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TOURISMUSMAGA ZIN | AUSGABE 05/13 | HERBST 2013

SCHNEE VON MORGEN Ein Ausblick.


Die neue 5-Euro-Banknote PORTRÄTWASSERZEICHEN Hält man die Banknote gegen das Licht, wird das Porträt der mythologischen Gestalt Europa, ein Fenster und die Wertzahl sichtbar. PAPIER UND RELIEF Das Papier fühlt sich griffig und fest an. Auf der Vorderseite kann man am linken und rechten Rand erhabene Linien ertasten. Auch Hauptmotiv, Schrift und große Wertzahl haben ein fühlbares Relief.

PORTRÄTHOLOGRAMM Beim Kippen erkennt man das Porträt der mythologischen Gestalt Europa, das €-Symbol, ein Fenster und die Wertzahl.

SMARAGDZAHL Beim Kippen bewegt sich ein Lichtbalken auf und ab. Die Farbe der Zahl verändert sich von Smaragdgrün zu Tiefblau.

SICHERHEITSFADEN Hält man die Banknote gegen das Licht, wird ein dunkler Streifen mit €-Symbol und Wertzahl sichtbar.

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Fühlen, Sehen, Kippen: drei einfache Schritte, um die Echtheit einer Banknote zu überprüfen. Stabilität und Sicherheit.

OESTERREICHISCHE NATIONALBANK EUROSYSTEM


3 STICHWORT SAISON

SCHNEE ≠ SCHNEE Blutschnee: rötlicher Schnee, die Färbung entsteht durch Grünalgen, die Carotinoide ansammeln

Faulschnee: Gemisch aus Wasser und Altschnee, Matsch

Feuchtschnee/Pappschnee: sehr nasser Schnee, der gut zusammenpappt. Perfekt für Schneebälle.

Firnschnee:

SCHNEE 30 ZENTIMETER „LAUSAMJÖLL“ Dass Inuit besonders viele verschiedene Wörter für Schnee haben, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Ungeachtet dessen, dass es „die“ Inuit-Sprache gar nicht gibt, haben Inuit und Yupiks – abhängig vom Dialekt – nicht mehr Wörter für Schnee als wir: nämlich drei bis fünf. Die Isländer hingegen verwenden 17 verschiedene Begriffe für Schnee. Schneefall heißt dort zum Beispiel „fannkoma“, schwerer Schneefall mit großen Flocken bei ruhigem Wetter „hundslappadrífa“. Pulverschnee ist „lausamjöll“ und Schneefall bei Wind „ofanbylur“.

Altschnee des Vorwinters

Neuschnee: frisch gefallener Schnee

Pulverschnee: trockener Schnee, der nicht klebt

Sulzschnee: schwerer und nasser Schnee

Schnee im Film • Schnee am Kilimandscharo (USA, 1952) • Drei Männer im Schnee (AT, 1955) • Fräulein Smillas Gespür für Schnee (AT, DE, DK 1997) • Schnee, der auf Zedern fällt (USA, 1999) • Der Geschmack von Schnee (GB, CAN, 2006)

„Wir müssen uns darauf besinnen, was unsere wirtschaftliche Grundlage in den letzten Jahrzehnten geworden ist: der Wintertourismus! Schon alleine deshalb ist es wichtig, dass auch die Einheimischen Ski fahren können.“ © TECHNOALPIN

Werner Margreiter, Präsident des Tiroler Skiverbandes

ALLER ANFANG ... In Kanada und den USA entdeckten zwei Erfinder durch Zufall und unabhängig voneinander Möglichkeiten zur technischen Schneeerzeugung: In den 1940er-Jahren untersuchte ein kanadisches Forscherteam das Verhalten von Düsentriebwerken bei niedrigen Temperaturen. Dazu wurde Wasser in laufende Turbinen gesprüht – und das bei großer Kälte. Entstanden ist so der erste technische Schnee. Nahezu zeitgleich tüftelte ein Ingenieur der amerikanischen Firma Larchmont Engineering an seinem Rasensprenger: Durch die Zugabe von Druckluft wollte er den Rasensprenger leistungsfähiger machen, sodass er das Wasser besser und weiter verteilt. War es draußen jedoch zu kalt, wurde der Rasensprenger zur Schneekanone – und es schneite im Garten.

„Der Wintersport ist für Tirol essenziell, wir alle leben direkt oder indirekt von ihm. Wer als Kind nicht anfängt, diesen Sport zu betreiben, wird ihn als Erwachsener kaum ausüben.“ Andre Arnold, Initiator der Aktion „Wintersport an Schulen”


4 EDITORIAL SAISON

Das Jahrhundertglück Wintertourismus war und ist ein Wohlstandsgarant für Tirol. Ob sich diese Erfolgsgeschichte so auch in diesem Jahrhundert fortschreiben lässt, hängt nicht zuletzt davon ab, wie wir den zahlreichen Herausforderungen begegnen.

Immer wieder hat die Tiroler Tourismusbranche bewiesen, dass Entwicklungen und Trends nicht nur rechtzeitig antizipiert, sondern darauf aufbauend auch richtige Erfolgsstrategien erkannt und umgesetzt wurden.

Tirol lebt von der Wintersportbegeisterung, davon, dass wir selbst mit Passion und Überzeugung ausüben, wofür so viele Gäste aus aller Welt zu uns kommen.


5 EDITORIAL

Wintertourismus – das Jahrhundertglück

V

or Kurzem feierte der Tiroler Skiverband sein 100-Jahr-Jubiläum mit einer großen Gala in Innsbruck. Angesichts der rund 800 Festgäste im Saal, darunter viele Sportler, die weit über 100 Medaillen bei Großereignissen gewinnen konnten, der spürbaren Euphorie für den Wintersport und der filmischen Rückblenden wurde einmal mehr deutlich: Tirol trägt zu Recht den Ehrentitel „Führendes Wintersportland der Alpen“. Längst hat sich auch in weiten Teilen der Bevölkerung die Erkenntnis durchgesetzt, wie sehr Tirol davon profitiert. Tatsächlich ist der Wintertourismus – gerade auch in wirtschaftlicher Sicht – ein Jahrhundertglück für unser Land. Nahezu 60 Prozent aller Gästenächtigungen in Tirol zählen wir im Winter – konkret rund 26 Millionen Nächtigungen. 2/3 aller Tourismusumsätze und nahezu 3/4 der Jahresgewinne sind dem Wintertourismus zuzuordnen. Aber auch die Anzahl der Skifahrertage in Tirol stieg in den vergangenen 100 Jahren bis auf rund 25 Millionen jährlich.

Wohlstandsgarant. Das Jahrhundertglück Wintertourismus war und ist ein Wohlstandsgarant für Tirol. Ob sich diese Erfolgsgeschichte so auch in diesem Jahrhundert fortschreiben lässt, hängt nicht zuletzt davon ab, wie wir den zahlreichen Herausforderungen begegnen. Klimawandel, Wirtschaftskrisen, sinkende Zahl an GelegenheitsSkifahrern, Nachwuchssorgen – allein diese Aufzählung zeigt, dass es angesichts veränderter Rahmenbedingungen keine Garantie auf Erfolg gibt. Doch die Investitions- und Innovationsfreude der Tiroler Wintersportdestinationen sind eine sehr gute Grundlage für einen optimistischen Blick in die Zukunft. Immer wieder hat die Tiroler Tourismusbranche bewiesen, dass Entwicklungen und Trends nicht nur rechtzeitig antizipiert, sondern darauf aufbauend auch richtige Erfolgsstrategien erkannt und umgesetzt wurden. So konnte nachhaltig in Komfort und Schneesicherheit investiert, aber auch die Qualität am und rund um unsere Wintersportberge konsequent ausgebaut werden. Und selbstverständlich wurde auch das Angebot diversifiziert – egal ob Genussskifahren, freie

Skirouten oder Boarderparks. Für alle Vorlieben gibt es heute eine Vielzahl spezialisierter Angebote. Die TopWintersport-Destinationen haben eines gemeinsam: Sie schauen kritisch in den Spiegel, identifizieren ihre Potenziale und zeigen Mut zum Profil sowie zu einer klaren Vision, die gemeinsam mit den Leistungspartnern getragen wird.

Passion und Überzeugung. Gemeinsame Kraftanstrengungen wird es auch angesichts stagnierender Skifahrerzahlen geben müssen. Wenn die Zahl der Gelegenheits-Skifahrer zurückgeht, wenn der Anteil an Nicht-Skifahrern zunimmt, wenn immer mehr Kinder und Jugendliche nicht mehr mit dem Wintersport in Berührung kommen – dann wäre der sukzessive Verlust an Marktpotenzial unvermeidlich. Tirol lebt von der Wintersportbegeisterung, davon, dass wir selbst mit Passion und Überzeugung ausüben, wofür so viele Gäste aus aller Welt zu uns kommen. Deshalb sind familiengerechte SnowCard-Lösungen so wichtig, aber auch „Easy-Skiing“Programme, die die Lust auf Wintersport wieder (neu) entfachen. Und auch der Blick auf neue Märkte darf dabei nicht fehlen. Wenn es stimmt, wie Experten errechnen , dass nur noch rund 20 Prozent der Winterurlaube von Europäern in den Bergen verbracht werden, dann stehen neben den alt bekannten wichtigen Herkunftsmärkten auch neue Länder in unserem Fokus. Tirol in all diesen Segmenten als führendes Wintersportland zu verankern, ist unerlässlich für die gedeihliche Zukunft unseres Landes. Erfolge gäbe es auch in dieser Hinsicht viele aufzuzählen. Im Winter entfällt beispielsweise knapp die Hälfte der russischen Nächtigungen, die in den Alpen getätigt werden, auf Tiroler Destinationen und in den meisten Herkunftsländern Europas ist Tirol Marktführer im internationalen Wintersporttourismus. Nicht nur diese Führungsposition Tirols gilt es auch bei den kommenden Olympischen Winterspielen in Sotschi im Austria Tirol House – auf einer gleichermaßen öffentlichkeitswirksamen wie international wirksamsten Bühne, wo sich die Besten präsentieren – weiter zu stärken und auszubauen. ×

JOSEF M ARG REITER , DIREK TOR TIROL WERBUNG


Carrera 1887


7 INHALT SAISON

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TOTGESAGTE LEBEN LÄNGER

FRAU HOLLES GEHILFEN

© TECHNOALPIN, FRANZ OSS, HOTELMEDIA SERVICE, TVB IMST, EMANUEL KASER

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„SKIFAHREN IST KULTURGUT“

DER HOTELIER ALS ZEITUNGSMACHER

DER WORTSPIELER

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THEMA: SCHNEE VON MORGEN 8

Frau Holles Gehilfen Die technologische Weiterentwicklung der Schneeerzeugung schreitet voran.

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Sensible Alpen Klimawandel: Steigen die Temperaturen im Alpenraum? Und falls ja: Wie wirkt sich das auf den Schnee aus?

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„Uns stehen spannende Zeiten bevor“ Welche Trends sich im Wintersport abzeichnen

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Eine für (fast) alle Die Tirol Snowcard ist die größte Skiverbundkarte im Alpenraum.

18

„Skifahren ist Kulturgut“ Der Tiroler Skiverband feiert heuer sein 100-jähriges Bestehen. Präsident Werner Margreiter im Interview

22

Auf der Suche nach dem Nachwuchs Skifahren ist in die Jahre gekommen. Wie lässt sich die Jugend wieder dafür begeistern?

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„Wintersport – das ist eine feine Mischung“ Skilegende und Unternehmer Harti Weirather im Interview

MAGAZIN 32

Der Hotelier als Zeitungsmacher Ein Tiroler Start-up will das Gestalten einer Hotelzeitung vereinfachen.

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Gesellige Skandinavier Reisemarkt Dänemark im Porträt

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Der Gast der Zukunft Ein Gastkommentar von Christoph D. Albrecht

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Eine Woche Normalität Die „Arche Herzensbrücke” möchte Familien mit pflegebedürftigen Kindern den Urlaub in Tirol ermöglichen.

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Totgesagte leben länger Wie Nassereith vom wachsenden Klettertourismus profitiert

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Der Wortspieler Sprachkünstler Wilfried Schatz im Interview

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Pop trifft Techno trifft neue Klassik fmRiese – das Forward Music Festival in den Swarovski Kristallwelten

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Kommentare

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Nachgefragt

IMPRESSUM SAISON – Tourismusmagazin, Nr. 5/2013 (65. Jahrgang)

SAISON-Abohotline: 0512/58 60 20

HERAUSGEBER: Tirol Werbung, Maria-Theresien-Straße 55, 6020 Innsbruck • MEDIENINHABER UND VERLEGER: TARGET GROUP Publishing GmbH, Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck • CHEFREDAKTEUR: Matthias Krapf • REDAKTION: Mag. Sylvia Ainetter, Steffen Arora, Mag. Florian Gasser, Mag. Nina Heizer-Walch, Mag. Jane Kathrein, Esther Pirchner, Ernst Spreng • AUTOREN: Ernst Molden, Alois Schöpf • FOTOGRAFEN: Gerhard Berger, Emanuel Kaser, Franz Oss • GRAFIK: Marco Lösch • ANZEIGENVERKAUF: Walter Mair, w.mair@targetgroup.at ANSCHRIFT VERLAG: Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck, Tel. 0512/58 6020, Fax DW -2820, redaktion@target-group.at • GESCHÄFTSFÜHRUNG VERLAG: Mag. Andreas Eisendle, Michael Steinlechner • DRUCK: Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten. Die Informationen zur Offenlegung gemäß § 25 MedienG können unter der URL www.target-group.at/offenlegungen abgerufen werden.


VON 8 SCHNEE MORGEN SAISON

Weiße Pracht. In 45 Ländern der Welt stehen heute Schneeerzeuger von Weltmarktführer Technoalpin aus Südtirol.

Frau Holles Gehilfen Schneeerzeuger sind aus dem Bild des Wintertourismus nicht mehr wegzudenken. Ihre Zahl nimmt stetig zu. Was sinkt, ist ihr Energieverbrauch. V O N F LO R I A N G A S S E R

D

er Schneetraum ist der Höhepunkt in Thomas Manns „Zauberberg“ aus dem Jahr 1924. Hans Castorp, der Held des Romans, findet das Leben im Schnee „demjenigen am Meeresstrand in mehrfacher Hinsicht verwandt“, schreibt Mann, „die Urmonotonie des Naturbildes“ sei „beiden Sphären gemeinsam; der Schnee, dieser tiefe, lockere, makellose Pulverschnee, spielte hier ganz die Rolle wie drunten der gelbweiße Sand“. Für Literaten ist der Schnee seit jeher eine Spielwiese für Sprachbilder: Er kann mysteriös sein und gefährlich, bezaubernd und erschreckend; aber er steht immer für die Natur. Doch die Natur ist kein verlässlicher Schneebringer mehr. In den Alpen ist der Klimawandel inzwischen angekommen, stetig wandert die Schneegrenze nach oben und die Bergwelt verändert ihr Gesicht. Um Skibegeisterten eine Schneegarantie von Dezember bis April geben zu können, ist

die technische Beschneiung für den Tiroler Tourismus unerlässlich geworden. Der Mensch überlässt den Schnee nicht mehr nur der Natur.

Zweimal erfunden.

Die Ursprünge des Kunstschnees liegen über dem Atlantik. In Kanada und den USA fanden zwei Erfinder durch Zufall und unabhängig voneinander Möglichkeiten zur technischen Schneeerzeugung: In der zweiten Hälfte der 1940er wollte ein kanadisches Forscherteam das Verhalten von Düsentriebwerken bei niedrigen Temperaturen ergründen. Bei Kälte wurde Wasser in laufende Turbinen gesprüht – und plötzlich bestand die Hauptaufgabe des Teams darin, Schnee wegzuschippen. Fast zeitgleich wollte ein Ingenieur der amerikanischen Firma Larchmont Engineering zuhause seinem Rasensprenger Beine machen und durch Zugabe von Druckluft das Wasser besser sowie weiter verteilen. Bei

niedrigen Temperaturen war fortan sein Garten jedoch stets von einer Schneeschicht bedeckt. Larchmont tüftelte weiter an der Technologie und bereits im Winter 1949 ging die erste Anlage am Mohawk Mountain in Connecticut in Betrieb. Die Geräte der Firma wurden zum Maß der Dinge für die kommenden Jahre. Doch der Boom blieb aus, dazu kam es erst später in Europa. 1963 verteilte erstmals eine relativ einfach gebaute Maschine Schnee auf dem Bömmeli im schweizerischen Appenzell. Aber erst als die deutsche Firma Linde Kältetechnik in das Geschäft einstieg, begann der Siegeszug des technischen Schnees. Die Maschine mit der Seriennummer 1 stand am Patscherkofel, kurz darauf folgte Seefeld. Heute können 70 Prozent der 25.400 Hektar Pisten in Österreich beschneit werden, allein in Tirol sind geschätzte 10.000 Schneeerzeuger im Einsatz, im gesamten Alpenraum 19.000.


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© MICHAEL BACHER/PRIVAT (2), TECHNOALPIN (3)

Ressourcenschonung.

Der Energiebedarf der einzelnen Maschinen sank stetig. In einer parlamentarischen Anfragebeantwortung sagte Umweltminister Nikolaus Berlakovich, pro Hektar Skipiste und Saison sei von 14 Megawattstunden auszugehen. Hochgerechnet ergibt das 250 Gigawattstunden für alle Skigebiete des Landes – das entspricht einem Drittel der Jahresstromproduktion des Kraftwerks Kaprun. Die Zahl ist allerdings umstritten, genau weiß es keiner. Eine österreichweite Erhebung des Energiebedarfs der Kunstschneeerzeugung gibt es nicht. Geht es nach Tourismusberater Roland Zegg, sollte sich dies ändern. Im Rahmen des branchenübergreifenden Forums „Tourism meets Industry“, das kürzlich in Seefeld stattfand, sprach sich Zegg dafür aus, in Sachen Energiemanagement Akzente zu setzen und diese auch entsprechend zu kommunizieren. „Unser Motto muss lauten: Tue Gutes und rede darüber. Denn der Umgang mit Energie wird in unserer Gesellschaft ein Schlüsselthema und hier besteht ein klarer Nachholbedarf in der Kommunikation.“ Zegg räumte in seinen Ausführungen mit Vorurteilen gegenüber Bergbahnen als „Stromfresser“ und „Energieverschwender“ auf. „Die Bergbahnen in der Schweiz brauchen etwa 0,25 Prozent der ganzen Stromproduktion, gleichviel wie zum Beispiel die Stadt Chur.“ Kreuzfahrten oder Flugreisen hätten eine wesentlich größere Schadstoffauswirkung als der klassische Skiurlaub. Dennoch ist Zegg überzeugt, dass nachhaltiges Energiemanagement und ökologische Kompetenz zu einem großen Wettbewerbsvorteil im alpinen Tourismus avanciert.

„Das Bewusstsein für Energiepolitik und ressourcenschonenden Umgang ist stark gestiegen“, sagt Patrizia Pircher von Technoalpin, dem Weltmarktführer in der Produktion von Beschneiungsanlagen. Das Südtiroler Unternehmen mischte in den vergangenen Jahrzehnten den Markt auf. Angefangen hatte alles in einer Elektrikerwerkstatt. Dort schraubten der heutige Firmenchef Walter Rieder und sein Kollege Georg Eisath die ersten Maschinen zusammen. Die Sprühdüsen kamen aus der Landwirtschaft, die Turbine war ein Heutrockner. Heute setzt das Unternehmen 96 Millionen Euro jährlich um, hat 1.450 Kunden in 45 Ländern und mittlerweile 27.000 Schneeerzeuger hergestellt. Es sei bei vielen Skigebieten längst angekommen, dass es „ohne die Schönheit der Natur diesen Sport nicht gibt“, sagt Pircher. International gebe es aber nach wie vor große Unterschiede. So werden etwa in den USA viele Anlagen manuell ausgerichtet, „da sind wir, wo wir in Europa vor 10 oder 15 Jahren waren“. Auch in China, wo Arbeitskräfte günstig sind, werden noch viele manuelle Anlagen eingesetzt. Im Reich der Mitte ist der Energieverbrauch weniger ein Thema – wichtig sei das dafür in Japan, sagt Pircher. Trotz erheblicher Fortschritte sei die Talsohle der Energieeffizienz noch nicht erreicht. So verbraucht die neue Schneelanze V3EE um fünfzig Prozent weniger Luft als das erste, drei Jahre ältere Vorgängermodell. „Weniger Luft bedeutet weniger Strom, ich kann mir Kompressoren sparen“, sagt Pircher. Aber es gehe nicht nur um den direkten Energieverbrauch der Erzeuger, sondern auch um die Planung.

Die Erfinder (v. l.): Meinhard Breiling, Michael Bacher, Sergey Sokratov, Fred Best

Zukunftsmusik. Schnee aus einer künstlichen Wolke – daran arbeitet das Team von niphatec (Bild oben). Bei Technoalpin beschäftigt man sich intensiv mit dem Thema Energieeffi zienz.

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KÖNNEN HAARE


VON 10 SCHNEE MORGEN SAISON

Eine Propellermaschine auf einer schmalen Piste nütze nichts, wenn damit der Wald in einen weißen Mantel gehüllt wird, die Piste jedoch halb aper bleibt und erst durch große Verschubarbeiten sportfit gemacht werden kann.

Künstliche Wolke. Einer, der sich viele Gedanken um die Erzeugung von technischem Schnee macht, ist Michael Bacher. Der Osttiroler studierte Forstwirtschaft, arbeitete an der Universität für Bodenkultur Wien und möchte mit seinem Unternehmen niphatec, das er gemeinsam mit drei weiteren Erfindern führt, eine künstliche Wolke erzeugen – aus der es schneit. Was mysteriös klingt, ist bei genauerem Hinsehen ein einfaches physikalisches Prinzip: Fein zerstäubtes Wasser wird in einen Behälter gegeben und bildet darin eine Wolke. Hinzukommen Eiskeime, kleine gefrorene Wasserplätzchen, nicht größer als fünf Mikrometer – um ein Mehrfaches kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haares. Die Wassermoleküle beginnen sich an diesen Plätzchen abzulagern und es wächst ein Schneekristall – so, wie er auch in einer echten Wolke wächst. „Wir haben nur kopiert, was auch in der Natur vorkommt“, sagt Bacher. Um es in einem großen Maßstab kontrollieren zu können, muss der Vorgang in einem Behälter stattfinden, der zwischen einem und fünf Kubikmeter groß ist. Die Idee dazu kam einem britischen Erfinder, Fred Best, einem Experten für erneuerbare Energien. Er traf auf dem Weg zu einer Konferenz am Schwarzen Meer auf Meinhard Breiling von der Technischen Universität Wien. Die beiden plauderten über Schnee und Best meinte, als Brite würde er das ganz anders machen mit dem technischen Schnee – er würde das Konzept der Natur kopieren. So entstand das Projekt, das zuerst an der Universität angesiedelt war und auch von Siemens mitfinanziert wurde und nun in einem privaten Unternehmen fortgeführt wird. Neben Bacher, Best und Breiling ist noch Sergey Sokratov mit an Bord, ein russischer Schneephysiker von der Moskauer State University. Insgesamt sind bislang 1,5 Millionen Euro in das Projekt geflossen, wer die Investoren in das Unternehmen niphatec sind, will Bacher nicht sagen. Noch ist das System weit weg von der Marktreife, die für 2016 geplant ist, „wenn alles gut geht“. Doch die Vorteile

Funktionsweisen der Schneeerzeugung Düsentechnik: Druckluftkanone (Hochdrucksystem): Wasser und Druckluft tritt aus einer Düse aus. Das Wasser kühlt in der Luft ab und gefriert. Es ist das älteste System und wird fast nirgendwo mehr eingesetzt. Denn die Druckluftkanone erzeugt extremen Lärm und ist ein riesiger Energiefresser. Propellerkanone: Der physikalische Prozess ähnelt dem der Hochdrucktechnik. Doch hier kommt ein Propeller zum Einsatz, um die Wassertropfen zu verstäuben. An den äußeren Düsen um den Ausgang der Kanone werden so Eiskristalle produziert, an denen die Wassertropfen kristallisieren. Schneelanze: Von einer zentralen Pumpstation führen Leitungen zu den bis zu zwölf Meter hohen Lanzen am Pistenrand.

An der Spitze der Rohre befinden sich lediglich die Düsen. Durch die abkühlende Luft entstehen Eiskeime, an denen das zerstäubte Wasser kristallisiert. Inzwischen gibt es nicht mehr nur feste Lanzenanlagen, sondern auch mobile. Chemische und biologische Zusätze: In Österreich ist die Zugabe von chemischen und bakteriellen Zusätzen untersagt! Da die Düsentechnik aber stark von der Umgebungstemperatur abhängt und es bei wärmerem Wetter zu Problemen kommen kann, werden in manchen Ländern Zusätze zur Eisbildung verwendet, vor allem Bakterienstämme der Pseudomonaden. Diese können den Frostschutzmechanismus von Pflanzen hemmen und bewirken, dass Wasser auch bei weniger kalten Temperaturen friert.

Kälte- und Kryotechnik: Der Vorteil dieser Technik liegt darin, dass auch bei Temperaturen weit über null Grad Celsius technischer Schnee erzeugt werden kann. Manche Anlagen hüllen ihre Umgebung sogar bei 35 Grad plus noch weiß ein. Die Kältetechnik (z. B. Scherbeneisanlagen) bedient sich herkömmlicher Kühlkompressoren, mit denen Eis hergestellt wird. In der

liegen auf der Hand: „Wir können echten Pulverschnee erzeugen, Schnee mit geringer Dichte und wir nutzen die Ressource Wasser effektiver“, sagt Bacher. Aus einem Kubikmeter Wasser soll es möglich sein, acht bis zwölf Kubikmeter Schnee zu erzeugen. Der Stromverbrauch pro verbrauchtem Wasser bleibt zwar gleich hoch wie bei herkömmlichen Maschinen, das Wasser muss genauso zerstäubt werden – doch mit derselben Menge an Energie kann eben ein Vielfaches an Schnee erzeugt werden.

Neue Technologien.

Schnee zu erzeugen war und ist stets eine Domäne der Daniel Düsentriebs. Immer wieder kommt es zu neuen Erfindungen und

Kryotechnik werden Kryogene, etwa flüssiger Stick- oder Wasserstoff, benutzt. Diese sind sehr kalt und es kann innerhalb kurzer Zeit eine große Menge an Eis produziert werden. Für die Flächenbeschneiung sind beide Technologien zu teuer, sie werden aber gerne zum Beispiel für Filmaufnahmen oder Sportevents eingesetzt. ×

Tüfteleien, mit denen neue Technologien ausprobiert werden. In Melchsee Frutt, im schweizerischen Kanton Obwalden, läuft derzeit etwa ein Versuch mit einer NullEnergie-Schneelanze, die nur noch mit Wasserdruck läuft. Wirtschaftlich ist die künstliche Erzeugung von Schnee von großer Bedeutung: Wer unabhängig vom natürlichen Schneeangebot rechtzeitig zum Beginn des Weihnachtsgeschäfts seinen Gästen eine präparierte Piste präsentieren möchte, der ist darauf angewiesen. Für niedrig gelegene Wintersportorte war ihre Erfindung einst ein Segen, heute sind Schneeerzeuger sogar auf den Gletschern angekommen, wo sie zur hohen und gleichbleibenden Qualität des Pistenerlebnis in Tirol beitragen. ×


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Sensible Alpen Der Winter beginnt später und hört früher auf – nichts Neues bringt der fünfte Weltklimabericht. Die Temperaturen steigen weiter und das könnte sich auch auf die Schneesicherheit auswirken, besonders im sensiblen Alpenraum. Genaue Prognosen sind allerdings schwierig. V o n J a n e K at h r e i n

E

s gibt nicht viel Neues“, fasst Ben Marzeion, Meteorologe an der Uni Innsbruck, den aktuellen Bericht des Weltklimarates, der den Regierungsvertretern im Herbst in Stockholm präsentiert wurde, zusammen. Die Eisdecken in Grönland und der Arktis haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten weiter an Masse verloren, während der Meeresspiegel schneller steigt als bisher angenommen. Verschiedene Modelle werfen unterschiedliche Zahlen aus, im ungünstigsten Fall werden es bis zum Ende dieses Jahrhunderts 82 Zentimeter sein. In dem 1.500 Seiten umfassenden Bericht schreiben die Wissenschaftler auch, dass es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen nie wärmer war als zwischen 2001 und 2010 und dass der Klimawandel, den wir jetzt schon sehen, tatsächlich vom Menschen verursacht werde.

Sensibler Alpenraum. „Es wird wärmer werden und dementsprechend kann man davon ausgehen, dass es weniger Schnee geben wird“, schließt der Meteorologe Ben Marzeion den Bogen zu den Alpen. Eine exakte Prognose zu erstellen, sei jedoch schwierig, weil die Alpen in einer besonderen geographischen Lage liegen – an der Grenze zwischen dem Mittelmeerraum

und Mittel-West-Europa. Der Niederschlag in den Alpen schwankt stark: Während sich am Alpenrand im Norden und im Süden die Luftmassen an den Gebirgsmassiven stauen und es viel regnet und schneit, ist es in den zentralen Bereichen eher trocken. Erschwert werde die Prognose, so Marzeion, auch durch die Tatsache, dass die Alpen in den globalen Klimamodellen nicht besonders gut aufgelöst sind. „Wegen der Temperaturzunahme ist es aber wahrscheinlich, dass der Schnee insgesamt weniger wird. Sollte aber der Niederschlag zunehmen, wird es schwierig, eine genaue Aussage zu treffen“, bringt Ben Marzeion die Probleme, mit denen die Wissenschaftler beim Erstellen von Prognosen kämpfen, auf den Punkt. Klar ist: Die Schneedecke reagiert empfindlich auf Änderungen der Temperaturen, das geht aus verschiedenen Studien hervor. Wird es um ein Grad wärmer und bleiben die Niederschläge gleich, verändert sich in den tiefen und höchsten Lagen wenig. Die stärkste Empfindlichkeit sieht der Wissenschaftler für den Höhenbereich zwischen 600 und 1.400 Metern. „In diesen empfindlichen Höhen verkürzt sich die Schneedecke um vier Wochen im Winter und im Frühling um sechs Wochen bei einer Erwärmung von einem Grad. Das ist ein deutliches Signal.“

Technische Möglichkeiten.

Werden wir bald nur mehr auf technischem Schnee Ski fahren? Der Geograph Robert Steiger hat die möglichen Folgen des Klimawandels auf den Skitourismus untersucht und dabei erstmals in Europa auch die Beschneiung berücksichtigt. Von den beobachteten 228 Skigebieten können 77 Prozent für die Zeit um Weihnachten und Neujahr Schneesicherheit garantieren. Grundsätzlich gilt in den Alpen ein Gebiet als schneesicher, wenn an mindestens 100 Tagen über einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren eine Schneedecke von mindestens 30 Zentimetern liegt. Und zwar möglichst in der Zeit zwischen Mitte Dezember und Mitte April. Wird es ein Grad wärmer, sind nur mehr die Hälfte aller Skigebiete schneesicher, bei zwei Grad 33 Prozent und bei vier Grad Erwärmung könnten nur mehr 9 Prozent der untersuchten Skigebiete eine sichere Schneedecke bieten. Wird es wärmer, müssen die Skigebietsbetreiber mehr technischen Schnee produzieren. Und zwar laut Steigers Studie bis 2030 im Durchschnitt um rund ein Viertel mehr als heute. Es sei davon auszugehen, so der Wissenschaftler, dass sich die Beschneiungstechnologie weiterentwickeln und auch Beschneiung bei höheren Temperaturen als heute ermöglichen werde (siehe


VON 13 SCHNEE MORGEN SAISON

Ende der weißen Riesen. Eines ihrer Identifikationsmerkmale könnten die Berge bald verlieren, glaubt man den aktuellen Berechnungen. Mitte dieses Jahrhunderts werden nur noch 40 Prozent der Gletscher in den Alpen bestehen. An den Gletschern werden Temperaturveränderungen unmittelbar sichtbar. Schmilzt das Eis, sind auch die Liftbetreiber gefordert, weil der Infrastruktur der stabile Boden fehlt. Die Zugspitze ist ein lebendiges Beispiel dafür. Nicht zuletzt: Gäbe es keine Gletscher mehr, wäre Österreich um eine Attraktion ärmer, bei vielen Gästen steht der Abstecher zum Gletscher nämlich ganz oben auf der Liste jener Ereignisse, die sie bei einem Besuch unbedingt erleben wollen, heißt es dazu auch von der Tirol Werbung.

© EMANUEL KASER

Schneeloch. In Kitzbühel musste man sich in den letzten Jahren wenig Sorgen um den Schnee machen. Die Bergbahn AG Kitzbühel konnte in der Wintersaison 2012/13 einen neuen Rekord erzielen. Insgesamt 182 Betriebstage waren einzigartig in der 85-jährigen Firmengeschichte. „Seit 1992 hat sich die Anzahl der Skitage im Schnitt von 139 auf 152 Tage erhöht“, berichtet Günther Aigner von Kitzbühel Tourismus. „Der Grund für diese Entwicklung ist, dass sich die Winter in Kitzbühel seit Anfang der 1990er Jahre abkühlen. Dies bestätigen die Messdaten der ZAMG an der Wetterstation Hahnenkamm.“ Die ersten Zeugen des Klimawandels indes reagieren schon länger: Neben der Meereisbedeckung schmelzen auch die Gletscher. „Die Alpengletscher sind sehr klein, sie reagieren somit am schnellsten auf den Klimawandel“, erklärt Ben Marzeion. Veränderungen, die das bloße Auge sieht – „deswegen sind die Gletscher wahrscheinlich auch zum Aushängeschild des Klimawandels geworden“. Ein Blick in den Gletscherbericht, den der Oesterreichische Alpenverein jährlich herausgibt, bestätigt: von den 95 Gletschern, die 2012 beobachtet wurden, sind 93 zurückgeschmolzen. Der größte Rückgang wurde mit 97 Metern an der Pasterze in der Großglocknergruppe gemessen, gefolgt von 72 Metern am Gepatschferner im Kaunertal. Zahlen für das aktuelle Haushaltsjahr gibt es noch nicht.

„Wegen der Temperaturzunahme ist es wahrscheinlich, dass der Schnee insgesamt weniger werden wird. Sollte aber der Niederschlag zunehmen, wird es schwierig, eine genaue Aussage zu treffen.“ BEN MARZEION, METEOROLOGE AN DER UNIVERSITÄT INNSBRUCK

Beobachtungen zeigen, dass sich die Alpen im vergangenen Jahrhundert viel stärker erwärmt haben als die Welt insgesamt. „Die Alpen könnten empfindlicher sein als die Welt insgesamt“, warnt Ben Marzeion vorsichtig. Versucht man einen

Temperaturtrend daraus zu errechnen, so fällt die Erwärmung sogar doppelt so stark aus. Angenommen global werde es zwei Grad wärmer, könnte es in den Alpen sogar mehr sein, „dass es weniger ist, halte ich für unwahrscheinlich“. ×

„Im Winter ist für uns kein Trend erkennbar“

© WINTERSPORT TIROL AG

© OEAV/SEISER

auch Beitrag S. 8). Eine Frage bleibt aber: Kann man sich die steigenden Beschneiungskosten dann auch leisten?

Reinhard Klier, Vorstandsvorsitzender der Stubaier Gletscherbahnen, im Interview

S

AISON: Herr Klier, wie stellt sich die Schneelage am Stubaier Gletscher in den letzten Jahren dar? REINHARD KLIER: In den letzten Jahren hatten wir schneearme Winter, aber auch Winter mit Schneerekorden. Im Winter ist für uns kein Trend erkennbar, durch die technische Beschneiung hat sich die Schneesicherheit im Gletschervorfeld erhöht. Wie nehmen Sie die allgemeine Klimaentwicklung – Stichwort: Gletscherschwund – wahr? Der Gletscherrückgang der letzten Jahre ist auf warme Sommer zurückzuführen. In einigen Bereichen mussten wir uns aufgrund des Gletscherrückganges neue Lösungen überlegen, zum Beispiel für Pisten- und Trassenverläufe. Wenn die Entwicklung so weiter geht, könnte sich bis in 50 Jahren die Gletscherfläche halbieren. Wesentlich schwieriger wäre es jedenfalls mit einem größeren Gletschervorstoß umzugehen. Werden am Stubaier Gletscher Gegenmaßnahmen getroffen? Um die Glet-

scher an besonders kritischen Bereichen vor Abschmelzung zu schützen, werden in den Sommermonaten 10 Hektar Vlies auf dem Gletscher ausgerollt und im Herbst wieder aufgerollt. Die Randbereiche des Gletschers werden beschneit. Was macht der Stubaier Gletscher, um weiterhin erfolgreich zu sein? Neben der ständigen Erneuerung der Anlagen sind uns besonders Innovationen bei den Zusatzangeboten wichtig. So wurde in den letzten Jahren die Gastronomie auf einen neuen Standard gehoben – am Stubaier Gletscher gibt es das höchstgelegene Haubenrestaurant Österreichs. Um dem Freeridetrend Rechnung zu tragen, wurde das Powder Department Stubaier Gletscher ins Leben gerufen. Der Snowpark und das Familienangebot entwickeln sich von Jahr zu Jahr weiter. So wird dem Gast auch abseits der rein technischen Weiterentwicklung Jahr für Jahr etwas Neues geboten. Vielen Dank für das Gespräch.

×


VON 14 SCHNEE MORGEN SAISON

Hightech-Lösung. Die Geislachkogelbahn in Sölden

„Uns stehen spannende Zeiten bevor“ Welche Trends zeichnen sich im Wintersport ab? Was erwartet den Skifahrer in den kommenden Jahren? Und worauf müssen sich Touristiker einstellen, um im Geschäft mit dem Schnee attraktiv zu bleiben? V O N N I N A H E I Z E R-WA LC H

T

oni Giger bringt es auf den Punkt: „Wir haben zwei Beine, also werden wir auch in zwanzig Jahren noch rechts und links einen Ski dran haben“, prophezeit der Leiter der Abteilung für Entwicklung, Forschung und Innovation im Österreichischen Skiverband. Also keine großartigen Veränderungen in der Art, womit die Pisten bezwungen werden? „Mit Tourengehen, Skifahren, Freeriden, Snowboarden und so weiter ist doch bereits eine große Vielseitigkeit vorhanden“, sagt Giger. Eher werde das Bewusstsein wachsen, was der Skisport der Gesellschaft im psychischen und körperlichen Bereich bringt. Die vielen Facetten des spannenden Erlebnisses in der Natur werden noch deutlicher wahrgenommen werden. Der ehemalige

Cheftrainer der ÖSV-Herren glaubt nicht, dass die Skigebiete noch groß wachsen werden, doch auf die individuellen Wünsche der Besucher und Sportler müsse sicher noch mehr eingegangen werden. Auch Toni Giger hat einen Wunsch: Slalomstadien für Schüler und Jugendliche in den Städten, um die Kleinen zum Skifahren zu motivieren. „In jeder Stadt gibt es Fußballstadien, es sollte auch Trainingsstätten für den Skisport geben.“ Denn die Konkurrenz für die Kinder sei groß. Fernsehen, Medien, Computerspiele, dafür müsse man sich nicht aufraffen und rausgehen. „Die ganze Diskussion rund um Schule, Sport, Bewegung spielt im Skisport eine enorm wichtige Rolle. Wenn jemand als Kind mit dem Skifahren anfängt, wird er bis ins hohe Alter nicht mehr damit aufhören“, sagt Giger.


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© DOPPELMAYR

WLAN am Lift.

„In jeder Stadt gibt es Fußballstadien, es sollte auch Trainingsstätten für den Skisport geben.“ TONI GIGER, LEITER DER ABTEILUNG FÜR ENTWICKLUNG, FORSCHUNG UND INNOVATION IM ÖSV

Wo ist was los?

Die Jahre, in denen praktisch jeder Urlaub im Winter einer in einem Skiort war, sind längst vorbei. „Nur noch rund 20 Prozent der Winterurlaube von Europäern werden in den Bergen verbracht“, sagt Michael Partel vom Mountain Management Consulting. Die Zukunft liegt auch für ihn im Bereich der Internationalisierung. „Und ob wir für Chinesen und Inder mit deren Bedürfnissen und Reiseverhalten schon bereit sind, ist eine andere Frage. Viele Betriebe sind noch auf die umliegenden Märkte fokussiert. Wahrscheinlich ist der Leidensdruck noch zu gering, um sich zu öffnen“, meint Partel. Das vielseitige Angebot wird immer wichtiger werden. Wo ist was los, auch abseits der Piste? Diese Frage gewinnt an Stellenwert. „Wenn ich nach dem Skifahren auf einen Weihnachtsmarkt gehen kann oder unter den Après-Ski-Schirm, dann nehme ich als Konsument den Urlaub auch als solchen wahr“, sagt der Journalist Biersack. „Die Attraktivität der Angebote muss sich permanent steigern“, stimmt ihm auch Partel zu, „nur so können wir auch in den preissensiblen Märkten längerfristig erfolgreich sein. Wer nicht innoviert, verliert!“ Profil schärfen sei für die Destinationen angesagt. „Nur wer sich klar positioniert, wird künftig zu den Gewinnern zählen“, so Partel.

„Die feste Hingabe über den ganzen Winter mit mehrfachem Skifahren wird sich auf eine Kernzielgruppe reduzieren.“ © PRIVAT

THOMAS BIERSACK, CHEFREDAKTEUR DES ADAC-SKIGUIDES

„Komfort, Komfort, Komfort“. Die Aufstiegshilfen in Tirol sehen beide schon jetzt als qualitativ hochwertig an. „Man merkt, dass in den vergangenen Jahren massiv investiert wurde. Der Quantensprung zu anderen Skigebieten ist spürbar“, beobachtet Thomas Biersack. Er erwartet ein „Wettrüsten“ der hochausgestatteten, zum Designelement stilisierten Aufstiegshilfen. „Die hohe Konkurrenz führt zur Qualitätsoffensive.“ Diese freut die Firma Doppelmayr. Die Vorarlberger Firma gibt sich bedeckt, was ihre weiteren Pläne und Innovationen betrifft. „Wir werden unseren Konkurrenten nicht über die Medien ausrichten, was wir in der Schublade haben“, teilt Pressesprecher Ekkehard Assmann mit. Doch so viel verrät er: „Es gibt drei große Trends im Seilbahnbau: 1. Komfort, 2. Komfort und 3. Komfort.“ Dabei handelt es sich nicht nur um beheizte Sitze und Windschutz, sondern vor allem um Sicherheit. Denn: „Komfort hat zwei Seiten“, so Assmann, „einmal die, die der Fahrgast sieht und spürt. Auf der anderen Seite ist zu bedenken, dass am Berg weniger passiert, wenn sich der Passagier wohl fühlt“. Hat der Skifahrer mehr Zeit zum Einsteigen, ist er weniger gestresst und es kommt in der Folge zu weniger Verletzungen beim Ein- und Aussteigen.

Chancen. Wer weiter am Wintergast verdienen will, muss sich früh genug auf die verändernden Rahmenbedingungen einstellen. Das heißt vor allem individuelle Produkte vermehrt anbieten, auf das neue Kommunikationsverhalten der Besucher reagieren, den eigenen Internet-Auftritt und den Umgang mit Bewertungen verbessern. „Die Gäste werden anspruchsvoller und erwarten eine erhöhte Dienstleistungsqualität“, sagt Tourismusberater Partel. Wer schnell agiert, schafft sich Wettbewerbsvorteile. „Uns stehen spannende Zeiten bevor.“ ×

© EMANUEL KASER

Thomas Biersack, Chefredakteur des ADAC-Skiguides, sieht einen großen Trend in der Digitalisierung. Der bekannte Skiatlas aus dem nördlichen Nachbarland wird in Zukunft nicht mehr in gedruckter Form erscheinen. „Alles verlagert sich auf Elektronisches. Das wird sicher auch für die Skigebiete ein Thema werden“, erklärt der erfahrene Fachjournalist. Die junge Zielgruppe nützt auch am Berg oder Gletscher ihr Smartphone – in Zukunft wird sie sich vermehrt Gebietsinfos oder Einkehr-Tipps über das Internet holen wollen. „Die jungen Leute sind die Nutzung ihrer digitalen Endgeräte im Alltag so gewohnt, dass sie es auch im Winterurlaub nicht vermissen wollen. Da müssen die Destinationen auf der Höhe der Zeit bleiben.“ Biersack ist sich sicher, dass das Erlebnis Wintersport für die Jugend hochattraktiv bleibt. Auch wenn sich das Konsumverhalten weiter verändern wird. Das Erlebnis am Berg werde künftig, so Biersack, schnell konsumiert, um dann wieder anderen Dingen nachzugehen. „Die feste Hingabe über den ganzen Winter mit mehrfachem Skifahren wird sich auf eine Kernzielgruppe reduzieren. Der Großteil wird im November oder Dezember in den Winter reingehen, um kurzfristig den Berg, das Après-Ski oder Rodeln zu erleben. Dann aber verlässt er die Winterwelt wieder und widmet sich spätestens in der auslaufenden Saison wieder anderen, nicht wintergebundenen Aktivitäten.“ Rekordzuwächse werden nicht mehr auf Zuwächsen der altbekannten Märkte basieren. Die Schweiz und der „ganze frühere europäische Randbereich“, wie der nahe Balkan, Tschechien, Ukraine oder die Russen, werden für steigende Besucherzahlen sorgen. „Die Leuchttürme der Regionen gehen dann sogar bis nach Übersee und sprechen in den USA oder in Asien Gäste an“, meint Biersack.


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© TIROL WERBUNG/SEPP MALLAUN

SAISON

„Im vergangenen Winter haben wir rund 20.000 Karten verkauft.“ HANSJÖRG KOGLER, GESCHÄFTSFÜHRER DER BERGBAHNEN WESTENDORF

Eine für (fast) alle Die Tirol Snowcard ist die größte Skiverbundkarte im Alpenraum. Im Winter 2013/2014 wird sie zum fünften Mal angeboten. V O N S Y LV I A A I N E T T E R

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anze 86 Skigebiete, davon sieben in Osttirol, mit über 4.000 Pistenkilometern und mehr als 1.100 Liftanlagen – die Tirol Snowcard ist die umfassendste Großraumskikarte der Alpen. Andere Skiverbundkarten wie „Dolomiti Superski“ (Südtirol) oder Skiwelt Amadé (Salzburg/Steiermark) kommen bei Weitem nicht an die Tirol Snowcard heran. „Die Tirol Snowcard wurde eingeführt, um das große Angebot, das wir in Tirol haben, zu vereinen und Einheimischen und Gästen gebündelt zugänglich zu machen“, erklärt Hansjörg Kogler, Geschäftsführer der Bergbahnen Westendorf. Erstmals aufgelegt wurde die Tirol Snowcard im Winter 2009/2010 mit 81 Skigebieten, im Laufe der Jahre haben sich immer mehr Gebiete angeschlossen – zuletzt kamen im Winter 2012 Sölden und Ischgl dazu. Mit dabei sind alle Gletscher, große Skigebiete wie Kitzbühel, aber auch kleine wie Serles und Glungezer. „Erweiterungen sind schon alleine deswegen nicht geplant, weil keine mehr möglich sind“, so Kogler.

Nur in einem großen Skigebiet gilt die Tirol Snowcard nicht: St. Anton am Arlberg lehnt die Teilnahme ab.

Steigende Verkaufszahlen.

696 Euro kostet die Tirol Snowcard im Normaltarif für Erwachsene, 556 Euro für Jugendliche – Wintersportler mit Wohnsitz in Tirol erhalten allerdings eine Ermäßigung. Mit dem Erfolg der Karte zeigten sich die Macher von Anfang an zufrieden: Im ersten Jahr nutzten bereits 14.500 Skifahrer die Tirol Snowcard, seither steigen die Verkaufszahlen weiter. „Im vergangenen Winter haben wir rund 20.000 Karten verkauft“, sagt Kogler. Interessant dabei: Die Tirol Snowcard wird nicht nur von Einhei-

mischen genutzt. „Aus dem benachbarten Ausland verzeichnen wir Zuwächse im zweistelligen Bereich. Besonders in Bayern ist die Snowcard sehr beliebt“, erzählt Kogler. Erhältlich ist die Tirol Snowcard bei allen teilnehmenden Bergbahnen und einigen Sonderverkaufsstellen wie etwa in den Rathausgalerien in Innsbruck oder dem Congress Innsbruck. Im Unterschied zur Tirol Regio Card und zum Freizeitticket Tirol ist die Snowcard Tirol eine reine Skikarte. Kooperationen mit anderen Freizeiteinrichtungen wie Schwimmbädern gibt es nicht. Gültig ist die Snowcard Tirol von 1. Oktober bis zum 15. Mai – möglich und sinnvoll ist das aufgrund der Gletschergebiete. Die Gletscher machen den Winter länger und somit die Karte rentabel für die Wintersportler: Denn die Snowcard ist eine Karte für Vielfahrer und für jene, die gerne die großen und damit meist teureren Skigebiete nutzen. Alle im Verbund enthaltenen Skigebiete und alle Verkaufsstellen gibt es unter www.snowcard.tirol.at. ×

TIROL SNOWCARD CHALLENGE Besonders eifrige Wintersportler haben auch heuer die Chance, mit der Tirol Snowcard attraktive Preise zu gewinnen – unter anderem brandneue Skis und ein Wochenende auf einer Skihütte. Bei der Neuauflage der Tirol Snowcard Challenge wird wieder jeder Skitag und jedes befahrene Skigebiet mit Punkten belohnt. Für die Teilnahme muss nur ein eigenes skiline.ccProfil mit der Kartennummer der Tirol Snow Card angelegt werden – und schon kann es losgehen. www.skiline.cc/competition/tsc_2013/info


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von 18 Schnee morgen

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saison

„Skifahren ist Kulturgut“ Der Tiroler Skiverband feiert heuer sein 100-jähriges Bestehen. Präsident Werner Margreiter im Gespräch über Bemühungen um Nachwuchs und ehrenamtliche Mitarbeiter, die Bedeutung des Skifahrens in Tirol und die Zukunft seines Verbandes. Das Interview führte Sylvia Ainetter.

S

AISON: Herr Margreiter, welche Entwicklung hat der Tiroler Skiverband durchgemacht? Werner Margreiter: Der Tiroler Skiverband hat sich von einem Zusammenschluss von 16 Vereinen zu einem modernen Verband mit circa 240 Skiclubs entwickelt. In den Anfängen wurde der Skisport ja eher noch belächelt, die Skifahrer waren exotische Abenteurer. Dass das jetzt anders ist, ist mit ein Verdienst des Tiroler Skiverbands. Die Ziele aber sind gleich geblieben: Die Förderung des Skisports im Allgemeinen und die Förderung junger Sportler – das geht bis hin zur Ausbildung von Rennläufern, Trainern, Funktionären und Kampfrichtern – im Besonderen. Wir haben das Glück, in einem Land zu leben, das die besten Voraussetzungen hat, den Skisport erfolgreich zu betreiben. Im Tiroler Skiverband geht es aber nicht nur ums Skifahren. Nein. Wir vertreten sieben olympische Sportarten. Das ist der große Unterschied zu vielen anderen Verbänden. Es ist eine sehr umfangreiche Aufgabe, den Sportlern aller Disziplinen

ein Umfeld zu bieten, das eine bestmögliche Ausbildung garantiert und damit ermöglicht, später auch eine Profikarriere einzuschlagen. Was waren die großen, einschneidenden Ereignisse in der Geschichte des Verbands? Es waren natürlich immer die Unterbrechungen durch die Kriegsjahre, aber auch die Entwicklung hin zum alpinen Sport. Früher standen Skispringen und Langlauf im Mittelpunkt. Der internationale Skiverband und vor allem die damals dominierenden nordischen Länder haben sich ja bis in die 30er-Jahre lange und erfolgreich dagegen gewehrt, den Alpinsport mehr zu fördern. Doch der hat schließlich den Durchbruch gebracht. Wenn wir in Tirol nicht gute Skiläufer hervorbringen sollten, wer sollte es dann tun? Wir leben in einem Land, gesegnet mit vielen Bergen, mit unglaublicher Infrastruktur, mit Institutionen wie dem Skigymnasium Stams, der Skihauptschule Neustift und dem Skipool Tirol, der uns tatkräftig finanziell unterstützt. Skifahren ist in Tirol im Bewusstsein der Bevölkerung verankert. Skifahren ist in Tirol Kulturgut.

Seit Mitte der Nullerjahre gibt es keine Tiroler Star-Skifahrer mehr. Was verspricht der Nachwuchs? Unser Nachwuchs ist absolut top! Mit Manuel Feller kommt das derzeit größte Talent im Slalom aus Tirol. Er hat bei den letztjährigen Weltcuprennen schon ganz stark aufgezeigt. Mittlerweile sind in den Nachwuchskadern des ÖSV 50 Prozent der Mädchen und Burschen Tiroler bzw. Tirolerinnen. Der 97erJahrgang ist österreichweit extrem stark – sowohl bei den Burschen als auch bei den Mädchen: In den Testläufen belegen wir meist geschlossen die vorderen Plätze. Die Frage ist aber immer, was tatsächlich herauskommt. Der Weg nach oben ist ein sehr harter und sehr schwerer. Aber ich bin überzeugt, dass wir da schon die Tradition fortführen und ein paar erfolgreiche Athleten platzieren können. Wie hat sich denn das Skifahren entwickelt? Ist Skifahren noch derselbe Sport wie vor 20 Jahren? Im Wesentlichen ja. Was sich geändert hat, sind die Aufstiegshilfen und die Pistenpräparierungen, die Pistenanlage, das Material. Mit den Materialänderungen, vor allem dem kurzen


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Carvingski, ist das skifahren-Lernen leicht geworden. Mit den langen skiern war das früher viel schwieriger. Trotzdem ist es so, dass immer weniger Kinder Ski fahren lernen. Woran liegt das? Das hat mehrere gründe. Die abschaffung der verpflichtenden skikurse hat sicher dazu beigetragen, dass immer weniger Kinder ski fahren lernen. Mittlerweile kann schon die eine oder andere elterngeneration nicht mehr ski fahren. Die Kinder dann dazu zu bringen, ist eine große aufgabe. Um hier etwas zu erreichen, müssen wir verstärkt mit den schulen und skischulen zusammenarbeiten. Und wir müssen uns darauf besinnen, was unsere wirtschaftliche grundlage in den letzten Jahrzehnten geworden ist: der Wintertourismus! Dem verdanken wir alles! schon alleine deshalb ist es wichtig, dass auch die einheimischen ski fahren können. Ist das Skifahren auch zu teuer? inzwischen haben fast alle skigebiete extrem gute angebote für Kinder und Jugendliche. im rahmen des schulbetriebes bieten die meisten Bergbahnen gratiskarten an. auch die skiverleiher haben sich an die veränderten rahmenbedingungen angepasst. nicht nur schüler leihen günstig, auch für alle anderen ist es durchaus erschwinglich. Der tiroler Landesschulrat setzt sich sehr dafür ein, dass die Kinder wieder ski fahren. Das sehen wir an steigenden Zahlen.

„Die Auswahl an Freizeitbeschäftigungen ist sehr vielfältig geworden und das spüren alle Sportarten. Wir versuchen mit sehr intensiver Arbeit, die Kinder zu uns zu holen.“ was uns mit abstand zum größten tiroler sportfachverband macht. Wir tiroler sind eben schon noch ein Volk von skifahrern. Alle Vereine und Verbände jammern, dass es an ehrenamtlichen Mitarbeitern mangelt. Geht es dem Tiroler Skiverband da anders? nein. Das ist aber ein allgemeines gesellschaftliches Problem. ich kenne keinen Verband, der ein schild an die tür genagelt hat „Wegen Überfüllung geschlossen“. alle haben damit zu kämpfen. es beginnt schon damit, dass es schwieriger geworden ist, die Kinder und Jugendlichen zum sport zu bringen. Die auswahl an Freizeitbeschäftigungen ist sehr vielfältig geworden und das spüren alle sportarten. Wir versuchen mit sehr intensiver arbeit, die Kinder zu uns zu holen. im Winter führen wir etwa 580 Veranstaltungen durch!

„Der Weg nach oben ist ein sehr harter und sehr schwerer. Aber ich bin überzeugt, dass wir da schon die Tradition fortführen und ein paar erfolgreiche Athleten platzieren können.“

bereit sind, praktisch unentgeltlich ihre Freizeit zu opfern. Was sind die großen Herausforderungen für den Skiverband in den nächsten Jahren? grundsätzlich müssen wir den Verband weiter modernisieren und den geänderten Bedingungen in einer schnelllebigen Zeit anpassen. Das bedeutet zum Beispiel ständige Professionalisierung in allen Bereichen. auf jeden Fall wollen wir durch verstärkte aktionen und Maßnahmen die Jugend wieder mehr ansprechen und sie zum skisport hinführen. aber natürlich bedeutet dieser Mehraufwand auch, dass wir die dazu nötigen finanziellen Mittel auftreiben müssen. Die großen erfolge der Österreicher in den letzten Jahren haben paradoxerweise dazu geführt, dass die kleineren rennen kaum jemanden interessieren. Dementsprechend schwieriger ist es für uns geworden, sponsoren für unsere nachwuchsathleten zu finden. Was wünschen Sie sich für den Skiverband? Weiterhin so viel erfolg wie im letzten Jahrhundert. Das kann nur im rahmen einer soliden, finanziell abgesicherten Verbandsarbeit erreicht werden. in unserem Land spielt der skisport eine äußerst wichtige rolle, er ist untrennbar mit dem wirtschaftlichen aufschwung in unserem Land verbunden. Dazu haben sehr viele tirolerinnen und tiroler, die durch den Verband ausgebildet wurden, mit ihren erfolgen beigetragen. ich würde mir wünschen, dass sich viele dieser Bedeutung bewusst werden und unseren Verband dementsprechend unterstützen. Mehr und kontinuierliche Berichterstattung über den skisport und unsere Veranstaltungen würden dabei sehr viel helfen. Denn ohne den nachwuchs kann es schließlich auch keine top-sportler geben. Vielen Dank für das Gespräch.

ZUR PERSON Wie beurteilen Sie den Tiroler Skiverband im nationalen Vergleich? im Vergleich zu den anderen Bundesländern sind wir der stärkste Landesskiverband. 26 Prozent aller österreichischen Mitglieder sind tiroler. Wir haben etwa 75.000 Mitglieder, je etwa zur Hälfte ÖsV- und Vereins-Mitglieder,

Das gleiche Problem, das wir mit dem sportler-nachwuchs haben, haben wir auch bei den ehrenamtlichen Funktionären, trainern und Mitarbeitern. Die älteren generationen haben sich noch gerne ehrenamtlich engagiert. Jetzt leben wir in einer gesellschaft, in der viel weniger

Werner Margreiter (59) war nach seiner aktiven Karriere als skifahrer (zwei top-10-Platzierungen im Weltcup) unter anderem Chefcoach der österreichischen und deutschen alpin-Herren sowie des Us-Damenteams. seit 2010 ist der Leiter einer skischule Präsident des tiroler skiverbandes.

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100 Jahre Der Tiroler Skiverband im Wandel der Zeit

Franz reisch besteigt im Winter mehrmals das Kitzbühler Horn mit skiern, der innsbrucker Heinrich engl fertigt die ersten skier in tirol an.

1. allgemeiner skiwettkampf in st.anton

im raum sistrans/ aldrans findet zum ersten Mal ein skiwettkampf statt.

1890 tauchen von norden kommend die ersten skier in tirol auf. Die Fahrten mit diesen bezeichnet man als schneeschuhlaufen.

gründung des Österreichischen skiverbandes

1890

25. Jänner 1913 Gründung des Tiroler Skiverbandes Vereine: sC arlberg, sK innsbruck, WsV reutte, WsV Hall, sK gurgl, sK imst, WsV Kitzbühel, sK Kufstein, sK Wörgl, sK Kössen, WsV st. Johann, WsV Fieberbrunn, sK ampezzo, sK Bozen, WsV toblach, WsV Lienz, sK Ladinia. Mitgliedsbeitrag: 5 Heller

1893

1895

1904

1905

1913

Infrarotheizungen ‒

rege tätigkeiten in den versch. Vereinen. Diverse Veranstaltungen im raum innsbruck, Kitzbühel, Ötztal und st.anton. Landesskimeisterschaften. Beginnender skitourismus

1. Weltkrieg – tätigkeit des tiroler skiverbandes eingestellt

1. tiroler Meisterschaft in reutte – Langlauf und sprunglauf

1914

Wiederbeginn mit 32 Vereinen

1921

1922

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Beginn der reinen alpinen Bewerbe 1. Kandahar-rennen in st.anton mit abfahrt und slalom

erste skilehrgänge in st. Christoph. ausgebildet werden 500 Lehrer sowie 400 Jugendliche.

Der „arierparagraph“ führt immer wieder zu turbulenzen im Verband.

einweihung der Bergiselschanze

FisPremiere im alpinen skisport in Mürren

1925

1927

1928

1931

1933

und man bleibt nebenbei unabhängig von Pellets-, Öl- oder Gaspreisen. Gerne beraten wir Sie direkt vor Ort oder nach Terminvereinbarung in unserem Schauraum.

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1938


große Fisrennen in innsbruck mit 300 Wettkämpfern aus 18 Ländern

Das skigymnasium stams beginnt mit dem Unterricht.

Wiedergründung des Verbandes nach dem 2. Weltkrieg mit 16 Vereinen

Zum zweiten Mal finden in innsbruck olympische Winterspiele statt.

eröffnung der skihauptschule neustift; 1. Karwendelmarsch des tiroler skiverbandes

ÖsVsitz wird von Wien nach innsbruck verlegt

1964

1967

1969

1976

1977

1985

2001

2002

BiathlonWM in Hochfilzen.

2003/04

Mit einem Festakt am 11. Oktober begeht der TSV sein 100-jähriges Jubiläum.

Die sprungschanzenrenovierung in Kitzbühel, natters, absam und Wörgl wird abgeschlossen.

1978

alpine ski-WM in der Wildschönau für Körperund sehbehinderte

eröffnung der neuen Bergiselschanze

alpine skiWeltmeisterschaften in st. anton

einführung des tsVLandescups für schüler und Jugend

1963

olympische Winterspiele in innsbruck

1951

gründung des skipools tirol. sichert den finanziellen Hintergrund für eine bestmögliche nordische ausbildung junger ski-Weltmeisterschaft skitalente. seefeld

neuerliche auflösung des Verbandes. Der tsV wird in den reichsbund für Leibesübungen, Fachamt skilauf, eingegliedert.

1945

von 21 Schnee morgen saison

50-Jahr-Jubiläum des tsV Bisher: 156 Vereine, 18.081 Mitglieder sportliche erfolge bei bisher 4 olympischen spielen: 4x gold; 7x silber; 8x Bronze. bei Weltmeisterschaften von 1931 bis 1963: 20x gold; 15x silber; 10x Bronze.

2004/05

2007/08

Werner Margreiter wird im rahmen der 66. Jahreshauptversammlung neuer Präsident des tsV, reini eberl wird zum ehrenpräsidenten ernannt.

2009/10

2013

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VON 22 SCHNEE MORGEN SAISON

Auf der Suche nach dem Nachwuchs Ski fahren ist etwas in die Jahre gekommen. Touristiker und Seilbahner suchen daher nach Ideen, um die Jugend wieder für den Wintersport zu begeistern.

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VON S TEFFEN AROR A

as schwarze Jahr für den heimischen Skisport war 1995. Damals, vor 18 Jahren, wurde in Österreich die Schulskikurspflicht abgeschaff t. Seither gibt es eine Wahlfreiheit für Schulen. Doch die entscheiden sich immer öfter gegen den Skikurs. Für den Wintersport ein herber Schlag, immerhin waren es Schulskikurse, die jeden fünften österreichischen Wintersportler zu seiner Leidenschaft gebracht haben, so eine Studie des Instituts für Sportökonomie (SportsEconAustria). Und ohne Nachwuchs, so die vielerorts artikulierte Sorge, auch keine Zukunft. Vor allem im Tourismus schrillen seither die Alarmglocken, da der so wichtige Heimmarkt wegzubrechen droht. Zu Recht, wie die Zahlen zeigen: Nahmen 1995 noch 240.000 Kinder in Österreich an Schulskikursen teil, so sind es heute nur mehr etwa 140.000 pro Jahr. Der Bundesspartenobmann für Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer, Johann Schenner, fordert daher seit Langem die Wiedereinführung der verpflichtenden Schulskikurse. Denn, so Schenner, die Skination Nummer eins habe durch den Wegfall derselben bereits eine Generation Skifahrer verloren.

© LAURIN MOSER

Skifahren als Geldfrage. Die Gründe für die schwindende Skibegeisterung im Kindesalter sind freilich vielschichtig und nicht allein im Wegfall der Skikurspflicht zu finden. So sinken die Schülerzahlen im Allgemeinen aufgrund geburtenschwacher Jahrgänge. Zudem steigt die Zahl an Kindern mit Migrationshintergrund, die wenig Bezug zum Wintersport haben. Ein weiterer Faktor, der sich negativ auf die Zahl junger Pistenflitzer auswirkt, ist das mangelnde Angebot in Wohnortnähe. Dies betriff t sowohl die großen Ballungs-


© SPARKASSE IMST AG

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„Der Wintersport ist für Tirol essenziell, wir alle leben direkt oder indirekt von ihm. Wer als Kind nicht anfängt, diesen Sport zu betreiben, wird ihn als Erwachsener kaum ausüben. Deshalb ist es auch so wichtig, bereits im Volksschulalter anzusetzen.“ ANDRE ARNOLD, INITIATOR DER AKTION „WINTERSPORT AN SCHULEN”

räume in Ostösterreich, wo es an leicht erreichbaren Angeboten fehlt. Aber auch die ländlichen Gegenden Tirols sind betroffen. Denn immer mehr der sogenannten Dorflifte müssen mangels Rentabilität zusperren. Der tägliche Skispaß mit den Nachbarskindern am Schlepplift im Dorf war in den 1980ern noch Usus. Heute müssen die kleinen Lifte jedoch angesichts steigender Kosten oft kapitulieren. Mangels öffentlicher Förderung stirbt mit den Dorfliften auch ein Stück Wintersportkultur. Der größte Hinderungsgrund für viele ist jedoch die Preisfrage: Skifahren droht vom Breitensport zum exklusiven Luxus-

vergnügen zu werden, wenn nicht gehandelt wird. Zahlreiche Experten rufen daher auf, sich Gedanken über kostengünstige Modelle für Familien zu machen. Nur so könne gesichert werden, dass Skifahren auch in Zukunft Familiensport Nummer eins bleibt. Daher setzen viele Initiativen, die für den Erhalt der Skikultur kämpfen, genau hier an.

Angebote schaffen.

Sogar von oberster Stelle kommt Rückendeckung für die Forderung leistbaren Skivergnügens. So hat FIS-Präsident Gian-Franco Kasper bereits wiederholt seiner Sorge um den wegbrechenden Skinachwuchs Ausdruck

verliehen. Er fordert daher ebenfalls die Wiedereinführung verpflichtender Schulskikurse. Interessanter ist hingegen seine zweite Idee gegen den Niedergang des Skisports: Kostenloser Skispaß für alle Kinder unter 15 Jahren. Nur so, ist Kasper überzeugt, lassen sich die Jungen wieder langfristig für den Wintersport begeistern. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel hat die Zeichen der Zeit ebenfalls erkannt. In seinen Skigebieten, wie am Innsbrucker Patscherkofel, benötigen Kinder bis zehn Jahre lediglich die sogenannte Schneemannkarte zum Tagespreis von 2 Euro. Sein Beitrag, um Kinder wieder zum Skisport zu bringen, so Schröcksnadel. Auch

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VON 24 SCHNEE MORGEN SAISON

der Zillertaler Liftbetreiber Heinz Schultz setzt auf Nachwuchsförderung. In Kooperation mit einem Busreiseunternehmen bietet die Schultz-Gruppe ein eigenes Schulskikursprogramm unter dem Namen „ski4free“ an. Für nur 299 Euro wird eine Woche Skikurs inklusive Unterkunft, Verpflegung und An- sowie Abreise geboten. Ein Preis, der laut Veranstaltern unter den tatsächlichen Kosten liegt. Doch auch sie erachten dieses Engagement als langfristige Investition in die Zukunft des Skisports.

Im Bezirk Imst wurde im Jänner 2013 eine neue, richtungsweisende Initiative unter dem Titel „Wintersport an Schulen“ gestartet. Sämtliche Volksschulkinder des Bezirks erhalten die Gelegenheit, einmal pro Winter gratis auf die Skipiste zu gelangen – inklusive organisierter An- und Abreise der Schüler und ihrer Lehrpersonen, Skipass, Betreuung durch qualifizierte Skilehrer und Ausrüstung. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, diesen Tag denkbar günstig anzubieten. Ermöglicht wurde das vor allem deshalb, weil wir von Anfang an so viele Partner für diese Idee begeistern konnten“, erklärt dazu Andre Arnold, Obmann des Tiroler Skiverbandes (TSV) im Bezirk Imst und Initiator der Aktion. Insgesamt 1.700 Volksschüler haben sich im ersten Jahr für den Gratis-Skitag angemeldet. Neben dem TSV stehen der Bezirksschulrat, örtliche Skischulen, der Verkehrsverbund Tirol, die Bergbahnen der Region sowie Sportartikelhändler und die Sparkasse Imst hinter der Aktion. „Der Wintersport ist für Tirol essenziell, wir alle leben direkt oder indirekt von ihm. Wer als Kind nicht anfängt, diesen Sport zu betreiben, wird ihn als Erwachsener kaum ausüben. Deshalb ist es auch so wichtig, bereits im Volksschulalter anzusetzen“, erläutert Arnold die Motivation hinter der Aktion. Auch in Innsbruck wird seit Jahren mittels Gratisskitagen für Kinder versucht, dem Desinteresse am Skisport Einhalt zu gebieten. Auf regionaler Ebene sind Freizeitticket und Regiocard Werkzeuge, um Skisport für Familien wieder attraktiver und vor allem leistbar zu machen.

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Aktion „Wintersport an Schulen“.

Aller Anfang. Ski fahren zu lernen, ist auch in Tirol keine Selbstverständlichkeit mehr. Zahlreiche Initiativen sind bemüht, mehr Kinder wieder auf den Anfängerhügel zu bringen.

Wirtschaftsfaktor.

Tirol gilt mit dem Arlberg als Wiege des modernen Skisports. Diese gewachsene Tradition ist längst auch zum unverzichtbaren Wirtschaftsfaktor für das Wintersportland Nummer eins der Alpen geworden. Dennoch wird die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Branche in Österreich immer noch unterschätzt. Dabei beträgt die Bruttowertschöpfung aus dem Wintersport laut der eingangs zitierten SportsEconAustria-Studie 6,3 Milliarden

Euro (2,3 Prozent des BIP). 185.000 Menschen sind im Wintersport beschäftigt, was einen Beitrag zur Beschäftigung von rund 4,5 Prozent ausmacht. Es gilt nun also, diesen wichtigen Impulsgeber und Wirtschaftsmotor langfristig abzusichern, indem gezielt Nachwuchsförderung betrieben wird. Denn es gibt, da ist man sich in der Wintersportbranche einig, in Österreich keine wirtschaftliche Alternative zum Wintersport. ×


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von 26 Schnee morgen

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„Wintersport – das ist eine feine Mischung“ Harti Weirather war erfolgreicher Alpinsportler und vermarktet mit seiner Firma WWP seit 25 Jahren sowohl internationale Topevents als auch Spitzensportler. Ein Gespräch über die Zukunft des Wintersports. Das Interview führte Ernst Spreng.

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AISON: Herr Weirather, Sie haben den Wintersport in allen Facetten kennengelernt – als aktiver Fahrer, als Vermarkter, Berater und seit Jahren auch als Vater einer erfolgreichen Skifahrerin. Wie hat sich der alpine Spitzensport entwickelt? Harti Weirather: Im Vergleich zu meiner aktiven Zeit hat er sich extrem professionalisiert – sowohl was Material und Technik angeht, aber auch im Hinblick auf Sponsoring und Vermarktung.

Kurz vor Beginn einer Olympiasaison – wie beurteilen Sie die Zukunft des alpinen Wintersports? Absolut positiv. Die Investitionen in den österreichischen Wintersportorten zeigen, dass der Aufwärtstrend ungebrochen ist. Junge, coole Vorbilder im alpinen Skisport – im Weltcup oder auch als Freerider – motivieren junge Menschen, Ski fahren zu lernen. Wichtig ist mir, dass alle in der Industrie engagierten Stakeholder darauf achten, dass der Skisport für die breite Masse leistbar bleibt. Kritiker sagen, die Alpinrennen begeistern nur Menschen im europäischen Raum, selbst das US-amerikanische Team hat in den USA geringe Bekanntheitswerte – wie sehen Sie das? Das stimmt leider, aber daran wird international von vielen Seiten fieberhaft

gearbeitet. Mit den Hahnenkamm-Rennen haben wir diesbezüglich Glück, da diese seit Jahren live in Amerika gezeigt werden. WWP ist seit rund 25 Jahren erfolgreich als Sport- und Marketingunternehmen – warum engagieren sich internationale Topmarken als Sponsor im Ski-Weltcup bzw. im Wintersport? Nehmen wir zum Beispiel Audi. Der Wintersport im Allgemeinen und der Ski-Weltcup sind die ideale Plattform für die Quattro-Technologie, also besteht unmittelbarer Produktbezug. Andere Argumente sind, dass Wintersport zumindest in Zentraleuropa mit Sicherheit enorme Breitenwirkung hat. Viele Sponsoren, die im Sport aktiv sind, überzeugt die Tatsache, dass Wintersport als sauberer Sport wahrgenommen wird. WWP lädt – laut Eigendefinition – Marken mit den positiven Emotionen des Sports auf. Welche Werte und Markenbotschaften transportiert Ihrer Meinung nach der Wintersport? Das ist eine feine Mischung. Das Schlagwort Natur steht für mich da ganz an erster Stelle. Aber es ist nicht nur das. Wintersport hat etwas mit Dynamik zu tun und ist in vielen Kernmärkten auch mit einem enormen Lifestyle verbunden. Und nicht zuletzt


„Skispringen zeigt, dass man einen Sport nicht selbst aktiv ausüben muss, um davon begeistert zu sein.“ © WWP

Promiauflauf. Bei von Weirathers Firma WWP betreuten Events wie dem HahnenkammRennen schaut auch Arnold Schwarzenegger gerne vorbei.

hat Wintersport bei aller natürlichkeit auch sehr viel mit technologie zu tun. Was braucht es heute, um als Veranstalter im alpinen Weltcup Erfolg zu haben? eine Langfristigkeit und nachhaltigkeit im Konzept. sölden als Weltcupaustragungsort ist hier ein Musterbeispiel. seit 20 Jahren zeigen sie neben Commitment auch Professionalität im Umgang mit dem skisport, ständige Weiterentwicklung und nicht zuletzt Langfristigkeit in den Perspektiven. Ähnlich langfristig sind wir damals vor 17 Jahren auch die Vermarktungsplattform Hahnenkamm-rennen angegangen. Wir wollten eine Benchmark schaffen und das geht eben nicht in ein, zwei Jahren, sondern dazu benötigt man den Blick in die Zukunft und man muss sich einem thema voll und ganz verschreiben. Zu Kitzbühel: Warum sind die Hahnenkamm-Rennen derart erfolgreich – und das seit Jahrzehnten? in Kitzbühel stimmen einfach alle Parameter. Die rennen selbst sind sportlich auf absolutem topniveau und für die athleten eine riesige Herausforderung. Das merkt auch der Zuseher vor dem tV oder vor ort und darauf baut auch der Mythos der Veranstaltung. Dann bietet Kitzbühel eine perfekte infrastruktur. Das Zielgelände mündet quasi in die stadt, alles ist in Gehdistanz erreichbar. Für uns ist das ideal, weil wir mit dem KitzraceClub, unserem ViP-Zelt im Zielgelände, sozusagen Meetingpoint für sponsoren und deren Gäste sind. Kitzbühel ist aber auch eine region, die rund ums Jahr extrem hohen Freizeitwert und hohe Qualität entwickelt, die nähe zu München spielt hier auch mit.

WWP managt zahlreiche Spitzensportler – im Wintersport zum Beispiel Martin Schmitt oder Aksel Lund Svindal. Welche Qualitäten muss ein Sportler heute mitbringen, um eine Marke zu vertreten? Kürzlich hat ein renommierter norwegischer Marketing-experte aksel als das perfekte testimonial für mehr oder weniger jede beliebige Marke beschrieben. Das unterschreibe ich, denn er ist in meinen augen auch ein gutes Beispiel für die erfolgsfaktoren, die es braucht. natürlich ist er ein herausragender athlet, aber auch eine unglaublich tolle Persönlichkeit – klug, witzig, sympathisch und trotz allem erfolg auch bodenständig. Und das sind Werte, die Marken auch schätzen und für ihre Kommunikation verwenden wollen.

„Wichtig ist mir, dass alle in der Industrie engagierten Stakeholder darauf achten, dass der Skisport für die breite Masse leistbar bleibt.“ Abseits der Alpin-Disziplinen – welche WintersportEvents haben für Sie besonderes Potenzial, die Massen zu begeistern? skispringen zeigt, dass man einen sport nicht unbedingt ausüben können muss, um ihn begeistert zu verfolgen. auch die Volkslangläufe erfreuen sich ungebremster Beliebtheit. Wintersport hat viele Gesichter, die Massen begeistern. Vielen Dank für das Gespräch.

Als Vater von Tina Weirather haben Sie noch einmal einen ganz anderen Bezug zum alpinen Wintersport. Was braucht eine Rennfahrerin heute, um Erfolg zu haben? Was man immer noch mitbringen muss, sind eiserner Wille und Disziplin. Vielleicht sogar noch mehr als früher, weil die Konkurrenz einfach härter geworden ist. an meiner tochter tina sehe ich, wie konzentriert und hart sie diesen Job angeht und vor allem, wie sie mit gesundheitlichen rückschlägen umgeht, die ich in der Form nicht hatte. Und das beeindruckt mich sehr – nicht nur bei ihr, sondern auch bei vielen anderen jungen athleten.

ZUR PERSON Harti Weirather wurde 1958 in reutte geboren. 1981 gewann er den abfahrtsweltcup und 1982 krönte er sich in schladming zum abfahrtsweltmeister. Gemeinsam mit seiner Gattin Hanni Wenzel gründete er 1987 die sportmarketingagentur WWP, deren Zweigstellen heute von Portugal bis abu Dhabi reichen. aktuell ist seine für Liechtenstein startende tochter tina Weirather im alpinen skiweltcup erfolgreich unterwegs.

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Betriebliche Nachfolge: Herausforderung und Chance Die betriebliche Nachfolge gehört mit zu den spannendsten und richtungsweisendsten Ereignissen im Lebenszyklus eines Unternehmens. Stellt sie doch einen Neustart dar, der ebenso komplex und herausfordernd ist, wie die Gründung eines neuen Unternehmens. Genaue Regeln für die betriebliche Nachfolge aufzustellen macht wenig Sinn, da jede Nachfolge individuell gestaltet werden muss. Jedoch sollte der Zeitpunkt der Nachfolge gut geplant werden, am besten mit der Erstellung eines Ablaufplans. Weiters kommt der Analyse des Vermögensbestands und der rechtlichen Rahmenbedingungen sowie der offenen Kommunikation zwischen Übergeber und Nachfolger große Bedeutung zu. Frühe Planung Der Schlüssel einer erfolgreichen betrieblichen Nachfolge für alle Beteiligten liegt in einer frühzeitigen und sorgfältigen Planung, bei der alle Partner und Experten – insbesondere die finanzierende Bank – miteinbezogen

werden. Der überwiegende Teil der potenziellen Unternehmensnachfolgen kann als langfristig erfolgreich angesehen werden. Die Gründe für ein Scheitern von Unternehmensnachfolgen sind Spannungen in der privaten Sphäre zwischen Übergeber und Übernehmer, die fehlende Einbeziehung der potenziellen Übernehmer in die Nachfolgeplanung und die mangelnde Bereitschaft, Berater wie Rechtsanwalt, Steuerberater, Notar und Bank in die Planung zu integrieren. Leistungspaket Die Hypo Tirol Bank ist seit über 100 Jahren ein starker, verlässlicher und erfahrener Partner der Tiroler Wirtschaft und hat in dieser Zeit zahlreiche Unternehmensnachfolgen erfolgreich begleitet. In dieser, für das Unternehmen und den Unternehmer bzw. die Unternehmerin höchst spannenden Phase ergeben sich zahlreiche Chancen – in betrieblicher, aber auch in privater Hinsicht. Damit diese optimal genützt werden können, steht die Hypo Tirol Bank als Finanzdienstleister mit einem umfangreichen

Leistungspaket im Rahmen des Investitions-, Liquiditäts-, Risiko- und Veranlagungsmanagements zur Seite. Auch Kooperationspartner und Netzwerke zu rechtsberatenden Berufen helfen bei der optimalen Gestaltung der betrieblichen Nachfolge. Gemeinsam erfolgreich Unternehmer sind es gewohnt, jeden Tag wichtige Entscheidungen – oft alleine – zu treffen. Die Praxis zeigt, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit des Übergangs des Unternehmens in die nächste Generation durch die Einbindung der Familie, der Bankexperten und Experten wie Steuerberater und Rechtsanwälte steigt. Nehmen Sie die Hilfe und die Unterstützung Ihrer Experten in Anspruch und führen damit Ihr Unternehmen erfolgreich in die nächste Generation. Die Kundenbetreuer der Hypo Tirol Bank stehen mit ihrem Know-how und mit dem Netzwerk der Landesbank zur Verfügung!

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mag. Johann Kollreider Vorstand der Hypo tirol bank „Gerade in Tirol stellen Familienbetriebe dank ihrer regionalen Stärke und Tradition sowie der gewachsenen Strukturen und Werte einen stabilen und unverzichtbaren Baustein unserer Wirtschaft dar. Als Landesbank sehen wir daher unsere Verpflichtung darin, diese Unternehmen bestmöglich und vertrauensvoll durch die unterschiedlichen Phasen – von der Gründung bis zur Nachfolgeregelung und dem erfolgreichen Fortbestand – zu begleiten. Nutzen Sie unsere Kompetenzen, Kontakte und Netzwerke – wir unterstützen Sie tatkräftig bei der Umsetzung Ihrer Visionen.“

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MAGAZIN Neu in Kitz

Ski Weltcup Opening Von 28.11. bis 1.12.2013 wird der Hintertuxer Gletscher zur Weltcup-Arena im Telemark.

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er Hintertuxer Gletscher ist 2013 erstmals Austragungsort des FIS Ski Weltcup Opening Telemark. Rund 120 Sportler aus 14 Nationen werden gegeneinander antreten. Das Besondere am Telemarkrennen ist, dass es die verschiedenen nordischen Disziplinen miteinander vereint. Neben der Abfahrt ist ein Sprung zu meistern, natürlich mit einer klassischen Telemarklandung. Der Rennläufer muss einen Kreisel (360° Steilwandkurve) durchfahren und anschließend noch eine Skating-Passage bewältigen, bis er endlich die Ziellinie überquert. Rund 150 freiwillige Helfer werden beim Event am Hintertuxer Gletscher im Einsatz sein. ×

PROGRAMM: • Donnerstag, 28.11.2013: feierliche

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Eröffnungs-Zeremonie in Tux-Lanersbach Freitag, 29.11.2013: Sprint-Bewerb am Hintertuxer Gletscher Samstag, 30.11.2013: Parallel-SprintBewerb am Hintertuxer Gletscher Siegerehrung am Medal Plaza in Tux-Lanersbach Sonntag, 01.12.2013: Parallel-SprintBewerb am Hintertuxer Gletscher

© TVB KITZBÜHEL

© TELEMARK TEAM GERMANY

Gerhard Walter ist Geschäftsführer des TVB Kitzbühel.

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eit 1. Oktober hat der Tourismusverband Kitzbühel einen neuen Geschäftsführer. Mit Gerhard Walter übernimmt ein erfahrener österreichischer Touristiker die Geschäftsführung des Tourismusverbandes in der Gamsstadt. Walter, der zuletzt als GF der Tourismus-Sparte innerhalb der Verbund AG in Wien tätig war, fungierte bereits sechs Jahre als Direktor der Lech Zürs Tourismus GmbH. „Ich freue mich auf eine wirklich spannende Aufgabe: Kitzbühel ist eine TopDestination und eine der stärksten Marken im Alpenraum, deren Anziehungskraft in viele Bereiche ausstrahlt. Eine überdurchschnittliche Zahl touristischer Leitbetriebe sorgt dafür, dass Kitzbühel zu den gefragtesten Urlaubsdestinationen Tirols bzw. im ganzen Alpenraum zählt. Diesen Auftritt mitgestalten zu dürfen und die bestehenden, hochkarätigen Angebote mit den Partnern vor Ort weiterzuentwickeln und zu vermarkten, ist Ansporn und Herausforderung zugleich“, sagt Walter. ×

Tourismus trifft Industrie Am 9. Oktober ging das branchenübergreifende Forum „Tourism meets industry“ zum zweiten Mal über die Bühne.

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ourism meets industry“ (TMI) – das branchenübergreifende, internationale Forum – will die Kooperation zwischen alpiner Tourismuswirtschaft und innovationsorientierter Industrie stärken, um nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklungen zu beschleunigen und damit den Alpenraum als Smart Region stärker zu verankern. Am 9. Oktober fand die Veranstaltung bereits zum zweiten

Mal statt. Veranstaltungsort war das Hotel Klosterbräu in der Olympiaregion Seefeld. Heuer legte TMI seinen Fokus neben der Mobilität im Tourismus auf Energiemanagement und Energieeffizienz. Nach einführenden Prologen zu den Themen „Innovation im Tourismus“ (Andreas Reiter, ZTB Zukunftsbüro) und „Energiemanagement als Marketinginstrument“ (Roland Zegg, grischconsulta)

präsentierten und diskutierten die Teilnehmer gemeinsam mit hochkarätigen Fachexperten wie Kathrin Aste (LAAC Architekten ZT gmbh) oder Hugo Götsch (Freie Universität Bozen) in parallel verlaufenden Workshops unterschiedliche Initiativen. Das abschließende Abendforum stellte herausragende Projekte für eine nachhaltig orientierte Zukunft im Alpenraum ins Rampenlicht. ×


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KULTURTIPPS

Die AlpNet Partner zogen zufrieden Bilanz (v. l.): Marc Béchet (Rhône-Alpes Tourisme), AlpNet-Präsident Josef Margreiter (Tirol Werbung), Helene Forcher (AlpNet), Marco Pappalardo (Südtirol Marketing), Mirta Valentini (Trentino Marketing), Bruno Huggler (Wallis Tourismus) und AlpNet-Vizepräsident Gaudenz Thoma (Graubünden Ferien).

© CHRISTOPH RAITMAYR

© THEALPS (2)

VON ES THER PIRCHNER

AM FENSTER STEHEN „I see you from my window“ nennt Christoph Raitmayr, Preisträger des RLB-Kunstpreises 2012, seine Ausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Seine Objekte sind assoziative Szenen aus Versatzstücken der eigenen Geschichte. 25.10.2013 bis 5.1.2014, TLMF, Innsbruck

Erfolgreiche Bilanz

© FOTO ENGEL

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IM ZIMMER BLEIBEN „Quo vadis Mythos Alpen?“ – Unter diesem Titel eröff nete der Markenexperte Christoph Engl das theALPS Symposium 2013.

in Hochsöll. Die Initiatoren des innovativen Netzwerktreffens theALPS sehen sich in ihrem Weg bestärkt. 2014 soll die jährliche Fachveranstaltung theALPS in der Schweiz ausgetragen werden. ×

Otto Grünmandls Zimmertheater, 2010 im Gedenken an den großen Kabarettisten initiiert, lebt von sprachlichen Feinheiten, schräger Weltsicht und klugen Gedanken. 2013 kommen die Wellküren, Fritz Ostermayer, Martin Fritz und RaDeschnig. 31.10. bis 9.12.2013, diverse Spielorte, Hall in Tirol

© JI-ELLE

on 19. bis 20. September fand heuer zum vierten Mal – erstmalig in den Westalpen – die touristische Fachveranstaltung theALPS statt, bei der über 300 Spitzenvertreter des europäischen Alpentourismus in Chamonix MontBlanc zusammenkamen. Das Fazit der Gastgeberregion Rhône-Alpes, des Trägervereins AlpNet und dessen Partnerregionen fiel positiv aus: Auf den erfolgreichen Tag im theALPS Handelsraum, in dem 150 touristische Anbieter auf 100 Vertriebspartner aus 32 Ländern trafen, folgten ein hochkarätig besetztes theALPS Symposium und die mit Spannung erwartete theALPS AwardVerleihung am Freitag, 20. September – mit einem Sieger aus Tirol: dem Hexenwasser

DIE WELT ERKUNDEN Der zeitgenössischen Kunst aus Afrika widmet das Museum der Völker seine laufende Sonderausstellung „Afrika heute!“. Zu sehen sind Malereien und Objekte von Dominique Zinkpé (Bild), Charly d‘Almeida, Sokey Edorh, Yves Apollinaire Pèdé u. a. bis 13.4.2014, Museum der Völker, Schwaz

BUCHTIPP

Die Alpen von oben Die beeindruckenden Gebirgszüge der Alpen aus der Vogelperspektive erkunden: Die Dokumentationsreihe „Die Alpen von oben“ ermöglicht einen ganz neuen Blickwinkel auf die uns so vertrauten Berge. Die Reise führt von den Nordalpen von Salzburg bis ins Montafon, in den Südalpen von den Karawanken bis ins Engadin und zeigt auch in fünf Episoden Ausblicke auf die französischen Alpen. Die komplette Serie mit 15 Episoden auf 6 BluRay-Discs ist im August erschienen.

WEITERE VERANSTALTUNGEN

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Hick-Hackbrett: Konzert für Kinder von 1 bis 3 Jahren in der Reihe Jeunesse 19.11.2013, 15h, Freies Theater, Innsbruck, www.jeunesse.at Lange Nacht des Kabaretts: BlöZinger u. a. 31.10.2013, 20h, Mehrzweckhalle Walchsee Mara. Romantische Oper von Josef Netzer ab 7.12.2013, Tiroler Landestheater, Innsbruck, www.landestheater.at Guitar Night Tux: R. Luna, D. Mana, F. Morone 29.11.2013, 20.30h, Tux-Center, Tux www.schwindelfrei.at


32 Magazin saison

Der Hotelier als Zeitungsmacher Frühstücken ist im Hotel ein Ritual. Man hat Zeit, genießt und auf den Tisch kommt die hoteleigene Zeitung. Diese zu gestalten, soll für Hoteliers nun einfacher werden, verspricht ein Tiroler Start-up. Von Erns t Spreng

D

ie Hotelzeitung ist ein Service, das man im Urlaub gerne in Anspruch nimmt. Das aktuelle Wetter, die Menükarte für den Abend, der freie SpaTermin und Tipps für die Tagesgestaltung – all das bekommt man in vielen Hotels kompakt auf dem Frühstückstisch präsentiert. Die Qualität des Zeitungsproduktes aus dem Hotelkopierer ist allerdings sehr unterschiedlich, Qualität zu bieten für viele Hotels schwierig. Ein Tiroler Start-up will die Produktion von Hotelzeitungen nun revolutionieren. Das Team von Hotelmedia Service aus Innsbruck glaubt nicht nur an die Strahlkraft der guten alten Hotelzeitung, sondern hat im vergangenen Jahr

ein webbasiertes Programm erfunden, mit dem sich der Arbeitsaufwand für das Hotelpersonal minimieren soll – und die Qualität der Zeitung steigen.

Zu kompliziert. Dominik Linser, zuständig für Marketing & Sales des Start-ups Hotelmedia Service, kennt die Problematik aus der Praxis: „Früher wurden Nachrichten aus Zeitungen ausgeschnitten und zu einer Morgenpost zusammengeklebt. Heute gibt es zwar längst Software dafür, doch ist diese oft kompliziert und unflexibel.“ Was kann nun das neue Programm? Auf der heurigen FAFGA wurde das Programm erstmals einem breiten Fachpublikum vorgestellt. Die Hotelzeitung


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© HoTELMEDia sERViCE (2)

Morgenpost. In vielen Betrieben gehört die Hotelzeitung auf dem Frühstückstisch zum gehobenen Service und dient als Informationsund Verkaufsplattform.

Start-up. Wollen die Produktion von Hotelzeitungen vereinfachen (v. l.): Geschäftsführer Hubert Schneeberger, Investor Michael Falkner, Martin Klampferer (IT) und Dominik Linser (Marketing & Sales).

„Bisher hatten ähnliche Programme oft Vorlaufzeiten von mehreren Stunden, schnelle Änderungen waren nicht möglich.“ HUBERT sCHnEEBERGER, GEsCHÄFTsFÜHRER HoTELMEDia sERViCE

der Zukunft wird nach einem einfachen Kochrezept zusammengestellt: Je nach Wunsch des Hotels wird allgemeiner inhalt bereits vordefiniert und von Presseagenturen und Wetterdiensten aktuell importiert. Die sportmeldung des Tages, die Wetterprognose – darum muss man sich nicht mehr kümmern. „Unser Programm arbeitet geodifferenziert. Es ist sogar möglich, inhalte des jeweiligen TVBs zu integrieren“, erklärt Hubert schneeberger, der Geschäftsführer des neuen Unternehmens. „Diese inhalte sind die Hülle für die Hotelzeitung. Das Hotel gibt dann aktuell seine eigenen inhalte dazu – vom Menü am abend bis zum Wandertipp.“ Wichtig war für schneeberger hier die Funktion der Wiederholung. „Bei unserem system muss beispielsweise der wöchentlich wiederkehrende Rodelabend nicht jedes Mal neu geschrieben werden. Man speichert den artikel einmal ab und kann ihn die ganze saison wiederverwenden“, so schneeberger.

Rezept Schnelligkeit.

Das neue Programm zum Erstellen einer Hotelzeitung soll Konkurrenzprodukte in punkto schnelligkeit und aktualität übertrumpfen. „Bisher hatten ähnliche Programme oft Vorlaufzeiten von mehreren stunden, schnelle Änderungen waren nicht möglich“, erklärt schneeberger. „Bei uns kann der Küchenchef mit einem eigenen Login das Menü des abends auch kurzfristig ändern.“ Zusätzlich gibt es viele Verknüpfungsmöglichkeiten. Die inhalte der Hotelzeitung können direkt in die Homepage eingepflegt werden, angedacht sind auch schnittstellen zu apps oder dem Hotelfernsehen. Die Menükarte im Lift kann genauso daraus generiert werden wie auch ein kurzfristig ausgedruckter Willkommensbrief für ankommende Gäste. Ein weiteres Merkmal der Tiroler innovation soll sein, dass auch mehrsprachige Zeitungen leichter zu gestalten sind. „Derzeit arbeiten wir an einer eng-

lischen und einer italienischen Version“, so schneeberger. Weitere sprachen sollen folgen. „Um die Mehrsprachigkeit umzusetzen, verhandeln wir derzeit mit internationalen Presseagenturen. Wir sind der Meinung, dass die inhalte für eine sprache aus dem jeweiligen Kulturkreis kommen sollen.“ Übrigens gibt das Programm auch einen alarm ab. Ändert man in der deutschsprachigen Version etwas, wird man aufgefordert, alle sprachen zu ändern. Fehler sollen so ausgeschlossen sein.

Aktueller Stand. „auf der FaFGa hatten wir den ersten großen Test unseres Programmes“, erklärt Hubert schneeberger. „Die Resonanz aus der Hotellerie ist sehr gut.“ Derzeit wird bei dem innsbrucker Unternehmen noch intensiv programmiert. Die Wünsche, die von interessierten Hotels auf der FaFGa herangetragen wurden, fließen in die aktuellste Version ein. ab november sollen dann die ersten Hotels mit der fertigen software arbeiten. angesprochen wird vor allem die Hotellerie im Bereich zwischen drei und fünf sternen, das system bietet aber auch kleineren Betrieben die Möglichkeit, eine eigene Zeitung zu schaffen. Das Tool ist ab einem monatlichen Preis von 99 Euro für Kleinbetriebe erhältlich und variiert je nach Betriebsgröße und gewünschten sprachversionen. ×


34 MAGAZIN SAISON

DÄNEMARK

Gesellige Skandinavier

Ski-Event. Seit zwölf Jahren erlebt Aarhus vor Saisonbeginn einen Vorgeschmack auf den Winter in Tirol.

Die Dänen sind begeisterte Skifahrer. Rund drei Viertel der dänischen Gäste kommen zum Wintersport nach Tirol. V O N M AT T H I A S K R A P F

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inen ganz besonderen Wintereinbruch erlebte Aarhus auch dieses Jahr. Zum mittlerweile zwölften Mal verwandelte Schnee vom Ötztaler Gletscher das Zentrum der zweitgrößten Stadt Dänemarks in ein kleines Skiparadies. 30.000 Besucher bekamen so Anfang Oktober einen Vorgeschmack auf einen Winterurlaub in Österreich und insbesondere in Tirol – denn Sölden und Tirol Werbung fungierten auch heuer als Hauptsponsoren des spektakulären Events.

Beliebter Skiurlaub.

Die Dänen lieben den Winterurlaub, für viele ist er überhaupt der wichtigste Urlaub im Jahr. Schätzungen der Österreich Werbung zufolge fahren rund 500.000 Menschen des 5,6-Millionen-Einwohner-Landes im Norden Europas jährlich auf Skiurlaub. Österreich ist dabei nach Norwegen die zweitbeliebteste Destination. Im Bundesländerranking führt Salzburg mit 50,8 Prozent der Nächtigungen im Winter vor Tirol mit 39,6 Prozent (Zahlen aus dem Winter 2012/13), die restlichen Regionen folgen mit deutlichem Abstand. Dass die Dänen vor allem in der kalten Jahreszeit in die Alpen kommen – und das am liebsten während der dänischen Semesterferien im Feber –, ist eine relativ junge Entwicklung. Noch Anfang

der 90er-Jahre war das Verhältnis der Saisonen in Tirol deutlich ausgeglichener: 58 Prozent der Übernachtungen entfielen auf den Winter, 42 Prozent auf den Sommer. „Heute werden knapp drei Viertel der dänischen Übernachtungen im Winter generiert“, weiß Patricia Meixner, in der Tirol Werbung zuständig für die Marktbearbeitung in Dänemark. Macht im Winter Rang 10 im Tiroler Gästemix.

„Heute werden knapp drei Viertel der dänischen Übernachtungen im Winter generiert.“ PATRICIA MEIXNER, MARKETING NORDEUROPA IN DER TIROL WERBUNG

Hohe Kaufkraft. Der dänische Gast ist eine interessante Zielgruppe, gehört das kleine Königreich doch zu den kaufkräftigsten Ländern Europas (Platz 5). Pro Einwohner stehen den Dänen um 72 Prozent mehr konsumrelevantes Einkommen zur Verfügung als dem europäischen Durchschnitt. Die durchschnittlichen Ta-

gesausgaben beim Urlaub in Tirol fallen denn auch etwas höher aus. Die Dänen schätzen in Tirol neben dem vielfältigen und hochwertigen Angebot für Skifahrer insbesondere die Geselligkeit und Gastfreundschaft. Kulinarik und Après-Ski genießen bei den Nordlichtern einen entsprechend hohen Stellenwert, wobei es vor allem Familien sind, die sich für einen Aufenthalt in Tirol entscheiden. Die am dänischen Markt nächtigungsstärksten Tourismusverbände sind im Winter Ötztal Tourismus, PaznaunIschgl und St. Anton am Arlberg. Im Sommer stehen Kitzbüheler Alpen – Brixental, Innsbruck und seine Feriendörfer sowie Kitzbüheler Alpen St. Johann i. T. in der Gunst der Dänen ganz oben.

Fokus auf den Winter.

„Auf Grund der positiven Tendenz der Winternächtigungen in den letzten zwanzig Jahren sehen wir das Wachstumspotenzial ganz klar im Winter“, erklärt Patricia Meixner. Nach dem Auftaktevent Anfang Oktober fährt die Tirol Werbung in Zusammenarbeit mit der Österreich Werbung diesen Winter in den dänischen Kernmärkten Kopenhagen und Aarhus wieder eine große Kampagne mit Online-Schwerpunkt. Ziel ist es, die Marktanteile im Winter auszubauen und zu Salzburg aufzuschließen. ×


© ÖSTERREICH WERBUNG (2)

REISEMARKT DÄNEMARK IN ZAHLEN: DER TYPISCHE DÄNISCHE GAST: ist etwas jünger als der durchschnittliche Tirol-Gast (40,5 vs. 42 Jahre). AUFENTHALTSDAUER: Im Winter 5,4 Tage (Tirol gesamt: 4,9 Tage) und im Sommer 3,3 Tage (Tirol gesamt: 4,0 Tage). BEVORZUGTE UNTERKUNFT: Ein gutes Drittel der dänischen Gäste entscheidet sich für eine Ferienwohnung (Tirol gesamt: 25 %), Nächtigungen in der gehobenen Hotellerie fallen mit 20 % deutlich unterdurchschnittlich aus (Tirol gesamt: 34 %). WINTERAKTIVITÄTEN: Skifahren (93 %), Snowboarden (12 %), Rodeln (15 %), Winterwandern (20 %), Langlaufen (6 %). Kulinarik und Après-Ski als Urlaubskomponenten mit überdurchschnittlicher Bedeutung. ANREISE: Trotz der langen Anreise (Kopenhagen–Innsbruck: 1.100 km) ist der eigene PKW das Hauptreisemittel. BUCHUNGSGEWOHNHEITEN: Der Großteil der dänischen Gäste bucht die Unterkunft direkt beim Vermieter (54 %), gefolgt vom Reisebüro (20 %). Bei der Buchung auf Online-Reiseportalen liegen die Dänen mit 14 % deutlich unter dem Durchschnitt von 22 %. INFORMATIONSQUELLEN: Das Internet ist mit Abstand die wichtigste Infoquelle (63 %). TAGESAUSGABEN: Die Tagesausgaben (inkl. Anreise) liegen mit € 129,- etwas über dem Tirol-Schnitt von € 123,-. MARKTANTEIL: 1,3 % im TJ 2011/12 (Winter: 1,6 %, Sommer: 0,8 %). REISEHÄUFIGKEIT 2011: Sehr hohe Auslandsreiseintensität von 205 %.

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© TIROL WERBUNG

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36 MAGAZIN

© ALBRECHT

SAISON

Der Gast der Zukunft Wie die veränderten gesellschaftlichen Werte Einfluss auf Tourismusangebote von morgen nehmen. GASTKOMMENTAR VON CHRISTOPH D. ALBRECHT

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er Tourismus bewegt sich stets im Wandel der Zeit und unterliegt einem ständigen Weiterentwicklungsprozess, der geprägt ist von Innovationen und neuen touristischen Attraktionen. Im Wandel der Zeit stehen auch die veränderten gesellschaftlichen Werte und Konsumvorlieben, die massiven Einfluss auf die Wirtschaft rund um den Globus und besonders im Tourismus haben. Die Grundmotive für einen Urlaub in alpinen Destinationen werden grundsätzlich weiter Bestand haben. Was sich ändert, ist, dass diese Grundmotive fragmentierter und selektiver werden. Dass manche Grundmotive, die bis dato nur eine geringe Rolle gespielt haben, eine wesentlichere Bedeutung in der Kaufentscheidung bekommen und manche Motive neu hinzukommen. Tourismusmanager, Hoteliers und Funktionäre tun nun gut daran, sich verstärkt mit einem wichtigen makro-ökonomischen Faktor ganzheitlich zu beschäftigen: dem Gast und seinen Wertehaltungen und Konsumpräferenzen. Nur so wird es gelingen, neue gästeorientierte Konzepte zu kreieren, die eine solide Nachhaltigkeit gewährleisten.

Paradigmenwechsel. Sechs Bedürfnis- und Wertefelder werden den zukünftigen Tourismus bestimmen: EGO-Tourismus, Neo-Health, Native-Eco, Inspiration, know how ... – und VerNETZung. Die Grundlage für eines der wichtigsten Wertefelder, EGO-Tourismus, ist der Paradigmenwechsel und die Sichtweise auf sich selbst. Typische Eigenschaften sind: ICH-Konsum, der Sinn zum Speziellen, Sprunghaftigkeit, Selbstbestimmung und Abwechslung. Es geht darum, seine Persönlichkeit über den Konsum zum Ausdruck zu bringen, zum Beispiel wofür man steht, was man gerne hat und wer man gerne sein möchte. Der kritische Faktor bei steigender Individualität des Gastes ist die steigende Spezialisierung des Betriebes beziehungsweise der Destination. Das bedeutet: weg vom Gießkannenprinzip, hin zur Fokussierung und Spezialisierung. Gäste werden verstärkt Angebote suchen, die ihnen einen persönlichen und nachhaltigen Nutzen bringen. Dabei spielen auch Angebote zur kreativen und geistigen Inspiration oder der Verbesserung ihrer Vitalität und Gesundheit entscheidende Rollen.

Inspiration im Urlaub.

Das Wertefeld Inspiration berücksichtigt die Bedürfnisse aus einer Welt, in der jeder Mensch täglich mit ganz banalen, stereotypen Dingen konfrontiert wird. Die psychischen Einflüsse des Alltages werden immer mehr und sind extrem laut und intensiv geworden. Dadurch ist die Sehnsucht einerseits nach stillen Ruheorten und andererseits nach inspirierenden Orten, wo die Gäste in neue Gedankenwelten eintauchen können, sehr stark. Mit der Sichtweise auf sich selbst nimmt auch die Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit zu. Es geht primär darum, den Gast für kurze Zeit aus seiner stereotypen und angespannten Welt herauszuholen und ihn durch das positive Ansprechen der Sinne und durch verschiedenste Formen der Inspiration in eine neue und angenehme Gedankenwelt zu entführen.

Lebensqualität steigern. Menschen wollen lernen, wie ihr Körper funktioniert, sie wollen erfahren, was ihm ernährungstechnisch gut tut, und können dadurch selbstgesteuert und aktiv ihre nachhaltige Vitalität und Lebensqualität steigern. Die Verschmelzung von Gesundheit und Tourismus im Wertefeld Neo-Health wird daher zunehmend stärker. Der Tourismus im Alpenraum entwickelt sich dabei in drei grobe Stoßrichtungen: Genuss-Wellness, Holistic Vitality und Medical Regeneration. Die drei Stoßrichtungen steigern sich in der medizinischen Betreuung, wobei Medical Regeneration den höchsten medizinischen Anteil hat. Dabei geht es wahlweise um eine ganzheitliche Regeneration, wobei die Ernährung eine wichtige Rolle spielt oder um das Behandeln von bestimmten Krankheiten. Holistic Vitality deckt den ganzheitlichen Fitness- und Vitalitätsbereich ab, der genauso eine Leistungsdiagnostik, individuelle Bewegungs- und Sportkonzepte als auch Mentaltraining und Wellness zur Entspannung bereitstellt. Beim klassischen Wellnessthema wird sich zunehmend die Spreu vom Weizen trennen. Die qualitätsorientierten Wellnessbetriebe werden den hohen Ansprüchen der Gäste der Zukunft gerecht werden und Profite erwirtschaften. Nicht die Größe des Wellnessbereiches macht dabei den Unterschied, sondern die Qualität am


Gast, die Inspiration, die der Gast erfährt, und der hohe Entspannungsgrad, der erzielt wird.

Lust, Neues zu lernen.

Es klingt paradox, aber obwohl sich die Menschen vor Reizüberflutungen nicht mehr retten können und ständig neues Wissen aufnehmen, ist die Lust, Neues zu lernen, das der Persönlichkeit nahekommt, sehr groß. Der alpine Tourismus bietet für den Gast, mit seinen natürlichen Ressourcen, ausgezeichnete Voraussetzungen, Neues zu lernen. Den Gästen wird das intensive Erlebnis mit und in der Natur und damit verbunden die ökologische Verantwortung wichtiger denn je. Darauf setzt das Wertefeld Native-Eco, das sich im Groben aus drei Themenbereichen zusammensetzt: 1. ganzheitliche Naturerlebnisse, wobei ganzheitlich, Natur und Erlebnis, jeweils für sich betrachtet werden muss, 2. ressourcenschonender Betrieb und 3. Transparenz und Authentizität.

Neue Konzepte. Der intrinsische Drang nach Freiheit, im Urlaub frei von Zwängen zu sein, zu fundamentalen Werten wie Tradition und Regionalität benötigt für die Individualisierungsgesellschaft neue, adäquate Konzepte. Nachhaltiges Gästebeziehungsmanagement wird im Zeitalter der VerNETZung zum wichtigsten Marketinginstrument der Zukunft. Das Wertefeld know how ... berücksichtigt den Wissensdurst, die Neugier und Transparenz der Konsumwelt von morgen. Lernen wird zum Volkssport. Der Gast der Zukunft informiert sich mehr und wird kritischer sein, er verlässt sich nicht mehr nur auf die Werbung oder Verkaufsbroschüren. Der Gast selbst wird immer mehr zum Co-Experten. Er will genau wissen und verstehen, wie etwas unter welchen Rahmenbedingungen entsteht, wie und warum etwas funktioniert und woher es kommt. Die Gäste von morgen möchten lieber mittendrin sein statt nur dabei. Das Wertefeld know how ... beschäftigt sich aber auch damit, entscheidendes Wissen über seinen Gast zu erfahren, um Beziehungsmanagement erlebbar zu machen.

In Zukunft werden jene Betriebe und Destinationen die Nase vorne haben, die sich verstärkt mit dem Gast und seinen Werten und Bedürfnissen ganzheitlich auseinandersetzen.

Ein Weg zum perfekten Beziehungsmanagement führt über den „Buddy“. Der Buddy ist kurz erklärt ein Personal Coach für Hotelgäste. Der Concierge der Zukunft übernimmt unter anderem Aufgaben in der Urlaubsplanung, idealerweise schon vor der Ankunft, und betreut die Gäste nach ihrer Ankunft. Der Buddy filtert die Bedürfnisse der Gäste, bietet adäquate Lösungen und erfasst die Informationen strukturiert in einem CRM-System. Erst durch das Erfassen und Auswerten von Informationen über Vorlieben und Wünsche der Gäste können die Hoteliers völlig neue und bedarfsorientierte Leistungen anbieten, um so dem Mitbewerb einen Schritt voraus zu sein. Je individueller und punktgenauer die Angebote, desto erfolgreicher.

Fazit. Der Tourismus ist einem ständigen Wandel ausgesetzt. Gerade Veränderungen in der Wertehaltung und bei den Vorlieben der Menschen bringen auch Veränderungen in der Kaufentscheidung für die Wahl der Urlaubsdestination und der Art und Weise, wie man seinen Urlaub verbringen möchte. In Zukunft werden jene Betriebe und Destinationen die Nase vorne haben, die sich verstärkt mit dem Gast und seinen Werten und Bedürfnissen ganzheitlich auseinandersetzen. Der Wandel der Zeit passiert in jedem Fall und unaufhörlich. Die Frage ist nur: Wer ist dabei? Wer ist fit für die Zukunft?×

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38 Magazin saison

Der Initiator. Horst Szeli kämpft für sein Projekt. Noch sind Finanzierungsfragen zu klären.

©Emanuel Kaser, Arche Herzensbruecken Seefeld (2)

Familien jährlich in Seefeld eine Woche Urlaub genießen. „Eine Woche Normalität, Erholung, Auszeit, das möchten wir diesen massiv belasteten Familien bieten“, sagt Horst Szeli, „hier sollen sie einmal nicht ausgegrenzt sein. Das sind sie eh ihr ganzes Leben.“ Zeit für sich, den Partner, die gesunden Geschwister, ist ein Luxus, den diese Eltern oft schon seit Jahren nicht mehr kennen. „Wo sollen sie denn hin, wenn das kranke Kind ständige ärztliche Betreuung oder Therapien benötigt? Welches Hotel akzeptiert, dass zum Beispiel im Speisesaal alle zehn Minuten der Schleim aus den Atemwegen eines Vierjährigen gesaugt werden muss?“, fragt der Herzensbrücken-Initiator.

Eine Woche Normalität Familien mit pflegebedürftigen Kindern oder Jugendlichen haben in Österreich keine Möglichkeit, in einem Hotel Urlaub zu machen. Das Projekt „Arche Herzensbrücken“ soll das ändern. Die Idee ist ehrenhaft, die Nachfrage groß, die Finanzierung schwierig. V o n N i n a H e i z e r-Wa lc h

E

s ist schwer, im Tiroler Tourismus etwas wirklich bahnbrechend Neues zu entwickeln. Viele kluge Köpfe haben sich viele Jahre lang schon innovative Ideen ausgedacht. Von praktisch bis skurril, vom Trendsetter bis zum Kurzzeithit gibt es schon alles im Angebot. Horst Szeli ist es trotzdem gelungen, etwas bisher noch in ganz Österreich nicht Dagewesenes zu entwickeln: ein Hotel für schwerkranke Kinder und Jugendliche. „Man kann in Tirol mit jedem Hund oder Wellensittich Urlaub machen. Aber mit einem pflegebedürftigen

Kind habe ich keine Möglichkeit, eine Woche Hotelaufenthalt zu buchen“, sagt Szeli.

Auszeit.

Das will Szeli mit dem Projekt „Arche Herzensbrücken“ nun ändern. Die Hardware dafür hat er schon. Seine Frau führt seit dreißig Jahren ein Wellnesshotel in Seefeld. Sie war von der Idee sofort begeistert und erklärte sich bereit, das Familienhotel für die besonderen Bedürfnisse ihrer neuen Zielgruppe umbauen zu lassen. Für maximal sechs Familien soll das Hotel Solstein nach der Renovierung Unterkunft bieten. Bei voller Auslastung könnten 240

Drei Säulen. Das Angebot des Hotels wird auf drei Säulen stehen: Begleitung und Therapeuten, Freizeitangebot und Wellnessbereich für die geforderten Eltern, Pflege und Therapien für das kranke Kind und Therapieangebote und Unterhaltungsprogramm für das gesunde Geschwisterchen. „Die sind meist die Belastetsten. Keiner hat Zeit für sie, kein Geld ist für sie übrig und oft müssen sie bei der Betreuung der kranken Schwester oder des kranken Bruders mithelfen“, sagt Szeli. Die Eltern können individuell entscheiden, wie ihre Auszeit-Woche gestaltet wird. Wollen sie diese hauptsächlich zu zweit verbringen und sich auf ihre Partnerschaft konzentrieren, wissend, dass beide Kinder gut versorgt sind? Oder mit dem gesunden bewusst viel Zeit verbringen, mit ihm wieder einmal Ski fahren oder Schwimmen gehen? Oder einfach mal wieder eine Nacht durchschlafen? Alle Beteiligten sollen in der Zeit Kraft gewinnen, ihre Ressourcen gefördert werden. 5.000 Euro pro Woche. Das alles klingt perfekt – und teuer. Es braucht topqualifiziertes Personal, die Infrastruktur muss vorhanden, alles barrierefrei gebaut sein. Die Kalkulation ist nicht gewinnorientiert angelegt. Trotzdem kostet eine Woche Aufenthalt von vier Personen mit einem schwerkranken Kind oder Jugendlichen rund 5.000 Euro. Das kann natürlich nicht komplett auf die Familien umgelegt werden. Meist gibt es nur mehr einen Verdiener, da jemand rund um die Uhr mit der Pflege des kranken Kindes beschäftigt ist. Für die Familien ist ein Selbstbehalt, je nach Familieneinkommen gestaffelt, vorgesehen. Allerdings nach oben offen. Bestverdiener zahlen den gesamten Preis. Alle anderen zahlen, was sie können. Den Rest versucht der gemeinnützige Verein Herzensbrücken


39 „Man kann in Tirol mit jedem Hund oder Wellensittich Urlaub machen. Aber mit einem pflegebedürftigen Kind habe ich keine Möglichkeit, eine Woche Hotelaufenthalt zu buchen.“

rund um das Ehepaar szeli über Fundraising zu finanzieren. Die szelis wollen keine Familie abweisen, nur weil sie zu wenig Einkommen hat. Erst wenn die Kosten für ein Jahr im Voraus ausfinanziert sind, gibt der Verein grünes Licht für den Umbau des Hotels. Derzeit ist die Eröffnung für sommer oder Herbst 2014 geplant. anmeldungen gibt es bereits. Über mangelnde nachfrage macht sich szeli auch keine Gedanken. in Deutschland gibt es ähnliche angebote, aber mit starkem Klinikcharakter. „Die wirken wie schöne Pflegeeinrichtungen. Bei uns soll wirklich der Urlaub im Vordergrund stehen“, sagt szeli. in ganz Österreich gibt es überhaupt keine solche oase für Familien mit pflegebedürftigen Kindern.

HoRsT sZELi, iniTiaToR aRcHE HERZEnsBRÜcKEn

einige Prominente haben schon ihre Bereitschaft zur Mithilfe zugesagt. Die Tirol Werbung begrüßt das Projekt und würde sich freuen, wenn Tirol als erstes Bundesland Österreichs eine solche Unterstützung für die Familien mit schwerkranken Kindern anbieten könnte. szeli nimmt inzwischen Termine beim Land, den Krankenkassen und anderen Einrichtungen wahr. Dass das Vorhaben in drei Zuständigkeiten – Tourismus, soziales und Gesundheit – fällt, macht den Finanzierungsweg nicht leichter. „niemand fühlt sich zuständig und jeder verweist auf das andere Ressort.“ Doch szeli gibt nicht auf. Für seine zweite Lebenshälfte hat sich der 48-Jährige vorgenommen, etwas sinnvolles zu machen, etwas wofür es sich rentiert, aufzustehen und sich zu engagieren. Er glaubt fest an das Zustandekommen seines

Keine 08/15-Anträge.

Doch vorher muss die Finanzierung stehen. alles hängt von öffentlichen Förderungen und spenden ab. „Das Projekt ist so neu, dass keine 08/15-Formulare dafür vorhanden sind. ich kann nicht einfach einen Förderantrag ausfüllen, für unsere idee gibt es noch keinen“, sagt szeli. Unterstützer findet er in den Bürgermeistern von seefeld und Telfs, dem chef der innsbrucker Kinderklinik, auch

Projekts Urlaub für Familien mit pflegebedürftigen Kindern und ist sich sicher: „Wir werden die Ersten sein.“ × www.herzensbruecken.at Das Hotel. Nach dem Umbau soll das Hotel Solstein in Seefeld maximal sechs Familien Unterkunft bieten.

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40 MAGAZIN SAISON

Totgesagte leben länger Gurgltaler Erfolgsgeschichte. In Nassereith steigen die Nächtigungszahlen. Ein Grund dafür sind die Kletterer, die das Dorf am Fuße des Fernpasses entdeckt haben. V O N J A N E K AT H R E I N

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wei Kornweckerl mit Butter, Müsli und Joghurt, Kaffee. Wer sich bewegt, braucht Energie, erklärt Martina Tschann und bringt diese auf einem Tablett an den Tisch. Das „Frühstück für Kletterer“ serviert sie im Café Tritsch-Tratsch seit zwei Jahren. Das Gegenstück für Radfahrer heißt „Via Claudia“ und sei ebenso gefragt, berichtet die Wirtin des Cafés, das sich am Postplatz in Nassereith befindet. „Die perfekte Lage“, sagt Tschann, „alle, die auf dem Weg in die Klettergärten sind, müssen hier vorbei.“ In der 2080-Seelen-Gemeinde Nassereith am Fuße des Fernpasses ist der Kletterer ein gern gesehener Gast. „Die Preise für Unterkunft und Essen sind

hier noch moderat“, stellt Bergführer und Vermessungstechniker Joachim Malaun zufrieden fest. Das sei nicht in allen Kletterregionen der Fall, fügt der Nassereither noch hinzu. Inzwischen tragen hier sechs Quartiere das Climbers-Paradise-Zertifikat, ein Gütesiegel, das Betriebe auszeichnet, die sich besonders um den Kletterer bemühen, darunter auch ein Hotel. Seit 2010 bewirbt die Region den Klettersport als Freizeitmöglichkeit für den Gast verstärkt. Rückenwind dazu kommt aus Imst.

Klettermekka.

Vor sechs Jahren hatte Mike Gabl eine Idee. Immer mehr Menschen zog es in den Fels. Klettern boomte und der Oberländer Kletterguru wollte diesem Trend mit etwas Großem

begegnen: Climbers Paradise. Also erhob er die bestehende Infrastruktur und baute diese mit Hilfe der regionalen Tourismusverbände, dem Regionalmanagement Imst und der Tirol Werbung aus. Heute umfasst das Projekt 16 Regionen in ganz Tirol, mehr als 5.000 Alpinkletterrouten, 3.000 Sportkletterrouten, 1.500 Boulderprobleme sowie zahlreiche Klettersteige und Eiskletterwände. Imst hat sich zum Tiroler KletterMekka entwickelt. 3.000 neu ausgerüstete oder sanierte Routen aller Schwierigkeitsgrade liegen innerhalb von 45 Minuten Anfahrtszeit, darunter die Gärten von Nassereith und rund um Imst, die Spielwiese der Area 47 und die Klettergebiete des Ötztals.


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© TVB IMST (2)

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Kletterparadies. Die Klettergärten und -routen rund um Nassereith locken Kletterer aus nah und fern an.

„Zukünftig planen wir auch für den Winter eine intensive Bewerbung der Klettergebiete, da durch die Südausrichtung der Wände das Klettern ganzjährig möglich ist.“ ANDREA HUTER, IMST TOURISMUS

Neue Zielgruppe.

Auch Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Werbung, spürt den Wind und sieht eine neue Gästeschicht: „Die Kletterer sind eine absolut attraktive touristische Zielgruppe. Klettern und alpines Bergsteigen sind eine zentrale Erfolgsgeschichte der Marke Tirol. Beides steht an der Spitze unserer Bergkompetenz und bildet somit auch ein Imagefundament für unseren Bergwandertourismus.“ In vielen Köpfen gilt der Kletterer noch immer als „Wildcamper“, der sich selber versorgt und kaum Wertschöpfung im Land lässt. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt anderes: Immerhin zwölf Prozent der Gäste, die nach Tirol kommen, klettern gerne. Es sind vor allem

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Für jeden etwas. Die Felsen in Nassereith sind für alle Kletterer – vom Anfänger bis zum Profi – interessant.

© TIROL WERBUNG, IMST TOURISMUS (2)

gerne bewegt. „Seit die Sport-Mittelschule in Imst ihre Tore geöffnet hat, interessieren sich auch in Nassereith immer mehr Junge für den Sport“, berichtet Joachim Malaun auch von positiven Auswirkungen auf das Leben in der Gemeinde.

„Die Kletterer sind eine absolut attraktive touristische Zielgruppe. Klettern und alpines Bergsteigen sind eine zentrale Erfolgsgeschichte der Marke Tirol.“ JOSEF MARGREITER, GESCHÄFTSFÜHRER DER TIROL WERBUNG

Dänen, Holländer, Belgier, Deutsche und Österreicher, die sich hierzulande den Wänden annähern. Die Tirol Werbung hat den Kletterer inzwischen „in eine eigene Zielgruppe aufgenommen, die mehrere Outdoorsport-Arten verbindet“, weiß Ulrich Huber, vom Bereich Marketing. Die virtuelle Plattform von Climbers Paradise ist zur Anlaufstelle für Kletterer weltweit geworden.

Alleingang.

Zufällig erfuhr ein Nassereither Gemeinderat von Climbers Paradise und Bürgermeister Reinhold Falbesoner war sofort begeistert. Als sich der damals für Nassereith zuständige Tourismusverband Mieminger Plateau aber daran nicht beteiligen wollte, nahm Nassereith selber 200.000 Euro für die Erschließung der umliegenden Felsriegel in die Hand. Der Bürgermeister stellte zusätzlich eine Privatwiese als Parkplatz zur Verfügung.

„Im Götterwandl hat schon Weltcupkletterer Adam Ondra trainiert“, plaudert Bergführer Joachim Malaun aus dem Nähkästchen. Seit 2007 wird der Fels über Nassereith organisiert eingebohrt. Alle Klettereinrichtungen der Umgebung müssen strengen Qualitätsvorgaben entsprechen, so sind Joachim Malaun und die Kollegen der Bergrettung das ganze Jahr hindurch unterwegs – sie räumen Schutt weg, sie putzen Wände, sie sichern nach. In der breiten Wandflucht bei Nassereith steckt noch viel Potenzial für neue Routen. Die Felsen in Nassereith seien eine Rarität. Warum, erklärt Joachim Malaun gleich darauf: „Anfänger und Profis finden hier interessante Touren in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, die von 3 bis 9a reichen. Wo gibt es das sonst in Tirol?“ Ein vielfältiges Gebiet, in dem sich übrigens auch die frühere Europameisterin Bettina Schöpf mit ihren Kletterschülern

Die Wende. Eine düstere Zukunft wurde Nassereith nach der Eröffnung der Umfahrung 1994 vorausgesagt. Die Tagesgäste, die bis dahin auf ihrer Reise über den Fernpass in dem Dorf stoppten, blieben plötzlich aus. Die Blechlawine war zwar aus dem Ort verbannt, doch das Dorf war tot. Inzwischen hat es sich bis nach München herumgesprochen: Die Felsen in Nassereith sind für Kletterer aller Schwierigkeitsstufen geeignet. Aus dem totgesagten Dorf ist ein attraktiver Ort für Outdoorbegeisterte geworden. Andrea Huter vom Imst Tourismus sieht die positive Entwicklung in den Nächtigungszahlen, die binnen zwei Jahren in den Monaten Mai bis Oktober um 2.000 Übernachtungen gestiegen sind: „Zukünftig planen wir auch für den Winter eine intensive Bewerbung der Klettergebiete, da durch die Südausrichtung der Wände das Klettern ganzjährig möglich ist.“ In Nassereith wurde in letzter Zeit viel über eine Boulderhalle diskutiert, als interessante Ergänzung zur Kletterhalle in Imst. Hinter vorgehaltener Hand erfährt man, ein möglicher Platz dafür könnte das Hallenbad in Nassereith sein, das erst vor Kurzem geschlossen wurde. Es wäre eine der größten Boulderhallen, die es bisher gibt. ×

APP FÜR KLETTERER Umfangreiche Informationen zu allen Klettergebieten bietet die Plattform Climbers Paradise auch für iPhone und Android-Smartphones. Neben Topos (grafische Darstellung einer Route) für die Disziplinen Sportklettern, Mehrseillängen, Klettersteige, Bouldern und Eisklettern und einer übersichtlichen Regionsdarstellung ist auch die Suche nach einer nahen Unterkunft möglich. Die kostenlose Climbers Paradise App bietet auch nützliche Features, wie die Bewertung des subjektiv empfundenen Schwierigkeitsgrades der gekletterten Route, eine Klettertagebuchfunktion und die Möglichkeit, der Community eigene Bilder zu präsentieren. www.climbers-paradise.com


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S

AISON: Herr Schatz, vom Übersetzer Harry Rowohlt stammt das Zitat: „Es gibt die deutsche Sprache ja, man kann mit ihr rummachen.“ Kann man mit der deutschen Sprache besonders gut rummachen? WILFRIED SCHATZ: Ob man besonders gut mit ihr rummachen kann, weiß ich nicht, weil ich außer Dialekt nur die deutsche Sprache halbwegs beherrsche und ein bisschen Schulenglisch. Ich kann jedenfalls gut mit ihr rummachen. Ich vergleiche die Sprache, das Vokabular oder den Wortschatz gerne mit einer Werkzeugkiste. Wenn jemand etwas zusammenschrauben muss, überlegt er, welchen Schraubenzieher er dafür nehmen soll. Wenn ich etwas verständlich machen will, muss ich mir auch überlegen, welche Möglichkeiten ich habe. Rummachen ist gut, das ist genau das, was ich tue.

© EMANUEL KASER

Der öffentliche Raum ist für Wilfried Schatz beschreibbare Fläche: mit WortKunst, die für Aha-Erlebnisse und Unterhaltung sorgt.

Der Wortspieler Vor ihm ist kaum ein Wort sicher: Wilfried Schatz hat das Spiel mit der Sprache zur Kunst erhoben und erfindet Begriffe wie BeFehler, AllerHandschrift oder AußerfErnstfall, die zum Nachdenken bringen, Diskussionen anregen oder unterhalten sollen. Über Sprache lässt sich mit dem Tiroler Worteschöpfer auch gut reden. DAS INTERVIEW FÜHRTE ESTHER PIRCHNER.

Sie haben sich mit Sprache, zum Beispiel als Journalist, schon immer beschäftigt. Wie sind Sie zur WortKunst gekommen? Ich habe mich schon sehr lange damit beschäftigt, früher vor allem im Dialekt – vielleicht, weil ich in Münster, Westfalen, studiert habe und versucht habe, den Kontakt zu daheim nicht zu verlieren. Schon vor dreißig Jahren habe ich Wörter aufgeschrieben wie die APO-Theke, abgeleitet von der Außerparlamentarischen Opposition. Vor ein paar Jahren habe ich begonnen, solche Dinge festzuhalten, zu kultivieren und zu verbreiten. Zum Beispiel verschicke ich an 400 Abonnenten – von Andreas Braun und Abt German bis Toni Innauer – das „Wort zum Tag“ und das hat immer eine gewisse Resonanz. Sie haben sich für die kleinste literarische Form entschieden, die Arbeit an einem einzigen, pointierten Wort. Was lässt sich damit besser ausdrücken, als es eine Geschichte oder ein Roman könnte? Meine Intention ist, mit einem Blick etwas erschließbar zu machen. Im Idealfall geschieht das im öffentlichen Raum, wo sich Leute bewegen, wo Leute warten … Man kann ihnen einen Anstoß geben, eine kurze, knappe Botschaft, sodass sie eingeladen sind, entweder hinzuschauen


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fragen: „Welches Rollenbild haben wir als Tiroler?“, und die anderen: „Was sind überhaupt die Tiroler?“

Das Spektrum Ihrer Projekte ist sehr breit. Ihre WortKunst gestalten Sie für Handwerksbetriebe, soziale Einrichtungen, Galerien, das Bundesheer und viele mehr. Fällt Ihnen zu jedem Thema etwas ein? Erstens fällt mir immer etwas ein, und zweitens versuche ich immer, das auch unter die Leute zu bringen. Ich habe einfach relativ zäh versucht, Leute zu kontaktieren und ihnen das schmackhaft zu machen. Inzwischen geht es schon leichter und die Leute kommen auch auf mich zu. Thematisch bin ich ziemlich breit aufgestellt. Grenzen gibt es dort, wo die kontroverse Auseinandersetzung nicht möglich ist.

Sie setzen sich nicht nur mit dem Tourismus auseinander, sondern haben sich auch zu allen 279 Tiroler Ortsnamen WortKunst einfallen lassen und einen Teil der Ausstellung „Tschett – eine Imster Familie“, die Ihre eigene Familie ist, gestaltet. Ist es schwieriger, zu Themen, die einem so naheliegen, die richtigen Worte zu finden? Ich glaube nicht wirklich, weil ich mir einbilde, dass ich auch eigene Dinge relativ distanziert betrachten kann. In der Ausstellung kommt zum Beispiel vor, dass ein Onkel im Ort ein Vorzeige-Nazi war. Das ist ja kein Ruhmesblatt, aber es ist ein Faktum. Man muss das nicht mit den drastischsten Worten machen, aber es aufzuarbeiten und es mit den eigenen Mitteln darzustellen, das muss auch möglich sein. Das ist halt ein Talent, das ich habe.

„Was sind überhaupt die Tiroler?“ Aber es geht eher um den positiven Aspekt, mit dem man die Leute aufmerksam macht. Ein Beispiel ist der Tourismus: Die Hotels haben alle ihre Wellnessanlagen und Whirlpools. Die Lifte sind gebaut. Jetzt müsste man die Gäste mit Inhalten ansprechen. Da gibt es ein Potenzial, bei dem ich mir einbilde, dass ich etwas beitragen könnte – zum Beispiel, indem die Tische, Zimmer, Tiefgaragenplätze individualisiert werden, statt mit einer Nummer versehen zu sein. Damit sind wir auch bei den Themen Leitsysteme und Kunst am Bau beziehungsweise auch dabei, dass Sie Ihre Werke nicht als reinen Text, sondern als bildende Kunst, als WortKunst gestalten. Vor fünf Jahren hätte ich mich WortKunst – die Bezeichnung ist nicht von mir – nicht in den Mund zu nehmen getraut. Inzwischen ist es aber gelungen, den Begriff zu etablieren. Spannend ist natürlich das: Wie will man etwas darstellen und – ohne viel Aufwand – unter die Leute bringen? Dazu kann man den öffentlichen Raum nutzen:

© WILFRIED SCHATZ (4)

oder nicht, sich dazu etwas zu denken oder nicht, sich mit jemandem darüber zu unterhalten oder nicht.

Statt nackten Beton zu zeigen, könnten moderne (Tourismus-)Architekturen auch schriftliche Denkanstöße geben. Ideen dafür hat Wilfried Schatz genug – etwa für die Stationen der Hungerburgbahn und die Rosshütte.

Plätze, Fassaden, Haltestellen, Bahnhöfe. Die Stationen der Hungerburgbahn finde ich sehr gelungen, und die Fläche, die die Architektur bietet, könnte man auch noch anders nutzen, indem man etwas hinschreibt wie al.pincode oder tirol. lenbild. Die Einheimischen könnten sich

Braucht es auch viel Übung dazu, wenn man gekonnt mit Worten spielen will? Es braucht Übung, aber eher muss man aufpassen, nicht immer mit dem Gleichen daherzukommen, man muss es verknappen und eine Auswahl treffen. Mir fällt oft so viel ein, dass ich gar nicht weiß, wohin damit. Da musst du einen guten Filter einschalten, weil du selbst oft nicht mehr weißt: Ist das ein kompletter Blödsinn oder nicht? Und wie betrachtet das jemand, dem das nicht alles durch den Kopf gegangen ist? Meine Frau [die Journalistin Irene Heisz, Anm.] ist eine klare Kritikerin. Vieles, vor allem das „Wort zum Tag“, geht nicht hinaus, bevor sie es nicht gesehen hat. Vielen Dank für das Gespräch.

WWW.SPRACHKABI.NET Wer sich auf der Homepage von Wilfried Schatz umsieht, findet dort eine Vielzahl verschiedener Projekte, Ideen, Bilder, T-Shirts und Tassen, die sich mit Sprache beschäftigen. Der Kunst des Wortspiels widmet sich Schatz schon seit Langem, zum Beruf gemacht und intensiviert hat er diese Tätigkeit vor einigen Jahren. Inzwischen ist er, der zusammen mit seinem Journalistenkollegen Stefan Dietrich im Medienbüro der Gemeinde Telfs arbeitet, ein gefragter Wortschöpfer. Unter seinen Auftraggebern sind das Forum Alpbach, die Brotbuben, ubuntu, die Raiffeisen Regionalbank Telfs und das Bundesheer. Eines seiner nächsten Projekte ist die Gestaltung eines Weges rund um die SOS-Kinderdorf-Niederlassung in Innsbruck-Egerdach mit Begriffen zu Themen wie Kinder und fremde Kontinente.

×


B

Neue Kollaborationen. Eine ähnlich spektakuläre Kombination erwartet Besucher von fmRiese – Forward Music Festival auch am zweiten Festivaltag 2013, wenn das Wiener Trio Elektro Guzzi mit dem chilenisch-britischen Techno-DJ Cristian Vogel zusammentriff t. Elektro Guzzi treten in der klassischen Rock-Besetzung Gitarre/Bass/Schlagzeug auf und spielen LiveTechno mit akustischen Instrumenten. (Wer im vergangenen Jahr das Konzert des Brandt Brauer Frick Ensembles erlebt hat, weiß, welche rhythmische Kraft in solchen Ansätzen liegt.) Cristian Vogel zählte in den 1990er-Jahren zu den ersten TechnoStars in Brighton und Berlin, ist Producer und bildete mit Jamie Lidell bis 2005 das Techno-Funk-Duo Super_Collider. Die Verbindung mit Elektro Guzzi öffnet somit die Möglichkeit, aus elektronischen und akustischen Mitteln tanzbare Clubmusik entstehen zu lassen.

Auf Solopfaden. Dass das Spektrum bei fmRiese noch sehr viel breiter ist, zeigt die Auswahl der übrigen Gäste, beispielsweise der Solisten des Festivals: Unter ihnen findet sich Iva Bittová, die eines ihrer perfor-

Mit neuem Ensemble in Wattens: Hang-Spieler Manu Delago © MARIE STAGGAT, MADISON, MAREIKE FOECKING, IVA BITTOVA, MANU DELAGO, GERHARD BEGER

egrifflichkeiten der Musik sind nicht immer einfach zu fassen. Was unter Bezeichnungen wie Techno, Pop oder Neue Musik subsummiert wird, liegt oft meilenweit voneinander entfernt und basiert auf den unterschiedlichsten Einflüssen und Perspektiven. Umso größer ist der Reiz, diese verschiedenen Facetten von Musik zusammenzubringen, Überschneidungen und Berührungspunkte zu entdecken oder sogar neue Kombinationen zu finden, die so ungewöhnlich wie im Ergebnis einleuchtend sind. Gerade dies versucht der Musiker und Komponist Christof Dienz, der als künstlerischer Leiter das Festival fmRiese betreut, mit der Auswahl von scheinbar weit auseinanderliegenden künstlerischen Konzepten, die er an drei Konzerttagen zusammenfasst. 2012, bei der ersten Auflage von fmRiese, regte er eine Kollaboration des Wiener Electro-Akustik-Trios Radian mit dem wild wuchernden Universum aus Alternative Rock, Country, Blues, Punk, Lo-Fi und Avantgarde Noise des Gitarristen und Sängers Howe Gelb an und initiierte so einen poetischen, weltoffenen Auftritt, in dem Strukturiertheit und das lustvolle Abweichen davon in ausgewogenem Verhältnis zueinander standen.

Britischchilenischer DJ und Producer: Cristian Vogel

Popqueen von der dunklen Seite: Emika

Eine intensive Musikerfahrung verspricht der Auftritt der Geigerin und Sängerin Iva Bittová.

Pop trifft Techno trifft neue Klassik Die zweite Ausgabe von fmRiese – Forward Music Festival in den Swarovski Kristallwelten führt die wesentlichen Grundgedanken des Vorjahres fort und agiert an der Schnittstelle zwischen elektronischer und akustischer Musik, zwischen Pop und zeitgenössischer Klassik: zu hören vom 28. bis 30. November 2013 in sechs Konzerten. VON ES THER PIRCHNER

mativen Konzerte mit Geige und Stimme gibt, eine Meisterin darin, ganz spezifische, dichte Klangräume entstehen zu lassen. Man könnte fast sagen als Gegenpol dazu hat Christof Dienz die britische Elektronikerin Emika eingeladen, die vor einigen Jahren aus Großbritannien nach Berlin gezogen ist und dort im Techno-Club Berghain musikalische Inspirationen gefunden hat. Wie Iva Bittová beschränkt sich Emika auf ihre Stimme und ein „Instrument“ – in diesem Falle Live-Electronics –, schafft damit aber dunkle, raue Popsongs von großer Anziehungskraft. Den dritten Soloauftritt bestreitet der Pianist und Komponist Hauschka, des-

sen Musik sich weniger auf den Tasten als vielmehr im Inneren des Klaviers abspielt. Präparierte Klaviere finden normalerweise in der zeitgenössischen klassischen Musik Verwendung, dort werden Saiten mit Gafferband verklebt, Gegenstände eingebaut oder Hämmer gedämpft. Hauschka hat diese Techniken für sich adaptiert und erzeugt mit seinem Klavier Geräusche und Töne, die sich zu einer tonalen, tanzbaren Clubmusik zusammenfügen. Von der TicTac-Schachtel bis zum Tischtennisball, von Metallteilen bis zu gefundenen Objekten, deren klangliche Wirkung er ausprobiert, reicht das Spektrum der Materialien, die eine Funktion im Innenraum des Klaviers erfüllen.


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College and University Studies

Klavierpräparator: Hauschka

Erster geglückter Versuch: Howe Gelb fand 2012 mit Radian eine gut funktionierende musikalische Basis.

Neben einem Violoncello als einzigem „echtem“ Melodie-Instrument und dem Hang, Delagos Hauptinstrument, findet sich nicht nur die ganze Bandbreite von Schlagwerk auf der Instrumentenliste, sondern auch „E-Toys“, Licht und Zahnbürsten. Die rhythmischen Möglichkeiten, die die alltäglichsten Dinge in sich tragen, beschäftigen Manu Delago schon lange und werden von ihm in Kompositionen für Zahnbürsten, das Malen eines Selbstporträts und anderen durchaus ausgenutzt. Das Spielerische und Offene, der Reichtum an Ideen, die sich in diesem Konzert zeigen, sind ein weiteres wesentliches Detail in der erstaunlich vielgestaltigen Nische, die die Swarovski Kristallwelten und Christof Dienz mit der Etablierung von fmRiese geschaffen haben. Dass sich das Wattener Kristallmuseum als Kulisse für Konzerte dieser Art und für die anschließenden DJ-Sets ausgezeichnet eignet, hat sich schon im vergangenen Jahr gezeigt. Für Zuhörer, die sich auf die unterschiedlichsten Ausprägungen aktueller Musik einlassen wollen, bietet fmRiese ein Programm, wie es in Österreich nur sehr selten zu finden ist. ×

Bombenabwurf.

Tüftelt Hauschka mechanisch am Sound, so ist der Brite Matthew Herbert ein Elektroniker reinsten Wassers, einer, der die unendlichen Weiten der Geräusche und ihres Potenzials als musikalische Grundelemente erforscht. Konkret bedeutet das, aus tonalem Ausgangsmaterial von nur wenigen Sekunden ganze Soundlandschaften zu kreieren. Nach dem aufsehenerregenden Projekt „One Pig“, in dem er akustische Momentaufnahmen aus dem Leben eines Schweines verarbeitete, hat sich Herbert nun einer zehn Sekunden dauernden Aufnahme eines Bombenabwurfs im Libyenkrieg gewidmet. Der „sehr politische Mensch“ (Dienz über Herbert) setzt mit dem Projekt „The End of Silence“ auch ein Statement gegen den Krieg. In Wattens ist er als Teil eines vierköpfigen Ensembles von Elektronikern zu hören, die „The End of Silence“ live auf die Bühne bringen.

CD-TIPPS • • • • • • •

Emika: Dva, Ninja Tune (rough trade) 2013 Matthew Herbert: The End of Silence, Accidental 2013 Hauschka: Salon des Amateurs, Fatcat (rough trade) 2011 Elektro Guzzi: Parquet, Macro (Alive) 2011 Cristian Vogel: The Inertials, Shitkatapult (Alive) 2012 Iva Bittová: Fragments, ECM Records (Universal) 2013 Manu Delago: Bigger than Home, Sessionwor (Lotus Records) 2013

Am Hang. Bleibt noch ein Tiroler Projekt zu nennen, das neben der Begegnung von Elektro Guzzi und Cristian Vogel die zweite Uraufführung bei fmRiese 2013 ist. Dafür hat der Tiroler Tausendsassa Manu Delago unter dem Titel „ Manuscripts Ensemble“ ein Quartett zusammengestellt, dessen Schwerpunkt auf Percussion – der musikalischen Heimat Delagos – liegt und das bei fmRiese erstmals auftritt.

DAS FESTIVAL • • •

fmRiese – Forward Music Festival 28. bis 30. November 2013 mit: Emika, Matthew Herbert, Hauschka, Elektro Guzzi meets Cristian Vogel, Iva Bittová solo, Manu Delago’s Manuscripts Ensemble • Swarovski Kristallwelten, Wattens www.kristallwelten.swarovski.com

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Es ist wieder soweit: Der Campus des International College of Tourism & Management und der Manchester Metropolitan University in Bad Vöslau öffnet seine Türen! Was unsere Besucher erwartet: • Cocktail-Mixen • Länderquiz • Come together mit den Studenten • Gewinnspiel: gewinne die Studiengebühr für dein erstes Studienjahr! Für weitere Fragen steht Ihnen das ITM-Team jederzeit gerne persönlich zur Verfügung. ITM College Johann-Strauss-Strasse 2 2540 Bad Vöslau Tel. +43 (0)2252 790260 office@itm-college.eu www.itm-college.eu


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49 KOMMENTARE SAISON

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nlängst war ich als einfacher Klarinettist bei einem Oktoberfest, dessen unzählige Varianten angesichts steigender Nachfrage nach kollektivem Besäufnis geradezu aus dem Boden schießen. Wie bei der Blasmusik üblich waren zum nachmittäglichen Termin noch kaum Leute im Zelt und die Bühne mit dem Equipment einer aus Funk und Fernsehen bekannten Band vollgeräumt. Also galt es zuerst, mit Bierbänken den Konzertplatz einzurichten, sich vor schütter besetzten Rängen der Kunstausübung zu widmen und anschließend, wie es heißt, in den gemütlichen Teil des Abends überzugehen.

Zum Gefühl der Scham gesellte sich rasch Wut darüber, mit welcher Ungeniertheit es hierzulande üblich ist, dass der Name und die hoheitlichen Symbole Tirols ununterbrochen von Leuten missbraucht werden, die damit ihre Geschäfte machen. Selbiger bestand darin, dass bei Verzehr eines halben Huhnes mit Semmel samt alkoholischer Begleitgetränke eine Musikgruppe, die aus ein paar Jünglingen in nagelneuer Lederhose bestand und deren Name an prominenter Stelle das Wort „Tirol“ enthielt, die Bühne besiedelte und mit der Darbietung jener volkstümlichen Musik begann, deren Niveau lakonisch nur noch mit „äußerst tief“ zu bezeichnen ist. Auf den umfänglichen Bäuchen und Brüsten der Barden, die den Marsch „Dem Land Tirol die Treue“ auf ihren E-Gitarren jede halbe Stunde einmal herunternudelten, um das Publikum zur

Das Nichts

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VO N A LO I S S C H Ö P F

alpenländischen Gröhl-Variante eines Nürnberger Parteitags zu animieren, prangte übrigens, wie könnte es anders sein, der Tiroler Adler. Als ein mit tadellosem Stammbaum geradezu als Aborigine zu bezeichnender Einwohner unserer schönen Bergheimat schämte ich mich angesichts einer solch niederschmetternden Außenwirkung wieder einmal in Grund und Boden. Dabei gesellte sich, wahrscheinlich durch den penetranten Musiklärm neurologisch induziert, zum Gefühl der Scham rasch Wut darüber, mit welcher Ungeniertheit es hierzulande üblich ist, dass der Name und die hoheitlichen Symbole Tirols ununterbrochen von Leuten missbraucht werden, die damit ihre Geschäfte machen und durch ihre Hervorbringungen Außenstehenden den Eindruck vermitteln, ihre Tiroler Mitbürger seien auch nichts anderes als zu jeder Prostitution bereite Alpin-Dodel. Als Schriftsteller kann ich zum Beispiel nur hochachtungsvoll nicken, wenn ein Kollege sich aus Wien oder München kommend bezeichnet! Das klingt noch nach etwas! Weshalb denn auch besonders tüchtige Landsleute längst auf die Idee verfallen sind, sich als in Mailand oder in New York tätige Bildhauer beziehungsweise Musiker zu präsentieren. Der Ruf unseres Landes ist nämlich im Niveausegment bereits derart ruiniert, dass das Beiwort „Tirol“ in Zusammenhang mit Kunst oder Literatur an Rufschädigung grenzt. Vielen Dank allen, die es so weit gebracht haben! × Alois Schöpf lebt als Journalist und Schriftsteller in Lans.

VON ERNS T MOLDEN

m vergangenen Sommer machten meine Familie und ich unsere erste ganz große Reise. Zu fünft fuhren wir durch den tiefen, schwülen, schwitzenden US-amerikanischen Süden bis New Orleans, Louisiana, wo wir meinen dort arbeitenden Bruder trafen. In New Orleans war es atemberaubend, inspirierend, erschreckend und wunderschön. Aber davon möchte ich jetzt gar nicht erzählen.

Wir suchten und fanden das amerikanische Dorf und die amerikanische Kleinstadt, beides heißt hier gleichermaßen „town“, was das Ganze noch seltsamer macht. Ich möchte von den Fahrten hin und zurück erzählen. Von unseren Fahrten durch ein seltsam leeres Land, das einmal Florida hieß, dann Alabama, dann Mississippi. Wir verließen die „Interstates“ oft, um die Landschaft zu sehen, wir fuhren an verwinkelten Küsten entlang, durch riesige sumpfige Wälder aus Pinien, Lebenseichen und uralten Zypressen, wir fuhren an enormen Flüssen entlang, am St. Johns River, am Apalachicola River, am Mississippi. Wir suchten und fanden das amerikanische Dorf und die amerikanische Kleinstadt, beides heißt hier gleichermaßen „town“, was das Ganze noch seltsamer macht. Diese Dörfer und kleinen Städtchen sind leer. Sie haben oft nur eine Kreuzung als Mitte, manchmal eine Hauptstraße, aber diese Mitten sind entleert, vernagelte Geschäfte, geschlossene Wirtshäuser. Einzig die Kirchen, deren es viele gibt, scheinen in Betrieb. Auf

alten Kinotafeln mit beweglichen Buchstaben werben sie für das Wort des Herrn: „Today I will love like Jesus!“ steht da, oder „Church is a hospital for sinners“. Und die Menschen? Sie wohnen am Rande der Dörfer. Sie sind abseits der Tankstellen und Drive-Ins, wo sie ihre Autos und sich ernähren, schwer zu finden. Sie sind vornehmlich arm in dieser Gegend, ob Weiße oder Afroamerikaner. Weil hier alles so dschungelig und überwuchert ist, muss man richtig Ausschau halten, wie nach Wild. Dann sieht man diese Häuser, am Ende schlammiger Wege, unter Bäumen. Davor die ausrangierten Autos der letzten dreißig Jahre, von Hendln bewohnt, von Farnen bewachsen. Die Menschen, die hier leben, sind freundlich, aber auch verweht. Der holländische Essayist Geert Mak hat in seinem großartigen, dicken Buch „Amerika!“ das Verschwinden und Verkommen der amerikanischen „Main Street“, der Hauptstraße, konstatiert, die gleichermaßen das Zentrum der Ansiedlung darstellt als auch für den Zusammenhalt der Gesellschaft steht. Die Amerikaner auf dem Lande hätten sich mit Klimaanlagen und Fernsehern ganz in die innere Emigration begeben, während draußen die Gemeinsamkeiten vertrockneten. Nach der Rückkehr aus einem solchen Land nach Europa fühlt man Verschiedenes: Stress und Unhöflichkeit, aber auch Jugend, Beweglichkeit. Etwas mehr Leben. × Ernst Molden, 45, lebt als Liedermacher und Schriftsteller in Wien. Für seine Alben und Bücher wurde er mehrfach ausgezeichnet. Im heurigen Herbst wird sein Theaterstück HAFEN WIEN am Wiener Rabenhof uraufgeführt.

© BÖHME

Wem gehören Tirol und der Tiroler Adler?


50 NACHGEFRAGT SAISON

15 FR AGEN AN ...

Franz Dengg DREI SCHÖNE ORTE AUF DER WELT (AUSSERHALB TIROLS): Wien, Vancouver, Zermatt DIE GRÖSSTEN TUGENDEN IM TOURISMUS: Gastfreundschaft, Pioniergeist, Weitblick DIE GRÖSSTEN SÜNDEN IM TOURISMUS: Konkurrenzkampf, Überheblichkeit, Preisdruck DIE STÄRKEN DES TIROLER TOURISMUS: Natur, Herzlichkeit, herausragende Dienstleistung DIE SCHWÄCHEN DES TIROLER TOURISMUS: Wetter, Saisondenken, Verkehrsspitzen DIE BESTE IDEE DER LETZTEN FÜNF JAHRE: Das Tirolerhaus zu verwirklichen. Die Berggastronomie ist maßgeblich ausschlaggebend für die Bewertung eines Skigebietes. LETZTER URLAUB (WANN UND WO?): Im September in Östersund – Mittelschweden. Die Herbstlandschaft gleicht dem Indian Summer. ICH LERNE VON: Jetzt von meinen Kindern, früher von den Tourismuspionieren Hans Falkner, meinem Großvater Franz sowie meinem Vater Horst MEIN LIEBSTER WINTERSPORT: Skifahren

FÜR DEN WINTERTOURISMUS WÜNSCHE ICH MIR: Entzerrung der Ferienzeiten in unseren Gäste-Herkunftsländern MEIN LIEBLINGSORT IN TIROL IST: Lermoos und Ehrwald in der Tiroler Zugspitz Arena SANFTER TOURISMUS HEISST FÜR MICH: Den Gast für die Naturschönheiten Tirols zu begeistern und ihm „sanft“ auf den Gipfel zu helfen DIE GRÖSSTE HERAUSFORDERUNG IN DEN NÄCHSTEN JAHREN: Qualität halten und immer wieder verbessern, die Mitarbeiter für neue Ideen begeistern BRAUCHT TIROL MEHR LIFTE? Ja, mehr Komfortanlagen – Verbindungsbahnen – Skigebietszusammenschlüsse und vor allem neue Zubringerbahnen in die Skigebiete, auch von Nicht-Tourismusorten

© PRIVAT

OHNE SCHNEE WÄRE TIROL: Ein mittelmäßiges Tourismusland, das am europäischen Tourismusmarkt keine große Rolle spielen würde

Franz Dengg ist Geschäftsführer der Tiroler Zugspitzbahn.


Wenn’s um den Tourismus geht, ist nur eine Bank meine Bank.

IN E

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