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Jahrgang 9 Ausgabe 1/2013/14

THEMA

Ăœber den Wolken Eine Reise rund ums Fliegen im Interview

Roland Samson

seit vier Jahrzehnten Pilot

Jahrgang 9 Ausgabe 27

Seite 1


Editorial

Editorial

Der Traum vom Fliegen Ob nun nach den Sommerferien oder vor Weihnachten, ob auf dem Schulhof oder mit Freunden zu Hause, immer wieder ist das Fliegen Thema unserer Gespräche. Entweder sind wir gerade von einer Flugreise zurückgekehrt oder wir planen mit der Familie für die kalten Wintermonate die nächste Reise in irgendein warmes Land. Viele von uns haben Flugerfahrungen oder wünschen sich, einmal zu einem sehr weit entfernten Ziel zu fliegen. Manch einer möchte mehr als nur Passagier in einem Flugzeug sein; ich kenne mindestens zwei Jungs, die gern Pilot werden wollen.

Der Traum vom Fliegen ist fast so alt wie

die Menschheit. Schon immer haben Menschen dem Zug der Vögel neidvoll nachgeschaut. Aus der griechischen Mythologie kennen wir die Ikarus-Sage und das geflügelte Pferd Pegasos, das wir als Logo unserer Zeitung gewählt haben. Im Mittelalter stellte man sich Dämonen und Engel mit Flügeln vor, in der Renaissance entwarf das

Universalgenie Leonardo da Vinci seine kreativen, aber kaum flugfähigen Apparate und war damit seiner Zeit weit voraus. Otto Lilienthal führte seit 1891 erfolgreiche Gleitflüge durch und mit den Gebrüdern Wright nahm der Wunsch, den Himmel zu erobern, Gestalt an. Sie bauten das erste Flugzeug, mit dem 1903 ein gesteuerter Motorflug gelang. 1909 überquerte Louis Blériot erstmals mit einem Flugzeug den Ärmelkanal... Die Entwicklung der Luftfahrt ging von nun an schnell voran. Das Thema „Über den Wolken“ steht im

Mittelpunkt dieser Ausgabe. Von schrecklicher Flugangst über wunderbare Träume bis zu Gedichten und Informationen rund um das moderne Fliegen haben wir alles Mögliche dort oben entdeckt. Und wir konnten einen erfahrenen Piloten befragen, der interessante Einblicke in sein Berufsleben gibt. Alle weiteren Themen überfliegt ihr am besten mit einem Blick nach rechts. Spannende Lektüre! Clara

31. Oktober 2013. Nach dem Start vom Airport Berlin Tegel bei Nebel. Fabrikschornsteine schauen durch die tief hängende Wolkendecke dem Sonnenaufgang über den Wolken zu. Seite 2

Überflieger


Inhaltsverzeichnis

Seite

inhaltsverzeichnis

Inhalt LENNÉ INTERN Lenné-Schulalltag Lächeln als Pfichtübung? Was uns bewegt. Wir im Sonett Auf zu Cicero und Caesar. Lehrerinterview Post aus Polen 13. Seite. Zerreißprobe Französisch dichten Auf Umwegen nach Potsdam

4 5 6 8 12 13 14 15

Karl in Korea. Ein Ex-Lenné studiert im Ausland Seite 17

LENNÉ EXTERN Mit Studium und Projekten durch die Welt Karl in Korea

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KULTUR - FEUILLETON Langeweile verboten. Generation Wunderkinder Über den Wolken Thema Seit vier Jahrzehnten Pilot. Interview Airline Safety Ranking Von der Freiheit des Fliegens Über den Wolken. Lenné-Umfrage und Gedicht Jugendmusik in der DDR

20 22 27 28 30 32

Thema: Über den Wolken. Im Interview mit Mitja und Kalle: Roland Samson, Pilot. Seite 22

POLITIK - GESELLSCHAFT Wahl 2013. Der Dreisatz der Politik Wahlergebnisse und neues Wahlrecht An einem Sonntag im August

36 38 39

Wahlsommer 2013

TIPPS Immer wieder Theater. Workshop Raue Schönheit Island. Reisetipp Eiskaltes Herz. Buchtipp Eine wahre Geschichte. Erlebnisbericht

Seite 36

42 44 45 45

IN EIGENER SACHE Überflieger online Überflieger-Fotowettbewerb Jahrgang 9 Ausgabe 27

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Raue Schönheit Island. Reisetipp

Seite 44

Seite 3


SCHulalltag

Pausenkiosk und Frühstücksbrot Montagmorgen. Du sitzt im Unterricht und bekommst auf einmal schrecklichen Hunger. Sobald der Unterricht vorbei ist und die Pause anfängt, wirst du losrennen zum Kiosk, weil du weißt, dass du sonst der langen Schlange vor dem Kiosk nicht entgehen kannst. Andererseits fragst du dich, warum du dir nichts zum Essen eingepackt hast. Ganz einfach: Du weißt, dass es einen Kiosk in der Schule gibt, und so nimmst du einfach etwas Geld mit und sparst dir das elende Geschmiere der Stullen am Morgen. Du wirst dir eben in der Schule etwas kaufen. Doch in dieser Woche hast du Pech und genau in dem Moment, als du an der Tür zum Kiosk den Zettel mit der Aufschrift „Der Kiosk ist diese Woche geschlossen.“ entdeckst, merkst du, wie sehr du doch auf Herrn Walter angewiesen bist und wie sehr du ihn vermisst.

Aber sollte uns dieser Vorfall nicht auch nachdenken lassen? Warum ist es dir zu viel Aufwand, ein Brot zu schmieren? Warum hast du keinen Apfel oder frisches Gemüse in einer Box in deiner Schultasche? Der Kiosk in der Schule ist eine praktische Sache. Aber ist alles, was du dir dort zum Frühstück kaufst, wirklich gesund? Es gibt auch Äpfel oder Bananen bei Herrn Walter und Käse- oder Eierbrötchen. Aber hast du nicht gerade gestern wieder eine Milchschnitte, Kekse oder Mr. Tom gekauft? Alles mit viel Zucker und null Vitaminen. Ja, es ist gut, einen Kiosk zu haben, und du freust dich auch auf ein nettes Wort von Herrn Walter. Doch was hindert dich daran, deine Essgewohnheiten ein bisschen zu überdenken und doch einmal wieder das gute alte Frühstücksbrot einzupacken?! Annemarie Lenz, 9/3

Schülerwerkstatt mit Spaßfaktor Sechs Jungen aus den 9. und 10. Klassen und Herr Welder sitzen im modern ausgestatteten Werkraum unserer Schule und reden über ihr aktuelles Projekt. Vor ihnen auf dem Tisch stehen zwei Vogelhäuser, die sie beim Weihnachtskonzert der Schule verkaufen werden. Sie wollten gerade ihre Disskusion über den Preis beginnen, als ich den Raum betrete. Ich setze mich dazu und bemerke schnell, dass die Jungs sehr viel Spaß an der Arbeit haben und sich auch untereinander sehr gut verstehen. Herr Welder erzählt mir, dass er genau das damit erreichen wolle: Die Schüler sollen lernen und dabei Spaß haben. Ihr Projekt, Seite 4

der Bau der Vogelhäuser, ist noch lange nicht abgeschlossen und die Teilnehmer der Schülerwerkstatt versuchen, mit guter Arbeitsteilung bis zum Weihnachtskonzert genügend Vogelhäuser herzustellen. Wenn sie nicht reichen, werden auch Bestellungen aufgenommen. Natürlich werden nicht nur Vogelhäuser gebaut. Es wird immer neue Projekte geben und Herr Welder hofft, dass der seit 2012 existierende fakultative Kurs den Jungs noch lange Spaß machen wird und würde sich freuen, wenn sich auch neue Schüler/ innen dafür interessieren könnten. Emely Petrasch, 9/5 Überflieger


Das Potsdamer Lauffest Es findet jedes Jahr im Luftschiffhafen statt und ist eine sinnvolle Erfindung. Bei diesem Lauffest stellt sich jeder Läufer das Ziel, in einer bestimmten Zeit so viele Runden wie möglich zu laufen. Für jede Runde erhält man ein Gummiband. Die Anzahl der Gummibänder bestimmt dann die Höhe der Unterstützung für die kommunale Stiftung „Altenhilfe Potsdam“. Für uns, die Schülerinnen und Schüler der

Lenné-Gesamtschule, galt eine Mindestlaufzeit von einer halben Stunde. So lief unsere Schule am 6. September in der Zeit von 10 bis 14 Uhr für diesen guten Zweck. Insgesamt 3.573 Läufer/innen liefen von 9 bis kurz nach 18 Uhr insgesamt 42.754 Runden. Damit wurde die Hoffnung der Veranstalter auf eine Rundenzahl von mehr als 40.000 auf jeden Fall erfüllt. Clara

lenné - intern

was uns bewegt

Lächeln als Pflichtübung? Für das Amt des Schulsprechers wird man vorgeschlagen und im Idealfall auch gewählt. Man sollte allerdings die Verantwortung, die man damit auf sich nimmt, nicht unterschätzen. Das ist wahrlich nicht so einfach, wie es scheint, da man manchmal heikle Themen bewusst ansprechen, nach einer Lösung suchen und Stellung nehmen muss, und das nicht nur vor Schülern, sondern auch vor Lehrern bzw. der Schulleitung. Regelmäßige Treffen mit der Schulleitung ermöglichen u.a. die Aufteilung organisatorischer Dinge. Ebenso wichtig ist es, sich mit den Sek.1- und Sek.2-Sprechern über die bestmöglichen Entscheidungen in verschiedensten Angelegenheiten abzustimmen, wozu auch die Vorbereitung der Schülervollversammlungen zählt. Eine sehr wichtige Aufgabe ist es natürlich, die Schule zu repräsentieren. Anstelle von Leuchtreklame um den Hals mit einem beruhigenden Spruch wie „Everything’s fine“ beschränkt sich die Repräsentation im Schulalltag allerdings auf ein stets freundliches Lächeln auf den Lippen, das symbolisieren soll, dass man immer offen für die Jahrgang 9 Ausgabe 27

Probleme und Sorgen der Mitschüler ist. Das mag einfach klingen, aber jemand hat mir gesagt: „Der Mensch ist nicht mit einem Lächeln auf die Welt gekommen.“ Ich habe darüber nachgedacht und erkannt: Damit liegt er goldrichtig. Ohne Zweifel ist das Amt des Schulsprechers eine erfüllende Aufgabe und ich fühle mich wohl in dieser Rolle. Doch kann manchmal die daraus erwachsende Verantwortung und erhöhte Aufmerksamkeit - neben den alltäglichen schulischen Aufgaben - auch belastend wirken. Da kann das Lächeln schon mal verrutschen oder die Reaktion etwas zu deutlich ausfallen. Und trotzdem ist man „immer für alle da“. Das müsste eigentlich jedem Schüler und auch Lehrer bewusst sein. Denn ehrlich: An wen wendet man sich lieber? An jemanden, der authentisch ist und zu seinen Gefühlen und Tagesformen steht, oder an jemanden, der immer lächelt und nur bester Laune zu sein scheint, sodass man sich fragt, ob man dem auch wirklich trauen darf? Also sprecht mich an, auch wenn ich gerade nicht strahlend durchs Schulhaus laufe! Eure Jule (Schulsprecherin) Seite 5


Über uns

Wir im Sonett Sei stark Du und ich wir lebten froh / doch alles ist anders mit einem Mal. Wir haben es nicht gedacht / nun ist es schwer und macht beklommen. Gefährlich ist was dich ereilt / scheinbar besiegt kann’s wiederkommen. Gegen diese Angst zu kämpfen ist dein Schicksal. Es beginnt die scheinbar endlose Qual / sind wir mit dir bereit? Durchleben wirst du sie müssen / doch niemals allein gelassen. Wir stehen zu dir / werden fest an der Hand dich fassen Besonders in dieser schweren Zeit und bis in jede Ewigkeit. Die Gefahr ist riesengroß, sie verfolgt dich, lässt nicht los, Viele Menschen stören, Medizin wird dich erst schwächen, Steril ist die Devise, Therapie lässt dich Schmerz erbrechen. Doch in einem halben Jahr, ist sicher alles vorbei, Deine Haare werden wachsen, werd‘ dich wieder lachen sehen Wirst dich glücklich unter Freunde mischen, Handball spielen, ins Kino gehen. (gewidmet meinem kleinen Bruder) Marlies Fiedler, 12d

Geschiedene Kindheit Familienleben und alles, was so schön begonnen Ist zerstört. Ganz plötzlich, überall, zu jeder Zeit Die zwei Personen deines Lebens in Streit Und du hast nur einen abbekommen. Musst die Zeit mit den Eltern nun teilen. Wenn du doch beide nur öfter für dich hättest! Eine klassische Familie willst du,wie von den Freunden der Rest Und nicht von einem zum andern Wohnort eilen. Doch sei unbesorgt, beide Eltern haben dich lieb. Es ist gut für sie, nun nicht mehr zu streiten Und sich zu bemühen, dir weiter Freuden zu bereiten. Obwohl es das Zusammensein nicht mehr gibt, Wird deine Erziehung in Harmonie aufgehen, Wirst du neue Perspektiven in deiner Zukunft sehen. Mitja Rohr, 12d Seite 6

Überflieger


Scherben Sonnige Julitage, an denen zum ersten Mal Tränen fließen, Die heile Welt zerbrochen in Scherben ganz leise, Das Leben schrieb sich auf stockende Weise Konnt‘ kaum noch Momente des Glücks genießen

lenné - intern

Was uns bewegt

Begann vor Gram mich wegzuschließen. Musst‘ es aushalten, veränderte mein Denken, Doch zählt‘ es zu meiner Lebensreise, sollte meine Schritte lenken Und Selbstzweifel begannen mir ins Herz zu schießen. Menschen kommen, Menschen geh’n, ob man möchte oder nicht, Dich in Erinnerung behalten ist mir nun willkommene Pflicht. Das Schicksal meinte es nicht gut mit dir. Das Fehlen deiner Nähe, deines Lachens sind Sachen, die mir seit drei Jahren arg zu schaffen machen. Nur eins bleibt mir zu sagen: Du fehlst mir sehr! Denise Heidler, 12a

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Sozialer Tag

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Am 4. November 2013 um 9.50 Uhr fand sich die gesamte Schülerschaft der Lenné-Schule zur Schülervollversammlung im Mehrzweckraum ein. Grund dafür war die Scheckübergabe des Erlöses des Sozialen Tages 2013. In diesem Jahr sind sensationelle 1600 Euro zusammengekommen, die wir der Björn-Schulz-Stiftung* anlässlich ihres 30. Jubiläums überreichen konnten. Nach kurzer Begrüßung richteten Frau Lübbe und Herr Augustin von der Björn-Schulz-Stiftung Potsdam einige dankende Worte an die Schüler. Von dem Geld soll im nächsten Jahr ein Urlaub für die krebskranken Kinder und ihre Familien finanziert werden.Besonders Frau Lübbe zeigte sich überwältigt von einer solchen Spende und dem sozialen Engagement der Lenné-Schüler/innen. – Wir können uns also sicher sein, dass das Geld in wirklich guten Händen ist! Jule H., Schulsprecherin *Die Björn-Schulz-Stiftung ist nach einem Jungen benannt, der 1982 mit sieben Jahren an Leukämie verstarb. Sie steht Familien mit einem schwerst- oder unheilbar kranken Kind, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen zur Seite, ermöglicht eine Nachsorge für krebskranke Kinder im Rosemarie-Fuchs-Haus an der Nordsee, setzt ehrenamtliche Familienbegleiter ein und eröffnete im Dezember 2002 den „Sonnenhof“, das erste Kinderhospiz in Berlin-Brandenburg. Jahrgang 9 Ausgabe 27

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lehrerinterview

Auf zu Cicero und Caesar Herr Probst, wo sind Sie aufgewachsen und wo haben Sie die meiste Lebenszeit verbracht? In der schönen Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt. Wie würden Sie Ihre eigene Schulzeit kurz beschreiben? Spannend. Ich hatte eigentlich Spaß in der Schule. Nebenbei habe ich sehr aktiv im Verein Volleyball gespielt, dadurch waren die Wochen und Tage immer gut gefüllt und es war eine angenehme Schulzeit. Welcher Schülertyp waren Sie? Ich war faul, hatte aber gute Noten; deswegen war ich ja faul, weil ich nicht viel tun musste. Für die Lehrer war ich wohl sehr lebendig, verquatscht und anstrengend, als ich noch jung war. Wo haben Sie studiert und welche Fächer unterrichten Sie? Ich habe in Berlin an der Humboldt-Universität Lehramt studiert, den Bachelor für Geschichtswissenschaften und Philosophie und dann den Master in Geschichte und in Philosophie/Ethik gemacht. Hier unterrichte ich Politische Bildung, Geschichte und Ethik. Wie muss man sich das Philosophie- und Ethikstudium vorstellen? Natürlich setzt man sich mit den großen Philosophen und ihren Texten auseinander. Man hat aber auch ganz andere Seminare, z.B. Logikseminare, d.h. man lernt logisches Denken, Thesen formulieren, Argumentation... Man wird allgemein ausgebildet, selbst logisch zu denken und Argumentation - auch anderer - auf Stichhaltigkeit und Logik prüfen zu können. Seite 8

Warum Philosophie und Geschichte? Beides aus einer Neigung heraus, die sich schon in der Schule festgesetzt hat. Ich hatte Geschichte im Leistungskurs und habe auch Abitur geschrieben. Es hat mir Spaß gemacht. Philosophie habe ich in der 11. und 12. Klasse für mich entdeckt, da wir einen guten Philosophielehrer hatten. An der Humboldt-Uni kann man Philosophie und Geschichte kombiniert studieren und so habe ich mich dafür entschieden. Seit wann sind Sie Lehrer? Mein Studium habe ich im Sommer 2010 beendet. Dann habe ich in Berlin gearbeitet und danach eineinhalb Jahre ein verkürztes Referendariat gemacht. Am 31. Dezember 2012 war ich fertig. Am 1. Februar 2013 habe ich hier angefangen; ich bin also seit zwei Jahren Lehrer. War Lehrer ihr Wunschberuf, gab es vorher andere? Ganz früher wollte ich Pilot werden. Dann wollte ich in Richtung Sprachen und Touristik gehen, aber da die meist nur im ReiseÜberflieger


büro landen, habe ich es verworfen. Das Lehrersein schwirrte schon immer in meinem Hinterkopf und hat sich schließlich als die Berufsvariante herauskristallisiert, die ich mir auch längerfristig vorstellen konnte. Welches Fach besitzt Ihre größte Leidenschaft? Prinzipiell unterrichte ich alle meine Fächer gern. Aber meine größte Leidenschaft ist die Auseinandersetzung mit der Geschichte. Ich bin ein großer Fan der Antike, die leider wenig gelehrt wird. Jede Epoche ist interessant, doch je älter sie ist, je weiter weg von unserer Zeit, desto interessanter finde ich es. Was macht Ihnen am Unterrichten am meisten Spaß? Die Arbeit mit den Menschen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Ganz klar, auch mein Interessensgebiet inhaltlich verfolgen zu können. Ebenso die Wechselhaftigkeit im Lehrerberuf: Jede Stunde ist anders, kein Tag ist wie der andere. Falls Sie das bereits kennen: Was tun Sie gegen Alltagsstress? Natürlich kenne ich Alltagsstress. Ich bin aber kein stressanfälliger Mensch. Meist höre ich Musik, am besten mit MP3 Player, sodass die Knöpfe im Ohr sind und ich keine Geräusche der Umwelt mehr höre, sondern mich wirklich nur auf mich und meine Gedanken konzentriere. Ansonsten hilft guter Rock ‘n Roll, dabei kann ich am besten abschalten. Welche Bands und Konzerte hören Sie gern? Es gibt da vieles. Ich war jüngst auf einem Konzert der Ärzte auf dem Tempelhofer Flugfeld. Ich höre auch gern die Dropkick Murphys, diesen irischen Folkrock, und Jahrgang 9 Ausgabe 27

gern Volbeat, aber genauso gern auch mal einen Klassiker wie AC/DC. Ich mag diesen Schmuse- oder Kuschelrock nicht, das ist mir zu wenig abwechslungsreich. Es muss Rock sein, bei dem etwas passiert, der einen vorantreibt und abwechslungsreich ist.

lenné - intern

herr probst

Wie verbringen Sie Ihre schulfreie Zeit? Unter der Woche verbringe ich die Zeit mit meiner Freundin. Abends machen wir zusammen Essen, gucken ein wenig fern. Wenn man noch was zu arbeiten hat, erledigt man das. Ansonsten treffe ich mich gern mit Freunden, mache den sogenannten „Kneipensport“, spiele sehr gern Billard in den verschiedenen Varianten, auch gern Dart. Sonst mache ich Sport, wo sich die Gelegenheit bietet. Im Moment habe ich keine Zeit, im Verein regelmäßig zu trainieren und versuche, viel draußen unterwegs zu sein und mich so vom Alltag loszulösen und zu entspannen. Welchen Sport treiben Sie? Wenn wir Billard und Dart weglassen, gehe ich ab und an joggen, ein- bis dreimal die Woche. Es hängt vom Wetter ab oder davon, wie ich in der Woche Zeit finde. Ansonsten ein paar Situps, ein paar Liegestütze zu Hause, ein bisschen Fitness. Mit meinen Freunden aus der damaligen Vereinstätigkeit findet mal am Wochenende irgendein Volleyballturnier statt oder wir spielen ein Spaßturnier Fußball mit den alten Freunden vom Fußballverein. Lesen Sie viel und welche Literatur mit Vorliebe? Ich lese oft in der Bahn und kaufe gern Geo Epoche oder andere Historienzeitschriften, also Fachzeitschriften. Ich lese aber auch gern mal einen belletristischen Roman, der mich eher unterhält, oft irgendwelche Starwars-Romane, weil ich ein ganz großer Seite 9


lehrerinterview

Starwars-Fan bin. Ist ja an meinem YodaSchlüsselanhänger leicht abzulesen. Bei den Autoren bin ich nicht festgelegt. Ich lese sehr gern Thomas Mann, das ist von der Sprache unglaublich interessant. Ansonsten lese ich auch Umberto Eco. Gibt oder gab es „Idole“ in ihrem Leben? Eine Vorbildfigur war, zumindest früher, mein Opa. Er war auch Sportler und hat sein Leben immer gut gemeistert. Ich habe viel Zeit mit ihm verbracht. Ansonsten hatte ich meine Teenie-Zeiten, wo man irgendwem nachgerannt ist oder mal sein wollte wie jemand anderes. Ich hatte eine ganz schlimme Hip-Hop-Phase, in der ich mich auch so gekleidet habe. Dann fand ich mal Eminem gut, aber das ist lange her, Gott sei Dank. Ich schäme mich auch ein bisschen dafür. Jetzt bediene ich mich eher da, wo es für mich Sinn macht. Es ist nicht jemand, an dem ich mich orientiere, sondern es sind bestimmte Themen oder etwas, was jemand gesagt hat, was mich beeindruckt, was ausdrückt, wie ich selber gern sein würde oder dem gleicht, was ich denke. Im Prinzip also eine große Collage. Welche Eigenschaften schätzen Sie an anderen Menschen? Ich schätze Ehrlichkeit. Man kann mir ins Gesicht sagen, wenn man mich nicht mag oder etwas nicht in Ordnung findet, was ich gemacht habe. Damit kann ich umgehen, das kann man aus der Welt schaffen. Und ich mag Menschen, die authentisch sind, auch wenn es Menschen sind, die anecken oder manchmal mit dem Mund zu weit voransprechen. Schlimmer sind Menschen, bei denen man das Gefühl hat, sie sind nicht das, was sie vorgeben zu sein. Ansonsten bin ich recht offen. Ich gucke eher, ob es ein Mensch ist, mit dem ich mich gut verstehe. Wenn das nicht der Fall ist, ist es auch nicht Seite 10

schlimm. Man muss nicht mit allen gut Freund sein. Wenn man höflich und respektvoll miteinander umgeht, kann man mit den meisten Menschen klarkommen. Und an sich selbst? Ich glaube zumindest, dass ich mich nicht verstelle, dass man mir anmerkt, ob es mir gut geht oder nicht, ob ich etwas ernst meine oder nicht. Ich bin, wie ich bin. Darauf lege ich Wert. Ansonsten finde ich es wichtig, dass ich mit Leuten immer höflich und respektvoll umgehe. Ich bin auch relativ flexibel, was spontane Ereignisse und Unternehmungen angeht. Reisen Sie gern und welche Kontinente haben Sie schon betreten? Ich reise gerne! Bisher habe ich nur zwei Kontinente betreten: Afrika und Europa. In Afrika war ich bis jetzt nur einmal - in Ägypten. Das war unglaublich interessant, natürlich besonders aus historischer Sicht. Innerhalb Europas habe ich viel gesehen. Ich mache gerne mal 5-6-Tage-Kurztrips in irgendwelche interessanten Städte und je nach Zeit und Lust schaue ich mir noch das Umland an. Ich muss das Gefühl haben, etwas mitgenommen und nicht unnötig Zeit verdaddelt zu haben. Im Moment bin ich immer noch auf dem Trip, Osteuropa zu erschließen. Ich würde gern das nächste Mal versuchen, in Richtung Sankt Petersburg oder Bukarest zu reisen. Wo war es besonders schön? Das kommt auf die Perspektive an. Auf Malta war es sehr schön, weil es eine beschauliche Fischerinsel ist und man sehr viele interessante Dinge sieht und sich entspannen kann. Dadurch, dass es mal durch Franzosen, Engländer oder Portugiesen besetzt war, bietet es natürlich eine große Vielfalt an geschichtlichen Zeugnissen. Eine Überflieger


unglaublich schöne Stadt ist Prag für mich. Ich war bestimmt ein Dutzend Mal in Prag, finde es nie langweilig dort und entdecke immer wieder neue Ecken. Auch Budapest hat mich sehr beeindruckt, am stärksten die Donau, dieser riesengroße Fluss. Mein absoluter Favorit ist bis jetzt ganz klar Ägypten. Wählen Sie zwischen Wandern im Gebirge und einem Urwaldtrip! Wandern ist nicht so meins. Ich habe keine Probleme, längere Zeit zu gehen, aber ich brauche ein Ziel. Auf jeden Fall hätte ich Interesse, einen Dschungeltrip zu machen. Mir könnte gefallen, eine Lounge direkt am Amazonas zu mieten, dann zwei Wochen da zu verbringen und mich quer durch den Busch zu schlagen, den Amazonas rauf und runter. Wann sind Sie zum ersten Mal geflogen, wohin ging Ihr längster Flug? Der erste Flug meines Lebens war mit 12 oder 13 und ging in die Türkei. Der längste Flug bisher war der nach Ägypten, weil wir bis zur Küste des Roten Meeres geflogen sind. Das waren knapp fünf Stunden. Würden Sie gern selbst ein Flugzeug fliegen können? Ja, ich würde gerne einmal ein Flugzeug fliegen, aber möglichst eins, wo keine weiteren Passagiere dabei sind, nur zur reinen Sicherheit aller anderen. Verraten Sie uns ein paar Lebensziele? Ein Lebensziel ist irgendwann einmal eine Reise nach Kuba. Und klar: Familie, Kinder. Dann muss es unbedingt einen BungeeJump und einen Fallschirmsprung geben. Es ist auch dringend notwendig, dass ich noch meinen Motorradführerschein mache, ein Motorrad kaufe und das fahre. Jahrgang 9 Ausgabe 27

Haben Sie einen Rat für uns Schüler? Seid höflich, seid respektvoll anderen auch den Lehrern - gegenüber. Dann könnt ihr auch ehrlich sein und sagen, was euch gefällt und was nicht, dann wird euch kein Lehrer böse sein. Ansonsten seid auch ihr, wie ihr seid. Das ist in Ordnung. Nehmt euch vielleicht auch nicht immer alles so sehr zu Herzen.

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Herr probst

Bitte vervollständigen Sie die folgenden Satzanfänge: Wenn ich eine Zeitreise machen könnte, ... würde ich in die antike spätrömische Republik reisen und mal mit dem guten alten Caesar, mit Cicero und Augustus quatschen. Als Krieger oder als Philosoph? Als römischer Senator. Wenn ich noch einmal studieren würde, ... würde ich wahrscheinlich Latein und Altgriechisch studieren. Ich entspanne mich am besten ... bei guter, lauter Musik und im Freien. Meine „Traumreise“ ist ... eigentlich, einen Rucksack zu schnappen, auf den nächsten fahrbaren Untersatz zu steigen und nicht zu wissen, wohin es geht. Am liebsten esse ich ... Schnitzel. Ich ärgere mich ... allerbestens über mich selbst und über meine eigenen Fehler. Die regen mich am meisten auf. Glück bedeutet für mich, ... ehrlich sagen zu können, dass man im Moment keinen Grund hätte, sich zu beschweren. Das bisher größte Ereignis meines Lebens war … definitiv, dass ich meine Freundin gefunden habe.

Ich bedanke mich für das Interview.

Evelina Demtschenko, 13/1 Seite 11


Partner

Post aus Polen

Über einen früheren Interviewpartner hat ein polnisches Gymnasium zu uns Kontakt aufgenommen. Es ist eine Schule, die z.T. ähnliche Schwerpunkte setzt wie wir und sich über eine Zusammenarbeit freuen würde. Unsere Schülerzeitung macht den Anfang. Kann sich daraus ein neuer Schüleraustausch entwickeln? Hier der Brief: Schulchor „Prima Voce“ des Gymnasiums Nr. III „Maria Skłodowska-Curie“ in Świdnica, Polen

III Liceum Ogólnokształcące im. Marii Skłodowskiej-Curie w Świdnicy jest miejscem szczególnym. Szkolną wspólnotę tworzą ludzie z pasją i dzięki nim rodzą się i rozwijają fascynacje nauką, sztuką i kulturą. Szkoła przygotowuje w trzyletnim cyklu młodzież do egzaminu maturalnego. Patronuje nam słynna polska noblistka, która potrafiła łączyć świat ścisłych dyscyplin: fizyki i chemii z humanistyczną wrażliwością. Krocząc jej śladem, umożliwiamy uczniom wszechstronny rozwój w ramach funkcjonujących klas profilowanych: humanistycznych, artystycznych (muzycznych, teatralnych i plastycznych), przyrodniczych i menedżerskich. Dlatego w naszej szkole wiele się dzieje. Redagujemy gazetę „Przeciąg”, organizujemy konkursy artystyczne, wydajemy tomiki wierszy, mamy amatorską grupę teatralną „ Teatr metafory Alter K.”, szkolny chór „Prima Voce”. Cenimy turystykę pieszą, różne dyscypliny sportu. Uczniowie naszego liceum ciekawi innych kultur chętnie nawiązują współpracę międzynarodową. Co roku odbywają się u nas Dni Kultury Niemieckiej. Chcemy poszerzać swoje horyzonty także językowe. Jesteśmy przekonani, że „granice naszego języka są granicami naszego świata” a my mamy zamiar je przekraczać. Seite 12

Das Gymnasium Nr. III „Maria SkłodowskaCurie“ in Świdnica ist ein besonderer Ort. Die schulische Gemeinschaft besteht aus Leuten mit Leidenschaft und so entsteht und entwickelt sich hier eine Faszination für Wissenschaft, Kunst und Kultur. Die Schule bereitet die Schüler innerhalb von drei Jahren auf das Abitur vor. Maria Skłodowska-Curie ist die bekannte polnische Nobelpreisträgerin, die auf wunderbare Weise die Welt der Naturwissenschaften Physik und Chemie mit dem Humanismusgedanken verband. Auf ihren Spuren ermöglichen wir unseren Schülern im Rahmen unserer schulischen Profile eine allseitige Entwicklung in humanistischen, künstlerischen (Musik, Theater, Kunst) und naturwissenschaftlichen Zweigen und im Management. Deshalb ist an unserer Schule eine ganze Menge los. Wir redigieren die Schulzeitung „Przeciąg”, organisieren Kunstwettbewerbe, geben Gedichtbände heraus, haben die Amateur-Theatergruppe „Metapher-Theater Alter K.“, den Schulchor „Prima Voce“. Wir pflegen verschiedene Sportarten, u.a. Wandern. Unsere Schüler sind an anderen Kulturen interessiert und knüpfen gern neue internationale Kontakte an. Jedes Jahr finden in unserer Schule „Deutsche Kulturtage“ statt. Wir möchten unsere Horizonte erweitern, auch die sprachlichen. Wir sind überzeugt davon, dass „die Grenzen unserer Sprache, die Grenzen unserer Welt sind.“ Überflieger


Zerreißprobe

von Jule Hollerbaum, 12a, Schulsprecherin

Es ist vorbei. Nach den Oktoberferien ist wieder Ruhe eingetreten in unserer Schule. Doch was war da los von August bis Ende September? Ein Beispiel: An einem noch sonnigen Montagmorgen im September saßen wir mehr oder minder bereit für die bevorstehende geistige Anstrengung und den zu erwartenden Wissenszuwachs im Raum. Doch es reichte gerade für ein „Guten Morgen“, bevor ohrenbetäubender Lärm die freundlich gespannte Erwartung hemmungslos zermarterte. Ein penetrant lautes Baugeräusch bohrte sich in unsere Köpfe bis ins Hirn. Wir suchten nach unserer Konzentration. Doch der Schulhof der Grundschule, der an die 37er Räume und das Schulgebäude der 7./8. Klassen grenzt, wurde erneuert. Die Bauarbeiten waren notwendig, das haben wir verstanden. Dass dies aber über Wochen bei laufendem Unterricht stattfinden musste, bleibt schwer nachvollziehbar. „Oft war es so, dass die lauten Arbeiten während der Unterrichtszeit durchgeführt wurden, während in den Pausen gefegt oder selbst Pause gemacht wurde. Besonders in den unteren Räumen war es sehr problematisch, wenn z.B. der Boden aufgebohrt wurde und Staubwolken durch die Luft wirbelten, ein weiterer Grund, weshalb man die Fenster nicht öffnen konnte. Die 37er Räume sind zudem meist Sprachunterrichtsräume, weshalb der Lärm erst recht störte.“ (Annemarie) „Man hörte in jeder Unterrichtsstunde ein lautes Piepen, das uns alle sehr nervte. Die Klasse wurde unruhig und konnte sich kaum auf den Unterricht konzentrieren.“ (Gina) Jahrgang 9 Ausgabe 27

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13. SEite

Solche Erfahrungen mussten auf die eine oder andere Weise Schüler/innen fast aller Klassenstufen machen. Wie sollten wir so den Unterrichtsstoff begreifen, wie unsere Lehrer zu uns durchdringen, wenn sie permanent einen erheblichen Geräuschpegel übertönen mussten? Gab es keine Alternative? Die Bauarbeiter erfüllten ihre Pflicht und erledigten in der normalen WerktagsArbeitszeit ihren Auftrag. Doch wer hatte diesen erteilt? Jemand, der nicht wusste, dass man zum Lernen Ruhe braucht? Die Arbeiter trugen Gehörschutz. Doch wir „Insassen“ der Unterrichtsräume waren ungeschützt dem Baulärm ausgesetzt. Neben der Unmöglichkeit, unter solchen Bedingungen gute Leistungen zu erbringen, war das Ganze auch gesundheitlich belastend und führte zu Kopfschmerzen, nervlicher Anspannung oder gar Tinnitus. Eine Unterrichtsverlagerung in andere Räume war nur teilweise möglich. Was hätte man also tun können? Es ist vorbei und wir freuen uns, dass wir wieder die Vögel zwitschern hören. Aber eigentlich hätten wir doch gern eine Antwort, warum das Lernen über einen so langen Zeitraum für so viele Schüler und Lehrer zur Belastungsprobe werden musste.

Danke für die Zuarbeiten von Gina Konarski (7/4) und Annemarie Lenz (9/3) Seite 13


über uns

Écrire un poème en français Schüler/innen des Französisch-Kurses 11/1 haben im Unterricht das Gedicht « Déjeuner du matin » von Jacques Prévert, 1946 in « Paroles » veröffentlicht, gelesen und ein eigenes Ende gedichtet. Neben dem Originalgedicht (links) hier zwei Beispiele (rechte Spalte) von vielen interessanten Ergebnissen.

Déjeuner du matin Il a mis le café Dans la tasse Il a mis le lait Dans la tasse de café Il a mis le sucre Dans le café au lait Avec la petite cuiller Il a tourné Il a bu le café au lait Et il a reposé la tasse Sans me parler Il a allumé Une cigarette Il a fait des ronds Avec la fumée Il a mis les cendres Dans le cendrier Sans me parler Sans me regarder Il s’est levé Il a mis Son chapeau sur sa tête Il a mis son manteau de pluie Parce qu’il pleuvait Et il est parti Sous la pluie Sans une parole Sans me regarder

... Il est retourné Dans le café Il a porté une petite boîte Dans sa main Il m’a donné le cadeau Dans la boîte Il y avait du chocolat et une petite lettre Dans la lettre, il est écrit « Excuse-moi ! Je t’aime encore » Et moi j’ai mis Ma main dans sa main Et j’ai souri. Annalena Mac Nelly, Giulia Noll

… Je me suis levée J’ai quitté le café Parce que j’avais mal à la tête Puis j’ai fumé une cigarette Et couru sous la pluie Paris est belle le matin et la nuit Je suis allée sur un pont J’ai regardé vers le bas Et je suis tombée. Hanna Gschwandtner , Marc Dürr

Et moi j’ai pris Ma tête dans ma main Et j’ai pleuré Jacques Prévert (1946) Seite 14

Überflieger


Lenné-schüler

Am 4. April 1996 wurde ich in Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans, geboren. Hier bin ich aufgewachsen und habe die schönsten Jahre meiner Kindheit verbracht. Das moderne Taschkent ist wirtschaftliches und politisches Zentrum der Republik Usbekistan und ist die einzige Stadt im Osten, die eine U-Bahn hat. Im Sommer steigen die Temperaturen manchmal auf bis zu 50°C. Deshalb ist die U-Bahn das beliebteste Verkehrsmittel, denn in den U-Bahn-Tunneln wird die Temperatur ständig auf 23°C geregelt. Mit zwei Jahren bin ich in den Kindergarten gegangen, der ziemlich weit von zu Hause entfernt war. Dort habe ich viele Freunde kennen gelernt, zu denen ich immer noch Kontakt halte. Meine beste Freundin ist Nadeshda. Ich kenne sie, seit ich 4 bin, und bin ein paar Jahre mit ihr zusammen zur Schule gegangen. Sie lebt noch in Taschkent und ist jetzt in der 12. Klasse. Als ich 5 war, hat meine Mutter mich in eine Kunstschule eingeschrieben. Meine Lehrerin Gulnara Ayatovna war eine professionelle Künstlerin. In der Kunstklasse waren wir ca. 15 Schüler. Oft sind wir in die Parks gefahren, um die Natur zu malen. Einer der von uns meistbesuchten Plätze war der Japanische Garten. Dieser Ort ist wie ein Paradies, überall sieht man gepflegte Pflanzen, Büsche und hohe Bäume, unter deren Schatten man dem heißen Sommer entfliehen kann. Mit 7 Jahren wollte ich in Taschkent eingeschult werden, doch meine Mutter erhielt ein Jobangebot aus Deutschland. Daher habe ich die 1. Klasse in Berlin besucht. Nach einem Jahr in Berlin sind wir wieder nach Taschkent gezogen. Dort bin ich vier Jahre zur Schule gegangen, bevor wir beJahrgang 9 Ausgabe 27

lenné - intern

Auf Umwegen nach Potsdam

Sommer 2013. Diana auf dem „Roten Platz“ in Moskau schlossen, nach Russland zu ziehen. Es fiel mir schwer, die Freunde zu verlieren und die geliebte Heimatstadt zu verlassen. Aber so schlecht wurde es dann doch nicht. Die Stadt in Russland, in die wir zogen, heißt Pensa. Ich habe mich schnell an Pensa gewöhnt, viele neue Freunde gefunden und die Stadt als meine zweite Heimat wahrgenommen. Dort habe ich die Schule bis zur 9. Klasse besucht. Die Stadt ist von der Fläche her viel kleiner als Taschkent. Dort wohnen nur 500.000 Einwohner. Pensa wurde 1663 als Teil der Befestigung zur Sicherung des Russischen Reiches gegen die Angriffe der Krimtataren gegründet. 2013 ist die Stadt 350 Jahre alt. Pensa ist eine schöne Stadt mit Sehenswürdigkeiten wie dem Dramentheater, Kanonen aus dem II. Weltkrieg und einem Denkmal für den ersten Einwohner. Die Menschen sind sehr freundlich. 2012 bin ich mit meiner Familie nach Potsdam gezogen. Ich vermisse meine zwei weit entfernten Heimatstädte sehr und möchte sie, so oft es geht, besuchen, um meine Freunde und Verwandten wiederzusehen. Diana Seite 15


studieren im ausland

Mit Studium und Projekten durch die Welt Im Dezember bin ich nach 10 Wochen extremen Sonnenscheins, 35°C und sehr hoher Luftfeuchtigkeit ins kalte Deutschland zurückgekommen. Weihnachten habe ich zu Hause damit verbracht, mich auf das nächste Projekt vorzubereiten.

Linda in Guatemala mit ihrem Pflegekind, einem Brüllaffenbaby 2009 habe ich die Lenné-Schule verlassen. Inzwischen habe ich meinen Bachelor of Science in Biologie, im Oktober beginne ich mein Master-Studium. Ich habe in Greifswald studiert und nach meinem Bachelor im September 2012 habe ich ein Jahr Pause eingelegt, meine Sachen gepackt und bin Anfang Oktober zu zwei Doktoranden aus meiner Projekt-Arbeitsgruppe nach Brunei Darussalam geflogen. Das Sultanat Brunei Darussalam ist eine islamisch-malaiische Monarchie auf der Insel Borneo (Asien) mit etwa der Größe des Saarlandes. 68 Prozent des Landes sind noch Primärwald, was besonders reizvoll war. Ich habe hier 2,5 Monate mit Fledermäusen gearbeitet und viel von der Kultur und den Traditionen mitbekommen, da wir auch von Privatpersonen zu Open Houses u. Ä. eingeladen wurden. Da ich leider die Anmeldefrist für Promos (Förderung vom DAAD) verpasst hatte, habe ich mich auf ein anderes Stipendium beworben und es glücklicherweise auch bekommen. Seite 16

Das war ein Wildlife-Projekt in Guatemala (gelegen in Zentralamerika, im Süden der Halbinsel Yucatán), welches ich übers Internet gebucht hatte. Es schloss den Aufenthalt in einer Gastfamilie während des vierwöchigen Spanisch-Sprachkurses und die Unterkunft in einem Volontärhaus während der sechswöchigen Arbeit in einer Auswilderungsstation für Tiere ein. Dort leben Tiere, die man illegal über die Grenze in die USA bringen und teuer verkaufen wollte. Sie sind meist in schlechter Verfassung, müssen erst aufgepäppelt und dann step by step dem Menschen entwöhnt und ausgewildert werden. Ich hatte riesiges Glück und durfte für dreieinhalb Wochen ein sechs Monate altes Brüllaffenbaby betreuen. Nach einem extrem schweren Abschied kam ich im März 2013 mit einer Temperaturdifferenz von 40°C wieder in Deutschland an. Nach einem Monat zu Hause fuhr ich Ende März nach Wangerooge. Hier war ich in der Umweltbildung tätig und habe bis Ende August Schulklassen und anderen Besuchern Führungen über die Insel, durch das Wattenmeer und über die Lebewesen im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gegeben. Da wir eng mit dem Mellumrat (Vogelschutz) zusammenarbeiteten, konnte ich auch mein ornithologisches Wissen erweitern. Linda Dombrowski (Abi 2009) Überflieger


ehemalige

torin mir sagte: „Ja, Herr Gürges, das mit China hat leider nicht geklappt. Wir würden Ihnen stattdessen einen Platz in Seoul anbieten.“ Südkorea, wirklich? ... Nein, ich wusste wahrlich nicht viel über Süd-Korea, bevor ich hierher kam. Darum eine kleine Auswahl meiner Lieblingsfragen, die ich mir bis dato selbst beantworten kann:

Lenné - Extern

Karl in Korea

Sind Südkoreaner klein? Im Durchschnitt schon, eher schmal. Ich falle mit meinen 1,78 m nicht sonderlich auf.

Südkoreas Hauptstadt Seoul bei Nacht

Beherrschen alle Südkoreaner einen Kampfsport? Ja, alle männlichen Südkoreaner werden während ihres zweijährigen Militärdienstes (19-21jährig) in Taekwondo* ausgebildet? [*Koreanischer Kampfsport, bei dem Wert auf Schnelligkeit und Fußangriffe gelegt wird]

Ich studiere Wirtschaftswissenschaften im 5. Semester an der Uni Leipzig und hatte ziemlich gute Vorstellungen von meinem Auslandsemester, das wahlweise in Hong Kong oder Shanghai stattfinden sollte: endlose Lichter, gläserne Wolkenkratzer… Im Epizentrum des chinesischen Aufbruchs wollte ich sein.

Spielen Koreaner wirklich so sehr viele Videospiele? Ja, es gibt sogar Arenen, in denen man professionelle Spieler bei StarCraft und League of Legends beobachten kann. Mein Zimmergenosse sitzt gern mal bis 5 Uhr früh vor seinem Laptop.

Tagelang feilte ich an meinem Motivationsschreiben, denn kein Mitglied der Prüfungskommission sollte auch nur den kleinsten Zweifel daran hegen, dass ich der richtige Student für ein Auslandssemester in China bzw. Hong Kong sein würde. Sprachkurs, außeruniversitäre Aktivitäten; alles hat gepasst. Dachte ich zumindest - bis meine Auslandskoordina-

Merkt man viel von dem Korea-Konflikt im Alltag und in den Medien? Gute Frage. Tatsächlich sind Nord- und Südkorea offiziell noch im Kriegszustand. Davon merkt man aber recht wenig im Alltag. Alle paar Monate findet eine öffentliche Evakuationsübung statt, bei der für eine halbe Stunde jeglicher Verkehr stillsteht.

Jahrgang 9 Ausgabe 27

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studieren im ausland

Infobox: Korea

Nach Ende des II. Weltkrieges griffen am 25. Juni 1950 nordkoreanische Truppen Südkorea an. Der Krieg weitete sich schnell zu einer bewaffneten Auseinandersetzung unter internationaler Beteiligung aus. Es wurde ein Stellvertreterkrieg zwischen den USA und ihren Alliierten auf der einen Seite und China und der UdSSR auf der anderen Seite. Nach zweijährigen Verhandlungen wurde am 27. Juli 1953 ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen. Bis dahin waren 940.000 Soldaten und etwa drei Millionen Zivilisten getötet und beinahe die gesamte Industrie des Landes zerstört worden. Bis heute gibt es keinen Friedensvertrag und an der Grenze zwischen dem geteilten Korea stehen sich beide Seiten feindlich gegenüber. Während Nordkorea sich zu einer der schlimmsten Diktaturen der Welt - mit schweren Hungersnöten, brutaler politischer Unterdrückung der eigenen Bevölkerung und aggressivem Verhalten gegenüber den Nachbarländern (Bedrohung mit der Atombombe) - entwickelte, entstand in Südkorea (früher eine Militärdiktatur) eine demokratische, hoch entwickelte Industrienation nach westlichem Muster. Besser als ein Frage-Antwort-Spiel gibt folgende Geschichte Einblick in meine Zeit in Korea:

angesprochen und sieht Leute öffentlich zusammen beten. Es hat mich ziemlich überrascht, als ich herkam.

Mit lautem Ton weckt mich mein Handy nach dem Kampf der vergangenen Nacht. Ich realisiere, dass ich wohl verloren habe. Soju, ein koreanischer Schnaps auf ReisBasis, hat wieder einmal meine Vernunft niedergestreckt. Ich blicke um mich und brauche einige Momente, um zu realisieren, dass ich auf der Couch eines Kumpels genächtigt habe. „Hey man, what’s wrong with you? It’s just 10am“, nuschelt er mir entgegen. „Yeah, I’m supposed to meet a frien…“, ist wohl das Letzte, was er hört, bevor er wieder in seinen wohlig tiefen Schlaf fällt. Ich schließe die Tür so leise wie möglich hinter mir und mache mich auf, die Metro-Station wiederzufinden. Da ist die große Kirche mit eigener Tiefgarage, ich muss auf dem richtigen Weg sein. Gestern auf dem Heimweg sprachen besagter Kumpel und ich genau hier über die sehr extrovertierte Ausübung des christlichen Glaubens in Südkorea. Jeden zweiten Tag wird man von einem Missionar

Also richtig, nach der Kirche nach links und dann wieder rechts. Ich erkenne schon von weitem die Metro-Station und stoppe auf dem Weg dahin kurz für ein Sandwich und einen ekligen Instant-Kaffee. Ich befinde mich hier in Sinchon, einem bei Koreanern sehr beliebten Bezirk. Es gibt viele Möglichkeiten zum Weggehen und Essen.

Seite 18

Obwohl Seoul ein grandioses U-Bahn Netz bietet, würde ich noch eine Stunde bis zu meiner Universität brauchen. Ich habe keine Kopfhörer und nichts zu lesen dabei! Ich begebe mich in den Waggon, wieder ist kein Platz frei. Mir scheint, die U-BahnWaggons in Seoul sind chronisch voll. Das wird wohl eine sehr lange Stunde werden. Vielleicht ist dies ein guter Anlass, um die paar der 10 Millionen Leute, mit denen ich in dieser Stadt lebe, zu beobachten und zu beschreiben. Wen haben wir denn da? Da sind zum Beispiel: Überflieger


•Die Wochenend- Bergsteiger mit ihrer High-end-Funktionskleidung und ihren Carbon-Wanderstöcken. Korea besteht zu 70 Prozent aus Bergen. Deswegen ist Wandern die Top-Wochenend- und Feiertagsbeschäftigung für Großstadt-Koreaner. Besonders fordernd sind die Wanderungen aber nicht, oft gibt es sogar Stufen, wenn es zu steil wird. •Der Sechs-Tage-Arbeitnehmer, der die gesamte Woche und Samstag schuftet, weil sein Boss das eben so verlangt. In Korea gilt die Regel: Solange der Chef noch im Büro ist, dürfen die Arbeitnehmer nicht gehen. Das gilt oft selbst für Urlaubstage, sodass viele Koreaner chronisch überarbeitet sind. Viele meiner koreanischen Kommilitonen sagen mir, dass sie später nicht so eine Karriere erleben wollen, aber es ist leichter gesagt als getan, mal eben gegen das Arbeitsethos eines Landes anzugehen. •Der traurig blickende Soldat. Der Militärdienst in Korea ist die gemeinsame Pein, die alle Männer im Innern zusammenhält. Kommilitonen haben mir erzählt, dass sie zwei Jahre lang gequält und zu den ruhigen Charakteren ausgebildet werden, die man hier so oft sieht. Wenn es z.B. akute Spannungen mit dem nördlichen Nachbarn gibt, kann sich die Zeit, in der sie Tag und Nacht in voller Ausrüstung für den Ernstfall vorbereitet sein müssen, schon mal um drei Monate verlängern. •Die alte Dame mit Pergamenthaut. Für Ältere gibt es spezielle Sitzplätze in der UBahn, auf die man sich nicht einmal setzt, wenn der Waggon leer ist. Ich habe diesen Fehler am Anfang begangen und wurde prompt von allen böse angestarrt, bis ich mich wieder hinstellte. Hierarchie und Altersunterschiede sind enorm wichtig in der koreanischen Kultur und Sprache. Jahrgang 9 Ausgabe 27

Lenné - Extern

ehemalige

Essen mit Freunden: Reis, Tintenfisch und Kimchi, eine auf Milchsäuregärung basierende Zubereitungsart von Gemüse Sollte mal kein Platz für ältere Menschen frei sein, bieten viele Koreaner sehr devot ihren Platz an. Selbst meine Kommilitonen verbeugen sich vor nur ein Jahr älteren Freunden, wenn sie sich kurz begrüßen. Ausländer sind zum Glück von dieser Regelung ausgenommen. Und alle haben sie doch eins gemein: Alle starren wie gebannt auf ihr Smartphone, ob zum Fernsehen, Spielen oder Schreiben. Um die langen Fahrzeiten in Seoul zu überbrücken, wird alles Mögliche konsumiert. Nicht, dass wir in Deutschland nicht auch den Hang zum Griff nach unserem Telefon hätten, aber Korea spielt noch einmal in einer ganz anderen Liga. Als „Waede“ aus den Lautsprechern tönt, blicke ich nochmals kurz durch den Waggon und stelle mich an den Ausgang. Und noch einmal schaue ich zurück und komme nicht umhin, dankbar zu sein, Teil dieser eigenwilligen Gesellschaft zu sein. Wenigstens für ein Semester. Karl Gürges (Abi 2010) Seite 19


Kommentar

Langeweile verboten Die Generation der Wunderkinder von Clara

Höher, schneller, weiter, besser! Der üblicherweise den Jungen nachgesagte fast manische Ehrgeiz, der nicht selten in ein auffällig aggressives Verhalten ausufert, bemächtigte sich in den letzten Jahren besonders vieler junger Eltern. Wie gehetzte Pferde mit Scheuklappen haben sie nur ein Ziel: Ihr Kind soll besser sein als alle anderen. Immer mehr Eltern drängen ihre Kinder in Arbeitsgemeinschaften, zu Sportvereinen, in Musikschulen und dergleichen und das oft gegen deren Willen. Die Kinder finden kaum noch Freizeit, da sie immer entweder in außerschulischen Gruppen oder mit dem Lernen für die Schule beschäftigt sind. Da bleibt die Zeit für Freunde und gesunde Langeweile einfach auf der Strecke. Eltern reden auf ihre Kinder ein, wollen ihnen weis machen, dass sie etwas Besonderes seien und besser als ihre Mitschüler. Natürlich geht so etwas nicht spurlos an einem kleinen Kind vorbei, dessen Charakter nicht vollständig entwickelt und noch leicht formbar ist. Um die Eltern nicht zu enttäuschen, wollen die Kleinen den viel zu hohen Ansprüchen gerecht werden. Dabei setzen sie sich zunehmend unter Druck. Das Beste zu geben, ist nicht mehr genug. Das wäre ja auch einigermaßen nachzuvollziehen, aber Eltern verlangen ihren Kindern noch mehr ab. Sie müssen in einen Sportverein: Training, zweimal die Woche. Zum Gesangsunterricht: auch zweimal die Woche. Ein Musikinstrument lernen: Probe, einmal die Woche. Somit hätte man eine ganze Schulwoche gefüllt. Da bleiben noch die Wochenenden: Vom Sportverein stehen am Sonnabend oder Sonntag ab und zu Wettkämpfe an. Mit der Musikgruppe oder mit Seite 20

dem eigenen Instrument gibt es Auftritte, wo die Kleinen fein gemacht ihr Können zeigen. Tja, und schon hat man eine komplett durchgebuchte Woche. Wochenende mit Spaß und Erholung? Fehlanzeige. Natürlich soll das Kind aber auch in der Schule sein Bestes geben und sehr viel lernen. Wo bleibt da noch Zeit für Freunde? Wo die Zeit, um einfach Kind zu sein? Eltern überfordern ihre Kinder. Und das ist heutzutage leider kein Einzelfall mehr. Natürlich unterscheiden sich die Extreme von Familie zu Familie, doch es ist schlimm genug, dass es überhaupt so viele Eltern gibt, die meinen, für ihr begabtes Kind nur das Beste zu wollen. Bei all dem Druck und Stress, den die Eltern ihren Kindern machen, können sich ebendiese nicht mehr richtig entfalten. Sie kriegen ihr Leben vorgelebt, die Meinung der Eltern wird zum Gesetz und sie können nicht mehr differenzieren: Mag ich mein Leben jetzt, weil es mir wirklich gefällt, oder mag ich es nur, weil meine Eltern mir sagen, dass ich es mögen soll? Diese Verwirrung, der von Eltern produzierte Stress und die Unzufriedenheit mit sich selbst können bei einigen Kindern zu Kurzschlussreaktionen und psychischer Überlastung führen. Eine darauf folgende, wohlbekannte Form des Hilfeschreis ist das Ritzen. Durch Überdecken des inneren Schmerzes mit äußeren Schmerzen hoffen manche Kinder, besser mit den Ansprüchen der Eltern klarzukommen. Das Ritzen ist keine dauerhafte und schon gar nicht Erfolg versprechende „Lösung“. In ihrem Erfolgswahn bemerken die meisten Eltern nicht einmal, dass es ihrem Kind schlecht geht Überflieger


und dass sie es schlichtweg überfordern. Ein anderer Weg, auf sich aufmerksam zu machen, ist der, den zu Hause angestauten Frust in der Schule an Mitschülern auszulassen, entweder gewalttätig oder verbal. Selbst der Klassenclown ist ein bekanntes Ventil. Sobald so ein Kind im Unterricht nicht mehr in dem Maße mitkommt, wie es die Eltern gern hätten, lehnt es sich einfach zurück und unterhält die anderen, indem es die Lehrer zur Weißglut treibt, laufend Witze reißt und den Unterricht stört. Hier schließt sich der Kreis: Dieses häufig beobachtete Verhalten hat zur Folge, dass die Eltern informiert werden, die nun den Kindern noch mehr Druck machen. Haben Kinder jedoch erst einmal auf Durchzug gestellt, wird es schwer, wieder den Anschluss an den Schulstoff zu finden und so müssen die verzweifelnden Eltern ihre Kinder durch die Prüfungen der 10. Klasse und, falls es

dazu kommt, anschließend durch das Abitur „prügeln“. Egal, was die Kinder davon halten, es ist nur für ihr Bestes! All das sollte im Normalfall natürlich nicht passieren. Eltern dürfen ihre Kinder nicht so auf Perfektion trimmen. Sie sollten sie so lieben und achten, wie sie sind. Sie sollten sie führen, aber nicht drängen. Kinder müssen lernen, selbst zu entscheiden, wer sie sein wollen und wie sie ihre Freizeit gestalten. Nichts gegen elterliche Strenge, doch zu viel davon kann ein Kind für immer prägen, denn das Gefühl, die eigene Mutter und den eigenen Vater enttäuscht zu haben, steckt nicht jeder so leicht weg. Kinder sollten sich auch einfach mal langweilen dürfen, denn Langeweile regt durchaus die Phantasie an. und macht kreativ.

kultur - feuilleton

wunderkinder

Über den Wolken wohnen die Träume Es passiert mir immer und überall: im Unterricht, wenn ich aus dem Fenster in den Himmel sehe oder wenn ich anfange zu schwärmen. Ich fange an zu träumen. Meiner Meinung nach wohnen Träume in den Wolken. Wir können sie nicht anfassen wie einen Baum oder eine Blume. Sie sind wie die Liebe oder der Hass. Wenn ich träume, kann alles passieren. Ich kann plötzlich fliegen oder auf einer Bühne vor Tausenden von Menschen singen, ausnahmsweise mal gut. Ich treffe meinen Lieblingsstar und wir werden gute Freunde, ich galoppiere auf einem Pferd durch Wiesen und Wälder... Am liebsten aber träume ich von meiner Zukunft. Ob ich wohl heiraten werde? Werde ich ein Jahrgang 9 Ausgabe 27

kleines Haus mit Garten haben? Vielleicht übe ich sogar meinen Traumberuf aus. Ich drifte dann so sehr ab, dass es Mühe braucht, mich wieder in die Realität zurück zu holen. Ich träume schöne Dinge mit offenen Augen. Die Realität ist kein Traum! Da gibt es nicht nur Positives. Aber wäre das Leben ein Traum, dann brauchten wir keine Träume mehr. Träume gehen in Erfüllung oder zerplatzen wie Seifenblasen. Manche Träume ändern sich wie das Wetter, andere bleiben, bis sie Realität werden. Man muss sie nur aus den Wolken holen, festhalten und fest daran glauben. Sarah M. Oleniczak, 8/5 Karikatur: Diana Seite 21


Thema: Über den wolken

Über den Wolken Im Interview: Roland Samson ist Pilot. Ein großer Teil seiner Lebenszeit verlief über den Wolken. Wir haben ihn in Berlin Schönefeld getroffen. Sein Stammflughafen ist Berlin Tegel, doch Schönefeld ist von seinem Zuhause in wenigen Minuten und auch für uns von Potsdam nun einmal besser zu erreichen. Herr Samson, Sie haben mehr als die Hälfte Ihres Leben in der Luft verbracht. Wie viele Flugstunden haben sich angesammelt und wie viele Jahre sind darüber vergangen? Es sind 22.000 Flugstunden in über 40 Jahren.

Luftwaffe oder von den Agrarfliegern. Ich habe mich ganz normal für eine Pilotenausbildung beworben, die Eignungsgespräche und medizinischen Tests absolviert und nach meinem Abitur im Herbst 1968 mit dem Studium begonnen.

Eine beachtliche Zahl! Wann ist Ihr Berufswunsch entstanden? Etwa mit 12 oder 13. In meinem Heimatort gab es einen Segelfliegerclub, für den sich natürlich viele Jungs in meinem Alter interessierten. Mein Vater hat damals bei mir das Interesse für die Fliegerei geweckt. Er war Flugzeugingenieur, kannte sich auf dem Gebiet der Flugzeugtechnik gut aus und hat mich bei all den Dingen, die wichtig waren, um den Traum vom Fliegen Wirklichkeit werden zu lassen, unterstützt. Mit 13 habe ich die Theorieausbildung gemacht, mit 14 konnte ich abheben, zuerst natürlich mit Fluglehrer, später dann allein.

Wie erinnern Sie diese Studienzeit? Ich habe gute Erinnerungen an diese Zeit. Von 1968 bis 1971 dauerte das Theoriestudium mit viel Aerodynamik, Meteorologie und Verkehrsgeografie. Darauf folgte die fliegerische Grundausbildung in Erfurt auf dem Flugzeugtyp AN-2, einem sowjetischen Doppeldecker. Im Frühjahr 1972 wurden wir von der Interflug übernommen und fast alle, auch ich, kamen als „Copiloten-Azubis“ auf die IL-18. Dort haben wir die Ausbildung beendet und ich bin ein paar Jahre als Copilot und später auf dem gleichen Flugzeugmuster als Flugkapitän geflogen.

Sie haben die Pilotenausbildung in der DDR absolviert. Wie konnten Sie damals Pilot werden? Ab 1966 begann die Interflug, ihre Piloten selbst auszubilden. Vorher kam der Pilotennachwuchs von der Armee, also von der Seite 22

In Filmen sind Piloten Helden, in der Werbung Muster des Erfolgs, für Jungs ist es ein Traumberuf. Wie sieht die Realität aus? Ist der Beruf immer noch Ihr Traumberuf? Als Junge hat man viele Traumberufe. Das ging bei mir von Feuerwehrmann bis Kosmonaut über alles, was dazwischen liegt. Überflieger


Ich wollte auch mal Kutscher werden und im Prinzip bin ich es auch geworden. (lacht) Der „Traumberuf“ ist es für mich nicht mehr, denn ich habe ihn mehr als 40 Jahre ausgeübt, ich habe ihn sozusagen gelebt. Ich weiß, wie verantwortungsvoll und fordernd der Beruf ist. Manchmal ist er extrem anstrengend, aber er ist auch immer wieder interessant, erlebnisreich und einfach schön. Wodurch ist der Beruf anstrengend? In erster Linie sind es die langen, unregelmäßigen Arbeitszeiten. Durch den Wechsel der Zeitzonen kommt man schon mal 24 bis 28 Stunden nicht zur Ruhe. Jeder Langstreckenflug ist mit einer verlorenen Nacht verbunden. Zusätzlich belastend sind oft eine zu geringe Luftfeuchtigkeit und Sauerstoffmangel im Cockpit. Fliegen Sie Inland- und Langstreckenflüge? Welche bevorzugen Sie? Die Boeing-Flotte der Condor macht eigentlich keine Inlandflüge, höchstens als Zubringer für Fernflüge, z.B. von Hamburg, Frankfurt oder Berlin nach München. Die Boeing 757 und 767, auf der ich bin, fliegt Mittelstrecken, z.B. auf die Kanarischen Inseln, und Langstrecken nach Fernost, Nord- und Südamerika und in die Karibik. Mir gefällt eine gute Mischung aus allem. Wann erfahren Sie Ihre Flugziele? Der monatliche Dienstplan wird immer drei Tage vor Beginn des jeweiligen Monats veröffentlicht. Dann kann ich meine Umläufe einsehen und weiß, wann und wohin meine Flüge gehen und wann ich frei habe. Was ist ein Umlauf? Ein Umlauf ist ein kompletter Einsatz vom Dienstbeginn bis zum Ende des Fluges. Das kann ein Flug sein, der von Frankfurt nach Jahrgang 9 Ausgabe 27

Punta Cana in der Dominikanischen Republik und am nächsten Tag wieder zurück nach Frankfurt geht. Es kann aber auch eine Kombination aus mehreren Flügen sein, z.B. zwischen München, Antalya, Leipzig, Berlin und Hurghada am Roten Meer, und deshalb auch drei, vier oder fünf Tage dauern.

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piloteninterview

Haben Sie Zeit, an einem Zielort auf der Welt etwas anzusehen? Habe ich. Wenn man zwei oder drei Tage Aufenthalt hat, kann man sich ein bisschen im Land umschauen, kleine Geschenke kaufen und auch mal faulenzen und sich am Strand vom Jetlag erholen. Gibt es einen Ort, an dem Sie sehr gern Aufenthalt haben? Im Winter bin ich gern in Thailand. Das Klima, ein wunderschöner Strand und extrem freundliche Menschen machen den Aufenthalt dort sehr angenehm. Außerdem liebe ich die thailändische Küche. Aber ich bin, selbst wenn’s komisch klingt, auch sehr gerne bei mir zu Hause. Geflogen sind wir wohl alle schon, aber nie im Cockpit. Ist es für Sie beeindruckender, eine Metropole wie Rio de Janeiro anzufliegen oder eine Landschaft von oben zu sehen? Wenn wir Flughäfen großer Metropolen anfliegen, bleibt wenig Zeit für die schönen Dinge außerhalb des Cockpits. Auf Grund der extrem hohen Verkehrsdichte an solchen Airports ist auch die Arbeitsbelastung der Piloten sehr groß und erfordert absolute Konzentration auf die Flugzeugführung. Für den Blick auf die Metropole bleibt da wenig Zeit. Aber einen Sonnenuntergang in der Karibik aus dem Cockpit zu beobachten, ist auch für einen alten Hasen wie mich immer noch ein schöner Abschluss eines langen Arbeitstages. Seite 23


Thema: über den wolken

Welche Flughäfen fliegen Sie aus flugtechnischer Sicht am liebsten an, welche eher ungern? Im Grunde fliege ich alle gern an, ich habe also aus flugtechnischer Sicht keinen Favoriten, aber auch keinen, den ich besonders unsympathisch finde. Jeder Flughafen hat seine Besonderheiten. Auf einigen herrschen oft extreme Windbedingungen wie z.B. auf Madeira. Bei anderen, besonders bei Großstadtflughäfen, ist nicht das Wetter, sondern eher die hohe Verkehrsdichte das Problem. Starts und Landungen in Minutenabständen fordern von Piloten und Fluglotsen höchste Konzentration. Flughäfen wie der ehemalige Hongkonger Airport Kai Tak, die wegen ihrer unmittelbaren Nähe zu hohen Bergen und dicht besiedelten Wohngebieten schwierig anzufliegen waren, gehören zum Glück immer mehr der Vergangenheit an. Worin liegt der Unterschied zwischen einer Boeing und einem Airbus? Der ist für den Laien kaum wahrnehmbar. Bei Boeing z.B. findet man auch heute noch weitgehend die konventionelle Steuerung der Flugzeuge mittels Steuersäule, Schubstangen und Seilzügen, mit denen die Ruderflächen bewegt werden. Airbus hat dagegen die elektronische Flugzeugsteuerung, das Fly-by-wire, perfektioniert. Hierbei werden die Steuerbewegungen des Piloten über einen Sidestick in elektrische Signale umgewandelt, mit deren Hilfe Servomotoren die Ruder bewegen. Was hat sich nach 1989 mit der Wende für Sie verändert? Verschiedenes. Zu den Flugzeugen: Ich durfte von der veralteten IL-18, einer Propellermaschine, auf eine moderne Boeing 757 und später auf die 767 umschulen. Zum Einsatzgebiet: Früher hießen die Ziele vor Seite 24

allem Prag, Budapest und Sofia. Nach der Wende waren es Ziele wie Teneriffa, Mallorca, Bangkok oder Santo Domingo. Vor der Wende war die monatliche Arbeitszeitbelastung sehr saisonabhängig, d.h. im Sommer sehr hoch, im Winter niedrig. Jetzt ist sie über das ganze Jahr sehr gleichmäßig und stabil und erleichtert somit die private Zeitplanung. Gibt es in der Passagierfliegerei noch Propellermaschinen wie die IL 18? Es fliegen noch eine Menge Propellermaschinen. Besonders bei Airlines, die viele Kurz- und Mittelstrecken fliegen, sind sie sehr beliebt, weil sie sehr wirtschaftlich und umweltfreundlich sind und im Vergleich zu den Jets mit viel kürzeren Start- und Landebahnen auskommen. Haben sich die Besatzungen im Cockpit der großen Passagierflugzeuge verändert? Ja, auf den Flugzeugen früherer Generationen gab es oft eine Drei- oder VierMann-Besatzung. Kommandant und Copilot wurden dabei noch von Navigatoren und Bordingenieuren unterstützt. Heute gibt es in der Regel nur noch zwei Piloten im Cockpit eines modernen Verkehrsflugzeuges. Einen dritten Piloten, der als sogenannter „Verstärker“ eingesetzt wird, gibt es nur auf besonders langen Flügen. Sie haben in Ihrer Pilotenlaufbahn viele Starts und Landungen absolviert und mit der hohen Zahl von Passagieren an Bord stets große Verantwortung übernommen. Spüren Sie noch Anspannung vor einem Flug? Ich überprüfe alle wichtigen Dinge vor dem Start, ich kenne meinen Flieger und seine Leistungsgrenzen. Mit der Erfahrung von 22.000 Flugstunden kann ich guten Gewissens und ohne Anspannung die Überflieger


Verantwortung für das Leben und die Gesundheit der uns anvertrauten Passagiere tragen. Einzig die Tatsache, dass man in fast jedem Land ein anderes Englisch spricht, erzeugt manchmal etwas Anspannung. Manche Anweisungen kommen mit sehr starken Akzenten, aber auch daran gewöhnt man sich.

auch technische Fehler für den Absturz verantwortlich. Maßgebliche Ursache seien allerdings Pilotenfehler gewesen: Die Crew sei nach einer Störung des Geschwindigkeitsmessers mit der Situation überfordert gewesen. Sie habe im Cockpit der AirbusMaschine komplett die Kontrolle verloren.“ (die Red.)

Welche war die gefährlichste Situation, die Sie in Ihrer beruflichen Laufbahn meistern mussten? Der gefährlichste Teil eines Fluges oder Umlaufs ist immer die Autofahrt zum bzw. vom Flughafen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Gefährliche Situationen in der Luft habe ich während meiner Zeit als Pilot nicht erlebt. Das klingt langweilig, ist aber so.

Es ist bekannt, dass Piloten häufig Tests und Kontrollen absolvieren müssen. Wie sieht das aus ? Wir müssen pro Jahr mindestens viermal im Flugsimulator nachweisen, dass wir in der Lage sind, alle Notsituationen zu beherrschen. Dazu kommen Evakuierungstraining, diverse Schulungen, eine Überprüfung auf einem Linienflug durch einen Checkpiloten und alle sechs Monate eine medizinische Tauglichkeitsprüfung beim Fliegerarzt.

Wie verhält sich ein Pilot bei Gewitter? Schwierigen Wetterlagen wie z.B. Gewittern wird immer ausgewichen. Das heißt, dass Flugzeuge am Boden bleiben, bis die Gewitterfront über dem Flugplatz abgezogen ist, zur Landung anfliegende Maschinen zum Ausweichflughafen umgeleitet werden und im Luftraum außerhalb der Airports befindliche Flugzeuge solche Gebiete großräumig umfliegen. Wie konnte es dann zu dem Absturz der Air France-Maschine auf dem Nachtflug vom 1. Juni 2009 von Rio de Janeiro nach Paris kommen, bei dem 228 Menschen starben? Hierzu wollte Herr Samson nichts sagen. Ursachen für Abstürze liegen nach unseren Recherchen immer an technischen oder menschlichen Fehlern. Im Falle des Air-France-Fluges AF 447 beruft sich SPIEGEL online vom 05.07.2012 auf den Abschlussbericht der französischen Flugunfallbehörde BEA: „Die französischen Ermittler machen sowohl menschliche als Jahrgang 9 Ausgabe 27

kultur - feuilleton

piloteninterview

Was haben Sie vor dem Start eines Flugzeugs zu tun? Die vom verantwortlichen Flugplaner zur Verfügung gestellten Dokumente (Flugplan, Wetterkarten, Informationen über Ziel- und Ausweichflughäfen usw.) werden von uns überprüft und die notwendige Tankmenge sowie die Arbeitsaufteilung im Cockpit wird festgelegt. Danach wird die Kabinenbesatzung beim „Briefing“ mit den für sie wichtigen Informationen zum Flug versorgt und dann geht’s ab zum Flieger. Dort informiert uns das technische Personal über die Einsatzbereitschaft der Maschine und während ich den Flugplan in den Computer tippe, steigen die Gäste ein. Und dann geht’s los: „Good morning, tower. Condor 246, position B 42, information Delta, requesting start up for Barbados.“ Das ist die Aufforderung zum Anlassen der Triebwerke. Seite 25


Thema: über den wolken

Herr Samson, dürfen Sie uns verraten, in welchen Flugzeugen bzw. bei welchen Fluglinien Sie keinen Steuerknüppel in die Hand nehmen würden? Ich kann dazu nur sagen, dass die Flugaufsichtsbehörde natürlich die Flugtauglichkeit von Flugzeugen und Besatzungen streng kontrolliert. Wer dazu mehr wissen möchte, kann im Internet Informationen zu einzelnen Fluglinien erhalten. Es gibt auch Rankings, in denen man nachlesen kann, welche Airlines auf den Plätzen 1 bis 10 liegen. (vgl. Ranking Liste S.27, die Red.) Frauen sind in Ihrem Beruf eher selten. Worauf ist das zurückzuführen? Das kann man nicht mehr so sagen. In den letzten Jahren ist die Anzahl der Pilotinnen enorm gestiegen, und das nicht nur bei Lufthansa und Condor, sondern auch bei vielen ausländischen Airlines. Wenn diese Entwicklung anhält und die Mädels weiter so Gas geben, wird der Pilotenberuf sicher in einigen Jahren keine reine Männerdomäne mehr sein. Haben Sie einen Rat an junge Leute, die den Beruf des Piloten erlernen möchten? Wer sich für die Ausbildung zum Piloten entscheidet, sollte das mit den richtigen Erwartungen tun, und das nicht nur, weil eine Pilotenlizenz eine Menge Geld kostet. Eine schicke Uniform, eine geregelte Arbeitszeit und ein gelegentlicher Blick aus dem Cockpitfenster auf eine der Metropolen dieser Erde sind nicht die Dinge, die diesen Beruf ausmachen. Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit, Disziplin und die Bereitschaft, ein hohes Arbeitspensum zu absolvieren, sind da eher gefragt. Wenn euch das zusagt, könnt ihr Pilot werden.

Seite 26

Kann man nach so langer Zeit aufhören zu fliegen? Oder haben sie schon eine Alternative im Auge, um mögliche „Entzugserscheinungen zu umfliegen‘‘? Man kann aufhören, wenn man es will. Und falls es bei mir doch Entzugserscheinungen geben sollte, gibt es Möglichkeiten: Ich wohne 10 Kilometer von einem Fliegerclub entfernt und es würde mich sicher reizen, hin und wieder mit einem Sportflugzeug ein paar Runden zu drehen. Anschließend beenden Sie bitte für uns ein paar Satzanfänge: Fliegen ist für mich ... eine schöne Sache, aber nicht alles auf der Welt. Lange Zeit am Boden zu sein bedeutet ... mehr Zeit zu haben für Dinge die sonst zu kurz kommen. Meinen privaten Urlaub verbringe ich am liebsten … an der Ostsee auf Rügen oder Usedom. Flugangst ist ... mit den richtigen Mitteln durchaus in den Griff zu kriegen. Über den Wolken … ist der Titel eines bekannten Liedes von Reinhard Mey, das ich mir oft beim Autofahren anhöre und das mich an die Zeit meiner Sportfliegerei erinnert. Das Ende meiner Pilotenzeit … bereitet mir wenig Kopfschmerzen und wird der Beginn eines unendlich langen Urlaubs. Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Samson für das Gespräch Kalle und Mitja Überflieger


airline ranking

AIRLINE/ HEIMATLAND

Unfallfrei seit x Jahren

FLUGZEUGVERLUSTE Anzahl / Todesopfer

1.

Finnair/ Finland

30

0 / 0 (seit 1983)

2.

Air New Zealand/ New Zealand

30

0 / 0 (seit 1983)

3.

Cathay Pacific Airways/ Hong Kong

30

0 / 0 (seit 1983)

4. Emirates/ United Arab Emirates

27

0 / 0 (seit 1985)

5.

9

0 / 0 (seit 2003)

Etihad Airways/ United Arab Emirates

6. Eva Air/ Taiwan

21

0 / 0 (seit 1991)

7.

30

0 / 0 (seit 1983)

TAP Portugal/ Portugal

8. Hainan Airlines/ China

19

0 / 0 (seit 1993)

9. Virgin Australia/ Australia

12

0 / 0 (seit 1983)

10. British Airways/ UK

4

1 / 0 (seit 1983)

11. Lufthansa/ Deutschland

19

1 / 2 (seit 1983)

Unfallfrei seit x Jahren

FLUGZEUGVERLUSTE Anzahl / Todesopfer

5

8 / 755 (seit 1983)

kultur - feuilleton

Top-10 der sichersten Airlines 2012

Top-10 der gefährlichsten Airlines 2012 AIRLINE/ HEIMATLAND 1.

China Airlines/ Taiwan

2.

TAM Airlines/ Brazil

5

3 / 636 (seit 1983)

3.

Air India/ India

3

6 / 329 (seit 1983)

4.

GOL Transportes Aéreos/ Brazil

6

1 / 154 (seit 2001)

5.

Korean Air/ South Korea

13

9 / 687 (seit 1983)

6.

Saudi Arabian Airlines/ Saudi Arabia

3

4 / 310 (seit 1983)

7.

Turkish Airlines/ Turkey

3

6 / 188 (seit 1983)

8.

Thai Airways International/ Thailand

14

5 / 309 (seit 1983)

9.

South African Airways/ South Africa

25

1 / 159 (seit 1983)

21

3 / 22 (seit 1983)

10. SkyWest Airlines/ USA

Das Airline Safety Ranking zeigt die 60 größten Airlines geordnet nach ihrem Sicherheitsstatus im Jahr 2012. Hier sind die 10 (11) sichersten Airlines der Welt aufgeführt und die auf den Plätzen 51 bis 60. Die Angabe zum Flugzeugverlust bezieht sich auf Flugzeuge, die total zerstört oder stark beschädigt wurden. Manche Airlines existieren erst seit einer geringen Zahl von Jahren; daher wurde mit den vorliegenden Daten eine Sicherheitsrate errechnet, die ein korrektes Ranking zum Zeitpunkt 2012 belegt. (Quelle: http://www.airlinepassengerguru.com) Jahrgang 9 Ausgabe 27

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Thema: über den wolken

Von der Freiheit des Fliegens „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen und dann würde, was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.“ Diese Zeilen von Reinhard Mey beschreiben das Fliegen als ein Gefühl von Freiheit ohne Angst und Sorgen. - Leider teile ich diese Leidenschaft für das Fliegen nicht. Weder Ängste noch Sorgen bleiben mir verborgen, wenn ich in ein Flugzeug steigen soll, denn ich habe schreckliche Flugangst. Alles fing damit an, dass ich im Frühling 2008 für mich und meine Mutter eine Reise nach Kuba geschenkt bekam. Die Vorfreude war riesig. Wir planten, sammelten Informationen, packten Koffer. An einem grauen Montagmorgen standen wir zum Abflug bereit auf dem Flughafen Berlin-Tegel. Meine Freude war geradezu euphorisch. Wir gaben die Koffer auf, ließen uns in der Sicherheitskontrolle durchleuchten und genossen den Start anderer Maschinen. Dann schlug die Anzeigetafel für unseren Flug in die Karibik auf „Boarding“ um. Die Reise sollte beginnen. Welch ein Gefühl! Voller Neugier betrat ich dieses unglaublich große Flugzeug. Wir suchten unsere Plätze, verstauten das Handgepäck, setzten uns. Es erfolgte eine Sicherheitseinweisung durch das Bordpersonal. Der Text gefiel mir gar nicht; die Möglichkeit bestand also: Flugzeuge können abstürzen. Anspannung, Nervosität und Angst krochen mich an. Ich versuchte, die unangenehmen Gedanken zu verdrängen. Die Maschine rollte bis zur Startposition, dann gab es einen kräftigen Schub der Turbinen. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Ich bemühte mich, ruhig zu bleiben und den Flug zu „genießen“. Der Start war Seite 28

vollzogen, das Flugzeug gewann an Höhe. Es stieg und stieg und hörte nicht auf zu steigen – fand ich. Irgendwann erlosch das Anschnallzeichen, ich öffnete den Gurt nicht. Ich saß steif und starr in meinem Sitz. Wie zum Teufel sollte ich zehn Stunden Flug aushalten? Im Flugzeug herrschte reges Treiben, das Bordpersonal bediente, die Leute lachten, liefen herum oder schliefen. Ich saß angeschnallt auf meinen Sitz und betete für ein gutes Ende. Gewöhnlich glaube ich weder an Gott noch an Übersinnliches, aber in diesem Flugzeug half mir sonst nichts. Die ersten Stunden vergingen. Plötzlich leuchtete das Anschnallzeichen auf. Nun folgte ungefähr diese Durchsage des Kapitäns: „Sehr geehrte Gäste, wir befinden uns über dem Atlantik. Vor uns ist ein heftiges Gewitter. Wir müssen mit starken Turbulenzen rechnen, jedoch ist das kein Grund zur Panik … Ihr Flugkapitän.“ Turbulenzen? Panik? Mein Herz rutschte in den Bauch und meine Gesichtsfarbe hätte Schneewittchen alle Ehre gemacht. Ich sah uns schon in Richtung Atlantik sausen. Und dann begann es. Hoch und runter hopste das Flugzeug und wieder hoch und wieder runter. Ich krallte mich an der Hand meiner Mutter fest, schloss die Augen und litt. Überflieger


Das ging etwa fünf Minuten so, die sich für mich wie Stunden anfühlten. Irgendwann stabilisierte sich das Flugzeug, doch für mich stand fest: Ich würde nach Hause laufen, ich würde nie wieder in ein Flugzeug steigen! Der Bordbetrieb lief nun normal weiter, Essen wurde ausgegeben, Zigaretten u.a. Dinge wurden verkauft, Filme gezeigt. Ich aber wollte nur noch raus aus diesem Monstrum und festen Boden unter den Füßen spüren. Die letzten zwei Flugstunden konzentrierte ich mich darauf, mich nicht zu übergeben und die Angst zu verdrängen. Das nächste Anschnallsignal bedeutete den Anflug auf Havanna, die Hauptstadt Kubas. Nach weiteren 20 Minuten landete das Flugzeug sanft auf dem Rollfeld. Auf wackeligen Beinen stieg ich aus. Ich hatte überlebt! Zwei Wochen lang genoss ich auf der kubanischen Insel einen wunderbaren Sommer, den Strand, die Sonne und das blaue Meer ...

Am Rückreisetag wäre ich am liebsten noch auf dem Airport umgekehrt. Doch ich hatte keine Wahl: Ich musste in den Flieger und mich meinem Schicksal ergeben. In einer Apotheke in Havanna hatte ich vorsorglich Reisetabletten gekauft, die nicht nur gegen Übelkeit, sondern auch gegen schwache Nerven und Flugangst helfen sollten. Der Rückflug verlief reibungslos. Trotzdem war klar: Ich würde nie wieder freiwillig ein Flugzeug steigen! Jegliche Statistiken und Studien über Flugsicherheit würden mich nicht überzeugen, dass Fliegen die sicherste Art der Fortbewegung sein soll.

kultur - feuilleton

FLUGANGST

Inzwischen bin ich allerdings doch wieder geflogen, aber immer mit der Erinnerung an Flug LTU 208 nach Kuba und einer „Überdosis Reisetabletten“ intus. Anne Krause, 13/3 Karikatur S.28: Diana

Bus, Bahn, Pkw und Flugzeug im Vergleich

Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ vom 03.11.2013 hat die Ergebnisse eines Vergleichs von Reisezeiten und Preisen bei Städteverbindungen mit verschiedenen Verkehrsmitteln veröffentlicht. Fast immer ist das Flugzeug am schnellsten, wobei Anfahrtszeiten aus der Stadtmitte und Wartezeiten beim Check-In berücksichtigt sind. Ein Lufthansa-Flug von Frankfurt nach Berlin für den 08.11. dauert 3:13 Stunden; mit dem Auto benötigt man 4:08 Std., mit der Bahn 50 min. länger und der Fernbus fährt 6:30 Stunden. Innerhalb Deutschlands ist aber der Fernreisebus oft schneller als die Bahn, selbst wenn diese pünktlich fährt. So braucht man von Freiburg nach Tübingen mit der Bahn fast 3 Stunden, mit dem Fernbus nur 2,5. Die billigste Art zu reisen ist eindeutig der Fernbus. Unser Lufthansa-Flug nach Berlin kostet 207 Euro, die Fahrt mit dem Bus mit 19 Euro ganze 188 Euro weniger und die Bahnfahrt 120 Euro - alles ohne Angebote, Frühbucherrabatte oder Bahncard. Das Flugzeug ist beliebt und vergleichsweise sicher, doch sollte man hier auch andere Airlines prüfen oder möglichst früh buchen, um Geld zu sparen; dasselbe gilt für die Bahn. Habt ihr Zeit und wollt wirklich preiswert reisen, solltet ihr den Fernbus wählen. In 6 Wochen sind Ferien. Gute Reise! Jahrgang 9 Ausgabe 27

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Thema: über den wolken

Lenné-Schüler fliegen gern Im Rahmen einer Umfrage an der Lenné-Schule zum Thema „Fliegen und Flugangst“ haben wir 134 Antworten von Schüler/innen der Sek. I und Sek. II ausgewertet. Nur 5 Prozent der Befragten haben regelrechte Flugangst, 15 Prozent empfinden Fliegen als unbehaglich bis erträglich. Der Großteil der befragten Schüler, etwa 78 Prozent, gab an, das Fliegen in entspannter Weise zu erleben. Zwei Prozent der Befragten sind noch nie mit einem Flugzeug geflogen. Der überwiegende Teil der Reiseziele lag im europäischen Raum. Als die beliebtesten Kurzreisen wurden Spanien, Großbritannien und die Türkei genannt, weitere häufige Ziele waren die Kanarischen Inseln und Nordafrika. Bei den Fernreisen hatten die USA und China als Reiseziele die Nase vorn vor Indien, Australien und Neuseeland. Diana (Text und Diagramm)

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Überflieger


Über den Wolken von Clara

Eines Nachts lagst du nicht in deinem Bett, rolltest dich nicht unruhig im Schlaf hin und her. Du lagst auf einer Wolke und die Welt war unter dir. Du fühltest dich berauscht, lebendig, frei und ungezwungen und doch so erdverbunden wie noch nie. Alles schien zum Greifen nah und doch so weit weg, so fern. Du sahst mit Erstaunen und Entsetzen die Welt, die deine. Dir wurde klar, dass dies ein Traum sein musste, dass sich eine solche Begebenheit niemals in der Realität abspielen würde. Dieser Gedanke stimmte dich traurig, wolltest du doch mit glühendem Herzen, dass ein jeder dies sehe, diese Welt, die seine. Du wolltest die Menschen unter dir mit einem Schrei aus ihrem Schlafe lösen, sie auffordern hinaufzuschauen, wahrzunehmen, zu erkennen, welch Wunderwerk ihnen gegeben war. Doch keiner wollte dich hören. Und so hast du dich aufgesetzt, die Beine über den Rand geschwungen und hinabgeblickt. Dann nahmst du Schwung und du fielst, fielst Tausende von Metern dem Erdboden entgegen. Doch du schlugst nicht auf, du erwachtest nur in deinem Bett, die Decke vor Schreck zurückgeworfen, in deinem Zimmer, in dieser Welt, der deinen. Jahrgang 9 Ausgabe 27

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Lyrik

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musikgeschichte

Jugendmusik in der DDR Musik spielte schon immer eine wichtige Rolle in der Geschichte der Menschheit so auch in der DDR. In dieser Zeit war sie sogar besonders wichtig. Jugendliche identifizierten sich mit einer bestimmten Musik und konnten manche Freiheiten ausleben, die sie sonst nicht hatten. Viele kleideten sich ihrem Musikgeschmack entsprechend. Wir haben zu diesem Thema ein Interview mit Nanes Oma geführt. Angelika Pleger wurde am 28. April 1950 in Berlin geboren und ist in Berlin Pankow aufgewachsen. Als Jugendliche war Musik für sie wichtig. Schon früh ging sie in ihrer Freizeit tanzen. Bei einer „Tanzveranstaltung“ traf sie auch ihren späteren Ehemann. Der Mann, der ihr Interesse weckte, war der Keyboarder und Bandleiter der Berliner Band „BerolinaSingers“. Nanes Oma war also praktisch ein „Groupie“ dieser Band und besitzt das entsprechende Insiderwissen. Sie konnte uns Rede und Antwort stehen. War Musik ein wichtiger Bestandteil deines Lebens? Ja, war es und ist es bis heute noch. Ich besuche zusammen mit meinem Mann auch heute noch regelmäßig Konzerte. Welche Lieder musstet ihr in deiner Schulzeit auswendig lernen und vorsingen? Besonders wichtig waren damals Arbeiterund Kampflieder. Nicht alle davon haben mir gefallen, aber das Lied „Du hast ja ein Ziel vor den Augen“ habe ich gerne gesungen, weil es eine schöne und animierende Melodie hat. Durch einen damaligen Freund habe ich auch das Lied „Die Moorsoldaten“ gemocht und sogar freiwillig vor der Klasse vorgetragen. Seite 32

Welche Sänger oder Bands aus dem Osten haben dir gefallen? Für die meisten Ostmusiker, die im Radio gespielt wurden, habe ich mich nicht interessiert. Ich stand damals nicht auf Schlager, wie sie beispielsweise der in der DDR bekannte Frank Schöbel sang. Die Bands, zu denen man zum Tanzen ging wie „Atlantics“, die „Musikstromers“ (Vorgänger der „Modern Soul Band“) und die „Berolina Singers“, waren für mich wichtiger. Gab es andere beliebte Musikrichtungen? Es gab auch in der DDR zwei Fraktionen: die Beatles- und die Stones-Fans. Entweder stand man mehr auf die melodiöse, weichere Musik der Beatles oder bevorzugte die rockigeren Rolling Stones. Natürlich hörte man auch andere Gattungen und bekannte Bands. Insbesondere die Westmusik war für uns ein Lebenselixier, weil sie so anders war, irgendwie freier und wilder. Daneben gab es noch sogenannte Singegruppen, die auch politische Lieder sangen, manchmal auf Englisch. Wo sind die Bands aufgetreten? Sie traten in großen Tanzsälen in Berlin auf. Die Band meines Schwarms (Nanes Opas) hatte viele Auftritte im Süden der DDR, weil gerade im Raum Dresden, wo kein Empfang westdeutscher Radiosender möglich war, Bands beliebt waren, die die internationalen Hits spielen konnten. Konnte jede Band einfach auftreten? Nein, es gab Einstufungstests. Bei diesen wurden die Bands in verschiedene Kategorien eingeteilt, die auch das Honorar bestimmten. Außerdem wollte die AWA (Anstalt zur Wahrung der Urheber- und Überflieger


Aufführungsrechte) kontrollieren, ob sie die 40-60-Reglung einhielten. Das bedeutete, dass nur 40 Prozent Westmusik im Verhältnis zu 60 Prozent Ostmusik gespielt werden durfte. Die staatliche Behörde wollte auch etwas über die Persönlichkeit und die politische Haltung der Künstler wissen. Wurden die Auftritte kontrolliert? Ja, das wurden sie. Die Bands mussten vorab die Lieder, die sie spielen wollten, einreichen. Teilweise wurde auch verdeckt ausspioniert. Man musste sehr aufpassen, dass man kein Auftrittsverbot bekam. Besonders schwierig war es, die Quote einzuhalten, denn die Besucher der Tanzveranstaltungen wollten die englischen Hits hören und weniger die deutsche Ostmusik. Besonders in Berlin wurden schnell Sanktionen ausgesprochen. Das konnte bis zu einem generellen Auftrittsverbot führen.

Jahrgang 9 Ausgabe 27

Wie ist man an Karten gekommen? Meistens musste man sich anstellen, weil es keinen Vorverkauf gab. Den gab es nur für sehr bekannte Künstler. Waren die Karten teuer? Es ging, eine Karte kostete oft 3,10 Mark. Die 10 Pfennige waren der „Kulturgroschen“, damit wollte man die Kultur in der DDR unterstützen. Die Getränke waren aber sehr preiswert. Man konnte zwar alkoholische Getränke erst ab einem entsprechenden Alter kaufen, aber ein Bier kostete so um die 50 Pfennige.

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ddr

Ab welchem Alter ging man tanzen? Mit 14 Jahren bin ich schon zum Jugendtanz gegangen. Da musste man aber spätestens um 22 Uhr raus. Als ich älter war, blieb ich natürlich bis zum Schluss, allerdings spielten die Bands meist nur bis 24 Uhr.

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musikgeschichte

Gab es damals DJs? Die gab es erst später, so in den 1970ern. Wir nannten sie Schallplattenunterhalter oder Diskomoderator. Zunächst gingen die Leute allerdings lieber weiter zu Livebands. Das war ein anderer Sound, irgendwie realer als Musik vom Tonband. Westkontakte oder viel Geld waren damals sehr wichtig für die DJs. Die Technik war zu der Zeit in der DDR leider ziemlich schlecht und Westmusik gab es nur unter der Hand gegen Devisen (Westmark). Auch die DJs mussten Prüfungen absolvieren, die so ähnlich wie bei den Bands abliefen. Sie durften nur auflegen, wenn sie eine Spielerlaubnis hatten, die sogenannte „Pappe“. Wie lief so eine Tanzveranstaltung ab? Die Bands spielten immer drei Lieder, drei Runden, wie wir es nannten. Dann gab es eine Pause. Die nutzten wir, um uns frisch zu machen oder was zu trinken. Natürlich flirteten wir auch und suchten uns unseren nächsten Tanzpartner aus. Manchmal musste man auch die Pause nutzten, um einem Jungen klar zu machen, dass man nicht weiter mit ihm tanzen wollte. Ein Partner war sehr wichtig, denn man tanzte nie allein, sondern immer mit jemandem zusammen. Das änderte sich erst, als die Disko in Mode kam, die übrigens mit „k“ geschrieben werden musste. Dort tanzte ich dann auch mal allein, was aber selten vorkam, da ich ja meinen Eberhard, meinen Ehemann, hatte. Konntest du zu Hause Musik hören? Ja, das konnte ich zum Glück. Ich hatte zu Hause einen Schallplattenspieler, den ich natürlich viel nutzte. Es war schwierig, die aktuellen Schallplatten zu bekommen. Nur manchmal gab es Lizenzplatten mit moderner Musik aus dem Westen, die in der DDR zugelassen wurde, zu kaufen. AllerSeite 34

dings musste man dafür oft lange anstehen oder „Beziehungen“ (auch Vitamin B genannt) haben, da es nie für alle reichte. Deshalb brachte ich mir auch gern aus dem Urlaub Platten mit, z.B. aus der ehemaligen ČSSR und Ungarn. Aber nicht nur Schallplatten habe ich gehört, sondern auch viel Radio. Nur gab es nicht so viele Musiksender wie heute. Welche waren deine Lieblingssender? Die Sender „EFN“ und „RIAS“ habe ich am meisten gehört. Das waren Radiosender, die aus dem Westen in die DDR ausgestrahlt wurden und deshalb bei uns offiziell nicht erlaubt waren. Ich musste also immer aufpassen, dass keiner mitbekommt, welchen Sender ich hörte. Die Ostsender haben mich wenig interessiert. Später gab es das Jugendradio DT64. Hier wurde z.B. am Nachmittag in der Sendung „Duett - Musik für den Rekorder“ für 30 Minuten versucht, auch mal annehmbare Musik zu spielen. Wie war das mit Kassetten? Ungefähr seit den 1970ern gab es Kassetten, die wirklich eine Bereicherung für uns darstellten. Sie waren handlich und wesentlich praktischer, wenn man damit Musik aus dem Radio mitgeschnitten hat. Ich kenne auch noch die relativ großen Tonbänder. Hier wurde die Radiomusik über ein Mikrofon aufgenommen. Dabei durfte keiner husten oder knistern, weil alle Geräusche dann auf dem Band waren. Dazu fällt mir eine Geschichte ein: Ein Hörer aus der DDR hatte sich mit der Bitte an einen Westsender gewandt, was natürlich sehr gefährlich war, dass der Sender die Musiktitel in voller Länge ausspielen und der Moderator nicht am Ende reinquatschen sollte. Das war immer sehr ärgerlich, wenn vor Ende eines Titels ein Kommentar kam und man die Aufnahme abbrechen musste. Überflieger


Daraufhin haben die Sender im Westen tatsächlich versucht, die Titel auszuspielen, damit die Lieder besser aufgenommen werden konnten, mit der Bemerkung: „Für unsere Hörer aus dem Pieeeeeep“.

Hier seht ihr zwei Fotos von den BerolinaSingers, der Band von Nanes Opa. Ein Foto zeigt die Musiker, wie sie auftreten sollten, das andere, wie sie sich selbst sahen. Welches ist wohl welches? …

Wir bedanken uns für das Interview.

Nane Valerie Pleger, Marie Eichhoff 11/1

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Die Berolina Singers

Jahrgang 9 Ausgabe 27

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wahl 2013

Dauert der Wahlsommer 2013 bis Weihnachten? Der Dreisatz der Politik Schritt 1: Der Wahlkampf Schritt 1 in aller Kürze: Vor der Wahl Plakate und Fernsehen benutzen, allen klarmachen, dass man alles besser macht als die anderen davor und dabei noch viel Geld und Allgemeinplätze einsetzen, um die Wähler auf seine Seite zu ziehen. „Das ist doch keine Haltung zu sagen: Ich will nur gestalten, wenn ich auch King of Kotelett bin.“ So äußerte sich Stefan Raab gegenüber dem Spitzenkandidaten der SPD Peer Steinbrück beim TV-Duell mit Kanzlerin Angela Merkel am 01.09.2013. Obwohl nach der Zuschauerumfrage im Anschluss an das Duell Peer Steinbrück mit einem leichten Vorsprung gewonnen hatte, war ein großer Teil der Deutschen nicht bereit, ihm die Verantwortung für die Regierungsgeschäfte der Bundesrepublik anzuvertrauen. Die Union sicherte sich beinahe die absolute Mehrheit und konnte mit dem offiziellen Endergebnis von 41,5 % das beste Wahlergebnis seit 1990 vorweisen. Das aggressive Vorgehen Steinbrücks bei der TV Ausstrahlung schien die Zuschauer zu erfreuen. Allerdings kommentierte Heiner Brüderle, Spitzenkandidat der gescheiterten FDP, die Misere der SPD gegenüber Herrn Steinbrück wie folgt: „Sie haben eine Pannenstatistik wie ein Fiat Punto und führen sich auf, als ob Sie ein Spitzen-BMW wären.“ Die SPD konnte sich in den vergangenen vier Jahren wenig überzeugend präsentieren oder gar konsolidieren und demzufolge 2013 nur 2,7 % dazugewinnen. Sicherlich hängt dies auch mit dem Auftreten Peer Steinbrücks und Sigmar Gabriels zusammen, die sich bis auf das Abspulen hohler Wahlphrasen und inhaltsleerer Kampfansagen wie dieser: „Der Euro ist für Deutschland eine Schicksalsfrage“ und „Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin.“ (Steinbrück) wenig profilieren. Schritt 2: Die Wahlnacht Schritt 2 in alle Kürze: Wahlergebnis abwarten und hoffen, dass man mit dem Wahlkampf entweder alleine oder mit einer vorher vereinbarten Partei mindestens 50,1 % der Wähler überzeugt oder mit den Überhangmandaten die Sitzmehrheit im Bundestag erreicht. Die Wahlprogramme ähnelten sich allerdings so frappierend, dass der geneigte Unionswähler laut Wahl-O-Mat ebenso guten Gewissens Bündnis´90 die Grünen hätte wählen können oder der linksgerichtete Idealist am Ende in der Union seine Ideale bei der SPD widergespiegelt sah. Sicherlich wählte der eine oder andere Liberale auch die CDU, da der Abgrund, in welchen sich die FDP zielgerichtet und selbstverschuldet manövriert hatte, so tief war, dass sie keine ernstgemeinte Alternative darstellen konnte. So wurden alsdann auch alle Verfechter der Position, dass man einen offenen Wahlkampf habe und das Ergebnis trotz der Entwicklungen im Vorfeld noch lange nicht entschieden sei, Lügen gestraft und die Union errang den doch gar nicht so überraschenden „Erdrutschsieg“. Seite 36

Überflieger


Schritt 3: Die Koalitionsverhandlungen Schritt 3 in aller Kürze: Passt das Ergebnis am Ende doch nicht ins Konzept der Parteien, setzen sie sich zusammen, streiten und versuchen „Freunde“ zu finden, die sie irgendwie „leiden“ können und mit denen sie die Mehrheit bilden können, um regieren zu dürfen. Frau Merkel kann ihren „historischen“ Wahlsieg noch nicht in vollem Umfang genießen. Der Ausfall der FDP als verlässlicher Koalitionspartner zwingt die Union zu zähen und langwierigen Koalitionsgesprächen, da im Vorfeld alle verbliebenen Parteien verkündet hatten, nicht mit der Union regieren zu wollen. Die vermutlich sinnvollste Regelung zur Regierungsbildung ist wohl die große Koalition aus SPD und Union. - Endlich laufen die Koalitionsgespräche. So bleibt es trotz des unspektakulären Wahlausganges weiterhin spannend. Und vielleicht haben wir ja zu Weihnachten ein Ergebnis, quasi als Weihnachtsgeschenk. Deniz Kanzler, 13b

politik - gesellschaft

Koalition

Karikatur: Mit freundlicher Genehmigung von Jürgen Tomicek

Jahrgang 9 Ausgabe 27

Seite 37


wahl 2013

Ergebnis der Bundestagswahl 2013

Neues Wahlrecht verändert Berechnung der Plätze Durch die 22. Änderung des Bundeswahlgesetzes vom 3. Mai 2013 ist ein neues Verfahren zur Berechnung der Sitzverteilung im Bundestag eingeführt worden. Beibehalten wird das System der personalisierten Verhältniswahl, in dem die Personenwahl im Wahlkreis (Erststimme) nach den Grundsätzen der Mehrheitswahl mit der Verhältniswahl nach Landeslisten der Parteien (Zweitstimme) kombiniert wird. Neu ist, dass Wählerstimmen in zwei Verteilungsstufen mit je zwei Rechenschritten in Mandate umgerechnet werden. Allen vier Rechenschritten liegt das Verfahren „Sainte-Laguë/ Schepers“ zugrunde, das bereits zur Bundestagswahl 2009 angewendet wurde. Bei der Sitzverteilung werden nur Parteien berücksichtigt, die mindestens fünf Prozent der abgegebenen Zweitstimmen erhalten oder in mindestens drei Wahlkreisen ein Direktmandat errungen haben. Nick Brüggen, 13a

Direktmandate und Landeslisten

Seite 38

Fraktion

Direktmandate

Landeslisten

gesamt

CDU/CSU

236

75

311

SPD

58

135

192

Die Linke

4

60

64

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

1

62

63

Bundestag gesamt

299

332

631 Überflieger


An einem Sonntag im August Allgemeine Unwissenheit Lenné-Schule Potsdam, 13. August 2013. Ein Dienstag. Frau M. beginnt den Unterricht ihres Oberstufenkurses mit einer „fachfremden Frage“ nach der Bedeutung des aktuellen Tages. Ratlose Mienen. Nun fragt sie konkret nach dem historischen Ereignis, das dieses Datum für uns zu einem besonderen Tag gemacht habe. Die Resonanz ist wenig enthusiastisch. Sie versucht, ihren Schülern auf die Sprünge zu helfen und konkretisiert, dass sie sich auf den 13. August des Jahres 1961 beziehe. Weiterhin betretenes Schweigen. Schon vorsichtig entsetzt, ein letzter Versuch: Es war ein einschneidendes Ereignis der deutschen Geschichte und fand in Berlin statt. Endlich, aus der letzten Reihe leuchtet zaghaft eine kleine Glühbirne: Die Mauer??? - Jaaa! Dieses Datum steht für den Bau der Berliner Mauer. Mit diesem Schlagwort können einige Schüler etwas anfangen, doch ihre Aussagefähigkeit darüber ist unsicher und ungenau. Nicht wirklich überrascht, aber doch enttäuscht über die Unwissenheit ihrer Schüler bezüglich dieses für die deutsche Geschichte so relevanten Ereignisses gibt Frau M. die Frage weiter an Herrn P., meinen Geschichtslehrer und Tutor, und so landet diese auf kurzem Wege bei mir. Herr P. trägt uns auf, uns intensiv mit dem Ereignis des 13. August 1961 auseinanderzusetzen. Mir fällt ein, dass meine Großmutter diesen Tag, der die Geschicke Berlins und Deutschlands 29 Jahre bestimmen sollte, in Potsdam miterlebt hat. Die haben Berlin zugemacht! Berlin, 13. August 1961. ,,Am frühen Morgen des 13. August hörte ich heimlich den Radiosender RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor). Plötzlich kam die Durchsage, der Jahrgang 9 Ausgabe 27

Weg nach West-Berlin sei durch Stacheldrahtzäune unterbrochen. Ich sprang auf und rannte in das Schlafzimmer meiner Eltern: ,,Die haben Berlin zu gemacht!“. (Hilde Kalkkuhl, Zeitzeugin, damals 22 Jahre alt) Es ist ein Feriensonntag im Hochsommer. In den frühen Morgenstunden des 13. August 1961 sperren Einheiten der Volkspolizei, der Nationalen Volksarmee sowie Betriebskampfgruppen die Sektorengrenze zwischen dem West- und Ostteil Berlins, sie werden durch die militärische Überwachung der sowjetischen Armee unterstützt. Berlin ist seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Sektoren der vier Besatzungsmächte unterteilt: Im Osten liegt der sowjetische Sektor, im Westen der amerikanische, englische und französische. Die Grenze zwischen den Ost- und Westsektoren war bisher relativ problemlos passierbar. In dieser Nacht aber werden alle Zugangsstraßen und öffentlichen Nahverkehrsverbindungen zwischen dem Ostteil Berlins und den drei anderen Sektoren unterbrochen. Panzer fahren an die Sektorengrenze, Stacheldrahtverhaue entstehen und werden bald durch eine scharf bewachte Mauer aus Betonplatten und Hohlblocksteinen ersetzt. Später werden direkt an der „Grenze“ liegende Wohnhäuser einbezogen; Hauseingänge und Erdgeschoss-Fenster werden zugemauert, sodass die Bewohner ihre Wohnungen nur noch von der Hofseite im Osten betreten können. Dieser 13. August trennt gewaltsam Familien und Freunde und isoliert Menschen von ihren Arbeitsplätzen.

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„Eine Welt, in der ich eigentlich leben wollte, wurde mir entzogen. Von dieser Stunde an gab es keine S-Bahn-Fahrten nach WestSeite 39


die mauer

Berlin mehr, keine Shopping-Touren durch die schönen Geschäfte.“ (H. Kalkkuhl) Hintergründe Zu jener Zeit hatte die BRD einen raschen Wirtschaftsaufschwung zu verzeichnen, die Industrieproduktion stieg, die westdeutsche Währung, die DM (Deutsche Mark), war stabil und der Lebensstandard seit den 50iger Jahren auf einem hohen Niveau. Täglich passierten rund eine halbe Million Menschen in beide Richtungen die Sektorengrenzen in Berlin und konnten leicht die Unterschiede in den Lebensbedingungen erkennen. Die Flüchtlinge aus dem Osten, darunter Akademiker, Intellektuelle, qualifizierte Facharbeiter und vor allem Jugendliche, wollten sich der politischen und wirtschaftlichen (SED-)Diktatur entziehen oder Arbeit finden, um besser zu leben. Zwischen den Jahren 1949 und 1961 verließen rund 2,7 Millionen Menschen, die DDR und Ost-Berlin. Dieser Flüchtlingsstrom bestand etwa zur Hälfte aus jungen Leuten unter 25 Jahren. Allein 1960 gingen etwa 200.000 Menschen dauerhaft in den Westen. Die DDR stand kurz vor dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenbruch. Walter Ulbricht, Staatsund Parteichef der DDR, führte im Vorfeld des Mauerbaus geheime Absprachen mit Nikita Chruschtschow, dem Regierungschef der UdSSR, um die Grenzen nach Westberlin dauerhaft zu schließen. Das Ergebnis war das durch eine Mauer geteilte Berlin. Der Regierende Bürgermeister Willy Brandt protestierte: „Der Senat von Berlin erhebt vor aller Welt Anklage gegen die widerrechtlichen und unmenschlichen Maßnahmen [...].“ Sonst passierte nichts. Nur ein einziges Mal drohte die Situation zu eskalieren: DDR-Grenzposten versuchten, am 22. Seite 40

Oktober einen Repräsentanten der Westalliierten bei der Einfahrt in den sowjetischen Sektor (Ost-Berlin) zu kontrollieren. Dieses Vorgehen verstieß klar gegen das Recht der Alliierten auf ungehinderte Bewegungsfreiheit in ganz Berlin. Am 25. Oktober 1961 positionierten sich amerikanische Tanks am „Checkpoint Charlie“, dem „Ausländerübergang“ Friedrichstraße, zwei Tage später standen ihnen sowjetische Panzer gegenüber. 16 Stunden lang standen sich nur wenige Meter voneinander entfernt die beiden Atommächte USA und UdSSR direkt gegenüber. US-Präsident Kennedy drohte Chruschtschow mit schweren, auch militärischen Konsequenzen und zwang so den sowjetischen Staats- und Parteichef zum Einlenken. Am 26.10. wurden die Panzer auf beiden Seiten abgezogen. Das Recht der West-Alliierten auf freien Zugang nach Ost-Berlin blieb bis 1989 gewährleistet. Für die Menschen aber, vor allem im Ostteil der Stadt, hatte sich alles verändert und das für viele Jahre, für manche bis an ihr Lebensende, wenn sie sich nicht entschlossen, in den Westen zu fliehen. Der Osten Hatte man Freunde und Verwandte in West-Berlin oder der BRD, konnte man sie eine Weile gar nicht und nach dem Passierscheinabkommen mit der DDR vom 17.12.1963 nur in Ostberlin treffen. Erst nach dem „Viermächte-Abkommen über Berlin“ vom September 1972 (in der DDR „Vierseitiges Abkommen“ genannt) konnten Westberliner mit Visum, Geldumtauschpflicht und unter strengen Auflagen ihre Verwandten in der DDR regelmäßig besuchen. Eine Lehrerin unserer Schule erinnert sich: „Als Berlin durch die Mauer geteilt wurde, war ich gerade 5 Jahre alt. Meine einzige Erinnerung an Westberlin Überflieger


ist der Kauf eines türkisblauen Hula-HoppReifens in einem kleinen Geschäft am Ku‘damm. Aber ich weiß noch, dass wir irgendwann meinen Großvater in Berlin Charlottenburg nicht mehr besuchten. Wir sahen ihn eine ganze Weile nicht. Dann gab es eine Zeit, in der wir ihn bei Verwandten in Ost-Berlin trafen.“ In der Mitte der 60er Jahre verschärfte sich die politische Situation zwischen Ost- und West. „Noch im August 1968 traf unsere gesamte Familie meinen Großvater zu einem gemeinsamen Urlaub in Bojnice in der Slowakei, damals Teil der ČSSR. So hielten wir Kontakt. Etwa ab 1971 durfte er uns wieder zu Hause in meiner Heimatstadt unweit Berlins besuchen.“ Umgekehrt war das Besuchsrecht weitaus beschränkter. Nach 1961 im Osten zu leben, bedeutete eine sehr begrenzte Bewegungsfreiheit. Ostdeutschen war neben WestBerlin und der Bundesrepublik auch das gesamte nichtsozialistische Ausland versperrt. Für ein ganzes Leben akzeptieren, dass man einen großen Teil der Welt niemals sehen soll, weil es der eigene Staat so bestimmt, war etwas, was viele nicht wollten. Ausreise und Flucht aber waren gefährlich oder mit Repressalien verbunden. „In den Westen zu gehen, kam für mich nie in Frage und schon gar nicht mehr, als die Mauer gebaut war. Ich wusste: Wenn ich jetzt in die BRD flüchten würde, könnte ich nicht mehr zurückkommen und damit meine Familie sowie Freunde nie mehr sehen. Außerdem war die Gefahr, erwischt zu werden, viel zu hoch. […] Trotzdem versuchten es viele Leute, weil zu Beginn noch vereinzelt Löcher im Zaun waren oder nicht so viele Wachposten aufpassten. Meine Freundin Ingrid hatte einen Freund im Westen und wollte zu ihm. Zwei Tage später Jahrgang 9 Ausgabe 27

war sie weg. Was aus ihr geworden ist, weiß ich bis heute nicht.“ (H. Kalkkuhl) Nach und nach wurden die Sperranlagen an der innerdeutschen Grenze weiter aus- und umgebaut. Die Sicherheitsstreifen waren seit Mitte der 60er Jahre z.B. durch Minenfelder, Selbstschussanlagen und perfektionierte Bewachung hochgradig geschützt. Die innerstädtische Mauer, die Ost- von West-Berlin trennte, war schließlich 43,1 Kilometer lang. Zwischen 1961 und 1988 gab es unzählige Ausreiseanträge von DDRBürgern und zahlreiche Versuche, über die innerdeutsche Grenze oder über die Berliner Mauer zu fliehen. „Weit mehr als 600 Menschen […] starben bei Fluchtversuchen; allein an der Berliner Mauer gab es zwischen 1961 und 1989 mindestens 136 Tote.“ (Zitat: Hauptstadtportal Berlin.de)

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wissen - geschichte

Meine Oma blieb - wie viele andere auch - und arrangierte sich mit dem Leben in der DDR. ,,Jeder hatte seinen Alltag, seine Arbeit, seine Familie, sodass man sich erst mal wieder um sich selbst gekümmert hat. […] Ein Jahr später kam mein Sohn zur Welt und ich hoffte inständig, dass er nicht am 13. August geboren würde, da mir dieser Tag ein verhasster war. Zum Glück kam er wohl und munter am 12. August, einem Sonntag, auf die Welt!“ (H. Kalkkuhl) Dieser Sohn ist mein Vater und ich bin froh, dass die Berliner Mauer seit dem November 1989 und für mich Geschichte ist, Geschichte aber, die ich kennen will! In der Kastanienallee in Berlin Prenzlauer Berg gibt es ein Café mit dem Namen „An einem Sonntag im August“. Eine schöne Idee gegen das Vergessen.

Kalle Seite 41


Workshop

Immer wieder Theater Tauziehen mit einem unsichtbaren Seil, die vier Elemente in Gangarten ausdrücken, einen Menschenkreis bilden, indem der gesamte Kurs sich auf den Schoß des Hintermanns setzt und so auch noch vorwärts geht, sind nur einige Methoden, sich gegenseitig zu vertrauen und aufeinander einzugehen. Schon im Frühjahr letzten Jahres hatten wir in Vorbereitung auf die szenische Darstellung von „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind im Rahmen des Deutschkurses einen Theaterworkshop im Hans-Otto-Theater Potsdam erlebt. Wir hatten zuerst bei einer Theaterprobe zugeschaut und danach mit kleinen Aufgaben von Kerstin Kusch, der Theaterpädagogin des HOT, selbst geschauspielert und unsere Szenen von „Frühlings Erwachen“ einstudiert. Als wir dann im Sommer 2013 die Novelle „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann lasen, hatte einer von uns die Idee, auch hierzu eine szenische Umsetzung zu versuchen. Also planten wir für unseren letzten Exkursionstag der 11. Klasse noch einmal einen Theaterworkshop mit Kerstin.

Van Gogh, Mittagsrast: Max und Leo

Faust und Mephisto in der Hexenküche: Marylou und Nico

Dieser Workshop im HOT im Juni 2013 begann ähnlich mit ein paar lustigen Lockerungsübungen. Dann hatten wir die Wahl: Entweder konnten wir eine Szene aus „Der Tod in Venedig“ darstellen oder aus uns vorliegenden Kopien von Gemälden verschiedener Künstler wie Picasso, Edward Hopper, Vincent van Gogh oder Jeanne Mammen eine szenische Seite 42

Überflieger


Umsetzung der auf dem Bild dargestellten Situation entwickeln. Teil unserer Szene musste klar erkennbar ein Standbild sein, das entweder der Szene auf dem gewählten Gemälde oder einem Szenenfoto aus der Visconti-Verfilmung von Thomas Manns Novelle entsprach. (vgl. Fotoauswahl) Wir brauchten eine ganze Weile, bis es gelang, aber man konnte in allen Gruppen - von je zwei bis drei Darstellern - Schritt für Schritt beobachten, wie aus einem heillosen Durcheinander langsam etwas Interessantes entstand. Mit passenden Kostümen und

Accessoires aus dem Theaterfundus konnten wir auch unser äußeres Erscheinungsbild noch besser den Abbildern anpassen. Am Ende dieses hochsommerlich heißen, langen und anstrengenden Probentages spielte jede Gruppe ihre Szene den anderen vor. Alle hatten einen Heidenspaß beim Einstudieren und beim Zuschauen. Die Theaterworkshops mit Kerstin Kusch im Hans-Otto-Theater haben uns beide Male sehr gefallen und sind für Exkursionstage oder auch zum besseren Kennenlernen nur zu empfehlen. Klara Lange, 12/4

Tipps - Trends

hans - otto - theater

Picasso, Harlekin und Gesellin: Paul und Kathi

Jeanne Mammen, Bei Kranzler: Vivien, Larissa und Marlies

„Der Tod in Venedig“ Aschenbachs Gondelfahrt zum Lido: Lisa (und Klara als Gondoliere)

Jahrgang 9 Ausgabe 27

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reisetipp

Raue Schönheit Island Die Faszination einer Pferderasse machte neugierig auf ein Land, wo es noch Mythen, Sagen und unendlich viel unberührte Natur gibt. Auch mein zweiter Besuch auf der Insel Island ließ mich staunen - genau wie beim ersten Mal, ließ mich träumen und spüren, was es bedeutet, ein freies Herz zu haben. Dieses Jahr verbrachte ich knappe zwei Wochen auf dem Hof Husey, der im Osten Islands liegt. Husey ist ein Ort mit ganz eigener Faszination; hier gibt es keines der für Island typischen „Naturspektakel“ wie Vulkane oder Gletscher, keine heißen Quellen oder Hot Pots. Nur Weite, das Meer, Berge, Wiesen und eine artenreiche Tierwelt. Diese Dinge erkundete ich zumeist auf dem Pferderücken. Zweimal am Tag ritt ich aus und konnte die schönsten Dinge sehen: Robben, Schafe, Gänsenester, Papageientaucher, Rentiere, Skuas oder zauberhafte Blumen. Zu der Zeit im Juni gibt es viele Jungtiere, welche mich verleiteten abzusteigen und sie zu beobachten. Robbenbabys lagen mit ihren Müttern am Strand, außerdem geleiteten Singschwäne ihre Jungen über kleine Seen. Die meiste Zeit konnte ich gutes Wetter und herrlichen Sonnenschein genießen. Wenn ich abends aus dem Stall in das Gästehaus ging, tummelten sich in der Küche schon Menschen verschiedenster Nationen Seite 44

und tauschten sich über ihren Tag aus. Gastgeber Örn kam regelmäßig herüber und erzählte uns alte Geschichten über das Land oder die Islandpferde. Die ersten Isländer gab es nachweislich im 9. Jahrhundert. Sie wurden damals von Wikingern auf die Insel gebracht. Diese waren zu jener Zeit auf der Flucht vor dem norwegischen König und siedelten deshalb nach Island über. Die mitgebrachten germanischen Ponys wurden von den Wikingern mit den keltischen, die sie aus dem Krieg mit den Engländern überführt hatten, gekreuzt. Einer Legende nach wurde damals vom isländischen Parlament im Jahre 930 verboten, weitere Pferderassen auf die Insel zu bringen. Deshalb ist der Isländer die einzige Rasse, die seit ca. 1000 Jahren rein erhalten ist. Der Abschied von Island fiel mir sehr schwer, doch der Gedanke, nach dem Abitur erneut dorthin zu fahren, ließ mich wieder lächeln. Auf dem Rückweg zum Flughafen Reykjavik, der etwa 9 Stunden dauerte, durfte ich noch einmal Abstecher an Wasserfälle, Fjorde, Gletscherabschnitte und die „Blaue Lagune“ machen. Jeder, der einmal Zeit für sich braucht oder Wale sehen möchte, sollte nach Island reisen und sich davon überzeugen, dass es so etwas wie Freiheit noch gibt! Kalle Überflieger


Buchtipp

Eiskaltes Herz

Tipps - Trends

„Eiskaltes Herz“ ist ein Thriller von Ulrike Rylance. Es geht um Lena und ihre erste Liebe. Sie und Leander sind ein Paar und glücklich verliebt. Doch dann kommt Vanessa, die bildhübsch ist und das beliebteste Mädchen. Sie schafft es, Lena ihren Leander auszuspannen. Eifersüchtig und enttäuscht beginnt Lena, über Vanessa zu reden. Nach einer wilden Partynacht wird Vanessa in einem Graben tot aufgefunden. Natürlich fällt der Verdacht sofort auf Lena, die sich aber an nichts erinnern kann, da man ihr eine Droge in ihren Drink getan hat. Das Buch ist spannend. Man fühlt mit Lena, die nun ihre Unschuld beweisen muss. Der Leser weiß bis zur vorletzten Seite nicht, wer der Mörder von Vanessa ist. Die Enthüllung bringt eine unerwartete Wendung. Das Buch wirkt sehr realistisch und ist von Anfang bis Ende fesselnd. Ich empfehle es unbedingt weiter, auch an die, die Thriller noch nicht mögen. Dieses Buch hat mein Herz und meinen Kopf beschäftigt und meinen Lesegeschmack geprägt. Sarah M. Oleniczak, 8/5

Eine wahre Geschichte

Alles wegen einer Fanta von Gina Konarski, 7/4 Es war ein Samstag. Meine Mutter, meine kleine Schwester und ich waren eine Woche in Berlin zu Besuch bei meiner Oma gewesen. Am Samstag mussten wir zurück nach Stuttgart fliegen, wo wir damals noch wohnten. Am Flughafen gingen wir zum Check-In. Wir hatten noch sehr viel Zeit bis zum Abflug. Ich überredete meine Mutter, mit mir in diese große Duty Free Meile zu gehen. Wir kauften hier und da und vergaßen dabei ganz die Zeit. Meine kleine, nervige Schwester sagte irgendwann, dass sie Durst habe und jetzt ganz schnell eine Fanta brauche. Also liefen wir ziemlich weit zu einem Getränkeautomaten, um meiner Schwester eine Fanta zu holen. Als meine Mutter die 3,50 Euro für die Fanta eingeworfen hatte, kam diese doofe Fanta nicht mal raus. Auf einmal kam eine Lautsprecherdurchsage. Ich hörte erst nicht hin, doch als ich unsere Namen hörte, wurde mir ganz komisch zumute. Wir wurden aufgerufen, schnellstens zum Abfluggate zu kommen. Jetzt war meiner Mutter die Fanta egal, meiner Schwester aber nicht, sie fing an zu heulen. Den ganzen Weg zum Flugzeug schrie sie, sie würde verdursten, wenn sie nicht sofort eine kalte Fanta bekäme… Als wir dann im Flugzeug waren, kam eine Flugbegleiterin und fragte meine Schwester, was sie trinken wolle. Meine Schwester fragte, was es denn gebe. Die Flugbegleiterin antwortete: „Cola, Fanta, Tomatensaft und Tee.“ Darauf sagte meine Schwester: „Ich möchte Tomatensaft.“ TOMATENSAFT?! Wollte sie uns veräppeln? Vor dem Flug wäre sie für eine Fanta gestorben und jetzt TOMATENSAFT! Sie sagte: „Im Flugzeug trinkt man nur Tomatensaft.“ Toll! Mutter und ich haben gelernt, wie schnell man ohne Fanta stirbt und über den Wolken mit Tomatensaft überlebt … Jahrgang 9 Ausgabe 27

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Überflieger online

Überflieger online Wie der Ball kleiner wurde Ein Jahr nach meiner Geburt gingen meine Eltern mit mir zu einer sportlichen Untersuchung. Meine Reflexe sollten getestet werden. Mir saß eine Frau gegenüber, die mir einen Ball zuwarf. „Nach meiner Erfahrung ist es normal, dass das Kind den Ball nicht fängt“, sagte sie meinen Eltern. Die Kleinkinder sollen bei diesem Test nur eine Reaktion zeigen. Sie warf mir den Ball also zu, ich fing ihn. „Glücklicher Zufall!“ Ihr zweiter Wurf in meine Richtung erbrachte jedoch dasselbe Resultat, auch weitere, ich fing jeden Ball. … Auf dem Foto war der kleine Felix begeisterter Fußballer. Nun ist er in der 11. Klasse und ziemlich groß geworden. Doch was ist mit dem Ball passiert? Lest weiter auf unserer Website.

Zehn Monate allein durch Neuseeland „WWOOFing“- Das Farmleben. Was alles andere als entspannt war, war die Jobsuche in Neuseeland: Meine erste Krise! Neuseeland quillt über von Backpackern und mein Lebenslauf war verglichen mit anderen kläglich kurz. Das Geld wurde immer knapper und ich sah mich schon bald im Flugzeug zurück nach Deutschland. Meine Rettung hieß „WWOOFing“ („Willing Workers On Organic Farms“). Man arbeitet für Kost und Logis bei Kiwis (liebevolle Bezeichnung für Neuseeländer) ein paar Stunden am Tag. Auf diese Weise habe ich mich mehr oder weniger oft durchs Land „gewwooft“. Wenn man Glück hat, wird man als Teil der Familie aufgenommen, wenn man Pech hat, eher als Haussklave ausgenutzt. Gott sei Dank hatte ich niemals Pech. Ich lernte viele nette Eingewanderte und Kiwis kennen und zog von Farm zu Farm. Meine Aufgaben waren anstrengend, aber vielseitig, manchmal auch merkwürdig, aber spaßig. Für eine Familie mit Kindern spielte ich die Nanny, ich puzzelte mit den Kleinen, [...] brachte sie zur Schule, half ihnen bei den HausaufSeite 46

gaben und war das erste Mal so etwas wie eine große Schwester. Auf den Farmen hieß es vor allem: früh aufstehen, meistens bei Sonnenaufgang. Ginny brachte mir bei, wie man Kühe melkt (gar nicht so einfach, wie es aussieht), mit Schubkarre und Schaufel wurden die Koppeln von den Hinterlassenschaften ihrer Bewohner gesäubert, die Tiere wurden gefüttert, der Trailer brauchte einen neuen Anstrich, der Gemüsegarten musste von Unkraut befreit werden und alle paar Tage wurde Holz geliefert, das in der Scheune gestapelt werden sollte. Je größer die Farm, desto länger dauerte die Fütterung und vom Heuballenschmeißen und dem bergauf Schieben gefüllter Schubkarren gab es schnell Muskelkater. Was sich nach sehr viel Arbeit anhört, war aber in Wirklichkeit halb so wild. ... Noreen hat viel mehr erlebt, als unsere Zeitung fassen kann: Silvester auf der Südinsel mit Hunderten von Backpackern am Lagerfeuer mitten in der Pampa, in Queenstown Adrenalin hoch drei mit Bungee Jump und Fallschirmsprung ... Auf unserer Website! Überflieger


Foto-Wettbewerb In eigener Sache

Überflieger-Fotowettbewerb

Foto1 Irgendwo im Nirgendwo zwischen Berlin und Usedom - während einer 400-km-Radtour

Foto 2 Das heißeste Shooting des Jahres. Bei 40 Grad im Schatten - frischer Wind mit Cosplay.

In unserem Fotowettbewerb unter dem Motto Ein Wahnsinnssommer haben es drei Fotos in die Endrunde geschafft. Dieses Mal dürft ihr mit uns entscheiden, wer gewinnt. Schreibt uns einfach die Nummer eures Favoriten bis zum 01.12.13 per Email oder per Zettel im Postkasten am Vertretungsplan. Der Gewinner erhält einen Gutschein nach Wahl (Buch oder Mediamarkt) in Höhe von 15 Euro. Unser neues Thema: Eiskalt Termin: 11.01.2014

Foto 3 Summertime Feeling

impressum Überflieger-Redaktion Lisa Kalkkuhl (Kalle) Daniel Kreutz Cover Mitja Rohr Layout Diana Nossova Karikatur Nane Valerie Pleger Clara Lehmann Lisabeth Hakenbeck

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13/1 13/1 12/4 11/1 11/1 10/4 10/5

Schülerzeitung der Peter-Joseph-Lenné-Gesamtschule Humboldtring 15-17, 14473 Potsdam Telefon Schule: 0331/2897780, Fax: 0331/2897781 Email Schule: postmaster@lenne-schule.de Email Zeitung: ueberflieger@lenne-schule.de Überflieger online: http://ueberflieger.qoalu.com oder Lenné-Website, Schulzeitung Erscheinen: viermal jährlich Redaktionsschluss: 04.11.2013 Ausgabedatum: 11.11.2013 Auflage: 250 Stück Seitenzahl: 48 Seite 47


ENCOURAGE. empowering people

Energie neu denken! Bewegt etwas für Eure Zukunft.

Mitmachen beim Schülerwettbewerb 2014 in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik! Wie erzeugen und nutzen wir Energie künftig umweltschonender und effizienter? Gesucht werden junge Forscherinnen und Forscher, die mit ihren Ideen für eine nachhaltige Energieversorgung die Welt von morgen gestalten. Teilnehmen können Schülerinnen und Schüler der oberen Jahrgangsstufen in Deutschland (ab Klasse 10) Österreich (Oberstufe ab Klasse 6) der Schweiz (Sekundarstufe II) sowie der deutschen Auslandsschulen in Europa (ab Klasse 10). Die Besten präsentieren ihre Arbeiten vor Professoren der Partner-Universitäten RWTH Aachen, TU Berlin und TU München. Es gibt Geldpreise im Gesamtwert von rund 100.000 Euro zu gewinnen! www.siemens-stiftung.org/schuelerwettbewerb

Anmeldeschluss zur Teilnahme: 15. November 2013 Einsendeschluss für die Arbeiten: 15. Januar 2014


Ueberflieger Ausgabe 27