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Graz Architektur

Rationalisten, Ă„stheten, Magengrubenarchitekten, Demokraten, Mediakraten


Dank Konrad Frey Volker Giencke Bernhard Hafner Eilfried Huth

TU Graz, Institut für Architekturtheorie, Kunstund Kulturwissenschaften: Ingrid Böck, Sophia Walk Andrea Gleiniger Karin Wilhelm

Karla Kowalski

Hermann Eisenköck

Manfred Wolff-Plottegg

Petra Friedl Eugen Gross

Julia Gaisbacher Oliver Hangl Mischa Kuball Anna Meyer

Sabine Pink Ingrid Thonhofer Anselm Wagner Gerhard Wallner

Arthur Zalewski HDA: Markus Bogensberger, Karin Oberhuber Akademie der Künste, Berlin: Werner Heegewaldt, Eva-Maria Barkhofen, Catherine Amé, Tanja Morgenstern, Juliane Kreißl Archiv TU Graz: Bernhard Reismann Architektur Haus Kärnten: Raffaela Lackner, Gisela Stramitzer Architekturzentrum Wien: Angelika Fitz, Monika Platzer, Katrin Stingl Wolfgang Georg Fischer, Konrad Fischer Forum Stadtpark: Heidrun Primas, Filipa Cicin-Sain, Roland Schwarz Ernst und Maria Gradischnig Gabriele Krenn, Heinz Kallan Gerald Zugmann, Sabine Haase-Zugmann Zultner Metall GmbH: Bernd Flachs, Julia Zeilinger

Künstlerhaus – Halle für Kunst & Medien: Helga und Sandro Droschl steirischer herbst: Veronica Kaup-Hasler, Martina Heil, Andreas Peternell Bernhard Schabbauer Stefan Schöttel Julia Gaisbacher dankt den Bewohnerinnen und Bewohnern der Eschensiedlung.


Graz Architektur

Rationalisten, Ă„stheten, Magengrubenarchitekten, Demokraten, Mediakraten


Diese Publikation erscheint anlässlich der Ausstellung Graz Architektur Rationalisten, Ästheten, Magengrubenarchitekten, Demokraten, Mediakraten 23.09.2017–28.01.2018 Kunsthaus Graz Universalmuseum Joanneum


4 Arthur Zalewski 6 Familienangelegenheiten 10

Mischa Kuball

12 Schön, geschmackvoll, ansprechend? 18 Wen kümmert’s, wer spricht, hat jemand gesagt, wen kümmert’s? 30

Gute Luft und schöne Lage

36 Kontinuität und Wandel 40

Die Architektur ist nicht zur Selbstverwirklichung da

45 Die Sonnenenergie ist von allen Ölscheichs und Kohlegruben der Welt unabhängig. Sie scheint auf den Bettler ebenso wie auf den Millionär 50

Nur Armut hat Zukunft

56 Sich beteiligen, teilnehmen, teilhaben, selbstbestimmen und mitentscheiden 58 Julia Gaisbacher 62 Oliver Hangl 66 Interpretierbar, anpassbar und erweiterbar 78 Anna Meyer 80 Anhang


Arthur Zalewski Fotografie als Essay Arthur Zalewski suchte Orte auf, die mit beiden Ausstellungen in Verbindung stehen: Er fotografierte im Kunsthaus und außerhalb, er machte unter anderem Aufnahmen von Wolff-Plotteggs Wohnanlage in Seiersberg, Domenigs Z-Sparkasse in Wien und Gienckes Gewächshäusern in Graz. Diese in der Ausstellung Graz Architektur vorgestellten Objekte erweitern sich um weitere Gebäude – ob aus Graz, der Steiermark oder aus anderen Gegenden. Auf diese Weise lässt Zalewski ein Beziehungsgeflecht entstehen, und zwar zwischen den Protagonisten und Protagonistinnen der Ausstellung und jenen, die dort nicht vertreten sind, zwischen architektonisch anspruchsvollen und rein pragmatischen Projekten, zwischen Baukunstwerken und Zweckbauten ohne gestalterische Ambitionen. Auf den ersten Blick wirken viele Fotos Zalewskis wie Schnappschüsse; sie muten unspektakulär und zufällig an, so als hätte der Künstler spontan den Auslöser gedrückt. Doch die Bilder verdanken sich einer Reihe von Entscheidungen: Zalewski fotografiert konsequent mit einer 60er-Brennweite, mit der er das Motiv leicht heranzoomt. Gegenstand und Ausschnitt sind präzise gewählt; diese Genauigkeit wiederholt sich in Auswahl und Präsentation der Bilder. Beim Fotografieren geht Zalewski assoziativ vor – wobei sich Zufall und ein Interesse an einer präzisen Bildkonstruktion verbinden. Der Weg zwischen den Objekten, die er sich zu fotografieren vorgenommen hat, spielt eine wichtige Rolle. Alles, das ihm dabei interessant erscheint, das ihm vor dem Hintergrund dessen, was er knapp davor sah, auffällt, kann zum Bild werden. Das heißt, dass sich in der Materialsammlung des Künstlers auch

Wege abzeichnen, die er gegangen bzw. gefahren ist. Auch wenn Einzelobjekt und Einzelbild durchaus ihre Eigenständigkeit behalten, werden sie in Beziehung zueinander gedacht und behandelt. Im Grunde genommen folgt Zalewski einem essayistischen Verständnis von Fotografie: Er nähert sich den zu fotografierenden Gegenständen aus verschiedenen Perspektiven, subjektiv, nicht systematisch, und eröffnet überraschende Querverbindungen und Sichtweisen auf die Grazer Architektur.

Geboren 1971 in Kędzierzyn-Koźle (PL), lebt in Leipzig (DE) Ausstellungen und Projekte (Auswahl): OFFENE FRAGEN — FACE to FACE, Bundesverwaltungsgericht, Leipzig (2015); 12“, ASPN, Leipzig (2015); Aufstocker, Kunstverein Leipzig (2014); Notes on Beijin­g, ASPN, Leipzig (2014, solo); Abstraktion und Erschöpfung, Galerie b2, Leipzig (2014); Ortsbestimmung. Zeitgenössische Kunst aus Sachsen, Museum Görlitz/Kaiser­trutz (2013); Irreguläre und andere Tage, Kunstmuseum Dieselkraftwerk, Cottbus (2013); Why I Gray, Werkschau/Halle 12, Baumwollspinnerei, Leipzig (2013); Messer im Wasse­r / Noz w wodzie, Freunde der Städtischen Sammlungen für Geschichte und Kultur e. V. Görlitz (2012); Alle Allein, ASPN, Leipzig (2012, solo); RIGHT OF REFUSAL, Magazin4 - Kunstverein Bregenz (2012); seit 2011 zahlreiche Buch- und Foto­ projekte mit dem Spector Verlag Leipzig, Schauspiel Stuttgart, Künstlerkollektiv Liga und ASPN Leipzig. 4


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Familienangelegenheiten Der Grund, Arbeiten von Günther Domeni­g, Konrad Frey, Volker Giencke, Bernhard Hafne­r, Eilfried Huth, Szyszkowitz + Kowalsk­i und Manfred Wolff-Plottegg zu zeigen, liegt nicht alleine in ihrer architektonischen Bedeutung, sondern – auch wenn dies zunächst überraschend anmuten mag – in ihrer (mehrfachen) Beziehung zu Peter Cook und Colin Fournier, den Schöpfern des Kunsthauses. Mich hat es interessiert, ausgehend vom Kunsthaus und seiner Entstehungsgeschichte den Arbeiten jener Grazer Architekten nachzugehen, die wie Cook und Fournier in den 1930er- und 1940er-Jahren geboren wurden, also derselben Generation angehören. Man kann gewiss ohne Übertreibung sagen, dass Graz und die TU in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer Drehscheibe für zeitgenössische Baukultur geworden sind. Wichtige Architekten wie etwa Yona Friedman, Frei Otto oder Cedric Price kamen in diese Stadt, um Vorträge zu halten, umgekehrt waren die Grazer Architekten jahrelang erfolgreich außerhalb Österreichs tätig. Im Zuge meiner Recherchen hat sich herausgestellt, dass es zwischen den österreichischen und britischen Architekten mitunter mehrere Jahrzehnte zurückgehende, tiefreichende Verbindungen gibt. Peter Cook und Eilfried Huth trafen sich Mitte der 1980er-Jahre anlässlich der Ausstellung Vision der Moderne. Das Prinzip Konstruktion im Architekturmuseum in Frankfurt, bei der sowohl Archigram als auch Huth/ Domenig vertreten waren. Das Interesse von Eilfried Huth an der britischen Architektur, besonders an Archigram und Cedric Price, geht allerdings bereits auf die 1960er-Jahre zurück. Konrad Frey lernte Cook in seiner Londoner Zeit kennen. Er lebte zwischen 1968 und 1974 in der britischen Metropole.

Wie Huth war ihm die Arbeit von Archigram bereits zuvor vertraut: Sein Cowicle nimmt direkt auf den Cushicle von Michael Webb Bezug. Auch sein Staatsprüfungsprojekt an der TU Graz, die Arbeit zum Kaiser-JosefPlatz, verdankt sich im multifunktionalen und medialen Interesse britischer Architektur, hier vor allem von Cedric Price, der seinerseits Archigram inspiriert hatte. Frey war beeindruckt vom Kunsthaus-Entwurf der Architekten Cook/Fournier, was in eine Freundschaft mit Fournier mündete. Frey wie auch später Manfred Wolff-Plottegg waren erste Ansprechpersonen für die britischen Architekten, als diese in Graz ihr Büro einzurichten begannen. Karla Kowalski nennt Archigram als ausschlaggebend für ihren Entschluss, ihrem abgeschlossenen Architekturstudium ein PostgraduateStudium an der AA School in London anzuschließen. Peter Cook war dort als Lehrender tätig, Colin Fournier unter ihren Studienkollegen. Nach Kowalskis Zeit in London brach der Kontakt ab. Erst bei der Einweihung des Kunsthauses begegneten sich die drei wieder. Bernhard Hafner traf Peter Cook und andere Archigram-Mitglieder 1968/69 in Los Angele­s, als er ebendort an der UCLA unterrichtete. Peter Cook und Günther Domenig lernten sich persönlich zwar erst 1980 kennen, doch bereits davor hatte der Brite die Arbeit des österreichischen Kollegen im Archigram-Magazin publiziert. Die Architektur Consult ZT GmbH, der Domenig zur Zeit des Kunsthaus-Wettbewerbs noch angehörte, fungierte als bauausführendes Partnerbüro bei der Errichtung des Kunsthauses Graz. Volker Giencke war 1976 Preisträger beim Shinkenchiku-Wettbewerb in Tokio, dem damals weltweit größten und bedeutendsten Wettbewerb für junge Architektur. Einziger Juror damals: Peter Cook. Cook und Giencke sahen und trafen sich danach immer wieder, bei großen Architektursymposien, als Juroren, bei Vorträgen und auf den 6


Biennalen in Venedig etc. Giencke war auch der Vorsitzende der Jury, die über den Bau des Kunsthauses entschied. Fournier lernte Giencke über Manfred Wolff-Plottegg in Graz in den 1990er-Jahren kennen. Auch Fournier war wie Cook Gastprofessor am ./studio 3 an der Universität Innsbruck. Fournier und Wolff-Plottegg kennen sich bereits seit 1994. Sie trafen sich häufig, unterhielten sich über „Gott und den Teufel in der Architektur“ (Plottegg), und nicht zuletzt – seit Cook und Fournier den Kunsthauswettbewerb gewonnen hatten – auch über die Situation von Architekten in Graz. Gemeinsam übersetzten sie auch Jean Baudrillard (u. a. Architektur: Wahrheit oder Radikalität?). Im Vorfeld der Ausstellung wurde ich häufiger gefragt, ob diese Beziehungen zwischen Cook/Fournier und den Grazern denn überhaupt bedeutend seien für die Auswahl der ausstellenden Architekten. Sicher ist es nicht der einzige maßgebliche Punkt, diese acht Positionen zu zeigen. Die Arbeiten selbst und das Überprüfen ihrer gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Relevanz spielen selbstverständlich die entscheidende Rolle. Denn es sind nicht automatisch alle vertreten, die eine Beziehung zu Cook/Fournie­r haben oder im selben Jahrzehnt geboren sind. Über die Architektur im engeren Sinn hinaus interessieren mich das Gefüge an wechselseitigen Anregungen, kollegialem Austausch und daraus resultierende Auswirkungen auf die architektonische Praxis. Ich bin davon überzeugt, dass selbst wenn sich die Beteiligten selbst als singulär betrachten mögen, die Kontakte und Begegnungen unter- und miteinander jene kraftvollen Bewegungen im Feld der Architektur erzeugten, die das Denken über Architektur und Bauen nachhaltig verändert haben. „Spielt es [die Beziehung] wirklich eine Rolle?, fragte mich Peter Cook, um hinzu-

zufügen: „Natürlich ist eine solche Information/Nicht-Information die Heimsuchung des Historikers/der Historikerin.“ Schaut man sich andere Äußerungen sowohl von Cook als auch von Fournier an, dann stellen sie durchaus selbst einige für sie wichtige Verbindungen zur den heute in Graz lebenden Architekten der Ausstellung her. Fournier bezeichnet etwa Gienckes Gewächshäuser im Botanischen Garten als „Lieblingsgebäude“ in Graz oder Cook spricht von Bauten der „Grazer Schule“ (die es für ihn durchaus gibt und unter die er auch die ausstellenden Architekten subsummiert) als „Cousins“ des Kunsthauses, wobei sein und Fourniers Beitrag in seinen Augen „weniger stachelig und weniger lokal“ sei. Sie sehen sich durchaus in einer „Familie“, allerdings offensichtlich mit höchst eigenwilligen Charakteren – wenn man so will. Wie in jeder Familie ist man sich nicht immer einig, sucht man mehr oder weniger, mitunter auch gar keine Nähe zu manchen Verwandten. Dies charakterisiert die Beziehungen der Beteiligten untereinander in der Ausstellung Graz Architektur: Rationalisten, Ästheten, Magengrubenarchitekten, Demokraten, Mediakraten. Der Titel der Schau, der aus dem Buch Architektur-Investitionen. „Grazer Schule“, 13 Standpunkte (Forum Stadtpark, 1984) entnommen wurde, trägt der Unterschiedlichkeit seiner Protagonisten Rechnung. Die Ausstellung nimmt ihren Ausgangspunkt bei der Vielfältigkeit der architektonischen Positionen und sucht diesen nicht ein Etikett – wie etwa „Grazer Schule“ – zu verpassen. Vorgestellt wird eine große Bandbreite an unterschiedlichen Herangehensweisen, die sich – so meine Leseweise – an gewissen Stellen berühren, an anderen jedoch sehr weit auseinanderliegen. In der Ausstellung werden „Knoten“ gebildet, die Verbindungen zwischen den Überlegungen und Projekten vorschlagen 7


– selbstverständlich ohne den Anspruch auf Vollständigkeit oder gar Deutungshoheit zu erheben. Einige Beispiele: Die räumliche, soziale und sozio-ökonomische Neudefinition des Einfamilienhauses war Thema bei Szyszkowitz + Kowalski und Frey; Möglichkeiten der Partizipation wurden von Huth und Szyszkowitz + Kowalski programmatisch durchgespielt; Huth/Domenig, Frey und Hafner untersuchten auf verschiedenen Ebenen den Einsatz von Strukturen und strukturaler Architektur; Giencke, Szyszkowit­z + Kowalski und auch Huth hatten und haben ein spezielles Interesse an Ästhetik, ohne die funktionalen, technischen und sozio-ökonomischen Aspekte eines Gebäudes außer Acht zu lassen; Szyszkowitz + Kowalski und Frey verfolgten wie Huth/Domenig mit Floraskin ökologische Agenden, auch wenn ihre Positionen zunächst weit voneinander entfernt zu liegen scheinen. Wolff-Plottegg und Domeni­g arbeiten sich gleichsam von entgegen­ gesetzten Enden an Autorenschaft ab. Das sind nur einige der Querverbindungen, die in der Ausstellung formuliert werden. Das Herausarbeiten verschiedenster „Knoten“ spielt individuelle und auch unterschiedliche Herangehensweisen nicht herunter, sondern setzt sie zueinander in Relation. Graz Architektur: Rationalisten, Ästheten, Magengrubenarchitekten, Demokraten, Mediakraten beschränkt sich nicht auf Arbeiten eines gewissen Zeitraumes, z. B. der 1960er- und 1970er-Jahre, sondern beleuchtet vielmehr die Entwicklung und Verwandlung von Ideen im Laufe der Zeit bis heute und von Kontexten damals im Vergleich zur Gegenwart. Projekte, die eine explizite Verbindung zu Cook und Fournier und/oder Archigram haben, wie Gewächshäuser Botanischer Garten der Universität Graz von Giencke, City in Space von Hafner oder Cowicle von Frey, werden in der Schau

Auf ins Ungewisse präsentiert, sodass die Beziehungen zwischen den beiden Ausstellungsprojekten gestärkt werden. Eine wesentliche Rolle spielt der Außenblick in der Ausstellung, um verschiedene Per­ spektiven auf die Arbeiten der Architekten zu werfen: Die Selbstinterpretation der Protagonisten rückt neben die kuratorisch und kunstinstitutionell begründete Wahrnehmung und den Blick der beiden Ausstellungsarchitekten Niels Jonkhans (für Auf ins Ungewisse) und Rainer Stadlbauer (für Graz Architektur: Rationalisten, Ästheten, Magengrubenarchitekten, Demokraten, Mediakraten). Jonkhans war Co-Autor in der Wettbewerbsphase und leitender Mitarbeiter bei der Ausführung des Kunsthauses und Stadlbauer Assistent bei Wolff-Plottegg an der TU Wien, doch sie gehören einer anderen Generation an und schauen daher gleichermaßen aus einer gewissen Nähe und Distanz auf das Material. Der Außenblick findet sich auch bei uns Kuratorinnen, der Ausstellungsgrafikerin Anna Lena von Helldorf­f und bei den eingeladenen bildenden Künstlerinnen und Künstlern. Deren Rolle kann man am ehesten mit Kommentierenden vergleichen. Sie wurden beauftragt, sich aus heutiger Perspektive mit den ausgestellten architektonischen Positionen zu befassen. Arthur Zalewski suchte Orte auf, die mit beiden Ausstellungen in Verbindung stehen: Er fotografierte im Kunsthaus und außerhalb, er machte unter anderem Aufnahmen von Wolff-Plotteggs Wohnanlage in Seiersberg, Domenigs Z-Sparkasse in Wien und Giencke­s Gewächshäusern in Graz. Diese in der Ausstellung Graz Architektur vorgestellten Objekte erweitern sich um weitere Gebäude – ob aus Graz, der Steier­ mark oder aus anderen Gegenden. Auf diese Weise lässt Zalewski ein Beziehungsgeflecht entstehen, und zwar zwischen den Protagonisten und Protagonistinnen der 8


im Kunsthaus gezeigten Ausstellungen und jenen, die dort nicht vertreten sind, zwischen architektonisch anspruchsvollen und rein pragmatischen Projekten, zwischen Baukunstwerken und Zweckbauten ohne gestalterische Ambitionen. Anna Meyer setzt bei den Übergangszonen zwischen Haus, Tier und Mensch an, bei hybriden Architekturen. Sie dockt am von Fournier oft zitierten Autor Jean Baudrillard an: „Interessante Architekturen sind wie Monster.“ In buchstäblicher Interpretation wird in Meyers Malereien die Wand zur Haut, das Gerüst zum Knochen, das Haus menschenähnlich, aber auch umgekehrt die Haut zur Wand, die Knochen zum Gerüst und der Mensch zum Haus. Ihre hybriden Architekturen lassen auch eine Verbindung zu Wolff-Plottegg herstellen. Meyer selbst fokussiert Gebäude mit amorphem Charakter wie etwa die Mensa der Schulschwestern von Huth und Domenig oder das Kunsthaus von Cook und Fournier. Doch die von Meyer dargestellte Gegenwart ist alles andere als rosig; sie mutet eher apokalyptisch an.

Innen- und Außenraumaufnahmen, die zusammen mit Dokumentations-, Archivmaterialien und dem Arbeitsmodell, das vor mehr als 40 Jahren im Einsatz war, präsentiert wird. Mischa Kuballs Arbeit aus der Werkserie public prepositions lässt an der BIX-Fassade des Kunsthauses den Begriff UTOPI­A zu DYSTOPIA und wieder zurück mutieren und thematisiert als endlose Schlaufe von Wiederholungen sich wandelnde Perspektiven auf architektonische wie auch auf gesellschaftliche Entwicklungen. Utopische Überlegungen klingen wie ein fernes Ideal als schwaches Echo im Heute nach und warten darauf, immer wieder von Neuem aktiviert, übersetzt und damit interpretiert zu werden. Und hier schließt sich der Kreis zur Architektur: Viele utopisch anmutende Überlegungen der Grazer Architekten waren einst real, heute erscheinen damalige Realitäten wieder utopisch. Barbara Steiner

Oliver Hangl adaptierte Showtime, eine Arbeit, die im Jahr 2010 auf Einladung des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark entstand und sich mit dem partizipatorisch geplanten Wohnbauprojekt Alte Poststraße von Szyszkowitz + Kowalsk­i auseinandersetzte. Sieben Jahre nach diesem Projekt und mehr als 30 Jahre nach Erstbezug der Wohnanlage erzeugt Hangl ein akustisches Porträt, das Entwicklungen dieser räumlich-gesellschaftlichen Vision und veränderte Ansprüche im Siedlungs­ leben hörbar macht. Julia Gaisbacher setzt beim Wohnbauprojekt Eschensiedlung von Huth an. Nach intensiver Recherche und Gesprächen, unter anderem auch mit ehemaligen oder derzeitigen Bewohnerinnen und Bewohnern der Wohnanlage, entstand eine Reihe von fotografischen 9


Mischa Kuball UTOPIA Das Kunsthaus Graz kann durchaus als utopischer Bau gelesen werden, der bis heute von einer (erdachten) Zukunft spricht. In Begriffen wie „lebendige Architektur“, „intelligente Ausstellungsmaschine“ und „Plattform“ geht das Gebäude auf Überlegungen der späten 1960er- und 70er-Jahre zurück. Die neuen Architekturen sollten veränderbar, anpassungsfähig, partizipativ und reaktiv sein. Viele dieser Überlegungen ließen sich nicht realisieren beziehungsweise konnten bis heute nicht eingelöst werden. So veränderte sich etwa die ursprünglich transparent geplante Fassade des Kunsthauses, die das Leben im Inneren der Ausstellungsmaschine zeigen sollte, zu einer pulsierenden Lichtfassad­e und wurde damit zu einem dritten, virtuellen Ausstellungsraum, der sich nach außen wendet. In eben diese Fassade schreibt sich die jüngste Arbeit von Mischa Kuball aus der Werkserie public prepositions ein: Ein Schriftzug mutiert vom Begriff UTOPI­A zu DYSTOPI­A und wieder zurück und fragt als endlose Schlaufe von Wiederholungen nach sich wandelnden Perspektiven auf architektonische wie auch auf gesellschaftliche Entwicklungen.  2009 begann der Künstler unter dem Titel public prepositions meist temporäre Interventionen im öffentlichen Raum durchzuführen. Was öffentlicher Raum und politische Öffentlichkeit sein könnten, welches Verhältnis Kunstwerke zu diesem Raum einnehmen, wird in dieser Werkserie immer wieder von Neuem ausgelotet. Der Rückgriff auf vergangene Konzepte, durchaus auch auf gesellschaftspolitische Utopien, ist Teil dieser Annäherungen.

Die public prepositions sind für Mischa Kuball Werkzeuge, die gesellschaftliche Entwicklungen beobachtbar machen. Utopische Überlegungen klingen wie ein fernes Ideal, als schwaches Echo im Heute nach und warten darauf, immer wieder von Neuem aktiviert, übersetzt und damit interpretiert zu werden.

Geboren 1959 in Düsseldorf (DE), lebt in Düsseldorf (DE) Ausstellungen und Projekte (Auswahl):  Licht auf Kirchner, Kirchner Museum Davos, Davos CH (2016, solo); public preposition, les fleurs du mal (Blumen für Marl) Skulpturenmuseum Glaskasten, Marl (2014, solo); public preposition, solidarity grid, SCAPE 6 & 7, Biennale Christchurch, Christchurch/NZ (2013, solo); platon’s mirror, The State Museum of Contemporary Art, Thessaloniki/Salon Muzeja savremene umetnosti, Belgrade/Kunsthalle, Düsseldorf/Museu Nacional de arte contemporanea, museu do chiado, Lissbon/Lethaby Gallery, Central Saint Martins, London/Samca, Sofia/Muzeul Naţional de Artă Contemporană, Bukarest (2012, solo); privat­e light/public light, Biennale Sao Paulo (1998, solo); refraction house, Synagoge Stommeln, Pulheim (1994, solo); bauhaus-block, Bauhaus Dessau, Dessau (1992, solo); Projektionsraum 1:1:1, Konrad Fischer Galerie, Düsseldorf (1992, solo); Megazeichen, Mannesmann-Hochhaus, Düssel­dorf (1990, solo). www.public-preposition.net 10


Schön, geschmackvoll, ansprechend? In der Alltagssprache wird ästhetisch meist mit „schön, geschmackvoll oder ansprechend“ gleichgesetzt. 1750/58 definierte Alexander Gottlieb Baumgarten Ästhetik als „die Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis“* und etablierte diese damit als eigenständige philosophische Disziplin parallel zur Logik. Zur rationalen Erkenntnis sollte Erkenntnisvermögen über die Sinne treten. Seit Baumgarten haben sich die Bedeutungen von Ästhetik in den geistes- und kulturwissenschaftlichen Diskursen immer wieder verschoben und wurden erweitert. Dem Wortsinn des griechischen Begriffes aísthēsis entsprechend, bezieht sich Ästhetik auf Wahrnehmung – konkret: auf eine Bewegung der Sinne durch Wahrnehmung. Es werden verschiedene Natur-, Alltags-, Lebenserfahrungen und -gestaltungen angesprochen, verbunden mit einer auf den Gegenstand der Erfahrung und auf das Subjekt des Erlebens bezogenen Reflexion. Bei Huth ist Ästhetik „Aisthesis“ – also sinnliche Wahrnehmung und daraus resultierende Erkenntnis – und dabei eng mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen verknüpft. Diese umfasst die „ganze Bandbreite des negativen wie positiven Erlebens unserer Realität als Symptom einer Entwicklung oder eines Entwicklungszustandes“. Vor diesem Hintergrund bezeichnet Huth die Gestalt des Gebauten konsequent als „wahrnehmbare Erscheinung des Sozialrahmens“.** Bei den Unterrichtsversuchen zum ästhetischen Lernen handelt es sich im Grunde genommen um eine Wahrnehmungsschulung, die Erkenntnisse aus der sinnlichen Wahrnehmung fördern will. Huth steht damit im Rahmen einer Reformbewegung, die in den 1970er-Jahren – zu einem guten Teil von Pädagoginnen und Pädagogen ausgehend – eine „aisthetische Wende in der Ästhetik

Ästhetik“ ausriefen. Damit öffneten sie das Aisthesis-Konzept, machten es jenseits der „hohen“ Kunst zugänglich und demokratisierten Ästhetik ein Stück weit. Volker Giencke verbindet mit „Ästhetik Eleganz, Leichtigkeit und Harmonie“ – wohlgeformte Gestalt und Ganzheit im Sinne einer organischen Architektur nach Hans Scharoun. Dies bedeutet, Funktion, Materialien und Zweck nicht einem Form- oder Ausdruckswillen zu unterwerfen, sondern das Erscheinungsbild des Gebauten aus dessen Bedingungen entstehen zu lassen. In Abgrenzung zu Günther Domenig, dessen Eingangslösung für die Z-Sparkasse Favoriten Giencke als „viel zu barock, schwer, geradezu anstößig“ empfand und dessen „Attitüde des Übertriebenen“*** letztendlich auch ein Grund war, eigene Wege zu gehen, setzt Giencke bei der Konstruktion und der Ökonomie der Mittel an. Diese erzeugen den baulichen Ausdruck; Konstruktion und eingesetzte Mittel treten offen zutage; sie schaffen das Raumerlebnis und werden zum Gegenstand ästhetischer Betrachtungen. So sind Industriebauten wie das Betriebs­ gebäude von Odörfer und Forschungsstätten wie die Gewächshäuser des Botanischen Gartens der Universität Graz durchaus auch als Orte ästhetischer Erfahrung und sinnlichen Erlebens zu verstehen. * Alexander G. Baumgarten, Theoretische Ästhetik. Die grundlegenden Abschnitte aus der „Aesthetica“ (1750/58), übersetzt und herausgegeben von Hans Rudolf Schweizer, Hamburg 1983. ** Eilfried Huth, Doris Pollet, Beteiligung, Mitbestimmung im Wohnbau, Wohnmodell Deutschlandsberg Eschensiedlung, Arbeitsbericht 1972–76. *** Interview von Barbara Steiner mit Volker Giencke, 24.08.2016.

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Projektname Unterrichtsversuche zum ästhetischen Lernen Autor Eilfried Huth (bis 1975 mit Günther Domenig) Mitarbeit Hartmut Urban, Irmfried Windbichler Zeitraum 1972–1983 Status realisiert Standort/Ort Deutschlandsberg, Graz, Berlin Auftraggeber/Bauträger 1974: Steirische Akademie Projekttypus Workshops Verbindung von Architektur und Gesellschaft Die Vermittlung von Architektur und deren ästhetische wie soziale Voraussetzungen sind Eilfried Huth bis heute ein Anliegen. Für Huth ist das Lehren (und das Voneinander-Lernen) die konsequente Weiterführung der praktischen Erfahrung mit Beteiligungsmodellen. Ästhetik

Der letzte mit Domenig gemeinsam durchgeführte Auftrag war die Ausrichtung der Steirischen Akademie 1974 zum Thema „Baukultur“. Die Veranstaltung widmete sich der Mitbestimmung und Beteiligung im sozialen Wohnbau und zog nicht zuletzt Interesse von politischer Seite auf sich. Neben konkreten Bauprojekten wie der Eschensiedlung engagierte sich Huth unter dem Titel Unterrichtsversuche zum ästhetischen Lernen in der Vermittlung jener Inhalte, die ihm in der Verbindung von Architektur und Gesellschaft als wichtig erschienen. So führte er im Mai 1974 an der MädchenHauptschule Deutschlandsberg und am Musisch-Pädagogischen Gymnasium Workshops durch, in denen er die Teilnehmer/ innen dazu anleitete, Wohnbauprojekte aus verschiedenen Rollen heraus zu planen und bis zur Umsetzung durchzuspielen. Workshops dieser Art wurden später auch am Akademischen Gymnasium in Graz und an der Hochschule in Berlin durchgeführt. 13


Projektname Kirche in Aigen Architektur Volker Giencke Mitarbeit Alfred Bramberger, Markus Dorner, Robert Felber, Claudius Pratsch, Eckhart Rhode; Alois Winkler (Tragwerksplanung); Fritz Panzer (Kunst am Bau, Glasmalerei) Zeitraum 1985–1992 Status realisiert Standort/Ort Aigen im Ennstal, Steiermark Auftraggeber/Bauträger Gemeinde Aigen im Ennstal und Diözese Graz-Seckau Projekttypus Sakralbau Die Kirche verlässt das Dorf Die Kirche mit Pastoralhaus und freistehendem Glockenturm ist durch einen Bach vom eigentlichen Ortszentrum getrennt. Drei schmale Stege aus Stahl und Eichenholz queren den Bachlauf und verbinden Dorfmit Kirchplatz. Der Grundriss der Kirche entspricht einem ungleichen Vieleck mit massiven Betonmauern an der Nord- und Ostseite und farbigen Glaswänden nach Süden und Westen. Eine zweischalige Wand enthält den Aufstieg in das Dach, den Beichtraum und die Nische für die Orgel. Der Kirchenraum ist abgesenkt, der Altarraum leicht erhöht. Dem Altar gegenüber befindet sich das Chorpodest. Ein großes, begrüntes Dach überragt einen Teil des Kirchen­platzes und schließt den Kircheninnenraum mit einer gebauchten Holzdecke ab. Das würfelförmige Pastoralhaus ist als Stahlkonstruktion mit Fassaden aus Lärchenholz und Glas ausgeführt. Der Kirchturm zeigt im Querschnitt ein verzogenes Viereck; er misst 32 m und trägt ein breites Sockelgeschoss und eine Glockenstube an seinem oberen Ende. Sein Stahltragwerk ist mit Glastafeln verkleidet, die punktweise und elastisch befestigt sind.

Ästhetik

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Projektname Zentralsparkasse Favoriten Autor Günther Domenig Mitarbeit Emanuel Anders, Volker Giencke Zeitraum 1974–1979 Status realisiert Standort/Ort Wien-Favoriten Auftraggeber/Bauträger Zentralsparkasse Bauaufgabe/Typus Geschäftshaus Ästhetik

Bank-, Kultur- und Kommunikationszentrum für den Bezirk Domenigs Ansatz für den Bau der Zentralsparkasse und Kommerzialbank in Wien sah vor, dass jedes Material in seiner Herstellungsform eingesetzt wird und dass Haustechnik und Konstruktion nicht versteckt werden sollten. Die sichtbaren Schläuche, Versorgungsleitungen, die roten Deckenstahlträger, Durchblicke und skulpturalen Details verleihen dem Haus auch heute noch eine surreale Anmutung. Viele bauliche Entscheidungen wurden vor Ort, auf der Baustelle, mit Arbeitern und Handwerkern getroffen; als Vorbild diente die mittelalterliche „Bauhütte“, die auf qualifizierter Ausbildung fußte und an deren Spitze der „Meister“ als oberste Autorität stand. Domenig verstand das Zusammenwirken der Beteiligten als eine gemeinsame Arbeit an einem Gesamtkunstwerk. Die Stützen aus geformtem Beton („Die Bäume“) bilden das statische Grundgerüst; sie tragen auch das Stahlnetz des Hofdaches. Die Raumskulpturen – „Das Wasser“ und „Die Hand“ – haben keine direkte bautechnische Funktion;* sie stellten für Domenig eine wichtige Verbindung zur bildenden Kunst her. Die riesige Hand mit dem (verkrüppelten) Ringfinger des Architekten und dem Zeigefinger des Poliers symbolisiert deren enge Zusammenarbeit. Zu den skulpturalen Elementen gehören auch rote Wurzeln, die aus dem Dach herauszuwachsen scheinen. Dem Gebäude vorgehängt ist eine spektakulär anmutende Fassade aus rostfreiem Stahl, die sich im unteren Bereich „schuppt“ und über dem Eingang aufwölbt. Der Eingang selbst wurde ebenfalls plastisch gestaltet, wobei Schweißnähte absichtsvoll sichtbar blieben. * „Die Hand“ hatte jedoch die „Funktion“, die Hofdachentwässerung zu verdecken.

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Projektname Odörfer Architektur Volker Giencke Mitarbeit Davide Ferrero, Susi Fritzer, Uta Giencke, Gino Kratzer, Reinhard Kropf, Eeva Liisa Pelkonen Zeitraum 1989–1992 Status realisiert Standort/Ort Klagenfurt, Kärnten Auftraggeber/Bauträger Odörfer-Röhrenhof, Graz Projekttypus Ausstellungs-, Büro- und Betriebsgebäude, Lagerhalle Achtung Architektur! Das Betriebsgebäude des Sanitärgroßhändlers Odörfer liegt an einer Umfahrungs­ straße von Klagenfurt und vereint die Funktionen von Bürokomplex, Ausstellungsund Verkaufsfläche sowie Lagerhalle. Zum Zeitpunkt seiner Erbauung war es das erste Gebäude inmitten von hauptsächlich landwirtschaftlich genutzten Flächen. Während der Bauphase kam es zu einer Reihe von Auffahrunfällen auf der Umfahrungsstraße, weshalb ein Verkehrsschild „Achtung Architektur!“ aufgestellt wurde. Dies ist auch der Ästhetik

Titel des Buches, das Eeva-Liisa Pelkonen über Volker Giencke und die österreichische Architektur schrieb (Ritter Verlag & MIT Press, Massachusetts 1996). Heute liegt das Gebäude im Industriegebiet der Stadt. Auffällig ist das nach Norden abgeneigte Glasdach, Fassade und Dach zugleich, das sich über die gesamte Länge öffnen lässt und je nach Lichtverhältnissen transparent, spiegelnd oder glänzend erscheint. An der Südseite, an der die Warenanlieferung stattfindet, kragt das Dach weit aus. Die Ausstellungs- und Verkaufshalle ist mit einer Reihe von besonderen Details ausgestattet: hängenden Vitrinen, schwebenden Treppenläufen, freistehenden Glaswänden und sogenannten „Besprechungsterrassen“. Das Spiel mit dem Licht, das für das Gebäude innen und außen gleichermaßen kennzeichnend ist, wird durch ein an die Glasfassade anschließendes Wasserbecken verstärkt. Gienckes Liebe zum Detail zeigt sich auch in der Bepflanzung der Halle: Architektonische Elemente wechseln sich mit Dattelpalmen, Mimosen und Jacarandabäumen ab. 16


Projektname Büro- und Lagergebäude Zultner Autoren Hermann Eisenköck, Günther Domenig Mitarbeit Christian Halm, Peter Kaschnig, Sabine Krampl, Annemarie Scheidl; Wendl ZT-GmbH (Tragwerksplanung) Zeitraum 2000–2001 Status realisiert Standort/Ort Graz-St. Peter Auftraggeber/Bauträger Wilhelm Zultner und Co Bauaufgabe/Typus Firmengebäude Das gebaute Z Am Firmengebäude der ZULTNER Metall GmbH in Graz beeindruckt besonders seine expressiv anmutende Dachkonstruktion. Unter diesem Dach befinden sich Lagerhalle, Werkstättentrakt, Ausstellungs- sowie Verkaufsbereich und Kleinteilelager. Quer zur großen Dachlösung und direkt über dem Ästhetik

Eingang sitzt – optisch schwebend – der Bürotrakt. Dezent, aber wirkungsvoll spielen die Verstrebungen des Bürotrakts auf den ersten Buchstaben des Firmennamens an. Auch die Dachform kann im Prinzip als riesige Z-Form interpretiert werden. Konstruktion und Material verstärken den Charakter eines Industriebaus. Auf die Anforderungen des Unternehmens bezogen und diese auch erfüllend, geht das Gebäude jedoch über die reine Funktionserfüllung hinaus; es ist auch im Sinne einer ästhetischen Setzung zu verstehen. Nicht nur im Aufgreifen des Buchstabens „Z“, auch in der gesamten Anmutung, spe­ ziell in der Materialität des Gebäudes – etwa in Form von Alu-Lamellen, Rheinzink­ paneelen – beziehen sich die Architekten auf den Auftraggeber, die ZULTNER Metall GmbH, einem lagerhaltenden Großhändler mit Fokus auf Edelstahl, Aluminium, NEMetalle, Schweißtechnik und Kunststoffe. 17


Wen kümmert’s, wer spricht, hat jemand gesagt, wen kümmert’s?* Das Konzept des autonomen, schöpferischen, über sein Werk herrschenden Autors wurde im Verlauf des 20. Jahrhunderts von verschiedenen Seiten problematisiert. Zum Bekanntesten zählen etwa Reflexionen zur Autorschaft von Roland Barthes oder Michel Foucault. Sie wandten sich gegen die Auffassung, dass der Autor, in Nachfolge des romantischen Genie-Gedankens, nicht nur der Urheber eines Textes, sondern auch die Autorität sei, die seinen Sinngehalt bestimme. Nun rückte die textgestützte Interpretation auf, die den Leser/die Leserin und deren interpretative Fähigkeiten als sinnstiftende Instanz im Bedeutungsprozess anerkennt. Bei Barthes findet sich entsprechend die Formulierung, der „Tod des Autors“ ermögliche erst die „Geburt des Lesers“.** In der Ausstellung wendet sich vor allem Manfred Wolff-Plottegg gegen den demiurgischen Architekten, der sich als „Schöpfergott“ versteht, angesiedelt zwischen einem erhabenen Wesen, das nur das Bestmögliche hervorbringt, und der fragwürdigen Gestalt, die eine mangelhafte, von vielfältigen Übeln geprägte Welt erschaffen hat. Bei der Metamorphose einer Stadtwohnung, dem Zusammengebrochenen Bett, den Architekturentwürfen oder Generatoren, geht Autorenschaft auf den Zufall, auf Krafteinwirkung beziehungsweise auf (technische) Systeme über, die persönliche Geste/Handschrift verflüchtigt sich. Das Erscheinungsbild der jeweiligen Objekte und Projekte ist weder vorab determiniert noch vorhersehbar oder kontrollierbar. Die Entwürfe – Folgen von algorithmischen Manipulationen – wollen interpretiert werden, sowohl von Plottegg als auch von anderen. Doch obwohl er einerseits Autorenschaft aushebelt, kommt sie andererseits durch die vorweggenommene Autorschaft

Signatur, den Zusatz „schon“ und die jeweilige Datierung wieder ins Spiel. Plottegg provoziert damit Auseinandersetzungen mit Autorenschaft, der Rolle des Architekten und Planung in der Architektur. Gewissermaßen als Antiposition zu Plottegg kann Günther Domenig gelten: Auf den ersten Blick stehen Form und Formgebung, ein starkes (Autoren-)Subjekt und pathetische Setzungen – verstanden als eine emotionale, theatrale und übertrieben wirkende Äußerung – im Vordergrund. Als Parallele zum von Domenig geschätzten Künstler Walter Pichler, der Häuser für seine Skulpturen baute, suchte Domenig Architektur mehr und mehr der Skulptur anzunähern. Seine architektonischen Raumskulpturen sind Ausdruck dieses Unterfangens. Mit Pichler verbindet ihn auch der Einsatz individueller Mythologie, das heißt der Rückzug ins Private und Subjektive unter gleichzeitiger Bezugnahme auf (Natur-)Mythologien. Doch wird die Form bei Domenig letztendlich gesprengt, das autoritäre Subjekt durch gemeinsames Schaffen und Zusammenarbeiten durchlässig und die Aufgeladenheit der Pathosformeln bzw. der individuellen Mythologien durch praktische Funktionen unterlaufen. So dient etwa „Die Hand“, eine übergroße plastische Setzung im Gebäudeinneren der Zentralsparkasse WienFavoriten, auch als Sichtschutz, und „Die „Rakete“, ein im Untergeschoss des Steinhauses befindliches, auf das Familiengrab im benachbarten Feldkirchen gerichtetes Objekt, als Auffangbecken für Regenwasser. Die große auktoriale Geste zerbricht wie die Form. * Samuel Beckett, zitiert nach Michel Foucault: Was ist ein Autor? (1969), Frankfurt a. M. 2003. ** Roland Barthes: „Der Tod des Autors“ (1967), in: Roland Barthes: Das Rauschen der Sprache, Frankfurt a. M. 2005.

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Projektname Zusammengebrochenes Bett Autor Manfred Wolff-Plottegg Mitarbeit Schwerkraft Zeitraum schon 1971 Status realisiert Standort/Ort Lichtenfelsgasse, Graz Auftraggeber/Bauträger Projekttypus Möbelbau Projektname Metamorphose einer Stadtwohnung Autor Manfred Wolff-Plottegg Mitarbeit Ziegenbock Zeitraum schon 1971 Status realisiert Standort/Ort Lichtenfelsgasse, Graz Auftraggeber/Bauträger Projekttypus Installation Autorschaft

Ich entwerfe nicht, ich ändere Regeln 1972 nahm Plottegg an einer Lehrveranstaltung zum Möbelbau der Technischen Universität Graz teil. Zusammengebrochenes Bett erklärte er zu seinem neuen Entwurf eines Bettes; der Vorgang des Zusammenbrechens selbst wurde als Planungsmethode definiert, ein nicht reflektierendes Verfahren, direkter Umgang mit Objekten, ohne von sprachlich vorformulierten Konzepten, von einem Titel, von einer Formoder Wunschvorstellung auszugehen. Der K.R.A.C.H. (im Augenblick des Zusammenbruchs) ist ein „Sinnbild“ für die Unaufhaltsamkeit eines körperhaften Vorgangs, die Gleichzeitigkeit von einwirkender Kraft und Ergebnis. Bei Metamorphose einer Stadtwohnung, ebenfalls 1972, legte Plottegg über alle in der Wohnung befindlichen Möbel ein Tuch und verstärkte dieses mit einer tragfähigen Schicht aus Glasfaserkunststoff. Das Ausstreuen von Torfmull und Humus sollte Pflanzenwachstum anregen. Es sollten auch Tiere in der Wohnung aufgenommen werden – etwa ein Ziegenbock – und die Frischwassersteigleitung angezapft werden, um ständige Veränderungen hervorzurufen. Das Erscheinungsbild ist weder vorab determiniert noch vorhersehbar oder kontrollierbar. Sowohl beim Zusammengebrochenen Bett als auch bei der Metamorphose einer Stadtwohnung hebelte Plottegg übliche Planungsmuster sowie vertraute Vorstellungen von Bett oder Wohnung aus und verschob das Augenmerk vom Objekt hin zum Algorithmus*, zum Prozess, in einem Fall zum krachenden Moment des Zusammenbrechens, im anderen zur (langsamen) permanenten Verwandlung einer Wohnung sowie der Lebensgewohnheiten darin. * Ein Algorithmus bezeichnet eine Regel oder Vorgehensweise. Algorithmen finden sich gleichermaßen in der analogen und digitalen Welt.

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Projektname Hybrid Architektur Autoren Manfred Wolff-Plottegg, Georg Gröller, Peter Hellweger, Oskar Panizza Mitarbeit Peter Lipp/VAX TU Graz Zeitraum schon 1980 Status realisiert Standort/Ort Künstlerhaus Graz (1981) Auftraggeber/Bauträger ZV Steiermark Projekttypus Computerentwurf Autorschaft

Hybrid Architektur: Haus & Kuh Oberflächlich gesehen geht es um die Verwandlung von einem Objekt in ein anderes, um ein „Morphing“, noch bevor dieses Verfahren allgemein verbreitet war. Im Hintergrund ist der Zeichenalgorithmus wirksam: den Bleistift entlang der Reißschiene, entlang einer Schablone führen, entlang der Konturen, die das Auge sieht oder die man sich gedanklich vorstellt. Also könnte der Bleistift, beim Zeichnen eines Hauses entlang der Kontur einer Kuh geführt, gleichsam die Kuh als Schablone verwenden. In diesem selbst entwickelten Form­findungsprogramm entstehen durch Morphing Hybride­. Da in einem Algorithmus der Input austauschbar ist, generiert dasselbe Script* aus einem Thonet-Sessel und Le Corbusiers Modulor** einen neuen Sessel bzw. einen neuen Modulor oder aus einem konventionellen Hausgrundriss und der Grenzlinie von Österreich das Österreichhaus. Die Hybrid Architektur wird zum Vorläufer des Binären Hauses. * Ein „Script“ ist eine Abfolge von Befehlen. ** Beim Modulor handelt es sich um ein vom Architekten Le Corbusier zwischen 1942 und 1955 entwickeltes Proportionsschema. 20


Projektname Analoger Generator Autor Manfred Wolff-Plottegg Mitarbeit Beliebige Anwender Zeitraum schon 1987 Status realisiert Standort/Ort Auftraggeber/Bauträger Bauaufgabe/Typus Objekt Autorschaft

Analoger Generator Der Analoge Generator entstand 1987 beim Modellbau für einen Wettbewerb. Beim Kopieren der Unterlagen verformten sich die Overheadfolien thermisch. Diese wurden dann zusammen mit einem Rosshaar (= Strich), mit Beschriftung und Signatur in eine Acrylglasbox gepackt. Durch heftiges Schütteln oder abruptes Abstellen, das heißt durch die jeweilige „Würfelung“, entstehen immer neue Konfigurationen, neue Entwürfe. Obwohl Plotteg­g einerseits – durch den Zufallsfaktor – Autorenschaft aushebelt, kommt sie andererseits durch die vorweggenommene Signatur und Datierung wieder ins Spiel. Egal, wer wann schüttelt, Plottegg ist „schon 1987“ der Autor. 21


Projektname Digitaler Generator Autoren Manfred Wolff-Plottegg, Hans Kupelwieser Mitarbeit PC 385/MAC Zeitraum schon 1991 Status realisiert Standort/Ort De Zonnehof, Amersfoort Auftraggeber/Bauträger Projekttypus Computerentwurf Autorschaft

Digitaler Generator Input sind 2½-D-Daten des „Sonnen Busen Hammer“-Logos der „Lord Jim Loge“, ursprünglich eine Zeichnung von Martin Kippenberger, Albert Oehlen und Wolfgang Bauer. Die „generierten“ Linien stammen von einem Datencrash, als Daten von einem Betriebssystem (Plottegg/DOS) in ein anderes (Kupelwieser/Mac OS) übertragen, bzw. als die Daten via Modem 1991 von Graz nach Amersfoort zur Ausstellung The Synthetic Dimension gesendet wurden. Ergänzt wurde die Arbeit durch eine per MS-Word/ Macro generierte Erläuterung: „README.1ST / update 9728 Bytes 10/12/1991 10:52 am“. Die „Lord Jim Loge“ war ein Zusammenschluss mehrerer Künstler. 22


Projektname Neuronaler Generator Autor Manfred Wolff-Plottegg Mitarbeit Wolfgang Maass, Harry Fuchs, Andreas Gruber Zeitraum schon 1999, 2000, 2004 Status realisiert Standort/Ort Künstlerhaus Wien, Neue Galerie Graz, ZKM Karlsruhe Auftraggeber/Bauträger Projekttypus Computerentwurf Autorschaft

Neuronaler Generator Die Installation Neuronaler Architektur Generator ist eine Versuchsanordnung zur digitalen Kreativität. Das Prinzip ist die Gleichung: Pulsfolgen (spike trains) in biologischen Organismen = binäre Zeichenreihen (bit strings) = Daten (Koordinaten, Vektoren), interpretierbar als Körper (solids). Damit werden drei Bereiche verknüpft: „die Welt in unserem Kopf“, „die Welt der digitalen Datenverarbeitung“ und „die Welt der Generierung neuer Bilder/Räume/Architekturen“. Die Installation von Plottegg verdeutlicht, dass das Erzeugen von Bildern/ Räumen/Architekturen nicht mehr vom Menschen ausgeführt werden muss, Daten nicht im Hirn verarbeitet werden müssen, dass Kreativität ausgelagert werden kann. Das Programm läuft live in der Ausstellung. 23


Projektname Hyper-Hybrid Generator Autor Manfred Wolff-Plottegg Mitarbeit Jochen Hoog, Lukas Ofner, Johannes Sperlhofer Zeitraum schon 2008 Status realisiert Standort/Ort Internet, Bienal de Arte Contemporáneo de Sevilla Auftraggeber/Bauträger Projekttypus Installation Autorschaft

Hyper-Hybrid Generator Auf einem Bauplatz einer Insel in Second Life* lässt ein Script fortlaufend Bauteile/ Objekte auf die Insel fallen. Die Bauteile stellen wie von selbst Architekturagglomerationen her, fügen sich zu vielfältigen Kombinationen und Konstruktionen, kombinieren sich zu räumlichen Verbindungen und bilden unterschiedliche Innenräume und Abfolgen von Freiräumen. Nach bestimmten Zeiteinheiten lösen sich einzelne Objekte auf und verschwinden wie von selbst, um später wieder auf die Insel zu fallen und neue Konfigurationen zu erzeugen. Dies geschieht fortlaufend. Die Mannigfaltigkeit der Bauteile und die Dreidimensionalität der virtuellen Umgebung bieten ständig neue Raumerlebnisse. * Seit 2003 verfügbare Online-3D-Infrastruktur für von Benutzerinnen und Benutzern gestaltete virtuelle Welten. 24


Projektname Content Generator II Autor Manfred Wolff-Plottegg Mitarbeit Richard Schaffranek Zeitraum 2017 Status realisiert Standort/Ort Internet Auftraggeber/Bauträger Projekttypus Generator Autorschaft

Content Generator II Zur Verfügung stehende Datenmengen im Internet wachsen, doch die Regeln, nach welchen Informationen – etwa über Suchmaschinen – zugänglich gemacht werden, sind wenig durchschaubar. Für das ZKM Karlsruhe entwickelte Plottegg mit Richard Schaffranek den Content Generator I: Aus einer Menge von Zitaten zum Thema Globalisierung werden einzelne Teile zu neuen Aussagen über Globalisierung zusammengefügt, generiert. Die stückweise Auswahl und das Zusammenfügen dieser Informationen erzeugt neue Kombinationen – neuen Content. Im Content Generator II-Algorithmus laufen zwei Prozesse: Ein „Selector“ generiert neue Textfragmente/Schlagzeilen, und ein „Accumulator“ erschließt – ausgehend von den generierten Schlagzeilen – permanent neue Quellen. 25


Projektname ReSoWi-Zentrum Universität Graz, Wettbewerb Autor Manfred Wolff-Plottegg Mitarbeit Martin Zechner Zeitraum schon 1985 Status nicht realisiert Standort/Ort Graz Auftraggeber/Bauträger Universität Graz/BIG Bauaufgabe/Typus Universitätsgebäude Autorschaft

Die Regeln im Computer zu verändern ist einfacher, als unser Hirn oder Verhalten zu steuern 1985 nahm Plottegg mit Maze Zechner am Wettbewerb zum ReSoWi-Zentrum in Graz teil. Ausgehend vom Raum- und Funktionsprogramm der Ausschreibung – es sollte ein Gebäude mit mehr als 500 Räumen geplant werden – berechnete ein Skript die Raumproportionen, Flächenverteilungen, Überlagerungen, Konturen, Baukörper und schließlich Schaubilder.  So entstand auch der Spruch: „Ich entwerfe nicht mit dem Hirn und nicht aus dem Bauch, sondern mit dem kleinen Finger!“ (auf der Enter-Taste). Durch die Computeranwendung emanzipiert sich Plottegg von althergebrachten Verhaltens-, Evaluationsund Produktionsmustern. Die Autorenschaft geht auf Systeme über, die persönliche Geste/Handschrift verflüchtigt sich; aber die Arbeiten bleiben dennoch typisch Plotteg­g. 26


Projektname Das Steinhaus Autor Günther Domenig Mitarbeit Gilbert Acham, Hermann Eisenköck, Johannes Dullnigg, Andreas Gruber, Manfred Klement, Herbert Liska, Armin Lixl, Wolfgang Petek, Gerhard Wallner, Wolfgang Wimmer, Peter Zinganel; Harald Egger (Tragwerksplanung) Zeitraum 1986–2008 Status realisiert Standort/Ort Steindorf am Ossiacher See, Kärnten Auftraggeber/Bauträger Bauaufgabe/Typus Werkstätte für Architektur Das geborstene Haus Das Grundstück erbten Günther Domenig und sein Bruder 1959 von der Großmutter. Bald tauchten auch Überlegungen zu einem gemeinschaftlich zu nutzenden Gebäude, zu einer kollektiven Werkstatt auf, doch erst 1986 konnte Domenig zu bauen beginnen. Der Umfang des Vorhabens brachte den Architekten an seine finanziellen Grenzen; immer wieder vorgenommene Änderungen sollten Jahrzehnte bis zu seinem Tod in Anspruch nehmen. Um eine zentrale Längsachse, die sich in Richtung See erstreckt Autorschaft

und über einen etwas versetzten Steg auch in den See führt, gruppieren sich zentri­fugal, vom Zentrum zum Rand verlaufend, die offenen Haupträume des Hauses. Bauteile türmen sich übereinander, schieben sich ineinander, Flächen und Körper brechen auf, durchdringen Hohlräume, bilden Schluchten. In der Mitte des Gebäudes befindet sich ein Brunnen, für Domenig der „Ursprung allen Lebens“ – und letztendlich des Hauses selbst, wie das Architekturmodell des Steinhauses veranschaulicht. Bezugspunkte zur Vier-Elemente-Lehre – Wasser, Erde, Luft und Feuer, Elemente, die alles Sein bestimmen – tauchen im Gebäude auf. Eine Rakete (die auch als Auffangbecken für Regenwasser dient) ist auf das Familiengrab im benachbarten Feldkirchen gerichtet. Domeni­g selbst verwies immer wieder auf seine Erlebnisse und Prägungen, auch durch die umgebende Landschaft, seine Erinnerungen, die sich im Gebäude gleichsam materialisieren sollten. Heimat/Verortung und universelle Überlegungen, Schutz und Ausgeliefertsein, Aufbruch und „Zerbrechung“* treffen im Steinhaus aufeinander. * Aus dem Studium von Gebirgsfelsen entstand Domenigs Skizzenserie Architektonische Zerbrechungen. Auch das Steinhaus kann in diesem Zusammenhang gesehen werden. 27


Projektname Vogel Nix-Nuz-Nix Autor Günther Domenig Mitarbeit Andreas Gruber, Takasaki Masaharu Zeitraum 1983 Status realisiert Standort/Ort Steinhaus am Ossiachersee, Kärnten Auftraggeber/Bauträger ursprünglich Z-Bank Graz; später modifiziert Projekttypus Objekt Autorschaft

zu nichts gut, zu nichts nutz Domenig arbeitete über viele Jahre am NixNuz-Nix, einem technisch ausgefeilten, vogelähnlichen Gebilde, das nicht fliegen kann und „zu nichts gut ist, zu nichts nutze ist“. Ursprünglich war der „Vogel“ zur Betonung der Ecke einer Filiale der Zentralsparkasse in Graz geplant. Domenig selbst sprach in diesem Zusammenhang von einem architektonischen „Verstärkermal“. Für den Auftraggeber zu teuer, behielt Domenig den Nix-Nuz-Nix. Der „Vogel“ wurde zu seinem Alter Ego, der am selben Tag „Geburtstag“ hat wie der Architekt selbst. Im Laufe der Zeit wurde der NixNuz-Nix zum „Schmuck- und Werbevogel“. Ausgeführt von der Firma Treiber, konnte der Nix-Nuz-Nix zwar nicht fliegen, er war jedoch ein Wunderwerk technischer Perfektion: An den Gelenken beweglich, diente er als ein Prototyp für die Untersuchung konstruktiver Knoten von Trägersystemen. Heute befindet sich dieses Exemplar des Nix-NuzNix im Inneren des Steinhauses. 28


Projektname Explosion Autor Günther Domenig Mitarbeit Zeitraum 1984 Status realisiert Standort/Ort Luftschutzstollen im Grazer Schlossberg, Ausstellung „Architekturvisionen“ Auftraggeber/Bauträger Festival steirischer herbst Projekttypus Ausstellungsbeitrag Bewegung – Zerstörung – Transformation – Erneuerung In den 1980er-Jahren entstand eine Reihe mit dem Titel Explosionen – etwa 1982 für ein Geschäftslokal in Villach und 1984 als Beitrag für die Ausstellung Architekturvisionen des steirischen herbstes. Es handelt sich um Gebilde und Installationen, die so aussehen, als wären sie das Ergebnis von Explosionen. In den Luftschutzstollen des Grazer Schlossbergs baute Domenig eine Startrampe für seinen Nix-Nuz-Nix und zeigte den Videofilm Der Flug über das Steinhaus. Obwohl der Nix-Nuz-Nix nicht Autorschaft

fliegen kann, baute ihm Domenig dennoch eine Startrampe, die explodiert zu sein schien, also letztlich genauso ohne direkten Nutzen ist wie der Vogel selbst. Domenig schiebt zwei Arten von Explosionen ineinander: die kontrolliert zerlegten, kalkulierten Gebilde und die unkontrolliert gesprengten Formen. Der Titel dieser Ausstellung von 1984, Architekturvisionen, lässt sich auf die Installation übertragen. Sie befinden sich auf einer „Startrampe“, können fliegen, „explodieren“, aber auch schnell zu Fall gebracht werden. Anlässlich der Ausstellung seiner Zeichnungen des Steinhauses im Österreichischen Museum für angewandte Kunst in Wien realisierte Domenig 2007 eine weitere Explosion im Eingangsbereich. Danach wiederholte er diese auf dem Vorplatz des Steinhauses: Auch hier rücken Aufbruch und Abbruch, die „Sprengung“ des Festen, Gefestigten (der Form) und das Begraben, die Last und Schwere nahe aneinander. Wie bei anderen Projekten liegt auch hier unter der Symbolkraft ein praktischer Nutzen: Die Explosion verdeckt die Entwässerung des Vorplatzes. 29


Gute Luft und schöne Lage* Ein Einfamilienhaus ist ein Gebäude, das per Definition traditionell als Wohnhaus für eine Familie konzipiert ist.

die Hausgemeinschaft geschaffen wird. Das Wohnhaus wird mehr als „Zeit-, Raum-, Wahlbereich für eine bestimmte, doch veränderliche Gemeinschaft auf Zeit, z. B. eine Familie“** gesehen.

Auch wenn es wenig ressourcenschonend ist – da der Landverbrauch im Vergleich zur Zeilen- oder Blockrandbebauung in der Regel hoch ausfällt – und auch nicht mehr den sozialen Realitäten und Lebensstilen seiner Bewohner/innen entspricht, erwies sich die Prophezeiung von Huth und Domeni­g, das Einfamilienhaus würde verschwinden, als falsch. Denn das freistehende eigene Heim steht weiterhin auf der Wunschliste vieler Menschen ganz oben. Die Anforderungen daran sind gewachsen: Auch der Bau des Einzelhauses soll ökonomisch, energieeffizient, funktional durchdacht und sozial verträglich sein.

In den Überlegungen der Architekten werden ökonomische und ökologische Faktoren wie auch die Mitsprache der Auftraggeber/ innen zunehmend bestimmend. Nutzung wird temporär gedacht, d. h. bestimmte Eigenschaften des Hauses sind nach Bedarf aktivierbar bzw. Nutzer/innen können diese erst im Gebrauchen des Hauses entdecken und sich zu eigen machen. Einen Sonderfall stellt Manfred Wolff-Plotteggs Das Binäre Haus dar: Im Kontext des Einfamilienhauses betrachtet, wird nicht nur das Haus, sondern auch das damit verbundene Wunschprogramm dekonstruiert.

Vor diesem Hintergrund erscheint es konsequent, dass diese Wohnform von Architektinnen und Architekten seit einigen Jahrzehnten auf mehreren Ebenen einer kritischen Revision unterzogen wurde und wird: von der Raumorganisation über die Ökonomie des Bauens bis hin zu ökologischen Erwägungen und ihrer landschaft­ lichen Einbettung.

** Konrad Frey, Gespräch mit Ingrid Böck, 07.12.2016.

* Huth & Domenig, Der Wohnbau, 1973.

In dieser Ausstellung widmen sich vor allem Szyszkowitz + Kowalski (Haus über Graz, Haus Zusertal) und Konrad Frey (Haus Zankel, Low Budget Loft House) der Bauaufgabe Einfamilienhaus. Auch Eilfried Huth ist mit dem Haus Weinburg vertreten. Eine besondere Rolle kommt den immer größer werdenden und sich öffnenden Gemeinschaftsräumen zu. Hausgemeinschaft beschränkt sich nun nicht mehr allein auf die Familienmitglieder. Die innere Organisation des Hauses wird neu definiert, indem ein zentraler Bereich – ein Treffpunkt – für Einfamilienhaus

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Projektname Haus über Graz Autor/in Szyszkowitz + Kowalski Mitarbeit Christo Grigorow (Tragwerksplanung) Zeitraum 1972–1974 Status realisiert Standort/Ort Graz-Mariatrost Auftraggeber/Bauträger privat Projekttypus Einfamilienhaus Architektur als In-Beziehung-Setzen Das Grundstück ist eine nach Süden orientierte Hügelnase mit einem alten Baumbestand, der den Ausblick auf die Grazer Dachlandschaft rahmt. Das Haus wurde in Farbe, Form und Funktion auf diese Situation hin entworfen. Haus, Hügel und Bäume stehen in Beziehung zueinander. Die senkrecht zum Hang abfallenden Volumen des Hauses ermöglichen sowohl im Inneren wie in den Einfamilienhaus

Außenbereichen eine hohe räumliche Komplexität, die sich auch in den vielfältigen, vom Bauherrn ausdrücklich gewünschten Verbindungen der jeweiligen Innenräume mit der umgebenden Natur äußert. Auf diese Weise entstand eine große Anzahl geschützter und offener „Außenorte“, die je nach Jahreszeit und individuellem Bedürfnis genutzt werden können. Im Inneren fließen die Raumzonen vertikal und horizontal ineinander. Besonderes Augenmerk liegt auf den Wohn- und Gemeinschaftsräumen, denen sich kleiner dimensionierte Rückzugsorte für die Familienmitglieder anschließen. Außenwände und Dach wurden zweischalig konzipiert; das Dach überspannt selbstragend ein Stahlbetonskelett. Die Haut des Gebäudes besteht aus vorgefertigten Holzelementen und darauf aufgebrachten kunststoffbeschichteten Stahlblechtafeln. 31


Projektname Haus Zankel Autor Konrad Frey Mitarbeit Karl Zankel, Wolfram Walluschek-Wallfeld (Statik), Institut für Umweltforschung, Graz (Solartechnik) Zeitraum 1978–1985 Status realisiert Standort/Ort Prévessin bei Genf Auftraggeber/Bauträger Karl Zankel Projekttypus Einfamilienhaus Das Haus als poetisches Wunschprogramm Zwischen 1978 und 1985 plante Konrad Frey gemeinsam mit dem Bauherrn, dem CERN-Physiker Karl Zankel, ein Haus in Prévessi­n bei Genf. Das „Sonnenhaus“ sollte in Harmonie mit dem alten Baumbestand entstehen und eine helle, großzügige und empfangsfreundliche Atmosphäre bekommen. Durch die Offenheit der räumlichen Organisation – Frey nennt es „das poetische Wunschprogramm des Bauherren“ – wurde Platz für vielartige, nicht vorherzusehende Nutzungen geschaffen. Es sollte nicht nur für die vierköpfige Familie eine Wohnstätte, sondern auch für zahlreiche Gäste ein eigener Trakt entworfen werden. Frey und Zankel haben das Haus zu einem Laboratorium von neuen Formen des WohEinfamilienhaus

nens und Arbeitens ebenso wie der aktiven und passiven Nutzung von Sonnenenergie gemacht. Aus dem Wunsch nach einer Sonnenenergieheizung wurde die nach Süden ausgerichtete Außenhaut zur Gänze als Sonnenkollektor ausgebildet: Die abwechselnd schräg und senkrecht aufsteigenden, hell schimmernden Plastikbahnen bestehen aus Tedlar-Folie und sind in eigens entwickelte Profile eingeklemmt. Der Sonnenkollektor bedeckt vollflächig die beiden Wohntrakte, während die durchscheinende, filigrane Hülle des zentralen Atriums als „Sonnenraum“ (sun space) funktioniert. Als Stahltragwerk errichtet, erfolgte der Ausbau mit Fertigteil-Leichtbetondecken, Außenhautteilen aus Holzsandwichplatten und Gipskartonständerwänden. Das Haus wurde zum Großteil vom Bauherrn mithilfe angelernter Arbeiter aus der Steiermark errichtet. Neue, preisgünstige Materialien und Klebetechniken kamen erstmals zur Anwendung: Bitumenschindeln als universelle Außenhaut und das geklebte „Nur-Plexiglas-Tor“ („Flugzeugflügel“) für die sechs Meter breite Öffnung zum Garten. Diese technischen Details gehen auf den Pioniergeist und die Experimentierfreude von Frey und Zankel als kongeniales Team zurück. 32


Projektname Haus Weinburg Autor Eilfried Huth Mitarbeit Heribert Altenbacher und Familie Lackner Zeitraum 1978–1982 Status realisiert Standort/Ort Weinburg am Saßbach, Steiermark Auftraggeber Familie Lackner Projekttypus Einfamilienhaus Einfamilienhaus

Organische Architektur Das Einfamilienhaus im südoststeirischen Weinburg ist ein Beispiel organischer Architektur. Der Entwurf des in die Landschaft eingepassten Hauses ist ebenfalls auf der Basis von Mitbestimmung entstanden, sowohl in Bezug auf Material- als auch Form­entscheidungen. So brachte sich nicht nur die Familie Lackner, die das Haus bis heute bewohnt, wesentlich in die Planung mit ein, auch die ausführenden Handwerker nahmen Anteil an den Entscheidungsfindungen im Produktionsprozess. 33


Projektname Haus Zusertal Autor/in Szyszkowitz + Kowalski Mitarbeit Ernst Giselbrecht; Christo Grigorow (Tragwerksplanung) Zeitraum 1979–1981 Status realisiert Standort/Ort Graz–Geidorf Auftraggeber/Bauträger privat Projekttypus Einfamilienhaus Das Haus im Tal Das dreigeschossige Haus für ein Ehepaar mit vier Kindern liegt in einem Tal und ist von einem alten Baumbestand eingefasst, der Teil eines Landschaftsschutzgebiets ist. Das Haus basiert auf einem rechteckigen Grundriss, dessen Schmalseite zur Auffahrt ausgerichtet ist. Die Eingangsfront liegt an der Längsseite des Hauses und ist durch einen kleinen Glasgiebel akzentuiert. Eine strenge Achsensymmetrie betont die Längsseite und leitet zur Dachform mit den auseiEinfamilienhaus

nander strebenden Vierteltonnen über. Die großzügig dimensionierte Halle, die über zwei Geschosse reicht und sich optisch nach Süden öffnet, wird zum gestaltbestimmenden Mittelpunkt des Hauses. Die konvex eingeschnittene Fassade und die Glaseindeckung lassen die Sonne bis in die Tiefe des Hauses dringen. Im Obergeschoss finden sich entlang einer U-förmigen Galerie die klein gehaltenen Schlafzimmer der Familie. Die dominierende Farbe ist der graugrüne Anstrich der Holzverschalung, der sich farblich auf den umgebenden Grünraum bezieht; im Kontrast dazu steht das gedeckte Rot der Putzteile und der Türlaibungen. Diese Farbpalette kehrt im Inneren der Halle vor allem im Rot der Oberlichtkonstruktion wieder. Im Sinne der Verzahnung zwischen Architektur und Umraum entwickelten Szyszkowi­tz + Kowalski für den Garten ein eigenes Konzept. 34


Projektname Das Binäre Haus Autor Manfred Wolff-Plottegg Mitarbeit Christoph Zechner Zeitraum schon 1988 Status realisiert Standort/Ort CPU (central processing unit) Auftraggeber/Bauträger Bauaufgabe/Typus Computergenerierte Architektur Das Binäre Haus 1988 konzipierten Plottegg und Cezet Zechner mit einem verbesserten 3D-Morphing-Programm für den internationalen Wettbewerb „La casa più bella del mondo“ das Binäre Haus. Dazu wurden Ausschnitte von 3D-Daten, die sich gerade auf der Festplatte befanden – von einem beliebigen Einfamilienhaus

Haus, Kindergarten und Fitnesscenter – gemischt, ähnlich wie im Normalfall Bauherr und Architekt verschiedene Wunschbilder und Erinnerungen zusammenfügen. Der Input ist austauschbar, alle Datensätze sind manipulierbar, weil sie verschieden interpretiert werden und nützlich sein können. Zwei parallele Linien bedeuten nun nicht mehr notwendigerweise eine Wand; die Bedeutungen und Deutungen von Linien, Rastern, Mustern, Flächen verschieben sich, sie sind zunächst nicht mehr als namenlose Flächen, Muster, Raster, Linien auf dem Bildschirm, die interpretiert werden wollen. In alle Richtungen veränderbar, verschieben sich im Gestaltungsprozess Richtungen, verschwimmen Grenzen, springen Dimensionen und flimmern Perspektiven. 35


Kontinuität und Wandel Schloss Großlobming (Szyzkowitz + Kowalski), die Abtei Seckau (Volker Giencke) und die Montanuniversität Leoben (Bernhard Hafner) sind Beispiele für einen Umgang mit historischer Bausubstanz. In den späten 1970er-Jahren wuchs sowohl vonseiten der Auftraggeber/innen als auch vonseiten der Architekten und Architektinnen das Interesse an einer Auseinandersetzung mit historischen Bauten. Nicht der komplette Abriss, sondern der Dialog mit dem bereits Vorhandenen rückte in den Vordergrund. Die Gebäude wurden entsprechend den neuen gesellschaftlichen Anforderungen erweitert und ergänzt. Szyszkowitz + Kowalski fügten Schloss Großlobming in mehreren Baustufen und in axialer Anlage Zubauten mit eigenständigem Charakter hinzu, Giencke entwickelte ein mehrstufiges Konzept zur Generalsanierung der Abtei Seckau, das die Anpassung an neue Funktionen ebenso vorsah wie Abbruch und Neubau, und Hafner setzte bei der Montanuniversität Leoben alte und neue Gebäudeteile so zueinander in Beziehung, dass ein neuer Raum zwischen beiden entstand.

Giencke wählte beim Umbau und der Erweiterung der Abtei Seckau zeitgenössische Konstruktionsmethoden und Materialien (etwa Beton, Glas, Stahl), die sich deutlich von der jahrhundertealten Bausubstanz abheben. Er setzte dabei bei der ursprünglichen Struktur des Klosters an, baute Schritt für Schritt darauf auf und veränderte das Ensemble hin zu heutigen Nutzungsanforderungen. Die Hinzufügungen unterstützen die alte Gebäudesubstanz, diese umgekehrt die neuen Bauteile. Hafner schichtete beim Erweiterungsbau der Montanuniversität gewissermaßen drei Fassaden übereinander, wodurch zwischen Altbau und Anbau ein Luftraum entstanden ist, ein weiterer zu nutzender Raum – Verbindung, aber auch „Pufferzone“. In allen drei Fällen bleiben die Ergänzungen und Hinzufügungen deutlich sichtbar, sie ordnen sich der alten Bausubstanz nicht unter, sondern kommunizieren selbstbewusst mit dieser. Die Qualitäten des jeweiligen Ortes wurden verdichtet und vorhandene Potenziale der Substanz genutzt.

Szyszkowitz + Kowalski lassen mit Freitreppe, Ehrenhof, Wehrmauer „Schloss“ assoziieren, denn Großlobming erhielt erst im 19. Jahrhundert durch Um- und Ausbauten sein heutiges Aussehen. Über den Einsatz industrieller Fertigungsmethoden, heutiger Baumaterialien und Farbgebung übersetzten sie die historischen Versatzstücke in die Gegenwart, wandelten diese damit auch um, verbanden sie mit der alten Bausubstanz und trugen dabei der neuen Funktion als Ausbildungsstätte Rechnung. Bauten, Höfe und Gärten bilden ein Gesamtgefüge mit verschiedenen Akzentuierungen. Kontinuität und Wandel

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Projektname Schloss Großlobming, Fachschule und Kulturzentrum/ Volksschule Autor/in Szyszkowitz + Kowalski Mitarbeit Werner Wratschko, Manfred Zernig, Hermann Eisenköck, Ernst Giselbrecht, Angela Klinger-Lohr, Meggy Kriwetz, Manfred Partl, Herbert Liska, Johann Schmitzberger, Adi Schmölzer, Alfred Sturm, Gerry Wratschko, Rolf Seifert, Andreas Gratl, Machel Caron, Gerald Flock, Werner Kanduth, Robert Leykam, Horst Schwarzl; Christo Grigorow (Tragwerksplanung) Zeitraum 1979–1981/1994–1996 Status realisiert Standort/Ort Großlobming, Steiermark Auftraggeber/Bauträger Land Steiermark Projekttypus Revitalisierung und 1. Neubau/2. Neubau Kontinuität und Wandel

Opposing Castle Dem über die Jahrhunderte mehrfach umgebauten Schloss Großlobming, in dem heute eine Fachschule für Land- und Ernährungswirtschaft untergebracht ist, fügten Szyszkowit­z + Kowalski in mehreren Baustufen und in axialer Koppelung Zubauten hinzu. Der erste hinzugefügte symmetrisch angelegte und stark plastisch gegliederte Baukörper öffnet sich in Richtung Schloss und Garten gleichermaßen. Der Haupteingang der Fachschule wurde zwischen das alte und neue Gebäude verlegt, die Auf- und Abgänge asymmetrisch verschoben. Szyszkowitz + Kowalski zitieren dabei barocke Freitreppe und Ehrenhof und lassen beim Zubau an eine wehrhafte Trutzburg denken. Diese Zitate werden über den Einsatz serieller industrieller Fertigungsmethoden und mit heutigen Baumaterialien zeitgenössisch interpretiert und damit in die Gegenwart übersetzt. Ergebnis ist ein fantastisch-expressiv anmutendes Gebilde, das mit dem alten Schloss kommuniziert. Mit dem Zubau schaffen Szyszkowitz + Kowalsk­i ein „opposing castle“, das dem alten Bau nicht nur gegenüber liegt, sondern auch einen auffälligen Unterschied zur alten Substanz bildet. Als letzter Bauabschnitt, ebenfalls axialsymmetrisch angeordnet und auf die bereits umgesetzten Teile bezogen, wurde eine Volksschule errichtet, deren Niveau abgesenkt wurde. Die Baukörper bilden mit den Höfen und Gärten letztlich ein Gesamtgefüge mit unterschiedlichen Akzentuierungen.

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Projektname Abtei Seckau Architektur Volker Giencke Mitarbeit Alfred Bramberger, Arpad Ferdinand, Davide Ferrero, Sandra Flury, Georg Giebeler, Eeva Liisa Pelkonen, Claudius Pratsch; Alois Winkler (Tragwerksplanung); Karl-Heinz Lackner (BL) Zeitraum 1988–2000 Status realisiert Standort/Ort Seckau, Steiermark Auftraggeber/Bauträger Benediktinerabtei Seckau, Benediktiner Seckau Projekttypus Generalsanierung, Adaptierung und Erweiterung eines romanischen Klosterkomplexes mit mehreren Neubauten Kontinuität und Wandel

Klosterarchitektur war nie vordergründig billig, sondern immer einfallsreich Das heutige Benediktinerkloster und Stiftsgymnasium Seckau mit seiner romanischen Basilika ist ein wichtiges Baukunstwerk der Steiermark. Volker Giencke, der den Wettbewerb zur Adaptierung von Klosterkomplex und Gymnasium bereits 1988 gewonnen hatte, entwickelte aufgrund des geringen Budgets ein mehrstufiges Konzept zur Generalsanierung, das die Anpassung der alten Substanz an neue Funktionen ebenso vorsah wie Abbruch und Neubau. Der Nordtrakt wurde teilweise abgebrochen und neu aufgebaut, wobei das denkmalgeschützte Äußere kaum verändert wurde, aber neues Material Verwendung fand. Im Osten wurde ein gläsernes Stiegenhaus angefügt und eine Verbindung zum neuen Turnsaal hergestellt. Der vielfältige Einsatz von Glaselementen veränderte maßgeblich die Lichtsituation im Schultrakt und schuf Durchblicke, die eine Öffnung des Klosters nach außen mit sich bringen. Über dem Eingang zur Schule wurde ein seilverspanntes Glasdach montiert. Während der Zugang zur Sporthalle innerhalb der Anlage liegt, kragt der Neubau mit seiner dreiseitigen, ohne sichtbare Trägerkonstruktion gehaltenen Glasfassade aus den Klostermauern heraus. Der ebenfalls neu gebaute, frei geformte Choralraum, der für Veranstaltungen genutzt wird, entstand mit geringem baulichen Aufwand. Mit rot gestrichener Brettschalung verkleidet und lichtdurchlässiger Folie gedeckt, bleibt die Holzkonstruktion durchlässig und taucht den Innenraum in ein warmes Licht. Die Erschließung des Klosterhofs mit dem Zugang zur Basilika löste Giencke schließlich durch eine breite, unregelmäßig geführte Betontreppe mit Rampen, Stufen und Podesten.

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Projektname Montanuniversität, Laborhalle – Zubau Autor Bernhard Hafner Mitarbeit Johann Zimmermann; Otto Thaller (Tragwerksplanung) Zeitraum 1989–1992 Status realisiert Standort/Ort Leoben, Steiermark Auftraggeber/Bauträger Republik Österreich Projekttypus Laborhalle Kontinuität und Wandel

Schichtungen Ausgangspunkt war ein dreigeschossiges Bürogebäude der Montanuniversität aus den 1950er-Jahren; dieses sollte um eine Laborhalle erweitert werden. Hafner setzt beide Gebäudeteile erkennbar in Beziehung zueinander. Die Halle überdeckt stützenfrei eine Fläche von 16 mal 16 Metern. Darin befindet sich ein Betonkörper, der zwei Lehr- und Schaustollen enthält. Durch das Übereinanderlegen von drei Fassadenschichten entsteht zwischen Altbau und Anbau ein Luftraum, der als Zugangshalle und architektonisches Bindeglied gleichermaßen dient. Auf diese Weise wird auch die ursprüngliche Fassade neu strukturiert. Die Schichtungen bestehen aus Hüllflächen von Baukörpern und den sie verbindenden Hüllflächen des Luftraumes. In der Farbgebung bezieht sich Hafner auf den Ort, seine Funktion und Geschichte, die von der Stahlerzeugung geprägt ist. Alle Beton- und Putzflächen sind mit Schlackensanden der Stahlerzeugung in Leoben-Donawitz eingefärbt. Während die Innenflächen weiß bleiben, ist die äußerste Wandscheibe rotbraun eingefärbt. 39


Die Architektur ist nicht zur Selbstverwirklichung da* In den 1990er-Jahren erhob Wohnbau­ landes­rat Architekt Michael Schmidt den Vorwurf, „Vertreter der ‚Grazer Schule‘ würden Wohnbauten mit Denkmälern verwechseln, darunter würde die Wohnqualität leiden und die Baukosten dafür in astronomische Höhen steigen“. Er attackierte damit ein österreichweit einzigartiges Wohnbaumodell, das im Rahmen von „Modell Steier­ mark“ entwickelt und in den 1990er-Jahren eingestellt wurde. Initiiert von Landeshauptmann Josef Kraine­r senior, präsentierte man der Öffentlichkeit im Jahr 1972 unter Landeshauptmann Friedric­h Niederl das erste „Modell Steiermark“ als politisches Langzeitprogramm. 1980 setzte Landeshauptmann Josef Kraine­r junior damit fort: Einer der Arbeitskreise, die sich unter anderem mit Architektur, Wirtschaft, Demokratie und Energiefragen befassten, war der „Arbeitskreis 12“, in dem verschiedene Experten (Architekten, Raumplaner, Finanzexperten, Soziologen) über den Wohnbau diskutierten. Unter dem Architekten Wolfdieter Dreibhol­z, der die Hochbauplanung des Landes Steier­ mark viele Jahre lang innehatte, wurden bautechnische, baukulturelle und architektonische Angelegenheiten des Programms umgesetzt. Das „Modell Steiermark“ sah im Wohnbau etwa die Mitbestimmung der späteren Bewohner/innen, Vielfalt statt Uniformität, größere Wohngebiete mit Gemeinschaftseinrichtungen, Durchmischung von Jungfamilien- und Altenwohnungen und eine Umstrukturierung der Wohnbauförderung vor. Es handelte sich um eigentumsbildende Maßnahmen auf genossenschaftlicher Basis und nicht um Mietwohnungsbau. Modell Steiermark

Voraussetzung war, dass die Projekte an einen Architekturwettbewerb geknüpft waren. Dies verschaffte einer Reihe von jungen Architektinnen und Architekten erste Möglichkeiten, Bauaufträge zu erhalten. Ziel des Auslobers „Modell Steiermark“ war es einerseits, Quadratmeterpreise zur Diskussion zu stellen, aber auch unkonventionelle Lösungen im sozialen Wohnbau zu fördern. Man reagierte dadurch auch auf sozialdemokratische Wohnbauprojekte. Im Laufe der Zeit wurden Vor- und Nachteile des Modells kontrovers diskutiert: Dem Vorwurf der künstlerischen Selbstverwirklichung, der Kostenexplosion und der mangelhaften Ausführung standen Mitbestimmung, Beteiligungsmöglichkeiten für junge Architektinnen und Architekten und ungewöhnliche bauliche Lösungen gegenüber, die bis heute Architekturinteressierte aus der ganzen Welt anziehen. Folgende in der Ausstellung gezeigte Projekte wurden im Rahmen des „Modells Steier­mark“ realisiert: Günther Domenig, Wohnanlage Neufeldweg; Volker Giencke, Wohnbau Carl-Spitzweg-Gasse, Bernhar­d Hafne­r, Rettenbachersiedlung; Szyszkowitz + Kowalsk­i, Wohnanlage Alte Poststraße und Manfred Wolff-Plottegg, Wohnbebauung Heidenreichstraße, Seiersberg und. Über Gienckes Projekt entbrannte 1994 eine medial aufgeheizte Diskussion. Dem Architekten wurde eine Baukostenüberschreitung von über 40 % vorgeworfen; de facto lag diese bei 10 %. * Wohnbaulandesrat Arch. Michael Schmidt, 1994.

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Projektname Wohnbebauung Heidenreichstraße, Seiersberg Autor Manfred Wolff-Plottegg Mitarbeit Fritz Mascher, Christoph Zechner Zeitraum 1987–1991 Status realisiert Standort/Ort Heidenreichstraße 7, Seiersberg Auftraggeber/Bauträger GGW Gemeinnützige Grazer Wohnungsgenossen Bauaufgabe/Typus Wohnbau Schablone für alles Die Siedlung liegt südlich der Grazer Stadtgrenze in der Gemeinde Seiersberg.  Plottegg hatte 1987/88 den Wettbewerb für 160 Geschosswohnungen und 65 Reihenhäuser gewonnen; der erste Bau­ abschnitt mit 24 Wohnungen wurde von Plottegg geplant, die weiteren Bauab­ schnitte durch andere Federführende – kontraproduktiv zum ursprünglichen Konzept. Der Entwurf der gesamten Siedlung basiert auf Fragen zweiter Ordnung: „Wie kommen Modell Steiermark

die Striche aufs Papier und wie kommen die Häuser auf die Wiese?“: Das Projekt wurde hauptsächlich auf dem Bildschirm entwickelt und ist letztlich das Ergebnis von Befehlen eines Bildbearbeitungsprogramms wie „insert“, „rotate“, „shift“, „stretch“, „setvar“, „double“, „cancel“ etc. Im ausgedruckten Bild können Linien ein Grundriss oder Schnitt oder eine perspektivische Ansicht sein, die Daten werden als Baukörper oder Straßen ausgelesen. Folglich deklariert Plottegg eine Zeichnung mit vielen Linien und Rastern als „Schablone für alles“. Eine Serie von vielen (selbstähnlichen) Arbeitsmodellen zeigt verschiedene Varianten der Wohnhausanlage. Außen an der Nordseite ist die Blechverkleidung grün (die Farbe entsprach dem damaligen 100-SchillingSchein). An der Südseite sind durchlaufende Balkone – erweiterte „Wohnzimmer“ – angebracht. Um eine ausgezeichnete Lebensqualität zu gewährleisten, hat jede Wohneinheit eine eigene Eingangstür. 41


Projektname Wohnanlage Neufeldweg Autor Günther Domenig Mitarbeit Manfred Partl, Franz Jammernegg, Edeltraud Herz Zeitraum 1984–1988 Status realisiert Standort/Ort Graz-St. Peter Auftraggeber/Bauträger Interessengemeinschaft der Wohnungswerber, ÖWGes, Graz Bauaufgabe /Typus sozialer Wohnbau Die sich teilende, wachsende und schrumpfende Siedlung Mit der Wohnanlage Neufeldweg wollte Domenig unterschied­lichen Lebensphasen und -entwürfen seiner Bewohner/innen Rechnung tragen: Die Wohnungen können je nach Bedarf in horizontaler und vertikaler Richtung, aber auch in Bezug auf ihre innere Raumorganisation verändert, Modell Steiermark

geteilt und erweitert werden. Ausgehend von (unsichtbaren) geometrischen Netzen entwickelte Domenig ein System, in dem verschiedene Bauteile sowie konstruktive und technische Elemente eingesetzt sind. Die Grundeinheiten des Ensembles werden von den sogenannten „Jugendtürmen“ (Generationstürmen) gebildet, den flexibel abtrennbaren Zonen. Daran schließen sich beidseitig die Zonen der Kernbereiche der Wohnungen an, mit den dazwischen liegenden haustechnischen Versorgungszonen. Die Erschließungen der Häuser erfolgen über überdachte Freitreppen. Sie sind im Bereich der Mittelachse der jeweiligen Grundeinheit angeordnet. Die Erdgeschosszonen dienen auch als Parkfläche. Die Außenverkleidung der Wohnanlage besteht aus Aluminiumblech, auf Ziegelwand aufgebrachtem Sperrholz und Verputz; dieser war früher graublau und ist heute weiß. 42


Projektname Rettenbachersiedlung Autor Bernhard Hafner Mitarbeit Zeitraum 1986–1988 Status realisiert Standort/Ort Graz-Mariatrost Auftraggeber/Bauträger Interessengemeinschaft der Wohnungswerber, ÖWGes Graz Projekttypus sozialer Wohnbau Wohnzufriedenheit Die Rettenbachersiedlung befindet sich in Graz-Mariatrost. Sie war ein Modellbau im Rahmen des „Modells Steiermark“, ausgelobt von der Interessengemeinschaft der Wohnungswerber und betreut von der ÖWG – Gemeinnützige Wohnbaugesellschaft mbH. Die Siedlung besteht aus zwei langgestreckten Zeilen von dreigeschossigen Häusern. Sie sind so angeordnet, dass ein Innenhof entsteht, der sich durch den Raum zwischen den ersten beiden Häusern nach Südosten hin öffnet. Ein am Zugang geplanter Verbindungsbau wurde nicht umgesetzt. Der Hof liegt eine Ebene höher als die Rettenbacherstraße, auf Straßenniveau sind Autostellplätze untergebracht. Die Siedlung Modell Steiermark

selbst sollte autofrei gehalten werden. Die Erschließung des Gebäudes erfolgt durch sechs Stiegenhäuser, die als offene, überdachte Zugänge – Gehsteigerweiterungen – in die Häuser integriert sind. Ökonomisch in der Herstellung und im Inneren dennoch räumlich großzügig, wurde den Vorstellungen der Bewohner/innen Rechnung getragen. Sie konnten zwischen unterschiedlichen Grundrissen wählen: Maisonetten, Split-Level und Geschosswohnungen; alle sind mit Wintergärten beziehungsweise in das Gebäude hineinversetzten Loggien ausgestattet. Hafner setzte beim Bau keine seriengefertigten Bauelemente ein. Es handelt sich um einen kompakten Mauerbau mit Sichtmauerwerk im Inneren. Außen wurden das Mauerwerk und das tonnenförmige Dach teilweise mit Blech verkleidet. Der Beteiligungsprozess der Wohnungswerber/innen war in der Planung aufwendig – manche Wohnungen mussten bis zu dreimal umgeplant werden. Doch er war zielführend, und so ergab eine Studie der TU Graz aus dem Jahr 2000, dass die Rettenbachersiedlung heute die höchste Wohnzufriedenheit im mehrgeschossigen Wohnbau in Graz aufweist. 43


Projektname Wohnbau Carl-SpitzwegGasse Architektur Volker Giencke Mitarbeit Günes Aytar, Alfred Bramberger, Robert Clerici, Gernot Meisl, Gino Kratzer, Rudolf Schober; Alois Winkler (Tragwerksplanung) Zeitraum 1987–1994 Status realisiert Standort/Ort Graz-St. Peter Auftraggeber/Bauträger MEG CarlSpitzweg-Gasse – Miteigentümerschaft Projekttypus Wohnbau Modell Steiermark

Der Preis ist keine Frage der Qualität* Unter dem Motto „Kostengünstiges Bauen“ wurde Volker Giencke 1987 als einer von sieben Architekten zum Wettbewerb für die Wohnanlage in der Carl-Spitzweg-Gasse geladen und schließlich mit der Planung beauftragt. Nach Unstimmigkeiten zwischen der mit der Ausführung betrauten Wohnbaugenossenschaft und dem Architekten gründeten die zukünftigen Wohnungseigentümer eine Interessengemeinschaft, die in der Folge als Bauherr auftrat und die Siedlung seitdem gemeinnützig verwaltet. Aufgrund der Verzögerungen gelangte das Projekt erst 1992 zur Ausführung. Die vorab kalkulierten Kosten wurden zwar überschritten, sie lagen aber dennoch unter den vergleichbaren Quadratmeterkosten anderer Wohnbauten Anfang der 1990er-Jahre in Graz. Die 49 Wohnungen der Anlage sind auf zwei unterschiedlich lange, viergeschossige Gebäuderiegel verteilt, die keilförmig zueinander gestellt sind. Die tragende Kon­struktion ist ein schlichter Betonscheibenbau von geringer Tiefe, wodurch jeder einzelne Raum des Gebäudes (bis hin zur Tiefgarage) sowohl von der Nord- als auch von der Südseite natürliches Licht erhält. Seine formale Komplexität erhält der Bau durch Details: Fassaden aus Schiffssperrholz und emailliertem Glas, vorgelagerte Terrassen, außen liegende Treppenhäuser, Flugdächer und nicht zuletzt gemeinschaftlich genutzte Freiräume wie einen Dachgarten, der über zwei Wendeltreppen erreicht werden kann. Die Wohnungsgrundrisse selbst sind gleichzeitig schematisch und flexibel strukturiert. Kostengünstig vorgefertigte Bauteile führten zwar zu ökonomischen Lösungen, individuelle Vorstellungen fanden dennoch Raum. * Kleine Zeitung, 1994.

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Die Sonnenenergie ist von allen Ölscheichs und Kohlegruben der Welt unabhängig. Sie scheint auf den Bettler ebenso wie auf den Millionär* Seit den 1960er-Jahren hat Konrad Frey Studien zu Energie- und Produktionskreisläufen und zur Nutzung alternativer Energiequellen in der Architektur durchgeführt. Die Nutzung von Brachflächen in London sowie ein Wettbewerb für ein Community Centre zur Belebung des Bereichs um die hochgeführte Stadtautobahn in Kensington, bei dem Frey mit Florian Beigel 1967 mit dem Vorschlag, das Zentrum unter der Autobahntrasse einzurichten, den 1. Preis bekommen hat, befassten sich schon früh mit Energiesystemen und dem SauerstoffKohlendioxid-Kreislauf. Ein geschlossenes System aus Pflanzengewächshaus und von Menschen genutzten Räumen folgte einem ökologischen Ansatz. Organische Abfälle eines Restaurants wurden für die Düngung in verglasten Schrebergärten genutzt und aus dem Schrebergarten gewonnene Sonnenenergie für den Betrieb einer Mehrzweckhalle mit Zeltumhausung. Aufbauend auf diesen Untersuchungen entwickelten zunächst Frey und Beigel zusammen (Haus Fischer) und dann Frey alleine (Solardusche für Älpler, Haus Zankel, Low Budget Loft House) weitere Projekte. Auch bei Szyszkowitz + Kowalski findet sich eine Reihe ökologischer Überlegungen. Ihr Haus Zusertal ist etwa nach der Sonneneinstrahlung ausgerichtet und nutzt passive Sonnenenergie. Über ein Glasdach dringt die Sonne bis in die Tiefe des Hauses hinein; Pflanzengerüste am und Bepflanzung um das Haus bilden eine Art vegetativen Mantel. Ihre anlässlich der IBA Emscher Park auf dem ehemaligen Küppersbuschgelände in Gelsenkirchen errichtete Wohnanlage setzt auf Grünflächen, aktive SolarenergieÖkologie

nutzung, passive Sonnenenergie (Sonnen­ orientiertheit) und Wasserspeicherbecken, die das Regenwasser sammeln und verzögert versickern lassen. Das dem ehemaligen Industriegelände entnommene Erdreich wurde gesichert, zur Hügelkette aufgeschichtet und begrünt. Im Unterschied zu Frey, der von den ökologischen Abläufen, von Ökonomie, Konstruktion sowie Funktion und nicht von der Form her denkt, bleibt diese – wie auch die Farbe – bei Szyszkowitz + Kowalski als Träger emotionaler Aufladung und Identifikation bestimmend. * Samstag, Neues aus der Steiermark, „Er baut Österreichs erstes Sonnenhaus“, 18.05.1974.

Konrad Frey, Westway Complex Stadtrehabilitation London, 1973 45


Projektname Cowicle Autor Konrad Frey Mitarbeit Zeitraum 1967 Status nicht realisiert Standort/Ort Auftraggeber/Bauträger Projekttypus mobile Architektur Der mobile Anzug für die Kuh 1967 stellte Konrad Frey Untersuchungen zum Landwirtschaftsbau und zur Landwirtschaftstechnik an – mit der Schlussfolgerung, dass unter Ausnutzung der neuen technologischen Möglichkeiten auf Gebäude „fast ganz verzichtet werden“ könne und man so – etwa in der Milchwirtschaft – bei minimalem Personaleinsatz maximale Ergebnisse erzielen könne. Studien zum Energie- und Produktionskreislauf – Futter wird vom Betriebsbereich in den Viehbereich gespeist, die Milch kommt Ökologie

auf den Markt, der Mist geht in die Feldwirtschaft und gelangt als Futter in den Kreislauf zurück – ergänzten seine Idee eines „mobilen Anzugs“ für die Kuh mit Umweltkontrollausrüstung. Dieses Projekt schließt direkt an Freys Überlegungen zur „Auflösung des Hauses“ aus dem Jahr 1966 an. Raum definiert sich nun nicht länger durch vorab gesetzte Wände, Decken, Fußböden, sondern durch „Apparate in Position“, die einen „kontrollierten Raum“ erzeugen, und zwar „nur da[,] wo er gebraucht wird.“* Anregung für Cowicle war der Cushicle von Michael Webb, Mitglied von Archigram, ein spekulativer Designvorschlag für eine individuelle, tragbare und ausfaltbare Wohneinheit für Menschen, die nomadisch leben: Kleidung, die Haus und Architektur sein kann. * Konrad Frey, Cowicle, Holzplatte mit aufcollagiertem Material, Archiv der TU Graz. 46


Projektname Haus Fischer Autor Konrad Frey Mitarbeit Florian Beigel; Beratung und Unterstützung: Institut für Umweltforschung Graz, Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung Zeitraum 1972–1978 Status realisiert Standort/Ort Grundlsee, Steiermark Auftraggeber/Bauträger Jutta und Wolfgang Fischer Projekttypus Ferienhaus Ein japanisches Teehaus im Salzkammergut* Das von Konrad Frey und Florian Beigel entworfene Ferienhaus der Familie Fischer am Grundlsee im Ausseerland im steirischen Salzkammergut ist das erste Solarhaus Österreichs. Wolfgang und Jutta Fischer hatten kein Ferienhaus im traditionellen Baustil vor Augen: „Der Auftrag an den Architekten lautete: kein Lederhosenhaus, sondern ein japanisches Teehaus“.** Frey und Beigel beziehen sowohl das Haus auf die Landschaft als auch die Landschaft auf das Haus. Das Haus schmiegt sich an den Hang; die Wohnräume sind entsprechend strukturiert. Baumaterial ist Holz, ein für die Architektur des Ausseerlandes typisches Element. Die verglasten Flächen der AußenÖkologie

haut wirken wie Rahmen, die den Blick auf Landschaftsbilder freigeben. Das für den Forschungszweck komplex angelegte Energiekonzept kombiniert bautechnische Maßnahmen wie optimierte Wärmedämmung, Speichermasse in den Fußböden und der Südmauer sowie große Glasflächen in den Süd- und Ostfassaden als Sonnenenergieempfänger mit installationstechnischen Maßnahmen: Wasserkollektoren am Dach in Kombination mit einem 500-Liter-Wasserspeicher für Brauchwasser und Fußboden in den der Sonne abgewandten Räumen sowie einem mehrwertigen Zuheizsystem, bestehend aus Holzeinzelöfen und Elektroheizmatten in den Fußböden. Alle Elemente des Objekts sind vor allem auf funktionale Aspekte sowie die Idee eines Sonnenhauses ausgerichtet. Haus und ursprüngliches Energiekonzept veränderten sich im Laufe der Jahre. Doch auch dies gehört zu Freys Verständnis von Architektur im Gebrauch: die Aneignung und damit auch Transformation seiner Bauten durch die Nutzer/innen. * Kurzform des Textes, der im Rahmen des FWF-geförderten Forschungsprojekts „Die Solarhäuser von Konrad Frey – Umweltforschung und solares Wissen im Entwurf“ der TU Graz erarbeitet wurde (www.konradfrey.tugraz.at). ** Interview von Sophia Walk mit Wolfgang Fischer, Grundlsee, 31.08.2016. 47


Projektname Wohnbebauung Küppersbusch IBA Emscher Park Autor/in Szyszkowitz + Kowalski Mitarbeit Gerald Wratschko, Werner Wratschko, Kurt Fandler, Zeljka HajsokMomic, Christian Heim, Michael Lyssy, Elke Schmitter, Rolf Seifert, Alois Senfter, Robert Kropf (CAD), Manfred Suanjak (CAD); Johann Birner, Wilhelm Düffel, Egon Herms (Tragwerksplanung) Zeitraum 1989–1997 Status realisiert Standort/Ort Küppersbuschstraße, Gelsenkirchen (DE) Auftraggeber/Bauträger Stadt Gelsenkirchen und verschiedene Bauträger Projekttypus Wohnanlage mit Kindergarten Ein Stadt-BILD Die Errichtung der Wohnanlage fand im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park statt, die programmatische Stellungnahmen zu sozialem Leben und Stadt, vor allem aber zu Umwelt und Landschaft in der belasteten Region des Ruhrgebiets abfragte. Die Anlage umfasst mehr als 200 Wohnungen, einschließlich ein Haus mit Seniorenwohnungen und einen Ökologie

Kindergarten, und wurde auf dem Gelände einer Industriebrache errichtet. Das dem ehemaligen Industriegelände entnommene kontaminierte Erdreich wurde zu einer Hügelkette aufgeschichtet, die als parkartiger Erholungsraum dient. Das charakteristische Kennzeichen der Anlage liegt in deren Zentrum: ein linsenförmiger, vertieft liegender Grünraum, umgeben von einer formbestimmenden, hochliegenden Rinne, nimmt die Regenwässer der gesamten Siedlung auf, um diese innerhalb einiger Tage versickern zu lassen. Die Anlage ist so konzipiert, dass verschiedene Intensitäten von Öffentlichkeit und Privatheit erzielt werden. Die das Zentrum umgebenden Plätze sind zu drei Treppenanlagen aufgestaffelt, die den Grünraum erschließen und durch einen Weg miteinander verbunden sind. Bei den Wohneinheiten selbst erzeugt jeweils ein Erschließungsgelenk einen großen Variantenreichtum hinsichtlich der Größe und Lage der einzelnen Einheiten zueinander. Aktive Solarenergienutzung und die Nutzung passiver Sonnenenergie sind ebenfalls integraler Bestandteil der Anlage, die damit nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch wirksam ist. 48


Projektname Nur Armut hat Zukunft – Konfrontationen 77 Autor Eilfried Huth Mitarbeit Forum Stadtpark Zeitraum 1977 Status realisiert Standort/Ort Wien, Finanzministerium Auftraggeber Forum Stadtpark Graz, Referat „Aktuelles“ Projekttypus Kunstausstellung Ökologie

Nur Armut hat Zukunft Auf Einladung des österreichischen Finanzministeriums organisierte das Forum Stadtpark, dem Eilfried Huth damals im Referat „Aktuelles“ angehörte, 1977 die Ausstellung Konfrontationen 77 im Winterpalais von Prinz Eugen in Wien. Huths Beitrag mit dem provokanten Titel Nur Armut hat Zukunft plädierte für einen bescheidenen Umgang mit Ressourcen und bewusste Zurücknahme zur Sicherung einer lebenswerten Zukunft – ein Grundsatz, der Huth für seine Tätigkeit als Architekt stets sehr wichtig war. 49


Nur Armut hat Zukunft* Der 1972 vom Club of Rome veröffentlichte Bericht Die Grenzen des Wachstums wie auch die darauf folgenden Ölkrisen von 1973 und 1979 lösten ein Umdenken in Bezug auf den weltweiten Ressourcenverbrauch aus. Erhöhte Energieeffizienz, Einschränkung des Konsums, nachhaltige Entwicklung, ein Denken in Energiekreisläufen, Schutz von Ökosystemen und „qualitatives Wachstum“ sollten ein ökologisches und wirtschaftliches Gleichgewicht herstellen helfen. Material- und Energieersparnis zusammen zu denken, ist ein Anliegen, das Konrad Frey seit den 1960er-Jahren konsequent verfolgt. Das Erscheinungsbild der Bauten ergibt sich aus der angestrebten Nutzung sowie kon­ struktiven, ökonomischen und ökologischen Erwägungen. Beim Cardboard House (1973) suchten Konrad Frey und Florian Beigel nach einem preiswerten Werkstoff, ein Interesse, das sich auch im Low Budget Loft House (2013) von Frey in den standardisierten Baumarktelementen widerspiegelt. Ähnliche Erwägungen, maximale Wohnqualität zu schaffen, eine Reduktion der Kosten durch intelligente Planung, Arbeiten mit vorgefertigten Elementen, finden sich auch bei Eilfried Huth, ergänzt durch Miteinbeziehung von Eigenleistungen der Bewohner/innen, um die Baukosten möglichst niedrig zu halten. Sein ökonomisches Interesse setzt bereits vor dem eigentlichen Baubeginn an: Die zukünftigen Eigentümer/innen schlossen sich zu einer Interessengemeinschaft mit gewähltem Bauausschuss zur Selbstverwaltung zusammen (Eschensiedlung Deutschlandsberg, 1972–1992; Wohnmodell Gerlitzgründe, 1976–1984) und bestimmten selbst über die finanziellen Mittel. Huths Beitrag Nur Armut hat Zukunft für die Ausstellung Konfrontationen 77 machte bewusst, dass „Raum und Energie Grenzen Ökonomie

der Fülle und der Verfügbarkeit haben“. Er plädierte für die „Definierung einer aktiven Armut, einer Armut mit dem Anspruch auf ästhetische Qualität, auf Erschließung der Erkenntnis aus der sinnlichen Wahrnehmung“. „Kostengünstiges Bauen“ war auch eine der grundsätzlichen Forderungen, die dem Wohnungsbau im Rahmen des „Modells Steiermark“ zugrunde lag. Volker Giencke (Wohnbau Carl-Spitzweg-Gasse, 1984–1997), Bernhard Hafner (Rettenbachersiedlung, 1986–88), Manfred Wolff-Plottegg (Wohnbebauung Heidenreichstraße, Seiersberg, 1987–88) und andere suchten wie Eilfried Huth Wirtschaftlichkeit, Bau- und Wohnqualität sowie individuelle Vorstellungen und Ansprüche der Bewohner/innen zu verbinden, indem sie auf eine durchdachte Planung, eine einfache Materialsprache, eine Ökonomie der Mittel und standardisierte Elemente setzten. Die Kosten sollten nicht um jeden Preis gesenkt werden, sondern es sollte ein „Mehr“ an Lebensqualität erreicht werden. Dies kollidierte mitunter auch mit starren Vergabebedingungen des „Modells Steier­mark“. * Titel eines Beitrags von Eilfried Huth für die Ausstellung Konfrontationen 77 im Winterpalais von Prinz Eugen in Wien.

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Projektname Gewächshäuser Botanischer Garten der Universität Graz Architektur Volker Giencke Mitarbeit Heribert Altenbacher, Nives Anicic, Alfred Bramberger, Davide Ferrero, Susi Fritzer, Herwig Kleinhapl, Ulrike Märzendorfer, Helene Le Merdy, Eeva Pelkonen, Robert Vucic; Ove Arup & Partners, Graber – Szyszkowitz (Tragwerksplanung) Zeitraum 1982–1995 Status realisiert Standort/Ort Schubertstraße, Graz Auftraggeber/Bauträger Republik Österreich Projekttypus Forschungsgebäude Wer behauptet, „außerirdische“ Architektur sei erst mit dem Kunsthaus in Graz eingezogen, der kennt die Gewächshäuser von Volker Giencke nicht* Die Anlage besteht aus drei parabolisch gebogenen Glasdächern, die zueinander versetzt angeordnet sind und sich optisch durchdringen. Sie beherbergen Warm-, Kaltund Temperierthaus des Botanischen Gartens der Universität Graz. Ein weiterer, prismatischer Glasbaukörper mit einem schräg Ökonomie

abfallenden Dach wurde für die Forschung und Anzucht bestimmt. Die Neigung der Glashäuser ist in Abhängigkeit zur Pflanzengröße konzipiert – das heißt, formale Entscheidungen haben neben der ästhetischen auch wesentlich funktionale Bedeutung. Aus Gründen der Bauökonomie wird bei allen drei Häusern – mit Ausnahme einer Fragmentierung entlang der Straße – der gleiche Bogen als Element verwendet. Die Glaskörper sind durch Stege und Brücken miteinander verbunden. Die leichte Tragkonstruktion aus Aluminium erlaubt maximalen Lichteinfall und ist mit Rohren ausgestattet, die als Warmwasserheizung dienen. Ein Düsensystem erzeugt mikroskopisch feinen Nebel zur Senkung der Temperatur. Die Lüftung wird über Klappen im Sockelbereich bzw. über zu öffnende Glaselemente im Scheitelbereich der Glashäuser gesteuert. Der architektonische Ausdruck wird wesentlich durch den Einsatz gebogener, doppelschaliger Acrylglaselemente bestimmt, die in das Gerüst der tragenden Konstruktion eingespannt sind. * www.freizeitinfo.at, 04.09.2017.

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Projektname Wellpappehaus Autor Konrad Frey Mitarbeit Florian Beigel – BPR Building Planning & Resources Zeitraum 1973 Status nicht realisiert Standort/Ort Auftraggeber/Bauträger Hamburger GmbH, Pitten Projekttypus Einfamilienhaus Alpine Papierarchitektur* Im Auftrag der Papierhersteller Hamburger in Pitten beschäftigten sich Konrad Frey und Florian Beigel 1973 mit der Suche nach neuen Anwendungsmöglichkeiten für Wellpappe, ein hochintelligentes Material mit erstaunlich großer Tragfähigkeit. Mit der Idee, Wellpappetafeln nach deren eigenem Wirkungsprinzip zu tragenden Bauelementen zu formen und mit üblichen Dachlatten zu verstärken, können tatsächlich Häuser auch in schneereichen Gegenden gebaut werden. Aus 60-m2-Raumeinheiten mit Längs- und Quergiebeldach lassen sich auch größere Bauten zusammenstellen. Die Pappekonstruktion muss niederschlagsdicht verkleidet werden. Damit lässt sich das Aussehen je nach Geschmack wählen. Das Projekt wurde bis zur Herstellungsreife geführt, scheiterte aber letztendlich an hohen Herstellungskosten und an der Eigenschaft der Wellpappe, sich unter Einfluss von Luftfeuchtigkeit dauerhaft zu verformen und die Festigkeit zu verlieren. * Kurzform des Textes, der im Rahmen des FWF-geförderten Forschungsprojekts „Die Solarhäuser von Konrad Frey – Umweltforschung und solares Wissen im Entwurf“ der TU Graz erarbeitet wurde (www.konradfrey.tugraz.at).

Ökonomie

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Projektname Low Budget Loft Haus Autor Konrad Frey Mitarbeit Zeitraum ab 2005 Status realisiert Standort/Ort Hart bei Graz Auftraggeber/Bauträger Projekttypus Energiesparhaus, Fertigteilhaus (Prototyp) Ein Prototyp: Das individuelle Baumarkthaus 2013 begann Konrad Frey mit einem neuen Projekt: einem Prototyp für eine Art „Volkshaus“ aus dem Katalog, das er gegenwärtig mit seiner Frau testet. Das Objekt ist komplett aus gängigen Elementen aus dem Baumarkt errichtet. Ausgehend von der Überlegung, dass Bauen insgesamt immer teurer wird, aber Baustoffe bei doch häufig bester Qualität günstig zu kaufen sind, sollte ein Prototyp entstehen, der später als Fertigteilhaus auch anderen zur Verfügung stehen kann. Freys Frage lautete: „Kann man mit einfachen, gar banalen Elementen ein zur Lebendigkeit anregendes Haus bauen?“* Der Titel des Hauses ist insofern programmatisch: Low Budget Loft House heißt niedrige Kosten mit Loftatmosphäre als Hauptqualität. Mit anderen Worten: Es soll bei Ökonomie

niedrigen Kosten eine gewisse Großzügigkeit an Raum geboten werden. Unter einem Satteldach – für Frey nach wie vor eine der ökonomischsten, aber auch großzügigsten Lösungen, um eine größere Spannweite zu überbrücken – bietet es eine Vielfalt an Nutzungsmöglichkeiten. Auf verschiedenen Raumhöhen sind gemeinschaftlicher Wohn- und Küchenraum, Arbeitsräume und Rückzugszimmer für Bewohner/in und Gäste angelegt. Die Zimmer in Form von Boxen, die auch akustisch entsprechend aufgewertet sind, bieten jene Privatheit, die für die Qualität des Wohnens und des Miteinanders entscheidend ist. Sie haben direkte Ein- und Ausgänge ins Freie und können auch von Gästen genutzt werden, ohne sich gegenseitig zu stören. Innen und Außen verzahnen sich durch Ausblicke und Öffnungen. Das von der Nutzung her gedachte funktio­nale Haus ist ökonomisch und energieeffizient. Zum Grundtypus von 120 m2 gibt es „Apps“, mögliche Zubauten, die das Basismodell erweitern. Bislang wurden etwa eine Ausbuchtung für einen Windfang, ein Vordach und zusätzliche Raumwünsche wie Lager, Garage und ein Wintergarten realisiert. * Interview von Barbara Steiner mit Konrad Frey, 29.04.2017.

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Projektname Sundome – Schalentragwerk für Hallen Autor Konrad Frey Mitarbeit Florian Beigel – BPR Building Planning & Resources, Anthony Hunt Associates (Statik) Zeitraum 1970–1971 Status nicht realisiert Standort/Ort Auftraggeber/Bauträger Projekttypus Glashaus Ökonomie

Innenraum mit Zippverschluss* Sundome wurde von Konrad Frey zusammen mit Florian Beigel im gemeinsam geführten Büro BPR Building Planning & Resources und dem Statiker Anthony Hunt Associates entworfen. Ziel war, eine kostengünstige Umhausung aus einer dreidimensional geformten, dünnen Konstruktion aus transparenten Schalenelementen zu bauen. Dieses System sollte nicht nur raumumschließend, sondern auch selbsttragend und beliebig erweiterbar sein. Frey, Beigel und Hunt entwickelten eine Serie konstruktiv geometrischer Formen, die schließlich zu einem System für Hallenbauten aus sphärischen und doppelt gekrümmten Schalenelementen geführt hat. Neben einer gleichmäßigen Spannungsverteilung und der Minimierung von Biegevorgängen waren auch der geringe Materialaufwand sowie die niedrigen Herstellungskosten wesentliche Faktoren für die Formfindung. Der konstruktiven Verbindung der einzelnen Teile dienen Schnappverschlüsse für die Übertragung der Zugkräfte sowie massive Gummidichtungsprofile aus Neopren, die wie ein Reißverschluss funktionieren. Um auch Öffnungen in der Umhausung zu schaffen, sind einzelne Schalenelemente als Rahmen ausgebildet, zur Aufnahme von Durchgangsund/oder Lüftungselementen. Mit der Hand gefertigte Collagen zeigen einige Einsatzmöglichkeiten des Systems für temporäre oder permanente Hallen. Der Schriftzug „Pathfinders in Urethanes“ bezieht sich auf den Fördergeber, die Chemie-Firma Bader, die das Projekt unterstützte, um die Leichtbaukonstruktion gegebenenfalls auf den Markt zu bringen. * Kurzform des Textes, der im Rahmen des FWF-geförderten Forschungsprojekts „Die Solarhäuser von Konrad Frey – Umweltforschung und solares Wissen im Entwurf“ der TU Graz erarbeitet wurde (www.konradfrey.tugraz.at).

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Projektname Schulschwestern, Mehrzwecksaal Autoren Günther Domenig, Eilfried Huth Mitarbeit Heribert Altenbacher, Volker Giencke Zeitraum 1972–1977 Status realisiert Standort/Ort Graz-Eggenberg Auftraggeber/Bauträger Schulschwestern Graz Bauaufgabe/Typus Mehrzwecksaal, Speisesaal Dann machen wir halt einen Gupf! Im Zuge des Umbaus des Klosters der Schulschwestern in Graz-Eggenberg sollte im Hof eine Mehrzweckhalle – Mensa, Veranstaltungs- und Versammlungsort gleichermaßen – errichtet werden. Ausgehend von statischen Überlegungen wurde eine Tragkonstruktion mit Lüftung und Heizung entwickelt, die letztendlich auch das Erscheinungsbild bestimmte. Mit anderen Worten: Die Formfindung ergab sich aus der örtlichen Situation. „Dann machen wir halt einen Gupf“,* war das Resultat eines ersten Gesprächs vor Ökonomie

Ort mit Günther Domenig sowie den statischen Berechnungen, dargestellt vom Büro Thaler. Aufgrund des begrenzten Budgets suchten die Architekten nach wirtschaftlichen Lösungen, um die Konstruktion umsetzen zu können: Im Spritzgussverfahren, das damals erstmals in Österreich Verwendung fand, wurde Beton direkt auf ein Stahlgitternetz gespritzt; den Abschluss bildete eine Schicht Wärmeputz und eine dünne PVC-Schicht, die sich den Kurven der Überdachung anpasste. Der organisch geformte Baukörper kontrastiert mit dem orthogonal angelegten Klosterkomplex. Als der Thermoputz abzublättern begann, wurde die ursprünglich weiße Haut 1980 mit Zinkblech verkleidet. Immer noch unverändert ist bis heute der Saal, der bis hin zu den Möbeln von Alvar Aalto in seinem Originalzustand erhalten geblieben ist. Geplant wurde dieser von Volker Giencke, der zu jener Zeit als Mitarbeiter im Büro Domenig und Huth mit der örtlichen Bauleitung beauftragt war. * Interview von Barbara Steiner mit Eilfried Huth, 21.03.2017. 55


Sich beteiligen, teilnehmen, teilhaben, selbstbestimmen und mitentscheiden* Die Eschensiedlung von Eilfried Huth war Grundlage eines Wohnbauforschungsauftrags mit dem Titel „Beteiligung, Mitbestimmung im Wohnbau“ durch das Bundesministerium für Bauten und Technik. Dessen Anspruch war, „mit demselben finanziellen Aufwand, wie ihn andere Wohnbauträger auch zur Verfügung haben, bessere Wohnungen mit besserer Nutzung der unmittelbaren Umwelt zu bauen“. Als Schlüssel dazu wurde Partizipation angesehen, was Huth als Sammelbegriff dafür versteht, dass die angehenden Nutzer/innen „sich beteiligen, teilnehmen, teilhaben, selbstbestimmen und mitentscheiden.“ Über halbstandardisierte Interviews, Gespräche, die Arbeit am Modell und Zeichnungen näherten sich Architekt, Interessengemeinschaft und „Häuslbauer“ einander an. Der Architekt nahm dabei die Rolle des Beraters, Organisators, Koordinators, Impulsgebers und Partners in Gestaltungsfragen ein, mit der eigenen Handschrift hielt er sich jedoch zurück.

ein Thema. Huth suchte bei der Sparkasse Deutschlandsberg mit den Handwerkern, aufbauend auf ihrer praktischen Erfahrung, nach konstruktiv-durchdachten und kostengünstigen Möglichkeiten, das Sparkassengebäude zu erweitern. Es ist eine Begegnung auf Augenhöhe, die verschiedene Formen der Expertise von Architekt und Handwerker in einem wechselseitigen Prozess verschiebt. Domenig sah sich bei der Zentralsparkasse Favoriten (1974–1979) selbst als „Formulierer und Spezialisten für die Form und künstlerische Aussage“ und den Handwerker als „Spezialisten der Ausführung.“** Huth überließ es hingegen den Handwerkern, auch formale Entscheidungen zu treffen, die sich aus dem Produktionsprozess ableiten. * Eilfried Huth, Doris Pollet, Beteiligung, Mitbestimmung im Wohnbau, Wohnmodell Deutschlandsberg Eschensiedlung, Arbeitsbericht 1972–76. ** Günther Domenig, Der Architekt des Hauses, 1989.

Die Übersetzung der Wünsche der künftigen Bewohner/innen in eine Handschrift findet sich bei Szyszkowitz’ + Kowalskis Wohnanlage Alte Poststraße. Ihr Mitbestimmungsmodell strebte an, verschiedenste individuelle Wohnvorstellungen über eine architektonische Sprache auszubalancieren und dadurch auf eine übergeordnete, einzelne Wünsche und Ideen überschreitende, verbindende Ebene zu bringen. Hier nehmen die Architekten die Rolle eines Moderators, Übersetzers und Transformers ein. Die Beteiligung der ausführenden Handwerker an Produktionsprozessen und Mitbestimmung in der Ausführung sind sowohl bei Eilfried Huth als auch bei Günther Domenig Partizipation

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Projektname Eschensiedlung Deutschlandsberg Autor Eilfried Huth Mitarbeit Heribert Altenbacher, Iradj Hashemizadeh, Heinz Lang, Peter Szammer, Doris Pollet Zeitraum 1972–1992 Status realisiert Standort/Ort Deutschlandsberg Auftraggeber/Bauträger Interessengemeinschaft der Nutzer/innen Projekttypus Reihenhaussiedlung, Mitbestimmung und Beteiligung (100 Einfamilien-Reihenhäuser mit 104 bis 150 m² Nutzfläche) Mitbestimmung und Beteiligung I Mit dem Beginn der Arbeit an der Eschensiedlung endete die Zusammenarbeit zwischen Huth und Domenig, die nunmehr unterschiedliche Wege in der Architektur gingen. Für Eilfried Huth begann 1972 eine „Experimentierphase“, die rund 20 Jahre andauern sollte und in der er 13 Partizipation

Beteiligungswohnprojekte realisierte. Das „Wohnmodell Deutschlandsberg“ sollte sich einerseits von dem damals üblichen Siedlungsbau unterscheiden. Andererseits war es Ziel, eine Akzeptanz für den verdichteten Wohnbau auch unter einkommensschwachen Schichten und „Häuslbauern“ zu erreichen. Eigenleistungen, Nachbarschaftshilfe, Selbstorganisation und nicht zuletzt der politische Rückhalt durch Bürgermeist­er Klauser machten für viele den Traum vom eigenen Haus unter kostengünstigen Bedingungen möglich. Die zukünftigen Eigentümer/innen, die sich zu einer Interessengemeinschaft zusammenschlossen, wurden von Anfang an in den Planungs- und Umsetzungsprozess miteinbezogen, betreut von Eilfried Huth und seinem Team. Der Sachverstand des Architekten/der Architektengruppe und der Nutzer/innen sollten sich treffen. Die Siedlung Deutschlandsberg wurde in insgesamt sechs Bauabschnitten entwickelt und jeweils über einen Bauausschuss und Obmann organisiert, die auch über die finanziellen Mittel zu bestimmen hatten. Nach den ersten drei Abschnitten bildete sich ein Verein. Diesem oblag die Verwaltung der Gemeinschaftsflächen und die Nachnutzung der sogenannten „Bauhütt­e“, im Prinzip ein Kommunikationszentrum und Treffpunkt für die Bewohner/ innen. Der gestalterische Fingerabdruck des Architekten trat dabei gegenüber persönlichen Bedürfnissen der Bewohner/innen und ökonomischen Notwendigkeiten in den Hintergrund, die Vorgaben waren auf wenige verbindliche, konstruktive Festlegungen beschränkt. So variieren die Häuser im Detail und bilden nichtsdestotrotz in ihrer Gesamtheit eine Siedlung, die sich gegen Schemata im Wohnbau zur Wehr setzt. Die Eschensiedlung war Grundlage für einen Wohnbauforschungsauftrag „Beteiligung, Mitbestimmung im Wohnbau“ durch das Bundesministerium für Bauten und Technik. 57


Julia Gaisbacher Mein Traumhaus ist kein Haus* Die Fotografin und Künstlerin Julia Gaisbache­r erkundet in ihren Arbeiten das Spannungsfeld zwischen sozialen Konven­ tionen im öffentlichen Raum, Architektur und individueller Repräsentation. Dabei überschreitet sie oft die Grenzen der Fotografie und bedient sich intermedialer künstlerischer Strategien. Für die Ausstellung Graz Architektur setzte sich Julia Gaisbacher mit dem Wohnbauprojekt Eschensiedlung in Deutschlandsberg auseinander, mit dem Eilfried Huth Anfang der 1970er-Jahre eine Vorreiterrolle bei Mitbestimmungsprojekten im sozialen Wohnbau einnahm.

Zusammen mit Dokumentations- und Archivmaterialien und dem Arbeitsmodell, das vor mehr als 40 Jahren im Einsatz war, zeigt Gaisbacher ihre Fotografien in Form von Dias und knüpft damit an eine Präsentationsweise an, die auch Huth eingesetzt hatte. Nichtsdestotrotz ist die Perspektive, die die Künstlerin einnimmt und aus der heraus sie die Eschensiedlung betrachtet, eine heutige. Was ist von den Ideen der Bürgerbeteiligung der späten 1960er-Jahre übrig geblieben? Inwieweit machte die aktive Teilnahme an Planung und Bau einen Unterschied im Erscheinungsbild der Häuser? Wie auch immer man diese Fragen beantworten mag, sie alle führen zu einer Ahnung, die Julia Gaisbachers Arbeit evoziert: Gemeinsames Gestalten ist möglich.

Nach intensiver Recherche und Gesprächen mit Huth, Doris Pollet-Kammerlander (die das Projekt als Soziologin begleitete) und ehemaligen oder derzeitigen Bewohnerinnen und Bewohnern der Wohnanlage entstand eine Reihe von fotografischen Innen- und Außenraumaufnahmen.

* Eilfried Huth, 2017

Huths Idee, die hierarchische Beziehung von Architekt und Bewohner/in aufzuheben, verfolgte er durch Planungsgespräche und Übungen zur Raumvorstellung, für die er unter anderem ein einfaches Steckmodell konstruierte. Auf diese Weise versuchte der Architekt, verschiedene Vorkenntnisse im Hausbau auf ein ähnliches Niveau zu bringen, um den zukünftigen Nutzerinnen und Nutzern eine aktive und gemeinsame Planung der Siedlung zu ermöglichen. Huths Vorstellung von Schönheit war eng mit einem persönlichen Bezug und einer dadurch entstehenden Identifikation mit Objekten verbunden. Das kann auf die Bewohner/ innen und ihr Eigenheim übertragen werden.

Geboren 1983 in Grambach bei Graz (AT), lebt in Wien (AT) Ausstellungen und Projekte (Auswahl): Wer bist du? Porträts aus 200 Jahren, Neue Galerie Graz, Graz (2017); Vis á Vis, Bautzner 69, Dresden (2016); Die Kunst der Frau – Freundinnen und Komplizinnen, Vereinigung Bildender Künstlerinnen Österreichs (2016); Hast du von Bergen geträumt?, Tschechisches Zentrum, Prag und Berlin (2014); Zi 121−136, Fotogalerie Rathaus Graz (solo, 2014); Schools of Art, Holden Gallery, Manchester (2013); Die Kommunikative Situation des Hin und Her mit einem Flugobjekt, Westwerk, Hamburg (2011). 58


Eilfried Huth mit Bewohnerin der Eschensiedlung im Planungsgespräch, 1974

Eilfried Huth im Gespräch mit Julia Gaisbacher, 2017


Projektname Wohnmodell Gerlitzgründe, Wohnbau Graz-Puntigam Autor Eilfried Huth Mitarbeit Irmfried Windbichler; Günther Karasek, Werner Hochapfel (Obmänner Verein Bewohner/innen) Zeitraum 1976–1984 Status realisiert Standort/Ort Am Leopoldsgrund, Gradnerstraße, Graz-Puntigam Auftraggeber/Bauträger Interessengemeinschaft der Nutzer, vertreten durch GWS und Neue Heimat im Auftrag der Stadt Graz Projekttypus Reihenhaussiedlung (66 Einfamilien-Reihenhäuser) Mitbestimmung und Beteiligung II Nur kurze Zeit nach dem Beginn an den Arbeiten in der Eschensiedlung Deutschlandsberg fiel das Prinzip der Mitbestimmung und Beteiligung auch in der Stadt Graz, initiiert von den Stadträten Erich Edegger und Heinz Pammer, auf fruchtbaren Boden. Das Wohnmodell Gerlitzgründe war der Versuch, zukünftigen Eigentümerinnen und Eigentümern Mitsprache zu gewähren, anstatt Mindestnormwohnungen für sozial und wirtschaftlich schlecht gestellte Jung­familien bereitzustellen, den sogenannten „PunktePartizipation

fällen“, bei denen nach einem Punktesystem der Grad der Bedürftigkeit festgestellt wurde. Nach der Auswahl von Jungfamilien und deren Beratung wurde eine Interessengemeinschaft mit gewähltem Bauausschuss zur Selbstverwaltung gebildet. Huths Arbeit setzte bereits weit vor der üblichen Bauplanung an – er befasste sich mit den gesellschaftspolitischen Voraussetzungen des Bauens und regte im Fall des Wohnmodells Gerlitzgründe die notwendige Beauftragung einer ÖVP- und einer SPÖ-nahen Genossenschaft an, um das Projekt politisch zu verankern und umsetzen zu können. In Einzelgesprächen wurde die räumliche Organisation der Wohnabschnitte entwickelt; in einem aufwendigen gruppendynamischen Prozess wurden bei wöchentlich stattfindenden Treffen gemeinschaftliche Entscheidungen erarbeitet, aber auch Nachbarschaftsanliegen und Einsprüche diskutiert. Die künftigen Bewohner/innen legten selbst Hand an, ausgehend von der ökonomischen Einsicht, dass Selberbauen preiswerter ist als der Einsatz von Fertigteilen. Die Entscheidungen für die Farbgestaltung der Häuser wurden ebenfalls individuell gefällt: Die Architektengruppe zog mit Staffelei und Plänen von Haus zu Haus und die Bewohner/innen durften aus dem im Handel erhältlichen Farbsortiment direkt auswählen. Der hohe Identifikationsgrad, das Entstehen von Gemeinschaftlichkeit und die Wohnzufriedenheit, die diesem jahrelangen Prozess zugrunde liegen, zeigen sich nicht zuletzt in der Herzlichkeit, die dem Architekten noch heute von den Bewohnerinnen und Bewohnern der Siedlung entgegengebracht wird. Aus den Beteiligungsprojekten heraus ist auch das „Baugruppenprojekt Thal“ entstanden. In diesem Fall schlossen sich Bauinteressierte zu einer Gruppe zusammen, suchten Grundstück und Architekt und setzten das Vorhaben im Austausch miteinander und dem Architekten um. 60


Projektname Wohnanlage Alte Poststraße Autor/in Szyszkowitz + Kowalski Mitarbeit Werner Wratschko, Ernst Gieselbrecht, Manfred Partl, Florian Riegler, Adolf Schmölzer, Gerhard Schweizer (Farbberater); Roland Baumkirchner (Tragwerksplanung) Zeitraum 1981–1984 Status realisiert Standort/Ort Alte Poststraße/ Dreierschützengasse, Graz-Eggenberg Auftraggeber/Bauträger Modell Steiermark, Rottenmanner Siedlungsgenossenschaft, 43 Wohnungswerber Projekttypus Wohnsiedlung (43 Wohnungen, 1 Trafik, 1 Tiefgarage) Von der „Kleinweltlichkeit“ des Wohnens und der „Großweltlichkeit“ der Stadt Bei dieser 43 Wohneinheiten umfassenden Anlage handelt es sich um das erste realisierte Wohnbauprojekt von Szyszkowitz + Kowalsk­i im Mitbestimmungsmodell. Ausgangspunkt ihres Entwurfs war es, formulierte Übergangszonen zwischen dem Partizipation

öffentlich-städtischen Leben, dem halb­ öffentlichen Bereich des nachbarschaft­ lichen Austausches und dem Privatraum zu schaffen. Überzeugt davon, dass es eine Wechselbeziehung der Bewohner/innen untereinander, aber auch zu deren Umwelt braucht, wurden räumliche Verbindungen innerhalb des Gebäudekomplexes auch nach außen erzeugt. Treppen, Zugangswege, Hof und Gemeinschaftsräume nehmen dabei eine bedeutende Rolle ein und wurden mit entsprechender Aufmerksamkeit gestaltet. Über die Architektur selbst wird ein Miteinander-in-Beziehung-Treten angeregt. Darüber hinaus wurde den individuellen Wünschen der Bewohner/innen Rechnung getragen, individuelle und gesellschaftsbezogene Anliegen wurden ausbalanciert. In einem längeren Vorplanungsprozess sammelten die Architekten Wünsche der zukünftigen Bewohner/innen und übersetzten diese in eine verbindende architektonische Sprache, um dem Ensemble einen gemeinschaftlichen und gleichzeitig individuellen Ausdruck zu verleihen. 61


Oliver Hangl Der Konzept- und Medienkünstler Oliver Hangl bewegt sich in performativen Diszi­ plinen und medialen Räumen ebenso wie in den klassischen Ausstellungsräumen der bildenden Kunst. Seine Arbeiten markieren eine konsequente Auseinandersetzung zwischen Mensch und Raum. Wenn Hangl in realen und fiktionalen Räumen (inter)agiert, gilt sein Fokus der spielerischen, teils prozesshaften Erforschung von Wahrnehmungsmechanismen, für die er meist (halb-) öffentliche Settings inszeniert. Oliver Hangls Beitrag für die Ausstellung Graz Architektur basiert auf seiner Arbeit Showtime, die im Jahr 2010 auf Einladung des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark anlässlich des Projekts Schönes Wohnen entstand und sich mit dem partizipatorisch geplanten Wohnbauprojekt Alte Poststraße von Szyszkowitz + Kowalski auseinandersetzte. Dabei interessierte Hangl vor allem die Überprüfung der architektonischen Ziele, eine Situation herzustellen, die eine intensive Verzahnung zwischen öffent­ lichem und privatem Bereich durch ein aktives Gemeinschaftsleben fördert. So lud der Künstler an einem Herbstnachmittag alle damaligen und aktuellen Bewohner/innen der Siedlung zu einem Fest ein und schuf dafür eine Bühne, um über die verschiedensten Aspekte des aktuellen, vergangenen und zukünftigen Lebens in der Siedlung zu diskutieren. Eine Vielzahl an Mikrofonen nahm die Gespräche und (von Hangl initiierte) Gesänge auf und übertrug das Festgeschehen über Radio live vom Randbezirk in das touristische Zentrum der Stadt, den Vorplatz des Grazer Uhrturms. Sieben Jahre nach diesem Projekt und mehr als 30 Jahre nach Erstbezug der Wohn­ anlage fungiert Oliver Hangl nun wieder als Katalysator der Siedlungskommunikation.

In teils neu produzierten Tonaufnahmen, die in Gesprächen mit aktuellen und damaligen Bewohnerinnen und Bewohnern entstanden, erzeugt er in der Ausstellung ein akustisches Porträt, das Entwicklungen dieser räumlich-gesellschaftlichen Vision und veränderte Ansprüche im Siedlungsleben hörbar macht, und setzt dieses mit einem „Konversationsmodell“ der Alten Poststraße in Beziehung. Dank an:

Geboren 1968 in Grieskirchen (AT), lebt in Wien (AT) Ausstellungen und Projekte (Auswahl): On Dizziness, Centre for Contemporary Art/Ujazdowski Castle, Warszawa (2017); URBAN ERASMUS TRAIL, Historisches Museum, Basel (solo, 2016); Zürich Guerillawalk I+II, Haus Konstruktiv, Zürich (Performance, solo, 2016); Vienna Biennale, Angewandte Innovation Lab, Wien (2015); Departure Austria, Kulturhauptstadt Pilsen (2015); Kino im Kopf spezial: Die unglaubliche Entführung der Frau Elfriede Ott, KiÖR Steiermark, Graz (solo, 2014); Citopia Now, urb4nize-Festival, Wien (2013); Kino im Kopf spezial: Der Knochenmann, REGIONALE XII, Murau (2012); twotiming, museumORTH/ publicart NÖ (solo, 2012). 62


„Konversationsmodell Alte Poststraße“, angefertigt von Bewohnerinnen und Bewohnern live während Showtime, 2010


Projektname Wohnanlage BIG Autor Eilfried Huth Mitarbeit Heribert Altenbacher, Armin Royer Zeitraum 1977–1982 Status realisiert Standort/Ort Deutschlandsberg Auftraggeber/Bauträger Stadtgemeinde Deutschlandsberg Projekttypus Geschossbau, Mitbestimmung und Beteiligung Partizipation

Mitbestimmung im Geschossbau BIG steht für „Beteiligung im Geschossbau“. Das Konzept besteht aus einer flexiblen Primärstruktur in der Planungsphase. Jede Geschossebene hat drei winkelförmige Grundrissangebote mit je zwei Installationsfixpunkten und einer gemeinsamen Erschließung in Nordlage. Zwei Wohnungsgrößen zwischen 45 und 105 m² und im Sonderfall einer zweigeschossigen Nutzung bis zu 150 m² wurden angeboten, wobei sich die Wohnungsgrößen mit steigender Geschosszahl verkleinerten. Theoretisch war ein Minimal- und ein Maximal-Volumen möglich. Das tatsächliche Volumen ergab sich aus der Nachfrage und der Wohnungsversorgung durch die Stadtgemeinde Deutschlandsberg. Im zweiten Bauabschnitt wurden neben der Mitbestimmung bei den Grundrissen auch die Außenfarben pro Wohneinheit der Nutzerentscheidung überlassen. 64


Projektname Sparkasse Deutschlandsberg Autor Eilfried Huth Mitarbeit Heribert Altenbacher Zeitraum 1978–1979 Status realisiert (1995 Windfang abgetragen) Standort/Ort Deutschlandsberg Auftraggeber/Bauträger Sparkasse Projekttypus Umbau mit Windfang und Treppenhaus Partizipation

Arbeiterbeteiligung Auch für den Umbau der Sparkasse Deutschlandsberg wandte Eilfried Huth die Methode der Beteiligung für Planung und Ausführung an – in diesem Fall unter Einbeziehung der agierenden Handwerker. Im Wesentlichen ging es um eine Vergrößerung des Erdgeschosses, was durch eine Verlegung von Eingangsbereich und Treppenhaus nach außen erzielt wurde. Besonders das hofseitig gelegene Treppenhaus wurde konstruktiv und formal betont. Gemeinsam mit den Handwerkern fanden die Architekten eine Lösung, um die komplizierte Stahlbetonkonstruktion mit kostengünstigen Mitteln herzustellen. Dieses Beispiel dehnt Beteiligung und Mitbestimmung der Ausführenden auf die Produktionsprozesse aus. 65


Interpretierbar, anpassbar und erweiterbar Der Strukturalismus ist eine Strömung und Methode, die im 20. Jahrhundert an verschiedenen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten in der Linguistik, Anthropologie, Philosophie, bildenden Kunst und in der Architektur entwickelt und angewandt wurde, um Strukturen sowie Beziehungsgefüge zu untersuchen. In der Architektur basieren strukturelle Setzungen auf einer langlebig gedachten Rahmen- oder Megastruktur und temporären, veränderbaren, im Prinzip endlos erweiterbaren „plug-in“-Einheiten beziehungsweise -Füllungen. Sie zeichnen sich einerseits durch eine „Ästhetik der Anzahl“ aus, wie dies Aldo van Eyck 1959 formulierte.* Vergleichbar mit Zellgeweben handelt es sich um eine konfigurative Architektur, wie sie etwa Huth & Domenig auch für Floraskin entwickelt hatten. Anderseits findet sich unter der Bezeichnung Strukturalismus auch eine „Architektur der munteren Vielfalt“, wie es N. John Habraken 1961 ausdrückte.** Diese fördert mit ihren offenen Strukturen Partizipation, denn die Füllungen sind interpretier-, anpass- und erweiterbar; die Baugestalt ist nicht eindeutig vorbestimmt. Architektur wird dabei als Prozess mit offenem Ausgang begriffen, grundsätzlich mehrere Möglichkeiten beinhaltend und zeitlich unabgeschlossen.

Schichtenstadt, einer Megastruktur mit multifunktionaler Nutzung und Park, trennt er Langfristiges – eine Struktur mit langem Lebenszyklus – vom Kurzfristigen, den Einfüllungen, die gesellschaftlichen Entwicklungen und veränderten Vorstellungen folgen. Wie bei Huths und Domenigs Wohnanlage Zellflex und der Megastruktur Stadt Ragnitz finden sich zwei Dimensionen: eine soziale, weil verschiedene Nutzer/innen mitwirken – etwas annehmen, bevorzugen oder vermeiden – können, und eine zeitliche, weil immer neue Eingriffe möglich sind und Bestehendes ersetzen. Konrad Frey greift Jacob Berend Bakemas Idee des „wachsenden Hauses“ auf, das sich den Bedürfnissen seiner Bewohner/innen anpasst. * Aldo van Eyck, „Het verhaal van een andere gedachte“, in: Forum 7/1959, Amsterdam – Hilversum. ** N. John Habraken, Die Träger und die Menschen – Das Ende des Massenwohnungsbaus, Den Haag 2000.

Beispiele in der Ausstellung sind Bernhard Hafners Archegrams, seine theoretischen Überlegungen zu raumorganisatorischen Prinzipien, die auf eine Optimierung des Wohnraums und der Strukturierung öffentlichen Raumes abzielen, City in Space, ein multifunktionales Netzwerk diverser Infrastrukturen, und Linear City, die Modellsimulation einer urbanen, unterschiedlich konfigurierbaren Megastruktur. In der Struktur

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Projektname Archegramme/Archegrams Autor Bernhard Hafner Mitarbeit Zeitraum 1963 Status nicht realisiert Standort/Ort Auftraggeber/Bauträger Projekttypus Theoretische Überlegungen zu raumorganisatorischen Prinzipien Struktur

Theoretische Annahmen einer architektonisch-urbanen Entwicklung Archegramme sind Architekturdiagramme. Das heißt, sie beschreiben mit grafischen Mitteln Vorstellungen, wie man Baumasse im Raum verbinden könnte, sortiert nach Volumen, nach Gesichtspunkten von Besonnung, Luft, Orientierung und Erschließung. Das zugrunde liegende räumliche Organisationsprinzip zielt auf eine Optimierung des Wohnraums und der Strukturierung öffentlichen Raumes ab. Die Archegramme stellen die theoretischen Annahmen einer architektonisch-urbanen Entwicklung dar, an der Hafner seit 1962 arbeitet. 67


Projektname Raumstadt / City in Space Autor Bernhard Hafner Mitarbeit Zeitraum 1966 Status nicht realisiert Standort/Ort Auftraggeber/Bauträger Projekttypus Multifunktionales Netzwerk diverser Infrastrukturen Struktur

Menschliche Aktivitäten, Versorgungs­ einrichtungen und Informationen Raumstadt zeigt ein Netzwerk aus Verkehrs- und Kommunikationsinfrastrukturen, wobei alle Versorgungseinrichtungen in einem einzigen vertikalen Bündel zusammengefasst werden. Basierend auf den Überlegungen, die mit den Archegrammen entwickelt wurden, sitzen die Wohneinheiten in diesem dreidimensionalen Versorgungsnetz, das sich unendlich ausdehnen kann. Entlang einer vertikalen Achse befinden sich vielseitig nutzbare Räume, die sich durch ein veränderliches Erscheinungsbild auszeichnen. Längs verlaufende Tunnel sind für den Hochgeschwindigkeitsverkehr vorgesehen. Für Hafner besteht der urbane Raum wesentlich aus sich aufeinander beziehenden Bewegungsströmen, von menschlichen Aktivitäten, Versorgungseinrichtungen und Informationen. 68


Projektname Lineare Stadt / Linear City Autor Bernhard Hafner Mitarbeit Zeitraum 1966 Status nicht realisiert Standort/Ort Auftraggeber/Bauträger Projekttypus Modellsimulation einer urbanen Megastruktur (unterschiedlich konfigurierbar) Struktur

Bewegungsströme und Infrastrukturknoten Mit der Linearen Stadt entwickelt Hafner seine Überlegungen der Raumstadt in anderer Form. Wieder ausgehend von den Bewegungsströmen (Verkehrsnetzwerke, Energieversorgung, sowohl ober- als auch unterirdisch), sind auf jeder Seite entlang einer linearen urbanen Struktur Infrastrukturknoten angesiedelt, etwa für Bürotürme, Wohnanlagen und öffentliche Einrichtungen. Wohnmodule sind eingehängt, basierend auf den Überlegungen der Archegramme. Das Modell zeigt die mögliche Multiplizierung der Einheiten. 69


Projektname Schichtenstadt / Layered City Autor Bernhard Hafner Mitarbeit Susan Abramson, Conte, Michael Mekeel, Pamela Palmer Zeitraum 1974 Status nicht realisiert Standort/Ort Auftraggeber/Bauträger Projekttypus Multifunktional genützte Struktur Hartbild und Weichbild der Stadt 1974 entsteht die Schichtenstadt als Baustein städtebaulicher Architektur als Ergebnis eines zwei Semester dauernden Entwurfsstudios an der UCLA. Sie ist ein „Hartbild“ der Smart City und wendet die gewonnenen Erkenntnisse der Forschungen auf den Comparative Simulation Atlas of Alternative Urban Prototypes als „Weichbild“ der Stadt an. Als Struktur trennt die Schichtenstadt Langfristiges vom KurzStruktur

fristigen. Das Infrastrukturmodell bildet das langlebige Gerüst für den Ausbau, der sich im Laufe der Zeit angesichts neuer gesellschaftlicher Entwicklungen verändern kann. Struktur und Ausbau stehen in einem Wechselverhältnis: Bausteine unterschiedlicher Form und Funktion können in vielfältiger Weise verknüpft werden. Ein multifunktionaler Stadtteil mit Geschäften und Ateliers ist durch Fußgängerstraßen über einem Untergeschoss mit Parkplätzen und infrastrukturellem Service gegliedert. Er liegt an einem Park und bildet einen Sockel, dessen Dachflächen ein halb-öffentlicher Dachgarten sind, von dem aus brückenartig von Straße zu Straße spannende Tragsystem­e für Wohnungen erschlossen werden. Diese sind auch von den Straßen über Aufzüge und Notstiegen erreichbar. Das Zusammenlegen von Einzelparks führt zu einem Stadtpark mit ihn umgebenden, multifunktionalen Smart-City-Modulen. 70


Urbane Untersuchungen Computersimulationen alternativer Stadtprototypen / Comparative Simulation Atlas of Alternative Urban Prototypes (1967– 1970, seit 2007): The Really Smart City; Städtebaulicher Wettbewerb Wien-Süd (1968–1971)

Projektname Computersimulationen alternativer Stadtprototypen / Comparative Simulation Atlas of Alternative Urban Prototypes Autor Bernhard Hafner Mitarbeit Zeitraum 1967–1970, seit 2007 Status realisiert Standort/Ort Auftraggeber/Bauträger Projekttypus Forschungsprojekt an der University of California, Los Angeles (UCLA) Struktur

In einer Reihe von Untersuchungen befasst sich Hafner mit der Darstellung von städte­baulichen Interventionen und deren Auswirkung auf die Stadt. Die Stadt zeigt sich im „Hartbild“ durch Architekturen, Parks und Objekte der Infrastruktur und im „Weichbild“ als ihr sozioökonomischer Zustand, in dem sich Muster von Standorten, von Bevölkerungsverteilung und -patronat öffentlicher oder privater Einrichtungen, von Beschäftigten, Umsatz und Landverbrauch abzeichnen. Solche Daten können kartografiert werden und dienen der Simulation des Verhaltens von Stadtbewohnerinnen und -bewohnern sowie ihren Interaktionen mit diesen Einrichtungen. Sie sind oft nicht bewusst und auch nicht Thema der Stadtplanung. Hier wird der sozio-ökonomische Zustand des Prototyps eines Verteilungsmodells gezeigt (Dispersion Prototype), einer Stadtform ohne Zentrum. Sie ist ein durch Angebote und Bewohner/innenverhalten geprägtes, offenes, entropisches Gefüge, eine dezentralisierte Agglomeration mit Verdichtungen in einem sie verbindenden infrastrukturellen Netz. Gezeigt werden Muster von Standorten, Agglomerationen, Interaktionen und die Belastungen des Verkehrsnetzes der unteren Ebene in einer Maschenweite von 300 × 300 m. Auf der untersten Ebene sind alle räumlichen Einheiten (Zellen) untereinander direkt oder indirekt erreichbar.

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Projektname Zellflex Autoren Günther Domenig, Eilfried Huth Mitarbeit Manfred Brogyanyi, Armin Royer Zeitraum 1965 Status nicht realisiert Standort/Ort Zeltweg Auftraggeber/Bauträger Direktor Franz Gumbsch, Werk Zeltweg (Stahl- und Maschinenbau) Bauaufgabe /Typus Wohnbau Die Überwindung des freistehenden Einfamilienhauses In dem Bestreben, die Wohnform des freistehenden Einfamilienhauses zu überwinden und Siedlungen zu verdichten, legten Huth und Domenig bereits 1965 ein Konzept vor, das eine Wohnanlage in Zeltweg für die Mitarbeiter der dort ansässigen Maschinenfabrik beschrieb. Im Auftrag des damaligen Werksdirektors Gumbsch entwarfen die Architekten eine dorfähnliche Anordnung von wachsenden Reihenhäusern um einen zentralen autofreien SiedlungsStruktur

platz. Das dafür vorgesehene Grundstück war ursprünglich für acht Einfamilienhäuser reserviert; in einer Studie wiesen Huth und Domenig nach, dass 40 Wohneinheiten in Form von wachsenden Reihenhäusern untergebracht werden könnten. Neben den Bemühungen zur städtebaulichen Verdichtung beinhaltete Zellflex auch erste Versuche einer Nutzer/innen-Mitbestimmung. Nach der Erstellung einer Primärstruktur aus kostengünstigen Fertigteilen hätte jede Familie auf einem vorgegebenen Planraster die Grundrisse der jeweiligen Wohneinheit entwickeln können. Auch sollten sie über ihre Arbeitsplätze im Werk den Zugang zu Materialien und Schalungssystemen nutzen. Der Innenausbau wäre weitgehend durch Eigenleistung erbracht worden. Nachdem Direktor Gumsch durch einen neuen Werksdirektor abgelöst wurde, endete das Projekt als reiner Ideenentwurf. Diese Überlegungen führten 1965–66 zum Projekt Stadt Ragnit­z. 72


Projektname Stadt Ragnitz Autoren Günther Domenig, Eilfried Huth Mitarbeit Heribert Altenbacher, Manfred Brogyanyi, Helmut Kraitsy, Peter Potthast, Armin Royer, Hilmar Schönauer, Eckhart Schuster, Peter Stöffler, Peter Hellweger Zeitraum 1965–1966 Status nicht realisiert Standort/Ort Graz-Ragnitz, Grand Prix d’Urbanisme et d’Architecture, Cannes, 1969 Auftraggeber Direktor Fleischmann/GWS Bauaufgabe/Typus Realutopie eines vertikalorganisierten Stadtteils Individuelles Wohnen als aktive Tätigkeit in verdichteter Bebauungsform Der Auftrag für eine Bebauungsstudie im Ragnitztal führte Huth und Domenig 1966 zur Megastruktur Stadt Ragnitz. Doch die von ihnen vorgelegte Studie zu einem verdichteten Wohnen, das private und öffentliche Bereiche gleichermaßen umfassen sollte, wurde abgelehnt, die Architekten Struktur

honoriert und aus dem Auftrag entlassen. Eine Ausstellung, die 1967 gemeinsam mit der Werkgruppe Graz im Forum Stadtpark stattfand, war der Anlass, die Studie weiterzuentwickeln und als Modell zu visualisieren. Als „realutopisches Projekt“ bezeichnet Huth die Idee einer vertikal gestapelten Wohnsiedlung: ein technoides Traggerüst mit variablen Wohn­modulen, Raumzellen und Versorgungsschächten – eine „Zukunftsstadt“ für das Grazer Randviertel Ragnitz. Die Wohneinheiten waren nicht multipliziert gedacht, jeder sollte sie nach seinen Vorstellungen gestalten können. Auch wenn das Projekt nie realisiert wurde, erhielt es enorme Aufmerksamkeit: 1968 reichten Huth und Domeni­g die Unterlagen zu einem französischen Wettbewerb für Stadtbauvisionen ein. 1969 wurde das Wohnbauprojekt Ragnitz unter mehr als 800 Bewerbern mit neun anderen Arbeiten für eine Präsentation in Cannes ausgewählt und schließlich mit dem Grand Prix d’Urbanisme et d’Architecture ausgezeichnet. 73


Projektname Space House Autor Konrad Frey Mitarbeit Heidulf Gerngross, Bernd Capra Zeitraum 1966 Status nicht realisiert Standort/Ort Stadt Salzburg Auftraggeber/Bauträger Projekttypus Megastruktur Leben wie im Weltraum* Im Projekt Space House, das 1966 im Rahmen des von Jacob Berend Bakema geleiteten Städtebau-Seminars an der Salzburger Sommerakademie entstanden ist, entwirft Konrad Frey – nicht zuletzt angeregt von Yona Freedmans Parisprojekt und Bernhard Hafners City in Space – eine Überbauung der Salzburger Altstadt als räumliche Servicestruktur für die Aufnahme von Nutzungslasten, Verkehrsanbindung und technischer Versorgung an jeder Stelle. Das Konstrukt in Form einer selbstaussteifenden Tetraederstruktur erhebt sich auf Stützen in weiten Abständen und bildet eine eigenständige, gebaute Landschaft weit über dem Boden. Struktur

Städtische Organisation wird als offenes Infrastruktursystem gesehen, in dem sich Nutzer/innen mit Funktionsmodulen vom Baumarkt nach individuellem Bedürfnis und Geschmack einrichten können. Space House ist ein Beispiel für eine mögliche Ausbildung eines Netzwerkes aus Funktionsmodulen innerhalb einer Infrastruktur. Die Einheiten können an einen Zentralraum andocken, der „durch die topologische Aufblähung eines Knotens der Tetraederstruktur mit 18 Anschlußrichtungen“ als Negativraum zwischen den Modulen gebildet werden kann. Frey nimmt Bakemas Idee des wachsenden Hauses auf, das, von einem Kern ausgehend, nach den Bedürfnissen der Bewohner/innen individuell erweitert werden kann und sucht die Beschränkungen durch Geometrie und Konstruktion zu überwinden. * Kurzform des Textes, der im Rahmen des FWF-geförderten Forschungsprojekts „Die Solarhäuser von Konrad Frey – Umweltforschung und solares Wissen im Entwurf“ der TU Graz erarbeitet wurde (www.konradfrey.tugraz.at).

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Projektname Floraskin Autoren Günther Domenig, Eilfried Huth Mitarbeit Helmut Hafner, Hartmut Skerbisch, Michael Szyszkowitz, Gundi Trauna, Heinz Wondra Zeitraum 1971 Status nicht realisiert Standort/Ort Marokko, Atlantikküste Auftraggeber/Bauträger Touristikministerium Marokko, Weltbank Bauaufgabe/Typus Großhotelanlage, primäre Raumstruktur mit Ausbauelementen und Grünhülle Struktur

Eine grüne Außenhaut 1970 erhielt der deutsche Architekt Herman­n Grub den Auftrag, einen zirka 30 km langen Landstrich in der Gegend von Agadir an der Atlantikküste Marokkos für den Tourismus zu erschließen. Unter dem Titel „Actif au Maroc“ stellte er ein Team von Soziologen, Psychologen, Kulturmachern und Architekten zusammen, das sich dieser Aufgabe annahm. Floraskin ist ein Verdichtungsraum, der aus einer primären Tragkonstruktion mit Füllelementen und einer raumbildenden Klimahülle besteht. Die Konstruktion kann sich jeder landschaftlichen Beschaffenheit anpassen und lässt sich beliebig erweitern. Aus den Überlegungen zur Stadt Ragnitz heraus entwickelt, entwarfen Domenig und Huth eine Großhotelanlage aus seriell hergestellten Einzelteilen wie Knoten, Druckstab, Zug-Seil-Verspannungen und Anschlüssen für den Ausbau. Die Einzelteile sollten zu sternförmigen Grundeinheiten zusammengebaut werden und zusammengefügt das räumliche Tragwerk ergeben. Es war daran gedacht, in die Ausbauvolumina die Infrastruktur und die Hotelzimmercluster einzuschieben, die aus kunststoffverstärkten Raumzellen (Kokons) produziert werden sollten. Als Gründen des Klimaschutzes und zur Abschirmung der gesamten Hülle sollte die Außenhaut bewachsen sein – worauf der Name „Floraskin“ verweist. Die Umsetzung des gesamten Projekts „Actif au Maroc“ scheiterte an einem Umsturz der marokkanischen Regierung. Im Projekt medium total (1969/70) wurden Überlegungen von Floraskin auf eine utopische Ebene verschoben: eine biologische Lebensgallerte, selbstversorgend, regenerierend und anpassungsfähig, bewohnt von zukünftigen Suprahuminiden. Zuletzt präsentiert wurde es 2015 in Paris zur Weltklimakonferenz. 75


Projektname Revitalisierung des Kirchenblocks am Kaiser-Josef-Platz Autor Konrad Frey Mitarbeit Zeitraum 1967 Status nicht realisiert Standort/Ort Kaiser-Josef-Platz, Graz Auftraggeber/Bauträger Technische Hochschule Graz (Staatsprüfungsarbeit für den Abschluss des Architekturstudiums) Projekttypus multifunktionaler Gebäudekomplex Environmental Jukebox* Mit einem Entwurf für einen multifunktionalen Gebäudekomplex am Kaiser-Josef-Platz beendete Konrad Frey 1967 sein Architekturstudium an der Technischen Hochschule in Graz. Frey schlägt eine zum Teil nach oben hin offene, gestaltete Struktur vor. Diese überformt wie eine gebaute Landschaft den Bauplatz und nimmt auf den städtebaulichen Kontext Bezug. Auf Straßenniveau sind Durchgangswege und eine Passage mit Läden, eine Jugendbibliothek, die Kirchenverwaltung und der Autolift zu einer Tiefgarage vorgesehen. Struktur

Auf der oberen Ebene ist ein „Soziallabora­ torium auf hochgelegter Wiese“ (Frey) geplant, das aus dem Kirchenraum, einem Kindergarten, einem Jugendclub, einer ausziehbaren Mehrzweckhalle und einem Versammlungsraum besteht. Zwei aufeinander zulaufende Rampen verbinden die zwei Hauptebenen; eine Brücke auf der oberen Ebene führt zum Nachbargebäude. Freys Entwurf sieht die Kirche als environmental jukebox, die die „Raumgestaltung“ den Nutzern und Nutzerinnen überantwortet. Mittels Steuerung von Installationen in der Außenhaut können Umwelteindruck bestimmende, visuell und akustisch wirksame Faktoren wie Licht, Klima, Gerüche, Geräusche, Bilder und manches mehr virtuell inszeniert und unterschiedlich erlebt werden, beispielsweise als Jerusalemer Grabes­ kirche, Waldkloster oder Blumenwiese, Weltraum … Diese medial gedachte Architektur zeigt sich auch an der Außenseite, die mit Projektionen und Installationen den öffentlichen Stadtraum bespielt. * Kurzform des Textes, der im Rahmen des FWF-geförderten Forschungsprojekts „Die Solarhäuser von Konrad Frey – Umweltforschung und solares Wissen im Entwurf“ der TU Graz erarbeitet wurde (www.konradfrey.tugraz.at). 76


Anna Meyer Haus – Tiere – Menschen Bei mehreren Aufenthalten in Graz und Umgebung machte Anna Meyer Fotos, Zeichnungen und erste Bildskizzen. In ihrem Atelier in Wien übertrug sie dann einige der Motive in größere Formate und dreidimensionale Architekturmodelle. Manche der von ihr gemalten Objekte tauchen in der Ausstellung Graz Architektur auf, andere sind Hinzufügungen der Künstlerin. Anna Meyer setzt bei den Übergangszonen zwischen Haus, Tier und Mensch an, bei hybriden Architekturen. In ihren Malereien und Modellen wird die Wand zur Haut, das Gerüst zum Knochen, das Haus menschenähnlich, aber auch umgekehrt die Haut zur Wand, die Knochen zum Gerüst und der Mensch zum Haus. Meyer fokussiert Gebäude mit amorphem Charakter, wie etwa die Mensa der Schulschwestern von Huth/ Domenig oder das Kunsthaus Graz von Cook und Fournier. Beim Haus Zusertal von Szyszkowit­z + Kowalski sieht es auf den ersten Blick fast so aus, als wäre dieses mit einer Art Nabelschnur mit dem Umfeld verbunden. Doch die von Meyer dargestellte Gegenwart ist alles andere als rosig; sie mutet eher apokalyptisch an. Vertraute Elemente werden größenmäßig und farblich verfremdet und auch übersteigert. Idyllische rücken neben bedrohliche Szenarien, der freundliche Außerirdische erweist sich letztendlich als wenig freundlich, wenn zu lesen ist: „Hi, ich schaff euch alle.“ In den Objekten wird das Prinzip der Hybridi­ tät zwischen Mensch, Tier und Haus, zwischen Malerei und Architektur noch deutlicher, wenn Meyer aus Verpackungen – leeren Wasserflaschen, Cremetiegeln – tierähnliche Architekturmodelle baut und diese malerisch überarbeitet. Die Wahrnehmung von (urbaner) Realität ist in den Malereien,

Objekten und Installationen von Anna Meyer durch Überlagerungen verschiedener Elemente einer globalen Konsumkultur und drohendem gesellschaftlichen Verfall charakterisiert.

Geboren 1964 in Schaffhausen (CH), lebt in Wien (AT) Einzelausstellungen und Projekte (Auswahl): Digitale Wesen befahlen, Galerie mera, Schaffhausen (2017); Weiche Profile, Kunstraum Weikendorf, Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich (2017); Curated by, Galerie Krobath, Wien (Gruppenausstellung); Stupid Painting, Stop your Sobbing Kluckyland, Wien (2016); Sein oder Online, Galerie Krobath, Berlin (2015); Time Wounds all Healers, Galerie Maçka, Istanbul (2013); Paint to Politain 2, Jesuitenfoyer, Wien (2013); Angestellt in der Firma Welt, Arbeiterkammer Wien, Billboard im Außenraum (2013); PAINT TO POLITAIN, NACHKRISENMALEREI, Kunstverein Schaffhausen/ Galerie Mera (2011); Sense and Sensibility, Kunstverein Salzburg (Gruppenausstellung); FUTUREFEMINISMUS, Galerie HSLUK&D, Luzern (2011), WELTENSAUGER, Galerie Antje Wachs, Berlin (2010); ANOTHER TIME, ANOTHER PLANET, Billboard im Außenraum bei den Gasometern, Wien (2010); WHITE CUBE SITCOM, Kunstverein Langenhagen e. V., Langhagen (2008); Schlechte Malerinnen sind bessere Künstlerinnen, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig (2006). 78


Ă„sthetik


Günther Domenig Geboren 1934 in Klagenfurt, studierte Architektur an der Technischen Hochschule Graz. Von 1963 bis 1973 unterhielt er eine Büropartnerschaft mit Eilfried Huth, seit 1973 eigene Architekturbüros in Graz, Klagenfurt und Wien. 1998 gründeten Günther Domenig, Hermann Eisenköck und Herfried Peyker die Architektur Consult ZT GmbH, die Domenig 2006 verließ. 2005 schloss er sich mit Gerhard Wallner zur Domenig & Wallner ZT GmbH zusammen. Von 1980 bis 2000 war Domenig Professor für Gebäudelehre und Wohnbau an der TU Graz. Als Architekt entwarf er für zahlreiche Unternehmen Geschäftslokale bzw. Präsentationsräume – wie etwa für Rikki Reiner, Humanic und Funder. Domenigs Hauptinteresse galt der architektonischen Raumskulptur, wie etwa dem sogenannten Nix-Nuz-Nix – ein „Vogel, der nicht fliegen kann“, gebaut aus rostfreiem Stahl und getöntem Plexi­glas. Der Nix-Nuz-Nix verwandelte sich von einem architektonischen „Verstärkermal“ an einem Bankgebäude zu einem „Schmuckvogel“ und zum „Werbevogel“ für die Schuhfirma Humanic. Im Auftrag der Grazer Oper schuf Domenig Bühnenbilder für Elektra von Richard Strauss, 1995, und für Moses und Aron von Arnold Schönberg, 1998. Domenig starb 2012. Konrad Frey Geboren 1934 in Wien, studierte Chemie in Graz und den USA sowie Architektur an der Technischen Hochschule Graz. Er schloss das Studium 1967 ab. 1968 ging er nach London. Zwischen 1968 und 1971 arbeitete er bei Arup Associates; zwischen 1971 und 1975 unterhielt er ein gemeinsames Londoner Büro mit Florian Beigel, für Frey prägende Jahre. Seit 1974 lebt er wieder in Graz. Auf der Suche nach Möglichkeiten, seine innovativ-experimentellen Ansätze zur Aktualisierung des Bauens weiterzuführen, arbeitete Frey zwischen 1974 und 1987 am Institut für Umweltforschung (jetzt: Joanneum Research). Dort widmete er sich der Erprobung alternativer Energien und stieß schließlich auf die Überlegung, Gebäude selbst als Kollektoren und Speicher zu konzipieren. Die in diese Rich-

tung weisenden Projekte Freys der 1970er- und 80er-Jahre wurden am „ifu“ interdisziplinär durchgeplant. Von 1988  bis  2001 führte Frey ein eigenes Architekturbüro in Graz. Zahlreiche Gastprofessuren und Lehraufträge u. a. in Graz, Wien, Innsbruck, Deutschland, England, USA und Kanada ergänzen seine architektonische Praxis bis heute. Volker Giencke Geboren 1947 in Wolfsberg, Kärnten. Nach dem Studium der Architektur und Philosophie in Graz und Wien arbeitete er in den Büros von Merete Mattern am Garnpoint bei Prien am Chiemsee und in München, bei Raimun­d Herms in Hamburg, bei Huth und Domenig in Graz und bei Günther Domenig in Wien, bis er 1981 „Giencke & Company“ in Graz gründete. Anlässlich der Planung des österreichischen Pavillons auf der EXPO ’92 folgten ein weiteres Büro in Sevilla und 2004 in Riga. Ab 1992 unterrichtete Giencke als Professor für Hochbau und Entwerfen an der Universität Innsbruck. 2000 übernahm er das Institut für Entwerfen und bildnerische Gestaltung und baute das ./studio 3 als neues Institut für Experimentelle Architektur und Entwerfen auf. Zehn Jahre lang leitete er den Workshop „ESPREITA DO MAR“ in Lagoa de Santo André in Portugal – ebenfalls zum Entwerfen. Er unterhielt zahlreiche Lehraufträge an internationalen Universitäten, wie etwa an der YALE-School of Architecture New Haven (USA), am University College London – Bartlett School of Architecture, am Rizvi College Bombay, an der L’Ecole Polytechnique Nantes und an der Universidad de Buenos Aires. Für Volker Giencke ist Architektur die Balance von Ästhetik, Funktion, Konstruktion und Wissenschaft. Zuweilen dauerte es Jahre, bis seine innovativen und konstruktiv anspruchsvollen Bauten zur Realisierung gelangten. In seinen Arbeiten verbinden sich eine einfache, klare Materialsprache, eine Ökonomie der Mittel, das Interesse an konstruktiv-technischen Detaillösungen mit ästhetischem Anspruch und dem Wunsch, Architektur möge emotional wirken, unverwechselbar und eigenständig sein, ein nachhaltiges Raumerlebnis erzeugen.

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Bernhard Hafner Geboren 1940 in Graz, studierte Architektur an der Technischen Universität Graz und danach an der Harvard University, mit ersten Kontakten zum Harvard Laboratory of Computer Graphics. Er war Professor an der University of California, Los Angeles, Gastprofessor an der Cornell University, New York, an der University of Texas, Arlington, und am New Jersey Institute of Technology. Seit 1980 lebt Hafner wieder in Graz. Bis 2000 war er als freiberuflicher Architekt tätig. Er arbeitete und arbeitet heute vor allem im Bereich Architekturtheorie und -forschung. 1966 zeigte der Architekt seine Arbeiten in der Ausstellung Struktureller Städtebau, Neue Galerie Graz. 2002 veröffentlichte er seine Aufsätze und Gespräche über Architektur und Stadt unter dem Titel Architektur und sozialer Raum: Aufsätze und Gespräche über Architektur und die Stadt. Im selben Jahr erschien Tanz der Lurche, Gruppensex im Quappenpool und andere Gedichte und Zeichnungen zum Zeitgeist. Angeregt durch William Grey Walters Buch Das lebende Gehirn entwickelte Hafner seine Überlegungen zu Architektur und Stadt, zu Netzwerkarchitekturen und vernetzten Architekturen. Bebauter und unbebauter Raum werden dabei als gleichwertig und gleichbedeutend angesehen. In Abgrenzung zu Form und Komposition setzt Hafner auf Strukturen, die auf indeterministische Weise Raum ordnen und Objekte anordnen – also grundsätzlich mehrere Möglichkeiten anbieten und zeitlich nicht abgeschlossen sind. In einer Reihe von computergenerierten Studien zur Stadt hat sich Hafner den Verhaltensmustern, Nutzungen und Interaktionen ihrer Bewohner/innen gewidmet. Eilfried Huth Geboren 1930 in Pangalengan auf Java, Indonesien. Das Studium der Architektur absolvierte er an der Technischen Hochschule Graz. Ab 1956 arbeitete Huth als freischaffender Architekt, von 1963 bis 1975 gemeinsam mit Günther Domenig, danach in seinem eigenen Büro. 1985 wurde er an die Hochschule der Künste in Berlin berufen, wo er bis 2002 eine Professur innehatte. Huths Ansatz setzt bereits vor der üblichen Baupla-

nung an: politische, ökonomische und soziale Strukturen bilden dabei die Grundlage seiner architektonischen Überlegungen, wie zahlreiche seiner Mitbestimmungs- und Beteiligungsprojekte (Eschensiedlung, Wohnbau Gerlitzgründe, Wohnanlage Thal u. a.) und seine Bemühungen der Baukunstvermittlung (Unterrichtsversuche zum ästhetischen Lernen) zeigen. Seine Konzentration auf den sozialen Wohnbau und Partizipationsmodelle ab Mitte der 1970er-Jahre machte ihn zu einem Pionier des nutzerbestimmten Wohnens und zum „Beteiligungsexperten“. In diesem Zusammenhang spricht Huth dem Ästhetischen einen hohen Stellenwert zu: Dessen Bedeutung liegt für ihn in der Erschließung von Erkenntnissen aus der sinnlichen Wahrnehmung. Der Architekt führt damit in seiner Arbeit ästhetische und gesellschaftspolitische Fragestellungen zusammen. Szyszkowitz + Kowalski Karla Kowalski, geboren 1941 in Beuthen/Oberschlesien, studierte an der Technischen Hochschule Darmstadt Architektur und absolvierte ein Postgraduate-Studium an der Architectural Association School in London. Von 1969 bis 1971 arbeitete sie im Büro Behnisch & Partner in Münche­n an den Olympia-Bauten, wo sie Michael Szyszkowitz kennenlernte. Von 1988 bis 2003 war sie Professorin und Lehrstuhlinhaberin für Öffentliche Bauten und Entwerfen an der Universität Stuttgart. Michael Szyszkowitz, 1944 in Graz geboren, studierte dort an der Technischen Universität Architektur. 1970/71 arbeitete er im Büro Huth und Domenig an den Olympia-Bauten in Münche­n. 1984 bis 1991 war Szyszkowitz zweiter Präsident des Zentralverbands der Architekten Österreichs, Landesverband Steiermark; 1987 war er Mitbegründer des Hauses der Architektur in Graz, seit 1998 stellvertretender Vorsitzender der ASVK. Von 1998 bis 2012 hatte er eine Professur und war Lehrstuhlinhaber für Gebäudelehre und Entwerfen an der Universität Braunschweig. 1973 entstand die Planungsgemeinschaft Szyszkowit­z + Kowalski, die bis zu Michael Szyszkowit­z’ plötzlichem Tod im Jahr 2016 81


andauerte. 1974 heirateten die beiden, 1978 gründeten sie das Architekturbüro Szyszkowit­z + Kowalski in Graz, das bis heute als Szyszkowit­z-Kowalski und Partner weiter­ geführt wird. Zu den wichtigsten Realisierungen des Teams gehören neben einer Reihe von Einfamilienhäusern umfangreiche Bauten in der Innenstadt von Graz, Wohnanlagen und Universitätsbauten in Deutschland und Österreich. Gemeinsam entwickelten Szyszkowitz + Kowalsk­i einen architektonischen Ansatz, der Bewohner/innen, Nutzer/innen sowie Passantinnen und Passanten emotional beteiligt und mit dem jeweiligen räumlichen Gefüge zu verbinden sucht. Dabei spielt innerhalb der Formgebung die Farbe eine wesentliche Rolle. Das Ineinanderfließen von Architektur, Natur und Umwelt ist ein weiterer bestimmender Aspekt ihrer Entwürfe: Architektur wird in ihrer Maßstäblichkeit auf den Menschen und seine Umgebung bezogen, schreibt sich nicht nur in die Landschaft ein, sondern wird selbst zur Landschaft und behält gleichzeitig ihren eigenständigen Charakter. Die Bauten werden vor allem über die Zeichnung vorbereitet, wobei das Zeichnen als Methode der Annäherung an die Bauaufgabe und als Mittel des Diskurses zwischen den beiden Architekten eingesetzt wird.

Design Bratislava. Plottegg ist Autor zahlreicher Aufsätze und Bücher wie Architecture beyond Inclusion and Identity is Exclusion and Difference from Art, 2015, Architecture...Scripting, 2011, Hybridarchitektur & Hyperfunktionen, 2007, Architekturalgorithmen, 1996, Das Binäre Haus, 1989. Er verbindet theoretisch erarbeitete Grundlagen mit baulichen Realisierungen in den Bereichen Revitalisierung historischer Bauten, sozialer Wohnbau, Interieur-, Objekt-, Ausstellungsdesign und Medienkunst. Von Anfang an verfolgt Plottegg eine Auffassung von Architektur, die tradierte Arbeitsweisen und jegliche Art von Determinismus dekonstruiert und durch offene, generierende Systeme ersetzt. Plottegg setzt Computer nicht als Hilfsmittel ein, um Analoges bzw. bereits Bekanntes zu imitieren; seine Entwürfe sind Folge von algorithmischen Manipulationen. Nicht eine Zielvorstellung, ein Produkt, ein Gebäude stehen im Vordergrund, sondern ein Planungsprozess, der prozesshafte Architektur entstehen lässt. Im Grunde genommen stellt Plottegg das auratische Objekt und den demiurgischen Architekten gleichermaßen infrage. Die Dekonstruktion bei Plottegg besteht in der Überwindung tradierter Architekturregeln.

Manfred Wolff-Plottegg Geboren 1946 in Schröder, Steiermark, studierte Architektur an der Technischen Universität Graz sowie an der Académie des Beaux-Arts in Paris und absolvierte auch die Postgraduate Management-Ausbildung an der Wirtschaftsuniversität Wien. Seit 1983 führt er sein Architekturbüro in Graz. Seit dieser Zeit unterrichtete Plottegg auch Grundlagen des Entwerfens, Planungsmethoden, Algorithmendesign unter anderem an der Hochschule für Gestaltung Linz, an der Technischen Universität Graz und an der Universität Innsbruck. 1994/95 war er Professor für CAAD an der TU München, von 2001 bis 2011 Professor für Gebäudelehre & Entwerfen und Vorstand des Instituts für Architektur und Entwerfen an der Technischen Universität Wien. Zwischen 2014 und 2017 lehrte er als Professor an der Academy of Fine Arts and 82


Begleitprogramm Kuratorinnenführungen mit Barbara Steiner und Gästen jeweils um 11 Uhr So, 15.10.2017, mit Petra Friedl So, 19.11.2017, mit Ingrid Böck So, 28.01.2018., Bustour mit Sophia Walk und Barbara Steiner Tee am Dienstag (in Kooperation mit HDA) jeweils um 17 Uhr Di, 14.11.2017, mit Eilfried Huth und Karla Kowalski im Gespräch mit Helena Eichlinger und Leon Scheufler Di, 12.12.2017, mit Volker Giencke und Konrad Frey im Gespräch mit Magdalena Schepe/ minifom und Zerina Dzubur Di, 16.01.2018., mit Bernhard Hafner und Eugen Gross im Gespräch mit Anna Sachsenhofer und Philipp Glanzner Werkgespräche mit den Architektinnen und Architekten mit Christof Elpons, Monika Holzer-Kernbichler oder Antonia Veitschegger jeweils um 15:30 Uhr Fr, 13.10.2017, mit Konrad Frey Fr, 10.11.2017, mit Bernhard Hafner, Entwürfe Fr, 17.11.2017, mit Eilfried Huth in Kooperation mit dem Künstlerhaus – Halle für Kunst und Medien Fr, 01.12.2017, mit Volker Giencke So, 17.12.2017, mit Bernhard Hafner, Smart City Fr, 26.01.2018, mit Karla Kowalski Sa, 27.01.2018, mit Manfred Wolff-Plottegg   Vortrag von Eugen Gross Graz – lasst die Arche tektur an Land kommen Eine byblosophische Geschichte Do, 11.01.2018, 19 Uhr, Space04 Aktuelle Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie auf unserer Webseite www.kunsthausgraz.at

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Index der architektonischen Projekte Günther Domenig ● Büro- und Lagergebäude Zultner ● Das Steinhaus ● Explosion ● Vogel Nix-Nuz-Nix ● Wohnanlage Neufeldweg ● Zentralsparkasse Favoriten Günther Domenig, Eilfried Huth ● Floraskin ● Schulschwestern, Mehrzwecksaal ● Stadt Ragnitz ● Zellflex Konrad Frey ● Cowicle ● Low Budget Loft Haus ● Haus Fischer ● Haus Zankel ● Space House ● Revitalisierung des Kirchenblocks am Kaiser-Josef-Platz ● Sundome – Schalentragwerk für Hallen ● Wellpappehaus Volker Giencke ● Abtei Seckau ● Gewächshäuser Botanischer Garten der Universität Graz ● Kirche in Aigen ● Odörfer ● Wohnbau Carl-Spitzweg-Gasse Bernhard Hafner ● Archegramme / Archegrams ● Computersimulationen alternativer Stadtprototypen / Comparative Simulation Atlas of Alternative Urban Prototypes ● Lineare Stadt / Linear City ● Montanuniversität, Laborhalle – Zubau ● Schichtenstadt / Layered City ●  Raumstadt / City in Space ● Rettenbachersiedlung

Eilfried Huth Eschensiedlung Deutschlandsberg ● Haus Weinburg ● Nur Armut hat Zukunft – Konfrontationen 77 ● Sparkasse Deutschlandsberg ● Unterrichtsversuche zum ästhetischen Lernen ● Wohnanlage BIG, Deutschlandsberg ● Wohnmodell Gerlitzgründe, Wohnbau Graz-Puntigam ●

S. 17 S. 27 S. 29 S. 28 S. 42 S. 15

S. 75 S. 55 S. 73 S. 72

S. 46 S. 53 S. 47 S. 32 S. 74 S. 76 S. 54 S. 52

S. 38 S. 51 S. 14 S. 16 S. 44

Szyszkowitz + Kowalski ● Haus über Graz ● Haus Zusertal ● Schloss Großlobming Fachschule und Kulturzentrum / Volksschule ● Wohnanlage Alte Poststraße ● Wohnbebauung Küppersbusch IBA Emscher Park Manfred Wolff-Plottegg ● Das Binäre Haus ● Generatoren ● Hybrid Architektur ● ReSoWi-Zentrum Universität Graz, Wettbewerb ● Wohnbebauung Heidenreichstraße, Seiersberg ● Zusammengebrochenes Bett / Metamorphose einer Stadtwohnung

S. 57 S. 33 S. 49 S. 65 S. 13 S. 64 S. 60

S. 31 S. 34 S. 37 S. 61 S. 48

S. 35 S. 21 S. 20 S. 26 S. 41 S. 19

S. 67 S. 71

S. 69 S. 39 S. 70 S. 68 S. 43

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Index der künstlerischen Projekte Julia Gaisbacher S. 58 Mein Traumhaus ist kein Haus*, 2017 (*Zitat Eilfried Huth) Installation, bestehend aus 80-teiliger Diaserie, Simulationsmodell für das Wohnmodell Deutschlandsberg und für die „Unterrichts­ versuche zum Ästhetischen Lernen“, 1973–74 (Leihgabe Eilfried Huth) Archiv der TU Graz, Diasammlung Wolfdieter Dreibholz, Archiv Doris Pollet-Kammerlander, Archiv Eilfried Huth Courtesy der Künstlerin Oliver Hangl S. 62 Szenario Alte Poststraße, akustisch (II), 2017 Audioinstallation, Konversationsmodell: verschiedene Materialien, 100 × 70 cm Courtesy des Künstlers Mischa Kuball S. 10 public preposition / UTOPIA, 2017 BIX-Projekt / Kunsthaus Graz Courtesy des Künstlers Anna Meyer S. 78 Skeleton, 2017 Öl auf Plexiglas, 20 × 50 cm

Teslahaus, 2017 Öl auf Plexiglas, 20 × 50 cm Wischfinger Gottes, 2017 Öl auf Plexiglas, 20 × 50 cm Alle: Courtesy der Künstlerin und Krobath Wien Arthur Zalewski S. 4 Favoriten, 2017 Installation, bestehend aus Siebdrucken (100 × 70 cm) und Doppelprojektion Courtesy des Künstlers und ASPN, Leipzig

Fish, 2017 Öl auf Plexiglas, 20 × 50 cm Knochenhaus, 2017 Öl auf Plexiglas, 20 × 50 cm Walhaus, 2017 Öl auf Plexiglas, 20 × 50 cm Kröte, 2017 Öl auf Plexiglas, 20 × 50 cm Containerhaus, 2017 Öl auf Plexiglas, 20 × 50 cm Elephanthaus, 2017 Öl auf Plexiglas, 50 × 50 cm Pillengarten Eden, 2017 Öl auf Plexiglas, 50 × 50 cm Austerpfau, 2017 Öl auf Plexiglas, 50 × 50 cm

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Impressum Diese Publikation erscheint anlässlich der Ausstellung Graz Architektur Rationalisten, Ästheten, Magengrubenarchitekten, Demokraten, Mediakraten

Kunsthaus Graz Leitung Barbara Steiner Universalmuseum Joanneum Geschäftsführung Wolfgang Muchitsch

Ausstellung In Zusammenarbeit mit dem Festival steirischer herbst sowie Künstlerhaus – Halle für Kunst & Medien, Graz, HDA und TU Graz. Kunsthaus Graz Universalmuseum Joanneum 23. September 2017 – 28. Jänner 2018

Das Kunsthaus Graz ist ein gemeinsames Engagement des Landes Steiermark und der Stadt Graz im Rahmen des Universalmuseums Joanneum. Mit freundlicher Unterstützung von Stadt Graz Land Steiermark

Kuratorin Barbara Steiner Co-Kuratorin Katia Huemer Registratur Elisabeth Ganser, Magdalena Reininger Ausstellungsgestaltung Rainer Stadlbauer; Anna Lena von Helldorff (buero total) Ausstellungsaufbau Robert Bodlos, David Bosin, Ivan Drlje, Simon Duh, Fabian Egger, Markus Ettinger, Helmut Fuchs, Ivan Gorickic, Bernd Klinger, Irmgard Knechtl, Andreas Lindbichler, Stefan Reichmann, Klaus Riegler, Michael Saupper, Stefan Savič, Peter Semlitsch Konservierung, Restaurierung Paul-Bernhard Eipper, Julia Hüttmann, Evgeniia Sannikova, Melitta Schmiedel, Fenna Yola Tykwer Kunst- und Architekturvermittlung Monika Holzer-Kernbichler, Verena Borecky, Anna Döcker, Christof Elpons, Gabriele Gmeiner, Barbara Lainerberger, Marta Binder, Romana Schwarzenberger, Barbara Thaler, Antonia Veitschegger, Markus Waitschacher

Publikation Kunsthaus Graz Universalmuseum Joanneum Lendkai 1 8020 Graz, Österreich T: +43-(0)316/8017-9200 kunsthausgraz@museum-joanneum.at www.kunsthausgraz.at

Herausgeberin Barbara Steiner Redaktion Elisabeth Schlögl Texte S. 32, 52, 54, 74, 76: Ingrid Böck S. 58: Julia Gaisbacher, Katia Huemer, Barbara Steiner S. 31: Andrea Gleiniger, Karla Kowalski S. 71: Bernhard Hafner, Barbara Steiner S. 62: Katia Huemer S. 64: Eilfried Huth


S. 37, 48, 61: Karla Kowalski, Barbara Steiner S. 13, 14, 16, 33, 38, 44, 49, 51, 55, 60, 61, 72, 73, 75: Katia Huemer, Barbara Steiner S. 34: Karla Kowalski, Karin Wilhelm pp. 4, 6, 10, 12, 15, 17, 18, 27–30, 36, 38, 39, 40, 42, 43, 45, 46, 50, 53, 56, 57, 66–68, 70, 78: Barbara Steiner S. 19–26, 35, 41: Barbara Steiner, Manfred Wolff-Plottegg S. 47: Sophia Walk Lektorat Jörg Eipper-Kaiser Grafische Gestaltung und Bildbearbeitung Karin Buol-Wischenau, Michael Posch Druck Medienfabrik Graz Papier Invercote G, 260 g/m² Recycling Cyclus, 80 g/m² Schriften Tram Joanneum Erschienen im Eigenverlag Universal­museum Joanneum GmbH ISBN 978-3-90209-598-5 Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National­bibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. Alle Rechte vorbehalten © 2017 Kunsthaus Graz, Universalmuseum Joanneum © für die abgebildeten Werke bei den Architektinnen und Architekten, Künstlerinnen und Künstlern oder deren Rechtsnachfolgern © für die gedruckten Texte bei den Autorinnen und Autoren oder deren Rechtsnachfolgern © Bildrecht, Wien, 2017: Julia Gaisbacher (S. 59), Volker Giencke (S. 14, 16, 38, 44, 51), Oliver Hangl (S. 63), Anna Meyer (S. 79) Fotos: S. 31: Foto Courtesy Akademie der Künste, Berlin, Szyszkowitz-Kowalski-Archiv S. 32, 34, 37, 45, 46, 47, 48, 63, 74, 76: Foto Courtesy Archiv der TU Graz

S. 28, 29: Foto Courtesy des Az W, Architekturzentrum Wien, Sammlung S. 32, 34, 37, 49, 63: Wolfdieter Dreibholz S. 59 unten: Julia Gaisbacher S. 14, 16, 44, 51: Foto Courtesy Archiv Atelier Giencke S. 39, 43, 68, 70–72: Bernhard Hafner S. 63: Oliver Hangl S. 77: Anna Lena von Helldorff S. 53: Emilian Hinteregger S. 13, 49, 57, 60–62: Foto Courtesy Eilfried Huth S. 45–47, 74, 76: Konrad Frey S. 15: Karl Kofler S. 11: Foto Courtesy Archiv Mischa Kuball, Düsseldorf S. 21, 52, 54, 75: N. Lackner/UMJ S. 67: François Lauginie, Courtesy Collection Frac Centre-Val de Loire S. 55: Branko Lenart S. 79: Anna Meyer S. 17, 68: paul ott photografiert S. 38: Ralph Richter S. 73: Eckart Schuster S. 33: Hans Georg Tropper Bild+Grafik S. 59 (oben): G. Wolf S. 19–26, 35, 41: Foto Courtesy Manfred Wolff-Plottegg S. 5, 42: Arthur Zalewski S. 27: Gerald Zugmann / www.zugmann.com Umschlag: Arthur Zalewski, aus: Favoriten, 2017, ASPN, Leipzig


Graz Architektur. Rationalisten, Ästheten, Magengrubenarchitekten, Demokraten, Mediakraten  

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