne Titel, 70 – 80, Fotografie, Georg Polke; © The Estate of Sigmar Polke, VG Bild-Kunst, Bonn 2018

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Sigmar Polke, ohne Titel, 70 – 80, Fotografie, Georg Polke; © The Estate of Sigmar Polke, VG Bild-Kunst, Bonn 2018

von seinem bisherigen Dasein als braver Familienvater, um sich stattdessen mit Künstlerfreunden und Weggefährten in einem niederrheinischen Bauernhof, dem Gaspelshof, am Rande der Kartoffelfelder in Willich, einzuquartieren. In dieser bis 1978 existierenden Gemeinschaft verliefen die Grenzen zwischen Leben und Arbeit fließend, sodass auch die Kamera mit spielerischer Leichtigkeit herumgereicht wurde und zwanglose Schnappschüsse als Ergebnisse kreativer Kollaborationen entstanden, in denen Polke mitunter als facettenreicher Verwandlungskünstler und Spaßmacher vor die Linse tritt. Neben den Mitgliedern der Kommune fotografiert Polke einschlägige Protagonisten der rheinländischen Kunstszene, hält Straßen- und Stadtansichten sowie Bettler in Köln und New York fest. Sein Blick erfasst gleichermaßen arrangierte Stillleben, Landschaften, Kuriositäten, museale Sammlungsbestände, Kunstgegenstände, Skorpione, Pilze.

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Sigmar Polke, ohne Titel, 70 – 80, Fotografie, Georg Polke; © The Estate of Sigmar Polke, VG Bild-Kunst, Bonn 2018

In der Präsentation ist diese Fülle der Sujets im Erdgeschoss großzügig ausgebreitet. Im ersten Obergeschoss erscheint das Spektrum thematisch sortiert, in einzelne Motivgruppen unterteilt und von Editionen und Gemälden Polkes begleitet. Über 400 Fotografien erweisen sich weniger als Ergebnisse einer dokumentarischen Sicht- und Herangehensweise, sondern sind vielmehr Zeugnisse einer ziemlich entäußerten Experimentierfreude. Nicht nur das Sujet, sondern vor allem auch das anarchische Potenzial des Entwicklungsprozesses erlangt hier eine ungebändigte Entfaltung. Mehrfachbelichtung, Umkehreffekte, Überblendungen oder Solarisation führen zu Unschärfen, Durchdringungen von Bildebenen und bisweilen zu einer Tilgung des Motivs, dessen Konturen sich in den Schlieren der chemischen Substanzen aufzulösen scheinen. 8

Derartige Metamorphosen und Verfremdungseffekte sind nicht nur flüchtige fotografische Phänomene, sondern charakteristisch für Polkes Gesamtwerk und spiegeln auch sein offenes, humorvolles künstlerisches Selbstverständnis wider, das sich in immer neuen Rollen und Aufführungen darbietet und den Betrachter in eine „Sphäre der Verunsicherung“ (L. Glozer) überführt. Spannende Begegnungen also mit Bekannt-Unbekanntem bei Polke verspricht diese Ausstellung im Museum Morsbroich, dessen beschaulicher und etwas verwunschener Gartenparcours zudem in den Sommermonaten sicherlich noch die ein oder andere botanische Entdeckung bereithält. Bettina Haiss


Sigmar Polke, ohne Titel, 70 – 80, Fotografie, Georg Polke; © The Estate of Sigmar Polke, VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Sigmar Polke. 70 - 80 Fotografien Sonntag 27. Mai bis Sonntag 2. September 2018 Eröffnung der Ausstellung Sonntag, 27. Mai, 12 Uhr Museum Morsbroich Gustav-Heinemann-Straße 80 51377 Leverkusen museum-morsbroich@kulturstadtlev.de www.museum-morsbroich.de 9


Markus Lüpertz, Der Kopf der Flora und Der Tod des Fragonard, © VG Bild-Kunst Bonn 2018, Markus Lüpertz, Foto: Michael Richter

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Der Tod, der bleiche Freier Markus Lüpertz im Skulpturenpark Waldfrieden

Erstmals widmet Markus Lüpertz eine Ausstellung nur Gipsskulpturen. Vom 28. April bis zum 5. August 2018 zeigt er 19 Arbeiten im Skulpturenpark Waldfrieden. Markus Lüpertz ist ein Bildhauer, der von der Malerei kommt. Die Bildhauerei ist für ihn „jedoch keine Welt für sich, sie bildet trotz ihres großen Umfangs keine Gegenaussage zur Malerei, sie ist aber auch kein bloßes Anhängsel der malerischen Produktion, sondern deren folgerichtige Erweiterung ...“, schreibt Werner Hofman im Jahr 2009 anlässlich der bis dahin größten Lüpertz-Retrospektive der Bundeskunsthalle. Das manipulativ-demiurgische Element, das Hofman in Lüpertz‘ Skulpturen sieht, oder die Komik und das Groteske finden ihren Raum besonders in seinen Skulpturen und dort vor allem in seinen Gipsarbeiten. Denn anders als Bronze, die immer gleich die ganze abendländische Kunstgeschichte evoziert, lässt dieses Material viel Spontaneität zu, die für Lüpertz‘ Schaffen eine äußerst wichtige Kategorie ist. Allein schon deshalb verwendet er Gips nicht nur als Bozzetto oder, wenn es um monumentale Formate geht, als Vorstufe zur Bronze. Auch die Kolorierung weist auf eine selbstständige Stellung der Gipse in Lüpertz‘ Werk als eigene Gattung. Der Tod, an den der Titel der Ausstellung erinnert, begleitet Lüpertz mehr oder weniger sichtbar im Hintergrund vieler seiner Werke. Explizit erscheint dieses Thema bei Lüpertz 11


aber auch in seiner Dichtung. So zitiert der Ausstellungstitel aus einem seiner bisher unveröffentlichten Gedichte. Markus Lüpertz wurde am 25. April 1941 im böhmischen Liberec geboren. Nach dem Kriegsende flüchtete seine Familie nach Westdeutschland und siedelte sich im Stadtteil Rheydt des heutigen Mönchengladbach an. Seine Ausbildung zum Künstler begann 1956 mit einem Studium an der damaligen Werkkunstschule Krefeld bei Laurens Goosens. Nach einem kurzen Studienaufenthalt an der Düsseldorfer Kunstakademie im Jahr 1961, die er bereits nach kurzer Zeit wegen einer Schlägerei verlassen musste, lebte und arbeitete Lüpertz zunächst als freischaffender Künstler in Düsseldorf. 1962 wechselte er nach Berlin, um dem Wehrdienst zu entgehen. Dort konnte er, vor allem dank der Ausstellung „Markus Lüpertz. Dithyrambische Malerei“, die 1965 in der von ihm gemeinsam mit Künstlerkollegen gegründeten Galerie Großgörschen 35 stattfand, die Kunstwelt auf sich aufmerksam machen. Dass sich sein

Kunstwollen nicht nur in seiner Malerei, sondern auch dichtend manifestiert, bewies er erstmals 1974 mit der Veröffentlichung seines ersten Gedichtbands „9 × 9“. Nach einer Gastdozentur im Jahr 1974 folgte 1976 ein Ruf als ordentlicher Professor an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, wo er bis 1987 lehrte. Bereits 1986 wurde Lüpertz an die Staatliche Kunstakademie in Düsseldorf berufen, die er von 1988 bis 2009 als Rektor leitete. Neben zahllosen anderen Ehrungen wurde Markus Lüpertz 2006 mit der Ehrendoktorwürde der Kunstakademie Breslau ausgezeichnet. Markus Lüpertz lebt und arbeitet in Berlin, Karlsruhe, Düsseldorf und Florenz. Terminhinweis: Im Rahmen der Ausstellung wird Markus Lüpertz am 13. Juli 2018 um 19 Uhr einen Vortrag im Skulpturenpark Waldfrieden halten. Geplant ist auch ein Konzert, für das der Termin noch bekannt gegeben wird. Ruth Eising

Der Tod, der bleiche Freier Markus Lüpertz Das Jahr Ein Blumenkelchgelage, Blüten verwelken – Das blaue Band erfror’n. Der Tann versprengt In Eiskristalle, Das frische Grün und alle Blumen alle Haben Glanz verlor’n. Mein Herz ist bang. Ich bange Um deine goldene Leier – Ach Lieb! Der Tod, der bleiche Freier Hat mir die Sens’ geschenkt. Es sticht jetzt Stein und Dorn.

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Markus Lüpertz‘ Skulptur „Paris ohne Arme“ (2001) befindet sich in einer Bronzefassung (linke Seite) seit 2014 in der Dauerausstellung des Skulpturenparks. Eine Gipsfassung wird Teil der Ausstellung sein. © VG Bild-Kunst Bonn 2018, Markus Lüpertz, Foto: Michael Richter

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Jankel Adler, Bildnis Else Lasker-Schüler, 1924, Öl auf Leinwand, 151 x 75 cm, Von der Heydt-Museum Wuppertal, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

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Jankel Adler – Maler zwischen jüdischer Tradition und europäischer Avantgarde Das Von der Heydt-Museum Wuppertal zeigt eine große Ausstellung zu einem wichtigen Impulsgeber der Avantgarde und stellt sein Werk in einen Dialog mit Bildern seiner Künstlerkollegen Chagall, Klee, Dix und Picasso.

Else Lasker-Schüler und Jankel Adler – zwei Künstler des 20. Jahrhunderts, die man in einem Atemzug nennen kann. Nicht nur weil die deutsche Dichterin und der polnische Maler Freunde waren. Weil die jüdische Herkunft sie verband. Ihre Verwandtschaft reicht weit tiefer. Im Medium ihrer Kunst erkannten sie das Charakteristische des anderen. Er malte sie, sie schrieb über ihn. Sein Porträt von ihr, 1924 entstanden, hält die Balance zwischen freundschaftlicher Nähe und nüchterner Sachlichkeit. Es zeigt Lasker-Schüler als Frau in mittleren Jahren. Ihr forschender, aufmerksamer Blick ruht auf dem Betrachter. Mit größter Sorgfalt ist auch die Schreibhand gemalt, die schon so viel Bleibendes geschaffen hat. Im selben Jahr 1924 widmete die Dichterin Adler einige ihrer schönsten Verse. Im Porträt-Gedicht fasst sie seine wiederkehrende Beschäftigung mit jüdischen Themen in das Bild der „dichterischen, großen Harfenschrift“, die er dem „jungen Gotte Zebaoth“ weihe. Adlers Kunst, Menschen in symbolischer Verdichtung darzustellen, macht ihn in den Augen der Dichterin zum „hebräischen Rembrandt“. Die Ausstrahlung ihres Freundes bringt gleich die erste Zeile auf den Punkt: „Man nennt ihn überall den lieben Jankel“. „Wir sind aus einer Stadt und gingen in dieselbe Schule“, heißt es weiter. Auch wenn die beiden im wahren Leben nicht die Schulbank drückten – Bewohner der „Wupperstadt“ waren tatsächlich beide.

August Sander, Maler (Jankel Adler), 1924, Von der Heydt-Museum Wuppertal, © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, August Sander Archiv Köln, 
 © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Als Jankel Adler, 1895 bei Lodz geboren, an die Wupper kam, arbeiteten seine Geschwister hier als Kaufleute und Textilarbeiter. Der gelernte Goldschmied schlug einen anderen Weg ein. Ab 1916 studierte er an der Kunstgewerbeschule in Barmen. Sein künstlerisches Talent wurde schnell erkannt. Er lernte bei Professor Gustav Wiethüchter, der ihn besonders schätzte und ihm sein Privatatelier zum Malen zur Verfügung stellte. Nach dem Studium zog es Adler nach Düsseldorf. Dort fand er Anschluss an die Avantgardisten des „Jungen Rheinland“, die sich um die Galerie der Kunsthändlerin Johanna Ey („Mutter Ey“) scharten. 15


Die rheinischen Künstlerfreunde waren vom „lieben Jankel“ beeindruckt. Gerd Arntz schrieb über ihn: „Er fiel in einer Gesellschaft von schon nicht ganz gewöhnlichen Menschen auf - wie aus einer anderen Welt. Seine feurigen Augen, seine volle Stimme, wenn er in seinem eigenen Deutsch sprach, was er sagte, ließen auf einen weiten Horizont schließen, über das Rheinland hinaus, jedenfalls brachte er als einer der ersten ein Stück Berlin mit.“ Seinen Horizont erweiterte Adler nicht nur in Berlin, wo er Else Lasker-Schüler traf. In seiner alten Heimat Polen war er Mitbegründer der Künstlergruppe „Jung Jiddisch“, in Köln war er bei den „Progressiven Künstlern“ aktiv. Die Teilnahme an der „1. Internationalen Kunstausstellung“ in Düsseldorf ebnete ihm den Weg als erfolgreicher Künstler. An der Düsseldorfer Kunstakademie hatte er sein Atelier Tür an Tür mit Paul Klee. Das Atelier musste Jankel Adler jedoch bald wieder aufgeben. 1933 flüchtete er aus Deutschland. Zurück blieb seine nicht jüdische Lebensgefährtin Betty Kohlhaas. Mit ihr und der gemeinsamen Tochter Nina hielt er auch während des Exils Kontakt. Für die Nationalsozialisten war Jankel Adler in mehrfacher Hinsicht ein Feindbild. Als „Kulturbolschewisten“ diffamierten sie den Maler, weil er in seinen Bildern jüdische Menschen und ihre Lebenswelt thematisierte – in einer konsequent modernen Formensprache, die Elemente des Expressionismus, Kubismus und Konstruktivismus aufgriff. Ein Dorn im Auge war ihnen auch seine klare antifaschistische Haltung. Noch im Februar 1933 hatte Adler vor der Reichstagswahl mit anderen links stehenden Intellektuellen einen „dringenden Appell“ gegen die Politik der NSDAP veröffentlicht. Da ihnen der Künstler entkommen war, rächten sich die Nazis an seiner Kunst. Adlers deutschen Freunden gelang es noch, einige Bilder aus seinem Düsseldorfer Atelier zu schmuggeln. Diese konnten 1935/36 in einer großen Einzelausstellung in Warschau und Lodz gezeigt werden. Die verbliebenen Bilder jedoch wurden aus den deutschen Museen entfernt, in den Ausstellungen „Entartete Kunst“ in München und Berlin vorgeführt, zu Schleuderpreisen verkauft und teilweise sogar zerstört. Jankel Adler emigrierte nach Frankreich, später nach England. Die Erfahrung der Flucht hinderte ihn jedoch nicht daran, zu einem neuen Stil zu finden. Der Maler bewegte sich in Richtung Abstraktion und beeinflusste damit jüngere, vor allem britische Künstler - bis hin zu Francis Bacon, mit dem er gemeinsam ausstellte. 16

Auch in Deutschland blieb die Erinnerung an den Maler, der 1949 im englischen Exil starb, wach. Sechs Jahre nach seinem Tod würdigte ihn das Städtische Museum Wuppertal mit einer Retrospektive. Daran knüpft die Ausstellung „Jankel Adler und die Avantgarde“ an, die ab Mitte April im Von der Heydt-Museum zu sehen ist. Sie ermöglicht nicht bloß einen Überblick über Adlers Schaffen. „Unsere Schau zeigt auch seine Verbindung mit Künstlern wie Chagall und Dix, die in der Kunstgeschichte einen festen Platz haben“, sagt die stellvertretende Museumsdirektorin Antje Birthälmer, die die Ausstellung kuratiert. „Wir denken, dass so eine neue Perspektive auf Jankel Adler möglich wird.“ Insgesamt wurden 200 Werke aus eigenen Beständen und aus Sammlungen zusammengestellt. Die Leihgaben kommen aus Israel, Brasilien, Frankreich, Polen und Großbritannien. Beim Gang durch die Ausstellung nimmt der Betrachter Verwandtschaften und Eigenarten wahr. Man vergleiche etwa die Bilder der Kollegen Adler und Dix. Bei Dix‘ „An die Schönheit“ handelt es sich trotz des klassischen Titels um ein Paradebeispiel der Neuen Sachlichkeit. Das szenische Selbstbildnis zeigt den Künstler inmitten einer Party mit tanzenden Paaren und Jazzband. Er inszeniert sich als cooler Typ, der die rechte Hand lässig in die Hosentasche gesteckt hat und in der linken Hand einen Telefonhörer hält. Unnahbar ist Adlers symbolischer „Artist“ nur auf den ersten Blick. Der Titel nähert die Sphären von Zirkus und Kunst einander an. Im Bildzentrum steht nicht das Gesicht, das Adlers Züge trägt, sondern der entblößte Oberkörper. Haut, Muskeln und Knochen sind durch Strichführung und Farbe „übergenau“ konturiert – die Verletzlichkeit des Künstlers wird so sinnfällig gemacht. Das Changieren zwischen Fremdem und Eigenem zieht sich durch Adlers Frühwerk. „Der Mallorquinische Fischer“ scheint zunächst aus den Eindrücken zu schöpfen, die Adler von einer Spanienreise mitbrachte. Doch auch hier hat sich der Maler verewigt. Steckt nicht sogar in „Angelika“ ein Stück Jankel Adler? Das Gemälde ist eine Hommage an die Künstlerin Angelika Hoerle (1899-1923) und entstand die im Jahr ihres frühen Todes. Ähnlich wie die dunkel gehaltene Bildfigur posiert auch Jankel Adler auf einer Fotografie von August Sander. Welche Bedeutung die Aufnahme für Sander hatte, erkennt man daran, dass er sie in seine Serie „Menschen des 20. Jahrhunderts“ aufnahm. Aus dem Porträt von Jankel Adler wird so unversehens der Typus seiner Zeit.


Jankel Adler, Der Artist, 1927, Öl auf Leinwand, 100,4 x 65 cm French & Company, New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

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Jankel Adler, Mädchen mit Halskette, um 1924 Radierung, 26,8 x 14,3 cm, Besitzer + Foto: Galerie Remmert und Barth, Düsseldorf, © VG Bild-Kunst Bonn, 2018

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Jankel Adler, Selbstbildnis, um 1924,
Öl auf Leinwand auf Holz, 68,5 x 56,5 cm
Kunst- und Museumsverein im Von der Heydt-Museum, © VG Bild-Kunst Bonn, 2018

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Jankel Adler Sabbat, Düsseldorf 1925 Öl auf Leinwand, Mischtechnik, Sand auf Leinwand 120 x 110 cm Jüdisches Museum Berlin Foto: Jüdisches Museum Berlin - Foto: Jens Ziehe © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Adlers individueller Umgang mit seinem kulturellen Erbe wird deutlich im Vergleich mit Künstlern wie Marc Chagall und Lasar Segall. Besonders einflussreich waren Chagalls Bilder, in denen biblische Motive und Alltag im osteuropäischen „Schtetl“ ineinander übergehen. Doch abgesehen von der gemeinsamen Faszination für chassidische Mystik zeigen sich vor allem die Differenzen. Adlers Gemälde „Sabbat”, zeigt einen Ausschnitt aus jüdischem Leben. Doch was zunächst den Anschein der inneren Sammlung vermittelt, trägt einen irritierenden Zug. Gezeigt wird nicht die religiöse Feier, sondern das Nachher. Die Kerzen sind heruntergebrannt, das Weinglas ist leer und das Festtagsbrot halb aufgegessen. Nachdenklich liegt der Mann, den Gebetsschal neben sich, auf dem Sofa. Der Blick der Frau geht traurig ins Leere.

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Den jüdischen Themen bleibt Jankel Adler auch dann noch treu, als er ähnlich wie Picasso mit amorphen Formen und abstrakten Figuren experimentiert. Die Bezüge zur zeitgenössischen Wirklichkeit sind sogar noch klarer als im Frühwerk. Die flächigen Körper der „Verstümmelten“ offenbaren die traumatisierenden Folgen des Zweiten Weltkriegs. „Was für eine Welt!“ heißt ein anderes eindringliches Bild. Jankel Adler malte es nach der Zerstörung der alten Heimatstadt Lodz. Daniel Diekhans


Jankel Adler, Die Verstümmelten, 1942-43 Tate: Presented by Robert Strauss, 1960. © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Jankel Adler und die Avantgarde 17. April bis 12. August 2018 Ausstellungseröffnung Sonntag, 15. April, 11.30 Uhr Von der Heydt-Museum, Turmhof 8, 42103 Wuppertal Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr www.von-der-heydt-museum.de Kuratorenführungen Donnerstag, 19. April, 18 Uhr, Donnerstag, 7. Juni, 18 Uhr Mit Dr. Antje Birthälmer, 14 Euro inkl. Eintritt, Anmeldung unter 0202 563-2223 Abendgespräch Donnerstag, 14. Juni, 18 Uhr Jankel Adlers Emigration, die Aktion „Entartete Kunst“ und ihre Folgen für sein Werk. Mit Dr. Antje Birthälmer, Kuratorin der Ausstellung und stellvertretende Museumsdirektorin Von der Heydt-Museum. Eintritt frei.

Vorträge Begleitend zur Ausstellung im Von der Heydt-

Museum gibt es in der Begegnungsstätte Alte Synagoge drei Veranstaltungen. Am 15. Mai geht es um den spirituellen Hintergrund des Schaffens von Jankel Adler. Es referiert Florin Mihail. Hans Günter Golinski, Direktor des Kunstmuseums Bochum, referiert am 29. Mai über jüdische Motive in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Reihe schließt am 5. Juni mit einer Lesung aus Scholem Alejchems „Damals in Kasrilewke“. Es liest Gernot Jonas. Alle Veranstaltungen beginnen um 19 Uhr. Diese Veranstaltungsreihe ist eine Kooperation der Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal mit dem Von der Heydt-Museum. Begegnungsstätte Alte Synagoge Genügsamkeitsstraße/Eingang Krugmanngasse 42105 Wuppertal, www.alte-synagoge.de Eintritt 3 Euro. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. 21


Alex Hanimann, „o. T. (fox)“, 2017, Lightbox, 80 x 110 cm © Alex Hanimann und VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Räume für neue Kunst Hengesbach Gallery – ein Porträt

Für Rolf Hengesbach ging 1991 ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Das Gemeindehaus der evangelischen Kirche an der Vogelsangstraße in Wuppertal wurde seiner ursprünglichen Bestimmung enthoben und stand für eine neue Nutzung offen. Hengesbach überlegte nicht lange, übernahm des Haus, plante Ausstellungsräume und versetzte das Gemeindehaus in einen Rohbau. Räume wurden neu gegliedert, Fenster zugemauert, andere neu eingebaut, ein für die Kunst tragfähiger Betonboden wurde geschaffen. Ein Jahr musste vergehen, um aus der puritanischen kirchlichen Unterkunft eine Folge von hellen Ausstellungsräumen zu schaffen, die Räume für neue Kunst. 22

Den Impuls hierzu hatte die Freude an der Kunst mit ihrer Vielschichtigkeit und ihrem Spannungsreichtum gegeben. So durchschritt Hengesbach denn auch im ersten Jahrzehnt seines Wirkens das ganze Spektrum an Ausstellungsmöglichkeiten: Projektoren komplett im Dunklen, riesige fotografische Stillleben mit einer Länge von fünf Metern, europäische und amerikanische Malerei (ein Yves Klein in orange!), eine Ausstellung mit einer Unmenge von kleinen, auf alten Schultafeln präsentierten Zeichnungen und eigens für die Räume geschaffene Wandmalereien, um nur einige Highlights zu nennen. Da die Galerie ab 1993 auf der Art Cologne und ab 1994 regelmäßig auf der Art Basel ausstellte, erfolgten 2002 bzw. 2009 Umzüge nach Köln und Berlin, um die überregionale Sichtbarkeit zu erhöhen und das Programm in den internationalen Vergleichskontext einzupassen. Seit 2008 finden nach dem Umbau des hinter dem Gemeindehaus gelegenen Pfarrhauses auch wieder regelmäßig Ausstellungen in Wuppertal statt.


In den letzten Jahren hat sich die Galerie immer wieder thematisch orientierten Ausstellungen gewidmet. Über die Faszination am Werk einzelner Künstler hinaus geht es uns auch darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Kunst etwas in uns wecken kann, das in den alltäglichen Abläufen unseres Lebens nicht an die Oberfläche gelangt, sagt Galerist Rolf Hengesbach. Zurzeit zeigt die Galerie eine Gruppenausstellung mit dem Titel ungewiss, was in unserem alltäglichen Sprachgebrauch ein Gefühl aufgreift und nur vage beschreibt. Die Kunst hingegen kann sinnliche Bezüge herstellen, unsere Sinne verführen und uns spannungsreiche, unerwartete Angebote von visuellen Kontrasten und Zusammenhängen machen. Wir setzen uns in einer Weise mit der Welt auseinander, wie sie in unserem Eingetauchtsein in alltägliche Abläufe in der Regel nicht passiert, erklärt Hengesbach. Ein weiteres Projekt der Galerie in diesem Frühjahr ist eine Aktion im öffentlichen Raum, die die Berliner Künstlerin Susanne Kutter für die Wuppertaler Performance Nacht im vergangenen November geplant hatte und die wetterbedingt verschoben werden musste. Der Ort, an dem die Performance stattfindet, ist in unserer Stadt durch seine ehemalige Funktion und seine Vergangenheit hervorgehoben: das Schauspielhaus. Der konkrete Platz ist vielen aber nur vom flüchtigen Vorbeifahren mit der Schwebebahn oder mit dem Zug bekannt: die Rückseite des Schauspielhauses. An dieser Stelle ist das Gebäude der Wupper zugekehrt und damit den Prozessen der Vergänglichkeit, der Flüchtigkeit, des Vorbeifahrens oder des Reisens ausgesetzt. Kutters Performance besteht einerseits in der Verdichtung eines kurzen Moments – dem Abbrennen einer Zündschnur – andererseits aber bleibt die nach dem Abbrennen entstandene Rußspur auf der Wand für Wochen sichtbar. In aufwändiger Vorbereitung wird Kutter mit einem mobilen Kranwagen eine Textbotschaft an die riesige Wand montieren, die sie in ihrem Atelier in Schreibschrift als Schablone in Originalgröße vorbereitet hat. Die Botschaft lautet: „Ich will dich.“ Offen bleibt, wer sich hinter dem ‚ich’ und ‚dich’ verbirgt. Ist eine Person angesprochen oder ein Ding oder das Gebäude, auf dem der Schriftzug zu lesen ist? Auch ist nicht geklärt, ob das Wollen eine Liebeserklärung oder Drohung ist. Dieses Spannungsmoment wird auch in dem Performanceereignis selbst sichtbar, welches sich in dem Abbrennen der Lunte vollzieht.

Wir kennen Zündschnüre nur aus der Filmgeschichte, vor allem aus dem Stummfilm. Dort geht es um die Frage: Kann jemand die schon brennende Zündschnur noch stoppen oder bleibt sie unentdeckt – und wie gewaltig wird die Explosion am Ende der Zündschnur sein? In Susanne Kutters Performance gibt es keine Explosion zum Schluss. Es gibt nur den Vorgang des Abbrennens und die entstandene Rußspur. Letztere wird lesbar in drei Wörtern. Zwei Pronomen, von denen wir nicht wissen, auf wen sie sich beziehen, und das Verb ‚wollen’, das in der Regel noch ein ergänzendes Verb benötigt. Alltagssprachlich lassen wir diese Ergänzung häufig weg, wenn aus dem Kontext schon hervorgeht, was man tun will. Weil Susanne Kutter das Wollen nicht konkretisiert, kann jeder von uns einen eigenen Willensakt in seiner Vorstellung aufrufen. Und da der öffentliche Raum ein Raum des Treffens und Zueinanderfindens von Menschen ist, können wir beim Lesen der drei Worte ganz unterschiedliche Geschichten mit Leben assoziieren. Der Termin für die Performance von Susanne Kutter stand bei Drucklegung noch nicht fest. Lena Hirsch Zur Person: Rolf Hengesbach, geboren 1957, Studium der Philosophie, Germanistik, Geschichte in Bonn, Tübingen, Köln. Lehrauftrag an der Bergischen Universität Wuppertal 1981 – 1990. 1991 Gründung der Galerie „Räume für neue Kunst“ in Wuppertal. Dependancen 2002 – 2009 in Köln und 2009 – 2014 in Berlin. Beteiligung an den internationalen Kunstmessen Art Basel, Art Cologne, Arco Madrid. Texte und Vorträge zur zeitgenössischen Kunst in Kunstvereinen, Kunstakademien und Universitäten. Aktuelle Gruppenausstellung: ungewiss Dauer: 6. März bis 4. Mai 2018 Künstler: Frank Ahlgrimm, Peter Bösenberg, Alex Hanimann, Dieter Kiessling, Anthony McDonald, Christopher Muller, Moritz Neuhoff, Christine Rusche, Björn Siebert, Nikola Ukic, Markus Willeke Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 14 - 18 Uhr

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Petrichor … ist die Bezeichnung des Geruchs, der von Regentropfen auf trockenem Boden hervorgerufen wird. Petros steht im Griechischen für Stein und ichor für das Blut der Götter. In Wuppertal kennt man den Duft schon viel länger als den Begriff. In der besten Zeit ist Petrichor eine Kolumne von

MC Graeff.

Willem van Genk: o.T. (Schwebebahnhof Döppersberg)

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Inside out! Persil bleibt Persil! Wicküler, Yeah yeah yeah! Krause Schnellschneider auf der Drupa, The Beatles, Trink Coca Cola, Freiheit für Spanien, Künstlerleben, Verstärkt unsere Reihen … Die Welt ist aus den Fugen, das weiß heute jedes Kind, und auch, dass es nicht ohne Risiko ist, dies öffentlich zu sagen. In unserer Außenseiterstadt, der Stadt der Außenseiter, haben sich die Zeiten und ihre Bilder seit der Mechanisierung der Verhältnisse eh so gründlich zu einer augenbetäubenden Collage übereinandergeschoben, dass sich das Irrwitzige der nebenstehenden Zeichnung erst nach und nach entfaltet: Der hochmoderne Schwebebahnhof am erst nach 1850 entwickelten Stadtgelenk Döppersberg stand in seiner ursprünglichen Form nur ein Vierteljahrhundert lang, bis 1926 das Köbo-Haus die metropolitane Jugendstil-Konstruktion durch wuchtige Biederkeit ersetzte. In dem hier verzeichneten Sprung quer durch die Modernen finden nun Äußerungen zu- oder aufeinander, die nie gemeinsam auftraten: SS-Runen, popkulturelle Anpreisungen, Aufrufe zum Widerstand und zur Konsolidierung wie zum ungehemmten Konsum, es rauscht und knattert die Mixtur der Verlautbarungen, ein optisches wie mentales Gebrüll, ein Werben um Aufmerksamkeit, ein Stimmen- und Käuferfangen, als wäre es – heute. Manchmal öffnete mein Vater die Tür seines Arbeitszimmers und rief in den Flur hinaus: „Ich bin dagegen!!“ Jedenfalls erzählte er mir, dass er es gerne tun würde, denn natürlich ließ er es zu Hause bleiben. Wenn er wieder auf Reise war, tat er es vielleicht, dort in der Wüste, lange bevor die neuen „Desert Storms“ Menschen, Gemeinschaften und Kulturschätze zu Staub zermahlten. Dort im Sand hörte es ja keiner. „Ich bin dagegen!“, das flüsterte etwa 1990 auch einer von Vaters Gefährten, ebenso menschenversöhnend und weitgereist, auf seinem Totenbett in Ronsdorf. Ich besuchte ihn und verstand kaum noch, was er sagte: Er sprach von einem neuen „Byzantinismus“, der sich abzeichne und mächtig über uns käme. Damals hatte ich noch schwere Lexika zu konsultieren und war danach genau so ratlos wie nach dem heutigen Blick in die Wikipedia, wo alles so ver-

kürzt erscheint. Bis auf das Zitat vom Meister der spitzen Feder, Wilhelm Busch: „Diese Jubiläen- und Denkmälerwirtschaft ist förmlich widerwärtig. Wir stecken in einem geradezu ekelhaften Byzantinismus. Es ist aber schwer für den einzelnen, sich diesem Schwindel zu entziehen.“ Der Duden benennt das Byzantinische bildungssprachlich veraltet als „schmeichlerisch, kriecherisch“, und schon sind wir – ich weiß nicht genau, wie – wieder am Döppersberg angekommen, am heutigen, vielspurigen und festgefahrenen, am bronzenen und grauglitschigen, am aufgeräumten und zugleich orientierungslosen Stadtgelenk nämlich und an den politischen, wirtschaftlichen und ästhetischen Wirren seiner Entstehung. Das konnte Willem van Genk natürlich nicht wissen, als er vermutlich nach 1964 das undatierte Werk schuf, wohl mit Tuschfeder und Tempera auf Leinen, genau kann man es nicht erkennen. Er war fasziniert von aller Verkehrstechnik und zeichnete Verkehrsknotenpunkte, Fahr- und Flugzeuge und verschlungene Stadtpanoramen oft nach seiner Imagination. 1927 (ein Jahr nach dem Bau des Köbo-Hauses) in Voorburg geboren, reiste er erst mit über 40 Jahren in die großen Städte, als sich bereits die Königliche Akademie und die soziale Fürsorge um den als schizophren und autistisch geltenden Künstler stritten. Details zu seinen Werken und speziell zu diesem hier sind nicht bekannt. Lokales Detailwissen – vielleicht anhand eines Besuches – mischt sich wild mit Anregungen aus alten Büchern, die er hortete. Seit einer Hausdurchsuchung der Gestapo auf der Jagd nach seinem Vater und einer folgenden Misshandlung des 17-Jährigen im Verhör wurden ihm lange Mäntel aus Leder und Gummi zu einer weiteren Obsession; mehrere Hundert davon fand man später in seiner Wohnung. Verrückt war er also, der wew, verrückt sein gesamtes Werk, verrückt alles, was er uns zeigt in seinen Bildern, die heute in ein paar Museen für verrückte Kunst hängen und bei privaten Sammlern, Spezialisten für Outsider Art. Von van Genk, dem „König der Stationen“, dem Kaiser der Planquadrate, Durchkreuzungen und Vernetzungen, ist wenig übrig geblieben. 1998 wurde sein Haus in Den Haag geräumt; er starb 2005 im Hospital. Am Hauptbahnhof unseres Weltverständnisses wirbeln die Parolen durcheinander. Präsidenten bewaffnen die Lehrerschaft wie die Schüler, und die Armee der Schönheiten jubelt einhornschön, um dem Arbeitslager zu entkommen, in dem wir uns alle dereinst begegnen werden. Verstärkt unsere Reihe! Ich werd bekloppt … 25


„ Die Oper sollte keine elitäre Trutzburg sein“ Johannes Pell, Kapellmeister an der Oper der Wuppertaler Bühnen

Dieses Orchester ist extrem mutig Als passionierte Besucherin verfolge ich seit über 50 Jahren die künstlerischen Höhen und Tiefen der Wuppertaler Oper. Geknebelt durch gewerkschaftliche Zwänge, gebeutelt durch immer härtere Sparmaßnahmen, bedroht von Fusionen und Schließung haben einige Intendanten mehr oder weniger erfolgreich für sie gekämpft, sogar bis hin zur Aufgabe des Ensembles. Einzig unbeschadet geblieben ist die Qualität des Wuppertaler Sinfonieorchesters − im Gegenteil, es wird immer besser. Johannes Pell, seit der Spielzeit 2016/17 Kapellmeister, ist begeistert: Bei Premieren wirken viele Orchester wie schaumgebremst. Die Musiker spielen mit einer gewissen Vorsicht, damit nichts schief geht, doch dieses Orchester riskiert alles. Zwischen Generalprobe und Premiere ist oft ein Riesenunterschied. Eine solche Konzentration, eine solche Bereitschaft, mitzugehen und das Risiko mitzutragen, bedeuten eine große Qualität. 26

Seit der Opernintendanz von Berthold Schneider weht durch das Haus ein frischer Wind. Außer einem mutigen Spielplan und einem kleinen, neuen Ensemble überrascht besonders das Experimentieren mit der konventionellen Aufstellung des Orchesters: Fanden sich bei „Three Tales“ 2016/17 Sänger, Orchester und Publikum gemeinsam wie in einem Angstraum auf der Bühne hinter dem Eisernen Vorhang eingeschlossen, war bei „Aschemond“ das Orchester, seitlich über den Orchestergraben hinauswachsend, in drei Klangkörper aufgeteilt. Anlässlich der konzertanten Aufführung des „Barbier von Bagdad“ musizierte das Orchester wie zuvor bei „Don Giovanni“ auf der Bühne hinter den Sängern. Dieses Ausprobieren neuer Wege wird angeregt und mitgetragen durch die Aufgeschlossenheit und Neugier von Johannes Pell. Bis zum Herbst 2017 hat er seine Chefin, die


Johannes Pell, Foto: Jens Grossmann

Generalmusikdirektorin Julia Jones, vertreten. Die international gefragte Dirigentin ist so kurzfristig nach Wuppertal engagiert worden, dass sie noch auswärtige vertragliche Verpflichtungen wahrzunehmen hatte. Für den erfahrenen Kapellmeister war es kein Problem, in Absprache mit der Intendanz Vorsingen abzunehmen, Gäste zu engagieren, Stücke von anderen Dirigenten zu übernehmen, eigene Produktionen einzustudieren und zu leiten und Zusatzveranstaltungen zu dirigieren wie den Silvesterball, ein Gastspiel beim Beethovenfest in Bonn, Konzerte für die Theaterfreunde oder das Konzert anlässlich der Eröffnung der B7.

antwortlich einstudiert hat, wie „Die Liebe zu den drei Orangen“, „Rigoletto“ oder zuletzt „Surrogate Cities / Götterdämmerung“. Zu diesem Werk gab es eine öffentliche Bühnenorchesterprobe, die ich miterleben konnte.

Johannes Pells Dirigate fallen auf, weil alles so unaufgeregt und unprätentiös wirkt – bei ausdrucksvollem, durchsichtigem Orchesterklang, ganz gleich, ob es übernommene Stücke sind oder solche, die der Kapellmeister eigenver-

Schon beim Betreten des Zuschauerraums ist man überrascht, wieder ist die Aufstellung des Orchesters ganz anders: Der Orchestergraben ist hochgefahren, die Musiker sind Teil der Szene und haben in festlicher, weißer Abend-

Während der szenischen Proben ersetzt ein Klavierspieler, der Korrepetitor, das Orchester, denn Sinn der Bühnenproben ist die Erarbeitung der Inszenierung durch den Regisseur. Erst kurz vor der Premiere kommen Bühne und Orchester zu den wenigen Bühnenorchesterproben zusammen. Nun geht es um die Feinabstimmung der Inszenierung und der musikalischen Gestaltung.

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kleidung fast auf der gesamten Bühne Platz genommen. Auf der Vorbühne sitzen die Streicher, ganz hinten, auf einer leichten Schräge, die Bläser und die Schlagwerker. Nur ein schmaler Streifen auf der Mittelbühne ist den Darstellern vorbehalten. Eine riesige Leinwand, auf der live gefilmte Ausschnitte des Bühnengeschehens zu verfolgen sind, trennt optisch die Streicher und die Sänger von den Bläsern und den Schlagwerkern. Der Dirigent betritt die Bühne durch den Zuschauerraum. Ein deutliches auftaktiges Einatmen bestimmt den Einsatz des Orchesters, und von diesem Augenblick an ist man im Bann der gewaltigen Musik von Heiner Goebbels und Richard Wagner. Wegen der ungewöhnlichen Positionierung des Orchesters muss sich der Dirigent per Mikrofon mit den Musikern verständigen – für uns als Zuschauer ein Glück, denn so können wir Einblick nehmen in die Probenarbeit. Den wenigen knappen und zugewandten Hinweisen ist zu entnehmen, dass dem Kapellmeister optisch und akustisch nichts entgeht: Vergiss nicht die Triole, erinnert er die Sängerin der Gutrune, einen Musiker fragt er, weshalb er an dieser Stelle geblättert habe, und die Schlagwerker macht Pell darauf aufmerksam, dass sie möglicherweise per Film auf der Leinwand zu sehen sein könnten. Das Gespräch für diesen Text fand auf Vorschlag von Johannes Pell im Kronleuchterfoyer des Opernhauses statt – kurz vor Weihnachten, unter dem Weihnachtsbaum. Dass, ganz unfeierlich, fast während der gesamten Zeit der blaue Teppich gründlich und geräuschvoll gestaubsaugt wurde, konnte den Kapellmeister nicht irritieren. Mit derselben unerschütterlichen Konzentration und Ruhe, mit der er die Bühnenorchesterprobe geleitet hat, schildert er am Beispiel von „Surrogate Cities / Götterdämmerung“ die Vorbereitungen zu einer Opernaufführung. Lange vor Beginn der szenischen Proben finden Konzeptionsgespräche mit dem Regisseur statt. Mit Spannung sieht der Dirigent der Bauprobe entgegen, weil zum ersten Mal auf der Bühne das Bühnenbild simuliert wird: Entspricht das dem, was ich erwartet habe? Wie werden die akustischen Gegebenheiten sein, gibt es eine Decke, Seitenwände? Es geht sehr pragmatisch zu, ich möchte ungefähr einschätzen, wie der Klang reflektiert werden wird. Die genauen Wege der Sänger kann man später mit dem Regisseur erarbeiten. Wie zuvor bei ‚Aschemond’ gab es für ‚Surrogate Cities / Götterdämmerung’ zwei Bauproben, eine davon sogar mit dem ganzen Orchester. Vor der Sommerpause mussten wir wissen, ob es zusammengehen wür28

de. Das war ein sehr spannender Augenblick. Alles wurde genau abgesprochen, mit jedem Musiker von jedem Platz aus. Wir haben einfach losgelegt mit einer gut spielbaren Stelle aus ‚Surrogate Cities’. Bei allen Unebenheiten gab es auch Momente, die sofort funktioniert haben, da wussten wir, es würde klappen! Das war beruhigend, weil uns der Plan B erspart blieb. Doch es gab noch reichliche unerwartete technische Probleme, zum Beispiel konnte das Dirigat nur per Monitor auf die Hinterbühne übertragen werden: Es stellte sich heraus, dass die digitalen Monitore zeitverzögert übertragen. Also mussten alle zum Glück noch vorhandenen Analoggeräte zusammengesucht werden. Ein anderes Problem war, dass wegen der Leinwand und der Entfernung weder Bläser noch Schlagwerker die Streicher hören konnten, so mussten diese per Lautsprecher so dezent auf die Hinterbühne übertragen werden, dass der Gesamtklang nicht beeinträchtigt wurde.

Mit den Händen Klänge auszulösen kann süchtig machen Johannes Pell hat Dirigenten bereits bewundert, als er Chorist bei den Florianer Sängerknaben war, doch der Berufswunsch ergab sich erst viel später und, wie so oft, eher zufällig. Mit elf Jahren begann der junge Musiker mit dem Klavierspiel und schloss das Studium als Konzertpianist ab. Doch: Als Pianist hat man musikalisch wenig Anschluss, meist sitzt man einsam vor seinem Klavier. Was lag näher, als wieder in einen Chor einzutreten? Schon bald wurde der Pianist gebeten, den Chor auf dem Klavier zu begleiten und schwierige Stellen mit einzelnen Stimmgruppen einzustudieren, für Johannes Pell die ersten Erfahrungen als Korrepetitor. Aus dieser Tätigkeit erwuchs schließlich der Wunsch, Dirigent zu werden. Noch während seiner Ausbildung als Konzertpianist studierte Pell Chordirigat, Korrepetition und Partiturlesen. Kaum hatte er die Aufnahmeprüfung für Orchesterdirigat bestanden, suchte er sich einen Kirchenchor, leitete einen Frauenchor und arbeitete mit Studenten- und Laienorchestern. Und er nahm jede Gelegenheit wahr, guten Dirigenten bei der Arbeit zuzuschauen: Unser Lehrer hielt es mit Goethe: ‚Wenn ihr’s nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erjagen.’ Dirigieren lernt man nicht durch Reden, sondern durch Erfahrung. Und, so müsste man ergänzen, durch Begabung, Zielstrebigkeit, Neugier und Fleiß. Seit dem Diplomkonzert als Orchesterdirigent 2009 hatte Johannes Pell feste Engagements als Kapellmeister und hat international dirigiert. Für einen Operndirigenten bringt er die idealen Voraussetzungen mit: Oper zu dirigieren,


bedeutet eine große Herausforderung. Hier zeigt sich automatisch, ob man den ‚Laden’ zusammenhalten kann. Man baut Kondition auf, denn Opern dauern länger als Konzertstücke, man kann keinen Augenblick abspannen. Jede Vorstellung ist anders, weil man beständig das Orchester an die Sänger anpassen muss – ein Schritt mehr bedeutet, das Tempo zu wechseln, das ist die große Herausforderung. Mit den Händen Klänge auszulösen, kann süchtig machen, dem kann man sich nicht entziehen. Machtspiele interessieren Johannes Pell nicht: Ich will keine Macht über Menschen, wir sind ein Team, wir ziehen an einem Strang. Jeder einzelne Orchestermusiker ist ein hervorragender Solist. Ein gutes Orchester ohne Dirigent kann mehr als mit einem schlechten. Wir brauchen einander. Wenn es läuft, ist es fantastisch, dann kann man sich öffnen, und das betrifft auch die Musiker. Johannes Pell während einer Probe zu „Die Liebe zu den drei Orangen“,

Der rote Faden ist schon da, bevor ich mit den Sängern arbeite Lange vor Beginn der szenischen Proben erarbeitet der Korrepetitor mit den Sängern die Partien. Als geschulter Sänger und Konzertpianist weiß Johannes Pell, wovon er spricht. Er legt größten Wert darauf, die Sänger selbst einzustudieren: So lerne ich sie besser oder neu kennen, und wir entdecken die Rollen gemeinsam. Vorausgegangen sind die Konzeptionsgespräche des Dirigenten mit dem Regisseur, Pell mag nicht im Blitzeblauen anfangen: Der rote Faden ist schon da, bevor ich mit den Sängern arbeite. Wichtig ist die Diktion. Von Anfang an gar nichts durchgehen zu lassen, ist mühsam, aber dann läuft es. Nicht nur Aussprache, Töne und Rhythmen sind wichtig, sondern die innere Haltung zu finden. Es ist alles in der Musik, die Eindeutigkeit und die Doppelbödigkeit. Meine Aufgabe ist es, das zu deuten und nach dem inneren Zusammenhang zu fragen. Der Körper ist das Instrument, und der Körper speichert jede Arbeit mit der Stimme, weil die Stimme der Körper ist. Die Stimmbänder sind Muskeln, wenn ich die nicht trainiere, kann auch der beste Regisseur nichts machen. Ich verbringe viel mehr Zeit mit den Sängern als der Regisseur. Je unbedingter die absolute Notwendigkeit der Haltung erarbeitet ist, desto weniger wird der Regisseur eingreifen, denn was zwingend ist, kann nicht geändert werden. Wenn gute Regisseure das annehmen, ist die Zusammenarbeit optimal. Vor der ersten szenischen Probe gibt es ein Konzeptionsgespräch mit allen Beteiligten, auf das alle neugierig sind. Trotz aller Vorgespräche kann die Inszenierung ganz anders werden, deshalb müssen wir offen bleiben für das, was der Regisseur will. Wenn alles stimmig ist, bin ich gern bereit, neue Wege

Foto: Andreas Fischer

zu gehen. Aus den Worten des Kapellmeisters sprechen ein hoher künstlerischer Anspruch und die stetige Sorge, dass die Regie dem Werk nicht gerecht werden könnte: Wie viel Einfluss hat man, das zu ändern? Für Johannes Pell war die Zusammenarbeit mit dem Regieteam von „Rigoletto“ optimal, weil mit Respekt vor der Musik gearbeitet wurde und weil man sich gemeinsam auseinandergesetzt hat. Weniger erfreulich sind Regisseure, die nur sich selbst verwirklichen, für die Musik nur noch Staffage ist. Es gibt sogar Regisseure, die die Musik nicht kennen. Dirigenten haben dann wenig Chancen gegenüber der Macht dieser Regisseure. Die Folge ist, dass selbst berühmte Dirigenten keine Oper mehr dirigieren wollen und große Orchester regelrecht auf große Operndirigenten warten.

Die Kollegen mit Zeitmanagement sind die Könige Als ehemaliger Florianer Sängerknabe ist Johannes Pell von klein auf nicht nur mit Stimmbildung und mit dem Singen vertraut, sondern auch mit Probenabläufen und Konzerten. Als Kapellmeister wechselt er die Perspektive, nun ist es an ihm, die Probenzeiten so zu konzipieren, dass bis zur Premiere technisch und künstlerisch alles auf den Punkt gebracht ist. Das bezeichnet er als Zeitmanagement: Bei den wenigen, streng zeitbegrenzten Proben ist kein Ausprobieren möglich. Die Musik ist zwar vorgegeben, 29


sie ist da, doch wie oft man probt, wie oft man eine Stelle wiederholen kann, bevor sie schlechter wird, ist eine Frage der inneren Organisation, der inneren Aufgeräumtheit. Es ist eine Form der Uneitelkeit, weil die Arbeit gnadenlos an der Sache bleibt und damit auch auf andere Rücksicht nimmt, zumal in der Oper viele Personen und Abteilungen zusammenarbeiten müssen. Zeitmanagement wird gleichermaßen vom Regisseur wie vom Dirigenten verlangt: Was wollen wir, wie erreichen wir das? Sänger und Orchester möchten effizient arbeiten, dann freuen sie sich auf die Proben.

Das Publikum trägt uns wie eine zusätzliche Kraftquelle Johannes Pell hat Ideen und Visionen, wie man mehr Publikum für Konzert und Oper gewinnen kann, denn das Publikum und die Künstler brauchen einander: Je mehr Zuschauer da sind, desto besser, sofort ist die Atmosphäre anders. Man spürt die Stimmung des Publikums, es trägt uns wie eine zusätzliche Kraftquelle. Pell würde Konzerte und Opern gern moderieren: Nicht wie der Lehrer vor Schülern, sondern lebendig und aus vollstem Herzen. Durch die Kommentare öffnen sich die Menschen und nehmen mehr auf. Denn auch wir brauchen lange, bis sich ein Werk erschließt. Es steckt so viel darin, es gibt so viele Details, dass man nicht alles in einer Aufführung erfassen kann. Es gilt, das erfahrbar zu machen und dem Publikum die Angst zu nehmen, den Schritt über die Schwelle zu wagen. Es fehlt die Leichtigkeit des Umgangs. Die Oper ist keine elitäre Trutzburg. Dazu gehört auch ein gutes Marketing und dass die Musiker in den öffentlichen Raum gehen, in Kaufhäusern oder in Privathäusern, oder unter freiem Himmel spielen: Das Konzert anlässlich der Eröffnung der B7, als wir mitten auf der Straße musizierten, war eine besonders schöne Erfahrung, die Leute waren aus dem Häuschen. Um Ideen zu kommunizieren, gibt es seit der Intendanz von Berthold Schneider alle 14 Tage einen Jour fixe für die Verantwortlichen aller künstlerischen Abteilungen, also auch der Chordirektion, der Dramaturgie, den Verantwortlichen für Jugendarbeit und Presse und das künstlerische Betriebsbüro: Alle rekapitulieren gemeinsam, was gelaufen ist, was besser gehen könnte, äußern Fragen und Wünsche. So ersparen wir uns Diskussionen und Missverständnisse. Besonders freut es Johannes Pell, dass die neue Generalmusikdirektorin bei der Zuteilung von Stücken nach mu30

sikalisch-künstlerischen Neigungen oder sogar Wünschen vorgeht: Wir sind auf einem sehr guten Weg. Für die nächste Eigenproduktion „Julietta“ von Bohuslav Martin Anfang März 2018 hat Johannes Pell bereits Anfang Dezember 2017 Vorgespräche mit der Regisseurin geführt. Im Januar 2018 hat er mit den musikalischen Proben für die Sänger begonnen, die ihre Partien auswendig beherrschen müssen, sobald etwa vier bis fünf Wochen vor der Premiere die szenischen Proben starten. Die Termine für Bühnenorchesterproben, Haupt- und Generalprobe liegen dann längst fest, und so beginnt alles wieder von vorn, mit jedem neuen Werk − und doch ist alles immer wieder ganz anders. Dienst nach Vorschrift gibt es nicht. Es gehört zum Berufsethos von Johannes Pell, nicht nur die künstlerische Entwicklung der Stücke zu begleiten, sondern immer präsent zu sein: Zeitmanagement und künstlerische Disziplin sind gefordert, um das gesamte Team zu motivieren und bei allen künstlerischen und technischen Problemen den Betrieb in Schwung zu halten bis zur letzten Aufführung. Ende Februar konnte ich an einer öffentlichen Bühnenorchesterprobe zu „Julietta“ teilnehmen. Diesmal befand sich das Orchester wieder im Graben, Johannes Pell brauchte kein Mikrofon zu benutzen, für mich, die ich neugierig war, ein paar Korrekturen zu hören, natürlich schade, aber man muss nicht alles wissen. Die Musik von Martin wirkte ungemein farbig und dicht und voller neuartiger Klänge. Trotz der noch unvollständigen Szene war klar, dass es sich bei diesem Werk um einen idealen Opernstoff handelt, es geht um das Wechselspiel zwischen Traum und Realität. Darum geht es auch in der Institution Oper: Erst vor dem Publikum entspinnt sich das große Geheimnis, wenn alle Rädchen dieses Wunderwerks ineinandergreifen, wenn der Vorhang aufgeht und Bühne, Kostüme, Licht, Musik und Technik sich wechselseitig für ein paar Stunden zum Leben erwecken und die Zuschauer mitnehmen. Wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen, ist die Oper keine elitäre Trutzburg, sondern einer der seltenen Orte, wo man noch verzaubert werden kann. Marlene Baum Termine für Julietta von Bohuslav Martin 14. April 2018 um 19.30 Uhr 17. Juni 2018 um 16.00 Uhr Opernhaus Wuppertal Kurt-Drees-Straße 4, 42283 Wuppertal


Suchen und Schürfen nach dem, was uns als Menschen ausmacht Alan Lucien Øyen im Gespräch mit Anne-Kathrin Reif

Zum ersten Mal erarbeiten zwei Gastchoreografen abendfüllende Stücke mit dem Tanztheater Wuppertal Pina Bausch. Alan Lucien Øyen ist einer von ihnen. Er erzählt von seiner Arbeitsweise und den Themen, die ihn antreiben. Für die Company des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch ist es ein entscheidender Schritt in die Zukunft: Zum ersten Mal entwickeln zwei Gastchoreografen abendfüllende Stücke mit dem Ensemble, die nach der Premiere ins Repertoire und auch in den Tourneeplan aufgenommen werden sollen. Ausgewählt und eingeladen hat die beiden Intendantin Adolphe Binder: den Norweger Alan Lucien Øyen und den Griechen Dimitris Papaioannou. Zwei herausragende Persönlichkeiten der internationalen Tanzund Theaterszene, die hierzulande vielleicht noch nicht jeder kennt, zwei Künstler, die sich durch eine starke eigene Handschrift auszeichnen, zwei Generationen auch. Der eine kommt von einem nördlichen, der andere von einem südlichen Punkt Europas. In Wuppertal kreuzen sich nun ihre Linien, verbinden sich die Koordinaten. Einer von beiden erwartet mich im Büro von Adolphe Binder zum Gespräch. Alan Lucien Øyen ist ein hoch aufgeschossener, schlaksiger Typ. Jungenhaft wirkt er, und man hat gleich das Gefühl, mit freundlicher Aufgeschlossenheit empfangen zu werden. Vielleicht liegt es an dem wachen und warmen Blick hinter den großen Brillengläsern. Außerdem freut sich Øyen einfach über diesen strahlend sonnigen Tag: Auf einmal kann man Farben sehen, alles blüht auf. Sonst ist es ja oft ein bisschen trüb zwischen den Hügeln. Aber das findet er auch nicht schlimm, das sei in seiner norwegischen Heimat ganz ähnlich, in der Stadt Bergen, wo er 1978 geboren wurde und aufgewachsen ist, die auch

Alan Lucien Øyen, Foto: Massimo Leardini, CLOSE

von Hügeln umgeben ist und in der es vielleicht noch mehr regnet als im Bergischen. Hatte er schon Gelegenheit, Wuppertal ein wenig zu entdecken? Er sei immerhin schon Schwebebahn gefahren und kenne den Skulpturenpark: ein wunderbarer Ort. Und dann soll es da auch neuerdings eine Kaffeerösterei geben, wo die denn wohl sei? Der, der da so freundlich harmlos plaudert, ist derselbe Mann, den die Presse einen „wahren Hexenmeister“ nennt, „wenn es darum geht, sein Publikum in eine andere Zeit und an einen anderen Ort zu entführen“. Einer, der für hypnotische Momente sorgt, ein „kreativer Freigeist mit endlos sprudelnder Fantasie“, einer, der für ein radikales, kompromissloses Theater steht. Mit seiner 2006 gegründeten eigenen Company Winter Guests residiert er als Artist in Residence an der norwegischen Nationaloper Den Norske & Ballett, wo er allen Freiraum hat, um in dem architektonisch herausragenden neuen Opernhaus in Oslo 31


bahnbrechende Theater- und Tanzaufführungen zu erschaffen. Sowohl für seine choreografischen Arbeiten als auch für seine Theaterinszenierungen wurde er mehrfach ausgezeichnet. Das interdisziplinäre Arbeiten ist ein Aspekt, den er mit Dimitris Papaioannou gemeinsam hat und warum Adolphe Binder die beiden für die Richtigen hält, um mit dem Tanztheater Wuppertal neue Stücke zu entwickeln. Das andere ist die tief gehende Neugier auf Menschen und ihre Geschichten. Das Suchen und Schürfen nach dem, was uns als Menschen ausmacht, sagt Binder. Eben das sei ja auch für Pina Bausch charakteristisch gewesen. Die neue Intendantin des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch kennt Alan Lucien Øyen aus ihrer Zeit als Leiterin der Danskompani an der Staatsoper in Göteborg, wo sie mit dem Peter Pan Project „If we shadows have offended“ und „Kodak“ zwei viel beachtete Produktionen zusammen herausgebracht haben. Wie war seine erste Reaktion, als Adolphe Binder ihn einlud, als einer der ersten Choreografen ein abendfüllendes neues Stück mit der Wuppertaler Company zu entwickeln? Ich glaube, ich habe in dem Moment noch gar nicht realisiert, wie groß die Aufgabe ist. Es war mehr so, dass ich mich gefreut habe, dass ich dachte: Wow, das ist eine große Sache – und dann so weiter gemacht habe wie bisher. Erst nach und nach ist dieses Bewusstsein in mich eingesickert. Es ist auf jeden Fall eine große Ehre, und ich bin natürlich sehr dankbar dafür. Eine große Aufgabe ist es tatsächlich. Die neuen Stücke werden – neun Jahre nach dem Tod von Pina Bausch – mit großer Spannung erwartet. Viel hängt davon ab, ob es gelingt, neben der Repertoire-Pflege den schöpferischen Geist der Company in die Zukunft zu tragen und Neues zu entwickeln, ohne die eigene Geschichte zu verleugnen. Es gibt sicherlich große Vorfreude, dass jetzt etwas Neues entsteht, aber es liegt auch ein immens hoher Erwartungsdruck darauf. Empfindet er das? Und wie geht er damit um? Øyen scheint erstaunlich entspannt: Ach, ich weiß nicht. Ob es der richtige Zeitpunkt ist und ob die Welt reif dafür ist, wird die Zeit zeigen. Jedenfalls: Ich kann ganz gut schlafen. Ich glaube, ich lasse das einfach nicht so nah an mich ran. Eine gewisse Unsicherheit – was werden die Leute sagen? – habe ich eigentlich zu Beginn jeder Produktion. Aber dann lasse ich das fallen und sage mir: Ich mache einfach, was ich machen muss. Und so ist es auch jetzt. Ich habe mit der Zeit auch gelernt, dem Prozess zu vertrauen. 32

Ich würde sonst nur meinen Stress auf die anderen übertragen. Wenn ich entspannt bin, ist es auch gut für den Arbeitsprozess und für das, was entsteht. Sie waren ja im Sommer 2017 schon einmal in Wuppertal und haben das Ensemble kennengelernt. Wie war diese erste Begegnung für Sie? Sehr, sehr besonders. Magisch. Ich war zuerst natürlich ein bisschen nervös und vorsichtig. Aber es war sehr, sehr schön. Als ich in den Probenraum, die Lichtburg, kam, fühlte ich mich beinahe so, als würde ich eine Kirche betreten. Ich meine das nicht in einem religiösen Sinne – aber der Raum hat so eine Kraft. Man kann die ganze Geschichte der Company fühlen, als sei die Luft damit angefüllt. Ist damals schon etwas entstanden, was jetzt Grundlage für die weitere Arbeit werden kann? Oder fangen Sie quasi bei null an? Es ist in gewisser Weise beides. Alle meine Stücke entwickle ich zusammen mit den Tänzerinnen und Tänzern. Ich sage nie: Ich choreografiere für eine Company, sondern immer mit einer Company. Ich sammle Informationen und Material von den Tänzern aber auch von anderen Begegnungen. Kleine Dinge, an die ich mich erinnere, die ich aufschreibe ... so erschaffe ich eine Welt. Einige solcher Gedankensamen sind im vergangenen Juni gelegt worden, die vermutlich noch wachsen werden und Teil des Stücks werden, andere kommen jetzt hinzu. Wie geht die Arbeit, die Stückentwicklung jetzt weiter? Entsteht alles im Prozess oder haben Sie eine Vorstellung, eine Idee, die Sie den Tänzern nahebringen möchten? Ich habe schon auf sehr verschiedene Art und Weise gearbeitet. Manchmal schreibe ich ein Stück, bevor ich anfange zu arbeiten, manchmal inszeniere ich ein Stück, das nicht mein eigenes ist. Manchmal fange ich bei null an und mache Tanz, manchmal fange ich bei null an und mache Theater. Es hängt davon ab, wen ich vor mir habe und wie sich dieser Dialog entwickelt. Aber bei diesem Stück, wo so viele Menschen gemeinsam auf der Bühne sind, wird es sicher auch eine gemeinsame Arbeit werden. Es käme mir geradezu gewaltsam vor, wenn ich so vielen starken Stimmen meine eigene Stimme aufzwingen wollte. Ich glaube, dass wir unser Thema im Prozess dieses Dialogs finden werden. In Ihrer bisherigen Arbeit, in ihrer eigenen Entwicklung als Choreograf – war das Werk von Pina Bausch für Sie von Bedeutung, hat sie irgendeinen Einfluss auf Sie gehabt? Ich glaube, Pinas Arbeit hatte einen immensen Einfluss


auf mich – allerdings ohne, dass ich es wusste. Der Einfluss kommt eher daher, dass ihre Arbeit so wegweisend war und die ganze Performing-Art-Szene, so viele Theaterleute und Choreografen beeinflusst hat. Und ich habe mit diesen Leuten gearbeitet, eine Generation, zwei Generationen. Je mehr Details ich jetzt über die Arbeit von Pina Bausch erfahre, umso mehr fällt mir auf: Dieser Choreograf ist sehr inspiriert von Pina, und jener Regisseur ist sehr inspiriert von ihrer Arbeitsweise ... Und in der Konsequenz hat ihr Vermächtnis auch mich beeinflusst. Aber nicht auf so direkte Weise. Was ist bei der Arbeit in Wuppertal jetzt wichtiger für Sie: eine Brücke zum Werk von Pina Bausch zu schlagen, also dass die Herkunft des Ensembles erkennbar bleibt, oder das Gegenteil: dass Ihre eigene ästhetische Handschrift erkennbar wird? Sie arbeiten ja zum Beispiel häufig mit Text oder auch mit filmischen Elementen. Ich versuche einfach so zu arbeiten, wie ich das normalerweise tue. Und nun arbeite ich mit Pinas Tänzern. Und das wird natürlich die Arbeit beeinflussen, weil sie eben Pinas Tänzer sind. Wenn ich ein Stück mit dem Royal Ballet Flanders mache, wird es anders sein, weil die Tänzer ein anderes Leben und andere Erfahrungen mitbringen. Aber das Stück wäre genauso viel oder wenig ihr Stück wie es mein Stück wäre. Und so ist es auch hier.

Also gibt es auch keinen Unterschied in der Herangehensweise zur Arbeit mit ihrer eigenen Company Winter Guests? Erzählen Sie uns noch etwas mehr über Ihre Arbeitsweise. Meine Arbeitsweise ist insofern immer die gleiche, als dass ich als erstes die Menschen, mit denen ich arbeite, so schnell und so gut wie möglich kennenlernen will. Denn dann begegnen wir uns als Freunde, und ich kann einfach ich selbst sein, und sie können sie selbst sein. Und dann kann etwas entstehen, was ohne diese Nähe nicht entstehen könnte. Es werden nicht jeweils alle Tänzer der Company in beiden neuen Stücken mitwirken. Wie hat die Auswahl stattgefunden? Oh, das war sehr schwierig. Ich fand jede Auswahl sehr hart. Eine Wahl bedeutet für mich das Eleminieren aller anderen Möglichkeiten, und das ist wirklich sehr hart. Natürlich haben wir gemeinsam geschaut, was die künstlerischen und praktischen Anforderungen sind, was würde Dimitris brauchen, was würde ich brauchen. Aber es war schwer. In Ihrem Stück sind viele Tänzer der neuen und jüngeren Generation vertreten, aber auch einige langjährige Ensemblemitglieder. Diese Altersdurchmischung ist ja Pinatypisch – ist das für Sie ungewohnt? (Øyen nimmt sich erst einmal Zeit und zählt im Geiste nach ...) Es verteilt sich etwa halb und halb. Für mich war es sehr wichtig, dass

Alan Lucien Øyen in der Lichtburg, Foto: Tanztheater Wuppertal Pina Bausch

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möglichst viele der Tänzerinnen und Tänzer dabei sind, die auch schon mit Pina gearbeitet haben. Als ich herkam hatte ich gehofft, dass es so sein würde. Ich finde es sehr einzigartig und wunderbar, eine Tanzkompanie mit mehreren Generationen zu haben. Diese Mischung ist perfekt. Ich möchte ja in meinen Stücken etwas über das Leben sagen, und das Leben ist mehr als die Periode zwischen 20 und 30, in der normalerweise das aktive Leben eines Tänzers stattfindet. Für mich ist es deshalb sehr aufregend und superinspirierend, eine so gemischte Truppe zu haben. Wenn ich mit meiner eigenen Company arbeite, lade ich immer Künstler ein, die älter sind als ich selbst – ich will ja schließlich etwas lernen. In Ihrer Arbeit geht es ja nie nur um abstrakte ästhetische Fragen, sondern immer auch um eine inhaltliche Dimension. Richtig? Können Sie solche Themen benennen, die Ihnen wichtig sind? Welche Fragen sind es, die Sie um- und antreiben? Realität und Fiktion ist so ein Thema. Erinnerung. Wie Menschen miteinander kommunizieren – das fasziniert mich. Alles, was in diesen Dialog eingreift, fasziniert mich – ob es eine Fotografie ist, Film oder Klang, alle Signale, die Erinnerung auslösen. Und die Frage, wie wir festhalten und wie wir loslassen. Solche Sachen. Die ganz großen Fragen also, darauf läuft es letztlich hinaus. Leben und Tod und Liebe. All die Dinge, die wir nie wirklich verstehen werden. Aber wir dürfen trotzdem nicht aufhören, ihnen nachzuforschen. Sagt Alan Lucien Øyen und macht sich auf zur Probe in der Lichtburg. Das Stück entsteht als Koproduktion des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch mit Théâtre de la Ville/Chaillot-Théâtre national de la Danse, Paris, Sadler’s Wells, London, Norwegian National Ballet, Oslo, und mit Unterstützung der Kunststiftung NRW. Übersetzung aus dem Englischen: Anne-Kathrin Reif Termine im Opernhaus Wuppertal 2. Juni 2018 Uraufführung 3., 5., 6., 8., 9. und 10. Juni 2018 Karten www.pina-bausch.de oder Reservierungstelefon Kulturkarte 0202/ 563 76 66 Vorverkaufsbeginn 6. April 2018, 10 Uhr

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Dimitris Papaioannou Der Grieche arbeitet mit Hochdruck am neuen Stück für das Tanztheater Wuppertal. Interviews gibt er derzeit nicht. Er wird sein Stück mit dem Tanztheater Wuppertal Pina Bausch bereits am 12. Mai herausbringen. 1964 in Athen geboren, absolvierte Dimitris Papaioannou dort zunächst ein Studium an der Hochschule der Bildenden Künste und machte als Maler und Comiczeichner von sich reden, bevor er begann, als Regisseur, Choreograf und Performer zu arbeiten. Auch Bühnenbilder, Kostüm- und Lichtdesign stammen aus seiner Hand. Ob im Großformat oder in fein gearbeiteten kleinen Formaten: Papaioannous Arbeiten zeigen die Liebe fürs malerische Detail, die für einen Maler schließlich kennzeichnend ist, und sind zugleich sehr poetisch, sagt Adolphe Binder. Sie entfalten eine große visuelle Kraft. Internationale Bekanntheit erlangte Papaioannou 2004 mit der Inszenierung der Eröffnungs- und der Abschlussfeier der Olympischen Sommerspiele in Athen. 2015 inszenierte er die Eröffnungszeremonie der Europaspiele in Baku. In der Tanzszene war der Grieche aber auch zuvor kein Unbekannter. 1986 gründete er das Edafos Dance Theatre, mit dem er in innovativen Bühneninszenierungen experimentellen Tanz, Physical Theatre und Performancekunst miteinander verband. Das Ensemble bestand bis 2002 und hinterließ in der griechischen Kunstszene unauslöschliche Spuren. Als er 2006 mit seiner Produktion „2“ einen Neubeginn wagte, fand er sich in der außergewöhnlichen Position wieder, in Athens großen Häusern Avantgardestücke zu inszenieren – mit rekordverdächtig langen Spielzeiten. 2017 entstand „The Great Tamer“, seine erste internationale Gemeinschaftsarbeit mit zehn Co-Produzenten, darunter das bedeutende Festival d’Avignon. Das neue Stück entsteht als Koproduktion des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch mit Théâtre de la Ville/La Villette, Paris, Sadler’s Wells, London, Holland Festival, Amsterdam, Onassis Cultural Centre, Athen, und mit Unterstützung der Kunststiftung NRW. Anne-Kathrin Reif Termine im Opernhaus Wuppertal 12. Mai 2018 Uraufführung 13., 15., 16., 18., 19. und 20. Mai 2018 Karten www.pina-bausch.de oder Reservierungstelefon Kulturkarte 0202/ 563 76 66 Der Vorverkauf hat begonnen.


Probe Neues StĂźck I Dimitris Papaioannou, Tsai-Wei Tien, Michael Strecker Foto: Julian Mommert

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WoW - Woman of Wuppertal Foto: Bettina Osswald

WoW – Women of Wuppertal Dieser Frauenchor ist zum Staunen! Das Schlagwort von der kulturellen Bildung ist derzeit in aller Munde. Nur selten allerdings gelingt der Spagat zwischen der Erlangung künstlerischer Kompetenz und dem damit erhofften sozialen Mehrwert so überzeugend wie beim Frauenchor WoW. 36

In der Abkürzung für Women of Wuppertal – also Frauen aus Wuppertal – steckt nicht nur die Begeisterung der Teilnehmerinnen fürs Singen. In ihm drückt sich die ganze Power einer Frauengruppe aus, die mittels ästhetischer Bildung deutlich mehr Lebensqualität gewonnen hat – und manchmal sogar einen neuen Job.


WoW - Woman of Wuppertal bei der Preisverleihung des Sparda-Musiknetzwerkes, Foto: Falco Peters

Der Siegeszug des stadtbekannten Chors begann im Herbst 2014 in Wuppertal-Unterbarmen. Hier hat Barbara Steins, Bereichsleiterin des Vereins alpha e. V., ihr Büro. Die Einrichtung macht sich besonders für arbeitslose Frauen stark und will ihnen den (Wieder-)Einstieg ins Berufsleben erleichtern. Der Frauenchor WoW ist dabei Teil einer maximal einjährigen Maßnahme in Kooperation mit dem Jobcenter. Das sogenannte Angebot Perspektive M3 – Projekt zur Integration von Müttern mit Migrationshintergrund eröffnet den Teilnehmerinnen verschiedene Schritte auf dem Weg ins Berufsleben. Einer davon: gemeinsames Singen.

Ein Mal pro Woche treffen sich Frauen aus Wuppertal mit Migrations- oder Fluchterfahrung in der Bergischen Musikschule und genießen unter Leitung von Hayat Chaoui ein professionelles Gesangstraining. Stimm- und Haltungsübungen stehen dabei ebenso auf dem Programm wie Lieder aus der Heimat der einzelnen Teilnehmerinnen. „Anfangs sind viele Frauen skeptisch“, gibt Barbara Steins zu. „Aber die meisten fangen schnell Feuer.“ Die Wuppertalerin weiß, wovon sie spricht. Auch sie singt leidenschaftlich gern und weiß, dass sich das Singen in Gemeinschaft positiv auf Leib und Seele auswirken kann. Nicht umsonst hat im Deutschen die Stimmung mit Stimme zu tun. Diese 37


Hayat Chaoui, Chorleiterin, Bergische Musikschule, Foto: Bettina Osswald

hebt sich nämlich durch die Produktion von Wohlklängen mittels Vibration der eigenen Stimmbänder. Der Gesangsunterricht umfasst indes den ganzen Körper – erst durch die richtige Körperhaltung können die Töne sich optimal entfalten. Und mit der Haltung verbessert sich unwillkürlich auch die Ausstrahlung. Nicht zuletzt macht das Singen in Gemeinschaft einfach Freude. „Alles Voraussetzungen für einen gelingenden Einstieg in Beruf oder Fortbildung.“ Und es wirkt tatsächlich: Seit Bestehen des Chors haben 45 Sängerinnen eine weitere Qualifizierung absolviert und eine Stelle oder einen Minijob angetreten. Neben theoretischem und praktischem Unterricht, die im Rahmen von „Perspektive M3“ angeboten werden, vermittelt das Singen also Softskills, die unerlässlich sind, will man trotz längerer Familienpause, Sprachschwierigkeiten, mangelnder Berufserfahrung oder sonstiger Hemmnisse potenzielle Arbeitgeber ansprechen. Denn das Singen im Chor hilft mehr als jede graue Theorie: Mögliche sprachliche Barrieren werden spielerisch abgebaut, indem die vielleicht sonst so schwierigen Wörter einfach gesungen werden. Durch den Übungsort Musikschule treten viele der Teilnehmerinnen außerdem aus ihrem gewöhnlichen Umfeld heraus und erweitern so ihren Horizont. Zudem bleiben sie nicht im eigenen Kulturkreis verhaftet, sondern lernen Frauen aus anderen Herkunftsländern als dem eigenen kennen. Das gemeinsame Singen von Liedern aus den jeweiligen Heimatländern der Teilnehmerinnen vermittelt Respekt vor der jeweiligen Kultur, Stolz und Wertschätzung. Sich öffentlich bei Chorauftritten zu präsentieren, erfordert Mut und Selbstbewusstsein – allesamt Eigenschaften, die notwendig sind, um Hemmschwellen zu überwinden und den ersten Schritt in die Berufstätigkeit zu wagen. 38

Die Women of Wuppertal lernen so nicht nur, in die Kraft der eigenen Stimme zu vertrauen. Durch die öffentlichen Auftritte gelangen viele der Sängerinnen erstmals in Kultureinrichtungen wie die Stadthalle Wuppertal, wo sie sich zum allerersten Mal einem Publikum präsentierten. Ihre Singfreude und Stimmgewalt hat dabei schon viele begeistert. Auch außerhalb Wuppertals – ihre Auftritte führten die Sängerinnen bis nach Bielefeld oder Düsseldorf. Im dortigen Robert-Schumann-Saal wurde ihnen 2017 der Preis „Willkommenskultur leben“ von der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West verliehen. Im März 2018 sind die Women of Wuppertal für den Nachhaltigkeitspreis der Grünen in Wuppertal nominiert. Da kann man schon ins Staunen geraten: WoW eröffnet Frauen mit und ohne Singerfahrung den Zugang zur eigenen Stimme, vermittelt kulturelles Liedgut aus aller Welt, führt zu Orten der Hochkultur und erleichtert last but not least die Aufnahme eines Berufs. Was dabei so überzeugt, ist die hohe Qualität des Gesangs in Verbindung mit dem vielfältigen Nutzen, den die Teilnehmerinnen für sich daraus ziehen können. Ein Gewinn für alle, ob Sänger, ob Zuhörer – oder auch für den viel beschworenen Steuerzahler. Schließlich kommen die Frauen nach erfolgreicher Aufnahme einer Erwerbstätigkeit aus dem sogenannten Leistungsbezug heraus. Mehr kann kulturelle Bildung, die diesen Namen verdient, kaum leisten. Susanne Buckesfeld


SHIN HyoJin, Foto: Diana Sickrodt

Die hohe Kunst der Improvisation Beim Festival von Peter Kowald Gesellschaft und unERHÖRT wandert das Publikum vom „ort“ zur Sophienkirche

Ein zweitägiges Festival beleuchtet Facetten der Improvisationsmusik vom Barock über Jazz und Elektronik bis zu asiatischen Patterns. Sechs Topmusiker kommen dafür nach Wuppertal.

Improvisation! Vom Solo bis Tutti ist das Festival

von Peter Kowald Gesellschaft/ort e.V. und unERHÖRT e.V. am 26. und 27. April 2018 überschrieben. Das wirft gleich mehrere Fragen auf. Vor allem: Ist freie Improvisationsmusik nicht ohnehin das, was bei beiden Wuppertaler Vereinen im Zentrum der Programmgestaltung steht? Und sind zwei aufeinanderfolgende Konzertabende denn schon ein Festival? Was also macht diese beiden Abende zu etwas Besonderen? 39


Wolfgang Kläsener

Eine ganze Menge, versichert Gunda Gottschalk, die das Programm gemeinsam mit dem ort-Vorsitzenden Wolfgang Schmidtke und Christoph Irmer von unERHÖRT e.V. konzipiert hat. Zunächst einmal ist da überhaupt diese Kooperation: Beide Vereine residieren im Luisenviertel nur einen Steinwurf voneinander entfernt, beide pflegen die lange Tradition der frei improvisierten Musik in Wuppertal, und beide sehen sich nicht als Konkurrenz – da lag es buchstäblich nahe, einmal etwas gemeinsam zu machen, meint Gottschalk. Durch die Verbindung beider Orte – Peter Kowalds „ort“ in der Luisenstraße 116 und Sophienkirche, wo regelmäßig die unERHÖRT-Konzerte stattfinden – eröffnet sich ein ganz neuer Raum von Möglichkeiten, denn die Sophienkirche verfügt schließlich über eine große Kirchenorgel. Und so wurde die Idee geboren, die Kunst der Improvisationsmusik in vielen verschiedenen Facetten zu beleuchten – von der Verzierungspraxis der Barockmusik über asiatische Pattern bis hin zum Jazz und der elektronischen Musik. Durch die spontane Zwiesprache zwischen den Instrumentalisten werden musikalische Genres auf eine ganz neue Art kombiniert. Im improvisatorischen Spiel erzählen die Musiker gemeinsam eine neue Geschichte mit ganz verschiedenen Stilmitteln, erläutert Gottschalk die Idee. Während in früheren Jahren beim traditionell im April stattfindenden Festival der Peter Kowald Gesellschaft zumeist ein Land (u. a. Portugal, Griechenland, DDR) oder ein Instrument die thematische Klammer bildete, ist es dieses Mal also die Musik selbst. Wir haben sechs fantastische Musikerinnen und Musiker aus ganz verschiedenen Bereichen eingeladen, die sich beim Festival zum ersten Mal begegnen und in verschiedenen Formationen musizieren werden – eben vom Solo bis zum Tutti, also bis zum großen Finale mit allen Beteiligten, erklärt Gunda Gottschalk. Denn das Festival ist nicht nur eines für das Publikum, sondern auch für die Musiker: Sie erarbeiten nach

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Josephine Bode

dem Eintreffen in Wuppertal jeweils tagsüber im „ort“ das Programm für den Abend, und wer gerade nicht selbst auf der Bühne steht, ist Teil des Publikums. Ein wichtiger Aspekt für die Akteure der Peter Kowald Gesellschaft, die sich nicht als bloße Konzertveranstalter verstehen: Begegnungen zu stiften und künstlerischen Austausch anzuregen, so wie Peter Kowald das auch immer getan hat, ist für uns ein ganz wesentlicher Aspekt, betont Gottschalk. Einer, der schon „mächtig gespannt“ auf diese Begegnung ist, ist der renommierte Kirchenmusiker Wolfgang Kläsener, in Wuppertal bestens bekannt als langjähriger Leiter der Kantorei Barmen-Gemarke (1993-2017) und als künstlerischer Leiter der „Wuppertaler Orgeltage“, Kustos der Konzertorgel der Historischen Stadthalle Wuppertal und seit 2017 auch der großen Kuhn-Orgel der Philharmonie Essen, Gründer des Kettwiger Bach-Ensembles, seit 2006 Dozent an der Hochschule für Musik Köln, Standort Wuppertal, als Organist und als Chorleiter mit internationalen Auszeichnungen bedacht – kurzum, ein „Star“ der Kirchenmusik. Den man nun aber nicht gerade bei einem ort-Festival erwarten würde. War er überrascht, als die Anfrage kam? Ja, schon, aber auch sehr erfreut, sagt Kläsener. Und gar so ungewöhnlich, wie man meinen könnte, fand er die Anfrage eigentlich gar nicht: Die Kirchenmusik und der Jazz sind ja so was wie die letzten großen Reservate der Improvisation, findet er. Neu sei aber die Kombination von beidem. In beiden Bereichen gehört die Improvisation gewissermaßen zum Wesenskern und hat eine lange Tradition, in der Kirchenmusik noch ein paar Jahrhunderte länger. Die hohe Kunst der Improvisation (zumeist über ein Choral- oder Fugenthema) zeichnet seit dem Barock jeden guten Organisten aus, während das Spiel nach Noten einst geradezu verpönt war. Auch im Jazz dient ein „Standard“ allenfalls als Basis, von der ausgehend die Musiker ihre eigenen Gedanken entwickeln.


Simon Camatta

Katrin Scherer, Foto: Kurt Rade

Eigene musikalische Gedanken entwickeln – das steht sicherlich bei allen sechs eingeladenen Musikerinnen und Musikern im Zentrum, wenn auch auf ganz verschiedene Weise. Die klassisch ausgebildete Blockflötistin Josephine Bode etwa ist eine Grenzgängerin zwischen Alter und Neuer Musik und beschäftigt sich mit Live-Elektronik, Jazz und Freier Improvisation. Die vielfach mit Preisen ausgezeichnete Münsteranerin lebt und arbeitet in Amsterdam und ist zurzeit Improviser in Residence beim Jazzfestival in Moers. Ebenfalls ein renommierter Improvisationsmusiker und seit 20 Jahren in den unterschiedlichsten musikalischen Bereichen in der halben Welt unterwegs ist der aus Essen stammende Schlagzeuger Simon Camatta. Jazzsaxofonistin und eine vielseitige Künstlerin von großer Virtuosität ist Katrin Scherer. Sie studierte am Queens College in New York City und an der Folkwang Hochschule Essen, wo sie inzwischen selbst als Dozentin tätig ist. Scherer ist Teil der kreativen und umtriebigen jungen Kölner Jazzszene, gastiert mit ihren Projekten auf nationalen und internationalen Bühnen und Festivals und wurde ebenfalls bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Doch nicht nur im westlichen Kulturraum spielt die Kunst der Improvisation eine Rolle. Das beweisen die beiden koreanischen Musikerinnen KIM Bo-Sung und SHIN Hyo Jin, die mit Perkussion, Stimme und dem koreanischen Saiteninstrument Kayagum eine exotische Klangfarbe in das Festival einbringen werden. Beide Musikerinnen erlernten seit ihrer Jugend bei verschiedenen koreanischen Meistern und Lehrern traditionelle koreanische Musik- und Performancekünste. 1994 gründeten sie das erste Samulnori-Ensemble in Deutschland, das europaweit mit einem aus koreanischer Perkussionsmusik und Tanz bestehendem Repertoire auftritt, spielen aber auch in anderen Besetzungen zeitgenössische improvisierte Musik. Eine erlesene Riege von Musikerinnen und Musikern, die nun in Wuppertal erstmals zusammenfinden wird. Wolf-

KIM Bo-Sung, Foto: CzeÌkus MihaÌly

gang Kläsener freut sich schon auf den Dialog mit den anwesenden Künstlern, wie er sagt, und darauf, zu zeigen, wie vielseitig die Sprache der Orgel ist. Um das zu erleben, wird das Publikum am zweiten Abend gemeinsam vom „ort“ in die Sophienkirche wandern. Natürlich erst nach einer gründlichen Stärkung, denn schließlich gehört auch das Feiern bei Getränken und leckeren Häppchen stets zu einem ort-Festival dazu. Anne-Kathrin Reif

Das Programm Donnerstag, 26. April 2018, 20 Uhr im „ort“, Luisenstraße 116 Alle sechs Musikerinnen und Musiker werden am ersten Abend im „ort“ beteiligt sein – in welchen Kombinationen bleibt jedoch bis zum Konzerttag offen. Der Kirchenorganist Wolfgang Kläsener wird dabei mit Orgelpositiv bzw. Harmonium vertreten sein. Freitag, 27. April 2018, Beginn 19.30 Uhr im „ort“, ab ca. 20.30 Uhr in der Sophienkirche, Sophienstraße 3b Der Abend beginnt mit einem kammermusikalischen Teil im „ort“, wo die Musiker solistisch oder in verschiedenen Konstellationen musikalische Miniaturen präsentieren werden. Nach einer leckeren Stärkung wandern die Gäste gemeinsam zur benachbarten Sophienkirche. Beim großen Finale wird dann auch die große Kirchenorgel zum Einsatz kommen.

Karten gibt es jeweils nur an der Abendkasse zum Preis von 15 Euro je Abend, 25 Euro Festivalticket für beide Abende Ermäßigung für Schüler, Studenten, Arbeitslose: 6 Euro pro Abend

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Meister der freien Form Alexander von Schlippenbach zum 80.

Foto: Dagmar Gebers

Sein vollständiger Name lautet Alexander Graf von Schlippenbach, für viele ist er ganz einfach „der Alex“ – eigentlich muss bei jeder Konzertankündigung überlegt werden, wie der Pianist nun heißen soll. Sehen wir das mal nicht als Unbestimmtheit, sondern eher positiv, als variable Bandbreite, dann ist schon Einiges gesagt über den Nimbus des Alexander von Schlippenbach. Diese schillernde, unnachgiebig kreative Gallionsfigur der zeitgenössichen europäischen Jazzmusik entstammt einem Adelsgeschlecht, dessen gesicherte Stammreihe bis ins frühe 15. Jahrhundert zurückgeht. Geografisch angesiedelt 42

waren die Vorfahren im Rheinischen und Westfälischen, später siedelten sich weite Zweige der von Schlippenbachs im Preußischen an. Diese Zuordnung hat ja auch den Lebensweg von Alexander von Schlippenbach maßgeblich bestimmt, Köln und Berlin sind die Angelpunkte seiner Biografie. In Köln wurde er am 7. April 1938 geboren und studierte an der dortigen Musikhochschule Komposition. Sein Lehrer zählt fraglos zu den wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, Bernd Alois Zimmermann, der mit Die Soldaten eine der wenigen Opern schuf, deren Existenz nicht nach einer einzigen Aufführung auf einem Avantgardefestival beendet wurde.


Der große Zimmermann muss ein undogmatischer Geist gewesen sein, sonst hätte sein Schüler Schlippenbach nicht den Weg gehen können, den wir seit Jahrzehnten beobachten. Dieser Mensch ist wohl das, was wir gemeinhin als Grenzgänger bezeichnen. Als Spross eines uralten Adelsgeschlechts wählt er das umtriebige Tourleben eines Jazzmusikers, als Kompositionsschüler einer Jahrhundertfigur sucht er sich das Genre aus, in dem die vorgefertigte Struktur – um das Komponieren mal anders zu nennen – weniger existent ist als in jeder anderen Musizierform: den Free Jazz. Sicher ist er auch ein geistiges Kind der wilden 60er und das Umstürzen tradierter künstlerischer Werte ist ein notwendiger Schritt dieser Zeit gewesen; wenn dieser Schritt jedoch vom Mitglied einer Familie getan wurde, die so manchen preußischen General hervorgebracht hat, darf man neudeutsch schon fast von political correctness sprechen. Von Interesse ist, dass sich Alexander von Schlippenbach für seinen ersten großen Erfolg in der Jazzszene ein Format aussucht, dass im Free Jazz nicht alltäglich war. 1966 gründet er das Globe Unity Orchestra und führte bei den Berliner Jazztagen die gleichnamige Komposition auf. In dieser Aktion ist die von mindestens zwei sonst konträren Seiten geprägte künstlerische (und auch menschliche?) Natur des Alexander von Schlippenbach beispielhaft dokumentiert. Seine Band nennt er Orchestra, womit Wert auf einen hohen musikalischen Anspruch gelegt wird, und die erruptiven, wilden, bilderstürmenden Free-Jazz-Soli werden ummantelt von einer Komposition. Warum soll auch jemand, der genau weiß, wie Musik als Form gestaltet werden kann, dieses handwerkliche Können nicht einsetzen? Es zeichnet Alexander von Schlippenbach aus, nicht von einer Ideologie bestimmt den immer gleichen Weg zu gehen. Er zeigt beeindruckend, dass auch in der Musik verschiedene Wege nach Rom führen. Immer wieder kommt auch der Komponist zum Zuge, z. B. beim Berlin Contemporary Orchestra. Was ihn aber vielleicht künstlerisch noch einzigartiger macht, ist das konsequente Arbeiten am Entwickeln der improvisierten Form. Das dabei entscheidende Ensemble ist das seit 48 Jahren bestehende Trio mit Evan Parker und Paul Lovens, letzterer wird seit zwei Jahren häufig durch Paul Lytton ersetzt. Ich setze nicht zu hoch an, wenn ich sage, dass es auch international kaum eine zweite Band gibt, die derart schlüssige musikalische Formen „erimprovisiert“. Davon lässt sich die Jazzgemeinde von der als Winterreise apostrophierten November-/Dezembertournee jedes Jahr aufs Neue begeistern. Wer kann derart logisch

nachvollziehbare Spannungsgbögen improvisieren, wer zu solch selbstverständlichen Schlüssen finden? Und der Sound des Trios hat mittlerweile eine ästhetische Bandbreite, die in alten Free-Jazz-Tagen undenkbar gewesen wäre. Es gibt ja kaum ein abgeschmackteres Wort als das von der preußischen Tugend, aber wenn jemand seit fast 50 Jahren alljährlich mit den gleichen Leuten durch die Lande zieht, um den Free Jazz immer weiter zu verfeinern, dann ist das eine Tugend, wo immer sie auch herkommen mag. Konsequent ist er ebenso in seiner Begeisterung als Interpret, und auch hier darf man, ohne Gefahr zu laufen, anlässlich einer Würdigung zum 80. Geburtstag allzu blumig zu werden, behaupten: Niemand hat sich um das Werk von Thelonious Monk verdienter gemacht als Alexander von Schlippenbach. Jeder Jazzmusiker spielt mal ein Monkstück, viele haben auch ganze Alben mit Monkstücken aufgenommen, aber nur der preußische Rheinländer realisierte das Vorhaben, Monks komplettes Werk aufzunehmen und aufzuführen. Dreimaliger Chapeau!!! Eine Ikone des europäischen Free Jazz spielt das Gesamtwerk eines Bebopgenies ein. Vielleicht ist Alexander von Schlippenbach gar kein Grenzgänger, vielleicht ist es ihm nur immer schon zu fad vorgekommen, diese Grenzen zu akzeptieren. Recht hat er, denn, mal ganz einfach gedacht, warum soll sich ein so wunderbarer Musiker Grenzen setzen? Wolfgang Schmidtke

„Winterreise“ – Alexander von Schlippenbach und Evan Parker beim alljählichen Konzert im „ort“ bei der Peter Kowald Gesellschaft in Wuppertal. Foto: Helmut Steidler

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Synästhetische Symbiosen Der Auftakt zu KLANGART 2018

Es ist der Dreiklang aus Musik, Kunst und Natur, der die KLANGART-Konzerte in Tony Craggs Wuppertaler Skulpturenpark Waldfrieden schon immer zu einem besonderen Erlebnis gemacht hat. Bei der zehnten Ausgabe werden ganz neue synästhetische Symbiosen geschaffen – etwa bei der Klanginstallation ODASAOSE des schweizerischen Produzenten Dim Grimm am 16. und 17. Juni. In Wuppertal ist er kein Unbekannter, denn unter seinem inzwischen abgelegten Künstlernamen Dimlite war er bereits zu Gast in der Clubkulturreihe MA1 – veranstaltet vom heutigen KLANGART-Kurator Maik Ollhoff. Damals war er jedoch noch mit eher beatlastiger Musik unterwegs, die er auf Szenelabels wie Sonar Kollektiv und Now-Again/ Stones Throw veröffentlichte. Seither hat sich der autodidaktische Multiinstrumentalist, der bereits in der achten Klasse mithilfe der Pausetaste eines Kassettendecks Loops

bastelte, musikalisch weiterentwickelt. Als Dim Grimm schafft er heute faszinierende, komplexe Klangwelten. Für KLANGART wird er eine spezielle Klanginstallation gestalten – die zugleich einen neuen Zugang zur Kunst im Skulpturenpark eröffnet. Wie kann man ein Kunstwerk beschreiben? Und wie das Erlebnis, das man persönlich mit diesem Kunstwerk hat? Worte erweisen sich bei diesem Unterfangen als gelegentlich unzulänglich, hat Dim Grimm festgestellt. Als Musiker wählt er deshalb eine andere Ausdrucksform: die Musik. Für ihn liegt das nahe, denn schon seit jeher gestaltet er „mithilfe des Rechners passioniert neue, bis dahin ungehörte Klänge, um Zustände exakter beschreiben zu können“. Für sein KLANGART-Projekt will er zu ausgewählten Werken „aus Klängen ein dazugehöriges Musikstück gießen, angelehnt an die Erscheinung des jeweiligen Objekts und mit ihr korrespondierend“. Zur Vorbereitung wird Dim Grimm sich vor Ort intensiv mit den Skulpturen auseinandersetzen: Ich werde der Skulpturen äußere Form und Beschaffenheit berücksichtigen (sie eventuell

KLANGART-Wandelkonzert

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auch mit Mikrofonen aufnehmen zur Weiterverarbeitung der Klangquellen) wie auch den Effekt, den sie auf mich haben, gefühls- und assoziationstechnisch. Jede der Kompositionen soll, wie eine Skulptur, für sich selbst stehen können. Doch in ähnlicher Art, wie die Skulpturen im Park ein Gesamtbild ergeben, werden sich auch die einzelnen Kompositionen zu einem Gesamtklang vereinen, der sich je nach Standort des Hörers verändert. Ein „Orchester“ von Lautsprechern wird auf der Lichtung vor der Villa Waldfrieden aufgestellt sein und die Klänge in den Wald hineintragen, wo sie sich wiederum mit der Klangkulisse der Umgebung vermischen. Als „Dirigent“ am Computer wird Dim Grimm live vor Ort in das Geschehen eingreifen. Mit dem Titel „ODASAOSE“ verhält es sich übrigens ein wenig so wie mit der Musik von Dim Grimm: Man erkennt Versatzstücke aus bekannten Wörtern, die – quasi als Samples – scheinbar neu zusammengesetzt worden sind: Ja, da steckt etwas drin, gibt Grimm zu, aber wenn ich genauer ausführe, wie es zum Namen kam, macht es keinen Spaß mehr. Umso mehr Spaß wird es machen, die Musik auf sich wirken zu lassen – und nach Verbindungen zu den Skulpturen zu suchen, die als Inspirations- und auch Klangquellen dienten.

KLANGART im Skulpturenpark Waldfrieden Donnerstag, 31. Mai 2018, 15 Uhr bis 18 Uhr

Wandelkonzert

Tamara Lukasheva, Josephine Bode, Frederik Köster, Matthias Schriefl, Shannon Barnett, Sebastian Gille, Alex Eckert, Thorsten Töpp, Alex Morsey, Maik Ollhoff

Samstag/Sonntag, 16./17. Juni 2018, 15 Uhr bis 18 Uhr Klanginstallation ODASAOSE, Dim Grimm Der Besuch des Wandelkonzerts und der Klanginstallation ist für Besucher des Skulpturenparks frei – es gelten die üblichen Eintrittspreise. www.skulpturenpark-waldfrieden.de/klangart

Welten wandeln aufeinander zu Auch beim schon traditionellen KLANGART-Wandelkonzert am 31. Mai kommen Musik, Kunst und Natur zusammen und lassen ein multisensuales Erlebnis entstehen. Zehn hochkarätige Musikerinnen und Musiker wandeln durch den Park, finden sich zu immer neuen Gruppierungen zusammen, bevor sie sich zum gemeinsamen Finale vor der Villa Waldfrieden vereinen. Ihre Improvisationen verweben sich mit den natürlichen Geräuschen von Wind, Vögeln, Stimmen und entferntem Verkehr zu einem poetischen Klanggeflecht. Mit dem Trompeter Matthias Schriefl ist dieses Mal ein Musiker vertreten, der bereits einmal bei KLANGART für Furore gesorgt hat. Die Sängerin Tamara Lukasheva wiederum wird im Verlauf der diesjährigen KLANGART-Reihe noch einmal zu hören sein – mehr soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden. Weitere Musiker sind u.a. die Blockflötistin Josephine Bode, dieses Jahr Artist in Residence beim Moers Festival, Trompeter Frederik Köster und Saxofonist Sebastian Gille. Die stilistischen Kontexte, aus denen die Musiker stammen, sind so unterschiedlich wie die Instrumente, die sie spielen – als ebenso virtuose wie neugierige und weltoffene Künstler werden sie aber in jeder Gruppierung eine gemeinsame Sprache finden. Guido Halfmann 45


Wir auch! Der Barmer Norden punktet grĂźn 125 Jahre Nordpark

Der Platzhirsch im weitläufigen Damwildgehege im Zentrum des Parks. Alle Fotos: Wolf Birke

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Die komfortabel möblierte Ruhezone über der Stadt

Wie man hört, kommt der Elberfelder selten nach Barmen. Schade, da verpasst er was. Der dortige Nordpark, der mit seinem Namen nicht gerade zu brillieren vermag, führt ein eher verborgenes Leben. 125 Jahre übrigens schon, und das ist ein Anlass, gute Partnerschaften, kleine Eifersüchteleien und beharrliche Arbeit gebührend zu würdigen.

Blindlings rasen die meisten Zeitgenossen auf der A 46 knapp und unbemerkt an dieser Parkanlage vorbei, die einst in der ländlichen Stadtrandlage Barmens geschaffen wurde. Und das kam so: Am Ende des 19. Jh. hatte sich Barmen zu einer reichen Industriestadt entwickelt, die neben florierendem Handel und fleißigem Gewerbe auch schon über sehenswertes Grün verfügte. Die Barmer Anlagen boten Arm und Reich ausgedehnte Park- und Waldflächen, von wohlgepflegten Spazierwegen durchzogen und mit gastronomischen Anziehungspunkten für jeden Sonntagsspaziergang gerüstet. Zugleich hatte sich das Barmer Bürgertum mit dem Park ein Monument gesetzt, das von seinem Reichtum wie seiner Generosität ein begehbares Zeugnis ablegt. Weder Kaiser und König noch die Stadtgemeinde waren Begründer und Besitzer der ersten öffentlichen Parkanlage Barmens. Vielmehr hatten die Bürger selbst die Initiative ergriffen, Geld gesammelt und Grundstücke erworben. Die besten Gartenkünstler des Rheinlands hatte man herangezogen, um eine angemessene 47


Zusammenarbeit des Nordstädter Bürgervereins mit dem Wichlinghauser Bezirksverein, dem Barmer Verschönerungsverein sowie der Stadt Barmen. Die Nordstädter gaben den Motor und brachten eine schöne Summe auf, die Stadt kaufte das Gut Mallack, und der Barmer Verschönerungsverein übernahm die Gestaltung des neuen Parks. So ging das Gemeinschaftswerk auf Erfolgskurs, und schon bald konnten sich die Bürger der Barmer Nordstadt in ihren Anlagen ergehen. Das Vorbild der Barmer Anlagen und die praktizierte Kooperation hatte der gewissen Eifersucht der Nordstädter eine produktive Wendung gegeben. Der Nordstädter Bürgerverein war zwar nicht Grundstückseigentümer geworden, hatte aber den nötigen Impuls und nicht unerhebliche Summen in das Projekt eingebracht. Die Kraft, die ihm in diesem flotten Prozess zugewachsen war, sollte sich als ziemlich nachhaltig erweisen.

Die mehr als drei Meter hohen Sandstein-Stelen am Kakaoplatz erinnern an steinzeitliche Kultstätten.

Gestaltung zu erhalten. Was dann kam, ist auch heute noch einen Ausflug wert, die Anlage eines mittlerweile hundert Hektar großen Parks am Südhang des Wuppertales. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gehörte es bei der Ober- und Mittelschicht zum guten Ton, dem Barmer Verschönerungsverein anzugehören, ihm Spenden zukommen zu lassen oder seine Aktivitäten auf andere Weise zu fördern. Inzwischen waren Bevölkerung und Siedlungsfläche explodiert. Da entstand auf der Barmer Nordseite des Tals der Wunsch nach eigenem Grün, einem Park für die Bevölkerung von Wichlinghausen und dem Barmer Norden. Wieder schlossen sich Bürger zu einem Verein zusammen, dem Nordstädter Bürgerverein, und wälzten Ideen. Die Hauptaktivität war das Parkprojekt, für das alsbald Grundstücke ausgeguckt waren. Über kurz oder lang waren die Preisvorstellungen des Eigentümers Hugo Greef heruntergehandelt und wichtige Partnerschaften aufgebaut. Denn für Barmer Anlagen Nr. 2 fehlte es an Kapital. Alles, was Rang und Namen und vor allem Geld hatte, war längst am Südhang engagiert, viele hatten sich um die Barmer Anlagen herum niedergelassen und fühlten sich mit dem neuen Parkprojekt kaum verbunden. So kam es zu einer 48

So weit, so gut und so vergangen. Wer nachguckt, was von jener Zeit und ihren Aktivisten geblieben ist, darf sich getrost die Augen reiben angesichts des großen Parkkinos, das Barmen heute aufzubieten hat: Der Nordpark ist noch vorhanden und in städtischem Besitz. Der Barmer Verschönerungsverein beging 2014 bereits sein 150-jähriges Jubiläum und konzentriert sich auf die Barmer Anlagen, die heute als zweitgrößter Bürgerpark Deutschlands von sich reden machen. 2018 ist das Jahr des Nordstädter Bürgerverein, der sein 125-jähriges Bestehen feiert. Er hat sich im Ersten Weltkrieg und in der Zeit des Nationalsozialismus, der den Vereinen ihre Eigenständigkeit streitig machte, zweimal aufgelöst – und später wieder einen Neuanfang geschafft. Das und mehr lässt sich nachlesen in der Festschrift, die in der Reihe Wuppertals grüne Anlagen demnächst als erweiterte Neuauflage erscheint: Waldanlage Nordpark. Nordstädter Bürgerverein Barmen seit 1893. Der Verein hat sich auch in den letzten Jahren wieder als treibende Kraft der Parkerneuerung bewährt. Der Nordpark mausert sich nämlich gerade zu einer der attraktivsten Parkanlagen des Tals. Der geschickte Umgang mit dem Programm Soziale Stadt und seiner Förderkulisse sorgt für neue Impulse im Park. Die Grunderneuerung umfasst viele Bereiche: Der Eingang am Ende der Straße Mallack heißt den Besucher willkommen. Die Spielplätze sind für größere und kleinere Kinder modernisiert worden und machen den jungen Besuchern sichtbar Spaß. Der benachbarte Werner-Zanner-Platz bietet wieder beste Aussichten, für die er schon um 1900 bekannt war. Viele Wege, besonders der Panoramaweg längs des Wildgeheges, ha-


ben eine Sanierung erfahren. Der Kakaoplatz, dessen leckerer Name an den regen Tauschhandel nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert, ist neu ausgebaut worden. Seine interessante Gestaltung lädt dazu ein, sich auf den großen Steinblöcken niederzulassen und den neu geöffneten Blick von der waldigen Höhe hinunter auf die Stadtlandschaft zu genießen. Der städtische Planer der Freianlagen, FranzJosef Franken, bringt klare Betonelemente ebenso in den Park wie imposante Natursteine und setzt auch in der Bepflanzung neue Akzente. Dass Aussicht auch noch anders gehen kann, lässt sich auf dem Skywalk am alten Ehrenhain erleben. Er ist das Highlight der Erneuerung, wenn er auch nicht gerade in schwindelerregende Höhen führt. Im Gegensatz zu den im Tal bestens erprobten Aussichtstürmen führt er nur leicht ansteigend in den Himmelsausschnitt, den die Bäume rahmen. Da aber das Gelände darunter abfällt, hebt man beim Betreten des Steges, der auch für Mobilitätseingeschränkte gut zu benutzen ist, sozusagen ab. Der weite Blick reicht über Kleingärten, die Talachse und den Heckinghauser Gaskessel bis zu den Doppeltürmen der Christuskirche in Schwelm. Auf die Besucher entwickelt der Skywalk starke Anziehungskraft und hat sich schon als Symbol für den Nordpark etabliert. Was noch nicht ganz ans Ziel gekommen ist, bleibt die Gastronomie, die seit 2009 den Umbau des alten Sommerhauses von Hugo Greef und der späteren Turmterrassen betreibt. Längst sind weitere Anbauten und der Ausbau der Scheune im Gange, doch von Essensdüften kann der Besucher weiter nur träumen. Die Stadt hat die vorgelagerte Bastion zu einem öffentlichen Biergarten ausgebaut, wo man sich getrost mit Mitgebrachtem selbst bewirten kann. Beschlossene Zukunftsmusik ist ein großer Parkplatz, den die Stadt nun ebenfalls noch bauen will. Der Ausflug ins Grüne am Barmer Nordhang lohnt also nun ganz besonders, und auch der Elberfelder, Vohwinkler oder gar der Tourist dürfen sich von der Barmer Gartenkunst, ihrer Modernität und dem Pflegezustand des alten Nordparks überraschen lassen. Auf neue Weise lässt sich erleben, wie geschickt der Park mit den landschaftlichen Reizen des Geländes umgeht, die Aussichten in beide Richtungen des Wuppertals ermöglicht, aber auch im Parkinneren über das Wildgehege hinweg inszeniert. Schließlich bietet der Nordpark ebenso viel Platz für ruhige Waldspaziergänge wie Spielmöglichkeiten und geselligen Aufenthalt. Antonia Dinnebier

Der viel besuchte Aussichtssteg lenkt den Blick über Schwelm weit nach Osten ins Bergische Land.

Das Denkmal am Vier-Wege-Platz erinnert an den Sänger der Freiheit Gustav Adolf Uthmann.

Der große Spielplatz auf der Höhe des Parks - Lieblingsort aller Kinder.

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Die Wuppertaler Literatur Biennale

Die Wuppertaler Literatur Biennale geht in ihre vierte Runde. Vom 6. bis 19. Mai widmen sich 30 Veranstaltungen dem diesjährigen Thema #SchönLügen.

Bodo Kirchhoff, Foto: Laura J. Gerlach

Thomas Glavinic, Foto: Thomas Glavinic

Auch 2018 richtet die Wuppertaler Literatur Biennale ihr Scheinwerferlicht auf den literarischen Text, der in seiner individuellen Form und mit seinen ganz persönlichen Inhalten von seinen Autorinnen und Autoren präsentiert werden soll. Es geht aber nicht allein um das authentische Erleben, sondern auch um den Zusammenhang zwischen dem einzelnen Text und dem Thema. Letzteres war für die Programmauswahl entscheidend. Dabei geht es dem Planungsteam um Monika Heigermoser, dem diesmal Christoph Jürgensen, Torsten Krug, Cordula Nötzelmann, Katja Schettler, Gerold Theobald und Ruth Eising angehören, vor allem darum, dem Publikum die Vielfalt möglicher Deutungen, Auslegungen und Spielarten des aktuellen Themas näherzubringen.

Josefine Rieks, Foto: Tim Brüning

Irene Dische Foto: M. Lautenschläger/Visum

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Thema #SchönLügen Man sagt, dass wir bis zu zweihundert Mal am Tag lügen. Wir belügen andere und uns selbst. Und scheuen uns nicht, zugleich zu fordern, nicht belogen zu werden. Dass wir dies ungeniert tun können, verdanken wir einem Wertesystem, in dem Lüge und Wahrheit allgemein anerkannte, nicht hinterfragbare moralische Kategorien sind. Folgerichtig ist, dass wir die Lüge in der Öffentlichkeit, wo unabhängige Gerichte, Parlamentsausschüsse und Medien das Leben beeinflussen und kontrollieren, als skandalhaften Ausnahmefall brandmarken, sobald sie erkennbar wird. Der Lüge überführte Amts- und Würdenträger, Wirtschaftsführer oder andere Personen des öffentlichen Lebens werden auf der Stelle ins Privatleben verabschiedet. Man kann also behaupten, dass die Lüge quasi auf das Privatleben zurückgedrängt worden ist. Gleichwohl ranken sich um ihr eher unscheinbares Dasein am Rande des Geschehens zahllose Geschichten. Einige von ihnen zeigen uns, dass die Lüge im Gegensatz zur Wahrheit die Kunst der Verführung beherrscht. Sie macht sich gern schön. Nun ist die Lüge in einem Siegeszug, den wohl niemand für möglich gehalten hätte, aus dem Privatleben zurückgekehrt. Erste beunruhigende Erfolge, mit denen sie sich aus dem Ruhestand zurückmeldet, erringt sie in den sozialen Netzwerken, die wir zunächst noch etwas naiv für die Er-

Wolf Biermann, Foto: Hans Scherhaufer

weiterung unserer Privatsphäre hielten. Über die FIFA, die Dieselaffäre und andere Großskandale drängt sie auf das Parkett der Weltöffentlichkeit. Und sie hat auch die internationale Politik erobert. Im völlig neuen Gewand, als „alternatives“ Faktenangebot, tritt sie uns hier entgegen. Das Zeitalter des Postfaktischen hat längst begonnen. Die Wuppertaler Literatur Biennale geht davon aus, dass literarische Fiktion eine Bastion der Wahrheit ist. Dies zu belegen ist auch ein Ziel der diesjährigen Ausgabe. Die Aspekte des Themas #SchönLügen werden sich auch in Kontroversen präsentieren. Dabei werden ihre Stimmen vielfältig sein: 6. Mai Bodo Kirchhoff 8. Mai John von Düffel 9. Mai Thomas Glavinic 10. Mai Irene Dische, Fiston Mujila Mwanza, Linda Boström Knausgard 11. Mai Josefine Rieks, Chris Kraus 12. Mai Arnoldo Gálvez, Sten Nadolny 14. Mai Volker Kutscher 15. Mai Michael Stavaric, Michael Zeller, Jan Wagner 16. Mai Hermann Schulz 17. Mai Wolf Biermann, Ulrike Draesener, Jonas Lüscher 18. Mai Anja Kampmann 19. Mai Nell Zink

Anja Kampmann, Foto: Juliane Henrich

Nell Zink, Foto: Fred Filkorn

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Dem Biennale-Konzept eigen ist ihre enge Anbindung an die in der Region ansässigen Autorinnen und Autoren als auch zu den literarischen Vereinigungen. Dazu gehören wieder die Armin T. Wegner Gesellschaft, die Else Lasker Schüler Gesellschaft e.V., das Literaturhaus Wuppertal e.V., die GEDOK, die Goethe-Gesellschaft, der VS Bergisches Land, die Wuppertaler Bühnen und die in der Börse ansässigen Poetry Slammer. Die Fachbereiche Germanistik und Romanistik der Bergischen Universität Wuppertal sind mit Prof. Matei Chihaja und Dr. Christoph Jürgensen ebenfalls eng angebunden. Initiiert von diesem Netzwerk sind demzufolge wieder zahlreiche Einzelveranstaltungen, wie etwa: 8. Mai Poetry Slam #SchönLügen 12. Mai Die Karussell-Lesung 13. Mai Die Parade lügt nicht Armin T. Wegner Gesellsch. 14. Mai Zerrspiegel GEDOK-Lesung Hochkarätige Gäste versprechen die beiden Diskurse der Biennale: Am 9. Mai diskutieren Bernd Ulrich und Ulrich Herbert zum Thema „Guten Morgen, Abendland – Der Westen am Beginn einer neuen Epoche“ und am 10. Mai setzen sich Hilal Sezgin und Hannes Ley mit dem Thema Hate Speech – Gegen den Strom auseinander. Dank der kontinuierlichen Förderung der Kunststiftung NRW, des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW und vieler weiterer Unterstützer wird auch die vierte Auflage des Festivals möglich. Die Kunststiftung NRW vergibt zudem gemeinsam mit der Stadt Wuppertal seit 2014 den Preis der Wuppertaler Literatur Biennale, der zum jeweiligen Biennale-Thema ausgeschrieben wird und um den sich der literarische Nachwuchs bewerben kann. Mit 3000 Euro dotiert, ist er einer der am höchsten bemessenen Preise für jüngere Autorinnen und Autoren im deutschsprachigen Raum. Auf die Ausschreibung hin wurden 136 Beiträge eingereicht. Die Preisverleihung findet am Sonntag, dem 6. Mai, im Skulpturenpark Waldfrieden statt. Ruth Eising 52

Foto: Sandra Sebastián

Geologie der Gewalt Arnoldo Gálvez Ein Gast der Wuppertaler Literatur Biennale 2018 wird der aus Guatemala stammende Autor Arnoldo Gálvez sein. Prof. Dr. Matei Chihaia hat ihn zur im gleichen Zeitraum stattfindenden „DAAD Sommerschule“ eingeladen, sodass Gálvez auf verschiedenen Podien sowohl in der Universität als auch im Festivalprogramm zu erleben sein wird. In dem mittelamerikanischen Panorama des 20. und 21. Jahrhunderts zeichnen sich unterschiedlichste Formen von Grausamkeit ab wie Zacken einer Vulkankette: Arnoldo Gálvez ist ein Geologe dieser Gewalt, der die Falten und Risse aus den Eruptionen der Vergangenheit genauestens beschreibt und die Erschütterungen der Gegenwart mit seismografischer Präzision misst. Sein Werk ist damit auf der „Landkarte der Romane des historischen Gedächtnisses in Lateinamerika“ schon unumgänglich geworden.


Büchergilde, Weltlese, Band 19 Deutsche Erstausgabe Umschlaggestaltung von Thomas Pradel, 336 Seiten. Aus dem Spanischen von Lutz Kliche.

Seine ersten beiden Romane, Los jueces „Die Richter“, 2008, und Puente adentro „Auf der Brücke“, 2015, wurden mit Literaturpreisen ausgezeichnet. Letzterer wurde von Lutz Kliche ins Deutsche übersetzt und erschien als Die Rache der Mercedes Lima, herausgegeben von Ilija Trojanow. Arnoldo Gálvez schreibt auch als Journalist und für die NGO interpeace: Diese Aktivität steht mit seinem literarischen Werk in engem Zusammenhang. Die „Rache der Mercedes Lima“ erzählt die Geschichte eines Mordfalls, der eine Generation später wieder aufgerollt wird. Die Erzählung oszilliert zwischen der Problematik des historischen Gedächtnisses und der Fragestellung des Kriminalromans, immer wieder führt die individuelle Geschichte in die kollektive Vergangenheit Guatemalas. Denn der ermordete Universitätsprofessor verkörpert den Widerstand gegen die Militärherrschaft, sein Sohn die Erinnerungsarbeit an Jahrzehnte der Grausamkeit, die in einem Nebel von sozialen Spannungen, Gewalt und Korruption nur mühsam vorankommt. Dem Roman ist ein Motto des mexikanischen Dichters Octavio Paz vorangestellt, das den Originaltitel verständlich macht: „Von einem Ufer zum anderen erstreckt sich immer ein Körper“. Diese symbolische Besetzung des Körpers durch die Kultur des Erinnerns, seine Stilisierung durch das erotische Begehren stoßen bei Gálvez immer wieder auf seine gewaltsame Zerstörung, seine Verletzlichkeit oder sogar – traurige Realität der Diktaturen, aber auch der Postdiktaturen Lateinamerikas – sein Verschwinden.

zu einer Randfigur, zu einem potenziellen Opfer von Gewalt. Ist das mehrmals verwendete Bild des Papierboots, das vom Regenwasser im Rinnstein mitgerissen wird, auch ein Selbstporträt des Intellektuellen in der heutigen Zeit? Arnoldo Gálvez glaubt noch an die Fähigkeit der freien Presse, die Wahrheit von der Lüge zu trennen. Deswegen hat er das Internetjournal Nómada mitgegründet und gleichzeitig zu seinem Erzählband auf der Web-Plattform Plaza pública eine umfangreiche Reportage über die Hintermänner des Expräsidenten Alfonso Portillo veröffentlicht, der schließlich wegen Korruption verurteilt wurde. Das ist genau der Ausgangspunkt für die DAAD-Sommerschule zu Literatur und Gewalt in Mexiko und Mittelamerika, die wir vom Spanien-Zentrum in Kooperation mit der Wuppertaler Literatur Biennale organisieren. Einer der Texte von Arnoldo Gálvez, die auf der Biennale gelesen und diskutiert werden, wird in diesem Rahmen übersetzt. Die Sommerschule erforscht die Wechselbeziehungen der Gegenwartsliteratur mit journalistischer Arbeit und der Aktivität von NGOs. Neben der Lesung von Arnoldo Gálvez im Rahmen der Biennale, die von Lutz Kliche am 12. Mai um 18 Uhr in der Börse moderiert wird, gehört daher zu den Höhepunkten der Sommerschule die Diskussion mit dem Journalisten Martin Specht, Autor von „Narco Wars – der globale Drogenkrieg“, am 15. Mai um 19 Uhr in der Buchhandlung v. Mackensen, und eine Podiumsdiskussion mit Vertretern des Literaturbüros NRW sowie von NGOs aus der Region, am 16. Mai um 11 Uhr im Gästehaus der Universität am Campus Freudenberg. Alle diese Veranstaltungen sind öffentlich zugänglich. Dr. Matei Chihaia Bergische Universität Wuppertal, Spanien-Zentrum

„Das Wort ist die Stimme des Herzens, die Schrift ist die Malerei des Herzens.“ Yan Yung

Häufig also münden Worte ganz unerwartet in Taten, stellt sich eine lange Erzählung als eine Einladung heraus oder als ein Todesurteil oder als ein Geständnis. Diese Verschränkung der Fiktion mit der Realität bildet die Grundlage des literarischen Engagements. In diesen Erzählungen tritt der engagierte Intellektuelle aber nicht mit dem Sendungsbewusstsein auf, das die Generationen der 1960er und 1980er-Jahre charakterisiert. Die Fähigkeit zu kritischer Reflexion und Analyse macht ihn vielmehr 1/8 Anzeige dbZ 131217.indd 1

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„Die Rache der Mercedes Lima“

13.12.17 10:01

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Backstage: Yasser Niksada, The Poetry Project, Foto © Rottkay

„Die Welt schlief, nur wir waren wach“ Der diesjährige Else Lasker-Schüler Lyrikpreis geht an sechs afghanische Flüchtlinge, die ihre traumatischen Fluchterfahrungen in Gedichten niedergeschrieben haben – und an den Übersetzer Aarash D. Spanta. Yasser Niksada ist in Panshir in Afghanistan geboren. Er ist 14 Jahre jung, als auf der Flucht nach Europa das Boot kentert, mit dem die Schleuser ihn zur griechischen Küste bringen wollen. Yasser kann nicht schwimmen, er taucht unter, bekommt keine Luft, wie lange, das kann er nicht sagen, was ist schon Zeit, wenn der Tod einem dicht vor Augen steht? Dann zieht ihn die Rettungsweste nach oben. Yasser überlebt. Mehr als die Hälfte der ca. 60-köpfigen Besatzung des Schlauchbootes aber ist verschollen. Im Rettungsboot, das ihn nach Griechenland 54

bringt, tröstet er ein Kind, das gerettet wurde, aber seine Eltern bei der Havarie verlor. Aber wer tröstet Yasser? Jenen Yasser, der sich auf Geheiß der Eltern allein nach Europa aufgemacht hat. Wie verzweifelt muss die Lage eines Landes sein, wenn Eltern ihre Kinder allein auf eine ungewisse Reise in die Fremde schicken, angetrieben allein von der Hoffnung, dass ihre Kinder einmal ein besseres Leben haben sollen als sie selbst, das ausweglos scheint, ohne Perspektive, ohne Zukunft?


Yasser ist in einem Land geboren, das durch Gewalt, Hass und Mord geprägt ist wie kaum ein anderes weltweit. Wir Europäer haben uns gewöhnt an die Nachrichten über Selbstmordattentate, grausame Terrorakte von Warlords und Taliban und Glaubenskämpfern, die ihr Land in die Steinzeit bomben. Die Macht der Bilder, die Mitgefühl in uns hervorriefen, sie scheint verbraucht. Einen Augenblick schien es, als ob etwa das Foto des toten Kindes, das an den Strand der türkischen Küste vor Bodrum gespült wurde, die Welt den Atem anhalten ließ und als sei in diesem Luftholen Raum für Trauer, Scham und Empathie. Das war im September 2015. Wie lange ist das jetzt her? Nicht in Tagen, Wochen, Monaten gerechnet, sondern in politischen Zeiteinheiten wie den Montagsdemonstrationen der PegidaBewegung, der Silvesternacht auf der Kölner Domplatte und dem aufhaltbaren Aufstieg populistischer Parteien in Europa, der AfD in Deutschland.

„Spuren“ von Yasser Niksada, in seiner Handschrift.

Jetzt schläft die Welt, sagt Yasser. Wer schläft, muss nicht hinsehen. Und wer nicht hinsieht, kann sein Herz verschließen. Und wer sein Herz verschließt, hat den zweifelhaften Luxus, zuerst an sich selbst zu denken. Make Germany great. Yassers Herz brannte für Europa. Damals – vor der Flucht. Nun ist es kalt. Seine Erfahrungen auf dem Boot und auch das, was danach kam, hat er in einem Gedicht niedergeschrieben:

Spuren Sei neben mir und sieh, was mir geschehen ist. Es ist vorbei, die Suren noch im Herzen. Kein Platz für mich für Schlaf im Bus. Die Füße vertrocknet, der Traum versank im Auge. Die Polizei sagte Stopp. Geht zurück, geht zurück. Alle dann in den Waggons, nur ich allein auf dem Gleis. Das Schlauchboot sank und mein heißes Herz für Europa wurde kalt. Die Welt schlief, nur wir waren wach, hungrig, durstig, müde, Wir sind ja weggegangen; schwieriger wird es zurückzukehren. Das ganze Sich-Zerreißen, für ein bisschen Ruhe. Die Ruhe meiner Familie.

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Nerges Azizi, Handschrift, The Poetry Project, Foto © Rottkay

Machen wir für einen Augenblick ein Gedankenexperiment: Können wir uns vorstellen, dass deutsche Jugendliche, die hier aufgewachsen sind, solche Verse wie Yasser schreiben? Wir können glücklich sein, dass sie das wohl eher nicht können, denn in solche Gedichte schreibt sich eine Klugheit der Reflexion des eigenen Schicksals ein und eine Bitterkeit der Beobachtung realer gesellschaftlicher Verhältnisse, die tief in der Einsamkeit des seiner Heimat Beraubten gründen.

Erfahrungen in Gedichten niederzuschreiben. Möglicherweise wurde Poesie für Yasser so zum Überlebensmittel, eine Erfahrung, die er mit vielen großen vertriebenen Dichtern teilt. Vielleicht deswegen, weil Exil ein Existential menschlichen Lebens ist, seit wir aus dem Paradies vertrieben wurden, also seitjeher. Philosophen nennen das Weltgeworfenheit. Oder auch Kontingenz. Aber das ist sehr abstrakt, und das, was Yasser erlebt hat und noch erlebt, ist im Gegensatz dazu sehr konkret.

Fast unbewusst drängt sich da die Erinnerung an Else Lasker-Schüler auf, die 1933 von SA-Truppen auf offener Straße geschlagen wurde, ins Exil nach Zürich ging, dort zum wiederholten Male Schreibverbot erhielt und nach Jerusalem auswanderte, wo sie starb. Erinnert nicht die Bitterkeit in ihrem Gedicht „Mein blaues Klavier“ an die hellsichtige Enttäuschung Yassers: Ich habe zu Hause ein blaues Klavier // Und kenne doch keine Note. // Es steht im Dunkel der Kellertür, // Seitdem die Welt verrohte (…) Zerbrochen ist die Klaviatür... // Ich beweine die blaue Tote.

Dass Yasser und andere Jugendliche, die aus Afghanistan nach Deutschland geflohen sind, die Chance bekamen, ihre Erfahrungen und Gefühle in Gedichten auszudrücken, ist den Initiatoren des Poetry Project zu verdanken, darunter die SPIEGEL-Redakteurin Susanne Koelbl. Bei Reisen durch Afghanistan hatte sie die Bedeutung und den Zauber der persischen Lyrik immer wieder erlebt. Schon Goethe war tief in den Kosmos der persischen Dichtung eingetaucht und fasziniert von der fantasie- und bildreichen Sprache eines Hafis oder Rumi. In seiner Gedichtsammlung „Der West-östliche Divan“ verfasste er Gedichte in Duktus und Sprache Hafis‘, den er für seinen Wahlverwandten hielt. Es war eine Sternstunde der Intertextualität, die Geburt der Weltliteratur in Deutschland und der

In all dem Unglück, das Yasser erfahren hat, gab es aber auch lichte Momente. Denn Yasser wurde Teil des Poetry Project und bekam so die Chance, seine traumatischen 56


Beginn eines großen Menschheitstraums, nämlich eines transkulturellen poetischen Dialogs zwischen Orient und Okzident, der nun angesichts des islamistischen Terrors zerbröselt. Diese Faszination für die orientalische Literatur erlebte auch Susanne Koelbl, und es scheint, dass Poesie doch die Fähigkeit hat, Raum zu überwinden und Zeit anzuhalten. Susanne Koebl schreibt über den Beginn des Poetry Project: „Als 2015/16 Hunderttausende Menschen aus Kriegsgebieten zu uns kamen, dachten ein paar Freunde in Berlin darüber nach, wie all diese Menschen künftig mit uns leben würden. Es ging darum, die Fremdheit zu überwinden. Die Poesie als Brücke schien ein guter Anfang.“ So wurden in Berlin lebende Jugendliche aus dem persischsprachigen Raum eingeladen, an einem Gedicht-Workshop teilzunehmen, gleich welchen Bildungshintergrund sie hatten. Darunter Ali Ahmade (15), Ghani Ataei (16), Mahdi Hashemi (16), Shahzamir Hataki (16) Kahel Kaschmiri (15), Mohamad Mashghdost (18), Yasser Niksada (14) und Samiullah Rasouli (17), die nun zusammen mit den Initiatoren des Poetry Project den Else Lasker-Schüler Lyrikpreis erhielten.

Susanne Koelbl in einer Diskussionsrunde, The Poetry Project, Foto © Rottkay

Seit Dezember 2015 traf sich die SPIEGEL-Autorin mit den Jugendlichen zum Gedichteschreiben. Angefangen hat es mit einem offenen Workshop mit persischsprachigen Jugendlichen aus verschiedenen Notunterkünften. Sie verfassten Gedichte darüber, was ihnen auf der Flucht geschehen war. Neun Monate später veröffentlichten die Jungen ihre berührenden Texte in der Berliner Anthologie The Poetry Project – Allein nach Europa und lasen sie vor großem Publikum auf dem 16. Internationalen Literaturfestival Berlin. Das enthusiastische Echo, das ihnen entgegenkam, hat sie ermutigt weiterzumachen. Die Gedichte gehen deshalb so unter die Haut, weil sie weit mehr sind als subjektive Protokolle von traumatischen Erfahrungen. Erstaunlich reif wie etwa das Gedicht von Yasser Niksada wirkt auch die Lyrik der fünf anderen jungen Preisträger. Die Schönheit dieser Gedichte in deutscher Sprache vermittelt sich unmittelbar beim Lesen oder auch dann, wenn die Jugendlichen ihre Gedichte selbst auf Farsi vorlesen. Man spürt dann die verwandten Rhythmen, den Atem und den Geist dieser Gedichte. T. S. Eliot sagte: „Poesie kann sich mitteilen, auch ehe sie verstanden ist.“ Dennoch sind die Übersetzungen natürlich eminent wichtig, wenn es um den von Susanne Koelbl intendierten Brückenschlag zwischen den Kulturen geht. Sprache ist immer auch ein Mittel, um Fremdheit zu überwinden.

Shahzamir Hataki, The Poetry Project, Foto © Rottkay Yasser Niksada im Workshop, The Poetry Project, Foto © Rottkay

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Hochschule, das Gedicht „Avenidas“ von Eugen Gomringer von der Fassade entfernen zu lassen, weil es vorgeblich sexistisch sei.

Der Übersetzer Aarash D. Spanta, The Poetry Project, Foto © Rottkay

Daher endet dieser Bericht mit ein paar Zeilen aus dem Gedicht „Rausch und Wahn“ des 16-jährigen (!) Shahzamir Hataki; möge der geneigte Leser – jenseits des politischen Raums, diesen dennoch im Blick behaltend – sich darauf seinen eigenen Reim machen:

Die Beteiligung des Übersetzers Aarash D. Spanta ist daher ein Glücksfall. Der Anwalt und Sohn eines prominenten afghanischen Politikers stammt selbst aus einer Intellektuellenfamilie in Herat, im Westen von Afghanistan. Er versteht die tiefe Symbolik der persischen Sprache und überträgt diese ins Deutsche. In seinen Übersetzungen zeigt sich, wie stark die Gedichte dieser jungen Autoren rhetorisch geformt und gestaltet sind: Metonymien, Metaphern, Idiosynkrasien, die Stilfiguren der Wiederholungen: Vielleicht unbewusst und intuitiv, aber mit einem sicheren Gespür für dichterische Wahrhaftigkeit verwenden diese afghanischen Teenager diese und andere Elemente aus dem Baukasten der Poesie.

Liebe ist ein Rausch und Wahn Und fremd zur Welt, Sie sitzt immer da, von der Dämmerung bis zum Morgenrot. (…) Wäre die letzte Seite der Liebe doch die Nachricht, dass der Regen noch aufhört. Hätte ich gewusst, dass Liebe sowas macht, hätte ich die Liebe angekettet.

Weil die Übersetzung von Gedichten in eine andere Sprache auch immer eine dichterische Neuschöpfung ist, entschloss sich die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft in diesem Fall, neben den Jugendlichen auch Aarash D. Spanta mit dem Lyrikpreis zu ehren.

Die Gedichte der afghanischen Flüchtlinge und das Projekt im Netz: thepoetryproject.de

Wuppertals Oberbürgermeister Andreas Mucke gab bei der Preisverleihung im Sparkassenforum den Gedichten seine Stimme, und so, wie er sie vortrug - sich als Vortragender zurücknehmend und die Gedichte in den Mittelpunkt stellend -, konnte sich die Poesie dieser Gedichte frei entfalten. Er sagte später im kleinen Kreis: „Das war ein Statement.“ Das war es. Ob es ein politisches oder poetisches Statement war, sagte er klugerweise nicht. Denn die Gedichte sprechen für sich selbst, niemand muss sie politisch instrumentalisieren. Denn das zu tun, würde sie beschädigen. Poesie ist sui generis eminent politisch. Selbst die konkrete Poesie. Oder gerade sie? Wie sehr, das zeigte sich erst jüngst beim Entschluss der Berliner Alice Salamon

Heiner Bontrup

Preisverleihung: Ghani Ataei, Yasser Niksada, Kahel Kaschmiri und Wuppertals Oberbürgermeister Andreas Mucke, The Poetry Project, Foto © Rottkay

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Denkerei, seit 2011 am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg.

ErnteDENKfest – Denn Denken heißt Danken

Foto: QART, Stefanie Hierholzer und Ulrich Klaus

Aktion mit Bazon Brock, Joachim Baur, Max Frey und Martin Schwarz in der Denkerei Berlin, 28. Oktober 2014, Foto: Stefan Wilke

Totgesagte leben länger Das Werk des Künstlerphilosophen Bazon Brock

Mitten in Kreuzberg gibt es einen Ort, der diese alte Volksweisheit bezeugt. Im Dezember 2011 öffnete die Denkerei, das „Amt für Arbeit an unlösbaren Problemen und Maßnahmen der hohen Hand“, ihre Pforten, im Oktober 2017 dämmerte dann das Ende am Horizont. Der Mietvertrag war gekündigt, die Rechte am Institutsnamen hatte sich ein ausgebuffter Zeitgenosse unbemerkt gesichert, die Ära des Bazon Brock am Oranienplatz schien sich in ihren letzten Zügen zu befinden. Doch der emeritierte Professor für Ästhetik an der Universität Wuppertal wäre nicht jener streitbare Denker im Dienst, der er ist, wenn er sich nicht zu wehren wüsste. Öffentlichkeitswirksam erstritt er sich das Namensrecht für seine Denkerei zurück und sicherte ihr Weiterbestehen noch bis mindestens Ende 2018. Kreuzberg dankt es ihm, denn dem ohnehin schon bunten Kiez steht ein Ort, an dem Kunst und Wissenschaft derart symbiotisch miteinander verquickt werden, gut zu Gesicht. Was ist das für ein komischer Name, Bazon? Bereits zu Schulzeiten musste der Knabe Brock auf Fragen dieser Art Antwort geben, denn der Legende nach sorgte sein Ober-

studiendirektor höchstpersönlich dafür, dass ihm jener griechische Beiname verpasst wurde. Eine wohlwollende Übersetzung hierfür könnte sein: derjenige, der etwas zu sagen hat. Eine etwas weniger wohlwollende hingegen lautet einfach: der Schwätzer. Doch mit Schmähnamen hat das Urgestein der deutschen Kulturlandschaft kein Problem. Vielmehr baut er sie genüsslich in den eigenen Nimbus mit ein, und so sammelten sich über die Jahre Titel an wie: Pop-Prophet, Lehrer der Nation oder Deutschlands schönster Dichter. „Republikanische Schönheit“ und sophistische Überwältigungsrhetorik, das sind zwei klassische Vorwürfe von Antiintellektuellen, doch während Brock Vorwurf eins getrost unkommentiert stehen lässt, demonstriert er zu jeder Gelegenheit, was es mit dem vermeintlichen Hang zum Schwatz auf sich hat. Als Polemosoph (Polemiker) wird er nicht müde, eine rhetorische und denkerische Technik am Leben zu erhalten, die heutzutage weitestgehend als verpönt gilt: Polemik als Streitmittel. Wobei dies nicht als unsachliche Pöbelei gemeint ist, sondern ganz im Sinne des antiken Konzepts des polemos: ein scharfer, aber konstruktiver Meinungsstreit. Wie ein solcher aussehen kann, stellt Brock immer wieder in seiner Denkerei dar, wo es dementsprechend hitzig zugehen kann; nicht jeder verlässt die Abende als Sympathisant. Wer hier jedoch einmal freundschaftliche Bande ge59


Ausstellung „12 Grundformen des verlassenen Bettes“ in der Denkerei Berlin, 2012. Foto: Stefan Wilke

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knüpft hat, der ist für gewöhnlich einen Bund fürs Leben eingegangen. So erfüllte sich in der Denkerei z. B. die langjährige Freundschaft mit dem Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich und der Künstlerin Stephanie Senge, mit denen Bazon Brock 2006 die Veranstaltungsreihe der Asketen des Luxus ins Leben gerufen hat. Die Grundsteine seines performativen Denkstils legte Brock bereits in den 60er-Jahren mit den documentaBesucherschulen und durch seine Action Teachings, so z. B. während des legendären 24-Stunden-Happenings in der Wuppertaler Galerie Parnass. Gemeinsam mit Künstlergrößen wie Joseph Beuys, Nam June Paik, Charlotte Moorman und Wolf Vostell beteiligte sich der junge Brock – die Veranstaltung weitestgehend im Kopfstand bestreitend – maßgeblich an der Miterfindung dessen, was uns heute als Fluxus- und Reflux-Bewegung bekannt ist. Nicht umsonst nannte Brocks langjähriger Freund und Denkerei-Aktivist Peter Sloterdijk ihn einmal den „PerformancePhilosophen der Massentherapie“. Wer 24 Stunden lang Kunst macht, muss das Thema Schlaf wohl oder übel zur Seite schieben. Das sieht mehr als 50 Jahre später ein wenig anders aus, und so wurde die kulturgeschichtliche Bedeutung des Schlafes im letzten Jahr zum inhaltlichen Schwerpunkt einer Reihe von Vorträgen in der Denkerei, begleitet durch die Ausstellung der Künstlerin Silke Rehberg mit dem Wandfries Schlafender. 2012 standen schon einmal Betten in der Denkerei, im Rahmen der Ausstellung 12 Grundformen des verlassenen Bettes mit dem Hamburger Künstler Simon Waßermann.

Wir lieben Stauden aus aller Welt

Auch 2018 hat die Konzentration auf Gegenstandsbereiche Konjunktur, die etwas abseits des feuilletonistischen Mainstreams liegen, aber gerade deshalb auch verloren gegangene Denkfelder eröffnen. So beginnt im März eine neue Reihe zur Einheit von Glauben und Wissen, zu der Philosophen, Soziologen, Kulturwissenschaftler und Theologen Vorträge halten werden. Und wer wäre besser geeignet, diesen Themenkosmos auf unsere Gegenwart zu applizieren, als ein offiziell ernannter Professor für Prophetie wie Bazon Brock? Schließlich laufen laut Brock alle geschichtswissenschaftlichen Ambitionen, die der Mensch an den Tag legt, ohnehin nur auf das eine Ziel hinaus, Aussagen über die Zukunft treffen zu können. So begibt er sich in die Position des „Lobbyisten für die Toten“, um in deren Hinterlassenschaft zu lesen, denn: „Vergangenheit ist das, was nicht vergeht.“ Da ist es wieder, das Wortkünstlertum, welches dem Philosophen gern als Sophisterei angekreidet wird. Doch der Autor von Sätzen wie: „Der Tod muss abgeschafft werden, diese verdammte Schweinerei muss aufhören,“ kann gelassen in die Zukunft blicken. Von Abschaffung kann zwar noch keine Rede sein, aber seine totgesagte Denkerei steht weiterhin an Ort und Stelle. Gleichzeitig ist Brock beständig im Namen der Denkerei mobil unterwegs, in Wuppertal z. B. mit regelmäßigen Veranstaltungen im Literaturhaus oder in der Galerie Grölle pass:projects. Leider kann die Volksweisheit keine Auskunft über die genaue Dauer des längeren Lebens geben, aber wenn es jemanden gibt, der für die Zukunft gewappnet ist und frühzeitig reagiert, dann ist das Deutschlands einziger philosophischer Prophet. Lisa Schmidt-Herzog

Anja Maubach

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Foto: Jens Grossmann

Grabowski und die lange, schmale, seltsame Aktionistenstadt Als kulturpolitischer Reporter spricht Peter Grabowski über künstlerische Freiräume für Transformationen Gut informiert, scharfsinnig und humorvoll: Die Kunstund Kulturszene Wuppertals kennt den kulturpolitischen Reporter Peter Grabowski seit vielen Jahren. Der Journalist moderiert landes- und bundesweit kulturpolitische Diskussionen, arbeitet für den WDR-Hörfunk, schreibt für Fachmagazine und in seinem eigenen Blog*. Im vergangenen Jahr war er Gast beim monatlichen Jour fixe von „Freies Netz Werk Kultur e. V.“, dem Zusammenschluss vieler Künstlerinnen, Künstler und Kulturschaffender in Wuppertal. Er sprach dort über das Kulturfördergesetz NRW und die komplexen Zusammenhänge von Kunst, Kultur, Politik und Staat. Mit Verweis auf den im Wuppertaler Bundestagswahlkampf viel zitierten Satz „Demokratie ist keine Zuschauerveranstaltung“ rief er die Kulturakteure zum Einmischen in die Politik auf, damit sie die Rahmenbedingungen für Kunst und Kultur selbst aktiv mitgestalten. In unserem Interview befragt die Dramaturgin Uta Atzpodien den 50-Jährigen mit Wohnsitz am Zoo auch nach der Bedeutung Wuppertals für seine Arbeit und ihn persönlich. 62

Uta Atzpodien: Du bist als kulturpolitischer Reporter in ganz Deutschland unterwegs und in vielen Medien präsent. Was macht deine Arbeit aus? Peter Grabowski: Kulturpolitik bedeutet für mich permanente Grenzgängerei zwischen den journalistischen Sparten Kultur und Politik. Politikjournalisten zucken zurück, wenn es um Kultur geht: Für sie riecht das nach Feuilleton und ist eher fremd. Feuilletonisten haben einen ähnlichen Reflex, wenn das Wort Politik auftaucht, nur in die umgekehrte Richtung: Politiker gelten als Leute, „die immer alles kürzen und alles schließen“, und es gibt die weit verbreitet Ansicht, dass der Staat Kunst und Kultur für andere Zwecke als sie selbst vereinnahmen will. Anders als zum Beispiel in der Wirtschafts- oder Verteidigungspolitik gibt es keinen richtigen kulturpolitischen Fachjournalismus. Wir sind deutschlandweit vielleicht zwei Hände voll Kolleginnen und Kollegen, ich selbst bin da vor neun Jahren eingestiegen. Zunächst ging es dar-


um, fundierte Expertise zu bekommen, also gesetzliche, philosophische, kulturelle Grundlagen; dazu dann Leute kennenlernen und Netzwerke aufbauen. Es gibt ja nicht so was wie ein Organigramm der deutschen Kulturpolitik man muss sich die Akteure und Institutionen mühevoll zusammensuchen. Vor allem die wirklich interessanten Menschen, die einem viel über Mechanismen, Hintergründe, Funktionen erzählen können. Die kennt in der Öffentlichkeit kaum jemand, weil sie in der zweiten oder sogar dritten Reihe von Ministerien sitzen, in regionalen Verwaltungen und natürlich den Parlamenten. Du kommst aus Wuppertal. Spielt deine Herkunft eine Rolle in deiner Arbeit? Wenige Großstädte in Deutschland sind beim ersten Hinsehen so unattraktiv wie Wuppertal. Aber immer wenn ich Besuch habe, der die Stadt nicht kennt, fahre ich mit denen herum, und irgendwann sagen sie dann verlässlich: „Das ist ja unheimlich hübsch hier, hätte ich nicht gedacht.“ Ich antworte dann: „Und wir suchen uns die Leute sehr gut aus, denen wir zeigen, wie schön unsere Stadt ist. Wir wollen nämlich nicht, dass jeder bleibt.“ Natürlich ist das ein Scherz. Andererseits denke ich: Das ist eben keine Stadt für Leute, die von Ästhetik auf den ersten Blick überrollt werden wollen. Und deshalb warten wir woanders auch lieber den zweiten oder dritten ab – viele Reize erkennt man überhaupt erst dadurch. Und das könnte schon auch mit meinen beruflichen Entscheidungen zu tun haben, nicht nur für die Kulturpolitik. Ich habe mich immer weniger für Sachen interessiert, auf die andere Leute sofort anspringen, sondern mag mehr, was sich auf den zweiten, vielleicht aber sogar erst auf den fünften Blick als attraktiv erweist – und es dafür lange bleibt. Heißt das: Du bist neugierig? Ich bin überhaupt nicht neugierig – aber ich bin wissbegierig. Vielleicht bin ich sogar noch mehr verstehensbegierig: Ich möchte gerne Dinge verstehen. Ich möchte verstehen, wie das funktioniert, was man sieht. Und das sollte ja auch eine journalistische Kernkompetenz sein: Dinge verstehen zu wollen, sie einzuordnen und erklären zu können, wie sie funktionieren. Allein zu sagen, dass es regnet, ist ja noch lange kein guter Wetterbericht. Ich wünsche mir, dass meine Hörerinnen und Hörer, Leserinnen und Leser verstehen, wie „die Kultur“ in Deutschland aufgebaut und strukturiert ist: die Institutionen, die Künstlerszene, die Förderung. Wie und nach welchen Regeln funktioniert das alles? Ein Beispiel: Deutschland ist

ein Theaterland, mit einer einzigartigen Dichte von Einrichtungen und Akteuren, die es woanders auf der Welt so nicht gibt. Warum wird bis hin zur UNESCO in New York geglaubt, das sei so schützens- und erhaltenswert, dass es zum immateriellen Kulturerbe gemacht wird? Weil Theaterspielen eine sehr besondere und unheimlich produktive Form des menschlichen kulturellen Ausdrucks ist. Du lebst und arbeitest über 30 Jahre in Wuppertal, hast viel mitbekommen und verfolgt. Was macht für dich die besondere Kunst- und Kulturszene aus? Du hast eben vom zweiten Blick gesprochen, der uns hier so eigen ist. Es gab 1990 in der Musikzeitung Spex mal eine Art ClubLandkarte. Damals war hier die Beatbox ein bedeutender Club, nicht nur für Wuppertal, sondern für ganz Deutschland. Jede Stadt auf dieser Karte war mit einem Art Slogan versehen, und für Wuppertal stand da: „Lange, schmale, sehr seltsame Aktionistenstadt.“ Das ist eine der besten und treffendsten Beschreibungen, die ich bis heute kenne. Dieser Spirit hat die Elberfelder und Barmer schon die Schwebebahn bauen lassen, ein wirklich mal visionäres Projekt. Es gab hier das erste Planetarium in Deutschland. Und ausgerechnet der Kapitalistensohn Friedrich Engels hat mit Karl Marx zusammen die dritte große europäische Gesellschaftslehre nach dem Katholizismus und dem Protestantismus entwickelt, den Kommunismus. So eine „lange, schmale, sehr seltsame Aktionistenstadt“ ist die Stadt auch kulturell. Nur wenige deutsche Dichterinnen sind wirklich weltberühmt, eine davon kommt aus Wuppertal: Else Lasker-Schüler. Schillernd war sie und stammte aus dem verrückten Elberfeld. Sie hat wunderbare Gedichte geschrieben über diese Stadt mit ihren bröckelnden Zähnen, den vielen Treppen. Es ist auch nicht verwunderlich, dass eine gebürtige Solingerin in Wuppertal das Tanztheater erfunden hat. Letztes Jahr war ich beim Weltgipfel der staatlichen Kunst- und Kulturförderinstitutionen auf Malta. Da fragen einen Leute aus Chile, Äthiopien oder Tuvalu, wo man herkommt. Sagt man Wuppertal, bekommt man – es sind ja Kulturleute – zur Antwort: „Pina Bausch, geil!“ Auch das Herz des Free Jazz schlug mal in Wuppertal. Was macht diese Aktionistenstadt aus, die so wundersame und eigentümliche Künstlerpersönlichkeiten wachsen und gedeihen lässt? In einer richtigen Metropole ist im künstlerischen Bereich das Angebot so breit, dass viele Ideen gar nicht weiter verfolgt werden, viele Leute sich gar nicht durchsetzen können, weil sie im Getriebe des starken Wettbewerbs schnell untergehen. Dagegen ist das Wuppertal von heute im po63


sitiven Sinne Provinz. Christian Boros hat mal gesagt, dass er vielleicht nie der Werber - und ich füge hinzu: vielleicht auch der Kunstsammler - geworden wäre, der er ist, wenn er sich nicht in Wuppertal hätte entwickeln können. Diese Stadt hat einen Phantomschmerz wegen ihrer verloren gegangenen früheren Bedeutung, aber dieser Niedergang hat für ziemlich gute Entwicklungsmöglichkeiten in der Gegenwart gesorgt. Hier ist alles ein bisschen ungeschliffen, und es schaut auch nicht jeder jede Woche vor aller Öffentlichkeit darauf: Was macht der für Musik, was malt die für Bilder, was tanzt der so? Das sorgt für Freiräume und große Vielfalt. Wir waren ja lange Zeit die Stadt in Deutschland mit den meisten verschiedenen Religionsgemeinschaften. Und in so einem engen Tal kann man sich halt nicht gut aus dem Weg gehen, also haben die Menschen gelernt, miteinander zu leben. Das bedeutet aber auch, dass jeder sein Ding machen kann, und diese Akzeptanz ist ein sehr guter Humus für künstlerischen Ausdruck. Hier findet auch keiner Künstler seltsam, weil ja eh alle ein bisschen seltsam sind. Und ein paar Seltsame mehr oder wenige fallen dann gar nicht weiter auf. Es existieren demnach Freiräume, die notwendig sind, um so eine Seltsamkeit und etwas Eigenes zu entwickeln. Ein idealer Ort für Kunstproduktion ist es deshalb aber ja noch nicht. Was braucht diese Kunst- und Kulturszene hier, ohne dass dieses Eigentümliche dabei verloren geht? Ich habe am Tiefpunkt des Wuppertaler Sprechtheaters vor Jahren mal dafür plädiert, das Schauspiel - nicht das Schauspielhaus, sondern die Schauspielsparte - zuzumachen. Die Frage war für mich damals: Brauchen wir wirklich zwischen Düsseldorf, Bochum, Essen und Hagen hier noch ein Stadttheater, das leider kaum besucht wird? Man hätte als Stadt Wuppertal ja sagen können: Das Geld sparen wir gar nicht bei der Kultur ein, sondern nehmen es, um stattdessen in Wuppertal die Freie Szene zu etwas ganz Besonderem zu machen. Von den frei werdenden zwei Millionen Euro hätte man eine Million auf den künstlerischen Opernetat draufpacken und die andere Million Frau Heigermoser vom Kulturbüro für eine echte Förderung der Freien Szene geben können. Jedes Jahr eine Million Euro extra - damit wäre hier in kürzester Zeit die Hölle los gewesen, im positiven Sinne. Und mal ganz grundsätzlich: In der Wahrnehmung von kulturaffinen Menschen - besonders aber von Künstlerinnen und Künstlern selbst - wird immer nur gekürzt, gestrichen und geschlossen. Das ist aber de facto nicht wahr: 64

Wir geben als Staat sogar immer mehr Geld für Kultur aus. In den letzten zehn Jahren sind die Kulturausgaben inflationsbereinigt um fast 15 Prozent gestiegen. Dennoch ist die öffentliche Wahrnehmung, die Kultur sei auf dem Rückzug - und das stimmt nicht. Wohin gehen die Gelder? Kultur ist ein Personalbetrieb, die Gelder gehen immer zu fast 90 Prozent in Menschen. Die Frage lautet, ob sie mehrheitlich die Künstler erreichen. Außerdem werden sicherlich die Hälfte aller zum Kulturbereich zu rechnenden Veranstaltungen von freien Künstlerinnen und Künstlern gemacht. Die bekommen aber nicht mal fünf Prozent der staatlichen Kulturförderung. In allen Landesverfassungen steht, dass die Bundesländer verpflichtet sind, die Kultur zu schützen, zu pflegen und zu fördern - da besteht für mich ein eklatantes Missverhältnis zwischen staatlichen Kulturangeboten und denen der Freien Szene. Ich glaube nicht, dass wir im 21. Jahrhundert ein Theatersystem des 19. Jahrhunderts einfach so weiterführen sollten. Diese Struktur ist in einer völlig anderen staatlichen Verfassung entstanden. In einem anderen kulturellen Wettbewerb und in anderen künstlerischen Ausdrucksformen. Vor Schallplattenaufnahmen, Radio, Fernsehen, Internet, Mobilfunk. Nur unser System der Kulturangebote ziehen wir mit Scheuklappen durch. „Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab“, sagte einst ein Indianerstamm. Wuppertal ist 2016 als Transformationsstadt proklamiert worden. Welche Rolle spielen dafür Kunst und Kultur? In der Stadt ist aktuell das Pina Bausch Zentrum ein großes Thema, auch auf Landes- und Bundesebene. Könnte das Schauspielhaus ein Ort sein, an dem Transformation über die breite Kunst- und Kulturszene geschieht? Wenn das Internationale Pina Bausch Zentrum - so progressiv wie einst die Schwebebahn und der Sozialismus in der Zukunft zu einem europäischen Modell für städtische Kulturorte werden könnte, wäre ich in 20 Jahren ein noch stolzerer Wuppertaler. Diese Stadt braucht im besten Oldenburg‘schen Sinne einen „Dritten Ort“, der die Idee des Kulturzentrums für das 21. Jahrhunderts noch mal neu definiert: Vom Probenzentrum für internationale Tanzproduktionen bis zum Makerspace für die nächsten durchgeknallten Künstlerinnen und Künstler, die wir noch gar nicht haben. Wir hinken in der Entwicklung künstlerischer Ausdrucksformen der technischen Entwicklung weit hinterher: Neue Generationen wachsen in einem digitalen sozialen Lebensraum auf, der künstlerisch noch überhaupt


nicht besetzt ist. Lasst uns hier doch mal was machen, was es einfach noch nirgendwo gibt. Wenn wir die Strukturen im Sozial-, Arbeits- oder auch Stadtentwicklungsbereich in Wuppertal transformieren wollen, warum nicht auch die Kulturstrukturen? Warum packen wir als Stadt Wuppertal nicht mal wieder was Großes und Verrücktes an: einen Ort, wo sich über alle Kunstund Sparten hinweg die Beklopptesten der Bekloppten wohlfühlen und austoben können. Wo genau das gemacht wird, was nicht schon die anderen Städte und Szenen auch alle machen. „Keiner wie wir“, sagt die bergische Region über sich selbst. Dann lasst uns doch auch anders sein! An der Debatte, die um das Pina Bausch Zentrum geführt wird, merkt man aber leider, wie rückwärtsgewandt viele noch sind. Die träumen davon und kämpfen sogar dafür, dass das wieder ein Schauspielhaus wird. Aber diese Stadt braucht kein Schauspielhaus mit 600 oder 700 Plätzen. So viele Leute gehen schon seit mehr als 30 Jahren nicht mehr dauerhaft in unser Sprechtheater. Das kann man schade finden, aber man muss es doch mal zur Kenntnis nehmen – hier geht‘s nicht zuletzt auch um unser aller Steuergelder. Freiraum für Transformation heißt dann, mit dieser Wesenheit von Wuppertal weiterzumachen und möglichst verrückt was ganz Eigenes auf die Beine zu stellen? Jedenfalls heißt es, auch die Idee des Kulturtempels - ob Opernhaus, Schauspielhaus, Museum oder Bibliothek - zu transformieren und zu sagen: Wir machen aus diesen zentralen Plätzen im Herzen der Stadt derart kreative, überschäumende, auch überschwängliche Orte, wie es sie nirgendwo in Nordrhein-Westfalen gibt. Dieses Bundesland zählt ja zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt. Wir haben die schicke Hauptstadt Düsseldorf, die Millionenstadt Köln, das fünf Mal größere Ruhrgebiet mit den Industriekulturdenkmälern. Und dazwischen sind wir hier: die etwas komischen Kinder des Landes. Genau das sollten wir pflegen, anstatt immer so sein zu wollen wie die anderen. Das Label der „langen, schmalen, sehr seltsamen Aktionistenstadt“ könnten wir noch viel klarer rausarbeiten, wenn wir vor allem den durchgedrehten Kram machen, mit dem keiner rechnet. Wir schauen nicht rechts und links, wir machen unser Ding. Und immer, wenn wir denken: „Ist das nicht doch zu verrückt?“, genau in dem Moment ist es noch nicht verrückt genug. Das wäre ein originäres Ziel für unseren Transformationsprozess im Wettbewerb der Städte – und wirklich jede und jeder könnte stolz darauf sein.

Brauchen wir Geld dafür? Und wie kann eine Unterstützung von kommunaler, Landes- und Bundesebene für die freie Kunst- und Kulturszene aussehen? Geld braucht man immer - aber Geld folgt auch immer den Ideen, nicht umgekehrt. Wenn man Kunst machen will, muss man stets überlegen, wie man sie realisiert – auch als Staat. Ich habe zur Bundestagswahl mal in einem Artikel fünf Ideen für eine neue Bundeskulturpolitik skizziert. Eine davon war, dass 2 500 Künstlerinnen und Künstler für jeweils eine Legislaturperiode, also über vier Jahre, jeden Monat 2 500 Euro vom Bund bekommen. Und die nächsten vier Jahre kriegen das andere 2 500 Künstler. Das wäre ein super Kulturförderprogramm, das ähnlich wie die Individuelle Künstlerförderung funktioniert. Was brauchen Künstlerinnen und Künstler? Die Möglichkeit, sich realisieren zu können, einen Raum - oder Räume - und Zeit. Wenn man sich als Künstler vier Jahre lang um seine materiellen Grundlagen keine Sorgen machen muss, hat man Zeit und Gelegenheit, etwas zu machen. Das würde einen Output befördern, für Wettbewerb sorgen, Anstoß und Motivation für andere sein. Kulturpolitisch könnte etwas Neues initiiert werden. Und Freiräume dafür gibt es ja gerade hier in Wuppertal noch ausreichend. In Köln oder Düsseldorf kannst du dir dagegen als nicht prominenter Künstler schon lange kein Atelier mehr in der Stadt leisten. Man darf sich allerdings nichts vormachen: „Der Junge auf dem weißen Pferd“, hat Marius Müller-Westernhagen schon vor fast 40 Jahren gesungen, „der kommt nicht mehr.“ Und da kommt deshalb auch keiner, der plötzlich unheimliche Gelder für die Kultur nur in Wuppertal mitbringt. Uta Atzpodien *Peter Grabowskis Blog: derkulturpolitischereporter.wordpress.com

Foto: Jens Grossmann

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Rita Paul vor einer ihrer Arbeiten in der Bar des Washington Square Hotels

Rita Paul und das Washington Square Hotel Als sich die Wege von Rita Paul und dem Washington Square Hotel 1973 kreuzten, konnten beide bereits auf eine längere Geschichte zurückblicken. Rita Paul war Mitte der 1920er-Jahre in Berlin zur Welt und in den 1930er-Jahren mit ihrer Familie nach New York, genauer gesagt nach Brooklyn, gekommen. Die erweiterte Familie betrieb ein florierendes Bauunternehmen, das sich in den 1950er-Jahren unter anderem der Errichtung von Wohnheimen für ältere Mitbürger zuwandte und – als die Mode dafür ein wenig abflaute – eines der gebauten Objekte in ein Hotel umwandelte. In Manhattan Beach, also östlich von Coney Island und Brighton Beach, konnte man zwar nicht mehr an den Glanz viktorianischer Zeiten anschließen, doch immerhin das Objekt noch gewinnbringend verkaufen und sich weiteren Projekten, nun auch 66

welchen in Manhattan, zuwenden. Weil die Kernexpertise des Familienunternehmens in Bau und Instandhaltung größerer Objekte lag, bot sich vor allem der Erwerb von Hotels mit größerem Investitionsstau an, den man abarbeitete, um es dann entweder selbst zu betreiben oder aber zu verkaufen. So weit der Familienbetrieb, auf den sich Rita erst später einließ. Zunächst, in den späten 1940er-Jahren, studierte sie als eine der wenigen Frauen Illustration am Hunter College auf der Upper East Side in Manhattan und arbeitete eine Weile vor allem für Modejournale. Sie habe, so sagt sie, neben Ehe und Kinderkriegen immer Kunst machen wollen, aber eben angewandte Kunst, weshalb sie


Pariser Charme: Die Handläufe kommen aus einem Antiquitätengeschäft am Place des Vosges

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auch nie den Zugang zur regelrechten Kunstszene oder zu Kunstgalerien gesucht hätte. Verschiedenen Genres der Malerei – besonders Porträt und Stillleben – habe sie sich in enger Zusammenarbeit mit entsprechenden akademischen Lehrern systematisch genähert und vor allem durch Kontakt mit Modellen genug lernen können, sodass sie das Licht öffentlicher Ausstellung ihrer Arbeiten nicht scheute. Das Washington Square Hotel hatte als Apartment-Hotel namens „The Earle” bereits 1902 das Licht der Welt erblickt, benannt nach dem Grundstücksbesitzer Earle S. L’Amoureux. Auf der neun Meter breiten und 35 Meter tiefen Parzelle am Waverly Place war zunächst ein Gebäude mit acht Stockwerken errichtet und in der Tradition eines französischen Hôtel de ville betrieben worden, also als Unterkunft für wohlhabende Menschen aus dem Umland, die sich, aus welchen Gründen auch immer, für ein paar Tage in der Stadt aufhielten. Der Betreiber ließ dann rasch das unmittelbare Nachbargrundstück links neben dem Hotel dazukaufen, darauf spiegelsymmetrisch das Hotel Earle zu einem dann 18 Meter breiten Gebäude erweitern und das Ganze 1912 noch um eine Etage aufstocken. Das Earle war mit den seinerzeit üblichen Attributen von Luxus und Bequemlichkeit ausgestattet. Es gab einen Personenaufzug, Zentralheizung, fließend warmes Wasser, eine Telefonanlage im Haus mit direkter Verbindung zur zentralen Küche und für jede Wohneinheit einen sogenannten „dumb waiter”, also einen Speiseaufzug. Reichtum und Schönheit gesellte sich gelegentlich auch Interessanz hinzu. So soll den Annalen zufolge Ernest Hemingway unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Earle logiert haben. Richtig „bohemian” und entsprechend heruntergekommen war das Earle dann nach dem Zweiten Weltkrieg. Als der walisische Dichter und Alkoholiker Dylan Thomas Anfang der 1950er-Jahre wegen nachhaltiger Unbotmäßigkeit aus dem Beekman Tower Hotel flog und sich eine neue Bleibe in Laufweite zu seinen Lieblingskneipen suchen wollte, fiel seine Wahl zunächst auf das Earle und erst später auf das weitaus berühmter werdende Chelsea Hotel. In einem Brief an seine Eltern beschrieb er den Washington Square und das umliegende Greenwich Village als das Künstlerviertel der Stadt, ein Viertel, das mit seinen vielen Cafés und Kneipen bald darauf ein Zentrum der Beatgeneration und nachfolgender künstlerischer Wellen werden sollte. In den Übernachtungslisten des Earle tauchen entsprechend in den 1960er-Jahren Namen wie Bob Dylan auf, der seinen Künstlernamen bekanntlich zu Ehren des 1953 verstorbenen Dylan Thomas gewählt hatte, Namen wie Bo Diddley, Maynard Ferguson, The Rolling Stones und Joan Baez. 68

Letztere verewigte das Hotel mit einem Vers in „Diamonds & Rust”, einem Song über Bob Dylan: „Now you’re smiling out the window of that crummy hotel over Washington Square”. „That crummy hotel”, das verranzte Earle Mitte der 1960erJahre, war im November 1974, also zum Zeitpunkt, an dem Joan Baez ihre Beziehung mit Bob Dylan in einem Song beschrieb, gerade durch ihre neuen Besit zer Rita und Daniel Paul frisch renoviert und in Washington Square Hotel umbenannt worden. Die Pauls glaubten an das Potenzial des Standorts, wenngleich die Stadt New York eigentlich pleite und die heute den Washington Square beherrschende New York University (NYU) bis 1973 noch weitgehend auf ihrem University Heights Campus in der Bronx zurückgezogen war. Mit der Verlagerung der NYU begann allerdings Mitte der 1970er-Jahre ein ökonomischer Aufschwung um den Washington Square herum, der bis heute anhält und sich wegen der explosionsartig gestiegenen Wohnkosten im Einzugsbereich nicht nur Freunde macht. Aber zurück zu Rita Paul und ihrer durch Aufenthalte in Frankreichs Hauptstadt gefestigten Überzeugung, dass ein Hotel in unmittelbarer Nachbarschaft zum deutlich an den Arc de Triomphe erinnernden Washington Square Arch wie ein Hotel in Paris aussehen und Stilelemente sowohl des Art nouveau als auch des Art déco enthalten müsse. Und die an den Standort in Amerika gemachten Konzessionen sollten bitteschön an den schwarzweißen Glamour der späten Stummfilmzeit oder vielleicht noch die frühen 1930er-Jahre erinnern. Es begann allerdings viel weniger spektakulär, als es vom Ergebnis her scheint. Rita Paul machte sich bei der Renovierung des Hotels unter anderem daran, die Wegweiser zu den Zimmern auf den Hotelfluren künstlerisch ansprechender zu gestalten. Als Maluntergrund wählte sie unglasierte, quadratische Kacheln, die sie bemalte und in einem kleinen Töpferofen glasierte. Zu den Wegweisern kamen bald rein dekorative Elemente hinzu, dann aus mehreren Kacheln zusammengesetzte Motive, nach fotografischen Vorlagen gefertigte Porträts von HollywoodStars, eine an Gustav Klimt angelehnte Arbeit und zuletzt auch ein entfernt an Amadeo Modigliani erinnernder „Liegender Akt” für das North Square, die Hotelbar. Über die Jahre ist da einiges an Malerei zusammengekommen, und zusammen mit einer ebenfalls von Rita Paul sorgfältig zusammengestellten Innenausstattung ist ein stilistisch sehr ansprechendes Hotel entstanden, ein Hotel, das sich


Jazzbrunch im North Square

wohltuend von den Einrichtungen großer Ketten auf der einen Seite und von den derzeit sehr trendigen „Boutique Hotels” auf der anderen abhebt. Wie auch das Chelsea, das Roger Smith oder das San Carlos ist das Washington Square eines der letzten noch verbliebenen Hotels in Familienbesitz, mittlerweile geschäftsführend von der Tochter von Rita Paul, Judy Paul, und ihrem Mann Marc Garrett betrieben. Beide sind stolz auf die im Branchenvergleich überdurchschnittlichen 20 Prozent der Gäste, die als „returning guests” ein Zeugnis ihrer Zufriedenheit ablegen. Judy und Marc fürchten einen gegenüber dem Dollar schwachen Euro, denn fast die Hälfte der Gäste kommen aus Europa, und sie müssen sich mit dem Alltag von Hotelbetreibern rumschlagen, den Sorgen um steigende Personalkosten und die kaum vermeidbaren, gelegentlichen Stinkbomben auf sozialen Medien.

Baugeschichte: Das Earle in vier Bildern Stilelemente von Art nouveau, Art déco und Hollywood Glamour:

Rita Paul malt derweil – wenn auch aufgrund ihres beinahe schon biblischen Alters in nur noch eingeschränktem Umfang – heute noch und kommt auch jeden Tag von ihrer nahegelegenen Wohnung ins Hotel, vorwiegend in der Mittagszeit, um nach dem Rechten zu schauen.

Die Lobby des Washington Square Hotels

Stefan Altevogt (Text) und Karl-Heinz Krauskopf (Fotos), zwei Wuppertaler die sich hin und wieder in New York begegnen und Geschichten für „die beste Zeit“ erzählen. 69


Antonio Calderara, herausgegeben von Simona Ciuccio,

Frank Bowling – Mappa Mundi,

142 S., Leinen mit Schutzumschlag,

herausgegeben von Okwui Enwezor,

26,5 x 20 cm,

286 S., engl., Leinen mit Prägung,

Scheidegger & Spiess, 38,- €

29 x 23 cm, Prestel, 49,95 €

Neue Kunstbücher vorgestellt von Thomas Hirsch

Still, aber populär Solche Bilder kann man gar nicht abbilden! Die Farbfelder von Antonio Calderara sind so zurückhaltend und farblich nuanciert, dass jede Reproduktion zur Krücke des Sehens wird. Das Live-Erlebnis fand vor knapp einem Jahr im Kunstmuseum Winterthur statt, und zurück bleibt außer der Erinnerung eben doch das Buch. Immerhin, für den stillsten Künstler wurde einer der besten deutschsprachigen Verlage ausgewählt: Die retrospektive Monografie zum italienischen Maler ist bei Scheidegger & Spiess erschienen. Calderara (1903-1978) gehört zu den Vertretern der europäischen Farbfeldmalerei. Einer, vor dessen Bildern man die Stimme senkt. Dabei ist das Werk von Antonio Calderara bis heute im Gespräch, auch über die Verehrer und Sammler hinaus und trotz der kleinen Formate, der Schlichtheit der konstruktiven Ordnung und eben des Schwierigen der Reproduzierbarkeit. Calderara hat seine Bilder mit Ölfarben auf Holztafeln gemalt, die kaum über eine Kantenlänge von 30 cm hinausgehen und zum Quadrat tendieren. Wichtig für Calderara, der figürlich begonnen hat, sind landschaftliche Erfahrungen am Lago d‘Ameno, wo er – mit Unterbrechung – die meiste Zeit seines Lebens verbracht hat. Calderara malt zig Schichten übereinander, die, von Licht durchzogen, als hauchfeine Substanzen wahrgenommen werden. Eine Sorgfalt, ja, Langsamkeit ist den Teilungen und dem Zueinander der Felder in der Fläche eigen, welche Calderara zu immer neuen Bildorganisationen geführt hat. All das sind nun Herausforderungen für den Buchdruck. Ganz wichtig sind hier die sich ergänzenden 70

Texte: Sie vermitteln eine Ahnung vom Wesen dieser Malereien. Jedes Bild wird hier, in dieser konzisen Werkschau, zum Ereignis: gut so! Ähnlich einmalig und verehrenswert sind die Malereien von Frank Bowling. Bowling, der 1934 in Britisch-Guyana geboren wurde und dort aufwuchs, ehe er nach London übersiedelte, ist ein „malerischer“ Maler. Er nutzt das Potenzial der Farben, des gestischen Auftrags und der Farbsubstanz als Materie. Seine jüngeren, teils monumentalen Bilder sind gegenstandsfrei, aus wahren Materialschlachten gewonnen und doch sorgsam organisiert. Die Farbsubstanz bleibt besonders in seiner Serie der „Map Paintings“ (1967-1971) zu erkennen, die einen Schwerpunkt der frisch erschienenen Monografie der Jahre 1960 bis 2015 im Prestel-Verlag bilden. Die Ausstellung im Münchner Haus der Kunst war seine erste größere hierzulande, und der Katalog vermittelt viel von der Genese, der Auseinandersetzung mit Figur und Farbe und dem Zusammenhang, der dahintersteht. Bowling, der in New York, wo er von 1967 bis 1983 lebte, und London, wo er seither tätig ist, längst berühmt ist, begann mit einer expressiven Figuration, die sich schon bald der Pop Art zurechnen lässt, sich aber damit nicht zufrieden gibt. Bowling arbeitet in den Bildgrund und aus diesem heraus. Die Farbigkeit ist erhitzt, das Bildgeschehen aufgewühlt, es scheint mitunter das ganze Universum zu komprimieren. Erstaunlich, dass es dem Buch auf feierliche Weise gelingt, dieses Klima zu vermitteln. Mit dem


Rueland Frueauf d. Ä. und sein Kreis, 216 S., Hardcover mit Schutzumschlag, 28,5 x 22 cm, Hirmer, 39,90 €

Werner Berges – 100+, 224 S., Hardcover, gebunden,

Der Meister von Meßkirch,

24 x 16,5 cm, Kerber, 36,- €

384 S., Hardcover, 28 x 24,5 cm, Hirmer, 45,- €

Seitenschnitt und dem Stoffbezug des Covers ist es fast schon ein Künstlerbuch. Leider nur auf Englisch erschienen, enthält es immerhin zahlreiche kunstkritische Texte von Bowling und eine ausführliche Biografie: Hoffentlich rückt es diesen temperamentvoll besonnenen Außenseiter auch in Deutschland ins Bewusstsein. Demgegenüber verbleibt die Malerei von Werner Berges auf und in der Fläche, ja, das ist Teil ihres Programms, welches sich der Pop Art in Deutschland zurechnen lässt. Berges (geb. 1941) gehört zu ihren Protagonisten und hatte als solcher schon frühzeitig Erfolg. Motiv ist immer die weibliche Frau bzw. deren Silhouette, die in Schablonen eingepasst oder konstruktiv zergliedert ist. Ein mitunter ornamentaler Farbgrund steigert das Klischeehafte der Darstellung – von daher kann die Perspektive von Berges als Kritik an der medialen Vereinnahmung der Frau verstanden werden. Wie sehr er seinem Konzept treu bleibt, zeigt das handliche, grundsolide Buch des Kerber Verlags, das flankiert von einigen frühen Gemälden eine 2017 entstandene Bildgruppe vorstellt. Erstellt mit Folie und Tusche auf Karton handelt es sich um hundert Werke – diese Menge war für Berges möglich, weil die Bilder einheitlich 24 x 16 cm klein sind. Sie spielen sein ganzes Vokabular durch, sind grell und bescheiden zugleich: Auch als PopArt-Künstler kann man Außenseiter bleiben. Die Kunst der Gotik und der Renaissance lässt sich ganz einfach, ohne Vorwissen, anschauen. Tatsächlich war diese Kunst ja nicht für einen luxuriösen Kunstmarkt gedacht, sondern für die Allgemeinheit, sichtbar in Kirchen und als visuelle Vermittlung von Altem und Neuem Testament. In handwerklicher Perfektion und mithin drastischem Realismus liegen eindrucksvolle Personenbeschreibungen und Handlungsszenarien vor. Weiterhin handelt es sich um

Andachtsbilder, mit einem vielleicht vergleichbaren meditativen Erlebnis wie bei den Malereien von Calderara. Albrecht Dürer war nicht das einziges Malgenie im deutschen Sprachraum des Spätmittelalters. Ein weiterer wichtiger Maler ist Rueland Frueauf, der im Salzburger Land tätig war. Es ist eine vertrackte Zeit: Das Mittelalter mit seinen Traditionen läuft aus, die Neuzeit mit ihrem Programm hat noch nicht begonnen. Aber die Überlegungen zum Fortschritt stellen sich kaum für Rueland Frueauf und seinen Kreis, zu dem neben seinem Sohn seine Werkstatt und von ihm angeregte unbekannte Künstler zu zählen sind. Sein Hauptwerk sind die acht Flügeltafeln des Salzburger Passionsaltars. Es liegt in der Natur des Historischen, dass die feine Monografie, die zur gerade zu Ende gegangenen Ausstellung im Wiener Oberen Belvedere erschienen ist, die Forschung und den Forschungsstand betont. Das geht allerdings zulasten der Werkabbildungen selbst. Rueland Frueauf war kein Erfinder, er hat sich der vorhandenen Bildprogramme und Figurentypen bedient, dies aber zu großer Meisterschaft geführt. Eindrucksvoll sind die Intensität des Ausdrucks der Figuren und die akribische Schilderung ganz eigener Physiognomien: fabelhaft! Ein halbes Jahrhundert später datiert der Meister von Meßkirch, dessen Tätigkeit in der Umgebung von Sigmaringen für 1520 bis 1540 nachgewiesen ist. Er ist beeindruckt von der sogenannten Donauschule und malt, als wäre er Schüler von Hans Baldung Grien. Seine Bildwelten sind von der Reformation geprägt, dazu zeigt er in seinen figurenreichen, szenisch arrangierten Darstellungen ungeschönte, markante Gesichter. Auch hier gehen die Malereien in den Textmengen und den Analysen der Zeit etwas unter. Die Intensität dieser Malereien aber lässt sich ohnehin nur im Original erfahren: Gerade die frühen Abteilungen der Museen sind ideale Orte der Andacht dem Bild gegenüber. 71


Paragrafenreiter

Kann ich mit Steuern auch Kunst finanzieren?

Hölle! Steuern sind langweilig! Und Steuerberater und Steuerfachassistenten erst! Und der Gipfel der Langeweile – das ist ja wohl der Finanzbeamte! Wohl kaum. Zumindest einen Finanzbeamten gibt es, für den ich gar nicht genug Werbung machen kann, weil er dem – natürlich unzutreffenden – Klischee des Finanzbeamten so gar nicht entspricht. Zunächst einmal besitzt er Selbstironie. Seinen eigenen Beruf beschreibt er so: Der Teufel kam pfeifend durch die Stadt, Tanzt’ fort mit dem Steuerbeamten, Die alten Weiber schrien wie toll: „Nun hat er ’nen alten Bekannten!“ Der kundige Leser bemerkt sofort: Finanzbeamter ist der Mann nicht aus innerer Notwendigkeit geworden, sondern schlicht und einfach, um seinen Lebensunterhalt – und den für seine 13 Kinder von fünf verschiedenen Frauen – zu verdienen. Ursprünglich hat er es mit Landwirtschaft versucht, was aber aufgrund mehrerer Fehlernten gleich zu Beginn seiner Landwirtskarriere schief ging. Dann hat er sich intensiver auf seine Poesie konzentriert, was zwar manchmal Ruhm, in den seltensten Fällen aber Geld bringt. Und zum Schluss musste er sich eben bei der Finanzbehörde bewerben.

te um Protektion an den örtlichen Gutsherrn: „Ich möchte zur Steuerbehörde. Mir wurde zugetragen, dass die Interessen Ihrer Lordschaft mir schnell zu einer Zustimmung des Kommissars verhelfen werden. Und die Unterstützung und Güte Ihrer Lordschaft, die mich schon vor Finsternis, Elend und Verbannung bewahrt haben, bestärkt mich darin, diesen Gefallen vorzubringen.” Er wurde eingestellt. Wenn auch erst, nachdem er noch eine kleine Zahlung geleistet und 14 Monate auf seine Bestellung gewartet hatte. Sein Arbeitsmaterial brachte er mit: ein Pferd und einen Rechenschieber. Aber er hatte, zum ersten Mal in seinem Leben, ein halbwegs komfortables Einkommen (mehr als ein Handwerker) und, auf den Ritten zu den verschiedenen Steuerpflichtigen, viel Zeit. Alt ist er nicht geworden, aber in den nächsten sieben Jahren als Steuereintreiber schrieb er wunderbare Gedichte: Naturbeschreibungen, Politisches, Pornografisches und mindestens einen Klassiker, den seither fast jeder Mensch der Welt einmal im Jahr singt. „For Auld Lang Syne.“ Mit 37 Jahren ist Robert Burns gestorben. Ja, er war Finanzbeamter, aber langweilig war er ganz sicher nicht. Susanne Schäfer

Dass er dort genommen wurde, ist allerdings erstaunlich. Einstellungsvoraussetzungen für den gehobenen Dienst waren nämlich, dass der Bewerber nicht älter als 30 ist (das schaffte er gerade so), nicht mehr als zwei Kinder hat (da lag er hoffnungslos drüber) und zwei Eide (einen auf den König, einen auf die Steuerbehörde) leistet. Das dürfte ihm schwer gefallen sein, im Grunde war er nämlich Revolutionär. Und Demokrat. Aber er hatte eben auch eine große Familie, und so bewarb er sich beim Steueramt, was eigentlich hieß, er schrieb einen unterwürfigen Brief mit der Bit72

Susanne Schäfer, Steuerberaterin Geschäftsführerin der RINKE TREUHAND GmbH


Kulturtipps AUSSTELLUNGEN: Von der Heydt-Kunsthalle Geschwister Scholl Platz 4-6, 42275 Wuppertal-Barmen So., 27. Mai bis So., 26. Aug. 2018

Thomas Wrede: Sceneries

Eröffnung: So., 27. Mai 2018 Thomas Wrede (geb. 1963 in Iserlohn) reflektiert die Sehnsucht nach Natur mit den Mitteln der Fotografie, und zugleich hinterfragt er die Wirklichkeitstreue von Fotografie. Er zeigt in seinen Aufnahmen die Welt als eine Art Modellbausatz, als eine große Inszenierung im kleinen Maßstab, irgendwo zwischen Idylle und Katastrophe.

Galerie GRÖLLE pass:projects Friedrich-Ebert-Straße 143e, 42117 Wuppertal Fr., 20. April bis So., 17. Juni 2018 JASON KAROLAK NY Argot DAN DEVENING Chicago Let me see a further thing Eröffnung: Fr., 20. April 2018, 19 Uhr Beide aus Amerika stammenden

Künstler betreiben eine abstrakte, konzeptionelle und analytische Malerei. Während Karolak seine Formsprache aus digitalen 3D-Programmen zu entnehmen scheint, die trotzdem das Originäre einer menschlichen Handschrift verkörpern, beschäftigt sich Devening in seiner Arbeit mit der abstrakten Kunst der Nachkriegsmoderne und entwickelt eine Art Hypermodernismus.

hauer gegenständliche Werke geschaffen und abstrahiert nun schrittweise seinen eigenen Fundus. Hierzu werden die Arbeiten zerlegt, archiviert, bearbeitet und schließlich zu neuen Plastiken. Die Ausstellung wird begleitet von Gesprächsrunden und ist zudem Grundlage einer neuen Publikation des Künstlers.

Hengesbach Gallery Vogelsangstraße 20, 42109 Wuppertal Mo., 6. März bis Fr., 4. Mai 2018

ungewiss

Gruppenausstellung Eröffnung: So., 4. März, 11.30 Uhr Nähere Infos siehe Seite 21

Neuer Kunstverein Wuppertal Hofaue 51, 42103 Wuppertal Fr., 16. März bis Sa., 5. Mai 2018

Ben Greber – Stilllegung

Eröffnung: Fr., 16. März 2018, 19 Uhr Die Ausstellung Stilllegung ist Ergebnis einer biografischen und künstlerischen Umgestaltung und Verwandlung. Ben Greber hat als Bild-

Daniela Baumann, Nie bringst du mir Blumen mit

DruckStock Ort für freie Grafik Friedrich-Engels-Allee 173

WUBA Galerie

Friedrich-Engels-Allee 174 Sa., 5. Mai bis Sa., 2. Juni 2018

Daniela Baumann

Dan Devening, Foto: Jürgen Grölle

Cross over B7 Eröffnung: Sa., 5. Mai 2018, 16 bis 19 Uhr Nur durch die B7 getrennt liegen die WUBA–Galerie von Brigitte Baumann und der DruckStock, Ort für freie Grafik, geführt von Ulrike Hagemeier, in Wuppertal-Unterbarmen. Sowohl die Malerei als auch die Druckgrafik der Solinger Künstlerin Daniela Baumann zeigen beide Ausstellungsmacherinnen in einem ersten gemeinsamen Projekt. 73


Café Hutmacher

Museum Morsbroich

im Mirker Bahnhof Mirker Straße 48, 42105 Wuppertal

Gustav-Heinemann-Straße 80, 51377 Leverkusen

Fr., 13. April bis So., 22. April 2018

Grafiketage So., 18. März bis So., 26. Aug. 2018 o

Christine Möbbeck

Eckehard Lowisch, Foto: Künstler

KunstStation im Bahnhof Vohwinkel Projekt Bürgerbahnhof Bahnstraße 16, 42327 Wuppertal Mo., 16. April bis Mo., 31. Dez. 2018

Ein Leben für die Kunst Eine Ausstellung des Nachlasses von Christine Möbbeck Eröffnung: Fr., 13. April 2018, 19 Uhr Die Bilder und Zeichnungen der Künstlerin werden auf Spendenbasis verkauft, dabei gehen 50 Prozent der Einnahmen an Utopiastadt und 50 Prozent an Naturefund e.V. (kauft Land für Natur).

Ins Blaue Kulturwerkstatt e.V.

Wolfgang Heitmann

Foto: Frank N

Leben und Werk Wolfgang Heitmann (1943-2015) war Pianist, Komponist, Musikpädagoge und Karikaturist. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl der grafischen Arbeiten, Film- und Tondokumente, Objekte und Kuriositäten eines vielschichtigen, kontroversen Menschen. Sa., 5. Mai bis Do., 31. Mai 2018 Ausstellung: Wolfgang Heitmann MKS Remscheid, Scharffstr. 7-9 Eröffnung: Sa., 5. Mai, 15 Uhr Mo. bis Fr. 15 bis 18 Uhr Führungen: 0176 24 73 52 06

galerie#23 Frohnstraße 3, 42555 Velbert-Lgb. Sa., 28. April bis So., 17. Juni 2018 Steffi Deparade-Becker und

Henri Deparade

Foto: Andreas Komotzki

Eröffnung: Sa., 28. April, 18 Uhr Malerei und Collagen

Galerie SK in den Güterhallen

Foto: Henri Deparade

Zeichen an der Wand Der türkisch-amerikanische Künstler Burhan Doğançay (1929–2013) fotografierte über einen Zeitraum von fünf Jahrzehnten in mehr als hundert Ländern Hauswände und Fassaden.

Verein für kulturelle Bewegung Siemensstraße 21, 42857 Remscheid

Eckehard Lowisch Haus der Geschichte

Eröffnung: Fr., 13. April 2018, 19 Uhr Unsere Gesellschaft befindet sich in einem epochalen Wandel. Wenn es stimmt, dass der Begriff Arbeit neu definiert wird, stimmt es dann auch, dass sich analog dazu unser Kunstbegriff ändert? Dieser Fragestellung geht ein Ausstellungskonzept des Bildhauers Eckehard Lowisch nach.

Burhan Dogançay

Alexander-Coppel-Str. 44 42651 Solingen

Sa., 5. Mai 2018, 19 Uhr Konzert: Wolfgang Heitmann Vaßbendersaal Remscheid www.remscheid-live.de

So., 17. Juni bis So., 15. Juli 2018 Andreas Komotzki und

Frank N

Fine with me In der Ausstellung zeigen die beiden Fotografen Landschaften und Landschaftsausschnitte an der Grenze zur Abstraktion. 74

Wolfgang Heitmann, Foto: Brigitte Schmitz


BÜHNE: Wuppertaler Bühnen Theater am Engelsgarten Engelsstraße, 42283 Wuppertal Premiere Sa., 16. Juni 2018, 19.30 Uhr

Die Glasmenagerie

ein Spiel der Erinnerungen von Tennessee Williams Deutsch von Jörn van Dyck Weiterere Termine: So., 17. Juni 2018, 18 Uhr Do., 21., Sa., 30. Juni 2018, 19.30 Uhr Fr., 6. Juli 2018, 19.30 Uhr

Premiere Fr., 29. Juni 2018, 19.30 Uhr

Alpenglühen

von Peter Turrini

Wuppertaler Bühnen Opernhaus Wuppertal Kurt-Drees-Straße 4, 42285 Wuppertal Premiere Fr. 20. April 2018, 19.30 Uhr

Liberazione

Barockoper von Francesca Caccini „La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina“ (Die Befreiung Ruggieros von der Insel Alcinas), Oper in drei Akten, in italienischer Sprache. Weiterere Termine: So. 22. und So. 29. April 2018, 18 Uhr Sa. 16. Juni 2018, 19.30 Uhr Sa. 14. Juli 2018, 19.30 Uhr

Uraufführung Sa., 12. Mai 2018, 19.30 Uhr

Tanztheater Wuppertal Pina Bausch Neues Stück I Eine Kreation von Dimitris Papaioannou Nähere Infos siehe Seite 29-32

Uraufführung Sa., 2. Juni 2018, 19.30 Uhr

Tanztheater Wuppertal Pina Bausch Neues Stück II Eine Kreation von Alan Lucien Øyen Nähere Infos siehe Seite 29-32

Schauspielhaus Wuppertal Bundesallee 260, 42103 Wuppertal Mi., 9. Mai 2018, 20 Uhr Sound of the City. Part 2: Copyright Heimat

Heimat.gefühle

Ist Heimat ein Ort oder vielmehr ein Gefühl, das sich nicht verorten lässt? Eine musikalische Performance von Horst Wegener mit Maria Basel, Roman Babik, Brenda Boykin, Jonas David, Florian Franke, Golow, Maik Ollhoff, Jan Röttger, dem Opernchor der Wuppertaler Bühnen und Special Guests. Weiterere Termine: Fr., 11., Sa., 12., Di., 15., Mi., 16., Fr., 18. und Sa., 19. Mai 2018, 20 Uhr

KINO: Rex Filmtheater Kipdorf 29, 42103 Wuppertal So., 6. Mai 2018, 15 Uhr Sound of the City. Part 2: Copyright Heimat

Heimat.film

Haymatloz von Eren Önsöz Inmitten der weltweiten Flüchtlingskrise wirft der Dokumentarfilm hochaktuelle Fragen auf und beleuchtet das Schicksal der akademischen Elite Deutschlands im türkischen Exil: Verfolgt, hofiert und „haymatloz“.

MUSIK: Historische Stadthalle Johannisberg 40, 42103 Wuppertal So., 15. April 2018, 11 Uhr Mo., 16. April 2018, 20 Uhr 8. Sinfoniekonzert

Tippett, Bach & Vaughan Williams

Konzerteinführung am Montag um 19 Uhr mit Prof. Lutz-Werner Hesse So., 22. April 2018, 18 Uhr Mendelssohn Saal

Saitenspiel: Mandelring Quartett

…mit Jose Josef Haydn,Saitenspiel Maurice Ravel, Claude Debussy So. 22.04.2

Mandelring Quartett

Premiere Mandelring Quartett Sa., 5. Mai 2018, 20 Uhr Sound of the City. Part 2: Copyright Heimat VVK: KulturKarte • Tel. 02 02.5 63

Heimat.stadt

Istanbul Sinfonie von Fazil Say Mit der „Istanbul Sinfonie“ von Fazil Say begegnet das Publikum dem Porträt einer vielschichtigen Stadt. Gegliedert in sieben Sätze beschreibt der Komponist verschiedene Aspekte des Lebens in der Metropolstadt Istanbul. Sinfonieorchester Wuppertal mit Hesen Kanjo/Kanun, Murat Çakmaz/Nay und Ömer Bekta/ Kudüm, Bendir, Darbuka Opernchor der Wuppertaler Bühnen und dem Chor Eski Dostlar

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So., 13. Mai 2018, 11 Uhr Mo., 14. Mai 2018, 20 Uhr 9. Sinfoniekonzert:

Haydn, Brahms & Mendelssohn

Montag, 19 Uhr, Konzerteinführung mit Prof. Dr. Lutz-Werner Hesse

Peter Kowald Gesellschaft/ ort e. V. Luisenstraße 116, 42103 Wuppertal

Fr., 25. Mai, 20 Uhr

Ericson/Nästesjö/Berre Trio Drei Musiker aus Schweden und Norwegen bringen skandinavischen Modern und Impro Jazz der Extraklasse mit: hörbar, fühlbar, schräg und schön zugleich. Do., 1. Juni 2018, 21.30 Uhr Uhr im Wandelgarten, Luisenstraße cine:ort CARMEN Spanien 1983 Zum letzten cine:ort-Abend der Saison lädt der „ort“ wieder zum Freiluftkino in den Wandelgarten ein. Fr., 29. Juni 2018, 20 Uhr Arai Tatsuru Solo-Performance Arai Tatsuru lebt in Berlin und studierte Komposition, Computer-Programmieren und Mulitmedia-Kunst in Berlin und Graz. www.kowald-ort.com

Anna Homler

Jazz Club im Loch

Fr, 20. April 2018, 20 Uhr

Anna Homler, Joker Nies, Dušica Cajlan-Wissel, Georg Wissel Eine poetische Erkundung zwischen Stilen und musikalischen Welten Do, 3. Mai 2018, 20 Uhr cine:ort: Frank Zappa

that Question

– Eat

Film von Thorsten Schütte (D/F 2016) Do, 10. Mai 2018, 19.30 Uhr

Literatur Biennale Wuppertal zu Gast im „ort“ Mit Fiston Mwanza Mujila, Patrick Dunst/Musik und Hermann Schulz/Moderation Mo, 15. Mai 2018, 20 Uhr Soundtrip NRW: Paul Lovens Schlagzeug Gäste: Gunda Gottschalk/Violine, Ute Völker/Akkordeon, Martin Blume/Perkussion 76

Ecke Ekkehardstraße/Plateniusstraße 42105 Wuppertal Sa., 21. April 2018, 20 Uhr

Jo Aldingers Downbeatclub Konni Behrendt/Gitarre, Jo Aldinger/Hammondorgel, Claas Lausen/Schlagzeug/Bluesbasierte Riffs und kurzweilige Songstrukturen Mi., 25. April 2018, 20 Uhr Wildes Holz Ungehobelt Benefizkonzert zugunsten des Jazz Club Wuppertal – Anto Karaula/ Gitarre, Tobias Reisige/Blockflöte, Markus Conrads/Kontrabass Sa., 28. April 2018, 20 Uhr Next Generation: Botticelli Baby Marlon Bösherz/Bass & Vocals, Maria Trautmann/Posaune, Alexander Niermann/Trompete, Jakob Jentgens/ Saxofon, Jörg Buttler/Gitarre, Lukas Sziegoleit/Piano, Tom Hellenthal/ Drums

Ensemble 4

Sa., 12. Mai 2018, 20 Uhr Next Generation: Ensemble 4 Changhuan Xia/Querflöte, Miriam Bathe/Violine, Robert Wheatley/Cello, Xiao Fu/Schlagzeug Sa., 19. Mai 2018, 20 Uhr

Robert Landfermann Trio Jeremy Viner, Saxofon/Klarinette, Jonas Burgwinkel/Schlagzeug, Robert Landfermann/Kontrabass Sa., 26. Mai 2018, 20 Uhr

AVA

Giuseppe Doronzo/Bariton-Saxofon, Esat Ekincioglu/Kontrabass, Pino Basile/Perkussion

Schwebeklang Klangkosmos Weltmusik Internationale Musikkulturen in Wuppertal

Lutherstift Schusterstraße 15, 42105 Wuppertal Do., 26. April 2018, 18 Uhr Ananuri Georgien Kaukasische Polyfonien und Folk Do., 21. Juni 2018, 18 Uhr

Modern Maori Quartet Neuseeland, Maori Waiata Swing


RINKE_Anz_56x258_RZ_2018.qxp_Layout 1 01.03.18 13

BürgerBahnhof Vohwinkel Bahnstraße 16, 42327 Wuppertal Fr., 20. April 2018, 20 Uhr

Superstrut – It´s all about the groove Funk/Soul neunköpfige Neo-Soul & Funk-Band Do., 26. April 2018, 20 Uhr Pierre Bensusan Acoustic Guitar Aus der Reihe SaitenReise Do., 3. Mai 2018, 20 Uhr

Larry Garner & The Norman Beaker Band

Sa., 16.Juni 2018, 19 Uhr

Thomas Günther

Benefizkonzert zugunsten der Immanuelskirche Das Programm wird aus Schubert Sonaten bestehen. So., 24.Juni 2018, 18 Uhr Kantorei Barmen-Gemarke

Aus der Reihe Blues-Train

Sommerliche Chormusik

Larry

Konzert 6 Ensemble „Svalereden” Nicole Janczak, Marina Schuchert, Mara Cascio, Juliane Wenzel, Tanja Tismar/Klavier, Volker Hempfing/Leitung

Garner

Kulturzentrum Immanuelskirche Sternstraße 73/Von-Eynern-Straße 42275 Wuppertal So., 6.Mai 2018, 21.15 Uhr

Die Türme – Woanders Bergischen Literaturperformance Mit Harald Eller am Daxofon

Die Türme 2018: 7 Sonnenuntergänge 7 Türme 7 Literaturperformances 7 Musiker Nähere Infos: www.dietürme.de

Kontakthof Genügsamkeitsstr. 11, 42105 Wuppertal

WIRTSCHAFTSPRÜFER SIND HUMORLOS. VORURTEIL ODER WAHRHEIT?

Sa., 12. Mai 2018, 20 Uhr

Carlos Diaz

Gitarre, Cajon und Loops Von Patagonien nach Wuppertal Der argentinische Gitarrist Carlos Diaz begeistert sein Publikum mit einer schillernden, stets changierenden Mischung aus traditioneller südamerikanischer Musik, Jazz und Rock.

EGAL.

Carlos Diaz

MECKERN GEHÖRT BEI UNS ZUM GESCHÄFT. FÜR IHREN ERFOLG

Fr, 15.Juni 2018, 19.30 Uhr

Will Russ Jr & The Force Of Will Band mit Brenda Boykin William Russ Jr. & the one and only, Brenda Boykin mit Band

RINKE TREUHAND GmbH Wuppertal – Düsseldorf – Riesa 0202 2496-0 · www.rinke.eu

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LITERATUR: Kontakthof Genügsamkeitsstr. 11, 42105 Wuppertal Fr., 13. April 2018, 20 Uhr KL2GO – Moskauer Jazz

Caritasverband Wuppertal/Solingen e. V.

Int. Begegnungszentrum Hühnefeldstr. 52c, 42285 Wuppertal Sa., 14. April 2018, 20 Uhr

KL2GO – Moskauer Jazz Sergey Klevensky/Blasinstrumente, Vladimir Goloukhov/Vibrafon/Perkussion und Anton Gorbunov/Bassgitarre/ Klarinette bilden mit KL2GO eines der spannendsten Projekte der zeitgenössischen Moskauer Jazzszene. Ihre einzigartige Mixtur aus Folklore à la Stravinsky, Fusion Elementen und Jazzimprovisationen ermöglicht eine virtuose Vielfalt. Sa., 5. Mai 2018, 20 Uhr

H.W. Wittek Quartett – Polish Jazz H.W. Wittek/Gitarre, Peter Baumgärtner/Drums, Marcin Slusarczyk/Brass und Marian Pawlik/Bass

Museum für Asiatische Kunst Sieplenbusch 1, 42477 Radevormwald

Melodicas sind die Klarinetten der Gefühle Erste Westfalen-Lesung in Wuppertal Benjamin Weissinger, der mit Ex-Titanic-Chef Leo Fischer gerade seinen ersten Fortsetzungsroman schreibt, und Uwe Becker, Chefredakteur des Wuppertaler Satiremagazins ITALIEN, Mitarbeiter des Frankfurter Satiremagazins Titanic und Kolumnist der Westdeutschen Zeitung

Evangelische CityKirche Wuppertal

Fr., 20. April 2018, 19 Uhr Vortragsreihe: Die Skulptur im 20. und 21. Jahrhundert

Der menschliche Körper: die ewige Herausforderung Ein Gespräch mit Stephan Balkenhol Moderation: Heinz-Norbert Jocks „Die Skulptur im 20. und 21. Jahrhundert“ ist Thema von insgesamt sieben Künstlergesprächen und -vorträgen, zu denen der Skulpturenpark Waldfrieden zwischen April und Oktober einlädt. Erster Gast der Veranstaltungsreihe wird der Bildhauer Stephan Balkenhol sein, der hier 2014 ausstellte. Seine Skulpturen gehören zu den bekanntesten Werken zeitgenössischer Bildhauerei in Deutschland.

Do., 26. 04. 2018, 19 Uhr Pankaj Mishra

Resentment and Anger – Defining Features of the World in the 21st Century Pankaj Mishra, Dr. Jörg Mittelsten Scheid, Gastprofessor: Resentment and Anger – Defining Features of the World in the 21st Century? Groll und Wut – Definierende Merkmale der Welt im 21. Jahrhundert? Vortrag in englischer Sprache So., 27. Mai 2018, 18 Uhr

So., 15. April 2018, 16 Uhr

Eine musikalische Reise durch Lateinamerika und die Karibik 2.0 Das Repertoire umfasst Rhythmen und Hits aus Lateinamerika, Spanien und Italien – vom Stimmungssong, der jeden zum Tanzen oder Mitsingen bewegt, bis zu romantischen Melodien, die das Herz bewegen. Karibische Rhythmen treffen auf Asia-Flair.

Die Geschichte einer außergewöhnlichen Großmutter Lesung und Gespräch mit Achim Amme und Raymond Wolff Eine Veranstaltung der Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal in Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk Wuppertal/Solingen/ Remscheid und dem Literaturhaus Wuppertal e.V.

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Hirschstraße 12, 42885 Wuppertal

Kirchplatz 2, 42103 Wuppertal

Zwei lange Unterhosen der Marke Hering

Luis Gonzalez

Skulpturenpark Waldfrieden

Brunnen Kunst Atelier von Mark Sieczkarek Brunnenstrasse 32, 42105 Wuppertal So., 29. April 2018, 16 Uhr

Lesung mit Musik

Es lesen Julia Wolff und Uta Atzpodien aus „Fast Perfekt: Die Kunst, hemmungslos zu scheitern. Wie aus Fehlern Ideen entstehen.“ von Erik Kessels und „Eine erotische Ökologie“ von Andreas Weber. Musikalische Begleitung: Mirela Hadžic und Zeljko Erdeljac


„die beste Zeit“ Das Kulturmagazin im Bergischen Land erhalten Sie ab sofort bei:* Wuppertal Elberfeld Begegnungsstätte Alte Synagoge Genügsamkeitsstr., 42105 Wuppertal, (0202) 5 63 28 43, www.alte-synagoge-wuppertal.de Bloom Event Thomas & Sabine Haase, Friedrich-Ebert-Str. 66, 42103 Wuppertal, (0202) 97 11 37 23, facebook:@bloomevent.de Bürobedarf Illert Grabenstraße 4, 42103 Wuppertal, (0202) 9 76 58 08, www.buero-illert.de Buchhandlung v. Mackensen Fr.-Ebert-Str. / Ecke Laurentiusstr. 12, 42103 Wuppertal, (0202) 30 40 01, www.mackensen.de Buchhandlung Thalia Wuppertal City-Arkaden, Alte Freiheit 9, 42103 Wuppertal, (0202) 69 80 30, www.thalia.de Glücksbuchladen Kerstin Hardenburg, Friedrichstraße 52, 42105 Wuppertal, (0202) 37 29 00 58, www.gluecksbuchladen.de Katis am Wall Deutsche Post Wuppertal, Wall 32-34, 42103 Wuppertal, (0202) 69 81 73 35, www.katis-shops.de Kunstgalerie Hashemi / Rathausgalerie, Karlsplatz 165, 42105 Wuppertal, (0202) 4 29 74 67, kunsthashemi@yahoo.de Lichtbogen (Wohn- und Objektbeleuchtung), Karlstr. 37, 42105 Wuppertal, (0202) 2 44 34 40, www.lichtbogen-wuppertal.de Milia‘s Coffee Ecke Burgstraße 13 / Kirchstraße 10, 42103 Wuppertal, (0202) 7 59 58 58, www.daswuppertal.de/milias/ Ticket-Zentrale Klaus Hübel, Armin-T.-Wegner-Platz 5, 42103 Wuppertal, (0202) 45 45 55, www.ticket-zentrale-wuppertal.de Utopiastadt / Mirker Bahnhof, Mirker Str. 48, 42105 Wuppertal, (0202) 39 34 86 57, www.utopiastadt.eu Von der Heydt-Museum / Museumsshop, Turmhof 8, 42103 Wuppertal, (0202) 563 6231, www.von-der-heydt-museum.de Wuppertal Barmen Bücherladen Jutta Lücke Hünefeldstraße 83, 42285 Wuppertal, (0202) 8 83 53 Café und Buchhandlung im Barmer Bahnhof Winklerstraße 2, 42283 Wuppertal, (0202) 59 53 85,www.joliso1904.de DruckStock Ulrike Hagemeier, Fr.-Engels-Allee 173, 42285 Wuppertal, (0151) 57 66 46 14, www.druckstock-hagemeier.de Immanuelskirche, Wuppertal-Barmen, 42275 Wuppertal, (0202) 64 19 69, www.immanuelskirche.de Köndgens Wupperliebe Werth 94, 42275 Wuppertal, (0202) 2 48 00 50, www.wupperliebe.de, www.buecherwuppertal.com Musikhaus Landsiedel-Becker Höhne / Ecke Werther Hof, 42275 Wuppertal, (0202) 59 21 57, www.landsiedel-becker.de Skulpturenpark Waldfrieden Hirschstraße 12, 42285 Wuppertal, (0202) 3 17 29 89, www.skulpturenpark-waldfrieden.de Wuppertal Cronenberg Buchhandlung Nettesheim Hauptstraße 17, 42349 Wuppertal, (0202) 47 28 70, www.nettesheim.de Wuppertal Ronsdorf Ronsdorfer Bücherstube Christian Oelemann, Staasstraße 11, 42369 Wuppertal, (0202) 2 46 16 03, www.buchkultur.de Wuppertal Vohwinkel Buchhandlung Jürgensen Vohwinkeler Straße 1, 42329 Wuppertal, (0202) 73 09 42, www.buch-juergensen.de Friseursalon Capilli Heinrich Wermann, Manteuffelstr. 2, 42329 Wuppertal, (0202) 30 13 22, www.capilli.de Remscheid Buchhandlung Thalia Remscheid Alleestr. 74, 42853 Remscheid, (02191) 59 15 50, www.thalia.de Solingen Kunstmuseum Solingen / Museumsshop, Wuppertaler Str. 160, 42653 Solingen, (0212) 25 81 40, www.kunstmuseum-solingen.de Sprockhövel Galerie Nasenberg Mittelstraße 97, 45549 Sprockhövel, (02339) 120 623, (0171) 2 83 05 25, www.galerie-nasenberg.de Leverkusen Schloss Morsbroich / Museumsshop, Gustav-Heinemann-Str. 80, 51377 Leverkusen, (o214) 8 55 56 28, www.museum- morsbroich.de * bis zum Redaktionsschluss bekannt

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Saitenspiel

…mit Joseph Haydn

14.12.17 13:02

in der Historischen Stadthalle Wuppertal

So. 22.04.2018, 18.00 Uhr Joseph Haydn Streichquartett B-Dur Hob III:1 op. 1/1 Maurice Ravel Streichquartett F-Dur Claude Debussy Streichquartett g-moll op. 10 Joseph Haydn: Streichquartett h-moll Hob III:37 op. 33/1

Mandelring Quartett Alle Saitenspielkonzerte 2018:

www.saitenspiele.eu

VVK: KulturKarte • Tel. 02 02.5 63 76 66 • Veranstalter: Historische Stadthalle Wuppertal GmbH • Mit freundlicher Unterstützung von Detlef Muthmann

The art of tool making


CHRISTIANE LÖHR ATTRAZIONE 3.3. – 1.7.2018

SKULPTURENPARK WALDFRIEDEN WUPPERTAL

Hirschstraße 12 · 42285 Wuppertal www.skulpturenpark-waldfrieden.de

17.4. - 12.8.2018

Jankel Adler UND DIE AVANTGARDE CHAGALL | DIX | KLEE | PICASSO

Jankel Adler, Der Künstler (Artist), 1927 (Ausschnitt), French & Company, New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

VON DER HEYDT-MUSEUM WUPPERTAL

jankel-adler-ausstellung.de

Die beste Zeit 90,3b_127,5h.indd 1

04.03.2018 17:49:41

"die beste Zeit" - das Kulturmagazin im Bergischen Land  

Ausgabe April - Juni 2018

"die beste Zeit" - das Kulturmagazin im Bergischen Land  

Ausgabe April - Juni 2018

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