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03 juli / august / september 2013

Magazin für Destinationsmarketing in Südtirol

Glück made in Südtirol

Das Land hat beste Voraussetzungen zum begehrtesten Lebensraum in Europa zu werden


276.000

Südtiroler über 14 Jahren gaben 2012 an, mit ihrem Leben zufrieden zu sein

» Das sind über 60 Prozent der Bevölkerung. Dieser Wert liegt damit deutlich über dem nationalen Wert. Nur 36 Prozent der italienischen Bevölkerung über 14 Jahren gibt an, zufrieden zu sein. (Quelle: ASTAT 2011)


Gut leben Wenn existentielle und materielle Bedürfnisse gestillt sind, dann ist die Suche nach Antworten auf die Frage „Was erhöht meine Lebensqualität?“ der nächste logische Schritt. Damit steigt die Lebensqualität in gesättigten Märkten ganz klar zum Leitwert des 21. Jahrhunderts auf. Südtirol und sein Lebensgefühl punkten. Doch Qualität ist nichts Statisches, nichts, was man als gegeben hinnehmen kann. Für Südtirol gilt: Es muss vieles anders werden, damit es gleich (gut) bleibt. Südtirol hat das Zeug, zum begehrtesten Lebensraum in Europa zu werden. Damit dies so sein kann, muss Südtirol jetzt an dem arbeiten, was in einigen Jahren Realität sein soll. Südtirol versteht vom Berg, von der Kulinarik, von der Nachhaltigkeit, vom Winter, vom Leben in schwierigen Räumen und vom Umgang mit verschiedenen Kulturen mehr als andere. Diese Themen sind unsere Stärken und interessieren unsere Kunden. Mit ihnen können wir das Land zeitgemäß weiterentwickeln. Zeitgemäße Hotel- und Freizeitstrukturen, nachhaltige Energieversorgung, moderne Nahverkehrskonzepte, energieeffizientes Bauen, Erhalt bäuerlicher Kulturlandschaft, intelligente kommunale Versorgungs- und Entsorgungssysteme sowie gezielte Förderung unserer Alltagskultur sind große Entwicklungsaufgaben. Der Boden für alles Innovative ist die Südtirol-DNA: die Menschen, die Landschaften und die regionalen Produkte. Christoph Engl, SMG-Direktor

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WEITBLICK BERG 路 GESELLSCHAFT 路 TECHNOLOGIE

26.-28.09.13

Programm f眉r Schulklassen

www.innovationfestival.bz.it Unter der Schirmherrschaft von | Sotto il patrocinio di


Inhalt TITEL: Lebensqualität

MARKETING

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22 Standort mit Wohlfühlbonus

Glück schlägt Wachstum Immer mehr Menschen geht es um den Mehrwert von Angeboten, Produkten und Erfahrungen.

14 Alle nach oben Der Wirtschaftsforscher Mirco Marchiodi plädiert für ein konstruktives Miteinander und für ein vereinigtes Europa.

16 Mehr Zeit Acht Südtiroler sagen, welche Zutaten sie für ein gutes Leben brauchen.

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Bühne frei für Generation Y Die Jungen werden die Arbeitskultur in den Südtiroler Unternehmen umkrempeln.

Weiche Standortfaktoren sind die Trümpfe für den Wirtschaftsstandort Südtirol.

28 Gesichter der Marke Die neue Schweiz-Kampagne der SMG setzt auf Menschen, die für das Lebensgefühl in Südtirol stehen.

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101 Unternehmen 15 Jahre TIS innovation park und eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Eine Übersicht.

38 Messen – aber wie? Wie man es anstellt, dass Messen zu einem nützlichen Marketinginstrument werden.

20 Glückliche Bürger, glückliche Gäste Die Lebenszufriedenheit von Einheimischen und Touristen verstärkt sich in Südtirol gegenseitig.

Rubriken 6 7 24 27 34 36 40 42

mailbox made in südtirol blick über den tellerrand meinung marktplatz menschen im visier der medien m wie marke

BLS – Business Location Südtirol A.G., Dompassage 15, 39100 Bozen EOS – Export Organisation Südtirol, Südtiroler Straße 60, 39100 Bozen SMG – Agentur Südtirol Marketing, Pfarrplatz 11, 39100 Bozen TIS – innovation park, Siemensstraße 19, 39100 Bozen Verantwortlicher für den Inhalt: Maria Cristina De Paoli | Chefredaktion: Barbara Prugger | Redaktion: Astrid Brunetti, Maria C. De Paoli, Bettina König, Hartwig Mumelter, Eva Pichler, Cäcilia Seehauser | Koordination: Ruth Torggler | Layout: succus. Kommunikation GmbH | Design-Consult: Arne Kluge | Fotografie: Comune di Ferrara, Alex Filz, Andree Kaiser, photo KUADRAT, Othmar Seehauser, Shine Project, Shutterstock, VisitDenmark, Wasserwirtschaftsamt München | Illustrationen: Véronique Stohrer | Infografik: no.parking comunicazione | Druckvorstufe: typoplus GmbH, Bozner Straße 57, 39057 Frangart | Druck: Karo Druck KG, Pillhof 25, 39057 Frangart | Zur Abbestellung dieses kostenlosen Magazins genügt eine E-Mail mit genauer Adressangabe an m@suedtirol.info | Eintragung beim Landesgericht Bozen Nr. 7/2005 vom 9. Mai 2005

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ma ilbox

Hilfe bei der Ausstellung von für den Export erforderlichen Dokumenten und Bescheinigungen. Seit Kurzem ist der Export Helpdesk der EOS zudem Mitglied bei der „Rete degli Sportelli per l’internazionalizzazione“, einem Netzwerk von 105 Internationalisierungsschaltern italienischer Handelskammern, und nützt so Synergien noch besser. Infos gibt Export-Helpdesk-Spezialist Thomas Lunger, Tel. 0471 945763, thomas.lunger@handelskammer.bz.it

WIRTSCHAFTSBLOG

Wertvolle Inputs für Unternehmer Ein Coach hält Innovationsprojekte am Laufen

COACH FÜR KLEINE

„InnovationCoaches“ für Unternehmen INNOVATION. Mit Innovationen können Unternehmen nachhaltig wettbewerbsfähiger werden. Vor allem kleinen Unternehmen fehlt es jedoch oft an Ressourcen, um Innovationsprojekte umsetzen zu können. Der TIS innovation park und der Unternehmerverband Südtirol haben deshalb das Programm „InnovationCoach“ ins Leben gerufen. Die Coachs sind über einen genau definierten Zeitraum in den einzelnen Unternehmen und begleiten diese aktiv bei ihren Innovationsvorhaben. Derzeit sind fünf Coachs am Programm beteiligt; es handelt sich um ehemalige Unternehmer und leitende Angestellte aus den verschiedensten Branchen. Gefördert wird das Programm von der Abteilung Innovation der Autonomen Provinz Bozen mit bis zu 75 Prozent über das neue Vouchersystem. www.tis.bz.it/themen/innovationcoach

REISE-IDEE

Interreg-Projekt vermarktet eine Reise MARKETING. Südtirol und Graubünden vermarkten die Reise von Venedig über Südtirol nach St. Moritz gemeinsam im Rahmen eines Interreg-Projektes. Ziel

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ist es, den grenzüberschreitenden Tourismus und das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fördern. Die ReiseIdee führt Besucher zu sieben Stätten des UNESCO-Welterbes, wie die Naturund Kulturerben zusammenfassend genannt werden. Die Tour kann individuell oder per Reiseveranstalter, für Einzelpersonen oder Gruppen gebucht werden. Leistungsträger sind Trenitalia, Deutsche Bahn, Österreichische Bundesbahnen, PostAuto, SAD und die Schweizer Bundesbahnen; gefahren wird mit Bahn und PostAuto. Die Tickets dafür können ganz einfach unter www.sbb.ch erworben werden. www.venice-stmoritz.com

KOMMUNIKATION. Welche wichtigen Infos gibt’s aus der Welt der Wirtschaft? Was tut sich auf diesem Gebiet Interessantes, das auch für Südtiroler Wirtschaftstreibende relevant sein kann? Wer darauf neugierig ist, sich aber nicht mit langen Recherchen aufhalten möchte, dem bietet BLS nun einen neuen Service: Ein Klick auf den BLS-Blog genügt, und man erfährt ohne großen Zeitaufwand Spannendes und Inspirierendes, Perspektiven und Chancen aus den verschiedensten Bereichen der Wirtschaft, von Handel und Handwerk über Green Economy bis zu Marketing und Kommu(BK) nikation. blog.bls.info

EXPORT HELPDESK

Hilfe und Infos für Südtiroler Betriebe

EXPORT. Südtiroler Unternehmen auf Exportkurs erhalten tatkräftige Hilfe beim Export Helpdesk der EOS. Er informiert und berät schnell und unbürokratisch zu den Regeln, Pflichten und Vorschriften im Auslandsgeschäft. Gemeinsam mit fachkundigen Experten bietet er außerdem Auskunft zu Themen wie Zoll-, Steuer- und internationalem Vertragsrecht an. Der Bereich Außenhandelsdokumente der Handelskammer vervollständigt dieses umfassende Serviceangebot; hier gibt’s

Ein Blog, viele inspirierende Wirtschaftsfachartikel


MADE IN s ü dtiro l

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STECKBRIEF

Projekt: Das Tschengls-Experiment

Besonderheit ������������������������������������ Neu- und Umbauten fügen sich meisterhaft in alte Bausubstanz ein Bauherren �������������������������������������������������� Peter Steck, Paul Reisinger, Gabriele Schiefer, Josef Stecher Architekt ���������������������������� Christa Mair, Architekturbüro PLAN_AR Standort ������������������������������������������������������� Tschengls, Gemeinde Laas Es gibt Bauprojekte, die entwickeln sich so, als wären sie schon immer Teil eines großen Plans gewesen; doch von vorn: Alles fing mit dem Neubau des Wohn- und Wirtschaftshauses von Peter Steck in Tschengls an. Dort, wo jetzt der Neubau steht (Bild oben

links), stand ein Stadel, der 2003 einem Brand zum Opfer gefallen war. Der Neubau in KlimaHaus-Gold-Qualität umfasst zwei kubische Bauteile, die sich gegenseitig durchdringen. Der Bruch mit dem traditionellen Baustil wurde von den Bewohnern der 500-Seelen-Gemeinde nicht nur toleriert, sondern gutgeheißen. Das ist bemerkenswert, denn dicht gedrängt schart sich alte Bausubstanz um den Kirchturm. Nunmehr ist der Dorfkern verändert. Moderne Neubauten fügen sich wie selbstverständlich in die alte Bausubstanz ein. Vier Wohnhäuser wurden bis 2012 vom selben Architekturbüro fertiggestellt, drei weitere sind in Bau. Mehr dazu in der Publikation „Architektur in Südtirol 2012“. www.aw-v-online.net


titel: L e b en s qua l itä t | Glück schlägt Wachstum

Glück schlägt Wachstum Sie ist in Zahlen kaum zu messen und auch definitorisch nur schlecht zu fassen. Zu subjektiv ist die Wahrnehmung von Lebensqualität, zu unterschiedlich sind die Faktoren, die das Wohlbefinden ausmachen. Wenn Südtirol zum begehrtesten Lebensraum Europas werden will, muss es sich der Diskussion stellen. Text: Maria Cristina De Paoli Illustration: Véronique Stohrer

S

o klein wie die Schweiz, so dünn besiedelt wie Neuseeland, kaum reicher als Eritrea: Und dennoch wird die Himalaja-Monarchie Bhutan immer dann genannt, wenn es um Lebensqualität geht. Im Land des Donnerdrachens steht das Recht auf Glück sogar in der Verfassung festgeschrieben. 1974 hatte König Jigme Singye Wangchuck in einem Interview mit der „Times“ erstmals den Begriff „Gross National Happiness“, zu Deutsch „Bruttoinlandsglück“, verwendet. 40 Jahre später ist das Glück des Volkes ganz offiziell höchstes Ziel der Regierung in Thimphu. Die Wirtschaft ist einem strikten Umweltschutz untergeordnet. Jede öffentliche Investition, jede politische Gesetzesänderung muss sich daran messen lassen, ob sie dem Allgemeinwohl dient. Seit einigen Jahren wird in Bhutan sogar ein Glücks-Index errechnet. Dazu befragt der Staat die Untertanen, ob sie zufrieden und gesund sind, ob sie genug Geld haben, ob sie täglich beten und meditieren. Die Erhebung, mit der die Mitarbeiter des „Center for Bhutan Studies“ regelmäßig von Haus zu Haus gehen, stellt sich aus über 290 Fragen zusammen. Gewiss: Wer, wie Bhutan, im toten Winkel der globalen Wirtschaftsströme liegt, tut sich um einiges leichter, die 8   m | J u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3

Jagd nach höherer Produktivität und mehr Effizienz einfach abzublasen. Mittlerweile wächst die Schar der Wachstumsskeptiker aber auch in den westlichen Industrieländern. Und mit ihr die Suche nach neuen Indikatoren, um den Wohlstand, den sozialen Fortschritt und die Zufriedenheit eines Volkes jenseits des Bruttoinlandsproduktes zu messen. Hochkarätig besetzte StudienKommissionen haben sich in den vergangenen Jahren mit dem Thema befasst – in Frankreich ebenso wie in Großbritannien und in den USA. Jetzt hat auch die Enquete-Kommission des deutschen Bundestages „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ ihren Abschlussbericht vorgestellt. Wer nach zweijähriger Arbeit eine komplett neue Messzahl erwartet hat, wurde allerdings enttäuscht. Vielmehr haben die 34 Mitglieder der Kommission (ein bunter Mix aus Politikern und Sachverständigen) so etwas wie ein „BIPplus“ erstellt, ein um neun weitere Indikatoren ergänztes BIP, das auch Teilhabe, Ökologie und Lebenserwartung berücksichtigt.

Zentrales Thema Die jüngsten Entwicklungen in Deutschland und das mediale Interesse, das sie ausgelöst haben, zeigen grundsätzlich zwei Dinge: Lebensqualität hat sich zu

einem zentralen Thema in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion entwickelt. Und: Es ist extrem schwierig, das Wohlbefinden eines Volkes in Zahlen auszudrücken oder definitorisch zu fassen. Sowohl in der wissenschaftlichen Praxis als auch im täglichen Leben wird Lebensqualität als sehr widersprüchlich erfahren und beschrieben: Anrainer protestieren gegen eine neue Straße quer durch ihr Wohnviertel, ohne selbst auf das eigene Auto verzichten zu wollen; durch die Errichtung einer Gewerbezone entstehen neue Arbeitsplätze, dabei verschwindet allerdings eine Naherholungszone; der Detailhandel stärkt die soziale Struktur in den Dörfern und garantiert die Nahversorgung, der Großmarkt auf der grünen Wiese ist allerdings um einiges billiger; und dem Wunsch nach längeren Ladenöffnungszeiten stehen die freien Wochenenden als Anliegen der Verkäufer gegenüber. „Lebensqualität ist keine allgemein verbindliche und feststehende Größe, die für alle zu jeder Zeit und in gleicher Weise gilt, sondern muss immer wieder aufs Neue definiert und erarbeitet werden“, schreibt Franz Plörer, Direktor der Stiftung Vital, in der Einführung zur Studie „Gesundheit und Lebensqualität“. Im Herbst 2011 hat das Eurac-Institut für Public Management im Rahmen »


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titel: L e b en s qua l itä t | Glück schlägt Wachstum

eines Interreg-Projektes in Südtirol und Die materiellen Bedingungen seien Graubünden über 2000 Schlüsselperso- selbstverständlich auch ein Aspekt, nen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und „aber eben nur einer unter vielen“. Die Ehrenamt befragt. Wobei sowohl die derzeitigen Entwicklungen ließen sich privaten und beruflichen Vorstellungen, am besten mit der Formel „vom Lebensals auch die notwendigen Rahmenbe- standard zur Lebensqualität“ beschreidingungen erforscht wurden. 81 Pro- ben. Giger weist aber auch auf grundlezent der Befragten gaben an, mit ihrem gende Veränderungen hin. „Obwohl auf Leben zufrieden zu sein. Sie waren aber der gesellschaftlichen Seite nach wie vor auch der Meinung, dass jeder Mensch Wachstumsfetischismus gepflegt und selbst die größte Verantwortung für sein wenig über Alternativen debattiert wird, Wohlbefinden trage. Einen entschei- nehme ich eine wachsende Zahl von Indenden Part würden außerdem Familie dividuen wahr, die von sich aus umdenund Freunde leisten, ebenso körperli- ken. Diese Menschen fragen sich, ob der che Gesundheit, ein guter Arbeitsplatz, ganze Ballast, den sie mit sich herumtraKultur und Bildung. Die Gesellschaft gen, ihre Lebensqualität wirklich fördewurde erst an vierter und die Wirtschaft re oder sie nur beeinträchtigt.“ Andresogar an fünfter Stelle genannt, wäh- as Giger ist davon überzeugt, dass rend die Politik recht kontrovers beur- sich die „Quality of life“ in ihrer „neuteilt wurde. Zwar seien politische Stabi- en“ Komplexität zum Leitwert des 21. lität und Mitbestimmung eine Voraus- Jahrhunderts entwickeln wird. setzung für Lebensqualität, das „Als es noch um das Haben ging, Vertrauen in die Politik erwies sich aller- war die Fokussierung auf ein Prodings als eher gering. Lediglich der Ge- dukt der Maßstab allen Hanmeindepolitik wurde eine aktive Rolle delns“, beschreibt SMG-Direkzugewiesen. Noch schlechter schnitten tor Christoph Engl den WerteKirche und Glaubensgemeinschaft ab. wandel in den letzten 60 Jahren. Kurz vor der JahrtauViele Facetten sendwende sei dann das ErAuch die Eurac-Studie bestätigt: Die Vor- lebnis zur wichtigsten Komstellung von dem, was ein gutes Leben ponente avanciert. „Heute ausmacht, wird heute nicht nur von ma- fragen immer mehr Menschen teriellen Größen, sondern immer öfters nach dem Sinn dessen, was sie auch von sogenannten „soft facts“ ge- kaufen, erleben, konsumieren.“ prägt. In seinem Modell beschreibt der Es werde nach dem Mehrwert Schweizer Philosoph und Soziologe And- von Angeboten, Produkten reas Giger sogar 16 verschiedene „Sphä- und Erfahrungen gesucht. ren“. Zeit und Nachhaltigkeit gehören Fair gehandelt? Nachhaltig ebenso dazu wie Respekt und Echtheit. produziert? Langlebig? Aus


W en i g er i s t m e h r BIP als Wohlstandsindikator überholt Gut leben, das möchte jeder. Aber was macht ein gutes Leben aus? Immer schnelleres Wachstum, immer größerer Wohlstand? Oder doch lieber weniger Treibhausgase und mehr soziale Gerechtigkeit? „In Industrieländern lässt sich die Lebensqualität durch Wachstum nicht mehr verbessern“, weiß Katharina Hirschbrunn vom Institut für Gesellschaftspolitik an der Hochschule für Philosophie in München. „Seit 1970 hat sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland mehr als verdoppelt. Die Deutschen sind mit ihrem Leben heute allerdings nicht zufriedener als noch vor 40 Jahren.“ Bereits ab einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 10.000 US-Dollar ließe sich kein Zusammenhang mehr zwischen durchschnittlichem Einkommen und Zufriedenheit feststellen. Nicht das pro-Kopf-Einkommen, sondern der Grad an Ungleichheit sei

der Region? Notwendig? Immer mehr Konsumenten würden sich solche Fragen stellen. Und Südtirol müsse die Antworten darauf finden, wenn es, so der Anspruch, zum begehrtesten Lebensraum Europas werden will. „Wer Südtirol verlässt, muss es mit der Sehnsucht tun, hier nicht nur für eine Weile gewesen zu sein, sondern am liebsten für immer dazubleiben“, bringt Engl das ehrgeizige Ziel auf den Punkt. Bei der Umsetzung warnt er jedoch vor zu vielen neuen Ideen und rät vielmehr zur Konsequenz. Das Land müsse sich auf seine Stärken besinnen. „Von Bergen und Winter, von Kulinarik und Nachhaltigkeit, vom Leben in schwierigen Räumen und vom Umgang mit anderen Kulturen verstehen wir mehr als andere.“ Und um von diesen Kompetenzen zu profitieren, um einen Teil davon abzubekommen, werden Menschen und Unternehmen künftig nach Südtirol kommen. Ein attraktiver Lebensraum besteht allerdings nicht nur aus touristischen Infrastrukturen und aus technischem Know-how, sondern auch aus dem Alltagsleben seiner Bevölkerung. „Was den Südtirolern passt, macht auch die Gäste glücklich“, weiß Harald Pechlaner, Pro-

ausschlaggebend für viele soziale und gesundheitliche Probleme und damit für die Lebensqualität der Menschen. „Das BIP ist als Wohlstandsindikator überholt“, erklärt die Volkswirtin. „Mittlerweile sind vor allem immaterielle Faktoren wie sozialer Zusammenhalt, eine sinnvolle Arbeit, mehr Zeit für Familie und Freunde entscheidend.“ Wirtschaftswachstum sei heute aber auch ethisch nicht mehr vertretbar. „Bis 2050 wird sich der Energiebedarf weltweit verdreifachen – mit allen Folgen, die eine solche Eskalierung mit sich bringen wird.“ Dass ein Umdenken selbst von der breiten Masse akzeptiert würde, ist sich Katharina Hirschbrunn sicher. „Gerade in den Industrieländern ist es vielen bewusst, was sie für noch mehr Konsum, noch mehr Arbeit, noch mehr Wachstum alles in Kauf nehmen müssten.“

fessor an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Co-Autor eines Buches, das Lebensqualität im Zusammenhang mit Kultur und Mobilität analysiert. Und genau hier setzt Pechlaner an: „Mobilität hat in einer touristischen Destination wie Südtirol viel mit der Qualität der Erreichbarkeit zu tun.“ Für einen internationalen Tourismus mit großem Radius sei das Land bis auf Weiteres nur schwer erreichbar. „Dafür ist das Angebot gerade des öffentlichen Personennahverkehrs ein großer Gewinn für Einheimische und Gäste.“ 5,8 Millionen Bahn- und 31 Millionen Buskilometer decken die öffentlichen Verkehrsmittel in Südtirol heute jährlich ab. „Das Land ist kapillar erschlossen“, so Mobilitätslandesrat Thomas Widmann. Mit dem „Südtirol Takt“ sei es außerdem gelungen, einen Fahrplan mit regelmäßigen Verbindungen und abgestimmten Fahrzeiten einzuführen, die die Wartezeiten an den Umsteigeknoten verringern. Darüber hinaus habe die Einführung integrierter Jahresabonnements den Zugang zum Personennahverkehr wesentlich erleichtert. Über 50 Prozent der Südtiroler besitzen ein gültiges Jahresabon- » J u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3 | M   1 1


nement für Bus und Bahn. „Und der Erfolg dieser Bemühungen ist messbar“, so Widmann. „Eine neue Studie belegt, dass wirtschaftlich und sozial schwächere Bevölkerungsschichten zwar auch hierzulande im Schnitt weniger mobil sind, ihre Mobilität allerdings nicht im selben Ausmaß abnimmt, wie anderswo.“

Standortfaktor Kultur Laut Eurac-Studie werden heute in Südtirol auch Kultur und Bildung als wichti-

O E C D - Inde x Italien im Durchschnitt Haus und Einkommen, Beruf und Bildung, Gesundheit und soziale Sicherheit: Nach diesen (und fünfzehn weiteren) Kriterien bewertet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Lebensqualität in ihren 34 Mitgliedstaaten. Dem OECDIndex zufolge liegt Italien im Mittelfeld. Das Land schneidet in vielen Bereichen gut ab. Und die Menschen sind relativ zufrieden. Immerhin können 69 Prozent der Bevölkerung über mehr positive als negative Erfahrungen in ihrem Leben berichten. Das mag auch von der guten gesundheitlichen Verfassung der Bevölkerung abhängen. Die Italiener sind im Schnitt gesünder und leben auch länger als die Menschen in anderen OECD-Ländern, und dies, obwohl im Stiefelstaat die Luftund die Wasserqualität etwas unter dem Mittelwert liegt. Positiv bewertet die Organisation auch den sozialen Zusammen-

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ge Indikatoren für Lebensqualität einge- den maßgeblich über die Lebensqualistuft. Außerdem gelten sie als entschei- tät im Land. Denn ohne Ehrenamt kein dende Standortfaktoren, wie Harald Seniorenclub, ohne Ehrenamt kein Pechlaner erklärt. Gerade für hoch qua- Jungscharlager, ohne Ehrenamt kein Bilifizierte Arbeitskräfte seien sie ein star- bliotheksdienst im Ort, kein Platzkonkes Argument, um in Südtirol zu arbei- zert im Sommer und kein Löscheinsatz, ten und zu leben. Viel Kultur und vor al- wenn es brennt. Das Ehrenamt sei ein lem viel Solidarität bringt auch das „großer Schatz“, so Landeshauptmann Ehrenamt hervor. Die rund 3300 Vereine Luis Durnwalder 2011 anlässlich der und Verbände – darunter Musikkapel- Feierlichkeiten zum „Europäischen Jahr len und Chöre, Theater- und Sportverei- der Freiwilligentätigkeit“. Es sei aber ne, Weißes Kreuz und Bergrettung – und auch ein wirtschaftliche Realität. Imihre über 200.000 Mitglieder entschei- merhin liegt der Anteil des Südtiroler Ehrenamtes am heimischen BIP bei 2,2 Prozent. Das soziale Engagement wird immer wichtiger, sprachliche Kompetenzen sind schon heute ausschlaggebend. Für halt in Italien und die Beteiligung der Berund 20 Prozent der Südtiroler ist die völkerung am öffentlichen Leben. Die ItaZweisprachigkeit im Land nur eine Notliener liegen mit einem Jahreseinkommen wendigkeit, weitaus mehr Menschen von rund 18.400 Euro über dem OECDempfinden sie jedoch als persönliche Schnitt von 17.200 Euro. BesorgniserreBereicherung und konkreten Vorteil. gend sind dagegen die hohe Arbeitslosig„Und das mit Recht“, kommentiert Rita keit und der niedrige Bildungsgrad. Franceschini die Ergebnisse einer UmWeitaus besser als Italien schneiden frage des Landesstatistikinstituts ASlaut OECD-Index Australien und Kanada TAT. Denn Mehrsprachigkeit sei eine ab – unter anderem beim Einkommen, der wichtige Grundlage für schulisches und Beschäftigungssicherheit, der Gesundberufliches Lernen, für die psychosoziaheit und der Unterstützung durch soziale le Gesundheit und für die LebensqualiNetzwerke. Wer es sich allerdings übertät eines jeden Menschen. „Wer mehrlegt, nach Sydney oder Montreal auszusprachig aufwächst, ist nicht nur sprachwandern, sollte auch die Kehrseite der bewusster und sprachlich sensibler“, Medaille beachten: Australien und Kanaweiß die ehemalige Rektorin und heute da gehören zu jenen Ländern, in denen Direktorin des Kompetenzzentrums die Menschen über sehr wenig Freizeit Sprachen der Freien Universität Bozen. verfügen. „Diese Menschen gehen auch besser auf Tipp: Unter www.oecdbetterlifeindex. ihren Gesprächspartner ein, weisen org kann jeder seinen Zufriedenheitseine höhere neurobiologische Plastizigrad berechnen. tät auf und schneiden bei jenen Tests besser ab, die ,ungewöhnliches‘ Den-


ken, Originalität und Flexibilität fordern.“ Selbst das Krankheitsbild von Alzheimer trete bei Mehrsprachigen im Schnitt später auf.

Landschaft erhalten Wer in Südtirol über Lebensqualität diskutiert, darf die Landschaft nicht vergessen. Eine aktive Rolle spielt hier bekanntlich die Landwirtschaft. „In der Vergangenheit hat die systematische Erschließung der Bergbauernhöfe die Lebensbedingungen der Bauern und ihrer Familien grundlegend verändert“, sagt Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler. Nun gelte es, weitere Maßnahmen zu ergreifen, um die Abwanderung zu stoppen und die Landschaft zu erhalten. „Denn wo Bauern und Kühe gehen, wächst der Wald nach.“ Tiefenthaler spricht von einem ganzen Paket an Forderungen. „Allen voran, dass am Berg und auf dem Land dieselben Voraussetzungen geschaffen werden wie in den Orten und Städten. Damit meinen wir schnelles Internet ebenso wie soziale Dienste.“ Derzeit trägt der Bauernbund auch die Initiative „Flächensicherung“ mit. „Das Problem geht die Bauern an, weil das Land ihre Existenzgrundlage darstellt. Es betrifft aber auch alle anderen Südtiroler.“ Primäres Ziel sei es, in der Reform des Raumordnungsgesetzes, die noch vor den Wahlen verabschiedet werden soll, unter anderem ein regelmäßiges Monitoring zu verankern. „In den letzten Jahren

wurde in Südtirol täglich eine Fläche verbaut, die in etwa so groß war wie ein Fußballfeld.“ Genau wisse man es aber nicht, da es bisher keine entsprechenden Kontrollmechanismen gab. „Und wenn wir schon bei Landwirtschaft und Lebensqualität sind, sollte hier auch noch ein weiterer Aspekt eingebracht werden“, sagt Tiefenthaler. Mit dem Angebot der Kinderbetreuung am Hof würden die Südtiroler Bäuerinnen einen wichtigen Beitrag leisten, um das Wohlbefinden der Kleinen zu steigern. Was für die Gäste gilt, gelte auch für die einheimische Bevölkerung. „Der Umgang mit Tieren, das Spielen in der Natur und das Erleben mehrerer Generationen am Hof prägen das Leben der Kinder nachhaltig.“ „Der erste Fernseher ist eine wunderbare Bereicherung für die Lebensqualität“, sagt Andreas Giger. „Beim fünften ärgert man sich nur noch über die Gebrauchsanweisung oder steht vor Entsorgungsproblemen.“ Die Münchner Volkswirtin Katharina Hirschbrunn bringt das Beispiel eines PKW. „Am Anfang ist die Freude über das neue Auto riesig. Doch wie lange hält sie an?“ An materielle Güter gewöhne sich der Mensch schnell. „Von der Zeit, die man mit anderen Menschen verbringt, die man sich selbst oder der Familie widmet, von Emotionen und Erlebnissen, davon zehrt man viel, viel länger.“ Familie schlägt Wachstum, und Glück schlägt Wirtschaft.

>> Fazit Lebensqualität ist ein multidimensionales Konstrukt, das nur über seine Teilbereiche erfassbar wird. Ein gutes Leben wird heute nicht nur von materiellen Größen, sondern immer öfter auch von sogenannten weichen Faktoren geprägt. Lebensqualität ist zum wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Leitwert avanciert. In Zukunft werden Unternehmen und Destinationen immer stärker daran gemessen, inwieweit sie zur Lebensqualität ihrer Kunden, Mitarbeiter und Gäste beitragen. Südtirol will zum begehrtesten Lebensraum Europas werden. Das gelingt, wenn das Land Konsequenz zeigt und sich auf seine Kernkompetenzen konzentriert. J u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3 | M   1 3


titel: L e b en s qua l itä t | Interview

Alle nach oben. Bleibt Südtirol in Sachen Lebens-

qualität Italiens Vorzeigeregion? Der Bozner Betriebswirt und Journalist Mirco Marchiodi spricht über Stärken und Schwächen des Landes.

zur pe r son Mirco Marchiodi (Jahrgang 1978) war nach dem Studium der Betriebswirtschaft an der Universität Bocconi in Mailand zehn Jahre lang Wirtschaftsredakteur der Tageszeitung „Alto Adige“. Seit 2012 leitet er das Studienzentrum des Unternehmerverbandes Südtirol. Er ist auch Südtirol-Korrespondent der Mailänder Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“.

2012 hat „Il Sole 24 Ore“ Südtirol zur lebenswertesten Provinz Italiens gekürt. Das Land konnte vor allem mit einer guten Wertschöpfung, einem leergefegten Arbeitsmarkt und hohen Bankeinlagen punkten. Wie schneidet Südtirol heuer ab? Zurzeit sind es vor allem die Entwicklungen am Arbeitsmarkt, die Sorgen bereiten. Die Arbeitslosenrate hat im Vorjahr erstmals die Vier-Prozent-Marke überschritten. Das ist im italienischen Vergleich immer noch niedrig, aber für Südtirol schon recht hoch. Immerhin lag der Wert seit Jahrzehnten zwischen zwei und drei Prozent. Besonders kritisch sehe ich auch die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Jeder zehnte Südtiroler unter 30 Jahren hat heute keinen Job. Und dies, obwohl viele Unternehmen gerade im High-Tech-Bereich ständig nach qualifizierten Mitarbeitern suchen, die sie auf dem Südtiroler Markt allerdings nicht finden können. Sind die Unternehmer zu anspruchsvoll oder die Südtiroler zu schlecht ausgebildet?

In Südtirol gibt es zu wenig Akademiker. Laut Schätzungen von Universität und Unternehmerverband bräuchte man jährlich zwischen 100 und 200 zusätzliche Ingenieure. Derzeit laufen Gespräche über eine neue Fakultät für Elektronik und Automation in Bozen. Das wären dann 30 Studienabgänger pro Jahr, was sicherlich gut, aber immer noch nicht genug wäre. 1 4   m | J u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3

Welche Schwächen werden Land und Leute in Zukunft noch zu spüren bekommen? Der Südtiroler Export macht lediglich 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Das ist zu wenig. Im Veneto und der Lombardei sind es 30, in Deutschland sogar 50 Prozent. Ähnliches gilt für die Innovation, in die nur ein Prozent des BIP investiert wird. Damit sind wir nicht nur schlechter aufgestellt als das Trentino und das restliche Italien, sondern liegen auch weit unter den drei Prozent, die von der EU angepeilt werden. Dabei ließen sich gerade in diesen beiden Bereichen attraktive Arbeitsplätze schaffen, die vor allem jungen Leuten eine höhere Lebensqualität garantieren könnten. Was hat bisher eine Entwicklung in diese Richtung gebremst? Vor allem die Kleinstrukturiertheit der Unternehmen und die niedrige Produktivität. Das gilt aber nicht für alle Betriebe. Wir haben in Südtirol auch einige Vorzeigeunternehmen, die in ihrer Branche oder Nische sogar Weltmarktführer sind. In den verschiedenen Bewertungen wird Südtirol immer auch für seine Infrastrukturen und Dienstleistungen gelobt. Was geschieht, wenn die öffentlichen Gelder in Zukunft nicht mehr so großzügig ausfallen? Die öffentlichen Mittel sind in Südtirol immer relativ gut verwaltet worden, das kann man durchaus sagen. Erst kürzlich war ich in der Emilia Romagna und war überrascht, wie schlecht dort die Straßen instand gehalten werden, obwohl es sich bekanntlich um eine florierende Region handelt. So etwas gibt es bei uns nicht. Wenn jetzt die öffentlichen Ressourcen zurückgehen, wird man auch in Südtirol Schwerpunkte setzen müssen. In der Sanität werden – ebenso wie im Bildungsbereich – Kompetenzzentren entstehen. Man wird sich nicht mehr überall alles leisten können. Durch die Spezialisie-


rung wird man aber trotzdem die Qualität der Dienstleistungen erhalten und diese vielleicht sogar noch verbessern können.

Mirco Marchiodi, Betriebswirt und Journalist

Es schrumpfen aber nicht nur die öffentlichen Gelder. Auch die Kredite werden knapper, während die Not leidenden Forderungen steigen – alles Parameter, die der „Sole“ für sein Ranking berücksichtigt. Das Plus bei den Not leidenden Forderungen ist relativ zu sehen. Mit fünf Prozent liegt Südtirol zwar über dem internationalen Durchschnitt, das Niveau ist allerdings mit jenem in Deutschland und Österreich vergleichbar. Im restlichen Italien liegt der Anteil bei acht bis zehn Prozent. Anders sieht es bei der Kreditvergabe aus. Auch Südtirol sitzt seit mittlerweile zwei Jahren in der Kreditklemme. Die Banken verlangen immer höhere Garantien, die Zinsen steigen. Wer heute eine Niederlassung in Österreich hat, merkt den Unterschied. Ist ein Ende der Krise überhaupt in Sicht? Ende 2013 wird eine Erholung erwartet. Es gibt aber noch zu viele Grenzfälle, und Italien ist ein solcher Grenzfall. Aber auch in Deutschland stehen im Herbst Neuwahlen an, und das macht Prognosen umso schwieriger. Und wie wird Südtirol am Ende dastehen? Wir haben viele erfolgreiche Unternehmen, wir sind als Land besser aufgestellt als andere vergleichbare Realitäten und wir sind mehrsprachig. Wir haben also das Rüstzeug, um den Gipfel zu erzwingen. Dabei dürfen wir allerdings niemanden unten vergessen, sondern müssen alle mit nach oben ziehen – die Immigranten ebenso wie die über 50-Jährigen, die jetzt ohne Job dastehen. Und wenn wir am Gipfel sind, dürfen wir es nicht versäumen, in alle Himmelsrichtungen zu schauen. Dabei müssen sich Land und Wirtschaft vor allem an Europa orientieren. In 20 Jahren werden weder Deutschland noch Italien zu den G8-Ländern zählen. Um gegenüber Giganten wie China und Indien überhaupt eine Chance zu haben, muss Europa in Zukunft als Einheit auftreten. Andere Möglichkeiten gibt es nicht. J u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3 | M   1 5


titel: L e b en s qua l itä t | Umfrage

Mehr Zeit für Arbeit und für Muße. Jeder von uns hat eine sehr persönliche Vorstellung von dem, was Lebensqualität ausmacht. Der eine braucht die ökonomische Sicherheit, der andere will vor allem selbst entscheiden können, der Dritte hingegen sucht das Gefühl von unbegrenzter Freiheit. „M“ hat acht Südtiroler nach ihrem Rezept für ein gutes Leben gefragt.

Tania Cagnotto Europa- und Vizeweltmeisterin im Turmspringen Die finanzielle Sicherheit und ein erfüllender Beruf sind für die Lebensqualität eines jeden Menschen entscheidend. Das gilt auch für mich. Persönlich ist mir außerdem meine Gesundheit wichtig und die Möglichkeit, genügend Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen. Das schafft den notwendigen Ausgleich zum Stress beim Training und bei den Wettkämpfen.

Annemarie Kaser Direktorin des Südtiroler Sennereiverbandes Ganz spontan würde ich sagen: ein gutes Essen, ein tolles Buch, Vogelgezwitscher, Wasserplätschern, Menschen, die mir nahe stehen, eine Umgebung, in der ich mich aufgehoben fühle, und ein paar anspruchsvolle Berggipfel, die ich besteigen kann. Lebensqualität bedeutet für mich aber auch und vor allem, genügend Zeit zu haben für die Arbeit und genügend Zeit zu haben für die Muße. Denn erst, wenn ich meine Arbeit erledigt habe, kann ich die Seele baumeln lassen.

Michi Klemera Inhaber und Geschäftsführer von „Luis Trenker“

meiner Familie und mir gesundheitlich gut geht. Persönlich ist es mir auch sehr wichtig, eine Arbeit zu haben, die mir Spaß macht und bei der ich mich selbst verwirklichen kann.

Michael Thöni Jungbauer auf dem Wiartshof in Langtaufers (1750 m) Zunächst würde ich sagen: Zufrieden zu sein, mit dem was man hat. Für mich heißt Lebensqualität aber auch, das weiterführen zu dürfen, was ich seit meiner Kindheit kenne und mir mein Vater anvertraut hat. Die Möglichkeit, in der Natur und mit der Natur zu arbeiten, ist keine Selbstverständlichkeit mehr, und ich schätze es sehr, auch wenn es viel Mühe kostet. Außerdem ist es heute ein Privileg, das zu produzieren, was man zum Leben braucht, und zu wissen, was man täglich auf dem Teller hat.

Luigi Spagnolli Bürgermeister von Bozen Lebensqualität bedeutet für mich die Freiheit, das zu machen, was ich gerne mache. Dazu gehört auch mein Engagement für andere Menschen und für unsere Gesellschaft. Nur so geht es mir wirklich gut.

Letizia Ragaglia Direktorin des Museion in Bozen

Jeden Tag aufstehen und jeden Tag lachen zu können, immer Neues zu erleben und die schönen Dinge im Leben zu genießen, das ist für mich Lebensqualität. Ebenso glücklich bin ich darüber, dass es 1 6   m | J u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3

Ich bin privilegiert, weil ich eine wunderbare Arbeit habe. Außerdem wohne und arbeite ich in derselben Stadt, in der auch viele meiner Freunde leben – und das ist

ein weiteres Stück Lebensqualität. Darüber hinaus brauche ich Theater, Musik, ein gutes kulturelles Angebot in erreichbarer Nähe. Ich bin beruflich viel unterwegs, was nicht immer einfach ist, weil Südtirol nach wie vor schlecht erreichbar ist. Dafür kann man bei uns jederzeit hinaus in die Natur, man ist schnell in den Bergen, und das ist wiederum eine einmalige Ressource gerade in der Freizeit.

Richard Franchi Kaufmann in Bozen Mein Geschäft auch in Zukunft am Sonntag geschlossen zu halten, das ist Lebensqualität. Denn nur am Sonntag hat man die Gelegenheit, den eigenen Hobbys nachzugehen, Freundschaften zu pflegen, mit Leuten zusammen zu sein, mit ihnen zu sprechen und zu diskutieren. Wenn wir sieben Tage in der Woche im Laden stehen würden, würden wir in der totalen Isolation enden. Das gilt aber nicht nur für mich, sondern auch für meine Mitarbeiter.

Jakob Ramoser Juniorchef vom „Magdalenerhof“ in Rentsch/Bozen Als Student wollte ich vor allem viel reisen, neue Erfahrungen sammeln, mich selbst entfalten. Seit ich vor einem Jahr im Betrieb eingestiegen bin und die Verantwortung übernommen habe, hat sich nicht nur mein Leben verändert, sondern auch meine Vorstellung von Lebensqualität. Heute vermisse ich meine frühere Unbeschwertheit und wünsche mir vor allem mehr Zeit, um alles unter einen Hut zu bringen. (MDP)


Ein gutes Essen, ein tolles Buch und Menschen, die mir nahe stehen

Familie und Freunde als Gegenpol zum Leistungsdruck

Annemarie Kaser

Tania Cagnotto

In der Natur und mit der Natur zu arbeiten, auch wenn es Mühe kostet Michael Thöni

Jeden Tag aufstehen und jeden Tag lachen zu können Michi Klemera

Die Freiheit, das zu machen, was ich gerne mache Luigi Spagnolli

Theater, Musik, ein

kulturelles Angebot in erreichbarer Nähe Letizia Ragaglia

Genügend Zeit, um Privates und Berufliches unter einen Hut zu bringen Jakob Ramoser

Der Sonntag als Ruhetag – für mich und meine Mitarbeiter Richard Franchi J u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3 | M   1 7


titel: L e b en s qua l itä t | Arbeitsmarkt

Bühne frei für Generation Y. Nach Babyboomern und Generation

strömen jetzt die Ypsiloner auf den Markt. Auf der Suche nach einer guten Work-Life-Balance werden diese anspruchsvollen und selbstbewussten Nachwuchskräfte die Arbeitskultur in den Unternehmen radikal umkrempeln. Alles nur eine Frage der Zeit – auch in Südtirol.

Sie sind in den Achtzigern und Neun- Das Klima im Büro muss passen. Darüzigern geboren und mit dem Internet ber hinaus gibt es allerlei Extrawünsche aufgewachsen, sie sind multitaskingfä- wie Kinderkrippe und Elternzeit, Weiterhig, weltoffen und mobil, gehen mit Un- bildung und Sabbatjahr, helle Büros und sicherheiten besser um als ihre Eltern, „gesunde“ Möbel, aber auch flexible Arsind aber auch bereit, Verantwortung zu beitszeiten, gute Teamarbeit und die übernehmen und hart zu arbeiten – aller- Möglichkeit, abends nach dem Joggen dings nicht um jeden Preis. Freiheit, von zu Hause arbeiten zu können. Denn Freunde, Freizeit müssen immer drin warum sollte eine Generation, die stänsein: Generation Y nennen Analysten dig online ist, im Büro hocken bleiben, jene Jahrgänge, die heute ins Berufsle- wenn sich das tägliche Pensum auch ben einsteigen und in den Unternehmen vom Wohnzimmer aus erledigen lässt? langsam die Babyboomer ablösen. „DieFirmen wie Siemens oder Daimler se jungen Leute wissen genau, was sie stellen sich bereits auf die neuen Mitarwollen und was sie nicht wollen“, sagt beiter ein. Der deutsche AutomobilkonManfred Andergassen von der Stiftung zern „twittert und facebookt, dass es älteVital. Routine öde sie an, ebenso wie ren Semestern ganz schwummerig wird“, strenge Hierarchien. „Sie haben eine berichtet Spiegel Online. Die interne Kita hohe Meinung von sich selbst, wollen heiße „Sternchen“, und selbst Führungsdie mitgebrachten Fähigkeiten auch nut- positionen könnten mittlerweile per Jobzen und brauchen darüber hinaus kon- sharing besetzt werden. Es wäre allerstantes Feedback. Das haben sie ja von dings falsch zu glauben, dass die „anden Videospielen so gelernt,“ so Ander- spruchsvollste und selbstbewussteste gassen. Der Fokus der Generation liege Generation seit Langem“, wie sie Anders aber auch auf einer gesunden Work-Life- Parment von der Stockholm Business Balance. Immer mehr Nachwuchskräfte School beschreibt, nur die großen Betriesuchen ein Gleichgewicht zwischen Be- be vor neue Herausforderungen stellt. rufs- und Privatleben. „Der Bewerbermarkt trocknet langsam aus“, sagt Manfred Andergassen. „Die Extrawünsche Zahl der Erwerbsfähigen wird bis 2060 Von ihren Arbeitgebern verlangen die Yp- rapide sinken – nicht nur in Deutschland, siloner zwar spannende Aufgaben, gute sondern auch in Südtirol.“ Die „MilleniGehälter und schnelle Aufstiegsmöglich- als“, wie die Jahrgänge ab 1979 auch gekeiten, wofür sie aber auch bereit sind, nannt werden, hätten die Macht der Deordentlich anzupacken. Karriere und Ar- mografie hinter sich. „Freilich: Wer beit allein machen sie aber nicht selig. schlecht ausgebildet ist, wird sich in ZuDer Job muss vor allem Spaß machen. kunft immer schwerer tun, seinen Job zu

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halten oder einen neuen zu finden.“ Um qualifizierte Arbeitskräfte werden sich die Betriebe allerdings streiten. „Es ist sogar denkbar, dass junge Talente künftig für drei bis vier verschiedene Arbeitgeber gleichzeitig arbeiten werden.“ Unter solchen Bedingungen könnten sich die Anstrengungen um eine gute Work-Life-Balance als entscheidender Wettbewerbsfaktor erweisen. „Die Unternehmen werden sich ernsthaft um ihre Attraktivität als Arbeitgeber bemühen müssen – nicht zuletzt auch durch ein betriebliches Gesundheitsmanagement“, so Andergassen. „Damit kann man den Bedürfnissen der Mitarbeiter konkret entgegenkommen.“

Extra schwierig In Südtirol könnte sich der Übergang von den Babyboomern zu den Ypsilonern mitunter als recht problematisch gestalten. „In vielen Betrieben geht der Generationswechsel nur schleppend voran. Oft hält die Gründergeneration noch immer das Steuer fest in der Hand. Die Kinder haben irgendwann resigniert, jetzt sollen die Enkel übernehmen“, sagt Andergassen. Die Unterschiede zwischen Alt und Jung seien allerdings enorm. Gerade was die Einstellung zu Beruf und Freizeit betrifft und wie sie sich miteinander vereinbaren lassen, da würden Welten zwischen den Generationen liegen. „Und es ist nicht immer leicht, Verständnis füreinander aufzubringen.“ (MDP)


Generation X stehen zwischen Babyboomern und Ypsilonern gelten als anpassungsfähig lassen sich nicht allein von Geld motivieren wenig Durchsetzungsvermögen und viel Nörgeln

Generation Y

BabyBoomer Ende der Vierziger und in den Fünfzigerjahren geboren werden in den Betrieben langsam von der Generation Y abgelöst arbeiten gut im Team gelten als desillusioniert

in den Achtziger- und Neunzigerjahren geboren Nachfolge-Generation der Babyboomer und der Generation X gut ausgebildet und selbstbewusst technologieaffine Lebensweise


titel: L e b en s qua l itä t | Tourismus

Glückliche Bürger, glückliche Gäste Wer in einem Land lebt, in dem andere gerne Urlaub machen, wird in seiner Lebenszufriedenheit bestärkt. Ebenso wie die „Quality of life“ der Touristen vom Wohlbefinden der Bevölkerung beeinflusst wird.

D

ie Lebenszufriedenheit der einheimischen Bevölkerung – und nicht nur jene von Hoteliers und Gastwirten – wird vom Tourismus positiv beeinflusst: So das Fazit einer Studie der Freien Universität Bozen. „Das war ein Pilotprojekt, das sich auf die Stadt Brixen beschränkt hat“, präzisiert Professor Oswin Maurer von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften. Und als solches müsse die Arbeit auch gewertet werden (siehe Kasten). Dennoch scheint das Ergebnis von besonderem Interesse, da erstmals in Südtirol die „Quality of life“ von Einheimischen in Zusammenhang mit dem Tourismus erforscht wurde. „Wer dort lebt, wo andere gerne Urlaub machen, wird in seiner Lebenszufriedenheit be-

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stärkt – das haben wir in Brixen gesehen“, bringt Maurer die Erkenntnisse der Studie auf den Punkt. Aber auch umgekehrt sei dies der Fall. „Die Lebenszufriedenheit der Einheimischen beeinflusst die ,Quality of life‘ der Gäste.“

Echte Erfahrungen Oswin Maurer spricht von einer Wechselwirkung, die für den nachhaltigen Erfolg touristischer Konzepte entscheidend sei. Wer seine Ferien in Südtirol verbringt, suche hier keine Ghettos, sondern wolle sich auch außerhalb der Hotels wohlfühlen können. „Er will teilhaben an Situationen, die für ihn neu sind und ihm den Eindruck von noch mehr Qualität im Leben vermitteln.“ Seine These untermauert der Professor mit ei-


„Die Lebenszufriedenheit der Einheimischen beeinflusst die ‚Quality of life‘ der Gäste.“

Immer mehr Menschen suchen ein Umfeld, in dem sie sich wohlfühlen

nem konkreten Beispiel: Nicht die perfekt geteerten Straßen bis hoch hinauf zu den entlegensten Höfen würden immer mehr Menschen zu einem Urlaub auf dem Bauernhof animieren. „Gute Infrastrukturen werden weitgehend vorausgesetzt. Der Erfolg solcher Angebote liegt in den authentischen Erfahrungen und Emotionen, die man anderswo in dieser Form nicht erleben kann.“

Lebenszufriedenheit zieht an Mit hohen Liftkapazitäten und besten Schneeverhältnissen allein könne man heute im Tourismus kaum mehr ein Produkt verkaufen. „Das haben andere

„Es geht um Lebenszufriedenheit“ Die Erhebungsmethode der Pilotstudie Im Jahr 2013 hat die Freie Universität Bozen im Rahmen einer Pilotstudie die Relation zwischen der „Quality of life“ der einheimischen Bevölkerung und dem Tourismus analysiert. „Die Studentin Bianca Cantelli hat für ihre Diplomarbeit 550 Brixner befragt, wobei unterschieden wurde zwischen Menschen, die in irgendeiner Form im Tourismus involviert sind, und jenen, die es nicht sind“, so Professor Oswin Maurer zur Vorgangsweise. Bei der Befragung seien vier Ebenen berücksichtigt worden. „Wir haben die Leute nicht gefragt, ob sie der Tourismus

glücklich macht, sondern dessen Auswirkungen auf die Lebenszufriedenheit der Brixner aus materieller, emotionaler, gesellschaftlicher und gesundheitlicher Sicht untersucht. “ Der Professor spricht in seiner Darstellung bewusst von „Quality of life“ und nicht von Lebensqualität. „Lebensqualität wird oft mit Lebensstandard gleichgestellt.“ Der Begriff „Quality of life“, der mit Lebenszufriedenheit übersetzt wird, sei mehr. „Darunter versteht man ein generelles Wohlfühlen, das an objektiven und subjektiven Wahrnehmungen gemessen wird.“

auch.“ Was die Menschen suchen, sei ein Umfeld, „das ihnen Lebenszufriedenheit zugänglich macht“, formuliert es Oswin Maurer. Dazu würden diverse Faktoren wie Natur und Landschaft, Klima und Küche beitragen – nicht zuletzt aber auch die „Quality of life“ der Bevölkerung. Denn: „Eine hohe Lebenszufriedenheit macht jeden Südtiroler quasi zum Botschafter für die Destination. Und der Werbeeffekt ist dementsprechend.“ Auch deshalb plädiert Maurer dafür, dass die positiven Auswirkungen des Tourismus auf das Wohlgefühl der Einheimischen auch „intern“, sprich im Land selbst, kommuniziert werden, um das Bewusstsein zu stärken und die Akzeptanz zu erhöhen. Der Professor warnt jedoch davor, den Gästen eine irreale „Quality of life“ vorzutäuschen. Die Lebensqualität der Einheimischen könne nur dann als touristisches Erfolgsrezept dienen, wenn sie auch authentisch sei. Im Dezember 2012 haben 80 Forscher aus der ganzen Welt im Rahmen der CBTS-Konferenz (Consumer Behavior in Tourism Symposium) in Bruneck bereits über Tourismus und Lebensqualität diskutiert. „Wir werden uns aber auch in Zukunft noch mit dem Thema befassen“, sagt Maurer. Der Input, in diese Richtung zu forschen, sei eigentlich von der SMG ausgegangen. „Mit ihrer Vision, Südtirol zum begehrtesten Lebensraum in Europa zu machen, hat (MDP) sie uns dazu animiert.“ J u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3 | M   2 1


titel: L e b en s qua l itä t | Wirtschaftsstandort

HABITAT

WIRTSCHAFTSSTANDORT SÜDTIROL

Entfaltung >> Inspiration >>

Vertrauen >>

Entwicklung >>

Geborgenheit >> Sicherheit >> Klimahaus

Technologi

epark

Green

Mobility

Klimaplan rodukte Qualitätsp

INFRASTRUKTUR Wohnbau Ausbildungsstätten Kinderbetreuungsstätten Sanität Mobilität

KULTUR Bewusstsein für Kulturgüter Verantwortung für Landwirtschaft Zweisprachigkeit Naturverbunden, authentisch Qualitätsprodukte, Genuss

POLITIK Politische Stabilität Strategischer Plan Soziales System Sicherheit

WIRTSCHAFT Unternehmen Ausbau der Schlüsselbranchen Bestmögliche Rahmenbedingungen Unterstützung für Unternehmen Finanzierungsmöglichkeiten Qualifizierte Arbeitskräfte

BEVÖLKERUNG Humus für junge Talente Leidenschaftlich Zuverlässig Präzise Erfinderisch

Standort mit Wohlfühlbonus

Wo Menschen gerne leben, fühlen sich auch Unternehmen besonders wohl. Damit hat Südtirol sehr gute Karten, einer der attraktivsten Wirtschaftsstandorte Europas zu werden.

D

ass Südtirol der „Obstgarten“ Die pure lexikalische Definition für Europas ist, leckere Qualitäts- „Wirtschaftsstandort“ mutet eher ein produkte wie Speck und Wein bisschen blutleer an; z. B. so: „Land, Rehervorbringt und Touristen gion, Stadt, Ort mit bedeutenden Wirtsich sommers wie winters hier pudelwohl schaftsbetrieben“ (siehe Online-Enzykfühlen, ist hinlänglich bekannt. Dass die- lopädie „Enzyklo“). Dass das nicht alles ses Land aber auch ein attraktiver Wirt- sein kann, erschließt sich dem gewiefschaftsstandort ist, ist eher weniger ge- ten Leser sofort. Man fragt sich unwillläufig. Dabei gibt es handfeste Gründe kürlich: Was macht einen Wirtschaftsdafür, warum Südtirols Standortagentur standort denn nun tatsächlich aus, wie Business Location Südtirol (BLS) in Itali- misst man ihn, und was macht ihn aten mit der Aussage wirbt: „Südtirol ist das traktiv? Antwort auf diese Fragen gibt ideale Habitat für Ihr Unternehmen“. die einschlägige Literatur. Genannt

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LANDSCHAFT Raumplanung Umweltschutz Optimale Nutzung der Ressourcen

H a r t e S ta nd o r tFa k t o ren : Abgaben Subventionen Absatzmarkt Infrastruktur Arbeitskräftepotential W e i c h e S ta nd o r tFa k t o ren : Umweltqualität Kulturangebot Freizeitmöglichkeiten Bildungsangebot


wird dort gerne ein Mix aus sogenannten harten und weichen Standortfaktoren (siehe Kasten).

alle Wirtschaftstreibenden sehr be- dem Stockerlplatz und schwankt von Jahr fruchtend wirkt“, erklärt BLS-Direktor zu Jahr lediglich zwischen dem ersten Ulrich Stofner. Dazu kämen noch eine und zweiten Platz. Von den Testern gegut funktionierende Infrastruktur, eine nau angesehen wurden dabei Themen Hard Facts & Soft Facts effiziente Verwaltung und die Nähe zu wie Beschäftigung, Fürsorge und GeUnd wie steht nun Südtirol da in diesem potenziellen Absatzmärkten – alles Ele- sundheitssystem, intakte Umwelt oder Spannungsfeld zwischen Hard und Soft mente, die starke Pluspunkte bei der öffentliche Sicherheit. Die Tageszeitung Facts? Sehr gut, meint Wirtschaftslandes- Vermarktung des Wirtschaftsstandorts „Italia Oggi“ kam 2012 zu einem ganz ähnrat Thomas Widmann: „Südtirol ist der Südtirol darstellen, eine der Hauptauf- lichen Ergebnis: Vor allem das hervorraStandort Nummer 1 in Italien. Wir wissen gaben der Standortagentur BLS. gende Abschneiden in den Kategorien das aufgrund zahlreicher Studien und Arbeit, Dienstleistungen und wiederum Untersuchungen, die das immer wieder Top-Lebensqualität Umwelt sicherte Bozen unter 103 Mitbestätigen.“ Und er verweist auf die größ- Doch um wirklich ein Top-Wirtschafts- streitern dort den zweiten Platz in der te je gemachte Standort-Analyse des nati- standort zu sein, sei das noch nicht ge- Gesamtbewertung der Lebensqualität. nug, sagt Stofner. „Im Wettbewerb tat- Studien belegen zudem, dass Südtirols onalen Verbandes der Handwerker sächlich punkten kann man nur, wenn „Confartigianato“, bei der Südtirol gleich Zweisprachigkeit und die interkulturelle auch die weichen Faktoren stimmen.“ Kompetenz seiner Bevölkerung das wirtzwei Mal hintereinander unangefochten auf den ersten Platz gereiht wurde. Bewer- Und nun wird die Sache komplex, um- schaftliche Handeln zusätzlich positiv tet wurde die Fähigkeit jeder italieni- fasst dieser Bereich doch mehr oder we- beeinflussen und Südtirols Arbeitnehniger alle Bereiche des öffentlichen Le- mer besonders motiviert und fleißig sind. schen Provinz, für Unternehmen das bens, von der Politik über den Umweltbestmögliche Umfeld für ihre Tätigkeit zu schaffen. Untersucht wurden alle rele- schutz und die Bildung bis zur Kultur. Ideales Habitat Die Voraussetzungen sind also gegeben, vanten Standortfaktoren für Unterneh- „Hier geht es um ein übergeordnetes Konzept, das sich am besten mit ‚Le- damit sich ein Unternehmen in Südtirol men. Insgesamt 42 Indikatoren wurden in elf Themenfeldern zusammengefasst, bensqualität‘ oder ‚idealer Lebensraum‘ wirklich wohlfühlen kann. Diese Tatsadarunter Unternehmensdichte, Bürokra- umschreiben lässt. Wenn diese ‚wei- che hat sich auch das Marketing der BLS zunutze gemacht und bewirbt den Wirttie, Gerichtswesen und Sozialdienste. chen‘ Parameter passen, dann lebt es sich gut – und das gilt nicht nur für Men- schaftsstandort Südtirol in Italien als Eine ähnliche Studie von „Fondazione Impresa“ kommt zum gleichen Ergebnis. schen, sondern auch für Unternehmen, „ideales Habitat für Unternehmen“, vor allem für jene des grünen Sektors, in denn hohe Lebensqualität wirkt sich Steuervorteile positiv auf die gesamte Wirtschaftsland- dem Südtirol ganz besonders punkten „Südtirol weist sehr wichtige Hard Facts kann. „Der Begriff ‚Habitat‘, wie wir ihn schaft aus“, ist Stofner überzeugt. auf, die es in Italien eindeutig zum SpitTatsächlich habe Südtirol auch in die- verstehen, geht weit über den bloßen Unzenreiter machen, ich denke nur an das sem Bereich schon lange seine Hausauf- ternehmensstandort hinaus. Zu einem höchste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, gaben gemacht, meint der BLS-Direktor, Habitat wird ein Wirtschaftsstandort an Südtirols Steuervorteile im Vergleich erst, wenn ein Unternehmen für das eigeund er hat sofort nicht nur eine Studie zur zu Rest-Italien gerade bei der IRAP, die ne Wachstum in seinem Sektor bessere Hand, die das belegt, sondern gleich für Unternehmensgründer auf Null ge- mehrere. So landet Bozen bei der jährli- Bedingungen vorfindet als anderswo. setzt wurde, an das hohe Förderniveau Wir haben die Chance, ein solches Habichen Studie der Wirtschaftszeitung „Il hierzulande oder an die extrem hohe tat für Unternehmen in unseren SchlüsSole 24 Ore“ zur Lebensqualität von 107 Dichte an Spitzenunternehmen, die für selbranchen Green Energy und Alpine italienischen Provinzen regelmäßig auf Technologien zu schaffen; hier sind wir Vorreiter, hier sind wir stark“, sagt der BLS-Direktor. Hier gehe es vor allem darum, alle Leistungen, Angebote und Benefits für die entsprechende Branche zusammenzufassen – von der Fachmesse über die Ausbildung bis hin zur gezielten Forschung – und so ein Netzwerk für die Unternehmen zu kreieren. „Dieses Habitat muss durch zielgerichtete Maßnahmen kontinuierlich strategisch weiterentwickelt werden, z. B. durch die Errichtung des Technologieparks, gezielte Förderungen, die Annullierung der IRAP Die BLS positioniert Südtirol als ideales Habitat für Unternehmen, vor allem für jene des für Unternehmensgründer und vieles grünen Sektors, in dem Südtirol als Primus Italiens glänzt mehr“, so Stofner abschließend. (BK) J u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3 | M   2 3


titel: L eb en s qua l itä t Blick über den Tellerrand

Wie andere Lebensqualität sehen oder bewusst fördern

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Learning USA Lasst uns Englisch reden!

Für ältere Menschen ist es oft besonders traumatisch, wenn sie aufgrund schwieriger Lebensumstände ihre Heimat verlassen und in ein fremdes Land ziehen müssen. Der erste Schritt zur Integration ist das Erlernen der Sprache. Genau dieser Gedanke steckt auch hinter dem 1985 in den USA, dem Land mit der weltweit höchsten Zahl von Einwanderern, initiierten Projekt SHINE (Students Helping in the Naturalization of Elders). Dabei unterstützen junge Studentinnen und Studenten ältere Einwanderer und Flüchtlinge ehrenamtlich beim Erlernen der englischen Sprache und bei verschiedenen bürokratischen Erledigungen. Gleichzeitig profitieren auch die Studenten von diesem Austausch: Sie lernen andere Kulturen und vor allem sich selbst besser kennen, und sie haben das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Ganz nach dem Motto: Nur wenn sich jeder Einzelne für Wachstum und Wohlbefinden der anderen einsetzt, kann eine Gesellschaft stark, gesund und nachhaltig sein. >> Fazit: Lebensqualität setzt Integration voraus, und Integration gelingt nur über Sprache. 2

Wo das Glück zuhause ist Lebensqualität made in Dänemark

Wer in Dänemark lebt, kann sich glücklich schätzen. Drei renommierte Quellen – die „How’s Life“-Studie der OECD, die Umfragen des Gallup-Instituts und die „Glückskarte“ der Universität Michigan – haben erst jüngst wieder bestätigt, dass Dänemark trotz der wenigen Sonnenstunden im Jahr das glücklichste Land der Welt ist. Der Grund dafür liegt nicht so sehr im wirtschaftlichen Wohlstand, sondern vor allem in Faktoren wie Umwelt, Arbeitsgestaltung und Bürgerbeteiligung. So schätzen die Dänen z. B. ihr Arbeitsmarktmodell der „Flexicurity“: Wer Arbeit sucht, findet leicht eine Anstellung, und 2 4   m | J u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3

die relativ große Flexibilität bei Kündigungen wird mit hoher Arbeitslosenunterstützung (und damit sozialer Sicherheit) kombiniert. Außerdem scheinen die Dänen ihren Institutionen zu vertrauen, Korruption gibt es praktisch nicht und im Bezug auf gerechte Einkommensverteilung liegt Dänemark weltweit an zweiter Stelle. Auch bei erneuerbaren Energien ist dieses Land Spitzenreiter: Immerhin 50 Prozent aller Windgeneratoren stammen aus Dänemark. >> Fazit: Geld macht nicht glücklich; wirklich entscheidend sind die Lebensumstände. 3

Iss dich gesund Es lebe die mediterrane Küche!

Obst und Gemüse, Getreide, Milchprodukte, Olivenöl und Fisch: Inzwischen kennt sie jeder, die Hauptbestandteile der viel gerühmten mediterranen Küche. Es war der amerikanische Ernährungswissenschaftler Ancel Keys, der in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts als einer der ersten auf die Vorteile dieser Ernährungsform hingewiesen hatte. Seit damals wurden seine Aussagen in verschiedenen, auch aktuellen Studien spanischer, italienischer, israelischer und amerikanischer Universitäten bestätigt. Abgesehen von der geringeren Inzidenz von Herzkreislauferkrankungen, einem Rückgang von Alzheimer und Parkinson um 13 Prozent und einer um 6 Prozent verringerten Sterblichkeitsrate durch Tumoren ist diese Ernährungsform ein Garant für ein insgesamt längeres und gesünderes Leben.  >> Fazit: Gutes Essen ist aus einem guten Leben nicht wegzudenken, und die mediterranen Völker wissen das seit jeher! 4

Münchner Wasser Ein Fluss erwacht zu neuem Leben

Wer hat nicht schon davon geträumt? Eine Bootsfahrt auf einem Holzfloß, vor sich ein kühles Bier und im Hintergrund Live-Musik,

ein erfrischender Sprung ins Wasser oder ein Picknick mit Freunden am Flussufer: Für die Bewohner Münchens – immerhin fast 1,4 Millionen Menschen – wurde dieser Traum wahr, seit die Isar durch ein Projekt der Stadtverwaltung wiederbelebt wurde. Dabei wurden 35 Millionen Euro, verteilt über 11 Jahre, in die Schaffung eines 8 km langen natürlichen Lebensraumes investiert, in dem sich Münchnerinnen und Münchner heute in einem der vielen Biergärten zum Plausch treffen, Fahrradfahren, auf Booten den Fluss entdecken oder bei einem Spaziergang Fische und Schmetterlinge beobachten, die sich in diesen Jahren wieder im Fluss und an seinen Ufern angesiedelt haben: ein wahres Paradies für Groß und Klein! >> Fazit: Natur bedeutet Lebensfreude, auch und gerade in einer Stadt. 5

Das Glück beim radfahren Radfahren zahlt sich aus!

Weniger Herzerkrankungen, Verkehrsunfälle und stressbedingte Belastungen sind nur einige der Vorteile des Fahrradfahrens. Der Bürgermeister von Bogotà, Gustavo Peròn, trifft den Nagel auf den Kopf: „Ein Land ist nicht dann hoch entwickelt, wenn Arme Autos besitzen, sondern dann, wenn auch Reiche mit öffentlichen Verkehrsmitteln und mit dem Fahrrad fahren“. In jenen New Yorker Stadtvierteln, in denen Fahrradwege ausgewiesen wurden, sind die Umsätze der kleinen Geschäfte gestiegen und auch öffentliche Busse viel beliebter und effizienter geworden. Für viele Städte ist das nichts Neues: In Ferrara z.B., der Fahrradstadt par excellence, besitzen fast alle Familien zwei Fahrräder, in zahlreichen Straßen wurden strenge Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt und es wurde ein eigenes Amt für nachhaltige Mobilität eingerichtet. >> Fazit: Fahrradfahren tut Körper, Geist und Seele von Bürgern und Städten gut. (AB)


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titel: L e b en s qua l itä t | Infografik

Südtirol und sein angenehmes Klima Ein Blick auf die Karte genügt und schnell wird klar, dass Südtirol abgeschirmt durch hohe Berge weniger Regen hat als Tirol, die Schweiz, Bayern, das Salzburger Land oder das Trentino. Vor allem: Südtirol leidet – bis auf das heurige Frühjahr – selten unter längeren Regenperioden. Der Niederschlag entlädt sich eher durch kurze Gewitter. Von der Einordnung her hat Südtirol ein kontinentales Klima. 2 6   m | J u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3

Das heißt im Winter ist es kalt, im Sommer heiß. Und: Südtirol hat ein sehr uneinheitliches Klima. Durch die Lage in den Bergen gibt es unterschiedlichste Meereshöhen. Der positive Effekt: Man findet immer ein Plätzchen, wo es kühler oder wärmer ist als anderswo. Und auch was die Niederschläge betrifft, so macht das trockene Vinschgau seinem Ruf mit 500 mm jährlichen Niederschlag alle Ehre, während es am Brenner 1.000 mm und am Karerpass 1.200 mm regnet.

Quelle: Hydrographisches Amt, 2012 / Infografik: no.parking comunicazione

Niederschlagsmengen im Alpenraum


t it el: Re gionalitä t | Meinung

Le | bens | qua | li | tät, die Faktoren, die die Lebensbedingungen in einer Gesellschaft beziehungsweise für deren Individuen ausmachen. Vorwiegend wird mit Lebensqualität der Grad des Wohlbefindens eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen beschrieben. Ein Faktor ist der materielle Wohlstand, daneben gibt es aber eine Reihe weiterer Faktoren wie Bildung, Berufschancen, sozialer Status, Gesundheit, Natur und andere.

Es lebe die Lebensqualität Wen kümmert es, was Studien sagen, wenn es gefühlt anders ist? Sergio Camin über die hohe Lebensqualität in Südtirol und das weit verbreitete Jammern auf hohem Niveau. Als Gründe dafür nennt er mangelnde Aufklärung und zu wenig Teilhabe.

L

a 23esima edizione dell’inchiesta nazionale del Sole 24 Ore sulla qualità della vita nelle province della penisola, ha visto quella di Bolzano al primo posto anche nel 2012, anno della crisi conclamata. Non che prima la crisi non ci fosse ma l’Ominocoitacchi, un anziano signore milanese con la passione per le “cene eleganti” e l’hobby di governarci, ci aveva spiegato, che lui trovava sempre i ristoranti pieni e che quindi si trattava ovviamente di un’invenzione della stampa internazionale in mano a un nipote di Stalin. La crisi c’era e c’è anche qui. Se si esaminano molte voci dell’indagine 2012, si scopre velocemente che il nostro primo posto, questa volta è dato dal fatto che a Bolzano è stata solo meno grave che altrove, nulla di cui stare troppo allegri ma analisi e statistiche si basano sui confronti, che, a differenza dei sondaggi, mentono poco e quindi è indubbio che in Alto Adige si stia comunque meglio rispetto al resto del Paese. Peccato però che per saperlo dobbiamo aspettare che ce lo dica il Sole24Ore, perché anche per la qualità della vita avviene lo stesso bizzarro processo che viviamo con le temperature: massima gradi 27, massima “percepita” gradi 34. È chiaro che ci vestiremo o svestiremo in relazione a quella “percepita” ed è altrettanto chiaro, che la qualità della vita “percepita” da chi vive qui non è la stessa che ci mostra l’inchiesta nazionale, altrimenti non si spiegherebbero i costanti e diffusi lamenti, che abbiamo, sentiamo e leggiamo più o meno tutti i giorni. Ma se la temperatura “percepita” si basa su dati scientifici, per la qualità della vita non succede altrettanto. Sensazioni di disagio e conseguenti lamentazioni nascono da carenze di partecipazione e di conoscenza, da legittima incapacità di confronto con altre realtà ma soprattutto dalle carenze di chi ci amministra. Se siamo in testa alla classifica naziona-

le, è indubbio che i nostri amministratori abbiano fatto tendenzialmente un buon lavoro ma se non ce ne rendiamo conto, è altrettanto chiaro che non hanno saputo comunicarlo e che le loro scelte, soprattutto quelle giuste, non hanno avuto processi di partecipazione e condivisione adeguati. Ecco quindi che si arriva al disagio “percepito” nonostante un’alta qualità della vita. La conseguenza paradossale sta nel fatto che tutto quanto funziona venga quindi dato per scontato, per ovvio, per dovuto, lasciando spazio al lamento, ingiustificato per chi ci guarda dall’esterno ma ormai ritenuto legittimo da chi vive in questa amena e, nonostante tutto, ricca terra di confine. L’immagine dell’Alto Adige Südtirol a livello internazionale è ormai forte e vincente ma non lo è altrettanto per chi ci vive, prescindendo ormai dall’appartenenza linguistica. Il disagio “percepito” ha superato le divisioni “etniche” prima della nostra Scuola e la cosa è indubbiamente preoccupante. Per capirlo non servono indagini e inchieste, basta dare un’occhiata alle rubriche delle lettere sui giornali locali, si leggono cose straordinarie. Dalla signora che si lamenta col sindaco perché dopo una nevicata di 70 centimetri ha dovuto usare le pedule, a quella che è arrabbiata con gli autobus di Bolzano, non perché non arrivano a casa sua ma perché arrivano troppo presto la mattina e il rumore la disturba. Piccole cose, che altrove non troverebbero spazio e finirebbero nel cassetto del ridicolo ma che qui sono significative di una realtà malata nonostante il nostro primo posto per qualità della vita o forse proprio per questo. Sergio Camin, 62, kommunikativer Freigeist und Publizist. Seit 1988 Verfasser der beliebten Satire-Rubrik „Visti dal basso“ der Südtiroler Tageszeitung „Alto Adige“, die in italienischer Sprache erscheint. J u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3 | M   2 7


Ma rke ti n g

Gesichter der Marke. Südtirol ist Landschaft und Sonne, ist Dolomiten und

Wein. Südtirol ist aber ebenso Lebensgefühl und Menschen – mit ihren Geschichten und Gesichtern. Einblicke in die Entstehung der neuen Schweiz-Kampagne mit Südtiroler Charakterköpfen.

Christine Schönweger nerin Landwirtin, Schnap

sbren

Anna Quinz Journalistin

Andreas Marri Umwelttechniker

Die Eidgenossen, unsere Nachbarn, wissen mittlerweile, dass Südtirol in Italien ist. Sie fahren also über den Ofenpass oder Reschen oder Brenner und realisieren währenddessen, dass sie dabei nicht bei den österreichischen Nachbarn landen, sondern irgendwo im Stiefelstaat. Irgendwo? Nein, sie wissen ziemlich genau, wohin die Reise geht, und wissen ebenso genau, was sie hier tun wollen. Denn sie kennen DAS Südtirol und sind dabei, es richtig lieben zu lernen. Marktstudien haben gezeigt, dass die Schweizer ein deutlich detaillierteres Bild der einzelnen Alpenregionen haben als Deutsche und Italiener und somit genaue Erwartungen an Südtirol (Quelle: Markentracking – Destinationsimages im Vergleich, Sturm und Drang, Hamburg 2011). Neben den positiven Nächtigungszahlen sind es auch die Reaktionen jener Schweizer, die 2 8   m | J u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3

schon mal hier waren, die diesen Schluss zulassen. Erst gestern hat mir ein Schweizer Bekannter auf die Frage, wie es IM Südtirol war, geschrieben: „Was soll ich sagen, es war wunderbar. Ich werde deshalb nicht nur ab sofort die adäquate Präposition verwenden und konsequent NACH Südtirol reisen, wir werden dies auch baldmöglichst wieder tun.“ Die Schweizer Gäste mögen zwar etwas zurückhaltend wirken, aber insgeheim schwärmen sie über das Erlebte. Und zum Erlebnis zählen auch die Menschen und ihre Geschichten.

Schnapsbrennende Frauen Seit März 2013 läuft die neue SchweizKampagne. Herzstück sind fünf Südtiroler Charakterköpfe. Keine Reinhold Messners und Matteo Thuns, sondern, man muss es so sagen: „Typen wie du und ich“. Und doch besondere Men-

schen. Südtiroler, die deshalb so geworden sind, wie sie sind, weil sie in diesem Land leben oder aufgewachsen sind. Wenn jemand in Mailand Modestyling studiert und anschließend am Hof in Partschins Schnaps brennt, dann ist das in einer globalmobilisierten Welt zwar nicht außergewöhnlich, aber doch für eine Südtirolerin naheliegender als eine Zürcherin oder Wienerin. Weil, wir sagen es von uns selber auch gerne: Wir sind in zwei Mentalitäten daheim. Die fünf Charakterköpfe sind typische, zeitgemäße und authentische Südtiroler. Sie stehen für Inhalte, die den Südtirolern wichtig sind. Ob es VorzeigeSüdtiroler sind? Das wollen wir nicht beurteilen, aber es sind Typen mit unterschiedlichem Alltag und unterschiedlichen Werten, die in der Gesamtheit so etwas wie den Lebensraum Südtirol widerspiegeln. So steht ein Charakterkopf


Max von Milland Musiker

Stefan Maria Braito Naturlehrer

für das Thema Berg und Familie, einer für das urbane Bozen und die Kunst und Kultur, ein anderer für die Landwirtschaft, das Arbeiten unter freiem Himmel und für die Produkte, die aus dieser Arbeit entstehen. Es gibt Südtiroler, die ihren Weg im Ausland suchen und doch eng verwurzelt bleiben, und solche, die in der Natur den wahren Lehrmeister erkennen und an ihr wachsen.

Castingaufruf in Südtirol Mit der Zürcher Agentur HESSKISSSULZERSUTTER wurde die Idee der Charakterköpfe ausgearbeitet. Zur Ermittlung der fünf Protagonisten wurden Herr und Frau Südtiroler eingeladen, sich online mit Text und Foto zu bewerben. Fast 200 Südtiroler folgten vergangenen Sommer dem Aufruf von Südtirol Marketing (SMG) und bewarben sich. Einzige Bedingung für eine Bewerbung: die

Leidenschaft für Südtirol und den Beruf oder das Hobby. Fünf Kandidaten wurden ausgewählt: die Journalistin Anna Quinz, die Landwirtin und Schnapsbrennerin Christine Schönweger, der Umwelttechniker Andreas Marri, der Naturlehrer Stefan Maria Braito und der Musiker Max von Milland. Das Konzept, das dahintersteht, auf den Punkt gebracht: „Südtirol ist ein Lebensraum. Wir zeigen Menschen, die für diesen Lebensraum stehen“.

Crossmedial: Print und Internet Die Sujets mit den Charakterköpfen liefen im März und April in der Schweiz und – mit etwas weniger Werbedruck – in Österreich. Filmportraits im Internet ergänzten die Printkampagne und gaben Einblicke in den Alltag der fünf Südtiroler, darin was sie tun und sie antreibt. Ein begleitendes Gewinnspiel

Die Charakterköpfe: Fünf Menschen, die für die unterschiedlichen Facetten Südtirols stehen und trotzdem alle charakteristisch für Südtirol sind

regte zum Mitmachen an. Entdeckte man einen der fünf Locals in einer Anzeige, konnte man sich anmelden und einen Südtirol-Urlaub inklusive Treffen mit dem Charakterkopf seiner Wahl gewinnen: die Brände von Christine Schönweger verkosten, einen Berg mit Andreas Marri besteigen, mit Max von Milland die Hotspots in seinem Heimatort Brixen besuchen, das alpin-mediterrane Bozen mit Anna Quinz erleben oder die Kraftorte von Stefan Maria Braito entdecken. Durch das Gewinnspiel werden die Empfänger der Werbebotschaften eingebunden und wir erJ u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3 | M   2 9


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fahren, mit welchem unserer Südtiroler sie sich identifizieren. Denn künftig wird es immer mehr darauf ankommen, Kampagnen zu entwerfen, bei denen die Menschen involviert werden. Das heißt, dass sie etwas weiterleiten, bewerten oder tatsächlich erfahren können. Dies tun sie nur dann, wenn der Empfänger überzeugt ist, dass es ihm etwas bringt – und er sich mit den Protagonisten identifiziert. Apropos Identifikation: Die Charakterköpfe halten sich bei den Usern in puncto Klicks die Waage – mit je einem knappen Spitzenreiter in beiden Ländern. Die Schweizer Internetklicker mögen Stefan Maria Braito besonders, die österreichischen Südtirol-Interessierten sind am meisten von Christine Schönweger angetan.

Martin Bertagnolli, 41 Marketingleiter bei Südtirol Marketing (SMG) – war federführend bei der Konzeption der neuen „Local-Kampagne“ beteiligt, die in der Schweiz und in Österreich eingesetzt wird.

W o d i e S ü d t i r o le r C h a r a k t e r kö p f e z u s e h e n wa r e n

In der Schweiz wurden die Charakterköpfe in der „SonntagsZeitung“ (inkl. Verlinkung in der iPad-Ausgabe), im Stil-Magazin der „NZZ am Sonntag“, in der „Schweizer Illustrierten“, in „Das Magazin“ sowie in „NZZ Folio“ geschaltet. Allesamt Zeitungen und Magazine, die eine für Südtirol interessante Leserschaft haben. In Österreich: in den Qualitätstageszeitungen „Der Standard“, „Die Presse“, in deren Magazinen „Rondo“, „Feinkost“ und „Schaufenster“ sowie in der Tageszeitung „Kurier“. Flankiert wurde die Kampagne durch eine starke Onlinepräsenz auf standard.at, bei der es nicht nur möglich war, die Rubriken zu bestimmen, sondern auch die User – nach Einkommen, Alter und Interessen. Die Klickraten: etwas über dem Durchschnitt, mit 0,23 Prozent, bei 1.650.000 Sichtkontakten (Adimpressions, das sind Einblendungen auf der Website).

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Kampagnensujets 5 Charakterköpfe Sie sind Menschen wie du und ich und stehen für das Lebensgefühl Südtirol. Sie sind die Gesichter der Marke. 1. Anna Quinz Journalistin 2. Andreas Marri Umwelttechniker 3. Christine Schönweger Landwirtin und Schnapsbrennerin 4. Stefan Maria Braito Naturlehrer 5. Max von Milland Musiker


Das TIS-Gründerzentrum hilft Gründern und solchen, die es werden wollen, auf dem Weg nach oben

101 Unternehmen Das Gründerzentrum im TIS innovation park feiert sein 15-jähriges Jubiläum. Über 100 innovative Unternehmen konnte das TIS in die Selbstständigkeit begleiten und damit neue hochqualifizierte Produkte und entsprechende Arbeitsplätze schaffen.

D

ie Bilanz des Gründerzentrums der zurückliegenden 15 Jahre kann sich durchaus sehen lassen: 101 Aufnahmen, eine Überlebensrate der Unternehmen von 89 Prozent, 369 geschaffene Arbeitsplätze und 44 Millionen Euro Umsatz allein im Jahr 2012. Dabei hat alles einmal ganz klein angefangen: Als „Plattform für innovative Vorhaben“ wurde das Gründerzentrum 1998 konzipiert. Beschäftigt waren in der Anfangszeit zwei Mitarbeiter im damaligen Business Innovation Center (BIC) – Direktor Hubert Hofer und eine Verwaltungsmitarbeiterin. Aufgabe des BIC war es, zusätzlich zu den Südtiroler Wirtschaftssäulen Tourismus, Handel, Kleinindustrie und

Handwerk auch dafür zu sorgen, dass Technologie-Unternehmen und Unternehmen mit innovativen Produkten und Dienstleistungen den Standort Südtirol bereichern und Arbeitsplätze schaffen, die auch für hoch qualifizierte Mitarbeiter von Interesse sind. „Damit sollte verhindert werden, dass kluge Köpfe aus Südtirol abwandern“, erklärt TISDirektor Hubert Hofer. In dieser Zeit wurden auch die heute international erfolgreichen Unternehmen ROPATEC und TTControl aufgenommen. ROPATEC produziert Windturbinen, sogenannte Vertikalachsenanlagen, bis zu einer Größe von 20 Kilowattstunden, und verkauft diese mittlerweile in über 30 Länder. TTControl stattet Baumaschi-

nen, Kräne, Pistenfahrzeuge und ähnliche Maschinen mit elektronischen Kontrollsystemen aus. „Wir sind 2003 ins Gründerzentrum gekommen und fünf Jahre lang geblieben“, erzählt Roberto Ferrari, Managing Director von TTControl in Brixen. „Profitieren konnten wir vor allem von den strategischen Beratungen in Sachen Unternehmensführung, den angebotenen Kursen sowie vom gesamten Gründerzentrum- und TIS-Netzwerk“. Zwar stehe das Unternehmen heute auf eigenen Beinen, sei aber immer noch im TIS-Netzwerk aktiv. „Dadurch können wir uns mit lokalen Unternehmen austauschen und wichtige Kooperationspartner finden“, sagt Ferrari. Für die Zukunft hofft Ferrari, durch dieses Netzwerk auch internationale Kooperationen anzubahnen.

Aus BIC mach TIS Im Jahr 2006 wurde das BIC in den TIS innovation park, das „Dienstleistungszentrum für innovative Unternehmen“, umgewandelt. Die Mitarbeiter des TIS beraten und betreuen seitdem nicht mehr nur Jungunternehmer bei der Gründung des eigenen Unternehmens, sondern sie unterstützen Südtiroler Unternehmen, sich untereinander zu vernetzen, in der Entwicklung von Produkten und sie schlagen Brücken zwischen Wissenschaft und Wirtschaftswelt. Kurz: Der TIS innovation park kümmert sich neben der Unternehmensgründung nun auch noch um die Vernetzung kleiner und mittlerer Unternehmen zu sogenannten Clustern und fördert den Wissens- und Technologietransfer, damit frisches Know-how aus den Universitäten in die Unternehmen gelangt und dort für einen Wettbewerbsvorsprung sorgt.

Rundum-Service Das Gründerzentrum ist aber nach wie vor eine der tragenden Säulen des TIS innovation park. In ihm werden die sogenannten Gründerunternehmen bis zu fünf Jahren betreut und begleitet. Ein besonderer Vorteil ist dabei, dass die UnJ u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3 | M   3 1


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rächtige Geschäftsidee und ein ausgereifter Businessplan notwendig. In der Vorbereitungsphase können die zukünftigen Gründer Expertengespräche, die Unterstützung in der Erarbeitung eines Businessplans sowie eine individuelle Potentialanalyse in Anspruch nehmen. Die Entscheidung über die Aufnahme trifft schließlich der Verwaltungsrat des TIS. Folgende Kriterien sind ausschlaggebend: Innovationsgrad und Einzigartigkeit der Geschäftsidee, Verkaufbarkeit des Produkts oder der Dienstleistung, eine realistische Finanzstrategie, ein großes Marktpotential sowie das unternehmerische Denken und die Kompetenzen des Teams.

Von Websites bis Generatoren

Die beiden jungen Unternehmer von DATIC

ternehmer mit einem Rundum-Service unterstützt werden und ihnen bei allen strategischen Entscheidungen Fachpersonen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Spezifische Dienstleistungen helfen ihnen, Know-how aufzubauen und sich das nötige Wissen anzueignen, um das Unternehmen mit Erfolg führen zu können. Zu diesen Dienstleistungen gehören unter anderem Coachings, Workshops, Finanzierungs- und Kommunikationsservices. Darüber hinaus können die Unternehmen im TIS-Turm Büros mieten, die mit den notwenigen Infrastrukturservices ausgestattet sind, um sofort zu starten. „Die größte Stärke des Gründerzentrums besteht darin, dass das Gründerzentrum keine losgelöste Struktur ist, sondern innerhalb des TIS Teil eines Netzwerkes ist, in dem Experten, Berater, Forscher und andere Unternehmer in greifbarer Nähe sind. In diesem Netzwerk sind Jungunternehmer sehr gut aufgehoben und nie auf sich alleine gestellt“, sagt Christian Höller, Manager des Gründerzentrums. Um ins Gründerzentrum aufgenommen zu werden, sind eine potentialt3 2   m | J u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3

Das Gründerzentrum des TIS begleitet derzeit 24 Unternehmen. Vertreten sind die unterschiedlichsten Branchen: vom IT- und Elektroniksektor über die Bekleidungsbranche bis hin zu Tourismusdienstleistungen und erneuerbaren Energien (siehe Infokasten). Natürlich gibt es keine Garantie, dass alle Unternehmen auch aus den Startlöchern kommen, laut Höller sei so etwas aber bei Inkubatoren durchaus üblich. Seit August 2012 ist das Unternehmen DATIC im TIS. DATIC ist im WebBereich tätig und bietet Kunden die Möglichkeit, Websites online und im Baukastensystem zusammenzustellen. Die beiden jungen Programmierer Aaron Andreis und David Buchschwenter haben sich im Dezember 2011 mit ihrer Idee ans TIS Gründerzentrum gewandt. „Ich glaube, meine Mutter hatte mir damals den Hinweis gegeben, ins TIS zu kommen“, erinnert sich der 28-jährige Andreis. Nun sind er und sein gleichaltriger Geschäftspartner bereits seit knapp einem Jahr im Gründerzentrum, wo sie auch ihr erstes eigenes Büro beziehen konnten. „Das TIS ist sehr gut gelegen,“ sagt Buchschwenter, der ergänzt: „Auch haben wir hier die Möglichkeit, uns mit den anderen hier angesiedelten Gründern auszutauschen, und wir sind einfach näher am Geschehen, also näher am gesamten TIS-Netzwerk.“ Am Grün-

derzentrum schätzen die beiden, dass das Gesamtpaket vergleichsweise günstig ist: die günstige Miete, man wird kontinuierlich über relevante Informationsveranstaltungen und Kurse informiert, bekommt Kontakte vermittelt und Hilfe bei den verschiedensten Anliegen.

Frauen im Kommen Ganz frisch im Gründerzentrum ist das Unternehmen Veil Energy, das noch mitten in der Gründungsphase steckt. Veil Energy ist im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz tätig. „Wir kümmern uns um die Entwicklung thermoelektrischer Generatoren“, erklärt die Maschinenbauingenieurin Marianna Benetti. „Auf das TIS-Gründerzentrum sind mein Partner und ich durch ein bereits im TIS angesiedeltes Unternehmen gekommen.“ Die konkrete Idee zur Unternehmensgründung bestand nämlich bereits, es haperte jedoch an der konkreten Umsetzung. Genau hier setzte das TIS an: Nach dem Erstkontakt im November 2012 ist das Unternehmen heute gegründet. „Zu den Gründerunternehmen zu zählen, bedeutet für uns Mitglied des TIS-Netzwerks zu sein und damit nicht nur in engen Kontakt zu den übrigen Gründern treten zu können, sondern auch zu allen anderen TIS-Partnern.“ Vom Gründerzentrum erwartet sich Benetti konkrete Hilfestellung beim Marktaufbau und in der Personalbeschaffung. „Wir haben nämlich vor, bald zu wachsen“, sagt Benetti stolz. Benetti ist eine der wenigen Frauen im Netzwerk der Gründerunternehmen. Heute zählt das Gründerzentrum in seinen 24 Unternehmen nur drei Frauen. „Beim Business-Plan-Wettbewerb, den wir zu Beginn dieses Jahres gemeinsam mit den Jungunternehmern im Unternehmerverband Südtirol gestartet haben, waren von den 78 Teilnehmern 14 Frauen“, freut sich Höller. „Und, wer weiß, vielleicht erhöht sich dadurch auch die Frauenquote im Gründerzent(EP) rum“, schließt Höller. Rechts: Gründerunternehmen im TIS innovation park (Stand: April 2013)


ACEIT Software & Dienstleistungen für Prozessoptimierung, v. a. für den Transport- und Energiesektor

AFM Technology Italia Verbesserung von Werkzeug- und Messmaschinen

Alpitronic

Anytime

Entwicklung von Leistungselektronik für die Automotive- und Aerospace-Branche

Businesslösungen zur Steigerung der Effizienz von Meetings und Veranstaltungen

Datic

Botres Global

Baukastensysteme zur Homepage-Erstellung

Aufbau und Betrieb von Biogasanlagen

easymailer

IT-Lösungen für das Gastgewerbe

Eco-Farming

Ehtical Software

eib experts home solutions

Ökologische Garnelenzucht

IT-Produkte und -Lösungen

Automatisiertes Gebäudemanagement

Greenshifting

Ilos

LARIXpress

Aufbau und Betrieb eines Netzwerks von Energieverbrauchern und -erzeugern

Softwarelösungen für Produkte des Energie-, Industrie- und Finanzsektors

Digitaler Kinderbuchverlag

Madeinthealps

Alpine Erlebnisse für die Tourismusbranche

Proalps

QE

Re-bello

Sport-, Abenteuer- und Naturerlebnisse im alpinen Raum für die Tourismusbranche

Entwicklung innovativer Bekleidung („smart fabrics“) für den Rad- und Laufsport

Bekleidung aus umweltfreundlichen Materialien (z. B. Bambus, Eukalyptus)

Res Aerea

Spin

Verwaltungssoftware für kleine Fluggesellschaften

Trya

Automatisierter Bücherverleih

Veil Energy

WIINNS

Z.Z.I

Entwicklung, Produktion und Vertrieb eines thermoelektrischen Generators

Zeus – Zentrum für Energieund Umweltschutz

Werbekampagnen-Platzierung und „seeding“

Innovative Tragen zur Bergung von Verletzten

Beratungen und Dienstleistungen im Umweltbereich

3D-Konstruktionen von Füßen für Schuhhersteller und -verkäufer

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MA R KTPLATZ

Südtirol kosten. Im Februar und März tourten an insgesamt 400 Verkostungstagen

Promotoren durch verschiedene Handelsketten in Deutschland und Italien mit dem Ziel, den Südtiroler Apfel und den Südtiroler Speck bekannter und beliebter zu machen. Mit Erfolg, wie die Zahlen belegen. Was koch ich heute? Besonders die Rezeptideen kamen gut an.

Möchten Sie probieren? Im Schnitt probierten 600 Kunden pro Tag Südtiroler Äpfel oder Speck.

Darf ich auch? Die mit dem Apfelteiler geschnittenen Äpfel (s. großes Bild) fanden vor allem bei den Kindern guten Absatz.

Hätt ich nicht gedacht... 5% Salzgehalt im Speck und 22 Wochen Reifezeit – für die Produktinformationen interessierten sich viele Kunden.

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Herzlich, sympathisch, kompetent Die Promotoren üben eine Schlüsselfunktion bei Verkostungen aus.


Macht gute Laune

An apple a day

Tolle Kombination

Knackig, saftig und gesund – davon konnten sich insgesamt 132.000 Verbraucher selbst überzeugen.

Speck schmeckt auch in Verbindung mit einem etwas süßeren Apfel – ähnlich wie der ital. Rohschinken mit Melone – der junge Besucher war begeistert.

Gemeinsam verkosten und dabei Neues entdecken – die Abverkäufe konnten mitunter um 500% gesteigert werden.

Was: Verkostungen in Supermärkten Wo: in Deutschland und Norditalien Wann: Februar und März 2013

Den mag ich besonders

Wie: Gerne nahmen viele Deutsche und Italiener im heurigen Frühjahr die Verkostungsaktionen von Apfel und Speck zum Anlass, um geschmacklich einen kurzen Abstecher nach Südtirol zu machen. An knapp 170 Verkaufspunkten von fünf Handelsketten wurden jeweils an den umsatzstärksten Tagen Freitag und Samstag die Produkte von geschultem Personal zum Probieren angeboten, über die Nachverfolgbarkeit aufgeklärt und Rezeptideen weitergegeben. (CS)

Golden, Fuji, Gala, Braeburn und Granny Smith wurden zur Verkostung angeboten – insgesamt wurden über 1,5t Äpfel für die Verkostungen verwendet. J u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3 | M   3 5


MENSC H E N

Julia Lindner in der Wahlheimat Meran, in der nicht nur S체dtiroler zu den engsten Freunden z채hlen


Die Angekommene. Sonnenschein und heile Bergwelt sind nicht genug.

Lebensqualität hat mehrere Parameter. Julia Lindner hat in Südtirol nicht nur Gutes erfahren. Ihre Entscheidung, hier zu leben, ist dennoch leichtgefallen. Text: Hartwig Mumelter Foto: Alex Filz

Es war wohl eines der grauesten Allerheiligen. Als Julia Lindner über den Brenner fuhr, schlug ihr ein unwirsches Wetter entgegen. Kalter Wind peitschte unrhythmisch Regentropfen gegen die Windschutzscheibe. Südtirol kannte die damals 27-jährige Kölnerin nur vom Hörensagen, und den Werbeslogan von den 300 Sonnentagen erfuhr sie zum Glück erst viel später. Ihr Ziel war Meran, das Julias damaliger Lebensgefährte, ein bayerischer Unternehmer, zu seinem Domizil erkoren hatte. Ausgerechnet sie musste in die Provinz ziehen. Sie, die agile, smarte Weltenbürgerin, die ihr BWLStudium mit Fachrichtung Tourismus und Hotelmanagement abgeschlossen und ein Semester in Buenos Aires und eines in Madrid absolviert hatte. Ausgerechnet nach Meran musste es sie verschlagen, das sie als Kind gerade einmal von Neckermann-Katalogen her kannte. „Als überzeugte Flachländerin kamen dann auch noch die Berge dazu! Wohin ich mich auch wandte, stieß mein Blick an eine Felswand“, lacht Julia Lindner heute, beinahe lakonisch. Inzwischen sind neun Jahre vergangen und die polyglotte Rheinländerin ist zur überzeugten Wahlsüdtirolerin mutiert. Ihre beiden Kinder Greta und Theo sind in diesen neun Jahren geboren und als Mutter hat Julia Lindner schnell die Vorzüge der einst so geschmähten Provinz kennengelernt. „Meine besten Mitbringsel waren die Kenntnisse im Skifahren und im Spanischen!“ Das eine erweiterte den Horizont im Gebirge, das andere erleichterte das Italienisch-Studium um ein Vielfaches. „Südtirol hat sich in diesen neun Jahren aber auch sehr gewandelt. Ich habe hier mein Nest gefunden. Man braucht die Großstadt nicht.“ Als die Kinder noch klein waren,

ging Julia Lindner bewusst zu Ärzten in Bozen. „Damit ich wenigstens einen Grund hatte, nach Bozen zu fahren“. Die Landeshauptstadt mit dem italienischen Flair fungierte oft als Kompensation, immer dann, wenn die Kurstadt zu provinziell und zu „deutsch“ wurde. So beschloss die viersprachige Mutter, ihre

suchte, meldete sich eine Dame aus Algund. Auf deren Bauernhof erleben Greta und Theo heute noch wunderbare Momente. „Wir sind zu einer großen Familie zusammengewachsen.“ Manchmal hegt Julia die Befürchtung, dass der intakte Lebensraum Südtirol die Kinder zu sehr von der eigentlichen Realität fernhält. Dann steigt sie in das nächste Flugzeug. „Man steht in der Pflicht, den Kindern auch eine weniger heile Welt zu zeigen.“ In dem vermeintlichen Provinzstädtchen Meran konnte sich Julia Lindner über Jahre einen interessanten Freundeskreis aufbauen. „Hier leben viele Menschen unterschiedlichster Provenienzen. Manchmal werden vier oder fünf verschiedene Sprachen bei unseren Treffen gesprochen.“ Da schlägt das multikulturelle Herz der Kölnerin höher. Nicht einmal nach ihrer Trennung im letzten Jahr hat Julia ans Wegziehen gedacht. Ihr PR-und Marketing-Büro befindet sich noch im Aufbau, aber die ersten Kunden wurden bereits akquiriert. „Ich bin angekommen und bleibe hier!“

„Meine besten Mitbringsel waren die Kenntnisse im Skifahren und im Spanischen!“ Kinder in den italienischen Kindergarten einzuschreiben. Dass es hierzulande keine mehrsprachigen Kindergärten und Schulen gibt, ist Julia auch heute noch völlig unverständlich“. Im Obermaiser Kindergarten erlebt man die ethnische Trennung hautnah.“ Beide Gruppen sind in einem Gebäude untergebracht. Der Garten wird gemeinsam genutzt, aber durch einen „unsichtbaren“ Zaun getrennt. Spätestens als Greta und Theo sich einmal bei ihrer Mutter beklagten, dass die „blöden tedeschi“ sie vom Baum gestoßen hätten, wurde Julia Lindner klar, wie absurd dieses System ist. Doch dies war eine der wenigen negativen Erfahrungen, die die Wahl-Meranerin bis dato in ihrer neuen Heimat gemacht hat. „Die Nahversorgung ist hier sehr gut strukturiert!“ Es gebe viele kleine Läden mit hochwertigen Produkten. Das kulturelle Angebot sei vielschichtig, die Schulen funktionierten besser als in Deutschland. Das Freizeitangebot – gerade für Kinder – sei sensationell. Wenn Julia Lindner über Südtirol ins Schwärmen gerät, funkeln ihre blauen Augen. Als sie eine Tagesmutter für ihre Kinder

Julia L i ndner Julia Lindner wurde 1977 in Köln geboren. Sie studierte BWL mit Fachrichtung Tourismus und Hotelmanagement. Über Umwege kam sie nach Meran, wo sie seit 2004 mit ihren beiden Kindern lebt. Heute betreibt Julia Lindner ein PR- und Marketing-Büro.

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ma rke ti n g

Messen – aber wie? Messen sind ein nützliches Instrument, um die eigene Firma zu präsentieren, Geschäftspartner und Kunden zu suchen oder einfach, um das Neueste einer Branche zu erfahren.

C

hristian Kuen, 37, drechselt schon, seit er bei seinem Nachbarn gesehen hat, wie das geht. Bei kleinen Märkten rund um Schenna stellte er seine Stücke aus. Beflügelt durch den Erfolg von „PenArt“ richtete er eine Homepage ein und suchte nach weiteren Absatzkanälen, die zu ihm und seinem Produkt passten. Ein erster Schritt war die Teilnahme an der Messe „Kreativ“ in Bozen. Den Kontakt zur Export Organisation Südtirol (EOS) stellte ein Freund her, der die Messe „L’Artigiano in Fiera“ kannte. Die beliebte Mailänder Handwerksmesse passte aber nicht in den Zeitplan von Kuen, der hauptberuflich Patissier ist. Als Alternative bot ihm Florian Reisinger, Mitarbeiter im Bereich Messen der EOS, an, seine Produkte auf dem Südtiroler Gemeinschaftsstand auf der Internationalen Handwerksmesse München (IHM) auszustellen – eine gute Entscheidung, wie sich im Nachhinein herausstellte: Kuen wurde neben anderen für seine Kunstwerke der mit 5.000 Euro dotierte Bayerische Staatspreis verlie3 8   m | J u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3

hen; daneben fanden seine Produkte, die mitunter 350 Euro kosten können, guten Absatz. Neben den Besuchermessen, die vor allem für Künstler wie Kuen und kleine Handwerksbetriebe interessant sind, weil vor Ort verkauft werden kann, enthält das Messeprogramm der EOS viele fachspezifische Messen, die Fachbesuchern vorbehalten sind und meist Kürzel tragen wie BAUMA, IBF, PROWEIN oder SÜDTEC. Die Branchen sind dabei verschieden, von Bau über Lebensmittel bis Handwerk, Hotelzulieferung und Druck. Auch einige institutionelle Auftritte, wie etwa der auf der Grünen Woche in Berlin, finden sich im Programm.

Vor- und Nachbereitung ist alles 2012 hat die EOS 45 Messen und Events in 11 Ländern organisiert. Insgesamt haben sich dabei 388 Südtiroler Unternehmen auf 14.234 m² Messefläche, das sind umgerechnet 2 Fußballfelder, präsentiert. Alle Messen zusammen haben 186 Tage gedauert, für Auf- und Abbau waren weitere 185 Tage notwendig. Allein die

20 EOS-Projektleiter haben dafür geschätzte 9.278 Stunden gearbeitet, was 1.160 Tagen entspricht. Das Messebudget im Jahr 2012 betrug 4,92 Millionen Euro. Einer, der viel Erfahrung auf Messen gesammelt hat, ist Josef Fuchs, der im Vinschgau Frühstückszerealien herstellt. Sein Unternehmen hat sich früh mit Export beschäftigt und exportiert heute in 30 Länder. „Ich kann mich noch gut an unseren ersten Messeauftritt erinnern, wir hatten große Erwartungen und auch viel in die Vorbereitung investiert – wir hatten aber absolut keine Ahnung, was wir erwarten konnten!“, erzählt der Unternehmer. „Das Ergebnis war trotzdem überraschend positiv, einige Kontakte entwickelten sich zu guten Aufträgen. Und so meldeten wir uns im Jahr darauf erneut bei der Messe ANUGA an. Wenn wir heute einen neuen Markt angehen, gehören Messeauftritte dazu. Dafür werden aber bereits im Voraus viele Vorbereitungen getroffen – über die EOS haben wir für die Messen Food Hospitality World in Mumbai und FHC in Shanghai gezielt Studien und Recherchen


Entscheidend für den Erfolg einer Messe sind die richtige Auswahl und intensive Vorbereitung

GUT Z U W ISS E N Messe-1x1 Messen sind ein wichtiger Baustein im Exportgeschäft. Nicht immer muss man als Aussteller präsent sein, oft ist ein Besuch allein schon gewinnbringend, denn Messeauftritte sind allgemein teuer. Wer noch nicht weiß, welche Messen es in seiner Branche gibt, kann sich an die EOS wenden, die dies kostenlos recherchiert. Ist die Messe außerdem nicht im Jahresprogramm für einen Gemeinschaftsauftritt, kann für diese Messe im Vorfeld beim Land für eine Einzelförderung angesucht werden. Für 2013/ 2014 wurden alle Messeförderungen auf 70 Prozent erhöht, ausgenommen sind Kosten für Reise und Verpflegung. Kontakt EOS: Florian Reisinger, Tel. 0471 945 778 oder www.eos-export.org, Messen und Veranstaltungen; Kontakt für Einzelförderung: Autonome Provinz Bozen, Abteilung 35, Raiffeisenstraße 5, Bozen, Tel. 0471 413610.

durchgeführt und Termine mit möglichen Partnern vereinbart.“ Valérie Spenlé, die als Mitarbeiterin der EOS viele Südtirol-Auftritte auf Messen organisiert hat, berichtet: „Im Vorfeld einer Messe ist es immer wichtig, sich intensiv darauf vorzubereiten und Ziele zu definieren, egal ob man ein Handwerker oder Künstler wie Kuen ist oder ein Produzent auf der Suche nach Kunden und Vertriebspartnern. Die Messe selbst ist nur die Spitze des Eisberges, davor und danach muss viel Arbeit geleistet werden, damit sich der Erfolg einstellt. Die EOS bietet Unterstützung bei der Organisation des Messestandes und allem Drumherum – falls gewünscht, führt sie aber auch spezifische Recherchen im Vorfeld durch. Meist braucht es zudem mehrere Präsenzen auf einer Messe – und die sind leider oft sehr teuer. Durch das ExportSonderprogramm 2013/2014 des Landes ist immerhin eine Förderung innerhalb der De-minimis-Bestimmungen von 70 Prozent möglich.“ Die De-minimis-Bestimmungen besagen, dass die

Gesamtsumme der gewährten Beihilfen in einem Zeitraum von drei Steuerjahren 200.000 Euro nicht übersteigen darf. Derzeit befindet sich auf der Homepage der EOS ein Entwurf des Messeprogramms von 2014, für das man noch Vorschläge einbringen kann. Voraussetzung dafür, dass ein Südtirol-Auftritt überhaupt zustande kommt, ist immer, dass sich zumindest drei Südtiroler Firmen finden, die an einer bestimmten Messe teilnehmen wollen. Dementsprechend gibt es immer wieder „Exoten“ im Messeprogramm, da sie nur für einen bestimmten Nischensektor gedacht sind oder aber sehr weit entfernte Märkte bedienen, die nur für wenige wirklich relevant sind. Ein Beispiel dafür ist die FHC in China, auf der auch heuer ein Südtirol-Stand im Italian Pavillion aufgebaut wird. Auch Josef Fuchs mit seinen Zerealien und zwei weitere Firmen werden dabei sein und erhoffen sich nach den beiden vergangenen Auftritten für heuer, erneut ein Stück weiter in den chinesischen Markt vorzudringen. Und auch Christian Kuen steckt mittendrin in den Vorbereitungen: im Dezember nimmt er an der Heim + Handwerk teil, auch das Anmeldeformular für die IHM 2014 ist bereits ausgefüllt. „Ich habe erst an zwei Messen teilgenommen und sehr viele positive Erfahrungen gesammelt! Neben dem Verkauf waren es vor allem die vielen interessanten Menschen und Gespräche, die mich zu neuen Ideen inspiriert haben, die schwer zu beschreibende Stimmung der Offenheit und die vielen Eindrücke insgesamt. Jetzt muss ich aber weitermachen“, sagt der Künstler und zeigt auf die Hobelspäne. „Es gibt noch viel zu tun!“ (CS) J u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3 | M   3 9


im v is i er der med i en

Über Südtirol berichtet. Geschichten über das Land in Zeitungen, Maga-

zinen, Online-Portalen und Blogs: Zwischen Ladinisch als Sprache des Pop, der Rehabilitation des Vernatsch in Österreich, Mehl in Mailand und Aussteigerbetrieben in den Dolomiten. Deutschland: Petra

Frauen-Zeitschrift für Trends, Mode und Beauty – Die Monatszeitschrift für die Generation 30+ huldigt auf fünf Seiten dem Pop-Trio Ganes. Iris Soltau beginnt ihre Geschichte in Hamburg und vergisst nach dem Kühekraulen auch das Shoppen, Essen und die grandiose Landschaft Südtirols nicht. Ausgabe: April 2013

Schweiz: Basler Zeitung Tageszeitung – Die Westschweizer Tageszeitung widmet dem Eggental eine ganze Seite und macht gleich mit dem Kompliment „familiär und unkompliziert“ auf. Der Titel „Mozzarella unterm Rosengarten“ bringt das Gefühl von „Urigkeit und Italianità“ auf den Punkt. Ausgabe: 4. März 2013

Polen: skionline.pl Wichtigstes Online-Skimagazin in Polen – Unter dem Titel „Garnelen unterm Skilift“ beschreibt das Magazin die Skigebiete Gröden und Seiser Alm. Neben den Facts um Pisten und Bahnen steht hier vor allem der Genuss im Vordergrund. Die Comici-Hütte stand für den Titel Pate. Online seit: März 2013

Italien: La Stampa

Uno dei maggiori quotidiani nazionali – L’articolo parla della fiera Prowinter di Bolzano e del padiglione di neve mobile. Edizione del 13 aprile 2013

United Kingdom:

Condé Nast Traveller Luxury Travel Magazine – Laura Griffith-Jones found a place away from the famous Michelin Star awarded restaurants and exceptional hotels in the Dolomites. The San Lorenzo Mountain Lodge: a family-run retreat with a low-key brilliance all of its own. Release: January 2013

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Netherlands:

Wintersport Magazine#19 Das größte Wintersportmagazin in den Niederlanden – Hans Avontuur schwärmt auf sechs Seiten von der Seiser Alm und der Zallinger Hütte. Einer der profiliertesten Reisejournalisten entdeckt die langsamen Seiten des Winters. Ausgabe: Februar 2013

Italia: streghettaincucina

Blog su cibo, fotografia ed eventi con estensione su Facebook, Pinterest, Twitter, Google+ e Instagram che parla di una serata a Milano in Casa Alto Adige dedicata alla farina. “Eh sì, per una sera sono stata catapultata in Alto Adige senza spostarmi da Milano. Una sorta di teletrasporto!” Online dal 15 febbraio 2013

Österreich: Rondo

Lifestyle-Beilage des Standard im Plakatformat – Die Rehabilitation für den früher vielgeschmähten Vernatsch und ein Lob auf die Pergl entstanden beim Weinwandern. Ein Blick auf den Kalterer See, ein architektonischer Streifzug und Drei-Gläser-Weine sind sich ausgegangen. Ausgabe: 8. März 2013

Belgien: Grinta

Radmagazin – Sechs Seiten sind dem Dolomiti Superbike gewidmet. Thijs Ameye begab sich mit Skepsis zum „härtesten Radrennen der Dolomiten“, wechselte vom Rennrad aufs Mountainbike und traf auch noch Tim und Struppi. Eine Geschichte über Steilheit und Staunen. Ausgabe: April 2013 J uli , A ugust, S eptember 2 0 1 3 | M   4 1


…wie MOV(I)E IT!

Zum Kameraassistenten ausbilden lassen kann man sich beim Kurzlehrgang MOV(I)E IT!

Kurzlehrgang für Film-Assistenz. Klappe – Film läuft: BLS und Filmschule ZeLIG bieten eine Ausbildung in puncto Kamera, Ton und Szene. Assistenzberufe bei Filmproduktionen werden zunehmend gebraucht, seit immer mehr Filme in Südtirol gedreht werden. Im überschaubaren Zeitrahmen auf die Arbeit am Film-Set vorbereiten soll der Kurzlehrgang MOV(I)E IT! für Assistenzberufe bei Filmproduktionen. Der Kurs findet einmal jährlich statt und vermittelt professionelles Know-how in drei verschiedenen Bereichen des Filmbusiness (siehe Kasten). Fixer Bestandteil der Ausbildung ist ein Praktikum am Filmset, das jeder Teilnehmer im Anschluss an den Kurs leisten muss. Organisiert und abgehalten wird die Ausbil4 2   m | J u l i , A u g u s t, S e p t e m b e r 2 0 1 3

dung von der Filmschule ZeLIG in Zusammenarbeit mit der Standortagentur BLS. Ziel des Kurses ist es, für die Filmbranche in Südtirol Fachpersonal auszubilden, das den immer zahlreicheren Produktionen für Dreharbeiten im Lande zur Verfügung steht. Tatsächlich arbeiten zahlreiche Kursabsolventen inzwischen regelmäßig bei Filmproduktionen mit. Nähere Informationen zum Kurs gibt’s unter www.movie-it.com.

3 Ausbildungsschienen von MOV(I)E IT!: 1. Kamera (Berufsbild: 1. bzw. 2. Kameraassistent) 2. Tonaufnahme (Berufsbild: Tonassistent/Boom operator) 3. Szenenbild/Ausstattung (Berufsbild: Szenenbildnerassistent/ Ausstatter)


„Ziele, die nicht der Steigerung der Lebensqualität dienen, sind nicht der Rede wert.“ Alfred Selacher *1945, Schweizer Lebenskünstler


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