Page 19

Fonds

fonds, die Fondsanalysten von S&P Capital IQ dekorierten, die besten Fonds einer Peer-Group mit Qualitätssiegeln in Form der Edelmetallplaketten „Platin“, „Gold“ und „Silber“, passé sind. Es sei denn, es wiederholt sich die Geschichte von 2007, als sich Standard & Poor’s aus dem Bereich der quantitativen Bewertung von Investmentfonds, dem berühmten „Sterne-Rating“, zurückzog. Ganz verschwunden sind die Sterne jedoch nicht, wurden sie doch im Frühjahr 2007 von der Ratingagentur Morningstar übernommen.

Analysemethoden nur bedingt geeignet. Leo Willert

Deutliche Abweichungen Wie stark sich die Welt der Fondsratingagenturen durch den Rückzug der Standard-&-Poor’s-Tochter verändern wird, ist aus derzeitiger Sicht nur schwer zu beurteilen. Fakt ist, dass Investoren, die an Fondsbewertungen interessiert sind, auch weiterhin aus dem Vollen schöpfen können. Dass das nicht nur zum Vorteil gereicht, sondern sogar Verwirrung stiften kann, belegt der Ratingvergleich populärer Fonds. So wird etwa der flexible Mischfonds „Car­mignac Patrimoine“ bei Morningstar sowohl beim Fondsrating als auch bei der Qualitätsbeurteilung des Fondsmanagements mit der jeweils zweitbesten Note in Form von vier Sternen und dem Qualitätssiegel „Silver“ bedacht. Deutlich schlechter kommt der Fonds bei der Ratingagentur Feri Trust weg. Mit der Note (C) wird dem Produkt nur „durchschnittliche Qualität“ zugestanden. Ähnlich sehen das die Experten von Fondsconsult Research, die dem Carmignac-Depot die „Fondsnote 3“ geben. Ein ähnliches Muster zeigt sich beim weltweiten Aktienfonds „Carmignac Investissement“, der von Morningstar mit vier Sternen und „Silver“ ausgestattet wird, während das Urteil von Feri Trust mit der Note (D), was unterdurchschnittlicher Qualität entspricht, deutlich herber ausfällt. Auch beim „C-Quadrat Arts Best Momentum“ scheiden sich die Geister. Bei den Ratingagenturen Morningstar und Lipper ist der Fonds als mittelmäßig bis gut eingestuft, bei Feri Trust wird der Aktiendachfonds mit dem Rating (E) „schlechte Qualität“ bedacht. Im Gegensatz dazu fallen Bewertungen für Fonds, die in den vergangenen Jahren besonders gut gelaufen sind, nahezu einhellig positiv aus. Das wird etwa am „JPMorgan JPM Europe Equity Plus“ ersichtlich, der bei allen Ratingagenturen Topbewertungen erhält. Übrigens: Anleger, die in der Tabelle (Seite 20) angeführten Fondsratings mehrerer Agenturen vergleichen wollen, werden nicht immer fündig. So beantwortet Roger Schneider, Senior Director der prominenten Agentur Fitch Ratings, die Anfrage von DerBörsianer wie folgt: „Die aufgelisteten Fonds sind derzeit nicht von Fitch Ratings im Rahmen des Fund Quality Ratings bewertet.“ Über die unterschiedlichen Einstufungen der Ratingagenturen ist Leo Willert, Fondsmanager und Entwickler des Handelssystems

DB_18-21_Fonds.indd 19

19

der C-Quadrat Arts Fonds, nicht überrascht. Willert: „Speziell bei der Bewertung quantitativ gemanagter Fonds sind die Analysemethoden von Ratingagenturen eher nur bedingt geeignet, Investoren eine profunde Hilfestellung zu geben.“ Zu sehr orientiert sich laut dem Fondsmanager der Analyseprozess von Ratingagenturen an herkömmlichem, diskretionärem Fondsmanagement.

Suche nach der Zauberformel

Dass unterschiedliche Einschätzungen von Ratingagenturen nicht ganz unabsichtlich erfolgen, betont ein Fondsexperte, der seinen Namen nicht im Magazin lesen will. Der Experte: „Jede Ratingagentur kocht ihre eigene Suppe und hat, auch aus Gründen der Abgrenzung zum Mitbewerber, ihre eigene Zauberformel gefunden.“ Aber welche der Formeln und Bewertungsansätze der Realität am besten entsprechen, sei, so der Kenner der Szene, dahingestellt. Über eines lässt sich jedoch nicht streiten: Ratingagenturen sind keine Non-Profit-Organisationen und müssen wie jeder andere Wirtschaftstreibende danach trachten, Geld in die Kasse zu bekommen. Dabei gibt es je nach Ratingagentur zwei Modelle. Ein Teil der Agenturen stellt Fondsgesellschaften für qualitative Fondsratings nichts in Rechnung. Dafür fallen Lizenzgebühren an, wenn Fondsgesellschaften in ihren Marketingunterlagen oder auf Factsheets die einschlägigen Qualitätssiegel oder Auszeichnungen verwenden wollen. Andere Ratingagenturen gehen wiederum den Weg, Fondsratings gegen Bezahlung zu erstellen. So ist es etwa bei Morningstar üblich, dass Fondsgesellschaften keine Gebühren für Ratings zahlen. Details, wie die Kosten der Ratings gedeckt werden, finden sich auf der Homepage der Ratingagentur: „Morningstar generiert Einnahmen aus dem Fondsresearch, indem dieses in kostenpflichtigen Softwareprodukten für Anleger und Berater (...) zur Verfügung gestellt wird. Fondsgesellschaften können das Morningstar-Analyst-Rating zudem (...) für eine zusätzliche Gebühr lizenzieren.“ Wie hoch Lizenzgebühren sind, hängt von der Größe der Fondspalette ebenso ab wie vom Verwendungszweck der mit Sternen, Medaillen oder Edelmetallplaketten versehenen Logos. Dass die Lizenzgebühren ins Geld gehen und vor allem für kleine bis mittelgroße heimische Fondsgesellschaften in Zeiten steigenden Margendrucks nicht aus der Portokasse zu zahlen sind, liegt nahe. Kostete doch bereits im Jahr 2007 laut dem deutschen Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ ein Fondsratingauftrag an Standard & Poor’s bis zu 16.000 Euro pro Fonds. Laut Aussagen von Branchenkennern hat sich das bis heute nicht dramatisch verändert. „Einen Fonds raten zu lassen, kostet zumindest 10.000 Euro. Fondsgesellschaften, die Logos von Ratings auf Factsheets abdrucken wollen, zahlen rund 50.000 bis 60.000 Euro im Jahr. Wie hoch der

07.04.14 06:08

DerBörsianer 3. Ausgabe, Q2 2014  

Das Fachmagazin für den österreichischen Kapitalmarkt