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Magazin für Destinationsmarketing in Südtirol

AUF DIE BERGE, FERTIG, LOS!

Wie Südtirol mit und von den steinernen Riesen lebt


350 Dreitausender-Gipfel mit eigenem Namen ragen in den Südtiroler Himmel

» In ganz Österreich werden 973 Dreitausender gezählt. (Quellen: Hanspaul Menara / www.dreitausender.at)


Südtirol kann hoch hinaus Die Berge. Erhaben, majestätisch und beschützend wirken sie auf die einen, einengend, bedrohlich und schroff auf die anderen. Die Südtiroler haben von alters her gelernt, mit dem Wechsel von Höhe, Steilheit und Ebene umzugehen. Sie haben Fertigkeiten entwickelt, die anderswo nicht lebensnotwendig waren. Fertigkeiten, wie den Transport von Waren von unten nach oben zu manövrieren und umgekehrt, Fertigkeiten, auch kargen Böden noch etwas abzugewinnen, aus wenigen und einfachen Zutaten nahrhafte Speisen herzustellen, Wasserkraft zu nutzen und mit den oft extremen Wetterverhältnissen umzugehen. Wer in den Bergen lebt, lebt nicht nur mit ihnen, sondern auch von ihnen. Der Tourismus in Südtirol mit knapp sechs Millionen Urlaubern im Jahr ist ein Beispiel dafür. Aber nicht nur. Südtirols alpine Kompetenz zunutze gemacht haben sich Südtiroler Unternehmen, die Seilbahnen, Pistenfahrzeuge und Beschneiungsanlagen bauen. Einige davon gehören in diesen Bereichen inzwischen zur Weltmarktspitze. Wir sind Meister in hangsicherer, stabiler Bauweise geworden. In den abfließenden Wassermengen liegt dank der gebirgigen Landschaft ein besonders hohes Energiepotential, das durch Wasserkraftwerke schon seit Langem genutzt wird. Studien machen deutlich: 2050 werden mehr Menschen in Städten als auf dem Land leben. Die Folge: Eine immer größere Sehnsucht nach Natur und nach dem Erfahrungsaustausch mit Menschen, die in Naturlandschaften leben. Was das für Südtirol bedeutet? Eine echte Chance, wenn wir unsere Stärken ausbauen und gut vermitteln können. Bereits die britischen Alpinisten bezeichneten die Alpen als „playground of Europe“. Eine gute Weiterentwicklung dieses einzigartigen Lebensraums inmitten der Berge mit seinen unverwechselbaren mediterranen Akzenten ist unsere Verantwortung für die Zukunft. Christoph Engl, SMG-Direktor

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www.cursiva.it

LANGE NACHT DER FORSCHUNG 28.09.2012

NEUE ENERGIEN 27.-29.09.12 Stiftung für Forschung und Innovation Fondazione per la Ricerca Scientifica e l’Innovazione

Unter der Schirmherrschaft von

AUTONOME PROVINZ BOZEN - SÜDTIROL

PROVINCIA AUTONOMA DI BOLZANO - ALTO ADIGE

Abteilung für Innovation

Ripartizione Innovazione


Inhalt TITEL: Berg & alpin

MARKETING

8 Zwischen Himmel und Erde Über Südtirols Bergkultur und die Kompetenzen, von denen die Wirtschaft profitiert.

26 Arbeiten im Urlaubsparadies Südtirol ist auf hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen und hat dabei gute Karten.

14 Ausrüstung gestern und heute Immer dünner und leichter heißt die Devise.

28 Internationales Netzwerk Die Plattform alpitecture schafft internationalen Wissenstransfer zwischen Technikern und Architekten.

16 Wie ein Verlangen Der Extrembergsteiger Simon Gietl über die Faszination der Berge und die eigene Angst. 18 Zu wenig Mut zum Berg Immer mehr Menschen zieht es in die Kletterhallen. Technik statt Abenteuer.

32 Gut gebadet Heu-, Mineralwasser- und Latschenbäder berei chern das Angebot in Südtiroler Wellnesshotels. 34 Gute Verbindungen suchen Strategische Produktentwicklung ist für die Weiter entwicklung einer Destination überlebenswichtig.

20 Im Bann der Berge Über Menschen, die Südtirol als Wahlheimat auserkoren haben. Der Berge wegen. 24 Abenteuer Berg, Abenteuer Film Das Spektrum der Bergfilme ist weit. Südtirol war und ist beliebter Drehort.

Rubriken 6 7 22 25 30 3 6 38

mailbox made in südtirol blick über den tellerrand meinung menschen im visier der medien marktplatz

BLS – Business Location Südtirol A.G., Dompassage 15, 39100 Bozen EOS – Export Organisation Südtirol, Südtiroler Straße 60, 39100 Bozen SMG – Südtirol Marketing K.A.G, Pfarrplatz 11, 39100 Bozen TIS – innovation park, Siemensstraße 19, 39100 Bozen Verantwortlicher für den Inhalt: Reinhold Marsoner | Chefredaktion: Barbara Prugger | Redaktion: Maria C. De Paoli, Bettina König, Eva Pichler, Barbara Platzer, Cäcilia Seehauser, Gabriela Zeitler Plattner | Koordination: Ruth Torggler | Layout: Lukas Nagler | Design-Consult: Arne Kluge | Fotografie: Frieder Blickle, Ivo Corrà, Alex Filz, iStockfoto, Max Lautenschläger, Marco Marrè – Studio 29 | Illustration: Paolo D'Altan | Druckvorstufe: typoplus GmbH, Bozner Straße 57, 39057 Frangart | Druck: Karo Druck KG, Pillhof 25, 39057 Frangart | Zur Abbestellung dieses kostenlosen Magazins genügt eine E-Mail mit genauer Adressangabe an m@suedtirol.info | Eintragung beim Landesgericht Bozen Nr. 7/2005 vom 9. Mai 2005

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MAILB OX

tiert einen noch besseren Überblick über den Südtiroler Gewerbeimmobilien-Markt. Mehr als 250 Gewerbeimmobilien mit einer Gesamtfläche von fast 910.000 Quadratmetern sind derzeit im Liegenschaftsportal verfügbar. www.bls.info/liegenschaftsportal

TREND: PARTIZIPATION

Tagungen auf der Messe Hotel 2012

Ein Fest für die ganze Familie: das Milchfest auf der Fane Alm in Vals

HOCH LEBE WEISSES GOLD

Südtiroler Milchfest 2012

MARKETING. Die alpine und subalpine Landschaft Südtirols schafft beste Voraussetzungen für die Herstellung qualitativ hochwertiger Milch und Milchprodukte. 6.000 Bauern mit über 1.500 Almen und saftigen Wiesen in gesunder Bergluft produzieren tagtäglich das „weiße Gold“ der Alpen. Alle zwei Jahre wird der kostbare Rohstoff gefeiert. Am 25. und 26. August stehen auf den saftigen Weiden und den sonnenverwöhnten Almwiesen des uralten Almdorfes auf der Fane Alm in Vals/Mühlbach Spaß, Unterhaltung und vor allem umfangreiche Information zum wertvollen Südtiroler Qualitätsprodukt im Mittelpunkt. Das Südtiroler Milchfest 2012 bietet zwei aufregende Milchwandertage für die ganze Familie. www.milchfest.it

ANFASSEN ERLAUBT

Innovation Festival Bozen 2012

INNOVATION. Südtirol ist mehr als Speck und Berge, und der Beweis dafür wird vom 27. bis 29. September erbracht. Beim Innovation Festival Bolzano-Bozen geben sich Top-Referenten aus dem Innovationsbereich die Klinke in die Hand. Die Besucher erwartet rund um den Waltherplatz ein interaktives Programm zum Thema Neue Energien. Über neue Formen der Energiegewinnung wird ebenso diskutiert und gebrainstormt wie über neue Businessmo6   M | J U L I , A U G U S T, S E P T E M B E R 2 0 1 2

delle. Im Rahmen des Festivals organisiert die BLS ein Symposium zum Thema Standort, wo es um die Fragen geht, wie man einen erfolgreichen Standort für die Zukunft entwickelt, was er leisten muss und welche Art von Innovationsstandort Südtirol werden soll. Mitdiskutieren ist erwünscht. Am 28. September findet außerdem die Lange Nacht der Forschung statt, bei der die Bozner Forschungseinrichtungen und Denkwerkstätten ihre Tore öffnen – und überall heißt es: „Anfassen ist erlaubt!“ www.innovationfestival.bz.it

NETZWERKEN ONLINE

Serviceorientiertes BLS-Portal

STANDORT. Südtirols größte Datenbank für Gewerbeliegenschaften ist seit Mai 2010 eine verlässliche Anlaufstelle für alle, die auf der Suche nach einer Gewerbeliegenschaft im Lande sind. Interessenten bekommen dort unkompliziert und kostenfrei einen Überblick über verfügbare Liegenschaften und können so genau jenes Areal finden, das auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Seit Kurzem zeigt sich das BLS-Portal im neuen Kleid und kommt durch die vereinfachte Nutzerführung seinen Usern entgegen: Über eine klar strukturierte Startseite können Interessierte die Kriterien für die ideale Liegenschaft eingeben und werden dann zu den entsprechenden Angeboten weitergeleitet. Eine enge Kooperation mit Bauunternehmern und Immobilienmaklern garan-

MARKETING. Die SMG organisiert gemeinsam mit der Messe Bozen, dem HGV und der HGJ zwei Tagungen im Rahmen der Messe Hotel 2012 , die vom 22. bis 25. Oktober stattfindet. Auf dem „Social Media Forum 2012: Die Revolution geht weiter“ dreht sich alles um Marketing im Web und bei „Kultur – Landschaft – Bauen“ steht die Architektur im Mittelpunkt. Der Schweizer Architekt Gion A. Caminada spricht über den Stellenwert des Standorts, über Atmosphäre und die richtige Anwendung von regionalen Materialien in der Architektur. Die italienische Journalistin Mafe de Baggis berichtet von ihren Erfahrungen als Bloggerin und liefert nützliche Webtipps. Unterschiedlicher könnten die Thematiken der Tagungen nicht sein. Und doch kommen beide um einen sich abzuzeichnenden Trend nicht herum: Partizipation heißt das neue Schlagwort, das in beiden Branchen künftig immer wichtiger sein wird. Eine gekonnte Gestaltung von Bauten in der Landschaft und der rechte Umgang mit Web 2.0 stellen Erfolgsfaktoren für Südtirol dar. www.smg.bz.it/de/messehotel (gzp)

Kommunikation 2012: Gut vernetzt und rasant schnell


MADE IN S ÜDTIROL

STECKBRIEF

Objekt: Skulpturen aus Holz

Bildhauer�������������������������������������� Aron Demetz, St. Ulrich Besonderheit����������� Unkonventionelle Verarbeitung von Holz Inhalt������������������������ Der Mensch und seine Vergänglichkeit

Holz mit Seele: Mit seinen Skulpturen und Porträts beweist der Grödner Bildhauer Aron Demetz, dass Holz sich nicht nur für sakrale Kunst eignet, sondern sehr viel mehr kann: Leben einhauchen etwa. Besonderen Erfolg verzeichnet der Künstler mit Harzskulpturen, die auf der 53. Biennale von Venedig 2009 zu sehen waren. Andere Objekte, die das Lebendige des Baumes hervorbringen, stellte der Künstler in diesem Frühjahr im macro in Rom aus. Seit Jahren experimentiert Aron Demetz mit dem natürlichen Rohstoff und fügt Harze als Ausdruck für das Heilende hinzu und Pilze als Sinnbild für Krankheit. Die menschliche Figur und das Keimen von Leben und Hoffnung, der Zerfall und die Erneuerung stehen dabei immer im Vordergrund. www.arondemetz.it


TITEL: B E R G & A L P I N | Zwischen Himmel und Erde

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ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE „Der Berg hat die Menschen gezwungen, eine eigenständige Kultur zu entwickeln“, sagt Reinhold Messner. Eine Bergkultur und vor allem Kompetenzen, von denen die Wirtschaft gerade heute profitiert. Text: Maria Cristina De Paoli Illustration: Paolo D'Altan

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orgens um acht Uhr steht die frisch gemolkene Milch des Schnalser Gfallhofes bereits an der Landstraße – Winter wie Sommer, an sieben Tagen in der Woche. „Früher musste sie sogar schon um sechs Uhr bereit sein“, sagt Bauer Albert Gamper. „Damals nahm sie der Milcher auf seiner Hin-, heute hingegen auf der Rückfahrt mit.“ Die Kannen haben (Straßen-)Seite gewechselt, wofür allerdings auch die hofeigene Materialseilbahn um einige Meter verlängert werden musste. „Die hat mein Vater Mitte der 50er-Jahre gebaut“, erzählt Gamper. „Früher wurde der Motor allerdings mit Diesel, heute wird er mit Strom angetrieben.“ Ohne die Anlage wäre eine Milchproduktion auf dem 700 Jahre alten Bergbauernhof gar nicht möglich. Wie ein Adlerhorst liegt die Hofstelle auf 1.840 Metern hoch über Unsere Frau in Schnals. „Bis zu uns herauf führt nur eine steile Forststraße, die im Winter wegen Lawinengefahr oft geschlossen werden muss“, sagt Gamper. Die Materialseilbahn war viele Jahre lang die einzige Möglichkeit, die Milch täglich frisch ins Tal zu befördern. Mittlerweile hat sich Familie Gamper auch eine kleine Personenseilbahn gebaut. „Damit fahren die Kinder zur Schule und

zur Arbeit. Und damit fährt auch der Tierarzt, wenn es einen Notfall gibt.“ Albert Gamper kann sich aber auch noch an die Zeit vor dem Dieselmotor erinnern. „Damals fuhren die Materialbahnen bei uns hier mit Gegengewicht. Auf der einen Seite wurde Mist oder Holz aufgeladen, auf der anderen Wasser ,getankt‘ – und schon ging es los.“

Kompetenzen genutzt Mit 24 Streckenstützen und einer Förderleistung von 3.200 Kilogramm, mit Zehnergondeln und beheizten Ledersitzen verbindet die neue Seilbahn Ried den Zugbahnhof von Percha mit dem Gipfel des Kronplatzes. Seit der Wintersaison 2011/12 ermöglicht das groß angelegte Projekt der Kronplatz AG das direkte Umsteigen der Skitouristen vom Zug in die Gondel. Umgesetzt wurde die Idee der Betreibergesellschaft von Leitner ropeways. Als Firmengründer Gabriel Leitner um 1888 seine Werkstatt in Sterzing eröffnete, baute der gelernte Mechaniker neben Landmaschinen und Turbinen auch Materialseilbahnen wie sie damals wohl auch auf dem Gfallhof und auf vielen anderen Südtiroler Bergbauernhöfen zu finden waren. 124 Jahre später zählt die Leitner AG zu den » J U L I , A U G U S T, S E P T E M B E R 2 0 1 2 | M   9


TITEL: B E R G & A L P I N | Zwischen Himmel und Erde

weltweiten Marktführern für Seilbahntechnik. „Es ist wohl kein Zufall, dass die beiden stärksten Akteure auf diesem Sektor, Leitner und Doppelmayr, aus Südtirol bzw. Vorarlberg kommen“, antwortet Maurizio Todesco von der Leitner Gruppe auf die Frage nach der Bedeutung des Standortes und der Nähe zu den Bergen für das Unternehmen. „Leitner hat in der Nachkriegszeit auch von den Entwicklungen im Bergtourismus profitiert.“ Der erste Leitner-Lift wurde 1947 in Corvara gebaut. Inzwischen haben sich die Sterzinger auch in anderen Sektoren etabliert, wobei der größte Zuwachs in Zukunft im urbanen Kontext erwartet wird. Der Anteil der Bergseilbahnen liege aber noch immer bei 80 Prozent des gesamten Bahngeschäftes, so Todesco. Ähnliches berichtet auch Patrizia Pircher von TechnoAlpin in Bozen. Das Vorzeigeunternehmen, das sich auf Beschneiungstechniken spezialisiert hat, wurde 1990 gegründet. 2011 haben die 300 Mitarbeiter einen Umsatz von 100 Millionen Euro erwirtschaftet. Weltweit verfügt TechnoAlpin über 25 Niederlassungen und Handelspartner. „Produziert wird allerdings in Südtirol“, so Pircher. Denn einen guten Ingenieur finde man anderswo auch. Jemanden zu finden, der sich in den Bergen auskennt, sei jedoch viel schwieriger. „TechnoAlpin würde es ohne die heimischen Mitarbeiter und die Nähe zum Kernmarkt in dieser Form gar nicht geben.“ Seit Jahren kooperiert das Unternehmen mit Skigebieten in der Umgebung. „Hier sind unsere Kunden der ersten Stunde, und wir können so unsere neuen Produkte testen“, sagt Pircher.

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Nicht nur „getestet“, sondern in den Bergen produziert wird in Südtirol die Milch. Sie ist nach wie vor die Haupteinnahmequelle vieler Bergbauernhöfe. Landesweit gibt es an die 6.000 Milchbauern und 75.000 Milchkühe. Jährlich produzieren sie über 360 Millionen Kilogramm Milch. „Die Milchproduktion hat sich nach und nach vom Talboden in die Berge zurückgezogen“, sagt Annemarie Kaser, Direktorin des Südtiroler Sennereiverbandes. „Dass unsere Milch fast ausschließlich von Höfen stammt, die auf über 1.000 Metern Meereshöhe liegen, ist ein unumstrittener Qualitätsvorsprung, der in der Kommunikation auch berücksichtigt wird.“

Spirituelle Bedeutung Allen Kulturen der Welt, so verschieden sie auch sein mögen, ist die Ehrfurcht vor der Größe der Schöpfung gemeinsam. Die Berge spielen dabei eine ganz besondere Rolle. Jahrzehntelang haben die Aborigines in Australien um die Kontrolle über den Ayers Rock gekämpft. Der Felsriese im geografischen Zentrum des Landes ist den Ureinwohnern heilig. Für mehr als eine Milliarde Buddhisten und Hindus auf der Welt ist hingegen der Kailash im Westen Tibets das Zentrum des Universums. Die Umrundung des Berges soll von den Sünden erlösen. Dabei umgehen die Buddhisten den Kailash im Uhrzeigersinn, die Hindus in entgegengesetzter Richtung. „Ich schreibe derzeit an einem Buch über die heiligen Berge“, verrät Extrembergsteiger Reinhold Messner. „In den vergangenen zehn Jahren habe ich weltweit die wichtigsten besucht und – soweit erlaubt – auch bestie-


gen. Das war mir aber gar nicht so wichtig. fünf Messner Mountain Museen, im Vielmehr wollte ich erfahren, warum die Ripa in Bruneck. „Dort erzähle ich Menschen seit Generationen eine Heilig- nichts anderes als die verschiedenen keit in diese Berge hineinleben.“ Bergkulturen, indem ich die Besucher Die Verehrung der Berge ist auch in in das Innere der Häuser schauen lasse“, unseren westlichen Kulturen stark prä- so Messner. „Mich interessiert der sent. Die alten Griechen vermuteten ihre Mensch, der in den Bergen lebt und Götter auf dem Gipfel des Olymps. Moses überlebt – und zwar mindestens ebenso musste auf den Berg Sinai steigen, um wie der Alpinist, der auf die Berge hindie Zehn Gebote von Gott zu bekommen, aufsteigt.“ Immerhin habe sich die und Jesus verbrachte seine letzte Nacht Bergkultur in rund 10000 Jahren entwiam Ölberg. Keine Ausnahme sind da die ckelt, während der moderne AlpinisAlpen. Viele der schmucken Kirchen und mus knapp 250 Jahre alt ist. Kapellen, die heute auf Anhöhen und Denn die großen Berge wurden erst Hochplateaus stehen, wurden anstelle gegen Ende des 18. Jahrhunderts erheidnischer Tempel gebaut. Diese wie- obert. Franzosen und Engländer folgten derum waren auf rätischen Kultstätten als erste ihrem Lockruf. Angeheizt durch errichtet worden. Auch die zahlreichen ihre Heldentaten und die damit verbunSagen rund um die Dolomiten tunken denen Sensationsmeldungen in der die „bleichen Berge“ in ein magisch-mys- Presse machte der Bergtourismus seine tisches Licht. Sie erzählen von rachsüch- ersten Gehversuche. Auch in Südtirol, tigen Hexen und „zwiederen“ Männlein, wo der rasche Aufschwung nicht zuletzt von Zwergenkönigen und irrenden See- der Intuition und dem Pioniergeist lelen. „Die Sagen sind der Versuch, be- gendärer Wirte, Bergführer und Alpinisstimmte Ereignisse und Phänomene zu ten zu verdanken war. Eine Persönlicherklären und die Angst vor den Bergen zu keit für alle: Schon früh erkannte Emma beschwören“, sagt die Bozner Sagenfor- Hellenstainer, die Adlerwirtin in Niederscherin und Publizistin Brunamaria Dal dorf, die Bedeutung des erwachenden Lago Veneri. In den Bergen zu leben be- Alpinismus für den Fremdenverkehr. deutete früher – vor allem in den Winter- „1869 wurde sie erstes weibliches Mitmonaten – Hunger und Armut. Dabei glied des Deutschen Alpenvereins“, wie waren die Berge gleichsam Segen und man auf der Homepage des GeschichtsVerderben. Hier entsprang das lebens- archivs Pragser Wildsee lesen kann. Nienotwendige Wasser, das sich aber ur- derdorf war übrigens das einzige Dorf im plötzlich in tödliche Gefahr verwandeln deutschen Sprachraum, das neben grokonnte: Überschwemmungen, Stein- ßen Städten wie Berlin und München als schläge und Lawinen vernichteten Exi- Mitgründersektion dem Deutschen Alstenzen und Ernten. penverein beitrat. Knapp 150 Jahre später hält der Tourismus einen Anteil von 12,4 Prozent an Einzigartige Bergkultur Südtirols Bruttowertschöpfung (Quel„Die harten Lebensbedingungen in den le: Astat, Stand 2008). Wobei die heimiBergen haben die Menschen gezwun- schen Berge und das enorme Angebot, gen, eine eigenständige Kultur zu entwi- das um sie herum entstanden ist, als ckeln“, sagt Reinhold Messner. „Oben Hauptmagnet für die Destination diein den Bergen haben die Leute sehr viel nen. „Wenn man heute im August in länger als Selbstversorger gelebt als in den Dolomiten unterwegs ist, merkt den Städten. Sie waren völlig für sich man so richtig, wie sehr sich der Bergverantwortlich.“ Und obwohl in Tibet tourismus zum Massenphänomen entYaks und in Südtirol Ziegen, Schafe oder wickelt hat“, sagt die Sportpsychologin Rinder gehalten, obwohl hier Kartoffeln und ehemalige Leistungssportlerin und dort Hirse angebaut werden, sei die Monika Niederstätter. Ähnliches gelte Bergkultur weltweit ähnlich. „Überall im Winter für Skifahrer und Skitourenhaben die Menschen dieselbe Methode geher. Niederstätter kritisiert dabei den entwickelt, Butter zu schlagen oder den Druck, der viele zu immer schwierigeBoden zu bearbeiten.“ Leicht erkenn- ren und risikoreicheren Touren drängt bar sind die Analogien im jüngsten der (siehe auch Artikel auf Seite 19). » J U L I , A U G U S T, S E P T E M B E R 2 0 1 2 | M   1 1


TITEL: B E R G & A L P I N | Zwischen Himmel und Erde

„Wer heute unter eine Lawine kommt, zu lassen. Nur so werden die Menschen auch in 100 oder 1000 Jahren noch die ignoriert die Tatsache, dass der Schnee Möglichkeit haben, sich der großen Nader Schwerkraft unterliegt und früher oder später vom Berg herunterkommt. tur zu stellen und die Berge als solche zu erleben. Das ist ein Naturgesetz“, so Reinhold Aus einer anderen Perspektive beobMessner. „Und wer heute abstürzt, dem achtet Martin Damian vom Vitalpina Hopassiert es, weil er glaubt, dass der Berg so sicher ist wie eine Kletterhalle.“ Klet- tel Cyprianerhof in Tiers die Szene: Die Einstellung vieler Bergtouristen habe terhallen seien großartig. Sie seien aber reine Infrastrukturen mit genauen Re- sich in den vergangenen Jahren stark geändert. Und zwar zugunsten sanfter geln und einem Verantwortlichen für die Sportarten. „Als wir Mitte der 90er-Jahre Sicherheit. „Da kann ich losklettern und das Profil unseres Hauses neu definieauch hinunterfallen.“ Es passiere nicht ren wollten, war das Wandern total unviel. Und es sei auch immer lustig. „Die cool.“ Damals lag das Joggen im Trend, Natur ist aber nicht lustig. Im Gebirge kann ich klettern, wie ich will – ohne Re- wobei Laufgurus das Tempo vorgaben. geln und ohne eine genaue ,Straßenver- Nun habe sich der Rhythmus im täglichen Leben noch weiter beschleunigt. kehrsordnung‘. Dafür darf ich mir aber keinen Fehler erlauben und muss als „Und immer mehr Menschen brauchen und suchen einen Ausgleich.“ Damians Bergsteiger die gesamte Verantwortung Idee, sein Haus als Wanderhotel zu verübernehmen. Früher war das ganz selbstverständlich, heute nicht mehr.“ markten, sei anfänglich belächelt worEs sei allerdings ein enormer Fehler, die den. „Vor 15 Jahren boten wir eine geBerge zu Infrastrukturen „aufzumotzen“ führte Wanderung pro Woche an.“ Heuund ihnen ihre Gefahren zu nehmen. te seien seine Gäste täglich unterwegs. „Denn dann sind es kein Berge mehr, son- „Das Wandern hält sie fit. Es macht aber dern Attrappen.“ Messner appelliert an auch ihren Kopf frei. Und nach der Tour die alpinen Vereine, besser über die Un- muss man keinen loben. Die Belohnung terschiede zwischen Kletterhallen und liegt bereits in der Aussicht vom Gipfel Gebirge aufzuklären. Er fordert aber und in der Tatsache, es geschafft zu haauch auf, die Berge nach oben hin wild ben.“ Mittlerweile sei, so Damian, auch

SICHERHEIT EXPORTIEREN SÜDTIROLER BERGRETTUNG Ende Februar war eine heimische Delegation in Peking, anschließend ging es weiter nach Südkorea, im März haben sich US-Experten vor Ort informiert und im April kam sogar eine Gruppe aus Südamerika nach Bozen: Das Know-how der Südtiroler Bergretter ist zum Exportgut avanciert. „200 Jahre Bergtourismus und über 60 Jahre organisierte Bergrettung bedeuten viel Erfahrung und viel Wissen“, sagt Sebastian Mayrgündter, Manager des Clusters Zivilschutz & Alpine Sicherheit im TIS innovation park. „In Südtirol wurden Kompetenzen aufgebaut, die selbst für etablierte, aber vor allem für aufstrebende Märkte wie Asien interessant sind. Dort fangen sie erst jetzt damit an.“ Bei ihrem jüngsten Besuch in China hätten die heimischen Bergretter sämtliche Themen angeschnitten – von der medizinischen Versorgung an der Unfallstelle über die Bergung bis hin zum Abtransport. „Außerdem wurde eine Liftevakuierung simuliert, und zwar mit einem System, das vom Bergrettungsdienst im Alpenverein entwickelt wurde.“ Südtirols Bergretter machen Schule. Die Wege und Pisten sind fast lückenlos beschildert. „Auch deshalb genießt unser Land Sommer wie Winter den Ruf einer sicheren Destination“, sagt Mayr-

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das Verhältnis zu den Bergführern wieder gut. „Sie sahen uns anfänglich als Konkurrenz, dabei ergänzen wir uns doch bestens.“ Überrascht ist der Tierser Hotelier auch über die Kondition und die Kompetenz der Urlauber. „Früher sind sie über jeden Stein gestolpert, heute sind selbst anspruchsvollere Touren kein Problem mehr.“

Dolomiten als Weltnaturerbe Am 26. Juni 2009 hat die UNESCO Teile der Dolomiten zum Weltnaturerbe erklärt. Der Prozess, der zu dieser hohen Anerkennung geführt hat, habe in Südtirol jedoch bereits 30 Jahre früher mit der Ausweisung der einzelnen Naturparks begonnen, sagt Roland Dallagiacoma, langjähriger Leiter der Landesabteilung Natur und Landschaft und nun Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Dolomiten UNESCO, die das Erbe künftig „verwalten“ soll. „Grundvoraussetzung für ein Weltnaturerbe ist die Beschaffenheit des Gebietes. Und die Dolomiten haben zweifelsohne Weltqualität. Darüber hinaus ist der gesicherte Schutz entscheidend.“ Das neue Prädikat würde diesen Schutz nun auch noch international verankern und die Dolomiten

gündter. „Das Erlebnis Berg kann hier trotz Massentourismus genossen werden.“ Dennoch gibt es immer noch Aufholbedarf: „Vor allem bei der Sensibilisierung jener Menschen, die über wenig Wissen und eine falsche Selbsteinschätzung verfügen“, so der ClusterManager. „Ich denke da an die klassischen Pilzesammler oder an die vielen Wanderer, die sich oft mehr zumuten als sie imstande sind.“ Immerhin seien extreme Situationen in Südtirol relativ selten. Das Gros der Einsätze gelte Unfällen von Freizeitsportlern. Dass sich die Investitionen in die Prävention lohnen, das beweisen die Statistiken. Demnach liegt für Unfälle am Berg das Kostenverhältnis zwischen Vorbeugung und Schadensbehebung bei 1:8. „Für jeden Euro, den wir in die Prävention stecken, könnten bis zu acht Euro für Folgekosten eingespart werden“, erklärt Mayrgündter. Abschließend noch einige Eckdaten zur Bergrettung in Südtirol: Der Bergrettungsdienst im Alpenverein unterhält landesweit 34 Rettungsstellen. Weitere 22 Rettungsstellen werden von der Südtiroler Berg- und Höhlenrettung betrieben. Die insgesamt 2.600 Mitglieder bewältigen jährlich über 2.600 Einsätze. Begleitet und unterstützt werden sie dabei von 66 Suchhunden. Die Landesflugrettung ist mit zwei Hubschraubern ausgestattet. In der Hochsaison, also im Winter und im Sommer, kommt auch der Helikopter vom Aiut Alpin Dolomites dazu.


dem Risiko kurzfristiger politischer Entscheidungen entziehen. Aus wirtschaftlicher Sicht dürfte vor allem der Tourismus profitieren, wobei auch neue Gästeschichten zu erwarten sind. „Weltweit spricht man von einem sogenannten UNESCO-Tourismus“, so Dallagiacoma. Die Stiftung, die von den Provinzen Bozen, Trient, Belluno, Pordenone und Udine getragen wird, müsse nun die Schutzinhalte definieren und die Sensibilisierungsarbeit sowie die wissenschaftliche Tätigkeit vorantreiben. Etwas mehr Mut fordert Dellagiacoma bei einer Verkehrsberuhigung auf den Dolomitenstraßen bzw. bei einer Lösung für die Pässe. „Die Erfahrung zeigt uns, dass dieser Weg der richtige ist. Auch wenn sich viele dagegen sträuben.“ Auf der Seiser Alm oder der Plätzwiese sei die Stimmung anfänglich ebenso schlecht gewesen. „Und heute würde keiner mehr auf die Verkehrseinschränkungen verzichten.“

hütten verfallen lassen, wird auch der Tourismus einbrechen.“ Zum Glück, möchte man sagen, gibt es in Südtirol immer noch Orte, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint und die als solche auch geschätzt werden. Seit einigen Jahren hat sich auch der Gfallhof in Schnals für Urlaub auf dem Bauernhof eingerichtet. Das Angebot kommt gut an. Die beiden Ferienwohnungen und das kleine Gästehaus werden im Sommer und Herbst vermietet. „Allerdings nur so lange, bis zu viel Schnee liegt und die Straße gesperrt werden muss“, sagt Albert Gamper. Im Frühling hänge das Geschäft von der Witterung ab. „Da kann es dann schon passieren, dass wir kurzfristig doch noch eine Zusage machen können, weil die Lawinengefahr nachlässt und der Forstweg wieder sicher ist.“

Appell an Touristiker Auch Reinhold Messner ermahnt Politiker und Touristiker. Dabei unterscheidet er zwischen Natur- und Kulturlandschaft: „Dort, wo nichts herunterzuholen ist, dürfen keine Infrastrukturen entstehen.“ Dort, wo der Mensch seit Generationen wirtschaftet, sollte er allerdings auch weiterhin wirtschaften können. „Die Bergbauernkultur, die in Südtirol noch so sichtbar ist, die schönen Einödhöfe, die gemähten Wiesen, die landwirtschaftlichen Gründe, die zwischen der Talsohle und den Felsen liegen, sind für den Bergtourismus mindestens so wertvoll und wichtig wie die Berge selbst. Wenn also unsere Bauern ihre Höfe und den Berg verlassen, wenn sie die Wiesen zuwachsen und die Alm-

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TITEL: B E R G & A L P I N | Infografik

Ausrüstung heute

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Ausrüstung gestern

Für den Berg gerüstet Während in Sachen Bergsport und Alpinismus heute in erster Linie Funktionskleidung und damit High-Tech-Materialien mit modischen Schnitten zum Einsatz kommen, erfüllten vor nicht einmal 30 Jahren Naturfasern wie Leinen, Filz, Wolle oder Loden ihren Zweck. Komfort spielte dabei eine untergeordnete Rolle – wer hinauf wollte, musste besonders bei Wind, Kälte und Regen tapfer sein

und wenn nötig, gleich mehrere Lagen tragen. Die Berge waren damals noch weniger Spielwiese für die große Masse. In Zeiten von Nachhaltigkeit und Green Living sind Retromaterialien – Stichwort gewalkte Wolle – wieder stark im Kommen. In der Regel verlassen sich die meisten Berggeher heute aber auf das Können und die Annehmlichkeiten von Allround-Materialien wie Softshell oder Polygiene, d. h. mit Silbersalz versehene Textilien, die federleicht, weich und atmungsaktiv sind. J U L I , A U G U S T, S E P T E M B E R 2 0 1 2 | M   1 5


TITEL: B E R G & A L P I N | Interview

Wie ein Verlangen. Der Ahrntaler Extremberg-

steiger Simon Gietl über sein Verhältnis zu den Bergen, die Faszination des Gipfels und die wachsende Popularität des Klettersports.

zur person Simon Gietl (Jg. 1985) ist geprüfter Berg- und Skiführer. Am liebsten widmet er sich alpinen Fels- und Eisrouten. Gemeinsam mit dem Schweizer Roger Schäli ist ihm im März 2012 die erste Winter-Überschreitung der Drei Zinnen gelungen. Gietl ist Mitglied des SALEWA alpine-Xtrem Teams.

Mit 27 Jahren zählst Du zu den besten Kletterern der Welt. Was stellt der Berg für Dich dar? Die Berge sind mein Leben. Sie sind stumme, jedoch gute Lehrmeister, denen ich mit viel Respekt begegne, denn sie zeigen mir meine Grenzen auf. In den Bergen fühle ich mich wohl, ganz egal, was mir der Weg zum Gipfel abverlangt. Berge sind für mich eine Art Tankstelle für Kraft, Energie und Gedanken. Die Eiger-Nordwand in nur vier Stunden und einer Handvoll Minuten, die erste Winterüberschreitung der Drei Zinnen, eine Big Wall in Grönland: Welche weiteren Gipfelsiege werden wir in 20 Jahren in Deinem Routenbuch lesen? Als ich mit 18 mit dem Klettern begonnen habe, war der Pusterer Bergsteiger und Bergführer Christoph Hainz mit seinen kühnen Erstbegehungen mein großes Vorbild. Ich habe mir vorgenommen, einige seiner wagemutigen Touren zu wiederholen. Dass mir das gelungen ist, und ich diese Erfahrungen machen durfte, dafür bin ich dankbar. Heute suche ich meine eigenen Wege, wobei es mir nicht nur um den Gipfel oder den Schwierigkeitsgrad geht. Immer, wenn ich eine Zeit lang in einem warmen Bett geschlafen habe, zieht es mich wieder hinaus in die Berge. Es ist wie ein Verlangen. Dabei suche ich nach Touren, die meinen Kopf ebenso beanspruchen wie meinen Körper. 1 6   M | J U L I , A U G U S T, S E P T E M B E R 2 0 1 2

Die Bergsteigergenerationen vor Dir haben unendlich viel geleistet. Was muss ein junger Alpinist heute wagen, um auf sich aufmerksam zu machen? Persönlich habe ich mich bisher immer von meiner Liebe zum Berg leiten lassen. Und ich bin überzeugt, dass das der Schlüssel für die Zukunft sein wird. Mit etwas Phantasie wird es auch noch in 50 oder 100 Jahren möglich sein, neue, schöne Linien zu klettern – in den Dolomiten ebenso wie anderswo auf der Welt. Dein Motto lautet: Fühl dich stark, aber nicht unsterblich. Wie geht man als Extrembergsteiger mit der eigenen Angst um? Vor jeder anstehenden Expedition trainiere ich hart – Kopf und Körper, denn je besser ich mich vorbereite, desto sicherer fühle ich mich. Und wenn ich von zu Hause weggehe und zu einem neuen Projekt aufbreche, dann immer mit einer großen Portion Respekt im Gepäck. Bei einer Expedition im Dezember 2011 in Patagonien sind wir in ein schnell aufziehendes, nicht vorhersehbares Gewitter geraten. Um uns herum hat es überall geblitzt. Alles war geladen. Da hatte ich plötzlich nicht mehr Angst vor dem Tod, sondern vor dem Sterben. Anschließend habe ich einige Tage gebraucht, um wieder klarzukommen. Und da habe ich auch darüber nachgedacht, was mir das Bergsteigen gibt und was es mir nimmt bzw. nehmen könnte. Aber so lange die positiven Gefühle überwiegen, werde ich auch weitermachen. Wie haben die neuen Technologien und Materialien das Bergsteigen verändert? Die neuen Technologien und Materialien haben das Bergsteigen sehr wohl verändert und auch erleichtert. Denn es ist schon ein Riesenvorteil, wenn man, um nur ein Beispiel zu nennen, jederzeit den aktuellen Wetterbericht per Satellitentelefon abfragen kann. Ich glaube aber, dass sich vor allem die Bergsteiger


„Die Berge sind stille, jedoch gute Lehrmeister.“ Simon Gietl, Extrembergsteiger

selbst verändert haben. Heute geht man nicht mehr nur am Wochenende in die Berge, sondern trainiert oft tagtäglich für die geplante Bergtour. Gute Materialien sind sehr wichtig. Der innere Antrieb und der Glaube an sich selbst sind aber ebenso ausschlaggebend. Das Klettern ist heute Dein Beruf. Du lebst davon und Du finanzierst damit auch Deine neuen Expeditionen. Wie stark ist der Leistungsdruck? Abgesehen davon, dass ich mir den größten Druck sicherlich selber mache, bin ich in der glücklichen Lage, beruflich – als Bergführer und durch meine Vorträge – wie privat meine Liebe zu den Bergen ausleben zu dürfen und so meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Bei der Verwirklichung meiner Expeditionsträume werde ich zudem von Sponsoren unterstützt. Kommen vor allem Bergsteiger zu Deinen Multivisionsshows oder auch Leute, die noch nie am Seil gehangen sind? Die Outdoor-Wirtschaft boomt – und zwar weltweit. Überall dort, wo es Berge gibt, interessieren sich immer mehr Menschen fürs Klettern – vor allem fürs Sportklettern und Bouldern, aber auch fürs Bergsteigen. Zu meinen Veranstaltungen kommen die verschiedensten Menschen. Viele klettern selbst, viele sind ganz einfach vom Abenteuer fasziniert. Entsprechend unterschiedlich sind auch ihre Fragen. Die Leute wollen alles wissen, sie wollen wissen, was wir essen oder wie wir aufs Klo gehen, wenn wir in der Wand hängen. Wie viel kostet eine Expedition? Das hängt von der Tour ab, aber auch davon, ob man mit oder ohne Fotografen unterwegs ist. Sponsoren legen Wert auf eine gute Dokumentation, dafür muss allerdings ein Teil ihrer Gelder eingesetzt werden. Persönlich bin ich der Meinung, dass die Leute auch ein verwackeltes Bild vom Endspurt auf den Gipfel akzeptieren. Es ist authentisch und wird auch als solches geschätzt. Wohin führt Dein nächstes Projekt? Ins Himalaja-Gebirge, wir starten im September. J U L I , A U G U S T, S E P T E M B E R 2 0 1 2 | M   1 7


TITEL: B E R G & A L P I N | Sport

Zu wenig Mut zum Berg Immer mehr Kletterhallen, immer mehr Kletterwände, immer mehr Sportkletterer – auch in Südtirol. Was dabei auf der Strecke bleibt, ist das Gesamterlebnis Berg.

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m die Entwicklungen im Bergsport besser zu erklären, liefert der Sterzinger Bergsteiger und Bergführer Hanspeter Eisendle gleich ein Beispiel: „Der eine bestreitet einen Biathlon-Weltcup, der andere fährt mit denselben Langlaufskiern quer durch Grönland. Ohne Zweifel – das sind beides Höchstleistungen. Wer zu einer Grönlandexpedition aufbricht, muss sich jedoch ungleich mehr mit der Natur auseinandersetzen als ein Biathlet. Er muss das Wetter kennen, eine Karte lesen können und braucht darüber hinaus auch einen guten Orientierungssinn.“ So wie sich die zwei Spitzensportler voneinander unterscheiden, so differenzieren sich auch die beiden großen Trends im Bergsport. „Auf der einen Seite haben wir die ständig wachsende Zahl jener, die in Hallen und an Kunstwänden klettern oder nachts mit Tourenskiern über planierte Pisten jagen. Und ich ziehe meinen Hut vor jedem, der in der Halle gut klettert 1 8   M | J U L I , A U G U S T, S E P T E M B E R 2 0 1 2

oder sich dazu aufrafft, nach der Arbeit ausgebucht, in den Hallen herrschemit Stirnlampe über eine Skipiste zu Hochbetrieb. „Immer mehr Menschen laufen.“ Der Berg nehme hier allerdings finden so Zugang zum Klettersport. eine sekundäre Rolle ein. „Er wird quasi Was diese Leute allerdings nicht suzum Sportgerät.“ Demgegenüber stün- chen, ist das Abenteuer.“ Und zwar aus den jene Bergsteiger und Kletterer, die diversen Gründen. Zum einen sei es ein noch immer das Gesamterlebnis su- Zeitproblem. Hallen und Kletterwände chen. „Damit sind Emotionen verbun- seien jederzeit und leicht erreichbar. den, die schwer vermittelbar, jedoch „Zum anderen ist aber auch das wachumso stärker sind.“ Dass die breite sende Bedürfnis nach Sicherheit ein Masse heute lieber eine künstliche Klet- Grund dafür, dass sich viele nicht hinterwand als einen Dolomitenturm em- austrauen“, so Mair. Heute müsse alles porsteige, ist für Eisendle nichts Nega- kalkulierbar sein. Dabei stecke gerade tives: „Es liegt in der Natur der Berge, in vielen Sportkletterern ein enormes dass am Fuße mehr Platz ist als am Gip- technisches Potenzial. „Und es wäre fel.“ sehr schade, dieses versiegen zu lassen.“ Auch deshalb versuche der AVS, vor allem junge Sportkletterer fürs BergsteiSportklettern nimmt zu gen zu gewinnen. Was Eisendle beschreibt, wird auch von Thomas Mair, dem Vorsitzenden der Wandern ist in Hochtourengruppe im Südtiroler Alpenverein (AVS) bestätigt: „Seit Jahren „Wenn man von Trends im Bergsport verzeichnen wir großen Zuwachs gera- spricht, darf man heute auf keinen Fall de bei Sportkletterern.“ Die Kurse für das Wandern vergessen“, ergänzt Mair. Kids und Jugendliche sind regelmäßig „Unsere Lehrgänge für Tourenleiter


L E I S T U N G S TAT T G E N U S S B E RG E U N D D I E P SYC H E Die einen können ihrer Faszination kaum widerstehen, andere wiederum fühlen sich von ihnen eingeengt, ja sogar bedroht: Die Berge lösen sehr unterschiedliche Gefühle aus. „Das sind allerdings äußerst subjektive Reaktionen“, sagt Andreas Conca, Primar des Psychiatrischen Dienstes in Bozen. „Es gibt ganz einfach mutigere und ängstlichere Menschen. Das zeigt sich nicht nur im Verhältnis zu den Bergen, sondern auch und vor allem in der Bewältigung des täglichen Lebens. Entweder man hat die Courage, die Wand in Angriff zu nehmen, um über den Gipfel zu schauen, oder man hat sie nicht.“ Darüber hinaus erinnert Conca an die Entwicklungen im 19. Jahrhundert, als die Medizin die Heilkraft der Berge für sich entdeckte. In den Sanatorien, die damals in den Alpen entstanden, wurden nicht nur die Tuberkulose, sondern auch die grassierenden Nervenkrankheiten behandelt. „Berge sind ein wichtiges Symbol in der Traumdeutung“, erklärt der Bozner Psychiater Rudolf Schöpf. Dabei gehe man von der Position des Träumenden gegenüber dem Berg aus. „Muss der Betroffene im Traum einen mühsamen Aufstieg in Angriff nehmen, steht er wahrscheinlich auch im realen Leben vor einer Heraus-

sind voll besetzt. Ja sogar junge Menschen haben das Wandern für sich neu entdeckt. Denn es macht Spaß, hält fit und ist darüber hinaus kostengünstig.“ Einen vergleichbaren Erfolg verbuche derzeit das Skitourengehen: „Da sind gewaltige Massen unterwegs.“ Kaum ein Thema sind für „Puristen“ wie Eisendle und Mair dagegen die vielen Trendsportarten, die aus den USA regelmäßig nach Europa überschwappen. „Slackline oder Basejumping haben mit dem Berg eigentlich nichts zu tun“, so Eisendle. „Die Berge dienen hier lediglich als Bühne, weil es einfach spektakulärer ist, zwischen zwei Zinnen hin und her zu balancieren als zwischen zwei Häuserblöcken. Ich bin aber immer wieder davon fasziniert, was die neuen Generationen für sich erfinden.“ (mdp)

forderung.“ Und wer im Traum am Gipfel steht, der ist auch im Alltag mit sich selbst zufrieden. Weiters würden Menschen mit Depressionen den Berg oft als Bild benutzen, um ihren Zustand zu beschreiben. „Diese Patienten fühlen sich wie vor einem hohen Berg, den sie nicht überwinden können“, so Schöpf. „Immer mehr Menschen sind heute nur mit Stoppuhr und Pulsmesser in den Bergen unterwegs“, sagt die Sportpsychologin und ehemalige Leistungssportlerin Monika Niederstätter. „Das sind Leute, die oft alles riskieren und das Bergerlebnis gar nicht mehr genießen. Das Skitourengehen oder das Klettern wird quasi zur Sucht.“ Ein Trend, den es zu hinterfragen gilt. „Gesundheitliche und gesellschaftliche Gründe sind die klassischen Motive für eine sportliche Tätigkeit in den Bergen“, sagt Niederstätter. „Nun gibt es aber auch ein neues Motiv – den Leistungsdrang.“ Er spiele eine immer größere Rolle und bestimme nicht nur den beruflichen Alltag, sondern weitgehend auch die Freizeit. Oft gelte sogar: Je „risikoärmer“ der Job, desto mehr brauche man den Nervenkitzel nach Feierabend. Man suche die Gefahr und treibe sich selbst bis an die eigenen Grenzen. „Die Annahme, dass man heute nur mehr dann wertvoll ist, wenn man etwas leistet, ist jedoch ein gefährliches Spiel“, so die Sportpsychologin.

T R E N D S P O R TA R T E N Slackline Immer öfter sind sie vor Berghütten und in Jugendcamps, in Parks und in den Bergen zu sehen, die bunten Gurtbänder zum Balancieren. Die Slackline eignet sich zum Training für Bergsteiger, Kletterer, Mountainbiker, Skifahrer, Surfer – und natürlich auch zum Selbstzweck. Für ein atemberaubendes Spektakel haben im Herbst 2011 der Österreicher Reinhard Kleindl und der Südtiroler Armin Holzer mit ihrer HighlineExpedition an den Drei Zinnen gesorgt. Bouldern „Boulder“ heißt auf Englisch Felsbrocken. Unter „Bouldern“ versteht man das seilfreie Klettern in Absprunghöhe. Es wird am Fels wie an der Kunstwand gebouldert. Die neue Trendsportart fasziniert vor allem die junge Generation. Anlässlich des Brixner Bergsportevents International Mountain Summit (IMS) veranstaltet der AVS alljährlich ein Boulder-Festival. Basejumping Eigentlich sehen sie aus wie Flughörnchen, die sich im Turmspringen üben. Die Rede ist von den Basejumpern, die sich von Hochhäusern und Bergspitzen kopfüber ins Leere stürzen. Dabei tragen sie sogenannte „Wingsuits“, also Flügelanzüge. Der Begriff Basejumping steht für Fallschirmspringen vom festen Objekt. Drei Minuten dauerte der bisher längste Basejump. Der Weltrekord gehört dem US-Extremsportler Dean Potter.

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TITEL: B E R G & A L P I N | Porträts

Im Bann der Berge Immer wieder trifft man in Südtirol auf Menschen aus dem Ausland , die von den heimischen Bergen so fasziniert sind, dass sie jetzt hier leben. Das sind ihre Geschichten.

ANDREA HARTLEB DESIGNERIN

S I LV I A S I M O N I | I N G E N I E U R I N Der Berg bestimmt Silvia Simonis (34) Leben – und zwar beruflich wie privat. „Ich bin in Bologna aufgewachsen und war schon früh bei den Pfadfindern. Wir sind im Apennin herumgewandert, doch ich wollte mehr.“ Noch zu Oberschulzeiten folgten die ersten anspruchsvolleren Touren. Die Leidenschaft für den Berg habe sie aber auch bei der Wahl der Uni beeinflusst. „Ich habe Ingenieurwesen studiert, und zwar die Fachrichtung Umwelt und Landschaft. Endlich konnte ich auch theoretisch erklären, was ich beim Bergsteigen beobachtete.“ Das Doktorat war schließlich Anlass, um von Bologna nach Trient und somit einen Schritt weiter in die Berge zu ziehen. Nach einem beruflichen Intermezzo in Lausanne hat Silvia Simoni 2007 die Mountaineering GmbH in Bozen mitgegründet. Von der Erstellung hydrografischer Karten bis hin zur GPS-gesteuerten Gebietsanalyse entwickelt die Gesellschaft alle möglichen Dienstleistungen, um gefährdete Gebiete zu erkennen und nachhaltig zu sichern. „Die Zeit zum Bergsteigen ist mittlerweile recht knapp geworden. Aber ich kämpfe regelrecht darum, weil das die einzige Möglichkeit für mich ist, Energie zu tanken.“ 2 0   M | J U L I , A U G U S T, S E P T E M B E R 2 0 1 2

„Ich habe mich bewusst nach einem Job in den Bergen umgesehen“, verrät die 28-jährige Steirerin Andrea Hartleb. Nach dem Studium in München war die junge Modedesignerin für zwei Jahre nach Wien gezogen. Da habe sie allerdings nicht nur das regelmäßige Klettern und Mountainbiken vermisst: „Mir ist am Montag im Büro sogar der morgendliche Plausch über die Skitour am Wochenende abgegangen.“ Als sich ihr die Möglichkeit bot, bei Salewa in Bozen einzusteigen, habe sie sofort zugeschlagen. „Auch wegen meiner Freizeitinteressen bin ich nach dem Studium relativ schnell in die Outdoor-Schiene ,abgerutscht‘. Beruflich hat mich Salewa also sehr interessiert. Ich hatte damals aber auch noch ein anderes Angebot, allerdings nicht in den Bergen.“ Mittlerweile habe sie sich in Südtirol gut eingelebt. „Ich habe mich einer Gruppe einheimischer Mädels angeschlossen, die mich sehr gut aufgenommen hat. Jedes zweite Wochenende machen wir eine Skitour mit einem Bergführer.“ Und wenn die Wintersaison vorbei ist, steige sie auf ihr Mountainbike oder schlüpfe sie in die Bergschuhe. „In Südtirol lässt sich eben beides perfekt verbinden – mein Job und meine Passion für den Berg.“


REINER GERSTNER | BRAND & MARKETING DIRECTOR Wenn er von Südtirol spricht, dann rutscht Reiner Gerstner sogar das Wort Heimat heraus. Und das hat auch seine Gründe: Denn der 51-jährige Betriebswirt aus Bayern fühlt sich hier nicht nur wohl, sondern richtig zu Hause. „Ich war mehrere Jahre lang in Aschheim bei München für die Entwicklung der Salewa-Marke Dynafit verantwortlich“, sagt Gerstner. „Als sich mir 2008 die Gelegenheit bot, ins Headquarter von Salewa nach Bozen zu wechseln, habe ich gleich Ja gesagt. Ich habe schon immer die Nähe zu den Bergen gesucht.“ Heute ist der passionierte Skitourengeher, Bergsteiger und Motorradfahrer als Group Brand & Marketing Director für die Markenführung und –entwicklung sämtlicher Salewa-Labels zuständig. In der Freizeit wird geklettert und Ski gefahren. Und auf die Frage, wie seine Liebe zur Natur mit der Leidenschaft fürs Motorrad vereinbar sei, antwortet er: „Ich gehöre zum Schlag der Genussfahrer.“ Die Familie ist Reiner Gerstner bisher noch nicht nach Südtirol bzw. nach Meran gefolgt, wo er seinen Wohnsitz hat. „Meine Tochter steht im Abitur. Sobald ihre Ausbildung abgeschlossen ist, wollen sie und meine Frau ebenso umziehen.“

JÖRG HOLZAPFEL | INTERNETBERATER 2004 stand bei Jörg Holzapfel ein beruflicher Wechsel an. Der Internetberater (46) aus Frankfurt hatte dabei zwar zwei Optionen, jedoch keinen Zweifel: „Zwischen Hamburg und Bozen hab ich mich für die Berge entschieden.“ Ein Schritt, den der begeisterte Skitourengeher und Rennradfahrer nicht nur privat nie bereut hat. Das Ja zu Südtirol habe ihm auch beruflich einiges gebracht. „In Bozen habe ich die Möglichkeit, Leidenschaft und Job miteinander zu verbinden.“ So seien die Tourencommunity www.hotknott.com und das Rennradportal www.rennradler.it – beide wurden von Holzapfel entwickelt – entstanden. „Durch das Berggehen habe ich aber auch viele wichtige Kontakte geknüpft. Heute zählen diverse Bergsportausstatter und Bergführer zu meinen Kunden.“ Die Liebe zu den Bergen hat Jörg Holzapfel nicht erst in Südtirol entdeckt. Immerhin hat er seine Frau vor Jahren in der Schweiz bei einer geführten Skitour kennengelernt. In Bozen sei jedoch seine Begeisterung für den Rennradsport so richtig „groß geworden“. Vor zwei Jahren hat er einen Rennradführer für Südtirol veröffentlicht. Und in Kürze wird einer für das Trentino erscheinen.

D A N I E L & J A N I N E PAT I T U C C I FOTOGRAFEN „Schuld“ daran, dass Daniel „Dan“ Patitucci (43) vor fünf Jahren von Kalifornien nach Südtirol gezogen ist, war schlussendlich die Maratona dles Dolomites. Der Berg-, Sport- und Reisefotograf war schon früher beruflich oft in den Dolomiten unterwegs gewesen. Doch die Teilnahme am spektakulären Radrennen und die darauf folgenden Monate, die er als Tourist im Land unterwegs war, ließen den Wunsch aufkommen, mehr Zeit in Südtirol zu verbringen. „Und so haben ich und meine Frau Janine – sie ist aus der Schweiz, aber wir haben uns auf der Fotografieschule in Kalifornien kennengelernt – ein Haus in Bruneck gemietet.“ Die Dolomiten seien die perfekte Kulisse für Patituccis Arbeit. „An über 300 Tagen im Jahr sind wir beruflich und privat in den Bergen unterwegs. Wir fahren Tourenski und Mountainbike, wir machen Geländeläufe und Wanderungen. Und wir sind so fasziniert von den Dolomiten, dass wir unter www.dolomitesport.com sogar eine eigene Website für englischsprechende Bergsportbegeisterte geschaffen haben. Dabei ist es für uns ein ganz besonderer Ansporn, für die eigene Internetseite Geschichten zu recherchieren und Fotos zu shooten.“ Einige seien bereits von Fachmagazinen in den USA, in Holland, Deutschland und der Schweiz übernommen worden.


TITEL: B E R G & A L P I N Blick über den Tellerrand

Ausgezeichnete Produkte und Ideen rund um den Berg

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AM SICHEREN SEIL Flexibles Klettersteigset

Der Sicherheitsdämpfer Cable Vario ist das weltweit erste Klettersteigset, bei dem sich der Bremswiderstand auf das Gewicht des Benutzers einstellen lässt, ähnlich dem ZWert bei einer Skibindung. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Das Klettersteigset kann spezifisch auf das eigene Körpergewicht eingestellt werden. Dadurch wird auch bei Kindern und leichtgewichtigen Personen ein deutlich längerer Bremsweg erreicht und der Fangstoß ist gerade noch so hoch wie unbedingt nötig. Schwerwiegende Verletzungen durch Nichtauslösen des Falldämpfers werden damit vermieden. Somit ist das Cable Vario für Personen ab einem Körpergewicht von 30 kg geeignet. Mit dieser Innovation revolutioniert der Bergprofi Edelrid den Markt für Klettersteigsets und wurde dafür mit dem ISPO-Award als Overall Winner im Bereich Hardware ausgezeichnet. Fazit: Eine vorbildlich geschlossene Sicherheitslücke für Groß und Klein

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ERFASSEN & TEILEN Multifunktionale Skibrille

Diese Ski- und Snowboardbrille kann fast alles. Der eingebaute Mini-Monitor gibt dem Skifahrer den Eindruck, auf eine zwei Meter entfernte Leinwand zu blicken, und stellt neben der Piste wichtige Informationen kompakt dar: aktuelle Geschwindigkeit, Außentemperatur, Höhe und Uhrzeit. Die Brille hat einen eingebauten GPS-Empfänger, Beschleunigungs- sowie Temperaturund Luftdruck-Sensoren. Man kann die Brille per USB an jeden beliebigen Rechner ansschließen und die zurückgelegte Strecke auf der Landkarte betrachten. Über ein Highlite-System lassen sich besonders schwere oder interessante Streckenabschnitte markieren und dann an Freunde über Facebook, Twitter und Co. senden. Über Bluetooth kann der Fahrer sich mit einem Musikplayer oder einem Smartphone verbinden. Fazit: Diese Skibrille ist ein Computer.


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FUNCTION, FASHION, FEMININ Allroundjacke für alle Fälle

Style und Funktion in perfekter Kombination: Das vollständig recycelbare und umweltverträglich produzierte „3F Jacket“ überzeugte die ISPO-Jury 2012 in der Kategorie Outdoor Style. Bei dieser Outdoor-Jacke für Frauen handelt es sich um ein feminines, cleveres und schön gearbeitetes HightechFunktionssystem, also um eine perfekte Kombination aus Style und Outdoor. Die Funktionsjacke ist atmungsaktiv, wind- und wasserdicht sowie klimaregulierend. Umweltfreundlichkeit gehört zu ihrem Selbstverständnis: Die Sympatex-Membran ist 100 Prozent recyclingfähig, bluesign®zertifiziert und mit dem Öko-Tex-Standard100-Zertifikat ausgezeichnet. Das feminine Modell 3F mit der schmal geschnittenen Taille trägt die Handschrift der Jungdesignerin Sandra Dörfel. Fazit: Eine einzigartige Jacke für Menschen, denen Umweltfreundlichkeit, Funktionalität und Design wichtig sind.

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MOBILE SCHUTZHÜTTE

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Caravan am Berg

Der Alpenverein CAI aus Turin hat 40 Jahre nach der letzten Renovierung der Schutzhütte auf dem Monte Bianco ein neues Basislager für Alpinisten gebaut, das eine Synthese aus Komfort, Sicherheit und Verantwortung gegenüber der Umwelt darstellt. Diese Attribute entspringen dem Umweltprojekt „Leap“ (Living Ecological Alpine Pod). Die sandwichförmige Schutzhütte besteht aus einem modularen Baukastensystem und ist in vier Bereiche unterteilt: Eingang, Essraum, zwei Schlafräume mit zwölf Betten. Der Clou: Die Schutzhütte ist mobil. Mithilfe modernster Technik aus dem Bereich der Nautik und der Luftfahrt wurde ein schlüsselfertiges Objekt gefertigt, das den Anforderungen der Höhe bestens gewachsen ist und überdies ökologisch nachhaltige Richtlinien verfolgt. Die Energie wird durch Photovoltaiktechnik und Akkumulatoren der neuesten Generation produziert. Fazit: Selbst in extremer Höhe ist flexibles Wohnen möglich.

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WISSENSCHAFT AM BERG Höhenforschung auf der Zugspitze

Die Umweltforschungsstation Schneefernerhaus auf der Zugspitze ist Deutschlands höchst gelegene Forschungsstation. Der Wandel vom ehemaligen höchsten Hotel Deutschlands zur höchsten Forschungsstation des Landes könnte nicht größer sein. Hintergrund für die Schließung des Hotels nach 62 Jahren und die Umfunktionierung zu einer Forschungsstation im Jahr 1993 war die weltweit in Gang gekommene Diskussion um die globale Erwärmung und ihre Folgen für Mensch und Natur. Damit war eine Höhenforschungsstation geboren, die auf höchstem Niveau wissenschaftliche Beiträge für eine zukunftsfähige Klimaschutzstrategie liefert. Bis heute bildet das Schneefernerhaus eine weltweit einzigartige Plattform für die kontinuierliche Beobachtung physikalischer und chemischer Eigenschaften der Atmosphäre sowie die Analyse wetter- und klimawirksamer Prozesse. Fazit: Der Berg als wissenschaftliches (gzp) Forschungsobjekt.

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TITEL: B E R G & A L P I N | Film

Filme mit Luis Trenker in der Hauptrolle markieren den Beginn einer neuen und dramatischen Art des Bergfilms in den 20er-Jahren.

Abenteuer Berg, Abenteuer Film. Alfred Hitchcock, Luchino Visconti, Mario Monicelli und Roman Polanski sind nur einige der international bekannten Regisseure, die in Südtirol gedreht und die heimischen Berge als Kulisse für ihre Filme genutzt haben.

„THE MOUNTAIN EAGLE“, der Bergadler, war der zweite Streifen in der langen Karriere des genialen britischen Regisseurs Alfred Hitchcock. Der Stummfilm wurde 1926 am Timmelsjoch gedreht. Das Werk, auf das Hitchcock nicht übermäßig stolz war, ist heute bis auf ein halbes Dutzend Standfotos verschollen. Knapp 40 Jahre nach Hitchcock war auch Luchino Visconti in Südtirol. In Seis am Schlern wurden einige Szenen seiner großartigen Verfilmung von Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“ gedreht. Unvergessen bleibt außerdem die nächtliche Pferdeschlittenfahrt über die Seiser Alm in Roman Polanskis Horrorkomödie „Der Tanz der Vampire“. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Denn Südtirol ist, cineastisch gesehen, keineswegs unbedeutend. Verschiedene internationale Pro-

duktionen spielten bisher zumindest teilweise an heimischen Schauplätzen. Darunter Klassiker wie Pier Paolo Pasolinis „Il Decameron“, Mario Monicellis „Il male oscuro“ und Ettore Scolas „La più bella serata della mia vita“, aber auch Blockbuster wie „Cliffhanger – Nur die Starken überleben“ von Renny Harlin mit Silvester Stallone.

Bergfilm nicht gleich Bergfilm Wenn Südtirol zum Drehort wird, spielen (meistens) auch die Berge eine Rolle. Was allerdings unter einem Bergfilm genau zu verstehen ist, erklärt Ferruccio Cumer, Mitbegründer der Filmschule ZeLIG in Bozen und Präsident der gleichnamigen Genossenschaft. „Damit wurde ursprünglich ein ganz bestimmtes Genre bezeichnet, das das

T R I E N T, D I E G R A N D E D A M E D E R B E R G F I L M F E S T I VA L S Von den 21 Festivals, die in der International Alliance for Mountain Film zusammengeschlossen sind, gehören das Banff Mountain Film Festival in Banff (Kanada) und das Trento Film Festival in Trient wohl zu den bekanntesten; Trient ist mit seinen 60 Ausgaben auch das älteste und etablierteste der Festivals. In Deutschland wird seit 2003 das Bergfilmfestival Tegernsee veranstaltet. In Österreich sind das Berg- und Abenteuerfilmfestival Graz und das Salzburger Festival Abenteuer Berg – Abenteuer Film zu nennen. „Dabei ist es nicht immer ganz einfach, zu entscheiden, welche Filme zu einem Bergfilmfestival zugelassen werden sollten und welche nicht“, sagt Heidi Gronauer, Direktorin der Filmschule ZeLIG und Jurymitglied in Trient. „Genügt es, dass die Berge im Mittelpunkt stehen, wobei man akzeptiert, dass auch reine Dokumentationen präsentiert werden? Wir meinen, Nein: In Trient muss ein Bergfilm auch einen cineastisch-filmischen Wert haben.”

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karge Leben in den Bergen und die ersten alpinistischen Leistungen zeigte.“ Als Erfinder des dramatischen Bergfilms gilt der deutsche Filmpionier Arnold Fanck. Während der Aufnahmen zu seinem „Der Berg des Schicksals“ Mitte der 20er-Jahre engagiert Fanck einen jungen Mann aus Gröden – zunächst als Bergführer, dann als Darsteller. Es war Luis Trenker, der mit Streifen wie „Der verlorene Sohn“ und „Der Berg ruft“ schon bald zum wohl bekanntesten Vertreter der neuen Richtung avancierte. Gemeinsam mit der deutschen Regisseurin Leni Riefenstahl („Das baue Licht“) bestimmten Fanck und Trenker fast zwei Jahrzehnte lang das Genre und die Szene. Heute reicht das Spektrum der Bergfilme von Dokumentationen und modernen Expeditionsfilmen über Actionmovies made in Hollywood wie eben „Cliffhanger“ bis hin zu Spielfilmen, in denen die Berge lediglich als Bühne dienen. Sie sind keine Protagonisten mehr, sondern nur eine wunderbare Kulisse für eine Handlung, die wohl auch anderswo spielen könnte. „Was nicht heißt, dass es für den Standort nicht trotzdem funktioniert“, sagt Ferruccio Cumer. Bester Beweis dafür waren im Vorjahr die hohen Einschaltquoten für die Fernsehserie ‚Un passo dal cielo‘ mit Terence Hill, die von der BLS betreut wurde. (mdp)


TITEL: BERG & ALPIN | Meinung

Berg, der; ist eine Geländeform, die sich über die Umgebung erhebt. Er ist meist höher und steiler als ein Hügel. Er sollte sich ferner durch eine gewisse Eigenständigkeit auszeichnen, also genügend Abstand von anderen Bergen und eine Mindesthöhe über einem Pass aufweisen. Gegenstück ist das Tal.

Bergeweise Vorurteile Florian Kronbichler macht deutlich, dass es in puncto Faszination Berg entscheidend ist, ob Menschen am Berg leben oder ihn zum Vergnügen besuchen. Über Senner, Touristen, Bergbäuerinnen und eine kapitale Fehleinschätzung des Wintertourismus.

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er Berg und ich – eine Verkettung von Missverständnissen! Es muss damit zu tun haben, dass man nicht versteht, was einem zu nah ist und wozu man folglich keinen Abstand hat. In meiner Kindheit war ich Hüterbub, und zwar ein guter – im Sinn, dass die Almherren, die ein zerstrittener Haufen waren, ausnahmsweise mich einhellig lobten. Trotzdem, die Almen geliebt? Ich frage mich manchmal: Wie habe ich das überlebt? Ich verstand die Touristen nicht, die damals schon scharenweise zuwege kamen und auf die höchsten Berge stiegen. Was hatten die dort oben zu suchen – wo sie doch nichts zu tun hatten? Es war die Sicht von uns Almern. Keiner meiner Senner und älteren Hirtenkollegen war je auf einen der angeblich unwiderstehlichen Bergspitzen rundum gestiegen. Man hatte nichts zu tun da oben. Alpinismus, das wusste ich damals nicht, ist Städtersache. Was mich früher an Touristen ärgerte, amüsiert mich inzwischen. Begegnete ich letzten Sommer auf den Almböden zuhinterst im Ahrntal einer Ferragosto-Wandergruppe. Wie weit es denn noch sei „fino al confine“. Zur Grenze. Ich sah hinauf, von wo ich herkam, schätzte, sagte: „anderthalb Stund“. Ungläubige Enttäuschung in den Gesichtern der Italiener. Sie mussten sich bedeutend näher am Ziel gewähnt haben. Wie nach einem letzten Strohhalm greifend, traute sich schließlich einer zu sagen: „Ma noi intendiamo, fino al piede del confine.“ Welch hohe, welch kindlich respektvolle Auffassung vom Berg als Grenze! Vielleicht bin ich schon selber zum Städter verkommen. Traf ich unlängst bei Prad im Vinschgau auf eine alte Frau, die mit ihrem kleinen Enkel Autostopp machte. Macht niemand mehr, heutzutage, und natürlich nahm ich die beiden mit. Bis zum Schludernser Kreuz, beschied mir die Frau. Unterwegs erfuhr ich, dass sie auf einen Berghof hoch über Lich-

tenberg mussten, und ich erbot mich, sie hinaufzubringen. Vergelts Gott, Vergelts Gott, wir redeten übers eine und andere, und je höher es bergan ging, den Ortler in aller Pracht vor mir, umso mehr kam ich ins Schwärmen. „Sie haben es aber schön hier“, sagte ich. Hätte ich nur nicht! „Schön wohl“, gab die Frau zurück, „und die Arbeit!“ Ich schämte mich. Wie ein Tourist hatte ich geredet. Ich schwieg betreten. Nach einem Weilchen fragte die alte Frau mich, wo ich denn herkäme. Ich sagte, aus Bozen. Es war, als hätte das der Frau die Sprache verschlagen. Endlich sagte sie, sich entschuldigend: „Natürlich haben wir viel Arbeit hier heroben, aber, ... aber wenn ich denke, dass Sie da unten leben müssen!“ Erklärend fügte sie noch hinzu: „bei der Hitze!“ und „mit den ganzen Leuten!“ Ich verstand nur: Nie wieder wird sich diese Frau über ihr Bergbäuerinnenschicksal beschweren. Sie hat einen getroffen, „der da unten leben muss“. Und jetzt umgekehrt: Mein Vater war Bauer in Reischach und das anerkanntermaßen kein dummer. Da kam einmal, vor 50 Jahren muss es gewesen sein, der Doktor Lüfter auf den Hof. Der Mann war Zahnarzt in Bruneck und außerdem die treibende Kraft hinter dem Projekt, eine Seilbahn auf den Kronplatz zu bauen. Dafür keilte der unternehmerische Lüfter Geld bei den Kaufleuten der Stadt und den Bauern der Umgebung. Sie sollten Anteile zeichnen. Bei meinem Vater biss sich der Zahnarzt selber die Zähne aus. Ihn vermochte die Aussicht, den Kronplatz zu einem Wintertourismus-Gebiet zu machen, nicht zu locken. „Im Sommer, bitte, lass ich mir sagen, da ist’s schön oben, da werden euch schon Leute hinauffahren, aber im Winter? Sicher nicht. Viel zu kalt!“ Der Kronplatz-Seilbahn-Pionier warb vergebens. Der Vater blieb Bauer – und ich leider ohne Kronplatz-Aktien. Florian Kronbichler, 60, ist freier Journalist in Bozen. Seine Kommentare und Glossen erscheinen in deutschen und italienischen Zeitungen. J U L I , A U G U S T, S E P T E M B E R 2 0 1 2 | M   2 5


MARK E T I N G

Arbeiten im Urlaubsparadies Südtirol braucht immer mehr hochqualifizierte Arbeitskräfte. Weil der Bedarf im Land nicht zu decken ist, wird nun die BLS aktiv. Argumente für einen Umzug hierher gibt es genug.

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iki Rochelt radelt durch Bo- gument? Nicht nur, denn als positiv verzen – wie fast immer, wenn merkt Rochelt auch die hohe Wirtdie gebürtige Kölnerin von schaftskraft Südtirols, die „für kulturelle ihrer Wohnung in Gries zur Projekte mehr finanzielle Mittel locker „Carambolage“ fährt – und freut sich machen kann als anderswo“ – für die über die kurzen Wege hier. Das Theater Schauspielerin natürlich ein nicht unerist sozusagen einer ihrer Arbeitsplätze in heblicher Umstand. Einige SchwierigSüdtirol, denn die 47-Jährige ist Schau- keiten dagegen bereitete ihr die Mentaspielerin und Regisseurin. Vor über zehn lität der Südtiroler: Die offene und konJahren hat es die Deutsche mit ihrem taktfreudige Kölnerin hat mit der „etwas Mann Gerd Weigel – gebürtiger Karlsru- mangelhaften Offenheit und Toleranz“ her, auch er ein Schauspieler und Regis- der Menschen hierzulande zu kämpfen: seur – nach Südtirol gezogen. Warum „Zuerst fühlten wir uns von allen Seiten ausgerechnet hierher? „Wir hatten ein sehr freundlich und mit offenen Armen Engagement in Südtirol, und die wun- empfangen. Mit der Zeit merkten wir derschöne Landschaft und das fantasti- dann aber, dass es doch sehr viel länger sche Klima haben uns so beeindruckt, dauerte, echte tiefe Freundschaften zu dass wir beschlossen haben, es einmal schließen.“ Dennoch ist das Resümee hier in Bozen zu versuchen.“ der beiden Deutschen unterm Strich poDiese beiden Faktoren nennt Ro- sitiv; Freunden aus der Heimat würden chelt noch heute als die größten Vorteile, sie jederzeit empfehlen, zum Arbeiten die das Leben und Arbeiten in Südtirol nach Südtirol zu kommen. mit sich bringt: „Sie schaffen einen sehr Ein konkretes Arbeitsangebot ist der hohen Freizeitwert.“ Also arbeiten, wo Grund, warum Cataldo Losito aus Apuliandere Urlaub machen, als größtes Ar- en seit einigen Jahren mit seiner Familie 2 6   M | J U L I , A U G U S T, S E P T E M B E R 2 0 1 2

in Bozen lebt. Der Ingenieur mit einem Hochschulabschluss in Elektrotechnik arbeitet als Verantwortlicher für den Bereich Operation and Maintenance wind division bei Fri-el Green Power. Der Umzug aus Taranto, wo Losito zuvor beschäftigt war, fiel ihm nicht schwer: „Wir haben sofort eine Wohnung gefunden, und auch Kontakte zu knüpfen war kein Problem. Wir haben schulpflichtige Kinder, da haben sich bald Freundschaften ergeben.“ An Südtirol schätzt Losito vor allem die wunderbare Landschaft, aber auch das hohe Niveau der Dienstleistungen und der Arbeit. Bozen biete zudem gute Infrastrukturen für Familien: „Die Stadt ist klein und sehr gut organisiert, deshalb ist sie für Familien ideal.“ Die deutsche Sprache ist derzeit noch ein Stolperstein für den Ingenieur aus Apulien, allerdings „nur für mich und meine Frau – unsere Kinder lernen sie ja jetzt in der Schule.“ Dass es ganz objektiv viele Gründe für einen Umzug nach Südtirol gibt, un-


terstreichen auch immer wieder zahlreiche Statistiken: Sie bescheinigen dem Land Jahr um Jahr eine sehr gute Lebensqualität, wie etwa die letzte jährliche Studie zur Lebensqualität der renommierten italienischen Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore, bei der Südtirol hinter Bologna an zweiter Stelle landete. Hier schnitt Südtirol vor allem in den Bereichen „Wirtschaft und Arbeit“ sowie „Sicherheit“, aber auch im umfassenden Bereich „Dienste, Umwelt und Gesundheit“ sehr gut ab. Auch das vor Kurzem veröffentlichte Ranking zur Lebensqualität der Tageszeitung ItaliaOggi und der Universität La Sapienza in Rom schlägt in dieselbe Kerbe. Südtirol erreichte auch hier den zweiten Platz im Gesamtklassement, gleich nach der Nachbarprovinz Trient. Besonders interessant für potenzielle Arbeitnehmer des Landes: In der Kategorie „Business und Arbeit“ nimmt Südtirol sogar den ersten Rang ein. Hervorgehoben wurden in diesem Bericht auch die intakte Umwelt, die geringe Kriminalität, die funktionierenden Dienstleistungen (Kreditwesen) und das gute Schulsystem. Südtirol hat viele Bereiche, in denen es als Arbeitsstandort voll punkten kann, glaubt man bei der Business Location Südtirol (BLS). Die Südtiroler Standortagentur beschäftigt sich mit der Frage, wie man qualifizierte und spezialisierte Arbeitskräfte nach Südtirol (zurück-)holen bzw. nach der Ausbildung im Land

halten kann. Wie? Rekrutierungsmaßnahmen bei Vollbeschäftigung und in Zeiten der Krise? Was auf den ersten Blick unlogisch erscheint, hat handfeste Gründe: „Wir haben in Südtirol viele Unternehmen, die auf Top-Niveau arbeiten – von Weltmarktführern bis hin zu Nischenanbietern. Sie alle benötigen qualifiziertes Personal", erklärt Stofner.

Gesucht: Top-Personal Dazu kommt noch der zunehmende Bedarf an Fachkräften im Bereich der Wissenschaft und Forschung – etwa an der Freien Universität Bozen, der Europäischen Akademie, dem Versuchszentrum Laimburg oder in Kürze im neuen Technologiepark Bozen. "Auf dem heimischen Arbeitsmarkt kann dieser Bedarf nur schwer gedeckt werden, Unternehmen haben zunehmend Probleme, geeignetes Personal zu finden. Deshalb müssen wir den Arbeitsstandort Südtirol auch außerhalb des Landes bekannt und schmackhaft machen und gleichzeitig hochqualifizierte Südtiroler, die im Ausland arbeiten, zu einer Rückkehr bewegen“, erklärt BLS-Direktor Ulrich Stofner. Die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal sei zudem ein sehr wichtiges Kriterium für einen Wirtschaftsstandort, so Stofner weiter. Als Südtirols Standortagentur habe die BLS den Auftrag, den Wirtschafts- und Arbeitsstandort aktiv mitzugestalten und dafür zu sorgen,

dass die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft so attraktiv wie möglich seien. „Wenn es bei den Unternehmen Bedarf an gut ausgebildeten Arbeitskräften gibt, dann wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, Abhilfe zu schaffen, indem wir Angebot und Nachfrage einander näher bringen.“ Ein erster Schritt auf diesem Weg soll die online Information „Leben & Arbeiten in Südtirol“ sein. Die BLS hat gemeinsam mit der Abteilung für Bildungsförderung, Universität und Forschung des Landes die Inhalte dieses Themas erarbeitet, das auf der BLS-Website ww.bls.info zu finden ist. Vermittelt werden umfassende Informationen rund um das Thema: von der Frage „Warum Südtirol?“ über die Aufenthaltsgenehmigung und die Krankenversicherung bis zur Familienförderung und zum Bildungssystem. Bei der Bereitstellung von Informationen im Internet will man es aber nicht bewenden lassen. Durch viele weitere Maßnahmen will man künftig verstärkt versuchen, Talente aus dem In- und Ausland für Südtirols Unternehmen zu rekrutieren. Ulrich Stofner ist von dem Mehrfachnutzen dieser Bemühungen überzeugt: „Südtirols Unternehmen sollen ihre qualifizierten Positionen gut besetzen können. Und ein Lebens- und Wirtschaftsraum kann auf jeden Fall nur davon profitieren, wenn er mit frischen Ideen und neuer Kreativität von (bk) außen belebt wird.“

Südtirol punktet bei Arbeitskräften aus dem Ausland vor allem durch seine hohe Lebensqualität J U L I , A U G U S T, S E P T E M B E R 2 0 1 2 | M   2 7


MARK E T I N G

Internationales Netzwerk Bauen in den Alpen ist zunehmend Thema in Südtirol. Die Plattform alpitecture bemüht sich um internationalen Wissenstransfer über Alpen, Technologie und Architektur und bindet dabei heimische Unternehmen ein. 1

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üdtirol lockt. Gerade im Frühjahr, wenn die Sonne schon etwas stärker scheint als in nördlicheren Regionen und die Apfelbäume kurz vor der Blüte stehen. Südtirol lockt auch durch zeitgemäße Architektur, die mit aktuellster Technologie, niedrigem Energieverbrauch, neuen Materialien und mit einem Anspruch auf Umweltverträglichkeit realisiert wurde. Bereits zum vierten Mal trafen sich vom 22. bis 25. März international tätige Architekten auf der Plattform alpitecture zum gemeinsamen Wissenstransfer. Den Auftakt für die 200 angereisten Teilnehmer lieferte unter anderem die Ausstellung „Neue Architektur in Südtirol 2006 – 2012“ bei KunstMeran. Sich ein Bild von der Baukultur des Landes zu machen, in dem nur sechs Prozent der Landesfläche überhaupt bebaubar sind, 2 8   M | J U L I , A U G U S T, S E P T E M B E R 2 0 1 2

war für die Teilnehmer ein gelungener Einstieg in das komplexe Thema rund um das Bauen in den Alpen. Alpitecture hat zum Ziel, ein internatio������������������������������������ nales, kreatives Netzwerk der Architekten und Unternehmer in Südtirol zu etablieren. Geprägt durch ihr gemeinsames schöpferisches Potential generieren Architekten, Unternehmen und Entscheidungsträger neue Produktionsverfahren und Produkte. Ein wesentlicher Bestandteil von alpitecture ist dabei der Besuch von Partner-Unternehmen und ihren Referenzobjekten. An vier Tagen erhielten die Teilnehmer kompakte Informationen über das Land und seine Baukultur. Ein Ideenworkshop zur Präsentation Südtirols auf der EXPO 2015 in Mailand bildete einen der Schwerpunkte des vielfältigen Programms, in welchem die Qualitäten des Landes auf Basis einer weiter-

entwickelten Tradition vermittelt wurden. Erstmalig wurde auch ein eintägiger Kongress angeboten: „Länderübergreifende Projekte in der Architektur der Alpenländer und darüber hinaus“ lautete der Titel, unter dem 31 renommierte Architekten Faktoren aufzeigten, um Architektur über die Grenze und für alle Beteiligten in eine gewinnbringende Situation zu führen.

Workshop und Austausch Rund 200 Gäste besuchten die Abendveranstaltung im Veranstaltungszentrum KiMM in Meran und nutzten die Gelegenheit eines Gedankenaustauschs mit Kollegen aus den angrenzenden alpinen Ländern. Anlass waren die Werkberichte von Kjetil T. Thorsen von Snøhetta und Professor Tobias Wallisser von LAVA.


Neben Workshop und Expertengesprächen lernten die Gäste das Leistungsspektrum der aus einer handwerklichen Tradition entstanden Unternehmen kennen: Die Firma Höller, spezialisiert auf qualitätsorientierte Inneneinrichtung, der Fassadenbauer Frener & Reifer und der Holzbau-Spezialist Rubner stellten ihre Kompetenzen, ihren Anspruch an Qualität und Ausführung und ihre Referenzen vor. „Die Erfahrung zeigt, dass Kooperationen mit Fachleuten aus derselben Branche Erfolge bringen können, für die man allein mehrere Jahre gebraucht hätte. Dieser Austausch zwischen Gleich- und durchaus auch Andersgesinnten ermöglicht es uns, neue Impulse zu bekommen, Kontakte zu knüpfen und unsere soliden, handwerklich gewachsenen Leistungen vorzuzeigen“, sagt Klaus Höller vom gleichnamigen Betrieb.

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Auslandsaufträge erwünscht Entstanden war alpitecture genau aus diesem Beweggrund heraus: „Exportierte Dienstleistung, wie es etwa die eines Architekten sein kann, erhöht zwar nicht unmittelbar die Exportquote, da diese sich allein auf den Export einer Dienstleistung beschränkt. Aber sie generiert allemal Wertschöpfung und in der Folge vielleicht auch Export von Waren: Über den Daumen gepeilt zieht jeder Euro, den ein Architekt im Ausland verdient, einen Umsatz im Wert von zehn Euro nach sich. Außerdem haben wir in Südtirol ausgezeichnete Handwerks- und Industriebetriebe, die auch im Ausland gefragt sind – und Architekten greifen gerne auf bewährte und zuverlässige Firmen zurück“, erklärt EOS-Vizedirektor Markus Walder.

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Ideenwettbewerb für die Expo

1 Angeregte Diskussionen 2 Seilbahnstation Meran 2000 3 Produktive Workshops 4 Kjetil Thorsen, Architekturbüro Snøhetta, Oslo

Zurück nach Meran, wo im Rahmen der alpitecture ein Workshop angesagt war, bei dem die Gäste einen Beitrag durch den Blick von außen eingefordert wird. Dieses Jahr waren sie eingeladen, sich mit der „Architektur als Kommunikati-

on von Form und Inhalt Südtirols“ auf der EXPO 2015 in Mailand während eines eintägigen Ideenwettbewerbs zu befassen. Drei Gruppen arbeiteten parallel an Variationen der Aufgabenstellung. Die erste Gruppe konzipierte einen Ausstellungspavillon für Südtirol auf dem Gelände der EXPO 2015. Im Diskurs der Aufgabe spaltete sich die Gruppe in zwei Teams. Beide Teams rückten das Thema Apfelanbau in den Mittelpunkt ihrer Pavillonkonzeption. Auch die zweite Gruppe teilte sich in zwei Teams. Deren Aufgabenstellung war es, auf einer kleinen Fläche einen maximal zweistöckigen Pavillon zu entwickeln, der auch in einer Halle aufgebaut werden kann. Beide Teams legten dabei den Schwerpunkt in eine Raumfolge, die in der Gestaltung emotional auf Südtirol einstimmt. Landschaft und Genuss bilden den Rahmen der architektonischen Inszenierung. Die dritte Gruppe hatte die Aufgabe, eine Intervention zu entwickeln, die auf Südtirol aufmerksam macht, ohne eine große Fläche in Anspruch zu nehmen. Einfache klappbare Bühnenelemente symbolisieren die identifikationsstiftenden Merkmale des Landes: Der alpine Charakter, das Landschaftsbild, städtebauliche Strukturen sowie handwerkliche Tradition, Qualitätslebensmittel und der mediterrane Einfluss spiegeln sich in dem Auftritt wider. Treffen die Elemente auf dem EXPO-Gelände aufeinander, findet eine Inszenierung Südtirols statt.

Buntes Kaleidoskop Am Sonntag reisten die Gäste nach einem Besuch der Franzensfeste ab, zurück bleibt ein buntes Kaleidoskop an Eindrücken, einige davon sind auf facebook.com/alpitecture gestellt. Der Austausch zwischen den Fachleuten wirkte befruchtend und spannend auf die Teilnehmer, auch deshalb, „weil dieser Austausch sonst leider nicht stattfindet, er aber doch so wichtig ist“, meint Architekt Martin Mutschlechner von stadtlabor Innsbruck. (cs) J U L I , A U G U S T, S E P T E M B E R 2 0 1 2 | M   2 9


MENSC H E N

Die Gastgeber. Die Faneshütte ist Südtirols höchster ganzjährig bewohnter Wohn-

sitz. Max und Petra Mutschlechner lieben die besondere Energie inmitten der Dolomitengipfel, die absolute Stille und das bewusste Leben. Text: Barbara Platzer Foto: Max Lautenschläger

EIN AMPHITHEATER aus Stein und Fels, eine Bühne für Gämsen, Murmeltiere und Adler, eine Hochalm auf 2.000 Metern Höhe, die fast kreisförmig von den Gipfeln der Dolomiten des Naturparks Fanes-Sennes-Prags umschlossen ist. Lärchen und Zirben zieren das von Felsschuppen durchsetzte Wiesengelände, Schneereste kauern in den Senken. Mitten in dieser Szenerie befindet sich die Faneshütte, der höchste ganzjährig bewohnte Wohnsitz Südtirols. Und doch kann man in der Gaststube bisweilen vergessen, an welchem eindrucksvollen Ort man sich dort oben befindet. Das

Jahren das Tal unter sich gelassen hat und hinaufgezogen ist, zum Max, den sie schon als Kind kennengelernt hat, weil er der Bruder ihrer besten Freundin war. Dann erzählt wieder Max von den beiden Töchtern, die auf der Hütte aufgewachsen sind, mittlerweile aber nicht mehr dort oben leben. „Als sie zur Schule gingen, haben wir sie jeden Tag hinunter nach St. Vigil gefahren. Im Sommer mit dem Jeep, im Winter mit der Schneekatze. Nur wenn zu viel Schnee gefallen war, sind sie oben geblieben – und durften schwänzen.“ Ein Grinsen. Noch Wein?

„Es ist schwierig, Personal zu finden. Manche Menschen halten das nicht aus hier oben. Und manche bleiben.“ liegt an den Hüttenwirten Petra und Max Mutschlechner. Und ihren Geschichten. Er, mehr Gefühls- als Vernunftsmensch, grauschwarzer Schnauzer, blaue Augen, Motorradfahrer-Jacke, 58 Jahre alt, Lausbubenblick. Sie, mehr Vernunfts- als Gefühlsmensch, blonde Haare, grüne Augen, blauer Fleece, 46 Jahre alt, Lausbubenmaßregel-Blick. Jedenfalls: Wenn „der Max“ den großen Kochtopf voller Käsenocken auf den massiven Holztisch wuchtet und Petra die Flasche Rotwein öffnet, dann sollte man es nicht allzu eilig haben. Max beginnt zu erzählen, wie er hier aufgewachsen ist, wie sie früher die Gäste des Hotel Post aus St. Vigil empfangen haben und sein Vater später die Faneshütte vom Hotel übernommen hat. Dann erzählt Petra, wie sie vor 26 3 0   M | J U L I , A U G U S T, S E P T E M B E R 2 0 1 2

Es ist vermutlich die Weite und Größe der Natur, die den Menschen auf der Faneshütte auf sich selbst zurückwerfen und ihm bewusst machen, dass vieles im Leben nicht selbstverständlich ist. Wärme, Licht und Wasser zum Beispiel. Das Heizöl muss angeliefert werden, Strom kommt erst seit einigen Jahren aus St. Vigil (was zwar, wie Petra sagt, „nicht mehr so romantisch, aber viel sicherer ist“) und das Wasser aus einer Quelle unter der Neunerplatte. „Das Leben hier oben ist schon bewusster“, sagt Petra, und der Wind pfeift ihr in den Kragen. Doch der Ort entschädigt für alles. „Diese Energie hier oben, das ist etwas ganz Eigenartiges, etwas, das man spürt, wenn man einmal hier war.“ Manchmal, wenn es in der Hütte zu stressig wird, geht sie einfach nach draußen und me-

ditiert eine Weile auf einem Felsen. Es gibt kein Mobilfunknetz und kein Internet auf der Faneshütte. „Wir möchten das Hüttenflair ja nicht ruinieren“, sagt Petra auf der Terrasse. Wolken drücken zwischen Zehnerspitze und Lavarela auf die Alm herunter. Es regnet leicht und ist still. Sie weiß genau, dass die Gäste auch wegen dieser Zivilisationsferne kommen und dass das fehlende Mobilfunknetz heutzutage schon wieder ein Luxusgut geworden ist. „Diese Ruhe der Natur“, sagt Petra, „die spürt man einfach – und das merkt man sehr schnell. Stress und Lärm haben die meisten Gäste in der Stadt ja genug. Und auch wenn die Hütte überfüllt ist, muss man nur eine halbe Stunde wandern, und schon trifft man keinen Menschen mehr.“ Auf der Faneshütte geben sich Wanderer und Radler die Türklinke in die Hand. Das liegt an der Popularität des Dolomiten-Höhen-Wanderwegs Nummer 1 und der Transalp, einer Alpenüberquerung mit dem Mountainbike. Die beiden Wege kreuzen sich vor der Hütte. Am späten Nachmittag fahren wir wieder hinunter ins Tal, die Straße hinaus Richtung St. Vigil, und auf etwa 1.400 Metern Höhe fangen die Handys an zu piepsen. Man möchte am liebsten gleich wieder umkehren.

FA N E S H Ü T T E

39030 St. Vigil in Enneberg Tel. 0474 501 097 info@rifugiofanes.com www.rifugiofanes.com


Petra und Max Mutschlechner sind H端ttenwirte aus Leidenschaft


MARK E T I N G

Gut gebadet Heu-, Mineralwasser- und Latschenbäder sind wichtiger Bestandteil der Südtiroler Wellness- und Kurgeschichte. Sie eröffnen Hotels und Wellnessbetrieben neue Möglichkeiten zur Bereicherung ihres touristischen Angebots.

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ie „Badln“ in Südtirol blicken auf eine lange Tradition zurück: Bereits um die Jahrhundertwende gab es viele Bauern- und Kurbäder, die bei in- und ausländischen Gästen sehr beliebt waren. Diese Tradition und das Wissen um den gesundheitlichen Mehrwert dieser Bäder sind vielfach jedoch in Vergessenheit geraten. Um diese einzigartigen, authentischen und regionalen Anwendungen wiederzubeleben, haben sich zwölf Südtiroler Heu-, Mineralwasser- und Latschenbäder zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Unterstützt wird das Netzwerk durch den Cluster Alpine Wellbeing des TIS innovation park, der das Fachwissen zu den Themen Heu, Mineralwasser und Latschen in Form eines Kompetenzzentrums vertieft. „Wissenschaftliche Studien werden genauso gesammelt wie historische Unterlagen, die dann den Netzwerkmitgliedern weitergegeben werden“, sagt Manuela Irsara, Managerin des Clusters. Die Betriebe, die dem Netzwerk angehören, sind sehr unterschiedlich, sie reichen vom Urlaub auf dem Bauernhof bis zum Viersternehotel. Gemeinsam ist allen, dass sie langjährige Experten auf dem Gebiet der traditionellen Bäder sind. Gemeinsam sind ihnen auch die Ziele, die sie durch den Zusammenschluss im Netzwerk verfolgen: das traditionelle Wissen um die Bäderkultur wiederzubeleben, eine transparente und hohe Qualität zu garantieren sowie unter der gemeinsamen Marke „Heu- und Wasserbäder Südtirol“ aufzutreten. Das letztgenannte Ziel wurde bereits erreicht: Die Badlbetriebe haben ein gemeinsames Logo und eine Home-


Heus, das von unserer eigenen Almwiese stammt.“ Beim Latschenbad wird entweder dem Badewasser Latschenölextrakt zugesetzt oder direkt inmitten heißer Latschenzweige gebadet. Ätherisches Latschenöl wird in der Volksmedizin schon seit Jahrhunderten verwendet: Es kann schleimlösend, schwach antiseptisch und durchblutungsfördernd wirken. Latschenbäder werden von einigen Badbetreibern zusätzlich zum Heubad angeboten.

page, auf der zahlreiche Informationen zu Badln und Betreibern zu finden sind. Entscheidend für die Qualität und Wirkung des Heus sind die Wirkstoffe der verschiedenen Kräuter, die im Heu vorkommen und je nach Lage sehr unterschiedlich sein können. Alle Betriebe des Badlnetzwerks verwenden ausschließlich Südtiroler Qualitätsheu, das von ungedüngten Hochalmen stammt und einen sehr hohen Kräuteranteil aufweist. Untersuchungen belegen, dass Heubäder unter anderem den Stoffwechsel anregen, Muskelverspannungen lindern oder sich positiv auf Verdauungs- und Schlafstörungen auswirken können.

Wellness statt Kur „Früher wurden Heubäder als Kur von einem Arzt verschrieben“, erklärt Walter Daldoss vom Berghotel Jochgrimm, dem wohl ältesten traditionell betriebenen Heubad in Südtirol. „Heute werden Heubäder aber nicht mehr als Kur eingestuft, sondern als Wellnessanwendung und haben leider an Wert verloren“, so Daldoss. Nichtsdestotrotz kämen immer noch viele Stammgäste ins Hotel, die auf die Wirkung der Heubäder schwören. Im Berghotel werden die Heubäder noch nach altem traditionellem Ritual angeboten. Das bedeutet, es gibt vier Sitzungen pro Tag über einen Zeitraum von etwa neun Tagen, wobei immer an einem Tag ausgesetzt wird. „Diese Bäder sind sehr zeitaufwändig, weshalb wir vermehrt auch kürzere, einzelne Bäder anbieten“, erklärt Daldoss, der ergänzt: „Im Vordergrund steht bei jedem Bad aber immer die Qualität des

Wasser marsch In Südtirol gibt es 32 geprüfte Mineralwasserquellen und Mineralwasser, die z.B. Sulfat, Magnesium, Kupfer, Eisen oder Radon beinhalten. Auch viele Südtiroler Trinkwässer haben Mineralwasserqualität. Diese Wässer können einerseits in Form von Bäderanwendungen genutzt werden, wo sie, je nach Zusammensetzung, entspannen, den Stoffwechsel anregen, chronisch-rheumatische Erkrankungen lindern oder die Haut pflegen können. Andererseits werden auch Trinkkuren angeboten: Die Trink-Mineralwässer Südtirols eignen sich bei Nieren- und Darmstörungen zur Unterstützung des Stoffwechsels und der Verdauung und weisen eine entschlackende Wirkung auf.

„Seit September letzten Jahres bieten wir Behandlungen mit dem Wasser unserer Quelle an“, sagt Nicol Alberti vom Hotel Aqua Bad Cortina in St. Vigil in Enneberg. „Das Wasser unserer Quelle ist schwefelhaltig, was besonders gut für die Haut ist.“ Bei einem solchen Schwefelbad wird viel mehr als nur das gute Mineralwasser in die Wanne gelassen: Die Behandlung läuft nach einem ganz bestimmten Ritual ab, daneben erklärt der „Badlmeister“ die wohltuende Wirkung des Wassers und versetzt den Gast in einen tiefen Entspannungszustand. Die Behandlung kombiniert, neben dem Quellwasser, auch andere alpine Ressourcen: Die Wanne ist aus Silberquarzit, einem Stein aus dem Pfitschtal, der eine wärmespeichernde Wirkung hat, und der Deckel aus Zirbenholz, das beruhigend wirkt. Der Schwefelgehalt tut dem Geschmack keinen Abbruch, weshalb sich das Wasser ideal zu Trinkkuren eignet. „Bei dieser Kur sollen die Gäste einfach während ihres Aufenthaltes täglich etwa einen Liter dieses Wassers trinken. Das Wasser tut der Verdauung gut und hat eine reinigende Wirkung“, unterstreicht Alberti. „Will man die volle Kraft des Wassers erleben, so sollte man sowohl im Wasser baden als es auch trinken. Nur so hat man wirklich gut gebadet.“ (ep)

Das Hotel Aqua Bad Cortina nutzt die hauseigene Quelle für Wasserbäder und Trinkkuren J U L I , A U G U S T, S E P T E M B E R 2 0 1 2 | M   3 3


MARK E T I N G

Spiritualität

Gesundheit

Bildung

Kultur

Gute Verbindungen suchen. Strategische Produktentwicklung ist für

die Weiterentwicklung einer touristischen Destination nicht nur notwendig, sondern überlebenswichtig. Ein Überblick über Angebote, die auf Initiative der SMG umgesetzt wurden.

I

n Zeiten von Individualisierung, Selbstverwirklichung und Rückbesinnung stehen Werte wie Hinwendung zur Natur, Gesundheit und Authentizität hoch im Kurs. Es reicht nicht mehr aus, nur die Grundbedürfnisse seiner Kunden zu erfüllen. Das betrifft die Automobilbranche genauso wie den Tourismus. In gesättigten Märkten, in denen es für jedes Produkt und jede Dienstleistung bereits einen Anbieter gibt, müssen Artikel ein Alleinstellungsmerkmal aufweisen und Exklusivität gewährleisten. Im Fachjargon wäre das der sogenannte USP (Unique selling proposition). Denn am Ende bleibt in der Erinnerung an ein Produkt und an eine Dienstleistung nicht der Betrag, der ausgegeben wurde, sondern das besondere Erlebnis. Diese Werte sind die Treiber von Entscheidungen – auch oder gerade im Urlaub. Die Angebote in einer Destination sind entscheidend. Doch wie schaffen es touristische Destinationen ein Produkt zu entwickeln, das sich von anderen ähnlichen Destinationen (Alpenregionen) unter3 4   M | J U L I , A U G U S T, S E P T E M B E R 2 0 1 2

scheidet? Mit dieser Aufgabe befasst sich die Südtirol Marketing Gesellschaft (SMG) seit rund zehn Jahren. Die Abteilung Destinationsmanagement der SMG ist in ständiger und enger Abstimmung mit Partnern, insbesondere den Tourismusverbänden und Hotelpartnern. Ziel ist es, gemeinsam mit diesen attraktive Angebote und Produkte zu gestalten, die dem Profil der Region gerecht werden und mit der Positionierung Südtirols im Einklang stehen. Dies geschieht vor dem Hintergrund eines sich ständig schneller verändernden Produktmarktes und sich laufend wandelnder Bedürfnisse. Produktentwicklung muss einerseits die sich abzeichnenden Trends und einen Lebenszyklus von fünf bis zehn Jahren berücksichtigen.

Auslaufdatum inklusive „Neue Produkte brauchen aber auch die Zeit, um sich entwickeln und sich am Markt bewähren zu können. Im Marketing gilt nach wie vor die Faustregel: Alle drei bis fünf Jahre sollte ein Produkt um

einen neuen Aspekt bereichert werden, um nicht in die Jahre zu kommen und deswegen seine Attraktivität einbüßen zu müssen“, erklärt Alexandra Mair, Leiterin der Abteilung Destinationsmanagement in der SMG. Die SMG hat in dieser Funktion die Aufgabe, Marktforschung und SWOT-Analysen (StärkenSchwächen-Chancen-Risiken-Untersuchung) zu betreiben, und basierend auf diesen Ergebnissen strategische Impulse zu setzen und gemeinsam mit Partnern attraktive Angebote zu entwickeln, die dem Profil der Regionen gerecht werden und eine gute Entwicklung für den Lebensraum Südtirol bedeuten. „Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass gute Produkte durch spannende interdisziplinäre Zusammenarbeit entstehen: So etwa verbindet die Museum-Mobil-Card Mobilität mit Kultur, die Culturonda-Themenwege wiederum vereinen das Naturerlebnis mit den Themen Dolomiten und Wein“, weiß Mair. Auf der Suche nach passenden Querschnitten ist der SMG in Zusammenarbeit mit Partnern, Touris-


Ernährung

TOURISMUS Wissenschaft

musverbänden und Hotelgruppen sehr viel Spannendes gelungen, das aus der Tourismusregion Südtirol nicht mehr wegzudenken ist. Seit 2001 etwa betreut die SMG die Geschäfte der Angebotsgruppe Familienhotels Südtirol. Die 25 Familienhotels Südtirols haben sich ganz auf die Bedürfnisse großer und kleiner Gäste eingestellt. Ein daraus entstandenes Gemeinschaftsprodukt ist das Naturdetektivcamp, das unter dem Motto ‚Natur & Wissen für Familien und Kinder‘ spannende Themen rund um die Natur spielerisch aufbereitet. Die Betreuer werden jedes Jahr neu geschultentwickeln immer wieder neue Ideen zum Thema ‚Natur erleben und begreifen‘.

Marketing = Produktentwicklung 30 Hotels, die Bewegung, Wohlbefinden und Wellness made in Südtirol zum Thema ihres Urlaubskonzepts gemacht haben, sind hingegen die Vitalpina Hotels Südtirol. Alle Gastgeber sind selbst geprüfte Wanderführer und führen die Gäste im Sommer und Winter durch die Südtiroler Bergwelt. „Mit dem jüngsten Gemeinschaftsprojekt von SMG und Vitalpina Hotels ‚Durchatmen‘ haben wir ein Thema gefunden, das wir bei allen drei Säulen des Vitalpina-Konzepts

In gesättigten Märkten entstehen neue Produkte häufig durch die Verzahnung unterschiedlicher Disziplinen

durchspielen können: beim Outdoorprogramm, im Wohlfühlbereich und in der Küche“, erklärt Wolfang Töchterle, Betreuer der Hotelgruppen Vitalpina und Bikehotels Südtirol. Auch die 2010 neu gegründete Angebotsgruppe Bikehotels Südtirol hat entschieden, sich in den Bereichen Produktentwicklung, Vermarktung und Verwaltung der SMG anzuvertrauen. Die 20 Bikehotels und die sieben angeschlossenen Bikeschulen haben viel umgesetzt und sprechen fünf verschiedene Zielgruppen an: Mountainbiker, Rennradfahrer, Genussradfahrer, EBike-Fahrer und Freerider. Auch aus der Zusammenarbeit mit diversen Ferienregionen entstehen gut funktionierende Produkte: Eisacktal – ‚Tal der Wege‘, so lautet das Kernthema, dem sich die Ferienregion Eisacktal innerhalb der Positionierung Südtirols widmet. Fortlaufend entstehen so Rund- und Erlebniswege, die die Stärken des Eisacktales erlebbar machen und dessen zentrale Produkte Kastanie, Wein, Apfel und Milcherzeugnisse in den Mittelpunkt stellen. Der Tourismusverband Südtirols Süden bespielt in Zusammenarbeit mit der SMG die Themen ‚Wein und Rad‘. Zahlreiche Möglichkeiten für Besichtigungen von Weinkellereien, Burgen, historischen Ansitzen und Degustationen lokaler

Sport

Spitzenweine werden Wein-Interessierten auf den drei entwickelten GenussRadrouten an der Südtiroler Weinstraße geboten. „Produktentwicklung ist anspruchsvoll,“ erklärt Alexandra Mair. Angebote müssten an geeigneter Stelle buchbar sein, funktionieren und letztlich auch wirtschaftlich rentabel sein. „Produkte dürfen nicht nur kreiert werden, damit es neue Kommunikationsinhalte gibt“. Produkte müssten ehrlich sein und das Leben des Konsumenten bereichern. .

Auf Schlüsselthemen setzen Die SMG hat die Vision entwickelt, Südtirol zum begehrtesten Lebensraum Europas zu machen. Dabei ist eine gute Weiterentwicklung der Bereiche Nachhaltigkeit, Architektur, Kultur, alpine Kompetenz und der regionalen Produkte entscheidend. Aus diesem Grund hat das Destinationsmanagement der SMG neue Netzwerke ins Leben gerufen, um in enger Abstimmung mit Partnern und externen Fachgruppen neue Kommunikationsinhalte herauszuarbeiten, aber vor allem auch, um neue Produkte entstehen zu lassen. Solange Produktentwicklung in Bewegung ist, solange werden Innovation und Fortschritt weiterhin stattfinden. (gzp) J U L I , A U G U S T, S E P T E M B E R 2 0 1 2 | M   3 5


IM VIS I E R D E R M E D I E N

Über Südtirol berichtet. Südtirols Vielfalt passt in Architekturzeitschriften, Frauenmagazine, Reisemagazine, Koch- und Lifestyle-Zeitungen, Abenteuersendungen, zu Web- und TV Auftritten – ein Land mit vielen Gesichtern.

Russland: Condé Nast Traveller Reisemagazin – Die russische Ausgabe der Monatszeitschrift Condé Nast Traveller nimmt seine Leser mit auf eine spannende Genuss-Skitour nach Alta Badia. Michelin-Sterne-Restaurants werden ebenso vorgestellt wie die zahlreichen Skihütten, deren Gerichte von den Dolomitici, den drei Michelin-Sterne-Köchen aus Alta Badia, und anderen italienischen und internationalen Starköchen eigens arrangiert werden. Ausgabe Februar 2012

Italien: Yoga Journal Yoga-Magazin – „Seit zweihundert Jahren lockt die Stadt Meran mit Kur- und Wellnessangeboten“, schreibt die Redakteurin Rita Bertazzoni. Sie ist jedoch wegen der anstehenden Merano Vitae und dem daneben stattfindenen Yoga-Festvial nach Meran gekommen und wollte mehr über das Wohlbefinden in der Passerstadt erfahren. Ausgabe April 2012

Deutschland: AD Architectual Digest Architekturzeitschrift – Die Architekturzeitschrift AD lüftet historische Geheimnisse rund um die Festung Franzensfeste, in der sich Österreich einst gegen künftige Invasoren wappnete und unter Mussolini Italiens Gold versteckt wurde. Heute schuf laut AD der Meraner Architekt Markus Scherer neue Preziosen aus Beton und Stahl, die den Besuch der Burg zum architektonischen Erlebnis machen. Ausgabe April 2012

Schweiz: „Unterwegs“ Fernsehsendung – Zehn Tage wurde für die 42-minütige Sendung im Schweizer Fernsehen SF1 „Unterwegs“ gedreht: Die Themen reichten von Bergapfelsaft über Reinhold Messner, Ötzi, bäuerliche Welten, Biken an der Weinstraße bis hin zu VespaSammlern. 500.000 Schweizer sehen sich im Schnitt diese Sendung an, die einen Marktanteil von knapp 30 Prozent hält. Erstausstrahlung: Freitag 16.3. um 21 Uhr.

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Österreich: Insiderei Online-Reisemagazin Das Lifestyle-Reisemagazin hat neuerdings auch Südtirol im Programm: Bereits mehrere Charakterköpfe aus Südtirol haben ihre Lieblingsplätze, Lieblingsrestaurants und Geheimtipps verraten. Interviewt wurden unter anderen die Komponistin Manuela Kerer, der Künstler Aron Demetz, die Kunstfrau Letizia Ragaglia sowie der Starkoch Norbert Niederkofler. Aber auch Menschen von nebenan mit dem gewissen Etwas erhielten auf dem Online-Portal eine tolle Plattform. Online seit Januar 2011


Deutschland: Brigitte Frauenmagazin – Deutschlands größte Frauenzeitschrift verrät auf großzügigen 14 Seiten 50 Südtiroler Geheimtipps: die besten Restaurants und Gasthäuser, herrliche Unterkünfte, tolle AktivTouren, Orte zum Träumen und InsiderAdressen in Meran – unglaublich vielseitig. Ausgabe März 2011

Österreich: Woman Frauenmagazin – Laut Österreichs wichtigstem Frauenmagazin ist Südtirol ein guter Nährboden für starke Frauen: Auf vier Seiten werden starke Persönlichkeiten aus Südtirol porträtiert. Dazu zählen die Kultur-Powerfrau Letizia Ragaglia, Modedesignerin Barbara von Pföstl, Choreografin und Filmemacherin Veronika Ritz und die Starwinzerin Elena Walch. Ausgabe März 2012

Großbritannien: „A Year of Adventures“ Abenteuer-Fernsehsendung – In der BBC-Sendung „A Year of Adventures“ wird Südtirols Traumlandschaft vorgestellt. Der Trailer auf YouTube lässt erahnen, welche Abenteuer der BBC-Moderator Ben Fogle erlebt hat: vom Tandem-Paragleitflug in den Dolomiten bis zum Drei-Zinnen-Alpin-Lauf, Action pur. Ausgestrahlt im März auf BBC Knowledge Italy

Niederlande: Joie de Vivre Lifestyle-Zeitschrift – Die vier Mal jährlich erscheinende Hochglanzzeitschrift aus den Niederlanden nimmt den Leser mit auf eine Reise nach Südtirol, erkundet Land und Leute, den Lebensstil seiner Bewohner, ihre Kultur, Tradition und Küche. Ausgabe Sommer 2012

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MARK T P L AT Z

Christoph Engl (rechts) im Gespräch mit dem belgischen Sommelier Filip Verheyden, dem Moderator des Abends

BRÜSSEL, BELGIEN BELGIEN TRIFFT SÜDTIROL: Welche Art von Liaison könnte fruchtbarer sein als jene zweier Regionen, die kulinarisch so viel zu bieten haben wie sonst kaum ein Fleckchen in Europa? Dies dachten auch zahlreiche belgische Fachjournalisten und folgten dem Presse-Get-Together der Südtirol Marketing Gesellschaft (SMG) im Weinlokal Etiquette in Brüssel. Thema des PR-Events im April: Klima- und Genussland Südtirol. SMG-Direktor Christoph Engl stellte Südtirols ehrgeizige Ziele in der Klimapolitik vor, der belgische Sommelier Filip Verheyden nahm das Weinland Südtirol unter die Lupe: Südtiroler Sauvignons wurden zu Spargelgerichten serviert. Zum Abschluss gab's Rosenmuskateller mit belgischer Spitzenschokolade. 3 8   M | J U L I , A U G U S T, S E P T E M B E R 2 0 1 2


„Der Alpinismus ist kein Sport, kein Wettkampf, sondern eine Philosophie, eine Lebensform.“ Cesare Maestri Kletterer und Alpin-Schriftsteller, * 1929


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