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TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

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Fortschrittsbericht 2012


TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Fortschrittsbericht 2012


Diese Universit채t hat den Elektroingenieur erfunden. Und seither vieles mehr.


TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Inhalt

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Bilanz des Präsidiums

16 19 22 23 24 25 26 27 28 29 30

studieren & lehren Der Medienspeicher Interview mit Christoph Motzko Forsch ins erste Semester Der Antrieb zählt Aus dem Labor Intensiver Test Rund um den Globus Interview mit Armand Pokam Luft und Straße Studienangebot der TU Darmstadt

34 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50

forschen Weit vorne Sehr energisch Expertise für die Energiewende Forschen für morgen Mitten im Digitalen Unter Strom Interview mit Ralph Bruder Einzigartiger Gerätepark Synthetische Biologie Interview mit Max Mühlhäuser Vom Buch zum Holz Hohe Prinzipien Nicht nur optisch einwandfrei Spitzenforschung

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Wirtschaftfaktor Universität

64 67 68 69 70 71 72 73 74 75

kooperieren Transport von Wissen Effizienz im Maschinenpark Zwischen USA und China Pflanzliche Fabriken Roboter mit „Köpfchen“ Alles fließt Interview mit Hubert Heinelt Mit Sicherheit Flexible Halbleiter-Laser

76 79 80 81 82 83 84

leben Lernen im Grünen Unterstützung tut gut Interview mit Melanie Schnee und Joachim Vogt Quartier für 603qm Offene Türen Rasantes Tempo

88 91 92 93 94 96 97 98 100 101 102 103 104 105 106

ausgezeichnet Unterschwellige Gerechtigkeit Intensiver Neutronenstrahl Große Fördersummen Neue Hoffnung Alumni in Unternehmen Interview mit Hermann Jung Studieren ohne Geldnot Kultur des Gebens Sehr nachhaltig Ein großzügiges Paar Hervorragend Hoch geachtet Lob und Preis Stiftungsprofessuren

108 Die Lage


19 Medienspeicher Schneller Zugriff auf Bücher und Arbeitsplätze mit schöner Aussicht: Die neue Uni-Bibliothek steht.

41 Beste Adresse In den Ingenieurwissenschaften ist die TU eine der besten Gast-Unis: So urteilen internationale Top-Stipendiaten der Humboldt-Stiftung.

57 Wirtschaftsfaktor Universität Ihre Mitglieder produzieren Wissen und sichern Wohlstand: Die TU ist ein großer Arbeitgeber und liefert fortlaufend Konjunktur-Impulse.

68 Effizienter Maschinenpark Die Industrie muss künftig beim Energieverbrauch knausern: Im Fachbereich Maschinenbau der TU weiß man, wie das langfristig funktionieren kann.

84 Hohes Tempo Im Hochschulbad schaut man entspannt nach nebenan: Das Uni-Stadion wird für die kommenden Sportler-Generationen modernisiert.


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Bilanz des Pr채sidiums

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Bilanz des Präsidiums

Bilanz des Präsidiums

Dynamik und Verantwortung

Entwicklungslinien

In den vergangenen fünf Jahren hat die TU Darmstadt einen internen Veränderungsprozess von solcher Dynamik entfaltet wie wohl noch nie zuvor in so kurzer Zeit. Vieles wurde angestoßen und erneuert. Der Wissenschaftsrat und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) haben die Reformen sowie deren Schubkraft ausdrücklich gewürdigt. Die TU Darmstadt hat ihre Position als eine der führenden Technischen Universitäten Deutschlands gefestigt und ausgebaut; in ausgewählten Gebieten ist sie international hoch sichtbar.

Wir haben in den vergangenen Jahren Chancen konsequent genutzt, etwa unser vom Bund mit 13 Millionen Euro gefördertes Projekt KIVA zur Verbesserung der Qualität von Studium und Lehre, das hessische ForschungsexzellenzProgramm LOEWE oder den Umbau des historischen Maschinenhauses zu einem der schönsten Hörsaal-und Seminargebäude der TU Darmstadt. Und wir haben dringend Notwendiges in die Wege geleitet – etwa den Aufbau der Dachorganisation Ingenium für den wissenschaftlichen Nachwuchs und die Doktorandenausbildung oder den Bau zweier Kinderhäuser.

Ihr Markenzeichen ist es, Spezialisierung mit Vielfalt zu verbinden. Sie ist stark, weil sie als Technische Universität aktuelle Zukunfts- und Leitfragen insbesondere der Ingenieurwissenschaften auch aus der Perspektive der Naturwissenschaften und der Geistes- und Sozialwissenschaften betrachtet – beispielsweise in den „Energie-Ingenieur“-Studiengängen, Graduiertenschulen und Forschungsprojekten, in denen Fragestellungen der komplexen „Energiewende“ breit bearbeitet werden. Die TU Darmstadt führt wissenschaftliche Exzellenz mit hoher Praxisrelevanz zusammen. Deshalb kann sie künftige Fach- und Führungskräfte nicht nur fachlich qualifizieren, sondern unterstützt auch die Entwicklung zu verantwortungsvollen Persönlichkeiten.

Die herausforderndste Entwicklung war und ist die stark gestiegene Anzahl von Studierenden von rund 17.500 im Jahr 2007 auf derzeit mehr als 25.000. Wir haben nicht zuletzt dafür die Infrastruktur massiv ausbauen können und seit 2007 fast 330 Millionen Euro in Neubauten, Bauunterhaltung und Sanierung investiert. Die neue Uni-und Landesbibliothek, mehrere Lernzentren, neue Forschungsgebäude, 2.600 zusätzliche Hörsaalplätze und 2.000 neue Seminarplätze – an vielen Stellen wachsen unsere Campi Stadtmitte und Lichtwiese und erzeugen ein beeindruckendes neues Flair. Ein Ergebnis des Wachstums ist auch, dass sich die Zahl der Absolventen und Absolventinnen im Vergleich zum Jahr 2006 auf rund 3.000 verdoppelt hat.

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Autonomie Als autonome Universität nehmen wir die Entwicklung und Verantwortung selbst in die Hand. Mit der Kompetenz der Bau- und Dienstherreneigenschaft agieren wir beispielhaft. Die TU Darmstadt hat handlungsfähige Entscheidungsstrukturen und Leitungspositionen. Sie ist familienfreundlich und bietet gute Arbeitsbedingungen in Studium und Lehre, Forschung und Dienstleistungen. Eine neue Studie belegt die regionale wie bundesweite Bedeutung der TU Darmstadt für Wirtschaft und Wohlstand. Präsident Professor Dr. Hans Jürgen Prömel.


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Bilanz des Präsidiums

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Mit großer Konzentration hat die Universität ein klar erkennbares Forschungsprofil mit fünf Clustern und drei Schwerpunkten etabliert. Im Bundes-Vergleich mit anderen Universitäten hat sich die TU Darmstadt in ihren Forschungsleistungen klar verbessert. Laut DFG-Rating ist sie von Platz 25 im Jahr 2006 auf Platz 18 im Jahr 2012 geklettert. Erfolgreich verläuft auch die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses: Vier junge Forscherinnen und Forscher sind seit 2008 mit dem renommierten Heinz Maier-Leibnitz-Preis ausgezeichnet worden. Inzwischen gibt es an der TU Darmstadt sieben von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierte Graduiertenkollegs und fünf Graduiertenschulen. Von diesen werden zwei mit ingenieurwissenschaftlichem Profil im Rahmen der Bund-Länder-Exzellenzinitiative gefördert – bundesweit gibt es nur vier weitere Graduiertenschulen mit diesem Status. All das zeigt, dass wir auf gutem Weg sind, Promovieren an der TU zu einem Markenzeichen zu formen.

Herausforderungen

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Kurzfristig wird es weiterhin eine hohe Nachfrage nach Studienplätzen geben, aber die Zahl der Studierenden wird aufgrund der demographischen Entwicklung zurückgehen. Die Universität muss sich auf einen verschärften nationalen und internationalen Wettbewerb um Studierende einstellen, wenn mittelfristig ein Niveau von 20.000 bis 25.000 Studierenden gehalten werden soll. Und das bedeutet auf lange Sicht auch Konkurrenz um die besten Köpfe beim wissenschaftlichen Nachwuchs.

Wissenschaftlicher Nachwuchs wird gezielt gefördert.


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Unsere Erfolge beim Einwerben von Drittmitteln – eine Verdoppelung seit dem Jahr 2006 – wirken sich auch auf den Personalbestand aus – 42 Prozent mehr wissenschaftliche Beschäftigte als im Jahr 2007, elf Prozent mehr Professuren und drei Prozent mehr administrativ-technische Beschäftigte. Um die Balance zu wahren, muss die langfristige, sicher planbare und angemessene Grundfinanzierung gewährleistet werden. Autonomie sichern und gestalten heißt, auch einen nächsten konsequenten Schritt zu gehen. Es wäre zielführend, wenn die TU Darmstadt das Recht erhielte, ihre Studiengänge selbst zu akkreditieren, zumal ein leistungsfähiges internes Qualitätsmanagement aufgebaut wurde.

Akzente und Ziele Die TU Darmstadt hat eine Tradition als weltoffene und internationale Universität. Sie zählt zu den 20 Universitäten in Deutschland mit den höchsten Anteilen an ausländischen Studierenden. Dies ist eine Verpflichtung zu Internationalität und Diversität: Das heißt, die internationale und interkulturelle Qualifikation der Studierenden erhöhen, attraktiver werden für internationale Master-Studierende und mehr ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gewinnen. Von einem Welcome Office, dem neuen Gästehaus nahe der Lichtwiese und von verbesserten Betreuungsangeboten sollen Impulse ausgehen. Und selbstverständlich muss es Ziel sein, mehr Studentinnen für Ingenieurwissenschaften zu begeistern und den Anteil der Professorinnen weiter zu erhöhen.

Die Universität will ihre Studierendenzahl halten.


Bilanz des Präsidiums

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Weiterhin größte Aufmerksamkeit verdient die Qualität des Studiums, die durch interdisziplinäre Vernetzung in der Lehre ausgebaut werden soll. Inzwischen gibt es genug Hörsaal- und Seminarraumplätze, aber bei den Arbeits- und Begegnungsplätzen für Studierende können wir noch nachlegen. Mehr als 1.500 weitere Lern- und Leseplätze entstehen ab 2013. Das Residenzschloss wird in den kommenden Jahren komplett saniert und als wissenschaftliches und kulturelles Zentrum in Darmstadt gestärkt werden. Das Forschungsprofil muss sorgfältig gepflegt werden, damit sich Cluster und Schwerpunkte entwickeln und im internationalen Wettbewerb bestehen können. Profilbildung ist stets ein dynamischer Prozess. Diese Universität ist darauf eingestellt: Ihre besondere Fähigkeit zur Interdisziplinarität sowie eine ausgeprägte Kollaborationskultur wirken motivierend und inspirierend.

Partner

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Durch gezielte Partnerschaften und Verbünde kann die TU Darmstadt stärker werden. Mit außeruniversitären Forschungsinstituten sind die Beziehungen enger geknüpft worden; die Instrumente der Kooperationsprofessuren und Kooperationsinstitute – die jüngsten mit DB Schenker und Intel – zeigen Wirkung. Die TU Darmstadt gehört 2012 zu den Gewinnern des Wettbewerbs „Die Gründerhochschule“ des Bundeswirtschaftsministeriums. Das ist eine wichtige Auszeichnung der systematischen Pflege der „Gründerkultur“ und des konkreten Beratungsangebots der Universität. In unserem „Technologie- und Innovationszentrum“ planen junge Start-up-Unternehmen ihre ersten Schritte am Markt. Wir wollen noch mehr erreichen: Eine Professur für Technologie- und Innovationsmanagement ist in Vorbereitung.

Die TU zeichnet sich durch Internationalität aus.


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Präsidium Leitung der Universität

Mitglieder Präsident Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel Universitätsstruktur und -strategie, Forschung und wissenschaftlicher Nachwuchs, Berufung von Professorinnen und Professoren, Qualitätsmanagement, Internationale Beziehungen, Außenvertretung Kanzler Dr. Manfred Efinger Haushalt, Personal, Immobilien, Infrastruktur, Rechtsangelegenheiten Vizepräsidentin Prof. Dr. Petra Gehring Wissenschaftliche Infrastruktur (Uni-Bibliothek, Neue Medien, E-Learning, Rechenzentrum), interdisziplinäre Kultur, Lehrerbildung Vizepräsident Prof. Dr.-Ing. Holger Hanselka Wissens- und Technologietransfer, Kooperation mit Wirtschaft und Wissenschaft, Unternehmensgründungen, Patentmanagement, Alumni, Fundraising Vizepräsident Prof. Dr.-Ing. Christoph Motzko Studium und Lehre

Hochschulrat

Universitätsversammlung

Senat

Initiativen zu Strategie und Struktur der Universität, Mitwirkung bei Ressourcenverteilung und Berufungsverfahren. Wahlvorschlag für die Wahl des Präsidenten/der Präsidentin

Stellungnahmen zu Grundsatzfragen der Universitätsentwicklung, zu Lehre, Studium und wissenschaftlichem Nachwuchs, Wahl und Abwahl des Präsidiums

Beratung des Präsidiums bei Struktur-, Entwicklungs- und Bauplanung, Haushalt, Forschung, Lehre und Studium, Zustimmung zu Studienordnungen, Berufungen, Ehrungen

Mitglieder

Mitglieder

31 15 10 5

Präsidium 10 Professorinnen und Professoren 4 Studierende je 3 wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Beschäftigte

Mitglieder Prof. Dr. Gerhard Ertl Chemie-Nobelpreis 2007, emeritierter Direktor des Fritz-Haber-Instituts Berlin Traudl Herrhausen 1991 bis 2003 Mitglied der CDU-Fraktion des Hessischen Landtags Prof. Dr. Burkhard Rauhut Rektor der German University of Technology GUTech in Oman Dr. Karl-Friedrich Rausch Mitglied des Vorstands der Deutschen Bahn Prof. Hans Helmut Schetter langjähriges Mitglied des Vorstands der Bilfinger Berger AG, Honorarprofessor der TU Darmstadt Prof. Dr. Bernhard Scheuble Honorarprofessor der Universität Stuttgart Prof. Dr. Georg Winckler Rektor der Universität Wien, Präsident der European University Association, Professor für Volkswirtschaft Prof. Dr. Sigmar Wittig Professor für Thermische Strömungsmaschinen an der Universität Karlsruhe, Vorsitzender des Rates der Europäischen Weltraumorganisation ESA Prof. Dr. Heidi Wunderli-Allenspach bis 2012 Rektorin der ETH Zürich, Professorin für Biopharmazie Dr. Holger Zinke Vorsitzender des Vorstands der BRAIN AG

Professorinnen und Professoren Studierende wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Beschäftigte


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Bilanz des Präsidiums

Daten und Fakten

1 Exzellenzcluster „Smart Interfaces“, Beteiligung am Exzellenzcluster „Herausbildung normativer Ordnungen“

2 Exzellenz-„Graduate Schools“: Computational Engineering Energy Science and Engineering

3 LOEWE-Exzellenz-Zentren 7 LOEWE-ExzellenzSchwerpunkte

5 Sonderforschungsbereiche

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Fachbereich Informatik auf dem Campus Stadtmitte.

5 Standorte Stadtmitte Lichtwiese Botanischer Garten Hochschulstadion August-Euler-Flugplatz mit Windkanal

250 Hektar Grundbesitz 142 Gebäude 283.000 Quadratmeter Hauptnutzfläche


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251 Professoren (davon 12 Juniorprofessoren)

42 Professorinnen (davon 8 Juniorprofessorinnen)

2.310 wissenschaftliche Beschäftigte (620 weiblich)

1.840 administrativtechnische Beschäftigte (1.070 weiblich)

175 Auszubildende (39 weiblich)

170 wissenschaftliche Hilfskräfte (60 weiblich)

3.000 studentische Hilfskräfte (860 weiblich)

262,3 Millionen Euro Grundfinanzierung vom Land Hessen (inklusive Baumittel, ohne LOEWE)

10 Millionen Euro aus dem Bund-Länder-Hochschulpakt (Phase II)

144,8 Millionen Euro eingeworbene Mittel (inkl. LOEWE)

110 Studiengänge 13 Fachbereiche 5 Studienbereiche 25.100 Studierende 4.900 neue Studierende 2.900 Absolventen


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studieren & lehren

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studieren & lehren

Highlights 2012 800

studentische Hilfskräfte stellte die TU Darmstadt für das KIVA-Programm zur Verbesserung der Qualität der Lehre ein.

1.

und 3. Platz beim Wettbewerb „Stahl fliegt“ für die Teams der TU Darmstadt und ihre Leichtbau-Flugzeuge aus Stahlfolie.

2.899 ausländische Studierende aus

119 Nationen waren an der TU Darmstadt im Wintersemester 2012/13 eingeschrieben.

626 5,5 Millionen

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Medien hält die neue Bibliothek bereit.

Studieninteressierte hatten im Sommer 2012 die Chance auf ein Auswahlgespräch im Fachbereich Maschinenbau.

74 Millionen Euro investierten die Universität und das Land Hessen in den Bau der neuen Universitäts- und Landesbibliothek.

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ehrenamtliche „Gastfreunde“ helfen ausländischen Studierenden an der TU Darmstadt, das Leben in Deutschland kennenzulernen.


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Der Medienspeicher

Lichtdurchflutet: Atrium der neuen Universitäts- und Landesbibliothek.

Neues Wissenszentrum Die Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) hat sich aus dem Schloss verabschiedet und als Neubau auf dem Campus Stadtmitte Premiere gefeiert. Das architektonisch reizvolle Gebäude zwischen Altem Hauptgebäude und Mensa bietet auf 37.000 Quadratmetern Fläche 700 Lese- und Arbeitsplätze und 5,5 Millionen Medien. Die bisherigen Fachbereichsbibliotheken der TU wurden größtenteils zusammengefasst und an den neuen Standort überführt. Ein Freihandbereich für die Gesellschaftsund Geschichtswissenschaften verbleibt im Schloss,

und jeder Fachbereich beherbergt nach wie vor seinen eigenen Handapparat. Die neue ULB hat rund um die Uhr geöffnet; das Bündeln der Literatur aller Fachbereiche an einem zentralen Ort verkürzt die Campuswege. Nutzer können über Smartphones oder Tablet-PCs auf den Bestand an elektronischen Medien zugreifen. Ein Café und ein Atrium im Inneren der Bibliothek laden zum Verweilen ein. Dank eines ausgeklügelten Nachhaltigkeitskonzepts wird der Energiebedarf zum Heizen im Winter und zum Kühlen im Sommer deutlich gesenkt.


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studieren & lehren

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Wege zur Erkenntnis: Arbeiten in der Bibliothek.

Dienstleister für Uni und Land

Fakten-Nachlese

Der Neubau hat knapp 74 Millionen Euro gekostet und wurde im Rahmen des HEUREKA-Programms der hessischen Landesregierung aus dem Baubudget der TU Darmstadt finanziert. Die ULB versteht sich als Dienstleistungszentrum der TU, versorgt diese für Forschung und Lehre mit Informationen und dient gleichzeitig als Lern- und Arbeitsort. Doch als Landesbibliothek steht sie ebenso für die regionale Informationsversorgung zur Verfügung, sammelt regionales Schrifttum und unterstützt die Wirtschaft und die übrigen Hochschulen und Bibliotheken der Region.

•1 allgemeiner Lesesaal, 3 Fachlesesäle, 1 Sonderlesesaal für Handschriften und Musikalien • rund 700 öffentlich zugängliche Arbeits- und Leseplätze • flächendeckendes WLAN • öffentlich zugänglicher Freihandbestand mit 700.000 Bänden • großräumiges Kompaktmagazin für insgesamt 1,4 Millionen Medien • Sondermagazine für wertvolle Altbestände und Handschriften • Restaurierungswerkstatt • Buchbinderei und Digitalisierungszentrum • Büroräume für rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter • Vortrags- und Schulungsraum • Tiefgarage mit 90 Stellplätzen • Cafeteria


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studieren & lehren

Interview „Auf vollen Touren“

Fokus auf die ersten Semester: Professor Christoph Motzko.

Fachgrenzen schon in den ersten Wochen des

Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler

Studiums überschreiten: Das ist Professor

bei uns. Von ihnen erhoffen wir uns wichtige

Christoph Motzko, Vizepräsident für Studium

Impulse für neue Lehrformen und -inhalte. Lehr-

und Lehre, sehr wichtig. Die interdisziplinäre

amtsstudierende können sich inzwischen das

Projektarbeit im ersten Semester ist ein

Wahlpflichtmodul „Tutorielle Lehre“ anrechnen

Kernelement des von ihm geleiteten

lassen, und ein KIVA-Team hat interdisziplinäre

Programms „KIVA“ zur Verbesserung der

Lehrformate entwickelt. Außerdem hat sich

Qualität von Studium und Lehre.

inzwischen ein Netzwerk für den Austausch über die Teilprojektgrenzen hinweg etabliert.

Herr Professor Motzko, was kann das KIVA-Projekt bewirken?

KIVA verbessert die Studienbedingungen und die Qualität der Lehre in der Studieneingangsphase. Die ersten beiden Studiensemester prägen die Studienmotivation, und genau die muss gestärkt werden. Für die Lehre streben wir eine noch engere Verbindung zwischen Ingenieur- und Natur- sowie Geistes-, Human- und Sozial-

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wissenschaften an. Konnten Sie bereits Erfolge erzielen?

Alle sechs Teilprojekte arbeiten auf vollen Touren. Außerdem waren schon mehrere

Was bietet KIVA den Studierenden?

Die Tutorien sorgen für eine bessere Betreuung der Studierenden und gleichzeitig erweitert KIVA das Spektrum der Themen und der Lehransätze für die einzelnen Fächer. Aus den neuen Erkenntnissen und Strukturen, die wir durch das Programm aufbauen, wird auch die nächste Studiengeneration schöpfen.


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Forsch ins erste Semester

Campus-Rallye für Neulinge

Wenn Ideen sprießen

Wer neu in der Stadt ist, braucht Orientierungshilfe. Also haben Erstsemester-Studierende der Elektround Informationstechnik, der Psychologie und Physik gemeinsam eine Campus-Rallye entwickelt. Eine Woche lang saßen 412 Studierende in 41 Teams beisammen und kreierten ein Erstsemester-StarterKit: den interaktiven Smart-Campus-Navigator.

Aus den Fachbereichen Maschinenbau, Biologie, Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften starteten 480 Studierende in 48 Teams in eine KIVA-Projektwoche. Sie hatten die Aufgabe, ein Produkt zu entwickeln, das Wüstenbildung eindämmt und Pflanzen auf kargem Boden sprießen lässt. Eine der Gruppen setzte sich mit „Agro 3000“ als bestes Projekt durch: Sie kreierte das Vlies „Hemp 3000“, ein Netz aus Nutzhanf-Fasern, das Hirse, Linsen und Senf selbst in der marokkanischen Wüste gedeihen lässt. Zusätzlich dienen Niembäume und Ölweiden als Windfänger. Mit dem Spezialpflug „Plow 3000“ können die Bauern das Vlies fünf Zentimeter tief in der Erde verankern. Bereits im zweiten Jahr, so errechneten die Erfinder von „Agro 3000“, könne mit Erträgen gerechnet werden.

Während der Projektwoche im Rahmen des KIVAProgramms lernten die angehenden Ingenieure und Ingenieurinnen fachtypische Denk- und Arbeitsweisen kennen und betrachteten die Problemstellung aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Professoren, Fach- und Teambegleiter standen mit fachlichem Rat zur Seite und behielten gleichzeitig die Dialogfähigkeit und soziale Kompetenz ihrer jungen Studierenden im Auge.

Ein Kürzel mit Substanz Die Abkürzung KIVA steht für „Kompetenzentwicklung durch interdisziplinäre Vernetzung von Anfang an“. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bis 2016 mit 13 Millionen Euro gefördert. Der Fokus der Initiative liegt auf der für den Studienerfolg entscheidenden Studieneingangsphase. Mit KIVA will die TU Darmstadt junge Menschen für ein Studium in den natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächern sowie Mathematik (MINT) gewinnen, das Engagement der Studierenden anregen und die interdisziplinäre Lehre ausbauen. Jedes Jahr leiten fortgeschrittene Studierende circa 2500 Übungsgruppen und Tutorien. Dafür stellte die TU Darmstadt eigens 800 studentische Hilfskräfte ein. Das Programm gliedert sich in sechs Teilprojekte: • Stärkung der mathematischen Ausbildung • Fonds für Gastprofessuren • Verstärkung der Studienbüros • Ausbau des Tutorentrainings • Interdisziplinäre Projekte in der Studieneingangsphase • Entwicklung von Interdisziplinarität

Teamarbeit im Studium fördert die Universität sehr.


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Der Antrieb zählt

studieren & lehren

An der TU Darmstadt werden diese Eignungsgespräche bereits seit zehn Jahren geführt, und die Erfahrungen damit sind gut: Die Zahl der Studienabbrecher in den ersten Semestern ist niedriger als anderswo. Deswegen interessieren sich inzwischen auch andere Hochschulen für das Verfahren. Für Dahal war das Auswahlgespräch der Einstieg ins deutsche Uni-Leben. Der Professor, der die Unterredung führte, wurde sein Mentor und unterstützte ihn sowohl bei der Wohnungssuche als auch bei fachlichen Fragen. Ein Studienabbruch ist für Dahal undenkbar, trotz der Last, das Studium selbst finanzieren zu müssen: „Für mich ist es eine große Verantwortung, das Studium erfolgreich zu beenden.“ Danach möchte er an der TU promovieren.

Auswahl heißt Verantwortung: Professor Pelz, Student Dahal.

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Diwakar Sharma Dahal aus Nepal hatte einen Traum: Er wollte Maschinenbauer werden. Zwei Jahre lernte er in Kathmandu Deutsch und führte dann über Skype sein Eignungsgespräch mit Maschinenbau-Professor Peter Pelz: „Geben Sie mir ein Semester Zeit, um zu zeigen, was ich kann“, bat er und überzeugte. Ein Auswahlgespräch am Fachbereich Maschinenbau dauert rund 20 Minuten. Jeder Abiturient, der keinen überragenden, aber doch respektablen Notendurchschnitt vorweisen kann, hat die Chance, seine Eignung im Gespräch unter Beweis zu stellen: Wichtige Kriterien sind die Studienmotivation, die Belastbarkeit und das gesellschaftliche Engagement der Bewerber. Gesprächspartner auf Uni-Seite sind ein Professor, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter und ein Vertreter der Fachschaft. Alle drei entscheiden gleichberechtigt darüber, ob die Kandidatin oder der Kandidat geeignet ist.

1.052 Bewerbungen gingen im Jahr 2012 am Fachbereich Maschinenbau ein. Die Unterlagen zu sichten, erforderte einen erheblichen finanziellen und zeitlichen Aufwand. Im Juni 2012 wurden insgesamt 626 Gespräche geführt – oft mehr als 50 am Tag. Zwei Drittel der Bewerber stufte die Jury am Ende als geeignet ein, den anderen schlug sie Alternativen vor, zum Beispiel den Besuch einer Fachhochschule. Das Aufnahmegespräch orientiert sich an den DIN-Normen für Einstellungsverfahren. Den roten Faden bilden Fragebögen, die im Anschluss an das Gespräch nach einem Punktesystem ausgewertet werden. Ein Personalexperte des Unternehmens Lufthansa Technik unterstützte den Fachbereich dabei, ein professionelles Instrumentarium zu entwickeln. Zusätzlich erhielt jedes Jury-Mitglied eine dreistündige Schulung.


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Aus dem Labor

Trojanische Pferde Zwei Oberstufen-Schülerinnen des JohanneumGymnasiums in Herborn wiesen für den hessischen Landeswettbewerb „Jugend forscht“ nach, dass Nanopartikel in lebende Zellen eindringen. Damit gewannen sie den Sonderpreis der TU Darmstadt: ein zweiwöchiges Intensiv-Praktikum im Fachbereich Chemie. Für ihren Versuch „Nanopartikel – ein trojanisches Pferd?“ markierten Ursula Katharina Waschke und Liesa Röder Nanopartikel mit fluoreszierendem Farbstoff. Anschließend gaben sie diese in Wasser und begossen damit Küchenzwiebeln. Unter dem Mikroskop erkannten sie: Die Nanopartikel hatten ihren Weg in die Zwiebel gefunden. Beim Uni-Praktikum lernten die Schülerinnen, wie man Papier herstellt und Kristalle züchtet. Und sie konnten testen, ob ein Chemie-Studium für sie in Frage kommt. Die Antwort: Ja, klar.

Plastik fressende Bakterien Für Professor Heribert Warzecha ist der internationale iGEM-Wettbewerb (international genetically engineered machine competition) vor allem eine Möglichkeit, schon Bachelor-Studierende an die Synthetische Biologie heranzuführen. 2012 reichte ein Studierenden-Team erstmals ein Projekt ein. Die gemeinsame Idee: Bakterien dazu bringen, den Kunststoff PET zu zerlegen. Viele Alltagsprodukte enthalten PET, jedes Jahr landen Tonnen davon in der Natur. Die angehenden Biologen, Chemiker, Umwelt- und Biotech-Ingenieure und Philosophen wollten die DNA einer Zelle so „umbauen“, dass sie Enzyme produziert, die PET-Moleküle als Energiequelle nutzen und so die umweltschädlichen Stoffe abbauen. Bei der Umsetzung wurden sie vom Personal des Fachbereichs begleitet.

Forscht mit Schülerinnen: Professorin Katja Schmitz (Mitte).

„Die Studierenden haben tolle Ideen, und ich versuche, die ambitionierten Pläne in einen umsetzbaren Rahmen einzupassen.“ Professor Heribert Warzecha, Studiendekan Fachbereich Biologie


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studieren & lehren

Intensiver Test

Mit MINT-Geschmack Eine Woche lang MINT-Fächer schnuppern: Der Verbund von neun führenden Technischen Universitäten in Deutschland (TU9), dem auch die TU Darmstadt angehört, organisierte zum zweiten Mal eine Probe-Studienwoche für insgesamt 130 Schülerinnen und Schüler aus Staaten von Ecuador bis Korea. Jeder, der eine deutsche Schule im Ausland besucht, einen ausländischen Pass besitzt und sehr gute Noten in den MINT-Fächern nachweisen kann, ist ein potenzieller Kandidat für das Programm, das vom Deutschen Akademischen Austauschdienst und dem Auswärtigen Amt unterstützt wird. 20 der ausgewählten Schüler verbrachten die Schnupper-Woche an der TU Darmstadt. Ziel des Programms ist es, Jugendlichen erste Eindrücke von den Studienbedingungen an einer deutschen Universität zu vermitteln, in der Hoffnung, dass sie sich später für ein Studium in Deutschland entscheiden.

Mustergültig abgeschnitten Beim Uni-Ranking der Zeitschrift „Wirtschaftswoche“ hat die Uni Darmstadt gut abgeschnitten: Die TU rangiert in allen ingenieur- und naturwissenschaftlichen Kategorien unter den ersten Fünf. Das Ranking basiert auf den Urteilen von über 500 Personalverantwortlichen aus allen Branchen. Auch das Centrum für Hochschulentwicklung führte 2012 ein Hochschulranking durch: Hierbei landeten die Fächer Mathematik und Informatik der TU in drei Kategorien in der Spitzengruppe.

Roboter auf Erfolg programmiert

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Bei der 11. RoboCup German Open in Magdeburg gewannen die Darmstädter Roboter gleich zweimal: Das Team Hector setzte sich in der Rescue Robot League durch, die Darmstadt Dribblers in der Humanoid League. Bei den internationalen RoboCup-Weltmeisterschaften holten die beiden Teams einen zweiten und dritten Platz.

Technik-Test: Ausländische Jugendliche zu Gast an der Uni.


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Rund um den Globus

„Triple A“ Ob Bewerbung, Zulassung oder Immatrikulation: Das Akademische Auslandsamt (AAA) der TU Darmstadt hat den Anspruch, alle Fragen ausländischer Studienbewerber zu beantworten. Die ebenfalls dort angesiedelte „Betreuung Inter-nationaler Studierender“ arbeitet mit Beratungsstellen außerhalb der Universität zusammen und kümmert sich zusätzlich um finanzielle, aufenthaltsrechtliche und persönliche Angelegenheiten der Studierenden.

Schnelle Orientierung Knapp 3.000 ausländische Studierende aus weit mehr als hundert Nationen sind an der TU eingeschrieben. In Anke Friedrich vom Akademischen Auslandsamt finden sie eine zuverlässige Ansprechpartnerin. Wo bekomme ich ein Visum? Wie finde ich eine Wohnung? Wo einen Job? Anke Friedrich sucht per E-Mail oder im persönlichen Gespräch Antworten. Vor allem für Studienanfänger, erläutert die Managerin, sei Betreuung wichtig. Da sie von Anfang an Leistung erbringen müssten, bleibe nicht viel Zeit, sich zu orientieren. Trotzdem finden nicht alle ausländischen Studierenden den Weg zu ihr. Deshalb plädiert sie für einen festen Ansprechpartner an jedem Fachbereich: So ließe sich vermeiden, dass die jungen Erwachsenen erst in letzter Sekunde kommen, wenn Hilft internationalen Studierenden: Professor Franz Bockrath. Geldsorgen quälen oder ihr Aufenthalt in Gefahr ist.

Der Ombudsmann Auch Franz Bockrath gibt ausländischen Studierenden Schützenhilfe. Der Professor am Fachgebiet Sportpädagogik und Sportgeschichte hat das Amt des Ombudsmanns für internationale Studierende inne. „Die Studierenden brauchen Kontakte, die Vertrautheit oder sogar Freundschaften bringen“, weiß Bockrath. Oftmals entstünden die Schwierigkeiten aus ihrer Isolation, viele kämpften zudem mit Sprachhürden, und der psychische Druck sei hoch: „Sie haben sich hohe Ziele gesteckt und wollen die Erwartungen der Familie zu Hause nicht enttäuschen.“ In ausführlichen Hintergrundgesprächen möchte Franz Bockrath ProfessorenKollegen, Mitarbeiter in der Verwaltung und Kommilitonen auf die besondere Situation der ausländischen Studierenden aufmerksam machen.

„Die Studierenden brauchen Kontakte, die Vertrautheit oder sogar Freundschaften bringen.“ Professor Franz Bockrath


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studieren & lehren

Interview Engagierte „Nachhelfer“

Weil er sozial benachteiligten Kindern bei den Schularbeiten helfen wollte, gründete der Kameruner Armand Pokam den Verein „Nachhelfer Darmstadt e.V.“. Der Student der Elektro- und Informationstechnik wurde 2010 für sein soziales Engagement vom Deutschen Akademischen Austauschdienst ausgezeichnet. Was war Ihre Motivation, die „Nachhelfer“ zu gründen?

Wir kritisieren den starken Einfluss des sozialen Hintergrunds auf die Bildungskarrieren in Deutschland. In einem so reichen Land wie Deutschland sollten alle Kinder faire Bedingungen für den Schulerfolg bekommen. Wie gehen Sie vor?

Wir unterstützen die Kinder mit unserem Fachwissen und unseren Kompetenzen. Zeit und Energie, die wir in das Leben eines Kindes investieren, machen sich bezahlt. Studium, Nebenjob und Ehrenamt – da haben

Engagieren sich für Studierende: Irmgard und Dietrich Praclik.

Sie eine Menge zu tun?

Ja, es ist zeitaufwendig. Aber wir springen füreinander ein, und Mitglieder, die sich gerade im Ausland aufhalten, übernehmen dann die Bürotätigkeiten. Jeder kann helfen, wenn

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er nur will.

„Wer hierher kommt, kennt nur wenige Menschen, braucht einen Ersatz für Familie und Freunde.“ Tulga Mendjargal, 26 Jahre, Student aus der Mongolei

Gastfreundliche Ehrenamtliche Seit fünf Jahren helfen Irmgard und Dietrich Praclik ausländischen Studierenden, den Alltag in Deutschland zu bewältigen und besser zu verstehen. Das Ehepaar und 30 Ehrenamtliche kümmern sich um etwa 100 Studierende und Doktoranden. Mal ist es eine Radtour, mal ein Spieleabend – der Verein der „Gastfreunde“ bietet Ablenkung vom akademischen Alltag und Raum für Gespräche. Oft entwickeln sich hier Freundschaften, manchmal finden Studierende sogar eine „Adoptivfamilie“. Das Ehepaar Praclik wünscht sich mehr TU-Angehörige und -Alumni in ihrem Verein, die den „Gästen“ mit Rat und Tat zur Seite stehen.


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Luft und Straße

Stahl fliegt

Technik und Umwelt

In Kassel nahmen 15 studentische Teams deutscher Universitäten am Wettbewerb „Stahl fliegt“ teil. Die angehenden Ingenieurwissenschaftler hatten die Aufgabe, ein Leichtbau-Flugmodell aus einem Material zu bauen, das einen Mindestanteil von 70 Prozent Eisen hat. Den Wettstreit konnte der Leichtbauflieger für sich entscheiden, der sich am längsten in der Luft hielt. Mit einem 39 Gramm schweren, aus Stahlfolie gefertigten Flieger und einer durchschnittlichen Flugzeit von 15,1 Sekunden gewann „Team Darmstadt 2“ den ersten Platz. Rang 3 holte auch die TU. Der spielerische Wettbewerb verknüpft theoretische Studieninhalte und praktische Anwendung.

Das Darmstädter Enactus-Team arbeitet nach dem Motto „Ingenieurkunst trifft Umweltschutz“. Die Organisation Enactus, 1975 in den USA gegründet, ist eine der größten internationalen Studentenorganisationen. Sie bringt Studierende aus vielen Fachbereichen zusammen und initiiert unternehmerische, soziale und nachhaltige Ingenieurprojekte. Das derzeit größte Projekt der Darmstädter heißt Biogas4Kenia: Auf einer Farm in dem ostafrikanischen Land ist eine Mini-Biogasanlage geplant. Das aus Staudenresten und Tierdung gewonnene Biogas soll einen achtköpfigen Haushalt mit Energie versorgen.

Kinderwagen gesichert Ein Kinderwagen mit elektronischem Bremssystem und Geschwindigkeitsbegrenzer? Drei Studierende des Fachbereichs Elektro- und Informationstechnik haben ihn erfunden. Die eingebaute Elektronik überwacht das Tempo des Kinderwagens und prüft, ob sich in der Nähe des Griffs eine Person aufhält. Bewegt sich der Wagen und das System kann keine Person in Griffnähe erkennen, wird er automatisch gestoppt. Eine einstellbare Höchstgeschwindigkeit sorgt dafür, dass der Wagen sogar bergab das vorgegebene Tempo nicht überschreitet. Mit dieser Entwicklung gewannen die Studierenden Ye Ji Park, Simone Rudolph, Johannes Bilz und Tobias Fritzsche einen bundesweiten Wettbewerb.

Kleine Revolution Professionelle Rezensionsjournale für Geschichte lassen vor allem „fertige“ Historiker rezensieren. Jetzt ist Studierenden der Geschichtswissenschaft eine kleine Revolution gelungen: In Eigeninitiative haben sie das E-Journal reviewLUTION-net gegründet. Hier besprechen angehende Historiker Publikationen und legen den Fokus auf die Studienrelevanz. Jeder, der ein Buch besprechen möchte, erhält ein Leseexemplar, und ein Redaktionsteam korrigiert die eingehenden Beiträge sprachlich und inhaltlich. Das Journal erscheint zweimal im Jahr.

Machen Kinderwagen sicherer: Ingenieur-Studierende der TU.

„Wir haben bei den ersten Treffen schnell festgestellt, dass viele unserer Projektideen mit Umwelt zu tun haben.“ Sabine Weller, Studentin der TU Darmstadt und Gründungsmitglied von Enactus


30

studieren & lehren

Studienangebot der TU Darmstadt

Bachelor

Master

B.Sc. Angewandte Geowissenschaften Angewandte Mechanik Architektur Bauingenieurwesen und Geodäsie Biologie Biomolecular Engineering – Molekulare Biotechnologie Chemie Computational Engineering Elektrotechnik und Informationstechnik Informationssystemtechnik Informatik Maschinenbau – Mechanical and Process Engineering Materialwissenschaften Mathematik Mechatronik Pädagogik B.A. Physik Politikwissenschaft B.A. Psychologie Psychologie in IT Soziologie B.A. Sportwissenschaft und Informatik B.A. Umweltingenieurwissenschaften Wirtschaftsinformatik Wirtschaftsingenieurwesen/Bauingenieurwesen Wirtschaftsingenieurwesen/E-Technik Wirtschaftsingenieurwesen/Maschinenbau

M.Sc. Angewandte Geowissenschaften Architektur Autonome Systeme Bauingenieurwesen Bildungswissenschaften M.A. Biomolecular Engineering – Molekulare Biotechnologie Chemie Computational Engineering Distributed Software Systems Electrical Power Engineering Elektrotechnik und Informationstechnik Geodäsie und Geoinformation Germanistik M.A. Geschichte M.A. Governance und Public Policy M.A. Informatik Information and Communication Engineering Informationssystemtechnik Internationale Studien/Friedens- und Konfliktforschung International Cooperation and Urban Development Internet and Web Technology IT-Security Linguistic and Literary Computing M.A. Maschinenbau – Mechanical and Process Engineering Materials Science Mathematik Mechanik Mechatronik Paper Science and Technology Philosophie M.A. Physik Politikwissenschaft M.A. Politische Theorie M.A. Psychologie Soziologie M.A. Technische Biologie Technische Physik Technik und Philosophie M.A. Traffic and Transport Tropical Hydrogeology, Engineering Geology and Environmental Management Umweltingenieurwissenschaften Visual Computing Wirtschaftsinformatik Wirtschaftsingenieurwesen/Bauingenieurwesen Wirtschaftsingenieurwesen/E-Technik Wirtschaftsingenieurwesen/Maschinenbau

Bachelor of Education Bautechnik Chemietechnik Elektrotechnik und Informationstechnik Informatik Körperpflege Metalltechnik Joint Bachelor Anglistik Germanistik Geschichte Informatik Philosophie Politikwissenschaft Soziologie Sportwissenschaft Wirtschaftswissenschaften

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Lehramt an Gymnasien Biologie Chemie Deutsch Geschichte Informatik Mathematik Philosophie/Ethik Physik Politik und Wirtschaft Sport

Stand: Februar 2013

Master of Education Deutsch Englisch Ethik Evangelische Religion Geschichte Informatik Katholische Religion Mathematik Physik Politik und Wirtschaft Sportwissenschaft


31

Daten und Fakten

1.467

852

Asien

Europa

Amerika

202

374 Afrika

4

Australien

Renommierte Partneruniversitäten der TU Darmstadt

Ausländische Studierende an der TU Darmstadt

Land

Universität

Belgien

Université Catholique de Louvain

Frankreich

École Centrale de Lyon

Italien

Politecnico di Torino

Norwegen

University of Trondheim (NTNU)

Schweden

Chalmers University of Technology, Royal Institute of Technology (KTH)

Schweiz

École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL), ETH Zürich

USA

University of California, Berkeley, Virginia Tech, Blacksburg

Vereinigtes Königreich

University of Glasgow

China

Tongji University Shanghai

Singapur

National University Singapore, Nanyang Technical University

Brasilien

Universidade de São Paulo

Kanada

University of British Columbia Vancouver

Japan

Tokio University, Keio University, Tohoku University Sendai

Spanien

Universidad Politecnica de Catalunya Barcelona

Insgesamt 2.899 aus 119 Ländern, darunter aus ... China Indien Iran Türkei Bulgarien Kamerun Tunesien Pakistan Spanien Brasilien Russische Föderation Vietnam Ukraine Marokko Frankreich

669 173 152 138 134 122 108 101 80 74 72 60 59 55 54

Regionale und internationale Herkunft der Neu-/Ersteinschreiber Region

2008

2009

2010

2011

2012

Starkenburg

1.210 (27,1 %)

1.363 (26,5 %)

1.431 (25,6 %)

1.580 (26,1 %)

1.230 (25,0 %)

Rhein-Main/Rhein-Neckar

1.609 (36,1 %)

1.867 (36,4 %)

2.069 (37,0 %)

2.105 (34,8 %)

1.777 (36,1 %)

übriges Deutschland

892

(20,0 %)

1.060 (20,7 %)

1.241 (22,2 %)

1.182 (19,5 %)

938

(19,1 %)

Ausland

751

(16,8 %)

841

850

1.190 (19,6 %)

976

(19,8 %)

(16,4 %)

(15,2 %)


32

studieren & lehren

Daten und Fakten Absolventen und Promotionen Absolventen

Promotionen

Fachbereiche

gesamt

weiblich

Ausländer

gesamt

weiblich

Ausländer

Rechts- und Wirtschaftswissenschaften

440

70

36

22

5

1

Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften

261

147

27

25

18

4

Humanwissenschaften

285

212

18

9

7

0

Mathematik

159

74

25

17

3

1

Physik

134

23

2

26

8

5

Chemie

124

46

12

32

13

7

Biologie

98

58

5

16

7

2

Material- und Geowissenschaften

81

20

19

28

10

9

Bauingenieurwesen und Geodäsie

116

36

28

29

9

7

Architektur

199

122

52

4

2

0

Maschinenbau

470

45

54

71

7

11

Elektro- und Informationstechnik

243

33

104

56

9

13

Informatik

210

23

52

25

3

6

Mechanik

7

1

0

Computational Engineering

28

3

7

Informationssystemtechnik Mechatronik

31 2

3 0

7 0

Summe

2.888

916

448

360

101

66

Studienbereiche

Daten: Kalenderjahr 2011

Studierende Erst- und Neuimmatrikulierte

Studierende

davon

Fachbereiche

gesamt

weiblich

Ausländer

gesamt

weiblich

Rechts- und Wirtschaftswissenschaften

3.098

545

368

446

100

Gesellschafts-/Geschichtswissenschaften

3.177

1.702

402

493

276

Humanwissenschaften

1.397

831

125

199

126

Mathematik

1.004

341

148

222

83

Physik

1.087

198

81

241

48

Chemie

996

365

122

188

76

Biologie

830

502

51

169

109

Material- und Geowissenschaften

979

272

161

274

86

Bauingenieurwesen und Geodäsie

2.184

700

384

470

174

Architektur

1.297

687

303

342

189

Maschinenbau

3.359

354

608

595

112

Elektro- und Informationstechnik

2.292

235

895

540

69

Informatik

2.496

276

475

568

92

Mechanik

212

28

35

33

4

Computational Engineering

218

30

42

46

8

Informationssystemtechnik

207

16

30

76

10

Mechatronik

77

4

30

9

2

Energy Science and Engineering

21

7

4

10

5

Studienkolleg, Deutschkurs

195

62

184

Studierende gesamt

25.126

7.155

4.448

4.921

1.569

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Studienbereiche

Sonstige

Studierende im WS 2012/13, Erst- und Neuimmatrikulierte: Sommersemester 2012 plus Wintersemester 2012/13 (ohne Master-Studierende)


33

Universitäts- und Landesbibliothek Bestand

2011

2012

Gesamtbestand Druckwerke

3.876.999

3.894.494

1.761.720

1.779.004

Mikromaterialien /AV-Medien

206.081

206.158

Elektronischer Bestand

426.641

430.065

Handschriften

13.677

13.682

Laufende Zeitschriften (konventionell und elektronisch)

24.292

27.552

davon konventionell

2.666

2.555

davon elektronisch

21.626

24.997

Zugang im Berichtsjahr (physische Einheiten)

24.593

21.215

Zugang im Berichtsjahr (elektronisch)

15.036

5.475

Nutzung konventioneller Printmedien

499.202

490.762

Ausleihen

286.014

246.912

Nutzung Online-Medien (E-Books, E-Dissertationen, E-Journale)

1.341.200

1.266.955

Bibliotheksbesuche

596.324

627.192

Lesesaalbenutzung

134.858

163.477

Erledigte Rechercheaufträge

21.206

24.036

davon Bücher und Zeitschriften

Nutzung

Nachfrage der Universitäts- und Landesbibliothek 2.000.000 1.800.000 1.600.000 1.400.000 1.200.000 1.000.000 800.000 600.000 Datenbanknutzung

400.000

E-Journal-Nutzung E-Books

200.000

Lesesaalbesuch 0 2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

Ausleihen/ Verlängerungen


TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

forschen

34


36

forschen

Highlights 2012 Bis zu

126,2 Millionen Euro erhielten Professorinnen und Professoren der TU in den Jahren 2008 bis 2010 von der DFG. Damit ist die TU Darmstadt unter den Top Ten der deutschen Hochschulen.

32

Promotions-Stipendien vergibt in den nächsten fünf Jahren die

49

Graduiertenschule Humboldt-Stipendiaten und -Preisträger waren zwischen 2007 bis 2011 zu Gast an der TU Darmstadt – so viele wie an keiner anderen deutschen Universität.

„Energiewissenschaft und Energietechnik”, die sich der Energieversorgung der Zukunft widmet.

2.200

Quadratmeter Raum bietet das fünfgeschossige neue Forschungsgebäude des „Center of Smart Interfaces“. Mehr als 100 Mitarbeiter haben es 2012 bezogen.

1,111 Terahertz – die höchste

Terahertz-Frequenz, die jemals von einem elektronischen Sender erreicht wurde, hat ein an der TU Darmstadt entwickelter Sender erzeugt.

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

90 Prozent

Um über könnte ein an der TU Darmstadt erforschtes Verfahren die CO2-Emissionen von Kraftwerken senken.

60

Über Prozent der unter 20-Jährigen finden es nicht in Ordnung, dass soziale Netzwerke mit Nutzerdaten Geld verdienen – das ergab eine Befragung in Kooperation mit der TU.


37

Weit vorne

Mit der Humboldt-Stiftung aus den USA zur TU: Professorin Kathy Lu zu Gast bei Ralf Riedel, Professor für Materialwissenschaft.

Forschung mit Weltruf Professorinnen und Professoren der TU Darmstadt sind auf Erfolgskurs: In den Jahren 2008 bis 2010 erhielten sie Mittel in Höhe von insgesamt 126,2 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) – pro Professur sind das umgerechnet je 450.000 Euro. Im bundesweiten Wettbewerb der Hochschulen um DFG-Fördermittel konnte sich die TU um zwei Plätze auf Rang acht verbessern. In Hessen ist die TU Spitzenreiter. Insbesondere die Ingenieurwissenschaften schnitten hervorragend ab. Sie holten mit 84,6 Millionen Euro den Hauptteil der Fördergelder und belegten bundesweit den zweiten Platz. Die Mathematiker der TU schafften es auf Rang vier. Bei den Ingenieurwissenschaften gilt die TU Darmstadt zudem als attraktivste deutsche Universität für ausländische Gastwissenschaftler – so das Ergebnis des aktuellen Rankings der Alexander von Humboldt-Stiftung. Die Stiftung fördert herausragende ausländische Wissenschaftler durch Gastaufenthalte an frei wählbaren deutschen Forschungseinrichtungen.

49 Stipendiaten und Preisträger entschieden sich zwischen 2007 und 2011 für die TU Darmstadt. Ein Spitzenplatz in diesem Ranking gilt als wichtiger Indikator für die internationale Reputation einer Universität.

LOEWEnstark mit Terahertz Mit dem Forschungsschwerpunkt „Sensors Towards Terahertz“ erhält die TU Darmstadt erneut Mittel aus dem begehrten LOEWE-Programm des Landes Hessen. LOEWE steht für „Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“. Das Land fördert den TU-Schwerpunkt bis 2015 mit 4,5 Millionen Euro. Die TU-Forscher richten ihr Augenmerk auf die sogenannten Terahertz-Wellen. Diese Wellen können viele Materialien und biologisches Gewebe durchdringen. Sie erlauben bei bildgebenden Verfahren eine höhere Auflösung als Mikrowellen, doch bislang werden sie kaum genutzt. Terahertz-Systeme könnten künftig Werkstoffe zerstörungsfrei prüfen, unter Kleidung versteckte Waffen aufspüren oder Tumorzellen ohne Entnahme von Gewebeproben diagnostizieren.


38

Sehr energisch

forschen

An der ebenfalls interdisziplinär angelegten „Graduate School of Energy Science and Engineering“ bildet die TU eine neue Generation leitender Energie-Ingenieurinnen und -Ingenieure aus. Sie sollen die wissenschaftliche Basis für die nachhaltige Umstellung auf umweltfreundliche Energiequellen legen. Die TU ist darüber hinaus am Exzellenzcluster „Herausbildung normativer Ordnungen“ beteiligt, das unter Federführung der Goethe-Universität Frankfurt am Main Fördermittel für weitere fünf Jahre erhält.

Grenzflächenforscher im neuen Labor

Analyse physikalischer Eigenschaften von Oberflächen.

Exzellente Graduiertenschulen

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Gleich zwei Mal konnte sich die TU Darmstadt in der zweiten Runde der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder durchsetzen. Damit erhält die TU bis zum Jahr 2017 rund 14,5 Millionen Euro für zwei ambitionierte Graduiertenschulen, die „Graduate School of Computational Engineering“ und die „Graduate School of Energy Science and Engineering“. Die „Graduate School of Computational Engineering“ befasst sich mit computergestützter Modellierung, Analyse, Simulation und Optimierung. Der Nachwuchs aus Mathematik, Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik entwickelt Simulationen für komplexe Systeme, die sich in der Realität schwer erforschen lassen. Die Wissenschaftler simulieren zum Beispiel Blitzschläge, um deren Auswirkungen auf Menschen und Maschinen besser zu verstehen.

Die Wissenschaftler des „Center of Smart Interfaces“ (CSI) haben ein hochmodernes Forschungsgebäude bezogen, das die TU Darmstadt für 9,75 Millionen Euro auf dem Campus Lichtwiese errichtet hat. Das fünfgeschossige Forschungsgebäude wurde vom Land Hessen und vom Bund finanziert und bietet auf rund 2.200 Quadratmetern Labore mit modernsten Geräten wie etwa einem Laser-Scanning-Mikroskop oder einem Rasterkraftmikroskop. Das CSI, das noch für einige Zeit als „Exzellenzcluster“ im Rahmen der Bund-Länder-Exzellenzinitiative finanziert wird, erforscht Grenzflächen, bei denen Fluide wie Gas oder Flüssigkeit mit einer festen Wand in Wechselwirkung stehen. Die Wissenschaftler möchten herausfinden, wie die mikroskopische Struktur der Oberflächen den Transport von Wärmeenergie, Flüssigkeiten oder Gasen beeinflusst.

„Die gesamte Architektur und Ausstattung unseres Gebäudes ist eine Einladung, sich mit uns auszutauschen und gemeinsam mit uns zu arbeiten.“ Professor Cameron Tropea, Sprecher des „Center of Smart Interfaces“


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Expertise für die Energiewende

Energieforschung und Energiewirtschaft stehen vor gewaltigen Herausforderungen: Rund 80 Prozent der verbrauchten Energie stammen nach wie vor aus fossilen Brennstoffen wie Öl, Kohle und Gas. Um den Übergang zu umweltfreundlichen Energien zu meistern, müssen die Experten eine ganze Reihe von Technologien weiterentwickeln, etwa intelligente Netze, dezentrale Speichertechnologien oder hocheffiziente Energie-Plus-Häuser. Die neue „Graduate School of Energy Science and Engineering“ an der TU wird die kommenden Generationen der Energie-Ingenieure für diese Entwicklungsaufgaben ausbilden. Der Nachwuchs wird in der Lage sein, die Aspekte aller relevanten Disziplinen der Ingenieur- und Naturwissenschaften, aber auch der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in ihre Arbeit einzubringen. „Die TU Darmstadt und ihr Energy Center haben genau zur richtigen Zeit das richtige Thema auf den Tisch gebracht”, sagte die hessische Umwelt- und Energieministerin Lucia Puttrich bei der Eröffnung der Graduiertenschule. Die Graduiertenschule wird bis 2017 mit rund 5,9 Millionen Euro gefördert und bildet zusammen mit dem neuen Masterstudiengang „Energy Science and Engineering“ die Kernaktivität im Bereich Forschung und Lehre des etablierten „TU Darmstadt Energy Center“. Die Einrichtung wird von 24 Professuren und zwei Juniorprofessuren aus den Fachbereichen Architektur, Bauingenieurwesen und Geodäsie, Chemie, Elektrotechnik und Informationstechnik, Maschinenbau, Material- und Geowissenschaften sowie Mathematik und Physik der TU Darmstadt getragen. Kooperationspartner sind das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung, das Exzellenznetzwerk FAME (Functionalized Advanced Materials and Engineering of Hybrids and Ceramics), das Fraunhofer Institut für Betriebsfestigkeit, das Materials Valley e.V. sowie eine Reihe von Industriepartnern.

Nachhaltige Energieversorgung – ein großes Thema für die TU.

„Ingenieure in Wissenschaft und Forschung sind gefragt, kosteneffiziente Technologien und Systemlösungen zu entwickeln, die zeitnah im Markt bestehen können, um die Energiewende voranzubringen.“ Lucia Puttrich, Hessische Ministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz


40

forschen

Forschen für morgen

Das künftige Internet Das Internet ist fester Bestandteil unseres Alltags. Wir surfen mit einer Vielzahl von Geräten – Smartphone, PC oder Tablet-Computer – und nutzen dabei unterschiedliche Übertragungsmechanismen. Derzeit gibt es mit Bluetooth, WiFi und LTE allein drei Standards für drahtlose Verbindungen mit eigenen Diensten und Protokollen. Für die Nutzer ist allerdings nur eines wichtig: Sie wollen eine stabile Übertragung, bei der zum Beispiel Videos nicht ständig hängen bleiben.

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

MAKI – „Multi-Mechanismen-Adaption für das künftige Internet“ heißt der an der TU Darmstadt neu eingerichtete Sonderforschungsbereich (SFB) 1053, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für vier Jahre mit etwa acht Millionen Euro gefördert wird. Ingenieure, Informatiker, Stadtund Raumsoziologen befassen sich mit dem Internet der Zukunft: MAKI soll die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich Kommunikationssysteme im laufenden Betrieb flexibel an Veränderungen anpassen und so die Eigenschaften eines jeden Übertragungsmechanismus optimal ausnutzen. So soll ein Videodatenstrom in hoher Qualität auf dem Smartphone ohne Unterbrechung abgespielt werden können, selbst wenn das Mobilfunknetz überlastet ist.

MAKI ist der erste SFB im Bereich der Informationstechnik und Informatik an der TU Darmstadt. Wissenschaftler aus 13 Fachgebieten arbeiten zusammen, darunter auch Forscher der RWTH Aachen sowie der University of Illinois at Urbana-Champaign.

Beherrschte Unsicherheit Über eine Million Autos werden pro Jahr von den Herstellern wegen Produktionsfehlern zurückgerufen. Dabei könnten sich die Hersteller viele Rückrufaktionen ersparen. Der Sonderforschungsbereich (SFB) 805 „Beherrschung von Unsicherheit in lasttragenden Systemen des Maschinenbaus“ will das aufzeigen. „Unsicherheit liegt in den Prozessen“, sagt Roland Platz, Leiter der Geschäftsstelle des SFB 805. „Eine ungewollte Kerbe in einem Metallstab ist zum Beispiel das Resultat eines fehlerhaften Prozesses.“ Diese Prozesse zu sammeln und für ein Produkt zu definieren, ist der erste Schritt, der es ermöglicht, Unsicherheiten zu bewerten und sie letzten Endes zu beherrschen. Die Forscher wollen eine Theorie der Unsicherheit in Prozessen erarbeiten und an realen Systemen erproben. Nicht nur Flugzeug- oder Pkw-Fahrwerke, sondern auch Kräne und viele andere technische Produkte könnten auf diese Art und Weise optimiert werden.

Zukunftsaufgabe: Kommunikationssysteme sollen sich im Betriebsmodus lückenlos an neue Bedingungen anpassen.


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Mitten im Digitalen

Ambivalente Netzwerke Allein in Deutschland nutzen knapp 25 Millionen Menschen Facebook – und vertrauen dem Unter nehmen viele persönliche Daten an. Doch sie tun das weniger naiv als bislang angenommen. Zu diesem Schluss kamen Wirtschaftsinformatiker um Peter Buxmannn von der TU Darmstadt. Die Forscher führten in Zusammenarbeit mit hr-iNFO, dem Informationsradio des Hessischen Rundfunks, eine Untersuchung durch; 1.375 Menschen aller Altersgruppen gaben Auskunft über ihr Nutzerverhalten in sozialen Netzwerken. Bei drei Viertel aller Teilnehmer ist die Angst groß, die Kontrolle über die eigenen Daten in sozialen Netzwerken zu verlieren. Während nur knapp fünf Prozent der Jugendlichen bewusst auf soziale Netzwerke verzichten, tun dies rund 27 Prozent der über 60-Jährigen. Doch über 60 Prozent der Befragten unter 20 Jahren finden es nicht in Ordnung, dass die Unternehmen mit den Nutzerdaten Geld verdienen.

Smartes Messgerät: So können Bürger Umweltdaten sammeln.

Trotzdem finden sie sich oft damit ab. „Vermutlich weil sie keine Wahl haben“, sagt Buxmann. „Die Kommunikation in der Altersgruppe findet nun einmal zu einem großen Teil über Facebook statt.“ Buxmann sieht allerdings die Sensibilität für Verletzung der Privatsphäre ansteigen. Das könnte neue privacy-freundliche Angebote, wie sie zum Beispiel im LOEWE-Zentrum CASED an der TU erforscht werden, attraktiv machen.

Die Daten des Sensornetzwerks werden im Internet visuell aufbereitet. „Wir haben ein einzigartiges Netzwerk aufgebaut, das Vorbild für andere Städte sein könnte“, sagt Professor Max Mühlhäuser vom Fachgebiet Telekooperation. Gerade die hohe Sensorendichte sei ein Fortschritt, da bisher Umweltdaten mit nur wenigen stationären Sensoren gemessen werden – sie ergeben ein ungenaues Bild.

Umwelt in Echtzeit Wo ist es in Darmstadt am lautesten? Wo ist es besonders warm? Darmstadts Einwohner können unter www.da-sense.de eine Stadtkarte mit aktuellen Umweltdaten abrufen. Die TU hat in Zusammenarbeit mit der Stadt acht Straßenbahnen der HEAG mobilo mit Messgeräten ausgestattet. Die Sensoren messen kontinuierlich Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Helligkeit. Die Stadt liefert zudem Daten von 171 Ampelanlagen, die Auskunft über die Verkehrsdichte geben. Nicht zuletzt können Bürger ihr Smartphone in ein Messgerät verwandeln – mit einer App der TU wird der aktuelle Lärmpegel an die Internet-Plattform verschickt.

Schädliche Apps stoppen Dr. Eric Bodden vom European Center for Security and Privacy by Design (EC SPRIDE) an der TU Darmstadt erhält von der Deutschen Forschungsgemeinschaft rund 830.000 Euro für die Gründung einer Emmy Noether-Nachwuchsgruppe. In dem auf fünf Jahre angelegten Forschungsprojekt RUNSECURE entwickelt die Gruppe Verfahren, die unter anderem Angriffe auf Smartphones durch schädliche Apps zuverlässig erkennen und stoppen können.


42

forschen

Unter Strom

Das Hybridnetz planen Bis 2050 sollen in Deutschland achtzig Prozent der Stromversorgung aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Das geht nur mit einem anderen und besseren Stromnetz, wie Professorin Jutta Hanson, Leiterin des Fachgebiets Elektrische Energieversorgung unter Einsatz Erneuerbarer Energien an der TU Darmstadt, weiß. Sie arbeitet an mathematischen Lösungen für den stabilen und sicheren Netzausbau und Betrieb. „Wir gewinnen durch unsere Berechnungen genaue Vorstellungen davon, wie sich bestimmte Veränderungen auf den Aus- und Umbau des Stromnetzes und dessen Betrieb auswirken werden“, sagt Hanson. „Daraus leiten wir Vorgaben für die Planung und Optimierung ab.“ Strom wird derzeit als Drehstrom transportiert. Dabei werden aber keine großen Distanzen überbrückt. Gleichstrom

kennt dieses Problem nicht. „Wir werden es mit einem Hybridnetz aus Gleichstrom und Drehstrom zu tun haben“, erklärt Hanson. „Wir berechnen, wie solche Hybridnetze zusammenwirken und welche Anforderungen an sie gestellt werden müssen“. Auch mit der Schwungmasse, über die elektrische Energie kurzzeitig gespeichert wird, beschäftigt sich die Professorin. Schwungmasse hilft Unregelmäßigkeiten bei der Einspeisung von Wind- und Sonnenenergie abzufangen und Schwankungen auszugleichen. Weil Strom noch nicht in großem Umfang gespeichert werden kann, müssen die Lücken mit konventionellen Kraftwerken geschlossen werden, die dafür flexibel an- und abgeschaltet werden. „Bisher wurden Kraftwerke auf maximale Leistung optimiert, nicht auf die Bereitstellung einer Teillast“, sagt Hanson. Das macht den Betrieb immer unrentabler. Es geht also um eine völlig neue Kraftwerksdynamik, zu der wir ebenfalls Berechnungen anstellen.“ Bisher haben die Netzbetreiber nur Kunden an das Stromnetz angebunden. Jetzt müssen sie auch Strom entgegennehmen. Aus dem reinen Verteilnetz wird so ein Verteil- und Sammelnetz. Auch dafür definiert Hanson Anforderungen.

Rekord im Miniformat Forscher vom Institut für Mikrowellentechnik und Photonik haben mit einem neu entwickelten Sender einen Rekord aufgestellt: Er erzeugt eine Strahlung von 1,111 Terahertz – die höchste Terahertzfrequenz, die je erreicht wurde. Die Strahlung hat großes Potenzial, das aber kaum genutzt wird, da herkömmliche Sender groß und teuer sind. Der TU-Sender dagegen ist kleiner als ein Quadratmillimeter. Die Strahlung durchdringt verschiedene Materialien: Päckchen könnten damit auf gefährliche Substanzen geprüft werden, Mediziner könnten TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

krankes Gewebe besser von gesundem unterscheiden.

Expertin für Strom-Trassen: Professorin Jutta Hanson.


43

Interview Drei Fragen an …

Professor Ralph Bruder, Wissenschaftlicher Direktor von „Ingenium – Young Researchers at TU Darmstadt“. Ingenium ist die Dachorganisation zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses an der TU. Sie fördert im Zusammenwirken mit Fachbereichen, Graduiertenschulen und Graduiertenkollegs den wissenschaftlichen Nachwuchs im Hinblick auf die akademische und außerakademische Karriere. Warum wurde Ingenium eingerichtet?

Wissenschaft und Industrie stellen immer mehr Anforderungen an die Promotion. An die Doktorandinnen und Doktoranden werden Erwartungen wie eine kürzere Promotionsdauer, der Erwerb von Zusatzqualifikationen, Publika-

Fördert systematisch den Nachwuchs: Professor Ralph Bruder.

tionen, Auslandsaufenthalte oder die Vernetzung in der Wissenschafts-Community herangetragen.

allen Fachbereichen. Für Neue gibt es ein

Um die Erfüllung der Erwartungen kümmern

Welcome Office mit einem Informations- und

sich Graduiertenschulen und Graduierten-

Serviceangebot. Schließlich fördern wir die

kollegs. Aber eben nicht flächendeckend für die

Vernetzung der Promovierenden innerhalb

gesamte TU und auch nicht koordiniert unter-

der Universität über Fächergrenzen hinweg,

einander. Eine Dachorganisation wie Ingenium

aber auch mit Vertretern aus Wissenschaft

wird gebraucht für ein TU-weites Angebot und

und Wirtschaft.

insbesondere für diejenigen Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die nicht in

Wie werden Promotionsbetreuerinnen und

einem strukturierten Programm promovieren.

-betreuer in den Fachbereichen unterstützt?

Ingenium möchte die Fachbereiche, GraduiertenWas bietet Ingenium Nachwuchswissen-

schulen und -kollegs und insbesondere die

schaftlerinnen und -wissenschaftlern?

Betreuenden bei ihren Aufgaben unterstützen,

Wir bieten den Doktorandinnen und Doktoran-

indem wir etwa Informationsmaterial bereit-

den sowie Postdocs in einem Qualifikations-

stellen. Außerdem kann eine Dachorganisation

programm Kurse zur außerfachlichen Weiter-

auch unter Betreuerinnen und Betreuern für

bildung an. Diese werden sehr gut angenommen.

Vernetzung sorgen, einen Austausch über Nach-

Seit dem Start im Oktober 2011 gab es circa

wuchsförderung in unterschiedlichen Fachkultu-

1.000 Anmeldungen von über 400 Nachwuchs-

ren anregen und so Transparenz zur Situation

wissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern aus

des wissenschaftlichen Nachwuchses schaffen.


44

forschen

Einzigartiger Gerätepark

Es ist kalt im Labor der Material- und Geowissenschaftler auf der Lichtwiese – gerade mal ein halbes Grad Celsius über dem Gefrierpunkt. Das Labor ist gegen mechanische Schwingungen und magnetische Felder abgeschirmt, damit bietet es die ideale Arbeitsumgebung für einen außergewöhnlichen Neuzugang an der TU Darmstadt: das leistungsstarke Transmissionselektronenmikroskop (TEM). Das hochmoderne Mikroskop ermöglicht eine Auflösung von 0,8 Ångström. Ein Atom hat einen Durchmesser von etwa einem Ångström, das entspricht ungefähr einem Millionstel der Dicke eines menschlichen Haares. Mit anderen Worten: Das TEM kann einzelne Atome abbilden. Die Materialexperten verfügen zudem über ein neues Rasterelektronenmikroskop (REM) und eine IonenFeinstrahl-Anlage (Focused Ion Beam, FIB). Mit diesen Hightech-Geräten entwickeln die Wissenschaftler zum Beispiel Spinell-Keramiken – ein besonderes Material, das Infrarotstrahlung passieren lässt. Es kann als Schutzschicht für Infrarotsensoren eingesetzt werden. Außerdem wollen die Forscher mit Hilfe der neuen Technik die Grundlagen schaffen, um medizinisches Knochenersatzmaterial für Implantate zu entwickeln. Das Kalkgerüst bestimmter Korallen eignet sich dafür, doch muss es vor seiner Verwendung im menschlichen Skelett umgewandelt werden. Die dabei stattfindenden Vorgänge auf atomarer Ebene können nun untersucht werden.

Unter Beobachtung auf atomarer Ebene: Kristalline Festkörper.

Reste verschieben

Die hochmodernen Geräte, die im Elektronenmikroskopie-Labor auf der Lichtwiese installiert sind, gibt es nicht oft in Deutschland. Der TopGerätepark wird daher stark gefragt sein. Er steht allen Forschern der TU zur Verfügung.

Steine, Sand und Haushaltsreste fließen mit dem Abwasser durch die Kanalisation – und setzen sich in den Kanälen ab. Um dieses sogenannte Geschiebe abzufangen, werden in Deutschland immer häufiger Geschiebeschächte in die Kanalisation eingebaut. Dort landen allerdings auch organische Stoffe, die eigentlich bis zu den Kläranlagen weitertransportiert werden sollten. Wissenschaftler des Fachgebiets Wasserversorgung und Grundwasserschutz der TU haben unter der Leitung von

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Professor Wilhelm Urban untersucht, wie die Schächte aufgebaut sein müssten, damit organische und mineralische Stoffe voneinander getrennt werden. Computersimulationen zeigten, dass schon einfache Maßnahmen, wie etwa eine tiefere Lage der Luftröhren, die Stofftrennung deutlich verbessern.


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Synthetische Biologie

Designer für neue Wirkstoffe Die Biologie in Darmstadt geht neue Wege: Am Fachbereich Biologie, die 16 Professuren vereint, wird es neben dem etablierten Fokus auf „Biologie der Stressantwort/Strahlenbiologie“ künftig den Forschungsschwerpunkt „Synthetische Biologie“ geben. Die Synthetische Biologie ist eine junge Wissenschaft. Biologen, Chemiker, Ingenieure, Materialwissenschaftler und Bioinformatiker setzen einzelne biologische Bausteine oder Module neu zusammen, um gewünschte Eigenschaften zu erzeugen. Die Anwendungen reichen von der Produktion neuartiger Stoffe bis zur Fertigung funktionaler Oberflächen und Sensoren. So werden zum Beispiel pflanzliche Stoffwechselwege derart modifiziert, dass die Pflanzen quasi Feinchemikalien oder Arzneistoffe produzieren.

Energie im Körper Biologen der TU Darmstadt um Professor Jörg Simon vom Schwerpunkt „Synthetische Biologie“ gelang die Charakterisierung eines neuartigen Enzymsystems zur Reduktion der Schwefelverbindung Sulfit. Da solche Systeme bausteinartig aufgebaut sind, ist es künftig möglich, Mikroorganismen mit genau festgelegtem Energiestoffwechsel zu entwickeln. Solche designten Mikroorganismen können beispielsweise für die Reduktion toxischer oder klimaschädlicher Substanzen genutzt werden.

Synthetische Biologie soll das Profil der TU schärfen.

Schalter für Antibiotika Als Professorin Beatrix Süß 2012 an die TU Darmstadt kam, hatte sie bereits mit ihren Arbeiten zu sogenannten Riboswitchen international Aufmerksamkeit erregt. Riboswitche sind RNA-Moleküle, mit denen Bakterien die Expression von Genen ein- oder ausschalten. Mit solchen RNA-Schaltern lassen sich gezielt Stoffwechselwege manipulieren. Ein Hauptaugenmerk legt Süß nun auf die Bakteriengattung der Streptomyceten, die für die Herstellung von 70 Prozent aller bekannten Antibiotika eingesetzt werden. In den letzten Jahren haben Biologen viele inaktive Gengruppen entdeckt. Beatrix Süß sucht die Schalter zum Anstellen – damit ließen sich neuartige Antibiotika herstellen.

Social Networks der Natur In einem Ökosystem sind alle „Bewohner“ über Fressbeziehungen verknüpft. Stirbt eine Art aus, werden andere in Mitleidenschaft gezogen – nicht nur innerhalb eines Systems. Eine Forschergruppe der TU betrachtet sogenannte „Netzwerke auf Netzwerken“, die durch die Beziehung einzelner Systeme entstehen – etwa wenn ein Vogel sich von Waldgebiet zu Waldgebiet bewegt. Die Forscher versuchen Einflussfaktoren zu finden, die zur Stabilität eines Netzwerks beitragen. Die Ergebnisse könnten helfen, Naturschutzgebiete besser zu planen.


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Interview Drei Fragen an …

Professor Max Mühlhäuser, Leiter des Fachgebiets Telekooperation an der TU Darmstadt. Sein Team arbeitet an stabiler Kommunikation im Katastrophenfall: Private WLAN-Router sollen Zonen überbrücken, in denen Internetund Mobilfunknetze ausgefallen sind. Wie können private WLAN-Router Rettungskräfte beim Katastropheneinsatz unterstützen?

In Krisensituationen wie bei Sturm- oder Flutkatastrophen stehen häufig keine Internet- oder Mobilfunkverbindungen mehr zur Verfügung. Deshalb rollen Einsatzkräfte eigene Infrastruktur aus. Diese wollen wir sinnvoll ergänzen, indem wir vorhandene Infrastruktur auf neue Art nutzen. Wir haben in einer Machbarkeitsstudie erhoben, ob die Dichte von privaten WLANRoutern ausreicht, um ein robustes Notfunknetz aufzubauen. Bevor wir dieses Potenzial nutzen können, müssen aber noch technische und rechtliche Aspekte untersucht werden. Wie funktionieren solche Notfunknetze?

Verbessert Notfall-Kommunikation: Professor Max Mühlhäuser.

Wir schlagen vor, eine Art virtuellen Notfall-

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

schalter in private WLAN-Router zu integrieren. Im Katastrophenfall könnte damit in dicht besie-

Ist das Konzept bereits praxisreif?

delten Gegenden ein sogenanntes Mesh-Netz-

Unsere Studie hat die Grundlage für weitere

werk aufgebaut werden. Die Mesh-Eigenschaft

Forschung geliefert: Wir haben die erforderliche

macht es möglich, Datenpakete ohne Internet-

Dichte von Routern als Voraussetzung für Mesh-

zugang von Router zu Router zum Empfänger

Netzwerke bestimmt und gezeigt, dass sie in

weiterzuleiten. Wird bei der Weiterleitung ein

durchschnittlichen deutschen Städten wohl heute

Router mit funktionierendem Übergang ins

schon groß genug wäre. Viel hängt davon ab, ob

Internet erreicht, kann dieser ebenfalls genutzt

die Politik, die Forschungsförderung, aber auch

werden. Aber selbst bei intaktem Netz kann die

öffentliche Meinungsbildung und die Industrie

Netzabdeckung im Katastrophengebiet erhöht

die Dringlichkeit des Problems oder die ver-

werden – bei fast allen jüngeren Katastrophen

bleibenden Hürden in den Vordergrund stellen.

wurde das Mobilfunknetz nicht wegen Störung

Großunfälle, Orkane oder Terroranschläge

unbrauchbar, sondern wegen Überlastung.

machen vor deutschen Grenzen nicht Halt.


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Vom Buch zum Holz

Digitale Geisteswissenschaften Literatur- und Sprachwissenschaftler erforschen meist Geschriebenes. Dabei vertrauen sie auf ihre Erfahrung und Kompetenz. Allmählich spielen jedoch Computer auch in der geisteswissenschaftlichen Forschung eine wichtige Rolle. So können Tausende Bücher erfasst und per Mausklick ausgewertet werden. TU-Professorin Andrea Rapp setzt sich in der germanistischen Computerphilologie mit solchen Methoden und Techniken auseinander. Ihre Forschung ist Teil der Disziplin „Digital Humanities“, der Digitalen Geisteswissenschaften. Rapp profitiert von diesen Methoden in ihrem zweiten Forschungsgebiet, den Schriften des Mittelalters. Mit ihrem Team scannt sie alte Dokumente ein. Der Rechner wertet die digitalisierten Texte nach vorgegebenen Kriterien aus und prüft etwa stilistische Auffälligkeiten oder den Redeanteil bestimmter Figuren. Die Wissenschaftler wollen die gesammelten Daten im Internet frei zur Verfügung stellen. An der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur unterstützt Andrea Rapp zudem die Erarbeitung eines digitalen Familiennamenwörterbuchs, bei dem erstmals der komplette Grundbestand der in Deutschland vorkommenden Familiennamen lexikografisch erfasst, kartiert und etymologisiert wird. Ein Projekt für einen langen Atem: Geplante Laufzeit ist 24 Jahre.

Expertin für viele Medien-Epochen: Professorin Andrea Rapp.

Tropenholzdetektive 400 Millionen Tonnen Papier werden jährlich produziert – aus einer unbekannten Menge an illegal geschlagenen Tropenhölzern. Der Nachweis ist nicht einfach: Bei der Papierproduktion wird das Lignin – der eigentliche „Holzstoff“ – herausgekocht. Dabei werden viele Faserinformationen zerstört. Ein Forscherteam vom Fachgebiet Papierfabrikation und Mechanische Verfahrenstechnik erstellt einen Faseratlas über Zellen von bis zu 28 Tropenhölzern und ihre Erkennungsmerkmale. Damit können Unternehmen künftig die Herkunft der Fasern leichter prüfen.

Erfolg gegen die Schlafkrankheit Die Schlafkrankheit ist heimtückisch: Im Endstadium fällt der Patient in einen Dämmerzustand. Etwa 500.000 Menschen im tropischen Afrika sind betroffen. Dort lebt die Tsetsefliege, die den verantwortlichen Parasiten überträgt. Darmstädter Biologen haben einen Biosensor entwickelt, mit dem sie die Schlafkrankheit vor Ausbruch nachweisen können. Die Forscher nutzen Moleküle, die ihre elektrische Ladung verändern, sobald sie mit dem Erreger in Kontakt kommen. Das Verfahren gilt als kostengünstig.


48

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Hohe Prinzipien

Selbstverpflichtung zu friedlichen Zielen Die TU Darmstadt hat sich zu einer „Zivilklausel“ bekannt. Nun steht in der Präambel der Grundordnung der TU Darmstadt dieses Wertebekenntnis: „Forschung, Lehre und Studium an der Technischen Universität Darmstadt sind ausschließlich friedlichen Zielen verpflichtet und sollen zivile Zwecke erfüllen; die Forschung, insbesondere die Entwicklung und Optimierung technischer Systeme, sowie Studium und Lehre sind auf eine zivile Verwendung ausgerichtet.“ Damit rückt an der TU Darmstadt die Zivilklausel neben andere Zielvorstellungen wie die Freiheit und Einheit von Forschung und Lehre oder die gesellschaftliche Verantwortung der Universität. Gleichzeitig wird die Eigenverantwortung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler „gefördert und respektiert“. Forschung und Lehre an der TU Darmstadt orientieren sich ausdrücklich an nicht-militärischen Zwecken. Ausnahmen sind zwar im Einzelfall möglich, müssen aber gesondert und öffentlich nachvollziehbar begründet werden – etwa wenn Forschungsresultate von militärischen Einheiten zur Verfolgung friedlicher Ziele (zum Beispiel Absicherung, Versorgung, Aufklärung oder Schutz der Zivil-bevölkerung) genutzt werden sollen.

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Wissenschaft mit Grundsätzen Immer wieder müssen sich Forscher Fragen stellen, die grundsätzliche Probleme der Moral und Ethik oder ganz konkret beispielsweise Persönlichkeitsrechte berühren. Der Senat der TU Darmstadt hat eine Ethikkommission ins Leben gerufen, die Forscher bei ihren Entscheidungen und der Abwägung zwischen Forschungsfreiheit und möglichen Einwänden gegenüber wissenschaftlichen Projekten unterstützt. Die Kommission ist interdisziplinär besetzt und repräsentiert alle Statusgruppen der Universität. Wird ein Antrag eingereicht, setzt sich die Kommission damit ausführlich auseinander. „Es gibt sehr intensive Diskussionen“, so Biologieprofessor H. Ulrich Göringer, Vorsitzender der Ethikkommission.

Leitet analytische Diskussionen: Professor H. Ulrich Göringer.

Die Fälle werden mit einem klaren Votum beschieden. Mitunter kann die Kommission darüber hinaus auf Punkte hinweisen, die verbesserungsbedürftig sind. Auf den Webseiten der Kommission gibt es eine Checkliste, mit der Wissenschaftler Projekte einer ersten Überprüfung unterziehen und mögliche Implikationen identifizieren können.

„Die Ethikkommission ist für mich ein sehr gelungenes Beispiel gelebter Universität.“ H. Ulrich Göringer, Vorsitzender der Ethikkommission


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Nicht nur optisch einwandfrei

Sauberes Kraftwerk ohne Folgen Kohle und Erdgas setzen bei der Verbrennung große Mengen Kohlendioxid frei und tragen damit wesentlich zur Klimaerwärmung bei. Mit der Abscheidung und Nutzung des Kohlendioxids könnten die Emissionen auf ein Minimum reduziert werden. Bisher scheitern solche Verfahren jedoch am hohen technischen Aufwand. Das Institut für Energiesysteme und Energietechnik der TU Darmstadt verfolgt seit einigen Jahren einen vielversprechenden Ansatz: Die Forscher testen in ihrer Versuchsanlage das Carbonate-LoopingVerfahren, bei dem das CO2 aus dem Abgasstrom des Kraftwerks in natürlichem Kalkstein gebunden wird. Danach wird das reine Kohlendioxid freigesetzt und kann weiterverarbeitet oder gespeichert werden. Das Verfahren kann die CO2-Emissionen von Kraftwerken um über 90 Prozent senken, und es ist weitaus effizienter als bisherige Ansätze. Die Forschung wurde bislang vom Bundeswirtschaftsministerium und von Industriepartnern mit gut fünf Millionen Euro gefördert. Nun soll das Verfahren erstmals in einem bestehenden Kraftwerk eingesetzt werden.

Licht mit Überraschungen Sie strahlen ein extrem helles Licht mit breitem Farbspektrum aus – die sogenannten SuperlumineszenzDioden (SLD). Die Dioden werden vor allem in der Optischen Kohärenztomografie eingesetzt, etwa zur Krebsdiagnostik. Martin Blazek vom Institut für Angewandte Physik wollte herausfinden, wie gleichmäßig die Lichtteilchen von der SLD emittiert werden. Er rechnete damit, dass die SLD unregelmäßig Photonenpakete verschickt.

Im Labor kommen die Geheimnisse der Quantenoptik ans Licht.

Genau das geschah, doch als der Forscher die SLD auf eine Temperatur von etwa minus 100 Grad Celsius abkühlte, war er überrascht: Die Photonen kamen in einer relativ gleichmäßigen Prozession aus der Diode. Das Licht der kalten SLD ist somit ein Hybrid: Es hat die spektrale Breite einer thermischen Lichtquelle, versendet die Photonen aber wie ein Laser, der nach einem Paradigma der Quantenoptik gleichmäßige Photonenströme emittiert. In Zusammenarbeit mit Kollegen der Theoretischen Physik soll dieser Lichtzustand weiter erforscht werden. Die Ergebnisse könnten helfen, die Qualität der Optischen Kohärenztomografie zu verbessern.


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Spitzenforschung

Exzellenzinitiative

Emmy Noether-Nachwuchsgruppen

Exzellenzcluster Smart Interfaces – Understanding and Designing Fluid Boundaries Koordinatoren: Prof. Dr.-Ing. Cameron Tropea, Prof. Dr.-Ing. Peter Stephan

Mechanische Instabilitäten in molekularen, selbstähnlichen Strukturen höherer Ordnung – Modelle, Numerik, Simulation Leiter: Dr. Jens Wackerfuß Fachgebiet Festkörpermechanik, Fachbereich Bauingenieurwesen und Geodäsie

Herausbildung normativer Ordnungen Koordinator: Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Beteiligung des Instituts für Politikwissenschaft und der Volkswirtschaftslehre der TU Darmstadt

Long-Term Activity Recognition with Wearable Sensors Leiter: Dr. Kristof Van Laerhoven Fachgebiet Eingebettete Sensorsysteme, Fachbereich Informatik

Graduiertenschule Computational Engineering – Beyond Traditional Sciences Koordinator: Prof. Dr. rer. nat. Michael Schäfer Darmstadt Graduate School of Energy and Energy Science Koordinatoren: Prof. Dr.-Ing. Johannes Janicka, Prof. Dr. rer.nat. Wolfram Jaegermann

LOEWE LOEWE-Zentren Center of Advanced Security Research Darmstadt Koordinator: Prof. Dr. Johannes Buchmann Helmholtz-International Center for FAIR Lokaler Koordinator: Prof. Dr. Norbert Pietralla Zentrum Adaptronik – Research, Innovation, Application Koordinator: Prof. Dr.-Ing. Holger Hanselka, LBF LOEWE-Schwerpunkte Sensors towards Terahertz Koordinator: Prof. Dr.-Ing. Rolf Jakoby Eigenlogik der Städte Koordinatorin: Prof. Dr. Martina Löw Dynamische und nahtlose Integration von Produktion, Logistik und Verkehr Koordinator: Prof. Dr.-Ing. Eberhard Abele Kooperative Sensorkommunikation Koordinator: Prof. Dr.-Ing. Abdelhak M. Zoubir Soft Control – Mit Polymeren an Grenzflächen Funktionen effektiv schalten Koordinator: Prof. Dr. Markus Biesalski

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Digital Humanities Lokale Koordinatorin: Prof. Dr. Iryna Gurevych Elektronendynamik chiraler Systeme Lokaler Koordinator: Prof. Dr. Robert Berger

Exakte Szenenrekonstruktion aus extrem großen Bildmengen Leiter: Prof. Dr. Michael Goesele Fachgebiet Graphisch-Interaktive Systeme, Fachbereich Informatik Perceptually Optimal Reproduction of Color Images Considering Device Limits Leiter: Dr. Philipp Urban Fachgebiet Druckmaschinen und Druckverfahren, Fachbereich Maschinenbau Struktur-Aktivitäts-Beziehungen von biologisch oder katalytisch aktiven Spezies aus der durch NMR bestimmten 3D-Struktur Leiterin: Prof. Dr. Christina Thiele Clemens-Schöpf-Institut für Organische Chemie und Biochemie, Fachbereich Chemie Ubiquitous Knowlegde Processing Leiterin: Prof. Dr. Iryna Gurevych Fachgebiet Ubiquitäre Wissensverarbeitung, Fachbereich Informatik Beweisbar sichere Programmausführung durch deklarativ definierte dynamische Programmanalysen Leiter: Dr. Eric Bodden Fachgebiet Secure Software Engineering, Fachbereich Informatik


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Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Sonderforschungsbereiche

Graduiertenkollegs

1053 MAKI – Multimechanismen-Adaption für das künftige Internet Sprecher: Prof. Dr.-Ing. Ralf Steinmetz Fachgebiet Multimedia Kommunikation, Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik

1037 Steuerbare integrierbare Komponenten der Mikrowellentechnik und Optik Sprecher: Prof. Dr.-Ing. Rolf Jakoby Fachgebiet Funkkommunikation, Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik

595 Elektrische Ermüdung in Funktionswerkstoffen Sprecher: Prof. Dr. Karsten Albe Fachgebiet Materialmodellierung, Fachbereich Material- und Geowissenschaften 634 Kernstruktur, nukleare Astrophysik und fundamentale Experimente bei kleinen Impulsüberträgen am supraleitenden Darmstädter Elektronenbeschleuniger S-DALINAC Sprecher: Prof. Dr. Norbert Pietralla Institut für Kernphysik, Fachbereich Physik 666 Integrale Blechbauweisen höherer Verzweigungsordnung Sprecher: Prof. Dr.-Ing. Wirtsch.-Ing. Peter Groche Institut für Produktionstechnik und Umformmaschinen, Fachbereich Maschinenbau 805 Beherrschung von Unsicherheit in lasttragenden Systemen des Maschinenbaus Sprecher: Prof. Dr.-Ing. Holger Hanselka Fachgebiet Systemzuverlässigkeit und Maschinenakustik, Fachbereich Maschinenbau TRR 75 Tropfendynamische Prozesse unter extremen Umgebungsbedingungen Sprecher: Prof. Dr. Bernhard Weigand, Uni Stuttgart, Institut für Thermodynamik der Luft- und Raumfahrt Stellv. Sprecher: Prof. Dr.-Ing. Cameron Tropea, TU Darmstadt, Fachgebiet Strömungslehre und Aerodynamik, Fachbereich Maschinenbau

1114 Optische Messtechniken für die Charakterisierung von Transportprozessen an Grenzflächen Sprecher: Prof. Dr.-Ing. Cameron Tropea Fachgebiet Strömungslehre und Aerodynamik, Fachbereich Maschinenbau 1343 Topologie der Technik Sprecher: Prof. Dr. phil. Petra Gehring Institut für Philosophie, Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften Prof. Dr. phil. Mikael Hård Institut für Geschichte, Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften 1344 Instationäre Systemmodellierung von Flugtriebwerken Sprecher: Prof. Dr.-Ing. Johannes Janicka Fachgebiet Energie- und Kraftwerkstechnik, Fachbereich Maschinenbau 1362 Cooperative, Adaptive and Responsive Monitoring in Mixed Environments Sprecher: Prof. Dr. Oskar von Stryk Fachgebiet Simulation, Systemoptimierung und Robotik, Fachbereich Informatik 1529 Mathematical Fluid Dynamics – Internationale Graduiertenschule Sprecher: Prof. Dr. Matthias Hieber Arbeitsgruppe Analysis, Fachbereich Mathematik 1657 Molekulare und zelluläre Reaktionen auf ionisierende Strahlung Sprecher: Prof. Dr. Gerhard Thiel Institut für Botanik, Fachbereich Biologie Prof. Dr. Markus Löbrich Institut für Zoologie, Fachbereich Biologie


forschen

52

Forschergruppen

Schwerpunktprogramme

733 Verbesserung der Qualität von Peer-to-Peer-Systemen durch die systematische Erforschung von Qualitätsmerkmalen und deren wechselseitigen Abhängigkeiten Sprecher: Prof. Dr.-Ing. Ralf Steinmetz Fachgebiet Multimedia Kommunikation, Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik 934 Relative and absolute configurations of dissolved molecules by NMR-spectroscopy in orienting media Sprecher: Prof. Dr. Michael Reggelin Clemens-Schöpf-Institut für Organische Chemie und Biochemie, Fachbereich Chemie

1640 Fügen durch plastische Deformation Koordinator: Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Inf. Peter Groche Institut für Produktionstechnik und Umformmaschinen, Fachbereich Maschinenbau

1583 Wasserstoffbrücken bildende Flüssigkeiten bei Anwesenheit innerer Grenzflächen unterschiedlicher Hydroaffinität Sprecher: Prof. Dr. Michael Vogel Institut für Festkörperphysik, Fachbereich Physik

1369 Polymer-Festkörper-Kontakte: Grenzflächen und Interphasen Koordinator: Prof. Dr. Florian Müller-Plathe Eduard-Zintl-Institut für Anorganische und Physikalische Chemie, Fachbereich Chemie

1730 Lokale Generierung handlungsrelevanten Wissens am Beispiel lokaler Strategien und Maßnahmen gegen den Klimawandel Sprecher: Prof. Dr. Hubert Heinelt Institut für Politikwissenschaft, Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften

1496 Zuverlässig sichere Softwaresysteme Koordinator: Prof. Dr. Heiko Mantel Fachgebiet Modellierung und Analyse von Informationssystemen, Fachbereich Informatik

1748 Netzwerke auf Netzwerken: Zusammenspiel von Struktur und Dynamik in ausgedehnten ökologischen Netzwerken Sprecherin: Prof. Dr. Barbara Drossel Institut für Festkörperphysik, Fachbereich Physik

Humboldt-Stipendiaten und -Preisträger

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

1613 Regenerativ erzeugte Brennstoffe durch lichtgetriebene Wasserspaltung: Aufklärung der Elementarprozesse und Umsetzungsperspektiven auf technologische Konzepte Koordinator: Prof. Dr. Wolfram Jaegermann Fachgebiet Oberflächenforschung, Fachbereich Material- und Geowissenschaften

1506 Fluide Grenzflächen Koordinator: Prof. Dr. Dieter Bothe Center of Smart Interfaces, Fachbereich Maschinenbau

Internationale Berufungen*

TU Darmstadt

Aufenthalt in Monaten

International

Berufungen insgesamt

2012

153

2012

7

23

2011

153

2011

11

38

2010

159

2010

4

16

2009

162

2009

11

31

2008

180

2008

8

21

2007

158

* Berufungen aus dem Ausland oder von ausländischen Staatsbürgern auf Professuren/Juniorprofessuren


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Bund

Europäische Union (EU)

Spitzencluster

ERC Starting Grant VISLIM – Visual Learning and Inference in Joint Scene Models Prof. Stefan Roth, Ph.D. Fachgebiet Graphisch-Interaktive Systeme, Fachbereich Informatik

Softwareinnovationen für digitale Unternehmen Forum Organic Electronics BMBF-Kompetenzzentrum: European Center for Security and Privacy by Design (EC-Spride) BMBF-Verbundforschungsprogramm: FAIR-NuStar2

ERC Consolidator Grant STRONGINT – The strong interaction at neutron rich extremes Prof. Ph.D. Achim Schwenk EMMI Professor für Theoretische Kernphysik, Fachbereich Physik

Vernetzung mit außeruniversitärer Forschung Helmholtz-Allianz Extreme Matter Institute (EMMI) Helmholtz-Graduate School for Hadron and Ion Research (HGS HIRE)

ERC Advanced Grant PACE – Programming Abstractions for Applications in Cloud Environments Prof. Dr.-Ing. Mira Mezini Fachgebiet Software Technology, Fachbereich Informatik

Aufteilung der Drittmittel 2012

Entwicklung der Drittmittel (inklusive LOEWE)

in Prozent

in Millionen Euro


TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Wirtschaftsfaktor Universit채t

54


56

Wirtschaftsfaktor Universität

Highlights 2012 13.000: So viele Arbeitsplätze bindet die Technische Universität Darmstadt bundesweit. Davon entfallen

700 Millionen Euro: Wirtschaftliche Leistungen in diesem Wert löst die TU Darmstadt durch ihre Ausgaben jedes Jahr aus.

9.200 auf die Region Südhessen.

282

Millionen Euro: Die TU Darmstadt trägt zu einem Steueraufkommen von bundesweit 106,6 Millionen Euro jährlich bei, davon fließen 38 Millionen dem Land Hessen zu. Weitere Effekte löst die Universität durch das Aufkommen von Sozialversicherungsbeiträgen aus – 176 Millionen Euro pro Jahr.

160 Prozent: TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

400 Millionen Euro: So hoch ist das von der TU Darmstadt jedes Jahr aufs Neue erzeugte und sich langfristig akkumulierende Wissenskapital.

Investitionen des Landes Hessen in die TU „rentieren“ sich – der von der Universität erzeugte Bruttowertschöpfungs-Effekt ist um 160 Prozent größer als der Jahresetat des Landes für die TU Darmstadt.


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Der Wirtschaftsmotor Universität

Wenn es die Technische Universität Darmstadt nicht gäbe, müsste sie glatt erfunden werden: Ohne ihre Leistungen in Forschung, Lehre und Wissenstransfer würden der Bundesrepublik Innovationspotenziale und wirtschaftliche Wachstumsimpulse in Milliardenhöhe fehlen – und jährlich würde der Verlust um einen Wert von mehr als 400 Millionen Euro anwachsen. Außerdem bindet die TU Darmstadt bundesweit 13.000 Arbeitsplätze. Die Universität trägt so zu einem Steueraufkommen von insgesamt rund 107 Millionen Euro bei, gut ein Drittel davon fließt dem Land Hessen zu. Das alles ergab eine Studie von DIW econ, einem Unternehmen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin. Die Forscher fassten im Jahr 2012 mit Zahlen und Berechnungen exakt zusammen, welche ökonomische Bedeutung die TU Darmstadt hat und welche langfristigen Effekte von ihr für Wachstum und Wohlstand ausgehen – in Südhessen und bundesweit.

Immense Nachfrage Die TU Darmstadt ist eine „Nachfrage“-Macht – durch Ausgaben für Personal und Sachmittel, Investitionen in Gebäude und Geräte sowie den Konsum der rund 25.000 Studierenden von Waren und Dienstleistungen. So hat die TU Darmstadt bezogen auf das Jahr 2010 aufgrund der Einkommen ihrer Beschäftigten, durch Bauprojekte, Bestellungen von Maschinen und Laborbedarf sowie aufgrund der Kaufkraft der Studierenden, die Lebensmittel, Laptops und Lesestoff benötigten, bundesweit eine Bruttowertschöpfung von knapp 700 Millionen Euro ausgelöst. Davon entfielen 436,1 Millionen Euro auf die Region Südhessen. Ins Gewicht fällt dabei auch die Stärke der TU Darmstadt beim Einwerben umfangreicher Drittmittel, die wiederum investiert werden.

Die errechneten wirtschaftlichen Effekte zeigen, wie sehr sich Investitionen des Landes Hessen in die TU „rentieren“: Allein der BruttowertschöpfungsEffekt ist um 160 Prozent größer als die Haushaltsmittel, die das Land Hessen der TU Darmstadt bereitstellt. Insbesondere die langfristigen Effekte der Lehr- und Forschungsaktivitäten der TU Darmstadt für Wirtschaftswachstum, technologischen Fortschritt und Innovationsdynamik auf nationaler wie regionaler Ebene sind nicht hoch genug einzuschätzen: Dazu bewerteten die Wirtschaftsforscher universitäre Leistungen wie die Ausbildung hoch qualifizierter Absolventen, Generierung neuen Wissens durch Forschung, Publikationen, Erfindungen, Patente und Lizenzen, Ausgründung von Unternehmen und Kooperationsbeziehungen in überregionalen wie internationalen Netzwerken. So schafft die TU Darmstadt jährlich immer wieder aufs Neue ein Wissenskapital in Höhe von bundesweit 402 Millionen Euro (regional: 212 Millionen Euro), das sich langfristig anhäuft und mit dem die Produktivität und Innovationskraft der Volkswirtschaft beflügelt wird – sei es im „IT-Valley“ in Rhein-Main-Neckar oder bundesweit etwa durch neue Produktionsmanagement- und LogistikLösungen oder durch neue Start-up-Unternehmen.


Wirtschaftsfaktor Universität

58

Studierende sind wichtige Konsumenten.

172 Euro gibt eine Studentin oder ein Student der TU monatlich in Darmstadt und dem Umland für Ernährung aus.

68 Euro sind es für Waren und Dienstleistungen in Freizeit, Kultur und Sport. Die Studierenden setzen jährlich „Nachfrageimpulse“ durch Einkäufe in Höhe von 228

Millionen

Euro. Davon wandern 144,5 Millionen Euro in den Konsum in der Region. Der dadurch erzielte Beschäftigungseffekt in Südhessen:

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

2.100 Arbeitsplätze.


52 %

der Absolventen und Absolventinnen sind zehn Jahre nach ihrem Studienabschluss in der Metropolregion Rhein-Main tätig, oft in Schlüsselpositionen. Sie liefern langfristig wichtige Impulse in der Metropolregion Rhein-Main.

Wolfgang Bauer, Vorstandsvorsitzender Dyckerhoff AG, Wiesbaden (Wirtschaftsingenieurwesen)

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Matthias Zieschang, Vorstand Controlling und Finanzen der Fraport AG, Frankfurt am Main (Wirtschaftswissenschaften)

Gerd Eckelmann, Gründer und Vorstandsvorsitzender der auf die elektrische Automation von Maschinen und Anlagen spezialisierten Eckelmann AG, Wiesbaden (Elektrotechnik)

Heike Heim,

Kai Beckmann,

Vorstandsvorsitzende EVO Energieversorgung Offenbach (Wirtschaftsingenieurwesen, Fachrichtung Elektrotechnik)

Mitglied der Geschäftsleitung Merck KGaA, Darmstadt (Informatik)

Julia Klinger, Mitglied des Vorstands HSE Entsorgung AG, Darmstadt (Mathematik)

Dagmar Bollin-Flade, Geschäftsführende Gesellschafterin Christian Bollin Armaturenfabrik GmbH, Frankfurt am Main (Maschinenbau)

Michael Sailer, Sprecher der Geschäftsführung des Öko-Instituts, Darmstadt (Chemie)

Peter Cachola Schmal, Leitender Direktor des Deutschen Architekturmuseums, Frankfurt am Main (Architektur)

Peter Vogt, Oscar- und Emmy-Preisträger, Chief Operating Officer der auf Visuelle Filmeffekte spezialisierten Firma Pixomondo, Standort Frankfurt am Main (Architektur)

Die TU Darmstadt eröffnet attraktive Karrierewege.


TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Wirtschaftsfaktor Universität

60

70

Millionen Euro

investiert die TU Darmstadt pro Jahr in langlebige Güter. Großer Zuwachs in den Geowissenschaften:

3,4 Millionen Euro kostete ein neues Transmissionselektronenmikroskop (TEM). Es ist Bestandteil eines Labors, das gegen mechanische Schwingungen und magnetische Felder abgeschirmt und aufwendig klimatisiert ist.

Mit 1,2 Millionen Euro schlägt eine „focussed ion beam“-Anlage zu Buche. Mit Hilfe der hochkomplexen Geräte im Fachbereich lassen sich etwa Oberflächen von Materialien gezielt verändern oder neuartige keramische Funktionswerkstoffe analysieren, wie sie etwa in Einspritzsystemen von Dieselmotoren eingesetzt werden.

Raman-Spektrometer.


61

Für 400.000 Euro wurde ein Arbeitsplatz für Konfokale Laser-Scanning-Mikroskopie (CLSM) im Fachgebiet Nano- und Mikrofluidik etabliert, um Transportprozesse in mikrofluidischen Chips zu studieren oder dynamische Vorgänge in Zellen zu untersuchen. Für die Arbeitsgruppe „Electrochemistry and Nanocatalysis“ wurde für

1,5 Millionen Euro das Labor „Darmstadt Integrated System for Fundamental Research“ eingerichtet. Es ermöglicht die kontrollierte Präparation von dünnen Schichten und Nanostrukturen auf einer Vielzahl unterschiedlicher Substrate. Ein Raman-Spektrometer für die Physikalische Chemie im Wert von

380.000 Euro Die Raman-Spektroskopie ist eine wichtige Methode, um Schwingungsund Rotationszustände von Molekülen zu untersuchen.


Wirtschaftsfaktor Universität

62

50

Unternehmen

sind aus der TU Darmstadt heraus seit dem Jahr 2000 gegründet worden. Die TU Darmstadt fördert die Gründerkultur und inspiriert den Start-up-Nachwuchs.

Die Firma Spinscope entwickelt Analysegeräte für die Kernspinresonanzspektroskopie (NMR-Spektroskopie) in ingenieur- und naturwissenschaftlich geprägten Branchen. Isofleet GmbH bietet Sicherheitstechnologien zur Erfassung und Auswertung von betrieblichen Fuhrparkdaten, um so zum Beispiel Treibstoff-Diebstahl aus Baumaschinen rechtzeitig zu bemerken.

Guter Start für Gründer.

Führend am Markt Enis Ersü studierte und forschte an der TU Darmstadt im Fachbereich Elektrotechnik. 1985 gründete er die Firma „Isra Systemtechnik“, im Jahr 2000 wurde daraus die ISRA-VISION AG mit Sitz in Darmstadt. Ersü ist TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, das sich auf dem Gebiet der industriellen Bildverarbeitung als einer der Top-five-Anbieter und als Weltmarktführer für Oberflächen-Inspektionssysteme sieht.


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Patente und Erfindungen: Jahresbilanz

68 Erfindungsmeldungen 158 Patentanmeldungen 29 erteilte Patente 4 Gebrauchsmuster

8 Gründungen 7 EXIST-geförderte Projekte 120 Unternehmen im

Technologie- und Innovationszentrum (TIZ)

99 Erstberatungen

Neue Erkenntnisse gewinnen. Biotech-Spitzenreiter Dr. Holger Zinke studierte und promovierte in Biologie/Biochemie an der TU Darmstadt. Sein 1993 als Firmen-start-up aus der TU Darmstadt gegründetes Unternehmen BRAIN entwickelt für die chemische, pharmazeutische, Kosmetik- und Nahrungsmittelindustrie neuartige biologische Wirkstoffe und Biokatalysatoren. Dr. Zinke erhielt 2008 den Deutschen Umweltpreis. BRAIN bezeichnet sich als ein in Europa führendes Unternehmen für weiße oder industrielle Biotechnologie.


TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

kooperieren

64


66

kooperieren

Highlights 2012 5.300

Jahre alt sind die Blutkörperchen, die Wissenschaftler der TU Darmstadt und der Europäischen Akademie Bozen von der Gletschermumie „Ötzi“ isolieren konnten.

3

Fraunhofer Institute in

Darmstadt, das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung, Intel und SAP, Software AG und Bosch, Rolls Royce und Daimler, Continental und Opel, BASF, Siemens und Heidelberg, Merck und Deutsche Bahn – die Liste der Partner in Wissenschaft und Wirtschaft ist umfangreich.

90

1

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

neues Forschungszentrum n für IT-Sicherheit hat der Konzern Intel an der TU Darmstadt gegründet – das erste dieser Art außerhalb der USA. auße

2

Juniorprofessuren stiftet DB Schenker im Rahmen der strategischen Partnerschaft mit der TU Darmstadt.

Prozent der servierten Bälle kann ein durch Nachahmung menschlichen Verhaltens lernender Roboter nach einer Stunde Tischtennis-Training erfolgreich zurückschlagen. Konstruiert haben ihn Wissenschaftler der TU Darmstadt und des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme in Tübingen.


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Transport von Wissen

Gedruckte Nanomaterialien Nach vierjähriger Zusammenarbeit startet die TU Darmstadt gemeinsam mit den Unternehmen BASF und Heidelberger Druckmaschinen mit dem Projekt „Nanostrukturierung und Plastik-Elektronik Printplattform“ (NanoPEP) in die zweite Phase. Seit 2009 widmen sich die Partner der Erforschung und Herstellung von Nanomaterialien und den für ihre Verarbeitung notwendigen Druckverfahren. Die aus Polymeren oder kleineren Molekülen bestehenden Materialien werden für die Zukunftstechnologie der organischen Elektronik benötigt. Die bereits in der ersten Projektphase entstandenen Bauelemente sollen im Folgeprojekt NanoPEP2 verbessert und ihre Verarbeitung weiterentwickelt werden. Bei den Druckverfahren kommt es vor allem auf Präzision an. Die Forscher des Instituts für Druckmaschinen und Druckverfahren der TU Darmstadt wollen die Verarbeitungsprozesse genau verstehen, um Druckverfahren später in einen industriellen Produktionsprozess übertragen zu können. Das Kooperationsprojekt ist Teil des Spitzenclusters „Forum Organic Electronics“, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird.

DB Schenker Lab gegründet Drei Jahre nachdem die TU Darmstadt und die Deutsche Bahn AG eine Innovationsallianz vereinbarten, haben TU-Präsident Professor Hans Jürgen Prömel und DB-Vorstand Dr. Karl-Friedrich Rausch im April 2012 das DB Schenker Laboratory an der TU Darmstadt gegründet. Mit dem Institut sollen die interdisziplinäre Forschung im Bereich Transport und Logistik gefördert und der Sprung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in Anwendungen vorangetrieben werden. Das Institut startet mit zwei Juniorprofessuren am Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften – gestiftet von DB Schenker, der Logistiksparte der Deutschen Bahn. Erste Forschungsprojekte wurden angeschoben, unter anderem zu Netzwerken der Automobilindustrie und zu Zukunftskonzepten für

Organische Elektronik kann künftig gedruckt werden.

die Versorgung von Städten. Gastvorträge sowie die Vergabe von Praktika an Studierende runden die Kooperation ab. Die wissenschaftliche Leitung teilen sich für die TU Darmstadt Professor Ralf Elbert, Fachgebiet Unternehmensführung und Logistik, sowie Michael Kadow für DB Schenker, der dort den Bereich Business Excellence leitet. Ein gemeinsamer, hochkarätig besetzter Beirat soll Impulse aus der Forschung wie aus der Praxis setzen.


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Effizienz im Maschinenpark

kooperieren

Eine Metallbearbeitungsmaschine wie die MAG XS-211, die der TU Darmstadt als Forschungsobjekt dient, verbraucht nur maximal 20 Prozent der Energie für den eigentlichen Prozess. Den Rest benötigt die Peripherie. Als Hauptverbraucher haben die Experten vom PTW dabei die Hoch- und Niederdruckpumpen für Kühlschmierstoffe (KSS) identifiziert, die allein 60 Prozent des Gesamtenergiebedarfs benötigen. Denn während des Produktionsprozesses erhält die Maschine derzeit mehr KSS als sie benötigt. Die überschüssige Flüssigkeit muss ohne Nutzung zurück in den Tank gepumpt werden. Die Energie für das Pumpen des KSS-Überschusses wird also doppelt aufgebracht. Durch den Einbau einer frequenzgeregelten Hochdruckpumpe erzielte das Projektteam erhebliche Einspareffekte. Allein die Hochdruckpumpe der MAG XS-211 verbraucht nach Berechnungen der Fachleute nun 75 Prozent weniger Energie. Insgesamt spart die optimierte Werkzeugmaschine 52 Prozent Energie.

In der Produktion gibt es viel Potenzial, um Energie zu sparen.

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Werkzeugmaschinen sind noch immer Energiefresser: Warum das so ist und was man dagegen machen kann, haben Wissenschaftler am Institut für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen (PTW) erforscht. Im Rahmen des Projektes „Maximierung der Energieeffizienz von Produktionsmaschinen“, kurz Maxiem, ist es ihnen sogar gelungen, den Energiebedarf von Produktionsmaschinen um die Hälfte zu senken.

Die Werte überzeugen. Doch umweltgerechte Maschinen haben ihren Preis, und viele Anwender schrecken noch immer vor den Investitionskosten zurück. Die nun entwickelten Methoden könnten die Akzeptanz energieeffizienter Maschinen bei Anwendern und Herstellern allerdings erhöhen. Sie ermöglichen unter anderem an Hand von Daten aus dem Lastenheft und den Ergebnissen der von den Herstellern durchgeführten Zeitstudien die Ermittlung des Energiebedarfs einzelner Bauteile, bevor eine Werkzeugmaschine überhaupt in den Bau geht. Die größten Hebel zur Energieeinsparung können also bereits in den frühen Planungsphasen eines Produktes bewegt werden.


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Zwischen USA und China

Sicherheit für mobile IT-Geräte Im Mai 2012 eröffnete der Halbleiter-Hersteller Intel am Center for Advanced Security Research Darmstadt (CASED) sein erstes Forschungszentrum für IT-Sicherheit außerhalb der USA. Das Institut gehört zu einem weltumspannenden Netzwerk von Intel Collaborative Research Institutes, in denen Forscher aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammenarbeiten, um technologische Innovationen voranzutreiben. Das Darmstädter Intel Collaborative Research Institute for Secure Computing (ICRI-SC) hat deshalb auch eine Doppelspitze: Professor AhmadReza Sadeghi, Informatik-Professor an der TU und Leiter des Arbeitsbereichs Sichere Dinge am CASED, und Dr. Matthias Schunter von INTEL. Das Hessische Wirtschaftsministerium fördert die Kooperation mit 180.000 Euro aus dem EU-Strukturfonds. Die Forscher suchen in Zukunft gemeinsam nach technischen Lösungen, die die Zuverlässigkeit und Sicherheit von mobilen Geräten und eingebetteten Systemen verbessern. Dazu gehören die Konstruktion von Sicherheitsarchitekturen und die Entwicklung von Mechanismen für die Integritätsüberprüfung, insbesondere für Smart Devices wie Smartphones und Tablet-PCs. So wollen sie beispielsweise neue Ansätze für den elektronischen Handel über mobile Endgeräte (Mobile Commerce) finden, die die Privatsphäre der Nutzer besser schützen.

Gute Kanäle nach Shanghai Die Tongji-Universität und die TU Darmstadt haben vereinbart, das Doktoranden-Kolleg „Clean Water China“ einzurichten. TU-Präsident Professor Hans Jürgen Prömel unterzeichnete ein entsprechendes Memorandum. Die Beziehungen zwischen beiden Universitäten sind traditionell eng: 1980 war die TU Darmstadt die erste bundesdeutsche Technische Hochschule, die mit einer Universität der Volksrepublik China kooperierte.

Mit Shanghai verbindet die TU Darmstadt enge Kontakte.

(TU Darmstadt), das im Herbst 2012 erstmals stattfand. 20 Bauingenieure trafen sich in Shanghai, um sich über ihre Forschung auszutauschen. Zentrale Themen waren Arbeitssicherheit im Bauwesen sowie die Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf den Bausektor. Das nächste Treffen ist bereits in Planung: Dann sind die chinesischen Nachwuchswissenschaftler nach Darmstadt eingeladen.

Effiziente LED-Technik Die TU Darmstadt ist an einem neuen Forschungs-Kooperationsprogramm zwischen China und Deutschland beteiligt. Gemeinsames Ziel ist es, LED-Technologie preiswerter, sauberer und energieeffizienter zu gestalten. Professor Tran Quoc

Eine weitere Facette dieser Zusammenarbeit ist das Doktorandenseminar des Research Institute of Project Administration and Management (Tongji-Universität) und des Instituts für Baubetrieb

Khanh, Leiter des Fachgebiets Lichttechnik der TU Darmstadt, wird die biologischen und gesundheitlichen Wirkungen von Licht erforschen und ist außerdem für die Kalibrierung von Messstationen in den Testlabors verantwortlich.


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Pflanzliche Fabriken

kooperieren

Eine dieser wertvollen Substanzen ist Vincristin, das zur Behandlung von Krebs eingesetzt wird. „Ein Gramm kostet 1.000 Euro“, berichtet Warzecha. Es wird aus einer immergrünen Pflanze gewonnen, die nur auf Madagaskar wächst. Um nur ein Gramm dieses Arzneistoffes zu produzieren, werden zwei Tonnen des Gewächses als Rohstoff benötigt. Das treibt die Kosten in die Höhe. Neue Möglichkeiten, um solche Medikamente in Zukunft kostengünstiger zu produzieren, bietet die synthetische Biologie, ein noch junges Forschungsgebiet, auf dem Mikrobiologen, Ingenieure und Informatiker zusammenarbeiten. Sie kreieren schon heute künstliche biologische Systeme – Moleküle, Zellen oder ganze Organismen, die in der Natur nicht vorkommen. „Wir können zum Beispiel bestimmte Synthesewege einer Pflanze in Bakterien oder Hefe einpflanzen“, erläutert Warzecha. Diese Organismen könnten dann die gewünschten Substanzen produzieren. „Es sind genetisch veränderte Pflanzen, die wir natürlich nicht in der Natur aussetzen“, betont der Biotechnologe, „wir ziehen sie nur in Gewächshäusern auf.“

Sucht hochwertige Substanzen: Professor Heribert Warzecha.

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Das Wissen und die Erfahrung von über 100 Wissenschaftlern in 21 Ländern fließen in das Forschungsnetzwerk „Plant Metabolic Engineering for High Value Products“ ein, das Heribert Warzecha, Professor am Fachbereich Biologie, initiiert hat. „Wir wollen zunächst wichtige hochwertige Substanzen identifizieren und sammeln, die für eine Produktion in Pflanzen in Frage kommen“, kündigt der Biotechnologe an.

Heribert Warzecha selbst ist Experte für eine Pflanze mit der lateinischen Bezeichnung Rauvolfia. Der immergrüne Strauch, auch Teufelspfeffer oder Schlangenwurzel genannt, produziert die Substanz Ajmalin, die bei Herzrhythmusstörungen wirkt. Die Pflanze dient ihm als Modell, um herauszufinden, wie die biologische Synthese des Stoffs in der Pflanze beeinflusst werden kann, wie die daran beteiligten Enzyme verändert werden können und welche Gene dafür an- oder abgeschaltet werden müssen.


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Roboter mit „Köpfchen“

Wissenschaftler der TU Darmstadt und des MaxPlanck-Instituts für Intelligente Systeme in Tübingen haben einen Roboter konstruiert, der seine Bewegungen selbstständig verbessern kann. Er lernt, indem er Menschen nachahmt. Der Prototyp, den Jan Peters, Informatik-Professor in Darmstadt und Gruppenleiter in der Abteilung Empirische Inferenz am Tübinger Max-Planck-Institut, gemeinsam mit den Doktoranden Katharina Muelling und Jens Kober entwickelt hat, spielt Tischtennis und verbessert stetig sein Spiel. „Unser Roboter lernt ähnlich wie ein Mensch“ erklärt Peters. „Erst ahmt er eine komplizierte Bewegung nach, dann übt er sie so lange, bis er sie beherrscht. Anschließend beginnt das bestärkende Lernen. Dabei erhält der Roboter nach jeder Bewegung eine Rückmeldung und passt seine Reaktion entsprechend an.“ In der ersten Lernphase führten die Wissenschaftler den Roboterarm, um ihm grundlegende Schlag-

techniken beizubringen. In der zweiten Phase lernte er, sie zu verbessern. Nach nur einer Stunde Training war er so gut, dass er an der Tischtennisplatte fast 90 Prozent der Bälle zurückschlagen konnte. Wegen des geringen Programmieraufwands sind selbstlernende Roboter vielfältig einsetzbar. Peters denkt etwa an die industrielle Produktion, bei der es häufig Variantenwechsel gibt, oder an die Herstellung kleiner Stückzahlen. „Außerdem“, so Peters, „eignen sich selbstlernende Roboter hervorragend für die Kooperation mit dem Menschen.“ Deshalb ist das neueste Robotik-Projekt auch ein selbstlernender Roboter, der als „dritte Hand“ bei Tätigkeiten hilft.

Ideen für Tröpfchen und Apps Zum sechsten Mal seit 2007 zeichnete die TU Darmstadt die besten Geschäftsideen des Jahres aus. Gewinner unter über 80 Einreichungen wurde der Doktorand Walter Schäfer mit einem Messgerät zur optischen Analyse von Tröpfchen. Platz zwei ging an die Entwickler einer App zur Alarmierung von freiwilligen Feuerwehren. Die Idee eines kinetischen Energiespeichers zur Umwandlung von Strom in Bewegungsenergie, ersonnen von einem Studierendenteam, schaffte es auf Platz drei. Dotiert

Der Roboter spielt mit, weil er durch Nachahmung lernen kann.

waren die ersten drei Plätze mit 3.000, 2.000 und 1.000 Euro.


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kooperieren

Alles fließt

Staufrei durch Hanoi Die 6,8 Millionen Einwohner Hanois sind täglich mit Fahrrädern, Motorrädern und Autos auf den Straßen unterwegs. Wie in jeder Großstadt verbringen sie viel Zeit im Stau; die Luftverschmutzung ist enorm, weil viele der motorisierten Fahrzeuge die Emissionsstandards nicht erfüllen. Professor Thorsten Strufe vom Fachbereich Informatik der TU Darmstadt baut mit Professor Hoang Dan Hai vom Vietnam Center of Emergency Response Team ein drahtloses Sensoren-Netzwerk auf, das nicht nur die Verkehrssituation, sondern auch die Umweltbelastung im Stadtgebiet abbilden soll. Das „Smart Sensor Network for Online Monitoring Traffic-generated Pollution Data in Hanoi City“ soll für alle Einwohner über das Internet verfügbar sein und als Frühwarnsystem dienen. In der ersten Phase des Projekts werden mobile Sensoren an öffentlichen Verkehrsmitteln angebracht. „In Hanoi können wir eine solches System erstmals in einer echten Megacity installieren und testen“, so Strufe. Fördergelder für das Pilotprojekt kommen aus dem AlumniProgramm der Alexander von Humboldt-Stiftung.

Verkehr managen

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Einwohnerzahl und Stadtgebiet sind in Hanoi innerhalb kürzester Zeit rasant gewachsen – eine große Herausforderung für Stadtentwicklung und -planung. Mit dem auf drei Jahre angelegten Forschungsprojekt REMON wollen Verkehrsplaner der TU Darmstadt gemeinsam mit neun deutschen und vietnamesischen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmenspartnern die Grundlage schaffen, um die Verkehrsströme in Hanoi in Zukunft besser zu verstehen und zu managen. Für das Verkehrsinformationssystem sollen die Daten eines engmaschigen Netzes von GPS-Sendern auswertet werden. Dafür werden die Projektpartner in Vietnam Busse und Taxis mit GPS-Sendern und Fahrer von Dienstleistungsunternehmen in Hanoi mit GPS-fähigen Mobilfunkgeräten ausstatten. „Bürger können mit diesen Informationen Staus vermeiden und Behörden erhalten eine hervorragende Planungsgrundlage für die Stadtentwicklung“, erläutert Man-

Zäh fließender Verkehr in der Peripherie von Hanoi.

fred Boltze, Leiter des Fachgebiets Verkehrsplanung und Verkehrstechnik an der TU Darmstadt. Durch die Nutzung der „Floating Data“ stehe in Zukunft ein exaktes, aktuelles und umfassendes Verkehrsüberwachungssystem bereit. Finanziert wird das Kooperationsprojekt vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem vietnamesischen Ministerium für Wissenschaft und Technologie mit insgesamt 2,5 Millionen Euro.

Partner-Beziehungen Mit zwei der vietnamesischen REMON-Partner pflegt die TU Darmstadt enge Beziehungen: Die University of Transport and Communication in Hanoi ist Partner-Universität; an der Vietnamese-German University (VGU) bietet die TU Darmstadt seit 2012 den Masterstudiengang „Traffic and Transport“ an.


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Interview Expertise für Ankara

Hubert Heinelt, Professor am Institut für Politikwissenschaft, gehörte einer internationalen Kommission an, die die türkische Regierung bei der Reform der Verwaltungsstruktur beriet. Professor Heinelt, welche Rolle nahmen Sie in der Kommission des United Nations Development Programs ein?

Ich war ein europäischer Experte, der die Verwaltungsorganisation in verschiedenen Ländern kennt und daraus Vorschläge ableitet. Die klassische Frage war: Wie machen andere Länder das? Die Verwaltung der Türkei ist ein Mosaik aus Modernem und Antiquiertem. Zu letzterem zählen die mächtigen Präfekten, die die Staatsregierung auf Provinzebene repräsentierten.

Politologie-Professor Hubert Heinelt.

Gehören sie abgeschafft?

Ja, denn es gibt in der Türkei mit den seit 2005 existierenden Provinzparlamenten längst eine Institution, die Aufgaben kommunaler Selbstverwaltung übernehmen könnte. Nur die Frage, wer welche Kompetenzen hat, wurde bisher nicht eindeutig beantwortet. So kommt es, dass überkommene und neue Strukturen parallel existieren, das führt natürlich zu Problemen.

tralisierungs- und Demokratisierungspolitik. Zum anderen dient der Regierungspartei AKP die Stärkung der kommunalen Ebene sicher ein Stück weit dazu, den kemalistischen Zentralstaat zu schleifen. Ist die Umsetzung der Vorschläge eine Bedingung für den EU-Beitritt der Türkei?

Wo müsste eine Verwaltungsreform ansetzen?

Nein, das Interesse ist eher übergeordneter Art.

Die Kommunen haben so gut wie keine Gestal-

Mit einer funktionierenden Kommunal-

tungsmöglichkeiten, sondern sind stark abhän-

verwaltung kann das Land schneller auf Ver-

gig von der Zentralregierung. Das gilt es zu

änderungen reagieren und Entscheidungen

ändern. Es geht also darum, Aufgaben von oben

besser auf die Bedürfnisse und Bedingungen in

nach unten zu verteilen.

den Kommunen abstimmen. Es gibt dafür kein einheitliches Modell innerhalb der EU, aber eine

Unterstützt die türkische Regierung solche

rein zentralistisch gesteuerte Entwicklung ist

Reformen?

einfach nicht mehr zeitgemäß.

Die jetzige türkische Regierung ist ganz klar ein Unterstützer und Treiber der Dezen-


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Mit Sicherheit

kooperieren

unmöglich, bei Tatortuntersuchungen das exakte Alter einer Blutspur zu bestimmen“, erklärt Albert Zink. Die nanotechnologischen Methoden, mit der die Forscher die Struktur der 5.300 Jahre alten Blutkörperchen analysiert haben, könnten auf diesem Gebiet einen Durchbruch bringen.

Verbraucherfreundliches Internet Sicherheitsverfahren, die in Internetanwendungen wie zum Beispiel Browsern eingebaut sind, lassen oft zu wünschen übrig. Viele Anwender nutzen sie nicht, weil die Warnhinweise unverständlich sind, oder sie verwenden Passwörter, die leicht zu knacken sind. Die Informatikerin Melanie Volkamer wird in den kommenden drei Jahren gemeinsam mit ihren Professoren-Kollegen Johannes Buchmann und Ralph Bruder sowie Partnern der Universität Kassel und den Sicherheitstechnologie-Unternehmen usd AG und Kobil benutzerfreundliche Mechanismen für sicheres Internetsurfen entwickeln. Gewebeprobe des „Ötzi“ unter dem Rasterkraftmikroskop.

Uralte Blutkörperchen isoliert

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Ob Blut sich außerhalb des Körpers nach einer bestimmten Zeit von selbst auflöst und wie lange es erhalten bleibt, darüber gab es bislang keine wissenschaftlichen Erkenntnisse. Materialwissenschaftlern der TU Darmstadt ist es in Zusammenarbeit mit der Europäischen Akademie Bozen (EURAC) gelungen, rote Blutkörperchen an den Wunden der Gletschermumie „Ötzi“ nachzuweisen. Albert Zink vom EURAC, Marek Janko und Professor Robert Stark vom Center of Smart Interfaces an der TU Darmstadt haben dafür feinste Gewebeschnitte der Mumie unter einem extrem leistungsfähigen Mikroskop untersucht. Es misst atomare Kräfte auf einer Nanometerskala, also im Bereich von einem Millionstel Millimeter. Die Gewebeprobe wird abgetastet und die Information von Sensoren erfasst, so baut sich Zeile für Zeile ein dreidimensionales Bild auf. Zu sehen war am Ende das Bild eines roten Blutkörperchens mit seiner typischen Donut-Form. „In der modernen Gerichtsmedizin ist es nahezu

„Ein ausreichend gutes Sicherheitsverfahren, das tatsächlich genutzt wird, ist letztendlich sicherer als ein theoretisch sicheres, das vom Nutzer umgangen wird“, sagt Juniorprofessorin Melanie Volkamer. Deshalb wollen die Forscher des Projekts „InUse“ Warnungen und Handlungsanweisungen für Nutzer verständlicher gestalten. Ihnen soll dabei geholfen werden, die Gefahr richtig einzuschätzen, die sie beim Anklicken einer möglicherweise gefälschten Internetseite eingehen, und angemessen darauf zu reagieren. Das Kooperationsprojekt „InUse“ am Darmstädter LOEWE-Zentrum CASED wird vom Bundesministerium für Verbraucherschutz mit 450.000 Euro gefördert.

„Sowohl Sicherheit als auch Benutzerfreundlichkeit sollten möglichst früh in der Softwareentwicklung berücksichtigt werden.“ Juniorprofessorin Melanie Volkamer


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Flexible Halbleiter-Laser

In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des EU-Projekts „Subtune“ haben Christian Gierl und Karolina Zogal vom Institut für Mikrowellentechnik und Photonik (IMP) der TU Darmstadt einen neuartigen Halbleiter-Laser entwickelt. Die TU Darmstadt koordiniert das seit 2008 bestehende Kooperationsprojekt mit Partnern in Deutschland, Irland, Schweden, der Schweiz, Frankreich und Italien. Ihrem Ziel, einen Halbleiter-Laser zu konstruieren, der auf verschiedene Lichtwellenlängen eingestellt werden kann, sind sie damit ein großes Stück näher gekommen. Die Neuentwicklung deckt mit einem Spektrum von 100 Nanometern bereits den größten je mit einem einzelnen Halbleiter-Laser erzielten Bereich ab. Den Durchbruch brachte eine von dem Physiker Christian Gierl und der Materialwissenschaftlerin Karolina Zogal entwickelte Membran, die wie ein Spiegel wirkt und mehr als 99 Prozent des Lichts auf einen gegenüberliegenden Spiegel reflektiert. Die Membran lässt sich kontrolliert verbiegen, wodurch die Wellenlänge des Lichts reguliert werden kann. Mit diesem Trick gelang es, den Halbleiter-Laser, der

vom kooperierenden Walter Schottky-Institut der TU München kommt, in einem Wellenlängenbereich von mehr als 100 Nanometer einstellbar zu machen. Eines von vielen Anwendungsgebieten ist die Datenübertragung in Glasfasernetzen. „Die Telekommunikationsbranche hat großes Interesse, denn in einem zukünftigen Glasfasernetz müssen Haushalte mit unterschiedlichen Wellenlängen versorgt werden“, erläutert Gierl. Für jede Wellenlänge müsste dann ein eigener Typ von Halbleiter-Lasern hergestellt werden. Mit neuartigen „durchstimmbaren“ Lasern entfällt dieser Aufwand.

Informatik plus Pädagogik Dr. Iryna Gurevych, Professorin am Fachbereich Informatik und Expertin für innovative Wissensverarbeitung, forscht und lehrt künftig auch am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung in Frankfurt am Main. Durch die Kooperation können beide Partner ihre Kompetenzen auf dem zukunftsträchtigen Gebiet der Bildungsinformatik ausbauen.

Im Reinraum: Christian Gierl zerlegt maschinell Spiegelmembranen in feinste Schichten.


TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

leben

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leben

Highlights 2012 1,8 Millionen Euro kosten der neue Kunstrasen und eine Tartanbahn im Hochschulstadion der Universität.

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Bahnen groß ist der neue Disc Golf-Parcours, den Frisbee-Spieler Tag und Nacht auf der Grünfläche zwischen Hochschulstadion und Lichtwiese nutzen können.

Die

150.000-Einwohner-Marke Darmstadts hat der am 3. Dezember 2012 geborene kleine Benjamin geknackt. Sein Vater ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Maschinenbau der TU Darmstadt, seine Mutter ist Lehrerin.

1912 wird das akademische Amt für 210 Plätze

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

in vier neuen Lernzentren hat die TU Darmstadt 2011 und 2012 für Studierende eingerichtet.

185 Kinder können die Betreuungseinrichtungen der TU Darmstadt aufnehmen, wenn im Spätsommer 2013 das zweite Kinderhaus auf dem Campus Stadtmitte öffnet.

Leibesübungen gegründet – Startschuss für den Hochschulsport an der TU Darmstadt.

1.000 Studierende der TU Darmstadt haben Kinder. Die Uni-Servicestelle für Familien berät Mütter und Väter bei Fragen rund um Studienorganisation und Kinderbetreuung.


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Lernen im Grünen

Zentrum „Bios“: Der Standort Botanischer Garten blüht auf.

Die TU Darmstadt hat für die Studierenden des Fachbereichs Biologie ein Lernzentrum eingerichtet. Nach Studierendenzentren im Schloss und an den Fachbereichen Architektur und Physik eröffnete damit innerhalb von 15 Monaten der vierte Lernund Arbeitstreffpunkt für Studierende. Das Gerätehaus am Botanischen Garten wurde für rund zwei Millionen Euro so umgebaut, dass nicht nur 30 Arbeitsplätze, sondern auch ein Seminarraum, das Studienbüro der Fachschaft Biologie und ein Bistro Platz finden.

Tagsüber lädt das vom Studentenwerk betriebene Bistro „Bios“ nicht nur Studierende, sondern auch die Besucher des Botanischen Gartens zu Snacks und Getränken ein. Abends verwandelt sich das Bistro ebenfalls in einen Lernort, insgesamt stehen dann 60 Arbeitsplätze für Studierende zur Verfügung. Mit 210 neuen Arbeitsplätzen in den vier neuen Lernzentren konnten die Studienbedingungen wesentlich verbessert werden.


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leben

Unterstützung tut gut

Gerne mit Familie Wissenschaftliche Karrieren sind mit einem befriedigenden Familienleben häufig nur schwer zu vereinbaren. Sie bringen lange Qualifikationsphasen mit sich, Unsicherheit durch befristete Stellen und häufige Wohnortwechsel, die viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zwingen, zwischen Familie und Arbeit zu pendeln. Die TU Darmstadt trägt seit 2008 die Auszeichnung „Familiengerechte Hochschule“. Mit den beiden Servicestellen für Familien sowie für Dual Career und Wohnen, aber auch mit Instrumenten wie dem Wiedereinstiegsstipendium für junge Forscherinnen hilft sie, Familienleben und akademische Karriere besser zu verbinden. Die TU Darmstadt fördert so hervorragende Wissenschaftlerinnen und hat gleichzeitig als familienfreundlicher Arbeitgeber einen Vorsprung beim Wettbewerb um die „besten Köpfe“.

Hilfe beim Wiedereinstieg

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Für Wissenschaftlerinnen, die Kinder bekommen, sind die Hürden besonders hoch. Wenn sie ihre Arbeit wegen Schwangerschaft und Kindererziehung unterbrechen, bedeutet dies nach wie vor einen ernsten Karriereknick. Viele scheitern beim Übergang von der Promotion in die Postdoc-Phase. Die Mathematikerin Dr. Inna Mikhailova wurde nach der Promotion Mutter und unterbrach zunächst ihre Forschungsarbeit. Mit einem Teilzeit-Stipendium der TU Darmstadt gelang ihr der Wiedereinstieg. Ab November 2011 erhielt sie eine monatliche Förderung von bis zu 1.800 Euro über einen Zeitraum von 10 Monaten. „Die Möglichkeit, mit dem Stipendium meine Arbeit und meine Familienaufgaben zu vereinbaren, ist fantastisch. So kann ich mit Kindern und nicht trotz Kindern meinen Weg weitergehen.“ Inna Mikhailova entwickelt am Fachbereich Informatik ein System, mit dem Roboter „lernen“, zwischen reaktiven und antizipativen Verhaltensweisen zu unterscheiden. Damit forscht sie auf einem für die Robotik zukunftsweisenden Gebiet und hofft, dass sie über einen Projektantrag den Übergang auf eine Postdoc-Stelle schafft.

Im Doppel: Familie und akademische Karriere verbinden.

Stipendium Das Wiedereinstiegsstipendium für Postdoktorandinnen und Habilitandinnen hat die TU Darmstadt im Jahr 2011 als Teil des Förderprogramms „Forschungsorientierte Gleichstellung von Wissenschaftlerinnen und Gewinnung von Professorinnen“ eingeführt. Es kann auf Voll- oder Teilzeitbasis gewährt werden.


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Interview Nicht ohne meinen Partner …

Joachim Vogt kam 2009 als Professor an das Institut für Psychologie der TU Darmstadt. Seine Ehefrau, die Medizinsoziologin Dr. Melanie Schnee, fand nach der Kinderpause über den Dual-Career-Service einen Lehrauftrag am Institut für Soziologie in Darmstadt. Inzwischen ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität in Frankfurt am Main. Frau Schnee, wie hat Ihnen die Servicestelle Dual Career beim Wiedereinstieg geholfen?

Die Servicestelle reichte meinen Lebenslauf ans Institut für Soziologie weiter. Dort war ich mit meinen Themen zur richtigen Zeit am richtigen Ort und bekam einen Lehrauftrag für zwei Semester. Auf einer Tagung lernte ich dann einen Professor der Uni Frankfurt kennen, der mich auf eine Stelle am Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin aufmerksam machte, auf die ich mich bewarb.

Paar mit Doppelkarriere: Melanie Schnee und Joachim Vogt.

Wären Sie lieber an der TU Darmstadt geblieben?

Nicht unbedingt, dann ich wäre mir wohl nie sicher gewesen, ob die Darmstädter mich nur genommen hätten, um meinen Mann zu halten. In Frankfurt dagegen ging es nur um mich und meine Qualifikation. Professor Vogt, wie wichtig finden Sie die Unterstützung von Partnern bei der Jobsuche?

Ich habe schon oft erlebt, dass Kolleginnen und Kollegen nach ein, zwei Jahren der Fernbeziehung überdrüssig wurden und an eine Hochschule in der Nähe ihrer Partner oder Partnerinnen wechselten. Insofern kann die

Unterstützung durch den Dual-Career-Service, etwa durch das Sichten von Job-Chancen und die Vermittlung von Kontakten, das Zünglein an der Waage sein. Nicht nur wenn es darum geht, Wissenschaftler für die Uni zu gewinnen, sondern auch um sie hier zu halten.


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leben

Quartier für 603qm

Bald alles neu auf 603qm:

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Unten Kultur, oben Rechenzentrum.

Die Abendveranstaltungen des studentischen Kulturclubs 603qm auf dem Campus Stadtmitte haben in den letzten Jahren nicht nur für Freude in der Nachbarschaft gesorgt. Anwohner beschwerten sich über nächtlichen Lärm, sodass die städtischen Behörden schließlich ein Nutzungsverbot verhängten. Die TU Darmstadt nahm den Konflikt zum Anlass, um gemeinsam mit der Studierendenvertretung AStA und den Betreibern eine grundlegend neue, dauerhafte Lösung zu finden. Am selben Ort auf dem Campus, gegenüber dem Wissenschafts- und Kongresszentrum darmstadtium, wird bis Herbst 2014 ein fünfstöckiges Gebäude errichtet. 1.000 Quadratmeter sind für die studentische Nutzung vorgesehen: Arbeitsplätze für Studierende sowie im Erdgeschoss ein Café, das das 603qm betreiben wird und zu dem auch Veranstaltungsräume im Untergeschoss gehören. Die darüber liegenden Bürogeschosse mit 2.700 Quadratmeter Fläche wird die TU als Sitz des Hochschulrechenzentrums und für die Forschung nutzen.

Der Abriss der „Stoeferlehalle“ in der Alexanderstraße 2, wo in den vergangenen zehn Jahren die abendlichen Musikveranstaltungen des studentischen Kulturbetriebs stattfanden, und der Baubeginn sind für Mitte des Jahres 2013 vorgesehen. Ganz verschwinden muss das 603qm während der Bauarbeiten nicht, der Cafébetrieb wird an anderer Stelle auf dem Campus Mitte vorübergehend Quartier nehmen. Die TU Darmstadt rechnet für den Neubau mit Gesamtkosten von 12,5 Millionen Euro.

„Mit dem Neubau gelingt es uns, das 603qm zu erhalten und gleichzeitig auf dem Campus Stadtmitte dringend benötigten Platz für Studierende und Beschäftigte zu schaffen.“ TU-Kanzler Dr. Manfred Efinger


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Offene Türen

Die TU Darmstadt prägt mit ihren Bauten das Erscheinungsbild der Wissenschaftsstadt Darmstadt – und das seit 130 Jahren. Die Universität verfügt über ein Eigentum von rund 150 Gebäuden. An fünf Stellen auf dem Campus wurde 2012 besonders intensiv gebaut. Neben Neubauten wie der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) zählten zu den Bauvorhaben auch die Modernisierung von Hörsälen und die Einrichtung von studentischen Arbeitsplätzen. Diese intensive Bautätigkeit ist ein Zeichen dafür, dass die Universität weiter wächst und das Stadtbild auch in Zukunft mitgestalten wird.

Die Ausstellung „Schaufenster: Die TU Darmstadt baut“ informiert im Foyer des Uni-Gebäudes in der Rundeturmstraße 10 über die Entwicklung der Bautätigkeit seit Gründung der Universität im Jahr 1877 bis heute. Die Dauerausstellung wird thematisch wechselnde Schwerpunkte präsentieren und kann wochentags von 7 bis 19 Uhr besichtigt werden.

Schlossgraben bald offen 200 Jahre nachdem Schlossherr Großherzog Ludwig I. den Wehrgraben entwässern ließ, will die TU Darmstadt das Areal um das Residenzschloss wieder als städtische Grünanlage öffnen. Schon seit dem frühen 19. Jahrhundert wurde der Schlossgraben zum Flanieren genutzt, zeitweise beherbergte er den Botanischen Garten der Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Grünanlage geschlossen. Bis zur Eröffnung 2014 wird der alte Baumbestand erfasst, die Bepflanzung erneuert und der Park mit neuen Wegen und Sitzmöbeln ausgestattet.

Die TU gestaltet die Stadt: Dauerausstellung zur Baugeschichte.


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leben

Rasantes Tempo

Zwei Sommer lang war schon das Hochschulbad eine Baustelle, es wurde denkmalgerecht saniert und im Juni 2011 wiedereröffnet. 2012 wurde im Hochschulstadion dann erneut gebaut. Dieses Mal mussten die Beläge des Hauptspielfelds und der Laufbahn erneuert werden. Während der Arbeiten konnten die Sportanlagen nur eingeschränkt genutzt werden. Aber der Umbau bringt deutliche Verbesserungen: So kann der neue Kunstrasenplatz das ganze Jahr hindurch genutzt werden. Die alte Aschenbahn war durch Schwermetalle belastet und deshalb seit Juli 2011 gesperrt. Nun wurde eine Tartanbahn verlegt. Für die Umbaumaßnahmen im Hochschulstadion hat die TU Darmstadt 1,8 Millionen Euro investiert.

Schauplatz internationaler Wettkämpfe Das Hochschulstadion der TU Darmstadt, in den 1920er Jahren im Stil der klassischen Moderne erbaut, war 1930 – nach Warschau, Rom und Paris – Austragungsort der 4. Internationalen Hochschulmeisterschaften. An den Wettkämpfen der Studenten in Darmstadt beteiligten sich mehr als 1.000 Athleten aus 33 Ländern.

Neue Werkstoffe für das Stadion anno 1912. Bei den Studenten-Weltmeisterschaften 1930

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

gab es noch andere Wettkampfbedingungen.

„ „Wissenschaftler, Politiker und Sportler haben einige Gemeinsamkeiten. Alle wollen ihre Wettbewerbe immer gewinnen.“ Prof. Hans Jürgen Prömel, Präsident der TU Darmstadt, in seiner Rede zur Begrüßung des Ehrengastes Sebastian Coe.


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Lord Coe zu Gast Knapp zwei Monate vor der Eröffnung der Olympischen Spiele 2012 hielt Lord Sebastian Coe, Cheforganisator der Olympischen Spiele in London, einen Vortrag an der TU Darmstadt. Auf Einladung des Olympischen Clubs Starkenburg sprach er am 31. Mai 2012 im karo5 über seine Arbeit. Er stellte den 250 Hektar großen Londoner Olympiapark vor, Hauptveranstaltungsort der Olympischen Spiele 2012, und betonte vor allem die soziale Aufgabe des Sports. Mit der Initiative „International Inspiration Project“ will der einstige Weltklasseläufer und Goldmedaillengewinner Lord Coe sozial benachteiligte Kinder für den Sport interessieren.

Zu Gast an der Uni: Ex-Leichtathlet Sebastian Coe (links) mit Präsident Prömel und Oberbürgermeister Partsch (rechts).


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leben

Daten und Fakten

Essen und Trinken

1,6 Millionen warme

Mahlzeiten hat das Studentenwerk 2012 in den Mensen Stadtmitte und Lichtwiese serviert.

1malig: Das Bistro „Bios“ wurde

2012 auf dem Campus Botanischer Garten eröffnet. Damit führte das Studentenwerk sein Konzept dezentraler Bistro-Angebote fort. Auch in der neuen Universitätsund Landesbibliothek können die Nutzer jetzt lecker essen und trinken.

Das liebe Geld

19 Millionen Euro hat das

Studentenwerk 2012 an Studierende der TU Darmstadt ausbezahlt, die Anträge zur Studienfinanzierung nach BAföG stellten.

378 Euro betrug der

durchschnittliche monatliche Förderbetrag.


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Hilfe

Ressourcen

1.183 mal suchten insbesondere

60.382 Megawatt-Stunden

Studierende aus dem Ausland, Schwangere, Studierende mit Kind und Studierende mit Handicap die Sozialberaterinnen des Studentenwerks auf. Wohnen

294 Zimmer- bzw. Bettenplätze bietet die neue Wohnanlage Berliner Allee des Studentenwerks.

20,7 Millionen Euro wurden in das sechsstöckige Gebäude investiert.

2.700 Wohnplätze hat das Studentenwerk nunmehr im Angebot.

Fernwärme benötigte die TU Darmstadt im Jahr 2012. Die Menge reicht aus, um über 3.000 Einfamilienhäuser mit Wärme zu versorgen.

50.334 Megawatt-Stunden Strom verbrauchte die TU. 62 Prozent erzeugte die Kraft-Wärme-Kopplungsanlage, der Rest wurde als Ökostrom hinzugekauft.

166.100 Kubikmeter Frischwasser flossen aus den Leitungen der TU Darmstadt. Mit der verbrauchten Menge ließe sich das rund 5,86 Hektar große Darmstädter Binnengewässer Großer Woog 1,4 mal füllen und würde eine durchschnittliche Wassertiefe von zwei Metern erreichen.

24 Hektar Wald sind im Eigentum 39.852 Einzel-Eintrittskarten für das Hochschulbad wurden im Jahr 2012 verkauft. 24.000 Plätze für Hochschulsport-Kurse wurden gebucht.

der TU Darmstadt. 94 Prozent der Flächen sind mit Buchen bewachsen.


TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

ausgezeichnet

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90

ausgezeichnet

Highlights 2012 86

Forschungsprojekte förderte die Fritz und Margot Faudi-Stiftung an der TU Darmstadt bis zum 40-jährigen Stiftungsjubiläum im Sommer 2012.

1.

Sofja-Kovalevskaja-Preisträgerin an der TU Darmstadt ist die italienische Politologin Miriam Ronzoni. Sie baut mit dem Preisgeld eine eigene Forschungsgruppe auf.

228 200 Trillionen Watt pro Quadratzentimeter beträgt die Intensität des Neutronenstrahls, den der Kernphysiker Markus Roth von der TU Darmstadt mit US-amerikanischen Kollegen erzeugt hat. Damit stellten sie einen neuen Weltrekord auf.

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

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junge TU-Professoren,

Malte Fliedner und Christoph Glock, schafften es im BWL-Ranking des „Handelsblatts“ in der Kategorie „Top 100 Forscher unter 40“ unter die Top Ten.

Deutschlandstipendien konnte die TU Darmstadt an hoch talentierte Studierende vergeben.

50.000 Euro gingen mit dem Alzheimer-Forschungspreis der Hans und Ilse Breuer-Stiftung an den Darmstädter Chemieprofessor Boris Schmidt.

2,3 Millionen Euro sprach der Europäische Forschungsrat der Informatikprofessorin Mira Mezini von der TU Darmstadt zu. Sie erhielt den „Advanced Grant“ für ihr neues Projekt zur SoftwareEntwicklung in Zeiten des Cloud Computing.


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Unterschwellige Gerechtigkeit

Große Ehre für eine junge Spitzenwissenschaftlerin: Für ihre Arbeiten auf dem Gebiet der Gerechtigkeitstheorie verlieh die Alexander von Humboldt-Stiftung der italienischen Politologin Miriam Ronzoni den Sofja Kovalevskaja-Preis 2012. Erfreut über die Ehrung war neben Miriam Ronzoni selbst auch die TU Darmstadt. Denn das Konzept des Sofja Kovalevskaja-Preises sieht vor, dass ausgezeichnete Wissenschaftler mit ihrem jeweiligen Preisgeld Forschungsgruppen an deutschen Gastuniversitäten aufbauen. Miriam Ronzoni folgte der Einladung des Darmstädter Politikprofessors Peter Niesen und wurde damit zur ersten Sofja Kovalevskaja-Preisträgerin der TU Darmstadt. Mit einem Preisgeld von 1,6 Millionen Euro gehört die Auszeichnung zu den höchstdotierten Wissenschaftspreisen in Deutschland. „Die Entscheidung der Alexander von Humboldt-Stiftung, diesen Preis in der Politischen Theorie nach Darmstadt zu vergeben, bestätigt die internationale Sichtbarkeit unserer Politikwissenschaft und unseren jüngsten Erfolg in der Exzellenzinitiative“, betonten die Gastgeber. Im November 2012 gründete Miriam Ronzoni ihre Forschergruppe „Background Justice between States: Global Institutional Design to Foster Sovereign Statehood“ an der TU Darmstadt. Mit ihrem Team geht die Politologin in den kommenden fünf Jahren dem Begriff der Hintergrundgerechtigkeit nach, den der amerikanische Philosoph John Rawls geprägt hat. Wer nach der Hintergrundgerechtigkeit von Handlungen fragt, will wissen, wie fair die Bedingungen sind, unter denen Menschen in einer bestimmten Situation miteinander in Interaktion treten. „Hintergrundgerechtigkeit kann nur von Institutionen aufrechterhalten werden, zum Beispiel indem sie für eine bestimmte Verteilung von Grundgütern sorgen“, erklärt Miriam Ronzoni. Während Rawls sich vor allem für die Hintergrundgerechtigkeit von Handlungen zwischen einzelnen Bürgern interessiert hat, will Miriam Ronzoni den Begriff auf die Beziehungen zwischen Staaten und anderen internationalen Institutionen anwenden.

Hervorragende Politikwissenschaftlerin: Dr. Miriam Ronzoni.

Ihre Karriere führte die 1977 geborene Politikwissenschaftlerin unter anderem nach Mailand, Oxford und London. Zuletzt war Miriam Ronzoni wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Kolleg-Forschergruppe „Justitia Amplificata (Erweiterte Gerechtigkeit – konkret und global)“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. „Deutschland ist in den letzten Jahren zu einem besonders spannenden Ort für die Politische Theorie geworden“, sagt Miriam Ronzoni.


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ausgezeichnet

Intensiver Neutronenstrahl

Ein US-amerikanischer Forschungspreis geht nach Darmstadt: Im Frühjahr 2012 zeichnete das Los Alamos Neutron Science Center (LANSCE) Professor Markus Roth von der TU Darmstadt mit dem LANSCE Rosen Scholar Fellowship aus. Der Kernphysiker wird damit unter anderem für seine großen Leistungen auf dem Gebiet der Teilchenbeschleunigung mit ultraintensiven Lasern geehrt. Mit dem Preisgeld von 70.000 US-Dollar ging

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Erfolgreicher Gast in den USA: Physik-Professor Markus Roth.

„Unser Neutronenstrahl ist fünfmal energiereicher als der bisherige Rekordhalter – und das, obwohl er nur ein Viertel der Laserenergie seines Vorgängers benötigt.“ Professor Markus Roth, Institut für Kernphysik

Markus Roth im Sommer nach Los Alamos, USA, um dort an einer kompakten Neutronenquelle zu forschen, die von einem Kurzpuls-Laser angetrieben wird. In den USA gelang dem Darmstädter Professor dann der große Coup. Im Projekt TRIDENT erzeugte er mit Kollegen vom LANSCE und von den Sandia National Laboratories den intensivsten Neutronenstrahl, der je von einem Kurzpuls-Laser hervorgebracht wurde. Der bei TRIDENT entwickelte Laser emittiert vier Trillionen Neutronen pro Quadratzentimeter und Sekunde in einem Abstand von einem Zentimeter von der Quelle. „Unser Neutronenstrahl ist fünfmal energiereicher als der bisherige Rekordhalter – und das, obwohl er nur ein Viertel der Laserenergie seines Vorgängers benötigt“, sagt Markus Roth. Das Licht des TRIDENT-Lasers hat eine Intensität von bis zu 200 Trillionen Watt pro Quadratzentimeter. Als Zahl ausgedrückt sind 200 Trillionen eine Zwei mit 20 Nullen. Markus Roths lasergetriebene Neutronenquelle könnte eine neue Ära der Teilchenbeschleunigung einläuten: Die meisten Teilchenbeschleuniger, darunter auch der bekannte Large Hadron Collider (LHC) in Genf, bringen Materie mithilfe von elektrischen oder elektromagnetischen Feldern auf hohe Geschwindigkeiten. Dieser Prozess zieht sich über eine Strecke von mehreren Metern. Der TRIDENTLaser konnte die Beschleunigungsstrecke auf einen Zentimeter verkürzen. So werden Phänomene beobachtbar, die nah an der Neutronenquelle stattfinden und sich sehr schnell verändern. Davon sind nicht nur neue Einsichten in die Natur des Universums zu erwarten. Der Neutronenstrahl könnte außerdem in der Radiologie als Sonde dienen. Mit dem Rekordstrahl lassen sich aber auch Frachtcontainer durchleuchten oder synthetische Materialien untersuchen.


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Große Fördersummen

Fit für die Cloud Beim Cloud Computing sind Speicherkapazitäten und Rechenleistung nicht mehr an den eigenen PC oder Laptop gebunden, sondern werden über ein Netzwerk nach Bedarf zur Verfügung gestellt – gerechnet wird unsichtbar wie in einer Wolke. Diese Idee revolutioniert die IT-Welt. Doch die Softwareprogrammierung muss sich der neuen Herausforderung erst anpassen. Wie das gelingen kann, will die Informatikprofessorin Mira Mezini von der TU Darmstadt in den nächsten Jahren herausfinden. Ihr Forschungsprojekt PACE (Programming Abstractions for Applications in Cloud Environment) finanziert der Europäische Forschungsrat (ERC) mit einem ERC Advanced Grant in Höhe von 2,3 Millionen Euro. Der ERC Advanced Grant ist die höchstdotierte Forschungsförderung der Europäischen Union und wurde erst zum vierten Mal einem deutschen Informatik-Projekt zugesprochen. Ausschlaggebend für die Bewilligung sind die Exzellenz des Forschers und die höchste wissenschaftliche Qualität des Antrags. „Wir brauchen in der SoftwareProgrammierung ganz neue Mechanismen und Strukturen, um die riesige Menge an Daten und deren Beziehungen in der Cloud modellieren und verarbeiten zu können“, sagt Mira Mezini. „Sonst ist die Stabilität und Sicherheit von Software-Systemen nicht mehr gewährleistet.“ Für ihr Projekt wird die gebürtige Albanerin ihre Darmstädter Forschungsgruppe um sieben Wissenschaftler ergänzen.

Überzeugte auf europäischer Ebene: Professorin Mira Mezini.

Mehrfach preisgekrönt Der TU-Informatiker Stefan Roth ist einer von sechs Heinz Maier-Leibnitz-Preisträgern 2012. Mit der Auszeichnung und einem Preisgeld von jeweils 16.000 Euro würdigt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) den exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchs. An Stefan Roth vergab die DFG den Preis für seine Leistungen auf dem Gebiet der automatischen Bildverarbeitung. Der Juniorprofessor erhielt bereits 2011 den mit 50.000 Euro höchstdotierten Wissenschaftspreis der TU Darmstadt, den Adolf-Messer-Preis.

Starke Wechselwirkung 1,5 Millionen Euro fließen in den nächsten Jahren in das neue Projekt STRONGINT von TU-Kernphysiker Achim Schwenk – die höchstmögliche Summe, die der Europäische Forschungsrat (ERC) im Rahmen des Programms „Independent Researcher Grant“ zur Verfügung stellt. STRONGINT („The Strong Interaction at neuron-rich extremes“) soll Aufschluss darüber geben, welche Eigenschaften eine der vier Grundkräfte der Physik, die Starke Wechselwirkung, bei starkem Neutronenüberschuss aufweist.


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Neue Hoffnung

ausgezeichnet

Zum Leuchten bringen Den Schlüssel liegen gelassen, die Geheimzahl vergessen – sind das die ersten Anzeichen von Alzheimer? Im frühen Stadium der Krankheit können das meist weder Patienten noch Ärzte sicher feststellen. Doch abnormale Ablagerungen von Proteinen in Gehirn und Nase geben einen wichtigen Hinweis auf Alzheimer. Deshalb suchte der Chemiker Daniel Kieser von der TU Darmstadt in seiner Dissertation unter 150 Farbstoffen nach einer Substanz, die diese Ablagerungen zum Leuchten bringt. Mit Erfolg: Einer der Stoffe erwies sich in Tests an menschlichem und tierischem Gewebe als geeigneter Marker. Für seine herausragende Dissertation wurde Daniel Kieser mit dem Kurt Ruths-Preis geehrt. Die Auszeichnung ist mit 20.000 Euro dotiert und erinnert an Kurt Ruths, den früheren Sprecher der Geschäftsleitung der Braas-Gruppe. Die Fachbereiche Architektur, Bauingenieurwesen, Geodäsie und Chemie der TU Darmstadt schlagen jährlich exzellente Abschlussarbeiten für den Preis vor.

Erfolg gegen Demenz

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Prämiert: Dr. Daniel Kieser (links) mit Mäzen Dr. Harald Ruths.

Alzheimer ist nicht nur schwer zu diagnostizieren, auch eine wirksame Therapie gibt es bisher nicht. Die Krankheit wird unter anderem durch Proteine verursacht, die verklumpen und dadurch Gehirnzellen absterben lassen. Der renommierte AlzheimerForscher Boris Schmidt von der TU Darmstadt fand heraus, wie dieser Vorgang bei zwei Proteinen aufgehalten werden kann, die entscheidend an der Entstehung von Alzheimer beteiligt sind. Dafür erhielt der Chemieprofessor zusammen mit Professor Thomas Misgeld (TU München) zu gleichen Teilen den Alzheimer-Forschungspreis 2012 der Hans und Ilse Breuer-Stiftung. Die mit insgesamt 100.000 Euro dotierte Auszeichnung honoriert wegweisende Fortschritte im Kampf gegen Demenzerkrankungen. Alzheimer gilt als die häufigste Form von Demenz. Schmidt und sein Team haben Wirkstoffe ausfindig gemacht, die das Verklumpen der Proteine A-beta und Tau hemmen, und jene Stoffe so weiterentwickelt, dass sie nebenwirkungsfrei ins Gehirn gelangen. Die Jury des Alzheimer-Forschungspreises lobte die „bahnbrechenden Entdeckungen“.


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Foto: Thomas Ott

Vereinigung von Freunden der Technischen Universität zu Darmstadt e.V. Die im Jahr 1918 unter dem Namen Ernst-Ludwigs-Hochschulgesellschaft gegründete Vereinigung (derzeit 2.700 Mitglieder) fördert aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Kapitalerträgen die Wissenschaft in Forschung und Lehre an der TU Darmstadt. Sie vergibt Preise in Höhe von jeweils 2.500 Euro für hervorragende wissenschaftliche Leistungen. Im Jahr 2012 gingen diese an Dr. rer. nat. Jan Carsten Ziems, Fachbereich Mathematik, Dr. Beatrice Schuster, Fachbereich Physik, und Dipl.-Ing. Volker Schmidts, Fachbereich Chemie. Seit 1948 hat die Vereinigung der TU Darmstadt für die För-

Werden auch Sie zum Wohle unserer Darmstädter Alma Mater Mitglied in der Vereinigung von Freunden der Technischen Universität zu Darmstadt e.V.

derung von Forschung und Lehre insgesamt gut zehn Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Im Jahr 2012 erhielten die Fachbereiche insgesamt knapp 170.000 Euro zur Anschaffung von Büchern, Geräten und Datenverarbeitungseinrichtungen. Seit 2012 beteiligt sich die Vereinigung am Deutschlandstipendium und unterstützt so jährlich zwei Studierende. Mit einer Spende der Firma Evonik Röhm GmbH hat die Vereinigung im Jahr 2012 die Forschung am Clemens-SchöpfInstitut an der TU Darmstadt entscheidend gefördert. In Zusammenarbeit mit der Alumni-

Organisation der TU Darmstadt bietet die Vereinigung ehemaligen TU-Angehörigen die Möglichkeit, mit ihrer Ausbildungsund Arbeitsstätte in Kontakt zu bleiben mit individuell zugeschnittenen Wiedersehenstreffen und Campusführungen, Führungen in der neuen Universitäts- und Landesbibliothek, Hörsaalbesichtigungen, Treffen mit dem ehemaligen Fachbereich und vielem mehr. Die Mitglieder haben die Möglichkeit, einen Internetzugang am Hochschulrechenzentrum zu beantragen und erhalten einen vergünstigten Eintritt in das Hochschulbad und -stadion.

Geschäftsstelle: Rundeturmstraße 10 64283 Darmstadt Telefon 06151/16-4144 Fax 06151/16-4246 E-Mail: info@freunde.tu-darmstadt.de www.freunde.tu-darmstadt.de

Eine weitere wichtige Aufgabe der Vereinigung ist die Verwaltung von Stiftungen. Zum Beispiel werden aus der Punga-Stiftung bedürftige und erkrankte Studierende während des Abschlusses ihres Studiums unterstützt. Spenden, die für Fachbereiche, Institute und Fachgebiete der TU Darmstadt vorgesehen sind, werden ebenso von der Vereinigung verwaltet. Die Vereinigung dankt ihren Mitgliedern für ihre Jahresbeiträge und ihren Spendern, die es ihr ermöglichen, die Aufgaben in bewährter Form zu erfüllen.


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Alumni in Unternehmen

ausgezeichnet

Für eine enge Verknüpfung von Wissenschaft und Arbeitswelt hat Wolfgang Schäfer-Klug immer gekämpft. Mit seiner Biografie steht der TU-Alumnus exemplarisch dafür: Seit Januar 2012 ist der promovierte Sozialwissenschaftler Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der Adam Opel AG. Wolfgang Schäfer-Klug war 2010 in den Betriebsrat des Rüsselsheimer Automobilherstellers gewählt worden. Als Vorsitzender will er sich laut der Zeitschrift „Wirtschaftswoche“ von dem Motto „So viel Kooperation wie möglich, so viel Konflikt wie nötig“ leiten lassen. Geboren und aufgewachsen in Darmstadt, blieb Wolfgang Schäfer-Klug dem Rhein-Main-Gebiet treu: Er studierte zunächst von 1983 bis 1990 Politikwissenschaft, Soziologie und Öffentliches Recht an der TU Darmstadt. Im Anschluss promovierte er bis 1999 als Stipendiat des Landes Hessen und der FriedrichEbert-Stiftung am Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften der TU. Während er an seiner Doktorarbeit über ein verkehrspolitisches Thema schrieb, baute er im Modellprojekt „Kooperation Hochschule – Gewerkschaften in der Region Starkenburg-Südhessen“ die Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt auf. Vertritt Interessen von Beschäftigten: Wolfgang Schäfer-Klug.

Zurück zu den Wurzeln Das Alumni-Netzwerk-Fest der TU Darmstadt brachte am 25. September 2012 ehemalige Studierende und Wissenschaftler für einen Tag wieder an die Universität. TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Nach einer Besichtigung der Prozesslernfabrik wurden die rund 50 Gäste im Georg-Christoph-Lichtenberg-Haus empfangen. In dem historischen Gebäude erwarteten sie ein Festessen, Jazz-Musik von Musikern der TU-Big-Band und jede Menge Gelegenheit zum Austausch.

Nach seinem Abschluss übernahm Wolfgang SchäferKlug die Leitung der Kooperationsstelle und wurde zudem Referent des Gesamtbetriebsrats von Opel. In den folgenden Jahren setzte sich der Sozialdemokrat vor allem für länderübergreifende Belange von Arbeitnehmern ein wie zum Beispiel für die Gründung eines internationalen Gewerkschaftsnetzwerks von General Motors.


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Interview Erfolg durch Glück und Hingabe

Auch in der Chefetage denkt Hermann Jung noch gern an seine Studienzeit zurück. Der promovierte Wirtschaftsingenieur ist Konzern-Geschäftsführer der international agierenden Voith GmbH. Das Familienunternehmen mit Sitz in Heidenheim beschäftigt über 40.000 Mitarbeiter in mehr als 50 Ländern. Studiert hat Hermann Jung von 1975 bis 1981 an der TU Darmstadt. Herr Jung, welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrem Studium?

Ich denke an einen vollen, anspruchsvollen Stundenplan, aber auch an den Beginn wertvoller Freundschaften, die bis heute gehalten haben. Alles in allem war es eine wunderbare

Gut beraten: TU-Alumnus Carsten Kratz.

Zeit, in der man sich vorwiegend aufs Lernen konzentrieren konnte. Dafür wünscht man sich im späteren Berufsleben oft mehr Zeit. Was ist das Geheimnis hinter Ihrem beruflichen Erfolg?

Da sehe ich kein Geheimnis, sondern die Gunst und das Glück, ein Arbeitsumfeld zu finden, das immer wieder neue anspruchsvolle Herausforderungen zur persönlichen Weiterentwicklung bereithält. Persönliche Erfüllung und Freude an der Bewältigung des beruflichen Aufgabenspektrums halte ich für entscheidend. Am wichtigsten ist jedoch höchstes persönliches Engagement für die Arbeit.

An der Berater-Spitze Die Kundenliste von Carsten Kratz liest sich wie das Who-is-who der deutschen Industriekonzerne. Im Dezember 2012 ernannte die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) den TU-Alumnus zum Vorsitzenden des Managementteams in Deutschland und Österreich. Carsten Kratz hat seinen gesamten beruflichen Weg bei BCG zurückgelegt. Nach dem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an der TU Darmstadt mit Schwerpunkt Elektrotechnik startete er 1990 seine Karriere in dem Beratungsunternehmen. Von 1999 bis 2006 war er Leiter der Praxisgruppe Technology, Media & Communications in Deutschland. Danach stieg er ins Managementteam auf. Die Karriere hat TU-Alumnus Kratz schon während seiner Studienzeit vorbereitet. „Ich habe zügig und mit guten Noten an einer Top-Uni studiert.“ Semesterferien habe er immer für Praktika genutzt. Heute berät der zweifache Familienvater große Industriekonzerne und pendelt zwischen seinen Büros in Frankfurt und München.


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ausgezeichnet

Studieren ohne Geldnot

Eine Studienunterstützung von 300 Euro im Monat, die jeweils zur Hälfte vom Bund und von privaten Geldgebern getragen wird – das ist die Idee hinter dem Deutschlandstipendium. Die TU Darmstadt konnte die Förderung im Jahr 2012 an 228 begabte Studierende vergeben. Essen Damit stieg die Anzahl der Deutschlandstipendiaten an der TU im Vergleich zum Vorjahr um das Zweieinhalbfache. Die TU Darmstadt Leverkusen 33 zählt zu den bundesweit zehn erfolgreichsten Hochschulen beim Einwerben der Stipendien.

Gütersloh

18 19

Gummersbach

Bebra

11

Limburg Bonn

„Wir sind stolz, dass sich an unserer Universität die Stifter- und Förderkultur so kräftig fortentwickelt. 95 Prozent der Förderer aus dem Jahr 2011 entschieden sich auch 2012 wieder, ein Deutschlandstipendium mitzufinanzieren.“ Prof. Dr. Holger Hanselka, Vizepräsident der TU Darmstadt

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

36

14

22

Dillingen 1

16 37

Ehningen

27

Stuttgart


99

„Bis zum vergangenen Jahr habe ich mein Studium vollständig durch BAföG, Kindergeld und zahlreiche Nebenjobs finanziert. Es macht mich und meine Eltern, die selbst nicht studiert haben, stolz, dass ich zu den ersten Deutschlandstipendiaten der TU Darmstadt gehöre.“

Berlin 3

13 40

Gelnhausen

Frankfurt

Wiesbaden 17 42

24 12 Hanau 2 28 32 15 Dietzenbach

34

Kelsterbach

7

Ingelheim

23

21

Sina Hahn, Studentin der Biologie

29 Stockstadt

Heusenstamm Darmstadt 12 Mühltal 5

20 26 30 31 35 39 41 44

9

8

Zwingenberg

Ludwigshafen

4 6

43

Breuberg

38

Mannheim

München 18

1

AG der Dillinger Hüttenwerke

19 FERCHAU Engineering GmbH

2

Anbo Aufzugsnotfallbox

20 Förderverein der Freunde des Instituts für Geotechnik

3

Atotech Deutschland GmbH

4

BASF SE

5

Beirat des TU Darmstadt Energy Center e.V.

6

Bilfinger SE

7

Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co.KG

23 Heinrich Sauer & Josef Schmidt Stiftung

8

BRAIN Biotechnology Research and Information Network AG

24 Heraeus Holding GmbH

9

Carlo und Karin Giersch-Stiftung an der TU Darmstadt

an der TU Darmstadt

21 GFP, Goldschmidt + Fischer, Dipl. Ing. Projektmanagementgesellschaft mbH

22 Harmonic Drive AG

25 HPP Harnischfeger, Pietsch & Partner GmbH

10 Clariant Produkte (Deutschland) GmbH

26 Hottinger Baldwin Messtechnik GmbH

11 Continental Automotive GmbH

27 IBM Deutschland GmbH

12 DATRON AG

28 Ingenieursozietät Professor Dr.- Ing. Katzenbach GmbH

13 DB Mobility Logistics AG

29 Inro Elektrotechnik GmbH

14 Deutsche Telekom AG

30 ISRA VISION AG

15 Dimetis GmbH

31 Jakob Wilhelm Mengler-Stiftung

16 Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

32 KHP König und Heunisch Planungsgesellschaft mbH & Co.KG

Feierlicher Rahmen:

17 Eckelmann AG

33 LANXESS Deutschland GmbH

Studierende nach der

18 Evonik Industries AG

34 Lufthansa Systems AG

Stipendien-Übergabe.

35 Merck KGaA 36 Miele & Cie. KG 37 Robert Bosch GmbH 38 Roche Diagnostics GmbH 39 SCHENCK RoTec GmbH

„Wir unterstützen das Deutschlandstipendium an der TU Darmstadt, denn es bietet uns die Möglichkeit, talentierte Studierende frühzeitig kennenzulernen und auf die BASF als attraktiven Arbeitgeber aufmerksam zu machen.“ Margret Suckale, Vorstandsmitglied der BASF SE

40 Siemens AG 41 Sparkasse Darmstadt, Anstalt des öffentlichen Rechts 42 Studienstiftung Hessischer Ingenieure (IngSH) 43 Trelleborg Automotive Germany GmbH – A company of the Trelleborg Vibracoustic Group

44 Vereinigung von Freunden der Technischen Universität zu Darmstadt e.V.


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Kultur des Gebens

ausgezeichnet

Stiften in der Chemie Hier kennt man das Glück des Gebens: Die TU Darmstadt schaut zurück auf eine lange Tradition des Mäzenatentums. Besonders viele gestiftete Preise werden im Fachbereich Chemie vergeben. Zu den wichtigsten Auszeichnungen für erfolgreiche TU-Chemiker zählen der Dissertationspreis der Familie Bottling-Stiftung, der Anton-Keller-Preis und der Alarich-Weiss-Preis. 2007 kamen die Nachkommen der Stifterfamilie Bottling auf die Idee, gezielt Chemiestudierende zu fördern. Das war die Geburtsstunde des mit 3.000 Euro dotierten Dissertationspreises. Aussicht auf die Auszeichnung hat, wer seine Promotion mit „summa cum laude“ abgeschlossen hat. Die Stiftung unterstützt darüber hinaus die Absolventenfeiern des Fachbereichs. Zum Ende des Sommersemesters wird dort jedes Jahr der Dissertationspreis verliehen – öffentliche Anerkennung gibt es zum Preisgeld noch dazu. 2012 kam Thomas Hermann in diesen Genuss. Er hatte eine hervorragende Doktorarbeit auf dem Gebiet der Hochdruck-Polymerisation vorgelegt.

Adolf-Messer-Preisträger im Jahr 2012: Dr. Stefan Breuer.

Höchstdotiert

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Adolf Messer gründete 1898 in Höchst am Main die Firma Messer, die sich mit der Produktion von Acetylenentwicklern beschäftigte. Sein Interesse für Acetylenbeleuchtungen war durch Vorlesungen in Darmstadt geweckt worden. Er entwickelte Sicherheitskomponenten für Acetylenentwickler, für die er 1902 und 1903 seine ersten Patente erhielt. Heute ist die Messer Gruppe das weltgrößte Familienunternehmen für Industriegase und vergibt mit dem Adolf-Messer-Preis jährlich die höchstdotierte Auszeichnung (50.000 Euro) an Wissenschaftler der TU Darmstadt. Im Jahr 2012 ging sie an Dr. Stefan Breuer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Physik, für seine grundlagenorientierte Forschung zu Halbleiterlaserquellen.

Dank des Anton-Keller-Preises können auch schon Bachelorabsolventen zu Ruhm gelangen. Der Preis wird jährlich an rund sechs bis acht Nachwuchschemiker der TU vergeben, deren Abschlussarbeit mit einer Note von 1,0 bis 1,5 bewertet wurde. Der Stifter des Preises, Anton Keller, war ein Hamburger Unternehmer. Als er 1928 verstarb, vermachte er sein gesamtes Vermögen der Technischen Hochschule Darmstadt. Über die Vergabe des traditionsreichen Preises (Preisgeld: rund 700 bis 1.000 Euro) entscheidet eine Kommission aus dem Fachbereich. Für den Alarich-Weiss-Preis wurden Studierende selbst zu Mäzenen. Anlässlich seines 70. Geburtstags stifteten die Studierenden von Alarich Weiss, der von 1970 bis 1993 Professor für Physikalische Chemie in Darmstadt war, die Auszeichnung. Der Preis prämiert jährlich eine herausragende Abschlussarbeit im Fach Chemie. 2012 wurde Matthias Möller für seine Diplomarbeit auf dem Gebiet der anorganischen Festkörperchemie geehrt.


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Sehr nachhaltig

Grundlagen des Umweltschutzes Dass es in Zukunft darauf ankommen wird, nachhaltig und umweltfreundlich zu produzieren, erkannten Fritz und Margot Faudi schon in den 1950er Jahren. Damals entschieden sich der Ingenieur und seine Ehefrau, einen Teil ihres Erbes in die Grundlagenforschung an der Technischen Hochschule Darmstadt zu investieren – speziell in „Methoden der Reinhaltung von Boden, Luft und Wasser, die Entwicklung umweltfreundlicher Produktionsmethoden (integrierter Umweltschutz) sowie die Entwicklung umweltfreundlicher Energien“. Seit 1972 ist die Fritz und Margot Faudi-Stiftung mit dieser Mission in Darmstadt aktiv. 2012 verzeichnete die Stiftung in einer Bilanz 86 geförderte Projekte mit einem Gesamtfördervolumen von etwa sieben Millionen Euro. Das Stiftungsvermögen ist auf rund zehn Millionen Euro angewachsen, von denen jedes Jahr rund 250.000 bis 300.000 Euro in Forschungsvorhaben der TU Darmstadt fließen.

Vielen Ingenieuren und Ingenieurinnen der TU mit dem Fokus auf nachhaltige Technologien ermöglichte die Stiftung durch ihre Anschubfinanzierung erste Schritte in einem neuen Forschungsprojekt. Die TU Darmstadt profitiert noch auf andere Art von dem langjährigen Engagement: Zum Jubiläum rief die Fritz und Margot Faudi-Stiftung einen neuen Preis ins Leben. Eine mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung soll herausragende Forschungsleistungen von TU-Professoren künftig besser sichtbar machen. Zum ersten Preisträger wurde im Juni 2012 der Maschinenbau-Professor Andreas Dreizler gekürt. Seine Forschung zu Verbrennungsprozessen trägt zur Reinhaltung der Luft bei.

Ehre für einen Verfolgten In Gedenken an Gerhard Herzberg (1904–1999) trägt ein neuer Hörsaal der TU Darmstadt den Namen des Physikers, der während der Nazi-Herrschaft aus Deutschland vertrieben wurde. Die

„Das Ehepaar Faudi war in vielerlei Hinsicht seiner Zeit weit voraus“, sagte TU-Präsident Hans Jürgen Prömel anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Fritz und Margot Faudi-Stiftung. „Zum einen natürlich durch die Themenwahl, zum anderen durch die Gründung einer Stiftung für die Wissenschaft.“

Technische Hochschule Darmstadt entließ ihn 1935, weil er mit seiner jüdischen Kollegin Luise Oettinger verheiratet war. Das Ehepaar flüchtete im selben Jahr nach Kanada. Herzberg ging an die Universität Saskatchewan, später forschte er in Chicago und Ottawa. Für seine Arbeiten zur elektronischen Struktur von freien Radikalen erhielt er 1971 den Nobelpreis für Chemie.

Im Mittelpunkt: Professor Andreas Dreizler.


102

ausgezeichnet

Ein großzügiges Paar

Die Fachbereichs-Preisträger des Athene-Preises für Gute Lehre 2012, dotiert mit je 2.000 Euro: Prof. Meinrad Morger (Architektur), Prof. Dr.-Ing. Charalampos Tsakmakis (Bauingenieurwesen und Geodäsie), Prof. Dr. Gerhard Thiel (Biologie), PD Dr. Stefan Immel (Chemie), Prof. Dr.-Ing. Hans Eveking (Elektrotechnik und Informationstechnik), Dr. Birte Förster (Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften), Dipl.-Psych. Mara Gerich, Dipl.-Psych. Monika Trittel (Humanwissenschaften), Prof. Dr. Karsten Weihe, Dr.-Ing. Michael Eichberg (Informatik), Prof. Dr. Reiner Anderl (Maschinenbau), Prof. Dr. Wolfgang Donner, Prof. Dr. Wolfgang Ensinger (Material- und Geowissenschaften), Prof. Dr. Burkhard Kümmerer (Mathematik), PD Dr. Michael Buballa (Physik), Prof. Dr. Oliver Hinz (Rechtsund Wirtschaftswissenschaften). Hoch engagiert: Carlo Giersch (2. von links) und Karin Giersch.

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Die Carlo und Karin Giersch-Stiftung leistet seit 1990 wichtige Arbeit an der TU Darmstadt. In den letzten zehn Jahren stiftete das Unternehmerpaar unter anderem drei bedeutende Auszeichnungen: den mit 12.000 Euro dotierten E-Teaching Award, den „Athene-Preis für Gute Lehre“ mit einem Preisgeld von insgesamt 40.000 Euro sowie den „FranziskaBraun-Preis“ für die Förderung von Frauen an der TU mit einem Preisgeld von 25.000 Euro. Weitere Schwerpunkte der Stiftungsaktivität liegen in den Bereichen Existenzgründung und Internationalisierung. Ohne das Engagement von Carlo und Karin Giersch wären die Entwicklung des Technologie- und Innovationszentrums Darmstadt (TIZ) sowie die Einrichtung eines Austauschprogramms zwischen der TU und der University of Florida in Gainsville nicht möglich gewesen. Eine Feierstunde, die ganz im Zeichen des Zurückgebens stand – damit ehrte die TU Darmstadt den einflussreichen Stifter anlässlich seines 75. Geburtstags im Juni 2012. TU-Präsident Hans Jürgen Prömel und Jürgen Heraeus, langjähriges Mitglied des TU-Hochschulrats, lobten Carlo Giersch als „überaus großzügig“ und „für die Ziele der Universität begeistert“. Als Symbol seiner Verbundenheit mit Darmstadt schenkte die TU ihrem Frankfurter Gönner ein Faksimile einer 250 Jahre alten Originalhandschrift des Darmstädter Goethe-Verlegers Johann Heinrich Merck aus dem Bestand der Universitäts- und Landesbibliothek.

Hauptpreis: Prof. Dr. Karsten Weihe, Dr.-Ing. Michael Eichberg (Informatik) für das Bachelor-Praktikum „Professionelle Entwicklung von Software“ und das Master-Praktikum „Teamleiter“ (2.000 Euro). Sonderpreis Interdisziplinäre Lehre: Dipl.-Ing. Michiko Bach, Dipl.-Ing. Mario Tvrtkovic (Architektur) für den interdisziplinären Workshop „Stadttypologie – Nachbarschaften“ für Studierende der TU Darmstadt und der Universität Frankfurt am Main (3.000 Euro). Sonderpreis Studienprojekte: Arbeitsgruppe Planen, Entwerfen und Konstruieren (PEK) (Bauingenieurwesen und Geodäsie) für das Engagement für das Projektstudium im ersten Semester (3.000 Euro). Sonderpreis Lehramt MINT: Dipl.-Psych. Mara Gerich, Dipl.Psych. Monika Trittel (Humanwissenschaften) für Konzept und Realisierung von Seminaren zum Thema „Pädagogische Diagnostik und Beratung für Lehramtsstudierende“ (3.000 Euro). Sonderpreis für Gender-sensible und Diversity-gerechte Lehre: Dipl.-Psych. Stefanie Wening, Mag. rer. nat. Anna Bruns, Prof. Dr. Nina Keith (Humanwissenschaften) für die Konzeption

und Realisierung des Seminars „Ausgewählte Themen der Sozialpsychologie – Gender“ (3.000 Euro). Preisträger des „E-Teaching-Award 2012“, dotiert mit 9.000 Euro: Dipl.-Psych. Henrik Bellhäuser (Arbeitsgruppe Pädagogische Psychologie) für sein „Online-Selbstregulationstraining für den Vorkurs Mathematik“. Eine Auszeichnung in Höhe von 2.000 Euro: Dr. Guido Rößling (Informatik). Eine mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung: Prof. Dr. Alexander Benlian (Rechts- und Wirtschaftswissenschaften).


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Hervorragend

Gerhard Herzberg-Preise in der Physik: DissertationsForschungspreise an Dr. Martin Blazek und Dr. Beatrice Schuster; M.Sc.-Forschungspreis an Patric Ackermann, B.Sc.-Studienpreis an Kirill Boguslavski, Auszeichnung für besonderen Einsatz in der Lehre an Lotta Heckmann und Daniel Nowakowski. Otto-Bartning-Förderpreis für Architektur: Dipl.-Ing. Franziska Hartmann (1.000 Euro). Bilfinger-Preise im Fachbereich Bauingenieurwesen und Geodäsie: Sebastian Dietz, Solenne Rochée, Lukas Stallmeister (je 1.000 Euro). Jovanka-Bontschits-Preis im Fachbereich Material- und Geowissenschaften: Julia Glaum, Kirsten Lieke (je 1.000 Euro für ihre Dissertationen), Anja Schneikart, Barbara Breuer (je 500 Euro für ihre Diplomarbeiten). August-Euler-Luftfahrtpreis für Stefan Kollmeier (2.500 Euro), dessen Studienarbeit am Institut für Flugsysteme und Regelungstechnik zum Thema „Untersuchung zur Treibstoffeffizienz von Airline Netzwerken“ entstand. Preise der Darmstädter Stiftung für Technologietransfer an Johannes Stegner, Rainer Seehaus, Professor Ingo Sass, Fachgebiet Angewandte Geothermie (10.000 Euro) für die Entwicklung eines Messgeräts zur Erfassung von ErdwärmePotenzialen, an Professorin Franziska Lang, Fachbereich Architektur, für ein Verfahren zur Darstellung hochkontrastierender digitaler Bilder in Exponaten (12.000 Euro), an Erik Nowak, Fachbereich Maschinenbau (1.000 Euro) und Jerome Kirchhoff, Fachbereich Informatik (1.000 Euro). Georg-Donges-Förderpreis an Dr.-Ing. Matthias Kaffenberger, Sergei Fominow, Fachbereich Bauingenieurwesen und Geodäsie, und Steffen Baumgärtner, Fachbereich Architektur

Lange Liste der Förderer der TU Darmstadt.

(je 2.000 Euro). Jakob Wilhelm Mengler-Preis für Architektur an Constanze Gräff, Dennis Knabe und Thomas Moder, (je 1.500 Euro). Datenlotsen-Preis an Stefan Henß, Stefanie Roos, Fachbereich Informatik (je 2.500 Euro). ISRA Machine Vision Preis an Lukas Klodt, Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik (2.000 Euro) und Jürgen Hahn, Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik (2.500 Euro). Lotte-Köhler-Studienpreis für Jan Doser, Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften (2.000 Euro) und Thomas Lösch, Fachbereich Humanwissenschaften (2.500 Euro). Heinrich und Margarete Liebig-Preis für Lukas Brunert, Fachbereich Bauingenieurwesen und Geodäsie (2.000 Euro). Die Karl und Marie Schack-Stiftung fördert vorbildliche Projekte in den Natur- und Technikwissenschaften an der TU Darmstadt.

Die Erich-Becker-Stiftung fördert wissenschaftliche Arbeiten zum Luftverkehr. Zusätzlich schreibt die Stiftung in unregelmäßigen Abständen einen mit 15.000 Euro dotierten Stiftungspreis aus. Die Stiftung Städte für Menschen, 2005 von Rüdiger Wiechers ins Leben gerufen, fördert jährlich mit rund 10.000 Euro Projekte an der TU Darmstadt zu Wohn- und Stadtarchitektur sowie der Stadtplanung. Der Förderverein der Odenwald-Akademie hat einen Preis zur Förderung von Forschung und Lehre an der TU Darmstadt gestiftet. Der mit 2.500 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahre für Master-Abschlussarbeiten vergeben und richtet sich an Studierende, die sich mit hervorragenden Leistungen auf innovativen Gebieten wie Energie, IT oder Mobilität hervortun. Zugleich sollen die Arbeiten einen Bezug zum Odenwaldkreis aufweisen.


104

ausgezeichnet

Hoch geachtet

Erster Präsident der TH Darmstadt: Professor Helmut Böhme (1936–2012).

Abschied von einer großen Persönlichkeit

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Die Universität trauert um Professor Helmut Böhme. Der erste Präsident der Technischen Hochschule Darmstadt verstarb am 29. Dezember 2012 im Alter von 76 Jahren. In seiner Amtszeit von 1971 bis 1995 prägte er die Universität wie niemand vor ihm – visionär und pragmatisch zugleich. Vieles von dem,

was die TU Darmstadt heute auszeichnet – gelebte Interdisziplinarität, ein prägnantes Forschungsprofil, ein enges Netz an internationalen Beziehungen – ist ihm zu verdanken. Eine große Persönlichkeit mit Charisma und feinem politischen Fingerspitzengefühl ist von uns gegangen.


105

Lob und Preis

Dr. Heni Ben Amor, Fachgebiet Intelligente Autonome Systeme, Fachbereich Informatik: Stipendium der Daimler und Benz Stiftung für zwei Jahre. Jährliche Fördersumme: 20.000 Euro. Stefan Henß, Masterstudent am Fachbereich Informatik: Automated Student Assessment Prize der William and Flora Hewlett Foundation gemeinsam mit zwei Teamkollegen (60.000 US-Dollar). Dr.-Ing. Sascha Schnepp, Graduate School of Computational Engineering: Feodor Lynen-Forschungsstipendium für Postdoktoranden der Alexander von Humboldt-Stiftung. Prof. Dr. Johannes Buchmann, Fachbereich Informatik und Vizedirektor von CASED: Tsungming Tu – Alexander von Humboldt Research Award des taiwanesischen Wissenschaftsrats (75.000 US-Dollar). Fachgebiet Entwerfen und Energieeffizientes Bauen, Fachbereich Architektur: 1. Preis im Wettbewerb „Effizienzhaus Plus im Altbau 2012“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (25.000 Euro). Prof. Dr. Hartmut Fueß, Fachbereich Material- und Geowissenschaften: Max Perutz Prize der Europäischen Kristallographenvereinigung (5.000 Euro). Dr. Thomas Schneider, Claude Shannon Fellow des European Centers for Security and Privacy by Design (EC SPRIDE) am Fachbereich Informatik: Intel Early Career Faculty Honor Program Award (35.000 US-Dollar). Prof. Dr. Hermann Winner, Fachgebiet Fahrzeugtechnik, Fachbereich Maschinenbau: Institutional Lead Award der IEEE Intelligent Transportation Systems. Prof. Dr. Karlheinz Langanke, Fachbereich Physik, LiseMeitner-Prize for Nuclear Science der European Physical Society gemeinsam mit Friedrich-Karl Thielemann, Basel (2.500 Euro). Prof. Dr. Gerhard M. Sessler, Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik: IEEE/RSE Wolfson James Clerk Maxwell Award (20.000 US-Dollar). Dr.-Ing. Jochen Henkel, Institut WAR, Fachbereich Bauingenieurwesen und Geodäsie: Karl-Imhoff-Preis der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (5.000 Euro). Prof. Dr.-Ing. Peter Stephan, Institut für Technische Thermodynamik, Fachbereich Maschinenbau: Nukiyama Memorial Award der Heat Transfer Society of Japan (5.000 Euro).

Mit BWL in der ersten Liga Laut „Handelsblatt“-Ranking ist die betriebswirtschaftliche Forschung an der TU Darmstadt im Vergleich zu anderen Hochschulen im deutschsprachigen Raum sehr gut aufgestellt. Bei den „Top 100 Forschern unter 40 Jahren“ schafften es zwei TU-Professoren in die Top Ten: Malte Fliedner erreichte Platz 6, Christoph Glock Platz 8. Gemessen an der Bezugsgröße „Aktuelle Forschungsleistung seit 2008“ rückten sechs Mitglieder des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften in die Top 100 ein. Das Ranking basiert auf einer Evaluation der Forschungsleistungen von 2.224 Betriebswirten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Ehrenamtlich engagiert Gahelle Corine Ngahan Tchouga ist mit dem DAAD-Preis für internationale Studierende 2012 ausgezeichnet worden. Die TU-Studentin erhält den Preis (1.000 Euro) für ihr besonderes, größtenteils ehrenamtliches Engagement für internationale Studierende. Sie organisiert beim World University Service entwicklungspolitische Seminare und Praktika, sie arbeitet als Tutorin bei einem Projekt des Studentenwerks Darmstadt und der TU Darmstadt, um die Beratung von internationalen Studierenden zu verbessern. Im Akademischen Auslandsamt der TU Darmstadt betreut sie zudem internationale Studierende und organisiert Veranstaltungen des Café International. Die junge Frau und alleinerziehende Mutter eines dreijährigen Sohns ist ehrenamtliches Kommissionsmitglied der Stipendienkommission für die „Finanzielle Förderung Internationaler Studierender“. Bei der Evangelischen Studierendengemeinde Darmstadt organisiert sie Veranstaltungen, arbeitet in der Öffentlichkeitsarbeit und plant und betreut Studienreisen in ihr Geburtsland Kamerun. Sie studiert im Bachelorstudiengang Politikwissenschaften an der TU Darmstadt. Nach ihrem Bachelorabschluss plant sie, ein Masterstudium im Bereich Governance oder Friedens- und Konfliktforschung anzuschließen.


106

ausgezeichnet

Stiftungsprofessuren

NATURpur Institut für Klima- und Umweltschutz:

Deutsche Bahn Mobility Logistics AG: Stiftungsjunior-

Stiftungsprofessur Angewandte Geothermie im Fachbereich

professur BWL Logistikplanung und Informationssysteme

Material- und Geowissenschaften, Professor Ingo Sass

im Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften

Deutsche Bahn Regio: Stiftungsprofessur Bahnsysteme und

Goldbeck-Stiftung: Stiftungsprofessur Entwerfen und

Bahntechnik im Fachbereich Bauingenieurwesen und Geodäsie,

Nachhaltiges Bauen im Fachbereich Architektur

Professor Andreas Oetting

Carlo und Karin Giersch-Stiftung: Carlo und Karin Giersch-

Stifterkreis Audi, Automotive Lighting, BMW, Daimler,

Stiftungsprofessur BWL Industrielles Management im

Hella, Koito Manufacturing, Odelo, Opel, Osram, Philips,

Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Prof. Dr.

Valeo Eclairage Signalisation, Zizala Lichtsysteme:

Christoph Glock

Stiftungsprofessur Lichttechnik im Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik, Professor Tran Quoc Khanh Horst Görtz Stiftung: Horst Görtz-Stiftungsprofessur IT-Sicherheit mit dem Schwerpunkt Security Engineering im Fachbereich Informatik, Professor Stefan Katzenbeisser Hessen Metall: Hessen Metall-Stiftungsjuniorprofessur Cluster

Neue Stiftungsprofessur

& Wertschöpfungsmanagement im Fachbereich Rechts- und

Die Carlo und Karin Giersch-Stiftung an der TU Darmstadt hat die neue Professur „Betriebswirtschaftslehre – Industrielles Management“ gestiftet. Erster Inhaber des Stiftungslehrstuhls ist der Wirtschaftswissenschaftler Christoph Glock. Er wird neben seinen Hauptgebieten Industrial Management und Supply Chain Management auch Unternehmensethik vermitteln – ein Thema, das den Stiftern Carlo und Karin Giersch besonders am Herzen liegt.

Wirtschaftswissenschaften, Jun.-Prof. Dr. Alexander Bode Wella Stiftung: Wella-Stiftungsprofessur Mode und Ästhetik im Fachbereich Humanwissenschaften, Prof. Dr. Alexandra Karentzos Deutsche Bahn Mobility Logistics AG: Stiftungsjuniorprofessur BWL Multimodalität und Technik im Fachbereich

TU Darmstadt Fortschrittsbericht 2012

Rechts- und Wirtschaftswissenschaften

Professor Christoph Glock.


107

Daten und Fakten

Neue Professorinnen und Professoren Name

kommt von

Fachbereich

Prof. Dr. Alexander Benlian

Universität München

Rechts- und Wirtschaftswissenschaften

Prof. Dr. Malte Fliedner

Universität Jena

Rechts- und Wirtschaftswissenschaften

Prof. Dr. Christoph Glock

Universität Würzburg

Rechts- und Wirtschaftswissenschaften

Prof. Dr. Petra Grell

Universität Potsdam

Humanwissenschaften

Prof. Dr. Birgit Ziegler

Universität Paderborn

Humanwissenschaften

Prof. Dr. Volker Betz

University of Warwick

Mathematik

Prof. Dr. Herbert Egger

TU Chemnitz

Mathematik

Prof. Dr. Marc Pfetsch

TU Braunschweig

Mathematik

Prof. Dr. Wilfried Nörtershäuser

Universität Mainz/GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung

Physik

Prof. Dr. Beatrix Süß

Goethe-Universität Frankfurt

Biologie

Prof. Dr.-Ing. Oliver Gutfleisch

IFW Dresden

Material- und Geowissenschaften

Prof. Dr. Andreas Henk

Universität Freiburg

Material- und Geowissenschaften

Prof. Dr. Christina Trautmann

GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung

Material- und Geowissenschaften

Prof. Elli Mosayebi

Edelaar Mosayebi Inderbitzin Architekten AG ETH SIA, Zürich

Architektur

Prof. Dr.-Ing. Joachim Metternich

KNORR-Bremse Systeme für Schienenfahrzeuge GmbH, München

Maschinenbau

Prof. Dr. Christian Hochberger

TU Dresden

Elektrotechnik und Informationstechnik

Prof. Dr. Ulf Brefeld

Universität Bonn

Informatik

Neue Juniorprofessuren Name

kommt von

Fachbereich

Prof. Dr. Irwin Yousept

TU Berlin

Mathematik

Prof. Ph. D. Marina Petri

Lawrence Berkeley National Laboratory, USA

Physik

Prof. Dr. Jens Braun

Universität Jena

Physik

Prof. Dr. Almudena Arcones

TU Darmstadt/GSI Helmholzzentrum für Schwerionenforschung

Physik

Prof. Dr. Tetyana Galatyuk

TU Darmstadt/GSI Helmholzzentrum für Schwerionenforschung

Physik

Prof. Dr. Sebastian Schöps

Universität Wuppertal

Elektrotechnik und Informationstechnik

Prof. Dr. Melanie Volkamer

TU Darmstadt

Informatik

Neue außerplanmäßige Professuren

Neue Honorarprofessuren

Fachbereich

Name

Fachbereich

Prof. Dr. Volkhard Huth

Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften

Dr. Gisela Taucher-Scholz

Biologie

PD Dr. Walter Mühlhausen

Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften

PD Dr. Harald Neudorfer

Elektrotechnik und Informationstechnik

Dr. Priska Jahnke

Mathematik

Dr. Johannes Jehle

Biologie

PD Dr. Martin Ebert

Material- und Geowissenschaften

Dr. Volker Ebert

Maschinenbau

Name


108 Impressum

Herausgeber Präsident der TU Darmstadt Karolinenplatz 5 64289 Darmstadt Redaktion Jörg Feuck Leiter Stabsstelle Kommunikation+Medien der TU Darmstadt

Fortschrittsbericht 2011

Text TU Darmstadt, Trio MedienService Bonn Bildredaktion Patrick Bal Fotos Alex Becker (2), Patrick Bal (4), Katrin Binner (33), Center of Smart Interfaces, Jan Ehlers (5), Felipe Fernandes (15), Axel Giesch/MPG München, Paul Glogowski (3), GM Company, Roman Grösser, Miguel Hahn (3), Chris Hartung (6), Nikolaus Heiss (2), Heidelberger Druckmaschinen AG, TU-Institut für Mikrowellentechnik und Photonik, Sebastian Keuth, Architekturbüro Lengfeld & Willisch (2), Alexandra Meine/Boston Consulting Group, Hoang Dinh Nam/picture alliance, Thomas Ott (Titel, 5), Jens Rösner, Marco Samadelli/dpa, Karolina Sobel, Ernst Söllinger, LANL TRIDENT, Ullstein Bild – image broker.net/Kohls, Claus Völker (2), Johannes Vogt, TU Darmstadt FOSTA, TU Darmstadt (5) Gestaltung conclouso GmbH & Co. KG, Mainz www.conclouso.de Druck Druckerei Ph. Reinheimer GmbH Darmstadt Auflage 2.200 Schutzgebühr 5 Euro

April 2013

August-Euler-Flugplatz und Windkanal

•Flugtechnik •Fahrzeugtechnik


Stadtmitte

•Verwaltung, Audimax, karo5 •Universitäts- und Landesbibliothek •Rechts- und Wirtschaftswissenschaften •Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften •Humanwissenschaften •Mathematik •Physik •Maschinenbau •Elektrotechnik und Informationstechnik •Informatik •Materialprüfungsanstalt •Wissenschafts- und Kongresszentrum

Botanischer Garten

•Biologie •Angewandte Geowissenschaften

Hochschulstadion

•Sporthallen •Schwimmbad

Lichtwiese

•Architektur •Bauingenieurwesen und Geodäsie •Chemie •Maschinenbau •Material- und Geowissenschaften •Hörsaal- und Medienzentrum •Kindertagesstätten


Fortschrittsbericht 2012


This is the university that invented the Electrical Engineer. And much more since then.

Fortschrittsbericht 2012  

Fortschrittsbericht der TU Darmstadt 2012

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