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Andreas Raas

Von ländlicher Geborgenheit in die Neuzeit Interpretationen von Bildern aus Wängener Fotoalben Wängener Heft 3


Inhalt

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Drei gute Gründe, dieses Buch zu schreiben (Vorwort des Autors)

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Der Grütbauer als höchster Schweizer

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«Ja, es war eine goldene Zeit, der Anfang dieses Jahrhunderts»

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Landwirtschaft und Heimarbeit, Schifflistickerei

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Übersichten

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Das Ortsbild

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Güterzusammenlegung

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Ackerbau, Reben, Obst

71

Viehzucht und Milchwirtschaft

93

Aus dem Umfeld der Landwirtschaft

113

Lebensart, Kultur

142

Schwere Zeiten

158

Kinder, Familien, Schulen

172

Die Hoepli-Familie

176

Anhang

Umschlagbild Der Bauer Jakob Hörnlimann fährt am Säntisblick vorbei zurück auf seinen Hof, etwa 1930. (Foto Alfred Hörnlimann)


Drei gute Gründe, dieses Büchlein zu schaffen Im Jahr 2005 rief Ruedi Götz die Wängener auf, die liebsten Bilder aus ihren Fotoalben für eine Ausstellung im Ortsmuseum einzureichen. Da war es spannend zu sehen, was als erinnerungswürdig betrachtet wurde, einerseits von denen, welche die über 500 eingereichten Fotos gemacht hatten, und andrerseits von denen, welche sie aufbewahrten. So ist eine ganz zufällige Sammlung zustande gekommen, die einen Historiker zur Verzweiflung bringen müsste, wurden doch hauptsächlich Amateuraufnahmen des bäuerlichen Lebens und einzelner zusammenhangloser Episoden eingereicht, in der Regel ohne Andreas Raas Kommentar. Die meisten sind zwischen Zitat aus der Operette «Die blaue Mazur» von Franz Lehár 1900 und 1950 entstanden, was einen Zeitrahmen ergibt, den wir allerdings gelegentlich Die für die Publikation ausgewählten Fotos wurüberschreiten. den inhaltlich gegliedert und zur Abrundung ergänzt Wer noch persönliche Erinnerungen an diese Epoche hat, stellt wohl mit Bildern aus dem Ortsmuseum und den privaten mit Erstaunen, vielleicht mit Entsetzen fest, wie weit wir bereits davon Sammlungen von Andreas Raas und Ruedi Götz. entfernt sind. Dieser übernahm auch die fachmännische Bearbeitung der Fotos, ausserdem bereicherte er das Buch Hansjörg Walter, Grütbauer und schweizerischer Bauernpräsident, ist mit originellen Ideen und war dank seiner bäuerli2011 zum Nationalratspräsidenten, also in das höchste Amt der Eidchen Herkunft in landwirtschaftlichen Fragen ein genossenschaft, gewählt worden. Zu diesem einmaligen Ereignis in Wängis Geschichte ergeben die Bilder einen angemessenen idealer Ratgeber. Hintergrund. Schliesslich wurden die Aufnahmen von Ueli Die Söhne und Töchter des 2009 verstorbenen Gottlieb Höppli haben Mattenberger digital aufbereitet und optimiert, ohne im Gedenken an ihren Vater die Finanzierung dieses «Bauernspiegels» ihnen den besonderen Charme der historischen Bilübernommen. Ein kurzes Kapitel widmet sich dem Leben dieses der zu nehmen. Viele Fotos sind Kunstwerke, auch angesehenen Bauern und Politikers. wenn sie technische Mängel aufweisen.

Das ist das Glück der alten Knaben, dass sie Erinnerungen haben.

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Von unschätzbarem Wert sind die in Wängi kaum bekannten Erinnerungen von Dr. Hermann Walder (1855 – 1931) und die Chronik des Bauern Emil Ammann (1893 – 1965). Diese werden als verlässliche Zeugen des frühen 20. Jahrhunderts wenn immer möglich im Wortlaut zitiert. Als weitere «einheimische» Quellen benützen wir dankbar die historischen Arbeiten von Johann Adam Pupikofer, Karl Tuchschmid, Dr. Louis Hürlimann, Otto Bischof-Weideli, Dr. Paul Pfaffhauser und Guido Stutz, ausserdem die persönlichen Erinnerungen von Conrad Ammann und Franz Josef Sager. Sehr brauchbare und detaillierte Angaben enthält auch Hans Bruggers «Geschichte der thurgauischen Landwirtschaft von 1835 bis 1935». Dr. Hermann Walder

Von den vielen Zeichnungen Johann Alfons Berkmüllers (1801 – 1879) haben wir in Erweiterung des Zeitrahmens einige wenige beigefügt. Man kann sich dem Zauber dieser Bleistiftskizzen nicht entziehen. Sie sind zwar realistisch, wirken aber wie aus der Realität in eine Sphäre romantischer Heiterkeit entrückt. Für den Rückgriff auf Originaldokumente ist wieder einmal zu erwähnen, mit welcher Bereitwilligkeit und Geschwindigkeit das thurgauische Staatsarchiv und die Kantonsbibliothek auf die Anliegen der Benützer eingehen. Den grössten Dank verdienen natürlich die Personen, welche die Fotos eingereicht haben. Gleichzeitig bitten wir um Verständnis dafür, dass viele Bilder nicht einbezogen werden konnten, sei es aus technischen Gründen oder weil sie nicht in den gewählten Zeitrahmen passten. November 2012 Andreas Raas

Emil Ammann

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Der Grütbauer als höchster Schweizer

Samuel Walter, Bürger von Löhningen SH, kam 1893 als Pächter auf den Greuthof und kaufte diesen 6 Jahre später. Der einsame Hof – ursprünglich im wechselnden Besitz der Klöster Magdenau, Fischingen und Tänikon – bestand neben Wohnhaus, Inventar, Vieh, Scheune und Schopf aus 9.9 ha Wiesland, 7.3 ha Ackerland, 0.2 ha Reben und 1.5 ha Wald und kostete 38 800 Franken. (Angaben nach Dr. Louis Hürlimann) 1985 übernahm Hansjörg in 4. Generation den Hof von seinem Vater Hans, der in Wängi u.a. als Präsident der Landwirtschaftlichen Genossenschaft und Schulpräsident eine bedeutende Rolle gespielt hatte und seinem Sohn die politische Laufbahn ermöglichte, indem er bei dessen häufigen Abwesenheiten zusammen mit Madeleine Walter die Bewirtschaftung des Hofes weit über sein Pensionsalter hinaus sicherstellte. Hansjörgs Grossonkel Emil war Ortsvorsteher von Anetswil und Gemeindeammann von Wängi gewesen.

Sulzbergerkarte von 1836

Der Greuthof, eine Zeichnung von Berkmüller, etwa 1860

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Empfang an der Pforte des Bundeshauses: Die strahlende Ehefrau Madeleine, Regierungsrätin Monika Knill und Regierungsrat Dr. Jakob Stark

Fahrt im Sonderzug nach Frauenfeld mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga (Fotos: Werner Heim)

Hansjörg selber hat praktisch alle Ämter durchlaufen, die einem begabten und unternehmungsfreudigen Bauern offen stehen: Schulpräsident, Gemeinderat, Kantonsrat, Nationalrat und Mitglied des Europarats. Die politische Tätigkeit verlief weitgehend parallel zu verschiedenen Einsätzen im finanzund landwirtschaftlichen Rahmen und gipfelte im Präsidium des Schweizerischen Bauernverbandes.

So wäre er 2008 wohl als Alternative zu den Hardlinern Blocher/Maurer Bundesrat geworden, hätte er das nicht durch seine eigene Stimmabgabe verhindert. Im Dezember 2011 wurde er mit einem Rekordergebnis zum Nationalratspräsidenten gewählt. Einer von seiner Partei gleichzeitig eingefädelten Intrige, die zu seiner Wahl als Bundesrat hätte führen sollen, folgte die Vereinigte Bundesversammlung jedoch nicht.

Seine allgemeine Popularität und die Wertschätzung des Nationalrats führten zu Ereignissen, wie sie selten ein Politiker in dieser Dichte erlebt.

Hansjörg Walter war der 10. Thurgauer, dem die Ehre zufiel, ein Jahr lang höchster Schweizer zu sein. 32 Jahre vorher war Hanspeter Fischer in dieses Amt gewählt worden. Der Kanton Thurgau und die Gemeinde Wängi feierten das Ereignis gebührend.

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Der Grütbauer als höchster Schweizer

Frage an Hansjörg Walter Ihrer politischen Tätigkeit verdankt das Dorf Wängi ehrenvolle Erwähnungen und einen hohen Bekanntheitsgrad. Was aber verdanken Sie dem Dorf Wängi? «Wängi ist auch meine politische Heimat. Es gibt sie, die Quereinsteiger in die Politik. Bei mir war das anders. Ich habe die sogenannte «Ochsentour» absolviert, d.h. ich habe klein begonnen und mich allmählich emporgearbeitet. In der Rückschau ist es nicht entscheidend, in welcher Liga man politisiert. Die Grundsätze sind überall dieselben. Man muss Ziele definieren und einfache, kommunizierbare Lösungen der Probleme suchen. Dazu muss immer Überzeugungsarbeit geleistet werden, im unmittelbaren Umfeld, in Kommissionen, Vorständen, bei Mitarbeitenden, Beteiligten und Betroffenen und vor allem bei den Entscheidungsträgern. Dieser Mechanismus spielt auf Vereins- und Gemeindeebene gleich wie auf Kantons- und Bundesebene. Wängi hat mir die ersten Erfahrungen ermöglicht. Dabei denke ich in erster Linie an all meine Kolleginnen und Kollegen, welche die Entscheidfindung in den Kommissionen kritisch hinterfragt und mitgeprägt haben. Persönlich hatte ich immer das sichere Gefühl, von der Bevölkerung unterstützt zu werden. Diese Gewissheit war sehr motivierend für das politische Weitermachen. Die Wängener Bevölkerung hat mir also sehr viel auf den politischen Weg mitgegeben.

Auftritte in der Kantonshauptstadt (Fotos: Mario Gaggioli)

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Der Grütbauer als höchster Schweizer

Eingebunden in diese politische Heimat, kann ich mit Kritik von politisch anders orientierten Personen und Medien gut umgehen, im Bewusstsein, dass zu Hause die Beurteilung oft positiver ausfällt, weil man sich persönlich näher steht und sich kennt. Dafür möchte ich an dieser Stelle allen herzlich danken.»

Fahrt durch die Kantonshauptstadt

Vor den Musikanten des «Alpenrösli», die den «Hansjörg Walter-Marsch» intonierten, übergibt Gemeindeammann Benno Storchenegger dem Nationalratspräsidenten die Partitur des Musikstücks.

Warmer, aber nasser Empfang in Wängi (Fotos: Mario Gaggioli)

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Der feierliche Griff zur präsidialen Glocke

An der Arbeit im Nationalratssaal (Fotos: Mario Gaggioli)

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Der Grütbauer als höchster Schweizer

Eine glückliche Familie Pascal, Christina, Hansjörg, Madeleine, Seraina

Internationale Begegnungen, hier mit Mohammed Ahmed Al Murr, dem Vorsitzenden des Councils of Dubai (die Details sind im Text des «Al Ittihad News Paper» vom 10.2.2012 leicht nachzulesen!) . . .

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. . . schon 3 Jahre vorher in Berlin geübt, mit dem Hackbrettkünstler Nicolas Senn, flankiert von Bundesrätin Doris Leuthart und dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer


«Ja, es war eine goldene Zeit, der Anfang dieses Jahrhunderts» Das schrieb der 1893 geborene Chronist Emil Ammann. Es war keine friedliche Zeit, aber wenigstens herrschte kein Krieg – in Europa. Der deutsch-französische Krieg lag schon 3 Jahrzehnte zurück. Weitere Jahre sollten vergehen bis zum italienisch-türkischen und dem anschliessenden Balkankrieg, und 1914 sollte der Krieg ausbrechen, den man den Weltkrieg und später den 1. Weltkrieg nannte. Die knapp 1700 Einwohner der Munizipalgemeinde Wängi bewegten sich weiter in das Zeitalter der Maschine und Elektrizität, während die Tradition bäuerlichen Brauchtums unmerklich dahinschwand. Neben der Landwirtschaft florierten Stickerei, Spinnerei, Weberei und Zwirnerei, die in 71 Hausbetrieben und 11 industriellen Anlagen betrieben wurden und zusätzlichen Verdienst brachten. Die grosse Spinnerei-Weberei beschäftigte etwa 50 Arbeiterinnen und Arbeiter, sollte sich jedoch nach dem grossen Brand von 1911 erst in den 30er Jahren wieder erholen. Die Maschinenfabrik stellte Tausende

Ein Inseratenblock in der Thurgauer Zeitung vom Juli 1904

von Schlepprechen und Heuwendern her. Schon 1899 hatte der Müllerei-Unternehmer Konrad Stücheli in Rosental ein Elektrizitätswerk gebaut. Seit 1887 konnte man Frauenfeld und Wil mit der Strassenbahn erreichen. Den Telegraphen gab es schon seit 1852, ein Telefonnetz mit 25 Anschlüssen seit 1896.

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«Ja, es war eine goldene Zeit, der Anfang dieses Jahrhunderts.»

Dorfschulhaus 1903 war das stattliche Dorfschulhaus errichtet worden. Das Vereinsleben erblühte: Innerhalb weniger Jahrzehnte waren die Kernvereine von Wängi entstanden. Bereits befasste man sich mit der Organisation der grossen Wilhelm Tell-Aufführungen des folgenden Jahres, die das Dorf in einen Taumel von vaterländischer Begeisterung versetzen sollten . . .

Vaterländischer Reigen der Oberstufenschüler bei der Schulhauseinweihung unter strenger Regie des Lehrers. Völkisches Denken und nationale Machtpolitik waren in den Anfängen des 20. Jahrhunderts in allen Ländern vorherrschend und bildeten schliesslich eine Hauptursache des 1. Weltkrieges. Dass es die Schweiz schaffte, sich aus den unheilvollen Bündnissystemen Europas mit ihrer verlogenen Diplomatie und aus dem mörderischen Wettlauf um die letzten Kolonien herauszuhalten, war wohl ihre Rettung. Ähnlich verhält es sich mit den geistigen Schleuderbewegungen, die für den Anfang des 20. Jahrhunderts typisch sind. Der Geschichtsphilosoph Philipp Bloom spricht von einer «richtungslosen Beschleunigung, als befände man sich in einem Zug, dessen Weichen nicht gestellt sind». Im Gegensatz dazu verloren die bäuerlich geprägten Dorfbewohner ihre

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Bodenhaftung nicht. Die Alltagssorgen und die heilsame Überlastung durch mühsame Arbeit bewahrten sie wohl vor philosophischen Schwindelgefühlen.


Landwirtschaft und Heimarbeit, Schifflistickerei Liste der Bauern im Haupt- oder Nebenberuf um 1900 im Dorf Wängi Nach einem Manuskript von Klara Fuhrer, Chüechligass (1925-2001) Links der Murg Ammann Arnold

Bischof, Pächter v. Stierlin, Chüechligass

Isenring Heinrich, Chüechligass

Bommer Johann, Vorsteher

Bommer Johann, gen. Schuhmacher Bommer

Isenring Ulrich und Jakob, Weinberg

Bosshard-Bürgi

Bommer Wilhelm, Maurer, Hinterdorf

Krähenmann Karl, Rest. Linde, Hinterdorf

Egli, Webermeister

Bommer, Zimmermann

Krapf, Metzgerei, Hinterdorf

Felix-Staub, hinter Rest. Sternen

Bommer-Brühwiler Aug., Händler, Hinterdorf

Leutenegger Benedikt, Hinterdorf

Fuchs

Bommer-Wirth Joh. Wängi

Meier Maximilian, beim Schäfli

Gehrig, Rest. Sonne

Bosshard, Handlung

Müller, Frohegg

Gnehm, Gabelmacher

Bruggmann, Friedensrichter Krone

Müller, Rest. Adler

Höpli Gottlieb, Rest. Schwert

Früh, Rest.Hirschen

Ruckstuhl, Nachtwächter, Kalkbühl

Kocherhans, Küfer

Fuchs Ferdinand, später Geschwister,Hinterd.

Schneider, Kalkbühl

Meier

Fuchs Ferdinand, Sticker, Hinterdorf

Spörri, Schuhmacher, Kalkbühl

Müller-Gnehm, Wagner

Fuchs-Balla..(?)

Stierlin, Weberei-Spinnerei, grosse Stallung

Schmid

Gamper, Akkordant, später Ritzi

Thalmann Geschwister, Schmiede

Rechts der Murg

Glatz-Peter Karl

Thalmann, Wagner

Ott, Schuhmacher

Gnehm Heinrich

Walder Dr., hatte 3 Pferde

alt Schuhmacher Krämer-Bommer

Gnehm Ulrich, Förster und Mesmer

Widmer, Kalkbühl

Ammann Heinrich, Weibel, Hinterdorf

Gnehm-Gubler, Schuhmacher, Chüechligass

Windler, Schreiner, Hinterdorf

Ammann, Rest. Schäfli

Horb, Spenglerei

Wirth, Kalkbühl

Ammann, Briefträger, Chüechligass

Horber, Maurermeister, Chüechligass

Wismer Geschwister

In der Volkszählung von 1900 zählte die Ortsgemeinde Wängi, zu der auch Hunzikon-Rosental und Möriswang gehörten, 887 Einwohner, die in 166 Häusern lebten. Im engeren Dorf Wängi, auf das sich die Bauernliste bezieht, könnte man etwa 600 Einwohner annehmen. Damals waren im Dorf noch 34 Handsticker als Heimarbeiter tätig. Im Gegensatz zur Baumwoll-Handweberei, die im 19. Jahrhundert

vorherrschte und in ungesunden feuchten Webkellern erfolgte, konnte die Stickerei bei vollem Tageslicht durchgeführt werden. Eine Steigerung brachte die Handstickmaschine, die 1500 bis 3000 Franken kostete und in Nebenstuben und kleinen Anbauten Platz fand.

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Landwirtschaft und Heimarbeit, Schifflistickerei

Emil Ammann Ja, diese Handstickerei muss eine schöne Heimarbeit gewesen sein. Sie brachte einen schönen Nebenverdienst oder eine Ausfüllarbeit zu einer kleinen Landwirtschaft. Als Buben haben wir manchmal dem alten Christian Wanner zugeschaut, wie er, auf einem hohen Stuhl sitzend, mit der linken Hand den Pantographen führte und mit der rechten mit einer Handkurbel den Wagen hin und her rollte. Wir sahen auch, wie seine Frau die Nadel putzte oder wie die Fädelmaschine das Einund Ausfädeln besorgte – eine wahre Zaubermaschine. Doch auch diese Heimarbeit wurde überholt durch den Einzug der Schifflistickerei. Die ersten Schifflistickmaschinen 5 Yard standen 1898 in Eggetsbühl bei Joh. Bruggmann-Kappeler. Im Jahre 1900 entstand die Schifflistickerei Bruggmann in Eggetsbühl mit 6 und 6¾ Yard-Maschinen, die Schifflistickerei Karl Krähenmann in Wängi 1903, zwei Jahre später folgte diejenige in Lachen 10 Yard und Stutz in Heiterschen, später die von Krähenmann, Heiterschen, die Aktienstickerei Wängi 1906, ebenso Knecht & Co, desgleichen die Schifflistickereien in Krillberg und Rosental. Diese Industrie brachte Vollbeschäftigung und Verdienst. Im

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ersten Jahrzehnt ging es sehr gut und noch war die gute alte Zeit. Aus den offenen Fenstern erklangen neben dem Geräusch der Maschinen die schönsten Lieder und Weisen, gesungen oder gepfiffen, manchmal von der ganzen Belegschaft, besonders wenn der Stickermeister nicht zugegen war. Meine Schwestern arbeiteten vorab in der Nachstickerei, auch dort ging es meistens fröhlich zu. – Ja, es war eine goldene Zeit, der Anfang dieses Jahrhunderts. Weil es den Stickern so gut ging, hatte es zu jener Zeit so viele Wirtschaften im Dorf. Mit 1920 begann die schwere Krise der Stickerei, denn es war eine Modeindustrie. Vor 50 oder 60 Jahren hätte das niemand geträumt, und der Niedergang war vielfach schwer und schmerzlich. Heute (1962) steht keine einzige Schifflistickmaschine mehr in unserer Gemeinde, aber auch keine Handstickmaschine.


Ăœbersichten

Postkarte von 1904 1 Schloss Sonnenberg 2 Maschinenfabrik 3 Murgschulhaus, 4 Schlossberg 5 Spinnerei 6 Wartheim 7 Armenanstalt Neuhaus 8 Kirche

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Wängi, nach 1910 Ganz im Vordergrund das eben erbaute Schützenhaus. Wegen der Autobahn musste 1967 mit einem Nationalstrassenbeitrag von Fr. 220 000 eine neue Anlage in Salen/Tuttwil gebaut werden. Statt des Schützenhauses stünde hier der Bahnhof, wenn die Linie Wil-Winterthur über Wängi geführt worden wäre.

Kirchenquartier vor 1928 Im Vordergrund links die Maschinenfabrik, rechts daneben (aber am rechten Murgufer) das 1869 erbaute Murgschulhaus, das 2009 verkauft, abgebrochen und durch eine Immobilie mit 10 Wohnungen ersetzt wurde. Hinter dem Schulhaus, teilweise verdeckt, die Riloga. Ganz im Hintergrund Kalthäusern am Südhang des Immenbergs.

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Die Flugaufnahme, etwa von 1935, belegt ein bescheidenes Wachstum des Dorfes, verglichen mit den vorangehenden Bildern. 1 Maschinenfabrik Gamper 2 Knecht & Co (?), später Teppichweberei Hobi 3 Aktenstickerei, später Riloga, Silga 4 Murgschulhaus 5 Dorfschulhaus

6 Schäfli und Bahnstation 7 Schlossberg 8 Burghügel des ehemaligen Toggenburgerschlosses 9 Weberei 10 Schützenhaus

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Landschaft Die Siedlungen am Tuttwilerberg, etwa 1935. Im Vordergrund Krillberg und links Obertuttwil an der alten Landstrasse, rechts in der Bildmitte Tuttwil mit dem markanten Schulhaus. In der Ebene der Herenloo-Wald mit der charakteristischen Schneise, weiter links Wittenwil. Im Hintergrund rechts Matzingen mit dem Silo und dem Kirchturm. Links anschliessend der bewaldete Murgdurchbruch Richtung Frauenfeld. Dahinter sind in der VergrĂśsserung die KirchtĂźrme von Frauenfeld zu erkennen.

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Flugaufnahme, etwa 1940 Leider sind Ansichtskarten selten datiert, damit sie möglichst lange verkauft werden können. Für die Datierung hilft hier das 1939 bezogene Gebäude der Raiffeisenbank, das dritte Gebäude an der Dorfstrasse (heute Ruch Treuhand). Vorher war die Bank im Postgebäude untergebracht. Die Berkmüllerstrasse ist geplant, aber erst im Ansatz gebaut.

Ausschnitt Links vorne erkennt man die Nordflanke der ehemaligen Burgstelle, wie auf Seite 15 eingezeichnet. Hier geschah am 12. Dezember 1226 der «Toggenburger Mord»: Graf Diethelm III. liess seinen jüngeren Bruder Friedrich töten. Damit war das Vordringen der Toggenburger in den Thurgau gescheitert. Der unglückliche Vater der beiden Brüder schenkte die Herrschaft Wengi dem Abt von St. Gallen, als Sühne der Bluttat und als Dank für die Beisetzung des Ermordeten im Kloster.

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Flugaufnahme von Nordosten Links in der Bildmitte ganz neu die 1953 eingeweihte Steinler-Schulanlage. Wängi ist immer noch ein Strassendorf. Die Zwischenflächen werden erst später überbaut, zuerst der Brühl hinter der Kirche, wo der Gemeinderat 1972 sogar einen Augenschein wegen eines geplanten Hochhauses vornehmen muss, wie Gemeindeammann Fritz Horber in seinen Notizen vermerkt. Die Überbauung der Flächen folgt einem Gestaltungsplan. Dieser regelt jedoch primär die Erschliessung und die Lage der einzelnen Parzellen und bietet offensichtlich keine Handhabe gegen die Häufung architektonischer Fehlleistungen, die das Dorfbild verschandeln.

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An der kürzlich gebauten Berkmüllerstrasse hat die Weberei die ersten Wohnblöcke für ihre Belegschaft errichtet. Der Dammbühl – eigentlich Tannbühl – ist noch ohne Überbauung. An seinem Abhang auf der rechten Seite der Steinlerstrasse war in den 1950er Jahren der Bau der katholischen Kirche vorgesehen. Der Plan zerschlug sich, weil das Grundstück von privater Seite rechtzeitig weggeschnappt wurde.

Übersicht 1962 Die genaue Datierung ergibt sich aus den Neubauten: der von Karl Lüthi erbaute Wohnblock im Weidli und das Volg-Gebäude an der Murgstrasse, ebenso der Anbau der Weberei. Die Wilerstrasse, rechts unten im Bild, zwängt sich noch durch die enge Kurve zwischen der Weberei und dem «Stierlinhaus», die erst 1977 nach dem Abbruch der ehemaligen Villa verbreitert wird.

Stierlinhaus Im Stierlinhaus – häufig als «Herrenhaus» bezeichnet – mit seinem schönen Garten war 1923 der erste Kindergarten von Wängi untergebracht, geführt von der 20-jährigen Dora Kappeler.

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Der zentrale Platz im Jahre 1860 . . .

Das Ortsbild Wo sich heute die Verkehrsströme um den grossen Kreisel schlängeln, befand sich früher das Zentrum des Dorfes mit dem markanten Gasthof Schäfli. Der Zeichner Johann Alfons Berkmüller (1802 – 79) hat die Lebendigkeit des Platzes etwa um 1860 für die Nachwelt festgehalten. Rechts im Hintergrund ist die Spinnerei Stierlin & Joos sichtbar, wo Berkmüller als Buchhalter arbeitete. Die Fabrik fiel 1911 einem Brand zum Opfer. Links fährt gerade die zweispännige Postkutsche von Frauenfeld her ein. Die Postämter Zürich, St. Gallen, Thurgau und Schaffhausen hatten 1827 vereinbart, eine Kutsche dreimal wöchentlich von Schaffhausen über Frauenfeld nach St. Gallen hin- und hergehen zu lassen. Den Weg über das Dorf Wängi konnte sie allerdings erst nehmen, nachdem 1842 nach der Sanierung des ständig überschwemmten Murgtals die Strasse WängiMünchwilen erbaut worden war. Beim uniformierten Reiter handelt es sich vielleicht um einen der zahlreichen Kuriere, die diplomatische Post von Wien über St. Gallen nach Paris beförderten und die Strecke Wil-Winterthur in 3 Stunden zurücklegen mussten.

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Was ein moderner Zeichner eher wegliesse, wird von Berkmüller mit besonderer Treue wiedergegeben: Telegraphendrähte und Blitzableiter – die Kennzeichen einer fortschrittlichen Gemeinde. Die erste Telegraphenlinie in der Ostschweiz war 1852 von Winterthur über Frauenfeld-Münchwilen nach St. Gallen gebaut worden, 2 Jahre später nach Romanshorn und weiter durch ein Unterwasserkabel nach Friedrichshafen.


. . . und 60 Jahre später

Derselbe Platz im Jahre 1920, anlässlich der Installation von Pfarrer Edgar Merz. Die wuchtige Linde in der Gartenwirtschaft wirft ihren Abendschatten weit über den Platz und das Gasthaus. Die beiden Automobile – das hintere steht links auf der Brückenwaage – finden mindestens so viel Beachtung wie der neue Pfarrer. Links am Schäfli angebaut befindet sich über einem Coiffeurgeschäft der Saal mit Bühne, wo bis in die 70er Jahre die Gemeindeversammlungen, Vereinsanlässe und grösseren Feiern stattfanden. Jetzt sind die Fenster weit geöffnet und der Saal ist für die geladenen Gäste und die auftretenden Vereine festlich herausgeputzt. Das Schäfli ist bekannt für seine gute Küche. Ein Schild am Wirtshaus weist auf die Billettausgabe für die FrauenfeldWil-Bahn hin, die in diesem Jahr noch mit vier altersschwachen Dampflokomotiven und einer Geschwindigkeit von 7 bis 20 km/h fährt.

Würde ein katholischer Pfarrer eingesetzt, so fände der Anlass in der «Linde» statt, die ebenfalls über einen Saal und eine gute Küche verfügt. Das Oberdorf gilt als katholisch, das Unterdorf als evangelisch. Das wissen noch die sehr alten Wängener, die als Jungen an den Prügeleien mitgewirkt haben, die an der Grenze zwischen den beiden Konfessionen stattfanden, nämlich dort, wo der Imbach die Dorfstrasse unterquert.

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Das Ortsbild

Schäfliplatz, Postkarte, 1916 verwendet Bemerkenswert sind hier nicht nur die Gebäude, sondern auch die Personen, vor allem die malerisch quer über die Frauenfelderstrasse postierten Kinder, daneben auch der bereits mit Fahrrad ausgerüstete Postbote. Fotografiert werden war damals noch ein Ereignis. Auf der Karte teilt übrigens Frau Schweizer-Rechsteiner der «Werthen Frau Graber» in St. Gallen mit, dass es in Wängi sehr langweilig sei.

Schäfliplatz, farbige Postkarte, 1939 verwendet. Das Restaurant ist frisch verputzt, um neben dem durch eine Schalterhalle erweiterten und renovierten Bahnhof bestehen zu können. Noch stehen die Eisenstangen zum Anbinden der Pferde. In der Luft wimmelt es von Drähten. Rechts vom Bedienungskasten der Brückenwaage ist die Benzintanksäule – lange Zeit die einzige in Wängi – knapp zu sehen. Das Tanken war eine Prozedur. Zuerst wurde das Benzin aus dem Bodentank von Hand in zwei Schaugläser von je 5 Litern heraufgepumpt, damit der Kunde sah, was er bekam. Dann wurden die Schaugläser in den Tank des Autos entleert. Auf dem Postgebäude ist der Turmaufbau zu sehen, von dem die Telefondrähte zu den Abonnenten geführt werden. Ein Leiterraster befindet sich auch auf dem Dach des Gasthauses.

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Das Ortsbild

Die Bahn Emil Ammann Natürlich, wenn dann das Zügli kam, dann mussten wir ausweichen. Uns Buben machte der Choli grossen Eindruck, und wer hätte nicht den Wunsch gehabt, Lokführer oder Heizer zu werden. Dagegen sind wir, etwa ein ganzes Dutzend mit ihm um die Wette gerannt, doch meist blieb der Choli Sieger.

Wohl die früheste Ansicht der Station Wängi 1853 lehnte die Nordostbahn das Projekt Wil-WängiFrauenfeld nach Winterthur wegen zu starken Steigungen ab und wählte die Route über Eschlikon-Aadorf, die 2 Jahre später eröffnet wurde. Die Strassenbahn Wil-Frauenfeld entstand 1887 nach 4 ½ -monatiger Bauzeit. Aufsicht über sämtliche Stationen führte der Wängener Adam Ammann als Stationsvorstand von Frauenfeld. Wängi stimmte als erste Gemeinde der Elektrifizierung zu, die 1921 erfolgte. Postkarte etwa 1910 Sie zeigt die Bahnstation, dahinter das Schäfli. Links die Bäume der Schäfli-Gartenwirtschaft. Die flinke Serviertochter, die das Bier über die Strasse heranbrachte, trug wohl nicht zur Verkehrssicherheit bei.

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Aus Alt mach Neu Folgt man der Strasse Richtung Münchwilen, so sieht man nach der Einmündung des Wuhrhaldenwegs ein schön ausgebautes Wohnhaus, dessen Urform auf diesem Foto noch erkennbar ist. Hier zeigt sich die letzte Erinnerung an das Barackenlager, in dem nach dem Brand von Glarus, 1861, der über 500 Häuser vernichtete, die Obdachlosen untergebracht wurden. Nach dem Wiederaufbau der Stadt wurde das Lager aufgehoben und die Baracken konnten günstig erworben werden. Der Spinnereifabrikant Stierlin erwarb zwei oder drei davon für seine Arbeiter und platzierte sie malerisch an den Hang des Lederhölzli. 1943 baute die Weberei daneben die Wohnsiedlung des «Schilten-Achti».

Der Stationsvorstand Ulrich Stutz in Rosental Als Kondukteur verlor er sein Bein beim Rangieren. An einen weiteren derartigen Unfall, den Nelly Hänni als Kind miterlebte, erinnert sie sich heute noch mit Schrecken. Dr. Walder berichtet von einem 3-jährigen Mädchen aus St. Margarethen, das einige Jahre nach Betriebseröffnung unter die Lokomotive geriet und beide Oberschenkel brach, jedoch den Unfall ohne bleibende Nachteile überstand.

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Das Ortsbild

Jakob Gamper

«Monteurika»-Foto

Die beiden Männer auf dem Mast sind Jakob Gamper und ein Herr Walter aus Sulgen, dessen Firma später in grossem Stil elektrische Verkehrsanlagen baute.

Aus Nelly Hänni-Gampers Erinnerungen: «Der Strom kam 1909 nach Rosental-Lachen. Die Monteure des Kantons Thurgau brachten ihn. Diese Mannen haben meinen Vater Jakob (1886 – 1955) zum Elektriker ausgebildet. So war er Landwirt, Schlosser und Elektriker. Er erwarb das Restaurant Rosental von der Familie Vollenweider. – Ich habe mich als Kind nie mit dem Transformerhüsli befasst, ich durfte ja nie zu nahe heran. Wenn bei einem Gewitter die Sicherungen herausgeschlagen wurden, musste mein Vater dorthin, und wir hatten alle grosse Angst.» Jakob Gamper ist der zweite von rechts auf dem «Monteurika»-Foto.

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Das Ortsbild

Die Brücke von 1858 auf einem Foto von etwa 1940 Am 10. Dezember 1857 beschloss die Ortsgemeinde Wängi, nach dem Abbruch der beschädigten Holzbrücke circa 3000 Fuss Tuffsteine aus dem Steinbruch Gonzenbach, südlich von Bazenheid, für den Bau der neuen Murgbrücke heranführen zu lassen. Wenige Jahre zuvor hatte nur eine Furt bestanden, bei deren Benützung im Dezember 1836 die 25jährige Lisbeth Wegmann vom Wilhof ertrunken war. Nach dem verheerenden Hochwasser von 1876 mussten praktisch alle Brücken, auch diejenige von Heiterschen, repariert werden.

Die Brücke von 1948/49 Die Brücke im Bau durch die einheimische Firma Horber und Wüthrich. Am Abend der Brückeneinweihung hielten die fröhlich Feiernden alle Fahrzeuge an und verlangten einen «Brückenzoll». Es traf sich, dass ein Autocar gestoppt wurde, in dem eine Schauspielertruppe von St. Gallen nach Zürich zurückfahren wollte. Darunter befand sich die sehr beliebte Schauspielerin Margrit Rainer. Diese gesellte sich sofort zu den Zechern und feierte mit ihnen. Sie gewann an diesem Abend in Wängi eine Fan-Gemeinde, die sich später keinen ihrer Auftritte entgehen liess.

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Aadorferstrasse 3 – 7 Eine der ältesten Fotografien: Aadorferstrasse 3 – 7 auf einer 1908 abgestempelten Postkarte. Drei aneinander gebaute ehemalige Bauernhäuser, ein so genannter Flarz, schlichte Riegelbauweise, romantisch verzierte Kamine, unübersehbares stilles Örtchen über dem Eingang samt Pipeline. Der Miststock des benachbarten Gabelmachers Gnehm gleich daneben (später war da eine Benzintankstelle, seit 1998 die

Raiffeisenbank), liebevoll gepflegte Blumen vor den Fenstern. Der Laden wirkt gemütlich. Der junge Emil Ammann (*1893) hat hier beim Krämer Leutenegger die ersten Zuckerböllen gekauft, für die ihm seine Eltern angeblich nie Geld gaben.

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Aadorferstrasse

Reklameschilder

Aadorferstrasse gegen die Ortsmitte. Rechts die Einmündung der Tuttwilerstrasse mit dem markanten Brunnen, dahinter die alte Schmiede von Georg Gnehm

Zum Krämerladen auf Seite 27: Interessant sind die in der Vergrösserung erkennbaren Reklameschilder für Sunlight-Seife, Schweizer «Lucerna»-Schokolade und amerikanisches Petroleum. Neben dem amerikanischen gab es auch russisches Petroleum, für das ein anderer Lampentyp verwendet werden musste. Das russische soll etwas mehr Leuchtkraft entwickelt haben, aber schneller abgebrannt sein. In Russland hiessen die Lampen «Kerosinki».

Aadorferstrasse in der Gegenrichtung. Links die Einmündung der Tuttwilerstrasse, weiter oben das Restaurant Schwert und die alte Käserei. Garten, Baum und Scheune auf der rechten Seite wurden ab 1970 für den 24er-Block geopfert. Das zweithinterste Haus rechts wurde 1907 vom Thurgauer Stararchitekten und Kirchenbauer Albert Rimli (1871 – 1954) entworfen.

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Das Ortsbild

Dorfstrasse vom Bahnhof her Rechts das in italienischem Stil erbaute «De MartinHaus». Im hellen Vorbau links führte nach der Modistin Pia Müller der «Gmüesler» Valerio Demartin seinen kleinen Laden. Im weissen Anbau rechts wohnte seit 1950 Valentin De Martin-Eberhart (1919 – 2004) über seiner Galvanik-Werkstatt, bis er 1967 seine erste Fabrik am nördlichen Dorfausgang errichtete. Heute befinden sich hier ungefähr Kantonalbank und Drogerie.

Besprechung auf der Frauenfelderstrasse Hermann Bommer, Ortsvorsteher von 1934 bis 1969, Geometer Widmer von Münchwilen und (vermutlich) Paul Meier, Präsident der für die Strom- und Wasserversorgung zuständigen Dorfgemeinde. Nachdem der Pferde-Anbindeplatz vor dem «Ochsen» entfernt worden war, wurde auch hier eine Tankstelle eröffnet.

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Dorfstrasse gegen den Bahnhof, 1920 Rechts der «Hirschen» – heute Café Nafzger – in der Bildmitte die Wirtschaft «zur Brücke», später «Ochsen», 2008 für den Kreiselbau abgebrochen. © Stadtarchiv Frauenfeld, Bär-Archiv

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Dorfstrasse, vor 1935 rechts die Einmündung der Chüechligass, hinten das alte Pfarrhaus, links die «Krone». Über den Namen «Chüechligass» bestehen verschiedene Versionen. Die schönste, erzählt von der alten Marie Horber: Ein auswärtiger Freier soll auf wilder Flucht vor einheimischen Nebenbuhlern die Küchlein verloren haben, die ihm seine Angebetete mitgegeben hatte. © Stadtarchiv Frauenfeld, Bär-Archiv

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Das Ortsbild

Blick vom alten Pfarrhaus auf die Dorfstrasse Im Vordergrund das Schild des Gasthofs zum Adler An der Lommiser-, Dorf- und Aadorferstrasse reihen sich die Gasthäuser: Linde, Adler, Krone, Frohheim, Hirschen, Schäfli, Ochsen (ursprünglich Brücke), Sternen (ursprünglich Wilhelm Tell), Schwert, Sonne und Wilhof.

Blick vom alten Pfarrhaus in die Gegenrichtung Sichtbar ist ein Teil des katholischen Friedhofs, der heute auch die hintere Wiese umfasst. Kaum eine Frage führte zu so heftigen Diskussionen und Reaktionen wie die Beibehaltung oder Aufhebung der konfessionellen Grabfelder. Die politischen Behörden hatten laut Bundesverfassung von 1874 dafür zu sorgen, daß jeder Verstorbene schicklich beerdigt werden konnte. Sie verfügten über die Begräbnisplätze, die jedoch im Besitz der Kirchgemeinden blieben. In Wängi wurde die alte Ordnung beibehalten.

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Das Ortsbild

Abbruch des alten Pfarrhauses 1935 Dieses war 1855 erworben worden und wies viele bauliche Mängel auf, was den Entschluss zum Abbruch erleichterte.. Der Staat und die Ortsgemeinde leisteten daran Beiträge, da die enge Verkehrssituation wesentlich verbessert werden konnte. Das neue Pfarrhaus wurde 1936 bezogen.

Das alte Pfarrhaus mit Schuljungen, die ihren «Thek» am Friedhofzaun deponiert haben und einem kleinen Mädchen mit Einkaufskorb. Noch besteht für den berittenen Besucher von Pfarrhaus, Friedhof und Kirche die Möglichkeit, sein Pferd anzubinden.

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Das alte Pfarrhaus mit angebautem Mesmerhaus vor 1880

Hermann Heim

Auch eine der menschlichen Episoden, mit denen die Wängener Kirchengeschichte beider Konfessionen reich gesegnet ist: An das evangelische Pfarrhaus war ursprünglich das Mesmerhaus angebaut. Ob es der Mesmer selbst, sein Misthaufen oder seine disziplinlosen Hühner waren – zwischen Pfarrer und Mesmer bestand keine Harmonie. 1880 lehnte Pfarrer Heim einen Ruf nach Urnäsch ab gegen das Versprechen, dass das Mesmerhaus abgebrochen werde, was dann auch geschah. Der Mesmer wurde weiter ostwärts an der Lommiserstrasse angesiedelt. – So schilderten Otto Bischof-Weideli und Emil Ammann die Geschichte.

von 1878 bis 1920 ein sehr beliebter Pfarrer – mal abgesehen vom Mesmer

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Das Ortsbild

Etwas über kirchliche Bauten 887 erstmalige namentliche Erwähnung des Gotteshauses, ursprünglich dem heiligen Georg geweiht, nach dem Übergang des Kirchensatzes an die Johanniter-Komturei Tobel 1401 abgelöst durch Johannes den Täufer. 1865 grosse Renovation: Erweiterung des Schiffes gegen Osten, Abbruch des alten eckigen Chores und Anbau der halbkreisförmigen Apsis.

1914 letzte grosse Innenrenovation, 1932 GesamtRenovation durch Baumeister Horber Wichtig zu wissen: Als Gründungsdatum von Wängi gilt das Jahr 818, in dem die erste bekannte Urkunde ausgestellt wurde. Obwohl von einem Diakon verfasst, fehlt der Hinweis auf eine Kirche.

Die Kirche, etwa 1940 Den Wanderer auf der Landstrasse von Frauenfeld her entzückte der harmonische Anblick der über einer weiten, leicht ansteigenden Wiese thronenden Kirche mit Friedhof, Kapelle und Pfarrhaus. Die Szenerie erinnerte an die «enclos paroissiaux», die geschlossenen Pfarrbezirke, wie man sie in der Bretagne findet. Es war einmal . . .

Die Kirche vor der Renovation von 1865 Zeichnung von Berkmüller. Der am Turm angesetzte eigenwillige Chor mit der vermuteten Grabnische der Herren vom Sonnenberg musste später der Verlängerung des Schiffs weichen. Das Haus rechts davon wurde für die Friedhoferweiterung abgebrochen und ins Hinterdorf verlegt. Zum vorgesehenen Abbruch des Turmes kam es glücklicherweise nicht.

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Bilder von Wängis Aussenorten Tuttwil, Alte Post (links) Wie Passstrassen schlängeln sich die kurvenreichen Wege durch das am Hang liegende Dorf. Die «Hauptstrasse» führt am Brunnen vorbei zum höchsten Punkt des Ortes, wo 1830 durch die evangelische Schulgemeinde Tuttwil das Schulhaus mit Steinen von der Burgruine Landsberg erbaut wurde. Die Lehrerin Maja Brunnschweiler am Fenster Sie wirkte 1947 – 1948 in Tuttwil. Eine Fotografie wie ein Gedicht: Ruhe und Bewegung im Einklang (Aus dem Nachlass Hans Baumgartner, © Fotostiftung Schweiz)

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Möriswang, 1920 Von Jakob Gamper 1830 als Schänke erstellter, kunstvoller Riegelbau mit Scheune und einladendem Treppenaufgang. Bis 1943 befand sich hier eine Orgel des Lommiser Orgelbauers Joseph Schmied, die heute trotz Nachforschungen des Orgelspezialisten Angelus Hux unauffindbar ist. © Stadtarchiv Frauenfeld, Bär-Archiv

Buch Ein schön proportioniertes Bauernhaus mit Riegeln, die in einfacher Zimmermannsarbeit, aber fantasievoll zusammengefügt wurden. Die ausgetretenen Sandsteinstufen zeugen vom hohen Alter der Siedelung. Von der Vogtei Buch ist bekannt, dass sie von 1392 bis zur Befreiung des Thurgaus im Jahre 1798 dem Kloster Fischingen gehörte. © Stadtarchiv Frauenfeld, Bär-Archiv

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Schönenberg, ehemaliges Wirtshaus An der 1780 – 84 gebauten Landstrasse, die von Frauenfeld über das Altholz-Matzingen-SchürliLachen-St. Margarethen nach Wil führte, erbaute der Wirt Horber 1786 das stattliche Gasthaus. Bei Umbauten zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch den Besitzer Hans Joachim Bachmann, 1823 Mitbegründer der Spinnerei Wängi, wurde es im Stil den gleichzeitig entstehenden Bauten des Schulhauses Stettfurt und des dortigen Bachmann’schen Herrschaftshauses angeglichen. Gegenüber dem Gasthaus befand sich das Zollhaus, das 1955 abbrannte.

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Heiterschen, etwa 1950 Heiterschen wechselte 1990 von der Politischen Gemeinde Aadorf zu Wängi. Das Bild zeigt als markantestes Gebäude die 1908 gegründete Schifflistickerei Krähenmann, die 1927 in eine Zwirnerei umgerüstet und 1991 stillgelegt wurde. Der Ortsname bedeutet «Hof des Haitar» und ist seit 1263 bekannt.

Das Heiterscher Brüggli Die romantische Bogenbrücke von 1836 wurde nach einer starken Beschädigung gegen den Widerstand vieler Bürger 1959 durch einen Übergang ersetzt, den man mit dem Lineal zeichnen konnte. Ein fragwürdiges Gutachten hatte von einem «unschönen und verkehrsgefährdenden Strassenbuckel» gesprochen.

Bauernhof in Heiterschen, September 1920 Aus dem Album von Frau Pfarrer Heim Fotograf Bär von Frauenfeld, von dem diese Aufnahme stammt, beschreibt sie als Heuernte. Nach fachmännischer Beurteilung handelt es sich jedoch um Korngarben, die zum Dreschen bereitliegen.

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Das Ortsbild

Wie man baute und wohnte Emil Ammann Unser Wohnhaus wurde 1885 gebaut, die Scheune 1890. Beim Wohnhaus wurde das Fundament mit Feldsteinen und gebranntem Kalk gemauert. Den Zement kannten sie offenbar noch nicht. Dagegen fünf Jahre später erstellten sie die Fundamente und das Güllenloch aus Beton. Zur selben Zeit wurden viele Hauswände aus gesägten Tuffstein-Quadern gebaut, welche im nahen Toggenburg gebrochen wurden. Überhaupt wohnte oder baute man gegen heute primitiv, vielfach gab es noch kein Wasser in der Küche oder im Stall, d. h. man holte das Wasser noch am Dorfbrunnen. Zu meiner Bubenzeit hatte Wängi bereits eine Wasserversorgung, aber noch waren viele Galpbrunnen zu sehen, bei welchen das Wasser aus der Brunnstube heraufgepumpt werden musste. In den Häusern fehlten alle sanitären Einrichtungen, natürlich waren alle Aborte ohne Spülung. Die Abtrittgülle wurde noch bei allen Aborten im Dorfe von Zeit zu Zeit entleert und mit dem Wagen oder der Güllenbenne auf die Wiesen oder im Winter aufs Gemüseland verbracht. Dafür hatten wir noch eine saubere Murg, das Kies war noch weiss und das Wasser klar, und Forellen und Krebse waren noch in grosser Zahl vorhanden. Das Baden im «Buebe-» und «Maitligumpe» war noch ein Vergnügen. Aber auch andere Bäche waren noch bevölkert mit Forellen, Groppen und Krebsen. Also, mit der modernen bessern Hygiene verdarben wir im zwanzigsten Jahrhundert unsere Bäche, Flüsse und Seen. Das erste Haus mit freistehender Scheune wurde wohl 1907 gebaut.

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Wenn Ammann von gebranntem Kalk spricht, meint er wohl gelöschten Kalk. Ein wichtiges Detail hat er nicht erwähnt, nämlich das Heizen und das Kochen. Vielleicht, weil es meistens Frauenarbeit war? Das wichtigste Brennmaterial neben dem Holz war der Torf, der im Balterswiler, Wallenwiler und Eschliker Torfmoos gestochen wurde, ebenso im Lauchetal, wo noch lange typische Schopfformen erkennbar waren. Der im Grütried geförderte Torf brannte schlecht. Meist wurde nur die Stube geheizt, höchstens dass eine Klappe etwas Wärme in ein Schlafzimmer liess. Vorfenster und Eisblumen an den Scheiben waren im Winter normal. Ulrico Hoepli, Mailand, stiftete 1907 eine Kirchenheizung, welche «warm begrüsst wurde».


Das Ortsbild

Heizen und Kochen Eisblumen an den Vorfenstern Die Vorfenster wurden jeweils im Spätherbst montiert und über die warme Jahreszeit im Estrich abgestellt. Wegen des Kondenswassers bildeten sich an den Scheiben hübsche Eisblumen, wie hier im Haus von Alina Soller-Gnehm an der Chüechligass, etwa 1930. Die Sonnenbergbilder Sie betonen die Bedeutung des Holzes, das nicht nur für die Heizung, sondern das ganze Jahr hindurch für das Kochen nötig war. Um den Holzdiebstahl einzudämmen, verlangte 1772 die Gemeinde Krillberg, dass alles Holz «offentlich vor dem Fenster und nicht nächtlicherweile oder in den Häusern gescheitet und aufgemacht werden solle» (Tuchschmid). Nicht selten wurden Holzdiebe aus einer Gemeinde verbannt.

Berkmüller «Greuthof» Damals glich der Wald einer Parkanlage, wurde doch jedes Stück Holz eingesammelt und nach Hause getragen. Das Bild des Grossvaters, der wochenlang geduldig am «Büschelibock» das Kleinholz bündelte, ist noch vielen Leuten gegenwärtig.

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Kleine Wäsche in Schmied Gnehms Garten, 1925 Was Emil Ammann ebenfalls nicht erwähnt, ist das Besorgen der Wäsche, verständlich, denn auch das war Frauenarbeit. Es gibt aber einen eindrücklichen Bericht von Martha Farner (1903 – 82), dem wir einige Sätze entnehmen: «Im Frühjahr und im Herbst war der grosse Waschtag, das heisst, alle grossen Wäschestücke wie Leintücher, Tischtücher, Bettanzüge wurden nur zweimal im Jahr gewaschen. Das bedingte eine grosse Aussteuer der Braut. Meine Mutter brachte 86 Paar handgestrickte Strümpfe in die Ehe, aus ganz feinem blauweissen Leinen gestrickt. Zwischendurch gab es die sogenannte Kinderwäsche einmal im Monat. Im Estrich waren Holzstangen angebracht, wo man die schmutzige Wäsche das Halbjahr durch «verlüften» liess. Mindestens zwei Tage vor dem Waschen wurde die Wäsche schön geordnet in Holzzubern eingeweicht. Dann wurde sie Stück für Stück vorgewaschen und an besonders schmutzigen Stellen mit Kernseife eingerieben. Trotz den geöffneten Fenstern gab es schrecklichen Dampf, so dass man die Frauen an den Trögen nicht erkennen konnte, dafür aber ihr Geplauder hörte; sie nahmen das ganze Dorf durch, niemand wurde verschont und kein Haus ausgelassen. 1930 war der Taglohn einer Wäscherin drei Franken, später vier. Als Kind stand ich oft neben meiner Mutter und sah, wie die Frauen ihr die ausgelaugten weissen Hände reichten und dankten.»

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Güterzusammenlegung

Wenn man die Grundstückpläne vor 1935 betrachtet, könnte einem schwindlig werden: ein Nebeneinander und Durcheinander von Parzellen, die häufig nur wenige Quadratmeter gross sind. Der Flurname «Stücklete» tritt verständlicherweise nicht nur in Wängi, sondern auch in andern Gemeinden auf. Eine Folge des Berner Erbrechts, das dem jüngsten Sohn den Hof zusprach, war, dass viele Berner auswanderten, nicht zuletzt in den Thurgau, wo durch die Industrialisierung Bauernhöfe frei wurden. Im Jahre 1930 waren es neben 66 804 «echten» Thurgauern deren 12 804, die im Kanton Bern heimatberechtigt waren. Viele wurden auch als hervorragende Käser bekannt. Noch im Jahr 1985 gab es im Thurgau 7 Bernervereine mit jeweils über 100 Mitgliedern. Die Munizipalgemeinde nahm 1929 Kenntnis vom Entscheid der Regierung betr. Gütervermessung. Der kantonale Kulturingenieur Weber hatte für die Ortsgemeinden Wängi, Tuttwil und Krillberg – später folgte Anetswil – einen Bericht ausgearbeitet. Für Wängi sei eine Güterzusammenlegung nötig, ebenso verschiedene Entwässerungen. Die Kosten wurden pro Hektar auf 500 – 600 Fr. veranschlagt. Ähnlich lauteten die Berichte für Tuttwil und Krillberg. Einführung des Grundbuches: Krillberg 1936, Tuttwil 1937, Wängi 1942, Anetswil 1947

Die Güterzusammmenlegung bedingte eine weitgehende Neugestaltung der Landschaft und der gesamten Infrastruktur. Ein höchst bedeutsames Nebenprodukt in Wängi war die Ausscheidung von etwa einer Hektare Streueland zu Gunsten des Vogelschutzvereins, der späteren Naturschutzvereinigung Grütried. Dr. Walder vertritt die Meinung, die Zerstückelung des Landes sei die Folge einer sehr gerechten Erbteilung, die keines der Geschwister benachteiligte.

Dr. Hermann Walder Im Thurgau entsteht deshalb kein landwirtschaftliches Proletariat, wie es das Erbgesetz im Kanton Bern erzeugt, wo schon J. Gotthelf von der Armennot im Emmental schrieb. Im Gegenteil hat die kürzliche Enquête von Bundesrat Musy bewiesen, dass nirgends in der Schweiz so viele mittlere Vermögen vorhanden sind wie im Thurgau, bis zu 90 %, allerdings fehlen dann auch die grossen Vermögen fast ganz, die auch ihre guten Seiten haben.

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Güterzusammenlegung

Vor der Güterzusammenlegung Beim Betrachten des Planes erkennt man schnell die Hauptprobleme: Unsicherheit über die Lage der Grundstücke, ungenaue Bezeichnung der Grenzen, Ärger beim Befahren fremden Bodens und beim Weidebetrieb sowie Schwierigkeiten bei der Planung, was wo angepflanzt werden sollte. Der Zugang zu den einzelnen Parzellen war anhand eines komplizierten Wegrechts im Grundbuch einzutragen. Beim Weidebetrieb war es unvermeidlich, dass das Vieh «unter dem Hag durchfrass», was als Redensart auch in anderem Zusammenhang verwendet wurde.

Vergleich der Grundstücke des Gnehm Adolf, Hunzikon, gemäss Protokoll pro 1935 beim Grundbuchamt Lommis in Wängi alt

696,4 a in 24 Parzellen: grösste 63,7 a, kleinste 3 a

neu

829 a in 3 Parzellen: 466 a, 222 a, 141 a, (ferner 76 a Wald)

Geldzahlung des Besitzers Fr. 25 235.50

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Güterzusammenlegung

Nach der Güterzusammenlegung Unter «Güterzusammenlegung» stellt sich der Laie vielleicht eine schlichte Additionsübung vor. Man muss sich aber bewusst sein, dass es nicht nur um das Zusammenführen von Flächen ging. Ebenso wichtig war die Qualität der einzelnen Parzellen: Niemand wollte guten Boden gegen schlechten eintauschen. Die unter unabhängiger Leitung stehenden Zusammenlegungskommissionen standen oft vor einer fast unlösbaren Aufgabe. Nicht ohne Selbstironie pflegten die Grundbesitzer das Ergebnis der Güterzusammenlegung in die Formel zu fassen: «Eingeworfener Boden – hervorragend; zugeteilter Boden – miserabel».

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Güterzusammenlegung

Krillberg 1927 Eine erste, kleine Güterzusammenlegung wurde vermutlich schon etwa 1927 in Krillberg durchgeführt. In Handarbeit wurde damals das Material für den Strassenbau beschafft. Die grossräumige Kies- und Sandausbeutung durch die Kieswerke Aadorf südöstlich Obertuttwil lag noch in weiter Ferne.

Kiesabbau 1934 Der Kiesabbau für die neuen Strassen erfolgte 1934 bereits mit den ersten Bührer-Originaltraktoren des Jahrgangs 1930. Der vorderste Fahrer ist Emil Ammann, Verfasser der Chronik.

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Güterzusammenlegung

Referat des Schulmeisters Johann Herzog In gestochen schöner Schrift hatte der Schulmeister Johann Herzog von Tuttwil sein Referat vom September 1931 vorbereitet. Güterzusammenlegung Wald Die Güterzusammenlegung in den Wäldern lehnte Wängi ab, sogar während den grösseren Flächenbewegungen im Vorfeld des Autobahnbaus in den 60er Jahren. Möglich wurde die Durchführung erst 1981 durch einen Regierungsratsbeschluss. Der Grütwald vor und nach der Zusammenlegung. Ursprünglich sind die schmalen Parzellen nur 10-20 Meter breit.

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Der Bauer als Wegmacher Der Weg von Tuttwil nach Morgental wurde 1935 mit einheimischen Kräften ausgebaut, die auch gebührend verpflegt wurden. Links im Hintergrund das Schulhaus Tuttwil. Weniger spektakulär, aber ebenso wichtig war der Anschluss der häuslichen «Klärgruben» an die neu zu erstellende Kanalisation, allerdings noch ohne Abwasserreinigungsanlage.

Spuren der Zerstückelung Die ursprüngliche Zerstückelung mit den Zugangswegen zu den einzelnen Parzellen ist heute noch stellenweise nachvollziehbar, wie hier am Wahrenberg.

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Ackerbau, Reben, Obst Bauernarbeit im Frühling Eine der 12 Monatstafeln im Prunksaal von Schloss Sonnenberg, laut «Kunstdenkmäler des Thurgaus» von der Greising-Werkstätte um 1750 hergestellt. Etwa um 1995 fotografierte Ruedi Götz mit Erlaubnis des damaligen Statthalters des Klosters Einsiedeln, Pater Benno Felder, die ausgehängten inneren Läden der Fenster. Die Begründung für den Einbezug des Schlosses in ein Wängener Heft liegt in den engen Beziehungen zwischen den Herren von Sonnenberg, die bis 1678 in Wängi begraben wurden. Auch die Statthalter des Klosters fühlten sich als Angehörige der Pfarrei Wängi. Die Tafeln vermitteln in naiver Darstellung einen zusätzlichen historischen Hintergrund.

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Ackerbau, Reben, Obst

Ackerbau

In der Dreifelderwirtschaft war der Ackerbau vorherrschend gewesen, d.h. die Zelgen waren in drei Abschnitte geteilt, in denen jeder Bauer sein Stück Land besass. Im ersten Jahr wurde in einem Abschnitt Wintergetreide und im zweiten Sommergetreide gepflanzt. Im dritten Jahr lag das Stück brach und konnte als Weideland benützt werden, was gleichzeitig eine bescheidene Düngung ergab. Der Flurzwang regelte den einheitlichen Rhythmus der Bebauung.

Allmählich wurde die Brache immer stärker genutzt für den Anbau von Klee, Rüben und vor allem Kartoffeln. Die Bedeutung des Flurzwangs verschwand mit den zunehmenden Wiesenflächen und den Güterzusammenlegungen in den 1930er Jahren.

Die Ackerbaufläche im Thurgau (Chronik 1941) 1890

20 500 ha

1934

5 878 ha zunehmende Milchwirtschaft

1940

8 556 ha

1941

13 700 ha «Anbauschlacht» im Weltkrieg, dann wieder Rückgang

Am Rückgang des Getreidebaus war auch der rasante Ausbau der Transportmöglichkeiten zu Wasser und zu Lande beteiligt, indem die herkömmlichen Getreidelieferungen aus Süddeutschland durch ungarische, rumänische und russische Importe konkurrenziert wurden. Erstmals erschien billiger Ungarweizen 1861 auf dem Markt zu Rorschach. Später erfolgten Lieferungen aus USA und Kanada. Bei sinkenden Preisen lohnte sich die einheimische Produktion immer weniger. Dazu kam, dass der amerikanische Weizen bezüglich Backqualität den andern Sorten überlegen war. Durch die Importmöglichkeiten veränderte sich auch die Vorratshaltung, indem viele Kornspreicher und Kornschütten abgebrochen oder anders genutzt wurden.

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Die Rolle der Kartoffel, von Alfred Huggenberger als «Brot der Armen» bezeichnet, kann für die Ernährung der Bevölkerung nicht hoch genug geschätzt werden. Die grossen Hungersnöte noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts wiederholten sich nicht. Eine Ausnahme bildete Irland, dessen Ernährung so ausschliesslich von der Kartoffel abhängig war, dass jede Missernte katastrophale Folgen hatte.


Furchen ziehen bei Kocherhans im Rosental, etwa 1957 Die lockere Erde wird mit Furchen fĂźr das Einlegen von Saatkartoffeln vorbereitet.

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Kartoffelernte Alfred Hörnlimann beim Kartoffelernten mit dem «Graber», angetrieben vom Rapid, dem beweglichen Kleintraktor für jedes Gelände.

Grosser Fortschritt bei Hörnlimanns Der SAMRO im Einsatz; Ernten, dann Grobreinigen und Sortieren von Frauenhand. Eine Vorstufe des späteren vollautomatischen Kartoffelvollernters, der bis 2005 in Burgdorf und später in Spanien fabriziert wurde.

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Ackerbau, Reben, Obst

Die Vergrösserung der Einzelparzellen durch die Güterzusammenlegungen und die technische Entwicklung führten zu den heutigen Grosserntemaschinen. Die Arbeitsweise des Bauern verschob sich vom Einsatz einfacher Instrumente zur Handhabung von komplizierten Geräten. Diese erleichterten und beschleunigten zwar die Arbeit, führten aber auch durch Anschaffung und Betrieb zu enormen Kosten.

In seiner Studie «Heiterschen» erwähnt Guido Stutz die bis 1965 bestehende Gerätekorporation, in der etwa ein Dutzend Bauern die teuren Arbeitsgeräte gemeinschaftlich anschafften und benützten, u.a. Rollegge, Walze, Schlundröhre, Sämaschine mit Vorwagen, Düngerstreuer, Ackerstriegel, Viehtransportwagen, hydraulische Sämaschine und Zudeckstriegel.

Viergespann Ist der Boden besonders zäh und trocken, empfiehlt sich ein Viergespann; bereits ein kompliziertes Verfahren, speziell beim Wenden.

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Ackerbau, Reben, Obst

Im Winterkurs der Landwirtschaftlichen Schule Arenenberg lernen die angehenden Bauern ihre Geräte kennen. Hier werden sie zu Landmaschinenmechanikern ausgebildet, etwa 1938. Klara Fuhrer-Ammann beim Pflügen, etwa 1940. Der verwendete Pflug ist ein Selbsthalterpflug, auch Brabanterpflug genannt. Das Besondere daran ist, dass der Pflug am Ende des Feldes mit einem einfachen Griff um die Längsachse gedreht werden kann, damit die Furche auf dem Rückweg die gleiche Ausrichtung hat wie die vorangehende. Der Knecht hinter dem Pflug wird für die Arbeit nicht unbedingt benötigt.

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In derselben Lehranstalt üben sich die Bäuerinnen im Gartenbau. Der Hausgarten ist wichtig für die Selbstversorgung des Hofes. Die Bäuerin ist auch stolz auf den Blumenschmuck im Garten und vor den Fenstern. Foto etwa 1943. Diese Sommerkurse werden wegen ihres vielseitigen Angebots auch gern von Nicht-Bäuerinnen besucht.

Der seit 1880 bekannte Brabanterpflug. Die beiden kleinen seitlichen Flügel – so genannte Vorschäler – dienen dazu, den überwachsenen Boden zum Voraus abzustreifen, damit das Unkraut möglichst tief untergepflügt wird.


Ackerbau, Reben, Obst

Getreideernte

Düngerstreuen

Der Sonnenbergmaler schildert die Getreideernte.

Walter Hörnlimann beim Düngerstreuen bei Eschlikon. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte die Düngung einzig durch tierische Fäkalien. Der rare Stallmist wurde vorzugsweise für die Reben verwendet. Im Thurgau entstand 1876 die Chemische Düngerfabrik Wigoltingen, später Märstetten, die vor allem das «Knochenmehlsuperphosphat» herstellte.

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Mähen mit Ableger

Pferde als Zugtiere

Eine Vorstufe des späteren Bindemähers: Vater Büchi beim Mähen mit Ableger. Die Frucht wird durch den Mähbalken geschnitten und auf den Ableger geschoben, der Mann rechts zieht diesen weg, sobald so viel Schnittgut vorhanden ist, dass eine Garbe gebunden werden kann, die dann auf den Boden gelegt wird.

Ernst Büchi mäht die Frucht mit seinen rassigen Pferden; die trägen Ochsen- und Kuhgespanne eignen sich weniger für einen guten Schnitt.

Verladearbeit Puppenfeld Puppenfeld mit Blick gegen den Tuttwilerberg

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Anstrengende Verladearbeit während des 2. Weltkrieges unter Mithilfe von zwei nicht diensttuenden Männern


Arfel – Zatteten – Garben – Puppen Die lose Frucht wird mit Hilfe einer Sichel von Hand aufgenommen. Das nennt man einen Arfel (Armvoll). Einige Arfel werden zu «Zatteten» zusammengelegt. Diese bleiben einige Tage liegen, bis die Körner hart und genügend trocken sind, dann werden sie mit der Antraggabel zusammengefasst und mit dem Garbenseil gebunden. Die Garben werden in die Scheune eingebracht.

Jung und Alt Die Kinder und die Alten sind stets dabei. Die kleine Rosmarie Siegrist und Grossmutter Büchi etwa 1940 als Erntehelferinnen. Werden die Arfeln zu kleinen Gärbchen gebunden, stellt man diese nachher zu Puppen zusammen, um die Trocknung zu verbessern.

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Ackerbau, Reben, Obst

Bindemäher Herkules, etwa 1957 Das abenteuerlich anmutende Gerät, das von einem Hürlimann mit Mähbalken gezogen wird, ist ein in Schweden hergestellter Bindemäher, der hier von Walter Kollbrunner zum Einsatz auf den eigenen und fremden Feldern gefahren wird. Der Bindemäher befindet sich in der Transportstellung. Für den Einsatz muss er um 90 Grad im Uhrzeigersinn gedreht werden. Das kleine Transportrad rechts wird abgenommen und durch die Deichsel ersetzt, die am Traktor angekoppelt wird. Das Gerät steht dann auf den jetzt querstehenden grösseren Laufrädern, von denen das linke ganz unten erkennbar ist. Die gefährlich aussehende Metallspitze kommt als Teilerblech auf

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den Boden, ebenso werden die rechts unten schwach sichtbaren Mähbalken abgesenkt. Verstellbare Stangen im Kreisel heben die Frucht an und pressen sie gegen den Messerbalken. - Eine ausgetüftelte Konstruktion, die nach dem Urteil von Fachleuten bestens funktioniert. Die Schwäche des Systems liegt darin, dass die zeltartigen Stangen, die den Rhythmus der Garbenbildung steuern, sich etwa verheddern oder brechen. Es empfiehlt sich, einige Reservestangen mitzuführen.


Ackerbau, Reben, Obst

Die Erfindung des Bindemähers erleichterte die Arbeit auf dem Feld, indem die gemähten Halme nicht mehr einzeln am Boden eingesammelt und zusammengebunden werden mussten, sondern bereits als «Gärbchen» ausgeworfen wurden und so auch weniger Feuchtigkeit aufnahmen.

Bindemäher Mc Cormick, 1963 in Neunforn im Einsatz. Ein Exemplar dieses Modells befindet sich im Ortsmuseum Wängi. Funktionsweise: Die grosse Haspel führt die Halme dem Messer zu; sie werden geschnitten, auf das quer laufende Tuch geschoben und über den Wulst in den Sammler geführt. Sobald die nötige Menge vorhanden ist, tritt die Bindemechanik in Kraft und legt die fertige Garbe ab.

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Ackerbau, Reben, Obst

Emil Ammann Motoren gab es noch nicht. Im Jahr 1907 kam im Dorf Wängi die Einrichtung von elektrischem Licht und Kraft, in den umliegenden Ortschaften erst etwa 10 Jahre später, als während des Weltkrieges das Petrol fast nicht mehr erhältlich war. Das Güllepumpen, Stroh und Streue schneiden, alles musste von Hand gemacht und angetrieben werden. Auch das Dreschen, bis man mit einem Pferde drosch, welches angebunden in einem schräggestellten Tretstand immer laufen musste, wobei die Dreschmaschine oder die Futterschneidmaschine durch das Gewicht des Tieres getrieben wurde. Eine Tierquälerei! Oder mit dem Göpel, wobei zwei Pferde oder Ochsen eingespannt im Kreise immer ringsum laufend ziehen mussten in einem Radius oder Durchmesser von etwa sechs Metern. Letztere war

Schon 1840 hatte Regierungsrat Freyenmuth eine Dreschmaschine in Aspenrüti besichtigt, die mit 3 Pferden und 5 Mann betrieben wurde. Allerdings wurde das Stroh durch die Walzen stark gepresst und eignete sich schlecht als Streue im Stall. Dass Ammann noch mit dem Flegel drosch, hängt wohl damit zusammen, dass dadurch das Stroh geschont wurde, das man als Isolations- und Bindematerial und vielerorts für den Bau von Dächern verwendete. Das Stroh war manchmal wichtiger als die Körner. Sager erwähnt den erstmaligen Einsatz einer elektrischen Dreschmaschine 1920 in Heiterschen. Sie ersetzte Dreschflegel, Göppeldreschmaschine und Dampfdreschmaschine.

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danach bis etwa 1910 die beste Technik. Ich selber habe noch etliche Mal geholfen, mit dem Flegel zu dreschen. Die gedroschene Frucht musste nachher mit der Staubmühle geputzt werden, wobei durch Luftzug die Spreu und der Staub fortgeblasen wurden. Eine Person, meist ein Kind, trieb mit einer Handkurbel den Windflügel, die andere Person musste das Dreschgut langsam in den Trichter sieben und wehe dem, der den Windflügel nicht auf richtigen Touren hatte. Ja, der Einzug des Elektromotors brachte eine völlige Umwälzung der Landwirtschaft.

Die Dreschmaschinen waren wegen den mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen und frei schwirrenden Transmissionsriemen sehr gefährlich und führten zu schrecklichen Unfällen. 1830/31 war es in England zu einem Aufstand der Landarbeiter gekommen, dem über 400 Dreschmaschinen zum Opfer fielen. Der Unmut der Drescher hatte sich gegen jene Maschinenart entladen, die ihnen die Winterarbeit raubte. Dem Aufruhr blieb freilich der Erfolg verwehrt: 19 Aufrührer wurden hingerichtet, 481 als Gefangene nach Australien transportiert. (nach Kaiser Hermann)


Ackerbau, Reben, Obst

Dreschmaschine Dreschmaschine der Dreschgenossenschaft Stettfurt-Matzigen, 1951

Eidgenössiche 100 kg-Kornsäcke, nach 1937 Sie sind an der Aadorferstrasse verladen, bereit zum Transport in die Sammelstelle. Bei den Männern, welche die Säcke auf- und abladen mussten, waren Rückenschäden wohl unvermeidlich.

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Ackerbau, Reben, Obst

Die modernen Mähdrescher, von denen heute in Walters Remise zwei Exemplare stehen, werden von einem einzigen Mann bedient, der sehr konzentriert arbeiten muss. Links im Hintergrund sieht man ein Getreidefeld mit Puppen, was darauf hindeutet, dass der Mähdrescher nicht überall eingesetzt wird. Der Nachteil der schnellen Maschine besteht darin, dass das Korn noch ungetrocknet in die Säcke gelangt. Der genaue Feuchtigkeitsgehalt der Frucht ist entscheidend für die weitere Verwendung beim Mahlen und Backen, daher auch für den zu erzielenden Preis. Der erste Mähdrescher Der erste Mähdrescher aus Amlikon mit einer Schnittbreite von 3,6 m arbeitet 1954 in Wängi bei Hans Walter (*1920), auf dem Feld nördlich des Greuthofs. Vier Mann sind für die Bedienung eingesetzt: Vorne links der Bauer selbst, der mit einer langstieligen Gabel die widerborstigen Rapshalme zerteilt und dem Mähbalken zuführt. Bei Weizenhalmen wäre das nur nötig, wenn sie flach lägen, als so genannte Lagerfrucht. Dann der Fahrer und neben ihm der Ersatzfahrer, der auch bei Pannen und zur Beschaffung von Ersatzteilen eingesetzt wird. Ganz hinten sitzt der Absacker, der die mit Korn gefüllten Säcke zubindet und diese über die Rampe auf das Feld oder direkt auf einen nachgeführten Wagen schiebt.

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Erntewettbewerb 1965 · «Die Sichel gewinnt, weil die Maschine streikt» (Starschel, Sofia) In den osteuropäischen Kolchosen führte die forcierte Mechanisierung häufig zu Mängeln in der Wartung der Maschinen und zu Engpässen in der Beschaffung von Ersatzteilen. Ein Dauerthema für die kritische Presse.


Ackerbau, Reben, Obst

Reben Dr. Hermann Walder Und noch sehe ich in meiner Erinnerung das Rheinund Seeufer von Diessenhofen bis Kreuzlingen und darüber hinaus, wie auch den Immenberg und den Eschlikonerberg in Reben vergraben. Gaben an den ersteren Orten dem Weinbau die Zollverhältnisse, wie sie namentlich durch den deutschen Zollverein geschaffen wurden, den Todesstoss, so an den letzteren hauptsächlich die Reblaus und der falsche Mehltau, sowie der Import fremder billiger Weine.

Walder hatte von seinem Grossvater eine Juchart Reben in Eschlikon geerbt, von deren Ertrag dieser in den 1870er Jahren noch beinahe hatte leben können – sein Beerliwein in Flaschen fand in Zürich schlanken Absatz – während Walder den Rebberg bald nach 1900 für 350 Fr. verkaufen musste.

Der Künstler vom Sonnenberg Der Künstler vom Sonnenberg hätte den Wümmet direkt beim Schloss darstellen können, wenn er vor Ort gemalt hätte.

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Rebgelände am Immenberg, vor 1897 entnommen aus Naters Geschichte von Aadorf, mit einer Länge von 8 km das grösste Weinbaugebiet im Thurgau. Hier besassen viele Ortschaften und Grundherren ihre Weinberge. Laut Jakob Stutz gehörten dem Spital zu Wil Jahrhunderte lang 6 Juchart Reben an schönster Lage – gerade unter dem Schloss Sonnenberg. Auch die Komturei Tobel bezog von den 8 Stettfurter Trotten den Zehntwein. Allgemein kann man davon ausgehen, dass an jedem noch so bescheidenen Südhang Reben angepflanzt wurden. Heute zeugen nur noch alte Flurnamen wie Weinberg, Wingerten und Rebhalde davon. Horrormeldung in der Chronik vom 3. November 1896 «In einem Weinberg in Lommis-Weingarten wurde die Reblaus entdeckt und sofort das von diesem unheilvollen Insekt heimgesuchte Gelände abgesperrt.»

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Die Reblaus gehört zur Familie der Zwergläuse und befällt in einem komplizierten Lebenszyklus die Wurzel der Rebe, was die chemische Bekämpfung verunmöglicht, dies im Gegensatz zum Mehltau, der schon 16 Jahre früher aus Amerika eingeschleppt worden war und durch kupferhaltige Bordeaux-Brühe leicht zu bekämpfen war.


Ackerbau, Reben, Obst

Festliches Weinfuhrwerk bei Debrunners im Stegenhof an der alten Landstrasse

Den Schwund der Rebfläche im Thurgau beschreibt das Jahrbuch 1932: 1858

1556 ha

1908

856 ha

1930

130 ha

Gleichzeitig wächst der Obstbau; der Wein wird allmählich zum Luxusgetränk und das einfache Volk hält sich an das geflügelte Wort «Moscht müends eim gäh».

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Ackerbau, Reben, Obst

Obstbau

Baumwärterkurs 1927 Die zahlreichen Teilnehmer des Baumwärterkurses 1927 in Wängi präsentieren sich mit ihren Werkzeugen. Ein bekannter Pomologe und renommierter Kursleiter war Edi Alpiger, Eichbühl.

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Ackerbau, Reben, Obst

Dr. Hermann Walder Auch im Obstbau ist speziell in unserer Gegend eine wesentliche Veränderung vorgegangen. Spielte früher die Mostbirne die Hauptrolle, ist jetzt der Apfel Trumpf. Konnten früher die Bergbauern am Tuttwilerberg den Ertrag ihrer rassigen Birnbäume – die Winterbirnern und Gerzler in erster Linie, sodann die Säulibirnen, die Bergler, Weinbirnen, Guntershauser – auf dem Wiler Markt anstandslos an die Toggenburger verkaufen und sahen sie auf die Talleute, bei denen diese Sorten Birn-

Laut Jahrbuch 1928 wurden im Thurgau gegen 1 500 000 Obstbäume gezählt, die einen Ertrag von 28 450 t Mostbirnen, 14 750 t Mostäpfeln und 8 160 t Tafeläpfeln abwarfen. Hauptabnehmer war Deutschland.

bäume nicht gediehen, fast mitleidig herab – so hat sich heute die Sachlage grösstenteils umgekehrt. Es hat sich herausgestellt, dass der Apfelbaum drunten in Wängi und Matzingen fast besser gedeiht als auf den Höhen, wo er dem Föhn mehr ausgesetzt ist.

Mit Unterstützung des Staates führte die Landwirtschaftliche Schule Arenenberg jedes Jahr mindestens 10 Obstbaukurse von 8 bis 10 Tagen Dauer durch. Geringwertige Sorten wurden durch Umpfropfen mit besseren veredelt.

Baumspritzversuche im Arenenberg. Vergleich der Ernte bei gespritzten und ungespritzten Bäumen. Das Spritzen von Kupfervitriol und Schwefel wirkte nicht nur gegen den Schorf, eine Pilzkrankheit,

sondern erhöhte auch den Ertrag und die Haltbarkeit des Obstes.

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Ackerbau, Reben, Obst

Apfelernte und Fischfang im Bild des Sonnenbergmalers

Motorspritzmaschine im Arenenbergerkurs 1938 – 39 Die verwendeten Fungizide gegen Schorfkrankheiten galten nicht als «Gift».

Für den Obstbau war das Bestäuben der Blüten durch die Bienen besonders wichtig. Im Jahre 1931 freuten sich im Thurgau 1434 Imker über den Ertrag von 53 291 kg Honig. In der Munizipalgemeinde Wängi wurden damals 353 Bienenvölker von 28 Imkern gehalten. 2011 waren es noch 220 Völker, die aus 7 Bienenhäusern auf ihre Flüge starteten.

Tafelobst wurde am besten in Körben oder Zainen transportiert, die der sparsame Bauer selbst herstellte und reparierte. Hier die Ausschreibung von 1920 im Hörnliblatt. Ältere wissen noch, dass wolliger Schneeball «Hulftern» und Hartriegel «Kehlgerten» hiessen. Etwa zwei Jahrzehnte später starb das Korbflechten aus, als die besser stapelbaren Harasse aufkamen.

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Ackerbau, Reben, Obst

Mosterei Büchi in Anetswil, etwa 1900 gegründet von Ulrich Büchi, auf den sein Sohn Ernst folgte. Die Mosterei war bis 1974 in Betrieb. Den beliebten «Büchi-Saft» trank man vorzugsweise in der Wirtschaft zum Frohsinn, die 1977 von Ernsts Schwiegertochter Dorli übernommen und in grossem Stil ausgebaut wurde.

In jeder grösseren Ortschaft arbeiteten eine oder mehrere Mostereien. Die kurzen Anfahrtswege erleichterten die Zulieferung; ausserdem trank man noch bis in die 1970er Jahre mit Vorliebe den eigenen Saft. Mit Entsetzen stellten alte Wängener fest, dass die Bauern auf dem Feld nicht mehr den gesunden Most, sondern die modernen alkoholfreien «Gütterlisäfte» konsumierten. Die Obstverwertung wurde ständig raffinierter; das grösste Unternehmen in unserer Gegend war die 1911 von 120 Produzenten gegründete Mosterei Märwil, die anfänglich nur vergorene Obstsäfte und Tresterbranntwein herstellte, später aber mit Süssmost, Obstkonzentraten und Mischgetränken grossen Erfolg hatte.

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Obstverwertung im Kleinen . . . Der Birnweckenkrämer Wegmann von Eschlikon mit seiner Frau beim Hausieren

 . . . und im Grossen Karl Lenggenhager (rechts) mit seinem Ford-Lastwagen, etwa 1930, präsentiert zwei 5-Literflaschen mit sterilisiertem Süssmost.

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In Matzingen hatten der Wängener Arzt Dr. Montigel und der bekannte Volksbildner Fritz Wartenweiler von Frauenfeld eine kleine Süssmosterei betrieben, als Massnahme gegen den Alkoholismus. Das Geschäft begann erst zu florieren, als der innovative ehemalige Sticker Karl Lenggenhager mit 38 Jahren die Firma 1929 übernahm. Er arbeitete eng zusammen mit der Mosterei Büchi, die nur vergorenen Most herstellte. Sein Sohn, gleichen Namens, errichtete 1955 den grossen Neubau und galt als Pionier der alkoholfreien Obstverwertung. Sein «Halbhalb» wurde zum Begriff. 1997 gab er das Geschäft auf.


Viehzucht und Milchwirtschaft Die Offnung von Wängi von 1495 regelte zwar den Weidebetrieb, enthielt aber keine Vorschriften über die Zahl der Tiere, dies im Gegensatz zu den Offnungen von Aadorf und Elgg, die vorschrieben, es dürfe nicht mehr Vieh gehalten werden, als der Hof auch im Winter ernähren könne. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts rechnete man für einen mittleren Betrieb neben 1 bis 2 Ochsen eine einzige Kuh. Oft reichte das Heu nicht einmal dafür und musste durch Stroh, Tannreisig, Wurzeln und Laub gestreckt werden. Der Name Lommis gibt einen Hinweis auf diese Fütterung: Loup meissan = Laub schlagen. Der Hirte trieb das Vieh auf die Allmend, ins Heideland, Riet, auf die Stoppelfelder und Brachen sowie in den Gemeindewald. Nater schreibt: «Viele weniger bemittelte Frauenspersonen vermehrten die geringen Futtervorräte für ihr Vieh, indem sie auf der Brachzelg die durch den Weidgang unberührten saftigen Wurzeln ausjäteten und auf Karren nach Hause führten.» Die Ställe waren dunkel und eng, da man glaubte, das Vieh müsse möglichst warm gehalten werden. Wesentliche Fortschritte erfolgten erst mit dem Gesetz von 1837, das die Viehzucht regelte.

Dr. Hermann Walder Immer mehr wurde die offenbar bequemere und wie es schien auch einträglichere Milchwirtschaft genehm. Das Klima war dem Wiesenbau günstig und man überzeugte sich bald, dass die Obstbäume auch in den Wiesen gediehen. Das Braunvieh mit seinem reichlichen Milchertrag hielt seinen Einzug, eignete sich aber nicht recht als Zugvieh. Daher hielt man immer noch, wenn irgend möglich, Schwabenstiere, die sehr wüchsig und leicht zu mästen waren. Wo die Haltung von Stieren und Pferden zu unrentabel war, bewährten sich die Simmentalerkühe mit ihrem geringeren Milchertrag, aber ihrer grossen Zugkraft und guten Fleischverwertung.

Ein konkretes Beispiel liefert Louis Hürlimann, der die Anbaufläche des Greuthofs untersuchte: 1836 betrug das Wiesland 18 %, 60 Jahre später 57 %.

Glück im Stall Drillinge bei Hans Fuhrer an der Chüechligass mit Schwiegervater Emil Ammann und dessen Frau

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Die Bauernfamilie Hörnlimann, Buch, ungefähr 1914 Die 4 Kühe sind bereits ein stattlicher Bestand.

Familie Emma und Jakob Graf, Tuttwil  mit Kuh und Kalb

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Familie Jakob und Ida Hörnlimann, ungefähr 1933 Sohn Walter und die Töchter Hedi, Marta und Anna in schöner Reihe, rechts der Knecht


Viehzucht und Milchwirtschaft

Zollhaus und Herberge Lachen, 1955 abgebrannt Typisch der enge Stall

Auszug aus der Viehstatistik der Munizipalgemeinde Wängi Jahr

Halter

Tiere

Tiere pro Halter

1920

188

1210

1931

180

1090

6

1944

206

1662

8

1948

166

1805

11

2011

2230

56

6 *

40 ** * ohne Heiterschen ** mit Heiterschen

Gemäss der 1965 eingeführten schweizerischen Milchleistungskontrolle stieg die durchschnittliche Milchleistung einer Kuh innerhalb von 40 Jahren von 3641 kg auf 6722 kg. Andere Statistiken sprechen von einer Erhöhung bis weit über 7000 kg. Guido Stutz erwähnt, dass Albert Stutz 1903 an der Ebnetstrasse in Heiterschen eine Grossscheune mit Hocheinfahrt für 16 Grossvieheinheiten erstellte. Das war wohl der Vorbote einer Entwicklung, die sich erst ein halbes Jahrhundert später auf breiter Front verwirklichte. Man kann nicht leugnen, dass die intensive Bewirtschaftung die Landschaft vielerorts in eine sterile Grassteppe verwandelt hat, praktisch baumlos und mit eingedolten Bachläufen. Die grossflächigen RöhrenDrainagen der feuchten Wiesen und Äcker setzten in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein und waren für die Steigerung der Produktion absolut notwendig, doch erfolgten sie brutal und ohne ganzheitliche Betrachtung der biologischen Zusammenhänge. Die Meliorationen, an die der Kanton seit 1861 Beiträge bezahlte, verbesserten wohl den Ertrag, zerstörten aber unnötig viele Feuchtgebiete, offene Bäche und Hecken.

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Im frühen 19. Jahrhundert war die Viehzucht von geringer Bedeutung. Pupikofer schreibt 1834, für den Landwirt sei das Zugvieh die Hauptsache; Melkvieh werde nur zur Befriedigung des täglichen Hausbedarfs gehalten. Da der Thurgauer keine Sennerei betreibe, gebe er sich leicht zufrieden mit dem bescheidenen Ertrag einer dünnen Milch, welche die kleine schwäbische Rasse liefere. Es gab auch einige Viehhändler, die mit Milcheseln gute Geschäfte machten. Während die Zahl von etwa 13 000 Kühen im Thurgau innerhalb von 30 Jahren fast unverändert blieb, erhöhte sich der Bestand an Schafen, Ziegen und Schweinen um das 3 – 5-fache. Kinder übten das Melken an den Ziegen. Zu Ammanns Zeit war das Melken bereits eine zentrale Tätigkeit. Er schreibt denn auch, der Chüher übe ein sehr anspruchsvolles Amt aus und beziehe einen hohen Lohn. Da Ammann 1965 starb, hat er wohl kaum eine Melkmaschine gesehen, geschweige denn eine der heutigen, bereits computergesteuerten Melkanlagen.

Marie Abderhalden von Tuttwil etwa 1909

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Die Milch wurde in die «Hütte» gefahren oder getragen, dort gewogen, gelegentlich kontrolliert und in das grosse Becken geleert. Hier war der allabendliche Treffpunkt der Lieferanten und der Kunden, welche für die Milch mit einem eigenen «Milchgeld» aus Aluminium bezahlten. Vorwiegend war die Hütte auch der Ort, wo sich Kinder und Jugendliche beim Einnachten trafen und ein Stück Freiheit von elterlicher Aufsicht fanden. – Ein Festtag für die Männer und oft ein Ärger für die Frauen war der Milchzahltag, an dem die Wirtschaften besonders florierten.


Paula Feuz, Anetswil, etwa 1985, beim Auswaschen der Gerätschaften. Die Hygiene im Stall und mit den Milchgefässen verlangt viel und sauberes Wasser.

Auf der Alp am Heidelberg ist das Wasser ausgegangen und muss mit dem Fuhrwerk im «Hüsli», Krillberg, geholt werden, etwa im Jahr 1947.

Der Maler vom Sonnenberg erinnert an das kostbare Wasser.

Die Milch vom Heidelberg wird in einer Tanse auf dem Anhänger in die Käserei Tuttwil transportiert.

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Viehzucht und Milchwirtschaft

Emil Ammann Die Käserei, seit 1869 an der Aadorferstrasse, war wirklich noch eine Hütte. Seinerzeit soll die Milch auch von den Bauern von Eggetsbühl, Hunzikon, Möriswang und Tuttwil dorthin getragen und geführt worden sein. Anfangs war nur ein Käsekessi, später zwei vorhanden. Wenn auch alles bauerte, so gab es damals doch viel weniger Milch. Ich erinnere mich noch an den Milchpreis von 14 bis 16 Rappen. Bis nah der Jahrhundertwende nahmen die Bauern die Schotte am Abend wieder nach Hause zurück für ihre Schweine. In den 1990er Jahren ging die Zahl der Käsereien stark zurück. In Wängi stellte die Käserei Tuttwil den Betrieb ein, ebenso die Käserei WaldeggRosental. Lachen wurde mit Wängi zusammengelegt. Der Bund förderte die Konzentration mit beträchtlichen Mitteln. Gleichzeitig erhielten die Milchlieferanten einen extra Fünfer pro Liter, wenn Appenzeller produziert wurde. So ergab sich die paradoxe Situation, dass – 5 Jahre nach seinem Triumph im Jahre 1988 – der Emmentaler Weltmeister Fritz Kohler nur noch Appenzellerkäse herstellte.

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Im Jahr 1910 wurden im Bezirk Münchwilen 32 Käsereien gezählt, am meisten von allen Bezirken. Daneben gab es noch etliche Molkereien, die wenig Käse herstellten. In jedem Bauernhaus fand sich ein Butterfass, in dem der Rahm mittels eines Rührwerks zu Butter verarbeitet wurde. Für 1 kg Butter wurde der «Nidel» von etwa 20 Liter Milch benötigt.

Eine Käsereinigungsmaschine, etwa um 1900. Die Laibe mussten regelmässig geschabt werden, um eine schöne, glatte Rinde zu erhalten. Das Foto, dessen Herkunft unbekannt ist, diente vermutlich als Reklame, worauf die festliche Kleidung des «Käsers» hindeutet.


Viehzucht und Milchwirtschaft

Emil Ammann Traktoren gab es bis 1930 noch nicht. Die Ernte sowie das Heugras und Emdgras mussten von Hand mit der Sense gemäht werden, Mahde um Mahde. Die Mähder machten sich schon um drei Uhr oder noch früher an die Arbeit. Eine Zetterin oder Kinder brachten das Morgenessen auf die Wiese und nachher gings wieder los. Ein guter Mähder schaffte an einem Morgen knapp eine Juchart. Die Buben standen beim Mähen in Reih und Glied, auch die Zetterinnen wetteiferten mit den Mähdern. Vor und nach dem Mittag musste alles, das Grüne und das Dürre, von Hand mit der Gabel gewendet werden, auch bei grosser Hitze, alles musste auf die Beine, eins hinter dem andern. Dafür gab es aber noch

Znüni und Zobed. Die ganze Familie setzte sich dazu unter einen Baum und man ass nach Herzenslust, auch der Most fehlte nicht. Bald habe ich etwas vergessen – das Lied des Dengelhammers! Ja früher, als noch die Mähder mit der Sense das Gras im Heuet und Emdet, aber auch noch das Getreide abmähten und dann und wann noch einen Jauchzer erschallen liessen, da hörte man abends im Dorfe herum des Dengelhammers Lied!

(Dengeln heisst, die Schnittkante der Sense durch Hammerschläge zu schärfen.) Das Heu bildete bis zur Einführung der Silierung die wichtigste Futterreserve für das Vieh. Solange es ging, trieb man die Tiere auf die Weide oder verfütterte Gras im Stall, doch im Winter war der Heuvorrat entscheidend für die Milchproduktion und das Überleben. Die Frauen in der Landwirtschaft

Wohlverdienter «Znüni» auf dem Feld

Während die Männer im 2. Weltkrieg ihren Militärdienst leisteten, lag die ganze Verantwortung für das wirtschaftliche Überleben bei den Frauen.

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Viehzucht und Milchwirtschaft

Maschinenfabrik Wängi AG Die wichtigsten mechanischen Geräte für das Heuen fanden die Wängener fast vor ihrer Haustüre, produzierte doch die Maschinenfabrik schon zu Anfang des Jahrhunderts in grossem Stil die verschiedensten Erntemaschinen. Inserate aus «Der ostschweizerische Landwirt» 1911 und 1920, zugestellt von Thomas Holenstein

Sager berichtet, es sei die Dorfsensation in Heiterschen gewesen als Heureka 1918 von Josef und Paul Krähenmann eingeführt wurde. Er schreibt auch von der ersten Pferdemähmaschine, die ab 1926 die drei bis vier Schwabenmäher ersetzte, die auf einem

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Bauernhof schon vor der Morgendämmerung das Gras mähten. Im gleichen Jahr führte Franz Krähenmann den ersten Traktor – einen Fordson – in Heiterschen ein. Und – bereits nostalgisch: Im Sommer 1955 fuhr August Krähenmann als letzter Bauer das Heu mit einem Kuhgespann ein.


Viehzucht und Milchwirtschaft

Mechanische Werkstätte August Gamper

Gampers Bild bleibt der Nachwelt auf der Festspielkarte von 1905 erhalten, verkörperte er doch die Rolle des Landvogtes Gessler, hier kurz vor dem Sturz vom Pferd: «Das war Tells Geschoss!» – Gamper starb 1909.

Die Maschinenfabrik August Gamper, Ausschnitt aus der Postkarte von 1904. Entwicklung: 1881 Schlosserei, Herstellung von Kochherden, 1896 Ausbau zur Maschinenfabrik mit 16 Arbeitern, Erfindung des Schlepprechens, Höhepunkt 1909 – 11 nach der Elektrifizierung mit 39 Arbeitern. Rückgang ab 1923 mit 17 Arbeitern. Im Jahre 1909 produzierte die Maschinenfabrik laut Tuchschmid mit 60 Arbeitern jährlich 15 000 Schlepprechen und 300 Heuwender. Es brauchte das Genie des Fabrikanten Gamper, um die klangliche Verwandtschaft von «Heureka» (Griechisch: Ich hab’s gefunden) mit «Heurechen» zu entdecken. Unter diesem Namen liess er seinen ersten Rechen patentieren. An weiteren Ideen fehlte es ihm nicht. So stellte er zum Beispiel dem Gemeinderat das Projekt vor, den Chräbsbach, der vom Herenloo her genau auf seine Fabrik zufloss, bevor er nach Norden gegen Heiterschen abbog, in der ursprünglichen Richtung weiterzuleiten, um die Wasserkraft auszunützen. Sager erwähnt den langen, teuren Prozess, mit dem die Heiterscher das verhinderten. Gamper war auch der zweite Unternehmer im Thurgau, der ein Auto besass.

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Viehzucht und Milchwirtschaft

Der Dienstbub Paul Frei,1942, mit dem Ochsen «Fleck» an der Zettmaschine

Erna und Heidi Wolfensberger, Heidelberg, beweisen etwa 1955, dass der «Rapid» sowohl als Mäh-, Zett- wie auch als Zugmaschine einsetzbar ist. Frauen mögen den «Rapid».

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Übergang Emil Müller auf Mähmaschine, bereits umgerüstet für Zugfahrzeug


Zettmaschine ohne Zapfwelle Hermann Bommer steuert den Ford-Traktor, etwa 1950. Die Zettmaschine ist noch behelfsmässig angekuppelt und wird durch die eigenen Laufräder bewegt; spätere Modelle verfügen über eine Zapfwelle, die das Gerät direkt antreibt.

Rita Bommer Die Schwester Rita darf mitfahren und die Zettmaschine bedienen.

Eugen Gnehm auf Köpfli-Traktor, gekauft 1951, mit Wängi-Zetter. Die Maschinenfabrik Wängi hat noch verschiedene, sehr brauchbare Produkte hergestellt, u.a. eine Strohpressmaschine.

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Eine Herde von Heinzen

Das Ehepaar Hörnlimann beim Erstellen von Heinzen

Ist das Wetter unbeständig und der Boden feucht, wird das Heu auf Holzgerüste, genannt «Heinzen» gelegt, die nachts wie urweltliche Tiere auf den Feldern lauern. Das Heu darf nur trocken eingefahren werden: Feuchtigkeit im Heustock führt zu Selbstentzündung. Andrerseits sollte das Heu nicht völlig ausgedörrt sein, um seinen Nährwert zu behalten. Paul Bommer fährt sein Heu mit dem Stiergespann ein.

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Etliche Jahre später zieht der Traktor das Fuder. Grossvater Bommer mit Schwiegertochter und Enkelkindern


Viehzucht und Milchwirtschaft

Reiche Heuernte Eine grosse Zeitersparnis, wenn man verschiedene Fuder in Serie beladen und nach der Heimfahrt entladen konnte. Das Abladen geschah in Handarbeit, später durch Heuaufzüge, die mit einem Elektromotor betrieben wurden. Im Ortsmuseum Wängi ist noch ein Handkurbelsystem installiert, mit dem ein ganzes Fuder umgeladen und angehoben werden konnte. Während einiger Zeit bestand eine Attraktion des Museums darin, dass eine besuchende Schulklasse die Fahrt in die Höhe antreten durfte.

Im Jahr 1955 verfügten laut kantonaler Statistik die 179 Betriebe der Munizipalgemeinde Wängi über 105 mechanische Heu- und Garbenaufzüge, 10 Jahre später waren es 167 Betriebe mit 116 Aufzügen.

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Baumanns Heuet im Mösli, etwa 1952: Der «Rapid» als vielseitiges Mäh- und Zuggerät

Heuen, immer eine Familienangelegenheit. Die Schulkinder bekamen Heuferien, die bis in die 1960er Jahre während etwa drei Wochen tageweise durch die Bauern in der Schulvorsteherschaft festgelegt wurden. Von einem geregelten Schulbetrieb konnte nicht die Rede sein.

Familie Eugen Gnehm während des 2. Weltkrieges: Die jungen Männer und die Pferde sind im Militärdienst.

Hier die Familie Heinrich und Sophie Sauter vom Wilhof. Klein Emma traut dem Fotografieren nicht ganz. Wie unter guten Nachbarn üblich, ist Josef Eisenring (mit Gabel) beim Aufladen zu Hilfe gekommen. Die Pferde sind zum Schutz gegen die Bremsenplage nach Möglichkeit zugedeckt.

Johann Grob hat sein Fuder «abgezogen», d.h. er hat mit dem Rechen das überhängende Heu abgestreift.

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Heuen – nicht immer problemlos Das Bild der Familie Giger, Linde, gestaltet von einem Fotografen mit ausgeprägtem Sinn für Symmetrie. Die beiden Männer, die mit überzeugend gespielter Anstrengung den Ladebaum zur Stabilisierung des Fuders anspannen, bilden den Kontrast zu den ruhigen Frauengestalten. Eine besondere Rolle spielt der Knabe, obwohl er sich dessen nicht bewusst ist. In den Händen hält er sein wichtigstes Werkzeug: ein Büschel von belaubten Zweigen.

Eine persönliche Erinnerungen von Andreas Raas aus dem Landdienst 1950: «Bei brütender Julihitze ein Heufuder an einem sanften Hang, gezogen von einem Ochsen. In der Luft ein ätzender Qualm aus dem «Bremenkübel», der an der Deichsel hängt und die Bremsen vertreiben soll. Der Stier erinnert an ein Zebra, da er am ganzen Körper in breiten Streifen mit «Bremenöl» bestrichen ist, einer schwarzen, klebrigen, stinkenden Paste. Und das Ganze, wie auch das Umsichschlagen mit dem Schwanz und der wütend mit seinem Büschel dreinhauende Junge, nützt nichts. Ein dichter, lärmender Schwarm von Bremsen setzt sich unablässig als

schwarz schwirrende Masse auf dem Tier fest, Blut rinnt bald einmal in dünnen Strähnen aus der zerstochenen Haut, was neue Insektenschwärme anlockt. Wer miterlebt, wie der Ochse – eine träge, gutmütige Fleischmasse – brüllend Amok läuft und das halbbeladene Fuder in wilden Galoppsprüngen mit sich reisst, bis er sich in den Seilen und im Lederzeug seines eigenen Geschirrs verfängt und zum Stillstand kommt, steht starr vor Schreck. Der Bremsenschwarm hat sein Opfer keinen Moment verlassen.»

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Viehzucht und Milchwirtschaft

Gespanne im Sommer und Winter

Bei Hans Fuhrer an der Chüechligass. Aus dem Güllenloch wird die Jauche mittels elektrisch angetriebener Zentrifugalpumpe unter ständigem Rühren in die Röhre gepumpt, die sich über der Öffnung des Güllenwagens entleert.

Vater Baumann, Anetswil, etwa 1935 Kuh und Ochse mit Kreuzzügel Die Kuh trägt den Kuhkummet, der Ochse, der am Nacken einen Wulst hat, zieht das gebogene Joch aus Holz.

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Da die Güllenlöcher häufig zu klein waren, mussten sie auch im Winter entleert werden, was immer wieder einmal beanstandet wurde, aber bei anhaltender Kälte nicht zu vermeiden war. Eugen Sauter im Wilhof, den wir auf Seite 84 schon als Jungen gesehen haben, führt ein behelfsmässig auf dem Schlitten montiertes Güllenfass.


Pfadschlitten Wenn schon die Pferde im Winter eingespannt wurden, so zum Holzführen und besonders gern zum Pfaden, hier in Tuttwil sogar sechsspännig. Das war zwar eine anstrengende Arbeit, und meistens am frühen Morgen, hatte aber auch ihren gesellschaftlichen Reiz, da man sich immer wieder bei dankbaren Anwohnern und in den Wirtschaften aufwärmen und seinen Durst stillen konnte. Es gab da keine Promille-Grenze, und die Pferde blieben nüchtern. Sager schildert die Geschichte vom Pfadschlitten in Heiterschen, der frühmorgens auf einem Brückenwagen ins Depot zurücktransportiert werden musste, weil die Mannschaft bei ausgiebigem Jass und Bier im Wirtshaus vom plötzlichen Tauwetter überrascht worden war.

Gemischtes Gespann Adolf Gnehm und Sohn Eugen in Hunzikon mit einem gemischten Gespann, etwa 1950

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Viehzucht und Milchwirtschaft

Kleiner Anhang zur Viehzucht Menschen und Tiere leiden

Brugger schreibt: «Seit Beginn des 19. Jahrhunderts ist der thurgauische Viehbestand nie von einer derart verheerenden Krankheit heimgesucht worden, wie im Jahr 1920 durch die Maul- und Klauenseuche. Im Thurgau begann die Invasion am 24. Mai, als in einem kleinen Viehbestand in Thundorf die Seuche konstatiert wurde. Den Höhepunkt erreichte die Seuche im September, als in 1247 Ställen, 10 245 Stück Rindvieh und 3 123 Stück Kleinvieh erkrankten.» Laut dem Statistischen Jahrbuch waren in der Schweiz bei einem Gesamtbestand von etwa 2,5 Millionen Stück Gross- und Kleinvieh 569 000 verseucht, von denen 33 000 nicht überlebten. Auch Süddeutschland litt unter der Seuche. Die Zeitungsberichte des Jahres 1920 widerspiegeln die unheimliche Entwicklung der Seuchenlage. Lange sah es so aus, als ob der südliche Thurgau eher verschont würde. Doch im August brach die Seuche in Affeltrangen, Buch, Matzingen und Stettfurt aus, am 17. September auch in Untertuttwil, später in Münchwilen, Bettwiesen, Eschlikon, Littenheid, Wängi und Aadorf. Der Verlauf war sehr unterschiedlich. Während einzelne Tiere die Krankheit überwanden, mussten viele mit grässlichen Verbrennungen an der Zunge, an den Füssen und den inneren Organen getötet werden. Rätselhaft blieb die Art der Ansteckung; die Seuche tauchte auch an völlig isolierten Höfen auf. Eine Rückwirkung auf die betroffenen Bauernfamilien war unvermeidlich: Sie lebten wie in Trance, verfielen in Schwermut und Bewegungslosigkeit, wurden krank.

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Die Thurgauer Zeitung brachte beinahe täglich Berichte von der Seuchenlage. Sie zitierte aus den Einsiedler Blättern von der Wäggitaler Alpabfahrt: «Man hätte weinen mögen beim Anblick mancher bis auf die Rippen abgemagerter, armer «Lobeli», die schwankenden, unsicheren Trittes traurig und mutlos daher wankten, oft die schmerzenden, wunden Füsse mit Lumpen verbunden . . .» Die Situation wurde noch dadurch verschärft, dass zur selben Zeit eine Grippe-Epidemie wütete, die das gesellschaftliche Leben vollständig zum Erliegen brachte. Die Städtische Turnhalle in Frauenfeld und die Kaserne Herisau wurden zu Notspitälern umfunktioniert. Die Allgemeine Krankenkasse Wängi und Umgebung mit über 100 Mitgliedern hatte schon im Vorjahr Fr. 1 100.- für Grippekranke ausgegeben. Bei späteren Seuchenzügen – vor allem von 1965 bis 1966 – isolierten sich die Bauernhöfe mit lysolgetränkten Sägemehlstreifen. Es war nicht ratsam, in ein so markiertes Gebiet einzudringen. Die Dörfer wirkten wie ausgestorben. Alle Veranstaltungen wurden abgesagt.


Das Maul- und Klauenseuche-Postbüro von Tuttwil Oktober 1920: «Strasse gesperrt, Seuchengebiet»

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Viehzucht und Milchwirtschaft

Strassenimpfung in Paris Aus der Illustrierten Chronik der Zeit, Jahrgang 1897

«Zu gewissen Zeiten sieht man in Paris eigentümlich eingerichtete, halb offene Sanitätswagen, an die hinten eine junge Kuh angebunden ist, langsam durch die Strasse fahren. An irgendeiner recht belebten Stelle hält der Wagen, einige würdig aussehende Männer steigen aus, holen ihre Impfbestecke hervor, entnehmen direkt von der Kuh die Lymphe und das Impfgeschäft beginnt. Dann treten alsbald Mütter heran, welche die Arme ihrer Kinder entblössen, Männer und Frauen, welche ihre Hemdärmel emporstreifen, und alles, was kommt, wird sofort auf der Strasse geimpft.»

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Viehzucht und Milchwirtschaft

Die Kuh als Lebensretterin

Der medizinische und auch in verschiedenen Sprachen verwendete Ausdruck für Impfung ist Vaccination, abgeleitet von vacca = Kuh. Bis ins 20. Jahrhundert hinein waren die Pocken eine durch den Variola-Virus ausgelöste, furchtbare Volkskrankheit, die entweder zum Tode oder zur lebenslänglichen Verunstaltung durch tiefe Narben führte. Über die Entstehung der Impfung gibt es viele Versionen. Eine davon besagt, der englische Arzt Edward Jenner hätte gehört, dass Menschen, die Kühe molken, häufig von einer leichten Form der Kuhpocken befallen wurden, jedoch nicht an Pocken erkrankten. In einem Experiment entnahm er 1796 einer an Kuhpocken erkrankten Magd etwas Flüssigkeit an einer Hautblase und infizierte damit einen Jungen. Bei einer späteren Pockenviren-Injektion zeigte der Knabe keine Symptome der tödlichen Krankheit – er war immun. Misserfolge und Rückschläge verhinderten nicht, dass diese Form der Impfung einen eigentlichen Siegeszug antrat. Andrerseits schrieb der thurgauische Regierungsrat Freyenmuth 1835 in sein Tagebuch: «Die Pocken raffen in hiesiger Gegend viele junge Leute hin. Sie wurden von Zürich hergebracht und zum Theil anfänglich verheimlicht, so dass keine gehörigen Sperrmassnahmen angewendet werden konnten. Es finden sich immer noch viele junge Leute von 18 bis 20 Jahren, die nicht geimpft worden, von denen es manche dahinrafft.» In der Volksabstimmung vom 28. August 1892 hatte Wängi dem Bau eines Pockenhauses in Münsterlingen mit 70 Ja gegen 64 Nein nur knapp zugestimmt. Der Kanton nahm jedoch mit 9459 Ja gegen 3445 Nein an. Die Pockenimpfung – auf neuer wissenschaftlicher Basis – wurde weltweit eingeführt, so dass die Krankheit 1980 als ausgerottet erklärt wurde; eine optimistische Annahme. Über Vor- und Nachteile des Impfens wurde und wird stets heftig und mit allen Waffen gestritten, nicht nur in Fachkreisen, sondern auch bei

medizinischen Laien. Etwa zur selben Zeit, in der die Mütter von Paris ihre Säuglinge impfen liessen, kursierte in der Gegend von Bischofszell ein Flugblatt, das Dr. Roger Gonzenbach in seiner Spitalchronik erwähnt. Er vermutet einen Zusammenhang mit der Pockenepidemie von 1903. Wir zitieren einige Verse des anonymen Verfassers, der den Literatur-Nobelpreis nicht verdienen würde, sich jedoch über eine erstaunliche Kenntnis der Bibel ausweist: Wie schön war die Welt und die Menschheit, Als man noch nicht impfte mit Gift! Vollkommen fürwahr war das Weltall, Das Glück blüht’ auf jeglicher Trift. Da kam das gefährliche Impfen Mit Eiter, mit scheusslichem Gift; Nun hört, bischofszellische Bürger, Welch grässliches Schicksal euch trifft. Schon Adam liess sich nicht impfen, Der David entsetzte sich drob, Nur einer machte die Dummheit, das war der geplagte Hiob. Der Doktor impft um den Franken, Da seht ihr’s, wie Dinte ist’s klar, Das ist an der unsaubern Geschichte Das allerunsauberste Haar.

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Viehzucht und Milchwirtschaft

Heuen in zwei Jahrhunderten

Ausschnitt aus dem Juni-Monatsbild im Prunksaal des Schlosses Sonnenberg von 1757

Die Arbeitsweise des Heuens hatte sich während Jahrhunderten kaum verändert

Fotografie von etwa 1950

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Aus der Skizze von J. Alfons Berkmüller, etwa 1850


Aus dem Umfeld der Landwirtschaft Aus dem Umfeld der Landwirtschaft liegen Bilder vor, die im engeren oder weiteren Sinn mit dem bäuerlichen Leben zusammenhängen. Die Schmiede an der Tuttwilerstrasse Die Schmiede an der Tuttwilerstrasse etwa 1930, heute Wohnanlage «Alti Schmitte». Ein grosser Vorrat an Rädern ist wichtig. Das Aufziehen eines Rades ist ein spannendes Ereignis und zieht immer etliche Zuschauer an. Der Wagner – gleich nebenan – liefert das hölzerne Rad, und nun kommt es darauf an, das noch glühendheisse Eisenband so anzupassen, dass das Holz nicht versengt wird, anderseits so knapp anliegend, dass das Rad beim Abkühlen durch den plötzlichen Wasserguss zusammengepresst, aber nicht zerdrückt wird. Die Toleranz liegt im Bereich weniger Millimeter. Ohne Lärm geht das nicht, und auch selten ohne Fluchen.

Starke Kerle Starke Kerle – der Umgang mit Eisen verlangt Härte, die Glut der Esse fordert schnelles Handeln. Das Schild an der Türe macht Reklame für Adolf Schmid in Bern, der sein «Huffett für Pferde» samt Illustrationen anpreist. Die ursprüngliche Tätigkeit des Hufschmiedes ist jedoch rückläufig; die Herstellung und Reparatur eiserner Geräte überwiegt.

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Wagner Müller-Gnehm Wagner Müller-Gnehm an der Aadorferstrasse (mit Kravatte) präsentiert sich etwa 1920 mit Familie, Gesellen und den Erzeugnissen seines Gewerbes. Offensichtlich werden nicht nur Räder, sondern auch weitere landwirtschaftliche Hilfsgeräte produziert. Ob Fotograf Boesch aus Zürich bestellt war oder als Wanderfotograf umherzog, ist nicht mehr abzuklären.

Wagner Gnehm Müller hatte das Geschäft von seinem Schwiegervater, dem Wagner Gnehm, übernommen. Dieser posiert als zweiter von rechts mit Familie und Gesellen vor seiner Werkstatt, etwa 1900.

Beim Fotografen in Frauenfeld Wie damals üblich, liess sich der stolze Handwerksmeister im höheren Alter bei einem Starfotografen in einem romantischen Dekor ablichten. Fotograf Bär in der Frauenfelder Vorstadt besorgte das 1915 fachmännisch. Von Gnehms Frau existiert leider kein Bild.

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Nagel-Studio Das erste Nagel-Studio in Wängi: Die Klauenschneider auf der Stör im Buch bei Hörnlimanns

Modeschau Regionalschau der Braunviehgenossenschaft Hinterthurgau 1989 Kuh-Casting und Qualitätsprüfung bei der Viehschau, die etwa alle 4 Jahre stattfindet. Walter Denzler und Sohn Walter-Andreas vor interessierter Zuschauerkulisse an der Chüechligass

Der Schmied Schmied Gnehm beim Markieren von Hermann Bommers Kuh, etwa 1960

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Eisbereitung in der Metzgerei Baumann

Hausmetzgete mit Metzger Greuter bei Adolf Gnehm Die Metzgete bedeutete im Leben der Bauernfamilie einen Höhepunkt. Da kam der Störmetzger auf den Hof, schlachtete das mit Haushalt-, Betriebs- und Käsereiabfällen wohlgemästete Schwein, zerlegte es und fabrizierte aus den Därmen für den Sofortverbrauch die beliebten Blut- und Leberwürste. Viel Fleisch kam auf den Tisch, insbesondere vor der Erfindung der Tiefkühlanlagen. Auch der Pfarrer und der Lehrer wurden nicht vergessen. Traditionell erfolgte die Konservierung durch Räuchern; eine volle Rauchkammer war der Stolz des Hauses.

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Metzger Baumann präsentiert den Osterochsen, der im Hinblick auf seine Zukunft eher nachdenklich wirkt.


Aus dem Umfeld der Landwirtschaft

Kaum jemand machte sich in der Jahrhundertmitte Gedanken über den Fleischkonsum und noch viel weniger über das, was Jahrzehnte später als globales Problemfeld der Nutztierhaltung auftauchen sollte, insbesondere der ernährungstechnisch überproportionale Aufwand an Futtermitteln und Produktionsflächen und die Treibhausgas-Emissionen. Aus weltanschaulichen und tierschützerischen Gründen führt Dr. Erwin Kessler, Tuttwil, seit 1990 einen unerbittlichen, schonungslosen Kampf gegen Übelstände in der Tierhaltung und ganz allgemein gegen den Fleischverzehr. In der Anwendung seiner Mittel ist er nicht wählerisch, scheut sich aber auch nicht vor dem Gang in die Gerichte und vor Bussen und Gefängnisstrafen. Der von ihm gegründete und gelenkte «Verein gegen Tierfabriken» gibt eine eigene Zeitschrift heraus.

Unser Historiker Pupikofer schreibt: «Fleisch zu essen erlaubte man sich nur an Sonn- und Feiertagen oder in schwerer Arbeitszeit, und so sehr hielt der gemeine Mann den Genuss von Fleischspeisen für schädlichen Luxus, dass er selbst im Hungerjahr 1817, wo die Viehpreise ausserordentlich niedrig standen, lieber hungerte als Fleisch ass. Neben Mehlspeisen und gekochtem Obst bildeten Kartoffeln seit der Revolution mehr und mehr das wichtigste Nahrungsmittel; oder man wechselte, zumal im Winter, ab mit Sauerkraut, welches man vormals lediglich aus Stoppelrüben und Kohl bereitete.» Und das notierte der originelle und unbekannte Verfasser der «Kleinen Chronick für Schweizer» schon im Jahre 1795: «Die Engländer sind heut zu Tage diejenige Nation, welche am meisten Fleisch isset, und daher ist nicht zu verwundern, wenn sie auch grösstentheils Leute von aufrührischem, jähzornigem und furiösem Charakter sind.»

Inserat vom 2. Juli 1904 in der Thurgauer Zeitung Offenbar ging es schon immer um die Wurst.

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August Abderhalden, der letzte von 4 Schuhmachern im Dorf, gab sein Geschäft etwa 1980 auf.

Der originelle Schreinermeister Paul Häne übergab seinen Betrieb etwa 1974 seinem Sohn Hanspeter.

Von einem wichtigen Partner des Bauern existieren keine Arbeitsaufnahmen, nämlich vom Tierarzt. Dr. Josef erklärt das damit, dass bei den Prozeduren im Stall die anwesenden Personen entweder sofort in den Prozess eingespannt oder barsch weggewiesen wurden. «Wenn du da hinten stehst, meint die Kuh immer, sie habe schon gekalbt.» Mit der Einführung und Verbreitung der künstlichen Besamung in den 1950-60er Jahren kam eine weitere Aufgabe auf die Veterinäre zu, die sie indessen bald abgaben, da diese Manipulationen auch von speziell ausgebildeten Laien durchgeführt werden konnten. Heute werden noch etwa 30 % der Kühe natürlich besamt.

Malermeister und Hobbydichter Alois Schneider arbeitete bis 1977.

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Landwirtschaftliche Genossenschaft

Pia Müller, Modes Für elegante Kleider war etwa um 1920 Pia Müller zuständig. Schon damals kam die Mode aus Paris, was in der Anschrift klar erkennbar ist. Ein weiteres modisches Detail: Emil Ammann erwähnt den «Haarschneider, Rasierer und Zahnzieher» Colombo, der seine Werkstatt gegenüber der Kirche hatte und auch am Sonntag bis gegen Mittag die acht- und vierzehntägigen Stoppelbärte bearbeitete. Er nannte sich «Chirurg», arbeitete jedoch zu bescheidenen Tarifen. Die Bewohner der Armenanstalt Neuhaus rasierte er für 10 Rappen; ein Haarschnitt kostete 20 Rappen.

Die Landwirtschaftliche Genossenschaft wurde 1900 gegründet und erbaute 4 Jahre später den Laden gegenüber dem Bahnhof. Für den Bau des Kreisels musste das etwas verwahrloste Gebäude 2009 abgebrochen werden. Das Sortiment des VOLG-Ladens umfasste schlechthin alles, was ein Bauer benötigte, von Lebensmitteln, Kleidern, Schuhen, landwirtschaftlichen Kleingeräten bis zu Düngemitteln und Brennmaterialien; ausserdem war er Abnehmer von Produkten aus Feld und Garten. Der Umsatz im Jahr 1910 betrug 78 000 Franken, 10 Jahre später bereits 273 000 Franken.

Handwerker, Helfer, Händler

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Aus dem Umfeld der Landwirtschaft

Kaufhaus Zumbühl Die Ansichtskarte von 1904 zeigt als eine der vier Sehenswürdigkeiten das Kaufhaus Zumbühl. Die gegenüberliegende Handlung Müller war besonders bei den Kindern beliebt wegen der süssen Fünfer-Böllen, konnte jedoch neben dem Kaufhaus nicht mehr lange bestehen. Zumbühl hatte alles. Gegen die Mitte des 20. Jahrhunderts war er der grösste private Steuerzahler im Dorf. Emil Ammann Der Vater von Kaufmann Albert Zumbühl hausierte noch mit einer Krämertrucke auf dem Rücken in grossem Umkreis mit Faden, Nadeln, Knöpfen, Schuhriemen und dergleichen. Seine Frau betrieb ein kleines, enges Lädeli, darin es einem fast Angst wurde, und in dieser Enge stand noch die dicke Krämerin. Das Lädeli und das Hausieren müssen offenbar gut rentiert haben, dass der grosse Neubau nach 1900 gewagt werden durfte!

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Aus dem Umfeld der Landwirtschaft

Im Buch «Die alten Mühlen im Thurgau» erwähnt Hans Nater die wechselnden Besitzer der Wängener Mühle, beginnend mit Hans Müller (1382) und endend mit Joachim Buchmann (1825). Unklar sind der genaue Standort und ein möglicher Zusammenhang mit dem verschwundenen Heiterscher Weiher und einem Mühlbach. Als Junker Landschad 1636 die Herrschaft Wängi verkaufen wollte, rühmte er die Anlage, bestehend aus Getreide und Flachsmühle samt wasserbetriebener Säge, als «fast die fürnembste Mülli im ganzen Thurgöw», was eine masslose Übertreibung war, da sowohl die Mühle wie auch das Wuhr und der Mühlegraben erneuert werden mussten. Handlung Müller neben der Kirche. «Colonialwaren» war die normale und meist zutreffende Bezeichnung für Produkte aus fremden Kontinenten.

Brotverkauf durch Ueli Hofmann, Krone, Tuttwil, etwa 1935

Auch seine Frau Anna im Einsatz

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Aus dem Umfeld der Landwirtschaft

Verkehr

Die rasante wirtschaftliche Entwicklung wäre ohne den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, vor allem von Bahn und Post, nicht möglich gewesen. Die alte Post in Tuttwil, etwa 1945 Der Briefträger Johann Gubler stapelt die Pakete problemlos auf dem kleinen Gepäckträger. Die Posthalterinnen Emilie und Marthe Gubler erwarten ihre Kunden. Es ist wohl kein Zufall, dass in einem Dorf wie Tuttwil, das nicht an einer Bahnlinie liegt, die Post besonders wichtig war. Die Tuttwiler haben die Aufhebung 2002 denn auch energisch, aber vergeblich bekämpft.

Jakob Hörnlimann, Buch, fährt mit leeren Säcken vermutlich von Eschlikon zurück auf seinen Hof. Im Hintergrund der Säntisblick. In Eschlikon liegt die nächste SBB-Station. Auch ist die Höhendifferenz geringer als gegen Wängi.

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Aus dem Umfeld der Landwirtschaft

Die 1907 erbaute Post von Wängi Der Postdienst von Wängi mit Filialen in Tuttwil, Rosental und Wittenwil wurde von 1848 bis 1925 durch das Geschlecht der Ammann versehen. Im Jahre 1940 notierte Conrad Ammann, alt Briefträger, seine Erinnerungen an die stürmische Entwicklung des Post- und Bahnwesens: «Es wird um die Zeit von 1848 gewesen sein, dass ein wenig Postverkehr ins Murgtal kam. Von einer Fahrpost war noch keine Rede; die Post musste durch einen Boten wöchentlich 2 – 3 mal nach Frauenfeld gebracht und dort abgeholt werden. Im Jahre 1883 übernahm ich das Amt als Fahrbote, in der Woche zweimal nach Frauenfeld und einmal nach Wil. Doch schon vier Jahre später war Schluss damit, denn die Eröffnung der Strassenbahn Frauenfeld-Wil machte diesen Beruf überflüssig.» Die erste Postkutsche war wohl 1760 durch Frauenfeld gefahren. Zwischen 1916 und 1927 wurden die Pferdeposten durch Postautos ersetzt. Noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Post einen gewaltigen Bargeldverkehr zu erledigen. Zentnerweise wurden die Münzen im Schubkarren durch das Dorf und in die Aussenorte gekarrt; eines Abends erhielt der Posthalter 7000 nagelneue Fünfliber für die Soldauszahlung des Thurgauer Regiments: 175 kg in 7 Säcken.

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Aus dem Umfeld der Landwirtschaft

Eine Postkarte gelangt 1901 in einem Tag von Lommis über Matzingen, Wängi und Tuttwil nach Krillberg. Der Posthalter von Lommis nimmt die Karte entgegen, stempelt zuerst die 5 Rappen-Briefmarke und bringt daneben nochmals den Ortsstempel an, damit er klar lesbar ist. Der Postbote bringt die Karte nach Matzingen, wo sie vom Posthalter den dritten Stempel erhält. Weiter geht es mit der Wilerbahn nach Wängi. Dort nimmt sie der Posthalter entgegen, liest sie, macht sich seine Gedanken, bringt seinen Stempel an und leitet die Karte per Boten nach «Tuttweil», wo der Posthalter sie zum letzten Mal stempelt und dem Fräulein Elisa Höpli ins Haus bringt. Vier Posthalter haben sich intensiv mit der Karte beschäftigt – aber sie ist am gleichen Tag, an dem sie aufgegeben wurde, der Empfängerin zugestellt worden – heute würde man sagen, schneller als A-Post! Vorderseite Lommis mit den Sehenswürdigkeiten: Schloss Sonnenberg, Postgebäude und Mechanische Stickerei Albert Beerli, die im Jahr 1901 mit 40 Arbeitskräften betrieben wurde. 10 Jahre später waren es 51 Beschäftigte, 1923 noch deren 15.

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Aus dem Umfeld der Landwirtschaft

Industrie

Erstaunlich gering ist die Zahl der Fotos aus Fabriken. Sie stehen in keinem Verhältnis zur grossen Bedeutung der Industrie. Seltsamerweise hat auch Berkmüller, der ja in einem solchen Betrieb arbeitete, keine seiner vielen Zeichnungen der Heim- oder Fabrikarbeit gewidmet. Kleine Betriebe waren die Glühlampenfabrik von 1937 bis 1938, die Hausschuhfabrik des Julius Armbruster von 1918 bis 1928 und die Isolierdrahtwerk AG von 1924 bis 1933. Die grössten Betriebe zwischen 1900 und 1950 waren neben der im Kapitel Viehzucht besprochenen Maschinenfabrik die Weberei, die Riloga,

die Stücheli-Mühle und spätere Zwirnerei Stierlin in Rosental und die Schifflistickerei, später Metall- und Garniturenfirma Bruggmann in Eggetsbühl. Die Weberei Wie jeder fortschrittliche Betrieb hatte auch die 1823 gegründete Spinnerei Wängi das Eidg. Fabrikgesetz von 1877 vollzogen. Die Vertreter der 142 Angestellten hatten das Dokument unterzeichnet.

Die Schlussformel der Fabrikordnung der Spinnerei und Weberei Stierlin und Schweitzer in Wängi und Jakobsthal (Wittenwil) vom Januar 1878:

Dass vorstehende Fabrikordnung im Sinn des Paragraphen 8 des Fabrikgesetzes bekannt gemacht und von denselben angenommen worden sei, bezeugen:

Ulrich Sprenger, Ferger J. Ant. Leutenegger, Schlichter Jb. Egli, Webermeister Alois Fuchs, Heizer Joseph Anton Koller, Weber Jakob Brüllmann, Weber Johann Baptist Krähenmann, Webermeister Fr. Gubler, Webermeister Heinrich Kündig, Aufseher Adam Horber, Arbeiter Joh. Bürgi, Kardenschleifer Joh. Lattmann, Arbeiter Josepf Huber, Spinner Matthias Zuber, Spinner Joseph . . . , Aufseher Vinzenz Hafner, Aufseher Keine weiblichen Unterschriften

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Aus dem Umfeld der Landwirtschaft

Weberei Wängi Die nach dem Brand der grossen Spinnerei 1911 erbaute Weberei ging 7 Jahre später an eine Aktiengesellschaft über. An Weihnachten 1931 konnten die Löhne nicht mehr bezahlt werden, so dass die Ortsgemeinde Wängi einen Vorschuss leisten musste. Durch eine Sammlung bei Behörden und Privaten konnte ein reduzierter Betrieb mit niedrigeren Löhnen aufrecht erhalten werden. Unter der Leitung von Direktor Maurer (Foto, mit Frau) entwickelte sich die Weberei zu einem der modernsten Betriebe der Schweiz mit zeitweise über 400 Arbeitskräften und florierte noch lange, nachdem die meisten Textilfabriken im Murgtal eingegangen waren.

Interessant ist die Frage, wie die Weberei ihren Strombedarf deckte. Auch nach dem Brand der Spinnerei blieb das südöstlich angebaute Wasserradgetriebe und spätere Elektrizitätswerk im Gebrauch, ebenso das umfängliche Kanalsystem und das Ausgleichsbecken des Webiweihers. 1942 wurden die beiden Francis-Turbinen durch eine moderne Kaplanturbine in einer neuen Anlage ersetzt. Bis zum Anschluss an das Netz der Dorfgemeinde, 1966, erzeugte die Weberei so die Hälfte des benötigten Stromes. Die Turbine wurde auf Wunsch eines Missionars in aufwändiger Arbeit nach Burundi exportiert, wo sie weiter funktionierte.

Die Spur des ehemaligen Kanals entlang der Wilerstrasse ist heute noch erkennbar.

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Das ausgeklügelte Kanalsystem auf dem Plan von etwa 1850 zeigt ganz rechts die Leitung vom Weiher her, dann die beiden Kontaktstellen mit der Murg und schliesslich den Kanal, der unter der Landstrasse hindurch in das Wasserschloss einläuft und nachher unterirdisch in die Murg zurückfliesst.


Ein Transport von «Rüti»-Webstühlen für die Weberei Wängi, Anfang der 1940er Jahre. Die Maschinen waren etwa 15-20 Jahre in Gebrauch. Typisch für die Weberei war die permanente Modernisierung des Maschinenparks. Hauptlieferanten waren die Maschinenfabrik Rüti und Saurer, Arbon. Die Saurer Lastwagen und Cars waren sehr bekannt, doch war das Geschäft mit den Webmaschinen wesentlich wichtiger für die Firma. Das Haus, vor dem die Wagons stehen, ist das «Stierlinhaus», das 1977 zwecks Verbreiterung der Strasse abgebrochen wurde. Die 2. Person von rechts ist Paul Hasler, Sohn von Johann. Maschinensaal der Weberei Wängi Maschinensaal mit Frau Greuter. Es sind Rütimaschinen, wie sie bis gegen 1970 in Gebrauch waren. Es gab 6 verschiedene Breiten von 110 bis 300 cm, letztere vor allem für Leintuchweberei. Ein Arbeiter oder eine Arbeiterin konnte 8 – 12 Maschinen bedienen, es ging darum, beim Warnzeichen eine auslaufenden Bobine durch eine neue aus der Schachtel zu ersetzen, ohne dass die Maschine angehalten werden musste.

Johann Hasler Saalobermeister Johann Hasler (1900 – 1983), auf einem Bild von 1935. Eine verantwortungsvolle und stolze Stellung für einen Mann aus einfachen Verhältnissen, der durch Begabung und ungeheuren Fleiss zu einer führenden Persönlichkeit des Dorfes wurde.

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Die Belegschaft der Aktienstickerei, etwa 1910

Anlässlich der Schulhauseinweihung von 1953 Die Arbeiterkinder der Riloga führten das Prinzip der Vorhangrollen in grossem Massstab vor.

Von der Aktienstickerei zur Riloga, später Silga Im schönen Neubau an der Frauenfelderstrasse entstand 1903 die sogenannte Aktienstickerei, die 28 Arbeitskräfte beschäftigte. Ihre Schifflistickmaschinen wurden anfänglich mit Petrolmotoren betrieben. Wenige Jahre später erfolgte die Umstellung auf Elektrizität, die Zahl der Arbeitskräfte stieg auf 45, wovon etwa die Hälfte Frauen. Nach der grossen Krise von 1921/22 finden wir noch ganze 4 Arbeiter. Anfang der 30er Jahre ging die Firma ein und die Liegenschaft wurde von der Riloga übernommen. Johann Peter Schmidt bei Remscheid entwickelte 1926 in Remscheid-Dorfmühle (südlich Wuppertal) eine neue «ringlose» Vorhanggarnitur. Diese bestand aus einer Laufschiene in Form einer Eisenbahn-

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schiene, auf welcher sich der Vorhang mittels Rollen bewegte. Das neue System wurde unter dem Namen RILOGA bald zu einem vielgesuchten Artikel, was zu einer Vergrösserung der Fabrikanlage in Deutschland und 1931 – zwecks Umgehung der hohen Zollgebühren – zur Eröffnung des Zweigbetriebes in Wängi führte. Über den tragischen Tod des Industriellen berichten wir auf Seite 157. Der 2. Weltkrieg brachte dem Betrieb in Deutschland mit der Zerstörung der Werke und dem Verlust von mehr als zwei Dutzend Betriebsangehörigen durch Tod an der Front und bei Bombardierungen einen herben Rückschlag. Lediglich das Werk in der Schweiz – 1931 Schmidt Riloga Werk, ab 1937 Tillmanns-Schmidt Rilogawerk – unterhielt eine normale Produktion. Im Steuerrodel von 1941 ist die Firma mit einem Einkommen von 52 700 Franken verzeichnet, was von keinem andern Steuerzahler erreicht wurde. Das Vermögen betrug 285 500 Franken.


Der Neubau von 1908

Bruggmann, später Schadegg Die ersten Schifflistickmaschinen 5 Yard standen 1898 in Eggetsbühl bei Joh. Bruggmann-Kappeler. Im Jahre 1900 entstand die Schifflistickerei Bruggmann in Eggetsbühl. 1936 Umstellung auf das Handels- und Fabrikationsgeschäft, u.a. für Vorhangschienen, 1950 Übergang an Edwin Schadegg-Bruggmann, Belieferung von Eisenwarenhandlungen und Innendekorationsgeschäften. Rückgang in den 70er Jahren, markanter Aufstieg in den 90er Jahren. Weitere Ausbauschritte bis in die Neuzeit Der Firma verdanken wir auch das schöne Bild vom Betriebsausflug mit dem Auto-Car im folgenden Kapitel.

Die vom Regierungsrat genehmigte Fabrikordnung von 1919 der Firma J. Bruggmann-Sprenger in Lachen-Eggetsbühl

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Aus dem Umfeld der Landwirtschaft

Getreidemühle, später Zwirnerei Rosental

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Wie viele Industriebetriebe ist auch diese Anlage mit einer dramatischen Geschichte verbunden. Kantonsrat Konrad Stücheli (1848 – 1928), Inhaber der grossen Mühlenanlage in Möriken-St. Margarethen, baut zur Erhöhung seiner Stromproduktion 1899 in Rosental ein Elektrizitätswerk. Als Wasserreserve legt er den heute noch bestehenden Rosentaler Weiher an. Von dort wird das Wasser in einer etwa 800 m langen, zugedeckten Zementrohrleitung von 1 m Durchmesser dem linken Hochwasserdamm entlang nach Rosental geführt. Mit einem Durchfluss von 700 bis 1000 Litern pro Sekunde und einem Gefälle von gut 12 m erzeugt er maximal 88 kW, die in einer etwa 3 km langen 3000 Volt-Leitung nach Mörikon übertragen werden. Neben der Turbinenanlage richtet er eine Mais- und Roggenmühle ein, die 1906 durch einen Brand zerstört wird. Ein Jahr später können bereits die vergrösserte Mühle und ein leistungsfähigeres Elektrizitätswerk in Betrieb genommen werden, bis Stücheli 1912 zusammen mit der Spar- und Leihkasse Eschlikon Konkurs anmelden muss. Wer wen in den Abgrund gerissen hat, wird von den Lokalhistorikern unterschiedlich beurteilt. Stüchelis Anlagen werden an Private und Genossenschaften verkauft. 1924 entsteht die Zwirnerei Rosental unter der Leitung von Paul Stierlin. Die Wasserleitung wird zugemauert, die Turbinenanlage 1978 verschrottet. Nach Paul Stierlins Tod im Jahre 1956 geht die Leitung der Firma an seine Tochter Ursula Sulzer-Stierlin über, 1988 an den bisherigen Zwirnereimeister Karl Raas. Eigenartig ist, dass die Anlage in Rosental bis heute fast unverändert besteht, während der weit grössere Betrieb in Mörikon, der im Tag- und Nachtbetrieb wöchentlich 36 Fünftonnenwagen Frucht vermahlte, nach einem Grossbrand 1918 völlig vom Erdboden verschwunden ist.


Aus dem Umfeld der Landwirtschaft

Ein Blick auf 200 Jahre zurück: Frühe Industrialisierung im Murgtal Inserat in der Thurgauer Zeitung vom Februar 1839

Blick auf Jakobstal, etwa 1850. Zeichnung von Berkmüller. Hinter der Textilfabrik ist das hohe «Kosthaus» zu sehen, in dem ein Teil der Arbeitskräfte untergebracht war. Das düstere, hässliche Bauwerk – nur noch teilweise bewohnt – stand hart an der Strasse und führte den Durchfahrenden das Elend der Frühindustrialisierung noch bis 1971 vor Augen.

Dr. Hermann Walder der Ältere (1820 – 1897), seit 1850 in Wängi, war Mitherausgeber eines Berichts über die Fabrikarbeit, der den Regierungsrat veranlasste, eine detaillierte Erhebung durchzuführen. Die gründliche Studie wurde von Rektor Mann, Architekt Albrecht und Dr. Walder für etwa 60 Betriebe mit 3600 Arbeitskräften erstellt und zeigte die dringende Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung, wurden doch etliche Kinder unter 11 Jahren beschäftigt und über 100 unter 13 Jahren. Die täglichen Arbeitszeiten schwankten zwischen 12 und 19 Stunden. Viele Fabrikordnungen waren auf extreme Ausnützung der Arbeitenden angelegt. Nachdem verschiedene Vorstösse zur Schaffung eines kantonalen Fabrikgesetzes im Sande verliefen, regelte schliesslich das Bundesgesetz vom 23.3.1877 die Arbeitsverhältnisse in der Industrie.

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Die Belegschaft einer nicht bekannten Fabrik in unserer Gegend vermutlich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die fast durchwegs weiblichen Angestellten sind sehr jung. Ob alle eine Schulbildung erhalten, ist fraglich, obwohl die gesetzlichen Grundlagen vorhanden wären. Es ist eine der Hauptaufgaben der Schulinspektoren, die Schulversäumnisse festzustellen, beispielsweise waren es im Jahr 1849 laut Rechenschaftsbericht des Regierungsrates deren 329 098. Eine besondere Art der Ausbeutung erfolgte in den 6 thurgauischen Heimen, in denen junge Italienerinnen meist unter strenger Leitung von Ordensschwestern lange Jahre mit intensivster Fabrikarbeit verbringen mussten; das «Marienheim» in Münchwilen mit 60 Arbeiterinnen bestand bis 1963.

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Lebensart, Kultur Tellspiele Das Schauspiel von Friedrich Schiller verkörperte das romantisch-heroische Vaterlandsgefühl der Epoche. In der Alpenrösli-Chronik erwähnt U. De Martin bereits eine Tell-Aufführung des dramatischen Vereins im Mai 1893 unter Mitwirkung der Musikgesellschaft, im Freien und ausdrücklich: teils zu Pferd.

Emil Ammann Als das neue Schulhaus 1903 bezugsbereit war, erfolgte die Schulhauseinweihung, verbunden mit einem Kinderfest. Da waren wir Buben und Mädchen gerne dabei und ich darf sagen, es war ein schönes Kinderfest. Aber auch die Grossen machten sich daran, ich glaube übers Jahr, spielte eine aus unserer Kirchgemeinde ausgesuchte Theatergesellschaft das Freilichtspiel ”Wilhelm Tell». Die Freilichtbühne befand sich ob dem Spielplatz auf der Wiese, vor dem Eingang der Steinlerturnhalle Im Geiste sehe ich noch die lichte Szenerie, einen Ausschnitt aus der Urschweiz mit dem See und im Hintergrund die beiden Mythen. Die Rollen, vorab die Hauptrollen, waren in guten Händen, dazu kamen passende Kostüme. Der ganze Schulhausplatz war bestuhlt und Zuschauer und -hörer aus nah und fern freuten sich ob der markanten Gestalt und der naturgetreuen Wiedergabe des Wilhelm Tell (Alt Christian Wanner mit seinem Buben), oder des Landvogtes Gessler in der Person von Aug. Gamper, Maschinenfabrikant, den Apfelschuss, Gesslers Tod in der Hohlen Gasse etc. Der Vogt und die Edelleute waren beritten. Das Edelfräulein Bertha von Brunegg vornehm im Damensattel und daneben ihr Verehrer Rudenz. Eine ganze Kuhherde mit Glockengeläute samt den Sennen und Hunden ging über die Bühne. Die Knechte des Landvogtes und Gefolge jagten den Verfolgten nach. Für uns Buben war dieses Tellspiel ein Erlebnis besonderer Art, mit Saft und Kraft. Ganz Wängi und Umgebung war über viele Wochen im Banne dieses historischen Schauspiels. Aber auch das Wetter war in jenem Sommer den Wängern gut gesinnt, ein Glück, denn alles spielte sich unter freiem Himmel ab. Auch durften im grösseren Umkreise alle Schulen an bestimmten Tagen daran teilnehmen. Nachwirkung: Berta und Rudenz waren (oder wurden?) ein echtes Liebespaar. Sie heirateten kurz darauf und gründeten die Familie Gamper.

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Lebensart, Kultur

Theater und Vereine

Die Theatergruppen und Vereine unterbrachen die Ereignislosigkeit des Dorflebens und schafften Strukturen, die im 20. Jahrhundert die Lebensart prägen und nicht nur das Gesellschaftsleben, sondern auch die Politik in Wängi in hohem Masse mitbestimmen sollten. Unter Einschluss der von den Pfarreien ins Leben gerufenen Institutionen, insbesondere Kirchenchören, Standesorganisationen und Jugendbewegungen sowie caritativer Gruppierungen werden heute rund 50 Vereine gezählt. Das Theater hat in Wängi eine lange Tradition. Schon 1864 führte die katholische Schule mehrere Male »Die Grafen von Toggenburg» auf. Theater des Töchterchores Eggetsbühl, 1929, mit rein weiblicher Besetzung Die »Männer» sind durch Perücken und Schnurrbärte deutlich gekennzeichnet!

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Neben den eher zufälligen Aufführungen bei Vereinsanlässen und kirchlichen Festen entstand 1911 aus einer Initiative des katholischen Jünglingsvereins eine eigentliche Bühne mit alljährlichen Auftritten, die ihr 100 Jahr-Jubiläum mit einer informativen Schrift feierte. Besonders wertvoll waren stets die mit grossem persönlichem Aufwand inszenierten Kindertheater. Neben Laien waren es immer wieder die Geistlichen beider Konfessionen, welche die erzieherische Kraft des Theaterspiels erkannten und einsetzten.


Lebensart, Kultur

Frühes Vereinsleben Emil Ammann Auch das Vereinsleben wurde schon zur Zeit, als ich noch zur Schule ging (1900 – 1909), gepflegt. Es gab damals schon den «Sängerbund Wängi», die Musikgesellschaft «Alpenrösli», die Schützengesellschaft und den Turnverein.

Aus dem Amtsblatt 1934 Die Hinterlassenen des J. Müller, Vorsteher, in Krillberg, vergabten zu dessen Andenken: der Musikgesellschaft «Alpenrösli», Wängi Fr. 100.dem Schulreisefonds Tuttwil Fr. 50.dem Männerchor Tuttwil Fr. 50.-

Sänger Männerchor Sängerbund Wängi Die erste Fahne von 1873 Der Männerchor Wängi wurde 1872 von 22 Männern gegründet, löste sich 1905 auf und entstand wieder 1906, was als offizielles Gründungsdatum gilt. Damals unterzeichneten 34 Mitglieder das Gründungsprotokoll und wählten den Vereinsnamen «Sängerbund». Bekannt ist ferner, dass schon der Zeichner Berkmüller einen Chor geleitet hatte. Auch von einem Frauenchor ist die Rede. Ausserdem gab es schon seit der Reformationszeit kirchliche Sängergruppen; gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden eigentliche Kirchenchöre, die auch Frauen aufnahmen, vorerst offenbar nur unverheiratete.

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Lebensart, Kultur

Der Männerchor Wängi auf Reisen Nach langer Pause reist 1923 der Männerchor Wängi auf Vollgummireifen und staubigen Strassen während drei Tagen über 5 Pässe.

Männerchor Tuttweil, 1895 Das älteste Bild eines Sängervereins zeigt den «Männerchor Tuttweil», 1895. Das Foto hatte sich in ein Archiv in Aadorf verirrt und wurde uns von Dr. Louis Hürlimann zugestellt.

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Musikanten

Der Mitgliederausweis von Wilhelm Würthele Würthele, wohnhaft im Breitenloo, war als Tambour ein wichtiger Mann im Alpenrösli. Umberto De Martin erinnert sich, wie an seiner Beerdigung 1953 sich die ganze Formation im damals noch offenen Restaurant Wilhof versammelte und den Leichenwagen mit klingendem Spiel bis zum Friedhof begleitete.

Musikgesellschaft Alpenrösli Die Anfänge der Wängener Musik gehen auf das Jahr 1872 zurück. Als Präsident amtierte Fridolin Krähenmann aus Heiterschen. Dirigent der kleinen Bläsertruppe war der Trompeterkorporal Kessler aus Thundorf, wo auch das Probelokal war. Als offizielles Gründungsjahr des Vereins Alpenrösli gilt 1883. Nach etlichen erfolgreichen Auftritten wurde am Ostschweizerischen Musikfest in Zürich 1893 die erste Uniform getragen.

Die Musikgesellschaft 1905 Die biedere, gut bürgerliche Uniformierung wurde schon 10 Jahre später durch eine dem Zeitgeist entsprechende, dem preussischen Militär nachempfundene Kostümierung ersetzt. In 100 Vereinsjahren wechselten die für das Auftreten enorm wichtigen Uniformen insgesamt sechsmal. Der Verein ist aus dem dörflichen und kirchlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Der 1950 gewählte Hans Höpli sicherte die musikalische Führung 41 Jahre lang mit Erfolg.

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Schützen Schützengesellschaft Tuttwil Als Gründungsjahr der Schützengesellschaft Tuttwil gilt 1877. Hier die Veteranenehrung von 1936 beim alten Schiessstand

Schützengesellschaften Tuttwil und Wängi 60-Jahr-Jubiläum Tuttwil. Offensichtlich ein Generationen übergreifender Anlass. Seit 1969 schiessen die Vereine von Tuttwil und Wängi in der Gemeinschaftsanlage in Salen/Tuttwil. Die Schützengesellschaft Wängi wurde 1885 gegründet und schoss damals auf dem Schiessplatz Eschenmoos zwischen Lommiserstrasse und Weinberg Richtung Eggetsbühl auf 3 Distanzen. Etwa 5 Jahre später wurde der Platz aus Sicherheitsgründen aufgegeben und nach Rosental verlegt. Schliesslich wurde 1910 unter dem Präsidium von Hauptmann Georg Stierlin das Schützenhaus Wängi an der Tuttwilerstrasse gebaut, das dann 1967 wegen des Autobahnbaus verlegt werden musste. Die Wängener belegten an den meisten Schützenfesten sehr gute Plätze.

Schützenfest 1961 Schützenfest 1961 in Wängi mit Ortsvorsteher Hermann Bommer und Gemeindeammann Otto Müller

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Turnerinnen und Turner Am Eidgenössischen Turnfest 1951 in Lausanne

Korbballgruppe am Eidgenössischen Turnfest 1955 in Zürich Nach etlichen gescheiterten Versuchen seit der Jahrhundertmitte gelang 1897 die Gründung des Turnvereins mit 6-8 Mitgliedern. Die Übungen fanden im Schäfli-Saal statt, bis 1903 im Dorfschulhaus ein Turnkeller (heute Bibliothek) zur Verfügung stand. Ab 1929 gab es auch die Frauen- und Töchterriege. Den entscheidenden Aufschwung erlebte das Turnen in Wängi mit dem Bau der Steinlerturnhalle 1953 unter dem Sekundarlehrer und Eidgenössischen Oberturner Albert Schreiber. Die Halle galt damals als eine der modernsten in der Schweiz.

Proben für das Schützenfest Graziöses Proben in der neuen Turnhalle für den Auftritt am Schützenfest in Tuttwil, 1955 Von links: Rosmarie Sigrist, Margrit Brandenberger, Erika Schuppli, Marta Abderhalden, Vreni Ammann, Alice Ammann

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Lebensart, Kultur

Verschiedene Vereine Samariterverein Dr. Walder hatte als Präsident der Thurgauer Sektion des Roten Kreuzes auch in Wängi eine Samariterkiste angeschafft und Kurse in Krankenpflege durchgeführt. Vor allem erwähnt er die wichtige Tätigkeit der Mitglieder im 1. Weltkrieg (1914 – 1918). Aus der Rotkreuz-Sektion entstand 1923 der Samariterverein, der 5 Jahre später eine Feldübung am Sonnenberg mit anschliessendem Gruppenbild veranstaltete und mit dem Ritzi-Car 1931 die 2. Thurgauer SamariterLandsgemeinde in Romanshorn besuchte.

Radfahrertreffen in Romanshorn Der im Jahre 1920, gleichzeitig mit Münchwilen, gegründete, sehr aktive Radfahrerclub Wängi in patriotischen Kostümen am Radfahrertreffen in Romanshorn. Die erstaunlich zahlreichen Frauen stören sich nicht am Motto «Heil dir, Helvetia, hast noch der Söhne ja».

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Lebensart, Kultur

Katholischer Arbeiterinnenverein Auf katholischer Seite gab es spätestens seit 1875 den Frauen- und Mütterverein, später die Frauengemeinschaft. Da die Textilindustrie besonders viele weibliche Arbeitskräfte beschäftigte, spielte der katholische Arbeiterinnenverein eine wichtige Rolle, der sich auf dem Bild von 1929 mit dem Präses Alfons Keller, Pfarrer von 1924 – 1943, präsentiert.

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Lebensart, Kultur

Freizeit, Sport und Mobilität – erhöhter Lebensgenuss Wasserspiele Sonntägliche Bootsfahrt Glückliches Ende einer sonntäglichen Bootsfahrt mit der «Pelikan» auf dem Webiweiher. Ein zahlreiches Publikum wohnt dem Landemanöver bei, in der stillen Hoffnung, dabei ein paar (historisch gesicherte) Stürze ins Wasser mitzuerleben. Hinten das Lederhölzli, benannt nach Hans Conrad Ammann, gest. 1849, der in Lederhosen im Wald arbeitete, was seiner Familie den Beinamen «s Leders» eintrug. (Postkarte vom 5. März 1921)

Auf dem Webiweiher Venezianische Romantik auf dem Webiweiher. Bekannte Personen, auf der hintersten Dreierbank: Hans Muther, Coiffeur; Ernst Ammann, Wilhof; unbekannter Mann; auf der zweithintersten Dreierbank: Martha Vollenweider, Metzgerei Ochsen; Martha Ammann-Wanner, genannt Traugottine; der zugehörige Ehemann Traugott Ammann-Wanner, Neubrücke. Die Gondolieri und die beiden Galionsfiguren sind unbekannt.

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Lebensart, Kultur

Der Webiweiher Eines der Naturparadiese von Wängi. Die Spinnerei hatte das Gelände aus dem Besitz des aufgehobenen Klosters Fischingen im Jahre 1845 erworben und einen Stauweiher angelegt. Als die Weberei Wängi 1971 den Neubau eines Fabrikgebäudes plante und die Nutzung der Wasserkraft aufgeben wollte, kam der Gedanke auf, den Weiher mit dem Aushub der Baustelle aufzufüllen und als Landreserve zu verwenden. In Wängi entstand eine gewisse Unruhe, man entrüstete sich über den Gedanken, dass wieder ein Stück Natur dem Fortschritt und dem Gewinnstreben geopfert werden sollte. Auch Leute, die vorher nicht einmal gewusst hatten, dass es einen Webiweiher gab, wurden plötzlich zu feurigen Verteidigern. Nach langen Verhandlungen konnte die Gemeinde Wängi von der Weberei das Land mit einer Fläche von total 313,74 Aren für 25‘860 Franken erwerben. Im Frühjahr 1978 begannen die Baggerarbeiten; es war höchste Zeit, da der Weiher zu verlanden drohte. So ist durch das Eingreifen kluger Leute ein Stück lieblicher Natur erhalten geblieben, an dem sich wohl noch manche Generation erfreuen wird.

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Lebensart, Kultur

Baden Knaben-Badegumpen in der Murg neben der Spielwiese – heute Tennisplatz – etwa 1930. Die maximal schwimmbare Distanz betrug weniger als 15 Meter. Dennoch haben sehr viele Knaben hier schwimmen gelernt. Etwa 50 Meter flussaufwärts war der Maitli-Gumpen, der von Knaben keinesfalls betreten und natürlich auch von niemandem fotografiert werden durfte. Nach dem Krieg wurde das Wachthäuschen der Ortswehr an das Ufer gestellt und diente als Umkleidehäuschen. Die zunehmende Gewässerverschmutzung in den 50er Jahren liess das Baden in der Murg nicht mehr zu. Man fuhr für den Schwimmunterricht in das Schwimmbad Elgg, später nach Münchwilen und Stettfurt. So ist Wängi ohne Schwimmbad geblieben. Die Träume von einem Hallenbad, das als Ergänzung zur Mehrzweckhalle an der Steinlerstrasse geplant war, zerschlugen sich spätestens beim Oelschock in den 70er Jahren.

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Lebensart, Kultur

Wintersport Wintervergnügen auf dem Eis Nicht nur die alten Holländer haben das Wintervergnügen auf dem Eis im Bild festgehalten, auch der unbekannte Maler, der um 1757 den Prunksaal von Schloss Sonnenberg ausschmückte.

Aufstau beim Wehr Durch Aufstau beim Wehr des Webereikanals konnte die niedrige Wiese überflutet werden, was ein holpriges Eisfeld ergab – ein kurzes Wintervergnügen. Das Unternehmen wurde von Sekundarschülern ausgeführt. Im Hintergrund die Frauenfeld-Wil-Bahn

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Lebensart, Kultur

Riedweiher als Schlittschuhplatz Ein Riedweiher, der wegen geringer Tiefe sofort zufror und als Schlittschuhplatz schon von Dr. Walder erwähnt wurde, befand sich hinter dem Sonnenhof links neben der Strasse nach Stettfurt. (Foto Dr. Walter Vontobel). Anfang der 60er Jahre wurde auf Anregung von Sekundarlehrer Ruedi Schluep in guten Wintern auch der Platz hinter der Steinlerturnhalle mittels eines Hydranten unter Wasser gesetzt, wobei eine tief liegende, rostige Wasserleitung ruiniert wurde. Die ganze Nacht hindurch bewässerten einige Schülerinnen und Schüler, die im Schulhaus übernachteten, den Trockenplatz. Am Skilift Das Skifahren – lange Zeit eine Domäne der Reichen – wurde allmählich zum Volkssport. Die junge Bäuerin Josy Segmüller 1948 in eleganter Keilhose am Skilift. Detail: Die Halteschlaufe musste mit der Hand gesichert werden. Das erste Skilager der Sekundarschule Wängi fand 1958 während 5 Tagen in Wildhaus statt. Kosten pro Schüler 7 Franken. Sport Dass sich der Sport zu einem unverzichtbaren Element des persönlichen Lebensstils vieler Menschen und zu einem Treffpunkt der Selbstwahrnehmung ganzer Nationen entwickeln würde, war in der ersten Jahrhunderthälfte noch kaum erkennbar.

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Lebensart, Kultur

Mobilität

Emil Ammann

Wirklich epochale Erfindungen waren das Fahrrad und das Auto Albert Schreiber, (1891 – 1976), kaufte als 30-Jähriger ein Velo. Es wurde im Dorf übel vermerkt, «ob nun schon ein Sekundarlehrer ein Velo haben müsse!» Im Kriegsjahr 1941 trifft es laut Chronik auf jeden zweiten Thurgauer ein Velo – ein Schweizer Rekord. Die Aufnahme eines Artikels über den Automobil- und Fahrradverkehr in die Verfassung wurde 1921 in Wängi mit 138 : 233 Stimmen abgelehnt. Frühe Ordnungsversuche, laut Chronik: 2. Mai 1923

Das Automobilfahren wird Sonntags von 1 bis 5 Uhr verboten.

27. März 1924

Das Sonntagsfahrverbot vom Mai 1923 für Automobile wird aufgehoben, jedoch die Geschwindigkeit auf 30 Kilometer auf freier Strasse, auf 18 Kilometer in Ortschaften reduziert.

Ich erinnere mich noch an das erste Hochrad, dann an die ersten Velos. Auch erinnere ich mich, wann der Vater, der als Postbote ganz Wängi betreute, das Velofahren lernte. Man stieg auf die verlängerte Nabe des Hinterrades und schwang sich von dort in den Sattel. Es gab viele Unfälle, vor allem auf den grob mit Murgkies oder Ackersteinen belegten Strassen. Auch die Beleuchtung war schwach. Ein extra angestellter Mann musste, wenn nötig mit einer kurzen Leiter, die wenigen Laternen anzünden und von Zeit zu Zeit Petrol nachfüllen und reinigen. Das Ablöschen oder Abblasen der Laternen besorgte der Nachtwächter mit einem Rohr. Wenn wir in unserer Bubenzeit ein Auto, oder wie wir damals sagten eine Dampfchaise sahen oder hörten, dann alles auf die Beine, denn das war eine Abwechslung. Vor den Autos hatten wir keine Angst, denn oft hielten sie an. Einmal sahn wir auf der Strasse unten einen Töff und hinten drein noch drei Velofahrer, die sich an einem Strick nachziehen liessen.

Ordonnanzfahrrad 1905 Briefträger Hermann Höpli, Tuttwil, präsentiert sein Ordonnanzfahrrad 1905 mit Sacoche, Stempel- und Rücktrittbremse. Von einem Amtsträger wurde etwa gesagt, man sollte ihm ein Militärvelo schenken, damit man ihm den Rücktritt erklären könne.

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Velo von Olga Gnehm Etwa 1937, Engländer mit vollständigem Kettengehäuse und Bremsgestänge. Wichtig war das Netz am Hinterrad, das die langen Damenröcke daran hinderte, sich in den Speichen zu verfangen. Vorne wurde der Rock häufig mit einem Gummizug fixiert. Die Beleuchtung durch einen Elektrodynamo war sehr modern, obwohl die plumpe Form der Lampe noch an die damals üblichen Modelle erinnerte, welche mit der chemischen Reaktion von Wasser und Calciumkarbid das Azetylengas erzeugten und verbrannten.

Nie dagewesene Mobilität Die nie dagewesene Mobilität, welche die Eisenbahn gebracht hatte, erfuhr eine weitere Steigerung für den Besitzer eines Motorfahrzeuges. Fritz Gegauf fuhr 1895 das erste Auto im Thurgau, das heute im Turmmuseum Steckborn ausgestellt ist. Auf ihn folgte Maschinenfabrikant Aug. Gamper in Wängi, der seinen 2-plätzigen Wagen der Marke «Wyss-Olten» von 1905 bis 1909 fuhr. Etwas später, von 1909 bis 1912, war der Hutfabrikant Albert Beerli von Lommis mit seinem «De Dion Bouton» unterwegs, ebenso Konrad Stücheli, der Besitzer der Mühle Rosental und Getreide-Grosshändler, mit seinem Daimler-Lastwagen. Häufigste Marken im Thurgau waren zu Beginn des Jahrhunderts Saurer (Arbon) und Martini (Frauenfeld).

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Josef Hafner, Landmaschinenhändler vom Rössli in Tuttwil, war wohl der erste Wängener Automobilist, dessen Foto von etwa 1930 erhalten blieb, hier mit seinem Citroën.

Ambulanz des Spitals Frauenfeld Das 1897 eröffnete Spital Frauenfeld rüstete schon 22 Jahre später eine Pferde-Ambulanz um, indem sie diese auf ein amerikanisches Buik-Chassis montieren liess. (Spitalchronik)

Siegeszug des Autos Der Siegeszug des Autos veränderte die Verkehrslage des Kantons völlig. Die Karte der Eisenbahnprojekte des ETH-Professors Züblin von 1898 wurde wenige Jahre später zur Makulatur: Statt weiterer Bahnen baute man das Strassennetz aus. Ein kleiner Trost: Wängi wäre ohnehin nicht zum Bahnknotenpunkt geworden und hätte den Anschluss an die West-Ost-Route zum zweiten Mal verpasst, da die Linie Affeltrangen-Aadorf über Matzingen geführt worden wäre, wohl wegen des steilen Anstiegs zwischen Lommis und Wängi. (Karte aus der Wirtschaftsgeschichte)

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Das erste Autovergnügen des kleinen Mannes im grossen Car

Ausflugs-Auto von Karl Ritzi, Wängi, Tel. No. 64, etwa im Jahr 1925 Ausfahrt der Firma Bruggmann, Eggetsbühl, später Schadegg, stehend mit weissem Kopftuch Frau Ritzi Die Automarke ist nicht klar lesbar, auf jeden Fall handelt es sich nicht um einen Saurer-Wagen. Die Vollgummireifen machen die Reise auf den noch nicht geteerten Strassen zu einem wahrhaft erschütternden Erlebnis. Die «Pneumatics» sind zwar bereits erfunden, haben sich aber noch nicht durchgesetzt. Postkarte mit dem Ritzi-Auto-Car, 1940er Jahre Betriebsausfahrt der Maschinenfabrik Wängi. Mit Kreuz markiert ist das Ehepaar Elise und Johann Grob, vor ihnen Traugott Ammann-Wanner mit seiner «Traugottine», die wir schon auf dem Webiweiher angetroffen haben. Fotograf: Edm. Fetzer, Bad Ragaz Interessant der Ausdruck «Auto-Car», der eigentlich zweimal das Gleiche besagt

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Unfall im Jahre 1948 Ein St. Galler Lastwagen und ein Berner Personenwagen treffen sich im wörtlichen Sinne 1948 beim heutigen Kreisel – ein Ereignis, das die Dorfbevölkerung zusammenströmen lässt und dem Korrespondenten der Thurgauer Zeitung wieder einmal einen spannenden Bericht ermöglicht. Die Lösung des Problems An der Gemeindeversammlung vom 22. Februar 1999 wurde erstmals öffentlich angekündigt, dass der Kanton in Wängi einen Kreisel bauen wolle. Damit war die Linde, die trotz regelmässiger Behandlung kränkelte, dem Untergang geweiht. Viele bedauerten, dass der markante Baum verschwinden sollte. Ausserdem erwarb die Gemeinde in den folgenden Jahren diverse Liegenschaften zum Abbruch, um die Umgebung des Kreisels anzupassen. Für die Gestaltung des Dorfzentrums bewilligte die Gemeinde 2011 einstimmig einen Kredit von Fr. 830 000. Die gesamte Anlage wurde 2011 mit einem grossen Fest eingeweiht.

Die berüchtigte Kreuzung von Wängi Rechts die Gartenwirtschaft des Schäflis, mit der Linde, die nach der «Sanierung» bis 2007 mitten auf der Kreuzung stehen wird. Hier wird eine Testfahrt mit einer Autokolonne gefahren.

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Malermeister Gregor Störchli ist stolzer Töffbesitzer, hier 1947 mit seiner Frau Klara und seinem Sohn Werner.

Albert Bommer etwa 1933 beim Pneuwechsel

Schneller als das Auto verbreitet sich das Motorrad Ein grosser Motorradliebhaber ist auch der Malermeister Alois Schneider, hier mit seiner Frau Maria, etwa 1939, auf Motosacoche.

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Alois und Edith Schneider auf der «Royal Enfield», etwa 1946. Die seit 1901 bestehende Marke gilt als älteste heute noch produzierende Töffmarke.


Lebensart, Kultur

Ein Grossereignis in Krillberg Erstes Motocross im Hinterthurgau am 31. August 1958 mit über 50 Konkurrenten, unter ihnen sehr gute Spitzenfahrer aus Deutschland und Österreich. Ungefähr zur selben Zeit wurde in der Schweiz unter dem Eindruck des Autorennens von Le Mans 1955 (mit 85 Todesopfern) das Verbot von Rundstreckenrennen für Automobile eingeführt, das trotz zahlreicher Anläufe bis heute nicht aufgehoben wurde.

Besuch der Schweizerischen Landesausstellung 1939 Den Besuch der Schweizerischen Landesausstellung 1939 in Zürich absolvieren die Tuttwiler in bester Tradition – mit einem so genannten «Deux Chevaux mit Zwickzündung». Der «Tuttwiler-Pfeil» war von der Untertuttwiler «Freundschaft» gebaut worden, wobei Hermann Höpli-Schmid mitwirkte; an die Landi fuhren jedoch nur die Obertuttwiler, über TurbenthalWildberg, innert 2 Tagen.

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Kirchliches Leben Was die Kirche alles erleiden musste Die Trennung zwischen dem katholischen und evangelischen Teil ist auf der Fotografie immer noch fühlbar, obwohl das Chorgitter entfernt wurde. Der sichtbare Taufstein ist der «katholische»; der «evangelische» befand sich links neben der Kanzel. Im «Taufskandal» musste 1911 mühsam geregelt werden, zu welchen Zeiten die eine und die andere Konfession die Taufe durchführen durfte. Die konfessionelle Trennung in den zahlreichen paritätischen Kirchen führte zu skurrilen Lösungen: In Steckborn wurde der Altar samt Bildern von 1634 bis 1963 durch einen Vorhang von der Decke bis zum Boden den Augen der Evangelischen entzogen. Hinter dem Vorhang drohte noch ein massives Gitter. (Abbildung in Salathé, Predigen) Pfr. Heinz Egger schrieb, dass in seiner Pfarrgemeinde Müllheim von 1903 bis 1968 ein «fortschrittlicher» Taufstein für beide Konfessionen installiert war: mit zwei abschliessbaren, isolierten Wasserbehältern. «Die beiden Holzdeckel hingen in der Mitte mit den Scharnieren zusammen und öffneten sich somit von einander weg.»

Der Blick zurück zeigt eine fantasielos gestaltete Empore. Vor der Renovation waren auf der Brüstung die Wappen des Komturs von Tobel und der Herren vom Sonnenberg, von Glattburg und Wittenwil zu sehen.

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Im Bildersturm der Reformationszeit wurden die Altäre und Bilder entfernt. Während an andern Orten die Kirchenzierden verbrannt wurden, wählte man in Wängi ein lukrativeres Verfahren, indem man 1529 die «Kelchen, Kertzenstöcken, Taflen, Mässkleider, Alteren (Altäre) und andern blunder» versteigerte. Nach der zweiten Schlacht von Kappel führte Wängi die katholische Messe wieder ein und erneuerte den Kirchenschmuck. Im Jahr 1690 wurde der Altarteil gegen erbitterten Widerstand der Reformierten durch ein Gitter abgetrennt. Zwei Jahre später beschloss die Eidgenössische Tagsatzung nach langer Diskussion: Das Gitter bleibt, die Protestanten dürfen aber einen eigenen Taufstein errichten und einen Mesmer anstellen. Wieder 2 Jahre später verweigerte der katholische Pfarrer am Karfreitag dem evangelischen Mesmer die Schlüssel zum Turm, riss ihn an den Haaren und vertrieb ihn mit Stössen aus der Kirche. Am folgenden Sonntag hatte der Pfarrer das Chorgitter schliessen und die Türe zum Turm verrammeln lassen, zudem waren mit Äxten bewaffnete Wachen aufgestellt. Da brachen die erregten Evangelischen das Chorgitter und die Turmtüre gewaltsam auf und schlugen die Wachen in die Flucht, wobei sich die Stettfurter besonders hervortaten. Dieser bürgerkriegsähnliche Zwischenfall wurde von der Eidgenössischen Tagsatzung im Januar 1695 behandelt. Schwere Bussen für die Evangelischen waren die Folge, allerdings auch eine «Korrektion» für den katholischen Pfarrer. 1915 hätte sich der alte Streit beinahe neu entfacht, doch wurde die Salomonische Lösung darin gefunden, dass auf der Ostseite des Turmes ein direkter, heute noch bestehender Eingang für den evangelischen Mesmer erstellt wurde, woran die Evangelischen 450 und die Katholischen 150 Franken bezahlten.


Lebensart, Kultur

Der Bau der katholischen Kirche mit Pfarrhaus, 1957 Der Bau der katholischen Kirche mit Pfarrhaus, 1957 Architekt Fritz Metzger, Zürich; Innenraum- und Fenstergestaltung durch Johann Jakob Zemp, Küsnacht ZH. Für seine Mosaiken verwendete er 24 Tonnen Steine in 100 verschiedenen Farben. Dr. Adolf Josef sen. stiftete mit 30 000 Franken das eindrückliche frontale Mosaik, dem man allerdings vorwerfen kann, mehr Drohals Frohbotschaft zu vermitteln.

Die Baukommission vor Ort Der zweite von links ist Urs Krähenmann, Wängi, der verantwortliche Bauführer. Am Bau arbeiteten insgesamt 350 Arbeiter; von 63 beteiligten Unternehmungen stammten 23 aus dem Gemeindegebiet. Besonders gut gelungen ist dem Architekten der grosszügige, teilweise gedeckte Vorplatz der Kirche.

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Aufhebung der Parität Aufhebung der Parität 1957 – ein Jahrhunderte altes Problem wurde gelöst: Spatenstich für die katholische Kirche. V.l. Kaplan Malgaroli, Pfarrer Isenegger, Kaplan Lang, Mesmer Fuchs

Glockenaufzug 1958 Beide Konfessionen zogen am gleichen Strick und in der gleichen Richtung. Die 5 «katholischen» Glocken waren in Erding bei München gegossen worden. Dass beide Konfessionen in wichtigen Fragen am gleichen Strick zogen, war vor allem den Seelsorgern zu verdanken, die oft toleranter waren als ihre Kirchgenossen. Beispielsweise war die Gründung der Darlehenskasse, der späteren Raiffeisenbank, im Jahr 1907 das Gemeinschaftswerk der Pfarrherren Heim und Herzog, die auch die Leitung des Vorstandes und des Aufsichtsrates übernahmen.

Die Protestanten renovierten die alte Kirche gründlich und erneuerten auch das Geläute. In der Übergangszeit läuteten die Katholiken für beide Konfessionen. Die neuen «evangelischen» Glocken traten 1958 eine Reise durch die Gemeinde an, hier vor dem Schulhaus Tuttwil. Sie stammten aus der Giesserei Gebrüder Bachert in Karlsruhe und waren bestens auf das Geläute der Katholiken abgestimmt.

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Kirche und Bauern Die Bauern – evangelische wie katholische – waren in der Regel treue und traditionsbewusste Anhänger ihrer Kirche. Der sonntägliche Kirchgang war eine Selbstverständlichkeit. Bei den Katholiken wurde von Ende April bis Mitte September am Schluss des Sonntagsgottesdienstes der Wettersegen mit einer besonderen Monstranz erteilt, dazu erklang die Wetterglocke. Wenn um 11 Uhr zum «Angelus» geläutet wurde, hielt der katholische Landmann einen Augenblick in der Arbeit inne, vielleicht sprach er das recht lange Gebet, genannt «Englischer Gruss». Für die Bäuerinnen beider Konfessionen war es das Signal zum Anfeuern des Kochherdes.

Die evangelische Kirchenvorsteherschaft 1936, und Mitglieder der Baukommission. Fünfter von links ist Edgar Merz, Pfarrer von 1920 bis 1954. Ein alter Name für die Kirchenvorsteherschaft war «der Stillstand», d.h. diejenigen, die nach dem Gottesdienst noch in der Kirche «still standen», um mit dem Pfarrer, der bis in die 60er Jahre von Amtes wegen Präsident der Kirchgemeinde war, zu reden. Die Aufgaben des Stillstands waren vielfältig: Er war Armen- und Vormundschaftsbehörde und amtierte als Ehe- und Sittengericht, das Leumundsberichte zuhanden von Polizei, Gerichten und Arbeitgebern ausstellte.

Auch Prozessionen – im 18. Jahrhundert noch begleitet von Büchsen- und Böllerschüssen – gehörten zum Brauchtum, ebenso die Wallfahrten zu den Kapellen in Obertuttwil und Wittenwil, nach Tänikon und Maria Dreibrunnen. Dorthin waren auch die Aadorfer und Täniker in früherer Zeit gepilgert, was beim Durchqueren von protestantischen Ortschaften nicht ganz ungefährlich war. Unter dem Titel «Oberhofer Handel» ging die Massenschlägerei von 1775 in die Geschichte ein, ausgelöst durch den Mistwagen, mit dem die Münchwiler die frommen Wallfahrer begrüssten. Vertreter beider Kirchenvorsteherschaften feiern 1987 das 1100-jährige Bestehen der Kirche, die 887 erstmals als «atrium sancti Georii» vom Priester Erchinpertus erwähnt wurde. V.l. Otto Bischof-Isler, Jakob Gamper, Ernst Christinger, Pfarrer Hans Philipp Geyl, Pfarrer Otto Frölich, Umberto De Martin, Hermann Bommer, Norbert Krähenmann

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Lebensart, Kultur

Treue Diener der Kirche und Modisches

Ulrich Gnehm, Mesmer von 1900-1935, mit Läuterbuben (Evang. Kirche) Zu den Läuterbuben zu gehören, war eine Ehre, aber auch eine ständige Pflicht, denn es wurde vor, während und nach den Gottesdiensten ausgiebig geläutet, dies vor allem auf katholischer Seite. Die Kunst bestand darin, schnell den regelmässigen Glockenschlag ohne vorangehendes Gebimmel zu erzeugen. Die grössten Glocken waren mit einem Klöppelfänger ausgerüstet, der erst ausgeklinkt wurde, wenn die volle Schwingung erreicht war.

Eugen Gnehm, Sohn des Ulrich, Nachfolger seines Vaters, mit den Läuterbuben Paul Zuppinger, Hans Oberli oder Jean Pleuger, Fritz Äschlimann, Jakob Gamper und Paul Sigrist. Netterweise demonstrieren die Läuterbuben gerade die damalige Knabenbekleidung. Die lange Hose war sehr selten. Üblich waren knielange Hosen und gestrickte Strümpfe, die mittels eines «Elastiks» am «Gstältli» – einem Strumpfhalter – festgemacht wurden. Um den «Strumpf-Lotter» zu vermeiden, wurde der «Elastik» möglichst stark angespannt, was beim Abreissen des Knopfes zu überraschenden, etwas schmerzhaften Erlebnissen führen konnte. Eleganter waren die «Knickerbocker» oder «Golfhosen», wie sie der Junge links aussen trägt. Die Bluejeans – ursprünglich die Hosen der Goldgräber – traten hierzulande erstmals in den späten 50er Jahren auf und galten vorerst als Zeichen der Jugendprotestbewegung. Kaum vorstellbar ist heute, dass auf Wunsch der Lehrerschaft 1957 die Matzinger Schülerin Mirtha Schiffmann vor den Sekundarschulpräsidenten Dr. Vontobel zitiert wurde, der ihr beibringen musste, dass ein anständiges Mädchen die aufkommende Hosenmode meiden sollte.

Ein weiteres schönes Modebeispiel liefern die 1958 am Glockenaufzug beteiligten Jungen bei der anschliessenden Servelat-Verpflegung.

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Lebensart, Kultur

Konfirmanden

Konfirmandenfotos finden sich in manchem Familienalbum. Der Stil hat sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kaum geändert: der Seelsorger mit den frisch in die Kirche aufgenommenen Jugendlichen, in perfekter Symmetrie, alle in Schwarz, was den feierlichen Ernst der Situation betont. In späterer Zeit fällt nicht nur die einheitliche Kleidung weg, auch die kirchliche Zeremonie wird lockerer und häufig von den Konfirmanden aktiv mitgestaltet. Auf den folgenden, zufällig eingereichten Fotos ist die Position des Pfarrherrn nicht nur Ausdruck seiner Persönlichkeit, sondern deutet auch die historische Entwicklung der Seelsorge an.

Konfirmandenfoto von 1975 mit Pfarrer Werner Volkart

Undatierte Aufnahme aus der Zeit von Hermann Heim, Pfarrer von 1879 – 1920

Undatierte Aufnahme aus der Zeit von Edgar Merz, Pfarrer von 1920 bis 1954

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Lebensart, Kultur

Trauung, Ehe, Frauenrolle

Wenn man bedenkt, wie ausgiebig an Hochzeiten fotografiert wird, ist es erstaunlich, dass zwar einige Bilder von Brautpaaren eingereicht worden sind, aber nur ein einziges vom Trauungsakt selbst. Vermutlich ist dieses Foto nachgestellt worden, denn Fotografieren in einer Kirche war früher verpönt. Die standesamtliche Trauung ging der kirchlichen zwar voraus und war zivilrechtlich entscheidend, doch das kirchliche Zeremoniell galt bei beiden Konfessionen als die eigentliche Hochzeit. Daran schlossen sich weitere Feierlichkeiten an, die gelegentlich zu richtigen Dorffesten führten. Aus Kutschen wurden zentnerweise Bonbons (Füürsteine) unter die Kinder gestreut, welche den Hochzeitszug mit dem Rufe «Wünsch Glück!» zu weiteren Spenden herausforderten und sich auf der Strasse um die Beute balgten. War der Bräutigam ein Auswärtiger, musste er sich oft mit einem Fünfliber die Durchfahrt durch Strassen, die mit Bändern gesperrt waren, erkaufen. Das Eheleben war patriarchalisch strukturiert: Der Mann war das Oberhaupt, die Frau die Gehorchende, auch wenn das im Alltag vielleicht ins Gegenteil umschlagen konnte. Die Erziehung und Schulung der Mädchen war auf die künftige Rolle als Hausfrau und Mutter ausgerichtet. Wählte ein Bruder den Beruf eines katholischen Geistlichen, war es selbstverständlich, dass eine seiner Schwestern ihr Leben als Pfarrersköchin verbringen musste. Alte und kranke Eltern mussten von der Tochter gepflegt werden.

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Eine besondere Situation war wohl in jedem Dorf anzutreffen, wie sie Josef Sager treffend schildert: «Auf vielen Bauernhöfen lebten damals solche Geschwistergemeinschaften: zwei ledige Brüder und eine Schwester, die den Haushalt besorgte. Es war eher ein Nebeneinander als ein Miteinander. Alles gehörte allen, jeder arbeitete nur so viel, wie er zum Überleben benötigte. Normalerweise schlüpfte der älteste Bruder in die Rolle des bewahrenden Patriarchen. Er blockierte sich anbahnende Bekanntschaften von Bruder und Schwester oder hielt sie davon ab, in einen andern Beruf umzusteigen. Viel verborgenes Leid wurde ertragen, weil Menschen nicht zur rechten Zeit aus der Enge der Familien und der dörflichen Strukturen ausbrachen.» Mit der Heirat übernahm das ehemalige «Fräulein» automatisch den Namen des Mannes. Ihre rechtliche Stellung wurde u.a. in dem Sinne eingeschränkt, als sie ein Geschäft nur «mit Zustimmung des Ehemannes» führen durfte. Im öffentlichen Leben existierte für die Frauen einzig die Möglichkeit, in der Arbeitsschul- oder Kindergartenkommission mitzuarbeiten, allerdings ohne Entscheidungskompetenz. Das Frauenstimmrecht auf Bundesebene wurde 1971 mit 621 109 : 323 882 Stimmen angenommen. Der Thurgau hatte es allerdings mit 13 464 : 17 046 Stimmen verworfen, Wängi noch stärker mit 157 : 261 Stimmen.


1936, Hochzeitsfahrt mit Car-Alpin: Robert Büchi und Paula Dickenmann Während einigen Jahren verdrängten die AutoCars die Kutschen. Sie hatten den Vorteil, dass eine grosse Hochzeitsgesellschaft darin Platz fand. Ausserdem verfügten sie über einen weiten Aktionsradius, worauf die damals häufige Bezeichnung Car-Alpin hinweist. 1938, Trauung von Eugen Herzog und Sophie Rieser im Mai 1938 Eugen Herzog und Sophie Rieser wurden im Mai 1938 in der Dorfkirche von Wängi getraut. Genau genommen ist diese Aussage falsch: Eugen und Sophie wurden nicht getraut, sondern sie selber trauten sich gegenseitig. Darüber besteht Einigkeit bei Katholiken und Protestanten, wenn auch die Bedeutung des Zeremoniells unterschiedlich beurteilt wird.

1946, Kutschen-Hochzeit von Edwin Herzog und Hedi Gamper bei strahlendem Wetter Schon lange vorher hat man die Voraussagen mit Bangen abgehört, denn mehr noch als ein nasser Auto-Car sind Kutschen im Regen etwas deprimierend und Abergläubische meinen, das Hochzeitswetter kündige einen entsprechenden Verlauf der Ehe an. Bei Herzogs stimmte beides.

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Schwere Zeiten Unter diesem Titel werden die wenigen Bilder gezeigt, die sich mit dem Spinnereibrand und später hauptsächlich mit den beiden Weltkriegen befassen. Die Spinnerei von NW her Zeichnung von Berkmüller, etwa 1860

Die Brandkatastrophe vom 16. November 1911 Die «Gesellschaft der mechanischen Spinnerey Wängi» wurde 1823 durch J.C. Bachmann in Schönenberg-Wängi und den Schaffhauser Regierungsrat Georg Michael Stierlin-Joos (1786 – 1856) gegründet. Es war die erste Aktiengesellschaft im Thurgau. Im Jahre 1825 war sie mit rund 10‘000 Spindeln ausgerüstet und beschäftigte 160 Arbeitskräfte. Die erste mechanische Baumwollweberei im Thurgau wurde 1837 der Spinnerei angegliedert. Ebenfalls in dieser Zeit entstand eine mechanische Werkstätte, die gemäss Pupikofer etwa 100 Mitarbeiter zählte. Am 16. November 1911 geriet die Spinnerei in Brand. Der Korrespondent der Thurgauer Zeitung vom folgenden Tag berichtete: «Gestern abend kurz vor 1/2 7 Uhr ist in Wängi in dem links der Wilerstrasse stehenden Fabrikgebäude der Herren Stierlin & Cie. Feuer ausgebrochen. Das Feuer brach im Maschinensaal des dritten Stockwerks infolge Heisslaufens einer Maschine aus, ergriff die Walztücher der Maschine und verbreitete sich mit unglaublicher Schnelligkeit auf das ganze Gebäude. Anfänglich glaubte die sofort auf der Brandstätte erschienene Feuerwehr von Wängi, durch Hineinwerfen von kolossalen Wassermassen der Hydranten durch die Fensteröffnungen dem verheerenden Elemente wirksam entgegentreten zu können. Nicht lange aber bestand diese Hoffnung; denn bereits loderten die Flammen zum Dach hinaus, und da war an eine Rettung nicht mehr zu denken. Nach zwei Stunden

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bildete das ganze Gebäude samt dem reichhaltigen Mobiliar und den Waren, von denen sozusagen gar nichts gerettet werden konnte, nur noch einen Trümmerhaufen. Wie man hört, meldeten heute früh zwei Frauen von Spinnereiarbeitern, namens Näf und Roth, dass ihre Männer bis dahin nicht nach Hause zurückgekehrt seien. Man muss fürchten, sie seien in ihrer aufopferungsvollen Teilnahme am Rettungswerk beim Einsturz eines Gebäudeteiles umgekommen. Den zwei Verlusten von Menschenleben, die infolge des Brandes in Bürglen zu beklagen sind, haben sich innert erschütternd kurzer Frist zwei neue zugesellt. Nach den Fabrikgebäuden von Murkart und Matzingen, die in den Neunzigerjahren vom Feuer zerstört wurden, ist nun also auch die Spinnerei Wängi vom Schicksal ereilt worden, das schon so viele Spinnereien getroffen hat. Sie war auch noch in der alten Form mit verschiedenen Stockwerken erbaut, wie die Fabriken, die in der ganzen Ostschweiz herum um die Mitte des vorigen


Die Spinnerei auf einer 1908 gestempelten Postkarte

Jahrhunderts erstellt wurden. Durch den Brand sind zirka 50 Arbeiter plötzlich brotlos geworden. Die Fabrikgebäulichkeiten sind zu 100 000 Franken brandversichert. Das Ereignis ist für die Eigentümer umso schmerzlicher, als erst in den letzten Jahren eine kostspielige Erneuerung an Maschinen, Transmissionen usw. vorgenommen worden war.» Der Brand der Spinnerei steht nicht im Zusammenhang mit dem schweren Erdbeben, das um 21.30 Uhr Mitteleuropa erschütterte, in Konstanz während einer Theateraufführung eine Panik verursachte und auch im Thurgau zu zahlreichen Gebäudeschäden führte.

Guido Stutz berichtet, dass auch die Feuerwehr Wittenwil-Heiterschen mit 62 Mann im Einsatz war. Die Besoldung betrug 1 Franken oder ein Abendessen im Werte von 80 Rappen.. Nach Dr. Walder sei es eine schwere Arbeit gewesen, die Trümmer zu beseitigen, da die Spinnerei aus den wuchtigen Steinen der gegenüberliegenden Ruine des Toggenburger Schlosses errichtet worden war. Anstelle der Spinnerei wurde eine Weberei erbaut und das Spinnen reduziert. Seit 1916 spinnt im Murgtal niemand mehr. Die Brandruine

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Schwere Zeiten

Emil Ammann Auch ich war dabei im Jahre 1914, als unser Thurgauer Regiment 31 im ersten Aktivdienst von Münchenbuchsee nach Basel marschierte. Dort in der Stadt marschierten wir zum ersten Mal auf einem geteerten Strassenstück. Die Oberfläche bestand aus lauter vierkantigen Holzklötzen und darüber war ein Teerbelag, ich erinnere mich noch lebhaft an den Taktschritt auf jenem Strassenstück, tätschtätsch-tätsch... In der Rekrutenschule 1913 hatten wir 50 Rappen Sold per Tag und im ersten Aktivdienst 1914/18 bestand unser Tagessold aus 80 Rappen. Eine Lohnausgleichskasse kannten wir noch lange nicht, Familien- und Kinderzulagen waren noch fremd.

Der 1. Weltkrieg Mit der Generalmobilmachung vom 3. August 1914 wurden auch die Soldaten von Wängi zum Dienst aufgeboten. Sie waren nach Angaben von André Salathé wie die meisten Hinterthurgauer dem FüsilierBataillon 74 zugeteilt. Von 1914 bis 1918 absolvierten sie extrem strenge und lange Ausbildungs- und Bewachungsdienste. In gewaltigen Fussmärschen verschoben sie sich in den Kanton Bern, ins Baselbiet, den Jura, das Engadin und das Puschlav.

Obwohl niemand an einen Krieg glaubt: Ein Zug des Füsilierbataillons 74 präsentiert sich 1910 vor dem Mädchen-Sekundarschulhaus in Frauenfeld. Der Wängener Lehrer Otto Bischof ist dabei. Er steht im Bild rechts neben dem Offizier.

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Herr Lieutenant Willy Büchi im Jahre 1911. Er ist als Vorgänger von Albert Schreiber von 1910 bis 1918 Sekundarlehrer in Wängi, dann in Neukirch-Egnach. Er wird später Vizeweltmeister im Pistolenschiessen.


Drei Aufnahmen aus dem Album der 6. Division Nach der Mobilmachung: Füsilierkompagnie I/74 beim Hauptverlesen vor der Kantonsschulturnhalle in Frauenfeld. Der Feldweibel meldet dem Hauptmann Richter den Bestand.

Füsilierkompagnie IV/74 bei der Ablösung der Grenzwache, vermutlich in Basel. Die Grenze ist mit Fuhrwerken sehr behelfsmässig gesperrt. In strengen Diensten, mit hartem Drill und preussischer Disziplin lernt die Infanterie allmählich ihre neue Ausrüstung kennen: das Langgewehr, die Defensivhandgranate, die Gasmaske und den Stahlhelm.

Oberstdivisionär Schiessle auf Inspektionsfahrt, auf dem rechten Rücksitz. Bei diesem Anblick klopft jedem Füsilier das Herz im Leibe vor lauter Freude! Das Auto stammt vermutlich aus England. Ein Kenner vermutet, es handle sich um einen Sunbeam 16 HB.

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Schwere Zeiten

Im Gegensatz etwa zu Zürich wurde die Zivilbevölkerung im Thurgau nur an wenigen Orten epidemisch bedroht. Jedoch starben in Felben in der gleichen Familie 7 Personen an der Grippe. (G. Büeler in der Chronik 1918)

Die Schweiz musste im Verlauf des Krieges und darüber hinaus Fett, Butter, Käse, Milch und weitere Lebensmittel rationieren, den Fleischkonsum drosseln und den Getreide-und Kartoffelanbau massiv steigern, was natürlich zur Milchknappheit führte. Die Bäcker durften nur noch Brot verkaufen, das mindestens 2, später sogar 4 Tage alt war. Am 2. Juni 1918 teilte der Ammann von Wängi der Gemeinde mit, dass die Milchkarten mit 1. Juli in Kraft träten und dass die Erwachsenen für 0.8 Liter und die Kinder für 1 Liter mehr pro Monat bezugsberechtigt seien. Genau genommen waren es gemäss der Chronik ein Liter für Kinder bis zum 5. Jahr, 7,5 Deziliter für Kinder bis zum 15. Jahr, für Kranke und Personen über 60 Jahren, 5 Deziliter für die übrigen Personen. Weitere Zuteilung pro Person und Monat: Fett 350 g, Butter 150 g, Reis 200 g, Teigwaren 300 g, Zucker 600 g. Beispiele aus dem Staatsarchiv.

Einschneidender als die mögliche militärische Bedrohung des schweizerischen Territoriums waren die wirtschaftlichen und sozialen Nöte und Umwälzungen im Gefolge des Krieges. Grippe-Epidemie 1918: Bezirk Münchwilen: 2961 Krankheitsfälle, 48 Gestorbene. Die «Spanische Grippe» führte in schweren Fällen zur tödlichen Lungenentzündung. Betroffen waren zuerst West- und Mitteleuropa, dann die ganze Welt. Insgesamt wird die Zahl der Todesfälle auf 6 Millionen geschätzt. Die Krankheit wütete vor allem in den sanitarisch überforderten Armeen. In der Schweiz starben über 800 Soldaten.

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Im November 1918 wurde in Zürich eine anarchistische Revolution nach russischem Muster befürchtet. Daher wurden um die Stadt 4 Infanterie-Regimenter und 4 Kavallerie-Brigaden zusammengezogen, darunter auch Thurgauer Truppen. Nach einigen Zwischenfällen herrschte in der militärisch besetzten Stadt Ruhe. Im Jahre 1916 beschlagnahmte das Militärdepartement die ganze Heu- und Strohernte des Jahres. Zwei Jahre später machten sich die Versorgungsengpässe besonders bemerkbar. Der Bahnverkehr wurde wegen Kohlenmangel stark reduziert. Die obligatorische Sammlung von Buchnüssen und Eicheln durch die Schulen wurde angeordnet.


Schwere Zeiten

Trotz vieler Entbehrungen waren hierzulande die Folgen der Kriegs- und Nachkriegszeit gering, wenn man sie mit der materiellen Lage und den politischen Verwerfungen im Deutschen Reich vergleicht – ausgehungert durch die Blockade und ruiniert durch die masslosen Forderungen der siegreichen Aliierten. Obwohl das Land nicht wie im späteren 2. Weltkrieg durch Bombardierungen und Kampfhandlungen zerstört worden war, versank es in eine tiefe wirtschaftliche Krise. Die Thurgauer Chronik vom November 1923 erwähnt: «Ein Liter Milch kostet in Konstanz 3 Milliarden Reichsmark, ein Laib Schwarzbrot 10 Milliarden usw.» Andreas Raas erinnert sich, wie seine Grosseltern bei Besuchen in Deutschland sich einen Spass daraus machten, einem Jungen ein Zehnrappenstück zu schenken und ihn kurz darauf mit einem wuchtigen Bündel von Banknoten aus der Wechselstube heraustreten zu sehen. Die Stabilisierung der deutschen Mark Ende 1923 basierte auf dem Kurs: 4,2 Billionen Papiermark = 1 US Dollar. Beispiele aus den Akten von A.R. Wenn man die verheerende Wirkung der damaligen finanziellen Wertvernichtung auf die Bevölkerung kennt, staunt man darüber, mit welcher Unbefangenheit die zweite Nachfolgegeneration sich auf die neuen Milliardenspiele einlässt. Die deutsche Inflation ging nicht spurlos an der Schweiz vorbei, indem sie nämlich den Untergang grenznaher thurgauischer Spar- und Leihkassen beschleunigte, so 1924 in Diessenhofen, Ermatingen und Eschenz. Schon vor dem 1. Weltkrieg waren drei Lokalbanken wegen spekulativer Kreditvergabe zusammengebrochen. 1912 konnte man hören: «O Thurgau, wie wärst du so schön, wenn Aadorf und Steckborn und Eschlikon nicht wärn».

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Wie der Weltkrieg dem Schmied Georg Gnehm die Arbeiter wegnahm

Von Adolf kommt am 30. September 1914 eine Karte, die ihn mit Kameraden bei der «Bewachung einer grossen Eisenbahnbrücke bei Basel» zeigt.

Fast zur gleichen Zeit rückten sie ein: der Schweizer Adolf Oswald und der Deutsche Leonhard Hegele. Keiner der beiden Arbeiter kehrte in die Schmiede Wängi zurück. Adolf übernahm die Poststelle von Altishausen, von Hegele hörte man nie mehr etwas.

Erst ein knappes Jahr später meldete sich Leonhard Hegele von der deutschen Front in Frankreich: «Unteroffz. Hegele, 2. Btl. 19. 13. Armeekorps 27. Division». Er schreibt, dass er von Adolf einen Brief bekommen habe. Seine eigenen Brüder sind ebenfalls im Krieg, einer ist schon zweimal verwundet worden «und ich stehe jetzt ein volles Jahr immer und gesund im Felde». Die Rückseite von Hegeles Karte zeigt den Weg durch verschiedene Stationen. Was daran besonders pikant ist? Die Zensurstelle muss überprüfen, ob der Soldat nicht etwa kriegswichtige Angaben macht. Vor allem darf er keine Standorte nennen. Gerade das jedoch tut die Zensurstelle selbst, erfahren wir doch durch ihren Stempel, dass Hegeles Einheit sich im Raum Metz befindet.

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Schwere Zeiten

Der 2. Weltkrieg

Am 1. September 1939 löste Hitler den Angriff gegen Polen aus. Die Schweiz mobilisierte am folgenden Tag.

Wachtlokal und Krankenzimmer, 1942, Haus an der Ecke Dorfstrasse-Wiesengrundstrasse; eine Feldtelefonleitung ist sichtbar, die vermutlich zum Kommandoposten führt.

Nicht ganz ausbruchsicheres Arrestlokal im «Stellwerk» beim Pfarrhaus

Mobilmachung einer Einheit, der auch Wängener angehören. Foto von Hans Fuhrer. Die Bewaffnung ist unterschiedlich, neben dem Karabiner 31 sind noch Langgewehre vorhanden. Gelegentlich sieht man noch Wehrmänner, welche die dunkelblaue Uniform des 1. Weltkriegs tragen.

Frontbericht von Meldefahrer Otto Gubler, Maler in Wängi (Foto) Als Meldefahrer musste Gubler mit seinem Motorrad alle Beobachtungsposten im Abschnitt Stein a.Rh. – Ramsen befahren. Sein treuherziger Bericht zeigt die Epoche, in der die Schweiz den Einmarsch der deutschen Armee, flankiert von Luftlandungen, täglich und nächtlich erwartete.

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Schwere Zeiten

Sager berichtet: Auf Befehl der zuständigen Behörde wurden alte, ausrangierte Landmaschinen gesammelt und auf den Ebenen des Mittellandes platziert, um den Einsatz deutscher Luftlandetruppen zu erschweren, Als besonders exponiert galt das Lauchetal (später Flugplatz Lommis). In Heiterschen war von 1942 bis 1944 eine Flab-Einheit stationiert. Die Fliegerabwehrgeschütze wurden etliche Male gegen fremde Flugzeuge eingesetzt.

Die Protokolle von Orts- und Munizipalgemeinde lassen nicht erkennen, dass rings um die Schweiz der Krieg tobte. Völlig ungerührt verzeichnen sie nur die Verhandlungen, abgesehen von unbedeutenden Anmerkungen, wie die Beschlagnahmung der Heuvorräte 1939 oder die Verschiebung von Wahlen 1945.

In unserer Gegend waren als letzte Zeugen einer vorbereiteten Abwehrstellung vor Eschlikon die 2 Panzerabwehrbefestigungen zu beiden Seiten des Säntisblicks geblieben, klassische Hinterhangstellungen. Ziemlich unsensibel wurde die eine etwa 2002 entfernt, während die andere dadurch gerettet wurde, dass sie als Holzlager und Bienenhauswand benützt wird. Weiter zurückgestaffelt ist heute noch die massive Panzersperre zu beiden Seiten des Bichelsees zu sehen.

Aktivdienst 1940: Wachthäuschen «Villa Ohnesorgen», an der Brücke von Heiterschen, ganz rechts im Bild. Der Flussübergang war zur Sprengung vorbereitet und wurde vom Zerstörungsdetachement 58 bewacht, dem einige ältere oder dienstbefreite Wängener angehörten. Die Aufgabe dieser kleinen Truppe war schwierig: Einerseits musste sie verhindern, dass die Brücke vorzeitig – z.B. durch Sabotage – gesprengt wurde, andrerseits hatte sie ein Notsprengrecht für den Fall eines plötzlichen Angriffs.

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Schwere Zeiten

Im Thurgau sind vor allem die schweren Bombenangriffe auf Friedrichshafen in den Jahren 1943 – 44 miterlebt worden und in schrecklicher Erinnerung geblieben. Thurgauische Kriegsopfer: 12. Oktober 1941: Englische Bomben fallen auf Buhwil; 3 Menschen sterben. 20. Juni 1943: Bei einem Nachtangriff auf Friedrichshafen werden in Kümmertshausen ein Bauer und seine beiden Söhne durch Flabgeschosse getötet. (Chronik, Jahrbuch, 1942, 1944)

Die Boeing B-17 «Flying Forteresse» (Wikipedia). Am 1. April 1944 warfen 24 Maschinen rund 400 Bomben auf Schaffhausen und töteten 50 Menschen. Ein weiteres Bombardement erfolgte am 22. Februar 1945 auf Stein a. Rh. und forderte 9 Todesopfer.

Amerikanischer Benzinkanister, am 2. April 1944 vor dem Eichbühl abgeworfen.

Militärisches Begräbnis in Wängi, 1944, Kurt Kocherhans, Breitenloo, während der Rekrutenschule gestorben

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Kein Kornfeld wurde abgeerntet, ohne dass sofort eine Schar von Ährenleserinnen erschien, um den privaten Mehlvorrat zu ergänzen. Auch Buchnüsse, Eicheln und Kastanien wurden für industrielle Zwecke eifrig gesammelt. (Aus dem Nachlass Hans Baumgartner, © Fotostiftung Schweiz)

Dank der Rationierung und der «Anbauschlacht» hatte man immer genug zu essen. Das Brot durften die Bäcker erst nach 2, später nach 4 Tagen verkaufen, um den Konsum zu reduzieren. Ab März 1944 waren die Brothersteller verpflichtet, zu 80 kg Getreidemehl 20 kg Kartoffelmehl beizumischen. Dafür wurde die Tagesration von 225 auf 250 Gramm erhöht. Ab 1944 waren vielerorts die Metzgereien nur noch an einzelnen Tagen geöffnet. Für Übertretungen wie z.B. Schwarzschlachten wurden drakonische Strafen verhängt.

Für viele knappe Produkte gab es Ersatzlösungen, z.B. Spagetti und Hörnli aus Kartoffeln und Proteinstoffen oder Kunsthonig aus Obst. Wichtig war das Radiohören, vor allem gegen Ende des Monats. Blinde Coupons A-X wurden dann für zusätzliche Lebensmittel freigegeben. Die Beschränkung des Zucker- und Fettkonsums und das Verkaufsverbot für frisch gebackenes Brot wirkten sich wohltätig auf die Volksgesundheit aus. Eine interessante Feststellung macht Bruno Fritsche in der Wirtschaftsgeschichte des Thurgaus: «In der Zwischenkriegszeit, die durch Arbeitslosigkeit und die schwere Wirtschaftskrise der 30er Jahre geprägt war, sank die Geburtenzahl auf ihren tiefsten Stand. Bemerkenswert ist, dass im 2. Weltkrieg, als die Bedrohung für Leib und Leben noch viel

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Auch der Zürcher Sechseläutenplatz wurde zum Kornfeld. (Foto NZZ 29.3.2012)

Private Haushalte versuchten sich zur Bereicherung des Speisezettels in der Schweinezucht.

grösser und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft noch viel unsicherer war, die Geburtenzahl sprunghaft anstieg.» Diese paradoxe Erscheinung, die in der Geschichte immer wieder auftritt, erklärt sich nur teilweise aus den «Urlauberli»-Kindern. Wäre es anders, so gäbe es die Menschheit längst nicht mehr.


Holzvergaser Helfenbergers Bührertraktor mit Holzvergaser beim Güllen- und Fruchtführen. Die Benzinknappheit wurde mit Holzvergasern überbrückt, von frustrierten Chauffeuren auch Holzversager genannt. Spätestens eine halbe Stunde vor der Abfahrt musste der mit ganz kleinen, möglichst trockenen Holzklötzen gefüllte Herd des Gasgenerators in Brand gesetzt werden. Die Teilverbrennung des Holzes unter Luftmangel erzeugte ein brennbares Gemisch, das dem Vergaser zugeleitet wurde. Gelang es dem geschickten Fahrer durch kluges Schalten und raffiniertes Spiel mit dem Gaspedal in einer Stunde etwa 40 km zurückzulegen, so war dann der Ofen aus und musste gereinigt und neu angefeuert werden. Ein Aschenhäufchen blieb zurück. Den Abschluss der Tagesarbeit bildete die aufwändige Reinigung und Wartung des schweren Geräts. Aber trotz allem: Man war stolzer Besitzer eines selbst fahrenden Vehikels. Auch das Gala-Auto des Generals fuhr mit Holzvergaser.

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Wie wohl tat das den Kriegern, in ihrer reinen Muttersprache so hoffnungsfroh begrüsst zu werden. Sie spürten «Noch ist Frankreich nicht verloren!» Der das gerufen hat, das war der Samuel Lehmann. Seither wurde er der Freund der Internierten, und sie kamen zu ihm in ihren sprachlichen Nöten, und er half, wo er konnte.

Samuel Lehmann (1925 – 1941) «der in der Dorfgeschichte eine seltsame und liebenswürdige Aufgabe erfüllte», nach einer Erinnerung von Sekundarlehrer Albert Schreiber: «Wir waren im Zweiten Weltkrieg, als Samuel aus Frankreich nach Wängi zu seinem Onkel, dem Käsermeister Lehmann kam. Sein Vater war selber auch Käser in Frankreich und fand es nötig, den Sohn in der sicheren Schweiz unterzubringen. Liebenswürdig, wie es die Franzosen ja sind, lebte sich Samuel im Dorfe ein, lernte rasch Schwyzerdütsch und Schuldeutsch und war als gefälliger Sekundarschüler bei jung und alt beliebt. Und dann kam im Juni 1940 über Frankreich die militärische Katastrophe. Ein geschlagenes Volk, ein geschlagenes Heer, und um die 30 000 Mann retteten sich über die Grenze in die Schweiz. Sie wurden zuerst im Berner Oberland interniert. Als aber jene Gegend in das Reduit einbezogen wurde, kamen sie in unsere Gegend; Wängi bekam Einquartierungen von Franzosen, Matzingen von Polen. Das geschah etwa im August 1940. Die «Wänger» wurden in Aadorf ausgeladen und marschierten von dort zu uns. Ich sehe sie noch leibhaftig vor mir, die Geschlagenen vom Plateau von Maigre (Belfort), wie sie bei uns einmarschierten, elend an Leib und Seele und in vielgestaltiger Gewandung – einer gar im Übergwändli mit Strohhut. Wie sie dann an der Käserei vorbei marschierten, da rief es von dort her «Vive la France»!

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Die Geschichte könnte fertig sein; sie ist es aber nicht. Bald, im folgenden Jahr, wurde Samuel sehr krank und starb nach wenigen Tagen 16jährig dahin. Seine Franzosenfreunde liessen es sich nicht nehmen, das «Büeble», wie ihn die Elsässer nannten, eigenhändig zum Friedhof zu tragen, und der Herr Pfarrer Merz widmete ihm in der Abdankung in ihrer Sprache ein letztes Gedenken. Nur gedämpft kam das Totenlied im schönsten Wiesengrunde aus den Kehlen seiner Mitschüler.» Von dieser Beerdigung sprach man noch lange. Es heisst, das ganze Dorf habe daran teilgenommen.


Schwere Zeiten

Internierte

Genauere Zahlen nach Somm, General Guisan: 43 000 Soldaten des 45. Armeekorps überschritten die Grenze. Ironie des Schicksals: Gerade diese Truppen hätten entsprechend der geheimen Abmachung General Guisans mit den Franzosen bei einem deutschen Angriff für die Verstärkung der schweizerischen Verteidigung im Raum südlich Basel eingesetzt werden sollen. Im Januar 1941 konnten die französischen Truppen wieder nach Frankreich zurückkehren. Einer, André Viard, kehrte 1946 zurück, um Klara Höppli zu heiraten und mit ihr und zwei Kindern sein Leben in Kreuzlingen zu verbringen. Er starb 2008 in seinem 93. Lebensjahr. Sein Sohn André führt das Antiquariat Viarius in Frauenfeld. Die 12 500 Polen blieben bis nach Kriegsende in der Schweiz. Sie wurden in Lagern untergebracht. Bei Kriegsende lebten z.B. 900 Polen in einem Barackenlager bei Lommis, das damals 500 Einwohner zählte, laut einem Bericht in der Thurgauer Zeitung vom 7. Mai 2005. Sie arbeiteten als Torfstecher und halfen auf Bauernhöfen und Baustellen.

Josef Sager berichtet, dass eine Gruppe von Polen aus Matzingen die Internierten-Hochschule in Sirnach besuchten. 18 von ihnen schafften sogar den Abschluss. Unterrichtet wurden sie von polnischen und schweizerischen Professoren der Universität Zürich. Da die in Matzingen untergebrachten Polen der katholischen Konfession angehörten, besuchten sie die Gottesdienste in Wängi. Das Grab des Szczepanski Tadeusz befindet sich heute noch auf dem Friedhof. Auch die Schweiz. Torfgenossenschaft in Eschlikon setzte zur Torf-Förderung Internierte ein: Engländer, Italienier, Australier, Franzosen, Tschechen, Slowaken und Russen, die in einem Barackendorf untergebracht waren und in 6 Jahren total 94 798 Kubikmeter Torf förderten. Im 1. Weltkrieg waren hier deutsche Internierte eingesetzt worden. So zu lesen in der zweiten Geschichte von Eschlikon.

Internierte Franzosen beim Einmarsch

Monsieur Bouchril, ein französischer Offizier, im Park des Weiherhauses, mit Ursula Sulzer.

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Schwere Zeiten

Nachwehen des 2. Weltkrieges Das Bild zeigt eine Turnergruppe vor dem Fabrikgebäude. Etliche Wängener hatten sich schon in den 30er Jahren daran gestossen, dass die jüngeren Arbeiter der Riloga, insbesondere diejenigen deutscher Nationalität, ein regelmässiges Sportprogramm absolvierten, das den Ertüchtigungsnormen der NaziOrganisationen entsprach und mit politischer Indoktrination verbunden war.

Nazis raus Bei Werner Rings lesen wir: Um das Jahr 1935 war die Schweiz mit deutschen Parteizentren übersät: es gab 45 Ortsgruppen und 21 Stützpunkte in 66 Ortschaften. Länzlinger ergänzt in der Amriswiler Geschichte: Im Kanton Thurgau existierten 5 deutsche Kolonien mit folgenden Mitgliederzahlen: Kreuzlingen 484, Amriswil 246, Weinfelden 194, Arbon 131 und Frauenfeld 94. Enge Verbindungen bestanden auch zu den italienischen Kolonien in der Vereinigung «Dopo lavoro». Verschiedene Italiener behaupteten, Mussolini – seit 1937 Ehrendoktor der Universität Lausanne – habe im Hotel Kreuz, Frauenfeld, einen Vortrag gehalten.

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Schwere Zeiten

Im Juni 1945 verlangten Volksversammlungen im ganzen Kanton die Säuberung der Schweiz von Deutschen, die als Nazi gegen unsere Unabhängigkeit gewühlt hatten. Am 25. Mai 1945 wurden laut Jahrbuch bei 18 ehemaligen Funktionären der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei Hausdurchsuchungen durchgeführt. Aus einer Liste der Sicherheits- und Fremdenpolizei des Kantons Thurgau (StaTG 4 517 0, Dossier 2) geht hervor, dass im Kanton 268 Leute überprüft wurden, von denen 41 Mitglieder der NSDAP waren. Von den 5 Parteimitgliedern im Bezirk Münchwilen wohnten 3 in Wängi. Gegen den deutschen Betriebsleiter der Riloga und seine Frau – beide etwas über 30 Jahre alt und Parteimitglieder – wurde von der Fremdenpolizei die Ausweisung verfügt, und so hätte die Familie mit den beiden Kindern bis 31. August 1945 die Schweiz verlassen müssen. Der Rekurs des Betriebsleiters wurde jedoch vom Regierungsrat geschützt; er erhielt nur eine Verwarnung. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Unterschriftensammlung der Riloga-Belegschaft für ihren Betriebsleiter. Immer war gemunkelt worden, er sei nach dem deutschen Einmarsch in die Schweiz für eine wichtige Stellung vorgesehen. . In Wängi beschäftigte die Angelegenheit viele Leute. Man war sich aber bewusst, dass der Artikel 70 der Bundesverfassung, wonach Fremde weggewiesen werden konnten, wenn sie die Sicherheit des Landes gefährdeten, reichlich spät zur Anwendung kam und das Ganze eher nach Rache aussah. Ausserdem konnte man immer wieder hören, es hätten eher bestimmte in der Gemeinde wohnhafte Schweizer Bürger, deren Sympathien für die Nazis bekannt waren, ausgewiesen werden sollen. Schon vor dem Krieg war die Riloga durch ein tragisches Ereignis ins Zwielicht geraten. Der 22-jährige deutsche Arbeiter Theodor Barbonus streckte den zur Inspektion in Wängi anwesenden Direktor Johann Peter Schmidt mit einigen Pistolenschüssen nieder und brachte sich darauf selbst um. Barbonus, der als sehr beliebt und ruhig geschildert wurde, hatte ein halbes Jahr zuvor durch einen Unfall im Betrieb ein Auge verloren und war deswegen in Funktion und Lohn zurückgestuft

Direktor Johann Peter Schmidt

worden. Vor der Abreise des Direktors nach Deutschland kam es zu einer Auseinandersetzung, die mit der Mordtat endete. Die Leiche des Ermordeten wurde nach Deutschland überführt, der Mörder, für den kein Leichenpass erhältlich war, in Wängi begraben. In seinem Testament hatte Schmidt eine hohe Summe für die Altersvorsorge der Betriebsangehörigen eingesetzt. Der Ermordung des Direktors hatte keinen direkten politischen Hintergrund, jedoch war die allgemeine Radikalisierung nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1932 vor allem in der deutschen Arbeiterschaft spürbar und die Hemmschwelle für derartige Verbrechen sehr niedrig. Da Hitler Anfang 1933 Reichskanzler wurde und ein beispielloser Nazi-Terror begann, erwies es sich politisch als vorteilhaft, dass der Mörder ebenfalls ein Deutscher gewesen war. Wäre er ein Schweizer oder gar ein Jude gewesen, hätten die Nazis dieses Ereignis wohl ähnlich ausgeschlachtet wie 3 Jahre später die Ermordung des Gauleiters Wilhelm Gustloff in Davos, der als «erstes Blutopfer der nationalsozialistischen Bewegung im Ausland» zum Märtyrer erhoben wurde.

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Kinder, Familien, Schulen Kinder Hirschenwirtin Frau Meier

Die Kinder der Familie Meier

Vor dem Restaurant Hirschen (heute Nafzger), etwa 1945

mit einfachem Spielzeug, etwa 1948

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1910

Die Töchter des Schmieds Georg Gnehm-Oswald (1875 – 1925) Liseli, geboren 1904, wird 1987 sterben. Mily, geboren 1906, wird nur bis 1959 leben. Anna, geboren 1907, wird 1994 sterben. Alle drei werden sich in Ermatingen verheiraten und eine Familie gründen. Ihre Wohnhäuser werden in einem Umkreis von 100 m stehen. 1925

Die ganze Familie von Georg und Lisette Gnehm-Oswald, mit dem 1911 geborenen Bruder Georg; Liseli, Mily, Anna

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Zwei Generationen der gleichen Familie Familie Giger, Linde: Josef, Alois (später Lindenwirt), Hans, Ida, Albert und Mina, etwa 1920

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Tรถchter der Familie Giger, Linde Ruth, Vreni, Beatrix, Rita und Rose-Marie. Es fehlen die Knaben Alois, Peter und Bruno, etwa 1954

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Das Fabrikantentรถchterlein Iris Maurer etwa 1943

Die Sigrist Kinder Paul und Irma mit altem Davoser Schlitten, etwa 1940

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Das grösste Vergnügen Annelies Schmid stösst ihren Kinderwagen selbst, etwa 1935.

Ein so genannter Sportwagen stromlinienförmig, windschlüpfrig Dorli und Peter Staub auf dem Sonntagsspaziergang, etwa 1946

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Chüechligässler: Werner und Walter Aeschlimann, Ruedi Isenring, Hans und Susanne Fuhrer

Vreni Schwager, Gerda und Paul Bommer auf dem Findling vom Dammbühl, etwa 1962 Der Findling wurde nach Ernst Wiesmanns Tod, 1964, als Denkmal für sein vielfältiges kulturelles Wirken beim Ortsmuseum aufgestellt.

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Martha Gallati und Ferienkind, Dorli Staub und Peter, etwa 1945

Marlies, Gertrud, Vreni und Werner Büchi, 1949


Kinder, Familien, Schulen

Familien

Familie Helfenberger, BommershĂźsli, 1932

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Pfarrer Merz als Fotograf, 1938 Links die Nachbarin Frau Gmünder, Metzgerei, mit ihren 4 Buben. Der kleine Pfarrerssohn Dilgion in weisser Pelerine, hinter ihm seine Tante mit Hut und die Hausangestellte Hildegard Koschara Mutter Paula Büchi mit Marlies, Werner und Gertrud, 1942, nach dem Tod des Vaters

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Frau Emma Huber Egli, stehend, Wirtin in Möriswang, mit den Zwillingen Aline (*1922) und Werner Egli (1922 – 2011). Sitzend Verena, die Tante der Kinder, Aline 1922 – 2013 Die Familie von Willi Maurer auf dem Sonntagsspaziergang, etwa 1942. Die häufig anzutreffende Kleidung der Kleinkinder ist hübsch und hat eigentlich den Zweck, sie dauernd ermahnen zu können, sich ja nicht schmutzig zu machen.


Schulklassen

Die intelligenteste Klassenfotografie stammt aus Tuttwil. Lehrer Johann Herzog, der an dieser Gesamtschule von 1900 bis 1941 wirkte, hat nämlich auf einer Schiefertafel Ort und Datum verewigt: «Tuttwil, 21. Mai 1920». Schwieriger ist die Datierung dieser Innenaufnahme aus dem Dorfschulhaus in Wängi. Bei der jungen, gestrengen Lehrerin tippen wir auf Sophie Zimmermann, die als Vorgängerin von Anna Nater von 1906 bis 1911 in Wängi und anschliessend bis 1946 in Frauenfeld unterrichtete. Die Fotografie zeigt die Anordnung der Viererbänke mit aufstellbarer Klappe, Schiefertafelhalter und versenktem Tintenfässlein. Die Ausrüstung der Schülerinnen und Schüler besteht neben Büchern und Heften aus der Schwammbüchse mit Inhalt und der Griffelschachtel aus Holz, die sich später zum Etui mausert. Im Schulzimmer befindet sich nur etwa die Hälfte der Abteilung und zwar diejenige, die bereits mit der Feder schreibt, die auch deutlich präsentiert wird. Auf dem Pult der Lehrerin liegt neben Schreibgarnitur und Blumentopf ein Büchlein, das ein damaliges Weltwunder zeigt: den Zeppelin, der 1900 in Friedrichshafen seine Jungfernfahrt absolviert hat. Schulreise der oberen Klassen mit dem Lehrer Otto Bischof-Weideli, vor 1938. Die Fahrt mit dem stromlinienförmigen Car neuester Bauart lockt auch eine Schar von Begleiterinnen und Begleitern an, die sich unter dem Vorwand der Pflichterfüllung einen fröhlichen Tag machen.

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Etwa 1914 62 Kinder

Etwa 1930 44 Kinder

1935 40 Kinder

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Anna Nater, die Tochter des hervorragenden Aadorfer Historikers und Lehrers Johann Nater, wirkte von 1911 bis 1959 als Unterstufenlehrerin in Wängi. Daneben erteilte sie Klavierstunden zu sagenhaft niedrigen Preisen, unterstützte viele soziale und kirchliche Bestrebungen, insbesondere das Blaue Kreuz, und betreute unentgeltlich schwache Schüler. Die 3 Fotografien zeigen beispielhaft, wie die Abteilungsbestände allmählich zurückgingen: von 80 im Unterrichtsgesetz von 1885 auf 24 im Volksschulgesetz von 2007. Als Ende der 1950er Jahre die Schulbehörde Wängi eine zusätzliche Lehrstelle beantragte, verlangte ein älterer Schulbürger Ablehnung und rief entrüstet: «Bim Lehrer Hardmeier simmer meh als 60 Schüeler gsi, und es sind au nöd ales Tübel worde!» – Da schrie einer von hinten: «Aber es paar scho!» – Grosses Gelächter – und die Lehrstelle wurde beschlossen.


Kinder, Familien, Schulen

Albert Schreiber unterrichtete von 1918 bis 1959 an der Sekundarschule Wängi, in den ersten 8 Jahren als einziger Lehrer. Die Fotografie von etwa 1920 zeigt die typische Geschlechterverteilung der frühen Sekundarschule: mehr Knaben als Mädchen, insbesondere in der 3. Klasse. Viele an sich fähige Mädchen traten gar nicht in diese Schule ein oder verliessen sie nach der 2. Klasse, da ihre Schulbildung nicht als wichtig betrachtet wurde und die Eltern sich das Schulgeld sparen konnten.

Diese Fotografie kann bestens datiert werden, da der neben Albert Schreiber sitzende Jakob Züllig nur im Schuljahr 1926 – 1927 in Wängi war und ab 1932 in der Industrieabteilung (Sekundarschule) der Thurgauischen Kantonsschule wirkte. Die Schülerschaft besteht aus 37 Knaben und 16 Mädchen; eine deutliche Abweichung vom kantonalen Schnitt, der etwa 60 : 40 % beträgt. Zu dieser Zeit gibt es nur eine einzige Sekundarlehrerin: Hanna Brack, die 1903 – 33 in Frauenfeld unterrichtet. Offensichtlich sind die Knaben angehalten worden, mit weissem Hemd, sogar mit Kravatte und Schlips, zu erscheinen. Eine ernste Sache ist das Fotografieren allemal!

169


Kinder, Familien, Schulen

Was jede Schule mit Sicherheit erzeugt: Ehemalige Die Jahrgänge 1899 – 1901 an der Klassenzusammenkunft, etwa 1945, vor dem Dorfschulhaus, mit den Lehrern Albert Schreiber (im hellen Regenmantel), Otto Bischof (im Bild rechts von ihm) und Ernst Wiesmann (rechts aussen, mit dunklem Regenmantel).

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Kinder, Familien, Schulen

Urgestein

Karl Rudolf Spiller mit Frau, Pfarrer von 1858 bis 1879 Er gilt als erster Pfarrer der evangelischen Pfarrei. Genau genommen war es Pfarrer Johannes Buchmann, der als einer der ersten im Thurgau die Lehre Zwinglis angenommen und 1529 das Abendmahl eingeführt hatte. Von ihm schreibt Pupikofer: «Seine aus der Bibel geschöpfte Lehre vom Zehnten machte die Bauern störrisch!» Zwei Jahre später verliess er Wängi. Er war einer der Brüder des berühmten Zwingli-Nachfolgers Theodor Buchmann, der seinen Namen nach damaliger Sitte ins Griechische übersetzte und sich Bibliander nannte. Dieser hatte u.a. auch den Koran ins Deutsche übertragen.

Johannes Ulrich Gamper (1852 – 1920) Landwirt, Schlossermeister, Rosental

Gampers 4 Kinder (von rechts): Marie (1880 – 1938), Stickerin, verheiratet mit Briefträger Hermann Höpli, Tuttwil Emil (1884 – 1946) Stickermeister, Hobbyfotograf, Militärtrompeter Jakob (1886 – 1955), Landwirt, Elektriker, Rosental Ulrich (1894 – 1956), Schlossermeister, Eschlikon

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Die Hoepli-Familie Ulrico Hoepli Von den zahlreichen Höppli, Höpli und Hoepli im Hinterthurgau ist er der berühmteste.

Ulrico in Begleitung der Neuvermählten Teresa und Ulrico bei der Einweihung der Gedenktafel in Tuttwil am 7. April 1934 Am gleichen Tag hatte in Wängi die Hochzeit seines Grossneffen Ulrico Hoepli (1906 – 2003) mit Teresa Gerberding (1910 – 2001) stattgefunden. Ein Jahr später, 1935, kam Ulrico Carlo zur Welt (er besuchte Tuttwil im Januar 2011), 1966 dessen Sohn Giovanni Ulrico und 1996 der Enkel Ulrico.

Begegnung mit Ulrich Huber, dem einzigen noch lebenden Schulkameraden. Ulrico soll ihn gefragt haben: «Chasch no schaffe?» – «Nei.» – «Dänn isch es nüt meh.»

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Ulrico Hoepli (1847 – 1935), bedeutender italienischer Verleger und grosszügiger Mäzen, der in den 20er Jahren mit einer Million Franken die heute noch bestehende Hoepli-Stiftung gründete. Die Mailänder nannten ihn «Re della Svizzera». In Tuttwil wird heute noch der «Mailändertag» gefeiert – ein Schul- und Dorffest. Ulrico kam jedes Jahr in sein Heimatdorf zurück und hing vor allem an seiner Mutter. Da sie gehbehindert und somit ans Haus gebunden war, hatte sie sich besonders der Erziehung ihrer Kinder gewidmet. In seinem Geburtshaus sollen unter Joh. Heinrich Höppli, Gemeindeammann von 1825 bis 1833, eine oder mehrere Spinnmaschinen durch Wasserkraft betrieben worden sein, die man von der Brunnenstube des laufenden Dorfbrunnens nahm.


Die Hoepli-Familie

Von Ulrico Hoepli zu Gottlieb Höppli Die beiden Familienzweige treffen sich im 1739 geborenen Hans Georg Höppli. Dieser war Urgrossvater von Ulrico Hoepli ebenso wie des 1855 geborenen Gottlieb Höpli, der das Bauernhaus an der Tuttwilerstrasse bewohnte.

Das Höplihaus an der Einmündung der Tuttwilerstrasse in die Aadorferstrasse. Zeichnung von Johann Alfons Berkmüller, etwa 1860

Vier Generationen Gottlieb Hoepli Rechts im Bild der Älteste (1855 –  1944), ein Pionier in Sachen Elektrizität, Frauenfeld-Wil-Bahn sowie Käserei- und Viehzuchtgenossenschaft. Links der Vertreter der 2. Generation (1885 – 1954), der 1932 wesentlich zur Rettung der konkursiten Weberei beitrug. In der Mitte Gottlieb Höppli-Engeler (1916 – 2009) In seinem Arm das Neugeborene (*1943), der spätere Chefredaktor des St. Galler Tagblatts

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Gottlieb Höppli-Engeler 24. Februar 1916 bis 7. März 2009 In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts hätte man im Thurgau wohl kaum einen Bauern oder Politiker gefunden, dem der Name Gottlieb Höppli nicht bekannt gewesen wäre. Sein vielseitiges Wirken kann hier nur summarisch dargestellt werden: Geschäftsführer der Genossenschaft für landwirtschaftliche Investitionskredite und Betriebshilfe, Mitbegründer und Präsident zahlreicher kantonaler und schweizerischer bäuerlicher Organisationen, Obmann der Liegenschaftenschätzungskommission, Leiter von Güterzusammenlegungen, Mitglied der Aufsichtskommissionen der Landwirtschaftlichen Schule und der Krankenanstalten sowie der Rekurskommission AHV/IV, Mitglied des Divisionsgerichts, dazu eine Menge weiterer Verantwortlichkeiten, welche diese Ämter automatisch mit sich brachten. Seinem Dorf blieb er zeitlebens verbunden und diente ihm u.a. als Schulpfleger und Schulpräsident, als Präsident der Raiffeisenbank und der Käsereigenossenschaft sowie als Mitbegründer der Naturschutzvereinigung «Grütried» und des Ortsmuseums. Für die Bildung der Einheitsgemeinde sprach er 1967 im Grossen Rat die wohl entscheidenden Worte. Die Geschichte seiner Familie bedeutete für ihn eine dauernde Verpflichtung, ebenso das Beispiel des Grossvaters, der in der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert vom kleinen Bauern zu einer führenden Gestalt des Dorflebens herangewachsen war. Aus dem weit verbreiteten Clan der Hoepli oder Höppli - beide Formen werden in der Familie nebeneinander verwendet - hatte schon 1798 der Pfleger Johann Georg als Mitglied des Inneren Volksausschusses den eidgenössischen Orten die Befreiung des Thurgaus abgetrotzt. Auch der bedeutende italienische Verleger Ulrico Hoepli war ein zwingendes Vorbild. Es hätte Gottlieb wohl gefreut zu wissen, dass der gegenwärtige Träger dieses Namens eigens aus Mailand herfahren würde, um an seinem Grab zu trauern.

174


Nach einer unbeschwerten Jugendzeit als Sohn des Bauern und Gastwirts «zum Schwert» übernahm Gottlieb den väterlichen Hof und errichtete 1957 eine für die damaligen Begriffe luxuriöse Siedlung, die er später verpachtete und 1989 verkaufte. Im Jahre 1942 vermählte er sich mit Martha Engeler aus Pfyn, die ihm eine grosse Stütze im wachsenden Betrieb war, «obwohl sie», wie er in seinen Erinnerungen schrieb, «eine Lehrerstochter war». Sie starb im Jahr 2001. In seinen 5 Kindern fand er manchen seiner eigenen Lebensträume verwirklicht. Sein Ältester, Gottlieb, wurde Journalist und 1994 Chefredaktor des St. Galler Tagblatts, Markus blieb seiner bäuerlichen Herkunft treu und arbeitete bei einer führenden Landmaschinenfirma,

Thomas beendete eine steile Karriere als Banker, um in grossem Stil als Promotor und Finanzbeschaffer für die medizinische Forschung zu wirken, Susi wurde Lehrerin und erwarb des Lizentiat in Psychologie, und die Jüngste, Marianne, wanderte nach der Ausbildung zur Krankenschwester 1975 nach den USA aus, sicherte sich aber auf ihres Vaters Wunsch eine Bleibe im Tessin. Gottlieb hatte das Glück, trotz wachsender Lebensmüdigkeit bis in seine letzten Tage bei klarem Verstand bleiben zu dürfen.

175


Anhang Fotos

Ergänzungen aus den Beständen des Ortsmuseums und persönliche Fotos von R. Götz und A. Raas werden nicht aufgeführt. Wenn mehrere Bilder auf einer Seite sind, werden sie mit Buchstaben in normaler Lesefolge bezeichnet. Völlige Zuverlässigkeit der Angaben besteht nicht. Album Frau Pfarrer Heim

30 39b

Almer-Dütschler Lydia

Neuhausstr. 3

138b

Ammann-Sauter Alice

Aadorferstr. 28

84a 86c

Baumann-Fuhrer Rolf u. Margrit

Moschtiweg 1

2b 84b 86b

Bär Foto Frauenfeld

gestorben

30 31 94c 144ab

Baumgartner Hans !

gestorben

36b 152a

Bischof-Isler Otto

Brühlwiesenstr. 13

166b

Bollier-Grob Elisa

Froheggstr. 5

102ab 130b

Bommer Ida

Aadorferstr. 10

81ab

Bommer Josy

gestorben

82cd 126b 132b 164c

Büchi Ruedi

Eggetsbühlerstr. 28

56abd 57c

Büchi-Schmid Annelies

Wilhofstr. 50, Wittenwil

83 163a

Debrunner-Wirth Hedwig

Anetswilerstr. 12

65

Frischknecht-Sigrist Rosmarie

Neuhausstr. 3

57b

Fuhrer-Ammann Klara und Hans

gestorben

26b 29b 46b 54bc 57a 71 77a 86a 95c 164a

Gamper-Büchi Gertrud

Schönbühl Hunzikon

69 75a 141c

Gamper Emil

gestorben

24c 130a 170

Gamper Jakob

Brühlwiesenstr. 10

137c

Gnehm Eugen

Eichlibachstr. 2

81c 87b

Gonzenbach Dr. Roger

Untere Weinackerstr. 25, Frauenfeld

129b

Götz Marianne

Dammbühlweg 4

104ab

Hänni-Gamper Nelly

Üetlibergstr. 66, Urdorf

25ab 171cd

Hasler Paul

Weinbergstr. 5

107abc 108a

Heizmann Maya

Münchwilerstr. 10

82ab 95b

Helfenberger Jakob

Bommershüsli

153ab 165

Herzog Karl

Lommiserstr. 26

141b

Hobi Pius

gestorben

135ab 136a 137a

Hoepli-Engeler Gottlieb

gestorben

173b

Holenstein Thomas

Poststr. 43, Amriswil

78ab

Hörnlimann Trudi und Alfred

Neuhausstr. 3

52b 54a 55b 68b 72ac (82ab) 95a 102c

Hürlimann Dr. Louis

Killbergstr. 32, Ettenhausen

116b

176


Anhang Fotos

Jufer Ruedi

Brühlwiesenstr. 5a

35a

Kappeler Goette Susi

Talackerstr. 26, Frauenfeld

174a

Kocherhans Bruno

Wilerstr. 32b

51

Kollbrunner Walter

Weinbergstr. 3

58

Kohler Fritz u. Margrit

Brühlwiesenstr. 4

76a

Konrad Niklaus

Höhenweg 22, Eschlikon

117abc

Lüthi Sepp

Weidlistr. 8

98a 155a 158ab

Maurer Jürg

gestorben

106ab

Merz Dilgion

Plattenhalde 22, Schaffhausen

14b 15 18 21 32ab 33ab 70a 96a 137b 149b 150c 151b

Mohn Gertrud

Wühre 17, Matzingen

70b

Müller Marlies

Akazienstr. 2, Zürich

14a

Näf Arthur

Ebnetstr. 11

Sammelte Bilder von Pius Hobi

Raas-Gnehm Heidi (Nachlass)

gestorben

42 87a 93ab 94abc 120abc 122ab 128a 148abc 159ab

Raubart Myrtha/Ammann Klara

Chüechligass 7b

66 133b

Santella Marina

Eichstr. 8, Zürich

162a 166d

Schadegg Egon

Anetswilerstr. 6

130a

Schadegg Müllhaupt Tanja

Anetswilerstr. 3a

109ab

Siegfried-Soller Elsbeth

Weidstr. 2, Busswil

41b 162b

Sonderegger-Josef Zita

Seeblickstr. 42, Speicherschwendi

19ab

Steffen Hans

Wiesengrundstr. 29

108b 156

Steiner-Abderhalden Martha

Rebhaldenstr. 19, Scherzingen

119bc

Störchli Josef

Landstr. 20

132a

Sulzer Ursula

Weierhaus

112 151c 155b

Thalmann-Isler Rolf

Ulrico Hoeplistr. 3, Tuttwil

16 48a 72b 74 89 101bc 127

Thalmann-Müller Heidi

gestorben

75bd 80ce 133a

Venuti-Staub Dorli

Via Zannini, Cassacco Martinazzo Udine Italia

164b

Vontobel Andreas

Morgenstr. 7, Thundorf

126a

Walter-Keller Hans

Greuthof

62

Walter Hansjörg u. Madeleine

Greuthof

4-8

Wanner Christian

Wuhrhaldenweg 10

125b

Wehrli-Giger Rose-Marie

Laubgasse 4, Frauenfeld

85 160 161

Weissenbacher-Schneider Hildegard Bächelackerstr. 5, Hinteregg ZH

98c 132cd

Wermuth-Hafner Pia

Froheggstr. 2

129a

Wolfensberger-Müller Erna

Keltenweg 4, Bichelsee

46a 80 abd

177


Anhang Auskunftspersonen und ungedruckte Quellen

Auskunftspersonen und Spender von nicht publizierten Fotos Baumann-Fuhrer Margrit

Junker Willi, Brütten

Bischof Adam, Frauenfeld

Kohler Margrit und Fritz

Brunner Georges, Oberembrach

Lenggenhager Myrta, Matzingen

Büchi Doris

Lessing-Huber Hanne

Büchi Ruedi

Müller Henri

DeMartin Umberto

Näf Arthur

Dick Markus

Schwager Linus

Egli Aline

Rohr Lydia

Egloff Karl und Erika

Sproll Kathrin und Daniel

Fuchs Paul

Stutz Markus

Graf Fridolin

Steffen Hans

Hänni-Gamper Nelly, Urdorf

Suhner Gabi

Herzog Karl

Sulzer-Stierlin Ursula

Huber-Lenggenhager Andrea, Stettfurt

Thalmann Rolf

Isenring Ingrid

Thönen Godi

Josef Dr. Adolf (*1937)

Weber Silvia

Ungedruckte Quellen Amann Konrad, Postchronik, Manuskript, 1940

Protokolle von Orts-, Munizipal- und kath. Kirchgemeinde

Ammann Emil, Wänger Dorfchronik in diversen Folgen im «Anzeiger von Wängi», 1963

Sager Franz Josef, Der alte Brunnen erzählt, 1979

Automobilführer und Automobilbesitzer, Kontrolle 1 Staatsarchiv Bischof-Weideli Otto, Evangelische Kirchgemeinde von 1858-1958 Blätter aus dem Staatsarchiv Hürlimann Dr. Louis, Der Greuthof, 2004

178

Stücheli Hans, Geschichte der Mühle Rosenthal, Winterthur, 1993 Stutz Guido, Zur Geschichte von Heiterschen, 2011 Walder Dr. Hermann, Memorabilia Wengensia, etwa 1925


Anhang gedruckte Quellen

Wichtigste gedruckte Quellen Album 6. Division 1915, ATAR AG, Genf Blom Philipp, Der taumelnde Kontinent, München, 2009 Brugger Hans, Geschichte der thurgauischen Landwirtschaft, etc., von 1835-1935, Frauenfeld, 1935 Bühler Hans, Geschichte der Johanniterkomturei Tobel, Thurgauer Beiträge, 1985 Farner Martha, Alles und jedes hatte seinen Wert, Zürich, 2000 Gonzenbach Dr. Roger, Spitalchronik Frauenfeld, Frauenfeld, 1996 Holenstein Thomas, Der Bleihof, Thurgauer Beiträge, 2007 Isler Egon, Industriegeschichte des Thurgaus, Frauenfeld, 1945 Jakobi Hermann, Flüsterwitze, Swiss Eastern Institute, Berne, 1965 Jung Joseph, Ulrico Hoepli, Zürich, 1997; daraus Hoepli Gottlieb F., «Annäherungen . . .» Kaiser Hermann, Flegel, Göpel, Dreschmaschinen, Rowohlt, 1990 Krähenmann Gerold, Ortsgemeinde Wittenwil, Egg, 1991 Länzlinger Stefan u.a., Amriswil 1950-1999, Amriswil, 1999 Nater Johann, Geschichte von Aadorf und Umgebung, Frauenfeld, 1891 Pfaffhauser Dr. Paul, 150 Jahre Landwirtschaft im Thurgau, Frauenfeld, 1985 Pupikofer J.A., Geschichte der Kirchgemeinde Wängi, Frauenfeld, 1844 do, Gemälde der Schweiz, St. Gallen, Bern, 1837 Rings Werner, Schweiz im Krieg, Zürich, 1981 Sager Franz Josef, Bauer, Holzfäller, Journalist, Norderstet, 2011 Salathé André, Geschichte des Füsilierbataillons 75, Frauenfeld, 1991 do, Predigen – oh Lust und Freude, Zürich, 1998 Stutz Jakob, Stettfurter Chronik, Frauenfeld, 1946 Thurgauische Chroniken in den Beiträgen zur thurgauischen Geschichte, zitiert unter «Chronik» Thurgauer Jahrbücher, zitiert unter «Jahrbuch» Tuchschmid Karl, Geschichte von Eschlikon, 1971, Fortsetzung Schulgde. Eschlikon, Sirnach, 1986 do, Geschichte von Wängi, Sirnach, 1948 Wirtschaftsgeschichte des Kantons Thurgau, TKB, Weinfelden, 1971 Zeitungen: Thurgauer Volkszeitung, Thurgauer Zeitung, Volksblatt vom Hörnli

179


Anhang gedruckte Quellen

Jubiläumsschriften 100 Jahre Männerchor Sängerbund, 2006, Albert Hafner 100 Jahre Musikverein Alpenrösli, 1983, Otto Widmer, Umberto De Martin 100 Jahre Schützengesellschaft Wängi, 1985, Roman Schneider u.a. 100 Jahre Theatergruppe Wängi, 2011, Beat Krähemann, Jörg Zehnder 100 Jahre Turnverein Wängi, 1997, Urs Graf 50, 75, 100 Jahre Raiffeisenbank, 1957, 1982, 2007 100 Jahre Remscheid-Dorfmühle, Schmidt Julius, Remscheid D, 1953 (Riloga, Silga) 1958 Katholische Kirchweihe Wängi, Broschüre, Frauenfeld

Zum Schluss Den Fotospendern, den Verfassern der Schriften, mit denen wir die Bildkommentare und Texte bereicherten, und den beratenden Personen danken wir von Herzen. Ein spezieller Dank gilt Frau Lydia Rohr für die Korrekturlesung des druckbereiten Buches. Ganz besonders anerkennen und verdanken wir das grosszügige Legat, das die Höplikinder im Sinne ihres Vaters dem vorliegenden Werk zukommen liessen. Es war für den Verfasser ein einmaliges Erlebnis, seinem verstorbenen Freund Gottlieb dieses kleine Denkmal zu setzen, ebenso seinen fünf Kindern und dem Nationalratspräsidenten, die alle einmal zu ihm in die Schule gingen. Ob sich die Vergangenheit in diesen Bildern nostalgisch, romantisch oder realistisch darstellt, muss jede Leserin und jeder Leser selbst beurteilen. Es ging nicht um fundamentale Erkenntnisse, sondern um die Chance, ein Stück unserer dörflichen Geschichte zu erhalten.

180


Impressum Herausgeber Andreas Raas, in Zusammenarbeit mit dem Ortsmuseum Wängi Autor Andreas Raas, Wängi Mitautor Ruedi Götz, Wängi Layout/Satz/Bildbearbeitung

Andreas Raas wurde 1934 in Frauenfeld geboren und verbrachte dort seine Jugend- und Schulzeit. Nach der Matura bildete er sich in Zürich, Bern, Paris und London zum Sekundarlehrer aus und übernahm 1957 die neu geschaffene dritte Lehrstelle an der Schule Wängi. Von 1968 bis 1999 wirkte er als thurgauischer Sekundarschulinspektor, ausserdem von 1985 bis 1993 als Präsident der Volksschulgemeinde Wängi. Neben der Mitwirkung in pädagogischen Publikationen zeichnete er als Verfasser des Wängener Hefts 1.

VMA Media AG, Affeltrangen Ueli Mattenberger Druck Niedermann Druck AG, St.Gallen November 2012 (2. Auflage)

Ruedi Götz wurde 1936 geboren und wuchs in Oberneunforn auf. In der Zeit nach seiner Ausbildung zum Primar- und später zum Sekundarlehrer war er an verschiedenen Lehrstellen tätig, die längste Zeit am Gymnase Pestalozzi in Matadi (Kongo/Kinshasa). 1966 kam er nach Wängi, wo er bis zu seiner Pensionierung als Sekundarlehrer unterrichtete. Von 1983 bis 2002 wirkte er als nebenamtlicher Sekundarschulinspektor des Kantons Thurgau. Seit 1966 engagiert er sich für die Naturschutzvereinigung Grütried.


Andreas Raas

Von ländlicher Geborgenheit in die Neuzeit Interpretationen von Bildern aus Wängener Fotoalben Wängener Heft 3

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Andreas Raas: Von ländlicher Geborgenheit in die Neuzeit · Wängener Heft 3  

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