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Thomas Birtel SIBIRISCHER WINTER

Stefan Bruckbauer

ABSCHWÄCHUNG WIDERSTEHEN

Heinz Behacker NACHHALTIGKEIT STÄRKEN

D A S F A C H M A G A Z I N F Ü R D E N Ö S T E R R E I C H I S C H E N K A P I TA L M A R K T www.derboersianer.com ∙ 1. Quartal 2016 ∙ 12 Euro

RUSSLAND // 68

Reportage: Putins Dilemma

FONDS // 18

Das Karussell dreht sich

VERSICHERUNGEN // 28

Assekuranzen unter Zugzwang

Rankin

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DIE 50 BESTEN PRESS ESPREC HER

CHRISTIAN KONRAD

„Im Sinne der Menschlichkeit“ Round Table: Trend zu mehr Transparenz im Private Banking 24 AKTIENFORUM 60,80 · A-TEC INDUSTRIES AG 55 · BAWAG PSK INVEST 19 · BENE AG 54 · BMF 33 · BPV HÜGEL 33 · BWT AG 33, 70 · DELOITTE ÖSTERREICH 58 · DONAU VERSICHERUNG AG 50 · ERNST & YOUNG 58 · ERSTE ASSET MANAGEMENT 18, 52 · FIDELITY INVESTMENTS 21 · IMMOFINANZ AG 57, 60, 70 · KATHREIN PRIVATBANK AG 20, 24, 40 · MATEJKA & PARTNER 35, 47 · OMV AG 54, 64, 80 · PALFINGER AG 65, 71 · RAIFFEISEN KAG 20, 52 · SCHOELLERBANK AG 24 · SEMPER CONSTANTIA ­PRIVATBANK 21, 24 · STRABAG SE 65, 70 · UNICREDIT BANK AUSTRIA AG 22, 49, 65 · UNION INVESTMENT AUSTRIA 18, 52 · VBV 46, 50, 53 · WIENER BÖRSE AG 33, 55, 65, 81


So ein Streber. Und wieder Klassenbester: Die KEPLER-FONDS KAG wurde vom Analysehaus FERI Eurorating Services unter mehr als 200 Fondsanbietern das dritte Jahr in Folge ausgezeichnet. Setzen Sie auf österreichische Management-Qualität. Mehr unter www.kepler.at Diese Marketingmitteilung stellt kein Angebot, keine Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlung, Einladung zur Angebotsstellung zum Kauf oder Verkauf oder Finanzanalyse dar. Sie ersetzt nicht die Beratung und Risikoaufklärung durch den Kundenberater. Aktuelle Prospekte sowie die Wesentlichen Anlegerinformationen – Kundeninformationsdokument (KID) sind in deutscher Sprache bei der KEPLER-FONDS KAG, Europaplatz 1a, 4020 Linz, den Zahlstellen sowie unter www.kepler.at erhältlich.

www.kepler.at


EDITORIAL

AUSGABE NR. 12, 1. QUARTAL 2016

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Stabilität. Immer.

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DOMINIK HOJAS Chefredakteur DerBörsianer

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Nordea 1 – Stable Return Fund

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Tre nd zu

In schwierigen und unsicheren Zeiten schöpfen wir Kraft aus der Stabilität um uns herum. Auch wir bei Nordea glauben, dass Stabilität wichtig ist.

PR DIE ES 50 SE BE SP ST RE EN CH ER

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24

Liebe Börsianer, es sei „die beste Chance, den einen Planten zu retten, den wir haben“, frohlockte US-Präsident Barack Obama nach dem historischen Beschluss der Klimakonferenz in Paris. Welche Chancen und Risiken dieser für heimische Unternehmen und Investoren mit sich bringt (S. 44) und was die Politik (S. 74) dazu sagt, hat DerBörsianer analysiert. Was hingegen Obamas Erzfeind Wladimir Putin ins Dilemma (S. 68) bringt und warum sich Strabag SE, Immofinanz AG, Raiffeisen Bank International AG und Co auf einen langen sibirischen Winter einstellen, hat Reginald Benisch vor Ort in Russland exklusiv recherchiert. Apropos Klima, dieses wird mit den EU-Richtlinien IDD und PRIIPs bei den Versicherungen rauer. Sie bringen Assekuranzen unter Zugzwang (S. 28) und können laut Experten sogar das Ende für die Lebensversicherung bedeuten. Zahlreiche Personalrochaden (S. 50) sind bereits jetzt ein Zeichen für Veränderung innerhalb der Branche. Nicht das Wetter, sondern spektakuläre Übernahmen, stringente Sparprogramme und kriselnde Kapitalmärkte wirbeln die heimische Fondsbranche (S. 68) gehörig auf, wie Raja Korinek und Robert Winter für DerBörsianer herausgefunden haben. Dieselben Faktoren wirken sich auch auf das Private-Banking-Geschäft in Österreich aus. Das haben uns vier heimische Top­ banker bei einem Round-Table-Gespräch (S. 24) im Wiener Park Hyatt erzählt. Bleibt wie gewohnt DerBörsianer des vierten Quartals: Ex-Raiffeisen-Gene-

Dieser Fokus auf Stabilität ist in unseren nordischen Genen und unserer konservativen Kultur tief verwurzelt. Unsere Produkte leben natürlich von unserem Erbe. Im Jahr 2005, lange vor den heutigen turbulenten Zeiten, haben wir unser Multi Assets Team ins Leben gerufen, mit dem Ziel langfristige und stabile Erträge zu erwirtschaften. Bei stabilen Erträgen dreht sich alles um… • sorgfältige Risikostreuung, die unsere Kunden ruhig schlafen lässt • eine Risikobetrachtung über einen Zeitraum von drei Jahren • ein robustes Risikobudget, das bei der Investition in verschiedene Anlageklassen eingehalten wird • solide strategische Investitionen, statt kurzfristiger Marktwetten • stabile Renditen bei einer geringen Volatilität Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte: Nordea Investment Funds S.A. Dr. Johannes Rogy Head of Fund Distribution Region Central & Eastern Europe Tel. 01/512 87 17 – 20 Johannes.Rogy@nordea.com

ralanwalt Christian Konrad plaudert im Interview (S. 08) über Entwicklungen in der Finanzbranche, seine Rolle als Flüchtlingskoordinator und darüber, wie er damit zeitgleich öffentliche Imagepflege für die Banker betreibt.

Ein erfolgreiches Börsenjahr wünscht Ihnen

Dominik Hojas d.hojas@derboersianer.com

Die genannten Teilfonds sind Teil von Nordea 1, SICAV, einer offenen Investmentgesellschaft luxemburgischen Rechts, welcher der EG-Richtlinie 2009/65/EWG vom 13. Juli 2009 entspricht. Bei dem vorliegenden Dokument handelt es sich um Werbematerial, es enthält daher nicht alle relevanten Informationen zu den erwähnten Teilfonds. Jede Entscheidung, in Nordea-Fonds anzulegen, sollte auf der Grundlage des aktuellen Verkaufsprospekts, der Wesentlichen Anlegerinformationen sowie des aktuellen Jahres- und Halbjahresberichts getroffen werden. Die genannten Dokumente sind in elektronischer Form auf Englisch und in der jeweiligen Sprache der zum Vertrieb zugelassenen Länder auf Anfrage unentgeltlich bei Nordea Investment Funds S.A., 562, rue de Neudorf, P.O. Box 782, L-2017 Luxemburg oder bei der Zahlstelle und dem Repräsentant der Nordea 1, SICAV in Österreich, die Erste Bank der österreichischen Sparkassen AG, Graben 21, A-1010 Wien erhältlich. Angaben zu Risiken in Verbindung mit den genannten Teilfonds entnehmen Sie bitte den Wesentlichen Anlegerinformationen, die wie oben beschrieben erhältlich sind. Nordea Investment Funds S.A. veröffentlicht ausschließlich produktbezogene Informationen und erteilt keine Anlageempfehlungen. Herausgegeben von Nordea Investment Funds S.A. 562, rue de Neudorf, P.O. Box 782, L-2017 Luxemburg, einer von der Commission de Surveillance du Secteur Financier in Luxemburg genehmigten Verwaltungsgesellschaft. Weitere Informationen bei Ihrem Anlageberater – er berät Sie als ein von Nordea Investment Funds S.A. unabhängiger Berater. Der Grad der individuellen Steuerbelastung ist unterschiedlich und kann sich in der Zukunft ändern.


AUSGABE NR. 12

18

LEITARTIKEL CHRISTIAN KONRAD08 „Im Sinne der Menschlichkeit“. Wie Ex-Raiffeisen-­ Generalanwalt Christian

INTERVIEW

Konrad als Flüchtlingskoordi-

Christian Konrad: „Im Sinne der Menschlichkeit“.

nator agiert und dabei Imagepflege für die Banker betreibt,

08

24

ROUND TABLE

Private Banking: Mehr Transparenz

erzählt DerBörsianer des vierten Quartals, im Interview.

FONDS Das Karussell dreht sich

18

PRIVAT BANKING Round Table: Trend zu mehr Transparenz

24

VERSICHERUNGEN Assekuranzen unter Zugzwang

28

BÖRSE Ungeregelter Ausstieg

32

WIRTSCHAFT Klima, schädlich?

44

INVESTOREN CEE-Reportage: Putins Dilemma

3 Banken Generali Investment

INFO INDEX

Aktienforum

20 60, 80

BPV Hügel BWT AG

68

33

Fidelity Investments

21

33, 70

Finanzmarktaufsicht

30, 51, 65

Allianz 53

CA Immobilien Anlagen AG

A-Tec Industries AG

55

CHSH 60

Immofinanz AG

Austrian Anadi Bank

49

C-Quadrat Kapitalanlage AG

78

John Harris

Bareal Immobilientreuhand

56

Deloitte Österreich

58

Jupiter Asset Management

Bawag PSK Invest

19

DLA Piper Weiss-Tessbach

69

Kathrein Privatbank AG

BDO Austria

58

Donau Versicherung AG

50

Kepler Cheuvreux

22

Bene AG

54

Ernst & Young

58

Kepler Fonds KAG

20

Binder Grösswang

61

Erste Asset Management

BMF 33

Erste Group Bank AG

INDEX: AUSZUG VON UNTERNEHMEN IN DIESER AUSGABE

4

56

18, 52 22, 57, 64

Generali Gruppe Österreich

Lowe GGK Matejka & Partner

50 57, 60, 70 77 77 20, 24, 40

78 35, 47


INHALTSVERZEICHNIS

FITNESS

68

MÄRKTE INSIDER Wer ich bin? Einer von euch!

06

76

BRANCHEN

MEINUNGEN

Darüber spricht man in den

STEFAN BRUCKBAUER 22 Europa widersteht globaler Abschwächung

Branchen: Köpfe, Deals, News, Trends und Events

Die Leidenschaften der Manager

Ad-hoc der Redaktion WHISTLEBLOWER

MARKTGEFLÜSTER 14 Martin Kwauka: Schrottreife Altersvorsorge

BANKEN48

BÖRSENRADAR Aktuelle Stimmung der ­Investoren

AKTIEN54

16

VERSICHERUNGEN50 FONDS52 IMMOBILIEN56 BERATER58 RECHT60

BÖRSENWETTER 22 Entwicklung der Welt­börsen und Topempfehlungen der Analysten

SEITENBLICKE

KURSE 35 Topperformer: Indizes, Aktien, Fonds und Anleihen

SO DENKT DIE POLITIK Klimagipfel in Paris: Folgen für die Wirtschaft?

PORTFOLIO40 Harald Holzer von der Kathrein Privatbank AG im Interview STATISTIK Aktuelle Börsen- und ­Wirtschaftsdaten

42

RANKING63 Die 50 besten Pressesprecher des Kapitalmarkts

KOMMUNIKATION62

74

WOLFGANG MATEJKA 35 Mögest du in interessanten Zeiten leben

Unser Whistleblower-Tool auf unserer Website entwickelt sich zu einem Erfolgsprojekt. Wir danken allen

WILHELM CELEDA 48 2016: Vorsätze und Wünsche GÜNTER GEYER Von Ein- und Ausblicken

50

HEINZ BEDNAR Turbulenter Börsenstart

52

MATTHIAS STIEBER Zu transparent?

54

PETER BARTOS Neuregelung der Abschlussprüfung

58

ALBERT BIRKNER „Naming and shaming“

60

PETER FELSBACH „Blogger Relations“

62

VALENTIN STALF Die Bank der Zukunft

73

Hinweisgebern für Ihre „Insides“ vom heimischen Finanzplatz. Wie sagte einst Michael Douglas als Gordon Gekko: „Der wichtigste Gebrauchsgegenstand, den ich kenne, ist die Information.“ REPORTAGE Jetzt ist es so weit: Die für Oktober 2015 geplante CEEReportage (S. 68) über Russland von Reginald Benisch finden Sie in der aktuellen

LEIDENSCHAFT: FITNESS 76 Topmanager verraten ihren ganz persönlichen Zugang BÖRSENTALK80 Wo sich die Finanzbranche trifft PORTRÄT: ZEHN FRAGEN AN … 82 Vorsorgeprofi Gerald Moritz

Ausgabe. Er hat heimische Investoren im sibirischen Winter nach Russland begleitet und Putins (und unser) Dilemma recherchiert. BÖRSENNERD Für unseren Junior im Team, Lukas Kothbauer, war es die letzte Ausgabe von DerBörsianer. Nach nur 18 Monaten als Freelancer ist er bereits zum echten Börsennerd mutiert. Er startet jetzt mit einem Praktikum bei einem Asset-Manager und bleibt somit als großes Talent dem

Miba AG

33

Schoellerbank AG

Moritz Consulting

82

Schönherr 79

Valartis Bank Austria AG

73

Semper Constantia Privatbank

VBV

Number 26 OMV AG

54, 64, 80

24 21, 24

Valartis Asset Management

Sparkassen Versicherung AG

30

Verbund AG

78

Vienna Insurance Group AG

21 46, 50, 53 46, 65

Palfinger AG

65, 71

Special Public Affairs

Pioneer Investments Austria

19, 53

Strabag SE

PWC

29, 59

Superfund 79

VVO 50

Raiffeisen Centrobank AG

23, 48

Telekom Austria AG

Wiener Börse AG

33, 55, 65, 81

Raiffeisen KAG

20, 52

UniCredit Bank Austria AG

Wiener Privatbank SE

21, 23, 24, 48

RBI

48, 72

Union Investment Austria

Schelhammer & Schattera KAG

20

Uniqa Österreich

65, 70 54, 65 22, 49, 65 18, 52 30

5

VÖIG

Wiener Städtische

Finanzplatz erhalten.

23, 48

50 29, 52, 81

29

ZEB 30

Weblinks werden in dieser Ausgabe mit einem → GELBEN BALKEN

markiert.


MÄRKTE

INSIDER WER ICH BIN? EINER VON EUCH! FOLGE MIR AUF → WWW.DERBOERSIANER.COM

KOMMENTAR NR°196 Geschätzte Paternosterfahrer, in Zeiten von Terror und Unsicherheit besinnt man sich gern auf eigene Werte und Traditionen. Also nichts wie auf zum Reinthaler’s Beisl bei der Albertina, sag ich mir und freu mich auf ein kleines Bier und ein Gulasch. (…) Nach dem ersten Schluck wird es plötzlich laut hinter dem Raumteiler. Die Trennscheibe zwischen mir und meinen aufbrausenden Nachbarn ist milchig und mit geätzten Weinreben verziert, sodass ich kein Gesicht erkenne, aber die Stimmen kommen mir bekannt vor. „Mit der Bankenabgabe habt ihr die Bank Austria abgewürgt, Hans Jörg, das sag ich dir!“, schallt es. Eine sonore Stimme entgegnet: „Also wenn du mich fragst, Erich, hättet ihr in der Bank schon längst selbst was tun müssen und Anpassungen vornehmen, aber ihr habt euch nicht getraut, gegen die Gewerkschaft anzutreten. Jetzt habt ihr den Schlamassel. Was sagst du, Gerhard?“ – „Schuld war der Italiener, als er damals die riskan-

MEIST GEKLICKT

ten Deals in der Ukraine und in Kasachstan eingefädelt hat, sag ich euch, der Italiener. Von diesen Übernahmen im Wilden Osten sind heute nur noch Ruinen geblieben.“ Ein Mann mit italienischem Akzent mischt sich ein: „Mamma mia! Warume sagst du immer so abschätzige ‚der Italiener‘ zu mir, Gerhard, das klingte wie eine Mafiafilmtitel, verstehst du. Icke heiße Federico, Federico. Willibald, sag etwas, der Gerhard beleidigt mich immerforte!“ Da setzt der Vierte ein: „Wer hat denn die Bank damals an die HVB verkauft, na, wer hat die Bank an die HVB verkauft?“ – „Der Randa war’s, der Randa war’s“, stimmen zwei der Herren gleichzeitig ein. Da schreitet der Kellner ein:

1. 2.

 800-Millionen-Deal?

„Meine Herren, bitte nicht so laut, wir haben im Hinterzimmer eine Trauerge-

BA-Kunden an Bawag PSK

meinde von einer Bank-Austria-Filiale. Ich muss Sie um etwas Rücksicht er-

Neuer Chef für Generali: Peter Thirring tritt zurück

3.

Krach bei VIG: Chef Peter Hagen tritt zurück

4.

Umbau bei Raiffeisen: Fusion RBI, RZB, RLB NÖ Wien?

5.

Anadi Bank: Teilverkauf, nein. Stellenabbau, möglich

6.

Knalleffekt bei CA Immo: CEO-Ettenauer tritt zurück

7.

Tiefer Ölpreis: OMV vor Jobabbau?

8. 9. 10.

Trotz Haftbefehls:

suchen.“ – Kurzzeitig tritt Stille ein. Die Tür öffnet sich, und ein „Augustin“Verkäufer erscheint. Ohne Umschweife tritt er mit einem Stapel Zeitungen an mich heran und sagt in einem ausgesprochen höflichen Tonfall: „Verzeihen Sie, der Herr, wenn ich so unverschämt an Sie herantrete. Mit dem Kauf einer Zeitung unterstützen Sie einen mittellosen ehemaligen Bank-Austria-Mitarbeiter.“ Eine brenzlige Situation: Was wenn dieser Mann mit meinen Nachbarn zusammentrifft und sie als seine Bosse und Jobvernichter erkennt? Ich schalte schnell. Um einen Eklat zu vermeiden, blicke ich ihn beherzt an und sage: „Geben Sie alle Zeitungen her, ich kauf Ihnen alle ab.“ – Der Mann sieht mich mit einem freudigen Lächeln an und sagt: „Sie wissen nicht, wie sehr Sie mir damit helfen. Herzlichen Dank. Man ist ja den Fehlern der Bankmanager und Politiker hilflos ausgeliefert. Und dann schieben sie sich oben-

OMV-Chef Seele empfing MOL-Boss

drein gegenseitig in aller Öffentlichkeit die Schuld zu. Alle miteinander, ob sie

Großputz bei Immofinanz:

nun Cernko, Hampel, Randa, Ghizzoni oder Schelling heißen. Geschmacklos ist

Schumy räumt vor HV auf

das. – Vom Nebentisch schallt es im Chor: „Zahlen, bitte!“ In diesem Sinne,

Bank-Austria-Demontage:

Die Herren der roten Zahlen

„Cash up!“ DerBörsianer

Über mich: Ich bin der Börsianer, deine einzig verlässliche

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Quelle über das Leben am rot-weiß-roten Finanzplatz. Ich

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dich. Zu meinen Informanten zählen die Marktteilnehmer (vulgo Whistleblower) und die Redaktion von DerBörsianer.

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COVER

„IM SINNE DER MENSCHLICHKEIT“ Mit dem Ex-Raiffeisen-Generalanwalt machte die Regierung einen der mächtigsten Österreicher und Wirtschaftsvertreter zum Flüchtlingskoordinator. Wie Christian Konrad dabei agiert und damit die Imagewerte der Banker verbessert, ­erzählt DerBörsianer des vierten Quartals, im Interview. TEXT DOMINIK HOJAS, LUKAS SUSTALA FOTO CLEMENS BEDNAR

I

n der großen politischen Krise nach

Herr Konrad, wie sieht denn die Reali-

der Flüchtlingswelle im Herbst 2015

tät in der Flüchtlingskrise aus? Sie for-

hat die Regierung ausgerechnet bei

dern seit Wochen tausende neue Quar-

einem langgedienten und gefürchteten

tiere. Ist da etwas passiert? – Die Reali-

Raiffeisen-Banker Rat gesucht.

tät sieht so aus: Wir hatten 2015 rund

Christian Konrad soll die Flücht-

90.000 Asylanträge. Wir haben mehr

lingskrise koordinieren, wie er früher

als 70.000 Menschen untergebracht.

das Raiffeisen-Netzwerk zu koordinie-

Und wir haben ein paar Tausend Men-

ren wusste. Er macht dabei trotz Wider-

schen immer noch in Notquartieren. Es

ständen gute Figur, betreibt zeitgleich

gilt, diese Notquartiere aufzulösen und

Imagepflege für die Banker, denn seine

in vertretbare Quartiere umzuwandeln.

Wertvorstellungen entsprechen so gar

Und zweitens müssen wir den weite-

nicht dem aktuellen Bild all dieser „bö-

ren Zugang im Auge behalten. Aktuell

sen Spekulanten“ in der Öffentlichkeit.

(Anfang Jänner) kommen täglich etwa

DerBörsianer traf den 72-jährigen „Pen-

2.000 Menschen über die Grenze. Wir

sionisten“ in seinem Büro, im Raiffei-

brauchen jetzt Quartiere, um den Rück-

sen-Hochhaus am Wiener Donaukanal,

stau einerseits aufzulösen und vorzu-

und plauderte mit ihm über seine Macht,

sorgen. Eine Situation, wie wir sie im

die Zukunft der heimischen Banken und

September des Vorjahres hatten, soll

darüber, was in der Flüchtlingskrise

nicht mehr eintreten. Zehntausende

noch passieren muss.

Menschen sind gekommen, wir wuss-


CHRISTIAN KONRAD FLÜCHTLINGSKOORDINATOR Der 1943 in Obersdorf, NÖ, geborene Jurist trat 1969 in die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien ein und wurde später ihr Obmann. Der leidenschaftliche Jäger war unter anderem Generalanwalt des Raiffeisenverbands und Aufsichtsratschef der RZB. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere hatte er 86 Funk­ tionen gleichzeitig inne. Seit 2012 ist er offiziell „Pensionist“.


In der Debatte um Flüchtlingsobergrenzen zeigt sich Konrad nicht realitätsfremd, er handelt im Sinne seiner christlichen Überzeugung.

ten nicht, wohin. Das wollen wir nicht

glücklich, dass Asylverfahren so lan-

ren Arbeitsmarkt mit 450.000 Arbeits-

noch einmal erleben.

ge dauern und wir daher einen Rückstau

losen. Ich war sowohl in der Bundes-

haben. Ich bin aber keine Amtsperson.

wirtschaftskammer als auch in der In-

Aber wird die Vorsorge nicht hinfällig, wenn

dustriellenvereinigung und habe dort für

Deutschland an der Grenze zu Österreich wie

Aber Sie haben die Legitimation als Ko-

die Anliegen der Flüchtlinge intensiv ge-

seit Ende Dezember mit Zurückweisungen

ordinator von der Politik bekommen. Und

worben, vor allem um dringend benötig-

beginnt? – Da gibt es Gespräche, um das

die soll ja den Wählerwillen umsetzen.

te Quartiere. Da ist doch einiges gelun-

wieder zu ändern. Wenn die Deutschen

Wenn Sie sich den jüngsten Stimmungs-

gen. Wir haben fast keine Obdachlosen

plötzlich den Weg gehen, dass sie Men-

wechsel, insbesondere nach Köln, ansehen,

gehabt.

schen zurückweisen, die nach Schweden

handeln Sie dann noch im Sinne der Mehr-

wollen, sind das Notmaßnahmen. Wir

heit der Österreicher? - Ich handle im Sin-

Da setzt man einen pensionierten Spit-

brauchen aber normale Bahnen. Wenn

ne der Menschlichkeit. Auf Basis meiner

zenbanker als Flüchtlingskoordinator ein.

Österreich das macht, was die Deutschen

christlichen Überzeugung. Strömungen

Das passt nicht wirklich zum allgemeinen

machen, lösen wir überhaupt eine Kata-

in der Bevölkerung kenne ich – und die

Bild des Berufsstandes, das sich vom per-

strophe aus. Denn zu uns kommen Men-

sind auch recht unterschiedlich -, aber

fekten Schwiegersohn zum Milliardenspe-

schen, die überwiegend nach Deutsch-

ich sehe auch die Situation der Flüchtlin-

kulanten gewandelt hat. – Ich habe zwar

land wollen. Wir müssten dann alle, die

ge vor mir. Um die geht es auch. Ich war

das Bankgeschäft gelernt, bin aber seit

kommen, zurückweisen. Dann wäre das

immer einer derjenigen, die gegen Vor-

1990 ehrenamtlicher Funktionär, also

Land Slowenien innerhalb von drei Ta-

urteile sind. Vorurteile bestehen anfangs

Aufsichtsrat, gewesen. Also leider nicht

gen überlastet. Wir können nur im Ein-

immer gegen alles Fremde.

mehr beim Kunden. Ich hatte eine stra-

vernehmen mit Slowenien hier eine Lö-

tegische Funktion. Mir ist die genossenArgumente und Sachlichkeit sind ja das

schaftliche Idee persönlich sehr nahe.

eine, Emotionen etwas anderes. Wie begeg-

Ich habe immer gesagt, Wirtschaft ist für

Sie finden klare Worte, betonen aber, dass

net man der Angst? – Mit Gesprächen, mit

die Menschen da. Und es geht dabei nicht

Sie kein politisches Amt haben. Kann man

Beispielen, mit dem eigenen Beispiel.

nur ums Reden, sondern auch ums Tun.

sung umsetzen.

als Koordinator überhaupt unpolitisch sein?

Ich habe mich immer für soziale Fragen

– Ich habe natürlich eine politische Mei-

In Deutschland war die Wirtschaft auch ein

engagiert. Vom Engagement für Maria-

nung, ich bin ja ein Mensch. Aber ich

wichtiger Teil der Willkommenskultur, die

zell, für die Hilfsorganisation Concordia

muss mit der Situation aufgrund der

Chancen der Zuwanderung wurden be-

bis zur Caritas-Einrichtung Gruft.

Faktenlage und der Gesetzlage umgehen,

tont. – Aber Deutschland hat eine ande-

eingebettet in die personellen Möglich-

re Konjunktursituation als Österreich.

Sie haben sich nie als klassischen Bankier

keiten, die wir haben. Ich bin auch nicht

Wir haben ja bekanntlich einen ande-

gesehen? – Nein, das war ich nie.

10


COVER

Was hat sich im Vergleich mit Ihrer frühe-

nicht beim leisesten Gegenwind umfal-

litik und Wirtschaft reden miteinander,

ren Tätigkeit geändert? – Früher hatte ich

len.

nicht übereinander. Nur miteinander

die Kompetenzen und auch die Möglich-

werden wir etwas zusammenbringen.

keit umzusetzen. Wenn ich jetzt etwas

Wir beobachten aktuell einen tiefen Riss

vereinbare, habe ich festgestellt, dass es

zwischen der Finanzwirtschaft und der Po-

Der Riss war also die Finanzkrise? – Es war

manchmal der einen oder anderen Nach-

litik. Wie ist der entstanden? – Das ist sehr

der Augenblick nach Lehman, als es ge-

frage bedarf, damit es tatsächlich pas-

einfach. Die ersten Jahre des neuen Jahr-

heißen hat, die österreichischen Ban-

siert. Ich habe nur den guten Willen.

tausends waren ja goldene Jahre. Da hat

ken sind alle unterkapitalisiert, und als

man einen Kern ausgespuckt, und mor-

plötzlich die Kapitalstandards sofort und

Sie haben nicht nur den guten Willen, Sie

gen war ein Apfelbaum da, paradiesi-

ohne Gelegenheit zum Gegensteuern er-

haben auch eine Waffe, wie Sie in einem

sche Zustände fast. Daher sind die Leu-

höht wurden. Das war nur möglich mit

Antrittsinterview gesagt haben: die Über-

te übermütig geworden, die Banker sind

einer entsprechenden Haftung oder mit

zeugungskraft. Wie kommt man zu dieser

ständig mächtiger und wichtiger gewor-

Partizipationskapital der Republik. In

Waffe? – Ein langes Leben, Begegnungen

den, haben immer mehr verdient. Das

dem Augenblick hat die Politik Rücken-

mit vielen Menschen, mit vielen Gesprä-

hat natürlich auch Neid ausgelöst. Ich

wind gespürt, und viele wollten die Ban-

chen und Problemen, die wir gemein-

erinnere mich gut an einen Ausspruch

ker vom hohen Ross holen.

schaftlich gelöst haben. Daher bekommt

eines Finanzministers, der gesagt hat,

man einen Ruf. Aber es ist alles eine Fra-

es wird eh Zeit, dass die Politik das Ru-

Denkt der Politiker völlig anders als der

ge der Persönlichkeit. Die Frage ist: Wo-

der übernimmt und es nicht den Bankern

Banker? – Beim Politiker geht es auch

für steht man? Man muss dort, wo es da-

überlässt. Ich war danach am Pult und

um die Wiederwahl. Er will ja auch ge-

rauf ankommt, artikulieren, muss argu-

habe gesagt: Aha, interessante Darstel-

schätzt sein. Bei einem Privatunterneh-

mentieren. Das ist nachhaltig. Man darf

lung. Aber viel interessanter ist es, Po-

mer ist es anders, möglicherweise ist es

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COVER

Christian Konrad (r.) im ­Gespräch mit Lukas Sustala (l.) und Dominik Hojas in seinem Büro im ­Raiffeisen-Hochaus am Wiener ­Donaukanal.

ihm egal, was seine Mitarbeiter denken,

man die zehn Gebote einhält, eine ver-

haben: Sparkassen, Volksbanken, Raiff-

aber das geht nicht lange gut. Jedenfalls

nünftige Kinderstube hat, ordentlich er-

eisenbanken. Die sind örtlich veran-

will er vom Markt und von den Kunden

zogen ist, dann weiß man eh, was man

kert, finanzieren die lokale Wirtschaft

geschätzt werden.

tun darf und was nicht.

und tragen die örtliche Gesellschaft. Un-

Und wie denkt der Banker? – Ein guter

Die zehn Gebote statt Compliance? - Nein,

Ereignisse, Konzerte, Bälle, Veranstal-

Banker denkt langfristig.

nicht statt. Aber sie sind die Grundlage.

tungen aller Art sind nur möglich mit

Ein Hahnenkamm-Wochenende, das

der Hilfe örtlicher Banken. Natürlich ist

Sie haben als gläubiger Mensch die Ursa-

4.500 Euro kostet pro Person, ist eben

das eine Werbeausgabe. Aber dieses Geld

che der Krise am Werteverlust festgemacht.

ein bisschen mehr als die Einladung zu

wird in der Region erwirtschaftet und in

Sind die Werte nach sieben mageren Jahren

einem Schnitzel zu Mittag.

Form von Krediten oder in Form von re-

glaublich viele lokale gesellschaftliche

wieder zurück in der Bankenbranche? – Ich

gionalen Aktivitäten reinvestiert. Wenn

bin noch nicht sicher. Es redet zwar je-

Aber individuelle Entscheidungen treten in

wir das System zerstören, zerstören wir

der davon, aber im Moment müssen alle

den Hintergrund, globale Harmonisierung

sehr viel in dem Land.

die Folgen der letzten Jahre ausmerzen.

in Form von Basel III und Shareholder Va-

Viele haben derzeit weniger Zeit, über

lue in den Vordergrund. Ist das gefährlich?

In anderen Ländern sind dezentrale Bank-

Werte nachzudenken.

– Es ist zumindest bedauerlich. Share-

strukturen wegen Basel III auf dem Rück-

holder Value und diese Regeln bedeuten

zug. Droht Raiffeisen das Rabobank-

Braucht es für den Wertewandel nicht ein-

immer kurzfristige Optimierung und

Schicksal in den Niederlanden? – Nein, die

fach neues Personal? – Nein, der Mensch

nicht langfristigen Nutzen. Damit wird

Sorge habe ich nicht.

hat einen freien Willen. Jeder Mensch

immer das gemacht, von dem alle glau-

kann sich morgen neu orientieren und

ben, dass es morgen am gescheitesten

Aber mit mehr Eigenkapital und Basel III

für das Richtige entscheiden, auch wenn

ist. Was übermorgen ist, ist egal, dann

wird wohl die Bedeutung der Börse zuneh-

er bis dato das Falsche getan hat.

schauen wieder alle.

men. Sie haben einmal gesagt: „Wir nehmen die Börsenspielregeln in Kauf, weil wir

Eine Reaktion der Regulatoren auf die Kri-

Gerade die genossenschaftliche Idee hin-

uns dort Geld geholt haben, aber wir rich-

se war ja, mit Compliance-Vorschriften zu

ter Raiffeisen scheint durch die Regulierung

ten uns sicher nicht nur nach der Börse, um

verhindern, dass Falsches getan wird. Ein

in den Rückzug gezwungen. – Wir kämp-

zu tun, was ein paar Börsianer wollen.“ Wie

erfolgreicher Weg? – Ich bin kein Freund

fen eh dagegen. Österreich ist eines der

passt das zusammen? – Ich habe eine Rei-

davon. Die Vorschriften haben jeden-

wenigen Länder, in denen freie Genos-

he von Unternehmen als Aufsichtsrats-

falls mehr Bürokratie gebracht. Sie sind

senschaften, so wie wir sie kennen, auch

chef geführt, allerdings hatten sie die

in manchen Dingen einfach hinderlich,

funktionieren und eine Bedeutung ha-

Eigenheit, dass es einen starken Kern-

weil sie zu eng und zu bürokratisch sind.

ben sowie auch im Land gehört werden.

aktionär gab und an der Börse nur der

Wenn es dazu führt, dass die Menschen

Österreichs Wirtschaft und Gesellschaft

Streubesitz war. Es gab also die Erfor-

wieder mehr nachdenken, hat das einen

funktionieren auch deshalb so gut, weil

dernisse des Hauptaktionärs, dessen

Sinn. Aber ich brauche das nicht. Wenn

wir das System der dezentralen Banken

Vertreter ich meist war. Es kann nicht

12


COVER

sein, dass sich alles nach einem Streubesitz von dreißig, vierzig Prozent richtet, und die 60 Prozent bleiben übrig. Aber das Beispiel der UniCredit Bank Aus­ tria AG hat soeben gezeigt, wie regulatorischer Druck und der Wirtschaftsstandort heimische Banken in Existenzprobleme bringen. – Es stimmt, um ein Haar hätten sie beinahe alles zugesperrt. Aber das ist auch Ergebnis der früheren Expansionspolitik der Bank Austria. Sie selbst gingen bei der Privatisierung der Creditanstalt 1997 leer aus, die Bank Austria bekam den Zuschlag. Einer der ersten politischen Fehler? – Das kommentiere ich nicht mehr, das ist für mich verschüttete Milch. Wozu es geführt hat, haben wir gesehen: bis zu der Aussicht, dass fast alles zugesperrt worden wäre. Ob es so weit gekommen wäre, bin ich nicht sicher. Es wird gesagt: „Der Randa war’s.“ – Das habe ich nie gesagt. Der Randa war auch dabei, aber nicht nur.

es andere, neue. Es gibt einen ständigen INFO WISSEN Raiffeisen mit Rosskur Es wird eifrig gerechnet am Wiener Stadtpark. 2015 hat die Osteuropabank Raiffeisen Bank International AG ein empfindliches Sparpaket für ihre östlichen Beteiligungen angekündigt. Seitdem wird verkauft und verschlankt, um die gestiegenen Eigenkapitalvorschriften der Aufsicht in Frankfurt zu erfüllen. 2016 wird die Restrukturierung auch Österreich erfassen. Denn mit vier Ebenen (RaiffeisenKassen, Raiffeisen-Landesbanken, Raiffeisen Zentralbank AG und Raiffeisen Bank International AG) bleibt das Geflecht unter dem Giebelkreuz besonders komplex. Die Fusion der beiden Spitzeninstitute steht dabei aktuell genauso im Raum wie eine Verschlankung auf Landesebene. So oder so müssen die Kosten runter. Erwin Hameseder, Obmann der Raiffeisen Holding Niederösterreich-Wien und Aufsichtsratschef des Spitzeninstituts RZB, spricht von einer Kostensenkung von 20 bis 25 Prozent. Am Ende des Prozesses sollen die Eigenkapitalvorgaben von der EZB aus eigener Tasche gestemmt werden, auch wenn dies weitgehend durch Kosteneinsparungen erreicht wird.

Wechsel und Wandel. Aber es immer gescheiter, der passiert organisch und evolutionär als revolutionär. Wie oft gehen Sie noch in die Bankfiliale? – Ich geh nur zum Bankomat, wenn ich ein Geld brauche. Ansonsten habe ich noch Daueraufträge – und eine gute Assistentin. Also gar keine Frage der Generation. – Natürlich nicht, es geht um Technologie. Ich war auch zugegebenermaßen überrascht, wie schnell sich die Hochtechnologie auch im flachen Land durchgesetzt hat. Aber Banken sind gut beraten, neben Hightech Hightouch nicht zu vergessen. Das persönliche Gespräch, das vertrauensvolle Gespräch ist durch nichts zu ersetzen. Bei allen Eigenkapitalvorschriften für die Banken, ob es jetzt zehn, zwölf oder 15 Prozent Eigenkapital sein müssen. Dann sind immer noch 85 Prozent des Geschäfts Vertrauen. Ohne dieses geht es nicht. Und Vertrauen sind Menschen, Touch. Der Raiffeisensektor steht vor einer Re­

Liegen die Probleme nicht tiefer? Haben wir zu viele Banken? – Als ich begonnen

kassen mit 700 Zweigstellen. Heute gibt

organisation. Wohin wird es gehen? - Ich

habe bei Raiffeisen, gab es in Niederös-

es noch 60 Kassen, und viele Zweigstel-

bin Pensionist. Darum kümmern sich

terreich 600 selbstständige Raiffeisen-

len gibt es schon nicht mehr. Dafür gibt

meine Nachfolger. n

b


MÄRKTE

MARKTGEFLÜSTER

SCHROTTREIFE ALTERSVORSORGE

MARTIN KWAUKA JOURNALIST Martin Kwauka ist freier Wirtschaftsund Finanzjournalist. Im ­Auftrag von ­DerBörsianer füllt er diese Seite ­regelmäßig mit ­seinen ­Gedanken.

Am 29. Februar 2016 will die Bundesregierung ein ­Maßnahmenpaket für die Altersvorsorge bekanntgeben. Der Handlungsbedarf ist gewaltig. Das größte Sorgenkind ist aber nicht die staatliche Pension, sondern die private Vorsorge.

Der Bereich der staatlichen Pensionen

den Verträge dümpelt ertragslos da-

Staat jährlich mehr als zehn Milliarden

„Das wird sich in einigen Jahren bitter rächen.“

Euro in die Töpfe der Sozialversicherun-

MARTIN KWAUKA

tie angesichts der tiefen Zinsen nicht

steht traditionell im Mittelpunkt politischer Debatten. Inzwischen muss der

gen zuschießen. Das raubt dem Staat

hin. Immer mehr Gesellschaften stellen das Neugeschäft sogar ganz ein, weil sich die vorgeschriebene Kapitalgaranmehr darstellen lässt. Und was macht

fast jeden Spielraum für Zukunftsin-

die Politik: gar nichts. Noch schlimmer:

vestitionen. Doch wurde mit der Einführung des Pensions-

Sie schaut nicht nur beim Niedergang der privaten Vorsor-

kontos immerhin ein wichtiger Reformschritt gesetzt, um

ge tatenlos zu, sondern streicht obendrein Steuervorteile wie

die erste Säule des Pensionssystems langfristig zu stabilisie-

die Sonderausgaben und erhöht die KESt auf alles, was noch

ren. Die zweite Säule, die betriebliche, ist zwar grundsätzlich

Chancen auf Rendite hat.

funktionsfähig. Sie ist aber noch viel zu schmächtig, um die

Das wird sich in einigen Jahren bitter rächen. Junge Men-

Last der Altersvorsorge im notwendigen Umfang zu tragen.

schen bekommen aus der staatlichen Pension künftig rund

Derzeit gibt es nur 883.000 Begünstigte. Ein Großteil der Be-

ein Drittel weniger als Pensionisten, die von den jüngsten

völkerung kann mit keinerlei Rente vom Chef rechnen.

Reformschritten verschont blieben. Viele der heutigen Bei-

Das eigentliche Problem ist die dritte Säule des Pensions-

tragszahler werden sich im Alter nur das Nötigste leisten

systems, die private Vorsorge. Laut einer Studie der Allianz

können. Deswegen muss der Staat die private Vorsorge viel

erzielten private Haushalte seit 2010 im Schnitt bloß eine

mehr unterstützen. Es wäre ein entscheidender Schritt, Ein-

jährliche Realrendite von 0,3 Prozent. Damit ist Österreich

zahlungen in die private Vorsorge von der Einkommensteuer

Schlusslicht unter neun analysierten Eurostaaten. Das heißt:

zu befreien. Für den Staat ist das langfristig kein Verlustge-

Selbst in diesen fetten Jahren stagnierte der private Kapital-

schäft, wenn er im Gegenzug künftige Auszahlungen besteu-

stock nach Abzug der Inflation und wuchs allenfalls durch

ert. Bei der Veranlagung der Beträge sollte Wahlfreiheit zwi-

Neueinzahlungen. Bei dem beliebten Trio Sparbuch, Bau-

schen verschiedenen Produkten bestehen. Eigentlich gibt es

sparen und klassische Lebensversicherung wird in absehba-

keine vernünftigen Gegenargumente. Wer aus ideologischen

rer Zukunft nicht einmal das Minimalziel der Erhaltung der

Motiven gegen die Förderung der privaten Vorsorge ist, der

Kaufkraft erreicht werden. Dies sind aber häufig die einzigen

sollte sich einmal die betriebliche Säule genauer anschau-

Vehikel der privaten Vorsorge.

en. Dort sind Beiträge des Arbeitgebers in beträchtlicher

Ein besonderes Sorgenkind ist die Zukunftsvorsorge. Das

Höhe von der Steuer absetzbar, bei Topmanagern können das

einst von Staats wegen als finanzielle Wunderwaffe gegen Al-

zehntausende Euro im Jahr sein. Ist es gerecht, dass Millio-

tersarmut gepriesene Produkt wurde wegen Konstruktions-

nen andere Österreicher jeden Euro für die private Vorsor-

fehlern zum Rohrkrepierer. Ein großer Teil der bestehen-

ge aus dem voll versteuerten Einkommen zahlen müssen? n

14


MÄRKTE

BÖRSENRADAR

+ 80 PUNKTE [MAXIMUM +100] BENCHMARK NTX (CEE) + 70

INVESTOREN SKEPTISCHER, ABER POSITIV GESTIMMT

ATX (AUT)

+ 60

+ 50

Die Stimmung an den Aktienmärkten der CEE-Region (NTX-Index) verlor im Verlauf des Jahres an Schwung. Das CEE-Sentiment erreichte im Oktober einen Tiefpunkt mit +18,7 Punkten für die kommenden sechs Monate. Im Dezember lag der Wert bei +45 Punk-

+ 40

ten. Dies ergibt sich aus der Differenz von 65 Prozent an positiven und den 20 Prozent an negativen Stimmen. Noch im Vormonat war die Stimmung besser. Gegenüber dem November (+59,9 Punkte) brach die Stimmung um 14,9 Punkte ein. Die Investorenstimmung für Österreich zeigte sich im Vergleich dazu wie schon das

+ 30

ganze Jahr über robuster, obwohl das Sentiment für den österreichischen Aktienmarkt (ATX-Index) ebenso Verluste hinnehmen musste. Der aktuelle Wert von +52,5 Punkten setzt sich aus 73,6 Prozent positiver und 21,1 Prozent negativer Einschätzung zusammen. Im Vergleich zur letzten Ausgabe rutschte man im CEE-Ländervergleich auf den dritten

+ 20

Platz. Vor drei Monaten erhielt Österreich noch den höchsten Wert bei den Investoren.

+ 10

AKTUELLE INVESTORENSTIMMUNG

73,6 % steigen 5,3 % seitwärts 21,1 % fallen

65,0 % steigen 15,0 % seitwärts 20,0 % fallen

DEZ. 14

JÄN. 15

0

– 10 PUNKTE [MAXIMUM –100]

+44

+57

+24,2

+49,9

So viele Punkte beträgt die Investorenstimmung auf den Aktienmärkten in der Eurozone. Das Sentiment liegt damit erneut unter jenem der CEE-Region, erlebte jedoch nur einen minimalen Verlust gegenüber dem Vormonat.

Sieger unter den CEE-Ländern ist diesmal Rumänien (BET), das +57 Punkte erhält. Ganze 71,1 Prozent der Investoren setzen darauf, dass die Kurse in Rumänien in den kommenden sechs Monaten steigen werden.

Die rote Laterne geht wieder einmal an die Türkei (ISE100). Mit +24,2 Punkten wurde kein anderes Land bei den Investoren so schlecht bewertet. Ein Drittel glaubt in den nächsten sechs Monaten an fallende Kurse.

Mit +49,9 ­Punkten ist Polen ein Verlierer in dieser Ausgabe. Der polnische WIG20 zählte in den letzten Ausgaben stets zu den Liebkindern bei den Investoren. Nun ist man jedoch ins hintere Mittelfeld abgerutscht.

16

77,4

68,5

57,1

73,6

0

35,2

NTX (CEE) 50,0

ATX (ÖSTERREICH)

FEB. 15


MÄRKTE

POSITIV

–12,2 PKT

MÄR. 15

APR. 15

MAI 15

JUN. 15

JUL. 15

AUG. 15

SEP. 15

OKT. 15

NOV. 15

52,5

45,0

64,7

59,9

33,4

18,7

52,6

42,0

74,9

64,4

62,0

55,5

70,6

64,3

74,9

74,9

73,7

68,3

60,0

68,3

–14,9 PKT

DEZ. 15

DIFFERENZ

NEGATIV QUELLE: CEE ZEW-ERSTE GROUP INDIKATOR

+45,5

+35

Der ungarische Aktienmarkt (BUX) wird von den Investoren auch diesmal weniger positiv bewertet. Allerdings hat sich das Sentiment im Vergleich zu den Vormonaten besser entwickelt als bei den anderen CEE-Ländern.

Die Investorenstimmung am slowakischen Aktienmarkt ist im Ländervergleich erneut weniger positiv. Bei +35 Punkten glauben nur zehn Prozent an fallende, aber jeweils 45 Prozent an steigende und seitwärts tendierende Kurse.

INFO DATEN CEE ZEW-Erste Group Indikator Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und die Erste Group Bank AG befragen monatlich Finanzmarktexperten über die Entwicklung der Aktienmärkte in den folgenden sechs Monaten in Zentral- und Osteuropa. Dazu zählen Österreich (ATX), Kroatien (CROBEX), Tschechien (PX 50), Ungarn (BUX), Polen (WIG), Rumä­ nien (BET), die Slowakei (SAX), Türkei (ISE-100) sowie die Regionen CEE (NTX) und Europa (Eurostoxx). Die Punkte in der Grafik drücken die Differenz zwischen der relativen Menge an Stimmen mit positiver und negativer Einschätzung aus. Diese Balance (Sentiment/Stimmung) kann demnach zwischen –100 (negativ) und +100 Punkten (positiv) schwanken. Punkte gegen null sprechen im Chart für eine neutrale Entwicklung der Aktienmärkte.

17


FONDS

DAS KARUSSELL DREHT SICH Spektakuläre Übernahmen und stringente Sparprogramme wirbeln die heimische Fondsbranche gehörig auf. Zumindest das Fonds­volumen hat inzwischen fast wieder das Vorkrisenniveau erreicht. DerBörsianer mit einem Überblick. TEXT RAJA KORINEK, ROBERT WINTER

D

er Zeitpunkt war freilich kaum

der rekordtiefen Zinsen und volatilen

Fondsgesellschaft es ernst meinen, be-

ein Zufall. Ende Oktober 2015

Aktienmärkten. Das ändert aber freilich

legt auch der langfristig abgeschlosse-

warf Heinz Bednar, Chef der

nichts an der Tatsache, dass sich in Ös-

ne Mietvertrag. Horst Simbürger, Anla-

Asset

während

terreich das Übernahmekarussell immer

gechef der nunmehrigen Union Invest-

der jährlichen Tagung der Vereinigung

schneller dreht. Allein erst im Juli 2015

ment Austria: „Entscheidend ist, dass

­Österreichischer

Fondsgesellschaften

gab die deutsche Union Investment den

Union Investment ein klares Bekenntnis

(VÖIG), deren Präsident Bednar zugleich

Kauf der Volksbank Invest KAG bekannt.

dazu abgegeben hat, die Position der Ös-

Erste

Management,

ist, eine provokante Frage auf. Der lang-

Freilich kein schlechter Schachzug, mit

terreichtochter aufzuwerten. Vor allem

jährige Finanzexperte stellte die Fra-

dem sich der alemannische Fondsriese,

im Geschäft mit institutionellen Kun-

ge in den Raum, ob denn der heimische

der 260 Milliarden Euro verwaltetes Ver-

den stehen die Zeichen auf Wachstum.“

Standort international noch konkur-

mögen hat, über die nunmehrige Toch-

Bei der deutschen Mutter schlüsselt man

renzfähig sei.

ter (sie verwaltet fünf Milliarden Euro)

die Vorhaben ein wenig mehr auf: „Mit

Zumindest der Appetit auf Fonds ist

in der kleinen Alpenrepublik breitma-

dem lokalen KAG-Status können künf-

den heimischen Anlegern nicht vergan-

chen kann. Das offizielle „Grünlicht“

tig Spezialfonds nach österreichischem

gen. Das zeigen die VÖIG-Statistiken,

erteilte die FMA schlussendlich im De-

Recht angeboten werden“, unterstreicht

allein im Dezember 2015 hatte das ge-

zember 2015.

Sinan York Temelli, Chefpressesprecher

samte Volumen gut 163 Milliarden Euro

der Union Asset Management Holding.

erreicht. Im Rekordjahr 2006 lag das Vo-

Historischer Wechsel

lumen bei 167,3 Milliarden. Dabei stan-

Womit auch der Übersiedlung der 65

und öffentliche Institutionen anspre-

den zuletzt die Nachhaltigkeitsfonds –

Wiener

ehemaligen

chen. Wobei die heimischen Privatanle-

vor allem bei institutionellen Anlegern–

Volksbank Invest in die ebenso ge-

ger ebenso im Fokus stehen, sie könn-

im Fokus, aber auch sogenannte Ver-

schichtsträchtigen Räumlichkeiten der

ten künftig „über ihre Volksbanken die

mögensverwaltungsfonds. Denn immer

„alten“ Wiener Börse am Wiener Ring

Fonds unseres Hauses beziehen“. Der

weniger Anleger wollen selbst über die

nichts mehr im Wege steht. Dass die

Appetit auf weitere Häuser hierzulande

Aufteilung der Assetklassen entschei-

neuen Eigentümer der nunmehr unter

dürfte aber vorerst gestillt sein. Temel-

den, wenig verwunderlich angesichts

Union Investment Austria firmierenden

li: „Derzeit fokussieren wir uns in Öster-

Mitarbeiter

18

Auch könne man nunmehr Stiftungen der


FONDS

© GUENTHER PEROUTKA / WIRTSCHAFTSBLATT / PICTUREDESK

Heinz Bednar sorgt sich bei der VÖIG-Tagung um die Konkurrenzfähig des ­heimischen Standorts.

reich auf die Integration der akquirierten Fondsgesellschaften.“ Offen bleibt hingegen, inwieweit einzelne Fonds fusioniert oder geschlossen werden könnten. „Über die Produktpalette wird im Rahmen des Integrationsprojekts entschieden, das zum Jahresbeginn 2016 anlaufen wird“, gibt sich Temelli ein wenig kryptisch. perfekte Drehscheibe, um auch Länder

rungen bei der bisherigen Struktur mit

Kampf der Giganten

in Osteuropa anzupeilen.“ In Österreich

Fondsmanagementabteilungen in Wien,

Dabei hat nicht nur die Union Invest-

sollen künftig mehr Amundi-Fonds an-

München und im irischen Dublin. Allein

ment alle Hände voll zu tun. Im Wettlauf

geboten werden. Ab wann denn Bawag-

kommentieren möchte man derzeit bei

um heimische Marktanteile schnapp-

Fonds in jene des französischen Riesen

Pioneer Investments noch nichts. Be-

te sich schon im Februar 2015 die fran-

umfirmiert werden könnten, konnte

obachter rechnen aber damit, dass das

zösische Amundi die Bawag PSK Invest,

man zum aktuellen Standpunkt hinge-

Österreichgeschäft

sie hat rund vier Prozent am österrei-

gen nicht kommentieren.

bleibt. Zumindest jenes mit institutio-

aufrechterhalten

chischen Fondsgeschäft. Mit dem Neo-

Welche Dimension die Konsolidie-

nellen Kunden. Laut der Ratingagentur

eigentümer kommt zugleich auch ein

rung in der Vermögensverwaltungs-

Morningstar ist es aber auch auf inter-

mächtiger Assetmanager ins Heim-

branche erreicht hat, zeigt auch das Vor-

nationaler Ebenen noch zu früh, Schlüs-

spiel, zählt doch der Vermögensver-

gehen von der italienischen UniCredit

se zu ziehen, weil die Auswirkungen der

walter Amundi, der den französischen

und der spanischen Bank Santander. Die

Fusion auf die Fondspalette (weltweit

Großbanken Credit Agricole und Socie-

Verschmelzung der beiden Fondstöch-

bieten Pioneer Investments und Santan-

te Generale gehört, zu den großen glo-

ter Pioneer Investments und Santander

der Asset Management rund 1.200 Fonds

balen Mitspielern. Per Ende September

Asset Management zu einer neuen Ge-

an wobei etwa die Hälfte davon in Euro-

2015 verwaltete das Unternehmen ein

sellschaft soll noch heuer abgeschlossen

pa verfügbar ist) noch nicht abzuschät-

Anlagevolumen von mehr als 950 Milli-

werden. UniCredit und Santander wer-

zen sind. Das Gleiche gilt für Synergieef-

arden Euro, seit dem 11. November 2015

den mit je einem Drittel an der neuen

fekte, die durch Adaptionen von Invest-

notiert die Amundi-Aktie an der Pariser

Gesellschaft beteiligt sein, der Rest wird

mentstrategien und Anlageteams geho-

Börse. So viel steht jedenfalls schon jetzt

von den US-Private-Equity-Unterneh-

ben werden können.

fest: Bis 2018 möchte man in Österreich

men Warburg Pincus und General At-

das verwaltete Vermögen auf zehn Mil-

lantic gehalten. In Zukunft soll das Un-

Raues Klima

liarden Euro verdoppeln. „Sollten sich

ternehmen, das nach der Fusion in Sum-

Übernahmen gab es beim Marktfüh-

vernünftige Übernahmechancen oder

me rund 400 Milliarden Euro Vermögen

rer Erste Asset Management zwar nicht.

opportunistische Partnerschaften er-

verwaltet, unter Pioneer Investments

Dafür wurde der Rotstift trotz solider

geben, um das organische Wachstum

firmieren. Wie sich die Veränderungen

Geschäftsentwicklung

zu forcieren, würden wir sie wahrneh-

auf Pioneer Investments Austria, mit

setzt. Sowohl 2014 als auch im Vorjahr

men“, unterstreicht Eric Bramoulle,

einem Marktanteil von 10,6 Prozent die

mussten Kosten gesenkt werden. Dem

CEO der Bawag PSK Invest. Der Standort

Nummer drei am Austro-Fondsmarkt,

Vernehmen nach war jeweils eine Re-

Wien dürfte jedenfalls auch hier gesi-

auswirken, ist aktuell noch schwer zu

duktion um zehn Prozent zu erreichen.

chert sein. Laut Bramoulle sei Wien „die

beurteilen. Möglich wären Verände-

Bestätigen wollte man das allerdings

19

bereits

ange-


FONDS

ner Schnabl, Sprecher der Geschäftsführung der Raiffeisen KAG. Gegenüber weiteren Sparmaßnahmen – die Kostenseite „bleibe sensibel“ - und Konsolidierungen sei man allerdings nicht abgeneigt. Ob beispielsweise eine Fusion mit der Kepler KAG, Fondstochter der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich AG, infrage käme? Schnabl: „Als Raiff© WB / WIRTSCHAFTSBLATT / PICTUREDESK

eisen KAG stehen wir jeder Zusammenarbeit, sei es innerhalb der Bankengruppe oder der Fondsbranche in Österreich, offen gegenüber.“

Strategische Nischen Etwas knapper der Tenor bei der Kepler Fonds KAG: „Eine Fusion mit der RCM ist seitens der Eigentümer nicht angedacht und würde auch keine Synergi-

Horst Simbürger freut sich über ein klares Bekenntnis seines neuen Eigentümers.

en bringen“, so Geschäftsführer Andnicht in dem Umfang. „2015 wurde ein

gen Marktführer der Austrofondsgesell-

reas Lassner-Klein. Dennoch räumt der

Kostensenkungsprogramm

schaften in Zukunft weitergeht, steht in

langjährige Profi ein, dass es für kleine

den Sternen.

Gesellschaften immer schwieriger wer-

für

heuer

umgesetzt“, so das knappe Statement. Im November 2015 erfolgte zudem die

Allein vor geraumer Zeit wurde, so

de, „die gesamte Palette abzudecken“.

Fusion mit der tschechischen Tochter-

ein Insider, ein neuerlicher Verkaufs-

Deshalb konzentriere man sich bei der

gesellschaft. Dabei gehe es um die Nut-

versuch gestartet. Um wie viel Geld es

Kepler Fonds KAG eben auf „klare Kern-

zung von Synergien, wie Dieter Kersch-

dabei geht, wird wie bei allen anderen

kompetenzen“. Unter Zugzwang sieht

baum, Sprecher der Erste Asset Manage-

Eigentümerwechseln unter Verschluss

man sich bei der 3 Banken Generali In-

ment, unterstreicht. Schließlich seien

gehalten. Als Faustregel gilt jedoch,

vestment ebenso wenig: „Gibt es eini-

die Aufgaben und Tätigkeiten von Kapi-

dass der Kaufpreis einer Kapitalanla-

ge wenige sehr große Gesellschaften,

talanlagegesellschaften in vielen Berei-

gegesellschaft zwischen ein und zwei

dann können erst recht kleinere Gesell-

chen durch gesetzliche Vorgaben gestie-

Prozent des verwalteten Volumens be-

schaften mit Kundennähe und Flexibili-

gen, „man denke nur an die stark erwei-

trägt. Nachdem das von RCM verwaltete

tät punkten.“ In jeder Branche und je-

terten Anforderungen im Bereich Risk

Fondsvolumen per Ende November 2015

der Industrie gebe es laut Geschäftsfüh-

Management und Compliance. Eine Du-

insgesamt 28 Milliarden Euro erreichte,

rer Alois Wögerbauer Universal- und

plizierung von Prozessen wäre teuer und

könnte eine Transaktion zwischen 280

Spezialanbieter. Als Letzteres hat sich

nicht sinnvoll.“ Pläne für eine gänzliche

und 560 Millionen Euro in die Kasse von

die Kathrein Privatbank AG, eine Raiff-

Verlagerung gen Osten gebe es nicht.

Raiffeisen spülen. Und es passt ins Bild,

eisen-Tochter, bereits 2014 ein gutes

Ebenso wenig wird die Raiffeisen Ca-

dass ein Verkauf der Raiffeisen-Fonds-

Stück mehr etabliert, damals wurde der

pital Management (RCM), Dachmarke

gesellschaft angepeilt wird. Stehen doch

Anteil an der Hypo Capital Management

der Raiffeisen KAG, von der brodelnden

in der gesamten Struktur des Raiffeisen-

auf 100 Prozent aufgestockt, der Name in

Gerüchteküche verschont. Hier war laut

Sektors Anpassungen an. So hat etwa

Kathrein Capital Management geändert.

Branchenkennern bereits 2014 die Rede

RZB-Boss Walter Rothensteiner Mit-

Einzig für die Schelhammer & Schat-

von einer möglichen Übernahme. Da-

te Dezember 2015 gegenüber der Nach-

tera KAG ist die Rechnung als Spezi-

mals wurde kein Abnehmer gefunden,

richtenagentur Bloomberg für das Jahr

alanbieter weniger aufgegangen, hier

weshalb man die Avancen vorerst auf

2016 „interessante Entscheidungen“ in

legte man den Schwerpunkt auf Nach-

Eis legte. Zumindest der Rotstift wur-

den Raum gestellt.

haltigkeit. Laut Daten der OeKB verwal-

de auch hier kräftig angesetzt. Seit ver-

Seitens des Konzerns will man von

tete die Gesellschaft per Ende Novem-

gangenen September treten die RCM-

Übernahmegesprächen

allerdings

ber 2015 weniger als 600 Millionen Euro,

Mitarbeiter ihren Dienst nun am Wiener

nichts wissen: „Die Raiffeisen KAG

der Marktanteil lag bei 0,4 Prozent, das

Stadtrand an. Wie es mit dem ehemali-

steht nicht zum Verkauf“, betont Rai-

hat sich scheinbar nicht gerechnet. Das

20


FONDS

hat auch zur Folge, dass die Fondsgesellschaft aufgelöst werden soll, während die bestehenden Fonds, abgesehen von Spezialfonds, an die Security KAG der Grawe Bankengruppe übertragen werden.

Zwergerlsterben Zu welcher „Gruppe“ sich die Semper Constantia Invest im Besitz der Semper Constantia Privatbank AG hinbewegt, wird sich weisen. Schließlich woll©IAN EHM / NEWS / PICTUREDESK

te Neoeigentümer Bernhard Ramsauer bei der Volksbank Invest und der Valartis Asset Management selbst zum Zug kommen. Nun sieht man sich nach neuen Gelegenheiten um: „Wenn es Marktteilnehmer gibt, die ihr Geschäft veräußern möchten, ist die Semper Constantia Privatbank prinzipiell ein Gesprächs-

Verkaufsdementi. Ein Verkauf der Raiffeisen KAG ist laut Rainer Schnabl nicht angedacht.

partner“, sagt Ramsauer. „Darüber hinaus verfolgen wir auch mit Interesse, wenn jemand seine Depotbank wechseln

INFO FAKTEN

möchte, da wir in dem Bereich ebenfalls

Die Marktanteile der KAGs in %

weiteres Wachstum anstreben.“ Chancen weiterzuwachsen hat zuletzt jedenfalls die Wiener Privatbank SE wahrgenommen. So wird nicht nur

▪ Erste Sparinvest 19,1 % ▪ Raiffeisen KAG 16,8 % ▪ Pioneer Investments Austria 10,6 % ▪ Kepler-Fonds KAG 8,0 % ▪ Allianz Invest KAG 8,0 % ▪ 3 Banken-Generali Investment 5,3 % ▪ Gutmann KAG 4,9 % ▪ Masterinvest KAG 4,2 % ▪ Spängler IQAM Invest 3,2 % ▪ Semper Constantia Invest 3,2 %

die Valartis Bank AG, sondern auch deren KAG übernommen. Das endgültige „Closing“ dürfte bereits im Frühjahr folgen. Möglich wäre dann auch eine „Übersiedlung“ der Fonds der Wiener Privatbank SE von der aktuellen Depotbank in die künftig hauseigene Fondsgesellschaft. Aktuelle Marktentwicklungen überraschen Ramsauer jedenfalls nicht: „Ös-

QUELLE: VÖIG, 30.11.2015

terreich scheint auch bei den Fondsgesellschaften deutlich overbanked. Aufgrund des signifikant erhöhten regu-

zen würde es inzwischen zunehmend

ein Fonds kaum“. Wirklich Sorgen ma-

latorischen Drucks sowie schwächerer

kostspieliger,

beizubehalten.

che dem Fidelity-Experten damit letzt-

Margen werden sich Fondsgesellschaf-

„Viele Segmente, etwa Rohstoff- oder

endlich die sinkende Angebotsvielfalt.

ten unter drei Milliarden Euro künftig

Schwellenländerfonds, erfordern inzwi-

„Darunter wird auch die Wiener Bör-

nicht rechnen.“ Damit dürfte auch die

schen deutlich mehr detaillierte Analy-

se leiden. Gerade kleine Fonds werden

Verkaufswelle noch ein gutes Stück wei-

se, somit mehr Spezialisten. Damit stei-

nach einer Fusion meist geschlossen“,

tergehen. Denn Adam Lessing, Country

gen auch die Kosten“, so Lessing. Die

unterstreicht Lessing. Und dazu gehör-

Head Austria & Eastern Europe bei Fi-

neuen Regularien würden dabei ihr Üb-

ten nun einmal jene Portfolios mit dem

delity Investments, zufolge, sei für vie-

riges tun, da würden einige Banken in-

Schwerpunkt Österreich-Aktien. Womit

le heimische Banken das Fondsgeschäft

zwischen lieber das Geschäft verkaufen.

auch schnell klar wird: Das Klima in der

ohnedies nur ein Randbereich gewesen.

Allein „bei einem Volumen von weni-

heimischen Finanzbranche dürfte noch

Mit den zunehmenden Marktturbulen-

ger als 100 Millionen Euro rechnet sich

eine ganze Weile rau bleiben. n

diesen

21


MÄRKTE

BÖRSENWETTER

THOMAS NEUHOLD Chefanalyst Österreich, Kepler Cheuvreux

„Kaufen würde ich zurzeit UBM, VIG und RHI. Verkaufen würde ich Verbund und Flughafen Wien.“

YEAR-TODATE-TRENDS DER ­WELTBÖRSEN

LONDON (FTSE 100) 6274,05 I –4,45 %

TORONTO (TSX) 13142,41 I –10,18 %

PARIS (CAC 40) 4677,14 I 9,46 %

NEW YORK (DJIA) 17603,87 I –1,23 % POSITIVE PERFORMANCE (YTD)

NEW YORK (NASDAQ) 5065,85 I 6,96 %

NEGATIVE PERFORMANCE (YTD)

EUROPA (DJ EURO STOXX 50) 3287,98 I 4,50 % MEXIKO-STADT (IPC) 43012,37 I –0,31  %

WELT (DJ GLOBAL) 310,16 I –3,34 %

KOMMENTAR BUENOS AIRES (MERVAL) 11675,18 I 36,09 % STEFAN BRUCKBAUER Chefökonom UniCredit Bank Austria AG FRITZ MOSTBÖCK Head of Group Research, Erste Group Bank AG EUROPA WIDERSTEHT GLOBALER ABSCHWÄCHUNG

„Kaufen würde ich VIG, Post, AT&S und Palfinger. Verkaufen würde ich Verbund und OMV.“

Trotz der erneuten Fragezeichen rund um die Konjunktur in den Schwellenländern, allen voran China, blieb die Konjunkturstimmung im Euroraum auch zum Jahreswechsel 2015/16 sehr gut, ja konnte sogar noch etwas zulegen. Der Euroraum wird nicht zuletzt aufgrund der Erholung am Arbeitsmarkt und der fast nicht vorhandenen Inflation dank des Rohstoffpreisverfalls auch 2016 wesentliche Impulse vom Konsum bekommen. Die Europäische Zentralbank bleibt sehr aggressiv in ihrer Unterstützung der Wirtschaft. In diesem Umfeld sind riskantere Anlageklassen, allen voran Aktien, im Euroraum zu bevorzugen. Dies gilt umso mehr, als der Start ins neue Jahr günstigere Einstiegskurse erlaubte. Nach Spanien setzt sich nun auch in Italien die Erholung durch, selbst Frankreich zeigt Anzeichen der Besserung. Auch wenn die Zinsen am langen Ende noch tief bleiben, im Verlauf von 2016 werden sie auch im Euroraum leicht steigen. Der Euro, anfangs noch unter Druck, wird sich im Jahresverlauf gegenüber dem US-Dollar etwas erholen.

22


MÄRKTE

STEFAN MAXIAN Chefanalyst, Raiffeisen Centrobank AG

„Zukaufen würde ich bei Palfinger, Post und Atrium. Reduzieren würde ich bei SBO und AT&S.“

FRANKFURT (DAX) 10743,01 I 9,56% %

WARSCHAU (WIG 20) 1859,20 I –19,72 %

WIEN (ATX) 2396,94 I 10,97 %

SCHANGHAI (SHCOMP) 3572,88 I 10,46 %

ZÜRICH (SMI) 8818,09 I –1,84 %

TOKIO (NIKKEI 225) 19033,71 I 9,07 %

ATHEN (ATHEX) 610,97 I –26,05 % HONGKONG (HANG SENG) 21882,15 I –7,30 %

AFRIKA (DJ AFRICA TITANS 50) 438,99 I –31,55 %

SYDNEY (ALL ORDINARIES) 5366,40 I –0,41 %

EDUARD BERGER Vorstand, Wiener Privatbank SE

ALFRED REISENBERGER Head of Investments, Valartis Bank Austria AG

„Eine Kaufempfehlung gebe ich für RBI, Immofinanz und Voestalpine ab. Vorsichtig wäre ich bei OMV, SBO und Verbund.“

„Aktuell empfehle ich Buwog und Post. Verkaufen würde ich RHI und RBI.“

23


PRIVATE BANKING

Round-Table-Gespräch im Wiener Park Hyatt über die Zukunft des Private Bankings in Österreich.

TREND ZU MEHR TRANSPARENZ Wie sich das exklusive Geschäft mit dem Private Banking trotz steigenden

TEXT RAJA KORINEK, DOMINIK HOJAS FOTO BARBARA STER

L

eicht hat man es selbst im Ge-

Chancen im heimischen Private Ban-

schäft

vermögenden

king dennoch geschickt nutzen will, da-

Geld­elite längst nicht mehr. Spä-

rüber diskutierten Susanne Höllinger,

testens seit der letzten Finanzkrise von

Vorstandsvorsitzende der Kathrein Pri-

2008 stehen Kosten und Spesen zuneh-

vatbank AG, Bernhard Ramsauer, Chef

mend auf dem Prüfstand. Teure Inves-

der Semper Constantia Privatbank AG,

tierten vier Topbanker beim

titionen für neue Regulierungen und die

Eduard Berger, Vorstand der Wiener Pri-

Round-Table-Gespräch mit

voranschreitende Digitalisierung ver-

vatbank SE, sowie Franz Witt-Dörring,

schärfen den Margendruck. Wie man

Vorstandsvorsitzender der Schoeller-

angesichts des schwierigen Umfelds die

bank AG, im Wiener Park Hyatt.

Kostendrucks, kriselnder Kapitalmärkte und zahlreicher Konsolidierungen behaupten kann, das disku-

DerBörsianer.

mit

der

24


PRIVATE BANKING

Immer mehr Finanzhäuser mischen mitt-

Vermischung der Bank als Produzent

Ramsauer: Früher gab es zudem nicht

lerweile im Private-Banking-Business mit.

und Berater später sehr kritisch ange-

derart hohe Korrelationen zwischen

Mutiert es zu einem inflationären Massen-

sehen wurden. Derzeit ist die Vermö-

den Assetklassen. Damit funktioniert

geschäft, in dem auch die Eintrittsbarrieren

gensverwaltung en vogue, in zehn Jah-

auch

längst gesunken sind? – Höllinger: Das ist

ren wird es wieder anders aussehen. Wir

nicht mehr so wie früher.

es keinesfalls, das traditionelle Private

erleben den Kunden aber als sehr mün-

Höllinger: Wichtig ist auch, dass es

Banking richtet sich nach wie vor sehr

dig, keiner kauft inzwischen etwas, das

einen klaren Zusammenhang zwischen

stark nach den individuellen Bedürfnis-

er nicht versteht. Und Individualität des

dem Verdienst für die Bank und der Per-

sen der Kunden. Und das geht weit über

Portfolios muss kein Vorteil sein. Viel

formance gibt. In guten Ertragszeiten

das reine Wertpapiergeschäft hinaus,

wichtiger ist die Risikoeinstufung und

ist es für den Kunden nachvollziehbar,

es deckt auch zahlreiche andere Berei-

persönliche Einschätzung. Wenn die-

dass auch die Bank mehr verdient. In

che wie etwa rechtliche und steuerliche

se passen, ist gegen einen guten Dach-

schlechten Zeiten wäre es kaum nach-

Aufgaben sowie die Performanceüber-

fonds oder eine standardisierte Vermö-

vollziehbar, wenn dann die Margen

wachung ab.

gensverwaltung bei kleineren Beträgen

auch noch steigen.

Witt-Dörring: Tatsächlich muss die Individualität gewährt werden, sie steht

die

klassische

Diversifikation

nichts einzuwenden, auch nicht in BeWie lässt sich im Private-Banking-Ge-

zug auf Gebühren. Witt-Dörring: Es sind ja auch viele

schäft eigentlich noch ein Geld verdienen?

Ramsauer: Man sollte das Private

Privatstiftungen, Kammern und ande-

–Ramsauer: Über steigende Kosten geht

Banking keinesfalls nach Mindestsum-

re Großanleger unsere Kunden. Da sind

es jedenfalls nicht. Man muss die ge-

men abgrenzen. Einerlei ob man schon

ohnedies andere Lösungen gefragt.

samte vorhandene Wertschöpfungs-

hier stark im Mittelpunkt.

kette ausnützen. Wir haben uns zum

ab 100.000 Euro oder erst ab einer Million Euro Kunde werden kann, wichtig ist

Sprich einfache Lösungen als Antwort auf

Beispiel auf das Depotbankgeschäft

dabei etwa auch, ob der Kunde betreut

hohe Erwartungen. Wie spiegelt sich die

spezialisiert. In Österreich wird zudem

werden oder nur Transaktionen machen

Entwicklung in den Margen wider? – Witt-

großer Wert auf die diskretionäre Ver-

möchte. Dann wäre er vielleicht bei ei-

Dörring: Letztendlich sind die Margen im

mögensverwaltung, aber auch auf Im-

nem Onlinebroker besser aufgehoben.

heimischen

Private-Banking-Geschäft

mobilieninvestments gelegt. Das ist

Zudem ist ja auch der gesamte Vermö-

sehr kompetitiv, auch wenn die heimi-

nicht überall der Fall. In anderen Län-

gensstand wichtig, selbst wenn ein Teil

sche Branche gut dasteht. International

dern hat für manche Kunden zum Bei-

davon etwa bei einer anderen Privat-

liegen sie bei mehr als einem Prozent, bei

spiel die Finanzierung des Privatjets

bank veranlagt wird.

uns sind sie darunter. Aber das eigent-

obersten Stellenwert. Das heißt, man

liche Problem sind die Zinsen, die prak-

muss sehr auf lokale Bedürfnisse ein-

tisch bei null Prozent verharren.

gehen.

Der Kostendruck zwingt die Anbieter aber zunehmend zu standardisierten Produk-

Berger: Daran werden wir uns genau-

Höllinger: Es macht zudem einen Un-

ten, weg von maßgeschneiderten An-

so gewöhnen müssen wie an die hohen

terschied, ob es dem Anleger nur um

geboten, wie es vor der Finanzkrise von

Kursschwankungen. Das macht es frei-

die Ausführung der Wertpapieraufträ-

2008 noch der Fall war. – Ramsauer: Oft

lich nicht einfacher, Ertragserwartungen

ge oder um eine Rund-um-Betreuung

wird dabei übersehen, dass auch vie-

zu erfüllen. Und das Geschäft wird sich

geht. Manche Kunden wollen etwa un-

le scheinbar simpel gestrickte Produk-

auch in Zukunft noch mehr verändern.

ser Netzwerk nutzen, um Spezialfonds

te sehr „sophistiziert“ sein können. Das heißt, Komplexität ist nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal, und das muss man dem Kunden jedenfalls klarmachen. In den vergangenen Jahren sind auch Stiftungen als Anleger dazugekommen. Dadurch hat sich das Geschäft in den vergangenen 15 Jahren ein gutes Stück verändert. Höllinger: Der Zugang hat sich verändert. Früher galten Einzeltitel als be-

„Komplexität ist nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal.“

sonders individuell, dann kamen Fonds, die aber aufgrund der Kosten sowie der

BERNHARD RAMSAUER

25


PRIVATE BANKING

zu lancieren, andere, um wiederum den Stiftungslehrgang zu besuchen. Ramsauer: Letztendlich geht die Tendenz klar in Richtung einer All-inclusive-Gebühr. Das gab es vor 15 Jahren noch nicht. Bei einem Anlagevolumen von ein bis zwei Millionen Euro wären das rund ein Prozent. Witt-Dörring: Wichtig ist auch, dass ein Gebührenmodell sowohl mit einer fixen als auch einer variablen Komponente angeboten wird.

„Kunden dürfen nicht bevormundet werden.“ FRANZ WITT-DÖRRING

Wie kann man in Zukunft da noch wach-

im Jahr 2000 mit Sal Oppenheim in Ös-

Witt-Dörring: Wir haben seit einigen

sen? Wird das nur mittels Übernahmen ge-

terreich gestartet sind, waren wir nach

Jahren Schwesterbanken der UniCre-

lingen, wo sich zuletzt in Österreich eini-

rund drei Jahren profitabel. Das wäre

dit im CEE-Raum. Dort erfolgt die Be-

ges getan hat? – Berger: Man muss dem

heutzutage kaum möglich, da allein die

treuung direkt vor Ort. Wenn ein Priva-

Kunden einfach auch klarmachen, dass

Umsetzung der neuen Regularien mit

te-Banking-Kunde allerdings eine geo-

Leistung einen Wert hat. Deshalb kön-

hohen Kosten verbunden ist.

grafische Diversifikation möchte, wird

nen wir beispielsweise auch beim On-

ein Teil auch bei uns veranlagt. Derzeit

linebanking nicht mithalten. Wenn die

Zahlreiche Anleger aus der CEE-Region

stammen rund vier Prozent der Assets

Performance dann auch noch passt, ist

und Russland veranlagen ja ebenfalls bei

von internationalen Kunden aus dem

der Kunde ohnedies zufrieden. Aber

den heimischen Privatbanken. Wie wichtig

CEE-Raum.

natürlich sind Marktkonsolidierungen

sind diese Kundensegmente? – Ramsau-

Ramsauer: Die Semper Constantia be-

eine Form des Wachstums. Auch die

er: Sie sind natürlich für alle Marktplay-

treut gut 15 Prozent an internationalen

Rationalisierungen in großen Filialban-

er interessant. Allerdings macht es we-

Kunden im Private Banking, wobei der

ken werden uns zugutekommen. Der-

nig Sinn, nur auf diese Kundenschichten

CEE-Anteil nur gering ist. Mehr als 20

zeit übernehmen wir ja gerade die Val-

aufzubauen.

Prozent wird der internationale Anteil

artis Bank. Damit wird sich unser ver-

Höllinger: Zudem sind sie weit weni-

waltetes Vermögen von einer auf rund

ger wichtig, als teilweise angenommen

2,5 Milliarden Euro erhöhen.

wird.

aber nie überschreiten. Neben den tiefen Zinsen belasten neue Steuern, sie sind für den heimischen Kapitalmarkt nicht unbedingt förderlich. Auch

Ramsauer: Es wird immer wieder Menschen geben, die plötzlich viel Geld

Wie hoch ist denn der Anteil an internati-

die heimischen Privatstiftungen rutschen

haben, etwa aufgrund eines Unterneh-

onalen Kunden? – Höllinger: Bei uns sind

im Stellenwert ab, da hat es ebenfalls Be-

mensverkaufs. Früher bekam man für

gut 70 Prozent der Kunden aus dem In-

lastungen geben. Ein Rückschritt für den

das Geld zumindest noch gut drei Pro-

land, der Rest teilt sich je zur Hälfte auf

Finanzplatz? - Höllinger: Bei den Stiftun-

zent aufs Konto, inzwischen aber gar

die GUS- sowie auf CEE-Regionen und

gen hat es insgesamt 15 steuerliche und

nichts mehr. Da ist eine Beratung umso

den Rest der Welt auf.

rechtliche Änderungen in den vergan-

mehr gefragt, ein Mehrwert, den wir liefern können. Höllinger: Für sehr kleine Anbieter könnte es aber schwieriger werden. Man braucht als Privatbank eine gewisse Umschlagsmenge von zumindest fünf bis zehn Milliarden Euro. Allein die ITProzesse kosten inzwischen eine Menge Geld, das verstärkt sich durch MiFID II enorm. Ramsauer: Ich würde die Untergren-

„Kein Wachstum ohne ertragreiche Banken.“

ze eher bei drei Milliarden Euro und 50 bis 60 Mitarbeiter sehen. Aber als wir

SUSANNE HÖLLINGER

26


PRIVATE BANKING

schränkt sich jedoch nicht ausschließlich auf eine Altersgruppe. Auch immer mehr ältere Menschen befassen sich schon jetzt sehr intensiv damit. Ramsauer: Wichtig wird der technische, vor allem der schnelle Zugang

„Rationalisierungen in Filialbanken ­kommen uns zugute.“

zum Portfolio sein. Anleger wollen immer öfter jederzeit den aktuellen Stand nachprüfen können. Letztendlich können wir jetzt noch nicht wissen, was alles auf uns zukommen wird. Wer allerdings den Zug der Digitalisierung ver-

EDUARD BERGER

passt, wird zurückbleiben. Nur eine

genen Jahren gegeben. Auch die Erhö-

stellt, dass die Gesprächsbasis mit der

schöne Holzvertäfelung in den Räum-

hung der KESt auf 27,5 Prozent seit dem

Politik nicht immer einfach ist. Zumin-

lichkeiten reicht nicht aus.

1. Jänner 2016 war sicher kein gutes Sig-

dest Finanzminister Schelling ist die

Berger: Für die nächste Generati-

nal seitens der Politik. Denn damit wird

Bedeutung des heimischen Banken-

on wird es außerdem ganz normal sein,

letztendlich Eigenkapital schlechterge-

markts bewusst geworden, spätestens

Geld aktiv zu veranlagen.

stellt.

seit die Pläne der UniCredit zum Verkauf

Ramsauer: Früher agierte man in Österreich sehr klug, und zwar sowohl mit

des heimischen Privatkundengeschäfts

Welche Portfolios sind dabei am meisten gefragt? – Berger: Konservative Port-

im Raum standen.

folios machen im aktuellen Tiefzinsum-

der Einführung des Privatstiftungsgesetz als auch mit der KESt-Endbesteu-

Demnächst soll auch MiFID II umgesetzt

feld nicht viel Sinn. Das ausgewogene

erung. Das war meiner Meinung nach

werden. Werden komplexe Produkte ver-

Portfolio wird am meisten nachgefragt,

sehr richtungsweisend. Inzwischen ha-

schwinden und die Angebote ausgedünnt?

es ist gewissermaßen die goldene Mitte.

ben wir aber einen guten Teil des positi-

– Witt-Dörring: Der Trend zu mehr Trans-

Ramsauer: Selbst die konservativen

ven Images wieder abgebaut, da es doch

parenz setzt sich durch. Auch wenn es

Portfolios gehen ohnedies zunehmend

sehr wesentliche Änderungen gegeben

mit immer mehr Aufwand verbunden

in eine ausgewogene Ausrichtung, da

hat.

ist, soll es letztendlich dem Kunden zu-

sich ja ansonsten kaum ein Ertrag er-

Höllinger: Die Politik muss verste-

gutekommen. Es darf schlussendlich

zielen lässt.

hen, dass es in Europa kein Wachstum

nicht dazu führen, dass Kunden das Ge-

ohne ertragreiche Banken geben kann.

fühl haben, bevormundet zu werden.

Die Angst vor einem noch größeren Chi-

Solange ständig neue Regularien primär

Ramsauer: Die Kunden müssen ver-

na-Crash wirbelt die Märkte momentan

von den Banken bezahlt werden, kön-

stehen, dass die Regularien sie schüt-

ordentlich auf. Wie gehen Sie damit um?

nen diese nicht wachsen oder genügend

zen sollen und es nicht etwas ist, das die

– Witt-Dörring: Aktuell bleiben unsere

profitabel sein. Weltweit schrumpfen

Banken erfinden. Letztendlich kommt

Einschätzungen unverändert. Wir war-

die Bilanzsummen der Banken durch

es auf die Kommunikation an. Natür-

ten aber nicht darauf, dass sich der Kun-

Abbau von Assets. Das trifft auch einen

lich kann es dazu führen, dass das eine

de meldet, sondern rufen aktiv an und

großen Teil der Unternehmen, viele fi-

oder andere Produkt aus der Palette ver-

besprechen unsere Marktmeinung mit

nanzieren sich über Kredite und nicht

schwindet. Im Übrigen wird ja auch von

ihm.

etwa über die Börse. Hier wünsche ich

den Anlegern immer mehr Transparenz

Berger: Wir raten den Kunden trotz

mir mehr Verständnis von der Politik.

gefordert. Jeder Kunde muss uns die

der starken Kursrückgänge ruhig zu

Ramsauer: Die Bankensteuer lastet

Herkunft seines Vermögens nachweisen

bleiben und denken inzwischen sogar

letztendlich auf dem Wachstum, gut 0,3

können, da wir ansonsten keine Dienst-

wieder an einen Einstieg bei den Aktien.

Prozent des BIP gehen so verloren. Tat-

leistungen anbieten können.

sächlich können dann weniger Kredi-

Höllinger: Wir haben bereits im Dezember 2015 vor einer möglichen Kor-

te vergeben werden. Inzwischen ist Ös-

Und wie könnte das Private-Banking-Ge-

rektur gewarnt, weshalb unsere Kunden

terreich in Europa wirtschaftlich rela-

schäft der Zukunft aussehen? – Witt-Dör-

derzeit im Schnitt einen Aktienanteil

tiv weit zurückgefallen, da müssen wir

ring: Ein wesentliches Thema ist die

von 25 Prozent haben. Offensichtlich

wieder aufholen. Als Vizepräsident des

voranschreitende Digitalisierung, die

haben unsere Kunden auf unsere Emp-

Bankenverbands habe ich aber festge-

schon jetzt voll im Gange ist. Das be-

fehlung gehört. n

27


VERSICHERUNGEN

ASSEKURANZEN UNTER ZUGZWANG

Regulierungsflut aus Brüssel. Die neuen EU-Richtlinien werden den Versicherungsvertrieb in Österreich grundlegend verändern .


VERSICHERUNGEN

Die EU-Richtlinien IDD und PRIIPs werden den ­Versicherungsvertrieb maßgeblich verändern. DerBörsianer beschreibt, welche Umbrüche bei Kostentransparenz, Angebotspaletten, Informations­pflichten und Kundenberatung nahen. TEXT ROBERT WINTER

D

© WIKTOR DABKOWSKI / EYEVINE / PICTUREDESK

lament

as Finale ging am 23. Novem-

füllen. Angesichts des Bündels an neuen

bereits Ende 2016, also deutlich früher

ber des Vorjahres über die Büh-

Vorgaben, die IDD mit sich bringt, haben

als IDD, umzusetzen ist. Dietmar Rupar,

ne. Damals segnete das EU-Par-

die Assekuranzen bereits jetzt wesent-

Generalsekretär der Vereinigung ös-

Versicherungsvermittler-

liche Punkte auf ihrer Agenda. Das ist

terreichischer

Richtlinie namens „Insurance Distribu-

die

wohl auch kein Fehler, zeigte sich doch

ten (VÖIG): „Die Verordnung für ­PRIIPs

tion Directive“ (IDD) ab. Die Veröffent-

bereits bei der Umsetzung der Finanz-

dehnt die Verpflichtungen für Kurzin-

lichung der Richtlinie im EU-Amtsblatt

dienstleisterrichtlinie MiFID II, dass

formationen, wie sie etwa bei Invest-

soll noch im ersten Quartal des laufen-

bei der Anpassung von Prozessen, IT-

mentfonds mittels KID vorgesehen sind,

den Jahres erfolgen. Danach haben

Lösungen, Personalmaßnahmen oder

nun auch auf andere Anbieter wie etwa

die Mitgliedsstaaten der Europäischen

auch Informationspflichten ein langer

Versicherungen aus“ (siehe Info-Box).

­Union zwei Jahre Zeit, um das Regelwerk,

Atem nötig ist. Ganz zu schweigen von

Und das kann Assekuranzen in die Enge

das das Kürzel „IDD“ trägt, in nationa-

den Kosten. Obwohl einige Bereiche, die

treiben. PwC-Experte Thomas Windha-

les Recht zu gießen. Bei dem Beschluss

die Versicherungsvertriebsrichtlinie mit

ger: „Die Offenlegung entscheidender

der IDD handelt es sich um den bisher

sich bringen wird, noch einer detail-

Fakten kann die Anbieter vor Probleme

jüngsten Schritt in einer Serie von EU-

lierten Regelung bedürfen, wagt Robert

stellen. Es ist möglich, dass der Vertrieb

Regulierungen, die ab 2007 auf Schiene

Lasshofer, Generaldirektor der Wiener

insgesamt weniger auf Versicherungs-

gebracht wurden. Seit damals war und ist

Städtische Versicherung AG, eine grobe

anlageprodukte ausgerichtet sein wird.

die Finanzindustrie, ob sie nun will oder

Schätzung. Lasshofer: „Die Kosten für

Nicht zuletzt deshalb, weil die Darstel-

nicht, mit mehreren europäischen Ver-

die Umsetzung von IDD werden im zwei-

lung unterschiedlicher Szenarien eine

ordnungen befasst. Diese zielen durch-

stelligen Millionenbereich liegen.“

mögliche Verlustgefahr bei Anlagepro-

wegs darauf ab, den Verbraucherschutz

Investmentgesellschaf-

dukten transparent macht.“

und die Transparenz zu erhöhen. Und

Offenlegung der Kosten

was im Investmentbereich die Finanz-

Die Insurance Distribution Direc­ tive

Versicherungen fragen müssen, worauf

dienstleisterrichtlinie MiFID II reguliert,

zielt auch auf Kostentransparenz ab.

der Fokus ihrer Angebotspalette liegt.

soll im Bereich Versicherungen die Ver-

Für Veranlagungsprodukte kommt je-

Windhager: „In diesem Zusammenhang

mittlerrichtlinie IDD ordnen.

doch der Ausweis von Kosten und Ge-

ist zum Beispiel auch der Gedanke zu-

Auf den ersten Blick erscheint eine

bühren quasi durch die Hintertür. Und

lässig, ob das Geschäft mit Lebensver-

Zeitspanne von mehr als zwei Jahren

zwar durch ein eigenes Regelwerk na-

sicherungen eingestellt wird oder nicht.

ausreichend, um die Anforderungen der

mens PRIIPs (Packaged Retail and Insu-

Es geht um die Definition des Kernge-

Insurance Distribution Directive zu er-

rance-based Investment Products), das

schäfts.“ Ins gleiche Horn stößt Wolf-

29

Deshalb, so der Experte, werden sich


VERSICHERUNGEN

„IDD wird den Versicherungsvertrieb grundlegend verändern.“

„Gegen mehr Kostentransparenz gibt es nichts einzuwenden.“

„Die Kosten werden im zweistelligen Millionen­ bereich liegen.“

WOLFGANG SIEGL

FRANZ MEINGAST

ROBERT LASSHOFER

gang Siegl, Senior Advisor beim Bera-

richtung an den Wünschen und Bedürf-

dem Entwurf der IDD soll es weder ein

tungsunternehmen ZEB: „Die Umset-

nissen von Kunden unterstützt.“ Davon

Provisionsverbot noch eine generelle

zung der Richtlinie wird den Versiche-

ist auch s-Versicherungs-Vorstand Bar-

Pflicht zur Provisionsoffenlegung geben.

rungsvertrieb grundlegend verändern.

talszky überzeugt: „Die PRIIPs-Richt-

Die IDD verfolgt das Ziel der Mindesthar-

Für Versicherungen stellen sich dabei

linie gilt für alle Anbieter. Bei der Um-

monisierung. Den Mitgliedstaaten bleibt

auch einige strategische Fragestellun-

setzung wird sich die Digitalisierung

somit bei der Umsetzung dieser Richtli-

gen für die Zukunft.“

der Branche weiter erhöhen. Auf Pro-

nie ein Spielraum, und sie können stren-

Bezüglich der Offenlegung der Kos-

duktseite werden Adaptierungen kom-

gere Vorschriften erlassen. Wie dieser

ten ortet Manfred Bartalszky, Vertriebs-

men. Versicherungen werden spezi-

Gestaltungsspielraum vom österreichi-

vorstand der Sparkassen Versicherung

fisch auf einzelne Kundengruppen zu-

schen Gesetzgeber letztendlich ausgeübt

AG, sogar Vorteile. Bartalszky: „Die er-

geschnittene Veranlagungsinstrumente

wird, steht bisher noch nicht fest.“

weiterten

anbieten, die klarer verständlich sind.“

Informationserfordernis-

Nichtsdestotrotz gehen Kenner der

se zu Kosten und Vergütungen werden

Trotz solcher Vorteile ist es möglich,

Szene davon aus, dass man weder in Ös-

bei Kunden positiv ankommen.“ Uni-

dass der Versuch, IDD-konforme Pro-

terreich noch in Deutschland die ange-

qa-Österreich-Vorstand Franz Mein-

zesse bestmöglich zu gestalten, nur zum

sprochene Strenge walten lässt. Uniqa-

gast bleibt ebenso gelassen: „Gegen

Teil zum gewünschten Ergebnis führt.

Österreich-Vorstand Meingast: „Es wur-

eine höhere Kostentransparenz gibt es

Wiener-Städtische-Vorstand Lasshofer:

de bereits signalisiert, dass es in Öster-

nichts einzuwenden. Wir werden damit

„Ich bezweifle, ob es gelingt, Vertriebs-

reich kein Provisionsverbot geben wird.

leben müssen.“ Trotzdem glaubt Mein-

und Marketingprozesse aufgrund der

Dagegen halte ich eine Verpflichtung zur

gast, dass die Regelungen betreffend

umfassenden

Provisionsoffenlegung für möglich.“

PRIIPs über das Ziel hinaus schießen:

ten und neuer bürokratischer Anforde-

Das ruft freilich auch Kritiker auf den

„Die Anforderungen an die Produktge-

rungen effizienter zu machen. Kunden-

Plan. Marc Friedrich, Bestsellerautor und

staltung wird steigen.“ Und auch in den

gespräche werden künftig wohl länger

Partner der Friedrich & Weik Vermö-

Neuerungen zum Beratungsprozess or-

dauern als bisher.“ Zudem müssen Ver-

genssicherung, die sich der Honorarbe-

tet der Uniqa-Vorstand eine zusätzli-

triebe ihre Steuerungssysteme anpas-

ratung verschrieben hat, sagt dazu: „Ein

che Last. „Die Beratung wird komplexer

sen, da Geschäftspläne, Zielkarten und

Verbot wäre vor allem ein wichtiges Si-

und aufwendiger“, so Meingast. Das be-

Wettbewerbe, die den Absatz einzelner

gnal der Versicherungen an Kunden ge-

stätigt ZEB-Experte Siegl: „Im Rahmen

Produkte fördern sollen, nach IDD un-

wesen. Solange Berater vor allem von

von Testkäufen sind wir zu dem Ergeb-

tersagt sind. Darüber hinaus sollen Pro-

den Provisionen leben, wird niemals der

nis gekommen, dass aktuell fast keiner

duktempfehlungen künftig noch stren-

Kunde im Mittelpunkt der Beratung ste-

der Beratungsprozesse die hohen IDD-

ger auf Grundlage einer objektiven Be-

hen. Und das haben in der Zwischenzeit

Anforderungen erfüllt. Dies gilt spezi-

darfsanalyse getroffen werden als heute.

auch Kunden bemerkt. Leider ist man

Dokumentationspflich-

ell für PRIIPs-Produkte, weil die Anfor-

in der Branche noch nicht bereit, durch

derungen an den Beratungsprozess mit

Damoklesschwert Provisionsverbot

Transparenz und ein faires Modell ver-

der Wertpapierberatung gleichgestellt

Trotz der erhöhten Kostentransparenz

lorenes Vertrauen der Kunden zurückzu-

werden und dadurch deutlich steigen.“

wird ein Punkt auch in Zukunft wohl im

gewinnen.“

Kunden werden künftig elektronisch

Dunkeln bleiben. Betroffen sind Provi-

durch das Beratungsgespräch geführt,

sionen sowie die Offenlegung von Pro-

Bildungsoffensive

um den vorgeschriebenen Ablauf des

visionen. Zur Erklärung: Lange standen

Sämtliche Versicherungsvermittler müs-

Gesprächs nachweisen zu können. ZEB-

Provisionsverbot und -offenlegung im

sen sich künftig Weiterbildungen unter-

Berater Siegl: „Das bringt beiden Seiten

Raum. Im jüngsten EU-Beschluss wurde

ziehen. Beim Umfang der Weiterbildung

Vorteile. Durch die Vermeidung von Be-

die Bestimmung jedoch abgeschwächt.

sind 15 Stunden als Untergrenze vorge-

ratungsfehlern wird eine stärkere Aus-

FMA-Sprecher Klaus Grubelnik: „Nach

sehen, wobei auf Ebene der europäischen

30


VERSICHERUNGEN

Nationalstaaten auch höhere Stundenzahlen

angeordnet

werden

können.

PwC-Berater: „Die FMA wird per Verordnung Standards und Anforderungen zu

WAS IST EIN PRIIP?

U

nter PRIIPs werden verpack-

tel“ für Versicherungsprodukte, der ei-

te Anlageprodukte für Kleinan-

nen Umfang von maximal drei A4-Sei-

leger und Versicherungsanlage-

ten aufweisen kann, sind Informationen

produkte, die einem Anlageri­siko unter-

über Risiken eines Anlageprodukts anzu-

Österreich keine großen Überraschungen

liegen, verstanden. Die Verordnung um-

geben. Der PRIIP-Hersteller hat diese zu

geben.“ Aber auch wenn die Untergrenze

fasst Lebensversicherungen mit Anlage-

beschreiben, durch einen Gesamtrisiko-

angepasst werden sollte, ist das für Wie-

element wie fonds- und indexgebundene

indikator darzustellen und auf die Rendi-

ner-Städtische-Vorstand Lasshofer kein

Lebensversicherungen. Also Lebensver-

temöglichkeiten einzugehen. Zudem ist

Drama: „Bei uns sind zurzeit jährlich 30

sicherungen, die zu Anlagezwecken ab-

auch der maximal mögliche Verlust des

Ausbildungsstunden vorgesehen.“

geschlossen werden. Von der Verordnung

angelegten Kapitals anzugeben. Die Auf-

Die nahenden Änderungen bei der

sind Versicherungen ohne Anlageele-

listung diverser Performanceszenarien

Weiterbildung sind ein Beispiel dafür,

ment ausgenommen. Dies umfasst Le-

sollen die Transparenz erhöhen.

wie bei der Umsetzung von MiFID II und

bensversicherungen, deren vertragliche

IDD Synergien zu heben sind. ZEB-Bera-

Leistungen nur im Todesfall oder bei Ar-

Kostentransparenz

ter Siegl: „Gemeinsamkeiten gibt es bei

beitsunfähigkeit zahlbar sind oder deren

Alle PRIIPs-Kosten müssen im Basisin-

Schulungen, Wohlverhaltensregeln, An-

Rückkaufswerte

Wertschwan-

formationsblatt klar vermittelt werden.

reizsystemen, bei den Prozessen für die

kungen unterliegen. Die Verordnung galt

Direkte und indirekte sowie einmalige

Produktgenehmigung oder auch Lösun-

ursprünglich nur für Investmentproduk-

und laufende Kosten sind in einem Ge-

gen für abhängige und unabhängige Be-

te. Sie wurde in einem weiteren Schritt

samtkostenindikator darzustellen. Die-

ratung. Banken haben bereits Vorberei-

aber um Kapitallebensversicherungen

ser soll die Kosten in Prozent sowie ab-

tungen getroffen und Details dazu ent-

erweitert, um diese durch die Informa-

solut angeben und somit die Vergleich-

wickelt. Versicherungen sind gut bera-

tionserfordernisse eines Basisinforma-

barkeit zwischen den Produkten sicher-

ten, mit Banken in diesem Bereich zu-

tionsblatts transparent und auch im EU-

stellen. Auch hat im PRIIPs-Basisinfor-

sammenzuarbeiten, um Synergien zu

Raum vergleichbar zu machen.

mationsblatt ein deutlicher Hinweis zu

den Schulungen festlegen. Es ist davon auszugehen, dass die europäischen Vorgaben übernommen werden. Es wird in

keinen

heben.“ Das ist etwa bei der Sparkassen

erfolgen, dass Berater, Vertriebsstellen

Versicherung AG bereits der Fall. Vor-

Basisinformationsblatt

und alle anderen Personen, die PRIIPs

stand Bartalszky: „Wir wollen eng mit

Für PRIIPs gelten künftig spezielle Infor-

vertreiben, detailliert über etwaige Ver-

der Erste Bank zusammenarbeiten. Ers-

mationserfordernisse, die ab 31. Dezem-

triebskosten informieren müssen, die

te Gespräche darüber hat es bereits ge-

ber 2016 mittels Basisinformationsblatt

nicht bereits in den direkten und indirek-

geben.“ n

zu erfüllen sind. Im neuen „Beipackzet-

ten Kosten eines PRIIPs enthalten sind.


BÖRSE

UNGEREGELTER AUSSTIEG Ein Börsenrückzug ist schwierig, dennoch liegt er im Trend. Wer daran Schuld hat und ob gesetzliche Änderungen hier bald Abhilfe schaffen, hat D ­ erBörsianer recherchiert. TEXT THOMAS MÜLLER

Teure Delistings. Ein Rückzug von der Wiener Börse ist schwierig und aufwendig. Neue Regeln sollen für Klarheit sorgen.

32


BÖRSE

© GUENTHER PEROUTKA / WIRTSCHAFTSBLATT / PICTUREDESK

B

örsengänge in Wien sind out,

des Delistings. Schwieriger wird es im

Börsenabgänge trotz hoher Hür-

„Amtlichen Handel“, dem Segment mit

„Wir sind für eine Regelung und ­beteiligen uns ­ gern daran.“

den hingegen in. Etwa 25 vollzo-

den strengsten Zulassungskriterien. Hier

gene Börsenabgänge, in der Fachspra-

gibt es kein explizit gesetzlich geregeltes

che Delistings, seit 2008 bestätigen diese

Delisting, ein Unternehmen kann nicht

traurige Entwicklung an der Wiener Bör-

einfach aus eigener Entscheidung aus-

se. Zuletzt hat die Miba AG im Dezem-

treten. Rechtlich gesehen ein „Mause-

ber 2015 ihren Abschied vom Kurszet-

falleneffekt“, wie es in der Fachlitera-

Barabfindungsangebot gemacht hat“,

tel der Börse erfolgreich über die Bühne

tur heißt. Den Abgang auf Antrag hat die

sagt Elke Napokoj, Rechtsanwältin bei

gebracht. Die BWT AG würde auch gern,

Brainforce AG 2013 zwar probiert, doch

BPV Hügel. „Folgt man der herrschenden

wurde aber vorläufig von den Aktionären

wurde der zuerst von der Börse und dann

Lehre, so besteht eine nicht unwesentli-

bei ihrem Ansinnen gerichtlich gestoppt.

vom

verwei-

che Chance, dass die Gerichte im Sinne

Doch warum wollen Unternehmen über-

gert. Möglicherweise ein Grund, warum

der Minderheitsaktionäre entscheiden

haupt auf ihre Börsennotierung verzich-

manche Unternehmen hinter vorgehal-

werden. Dem entspricht auch die neue

ten, die immerhin einige Vorteile bietet?

tener Hand die Börse für das aufwendige

Rechtslage in Deutschland.“ Dort ist

„Unternehmen ändern sich mit der

Prozedere verantwortlich machen. „Die

nach einigen höchstgerichtlichen Ent-

Zeit, kommen in Stresssituationen, oder

Börse ist hier ein sogenanntes beliehe-

scheidungen das Delisting im Börsenge-

ein neuer Großaktionär steigt ein, der

nes Unternehmen, das heißt, wir erfül-

setz geregelt. Die Aktionäre haben dem-

Streubesitz verringert sich“, erklärt Mar-

len eine Hoheitsaufgabe für den Staat.

nach Anspruch auf eine Barabfindung,

tin Wenzl, Head of Market and Product

Vergleichbar etwa mit dem Abschleppen

die sich am durchschnittlichen Aktien-

Development und Listing bei der Wie-

beim Falschparken“, sagt Martin Wenzl.

kurs der letzten sechs Monate orientiert.

ner Börse AG, der auch für die Zulassung

Um dennoch wegzukommen, führen die

von Finanzinstrumenten zum Börsen-

meisten ausstiegswilligen Unternehmen

Beträchtlicher Aufwand

handel zuständig ist. Hinzu kommen die

einen Squeeze-out, einen Ausschluss der

Warum in Österreich alles Mögliche regu-

umfangreichen Verpflichtungen, die mit

Minderheitsaktionäre, durch (DerBörsia-

liert ist, aber gerade das Delisting von der

einer Börsennotierung einhergehen wie

ner berichtete). Denn im Amtlichen Han-

Börse nicht, konnte niemand der Befrag-

Ad-hoc-Meldungen, Jahresberichte und

del müssen sich zumindest 10.000 Aktien

ten so richtig beantworten. Die Novel-

Bilanzen nach dem IRFS-Standard. „An

im Streubesitz befinden. Wird der Wert

le des Börsengesetzes im Vorjahr wurde

die Börse kommen in der Regel Unter-

unterschritten, ist die Börse verpflichtet,

dafür jedenfalls nicht genutzt. „Wir legen

nehmen, die wachsen wollen. Wenn sich

ein Delisting durchzuführen.

uns sicher nicht quer“, sagt Birgit Kuras,

Verwaltungsgerichtshof

MICHAELA BERGER

ein Unternehmen aber verkleinern will

Umstritten ist der zweite Notausgang:

Vorstand der Wiener Börse AG. „Wir be-

oder muss, wird überlegt, ob die Börsen-

die Verschmelzung mit nichtbörsenno-

dauern jeden Abgang, aber ein Delisting

notiz noch das Richtige ist“, sagt Wenzl.

tierten Unternehmen. Die Minderheits-

soll geordnet möglich sein das muss ge-

„Wenn es gut läuft, bleiben die Unter-

aktionäre bleiben im neuen Unterneh-

setzlich geregelt werden. Wir sind dies-

nehmen an der Börse. Für eine OMV AG,

men, können aber ihre Aktien nicht mehr

bezüglich mit den zuständigen Stellen

eine Telekom Austria AG oder eine An-

über die Börse verkaufen. Anders als

in Kontakt.“ Beim Bundesministerium

dritz AG würde ein Delisting kontrapro-

beim Squeeze-out sind hier nicht 90 Pro-

für Finanzen (BMF), das für das Börsen-

duktiv sein. Der Streubesitz ist da auch

zent der Anteile in einer Hand notwendig,

gesetz zuständig ist, verweist Minister-

relativ hoch.“ Und nicht zuletzt sei für

sondern nur 75 Prozent, die in der Haupt-

sprecherin Michaela Berger auf notwen-

institutionelle Investoren eine Börsen-

versammlung für den Beschluss reichen.

dige Anpassungen im Aktiengesetz. Die-

notiz eine Kaufbedingung.

Bei den Vorarlberger Kraftwerken hat

ses wiederum liegt im Verantwortungs-

das funktioniert, bei der oben erwähn-

Ungeregelter Ausstieg

ten BWT AG noch nicht, denn die Min-

Was muss ein Unternehmen tun, um von

derheitsaktionäre wollen auf die Han-

der Börse zu gehen? In den Marktseg-

delbarkeit ihrer Papiere nicht verzich-

menten „Geregelter Freiverkehr“ sowie

ten und haben den Beschluss gerichtlich

„Dritter Markt“ reicht eine Mitteilung

angefochten. „Hintergrund ist, dass die

an die Börse und eine Veröffentlichung

BWT AG den Minderheitsaktionären kein

33

„Ein Delisting soll geordnet möglich sein. Wir legen uns sicher nicht quer.“ BIRGIT KURAS


BÖRSE

stätigt: „Der administrative und zeitli-

„Der Gesetzgeber sollte sich Vereinfachungen der Regeln überlegen.“

che Aufwand für einen Börsenrückzug ist beträchtlich, ebenso die damit verbundenen Kosten“, sagt Miba-AG-Finanzvorstand Markus Hofer. „Dies ergibt sich daraus, dass die Regulative wohl

MARKUS HOFER

eher auf sehr große Unternehmen mit

„Es wird auf Beamten­ebene Gespräche zum Delisting geben.“ KATHARINA HOLZINGER

vielen Tausenden Streubesitzaktionären bereich des Justizministeriums. Katha-

zugeschnitten sind. Wenn man den Zu-

enorm wertvoll. Aber die regulatorische

rina Holzinger, Sprecherin von Justiz-

gang zur Börse aber für mittelständische

Keule ist gewaltig, vor allem für kleine

minister Wolfgang Brandstetter, kündigt

Unternehmen künftig fördern will, soll-

und mittlere Unternehmen. Wir unter-

eine baldige Lösung an: „In den nächsten

te sich der Gesetzgeber gleichzeitig auch

stützen hier jede Erleichterung. Anleger-

Wochen wird es Gespräche auf Beamte-

eine Vereinfachung der Regeln für ei-

schutz und Regulierung müssen wieder

nebene zum Thema Delisting geben.“

nen späteren Börsenrückzug überlegen.

ins Gleichgewicht kommen.“ Und wie

Aber auch das BMF will laut Berger aktiv

Denn es gibt Situationen, wo eine Bör-

sieht es mit Neuzugängen an der Bör-

werden: „Wir waren immer schon dafür,

sennotierung wirtschaftlich keinen Sinn

se aus? Die Unternehmen seien nach wie

hier eine Regelung zu schaffen, und wer-

mehr macht.“ Ähnliches Feedback be-

vor vorsichtig bei Investitionen, aber Ku-

den uns daher auch jetzt gern an dieser

kommt Börsenchefin Kuras auch von Un-

ras ist optimistisch: „Bei unserem letz-

Diskussion beteiligen und auch selber ei-

ternehmen, die an der Börse bleiben wol-

ten IPO-Workshop hatten wir 30 Teil-

nen Vorschlag einbringen.“

len: „Eine Börsennotiz ist wie ein Quali-

nehmer. Ich sehe mehrere Kandidaten

Dass es hierbei Reformbedarf gibt,

tätssiegel und für jene Unternehmen, die

für einen Börsengang.“ Bleibt das Fazit:

wird auch von Unternehmensseite be-

in der internationalen Liga mitspielen,

Die Hoffnung stirbt zuletzt. n

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MÄRKTE

KURSE ÖSTERREICH MARKTENTWICKLUNG ENTWICKLUNG (YTD) DER INTERNATIONALEN AKTIENMÄRKTE IM VERGLEICH ZUR WIENER BÖRSE

28 %

OSTEUROPA

26 % 24 % 22 % 20 %

EUROPA

18 % 16 % 14 % 12 % 10 %

USA

8 % 6 % 4 % 2 % 0 % –2 %

ÖSTERREICH (ATX)

–4 % –6 %

ATX (ÖSTERREICH)

–8 %

STOXX EASTERN EU TM (EUR)

–10 %

STOXX EUROPE TM (EUR) STOXX US TM (EUR)

JAN.

FEB.

–12 %

EMERGING MARKETS

STOXX EM TM (EUR)

MÄR.

APR.

MAI

JUN.

JUL.

AUG.

–14 %

SEP.

OKT.

NOV.

DEZ.

PERFORMANCE DIE ENTWICKLUNG DES ATX IM WORDRAP

Der ATX beendet das Jahr mit 2396,94 Punkten. Year-to-date (YTD) liegt der ATX bei 10,97 Prozent. Es gab 2015 134 Gewinntage und 113 Verlusttage. Auf das Jahreshoch von 2.681,44 Punkten fehlen 10,61 Prozent. Vom Jahrestief von 2.122,08 Punkten ist man 12,95 Prozent entfernt. Der beste Wochentag ist der Donnerstag mit 0,22 Prozent, der schwächste der Montag mit –0,2 Prozent.

MÖGEST DU IN INTERESSANTEN ZEITEN LEBEN. 2016 hat mit der Vorwegnahme etlicher Krisenszenarien an den Kapitalmärkten mit heftigen Kursreaktionen begonnen. Aktuelle Themen: der Zustand der chinesischen Konjunktur, mit der sich Erwartungen bezüglich globales Wachstum, Rohstoffpreisen und Währungen verbinden. Energiepreise, insbesondere Rohöl, deren Preisverfall mittlerweile zu deutlich ansteigendem volkswirtschaftlichem und folglich poli-

KOLUMNE

tischem Druck bei etlichen Förderstaaten führt. Notenbankenpolitik, die noch stabilisierend wirkt, aber nicht mehr so expansiv unterstützt wie zuletzt. Daher werden betroffene Staaten mehr und mehr lernen müssen, auf eigenen Beinen zu stehen. Europas Kernzone steht diese Bewährungsprobe noch bevor. Österreich müsste hingegen aufgrund der CEE-Orientierung und des dortigen, trotz teilweise fragwürdiger politischer Ereignisse nachhaltigen Wirtschaftswachstums im weiteren Jahresverlauf stärker positiv von

WOLFGANG MATEJKA Geschäftsführer Matejka & ­Partner Asset Management

den Investoren erkannt werden. Ein Vorteil, der sich nicht in der Reformkunst heimischer Wirtschaftspolitik niederschlägt, aber durch die Verzahnung der heimischen Börsennotierten mit CEE Einfluss auf die Börsengewinne haben müsste. Die Erwartung liegt daher nahe, dass sich Europas Börsen 2016 zwar volatil, aber gegen Ende positiv entwickeln werden und der heimische Aktienmarkt in dem Umfeld, vor allem wenn das Potenzial Osteuropas international besser erkannt wird, eine führende Rolle einnehmen sollte.

35


MÄRKTE

INDIZESKURSE DIE 20 TOP/FLOP–INDIZES WELTWEIT (SELEKTIV) 2015 (YTD) INDEX ISIN KURS YTD % YTD HIGH YTD LOW 1 J % 1 J VOLA 3 J % 3 J VOLA

BBUX (Budapest) OMX (Reykjavik)

XC0009655090 23920,65 43,81% 23964,47 15686,69 43,81% 18,10 IS0000004463 1319,96 38,01% 1321,43

31,63% 16,80 ↑

974,19 38,01% 10,30 94,64% 10,77 ↑

OMX 20 (Kopenhagen)

DK0016268840 1014,17 36,23% 1039,70 740,83 36,23% 20,15 104,40% 16,66 ↑

MERVAL (Buenos Aires)

XC0009698090 11675,18 36,09% 14173,87 8057,87 36,09% 36,00 309,04% 35,40 ↑

ISEQ 20 (Irland)

IE00B0500264 1137,28 31,96% 1139,49 838,13 31,96% 18,32 107,42% 16,12 ↑

ATX Prime (Wien)

AT0000999925 1228,25 12,90% 1343,65 1074,50 12,90% 18,25

OMX 25 (Helsinki)

4,41% 16,20 ↑

FI0008900212 3359,38 12,43% 3647,13 2899,11 12,43% 20,76 52,01% 17,21 ↑

ATX (Wien)

AT0000999982 2396,94 10,97% 2681,44 2122,08 10,97% 19,61 -0,18% 17,28 ↑

PSI 20 (Lissabon)

PTING0200002 5317,67 10,81% 6324,88 4606,25 10,81% 22,89 -5,97% 21,22 ↑

SHCOMP (Shanghai)

n.a. 3572,88 10,46% 5166,35 2927,29 10,46% 37,47 57,46% 25,74 ↑

DAX (Frankfurt)

DE0008469008 10743,01 9,56% 12374,73 9427,64 9,56% 23,21

CAC 40 (Paris)

FR0003500008 4677,14 9,46% 5268,91 4083,50 9,46% 22,15 28,46% 18,19 ↑

Nikkei 225 (Tokio)

XC0009692440 19033,71 9,07% 20868,03 16795,96

NASDAQ (New York)

XC0009694271 5065,85 6,96% 5218,86 4506,49 6,96% 16,50 67,77% 14,22 ↑

CROX (Zagreb) AEX 25 (Amsterdam)

9,07% 20,52

41,13% 18,30 ↑ 83,10% 22,19 ↑

AT0000A02WU3 953,42 5,90% 992,66 892,55 5,90% 9,92 2,83% 10,91 ↑ NL0000000107 446,19 5,12% 509,24 408,43 5,12% 20,99 30,19% 16,19 ↑

DJ EURO STOXX 50 (Europa)

EU0009658145 3287,98 4,50% 3828,78 3007,91 4,50% 22,83 24,74% 18,77 ↑

OBX (Oslo)

NO0000000021 539,00 2,92% 600,60 497,90 2,92% 18,60 31,37% 15,20 ↑

KOSPI (Seoul)

KRD020020008 1961,31 2,39% 2173,41 1829,81 2,39% 12,38 -1,79% 11,35 ↑

S&P 500 (New York)

US78378X1072 2063,36 0,22% 2130,82 1867,61 0,22% 15,16 44,68% 12,53 ↑

ZERTIFIKATE CHAMPION SEIT 2007

www.rcb.at

UTX (Kiew) DJ Africa Titans 50 (Afrika) ATHEX (Athen) FTSE ASEAN 40 (Asien)

AT0000A06418 86,50 -51,64%

193,84

86,24 -51,64% 57,84 -71,36% 43,43 ↓

n.a. 438,99 -31,55% 671,90 417,78 -31,55% 19,24 -41,65% 16,13 ↓ GRI99117A004 610,97 -26,05% 937,96 559,79 -26,05% 45,17 -32,71% 36,71 ↓ n.a. 8416,65 -21,93% 11054,38 7868,26 -21,93% 15,93 -24,79% 13,52 ↓

WIG 20 (Warschau)

PL9999999987 1859,20 -19,72% 2549,40 1754,70 -19,72% 16,90 -28,02% 16,20 ↓

BTX (Sofia)

AT0000A03HC0 1220,30 -19,12% 1509,31 1152,87 -19,12% 12,25 13,64% 17,19 ↓

TSX (Toronto)

XC0009695252 13142,41 -10,18% 15450,87 12695,49 -10,18% 13,94

DJ Islamic Market (Istanbul) HANG SENG (Hongkong)

5,70% 11,37 ↓

n.a. 4137,74 -9,63% 4801,64 4058,15 -9,63% 18,65 -3,96% 19,94 ↓ HK0000004322 21882,15 -7,30% 28442,75 20556,60 -7,30% 20,08

-3,42% 16,48 ↓

IBEX 35 (Madrid)

ES0SI0000005 9641,90 -6,20% 11866,40 9291,40 -6,20% 21,42 18,05% 19,41 ↓

FTSE 100 (London)

GB0001383545 6274,05 -4,45% 7103,98 5874,06 -4,45% 16,96

DJ Global (Welt)

XC0006975012 310,16 -3,34% 341,53 288,73 -3,34% 13,82 19,22% 11,61 ↓

SMI (Zürich)

CH0009980894 8818,09 -1,84% 9526,79 7899,59 -1,84% 20,36 29,25% 15,40 ↓

6,38% 13,58 ↓

DJIA (New York)

US2605661048 17603,87 -1,23% 18312,39 15666,44 -1,23% 15,11 34,34% 12,12 ↓

OMX 30 (Stockholm)

SE0000337842 1446,82 -1,21% 1719,93 1381,87 -1,21% 19,55 30,97% 15,45 ↓

BET (Bukarest)

ROXBSEI00005 7004,32 -1,11% 7638,89 6794,75

CTX (Prag)

AT0000726443 1244,01 -0,73% 1421,84 1191,22 -0,73% 16,53 -20,24% 16,14 ↓

MBI 10 (Skopje)

-1,11% 12,67 36,02% 12,00 ↓

n.a. 1833,26 -0,59% 1874,42 1616,83 -0,59% 7,49 5,90% 9,80 ↓

ASX All Ordinaries (Sydney)

XC0009693018 5366,40 -0,41% 5954,80 4958,10 -0,41% 15,95 15,05% 13,00 ↓

IPC (Mexiko-Stadt)

PSIBME000000 43012,37 -0,31% 45773,31 40950,58

36

-0,31% 13,30

-1,59% 13,69 ↓


MÄRKTE

AKTIENKURSE DIE 20 TOP/FLOP–AKTIEN DER WIENER BÖRSE 2015 (YTD) UNTERNEHMEN ISIN KURS YTD % YTD HIGH YTD LOW 1 J % 1 J VOLA 3 J % 3 J VOLA

Kapsch Trafficcom AG

AT000KAPSCH9 37,395 112,65 % 37,610 18,190 112,65 % 29,15 -20,94 % 31,35 ↑

Cross Industries AG

AT0000820659 3,700 101,20 % 5,099

AT&S AG

AT0000969985 14,560 62,65 % 16,345 9,000 62,65 % 33,76 80,65 % 33,28 ↑

DO & CO AG

AT0000818802 100,000 60,31 % 100,000 63,150 60,31 % 33,92 198,42 % 29,49 ↑

UBM Development AG

AT0000815402 36,490 53,32 % 43,800 23,000 53,32 % 49,28 170,30 % 37,05 ↑

1,711 101,20 % 50,62 516,67 % 53,31 ↑

Erste Group Bank AG

AT0000652011 28,910 50,30 % 29,040 18,970 50,30 % 31,13 20,33 % 33,72 ↑

Wienerberger AG

AT0000831706 17,090 49,32 % 17,825 11,450 49,32 % 29,80 146,64 % 28,94 ↑

Ottakringer Brauerei AG

AT0000758032 64,000 44,89 % 66,990 46,000 44,89 % 62,76 48,84 % 41,25 ↑

Conwert Immobilien Invest AG

AT0000697750 14,040 43,88 % 14,040 9,650 43,88 % 22,56 43,71 % 21,22 ↑

SW Umwelttechnik AG

AT0000808209 6,600 40,31 % 8,000 4,610 40,31 % 71,39 -15,06 % 74,74 ↑

Mayr-Melnhof Karton AG

AT0000938204 114,500 33,14 % 116,000 86,490 33,14 % 19,73 41,57 % 18,68 ↑

S Immo AG

AT0000652250 8,200 32,90 % 8,850 6,150 32,90 % 25,61 70,48 % 21,08 ↑

Eco Business Immobilien AG

AT0000617907 6,500 32,25 % 6,500 4,860 32,25 % 31,29 30,00 % 31,43 ↑

Lenzing AG

AT0000644505 69,550 31,87 % 74,900 53,000 31,87 % 30,71 1,95 % 27,24 ↑

Frauenthal Holding AG

AT0000762406 11,700 30,00 % 11,700 8,486 30,00 % 24,00 32,91 % 24,95 ↑

Strabag SE

AT000000STR1 23,575 29,71 % 23,875 17,450 29,71 % 21,83 15,42 % 23,78 ↑

Agrana AG

AT0000603709 90,300 27,18 % 90,500 69,890 27,18 % 20,05 -7,73 % 19,42 ↑

Palfinger AG

AT0000758305 26,450 26,01 % 28,060 20,070 26,01 % 33,82 60,89 % 33,55 ↑

Porr AG

AT0000609607 27,950 25,42 % 30,330 20,425 25,42 % 32,63 247,42 % 60,12 ↑

Zumtobel AG

AT0000837307 23,280 24,46 % 29,890 18,330 24,46 % 33,97 132,34 % 36,67 ↑

ZERTIFIKATE CHAMPION SEIT 2007

www.rcb.at

Teak Holz International AG

AT0TEAKHOLZ8 0,084 -88,00 %

Vienna Insurance Group AG

AT0000908504 25,290 -31,80 % 42,620 24,910 -31,80 % 23,14 -37,36 % 22,18 ↓

0,815 0,060 -88,00 % 149,16 -96,97 % 94,89 ↓

Semperit AG

AT0000785555 31,100 -22,60 % 43,950 27,070 -22,60 % 31,89 -0,81 % 31,83 ↓

Verbund AG

AT0000746409 11,860 -22,46 % 17,270 11,585 -22,46 % 25,91 -36,78 % 24,10 ↓

HTI AG

AT0000764626 0,740 -18,68 % 1,500 0,740 -18,68 % 62,40 -84,09 % 86,05 ↓

Österreichische Post AG

AT0000APOST4 33,630 -16,72 % 46,990 29,700 -16,72 % 20,00 7,79 % 18,35 ↓

Schoeller Bleckmann AG

AT0000946652 50,410 -15,98 % 66,230 43,050 -15,98 % 37,84 -36,42 % 32,07 ↓

Voestalpine AG

AT0000937503 28,345 -13,57 % 41,580 26,815 -13,57 % 33,88 2,48 % 27,96 ↓

Atrium European Real Estate Ltd

JE00B3DCF752 3,570 -12,71 % 4,649 3,506 -12,71 % 21,33 -19,78 % 19,96 ↓

Telekom Austria AG

AT0000720008 5,043 -8,62 % 6,778 4,876 -8,62 % 21,23 -12,14 % 24,65 ↓

Valneva SE

FR0004056851 3,810 -8,21 % 4,800 3,156 -8,21 % 43,11

Rosenbauer AG

AT0000922554 66,600 -6,79 % 85,000 65,110 -6,79 % 26,82 44,61 % 25,75 ↓

n.a. n.a. ↓

Linz Textil Holding AG

AT0000723606 325,000 -5,80 %

Warimpex AG

AT0000827209 0,665 -5,67 % 0,980 0,634 -5,67 % 31,05 -31,44 % 34,23 ↓

RHI AG

AT0000676903 18,015 -4,20 % 29,870 16,585 -4,20 % 32,62 -27,65 % 27,39 ↓

Uniqa Insurance Group AG

455,000 290,000 -5,80 % 38,61 -38,33 % 32,91 ↓

AT0000821103 7,525 -3,24 % 9,405 7,039 -3,24 % 25,56 -23,68 % 24,13 ↓

BKS Bank AG

AT0000624705 16,900 -2,31 % 17,500 16,500 -2,31 % 8,47 -2,31 % 6,47 ↓

Andritz AG

AT0000730007 45,050 -1,40 % 57,490 38,135 -1,40 % 26,05 -7,19 % 25,57 ↓

FACC AG

AT00000FACC2 7,170 0,20 % 8,663 6,203 0,20 % 25,57

Immofinanz AG

AT0000809058 2,101 0,43 % 2,842 1,986 0,43 % 29,96 -17,66 % 24,76 ↓

n.a.

QUELLE:

37

n.a. ↓


MÄRKTE

FONDSKURSE DIE 20 TOP/FLOP–ÖSTERREICH–FONDS (THESAURIERT) 2015 (YTD) VOLUMEN FONDSNAME ISIN KURS YTD % YTD HIGH YTD LOW 1 J % 1 J VOLA 3J % 3 J VOLA (MIO. EURO)

3 Banken Österreich Fonds

AT0000662275 27,79 20,49 % 29,65 22,87 20,49 % 16,37 24,87 % 14,32 121,94 ↑

Raiffeisen Österreich Aktien

AT0000805197 166,91 18,33 % 180,45 139,85 18,33 % 17,64 14,66 % 15,84 102,46 ↑

SemperShare Austria

AT0000815030 118,59 15,36 % 128,94 101,68 15,36 % 20,43 13,69 % 17,34 17,36 ↑

ComStage ATX Ucits ETF ESPA Stock Vienna

LU0392496690 27,48 12,46 % 30,47 24,00 12,46 % 19,23 2,03 % 17,22 16,98 ↑ AT0000813001 119,56 12,39 % 128,32 105,96 12,39 % 16,18 5,55 % 15,02 68,79 ↑

RT Österreich Aktienfonds

AT0000497292 8,32 12,28 %

ViennaStock

AT0000952460 220,49 11,12 %

PIA - Austria Stock

AT0000767736 74,36 9,86 %

8,94

7,35 12,28 % 16,37 4,00 % 14,97 472,49 ↑

239,61 194,59 11,12 % 16,64

7,11 % 14,24 31,75 ↑

82,74 66,38 9,86 % 16,82 12,79 % 14,66 242,43 ↑

Zukunftsvorsorge Aktienfonds

AT0000659644 15,76 9,44 %

Kepler Oesterreich

AT0000647698 260,18 9,42 % 291,69 232,00 9,42 % 18,49 4,57 % 16,08 34,23 ↑

Allianz Invest Austria Plus Österreich Plus VB Österreich-Index-Fonds

AT0000611405 91,02 9,18 % AT0000A05TF3 73,07 8,61 % AT0000A0GWN4 96,02 6,19 %

17,31 14,27 9,44 % 12,04 1,09 % 11,23 706,60 ↑ 100,65 81,89 9,18 % 16,69 8,02 % 14,59

5,24 ↑

81,30 65,87 8,61 % 17,64 4,83 % 15,15 29,03 ↑ 108,33 88,21 6,19 % 17,69 -3,37 % 16,50

2,54 ↑

Real Invest Austria

AT0000634365 14,13 2,80 %

TirolRent

AT0000832597 25,16 0,24 %

Sparda Rent

AT0000855416 130,86 0,07 % 131,47 129,47 0,07 % 1,11 4,30 % 1,05 65,29 ↑

Apollo Mündel

AT0000746961 12,42 0,00 %

RLB NÖW Mündel Rent

AT0000746219 1073,22 -0,01 % 1085,11 1060,35 -0,01 % 1,93 5,05 % 1,85 37,44 ↑

Apollo Mündel

AT0000900048 7,24 -0,01 % 7,30 7,17 -0,01 % 1,82 4,64 % 2,00 72,20 ↑

BAWAG P.S.K. Mündel Rent Kurz

AT0000810429 106,56 -0,11 % 106,89 106,27 -0,11 % 0,65 0,62 % 0,61 74,90 ↑

14,13

13,75

2,80 %

0,50

8,71 %

0,52 2.605,80

25,26 24,89 0,24 % 1,08 4,26 % 1,02 72,15 ↑ 12,52 12,30 0,00 % 1,74 4,65 % 1,82 72,20 ↑

ZERTIFIKATE CHAMPION SEIT 2007

www.rcb.at

VB Mündel-Flex

AT0000A0S6L8 115,27 -3,05 % 124,27 114,27 -3,05 % 4,41 4,03 % 3,44 42,27 ↓

Hypo Mündel Fonds

AT0000A0KQQ1 10,21 -2,30 % 10,60 10,06 -2,30 % 3,18 1,29 % 2,52 5,04 ↓

Hypo Rent

AT0000611157 9,97 -1,86 %

10,51

9,84 -1,86 % 4,44 7,22 % 3,12 287,23 ↓

Allianz Invest Vorsorgefonds

AT0000721360 128,39 -1,17 % 133,51 125,30 -1,17 % 4,75 5,12 % 3,76 93,63 ↓

SemperBond Austria

AT0000737663 93,69 -1,10 % 95,03 93,66 -1,10 % 0,94 0,16 % 0,95 7,34 ↓

BAWAG P.S.K. Mündel Rent

AT0000719273 115,25 -1,06 % 120,37 113,75 -1,06 % 3,64 7,05 % 3,04 373,30 ↓

VB Mündel-Rent

AT0000A0HR15 913,83 -0,98 % 971,04 896,87 -0,98 % 5,29 9,68 % 4,08 13,86 ↓

ESPA Bond Euro Mündelrent

AT0000812995 14,18 -0,98 % 14,96 13,92 -0,98 % 5,01 8,85 % 3,79 613,61 ↓

Schoellerbank Vorsorgefonds

AT0000820402 117,63 -0,92 % 120,24 116,79 -0,92 % 1,84 4,36 % 1,57 86,83 ↓

Spängler IQAM SparTrust HYPO 3-Wert

AT0000817960 153,71 -0,88 % 161,90 150,54 -0,88 % 4,74 7,77 % 3,60 329,39 ↓ AT0000A0B083 129,21 -0,78 %

132,95 128,03 -0,78 % 2,17 3,96 % 1,95 24,73 ↓

AustroMündelRent

AT0000801246 130,27 -0,67 %

135,78 127,74 -0,67 % 4,52 8,05 % 3,48 97,23 ↓

Kepler Vorsorge Rentenfonds

AT0000722566 135,96 -0,57 % 139,18 133,41 -0,57 % 3,49 7,21 % 2,96 421,40 ↓

Raiffeisen Österreich Rent HYPO Mündelrent OÖ

AT0000805171 12,94 -0,57 %

13,14 12,85 -0,57 % 1,70 3,74 % 1,82 473,88 ↓

AT0000A0GWS3 110,81 -0,34 % 111,63 109,38 -0,34 % 2,17 1,64 % 1,70 152,82 ↓

ESPA Reserve Euro-Mündel

AT0000A0EU62 102,50 -0,31 % 102,91 102,11 -0,31 % 0,39 0,00 % 0,35 54,03 ↓

Gutmann Mündelsicherer Anleihefonds

AT0000A0CG05 9,62 -0,22 % 9,84 9,49 -0,22 % 2,86 6,61 % 2,74 4,20 ↓

PIA - Mündel Bond

AT0000674874 14,33 -0,21 % 14,52

Meinl Capitol 1

AT0000859301 61,74 -0,14 % 62,06 61,00 -0,14 % 1,33 1,42 % 1,10 6,04 ↓

14,16 -0,21 % 2,02 4,83 % 2,04 327,43 ↓

Tirolpension

AT0000A0VKV1 7,94 -0,13 % 8,00 7,85 -0,13 % 1,90 3,62 % 1,54 14,92 ↓ QUELLE:

38


MÄRKTE

ANLEIHENKURSE DIE 20 TOP/FLOP–CORPORATE-PRIME-ANLEIHEN DER WIENER BÖRSE (YTM) VOLUMEN ANLEIHENNAME ISIN KURS YTM %* YTD HIGH YTD LOW (MIO. EURO)

VERZINSUNG FÄLLIGKEIT

TYP

Sanochemia Pharmazeutika AG 7,750 % 2017

DE000A1G7JQ9 97,51 9,44 % 97,51 97,51 10,00 7,750 % 06.08.17 Fix ↑

Photon Energy NV 8,000 % 2018

DE000A1HELE2 100,00 8,24 % 100,00 100,00

Egger Holzwerkstoffe 7,000 %

7,53

8,000 % 12.03.18 Fix ↑

AT0000A11BC6 103,00 6,79 % 104,88 101,76 100,00 7,000 % Unbefr. Fix ↑

WEB Windenergie AG 5,000 % 2016

AT0000A0QZH8 98,60 6,55 % 100,50 98,60

WEB Windenergie AG 5,500 % 2023

AT0000A0Z793 100,00 5,50 % n.a. n.a. 6,39 5,500 % 08.04.23 Fix ↑

6,46 5,000 % 16.12.16 Fix ↑

WEB Windenergie AG 5,250 % 2023

AT0000A0Z785 100,66 5,13 % n.a. n.a. 8,17 5,250 % 08.04.23 Fix ↑

UBM Realitätenentwicklung AG 4,875 % 2019

AT0000A185Y1 102,20 4,18 %

WEB Windenergie AG 3,500 % 2019

AT0000A191B7 97,80 4,14 % 97,80 97,80

10,57 3,500 % 07.10.19 Fix ↑

WEB Windenergie AG 4,000 % 2018

AT0000A0Z7A0 101,00 3,53 % 101,00 101,00

7,95 4,000 % 08.04.18 Fix ↑

S Immo AG 3,250 % 2025

AT0000A1DBM5 102,00 3,00 % n.a. n.a. 33,99 3,250 % 09.04.25 Fix ↑

Swietelsky Baugesellschaft 4,625 % 2019

AT0000A0WR40 106,65 2,75 % 107,75 104,95

S Immo AG 3,250 % 2027

AT0000A1DWK5 105,00 2,73 % n.a. n.a. 65,00 3,250 % 21.04.27 Fix ↑

Cross Industries AG 4,625 % 2018

AT0000A0WQ66 105,20 2,64 % 107,30 105,01

S Immo AG 4,500 % 2021

104,50 100,95 200,00

AT0000A177D2 110,55 2,41 % 111,00 109,85

85,00

4,875 % 09.07.19 Fix ↑

4,625 % 12.10.19 Fix ↑

75,00 4,625 % 05.10.18 Fix ↑ 89,74

4,500 % 17.06.21 Fix ↑

Egger Holzwerkstoffe 4,500 % 2019

AT0000A0WNP5 107,43 2,40 % 108,50 106,15 150,00 4,500 % 01.10.19 Fix ↑

Immofinanz AG 5,250 % 2017

AT0000A0VDP8 104,45 2,20 % 108,19 103,72 100,00

5,250 % 03.07.17 Fix ↑

Novomatic AG 3,000 % 2021

AT0000A182L5 104,45 2,13 % 106,00 100,10 200,00 3,000 % 23.06.21 Fix ↑

CA Immo AG 2,750 % 2022

AT0000A1CB33 103,93 2,06 % n.a. n.a. 175,00 2,750 % 17.02.22 Fix ↑

Wienerberger AG 4,000 % 2020 Porr AG 6,250 % 2018

AT0000A100E2 107,98 2,04 %

110,50 106,12 300,00 4,000 % 17.04.20 Fix ↑

DE000A1HSNV2 112,13 1,91 % 116,38 108,00

ZERTIFIKATE CHAMPION SEIT 2007

50,00

6,250 % 26.11.18 Fix ↑

www.rcb.at

AT&S AG 5,000 % 2016

106,00 102,95 100,00

5,000 % 18.11.16 Fix ↓

Strabag SE 4,250 % 2019

AT0000A0PHV9 109,53 0,73 % 114,00 108,66 175,00

AT0000A0R2J2 103,80 0,66 %

4,750 % 25.05.18 Fix ↓

Strabag SE 4,250 % 2019

AT0000A0V7D8 110,74 0,98 % 111,50 110,20 100,00 4,250 % 10.05.19 Fix ↓

Strabag SE 3,000 % 2020

AT0000A109Z8 107,67

S Immo AG 3,000 % 2019

AT0000A19SB5 106,00 1,35 %

1,19 %

106,38 102,13 100,00 3,000 % 03.10.19 Fix ↓

Andritz AG 3,875 % 2019

AT0000A0VLS5 108,48 1,39 %

110,05 108,10 350,00 3,875 % 09.07.19 Fix ↓

108,30 106,53 200,00

3,000 % 21.05.20 Fix ↓

Porr AG 6,250 % 2016

AT0000A0XJ15 104,40 1,42 % 108,08 104,02

Strabag SE 1,625 % 2022

AT0000A1C741 100,34 1,57 % n.a. n.a. 200,00 1,625 % 04.02.22 Fix ↓

50,00

6,250 % 04.12.16 Fix ↓

Wienerberger AG 5,250 % 2018

AT0000A0PQY4 108,95 1,58 %

112,50 108,04 100,00

5,250 % 04.07.18 Fix ↓

Novomatic AG 5,000 % 2017

AT0000A0KSM6 105,85 1,71 %

107,68 104,75 150,00

5,000 % 27.10.17 Fix ↓

Egger Holzwerkstoffe 5,750 % 2017

AT0000A0G215 104,40 1,78 % 108,83 103,28 120,00

5,750 % 18.02.17 Fix ↓

KTM AG 4,375 % 2017

AT0000A0UJP7 103,33 1,81 % 106,19 103,03

85,00

4,375 % 24.04.17 Fix ↓

Kapsch Trafficcom AG 4,250 % 2017

AT0000A0KQ52 104,25 1,87 % 105,75 104,25

70,82

4,250 % 03.11.17 Fix ↓

Novomatic AG 4,000 % 2019

AT0000A0XSN7 106,28

1,88 % 107,98 102,64 250,00

4,000 % 28.01.19 Fix ↓

Porr AG 3,875 % 2019

AT0000A19Y28 107,25 1,89 % 107,83 101,15

56,26 3,875 % 28.10.19 Fix ↓

Cross Industries AG 6,875 %

AT0000500913 97,00 n.a. 100,50 97,00

1,01 6,875 % Unbefr. Variabel ↓

Swietelsky Baugesellschaft 7,750 %

AT0000A07LU5 102,20

Wienerberger AG 6,500 %

DE000A0G4X39 101,25 n.a. 103,50 101,25 227,81 6,500 % Unbefr. Variabel ↓

n.a. 102,20 100,05

Wienerberger AG 6,500 %

DE000A1ZN206 101,75

n.a. 106,50 99,36 272,19 6,500 % Unbefr. Variabel ↓

Porr Hybrid-Anleihe 6,750 %

AT0000A19Y36 107,38

n.a. 109,68 101,50

32,55

5,769 % Unbefr. Variabel ↓

25,00 6,750 % Unbefr. Variabel ↓

* YTM = RENDITE BIS LAUFZEITENDE QUELLE:

39


MÄRKTE

PORTFOLIO

„EINE KORREKTUR IST LÄNGST ÜBERFÄLLIG.“ Harald Holzer, Veranlagungschef der Kathrein Privatbank AG, rät bei Aktien derzeit zur Vorsicht und setzt auf eine Trendwende bei Anleihen aus den Schwellenländern. TEXT RAJA KORINEK

Herr Holzer, derzeit steht vor alle die Geld-

INFO FAKTEN

politik der Notenbanken im Fokus, sie drif-

HARALD HOLZER CHIEF INVESTMENT OFFICER, STV. VORSTANDSVORSITZENDER KATHREIN PRIVATBANK AG Nach dem Studium in den USA startete Holzer seine Karriere 1989 als Portfoliomanager bei der Sparinvest Kapitalanlage AG. 1994 folgt der Wechsel als Geschäftsführer zur Constantia Privatbank Kapitalanlage. Seit 1999 ist er im Vorstand der Kathrein Privatbank AG, wo er die Entwicklung, Umsetzung und die Kontrolle des Portfoliomanagements verantwortet.

Anleger aufgrund des US-Zinsanstiegs zurückhaltend.

Asset-Allocation

tet zwischen den USA und Europa zunehmend auseinander. Ein Grund zur Sorge?

Sie haben gleich rund ein Viertel des Anlei-

– Es hat zu einem Anstieg des US-Dol-

heanteils in den Schwellenländern veran-

lar geführt, da die EZB in den kommen-

lagt. Was ist diesmal anders? – In der Ver-

den zwei bis drei Jahren die Zinsen ver-

gangenheit zogen Anleger ihr Geld aus

mutlich nicht anheben wird. Inzwischen

riskanteren Regionen bei einer US-Zins-

ist der Dollar aber überbewertet, wes-

erhöhung meist ab. Dann winkte im Dol-

halb wir etwa die US-Aktien großteils

larraum eine bessere, vor allem weniger

währungsgesichtert haben. Letztend-

riskante Verzinsung, zumal sich auch die

lich zählen nicht nur die Zinsdifferen-

Dollarschulden in den Schwellenländern

zen zwischen den Währungen, sondern

verteuerten. Diesmal ist der US-Leitzins

auch die Kaufkraftparitäten. Daran ge-

insgesamt auf einem sehr tiefen Niveau

messen wäre der faire Wert bei 1,34 US-

und kann auf gut zwei Prozent steigen,

Dollar zum Euro.

41,20 % Aktien 52,20 % Anleihen 12,40 % Alternative Investments

Mit fast 53 Prozent hat das ausgewogene Musterportfolio einen hohen Anleiheanteil.

gative. Dafür sind wir innerhalb des Anleihesegments breit aufgestellt, die tiefen Zinsen sind aber eine Herausforderung. Bei langlaufenden Staatsanleihen aus der Kerneurozone kann man immer noch positive Renditen erzielen, wobei wir auch ein wenig in Staatsanleihen aus

länderbonds investiert, auch in lokaler Währung, schwimmen damit freilich ein wenig gegen den Strom. Hier sind viele

Dennoch gibt es auch in den Schwellenlän-

 Aktien

34,80 % Entw. Länder (large cap) 4,40 % Taktisch 2,00 % Entw. Länder (small cap)

 Anleihen 16,10 % Staatsanleihen Euro 14,80 % Unternehmensanleihen Investment Grade 11,90 % Staatsanleihen Euro

 Alternative Investments

der europäischen Peripherie veranlagt sind. Zudem haben wir in Schwellen-

schuldung in Fremdwährungen seit der Asienkrise deutlich gesunken.

Aktienquote aus. – Die Börsen sind zwar mentum bei den Aktien zuletzt ins Ne-

den könnte. Zudem ist der Anteil der Ver-

Größte Positionen

Andere Mitwerber nutzen zuletzt die volle gut gelaufen, allerdings drehte das Mo-

bevor es tatsächlich problematisch wer-

3,70 % Managed Futures 2,50 % Private Equity

dern Risiken, etwa bei der Bonität, den steigenden Schulden und den sinkenden Rohstoffpreisen. – Dafür lukriert man etwa bei Anleihen in lokaler Währung derzeit eine durchschnittliche Rendite von gut sechs Prozent. Außerdem sind die Währungen gegenüber dem US-Dollar stark gesunken. Das kurbelt die Exporte an, in den kommenden Jahren haben die Währungen zudem wieder Spielraum nach oben. Ein großer Anleiheanteil entfällt auf den SDPR Barclays Emerging Markets Local

QUELLE: KATHREIN MANDATUM 50, DEZEMBER 2015

40

Bond ETF. Darin haben 41 Prozent der An-


MÄRKTE

leihen ein Rating von BAA, gerade noch ein

wie vor ist die Nachfrage hoch, die Al-

sie wird dynamisch gesteuert. Zudem

Investment-Grade. – Der Anteil an Anlei-

ternativen etwa zu Treibstoff dünn ge-

können wir Aktien aus den Schwellen-

hen aus dem spekulativen Bereich ist aber

sät. Allein in der Flugindustrie wird man

ländern beimischen, sehen davon im

gering. Insgesamt ist die Staatsverschul-

nicht so rasch vom Kerosin abkommen.

Moment aber ab. Derzeit haben wir eine

dung der Schwellenländer noch immer

Letztendlich geht es auch hier um Diver-

Beimischung in globale, defensive Aktien

geringer als jene der Industrieländer. Zu-

sifikation. Zudem handelt es sich bei EM-

sowie in Small-Caps-Fonds aus den USA.

dem ist der ETF breit aufgestellt, das Ge-

Anleihen aus dem Energiesektor häu-

Bei letztem Segment deutet unser Modell

wicht der größten Emittenten, Brasilien,

fig um staatsnahe Unternehmen wie die

auf eine Unterbewertung gegenüber den

Mexiko und Südkorea, ist mit zehn Pro-

mexikanische Pemex.

Large Caps hin.

Länder und hält unter anderem Anleihen

Bei den Hochzinsanleihen aus den entwi-

Weshalb derzeit die Zurückhaltung? – His-

aus Polen, Malaysia oder Thailand. Dabei

ckelten Ländern reizt Sie offensichtlich der

torisch betrachtet, haben die globalen

muss man natürlich die wirtschaftlichen

Energiesektor weniger? – Tatsächlich prä-

Aktienmärkte im Schnitt 573 Tage einen

Entwicklungen Chinas gut im Auge be-

ferieren wir High-Yield-Bonds aus Euro-

Anstieg ohne Korrektur von 15 Prozent

halten. Wir rechnen mit einem Soft Lan-

pa, da das Segment in den USA einen ho-

zurückgelegt. Wir sind weit darüber, eine

ding und keinem harten Absturz.

hen Anteil an Schieferölproduzenten hat.

Korrektur ist überfällig. Wir gehen aber

Hier leiden zahlreiche Emittenten unter

nicht von einem Bärenmarkt aus, da der

Ein weiteres Investment ist der iShares $

dem stark gesunkenen Ölpreis, die Aus-

Ertrag des aktuellen Bullenmarktes erst

Emerging Markets Corporate Bond ETF, vie-

fallsrate ist in den USA deshalb stark ge-

bei rund 167 Prozent liegt, deutlich unter

le Unternehmen sind dabei im Energiesek-

stiegen, während sie in Europa sinkt.

dem Durchschnitt von 263 Prozent. Zu-

zent beschränkt. Der ETF investiert in 19

tor tätig. Ein Risiko? – Inzwischen ist der

dem wird in den USA sowie in Europa ein

Ölpreis stark gesunken, auf Dauer kann

Der Aktienanteil im Musterportfolio bil-

zweistelliges Gewinnwachstum bei den

er nicht auf derart tief verharren, wenn-

det im Wesentlichen nur den MSCI Weltin-

Unternehmen 2016 und 2017 erwartet. n

gleich Prognosen schwierig sind. Nach

dex ab. – Das ist die Grundgewichtung,


MÄRKTE

STATISTIK ÖSTERREICH BÖRSENDATEN DIE WIENER BÖRSE IN ZAHLEN

80 70 60

15 14 13 12

50

11

40

10

30

Q1

Q2

Q3

Q4

QUARTAL

Q1

Q2

Q3

14,30

11,83

13,67

11,47

15,56

7

10,45

AKTUELLE PERIODE

TOP HANDELSTEILNEHMER (Q4/14)

VERGLEICHSPERIODE

8 15,27

87,44

84,66

86,44

81,55

89,44

87,71

85,73

87,15

0

9

VERGLEICHSPERIODE

14,37

20 10

QUELLE: WIENER BÖRSE AG

90

QUARTALSUMSÄTZE

MRD. EUR

QUELLE: WIENER BÖRSE AG

MARKTKAPITALISIERUNG

MRD. EUR 100

AKTUELLE PERIODE QUARTAL

Q4

TOP DIRECTOR’S DEALINGS

PLATZIERUNG Q1

HANDELSPARTNER

UMSATZ (MIO. EUR) Q4

DATUM

PERSON/FIRMA

HANDEL/STÜCK

KURS/BETRAG

1.

(1)

Morgan Stanley & Co

1.224,74

27.11.2015

Attila Dogudan

Verkauf

87,60 EUR

2.

(3)

Spire Europe Limited

1.113,59

DO & CO AG

3.

(-)

Wood & Company F. Services

1.080,91

27.11.2015

Karl-Heinz Strauss

Verkauf

23,75 EUR

4.

(2)

Deutsche Bank AG

1.077,00

Porr AG

363.730

8.638.587,50 EUR

5.

(5)

Hudson River Trading Europe

1.065,77

03.12.2015

Erhard Grossnigg

Verkauf

5,10 EUR

6.

(9)

Raiffeisen Centrobank AG

969,39

S & T AG

1.500.000

7.650.000,00 EUR

7.

(7)

Credit Suisse Securities

929,63

21.12.2015

Stefan Pierer,

Kauf

28 EUR 7.350.000,00 EUR

750.000 65.700.000,00 EUR

8.

(6)

Erste Group Bank AG

873,9

Friedrich Roithner

9.

(8)

Merrill Lynch International

810,66

Pankl Racing Systems AG

262.500

10.

(4)

Societe Generale S.A.

791,94

03.12.2015

Hannes Niederhauser

Verkauf

5,10 EUR

9.937,53

S & T AG

1.400.000

7.140.000,00 EUR

Gesamt Q4 2014 Differenz 

7.783,21 2.154,32 QUELLE: WIENER BÖRSE AG

QUELLE: FMA

UMSCHLAGSHÄUFIGKEIT INT. INVESTOREN

INVESTORENGEOGRAFIE

51,50 % niedrig 38,20 % moderat 5,40 % hoch QUELLE: IPREO, JUNI 2015

26,40 % USA 25,80 % Österreich 14,40 % Großbritannien 7,10 % Norwegen 5,50 % Frankreich 4,80 % Deutschland 2,20 % Schweiz 1,90 % Niederlande 1,90 % Kanada 1,30 % Polen 8,70 % andere

42

4,90 %

sehr hoch

QUELLE: IPREO, JUNI 2015

Gesamt Q4 2015 


MÄRKTE

10 9

INFLATION

%

QUELLE: AMS

ARBEITSLOSENRATE

%

2

8

1,5

7 6 5

QUELLE: STATISTIK AUSTRIA

WIRTSCHAFTSDATEN ÖSTERREICHS WIRTSCHAFT IN ZAHLEN

1

4

VERGLEICHSPERIODE

3 2

VERGLEICHSPERIODE

0,5

AKTUELLE PERIODE

1

AKTUELLE PERIODE 0

J

F

M

A

M

J

J

A

S

O

N

BIP-WACHSTUM

% 1,5

1

MONAT

D

%

QUELLE: STATISTIK AUSTRIA

D

J

F

M

A

M

J

J

A

S

O

N

LEISTUNGSBILANZSALDO IN % DES BIP

6 5 4

MONAT

QUELLE: STATISTIK AUSTRIA

0

1.344*

1.131*

315*

4.118*

-89*

3.347*

2.103*

Q2

Q3

DEFIZIT IN % DES BIP

% 1

–2

84

85,91*

–1

83,70*

0

QUARTAL

QUELLE: STATISTIK AUSTRIA

Q1

80,94*

85

VERGLEICHSPERIODE AKTUELLE PERIODE

82,83*

86

Q4

78,35*

GESAMTVERSCHULDUNG IN % DES BIP

87

QUARTAL

80,03*

Q3

–1

1.762*

82,83*

80,94*

80,03*

Q2

AKTUELLE PERIODE

86,32*

%

Q1

0

84,95*

Q4

VERGLEICHSPERIODE

QUELLE: STATISTIK AUSTRIA

–1

MIO. EUR

2 1

86,32*

78,35*

84,95*

0

MRD. EUR

85,91*

83,70*

3 0,5

268,26*

–3

Q1

Q2

264,68*

MRD. EUR

–4 –5

285,89*

263,40*

Q4

MRD. EUR

287,57*

80

281,42*

81

277,38*

82

260,93*

83

Q3

VERGLEICHSPERIODE

–6

VERGLEICHSPERIODE

AKTUELLE PERIODE

–7

AKTUELLE PERIODE Q4

QUARTAL

43

Q1

Q2

Q3

QUARTAL


WIRTSCHAFT

KLIMA: SCHÄDLICH?

D

ie Euphorie war groß. Außenmi-

nicht gewiss, betont die österreichische

Umsetzung als Unsicherheit

nister, Staatspräsidenten und

Klimaforscherin

Kromp-Kolb,

Hier liegt wohl die größte Unsicher-

Umweltverbände haben sich in

die das Zentrum für Globalen Wandel

heit des COP21-Abkommens (21st Con-

einer ersten Reaktion auf das Pariser Kli-

und Nachhaltigkeit an der Universität

ference of the Parties, Anm.). In Paris

maabkommen mit Superlativen über-

für Bodenkultur leitet. „Die Klimaziele

wurden zwar gemeinsame Ziele verein-

schüttet: Es sei „die beste Chance, den

sind schon wissenschaftlich begründ-

bart, doch wie man sie erreichen will,

einen Planten zu retten, den wir haben“,

bar, aber ein Plus von knapp zwei Grad

darüber besteht kein Konsens. Gerade in

frohlockte der US-Präsident Barack Ob-

bei der Temperatur ist kein Niveau, bei

der österreichischen Industrie wird kri-

ama. Bis 2050 sollte die Welt frei von

dem nichts passiert. Bei zwei Grad pas-

tisiert, dass die Umsetzung der Klima-

fossiler Energiegewinnung sein, über-

siert schon eine ganze Menge, nicht zu-

ziele nicht einheitlich erfolgt. „COP21

setzen Nichtregierungsorganisationen

letzt gemessen am Meeresspiegel.“ Aus

hat keine konkret quantifizierten Zie-

das ambitionierte Ziel, mithilfe von we-

wissenschaftlicher Sicht gehe es vor al-

le festgelegt“, wird beim Stahlkonzern

niger CO2-Emissionen den weltweiten

lem darum zu verhindern, dass business

Voestalpine AG betont. Das 1,5-Grad-

Temperaturanstieg bei 1,5 Grad Celsius

as usual dazu führt, dass die Schwellen-

Ziel mag zwar abgesteckt sein, aber für

aufzuhalten (siehe Infobox S. 46).

länder ähnlich wie die Industrieländer

europäische Unternehmen gelten wei-

Ob das Ganze aus Klimaschutzgesichtspunkten reicht, ist dabei noch gar

Helga

vor ihnen mit starken CO2-Emissionen

terhin die strengen CO2-Ziele der EU,

ihre Industrialisierung vorantreiben.

für Konzerne in Asien oder den USA

44


WIRTSCHAFT

Bei der Klimakonferenz in Paris hat man sich auf einen ­globalen Beschluss zum Klimaschutz geeinigt. Den Chancen durch mehr Nachhaltigkeit stehen für heimische K ­ onzerne und Investoren die Risiken einer Wettbewerbsverzerrung gegenüber, wie DerBörsianer recherchiert hat. TEXT LUKAS SUSTALA

© CHRISTOPHE PETIT TESSON / EPA / PICTUREDESK

hingegen gänzlich andere, lockerere. In

fast 200 Staaten, einschließlich Groß­

gegeben, welche die Zukunft der ener-

seiner Funktion als Präsident des Welt-

emittenten wie China und die USA, zu

gieintensiven Industrie in Deutschland

stahlverbands hielt sich Wolfgang Eder

einem ambitionierten Klimaschutz be-

und Österreich behandelt und aufzeigt,

auch nicht mit Kritik an der europä­

kennen, ist ein erster, wenn auch noch

dass die Klima- und Energiepolitik eine

ischen Klimastrategie zurück. Desast-

nicht ausreichender Schritt in Rich-

entscheidende Rolle für die Frage spielt,

rös könnten die hochgesteckten Um-

tung ‚global level playing field‘.“ Doch

ob der Industriestandort Österreich oder

weltschutzziele für die energieinten-

die Umsetzung stehe noch aus. Aktuell

Deutschland noch interessant bleibt.

sive Industrie in Europa sein, und es

belaufen sich die „regulatorischen Kos-

Hört man sich in der österreichi-

wäre „Wunschdenken“, dass es gleiche

ten“ für die europäische Stahlindustrie

schen Wirtschaft um, dann ist es vor al-

Wettbewerbsbedingungen

angesichts

auf rund 30 Prozent des durchschnittli-

lem ein Punkt, bei dem man zwischen

von unterschiedlichen Klimapolitiken

chen Ebitda, dem Ergebnis vor Steuern,

Klimaforschern

geben kann. Ein Sprecher der Voestal-

Zinsen und Abschreibungen. Das geht

bänden eine Interessenüberschneidung

pine AG fügt hinzu: „Wettbewerbsver-

aus Berechnungen der EU-Kommissi-

beobachtet. Die einen fürchten sich vor

zerrungen bestehen bereits heute“, weil

on hervor.

einem Wettbewerbsnachteil, wenn in

und

Wirtschaftsver-

die EU in Sachen Klimapolitik eine Vor-

Die Voestalpine AG hat im vergan-

Europa strenge Klimaschutzziele und

reiterrolle einnehmen wolle. „Das in

genen Jahr auch eine Studie beim Han-

enge Grenzen für die Industrie gesteckt

Paris erzielte Abkommen, mit dem sich

delsblatt Research Institute in Auftrag

werden, die anderen sorgen sich um die

45


WIRTSCHAFT

„Bei zwei Grad passiert schon eine ganze ­Menge.“

„Investoren sollten Nachhaltigkeit stärker in den ­Fokus rücken.“

„Klimaschutz ist in den Aktienkursen definitiv noch nicht eingerechnet.“

HELGA KROMP-KOLB

HEINZ BEHACKER

WOLFGANG MATEJKA

gesteckten CO2-Ziele, wenn Schwellen-

Strompreisen die aus Umweltgründen INFO WISSEN

länder weitgehend weiter wie bisher industrialisieren.

Die vier Zahlen von Paris

Im Kern geht es mit COP21 um das Ziel, bis 2050 aus fossilen Energieträgern auszusteigen. Ein Blick auf den

1.

heimischen Aktienindex ATX zeigt, wen das besonders treffen würde: Der Ölund Gaskonzern OMV AG, Ausrüster Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment AG, den Verbund AG als Versorger oder die Voestalpine AG als wichtigen Emittenten von CO2 und Konsumenten

2.

von Energie. Im Vergleich zu anderen Aktienmärkten ist der österreichische mit seiner hohen Dichte an Unternehmen aus der Dienstleistungsbranche (Banken, Versicherungen) aber wohl

Temperaturziel von 1,5 Grad. Um maximal 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter soll die globale Temperatur steigen. Beim Abkommen von Kopenhagen vor sechs Jahren waren noch zwei Grad anvisiert worden. Null Emissionen. Das langfristige Ziel heißt „netto null Emissionen“. Der Ausstoß und der natürliche Abbau von CO2 sollen sich in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts die Waage halten. Die Klimaforscher der UN fordern dieses Ziel für spätestens 2070 ein.

3.

wicht in den Chemie-, Energie- und Grundstoffbranchen.

Umweltpolitik wirbelt durcheinander Neben COP21 wirken aber nach wie vor die europäischen Umweltpolitiken stark auf Branchen wie die Versorger. Der Aktienkurs des Verbunds etwa hat sich seit 2012 halbiert. Deutsche Versorger wie E.ON SE oder RWE AG haben teilweise einen noch dramatischeren Verfall der Kurse gesehen. Grund ist der regional besonders starke Preisverfall für Strom, der von der Subventionspolitik für grü-

den „Förder-Wahnsinn“, der dazu beitrage, dass subventionierte, nicht wettbewerbsfähige Energieproduzenten den Preis stark drücken. 2015 hat der Verbund etwa sein modernes Gaskraftwerk in Mellach einmotten müssen. Teilweise werden die Sorgen in der Politik auch gehört, etwa wenn Johann Höfinger, ÖVP-Umweltsprecher, betont, dass durch den Klimaschutz in Österreich auch Exportchancen mit Ökoinnovationen möglich sind, „aber auch die Arbeitsplätze in der energieintensiven Industrie müssen wir achten, von Stahl bis Zement“ (Einschätzungen aller politi-

4.

180 Einsparpläne. Mehr als 180 Nationen haben ihre Vorschläge zur nationalen Einsparung von CO2-Emissionen vor dem Gipfel in Paris eingebracht. Halten sich die Länder nur an ihre bereits gesteckten Ziele, erwarten die Klimaforscher allerdings einen Anstieg um 2,7 Grad. Daher soll es alle fünf Jahre Überprüfungen der Pläne geben.

finden Sie auf Seite 74).

100 Milliarden US-Dollar. Die vom Klimawandel besonders betroffenen Länder sollen pro Jahr 100 Milliarden US-Dollar an Entwicklungsfinanzierung erhalten. Dieses Versprechen wurde vor allem den Industrieländern abgerungen.

triebe in der Mobilität stark fällt, ist ein

nen Strom begünstigt war.

Investoren zusehends klimaaffin Langfristig ist aber entscheidend, ob auch Investoren umdenken. Einen Vorgeschmack könnte dabei der Ölmarkt geben. Wenn die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen wegen eines Umstiegs auf Erneuerbare oder neue AnPreis von 100 Dollar je Fass Rohöl, wie zuletzt noch 2014 gesehen, höchst unrealistisch, warnen prominente Investoren und kürzen daher ihre Ölinvestitionen. Besonders augenscheinlich ist dieses „Divestment“ im Kohlesektor.

Beim Branchenverband der österreichischen

wettbewerbsfähig sind. So kritisierte er

schen Parteien zum Klimaabkommen

weniger stark getroffen als so mancher anderer Markt mit einem höheren Ge-

unerwünschten Braunkohlekraftwerke

Der norwegische Staatsfonds etwa hat

sieht

jene, die noch stärker auf fossile Ener-

wie manche institutionelle Anleger den

man COP21 allerdings positiv. „Wir ha-

gie setzen“, sagt ein Sprecher der Ös-

vollständigen Abzug aus Kohleinvesti-

ben das Glück, dass Erneuerbare be-

terreich Energie, der Interessenver-

tionen forciert, nicht nur aus Gründen

reits eine große Rolle spielen. Wenn

tretung der E-Wirtschaft. Deren Präsi-

des Klimaschutzes, sondern des Kapi-

die Dekarbonisierung wirklich das Ziel

dent und Verbund-CEO Wolfgang An-

talschutzes.

ist,

Versor-

zengruber kritisierte wiederholt, dass

Für Heinz Behacker, Vorstand der

ger sich besser anpassen können als

zu den aktuell herrschenden niedrigen

VBV Vorsorgekasse AG, ist klar, wohin

werden

Energiewirtschaft

österreichische

46


WIRTSCHAFT

die Reise für die Finanzbranche nach

Klein, Fondsmanager bei der Erste Spar­

COP21 gehen müsste: „Gerade lang-

invest KAG, beschrieb die Dialogbereit-

Klimapolitik, um CO2-Vorgaben und

fristige Investoren wie Versicherungen,

schaft von Energieunternehmen mit

die Folgen der Subvention erneuerbarer

Vorsorge- und Pensionskassen sollten

nachhaltig orientierten Investoren zu-

Energien. „Es geht also um den Regu-

das Thema Nachhaltigkeit noch stär-

letzt aber als „ernüchternd“. Die meis-

lator“, sagt Matejka und kritisiert da-

ker in den Fokus nehmen.“ Tatsächlich

ten Investoren seien an Klimathemen

bei auch Behörden für die unklare Ziel-

wird ein großer Teil des europäisch ver-

noch wenig interessiert. „Der Klima-

setzung in der Umweltpolitik. „Aktuell

anlagten Vermögens noch „konventio-

schutz ist in den Aktienkursen definitiv

ist es zum Ärgern, der Verbund ist wirk-

nell“ veranlagt. Ethische oder nachhal-

noch nicht eingerechnet“, sagt Wolf-

lich ein gutes Beispiel, wie Umweltpo-

tige Kriterien spielen eine untergeordne-

gang Matejka, Geschäftsführer Asset-

litik nicht gemacht werden sollte. Er

te Rolle, Gewinnkennzahlen und ande-

Management bei der Wiener Privatbank

wird fast wie ein Braunekohleanbieter

re fundamentale Kriterien sind deutlich

SE. Das liege nicht zuletzt am weiten

behandelt, obwohl Flusskraftwerke zur

wichtiger. Das ändert sich nun allmäh-

Horizont. Die Klimabeschlüsse zielen

saubersten Technologie gehören. Das

lich. Behacker überzeugt, dass langfris-

auf Entwicklungen bis 2050, und „kaum

ist schlicht sinnlos.“

tig „nachhaltig agierende Unternehmen

ein Investor an der Börse denkt so lang-

Ob die Versuche der Politik, den Pla-

einen Wettbwerbsvorteil haben werden,

fristig“. Spürbar könnten die Ziele aber

neten zu retten, den Kollateralschaden

weil sie einen besseren Kapitalmarktzu-

durchaus in der Ölbranche sein, sagt

mit sich bringen, dass ganze Indust-

gang haben, wenn auch Investoren das

Matejka: „Ölkonzerne denken in Projek-

riezweige oder Unternehmen an Aufla-

Thema Nachhaltigkeit suchen“.

ten bis zu 20 Jahren, da wird Klimapolitik

gen zugrunde gehen, wird sich also erst

natürlich dann schon ein Thema.“

zeigen: Wenn aus der Versprechung

Druck von Politik statt Investoren Bis dahin ist es aber noch weit. Clemens

Für heimische Energieunternehmen und Industriekonzerne geht es jetzt vor

allem um die konkrete Umsetzung der

des neuen 1,5-Grad-Ziels Energie- und Umweltgesetze werden. n

Arbeitsplätze schaffen.

Österreichs Industrie sichert direkt und indirekt 2,4 Millionen Jobs. Ohne ehrliche und faire Strukturreformen, ohne Investitionen in Bildung, Infrastruktur sowie Forschung und Entwicklung stehen diese Arbeitsplätze auf dem Spiel. Handeln wir jetzt! Foto: dieindustrie.at/Mathias Kniepeiss

www.iv-net.at


BRANCHEN

BANKEN

KOLUMNE

WILHELM CELEDA Vorstands­ vorsitzender Raiffeisen Centrobank AG

2016: VORSÄTZE UND WÜNSCHE Weltfrieden, mehr Sport, weniger Stress und Rauchen, dafür gesunde Ernährung sind die üblichen Verdächtigen, aber für Aktive am heimischen Kapitalmarkt ist die

WIENER PRIVATBANK SCHLUCKT VALARTIS

Liste der Neujahrsvorsätze und -wünsche ein wenig zu erweitern.

Kurz vor Jahreswechsel vermeldete die

stellen“, so der Vorstand der Wiener Pri-

1. Die beinahe abgeschlossene

Wiener Privatbank SE den Kauf der öster-

vatbank SE, Eduard Berger, gegenüber Der-

reichischen Tochter der Valartis Holding,

Börsianer. Er ergänzt: „Gemeinsam können

der Valartis Bank (Austria). Neben dem

wir unseren Kunden eine größere Palet-

MiFIR und PRIIBs, nicht wiederholt.

Kauf des Bankgeschäfts wurden auch die

te von Beratungsdienstleistungen und in-

2. Die Anzahl neuer Regulierungen

Beteiligung an der Kapitalanlagegesell-

novativen Investmentchancen anbieten.“

wird nicht nur geringer, sondern es

schaft und über ein Joint Venture die Lie-

An der Valartis Bank Österreich waren dem

genschaft in der Rathausstraße 20 um zirka

Vernehmen nach auch andere Institute wie

13 Millionen Euro erworben. Mit der Über-

die Bank Winter und die Semper Constan-

des Kapitalmarktes als wesentlich

nahme wächst das verwaltete Vermögen

tia Privatbank AG interessiert. Bei Letzte-

für Wohlstand und Wachstum und

auf 2,5 Milliarden Euro. „Der beabsichtig-

rer wurden, wie DerBörsianer erfahren hat,

holt die Börse aus dem dunklen

te Zusammenschluss ermöglicht uns, die

die Vorstandsbeteiligungen mit 15. Dezem-

Schatten der Bankenkrise in positiv

Qualität unserer Arbeit in noch größerem

ber 2015 bestätigt. Bernhard Ramsauer und

Umfang und in einem geografisch erwei-

Harald Friedrich erwarben je 8,5 Prozent,

terten Wirkungsbereich unter Beweis zu

Ulrich Kallausch vier Prozent.

Entmündigung der Banken wird bei privaten Personen durch ein übereifriges Umsetzen von MiFID II,

wird auch auf Sinnhaftigkeit und Proportionalität geachtet. 3. Die Politik erkennt die Bedeutung

helles Licht. 4. Bildung wird nicht mehr als Kos­ tenbelastung, sondern als dringende Notwendigkeit für Innovation und als Zukunftschance gesehen. 5. Unternehmen folgen dem privaten Konsum und lösen den Investitionsstau auf, um einen Rückfall im Wettbewerb zu verhindern und die

Das „Raiffeisen-Verbriefing“

Wirtschaft zu beleben. 6. Und weil jeder Jahresbeginn ein-

Die tschechische Tochter der Raiffeisen

te insgesamt um 14 Basispunkte „hoch-

lädt zu hoffen, wird die derzeitige

Bank International AG (RBI), Raiffeisen-

gebrieft“ werden. RBI-Finanzvorstand

bank a.s., hat ein Portfolio von Unter-

Martin Grüll zeigt sich zufrieden: „Wir

nehmens-, KMU- und Projektfinanzie-

werden unser Programm auch 2016 fort-

derzeit hohe Einsatz zur lohnenden

rungen verbrieft. Die Transaktion findet

setzen. Verbriefungen sind ein wichtiger

Investition für die (europäische)

im Rahmen des RBI-Kreditverbriefungs-

Teil unseres Strategieplans zur Stärkung

Zukunft wird. Nach ausreichend

programms „Roof“ statt und umfasst ein

des Kapitals.“ Zuletzt verkaufte die RBI

Gesamtvolumen von einer Milliarde Euro.

auch einen Großteil ihres Slowenienge-

Gemeinsam mit der im Juli 2015 durch-

schäfts. Unklar ist auch noch, wie genau

geführten Verbriefung von 705 Millio-

die angekündigte Neuordnung im Raiffei-

nen Euro kann die harte Kernkapitalquo-

sen-Sektor aussehen wird.

Völkerwanderung als wichtige Harmonisierung im wirtschaftlichen Weltgefüge gesehen, wodurch der

Naivität und Pathos warten wir auf den 31. Dezember und, auf gut Wienerisch, „schaun ma mal.“ w.celeda@derboersianer.com

48


BRANCHEN

TICKER

Bank-Austria-Radikalkur Die Verkaufsgerüchte und die Umstrukturierung bei der UniCredit Bank Austria AG (Bank Austria) sorgten auch außerhalb der Finanzbranche für Gesprächsstoff. Ban-

aus Mailand von UniCredit-Chef Federico

kerkreisen zufolge könne man schlussfol-

Ghizzoni, dessen Sessel angeblich wackeln

gern, dass erst das Einlenken des Betriebs-

soll: „Mit neuem Plan wird die Bank Austria

rats einen Ausverkauf verhindert hat. We-

ihre Ziele erreichen.“ Es wird sich weisen,

niger Filialen und weniger Produkte heißt

ob der Optimismus berechtigt ist. Bis 2018

nun das Motto. Indessen ist man bemüht,

müssen 300 Millionen Euro eingespart und

die Belegschaft und auch sich selbst auf ei-

70 der 190 Filialen geschlossen werden. So

nen Turnaround einzuschwören. „Es wird

soll die Kosten-Ertrags-Relation von 80 auf

funktionieren, wir werden Gewinne schrei­

60 Prozent gedrückt werden. Umsetzen soll

ben“, ist sich der scheidende Bank-Aus-

dies überraschenderweise Robert Zadrazil,

tria-Generaldirektor Willibald Cernko si-

der ab 1. März 2016 die Agenden von Willi-

cher. Ähnliche Töne vernimmt man auch

bald Cernko übernimmt.

Sozialplan für Anadi-Mitarbeiter Die frühere Österreich-Tochter der Hypo Alpe Adria AG, die Austrian Anadi Bank (Anadi Bank), hat mit der Belegschaft ei-

Sparda Banken Linz und Villach fusionieren +++ Bawag PSK startet mit Islamic Banking +++ Sberbank Europe verkauft Slowakei-Tochter +++ Bank Austria begleitet ORF bei Anleiheemission +++ FinTech-Start-up Baningo schließt Seedfinanzierung ab +++ Kärntner BKS Bank erweitert 2016 Filialgeschäft +++ Brokerjet-Kunden warten immer noch auf Überträge

nen Sozialplan für Teile ihrer Mitarbeiter ausgearbeitet. Der aktuelle Mitarbeiterstand von 436 soll schrumpfen. Vonseiten der Bank heißt es aber, dass es keine Kündigungswelle geben wird. Die kleine Hypothekenbank gehört seit 2013 der

Heta Asset Resolution AG. Gemäß Aussa-

britisch-indischen Kanoria-Gruppe, die

gen der Anadi Bank wurde man beim Ein-

das Institut neu aufstellen möchte. Lan-

stieg nicht ausreichend über Haftungen

ge Zeit kursierten Gerüchte über einen

informiert. Man verlangt nun eine Kauf-

Teilverkauf, die jedoch von der Bank de-

preisreduktion. Diesbezüglich wurde am

mentiert wurden. Gestritten wird noch

25. Jänner 2015 die erste Sitzung bei einer

STUDIE. Bei Anlegern brauchen

mit dem ehemaligen Eigentümer, der

Schlichtungsstelle gehalten.

Zertifikate immer noch sehr viel

AUFKLÄRUNGSARBEIT

Aufklärungsarbeit. Dies erhob das Zertifikate Forum Austria im Rahmen einer Umfrage hinsichtlich Beratung und Verkauf von Zertifikaten unter 4.000 Anlageberatern.

KARRIERE

Laut der Studie ist der Großteil der Anleger nach wie vor nicht mit dem Thema Zertifikate vertraut. Als wichtigste Hebel zur Förderung von

Thomas Schaufler

Gerhard Burtscher

Samira Softic

übernimmt mit 1. Februar 2016 im Vorstand der Erste Bank Österreich die Verantwortung für das Privatkundengeschäft und folgt somit auf Peter Bosek, der Retailvorstand bleibt.

ist seit Jahresbeginn Vorstandsvorsitzender der Bank für Tirol und Vorarlberg AG. Burtscher war zuvor Sprecher des Vorstands und komplettiert diesen mit Mario Pabst und Michael Perger.

wurde mit 15. Dezember in den Vorstand der Meinl Bank AG bestellt und ersetzt dort Peter Weinzierl, der in den Aufsichtsrat wechselt. Softic ist seit 1992 bei der Meinl Bank AG tätig.

Bekanntheit und Akzeptanz werden intensivierte Medienpräsenz, lokale Informationsveranstaltun-

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gen und nicht zuletzt die Aus- und Weiterbildung der Anlageberater genannt. Es gebe aber immer noch Anleger, die eine ausführliche Erstberatung ablehnen, weil „Zertifikate zu kompliziert“ seien.


BRANCHEN

VERSICHERUNGEN

DAS PETER-REMIS UND DIE ANDREAS-KREUZUNG

KOLUMNE GÜNTER GEYER Präsident VVO

VON EIN- UND AUSBLICKEN Mit 2016 wird ein Thema, das lange die österreichische Versicherungs-

Das neue Jahr hat in der Vorsorge- und

Holding, bestellt. Nur wenige Tage spä-

Solvency II. Gepaart mit dem lang

Versicherungsbranche ähnlich überra-

ter ließ die VIG in einer außergewöhn-

anhaltenden Niedrigzinsniveau

schend begonnen, wie das letzte Jahr aus-

lich deutlichen Presseaussendung unge-

fragen sich viele, wie die österrei-

geklungen ist: Peter Thirring wird neuer

wöhnlich offen verlautbaren, dass Vor-

Generaldirektor der Donau Versicherung

standschef Peter Hagen „aufgrund von

AG und Andreas Zakostelsky neuer Chef

Auffassungsunterschieden“ seine Funk-

Anpassungsarbeiten zu Solvency II

der VBV, wie DerBörsianer in seiner On-

tion niederlegen werde. Ihm folgt Elisa-

wurden in den vergangenen Jahren

lineausgabe exklusiv berichtet hat. Hin-

beth Stadler, die Hagens vakante Posi-

sorgsam erarbeitet – und diese

ter all den Rochaden rund um den Kon-

tion im Vorstand der VIG übernommen

zern der Vienna Insurance Group AG (VIG)

hat und demnächst ihre „neue Konzern-

scheint Generaldirektor Günter Geyer fä-

strategie“ vorstellen wird. Der Fokus auf

denziehend tätig gewesen zu sein.

CEE soll jedoch bleiben. Die VIG hat nun

wirtschaft beherrschte, Realität:

chische Versicherungsbranche mit diesen Belastungen jetzt und in Zukunft umgeht. Die notwendigen

intensiven Vorbereitungsarbeiten führen, so bin ich mir sicher, zu einer erfolgreichen Implementierung. Die Niedrigzinspolitik stellt

Erst im November 2015 hatte die Ge-

die Übernahme des bulgarischen Ban-

rungen, sondern für das gesam-

nerali Gruppe Österreich bekanntgege-

kenversicherers UBB-AIG sowie des letti-

te wirtschaftliche Umfeld eine

ben, dass Peter Thirring aus persönlichen

schen Sachversicherers Baltikum AAS ab-

hingegen nicht nur für Versiche-

Herausforderung dar. Aufgrund

Gründen das Unternehmen verlassen

geschlossen. Außerdem wurde im Jänner

rungsgeschäfts ist die aktuelle

wird. Als sein Nachfolger wurde Alfred

die Mehrheit an der BTA Baltic Insurance

Niedrigzinsphase aber verkraftbar.

Leu, seit 2005 Chef der Generali Schweiz

Company AAS (BTA Baltic) erworben.

der Langfristigkeit des Versiche-

Die größte Herausforderung ist der demografische Wandel und die damit verbundenen Konsequenzen für das österreichische Pensionssystem. Fakt ist, dass die Schere zwischen Pensionsbezieherinnen und Pensionsbeziehern und Bei-

KARRIERE

tragszahlerinnen und Beitragszahlern immer weiter auseinanderklafft. Eine Zusatzpension ist, will man seinen Lebensstandard auch in der Pension halten, unabding-

Josef Gutschik

Christian Sipöcz

Gernot Heschl

Der Finanzvorstand der Helvetia Versicherungen AG, der seit 2014 im Amt ist, wird das Unternehmen per 30. September „auf eigenen Wunsch“ verlassen. Die Suche nach einem Nachfolger ist angelaufen.

Mit Jänner übernahm Christian Sipöcz (zuvor Allianz Elementar Lebensversicherung) die Nachfolge von Johannes Hajek als Leiter Schaden/Unfall im Vorstand der Ergo Versicherung AG.

Mit Jahresbeginn wurde der Vorstand der VBV Pensionskasse AG um Gernot Heschl erweitert. Heschl ist zukünftig neben Günther Schiendl für das Risikomanagement zuständig.

bar. Diese Thematik wird uns die kommenden Jahrzehnte begleiten, für 2016 gilt aber Altbewährtes: Sicherheit geht vor Rendite. g.geyer@derboersianer.com

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BRANCHEN

Auf dem Podium v. l.: Manfred Rapf (VVO), Georg Wailand (Moderator), Martin Eling (Universität St. Gallen), Josef Bauernberger (BMASK), Ulrich Schuh (Eco Austria) und Hans Groth (World Demographic & Ageing Forum).

„Future Talk“ über Pensionen: Bei der von der Schweizer Universität St. Gallen gemeinsam mit der Wirtschaftsuniversität Wien organisierten Veranstaltung rund um das Thema Zukunftsvorsorge hielt Josef Bauernberger aus dem Sozialministerium fest, dass in Österreich ein „Kulturwandel“ in Bezug auf den Ruhestand notwendig ist. Die „Frühpensionskultur“, die sich „über Jahrzehnte“ entwickelt habe, müsse sich ändern, die Erwerbstätigenquote der 50-Jährigen sowie das faktische Pensionsantrittsalter angehoben werden.

Pensionskassen erwirtschaften 2,36 Prozent Die heimischen Pensionskassen erziel-

TICKER

Ergo meldet 4,7 Prozent-Beteiligung bei Wiener Privatbank +++ Uniqa startet 500-Millionen-EuroInvestitionsprogramm +++ Versicherungs-Garantiezins auf 1 Prozent gesenkt +++ AK-Initiative gegen „­ Totalschaden“ bei Autos +++ Ergo stärkt Onlinevertrieb mit sechs Produkten +++ Assekuranzen 2015 mit mehr Prämieneinnahmen

ten für das Jahr 2015 trotz des Niedrigzinsumfelds einen durchschnittlichen Ertrag von 2,36 Prozent. Der langjährige Durchschnitt liegt seit Einführung des Systems 1991 bei über 5,5 Prozent. Insgesamt konnten die noch 13 Anbieter das insgesamt veranlagte Vermögen um drei Prozent auf knapp mehr als 20 Milliarden Euro steigern. Dazu haben auch die 400 Neuverträge mit Pen-

nung des Verkaufs der Victoria-Volks-

sionskassen beigetragen, die im ver-

banken Pensions- und Vorsorgekas-

gangenen Jahr unterzeichnet wurden.

se an den gleichen Anbieter durch alle

Durch die Übertragung der firmeneige-

Aufsichtsbehörden verringert sich die

nen Generali-Pensionskasse an die Bo-

Zahl der Anbieter im Pensionskassen-

nus Pensionskasse und mit der Abseg-

segment im Jahr 2016 noch mehr.

NEUJAHRSBABY MIT 50:50-CHANCE, 100 ZU WERDEN STUDIE. Laut Berechnungen der Allianz wird rund die Hälfte aller 2016 in Österreich geborenen Babys über 100 Jahre alt. In einem

FMA erwartet „volatilere Bilanzen“

fiktiven Lebenslauf eines solchen Neugeborenen hält die Versicherung fest, dass 2034, „wenn das Neujahrsbaby die Matura

Mit 1. Jänner 2016 ist in der EU das neue

durch die neuen Vorschriften „Versiche-

Versicherungsaufsichtsregime

Solven-

rungskunden, Versicherungsunterneh-

cy II in Kraft getreten. In Österreich wird

men und Aufsicht auf volatilere Bilanzen

darstellen wird: „Es ist das Ende

es durch das überarbeitete Versiche-

und Eigenmittelanforderungen einstel-

der Pensionsantrittswelle der

rungsaufsichtsgesetz (VAG 2016) imple-

len müssen“. Andererseits würden aber

mentiert. Helmut Ettl und Klaus Kumpf-

„Fehlentwicklungen schneller erkenn-

müller aus dem Vorstand der Finanz-

bar“, was die „Stabilität der Versiche-

marktaufsicht (FMA) warnen, dass sich

rungswirtschaft stärkt“.

51

absolviert“, in Österreich einen „demografischen Wendepunkt“

Babyboomer-Generation“. 2054 werden laut der Prognosen rund 12.000 über Hundertjährige in Österreich leben. Derzeit sind es rund 1.400.


BRANCHEN

FONDS

KOLUMNE

HEINZ BEDNAR Vorstand VÖIG

UNION-ANGRIFF AUS ALTER BÖRSE Mit Jahresanfang nahm die ehemali-

ausbauen beziehungsweise vertiefen.“

TURBULENTER BÖRSENSTART: WAS ERWARTET UNS 2016?

ge Volksbank Invest KAG (VB Invest)

Auf institutioneller Ebene sollen neben

nach der Übernahme durch die deutsche

Versicherungen, Pension- und Vorsor-

Die Kursrückgänge auf den Aktien­

­Union Investment den Namen Union In-

gekassen zukünftig auch Stiftungen und

märkten zu Jahresbeginn weisen

vestment Austria an. Die Mitarbeiter der

öffentliche Institutionen angesprochen

auf eine gefallene Zuversicht der

neuen Fondstochter werden ab Februar

werden. „Im Privatkundengeschäft lässt

2016 in der „Alten Börse“ am Schotten-

sich das Modell der engen Zusammenar-

ring 16 in Wien untergebracht. DerBörsia-

beit mit den Primärbanken in Deutsch-

Die expansive Geldpolitik der

ner hat sich beim Vorstandsvorsitzenden

land übertragen“, so Reinke, der den ös-

Zentralbanken wird fortgesetzt.

der deutschen Mutter Union Investment,

terreichischen Kunden deutlich mehr

Die US-amerikanische Zentralbank

Hans Joachim Reinke, über deren Zie-

Union-Fonds verspricht. Ziel für 2016

le am österreichischen Markt erkundigt:

sei es, „die Integration so erfolgreich

„Durch die Übernahme möchten wir den

wie möglich umzusetzen und die Banken

ditwürdigkeit auf einem niedrigen

Marktauftritt in Österreich und die enge

beim Fondsvertrieb bestmöglich zu un-

Niveau. Der „Sparüberschuss“ aus

Zusammenarbeit mit den Volksbanken

terstützen“.

Investoren hin. Was steckt dahinter? Das Wirtschaftswachstum bleibt, global betrachtet, gering.

hebt die Leitzinsen nur vorsichtig an. Die Renditen von Staatsanleihen bleiben mit einer hohen Kre-

der niedrigen Investitionstätigkeit und dem schwachen Wachstum in den Schwellenländern unterstützt dieses Szenario. Dadurch werden verstärkt Gelder in das Anleihensegment fließen und die Anleihenkurse unterstützen. Die Gewinne der Unternehmen befinden sich in einer Rezession. Auf einer regionalen Basis werden von den Marktteilnehmern Aktien der Eurozone und aus Japan bevorzugt. Die Rohstoffe bleiben in einem Bärenmarkt, eine Trendumkehr ist derzeit nicht in Sicht. Der USDollar neigt handelsgewichtet in

FNG-Sterne für EAM und RCM Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG)

EAM-Aktienfonds auf eine CO2-Intensität

Yen ist auf lange Sicht betrachtet

hat erstmals nachhaltige Fonds mit einem

von 70,6 Prozent der Belastung des MSCI

unterbewertet. Die geopolitischen

FNG-Siegel ausgezeichnet. Bei der Raiff-

World Index. Die drei großen Nachhaltig-

Spannungen und die Politik gewin-

eisen KAG erhielten zwei Publikumsfonds

keitsfonds kommen sogar auf Werte zwi-

das Siegel (jeweils zwei Sterne). Bei der Ers-

schen 45,4 und 39,9 Prozent. „Die Klima-

te Asset Management (EAM) wurden fünf

konferenz in Paris ruft in Erinnerung, wie

das Referendum zum Verbleib

Fonds mit dem FNG-Siegel ausgezeichnet.

wichtig die Begrenzung der Emission von

Großbritanniens in der EU sind

Der Erste WWF Stock Environment konn-

Treibhausgasen und nachhaltiges Wirt-

zwei wichtige politische Ereignisse,

te von der Jury sogar drei Sterne erlangen.

schaften generell ist“, so Gerold Permo-

Die EAM gab darüber hinaus als erste Ka-

ser, Chief Investment Officer bei der EAM.

pitalanlagegesellschaft in Österreich den

Aktuell sind laut Permoser Planungen im

kumulierten CO2-Fußabdruck ihrer Akti-

Laufen, weitere Asset-Klassen hinsicht-

enfonds bekannt. Insgesamt kommen die

lich ihres CO2-Fußabdrucks zu prüfen.

Richtung Festigung. Der japanische

nen an Relevanz für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte. Die US-Präsidentschaftswahlen und

welche die Märkte beeinflussen werden. In Summe wird das Jahr 2016 „politischer“. h.bednar@derboersianer.com

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BRANCHEN

Im Bild v. l.: Christopher Clark (Universität Cambridge), Christian Noisternig (UniCredit Bank Austria AG), Werner Kretschmer (Pioneer Investments Austria) und Peter Bodis (Pioneer Pekao Investment Management).

Am 12. Oktober 2015 luden Pioneer Investments Austria und die UniCredit Bank Austria AG zur Veranstaltung „Die Kunst des Investierens“ ins Palais Ferstel in Wien. Dort wurde über mögliche Lehren diskutiert, die aus der jüngeren Geschichte gezogen werden können. Im Mittelpunkt stand dabei die aktuelle geopolitische Situation rund um Russland und die Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Ausklang fand der Abend in einer Ausstellung der russischen Avantgarde.

Aktienfonds als Jahressieger Das Volumen österreichischer Fondsge-

den und 3,3 Milliarden Euro auf instituti-

sellschaften stieg gegenüber dem Jahres-

onelle Kunden fielen. Trotz geopolitischer

ultimo 2014 um 3,12 Prozent. Insgesamt

Risiken und schwächelnder Wirtschafts-

beträgt das Volumen nun 162,7 Milliarden

entwicklung gehe ich von wei­te­ren Netto-

Euro. Gegenüber dem Höchststand des

mittelzuflüssen im Jahr 2016 aus.“

Jahres im April 2015 mit 169,9 Milliarden

Performancesieger 2015 waren öster-

Euro bedeutet dies jedoch einen Einbruch.

reichische Aktienfonds. Diese stiegen im

Der Grund dafür ist die Abhängigkeit des

Durchschnitt um 12,11 Prozent. Insgesamt

Fondsvolumens mit der Kursentwicklung

verwalteten die 24 heimischen Fondsge-

an den Börsen. Dietmar Rupar, General-

sellschaften per Jahresende 2.067 Wert-

sekretär der VÖIG, zeigt sich mit der Ge-

papierfonds, davon 1.046 Publikums-

samtentwicklung sehr zufrieden: „Be-

fonds, 189 Großanlegerfonds und 832

sonders erfreulich war der Nettomittelzu-

Spezialfonds. Es wurden 117 Fonds ge-

fluss in der Höhe von rund 5,1 Milliarden

schlossen, 32 fusioniert und 120 Fonds

Euro, wovon 1,8 Milliarden auf Retailkun-

neu aufgelegt.

Umdenken bei Allianz

TICKER

Arnaud Cosserat folgt Vincent Strauss als CEO bei Comgest +++ Alpine Equity Managementgesellschaft erhält AIFM-Konzession +++ Pictet Asset Management erweitert Total-ReturnFondsangebot +++ Kepler Fonds KAG legt neuen flexiblen Mischfonds auf +++ RBI-Russland-Tochter verkauft PensionsfondsGeschäft +++ Neuer Anleihefonds mit Absolute-ReturnStrategie bei Schroders

ÖSTERREICH SPART SICH ARM

Kurz vor dem Klimagipfel in Paris kündig-

STUDIE. In ihrer aktuellen Studie

te man beim Allianz-Konzern an, aus In-

„Die Rendite der privaten Geld-

vestitionen in der Kohleindustrie auszu-

vermögen“ untersuchte die Allianz, wie sich das Geldvermögen

steigen. Konkret verfolgt man den Plan,

der privaten Haushalte in neun

nicht mehr in Bergbau- und Energieun-

Euroländern unter den Bedingun-

ternehmen zu investieren, die mehr als 30

gen der Niedrigzinspolitik seit

Prozent ihres Umsatzes und ihrer Ener-

2010 entwickelt hat. Die österrei-

giegewinnung aus Kohle generieren. Ex-

chischen Haushalte erzielten im Mittel eine jährliche Rendite von

perten schätzen, dass es dabei um Invest-

2,6 Prozent und schnitten damit

ments im Volumen von vier Milliarden

im internationalen Vergleich am

Euro geht. Bis Mitte 2016 will man Akti-

pitalmärkte“, prophezeit der Chefinves-

enanteile loswerden. Festverzinsliche An-

tor der Allianz, Andreas Gruber. Auch im-

sei dies vor allem darauf zurück-

lagen werden nicht verkauft, man lässt sie

mer mehr große österreichische Investo-

zuführen, dass die Österreicher

auslaufen. Im Gegenzug sollen in Zukunft

ren wie VBV Vorsorgekasse AG oder Erste

große Investments in Windenergie getä-

Asset Management beginnen damit, In-

tigt werden. „Wir wollen (…) ein Zeichen

vestitionen aus CO2-intensiven Invest-

setzen an unsere Branche und an die Ka-

ments abzuziehen.

53

schlechtesten ab. Laut der Studie

noch stärker in Bankeinlagen (etwa 50 Prozent) und noch schwächer in Aktien (4,5 Prozent) investiert sind als all ihre europä­ ischen Nachbarn.


BRANCHEN

AKTIEN

KOLUMNE

MATTHIAS STIEBER Director ­Investor Relations ­Telekom Austria AG

ZU TRANSPARENT? Für börsennotierte Unternehmen gibt es sicherlich nicht zu wenige

RASINGER RECHNET MIT BENE AB Mit dem Möbelhersteller Bene AG ist am

zes zum ungünstigsten Zeitpunkt erfolg-

11. Dezember 2015 ein weiteres Unterneh-

te. Nach der IVA-Anfechtungsklage gegen

men vom Parkett der Wiener Börse geflo-

den Zeitpunkt des Squeeze-outs muss-

gen. Damit wurde der Streubesitz von 9,76

te sich Rasinger mit Vorwürfen konfron-

Prozent von den Sanierern Erhard Gross-

tiert sehen, in denen die IVA als „räube-

müssen in unserer täglichen Arbeit

nigg und dem ehemaligen ÖVP-Wirt-

rischer Bene-Aktionär“ gesehen wurde.

stets darauf Bedacht nehmen,

schaftsminister Martin Bartenstein abge-

Dem konterte Rasinger: „Manche Herr-

diese sorgfältig zu befolgen, um

schüttelt. Vor allem die Art des Vorgehens

schaften glauben eben, dass mit der Macht

nicht in die Gefahr strafrechtlicher

erzürnt den Präsidenten des Interessen-

des Geldes und ihren politischen und wirt-

verbands für Anleger (IVA), Wilhelm Ra-

schaftlichen Beziehungen grundlegende

singer. „Auch heute noch werden priva-

Anstandsregeln für sie nicht gelten.“ Die

nichts mehr. Level Playing Field,

te Streubesitzaktionäre als nützliche Idi-

Kleinanleger mussten sich mit einer Bar-

Anlegerschutz und Compliance

oten behandelt“, tobt Rasinger, der kriti-

abfindung von 1,03 Euro pro Aktie zufrie-

sind natürlich wichtig und not-

siert, dass der Ausschluss des Streubesit-

dengeben.

Vorschriften und Gesetze. Wir alle

Verfolgung zu kommen. Das ist nicht immer einfach, und ohne Rechtsexperten geht ohnehin

wendig, hier sind sich alle einig. Es steht jedem Unternehmen frei, sich darüber hinaus selbst zu regulieren, wie es zum Beispiel die Telekom Austria Group mit strengen Compliance-Regeln gemacht hat. Seit kurzem gilt wieder eine neue Vorschrift: Die EU-Transparenzrichtlinie wurde in Österreich umgesetzt, und damit wurden die Veröffentlichungsbestimmungen weiter verschärft. Darüber hinaus können jetzt auch natürliche Personen mit Strafen bis zu zwei Millionen Euro belangt werden, nicht nur Firmen und nicht nur bei gegebenem Vorsatz. Klar, Transpa-

OMV als BondsSpeerspitze

renz ist nicht ausschließlich eine regulatorische Notwendigkeit,

Unternehmensanleihen entwickelten sich

lia (zwei Milliarden Euro) und der OMV AG

im Jahr 2015 an der Wiener Börse solid. Ins-

(1,5 Milliarden Euro) zwei große Emissionen

gesamt 36 Unternehmensanleihen mit ei-

verbucht werden konnten, die gemeinsam

Zwischen „Transparenz“ und

nem Gesamtvolumen von 5,3 Milliarden

knapp zwei Drittel des gesamten Volumens

„kapitalmarktfeindlich“ liegt zwar

Euro notierten im vergangenen Jahr neu.

ausmachen. Die börsennotierte OMV AG

oft nur ein schmaler Grat, man

Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2014 wur-

begab eine Hybridschuldverschreibung zu

den 39 Neuzugänge zu einem Volumen von

zwei gleich großen Tranchen. Das Order-

7,2 Milliarden Euro verbucht. Das Volumen

buch war dabei aufgrund der hohen Nach-

aus 2015 fiel vor allem deswegen nicht noch

frage internationaler Investoren mit mehr

niedriger aus, weil mit der Telecom Ita-

als vier Milliarden Euro überfüllt.

sondern Prämisse für Vertrauen am Kapitalmarkt und Investitions­ entscheidungen von Anlegern.

beginnt aber schon nachzudenken, ob sämtliche neue Regelungen wirklich so sinnvoll sind. m.stieber@derboersianer.com

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BRANCHEN

TICKER

Rekordquote für A-TecGläubiger Mehr als fünf Jahre ist es mittlerweile her,

am 21. Dezember 2015 eine Restquote von

als der damals börsennotierte Industrie-

4,44 Prozent ausgeschüttet. Die ehemali-

mischkonzern A-Tec Industries AG (A-

gen A-Tec-Töchter wurden von Schmidt

Tec) im Oktober 2010 in die Insolvenz ge-

allesamt an den Mann gebracht: Die Aus-

riet. Das Insolvenzverfahren wird nun mit

tria Antriebstechnik ging an den chinesi-

einer Rekordquote von 43,44 Prozent be-

schen Wolong-Konzern, die Austrian En-

endet, die der A-Tec-Treuhänder Matthi-

vironment Energy wurde von der Andritz

as Schmidt aus den Überresten des Kindes

AG gekauft, der Maschinenbauer Emco

von Mirko Kovats und Ronny Pecik rausge-

wanderte zur Salzburger Kuhn-Holding

holt hat. Nach ausgeschütteten 39 Prozent

und die Sparte Minerals & Metals gingen

im November 2012 erhielten die Gläubiger

an die Schweizer Umcor.

Wiener Börse beendet Osteuropastrategie Das Osteuropanetzwerk der Mutterhol-

dern auf unser Kooperationsmodell im

ding der Wiener Börse AG, der CEE Stock

IT-Bereich und Datenvertrieb konzen-

Exchange Group (CEESEG), war 2015 auf

trieren“, kommentierte Michael Buhl,

Schrumpfkurs. Nachdem im Juli be-

Vorstand der Wiener Börse AG sowie der

reits die 100-prozentige Beteiligung an

CEESEG, den Verkauf. Spekuliert wurde

der Börse Laibach an die Börse in Za-

in Marktkreisen zudem, dass der Verkauf

greb verkauft wurde, wurde im Herbst

auf Drängen von Ungarns Premier Victor

des Jahres der Verkauf der 50,45-pro-

Orban geschah.

zentigen Beteiligung an der Börse in Bu-

Erfreuen konnte die Wiener Börse

dapest fixiert. Dort stieg man gemein-

AG heuer vor allem mit einem Zuwachs

sam mit vier österreichischen Banken

von 24,27 Prozent beim Handelsvolu-

im Mai 2004 ein. „Um nachhaltig wett-

men mit Stichtag 15. Dezember 2015. Die

bewerbsfähig zu bleiben, werden wir

Marktkapitalisierung betrug dabei 86,28

uns nicht mehr auf Beteiligungen, son-

Milliarden Euro.

Fabasoft AG beschließt Aktienrückkauf +++ Porr AG mit nächstem Großauftrag in Katar +++ Warimpex AG platziert Anleihe von 25,9 Millionen Euro +++ Zwischendividende Palfinger-AG-Aktionäre +++ 30.000 Euro FMAStrafe für Verbund-CEO Anzengruber +++ Strabag SE übernimmt Ed. Züblin AG gänzlich +++ FACC nimmt 200 Mitarbeiter auf

WENIGER BÖRSENGÄNGE STUDIE. Nicht nur an der Wiener Börse, sondern auch im weltweiten Vergleich ging die Zahl der Börsengänge (IPO) zurück. Der globale Rückgang von zwei Prozent kommt vor allem aufgrund des massiven Einbruchs in den USA zustande, wo man im Jahr 2015 um 41 Prozent weniger Börsennotierungen verbuchte. Die IPO-Märkte in Europa und

KARRIERE

China konnten hingegen zulegen. Bemerkenswert ist ferner, dass das globale Emissionsvolumen noch stärker sank als die Zahl der

Thomas Obendrauf

Thomas Jakowiak

Alexander Lewald

wird ab 1. März 2016 neuer Finanzvorstand bei der Lenzing AG. Obendrauf ist derzeit noch als Finanzvorstand der Wiesenthal Autohandels GmbH tätig.

wurde mit 1. Jänner 2016 in den Vorstand der RHI AG berufen. Jakowiak, seit 2000 bei der RHI AG tätig, ist nun für den Geschäfts­ bereich Industrial zuständig.

ist seit 1. November 2015 neuer Chief Technology Officer bei der Kapsch Trafficcom AG und komplettiert mit Georg Kapsch und Andre Laux den Vorstand.

Börsennotierungen. Dort wurde ein Rückgang um ein Viertel auf 195 Milliarden US-Dollar verzeich-

55

net. Der größte Börsengang des Jahres 2015 stammt aus Japan: Die Privatisierung der japanischen Post bringt ein Volumen von 11,9 Milliarden US-Dollar ein.


BRANCHEN

IMMOBILIEN

KARRIERE

Heinrich Kugler übernahm im Oktober 2015 als Vorstand der Wien 3420 Aspern Development AG Agenden wie Produktentwicklung, Liegenschaftsverwaltung und Stadtteilmanagement.

EIN RÄTSELHAFTER ABSCHIED

Andreas Segal wurde vom Aufsichtsrat der Buwog AG mit Anfang Jänner zum neuen CFO und stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Buwog Group bestellt.

Alexander Budasch verstärkt seit Juli 2015 die Geschäftsführung der Semper Constantia Immo Invest. Davor hat er elf Jahre für die Bank-­ Austria-Gruppe gearbeitet.

Bruno Ettenauer, Chef der CA Immobili-

gekühlt. Die Russen sollen vor allem mit

en Anlagen AG (CA Immo), hat sein Amt

der Entwicklung des Aktienkurses unzu-

im Dezember 2015 überraschend zurück-

frieden gewesen sein und sich zuletzt im-

gelegt. Der Aufsichtsrat der CA Immo hat

mer wieder in das operative Geschäft der

sich nach offiziellen Angaben mit Et-

CA Immo eingemischt haben. Ettenauer

tenauer in gegenseitigem Einvernehmen

war seit 2006 Vorstand und seit 2009

auf die vorzeitige Vertragsauflösung ge-

Vorstandsvorsitzender des Konzerns. Als

einigt. Über die wahren Gründe seines

Mastermind war er für die erfolgreiche

Abgangs wird noch gerätselt. Aufsichts-

Geschäftsentwicklung in Deutschland,

ratsmitglied Franz Zwickl, hat in diesem

Osteuropa und Österreich verantwort-

Zusammenhang im Jänner sein Mandat

lich. Sein Amt übernimmt Frank Nickel,

zurückgelegt. Fakt ist, das Verhältnis

ein in Österreich noch unbeschriebenes

zum Mehrheitseigentümer, der russi-

Blatt. Er war zuvor bei der Deutschen

schen O1 Group, hat sich seit Mai 2015 ab-

Bank und Cushman & Wakefield tätig.

Zöchling: „Preise gehen durch die Decke“ Führung von Morgan Stanley Real Estate

Die aktuell veröffentlichten Zahlen des Bareal

Investing. Über den Kaufpreis wird of-

Immobilientreuhand (BAR) bestätigen

fiziell geschwiegen, er soll jedoch rund

Investmentmarktberichts

der

die hohe Nachfrage internationaler In-

500 Millionen Euro betragen. Nur einen

vestoren nach Immobilien. 2015 brachte

Tag vor der Bekanntgabe dieses Mega-

beim Transaktionsvolumen einen neu-

deals gab das Unternehmen den Verkauf

en Rekord von 3,53 Milliarden Euro.

der Beteiligung am Wiener Donauturm

Geschäftsführer

Michael

Zöchling

bekannt.

ist sich sicher, dass „die Preise am In-

Neue Eigentümer sind die Blaguss

vestmentmarkt durch die Decke gehen.

Transaktion statt, die es in Wien je ge-

Gruppe und deren drei strategische

2016 darf für Häuser in den beliebtes-

geben hat. Die 100-prozentige Mutter

Partner. Geschäftsführer Paul Blaguss

ten Wiener Bürogebieten eine Preisstei-

der BAR, die UniCredit Bank Austria AG,

will vor allem „die touristische Weiter-

gerung von bis zu 20 Prozent kalkuliert

verkaufte die Immobilie in Wien Mitte

entwicklung dieses Wiener Wahrzei-

werden.“ 2015 fand aber auch die größte

„The Mall“ an ein Konsortium unter der

chens garantieren“.

56


BRANCHEN

TICKER

Erste Bank übersiedelt Nach dem Baustart im Jahr 2012 ist es

AG am Wiener Graben wird ein Komplex

so weit. Die Mitarbeiter der Erste Group

aus Retail und Büro. Die Filiale am Gra-

Bank AG ziehen ab sofort Stück für

ben bleibt als einzige bestehen. Der neue

Stück in das neue Headquarter am Wie-

Standort hat auch eine klare strategi-

ner Hauptbahnhof. Der sogenannte Ers-

sche Komponente. Andreas Treichl, Vor-

te Campus von Henke Schreieck Archi-

standsvorsitzender der Erste Group Bank

tekten hat rund 300 Millionen Euro ge-

AG, erklärt gegenüber DerBörsianer: „Wir

kostet. Statt auf 20 Standorte über ganz

sind als führende Bank in Zentral- und

Wien verteilt, vereint der neue Standort

Osteuropa nun auch mit unserem Head-

nun 4.500 Arbeitsplätze. Aus der ehr-

quarter geografisch in Richtung dieser

würdigen Zentrale der Erste Group Bank

Länder ausgerichtet.“

Immofinanz verkauft an Blackstone Anfang November 2015 hat die Immofi-

Projektentwicklungen in Hamburg, Bu-

nanz AG für ihr gesamtes Logistikport-

karest und Ploiesti, die sich noch im Bau

folio einen Kaufvertrag mit dem Finanz­

befinden und eine vermietbare Fläche von

investor Blackstone abgeschlossen. Die

65.000 Quadratmetern vorweisen. Alle

Megatransaktion beinhaltet alle 36 Lo-

Assets werden von Blackstone in die eu-

gistikbestandsimmobilien mit einer ver-

ropäische Logistikplattform Logicor inte-

mietbaren Fläche von rund einer Million

griert. Kaufpreisrelevant ist ein Immobili-

Quadratmetern. 24 der Objekte befinden

enwert von 536 Millionen Euro, abzüglich

sich in Deutschland, der Rest in Ungarn,

28 Millionen Euro der offenen Baukosten

Rumänien, Polen, der Slowakei und Russ-

für die drei noch nicht abgeschlossenen

land. Blackstone kaufte außerdem drei

Projektentwicklungen.

Strauss & Partner und S Immo übernehmen Quartier Belvedere Central +++ Flughafen Wien erwirbt die Hermione RaiffeisenImmobilien-Leasing +++ 6B47 errichtet Wohnhochhaus mit 175 Wohnungen in Frankfurt +++ Wiener Privatbank verkauft 29 exklusive Vorsorge­wohnungen im Quartier Belvedere +++ EHL verkaufte die letzten drei Bankwohnungen der OeNB

Sunny side up in Berlin. Der Berliner Büromarkt boomt – wir planen 2016 einige spannende Projekte. www.simmoag.at


BRANCHEN

BERATER

KOLUMNE

PETER BARTOS Partner und Geschäftsführer BDO Austria

BERATERGESCHÄFT LÄUFT WIE GESCHMIERT

NEUREGELUNG DER ABSCHLUSSPRÜFUNG „Mit Umsetzung der EU-Verordnung über spezifische Anforderungen an die Abschlussprüfung bei Unternehmen von öffentlichem

Sowohl Deloitte Österreich als auch Ernst

nal erzielte 35,2 Milliarden US-Dollar und

Interesse (auch „Public Interest

& Young Österreich (EY) und die BDO

damit ein Plus von 7,6 Prozent. „Wir wol-

Entities“ oder„PIEs“) wird es nun

Austria können sich über Umsatzzu-

len aber auch einen Beitrag für den Wirt-

ernst: Bis Mitte Juni 2016 muss die

wächse im Jahr 2015 freuen. Die BDO Aus-

schaftsstandort leisten“, so Bernhard

Recht stehen. Betroffen davon sind

tria verzeichnete einen Umsatz von 51,2

Gröhs, Managing Partner bei Deloitte Ös-

kapitalmarktorientierte Unterneh-

Millionen Euro. Der Umsatz des weltwei-

terreich. Bei EY wuchs der Umsatz in Ös-

men, Kreditinstitute und Versiche-

ten BDO-Netzwerks stieg währungsbe-

terreich von 90 auf 101 Millionen Euro.

rungsunternehmen. Kernpunkte

reinigt um 13 Prozent auf 7,3 Milliarden

Global gesehen, stieg der Umsatz um 11,6

US-Dollar. Auch Deloitte verzeichnet so-

Prozent auf 28,7 Milliarden Euro.

Umsetzung in das österreichische

sind ein weitgehendes Verbot der Erbringung von Nichtprüfungsleis-

wohl am österreichischen als auch am in-

„Ein zentraler Eckpfeiler unserer glo-

(bei entsprechender Ausnützung

ternationalen Markt ein Umsatzplus. Für

balen Strategie sind signifikante Investi-

der in der Verordnung eingeräum-

das Geschäftsjahr erwirtschaftete Deloit-

tionen in die Rekrutierung junger talen-

ten Wahlrechte werden künftig nur

te Österreich Umsätze von 137,1 Millionen

tierter sowie erfahrener Mitarbeiter“, so

Euro. Im Vorjahr waren es noch 133,4 Mil-

Helmut Maukner, Country-Managing-

lionen Euro gewesen. Deloitte internatio-

Partner von EY Österreich (im Bild).

tungen durch den Abschlussprüfer

noch Steuerberatungs- und Bewertungsleistungen zulässig sein, wenn sie keine direkten oder nur unwesentliche Auswirkungen auf den geprüften Abschluss haben) und zur bereits geltenden internen Rotation auch ein verpflichtender Wechsel der Prüfungsgesellschaft nach zehnjähriger Prüfungstätigkeit (externe Rotation). Die Frist kann vom

Talenteschwund in der Finanzbranche

heimischen Gesetzgeber im Rahmen der innerstaatlichen Umsetzung

Für eine aktuelle Stu-

damit im unteren Drittel.

auf 20 Jahre oder bei gemeinsamer

die des Beratungsunter-

Angeführt wird das Ran-

nehmens Deloitte wur-

king von Polen mit 2,98

Jahre verlängert werden. Wie auch

den 211.000 Studieren-

Prozent. „Der internatio-

immer die Regelung aussehen wird,

de aus 30 Ländern nach

nale Vergleich zeigt, dass

für 2017 werden sich einige PIEs auf

ihrer Einschätzung von

die gesamte Finanzbran-

Basis eines Ausschreibungsverfah-

Banken

und

che gerade in Österreich

rungen

als

Prüfung durch zwei Prüfungsgesellschaften (Joint Audit) auf 24

rens neue Prüfer suchen müssen. Interessant ist, dass die EU in ihrer

Versichepotenzielle

ein Imageproblem unter

Arbeitgeber befragt. Die Ergebnisse zei-

den Wirtschaftsstudenten hat. Sieht man

4-Klauseln bekannte Einschrän-

gen deutlich, dass die Banken- und Ver-

sich die Branchenpräferenzen an, wird

kungen bei der Auswahlmöglichkeit

sicherungsbranche

angehenden

die geringe Popularität besonders deut-

der Eigentümer des Unternehmens

Akademikern ein enormes Imageprob-

lich“, so Gundi Wentner, Partner bei De-

lem hat. Nur 1,09 Prozent der befragten

loitte Österreich. Banken und Versiche-

heimischen Wirtschaftsstudenten nen-

rungen seien gefordert, konkrete Maß-

nen Versicherungen als bevorzugtes Be-

nahmen zu setzen, um Talente anzuzie-

rufsfeld, international liegt Österreich

hen und zu halten.

Verordnung gemeinhin als Big-

auf bestimmte Kategorien oder Listen von Abschlussprüfern für nichtig erklärte. p.bartos@derboersianer.com

unter

58


BRANCHEN

TICKER

Was Banken gefährdet Die PWC-Umfrage „Banking Banana Skins

dung in großen Teilen der Welt, aber auch

2015“ über die globalen Risiken für das

das schwächere Wachstum der Schwellen-

Bankwesen wurde Anfang Dezember 2015

märkte und die unsichere Zinsentwicklung

in Amsterdam vorgestellt. Laut den Ergeb-

stehen hinter den Sorgen rund um das

nissen stehen Sorgen über das makroöko-

Konjunkturrisiko. Alle genannten Fakto-

nomische Umfeld an erster Stelle in der

ren, so die Umfrageergebnisse, könnten

Liste der 24 potenziellen Risiken für Ban-

sich extrem negativ auf das Bankensys-

ken. Auf dem zweiten Platz liegt Krimina-

tem auswirken. Laut dem Bankenexperten

lität, die ehemals den neunten Platz be-

Thomas Strobach von PWC bleibt der Ver-

legte. Befragt wurden mehr als 670 Bank-

schuldungsgrad im Bankensektor hoch.

fachkräfte, Vertreter der Regulierungsbe-

„Die zunehmende Verschuldung der Kre-

hörden und Beobachter des Bankensek-

ditnehmer macht die Banken anfällig für

tors in 52 Ländern. Die massive Verschul-

ökonomische Schocks“, so der Experte.

EY und Contrast Management-Consulting schließen sich zusammen +++ PWC bestätigt, dass Österreich im internationalen Steuerwettbewerb zwei Plätze verliert +++ EY-Analyse zeigt, dass die zehn teuersten Unternehmen ihren Sitz in den USA haben +++ BDO hat seit Oktober zwei neue Partner und vier neue Directors im Team +++ Deloitte Studie zeigt, dass das heimische Steuer system in der EU an Attraktivität gewinnt

MÄNNER VERURSACHEN MEHR INSOLVENZEN STUDIE. Frauen als bessere Führungskräfte? Einer aktuellen Studie der Wirtschaftsauskunftei CRIF zufolge gibt es weniger Insolvenzen bei Unternehmen mit einer Frau an der Spitze. 3,25 Prozent der Unternehmen mit einer männlichen

Josef Fritz (Board Search), Klaus Ofner (Wienerberger AG) und Karin Steinbichler (Wienerberger AG) mit dem ersten Platz in der Kategorie Börsennotierte Unternehmen, Eva Marchart (Centrotrade Holding AG) und Rainer Hassler (KPMG Austria).

Der Aufsichtsrat gewinnt immer mehr an

Geschäftsführung gehen laut Erhebung in Insolvenz. Im Vergleich

Bedeutung, die Forderung nach Transpa-

dazu sind es nur 1,61 Prozent der

renz und Verantwortung wird lauter. Die

Führungsetage. Unternehmen, die

Unternehmen mit einer Frau in der

Aufsichtsratsgala würdigt die Leistung der

von zwei Männern geleitet werden,

österreichischen Aufsichtsräte mit dem

figsten Insolvenz anmelden. Trotz

müssen mit 3,52 Prozent am häu-

Preis Arex 2015 (Aufsichtsratsexzellenz).

dieses Ergebnisses sind Frauen in

250 Gäste folgten der ersten Einladung.

wie vor unterrepräsentiert.

59

den heimischen Chefetagen nach


BRANCHEN

RECHT

KOLUMNE

ALBERT BIRKNER Managing Partner CHSH

ENTLASTUNG BEI BÖRSENNOTIZ Kleinere und mittelgroße börsennotierte

tuation. Sie „schützen Anleger und er-

Unternehmen in Österreich können auf-

leichtern Unternehmen die Kapitalauf-

atmen. Mit dem Inkrafttreten des neu-

nahme“. Mit der vorgeschlagenen Ver-

en Börsengesetzes Ende November 2015

ordnung soll sichergestellt werden, dass

Marktmissbrauchsverordnung

entfällt für sie die Quartalsberichter-

der Umfang der offenzulegenden Infor-

(Verordnung (EU) Nr. 596/2014

stattung. Damit setzt der österreichische

mationen auf ein angemessenes Maß re-

des Europäischen Parlaments

Gesetzgeber die Vorschriften der EU-

duziert wird. „Inwiefern Prospekte mit

Transparenzrichtlinie in nationales Ge-

mehreren 100 Seiten für die Kaufent-

setz um. Die Maßnahme läutet eine Se-

scheidung von Anlegern relevant sind,

Marktmissbrauchsrichtlinie und

rie an Erleichterungen für kleinere und

ist fraglich. Zwecks besserer Übersicht

gilt als Verordnung direkt in den

mittlere Unternehmen am Kapitalmarkt

schützen sie Anleger, und gleichzeitig

Mitgliedstaaten. Die einheitliche

ein. Auch der Präsident des Aktienfo-

helfen sie den Unternehmen, leichter

rums und Finanzvorstand der Voestalpi-

Geld zu beschaffen“, betont Robert Ot-

ne AG, Robert Ottel, freut sich über die

tel. Der neue Vorschlag verringert in sei-

schärft: Der Geltungsbereich der

Überarbeitung der Prospektvorschriften

nen Augen den Verwaltungsaufwand für

im AR wird auf Finanzinstrumente

durch die Europäische Kommission. Er

Unternehmen und stärkt das Anleger-

ausgedehnt, die an nichtregulier-

sieht die Maßnahmen als Win-win-Si-

vertrauen in den Kapitalmarkt.

„NAMING AND SHAMING“ 2016 bringt wesentliche Änderungen für börsennotierte Gesellschaften: Am 3. Juli 2016 tritt die

und des Rats vom 16. April 2014 – MAR) in Kraft. Sie ersetzt die bisherigen Regelungen der

Regelung bezweckt Rechtssicherheit. Das Marktmissbrauchsrecht wird durch die MAR deutlich ver-

ten multilateralen Handelssystemen (MTF) zugelassen sind. Dies betrifft in Österreich Emittenten im Marktsegment „Dritter Markt“, sodass diese nunmehr etwa auch ad hoc publizitätspflichtig sein und Directors’-Dealings-Meldungen abzugeben haben werden. Das Verbot des Insiderhandels galt nach dem Börsengesetz bereits

Immofinanz beendet Rechtsstreit Nach einem jahrelangen Rechtsstreit be-

bisher für Emittenten des dritten

endet die Immofinanz AG den wesentli-

Markts. Sämtliche weitere Re-

chen Teil des Anlegerverfahrens mit dem

gelungen in Bezug auf „Market

Prozessfinanzierer Advofin. Ein Ver-

Sounding“, „Momentum Ignition“ oder „Phishing“ dienen der Prävention des Marktmissbrauchs.

gleich sieht vor, dass die Immofinanz AG über 60 Millionen Euro für eine außerge-

Die MAR-Verordnung bringt eine

richtliche Lösung mit den mehr als 3.000

empfindliche Verschärfung der

Anlegern aufwenden muss. Vorstands-

Sanktionen für Rechtsverstöße

chef Oliver Schumy ist erleichtert. Er ist

sowie die Verpflichtung für Emittenten zu öffentlichem „naming and shaming“. a.birkner@derboersianer.com

der Meinung, dass „die Immofinanz mit

noch ausstehenden laufenden Anleger-

diesem Schritt Rechtssicherheit schafft

verfahren erhofft sich das Unternehmen

und einen Schlusspunkt unter ein Ka-

ebenfalls eine rasche außergerichtliche

pitel der Vergangenheit setzt“. Für die

Lösung.

60


BRANCHEN

TICKER

Zwei dicke Fische Binder Grösswang beriet Oberbank AG bei

96,7 Millionen Euro. Kurz danach beriet

der Kapitalerhöhung im Volumen von rund

die Kanzlei auch die Sberbank Europe AG

73,7 Millionen Euro. Die Aktien notieren

beim Verkauf ihres slowa­kischen Tochter-

seit 6. Oktober 2015 an der Wiener Börse.

instituts Sberbank Slovensko an Penta In-

Damit betreute Binder Grösswang auch die

vestments. Der Verkauf ist Teil der Stra-

zweite Kapitalerhöhung der Oberbank AG

tegie, sich auf die Kernmärkte, in denen

im vergangenen Jahr. Die Oberbank AG

Sberbank Europe tätig ist, zu konzentrie-

erhöhte im Zuge der letzten Kapitalerhö-

ren. Neben Markus Uitz war auch Thomas

hung somit ihr Grundkapital von 92,1 auf

Schirmer als Lead Partner tätig.

Ausdehnung der Ad-hoc-Regeln Allen, die im sogenannten Dritten Markt

sen sind, wie auch auf alle außerbörslich

der Wiener Börse gehandelt werden, wur-

gehandelten Derivate ausgedehnt. Das

den neue Pflichten zur Marktinformation

sieht das neue EU-Marktmissbrauchs-

auferlegt. Die Finanzmarktaufsicht (FMA)

recht vor. Das Reglement löst damit ab Juli

teilte dies Anfang des Jahres mit. So wird

2016 die bisherige Richtlinie ab. Auch am

der Anwendungsbereich der Marktmiss-

heimischen Finanzplatz trifft das Papiere.

brauchsgesetze substanziell erweitert. Der

Zukünftig sind nun aber auch die Emitten-

Geltungsbereich wird auf alle Finanzin­

ten im Marktsegment „Dritter Markt“ der

strumente, die zum Handel an multilate-

Wiener Börse zur Ad-hoc-Publizität und

ralen Handelssystemen oder auf anderen

zur Mitteilung von Directors’ Dealings

organisierten Handelssystemen zugelas-

verpflichtet.

KARRIERE

David Gasser

Irena Gogl-Hassanin

Gerald Deimel

ist seit Anfang Jänner nicht mehr Bankenexperte bei CHSH. Ab sofort wird er als „Bank Recovery and Resolution Expert“ im Abwicklungsausschuss in Brüssel tätig sein.

verstärkt als Expertin im Bankrecht und in der Finanzierung seit Ende 2015 das Corporate-M&A-Team der Wirtschaftsanwälte von Fellner Wratzfeld & Partner.

verantwortet seit August 2015 als General Counsel den Bereich Legal, Tax & Compliance bei der Semper Constantia Privatbank AG.

61

Conwert beendet mittels Anerkenntnisurteil alle streitigen Verfahren mit Aktionären +++ Binder Grösswang berät bei Verkauf von Sberbank in Slowakei +++ Baumax vertraute bei größtem Distressed-M&AAsset-Deal auf Dorda Brugger Jordis +++ CHSH berät unter der Leitung Edith Hlawati bei Squeeze-out der Miba AG +++ Bettina Knötzl eröffnet kurz nach Ausscheiden bei Wolf Theiss eigene Kanzlei +++ Taylor Wessing berät K+K bei Verkauf von Hotels an Goldman-SachsKonsortium


BRANCHEN

KOMMUNIKATION

TREND FRISST FORMAT

KOLUMNE

PETER FELSBACH Head of Group Communications Voestalpine AG

„BLOGGER RELATIONS“ Social Media ist bei Voestalpine AG ein zentrales Kommunikations-

Was am 5. Oktober 1998 begann, endete

2016. Den „Trend“ soll es nun wöchentlich

17 Jahre später. Am 17. Dezember 2015 er-

geben und einmal im Monat in einer Pre-

schien die letzte Ausgabe des Wirtschafts-

miumausgabe. 20 fix angestellte Journalis-

magazins „Format“. Es wurde von der Ver-

ten sollen sich künftig um die Inhalte des

lagsgruppe News (VGN) mit dem „Trend“

neuen „Trend“ kümmern. Der Fokus soll

fusioniert. Die Chefredaktion spricht nicht

zukünftig stärker auf internationaler Be-

von einem Ableben vom „Format“, son-

richterstattung liegen. Nachdem das Print-

dern von einer Wiederauferstehung im

produkt auf Vordermann gebracht wur-

neuen „Trend“. Die erste Ausgabe des neu-

de, plant man bei der VGN einen Online­

en „Trend“ erschien bereits am 22. Jänner

relaunch des „Trend“.

instrument, um die Themen und Geschichten des stahlbasierten Technologie- und Industriegüterkonzerns greifbarer zu machen. Ein immer wichtiger werdender Teil davon ist die Intensivierung von „Blogger Relations“. Externe

Raiffeisen verkauft Homepage-Vermarktung Die Raiffeisen-Bankengruppe Österreich

Raiffeisen-Websites ermöglicht es uns,

gänzung der klassischen Medien­

hat mit Jänner 2016 ihre Bankenwebsei-

nun auch Werbeinhalte im Interesse un-

landschaft sowie der eigenen

ten für die Vermarktung geöffnet. Die

serer Kunden anzubieten“, so Michael

Social-Media-Aktivitäten dar. Sie

Vermarktungsrechte hat sich die Online-

Höllerer, Vorstand der Raiffeisen Zentral-

vermarktungsgemeinschaft Styria Digital

bank Österreich AG. Auch auf der anderen

One gesichert. Somit erscheint seit Jah-

Seite wiegt man die Vorteile ab. „Die star-

Dass Blogger-Relations auch für

resbeginn externe Werbung sowohl auf

ke regionale Verankerung von Raiffeisen

ein klassisches Finanzthema ef-

Raiffeisen.at als auch auf den Seiten der

ermöglicht Werbetreibenden eine noch

fektiv eingesetzt werden können,

Raiffeisen-Landeszentralen und der re-

genauere Zielgruppenansprache im Regi-

gionalen Raiffeisenbanken. „Die Ein-

onalbereich“, so Styria-Digital-One-Ge-

führung von Onlinewerbung auf unseren

schäftsführer Alexis Johann.

Themenblogs stellen dabei eine Er-

sind daher nicht als Konkurrenz, sondern als zusätzliches Element im Kommunikationsmix zu sehen.

beweist Voestalpine AG mit dem ersten Pilotprojekt im Zuge des Jubiläums „20 Jahre an der Börse“. Neben zahlreichen Kommunikationsaktivitäten wurde mit österreichischen (Christian Drastil) und deutschen („Die Börseblogger“) Finanzbloggern zusam-

TICKER

mengearbeitet, um das Thema innerhalb der Finanzcommunity zu positionieren. Und das Ergebnis

TRÜGERISCHE GOOGLE-WERBUNG

kann sich sehen lassen: Insgesamt

STUDIE. Nur etwa jeder dritte Jugendliche im

wurden 36 Beiträge von Bloggern

Alter von zwölf bis 15 Jahren erkennt den

publiziert, die rund 20.000-mal

Unterschied zwischen Google-Werbung und

gelesen wurden. Darüber hinaus

herkömmlichen Suchergebnissen. Das ist das

wurde auch der Voestalpine-Con-

Ergebnis einer Studie der britischen Medien-

tent über diese Netzwerke gestreut

aufsicht Ofcom. Demnach sind nur 31 Prozent

und verbreitet (Hashtag #IPO1995).

imstande, Werbeeinschaltungen als solche

Ein gutes Beispiel also dafür, dass

wahrzunehmen. In der Altersstufe zwischen

sich neue, innovative Kommuni-

acht und elf Jahren konnten dies gar nur 16

kationswege bei richtigem Einsatz

Prozent. Ferner erhob die Studie, dass mehr als

auch für Finanzthemen eignen.

die Hälfte der zwölf- bis 15-Jährigen die Videoplattform Youtube gegenüber dem klassischen

p.felsbach@derboersianer.com

Fernsehen bevorzugt.

62

Chefredakteur Weitmayer verlässt Forbes Austria +++ Waltraud Kaserer neue PR-Chefin bei Lenzing +++ Roland Berger mit neuem Markenauftritt


RANKING

besten Pressesprecher des Kapitalmarkts

D

ie Arbeit als Pressesprecher eines heimischen Unternehmens fordert ein hohes Maß an Organisation, Vorbereitung und Wissen. Dennoch erntet diese Berufssparte in der brei-

ten Öffentlichkeit selten Anerkennung. Als Kommunikationsmanager sind Pressesprecher für alle Kommunikations- und Informationsprozesse zwischen Unternehmen und ihren unterschiedlichen Stakeholdern verantwortlich, gestalten aber genauso die Organisationspolitik mit. Die Anforderungen an Pressesprecher von heute unterliegen zunehmend den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Um in dieser Position besonders erfolgreich zu sein, müssen sie sich am österreichischen Finanzparkett als herausragender Alleskönner beweisen. Zum zweiten Mal nach 2014 hat DerBörsianer herausgefunden, wer in turbulenten Zeiten wie diesen gekonnt das Tanzbein am Kapitalmarkt schwingt. Die besten Pressesprecher des Landes konnten sich im goldenen Ranking von DerBörsianer mittels eines einstufigen Peergroup-Scorings gegenseitig bewerten und honorierten damit die Leistungen ihrer Kollegen. DerBörsianer hatte auf das Ergebnis somit keinen Einfluss.

63

MÄRKTE


MÄRKTE

1. PLATZ 2. PLATZ

3. PLATZ

Vetter Johannes / Lechner Robert

Peter Felsbach

Michael Mauritz

OMV AG

VOESTALPINE AG

ERSTE GROUP BANK AG

Topplatzierungen Im Mai 2015 holte er sich beim Wiener-Börse-Preis noch die Journalisten-Auszeichnung ab. Peter Felsbach (1. Platz / 70,45 Punkte), Konzernsprecher der Voestalpine AG, darf sich im neuen Jahr über eine weitere Ehrung freuen. Die Bemühungen des Kommunikationsexperten und Kolumnisten von DerBörsianer haben sich ausgezahlt. Er erreichte mit Abstand die beste Platzierung des Rankings und lässt seine Konkurrenz weit hinter sich. Damit löst er Peter Schiefer, den ehemaligen Pressesprecher der Telekom Austria AG, ab. Im ersten Ranking fand sich Peter Felsbach gemeinsam mit Gerhard Kürner noch auf dem fünften Platz. Über den zweiten Platz und damit den Einstieg in die Top drei darf sich das „Duo Infernal“ der OMV AG freuen. Johannes Vetter und Robert Lechner (2. Platz / 59,57 Punkte) führten die Kommunikation des Ölkonzerns in den wahrscheinlich härtesten Zeiten gekonnt vom achten auf den zweiten Platz. Nur knapp dahinter darf sich Michael Mauritz (3. Platz / 58,10 Punkte) von der Erste Group Bank AG über die Bronzemedaille freuen. Als Sprecher einer der größten heimischen Banken konnte er sich im Vergleich zu seinem Branchenkollegen, Martin Halama (4. Platz / 57,83 Punkte), erneut einen Platz auf dem Stockerl sichern.

DIE AUFSTEIGER PLATZ

2014

NAME

MEDIUM

6.

(14.)

Resch Julia

Wiener Börse AG

27.

(35.)

Skoko Bosko

S Immo AG

17.

(24.)

Fochler Randolf

RHI AG

9.

(16.)

Roither Hannes

Palfinger AG

2.

(8.)

Vetter Johannes / Lechner Robert

OMV AG

64


MÄRKTE

PLATZ

2014

PUNKTE

NAME

UNTERNEHMEN

1.

(5.)

70,45

TREND

Felsbach Peter

Voestalpine AG

2.

(8.)

59,57

Vetter Johannes / Lechner Robert

OMV AG

3.

(2.)

58,10

Mauritz Michael

Erste Group Bank AG

4.

(3.)

57,83

Halama Martin

UniCredit Bank Austria AG

5.

(7.)

56,52

Kleemann Peter

Flughafen Wien AG

6.

(14.)

54,09

Resch Julia

Wiener Börse AG

7.

(6.)

53,48

Gutlederer Christian

Oesterreichische Nationalbank (OeNB)

8.

(10.)

50,45

Homola Michael

Österreichische Post AG

9.

(16.)

50,43

Roither Hannes

Palfinger AG

10.

(4.)

50,00

Krenn-Ditz Ingrid

Raiffeisen Bank International AG

11.

(15.)

49,57

McGinn Beate / Metelko Ingun

Verbund AG

12.

(12.)

49,13

Schragl Bettina

Immofinanz AG

13.

(11.)

44,76

Berger Karin / Hromatka Christian

Erste Bank und Sparkassen

14.

(13.)

44,55

Heller Norbert

Uniqa Insurance Group AG

15.

(18.)

43,04

Zach Stefan

EVN AG

16.

(17.)

41,90

Jedlicka Alexander

Vienna Insurance Group AG

17.

(24.)

40,91

Fochler Randolf

RHI AG

18.

(-)

40,87

Kaserer Waltraud

Lenzing AG

19.

(-)

40,00

Konrad Marina / Koch Elke

AT&S Austria Technologie & Systemtechnik AG

20.

(26.)

39,55

Neumüller-Klein Diana

Strabag SE

21.

(9.)

38,70

Grubelnik Klaus

Finanzmarktaufsicht (FMA)

22.

(23.)

38,10

Stefan-Friedl Michaela

Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien AG

23.

(28.)

36,09

Königstorfer Gerda

Rosenbauer International AG

24.

(-)

35,71

Kreuzer Christian

Wiener Städtische Versicherung AG

25.

(19.)

35,65

Huemer Thomas

Meinl Bank AG

26.

(25.)

35,00

Gumpinger Peter

Oesterreichische Kontrollbank AG (OEKB)

27.

(35.)

34,55

Skoko Bosko

S Immo AG

28.

(-)

34,35

Bauer Sandra

Porr AG

29.

(-)

33,91

Spörk Ingrid

Telekom Austria AG

30.

(-)

33,64

Steinbichler Karin

Wienerberger AG

31.

(-)

33,18

Krumpel Bernhard

Hypo NOE Gruppe Bank AG

32.

(-)

32,27

Berger Michaela

Bundesministerium für Finanzen

33.

(27.)

30,43*

Roloff Marita

Allianz Gruppe

34.

(22.)

30,43*

Hacker Sabine**

Bawag PSK

35.

(36.)

28,70

Knap Angelika

Generali Versicherung AG

36.

(39.)

28,26

Hansal Andrea

ING-DiBa Direktbank

37.

(33.)

27,62

Pelinka-Kinz Andrea

Raiffeisen Centrobank AG

38.

(38.)

26,82

Simak Markus

Agrana Beteiligungs AG

39.

(32.)

26,67

Wetzelsberger Harald

Raiffeisenlandesbank Oberösterreich

40.

(37.)

24,29

Kerschbaum Dieter / Severin Paul

Erste Asset Management

41.

(-)

23,48

Scheiring Elisabeth

KPMG Austria AG

42.

(-)

23,04

Helmkamp Frank

Oberbank AG

43.

(30.)

22,86

Riedel Monika

Raiffeisen-Verbundunternehmen

44.

(31.)

22,17*

Kühn-Ulrich Astrid

Zumtobel AG

45.

(47.)

22,17*

Billek Clemens

Conwert Immobilien Invest SE

46.

(44.)

21,82

Mittl Petra / Nurscher Andreas

Pioneer Investments Austria

47.

(-)

21,36

Lawicka Ingrid

Kapsch AG

48.

(48.)

21,30

Büchele Martina

Semperit AG Holding

49.

(-)

20,91

Nowshad Armin

Deloitte Österreich

50.

(40.)

20,43

Müllauer Sabine

PWC Österreich *BEI PUNKTEGLEICHHEIT ZÄHLT DIE HÖCHSTE EINZELBEWERTUNG, **NICHT MEHR IM UNTERNEHMEN TÄTIG

65


MÄRKTE

Die Auf- und Absteiger Obwohl sich über die Lage der Wiener Börse streiten ließe, schafft es ihre Pressesprecherin weit nach oben. Julia Resch (6. Platz / 54,09 Punkte) steuert in großen Schritten die Topplatzierungen an. Sie schaffte es nicht nur vom 14. auf den sechsten Platz, sondern ist damit gleichzeitig die beste Pressesprecherin des Rankings. Die Stimme eines heimischen Immobilienkonzerns konnte sich ebenfalls um mehrere Plätze nach oben befördern. Bosko Skoko (27. Platz / 34,55 Punkte), von der S Immo AG, erreichte beim ersten Ranking den 35. Platz und darf sich dieses Mal über eine Bewertung unter den Top 30 freuen.

DIE ABSTEIGER PLATZ

2014

NAME

MEDIUM

45.

(31.)

Kühn-Ulrich Astrid

Zumtobel AG

43.

(30.)

Riedel Monika

Raiffeisen-Verbundunternehmen

21.

(9.)

Grubelnik Klaus

Finanzmarktaufsicht (FMA)

50.

(40.)

Müllauer Sabine

PWC Österreich

10.

(4.)

Krenn-Ditz Ingrid

Raiffeisen Bank International AG

14 Plätze hat hingegen die Pressesprecherin der Zumtobel AG, Astrid Kühn-Ulrich (vom 31. auf 44. Platz / 22,17 Punkte), verloren. Auch Monika Riedel (vom 30. auf 43. Platz / 22,86 Punkte) verliert einige Ränge. Früher noch für die Kommunikation der Raiffeisen KAG zuständig, kümmert sie sich jetzt um die gesamten Raiffeisen-Verbund-Unternehmen. Zu den weiteren Absteigern gehören: Klaus Grubelnik (vom neunten auf 21. Platz / 38,70 Punkte), Sabine Müllauer (vom 40. auf 50. Platz / 20,43 Punkte) und Ingrid Krenn-Ditz (vom vierten auf zehnten Platz / 50,00 Punkte).

Der höchste Neueinstieg Über den höchsten Neueinstieg darf sich eine Frau freuen. Obwohl sie erst seit Anfang des Jahres in dieser Position tätig ist, liegt Waltraud Kaserer (18. Platz / 40,87 Punkte) von der Lenzing AG schon unter den besten 20. Knapp dahinter zwei weitere Damen, die beim ersten Ranking noch nicht als Pressesprecherinnen tätig waren. Elke Koch und Marina Konrad (19. Platz / 40,00 Punkte) von AT&S Austria Technologie & Systemtechnik AG machen ihren Job in den Augen der Branchenkollegen schon recht gut. Um den Job als Pressesprecher heutzutage gut machen zu können, bedarf es einiges an Know-how. Auch aus technologischer Sicht verändert sich das Tätigkeitsfeld ständig. Aber selbst das trockenste Finanzthema kann mittels crossmedialer Verbreitung

66


MÄRKTE

die richtige Zielgruppe erreichen. Wie sehr die Rolle des Pressesprechers polarisiert, zeigt die enorm hohe Rücklaufquote dieses Rankings. Bei keinem Voting von DerBörsianer gab es bisher so viele Teilnehmer.

INFO RANKING BEWERTUNGSKRITERIEN

Alle nominierten Kandidaten konnten sich gegenseitig bewerten. Das Ergebnis des Rankings wurde mit dem Mittelwert aller Bewertungen berechnet und in Prozent umgewandelt. Eine Person kann maximal eine Bewertung von 100 Prozent erreichen. Bei Punktegleichheit zweier oder mehrerer Personen entscheidet die höchste Einzelbewertung. Die Kandidaten konnten keine Bewertung für sich selbst oder Konzernkollegen abgeben.

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INVESTOREN

PUTINS DILEMMA

CEEGE: REPORTA d

Russlan

Russlands Präsident Wladimir Putin will, dass sein Land wieder als Weltmacht anerkannt wird, aber es hapert an ökonomischer Potenz. Nach Ölpreisverfall und internationalen Sanktionen ist die Konjunktur heftig eingeknickt und dürfte sich auch 2016 nicht erholen. Die Wirtschaftspartner aus Österreich stellen sich auf einen langen sibirischen Winter ein. TEXT REGINALD BENISCH


INVESTOREN

Wladimir Putin. Zahlreiche österreichische Investoren zeigen sich von seiner Politik verschreckt und begeben sich in einen langen Winterschlaf.

© ALEXEI DRUZHININ / TASS / PICTUREDESK

E

s war wohl zu schön, um wahr

den renitenten Staatschef von weiterer

chen Einfuhren aus der EU, also Fleisch,

zu sein: Der Kommunismus war

Einmischung in den Ukraine-Konflikt

Gemüse und Obst. Da mangels kompe-

endlich abgeschüttelt, und die

abzuhalten und ihn für die handstreich-

titiver Inlandsproduktion mehr als ein

wilde Anarchie der Jelzin-Jahre mit Ent-

artige Wiedereingliederung der Halbin-

Drittel der Lebensmittel aus dem Wes-

führungen, Erpressung und Mord erwies

sel Krim abzustrafen. Diese Sanktionen

ten importiert wurde, kam es zu Versor-

sich bloß als Episode. Denn dann brach-

sollten zum Beispiel die Modernisierung

gungslücken und schmerzlichen Preis-

te Putin, der Saubermann, Ordnung ins

der Exploration und Förderung von Erd-

erhöhungen. Was die Bürger bisher di-

Chaos. Und nicht nur das: Auf einmal

öl mithilfe westlicher Technologie ver-

rekter traf als das dritte Elementarer-

ging es den Russen besser als je zuvor,

hindern, aber auch die Finanzierung

eignis, nämlich der Verfall der Erdöl-

viele konnten sich westliche Autos leis-

der russischen Wirtschaft mit günsti-

preise.

ten, man flog zum Sommerurlaub ans

gen Westkrediten blockieren, wobei die

Mittelmeer und buchte Skiurlaube am

Details, so die Erkenntnisse der Wiener

Katastrophaler Werteverfall

Arlberg oder in Ischgl.

Rechtsanwaltskanzlei DLA Piper Weiss-

Rohstoffe machen mehr als 80 Prozent

Doch nun ist es damit schon wieder

Tessbach, unzureichend definiert wor-

der russischen Exporte aus, und davon

vorbei. Russlands Wirtschaft stürzte in

den waren, was in der Praxis große Un-

entfällt der Löwenanteil auf Öl und Gas.

eine tiefe Rezession, gleichzeitig stiegen

sicherheit verursache. So bleibt etwa der

Als der Ölpreis im vergangenen Jahr-

die Preise um mehr als 15 Prozent, der

Erdgaskonzern Gazprom von Sanktio-

zehnt von 50 auf über 120 US-Dollar pro

Privatkonsum fiel um sechs, das Inves-

nen verschont, die Gazprombank dage-

Fass kletterte und damit die russische

titionsvolumen um zehn Prozent. Die

gen nicht. Obwohl eigentlich nur staat-

Konjunktur befeuerte, wurde der neue

Produktion stottert, viele Russen zittern

liche Unternehmen vom Finanzierungs-

Wohlstand vom Volk automatisch der

um ihren Arbeitsplatz, die Sache droht

boykott betroffen sind, primär jene aus

Tüchtigkeit Putins zugeschrieben. Doch

Putin zu entgleiten. Und österreichische

der Ölbranche sowie Staatsbanken, be-

dann kippte der Ölpreis Mitte 2014 und

Unternehmen, seit Jahren erfolgrei-

hindern die Sanktionen aber auch die Fi-

fiel mittlerweile unter 30 US-Dollar. Das

che Exporteure und Investoren, stellen

nanzierung privater Unternehmen: „Da

aber lähmt Kaufkraft und Konsum vor-

sich die Frage, ob denn Russland abzu-

die

bisweilen

erst eher indirekt. Denn parallel zum

schreiben ist. Nationalökonomen zwei-

unklar erscheinen, sind viele Geschäfts-

Ölpreis fiel auch der Rubelwechselkurs

felten schon länger, ob Russland die for-

partner lieber vorsichtig und wollen kei-

ins Bodenlose. Dass Russlands Währung

sche Aufholjagd durchsteht, schließlich

nen Fehler machen“, berichtet Denis

gut die Hälfte ihres Werts verlor, entlas-

hatten sich Raten vor der Lehman-Plei-

Poryvay, Analyst der AO Raiffeisenbank

tete anfangs sogar den Staatshaushalt,

te von mehr als acht Prozent Realwachs-

in Moskau.

weil die Ölerträge in Rubel aufgebläht

Eigentumsverhältnisse

tum danach gleich einmal halbiert. Doch

Während die Sanktionen vor allem

wurden, während die Produktionskos-

die Vehemenz des jüngsten Crashs hat

Unternehmen betreffen, die sich im

ten der Branche gleich blieben. Ansons-

letztlich auch die Wirtschaftsforscher

Ausland finanzieren konnten, sich nun

ten erwies sich der Wertverfall des Ru-

überrascht. Denn Putins Reich wurde

aber doppelt so teuer im Inlandsmarkt

bels freilich als Katastrophe. Denn an-

gleich von mehreren Elementarereig-

refinanzieren müssen, trafen andere

dere Wirtschaftszweige konnten die

nissen heimgesucht.

Maßnahmen vor allem die russischen

Verbilligung des Rubels keineswegs für

Konsumenten wie ein Keulenschlag: Die

eine Exportoffensive nutzen, zum einen

Schmerzliche Strafmaßnahmen

von Wladimir Putin umgehend verfüg-

mangels Produktionskapazitäten, vor

Da kamen im Frühjahr 2014 die Sankti-

ten Gegensanktionen blockieren seit

allem aber, weil sie wegen des niedrigen

onen der USA und der EU, mit dem Ziel,

2014 den Großteil der landwirtschaftli-

Qualitätsniveaus ihrer Erzeugnisse trotz

69


INVESTOREN

günstiger Angebote nicht im internati-

westliche Maschinenlieferungen seither

onalen Wettbewerb punkten konnten. Als wirklich schlimm erwies sich der Wertverfall des Rubels für die russische

INFO FAKTEN

um die Hälfte zurückgingen. Was sich

Die Russische Föderation in Zahlen und Fakten

denn auch in der österreichischen Exportstatistik eins zu eins widerspiegelt.

Bevölkerung: Da mehr als die Hälfte der Konsumartikel aus dem Westen impor-

Verschreckte Investoren

tiert wurde, stiegen die Preise dafür im

Österreichs Unternehmen, denen die

Einzelhandel um mehr als die Hälfte,

Exporte nach Russland 2013 beachtliche

wenn sie wegen der Gegensanktionen

3,5 Milliarden Euro einbrachten und die

nicht überhaupt aus den Regalen ver-

insgesamt auch über sechs Milliarden

schwanden. Markige Aufrufe der Re-

in Immobilien, Produktions- und Ver­

gierung, auf heimische Produkte um-

triebs­ einrichtungen vor Ort investiert

zusteigen, gehen wie Anweisungen an

hatten, machen sich verständlicherwei-

Staatsfirmen und Behörden, auf russi-

se Sorgen. Summa summarum stellt man

sche Produkte umzusteigen, ins Leere.

sich auf einen langen sibirischen Winter

Was Russlands Industrie und die Landwirtschaft anzubieten haben, ist völlig unzureichend. Schon in Zeiten der sowjetischen Planwirtschaft hatte man sich auf den Rohstoffreichtum des Landes verlassen, von Diversifikation der Wirtschaft wurde stets nur geredet. Bis heute hat sich daran nichts geändert, und das könnte Präsident Putin noch einmal auf den Kopf fallen. „Wir verlieren im Wett-

Amtssprache  Russisch Hauptstadt  Moskau Staatsform  Föderale Republik Staatsoberhaupt Wladimir W. Putin Regierungschef Dmitri Medwedew Fläche  17.098.242 km² Einwohnerzahl 143 Millionen Währung Russischer Rubel BIP-Wachstum 2015 –4,1 Prozent * Arbeitslosigkeit 2014 8,0 Prozent Staatsverschuldung (BIP) 14 Prozent * SCHÄTZUNG

bewerb auf dem Weltmarkt“, hatte er bereits im Jahr 2000 in einer program-

Topaktien nach Umsatz

matischen Rede gewarnt, es gehe künftig um eine neue Ökonomie, verkündete er, nämlich um eine „Ökonomie des Wissens und der Technologie“. Das war vor über 15 Jahren, umgesetzt wurde praktisch nichts, offenbar war der Druck nach dem Anstieg der Ölpreise auf über 100 US-Dollar rasch verpufft. Jetzt brennt der Hut, doch das Versäumte lässt sich nicht so rasch aufho-

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10.

len, befürchtet Dietmar Fellner, Öster-

Topbanken nach Bilanzsumme

reichs Wirtschaftsdelegierter in Moskau: „Ohne massive Investitionen, speziell in den überalterten Kapitalstock, ist mittelfristig weder eine umfassende Importsubstitution noch ein Upgrading auf internationales Niveau möglich.“ Solche Investitionen sind heute auch kaum leistbar, da russische Betriebe für westliche Technologie, die bis vor kurzem 40 Prozent der russischen Einfuhren ausmachte, heute um 50 Prozent mehr hinblättern müssten als noch vor

Gazprom (Öl und Gas) Rosneft (Öl und Gas) Lukoil (Öl und Gas) Novatek (Erdgas) MMC Norilsk Nickel (Bergbau) Sberbank (Finanzen) Surgutneftegaz (Öl und Gas) PAO Magnit (Lebensmittelhandel) VTB Bank (Finanzen) Tatneft (Eisen & Stahl)

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12.

Sberbank VTB Group Gazprombank FC Otkrytije Rosselhozbank Alfa-Bank Bank of Moscow UniCredit Bank Rosbank (Societe Generale) Promsvyazbank BIN Gruppe Raiffeisenbank

zwei Jahren. Kein Wunder also, dass

QUELLE: DERBÖRSIANER

70

ein und plant, diesen auch auszusitzen wie zum Beispiel die Strabag SE, seit 1991 vor Ort und bis dato einziges westliches Bauunternehmen mit Russlandtochter. „Wir werden überwintern“, bekräftigt Vorstandsvorsitzender Thomas Birtel, auch wenn man dabei schlanker werde, aber Treue zum Markt werde in Russland belohnt. Ähnlich denken Billa mit 98 Outlets im Großraum Moskau und die Mayr-Melnhof Karton AG, die in Sankt Petersburg die größte Faltschachtelfabrik Russlands betreibt. Andere halten sich derzeit lieber bedeckt, wie zum Beispiel die Pöchlarner LasselsbergerGruppe, die in Ufa, der Hauptstadt von Baschkortostan, eine Fliesenfabrik betreibt, oder die Kärntner Firma Hasslacher Timber mit einem Sägewerk nahe Nowgorod und die Salzburger Holzdynastie Kaindl mit Spanplattenpodukion in der Uralregion. Auch über den mehrheitlichen Einstieg der Wassertechnologiefirma BWT AG beim russischen Wasserfilterhersteller Mettem ranken sich vor allem Gerüchte: Die Transaktion sei behördlich abgesegnet, BWT AG wolle in den Ausbau der Produktion investieren, was sich allerdings verzögern dürfte, hört man in Moskau. Die Zentrale in Mondsee schweigt dagegen beharrlich. Anders die börsennotierte Immofinanz AG, deren Russland-Investments mit fünf großen Shopping-Malls in Moskau ein Viertel des Gesamtvermögens ausmachen: Wie in Russland bisher


INVESTOREN

AO Raiffeisenbank reduzier t ihr Exposure, obwohl sie einen Return on Equity von 15 Prozent hat.

am en Werk h im neu ng. ic s tu t s u la e s fr volle Au ger AG n e lfi in a e P r e Die bai üb rt Ischim Stando

Die Strabag SE befindet sich in Russland im Kr modus, das Prob isenlem ist die fehle nde Nachfrage .

Die Imm ofinanz AG hat in Mosk fünf gro au. Im B ße Shop ild das G ping-M olden B alls abylon Rostok ino.

üblich, wurde die Höhe der Mieten mit

die wichtigsten Konkurrenten weiter-

terschreiben und abstempeln“ (Schu-

dem Dollarwechselkurs indexiert. Dem-

hin aus Skandinavien, Italien und Korea

my), was aber auch mit dem landsübli-

entsprechend warf 2015 ein Teil der Mie-

liefern, stürzte deren Russlandgeschäft

chen Mangel an Prozessdenken zusam-

ter das Handtuch, die Belegung rutschte

seit dem Rubelverfall ab und die Markt-

menhänge, wie man bei Palfinger AG vor

auf 85,4 Prozent ab, und sie wäre noch

anteile von Palfinger AG kletterten, je

Ort erfährt. „Abteilungen arbeiten nicht

tiefer abgesackt, wäre man den Mie-

nach Produktgruppe, auf bis zu 90 Pro-

übergreifend, alles läuft über den obers-

tern nicht mit temporären Ermäßigun-

zent. Und das ist noch nicht alles: Zwei

ten Chef“, konstatiert Integrationsma-

gen entgegengekommen. Dementspre-

Joint-Venture-Verträge mit dem staat-

nager Johannes Griessner in Ischimbai.

chend sanken die Mieterlöse in Euro im

lichen Lkw-Hersteller Kamaz sollen den

Aber selbst wenn außerhalb Moskaus

Schlussquartal um 30 bis 35 Prozent, al-

Salzburgern noch weitere exklusive Ab-

Geschäftspartnern Handschlagqualität

lerdings bewegen sich damit die Mos-

satzkanäle sichern.

attestiert wird, bleibt im Geschäftsalltag

kauer Margen der Immofinanz AG, so

Doch auf die Schnelle lässt sich das

Vorsicht geboten, wie diverse russische

Vorstandschef Oliver Schumy, zumin-

Modell „Palfinger“ wohl kaum kopie-

Anwälte warnen: So würden gerade aus-

dest

Niveau,

ren. Und außerdem neigen potenzielle

ländische Klienten vor Gericht immer

womit das Russlandrisiko derzeit zwar

österreichische Investoren derzeit eher

wieder mit Korruptionsversuchen kon-

nicht voll abgedeckt werde, doch „den

zur Vorsicht, was aber nicht so sehr mit

frontiert, gegen die man sich freilich

Risikoaufschlag haben wir schon in den

den landestypischen Gebräuchen im Be-

vehement wehren sollte. Wirtschafts-

letzten Jahren verdient“.

triebsalltag zu tun habe, wie erfahrene

delegierter Fellner berichtet, dass Aus-

Mit einer ordentlichen Portion Glück

Manager beteuern: Dass man mindes-

länder neuerdings immer öfter günstige

gelang es der Kranbaufirma Palfin-

tens doppelt so viele Leute im Unter-

Gerichtsurteile erzielen, oft sei dann al-

ger AG, den Rubelabsturz zum eigenen

nehmen beschäftigen muss, sei anfangs

lerdings die Exekution gegenüber Rus-

Vorteil zu nutzen: Mit dem Kalkül, dass

gewöhnungsbedürftig, doch lasse sich

sen nicht zu schaffen, doch „verglichen

staatliche Abnehmer eines Tages ange-

die Effizienz durch persönliche Anrei-

mit den gewalttätigen Neunzigerjahren

halten würden, vorzugsweise bei inlän-

ze leicht steigern, erfährt man. Immofi-

ist Russland heute geradezu ein Rechts-

dischen Lieferanten einzukaufen, hat-

nanz-Chef Schumy, der bei Mayr-Meln-

staat“, sagt er.

ten die Salzburger frühzeitig begonnen,

hof AG wertvolle Erfahrungen sammeln

Dafür drohen andere Erschwernis-

lokal zu produzieren, einerseits Forst-

konnte, rät, nach persönlicher Pro-

se: „Während bisher bei internationalen

und Recycling-Kräne an zwei Standor-

duktivität zu bezahlen „und vor allem

Transaktionen vor allem ausländisches

ten, andrerseits aber auch klassische La-

Möglichkeiten zu bieten, etwas Neu-

Recht angewandt werden durfte, werden

dekräne durch Übernahme der Firma In-

es zu lernen“. Nervenaufreibend bleibe

wir künftig einen deutlichen Anstieg bei

man in Baschkortostan, wo im Juli 2015

freilich der ungewohnte bürokratische

Transaktionen nach russischem Recht

am Standort Ischimbai ein modernes

Aufwand: „Das Management muss in

sehen“, befürchtet Steffen Kauffmann,

Werk in Betrieb genommen wurde. Da

Russland täglich kiloweise Papiere un-

Partner im Moskauer Büro von DLA Pi-

auf

westeuropäischem

71


INVESTOREN

ger Großkaliber wie des staatlichen Ent-

„Risikoaufschlag haben wir b ­ ereits in den letzten Jahren verdient.“

wicklungsfinanzierers Wnescheconombank (VEB), de jure gar keine richtige Bank, der dem Kreml Kopfzerbrechen bereiten.

„Wir werden überwintern. Treue zum Markt wird in Russland belohnt.“

Überdies tauchen im Bankensektor

OLIVER SCHUMY

THOMAS BIRTEL

neu­artige Player mit eher diffusen Eigentumsverhältnissen auf wie etwa die

per. Auch das erstaunlich liberale De-

nichtstaatliche Otkrytije-Gruppe, de-

Die Frage ist, wie die dringend nöti-

visenregime, nach dem sogar russische

ren Bilanzsumme geradezu exponen-

gen Investitionen in Landwirtschaft und

Sparer relativ formlos Fremdwährungs-

tiell wächst, die laufend straucheln-

Industrie ohne starke Banken finanziert

konten eröffnen dürfen, könnte in Zu-

de Konkurrenten übernimmt, immer

werden sollen, zumal Kapitalmarktfi-

kunft verschärft werden. Zumindest

wieder massive staatliche Unterstüt-

nanzierungen in Russland keine Rolle

wäre dieser Schritt eine logische Ergän-

zung bekommt und, wie man in Moskau

spielen: Mangels Bedarf wurden bisher

zung zu Putins „De-Offshore-isazija“-

hört, neuen Kreml-nahen Eliten zuzu-

wenig Staatsanleihen emittiert, auch die

Kampagne, die darauf abzielt, dass rei-

rechnen sei.

Wirtschaft besorgte sich Kapital lieber

che Oligarchen Teile ihrer Auslandsver-

In diesem Umfeld fühlen sich insbe-

mögen repatriieren und damit Investi-

sondere auch ausländische Banken un-

ten. Lokale Unternehmensanleihen lo-

tionen in die Diversifikation der russi-

wohl: Während sich reine Investment-

cken mit negativer Realverzinsung gera-

schen Industrie ermöglichen. Die bis-

banken wie Deutsche Bank, RBS und

de einmal ein paar Pensionsfonds hinter

herigen Erfolge waren freilich enttäu-

HSBC aus Russland verabschieden, redu-

dem Ofen hervor, aber kaum individuelle

schend. Kaum jemand habe sich bisher

zieren die drei westlichen Universalban-

Sparer. Und auf dem Aktienmarkt sieht

durch Steuerzuckerln und Zusicherung

ken UniCredit, Societe Generale und die

es nach Meinung von Analysten noch

von Straffreiheit verleiten lassen, zu-

AO Raiffeisenbank laufend ihr Expo­sure,

schlimmer aus, denn die Börse lasse in

mindest Teile seines Finanzvermögens

wobei sie mit einem Return on Equity von

Russland keine Korrelation zur Realwirt-

nach Hause zu überweisen. Was auch

15 Prozent fast viermal so viel verdienen

schaft erkennen und fungiere eher als

nicht sonderlich überrascht.

wie russische Staatsbanken, aber an-

eine Art Kasinoersatz. Im Klartext: Mit-

Zum einen sind die diesjährigen Kon-

gesichts des Risikos trotzdem zu wenig.

hilfe der Kapitalmärkte lässt sich Russ-

junkturaussichten eher trist: 2016 ste-

Was offenbar insbesondere für die Raiff-

land wohl kaum kickstarten.

hen offenbar Nullwachstum, zweistelli-

eisen Bank International AG gilt, die nach

Da sich aber keine Wende bei den

ge Inflation, um zehn Prozent sinkende

Auffassung der EZB ihre Risikotragfähig-

Ölpreisen abzeichnet und die Einnah-

Realeinkommen und eine Arbeitslosig-

keit längst überschritten hat, der euro-

men aus Energie- und Rohstoffverkäu-

keit von knapp zehn Prozent bevor. Zum

päischen Bankenaufsicht wöchentliche

fen nicht mehr ausreichen, das relativ

anderen werden die Machtverhältnis-

Lageberichte über ihr Russlandgeschäft

hohe Niveau der Sozialausgaben zu fi-

se offenbar gerade umverteilt, was sich

übermitteln muss und gezwungen wur-

nanzieren, muss Putin einerseits ein

derzeit gerade im Finanzsektor beob-

de, sich aus dem Autoleasing- und dem

Budgetdefizit von drei oder mehr Pro-

achten lässt, wie Insider berichten.

Pensionskassengeschäft

zurückzuzie-

zent riskieren und gleichzeitig teilweise

hen, 70 von 200 landesweiten Filialen

die staatlichen Reservefonds anzapfen,

Finanzsektor in Schieflage

zuzusperren und die Aktiva bis 2017 um

andrerseits aber auch deutlich Steu-

Russlands Bankensektor ist zuletzt in

30 Prozent herunterzufahren.

ern und Abgaben anheben. Damit wäre

Schieflage geraten. Einerseits ist der

mangels

inländischer

Sparguthaben

nicht zur Gänze ersetzt werden können. Mittlerweile wurden bereits Dutzende kleinere, Oligarchen-nahe Institute geschlossen, aber es ist vor allem der mil-

Fremdwährungskredi-

westlicher Sicht, paradiesischen ZuINFO BEWERTUNG

ländische Refinanzierungsquellen versiegt, die im Inland nur sehr teuer und

günstigen

freilich Schluss mit den, zumindest aus

Anteil notleidender Kredite gegen zehn Prozent gestiegen, andrerseits sind aus-

mit

ständen rund um eine Flat Tax von 13 Prozent. Die Frage ist, ob eine Anhebung

Das Zeugnis von DerBörsianer

um die Hälfte, zusätzlich zur Vervielfachung der Grundsteuern, von den Rus-

Wirtschaft Politik Rechtssicherheit Korruption Infrastruktur

sen, die sich den Gürtel im Ernstfall enger schnallen lassen, auch diesmal einfach hingenommen wird, zumal Putin am aktuellen Debakel nicht so ganz un-

liardenschwere Sanierungsbedarf eini-

schuldig ist. n

72


GASTKOMMENTAR

MÄRKTE

VALENTIN STALF GRÜNDER UND CEO NUMBER26

DIE BANK DER ZUKUNFT

Valentin Stalf ist gebürtiger Wiener und hat Accounting & Finance an der Hochschule St. Gallen, an der Sophia University in Tokio und der WU Wien studiert. Nach seinem ­Abschluss startete er als Entrepreneur in Residence beim Internet-Incubator Rocket Internet und beteiligte sich am Aufbau einiger FinTech-Unternehmen.

Die Frage, wie die Bank der Zukunft aussieht, wird aktuell häufig gestellt. Valentin Stalf, Gründer einer der erfolgreichsten FinTechs im deutschsprachigen Raum, hat sich darüber Gedanken gemacht.

Viele Industrien wurden in den vergen-

com), die Taxiindustrie (Uber) oder der

„Die Bankfiliale der Zukunft ist sicherlich das Smartphone.“

Einzelhandel (Amazon). In den meisten

VALENTIN STALF

genen Jahren massiv umgekrempelt wie zum Beispiel die Reisebranche (Booking.

Das wird zu massiven Änderungen in der europaweiten

Bankenlandschaft

füh-

ren. In den letzten Jahren wurden immer mehr traditionelle Bankingprodukte durch junge Nischenplayer angeboten. Viele dieser sogenannten FinTechs haben

dieser Branchen hat sich diese Veränderung auch massiv auf die Offlinepräsenz

sich auf Teilprodukte, zum Beispiel Spar-

ausgewirkt und somit das Straßenbild stark verändert: Reise-

produkte, Kreditprodukte oder Überweisungsprodukte, spezi-

büros sind beispielsweise eine Seltenheit geworden. Anders

alisiert. Dabei stellen sie die Kundenerfahrung in den Mittel-

ist das in der Finanzindustrie, obwohl der Großteil der Kun-

punkt und schaffen es dank modernster Technologien in kurzer

den bereits primär Online- oder Mobile-Banking nutzt, hat

Zeit, die besseren Produkte zu günstigeren Konditionen anzu-

sich der Auftritt der traditionellen Banken nur wenig verän-

bieten, die noch dazu einfacher zu bedienen sind.

dert: Filialen gibt es immer noch an jeder Ecke. Es ist klar, dass

Die Bank der Zukunft wird näher am Kunden sein, als das ak-

sich auch dieses Bild in den nächsten Jahren massiv verändern

tuell denkbar ist. Bei Number26 öffnen Kunden ihre App zwei-

wird. Nur was heißt das für die Bank der Zukunft? Die Bedürf-

bis fünfmal pro Woche. Das ermöglicht uns, häufiger mit dem

nisse der Bankkunden haben sich in den letzten Jahrzehnten

Kunden in Kontakt zu treten und ihn besser zu verstehen. Mit

nicht maßgebend geändert. Kunden wollen sparen, finanzie-

diesem Wissen kann der Kunde verschiedene Bankprodukte an

ren, Versicherungen abschließen und möglichst schnell ihre

einem für ihn persönlich relevanten Zeitpunkt angeboten be-

Bankgeschäfte erledigen. Was sich aber rasant weiterentwi-

kommen. Die Bank der Zukunft wird sich voll und ganz auf die

ckelt hat, ist die Technologie. Insbesondere die Entwicklung

Kundenbeziehung konzentrieren. Diese wird von der Intelli-

von Smartphones und Apps macht es heute möglich, dass je-

genz der Technologie im Hintergrund der Bank und durch ein-

der Kunde sein eigenes Bankterminal in der Hosentasche he-

zigartige UI und UX definiert werden. Damit der Fokus auf der

rumträgt, das zudem mehr Möglichkeiten bietet als eine sta-

Kundenbeziehung bleibt, wird die Bank der Zukunft nicht mehr

tionäre Filiale. Die Bankfiliale der Zukunft ist daher sicherlich

das volle Portfolio an Bankprodukten aus dem eigenen Haus an-

das Smartphone.

bieten. Vielmehr wird diese Bank mit den oben genannten Ni-

Durch deutlich bessere Technologie wird es für moderne

schenplayern kooperieren und das jeweils beste Bankingpro-

Player möglich sein, den Kunden Basisprodukte wie Konten,

dukt für jeden einzelnen Kunden aus der Vielzahl hervorragen-

Überweisungen oder Buchungen langfristig kostenlos und in

der Anbieter auf dem Markt finden. Wir versuchen viele die-

einer viel besseren Qualität anzubieten. Traditionelle Banken

ser Trends schon heute Realität werden zu lassen und sind da-

haben mit veralteten IT-Plattformen zu kämpfen und werden

von überzeugt, dass die Bank der Zukunft nicht noch zehn Jahre

den Anschluss an die heutigen Möglichkeiten weiter verlieren.

entfernt ist, sondern in den nächsten Jahren zur Realität wird. n

73


SEITENBLICKE

SO DENKT DIE POLITIK

KLIMAGIPFEL – Beim Klimagipfel in Paris wurden von der Politik wichtige Maßnahmen für die Zukunft ­erarbeitet. Die Wirtschaft saß dabei jedoch nicht mit am Tisch. DerBörsianer möchte von den

SPÖ

ÖVP

FPÖ

Hannes Weninger Wirtschaftssprecher

Johann Höfinger Umweltsprecher

Axel Kassegger Wirtschaftssprecher

Was leiten Sie von den Ergebnissen des

Was leiten Sie von den Ergebnissen des

Weltklimagipfels für Österreich ab? – Der

Weltklimagipfels für Österreich ab? –

Weltklimagipfels für Österreich ab? – Ös-

Klimagipfel schickt ein starkes Signal,

Erstmals ziehen 196 Staaten an einem

terreich hat schon das Kioto-Protokoll

Was leiten Sie von den Ergebnissen des

mit unserer Umwelt zukünftig sorgsa-

Strang! Mit dem Beschluss der verbind-

im Vergleich zu vielen anderen Ländern

mer umzugehen, als dies in der Ver-

lichen Klima- und Energieziele 2030 ist

als Musterschüler übererfüllt. Gerade in

gangenheit geschehen ist. Der Klima-

die EU und damit auch Österreich bereits

einer Zeit, in der die Wirtschaft auch sei-

wandel hat ein neues Bewusstsein da-

in Vorleistung getreten. Damit wird Eu-

tens des Staates Impulse und Anreize be-

für geschaffen, Ressourcen zu schonen,

ropa auch in Zukunft ein globaler Vorrei-

nötigt, sollte die Wirtschaftspolitik kon-

nicht weiter auf Kosten anderer zu le-

ter im Klimaschutz sein.

kurrenzfähig sein und bleiben.

Welche Konsequenzen ergeben sich für

Welche Konsequenzen ergeben sich für die

die heimische Wirtschaft? – Jetzt sind

heimische Wirtschaft? – Die FPÖ sieht die-

Welche Konsequenzen ergeben sich für

alle Länder gefordert, konkrete Klima-

se Konferenz aus wirtschaftspolitscher

die heimische Wirtschaft? – Der Klima-

schutzmaßnahmen zu setzen. Nur dann

Sicht sehr kritisch, vor allem, wenn in

vertrag zeichnet den Weg für eine neue

wird eine positive Dynamik entstehen,

manchen Ländern eine Reindustriali-

Qualität des globalen Zusammenlebens

mit der die Erderwärmung auf deutlich

sierung stattfindet und andererseits der

und Wirtschaftens auf. Jetzt geht der

unter zwei Grad begrenzt werden kann.

heimischen Industrie Prügel zwischen

Auftrag an die Politik, die Wirtschaft

Durch mehr Klimaschutz entstehen neue

die Beine geworfen werden. Energiepo-

und an jeden Einzelnen, die Welt mit

Exportchancen mit Ökoinnovationen.

litik besteht nämlich aus einer gleicher-

intelligentem und effizientem Techno-

Wir müssen aber auch auf die Arbeits-

maßen verantwortlichen Umwelt- und

logieeinsatz und einer bewussten Le-

plätze in der energieintensiven Industrie

Wirtschaftspolitik. Einzelaktionen zu-

bensführung nachhaltig zu verändern.

achten, von Stahl bis Zement.

lasten der Wirtschaft können nicht ziel-

Wie möchten Sie die Ziele in der Realität

Wie möchten Sie die Ziele in der Realität

umgesetzt wissen? – Die Anstrengungen

umgesetzt wissen? – In Österreich wird

Wie möchten Sie die Ziele in der Reali-

zum Klimaschutz müssen weltweit ver-

Wirtschaftsminister Mitterlehner mit

tät umgesetzt wissen? – Die Ziele des Kli-

stärkt werden. Hier ist auch die Indus-

Umweltminister Rupprechter eine ge-

magipfels können nur im Dialog mit der

trie gefordert, in die Entwicklung neu-

meinsame Energie- und Klimastrategie

Wirtschaft umgesetzt werden. In Ös-

er Produktionsprozesse und Energie-

erarbeiten. Diese wird den Weg zur Er-

terreich hat es mit dem Energie-Infra-

effizienz zu investieren. Die österrei-

füllung der EU-Ziele 2030 aufzeigen und

struktur- und Energie-Effizienz-Gesetz

chische Wirtschaft muss eine ambiti-

eine Perspektive bis 2050 enthalten. Bei

bisher nur operative Maßnahmen gege-

onierte Klimapolitik als Chance für die

der Umsetzung der Klimaschutzmaß-

ben, die einzeln keine Wirkung zeigen.

Unternehmen sehen und Forschung,

nahmen muss natürlich auch auf die

Die FPÖ fordert deshalb einen umfang-

Entwicklung und Produktion den neu-

Unternehmen in diesem Bereich geach-

reichen, strategischen Energie-Master-

en Herausforderungen anpassen.

tet werden.

plan.

ben und die Lebensqualität global zu bewerten.

führend sein.

74

© PHOTO SIMONIS

heimischen Parteien wissen, welche Folgen sich für die heimische Wirtschaft konkret ergeben.


SEITENBLICKE

FOLGEN FÜR DIE WIRTSCHAFT?

GRÜNE

TEAM STRONACH

Christiane Brunner Umweltsprecherin

Robert Lugar Klubobmann

NEOS Michael Pock Energie- und Umweltsprecher

Was leiten Sie von den Ergebnissen des

Was leiten Sie von den Ergebnissen des

Was leiten Sie von den Ergebnissen des

Weltklimagipfels für Österreich ab? – Das

Weltklimagipfels für Österreich ab? – Ös-

Weltklimagipfels für Österreich ab? – In

Pariser Klimaabkommen bedeutet für

terreich muss schleunigst damit begin-

Österreich können etwa Ansatzpunkte

Österreich wie für alle anderen Indus-

nen, seine Hausaufgaben zu machen.

im Ausbau erneuerbarer Energien und

trienationen, dass wir bis 2050 unse-

Gerade bei der Raumwärme oder beim

in der Förderung der E-Mobilität liegen.

re gesamte Wirtschaft und Lebenswei-

Verkehr gibt es noch viel Einsparungs-

Zudem muss Österreich seinen interna-

se auf 100 Prozent erneuerbare Ener-

potenzial. Ebenso beim Ausbau von er-

tionalen Verpflichtungen nachkommen.

gie umgestellt haben. Dafür müssen wir

neuerbarer Energie, besonders der Was-

Als Beispiel sei dabei die Erhöhung des

unverzüglich den vollständigen Ausstieg

serkraft. Dort hinken wir den Zielen

Beitrags an den Green Climate Fund ge-

aus fossilen Energien einleiten.

aufgrund der hohen Auflagen und Um-

nannt. Gerade hier hinken wir anderen

weltverträglichkeitsprüfungen um zehn

Staaten deutlich hinterher.

Welche Konsequenzen ergeben sich für die

Jahre hinterher. Welche Konsequenzen ergeben sich für die

heimische Wirtschaft? – Das Paris-Agreement ist eine große Herausforderung,

Welche Konsequenzen ergeben sich für die

heimische Wirtschaft? – Für die österrei-

aber gerade für Österreich eine noch

heimische Wirtschaft? – Der Ausbau er-

chische Wirtschaft bieten die Ergebnisse

größere Chance. Zum Glück stehen wir

neuerbarer Energien bedeutet auch ein

des Weltklimagipfels große Chancen: Im

nicht am Anfang. Die Energiewende hat

Plus an lokaler Wertschöpfung. Nur

Bereich der Umwelttechnologien zählt

schon begonnen und ist das Erfolgsmo-

wenn wir unabhängiger von Energieim-

Österreichs Industrie bereits zur Euro-

dell Europas. Kein Sektor hat es so gut

porten werden, können wir auch am Ar-

paspitze. Investitionen in Forschung

durch die Krisenjahre geschafft wie die

beitsmarkt Akzente setzen. Unser Ziel

und Entwicklung sind gerade in unse-

grünen Wirtschaftszweige.

muss es sein, einen höheren Selbst-

rem Land zentrale Faktoren für kontinu-

versorgungsgrad zu erzielen und damit

ierliches Wachstum, Produktivität und

mehr Arbeitsplätze zu schaffen.

Wohlstand.

zig Jahren noch dabei sein will, stellt

Wie möchten Sie die Ziele in der Realität

Wie möchten Sie die Ziele in der Realität

sich heute für die Energiewende neu auf.

umgesetzt wissen? – Umweltschutz und

umgesetzt wissen? – Die nächste Steuer-

Deswegen wollen wir die Energiewende

Wirtschaftsförderung sind keine Wider-

reform darf keine einseitige Tarifreform

konsequent umsetzen, von der Ökolo-

sprüche, ganz im Gegenteil. Durch eine

mehr, sondern muss eine echte Steuer-

gisierung des Steuersystems über Maß-

vernünftige Umweltpolitik können wir

reform mit Anreizen im Bereich der Öko-

nahmen im Bereich Strom, Heizen und

die Wirtschaft wieder ankurbeln. Auch

logie für die Unternehmer sein. Zudem

Verkehr. Investitionen in fossile Ener­

der produzierenden Wirtschaft liegt

wäre die Einführung einer aufkommens-

gien sind seit dem Pariser Agreement

der Umweltschutz und das Energiespa-

neutralen CO2-Besteuerung von Energie

Risikoinvestitionen. Die Carbon-Bubble

ren am Herzen, jedoch fehlt die nötige

bei gleichzeitigem Entlasten des Faktors

wird platzen, daher müssen auch Inves-

Unterstützung der Politik, dass sich das

Arbeit sinnvoll, um Kostenwahrheit bei

titionen umgelenkt werden.

auch für die Unternehmen rechnet.

Energieerzeugung darzustellen.

Wie möchten Sie die Ziele in der Realität umgesetzt wissen? – Wer auch in zwan-

75


SEITENBLICKE

DIE KRAFT VON INNEN 4. TEIL: FITNESS

enschaft Die Leid ager a der M n

Andreas Wimmer und Alexander Schütz, C-Quadrat: „Regelmäßiges Training stärkt den Körper, löst den Geist und fördert die Kreativität.“


SEITENBLICKE

Warum die schweißtreibende Investition in den eigenen Körper sowohl körperliches und mentales Wohlbefinden als auch Professionalität steigert, berichten die Topmanager Franz Gschiegl, Karl Banyai, Karin Keglevich und Rudi Kobza sowie die Profis Alfredo Scarlata und Nick Gould. TEXT CAROLINE MILLONIG

D

amals bin ich tatsächlich eine

Was im Prinzip ohne negative Ne-

tung und der richtige Umgang mit sich

gelaufen

beneffekte erreicht werden kann, bedarf

selbst die Leistung beeinflussen“. Eben-

als sonst“, erinnert sich Franz

freilich einer professionellen Betreuung:

so wie Gschiegl hat er das „Startnum-

Gschiegl, Vorstand der Erste-Bank-

Allzu oft wird nicht nur falsch trainiert,

mernsyndrom“, braucht also den Wett-

Fondsgesellschaft Sparinvest KAG, an

sondern auch auf falsche Trends gesetzt.

bewerb, um leistungsorientiert zu trai-

seinen Run 2011 mit mehr als vier Stun-

Es hat gute Gründe, warum seriöse Fit-

nieren. Im Gegensatz zu ihm ist Banyai

den. Das hatte einen wahrhaft triftigen

nesszentren mit der Implementierung

allerdings erst in seinen Vierzigern er-

Grund, erzählt Gschiegl, der sich mit

gehypter Einheiten zuwarten und Ar-

wacht. Sein Schlüsselerlebnis war ein

mehr als hundert beendeten Strecken

beitgeber immer öfter auch in firmen-

banales zweistöckiges Stiegensteigen,

einen Marathonmethusalem nennt und

eigene Fitnessräumlichten investieren.

das ihn völlig aus der Puste gebracht hat:

doch zu den ganz wenigen zählt, die

Das Körpertraining federt zudem den

„Da habe ich mir gedacht: Zählst du jetzt

schon alle 32 Wien-Marathons gelaufen

Alltagsstress ab und fördert verborge-

mit 42 schon zum alten Eisen, oder geht

sind: Ihm war quasi von heute auf mor-

ne Kräfte zutage. Was sich auch im Be-

noch etwas?“ Und da hat ihn der Ehrgeiz

gen die Diagnose Lymphdrüsenkrebs

ruf positiv bemerkbar macht.

gepackt. Mit der richtigen Anleitung ist

Stunde

langsamer

gestellt worden. Da war selbst für den

Körper und Geist

sich

angesagt, um den „angegriffenen Kör-

Wie wichtig eine gute Kondition und die

Zentrum durchchecken und einen Plan

per nicht zu sehr zu belasten“.

Wettbewerbsbegeisterten

© CLEMENS BEDNAR

dann tatsächlich viel gegangen, hat er

Mäßigung

doch

beim

sportmedizinischen

richtige Schulung speziell in Extremsi-

zum Ausdauer- und Kräftigungstrai-

Dass er die Krankheit letztlich bravou-

tuationen ist, hat Gschiegl schon vor 15

ning geben lassen, Letzteres speziell für

rös in den Griff bekommen hat, verdankt

Jahren erfahren müssen, als er von einer

die Rumpfmuskulatur im Fitnessstudio.

er sich großteils selbst: seinem starken

Lawine fast verschüttet worden wäre:

„Die Konsequenz, mit der ich den Plan

Willen, der ihn nach der Chemothera-

„Ohne die fitnessbedingte Körperspan-

durchgezogen habe, hat mich selbst ei-

pie am Freitag gleich am Montag wie-

nung und die mentale Kraft, die gelern-

gentlich am meisten überrascht“, erin-

der ins Büro getrieben hat, um „am Ball

ten Abwehrmaßnahmen wie Schwimm-

nert sich der Finanzprofi, der in der Fol-

zu bleiben“, sowie seiner guten menta-

bewegungen oder mit den Händen eine

ge immer unter seinen Zielzeiten gelau-

len und körperlichen Konstitution, wie

Art Höhle vor dem Gesicht zu bilden

fen ist. Eine „Belohnung für eine konse-

ihm sein Arzt attestiert. Diese wieder-

einzusetzen, hätte ich in der Panik si-

quente Vorbereitung“, wie er resümiert,

um zollt er seiner in Studienzeiten ge-

cher falsch reagiert.“ Ein Konnex auch

gepaart mit einer positiven Einstellung:

weckten Begeisterung für die Berge, die

zu seiner Berufseinstellung: „Ich versu-

„Wenn du plötzlich einen Schmerz ver-

ihn aus Konditionsgründen schon vor 40

che, alles so optimal wie möglich zu ma-

spürst, dich aber positiv motivierst und

Jahren zum Laufen animiert hat. „Sport

chen.“ Es war ihm jedenfalls gelungen,

keine negativen Gefühle aufkommen

und Bewegung wirken sich definitiv auch

gerade noch den Kopf aus den Schnee-

lässt, vergisst du den Schmerz, weil du

in der Rehabilitation von Krebserkran-

massen zu retten und von den Bergkol-

gelernt hast, wirklich abzuschalten und

kungen positiv aus“, bestätigt Alfredo

legen geborgen zu werden. Es wäre aber

mit deinem Energiehaushalt besser um-

Scarlata, Clubmanager und High-Perfor-

nicht Gschiegl, würde er nicht gleich

zugehen.“

mance- sowie Lifestyle-Coach von John

Positives hinzufügen: „Von über 3.000

Im Wissen, „selber für seinen Erfolg

Harris Fitness. Ganz zu schweigen von

Bergtouren hat es nur eine gegeben, bei

verantwortlich zu sein“, sei er dann auch

den mehr als hundert weiteren positiven

der etwas passiert ist.“

wesentlich konsequenter im Job gewor-

Bewegungseffekten etwa zur Prophyla-

Auch Karl Banyai, Sales Director Aus-

den, weil er realisiert habe, dass konkre-

xe von Herz-Kreislauf-Erkrankungen,

tria der britischen Fondsboutique Jupi-

te Zielvorgaben für ihn das Um und Auf

Senkung von Blutdruck, Blutzucker oder

ter Asset Management, weiß, wie „un-

sind. Er habe erkannt, dass „es vielleicht

Linderung von Rückenschmerzen.

glaublich stark die richtige Körperhal-

mehrere Wege zum Ziel gibt, aber nie

77


SEITENBLICKE

Bereits seit 20 04 fixer Bestan dteil des Superfund -Firmenangebo ts.

tzunan Verle eidet m lt. rm e v in e ta e hä a n präzis do Scarl e g re n lf u A it t Lau die Anle em man gen, ind

© ÖBF

Franz Gschiegl mit erlaubt em Doping vor dem Vienna City Mar athon.

Fitnessstudio in der neuen Wiener Zentrale von Schönherr Rechtsanwälte.

eine Abkürzung“. Und er hat sein Zeit-

meiner Kräfte, noch im Zirkel zu Höchst-

Und weil das Diktat der Zeit auch sie

management radikal umgestellt.

leistungen motiviert, dann geht das nur

nicht locker ließ, hat sie mit ihrem Mann

mit reiner Willensstärke, da bewegt sich

vor wenigen Jahren im selben Haus eine

Zeit und Willensstärke

nur mehr der Geist, nicht der Körper“,

kleine Wohnung dazugenommen und

„Eines der gerechtesten Dinge auf der

erklärt Kobza, warum ihm gerade dieses

ein eigenes feines Fitnessstudio samt

Welt ist die Tatsache, dass jeder nur 24

Training neben dem ein- bis zweimali-

Sauna eingerichtet. „Entgegen allen Un-

Stunden pro Tag zur Verfügung hat“,

gen Laufen pro Woche gar so viel gibt.

kenrufe nutzen wir das wirklich regel-

sagt Gschiegl. Ausschlaggebend sei, was

Ohne Bewegung kann auch Karin Keg-

mäßig, gemeinsam, mit Musik oder ei-

man daraus mache. Auch Rudi Kobza,

levich-Lauringer, die geschäftsführende

ner guten Doku im Fernsehen“, berich-

Geschäftsführer der Lowe GGK Werbe-

Gesellschafterin der auf Wirtschafts- und

tet Keglevich-Lauringer über ihr Wohl-

agentur und Gründer der Kobza-Media-

Finanzkunden spezialisierten PR- und

fühlerlebnis. Es sei ja erwiesen, dass Be-

Gruppe, ist sich bewusst, dass Zeit zu ei-

Lobbying-Agentur Special Public Affairs,

wegung durch den vermehrten Sauer-

nem der kostbarsten Güter geworden ist.

nicht. Die ehemalige Leistungssportlerin

stoffverbrauch den Kopf freimache und

Deswegen empfindet er die Stunde, die

mit Meistertiteln im Gerätefünfkampf,

das Herz stärke.

er wöchentlich mit seinem 17-jährigen

im 60-Meter-Hürdenlauf und im Was-

Sohn trainiert, als Geschenk. Vor zwei

serski, entschied sich zwar alsbald für

Motivation

Jahren ist der seit Jugend an begeister-

den Beruf, brauchte aber stets den sport-

Die Zeit ist tatsächlich das meistgenann-

te Hobbysportler während eines Urlaubs

lichen Ausgleich zum Alltag. „Als dann

te Killerargument. Kein Wunder, dass

auf Thaiboxen gestoßen, das er seither

meine Knie gemeint haben, wenn du jetzt

Unternehmen immer öfter gerade die

mit dem Profi Fadi Merza perfektioniert.

weiterhin zehn Kilometer läufst, wird das

Übersiedlung in neue Büroräumlichkei-

Daran fasziniert ihn, dass „du das aus der

eher blöd für uns ausgehen, und ich ein-

ten zur Einrichtung eines firmen­eigenen

Ruhe heraus machen musst, denn sobald

mal im Rücken operiert werden musste

Fitnessstudios nutzen.

du hektisch herumtust, geht gar nichts

und mehrere Bandscheibenvorfälle hat-

Mit Effekt, wie Andreas Wimmer,

mehr“. Dazu brauche es Körperstabili-

te, habe ich mich mehr auf das Training

Vorstand der C-Quadrat Kapitalanlage

tät und Körperspannung, um der Gefahr,

im Fitnessstudio verlegt und gegen jede

AG, berichtet: „Das war 2014 die bes-

zurückgedrängt zu werden, leichtfüßig

orthopädische Indikation mit dem Golf-

te Investition in Mitarbeitermotivation,

zu begegnen und nach vorn zu drängen.

spielen angefangen, das mir interessan-

die wir jemals hatten.“ Vor allem, weil

Die Brücke zum Beruf ist leicht geschla-

terweise guttut.“ Was wohl dem jahre-

man plötzlich zwei-, dreimal in der Wo-

gen: „Auch hier musst du Ruhe bewah-

langen Aufbau eines soliden Muskelkor-

che mit Kollegen zusammenkomme, die

ren, darfst dich nicht ablenken lassen,

setts zu danken ist, das freilich weiter-

man auf eine neue Art kennenlernt, und

musst einen klaren Gedanken haben und

hin zu trainieren ist: „Ich habe zwar rund

auch Geschäftliches in einem anderen

vorausdenkend und offensiv agieren.“

eineinhalb Jahre gebraucht, bis ich mich

Zusammenhang gesehen werde. „Das

Und letztlich das Beste aus dir heraus-

daran gewöhnt habe, aber mittlerweile

fördert den Teamgeist und stärkt das

holen: „Wenn Fadi mich nach dem aus-

turne ich täglich völlig automatisch mei-

Zusammengehörigkeitsgefühl“, ergänzt

powernden Training im Ring, am Ende

ne Viertelstunde in der Früh.“

C-Quadrat-Gründer und -Vorstand Ale-

78


SEITENBLICKE

xander Schütz. Obendrein könne man

ckend sei, dass sich die städtische Jugend

tig positiv ist, wo doch externe Impulse

psychischen Belastungen mit Ausdau-

zu 50 Prozent schlechter bewege als frü-

wie Strom auch verschiedene Krankhei-

ertraining bestens begegnen: „Körperli-

her: „Die Kinder sind zurzeit ein Desas-

ten auslösen könnten, müsse jedenfalls

che Anstrengung löst den Geist und för-

ter. Es fehlt ihnen die Basis, sie springen,

noch beobachtet werden.

dert die Kreativität.“

werfen, klettern nicht mehr, haben eine

Vielversprechender ist das altbewähr-

Auch Schönherr Rechtsanwälte haben

schlechte Körperhaltung und oft eine fal-

te Yoga- respektive das neuere Pilates-

in ihren neuen Räumlichkeiten auf der

sche Kopfposition.“ Urtümliche Bewe-

Training und die noch junge CrossFit-Be-

historischen Wiener Ringstraße die Gele-

gungsmuster wie Rollen, Knien, Stehen

wegung: Ihnen gemein ist der ganzheitli-

genheit genutzt, ihren rund 240 Juristen

müssten neu erlernt werden. Der Fluch

che Ansatz. Beim jahrtausendealten Yoga

und nichtjuristischen Mitarbeitern ein

seien Haltungsschäden, weil in jeder Al-

steht die Symbiose von Geist und Körper

professionelles Fitnessambiente zu lie-

tersgruppe alle zu viel sitzen, vor dem

im Fokus. Zudem gilt Yoga als bester Ein-

fern mit jeder Menge Cardio- und Kraft-

Computer, dem Fernseher, dem Handy.

stieg für richtiges Atmen, das Gould oft

geräten sowie regelmäßigen Gruppen-

Weshalb Functional Training, einer

schon bei Jugendlichen vermisst, und sei

stunden. Damit wurden selbst Fitness-

der jüngeren Fitnesstrends, durchaus zu

gemäß jüngster, wissenschaftlicher Er-

studioskeptiker wie Partner Martin Ebner

begrüßen ist: Im Gegensatz zum gezielten

kenntnisse auch für das punktuelle Fas-

animiert, zweimal in der Woche zu trai-

Gerätetraining geht es hier um Muskel-

zientraining bestens geeignet, wie Scar-

nieren: „Die unmittelbare Nähe ist ein

gruppen und ein intelligent strukturier-

lata ergänzt. Bei CrossFit, das Übungen

unschlagbares Argument.“ Dabei stärke

tes Training des ganzen Körpers mit klei-

aus dem klassischen Dreikampf und Ge-

das gemeinsame Schwitzen nicht nur die

nen Geräten wie Kugelhanteln („kett-

wichtheben modernisiert und gruppen-

Gesundheit, sondern auch das Durchhal-

lebells“), Medizinbällen oder „Schlin-

dynamisch umsetzt, ist allerdings Vor-

tevermögen und die geistige Kondition.

gensystemen wie dem schwarz-gelben

sicht geboten, wie die Verletzungsstatis-

Christian Baha, Gründer und Eigentü-

TRX-Band, wo man mit seinem eigenen

tik von über 50 Prozent zeigt: „Die Übun-

mer des auf selbstentwickelte und voll-

Körpergewicht trainiert und nach einer

gen müssen präzis angeleitet und Rege-

automatisierte Computersysteme spe-

entsprechenden Einführung kaum etwas

nerationszeiten genau eingehalten wer-

zialisierten Asset-Manager Superfund,

falsch machen kann“, so Scarlata.

den“, warnt Scarlata.

bietet bereits seit 2004 seinen Mitarbei-

Das gilt allerdings nicht für die seit

tern einen professionellen Fitnessraum

gut einem Jahrzehnt populäre Power-

Managementlehren

zur Nutzung an, in der Wiener Zentrale

Plate, jenem praktischen Fitnessgerät,

In Summe bieten Sport und Bewegung

steht sogar ein Mitarbeiter und ehemals

das durch multidimensionale Vibratio-

jedenfalls eine gute Basis für das Berufs-

professioneller Trainer mit Rat und Tat

nen die Muskelkontraktionen im Kör-

leben, meint der ehemalige Leistungs-

zur Verfügung.

per bei den einzelnen Übungen maxi-

sportler Scarlata: Man lernt, was Ausdau-

mal aktiviert: „Es gibt eine extrem lange

er und Hartnäckigkeit wirklich bedeu-

Trends

Liste an Kontraindikationen“, berichten

ten, was es heißt, ein Ziel zu fokussieren

Klar muss sein: Den schnellen Trainings-

Gould und Scarlata. Kein Wunder also,

und darauf hinzuarbeiten, Rückschläge

erfolg gibt es nicht. Die Superfigur inner-

dass jeweils nur ein Gerät in den Studios

einzustecken und sich dann zu überle-

halb weniger Wochen schafft man mit

und zwar nach eingehender Beratung zur

gen, wie man sich für das nächste Mal so

keinem Fitnessgerät. Nicht von ungefähr

Verfügung steht. Um Verletzungen vor-

vorbereitet, dass man keine Niederlage

werde fast jedes Produkt in Kombination

zubeugen, sei es essenziell, über die ei-

mehr einstecken muss. Eigentlich nichts

mit einem vernünftigen Ernährungspro-

gene Bewegungskompetenz Bescheid zu

anderes, als sich auf sich selbst zu besin-

gramm verkauft, relativiert Nick Gould,

wissen, betont Gould: kein Training ohne

nen und mit der Selbstwahrnehmung ein

sportlicher Leiter der Manhattan Fit-

vorherigen medizinischen Check-up.

größeres Selbstbewusstsein zu erlangen.

nessanlagen in Wien, die Verheißungen

Abwartend zeigen sich die beiden

Denn es „könnte passieren, dass man

der noch jungen Fitnessindustrie: „Wer

auch bei dem noch vor rund drei Jahren

draufkommt, dass nicht nur die anderen

bei seiner Ernährung gesunde Akzente

so gehypten EMS-Training, der elektri-

für die eigene Glückseligkeit verantwort-

setzt, ist immer erfolgreich, weil er so-

schen Muskelstimulation. „Für thera-

lich sind“, so Keglevich-Lauringer. Dazu

wieso abnimmt.“ Beim Thema Fitness

peutische Zwecke im Fall, dass man ein

gehöre auch die Erkenntnis, dass ohne

geht es um weit mehr als um das zuwei-

Gelenk wie das Knie nicht bewegen kann,

einen gewissen Egoismus so manches

len beliebte Bodystyling. „Ich arbeite seit

unterschreibe ich das sofort“, zollt Scar-

unrealisierbar bleibt, ergänzt Gschiegl:

mehr als 25 Jahren in der Fitnessindus-

lata der Grundidee seinen Respekt. Ob

„Der Ehrgeiz treibt einen an, besser zu

trie und seit gut 20 Jahren auch mit Ju-

ein mehrjähriges Training für gesunde

werden, die kleine Portion Egoismus

gendlichen“, erzählt Gould. Erschre-

Personen allerdings tatsächlich nachhal-

hilft, über seine Grenzen zu gehen.“ n

79


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BÖRSENTALK

BRAUCHEN WIR KAPITALMARKTWENDE? AKTIENFORUM PODIUMSDISKUSSION 19. OKTOBER 2015 HAUS DER INDUSTRIE, WIEN

Beim Aktienforum wurde unter dem Titel „Braucht Österreich eine Kapitalmarktwende?“ auf einem gut besetzten Podium diskutiert. Darunter Robert Ottel (Aktienforum, Voestalpine AG), Fritz Mostböck (Erste Group AG), Kai Jan Krainer (SPÖ) und Andreas Zakostelsky (ÖVP). Beinahe einig war man sich, dass statt von einer Kapitalmarktwende von Neustart gesprochen werden sollte.

Politikberater Thomas Hofer moderierte, und Robert Ottel (Aktienforum, Voestalpine AG), Andreas Zakostelsky (ÖVP), Kai Jan Krainer (SPÖ) und Fritz Mostböck (Erste Group AG) diskutierten.

BEWERTUNG

Location Publikum Inhalt/Redner Börsenfaktor

Der Präsident des Aktienforums Robert Ottel (Voestalpine AG) bei seinen Begrüßungsworten.

150 Gäste folgten der Einladung. Nach dem offiziellen Teil ließ man den ­anregenden und spannenden Abend im Haus der ­Industrie ausklingen.

PROMINENTER ENERGIEDIALOG

OMV AG OMV ENERGIEDIALOG Gerhard Schröder (deutscher Bundeskanzler a. D.) betonte, dass Russland eine zentrale ­Rolle bei der Frage, wie Euro­ päer ihre Energieversorgung ­sichern könnten, spielt.

09. NOVEMBER 2015 GROSSER REDOUTENSAAL, HOFBURG WIEN

Bei einem Energie-Gespräch zwischen Generaldirektor Rainer Seele (OMV AG) und Gerhard Schröder (Bundeskanzler a. D.) wurde über die Perspektiven und Herausforderungen in der europäischen und internationalen Energiebranche diskutiert.

BEWERTUNG

Location Publikum 350 Gäste waren zu Gast, als die beiden Redner von der enormen Wichtigkeit eines guten europäisch-russischen Verhältnisses sprachen.

Rainer Seele (OMV AG) und Gerhard Schröder (Bundeskanzler a. D.) betonten, wie wichtig Norwegen und Russland als verlässliche Energiepartner sind.

80

Inhalt/Redner Börsenfaktor


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ZUKUNFT DER FONDSBRANCHE

VÖIG SIEBENTE VÖIG-FONDSTAGE 22. OKTOBER 2015 KREMS

Hauptthema der siebenten VÖIG-Fondstage waren die Pensionsvorsorge und die Frage, wie die Finanzbranche im Niedrigzinsumfeld agieren soll. So bieten laut den Podiumsteilnehmern Fondsveranlagungen, obwohl trotz geopolitischer und konjunktureller Unsicherheiten die Volatilität an den Kapitalmärkten gestiegen ist, interessante Chancen. Heinz Bednar (VÖIG) erzählte, dass 41,4 Prozent des gesamten Fondsvolumens in gemischten Strategien veranlagt werden. Das Anleihensegment liege mit 44,8 Prozent nur noch knapp vorn.

Teilnehmer der Veranstaltung waren unter anderen die Die EU arbeite an einem europaweiten Pensionsfonds Geschäftsführer aller inländischen Verwaltungsgesell- namens PEP, erzählte Othmar Karas (MEP, Europä­ schaften sowie der Immo-Kapitalanlagegesellschaften. isches Parlament).

TREFFPUNKT BÖRSEPUNSCH

Der Innenhof der Wiener Börse wird jährlich zum weihnachtlichen Treffpunkt der Finanzbranche.

WIENER BÖRSE AG WIENER BÖRSEPUNSCH 26. NOVEMBER 2015 WIENER BÖRSE, WIEN

Die Wiener Börse lud Ende November zum traditionellen Börsepunsch in den Innenhof des Palais Caprara-Geymüller ein. Über 450 Gäste, darunter Wilhelm Celeda (Raiffeisen Centrobank AG) und Wilhelm Rasinger (IVA), tranken Punsch und aßen Kässpätzle.

Michael Buhl (Wiener Börse AG) und Herbert Stepic ­(ehemals RBI AG) genossen den Abend bei einem Häferl Punsch.

BEWERTUNG

Location Publikum Inhalt/Redner Birgit Kuras (Wiener Börse AG) zog gemeinsam mit ­Initiatoren der Integrationsinitiative Start die Tombolalose.

Birgit Kuras (Wiener Börse AG) mit Christian Jauk ­(Capital Bank Grawe Gruppe AG), dem der Punsch ­sichtlich schmeckt.

81

Börsenfaktor


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PORTRÄT

ZEHN FRAGEN AN GERALD MORITZ

Welche Eigenschaften haben Sie dorthin gebracht, wo Sie heute sind? – Zielorientierung, Kreativität, konsequente Arbeit, aber auch Glück. Welchen Beruf würden Sie ausüben, wenn Sie nicht in der Finanzbranche tätig wären? – Als Jugendlicher war mein Traumberuf Architekt. Von welchen Quellen beziehen Sie Ihre Fachinformationen? – Aus Fachzeitschriften, Fachliteratur und aus dem persönlichen Netzwerk. Welchen Teil lesen Sie in Ihrer Zeitung als ersten? – Politik, gefolgt von Wirtschaft. Wenn ich nicht gerade arbeite, verbringe ich meine Zeit am liebsten mit? – Mit meiner Familie, Reisen, und sollte dann noch Zeit übrig sein, mit Sport. Bei welchem Investment haben Sie sich richtig verzockt? – Timing beim Verkauf von amerikanischen Aktien, wenige Stunden vor der Umsetzung wurde ein Merger mit unmittelbarer negativer Auswirkung auf den Kurs öffentlich gemacht. Welches Vorurteil gegenüber dem Kapitalmarkt ärgert Sie

ST

LESERPO

am meisten? – Dass mit nur Einzeltiteln der beste Ge-

n@ redaktio m n ia er.co derboers

sprechende Diversifikation geachtet wird.

winn erzielt werden kann und daher nicht auf eine ent-

Was assoziieren Sie mit Gordon Gekko und dem Film „Wall Street“? - Gier ist ungesund und ein sehr schlechter Ratgeber.

GERALD MORITZ GESCHÄFTSFÜHRENDER GESELLSCHAFTER MORITZ CONSULTING Gerald Moritz war Geschäftsführer von Mercer Austria und Towers Watson Austria. Vor drei Jahren machte sich der studierte Rechtswissenschaftler selbstständig und gründete Moritz Consulting. Das Unternehmen berät nationale und multinationale Unternehmen im Bereich der Betrieblichen Altersvorsorge und Compensation. Er spricht regelmäßig bei internationalen Konferenzen und ist Gastlektor im Bereich der Betrieblichen Altersvorsorge in Österreich.

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Dieser Investor ist für mich eine Legende? - Benjamin Graham, als Begründer des Value Investings und der frühen Berücksichtigung des Einflusses der menschlichen Psychologie auf Aktienmärkte. Champagner und Austern oder „a Eitrige und a 16erBlech“? – A Eitrige und a 16er-Blech am Hohen Markt in Wien mit Freunden.

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Die nächste Ausgabe erscheint um den 11. April822016. Bis dahin täglich: www.derboersianer.com


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DerBörsianer 12. Ausgabe, Q1 2016  

Das Fachmagazin für den österreichischen Kapitalmarkt

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