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SOMMER 2016

SOMMER 2016

GABARIT UNE PLUS DOS CARRE -D_Mise en page 1 02/06/16 12:56 Page1

DESTINATION LANGUEDOC ROUSSILLON MIDI PYRÉNÉES

Im Zeichen des Südens!

Flusstourismus

Vom Canal du Midi bis zu den Ufern der Rhône

Sportliche Betätigung

www.monnouvelhorizon.com

REISEZIEL LANGUEDOC ROUSSILLON MIDI PYRENEES - IM ZEICHEN DES SÜDENS!

Wandern, Segeln, Mountainbike, eine Fülle an Erfahrungen

Mittelmeer

Von der Côte Vermeille bis zur Camargue

Gut leben

Von den Portes de Gascogne bis zur Camargue, Wein und Gastronomie als Devise

Städte

Toulouse, Montpellier: im Zeichen des Südens

Geschichtliches und kulturelles Erbe Von Gavarnie bis zum Pont du Gard, einzigartige Erlebnisse

DAS TOURISMUS-MAGAZIN FÜR LANGUEDOC ROUSSILLON MIDI PYRÉNÉES


2 DE COUV DESTINATION_Mise en page 1 09/05/16 11:48 Page1

Département Communication Sud de France Développement - 05/2016 Crédit photos : C. Deschamps, P. Thibault, D Viet

LANGUEDOC ROUSSILLON MIDI PYRÉNÉES

LES NOUVEAUX HORIZONS

Languedoc-Roussillon Midi-Pyrénées

monnouvelhorizon.com


SDF-1-5 - SOMMAIRE-EDITO-CARTE - D_Mise en page 1 01/06/16 13:32 Page1

INHALTSVERZEICHNIS

MITTELMEER .................................... p 7

• Petite Camargue, Aigues-Mortes ..............p 8 - 9 • Thau-Lagune, Sète ...............................p 10 - 11 • Das Clape-Massiv und das Narbonnaise-Gebiet ................................p 12 • Katalanische Küste .....................................p 13 • Entlang dem Küstenstreifen RUNDREISE...p 14 - 15 • Collioure und die Côte Vermeille .................p 16

STÄDTE ......................................................... p 17

• Mende........................................................p 18 • Nîmes.........................................................p 19 • Montpellier ..........................................p 20 - 21 • Béziers .......................................................p 22 • Narbonne ...................................................p 23 • Perpignan ...................................................p 24 • Rodez, Millau..............................................p 25 • Toulouse ..............................................p 26 - 27 • Albi, Gaillac .........................................p 28 - 29 • Cahors, Moissac .........................................p 30 • Lourdes ......................................................p 31 • Auch...........................................................p 32

NATUR

p 33

........................................................... • Nationale und regionale Naturparks .....p 34 - 35 • Causses und Cevennen ........................p 36 - 37 • Die großen Seen der Pyrenäen RUNDREISE..............................................p 38 - 39 • Canigou und die katalanischen Pyrenäen....p 40 • Pic du Midi von Bigorre ...............................p 41 • Große Talkessel der Pyrenäen .....................p 42

KULTURERBE .............................. p 43

• Pont du Gard, Uzès ..............................p 44 - 45 • Pilgerwege des Heiligen Jakob von Compostela .........p 46 - 47 • Festungen von Vauban ................................p 48 • Conques, Cajarc..........................................p 49 • Canal du Midi ......................................p 50 - 51 • Mittelalterliche Altstadt von Carcassonne .................................p 52 - 53

• Die Katharer-Burgen – RUNDREISE .......p 54 - 55 • Rocamadour, Dordogne-Tal .........................p 56 • Saint-Cirq-Lapopie, Célé-Tal .......................p 57 • Cordes-sur-Ciel, Villefranche-de-Rouergue............................p 58 • Von der Grotte des Demoiselles bis nach Niaux ............................................p 59 • Saint-Bertrand-de-Comminges ....................p 60

LEBENSART ..................................... p 61

• Weine: sehr abwechslungsreiche Weinberge ...........................................p 62 - 63 • Weine: vom Roséwein bis hin zum Schaumwein .....................p 64 - 65 • Weine: die Karte des größten Weinbergs der Welt ..............................p 66 - 67 • Gastronomie : eine abwechslungsreiche Vielzahl ...............................................p 68 - 73 • Gastronomie : unwiderstehliche Rezepte..p 69 - 73 • Gastronomie : die Markthallen, das lebendige Zentrum des Wohllebens......................p 74 - 75 • Traditionen: von der Welt des Rugbys bis zum Stierkampf der Camargue.........p 76- 77 • Künste/Museen: die wichtigsten ..........p 78 - 80 • Festivals: eine Fülle von Veranstaltungen ............................p 81 - 82

IM FREIEN ............................................ p 83

• Aktivitäten: vom Kitesurfen bis zum Stehpaddeln ...........................p 84 - 85 • Aktivitäten: vom Tauchen bis zum Bergsteigen.............................p 86 - 87 • Aktivitäten: vom Radtourismus bis zum Mountainbike..........................p 88 - 89 • Aktivitäten: vom Wandern bis zum Golfspielen .............................p 90 - 91 • Wellness: Heilwasser und Thermalbäder..p 92 - 93 • Unterkunft: Aufenthalte nach Maß........p 94 - 95 • Wie anreisen? .............................................p 96

monnouvelhorizon.com Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées I INHALTSVERZEICHNIS I 1


SDF-1-5 - SOMMAIRE-EDITO-CARTE - D_Mise en page 1 01/06/16 13:32 Page2

Sonderausgabe, herausgegeben von der Firma der Zeitung Midi Libre - AG mit einem Kapital von 6.278.802 € - Wichtigste Aktionäre: Groupe La Dépêche du Midi SA - Firmensitz: rue du Mas-de-Grille 34430 Saint-Jean-de-Védas Postanschrift: 34438 Saint-Jean-de-Védas Cedex - Tel: 33 (0)4 67 07 67 07 - Eine Produktion von Pôle Editions, in Zusammenarbeit mit Sud de France Développement und das regionales Tourismuskomitee. Leiter der Publikation: Bernard Maffre - Konzeption und verlegerische Koordination: Didier Thomas-Radux - Tel: 33 (0)4 67 07 66 11 - Mail : dtradux@midilibre.com. Redaktion: Didier Thomas-Radux, Marie Vanhamme, Anaïs Arnal, Catherine Betti, Cécile Marche, Saskia Leblon, Matthias Jaulent, Eric Delaperriere. Modell : Studio IDM, Saint-Jean-de-Védas. Fotoarchive: CRT Midi-Pyrénées, Sud de France Développement (A Cougnenc, C Deschamps), Archives Midi Libre, ADT du Lot (p.30.2 et p. 67.2), Jerome Morel (P. 57.2 / p.59.3), ADT 82 , Samuel Duplaix (p.3 / p.75.4)), Didier Thomas-Radux (p.9.1 / p.28.1), Gouffre de Padirac (p.56.2), Grotte de Cabrespine (p. 59.2), AOC Faugères (p.63.2), Philippe Klein (p.65.3), Pierre Lasvenes (p.68.1 / p.69.3 / p.69.6), CDT du Tarn (p.71.1), CDT 32 (p.71.2), Eric Delaperriere (p.38-39), Michel Clementz (p.40.2), William Truffy (p.19.2 / p.7.5/ p.69.1 / p.69.5 / P.73.3 / p. 74.1 / P.75), Fotolia (p.26.1 / p.70.2 / p.71.5 / p.83.1 / p.85.2 / p.88.2 / p.89.3), Marc Ginot (p.81), Aurélio Rodriguez (p.13.3 / p.22.2 / p.26.2), Nelly Blaya (p.82.1), Emilie Gentils (p.72.3 / p.73.2 / P.74.2), Sensotek (p. 83.4 / p.93.1), Ville de Toulouse (p.26 / p.27.2 Patrice Nin), Tourisme environnement Hautes-Pyrénées (p.31.2 / p.31.3 / p.33.2 JP Meyer / p.42.1 JP Meyer), Thierry Nava (p.45.2), Christophe Levillain (p.13.2/ p.24.2/ p.34.2 /p.50.2 / p.51.1), Laurent Ballesta - Club Andromède plongée bio (p.86). Umschlagfoto: Céline Deschamps - Gedruckt in France, Léonce Deprez - Gesetzliche Hinterlegung: beim Erscheinen - ISSN-Nummer: 21127468 - Paritätische Kommission: 0418K 90782 - Midi Libre - mai 2016 ©

2 I LEITARTIKEL I Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées


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Ein weites Gebiet der Gastfreundschaft und Freiheit Languedoc Roussillon Midi Pyrénées, mit einem Gebiet, das größer ist als das mancher Staaten, und mit einem so reichen historischen Erbe, dass es hier mehr zum Weltkultuerbe zählende oder denkmalgeschützte Stätten gibt als in jeder anderen französischen Region, ist eine Zone, wo man überall Einzigartiges aus nächster Nähe erleben kann. Die außergewöhnlichen Stätten mit dem Label „Grands Sites“ sowie jene, die in das Welterbe der Unesco aufgenommen wurden, sind ein Markenzeichen unseres Südens. Der Canal du Midi, die Jakobspilgerwege, die Bischofsstadt Albi, die Causses und die Cevennen, die Festungsanlagen von Vauban, der Pont du Gard, der Talkessel von Gavarnie und der Mont Perdu, die Altstadt von Carcassonne… Das Reiseziel Languedoc Roussillon Midi Pyrénées ist ein lebendes Geschichtsbuch. All diese prestigereichen Stätten und weltweit bekannten Sehenswürdigkeiten werden derzeit im Rahmen eines neuen Tourismuskonzepts zusammen mit ca. 4500 weiteren Denkmälern der Öffentlichkeit noch besser präsentiert. Hier ist das ideale Reiseziel für all jene, die im Urlaub etwas Authentisches suchen, mit bemerkenswerten Landschaften und historischem Erbe, von den Cevennen bis zu den Pyrenäen, von der Camargue bis zum Tal der Dordogne. Auf diesem weitflächigen Gebiet im Süden Frankreichs sind die intimen Verbindungen zwischen Landschaft und Architektur sowie zwischen den Ortschaften und den Menschen deutlich erkennbar. Die Natur, geschützt, aber für jedermann zugänglich, bietet hier sowohl Vergnügen als auch Entspannung. Diese Region zu entdecken, bedeutet, die Atmosphäre der alten provenzalischen Häuser mit ihren Arkaden und ihrem Fachwerk zu genießen, sowie auch die Häfen und Märkte in der Mittagssonne zu bewundern, von der Rhone bis zur Garonne, von La Margeride bis zu den Pyrenäen, in Toulouse, Montpellier, Sète, Auch… Es bedeutet, in Ariège eine Reise in die Vergangenheit anzutreten, mit 14.000 Jahre alten Stätten, den Glanz des römischen Imperiums in der Arena von Nîmes wiederzufinden, sowie die Schönheit des Mittelalters in den Türmen des Pont Valentré und der Burg von Foix. Es bedeutet, das Mittelmeer an mehr als 200 Küstenkilometern zu genießen. Durch die Region Languedoc Roussillon Midi Pyrénées zu reisen, bedeutet auch, die dortigen außergewöhnlichen Weinberge kennenzulernen, sowie auch alle anderen lokalen Qualitätsprodukte, mit einer Lebensphilosophie, in welcher die Kultur echter Werte und der Gastfreundschaft fundamental ist. Egal ob in Laguiole bei Michel Bras, der erst kürzlich als „bester Koch der Welt“ ausgezeichnet wurde, oder in einer Strandhütte in der Nähe von La Franqui, Qualitätsanspruch und großzügige Gastlichkeit passen durchaus zusammen. Ortswechsel und Entspannung. Tradition und Feinschmeckertum. Staunen und gemeinsames Erleben. Das sind die drei Leitsprüche dieser Region, wo der Tourismus das ganze Jahr hindurch Saison hat, dank der Kanäle, der Strände, der Thermalbäder und der 41 Skistationen. Als er in Saint-Cirq-Lapopie wohnte, einem der schönsten Dörfer Frankreichs, schrieb der Dichter André Breton: „Jetzt möchte ich nicht mehr woanders sein.“ Eine Feststellung, die auch Sie nachvollziehen sollten!

leitartikel

Carole Delga Präsidentin der Region Languedoc Roussillon Midi Pyrénées

Weitere Informationen: Als Ergänzung zu Ihrer Lektüre und Ihrer Entdeckung des Reiseziels Languedoc Roussillon Midi Pyrénées steht Ihnen auch eine Website zur Verfügung: monnouvelhorizon.com Dieses kleine schwarze Rechteck ist ein QR-Code, der es ermöglicht, sich direkt mit der Website monnouvelhorizon.com zu verbinden, indem Sie diese Stelle mit Ihrem Smartphone scannen.

Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées I LEITARTIKEL I 3


SDF-1-5 - SOMMAIRE-EDITO-CARTE - D_Mise en page 1 01/06/16 13:32 Page4

Die schönsten Dörfer Frankreichs

St. Jakobswege:

Große Sehenswürdigkeiten in der Region Midi-Pyrénées

Via Tolosana

Weltkulturerbestätten (UNESCO)

A20 PARIS

Brives/ Vallée de la Dordogne

Via Podiensis

VALLÉE Carennac Gouffre DE LA de Padirac Souillac DORDOGNE

Souillac Golf et Country Club

Via du Piémont Via Domitia

Städte und Regionen der Kunst und der Geschichte

Kanal der Robine

Thermalbäder

Rhône-Sète-Kanal

Loubressac Grotte de Alvignac-Miers

Golf de Montal Grotte des Merveilles

Flusshäfen

Kanal der zwei Meere:

Yachthäfen

Garonne-Kanal

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Große Sehenswürdigkeiten in Frankreich

Presque

ROCAMADOUR

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GOURDON

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Grotte de Lacave

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Parc Naturel Régional

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Canal du Midi

Erholungsorte im Gebirge

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Golfplätze

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Grotte de Foissac

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Golf de Gascogne

Golf du Château de Barbet Golf de la Ramée

TOULOUSE

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MONTAUBAN

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Pyrénées Mont Perdu

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Écogolf de l’Ariège

Bédeilhac Grotte de la Vache

Grotte de Niaux

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Gouffre des Corbeaux Grotte de Lombrives

MONTSÉGUR

TARASCONSUR-ARIÈGE

Pic d'Estats 3115 m

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Ussat-les-Bains

Parc Naturel Régional des Pyrénées Ariégeoises

Ax-les-Thermes Ax-3 Domaines

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Pyrénées Cathares

Mijanès

Puyvalador Formiguères Les Angles

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GAVARNIE MONT PERDU

Le Mourtis

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PAMIERS MIREPOIX

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Golf municipal

SAINT-JUST DE-VALCABRÈRE

Golf de Salies-du-Salat

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Vallées d’Aure et du Louron

Saliesdu-Salat

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Grotte de Gargas

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ARGELESGAZOST CAUTERETS PONT D’ESPAGNE

SAINT-BERTRANDDE-COMMINGES

Golf du Comminges

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Grotte de Betharram

Golf de Tarbes Les Tumulus Golf de l’hippodrome Golf Country de Bigorre

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LOURDES

Golf de Lannemezan

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Parc Naturel Régional des Pyrénées Catalanes Puymorens

Font Romeu Golf de Font-Romeu

4 I KARTE I Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées

Pyrénée

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SDF-1-5 - SOMMAIRE-EDITO-CARTE - D_Mise en page 1 01/06/16 13:32 Page5

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Les Bouviers

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Grotte de Foissac

St-Cômed’Olt

Golf du Grand Rodez

Golf du Totche

VILLEFRANCHEDE-ROUERGUE

RODEZ

Pays d’art et d’histoire Mende et Lot en Gévaudan

VIADUC DE MILLAU

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Tarn

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CARCASSONNE

Ville Fortifiée Historique

Golf de Narbonne

Etang de Bages Etang de et de Sigean l’Ayrolle

Parc Naturel Régional de la Narbonnaise en Méditerranée

Lagrasse Alet-les-Bains

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SÉGUR 2027 m Pic de la Fageolle

Golf de Montescot

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Puigmal

Grotte de Fontrabiouse

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Etang de Canet

Saint-Cyprien

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Canal du Rhône à Sète A54 MARSEILLE

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Argelès-sur-Mer Villefranche-de-Conflent du Tech et du Ter Collioure Vernet-les-Bains Le Boulou Port-Vendres

Pyrénées 2000 St-Pierre-des-Forçats Eyne

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PERPIGNAN

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Castelnaudary

Golf Saint-Thomas

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Etang de Scammandre Etang du Charnier

La AiguesVilleneuveCarnonGrande- Mortes lès-Maguelone Motte Palavasde Vic Vic- Etang les-Flots Grotte de la Devèze la-Gardiole Pézenas BalarucLe Grau-du-Roi Thoré les-Bains Parc Naturel Régional 5 Port Camargue Frontignan A7 du Haut-Languedoc Golf de Bassin Canal Golfe d’Aig Cap d’Agde de Thau ue BEZIERS du Midi sMinerve Hé rau M Marseillan lt Agde Portiragnes Vendres Capestang Vias Le Cap d’Agde NissanSérignan-Plage Cap d'Agde Sallèles-d’Aude lez-Ensérunes ValrasHomps Le Somail Plage Canal de Au Port Cabanes de Fleury A9 de la Robine A61 Saint-Pierre-la-Mer NARBONNE u Narbonne-Plage bie Or Olargues

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Régional riégeoises

MONTPELLIER

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Grotte de Clamouse Golf de La Golf de Coulondres Grande-motte Camargue gardoise

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Vallée du Salagou et Cirque de Mourèze Golf de Montpellier Massane

Lamaloules-Bains

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St-Chélyd’Aubrac

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© Réalisation STUDIO IDM (Midi Libre) pour Destination LRMP. Juin 2016 - Reproduction interdite sans autorisation préalable.

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Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées I KARTE I 5


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6 I MITTELMEER I Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées


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MITTELMEER Die Küste der Region Languedoc Roussillon Midi Pyrénées, die sich über vier Departements und mehr als 200 Kilometer erstreckt, ist eine Einladung zum Ausruhen und Entspannen am Mittelmeer.

Petite Camargue Zwischen dem Festland und dem Meer: die Thau-Lagune Das Clape-Massiv und das Narbonnaise-Gebiet Collioure und Côte Vermeille

Von den Zonen wilder Natur in der Petite Camargue bis zu den Buchten der Côte Vermeille verfügt das Reiseziel Languedoc Roussillon Midi über eine einzigartige Meeresfassade mit mehr als 220 Kilometern am Mittelmeer. Wilde Zonen, Strände mit feinem Sand, Fischerhäfen, Tauchgebiete… Die Küste verbirgt eine Reihe verborgener Schätze, beispielsweise den großartigen Schrein von Collioure, das Naturreservat von La Clape, die Tauchgebiete des Cap d'Agde, der Lido bei Sète, die einzigartige Atmosphäre von Meer und Lagune des Grand Travers, sowie die ungeheure Ausdehnung von elf Kilometern unberührtem Strand von L’Espiguette. Ein einzigartiges Königreich aus Sand.

Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées I MITTELMEER I 7


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MITTELMEER

Petite Camargue im Gard Natur

Eine betörende Alchimie

Im Westen der Rhone, vom Meer bis zu den Küsten des Gard, bietet die Petite Camargue ein vielfältiges Mosaik an Landschaften. Weinberge und Reisfelder, landwirtschaftliche Flächen, die von den „Roubine“-Kanälen bewässert werden. Wiesen und Sümpfe, wo die schwarzen Stiere und die weißen Pferde der Camargue weiden. Sansouïre-Gebiete zwischen Sümpfen und Lagunen, die sich im Herbst mit der roten Farbe des Meerfenchels färben. Schilf, in dem Wasservögel wie Purpurreiher, Rohrdommeln und Enten nisten. Lagunen wie die Scamandre-Lagune, Zentrum eines regionalen Naturreservats, wo ausgeschilderte Wege und Aussichtspunkte dazu einladen, die zahlreichen Vögel zu entdecken, ganz besondere und sehr diskrete Bewohner dieser Stätte. Die Kiefernwälder mit großen, sonnenschirmartigen Kiefern, die sich vom Blau des Himmels und des Meers deutlich abheben, und in denen im Sommer der Gesang der Zikaden zu hören ist. Die bisweilen mit Strandhafer und Euphorbia bepflanzten Dünen verleihen dem sandigen Pfeil von L’Espiguette den Anschein einer Wüste am Rand des Meeres. Hier und dort, abseits von den Städten (Beauvoisin und die Abtei von

Franquevaux, Saint-Laurent-d'Aigouze und der Carbonnière-Turm…) am Rand der Petit Rhône, verbergen sich einige große, alleinstehende Bauernhöfe hinter Kiefern- oder HartholzWäldchen. Der Mensch hat es verstanden, diese wilde Natur, zeitloses Symbol eines unbezähmbaren Gebiets, weitgehend in Ruhe zu lassen, und hat sich auf wenige Eingriffe beschränkt, um von bestimmten Reichtümern dieser Natur zu profitieren. Das Schilf diente zur Herstellung von Strohlehm und des Daches der ersten menschlichen Behausungen, und wenn es heute nur noch sehr wenige Schilfrohrernter gibt, so herrschen diese doch über das größte bewirtschaftete Schilfgebiet in Westeuropa. Auf die Weingüter, die sich auf dem Schwemmland voller Kieselsteine oder auf den sandigen Böden ansiedelten, folgten die Manaden. Die Viehzüchter und die Tierwächter treiben die Stiere noch heute von Weide zu Weide, unterstützt vom Pferd der Camargue. Centre de Découverte du Scamandre. Tel. 33 (0)4 66 76 78 55 camarguegardoise.com

8 I MITTELMEERI Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées

Wissenswertes Eine prestigereiche Vergangenheit in Saint-Gilles Saint-Gilles, ein Durchgangsort während des Mittelalters, ist heute ein friedliches Städtchen mit einem einzigartigen historischen Erbe, darunter die 1116 über dem Grab des von den Gläubigen verehrten Saint Gilles errichtete Abteikirche, die über eine prächtige Fassade mit drei Portalen verfügt, die von mit Skulpturen geschmückten Säulen getrennt werden. Das am Pilgerweg nach Santiago de Compostela gelegene und in das Weltkulturerbe der Unesco aufgenommene Saint-Gilles ist das viertwichtigste Pilgerziel der Christenheit. In diesem Jahr werden die 900 Jahre der Abteikirche gefeiert; mehrere diesbezügliche Veranstaltungen sind für die Zeit zwischen Juni und September geplant.

Office de Tourisme de Saint-Gilles tourisme.saint-gilles.fr


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Le Cailar im Zeichen der Bouvine Ein der Begeisterung für die Stiere gewidmetes Votivfest Die besten Stiere nehmen an speziellen Stierturnieren in der Camargue teil, die zwischen April und Oktober stattfinden. Aber in der Ortschaft Le Cailar, genannt „das Mekka der Bouvine“, stehe die Stiere während des Votivfests im August im Mittelpunkt. Während des Stierturniers versuchen täglich die furchtlosen und reaktionsschnellen „Raseteurs“ dem Stier die zwischen dessen Hörnern befestigten Attribute zu entreißen (eine Kokarde, eine Eichel, eine Schnur). Das Programm wird abgerundet durch FerradeWettbewerbe (das Markieren junger Stiere), Turniere mit jungen Kühen

und Tänze. Zwar wird jedes Tagesprogramm durch die Worte „abrivado“ und „bandido“ eröffnet und beendet, aber am Mittwoch gibt es zusätzlich noch eine „Journée à l’ancienne“, während derer die Teilnehmer altertümliche Kostüme aus der Zeit um 1900 tragen, um der Stier-Auswahl auf den DemoisellesWiesen beizuwohnen; nach dem Essen begleiten sie die Stiere dann zusammen mit den berittenen Tierwächtern zur Arena, beim Klang einer Peña (einer traditionellen Musikkapelle). Votivfest von Le Cailar, vom 6. bis zum 14. August 2016. Tel. 33 (0)4 66 88 01 05

Der „Bayle“ (oberster Stierwächter) ist für die Manade verantwortlich, die er zu Pferde begleitet, in der Hand einen Dreizack, den er dazu verwendet, sich gegenüber den Stieren durchzusetzen.

Unendlich viele Räume Aigues-Mortes, eingehüllt von eindrucksvollen Festungsmauern mit sechs Türmen – darunter der Constance-Turm, Symbol der Macht von Saint-Louis –, ähnelt einer steinernen Zitadelle inmitten einer Welt aus Wasser. Die schattigen Gassen und Plätze dieser Ortschaft verbreiten eine Atmosphäre angenehmen Lebens. Die vom Wachgang auf den Festungsmauern aus sichtbaren Salzwiesen weisen geometrische Muster auf, mit rosa, blauen und ockerfarbenen Tönen. Das Meersalz, das von den Salzwerkern mit der Hand gesammelt wird, bildet kleine weiße Hügel („Camelles“ genannt) neben dem rötlichen Wasser. Die Mikroalge, durch die das Wasser gefärbt wird, wird von den rosa Flamingos sehr geschätzt, die zu den Gästen der Salinen gehören; letztere kann man entweder mit einem Zug besichtigen (einschließlich Aufstieg auf einen Salzhügel) oder mit dem Mountainbike, begleitet von einem Führer. Office de Tourisme d’Aigues-Mortes. Tel. 33 (0)4 66 53 73 - ot-aiguesmortes.com Salins d’Aigues-Mortes. Tel. 33 (0)4 66 73 40 24 - visitesalinsdecamargue.com

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MITTELMEER

Zwischen dem Festland und dem Meer

Die Thau-Lagune Sète, die Versuchung einer Insel

Wenn die „einzigartige Insel“, wie Sète genannt wird, heutzutage der wichtigste Fischerhafen am Mittelmeer ist, so ist diese Bestimmung keineswegs jüngeren Datums, sondern gehört seit langem zum Charakter dieser Stadt. Gassen, die umrahmt werden von schmalen Häusern mit farbigen Fassaden, Wäsche unter den Fenstern und Stühlen auf dem Gehsteig, wo die Bewohner frische Luft schnappen und sich unterhalten können… Das Viertel im oberen Teil der Stadt, genannt „Klein-Neapel“ wird von italienischen Fischern bewohnt. Daran erinnert die Marienstatue „Regina Maris“, die vom Dach der Kirche Saint-Louis aus über die Fischer wacht. La Pointe Courte, wie das Viertel der französischen und katalanischen Fischer genannt wird, besteht nur aus wenigen Gassen mit kleinen Häusern und Hütten am Rand der Lagune, wo in der Nähe der Fischerboote die Fächer und Netze zum Trocknen ausgelegt sind. Die Bewohner, genannt „les Pointus“, haben ein eigenes Team für die Wettkämpfe auf dem Wasser, deren Teilnehmer im Sommer auf dem

gerade 350 Jahre alt gewordenen Canal Royal gegeneinander antreten. An der Uferpromenade laden Restaurants, Läden, farbige Fassaden, reich verzierte Gebäude und Konsularpaläste mit Jugendstilarchitektur zur Verlängerung des Spaziergangs ein oder auch zu einer Bootsfahrt auf den Kanälen und unter deren neun Brücken hindurch. Auf einem der Berghänge des Mont Saint-Clair, der mit einer Höhe von 183 Metern über der Stadt emporragt und einen Panoramablick in alle Himmelsrichtungen bis zum Horizont bietet, zeichnet sich der Meeresfriedhof vor dem Hintergrund des Meeres und des blauen Himmels ab. Dort liegen Paul Valéry und Jean Vilar begraben, während Georges Brassens den Armenfriedhof an der Thau-Lagune als letzte Ruhestätte auserkoren hat. Ein letzter Ausdruck der innigen Verbindung dieser Künstler mit ihrer Insel. Office de Tourisme de Sète Tel. 33 (0)4 99 04 71 71 tourisme-sete.com

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Wissenswertes Vom Meeresmuseum zu den Dinosauriern Zwischen Landschaften mit Weinbergen und Ausläufern der Lagune kann sich die angenehme Lebensart am Mittelmeer in den kleinen Dörfern der Thau-Lagune ideal entfalten. Sète verfügt mittlerweile über ein kleines Meeresmuseum, in dem die Geschichte des Hafens präsentiert wird. In Loupian kann man die Überreste einer galloromanischen Villa besichtigen. In Mèze kann man noch weiter in der Zeit zurückreisen auf der dortigen, Dinosaurier-Ebene“, einer Stätte, die reich ist an Resten von Eiern und Knochen dieser prähistorischen Tierart.

dinosaure.eu


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Kulturelles Leben Die einzigartige Insel mit künstlerischer Ader Eine Aufführung der „Traversée“ von Jean Denant auf der Corniche, eine Aufführung der „Madone“ von Richard di Rosa im Quartier Haut (wobei Hervé di Rosa, der Bruder des Letztgenannten, eine der führenden Persönlichkeiten der Kunstrichtung der „Figuration libre“ und Präsident des am Rande des Kanals gelegenen „Internationalen Museums für bescheidene Kunst“ ist): Die Künstler aus Sète lieben erkennbar ihre Stadt. Das „Regionale Zentrum für Zeitgenössische Kunst“, untergebracht in einer ehemaligen Fabrik, das „Paul Valéry Museum“,

das seine diesjährige Sommerausstellung Max Ernst und Yves Tanguy widmet, der „Espace Georges Brassens“, das „Museum unter freiem Himmel“ mit seinen Werken von Straßenkünstlern, die Gäste des Festivals K-Live… Sète liebt die Künstler – Soulages residiert dort mit seinem Atelier während des Sommers –, und zwar nicht nur die Bildhauer. Das „Théâtre de la Mer“, dessen Bühne sich zum Ozean hin öffnet, stellt den magischen Rahmen des „Fiest’A Sète“ dar, ein Festival mit„ „Weltmusik“, mit „Jazz à Sète“ und weiteren Konzerten…

Lagune... Die Thau-Lagune, das Paradies der Austern

Espace Georges-Brassens. Tel. 33 (0)4 99 04 76 26 espace-brassens.fr

In den 80er Jahren schlug der Bürgermeister von Sète dem aus dem Quartier Haut der Stadt stammenden Richard Di Rosa die Schaffung einer Skulptur vor. Diese Madonna mit üppigen Formen und wulstigen Lippen steht heute in dem Viertel, in dem dieser Künstler geboren wurde.

Von Bouzigues bis Mèze ist die Thau-Lagune überzogen mit Krustentier-Farmen. Die Auster ist die Perle dieser Lagune, einige derer Farmen besichtigt werden können und auch den Direktverkauf von Austern und Muscheln anbieten. Das Museum der Thau-Lagune zeigt alle Facetten der lokalen Austernzucht-Tradition, für welche diese Lagune bekannt ist, die überdies aufgrund der dort herrschenden Artenvielfalt einen guten Ruf genießt. Vom Museum aus an der Angle-Bucht an der Lagune entlang zu laufen, ermöglicht es, die dortige, ganz besondere Atmosphäre auf sich wirken zu lassen, sowie im Schatten der vor der Sonne abschirmenden Pinien das silbrige Schimmern der Fische zu beobachten, das spektakuläre Abtauchen der Seeschwalben oder die anmutigen Schritte der eleganten Säbelschnäbler. Museum der Thau-Lagune. Tel. 33 (0)4 67 78 33 57 - bouzigues.fr

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MITTELMEER

Ste-Lucie Eine Insel inmitten der Lagunen

Das Clape-Massiv und das

NarbonnaiseGebiet Zwischen dem Festland und dem Meer Mit langen Sandstränden, Sümpfen und Lagunen, werden die von Trenet besungenen Meerbusen mit ihrem klaren Wasser gesäumt von zahlreichen Baderesorts. Narbonnes-Plages mit seinen zahlreichen Wassersport-Aktivitäten; Saint-Pierre la Mer, dessen wild gebliebener Strand sich bis zur Lagune von Pissevaches erstreckt; Gruissan, ein altes Fischerund Winzerdorf mit seinen auf Stelzen erbauten Häusern; Port-la-Nouvelle mit seinem langen Strand von La Palme; Leucate, bekannt für die Möglichkeit, dort an Land Windsegel-Gefährte zu lenken, sowie für das Kitesurfen, mit seiner Klippe hoch über dem

Meer; La Franqui, mit einem der schönsten Strände von Frankreich… Im Herzen einer durch den regionalen Naturpark geschützten Natur gelegen, erweist sich das Narbonnais als landschaftlich vielseitiges Gebiet mit Garrigues-Vegetation und Weinbergen, übersät mit prächtigen Weinbau-Abteien. Der Felsen von Cornillac, bekannt als Stätte der Beobachtung von Zugvögeln, bietet einen einzigartigen Ausblick auf die Lagunen und die Bergmassive von La Clape sowie der Corbières. Office de Tourisme de Narbonne. Tel. 33 (0)4 68 65 15 60 narbonne-tourisme.com

Ein Herz aus Kalkstein, das es zu zähmen gilt… La Clape war früher einmal eine Insel. Durch das Austrocknen der Sümpfe und die Auffüllung der Lagunen wurde eine Verbindung zur Ebene der Corbières hergestellt; ein Strandstreifen sorgte für die Trennung vom Meer. Der offen zutage tretende oder von GarriguesVegetation bedeckte Fels ist überall zu sehen;

jedoch beherbergt das Bergmassiv ein Netz unterirdischer Wasserströme, welches in der Schlucht des Oeil Doux mit der Oberfläche verbunden ist, in Gestalt eines Kreises smaragdfarbenen Wassers, umgeben von hohen Klippen. Die Kapelle von Notre-Dame des Auzils, Schutzpatronin

der Seeleute mit zahlreichen Votivgaben, ist zum Meer hin ausgerichtet. Vom Oustalet-Gebiet aus durchqueren mehrere Pfade die duftende Garrigues-Vegetation, ein Bergmassiv mit grünen Eichen, einen Wald aus Aleppokiefern und ein steiles Tal, während auf den Klippen, wo Greifvögel

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nisten, die seltene Kornblume von La Clape sich am Felsen festkrallt. Das Bergmassiv von La Clape besitzt verschiedene Gesichter, die zu entdecken man sich genug Zeit nehmen muss. Maison de la Clape. Tel. 33 (0)4 68 45 25 47 parc-naturelnarbonnaise.fr.

Um auf die Insel Sainte-Lucie vordringen zu können, muss man die Schleuse des an ihr entlang führenden Robine-Kanals überwinden. Der lange und wilde Strand, die Wälder aus Aleppokiefern, die GarriguesVegetation, die Sümpfe am Fuß der Klippe… Die Insel konzentriert auf engstem Raum eine Auswahl der schönsten Küstenlandschaften des Mittelmeers. Verschiedene Überreste sind Zeugen der Geschichte: die alten Steinbrüche aus der Römerzeit, die romanischen Ruinen des Mittelalters, der Weinkeller, der frühere Bauernhof, die Bunker… Vom Aussichtspunkt des Roc Saint-Antoine aus erblickt man vorwiegend die Farbe Blau: die Lagunen von Ayrolle, Bages und Sigean, die Salinen und das Meer. Office de Tourisme de Port-la-Nouvelle. Tel. 33 (0)4 68 48 00 51 ot-portlanouvelle.com

Ein Meereserbe

Das große, 1855 erbaute Schiff Marie-Thérèse stellte die erste von Yann Pajot abRestauriegeschlossene rungsarbeit dar. Seitdem wurde noch weiteren Schiffen in seiner Werkstatt an der Schleuse von Mandirac zu neuem Leben und neuer Farbigkeit verholfen. Dieser junge Marinetischler leitet auch die „Gedächtnis-Ateliers“ auf der Insel SainteLucie, wo es um die Restaurierung einer kleinen Flotte aus traditionellen Booten von der Lagune und von der Küste geht.

Schleuse von Mandirac. Tel. 33 (0)6 83 06 06 23. parc-naturel-narbonnaise.fr


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MITTELMEER

Festung

Salses, das eingegrabene Fort

Katalanische Küste Das Florida des Badetourismus Die katalanische Küste, auch Côte Radieuse genannt, erstreckt sich mit ihren Kilometern von Sandstränden zwischen Meer und Lagunen von Barcarès bis nach Argelès-sur-Mer. Eine Küste, die so flach ist, dass man von ihr bis nach Leucate im Aude-Gebiet zurückweichen muss, um Klippen zu finden, auf die man klettern könnte; von dort aus kann man dann die ganze Küste bewundern, von Norden bis nach Süden. Dieser Küstenstreifen des Roussillon war eines der Einsatzgebiete der Mission Racine zu Beginn der 60er Jahre, wodurch dort mehrere „neue TourismusEinheiten“ geschaffen wurden, wie auch an anderen Stellen der Küste des Languedoc. Port-Leucate,

Port-Barcarès (mit seinem berühmten Ozeandampfer auf dem Sand, der „Lydia“), Canet-en-Roussillon, Torreilles-Plage, Saint-Cyprien, Argelès-sur-Mer mit seinen Campingplätzen… Die aus der Neubebauung der Küste hervorgegangenen Häfen und Baderesorts wurden manchmal aufgrund ihrer anarchistischen Architektur und der von ihnen verursachten Umweltschäden kritisiert, aber manche von ihnen gelten heute als Musterbeispiele gelungener Integration in die Natur, wie etwa das „Village des Sables“ von Sainte-Marie. Egal ob man dafür oder dagegen ist, wird man zugeben müssen, dass die „Anziehungskraft der Sonne“ weiterhin in unseren Küstenzonen wirksam ist.

Die blaue Linie des Albères-Massivs Unter den Naturschätzen der katalanischen Küste gibt es einen, der besonders beliebt und wild ist, sowie überdies zugänglicher als der Canigou: das Bergmassiv von Albères, welches bis auf beide Seiten der Pyrenäen reicht. Diese schöne

Berglandschaft mit einer Mischung aus Macchia, Korkeichen und Buchenwald, die einen strategischen Übergang zwischen Frankreich und Spanien bildet (über die Pässe von Panissars und Perthus), beherbergt hübsche Dörfer und hat ihren höchsten Punkt im Pic Neulos (1256 m),

von wo aus man einen atemberaubenden Blick auf die Ebene des Roussillon hat. Eine Oase der Frische und der Ruhe, nur wenige Minuten von den Stränden entfernt. Man kann dort bergsteigen, Mountainbike oder Kanu fahren, und kleine Schmuckstücke des

Kulturerbes entdecken, wie den Madeloc-Turm oder den Massane-Turm, ehemalige Signaltürme aus dem Mittelalter, sowie die Burg von Ultrera und mehrere großartige präromanische Abteien, vor allem das Priorat Santa Maria del Vilar von Villelonguedels-Monts.

Ganz in der Nähe der Lagune von Salses-Leucate verblüfft die Festung von Salses, die erbaut wurde vom Architekten Francisco Ramiro Lopez und die damals die Grenze zwischen Katalonien und dem Königreich Frankreich markierte, den Betrachter durch ihre zoomorphe, abgerundete Architektur, deren steinerne Formen zum Fotografieren herausfordern. Salses, ein kriegerisches Instrument, das am Ende des 15. Jahrhunderts von den katholischen spanischen Monarchen in Auftrag gegeben wurde, um den französischen Kanonenkugeln zu widerstehen, übernimmt viele architektonische Einfälle von der damaligen Festungsarchitektur der Araber. Die beeindruckende Bauweise dieser Struktur, die durch Vauban teilweise restauriert wurde, ist auf jeden Fall einen Besuch wert. forteresse-salses.fr

Ein Land aus Lagunen

Die von drei Flüssen (Tech, Têt und Agly) bewässerte katalanische Küste besitzt auch einen großen Reichtum an Lagunen, darunter jene von Canet-Saint-Nazaire, eine der schönsten der östlichen Pyrenäen und ein geschützter Naturraum von ca. tausend Hektar, in dem rund 250 Vogelarten leben. In der Lagune von Salses-Leucate, einem ehemaligen Sumpfland, wohnen heute noch die letzten traditionellen Fischer („Artmanos“ genannt), deren Boote und Hütten aus „Sanills“ in Le Barcarès besichtigt werden können. Das 145 Hektar große Naturschutzgebiet Mas Larrieu befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinden Argelès-sur-Mer und Elne.

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RUnDREISE An DER KÜSTE

Petite Camargue

Ephèbe - Agde

Rundreise Wie abwechslungsreich hinsichtlich Umgebung und Atmosphäre sind diese 220 km Mittelmeerküste! Ein Überblick, von den sumpfigen Moorlandschaften der Petite Camargue bis zu den geschützten Buchten der Côte Vermeille.

Collioure Banyuls

Entdeckung einer „Manade“… Die Manaden, frei lebende Herden von Stieren, sind ein fester Bestandteil der Landschaft der Petite Camargue. Das Kreuz der Camargue, die spezifische Stierwächterkleidung und Wettkämpfe mit Stieren gehören als Symbole zur Identität dieser Region. Zwar werden die Stiere heutzutage meist vom Geländewagen aus betreut, aber das Pferd der Camargue kommt nach wie vor beim Viehtrieb zum Einsatz, und daneben natürlich auch im Rahmen der zahlreichen Festveranstaltungen während des Sommers. Die Wächter dieser Stiere, „Mana-

diers“ genannt, empfangen häufig auch Besuchergruppen, um ihnen ihre Viehzuchttechniken vorzuführen und um dabei die Traditionen der Camargue zu erläutern. Auf dem Programm stehen üblicherweise die „Ferrade“ (das Markieren der Kälber mit einem glühenden Eisen) und das Auswählen und Umgruppieren der Stiere; am Ende gibt es immer einen Aperitif und eine von Liedern begleitete Mahlzeit. Office de Tourisme d’Aigues-Mortes. Tel. 33 (0)4 66 53 73 ot-aiguesmortes.com Office de Tourisme du Grau-duRoi. Tel. 33 (0)4 66 51 67 70 vacances-en-camargue.com

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Tiere in allen Variationen Wohlige Schauer der Besucher sind garantiert im Seaquarium von Le Grau du Roi, in dem 30 verschiedene Haiarten leben. Das Afrika-Reservat von Sigean kann nur vom Auto aus besichtigt werden. Im Aquarium von Canet-enRoussillon kann die UnterwasserFauna bewundert werden, während sich in Sorède das Reich der Schildkröten befindet, von der Riesenschildkröte der Seychellen bis zur Alligatorenschildkröte. Das Biodiversarium, unter Mitwirkung des Aquariums von Banyuls-sur-Mer und des Jardin Méditerranéen von Le Mas de la

Serre, präsentiert die Artenvielfalt im Wasser und auf dem Land in den östlichen Pyrenäen. - Seaquarium. Tel. 33 (0)4 66 51 57 57 seaquarium.fr - Réserve Africaine. Tel. 33 (0)4 68 48 20 20 reserveafricainesigean.fr - Aquarium. Tel. 33 (0) 04 68 80 49 64 aquarium-canet.com - Vallée des Tortues. Tel. 33 (0)4 68 95 50 50 lavalleedestortues.fr - Biodiversarium. Tel. 33 (0)4 68 88 73 39 biodiversarium.fr


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RUnDREISE An DER KÜSTE

Reisefreuden von der Petite Camargue bis zur Côte Vermeille Auf der Suche nach dem Étang de l’Or

Um die wilde Schönheit der Aneinanderreihung von Lagunen, die sich an der Küste von Le-Graudu-Roi bis nach La Grande-Motte erstreckt, angemessen bewundern zu können, müsste man von der Höhe aus darauf hinunterblicken. Ein schmaler und zerbrechlicher Sandstreifen trennt diese Lagunen vom Meer. Die Wanderwege an der Méjean-Lagune mit ihren Aussichtspunkten entlang von Sümpfen, Röhricht und „Sansouïres“ (Salzprärien) ermöglichen die Beobachtung von Stieren, Pferden und zahlreichen Vogelarten. Die mit Schilf bewachsenen Uferstreifen des Étang de l’Or mit ihre traditionellen Hütten dienen Enten und Blässhühnern als Zufluchtsstätte. Die inmitten der Lagunen errichtete Kathedrale von Villeneuve-lès-Maguelone stellt den Höhepunkt dieser Reise zwischen Land und Wasser dar. Ihre klaren Linien strahlen eine harmonische Aura aus. Office de Tourisme de Mauguio-Carnon. Tel. 33 (0)4 67 50 51 15 carnontourisme.com Office de Tourisme de Palavas-les-Flots. Tel. 33 (0)4 67 07 73 34 ot-palavaslesflots.com

Die Tournee der Privatstrände Entlang der Küste des Hérault, zwischen Le Grau-du-Roi und Cerbère, mangelt es nicht an Privatstränden. Zwar vereint sie ein identisches Prinzip – Liegestühle

und Luftmatratzen, um unter der Sonne zu entspannen, sowie Abende im Zeichen der Entspannung oder des fröhlichen Partytreibens –, so pflegt doch jedes Strohhütten-Etablissement seinen eigenen Stil und Look. Grillfische und die Füße im Sand im „Estuaire Plage“, errichtet in zauberhafter Umgebung in Le Graudu-Roi, oder Jakobsmuscheln in der eleganten Atmosphäre von „La Paillotte-Bambou“ in La Grande-Motte… Oder die Speisen der Küchenchefs Pourcel vom „Carré Mer“, mit stilvoller Lounge-Atmosphäre auf dem hübschen Strand von Villeneuveles-Maguelone. In „Les Voiles“ hingegen, in Portiragnes, herrscht eine familiäre Atmosphäre inmitten einer Fischerhütten-Dekoration, und auf den Tisch kommt vor allem frischer Fisch. Wer die Stille schätzt, wird im „Chez Hervé Côté Plage“ auf seine Kosten kommen, gelegen in Le Grau d’Agde.

Appetit auf Austern Die hiesige Auster ist bekannt für ihren leicht nußigen Geschmack. Die Auster von Bouzigues, die in Seilrahmen in den Austernfarmen der Thau-Lagune gezüchtet wird, konnte die Gunst der Feinschmecker erringen. Von Bouzigues über Marseillan bis nach Mèze haben verschiedene Austernfarmen beschlossen, sich für Besucher zu öffnen, die dort die Arbeit der „Meeresgärtner“ kennenlernen können und auch deren Produktion kosten können. Le Saint-Barth, Le Mas Roucairol in Marseillan, Le Recantou, Chez Petit Pierre in Bouzigues, Le petit Mas, L’Atelier in Loupian, Karine und Yvan Caussel in Mèze… Bei vielen von ihnen wird die Austernprobe begleitet durch ein Glas Picpoul de Pinet, dessen Weinberge sich ganz in der Nähe befinden. In Marseillan befinden sich auch die Weinkeller des Hauses Noilly Prat, die nach Voranmeldung unter Begleitung

eines Führers besichtigt werden können; am Ende kann der berühmte, 1813 erstmals hergestellte Aperitif dieses Hauses probiert werden. Office de Tourisme de Marseillan. Tel. 33 (0)4 67 43 93 08 tourisme-nordbassindethau.fr Noilly Prat. Tel. 33 (0)4 67 77 20 15 noillyprat.com

Agde, eine explosive Stadt Sie verdankt ihren Beinamen, „die schwarze Perle“, ihren zahlreichen aus Basaltstein errichteten Gebäuden. Ihre Festungsmauern, die Kathedrale Saint-Etienne und das EphebenMuseum, in dem sich „L’Ephèbe d‘Agde“ befindet, eine antike Bronzestatue, die vor Le Grau d’Agde im Wasser gefunden wurde, laden zu einem Spaziergang durch diese alte Hafenstadt ein. Außer den feinen Sandstränden des Cap d’Agde, von denen manche auch zum Nacktbaden genutzt werden, gibt es auch noch die Strände mit schwarzem Sand am Fuß der Lavaklippen von La Conque. An der Tauchstelle der Grandes Tables führen begleitete Ausflüge und der Entdeckungsweg am Rand des Strandes zur Begegnung mit der hier sehr vielfältigen Unterwasserwelt. Party-Liebhaber können sich auf die Ile aux Loisirs mit ihren Diskotheken begeben, während Kinder im Dinopark und im Aqualand auf ihre Kosten kommen. Office de Tourisme d’Agde. Tel. 33 (0)4 67 01 04 04 capdagde.com

Auf den Spuren der Maler Die „Fauves“-Stadt Collioure huldigt dieser von Matisse und Derain angeführten Kunstbewegung. Der „Chemin du Fauvisme“ führt zu den Orten, an denen diese beiden Maler ihre Staffeleien aufgestellt haben und ermöglicht den

Vergleich zwischen den Reproduktionen bestimmter Gemälde und dem Hafen, den Stränden und den Dächern der Stadt, die als Vorlage dienten. Sowohl Picasso als auch Braque haben eine Weile lang in Céret gelebt, wo die Bewegung des Kubismus entstand. Das Museum für Moderne Kunst beherbergt Werke von einigen der größten Künstler des 20. Jahrhunderts, die sich in dieser Stadt und in ihrer Umgebung aufhielten. Der in Banyuls-sur-Mer geborene Aristide Maillol besitzt ein ihm gewidmetes Museum in dem früheren Bauernhof, der ihm als Atelier diente. Office de Tourisme de Collioure. Tel. 33 (0)68 82 15 47 collioure.com Musée d’Art Moderne de Céret. Tel. 33 (0)4 68 87 27 76 www.musee-ceret.com Musée Maillol. Tel. 33 (04) 68 88 57 11 museemaillol.com

Der Küstenpfad Der bei Le Racou in Argelès-surMer beginnende Küstenpfad ist ideal, um die Côte Vermeille zu entdecken. Die Wanderung führt vorbei an geschützten Buchten, an Festungen und an den terrassenförmig angelegten Weinbergen auf dem Albères-Massiv. Die in den Schieferfelsen nistenden Möwen begleiten Sie manchmal auf einem Teil Ihres Weges. Der Pfad führt durch Collioure, am Fuß des Château Royal vorbei und bis nach Port-Vendres. Der Spaziergang auf der Hafenpromenade mit ihren farbigen Häusern kann über das Cap Béar mit seinem Leuchtturm bis zur Bucht von Paulilles verlängert werden. Der Küstenpad geht noch weiter bis zur spanischen Grenze am Puig de Cerbère und schlängelt sich dabei durch duftende Garrigue-Vegetation, mit herrlichen Ausblicksmöglichkeiten auf die schroffe Küste und deren Hinterland. Office de Tourisme Banyuls-surMer. Tel. 33 (0)4 68 88 31 58 banyuls-sur-mer.com

Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées I MITTELMEER I 15


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MITTELMEER

Einzigartig Die Bucht von Paulilles, eine wilde Schönheit

Côte Vermeille

Collioure Das Schmuckstück der Côte Vermeille in einem Pinselstrich Das „Schmuckstück der Côte Vermeille“ genannte Collioure hat die Maler in seinen Bann gezogen, die dort ihre Pinsel in das farbige Licht dieser Stadt getaucht haben. Das Château Royal zeugt von seiner mittelalterlichen Vergangenheit, die am Rand des Wassers stehende Kirche Notre-Dame-des-Anges mit ihrem Leuchtfeuer-Glockenturm wacht über die Bucht, während der Landungssteg entlang einem kleinen Kieselstrand führt. Das Mouré-Viertel weist ocker- und rosafarbene Häuser mit blumengeschmückten Balkons entlang seiner mit Kieseln gepflasterten Gassen auf, in denen Künstlerateliers und Galerien untergebracht sind.

Dieses alte Fischerdorf, geschützt durch eine Bucht, wo das Mittelmeer die Ausläufer der Pyrenäen umspült, und das geprägt ist von Poesie und existentieller Leichtigkeit, war lange Zeit eines der französischen Zentren der Sardellenfischerei. Zwei Einsalz-Werkstätten können besichtigt werden. Über einen dreißigminütigen Spaziergang gelangt man zum Fort Saint-Elme, von wo aus man einen einzigartigen Ausblick auf die Stadt und die umgebenden Landschaften genießt. Office de Tourisme de Collioure. Tel. 33(0)4 68 82 15 47 collioure.com

Eine farbenprächtige Küste

Die Côte Vermeille bietet eine ganze Palette von Farben: das Blau des Meeres, das Weiß der Berggipfel der Pyrenäen, das Grün der bewaldeten

oder von Weinstöcken überzogenen Hügel, das Türkis der Buchten und das Gold der Strände… Hier muss der Sand dem Felsen weichen, denn das Albères-Massiv reicht bis zum Meer. Die Strände schmiegen sich in die kleinen Buchten und die Häfen in die großen Buchten… Argelès-surMer und der wilde Strand von Le Racou, Collioure,

Port-Vendres mit seinem Dorf auf der Hügelflanke über der Lagune, Banyuls – berühmt für seine Weine und seine pittoresken Gassen – Cerbère mit seinem beeindruckenden Hotel Rayon Vert. Die wilde Küste sowie die Landzungen von Béar und Rédéris verbreiten den Zauber des Meerufers des Roussillon bis nach

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Spanien hin. Fremdenverkehrsbüros: Argelès-sur-Mer Tel 33 (0)4 68 81 15 85 argeles-sur-mer.com Collioure Tel. 33(0)4 68 82 15 47 collioure.com Port-Vendres Tel. 33 (0)4 68 82 07 54 port-vendres.com Banyuls-sur-Mer Tel. 33 (0)4 68 88 31 58 banyuls-sur-mer.com

Zwischen Port-Vendres und Banyuls erstrecken sich die sandigen Strände und das türkisfarbene Wasser der Bucht von Paulilles. An einer Stelle, wo früher eine Dynamitfabrik stand, die aber heute unter Naturschutz steht, hat sich die Wildnis wieder breit gemacht. Hier findet man einen grünen Eichenwald und eine üppige Vegetation, in der sich die lokale Flora mit den exotischen Pflanzen des früheren Direktorengartens vermischt hat. Aus den Gebäuden wurde ein Aussichtspunkt, ein Haus zum Empfang von Besuchern und eine Werkstatt, in der katalanische Boote restauriert werden… Unter der Wasseroberfläche findet man dieselbe Magie. Eine Tauchermaske mit Schnorchel reicht aus, um in dieses klare und ebenfalls unter Naturschutz stehende Wasser eintauchen zu können, wo man den Meeresgrund bewundern kann. Maison du site de Paulilles. Tel. 33 (0)4 68 95 23 40 ledepartement66.fr

Unterwasser-Welten

Vom Strand von Peyrefite aus kann man ausgerüstet mit Tauchermaske, Schnorchel und Schwimmflossen den Unterwasser-Pfad des Meeresschutzgebietes von Cerbère-Banyuls erkunden. Fünf jeweils mit einer Boje markierte Beobachtungsstationen sind mit im Wasser versenkten Hinweistafeln ausgestattet, was den Tauchern beim Entdecken der Unterwasser-Welt behilflich sein soll. Die Kinder werden über einen mit Radio ausgestatteten Schnorchel von der Stimme von Astrée begleitet, die ein kleiner Meerstern ist, der den Kindern seine Freunde vorstellt.

Réserve Naturelle Marine de Cerbère Banyuls Tel. 33 (0)4 68 88 56 87


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STÄDTE Das Reiseziel Languedoc Roussillon Midi Pyrénées besteht aus einem Gebiet um die beiden Metropolen Toulouse und Montpellier herum, das von zahlreichen weiteren Städten durchzogen ist.

Montpellier, das Languedoc mit Ausstrahlung Toulouse, die Stadt, wo man das Leben rosa sieht Albi, eine farbige Stadt für Feinschmecker Lourdes, eine universelle Stadt

Vom römischen Nîmes bis zum mittelalterlichen Cahors und vom gascognischen Auch bis zum katalanischen Perpignan bietet das Reiseziel Languedoc Roussillon Midi Pyrénées weite Landschaften und lebendige Städte. Das am Ufer der Garonne gelegene Toulouse, genannt „die rosa Stadt“ und die Heimat von Airbus, besitzt einen einzigartigen Charme, während das nur wenige Kilometer entfernte Montpellier mehr zum Mittelmeer hin orientiert ist. Der Besucher hat eine große Auswahl historischer oder moderner Städte, alle mit Charme und Charakter, von denen viele das Label „Stadt mit Kunst und Geschichte“ tragen, von mehr als zweitausend Jahre alten Städten an der alten Römerstraße bis hin zu mittelalterlichen Städten, welche das wehrhafte Aussehen ihrer Vergangenheit bewahrt haben.

monnouvelhorizon.com

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STÄDTE

Freizeitgestaltung Die Natur als Spielplatz

Mende Die fromme Stadt im Herzen des Lozère Mende scheint sich unter den grauen Mantel seiner Schieferdächer zu schmiegen, über denen die beiden eindrucksvollen und asymmetrischen Glockentürme der Kathedrale Notre-Dame-et-Saint-Privat emporragen. Diese Bischofsstadt, zu der im 16. Jahrhundert eine der reichsten Diözesen des Languedoc gehörte, entwickelte sich hauptsächlich im 5. Jahrhundert, als sie von den Einkünften der Pilgerreisen profitierte, die zum Ziel die Grotte des Mont-Mimat hatten, Ort des Martyriums von Saint Privat, Bischof der Gabalier (Einwohner des Gévaudan). Der Büßerturm, das ehemalige Couvent des

Carmes und natürlich die Kathedrale tragen noch heute das Siegel der Stadtgeschichte. Eine Stadt, die erbaut wurde auf Befehl des aus dem Gévaudan stammenden Papstes Urban V., dessen Bronzestatue bis heute auf dem Vorplatz der Kathedrale steht. Die im Jahre 1581 zerstörte Kathedrale wurde im 17. Jahrhundert wieder aufgebaut. Wenn man die 430 Stufen auf einen der beiden Glockentürme emporgestiegen ist, hat man einen großartigen Ausblick über die Stadt. Office de Tourisme de Mende. Tél. 33 (0)4 66 65 60 00 - ot-mende.fr

Schnitzeljagd durch die Stadt hindurch Mende besitzt zahlreiche Springbrunnen in seinem Stadtzentrum und daneben auch viele Marienstatuen, welche verborgen sind in winzig kleinen Oratorien. Diese wie auf einer Art Schnitzeljagd zu suchen, ermöglicht, dabei die Stadt zu entdecken, auf dem Weg durch Straßen mit prächtigen Fachwerkhäusern an 18 I STÄDTE I Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées

ihren Rändern. Eine Jungfrau aus Holz in der Rue Basse; eine halbkreisförmige Nische in einer Hausmauer der Rue Notre-Dame, wo sich eine Schwarze Jungfrau befindet, über der Wasser aus einem Springquell in ein steinernes Becken fließt; eine Pietà aus mehrfarbigem Stein in der Rue d’Aiguës Passes… Madonnenstatuen, die

heute noch an hohen kirchlichen Feiertagen geehrt werden. Die öffentlichen Springbrunnen werden vom Wasser verschiedener Quellen gespeist, die durch ein unterirdisches Netz von Kanälen fließen, das man in den Becken der alten Wäscherei von La Calquière beobachten kann.

Die Kinder sind die hauptsächliche Zielgruppe dieses Parks, der eine geheimnisvolle Reise in das Land des Wassers und der Geräusche anbietet, samt eines Kletterspaziergangs durch die Bäume. Le Vallon du Villaret, eine halbe Stunde von Mende entfernt, ist mehr als ein Freizeitpark, nämlich ein großer zeitgenössischer Garten mit Installationen aus Künstlerhand, der zu einer intelligenten, spielerischen und wunderbaren Begegnung mit der Natur einlädt. Während der Besuchersaison gibt es Ausstellungen (von Ben, Claude Viallat, Pierrick Sorin, Alain Clément, Soulages, Tapies…) in einem Turm aus dem 16. Jahrhundert sowie Konzerte. Vallon du Villaret. Tel. 33 (0)4 66 47 63 76 levillaret.fr

Panoramablick auf die Stadt

Das Kalkplateau von Mende bietet vom Gipfelkreuz des Mont-Mimat aus einen großartigen Panoramablick auf die Stadt, gleich neben der Grotte und der Kapelle von Saint-Privat. Im Juli und August werden dort mehrere Treffen um 6 Uhr morgens angeboten, um den Sonnenaufgang über der Stadt beobachten zu können, begleitet von Musik und einem Frühstück mit süßen und deftigen Zutaten aus lokaler Herkunft.

Office de Tourisme de Mende. Tel. 33 (0)4 66 94 00 23 ot-mende.fr


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STÄDTE

Carré d’Art

Harmonie und Transparenz

Nîmes Der Dialog mit den Jahrhunderten im „französischen Rom“ Die Stadt ist bekannt für ihre Denkmäler aus der Antike. Hier ist natürlich an erster Stelle das Amphitheater zu nennen, eines der am besten erhaltenen aus der römischen Welt. Daneben die „Maison Carrée“, ein Tempel, der in der Antike diese Stadt dominierte, das Augustus-Tor, der Diana-Tempel und der MagneTurm. Nîmes, das die Aufnahme in das Weltkulturerbe der Unesco erwartet, ruht sich aber keineswegs nur auf seinen Lorbeeren aus, sondern hat einen Dialog mit den Jahrhunderten etabliert. Gegenüber der antiken „Maison Carrée“ wurde das moderne „Carré d‘Art“ von Norman Foster errichtet. Die Jean-Jaurès-Alleen wurden von Jean-Michel Wilmotte neu gestaltet, der zusammen mit François Fontès auch für die Renovierung der Markthallen verantwortlich ist. Jean Nouvel gestaltet

den „Némausus“, die Sozialwohnungen der Zukunft. Neben großen Architekten sind hier auch renommierte Designer und Künstler am Werk: Philippe Stark gestaltet einen Busunterstand um und erneuert das Stadtwappen, ein Krokodil an einem Palmbaum. Martial Raysse ist verantwortlich für die Umstrukturierung des ganz in der Nähe des „Carré d’Art“ gelegenen AssasPlatzes; zusammen mit Silvio und Vito Tongiani entwirft er einen Springbrunnen für die Place du Marché. Hingegen wurde die Gestaltung des künftigen Museums der Römerzeit Elisabeth und Christian de Portzamparc anvertraut. Die Geschichte bleibt also in Bewegung. Office de Tourisme de Nîmes. Tel. 33 (0)4 66 58 38 00 ot-nimes.fr

Ein historischer und erfrischender Garten Les Jardins de la Fontaine bieten eine erfrischende Pause in schöner landschaftlicher Umgebung, die verziert wird durch Vasen und Statuen. Eine lange Zeit als geheimnisvoll geltende Quelle, gewidmet dem Gott Némausus, war die Ursache der Anlegung dieses Gartens im 18.

Jahrhundert, an der Stelle des antiken Heiligtums, aus dem die Stadt Nîmes hervorging, unter Einbeziehung des Magne-Turms und des Diana-Tempels. Das Wasser ist dort allgegenwärtig, fließt durch Kanäle und Becken, verbirgt sich im Nympheum und nimmt die

Gestalt eines Vorhangs vor einer Grotte an. Im Steingarten am Rand der Wasserbecken laden hin und wieder Bänke zum beschaulichen Verweilen ein, während terrassenförmig konstruierte Treppen zum Magne-Turm hinauf führen, einem Rest der antiken Stadtbefestigung

aus der Zeit des Augustus. Im August wird während der „Féérie des Eaux“ dieser vom französischen Kultusministerium als bemerkenswert anerkannte Garten mit einem Licht- und WasserSpektakel besonders in Szene gesetzt. Jardins de la Fontaine. Tel. 33 (0)4 66 58 38 00.

Das vom britischen Architekten Norman Foster entworfene „Carré d’Art“ steht gegenüber der „Maison Carrée“, die sich in seiner Glasfront spiegelt. Über die große und durchsichtig gestaltete Eingangshalle gelangt man über gläserne Aufzüge und mehrstöckige Treppen in die beiden höchsten Stockwerke des Gebäudes, wo sich das Museum für zeitgenössische Kunst befindet. Als Partner des Pariser Centre Pompidou und des Tokio-Palasts organisiert das Museum in diesem Sommer eine Ausstellung über Ugo Rondino. Im höchsten Stockwerk bietet die unter dem Glasdach des Atriums gelegene Restaurantterrasse einen Ausblick auf die roten Ziegeldächer der alten Römerstadt. Carré d’Art. Tel. 33 (0)4 66 76 35 70 carreartmusee.com

Die ledernen Camargue-Stiefel

Nîmes ist nicht nur römisch und modern, sondern ist auch der Stierkampf-Tradition sehr verbunden. Provenzalische Hemden und Camargue-Stiefel sind ein Muss für die Zuschauer beim Stierkampf. In dem kleinen Dorf Villetelle ist die als „Entreprise du Patrimoine Vivant“ ausgezeichnete Firma „La Botte Gardiane“ spezialisiert auf die Herstellung von Stierhüter-Stiefeln. Diese klassischen Camargue-Stiefel, aus Kalbsleder und handgefertigt, werden manchmal noch verschönert durch Stickereien und Einlegearbeiten.

La Botte Gardiane. Tel. 33 (0)4 67 66 29 58 labottegardiane.com

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STÄDTE

Montpellier Der Languedoc mit Ausstrahlung Von jüngerer Gründung – vor knapp tausend Jahren – wusste Montpellier diese späte Geburt durch außergewöhnliche Dynamik zu kompensieren. Die Stadt besitzt dankt der mittelalterlichen Aura ihrer Straßen und zahlreicher Privathäuser einen zeitlosen Charme. Einer der Schätze dieser Stadt sind ihre Plätze, egal ob eher belebt wie die Place de la Comédie oder eher still wie die Place Sainte-Anne und die Place de la Canourgue; daneben weist die Stadt auch die wehrhafte Kathedrale SaintPierre gleich neben der Fakultät für Medizin auf, sowie die neogotische Kirche Saint-Roch im Zentrum des Ausgehviertels der Weinbars und Restaurants. Eine Stadt des Südens, mit 300 Sonnentagen pro Jahr, wo der Aufenthalt stets angenehm ist. Office de Tourisme de Montpellier. Tel. 33 (0)4 67 60 60 60 montpellier-tourisme.fr

Ein zu entdeckender Garten

Küste Eine Metropole in Reichweite des Meeres Bis zum Ende der 60er Jahre war Montpellier mit dem Meer über den kleinen Zug von Palavas verbunden, einem etwa 10 km von der Stadt entferntem Badeort. Seit einigen Jahren ist es dank dem öffentlichen Nahverkehr möglich, sich der Küste zunächst mit der Straßenbahn (Linie 3) anzunähern und dann in Pérols in den Bus umzusteigen. Um zum Pilou-Strand von Villeneuve-lès-Maguelone zu gelangen, kann man mit einem Kombi-Ticket für Bus + Fahrrad den letzten Teil des Weges während des Sommers auf einem dafür zur Verfügung gestellten California-Rad zurücklegen. Wer besonders sportlich ist, kann von Montpellier aus auch innerhalb von weniger als einer Stunde das Meer erreichen, indem er dem Ufer des Flusses Lez folgt. Das ist ideal, um in naturbelassener Umgebung zwischen Meer und Lagune ein kleines Bad zu nehmen, um in einem der Yachthäfen an der Küste Wassersport-Aktivitäten zu betreiben oder um auf einem der zahlreichen während des Sommers am Rand des Meeres installierten Privatstrände Fischspezialitäten zu probieren. In den letzten Jahren wurden auf den Küstenstreifen des Grand und Petit Travers wichtige Umgestaltungsmaßnahmen vorgenommen. Office de Tourisme de La Grande-Motte. Tel. 33 (0)4 67 56 42 00 - lagrandemotte.com 20 I STÄDTE I Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées

Der Jardin des Plantes von Montpellier, gelegen in der Nähe des Jardin du Peyrou, ist ein Schmuckstück von 4,5 Hektar im Herzen der Stadt. Angelegt im Jahr 1593 unter Heinrich IV., ist dies der älteste botanische Garten Frankreichs. Diese immer im Besitz der Universität – die auf diese Weise Zugriff auf Heilpflanzen hatte – befindliche Struktur umfasst eine Anfang des 19. Jahrhunderts erbaute Orangerie, tropische Gewächshäuser, einen Gemüsegarten und einen englischen Garten. Beim Spaziergang durch die Alleen kann man zwischen den diese Stätte schmückenden Wasserbecken den ältesten Ginkgo Biloba Frankreichs bewundern und daneben auch 400 Jahre alte grüne Eichen sowie einen Bambushain.

Jardin des Plantes. Tel. 33 (0)4 34 43 36 20 montpellier.fr


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STÄDTE

Grandios Das Paradies der Architekten Innerhalb von drei Jahrzehnten wurde die Architektur von Montpellier vollständig revolutioniert, so dass aus dieser Stadt des Languedoc ein echtes Städtebau-Laboratorium wurde. Um die Stadt in Richtung des Meeres hin zu erweitern, wurden einige der international bedeutendsten Architekten nach Montpellier geholt: Zunächst Ricardo Bofill, der in den

80er Jahren das Antigone-Viertel konzipierte, dann Paul Chemetoff (Médiathèque Zola), Christian de Portzamparc (Viertel La Lironde), Zaha Hadid (Pierrevives), Claude Vasconi (Corum), Jean Nouvel (Rathaus), Philippe Starck (Le Nuage), Massimiliano Fuksas (Frêche-Gymnasium) und Rudy Riccioti (Pont de la République). Für das städtische Mobiliar und

Design wurden ebenfalls bekannte Namen verpflichtet, wie Daniel Buren für den Vorplatz des Musée Fabre sowie Garouste und Bonetti, später gefolgt von Christian Lacroix, für die Ausstattung der Straßenbahnlinien. Dieser Impuls wird heute fortgesetzt durch das Programm „Verrücktheiten des 21. Jahrhunderts“, wozu u.a. „L’Arbre blanc“ gehört.

Majestätisch Der Pic Saint Loup, Wachposten des Languedoc

Der 20 km nördlich von Montpellier gelegene Pic Saint-Loup, der 658 m hoch ist, ist dank seiner schmal aufragenden Spitze von einem großen Teil des Hérault und des Gard aus zu sehen. Dieser Berg, der zu den schönsten Naturstätten der Region gehört und am Rande eines qualitativ hochwertigen Weinbaugebiets liegt, kann von Cazevieille aus in zweieinhalb Stunden erstiegen werden. Von seinem Gipfel aus, wo sich die Ruinen der Montferrand-Burg befinden, hat man einen großartigen Blick auf den Hortus, das Meer, die Salinen von Aigues-Mortes, la Grande-Motte, die Cevennen und bei gutem Wetter sogar bis zum Canigou und zum Mont Ventoux. Office de Tourisme du Grand Pic Saint-Loup. Tel. 33 (0)4 11 95 05 75 tourisme-picsaintloup.fr

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STÄDTE

Symbol Der Schöpfer von Marianne

Béziers Der Ansturm auf die gotische Kathedrale Mit ihren Türmen, kräftigen Pfeilern, Zinnen und Schießscharten wirkt die gotische Kathedrale Saint-Nazaire et Saint Celse wie eine Festung. Errichtet zwischen dem 13. und dem 15. Jahrhundert und optisch die Ebene um den Fluss Orb dominierend, war sie Zeuge der „Plünderung von Béziers“ während des Kreuzzugs gegen die Albigenser. Dem eindrucksvollen Aussehen ihrer Fassade entspricht die Fülle dekorativer Elemente im Inneren, denn Friese, Fresken und Skulpturen schmücken die verschiedenen Kapellen. Die unterhalb

des Klosters gelegenen Bistumsgärten bieten einen weiten Ausblick auf das Orb-Tal, auf die Brücken (Pont-Vieux und Pont-Canal), auf die Schleusen von Fonserane, die Weinbau-Dörfer und die ersten Anhöhen der Caroux- und Espinouse-Bergmassive. Das im Westen gelegene mittelalterliche Viertel von Béziers besitzt im Gewirr seiner Gassen einige gut erhaltene und schöne Gebäude aus jener Zeit. Office de Tourisme de Béziers. Tel. 33 (0)4 67 76 84 00 - beziers-tourisme.fr

Der in Béziers geborene Bildhauer Jean-Antoine Injalbert, 1874 ausgezeichnet mit dem Großen Preis von Rom und 1905 aufgenommen in die Académie des Beaux-Arts, war im Jahre 1889 anlässlich der Hundertjahrfeier der Französischen Revolution der Schöpfer der Büste von Marianne, welche bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in allen französischen Rathäusern und Schulen zu sehen war. Er ist präsent in Béziers durch den monumentalen Titanenbrunnen, die Dichterbüsten und weitere Skulpturen des Plateau des Poètes, die Villa Antonine (die Sommerresidenz des Bildhauers), sein Grab auf dem Cimetière Vieux und die dem Musée des Beaux-Arts vermachte Sammlung seiner Werke; auch in Montpellier ist er vertreten durch die von ihm geschaffenen Löwenstatuen am Eingang des Peyrou-Parks und an der Oper, sowie in Paris, wo der Pont Mirabeau ihm die Darstellung von Allegorien verdankt. Musée des Beaux-Arts. Tel. 33 (0)4 67 28 38 78 ville-beziers.fr

Das Orb-Tal

Kuriositäten aus Béziers

Die nach Paul Riquet benannten Alleen im Zentrum von Béziers

(wo sich die Statue des Erbauers des Canal du Midi befindet) werden gesäumt von prächtigen Privatanwesen aus dem 19. Jahrhundert, errichtet für die reichen Besitzer der damaligen Weingüter. Zum Prunk der Architektur kommen verschiedene Verzierungen hinzu, wie schmiedeeiserne Balkons, Maskenskulpturen mit grotesken Gesichtern

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und fantastische Tierfiguren. Von der römischen Arena sind nur wenige Reste erhalten. Die Stierkampfarena hingegen, Schauplatz einer der Leidenschaften dieser Stadt, wurde im Jahre 1901 fertiggestellt. Deren Architektur, welche jene der spanischen Arenen nachahmt, sorgt für große akustische Qualität. Auf Betreiben

eines reichen Landbesitzers, der die Opernkunst möglichst vielen Menschen zugänglich machen wollte, traten dort bis 1911 die berühmtesten Sänger der Pariser Oper und der Mailänder Scala auf. Arènes de Béziers. Tel. 33 (0)4 67 76 13 45 arenes-de-beziers.com

Unterhalb des Carroux-Massivs und entlang dem Orb-Tal zeichnen sich vor dem Hintergrund grüner Eichen, Weinreben und Olivenbäume prächtige Dörfer ab: Vieussan, Ceps und Roquebrun, wo Mimosen und Orangenbäume blühen, gehören zu den schönsten Dörfern der Region. Von Colombières über den am tiefsten liegenden Teil, von Vieussan bis Roquebrun, begeistern die frisches Gewässer des Flusses Orb die KajakFahrer.

Office de Tourisme du Caroux en Haut-Languedoc. Tel. 33 (0)4 67 23 02 21 ot-caroux.fr


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STÄDTE

Dichter

Narbonne, meine Freundin

Narbonne Auf den Stufen des Palastes Narbonne war nicht nur „die erste Tochter Roms“ (d.h., die älteste römische Kolonie in Gallien, nach Aix-en-Provence), sondern auch eine mittelalterliche Hauptstadt. Der Palais des Archevêques, der Palais Neuf im gotischen Stil und der romanische Palais Vieux bilden zusammen in architektonischer Hinsicht den zweitwichtigsten Erzbischofssitz in Frankreich, nach dem von Avignon. Von dem Bergfried Gilles Aycelin aus, der zur Festungsmauer der Stadt gehört und einer der drei Palasttürme ist, führt eine Wendeltreppe mit 162 Stufen zu der Terrasse, von wo aus man einen Panoramablick auf die Stadt und ihre Umgebung hat. Die Kathedrale

Saint-Just, ein außergewöhnliches mittelalterliches Denkmal, beeindruckend aufgrund der Abmessungen ihres Chors und bemerkenswert aufgrund ihrer architektonischen Konsequenz, liegt unmittelbar neben dem Palais des Archevêques. Mit ihrem Bau wurde im Jahr 1772 begonnen, aber der ursprüngliche Plan wurde nicht zu Ende geführt. Im Kapitelsaal befindet sich der Schatz der Kathedrale, der als einer der reichsten in ganz Frankreich gilt; die Bogengänge ihres Klosters werden geschmückt von grotesken Figuren. Palais des Archevêques. - Tel. 33 (0)4 68 90 30 30 mairie-narbonne.fr

Das Narbonne der Einheimischen Die Bewohner von Narbonne gehen am liebsten spazieren auf der im Herzen der Stadt befindlichen Promenade des Barques, die sich zum Cours Mirabeau und zu den Markthallen hin öffnet, mit ihren baumgesäumten Ufern, den „Baladoirs“ am Canal de la Robine. Die enge Fußgängerbrücke, welche

das Bourg-Viertel mit den schönen mittelalterlichen Häusern der Altstadt verbindet, ermöglicht einen Ausblick auf den einzigen erhaltenen Bogen des beeindruckenden Pont des Marchands , Zeuge der frühen Stadtgeschichte. Am Ufer liegende Boote laden zu einer anderen Art der Entdeckung von Narbonne ein. Eines der

Herzen der Stadt sind die Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten Markthallen mit ihrem Pavillon im Baltard-Stil, einem metallischen Gerüst und Säulen sowie Türen aus Holz, wo immer noch ein sehr lebendiges Markttreiben stattfindet. Mehr als 80 Läden bieten hier jeden Morgen Produkte aus der Region

an, die man auch in einem der zahlreichen Restaurants probieren kann, die im Inneren der Markthallen untergebracht sind. Office de Tourisme de Narbonne. Tel. 33 (0)4 68 65 15 60 narbonne-tourisme.com

Charles Trenet liebte diese Stadt und sang auch darüber. Narbonne pflegt das Gedächtnis dieses ‚singenden Irren‘ und bietet einen Rundgang an, der zu dem Haus mit den grünen Fensterläden führt, in dem Trenet am 18. Mai 1913 geboren wurde. Das große, ihn darstellende Fresko auf einer Mauer der Stadt, die gotische Kirche Saint-Paul, in der er getauft wurde, das Institut Catholique Beauséjour, wo er in die Grundschule ging, die Markthallen, in die er seine Großmutter begleitete, die Place des Quatre Fontaines, wo er sich als junger Mann gerne aufhielt und der Friedhof, auf dem er seine letzte Ruhe gefunden hat: Das sind die Etappen dieses Rundgangs, bei dem man seine Lieder vor sich hin summt und mit offenen Augen träumt. Maison de Charles Trenet. Tel. 33 (0)4 68 58 19 13 narbonne.fr

Besuch im Untergrund

Narbo Martius war ein wichtiger römischer Hafen. Aus dieser antiken Vergangenheit ist Narbonne ein einziges heute noch sichtbares Denkmal geblieben: das Horréum, unterirdische Galerien, die im 1. Jahrhundert v. Chr. erbaut wurden. In diesem labyrinthischen Netz von Gängen, die zu einer Reihe winziger Räume führen, wurde fünf Meter unter der Erde ein Rundgang in Szene gesetzt, der in diesem ehemaligen Marktlager das Alltagsleben, das Handwerk und den Handel der Römerzeit zeigt.

Tel. 33 (0)4 68 90 30 65.

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STÄDTE

Gedenkstätte Rivesaltes stellt sich seiner Vergangenheit

Perpignan Von der Loge de Mer zu den Dames de France Im Gegensatz zu Narbonne wurde Perpignan nicht auf römische Ruinen errichtet. Dies ist eine Stadt des Handels, deren Architektur ihre maritime und merkantile Macht seit dem Mittelalter ausdrückt. Eine schöne Stadt voller Wasser, durch welche die Basse fließt, ein Nebenfluss des Têt, vermittelt das katalanische Perpignan einen Vorgeschmack der Atmosphäre, der Farben und vor allem des Lichts der in Spanien liegenden Region Katalonien. Innerhalb ihrer Altstadt, die früher von Festungsmauern umgeben war, bietet die Stadt sowohl rund dreißig historische Schmuckstücke (die Castillet-Festung,

die Loge de Mer, die Kathedrale Saint-Jean, der Palast der Könige von Mallorca…) als auch lebendige, verschiedenartig genutzte und farbige Viertel, durch die man gerne spazieren geht. Große Promenaden und luftige Esplanaden bieten schöne Blicke auf altehrwürdige Gebäude, die vom industriellen Reichtum Perpignans zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeugen, wie die Dames de France an der Place de Catalogne, oder das Kino Le Castillet, heute das älteste in ganz Frankreich. Office de Tourisme de Perpignan. Tel. 33 (0)4 68 66 30 30 - perpignantourisme.com

Eine Stadt mit starken Symbolen Hervorgegangen aus einer komplizierten Vergangenheit zwischen den Königreichen von Frankreich, Aragon und Mallorca, besitzt Perpignan ein außergewöhnliches kulturelles Erbe, sowohl in Gestalt von Architektur als auch immaterieller Natur. Selten sind in einer einzigen Stadt oder in

einem einzigen Departement so viele identitätsbestimmende Symbole und Treffpunkte vereint. Es gibt für die Stadt viele Gelegenheiten, ihre Zugehörigkeit zu einer katalanischen Kultur zu demonstrieren, die auch nördlich der spanischen Grenze sehr lebendig ist: Vom Rugby – mit der

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USAP und den Dragons – über die „Procession de la Sanch“ während der Karwoche über den Tag von Sant Jordi und die Johannisfeuer bis hin zum Sardane-Tanz und den „Pessebres“ genannten Weihnachtskrippen. Von dieser Nähe zeugt auch die Präsenz der katalanischen Flagge im Stadtwappen, welches im

Inneren die Wappen der Grafen von Barcelona und Könige von Aragon aufweist, sowie auch ein Bildnis von Johannes dem Täufer, des Schutzpatrons von Perpignan.

Das im Oktober 2015 eröffnete Mémorial de Rivesaltes – an der Stelle, wo sich einstmals das Lager für Flüchtlinge aus dem Spanischen Bürgerkrieg befand – ist dazu bestimmt, eine wichtige Gedenkstätte zu werden. Frühere Insassen wie auch Kinder von Flüchtlingen, Einwanderern oder Häftlingen (Spanier, Zigeuner, Harkis…) kommen hierher aus ganz Frankreich, um in diesem Gebäude ihrer Familiengeschichte zu begegnen. Die modernen Linien des von dem Architekten Rudy Ruciotti entworfenen Gebäudes kontrastieren absichtlich mit den Ruinen der Baracken. Was die Innengestaltung betrifft, so wird dort die Chronologie der Lagergeschichte präsentiert, und auf den Bildschirmen des Ausstellungssaals kann man durch Filme und Audioclips die Zeugnisse von ehemaligen Internierten hören. Mémorial du Camp de Rivesaltes. Tel. 33 (0)4 68 08 34 90 memorialcamprivesltes.eu

La Sant Joan

Am 24. Juni feiert ganz Katalonien den Johannistag. In Perpignan werden Freudenfeuer angezündet, um die Sommersonnenwende zu begrüßen. Die das ganze Jahr hindurch im Castillet aufbewahrte Flamme wird am Vorabend zum Gipfel des Canigou emporgebracht, wo mit Reisigbündeln ein riesiges Feuer entzündet wird, das in der ganzen Ebene sichtbar ist und in das gemäß der Tradition kleine Zettel mit Wünschen geworfen werden. Diese Flamme wird anschließend in den Dörfern verteilt. Am Abend des 24. Juni kommt sie zurück in die Castillet-Festung von Perpignan, wo sie dann wieder sorgfältig aufbewahrt wird bis zum folgenden Jahr.


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STÄDTE

Überdimensional Die Eleganz des Viadukts von Millau

Rodez Geschichte als offenes Buch Die vor 2000 Jahren vom gallischen Volksstamm der Rutener gegründete Präfektur des Aveyron ist ein Konzentrat von Geschichte. Die auf einem Felsvorsprung errichtete ehemalige Hauptstadt des Rouergue-Gebiets wurde geprägt von der Macht des Adels und der Kirche, die unabhängig voneinander Jahrhunderte hindurch Seite an Seite lebten. Die vom Bischof beherrschte Altstadt entwickelte sich rund um den alten Bischofspalast und die beeindruckende Kathedrale Notre-Dame, errichtet zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert, deren Glockenturm aus durchbrochenem rosa Sandstein 87 Meter hoch ist. In diesem Stadtviertel kann man noch

heute viele Gebäude aus dem Mittelalter bewundern (u.a. die Maison de Benoit, die Maison Guitard, die Maison canoniale). Im Marktflecken der ehemaligen Grafschaft sind schöne Privathäuser und bürgerliche Anwesen aus dem 16. Jahrhundert erhalten, die wie die Maison d’Armagnac und die Maison de l’Annonciation Renaissanceschmuck aufweisen und vom Reichtum der auf den Märkten der Region zu Geld gekommenen Händler zeugen. Office de Tourisme du Grand Rodez. Tel. 33 (0)5 65 75 76 77 tourisme.grand-rodez.com

Die verblüffenden Menhir-Statuen des Musée Fenaille

Sie wurden mitten in der Natur aufgestellt,

bisweilen unter kleinen Schutzdächern, und waren meistens aus dem Sandstein der Region herausgeschlagen worden. Mehr als 130 MenhirStatuen von menschlicher Größe wurden im Rouergue, im Aveyron und im Tarn gefunden. Jedesmal wird der Kopf dargestellt, und

daneben die Hände, die Beine und die Füße. Aber weder der Mund noch die Ohren. Diese ersten Darstellungen von Menschen in Westeuropa, mehr als 5000 Jahre alt und mit sowohl männlichen als auch weiblichen Figuren, sind bis heute ein Geheimnis. Das Musée Fenaille in Rodez besitzt 17 davon,

die alle beeindruckend sind. Dort befinden sich auch Tausende von anderen Fundstücken zur Geschichte der Region, von der Ansiedlung der ersten Bewohner in der Altsteinzeit bis zum 16. Jahrhundert. Musée Fenaille. Tel. 33 (0)5 65 73 80 30 museefenaille.rodezagglo.fr

Das im Jahr 2004 fertiggestellte Viadukt von Millau, konzipiert von Michel Virlogeux und gezeichnet vom Architekten Norman Foster, ist sowohl ein Kunstwerk als auch eine technologische Herausforderung. Diese innerhalb von 3 Jahren errichtete Schrägseilbrücke, die fasziniert durch ihre klaren Linien, die sich auf elegante Weise in die Landschaft einfügen, sammelt Weltrekorde (höchste Brückensäule mit 245 m, längster Stahlboden von 30.000 Tonnen, usw.) und zieht in ihrem Aussichtsbereich mehr als eine Million Besucher pro Jahr an. Durch die Fertigstellung dieses Bauvorhabens wurde aus der Méridienne-Autobahn (A75) die kürzeste Straßenverbindung zwischen Paris und dem Mittelmeer. millau-viaduc-tourisme.fr

Die Familie Bras, verwurzelt im Aveyron

Der 2016 vom Magazin Top Chef zum „besten Koch der Welt“ gewählte Michel Bras stellt die Quintessenz einer heimatverbundenen Küche in Harmonie mit der Natur dar. Zwar hat der mit drei Sternen ausgezeichnete Schöpfer des berühmten „Gargouillou de légumes“ in Laguiole bereits die Küchenleitung an seinen Sohn Sébastien abgegeben, aber die ganze Familie entwickelt bereits seit Jahren kulinarische Konzepte, die um die kulinarische Identität des Aveyron kreisen. Dies gilt insbesondere für das Café Bras in Rodez, ein Bistro-Etablissement im Musée Soulages.

cafebras.fr

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STÄDTE

Toulouse Die Stadt, wo man das Leben rosa sieht Hellrosa am Morgen, purpurrot am Abend… Toulouse, die Hauptstadt der Region Languedoc Roussillon Midi-Pyrénées, ist aus römischen Tonziegeln erbaut, jenem lokalen Material, das den Fassaden schillernde Farben verleiht und von dem auch der Spitzname der „rosa Stadt“ stammt. Durch diese Stadt zu laufen, bedeutet, sich zurückversetzt zu fühlen in die Zeit der „Capitouls“, wie hier die Beauftragten für die Verwaltung und die Justiz hießen. Es bedeutet, auf den Spuren der reichen Pastellhändler zu wandeln und jene ca. 70 Privathäuser zu entdecken, die sie zur Zeit der Renaissance errichten ließen. Es bedeutet, den Akzent Okzitaniens zu hören, während man auf dem Platz des Kapitols auf das riesige Okzitanerkreuz tritt. Und es bedeutet, das Lied zu summen, das dieser Stadt ihr berühmtester Sohn gewidmet hat, „Oh Toulouse!“ von Claude Nougaro. Office de Tourisme de Toulouse. Tel. 33 (0) 892 180 180 toulouse-tourisme.com

Vom Pastellblau zum Veilchen

Spirituell Von der romanischen Kunst von Saint-Sernin zur Gotik der Jakobiner In seiner geschützten Zone von 220 Hektar verfügt Toulouse über ein bedeutendes religiöses Erbe. Die Basilika Saint-Sernin, errichtet zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert zu Ehren des ersten Bischofs von Toulouse, ist das größte romanische Bauwerk Europas. Die Basilika ist bemerkenswert aufgrund ihres achteckigen Glockenturms aus Ziegeln und Stein, errichtet in Etagen, die durchbrochen werden von zweistöckigen Buchten mit kleinen Säulen, eine architektonische Technik, die für Toulouse charakteristisch ist. Dies ist auch die Kirche mit den meisten Reliquien in Frankreich, was aus ihr ein bevorzugtes Wallfahrtsziel machte. Die ab dem 13. Jahrhundert errichtete Kirche der Jakobiner ist ihrerseits ein Meisterwerk der südfranzösischen Gotik. Die 22 Meter hohen Pfeiler verleihen dem Gebäude eine verblüffende Leichtigkeit, während eine besonders kräftige Säule alle Dachstreben der Gewölbedecke auf einer farbigen Steinschüttung vereint, was dem Ganzen das Aussehen eines Palmbaums gibt. Seit kurzem bietet das Kloster auch eine von Multimedia-Terminals kommentierte Führung an, bei der die Geschichte und die Architektur dieser Stätte präsentiert werden.

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Die Entwicklung der Kultur des Veilchens im 19. Jahrhundert hat aus dieser Blume ein Emblem von Toulouse gemacht. Aus dieser hübschen Blume wurde eine Vielzahl von Produkten hergestellt (Parfüme, Produkte für die Schönheitspflege, Süßwaren und Leckereien), sowie auch Artikel, auf denen sie abgebildet ist (Textilien und Porzellan). Auf einem Hausboot im Canal du Midi am Boulevard Bonrepos wurde sogar eine „Maison de la Violette“ getaufte Ausstellung untergebracht, die dem Besucher ihre Geschichte und Kultur präsentiert. Eine andere Pflanze, der Färberwaid (Isatis tinctoria), die Quelle des Reichtums im goldenen Dreieck zwischen Toulouse, Albi und Carcassonne war, verströmt heute ihre Wohltaten in der Welt der Wellness und Kosmetik, durch das Angebot von in Frankreich einzigartigen Pflegebehandlungen mit Pastell.

Maison de la violette. Tel. 33 (0)5 61 80 75 02. grainedepastel.com terredepastel.com


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STÄDTE

Luft- und Raumfahrt Der Weltraum als Einsatzort Durch die Schaffung der Aéropostale im Jahre 1927 wurde Toulouse zu einer Pionierstadt für das Flugwesen. Die Bedeutung der Stadt in diesem Sektor wurde 1970 durch die Niederlassung der AirbusGruppe in Blagnac bekräftigt. Die Metropole lebt mittlerweile im Rhythmus dieser internationalen Firma, entscheidendes und führendes Element der lokalen und regionalen Wirtschaft. Um in dieses faszinierende Universum

eintauchen zu können, bietet das Programm „Let’s visit Airbus“ Rundgänge an, um die Abläufe in den Fabriken zu entdecken, u.a. das Montageband des berühmten Flugzeugs A380. Ganz in der Nähe beherbergt das vor kurzem eröffnete Museum Aeroscopia eine beeindruckende Sammlung von Modellen und echten Flugzeugen, darunter die legendäre Concorde. Um noch mehr zu erfahren und das Abschusspodest der Ariane-Rakete

zu betreten oder an Bord der Raumstation Mir zu gehen, muss man sich in die Cité de l’Espace begeben. Let's visit Airbus und Musée Aeroscopia (Blagnac). Tel. 33 (0)5 34 39 42 00 manatour.fr Cité de l'Espace (Toulouse) Tel. 33 (0)5 67 22 23 24 cite-espace.com

Garonne Eine Wasserader voller Leben

Vom Himmel aus betrachtet, ähnelt Toulouse einem Herzen: zwei von der Garonne getrennte Hälften. Im 18. Jahrhundert wurden die Ufer dieses Flusses umgestaltet. Auf der rechten Uferseite bieten die Promenaden Saint-Pierre, Lucien Lombard, de la Daurade und de Tounis einen hervorragenden Fußgängerbereich an. Dort kann man historische Bauwerke am Rand des Flusses entdecken: den Bazacle-Deich, den Pont Neuf, das Grave-Krankenhaus und den Wasserturm. Neue Stufenabsätze erleichtern den Zugang zu den Flussufern von der Place Saint-Pierre aus und mittlerweile sind auch Spazierfahrten auf einigen Schiffen möglich. Im Sommer sind die Uferpromenaden der Schauplatz von Unterhaltungsprogrammen und Festivals. toulouse-tourisme.fr

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STÄDTE

Albi

Farbig und für Feinschmecker

Albi empfängt den Besucher mit fast italienisch anmutender „dolce vita“. Die Stadt verdankt das besondere Licht auf ihren Plätzen und in ihren Gassen, das sich je nach Tageszeit verändert, der Farbe der Backsteine und Dachziegel, die im Lauf der Jahrhunderte von spezialisierten Handwerkern aus dem Lehm vom Flussbett des Tarn hergestellt wurden. Der Palais de la Berbie, in dem sich das Toulouse-LautrecMuseum befindet, die Kathedrale Sainte-Cécile, die Fachwerkhäuser und die Renaissancegebäude, die sich im Gewirr der Gassen verbergen, weisen alle Farbnuancen der überall zu sehenden Backsteine auf, was zur Abrundung der architektonischen Einheit dieser Bischofsstadt beiträgt, die in das Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen wurde. Office de Tourisme d’Albi. Tel. 33 (0)5 63 49 48 80 albi-tourisme.fr

Das blaue Gold Ein der Pastellproduktion zu verdankender Reichtum Eine unscheinbare Pflanze mit gelber Blüte ist der Ursprung des Wohlstands der Stadt Albi. Hier entwickelte sich der Anbau des Färberwaids (Isatis tinctoria), einer farbspendenden Pflanze, aus der sich ein beständig blaues Farbpigment herstellen lässt. Die Gegend um Albi, die aufgrund der Verarbeitungsweise der Blätter dieser Pflanze mittels eines schwer übertragbaren Wortspiels als eine Art von Schlaraffenland bezeichnet wurde, entwickelte sich gegen Ende des 15. Jahrhunderts zu einem der wichtigsten Zentren für die Herstellung und den Export von Pastell. Schöne Privathäuser aus der frühen Renaissance wie die Maison Enjalbert, das Hôtel Reynès, das Hôtel du Castelnau mit seiner Trockenscheune oder das Hôtel de Saunal zeugen vom Wohlstand der Händler, der dem „blauen Gold“ zu verdanken war. Der Laden des Handwerkers Pastellier ermöglicht die Entdeckung der verschiedenen aus dem Pastell gewonnenen Blautöne über eine große Auswahl an Aquarellen, Tinten, Pigmenten und Pastellfarben. artisanpastellier.com 28 I STÄDTE I Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées

Zu Fuß oder auf dem Lastkahn

„L’Échappée verte“ bietet Spaziergängern einen Rundgang von 3 Kilometern entlang den Flüssen Tarn und Caussels. Der Weg am Flussufer führt zum Anlegesteg der Lastkähne, von denen aus man auf dem Wasser noch einen ganz anderen Blick auf diese schimmernde Stadt genießt. Der frühere Treidelpfad am Tarn-Ufer zeigt die Ausdehnung der Befestigungen des Palais de la Berbie, wo sich das ToulouseLautrec-Museum befindet, während seine terrassenförmig angelegten Gärten zu geruhsamen Spaziergängen mit großartigem Ausblick auf den Tarn einladen.

Anlegesteg. Tel. 33 (0)5 63 43 59 63 albi-croisieres.com


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STÄDTE

Gaillac Zwischen Weinbergen und traditionellen provenzalischen Häusern Gaillac ist das wichtigste Dorf im Weinanbaugebiet AOC Gaillac, das sich auf beiden Seiten des Tarn erstreckt, flussabwärts von Albi. Seine zahlreichen Sehenswürdigkeiten verweisen auf eine mehrhundertjährige Geschichte: die Abtei Saint-Michel, zwischen romanischer und gotischer Kunst; die Kirche Saint-Pierre mit ihrem prächtigen Säulenportal; die Place du Griffoul mit ihrem

Springbrunnen, der auf Bogenarkaden ruht; viele sehenswerte Privathäuser, darunter die Tour Palmata, wo die Familie Gaillac residiert; das HortalisseViertel mit seinen Gemüsegärten, die bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts die Märkte der Umgebung versorgten. Ein Spaziergang entlang dem Tarn bis zur Brücke bei der hübschen Bastide von Lisle-sur-Tarn bietet

einen Blick auf das Schloss Saint-Géry, das seit dem 13. Jahrhundert am Rand des Flusses steht, und wird fortgesetzt bis nach Rabastens, dessen Kirche, die am Pilgerpfad nach Santiago de Compostela liegt, zum Weltkulturerbe der Unesco zählt. Office de Tourisme de Gaillac. Tel. 33 (0)805 400 828 ville-gaillac.fr

Bischofsstadt Ein städtebauliches Ensemble, das aufgrund seiner Stärke und Harmonie einzigartig ist

Vom Pont Vieux aus erblickt man ein magisches Bild der Stadt, wie diese sich im Wasser des Tarn spiegelt. Die Kathedrale Sainte-Cécile und der Palais de la Berbie führen zu einer Konfrontation mit der Geschichte von ergreifender Schönheit. Die zum Weltkulturerbe der Unesco gehörende Bischofsstadt Albi wird optisch dominiert von zwei Festungen inmitten ihrer vier mittelalterlichen Stadtviertel, zu denen die Gemeinde Saint-Salvy mit ihrem Stift gehört. Diese reiche historische Vergangenheit verbindet sich mit der Atmosphäre angenehmen Lebens, welche die belebten Straßen und Gassen dieser Stadt ausstrahlen. cite-episcopale-albi.fr

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STÄDTE

Friedsam Moissac, an der Wegkreuzung

Cahors 2000 Jahre Geschichte in einer Schleife des Lot Ursprünglich eine galloromanische Stadt, hat sich die Hauptstadt des Quercy im Mittelalter entwickelt, vor allem während des Hundertjährigen Krieges, als die berühmte Valentré-Brücke erbaut wurde – ein befestigtes Bauwerk, das in dieser Form in Europa einzigartig ist –, sowie auch die Tour des Pendus und die Nordmauer. In einer Schleife des Flusses Lot gelegen, ist Cahors eine friedliche Stadt, wo wir im Badernes-Viertel in das Mittelalter zurückversetzt werden, aufgrund der engen Gassen, der Häuser mit schönen Stützbögen, auskragenden Fassaden und Türen mit plastischer Verzierung aus dem 15. und dem 16. Jahrhundert. Die Kathedrale, ein beeindruckendes, zwischen dem 12. und dem 14. Jahrhundert entstandenes Bauwerk, besitzt nicht nur ein

Kloster im Stil prächtiger Gotik, sondern originellerweise auch zwei romanische Kuppeln, was in ganz Frankreich einzigartig ist. Am Fuße dieses Bauwerks findet am Mittwoch und Samstag immer ein farbenfroher FreiluftMarkt statt, der bekannt ist für die Qualität der dort verkauften Produkte, entsprechend der Lebensart dieser Region. Man kann sich auch am Charme und am Erfindungsreichtum der „geheimen Gärten“ erfreuen, welche die Stadt mit ihren Blumen optisch bereichern und Zeugen ihrer Geschichte sind. Office de Tourisme du Grand Cahors. Tel. 33 (0)5 65 53 20 65 tourisme-cahors.fr

Eintauchen in die Welt der Weinberge des Lot-Tals

Seit der Antike waren Cahors und das Lot-Tal ein Weinbau-Gebiet. Der Wein aus Cahors wurde zwischen dem 14. und

dem 18. Jahrhundert von bedeutenden Persönlichkeiten in ganz Europa getrunken; seine damalige Bekanntheit verdankte er vor allem den Engländern, die verrückt waren nach dem „black wine“ aus dieser Gegend. Der Weinberg von Cahors, dessen einzigartiger Charakter auf die Rebsorte Malbec zurückzuführen ist,

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erstreckt sich im Lot-Tal zwischen Mercuès und Puy-L’Evêque. Eine Route, auf der man auf charmante WeinbauDörfer wie Douelle, Albas und Prayssac stößt. Die oberhalb dem Lot errichteten Ortschaften Luzech und Puy-l’Evêque bieten einen großartigen Ausblick auf den Fluss und das diesen umgebende Tal.

Auf Betreiben der „Union Interprofessionnelle des Vins de Cahors“ entwickelt sich in diesem 60 km langen Tal der Weintourismus, dem man sich aus einer anderen Perspektive nähern kann, wenn man an Bord von einem der zu Miete angebotenen Lastkähne, Aussichtsboote oder Hausboote geht. tourisme-cahors.fr

Moissac, wo große Land- und Wasserwege sich kreuzen (der Weg nach Santiago de Compostela mit der Straße nach Cluny, der Tarn mit der Garonne), ist bekannt für seine „Chasselas“ genannten Weintrauben, seine Mühlen am Tarn und vor allem für seine Abteikirche. Die Abtei Saint-Pierre de Moissac verbirgt in ihrem Inneren ein großartiges Kloster, das im Jahre 1100 fertiggestellt wurde und geschmückt ist durch 76 Marmorkapitelle; bemerkenswert ist die optische Leichtigkeit seiner Arkaden und Säulen, auf denen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament sowie aus dem Leben der Märtyrer dargestellt sind. Das Portal der Abtei, ein Meisterwerk romanischer Skulptur, ist bemerkenswert aufgrund der dortigen Darstellung der Apokalypse. Office de Tourisme de Moissac. Tel. 33 (0)5 63 04 01 85 tourisme.moissac.fr

Montauban, die Stadt von Ingres

Das gastfreundliche und herzliche Montauban mit seiner Architektur aus rosa Backsteinen liegt am Ufer des Tarn. Als Stadt voller Kunst und Geschichte, in welcher der Maler Ingres, der Bildhauer Bourdelle und die Frauenrechtlerin Olympe de Gouges geboren wurden, gilt sie als älteste Stadtneugründung des Mittelalters im Südwesten Frankreichs. Ein Jahrhundert vor der Blütezeit der provenzalischen „Bastide“-Architektur wurde diese Stadt gemäß einem Schachbrett-Plan um die Place Nationale herum errichtet. Dieser prächtige Platz in italienischem Stil, umgeben von doppelten Arkaden, ist auch noch heute das lebendige Zentrum der Stadt.

Office de Tourisme de Montauban. Tel. 33 (0)5 63 63 60 60 montauban-tourisme.com


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STÄDTE

Panorama Der Pic du Jer mit der Seilbahn

Lourdes Eine universelle Stadt Als Stätte der Brüderlichkeit und Spiritualität empfängt Lourdes jedes Jahr Millionen von Besuchern aus der ganzen Welt. Bekannt durch sein Heiligtum und die Wundergrotte von Massabielle – beide in einer Schleife des Gave de Pau gelegen –, ist Lourdes seit 1873 ein beliebtes Pilgerziel. Drei Basiliken gehören zum Heiligtum von Notre-Dame de Lourdes, jede mit ihrem eigenen Stil: romanisch-byzantinisch bei der RosenkranzBasilika mit ihren prächtigen Mosaiken, neogotisch bei der Basilika der Unbefleckten Empfängnis, deren Glasfenster die Geschichte von Maria erzählen und unter

der sich die Grotte befindet, wo eine Jungfrauen-Statue aus Carrara-Marmor die Stelle der Erscheinungen markiert. Die unterirdische Basilika Pius X., ein riesiges Bauwerk aus Stahlbeton mit der Form eines umgekehrten Schiffsrumpfes, befindet sich unterhalb des Wasserspiegels des Gave. Das Museum von Lourdes rekonstruiert das Aussehen dieser Ortschaft im Jahre 1858, mit den alten Handwerksberufen, den kleinen Läden und den Kostümen jener Zeit. Office de tourisme. Tel. 33 (0)5 62 42 77 40 lourdes-infotourisme.com

Ein Leben in der Festung

Die auf einem Felsvorsprung gelegene Festung, mit typisch

mittelalterlicher Verteidigungsarchitektur, sollte die sieben Täler des Lavedan bewachen. Die im Lauf der Jahrhunderte umgestaltete und von Vauban 1685 verstärkte Festung hat ihren massiven Bergfried bewahrt, an dessen Fuß sich ein hübscher botanischer Garten befindet. Heute beherbergen ihre Mauern

das Pyrenäenmuseum, gewidmet volkstümlichen Fertigkeiten und Traditionen. Kostüme, Musikinstrumente, Möbel und Samadet-Steingut aus dem 18. Jahrhundert gehören zu seinen Kollektionen, die abgerundet werden durch Modelle zur Architektur in den Pyrenäen. Die Burgkapelle beherbergt polychrome

Holzstatuen, einen Altar und Schnitzereien, die alle aus der alten Pfarrkirche der Stadt stammen. Von den Außengängen aus schweift der Blick über die Bergkette der HautesPyrénées und das Tal des Gave de Pau. Château de Lourdes. Tel. 33 (0)5 62 42 37 37 lourdes-visite.com

Der Weg der 100 Jahre alten Seilbahn, die zum Pic du Jer in 1000 Meter Höhe führt, durchquert zwei in den Kalkstein geschlagene Tunnel und ein Viadukt mit zwölf Bögen. Eine vergnügliche Fahrt von wenigen Minuten Dauer, um dann von der Aussichtsplattform aus einen Blick in alle Himmelsrichtungen zu genießen: auf Lourdes, die Pau-Ebene, Tarbes, das Gaves-Tal, Argelès-Gazost und die Bergkette der Pyrenäen, den Pic du Midi… Der Weg nach unten kann zu Fuß zurückgelegt werden, auf Wegen, die gesäumt werden von Fichten, Kiefern und Buchsbäumen, oder auf dem Mountainbike auf einer von zwei Routen (die eine als blau, die andere als schwarz eingestuft, wobei die Letztgenannte eine Wettkampfstrecke ist, die erfahrenen Amateuren vorbehalten ist). Pic du Jer. Tel. 33 (0)5 62 94 00 41 picdujer.fr

Zu Fuß, mit dem Fahrrad und auf Rollschuhen zu den Gaves-Tälern

Der auf einer früheren Eisenbahntrasse eingerichtete „grüne Pfad der Gaves“ verläuft auf einer Bergflanke und dient auf einer Strecke vom 18 km der Entdeckung der GavesTäler, wobei der erste Abschnitt, von Lourdes bis nach Pierrefitte-Nestalas, unter dem Motto „Tourismus und Behinderung“ steht. Fortgesetzt wird diese Route dann durch den „Chemin des Voyageurs“, der steiler ist und einen größeren Höhenunterschied aufweist; er führt durch die Schlucht hindurch bis nach Cauterets, unter Durchquerung eines Tunnels und Überquerung der Fußgängerbrücke von Meyabat.

Vallée des Gaves. Tel. 33 (0)5 62 42 64 98 valleesdesgaves.com

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STÄDTE

Schneid Eine Treppe für d‘Artagnan

Auch Hauptstadt der Gascogne Die auf der Stätte eines antiken Oppidums errichtete Kathedrale Sainte-Marie, der Armagnac-Turm (ein früheres Gefängnis) und der alte Erzbischofspalast über dem Gers verleihen Auch, der stolzen Hauptstadt der Gascogne, seine unverwechselbare Silhouette. Die Kathedrale, die als wichtige Etappe auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela zum Weltkulturerbe der Unesco gehört, beherbergt drei Schätze: den Chor mit seinen 116 aus Eichenholz geformten Abteilen, die große Orgel aus dem 17. Jahrhundert, und 28 Glasfenster von Arnaud de

Molles, Meisterwerke der Buntglaskunst. Die Place de la Libération ist das belebte Zentrum des oberen Stadtteils, wo die meisten Läden, Caféterrassen und Restaurants zu finden sind, und wo der Besucher die Gaumenfreuden des Gers erleben kann. Der Parcours „Sur les pas d‘Etigny“ folgt den Spuren dieses früheren Stadtintendanten, der Auch während des Zweiten Kaiserreichs verschönerte. Office de Tourisme d’Auch. Tel. 33 (0)5 62 05 22 89 auch-tourisme.com

Kunst in Auch

Das im früheren Jakobinerkloster untergebrachte Musée des Jacobins besitzt eine

beachtliche Sammlung präkolombianischer Kunst – die zweitwichtigste in Frankreich, nach dem Musée du Quai Branly in Paris – mit mehr als 10.000 Schaustücken, u.a. Steinmasken aus Teotihuacán, große rote oder schwarze Chupícuaro-Statuen, Lambayeque-Kéros (Becher), usw. Oper, Barockmusik, Varieté: Im Juni mischt

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das Festival „Eclats de Voix“ gut gelaunt alle musikalischen Gattungen. Im Juli und im August wird im Rahmen der „Soirs d‘Été“ jede Woche eine Veranstaltung oder ein Konzert an einem denkmalgeschützten Ort angeboten. Im Oktober bietet das Internationale Festival des zeitgenössischen Zirkus (CIRCA) ein Schaufenster aktueller Tendenzen,

wobei die einfallsreichsten und repräsentativsten Aufführungen des heutigen Zirkus gezeigt werden. Musée des Jacobins. Tel. 33 (0)5 62 05 74 79 musee-jacobins.auch.fr Eclats de voix. Tel. 33 (0) 5 62 61 65 00 eclatsdevoix.com CIRCA. Tel. 33 (0)5 62 61 65 00 festival-circa.auch.fr

D’Artagnan, der tapfere Kapitän der Musketiere – der bekannt geworden ist durch den Roman von Alexandre Dumas, der aber wirklich gelebt hat –, wurde am Anfang des 17. Jahrhunderts im Schloss von Castelmore in etwa 30 km Entfernung von Auch geboren. Die Statue dieser für die Gascogne emblematischen Gestalt befindet sich, mit der Faust auf der Hüfte, auf einem der Absätze der monumentalen Treppe, welche über 350 Stufen den oberen und den unteren Teil der Stadt miteinander verbindet. Ganz in der Nähe führen auch die „Pousterles“, mittelalterliche Gassen mit Rängen, den Abhang hinunter. Sie ermöglichten es den Bewohnern der Stadt, bis zum Gers hinabzusteigen, um sich dort mit Wasser zu versorgen.

Eine Tour nach Lectoure

Die auf einem Felsvorsprung gelegene und von Zinnen umgebene mittelalterliche Lehen der Grafen von Armagnac hat nichts von seiner stolzen Ausstrahlung verloren. Die Stadt erstreckt sich zwischen der Kathedrale Saint-Gervais et Saint-Protais und den Resten der Burg, und zeigt dabei ihre Reichtümer: den Diana-Brunnen aus dem 13. Jahrhundert, alte Privathäuser, Gärten und zahlreiche religiöse Stätten… Das Archäologische Museum präsentiert eine einzigartige Sammlung von BlutopferAltären.

Office de Tourisme. Tel. 33 (0)5 62 68 76 98 tourisme-lectoure.fr


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NATUR Vom Pic du Midi bis zum Mont Aigoual, vom Talkessel von Gavarnie bis zum Reservat von Banyuls sind die weitflächig geschützten Naturzonen das Markenzeichen dieser Region, welche ihre Schätze bewahren will.

Von den Pyrenäen bis zu den Cevennen, extra viel Natur Die Causses und die Cevennen, Landschaften voller Charakter Die großen Seen der Pyrenäen Vom Pic de Midi bis zum Canigou Gavarnie und die großen Talkessel der Pyrenäen

Eine Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen dem Meer und den Bergen. Pyrenäen, Grands Causses, Haut-Languedoc, Causses du Quercy, Pyrénées Ariégeoises, Pyrénées Catalanes, Narbonnaise, Cevennen, Margeride, Aubrac, Gévaudan… auf den weiten Flächen der Naturparks und den großen Naturschauplätzen der Region wie dem Canigou oder dem Talkessel von Gavarnie, wird man ständig beeindruckt und innerlich bewegt von der Kraft der Natur. Man ist konfrontiert mit der verblüffenden Schönheit der Elemente und steht den Schätzen der Geschichte gegenüber. Überall gibt es Unerwartetes in diesen Landschaften mit ihren subtilen Atmosphären und Gerüchen, wo man viele Gefühle empfindet angesichts der zahlreichen Quellen der Inspiration in diesen weitflächigen Räumen, die es zu entdecken gilt.

monnouvelhorizon.com

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NATUR

Naturparks

Regionale und nationale Parks Von den Pyrenäen bis zu den Cevennen, extra viel Natur In der Region verbergen sich zahlreiche Zonen, die bemerkenswert sind aufgrund ihrer natürlichen, kulturellen und menschlichen Reichtümer. Um diese noch besser zu nutzen und um sie zu bewahren, wurden mehrere davon unter besonderen Schutz gestellt. Deshalb gibt es in den dreizehn Departements von Languedoc-Roussillon Midi-Pyrénées 2 Nationalparks, 6 Regionale Naturparks und 1 Meeresnaturpark. Der Nationalpark der Pyrenäen beschützt auf dem Gebirgskamm an der Grenze zu Spanien Gebiete in einer Höhe von bis zu 3298 Metern. Der Nationalpark der Cevennen zwischen Gard und Lozère, der überdies als Biosphärenreservat klassifiziert ist, enthält eine Vielzahl unterschiedlicher Landschaften und Naturumgebungen. Der Regionale Naturpark der Pyrenäen von Ariège weist eine Reihe großartiger Seen auf, sowie ein prestigereiches

historisches und prähistorisches Erbe. Der Regionale Naturpark der Causses von Quercy verbindet grüne Täler mit Kalkstein-Hochebenen und Klippen. Der Regionale Naturpark der katalanischen Pyrenäen ist ein Paradies alter Gletschertäler und natürlicher Heißwasser-Quellen. Der Regionale Naturpark der Narbonnaise-Region enthält Sümpfe, Lagunen, GarrigueVegetation und hochwertige Weinberge. Der Regionale Naturpark des Haut Languedoc zeichnet sich durch seine Berge mit ihrem Fleckenteppich aus Heideland und die düsteren Wälder der Montagne Noire aus. Der Regionale Naturpark der Grands Causses ist der Schrein der Jonte-Schlucht, des DourbieCanyons und der tief eingeschnittenen Engpässe des Tarn. Abenteuer kann man überall erleben, sogar unter dem Wasser, im Meeresnaturpark des Golfe du Lion.

Meeresnaturpark des Golfe du Lion Im Meer vor den östlichen Pyrenäen und dem Departement Aude gelegen, ist der Meeresnaturpark des Golfe du Lion der drittgrößte Meeresnaturpark Frankreichs. Er folgt den Küsten von Leucate bis nach Cerbères und schließt in seinen Grenzen das Meeresreservat von Cerbères-Banyuls mit ein, ein Unterwasser-Paradies mit einer bemerkenswerten Artenvielfalt. Auf einer Meeresfläche von 650 Hektar, die sich vom Hafenausgang von Banyuls-surMer bis zum Cap Peyrefite erstrecken, enthält das Reservat mehr als 12.000 Tierarten und ca. 500 Pflanzenarten. Das Tauchen ist dort eingeschränkt, aber über den Unterwasserpfad und die sich an die Bedingungen des Reservats haltenden Tauchclubs erhält man Zugang zum Meeresgrund, den dortigen Korallenformationen und Neptungraswiesen, wo Querbarsche, Rochen und Muränen umherschwimmen, während weiter draußen auf dem Meer bisweilen einige große Delphine zu sehen sind. Parc naturel marin du Golfe du Lion. Tel. 33 (0)4 68 68 40 20 parc-marin-golfe-lion.fr 34 I NATUR I Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées

100 % Natur im Haut-Languedoc

Der südlich des Zentralmassivs zwischen Tarn und Hérault gelegene Regionale Naturpark des Haut-Languedoc weist sehr unterschiedliche Landschaften auf. Diese Mittelgebirgszone zwischen Castres, Revel, Saint-Chinian und Lodève besteht vor allem aus den Bergen von Lacaune, der Montagne Noire, dem CarouxMassiv, der Héric-Schlucht, dem Sidobre und dem Minervois. Deshalb kann man in diesem Park einen idealen Abenteuerurlaub inmitten der Natur verbringen, mit Mountainbiking, Bergsteigen, Fischen und Wandern.

Maison du Parc. Tel. 33 ( 0)4 67 97 38 22 parc-haut-languedoc.fr


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NATUR

Val d’Azun Eine Begegnung mit Raubvögeln Die Anwesenheit von Herden favorisiert das Überleben der großen Raubvögel, da diese sich dann u.a. von den Kadavern dieser Tiere bzw. von anderen tierischen Abfällen ernähren können. Der Raubtiervogelweg im Val d’Azun ist ein Entdeckungspfad mit 5 lebensgroßen Silhouetten (mit ausgebreiteten Flügeln) der für die Pyrenäen charakteristischsten

ur

Raubvögel: Bartgeier, Gänsegeier, Schmutzgeier und Steinadler. Dies stellt eine hervorragende Möglichkeit dar, sie am Modell aus der Nähe zu betrachten, um sie dann später fliegend in der Luft zu erkennen. Tel. 33 (0)5 62 97 43 13 parc-pyrenees.com

Aubrac

Ein Gebiet voller Emotionen, das bald offiziell geschützt sein wird

Das Hochplateau von Aubrac, über das die Wanderschäfer laufen und die Pilger nach Santiago de Compostela und das übersät ist mit Berghütten, erstreckt sich über die Departements Aveyron, Cantal und Lozère. Ein künftiger Regionaler Naturpark ist in Vorbereitung, um die natürlichen Reichtümer dieser Mittelgebirgszone noch besser zu nutzen und zu schützen. Diese Hochplateaus und Weideflächen, wo die berühmte Aubrac-Rasse zu Hause ist – die Kuh mit den sanften Augen –, liegen gleich neben den tief eingeschnittenen Tälern des Lot und der Truyère. Aufgrund der mehr als 2000 km ausgeschilderter Wege sind Fußwanderungen die beste Möglichkeit, die Zone des Aubrac zu entdecken. Parc Naturel Régional de l’Aubrac. Tel. 33 (0)5 65 48 19 11 projet-pnr-aubrac.fr

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NATUR

Causses und Cevennen Landschaften mit Charakter Dieses weitflächige Gebiet, das sich über vier Departements erstreckt (Lozère, Aveyron, Hérault und Gard), ist geprägt von einem innigen Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Die Causses und die Cevennen verbinden grandiose Landschaften mit einer kulturellen Tradition, die mittlerweile bereits von der Unesco anerkannt wird. Der Mont Lozère und der Mont Aigoual beeindrucken durch ihr schroffes Profil. Die Causses, riesige KalksteinHochebenen, übersät von unregelmäßigen Felsformationen und bedeckt mit Wiesen und Heideland, werden unterbrochen von Schluchten mit abenteuerlicher Gestalt… Die Täler der Cevennen weisen Terrassen mit Trockensteinmauern auf, wo Kastanienbäume, Weinreben, Maulbeerbäume und Süßzwiebeln wachsen. Diese Landschaften sind der bis heute lebendige Ausdruck der ländlichen Weidewirtschaft am Mittelmeer, die sie seit der Antike geprägt hat. Auf den Causses ist die Schafhaltung am wichtigsten, aber daneben wird auf den höher

gelegenen Gebieten auch Rinderzucht betrieben, während in den Tälern der Cevennen die Ziegen vorherrschen. Die Causses und die Cevennen umfassen außergewöhnliche Naturgebiete, wie die Schluchten des Tarn und der Jonte oder des Hérault, sowie auch den Talkessel von Navacelles. Die isoliert liegenden Bauernhöfe, die Häuser in kleinen Weilern, die Driften – über welche die Tierherden getrieben werden – tragen zum Charme der Causses-Landschaft bei. Manche Driften folgen alten Römerstraßen, andere werden als Wanderwege genutzt, was ideal ist für einen Ausflug von den Ebenen zu den Hochplateaus. Die Schluchten bieten sich ihrerseits an für Kanufahrten. Saint–Guilhem-le-Désert und die ehemaligen Templer- und Hospitaliterstädte des Larzac tragen zusätzlich zur Bereicherung dieses außergewöhnlichen Erbes bei. Les Causses et les Cévennes. Tel. 33 (0)4 66 48 31 23 causses-et-cevennes.fr

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Zu besichtigen Die Aussichtspunkt von Blandas Gelegen in nur 3 Minuten Entfernung vom Dorf Blandas im Gard, bieten sie drei unverbaubare Ausblicke auf den Talkessel von Navacelles und die Schluchtenfolge der Vis; einer dieser Aussichtspunkte hat die Form eines hängenden Gartens. Die „Maison de Site“ beherbergt einen Bereich mit Informationen für Touristen, eine Dauerausstellung, sowie einen Film, in dem die archäologischen Entdeckungen gezeigt werden, die auf dem Causse nd im Talkessel gemacht wurden

Le Relais du Cirque, route de Navacelles. Tel. 33 (0)4 99 51 60 36.


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Schifffahrt

NATUR

Im Boot durch die Tarn-Schlucht Der Fluss Tarn hat einen echten Canyon zwischen die CausseHochebenen von Sauveterre und Méjean gegraben. Diese Schluchten, von denen manche Steilwände bis zu 500 Meter hoch sind, bilden unvergessliche Landschaften. Am Rand der Flussufer laden mehrere pittoreske Dörfer zu einer Pause ein: u.a. Ispagnac mit seiner romanischen Kirche und Sainte Enimie, dessen Gassen mit Kieselsteinen aus dem Tarn gepflastert sind. Die Gemeinde La Malène befindet sich unmittelbar vor der Engstelle der Détroits, dem

bemerkenswertesten Teil der Tarn-Schlucht. In Fortsetzung der Binnenschifffahrt vom Ende des 19. Jahrhunderts nehmen die Schiffer von La Malène sie mit an Bord für eine kommentierte Spazierfahrt bis zum Talkessel von Baumes. Les Bateliers des Gorges du Tarn. Tel. 33(0)4 66 48 51 10 gorgesdutarn.com Les Bateliers du Viaduc. Tel. 33 (0)5 65 59 12 41 bateliersduviaduc.com

Larzac La Couvertoirade, Stätte der Templer und Hospitaliter

Zusammen mit La Cavalerie, Saint-Jean d’Alcas, Sainte-Eulalie de Cernon und Le Viala du Pas de Jaux gehört La Couvertoirade zu den fünf befestigten Stätten, die zusammen auf der kulturellen Tour „Templer und Hospitaliter im Larzac“ besichtigt werden können. Dabei erfährt man etwas über das Erbe der Ritter des Mittelalters und ihre Rolle bei der Organisation der ländlichen Weidewirtschaft auf dem Causse des Larzac. Die Burg an der höchsten Stelle des Dorfes, umgeben von einer Festungsmauer mit kreisrunden Türmen, die Hospitaliterkirche und die Gassen, die gesäumt werden von Häusern im typischen Causse-Stil, stellen zusammen eines der schönsten Zeugnisse ihrer ehemaligen Anwesenheit dar. La Couvertoirade besitzt auch verschiedene mittelalterliche Baustrukturen, die mit der Wasserversorgung zu tun haben: Zisternendächer, Calades, von Steinen gesäumte Viehtränken. Conservatoire du Larzac. Tel. 33 (0)5 65 59 12 22 conservatoire-larzac.fr

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RUNDREISE

Der lac d’Aubert Der lac de Matemale

Rundreise Von den großen Stauseen bis zu den kleinen Teichen in den Bergen, die nur den Forellenfischern bekannt sind, sind alle Seen der Pyrenäen in ihrem Schrein aus Bergen ganz großartig!

Der lac du Carlit

Der Lac des Bouillouses Der im Herzen des Capcir gelegene Lac des Bouillouses ist das Eingangstor zu einer weitflächigen Naturschutzzone, die sich bis zum Gipfel des Pic Carlit (2921 m) erstreckt. Dank einer Beschränkung des Autoverkehrs und eines Shuttlebus-Systems, welches das Parken der Autos weit entfernt vom See ermöglicht, ist diese Stätte ein Schmuckstück unberührter Natur. Ein Hotel, ein Gasthof und eine Berghütte bieten dort Übernachtungsmöglichkeiten, im Herzen der Berge inmitten von Hirschen, Gämsen und… Forellen! Zahlreiche Spaziergänge

Der lac des Bouillouses

sind dort möglich, auf denen man beispielsweise die Abfolge der Carlit-Seen entdecken kann, oder um Les Camporeills herum laufen kann: eine nordisch anmutende Landschaft inmitten der katalanischen Pyrenäen. - Grand Site des Bouillouses : ledepartement66.fr. Zugang untersagt für Autos zwischen 7 und 19 Uhr, Shuttle-Service vom Parkplatz des Pla de Barrès aus. (5 €). - Hôtel Les Bones Hores : boneshores.com. Tel. 33 (0)4 68 04 24 22. Großartig gelegen am Ufer des Sees. - Refuge FFCAM des Bouillouses: refugedesbouillouses.ffcam.fr Tel. 33 (0)4 68 04 93 88.

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Eine echte Berghütte, leicht erreichbar und mit gutem Essen!!

Der See von Matemale Am Fuß der Bergstation der Angles gelegen, ist der See von Matemale eine Art kleines Meer des Capcir. Leicht zugänglich, umgeben von Tannenwäldern und Freizeitzonen, ist dies ein ideales Urlaubsziel für Familien, wo im Sommer zahlreiche Aktivitäten möglich sind: Segeln im Wassersportzentrum L’Ourson, Ausritt zu Pferde, Fußwanderung oder Ausflug auf dem Mountainbike um den See herum (Dauer 2 bis 3 Stunden), Bogenschießen oder einfach Entspannen

am Strand – ein Badeurlaub ganz in der Nähe der Berge! - Office de Tourisme de Matemale. Tel. 33 (0)4 68 04 41 02 matemale.fr - Office de Tourisme des Angles. Tel. 33 (0)4 68 04 32 76 lesangles.com - Parc animalier des Angles. Tel. 33 (0)4 68 04 17 20 www.faune-pyreneenne.fr. Ein schöner Spaziergang durch den Wald, um dabei die Arten der europäischen Tierwelt zu entdecken. Eintritt 14 €. Wassersportzentrum L’Ourson (Segeln, Kajak, Tretboot und auch ein Restaurant). Tel. 33 (0)4 68 04 30 77 clubnautique-fontromeu.fr


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NATUR

Die großen Seen der Pyrenäen Der Stausee von Soulcem

Unter den zahlreichen Seen im Departement Ariège ist an diesem bemerkenswert, dass er mit dem Auto über eine Straße erreichbar ist, die bis zu den „Orris“ (Steinhütten) von Carla führt, in mehr als 1600 Meter Höhe. Hier ist der Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen zum Montcalm oder den Seen des Picot.Sie können auch in der Talsohle bis zum Port del Rat laufen, auf einem Schäferweg (auf dem keine Autos fahren dürfen) inmitten von Kuhherden und Mérens-Pferden. Dieser Weg war die Vorstufe zu einer nie realisierten Straße über die Grenze, die bis nach Andorra führen sollte und die tatsächlich bis zur Bergstation Arcalis in Andorra reicht, eine nette Fahrt mit dem Mountainbike! Office de Tourisme de Vicdessos. Tel. 33 (0)5 61 64 87 53 montagnesdetarasconetdu vicdessos.com

empfängt Sie eine Berghütte für eine Erfrischung oder eine Mahlzeit, bzw. sogar für eine unvergessliche Übernachtung im Herzen der Pyrenäen. - Office de Tourisme de Luchon. Tel. 33 (0)5 61 79 21 21 luchon.com. - Refuge du lac d’Oô. Tel. 33 (0)5 61 79 12 29 PEine einfache, aber gemütliche Berghütte, erreichbar binnen einer Stunde von Les Granges d’Astau aus. - Refuge du Portillon. Tel. 33 (0)5 61 79 38 15 Eine Hochgebirgshütte, die zu erreichen, sehr lange dauert; aber die Gletscherumgebung ist diese Mühe wert!

Die Seen von Néouvielle

Die Seen des Luchonnais Oberhalb von Bagnères-de-Luchon befinden sich in den Bergen drei Seen entlang demselben Gebirgspfad. Je nachdem wie sportlich Sie sind, können Sie entweder nur den leicht zugänglichen Lac d’Oô bewundern, oder auch den Lac d’Espingo, der bereits jenseits der Baumgrenze relativ weit oben im Gebirge liegt, oder sogar noch weiter oben den Lac du Portillon, der umgeben von Gletschern ist und am Anfang des Sommers häufig noch gefroren ist. An jedem dieser Seen

Das Naturreservat von Néouvielle, in den Pyrenäen zwischen dem Aure-Tal und dem BarègesTal gelegen, ist eine unglaubliche Abfolge von Seen und Teichen in

verschiedenen Größen, über denen die von Gletschern bedeckten Gipfel des Pic de Néouvielle und des Pic Long emporragen. Eine zufahrtsbeschränkte Straße (die im Sommer geöffnet ist) führt empor bis zum Parkplatz am Lac d’Aubert, einem idealen Ausgangspunkt für eine große Vielfalt von Wanderungen um die dortigen Seen herum. Mehrere Berghütten ermöglichen es, dort eine Pause einzulegen; sogar eine große Fußwanderung für die Dauer einer Woche wäre möglich! - Office de Tourisme de SaintLary. Tel. 33 (0)5 62 39 50 81 saintlary.com - Chalet-hôtel d’Oredon. Tel. 33 (0)6 23 05 72 60 refuge-pyrenees-oredon.com. Ein Berghotel mit günstigen Preisen und einem großartigen Blick auf den Lac d’Oredon.

Der See von Gaube Oberhalb von Cauterets ist Le Pont d’Espagne eine Stätte mit unberührter Natur und riesigen Kiefernwäldern, sowie mit Wiesen, durch die sich Gebirgsbäche schlängeln. Der unmittelbar oberhalb davon gelegene Lac de Gaube ist seit dem 19. Jahrhundert ein beliebtes Touristenziel der Pyrenäen und präsentiert sich umrahmt von Bergen. Zwar

ist er nur zu Fuß erreichbar, aber man kann wenigstens zu Beginn für den steilsten Teil des Weges einen Sessellift nehmen. Hotels und Berghütten ermöglichen einen längeren Aufenthalt an diesem magischen Ort, wo es zahlreiche Gämsen gibt. Zögern Sie nicht, noch weiter bis zur Berghütte von Le Clos zu laufen, die von dort aus am leichtesten erreichbar ist, oder bis zur Hütte Wallon-Marcadau, mit leicht veraltetem Charme, oder sogar bis zu der von Bergsteigern sehr geschätzten Hütte der Oulettes de Gaube, die sich am Fuß der beeindruckenden Nordwand des Vignemale befindet. - Office de Tourisme de Cauterets. Tel. 33 (0)5 62 92 50 50 cauterets.com - Chalet du Clos. Tel. 33 (0)5 62 92 61 27 chaletduclos.fr. Zugang im Sommer über einen langen, aber leicht begehbaren Weg, im Winter mit den Skiern über eine Langlaufpiste.

Der See von Estaing Der Lac d’Estaing (auf 1163 m Höhe) ist von Lourdes oder Argelès-Gazost aus leicht mit dem Auto zugänglich, über das AzunTal in Richtung des SoulorPasses. Gelegen in einem breiten Gletschertal mit den hohen Gipfeln des Balaïtous-Massivs (3144 m) im Hintergrund, bietet er seinen Besuchern eine Landschaft wie auf einer Ansichtskarte, wird aber auch von den Fischern sehr geschätzt. In seiner Umgebung wohnen Scharen von Murmeltieren und Kuhherden verbringen dort geruhsam den Sommer. Ihre Kinder werden begeistert sein. - Office de Tourisme de Lourdes. Tel. 33 (0)5 62 42 77 40 lourdes-infotourisme.com - Gite de la Pauze. Tel. 33 (0)6 88 45 99 98 - Camping intercommunal du lac d'Estaing. Tel. 33 (0)5 62 97 24 46

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NATUR

Tradition Les Toiles du Soleil

Canigou und

katalanische Pyrenäen Der heilige katalanische Berg Die Dolmen, die prähistorischen Megalithen, die Gebäude des Hochmittelalters, sowie die Erzählungen und Legenden, in deren Mittelpunkt er steht, zeigen die heilige Dimension des Canigou. Reicht die Kraft aus, die seine eindrucksvolle Silhouette mit häufig verschneitem Gipfel gegenüber dem Meer und oberhalb der Ebene des Roussillon ausstrahlt, um die Begeisterung zu erklären, die dieses Bergmassiv auslöst, dessen Spitze lange Zeit als die höchste der Pyrenäen galt? Ein Ort der Götter, Riesen und Feen, aber auch der Hexen und

Drachen, gefeiert von den Dichtern, bis zum Ende des 20. Jahrhunderts ausgebeutet wegen seiner Eisenvorräte, bringt der heilige Berg der Katalanen auch die Touristen zum Träumen, die den Aufstieg häufig als eine Form von Initiation betrachten. Zahlreiche Wanderwege zeigen die Poesie und den Zauber dieser emblematischen Landschaften. Bergsteigen und Canyoning werden hier gerne praktiziert. Offices de Tourisme Canigou Conflent. Tel. 33 (0)4 68 05 41 02 - tourisme-canigou.com

Der Gelbe Zug, ein Symbol der katalanischen Region

Dieser Regionalexpress hat auch eine touristische Funktion. Entlang den 63 Wegkilometern des

Gelben Zuges findet man 650 Kunstwerke, darunter das Viadukt Séjourné mit prächtigen Steinbögen und den Pont Gisclard, die einzige heute noch von der Eisenbahn befahrene Hängebrücke. Eine bautechnische Leistung, die ganz allein schon die Reise wert ist. Von Villefranche-de-Conflent bis nach Latour-de-Carol

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durchquert der Gelbe Zug den Regionalen Naturpark der katalanischen Pyrenäen. An seinen nach oben offenen Waggons rauschen großartige Landschaften vorbei und Herzklopfen ist garantiert, wenn er oberhalb der TêtSchlucht fährt, sich an enge Gesimse klammert, Engpässe im Fels durchquert, Täler entlang fährt

und Bergflanken empor steigt. Der Gelbe Zug ist ein einzigartiges und unterhaltsames Transportmittel, für eine ungewöhnliche Art der Entdeckung des Conflent und der Cerdagne, sowohl im Sommer als auch im Winter. Le Train Jaune. Tel. 33 (0)4 68 96 63 62 vernet-les-bains.fr

Durch den Kauf der letzten Textilmanufaktur von Saint-Laurent de Cerdans haben Henri und Françoise Quinta die Tradition der katalanischen Stoffe mit schimmernden Streifen gerettet. Ihr Unternehmen, genannt „Les Toiles du Soleil“ („Die Stoffe der Sonne“) führt eine besondere Art des Webens fort und erneuert, ohne sie zu verraten, die Identität dieser Stoffe, die Liegestühlen, Vorhängen oder Tischdecken den Anschein ewigen Sommers verleihen… Ohne die „Vigatanes“ zu vergessen, die authentisch katalanischen Espadrilles mit Schnürsenkeln, unverzichtbar zum Tanzen der Sardana! Les Toiles du Soleil. Tel. 33 (0)4 68 39 33 93 toiles-du-soleil.com Création catalane Tel. 33 (0)4 68 54 08 68 espadrille-catalane.com

Die Murmeltiere beobachten

In den katalanischen Bergen leben Gämsen, Mufflons, Hirsche und Grauwölfe, aber der Star der Wiesen am Rand der Gebirgsseen ist das Murmeltier, welche die frische Temperatur am Morgen oder am Abend bevorzugt. Es kann durch sein Pfeifen entdeckt werden, mit dem es seine Artgenossen vor drohenden Gefahren warnen möchte, aber durch die Farbe seines Fells kann es sich gut in der Umgebung tarnen. Mit der Hilfe des geübten Auges eines Führers wird man schneller ein Murmeltier finden.

Offices de Tourisme Canigou Conflent. Tel. 33 (0)4 68 05 41 02 tourisme-canigou.com


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NATUR

Pic du Midi von

Bigorre Das Sternenschiff Auf der 750 m2 großen Terrasse dieses Observatoriums befinden sich ein Museum und mehrere Kuppeln. Wie sein Name es anzeigt, der auf die gegen Süden vorgerückte Stellung verweist, ist der Pic du Midi von Bigorre in den Hautes-Pyrénées ein außergewöhnlicher Aussichtspunkt. Von seinem 2877 m hohen Gipfel aus kann man die gesamte Bergkette der Pyrenäen überblicken, von Katalonien bis zum Baskenland, mehr als 400 km Berglandschaft. Von dieser Terrasse aus beobachten, entschlüsseln und fotografieren seit mehr als 140 Jahren Forscher und Weltraumspezialisten den Himmel mit seinen Planeten, bis hin zu den am weitesten entfernten Galaxien. Die Astronomie ist die Stärke dieser

Einrichtung in den Pyrenäen, insbesondere das Studium der Sonne, des Mondes (für die Apollo-Missionen) und der Planeten. Ihre Besonderheit sind die dortigen Lichtverhältnisse und die stabilen atmosphärischen Bedingungen an dieser Stelle. Die reine Luft verbessert die Qualität der Beobachtung des Himmels und der Umgebung. Seit Juni 2000 kann diese Stätte auch von der Öffentlichkeit besucht werden; im Jahr 2003 wurde sie als Naturressource von nationaler Bedeutung eingestuft, aufgrund der Schönheit der dortigen Landschaft. Tel. 33 (0) 825 00 2877 picdumidi.com

Eine Nacht auf dem Dach der Pyrenäen

Um den Zauber dieses Ortes beim Sonnenuntergang gemeinsam zu erleben und um das Himmelsgewölbe zu entdecken, veranstaltet der Pic zwischen März und November ca. 20

„Sternenabende“ für die Öffentlichkeit. Nach der Besichtigung des Museumsbereichs, des höchsten in ganz Europa, und der übrigen Einrichtung, kann man von dort aus den Sonnenuntergang beobachten und begibt sich dann in eine AstronomieWerkstatt, mit Erklärungen durch Astronomen. Seit 2006 ist der Pic auch während der Nacht geöffnet. Begleitet von einem

Spezialisten, verbringt eine maximal 27 Personen umfassende Gruppe die Nacht damit, mit bloßem Auge sowie durch das 500 mm Teleskop der Charvin-Kuppel hindurch den Sternenhimmel zu studieren. Ein traditionelles Abendessen mit Markenprodukten aus der Region wird im Restaurant serviert. Am darauffolgenden Tag können die glücklichen

Teilnehmer, nachdem sie den Sonnenaufgang genossen haben, die wissenschaftlichen Zwecken dienenden Kuppeln entdecken und dort einen Einblick in den Alltag der Forscher erhalten. Die „Nächte auf dem Gipfel“ sind nach Voranmeldung das ganze Jahr hindurch zugänglich. Tel. 33 (0)5 62 56 70 00 oder 33 (0)5 62 56 70 01 (Gruppen)

Epos

Ein außergewöhnliches menschliches Abenteuer Zwar kann man heute von La Mongie aus den Pic du Midi mit Hilfe der Seilbahn innerhalb von 15 Minuten erreichen, aber im Jahre 1873 sah dies noch ganz anders aus, als der General de Nansouty die erste Wetterstation auf dem Sencours-Pass errichtete. 1878 legte er zusammen mit dem Ingenieur Xavier Vaussenat den Grundstein für das Gipfelobservatorium. 1908 wurde die erste Kuppel errichtet (Baillaud). Danach folgten weitere Kuppeln. 1995 von der Schließung bedroht, wurde das Observatorium durch den Zusammenschluss mehrerer Investoren gerettet. Am 19. Dezember 2013 erhielt der Pic das Label „Internationales Sternenhimmels-Reservat“, der erste derartige Fall in Frankreich. Seitdem haben 251 Gemeinden der Hautes-Pyrénées ihre überflüssige Lichtausstrahlung während der Nacht reduziert.

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NATUR

Oxygen

Große Talkessel der

Pyrenäen

Der Schrein des Nationalparks der Pyrenäen

Gavarnie, unverzichtbar und riesig Dies ist der größte Talkessel der Pyrenäen, eine Sehenswürdigkeit der Natur! Bereits vom Dorf aus an man, dass dies ein besonderer Anblick sein wird. Aber man ist nicht vorbereitet auf den Schock der Entdeckung dieser beinahe 1500 Meter hohen Steinwand in drei aufeinander folgenden Etagen, über welche Wasserfälle verlaufen, deren Bahn von den Gletschergipfeln des Marboré (in 3248 m Höhe) bis zum Taillon führt. Der bekannteste Wasserfall ist die 422 m hohe „Cascade de Gavarnie“, an der Flussquelle des Gave de Gavarnie, der den Gave de Pau speist. Seit dem 19. Jahrhundert ist dieser Weiler ein beliebtes Ziel der Touristen. Auch heute noch ist die Stätte Gavarnie – Mont Perdu, die 1997 in das Weltnaturerbe der Unesco aufgenommen wurde und die sich inzwischen im Herzen des Nationalparks der

Pyrenäen befindet, im Sommer immer gut besucht. Es ist weiterhin möglich, zu Fuß in die Sohle des Talkessels vorzudringen, bis zum ehemaligen Hotel, das heute ein Restaurant ist, und dann die Wanderung am Fuß der 423 m hohen Grande Cascade fortzusetzen. Dieser Spaziergang stellt keine besonderen Anforderungen und ist sehr beliebt. Während des Sommers wird gegen Abend im Talkessel ein MittelalterSpektakel angeboten, in einem großartigen Rahmen und zu Fuß in 30 Minuten erreichbar. Office de Tourisme de Gavarnie-Gèdres. Tel. 33 (0)5 62 92 48 05 – gavarnie.com „Merlin, die Geschichte eines Zauberers“ vom 26. Juli 7. August 2016. festival-gavarnie.com

Spaziergänge durch die Talkessel

Vom Port de Boucharo aus ist der Zugang zu Fuß zur Berghütte der Brèche de Roland nicht allzu schwierig und am Abend ist dort

der Sonnenuntergang über dem Talkessel von Gavarnie unvergleichlich. Im Gegenzug ist der Aufstieg über die Sarradets-Leitern von Gavarnie aus viel länger und technisch anspruchsvoller, aber in beeindruckender Umgebung! Der gemütlichere Aufstieg zur Berghütte der Espuguettes (PNP), dann zur nahegelegenen

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Hourquette d’Alans, ermöglicht Ihnen einen großartigen Ausblick auf den benachbarten Talkessel von Estaubé. Der weniger bekannte und auch weniger häufig besuchte Talkessel von Estaubé – denn die Straße von Gèdre aus endet an der Gloriettes-Talsperre – ist gut geeignet für Spaziergänge mit der Familie inmitten

der Sommerweiden und der dort grasenden Herden. Von den drei Talkesseln ist der am leichtesten zugängliche der von Troumouse: Die Straße führt dort in 2000 m Höhe bis zu einer exzellenten Herberge, von wo aus man Spaziergänge unternehmen kann, um Murmeltiere zu beobachten! ete.gavarnie.com

Gegründet 1967 zum Schutz der Landschaften sowie der Fauna und Flora der Pyrenäen, besitzt der Nationalpark der Pyrenäen besondere Regeln, um den Zugang in das Herzgebiet besser steuern zu können. Auf einer der dort möglichen Wandertouren kann man sehr leicht Murmeltiere, Gämsen, Adler und Geier beobachten. Dies gilt auch für eine Exkursion in das Luze-Tal über den Chemin de Saint-Saud, der auf das BellevuePlateau führt und dort einen großartigen Blick auf den Talkessel von Gavarnie ermöglicht. Seit 2015 ist dort der im Jahr 2000 aus den Pyrenäen verschwundene Iberische Steinbock wieder anzutreffen, was mehreren NeuansiedelungsMaßnahmen zu verdanken ist, insbesondere oberhalb von Cauterets. Bald wird er auch in Gavarnie angekommen sein… parc-pyrenees.com


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KULTURERBE Ein einzigartiger Reichtum, durch den Languedoc Roussillon Midi Pyrénées zur Spitzengruppe der Regionen zählt, welche die meisten Sehenswürdigkeiten besitzen, die zum Weltkulturerbe der Unesco gehören.

Der Pont du Gard Der Canal du Midi, ein befahrbares Schmuckstück seit 4 Jahrhunderten Carcassonne, die stolze Festung Conques, das steinerne Schiff

Acht. Das ist die Anzahl der Stätten in der Region, die offiziell zum Weltkulturerbe der Unesco gehören, d.h. beinahe ein Viertel aller derartig klassifizierten Stätten in Frankreich! Über das antike Rom bis zum Mittelalter, über die Kreuzzüge, die Katharerkriege, die Fronde und weitere bedeutende historische Ereignisse: Die Region Languedoc Roussillon Midi Pyrénées trägt noch heute die Spuren ihrer bewegten Vergangenheit in sich. Aber auch abgesehen von den weltweit bekannten Sehenswürdigkeiten gibt es in den dreizehn Departements der Region – vom Gers bis zum Gard, vom Lot bis zu den Pyrenäen, von der Haute-Garonne bis zur Lozère – zahlreiche großartige und bewegende Orte, geprägt von den Menschen und der Natur, auf Du und Du mit der Geschichte und heute gut zugängliche Kostbarkeiten.

monnouvelhorizon.com

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KULTURERBE

Pont du Gard Eine 2000 Jahre zurückreichende Geschichte in Verbindung mit dem Wasser Der Pont du Gard nahe bei Uzès, aufgenommen in das Weltkulturerbe der Unesco, ist die meistbesuchte Sehenswürdigkeit aus der Antike in Frankreich. Erbaut im 1. Jahrhundert v. Chr., überquert er den Gardon und war Teil eines 50 km langen Aquädukts, welche die nur ein paar Dutzend km entfernte Römerstadt Nîmes versorgen sollte. Als Verbindung von Kraft und Anmut kommt er in der dortigen außergewöhnlichen Naturumgebung besonders gut zur Geltung. An den Ufern des Gardon findet man Garrigue-Vegetation, Klippen mit Grotten im Inneren, grüne Eichenwälder und landwirtschaftliche Parzellen. Der heutige Aquädukt-Pfad folgt dem Verlauf des ursprünglichen Bauwerks und führt über Ruinen und Aussichtspunkte mit schönen Panoramen. Office de Tourisme du Pont du Gard. Tel. 33 (0)4 66 37 22 34 ot-pontdugard.com

Badevergnügen Im Sommer eine Stätte der Erfrischung Der Fluss Gardon bietet auch abgesehen von der Einrichtung mit Hütte und Badeinsel in der Nähe des Pont du Gard zahlreiche weitere Stellen, wo man baden kann. Einige Kilometer flussaufwärts findet sich bei Collias eine Stätte, die von Familien und Sportlern sehr geschätzt wird, mit Steinplatten, Stränden mit Sand und Kieselsteinen, Kletterfelsen, sowie Kanu- und Kajakclubs. Ein Wanderweg, der dem Flussverlauf stromaufwärts folgt, lädt zur Entdeckung der Gardon-Schlucht ein. Er führt zur Baume-Grotte, welche eine kleine Einsiedelei mit ihrer Kapelle beherbergt. Unterhalb davon zeugen zwei alten Mühlen von vergangenen Aktivitäten. Einige Bonelli-Adler und ägyptische Geier haben in den Felsen Zuflucht gefunden, und die Flussufer wurden von Bibern bevölkert. Nächtliche Führungen ermöglichen es, den größten Nager Europas dort kennenzulernen. Maison des Gorges du Gardon. Tel. 33 (0)4 48 27 01 00 gorgesdugardon.fr

44 I KULTURERBE I Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées

Spielerisch und pädagogisch

Damit sie verstehen können, wie die Römer die Herrschaft über das Wasser erlangt haben, und um ihren Spuren zu folgen, hilft Ludo den Allerjüngsten dabei, durch eigene Aktivitäten die Schwierigkeiten der Römer beim Bau des Aquädukts zu verstehen und zu überwinden. Das Museum „Mémoire de Garrigue“, das dem Entdecken der römischen Antike dient, ein Parcours an der frischen Luft zwischen mediterraner Landwirtschaft und Resten des Aquädukts, sowie ein Kino vervollständigen den kulturellen und familienfreundlichen Ansatz rund um die Aquädukt-Brücke.

Site du Pont du Gard. Tel 33 (0)4 66 37 50 99 pontdugard.fr


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KULTURERBE

Uzès Zurück zu den Quellen in der Nähe des ersten Herzogtums Frankreichs Das Aquädukt und seine Geschichte nehmen ihren Anfang am EureBrunnen, in der Nähe von Uzès. Mehrere Quellen entspringen dort in ungefähr 75 m Höhe; diese Stätte wurde von den Römern ausgewählt, um von dort aus Nîmes mit Wasser zu versorgen. Ein Rundgang führt zu den Resten des ersten Abschnitts des Aquädukts, wobei man die Bauweise der Kanalisation erkennen kann, einen Tunnel, der hierfür genutzt

wurde, und das Ausgleichsbecken mit einem Wachturm. Auf dem Weg stößt man auch auf die Ruinen alter Mühlen; jene von Tournal schickte das Flusswasser zu den Brunnen von Uzès. Das von Pappeln und weitflächigen Wiesen, die zu einem Picknick einzuladen scheinen, gesäumte Eure-Tal ermöglicht eine Pause in der Gesellschaft von Enten, Schwänen und Gänsen… Das Vergnügen kann man fortsetzen

durch einen Besuch von Uzès, wo es nicht weniger als 37 offiziell registrierte Denkmäler gibt. Wenn man unter den Arkaden der Place aux Herbes oder unterhalb der Burg des „ersten Herzogtums von Frankreich“ spaziergeht, verfällt man unweigerlich dem Charme dieses Ortes. Office de Tourisme d’Uzès. Tel. 33(0)4 66 22 68 88 uzes-tourisme.com

Der Pont du Gard entzündet sich im Juni bei Nachtbeginn. „Gallische Feuer“ ist der Titel des Spektakels von 2016. Durch Klang- und Lichteffekte, Feuerwerk, Figuren und Strukturen aus Licht werden wir in eine berauschende keltische Atmosphäre versetzt. Jeden Sommerabend verlängert um 22.30 Uhr die „A la belle étoile“ genannte Beleuchtung der Brücke den vorherigen Zauber. Ebenfalls in der Kategorie Feiern ist zu erwähnen, dass an jedem Freitag des Sommers ein Tanzvergnügen im Stil populärer Tavernen angeboten wird, mit Musette-, Swing- oder TangoMusik. Außerdem gibt es am 7. und 8. Juli im Rahmen des Festivals „Live au Pont“ zwei Abende mit aktueller Musik. Tel. 33 (0)4 66 37 50 99 - pontdugard.fr

Einmärchenhaftes SpektakelanderBrücke Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées I KULTURERBE I 45


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KULTURERBE

Pilgerwege des

Heiligen Jakob Emotionen am Wegrand Seit dem Beginn des 11. Jahrhunderts ist Compostela, ein galizisches Dorf in Spanien, wo der Heilige Jakob begraben sein soll, das Ziel einer Pilgerreise, die das ganze Mittelalter hindurch Tausende von Gläubigen antreten. Heutzutage werden diese Pfade des Glaubens keineswegs nur von echten Pilgern genutzt. Zahlreiche Wanderer lassen sich auf dieses Abenteuer ein, wegen der Schönheit der Landschaften und des außergewöhnlichen kulturellen Erbes, das in diesen anzutreffen ist, sowie wegen der Magie unvorhergesehener Begegnungen. Vier historische Pfade treffen in Punte Reina aufeinander. Zwei davon durchqueren die Region Languedoc Roussillon Midi Pyrénées. Der südlichere der beiden, genannt Via Tolosana (GR653) oder Voie d’Arles, verläuft durch Saint-Gilles mit seiner Abtei, die sich auszeichnet durch ihre Skulpturenfassade und den romanischen DreifachPortal. Nach der Abtei von Gélonne, einem Schmuckstück der romanischen Kunst des Languedoc, und nach dem Pont du Diable, führt die Via weiter durch Toulouse mit seiner Basilika Saint-Sernin bis zum Pass von Somport. Die Via Podensis (GR65) beginnt an der Kathedrale von Puy-en-Velay, wo sich die berühmte Schwarze Jungfrau befindet, ein Objekt der Verehrung und Ziel von Pilgerfahrten. Auch ihre Route wird gesäumt von Denkmälern und Kunstwerken: die Brücke „der Pilger“ in Saint-Chély d’Aubrac, der Pont Vieux von Espalion

und jener von Estaing, die Brücke über die Dourdou in Conques, wo sich in der prächtigen Abtei der „Trésor de la Sainte Foy“ befindet, die Kathedrale Saint-Sernin und die Valentré-Brücke in Cahors, die Abtei von Moissac… Der in Narbonne beginnende Weg der Pyrenäen-Vorgebirge – Piémont Pyrénéen (GR 78) – ist eine Variante der Voie d’Arles. Er verbindet wichtige Stätten der Spiritualität: Carcassonne, Saint-Thibéry, Saint-Lizier, Saint-Just de Valcabrère, Saint-Bertrand de Comminges, Lourdes, die Templer-Kapelle von Aragnouet… Diese Hauptwege werden ergänzt durch Nebenwege wie der Verbindungsroute zwischen der Voie d’Arles und dem Piémont-Weg, der Variante von Rocamadour, von Figeac nach Cahors, jene des Célé, von Béduer nach Cahors. ACIR. Tel. 33 (0)5 62 27 00 05 chemins-compostelle.com 46 I KULTURERBE I Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées

Wissenswertes Die Geisteshaltung auf dem Weg

Ein Netz von Herbergen und von Klöstern stand für die mittelalterlichen Pilger bereit. Heutzutage gibt es noch sehr viel mehr Unterkünfte, von denen manche die zum Pilgerweg passende Geisteshaltung postulieren, so die Etappenunterkunft „Antoine le Pèlerin“ in Figeac (Lot). Die Führer der Reihe „Miam Miam Dodo“, Éditions du Vieux Crayon, listen für die unterschiedlichen Routen nützliche Ratschläge und für alle Geldbeutel geeignete Adressen auf.

Unterkunft Antoine le Pèlerin. Tel. 33 (0)6 52 72 61 46 antoinelepelerin.fr


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Einzigartig

KULTURERBE

Seltene Landschaften und historische In Frankreich gehören sieben Abschnitte des Wegs von Puy-enVelay (davon sechs in Languedoc Roussillon Midi Pyrénées) und siebzig an den vier Pilgerrouten gelegene historische Denkmäler (davon neunundzwanzig in dieser Region) zum Weltkulturerbe der Unesco. Aber die Schönheit der zu durchquerenden Landschaften trägt ebenfalls zur steigenden Beliebtheit des Jakobsweges bei. Von den

Denkmäler

großen Plateaus des Aubrac bis zu den charmanten Dörfern des Lot-Tals, von der Garrigue-Vegetation des Minervois bis zum Land der Katharer, von den Causses von Cajarc bis zum Armagnac, von Auch bis zu den Ausläufern der Pyrenäen… Es muss nicht gleich eine dreißigtägige Reise sein; auch kürzere Ausflüge auf den Jakobswegen bergen zu jeder Jahreszeit viel schöne Überraschungen…

Eine App für die Jakobswege. Die 2015 veröffentlichte und sowohl für Android- als auch für Apple-Smartphones erhältliche App „chemins-st-jacques-compostelle“, die den Wegen nach Santiago de Compostela gewidmet ist, bietet einen kompletten Überblick zu den drei Jakobswegen des Puy, von Arles und des Piémont Pyrénéen, mit Etappenbeschreibungen, Anregungen, usw.

Im Hérault-Tal ist Saint-Guilhem-le-Désert eine unverzichtbare Etappe der Via Tolosana. Hier pflegten um das Jahr 1000 die Pilger, die aus dem Orient und aus Italien in Richtung Spanien unterwegs waren, halt einzulegen in der Abtei von Gellone, die 804 inmitten der Garrigue-Vegetation erbaut worden war. Dieses Schmuckstück romanischer Kunst enthält die Reliquien von Saint-Guilhem und Fragmente des Kreuzes von Christus Das auf dem linken Ufer des Stromes Verdus entstandene Dorf (klassifiziert als eines der schönsten Dörfer Frankreichs) ist um eine Straße herum angelegt. Die Fenster im romanischen oder Renaissance-Stil und die Arkaturen weisen auf die mittelalterliche Identität dieser Ortschaft hin. Der stromabwärts zu findende Pont du Diable in SaintJean-de-Fos ist die älteste romanische Brücke in ganz Frankreich und wurde von den Mönchen der Abtei erbaut. Office de Tourisme de Saint-Guilhem-le-Désert Vallée de l’Hérault. Tel. 33 (0)4 67 56 41 97 und Maison du Grand Site. Tel. 33 (0)4 99 61 73 01 saintguilhem-valleeherault.fr

Schmuckstück Saint-Guilhem, eine Oase der Schönheit inmitten ungezähmter Natur

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KULTURERBE

Einsiedler Saint-Martin du Canigou, immer höher hinaus

Vauban-Festungen Zur Zeit der Stadtbefestigungen Sébastien Le Prestre de Vauban, Militärarchitekt von Ludwig dem XIV., hat uneinnehmbare Zitadellen in bergigen Landschaften errichtet. Villefranche-de-Conflent und Mont Louis in den Pyrenäen, welche die französischen Grenzen vor spanischen Überfällen schützen sollten, gehören heute zum Weltkulturerbe der Unesco. Mont-Louis, die am höchsten gelegene Festung Frankreichs, besteht aus einer Militärzitadelle und einer Neustadt. Die Zitadelle beherbergt heute das Nationale Zentrum für Kommandotraining, aber die Pulvermagazine und die Grube der Sträflinge können noch heute im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Geborgen in seinem Festungsring ist Villefranche-deConflent eine sehr lebendige Stadt, mit mittelalterlichen

Gassen voller Charme, Restaurants und Handwerksläden. Die auf dem zentralen Platz stehende Kirche SaintJacques, erbaut aus rosa Marmor, enthält einen liegenden Christus aus dem 14. Jahrhundert und ein barockes Altarbild des berühmten Bildhauers Joseph Sunyer. Die Besichtigung der Festungsmauern bei einem Rundgang ermöglicht es, die Militärarchitektur zu entdecken: mittelalterliche Türme, Kurtinen und Bastionen. Office de Tourisme de Mont-Louis. Tel. 33 (0)4 68 04 21 97 - mont-louis.net Office de Tourisme Canigou-Fenouilledes. Tel. 33 (0)4 68 97 04 38 office-de-tourisme-canigou-fenouilledes.com

Sonnenofen und Keramik Der nach dem Zweiten Weltkrieg innerhalb des Mauerrings von Mont-Louis errichtete Sonnenofen mit doppelter Reflektion wird ausgestellt, um die Funktionsweise seiner 858 Spiegel und seine Verwendung zu zeigen, wie auch allgemein die

wissenschaftlichen und technischen Anwendungsmöglichkeiten der Sonnenenergie. Die hohen Temperaturen dieses Ofens, zwischen 250 und 3000 °C, ganz ohne Umweltverschmutzung, werden heutzutage für eine

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handwerkliche Produktion mit Hilfe der Sonne verwendet: künstlerische Keramiken und Bronzestatuen, die im zum Ofen gehörigen Laden ausgestellt sind. Sonnenofen. Tel. 33 (0)4 68 04 14 89 four-solaire.fr

Fern von allen kriegerischen Zwecken, sondern nur Abgelegenheit, Stille und Spiritualität suchend, wurde auf den Berghängen des Canigou-Massivs in 1100 m Höhe eine Benediktinerabtei errichtet. Gegründet zu Beginn des 11. Jahrhunderts an einer Stelle von beeindruckender Schönheit, die man nach einem halbstündigen Aufstieg aus der Nähe sehen kann, wird die Abtei Saint-Martin du Canigou heute von der Gemeinschaft der Seligpreisungen geleitet, welche dort auch Besichtigungen und längere Aufenthalte organisiert. Die untere, größtenteils unter der Erde befindliche Kirche, Notre-Dame-sousTerre, der Kreuzgang mit seinen Marmorkapitellen, der lombardische Glockenturm und die Abteikirche mit ihrer Krypta machen aus dieser Anlage ein Meisterwerk der frühen romanischen Kunst im katalanischen Stil… Abbaye. Tel. 33 (0)4 68 05 50 03 stmartinducanigou.org

Der Untergrund der 1000 Stufen

Ein unter Napoleon III. in die Erde gegrabener Untergrund mit Stufen aus rosa Marmor und einer Gewölbedecke aus Schnittstein verbindet Villefranche-de-Conflent mit dem Fort Libéria. Dieses von Vauban 150 m oberhalb der mittelalterlichen Stadt, die es schützen sollte, errichtete Fort erstreckt sich über drei Etagen, die jeweils von einem eigenen Festungsring umgeben sind. Die verschiedenen Kasernen, die Kapelle mit ihrer Krypta, die Zisterne, die Bäckerei mit ihrem Brotbackofen, das Munitionslager, das im damaligen Stil nachempfundene „Damengefängnis“ mit einigen berühmten Giftmörderinnen… sind eine Einladung an Groß und Klein, in die Vergangenheit zu reisen. Der Wachgang mit Balustraden aus katalanischem Schmiedeeisen bietet einen atemberaubenden Blick auf die umliegenden Täler.

Fort Libéria. Tel. 33 (0)4 68 96 34 01 fort-liberia.com


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KULTURERBE

Wasserfläche

Cajarc, umspült durch den Lot

Conques Sainte-Foy, das steinerne Schiff inmitten des Tales Conques, im Norden des Rouergue gelegen, ist ein kleines Dorf inmitten von Kastanienbäumen am Rand der Schlucht des Flusses Ouche, umgeben von steilen Bergwänden, Felsen und düsteren Wäldern. An diesem Ort weitab von der Zivilisation entstand Mitte des 11. Jahrhunderts die Abtei Sainte-Foy. Es ergibt sich ein starker Kontrast zwischen der blendenden Schönheit dieses Juwels romanischer Kunst, den daneben stehenden Häusern mit ihren Schieferdächern und der umgebenden Natur. Wegen der Form des Baugrunds besitzt die Abtei, welche die Reliquien von Sainte-Foy (einem jungen Märtyrer aus Agen) aufbewahrt ein Querschiff, das länger ist als das Hauptschiff, wobei letzteres bemerkenswert ist aufgrund seiner Arkaden

und seines 22 m hohen Tonnengewölbes. Seit 1994 schmücken Buntglas-Kreationen von Pierre Soulages die Öffnungen der Abteikirche, an der vor allem das Tympanon vom Jüngsten Gericht Hervorhebung verdient, das 124 bildhauerisch gestaltete Persönlichkeiten aufweist. Das Gebäude beherbergt überdies die goldene Reliquiarstatue von Sainte-Foy, bedeckt mit Kameen und Schmuckstücken, die diesem geistigen Zentrum, das auf dem Weg nach Santiago de Compostela liegt, von Pilgern gespendet wurden. Office de Tourisme de Conques Tel. 33 (0)5 65 72 85 00 tourisme-conques.fr

Figeac, ein Schmuckstück auf dem Causse Östlich vom Quercy und zu Beginn des Ségala, an der Grenze des Rouergue und der Auvergne, erstreckt sich Figeac über zwei kleine Hügel inmitten des Célé. Handelsstadt während des Mittelalters, hat Figeac ein einzigartiges architektonisches Erbe bewahrt, mit Gebäuden aus dem Mittelalter,

Privathäusern aus der Renaissance und Bürgerhäusern aus dem 18. Jahrhundert. Das Hôtel de la Monnaie an der Place Vival, aber auch die Handelsplätze Champollion und Carnot bieten die Möglichkeit zur Beobachtung von Häuser, in denen sich Sandstein mit Fachwerk abwechselt, und

die auch mit „Soleilhos“ ausgestattet sind, jenen offenen Scheunen, die zum Trocknen verwendet wurden und auf denen die Kanalziegeldächer ruhen. Figeac ist auch die Stadt von Jean-François Champollion, dem Entschlüsseler der Hieroglyphen. Sein Geburtshaus enthält

nicht nur eine großartige Reproduktion des Steins von Rosetta, dem Platz des Schreibens, sondern auch ein Museum zu seinen Ehren, in dem die gesamte Geschichte der Schrift dargestellt ist. de l’écriture. Office de Tourisme de Figeac. Tel. 05 65 34 06 25 tourisme-figeac.com

Als kleine Agglomeration inmitten einer großen Ebene lebt Cajarc im ruhigen Rhythmus seines Flusses. An dieser Stelle hat der Lot sein Flussbett erweitert, was die Entstehung einer Wasserfläche ermöglichte, auf der Wasserski, sowie Kanu- und Kajakfahren praktiziert werden kann. Die Kirche Saint-Etienne, um die herum das Stadtzentrum errichtet wurde, das Kloster der Mirepoises und die Hängebrücke aus Metall verleihen der Stadt ihre friedliche Ausstrahlung. Cajarc besitzt auch eine Maison des Arts Georges Pompidou mit interessanten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. magp.fr

Die Dörfer des Marcillac-Tals

In diesem Tal, das übersät ist mit Winzerhäusern und befestigten Bauwerken, sorgen bläulicher Kalkschieferstein, nussbrauner Tuffstein und roter Sandstein für den Charme von Marcillac, Salles-la-Source, Clairvaux und Valady. Diese Dörfer gehören zur Herkunftsbezeichnung AOC Marcillac, ein Weinbaugebiet mit kleiner Fläche (180 Hektar), aber großer Qualität seiner Rotweine. Ein mit Pfeilen markierten Rundweg zeigt die einzelnen Weingüter an.

Tel. 05 65 71 13 18 www.tourismevallonmarcillac.fr

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KULTURERBE

Canal du Midi Ein Schmuckstück, das sich seit vier Jahrhunderten durch die Wirren der Geschichte schlängelt Diese grüne Schlange, die Toulouse mit der Thau-Lagune verbindet, stellt eine Art Nabelschnur zwischen den Gebieten der Region dar, und durchquert Haute-Garonne, Aude und Hérault. Als meistbefahrener Wasserweg Europas symbolisiert dieser Kanal die angenehme französische Lebensart. Unter den 328 Kunstwerken entlang seinem Verlauf sollte man sich unbedingt die erste große Talsperre Europas am Saint-Ferréol-See ansehen, zentrales Element der Wasserversorgung des Kanals; außerdem das Museum und die Gärten des Kanals, die eine Reise zum historischen Ursprung dieses beeindruckenden Bauwerks anbieten. Entdecken sollte man auch die Aquädukt-Brücke des Répudre, das Épanchoir (eine Vorflutanlage zur Wasserstandsregelung) der Redorte, den Hafen von Le Somail, den Tunnel des Malpas, die neun Schleusen von Fonséranes, die Rundschleuse von Agde, die Ingenieurleistungen am Libron und die OnglousLandspitze in der Thau-Lagune.

Das Werk von Riquet

Geburtstag Der Kanal verbindet seit 350 Jahren Toulouse mit Sète Der Canal du Midi feiert in diesem Jahr die 350 Jahre seit dem Beschluss zu seiner Grabung (am 7. Oktober 1666, dem Jahr der Gründung der Stadt Sète und ihres Hafens, wo der Kanal in das Mittelmeer mündet) und die 20 Jahre seit seiner Aufnahme in das Weltkulturerbe der Unesco (im Dezember 1996). Aus diesem Anlass werden in Toulouse die historischen Archivunterlagen des Kanals zu sehen sein, die „Cales de radoub“ (Becken zum Trockenlegen der Schiffe), das Ballett des Embouchure-Hafens, die 35. Auflage der Kanalrallye mit Ruderbooten, die Festivitäten im Schloss Bonrepos, dem Anwesen von Pierre-Paul Riquet in der Haute-Garonne, sowie weitere Ausstellungen und Spektakel. Die Geschichte dieses 240 km langen Bauwerks wird im Herbst Gegenstand eines Films sein: „Der Traum von Narouze“, mit Jean Périssé als Regisseur und Bernard Le Coq in der Rolle von Pierre-Paul Riquet.

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Der 1609 in Béziers geborene Pierre-Paul Riquet hatte sich immer mit der Idee eines Kanals beschäftigt, der den Atlantik mit dem Mittelmeer verbände, um Zeit zu sparen beim Transport von Waren; die Konvois würden dann nicht mehr Spanien umschiffen müssen, einen Rivale des Königreichs Frankreich. Dieser Generalsteuerpächter des Languedoc, des Roussillon und der Cerdagne überzeugte Colbert, den Finanzminister von Ludwig XIV., das Wasser der Gebirgsflüsse der Montagne Noire bis an die Wasserscheide von Naurouze umzuleiten. 1667 begann Riquet mit den Arbeiten, an denen zeitweise bis zu 12.000 Personen mitwirkten. Innerhalb von 14 Jahren gab er dafür sein ganzes Vermögen aus. Er starb am 1. Oktober 1680 im Alter von 71 Jahren, sechs Monate vor der Einweihung seines Werks.


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KULTURERBE

Ein Kanal, mehrere Kanäle Die Erdarbeiten enden nicht mit seiner Eröffnung Von Sète nach Toulouse war man nun nur noch vier Tage unterwegs, und bis zum Atlantik weniger als zehn. Das Bauwerk wurde 1694 fertiggestellt, nachdem Vauban Verbesserungen bei der Wasserversorgung durchgeführt hatte, um das Versanden des Kanals zu vermeiden. Aber er wurde erst wirklich zum „Kanal der zwei Meere“ nach der Konstruktion von weiteren Kanälen:

1787 (Foto) des Verbindungskanals zur Robine bis nach Narbonne; 1776 des Kanals von Brienne, der den Bazacle-Damm in Toulouse vermied und den Kanal am Port de l’Embouchure erreichte; 1808 des Rhone-Kanals in Sète; und schließlich des Seitenkanals, der ihn von Toulouse bis nach Castets-enDorthe verlängerte. Carcassonne wurde zu Beginn des 19.

Jahrhunderts mit dem Kanal verbunden. Die Kanalbrücke zur Überquerung des Flusses Orb in Béziers stammt aus dem Jahr 1857. Die Anpflanzung von Bäumen entlang dem Kanal erfolgte ebenfalls erst nachträglich; sie begann erst im Jahre 1764. Der Frachttransport wurde 1989 eingestellt; seitdem gibt es auf dem Kanal nur noch Vergnügungsschifffahrt.

Ingenieurbauten Te chnische Meisterleistungen

99 Schleusen von Toulouse bis nach Agde, 7 Kanalbrücken zum Überqueren von Wasserläufen, 126 Brücken, außerdem Tunnel, Aquädukte, Épanchoirs, Hochwasserentlastungsanlagen… Insgesamt findet man entlang dem Verlauf des Canal du Midi nicht weniger als 328 Meisterwerke der Ingenieurskunst. Manche Bauwerke sind so beeindruckend wie die Schleusen von Fonsérannes in Béziers, welche durch eine 315 Meter lange Kombination von Schleusen die Überwindung eines Höhenunterschieds von 25 Metern ermöglichen, oder die Rundschleuse von Agde, der Hafen von Castelnaudary und die Brücke zwischen Cacor und Moissac (Foto). Aber abgesehen von der Kanalbrücke von Répudre entstanden all diese Bauwerke nicht mehr zu Lebzeiten von Riquet. Der Kanal wurde insgesamt mehrfach modernisiert, zuletzt in den 70er Jahren.

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KULTURERBE

Carcassonne Der mittelalterliche Stadtkern, ein prächtiges und stolzes Schiff aus Stein Mit ihren 52 Türmen, ihren Festungsmauern aus dem 4. und 13. Jahrhundert und ihrem Grafenschloss ist diese mittelalterliche, auf einer alten gallorömischen Siedlung erbaute Festung einzigartig in Europa hinsichtlich ihrer Größe und ihres Erhaltungszustandes. Sitz zunächst der Westgoten im 5. Jahrhundert und dann der Sarazenen, erreichte sie ihre Blütezeit unter der Dynastie der Trencavel, zur Zeit der Katharer. Der Burggraf von Carcassonne tolerierte damals die Häresie der Katharer, was ihm den Zorn der Kreuzritter zuzog. Deshalb bemächtigte sich Simon de Montfort der Stadt, die 1224 dem französischen König zufiel. Ludwig IX., SaintLouis genannt, beschloss 1260, auf dem linken Ufer der Aude eine neue Stadt zu errichten. Diese Bastide ist aufgrund ihrer schachbrettartigen Anlage der Archetyp der mittelalterlichen Städte, aufgebaut um einen zentralen Platz herum und beherrscht vom 54 Meter hohen Turm der Kirche Saint-Vincent. Im 14. Jahrhundert ist sie der wirtschaftlich dynamischere Teil von

Carcassonne, ein wichtiger Umschlagsplatz für den Tuch- und Stoffhandel. 1355 wurde sie während des Hundertjährigen Krieges von den Engländern des Schwarzen Prinzen angezündet und geplündert; jedoch wurde sie um die Kirchen Saint-Michel und Saint-Vincent herum wieder aufgebaut und mit einer Stadtmauer umgeben (die nicht erhalten ist). Im 19. Jahrhundert wurden dort Häuser wohlhabender Privatleute errichtet, wie die Maison du Sénéchal, die als ältestes Haus dieses unteren Stadtteils gilt. 1659 wurde durch den Pyrenäenvertrag und die Verschiebung der Grenze zwischen Frankreich und Spanien der Niedergang von Carcassonne beschleunigt. Glücklicherweise kümmerte sich der Architekt Viollet-le-Duc im 19. Jahrhundert um die Restaurierung der Stadt. Die UNESCO hat Carcassonne 1997 in das Weltkulturerbe aufgenommen. Office de Tourisme de Carcassonne. Tel. 33 (0)4 68 10 24 30 tourisme-carcassonne.fr

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Wissenswertes Maschikulis und Kängurus Nicht weit von der Altstadt entfernt können Sie sich nach Australien versetzen lassen, um dort Kängurus und Aborigines zu treffen, indem Sie den dortigen Australienpark besuchen. Nur fünf Minuten weiter ist der See von Cavayère besonders gut geeignet für Spaziergänge und verschiedene Freizeitaktivitäten. Im Programm: Wasserspiele, Tretbootfahren und sogar ein akrobatischer Waldparcours, geeignet für Erwachsene und Kinder. Die in 15 Meter Höhe angebrachten Seilrutschen geben einem das Gefühl, über den See zu fliegen!

Parc australien, chemin des Bartavelles à Carcassonne. Tel. 33 (0)4 68 25 86 83 - leparcaustralien.fr O2 Aventure, lac de la Cavayère. Tel. 33 (0)4 68 25 33 83 - O2aventure.com


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KULTURERBE

Film ab Eine echte Filmkulisse! Die mittelalterliche Altstadt, die 1997 in das Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen wurde, zieht jedes Jahr beinahe 3 Millionen Besucher an. Ihre majestätische Kulisse konnte auch zahlreiche Filmregisseure überzeugen. Kurze Zeit nach ihrer Restaurierung, ab 1908, entschloss sich Louis Feuillade, dort vier Filme zu drehen, darunter „Die Rückkehr des Kreuzritters“ und „Die Reue“. Dies waren die Anfänge von Dreharbeiten im Freien. 1928 empfingen die mittelalterlichen Stadtmauern die Dreharbeiten

für den Film „Das wunderbare Leben der Jeanne d’Arc, Tochter Lothringens“ von Marco de Gastyne. Kevin Reynolds benutzte die Stadt als Kulisse für seinen Film „Robin Hood, Prinz der Diebe“, mit Kevin Costner in der Hauptrolle. 1991 wurden die „Besucher“ von Jean-Marie Poiré in den Kulissen von Carcassonne gedreht und 2011 ein Teil der Serie „Labyrinth“, basierend auf einem Mittelalterkrimi der englischen Autorin Kate Moss, die viele Jahre in Carcassonne gelebt hatte.

Jeden Sommer gibt die Stadt von Carcassonne den grandiosen Rahmen eines Festivals ab, wo Konzerte, Theater und Tanz von Mitte Juni bis Anfang August aufeinander folgen, unter Teilnahme von international bekannten Künstlern.

Tausend Feuer Wenn die Stadt in Flammen steht!

An jedem 14. Juli funkelt die Altstadt von Carcassonne von tausend Feuern anlässlich eines mehr als 25 Minuten dauernden Feuerwerks, zu dem insgesamt mehr als 700.000 Zuschauer kommen. Diese Tradition begann am 14. Juli 1898 anlässlich des Besuchs der „Kadetten aus der Gascogne“, einer Delegation von Persönlichkeiten aus dem Bereich der Literatur, der Künste und der Politik. Bei dieser Gelegenheit organisierte die Stadt große Feierlichkeiten zum Empfang dieser bedeutenden Besucher. Als krönenden Abschluss hatte der Dichter Achille Rouquet die Idee, bengalische Feuer abzubrennen!

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RUnDREISE

Minerve

Quéribus

Rundreis Aguilar

Die Burgen von Quéribus, Peyrepertuse, Aguilar, Termes und Puilaurens, auch „die fünf Söhne von Carcassonne“ genannt, waren während des Kreuzzugs ab 1209 die Schauplätze dramatischer Szenen. Ihre stolzen Ruinen sind heute die Wächter der Erinnerung an die Geschichte der Katharer.

Die Burg von Montségur In Ariège ist Montségur das Symbol der Verfolgung der Katharer. Nach zehn Monaten der Belagerung wurden dort 200 „Häretiker“ in den Flammen des Scheiterhaufens verbrannt, nachdem sie sich geweigert hatten, ihrem Glauben zu entsagen. Das frühere Festungsdorf war die letzte Zufluchtsstätte der Katharer und der Sitz ihrer Kirche unter der Inquisition. Die heutigen Reste stammen von einem Festungsumbau aus dem 14. Jahrhundert. Aber die Steinmauern des Großen Saales und des Bergfrieds, beide in 54 I KULTURERBE I Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées

1200 Meter Höhe, regen auch heute noch die Phantasie an. In der Burg von Montségur soll sich angeblich der Schatz der Katharer befinden. Château de Montségur. Tel. 33 (0)5 61 01 10 27 montsegur.fr

Die Burg von Te rmes Hier kämpften gegeneinander Simon de Montfort, Anführer des Kreuzzugs gegen die Albigenser, und Raymond de Termes, ein mächtiger Fürst, der den Katharern nahestand. Nach einer viermonatigen Belagerung wurde Raymond de Termes in Carcas-

Puilaurens

sonne inhaftiert und seine Burg wurde 1228 zu einer Festung des Königs. Die Reste der beiden konzentrischen Festungsringe sind heute noch inmitten der Vegetation sichtbar, auf dem Gipfel eines Bergvorsprungs oberhalb der Termenet-Schlucht. Eine „Besucherbroschüre“ begleitet die Entdeckung der Ruinen der Befestigungen des Wehrdorfes und weiter oben der zwei konzentrischen Mauern der königlichen Festung. Eine Dauerausstellung stellt die Belagerung der Burg dar. Château de Termes. Tel. 33 (0)4 68 70 09 20 chateau-termes.com


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BURGEn DER KAThARER UnD MInERvE

„Es waren einmal“ die Burgen der Katharer Die Burg von Aguilar

Das den Fürsten von Termes gehörende Castrum von Aguilar, das dem französischen König zugefallen war, hatte die Aufgabe die Südgrenze zum Königreich Aragon zu bewachen und den Zugang zu den Corbières zu kontrollieren. Die Festung besitzt zwei Schutzwälle, von denen der erste sechseckig ist und begleitet wird von 6 runden Türmen an seinen Ecken. Er wird überragt von einem zweiten Schutzwall, zu dem eine Unterkunft und ein viereckiger Turm gehören. Auf der Vorderseite der Festung befindet sich eine Kapelle in romanischem Stil. Das mittelalterliche Dorf Tuchan ist aufgrund des Charmes seiner schattigen Gassen und seiner „Platanenpromenade“ einen Besuch wert. Office de tourisme des Corbières Sauvages. Tel. 33 (0)4 68 45 69 40 corbieres-sauvages.com

Absätzen, besitzt drei Mauerwälle, die man über Treppen oder Gänge erreicht, die entweder gemauert oder in den Fels geschlagen sind. Der Bergfried am höchsten Punkt ist bemerkenswert aufgrund seines auf einer Säule ruhenden Palmengewölbes und aufgrund seines Fensters im Stil der Frühgotik. Im oberen Teil führt eine Wendeltreppe zur Terrasse mit Blick auf das Mittelmeer und die Gipfel der Pyrenäen. Château de Quéribus. Tel. 33 (0)4 68 45 03 69 cucugnan.fr

nauso durch ihre Verteidigungsmaßnahmen wie durch die Schönheit ihrer Architektur beeindrucken. Der Rote Zug lädt dazu ein, zusammen mit der Familie einen anderen Blickwinkel auf die Burgen von Puilaurens und Quéribus zu entdecken. Château de Puylaurens. Tel. 33 (0)4 68 20 65 26 pyreneesaudoises.com

Die Burg von Puilaurens

Die von Sylvain de Montfort belagerte Stadt Minerve war der Schauplatz des ersten Scheiterhaufens des Kreuzzuges. La Candela, ein als Ruine erhaltener Turm, ist der einzige Rest aus dieser Zeit. Die auf einem Felssporn gelegene mittelalterliche Stadt breitet ihre terrassenförmig angelegten Gärten und gepflasterten Gassen zwischen der großen Steppenzone der Causses und den mit Weinstöcken bewachsenen Hügeln aus. Die Cesse und der Briand haben mit ihrem Wasser tiefe Kerben im Untergrund gegraben und dadurch beeindruckende natürliche Brücken geschaffen, was die historische Hauptstadt des Minervois zu einer von der Natur angelegten Festung machte. Minerve kann aber nicht nur auf seinen historischen Reichtum, seine Festungsmauern und die romanische Kirche SaintÉtienne zählen, sondern auch auf die wilde Schönheit der umgebenden Landschaften. Office de Tourisme du Minervois. Tel. 33 (0)4 68 91 81 43 minervois-tourisme.fr

Die Burg von Peyrepertuse

Die Burg von Quéribus Sie scheint eins zu sein mit dem schmalen Felsvorsprung, auf dessen Hang sie steht. Die in der Gemeinde Cucugnan befindliche Burg von Quéribus wurde ein wichtiges Element in der königlichen Verteidigungskette. Dieses Adlernest, mit der Form von vier

tärarchitektur im Süden Frankreichs, wird auch „das himmlische Carcassonne“ genannt. Drei ihrer Teile sind zum Besuch geeignet: die untere Befestigungsmauer und der Bergfried, die zur ursprünglichen Burg aus dem 12. Jahrhundert gehören, die mittlere Befestigungsmauer, auf einem gegen Norden ausgerichteten Plateau befindlich, und die Burg San Jordi. Vom Bergfried San Jordi aus, der über eine in den Fels geschlagene Treppe am Rand eines Abgrunds erreicht werden kann, schweift der Blick auf die Corbières und zur Burg von Quéribus. Am 9. und 10. August erwecken die Mittelalterspiele von Peyrepertuse die Zitadelle zu neuem Leben, mit der Hilfe von Aufführungen, Kämpfen, Konzerten und Begehungen. Château de Peyrepertuse. Tel. 33 (0)4 82 53 24 07 chateau-peyrepertuse.com

Ihre Festungsmauern scheinen überzugehen in den felsigen Grat der Hautes-Corbières, auf dem sie sich über eine Länge von 300 Metern erstrecken. Die auf 800 m Höhe liegende Burg von Peyrepertuse, ein bemerkenswertes Beispiel für mittelalterliche Mili-

Die Burg von Puilaurens, eine weitere schwindelerregende Zitadelle, zeigt ihre doppelte und zinnenbewehrte Festungsmauer auf der Spitze eines Felsvorsprungs in 700 Meter Höhe. Die das Boulzane-Tal und die Haute Vallée de l’Aude (Oberes Audetal) beherrschende Festung von Puylaurens wurde an der Stelle des Castrums errichtet, in das sich zahlreiche Katharer geflüchtet hatten. Ihr guter Erhaltungszustand vermittelt ein vollständiges Bild jener Adlernester, die uns heute ge-

Minerve

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KULTURERBE

Einzigartig

Unter den schönsten Dörfern

Rocamadour Die heilige Stadt, die sich an die Felswand klammert Die den Canyon von Alzou im Regionalen Naturpark der Causses des Quercy dominierende Stadt, die sich dem Marienkult verschrieben hat, ist festgeklammert an die Felswand des Causse. Als Etappe auf dem Weg nach Santiago de Compostela ist Rocamadour seit beinahe neun Jahrhunderten ein Pilgerort. Gemäß der Legende soll der Einsiedler Saint-Amadour einige Jahr lang im damals so genannte Val Ténébreux (Tal der Finsternis) gelebt haben. Sein unversehrter Körper wurde dort 1166 gefunden. Die 216 Stufen der Pilgertreppe führen zur Esplanade des Heiligtums von Notre-Dame de Rocamadour, zu dem sieben Kapellen,

die Basilika Saint-Sauveur und die Krypta mit den Reliquien von Saint-Amadour gehören; die beiden Letztgenannten sind Teil des Weltkulturerbes der Unesco. In der Kapelle Notre-Dame aus dem 12. Jahrhundert wird die Statue der Schwarzen Jungfrau aufbewahrt. Das Buch der Wunder schreibt ihr die Fähigkeit zur Heilung von Krankheiten zu, daneben auch die Befreiung von Gefangenen und die Rettung von Seeleuten. Vallée de la Dordogne Tourisme. Tel. 33 (0)5 65 33 22 00 vallee-dordogne.com

Padirac, der unglaubliche Abgrund Am 9. Juli 1889, ausgestattet mit Kerzen und an einem 75 Meter langen Seil hängend, drang Edouard-Alfred Martel zum ersten Mal in das „Teufelsloch“ vor. Seitdem wurde aus dem Abgrund von Padirac nördlich von Gramat eine bedeutende geologische Stätte, die meistbesuchte in Frankreich. 450.000 Besucher wagen sich

jährlich in diese natürliche Höhle von 33 Meter Durchmesser und 75 Meter Tiefe. Mit Booten kann man dort auf einem unterirdischen Fluss fahren. Über dem Regenwassersee hängt die beeindruckende „Grande Pendeloque“, ein Stalaktit von 60 Metern Länge. Der „Große Dom“, eine unterirdische Kathedrale von 94 Metern Höhe,

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bietet eine Sammlung von Alabastermuscheln, Stalaktiten und Stalagmiten. Verblüffend ist auch der 75 Meter hohe Stalaktit namens „Große Säule“. Gouffre de Padirac Tel. 33 (0)5 65 33 64 56 gouffre-de-padirac.com

Der Nordosten des Departements Lot, in diesem Tal der Dordogne, das geprägt ist von der menschlichen Geschichte seit der Nacht der Zeiten, mit weltbekannten Grotten, und bis zur Zeit der Feudalherren, die großartige Burgen, Häuser und mittelalterliche Dörfer hinterlassen hat, stellt eine beindruckende Kulisse dar, mit wunderschönen Landschaften und Denkmälern. Nur wenig voneinander entfernt, gibt es hier gleich drei Dörfer, die offiziell zu den „Schönsten Dörfern Frankreichs“ gehören. Das in einem Talkessel gelegene Autoire besitzt Gutshöfe und Herrenhäuser sowie einen 30 Meter hohen Wasserfall. Die schönen mittelalterlichen Gebäude von Loubressac und seine Burg befinden sich auf einem Bergvorsprung, der einen großartigen Blick auf das Tal der Dordogne erlaubt. Das 10 km entfernt davon am Fluss gelegene Carennac beherbergt ein Kluniazenserpriorat, in dem Fénélon lebte.

Castelnau-Bretenoux und Jean Lurçat

Die von den Baronen von Castelnau errichtete Burg von Castelnau-Bretenoux ist ein schönes Beispiel der Festungsarchitektur des Mittelalters. Im 19. Jahrhundert gestaltete Jean Mouliérat, Tenor an der OpéraComique, diese Burg um und brachte darin eine Sammlung hochwertiger Möbel und Kunstgegenstände unter. In 10 Kilometer Entfernung davon verfiel Jean Lurçat, der Urheber der Wiederbelebung der modernen Teppichkunst, dem Charme der Burg von Saint-Laurent-lesTours, in der er seine Werkstätten unterbrachte und wo er bis zu seinem Tod im Jahre 1966 arbeitete.

Château de CastelnauBretenoux, Prudhomat. Tel. 33 (0)5 65 10 98 00. Atelier-musée Jean-Lurçat. Tel. 33 (0)5 65 38 28 21.


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KULTURERBE

vorgeschichte

Eine der seltenen verzierten Grotten

St-Cirq-Lapopie Eines der schönsten Dörfer Frankreichs Der mittelalterliche Weiler Saint-Cirq Lapopie mit seinen 13 historischen Denkmälern ist eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Errichtet auf einem hohen Felsen 100 Meter über dem linken Ufer des Lot ist diese frühere Hauptstadt einer der drei Burggrafschaften des Quercy eine der wichtigsten Stätten des Lot-Tals. Das an der Via Podensis, einer der Pilgerstraßen nach Santiago de Compostela, gelegene Saint-Cirq Lapopie entwickelte nach seiner bewegten feudalen Vergangenheit eine blühende Handwerksaktivität, der es seinen Wohnstand verdankt. Das Dorf liegt unterhalb der ehemaligen Festung und seine engen Gassen werden gesäumt von Steinhäusern mit Dächern aus

stark geneigten Flachziegeln. Der gute Erhaltungszustand dieses Dorfes mit seinen Fachwerkhäusern zog Mitte des 20. Jahrhunderts viele Künstler an, welche die lokalen Anwesen restaurierten. So haben u.a. Man Ray, Henri Martin und André Breton in Saint-Cirq-Lapopie gewohnt. Nicht versäumen darf man den Aufstieg zu den Resten der Burg, von wo aus man das ganze Dorf überblicken kann. Office de Tourisme Saint-Cirq-Lapopie - Pech-Merle. Tel. 33 (0)5 65 31 31 31 saint-cirqlapopie.com

Vom Lot-Tal zum Célé-Tal Das sehr mineralreiche LotTal ist charakterisiert durch seine Felswände, von denen manche bis zu 200 Meter hoch sind. Ab Bouziès begleitet die Straße den Fluss am Rand einer Klippe, was im Mittelalter als Wachposten genutzt wurde. Das über dem Fluss gelegene „Défilé des Anglais“ ist der

berühmteste der während des Hundertjährigen Krieges angelegten „befestigten Hohlwege“. Auf dem gegenüberliegenden Flussufer verläuft die Straße auf einem Gesims und bietet einen hervorragenden Ausblick. Bei Conduché gehen die beiden Täler ineinander

über. Die D41 durch das Célé-Tal führt zur Grotte des Pech Merle und dann nach Cabrerets. In dieser Zone ist der Fluss für seine gute Wasserqualität bekannt; außerdem kann man in vielen Abschnitten mit dem Kanu fahren. Flussaufwärts bietet der Pescalerie-Wasserfall eine weitere Attraktion. Wenige

Kilometer weiter in Cuzals bietet das dortige Open-AirMuseum eine lebensgroße Rekonstitution des früheren Lebens auf dem Lande in Quercy. Marcilhac schließlich wurde vollständig um die beeindruckenden Ruinen seiner Abtei herum errichtet. abbaye-marcilhac.fr

Die Grotte des Pech Merle, in 3 Kilometern Entfernung von Cabrerets, ist ein hervorragendes Schaufenster der Höhlenmalkunst. Denn abgesehen von den großen Sälen mit prächtigen Ablagerungen, ist die Grotte auch verziert mit zahlreichen Motiven, die vor mehr als 20.000 Jahren geschaffen wurden. Man hat dort 700 grafische Motive gezählt, mit 70 Tierdarstellungen (Mammuts, Bären, Raubkatzen) und 28 Darstellungen von Menschen bzw. Handabdrücken. Und natürlich gibt es dort das berühmte Gemälde der gepunkteten Pferde, mit zwei großen Pferdesilhouetten, die von Punkten, geheimnisvollen Zeichen und Handabdrücken umgeben sind. Erwähnung verdient auch noch die Mammutkapelle mit einem 7 Meter langen Fries, das 3 Meter hoch ist. Achtung, im Sommer ist der Zugang zur Grotte beschränkt, um sie zu schützen. Tel. 33 (0)5 65 31 27 05 pechmerle.com

Der Treidelpfad des Lot

Im 19. Jahrhundert erfolgte das Treideln der Lastkähne, die über den Lot ihre Ladungen von Salz, Trockenfisch oder Gewürzen transportierten, mit der Hilfe von Ochsengespannen oder Arbeitspferden. Aber zwischen Saint-Cirq Lapopie und Bouziès verläuft der Lot auf der Höhe der GanilSchleuse am Fuß einer Felswand. Es war also nötig, im Jahre 1845 aus dem Felsen einen Leinpfad herauszuschlagen, knapp 2 Meter hoch und 300 Meter lang. Spezielle Ziehleute zogen die Schiffe dort mit der Hand, um diese Stelle zu überwinden. Die Uferpromenade oberhalb des Lots ist großartig.

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KULTURERBE

Schwindel Bruniquel, das Dorf mit den zwei Burgen

Cordes-sur-Ciel Eine legendäre Stadt, orientiert an den Sternen Auf einem Felssporn gewunden angeordnet wie eine Spirale zu den Sterne, ist Cordes-sur-Ciel ein Dorf wie aus dem Märchen. Diese 1222 erbaute Bastide des Tarn, eine der ältesten der Region, weist nicht nur ein bemerkenswertes architektonisches Erbe auf, sondern profitiert auch von der Schönheit und Vielfalt der umliegenden Tarn-Landschaften. Als Ort der Künstler und Kunsthandwerker fasziniert sie mit Häusern, deren Fassaden mit Drachen und merkwürdigen Figuren verziert sind, manche mit Greifvogelklauen oder Löwentatzen… Haus des Stallmeisters, Haus des Jagdmeisters, Haus des

Falkner, wo sich ein Museum für moderne und zeitgenössische Kunst befindet. Die gotischen Paläste, errichtet von reichen Händlern, wirken geheimnisvoll und tragen zum Weiterleben der Legende bei, die Entstehung von Cordes-sur-Ciel sei den Sternen zu verdanken und der Bauplatz sei vom Schicksal bestimmt worden. Der auf den letzten Festungsterrassen zu findende „Paradiesgarten“ könnte uns beinahe davon überzeugen… Office de Tourisme de Cordes-sur-Ciel. Tel. 33(0)5 63 56 00 52 cordessurciel.fr

Villefranche-de-Rouergue, eine beispielhafte Bastide Gelegen im Zentrum des Dreiecks aus Cahors, Albi und Rodez, zwischen dem Lot-Tal und der AveyronSchlucht, breitet sich Villefranche-de-Rouergue im Aveyron-Tal aus. Sein dichtes Netz von planmäßig angeordneten Straßen um den zentralen Platz herum, der seinerseits umgeben ist

von Arkaden und Bauwerken aus der Gotik oder Renaissance, die Häuser reicher Händler, deren Türen und Türme Ausdruck ihrer gesellschaftlichen Position waren, all das ist beispielhaft für die Städtebau-Architektur der Bastides. Die Kartause Saint-Sauveur mit ihrem

kleinen Kreuzgang, einem Meisterwerk aus der Blütezeit der Gotik, die Stiftskirche mit ihrem GlockenturmVorbau, der die Hauptstraße überspannt, die alte Kapelle der Schwarzen Büßer mit der Form eines griechischen Kreuzes… Ein reiches Erbe, belebt vom Herzschlag

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einer geschäftigen Ortschaft, in der an den Markttagen laute Stimmen mit heimischen Akzenten zu hören sind. Office de Tourisme de Villefranche-de-Rouergue. Tel. 33 (0)5 65 45 13 18 tourisme-villefranchenajac.com

Östlich von Montauban, im Tarn-etGaronne, befindet sich das Dorf Bruniquel, offiziell klassifiziert als eines der schönsten von Frankreich, auf einer schwindelerregenden Klippe hoch über dem Zusammenfluss der Vère, umgeben von üppiger Vegetation. Dieser seit Urzeiten bewohnte Ort besitzt auch eine Grotte, in der verschiedene menschliche Überreste gefunden wurden, darunter die „Dame von Bruniquel“, das am vollständigsten erhaltene Skelett aus der Epoche des Magdalenen (Jungpaläolithikum) (17 bis 12.000 Jahre v. Chr.). Florierend zur Zeit des Mittelalters aufgrund seiner Lage am Weg nach Santiago de Compostela, besitzt Bruniquel ein großartiges architektonisches Erbe aus dem 14. und 15. Jahrhundert und zwei beeindruckende Burgen, die beinahe lotrecht über dem Abgrund hängen. Office de Tourisme de Bruniquel. Tel. 33 (0)5 63 67 29 84 bruniquel.fr

Najac, die Stadt hoch oben

Dominiert von seiner königlichen Festung, deren weltweit einzigartige Schießscharten das gleichzeitige Abschießen von jeweils drei Pfeilen erlauben, liegt Najac auf einem steilen Hügel, eingeschlossen von einer Windung des Flusses Aveyron. Seine einzige Straße, welche sich vom Wehrdorf – dem ältesten Teil der Ortschaft, wo auch die Burg steht – bis zur Place du Barry schlängelt, wird gesäumt von altertümlichen Fachwerkhäusern. Unterhalb der Ortschaft lädt die AveyronSchlucht zum Baden ein, oder zu einer Spazierfahrt mit dem Kajak-Kanu…

Office de Tourisme de Najac. Tel. 33 (0)5 65 29 72 05 tourisme-villefranche-najac.com


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KULTURERBE

el

Eindrücke Unterirdischer Transport

Grotten Eine Region mit einem durchlöcherten Untergrund! Der Untergrund des Reiseziels Languedoc Roussillon Midi Pyrénées verbirgt ein ausgedehntes Netz von Grotten, Abgründe und Karsthöhlen. Etwa vierzig davon sind soweit hergerichtet, dass sie Besucher empfangen können. Die meisten davon sind Tropfsteinhöhlen, mit merkwürdigen unterirdischen Landschaften, welche die Phantasie anregen und zur Interpretation herausfordern: ein mineralischer Garten im EsparrosAbgrund, eine Unterwelts-Kathedrale in der Grotte des Demoiselles, ein Diamantenlager in der Grotte de la Cocalière, ein Mannschaftsraum für 100.000 Soldaten in der Grotte von Trabuc… Die im Westen der Region

häufiger anzutreffenden Grotten mit Verzierungen sind kostbare Zeugnisse der Höhlenmalerei, mit Gemälden, Gravuren und Zeichnungen von unseren Vorfahren aus dem Paläolithikum. Die Grotten von Niaux, des Mas d’Azil und des Pech Merle zählen zu den seltenen Grotten mit derartigen Verzierungen, die noch für Besucher geöffnet sind, und sie gehören zu den schönsten Grotten dieser Art. Die Grotte von Gargas, die bekannt ist für ihre 200 Handgemälde in Negativgestalt, weist noch zahlreiche weitere prähistorische Relikte auf.

Von Niaux nach Bédeilhac, ein schöner Zugang zur Geschichte Die Geschichte besucht man hier ausgerüstet mit Taschenlampen, um rund hundert Tierdarstellungen – Bisons, Pferde, Steinböcke, Hirsche – und mehrere hundert geometrische Zeichen mit mysteriöser Bedeutung zu entdecken. Die Grotte von Niaux in Ariège versetzt uns mit den Tierdarstellungen ihres „Salon noir“ [schwarzen

Salon] in das magische Universum der Epoche des Magdalenen, vor 15.000 Jahren. Die Motive und menschlichen Figuren der Grotte des Pech Merle im Lot regen ebenfalls zum Träumen an. Dies gilt auch für die Grotte des Mas d’Azil in Ariège, beeindruckend durch ihre Ausmaße und ihren Innenraum, die nach zweijähriger

Vorbereitung heute einen neuen Rundgang für Besucher anbietet, mit märchenhafter Beleuchtung. Der Rundgang durch die Grotte von Bédeilhac, ebenfalls in Ariège, führt zu sehr schönen Tropfstein-Ablagerungen, zu Gemälden, Zeichnungen und Basreliefs auf Tonerde.

Mas d’Azil. Tel. 33 (0)5 61 05 10 10 sites-touristiquesariege.fr Pech Merle. Tel. 33 (0)5 65 31 27 05 pechmerle.com Bédeilhac. Tel. 33 (0)5 61 05 95 06 grotte-de-bedeilhac.org Niaux. Tel. 33 (0)5 61 05 10 10 sites-touristiquesariege.fr

Die unterirdischen Welten verbergen bisweilen Überraschungen. Im Abgrund von Cabrespine (Aude) kann man nunmehr auf einer neuen Fußgängerbrücke aus Glas 200 Meter über dem Boden durch die Luft laufen. Eine Seilbahn bringt uns zum aufwendigen Spektakel mit Ton und Licht in der Karsthöhe Armand, in Lozère. Das Innere der Grotte von Lacave, im Lot, erreicht man mit einem kleinen Zug. Um die verborgenen Säle der Salamander-Grotte (Gard) zu entdecken, muss man zunächst Höhlenforscher-Kleidung anlegen und dann über Steinblöcke klettern, eine „Affenbrücke“ überqueren, Strickleitern hinaufsteigen… Gouffre de Cabrespine. Tel. 33 (0)4 68 26 14 22 gouffre-de-cabrespine.com Aven Armand. Tel. 33 (0)4 66 45 61 31 aven-armand.com Grotte de Lacave. Tel. 33 (0)5 65 37 87 03 vert-marine.com/grottes-delacave-46 Grotte de la Salamandre. Tel. 33 (0)4 66 60 06 00 grottedelasalamandre.com

Ein Treffen mit der Vergangenheit

Der Park der Prähistorie in Tarascon-sur-Ariège präsentiert die prähistorische Kunst mit der Hilfe von Filmen, Objekten und Reproduktionen. Das Prähistorische Museum von Tautavel inszeniert in 20 Räumen eine Begegnung mit dem Menschen von Tautavel, mittels der Rekonstitution von Szenen aus dem prähistorischen Alltag, sowie anhand von Werkzeugen, Knochen und Fossilien, die in der Ausgrabungsstätte der Caune de l’Arago gefunden wurden.

Parc de la Préhistoire. Tel. 33 (0)5 61 02 30 70 ariegepyrenees.com Musée de la Préhistoire. Tel. 33 (0)4 68 29 07 76 450000ans.com

Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées I KULTURERBE I 59


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KULTURERBE

Gascogne Entlang der Baïse

St-Bertrandde-Comminges Spiritualität als Identität Die elegante Kathedrale Notre-Dame und ihr eindrucksvoller Glockenturm-Bergfried bilden den höchsten Punkt dieses Hügels vor dem Hintergrund der Gebirgsausläufer der Pyrenäen, auf dem die Ortschaft Saint-Bertrand-de-Comminges (HauteGaronne) erbaut wurde. Der obere Teil der Stadt mit seinen mittelalterlichen Gassen wird umfasst von den alten Festungsmauern. Im unteren Teil der Stadt befinden sich neben der Kapelle Saint-Julien du Plan die Reste einer frühchristlichen Basilika aus dem 5. Jahrhundert, die auf dem Gebiet der früheren Römersiedlung Lugdunum Convenarum errichtet wurde.

Es sind zahlreiche Relikte der antiken Stätte erhalten – der Tempel, die Thermen, der Marktplatz, das Theater –, auf welcher die Bischofsstadt erbaut wurde. Die abseits stehende Basilika im romanischen Stil Saint-Just-de-Valcabrère ist insofern einzigartig, als sie architektonische Fragmente und Skulpturen aus der Römerstadt in ihr eigenes Bauwerk integriert. Die Gärten der Kathedrale bieten einen schönen Ausblick auf das Tal der Garonne. Les Olivetains. Tel. 33 (0)5 61 95 44 44 tourisme.haute-garonne.fr

Die Abtei des Wissens Sorèze, bekannt für seine Abteischule, deren innovatives Lehrkonzept vom 18. bis zum 20. Jahrhundert Schüler aus aller Welt angezogen hat, und in der Literatur und Naturwissenschaften, Gesang und Theater unterrichtet wurden, erstreckt sich am Fuß des Waldmassivs der Montagne Noire.

Ein Museumsparcours hilft dem Besucher bei der Entdeckung der Architektur und des Alltags dieses Zentrums des Wissens. Im Gebäude der Abteischule befindet sich auch das Museum Dom Robert und das der Teppichkunst des 20. Jahrhunderts. Etwas weiter davon steht der Belfried von Revel inmitten der berauschenden

Farben, Gerüche und Animation eines der schönsten Märkte Frankreichs. Die alte Bastide ist auch bekannt dafür, dass es hier sehr viele Handwerker gibt, die Spezialisten der Kunsttischlerei sind. Pierre-Paul Riquet, der Urheber des Canal du Midi, hat ebenfalls hier gewohnt, und wenige

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Schritte entfernt wird er am Lac de Saint-Ferreol, dem wichtigsten Wasserreservoir des Kanals, das heute ein vergnüglicher Freizeitpark ist, im „Musée et Jardins du Canal de Midi“ gebührend geehrt. Office de Tourisme. Tel. 33 (0)5 63 74 16 28 auxsourcesducanal dumidi.com

Die Zisterzienserabtei von Flaran vereinigt eine Reihe bemerkenswert gut erhaltener Gebäude im Herzen eines Parks mit reichem Baumbestand: die originelle romanische Kirche, den prächtigen Kreuzgang, den wiederhergestellten „Jardin des Simples“… Im ehemaligen Schlafsaal der Mönche ist die außergewöhnliche Kunstsammlung Simonow untergebracht (Werke von Monet, Renoir, Cézanne, Braque, Picasso…) Entlang dem Baïsse-Tal, dessen Wasserlauf früher zum Transport von Armagnac diente, zeugt das kulturelle Erbe von Condom, der historischen Hauptstadt der Provinz Armagnac, von der ehemaligen Macht dieses früheren Bischofssitzes und vom Wohlstand aufgrund des Handels mit dem kostbaren Weinbrand. Schiffbar auf 60 Kilometern, bietet sich die Baïse für die Entdeckung der Gascogne an. Office de Tourisme de la Ténarèze. Tel. 33 (0)5 62 28 00 80 flaran-baise-armagnac.com

Die Stadt der Maschinen

Mit seinen alten Stadtmauern, seiner Brücke und seinem Graben, seinen zinnenbewehrten Türmen, seinen mittelalterlichen Häusern und seiner Bergfried-Burg scheint Laressingle eine Filmkulisse zu sein. Vor der Stadt findet man die Rekonstitution einer mittelalterlichen Belagerung mit Kriegswaffen aus jener Epoche. Die Kinder dürfen mit dem Katapult spielen und mit dem Bogen sowie der Armbrust schießen, gekleidet in Kostüme mittelalterlicher Ritter und Prinzessinnen. In diesem Lager wird auch erklärt und vorgeführt, wie die damalige Belagerungsartillerie funktionierte.

Tel. 33 (0)5 62 68 33 88 larressingle.free.fr


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LEBENSART Das über große landwirtschaftliche Anbauflächen verfügende Reiseziel Languedoc Roussillon Midi Pyrénées bietet dem Besucher eine abwechslungsreiche und renommierte Gastronomie mit regionalen Speisen. Aber hier befindet sich auch die größte Weinanbaufläche der Welt.

Der abwechslungsreichste aller weinberge Reichhaltige verschiedenheit Traditionen: von der welt des rugbys bis zum stierrennen Festivals

Trüffeln aus dem Quercy, Bohnen aus Tarbes, Foie gras aus dem Gers, Äpfel aus dem Tarn, der Garonne und den Cevennen, Aprikosen aus dem Roussillon, rosa Knoblauch von Lautrec, Roquefort-Käse, Stierfleisch aus der Camargue, Kichererbsen von Carlencas, Pélardon-Käse aus den Cevennen… Die Spezialitäten aus der Region sind mehr als ausreichend für alle Teile eines Menüs, von der Vorspeise bis zum Nachtisch. Die fruchtbaren Anbaugebiete der Region erzeugen eine reiche Auswahl lokaler Produkte, denn hier ist gutes Leben nicht ohne gutes Essen denkbar, so dass echte Feinschmecker hier auf ihre Kosten kommen. Gutes Trinken ist hier ebenfalls wichtig! Auch in diesem Bereich kommt man nicht zu kurz, denn mit ihren 280.000 Hektar Weinstöcken ist die Region Languedoc Roussillon Midi Pyrénées das größte Weinanbaugebiet der Welt, und auch das abwechslungsreichste.

monnouvelhorizon.com

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Weine

LEBENSART

Der vielfältigste und größte aller Weinberge Mehr als 80 AOC- und IGP-Weine mit 280.000 Hektar Weinstöcken

Die Weinstöcke des Languedoc-Roussillon mit ihren 240.000 Hektar waren bereits allein beeindruckend viele, aber wenn man die Gesamtheit des Reiseziels Languedoc Roussillon Midi Pyrénées betrachtet, hat man zweifellos den größten Weinberg der Welt vor sich, mit 280.000 Hektar voller Reben. Vom Armagnac bis zu den Hügeln des Languedoc formen und gestalten die Weinberge die Landschaften der Region. Dies ist auch der abwechslungsreichste aller Weinberge, denn zu ihm gehören außer den Weinen bestimmter Rebsorten und den nicht näher bestimmbaren Weinen auch 44 Weine mit kontrollierten Herkunftsnamen (AOC) und 36 Weine mit geschützter geographischer Herkunftsnennung (IGP). Côtes de Gascogne, Cabardès, Gaillac, Saint-Chinian, Comté Tolosan, Corbières, Cahors, Minervois, Madiran, Terrasses du Larzac, Saint-Mont, Languedoc oder Côtes du

Roussillon: Die Zahl der Weine ist groß und die Palette unterschiedlicher Aromen ist außergewöhnlich breit. Während der Wein von Cahors mit seiner berühmten Rebsorte Malbec einen starken Charakter besitzt, sagt man den übrigen Weinen des Südwestens nach, sie besäßen eine besondere Frische. Demgegenüber sind die Weine aus dem Languedoc und dem Roussillon – Gebiete, in denen die Weine viel Sonne bekommen – besonders großzügig, subtil, lebhaft und von außergewöhnlicher Qualität. Dies gilt sowohl für den Rotwein als auch für den Weißwein und den Roséwein, sogar für die Süßweine und die Schaumweine, denn dies betrifft die gesamte Spannbreite der von dort stammenden Weine. Daher konnte der berühmte amerikanische Weinkritiker Robert Parker schreiben, dass das Languedoc-Roussillon „das neue Wein-Eldorado der Welt ist“.

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Führend bei den Bio-Weinen

Mit ihren 23.000 Hektar BioAnbau (davon 21.000 im Languedoc-Roussillon) ist die Region hinsichtlich der aus biologischem Anbau hervorgegangenen Weine sowohl in Frankreich als auch weltweit eindeutig führend (auf gleicher Höhe mit Spanien). Die auf diese Weise bewirtschafteten Weinstöcke stellen beinahe 8 % der Gesamt-Weinbaufläche von Languedoc Roussillon Midi Pyrénées dar und 30 & des Bio-Anbaus in Frankreich.


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Weintourismus

2013 haben die Abteilungen für Tourismus und für Wein von „Sud de France Développement“ den Weintourismus-Club Sud de France gegründet, der eine Verbindung herstellt zwischen außergewöhnlichen Stätten, Weinkellern, Hoteliers und aufgeschlossenen Reiseagenturen, um künftig noch hochwertigere Tourismusangebote lancieren zu können. destinationsuddefrance.com /club-oenotourisme Als Erben eines außergewöhnlichen und abwechslungsreichen Gebiets haben die Winzer des Languedoc, des Roussillon und des Südwesten verstanden, dass es für sie wichtig ist, ihre Tätigkeiten und Produkte in der Öffentlichkeit vorzustellen, um das besondere Lebensgefühl, das mit der Weinkultur verbunden ist, mit anderen Menschen zu teilen. Ab diesem Frühjahr wird die Region zum Paradies der Liebhaber des Weintourismus, mit einer Vielzahl von Veranstaltungen rund um die Gastronomie und den Wein (Weinproben, Spaziergänge mit dem Winzer, usw.), während eine Reihe von Weinstraßen (davon 10 mit dem Label „Weinberg und Entdeckung“) eingeführt werden, vor allem unter der Führung von „Sud de France“, wobei eine immer größere Zahl von Privatkellereien, Restaurants und Hotels diesbezüglich zusammenarbeitet, zum Nutzen der Weinliebhaber. destinationsuddefrance.com/club-oenotourisme tourisme-midi-pyrenees.com sud-de-france.com Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées I LEBENSART I 63


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LEBENSART

Weine

Roséweine Eine begehrte Farbe

Mit ihrer weitgefächerten Aromapalette, die von roten Früchten (Himbeere, Erdbeere) bis zu Gewürzen reicht, mit einem blumigen, fruchtigen oder mineralischen Duft, sind die Roséweine aus Languedoc Roussillon Midi Pyrénées frisch und sinnlich und können zusammen mit Freunden getrunken werden, mit Salaten, Tapas oder Grillgerichten. Von denselben Rebsorten stammend wie die Rotweine, sind sie das Ergebnis einer anderen Art von Mazeration der Trauben. Von den IGP Pays d’Oc bis zu den Corbières, über die Faugères, die Cahors, die Côtes du Tarn, die Pic Saint-Loup, die Hügel des Quercy, die Corbières, die Fronton oder die Collioure, werden all diese Weine von den Verbrauchern sehr geschätzt. Jedes Jahr feiert Tavel im Gard – die Herkunftsgemeinde der ältesten Herkunftsbezeichnung AOC für Roséwein in Frankreich – seine Weine (dieses Jahr am Samstag dem 16. Juli) mit einem Festival, das Weinproben, Gastronomie und Spektakel miteinander verbindet. vin-tavel.com

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LEBENSART

Schaumweine Vom Limoux zum Gaillac

Süßweine Eine Spezialität des Südens

Die natürlichen Süßweine sind seit mehreren Jahrzehnten eine meridionale Spezialität. Diese natürlichen Süßweine sind Weine, deren Gärung durch die Hinzufügung von Alkohol gestoppt wird, was insgesamt ihren Alkoholgehalt vermehrt und zur besseren Konservierung der natürlichen Traubensüße führt. In der Nähe der Mittelmeerküste werden zahlreiche Weine dieser Art hergestellt: Muskat von Lunel, Mireval, Muskat von Frontignan, Saint-Jean-de-Minervois. Wobei man selbstverständliche nicht die großen Klassiker aus den östlichen Pyrenäen vergessen darf: Maury, Banyuls (erzeugt aus alten, auf Terrassen angebauten Weinstöcken) und Rivesaltes, wobei die letztgenannte Herkunft zu bernsteinfarbigen Weinen führt. Im Gers wird der Floc de Gascogne hergestellt, ein Aperitifwein mit langer Geschichte, den es sowohl als Weißwein wie als Rotwein gibt, mit einer Mischung aus frischem Traubensaft und jungem Armagnac. Weine, die lange Zeit nur als Aperitif getrunken wurden, die aber heutzutage in innovativen Kombinationen mit bestimmten Speisen neu entdeckt werden.

Erster sprudelnder Wein der Welt und angeblich 1531 erfunden, ist die Blanquette von Limoux ein trockener Wein mit zartem Schaum, der in Barrique-Fässern gekeltert und gereift wird und der eng mit jener Zone des Aude, wo er hergestellt wird, verbunden ist. Er besitzt eine AOC-Herkunftsbezeichnung seit beinahe 80 Jahren. Den Schaumwein von Limoux gibt es auch als Crémant, aber die Herkunftsbezeichnung umfasst ebenso Rotweine und sehr subtile, nicht sprudelnde Weißweine. Der Gaillac ist ein gleichermaßen renommierter Schaumwein aus dem Tarn, dessen Besonderheit in der Verwendung lokaler Rebsorten wie Mauzac oder Ondenc besteht. Daneben gibt es noch weitere Weine mit Luftbläschen zu entdecken, beispielsweise die Kreationen von Winzern aus dem Gers, die seit kurzem natürlich sprudelnde Weine herstellen, oder Schaumweine nach der Champagner-Methode; nicht vergessen darf man auch den Frontignan oder den Picpoul (von dem es im Weinkeller der lokalen Kooperative eine angenehme Brut-Version gibt). Bei einigen Winzern des Hérault findet man auch sprudelnden Muskatwein.

Armagnac

Der Adel der Gascogne

Armagnac, den man durch das Destillieren von Weißwein in einem Alambic erhält, der anschließend viele Jahre in Eichenfässern reifen muss, wird in drei Departements hergestellt, vor allem im Gers. Ältester Obstbrand auf Weinbasis des französischen Südwesten, wird er mit rund zehn verschiedenen Rebsorten hergestellt, darunter die weiße Ugni-Traube, die weiße Baco-Traube und die weiße Folle-Traube. Als außergewöhnliches Produkt, das in kleinen Mengen von handwerklich arbeitenden Winzern mit eigenem Anbau hergestellt wird, besitzt der Armagnac eine besondere Klassifizierung je nach Herkunft und Art der Ernte. Im Bewusstsein dieses Erbes haben rund hundert Weingüter, Weinkeller und Hotelbetriebe für die Gesamtheit aller Weinberge des Gers das Label „Les Bons Crus d‘Artagnan“ geschaffen, als Garantie von hochwertigem Service, der dem Weinliebhaber das Entdecken des reichen Erbes des Departements ermöglicht. armagnac.fr

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LEBENSART

Von Saint-Mont bis nach Lirac, der größte Weinberg der Welt Mit seinen 44 kontrollierten Herkunftsbezeichnungen, seinen 36 IGP und vor allem seinen 280.000 Hektar Weinstöcken – davon 244.000 für die Weine aus dem Languedoc und dem Roussillon –, stellt das Gebiet Languedoc Roussillon Midi Pyrénées das größte Weinanbaugebiet der Welt dar. Allerdings sollte man eher von verschiedenen Weinbergen sprechen, denn diese außergewöhnlichen Weine unterscheiden sich sehr stark voneinander und verwenden auch unterschiedliche Rebsorten, wie Malbec, Syrah, Mourvèdre, Cabernet-Franc, Mauzac, Négrette, Carignan, usw. Diese Region, in der 8 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Anbaufläche mit Weinstöcken bepflanzt sind, und in der Weine von immer höherer Qualität mit und ohne Herkunftsbezeichnung hergestellt werden, ist ein echtes Land der Weine. Die wichtigsten Produktionszonen sind AOC Languedoc (43.000 ha), Côtes de Gascogne et du Condomois (13.000 ha), Corbières (9.900 ha), Côtes du Roussillon et Côtes du Roussillon Villages (6.200 ha), Armagnac (5.200 ha), Cahors (4.400 ha), Saint-Chinian (3.300 ha), Minervois (3.260 ha), Gaillac (3.000ha)…

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Gastronomie LEBENSART

Eine reiche Vielfalt

Als vielfältiges Territorium besteht Languedoc Roussillon Midi Pyrénées aus einer Reihe von Einzelgebieten, was den Reichtum dieser Region ausmacht. Mit mehr als 250 Referenzen ist dies die Region Europas, welche die größte Zahl an Produkten der Qualitätskategorien IGP, AOC, AOP und Label Rouge anbietet. In den Departements, welche den Mittelmeerbogen bilden, von den Bergen bis zum Meer, von den Hochkantonen bis zu den Küstenstränden, von der Camargue bis zur Côte Vermeille, wird eine Vielzahl gastronomischer Spezialitäten angeboten, eine raffinierte Küche voller Sonne. Austern aus den Lagunen von Leucate, Gruissan oder Thau, Sardellen aus Collioure, Brandade aus Nîmes, Pélardon-Käse und Süßzwiebeln aus den Cévennes, Aale, Melonen und Lämmer aus dem Land der Katharer, Aprikosen aus dem Roussillon, Doraden und Spargel aus Uzès, Kichererbsen und kleine Pasteten aus Pézenas oder Nîmes, Truffade, Rousquilles, Garriguettes… Die Palette von Aromen ist reich und gehaltvoll. In der Zone von Tarn-et-Garonne sind vor allem die Früchte von Bedeutung, denn dort gibt es viele Weintrauben – darunter die berühmte ChasselasTraube aus Moissac –, Melonen und Pflaumen. In der Haute-Garonne ist man sehr stolz auf die berühmte Wurst aus Toulouse, die mit dem „Label Rouge“ ausgezeichnet wurde, und auch auf das Lamm der Pyrenäen. Sowohl im Gers als auch im Lot gibt es die Tradition der Entenzucht, zur Herstellung von Foie gras bei den einen und zur Herstellung von Magrets oder Confit bei den anderen. Ariège und Aveyron sind Gebiete der Fleischproduktion, die mit dem Rindfleisch aus der Gascogne und aus Aubrac sowie dem Kalbfleisch aus dem Aveyron exzellente Qualität erzielen. Der Tarn ist renommiert für das Einpökeln; dabei entsteht beispielsweise der Trockenschinken IGP aus Lacaune oder die Melsat genannte Weißwurst aus Fleisch, Eiern und Brot. Die Haute-Pyrénées sind stolz auf das schwarze Schwein aus Bigorre, während der Gers, die Hautes-Pyrénées, die Haute-Garonne und das Ariège sich gemeinsam bemühen, das Huhn aus der Gascogne neu zu lancieren, denn dieses wurde früher einmal von König Heinrich IV. als Suppenhuhn sehr geschätzt. Mit all diesen Produkten fällt es den zahlreichen talentierten Küchenchefs aus der Region nicht schwer, als Geschmacksbotschafter Lokalpatriotismus zu verbreiten.

Geschmack Die Auster aus Bouzigues

Die Gemeinde Bouzigues, klassifiziert als „bemerkenswerte kulinarische Stätte“ ist die Wiege der Austernkultur in der Thau-Lagune. Seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts haben dort über Generationen hinweg die Schalentierzüchter diese Kultur entwickelt, mit einer Mischung aus familiärer Tradition und technischer Strenge. Wegen des Fehlens von Gezeiten mussten die Austern dort aufgehängt gezüchtet werden. Heute sind über der Lagune rund 2500 Schalentierzucht-Tafeln angebracht. Auch in den Lagunen von Leucate und Gruissan gibt es Austern.

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Emblem

Die Tielle aus Sète Die Tielle, eine Art kleiner runder Kuchen aus Brotteig mit geriffelten Kanten und belegt mit Tintenfisch-Stückchen, die mit gewürzter Tomatensoße gemischt sind, wurde zu einem der Wahrzeichen von Sète. Jedoch ist dieses Gericht, das sowohl warm als auch kalt gegessen werden kann, nichts anderes als die Übernahme eines Rezepts aus dem Süden von Italien! Dieses heutzutage eng mit der Identität von Sète verknüpfte Gericht wurde dort 1937 von Adrienne Virduci, der Frau eines italienischen Fischers, eingeführt. Sète hat dieses Rezept mit Begeisterung übernommen und die meisten Tielle-Hersteller in Sète sind heute noch Nachfahren von Adrienne.


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Nektar

Die Chasselas-Traube aus Moissac

Sorten

Oliven und Olivenöl Der Olivenbaum ist ein Symbol des Mittelmeers und gemeinsames Erbe aller am Meer liegenden Regionen, der dort seit mehr als 2500 Jahren kultiviert wird. Die vor allem im Gard sehr verbreitete Sorte Picholine wurde mit der Herkunftsbezeichung AOC „Olive de Nîmes“ ausgezeichnet. Die im Aude zu findende Sorte Lucques, mittlerweile ebenfalls geschützt, ist erkennbar anhand der hellgrünen Farbe ihrer Blätter und deren Mondsichelform. In den östlichen Pyrenäen ist die Olivière-Sorte besonders angesehen. Dies ist auch der Fall im Hérault, wo man daneben noch die Sorte Lucques findet. Die grüne oder schwarze Olive, die sowohl als Frucht verspeist wird wie auch zu Olivenöl verarbeitet wird, ist bekannt als schmackhaftes Antioxidans, das bei zahlreichen Festen zwischen April und Dezember im Mittelpunkt steht.

Die Chasselas-Traube aus Moissac, die im Jahre 1971 als erste Frucht eine AOP-Klassifizierung erhielt und die am 17. und am 18. September gefeiert wird, ist heutzutage mehr als eine Tafeltraube von außergewöhnlicher Qualität. Ihre goldenen Früchte werden heute zu Konfitüren verarbeitet, es wird daraus frischer Saft gepresst und es werden alkoholische Getränke hergestellt wie der „Quercy des Iles“, wo der Traubennektar mit Rum, Vanille und Chilipulver gemischt ist. Weitere leckere Früchte aus diesem Departement sind die Pflaume, vor allem die mit dem „Label Rouge“ ausgezeichnete Sorte Reine-Claude, die Kirsche, die Quercy-Melone, der Apfel, die Kiwi, aber auch die Haselnuss und die Kastanie.

Rezept Dorsch-Brandade aus Nîmes Für 4 Personen. 4 Kabeljau-Filets oder gesalzener Dorsch 1 kg Kartoffelpüree - 1 halber Liter Milch 20 cl flüssige Sahne - Olivenöl - Salz, pfeffer. Die Kartoffeln in Salzwasser kochen. Sie schälen und im Topf zerquetschen. Etwas Milch in die Bratpfanne geben und darin den Fisch pochieren. Ihn auf einem Teller abtropfen lassen und etwaige Gräten entfernen. Den Fisch zerbröckeln und ihn zu den Kartoffeln geben, alles zusammen noch einmal unter Beigabe von Olivenöl und flüssiger Sahne vermengen. Nun ist die Brandade servierfertig.

Finesse

Bohnen aus Tarbes und aus Pamiers

Ländlich Das Aligot

Aus dem Aubrac, an der Grenze zwischen der Lozère und dem Aveyron, stammt diese deftige Speise aus Kartoffeln und frischer Tomme (einer Art Quark). Dieses gehaltvolle Gericht, das im 12. Jahrhundert erfunden wurde, pflegten die Mönche von Aubrac den Pilgern vorzusetzen, welche dort die Berge überquerten, um über die Via Podiensis nach Santiago de Compostela zu gelangen. Die Schwierigkeit seiner Herstellung besteht darin, das Aligot richtig zu mischen und zu dehnen, um es in langen Streifen verteilen zu können.

Die über Spanien – wohin sie Kolumbus aus Amerika mitgebracht hatte – nach Europa gelangten Bohnen wurden im 18. Jahrhundert in den Tälern der Pyrenäen heimisch. Da die Bigorre ein gastfreundliches Gebiet ist, sprach man bald von der „Bohne aus Tarbes“. Diese zeichnet sich durch ihren Geschmack und ihre feine Schale aus. Sie wird mittlerweile geschützt durch ein „Label Rouge“ und eine IGP. Bohnen findet man auch im Lauragais – die berühmten Lingot-Bohnen, mit denen man das Cassoulet zubereitet – und in Pamiers, wo die Coco-Bohne eine kleine und runde, für dieses Tal typische Bohne ist, die als Zutat des Mounjetado verwendet wird, das Cassoulet des Ariège.

Parmentier mit Enten-Confit Für 4 Personen 4 Stück frische Entenkeulen- 1 Liter Entenfett 300 g Kartoffeln - 60 g Butter - 6 cl Milch Schnittlauch (nach Belieben) -1 halbe Knoblauchzehe - Thymian Pfeffer (nach Belieben) Salz (nach Belieben), grobes Salz Die Entenkeulen 24 Stunden lang im groben Salz liegen lassen. Das Salz entfernen. Die Keulen zu Confit verarbeiten (d.h., im Fett kochen). (Wissenswert: Sie haben lange genug gekocht, wenn sie sich ohne Mühe mit einem Strohhalm einstechen lassen.) Ein Kartoffelpüree zubereiten. Die Zwischenteile der Keulen zerbröckeln und mit dem Püree mischen. Den Schnittlauch hinzufügen. Was die Darbietung betrifft, so sollten Sie den Parmentier kreisförmig anordnen, darauf die Oberteile der Keulen legen und außen herum den im Fett gekochten Knoblauch.

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Gastronomie LEBENSART

Geschmack Das Lamm von Lozère oder Katharer-Lamm

Duft

Das seit 2008 IGP-klassifizierte Lamm von Lozère (zwischen dem Milchlamm und dem Graslamm) wird bis zum Abstillen mit Muttermilch ernährt, dann mit Gras und Cerealien aus den großen Gebieten von Aubrac, Margeride, den Cevennen oder den Causses. Dies verleiht seinem Fleisch einen besonderen Geschmack und eine besondere Konsistenz. Was das Lamm aus dem Land der Katharer der Regionen der Montagne Noire, der Corbières und des Oberen Aude-Tals betrifft, so wird es für die Dauer von 120 Tagen aufgezogen, damit sein Fleisch hinreichend schmackhaft ist. Ein Teil dieser Produktion wurde mit dem „Label Rouge“ ausgezeichnet.

Die Sardelle von Collioure Dieser blaue Fisch ist ein Symbol der Stadt Collioure, die 1994 zur „Stätte bemerkenswerten Geschmacks“ ernannt wurde. Seit 2004 ist die Sardelle von Collioure auch als IGP klassifiziert. Obwohl sie hier schon seit Jahrhunderten gefischt wird, ist ihre Verarbeitung in letzter Zeit doch zurückgegangen und heute gibt es nur noch zwei Werkstätten in diesem kleinen Hafen der Côte Vermeille, in denen die Sardelle eingesalzen wird, die im Besitz der Familien Desclaux und Roque sind. Die Sardellensaison dauert von Mai bis Oktober; während dieses Zeitraums werden sie mit dem Netz gefischt. Nachdem sie zunächst in Fässer gelegt wurden, um darin zu reifen, nehmen die Sardellen dann im Salz ihre spezifische Farbe, Geschmack und Geruch an. 70 I LEBENSART I Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées

Renommierte Die Aprikose aus dem Roussillon Unter dieser Sammelbezeichnung verstecken sich in Wirklichkeit vier verschiedene Sorten (Rouge du Roussillon, Héléna du Roussillon, Royal Roussillon und Gâterie) von roten Aprikosen aus dem Roussillon, die bekannt sind für ihre besonderen organoleptischen Eigenschaften. Von mittlerer Größe und vorwiegend orangener Farbe (mit kräftig roten Stellen) hat diese in den Ebenen des Roussillon angebaute Aprikose ein intensives Aroma und eine saftige, leicht schmelzende Konsistenz. Seit 2014 ist dies die einzige Aprikose in Frankreich mit der Klassifizierung AOC.


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Ziegenkäse Der Pélardon-Käse aus den Cevennen

Subtil

Der rosa Knoblauch aus Lautrec Der 1996 mit dem „Label Rouge“ ausgezeichnete rosa Knoblauch aus Lautrec wird geschätzt für seinen kräftigen Geschmack, seine Subtilität und seinen leicht süßen, zuckrigen Beigeschmack; er kann roh oder gekocht verspeist werden, auch in Suppen. Er wird jedes Jahr am ersten August-Wochenende für die Dauer von zwei Tagen in Lautrec gefeiert. Aber diese Region, aus der die halbe KnoblauchProduktion von ganz Frankreich stammt, ist auch bekannt für den weißen Knoblauch aus Beaumont-de-Lomagne und den violetten Knoblauch aus Cadours, der vor kurzem die AOC-Klassifizierung erhielt.

Seit 2000 AOC-klassifiziert, ist der Pélardon-Käse zusammen mit der Süßzwiebel und der Kastanie eines der Symbole der Cevennen im Gard und dem Lozère. Dieser kleine und rund geformte Käse aus Ziegenmilch, der bereits in der galloromanischen Zeit hergestellt wurde und einen trockenen und pikanten Geschmack besitzt, wird aus Quark hergestellt (von Ziegen, die mindestens zwei Drittel des Jahres im Freien leben) und dann getrocknet, bevor er veredelt wird. Der zwischen Mai und September hergestellte Pélardon aus den Cevennen wird zerlaufen oder fest verspeist, gerne auch paniert, aber ist besonders aromastark, wenn er zuvor in Olivenöl eingelegt wurde.

Reifung Der Roquefort

Aromen

Das schwarze Schwein aus Bigorre Ein lebendiges und aufgewecktes Tier, gut auf den Beinen, das auf den Wiesen und im Unterholz der Wälder weidet, hat das schwarze Schwein von Bigorre, das man im Piemont der Zentralpyrenäen findet, erst vor kurzem ein Comeback erlebt. Heute aufgrund seiner Fleischqualität sehr geschätzt, war es zwischenzeitlich vom Aussterben bedroht und wurde 1981 nur durch die Hartnäckigkeit einiger Züchter davor gerettet. Der Schinken „Noir de Bigorre“, vor kurzem als AOC anerkannt, wird während 18 bis 24 Monaten getrocknet und verfeinert und setzt kräftige Aromen frei, während er im Mund zu zerschmelzen scheint.

Der Roquefort ist ein seit langem bekannter Käse, vor allem, seit er im Jahre 1925 die erste AOC-Klassifizierung erhielt. Aus roher Schafsmilch hergestellt, besteht seine Besonderheit in der Art der Veredelung, die nur in den Kellern des Dorfes Roquefort erfolgen darf, genauer gesagt, am Fuß des Combalou-Felsens. In dieser Felswand wurden Keller hierfür geschaffen, deren Feuchtigkeit stets auf natürlichem Weg sichergestellt ist. Während dieser Zeit im Felsenkeller entwickelt sich das penicillium roqueforti (eine Art Schimmelpilz), das dem Roquefort seinen Geschmack und seine Konsistenz verleiht.

Rezept Suppenhuhn 1 Huhn - 8 Karotten - 4 Rüben - 1 Kohlrübe 200 g Langkornreis - 1 Selleriezweig 1 Zwiebel - 2 gemahlene Gewürznelkenteile 25 g Butter - 25 g Mehl T55 - 1 Ei 2 Suppenlöffel Crème fraîche - Grobes Salz Salz, Pfeffer - 1 Bund Kräuter - 4 grüne Lauch Das Huhn in einen großen Schmortopf legen und es mit kaltem Wasser bedecken. Zum Kochen bringen und dann den Schaum entfernen. Das Gemüse schälen, waschen und in große Stücke schneiden. Wenn die Suppenbrühe schön klar ist, die Karotten, die Rüben, die Kohlrübe, den Sellerie, die mit Gewürznelkenpulver überstreuten Zwiebeln und den Kräuterbund hinzufügen. Mit dem groben Salz vorsichtig salzen. 30 bis 35 Minuten kochen lassen und dann den gebundenen Lauch hinzufügen. 1 Stunde kochen lassen. Einen Teil der Hühnerbrühe in eine Pfanne kippen, zum Kochen bringen und dann darin den Reis 20 Minuten lang kochen lassen. Eine weiße Soße zubereiten durch das Zerschmelzen der Butter und das Hinzufügen des Mehls. Mischen und bei schwacher Hitze 2 Minuten kochen. Nach und nach mit 50 cl Hühnerbrühe verdünnen, so dass am Ende die Soße eine homogene Konsistenz besitzt. Zum Kochen bringen. Das Eigelb mit der Crème fraîche mischen. Vom Herd nehmen und die Mischung in die heiße Soße kippen, kräftig mit dem Schneebesen umrühren. Bereitstellen. Das Huhn zerschneiden und mit dem Gemüse servieren, ummantelt von weißer Soße. Den Reis als Beilage reichen.

Crème catalane 1 Liter Milch - 8 Eier - Puderzucker - Mehl 1 geriebene Zitronenschale - 1 Zimtstange - Salz Die Zimtstange in die Milch legen und letztere zum Kochen bringen. Die Zitronenschale in einen Topf reiben, den Zucker (4 Suppenlöffel), das Mehl und das Eigelb hinzufügen, mit einem kleinen Schneebesen verrühren, bis eine weiße und schaumige Masse entsteht. Die Milch langsam hinzugießen und gut durchmischen. Den Topf auf den Herd stellen, unter Rühren langsam kochen lassen und den Kochvorgang beenden, wenn sich die Creme verdickt hat. Die Creme in eine Auflaufschale gießen und abkühlen lassen. Die Oberseite der Creme ganz mit Zucker (3 Suppenlöffel) bestreuen und mit einem besonderen Glühstab karamellisieren.

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Gastronomie LEBENSART

Kult

Das Cassoulet

Unumgänglich Der Foie gras

Egal ob aus Toulouse, Castelnaudary oder Carcassonne, ist das Cassoulet in jedem Fall ein unverzichtbares Regionalgericht. Mehr noch als ein Gericht ist es ein Symbol. Gemäß der Legende wurde dieses Gericht während des Hundertjährigen Krieges von den ausgehungerten Einwohnern von Castelnaudary erfunden, die zur Herstellung einer letzten Mahlzeit vor dem Angriff alle Zutaten gemischt haben sollen, die ihnen noch blieben… In Castelnaudary wird dieses Gericht jedenfalls mit weißen Bohnen, Gänse-Confit und einer Schweinshaxe oder Schweineschulter zubereitet. In Toulouse enthält es Entenfleisch, Wurst aus Toulouse und wird manchmal mit Paniermehl bestreut. In Carcassonne gehören zu den Zutaten das Rothuhn und ein Stück Hammelfleisch. Das Originalrezept erfordert langsames Kochen in einer speziellen, vor Ort hergestellten Pfanne, damit die Bohnen am Ende butterweich sind.

Der Foie gras ist das weltweit bekannte Wahrzeichen des Gers. Der aus Gänsen oder Enten hergestellte Foie gras ist eine Spezialität, die roh, halbgar oder gargekocht gegessen wird und die zum kulturellen und gastronomischen Erbe Frankreichs gehört. Im Gers ist es inzwischen möglich, die Hersteller zu treffen, die traditionellen, mit dem Foie gras verbundenen Berufe kennenzulernen und die Zuchtbetriebe zu besuchen – sowie selbstverständlich dabei auch die besten Produkte zu finden –, all das dank eines Programms, dass sich die Spezialisten des IGP ausgedacht haben, die dafür eine „Straße des Foie gras“ geschaffen haben. In dieser Region wird Foie gras auch noch in anderen Departements hergestellt, vor allem im Lot und im Aude.

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Leckerbissen Der Melsat Die südöstlich des Tarn gelegenen Berge von Lacaune sind das Reich der „Maseliers“ („Schweinetöter“ auf Okzitanisch), also der Metzger, Wurstmacher und Einpökeler. Zu ihren Spezialitäten gehört der Melsat, eine Art Weißwurst aus Fleisch, Eiern und in der Pfanne geröstetem Brot. Die Bougnette ist ein deftiger Krapfen mit denselben Zutaten, dessen Füllung in ein Netz aus Schweinehaut eingehüllt ist; auch sie schmeckt einfach köstlich. Die Saucisse de couenne besteht ihrerseits aus Fleisch und Schweineschwarte in einer gemeinsamen Wursthülle. Sie wird in der Regel zusammen mit Trockengemüse, Cassoulet oder Linsen gekocht.


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Königlich Die Brasse des Mittelmeers

Das Fischen der Brasse an der Küste des Hérault oder im Hafen von Sète ist für die zahlreichen Liebhaber dieser Fischart eine Art von Pilgerfahrt. Die eifrigsten unter ihnen nehmen während der zum Fang günstigsten Zeiträume von April bis Mai und im September sogar extra einige Tage Urlaub, um sie necken zu können und mitzufiebern, während sie darauf warten, dass sie anbeißt. Mit ihrer gewölbten, gelb unterstrichenen Stirn und ihren Wangen, die wirken, als seien sie rosa geschminkt, hat die Königsbrasse hier, wo der Meeresgrund sandig ist, ein silberfarbenes Gewand. Sie zu kosten, ist ein außergewöhnlicher Genuss. Einfach mit Öl eingepinselt und im Backofen zubereitet, schmeckt sie am besten.

Rezept Schwarzer Diamant

Tapenade aus grünen Oliven

Die Trüffel

Von Dezember bis März gehen Männer begleitet von Hunden und von Schweinen mit besonderem Geruchssinn auf die Suche nach dem berühmten Trüffelpilz, der unter den Eichen bestimmter Regionen wächst. Egal ob im Lot auf dem Quercy Blanc, wo der Trüffelmarkt von Lalbenque der erste der Saison ist, oder in Villeneuve-Minervois im Aude, in Saint-Gély-du-Fesc im Hérault oder in Uzès im Gard, jedes Jahr wird der tuber melanosporum gefeiert auf farbenprächtigen Märkten, wo es jedes Mal selbstverständlich auch eine Trüffelmahlzeit gibt!

Festlich Die Cargolade

Die Cargolade ist ein typisch katalanisches Gericht, das aus in ihrer Schale gegrillten Schnecken besteht. Mit der Schale nach unten werden die zuvor mit Salz, Pfeffer, Schweinefett und Kräutern gewürzten Schnecken auf die Glut eines Holzfeuers gelegt und während des gesamten Kochvorgangs mit geschmolzenem Fett begossen. Wenn aus den Schnecken kein Schleim mehr kommt, sind sie fertig gekocht. Das Gericht wird begleitet von Aïoli und einem regionalen Wein verspeist. Das jedes Jahr im Juli in Bompas stattfindende Schneckenfest ist der Anlass zur Zubereitung einer riesigen Cargolade aus 160.000 Schnecken.

400 g entkernte grüne Oliven 100 g Sardellenfilets 1 Fingerspitze Thymian 1 Kaffeelöffel gehackter Knoblauch 1 Kaffeelöffel Petersilie und Basilikum 20 bis 30 g Kapern 1 Zitrone Pfeffer - Olivenöl - Tabasco Die Oliven auspressen. Sie dann in einen Mixer stecken und zerkleinern. Aber machen Sie kein Püree daraus! Gemäß der gewünschten Konsistenz etwas Olivenöl hinzufügen. Je mehr Öl dabei ist, desto breiiger wird das Ganze. Das Salz und das Pfeffer hinzufügen, sowie etwas Tabasco.

Milchlammschulter aus dem Aveyron

Schmackhaft

1 Milchlammschulter mit „Label Rouge“ 5 Löffel Olivenöl 2 Kaffeelöffel Chilipulver 3 Kaffeelöffel Samen von Wildfenchel 1 Kaffeelöffel Kümmelpulver 1 Kaffeelöffel Zimtpulver

Das Rind aus der Gascogne

Das Rind aus der Gascogne, seit 1997 „Label Rouge“, ist der Stolz seiner Züchter, die sich unter dem Motto „Das Rind aus der Gascogne, reinrassig mit einmaligem Geschmack“ einer Qualitätsoffensiv verschrieben haben. Mit seiner stämmigen Silhouette ist das Rind aus der Gascogne, das man im Ariège in der Umgebung von Saint-Girons, Saint-Gaudens und Luchon findet, besonders gut geeignet für die gebirgige Topographie der Weidegründe in den Pyrenäen. Das im Winter mit Heu und Cerealien ernährte Rind aus der Gascogne besitzt zartes und schmackhaftes Fleisch.

Durch das Mischen aller Zutaten die Marinade vorbereiten. Die Lammschulter mit der Marinade begießen und das Ganze 24 Stunden bedeckt im Kühlschrank ziehen lassen, bei zwei- oder dreimaligem Umwenden. Den Backofen auf 120 Grad vorheizen und die Schulter darin 3 Stunden lang auf einem Grilluntergrund backen, oberhalb eines Tellers, der das herabtropfende Fett auffängt. Nach 2 Stunden umwenden. Erst am Ende des Backvorgangs salzen.

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Markthallen LEBENSART

Das lebendige Herz der Gastronomie In einer Reiseregion, in der die wirtschaftliche Aktivität auf der Landwirtschaft und dem Weinanbau beruhen, spielen die Markthallen und Märkte eine mehr als symbolische Rolle. Heutzutage sind die Freiluft-Märkte zur Freude der Einwohner und der Touristen zwar weiterhin sehr beliebt, aber die überdachten Markthallen, wo die meisten Nahrungsmittel und Produkte aus der Region zu finden sind, sind der wahre Reflex der lokalen Gastronomie-Kultur.

Narbonne Der Bauch der Stadt

Seit dem 1. Januar 1901 symbolisieren die nur wenige Meter vom Canal de la Robine entfernten Markthallen im Baltard-Stil das Temperament der Einwohner von Narbonne: eine harte Schale und im Inneren voller Leidenschaft. Diese in ganz Südfrankreich bekannten Markthallen beherbergen mehr als 70 Nahrungs- und Genussmittelhändler (Metzger, Grillmetzger, Fischhändler, auf Innereien spezialisierte Metzger, Obst- und Gemüsehändler, usw.) und haben fast alle die ganze Woche hindurch geöffnet. Die Markthallen sind nicht nur ein Ort des Volkes ohne Klassenunterschiede, sondern sind auch renommiert für die sechs darin zu findenden Restaurants, in denen man sich das beim Metzger daneben erworbene Fleisch zubereiten lassen kann, um es dann dort zu verspeisen. Narbonne

Toulouse Markthallen und Restaurants

Die viertgrößte Stadt Frankreichs verfügt über drei überdachte Märkte, die Tradition und Modernität in sich vereinen, und die vor allem farbenfroh und voller Düfte sind, mit einem repräsentativen Querschnitt der Vielfalt der lokalen Produkte. Der beeindruckendste davon ist der Marché Victor Hugo, mitten im Stadtzentrum und voller Leben. Er beherbergt 80 Stände und ist der größte der Stadt. Metzger, Wursthändler, Fischhändler, Bäcker, Lebensmittelhändler… Alle Bereiche werden abgedeckt, auch in Gestalt der Weinhändler. Seit 50 Jahren befinden sich in den Außengalerien der oberen Etage fünf mittags geöffnete Restaurants, in denen beliebte Hausmannskost serviert wird. Am Rande desselben Platzes gibt es aber auch noch andere Restaurants, in denen Feinschmecker auf ihre Kosten kommen. 74 I LEBENSART I Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées

Toulouse


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LEBENSART

Montpellier

Millau

Millau

Nîmes

Die Agora des Südens

Nîmes

Seit mehr als 130 Jahren sind die Markthallen von Nîmes das lebendige Herz der Stadt. Mit ihren 75 Ständen sind diese Markthallen voller geschäftigem Treiben; man findet dort verschiedene Käsesorten – darunter natürlich der Pélardon aus den Cevennen –, Rindfleisch aus dem Larzac oder Stierfleisch aus der Camargue, aber auch Bauernbrot, Huhn aus den Cevennen, Brassen aus dem Mittelmeer, Telline-Muscheln aus Le Grau du Roi, Oliven aus Lucques oder Picholine-Oliven (die Sorte aus Nîmes), Feinkost-Produkte wie die Brandade aus Nîmes, kleine Pasteten und selbstverständlich auch Bars und Restaurants. Zweihundert Personen arbeiten in diesen farbenfrohen und renommierten Markthallen, die von Dienstag bis Sonntag geöffnet sind.

Nur wenige Schritte vom mittelalterlichen Belfried der Stadt entfernt, beherbergt die geräumige und luftige Markthalle von Millau – im Baltard-Stil und 2007 renoviert – mehr als zehn Lebensmittelsparten. Getreu der Tradition des Aveyron sind in der FeinschmeckerHöhle des Südens dieser Region Wursthändler, Metzger und Käsehändler vertreten, die Milchlamm, Schwein, Aubrac-Rind und Roquefort-Käse anbieten. Aber man findet dort auch Fisch- sowie Obst- und Gemüsehändler und das unverzichtbare Café. Üblicherweise ist diese Markthalle an vier Tagen der Woche geöffnet (von Mittwoch bis Samstag), im Sommer zusätzlich auch noch am Sonntag.

Montpellier

Cahors

Gesuchte Geselligkeit

Cahors

Das ganze Angebot des Aveyron

In der Hauptstadt der Präfektur des Lot können Stammkunden und Touristen in einer Markthalle mit meisterhaft gestalteter Architektur ihre Einkäufe wie üblich am Vormittag erledigen, aber auch – was seltener ist – am Nachmittag. Obwohl die Markthalle von Cahors mit ihren nur fünfzehn Ständen relativ bescheiden ist, bietet sie doch eine schöne Auswahl von Produkten an. Käse, darunter der unverzichtbare Rocamadour, Brot, Früchte und Gemüse, Wein (300 Referenzen, viele davon aus Cahors), Fisch… Und auf Enten spezialisierte Metzger, darunter Marlas, der dieses Tier in allen möglichen Formen anbietet: Entenbrust, Entenwürste, Foie gras und sogar Entenschinken! Die Markthalle ist von Dienstag bis Sonntag geöffnet; am Mittwoch und am Samstag findet zusätzlich dazu noch ein Markt im Freien um das Gebäude herum statt.

Eine Markthalle, mehrere Markthallen

Zwar verfügt die Hauptstadt des Languedoc über mehrere überdachte Markthallen, aber die zentralste davon ist die Castellane-Halle, die 2001 renoviert wurde. Sechsundzwanzig Stände bieten darin eine schöne Auswahl regionaler Produkte an: Fleisch aus dem Lozère und dem Aveyron, Käse aus den Cevennen, Weine wie den Grès de Montpellier oder den Pic Saint-Loup, Austern und Muscheln aus der Thau-Lagune, Fisch von der Auktion in Sète… Ein Konzentrat des Mittelmeers in dieser Markthalle im Erdgeschoss eines Backsteingebäudes. An schönen Tagen wird aus der Theke im Inneren des Cafés von Joseph eine schöne Terrasse vor der Markthalle, auf der am Samstagund Sonntag-Vormittag alle Plätze besetzt sind.

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LEBENSART

Traditionen Die welt des rugbys Hier spielt man Rugby mit 15 Spielern… oder mit 13! Toulouse, Narbonne, Quillan, Lourdes, Tarbes, Béziers, auch Castres und Perpignan, Carmaux… Alle diese Städte haben bereits die französische Rugby-Meisterschaft gewonnen und das BrennusSchild mit nach Hause gebracht. Unbestreitbare Stars, die seit beinahe hundert Jahren die schönsten Seiten des französischen und internationalen Rugbys geschrieben haben. Aber diese legendären Clubs stellen nur einen kleinen Teil der Welt des Rugbys teil. Mehr als 45.000 offiziell lizenzierte Rugby-Spieler verteilen sich auf die 260 Clubs der Region Midi Pyrénées Languedoc Roussillon. Zwischen Rhone und Garonne gibt es kein Dorf und kein Wochenende ohne Rugby-Spiel. Auch für die Kleinen gibt es spezielle Rugby-Schulen. Die weiblichen Mannschaften aus Toulouse, Montpellier und Perpignan zeichnen sich regelmäßig unter den

besten acht französischen Teams aus. Die Mannschaften mit 13 Spielern, die weniger zahlreich sind als jene mit 15 Spielern, und aus Carcassonne, Albi oder Lézignan kommen, gehören zu den stärksten Teams des Landes. Wie gesagt, hier ist Rugby eine echte Leidenschaft. Die von Tausenden von Familien geteilt wird, die ihr Leben und ihre Freizeit nach den diversen Rugby-Aktivitäten ihrer lokalen Mannschaft ausrichten. Die Schule des Rugbys… Sie hat viele Einwohner dieser Region geprägt, die darin einige Monate oder Jahre verbracht haben. Manchmal wurden sie dabei etwas ramponiert, aber sie haben gelernt, dass der Gegner kein Feind ist und dass die dritte Halbzeit häufig die schönste ist.

Turniere Der große Kampf

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In Sète ist der 25. August, an dem Saint-Louis gefeiert wird, der Höhepunkt einer Leidenschaft des Languedoc, der Turnierkämpfe auf dem Wasser. Die weiß gekleideten Wettkämpfer, applaudiert, angefeuert und bewundert von Tausenden von Zuschauern, die ihrerseits in Stimmung gebracht werden von den hier „Peñas“ genannten Musikgruppen, welche die Auseinandersetzungen rhythmisch begleiten, treten gegeneinander auf einer „Tintaine“ an, einer Plattform über ihrem jeweiligen Boot. Ein Wettstreit zweier starker Kämpfer, die beide mit einem Schild und einer Lanze bewaffnet sind. Der Bessere möge gewinnen und der andere möge ins Wasser fallen. Bei diesem Kampf werden sie unterstützt von insgesamt zehn Ruderern und zwei Steuermännern; den ganzen Sommer hindurch kann man diesem Turnier in Balaruc, Agde, Mèze, Sète, Frontignan, Palavas, Marseillan oder Le Grau du Roi beiwohnen.


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LEBENSART

Tempo Die Sardana zum Rhythmus der Cobla

Jeden Sommer lässt sich auf beiden Seiten der Pyrenäen die gleiche Art von Tanzchoreographie beobachten. Männer und Frauen halten sich im Kreis an der Hand und machen in perfekter Harmonie abwechselnd kurze und lange Schritte. Das ist die Sardana, der leicht erkennbare Gruppentanz Kataloniens, der begleitet wird von einer Cobla, d.h. einer kleinen Musikkapelle mit traditionellen Blasinstrumenten. Im Monat Juli wird der Sardana in Céret immer ein Festival gewidmet.

Das Gebiet des Biòu Die Bouvine? Das ist eine spezifische Kultur und Tradition der Petite Camargue, in welcher der „Biòu“, d.h. der schwarze Stier der Camargue, im Mittelpunkt steht. Stämmig und lebhaft, ist er der Star der „Abrivados“, sobald er auf die Straßen gelassen wird, begleitet von berittenen Wächtern. Ein Adrenalinstoß ist dabei garantiert. Diese Protagonistenrolle versuchen ihm die Helden der Wettrennen der Camargue streitig zu machen, die „Razeteurs“ genannt werden. Diese Männer, ganz in Weiß gekleidet und häufig noch sehr jung, versuchen, mit Hilfe eines Hakens eine Kokarde zwischen den Hörnern eines jungen Stiers zu erwischen. Ein gefährlicher, aber loyaler Kampf, bei dem es auf Beweglichkeit, Geschicklichkeit und Reaktionsvermögen ankommt, um den Sieg davontragen zu können. Der beste aller Razeteurs wird alljährlich in Nîmes am Ende der Sommersaison gekürt. Mehr im Westen führt die Begeisterung der Gascogner für die „Courses landaises“ zu wahrhaften Stierballetten in den Arenen, wo sich „Écorteurs“ und „Sauteurs“ tapfer den Hörnern junger Kühe aussetzen, begleitet von den Blechblasinstrumenten fröhlicher Kapellen. Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées I LEBENSART I 77


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LEBENSART

Künste/Museen Albi Toulouse-LautrecMuseum

Als eindrucksvoller Zeuge der Macht der Bischöfe dieser Stadt im Mittelalter, beherbergt der Bischofspalast von Albi (aus dem 13. Jahrhundert) mit seinen Mauern, seinem Bergfried und seinem Wachgang heute das Toulouse-Lautrec-Museum, d.h. die größte öffentliche Sammlung der Welt von Werken dieses berühmten Sohnes der Stadt, eines der meistbesuchten Provinzmuseen Frankreichs. Dank der großzügigen Schenkung durch Verwandte des Malers können Sie hier die einzigartige Persönlichkeit von Henri Toulouse-Lautrec kennenlernen. Jugendgemälde, die anrüchige Welt der Pariser Nacht gegen Ende des 19. Jahrhunderts und berühmte Plakate bieten dem Besucher einen reichhaltigen und abwechslungsreichen Rundgang, den man vervollständigen kann durch den Besuch des Château de Bosc in Naucelle, wo die Urenkelin von Toulouse-Lautrec vom Leben ihres berühmten Vorfahren erzählt. • Place Sainte-Cécile. Tel. 33 (0)5 63 49 48 70 museetoulouselautrec.net

Toulouse Musée des Augustins

Zehn Jahrhunderte Kunst in der rosa Stadt. Das als historisches Denkmal eingestufte frühere Augustinerkloster ist zunächst einmal ein schönes Beispiel für südfranzösische Architektur der Gotik (des 14. und 15. Jahrhunderts), mitten im Zentrum der rosa Stadt. Es ist aber auch das wichtigste Museum von Toulouse, entstanden kurz nach dem Pariser Louvre. Seine Sammlungen umfassen zehn Jahrhunderte der Malerei und Skulptur, vom Mittelalter bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts, mit mehr als 4000 Werken in diesem außergewöhnlichen Bestand. • 21, rue de Metz. Tel. 33 (0)5 61 22 21 82 augustins.org

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Montpellier Musée Fabre

Rodez Musée Soulages

Lodève Musée Fleury

Besondere Erwähnung. Obwohl es derzeit renoviert wird (Wiedereröffnung im November), verdient das Museum von Lodève eine besondere Erwähnung aufgrund der Dynamik und des Prestige seiner Programmgestaltung, die aus ihm seit vielen Jahren einen der Glanzpunkte des kulturellen Lebens im Languedoc und sogar sämtlicher Regionen am Mittelmeer gemacht haben. Während der Schließung des Hôtel de Fleury finden die Sommerausstellungen außerhalb des Stammgebäudes statt. • Square Georges-Auric. Tel. 33 (0)4 67 88 86 10 museedelodeve.fr

In der Landschaft von Rodez. Nicht versäumen darf man in Rodez das Musée Pierre Soulages mit seiner sehr zeitgenössischen Architektur. Dieses Museum entstand dank einer außergewöhnlichen Schenkung durch den aus dieser Gegend stammenden Pierre Soulages und seine Frau Colette. Nicht weniger als 250 Werke und 250 Dokumente sind hier sichtbar auf 1700 m2 Ausstellungsfläche, welche die ersten dreißig Jahre der künstlerischen Laufbahn dieses Verkünders des „leuchtenden Schwarz“ nachvollziehbar machen, insbesondere mit Hilfe seiner Gemälde auf Papier, einer Auswahl von Werken auf Leinwand, von Entwürfen für die Glasfenster von Conques wie auch der Gesamtheit seiner Druckgrafik (Lithographien, Serigrafien…). Gemäß dem Wunsch von Pierre Soulages ist ein Ausstellungsraum von 500 m2 stets Wechselausstellungen anderer zeitgenössischer Künstler gewidmet. Im Sommer 2016 wird Picasso hier mit seinen Werken zu Gast sein, bis zum 25. September. • Jardin public. Tel. 33 (0)5 65 73 82 44 musee-soulages.rodezagglo.fr

Von der klassischen Kunst bis zu Soulages. Das Musée Fabre, das wichtigste Museum von Montpellier, wurde 1825 dank der Großzügigkeit des aus dieser Stadt stammenden Malers François-Xavier Fabre gegründet und wurde seitdem angereichert durch Schenkungen weiterer lokaler Künstler wie Frédéric Bazille oder Pierre Soulages; dem Letztgenannten wurde auch ein eigener Saal gewidmet. Es besitzt 800 Werke, die in chronologischer Reihenfolge präsentiert werden, von der Renaissance bis zur Gegenwart; zu den hier vertretenen Malern zählen Delacroix, Corot, Géricault und Courbet. Viel Raum wird der Sammlung Soulages eingeräumt (600 m²). Was den VorImpressionisten Frédéric Bazille betrifft, so wird er in diesem Sommer (vom 25. Juni bis zum 16. Oktober) durch eine internationale Ausstellung geehrt, in Zusammenarbeit mit dem Musée d’Orsay in Paris und der National Gallery of Art in Washington. • 39, boulevard Bonne-Nouvelle. Tel. 33 (0)4 67 14 83 00 museefabre.montpellier3m.fr

Céret Musée d’art moderne

Das Mekka des Kubismus. Picasso, Braque, Juan Gris, Matisse, Miro, Chagall, Soutine… Einige der größten Künstler des 20. Jahrhunderts haben vorübergehend in der Hauptstadt des Vallespir gelebt, die zu Recht „das Mekka des Kubismus“ genannt wurde. Das Musée d’Art Moderne von Céret, gegründet 1950, konnte auf dieser grenzüberschreitenden Kunstvergangenheit aufbauen, um Ausstellungen von internationaler Bedeutung zu organisieren. Für jeden Besucher des französischen Baskenlandes ist dieses Museum ein Muss. • Boulevard du Maréchal-Joffre. Tel. 33 (0)4 68 87 27 76 musee-ceret.com

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LEBENSART

Künste/Museen Nîmes Carré d’Art Jean Bousquet

Untergebracht im höchsten Stockwerk eines sehr eleganten, von Norman Foster geplanten Gebäudes, basiert die Sammlung des Musée d’Art Contemporain von Nîmes auf einem Ausstellungsbereich, der die Zeit zwischen 1960 und unserer Gegenwart abdeckt. Hier sind die Künstler des Nouveau-Réalisme, der Figuration libre und von Support-Surfaces vertreten, wie auch die Anhänger der Arte Povera. Nicht zu vergessen auch die Künstler aus Amerika (u.a. Richard Artschwager und Allan Kaprow) sowie aus Deutschland (u.a. Gerhard Richter, Sigmar Polke und Albert Oehlen), sowie weitere Kunstschaffende wie Sophie Calle oder Annette Messager. • Place de la Maison-Carré. Tel. 33 (0)4 66 76 35 70 carreartmusee.com

Toulouse Les Abattoirs

Ort lebendiger Kultur. Das Musée des Abattoirs, untergebracht in den großartigen Backsteingebäuden des früheren Schlachthofes, im Stadtviertel Saint-Cyprien, ist hervorgegangen aus dem Zusammenschluss des Musée d'Art Moderne et Contemporain de Toulouse und des Fonds Régional d'Art Contemporain der Region. Sein Bestand von ca. 400 Werken zeigt Bilder von Künstlern wie Hantaï, Soulages, Tàpies, Dubuffet, Baquié und sogar Picasso – dessen schönen Theatervorhang „La Dépouille du Minotaure en costume d’Arlequin“ [die sterblichen Überreste des Minotaurus in Harlekin-Kostüm] man im Untergeschoss des Museums bewundern kann. Abgesehen von den Wechselausstellungen entwickeln Les Abattoirs eine pluridisziplinäre Programmgestaltung (mit Konzerten, Performances, Projektionen…), die daraus einen zentralen Ort lebendiger Kultur in der Zone des Großraums von Toulouse machen; das Museum ist auch ausgestattet mit einer Mediathek, einem Dokumentationszentrum, einem Restaurant, einer Bibliothek und einem Auditorium. • 76, allées Charles-de-Fitte Tel. 33 (0)5 62 48 58 00 lesabattoirs.org

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Montauban Musée Ingres

Die Quintessenz des Klassizismus. Das in einem früheren Bischofspalast aus dem 17. Jahrhundert untergebrachte Musée Ingres vereinigt die Sammlungen zweier berühmter Künstler aus Montauban, die des Malers JeanAuguste-Dominique Ingres und die des Bildhauers Antoine Bourdelle. Sechs Räume im ersten Stock sind dem berühmten Maler des Klassizismus gewidmet, insbesondere seinen Zeichnungen. • 19, rue de l'Hôtel-de-Ville. Tel. 33 (0)5 63 22 12 91 museeingres.montauban.com

Sète Miam

Spielerische und volkstümliche Kunst. Miam – für Musée international des arts modestes (MIAM) [internationale Museum der bescheidenen Künste] Dieses originelle Museum, untergebracht in einem früheren Weinkeller, beherbergt rund tausend Objekte der sogenannten „bescheidenen Kunst“: Spielzeuge, kleine Figuren oder Gadgets, Erzeugnisse der „Art brut“ sowie der naiven und volkstümlichen Kunst. Ein ungewöhnlicher Ort, beliebt bei Groß und Klein! • 23, quai du Maréchalde-Lattre-de-Tassigny. Tel. 33 (0)4 99 04 76 44 - miam.org


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Eine Vielzahl von Festivals Musik, Live-Spektakel, Kino, plastische Kunst, Kinder- und Jugendtheater, Literatur, okzitanische Kultur… Jedes Jahr finden in den dreizehn Departements der Region Languedoc Roussillon Midi Pyrénées mehr als 400 Festivals statt. Und dabei gibt es selbstverständlich etwas für jeden Geschmack. Es gibt aber etwas, das die prestigereichen Veranstaltungen mit bekannten Namen und jene mit unbekannten Künstlern oder in kleinerem Rahmen gemeinsam haben. In beiden Fällen geht es darum, Momente der Anmut und Schönheit zu teilen, zu zeigen und aufzunehmen. Deshalb kommen auch ungewöhnliche Orte zum Einsatz: prestigereiche Konzertsäle in schönen Naturumgebungen der Region, wie der Talkessel von Gavarnie oder das Meerestheater von Sète, mit seinem Blick auf das Mittelmeer. Aber abgesehen von den Festlichkeiten sind diese Veranstaltungen auch eine besondere Gelegenheit, um das Reiseziel Languedoc Roussillon Midi Pyrénées zu entdecken oder wiederzuentdecken und dabei Kultur und Tourismus zu verbinden. Im Folgenden als Einführung zu diesem Thema eine kurze Vorstellung einiger Festivals, die ihren Aufenthalt bereichern werden. monnouvelhorizon.com

Festivals Montpellier Danse

Als international renommiertes Festival für zeitgenössischen Tanz versammelt Montpellier Danse mehr als 300 Tanztruppen aus der ganzen Welt. Zu den großen Namen der internationalen Szene, die hier auftreten, gehören Jacopo Godani, Cullbergbaletten und Deborah Hay. • Montpellier (Hérault). Vom 23. Juni bis zum 9. Juli. Tel. 33 (0) 800 600 740 montpellierdanse.com

Montauban en scènes

Für das Eröffnungskonzert hat Montauban en Scènes in diesem Sommer Pascal Obispo mit seinem Symphonieorchester eingeladen. Ca. 30 Auftritte auf den offenen Bühnen sind zu erwarten. Auf der Bühne im Jardin des plantes werden u.a. Pony Pony Run Run, Frero Delavega und Faada Freddy auftreten. • Montauban (Tarn-et-Garonne). Vom 1. bis zum 17. Juli. Tel. 33 (0)5 63 21 02 40 montauban-en-scenes.fr

LesSiestes guitare Electroniques Pause deToulouse Albi

Diese einzigartige Veranstaltung hat mittlerweile Ableger in Paris und Berlin gefunden. 4 Tage lang bieten „Les Siestes Electroniques“ in Toulouse eine Serie von Konzerten aktueller Musik an, mit einer ebenso lockeren wie ehrgeizigen Programmgestaltung. • Toulouse (Haute-Garonne). Vom 23. bis zum 26. Juni. les-siestes-electroniques.com

Dieses Festival, das im Rahmen der wunderschönen Stadt Albi stattfindet, gibt es nunmehr bereits seit zwanzig Jahren. Sieben Auftrittsorte, darunter drei kostenlos, werden in der Stadt aufgebaut; die größte davon befindet sich am Ufer des Tarn, die prestigereichste vor der Kathedrale Sainte Cécile. Musik der Stilrichtungen Folk, Rock, Pop und Chanson wird dieses Jahr beigesteuert von Elton John, John

Baez, The Avener, Louise Attaque, Kendji Girac… • Albi (Tarn). Vom 4. bis zum 10. Juli. Tel. 33 (0)5 63 60 55 90 pauseguitare.net

Les déferlantes d’Argelès

Ein traumhafter Rahmen, der Park des Schlosses von Valmy mit Blick auf das Meer, eine familiäre Atmosphäre und ein weitgefächertes Programm sind die Schlüssel zum Erfolg dieses Festivals, dass bei seiner zehnten Auflage u.a. auf The Offspring, Nekfeu, Les Insus, Chemical Brothers, Tryo und Selah Sue zählen kann. • Argelès-sur-Mer (Pyrénées-Orientales). Vom 7. bis zum 10. Juli. festival-lesdeferlantes.com

Festival de Radio France

Das Festival von Radio France de

Montpellier – Languedoc Roussillon Midi Pyrénées hat sich einen ganz eigenständigen Platz in der musikalischen Landschaft erobert, dank eines Programms, das klassische Musik, Jazz und Weltmusik umfasst. Bei dieser 31. Auflage, die mit 143 Konzerten und 170 Veranstaltungen zu einer märchenhaften Orientreise einlädt, werden mit dem Mémorial du Camp de Rivesaltes und der Abbaye de Conques auch neue Veranstaltungsorte mit einbezogen. • Montpellier (Hérault). Vom 11. bis zum 26. Juli. festivalradiofrancemontpellier.com

Festival de Nîmes

Seit 1997 findet das Festival de Nîmes im Monat Juli im prächtigen Rahmen der Arena von Nîmes statt und bietet ein Treffen aktueller Musik. Das Programm schließt keine Stilrichtung aus; dieses Jahr werden u.a. Jean-Michel Jarre, Kendji Girac, David Gilmour und Muse dabei sein. Ein Höhepunkt des Sommers, in einer einzigartigen Umgebung. • Nîmes (Gard). Tel. 33 (0)4 67 92 23 53 Vom 12. bis zum 24. Juli. festivaldenimes.com

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noux, wie auch in zahlreichen Gemeinden des Departements. • Saint-Céré (Lot). Vom 30. Juli bis zum 14. August. festival-saint-cere.com

Rockabilly Tarbes

Dieses erstmalig stattfindende Festival lädt in diesem Jahr sowohl lokale als auch regionale Gruppen ein, und die Stars des Rockabilly: Crazy Cavan and the Rhythm Rockers, The Restless und noch weitere Gruppen, in einer Atmosphäre im Stil der 60er Jahre und mit einem Vintage-Markt. • Tarbes (Hautes-Pyrénées). Vom 31. August bis 3. September. rockabilly-tarbes.com

Festivals Jazz à Sète

21. Auflage dieses Festivals im großartigen Meerestheater. Von Christian Scott, führende Figur der neuen Welle von Trompetenspielern aus New Orleans, bis zum Bassisten und Kontrabassisten Kyle Eastwood (dem Sohn von Clint) ist für das Jahr 2016 eine reiche Ernte von Künstlern zu erwarten, mit Diana Krall als abschließendem Höhepunkt. • Sète (Hérault). Vom 13. bis zum 19. Juli. Tel. 33 (0)4 67 59 84 20 jazzasete.com

Jazz in Marciac

Während der zweiten Augusthälfte steht Marciac ganz im Zeichen des Jazz. Die kleine Stadt der Gascogne wurde international bekannt durch die seit 39 Jahren hier stattfindenden Auftritte der größten Künstler des Jazz. Das Festival hat die festliche und gemütliche Atmosphäre seiner Anfangsjahre bewahrt, sowie auch eine Programmgestaltung, die bekannte Namen mit schönen Überraschungen verbindet. Dieses Jahr

werden erwartet: Yaron Herman & Matthieu Chedid, Ibrahim Maalouf, John McLaughlin… • Marciac (Gers). Vom 27. Juli bis zum 15. August. Tel. 33 (0) 892 690 277 jazzinmarciac.com

Tempo Latino in Vic

Als wichtigstes europäisches Festival für lateinamerikanische und Salsa-Musik bietet das berühmte Festival von Vic-Fezensac vier Abende mit insgesamt acht Konzerten in der Arena an. • Vic-Fezensac (Gers). Vom 28. bis zum 31. Juli. Tel. 33 (0)5 62 06 56 66 tempo-latino.com

Festival Saint-Céré

Dieses von Olivier Desbordes begründete Festival mischt Oper, klassische Musik und Operette in den großartigen Umgebungen von Saint-Céré und Castelnau-Brete-

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Jazz in Marciac

Visa pour l’image

Seit mehr als 20 Jahren rüttelt Visa pour l’Image die Gewissen wach und wurde das Mekka des Fotojournalismus durch die Ausstellung der Arbeit der bedeutendsten Fotoreporter, die Gefahren auf sich nehmen, um von der harten Realität weltweit zu berichten. • Perpignan (Pyrénées-Orientales). Vom 27. August bis zum 11. September. www.visapourlimage.com


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IM FREIEN Das Reiseziel Languedoc Roussillon Midi Pyrénées besitzt sowohl Zonen im Landesinneren wie auch an der Küste, und diese Vielfalt macht daraus den idealen Ort für aktive und erholsame Ferien. Vom Kitesurfen bis zum Wellness-Bad macht hier alles Spaß.

Wenn der wind weht Slowtourismus mit dem fahrrad Reiseziel wohlbefinden Ein aufenthalt nach mass

Die Gebiete dieser Region haben meist keine große industrielle Entwicklung gekannt, was als Folge hatte, dass riesige Landstriche im ursprünglichen naturnahen Zustand verblieben sind. Dieses großartige Naturerbe lässt den Tourismus hier zum Abenteuer werden, sowohl an der Küste beim Kitesurfen oder Segeln, als auch im Hinterland beim Wandern in den Cevennen, den Pyrenäen, oder auf den Causses-Hochebenen. Sport kann zur Entspannung oder als Herausforderung betrieben werden, ist hier aber immer ein Vergnügen. Hier finden Sie aber auch ein erstklassiges Reiseziel für einen Wellness-Urlaub, denn mit ihren 30 Thermalstationen nimmt die Region Languedoc Roussillon Midi Pyrénées in Frankreich einen Spitzenplatz ein.

monnouvelhorizon.com

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IM FREIEN

Windsurfen / Funboard

Kitesurfen Wenn der Wind weht… Das in den 90er Jahren zwischen Palavas und La Grande-Motte erfundene Kitesurfen hat weltweit Anhänger gefunden. Die zweihundertzwanzig Kilometer Mittelmeerküste von Port-Camargue bis Canet, wo der Mistral und der TramontaneWind wehen, bieten Wellen von einer Höhe, die alle Wünsche erfüllen. Die Hälfte aller Kitesurfer in Frankreich übt diesen Sport in unserer Region aus. Die französische Kitesurf-Vereinigung verzeichnet neunzehn für diese Sportart geeignete Stellen in dieser Region. Jede von diesen Stellen hat ihre Besonderheit, von den leicht zugänglichen für Anfänger bis zu den sportlich anspruchsvollen für Fortgeschrittene und Liebhaber besonderer Erlebnisse. Dank dem Tramontane-Wind ist die Aude-Küste auch ein Paradies für Freunde des Windsurfens und des Funboards. Der unter den schroffen Klippen von Port Leucate gelegene Consoulles-Strand, bei La Franqui, zählt zu den besten Surfspots in Europa und ist geeignet für

Anfänger und Könner. Die Lehrer der dortigen sieben Kitesurf-Schulen können sich während des Sommers vor Anfragen kaum retten! Dort findet auch das Treffen der international besten „Riders“ statt, genannt „Le Mondial du Vent“. Der Surfspot von Gruissan, der ideal ist für Freestyle, Slalom und Geschwindigkeitssurfen, ist anspruchsvollen Profi-Surfern vorbehalten und richtet im Frühjahr immer den „Défi Wind“ aus. Saint-Pierre-sur-Mer, wo die Junior-Europameisterschaft im Kitesurfen stattfindet, bietet begleitend dazu auch zahlreiche Animationen für die jungen Sportler an. Im Gard, ist der Südstrand von Le Grau du Roi- Port Camargue auch ein idealer Spot, um mit dem Surfen zu beginnen. La Taramanières, in Agde, wird vor allem die Liebhaber des Freestyles begeistern. Bei entsprechendem Wind werden die Langstrecken-Surfer Villeneuve-les-Maguelone bevorzugen, wo im Mai immer für die Dauer von vier Tagen das „Festikite“ stattfindet.

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Wissenswertes Ein Spot-Führer Die Vereinigung KLR gibt seit mehreren Jahren einen Führer heraus, der die 70 Kitesurf-Zonen an der Mittelmeerküste dieser Region auflistet. Darin werden für jede Stelle detailliert der Zugang und die Windverhältnisse beschrieben; auch wird an grundsätzliche Verhaltensregeln beim Kitesurfen erinnert. Der Führer kann kostenlos heruntergeladen werden unter

kitelr.com


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IM FREIEN

Paddel Im Paddel-Modus Das Stand Up Paddle hat den Vorteil, keinen Wind zu benötigen, und kann sowohl leicht und gemütlich sein, um auf diese Weise spazieren zu fahren, als auch sportlich anspruchsvoller für das Surfen, für Wettrennen oder für das Praktizieren im Wildwasser… Ein Kurs in einer hierauf spezialisierten Schule ist nach wie vor der beste Weg, um eine gute Haltung und die richtigen Gesten zu erlernen. Bestimmte Spots organisieren Kurse zur Einführung und Fortbildung sowie

Ausflüge. Da man beim Stand Up Paddle aufrecht auf dem Surfbrett stehen darf, ist dies ideal für Ausflüge auf dem Meer. Manche Routen gelten bereits als mythisch: die Ponant-Schleife in der Camargue, die Kanäle von Palavas-les-Flots, der Canal du Midi, die Buchten des Cap Béar und der Bergsee GénosLoudenvielle, oder, viel unruhiger, die Raspes des Tarn und der Fluss Axat. Das Stand Up Paddle ist eine Sportart, die vom Französischen

Surfverband mit betreut wird. Fédération Française de Surf. Tel. 33 (0)5 58 43 60 57 surfingfrance.com

Vorfahre des modernen Surfens und ursprünglich aus Polynesien stammend, wurde das Stand Up Paddle (oder SUP) zu einer der beliebtesten Wassersportarten in Frankreich.

Nach wie vor ist aber das Segeln die meistpraktizierte Wassersportart in dieser Region, mit zwanzig Segelschulen, die während der Sommersaison mehr als 27.000 Segelschüler betreuen. Es gibt zahlreiche spezielle Angebote: Einzel- oder Gruppenunterricht, Jardin des mers, Voile moussaillon für die Jüngsten, Praktikum „100 % voile“ (100% Segelfahrt) für Anfänger oder Fortgeschrittene, Praktika für Katamaran und Segeljolle oder einfach Vergnügungsfahrten. Segeln kann man auch in den Lagunen am Rand des Meeres: Thau, Barcarès, Sigean, sowie im Hinterland: Gimone-See (Haute-Garonne und Gers), Villefort-See (Lozère). Mehrere Wassersportzentren – Sigean, Thau, Peyriac-de-Mer – bieten Ausbildungen oder Ausflüge speziell für Behinderte an.

Hisst die Segel!

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IM FREIEN

UnterwasserAbenteuer Eine Begegnung mit Seepferdchen oder alten Schiffswracks

Einführung in das Tauchen und erste Erkundungen; dabei gibt es im „Mare Nostrum“ des Mittelmeeres etwas für jeden Geschmack. Aber getaucht wird auch in den Lagunen.

Die Côte Vermeille, die bekannt ist für ihre Buchten mit klarem Wasser und für ihre Fauna und Flora, besitzt sehr schöne Meeresgründe. Die einzigartigen Unterwasser-Landschaften des Cap d’Agde sowie die Felsspalten und Felsplateaus von Palavas gehörten zu den bevorzugten Stätten der Taucher. Die Liebhaber von Schiffswracks werden sich vor L’Espiguette oder Port-laNouvelle aufs Meer hinaus wagen, auf der Suche nach einem gesunkenen Schlepper oder einem japanischen Dampffrachter… Die Thau-Lagune hingegen bietet eine originelle Begegnung mit Seepferdchen.

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IM FREIEN

Wildwasser Wasserfälle und Flüsse, der große Nervenkitzel

Wasserfälle, Flüsse voller Stromschnellen und Gebirgsbäche bieten alle nötigen Voraussetzungen für adrenalinreichen Wildwassersport. Man kann in die natürlichen und kristallklaren Wasserbecken des Llech-Canyons springen, der als einer der schönsten Canyons der Pyrenäen gilt, oder dem Fluss Agly durch die grandiose Galamus-Schlucht folgen, die Wasserrutschen des Chassezac, genannt „Die Perle der Pyrenäen“, hinuntergleiten – all dies in einer 300 Meter tiefen Schlucht –, Extremsport wagen auf den Gebirgsbächen des „Gouffre de l’Enfer“ („Höllenabgrund“) im Departement Haute-Garonne, Wasserspiele und Abseilen erproben im Gaves-Tal, den wilden Naturrahmen und starke Empfindungen entdecken im Vialais-Canyon oder im Caroux-Massiv; ein Vergnügen, das man mit anderen teilen kann… Tel. 33 (0)4 67 22 98 09 - www.destinationsuddefrance.com - Tel. 33 (0)5 61 13 55 55 - www.tourisme-midi-pyrenees.com

Bergsteigen Höher und höher Die zahlreichen Klippen an der Küste, die Schluchten entlang der Flüsse und die großen Bergwände sind alle sehr gut zum Bergsteigen geeignet. Mit mehr als 70 km Kletterrouten ist das Ariège das am besten ausgestattete Departement der Pyrenäen, auch hinsichtlich der Bergsteigerschulen. Hier findet jeder eine für ihn geeignete Route, vom Schulfelsen, auf dem man die Grundlagen des Bergsteigens lernen kann, bis zur Dent d’Orlu, einem Felskamm hoch oben in

den Lüften, mit kompakten Felsplatten und langen Überbrückungspassagen. Aber Einladungen zum Bergsteigen finden sich auch in der abwechslungsreichen Schönheit der Felsblöcke des „Chaos de Targasonne“, in der Nähe von Font-Romeu, am Pic de Maupas, dessen Gletscherpassage Steigeisen und Eispickel erfordert, auf den Kalkklippen der Tarn- und der Jonte-Schlucht, wo majestätische Geier umherfliegen, auf den Felswänden von La Clape mit

Blick auf das Meer, auf dem Roc d’Anglars oberhalb dem Dorf Saint-Antonin-Noble-Val und im

Aveyron-Tal. Die Verschiedenheit der Örtlichkeiten der Region – Abenteuerzonen mit schwindelerregenden Kletterrouten – eignet sich sowohl für Anfänger als auch für erfahrene Bergsteiger, mit allen Arten von Anforderungen: Felsplatten, Felsspalten, Steilwände, Neigungsflächen. Regionalkomitee für die Berge und das Bergsteigen. Tel. 33(0)5 62 27 07 66 crmp-ffme.fr und Tel. 33(0)4 68 04 80 89 crlr-ffme.fr

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Grüne Routen Umweltfreundliche und naturnahe Radrundfahrten zum Entdecken der Region

Die Grünen Routen sind der nicht motorisierten Fortbewegung vorbehalten und wurden mit dem Bemühen um integrative Landschaftsgestaltung entwickelt, mit besonderer Rücksicht auf die Umwelt. Sie wurden häufig auf früheren Schienenstraßen eingerichtet (wie im Hérault Richtung Bédarieux), auf Treidelwegen, Kulturpfaden, usw.

Sie führen von Strand zu Strand (Grüne Route des Lido), durchqueren Departements (Aude-Durchquerung), wagen sich in Städte hinein (Toulouse-Blagnac), verlaufen entlang von Flussufern (Grüne Route des Lez), erstrecken sich über mehr als 400 Kilometer am Canal des Deux Mers und verwenden frühere Schienenstraßen (Grüne Route der Gaves). Das Radwegenetz der Grünen Routen wird ständig weiter ausgebaut. Die Grüne Route des Haut-Languedoc, „Passa Païs“, fügt sich in den Regionalen Naturpark des Haut-Languedoc ein, die von L’Espiguette schlängelt sich zwischen Lagunen und Sümpfen hindurch bis zum Meer.

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IM FREIEN

tourismus „Slow“

Das Fahrrad, eine andere Art, die Region zu entdecken

Als Einladung zum Ortswechsel spielt das Fahrzeug in dieser Region eine bedeutende Rolle. Es ist ein umweltfreundliches Fortbewegungsmittel, das es ermöglicht, viele Kilometer zurückzulegen und dabei die durchquerten Landschaften zu bewundern; man kann auch kontemplative Pausen einlegen oder Etappen in den Dörfern. Zahlreiche verschiedene Rundfahrten sind in der gesamten Region möglich, für Spazierfahrten von der Dauer einiger Stunden oder eines Tages, sowie auch für vollständige Durchquerungen mit mehreren Tagen Abenteuer. Manche Routen folgen legendären Pfaden, beispielsweise dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela, andere verlaufen entlang von Wasserwegen, wie die am Canal des Deux Mers, der Sète mit Valence d’Agen verbindet. Die Fahrradroute des Lot-Tals, die vom Ufer des Flusses Lot bis in die Weinberge von Cahors führt, ermöglicht auch die Entdeckung der berühmten mittelalterlichen „Bastides“.

Mountainbike Mit voller Radkraft, vom Tourmalet-Pass bis zur Larzac-Hochebene Das Mountainbike findet in dieser Region optimale Möglichkeiten zum Erproben seines Potentials: abwechslungsreiche Landschaften, passende Entfernungen und mehrfache Höhenunterschiede… Die große Durchquerung Ariège-Pyrenäen (223 Kilometer in zwölf Etappen von jeweils ca. 20 Kilometern) verläuft auf historischen Routen: auf dem „Chemin des Bonshommes“, auf dem Jakobsweg des PyrenäenPiemonts und der Grünen Route

der Katharer-Pyrenäen. Die sechzig Kilometer lange und dabei Höhenunterschiede von 2500 Metern überwindende Rundfahrt Pic du Midi – Bigorre über den Lac Bleu enthält eine schöne Straßenauffahrt zum Tourmalet-Pass mit großartigem Ausblick auf dem Gipfel und einer außergewöhnlichen Abfahrt. Die ausgeschilderten und vom Französischen Fahrradverband nach vier Schwierigkeitsgraden unterschiedenen Routen können innerhalb von mehreren

Tagen oder auch nur abschnittsweise zurückgelegt werden. Die Strecke „Larzac

Méditerranée“, von Agde nach Le Caylar über den Lac de Salagou, die Große HéraultDurchquerung, welche durch den Regionalen Naturpark des Haut-Languedoc führt, die Route vom Mont Aigoual zum Mont Lozère über die schwindelerregende Pfade der Tarn-Schlucht: Alle Rundfahrten sind voller Abenteuer und voller atemberaubender Landschaften. Comités de Cyclisme. ffclr.fr und comitempy-ffc.com

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IM FREIEN

Wanderung

EinKilometerzuFuß… 42.000 Kilometer ausgeschilderter Wege und Tausende von Spielplätzen oder mehreren Wochen, auf Rundpfaden, die nur eine Stunde oder einen ganzen Tag dauern, die Entdeckung der weiträumigen Landschaften, der schönsten Dörfer und des außergewöhnlichen Erbes des Reiseziels Languedoc Roussillon Midi Pyrénées. Waldwege, Pfade entlang der Küste auf steilen Klippen oder am Rand des Meers und von Lagunen, Straßen auf dem Berggesims, Überquerungen der Causses und anderer Hochebenen, bieten allesamt die Gelegenheit zu einer authentischen Begegnung mit der Natur, den Landschaften, sowie der Fauna und Flora. Die Großen Wanderwege (französische Abkürzung: GR) mit ihren weißroten Markierungen sind über die ganze Region verstreut. Der GR 10 durchquert die Pyrenäen, wo sich beeindruckende Höhenlandschaften mit Tälern abwechseln, der GR 65 folgt einem der Pilgerwege nach Santiago de Compostela, von dem sechs Abschnitte zwischen Nasbinals und Condom zum Welterbe der Unesco gehören, und der GR 70 folgt

dem Stevenson-Pfad – den man mit oder ohne Esel zurücklegen kann – quer durch die Cevennen. Der GR 36 durchquert das Departement Aude von der Montagne Noir bis zu den Corbières, der GR 107 folgt dem „Chemin des Bonshommes“ auf den Spuren der Katharer. Der GR 68 führt um den Mont Lozère herum, der GR 6 überquert bei Beaucaire die Rhone, durchquert die Cevennen, führt auf den Mont Aigoual hinauf und dann weiter über die Causses-Hochebenen von Sauveterre und des Aubrac bis hin zum Lot-Tal bei Conques und Figeac. Die PR (Kleine Wanderwege, gelb markiert), die maximal einen Tag dauern, führen in der Regel zu einer kulturellen oder natürlichen Sehenswürdigkeit. Die „GR de Pays“, meistens Rundwege, erkunden ein größeres Gebiet. Außerdem gibt es noch Entdeckungs-Routen sowie der Botanik oder anderen Themen gewidmete Pfade, die häufig von Nationalen oder Regionalen Naturparks eingerichtet werden.

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wissenswertes Sinneswahrnehmungen und Gefühle auf dem Klettersteig Der als Zwischenstufe zwischen Wandern und Bergsteigen definierbare Klettersteig garantiert Ihnen ein starkes Erlebnis. Mehrere Routen für unterschiedliche Arten von Teilnehmern, von Anfängern bis zu Fortgeschrittenen, an der Flanke von Steilwänden, hoch über Flüssen, quer durch Canyons über Affenbrücken oder Seilrutschen, ermöglichen die Entdeckung der Region aus einer anderen Perspektive.

laviaferrata.net


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Freier Flug

IM FREIEN

Wenn ich Flügel hätte… Sei es eine „Flugtaufe“ in einem Zweisitzer oder ein Einführungspraktikum, zahlreiche Einrichtungen ermöglichen es, eigene Flugerfahrungen zu sammeln, sogar – für alle, die sich dies trauen – ganz auf eigene Faust. Die Örtlichkeit im Louron-Tal gilt als „Mekka“ des freien Gleitschirmfliegens in den Pyrenäen, während LuchonSuperbagnères die höchste derartige Stätte der Region ist. Ein weiteres Gleitschirmparadies sind die Felsgesimse des Larzac in

Millau, von wo aus man verschiedene Arten von Flügen über die Grands Causses antreten kann. Der das Hérault-Tal dominierende Serrane-Höhenzug, ein topographisches Highlight zwischen dem Meer und den Cevennen, ist den Mäandern des Hérault und des Pic Saint Loup zugewandt. Ein Flug von Ispagnac aus ermöglicht einen völlig neuen Blick auf die TarnSchlucht. In Cerbère erfolgt das Abheben in die Luft von der Klippe des Pic Joan gegenüber dem Meer… F.F. de Vol Libre - federation.ffvl.fr

Wilde Landschaften, steile Täler… Das Drachenfliegen ist sowohl für erfahrene Liebhaber dieses Sports geeignet als auch für Anfänger, denn dabei kann man interessante neue Erfahrungen machen.

… Sechs bis acht Kilometer zu Fuß zurückzulegen beim Bespielen der Fairways in reizvoller Umgebung und bei angenehmem Klima, macht zwangsläufig einen Unterschied. Die Unterschiedlichkeit der Golf-Parcours, von jenen am Meeresrand über jene in den Landschaften des Lozère bis zu jenen hoch oben in den Pyrenäen, zieht jedes Jahr mehr Anhänger dieser Sportart an, sowohl aus Frankreich wie aus dem Ausland. Es gibt in der Region rund sechzig Golfplätze, vom kleinen Parcours mit 6 bis 9 Löchern bis hin zum landschaftlich anspruchsvollen 18-Loch-Parcours. Einer der hochklassigsten Greens ist der von Carcassonne; gelegen am Fuß der mittelalterlichen Altstadt, bietet er einen großartigen Panoramablick auf die Pyrenäen und die Montagne Noire und besitzt eines der originellsten Löcher Europas. Als schönster Golf-Parcours der Region gilt aber der von Albi, am Rande des Tarns und in Sichtweite der Kathedrale. Was den Golfplatz von Falgos in den Östlichen Pyrenäen betrifft, so bietet dieser den Anblick atemberaubender Landschaften mit einem schwierigen, aber reizvollen Parcours. liguegolflanguedocroussillon.org golf-midi-pyrenees.com

Greens Für Sie passende Golfplätze Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées I IM FREIEN I 91


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IM FREIEN

Reiseziel

Wellness Die überall in der Region vorhandenen Thermalbäder wurden erfolgreich modernisiert Von der Lozère bis zum Aude, vom Gard bis zum Gers, über das Aveyron, die Östlichen Pyrenäen und die Oberen Pyrenäen, empfangen jedes Jahr 30 Badeorte hunderttausende von Kurgästen in Gebäuden, die sich seit dem Zweiten Kaiserreich äußerlich kaum verändert haben. Napoleon III. und die industrielle und kulturelle Elite seiner Zeit haben all diese Dörfer sehr bekannt gemacht, weil auf ihrem Gebiet eine Art von unerschöpflichem Bodenschatz lag: die dortigen Heißwasserquellen. Egal ob mit Schwefel- oder Salzgehalt, ob wirksam gegen Rheuma, Atemwegs- oder Hautbeschwerden, all diese Quellen erwiesen sich als attraktiv für die wohlhabenden Gäste, die in diese Orte kamen, um sich dort zu pflegen (ein wenig), sich zu zeigen (viel) und um zu feiern (bis zur Erschöpfung). Durch die beiden Weltkriege kam dieses exzentrische Treiben zum Erliegen. Aber noch heute stehen dort prächtige Thermen, wo nach wie vor Heilwasser aus den Öffnungen fließt.

Diese Thermalbäder haben sich überall den heutigen Bedürfnissen angepasst, mit hochmodernen medizinischen Einrichtungen. Ihre geografische Lage hat es ihnen ermöglicht, sich noch weitere Besucherkreise zu erschließen, durch das Anbieten von Balneotherapie in einer Umgebung, wo zahlreiche Freizeitaktivitäten möglich sind, u.a. Skifahren (in den Orten der Pyrenäen und des Lozère) und Wandern, nicht zu vergessen die Gastronomie. Indem sie sich den neuen WellnessBedürfnissen angepasst haben, haben sie die Herausforderung gemeistert: eine altmodische Routine in eine junge und dynamische Aktivität zu verwandeln. Barèges, Balaruc-les-Bains, Lamalou-les-Bains, Cauterets, Luchon, Ax-les-Thermes, Avène, La Chaldette, Bagnères-de-Bigorre und Lectoure sind mittlerweile medizinisch auf dem neuesten Stand und bieten eine innovative Art von Heilwasser-Kur an. eaux-essentielles.com

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wissenswertes Vom Kurbad zum Spaßbad Egal ob in Amélie, Molitg-les-Bains, Prats-de-Mollo, Lectoure, Barbotan-les-Thermes, Cransac-les-Thermes, Argelès-Gazost oder Lamalou-les-Bains, zahlreiche Zentren bieten mittlerweile ein Thermalbad als Teil ihrer Leistungen an. Die Nachfrage nach Wellness und Vergnügen wird heutzutage meist von thermalen Spaßbädern erfüllt, die es u.a. in Ax-les-Thermes, Cauterets, Saint-Thomas-les-Bains und Llo gibt.


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Bäder

IM FREIEN

Die Bäder der Welt Der landschaftliche Rahmen ist großartig. Am Fuß des HourgadeBergmassivs mit seinen bis zu 3000 Meter hohen Gipfeln liegt Balnéa, das wichtigste BalneotherapieZentrum der Pyrenäen. Inmitten des Louron-Tals, in der Nähe der Skistationen von Peyragudes und des Val Louron, sowie am Rand des Lac de Génos-Loudenvielle, bietet es viele verschiedenartige Badeformen weltweiter Herkunft an und stehen allen Arten von Besuchern offen. Sie können dort

als Paar, mit Freunden, oder mit der Familie (Kinder ab 9 Monaten) die japanischen, römischen, tibetanischen, inkaischen und indianischen Bäder besuchen, die alle aus Innen- und Außenbecken bestehen. Diese werden gespeist mit natürlichem Heißwasser, das reich an Spurenelementen ist; es wird aus 600 Meter emporgeholt und tritt mit einer Temperatur von 30°C an die Oberfläche. Die Reinheit des Wassers wird garantiert.

balnea.fr

Balaruc-les-Bains hat den Kurgästen sein Klima und eine typisch mediterrane Umgebung zu bieten. O’Balia, das größte Balneotherapie-Zentrum an der Mittelmeerküste, befindet sich am Rande der Thau-Lagune mit ihrem salzigen Wasser. In den Oberen Pyrenäen bietet Cieléo, das Spa der Thermen von Barèges, nächtliches Baden unter einer riesigen Kuppel an, die zum Sternenhimmel hin geöffnet ist. Sensoria Rio, in Saint-Lary, ist eine Einladung zu den Freuden des Canyonings in 32° warmem Thermalwasser. Aquensis, in Bagnèresde-Bigorre, bietet wie zu Zeiten Kleopatras Bäder in Eselsmilch an, gefolgt von Massagen mit ätherischen Ölen aus Pyrenäenpflanzen. Die Bäder von Couloubret in Ax-les-Thermes empfangen Sie in einer originellen Inneneinrichtung, die an die römischen Thermen erinnert. Jede Badestation hat ihr ganz besonderes Programm!

Gutes Wasser Vergnügliche und ungewöhnliche Thermen

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Aufenthalte

Nach Maß Hochwertige Unterkünfte für einen außergewöhnlichen Aufenthalt Egal ob eher klassisch oder luxuriös, alle Unterkünfte des Reiseziels Languedoc Roussillon Midi Pyrénées legen Wert auf besonderes Raffinesse. Als weitflächiges und abwechslungsreiches Gebiet, mit einer Meeresküste am Golfe du Lion, zwei Bergmassiven, Causses-Hochebenen und einem Hinterland, das bis zum Dordogne-Tal reicht, bietet diese Region großartige Örtlichkeiten, welche die lokale Lebensart repräsentieren. Das Wohlbefinden und ein positives Lebensgefühl sind den Einwohnern hier wichtig. Egal ob in Hotels, auf Campingplätzen, in Feriendörfern, Gästezimmern oder Mietunterkünften, unabhängig von der gewählten Formel oder Service-Art, wird hier immer Wert gelegt auf freundlichen Empfang, Animation, Gemeinsamkeit und Geselligkeit, unter Respektierung der Umwelt und der Zugänglichkeit des Urlaubs für alle. Der Aufenthalt im Ferienhaus wird all jene Besucher begeistern, die eine familiäre Atmosphäre suchen, denn hier

können sie in einem traditionellen alten Gebäude wohnen, das von seinen Besitzern sorgfältig hergerichtet wurde. Für Gäste, die Exotik bevorzugen, werden in mehreren Departements auch Holzhütten oder Jurten angeboten. Liebhaber der Bergwelt finden auf ihrer Wanderung durch die Pyrenäen oder auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela gemütliche Berghütten. Die am Rand des Meers gelegenen Campingplätze, Feriendörfer und Hotels mit allem Komfort bieten ideale Lösungen, um sowohl den Strand zu genießen wie auch die moderne Infrastruktur in Gestalt von Schwimmbädern, Wellnessbädern, Fitnessräumen, usw. Diese Einrichtungen, deren Qualität von Labeln wie „Sud de France“ garantiert wird, ermöglichen einen sorgenfreien Urlaub in Languedoc Roussillon Midi Pyrénées. Außerdem gibt es noch mehr als fünfzig Etablissements, die aufgrund ihres besonderen Niveaus ausgewählt wurden und die den

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„Prestige-Zirkel“ bilden, gegründet von Sud de France Développement zur Förderung des hochklassigen Tourismus. Der von Winzern und Spezialisten für den Weintourismus geleitete „Club Œnotourisme“ bietet zahlreiche und originelle Ideen für Aufenthalte inmitten der Weinberge. Egal ob in der Umgebung von Cahors, Gaillac oder Armagnac, in allen Weinbaugebieten der Region ermöglichen sympathische und von ihrem Beruf begeisterte Winzer den Besuchern das Kennenlernen der verschiedenen Landschaften mit speziellen Besichtigungen. Dabei gibt es zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten: ein Abstecher ins Grüne zu einer echten Bastide, eine mystische Nacht in den Mauern eines Benediktinerklosters, ein Abend unter Sternen im Restaurant eines katalanischen Golfplatzes, eine Weinprobe für Epikureer auf einem Weingut… Die Quintessenz von Raffinesse, bei der jede Neugier befriedigt wird und große Gefühle aufkommen.


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Qualitätslabel „Tourisme Sud de France“, die Garantie für aufmerksame Betreuung Dieses Label, das seit 2008 in den südlichen Departements der Region Languedoc Roussillon Midi Pyrénées existiert und das im Rahmen des nationalen Programms „Qualité Tourisme“ anerkannt wurde, garantiert Ihnen einen freundlichen und professionellen Empfang. Es legt Qualitäts- und Komfortkriterien für 1135 Etablissements und Touristenziele fest. Egal ob Restaurants, Weinkeller mit Weinproben auf den neuen Weintourismus-Routen von Sud de France, Verkaufsstellen regionaler Produkte, touristische und kulturelle Sehenswürdigkeiten, Unterkünfte wie Herbergen, Hotel und Gästezimmer (die seit kurzem ebenfalls mit diesem Label ausgezeichnet werden können): Alle verpflichten sich zur Einhaltung strenger Qualitätskriterien und werden vor der Verleihung des Labels von einem externen Prüfer kontrolliert, was nach 3 Jahren erneut der Fall ist. Diese Etablissements bieten einen Empfang in mindestens zwei Sprachen an (Französisch und Englisch) und erleichtern den Zugang für Rollstuhlfahrer; außerdem verpflichten sie sich, die Gäste klar und übersichtlich über alle Kultur- und Freizeitaktivitäten zu informieren, die in der Region praktiziert werden können. destinationsuddefrance.com/qualité

Ein Label, das geschaffen wurde, um die Qualität des Empfangs sicherzustellen, und das für die Dauer von 3 Jahren an jene Etablissements vergeben wird, welche die Kriterien erfüllen.

Schlagkräftig Starke Marken für ein Gebiet, das sich hervorhebt Während die Marke „Sud de France“ bereits seit zehn Jahren existiert, befindet sich „Sud Ouest France“ nunmehr im vierten Jahr. Diese gebietsbezogenen Marken, geschaffen noch vor der Gründung der neuen Großregion Languedoc Roussillon Midi Pyrénées, beruhen beide auf einem Konzept von Qualität und regionaler Identität, mit dem Ziel, die Produkte des Südens zu fördern. Als Dachmarke für Wein, Lebensmittel, Kosmetik und Tourismus ist es „Sud de France“ erfolgreich gelungen,

die Produkte und Reiseziele der Region auf internationaler und nationaler Ebene (u.a. auch im Einzelhandel) bekannt zu machen. Die Marke „Sud Ouest France“, die aus Segmentsüberlegungen geschaffen wurde für Qualitätsprodukte, die bereits die Bezeichnung „Sud Ouest“ verwendeten, um mehrere Bereiche zusammenzuschließen (die Herkunftsbezeichnung IGP Sud-Ouest für Enten und Foie gras, sowie „Vins du Sud-Ouest“), hat ihre Berechtigung erwiesen durch ihre

Verteidigung der Qualität von Produkten aus einem Gebiet mit starker gastronomischer Orientierung. Diese beiden Marken, die nunmehr vereint sind zur Verteidigung und Förderung von Produkten einer großen Region des Südens, werden ihre Expansion in den 13 Departements der Region und auch im Ausland fortsetzen, im Bemühen, die Entdeckung und Kategorisierung der von ihnen betreuten außergewöhnlichen Produkte weiter voranzutreiben.

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INFORMATION PRAKTISH

Wie

Anreisen? Das im Süden Frankreichs am Mittelmeerbogen gelegene Reiseziel Languedoc Roussillon Midi Pyrénées befindet sich auf der TGV-Strecke durch das Rhone-Tal in dreieinhalb Stunden Entfernung von Paris, sowie vier Stunden mit dem TGV zum Atlantik. Es gibt regelmäßige Flüge von Paris nach Toulouse und Montpellier mit häufigen Abflugzeiten. London befindet sich mit dem Flugzeug in eineinhalb Stunden Entfernung und Barcelona ist über die Autobahn in zwei Stunden erreichbar. Auf dem Gebiet der Großregion liegen 9 Flughäfen, auf denen Linienflüge aus ganz Frankreich und den meisten europäischen Ländern sowie den Anrainerstaaten des Mittelmeers landen, sowohl große staatliche Fluggesellschaften als auch Billigflüge.

Besuchen Sie die Websites der Flughäfen von: • BÉZIERS beziers.aeroport.fr • BRIVE VALLÉE DORDOGNE aeroport-brive-valleedordogne.com • CARCASSONNE aeroport-carcassonne.com • CASTRES MAZAMET castres-mazamet.aeroport.fr • GIRONA (SPANIEN) barcelona-girona-airport.com

Vorbereitungen für Ihre Reise • Tourisme Sud de France destinationsuddefrance.com • Regionales Tourismuskomitee Midi-Pyrénées tourisme-midi-pyrenees.com

• Agentur für die touristische Entwicklung des Departements Hérault hérault-tourisme.com • Agentur für die touristische Entwicklung des Departements Lot tourisme-lot.com

• MONTPELLIER MEDITERRANÉE montpellier.aeroport.fr

• Agentur für die touristische Entwicklung des Departements Ariège ariegepyrenees.com

• Tourismuskomitee des Departements Lozère lozere-tourisme.com

• NÎMES nimes-aeroport.fr

• Agentur für die touristische Entwicklung des Departements Aude audetourisme.com

• Tourismus und Umwelt des Departements Hautes-Pyrénées www.tourisme-hautes-pyrenees.com

• PERPIGNAN aeroport-perpignan.com • RODEZ aeroport-rodez.fr • TOULOUSE BLAGNAC toulouse.aeroport.fr • TARBES LOURDES PYRÉNÉES tlp.aeroport.fr

• Tourismuskomitee des Departements Aveyron tourisme-aveyron.com • Agentur für die touristische Entwicklung des Departements Gard tourismegard.com

• Agentur für die touristische Entwicklung des Departements der Östlichen Pyrenäen tourisme-pyreneesorientales.com

• Tourismuskomitee des Departements Gers tourisme-gers.com

• Tourismuskomitee des Departements Tarn tourisme-tarn.com

• Tourismuskomitee des Departements Haute-Garonne tourisme.haute-garonne.fr

• Agentur für die touristische Entwicklung des Departements Tarn-et-Garonne tourisme-tarnetgaronne.fr

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3 DE COUV DESTINATION_Mise en page 1 09/05/16 11:07 Page1


4e de couv DESTINATION 2016 -D_Mise en page 1 01/06/16 14:14 Page1

Im

Sommer Winter…

und

„Der“ reiseziel

Studio IDM - Photo Mikael Anisset ©

Languedoc Roussillon Midi Pyrénées

Vom Canal du Midi bis zur Bischofsstadt Albi, von der Camargue bis zu den Pyrenäen, ist das Reiseziel Languedoc Roussillon Midi Pyrénées jene Region, wo das Einzigartige zum Greifen nahe ist.

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Destination Languedoc Roussillon Midi Pyrénées - Sommer 2016  
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