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Programmheft »Tristan und Isolde«

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TRISTAN UND ISOLDE Richard Wagner


Act 2 In Cornwall Marke and his entourage have gone on a nocturnal hunt, and Isolde awaits Tristan. When Isolde urges Brangäne to extinguish the torch as a signal to Tristan, Brangäne warns her against it. She suspects that Melot plans to set a trap for the lovers. Isolde counters that Melot is Tristan’s closest friend. Brangäne reluctantly gives the signal, whereupon Tristan rushes in. Tristan and Isolde are rapturously reunited and dream of leaving the brightness of the day and sinking into eternal night, a love death. Kurwenal bursts in and urges Tristan to save himself. Too late: Melot ushers King Marke in and triumphantly pronounces the betrayal to the king. Marke asks Tristan for an explanation, but Tristan and Isolde cannot wrest themselves from their state of harmony. Tristan makes Isolde promise that she will follow him wherever he goes. Provoking Melot, who stands ready to fight, Tristan allows himself to be badly wounded.

Act 3 At Kareol Kurwenal watches over the mortally wounded Tristan, while a shepherd keeps a look-out for Isolde’s ship. When Tristan awakes, Kurwenal must remind him of recent events: he, Kurwenal, carried Tristan to the ship and brought him to the castle of his fathers, where he can convalesce. Tristan envisions himself between night and day, between death and life. Only the thought of Isolde keeps him bound to the world. Kurwenal reports that he has sent for Isolde, whereupon Tristan becomes elated and believes he can see her ship. He reacts to the negative response with dejection and thinks of his parents, who died when he was born. He believes his anguish and hardships stem from this circumstance. Finally, the shepherd gives the signal: Isolde’s ship has arrived. The news of her arrival fills Tristan with ecstasy. When Isolde finally enters, Tristan dies. Isolde despairs. Now King Marke’s arrival is also announced. Melot and Brangäne, who arrive soon after, try to calm the raging Kurwenal, but he kills Melot and dies shortly thereafter in a struggle with Marke’s entourage. Marke laments Tristan’s death. He declares that he had come to give Isolde in marriage to Tristan. Isolde is no longer listening to him; she approaches Tristan’s body with growing ardour and speaks in growing rapture. Finally, she collapses over the lifeless Tristan.

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SY NOPSIS


ÜBER DIESES PROGRAMMBUCH

»Was Furchtbares« sei im Entstehen, schrieb Richard Wagner im April 1859 an Mathilde Wesendonck: »Dieser dritte Akt!!! ------ Ich fürchte, die Aufführung wird verboten…« Richard Wagner formulierte nicht gerne zurückhaltend, erst recht nicht in den Briefen an Mathilde Wesendonck. Die Schriftstellerin und Ehefrau seines Unterstützers Otto Wesendonck gilt als einer der Gründe, warum Wagner die Arbeit am Siegfried unterbrach, um Tristan und Isolde zu komponieren. Die Aufführung – nach mehreren gescheiterten Versuchen, dem legendärsten in Wien – wurde nicht verboten, die Nachwelt teilte Wagners eigene Faszination für das Werk. Im Rückblick auch mit sich veränderndem Fokus: »Eine der Ursprungsurkunden der musikalischen Moderne«, lautet etwa ein berühmtes Urteil des Musikwissenschaftlers Carl Dahlhaus über Tristan und Isolde. Die musikalische Sprache, die Wagner für das fand, was er ausdrücken wollte, veränderte das Schreiben und das Hören von Musik, das Nachdenken und das Sprechen über sie in unumkehrbarer Weise. Und was Wagner ausdrücken wollte, führte ihn zu einer musikdramatischen Konstruktion, die es so vorher nie gegeben hatte. Seine Gedanken zu dieser Konstruktion teilt Musikdirektor und Premierendirigent Philippe Jordan (S. 12); eine weitere Auseinandersetzung mit der Musik unter besonderer Berücksichtigung des »Tristan-Akkordes« findet sich in dem Text von Melanie Wald-Fuhrmann und Wolfgang Fuhrmann (S. 62). Überlegungen zur dramatischen Gestaltung mit Blick auf Calixto Bieitos szenische Umsetzung finden sich in dem Text von Nikolaus Stenitzer auf Seite 26. Calixto Bieito hat seine Inszenierung in wachem Bewusstsein um die Bedeutung des Werks für den romantischen Liebesgedanken gestaltet. Es ist die Idee einer Liebe, die dem Tod verwandt ist – rauschhaft, ekstatisch Ü BER DIE SE S PROGR A M MBUCH

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Philippe Jordan

ALS ICH MIT MAHLER ÜBER WAGNER SPRACH

Mit Tristan und Isolde schuf Richard Wagner im Grunde fast so etwas wie eine neue Gattung. Gerade darum galt – und gilt – das Werk als Revolution. Eine Revolution in Bezug auf gleich mehrere Aspekte. Sie beginnt schon beim Untertitel: »Handlung in drei Aufzügen«. Wagner spricht hier nicht mehr von der »Romantischen Oper« wie beim Fliegenden Holländer oder dem Tannhäuser. Er nennt Tristan und Isolde kein »Bühnenfestspiel« wie den Ring des Nibelungen, schon gar kein »Bühnenweihfestspiel« wie im Falle des Parsifal. Nein, er spricht von einer »Handlung«. Warum? Weil die Oper ein PHILIPPE JOR DA N

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Andreas Dorschel

RADIKALE EROTIK

Ein Akt der Gewalt ist es, aus dem heraus Richard Wagner die Geschichte der Liebe Tristans und Isoldes entfaltet: Tristan ist der Mörder von Isoldes Verlobtem, Morold. In der Folge gerät Tristan in Isoldes Hände; sie könnte Morold rächen. Doch: »er« – Tristan – »sah mir in die Augen. / Seines Elendes / jammerte mich« (I.3). Der, dessen Elend einen jammert, ist Gegenstand von Mitleid. Arthur Schopenhauer, dessen Hauptwerk Wagner zur Zeit der Arbeit an Tristan und Isolde begeistert wiederlas, sagt: »Alle wahre und reine Liebe ist Mitleid, und jede Liebe, die nicht Mitleid ist, ist Selbstsucht.« (Die Welt als Wille und Vorstellung I.4) Doch an der Stelle, an der Isolde von Tristans Blick spricht, weiß Wagners Musik es besser als Schopenhauer und besser auch als das, was sein eigenes Wort des Jammers nahelegt: Sie ist Musik nicht des Mitgefühls, sondern eines verzückten Sehnens. Denn es ist nicht wahr, dass musikalischer Ausdruck stets vage oder dass er bloß Sache subjektiven Empfindens sei. Gerade Wagners Musik ist, wie hier auf dem Wort »Augen«, eindeutig, wo sie eindeutig sein will, und zweideutig nur da, wo sie zweideutig sein soll. A N DR EAS DORSCHEL

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Platon

DER URSPRUNG DER LIEBE Aus Symposion (Das Gastmahl)

Allerdings, habe also Aristophanes gesagt, habe ich im Sinne, ganz anders zu reden, als ihr beide, du und Pausanias, gesprochen habt. Denn mir scheinen die Menschen durchaus der wahren Kraft des Eros nicht innegeworden zu sein. Denn wären sie es: so würden sie ihm die herrlichsten Heiligtümer und Altäre errichten und die größten Opfer bereiten, und es würde nicht wie jetzt gar nichts dergleichen für ihn geschehen, dem es doch ganz vorzüglich geschehen sollte. Denn er ist der menschenfreundlichste unter den Göttern, da er der Menschen Beistand und Arzt ist in demjenigen, aus dessen Heilung die größte Glückseligkeit für das menschliche Geschlecht erwachsen würde. Ich also will versuchen, euch seine Kraft zu erklären, und ihr sollt dann die Lehrer der übrigen sein. Zuerst aber müsst ihr die menschliche Natur und deren Begegnisse recht kennenlernen. Nämlich unsere ehemalige Natur war nicht dieselbe wie jetzt, sondern eine ganz andere. Denn erstlich gab es drei Geschlechter von Menschen, nicht wie jetzt nur zwei, männliches und weibliches, sondern es gab noch ein drittes dazu, welches das gemeinschaftliche war von diesen beiden, dessen Name auch noch übrig ist, es selbst aber ist verschwunden. Mannweiblich nämlich war damals das eine, Gestalt und Benennung zusammengesetzt aus jenen beiden, PLATON

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Melanie Wald-Fuhrmann/Wolfgang Fuhrmann

INNEN UND AUSSEN: » TRISTAN UND ISOLDE « » Das ausgesponnene musikalische Liebesgewebe « »Ich kann den Geist der Musik nicht anders fassen als in der Liebe«, schrieb Wagner 1851 in seiner Mitteilung an meine Freunde. Dass die Liebe sich musikalisch äußere – vor allem im Gesang –, gehörte zu seiner Privatmythologie. Nicht zufällig ist die Liebe in all ihren Schattierungen zwischen dem Seelischen und dem Libidinösen das Thema des Sängerwettstreits im Tannhäuser; nicht zufällig singt in den Meistersingern der Lenz »ein schönes Lied« für die »in holder Jugendzeit« stehenden Männer; nicht zufällig ist es der Wonnemond, der Siegmund in der Walküre zu seiner »Arie« inspiriert. Die Liebe ist verknüpft mit dem liedhaften oder ariosen Gesang – und mit dem Frühling. Wie aber steht es um das Musikdrama Tristan und Isolde, über das Wagner zu Cosima 1870 sagte, in ihm herrsche der Eros wie in Platons Symposion, und was in diesem die Philosophie sei, sei hier die Musik (Tagebucheintrag vom 9. April)? In dieser »Handlung«, wie die einzigartige Gattungsbezeichnung lautet, ist die Liebe weder frühlingshaft noch jugendlich, und sie inspiriert MELA N IE WA LD -F U HR M A N N/ WOLFGA NG F U HR M A N N

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Gottfried von Straßburg

ÜBER DIE LIEBE Aus dem Versroman Tristan

Wann immer ich mir Liebe und Liebesschmerz vor Augen halte und über ihre Beschaffenheit im Inneren nachsinne, dann beflügeln sich meine Gedanken und mein Weggefährte, die Sehnsucht, als ob sie bis in die Wolken wollten. Wenn ich im einzelnen die vielen Wunder bedenke, die man in der Liebe finden kann, wenn man sie richtig zu suchen versteht, welche Freude für den in der Liebe liegt, der sie aufrichtig empfindet, dann wird mein Herz sogleich größer als Setmunt, und ich bedaure die Liebe aus tiefstem Herzen, weil die meisten Menschen an der Liebe hängen und kleben und ihr doch nicht gerecht werden. Wir alle haben Verlangen und wollen die Liebe erfahren. Nein, Liebe ist nicht so, wie wir sie miteinander betreiben Wir machen es falsch. Wir säen giftigen Bilsensamen aus und wollen dann, dass er für uns Lilien und Rosen hervorbringe. Das geht gewiß nicht. GOT T FR IED VON ST R AS SBU RG

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