Jubiläumsbroschüre 100 Jahre SPD Laudenbach

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1901 2001

1 0 0 J A H R E

LAUDENBACH



1901 2001 · 100 JAHRE SPD LAUDENBACH

Protokollauszug der Mitgliederversammlung vom 14. 2. 1926. Hieraus entnehmen wir, dass der Ortsverein der SPD im Jahre 1901 gegründet wurde.

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INHALTSVERZEICHNIS 1901 2001 · 100 Jahre SPD-Laudenbach .......................................................................................................

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Inhaltsverzeichnis ..............................................................................................................................................

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Schlagzeilen in Deutschland um das Jahr 1901 .............................................................................................

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Jubiläumsprogramm 2001 ...............................................................................................................................

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Ein Vorwort zum 100-jährigen Jubiläum der SPD-Laudenbach .................................................................

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Grußworte Gerhard Schröder, Bundeskanzler und Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ............................................................................................. Franz Müntefering, Generalsekretär der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und Schirmherr des Jubiläums .......................................................................................................................... Ute Vogt, Landesvorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Baden-Württemberg und Bundestagsabgeordnete ................................................................................ Hans-Jürgen Moos, Kreisvorsitzender der SPD Rhein-Neckar ............................................................ Dr. Konstanze Wegner, Mitglied des Deutschen Bundestages für unseren Wahlkreis ...................... Hans-Georg Junginger, Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg ................................... Herrmann Lenz, Bürgermeister der Gemeinde Laudenbach ............................................................... Armin Kast, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Laudenbach ..............................................................

8 9 10 11 12 13

Gedenken an die verstorbenen, gefallenen und vermissten Mitglieder ...................................................

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Aufbruch in die Industriegesellschaft ............................................................................................................. Aktivitäten reichen in das 19. Jahrhundert zurück ...................................................................................

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Die Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Laudenbach ...................................................................................

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Das Jubiläumsjahr: Herausforderung und Impulsgeber ..............................................................................

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Der SPD-Vorstand im Jubiläumsjahr 2001 ....................................................................................................

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Protokoll Verhandlungen des Parteitages der Sozialdemokratischen Partei Badens, 1906 .................

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Die Situation um die Jahrhundertwende ....................................................................................................... Die Geschichte der SPD in Laudenbach .................................................................................................... Gründung im Jahr 1901 ................................................................................................................................ Wie sah es in Deutschland und in Laudenbach zu dieser Zeit aus? ....................................................... Erstes Protokollbuch 1914-1933 .................................................................................................................. Valentin Giegrich Mann des Widerstands ...............................................................................................

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Vom Ersten in den Zweiten Weltkrieg ........................................................................................................... Wie fing es an? Aus den Protokollen ......................................................................................................... 1914: 44 Mitglieder ........................................................................................................................................

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Wiederbeginn nach dem Krieg ........................................................................................................................ 1922: Vereinigung der Sozialdemokraten am Ort ..................................................................................... Trotz Not: Maifeiern ..................................................................................................................................... SPD, Arbeitergesangverein und RSC feiern gemeinsam ......................................................................... Trauerzug für Reichspräsident Ebert ......................................................................................................... Jungsozialisten schon seit 1923 in Laudenbach ......................................................................................... 25 Jahre SPD-Laudenbach ........................................................................................................................... Stand der Mitgliedschaften 1924 und 1928/29 ........................................................................................... Die Auseinandersetzung mi der KPD und dem aufkommenden Nationalsozialismus ........................

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1931: Mehr Frauen für die SPD werben ..................................................................................................... SPD in Isolation getrieben ........................................................................................................................... Entscheidungsschweres Jahr 1933 ............................................................................................................... SPD-Mitgliedschaft bedeutete hohes Risiko ............................................................................................. Gliederung des Widerstandes ......................................................................................................................

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Das dritte Reich Verfolgung und Tod ..........................................................................................................

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Wiederaufbau in der Opposition ..................................................................................................................... Wie ging es nach 1945 weiter? ..................................................................................................................... Totenehrung für Kurt Schumacher ............................................................................................................. Arbeiterwohlfahrt auch ein Thema der SPD ......................................................................................... Hinweis auf ein Gründungsmitglied ........................................................................................................... Filmabend mit Jungsozialisten .................................................................................................................... Wasserversorgung Verdienst von Adam Thron ..................................................................................... Bürgermeisterwahl 1960 Unterstützung für Hermann Spengler ......................................................... Theo Luber wird Vorsitzender des SPD-Ortsvereins ............................................................................... Aktive Jungsozialisten .................................................................................................................................. Arbeitsgebietskonferenz der Jungsozialisten Nord-Badens in der Laudenbacher Krone .............. Erfolgreiche Arbeit trägt Früchte ............................................................................................................... Fritz Kaiser wird Bürgermeister ..................................................................................................................

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13 Jahre Verantwortung für Deutschland ...................................................................................................... 68 Erster Wahlsieg bei Kommunalwahlen ...................................................................................................... 68 Erste Ausgabe Laudenbach heute und morgen .................................................................................... 69 1970: Gerd Dember übernimmt den Vorsitz der SPD im Ort ................................................................. 70 SPD-Grillfeste seit 1970 ............................................................................................................................... 71 SPD in Laudenbach vorn ............................................................................................................................. 71 25 Jahre SPD-Ortsverein nach dem 2. Weltkrieg ...................................................................................... 72 Altbürgermeister Adam Thron ist tot ........................................................................................................ 72 Gemeindereform 1972 Laudenbach bleibt selbständig ......................................................................... 72 Erstes Ortsvereinstatut ................................................................................................................................. 72 Erste Kommunalwahl nach der Gemeindereform .................................................................................... 73 Eine zweite Amtszeit für Bürgermeister Fritz Kaiser .............................................................................. 73 Zweites SPD-Bürgerbüro wurde eröffnet .................................................................................................. 74 Dauerthema Kreisstraße .......................................................................................................................... 74 Nach zehn Jahren Wechsel im Vorstand Rolf Jung jetzt Vorsitzender ............................................... 75 Wende und Gegenwende ............................................................................................................................. 76 Dieter Ehle übernimmt die Führung des SPD-Ortsvereins ..................................................................... 76 Bistro Rouge zur Kerwe ............................................................................................................................... 77 Erstes Heringsessen / Erste Reise ............................................................................................................... 77 Führungswechsel: Herbert Bangert wird Vorsitzender des SPD-Ortsvereins ....................................... 78 Die Wende wir helfen in Straussfurt/Thür. ............................................................................................. 79 Die letzten zehn Jahre Aufschwung und Kontinuität ............................................................................... 80 Starker Mitgliederzuwachs .......................................................................................................................... 80 Lichterkette gegen rechte Gewalt ............................................................................................................... 81 Beteiligung am Bundesparteitag ................................................................................................................. 81 Ende einer Ära Fritz Kaiser kündigt Verzicht auf weitere Kandidatur an ......................................... 83 Armin Kast neuer Vorsitzender der SPD .................................................................................................. 84 III


CDU-Bewerber Hermann Lenz wird Bürgermeister ............................................................................... Neuwahlen im Ortsverein: Armin Kast bestätigt ...................................................................................... 1998 im Zeichen von badischer Revolution und Regierungswechsel .................................................. Sieg bei der Bundestagswahl ....................................................................................................................... 1999 Kommunalpolitischer Einbruch ...................................................................................................... Im Vorfeld des Jubiläums ............................................................................................................................. Besuch der Weltausstellung .........................................................................................................................

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SPD unterwegs eine schöne Sitte ....................................................................................................................

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Politik von Frauen für Frauen 25 Jahre AsF Laudenbach ........................................................................

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SPD-Gemeinderatsfraktion: Ständiges Bemühen um unser lebens- und liebenswertes Laudenbach ... 101 Die Bürgermeister der Gemeinde Laudenbach von 1832 2001 ............................................................... 104 Wahl der Gemeinderäte von 1946 1999 ....................................................................................................... 104 Wahlen zum Kreistag des Rhein-Neckar-Kreises ......................................................................................... 107 Wahlen zum Landtag von Baden-Württemberg ........................................................................................... 108 Wahlen zum Deutschen Bundestag ................................................................................................................ 109 Wahlen zum Europaparlament 1979 1999 .................................................................................................... 110 Reichstagswahlen in Baden 1870 1912 ......................................................................................................... 111 Reichstagswahlen in Baden 1919 1933 ......................................................................................................... 112 Wahlergebnisse in Laudenbach 1919 1932 ................................................................................................... 113 Die SPD in Laudenbach seit 1901 Namensregister ................................................................................... 114

ZITAT

Impressum ......................................................................................................................................................... U 3

Ich halte es für eine Eitelkeit von Politikern, wenn sie danach streben, etwas zu Stande zu bringen, was ein Jahrhundert überdauert. Eine Eitelkeit, die ich nicht sonderlich schätze. Mir kam es, als ich in der Politik aktiv war, mehr darauf an, im Augenblick des Handelns und für morgen und übermorgen für Frieden und Wohlfahrt aller zu sorgen in meinem Land, im Nachbarland und in Europa. Ich stimme zu, wir haben einige Dinge zu Stande gebracht, und wenn wir nicht Nachfolger bekommen sollten, die das alles wieder zunichte machen, dann wird das sogar auch bleiben. Aber ich habe nie nach einem Blatt im Buch der Geschichte gestrebt. ... Es kommt nicht darauf an, in der Geschichte später eine wichtige Figur zu sein, sondern heute und hier und für morgen meine Pflicht anständig zu erfüllen. HELMUT SCHMIDT

in seinem Buch Jahrhundertwende

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SCHLAGZEILEN IN DEUTSCHLAND UM DAS JAHR 1901 † iktoria V : e h c o ig. iner Enpgland stirbt 81-jähr e e d n E Diskussion um Dreiklassenwahlrecht von E Königin Parteitag der SPD in Mainz Für die Landtagswahl in Preußen wird ein zentrales Wahlkommitee gebildet

B lu ti g e Z u s a m m e n s tö

ß e in R u ß la n An vielen Ort d en fin de n Z usammenstöß zwischen hung e ernden Volks massen und M ilitär statt

Lübe n i g r t e inttwaurf a P c h e rgegen Zolltarife s i t a o k r arfe Resolution m e d l Sch Sozia

ck

Sozialdemokratische Petition 3.431.784 Unterschriften gegen die Zollerhöhung

Bündnisge

spräch

e zwischen Deu tschland und England im Jangste-A bkommen

Einvernehmen

Wahlrecht für Männer und Frauen

Norwegen führt Wahlrecht für Männer und Frauen ein, die mindestens 300 Kronen (Land) oder 400 Kronen (Stadt) Steuern zahlen.

n o l d a t en, S r ü f t e n ist es verbote ilen -Schrif te ten

SPD chaf u ver K e i n e ffizieren und Mantenns zu halten oder z

Untero ratische Schrif emok Soziald

Mitgliederzahlen der SPD steigen 1900: Tausend Mitglieder in Mannheim

S o zi a ld e m o k ra ti Proletarische

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sc h e r F ra u e n ve re in g e g rü n d e t

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Sozialdemokraten in den Landtagen In 16 von insgesamt 24 Landtagen des Deutschen Reichs sind 79 Sozialdemokraten vertreten: Bayern 11 Sachsen 4 Württemberg 4 Baden 7 Hessen 6 Weimar 2 Oldenburg 1 Meiningen 6 Altenburg 5 Coburg-Gotha 10 Schwarzburg-Rudolfstandt 2 Reuß-Gera 3 Reuß-Greiz 1 Lippe-Detmold 4 Bremen 11 Hamburg 1


JUBILÄUMSPROGRAMM 2001

Samstag, 3. Februar 2001

15.00 Uhr

Totenehrung auf dem Friehof

Sonntag, 4. Februar 2001

11.00 Uhr

Matinee Vorstellung der Jubiläumsbroschüre 100 Jahre SPD-Laudenbach im evangelischen Gemeindezentrum

Mittwoch, 28. Februar 2001

19.00 Uhr

Heringsessen im Georg-Bickel-Haus (AWO-Haus)

Freitag, 9. März 2001

19.00 Uhr

Kultur in Laudenbach Veranstaltung zum Internationalen Frauentag im evangelischen Gemeindezentrum

Sonntag, 25. März 2001

19.00 Uhr

Wahlparty zur Landtagswahl in Baden-Württemberg im Gasthaus Zum grünen Baum

Dienstag, 1. Mai 2001

10.00 Uhr

Waldgrillfest zum 1. Mai auf dem Waldgrillplatz. Es spricht: Lothar Bindung, MdB, Heidelberg

Samstag, 16. Juni 2001

19.00 Uhr

Jugend-Musikveranstaltung im katholischen Pfarrsaal

Beteiligung an der Froschkerwe

1. bis 3. September 2001

im Kerwegebiet, Mittelstraße Samstag, 29. September 2001

19.00 Uhr

Festakt mit Franz Müntefering, SPD-Generalsekretär im evangelischen Gemeindezentrum

Berlinfahrt

27. bis 31. Oktober 2001

zum 100-jährigen Jubiläum des Ortsvereins Samstag, 3. November 2001

13.00 Uhr

Kreisparteitag in der Bergstraßenhalle

Freitag, 7. Dezember 2001

19.30 Uhr

Jahresabschlussfeier im Restaurant in der Bergstraßenhalle

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EIN VORWORT ZUM 100-JÄHRIGEN JUBILÄUM DER SPD-LAUDENBACH

HERBERT BANGERT

GERD DEMBER

Unsere Zeit allerdings steckt, wie kaum eine andere zuvor, voller Möglichkeiten zum Guten und zum Bösen. Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Darum besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll. Willy Brandt

ergänzt durch Berichte von Zeitzeugen, unsere Geschichte zu skizzieren, eine Geschichte, in der viele Zeiten gute wie schlechte Antworten wollten. Heute präsentieren wir Ihnen eine zweite Chronik, fortgeschrieben, überarbeitet und ergänzt, wo es möglich war. Leider muss auch diese zweite Ausgabe unvollständig bleiben, weil uns Unterlagen erst ab dem Jahr 1914 vorliegen und nach dem Verbot unserer Partei auch die Jahre 1933 bis 1945 eine schmerzliche Lücke mit braunem Terror und Verfolgung bilden.

am 14. September 1992 Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, als der SPD-Ortsverein vor zehn Jahren sein 90-jähriges Bestehen feierte, hatten wir den Versuch unternommen, aus den noch vorhandenen Unterlagen,

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Außer Xaver Reithmeier, der in einem Protokoll als Gründungsmitglied aufgeführt ist, sind uns jene Persönlichkeiten nicht be-

kannt, die vor 100 Jahren unsere Partei am Ort in einer Zeit, als es wenige Jahre nach dem Sozialistengesetz längst noch nicht selbstverständlich war, sich zur Sozialdemokratie zu bekennen, gründeten. Auch damals war eine Zeit voller Möglichkeiten, zum Guten und zum Bösen, und man besann sich auf die Kraft, die aus der zunehmenden Industrialisierung mit der wachsenden Bedeutung der Arbeiterschaft erwuchs. Zahlreiche Dokumente weisen aus, dass es bereits vor der formellen Gründung unseres Ortsvereins Aktivitäten und Bestrebungen der Arbeiterbewegung in Laudenbach gab. Unser unvergessener Heimatforscher, Hans Friess ( ), hat uns in den


80er Jahren in unseren Bemühungen um die Aufhellung der Geschichte unterstützt und hierbei einige interessante Quellen erfasst, die wir als Zeitdokumente weitergeben.

und jeder von uns ist aufgefordert, sein Handeln daraufhin zu überprüfen, ob er in der Geschichte von morgen bestehen kann, ob eben Gutes bewirkt wurde.

Wir Sozialdemokraten sind stolz auf unsere Partei. Die Sozialdemokratie war immer und überall bestrebt, den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Politik zu stellen und hat immer für Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft gekämpft. Dabei hat sie vieles bereits erreicht, anderes ist unserer Generation aufgegeben, es im Sinne des vorausgestellten Zitats des unvergessenen Willy Brandt zu vollenden, Gutes zu bewirken.

Wir sind stolz darauf, und dies nicht aus überzogener Selbstgerechtigkeit, sondern innerster

Wir Menschen, wir Organisationen, wir Parteien stehen in unserer Geschichte und zu ihr zählen Gutes und Böses, Erhabenes und Niederträchtiges, Zeiten des Aufbruchs und der geistigen Blüte wie Zeiten des Niederganges und ideologischer Verirrungen wie in jener Zeit der NaziDiktatur, die auch unsere dörfliche Gemeinschaft beherrschte und den bürgerschaftlichen Konsens zerstörte. Es gilt, auch diese Vergangenheit anzunehmen, uns über sie offen auszutauschen und dafür zu wirken, dass niemals mehr Feindschaft und Hass gegen Minderheiten verbreitet werden, dass Extremismus und Fremdenhass jeglicher Nährboden entzogen wird. Wir blicken zurück, um zu lernen, um die Konsequenzen zu ziehen aus dem Geschehenen und um zu erkennen, wie Menschen miteinander umgehen sollen. Wir haben nicht nur Geschichte zu bewältigen, wir schreiben mit unserem Handeln auch die Geschichte von morgen

Titelseite der Jubiläumsbroschüre zum 90-jährigen Bestehen des SPD-Ortsvereins Laudenbach 1991

Überzeugung, auch nach mehrfachem Studium der noch vorhandenen Unterlagen feststellen zu können, was unsere Genossinnen und Genossen in diesem für unser Land so dunklen 20. Jahrhundert bewegt haben, auch wie sie dem aufkeimenden Nationalsozialismus und den sie vertretenden Repräsentanten im Ort begegnet sind, verdient unsere Hochachtung, berechtigt uns zu dem im Vereinigungsprozess immer wieder zitierten aufrechten Gang .

beitrugen, unser heute blühendes Gemeinwesen zu schaffen, Männer wie Stefan Leitwein und Heinrich Luber, wie Georg Bickel und Hans Leib, wie Adam Thron und Fritz Kaiser haben die Sozialdemokratie am Ort verkörpert und mit einer erfolgreichen Kommunalpolitik den Grundstein gelegt, dass unsere Partei aus den Minderheiten der 50er Jahre und anfangs der 60er Jahre, dann Ende der 60er Jahre für nahezu drei Jahrzehnte zur bestimmenden politischen Kraft am Ort wurde. Wir wissen um die Verpflichtung, das Geleistete zu bewahren und Neues aufgeschlossen anzugehen, sich den Fragen der Zeit engagiert zu stellen, und wir hoffen, dass uns die Bürgerschaft bei künftigen Wahlen den Auftrag erteilt, wieder als bestimmende Kraft die Kommunalpolitik zu gestalten, Gutes für die Kommune und ihre Bürgerschaft zu bewirken. Unser Dank gilt allen, die sich bei bzw. für die Herausgabe dieses Heftes in besonderem Maße engagierten. Wir freuen uns auf die mit dem Jubiläum verbundenen Veranstaltungen und sehen nicht ohne Zuversicht auf die kommenden Jahre voller Möglichkeiten. Es grüßen Sie herzlich

(Herbert Bangert)

(Gerd Dember)

Und nach dem Zusammenbruch waren es auch wieder Sozialdemokraten, die wesentlich dazu

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GRUSSWORT

ZUM 100JÄHRIGEN BESTEHEN DES SPD-ORTSVEREINS LAUDENBACH/BERGSTRASSE

Sozialdemokraten erkämpft worden. Und gerade in der heutigen Zeit wird die Sozialdemokratie mehr denn je gebraucht, um unser soziales System sicher und die Demokratie stabil zu erhalten. Für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität haben Sozialdemokraten große Opfer gebracht, viele haben sogar ihr Leben für unsere gemeinsamen Ziele gegeben. Wir sind aufgerufen, das Gedenken an diese Parteimitglieder in Ehren zu wahren.

GERHARD SCHRÖDER Bundeskanzler und Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

Dem SPD-Ortsverein Laudenbach/Bergstraße gratuliere ich herzlich zu seinem 100jährigen Bestehen. Dieses Jubiläum ist nicht nur ein Anlass zum Feiern, sondern es bietet auch die Gelegenheit, einen Blick zurück auf die historischen Leistungen der deutschen Sozialdemokratie zu richten. Es war die SPD, die die Werte der europäischen Aufklärung in Deutschland durchgesetzt hat. Soziale Sicherheit und Demokratie sind nicht zuletzt von Sozialdemokratinnen und

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Die SPD ist Mitgliederpartei, und sie bleibt Mitgliederpartei. Sie lebt von den über 750.000 Frauen und Männern, die sich in den Ortsvereinen und Stadtverbänden engagieren und so eine unverzichtbare Vertrauensarbeit leisten. Diese ehrenamtliche Arbeit bildet die Grundlage für politische Mehrheiten in den Kommunen, in den Ländern und auf der Bundesebene. Ich danke den Mitgliedern der SPD Laudenbach für ihr politisches Engagement. Wir leben in einer Zeit, in der sich die Welt schnell wandelt. Dieser ökonomische, technologische und gesellschaftliche Wandel stellt uns vor völlig neue Herausforderungen, die bisweilen mit schmerzhaften wirtschaftlichen und sozialen Begleiterscheinungen verbunden sind. Die Menschen werden die Sozialdemokratie daran messen, ob sie die Kraft und die Entschlossenheit haben wird, in diesem gesellschaftlichen Wandel den Weg nach vorn zu weisen. Deshalb sind Innovationen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die entscheidende Voraussetzung dafür, soziale Gerechtigkeit auch im 21. Jahrhun-

dert durchzusetzen. Innovation und soziale Gerechtigkeit zu verwirklichen, ist die Aufgabe der SPD als Regierungspartei. Wir werden die notwendigen Reformen voranbringen und gleichzeitig den Menschen die Sicherheit geben, die sie ermutigt, sich den vielfältigen Veränderungen zu stellen. Deswegen haben wir wichtige sozialdemokratische Reformprojekte auf den Weg gebracht. Hierzu zählt das Zukunftsprogramm 2000, mit dem wir die von der Vorgängerregierung zerrütteten Staatsfinanzen sanieren, über Steuerentlastungen die Einkommen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer steigern, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft verbessern und die Arbeitslosigkeit verringern. Erste Erfolge sind in einer verstärkten Konjunktur, einem stabilen Wirtschaftsaufschwung und dem Rückgang der Arbeitslosigkeit bereits sichtbar. Zur Verwirklichung unserer politischen Ziele ist die Mitarbeit und das Engagement der vielen Mitglieder in unserer Partei notwendig. Die SPD hat in ihrer 138jährigen Geschichte die Entwicklung Deutschlands wesentlich geprägt. Im Geist dieser Errungenschaften, unserer Tradition und unserer unveränderlichen Grundwerte, gleichzeitig jedoch den Blick in die Zukunft gerichtet, werden wir weiter für unser Land arbeiten. In diesem Sinne wünsche ich dem SPD-Ortsverein Laudenbach auch weiterhin viel Erfolg. Euer


GRUSSWORT

ZUM 100. GEBURTSTAG DES ORTSVEREINS LAUDENBACH/BERGSTRASSE

FRANZ MÜNTEFERING Generalsekretär der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und Schirmherr des Jubiläums.

Ein Ortsverein, der 100 Jahre alt ist, hat viel erlebt: Die Anstrengungen in der Gründungszeit, als Sozialdemokraten noch längst nicht überall willkommen galten, die beiden Weltkriege, Verfolgung und Ermordung von Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten. Aber auch all das, worauf wir heute als die sozialpolitischen Errungenschaften des 20sten Jahrhunderts zurückblicken, konnte sich nur durchsetzen, weil es vor Ort, in den Städten und Gemeinden, in den Ortsvereinen der SPD diskutiert und erkämpft wurde. Vieles haben Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten bereits erreicht. Doch nichts von alledem ist sicher. Zudem: Auch die Bewältigung dessen, was vor uns liegt, erfordert sozialdemokratisches Engagement. Die Gesellschaft verändert sich. Moderne Kommunikationsmittel tragen ihren Teil zur Veränderung auch der politischen Arbeit bei. Mehr und mehr Raum nehmen die neuen Technologien in der heutigen Wirtschaftspolitik ein. Der Wandel dahin muss von Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten gestaltet werden. Ob es um Steuerpolitik, die Schaffung von Arbeitsplätzen, Bildung und die Sicherung der Sozialsysteme geht: Überall dort, wo sich Wandel in der Gesellschaft vollzieht, bedarf es der Kraft und des Engagements von

Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten. Die Stärke der Sozialdemokratie in Deutschland steht und fällt mit ihrer Anbindung an die Menschen vor Ort. Ortsvereine sind nach wie vor ein wichtiger Träger für diese Anbindung und dies trifft in besonderer Weise auf den Ortsverein Laudenbach zu. Gerne habe ich die Schirmherrschaft für das 100jährige Jubiläum, das man in Laudenbach in einer beachtlichen Veranstaltungsreihe feiern wird, übernommen. Doch nicht nur feiern ist angesagt. Auch in Laudenbach soll weiter für die Zukunft von Laudenbach, Baden-Württemberg und Deutschland gestritten und diskutiert werden. Zum 100-jährigen Jubiläum wünsche ich im Namen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands gute Erinnerungen an das, was geleistet wurde und einen kraftvollen Ausblick auf das, was kommt. Mit freundlichen Grüßen Glück auf!

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GRUSSWORT

ZUM 100-JÄHRIGEN JUBILÄUM DES SPDORTSVEREINS LAUDENBACH

UTE VOGT Landesvorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Baden-Württemberg und Bundestagsabgeordnete.

Der Laudenbacher SPD gilt mein herzlicher Glückwunsch zum 100-jährigen Bestehen. Ich gratuliere Euch zu diesem Jubiläum im Namen des Landesverbandes der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und auch persönlich ganz herzlich. Mein besonderer Dank an dieser Stelle gilt dem Engagement aller aktiven Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, denn ohne die ehrenamtliche Tätigkeit unserer Genossinnen und Genossen in Ihrer Gemeinde wäre unsere politische Arbeit vor Ort nicht sicht- und vorzeigbar gewesen. Sie waren und sind es, die sich in der Kommune für die Grundwerte sozialdemokratischer Politik, für Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität und den Frieden einsetzen. 100 Jahre SPD in Laudenbach erinnern uns daran, dass in diesen Jahren mehrere Generationen von Laudenbacher Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten einen großen Reichtum an politischen Kenntnissen und Erfahrungen angesammelt haben. Es lohnt sich, diesen Reichtum an Jüngere weiterzugeben. Durch die Weitergabe können unsere Grundwerte, können Demokratie und soziale Gerechtigkeit langfristig gesichert werden. Bei unseren Erfahrungen handelt es sich um gesammelte Hoffnungen und Erfolge, aber auch um Enttäu-

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schungen, um Siege und bittere Niederlagen, um persönliche Opfer und Verfolgungen, um Emigration und Rückkehr, um Irrtümer, neue Einsichten und Anfänge, um Karrieren, Aufstiege, soziale Verbesserungen und demokratische Reformen für die Arbeiterschaft und darüber hinaus für die Mehrheit der Bevölkerung. Diese Erfahrungen im Kampf um eine bessere und gerechtere Welt sollten uns Kraft und Mut geben für die Aufgaben, die vor uns liegen. Ich wünsche allen Bürgerinnen und Bürgern von Laudenbach, dass sie und die Sozialdemokratische Partei es gemeinsam schaffen, auf dem Weg in eine friedliche, sozial gerechte und ökologisch gesicherte Zukunft ein Stück weiter zu kommen.


GRUSSWORT

ZUM 100-JÄHRIGEN BESTEHEN DER SPD LAUDENBACH

HANS-JÜRGEN MOOS Kreisvorsitzender der SPD Rhein-Neckar.

Als Kreisvorsitzender der SPD Rhein-Neckar habe ich die besondere Ehre, dem Ortsverein Laudenbach von Herzen zu seinem 100sten Gründungsjubiläum zu gratulieren und dieser örtlichen SPD eine segensreiche Zukunft zu wünschen. Geburtstag zu feiern, ist für alle Mitglieder und Funktionäre, alle Verantwortlichen und Repräsentanten, alle Freunde und Gönner des SPD-Ortsvereins Laudenbach ein ehrwürdiger Anlass zum Rückblick. Gleichzeitig wird man die Gelegenheit zum unbeschwerten Blick nach vorn nutzen. Diese oft zu kurz kommende Beschäftigung mit sich und dem eigenen Tun fernab von Alltag und Routine ist der eigentliche

Reiz eines solchen Jubiläums. Sie nicht zu vergessen, dafür werde ich mich stets verwenden. Ich wünsche allen an den Festlichkeiten Beteiligten viel Freude und Begeisterung. Seien Sie auch als Gäste, wie stets, herzlich willkommen bei der SPD Laudenbach und lassen Sie sich anstekken von der natürlichen Atmosphäre. Seid stolz auf Euer sozialdemokratisches Kleinod hier im Norden unseres Landkreises, liebe Laudenbacher Genossinnen und Genossen! Ich bin immer wieder erstaunt, welche Aktivität und Kontinuität auf Ortsvereinsebene, und das heißt bekanntlich auf ausschließlich ehrenamtlicher Basis, entwikkelt und geradezu liebevoll gepflegt wird. Dass dies auch und besonders in Laudenbach über ein Jahrhundert hinweg bei der SPD eine Selbstverständlichkeit war, ist die beste Referenz für die Zukunft. Ich möchte allen, die Anteil daran haben, von Herzen danken. Ich bin sicher, dass wir denjenigen, denen wir heute nicht mehr für ihr geleistetes Engagement Dank sagen können, ein ehrendes Andenken bewahren und ihr Werk fortführen. Die SPD Laudenbach ist eine der progressivsten in unserem Verband. So fühlt sie sich schon seit Jahren im Internet, dem Netz der Netze, zu Hause und setzt hier für Nachbar-Ortsvereine Standards. Ich bin fasziniert vom Ideenreichtum und der Einsatzfreude, die die hier gewählten Verantwortlichen an den Tag legen und die ich schon viele Male erleben durfte. Mustergültige Beteiligungsformen wie beispielsweise der sogenannte Mecker-Scheck wurden hier geboren und sind mit dem

Namen der SPD Laudenbach für immer untrennbar verbunden. Parteien erleben heute ähnlich wie zahlreiche andere Vereine und Institutionen schwierige Zeiten, da gibt es nichts zu beschönigen und nichts zu verharmlosen. Aber es ist eben nicht das erste Mal, dass auch die SPD gerade in anspruchsvollen Perioden an Identität gewonnen hat. Die daraus erwachsende neue Stärke muss man auch hier in Laudenbach mutig und motiviert für neue Taten nutzen. Eine entsolidarisierte Gesellschaft bedroht sich selbst. Eine gleichgültige Demokratie gefährdet ihre eigene Grundlage. Vor fast 140 Jahren, im Mai 1863, gründete Ferdinand Lassalle den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein. Seine Ziele, seine Ideale, seine Prinzipien sind heute aktueller denn je: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Wir müssen auch in Zukunft diese Herausforderung geduldig annehmen und allem entgegentreten, was Menschlichkeit und Selbstbestimmung gefährdet oder gar untergräbt. Dies ist unsere Pflicht und das verlangt unsere sozialdemokratische Ehre. Ich wünsche der SPD Laudenbach alles Gute in ihrem nun anbrechenden zweiten Lebens-Jahrhundert. Ich vertraue darauf, dass Jung und Alt, dass Leidenschaft und Erfahrung, dass Worte und Taten bei der SPD Laudenbach auch in den vor uns liegenden Jahren zusammengehören und einander gegenseitig beflügeln. Denn nur so bleiben ihre Arbeit sichtbar, ihre Gesinnung vorzeigbar und ihre Ziele erreichbar.

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GRUSSWORT

100 JAHRE ORTSVEREIN LAUDENBACH

DR. KONSTANZE WEGNER Mitglied des Deutschen Bundestages für unseren Wahlkreis.

Die bisherige Existenz des Ortsvereins Laudenbach deckt sich fast völlig mit dem abgelaufenen 20. Jahrhundert. Für Deutschland und für die SPD hat dieses 20. Jahrhundert Schreckliches und Großartiges gebracht: zwei blutige Weltkriege, die nationalsozialistische Diktatur mit der Ermordung und Verfolgung von Millionen Menschen, die Zerstörung und Teilung Deutschlands. Dann: den wirtschaftlichen Wiederaufstieg, die Entwicklung einer stabilen Demokratie, die Integration in die europäische Gemeinschaft und schließlich die Wiedervereinigung des geteilten Landes. Im gesamten Verlauf des 20. Jahrhunderts ist die deutsche Sozialdemokratie aktive Mitgestalterin, aber auch Mitbetroffene und Mitleidende der deutschen Geschichte gewesen. Die SPD hat sich in dieser ganzen Zeit immer für soziale Gerechtigkeit eingesetzt, ihr und den Gewerkschaften ist die Entwicklung des Sozialstaats im wesentlichen zu verdanken, damit haben sie den Kapitalismus erst erträglich gemacht. Die SPD ist aber auch immer für die Entwicklung demokratischer Strukturen und für die Bewahrung des Friedens eingetreten. In beiden Bereichen war sie nicht durchgängig erfolgreich, hat aber auch hier wesentliche Beiträge geleistet. Wie sähe Deutschland, wie sähe Europa heute aus, hätte es die SPD mit ihrem Einsatz für soziale Gerechtigkeit, für Demokratie und für Frieden nicht gegeben? Der Ortsverein Laudenbach ist Teil der Gesamtgeschichte der SPD und damit verwoben in ihre Leistungen, Erfolge und

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Niederlagen. Als Bundestagsabgeordnete erlebe ich die Arbeit dieses Ortsvereins seit 1988 aus der Nähe. Ich bin immer wieder von der bürgernahen und im besten Sinne sozialdemokratischen Arbeit beeindruckt, die hier von den Genossinnen und Genossen geleistet wird. Es ist bemerkenswert, dass ein Wechsel im Vorsitz des Ortsvereins hier nicht zu Verunsicherung und Verringerung der Aktivitäten führt, sondern kontinuierliche Weiterarbeit bedeutet. Das erklärt sich aus der Tatsache, dass es im Ortsverein ein Netz profilierter Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen gibt, die sich die Aufgaben teilen, gut zusammenarbeiten und damit die Kontinuität der Arbeit sichern. Ich komme gerne zum Ortsverein Laudenbach und arbeite gern mit ihm zusammen. Ich danke allen seinen Genossen und Genossinnen für ihre hervorragende gesellschaftspolitische Arbeit, die sie seit Jahren leisten und wünsche dem Ortsverein für die nächsten 100 Jahre von Herzen alles Gute!


GRUSSWORT

ANLÄSSLICH DES 100-JÄHRIGEN BESTEHENS DES SPD-ORTSVEREINS LAUDENBACH

HANS-GEORG JUNGINGER Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg.

100 Jahre SPD Laudenbach was für ein bedeutendes Jubiläum, auf das ich mit dem Ortsverein stolz bin. Ich gratuliere ihm ganz herzlich und danke ihm für die geleistete Arbeit und für das erfolgreiche Eintreten für unsere gemeinsamen Werte.

setzen, den Gedankenaustausch mit anderen suchen , zu Kompromissen finden und für die Grundwerte einer sozialen und demokratischen Staatsordnung kämpfen. Dabei müssen sich Parteien notwendigerweise verändern und modernisieren.

Unsere SPD ist eine politische Gemeinschaft , deren Geschichte von Höhen und Tiefen geprägt ist. Diese Parteigeschichte, die die Erfahrung unseres Volkes widerspiegelt, hat uns gelehrt, dass sich die Anstrengungen für eine bessere und gerechtere Gesellschaft lohnen. Gemeinsame Bemühungen um eine gute Politik bieten zwar keine Garantie, eine gerechte und demokratische Gesellschaft zu gestalten, sie sind hierzu aber die einzige Chance, eine Gesellschaftsordnung zu erreichen, in der Gemeinwohl einerseits und Freiheit und Eigenverantwortung des Einzelnen andererseits angemessene Bedeutung haben.

Ich weiß nicht, wie die SPD in 100 Jahren aussehen wird. Ich weiß jedoch eines: Die Arbeit vor Ort, in den Ortsvereinen wird immer eine zentrale Rolle spielen. Und ich bin sicher, daß auch dieser traditionsreiche Ortsverein in Laudenbach in den kommenden 100 Jahren eine genauso engagierte und gute Arbeit leisten wird, wie in der Vergangenheit.

Auch wenn unsere Zeit durch Politik- und Parteienverdrossenheit geprägt zu sein scheint, sind für die Demokratie Parteien und Bürgerinitiativen notwendig, in denen sich Menschen für Werte und gemeinsame Ziele engagieren. Wir brauchen zur Bewältigung der Herausforderungen des neuen Jahrtausends Menschen, die sich einmischen. Menschen, die sich für eigene und für andere Interessen ein-

Zum 100-jährigen Jubiläum gratuliere ich allen Mitgliedern und der Vorstandschaft ganz herzlich und hoffe auf eine Fortsetzung der bisherigen guten Zusammenarbeit im Eintreten für diejenigen, die der Hilfe bedürfen - nach den unveränderlichen Wertvorgaben unserer Partei: Freiheit, Gleichheit, soziale Gerechtigkeit und Solidarität. Euer

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GRUSSWORT

ZUM 100-JÄHRIGEN JUBILÄUM DES SPD-ORTSVEREINS LAUDENBACH

Ich gratuliere dem Ortsverein der SPD Laudenbach und seinen Mitgliedern auch im Namen des Gemeinderats und der gesamten Bürgerschaft von Laudenbach sehr herzlich zu seinem 100-jährigen Bestehen.

HERMANN LENZ Bürgermeister der Gemeinde Laudenbach

Politische Aktivitäten der Arbeiterschaft sind in unserer, durch die Nähe zum Industriestandort Mannheim geprägten Gemeinde, schon für die achtziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts belegt. Das ständig zunehmende Bewusstsein für soziale Fragen führte 1901 zur Gründung der SPD. Heute kann die SPD Laudenbach mit Stolz und Genugtuung auf eine bewegte Geschichte zurückblicken, in der sich helle und dunkle Perioden der deutschen Geschichte widerspiegeln. Nachdem schon zuvor Mitglieder dem Bürgerausschuss angehört haben, war die SPD seit dem 1. Weltkrieg im Laudenbacher Gemeinderat vertreten. Im Mai 1933 musste sich auch in Laudenbach der Ortsverein der SPD auf Druck der nationalsozialistischen Machthaber auflösen. Laudenbacher Sozialdemokraten blieben auch unter schwierigsten Bedingungen ihren Grundsätzen treu und mussten dafür schwere Opfer bringen. Einer von ihnen, der sich aktiv der Nazibarbarei widersetzte, wurde deswegen zu mehreren Jahren Zuchthaus verurteilt. 1946 wurde die SPD Laudenbach wieder ins Leben gerufen. Die

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Laudenbacher Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten haben sich mit großem Einsatz an Aufbau und Stabilisierung unserer Demokratie beteiligt und haben somit dafür gesorgt, dass Deutschland wieder ein geachtetes Mitglied der Völkerfamilie wurde. Über viele Jahre trugen Sozialdemokraten als Bürgermeister Verantwortung in Laudenbach. Sie und viele andere Angehörige der SPD Laudenbach, die in den unterschiedlichsten Funktionen öffentliche Verantwortung getragen haben und tragen, haben daran mitgewirkt, dass sich Laudenbach zu einer modernen und gefragten Wohngemeinde mit hervorragender Infrastruktur entwickelt, dabei aber seinen lebens- und liebenswerten dörflichen Charakter bewahrt hat. Bei allem Wettstreit der Standpunkte und Ideen sind dabei die Notwendigkeiten für das Ganze nicht aus dem Blick geraten. Mit meinem Dank für ihre Leistungen im ersten Jahrhundert ihres Bestehens, verbinde ich den Wunsch, dass sich die SPD Laudenbach so lebendig und erfolgreich wie bisher auch in ihrem zweiten Jahrhundert den Herausforderungen einer sich ständig wandelnden Zeit stellt.


GRUSSWORT

ARMIN KAST Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Laudenbach.

Dem SPD-Ortsverein Laudenbach gratuliere ich von ganzem Herzen zum Jubiläum anläßlich des 100-jährigen Bestehens. Das ist ein Anlaß zum Feiern. Er bietet auch die Gelegenheit, an die zahlreichen Menschen zu erinnern, die in diesen 100 Jahren in und mit der SPD für eine gerechte Gesellschaft und ein Leben in Frieden und Freiheit gearbeitet haben. Das war oft schwierig. In den Gründerjahren mussten SPD-Mitglieder persönliche Nachteile hinnehmen, während der Nazidiktatur wurden sie brutal verfolgt oder in den Untergrund getrieben. Die SPD hat in ihrer über 130 Jahre alten Geschichte immer auf die Werte Solidarität, Toleranz, Freiheit und Gerechtigkeit gesetzt und damit die Entwicklung Deutschlands zu einem demokratischen Land wesentlich geprägt.

trauen gewonnen und Politik für die Bürgerinnen und Bürger gemacht werden kann. Ohne die Mitarbeit unserer Mitglieder wären unsere Ziele und politischen Vorhaben nicht zu verfolgen, ohne die ehrenamtliche Tätigkeit unsere politische Arbeit in Laudenbach nicht sichtbar gewesen. Es ist mir deshalb ein besonderes Anliegen, an dieser Stelle unseren Mitgliedern herzlich für ihr Engagement in unserer Partei zu danken. Mit den besten Wünschen zum 100-jährigen Jubiläum verbleibe ich Ihr

Eine Partei wie die SPD lebt durch ihre Basis. Die Frauen und Männer, die sich in den Ortsvereinen engagieren, leisten die notwendige Vertrauensarbeit vor Ort, ohne die es keine politischen Mehrheiten in den Ländern und auf Bundesebene gibt. Die SPD Laudenbach ist ein gutes Beispiel dafür, wie durch diese Arbeit vor Ort Ver-

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Alles für das Volk, alles durch das Volk Pfälzisch-Badisches Volksblatt vom 13. August 1878.

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IN EHRFURCHT UND DANKBARKEIT GEDENKEN WIR UNSERER VERSTORBENEN, GEFALLENEN UND VERMISSTEN MITGLIEDER

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AUFBRUCH IN DIE INDUSTRIEGESELLSCHAFT Deutschland war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Land mit krassen sozialen Gegensätzen. Unvorstellbare Not großer Bevölkerungsgruppen und rasch steigender Wohlstand einer kleinen Schicht kennzeichneten jene Epoche. Die Arbeiterklasse entstand, war aber zunächst unorganisiert und politisch ohne Macht. Nach der zwar erfolglosen, aber nicht vergeblichen Revolution 1848/49 begann mit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins durch Ferdinand Lasalle am 23. Mai 1863 die Geschichte der organisierten Arbeiterbewegung. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit lautete das Motto des Traditionsbanners der SPD. Im August 1869 gründeten August Bebel und Wilhelm Liebknecht die Sozialdemokratische Arbeiterpartei und orientierten sich ideologisch an dem Gedankengut von Karl Marx und Friedrich Engels. 1875 gelang in Gotha der Zusammenschluss. Drei Jahre später trat das Sozialistengesetz in Kraft, doch der Aufstieg der Sozialdemokratie war hiermit nicht aufzuhalten. Im Jahr 1890 erhielt die SPD 19,7% der Stimmen und wurde stärkste Partei. Durch die auch in Laudenbach herrschende große Not war der Ort im 19. Jahrhundert besonders geprägt von einer starken Auswanderungswelle. Um die 600 Personen haben ihre Heimat verlassen. 1870 wurde mit dem Männergesangverein der erste Verein am Ort gegründet. 1873 erhielt die Gemeinde an der Main-Neckar-Eisenbahn einen eigenen Bahnhof. Bürgermeister war im ausgehenden 19. Jahrhundert von 1880 bis 1904 Adam Eberle I.

AKTIVITÄTEN REICHEN IN DAS 19. JAHRHUNDERT ZURÜCK Dass die Arbeiterbewegung in Laudenbach schon vor der Gründung des SPD-Ortsvereins Aktivitäten entfaltete, war durch die Nähe zum Industriestandort Mannheim zu erwarten. Folgende Quellen, die der verstorbene Heimatforscher Hans Friess in dankenswerter Weise für uns erschlossen hat (Generallandesarchiv Karlsruhe), berichten von Versammlungen und zeigen auch auf, welchen Repressalien man damals noch ausgesetzt war: Abt. 386/58: Übersicht über die Reichstagswahl im Bez.Amt Weinheim, abgegebene Stimmen für die SPD:

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in Laudenbach zum Vergleich in Hemsbach in Sulzbach in Weinheim

1884

1887

3

3

3 3 79

5 141

Abt. 386/56: Am 25. 10. 1886 haben Versammlungen in Hemsbach, Sulzbach und Laudenbach stattgefunden, auch eine Wahlversammlung in Laudenbach am 30. 11. 1887 oder 1. 12. 1887. Das badische Ministerium des Innern fragt am 20. 1. 1890 beim Bez. Amt Weinheim an, warum das Amt von der sozialistischen Veranstaltung vom 19. 1. 1890 nicht rechtzeitig Kenntnis erhalten hat. Das Bez.Amt Weinheim schickt dieses Schreiben nach Laudenbach, wo Bürgermeister

Eberle darauf notiert: Es habe sich nicht mit Gewißheit annehmenlassen, daß es sich um eine sozialistische Versammlung handelte, sondern lediglich um eine gewöhnliche Arbeiterversammlung. In Zukunft werde man vor jeder solchen Versammlung das Bez. Amt rechtzeitig in Kenntnis setzen. Abt. 386/57: Bericht des Gendarmen Winkel vom Gend.Corps Mannheim Weinheim vom 28. 2. 1890: ...melde ich, daß gestern abend in der Krone zu Laudenbach eine sozialistische Wählerversammlung stattgefunden hat. Anwesend waren ca. 350 Personen aus dem Ort, worunter etwa 30 Mann als Anhänger der Sozialdemokratie zu betrachten waren. Als gegen 8 1/2 Uhr die Redner aus Mannheim erschienen, sangen die Gegner der Sozialdemokratie anhaltend vaterländische Lieder und brachten Hochrufe aus auf Seine Majestät den Kaiser und königliche Hoheit den Großherzog, so daß die Redner nicht zu Wort kamen. Um 9 1/2 Uhr verließen die Versammelten die Wirtschaft unter anhaltenden Hochrufen, aber ohne Störung der öffentlichen Ordnung. Außerdem Notiz des Min. d. Innern vom 27. 4. 1897; hiernach Mitgliederzahl der Sozialdemokr.Partei in Weinheim: 30 in Hemsbach: 18 Es bestehen keine weiteren Vereine im Bezirksamt Weinheim. Aus Sign. 386/56: Das Großherzogl. Kreisamt Heppenheim an Großherzogl. Bezirksamt Weinheim 2. Mai 1891:


ZITAT

Die Eroberung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse, die Expropriation der Kapitalisten sind an sich keine Endziele, sondern nur Mittel zur Durchführung bestimmter Ziele und Bestrebungen. Als solche sind sie Forderungen des Programms der Sozialdemokratie und von niemand bestritten. Über die Umstände ihrer Durchführung lässt sich nichts voraussagen, es lässt sich nur für ihre Verwirklichung kämpfen. Zur Eroberung der politischen Macht aber gehören politische Rechte, und die wichtigste Frage der Taktik, welche die deutsche Sozialdemokratie zur Zeit zu lösen hat, scheint mir nach dem besten Wege der Erweiterung der politischen und gewerblichen Rechte der deutschen Arbeiter zu sein. Ohne dass auf diese Frage eine befriedigende Antwort gefunden wird, würde die Betonung der anderen schließlich nur eine Deklamation sein. EDUARD BERNSTEIN

im Jahre 1898 zu den Voraussetzungen des Sozialismus und den Aufgaben der Sozialdemokratie

Sicherem Vernehmen zu Folge beabsichtigen die Anhänger der socialistischen Arbeiterpartei in Laudenbach in Gemeinschaft mit anderen auswärtigen Vereinen am 3. Mai einen Ausflug hierher oder in die Umgegend zu unternehmen. Wir haben für diesen Tag auf Grund der Art. 79 und 80 der Kreis- und Provinzialordnung vom 12. Juni 1874 solche Aufund Umzüge, Waldfeste, Ausflüge mit und ohne Musik und jedes truppenweise Marschieren verboten, während Versammlungen unter freiem Himmel unter allen Umständen gesetzlich untersagt sind. Wir berichten Sie hiervon mit dem ergebenen Ersuchen, die Vorstände der betheiligten jenseitigen Vereine resp. die Unternehmer oder Veranstalter des geplanten Ausflugs und dergleichen durch das Bürgermeisteramt auf besagtes Verbot ausdrücklich aufmerksam machen zu lassen, damit dieselben womöglich von ihrem Vorhaben Abstand nehmen. (Anmerkung: der 3. Mai 1891 war ein Sonntag.)

Großherzgl. Gendamerie-Corps District Mannheim, Bezirk Weinheim Weinheim, 19. Feb. 1893 Dem Bezirk melde ich zufolge Befehl gehorsamst, daß ich noch heute nachmittag die um 3 Uhr in dem Gasthaus zum Einhorn in Laudenbach stattgefundene sozialdemokratische Versammlung überwacht habe. Als Vorsitzender fungierte ein Peter Schuhmann aus Weinheim, und als Redner ein Dreher Karl Wilhelm Keil aus Mannheim, welcher sich als Thema die Militärvorlage gewählt hatte und

hierbei hauptsächlich die Zahl des Militärs und den hierzu erforderlichen Aufwand berührte. Auch auf den Krieg kam er zu sprechen und betonte hierbei, daß derjenige, welcher den Krieg heraufbeschwöre, die größten Unrichtigkeiten begehe, dieses sei auch bei Fürst Bismarck anno 1870/71 der Fall gewesen. Diesem hänge das Blut von 100.000 Menschen an den Rockschösen, er sei derjenige, welcher vor Ausbruch des Krieges die betreffende Depesche gefälscht habe. Weiter sprach der Redner noch über Zölle und Kapitalismus. Die Versammlung dauerte bis 1/2 6 Uhr und war von etwa 40, größtenteils auswärtigen, Personen besucht. Ruhestörungen kamen nicht vor. Birmele, Gendarm. Aus Akte Sign. 386/60: Großherzogl. GendarmerieCorps District Mannheim, Bezirk Weinheim Weinheim, 29. Mai 1893 An den Gendarmerie-Bezirk Weinheim Dem Bezirke melde ich gehorsamst, daß heute nachmittag 6 1/2 Uhr in der Wirthschaft zum Einhorn in Laudenbach eine socialdemokratische Versammlung abgehalten wurde, welche von etwa 80 Personen besucht war. Als Referent trat auf Johann Georg Fritz aus Mannheim, welcher in dem zweistündigen Vortrag über die Reichstagswahlen, über die Armuth der Arbeiter, kleinen Lantwirthe und der Kleinhandwerker sprach. Am Schlusse der Versammlung forderte derselbe die Versammlung auf, nur einem Socialdemokraten die Stimme geben zu wollen.

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Zu Beginn des Vortrags, so der Gendarm weiter in seinem Bericht, kritisierte der Redner die Haltung der Ortspolizei, als am Sonntag, 21. d. Mts., einige Mitglieder des Wahlvereins Hemsbach den Saal in der Wirthschaft zum Einhorn mieteten. Auch kritisierte er, daß in Laudenbach am Sonntag zwei Personen von der Ortsgewalt verhaftet worden seien, weil sie (während des Gottesdienstes) socialdemokratische Flugblätter verteilt hätten. Dabei erhielt der Redner für seine Kritik von den anwesenden Socialdemokraten Beifall, indem sie mehrere Male in Bravo-Rufe ausfielen und in die Hände klatschten.

DIE VORSITZENDEN DES SPD-ORTSVEREINS LAUDENBACH Leider sind die Vorsitzenden der Laudenbacher SPD nach der Gründung im Jahr 1901 bis zum Beginn des wieder aufgefundenen Protokollbuchs von 1914 nicht bekannt. Es ist durchaus möglich und wahrscheinlich, dass Jakob Halblaub den Ortsverein schon zuvor, vielleicht sogar ab der Gründung, geführt hat. Die Chronologie beginnt deshalb mit dem ersten im Protokollbuch von 1914 erscheinenden Vertrauensmann. 1933 musste Georg Beck sein Amt aufgeben und Valentin Giegrich übernahm unmittelbar vor der Auflösung die Gesamtverantwortung für die Parteiarbeit am Ort. Der Wiederaufbau gelang in der Ära von Stefan Leitwein.

Der berichtende Gendarm, der die Versammlung befehlsgemäß von Anfang bis Ende überwachte, habe sich deshalb genötigt gesehen, den Redner zu ermahnen und bei seiner Sache zu bleiben. Er schließt: Weitere Ausschreitungen gegen Gesetz und staatliche Ordnung sind bei erwähnter Versammlung nicht vorgekommen. Eine weitere Wahlversammlung (zu den Reichstagswahlen am 15. Juni 1893) war nach dem Bericht des gleichen Gendarmen von etwa 100 Personen besucht. Der Referent, Wilhelm Keil aus Mannheim, sprach über die Militärvorlage, über die Aufbringung der Mittel zu dieser Vorlage und über das Verhalten der Sozialdemokratie zu derselben. Als fernerer Redner trat auf Fabrikarbeiter Wilhelm Hofmann aus Laudenbach, der in kurzen Worten über die Invaliditäts- und Altersversicherung sprach, welche die Fabrikanten, überhaupt die Arbeitgeber, zu einem Ausbeutungsgesetz gemacht hätten.

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1914 1919

Jakob Halblaub

1919 1927

Adam Fritz

1927 1928

Jakob Gassmann

1928 1933

Georg Beck


1933

Adam Thron

1946 1961

Stefan Leitwein

1961 1970

Theo Luber

1970 1980

Gerd Dember

1980 1983

Rolf Jung

1983 1989

Dieter Ehle

1989 1995

Herbert Bangert

seit 1995

Armin Kast

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DAS JUBILÄUMSJAHR: HERAUSFORDERUNG UND IMPULSGEBER

Im Jahr 2001 ist es aber nicht nur das Ortsvereinsjubiläum, das vielfältige Aktivitäten fordert. Zusätzlich will die SPD am Ort mit einem aktiven Wahlkampf und daraus resultierend einem guten Ergebnis dazu beitragen, dass Hans-Georg Junginger wieder in den Landtag einzieht. Schließlich werden auch die ersten Weichen für die Bundestagswahl 2002 gestellt, bei der Dr. Konstanze Wegner leider nicht mehr kandidieren wird. Sie hat hervorragende Arbeit in Bonn und Berlin, aber auch im Wahlkreis geleistet und in den letzten Jahren ein sehr intensives, vertrauensvolles und geradezu freundschaftliches Verhältnis zum Ortsverein Laudenbach aufgebaut. Mögen die ehrgeizigen Vorhaben allesamt gelingen und mögen vom Jubiläum insgesamt Impulse ausgehen. Im Bund hat die SPD in den wichtigen Themen der Zukunft längst die Meinungsführerschaft. Es gilt, sie auch im Land zu erobern und in der Kommune zurückzugewinnen.

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DER SPD-VORSTAND IM JUBILÄUMSJAHR 2001 Vorsitzender: Stellvertretende Vorsitzende: Schriftführerin: Stellvertretender Schriftführer: Kassiererin: Stellvertretender Kassierer: Sprecherin der AsF: Beisitzer(innen):

Fraktionsvorsitzender:

Armin Kast; Christel Masseck, Edith Stockmann, Thomas Bangert; Ingrid Neuthinger; Heinz-Peter Fesenberg; Cornelia Görns*) ; Bernd Hauptfleisch; Helma Ermler; Monika Bacher, Gerd Dember, Heidrun Heß, Rolf Jung, Giselher Stockmann; Dieter Ehle.

*) Fehlt auf dem Bild

ZITAT

Selbstbewusst und mit hohen Erwartungen geht der SPD-Ortsverein in sein Jubiläumsjahr 2001. In vielen Sitzungen wurden die organisatorischen Weichen gestellt. In den nächsten Monaten werden die Detailplanungen sämtlicher Veranstaltungen im Mittelpunkt der Ortsvereinsarbeit stehen. Ohne Zweifel bedeutet das vorgenommene Pensum eine außerordentliche Herausforderung für das Vorstandsteam um Armin Kast.

Wir sind die Partei für Fortschrittsfähigkeit und für soziale Gerechtigkeit. Wir wollen mit dem Vertrauen der Menschen dieses Landes, möglichst vieler Menschen, gute Politik machen. Wir wollen nicht nur Recht haben, sondern auch Recht bekommen. Wir wollen gut regieren. Wir sind in dieser Partei, weil wir uns zu den Grundwerten bekennen: Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität. Wir haben gelernt: Nichts von dem, was erreicht wurde, ist sicher; alles muss ständig lebendig und wachgehalten werden. Wir sehen das bei den Arbeitnehmerrechten, bei der sozialen Gerechtigkeit und auch bei der Demokratie. Lebendig halten heißt: über den Tag hinaus denken, eine nachhaltige Politik machen. FRANZ MÜNTEFERING im Vortwärts (Oktober 2000)


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ZITAT

Der Kampf der Arbeiterklasse gegen die kapitalistische Ausbeutung ist notwendigerweise ein politischer Kampf. Die Arbeiterklasse kann ihre ökonomischen Kämpfe nicht führen und ihre ökonomische Organisation nicht entwickeln ohne politische Rechte. Sie kann den Übergang der Produktionsmittel in den Besitz der Gesamtheit nicht bewirken, ohne in den Besitz der politischen Macht gekommen zu sein. Diesen Kampf der Arbeiterklasse zu einem bewussten und einheitlichen zu gestalten und ihm sein naturnotwendiges Ziel zu weisen das ist die Aufgabe der Sozialdemokratischen Partei. ZITAT aus dem Erfurter

Programm von 1891

DIE SITUATION UM DIE JAHRHUNDERTWENDE Nach dem Fall des Sozialistengesetzes hatte sich die SAP 1890 auf dem Parteitag in Halle ein neues Statut gegeben. Zugleich erhielt die Partei den neuen Namen Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Die Verbesserung der sozialen Lage der Arbeiterschaft und der Kampf um ein demokratisches Wahlrecht waren Schwerpunkte der Politik der SPD. In der Zeit zwischen 1887 und dem Beginn des Ersten Weltkrieges verdoppelte sich die Zahl der Industriearbeiter. Massenhaft strömten die Menschen in die Städte. Die Opposition gegen Kaiser und Großkapital wuchs ebenso wie der Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter, bereits im Erfurter Programm verankert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wendete sich die SPD insbesondere gegen Weltmachtstreben und Kolonialabenteuer. Laudenbach hatte nach einer großen Auswanderungswelle 1890 gerade noch 1.408 Einwohner. Größere Betriebe gab es in der Zigarren-, Stuhl- und Küchenmöbelherstellung. Die Besiedelung war entlang der Owwergass (Hauptstraße), Mittelgass und Unnergass ausgeprägt, 1905 gab es 269 Wohngebäude. Als Bürgermeister wirkte zur Zeit der Gründung des Ortsvereins Adam Eberle I.

DIE GESCHICHTE DER SPD IN LAUDENBACH Die älteste Volkspartei Europas ist die 138 Jahre alte deutsche Sozialdemokratie. Der SPDOrtsverein Laudenbach wurde 1901 gegründet und feiert damit

2001 sein 100-jähriges Bestehen. Nach wie vor gilt für die SPD, sowohl im Bund als auch in Laudenbach, was der ehemalige sozialdemokratische Bundespräsident Gustav Heinemann in seiner Abschiedsrede formuliert hat: In einer sich verändernden Welt kann nur bewahren, wer zu Veränderungen bereit ist. Wer nicht verändern will, der wird auch das verlieren, was er bewahren möchte. In den vergangenen 100 Jahren hat die Laudenbacher SPD politische Arbeit in Achtung vor der Vergangenheit, im Bewusstsein vor den großen Aufgaben der Gegenwart und in Verantwortung für die Zukunft geleistet. Aufschluss darüber geben die Aufzeichnungen in den alten Protokollbüchern.

Die Kurpfalzmetropole Mannheim zur Zeit der Gründung des Ortsvereins.

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Frieden, Freiheit und Recht traditionelle Fanfaren der Sozialdemokratie.

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ZITAT

Laudenbach kurz nach der Gründung des SPD-Ortsvereins.

GRÜNDUNG IM JAHR 1901 Es ist ein unbeschreiblich großes Gefühl, zu wissen, dass man Menschen und Dinge formen kann. Kein Ehrgeiz im kleinen Sinne des Wortes! Mir liegt gar nichts an Ämtern und Titeln. Aber die Gewissheit, am Gesicht der Zeitereignisse ändern und gestalten zu können, nach dem Bilde, das in einem lebt, ist das mächtigste Empfinden in mir, es gibt eine politische Leidenschaft, die ich in mir spüre. LUDWIG FRANK in ei-

nem Brief an Anny Keßler im Jahre 1909

Im Protokoll vom 27. August 1926 findet sich ein Hinweis darauf, dass damals das 25jährige Jubiläum des SPD-Ortsvereins Laudenbach gefeiert wurde. Über die Jahre 1901 1914 sind keine Protokolle mehr vorhanden. Aus diesem Grunde wissen wir auch nicht, welche Rolle der Reichstagsabgeordnete Ludwig Frank aus Mannheim, seinerzeit einer der großen Hoffnungsträger der Partei, beim Aufbau gespielt hat, zumal die örtliche SPD über viele Jahre eng an Mannheim gebunden war. Als ersten Beleg des Bestehens der Partei am Ort hatte man bislang das Jahr 1904 angesehen, nachdem in der Finanzübersicht des Protokolls über die Verhandlungen des Parteitags der Sozialdemokratischen Partei Badens vom

10. bis 11. Februar 1906 über das Stadtarchiv Mannheim aus Stockholm erhalten ein Kassenübertrag in das Jahr 1905 vermerkt ist. Mitgliederzahlen werden in diesem Bericht in Laudenbach erstmals 1906 aufgeführt; man zählte 14 Genossen (siehe Seiten 21-24). Durch das Fehlen des Gründungsprotokolls kann auch nicht mehr nachvollzogen werden, welche Bürger Laudenbachs in der damaligen Zeit den Ortsverein gegründet haben. In einem Protokoll vom 16. Januar 1955 stoßen wir dann auf den ersten Hinweis eines Gründungsmitglieds. Hier heißt es: ... begrüßt wurde der Mitbegründer der hiesigen Ortsgruppe, Genosse Reithmeier aus Hemsbach . (Anmerkung: Genosse Reithmeier verzog im Jahre 1931 von Laudenbach nach Hemsbach).

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WIE SAH ES IN DEUTSCHLAND UND IN LAUDENBACH ZU DIESER ZEIT AUS? Im Laudenbacher Geschichtsund Heimatbuch berichtet Hans Friess: 1873 erhielt Laudenbach seinen Bahnhof und 1905 wurde die Wasserleitung verlegt,die alle Haushalte mit Trinkwasser versorgte. Im Ersten Weltkrieg 1914/18 waren 350 Laudenbacher zum Kriegsdienst eingezogen, von denen 71 gefallen sind. Laudenbach hatte 1890 1408 Einwohner, von denen 750 evangelisch, 656 katholisch und 2 jüdisch waren. Nach der Novemberrevolution 1918 und dem politischen Neubeginn der Weimarer Republik fanden am 5. 1. 1919 Wahlen zur badischen Nationalversammlung mit folgendem Ergebnis in Laudenbach statt: Partei

Stimmen

Sozialdemokratische Partei Zentrumspartei

12 222

Deutsche Demokratische Partei 174 Deutschnationale Volkspar tei

104

ERSTES PROTOKOLLBUCH 1914 1933 Als 1933 die SPD-Parteiarbeit eingestellt werden musste, wurden die Parteiunterlagen beim damaligen Vorsitzenden Georg Beck beschlagnahmt, woran sich dessen 1998 verstorbener Sohn, Friedrich Beck, noch sehr gut erinnern konnte. Sie haben , so Fritz Beck, auch das bei den

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Das wiedergefundenen Protokollbuch von 1914 1933, Seite 1.

SPD-Unterlagen liegende Hitler-Buch Mein Kampf mitgenommen . Das vollständige Protokollbuch der Jahre 1914 bis 1933 ist Edgar Giegrich zu verdanken, dem jüngsten Bruder des damaligen Schriftführers, Valentin Giegrich, der seinerzeit gerade elf Jahre alt war und bei dem man deshalb kein politisches Material vermutete und der deshalb von jeglichen Durchsuchungen der Nazis verschont blieb. Edgar Giegrich bewahrte die Unterlagen des im Krieg vermissten

Bruders stets auf, weil er die Hoffnung hatte, dass Valentin Giegrich noch am Leben sei. Von Augenzeugen wusste er, dass sein Bruder bei einem Stoßtrupp in Gefangenschaft geriet. Schließlich übergab Edgar Giegrich dieses historische Dokument am 30. 11. 1988 dem damaligen Vorsitzenden des Ortsvereins, Dieter Ehle, und dessen Stellvertreter, Herbert Bangert. Edgar Giegrich berichtete u.a. auch, dass sein Bruder Valentin seinerzeit wegen seiner politi-


schine im ganzen Haus hörbar war und es die Bevölkerung als nationale Pflicht erachtete, alles Auffällige zu melden, wie der Widerstandskämpfer Adolf Schröder am 21. 11. 1989 vor der Laudenbacher SPD berichtete.

Das wiedergefundene Protokollbuch von 1914 1933, Seite 2.

schen Aktivitäten, wie Adam Fink und Valentin Hildenbrand, mehrere Jahre in nationalsozialistischer Haft war und den Ehrverlust hinnehmen musste, nachdem man bei ihm u.a. SPDFlugblätter gefunden hatte. Aus der Haft entlassen, sei er zum Kriegsdienst nach Rußland einberufen worden, wo er dann vermißt wurde.

VALENTIN GIEGRICH MANN DES WIDERSTANDS Valentin Giegrich war ein Mann des Widerstandes. Er gehörte

einer von Mannheim aus geführten Widerstandsbewegung an und zeichnete verantwortlich für die Verteilung der Sozialistischen Aktion an der Bergstraße. Die Gemeinden an der Bergstraße waren Nazi-Hochburgen gewesen und deshalb als besonders problematisch für die illegale Propaganda einzuschätzen. (aus Matthias/Weber: Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Mannheim.) Selbst in Mannheim war das Herstellen von Flugblättern bereits 1934 sehr gefährlich geworden, weil das Klappern der Schreibma-

Giegrich war für die Verteilung der Schriften in Weinheim, Laudenbach und Bensheim verantwortlich. Während er sie in Weinheim und Bensheim an weitere Unterverteiler weitergab, verteilte er die Schriften in Laudenbach selbst, darunter auch an Valentin Hildenbrand und Adam Fink. Für diese Aktivitäten wurde er vom Strafsenat I des Oberlandesgerichtes Karlsruhe mit Urteil vom 14. 11. 1935 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er ein hochverräterisches Unternehmen vorbereitet hat . Größere Verhaftungsaktionen im Spätjahr 1934, Mitte und Ende 1935 sowie im April 1936 brachten schließlich die ganze Widerstandstätigkeit zum Erliegen. So endete schließlich diese Phase sozialdemokratischen Widerstands. Die Gefängnisse und Zuchthäuser füllten sich mehr und mehr mit Sozialdemokraten, die von dem Sondergericht Mannheim, dem Oberlandesgericht Karlsruhe und dem Volksgerichtshof in Berlin verurteilt wurden. Die Laudenbacher SPD ist stolz darauf, dass in ihren Reihen auch zu jener Zeit solch aufrechte Demokraten zu finden waren, die auch in schwierigster Zeit für ihre Grundsätze eintraten und nicht um des Vorteils willen ihr Mäntelchen nach dem Wind hielten. Valentin Giegrich bleibt uns ein Vorbild.

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Aufruf an alle Wählerinnen, sozialdemokratisch zu wählen.

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ZITAT

Die Gewerkschaften sind unumgänglich notwendig für die Hebung der Klassenlage der Arbeiter innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft. Dieselben stehen an Wichtigkeit hinter der sozialdemokratischen Partei nicht zurück, die den Kampf für die Hebung der Arbeiterklasse und ihre Gleichberechtigung mit den anderen Klassen der Gesellschaft auf politischem Gebiet zu führen hat, im weiteren aber über diese ihre nächste Aufgabe hinaus die Befreiung der Arbeiterklasse von jeder Unterdrückung und Ausbeutung durch Aufhebung des Lohnsystems und die Organisation einer auf der sozialen Gleichheit aller beruhenden Erzeugungsund Austauschweise, also der sozialistischen Gesellschaft erstrebt. Ein Ziel, das auch der klasssenbewusste Arbeiter der Gewerkschaft notwendig erstreben muss. Beide Organisationen sind also in ihren Kämpfen auf gegenseitige Verständigung und Zusammenwirken angewiesen.

VOM ERSTEN IN DEN ZWEITEN WELTKRIEG Imperialistisches Weltmachtstreben trieb Deutschland in den Ersten Weltkrieg. Die Bewilligung der Kriegskredite, lange umstritten, erfolgte auch mit Zustimmung der SPD. Eine andere Haltung hätte die Partei schon seinerzeit gespalten. Dies geschah dann im Verlauf des Krieges zwei Jahre später. Nach Kriegsende übernahmen die Sozialdemokraten die Regierungsverantwortung, schufen mit der Weimarer Republik eine parlamentarische Demokratie und führten das Frauenwahlrecht ein. Friedrich Ebert wurde das erste parlamentarisch gewählte Staatsoberhaupt in Deutschland. 1921 erklärte sich die Partei zur Volkspartei, ein Jahr später konnte die Spaltung überwunden werden. Die Weimarer Republik erwies sich letztlich als Demokratie mit zu wenig Demokraten , es gab demokratiefeindliche Aktivitäten von links und rechts. Nach Jahren in der Opposition übernahm 1928 die SPD nochmals die Regierung, doch Weltwirtschaftskrise, damit einhergehende hohe Arbeitslosigkeit, insgesamt eine Zeit der Notverordnungen , erschütterten den Staat. Es erfolgte ein Siegeszug der Nationalsozialisten. Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Hindenburg Adolf Hitler zum neuen Reichskanzler. In Laudenbach waren über 300 Mitbürger im Ersten Weltkrieg zum Militärdienst eingezogen, 82 starben im Feld bzw. an den Kriegsfolgen. Nach dem Krieg musste auch Laudenbach eine große Notlage durchleben.

WIE FING ES AN? AUS DEN PROTOKOLLEN Was geschah nun in der 100jährigen Geschichte der Laudenbacher Sozialdemokraten? Wir haben

beim Durchsehen der alten Protokolle interessante und aufschlussreiche Informationen erhalten, die auf ein lebendiges Leben des Ortsvereins von seinen Anfängen an schließen lassen.

ZITAT

aus der Resolution des SPD-Parteitages, abgehalten Ende September 1906 in Mannheim, zum Massenstreik und zur Rolle der Gewerkschaften ( Mannheimer Abkommen )

Wahlplakat aus den Anfängen der Weimarer Republik.

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Die erste Eintragung im Protokollbuch von 1914 ist die Niederschrift der Generalversammlung. Hier haben wir auch die ersten Namen Laudenbacher Bürger, die sich für die Sozialdemokratie einsetzten. Jahresgeneralversammlung vom 25. April 1914. Die Tagesordnung umfasste 8 Punkte. Vom Vorsitzenden wurde die Bitte an die Mitglieder gestellt, sich möglichst kurz zu fassen. Bei Punkt Maifeier wurde beschlossen, eine Maifeier abzuhalten. Weiter wurde beschlossen, dass Partei und Arbeitersängerbund gemeinsam ein Waldfest abhalten. Die Wahl der Ortsverwaltung hatte folgendes Ergebnis: Vertrauensmann: Jakob Halblaub Kassier: Philipp Preßler Schriftführer: Jakob Heilmann Revisoren: J. Adam Beck und Karl Thon Des weiteren wurde beschlossen, an der Maifeier in Hemsbach theilzunehmen. Der Geschäfts und Kassenbericht wurde gut geheißen und wurde dem Kassier Entlastung erteilt. Beck und Heilmann erstatteten Bericht über die Kreiskonferenz. Jakob Heilmann Es folgten im Jahre 1914 noch weitere fünf Protokolleintragungen. Im Herbst 1914 machte sich dann auch der Krieg und die überaus schlechten Lebensverhältnisse im Leben des Ortsvereins be-

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merkbar. Aus der Versammlung vom 10. 10. 1914 ist zu lesen: Punkt 4, Wahl eines stellvertretenden Schriftführers. Da der Genosse Heilmann z. Zt. im Kriege ist, wurde als Stellvertreter Genosse Adam Vock gewählt.

1914: 44 MITGLIEDER Zum Schluss der Versammlung gab der Vertrauensmann bekannt, daß von unseren Mitglie-

dern elf ins Feld abgerückt sind. Von den 33, die zuhause sind, sind die wenigsten die die volle Arbeitszeit haben. Folglich umfasste die örtliche Partei bereits 13 Jahre nach ihrer Gründung 44 Mitglieder! Im weiteren Verlauf des Krieges fanden nur noch sporadisch einige Zusammenkünfte der Laudenbacher Sozialdemokraten statt. Am Ende der Protokolle liest man dazu den knappen aber wohl zutreffenden Eintrag über


I. Punkt. Vorbereitung zu Nationalversammlung. II. Punkt. Bericht über die letzte Bürgerausschußsitzung. III. Punkt. Stellungnahme zur Ergänzungswahl des hiesigen Gemeinderats. IV. Punkt. Verschiedenes.

den Mitgliederbesuch Die Versammlung war den Verhältnissen eintsprechend besucht .

WIEDERBEGINN NACH DEM KRIEG Erst am 5. Januar 1919 wird das Parteileben in Laudenbach wieder voll aufgenommen. Im Folgenden einige Protokolle aus diesem Jahre, die uns zeigen, mit welchen Problemen sich die damaligen Genossen zu kämpfen hatten:

Mitgliederversammlung am 5. Januar 1919. Da der Krieg die meisten der hiesigen Parteigenossen unter die Fahne rief und infolge dessen das Parteileben darnieder lag, beschlossen die wenigen in der Heimat zurückgebliebenen Genossen, das Parteileben mit dem 1. Januar 1919 wieder aufzunehmen und hielten am 5. Januar eine Mitglieder-Versammlung ab, die sich 4 Punkte zu ihrer Tagesordnung gesetzt hatte.

Zu Punkt I wurde beschlossen, daß je 2 Mann abwechselnd an jedem Wahllokal zu stehen hätten und als Entschädigung 3 M erhalten. Weiter wurde noch bestimmt, daß für die Dauer der Wahl ein Wahlbüro aus 3 Mann im Partei-Lokal Zum Einhorn bestehen soll. Punkt II. Den Bericht über die letzte Bürgerausschußsitzung gab Gen. Beck, den Gen. Jakob Schüßler noch ergänzte. Die Mitglieder beschlossen, daß künftig vor jeder Bürgerausschußsitzung eine Mitgliederversammlung stattfinden soll, in der die Tagesordnung der Bürgerausschußsitzung besprochen wird. Punkt III. In geheimer Wahl wurden die Genossen Halblaub und Reithmeier zur Ergänzung des hiesigen Gemeinderats gewählt. Punkt IV. Verschiedenes. Es wurde Beschwerde geführt über zu niedrige Versicherung der Waldarbeiter der Gemeinde in der Krankenkasse. Dann gaben die Gen. Halblaub und Beck einen Bericht über die am 18. Dez. 1918 in Heidelberg abgehaltene Parteikonferenz ab. Zum Schluß wurde beschlossen dass die nächste Mitgliederversammlung am 11. Januar stattfinden soll. Laudenbach, den 5. Januar 1919 Der Schriftführer I. V. Adam Vock

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Am 18. November 1918 richtet sich die Regierung an das deutsche Volk und verkündet mit diesem Aufruf verschiedene Maßnahmen, die Gesetzeskraft erlangten.

Mitgliederversammlung vom 11. Januar 1919. Die Tagesordung umfasst 4 Punkte. I. Punkt. Vorbereitung zur Deutschen Nationalwahl. II. Punkt. Ergänzungswahl des hiesigen Gemeinderats. III. Punkt. Die Holz-Arbeiter am hiesigen Orte. IV. Punkt. Verschiedenes. I. Punkt. Da bei der Wahl zur

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deutschen Nationalversammlung ein Andrang der Wähler zu befürchten ist wurde für das eine Wahllokal 4 Mann bestimmt die abwechselnd das Wahllokal besetzen. Als Entschädigung erhalten sie 3 M. Außerdem wurden 3 Mann bestimmt, die das Wahlbüro bilden. II. Punkt. Da von der hiesigen Gemeindebehörde keine bestimmte Zusage gegeben wurde, die beiden gewählten Genossen als Gemeinderäte anzuerkennen,

wurde beschlossen, daß sich die Parteileitung unverzüglich an das Ministerium nach Karlsruhe zu wenden habe, das die Sache in Ordnung bringen soll. III. Punkt. Den Wald-Arbeitern wurde bekannt gegeben, daß in Zukunft bei eintretendem Regenwetter der angefangene Tag voll ausbezahlt wird. IV. Punkt. Es wurde Beschwerde geführt über die schlechte Zustellung der Partei-Presse


und einigten sich die Mitglieder dahingehend, daß wir uns beschwerdeführend an die Pressekomission wenden um Regelung der Sache. Laudenbach, den 11. Januar 1919 Der Vertrauensmann Jacob Halblaub

bei der letzten Wahl unsere Stimmen wieder erhalten hätten, so hätte das Resultat ein besseres sein können. Derselbe kam in seinem kurzen aber sachlichen Worten zu dem Schluß, daß ein Umschwung kommen müsse. Dann soll die Sozialdemokratische Partei, die

Gründer der Revolution, auch die Früchte derselben ernten. Gen Reithmeier ergänzte die Ausführungen des Vertrauensmannes, indem er ausführte, dass die Partei am hiesigen Orte ziemlich an Mitgliedern zugenommen habe und es ratsam und

Der Schriftführer i. V. Vock Mitgliederversammlung vom 26. Januar 1919. Die Tagesordung umfaßt 6 Punkte. I. Punkt. Abrechnung. II. Punkt. Wahl. III. Punkt. Rückblick über die beiden Wahlen. IV. Punkt. Gemeinderäte gewählt vom Arbeiterrat. V. Punkt. Lebensmittelversorgung am hiesigen Orte. VI. Punkt. Verschiedenes. Bei Punkt I erstattete der Kassier Gen. Rettig Bericht über den Kassenbestand der Partei der von den Mitgliedern als gut befunden wurde. Punkt II. Wahl der gesamten Vorstandes. Als erster Vorstand wurde Gen. Halblaub, als zweiter Gen. Reithmeier gewählt. Als Kassier wurde Gen. Preßler und zum Schriftführer Gen. Vock gewählt. Als Revisoren wurden die Gen. Joh. Alb. Beck und Friedrich Schmidt gewählt. III. Punkt. Rückblick über die Wahlen. Gen. Halblaub gab einen Rückblick über die Wahlen im badischen Lande sowie im Reiche und ermahnte die Mitglieder bei den Gemeindewahlen fest und geschlossen für die Partei zu stimmen. Wenn wir

Aufruf von Marie Juchacz, Gründerin der Arbeiterwohlfahrt, 1919. Durch das Wahlrecht ist die Frau noch nicht frei. Es ist nur eine Etappe auf dem Wege zum Sozialismus, der ihr erst die Freiheit der Persönlichkeit bringt .

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notwendig sei, dieselben durch einige Vorträge heranzubilden. IV. Punkt. Gemeindewahlen. Da uns die hiesige Gemeindebehörde noch keine zusagende Antwort zuteil werden ließ, die beiden durch die Partei gewählten Gen. als Gemeinderat anzuerkennen, waren die Mitglieder einstimmig der Meinung, die Sache unverzüglich an das Ministerium zu senden um Regelung der Sache. (Nachtrag: Die beiden Genossen, Reithmeier und Halblaub, wurden inzwischen vereidigt und am 28. Januar in das Amt als Gemeinderat eingeführt.) Zu Punkt V. Lebensmittelversorgung wurde Beschwerde geführt über die ungenügende Lebensmittelversorgung am hiesigen Orte (Ein Thema, das uns leider auch im Jahr 2001 beschäftigt!). Es wurde der Beschluss gefasst, dass wir uns an das Lebensmittelamt wenden, damit Laudenbach eine Stufe höher eingereiht werde. Zu Punkt VI: Verschiedenes wurde abermals Beschwerde geführt über die schlechte Belieferung der Partei-Presse und der Beschluss gefaßt, daß sich der Vorstand an den Verlag der Volkstimme wenden soll um Regelung der Sache. Dann wurde noch der Wunsch geäußert, die beiden am Orte befindlichen Gesangvereine zu verbrüdern, was von den Vorständen der beiden Vereine in die Wege geleitet werden soll. Zum Schluss wurde noch die Kohlenfrage am hiesigen Orte debattiert. Laudenbach, den 28. Januar 1919 Vock, Schriftführer

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Gemeinderatsprotokoll: Erste Erwähnung von Sozialdemokraten im Jahre 1919.

Mitgliederversammlung vom 8. Februar 1919. Die Tagesordung umfasst 3 Punkte. I. Punkt. Delegiertenwahl zu der am 16. Feb. in Mannheim stattfindenden Delegiertenkonferenz.

II. Punkt. Verschiedene Anträge an die hiesige Ortsbehörde. III. Verschiednes. Bei Punkt I. Wahl zur Delegiertenkonferenz in Mannheim wurden in geheimer Wahl die Genossen Reithmeier und Luber gewählt. Als Entschädigung wurden jedem Genossen 7 M zugesprochen.


ZITAT

Deutschland kann in der Welt noch vieles leisten. Ein Deutscher hat den Arbeitern aller Länder den wissenschaftlichen Sozialismus geschenkt. Wir sind auf dem Wege, der Welt noch einmal sozialistisch voran zu schreiten, indem wir dem Sozialismus dienen, der allein Dauer haben kann, der den Wohlstand und die Kultur des Volkes hebt, dem Sozialismus der werdenden Wirklichkeit. Wir wenden uns deshalb noch einmal an alle Völker der Welt mit dem dringenden Appell, dem deutschen Volk Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, durch Vergewaltigung unseres Volkes und unserer Wirtschaft nicht zu vernichten, was sich trotz alledem hoffnungsvoll bei uns anbahnt. Das deutsche Volk hat sich sein Selbstbestimmungsrecht im Innern erkämpft. Es kann es jetzt nach außen nicht preisgeben. FRIEDRICH EBERT

am 06.Februar 1919 in seiner Rede zur Eröffnung der Verfassunggebenden Nationalversammlung in Weimar

In Punkt II. wurde ein schriftlicher Antrag an die hiesige Ortsbehörde formuliert, der in einer Gemeinderatssitzung behandelt werden soll. Er enthält u. a. die Milch-, Holz-, und Kohlenversorgung am hiesigen Platze. In Punkt III. Verschiedenes wurde die Frage aufgeworfen, warum die Erwerbslosenfürsorge in der Stadt 5,50 M und auf dem Lande 4,50 M betrage. Die vom Vorstand beantwortet wurde. Dann wurde beschlossen, auf der Bezirkskonferenz in Mannheim Beschwerde zu führen über schlechte Belieferung der Parteipresse. Zum Schluß wurde auch ein energischer Protest geführt, weil den Notstandsarbeitern 9 M pro Tag versprochen, dieselben aber nur 8 M erhalten haben. Laudenbach, den 8. Februar 1919 Vock Mitgliederversammlung vom 23. Februar 1919. Die Tagesordnung umfaßt 3 Punkte. I. Punkt. Bericht über die am 14. 2. 19. in Mannheim stattgefundene Bezirkskonferenz. II. Punkt. Bericht über die an die hiesige Ortsbehörde gestellten Anträge. III. Punkt. Die Vorgänge am hiesigen Orte. Bei Punkt I erstatteten die 3 Delegierten einen ausführlichen Bericht über die Bezirkskonferenz, der von den Mitgliedern gut geheißen wurde. II. Punkt. Den Bericht über die an die Gemeindebehörde gestellten Anträge erstattete Gen. Reithmeier. Der Vorstand er-

gänzte den Bericht. Weiter gab noch Gen. Reithmeier einen kurzen Überblick über den Voranschlag für 1919. Dann wurde noch das neu zu erstellende Pumpwerk besprochen. III. Punkt. Die Vorgänge am hiesigen Orte am 19. Februar. Die Gen. beteiligten sich in ausgiebiger Weise an der Diskussion und waren alle der Ansicht, dass ein derartiger Tumult hätte vermieden werden können. Laudenbach, den 23. II. 1919 Vock, Schriftführer Nachtrag zu der am 23. II. 19 abgehaltenen Mitgliederversammlung. Zu Punkt III. Die Vorgänge am hiesigen Orte. Im Monat Januar kam der Weinheimer Arbeiter- und Soldaten-Rat nach Laudenbach, um Kartoffel zu beschlagnahmen. Hierbei wurde auch bei einem hiesigen Landwirt das Fleisch von einem schwarzgeschlachteten Stück Vieh beschlagnahmt. Bei dieser Beschlagnahmung ließ sich ein Mitglied des Weinheimer Arbeiter- und SoldatenRats Unehrlichkeiten zu schulden kommen. Die hiesigen Landwirte widersetzten sich der Abgabe von Kartoffeln und verabredeten sich in einer Versammlung, wenn der Weinheimer Arbeiter- und SoldatenRat wieder nach Laudenbach kommt, diese mit Gewalt aus Laudenbach zu entfernen. Das Zeichen zum Angreifen sollte durch Sturmläuten auf dem Rathause und in der Kirche gegeben werden. Als dann am 19. Feb. eine Komission vom Weinheimer Arbeiter- und SoldatenRat kam, um die Unehrlichkeit

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Dann wurde noch bestimmt, daß die Komission sich mit dem Parteivorstand, am Mittwoch den 26. März, zu einer gemeinsamen Sitzung zusammenfinden soll.

kommission setzte sich aus folgenden Genossen zusammen Robert Beck, Jack Heilmann & Adam Thron. Sodann gingen wir zur Wahl über:

Laudenbach, den 22. März 1919

Punkt III. Verschiedenes. Es wurde Beschwerde geführt, daß viele Parteimitglieder noch nicht Abonnent der Partei-Presse sind und es wurde der Wunsch geäußert, demselben nachzukommen. Zum Schluss wurde von Parteimitglied Jak. Spengler der Antrag gestellt, sogenannte Gesellschaftsabende abzuhalten, um die Mitglieder gegenseitig aufzuklären, was allgemeine Beachtung fand. Es wurde beschlossen, den ersten Gesellschaftabend am Sonntag dem 30. März im Parteilokal abzuhalten. Anschließend schloss der Vorstand die gutbesuchte Versammlung.

Schriftführer Vock

Laudenbach, den 22. März 1919

Als 1. Vorsitzender wurde Gn Adam Fritz mit 22 gegen 11 Stimmen gewählt. Als 2. Vorsitzender wurde Jakob Gaßmann einstimmig gewählt. Als Kassierer wurde Jakob Heilmann einstimmig gewählt. Als Schriftführer wurde Stick Otto einstimmig gewählt. Als Beisitzer wurde Fritz Schmitt und Adam Thron gewählt, welche zu gleicher Zeit bei Abwesenheit des Schriftführers das Protokoll zu führen haben. Nach Beendigung der Wahl referierte Genosse Hahn kurz über die beiden Parteitage in Nürnberg und Augsburg, was von seiten der Genossen begrüßt wurde. Um 1/2 1 Uhr schloss der Vorstand die Versammlung.

festzustellen, wurde von seiten der hiesigen Landwirte sturmgeläutet und viele Landwirte kamen. Der Weinheimer Arbeiterund Soldaten-Rat wurde mit Gewalt vom Rathause heruntergeholt und so schwer mißhandelt, daß an den Folgen dieser Mißhandlung ein Mitglied längere Zeit keinen Dienst tun konnte und in ärztlicher Behandlung war. Strafantrag ist gegen die Urheber dieses Aufruhrs gestellt und die Untersuchung eingeleitet worden. Hätte unser Bürgermeister Eberle, der von dem Vorhaben der hiesigen Landwirte Kenntnis hatte, den Weinheimer Arbeiter- und Soldaten-Rat telephonisch benachrichtigt, so hätten die Unruhen am hiesigen Orte nicht vorzukommen brauchen.

Mitgliederversammlung vom 22. März 1919. Die Tagesordnung umfaßt 3 Punkte. Punkt I. Den Bericht über die 21. März stattgefundene Bürgerausschußsitzung gaben die Gen. Beck, Reithmeier und Eberhard. Die Mitglieder bekamen einen Überblick, auf welch konservativem Standpunkt der neugegründete Bauernbund steht. Punkt II. Zu den Vorarbeiten zu den Gemeindewahlen verlas der Vorstand die neue badische Gemeinde-Ordnung. Anknüpfend daran, wurde zu dem Partei-Vorstand eine 4gliedrige Komission gewählt, die die Aufstellung der Vorschlagsliste zur Bürgerausschußsitzung vornehmen soll.

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Vock, Schriftführer

1922: VEREINIGUNG DER SOZIALDEMOKRATEN AM ORT Nach längerer Trennung vereinigten sich auch in Laudenbach die Sozialdemokraten wieder, um gemeinsam die anstehenden Probleme anzugehen. Mitgliederversammlung der vereinigten S.P.D. Partei am 1. Oktober 1922. Der Vorstand der M.S.P. eröffnete die Versammlung und dankte für das zahlreiche Erscheinen. Bis zum Erscheinen des Genossen Hahn aus Mannheim wurde eine Wahlkommission gebildet die die Neuwahl des gesamten Vorstands vornahm. Die Wahl-

Der Vorstand Adam Fritz

Schriftführer Stick Otto

TROTZ NOT: MAIFEIERN Neben der schlechten Versorgungslage und der Geldknappheit in den Jahren nach dem Kriege vergaß man nicht, den 1. Mai würdig zu begehen. (Er war zu dieser Zeit noch kein arbeitsfreier und bezahlter Feiertag.) Familienausflüge, Tanzveranstaltungen, Maireden wurden organisiert. Interessant in diesem Zusammenhang zwei Protokollauszüge aus dem Jahre 1923: Auf der Versammlung vom 8. April wurde einstimmig beschlossen, am 1. Mai einen Familienausflug nach Niederliebersbach zu machen. Die Musik wird von Peter Horneff unentgeltlich gestellt, aber durch eine


Das Eintrittsgeld beträgt im Vorverkauf 200, M und abends an der Kasse 500, M. Getränke werden verabreicht nach Wunsch. Die Kassengeschäfte übernehmen die drei Kassierer der verschiedenen Vereine.

TRAUERZUG FÜR REICHSPRÄSIDENT EBERT Mitgliederversammlung vom 3. März 1925 Tagesordnung: Trauerkundgebung für R. Prd. Ebert.

Sammlung sollen die weiteren Ausgaben gedeckt werden. Die Mairöschen sollen vier Stück zu 200, M (Inflationszeit!) verkauft werden.

SPD, ARBEITERGESANGVEREIN UND RSC FEIERN GEMEINSAM Am 18. April fand im Gasthaus zum Einhorn eine Versammlung mit Hinzuziehung des Arbeitergesangvereins, sowie des Ringund Stemmclubs betreffs Maifeier statt. Es wurde gemeinsam beschlossen, dass am 1. Mai ein Ausflug nach Niederliebersbach stattfinden soll. Abmarsch mit Musik mittags 12.00, abends 19.00 gemütliches Beisammensein im Lokal Einhorn. Das Abendprogramm wurde folgendermaßen aufgestellt: 1. Gesangsvorträge des Arbeitergesangvereins 2. wird ein Genosse aus Mannheim die Bedeutung des 1. Mai darlegen 3. Athletische Aufführungen 4. anschließend Tanzbelustigung

Der Vorsitzende Genosse Fritz eröffnete die Sitzung und forderte die Anwesenden zum Andenken des verstorbenen Reichspräsidenten Genosse Ebert auf, sich von Ihren Sitzplätzen zu erheben, Genosse Fritz gedachte zwei historischer Tage, den 27. Januar 1859, an dem der letzte gekrönte Hohenzollern geboren wurde, dessen geistiges Niveau weit unter dem eines normalen Menschen stand, durch dessen Schuld Millionen

von Menschen auf den Schlachtfeldern verbluteten und der wahrscheinlich seinen Lebensabend als Deserteur und Vaterlandsverräter im Ausland beschließen werde. Während der 4. Februar 1871 der Tag ist, an dem in Heidelberg einem einfachen Schneidermeister ein Sohn geboren wurde, dem es nicht an der Wiege gesungen wurde, daß er einst als erster Beamter, an der Spitze des deutschen Reiches sein Leben beschließen werde. Denn Genosse Ebert, der mit wenig Reden, aber sehr vielen guten Taten sich die Sympathie der ganzen Welt erworben hat, ist tot; aber sein Geist lebt weiter, sein Andenken können wir am besten wahren, wenn wir in seinem Geiste weiter leben und handeln. Der Vorsitzende Fritz forderte, dass sich alle Genossen an der Spalierbildung bei dem Passieren des Zuges, der den Reichspräsidenten auf der letzten Fahrt in seinen Heimatort

1. Mai 1922: Ausflug ins Grüne.

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bringt, auf der Station Laudenbach beteiligen sollen. Die Anwesenden Genossen stellen sich einmütig zur Verfügung. Hierauf schloss Genosse Fritz die Versammlung und dankte den Genossen für ihr zahlreiches Erscheinen. Der Vorstand: Adam Fritz Schriftführer: Heitz (Dieser Protokollauszug wurde auch der Gedenkstätte in Heidelberg überlassen.)

JUNGSOZIALISTEN SCHON SEIT 1923 IN LAUDENBACH Als Tagesordnungspunkt 2 stand auf der Sitzung vom 14. 8. 1923: Gründung einer Jugendorganisation. Zur Gründung einer Jugendorganisation sprachen verschiedene Jugendgenossen aus Mannheim und Weinheim. Nach beendeter Aussprache wurde der Vorstand der Jugendorganisation gewählt. Der Vorstand setzt sich aus folgenden Jugendgenossen zusammen: 1. und 2. Vorsitzender: Wolf und Neuthinger Kassier: Giegrich Schriftführer: Neuthinger Beisitzer: Adam Fritz Fritz Schmitt Diener: Karl Giegrich Bestand der Mitglieder: 26 Es wurde eine Tellersammlung für die Jugendgenossen veranstaltet, welche den schönen Betrag von 90.100, M einbrachte.

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Protokollauszüge: sie behandeln u. a. das 25-jährige Jubiläum des SPDOrtsvereins Laudenbach, Seite 205.

25 JAHRE SPD-LAUDENBACH In mehreren Sitzungen beschäftigten sich der Vorstand und die Mitglieder mit der Vorbereitung des 25jährigen Stiftungsfestes. Am 11. Juli 1925 gab Vorsitzender Fritz bekannt: ... dass nächstes Jahr die Partei 25 Jahre besteht und machte den Vorschlag, Ende Mai 1926 das Stiftungsfest abzuhalten, was einstimmig befürwortet wurde .

Aus der Versammlung vom 2. Januar 1926, Punkt 3 der Tagesordnung lesen wir: Über den Punkt Feste und feiern ist man sich darin einig, dass infolge der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse vorläufig keine Abendunterhaltung stattfinden kann; doch wird man unbedingt an dem im Mai geplanten Stiftungsfest festhalten; und der 1. Vorsitzende wird schon jetzt die auswärtigen Vereine dahingehend benachrichtigen .


Mitgliederversammlung am 17. April 1926. Organisation des am 9. Mai stattfindenden 25jährigen Stiftungsfestes der Partei. Die Versammlung beschließt einstimmig die Zulassung von Karussel und Schaukel auf dem Festplatz. Als letzterer kommt der Gemeindeplatz am Schulhaus in Betracht. Bei Zuckerständen u.s.w. werden nur Ortseinwohner berücksichtigt. Auf dem Platz wird eine Bühne errichtet und diese, sowie der Festplatz, entsprechend geschmückt. Die Art und Weise, wie die Veteranen geehrt werden, wird dem Vorstand überlassen. Der Verkauf von Brötchen und Wurst wird in eigene Hände genommen. Als Bezugsquelle kommen die hiesigen Geschäftsleute in Betracht. Gen. Hermann Kreis erhält den Wurstladen zur Verwaltung; Gen. Heilmann und Kreis jun. die Ausschankstellen. Gen. Wolf übernimmt die Nachtwache. Der Eintritt zum Festplatz ist Protokoll von 1914, Seiten 206 und 207.

In der Mitgliederversammlung am 14. Februar 1926, Tagesordnungspunkt 3. Als Datum zum 25-jährigen Stiftungsfest wird der 9. Mai festgelegt. Als Festplatz werden die allgemeinen Sportwiesen ausgemacht. Die Gründer der Partei sollen auf besondere noch näher zu bestimmende Art und Weise geehrt werden. Außerdem wird der Vorstand beauftragt, eine Parteifahne anzuschaffen. Die Vorarbeiten werden dem Vorstand überlassen .

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Stand der Mitgliedschaften aus dem Jahr 1924.

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Stand der Mitgliedschaften aus dem Jahr 1928/1929.

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DIE AUSEINANDERSETZUNG MIT DER KPD UND DEM AUFKOMMENDEN NAZIONALSOZIALISMUS Bei der Mitgliederversammlung am 20. 12. 1924 warnte bereits Genosse Krämer vor der KPD, deren Politik arbeiterschädlich sei, und vor der Bildung eines Rechtsblocks, da sonst die arbeitende Klasse die ganzen Lasten zu tragen hätten. Versammlung vom 22. 11. 1930. In der Versammlung vom 22. 11. 1930 wurden im Ortsverein die Ergebnisse der Gemeinderatswahlen erörtert. Genosse Beck gab bekannt, daß Genosse Gaßmann als Gemeinderat gewählt wurde. Von den 6 Gemeinderäten wurden gewählt: Bürgerpartei (NSDAP): Zentrum: SPD:

3 2 1

Eine der letzten Ausgaben der Volksstimme vor dem Verbot 1933.

frei. Es werden stattdessen an das Publikum Anstecknadeln verkauft. Bei der Diskussion der Musikfrage beschließt die Versammlung mit dem anwesenden Dirigenten Fath zu verhandeln. Hierauf erfolgt auf Antrag des Gen. Bausch die Abstimmung. 9 Stimmen sind für Fath, 7 für Peter Horneff und 2 Leere.

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Schluß der Versammlung um 1/2 12 Uhr. Der Schriftführer: Ernst Bausch 1. Vorsitzende: Adam Fritz

Wahlplakat aus dem Jahre 1932.


Im Jahr 1930 führte die SPD in Laudenbach folgende Aktivitäten durch: 1. Mitgliederversammlung mit Referent Genosse Weidenhammer 2. Öffentliche Wählerversammlung mit Referent Genosse Dreifuß 3. 1. Maifeier 4. Filmvorführung auf dem Juxplatz 5. Zur Reichstagswahl wurden acht Mal Flugblätter verteilt. Daneben nahmen die Laudenbacher SPDler auch an folgenden überregionalen Veranstaltungen teil:

Ehemaliges Rathaus auf dem Marktplatz, Verwaltungssitz bis 1936.

Gaßmann, bedauerte, dass an einem so kleinen Ort wie Laudenbach sich noch eine zweite Partei um die Stimmen der Arbeiterschaft bemüht und zwar die KPD. Denn gerade sie war schuld daran, dass statt eines Arbeiters ein Mitglied mehr der NSDAP in den Gemeinderat einzog. Das zeigt, dass in Laudenbach im kleinen die gleichen Probleme auftauchen wie im Reich. Man beschloss auf dieser Sitzung, dass die SPD noch stärkere Anstrengungen unternehmen sollte, um durch öffentliche Veranstaltungen die Bürger zu erreichen. Genosse Giegrich wies darauf hin, dass der Hauptkampf dem Faschismus gelten müsse, der die größte Gefahr für die deutsche Arbeiterschaft bedeutet.

Wer noch hat in dieser Zeit die Gefahr des Nationalsozialismus so klar erkannt?

1. zwei Unterbezirks konferenzen wurden abgehalten 2. Vertrauensmännerversammlung in Mannheim 3. Jugendbezirkskonferenz in Rastatt 4. Badischer Parteitag in Offenburg 5. Vorständekonferenz in Offenburg 6. Rednerkurs in Durlach.

Versammlungsgaststätte Zum Einhorn .

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Zu diesem Zeitpunkt hatte die Laudenbacher SPD 33 Mitglieder, darunter war eine Frau. Genosse Thron empfahl schon damals, man solle besonders auf Werbung von Frauen ein Augenmerk richten! (Protokoll vom 17. 1. 1931 und Seiten 42 und 43 dieser Broschüre) Bei allen Zusammenkünften der Laudenbacher SPD wurde die Entwicklung im Reich mit großer Sorge betrachtet. Aus den Protokollen geht eindeutig hervor, dass zur Abwehr der Nationalsozialisten ein geeintes Vorgehen aller Arbeiter (SPD + KPD) dringend erforderlich sei und, wie Genosse Gaßmann meinte, es an der Zeit sei, den gehässigen Kampf einzustellen. Leider blieben diese Appelle ungehört, und die KPD-Führung zog es vor, den Moskauer Direktiven Folge zu leisten, anstatt die Solidarität der deutschen Hitler-Gegner zu suchen. Man versuchte aber in Laudenbach nicht nur den Schulterschluss mit den Kommunisten, sondern beabsichtigte, auch Bauern und Angestellte auf den Betrug der Nazis hinzuweisen und damit die Kultur und Zivilisation der ganzen Welt vor der Nazibarbarei zu retten. (Protokoll vom 14. 6. 1932.)

SPD IN ISOLATION GETRIEBEN In dieser Situation nicht erstaunlich war der Rückgang der Mitgliederzahl von vorher 40 auf 33 in Laudenbach, denn das nationalsozialistische Regime hat es in kurzer Zeit verstanden, große Teile der Mitglieder in

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ZITAT

1931: MEHR FRAUEN FÜR DIE SPD WERBEN

FREIHEIT UND LEBEN KANN MAN UNS NEHMEN, DIE EHRE NICHT in seiner mutigen Rede am 23. März 1933 vor dem Reichstag, der von den Sturmtrupppen Hitlers umringt ist: OTTO WELS*)

Wir Sozialdemokraten haben in schwerster Zeit die Mitverantwortung getragen und sind dafür mit Steinen beworfen worden. Unsere Leistungen für den Wiederaufbau von Staat und Wirtschaft, für die Befreiung der besetzten Gebiete werden vor der Geschichte bestehen. Wir haben gleiches Recht für alle und ein sozialeres Arbeitsrecht geschaffen Wir haben geholfen, ein Deutschland zu schaffen, in dem nicht nur Fürsten und Baronen, sondern auch Männern aus der Arbeiterklasse der Weg zur Führung des Staates offensteht. *) Bei der Reichtagsabstimmung über das Ermächtigungsgesetz stand die Sozialdemokratie als einzige Partei fest zu Idee und Auftrag der Demokratie. Ihre 94 anwesenden Abgeordneten stimmten geschlossen mit Nein . Der Parteivorsitzende Otto Wels erklärte am Schluß seiner Rede: Wir deutschen Sozialdemokraten gedenken in dieser geschichtlichen Stunde feierlich zu den Grundsätzen der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Sozialismus. Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen, die ewig und unzerstörbar sind, zu vernichten. ... Wir grüßen die Verfolgten und Bedrängten. Wir grüßen unsere Freunde im Reich. Ihre Standhaftigkeit und Treue verdienen Bewunderung. Ihr Bekennermut, ihre ungebrochene Zuversicht verbürgen eine hellere Zukunft. Bald darauf gingen führende Sozialdemokraten ins Exil, nachdem bereits einige von ihnen mißhandelt und ermordet waren. Am 22. Juni 1933 verbot Innenminister Frick der SPD jede weitere Betätigung.


eine von Misstrauen beherrschte Isolation zu treiben und sie in ständiger Verunsicherung zu halten. Dennoch heißt es im Protokoll vom 4. 12. 1932: Trotz der hohen Arbeitslosigkeit war die Kassenlage gut . Besonders bemerkenswert erscheint bereits damals die Diskussion wegen eines Rundschreibens über Luft- und Gasschutz. Sie führte zu dem Ergebnis: Die beste Abwehr gegen Gas ist die Ablehnung eines Krieges .

ENTSCHEIDUNGSSCHWERES JAHR 1933 Hans Friess beschreibt in seinem Laudenbacher Geschichtsund Heimatbuch: Es kommt das entscheidungsschwere Jahr

1933. Am 30. 1., dem Tag der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus , wird auch in Laudenbach ein Fackelzug veranstaltet. Bei der Reichstagswahl vom 5. 3. 1933, der letzten Wahl für über zwölf Jahre, erringt Hitlers Nationalsozialistische Partei in Laudenbach 42,5% der gültigen Stimmen. Bereits bei der Reichstagswahl 1924 hatte die SPD in Laudenbach 284 Stimmen erhalten,

woran man erkennen kann, dass die SPD über einen soliden Wählerstamm bei gleichgebliebener Bevölkerungszahl verfügte und die späteren NSDAP- oder HitlerWähler sich in erster Linie aus den anderen Parteien rekrutierten. Aus dem Wahlergebnis von 1933 kann man erkennen, dass die Wahlverluste der bürgerlichen Parteien mit den Gewinnen der Hitlerpartei identisch sind und die SPD damit das einzige Bollwerk gegen den Nationalsozialismus darstellte.

Ergebnis der Reichstagswahl am 5. 3. 1933 in Laudenbach: Liste

Partei

Stimmen

letztes Ergebnis

1 2 3 4 5 6 7 8

NSDAP SPD KPD Zentrum Kampffront Dt. Volkspartei Ev. Volksdienst Dt. Staatspartei

547 294 111 282 27 3 6 5

465 259 121 241 23 6 15 8

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Die letzten SPD-Vertreter im Rathaus waren: Adam Thron und Adam Rettig Ersatz: Jakob Heilmann, Valentin Giegrich Bürgerausschuß: Georg Fink, Adam Thron, Jakob Heilmann Ersatz: Stephan Leitwein, Valentin Giegrich. Es folgt das letzte Protokoll mit einem wahrhaft aufrüttelnden Inhalt vom 19. 5. 1933: Heute abend wurde laut Beschluß der noch vorhandenen Genossen die Ortsgruppe der SPD aufgelöst. Hitler hat das Vermögen der Partei beschlagnahmt, es kann kein Beitrag mehr bezahlt werden. Wird die SPD nochmals auferstehen? Vorstand und Schriftführer Valentin Giegrich

SPD-MITGLIEDSCHAFT BEDEUTETE HOHES RISIKO Welchen Risiken Sozialdemokraten ausgesetzt waren (z. B.: Verlust des Arbeitsplatzes), ist im folgenden Protokoll der Sitzung vom 30. 4. 1933 dokumentiert: Beck ist als Vorsitzender zurückgetreten, ebenso mußte Gaßmann als Gemeinderat zurücktreten, weil beide bei der Bahn beschäftigt sind. Adam Thron hat die Führung der Partei übernommen . Nach der Machtergreifung durch Hitler vermerkt das Protokoll des 30. 4. 1933 u. a.: Für

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Baden wurde der Staatskommissar Wagner eingesetzt, der für Baden die roten Sportorganisationen verbietet und vermacht deren Eigentum der SA und der SS, dem Stahlhelm und anderen nationalen Verbänden. Außerdem verbietet er Arbeitersänger, Radfahrer, Reichsbanner, Schachbund, Sozialistische Arbeiter-Jugend, Kinderfreunde, Rote Falken, die Partei nicht, aber die Funktionäre und Führer werden verhaftet! Außerdem wird bekanntgegeben, dass alle Beamten in Staat und Gemeinde, die der SPD oder KPD angehören, entlassen werden.

Valentin Giegrich Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.


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Dieser Plan wurde von der Gestapo für die eigene Verwendung hergestellt. Er zeigt die Gliederung des Widerstandes im südwestlichen Raum (Baden - Pfalz - Hessen). Im zweiten Kasten unten links lesen Sie unter Laudenbach den Namen unseres Genossen Valentin Giegrich.

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DAS DRITTE REICH VERFOLGUNG UND TOD Die Sozialdemokraten stimmten 1933 zwar gegen das Ermächtigungsgesetz, konnten die Naziherrschaft letztlich aber nicht aufhalten. Am 22. Juni 1933 wurde die Partei verboten, für viele blieb nur der Weg in den Untergrund bzw. in das Exil. Hitler verwirklichte seine Ziele Aufrüstung, Krieg, Unterwerfung und Völkermord. 1945 lagen Deutschland und Europa in großen Teilen in Trümmern, viele Millionen Opfer waren zu beklagen.

In Laudenbach gibt es aus diesem dunklen Kapitel deutscher Geschichte keine offiziellen Unterlagen. Sie wurden wohl nach dem Zusammenbruch sorgsam entfernt. Aber auch in unserer Gemeinde herrschte brauner Terror und es wurde verfolgt. Am 27. März 1945 ging der Krieg in Laudenbach tragisch zu Ende, als eine Frau und drei Kinder starben. Insgesamt hatte die Gemeinde 181 Opfer zu beklagen. Zeugnis des Widerstandes im Ort gibt das folgende Urteil vom 14. November 1935 in der Strafsache gegen u. a. Valentin Giegrich, Adam Rudolf Fink und Valentin Hildenbrand sowie weitere Personen aus Weinheim. Während Giegrich wegen eines hochverräterischen Unternehmens zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten bestraft wird, wurden Fink und Hildenbrand freigesprochen.

Anklageschrift gegen Valentin Giegrich und andere wegen Hochverrats. Mitangeklagt waren unter anderem aus Laudenbach Adam Rudolf Fink und Valentin Hildenbrand.

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ZITAT

Die Sozialdemokratische Partei fühlt sich nicht belastet und ist auch nicht belastet und will ihren Teil dazu tun, dem deutschen Volk die Achtung und die Sympathien zu verschaffen, die auch diesem Volk wieder gebühren werden, wenn es die grauenhaften Verzerrungen und Erwartungen seiner Geschichte überwunden hat. Die Sozialdemokratische Partei setzt alles daran, Deutschland als abgeschlossenes nationales und wirtschaftliches Ganzes im Rahmen des europäischen Gleichgewichts und der europäischen Notwendigkeit zu erhalten ... KURT SCHUMACHER

im Juli 1945

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Auszüge aus der Anklageschrift gegen Valentin Giegrich, Adam Rudolf Fink und Valentin Hildenbrand und andere aus Weinheim und Umgebung. Von der 23-seitigen Anklageschrift hier die Seiten 1, 3, 7 und 20 23.

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ZITAT

Nachdem das Urteil im Hochverratsprozeß gegen die Laudenbacher Bürger Valentin Giegrich, Adam Fink und Valentin Hildenbrand gesprochen war, erschien dieser Pressebericht.

Jetzt liegt das Trümmerfeld vor uns. Das Reich ist zerbrochen, die Nation auseinandergerissen, die Wirtschaft zerstört, die soziale Lage großer Volksteile von kläglicher Armseligkeit, die Verluste in den Familien niederdrückend und gar nicht wieder auszugleichen. ...Größer noch als das Trümmerfeld der Wirtschaft, als das Elend und die Trauer um die sinnlos Gestorbenen ist das geistige und moralische Trümmerfeld, das die Nazis hinterlassen haben...Die Sozialdemokratische Partei hat vor 1933 unter den größten politischen Belastungen und Demütigungen gekämpft, um das Naziunheil für Deutschland und die Welt zu vermeiden ... bis an den Rand der Selbstaufgabe... Als das Unglück doch hereingebrochen war, hat sie trotz der praktischen Aussichtslosigkeit die Opfer der Illegalität nicht gescheut. Sie erkennt dankbar an, dass dies auch bei anderen politischen Richtungen der Fall gewesen ist. Der Sinn der sozialdemokratischen Opfer in der Illegalität ist nur darin zu sehen, dass der Welt damit gezeigt werden sollte, dass nicht alle Deutschen Nazis seien. ... Jetzt gibt es wenigstens Menschen in Deutschland, denen die Welt die moralischpolitische Berechtigung nicht abstreiten kann, die Stimme bei der Neugestaltung Deutschlands zu erheben! KURT SCHUMACHER

im Frühsommer 1945, wenige Wochen nach der bedingungslosen Kapitulation

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ZITAT

Die Sozialdemokratische Partei sieht ihre Aufgabe darin, die Partei der deutschen Patrioten und internationalen Sozialisten zu sein. Internationalität ist die Zusammenarbeit tatsächlich gleichberechtigter und gleichwertiger Völker. Die Sozialdemokratie bekennt sich wie immer, so auch heute zu dieser Internationalität. Sie lehnt deshalb die nationale Selbstaufgabe ab, die jetzt den Deutschen auch von den Deutschen zugemutet wird. Die Sozialdemokratie weigert sich, die arbeitenden Menschen die Schuld büßen zu lassen, die der Großbesitz vor und nach 1933 auf sich geladen hat.

Bild oben links: Ausschließungsschein vom 28. Juli 1939, Valentin Giegrich wird vom Dienst in der Wehrmacht im Frieden ausgeschlossen. Bild oben rechts: 1937 Aufmarsch der Pimpfe und der SA am 1. Mai in der Hauptstraße/Höhe Ausfahrt Bachstraße. Bild unten: 1940 Damals hieß es noch Kriegerdenkmal mit Blick auf das alte Rathaus am Marktplatz.

KURT SCHUMACHER

am 28. Juli 1952 anlässlich des Aktionsprogramms der SPD

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Nach der Wiederzulassung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands wurde die Bevölkerung aufgerufen, sich für ein besseres Deutschland einzusetzen und Mitglied der SPD zu werden.

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Die Hoffnungen, der SPD würde in einem demokratischen Nachkriegsdeutschland die politische Führung zufallen, erfüllten sich nicht. Das besiegte Land wurde in vier Besatzungszonen eingeteilt. Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz, wesentlich von Carlo Schmid mitgestaltet, in Kraft. Kurt Schumacher prägte die ersten Nachkriegsjahre in der Partei, verstarb aber nachdem er sich von zehnjähriger KZ-Haft nie richtig erholt hatte bereits 1952. Zu seinem Nachfolger wurde Erich Ollenhauer gewählt. Heftige Debatten erfolgten in den 50er Jahren zum Thema Wiederbewaffnung . Sowjetische Angebote zur Wiedervereinigung wurden gegen den Rat der SPD nicht einmal sondiert. 1959 erfolgte auf dem Godesberger Sonderparteitag eine gravierende Weichenstellung in der SPD-Programmatik. Man beschrieb eine linke, freiheitliche, sozial fortschrittliche Volkspartei. In den 60er Jahren deutete sich zunehmend das Ende der konservativen Ära an. Ende 1966 verlor die Regierung Erhard die Mehrheit und es kam zur großen Koalition; Willy Brandt wurde Vizekanzler. Auch in Laudenbach kam das Leben unter dem von der Militärregierung eingesetzten Bürgermeister Adam Fritz nur langsam in Gang. Auch hier herrschte Lebensmittelnot und eine zusätzliche Herausforderung bedeutete der unterzubringende Flüchtlingsstrom. Nach Franz Bürner trat der Sozialdemokrat Adam Thron, der bereits zuvor ganz wesentlichen Anteil am Wiederbeleben des kommunalen Lebens hatte, am 8. Februar 1948 sein Amt als Bürgermeister an. Ihm folgte 1960 Hermann Spengler.

WIE GING ES NACH 1945 WEITER? Der von den Nationalsozialisten entfesselte Zweite Weltkrieg forderte, selbst in einer kleineren Gemeinde wie Laudenbach es damals war, 181 Gefallene. 1946 wurde die SPD in Laudenbach u. a. von Stefan Leitwein, Ernst Bausch, Georg Beck, Adam Fritz, Adam Thron, Heinrich Luber u. v. a. wieder gegründet mit dem Ziel, die Interessen der breiten Masse gerecht zu vertreten. In diesen Jahren wurden in Laudenbach 700 Heimatvertriebene und Flüchtlinge integriert.

ZITAT

WIEDERAUFBAU IN DER OPPOSITION

Du musst dich auf den Weg zwischen Tod und Teufel wagen. Dann erst wird dein Leben seinen Sinn finden. Ich werde also in die Politik gehen müssen. Damit stelle ich mein Leben in eine Ordnung, die mir viel Geduld und viel Demut abverlangen wird. Ich werde mit dem Wissen ans Werk gehen müssen, dass man allein durch den Glauben an die Idee das Ideal nicht verwirklichen kann; dass man sich wird begnügen müssen, Annäherungswerte an das Wahre zu verwirklichen; dass man Stein um Stein wegräumen, Unkraut um Unkraut ausreißen muss, bis man daran denen kann, die Entwürfe des planenden Geistes vom Reißbrett weg in Stein und Mörtel zu übertragen. CARLO SCHMID

im Jahre 1945 zu sich selbst

Altbürgermeister Adam Thron (im Amt von 1948 1960).

In den ersten Gemeinderat nach dem Zweiten Weltkrieg wurden am 7. 12. 1947 gewählt: 6 Vertreter der CDU, 5 der SPD und 1 der KPD. Im Februar 1948 wurde Adam Thron (SPD)

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zum ersten hauptberuflichen Bürgermeister gewählt und hatte dieses Amt zwölf Jahre lang inne. Hierzu lesen wir im Protokoll vom 21. Februar 1948: ... Genosse Thron gab einen Überblick über den Ausgang der Bürgermeisterwahl und streifte kurz die Mittel und Methoden, die von der Gegenseite angewandt wurden, um uns den Bürgermeisterposten streitig zu machen . ... Die Geschicke der Gemeinde leiteten als Bürgermeister im Anschluss von 1960 1968 der parteilose Hermann Spengler, von 1968 1996 Fritz Kaiser (SPD) und seit Februar 1996 Hermann Lenz (CDU). Ende des Jahres 1948 hatte der Ortsverein wieder 32 Mitglieder. Genosse Fritz forderte in einer Versammlung auf, dass es ... notwendig sei, den Mitgliederbestand zu steigern und dass besonders Frauen geworben werden sollen .

ZITAT

1949 war die Bürgerschaft erstmals nach dem Kriege aufgerufen, Abgeordnete zum Deutschen Bundestag, in demokratischer und freier Wahl, zu wählen.

Kassenbuch von 1945/1946 Seite 1

Der deutsche Sozialismus ist entstanden aus der deutschen klassischen Philosophie und aus dem Ideengehalt der großen westeuropäischen Revolutionen, vor allen Dingen aus den Ideen von 1789, wie sie damals an die Öffentlichkeit kamen und die Welt eroberten. Diese Idee der Menschenrechte ist nicht das Ideal der Bürger, es gibt darüber hinaus keine Idee besonderer Arbeiterrechte, In den menschlichen Rechten, der Freiheit, der Gleichheit, der Brüderlichkeit, der Menschlichkeit sind auch alle Klassenrechte und Klassenforderungen der Arbeiterschaft enthalten. KURT SCHUMACHER am 9.Mai 1946 auf dem 1. Nachkriegsparteitag der SPD in Hannover zu den Aufgaben und Zielen der deutschen Sozialdemokratie

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Das Ergebnis der Wahl am 13. 8. 1949 war in Laudenbach: Partei

Stimmen

CDU 467 SPD 234 KPD 79 Parteilose (Richard Freudenberg) 808 Wahlberechtigte 1994 abgegebene Stimmen 1689 gültige Stimmen 1588 ungült. Stimmen 101 Ein Schreiben von den KPDFunktionären Leibrand und Reimann wurde in der Sitzung vom 11. 3. 1951 vorgelesen, das Kontakte mit der KPD anbot. Genosse Thron verlas seinerseits ein Schreiben eines Bürgermeisters aus dem Erzgebirge zu demselben Thema. Der Antrag auf Kontakte mit der KPD wurde einstimmig abgelehnt. In gleicher Sitzung gedachte man der Verstorbenen Genossen Otto Giegrich und Adam Fritz.

TOTENEHRUNG FÜR KURT SCHUMACHER

ZITAT

Kassenbuch von 1945/1946, Seite 2

Im Rahmen einer Mitgliederversammlung am 20. November 1952 gab Genosse Wilhelm aus Weinheim einen Bericht über

Damit sind aber gleichzeitig andere Zielsetzungen zum Ausdruck zu bringen. Durch das Grundgesetz soll ja eine Ordnung geschaffen werden, die jedem einzelnen Deutschen die Freiheitsrechte schützt, ohne die ein Leben in Würde und Selbstachtung nicht möglich ist. Weiter soll das Grundgesetz ein wesentliches Mittel für die Erhaltung der deutschen Nation sein: es wird Mut und Entschlossenheit und Hoffnung und Zuversicht auch dort wecken, wo eine schwere Hand die Deutschen vielleicht schon verzagen und ihnen die deutsche Zukunft ausweglos erscheinen ließ. CARLO SCHMID am 20.Oktober 1948 vor dem Parlamentarischen Rat in Bonn

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ZITAT Adam Thron, erster gewählter Sozialdemokratischer Bürgermeister in Laudenbach.

den Parteitag in Dortmund. Dem Bericht ging eine Totenehrung für Kurt Schumacher voraus. Der Referent stellte besonders die geistigen Fähigkeiten des Parteiführers Kurt Schumacher heraus, die der Partei seit 1945 Richtung und Ziel gaben. Trotz seiner körperlichen Gebrechen hat sein Kampfgeist die ideellen Werte des Sozialismus ausgebaut und weitergeführt, so dass der

Parteitag von diesen Ideen stark befruchtet wurde. Genosse Erich Ollenhauer gab zu der Arbeit Kurt Schumachers einen ausführlichen Bericht und hob besonders hervor, daß der Rat Kurt Schumachers uns allen sehr fehlen wird. Er rief die Genossen auf, im Geiste Kurt Schumachers weiter mitzuarbeiten und mitzuhelfen, das Leben der Arbeiter erträglich zu gestalten.

Bürgermeister Adam Thron im Kreis seiner Mitstreiter Günter Knust (rechts) und Herbert Botz (links).

Ein neues Deutschland will sich aber in der Eigenstaatlichkeit nicht erschöpfen. Es will über seine Grenzen hinaus, aber nicht etwa über seine Grenzen hinaus wie Hitler oder der Pangermanismus, sondern es will über seine Grenzen hinaus in freiwilliger Einordnung unter ein höheres Ganzes. Ein neues Deutschland würde seine höchste Aufgabe darin sehen, Bestandteil zu sein der Vereinigten Staaten von Europa. Dabei sollen sich doch die führenden Geister im Auslande die eine Erkenntnis immer vor Augen halten, es gibt im Innern des Landes keine Freiheit der Demokratie, wenn nicht die ganze Nation frei ist. Und diese freie Nation will gern alles das aufgeben, was zu einem solchen Zusammenleben notwendig ist. Wir wollen eine bewusste internationale Politik und zwar deswegen, weil wir als Voraussetzung dazu, als erste Partei in Deutschland, den Mut zu einer echten nationalen Selbstbehauptung gehabt haben. KURT SCHUMACHER

am 9.Mai 1946 auf dem 1. Nachkriegsparteitag der SPD in Hannover zu den Aufgaben und Zielen der deutschen Sozialdemokratie

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ZITAT

Die Sozialdemokratische Partei ist in den fast hundert Jahren ihrer Geschichte einen weiten Weg gegangen. Aber dank ihres Wirkens, dank der großen geistigen, sittlichen und ethischen Kräfte, die sie in Millionen von Menschen in der ganzen Welt ausgelöst hat, sind die Verdammten dieser Erde zu einer selbstbewussten geschichtlichen Kraft aufgestiegen, die mit Recht ihren Anspruch geltend macht, zusammen mit allen, die guten Willens sind, die gewaltigen Möglichkeiten der modernen Entwicklung in den Dienst des Aufbaus einer freien Gemeinschaft für alle Völker und alle Menschen zu stellen. ERICH OLLENHAUER

am 13.November 1959 auf dem Parteitag der SPD in Bad Godesberg zu dem neuen Grundsatzprogramm der SPD

ARBEITERWOHLFAHRT AUCH EIN THEMA DER SPD Nach dem 2. Weltkrieg beschäftigte sich die SPD mehrmals mit dem Thema Arbeiterwohlfahrt . Am 9. August 1947 wurden die Mitglieder der SPD in einer Versammlung über ein Rundschreiben informiert, welches sich mit der Werbung für die Arbeiterwohlfahrt befasste. In der Versammlung am 25. 2.

HINWEIS AUF EIN GRÜNDUNGSMITGLIED Bericht über die Ehrung von Jubilaren 16. 1. 1955.

Georg Bickel, langjähriger Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt in Laudenbach.

1950 berichtete Genosse Leitwein über die Spenden der Arbeiterwohlfahrt und war der Meinung, dass auch in Laudenbach mehr Zutritte zur Arbeiterwohlfahrt sein müssten. Im Protokoll vom April 1954 fand man darüber hinaus einen Eintrag über die Jugendgruppenarbeit der SPD und der Arbeiterwohlfahrt. Hierüber referierte Genosse Butsch in der Mitgliederversammlung. 1955 waren es Mitglieder des SPD-Ortsvereins, die, dann wohl offiziell, die Arbeiterwohlfahrt in Laudenbach gründeten. Ihr erster Vorsitzender war Georg Bickel, der dieses Amt 44 Jahre, bis 1999, ausführte. Allerdings gab es auch schon in der Weimarer Republik entsprechende Einträge über Aktivitäten der Arbeiterwohlfahrt. So wurde in der Mitgliederversammlung am 10. Juni 1927 ein Dankschreiben der Arbeiterwohlfahrt verlesen. In einem weiteren Rundschreiben wurden die Mitglieder auf eine Veranstaltung mit Lotterie der Arbeiterwohlfahrt hingewiesen.

Nach Musikvorträgen wurde die Ehrung durch den Genossen Leitwein eröffnet. Er begrüßte den Landtagsabgeordneten Ripple und den Mitbegründer der hiesigen Ortsgruppe Reithmeier aus Hemsbach als Gast. Ripple referierte über den Werdegang der Partei und erinnerte an die verdienten Genossen, die 25, 40 und 50 Jahre in der sozialistischen Bewegung gearbeitet hatten. Geehrt wurden für 50 Jahre Mitgliedschaft: Valentin Hartmann, Georg Beck und Karl Stark; für 40 Jahre Mitgliedschaft: Philipp Ehret, Jakob Rembert, Georg Gutruf und Georg Graulich; für 25 Jahre Mitgliedschaft: Ernst Bausch, Adam Thron, Adam Hertinger, Stefan Leitwein, Karl Geiger, Heinrich Luber, Alois Batke, Rudolf Fischer und Johann Hillebrand.

Die Genossen Ernst Bausch (l.) und Johann Hillebrand (r).

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Einen gut besuchten Filmabend gab es am 29. April 1955 im Gasthaus Zum Einhorn . Vorsitzender Leitwein freute sich, die Jungsozialisten Schulz (ehemaliger Bürgermeister in Ladenburg) und Daffinger (ehemaliger Landtagsabgeordneter) zu begrüßen. Schulz berichtete über die gemeinsame Reise nach Amerika und seine persönlichen Eindrücke, die er aus Amerika mitgebracht habe. Während Daffinger den Film über Die Entwicklung der Gewerkschaften in Amerika kommentierte. Sonntag, den 3. Juni 1956: Jahresausflug.

Ehemaliges Rathaus an der B 3/ Kirchstraße Verwaltungssitz bis 1957. Heute ist dort ein Parkplatz mit einer Grünanlage und ein neu gestalteter Kreuzungsbereich, so dass die alte Dorfkirche in den Blick rückt.

Genosse Thron dankte während des unterhaltsamen Teils dem Referenten und wünschte, dass die Genossen weiterhin in gutem Einvernehmen für das große Ziel der schaffenden Menschen kämpfen: für soziale Gerechtigkeit, Friede und Freiheit. Schriftführer Botz hob im Protokoll vom 29. März 1956 nochmals hervor: Bemerkenswert war die Ehrung der alten Mitglieder im Frühjahr 1955. Die Ehrung war eine wirkliche Feierstunde und gereichte der Partei zu allen Ehren .

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Die Ortsgruppe unternahm mit ungefähr 50 Mitgliedern und Angehörigen einen wunderschönen Waldspaziergang. Ziel war die Juhöhe. Für die musikalische Unterhaltung sorgten Peter Quick und seine Frau, beide Mitglieder der Weinheimer SPD. Zahlreiche Wander- und Freiheitslieder verkürzten die Rastzeit auf der Juhöhe. Auf dem Heimweg wurde nochmals in Oberlaudenbach Einkehr gehalten. Dieser Tag wird allen Teilnehmern, besonders den hochbetagten Mitgliedern, in steter Erinnerung bleiben. Generalversammlung am 10. Februar 1957. Als besonders erwähnenswert ist festzuhalten, daß die heutige Generalversammlung die 10te ist, seit der Wiedergründung der Partei nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Neuwahlen brachten folgendes Ergebnis:

ZITAT

FILMABEND MIT JUNGSOZIALISTEN

Es ist gleichgültig, ob jemand durch die Methoden marxistischer Wirtschaftsanalysen, ob er aus philosophischen oder ethischen Gründen oder ob er aus dem Geist der Bergpredigt Sozialdemokrat geworden ist. Jeder hat für die Behauptung seiner geistigen Persönlichkeit und für die Begründung seiner Motive das gleiche Recht in der Partei. KURT SCHUMACHER

im Jahre 1946 unmittelbar nach dem Wiedererstehen der Partei

1. Vorsitzender 2. Vorsitzender Schriftführer Kassier

Leitwein Thron Botz Hertinger

Als Beisitzer blieben weiterhin: Molitor, Hillebrand, Seitz, Luber. Neu hinzugewählt wurde Genosse Janke. Lebhaft diskutiert wurde insbesondere die Frage der Kinderspielplätze, sowie die Frage der Schulhauserweiterung. Eine lebhafte Aussprache über die Themen: Wasserversorgung, Schulbau, Umgehungsstraße(!) und Kinderspielplätze standen auf der Sitzung vom 26. 7. 1957 im Mittelpunkt. Eine Reihe von Anträgen wurde an die SPDFraktion weitergereicht, ein Zeichen dafür, dass eine aktive Arbeit zum Wohle der Bevölkerung geleistet wird.


ZITAT

Wir wollen die Wiedervereinigung Deutschlands zu einem einheitlichen Staatswesen der Freiheit und der Menschenrechte. Wir wollen diese Wiedervereinigung ohne Krieg. Infolgedessen wollen wir sie auf dem Wege der Verhandlung. Ob dieser Weg heute oder morgen zum Ziele kommt, wollen wir redlich ausprobiert sehen. GUSTAV HEINEMANN

am 21.November 1951 auf der ersten öffentlichen Kundgebung der Notgemeinschaft für den Frieden Europas in Düsseldorf zu dem Weg um Frieden und zur Einheit

muss ebenso aufrecht erhalten werden, wie die nach der Einrichtung eines zweiten Bildungsweges und einer Begabtenförderung, die zur Fachschule und Hochschulreife führt.

WASSERVERSORGUNG VERDIENST VON ADAM THRON Am 14. 3. 1959 standen die Wasserversorgung, die Sportplatzfrage, die Müllabfuhr und der Straßen- und Wohnungsbau im Mittelpunkt der Aussprache. Dabei forderte Bürgermeister Thron, dass im Gemeinderat unbedingt die Gemeininteressen und nicht die persönlichen Interessen im Vordergrund stehen sollten. Versammlung am 30. 5. 1959.

Im Anschluß an den Ausflug am 4. 5. 1958 schreibt Schriftführer Botz u. a.: Die schöne Sitte, alljährlich einen Ausflug zu unternehmen, sollte unbedingt beibehalten werden .

Bei der Versammlung am 30. 5. 1959 wurde u. a. festgestellt, dass trotz des Widerstandes im Gemeinderat durch die CDU Bürgermeister Thron auf dem rechten Weg ist, für die Allgemeinheit die richtigen Entscheidungen mit Unterstützung der SPD-Fraktion zu treffen. Weiter muss erwähnt werden, dass die Wasserversorgung in der Gemeinde ausschließlich dem Genossen Thron und der SPDFraktion zu verdanken ist.

In der Mitgliederversammlung am 21. 11 1958 waren 17 Teilnehmer und der Genosse Ripple (MdL) anwesend. Man setzte sich mit Erziehungsproblemen im besonderen und Kulturpolitik im allgemeinen auseinander. Das Schicksal der Völker wird in den Schulen entschieden, meinte der Referent. Die Forderung nach einem 9. Schuljahr

Noch 1959 verfügte die CDU über acht Sitze, die SPD hingegen nur über vier Sitze im Laudenbacher Gemeinderat. Die Mehrheitsverhältnisse änderten sich erst 1968: Seitdem gab es bis 1999 den Gleichstand zwischen SPD und CDU im Laudenbacher Gemeinderat! Nach der Wahl von Fritz Kaiser zum Bürgermeister 1967 wurde der

SPD durch die CDU deutlich gemacht, dass sie jetzt zwar den Bürgermeister stelle, die CDU aber weiterhin das Sagen habe. Es sollte 32 Jahre dauern, ehe die CDU leider wieder eine Mehrheit im Laudenbacher Gemeinderat erreichen sollte. In der Ausschusssitzung (Vorstand und Fraktion), am 24. 9. 1959, wurde thematisiert, wie schwierig sich die Arbeit auf dem Rathaus gestaltet, da man im Gemeinderat auf die Vertreter der SPD-Minderheit keine Rücksicht nahm (eine Feststellung, die seit 1999 wieder ihre Berechtigung findet). Auch das Problem der Bürgermeisterfrage diskutierte man eingehend. Zur bevorstehenden Gemeinderatswahl wurde das letzte Wahlergebnis besprochen, um daraus neue Erkenntnisse zu ziehen. Ziel muss es sein, so Genosse Luber, die Gewaltherrschaft der CDU auf dem Rathaus zu brechen . Es wurde folgender Kandidatenvorschlag gemacht, der in der Mitgliederversammlung am 2. 10. 1959 zur Abstimmung kommen soll: Ernst Bausch, Georg Bickel, Stefan Leitwein, Walter Ehle, Adam Thron, Johann Hillebrand und Jakob Dörr. Bei der Gemeinderatswahl vom 14. 11. 1959 hatte die SPD einen merklichen Stimmenzuwachs zu verzeichnen: CDU SPD

6010 Stimmen; 4679 Stimmen.

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ZITAT Rathaus in der Sandackerstraße Verwaltungssitz von 1957 bis 1977.

BÜRGERMEISTERWAHL 1960 UNTERSTÜTZUNG FÜR HERMANN SPENGLER Bei der Bürgermeisterwahl im Januar 1960 gab es einige Turbulenzen. Acht Kandidaten hatten sich zur Wahl gemeldet, und zwar: Spengler, Lehmann, Degenhard, Keßler, Heidt, Sick, Wind und Kern. In der Mitgliederversammlung am 7. 1. 1960 erfolgte eine eingehende Aussprache über die Kandidaten. Genosse Bickel sieht die Schwierigkeit darin, dass Genosse Luber nicht als Kandidat aufgestellt ist. Hinsichtlich der Wahl ist es augenblicklich sehr schwer, eine klare Entscheidung zu fällen. Eine Stellungnahme soll erst nach dem ersten Wahlgang erfolgen. Vor der Wiederholungswahl, die am 17. 1. 1960 stattfinden sollte, trafen sich die Mitglieder der SPD am 13. 1. 1960 zu einer Versammlung in der Krone . In einer vorangegangenen Vorstandssitzung wurde beschlossen, dass ausschließlich die Mit-

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gliederversammlung die Wahl des zu unterstützenden Kandidaten vornehmen kann. Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung wurde die Unterstützung des Kandidaten Spengler durch die SPD von der Mitgliederversammlung beschlossen.

THEO LUBER WIRD VORSITZENDER DES SPD-ORTSVEREINS 15 Jahre nach der ersten Vorstandswahl nach dem Kriege vollzog sich in der Jahreshauptversammlung vom 10. 5. 1961 ein Generationenwechsel. Vorsitzender Stefan Leitwein, den persönliche Schicksalsschläge getroffen hatten und zusätzlich die dauernde Nachtschicht seine Arbeit als 1. Vorsitzender erschwerte, legte sein Amt nieder. Für die aufopferungsvolle Arbeit während der 15 Jahre wurde dem scheidenden Vorsitzenden der Dank ausgesprochen.

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ist nach 1945 von der Idee ausgegangen, ein Deutschland zu schaffen, das die Wiederholung der Schrekken der Vergangenheit ausschließt. ... Dazu war nach ihrer Meinung notwendig, die Zusammenarbeit mit den anderen freiheitlichen Faktoren in der Welt anzustreben, unter keinen Umständen aber die Deutschen in die Position der Unterworfenen sinken zu lassen. KURT SCHUMACHER

in einer der beiden letzten Schriften vor seinem Tode 1952

Die Wahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender: 2. Vorsitzender: 1. Schriftführer: 2. Schriftführer: Kassier: Beisitzer:

Gemeinderäte:

Theo Luber; Thron; Botz; Ehle; Fischer; Molitor, Ehret, Hillebrand, Dörr, Albansöder; Bickel, Leitwein, Fuhr

Natürlich kam in diesen Jahren auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Am 8. Juli 1961 fand im Gasthaus Zum Einhorn eine Familienfeier statt, an der 70 Personen teilnahmen. Anwe


ZITAT

Die Sozialdemokratische Partei ist und bleibt eine Partei des demokratischen Sozialismus. Sie bleibt fest verwurzelt in der Tradition der um Recht und Freiheit kämpfenden Arbeiterbewegung. Das neue Programm der Partei ist nicht denkbar ohne diesen historischen Hintergrund , und die Sozialdemokratische Partei kann auch in Zukunft nicht auf die starken Impulse verzichten, die ausgehen von der großen solidarischen Leistung, den geistigen und ethischen Kräften, die den Aufstieg der arbeitenden Menschen und die Entwicklung einer machtvollen Arbeiterbewegung überhaupt erst ermöglicht haben. ERICH OLLENHAUER

und zwar stieg die Zahl der SPD-Wähler von 562 auf 662, wohingegen die CDU-Stimmen von 1140 auf 1050 zurückgingen. Jahreshauptversammlung am 21. 3. 1964. In der Jahreshauptversammlung am 21. 3. 1964 konnte Vorsitzender Theo Luber den Landtagsabgeordneten Wolfgang Daffinger begrüßen. Ein ehrendes Andenken der Versammlung galt den verstorbenen SPDPolitikern Erich Ollenhauer und Heinrich Deist. In seinem Jahresbericht hob Vorsitzender Luber besonders hervor, dass der Kernpunkt der Arbeit innerhalb des SPD-Ortsverein überwiegend bei den Jungsozialisten lag, wobei der recht beachtliche Mitgliederzuwachs in wesentlichen auf deren aktive Tätigkeit zurückgeführt werden konnte. Genosse Gerd Dember gab einen kurzen Überblick über die Arbeit der Jungsozialisten.

Das Protokoll der Versammlung vom 4. 2. 1962 weist das Ergebnis der Bundestagswahl von 1961 in Laudenbach aus:

Im Bericht der Gemeinderatsfraktion beanstandete Georg Bickel, dass die einzelnen Gemeinderatsausschüsse so gut wie gar nicht in Erscheinung treten würden (leider eine Dauererscheinung bis heute). Zu folgenden Vorhaben nahm er Stellung: Schulhausneubau bzw. Erweiterung des alten Schulgebäudes, Ausbau Wasserversorgungsanlage, Erstellung von Umkleideräumen auf dem Sportplatz, Aussiedlung der Landwirte, Verbesserung der Ortsdurchfahrt durch den Bau einer Umgehungsstraße, Hangbebauung und Erweiterung der Turnhalle.

Die Wahl brachte der SPD einen Gewinn von 100 Stimmen,

Die anschließende Neuwahl zeigte folgendes Bild:

am 13.November 1959 auf dem Parteitag der SPD in Bad Godesberg zu dem neuen Grundsatzprogramm der SPD

send war auch der neu aufgestellte Bundestagskandidat Dr. Paul Kübler, der auch in den Deutschen Bundestag einzog.

1. Vorsitzender: Theo Luber 2. Vorsitzender: Otmar Eckstein 1. Schriftführer: Walter Ehle 2. Schriftführer: Gerd Dember 1. Kassierer: Rudi Fischer 2. Kassierer: Edmund Franke Pressewart: Gregor Kern Beisitzer: Fritz Beck, Fritz Albansöder, Rudolf Franke, Johann Hillebrand, Erich Dember Fraktionssprecher: Georg Bickel

AKTIVE JUNGSOZIALISTEN In der Monatsversammlung der Laudenbacher Jungsozialisten setzten sich die Mitglieder unter der Leitung von Gerd Dember mit dem umstrittenen Problem der Sporthalle auseinander. Hier der Bericht aus den Weinheimer Nachrichten vom 24. 3. 1964:

Bei einer Ortsbesichtigung mit anschließender Vorstandssitzung befasste man sich am 30. März 1964 mit dem Gelände-

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ARBEITSGEBIETSKONFERENZ DER JUNGSOZIALISTEN NORD-BADENS IN DER LAUDENBACHER KRONE

In diesen Jahren waren nicht nur im Kreis, sondern auch im Ort vielfältige Aktivitäten zu verzeichnen. Politische Diskussionsrunden wechselten mit Filmabenden und geselligen Treffen. Die Jungsozialisten, Kreisverband Mannheim-Land-Nord, stellten am 14. 3. 1965 an die Gemeindeverwaltungen des Kreisgebietes und somit auch an die Gemeinde Laudenbach untenstehenden Antrag zum Thema Plakatierung:

Am 28. Juli 1964 beschloss der Vorstand der SPD-Laudenbach, für die am Kirchweihtag in Laudenbach stattfindende Arbeitsgebietskonferenz der Jungsozialisten Nord-Badens für die Ausschmückung des Saales und für die Bestreitung sonstiger Unkosten einen Betrag von höchstens 30, DM zur Verfügung zu stellen. Tagungsort war das Gasthaus Zur Krone . Eine rote SPDFahne wies den Teilnehmern den Weg. Kommentar eines Laudenbacher Bürgers: Jetzt kann man die Krone auch nicht mehr besuchen, nachdem auch da die rote Fahne weht . Gerd Dember wurde am 24. Oktober 1964 in Hemsbach als Nachfolger des Hemsbachers Uwe Dietrich zum Kreisvorsitzenden der Jungsozialisten Mannheim-Land-Nord gewählt. Mit dieser Wahl wurde er gleichzeitig Mitglied des Kreisvorstandes Mannheim-Land, dem er von 1966 bis zum Abschluss der Kreisreform als ordentliches Mitglied angehörte.

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Dieser Antrag fand in der Gemeinde Laudenbach seinerzeit, wie etwa in anderen Gemeinden, keine Zustimmung.

ERFOLGREICHE ARBEIT TRÄGT FRÜCHTE Eine besondere Bedeutung für den weiteren Kurs in der Kommunalpolitik der SPD-Laudenbach sollte die bevorstehende Gemeinderatswahl am 7. November 1965 haben. In der Sitzung am 27. 9. 1965 wurden nach eingehender Beratung folgende Kandidaten nominiert:

ZITAT

verkauf der Gemeinde an die Firma Bartsch. Vorsitzender Theo Luber vertrat die Ansicht, dass das westlich der Bahn liegende Gelände zweckmäßigerweise für die Erschließung weiteren Baugeländes zur Verfügung gestellt worden wäre. Genosse Molitor leitete in dieser Angelegenheit eine Dienstaufsichtsbeschwerde ein.

Der demokratische Sozialismus, der in Europa in christlicher Ethik, im Humanismus und in der klassischen Philosophie verwurzelt ist, will keine letzten Wahrheiten verkünden nicht aus Verständnislosigkeit und nicht aus Gleichgültigkeit gegenüber den Weltanschauungen oder religiösen Wahrheiten, sondern aus der Achtung vor den Glaubensentscheidungen des Menschen, über deren Inhalt weder eine politische Partei noch der Staat zu bestimmen haben. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ist die Partei der Freiheit des Geistes. Sie ist eine Gemeinschaft von Menschen, die aus verschiedenen Glaubens- und Denkrichtungen kommen. Ihre Übereinstimmung beruht auf gemeinsamen sittlichen Grundwerten und gleichen politischen Zielen. Die Sozialdemokratische Partei erstrebt eine Lebensordnung im Geiste dieser Grundwerte. Der Sozialismus ist eine dauernde Aufgabe Freiheit und Gerechtigkeit zu erkämpfen, sie zu bewahren und sich in ihnen zu bewähren. ZITAT zu den Grundwerten des Sozialismus aus dem Godesberger Programm von 1959


1. Adam Thron 2. Georg Bickel 3. Stefan Leitwein 4. Otmar Eckstein 5. Theo Luber 6. Jakob Dörr Die Wahl brachte der SPD den erhofften Wahlerfolg. Im Protokoll vom 14. 11. 1965 ist dazu vermerkt: Die intensive Arbeit aller Mitglieder des Ortsvereins habe reiche Früchte getragen . Gewählt wurden Bickel, Luber und Dörr. Die Laudenbacher Hauptstraße im Winter 1965/1966.

Im Laufe der Jahre 1966/67 wurde daran gearbeitet, bei der Bevölkerung das notwendige Vertrauen für den politischen Umschwung zu erhalten. So bereitete man sich intensiv auf die bevorstehende Bürgermeisterwahl vor. In vielen Veranstaltungen wurden erfolgreiche sozialdemokratische Kommunalpolitiker vorgestellt, es wurden die Ziele sozialdemokratischer Kommunalpolitik diskutiert und man merkte die steigende Sympathie für SPD-Politik bei der Bevölkerung. Das Jahr 1967

sollte dann auch für den Ortsverein der SPD ein besonders erfolgreiches sein. Bei der Bürgermeisterwahl am 10. Dezember wurde der Kandidat der SPD, Fritz Kaiser, im 1. Wahlgang von etwa 55% der Laudenbacher Bürgerschaft gewählt. Im nachhinein läßt sich diese Wahl in ihrer Wirkung für den Ort vergleichen mit der von Gustav Heinemann 1969 zum Bundespräsidenten für den Bund. Beide bereiteten den Boden für die Übernahme der politischen Verantwortung.

ZITAT

FRITZ KAISER WIRD BÜRGERMEISTER

Bürgermeisterwahl 1967: Fritz Kaiser übernimmt das Amt von Hermann Spengler.

Nach unserer Ansicht jedenfalls sind die Zeichen der Zeit so zu deuten: nicht Selbstzerfleischung, sondern Miteinanderwirken im Rahmen des demokratischen Ganzen, wenn auch in sachlicher innenpolitischer Gegnerschaft. Innenpolitische Gegnerschaft belebt die Demokratie. Aber ein Feindverhältnis, wie es von manchen gesucht und angestrebt wird, tötet schließlich die Demokratie, so harmlos das auch anfangen mag. Das geteilte Deutschland meine Damen und Herren, ich will sie damit nicht belehren; Sie wissen das wahrscheinlich zum größten Teil selbst,kann nicht unheilbar miteinander verfeindete christliche Demokraten und Sozialdemokraten ertragen. Ich danke Ihnen für Ihre Geduld. HERBERT WEHNER

am 30.Juni 1960 in einem Plädoyer vor dem Deutschen Bundestag für eine gemeinsame Politik

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ZITAT

Nicht dass wir Jüngstes Gericht spielen wollen; das steht uns nicht zu. Nicht dass es hier eine justitia triumphans gäbe! Es geht darum, eine sehr schwere und im Augenblick leider noch ganz unpopuläre Last und Bürde auf uns zu nehmen. Es geht darum, dass wir dem Gebirge an Schuld und Unheil, das hinter uns liegt, nicht den Rücken kehren, sondern dass wir uns als das zusammenfinden, was wir sein sollen: kleine demütige Kärrner, Kärrner der Gerechtigkeit, nicht mehr. ADOLF ARNDT am 10.März 1965 in einer Rede vor dem Deutschen Bundestag

13 JAHRE VERANTWORTUNG FÜR DEUTSCHLAND 1969 wählte die Bundesversammlung den Sozialdemokraten Gustav Heinemann zum Bundespräsidenten. Damit wurde ein Machtwechsel eingeläutet, der sich am 28. September vollziehen sollte, als SPD und FDP eine regierungsfähige Mehrheit erhielten. Willy Brandt wurde Bundeskanzler und erwarb für sein Land und seine Politik der Aussöhnung und innerer Reformen auch international große Anerkennung, 1971 erhielt er den Friedensnobelpreis. Ein Jahr später scheiterte ein konstruktives Misstrauensvotum und Neuwahlen brachten der SPD mit 45,8 % den größten Wahlsieg ihrer Geschichte. Als Willy Brandt wegen der politischen Verantwortung des Spionagefalles Guillaume seinen Rücktritt erklärte, wurde 1974 Helmut Schmidt sein Nachfolger. Sicherheitspolitik und der Kampf gegen den Terrorismus waren seinerzeit die großen Herausforderungen. 1982 gelang es Helmut Kohl, die FDP zum Umfallen zu bringen und Helmut Schmidt zu stürzen. In Laudenbach gab es eine nahezu parallele Entwicklung. Nachdem Fritz Kaiser am 10. Dezember 1967 zum Bürgermeister gewählt worden war, kam 1968 die SPD trotz weiterer Parität der Sitze bei den Gemeinderatswahlen erstmals zu einem Wahlsieg. Es erfolgte ein Aufbruch mit dynamischer baulicher und infrastruktureller Entwicklung. Laudenbach wurde zu einer lebenswerten Gemeinde mit hoher Wohnqualität und modernen öffentlichen Einrichtungen der Daseinsvor- und -fürsorge.

ERSTER WAHLSIEG BEI KOMMUNALWAHLEN

Freigabe der Autobahn im August 1968 durch Verkehrminister Georg Leber.

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Wir haben einen neuen Weg beschritten Es geht aufwärts in unserer Gemeinde , so ging die SPD 1968 in die Kommunalwahl. Es konnte bei dieser Wahl erstmals der Gleichstand der Mandate zwischen den Fraktionen der SPD und der CDU im Gemeinderat hergestellt werden. Sozialdemokratische Politik konnte jetzt verwirklicht werden. In den Jahren danach wurden die Bergstraßenhalle, die Grundschule, der Kommunale Kindergarten gebaut, der Sportplatz erweitert, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung gelöst u.v.a. mehr.


Die erste Ausgabe von Laudenbach heute und morgen aus dem Jahr 1965 und die 63. Ausgabe von 2000.

ERSTE AUSGABE LAUDENBACH HEUTE UND MORGEN

ZITAT

Die erste Ausgabe der SPD-Informationsschrift Laudenbach heute und morgen erschien im September 1969.

Was will diese Informationsschrift? Sie will insbesondere die Einwohnerschaft von Laudenbach in Wort und Bild informieren über die laufenden Vorhaben in der Gemeinde.

Sie will künftige Entwicklungstendenzen der Gemeinde aufzeigen. Sie will zeigen, inwieweit die im kommunalpolitischen Programm der SPD-Laudenbach enthaltenen Vorstellungen verwirklicht worden sind

Wir haben gesagt, dass die Mauer ein Zeichen der Schwäche ist. Man könnte auch sagen, sie war ein Zeichen der Angst und des Selbsterhaltungstriebes des kommunistischen Regimes. Die Frage ist, ob es nicht Möglichkeiten gibt, diese durchaus berechtigten Sorgen dem Regime graduell soweit zu nehmen, dass auch die Auflockerung der Grenzen und der Mauer praktikabel wird, weil das Risiko erträglich ist. Das ist eine Politik, die man auf die Formel bringen könnte: Wandel durch Annäherung. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Selbstbewusstsein genug haben können, um eine solche Politik ohne Illusion zu verfolgen, die sich außerdem nahtlos in das westliche Konzept der Strategie des Friedens einpasst, denn sonst müssten wir auf Wunder warten, und das ist keine Politik. EGON BAHR am 15.Juli 1963 in einer Rede vor der Evangelischen Akademie Tutzing zu dem Thema Wandel durch Annäherung

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ZITAT Mai-Grillfest: seit vielen Jahren Höhepunkt im Jahreskalender des SPDOrtsvereins. Das Bild zeigt die Gäste 1994.

oder sich in der Verwirklichung befinden. Sie zeigt aber auch, dass noch wichtige Maßnahmen in der Gemeinde anstehen, zu deren Verwirklichung erheblicher Aufwand an Zeit und Geld erforderlich ist. Wir halten es deshalb für sachlich ungerechtfertigt und auch überflüssig, der SPD in Laudenbach die fehlende Verwirklichung solcher Programmpunkte anzulasten, die an früheren Mehrheitsverhältnissen im Gemeinderat gescheitert sind. Inzwischen sind 63 Informationsschriften zu den verschiedensten Themenbereichen erschienen und immer noch verfolgen wir das gleiche Ziel: die Bürgerschaft Laudenbachs über unsere politische Arbeit und unsere politischen Absichten und Planungen umfassend zu informieren und dabei selbstverständlich auch die Bundes- und Landespolitik zu beleuchten.

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1970: GERD DEMBER ÜBERNIMMT DEN VORSITZ DER SPD IM ORT Nach neunjähriger Amtszeit löste Gerd Dember, der zuvor bereits seit zwei Jahren die Geschäfte des Ortsvereins führte, Theo Luber als 1. Vorsitzenden ab, der seinerseits zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde. Im einzelnen wurde bei der Jahreshauptversammlung im Gasthaus Zum Bahnhof am 17. März 1970 folgender Vorstand gewählt: 1. Vorsitzender: Gerd Dember 2. Vorsitzender: Theo Luber Schriftführer: Hans-Jürgen Prinz Kassierer: Reinhold Gaßmann Beisitzer: Fritz Albansöder, Fritz Beck, Gregor Kern, Karl Luber.

Wir wollen mehr Demokratie wagen. Wir werden unsere Arbeitsweise öffnen und dem kritischen Bedürfnis nach Information Genüge tun. Wir werden darauf hinwirken, dass nicht nur durch Anhörungen im Bundestag, sondern auch durch ständige Fühlungnahme mit den repräsentativen Gruppen unseres Volkes und durch eine umfassende Unterrichtung über die Regierungspolitik jeder Bürger die Möglichkeit erhält, an der Reform von Staat und Gesellschaft mitzuwirken. Wir wenden uns an die im Frieden nachgewachsenen Generationen, die nicht mit den Hypotheken der Älteren belastet sind und belastet werden dürfen; jene jungen Menschen, die uns beim Wort nehmen wollen und sollen. Diese jungen Menschen müssen aber verstehen, dass auch sie gegenüber Staat und Gesellschaft Verpflichtungen haben. WILLY BRANDT

in seiner ersten Regierungserklärung am 28.Oktober 1969 vor dem Deutschen Bundestag


ZITAT

Die SPD ist fähig, die Bundesrepublik Deutschland zu führen. Sie ist in der Lage, die Verantwortung wahrzunehmen, die ihr übertragen wird. Und sie ist unzertrennlich, wenn es darum geht, für Frieden, Freiheit und Fortschritt einzutreten. Politik wird in der Gegenwart und für die Zukunft gemacht. Dies ist nur möglich, wenn man sich auf die Vergangenheit besinnt. Wir müssen wissen, woher wir und woher die anderen kommen, um zu erkennen, wohin wir zusammen mit den anderen gehen. WILLY BRANDT

am 13.Mai 1970 in einer Rede auf dem Parteitag der SPD in Saarbrücken zur Verwirklichung der sozialen Demokratie

Am 1. Mai 1970 fanden sich Mitglieder und Freunde der SPD zu einem Ausflug zusammen. Über Ladenburg (Besuch des Museums) ging die Reise nach Schwetzingen mit dem Besuch des Schloßgarten und des Rokoko-Theaters. Anschließend fuhr man nach Ketsch. Bei Kaffee und Kuchen wurden wir hier von dem Landtagsabgeordneten Emil Limbeck und einigen Genossen des dortigen Ortsvereins begrüßt. Abends gings dann noch in die Stadthalle nach Weinheim, um an der Maifeier des DGB teilzunehmen.

Mai-Grillfest 1998: immer wieder erfreuen sich viele Besucher auf dem ersten Grillfest im Jahr.

SPD-GRILLFESTE SEIT 1970

SPD IN LAUDENBACH VORN

Das erste Grillfest des SPDOrtsvereins fand am 29. 8. 1970 auf dem Grillplatz am Kreuzberg statt. Noch in bescheidenem Rahmen wurden die Mitglieder und Freunde zur Teilnahme aufgerufen und in der Einladung dazu lesen wir: ...Der Unkostenbeitrag richtet sich für Bratwurst und Alkoholika nach der Teilnehmerzahl. Wir bitten die anhängende Anmeldung an unseren Kassierer R. Gaßmann zu senden . Bei Gitarren-Musik und Gesang sowie gespendetem Wein wurde hier der Grundstein für das alljährlich stattfindende Grillfest der Sozialdemokraten Laudenbachs gelegt, das seit 1975 auf dem kommunalen Waldgrillplatz stattfindet, 1981 musste es wetterbedingt ausfallen.

Die SPD war zwischenzeitlich die führende politische Kraft in Laudenbach geworden und ging mit Zuversicht an die Vorbereitung für die Kommunal- und Kreistagswahl vom 20. Oktober 1971. Am 16 Juli 1971 wurde die Gemeinderats-Kandidatenliste aufgestellt:

In den 70er und anfangs der 80er Jahre waren auch die Winterund Frühlingfeste, meist in der Gaststätte Zur Talmühle abgehalten, überaus beliebt.

Georg Bickel, Theo Luber, Ingrid Prinz, Kurt Bausch, Karl Luber, DieterForschner. Für den Kreistag kandidierten: Fritz Kaiser und Gerd Dember. Bei dieser Wahl konnten wir wieder einen großen Erfolg erzielen. Erstmals wurde mit Ingrid Prinz eine Frau in den Laudenbacher Gemeinderat gewählt. Somit wurden nun auch die Interessen der Frauen durch eine Sozialdemokratin im Gemeinderat vertreten.

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Am 11. Dezember 1971 fand ein Familienabend mit Ehrung verdienter Mitglieder statt. Zahlreich war der Besuch im Gasthaus Zur Sonne . Unter den Gästen befanden sich auch der Landtagsabgeordnete Wolfgang Daffinger und einige Hemsbacher Sozialdemokraten. Neben der Mitgliederehrung gedachte man in diesem Jahr der 25jährigen Neugründung des Ortsvereins.

ALTBÜRGERMEISTER ADAM THRON IST TOT Am 1. 3. 1972 nahm Laudenbach Abschied von Altbürgermeister Adam Thron. Bürgermeister Kaiser unterzog das Wirken des Verstorbenen einer eingehenden Würdigung. Er betonte dabei: Herkunft, Erfahrung und Beruf bestimmten sein offenes Bekenntnis zur Sozialdemokratie. Getragen von dieser Idee sah er die Verpflichtung und Berufung, für andere Menschen Verantwortung zu übernehmen. Bereits in jungen Jahren war Adam Thron kommunalpolitisch tätig, zunächst in den 20er Jahren im Bürgerausschuß, dann Anfang 1933 im Gemeinderat, den er, aufgrund seiner politischen Einstellung, wenig später wieder verlassen musste. 1945 gehörte er als Gemeinderat und Bürgermeisterstellvertreter zu den Männern der ersten Stunde. 1948 erfolgte seine Wahl zum Bürgermeister. Dieses Amt bekleidete er, bis er 1959 aus gesundheitlichen Gründen Abschied nahm. Es war die Zeit des Wiederaufbaus und in dieser Zeit hat er für die Gemeinde Entscheidendes getan.

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GEMEINDEREFORM 1972 LAUDENBACH BLEIBT SELBSTÄNDIG Im Zuge der Gemeindereform 1972 entschieden sich die Bürger Laudenbachs gegen einen Anschluss an Hemsbach und Weinheim. Laudenbach behielt seine Selbständigkeit, musste aber ab dem 1. 7. 1975 eine Verwaltungsgemeinschaft mit Hemsbach eingehen. Um die Politik der Sozialdemokraten in Bund, Land, Kreis und nicht zuletzt die Gemeindepolitik bürgernah zu vermitteln, eröffnete der SPD-Ortsverein im Anwesen unseres Genossen Georg Bickel, der die Räume kostenlos zur Verfügung stellte, im Frühjahr 1972 ein Bürgerbüro. Bis Ende 1973 konnte das Domizil aufrechterhalten werden.

ERSTES ORTSVEREINSTATUT In diese Zeit fiel auch die Erstellung des Ortsvereinsstatuts, welches von den Mitgliedern am 7. Februar 1973 verabschiedet wurde. Von 1971 bis 1973 war, im Sog der von Willy Brandt geführten sozialliberalen Bundesregierung und ihrer Politik der Aussöhnung und Verständigung, eine Zunahme von 35 auf 57 Mitgliedern (Stand: 1. 7. 1973) zu verzeichnen. Der Vorstand beschloss am 5. 11. 1973, dass die erstmals 1969 und dann 1972 erschienene Informationsschrift mit dem Titel: Laudenbach heute und morgen auch 1973 wieder erscheinen sollte. Willy Brandt war in besonderer Weise Symbolfigur für ein neues, ein anständiges Deutschland.

ZITAT

25 JAHRE SPD-ORTSVEREIN NACH DEM 2. WELTKRIEG

Aber dass wir als Partei zu unseren Grundsätzen stehen, hat uns nie gehindert und wird uns nicht hindern, im Interesse des Friedens den Weg der Zusammenarbeit auch zwischen Staaten zu gehen, die auf entgegengesetzten Systemen beruhen. Wir haben ein politisches Konzept, das Offenheit und Vertrauen verlangt, dessen Feinde die kleinen Schlauheiten sind. Es ist ein europäisches Konzept, das der Mitwirkung der europäischen Staaten und Völker bedarf und das eine behutsame und kontrollierte Entwicklung im System der bestehenden Allianzen sieht. WILLY BRANDT

am 13.Mai 1970 in einer Rede auf dem Parteitag der SPD in Saarbrücken zur Verwirklichung der sozialen Demokratie

Am 26. Oktober 1973 fuhr der SPD-Ortsverein mit vollem Bus zum Bundestag nach Bonn. Am 21. 5. 1975 wurden die Genossen Ernst Bausch und Stefan Leitwein für 50 jährige Parteizugehörigkeit geehrt. Gerd Dember wies darauf hin, dass die Jubilare an der Wiedergründung der SPD nach dem Krieg entscheidenden Anteil genommen hätten. Theo Luber erklärte, dass man sich an dem aufrechten, demokratischen Verhalten


ZITAT

Ich sage vor allem den jungen Menschen, dass Demokratie nicht allein aus dem Prinzip der Bildung von Mehrheiten besteht. Ihre, letztlich existentielle, Begründung findet Demokratie in der Humanisierung der Politik, das heißt in der Humanisierung des unvermeidlichen Umgangs mit der Macht. Indem die demokratische Verfassung von der Würde des Menschen ausgeht und nicht nur dem Staat, sondern auch dem einzelnen verbietet, mit der Existenz und der Würde des Menschen nach Belieben und Willkür zu verfahren, schreibt sie uns allen die Grenzen unseres Handelns vor. Diese Verpflichtung dem Ganzen gegenüber umfasst auch, den Schwachen zu helfen, Minderheiten nicht auszuschließen und gegenüber Andersdenkenden Respekt zu bewahren. Wer aber aus dieser humanen Geschichte heraustritt, wer an die Stelle des demokratischen Rechts das Faustrecht der Gewalt setzt, der erlebt eine Ausweglosigkeit, in der vermeintliche Macht bis in Selbstzerstörung umschlagen kann. HELMUT SCHMIDT

am 20.Oktober 1977 in einer Rede vor dem Deutschen Bundestag zu dem Thema Kampf dem Terrorismus

der Jubilare immer habe orientieren können. Stefan Leitwein und Ernst Bausch dankten und schilderten, mit welchen Schwierigkeiten gerade die Sozialdemokraten im Dritten Reich auch in Laudenbach zu kämpfen hatten.

ERSTE KOMMUNALWAHL NACH DER GEMEINDEREFORM Bei der Kommunalwahl 1975, die erste nach der Gemeindereform, wurden erstmals alle Gemeinderäte in einer Wahl gewählt. Die Wahl der Kandidaten für die Gemeinderatswahl erfolgte in der Mitgliederversammlung am 4. 2. 1975. In dieser Versammlung war man sich darüber einig, dass die CDU, die wie die SPD sieben Sitze erreichte, kein kommunalpolitisches Programm habe und konzeptionslos sei. Die Wahl ergab folgendes Ergebnis in der Reihenfolge der Listenplätze: Kandidaten 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14.

Bickel Dember Luber Forschner Dose Mather Jung Noe Ehle Kungl Fleischhauer Wallace Schwennecker Leib

Stimmen 2693 1380 1724 1879 869 1468 712 991 1218 775 429 592 404 2157

Am 21. Februar 1975 wird die Bergstraßenhalle unter Beteiligung vieler prominenter Politkiker eröffnet.

EINE ZWEITE AMTSZEIT FÜR BÜRGERMEISTER FRITZ KAISER Am 9. 11. 1975 fand die Bürgermeisterwahl statt. Das Ergebnis war ein deutliches Vertrauensvotum in die Arbeit des Amtsinhabers: 1. Kaiser (SPD) 2. Stajkoski (CDU) 3. Deckert (NPD)

71,29% 24,23% 3,19%

Fritz Kaiser war für weitere zwölf Jahre gewählt und damit waren die Weichen für eine kontinuierliche Weiterverfolgung der kommunalpolitischen Ziele von seiten der Verwaltung gewährleistet. Hinsichtlich des Gemeinderates galt es dagegen, sich 1980, 1984, 1989 und 1994 dem Votum der Bürgerschaft zu stellen. Nachdem immer die Hälfte der Mandate errungen werden konnte, war auch hinsichtlich der parlamentarischen Arbeit grundsätzlich gesichert, dass gegen die SPD und ihren Bürgermeister Beschlüsse nicht möglich waren. Dies sollte sich durch die Wahl des CDUBewerbers Hermann Lenz 1995

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ZITAT Ein großer Tag für unseren Ortsverein. Eröffnung des Bürgerbüros im August 1976.

zum Bürgermeister und die Gemeinderatswahl 1999 grundlegend ändern. Jahreshauptversammlung am 18. Februar 1976. Bei der Jahreshauptversammlung des Ortsvereins am 18. Februar 1976 wurden Gerd Dember und sein Stellvertreter Jürgen Schwenneker im Amt bestätigt. Neu in den Vorstand wurde Herbert Bangert gewählt, der fortan als Schriftführer und insbesondere Pressereferent fungieren sollte. Im Juni 1976 erschien nach einer Pause wieder eine Ausgabe von Laudenbach heute und morgen .

ZWEITES SPD-BÜRGERBÜRO WURDE ERÖFFNET Im August gelang es, nach erfolgter Herrichtung unter großem Engagement der Mitglieder an der Ecke Bachstraße/Friedrich-Ebert-Straße im ehemaligen Ausstellungsraum der Schreinerei Friedrich Schäfer

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das neue Ortsvereinsbüro einzuweihen, das für über zwei Jahre zum Zentrum des Ortsvereins werden sollte. Hier wurden die Sitzungen abgehalten, hier wurden Drucksachen erstellt und hier wurden wöchentlich Sprechstunden für die Bürgerschaft abgehalten. Nach Schließung des Büros im Zuge der Umgestaltung des Ortszentrums und konkret durch den Neubau des Sparkassengebäudes musste das Domizil im September 1978 aufgegeben werden. Zwischenzeitlich hatte Jürgen Schwenneker, der dem Ortsverein als 2. Vorsitzender viele Impulse gegeben hatte, nach seinem Studium berufsbedingt Laudenbach verlassen müssen. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde Gunter Nitkowski zu seinem Nachfolger gewählt. Eine effektive Öffentlichkeitsarbeit wurde mit Bürgernähe verknüpft und bei der Eröffnung des Büros konnte Gerd Dember zahlreiche Ehrengäste begrüßen.

Zur Glaubwürdigkeit der Demokratie gehört der Wechsel der Regierungen. Deshalb beklage ich mich nicht, wenn die sozial-liberale Bundesregierung ihre Verantwortung abgeben muss. Was ich jedoch beklage, ist der Mangel an Glaubwürdigkeit dieses Wechsels und dieser Art des Regierungswechsels. Der Stil, die Hektik und Geschäftigkeit, die Hast und Eile, in der unzureichende Grundlagen einer neuen Regierung aufs Papier gebracht worden sind, offenbart eine Geringschätzung der Wähler. HELMUT SCHMIDT

am 01.Oktober 1982 in einer Rede vor dem Deutschen Bundestag kurz vor seinem durch das konstruktive Misstrauensvotum bedingten Rücktritt

DAUERTHEMA KREISSTRASSE Ab Mitte der 70er Jahre zieht sich auch ein Thema durch das Protokoll, das bedauerlicherweise auch jetzt noch nicht erledigt ist: der Bau der Kreisstraße als Entlastung der Ortsdurchfahrt der B 3 westlich der Bahn. Sowohl Fritz Kaiser in Funktion als Ortsoberhaupt und Kreisrat


ZITAT

Glaubwürdigkeit der Institutionen und der handelnden Personen ist eine der unverzichtbaren Voraussetzungen für die Lebensfähigkeit einer demokratischen Gesellschaft und eines demokratischen Staats. Wenn die Bürger nicht an die ehrlichen Absichten der an der Spitze des Staates handelnden Personen glauben können, dann wird es den Bürgern sehr schwer gemacht, überhaupt an die Demokratie zu glauben. Je größer Glaubwürdigkeitslücken, desto geringer die Handlungsfähigkeit von Parlament und Regierung. Aber umgekehrt gilt auch, je klarer die moralische Legitimation einer Regierung, desto größer ihre Fähigkeit, auch in kritischen Situationen die Bürger innerlich für ihre Regierungshandlungen aufzuschließen und zu gewinnen. Ich füge hinzu, in dem Worte Glaubwürdigkeit steckt das gewichtige Wort Würde. Unsere Demokratie braucht Würde. HELMUT SCHMIDT

am 01.Oktober 1982 in einer Rede vor dem Deutschen Bundestag kurz vor seinem durch das konstruktive Misstrauensvotum bedingten Rücktritt

Ortszentrum in Laudenbach mit Rathaus Verwaltungssitz seit 1978 , Feuerwehrhaus und Gedenkstätte wurden 1979 eingeweiht.

als auch Gemeinderatsfraktion machen sich seitdem für den Bau der Straße stark. Als im Juni 1978 der Kreisvorstand der SPD in Laudenbach tagte, nutzte man die Gelegenheit, für diesen Straßenbau zu werben und erhielt die Zusage der Unterstützung, auch im Kreistag. 1979 wurde eine Informationsfahrt nach Straßburg organisiert, die eine sehr gute Resonaz fand und SPD-Ortsverein und AsF organisierten gemeinsam eine Buchausstellung in der neuen Gemeindebücherei.

NACH ZEHN JAHREN WECHSEL IM VORSTAND ROLF JUNG JETZT SPD-VORSITZENDER Am 22. Oktober 1980 nahm Gerd Dember seinen Abschied als Vorsitzender, nachdem er über Jahre in beispielhafter Manier sogar die Doppelbelastung des Vorsitzenden und Fraktionssprechers auf sich genommen hatte. Schriftführer Herbert Bangert würdigte die großartige Leistung und die Verdienste Gerd Dembers seit seinem

Eintritt in die Vorstandschaft im Jahre 1964. Bei den Neuwahlen ergab sich dann folgende Zusammensetzung: 1. Vorsitzender: Rolf Jung 2. Vorsitzender: Gerd Dember Schriftführer: Berthold Scheuermann Kassier: Georg Schuhmann Presse: Herbert Bangert Beisitzer: Christel Masseck (AsF) Peter Leitwein (Jugend) Dieter Ehle (AfA) Gunter Nitkowski Ludger Bußhoff Kurt Noe Rolf Jung führte abschließend aus, dass es die vordringliche Aufgabe des Ortsvereins sein müsse, das Erreichte zu bewahren und nach Möglichkeit noch Fortschritte zu erzielen. Er hoffe, so Jung, dass die Neubürger in den Ortsverein finden und ältere Mitglieder, die den Anschluss etwas verloren haben, in die Reihen der Laudenbacher SPD zurückkehren.

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WENDE UND GEGENWENDE Kohls 16-jährige Regierungszeit ist historisch verbunden mit der Deutschen Wiedervereinigung, für die Willy Brandt und Helmut Schmidt wichtige Voraussetzungen schufen. Was Kohl 1982 als geistig-moralische Wende beschrieb, kam kurz nach seiner Abwahl zum Vorschein: Machterhalt um jeden Preis, beglichen in schwarzen Koffern, eingezahlt auf schwarze Konten. 1998 wurde Gerhard Schröder zum Bundeskanzler gewählt. Er griff unmittelbar die überfälligen Reformvorhaben und den Abbau der Staatsverschuldung und der Arbeitslosigkeit an und wurde 2000 zum Weltstaatsmann gekürt. In Laudenbach dauerte die sozialdemokratische Verantwortung mit Bürgermeister Fritz Kaiser bis 1995. Als er auf eine Wiederwahl verzichtete, wurde Hermann Lenz zum Bürgermeister gewählt. Damit verfügte die CDU über eine Mehrheit im Gemeinderat, die sie 1999 ganz wesentlich ausbauen konnte.

DIETER EHLE ÜBERNIMMT DIE FÜHRUNG DES ORTSVEREINS

ZITAT

Ein Wechsel der Organisation der Ortsvereinsführung wurde dann im Jahre 1983 erneut voll-

zogen, Rolf Jung verzichtete auf eine weitere Kandidatur für das Amt des ersten Vorsitzenden und Gemeinderat Dieter Ehle übernahm den Vorsitz. Ihm zur Seite wurden drei Stellvertreter mit fest umrissenem Aufgaben-

gebiet gestellt, was sich seit dieser Zeit uneingeschränkt bewährt hat. Die Wahl des Ortsvereinsvorstandes in der Jahreshauptversammlung am 14. Juni 1983 brachte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender: Dieter Ehle stellvertr. Vorsitzende: Herbert Bangert, Gerd Dember, Christel Masseck; Schriftführer: Peter Leitwein; stellvertr. Schriftführer: Karl-Heinz Diedrich; Kassierer: Friedhelm Stiller; Beisitzer: Ludger Bußhoff, Gunter Nitkowski, Hans Leib, Georg Schuhmann, Norbert Luber; Vertreter der AG Jugend: Berthold Scheuermann.

Dies ist der von mir erbetene Abschied aus einem hohen Ehrenamt. Doch sei hier bestätigt: Wann immer mein Rat und meine guten Dienste gebraucht werden, ich werde der deutschen Politik und der deutschen Sozialdemokratie selbstverständlich zur Verfügung stehen. Wir bleiben miteinander im Dienst in der Pflicht, hätte ich gesagt, wenn dieses Wort nicht so oft so schrecklich entwertet worden wäre. Also sage ich: Ich bleibe in der liebgewonnenen Arbeit an dem, was wir auf uns genommen haben aus Überzeugung, durch Erfahrung und im Zurückdrängen von Egoismus zugunsten dessen, was auch den anderen bekommt.

ZITAT

WILLY BRANDT in seiner Abschiedsrede gehalten am 14.Juni 1987 auf dem außerordentlichen Parteitag der SPD in Bonn

Und ich hoffe, die Schubladen sind nicht leer, was das Geistige angeht, ich hoffe auch, die Kassen sind nicht allzu leer und ich hoffe, die Terminkalender lassen Raum für das, was jetzt sein muss. Die Bereitschaft, nicht zum erhobenen Zeigefinger, sondern zur Solidarität, zum Ausgleich, zum neuen Beginn, wird auf die eigentliche Probe gestellt. Es gilt jetzt, neu zusammenzurücken. Den Kopf klar zu behalten und das so gut wie möglich zu tun, was unseren deutschen Interessen ebenso entspricht wie unserer Pflicht gegenüber unserem europäischen Kontinent. WILLY BRANDT am 10.November 1989 in einer Rede auf der Kundgebung vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin

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ZITAT

Es geht nicht darum, Vergangenheit zu bewältigen. Das kann man gar nicht. Sie läßt sich ja nicht nachträglich ändern oder ungeschehen machen. Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren. Das jüdische Volk erinnert sich und wird sich immer erinnern. Wir suchen als Menschen Versöhnung. Gerade deshalb müssen wir verstehen, dass es Versöhnung ohne Erinnerung gar nicht geben kann. RICHARD VON WEIZSÄCKER

am 8.Mai 1985 in einer Rede bei einer Gedenkstunde des Deutschen Bundestages zum Thema Vierzig Jahre danach

BISTRO ROUGE ZUR KERWE Zur Kerwe 1983 wurde erstmals ein Bistro Rouge bewirtschaftet. Ende der 80er Jahre stieg man nach einigen Jahren der Abstinenz wieder in das Kerwegeschehen ein, nachdem man mit dem von Fritz Beck geschaffenen Häuschen, das insbesondere zur Verwendung beim

Seit vielen Jahren beteiligt sich die SPD an der wiederbelebten Laudenbacher Froschkerwe.

Weihnachtsmarkt gebaut worden war, über einen idealen Verkaufsstand verfügte und Hans Leib in großzügiger Weise seine Hofeinfahrt in der Mittelstraße zur Verfügung stellte. Im November 1983 entdeckten die Genossen im Zuge einer Grenzbegehung am Buß- und Bettag im Westen der Gemarkung an der Grenze zu Heppenheim die dort geschaffene neue Startbahn des Aero-Clubs Heppenheim, deren Bausubstanz eine erhebliche Auswirkung des Flugbetriebs befürchten ließ. Dass dies in der Folge nicht geschah, ist sicherlich auch dem engagierten Entgegentreten der Laudenbacher Sozialdemokraten zu verdanken, die sofort entsprechende Initiativen starteten.

ERSTES HERINGSESSEN / ERSTE REISE Zwei wesentliche Veranstaltungen liefen im Jahr 1984 an. Beide sollten an die Stelle der ins-

besondere in den 70er Jahren beliebten Frühlingsfeste treten. Die AsF veranstaltete zum Aschermittwoch erstmals ein Heringsessen, das in späteren Jahren noch durch ein Rahmenprogramm bereichert werden sollte, und der Ortsverein begann seine Reiseaktivitäten mit einer Tagesfahrt nach Stuttgart. Das Jahr 1985 stand im Zeichen der Gemeinderatswahlen. Gewählt wurden Gerd Dember, Dieter Ehle, Dieter Forschner, Hans Leib, Peter Leitwein, Karin Luber, Christel Masseck, Fritz Mather und Kurt Noe. Zwei Jahre später bestimmte die Bürgermeisterwahl, die eine weitere Bestätigung des Amtsinhabers Fritz Kaiser brachte, und die Bundestagswahl, die zweite nach der sogenannten Wende , das Ortsvereinsgeschehen. Hatte man vier Jahre zuvor mit Uwe Kleefoot einen fast aussichtslosen Wahlkampf geführt, galt nunmehr die Unterstützung der Mannheimerin Dr. Konstan-

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ZITAT Streit gab es mit der Firma Detia wegen der Errichtung einer Begasungsanlage.

ze Wegner, die sehr frühzeitig die Sympathien und die Unterstützung des Ortsvereins gewann. Sie zog als Nachrückerin 1988 in den Bundestag ein. Seit Januar 1988 beschäftigte den Ortsverein die örtliche Firma Detia in besonderem Maße. War es zunächst die Erstellung der Abluftanlage, so war es später der Wunsch der Firma, ihre Aktivitäten erheblich zu erweitern und neben der Produktion von Begasungsmitteln diese hier am Ort auch anzuwenden.

FÜHRUNGSWECHSEL HERBERT BANGERT WIRD VORSITZENDER DES SPD-ORTSVEREINS In der Jahreshauptversammlung vom 8. März 1989 wechselten Dieter Ehle und Herbert Bangert ihre Posten in der Ortsvereinsführung. Nachdem Herbert Bangert im Ortsverein die Funktion des Schriftführers, Pressewarts und stellvertretenden Vorsitzenden begleitet hatte und er bereits in diesen Äm-

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tern Akzente setzen konnte, übernahm er den Ortsverein gewissermaßen im fliegenden Start . Mit einem bewährten Vorstandsteam gelang es ihm, den Ortsverein kontinuierlich nach vorne zu bringen und ihm weit über Laudenbach hinaus Reputation zu verschaffen. Hierbei konnte er auch auf sein berufliches Umfeld bauen: 1989 holte ihn Mannheims Oberbürgermeister Gerhard Widder in seinen Beraterstab und seit 1993 ist er als Persönlicher Referent Widders engster Mitarbeiter. Politische Entscheidungsprozesse und Überzeugungsarbeit zu gestalten, Menschen zur Mitarbeit zu gewinnen, Konflikte nicht zu scheuen, sie aber wenn notwendig auch konsequent auszutragen, dies zeichneten die sechs Jahre seiner Amtszeit aus und ohne Zweifel sollte in der ersten Hälfte der 90er Jahre vieles bewegt werden, sollte der Ortsverein einen steilen Aufstieg erleben. Kurz nach Amtsantritt wurden im Ort zunächst die Europawahlen gewonnen (36,3% SPD, 35,1% CDU).

»Wir sind das Volk« mit diesen vier einfachen und großen Worten wurde ein ganzes System erschüttert und zu Fall gebracht. In diesen Worten verkörperte sich der Wille der Menschen, das Gemeinwesen, die res publica, selbst in die Hand zu nehmen. So wurde die friedliche Revolution in Deutschland wahrhaft republikanisch. Dass sie nach beinahe sechzig Jahren bitterer Unterdrückung erfolgte, macht sie nur um so erstaunlicher und glaubwürdiger. Demokraten hatten sich zusammengefunden mit dem Ziel der Freiheit und der Solidarität, beides in einem ein Auftrag für uns alle. RICHARD VON WEIZSÄCKER

am 3.Oktober 1990 in einer Rede beim Staatsakt in der Philharmonie zu Berlin

Dies war Motivation für die anstehenden Gemeinderatswahlen, bei denen es erneut eine Pattsituation gab. Für die SPD zogen Gerd Dember, Dieter Ehle, Dieter Forschner, Armin Kast, Hans Leib, Peter Leitwein, Karin Luber, Christel Masseck und Kurt Noe in das Gemeindeparlament ein.


ZITAT

Es wird jetzt viel davon abhängen, ob wir uns wir Deutsche, hüben und drüben der geschichtlichen Situation gewachsen erweisen. Das Zusammenrücken der Deutschen, darum geht es. Das Zusammenrücken der Deutschen verwirklicht sich anders, als es die meisten erwartet haben. Und keiner sollte jetzt so tun, als wüßte er ganz genau, in welcher konkreten Form die Menschen in den beiden Staaten in ein neues Verhältnis zueinander geraten werden. Dass sie in ein anderes Verhältnis zueinander geraten, dass sie in Freiheit zusammenfinden und sich entfalten können, darauf kommt es an.

Die Kirche in Straußfurt: Hier wurde im Jahre 1990 der dortige SPDOrtsverein gegründet.

DIE WENDE WIR HELFEN IN STRAUSSFURT/THÜR. Einen Schwerpunkt der Ortsvereinsarbeit nahm nach dem Fall der innerdeutschen Mauer die Unterstützung der Parteifreunde im thüringischen Straußfurt ein.

Mit einer gezielten Hilfe zur Selbsthilfe bemühte man sich, den dortigen Ortsverein bei seiner Aufbauarbeit zu unterstützen. Einen Höhepunkt innerhalb der Beziehungen der Ortsvereine bildete 1991 die Übergabe mehrerer hundert Bücher.

WILLY BRANDT

ZITAT

am 10.November 1989 in einer Rede auf der Kundgebung vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin

Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört WILLY BRANDT

am 10.November 1989 in einer Rede auf einer Kundgebung vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin

Übergabe eines Fotoalbums an den dortigen SPD-Ortsverein mit Bildern der Aktion Hilfe zur Selbsthilfe .

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DIE LETZTEN ZEHN JAHRE AUFSCHWUNG UND KONTINUITÄT Selbstverständlich war das Jahr 1991 ganz besonders vom 90jährigen Bestehen geprägt. Für

die örtlichen Kinder wurde von der AsF im August eine Fahrradrallye organisiert, in deren

Zum 90-jährigen Jubiläum wird Bürgermeister Fritz Kaiser das erste Exemplar der Jubiläumsbroschüre Laudenbach heute und morgen überreicht.

Das 100. Mitglied bekommt sein Parteibuch überreicht.

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Anschluss zu einem Grillfest im Garten von Werner Zöller eingeladen wurde, wo alle Teilnehmer Erinnerungsmedaillen erhielten. Erstmals wurde in einer Chronik die Geschichte des Ortsvereins zusammengefasst. Die erste Ausgabe der Schrift, die in der Bürgerschaft eine sehr gute Resonanz fand, wurde im Rahmen einer Präsentation Ende September Bürgermeister Fritz Kaiser übergeben. Weiter traf man sich am Totensonntag zu einer Ehrung der verstorbenen und gefallenen Mitglieder auf dem Friedhof und man war Ende November Gastgeber eines Kreisparteitages, in dessen Rahmen sich der Ortsverein mit einer kleinen Ausstellung präsentierte und bei dem auch der Landesvorsitzende Uli Maurer sprach.

STARKER MITGLIEDERZUWACHS Die erste Hälfte der 90er Jahre war in besonderer Weise geprägt von einem starken Mitgliederzuwachs. Beim Heringsessen 1992 konnte mit Bernd Hauptfleisch, der später als Kassierer und Gemeinderat wichtige Funktionen einnehmen sollte, das 100. Mitglied begrüßt werden. Weiter stand 1992 ein Besuch des Klärwerks des Abwasserverbandes auf dem Programm und man befasste sich mit der Pflegeversicherung. Weiter fuhr man zur Landesgartenschau nach Pforzheim, wo man von Oberbürgermeister Dr. Joachim Becker empfangen wurde. Im Rahmen einer Rundreise durch die neuen Länder wurde auch der Kontakt zu den Parteifreunden in Straußfurt intensiviert.


ZITAT

127 Jahre hat diese deutsche Sozialdemokratie jetzt auf dem Buckel, wenn man zurückgeht bis zum Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, der in Leipzig aus der Taufe gehoben wurde. Wem sagte ich Neues, wenn ich daran erinnerte, dass in diesen mehr als hundert Jahren Höhen und Tiefen, Erwartungen und Enttäuschungen nahe beieinander lagen! Auch Bewährung und Versagen. Und doch, guten Gewissens darf ich noch einmal sagen: Krieg und Diktatur haben die Sozialdemokraten nie über das deutsche Volk gebracht. ... Ich sage voller Selbstvertrauen, wir Sozialdemokraten haben wahrhaftig einiges erreicht, um Unrecht abzubauen, Freiheitsrechte erfahrbar zu machen, soziale Sicherheit in weiten Bereichen verwirklichen zu helfen.

zuführen. Er brachte Kirchen, Vereine und die örtliche CDU an einen Tisch und man plante einen ökumenischen Gottesdienst, der hervorragend besucht war, und nach der Lichterkette sprach Bürgermeister Fritz Kaiser gewissermaßen auf einer Abschlusskundgebung. Ein weiterer programmatischer Schwerpunkt war die Abfallwirtschaft. 1993 wurde die Kompostieranlage in Weinheim, das Kompostwerk in Heidelberg und

das Müllheizkraftwerk in Mannheim besichtigt. Bei der Urwahl des Parteivorsitzenden setzte sich im Ort Rudolf Scharping mit 54,7 % vor Heidemarie Wieczorek-Zeul und Gerhard Schröder durch. Gewissermaßen in Kontinuität der Lichterkette organisierte der Ortsverein in Kooperation mit dem örtlichen Kunstkreis eine Ausstellung Kultur gegen Gewalt sowie einen Vortrag Gewalt in der Kunst . Ein heftiger kommunalpolitischer Streit entstand um die Begasungsanlagen der Firma Detia. Über Monate beherrschte dieses Thema die gemeinderätlichen Debatten.

BETEILIGUNG AM BUNDESPARTEITAG Einer der Höhepunkte stand im November auf dem Programm, als sich der Ortsverein, wohl zum ersten Mal in seiner Geschichte, im Rahmen eines Bundesparteitages präsentierte. Unter Federführung von Gerd Dember, Bodo Ermler und Gis Stockmann hatte man eine Ausstellung vorbereitet, die unter dem

WILLY BRANDT

beim Parteitag in Berlin am 27. September 1990

LICHTERKETTE GEGEN RECHTE GEWALT Als sich im Winter 1992/93 immer mehr rechte Gewalt gegen Ausländer und deren Unterkünfte richtete, ergriff der Ortsvereinsvorsitzende Herbert Bangert die Initiative, auch in Laudenbach eine Lichterkette gegen Hass und Gewalt durch-

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Zu den Abbildungen: Oben: Auszüge aus der Rede von Hans-Jochen Vogel. Unten links: Christel Masseck mit dem Bundesvorsitzenden Rudolf Scharping. Unten rechts: Gerd Dember und Werner Zöller im Gespräch mit dem Kuratoriumsvorsitzenden Hans-Jochen Vogel. Zu nebenstehendem Schreiben: Ich beglückwünsche Euch zu Eurem Info-Stand, Eurer Öffentlichkeitsarbeit und auch zu Eurem Papst-Besuch. Das hilft, Mißverständnisse und Vorurteile zwischen SPD und Kath. Kirche abzubauen. Euer Robert Andretter, MdB Mitglied des Zentralkommites der Deutschen Katholiken

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ZITAT

Mitgetan zu haben, dass der deutsche Name, der Begriff des Friedens und die Aussicht auf europäische Freiheit zusammen gedacht werden, ist die eigentliche Genugtuung meines Lebens. WILLY BRANDT

in seinen Erinnerungen

Motto Lebendiger Ortsverein die Reiseaktivitäten zeigte und der Stand fand sowohl handwerklich wie auch thematisch vielfache Anerkennung. Jochen Vogel, der Vorsitzende des Kuratoriums um den WilhelmDröscher-Preis , würdigte in seiner Ansprache diese Arbeit ganz ausdrücklich. Am Stand fand sich die gesamte bundespolitische Führung ein und man erhielt viel Lob (siehe nebenstehende Seite 82). Als 1994 der Tag der Ortsvereine im Vorfeld der Europawahlen stattfand, zeigte man diese Ausstellung der interessierten Laudenbacher Bürgerschaft im KroneSaal. Bereits zum Bundesparteitag in Wiesbaden hatte man eine Busreise organisiert, um sowohl die laufende Debatte wie auch die Ausstellung zu besuchen. Als Gerd Dember 1994 im Mai seinen 60. Geburtstag feierte, wurde diese stilvolle Veranstaltung zu einem Beweis seiner großartigen Verdienste um Partei und Ortsverein über Jahrzehnte. Im Rahmen des Kommunalwahlkampfes organisierte man eine Bürgerumfrage und eine Veranstaltung zum Thema Sicherheit , das bei der

1200 Jahre Laudenbach: Mitwirkung beim historischen Festzug. Ausrufung der Weimarer Republik und Frauenwahlrecht .

Umfrage als eines der Hauptanliegen benannt wurde. Bei den Gemeinderatswahlen konnte dann letztmals der Gleichstand der Sitze erreicht werden. Zwar lag die CDU nach Stimmen vorn, eine Verschiebung der politischen Gewichte konnte aber mit einem guten, konzeptionell überzeugenden Wahlkampf verhindert werden. Die SPD-Sitze nahmen Gerd Dember, Bernd Hauptfleisch, Armin Kast, Hans Leib, Peter Leitwein, Karin Luber, Christel Masseck, Dr. Klaus-Jürgen Pittner und Ulla Römer ein.

Gründungsszene 1901 sowie die Weimarer Republik mit Matrosenaufstand, Ausrufung der Republik mit einem Originalton von Philipp Scheidemann und das Ende durch die Machtergreifung der Nazis dar. Im Rahmen eines Neujahrsempfanges kündigte Fritz Kaiser an, bei den anstehenden Bürgermeisterneuwahlen nicht mehr zu kandidieren. Damit wurden im Ortsverein intensive Gespräche

ENDE EINER ÄRA FRITZ KAISER KÜNDIGT VERZICHT AUF WEITERE KANDIDATUR AN Das Jahr 1995 war in der Gemeinde ganz besonders geprägt durch die 1200-Jahrfeier, in die sich der Ortsverein insbesondere bei der Mitwirkung beim historischen Festzug mit einbrachte. Seinerzeit stellte man die

Fritz Kaiser Bürgermeister von 1968 bis 1996.

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ZITAT 1200 Jahre Laudenbach: Die SPD stellte die Gründungsszene im Gasthaus Zum Einhorn von 1901 dar.

und Diskussionen um einen Kandidaten/eine Kandidatin entfacht. Sollte man eine örtliche Lösung wählen oder einen Kandidaten/eine Kandidatin von außerhalb zu gewinnen versuchen. Während sich Vorstand und Fraktion mit deutlicher Mehrheit für letztere Alternative sowohl bei der Weichenstellung wie auch bei der späteren Abstimmung aussprachen, war die Mehrheit der Mitglieder anderer Auffassung und sprach sich für eine Unterstützung des örtlichen Hauptamtsleiters Karlheinz Bangert aus. Herbert Bangert, der bereits im Frühjahr einen Postentausch mit Armin Kast vornahm, und der vom Vorstand wegen seiner vielfältigen Kontakte mit der Kandidatensuche beauftragt war und in dieser Auseinandersetzung eine überaus schwierige persönliche und familiäre Situation durchstehen musste, trat in der Folge auch als stellvertretender Vorsitzender zurück. Ihm folgte mit Gerd Dember ein weiterer stell-

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vertretender Vorsitzender und sicherlich war die damalige Situation die durchaus ein Stück Zerreißprobe war für den neuen Vorsitzenden Armin Kast überaus schwierig, zumal sie Wunden hinterließ, die nur schwer heilten.

ARMIN KAST NEUER VORSITZENDER DER SPD Kast hatte wenige Monate zuvor von Herbert Bangert einen prosperierenden, sich weithin großer Anerkennung erfreuenden Ortsverein übernommen. Bei der damaligen Mitgliederversammlung wurden gewählt: Vorsitzender: Armin Kast, Stellvertr. Vorsitzende: Herbert Bangert, Gerd Dember, Christel Masseck; Kassierer: Bernd Hauptfleisch; Stellvertr. Kassierer: Friedhelm Stiller;

Nicht wissen zu wollen, bedeutete für viele, sich dem qualvollen Gefühl der Mitschuld zu entziehen. Manche schämten sich auch. Andere hatten Angst vor der Rache, die über sie und ihr Volk kommen mochte. Indessen ist die Fähigkeit des Menschen, sich blind zu stellen, nahezu unbemessen. Das ist eine der wesentlichen Einsichten, die meine Generation aus der Erfahrung von Nazismus und auf andere Weise: auch Stalinismus davontrug. WILLY BRANDT

in seinem Buch Links und frei

Schriftführerin: Ingrid Neuthinger; Stellvertr. Schriftführer: Steffen Noe; Beisitzer: Maria Dose, Peter Fesenberg, Dietmar Heekerens, Karin Luber, Werner Zöller; Arbeitsgemeinschaften: Helma Ermler (AsF), Norbert Luber (AfA), Martin Fischer (Jusos). In Bangerts sechsjähriger Amtszeit wurde die Mitgliederzahl von rund 80 auf über 120 erhöht und auch die Kassenlage deutlich verbessert. Die neue Situa-


ZITAT

Ich halte es für eine Eitelkeit von Politikern, wenn sie danach streben, etwas zustande zu bringen, was ein Jahrhundert überdauert. Eine Eitelkeit, die ich nicht sonderlich schätze. Mir kam es, als ich in der Politik aktiv war, mehr darauf an, im Augenblick des Handelns und für morgen und übermorgen für Frieden und Wohlfahrt aller zu sorgen in meinem Land, im Nachbarland und in Europa. Ich stimme zu, wir haben einige Dinge zustande gebracht, und wenn wir nicht Nachfolger bekommen sollten, die das alles wieder zunichte machen, dann wird das sogar auch bleiben. Aber ich habe nie nach einem Blatt im Buch der Geschichte gestrebt. ...Es kommt nicht darauf an, in der Geschichte später eine wichtige Figur zu sein, sondern heute und hier und für morgen meine Pflicht anständig zu erfüllen. HELMUT SCHMIDT

am 10.September 1997

tion bedingte nunmehr, dass Kast zunächst um ruhige Fahrwasser, um Kontinuität und Harmonie bemüht sein musste. Unter seiner Führung wurde mit Stammtischen eine neue Veranstaltungsform gesucht. Lei-

Spontan fanden sich Teilnehmer am Internationalen Kulturfest zum Tanz auf der Bühne im Evangelischen Gemeindezentrum zusammen.

der konnte auch diese offene Veranstaltungsform keine neuen Interessenten an Partei und Kommunalpolitik heranführen.

CDU-BEWERBER HERMANN LENZ WIRD BÜRGERMEISTER Bei der Bürgermeisterwahl endete dann die sozialdemokratische Vorherrschaft in der Kommunalpolitik. Der CDU-Bewerber Hermann Lenz wurde mit letztlich deutlicher Mehrheit gewählt, die SPD sah sich nach nahezu 30 Jahren wieder in der Rolle der Minderheit, zumal Lenz weitaus stärker um parteipolitische Unterstützung wirbt als sein Vorgänger, der sich um breite Mehrheiten und Konsens bemühte.

NEUWAHLEN IM ORTSVEREIN: ARMIN KAST BESTÄTIGT Die Situation des Ortsvereins nach der Bürgermeisterwahl veranlasste die Verantwortlichen, der Hauptversammlung

vorzuschlagen, 1996 den gesamten Vorstand mit folgendem Ergebnis neu zu wählen: Vorsitzender: Armin Kast; Stellvertr. Vorsitzende: Dietmar Heekerens, Christel Masseck, Steffen Noe; Kassierer: Bernd Hauptfleisch; Stellvertr. Kassierer: Thomas Bangert; Schriftführerin: Ingrid Neuthinger; Stellvertr. Schriftführer: Heinz-Peter Fesenberg; Beisitzer: Sylvia Hack, Karin Luber, Patrick Süß, Edith Stockmann, Werner Zöller; Arbeitsgemeinschaften: Helma Ermler (AsF), Norbert Luber (AfA), Martin Fischer (Jusos). Ein besonderer Höhepunkt der Ortsvereinsaktivitäten war 1997 das von Giselher Stockmann or-

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ZITAT ganisierte internationale Fest im evangelischen Gemeindezentrum, das bei Mitwirkenden wie Gästen gleichermaßen beeindruckte. Bei der Jahreshauptversammlung gab es einige personelle Veränderungen. Edith Stockmann wurde stellvertretende Vorsitzende, Cornelia Görns und Rolf Jung rückten als Beisitzer in den Vorstand, für die AfA übernahm Sylvia Hack die Verantwortung. Bei der Jahresabschlussfeier stand dann eine besondere Ehrung im Mittelpunkt: Gerd Dember erhielt für seinen langjährigen vorbildlichen Einsatz die Willy-Brandt-Medaille.

Als sich 1998 zum 150. Mal die Geschehnisse der badischen Revolution jährten, machte der Ortsverein dieses Jubiläum zum Schwerpunkt seiner Veranstaltungen. So wurde eine Karikaturenausstellung im Mannheimer Reiss-Museum, die Landesausstellung in Karlsruhe und das

1998 IM ZEICHEN VON BADISCHER REVOLUTION UND REGIERUNGSWECHSEL

GERHARD SCHRÖDER

am 10. November 1998 in seiner Regierungserklärung vor dem Deutschen Bundestag

Hambacher Schloss besucht, man beleuchtete die Rolle der Frauen in der Revolution, war Start einer überörtlichen Revolutions-Radtour, wobei Herbert Bangert das örtliche Revolutionsgeschehen ausführte, und als Höhepunkt brachte man die Aufführung des Chawwerusch-

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Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland haben die Wählerinnen und Wähler durch ihr unmittelbares Votum einen Regierungswechsel herbeigeführt. Sie haben Sozialdemokraten und Bündnis 90 / Die Grünen beauftragt, Deutschland in das nächste Jahrtausend zu führen. Dieser Wechsel ist Ausdruck demokratischer Normalität und Ausdruck eines gewachsenen demokratischen Selbstbewusstseins. Ich denke, meine sehr verehrten Damen und Herren, wir können alle stolz darauf sein, dass die Menschen in Deutschland rechtsradikalen und fremdenfeindlichen Tendenzen eine deutliche Abfuhr erteilt haben.

Theaters mit dem Revolutionsstück Trotz alledem nach Laudenbach. In dankenswerter Weise fand man bei der katholischen Pfarrgemeinde mit ihren Räumlichkeiten für diese Veranstaltung ideale Bedingungen und eine großartige Unterstützung.


Aktion beim Bundestagswahlkampf: Löcher im sozialen Netz der Bundesrepublik .

SIEG BEI DER BUNDESTAGSWAHL

ZITAT

Neben der Vergangenheit galt das Augenmerk aber auch der Zukunft. Mit einem sehr engagierten und ideenreichen Wahlkampf gelang es, in der Bundesrepublik die Ära der sozialen Kälte mit dem Schwarzkassen-

verwalter Helmut Kohl zu beenden und Gerhard Schröder zum neuen Bundeskanzler zu wählen. Erfreulich war es für den Ortsverein ganz besonders, dass seine großen Anstrengungen belohnt wurden, indem es zum zweiten Mal gelang, die CDU zu schlagen und damit zum Wahlsieg beizutragen. Im Ort trugen

im Wahljahr im Vorstand die Verantwortung: 1. Vorsitzender: Armin Kast; Stellvertretende Vorsitzende: Thomas Bangert, Christel Masseck, Edith Stockmann;

Vor uns liegen gewaltige Aufgaben. Die Menschen erwarten, dass eine bessere Politik für Deutschland gemacht wird. Wir wissen: Ökonomische Leistungsfähigkeit ist der Anfang von allem. Wir müssen Staat und Wirtschaft modernisieren, soziale Gerechtigkeit wiederherstellen und sie sichern, das europäische Haus wirtschaftlich, sozial und politisch so ausbauen, dass die gemeinsame Währung ein Erfolg werden kann. GERHARD SCHRÖDER

am 10. November 1998 in seiner Regierungserklärung vor dem Deutschen Bundestag

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Kassierer: Bernd Hauptfleisch Stellvertretende Kassiererin: Cornelia Görns; Schriftführerin: Ingrid Neuthinger; Stellvertretender Schriftführer: Heinz-Peter Fesenberg; Beisitzer: Egbert Biegler, Rolf Jung, Steffen Noe, Patrick Süß, Werner Zöller; Arbeitsgemeinschaften: Helma Ermler (AsF), Sylvia Hack (AfA), Martin Fischer (Juso).

1999 KOMMUNALPOLITISCHER EINBRUCH Das Jahr 1999 stand neben den üblichen Veranstaltungen mit dem neuerlichen Höhepunkt eines internationalen Festes dieses Mal im Zelt und auf dem Platz hinter der Turnhalle der Turngemeinde und erneut von Gis Stockmann erfolgreich organisiert im Zeichen des Kommunalwahlkampfes. Leider hatte die neue Bundesregierung in Bonn gewisse Akzeptanzanlaufschwierigkeiten, weil sie aufgrund des übernommenen Finanzdesasters zahlreiche unpopuläre Entscheidungen einleiten musste. In dieser negativen Stimmungslage ging man an die Urnen und bescherte der CDU eine kapitale 11 : 7-Mehrheit im Gemeinderat, für den die verdienten Ratsmitglieder Hans Leib und Peter Leitwein nicht mehr kandidiert hatten. Die SPD wird seitdem von Dieter Ehle, Bernd Hauptfleisch, Armin Kast, Karin Luber, Christel

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Masseck, Dr. Klaus-Jürgen Pittner und Ulla Römer kommunalpolitisch repräsentiert. Wenige Wochen später kam der schwarze Spendensumpf an den Tag und sicherlich hätten viele überlegt, ob man einer Partei, die Stimmungen und Stimmen mit Schwarzgeld erkauft hat, das Vertrauen schenkt. Die Wählerschaft hatte aber aus sozialdemokratischer Sicht bedauerlicherweise wenige Wochen zuvor entschieden und die gute kommunalpolitische Arbeit der SPD am Ort leider nicht ausreichend belohnt. Dies gilt in besonderem Maße für Gerd Dember, der nicht die erforderliche Stimmenzahl erhielt, wenngleich er viele Jahre wichtige Akzente im Gemeinderat und in der Kommunalpolitik insgesamt setzte.

IM VORFELD DES JUBILÄUMS Im Jahr 2000 gelang zunächst der AsF ein kulturelles Highlight. Zum Internationalen Frauentag begeisterte Liedermacherin Joana im vollbesetzten evangelischen Gemeindezentrum. Bei der Jahreshauptversammlung wurde die Vorstandschaft weitgehend bestätigt. Es wurden gewählt als Vorsitzender Armin Kast, als stellvertretende Vorsitzende Edith Stockmann, Christel Masseck und Thomas Bangert, als Schriftführerin Ingrid Neuthinger, als zweiter Schriftführer Heinz-Peter Fesenberg, als Kassiererin Cornelia Görns, als zweiter Kassierer Bernd Hauptfleisch und als Beisitzer Heidrun Hess, Gerd Dember, Rolf Jung, Gis Stockmann und Monika Bacher.

BESUCH DER WELTAUSSTELLUNG Zu einem großartigen Erfolg wurde die Ortsvereinsexkursion zur Weltausstellung EXPO in Hannover. Im zweiten Halbjahr beschäftigte die Verantwortlichen ganz besonders die Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen, zu dem man Generalsekretär Franz Müntefering als Schirmherr gewinnen konnte. Im Oktober lud die Fraktion die Funktionsträger in Ortsverein und gemeinderätlichen Ausschüssen zu einer Fahrt zum Hambacher Schloß ein und Herbert Bangert leitete seine insgesamt 16. Reise, in diesem Jahr nach Griechenland, nachdem er Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie Gäste in 15 Jahren nahezu in alle europäischen Länder geführt hatte. Im November feierte dann die rührige AsF ihr 25-jähriges Bestehen. Das 100-jährige Jubiläum des Ortsvereins wird sicherlich zu einer besonderen Herausforderung für die Verantwortlichen und alle Mitglieder. Im Geiste der Solidarität sollte es bewältigbar sein und einen neuen Glanzpunkt und einen Impuls in der 100-jährigen unbefleckten und aufrechten Geschichte der SPD am Ort darstellen.

Mit Ute Vogt als Spitzenkandidatin der SPD in Baden-Württemberg in den Wahlkampf 2001.


SPD UNTERWEGS EINE SCHÖNE SITTE In der Chronik ist nachzulesen, was Schriftführer Otto Botz 1958 ausführte: ... die schöne Sitte, alljährlich einen Ausflug zu unternehmen, sollte unbedingt beibehalten werden . Diese schöne Sitte, zwischenzeitlich zwar unterbrochen, ist seit Jahren wieder fester Bestandteil des Jahreskalenders des Ortsvereins und die mehrtägigen Informationsreisen haben sich nicht nur bei den Genossinnen und Genossen, sondern auch bei uns nahestehenden Bürgerinnen und Bürgern fest etabliert. Man weiß: Jeweils im Herbst wird ein attraktives Ziel angesteuert und plant dies im eigenen Terminkalender fest mit ein, wobei die jeweiligen Ziele und Termine mit großem zeitlichen Vorlauf feststehen und häufig beim Abschluss der einen Reise bereits das Ziel der nächsten bekannt gemacht werden konnte. Warum aber organisiert der Ortsverein solche Reisen? Zu-

nächst ist es die Überzeugung, dass sie hervorragend geeignet sind, Geselligkeit und Freundschaft zu pflegen, Gespräche außerhalb der Alltagsgeschäfte zu führen, Anregungen zu erfahren oder kritische Bemerkungen aufzunehmen und abzuarbeiten. Eine Gruppenreise mit allesamt Bekannten und Freunden bietet ein gemeinsames Erleben, das weder bei einer Individual- noch bei einer frei gebuchten Gruppenreise möglich ist. Es ist weiter das Bestreben, politische Bildungsarbeit in attraktiver Verpackung zu leisten: Alle Reisen sahen bislang nämlich einen politischen Programmteil gewissermaßen als Herzstück des Reiseverlaufs vor. Und schließlich ist es auch die Möglichkeit, zu äußerst günstigen Konditionen europäische Zentren kennenzulernen, wobei die Kooperation mit dem Reiseunternehmen Schumacher (heute Lochbühler), in persona Alois Baus, hervorra-

gend funktioniert und ein Garant des Erfolges sämtlicher Reisen darstellt. Dass diese Aktivitäten 1993 beim Bundesparteitag in Wiesbaden große Anerkennung erfuhren, ist in der Chronik, Seite 77, dargestellt. Die regelmäßige Reiseaktivität reicht zurück in das Jahr 1984, als man bei einer Tagesfahrt die Landeshauptstadt Stuttgart und damit auch den Landtagsabgeordneten Wolfgang Daffinger besuchte. Ein Jahr später fuhr man in das geteilte Berlin, um sich über die besondere Situation und Problematik der Stadt selbst sowie unseres geteilten Landes zu informieren. Ab 1986 sollte dann für drei Jahre die Europapolitik im Mittelpunkt des Interesses stehen. Nachdem man bereits im Jahre 1978 das Europaparlament in Straßburg angesteuert hatte, hieß jetzt das Ziel zunächst Luxemburg, wo man beim Europäischen Gerichtshof zu Gast war. Ein Jahr

1985 Besuch in Berlin. An der Mauer, die unser Land teilte.

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1989 Auf dem Roten Platz in Moskau.

später steuerte man dann erstmals mir zwei Bussen mit Brüssel die eigentliche europapolitische Metropole an und wurde hier durch die sozialistische Fraktion über die Bestre-

1988 In der Partnergemeinde Ivry-la-Bataille.

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bungen um ein näher zusammenrückendes Europa unterrichtet. 1988 stellte man dann die kommunale Außenpolitik in den Mittelpunkt der Reise, als man im Jahr des 25jährigen Bestehens des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages mit rund 100 Personen in die Partnergemeinde Ivry-la-Bataille fuhr und dann in Paris Domizil bezog. Fast auf den Tag genau 50 Jahre nach dem deutschen Überfall auf Polen startete der Ortsverein 1989 dann zu einer Unternehmung, die in der Chronik wohl immer einen herausragenden Stellenwert einnehmen wird: eine vierzehntägige Reise

nach Polen und in die UdSSR sowie Finnland, bei der man sowohl den Krieg einige Reiseteilnehmer hatten den Feldzug miterleben müssen und gaben unterwegs ergreifende Berichte als aber noch mehr die Aussöhnung in Erinnerung brachte und sowohl im Warschauer Ghetto als auch an der KremlMauer in Moskau einen Kranz niederlegte. Weiter war man Gast der bundesdeutschen Botschaft in Moskau, um sich vor Ort ein Bild über die damals unvermindert im Westen noch umstrittene weitsichtige und weise Politik Michail Gorbatschows zu machen. 1990 war der Ortsverein einen Tag in Bonn und dann, betreut von der SPÖ, Gast im roten Wien und im 90. Jubiläumsjahr war die ewi-


Deutschsprachige Gruppen am 30. Oktober

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1991 Teilnehmer werden vom Papst persönlich begrüßt.

ge Stadt Rom das Ziel, wo man zum 90-jährigen Jubiläum von Rerum novarum von der bundesdeutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl empfangen wurde und einer Audienz des Papstes beiwohnen konnte, unabhängig vom Glauben ein einmaliges Erlebnis, zumal der Heilige Vater in seiner deutschen Ansprache uns ganz ausdrücklich begrüßte und vielen von uns persönlich die Hand reichte. 1992 stand dann eine Rundreise durch die neuen Bundesländer von Nord bis Süd an. Hier war auch ein umfangreiches politisches Programm integriert. In Potsdam nahm man an einer Plenarsitzung des brandenburgischen Landtages teil, wo Ministerpräsident Manfred Stolpe die Laudenbacher Delegation winkend begrüßte. Hier fand auch ein Informationsgespräch mit dem SPD-Landesvorsitzenden Steffen Reiche und der damaligen Ministerin für Arbeit,

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Gesundheit, Soziales und Frauen, Dr. Regine Hildebrandt, statt. In Erfurt hatte man ein Informationsgespräch mit dem dortigen Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung, in Buchenwald gedachte man der Opfer des Nazi-Regimes und schließlich weilte man bei den Freunden/innen in Straußfurt, um sich dort einen Einblick zu verschaffen und hierbei bestätigt zu erhalten, dass die angekündigten blühenden Landschaften noch weit entfernt sind. In Erfurt bezog man übrigens Quartier im legendären Erfurter Hof , aus dem Willy Brandt 1970 den Willy-rufenden Landsleuten zuwinkte, ein Bild, das ähnlich wie der Kniefall im Warschauer Ghetto unvergessen bleiben wird. Die zehnte Ortsvereinsreise führte in die Niederlande, wo Herbert Bangert aufgrund seiner familiären Beziehungen ein besonderes Programm bieten

konnte. Zwischen Grachten, Mühlen und Traditionen erlebte man die Zentren Amsterdam und Rotterdam, traditionsreiche Orte wie Volendam, Zaanse Schans oder Gouda, man beleuchtete in der bundesdeutschen Botschaft das besondere Verhältnis zwischen Niederlande und Deutschland und erlebte in Boskoop, frühere Heimat von Margreet Bangert-Vink, beim Empfang auf dem Rathaus und dem geselligen Abend mit den von den Kerwe-Auftritten in Laudenbach bestens bekannten Baggerbeugels besonders herzliche Freundschaft. Bei einer Bootsfahrt lernte man das weltberühmte Baumschulzentrum kennen und am Ende gab es eine blühende Erinnerungsgabe.

1992 Im Landtag von Brandenburg: Regine Hildebrandt empfängt die Reiseteilnehmer.


schleswig-holsteinischen SPD informiert wurde. Weiter stand ein Ausflug nach Jelling in Dänemark auf dem Programm, das als Dänemark s Taufschein berühmt ist, wobei die Monumente in die Liste des Kulturerbes der UNESCO aufgenommen wurden. 1998 bereisten die Genossen dann die Britische Insel mit England, Wales und Schottland. Per Shuttle steuerte man zunächst London an, wo man auch auf eine Reisegruppe des Sing1997 Norddeutschland mit Hamburg und Kiel und Dänemark waren das Reiseziel.

1994 stand dann eine große Skandinavien-Rundfahrt auf dem Programm. Die Hauptstädte Kopenhagen, Stockholm und Oslo, aber auch die OlympiaStadt Lillehammer oder die bedeutende Universitätsstadt Uppsala wurden in Augenschein genommen und in Stockholm wurde ein Informationsgespräch mit Repräsentanten der bundesdeutschen Botschaft geführt. Ein Jahr später machte man das

Reisedutzend voll und besuchte Budapest und Prag, unternahm Ausflüge in das Künstlerstädtchen Szentendre, in die Weite der Puszta und nach Pilsen. Nach einer einjährigen Pause, bedingt durch die Wirren im Ortsverein um die Bürgermeisterkandidatur 1995, war man 1997 zu Gast an der Waterkant mit den Zentren Hamburg und Kiel, wo man im Landtag über die zukunftsweisende Politik der 1994 Skandinavienrundfahrt. Die Olympiastadt Lillehammer.

1998 Empfang im Rathaus der Mannheimer Partnerstadt Swansea.

verein 1870 stieß, als man gemeinsam das Männerchorkonzert der tausend Stimmen in der Royal Albert Hall besuchte. In der Mannheimer Partnerstadt Swansea wurde man über das britische Kommunalsystem unterrichtet und von Oberbürgermeister, Verwaltungschefin und Rat der Stadt empfangen. Man besuchte eine Chorprobe des Partnerchors des Singverein 1870 in Llanelli, durchkreuzte

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den Lake District und das schottische Hochland und lernte zum Ende Edinburgh und York kennen. Frankreich, Spanien und Portugal wurden 1999 angesteuert, als man insgesamt 5.200 km zurücklegte die weiteste Route im gesamten Verlauf der Reiseaktivitäten und unter anderem Orange, Barcelona, Saragossa, Madrid, Lissabon, Salamanca, Biarritz, Orléans und Troyes kennen lernte und in Madrid ein Informationsgespräch mit dem 1999 Das Wahrzeichen von Lissabon, der Turm von Belem.

Arco am Gardasee, bereits 1991 beim 90-jährigen Jubiläum Reisestation, integriert wurden.

Besuch im Holländischen Pavillon auf der EXPO in Hannover.

Zum 100-jährigen Bestehen wird der Ortsverein in die Bundeshauptstadt Berlin reisen und dort politische Informationen, Touristik und Kultur verbinden. Vorgesehen ist u. a. ein Besuch im Reichstag und im WillyBrandt-Haus, Wirkungsstätte des Schirmherrn des Jubiläums,

Generalsekretär Franz Müntefering. Touristisch werden u. a. der Spreewald, der Oderbruch, Potsdam und Leipzig angesteuert. Bleibt die Hoffnung, dass spätere Chronisten berichten können, dass die schöne Sitte auch über das 100-jährige Jubiläum hinaus beibehalten und das Ortsvereinsgeschehen bereichern wird.

politischen Referenten der bundesdeutschen Botschaft führte. Im Jahr 2000 besuchte man im Juli zunächst bei einer Zweitagesfahrt die Weltausstellung Expo in Hannover und verband dies mit dem Besuch von Goslar. Im Oktober fand dann die letzte Reise in die Staaten der EU statt, die über Ravenna, San Marino und Ancona nach Griechenland führte, wo Athen, die Inseln Aegine, Poros und Hydra, Delphi, Korinth und AltKorinth besucht wurden, ehe in die Rückreise Venedig und

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2000 Athen mit dem Wahrzeichen, der Akropolis.


Wahlplakat aus dem Jahre 1919 anlässlich der Wahl zur Nationalversammlung der Weimarer Reprublik.

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POLITIK VON FRAUEN FÜR FRAUEN 25 JAHRE ASF LAUDENBACH Vor 105 Jahren also fünf Jahre vor Gründung des SPD-Ortsvereins Laudenbach feierte Lily Braun die SPD als ein Heer im Kampf um die Rechte der Frau, das bisher noch in keinem Fall versagt habe, wo immer es darum ging, irgendeinen Vorteil für das weibliche Geschlecht zu erringen. Dennoch gründeten die Frauen in der SPD mit der AsF ihre eigene Organisation Ausdruck ihres wachsenden Bewusstseins, dass in der angestrebten Gleichstellung von Mann und Frau Anspruch und Wirklichkeit immer noch weit auseinander klaffen. Immer wieder meldet sich die AsF mit eigenen Diskussionsbeiträgen zu Wort, ob es nun um Gentechnik oder § 218 geht, ob außenpolitische Fragen zur Debatte stehen oder die Sicherung des sozialen Netzes in der Bundesrepublik. Die Schaffung und der Erhalt einer ökologisch gesunden Umwelt ist ebenso ihr Thema wie die Frauenquote und der Schutz von Menschen vor sexueller und wirtschaftlicher Ausbeutung. Frau in der SPD sein kann und darf nicht heißen, den männlichen Genossen als Gegner der politischen Arbeit zu sehen, sondern, und dafür steht die AsF, als Frau Politik für Frauen zu machen, als Frau die Interessen der Frauen innerhalb und außerhalb der Partei zu vertreten, aus dem Verfassungsgrundsatz der Gleichstellung Verfassungswirklichkeit zu machen. Die Geschichte der AsF Laudenbach, die im vergangenen

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November ihr 25-jähriges Bestehen feierte, reicht in die Anfänge der 70er Jahre zurück, als im Ortsverein eine Frauengruppe bereits in Veranstaltungen frauenspezifische Themen behandelte. Die damalige Gemeinderätin, Ingrid Prinz, sowie Anita

Dember und Margot Schwenneker waren überaus bemüht, dem Ortsverein ein zusätzliches Standbein zu geben und ihn für Frauen attraktiver zu machen. Eine Verstetigung des Angebotes erfolgte dann vor 25 Jahren


tragte, Gewalt gegen Frauen, amnesty international, Pro Familia, Behindertenprobleme, Organspenden, psychische Erkrankungen, Heilpraktiken, Menschenrechte, Hospizarbeit, die Situation der Sinti und Roma, Umweltschutz) ebenso wie über Kommunalpolitik (Verkehrssicherheitsaktion, Spielplatzbegehung u. a.).

In 25 Jahren wurde die AsF von vier engagierten Frauen geführt. Von links nach rechts: Christel Masseck, Ulla Römer, Maria Dose und Helma Ermler.

unter Leitung von Maria Dose, deren Intention es zunächst war, die Partnerinnen der rührigen Genossen zu Gesprächs- und Diskussionsrunden zusammenzuführen. Zu den ersten Treffen hielt Maria Dose, die über viele Jahre mit Tatkraft und weiblichem Selbstverständnis eine große Stütze des Ortsvereins war, einführende Vorträge, über die man dann diskutierte. Nach ihr übernahm Christel Masseck 1980 mit Engagement und neuen Ideen die Leitung der Gruppe, ehe im März 1991 Ulla Römer in die Funktion der Sprecherin der AsF eintrat. Nachdem sie 1994 in den Gemeinderat gewählt worden war, übergab sie ihr Amt an Helma Ermler, die in den letzten Jahren mit Tagesfahrten und kulturellen Veranstaltungen viele neue Akzente setzte. Insgesamt ist das Programm in den 25 Jahren von Kontinuität

geprägt: Aus dem Wissen heraus, wie schwer es ist, die Frauen im Ort für eine politische Partei zu mobilisieren und, wie rar andererseits Veranstaltungsangebote für Frauen sind, war und ist die Gruppe bemüht, Anlaufstelle für alle die Frauen zu sein, die sich über Probleme aussprechen möchten, die Kontakte suchen oder politisch im weitesten Sinne des Wortes arbeiten wollen. Den Treffen liegt jeweils ein Schwerpunkt zu Grunde, der von der Gruppe bestimmt wurde und die Themen, die hier gewählt werden, sind so breit gefächert wie die Interessen der teilnehmenden Frauen: Sie sprechen über Probleme, die Frauen im privaten und öffentlichen Leben bedrängen (Familie und Beruf, Wiedereingliederung von Frauen ins Berufsleben, Gleichheit in Beruf und Gesellschaft, § 218, Frauenhäuser), allgemeinere gesellschaftspolitische Fragen (Frauenbeauf-

Die Gruppe möchte durch die Beschäftigung mit diesen Themen auf Brennpunkte in der Gesellschaft aufmerksam machen und soweit das in ihrer Macht steht Lösungswege aufzeigen und selbst helfend tätig werden. So folgte auf eine Veranstaltung über die Probleme der Asylbewerber eine Aktion, in deren Verlauf Möbel und Elektrogeräte in Wohnungen von Asylbewerbern vermittelt werden konnten. Als im Herbst 1989 sich die Grenzen in Ungarn öffneten und viele Menschen aus der damaligen DDR zu uns kamen, riefen die Frauen der Laudenbacher AsF zu einer Spielzeugaktion auf, in deren Verlauf viele dieser Kinder im Heidelberger Raum mit Spielzeug bedacht werden konnten. Das Engagement der Laudenbacher AsF für die Mapuchensiedlung in Chomio (Chile) ging über mehrere Jahre. Außer Kleidersendungen wurde jeweils der Erlös aus dem Verkaufsstand auf dem Weihnachtsmarkt dorthin überwiesen, um es den Mapuchen zu ermöglichen, Saatgut anzuschaffen und ihre bescheidene Landwirtschaft zu verbessern und weiter zu entwickeln, d. h., die AsF war bestrebt, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Als die Mannheimerin Luitgard Schmitt über die Lebenssituation tschernobylgeschädigter krebskranker Kinder in Chisinau (Moldawien) berichtete, löste sie nicht nur Betroffenheit, sondern eine Reihe

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1991 Zum 90-jährigen Bestehen des Ortsvereins organisierte die AsF eine Fahrradrallye.

von Hilfsaktionen aus, die 1992 beginnend viele Jahre andauerten, wobei man bei den unterschiedlichen Sammelaktionen stets durch die Bürgerschaft hervorragend unterstützt wurde. Besonderes Interesse fand immer wieder eine Jahre andauernde Vortragsreihe, bei der Frauen aus anderen Kulturkreisen über ihre Lebensumstände berichteten. Die Gruppe lädt auch Fachleute ein, um so aus erster Hand unterrichtet zu werden: So berichtete die Mannheimer Frauenbeauftragte mehrfach über ihre Arbeit, Ernährungsberaterinnen referierten über Vollwertkost bzw. Schad- und Zu-

1997 Eine Reise nach Bonn mit einem Besuch im Bundestag und der SPD-Barracke .

satzstoffe in Lebensmitteln sowie die Deklarationspflichten, eine Ärztin und eine Pflegekraft informierten über Suchtgefahren und Mitglieder der Sozialstation Hemsbach über ihre Arbeit. Häufig werden diese Berichte noch durch Besichtigungen ergänzt, z. B. besuchte die Gruppe die Kreispflege in Weinheim, ein privates Pflegeheim oder die Behindertenwerkstatt in Weinheim. Mehrfach beschäftigte man sich mit Frauenliteratur oder Leseangeboten für Mädchen. Man besuchte die Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe in Darmstadt oder die Maya-Ausstellung im Mannheimer Reiss-Museum. Ein anderes Thema, welches die

Gruppe wiederholt beschäftigte, ist die Abfallproblematik: Neben einer von der AsF organisierten Ausstellung zur Müllvermeidung und einem Fachvortrag wurden die Müllsortieranlage des RheinNeckar-Kreises in Sinsheim, die Kompostieranlage in Heidelberg und das Müllheizkraftwerk in Mannheim besichtigt. Als der Ortsverein 1991 das 90jährige Bestehen feierte, trug die AsF mit einer Fahrradrallye mit anschließendem Grillfest für die Laudenbacher Kinder zum Programm bei. Zu Beginn der 90er Jahre war sie mit entsprechenden Begegnungen bemüht, den Kontakt zum Ortsverein in Straußfurt,

AsF beim Weihnachtsmarkt. Das Topfguckerbuch wurde in den Jahren 1993 und 1995 herausgegeben.

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Philippinischer Abend .

der in besonderer Weise frauengeprägt war, zu halten und zu festigen. In den Jahren 1993 und 1995 wartete man jeweils mit einem Topfguckerbuch beim Weihnachtsmarkt auf, in dem Mitbürgerinnen und Mitbürger ihre Lieblingsrezepte kundtaten. 1995 wurde mit vielen Gästen in stilvoller Weise der 20. Geburtstag gefeiert. Großer Beliebtheit erfreuen sich die von Helma Ermler initiierten Tagesfahrten. 1996 wurde Straßburg mit dem Europäischen Parlament, 1997 Bonn mit Bundestag und Barracke , 1998 Saarbrücken mit Landtag, 1999 die europäische Kulturhauptstadt Weimar mit der Gedenkstätte Buchenwald und 2000 das elsässische Colmar angesteuert. Als die AsF einen philippinischen Abend unter Mitwirkung zahlreicher hier lebender Philippininnen organisierte, gab sie eine Initialzündung für zwei darauf folgende große Ausländerfeste , jeweils von Gis Stockmann verantwortlich organisiert und unter tatkräftiger Mithilfe der AsF durchgeführt. Wurde in den letzten Jahren das seit 1984 stattfindende Heringsessen am Aschermittwoch bereits

Zum Internationalen Frauentag mit Joana.

mit einem kulturellen Programm bereichert, so konnten in den letzten beiden Jahren zum Internationalen Frauentag zusätzliche neue Glanzpunkte gesetzt werden. 1999 war es Fifi Brix, im Jahr 2000 Joana, die die zahlreichen Besucherinnen und Besucher begeisterten. Als 1999 vielfach des 250. Geburtstages von Johann Wolfgang von Goethe gedacht wurde, lud die AsF nach der Weimarfahrt zu einem Nachmittag Goethe und die Frauen mit der Mannheimer Theaterpädagogin Helen Heberer ein und auch diese Veranstaltung war überaus gelungen. Im November 2000 feierte man mit vielen Gästen, mit

Kunst, Kultur und Kulinarischem das 25-jährige Bestehen und blickte auf die erfolgreiche Geschichte zurück. Ohne Zweifel ist die AsF mit ihren attraktiven und vielgestaltigen Angeboten ein großer Aktivposten im Ortsverein, den sie bei den großen Veranstaltungen wie Maigrillfest, Kerwe, Weihnachtsmarkt oder Jahresabschlussfeier beispielhaft unterstützt. Sie lebt aus dem Engagement ihrer Sprecherin und der Zusammenarbeit in der Gruppe, und sie hat sich für die Zukunft noch einiges vorgenommen. Man darf sich darauf freuen!

Zum 25-jährigen Jubiläum der AsF gab es ein großes Buffet und ein Ständchen der Social Harmonists .

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GLEICHGÜLTIG, OB MAN MIT STEINEN NACH MIR WIRFT ...

August Bebel exponierte sich früh für die Gleichberechtigung der Frau. Das 1879 erschienene Standardwerk Die Frau und der Sozialismus wurde zu einem Bestseller. Über die Kampfbereitschaft der Frauen um ihre Rechte berichtet auch Lilly Braun in ihren Memoiren einer Sozialistin , die 1909 erschienen. Freilich setzt sich das Verständnis für die politische Emanzipationsbewegung der Frauen um die Jahrhundertwende auch in der Partei nur allmählich durch. Vielfach beharren Männer auf den alten Traditionen, und auch viele Frauen betrachten das neue Engagement anfangs mit Misstrauen.

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SPD-Gemeinderatsfraktion:

STÄNDIGES BEMÜHEN UM UNSER LEBENS- UND LIEBENSWERTES LAUDENBACH Unser 100jähriges Jubiläum ist ein Anlass, Bilanz zu ziehen, auf die Leistungen und Erfolge unserer Partei zurück zu blicken und zugleich Zukunftsaufgaben zu überdenken. Wir gehören mit nahezu 6000 Einwohnern zu den kleineren Bergstraßengemeinden, die ihre Selbständigkeit behaupten konnten. Dies haben wir letztendlich einer Politik zu verdanken, die konsequent das Ziel verfolgte, die für eine selbständige Gemeinde erforderliche Infrastruktur zu schaffen, ohne dabei die Grenzen eines überschaubaren Gemeinwesens zu sprengen. Die Wahl von Fritz Kaiser zum Bürgermeister 1967 und die Kommunalwahl 1968, die erstmals einen Gleichstand im Gemeinderat ergab, beeinflussten die Entwicklung sicher positiv. Die SPD wurde kommunalpolitisch zur bestimmenden Kraft.

die Beseitigung des Mangels an Kindergartenplätzen durch den Bau des Kommunalen Kindergartens, der Bau der Bergstraßenhalle zur Sport- und multifunktionalen Nutzung.

Eine weitere Phase galt der Förderung unserer Vereine. Die Sportanlagen wurden um zwei Allwetterspielfelder und ein Rasenspielfeld erweitert. Wir sahen es auch als wesentliche Gemeindeaufgabe an, denjenigen Vereinen und Organisatio-

Ortseingang um 1999.

Erinnern wir uns, welch wichtige Gemeindeprobleme damals einer Lösung bedurften und die bis heute zukunftsweisend erledigt sind: die Trinkwasserversorgung, die Abwasserentsorgung, die Erschließung von Bauland, die Abhilfe der Schulraumnot durch den Bau der neuen Grundschule, die Schaffung neuer Bildungsangebote durch den Schulverband Nördliche Badische Bergstraße und die Volkshochschule Badische Bergstraße e.V. und Musikschule,

Ortseingang um 1965.

101


nen, die keine gemeindeeigenen Einrichtungen in Anspruch nehmen können, durch Bereitstellung von Grund und Boden und durch finanzielle Zuwendungen zu helfen. Zu erwähnen sind hier die Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt, des Brieftaubenvereins, des Kleintierzuchtvereins, des Tennisclubs und der Sportschützen, und nicht zuletzt der Kirchengemeinden. Hier ist an das Evangelische Gemeindezentrum mit integriertem Kindergarten und die Erweiterung des Katholischen Kindergartens zu denken. Und schließlich wurde ein Neubau des Umkleide- und Gymnastikgebäudes geschaffen, der zu einer erheblichen Aufwertung des gesamten Sportgeländes geführt hat. Weitere in die Zukunft weisende Zielvorstellungen konnten in jüngerer Vergangenheit vorangebracht werden. Dies gilt vor allem für folgende planungsrechtliche Entscheidungen: Im Flächennutzungsplan für den Verwaltungsraum Hemsbach-Laudenbach, der die zukünftige Siedlungsentwicklung beinhaltet, wurde die Trasse der Kreisverbindungsstraße westlich der Bahnlinie ausgewiesen. Von dieser noch zu realisierenden Straße versprechen wir uns langfristig die Lösung unserer innerörtlichen Verkehrsprobleme, aber auch die unserer Nachbargemeinde Hemsbach. Der Flächennutzungsplan wurde durch die Aufnahme der Südspange von der B3 über die Bahntrasse ergänzt. Das frühere Industriegebiet Neuwiesen wurde auf unsere Initiative in ein Baugebiet umgewandelt.

102

Die Bebauung weiterer Gebiete wie Süd II und Festplatz/Breuer sind gegenwärtig in vollem Gange. Auch hier wollen wir für unsere Bürgerinnen und Bürger attraktiven Wohnraum schaffen. Unsere Senioren finden in der Wohnanlage für Betreutes Wohnen Sicherheit im Alter. Verkehrs- und Umweltthemen stellten gerade in den letzten Jahren vorrangige Diskussionspunkte in unserer kommunalpolitischen Arbeit dar. Die Verbesserung der Verkehrssicherheit an besonderen Gefahrenstellen und Maßnahmen der Geschwindigkeitsreduzierung im Ort sind sichtbare Zeichen unserer Initiativen. Für uns Laudenbacher wird es auch ein Vielfaches an verbesserter Wohn- und Lebensqualität bringen, wenn die Kreisverbindungsstraße zwischen Landesgrenze und Weinheim realisiert ist und damit ein Teil der Verkehrsbewegungen im Ort und auf der B3 auf die neue Trasse verlagert wird. Doch auch der öffentliche Personennahverkehr lag uns am Herzen. Die Verbindungen auf der Schiene konnten in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar erweitert werden, aber auch der Busverkehr hier wurde das Wohngebiet Neuwiesen in die Linienführung einbezogen wird gut angenommen. Den Busverkehr konnten wir auf eine solide finanzielle Basis stellen. Wir Sozialdemokraten machten schon früh das Thema Dorfentwicklung zu einer echten

kommunalen Zukunftsaufgabe. Mit der Gestaltung des Ortszentrums um das Rathaus wurden erste Akzente gesetzt, die Erneuerung des Lindenplatzes und der Unteren Straße, der Umbau der Krone , die Verlegung des Bauhofs und die damit verbundene Wohnbebauung in der Unteren Straße waren weitere Schritte. So kam die Verkehrsberuhigung im Kreuzungsbereich Bahnhofstraße/Schillerstraße mit dem Bau der Sparkasse hinzu. Weitere bedeutsame Schritte waren die Neugestaltung der Ortsdurchfahrt der B3 und der gesamten Bahnhofstraße. Die Förderung von Handel, Handwerk und Gewerbe sind uns wichtige Anliegen, denn eine gute Ertragslage wirkt sich nicht nur positiv auf die Einnahmen der kommunalen Kasse aus, sondern schafft auch neue Arbeitsund Ausbildungsplätze und verbessert die Versorgungslage unserer Bevölkerung. Insgesamt haben wir in den letzten Jahrzehnten eine Infrastruktur schaffen und ausbauen können, die unser Laudenbach lebens- und liebenswert macht. Hierzu hat das große Engagement vieler Parteifreunde beigetragen. Neben Altbürgermeister Fritz Kaiser sind hier stellvertretend für viele unsere langjährigen Gemeinderäte Georg Bickel, Hans Leib, Gerd Dember und Dieter Forschner zu nennen. Alle unsere Gemeinderäte haben sich stets für das Wohl der Bürgerschaft eingesetzt. Die Laudenbacher SPD stellt sich seit nunmehr 100 Jahren der politischen Verantwortung. Ihre Vetreter haben sich immer für das Wohl der Laudenbacher


Bürgerschaft engagiert. Sicherlich haben sich die Aufgaben in diesem Zeitraum verändert, geblieben ist aber unser Bemühen um Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität für und gegenüber al-

len. Wir wollen auch künftig für die Aufgaben unserer Gemeinde unseren Beitrag leisten und hoffen hierbei auf die Unterstützung und das Vertrauen unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Der Ortsplan von Laudenbach Ausgabe 1999 ein wichtiger Wegweiser durch unsere Gemeinde. Die Bebauung des Festplatzes , Planquadrat D4, Normandiestraße, ist derzeit in vollem Gange.

103


DIE BÜRGERMEISTER DER GEMEINDE LAUDENBACH 1832 2001 1832 – 1880 1880 – 1903 1903 – 1911 1911 – 1919 1919 – 1927 1927 – 1931 1931 – 1933 1933 – 1944

1944 – 1945 1945 – 1946 1946 – 1947 1948 – 1960 1960 – 1968 1968 – 1996 seit 1996

Heinrich Spengler Adam Eberle Adam Noe Philipp Wind Adam Eberle II Ernst Schröder Adam Eberle III Oskar Kilian

Stephan Büchel Adam Fritz Franz Bürner Adam Thron Hermann Spengler Fritz Kaiser Hermann Lenz

WAHL DER GEMEINDERÄTE VON 1946 1999 ZUSAMMENFASSUNG DER WAHLERGEBNISSE Jahr 1946 1947 1951 1953 1956 1959 1962 1965 1968 1971 1975 1980 1984 Sitze im GR

8

12

6

6

6

6

6

6

6

6

14

14

18

1989 1994 1999 18

18

18

CDU % 55,5 Sitze 5

50,6 6

46,5 53,0 52,8 3 4 4

56,2 3

51,5 53,2 4 3

48,5 3

47,6 3

51,1 7

46,5 50,4 7 9

49,7 51,6 59,8 9 9 11

SPD % 38,0 Sitze 3

40,8 5

26,0 29,0 38,1 2 2 3

43,8 2

37,6 46,8 2 3

51,5 3

52,4 3

48,9 7

48,0 49,6 7 9

50,3 48,4 40,2 9 9 7

KPD % 6,4 Sitze 0

8,6 1

5,0 0

2,0 0

22,6 1

5,8 0

FWV % Sitze BHE % Sitze

104

10,2 0

10,7 0

9,1 0

5,5 0


27. JANUAR 1946 SPD

38,0%, 3 Sitze: Adam Bangert, Georg Beck, Adam Thron

CDU Franz Bürner, Paul Hertinger, Philipp Pfleger II, Rudolf Rippert, Friedrich Werner KPD 6,4%, 0 Sitze

7. DEZEMBER 1947 (Amtsdauer (.) in Jahren)

28. JANUAR 1951 (Amtsdauer 6 Jahre)

SPD

SPD

40,8%, 5 Sitze: Ernst Bausch (6), Rudolf Herrmann (3), August Hildenbrand (3), Stefan Leitwein (3), Adam Thron (6)

CDU 50,6%, 6 Sitze Peter Honadel (3), Jean Molitor (3), Karl Pfleger (6), Phillip Spengler (6), Stefan Spengler (6), Friedrich Werner (6)

26,0%, 2 Sitze: Philipp Fuhr, Heinrich Luber

CDU 46,5%, 3 Sitze: Peter Honadel, Michael Linnebach, Karl Pfleger FWV 22,6%, 1 Sitze Berthold Fink KPD 5,0%, 0 Sitze

KPD 8,6%, 1 Sitz: Karl Jung (3) 15. NOVEMBER 1953 (Amtsdauer 6 Jahre)

11. NOVEMBER 1956 (Amtsdauer 6 Jahre)

8. NOVEMBER 1959 (Amtszeit 6 Jahre)

SPD

SPD

SPD

29,0%, 2 Sitze: Ernst Bausch, Stefan Leitwein

38,1%, 2 Sitze Philipp Fuhr, Heinrich Luber

CDU 53,0%, 4 Sitze Philipp Eberhard II, Karl Rauch, Willi Schmitt, Richard Schüßler

CDU 52,8%, 4 Sitze Michael Linnebach, Franz Olah, Erich Pornschlegel, Ernst Wind

BHE 10,2%, 0 Sitze

BHE: 9,1%, 0 Sitze

FWV

5,8%, 0 Sitze

KPD

2,0%, 0 Sitze

43,8%, 3 Sitze: Georg Bickel, Stefan Leitwein, Adam Thron

CDU 56,2%, 3 Sitze: Artur Bürner, Willi Schmitt, Richard Schüßler

4. NOVEMBER 1962 (Amtszeit 6 Jahre)

7. NOVEMBER 1965 (Amtszeit 6 Jahre)

20. OKTOBER 1968 (Amtszeit 7 Jahre)

SPD

SPD

SPD

37,6%, 2 Sitze Hans Leib, Heinrich Luber.

CDU 51,6%, 4 Sitze Karl Losmann, Franz Olah, Günter Wind, Hermann Wind. FWV 10,7%, 0 Sitze

46,8%, 3 Sitze: Georg Bickel, Jakob Dörr1), Theo Luber; Nachrücker: 1) Otmar Eckstein2); 2) Stefan Leitwein.

CDU 53,2%, 3 Sitze: Arthur Bürner1), Franz Herzog, Willi Schmitt; Nachrücker: 1) Walter Losmann.

51,5%, 3 Sitze: Walter Ehle1), Reinhold Gaßmann2), Hans Leib; Nachrücker: für 1) Karl Luber, für 2) Gerd Dember.

CDU 48,5%, 3 Sitze: Karl Losmann, Günter Wind, Hermann Wind

105


24. OKTOBER 1971 (Amtszeit 4 Jahre)

20. APRIL 1975 (Amtszeit 5 Jahre)

22. JUNI 1980 (Amtszeit 4 Jahre)

SPD

SPD

SPD

52,4%, 3 Sitze: Georg Bickel, Theo Luber, Ingrid Prinz.

CDU 47,6%, 3 Sitze: Dr. Werner Bisdorf, Walter Losmann, Dieter Schenck.

48,9%, 7 Sitze: Georg Bickel, Gerd Dember, Dieter Ehle, Dieter Forschner, Hans Leib, Karl Luber, Fritz Mather.

CDU 51,1%, 7 Sitze: Dr. Werner Bisdorf, Alfons Hertinger, Günter Hohrein, Elisabeth Moll, Wulfram Müller, Dieter Schenck, Günter Wind.

48,0%, 7 Sitze: Georg Bickel, Gerd Dember, Dieter Ehle, Dieter Forschner, Karl Luber, Fritz Mather, Kurt Noe.

CDU 46,5%, 7 Sitze: Dr. Werner Bisdorf, Alfons Hertinger, Günter Hohrein, Christa Kilian, Elisabeth Moll, Erhard Spengler, Wolfgang Spengler. FWV: 5,5%, 0 Sitze.

28. OKTOBER 1984 (Amtszeit 5 Jahre)

22. OKTOBER 1989 (Amtszeit 5 Jahre)

28. OKTOBER 1994 (Amtszeit 5 Jahre)

SPD

SPD

SPD

49,6%, 9 Sitze: Gerd Dember, Dieter Ehle, Dieter Forschner, Hans Leib, Peter Leitwein, Karin Luber, Christel Masseck, Fritz Mather, Kurt Noe.

CDU 50,4%, 9 Sitze: Dr. Werner Bisdorf, Markus Eberhard, Franz Hautschek, Alfons Hertinger, Günter Hohrein, Christa Kilian, Elisabeth Moll, Erhard Spengler, Wolfgang Spengler.

106

50,3%, 9 Sitze: Gerd Dember, Dieter Ehle1), Dieter Forschner2), Armin Kast, Hans Leib, Peter Leitwein, Karin Luber, Christel Masseck, Kurt Noe; Nachrücker: 1) Dr. Klaus-Jürgen Pittner, 2) Edith Stockmann.

48,4%, 9 Sitze: Gerd Dember, Bernd Hauptfleisch, Armin Kast, Hans Leib, Peter Leitwein, Karin Luber, Christel Masseck, Dr. Klaus-Jürgen Pittner, Ulla Römer.

CDU 51,6%, 9 Sitze: Bernhard Boppel Otto Duden, Markus Eberhard1), CDU 49,7%, 9 Sitze: Hans-Joachim Gottuck, Dr. Werner Bisdorf, Franz Hautschek, Markus Eberhard, Claudia Mackert, Franz Hautschek, Alois Nickel, Christa Kilian, Dr. Bernhard Wahl, Elisabeth Moll, Günter Wind; Alois Nickel, Nachrücker: 1) Diethard Schwabedissen1), Karl-Heinz Schmidt. Wolfgang Spengler, Dr. Bernhard Wahl ; Nachrücker: 1) Alfons Hertinger


22. OKTOBER 1999 (Amtszeit 5 Jahre) SPD

40,2%, 7 Sitze: Dieter Ehle, Bernd Hauptfleisch, Armin Kast, Karin Luber, Christel Masseck, Dr. Klaus-Jürgen Pittner, Ulla Römer.

Claudia Mackert, Alois Nickel, Michaela Nischwitz, Dr. Bernhard Wahl.

CDU 59,8%, 11 Sitze: Marlene Bausch, Horst Beyhl, Bernhard Boppel, Dr. Gerd Duddeck, Otto Duden, Anne-Marie Gerodez, Franz Hautschek,

WAHLEN ZUM KREISTAG DES RHEIN-NECKAR-KREISES Wahlergebnisse Laudenbach

Die Wahlen zum Kreistag des Rhein-Neckar-Kreises, die zum alten Landkreis Mannheim ließen wir außer Acht, wenngleich seinerzeit Georg Bickel Laudenbach sehr erfolgreich im Kreistag vertrat, waren in Laudenbach in besonderem Maße eine Persönlichkeitswahl von Bürgermeister Fritz Kaiser. Als er nach 18-jähriger Zugehörigkeit zum Kreistag 1989 auf eine erneute Kandidatur verzichtete, hatte dies zur Folge, dass in dieser Wahlperiode die Gemeinde Laudenbach im Kreistag nicht vertreten war. Dieter Ehle

scheiterte an der Winzigkeit von 78 Stimmen, was bei optimaler Stimmenhäufung 26 Wählern/ innen entspricht. Seit der Wahl-

periode 1994 vertritt Alois Nickel (CDU) die Gemeinde Laudenbach im Kreistag. Er wurde 1999 erneut bestätigt.

Jahr

1973

1979

1984

1989

1994

1999

Wahlberechtigte Wahlbeteiligung

2868 66,7%

3369 62,1%

3778 70,5%

3991 67,4%

4268 74,8%

4408 60,2%

CDU Stimmen in %

4526 48,7

3553 43,7

4174 41,8

4481 44,8

10620 46,5

8088 64,4

SPD Stimmen in %

4516 48,6

3969 48,9

4698 47,1

3740 37,5

8670 37,9

3531 28,1

FDP Stimmen in %

199 2,1

167 2,1

178 1,8

202 2,0

422 1,8

95 0,8

FWV Stimmen in %

47 0,5

433 5,3

97 1,0

188 1,9

651 2,8

284 2,3

826 8,3

864 8,7

1952 8,5

565 4,5

489 4,9

545 2,4

Grüne Stimmen in % NPD Stimmen in %

107


WAHLEN ZUM LANDTAG VON BADEN-WÜRTTEMBERG Ergebnisse in Laudenbach

Drei Jahre nach der Bundestagswahl entstand am 25. April 1952 der Südweststaat mit dem Namen Baden-Württemberg. Der ersten Regierung von Reinhold Meier gehörte auch die SPD an. Gebhard Müller, Kurt Georg Kiesinger, Hans Filbinger, Lo-

1956

1960

1964

1968

thar Spät und Erwin Teufel folgten als Ministerpräsidenten. Der SPD gelang es bisher noch nicht, die Landespolitik zu führen. Anders als bei Bundestagswahlen konnte auch in Laudenbach bislang noch keine Stimmenmehrheit erreicht werden.

Jahr

1950

1972

1976

Wahlberechtigte Wahlbeteiligung

1987 2072 2195 2329 2306 2745 3254 48,0% 84,7% 70,9% 79,1% 76,4% 76,5% 75,4%

1980 1984

1988

1992

1996

3420 3769 3939 4093 4269 68,3% 75,2% 71,4% 71,9% 76,3%

CDU Stimmen in %

283 29,7

865 49,3

715 45,9

934 50,7

614 43,8

1097 52,2

1324 54,0

1183 1389 50,7 49,0

1263 44,9

1159 40,2

1309 46,5

SPD Stimmen in %

311 32,6

617 35,1

586 37,6

697 37,8

614 34,9

876 41,7

941 38,4

933 40,0

1086 38,3

1043 37,1

959 33,2

823 29,3

FDP/DVP Stimmen in %

142 14,9

86 4,9

75 4,8

57 3,1

76 4,3

82 3,9

79 3,2

95 4,1

105 3,7

100 3,6

127 4,4

260 9,2

KPD Stimmen in %

40 4,2

52 3,0

BHE Stimmen in %

107 11,2

60 3,4

70 3,0

187 6,6

250 8,9

270 9,4

235 8,4

76 4,9

Grüne Stimmen in % DKP Simmen in %

9 0,3

NPD Simmen in %

211 12,0

47 1,9

49 1,7

REP Simmen in % Sonstige Stimmen in %

108

35 2,2

48 2,6

21 1,2

9 0,4

15 0,6

9 0,4

3 0,1

41 1,5

83 2,9 258 8,8

127 4,5

30 1,0

51 1,8


WAHLEN ZUM DEUTSCHEN BUNDESTAG Ergebnisse in Laudenbach (Zweitstimmen)

Die Hoffnung und Erwartung, der SPD werde in einem demokratischen Nachkriegsdeutschland die politische Verantwortung übertragen, erfüllte sich zunächst nicht. Erst 1966 trat die SPD in einer großen Koalition in Regierungsverantwortung. 1969

Jahr

1949 1953

1957

1961 1965

gelang die Bildung einer sozialliberalen Regierung, die nach 13 Jahren 1982 abgelöst wurde. Nachdem 1989 die innerdeutsche Grenze gefallen war, wurde am 2. Dezember 1990 erstmals ein gesamtdeutscher Bundestag gewählt.

1969 1972

1976 1980

1983 1987 1990

Wahlber. Wahlbet.

1994 1998

4079 4334 4355 83,6% 85,2% 88,7%

CDU Stimmen in %

467 29,4

281 50,1

1102 60,5

998 52,7

1046 55,4

1012 1146 51,8 46,6

1367 1437 49,1 44,7

1648 1543 1577 48,9 45,9 46,9

1664 1505 45,9 39,5

SPD Stimmen in %

234 14,7

135 24,1

528 29,0

650 34,3

672 35,6

778 39,9

1089 44,3

1214 1439 43,6 44,8

1246 1171 1103 36,8 34,8 32,8

1234 1549 34,1 40,7

63 11,2

80 4,4

138 7,3

112 5,9

48 2,5

186 7,6

166 6,0

FDP Stimmen in % KPD Stimmen in %

278 8,7

245 7,2

293 8,7

379 11,3

292 8,1

290 7,6

43 1,3

230 6,8

305 9,1

169 5,0

297 8,2

233 6,1

6 0,2

15 0,5

27 0,7

18 0,5

10 0,3

74 2,2

76 2,1

59 1,6

11 0,3

45 1,2

133 3,5

79 5,0

Grüne Stimmen in % PDS Simmen in % NPD Simmen in %

42 2,2

106 5,4

29 1,2

24 0,9

12 0,4

8 0,2

23 0,7

REP Simmen in % R.F.*) Stimmen in % Sonstige Stimmen in %

*) R.F. = Richard Freudenberg

808 50,9 82 14,1

111 6,1

109 5,8

17 0,9

8 0,4

9 0,4

11 0,4

4 0,1

3 0,1

26 0,8

109


WAHLEN ZUM EUROPAPARLAMENT 1979 1999

ZITAT

Die erste Direktwahl zum Europäischen Parlament, die in der Zeit vom 7. bis 10. Juni 1979 in allen Ländern der Gemeinschaft stattfand, bedeutete ein wichtiger Meilenstein auf dem Wege der Europäischen Einigung, der am 25. Mai 1957 mit der Unterzeichnung der Verträge von Rom über die Gründung der EWG und der Europäischen Atomgemeinschaft begann und der 1993 mit der Realisierung des einheitlichen europäischen Binnenmarktes ein weiteres wichtiges Etappenziel erreichte. Im November 1993 trat der Maastricht-Vertrag in Kraft. Im Januar 1995 traten Österreich, Finnland und Schweden der EU bei. 1999 begann die Wirtschafts- und Währungsunion und in den letzten Jahren ist die Frage der Osterweiterung eine der zentralen Herausforderungen und Fragestellungen der an Bedeutung gewinnenden EU.

Jahr

1979

1984

1989

1994

1999

Wahlberechtigte Wahlbeteiligung

3217 63,1%

3614 60,3%

4048 63,2%

4292 75,23%

4348 %49,2

CDU Stimmen in %

1027 50,6

1050 48,1

898 35,1

1318 44,2

1130 52,9

SPD Stimmen in %

793 39,1

723 33,1

928 36,3

968 32,5

619 29,0

FDP Stimmen in %

103 5,1

71 3,3

144 5,6

112 3,6

70 3,3

Grüne Stimmen in %

51 2,5

209 9,6

247 9,7

328 11,0

155 7,3

PDS Stimmen in %

10 0,3

6 0,3

NPD Stimmen in %

33 1,1

9 0,4

140 5,6

118 4,0

24 1,1

144 5,5

123 4,1

58 2,8

REP Stimmen in % Sonstige Stimmen in %

81 3,7

Als Mitglied der Sozialistischen Arbeiter-Internationale kämpft die Sozialdemokratische Partei Deutschlands in gemeinsamen Aktionen mit den Arbeitern aller Länder gegen imperialistische und faschistische Vorstöße und für die Verwirklichung des Sozialismus. Sie tritt mit aller Kraft jeder Verschärfung der Gegensätze zwischen den Völkern und jeder Gefährdung des Friedens entgegen. Sie fordert die friedliche Lösung internationaler Konflikte und ihre Austragung vor obligatorischen Schiedsgerichten. Sie tritt ein für das Selbstbestimmungsrecht der Völker und für das Recht der Minderheiten auf demokratische und nationale Selbstverwaltung. Sie widersetzt sich der Ausbeutung der Kolonialvölker, der gewaltsamen Zerstörung ihrer Wirtschaftsformen und ihrer Kultur. Sie verlangt die internationale Abrüstung. Sie tritt ein für die aus wirtschaftlichen Ursachen zwingend gewordene Schaffung der europäischen Wirtschaftseinheit, für die Bildung der Vereinigten Staaten von Europa, um damit zur Interessensolidarität der Völker aller Kontinente zu gelangen. Sie fordert die Demokratisierung des Völkerbundes und seine Ausgestaltung zu einem wirksamen Instrument der Friedenspolitik. ZITAT aus dem Heidelberger Programm 1925

110

19 0,9


REICHSTAGSWAHLEN IN BADEN 1870 1912 Am 23. Mai 1863 hatte Ferdinand Lassalle den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein gegründet. Dieser Tag gilt als Geburtstag der deutschen Sozialdemokratie. 1869 gründeten August Bebel und Wilhelm Liebknecht die Sozialdemokratische Arbeiterpartei in Gotha. Der Zusammenschluß gelang 1875 beim Vereinigungsparteitag in Gotha. Trotz beharrlicher Schikanen und Verfolgungen gewinnt die Partei, die bereits 1878 durch das Sozialistengesetz, das 12 Jahre in Kraft blieb, verboten wird, an Zuspruch. Sie wird von Wahl zu Wahl stärker und stellte 1912 mit 110 Abgeordneten die größte Fraktion im Reichstag. An der zunehmenden Opposition gegen Kaiser und Großkapital beteiligten sich zusehends auch Frauen. Die Sozialdemokraten setzten sich entschlossen für die Gleichbehandlung ein.

Jahr SPD Stimmen in % Sitze

1871

1874

1877

1878

1881

1884

1887

1890

1893 1998

3516 1,5 0

3593 1,5 0

3903 1,7 0

4700 11027 13088 30094 37559 50329 2,3 5,3 4,7 11,4 14,1 19,0 0 0 0 1 0 3

1903

1907

1912

72300 93386 117154 21,9 28,9 28,3 3 3 1

Nat.Lib. Stimmen in % Sitze

110401 119498123828 107412 87575 93249 121831 82358 84630 90189 103530112136 107947 54,1 51,3 52,2 48,7 43,4 44,7 44,2 31,3 31,7 34,0 31,4 28,7 26,0 10 11 11 8 7 5 9 0 4 3 4 2 4

Zentrum Stimmen in % Sitze

54297 96822 87887 62901 73409 62773 76397 81420 81081 97769 134159138860 129134 26,6 41,6 37,1 28,5 36,3 30,1 27,7 30,9 30,3 36,8 40,7 35,6 31,1 2 2 2 3 4 4 2 8 7 7 7 8 6

Sonstige Stimmen in % Sitze

39200 13095 21846 46452 36091 41668 64221 69668 63225 27072 19,2 5,6 9,2 21,1 17,8 20,0 23,3 26,4 23,8 10,2 2 1 1 3 3 5 3 5 3 1

Eine alte Ansicht um1913 im Bereich der Kirchstraße Kurhaus zur Friedrichsburg von Alfred Hax.

19891 46192 60369 6,0 11,8 14,5 0 1 3

Eine Ansicht um1920 mit einem Blick auf Laudenbach oberhalb des Gasthauses Zur Talmühle .

111


REICHSTAGSWAHLEN IN BADEN 1919 1933 Der Zeitraum der Weimarer Republik ist geprägt von politischen und wirtschaftlichen Krisen. Die Sozialdemokratie stellt sich mit Friedrich Ebert an die Spitze des Kampfes um Demokratie in Deutschland, die mit Beginn der Weltwirtschaftskrise immer schwächer wird und sich schließlich als zu schwach erwies, dem aufkommenden Nationalsozialismus zu verhindern. Die sozialdemokratische Revolutionsregierung hatte am 12. November 1918 das Frauenwahlrecht verkündet. Nach Jahren in der Opposition belegte die SPD 1928 nochmals eine Koalitionsregierung unter Reichskanzler Hermann Müller. Als sie 1930 scheitert, folgt die Politik der Notverordnungen des Reichskanzlers Brünning (Zentrum). Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise lassen die Republik zunehmend schwächer werden. Jahr SPD Stimmen in % Sitze

1919

1920

1924

1924

1928

1930

1932

1932

1933

366824 34,8 5

190298 20,1 3

142801 15,2 2

198593 19,9 3

204346 22,5 3

210549 17,9 3

172474 13,6 3

154383 13,0 2

164965 1,9 2

14471 1,5

95564 10,1

65952 6,5

66808 7,3

112975 9,6

142543 11,2

169137 14,3

134722 9,7

351734 29,9 6

369188 29,1 6

329614 27,8 5

350495 25,4 6

27382 2,2 0

26914 2,3 0

20616 1,5 0

KPD Stimmen in % Sitze Zentrum Stimmen in % Sitze

381135 36,2 5

344027 36,4 6

325645 34,6 5

343698 34,5 6

297818 32,7 5

DDP Stimmen in % Sitze

226836 21,5 3

116389 12,3 2

73882 7,8 1

92535 9,3 1

63888 7,0 1

64653 6,8 1

74882 8,0 1

97719 9,8 1

86401 9,5 1

114732 9,7 0

14990 1,2 0

23574 2,0 0

14389 1,0 0

113534 12,0 2

75835 8,1 1

88978 8,9 1

74012 8,1 1

32688 2,8 0

38470 3,0 0

47417 4,0 0

50387 3,6 0

19160 1,9 0

26330 2,9 0

226655 19,2 7

468180 36,9 7

404502 34,1 6

627276 45,4 10

90992 9,1 1

89775 9,9 0

128640 10,9 0

34817 2,7 0

31126 2,6 0

19773 1,4 0

DVP Stimmen in % Sitze DNVP Stimmen in % Sitze

78976 7,5 1

NSDAP Stimmen in % Sitze Sonstige Stimmen in % Sitze

112

102965 10,9 2

153113 16,3 1


WAHLERGEBNISSE IN LAUDENBACH 1919 1932 (Quelle: Weinheimer Nachrichten)

BADISCHE NATIONALVERSAMMLUNG 5. JANUAR 1919 Deutsche Demokratische Partei Zentrumspartei Deutschnationale Volkspartei Sozialdemokratische Partei Unabh. Sozialdemokratische Partei

174 222 104 412 0

19,1% 24,3% 11,4% 45,2%

REICHSTAGSWAHL 5. MAI 1924 (Reichstag vorzeitig aufgelöst) Sozialdemokratische Partei Zentrumspartei Badischer Landbund Deutsche Demokratische Partei Kommunistische Partei Unabh. Sozialdemokratische Partei Deutschliberale Volkspartei Deutschnationale Volkspartei Völkisch-Sozialer Block

203 268 77 47 70 13 54 119 144

20,4% 26,9% 7,7% 4,7% 7,0% 1,3% 5,4% 12,0% 14,5%

REICHSTAGSWAHL 7. DEZEMBER 1924 Sozialdemokratische Partei Zentrumspartei Badischer Landbund Deutsche Demokratische Partei Kommunistische Partei Unabh. Sozialdemokratische Partei Deutschliberale Volkspartei Deutschnationale Volkspartei Nationalsozialisten Landbund

284 284 192 62 16 13 71 192 21 29

24,4% 24,4% 16,5% 5,3% 1,4% 1,1% 6,1% 16,5% 1,8% 2,5%

WAHL ZUM BADISCHEN LANDTAG 27. OKTOBER 1929 Zentrum Sozialdemokratische Partei Deutschnationale Volkspartei Deutsche Volkspartei

215 208 35 68

28,3% 27,4% 4,6% 8,9%

Deutsche Demokratische Partei Mittelstandspartei Kommunistische Partei Badische Bauernpartei NSDAP Evangelischer Volksdienst

13 5 16 80 93 27

1,7% 0,7% 2,1% 10,5% 12,2% 3,6%

300 12 225 87

29,4% 1,2% 22,1% 8,5%

30 4 248 42 72

2,9% 0,4% 24,3% 4,1% 7,1%

289 25 268 118

23,8% 2,1% 22,1% 9,7%

9 495 10

0,7% 40,8% 0,8%

259 23 241 121

22,8% 2,0% 21,2% 10,6%

14 465 15

1,2% 40,9% 1,3%

REICHSTAGSWAHL 14. SEPTEMBER 1930 Sozialdemokratische Partei Deutschnationale Volkspartei Badische Zentrumspartei Kommunistische Partei Deutsche Volkspartei und Deutsche Staatspartei Mittelstandspartei NSDAP Badische Bauernpartei Evangelischer Volksdienst REICHSTAGSWAHL 31. JULI 1932 Sozialdemokratische Partei Deutschnationale Volkspartei Badische Zentrumspartei Kommunistische Partei Deutsche Volkspartei und Deutsche Staatspartei (getrennt) NSDAP Evangelischer Volksdienst REICHSTAGSWAHL 6. NOVEMBER 1932 Sozialdemokratische Partei Deutschnationale Volkspartei Badische Zentrumspartei Kommunistische Partei Deutsche Volkspartei und Deutsche Staatspartei (getrennt) NSDAP Evangelischer Volksdienst

113


DIE SPD IN LAUDENBACH SEIT 1901 NAMENSREGISTER Dieses Namensregister wurde zusammengestellt aus Protokollaufzeichnungen der Jahre 1914 bis 2000 sowie anderen Veröffentlichungen im Rahmen des Ortsvereins Laudenbach. Es beinhaltet Namen von Personen, die sich als Vorstandsmitglieder, Delegierte zu Parteitagen, Mitglieder des Bürgerausschusses, des Gemeinderats und von der SPD benannten sachkundigen Bürgern oder aber als Kandidaten für die SPD-Laudenbach zu Kommunalwahlen zur Verfügung gestellt haben, aber auch von Mitgliedern, deren Namen in den Protokollen genannt werden. Bei den Personen, bei denen kein Vornamen nachgestellt ist, konnte dieser nicht festgestellt werden. Deshalb ist es möglich, dass bei erstmaliger Nennung von Personen mit Vornamen, diese identisch sein können mit vorher genannten Personen ohne Vornamen.

1901 Reithmeier, Xaver 1914 Beck, J. Adam Fritz, Adam Halblaub, Jakob Heilmann, Jakob Preßler, Philipp Thon, Karl Vock, Adam 1916 Rettig, Adam 1919 Adam, Beck, Joh. Albert Eberhard, Giegrich, Hoppner, Georg Kohler, Luber, Adam Mößinger, Ludwig Neuthinger, Johannes Schmidt, Friedrich Schüßler, Georg Schüßler, Jakob Spengler, Jakob Spengler, Junglehrer 1920 Beck, Lehrer Eisele, Gaßmann, Halblaub, Ferdinand

114

Held, Karl Lenz, Franz Reithmeier, Maria Steiß, 1921 Aichel, Beck, August Boppel, Eberhard, Adam Hartmann, Valentin Miltenberger, Jakob Schühle, Michael Schüßler, Michel 1922 Giegrich, Anton Heilmann, Jakob Held, Stefan Giegrich, Anton 1922 (nach der Vereinigung der SPD/USPD) Bassauer, Johann Beck, Robert Behring, Peter Bopp, Adolf Eberhard, Michel Gaßmann, Jakob I Gaßmann, Jakob II Graab, Peter Heitz, Philipp Helfrich, Michel Jeck, Adam Kern, Josef (oder Johann)

Kreis, Wilhelm Miltenberger, Michel Neuthinger, Adam Neuthinger, Georg Pfleger, Johannes Pornschlegel, Rasch, Josef Rembert, Jakob Schmitt, Fritz Schutt, Michel Steigleder, Georg Stick, Otto Schüßler, Joh. Ehr. Thron, Adam 1923 Giegrich, Karl Steiß, Rosa Wolf, 1924 Bausch, Emil Merx, Rosa, geb. Steiß 1925 Bangert, Adam Bausch, Ernst Geiger, Heck, Schott, Karl 1926 Albansöder, Hans Beck, Georg Fath, Fink, Georg


Fink, Jakob Geiger, Lorenz Hohrein, Karl Horneff, Peter Kreis, Hermann Kreis, jun. Stamm, Bernhard Steinbacher, Heinrich Schühle, Michel

1951 Beck, Friedrich Fuhr, Philipp Hillebrand, Johann Stumpf, Johann

1928 Geiger, Karl Gaßmann, Jakob Lindberger, (BM-Wahl?) Luber, Heinrich Rodenheber,

1955 Botz, Otto Stark, Karl

1930 Giegrich, Valentin Molitor, Fritz Walter, Karl

1957 Ehle, Walter Janke, Traugott Kasmirek, Josef Rauch, Manfred

1932 Gräber, 1933 Leitwein, Stefan

1954 Bickel, Georg Butzeck,

1956 Dörr, Jakob

1960 Albansöder, Friedrich Ehret, Günter

1933 bis 1945 Verbot der SPD

1961 Franke, Edmund Luber, Theo

1947 Herrmann, Rudolf Hildenbrand, August

1962 Franke, Rudolf Leib, Hans

1948 Weiß, Georg

1964 Dember, Erich Dember, Gerd Eckstein, Otmar Kern, Gregor

1949 Berg, Karl Hertinger, Adam 1950 Fischer, Rudolf Gölz, Peter Loch, Otto Rieger, Oskar 1953 Gassmann, Ernst Krämer, Nikolaus Steiß, August

1966 Dember, Hedwig Jansky, Anton Recht, Peter 1967 Kaiser, Fritz 1968 Gaßmann, Reinhold Luber, Karl

1970 Prinz, Hans-Jürgen 1971 Bausch, Kurt Forschner, Dieter Prinz, Ingrid 1972 Dember, Anita Schwennecker, Margot 1973 Ayx, Peter v. Ehle, Dieter Giese, Klaus Holz, Otmar Kessler, Robert Wallace, Gisela 1974 Bartmann, Gerd Dose, Gerhard Forschner, Dieter Hartmann, Gerda Jung, Rolf Lohrer, Helmut Mather, Fritz Noe, Kurt Schaab, Nikolaus Schwenneker, Jürgen 1975 Dose, Maria Fleischhauer, Walter Kleutgens, Robert Kungl, Matthias Schaaf, Herbert 1976 Bangert, Herbert Luber, Norbert Nickel, Hermann Wendler, Barbara 1977 Nitkowski, Gunter Schuhmann, Georg 1978 Huck, Ortrud

115


1988 Eg, Rainer Enßlen, Margarethe Eßer, Roger Wieczorek, Lothar

1995 Foust, Marlis Heekerenz, Dietmar Neuthinger, Ingrid Noe, Steffen

1980 Scheuermann, Berthold

1989 Fischer, Peter Heß, Heidrun Horneff, Günter Kreibaum, Karla Stockmann, Edith Wind-Palm, Elsbeth

1982 Stiller, Friedhelm

1990 Breunig, Johanna

1996 Bangert, Beate Becker, Edwin Hauptfleisch, Anna Hauptfleisch, Rosemarie Heisel, Ingrid Kohls, Mathilde Löffler, Petra Süß, Irmtraud Süß, Patrik

1984 Bausch, Volker Brümmer, Michael Ermler, Helma Gumpert, Günter Horneff, Erich Kandel, Walter Kast, Armin Luber, Karin Müller, Robert Pittner, Dr. Klaus-Jürgen Römer, Ulla Stamm, Gerhard

1991 Stockmann, Giselher Wieczorek, Rosita

1979 Huck, Dieter Merkle, Heinz 1979 Bußhoff, Prof. Dr. Ludger Diedrich, Karl-Heinz Diedrich, Prof. Dr. Maria Leitwein, Peter Masseck, Christel

1985 Bangert, Karlheinz Bangert, Thomas Dember, Kerstin Eg, Irmgard Geisel, Horst Knust, Walter Masseck, Eckhard Stiller, Klaus Weiß, Hermann 1986 Stiller, Isolde Zinkgräf, Elke 1987 Borusiak, Anette Fesenberg, Heinz-Peter Kolodzeizik, Dieter Sommer, Heinz

116

1992 Amrhein, Helga Beck, Hilde Becker, Irene Bohn, Cornelia Brinkmann, Christa Ehret, Klaus Enßlen, Emanuel Frey, Werner Gumpert, Bernd Hamm, Christine Hauptfleisch, Bernd Hauptfleisch, Rosemarie Jung, Friedel König, Jochen Müller, Hiltrud Pehr, Christa Schellhammer, Carla Steinhausen, Dr. Rainer Zöller, Werner 1993 Hammer, Siegfried 1994 Beck, Wolfgang Fischer, Martin Fischer, Mathias Hack, Sylvia Matejka-Geiß, Hilde Süß, Klaus

1997 Berger, Reinhard Görns, Cornelia Grubits, Dr. Brigitte Hammer, Dorit 1998 Biegler, Egbert Galan, Dr. Michael 1999 Bacher, Monika Kleinknecht, Christoph Knust, Jürgen McKenzie-Shenkland, Ron Schmidt, Dr. Ingrid Worms-Lickteig, Petra Zlattinger, Alfred 2000 Lickteig, Franz-Josef

SCHON MITGLIED?

Beitrittserklärungen erhalten Sie bei allen Vorstandsmitgliedern des Ortsvereins. Es wäre schön, Sie als Mitglied in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands aufzunehmen.


IMPRESSUM Herausgeber: SPD-Ortsverein Laudenbach

ZITAT

An dieser Broschüre wirkten mit: Herbert Bangert, Karlheinz Bangert, Melissa Bangert, Thomas Bangert, Prof. Dr. Ludger Bußhoff, Gerd Dember, Udo Dember, Dieter Ehle, Bodo Ermler, Helma Ermler, Norbert Luber, Christel Masseck, Sabina Scipio

Aber, liebe Kommilitonen, wenn wir ganz im Geiste des großen Reformators aufgehen wollen, müssen wir die Wahrheit nicht bloß suchen, sondern auch die praktischen Folgerungen aus ihr ziehen: Wir müssen gerecht werden, wir müssen ein Herz haben für die Leiden der Tieferstehenden. Wir dürfen uns nicht rüsten zu einem roh-egoistischen Interessenkampf, nein, unser Streiten sei ein Streiten um das Wohl aller, im Dienste der Allgemeinheit. Wir haben in den letzten Tagen nach dem Examen scherzend gesagt: Selig der Mann, der die Prüfung bestanden. Nach Jahren, wenn die Schule des Lebens hinter uns liegt, wollen wir einer den andern fragen: Hast du im Geiste Lessings gelebt und gewirkt? Bist du den Unterdrückten und Notleidenden beigesprungen und hast du ihnen die helfende Hand gereicht? Und doppelt wird dann jenes Wort gelten: Selig der Mann, der die Prüfung bestanden! LUDWIG FRANK

Zitat aus seiner Abiturrede von 1893

Bilder: Archiv, Margreet Bangert-Vink, Thomas Bangert, Helma Ermler, Hans Sattler, Eckhard Masseck, Giselher Stockmann Redaktion: Herbert Bangert Gestaltung: Gerd Dember Gesamtherstellung: pagina media gmbh Am Hinterrot 69502 Hemsbach/Bergstr. Wir danken: der Gemeinde Laudenbach für die großzügige Unterstützung bei der Herausgabe dieser Jubiläumsbroschüre.


1901 2001 1 0 0 J A H R E

LAUDENBACH