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THEATER

JOURNAL

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Es gibt Banken, die machen Theater. Und eine, die fรถrdert das Ballett Basel.

blkb.ch


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DIE VOLLENDUNG DES PAARES

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WIR BILDEN AUS: THEATERMALER_INNEN

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VERSUCH EINER PSYCHOLOGISCHEN

THEATERJOURNAL 15 / 16 # 2

MÄRCHENINTERPRETATION 11

WEIHNACHTSZEIT UND NEUJAHR

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KIRCHE HAT FLÜCHTLINGS-DNA

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ICH BIN DABEI: DIE EREIGNISSE

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HINTER DEN KULISSEN

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KULT-STAR-TUS

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BARRIEREFREIES THEATER BASEL

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AUF DER SUCHE NACH DER ANTIKE

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RÄTSEL ZUM ANTIKE-SCHWERPUNKT

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DAS REZEPT: FALAFEL MIT BABA GANOUSH

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JUNGES HAUS: STÜCKE RECHNEN

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JUNGES HAUS: FAMILIENBANDE

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KOLUMNE: DAS SCHAUSPIELENSEMBLE

THEATERTAG Einmal im Monat gibt es bei einer Vorstellung den reduzierten Eintrittspreis von CHF 30 auf allen Plätzen.

CURTAIN CALL – Die TheaterMacher bauen ihren Comic auf. Das ganze Bild gibt es auf www.theater-basel.ch und der Facebook-Seite des Theater Basel. Szenario: Fabian Degen (arbeitet an der Porte und im Archiv des Theater Basel), Illustration: Robert Keller (Leiter der Statisterie am Theater Basel)

BILLETTKASSE Mo bis Sa, 11 – 19 Uhr Abendkasse: Jeweils 1 Std. vor Vorstellungsbeginn billettkasse@theater-basel.ch +41 (0)61 295 11 33

ADRESSEN UND KONTAKTE INTENDANT Andreas Beck VERWALTUNGSDIREKTORIN Danièle Gross REDAKTION Dramaturgie und Öffentlichkeitsarbeit, Junges Haus und Betriebsdirektion GESTALTUNG Raffinerie AG für Gestaltung, Zürich FOTONACHWEISE Det Kempke (S. 17), Marcel Schaar (S. 18), Simon Hallström (S. 19), Elena Brotschi (S. 26), Raffinerie AG für Gestaltung (S. 8, 11, 12, 22)

FANPOST Wie fühlt es sich an, ein echter Star zu sein? Auch für die zweite Ausgabe des Theaterjournals durften wir wieder interessante Gespräche führen, wie mit «Jesus Christ Superstar»-Darsteller Alexander Klaws. Nach seinem Sieg bei der Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» startete er mit Mut und harter Arbeit eine steile Karriere. Wie kommt es, dass manche Menschen dabei unterstützt werden, wenn sie ihr Leben selbstbestimmt in die Hand nehmen und nach ihrem Glück suchen, während andere für das gleiche Streben kriminalisiert werden? Die derzeitige Flüchtlingskrise reflektiert die Schweizer Dramatikerin Darja Stocker in ihrem Stück «Nirgends in Friede. Antigone.». Ihre Titelheldin lässt sie Kritik an der aktuellen Praxis und der WegschauMentalität üben. Über das Engagement für Flüchtlinge und die Wichtigkeit, den Austausch zwischen den Kulturen zu fördern, haben wir uns mit Frank Lorenz, dem Co-Leiter der Offenen Kirche Elisabethen in Basel, unterhalten. In dieser Ausgabe möchten wir Ihnen aber auch die Werke junger Nachwuchstalente aus dem Ausbildungsbetrieb des Theater Basel zeigen, genauso wie aus den Schreibwerkstätten unserer Theaterclubs. Daneben gibt es wieder einiges zu rätseln und zu gewinnen für Gross – zum Antike-Schwerpunkt des aktuellen Spielplans – und Klein, mit den Bildern des JungenHaus-Illustrators Andreas Spörri. Gidon Horowitz von der Psychologischen Gesellschaft Basel haben wir gefragt, welche «Archetypen» sich in den Figuren aus Mozarts berühmter Oper «Die Zauberflöte» erkennen lassen. Papageno – zweifellos ein Star der Operngeschichte – könnte demnach welchen Archetyp im Sinne C.G. Jungs darstellen? Schreiben Sie Papageno! Und gewinnen Sie einen unvergesslichen Vorstellungsbesuch: Im Orchestergraben erleben Sie das Sinfonieorchester Basel aus nächster Nähe und die Bühnenhelden aus einer ganz neuen Perspektive. Wir wünschen Ihnen viel Spass bei der Lektüre und spannende Einblicke in das Theater Basel! Ihre Redaktion

BILLETTKASSE Telefon +41 (0)61 295 11 33; www.theater-basel.ch ÖFFNUNGSZEITEN DER BILLETTKASSE Theaterplatz: Mo – Sa, 11 – 19 Uhr DIE ABENDKASSE öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. VORVERKAUF AUCH ÜBER Kulturbüro Riehen, Baselstrasse 43 Kantonsbibliothek Baselland Liestal, Emma Herwegh-Platz 4

THEATER BASEL, Postfach, CH-4010 Basel Grosse Bühne, Kleine Bühne, Nachtcafé / Box: Theaterstrasse 7, 4051 Basel SCHAUSPIELHAUS: Steinentorstrasse 7, 4051 Basel 

AKTUELLE SPIELPLANINFORMATIONEN www.theater-basel.ch – Änderungen vorbehalten

Eine Beilage der bz Basel.

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S O T Ö NT S L Ä B E


DES PAARES Psychoanalytiker Gidon Horowitz über die tiefenpsychologischen Aspekte nach C.G. Jung in Mozarts «Die Zauberflöte»

Bild: Jason Evans

DIE VOLLENDUNG

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DIE VOLLENDUNG DES PAARES Mozarts Oper «Die Zauberflöte» – Märchen, Mysterienspiel und Volkstheaterstück – thematisiert auf vielen Ebenen nicht mehr und nicht weniger als das pure Leben und die ewige Suche nach dem richtigen Weg, nach einer lebenswerteren Gesellschaft. Eine Möglichkeit der Interpretation ist die Betrachtung der Geschichte und ihrer Figuren aus dem Blickwinkel des von C.G. Jung entwickelten psychoanalytischen Ansatzes. Juliane Luster, Operndramaturgin am Theater Basel, traf sich dazu mit dem Psychoanalytiker und Märchenerzähler Gidon Horowitz, Mitglied der Psychologischen Gesellschaft Basel. Herr Horowitz, Sie sind Psychoanalytiker und arbeiten nach der Methode C.G. Jungs. Bevor wir uns Mozarts «Zauberflöte» zuwenden, möchte ich Sie fragen, ob es in der Theorie C.G. Jungs zwei oder drei Kernaspekte gibt, die für die Betrachtung der «Zauberflöte» von Bedeutung sind?

C.G. Jung hat zwei Begriffe geprägt, die mir in diesem Zusammenhang wichtig erscheinen: Archetyp und Individuationsprozess. Archetypen könnte man als Grundstrukturelemente der Seele bezeichnen, als Urbilder, die gestaltlos vorgegeben werden und in bestimmten Lebenssituationen aktiviert werden. Archetypen gehen auf uralte Erfahrungen der Menschheit und des Lebens überhaupt zurück. Sie können sich auf verschiedene Art und Weise ausprägen und zeigen. Das lässt sich gut am Archetyp der «Mutter» erklären: Seit es Menschen gibt, gibt es Erfahrungen von «Mutter». «Mutter» kann auf der einen Seite sehr nährend und hilfreich erscheinen, auf der anderen Seite kann sie aber auch zerstörerisch und verschlingend sein. Archetypen haben immer sowohl lebensfördernde als auch lebensbedrohliche Aspekte. Wie äussern sich diese Archetypen in unserem Seelenleben? Wenn man die Seele als innere Bühne betrachtet, dann wird diese Bühne auf der persönlichen Ebene von Komplexen, den Energiezentren der Seele, belebt. Hinter den Komplexen können wir auf einer tieferen, kollektiven Ebene die Archetypen erkennen, die als mögliche Grundmuster in uns allen angelegt sind. Was meint C.G. Jung mit Komplexen? Komplexe im Jung’schen Sinn sind nicht negativ zu verstehen. Ein Komplex ist ein Energiezentrum der Seele, das sich in einer inneren Gestalt, einer inneren Teilpersönlichkeit zeigen kann. Solch eine innere Gestalt kann lebensfördernd oder lebensbedrohlich sein. Wir alle haben Komplexe, ohne die wir nicht leben könnten. Das Ich, das Zentrum des Bewusstseins, ist selber auch als Komplex zu verstehen. Nun meint das Ich oft, es stehe völlig allein auf der inneren Bühne. Das ist aber ein verhängnisvoller Irrtum, denn es wird ständig von vielen anderen Komplexen beeinflusst. Solange das Bewusstsein nur sich selbst, das Ich sieht und beleuchtet, bemerkt es nicht, wovon es beeinflusst wird,

was also alles in unser Fühlen, Denken, Handeln, unser ganzes Sein hineinspielt. Wie können wir dieser fatalen One-Man- oder One-Woman-Show auf unserer inneren Bühne entkommen? Je bewusster wir uns werden, welche Komplexe auf der inneren Bühne agieren und welche Archetypen dahinterstehen, desto mehr Entscheidungsfreiheit können wir gewinnen. Diese Überlegungen sind also nicht nur ein theoretisches Spiel, sondern haben sehr praktische Auswirkungen auf das Leben. Ein anderer Kern der Lehre C.G. Jungs ist der des Individuationswegs. Was steckt hinter diesem Begriff? C.G. Jung versteht unter Individuation, dass ein Mensch auf seinem Lebensweg sein innerstes Wesen, sein Selbst, so weit wie möglich verwirklicht. Das Selbst im Sinne Jungs ist ein Archetyp und reicht weit über das Ich hinaus, es umfasst die gesamte Persönlichkeit. Die Selbstwerdung geschieht da, wo wir unsere ganz eigenen, unserem Leben entsprechenden Antworten auf die Fragen und Schwierigkeiten suchen, die uns allen im Leben immer wieder begegnen. Insbesondere in Übergangssituationen wie z.B. der Pubertät, dem Finden des Partners, der Partnerin, dem Finden des beruflichen Weges oder dem Übergang in die zweite Lebenshälfte sind wir herausgefordert, unsere bisherige Lebenseinstellung zu ändern. In der «Zauberflöte» treffen wir zu Beginn auf einen verängstigten Helden, Tamino, der von einer Schlange verfolgt und von drei Damen gerettet wird, und schliesslich von der Königin der Nacht den Auftrag erhält, ihre Tochter zu retten. Welche Archetypen verbergen sich hinter dieser Figurenkonstellation? Tamino befindet sich zu Beginn im Reich der Königin der Nacht und somit im Bereich der «Grossen Mutter». Die Schlange gehört auch zu diesem Bereich. Mit der Schlange wird der verschlingende Aspekt des Archetyps der «Grossen Mutter» verdeutlicht. Die Königin der Nacht erscheint aber nicht selbst als Schlange. Die Schlange ist ein Aspekt der Königin der Nacht. Die drei Damen, die auch als Aspekt der Königin der Nacht gesehen werden können, Der Zweck der 1933 gegründeten Psychologiretten Tamino und töten die schen Gesellschaft Basel ist in den Statuten defiSchlange. Die Königin der niert als «das Studium psychologischer Fragen, Nacht will Tamino also nicht insbesondere der Analytischen Psychologie nach auffressen, aber sie zeigt, Carl Gustav Jung». Dabei kommt der Seele im dass sie es könnte. Mit dem täglichen Leben des einzelnen Menschen zentrale Bildnis ihrer Tochter, das sie Bedeutung zu. Die Mitgliedschaft ist sowohl für Tamino bringen lässt, macht Therapeuten als auch für interessierte Laien mögsie den jungen Helden mit lich. An Aktivitäten bietet die Gesellschaft öffentdem bekannt, was C.G. Jung liche monatliche Vorträge und Seminare (zum Anima genannt hat – die Teil nur für Mitglieder) an. Auch steht den Mitglieweibliche Seite des Mannes. dern und Gastmitgliedern eine gut sortierte In der Bildnisarie wird deutFach­­bibliothek zur Verfügung. Eine Ausbildung lich, wie sehr Tamino von der wird nicht angeboten. Anima ergriffen ist. Ausserdem gibt die Königin der www.psychologische-gesellschaft-basel.ch Nacht ihm die Zauberflöte, gibt ihm Papageno und die drei Knaben mit auf den Weg. Das Verschlingende auf der einen Seite und das Gebende auf der anderen Seite – das ist die Ambivalenz der «Grossen Mutter».

PSYCHOLOGISCHE GESELLSCHAFT BASEL

Tiefenpsychologisch betrachtet, macht sich Tamino gemeinsam mit Papageno auf, den vor ihm liegenden Übergang seines Individuationswegs zu bestehen.


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DIE VOLLENDUNG DES PAARES Was bedeutet unter diesem Aspekt Sarastros Reich als erstes Etappenziel auf diesem Weg, und welcher Archetyp steckt hinter der Figur Sarastros?

Der junge Mann, der zunächst noch ganz im Bereich des Mütterlichen verhaftet ist, muss zum Väterlichen, mit dem er sich auch auseinandersetzen muss, aufbrechen. Die Anima führt ihn dorthin. Sie ist Seelenführerin, wenn sie lebensfördernd ist. Sarastro hat väterliche, priesterliche Aspekte. Er verkörpert die hohen Ideale – das könnte man im psychologischen Sinn mit väterlich, männlich in Verbindung bringen. Wobei das keine geschlechtsspezifische Ausschliesslichkeit meint. In jedem Menschen finden sich diese Aspekte. Vom Archetypischen her ist die Mutter diejenige, die nährt und gibt, die aber auch festhalten und verschlingen kann. Der Vater fordert und fördert, er kann aber auch überfordern. Der lebensfeindliche Vater stellt unlösbare Aufgaben und entwertet so seine Kinder. Das macht Sarastro nicht. Er ist am Ende auch bereit, zurückzutreten und seine Macht an Sohn und Tochter zu übertragen – das ist etwas, das den guten Vater ausmacht. Welche negativen Aspekte finden sich bei Sarastro als dem «Grossen Vater»? Karl Kraus hat einmal gesagt: «Das Übel gedeiht hinter dem Ideal am besten.» Nach aussen leuchten die hehren Ideale, im Untergrund lauern Gewalt, Übergriffe und sexuelles Begehren. Auch das finden wir in Sarastros Welt. Er hat seine Begierden und Abgründe von sich abgespalten. Monostatos, den wir als seinen Schatten verstehen können, lebt sie aus. Sarastro hat Pamina geraubt, er begehrt sie. Aber er muss einsehen, dass sie einen anderen liebt. Sein Begehren wäre mit seinen Idealen nicht in Einklang zu bringen. So lässt er Monostatos schliesslich auspeitschen und bestraft damit im Grunde seine eigene Begierde. Warum wird der leichtfüssige, unambitionierte und auch ungeschickte Papageno zu Taminos Begleiter bestimmt? Papageno ist ein Naturmensch, ganz irdisch und den Genüssen zugewandt. Er bildet ein Gegengewicht zu Tamino, der hohe Ideale hat und ganz beseelt ist. Die beiden ergänzen einander wunderbar. Sie können als verschiedene Aspekte einer Person verstanden werden. Im Jung’schen Sinn kann Papageno auch als Schatten Taminos verstanden werden, weil er all das verkörpert, was der Held nicht lebt. Papageno verkörpert zudem den Archetyp des «Narren», der nicht nach «höherer Weisheit» strebt, aber in seinem irdischen Verbundensein etwas zutiefst Weises hat. Es ist auch Papageno, der als erster Pamina findet. Er kann den Kontakt zu ihr herstellen, weil er den Bezug zum Irdischen, zum Leben hat. Im Gegensatz zu Sarastro nimmt Tamino seinen Schatten an, setzt sich aber auch mit ihm auseinander. Eine solche Auseinandersetzung gehört wesentlich zum Individuationsweg. Papageno und Monostatos begegnen sich im Verlauf der Geschichte. Wie interpretieren Sie diese Begegnung? Papageno, der Schatten des Prinzen, überlistet Monostatos, den Schatten des Vaters. Das geschieht zweimal: Beim ersten Mal erschrecken beide voreinander und laufen davon. Papageno hat dann aber die Überlegung, dass es ja schwarze Vögel gibt, warum sollte es dann nicht auch schwarze Menschen geben. Damit überwindet er seine Angst. Beim zweiten Mal trickst er Monostatos mit dem Glockenspiel aus. Auf der Ebene der Schatten deutet sich also bereits an, welchen Ausgang die Oper nehmen wird: dass es dem Prinzen gelingen wird, über Sarastro hinauszuwachsen. Für Tamino findet im Finale des ersten Aktes ein Perspektivwechsel statt. Die ursprüngliche, von der

Das «Selbst» ist der innerste Wesenskern eines Menschen und gleichzeitig auch die gesamte Persönlichkeit. Königin gestellte Aufgabe, Pamina zu retten, streift er ab und stellt sich nun ganz dem Weg und den Prüfungen der Eingeweihten. Aus psychologischer Sicht kann man sagen, dass die Anima Tamino bis zu diesem Punkt geführt hat. Jetzt wird es für ihn aber zunächst notwendig sein, sich vom Weiblichen abzugrenzen. Er kommt aus dem Bereich der «Grossen Mutter», zu dem er jetzt Distanz aufbauen muss. Und dafür ist auch die Distanz zu Pamina nötig. Diese Distanzierung äussert sich in den Schweigeprüfungen. Das Schweigen der Partnerin gegenüber, etwas bei sich bewahren zu können, eigenständig zu sein – all das ist notwendig, um Verschmelzungstendenzen entgegenzuwirken, die wiederum gleichzeitig in Papageno präsent sind. Wenn man Tamino und Papageno als Aspekte einer Person betrachtet, wird in dieser Situation ein innerer Konflikt deutlich: Tamino will standhaft bleiben, Papageno hingegen wehrt sich gegen das Schweigegebot und zeigt auch Angst. Das ist sehr menschlich.

GIDON HOROWITZ Gidon Horowitz (geb. 1953) ist als Psychoanalytiker Jung’scher Richtung in eigener Praxis tätig. Er ist zudem einer der bekanntesten Märchenerzähler im deutschen Sprachraum und Autor mehrerer Märchenbücher. Weitere Informationen unter www.gidonhorowitz.de

JULIANE LUSTER Juliane Luster ist seit dieser Spielzeit Operndramaturgin am Theater Basel.

Worum geht es bei den Schweigeprüfungen aus tiefenpsychologischer Sicht? Sich angemessen abgrenzen zu können, ist in jeder Beziehung wichtig. Wenn die Eigenständigkeit verloren geht, wird auch bald der Respekt voreinander verschwunden sein. Und dann beginnt bald auch die Manipulation des anderen. Sich von der Geliebten abzugrenzen, ist schwer, aber auf dem gemeinsamen Weg manchmal nötig. Wichtig ist dabei vor allem die Erkenntnis, dass Abgrenzung nicht die Beziehung als solche infrage stellt. Darum geht es auch in der «Zauberflöte». Tamino ist nicht der Einzige, der sich in einem Übergang befindet. Auch Pamina muss ihren Übergang bestehen. Mit welchen Herausforderungen der Individuation sieht sie sich konfrontiert?

LESETIPP Zur Vertiefung der psychoanalytischen Betrachtung der «Zauberflöte» empfiehlt Gidon Horowitz das Buch «Liebe und Leidenschaft in Mozarts Opern – Eine psychologische Deutung» von Bernd Deininger und Helmut Remmler.

Pamina lernen wir als eine sehr liebevolle, verständnisvolle und die Liebe schätzende Frau kennen. Sobald sie von Taminos Liebe erfährt, liebt sie ihn fraglos wider. In der Jung’schen Sprache könnte man Tamino als ihren Animus sehen, als das Bild ihrer männlichen Seite. Im zweiten Akt erlebt Pamina Schreckliches. Sie ist noch muttergebunden und will zur Mutter zurück. Die Mutter aber befiehlt ihr, Sarastro zu töten. Sollte Pamina diesen Auftrag nicht erfüllen, schwört die Mutter, sie zu verstossen. Pamina fühlt sich somit von der Mutter verstossen und muss dann auch


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DIE VOLLENDUNG DES PAARES

noch das Schweigen des Geliebten aushalten. Für sie ist das zu viel. Suizidale Gedanken drängen sich ihr auf und sie kommt in Todesnähe. Diese Todesnähe zu durchleben, gehört mit zu Paminas Prüfungsweg. Übrigens muss auch Papageno als Teil seines Prüfungswegs durch die Todesnähe gehen. Und in beiden Situationen sind es die drei Knaben, die rettend eingreifen. Wer sind die drei Knaben? In den drei Knaben könnte man so etwas wie das «Göttliche Kind» sehen, und dahinter den Archetyp des Selbst. Die drei Knaben agieren über alle Weltengrenzen hinweg. Sie fördern das Weitergehen im Sinne der Individuation.

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Tamino hat auf seinem Weg viele Unterstützer. Sprecher, Priester, die drei Knaben versichern ihm immer den guten Ausgang, wenn er nur durchhält. Pamina aber muss all ihre Prüfungen allein bestehen und mit sich selbst ausmachen. Treibt sie diese Einsamkeit in die Todesnähe? Vor ihrer Selbstmordszene darf Pamina Tamino noch einmal sehen. Sarastro singt hier zu beiden: «Ihr werdet froh euch wiedersehen.» Damit gibt Sarastro auch Pamina eine Hilfe, Verheissung mit auf den Weg. Für Pamina aber ist das zu wenig, um sich daran festzuhalten. Hinzu kommt, dass Pamina vielleicht auch zornig auf ihre Mutter ist, die ihr einen so fürchterlichen Auftrag gegeben hat und sie mit Verstossung bedroht. Diesen Zorn kann sie aber nicht ausleben und wendet ihn schliesslich gegen sich selbst. Diesen Vorgang beobachten wir sehr häufig bei Depressionen: Wenn die Wut nicht gegen die Verursacher einer seelischen Verletzung gewendet werden kann, wird sie gegen sich selbst gewendet. Paminas Retter sind schliesslich die drei Knaben. Tamino und Pamina haben damit ihre ersten Prüfungen bestanden – er das Schweigen, sie die Erfahrung von Todesnähe. Nun kommen sie zu dem für den Eintritt in den Weisheitstempel eigentlichen Prüfungsweg – dem Weg durch Feuer und Wasser. Der ist in der Oper aber nur ganz kurz gehalten. Warum ist dieser Prüfungsweg nur so kurz dargestellt, wo er doch als der entscheidende in der Oper präsentiert wird? Ich habe den Eindruck, dass die vorherigen Prüfungen zum Prüfungsweg des Lebens selber gehören. Der ist viel wichtiger und auch viel schwerer zu bestehen. Dazu passt auch, dass Papageno und Papagena den Prüfungsweg im Tempel nicht gehen und trotzdem zueinanderfinden und ein Paar bilden. Der Prüfungsweg im Tempel durch Feuer und Wasser ist also nicht für jeden zwingend vorgeschrieben. Er ist entscheidend für den Weg in den Weisheitstempel, aber nicht zwingend für das Leben. Mozart und Schikaneder haben dem Weg durch Feuer und Wasser auch nur wenig Raum gegeben. Es wird nicht gesungen. Es spielt die Zauberflöte, vorrangig begleitet von gedämpften Pauken. Die Zauberflöte kommt aus der tausendjährigen Eiche, also aus dem Reich der Pflanzen, das viel älter ist als das Reich der Menschen und der Tiere. Die Eiche vereint in sich schon Männliches und Weibliches. Durch ihr hartes Holz, ihre aufragende Gestalt und die nährende Kraft ihrer Früchte. Die Flöte wiederum hat eine männliche Gestalt, spielt aber ganz weibliche Töne. Es geht also symbolisch immer wieder um die Vereinigung von Weiblichem und Männlichem. Welche Bedeutung hat es, dass Pamina kurz vor dieser Tempelführung das Heft in die Hand nimmt und Tamino auffordert, die Flöte zu spielen und ihr zu folgen? Aus Taminos Perspektive übernimmt Pamina hier wieder die Funktion der Anima, der Seelenführerin. Es ist bemerkenswert, dass in diesem männlich dominierten Tempel die

Frau diejenige ist, die führt. Tiefenpsychologisch macht es Sinn, dass die Anima als Seelenführerin führt. Auch gesellschaftlich macht es Sinn: Sarastros frühere Worte, dass das Weib männlicher Führung bedarf, werden ad absurdum geführt, ja geradezu ins Gegenteil verkehrt. Mit seiner Vorstellung, er müsse die Frauen beherrschen, hat Sarastro keine Partnerin gefunden. Das neue Paar, dessen Beziehung auf Liebe und Ebenbürtigkeit beruht, wächst über ihn hinaus. Nach der erfolgreich bestandenen letzten Prüfung geht es in der Oper aber noch weiter. Zum einen wird Papagenos Prüfungsweg zu Ende erzählt, aber auch die Königin der Nacht und die drei Damen erscheinen noch einmal. Welche Funktion übernimmt dieses «Nachspiel»? Nachdem Pamina und Tamino ihren Weg gegangen sind, müssen sich Papagena und Papageno auch noch finden, damit eine Ganzheit entsteht. Beide Paare, die je einen Lebensbereich einer Beziehung anzeigen, gehören zusammen. Das Wesentliche am Ende der Oper ist für mich nicht die Machtübergabe, sondern die Vollendung des Paares. Das abermalige Auftauchen der Königin der Nacht sehe ich als Warnung. Viele Menschen meinen, wenn sie einen Übergang bestanden haben, seien sie individuiert und alles sei gut. Das ist aber nicht so. In jeder Lebenssituation müssen wir weiter achtsam sein, immer wieder können wir das Richtige oder das Falsche tun. Ist am Ende des Weges in der «Zauberflöte» ein Ideal der Individuation entstanden? Die Handlung der Oper ähnelt einem Märchen, sie zeigt keine ganze Lebensgeschichte. Ein Übergang ist geschafft, die beiden bzw. die vier haben sich dahin entwickelt, ein Paar sein zu können. Aber die entstandene Ganzheit ist immer wieder bedroht. Auch das zeigt das Ende der «Zauberflöte». Tiefenpsychologisch sehe ich die Vollendung des Paares durch die vier nicht als Utopie, sondern als Darstellung einer Möglichkeit, die uns gegeben ist, die aber immer wieder unsere Achtsamkeit verlangt. Es ist nie vollendet. Dass sowohl Pamina und Tamino als Wolfgang Amadeus Mozarts beliebauch Papageno und Papagena ihren te deutsche Oper in zwei Aufzügen wird persönlichen Übergang auf dem Weg ab dem 19. Dezember mit deutschen der Individuation durchlaufen, zeigt für und englischen Übertiteln auf der Grosmich zudem ganz deutlich, dass Indivisen Bühne gezeigt. duation nichts Elitäres ist. Es ist ein ProTamino und Pamina sind auf dem Weg zess, den wir alle durchleben und bei in einen neuen Lebens- und Bewusstdem wir mehr oder weniger erfolgreich seinsabschnitt. Auf diesem werden Antworten auf die Fragen suchen, die sie von Prüfungen herausgefordert und das Leben uns stellt. vom bedingungslosen Lebenswillen in Gestalt des Vogelhändlers Papageno unterstützt.

DIE ZAUBERFLÖTE

Mit freundlicher Unterstützung von IWB

PREMIERE: SA 19.12., 19.30 UHR NÄCHSTE VORSTELLUNGEN: 23.12. & 31.12. / 5.1., 8.1. & 16.1., 8.2., 10.2. & 27.2., JEWEILS 19.30 UHR 27.12., 3.1., 31.1. & 21.2., JEWEILS 18.30 UHR 10.1., 16 UHR GROSSE BÜHNE


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WIR BILDEN AUS

ZEICHNEN ÜBEN BEIM BALLETT Die beiden Theatermalerinnen-Lehrtöchter Valentina Bischof und Angela Bovo besuchen einmal wöchentlich das Training der Ballettkompanie am Theater Basel und üben sich darin, schnelle, flüchtige Bewegungen einzufangen und zu Papier zu bringen. Im kommenden März werden sie die Gelegenheit bekommen, ein ganzes Programmheft mit ihren Zeichnungen zu illustrieren: Das Heft zum Ballett «Sleeping Beauty» – ein märchenhaftes Thema für bezaubernd schöne Zeichnungen, die mit der ephemeren Tanzkunst korrespondieren. Die Hauptaufgabe der Theatermalerinnen und Theatermaler liegt aber vor allem im Planen und Gestalten der Dekorationsteile für die drei Bühnen des Theater Basel, und bei Bedarf auch für die Foyers. Sie ANGELA BOVO setzen Prospektmalereien, Transparentmalereien und Imitationen um. Sie bemalen Möbel, Böden, «Ich habe das Privileg, mich stundenWände, Requisiten und Kostüme. lang in schwimmbeckengrosse Bilder zu vertiefen, viele zeichneriJe nach den von den Bühnensche Erfahrungen zu sammeln, bildner_innen gewünschten optiImitationstechniken zu erlernen und vieles mehr.» (2. Ausbildungsjahr) schen Effekten wenden sie geeignete Maltechniken an. Sie imitieren zum Beispiel die Oberflächenstruktur von verschiedenen VALENTINA Materialien oder behandeln die BISCHOF Oberfläche mit geeigneten plastischen Massen. «In meiner Ausbildung als Theater Ein wunderbar handwerklichmalerin habe ich das Glück, ein gestalterischer Beruf, der in Theseltenes und vielseitiges Handwerk zu erlernen. Mich begeisatern, Opernhäusern und tern die Malerei, das auch beim Film ausgeübt bildnerische / figürliche Gestalten und das Theater wird und den man am Theals Ort der Begegnungen.» ater Basel erlernen kann, (4. Ausbildungsjahr) bis hin zum Berufsabschluss «Theatermaler / Theatermalerin mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis EFZ».


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WIR BILDEN AUS

LEHRSTELLE FREI

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Zurzeit ist eine Lehrstelle als Theatermaler_in am Theater Basel neu zu besetzen. Die Ausbildung dauert vier Jahre. Wer grosse Kompetenz beim Zeichnen und Malen, Kreativität, gutes Vorstellungsvermögen, Teamfähigkeit, Sinn für Ästhetik und Kommunikationsfähigkeit mitbringt, kann sich bewerben, indem er seine vollständigen Bewerbungsunterlagen per Mail an Flavia Romeo schickt: bewerbung@theater-basel.ch


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Versuch einer psychologischen Märcheninterpretation

KINDER BRAUCHEN MÄRCHEN – ERWACHSENE NOCH VIEL MEHR Von Pyramus und Thisbe bis Romeo und Julia: Wer es in der Literatur wagt, der Liebe zu folgen, ist meist zum Tode verurteilt. Einzig die Märchen lassen uns hoffen, dass Liebende in dieser Welt glücklich werden können, sagt der Psychotherapeut Eugen Drewermann. Wir alle kennen das Dornröschen, das nach hundertjährigem Schlaf von einem Prinzen wachgeküsst wird: und die beiden lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Ende. Happy End? Ja, aber darum geht es in der psychologischen Märcheninterpretation nur am Rande, und meist werden wir am Schluss der Geschichte mit einem «rite de sortie» wie zum Beispiel und wenn sie nicht gestorben sind … ziemlich abrupt in die Realität zurückkatapultiert. Aber der Reihe nach. Beginnen wir mit der Exposition, bei der Ort und Zeit als Einführung in die Grundstimmung meist recht unbestimmt bleiben. Am Ende der Welt, wo Fuchs und Has sich gute Nacht sagen oder auch Es war einmal legen die Ausgangssituation in die typisch märchenhafte Raum- und Zeitlosigkeit. Bei Dornröschen beginnt die Geschichte mit der unbestimmten Angabe Vor Zeiten und kommt dann gleich zum Personal und der Beschreibung des Ausgangsproblems: War ein König und eine Königin, die sprachen jeden Tag: «Ach, wenn wir doch ein Kind hätten!» und kriegten immer keins. Da trug es sich zu, als die Königin einmal im Bade sass, dass ein Frosch aus dem Wasser ans Land kroch und zu ihr sprach: «Dein Wunsch wird erfüllt werden, ehe ein Jahr vergeht, wirst du eine Tochter zur Welt bringen.» Ein Paar, ein Frosch als Symbol der Fruchtbarkeit und das Wasser als Ursprung allen Lebens geben den Auftakt und die Grundlage unseres Märchens. Ein Frosch kriecht vom Wasser an Land. Das steht für einen Prozess der Bewusstwerdung. Etwas, das vorher im Wasser, dem Symbol für das Unbewusste, verborgen lag, tritt ans Licht. Darauf folgen weitere Motive, die uns allesamt unweigerlich zum entscheidenden Wendepunkt führen. Das Kind wird geboren und ein Fest gefeiert, zu dem zwölf weise Frauen oder Feen eingeladen werden, weil es nur zwölf goldene Teller gibt. Darüber ist die Dreizehnte so sehr erzürnt, dass sie das Kind verflucht. An seinem fünfzehnten Geburtstag soll es sich an einer Spindel stechen und sterben. Zum Glück kann eine gute Fee den Fluch wenn auch nicht tilgen, so doch zumindest in einen hundertjährigen Schlaf abschwächen. Genau so geschieht es, und jetzt steht erst einmal alles still. Das Schicksal hat sich erfüllt, und nicht nur das Mädchen, sondern der ganze Hof versinkt für eine lange Zeit in einen friedlichen Schlaf, wird gleichsam angehalten. Und der Schlaf verbreitete sich über das ganze Schloss, der König und die Königin, die eben heimgekommen waren und in den Saal getreten waren, fingen an einzuschlafen und der ganze Hofstaat mit ihnen. Da schliefen auch die Pferde im Stall, die Hunde im Hof, die Tauben auf dem Dache, die Fliegen an der Wand, ja, das Feuer, das auf dem Herde flackerte, ward still und schlief ein, und der Braten hörte auf zu brutzeln, und der Koch, der den Küchenjungen, weil er etwas versehen hatte, an den Haaren ziehen wollte, liess ihn los und schlief. Und der Wind legte sich, und auf den Bäumen vor dem Schloss regte sich kein Blättchen mehr. Was könnte dieser tiefe Schlaf bedeuten? Ein Rückzug aus der Welt, eine Art Innenschau, in der Dornröschen auf sich selbst, auf ihre innersten Bedürfnisse aufmerksam wird, und ohne in besinnungslose Aktivität zu verfallen, einmal ruhig und ausgiebig die Dinge wachsen lässt. Gleich der Rosenhecke, wunderschön aber undurchdringlich, wächst das Bewusstsein, und dahinter wird sich das Mädchen seiner selbst bewusst. Folgerichtig versinkt nun der ganze

Hofstaat in diesen Schlaf. Das Feuer des Lebens, jeder An- LITERATUR ZUM THEMA: trieb versiegt. Nichts geht mehr voran, und mit den Tieren Marie-Louise von Franz: schlafen auch die Instinktwesen ein. Das Leben wird sehr Psychologische still und vielleicht sogar ein wenig langweilig. Zumindest Märcheninterpretation. für eine 15-Jährige. Denn um sie geht es hier natürlich in Eine Einführung erster Linie. Eine Geschichte über das Erwachsenwerden Eugen Drewermann: und über die unglaublichen Veränderungen, die in dieser Dornröschen: Grimms Zeit geschehen. Gerade, als das Leben zu pulsieren Märchen tiefenpsychobeginnt und unser Dornröschen sich energiegeladen an logisch gedeutet Neues und Fremdes wagt – hier die Spindel, die dann auch prompt in sie eindringt! –, wird sie zur Passivität verdonnert und ist durch die Dornenhecke ziemlich abgeschirmt vom Rest der Welt. Das Problem muss hier geduldig überwachsen werden: schicksalergeFür das Ballettensemble des Theater benes Abwarten statt hektischer AktiBasel bringt der junge Choreograf onismus. Alejandro Cerrudo eine ganz neue VerAber dann kommt endlich der sion des bekannten Märchenstoffes rettende Impuls, der energetische Anauf die Bühne. Die Handlung des Dornstoss durch den richtigen Prinzen, für röschenballetts aus dem 19. Jahrden sich die Rosen von selbst auftun hundert beruht in weiten Teilen auf dem und der mit seinem Kuss das DornMärchen «La Belle au Bois Dormant» röschen aufweckt. Gegensätze haben von Charles Perrault aus dem Jahr 1696. sich vereint, Widrigkeiten haben sich Die Handlung unterscheidet sich nur relativiert und schliesslich aufgelöst, geringfügig von der in Deutschland beund Bewusstheit hat den Dämmerzukannten Version der Brüder Grimm. stand abgelöst. Und da wurde die Das Ballett erzählt von der jungen PrinHochzeit des Königssohns mit dem zessin Aurora, die von der bösen Dornröschen in aller Pracht gefeiert, Fee Carabosse verflucht und am Ende und sie lebten vergnügt bis an ihr Ende. vom Prinzen Désiré wieder erlöst wird. Natürlich sind alle Figuren und Auch Alejandro Cerrudo wird sich Helden im Märchen Abstraktionen. in Grundzügen an die Handlung halten, C.G. Jung nennt sie Archetypen. Märaber ihm geht es vor allem um das chen und Träume werden in seinen Thema Zeit. Welche Rolle spielt sie Deutungen oft «subjektstufig» interin den schwierigen Lebensabpretiert. Das heisst, alle darin aufschnitten des Heranwachsens? Was tauchenden Figuren stehen für einen könnten «hundert Jahre Schlaf» Aspekt des Selbst. Für die Jungianerin im übertragenen Sinn für eine junge Marie-Louise von Franz sind Märchen Frau heute bedeuten? der reinste und einfachste Ausdruck Das Sinfonieorchester Basel wird kollektiv-unbewusster Prozesse. Sie dazu Musik von Peter I. Tschaikowsky, bilden ein Assoziationsnetz, das die Philip Glass, Jean Sibelius, Jonny Grundmuster der Psyche spiegelt und in Greenwood und René Aubry spielen. archetypischen Bildern aus dem Unbewussten spricht. Man Partner des Ballett kann an den Märchen soTheater Basel: zusagen die vergleichende Anatomie der Psyche studieren. Deshalb scheint es immer noch gültig, dass Kinder Märchen brauchen. PREMIERE: «Aber Erwachsene», um DO 10.3., 19.30 UHR hier noch einmal den einNÄCHSTE VORSTELLUNGEN: gangs erwähnten Eugen 14.3., 19.30 UHR Drewermann zu Wort kom16.3., 19.30 UHR men zu lassen, «brauchen 18.3., 19.30 UHR sie noch viel, viel mehr.» 20.3., 18.30 UHR 22.3., 19.30 UHR GROSSE BÜHNE

SLEEPING BEAUTY

BALLETT-EXTRA ZU «SLEEPING BEAUTY» SA 5.3., 10.15 UHR NACHTCAFÉ / BOX


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WEIHNACHTSZEIT UND NEUJAHR SILVESTERPARTY Feiern Sie das Silvester des Jahres im Theater Basel! Im Anschluss an einen Vorstellungsbesuch ist der Eintritt zur Silvesterparty frei! DO 31.12., 22.30 – 4 UHR, FOYER GROSSE BÜHNE

THEATERJOURNAL 15 / 16 # 2

«À LA FRANÇAISE» NEUJAHRSKONZERT 2016 Am ersten Tag des neuen Jahres lässt das Theater Basel eine Tradition aufleben, die in einer Musikstadt wie dieser nicht fehlen darf: das Neujahrskonzert! Der designierte Musikdirektor Erik Nielsen hat sich in diesem Konzert ganz dem französischen Repertoire verschrieben. Erleben Sie schwungvoll-leichte Arien und Orchesterstücke von u.a. Delibes, Berlioz, Gounod, Halévy – und selbstverständlich Jacques Offenbach! Begrüssen Sie das neue Jahr 2016 gemeinsam mit Mitgliedern des Opernensembles und dem Sinfonieorchester Basel.

ADVENTSKALENDER Vom 1. bis 23. Dezember öffnet sich jeden Tag von 17 bis 17.30 Uhr im Foyer Grosse Bühne ein Türchen im Adventskalender. Geschichten, Lieder, Heiteres, Besinnliches – lassen Sie sich vom Ensemble des Theater Basel verzaubern! (Achtung: Das Türchen am 13. Dezember öffnet sich von 17.30 bis 18 Uhr.) Der Eintritt ist frei.

FR 1.1., 17 UHR, GROSSE BÜHNE

GESCHENKIDEEN ZU WEIHNACHTEN GESCHENKPAKET Schnüren Sie Ihren Liebsten ein Päckchen: «DIE ZAUBERFLÖTE» SA 16.1., «ÖDIPUS» MO 8.2., «SLEEPING BEAUTY» MI 16.3. A 286.– / B 252.– / C 225.– / D 202.–

GESCHENKGUTSCHEINE: Gutscheine sind zu einem frei wählbaren Betrag an der Billettkasse und direkt zum Ausdrucken im OnlineTicketshop erhältlich.

DAS THEATER BASEL WÜNSCHT: FROHE FESTTAGE!


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Theologe Frank Lorenz über den Austausch zwischen den Kulturen

«KIRCHE HAT FLÜCHTLINGS-DNA» Ein Gespräch mit Frank Lorenz, reformierter Theologe und Co-Leiter der Offenen Kirche Elisabethen (OKE) in Basel, über die Wichtigkeit, den Austausch zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zu fördern. Ist das Konzept einer Offenen Kirche eine Reaktion auf Veränderungen in der Gesellschaft? Die Offene Kirche Elisabethen in Basel gibt es seit 21 Jahren. Sie wurde vom reformierten Pfarrer Hans Rudolf Felix ins Leben gerufen und soll ein sozialer, kultureller und spiritueller Raum für alle sein. Ein Raum, der Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Glauben oder ihrer Religion Schutz bietet, wenn sie es brauchen. Wir haben eine sogenannte «Walk-in»-Seelsorge, die ohne Voranmeldung auch von «Ungläubigen» als Beratungsangebot in Anspruch genommen wird. Warum ist heute interkulturelle Sozialarbeit für die christliche Kirche wichtig? Soziale Arbeit ist die ursprünglichste Tätigkeit der christlichen Kirche. Unser Ziel ist es, in einer globalisierten Welt Asylsuchende mit Einheimischen bekannt zu machen. Einerseits, um Migrant_innen das Ankommen zu erleichtern, andererseits aber auch, damit zwischen unterschiedlichen Kulturen ein Kennenlernen stattfinden kann. Wir führen also eine alte christliche Tradition weiter, denn die christliche Kirche hat Flüchtlings-DNA. Fast alle von unseren Heiligen – zum Beispiel Abraham, Moses, aber auch Jesus – waren nämlich Flüchtlinge. Die Bibel ist voll mit Fluchtgeschichten. Der Prophet Johannes sagt: «Euer Heimatland ist der Himmel.» Demnach dürfen wir auf Erden überhaupt kein Heimatland beanspruchen. Diese biblische Weisheit sollte den privilegierten Menschen – also jenen, die vom Gluck profitieren, hier in einem stabilen, reichen Land geboren worden zu sein – helfen, sich nicht zu stark an materielle Dingen zu klammern. Geflüchtete Menschen, die Haus, Hof, Beruf und alles, was ihnen am Herzen liegt, zurücklassen mussten, sollten uns – die hauptsächlich aus Zufall im Wohlstand leben – vor Augen halten, dass es allen passieren kann. Ihr Migrationsschicksal sollte uns daran erinnern, dass wir ebenso heimatlos sind und daher Schutzlosen Heimat geben sollen, dürfen, ja sogar müssen. Wie sieht die Arbeit der Offenen Kirche Elisabethen konkret aus? Grundsätzlich möchten wir mit Projekten wie dem aktuellen «DA-SEIN. Ankommen, Dabeisein, Mitgestalten» für alle da sein. Dazu dient eine grosse Küche im Untergeschoss unseres Pfarrhauses als Herzkammer. Ich bin überzeugt, dass ein archaisches Ritual wie «um eine Feuerstelle sitzen» eine gute Möglichkeit ist, sich als Menschen zu begegnen. Über das gemeinsame Essen finden Begegnungen statt – zwischen Einheimischen und Flüchtlingen, aber auch zwischen Flüchtlingen untereinander, die schliesslich auch nicht alle aus dem gleichen Kulturkreis kommen. Wir überwinden dabei zum Teil Distanzen von Tibet bis Eritrea. Gibt es dabei Schwierigkeiten? Natürlich kann es zwischen den unterschiedlichen Nationen zu Konflikten und Meinungsverschiedenheiten kommen. Die Angst vor dem Fremden ist eine Urangst der Menschen. Der christliche Gott sagt dazu: «Vergiss nie, du warst selber ein Fremder in Ägypten und ich habe dich befreit.» Somit hat er das «Problem» des Fremdseins zum Problem von allen, die an «ihn» glauben, gemacht.

Wie kann dieses Misstrauen gegenüber dem Fremden abgebaut werden? Ich bin überzeugt, dass Misstrauen und Ängste abgebaut werden, sobald diese anonyme «Flüchtlingsflut» Vornamen und Nachnamen bekommt. Dies geschieht durch Begegnungen. Zudem sollten sich die Schweizer_innen in Erinnerung rufen, dass auch unsere Vorfahren einmal fremd waren in anderen Ländern und dort ebenfalls auf Hilfe angewiesen waren. Die Schweiz ist noch nicht so lange ein Einwanderungsland. Bis 1900 machten sich wegen Hungersnot und schlechten Arbeitsbedingungen viele verarmte Kleinbauern auf den Weg in die Nachbarländer, aber auch weiter in die USA, nach Argentinien, Brasilien und Chile. Ein Bewusstsein über unsere eigene Migrationskultur schafft Verständnis. Spüren Sie hier in Basel ein zunehmendes Interesse an Begegnungen mit Menschen aus anderen Kulturkreisen? Wir erleben gerade eine Welle der Hilfsbereitschaft, die überwältigend ist. Anfang Oktober haben wir dafür ein weiteres Projekt ins Leben gerufen, es heisst «Koordinationsstelle Freiwillige für Flüchtlinge» (KOFFF). Vom Kanton und von der Christoph Merian Stiftung haben wir die Mittel und den Auftrag erhalten, das in der Bevölkerung sehr stark vorhandene Bedürfnis des Helfens in der Stadt und der Region Basel zu koordinieren. Unser Auftrag ist es, zwischen geflüchteten Menschen und Einheimischen einen Austausch herzustellen. Diese Koordinationsstelle vermittelt unterschiedliche freiwillige Dienste, von Aufgabenhilfe über Übersetzungsleistungen bis zu Begleitung auf Ämter oder zum Einkaufen, aber auch Sport- und Freizeitaktivitäten, die besonders für junge Männer sehr wichtig sind. Auf diese Weise kommen Menschen auf ganz praktische Art zusammen. Am schlimmsten ist für die meisten Flüchtlinge nämlich dieses Nichtstun. Ein Problem, woran die Integration tatsächlich scheitern kann, denn Langeweile begünstigt unter Umständen aggressives Verhalten. Haben Sie auch negative Reaktionen auf Ihr Engagement erfahren? Bis jetzt nehme ich nur positive Reaktionen wahr. Es herrscht in der Schweiz zum Glück immer noch ein solidarisches Klima. Allerdings höre ich vereinzelt auch die Warnung, dass dennoch die Tendenz der Ablehnung zunimmt und dabei die Gefahr besteht, dass eine Integration scheitert, wodurch Parallel- oder gar Schattengesellschaften begünstigt werden könnten. Umso wichtiger ist es, den Austausch zu fördern. Es muss ein gegenseitiges Verständnis aufgebaut werden. Dabei ist es neben den offenherzigen Hilfeleistungen ebenso wichtig, dass wir selbstbewusst zu unseren Werten stehen und diese vermitteln. Ganz egal, ob das die christlichen oder aber die säkularen und kulturellen Errungenschaften wie beispielsweise Egalität und Demokratie sind. Dass wir einen säkularen Staat haben und Religion bei uns Privatsache ist, sehe ich als Leistung unserer Gesellschaft – diese Meinung vertrete ich sogar als Pfarrer. Die Offene Kirche ist Teil eines säkularen Staates, und wir haben eine liberale Auffassung und ein libertäres Verständnis für den einzelnen Menschen, der in erster Linie frei ist und frei entscheiden kann. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass wir überhaupt helfen können.


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ICH BIN DABEI

GEMEINSAM SINGEN VERBINDET MANTEL-AKTION FLÜCHTLINGSHILFE-AKTION GEHT WEITER: Lassen Sie Ihren Mantel an der Garderobe hängen!

THEATERJOURNAL 15 / 16 # 2

Bereits 30 Kisten Wintermäntel und -jacken wurden gesammelt und an die Basler Privatinitiativen «Be aware and share» und «Basel hilft mit» übergeben.

NIRGENDS IN FRIEDE. ANTIGONE. Wessen Leben zählt? Wer hat Anspruch auf das Recht, ein menschenwürdiges Leben in Frieden zu führen? Wie kommt es, dass manche Menschen dabei unterstützt werden, wenn sie ihr Leben selbstbestimmt in die Hand nehmen und nach ihrem Glück suchen, während andere für das gleiche Streben kriminalisiert werden? Ähnlich wie bei den Zwillingsbrüdern Eteokles und Polineikes im Antigone-Mythos unterscheidet die herrschende Ideologie zwischen Menschenleben, deren Verlust beachtenswert ist und daher kollektiv betrauert werden muss, und solchen, denen so wenig Wert zugesprochen wird, dass ihr verfrühter Tod bereits zu Lebzeiten in Betracht gezogen wird. Ab 11. Dezember ist auf der Kleinen Bühne am Theater Basel die Uraufführung von «Nirgends in Friede. Antigone.» zu sehen. Der antike Mythos dient der Schweizer Gegenwartsdramatikerin Darja Stocker als metaphorische Folie, um über Menschenrechte und die egalitäre Behandlung von Menschen nachzudenken. Kritik an der herrschenden Praxis und speziell an der Wegschau-Mentalität üben in ihrem Stück gleich drei Figuren, die den Namen Antigone tragen. PREMIERE: FR 11.12., 20 UHR WEITERE VORSTELLUNGEN: 14., 17., 22.12., 20 UHR & 27.12., 19 UHR KLEINE BÜHNE

CHORBASEL, der Chor der Musik-Akademie unter der Leitung von Susanne Würmli-Kollhopp, ist dabei!

Die Chorleiterin Susanne Würmli-­ Kollhopp beteiligt sich mit drei ihrer Chöre an der Schauspielproduktion «Die Ereignisse», in der ein Chor eine wichtige Rolle spielt: «Mich hat vor allem das ernsthafte Thema und die politische Frage, wie können in einer Gemeinschaft Unterschiede überwunden werden, interessiert.» Besonders in ihren Jugendchören seien einige politisch engagierte und kritisch denkende Sänger_innen dabei. Sie musste daher keine grosse Überzeugungsarbeit leisten, um die Sänger_innen zum Mitmachen zu überreden. Die ehemalige Primarlehrerin ist seit den Achtzigerjahren aktiv im Chorwesen tätig. Sie gründete nicht nur an der Musik-­ Akademie Basel etliche Chöre, auch in ihrer Wohngemeinde in Buckten hat sie vor 35 Jahren den gemischten Gemeindechor ins Leben gerufen. Für ihr Engagement und den Aufbau eines regionalen Chornetzwerkes wurde sie 2010 mit dem Basler Kulturpreis geehrt. Das Besondere an dem mehrfach ausgezeichneten Theaterstück des schottischen Dramatikers David Greig ist, dass neben den beiden Schauspielern Inga Eickemeier und Elias Eillinghoff bei jeder Aufführung immer ein anderer lokaler Chor mitspielt. Wie im klassisch-griechischen Theater stehen sich die Figuren ­Claire, eine geistliche Chorleiterin, und der Junge, welcher im Laufe des Abends zehn unterschiedliche Figuren verkörpert, als Protagonistin und An­tagonist gegenüber. Der Chor singt Lieder aus dem eigenen Repertoire, aber auch extra von John Browne für die Inszenierung komponierte Musikstücke. Dabei kommentieren die Sänger_innen einerseits wie der antike Chor das Geschehen, und andererseits werden sie in den Szenen auch zu aktiven Mitspieler_innen, dann nämlich, wenn sie

von Claire als ihren Gemeindechor angespielt werden. Den Chorsänger_innen kommt die einmalige Doppelfunktion des «spectactors» («spectator» engl. für «Zuschauer», «actor» engl. für «Schauspieler») zu. Dringliche Fragen über Gemeinschaft und das Zusammenleben in einer Gesellschaft mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, welche das Stück aufwirft, werden auf diese Weise im Augenblick der Aufführung mit Schauspielern, Chor und Publikum gemeinsam verhandelt. Nach den drei Vorstellungen auf der Kleinen Bühne im Theater Basel, bei denen bereits der Motettenchor Region Basel, der Choriosa Chor und der CHORBASEL der Musik-Akademie Basel ihr Talent meisterhaft bewiesen haben, geht die Theaterproduktion nun in der Stadt und der Region Basel auf Tournee. Die ersten beiden Aufführungen im Dezember finden mit dem Kammerchor Notabene im Zinzendorfhaus und mit dem VepateFrauenchor Basel im Restaurant «Zur Mägd» statt. Die mobile Chorproduktion «Die Ereignisse» wird noch die ganze Saison gespielt. Interessierte Chöre aus Basel und der Region können sich weiterhin anmelden. Detaillierte Informationen sowie ein Anmeldeformular können bei der Dramaturgin Sabrina Hofer über s.hofer@theater-basel.ch angefordert werden. «DIE EREIGNISSE» NÄCHSTE VORSTELLUNGEN: FR 11.12. mit dem Vepate-Frauenchor, Restaurant «Zur Mägd», St. Johanns-Vorstadt 29, 4056 Basel MI 20.1. mit dem Cantabile Chor, Ref. Kirchgemeindehaus Pratteln DI 2.2. & DO 4.2. mit dem Contrapunkt Chor, Muttenz


Foto: Ismael Lorenzo

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THEATERJOURNAL 15 / 16 # 2

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HINTER DEN KULISSEN Richard Wherlock und seinem Bühnenbildner Bruce French dienten Thorarollen als Inspirationsquelle für das Bühnenbild zum Ballett «Tewje». Eine Thorarolle ist eine handgeschriebene Pergamentschriftrolle, die auf zwei Stäbe gewickelt ist. Als Hauptquelle jüdischen Rechts und jüdischer Ethik dient sie als Wegweiser für Denken und Lebenswandel und ist der Grundstein des jüdischen Glaubens. In der Thora findet man sechshundertdreizehn Ge- und Verbote, mit denen der Protagonist in «Tewje» oft hadert, manchmal regelrecht kämpft und am Ende meist doch eine für seine Lebenssituation passende Lösung findet.


STAR-TUS Gespr채ch mit Jesus-Darsteller Alexander Klaws zum Thema Starkult

Bild: Jason Evans

KULT-

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THEATERJOURNAL 15 / 16 # 2

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KULT-STAR-TUS Alexander Klaws wurde 2003 zum Sieger der Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» gekürt. Seitdem hat der Sänger, Musicaldarsteller und Schauspieler eine steile Karriere hingelegt und mit seinen sechs Studioalben mittlerweile über 3,2 Millionen Tonträger verkauft. Grosse Erfolge feierte er auch auf der Musiktheaterbühne – so etwa als Tarzan im gleichnamigen Musical in Hamburg und in Dortmund als Jesus Christus in Andrew Lloyd Webbers Rock-Oper «Jesus Christ Superstar». In Tom Rysers Basler Neuinszenierung des Kultstücks steht Alexander Klaws nun erstmals in der Schweiz auf der Musiktheaterbühne. Anlass für ein Gespräch der Operndramaturgen Juliane Luster und Pavel B. Jiracek mit Alexander Klaws über Ruhm, Starkult und Jesus Christus als Bühnenfigur. Wie fühlt es sich an, ein Star zu sein?

Von sich selbst zu behaupten, ein Star zu sein, finde ich immer schwierig – Star zu sein ist kein Beruf, den man erlernen kann. Was ein Star ist, ist Auffassungssache und vor allem ist es ein Bild, das Aussenstehende auf einen projizieren. Auch das Lebensgefühl, das damit verbunden wird, unterscheidet sich sehr je nach Blickwinkel. Früher habe ich mir das Leben als «Star» vor allem als glamourös vorgestellt: Man hat die Möglichkeit, ständig von A nach B zu jetten, hat keine Sorgen und vor allem viel Spass. Heute, aus den Erfahrungen, die ich gemacht habe und mache, bedeutet für mich das Leben als «Star» vor allem eins: nonstop, rund um die Uhr zu arbeiten. Ständig muss man Prioritäten setzen, was nicht immer angenehm ist. Man wird von vielen Menschen erkannt und angesprochen – was natürlich auch immer ein Kompliment ist, aber man kann dadurch natürlich selten «abschalten». Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Und ich selbst habe mich auf dem Etikett, ein «Star» zu sein, nie ausgeruht. Inwieweit ist man als Star ein Spielball derjenigen, die einen zum Star gemacht haben? Man kann immer über sich selbst bestimmen, weil man schliesslich ein Mensch und kein Produkt ist. Aber man muss sich immer dessen bewusst sein, dass die Welt des Ruhms, in die man sich begibt, sehr oberflächlich sein kann. Sobald man sich darauf einlässt, steckt man mittendrin in der Maschinerie und kommt auch nicht mehr so einfach aus ihr heraus. Um das auszuhalten und dem etwas entgegenzusetzen braucht man einen gestandenen Charakter. Gibt man den falschen Leuten Macht, wird man ausgenutzt. Der Erfolg gibt einem selbst auch Macht, aber er macht einen nicht automatisch zu etwas Besserem. Wodurch wird man ein Star? Ich hatte mit «Deutschland sucht den Superstar» einen Start, den man sich nur erträumen kann. Aber jedes Haus

braucht ein Fundament – ohne Fundament würde es einstürzen. So ist es auch bei meinem Beruf: Mein Fundament sind zum einen, denke ich, mein Talent und mein Können, aber vor allem auch harte Arbeit. Trotzdem spielt auch das Glück eine grosse Rolle: Man muss einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Für mich ist das Wichtigste, Mut zu haben und auch neue Dinge auszuprobieren. Für mich war beispielsweise der Mut, ein neues Management zu suchen und mich von meinem alten zu trennen, ein grosser Schritt. Viele haben mich für verrückt erklärt, wie ich diese «sichere Bank» so leichtfertig aufgeben könne. Aber der Erfolg hat mir recht gegeben: Es ist wichtig, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen. Und das A und O: Immer nach der nächsten Herausforderung zu suchen, die einen weiterbringt – und arbeiten, arbeiten, arbeiten! Wie haben Sie weitergemacht, nachdem Sie 2003 zu Deutschlands «Superstar» gekürt wurden? Neben der Musik haben mich die Bühne, die Schauspielerei schon immer sehr fasziniert. In diesen Bereichen wollte ich noch mehr lernen und mich eben nicht auf dem erlangten Erfolg ausruhen. Also habe ich mich entschlossen, eine Ausbildung zum Musicaldarsteller zu absolvieren. Und bei dieser Ausbildung hat es niemanden interessiert, ob ich ein «Star» bin oder nicht. Das Einzige, das zählte, war mein Talent. Da habe ich Vollgas gegeben. So stark im Rampenlicht der Öffentlichkeit zu stehen, hat auch Auswirkungen auf die Menschen, die einen umgeben. Wie gehen Ihre Freunde mit Ihrem Ruhm um? Da gibt es durchaus Parallelen zur Rolle Jesus Christus in Webbers Rock-Oper. Als es losging, hatte ich nicht die Zeit, mir wirklich darüber Gedanken zu machen. Aber es war schon so, dass sich einige Freunde von mir abgewendet haben, weil sie mit dem ganzen Rummel nicht zurechtgekommen sind, wenn man plötzlich nicht mehr ungestört einfach einen Kaffee zusammen trinken gehen oder einkaufen gehen kann. Das konnte ich sehr gut nachvollziehen und habe es akzeptiert. Was mir an Freunden auch besonders wichtig ist, ist, dass sie mich hinterfragen: Bist du jetzt nur noch der Star – und abgehoben? Oder geht es dir noch um die Sache, Künstler zu sein, Musik zu machen und deinen Traum zu verwirklichen? Genau das macht Judas auch mit Jesus in «Jesus Christ Superstar» – er hinterfragt ihn aus tiefempfundener Freundschaft heraus. Der Ruhm bringt viele zutage, die gerne ein Stück davon abhaben wollen und die unter Umständen diesen Ruhm auch zerstören wollen. Wie gehen Sie mit solchen Begegnungen um? Man muss sehr aufpassen, auf wen man sich einlässt. Ich habe zum Beispiel immer wieder Journalisten beobachtet, die das Vertrauen, das Ihnen entgegengebracht wurde, missbraucht haben. Aber auch diese Erfahrungen muss man machen und dann ler-

ALEXANDER KLAWS Alexander Klaws wurde 1983 in Ahlen geboren. Schlagartig bekannt wurde er 2003, als er die erste Staffel der RTL Show «Deutschland sucht den Superstar» gewann. Mit seiner Debütsingle «Take Me Tonight», die sich mehr als eine Million Mal verkaufte, und auch mit «Free Like the Wind», das ebenfalls Platinstatus erreichte, schaffte Alexander es auf Platz eins der deutschen Charts. Es folgten bis heute insgesamt sechs Alben und diverse Gold- und Platinauszeichnungen für sein musikalisches Schaffen. Parallel zu seiner Musikkarriere schloss Klaws ein Gesangs- und Schauspielstudium an der renommierten «Joop van den Ende Academy» in Hamburg ab. Es folgten Hauptrollen-Engagements in «Tanz der Vampire» (Berlin), «Tarzan» (Hamburg), «Der Schuh des Manitu» und «Joseph and the amazing technicolour dreamcoat» (Freilichtspiele Tecklenburg) und «Jesus Christ Superstar» (Oper Dortmund). Bis heute hat Alexander Klaws mehr als 3,2 Millionen Tonträger verkauft und erhielt u.a. Auszeichnungen als bester männlicher Darsteller für seine Engagements bei «Tarzan» (2013), «Der Schuh des Manitu» (2013), «Joseph» und «Jesus» (2014).


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KULT-STAR-TUS

nen, die ungute Absicht beim nächsten Mal frühzeitig zu erkennen und nicht jedem Einblicke in zum Beispiel sein Privatleben zu gewähren. Was treibt Sie an, weiter Ihren Weg nicht nur als Star, sondern als Künstler zu gehen? Es ist der Drang, etwas Besonderes auf die Beine zu stellen. Ich bin Perfektionist, was aber noch lange nicht heisst, dass alles auf Anhieb klappt. Ich habe einen hohen Anspruch an alles, was ich tue. Ich möchte kein Abklatsch von etwas sein. Mein Ansporn ist es einfach, vor vielen Leuten auf der Bühne zu stehen und das zu tun, was ich liebe. Das ist doch der Wunsch eines jeden Künstlers. Ausserdem reizt es mich, Dinge zu tun, die so vor mir kaum einer getan hat – zum Beispiel die Hauptrolle im Musical «Tarzan» in Hamburg zu spielen, wo ich mich an einem Seil über die Köpfe des Publikums schwingen musste. Vor mir haben nur wenige diese Rolle gespielt. Und als ich seinerzeit bei der deutschen Fernsehshow «Let’s dance» teilnahm, wollte ich unbedingt die Bewertungsnummer 11 von einem der strengsten Juroren der Jury, Joachim Llambi, bekommen und mich eben nicht mit der 10 zufriedengeben. Die Nummer 11 wurde bis dato nie vergeben. Ich habe es geschafft – durch Isabel, meiner Tanzpartnerin, und ganz, ganz viel harte Arbeit. Wird es Ihnen nicht trotzdem manchmal zu viel und Sie träumen davon, auszusteigen? Nein, denn dazu liebe ich das, was ich tue, einfach zu sehr, und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich das alles machen kann – meine eigene Musik, aber auch immer wieder in neue Rollen zu schlüpfen. Aber ich will mich nicht mehr unter Druck setzen lassen und mich nicht mehr von anderen abhängig machen. Ich möchte mit dem Erfolg wachsen. Auf den Rummel, der um mich und meine Person gemacht wird, bilde ich mir nichts ein. Was bedeutet die Rolle Jesus Christus in «Jesus Christ Superstar» für Sie? Für mich ist Jesus Christus nach wie vor eine hochaktuelle Figur. Er ist ein Mensch, keine Lichtgestalt. Er hat eine enorme Ausstrahlung und viele arbeiten sich an ihm ab, laden ihre Befindlichkeiten auf seine Schultern auf der Suche nach Antworten auf ihre persönlichen Lebensfragen. Mich interessiert die menschliche Seite der Figur. Jesus ist jemand, der sich einerseits aufopfert für seine grosse Idee und andererseits ganz stark zweifelt und Dinge in Frage stellt. Es ist ergreifend für mich, diese Rolle zu spielen. Die Figur in Lloyd Webbers Rock-Oper weckt Emotionen, die über alle Glaubensschranken hinausgehen. Die Geschichte

Für mich ist Jesus Christus nach wie vor eine hochaktuelle Figur. Er ist ein Mensch, keine Lichtgestalt. ist faszinierend und zieht alle in ihren Bann. Das wird mir ganz deutlich, wenn ich vor dem Beginn einer Vorstellung die johlenden Jugendlichen im Zuschauerraum höre. Aber sobald das Stück läuft, wird es im Theater totenstill und alle werden von der emotionalen Kraft dieser Geschichte und dieser Musik ergriffen.

JESUS CHRIST SUPERSTAR

Welche Herausforderungen stellt die Rolle an Sie? Jesus Christus zu singen und zu spielen, verlangt sehr viel von mir, nicht nur körperlich. Es ist für mich vor allem auch eine psychische Herausforderung, die verschiedenen Facetten und auch das Leiden dieser Figur darzustellen. Und auch gesanglich ist diese Partie eine grosse Herausforderung und mit nichts zu vergleichen. … und wie ist es für Sie, in so kurzer Zeit die zweite Neuinszenierung zu singen? Ich liebe es, mich in neue Abenteuer zu stürzen. Ich freue mich darauf, meine Festplatte zu löschen, mich ganz zu öffnen und neue Wege zu gehen. Ich bin gespannt, wie sich die neue Inszenierung im Gegensatz zu Dortmund unterscheiden wird. Und natürlich freue ich mich auch schon sehr auf das Basler Publikum, auf die Zusammenarbeit mit dem Theater und dem ganzen Ensemble.

In der Rock-Oper von Andrew Lloyd Webber – Gesangstexte von Tim Rice – werden die letzten sieben Tage Jesu aus der Sicht von Judas erzählt. Judas ist zuallererst ein Freund Jesu, der jedoch mit ansehen muss, wie der gemeinsame Traum in der Perversion des Starkults um die Person Jesus Christus mehr und mehr verloren geht. Jesus wird in dieser Rock-Oper als zutiefst menschlich gezeichnet, der von Zweifeln an der Sinnhaftigkeit seines Tuns geplagt mit Gott hadert. Das 1970 erschienene Musikalbum «Jesus Christ Superstar» trifft haargenau den Nerv der Zeit, mixt die Sinnfragen der 68er-Generation, Hippiekultur, klassische musikalische Formen und Rockmusik und ist seither von den Bühnen nicht mehr wegzudenken. Für die Basler Inszenierung wurde eine erstklassige Sänger_innenbesetzung zusammengestellt, dazu gehören bekannte Musicalstars wie Alexander Klaws, Andrea Sánchez del Solar und Patrick Stanke. Regie führt Tom Ryser, der dem Basler Publikum bereits bestens durch seine Musicalinszenierungen bekannt ist. Die musikalische Leitung liegt bei der neuen Studienleiterin Ansi Verwey. Es spielt die eigens zusammengestellte Rockband «The Jesus Allstars».

Eben noch im Skype-Interview, ab Januar 2016 am Theater Basel: Alexander Klaws

PREMIERE: SA 23.1., 19.30 UHR NÄCHSTE VORSTELLUNGEN: 25.1., 19.30 UHR 26.1., 19.30 UHR 1.2., 19.30 UHR 3.2., 19.30 UHR 7.2., 18.30 UHR 11.2., 19.30 UHR 13.2., 19.30 UHR 28.2., 18.30 UHR 5.3., 19.30 UHR 19.3., 19.30 UHR GROSSE BÜHNE


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BARRIEREFREIES THEATER BASEL

THEATERJOURNAL 15 / 16 # 2

MIT DEM ROLLSTUHL INS THEATER

Beratung auf Augenhöhe an der Billettkasse des Theater Basel

Auch mit Rollstuhl soll einem Theaterbesuch nichts im Wege stehen! Im Zuge der Sanierungsarbeiten ist das Theater Basel noch leichter zugänglich geworden. Von der Kunsthalle bis zum Platz auf der Estrade sind keine Höhenunterschiede und keine Hindernisse zu überwinden. Für Vorstellungen auf der Grossen Bühne wurden mit der neuen Bestuhlung sechs zusätzliche Plätze für Rollstühle geschaffen. Das Theater Basel stellt damit mehr als 1 % der Sitzplätze für Rollstuhlfahrer zur Verfügung. Insgesamt zehn Plätze mit bester Sicht auf die Bühne, fünf auf der rechten und fünf auf der linken Seite, stehen im Verkauf. Auch der Weg zum Billett ist optimiert worden, weiss Christoph Adam, Leiter der Billettkasse, zu berichten. Das Team der Billettkasse begrüsst Rollstuhlfahrer ab sofort an einem abgesenkten Tresen, an den man leicht heranfahren kann. Kommunikation auf Augenhöhe und beste Beratung sind so möglich. Als Nächstes wird an der Billettkasse zudem ein automatischer Türöffner mit Lichtschranke installiert.

Natürlich lassen sich Tickets aber auch bequem von zu Hause telefonisch buchen. Rollstuhlfahrer sowie eine zusätzliche Begleitperson zahlen jeweils nur die Hälfte des regulären Preises. Die Begleitperson sitzt bei der Vorstellung in unmittelbarer Nähe. Am Abend selbst steht dann das Foyerteam als Ansprechpartner zur Verfügung. Es begleitet Menschen mit Gehbehinderung auf Wunsch zum Platz und holt sie dort auch in der Pause und nach dem Vorstellungsbesuch wieder ab. Auch im Schauspielhaus und bei Vorstellungen auf der Kleinen Bühne werden selbstverständlich Rollstuhlplätze angeboten. Hier muss jedoch der Lift benutzt werden. Dazu wendet man sich einfach an den Infodesk und eine Mitarbeiter_in führt die Besucher_ innen an ihre Plätze. Übrigens: In allen Häusern des Theater Basel gibt es – wie zu erwarten – behindertengerechte Toiletten. Im Foyer der Grossen Bühne wurden diese gerade frisch saniert!

BILLETTKASSE Die Billettkasse am Theaterplatz hat montags bis samstags von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Die Abendkasse öffnet immer eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. Zu diesen Zeiten ist das Team persönlich oder telefonisch unter +41 (0)61 295 11 33 erreichbar. Aber auch im Kulturbüro Riehen (Baselstrasse 43) und in der Kantonsbibliothek Baselland (Emma Herwegh-Platz 4, Liestal) können Karten im Vorverkauf erworben werden.


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Für «Ödipus» reisten Simona D’Amico und Simone Mannino nach Sardinien.

AUF DER SUCHE NACH DER ANTIKE

Fotos: Simona D’Amico, Simone Mannino, Karin Schmitz

Ab 5. Februar 2016 steht im Schauspielhaus «Ödipus» auf dem Programm. Der renommierte italienische Regisseur Antonio Latella hat den Mythos um den Vatermörder und Muttergatten, der wie kein anderer tief in unser Alltagsbewusstsein eingedrungen ist, in einen neuen Text gekleidet, der die Brücke vom bürgerlichen Trauerspiel zur antiken Tragödie schlägt. Simona D’Amico und Simone Mannino gestalten für diese Produktion Bühne und Kostüme. Beide verbindet mit Latella eine lange Zusammen­ arbeit. Und auch diesmal gilt es, für sein Regiekonzept die passende ästhetische Übersetzung zu finden. Simona D’Amico und Simone Mannino wollen Kostüme kreieren, die einzigartig und fantastisch sind – wie die Tragödien-Welt des Stücks. Ihre Suche führte sie nach Sardinien, wo es tradi­ tionelle Kostüme gibt, die für die Antike und das Archaische stehen und von sardischen Hirten getragen wurden, um in einem Ritus für die Fruchtbarkeit des Landes zu bitten. Sie werden heute noch an Festtagen getragen. Im August 2015 reisten Simona und Simone zu abgelegenen Dörfern, wo es noch kleinste Manufakturen gibt, die Gewänder, Masken und Glocken nach lang überlieferter Tradition anfertigen. Diese wollen sie mit anderen Kostümteilen, die in den Werkstätten des Theaters hergestellt werden, kombinieren.

1 2 Das Dorf Tonara ist bekannt für die Herstellung von Kuh­glocken. Schon das Ortsschild bezeugt das. Simona und Simone suchen spezielle Glocken, mit denen ein Kostüm ausstaffiert werden soll.

SIMONA D’AMICO & SIMONE MANNINO

ANTONIO LATELLA Ist einer der bekanntesten Regisseure Italiens. Seine Arbeiten werden regelmässig zu wichtigen nationalen und internationalen Festivals eingeladen. In Basel wird gleich nach der Premiere von «Ödipus» seine hochgelobte Roman­ adaption von Jonathan Littells «Die Wohlgesinnten», die er am Schauspielhaus Wien herausbrachte, auf der Kleinen Bühne gezeigt.

4 Weiter geht’s nach Mamoiada. Hier gilt es, Masken und schwarze Schaf- und weisse Ziegenfelle zu finden, die vor allem der Schauspieler des Hirten in «Ödipus» tragen soll – im Mamoiada heissen die traditionellen Kostüme aus Fell Mamuthones. (Im Bild: Simone Mannino)

Sind bildende Künstler, die als Ausstatter für Antonia Latella oft im Team zusammen­ arbeiten. Sie sind in Palermo geboren. Sie leben dort immer noch, sind aber an vielen Theatern tätig, nicht nur in Italien. 2014 erhielten sie den renommiertesten italienischen Theaterpreis Le Maschere del Teatro Italiano für das Bühnenbild zu «Natale in casa Cupiello», einer Inszenierung von Antonio Latella am Teatro Argentino in Rom. «ÖDIPUS» PREMIERE: FR 5.2., 20 UHR NÄCHSTE VORSTELLUNGEN: 8.2., 20 UHR 12.2., 20 UHR 14.2., 19 UHR 26.2., 20 UHR 28.2., 19 UHR SCHAUSPIELHAUS

5 Franco Sale in seiner Werkstatt.

Reiseplanung: Nur kleine Landstrassen führen Simona und Simone zu den abgelegenen Dörfern im Herzen Sardiniens.

6 Mamoiada ist 1000 Meter hoch gelegen. Vor der Abreise noch ein Blick in die herrliche Landschaft.

3 In ganz Italien gibt es nur noch fünf Familien, die sich auf das alte Handwerk der Glockenherstellung verstehen – auf Sardinien nur noch eine Familie, die Familie Floris. Deren Glocken gleichen den Glocken, die griechische Hirten verwenden. Hier werden die Kostümbildner fündig.

7 Dann werden die Koffer mit den Fundstücken gepackt und direkt nach Basel zu Karin Schmitz, der Leiterin der Kostüm­ abteilung, geschickt, wo sie wohlbehalten eintreffen.


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THEMENSCHWERPUNKT ANTIKE

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WHO IST WHO IM KÖNIGSHAUS VON THEBEN

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Mit «Nirgends in Friede. Antigone.», «Ödipus» und «Die Bacchen» zeigt das Theater Basel drei grosse Stoffe der Antike. Die Mythen, auf denen sie basieren, stammen aus den Ursprungszeiten des Theaters vor mehr als 2000 Jahren. Am Theater Basel werden sie von zeitgenössischen Autoren neu gelesen und in ihre eigenen Worte und Bilder gefasst. Sie zeigen damit, dass diese wirkungsvollen Stücke auch in der Jetztzeit nichts von ihrer Brisanz eingebüsst haben. In allen Stücken geht es um die Rolle des Individuums in einem gesellschaftlichen Ganzen, und darum, wie selbstbestimmt der Mensch leben kann und welche Rolle das Schicksal hat. In allen drei Werken begegnen wir Figuren des thebanischen Königs­ hauses. Rätseln Sie mit – wer ist wer in der royalen griechischen Antike?

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Unter den Einsendungen verlosen wir zwei exklusive Antiken-Pakete: «Nirgends in Friede. Antigone.» (20.1.2016), «Ödipus» (8.2.2016) & «Die Bacchen» (14.3.2016) Schicken Sie das Lösungswort bis 13. Januar 2016 an: kommunikation@theater-basel.ch, Stichwort: Theaterjournal #2

1. Schwester von Ismene 2. Mutter, die ihren eigenen Sohn tötet 3. Mutter von Dionysos 4. Gattin des eigenen Sohns 5. Ehemann von Eurydike 6. Bruder von Eteokles 7. Verlobter Antigones 8. Vater von Ödipus 9. Bruder der Europa

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RÄTSEL

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Bild: Jason Evans

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DAS REZEPT: FALAFEL MIT BABA GANOUSH

IHR GROSSER ABEND Sie suchen für Ihren Anlass das passende Ambiente? Bei Firmen-, Vereins- oder privaten Anlässen bietet das Theater Basel in Verbindung mit einem Vorstellungsbesuch ein besonderes Rahmenan­gebot z. B. Apéro, Nachtessen oder Führungen hinter die Kulissen für 10 bis 80 Personen. Dinieren Sie in der Theaterkantine oder im Foyer der Grossen Bühne und stimmen Sie sich kulinarisch mit einem thematisch abgestimmten Menü auf Ihren Theaterabend ein! In der Saison 2015 / 2016 wird der Grosse Abend zu den Vorstellungen von «Tewje», «John Gabriel Borkman» und «Macbeth» angeboten. Zum Ballettabend «Tewje» verwöhnt Sie dann Küchenchef Emmanuel Guillaume unter anderem mit seinen Falafeln mit Baba Ganoush nach «Tewje»-Art. Ihren Grossen Abend buchen Sie per Mail an: anlass@theater-basel.ch

ZUBEREITUNG

FALAFEL:

BABA GANOUSH:

500 g Kichererbsen, getrocknet 15 g Zwiebeln 1 Knoblauchzehe 10 g Petersilie 60 g Weissmehl 2 g Kümmel, gemahlen 2 g Koriander, gemahlen 10 g Backpulver Salz und weisser Pfeffer, gemahlen 2 L Frittieröl

300 g Aubergine 1 Knoblauchzehe 60 g Sesampaste ½ Zitrone 2 g Kümmel, gemahlen 5 g Koriander, frisch Salz und weisser Pfeffer, gemahlen

1. Für die Falafel die getrockneten Kichererbsen über Nacht in Wasser einweichen, danach ca. 45 Minuten in frischem gesalzenem Wasser kochen und in einem Sieb abtropfen lassen. 2. Die Kichererbsen pürieren und mit den gehackten Zwiebeln, Knoblauch, Petersilie, Kümmel und Koriander mischen. Das Backpulver und das Weissmehl dazugeben. 3. In einem Topf das Öl stark erhitzen. Sobald das Öl heiss genug ist, aus der Falafel-Masse mit zwei Teelöffeln Kugeln formen und diese im heissen Öl frittieren, bis sie goldbraun sind. 4. Für das Baba Ganoush die ganzen Auberginen für ca. 20 Minuten bei 220 Grad im Ofen backen. 5. Die Auberginen danach in eine Plastiktüte legen und fest verschlossen 30 Minuten abkühlen lassen. 6. Danach die schwarze Haut der Auberginen abziehen und den Saft dabei auffangen, das Fleisch der Auberginen pürieren und mit dem Saft in eine Schüssel geben. 7. Die Auberginen mit dem gehackten Knoblauch, dem Saft der Zitrone, Kümmel und Koriander und der Sesampaste mischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. 8. Servieren Sie auf einem Teller fünf warme Falafel-Kugeln mit einem Esslöffel Auberginenpüree. Guten Appetit!

FALAFEL MIT BABA GANOUSH NACH «TEWJE»-ART


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JUNGES HAUS

STÜCKE RECHNEN Kannst du die Bilder-Rechnungen lösen? Welche Stücktitel aus unserem Spielplan verstecken sich dahinter? Schreibe die entsprechende Zahl ins Lösungskästchen!

NEU

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JESUS CHRIST SUPERSTAR Rock-Oper. Gesangstexte von Tim Rice. Musik von Andrew Lloyd Webber. Ab 23. Januar 2016 auf der Grossen Bühne. Geeignet ab 12 Jahren.

4 DER TEUFEL MIT DEN DREI GOLDENEN HAAREN Musiktheater ab 7 Jahren von Stefan Johannes Hanke. Ab 4. März 2016 auf der Kleinen Bühne. Eine Produktion von OperAvenir in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik FHNW / Musik-Akademie Basel

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Illustrationen: Andreas Spörri Ausgedacht von: Anja Schödl und Martin Frank

THEATERJOURNAL 15 / 16 # 2

Die Kinderoper «Gold!» tourt durch die Schulen der Region. Kommt sie auch zu euch? theater-basel.ch/gold

DER GESTIEFELTE KATER Märchen von Thomas Freyer nach den Brüdern Grimm, ab 7 Jahren. Noch bis 24. Januar 2016 im Schauspielhaus. Eine Koproduktion mit dem Vorstadttheater Basel 2

DIE ZAUBERFLÖTE Grosse Oper in zwei Aufzügen von Wolfgang Amadeus Mozart. Ab 19. Dezember 2015 auf der Grossen Bühne. Geeignet ab 10 Jahren. Mit freundlicher Unterstützung von:

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JUNGES HAUS

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FAMILIENBANDE Bruder, Schwester, Vater, Mutter, allein, viele, gemeinsam, glücklich, zerbrochen – so unterschiedliche Familienkonstellationen wie im Leben gibt es auch in den Stücken des Theater Basel. Über ihre eigenen Familienerfahrungen reflektieren die Teilnehmer_innen der Autorenwerkstatt und des Jugendclubs «ÜberLebensStrategien»: Ameisenkriege Vor nicht allzu langer Zeit wurde ich gefragt, ob ich Brüder hätte, man könnte mich nicht wirklich austricksen, alles würde ich schon im Voraus ahnen. Ja, ich habe Brüder. Zwei von der Sorte. Sie sind 10 und 12 Jahre älter als ich und mir um einiges überlegen. Oder waren es, langsam hole ich auf. Ein Kollektiv waren wir eigentlich nie. Dazu waren sie zu alt und ich war zu weit weg von ihren Interessen. Ist halt so, wenn man sich in der Pubertät befindet. Da versteht man nicht unbedingt, wieso die kleine Schwester jetzt noch mal im Garten, zwischen den Tulpen, Löcher gräbt. Aber auch das hat sich mittlerweile geändert. Ich bin älter geworden, ein Stück weit auch erwachsener, aber sie? Ja klar, mehr Lebenserfahrung und so aber com’ on, erwachsener sind sie irgend­­wie trotzdem nicht. Nicht, wenn sie Ameisen aus verschiedenen Löchern holen, sie in ein Glas sperren und beobachten, wie sie sich bekämpfen, und sich dabei natürlich freuen wie Sau und sich an die Zeit erinnert fühlen, als sie noch gemeinsam Siedler gespielt haben und von mir noch keine Rede war. Als ich im Anmarsch war, beziehungsweise im Bauch meiner Mutter, gab es Krieg zwischen ihnen beiden und meiner Schwester, ob ich ein Junge oder Mädchen sein sollte. Den Gefallen, mir Fussballspielen beizubringen, konnte ich ihnen leider nicht machen. Meine Schwester freute sich dafür umso mehr. Ein Kollektiv sind wohl eher sie beide. Gleich und trotzdem verschieden. Ja sonst wär's ja auch langweilig für mich, wenn sie beide gleich wären. Jetzt hat der Ältere ein Kind und der Jüngere ist der Götti. Perfekt. Das Kind wird unter den gleichen Einflüssen stehen wie ich damals. Der letzte Besuch an der Herbstmesse, der Götti durfte zahlen. Am Ende des Abends, als es ums Ballonkaufen ging, war in seinem Portemonnaie nichts mehr aufzufinden. Also nahmen sie einfach einen Ballon aus dem Ständer, gaben ihn dem Kind in die Hand und riefen: renn, Henry! Das Kind rannte, sie gleich mit. Ihr Kollektiv wurde erweitert, nicht zuletzt auch auf mich. Wenn sie ihre 10 Jahre jüngere

Schwester fragen, wo sie alternativ denn ausgehen könnten, dann schmeichelt mir das schon sehr. Und ich bin auch froh, als wie weniger Einzelkind zu sein und als wie mehr ein Teil des Kollektivs. (Lucia Gränicher, 17 Jahre)

Ankara Als ich sehr klein war, bin ich mit meinen Eltern in die Grossstadt gefahren. Ich war zum ersten Mal in einer Grossstadt. Mir kamen die Städte und Städter sehr märchenhaft vor. Ich dachte, dass die Leute dort nur im Fernsehen existierten. An dem Tag merkte ich, dass es diese Leute wirklich gab. Mein Vater war sehr jung damals. Meine Mutter hatte ein Hemd aus Seide an. Sie sah sehr schön aus. Die Taxis waren wie im Fernsehen gelb. Wir waren in einem Vergnügungspark. Ich war auf der Geisterbahn mit meinem Vater. Meine Mutter hatte Angst. Ich sah Mumien und riesige Spinnen. Es war wie im Traum, sehr dunkel, aber die wichtigsten Dinge glänzten. Auch vor dem Riesenrad hatte sie Angst. Sie wollte gar nichts machen. Nachher waren wir auf dem Marktplatz. Sie kaufte Süssigkeiten für uns. Ich war in der Stadt! Man konnte die Sirenen hören. Noch nie in meinem Leben sah ich so viele Autos. In dieser Nacht leuchtete alles. Ich war dann mit meinen Eltern in einem Hotelzimmer. Das fand ich sehr schön. Aus heutiger Sicht gefällt es mir nicht. Braune Einrichtungen gefallen mir nicht. Warum steckte meine Mutter die Süssigkeiten in die Schub­ laden, wenn wir am nächsten Tag sowieso das Zimmer verlassen würden? Warum war alles so schön? (Sultan Coban, 20 Jahre)

Grosse Schwester Das Ganze begann mit einem Wort: «Hure.» Ich wusste, dass er es nicht wirklich ernst meinte, ich weiss nicht mal mehr, wieso er es gesagt hat. Aber ich wusste, dass es Konsequenzen haben musste, so nennt man aber seine grosse Schwester nicht! Also sagte ich das und schlug ihn, und er schlug zurück. Es eskalierte ein wenig, er war da schon grösser als ich, und ich hatte sichtbare Spuren im Gesicht. Meine Mutter fragte, was los sei und fand es natürlich raus, so was spüren Mütter. Doch ich zwang sie, mir zu versprechen, nichts zu tun, das war meine Sache, etwas zwischen meinem Bruder und mir. Ich wollte nicht, dass er so bestraft wurde, ich wollte es selbst mit ihm klären und so das Ganze zwischen uns wieder herstellen. Durch diese «Geste» klappte es auch, er entschuldigte sich und es war alles wieder gut. So war das immer mit meinen Geschwistern: krasse Eskalation und dann war alles wieder gut, wir verstanden uns danach sogar eine Weile besser. (Jeannette-Marie Busch, 19 Jahre)


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JUNGES HAUS

AKTUELL ZIMT UND ZUCKER Weihnachtsfeier der Jugendclubs am 15. Dezember um 19 Uhr im K6 (Klosterberg 6) neben dem Schauspielhaus. Offene Bühne unter dem Motto: «Was ich am besten kann und keiner weiss.»

ANDREAS SPÖRRI Andreas Spörri, geboren 1991 in Wetzikon ZH, lebt und arbeitet in der Stadt Zürich. Seit seinem Bachelorstudium in Visueller Kommunikation an der ZHdK und auch schon währenddessen zeichnet er für diverse Kunden sowie für private Projekte. Neben seiner Tätigkeit als Illustrator ist Andreas Grafiker. Direkt nach seinem Diplom gründete er mit zwei Studienfreunden das Grafikdesign-Studio «Badesaison».


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KOLUMNE VOM HAUSAUTOR

DAS SCHAUSPIELENSEMBLE Das Ensemble ist das Kernstück des Schauspiels und hält den Laden am Laufen. Es ist aber keine Maschine, sondern ein Körper mit vielen Armen und ebenso vielen Beinen. Das Ensemble hat bis zu 160 Gliedmassen. Es ist zu ungefähr 37,5 Prozent weiblich und zu 62,5 Prozent männlich. Das Ensemble findet das manchmal bedenklich. Das Ensemble kommt aus den verschiedensten Ecken und meistens aus dem deutschsprachigen Raum. Das Ensemble kennt sich schon seit Jahren und hat sich kürzlich erst kennengelernt. Das Ensemble ist eine Arbeitsgemeinschaft und auch eine Familie. Das Ensemble ist ein Verbund aus vielen Partnerschaften und hat mindestens 21,5 Kinder. Das Ensemble führt verschiedenste Fernbeziehungen und ärgert sich, dass Easy Jet nicht nach Wien fliegt. Es ist gekommen, um zu bleiben, weiss aber noch nicht wie lange. Das Ensemble sieht sich als gern gesehenen Gast und mag es, angeschaut zu werden. Das Ensemble ist über Umwege auf der Bühne gelandet und spielte bereits in der Waldorfschule den eingebildeten Kranken. Es hat vor allem Schauspiel studiert, aber auch Regie, Biologie, Philosophie, Ethnologie, Psychologie, Germanistik, Bildhauerei und Gender Studies. Das Ensemble hat unter anderem eine Schreinerlehre gemacht und ein Medizinstudium abgebrochen. Es studiert aktuell Jura und bereitet sich auf das Staatsexamen vor. Manchmal findet es sehr seltsam, was es im Theater tut. Das Ensemble will sich immer wieder neu dafür entscheiden. (Das Ensemble ist eine enthaltsame Raucherin und auch ein starker Raucher. Es hat für den Rest des Lebens vorgeraucht, hat überhaupt noch nie geraucht und ist seit vier Monaten trocken. Es raucht, aber «nicht so doll», gelegentlich und im Durchschnitt 285 Zigaretten am Tag.) Das Ensemble hat eine wichtige Rolle zu spielen, weil es nämlich alle Rollen spielt. Das Ensemble nimmt alle Haltungen

ein, auch solche, die es nicht vertritt, um diese Unvertretbarkeit dann vorzuführen. Das Ensemble hat keine Lieblingsrollen, aber stattdessen steigende Ansprüche. Es will weder ein Egomane noch eine Diva sein. Das Ensemble kriegt Worte in den Mund gelegt und möchte diese deshalb hinterfragen. Es fühlt sich teilweise unmündig, aber dennoch nicht ohnmächtig. Es ist zwangsläufig, aber auch von sich aus offen. Das Ensemble möchte sich gerne positionieren und nicht nur belanglos in einer Ecke stehen. Es will keine leeren Gesten und Gänge machen. Es will komplexe Weltzusammenhänge verkörpern und liebt das Utopische daran, das eingebaute Scheitern. Es will die Gesellschaft angreifen, aber nicht nur beschimpfen. Es will sich über das Engagement hinaus engagieren und macht dafür gerne Überstunden. Das Ensemble freundet sich aufgrund der Arbeitszeiten mit Krankenschwestern an und empfindet das Theater gelegentlich als PHILIPPE HEULE Energiefressmonster. Das Ensemble brennt für das Theater und möchte nicht Philippe Heule ist Autor und Regisseur. Er wurde 1986 in Widnau in der Ostklingen wie ein alter, verschweiz geboren und wuchs im St. Galler brannter Hase. Rheintal auf. Nach einem Schauspiel­ Es lässt sich festhalten: studium in Hamburg studierte er Theater-­ regie an der Zürcher Hochschule der Das Ensemble gilt allgeKünste und war Gast an der Universität mein als sehr unterder Künste Berlin im Studiengang Szenisches Schreiben. Er haltsam und wanist Begründer der Gruppe delbar, es möchte «helium x», die im Rahmen der aber nicht nur amüTreibstoff Theatertage 2015 in Basel «Die grosse Schlacht» sieren. Vieles kann realisierte. In der Spielzeit es sich merken: 2015 / 16 ist Philippe Heule im Rahmen des Stipendien­ Lange Texte und programms «Stücklabor Basel» viele Schritte. Es Hausautor am Theater Basel mag aber möglichst und arbeitet im Zuge dessen an einem neuen Stück. wenig überflüssige Worte sprechen, sondern wünscht sich Dichtung im eigentlichen Sinn. – Das Lesung: will ich mir gerne merken. Szenische «DIE SIMULANTEN» von Philippe Heule DO 21.1., 20 UHR FOYER SCHAUSPIELHAUS


MIT DER FAMILIE INS THEATER BASEL

Kinder bis 10 Jahre zahlen nur 10.–, Schüler_innen, Auszubildende und Studierende erhalten 50% Ermässigung auf alle Vorstellungen und zahlen an der Abendkasse zwischen 19.– und 26.–. THEATER-BASEL.CH

NEU! DAS ÜBERTRAGBARE WAHLABO FÜR SCHÜLER_INNEN, AUSZUBILDENDE UND STUDIERENDE

Die sieben Gutscheine à 22.– kannst du für dich alleine einlösen oder mit deinen Freunden teilen. Sie sind gültig für Schauspiel, Oper und Ballett in allen Preisstufen.

GENOSSENSCHAFT Saison 2015/2016

THEATER

THEATERJOURNAL 15 / 16 # 2

ZUM BEISPIEL ZU «DER GESTIEFELTE KATER» ODER «DER FREMDE»

BASEL

THEATER

ENTSCHEIDEN SIE MIT!

Die Theatergenossenschaft bildet die Trägerschaft des Theater Basel. Mitglied der Theatergenossenschaft zu sein bedeutet, aktiver als andere am Theatergeschehen teilnehmen zu können. Die Mitgliedschaft kostet pro Person / Jahr CHF 150.– IHRE VORTEILE ALS GENOSSENSCHAFTLER_IN

• Sie werden persönlich an der Generalversammlung von der Verwaltung und der Direktion über die finanziellen und künstlerischen Hintergründe informiert und erhalten den Jahresbericht des Theater Basel. • Sie erhalten Rechenschaft über Bilanz, Erfolgsrechnung und Besucherstatistik

• Sie können Ihre Meinung äussern. • Sie wählen alle vier Jahre vier der insgesamt neun Mitglieder des Verwaltungsrates und bestimmen über allfällige Statutenänderungen der Genossenschaft. • Sie erhalten zwei Theatergutscheine im Wert von je CHF 50.– • Einladung zu einem exklusiven Probenbesuch

KONTAKT & WEITERE INFOS: Billettkasse am Theaterplatz, Mo bis Sa, 11 bis 19 Uhr, +41 (0)61 295 11 33 Postfach, 4010 Basel, theater-basel.ch/Theatergenossenschaft


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SNEAK PEEK

Liliane Amuat, Martin Wuttke Wuttke; Foto: Reinhard Werner Foto: Reinhard Werner

S R INNE RPREISE W E E G T THEA 015» R E WIEN STROY 2 n Stone tke S E D «NE ie: Simo rtin Wut Reg ler: Ma d Koch e t s e ie n B ausp olle: Rola h c S r r Beste te Neben Bes

«John Gabriel Borkman» Schauspiel von Henrik Ibsen in einer Bearbeitung von Simon Stone ab 30. Januar 2016 am Theater Basel

Theaterjournal #2  
Theaterjournal #2  
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