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DAS MAGAZIN ZUM 2. SCHWEIZER DIGITALTAG 25. OKTOBER 2018

AR Lassen Sie das Magazin lebendig werden: DigitalDayAR-App downloaden, Seiten scannen und Augmented Reality erleben.

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DIE POST IST DA. FÜR ALLE. Auch für die Umwelt. Zusteller Pierre-André Chevalley ist stolz darauf, dass alle 6000 Roller der Post mit Ökostrom fahren. post.ch/pierre-andre


Digital denken Liebe Leserin, lieber Leser

Foto: Shane Wilkinson

Als ich vor gut 10 Jahren in den Journalismus eingestiegen bin, war klar: Die Zukunft gehört Online. Ein paar Jahre später folgte die Präzisierung: Die Zukunft ist Mobile. Und heute? Sie halten ein gedrucktes Magazin in den Händen, das schutz oder bei Job-Verschiebungen durch gleichzeitig digital ist. Augmented Reality die Automatisierung. Aber die Schweiz ist verbindet die beiden Welten miteinander, bestens gerüstet, diese Herausforderungen lässt Bilder zu Videos und Texte zu multiin Chancen zu verwandeln. Dank ihren medialen Artikeln werden. Kurz: AR erHochschulen, ihrer florierenden Wirtschaft weckt Inhalte zum Leben (Anleitung siehe und ihrem politischen System, das Stabi­ nächste Seite). Die Zukunft? Klar. Zuminlität garantiert und gleichzeitig Freiräume dest für ein paar Jahre. für kreative Ansätze zulässt. Dieses Beispiel zeigt: Die Digitalisierung Die Digitalisierung betrifft uns alle. Am ist längst Teil des Alltags, lässt die Welt im2. Schweizer Digitaltag, dem Leuchtturmmer schneller um sich drehen. Zukunftsprojekt der Standortinitiative digitalswitzerszenarien werden laufend von der Realität land, geht es am 25. Oktober um diesen überholt, in horrendem Tempo tun sich Dialog zwischen Forschung, Wirtschaft, neue Chancen auf – und HerausforderunPolitik und Bevölkerung. Weil die Gesellgen. Für das AR-Erlebnis in diesem Magaschaft als Ganzes die Schweiz 4.0 mitdenzin müssen Sie eine App herunterladen. Inken muss. Das menschliche Gehirn war klusive Datenschutzbestimmungen, die Sie noch nie so wichtig wie in dieser hochtechnicht lesen werden. Genauso wenig wie den nologisierten Welt. Hinweis auf Cookies beim Besuch einer Homepage, der von uns gedankenlos bis Fabian Zürcher, Chefredaktor genervt weggeklickt wird – trotz FacebookDatenskandal. Zu umständlich gedacht, zu sehr für eine analoge Welt entwickelt. Die vierte industrielle Revolution bringt uns nicht nur technische Hilfsmittel, die uns Seite scannen das Leben erleichtern. Sie zwingt uns auch, und Augmented AR die Dinge neu zu denken. Ob beim DatenReality entdecken.

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Inhalt

Guide: Wenn Sie dieses Dreieck sehen, wartet ein AR-Erlebnis auf Sie.

AR-App downloaden

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Augmented Reality (AR) erweitert Print mit digitalen Inhalten. Erleben Sie, wie dieses Magazin dank der Digital­DayARApp lebendig wird. Entdecken Sie Videos, Grafiken und 3D-Objekte. So gehts: 1. Laden Sie die kostenlose DigitalDayAR-App im App-Store bzw. bei Google Play herunter.

Entwickelt wurde die AR-Experience vom Ringier Brand Studio in Zusammenarbeit mit dem Start-up Augmara. Augmara hat eine Technologie entwickelt, in deren Zentrum ein pro­prietäres Content Management System (CMS) steht. Mit diesem CMS können AR-Experiences kreiert und publiziert werden, ohne dass spezielle Vorkenntnisse benötigt werden. «Augmented Reality ist mit unserer Lösung einfach zu bedienen und bringt Lesern echten Mehrwert», sagt Aug­ mara-CEO Dominik Schmid. Viel Spass mit der neuen Generation Print!

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Er ist der aktivste Magistrat auf Social Media. Das Interview mit Bundespräsident Alain Berset über Instagram, gesellschaftliche Herausforderungen und die Zukunftsaussichten für die Schweiz.

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Fragen? Wann sind Maschinen intelligenter als Menschen? Welche Weltmacht hat die besten Karten? Wie viel Energie braucht Bitcoin? Wir beantworten 55 Fragen zur Digitalisierung.

2. Wählen Sie die Ausgabe DigitaltagMagazin. 3. Richten Sie die Kamera Ihres Smartphones oder Tablets auf die mit dem Dreieck (siehe oben) markierten Seiten und scannen Sie diese.

Alain CyBerset

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Am 25. Oktober findet der zweite Schweizer Digitaltag statt. Die Highlights im ganzen Land, die Persönlichkeiten, die Übersicht.

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Verlag: Ringier AG, Brühlstrasse 5, 4800 Zofingen Redaktion: Brand Studio Leitung: Fabian Zürcher Produktion: Alice Massen Gestaltung: Dominique Signer Bildredaktion: Christof Kalt Augmented Reality: Jasmine Rüegg Vermarktung/Chief Revenue Officer: Thomas Passen Vermarktung: Admeira AG Druck: Swissprinters AG, 4800 Zofingen Bekanntgabe von namhaften Beteiligungen der Ringier AG gemäss Art. 322 Abs. 2 StGB: cash zweiplus ag, DeinDeal AG, Energy Schweiz Holding AG, Energy Bern AG, Energy Zürich AG, Geschenkidee.ch GmbH, Infront Ringier Sports & Entertainment Switzerland AG, JobCloud AG, JRP Ringier Kunstverlag AG, MSF Moon and Stars Festivals SA, Ringier Africa AG, Ringier Axel Springer Media AG, Ringier Digital AG, Ringier Digital Ventures AG, SMD Schweizer Mediendatenbank AG, The Classical Company AG, Ticketcorner Holding AG, Ringier France SA (Frankreich), Geschenkidee D&A GmbH (Deutschland), Ringier (Nederland) B.V. (Holland), Ringier Pacific Limited (Hongkong), Ringier China (China), Ringier Vietnam Company Limited (Vietnam), IM Ringier Co., Ltd. (Myanmar)

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Mehr Schein als Sein Likes und Shares sind gut fürs Ego. Und fürs Konto. Mit welchen Tricks Influencer ihre Zahlen auf Social Media in die Höhe treiben.

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Keine Aufschneider Computer statt Skalpell. Am Institut für Rechtsmedizin an der Uni Zürich entlocken neue Technologien den Leichen ihre Geheimnisse.

Impressum Das Extra zum zweiten Schweizer Digitaltag erscheint als Beilage im SonntagsBlick, der Schweizer Illustrierten, der Handelszeitung sowie in Il Caffè und Le Temps.

Im Netz Er ist ein ganz normaler Jugendlicher, verbringt sechs Stunden pro Tag auf Social Media. Robin (15) über Streaks und Ferien ohne WLAN.

Zurück in die Zukunft Digitalisierung und Automatisierung machen es möglich: Die Produktion kehrt zurück in die Schweiz. Und macht das Land wieder zum attraktiven Industriestandort.

Grösser als das Internet Blockchain ist das nächste grosse Ding – heisst es. Wie Schweizer Unternehmen bei der Technologie an vorderster Front mitmischen.

Die Krake Wie Facebook zur Datenmaschine wurde. Und wieso das ein Schweizer Datenschutz-Spezialist überhaupt nicht schlimm findet.

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So gehts weiter Wann ist das erste autonome Auto auf der Strasse? Wann führen wir den ersten Cyber-Krieg? Wann gibt es keine Armut mehr? Wir wagen einen Ausblick.

Fotos: Matthew Shave for Stylist Magazine, KellenbergerKaminski (2), Ruben Wyttenbach/13 Photo, Nicholas Hunt, Justin Sullivan/Getty Images

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Fotos: Matthew Shave for Stylist Magazine, KellenbergerKaminski (2), Ruben Wyttenbach/13 Photo, Nicholas Hunt, Justin Sullivan/Getty Images

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«Wir müssen Lösungen finden» Bundespräsident Alain Berset über Chancen und Gefahren der Digitalisierung. Und das Ausleben seiner spielerischen Seite auf Social Media. Sermîn Faki

Was soll das heissen? Die Digitalisierung stellt uns vor die Frage: Was wollen wir beibehalten, was müssen wir verändern? Beibehalten wollen wir unsere soziale Sicherheit. Denn eine digitale Schweiz eröffnet eben nicht nur grossartige Chancen, sondern sie verunsichert auch viele. Das müssen wir ernst nehmen und Lösungen finden – je früher, desto besser. Wie gut ist die Schweiz aufgestellt für diese Revolution? Sehr gut – dank guter Bildung, hervor­

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ragenden Infrastrukturen und einer leistungsfähigen Wirtschaft. Zudem sind die Wege kurz: Man kennt sich, was vieles erleichtert. Damit aber möglichst viele von der Digitalisierung profitieren können, gilt es insbesondere, die Ausund Weiterbildung zu stärken.

Welche Themen müssen wir dringend anpacken? Mehrere gleichzeitig. Wir sollten geeig­ nete Datenbestände als Open Data öffnen – etwa um die Mobilität kundenfreundli­ cher und effizienter zu machen. Beim E-Government werden wir einen Sprung nach vorne tun, wenn die E-ID eingeführt wird. Und im Gesundheitswesen haben wir grosses Potenzial mit dem elektroni­ schen Patientendossier. Inwiefern? Wir können damit die Qualität der Behandlungen, die Patientensicherheit und die Effizienz des Gesundheitssystems verbessern. Wichtig ist aber, den Daten­ schutz zu stärken. Da ist das Parlament gerade dran. Wo liegen die grossen Chancen für die Schweiz? In der engen Verzahnung unserer guten Hochschulen und innovativen Industrie. Diese traditionell enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft hat dazu geführt, dass wir bei Drohnen führend sind. Und im Föderalismus, der ja auch

«Der Bundesrat hat bereits zwei Mal die rechtliche Basis von Social Media geprüft»: Bundespräsident Alain Berset.

ein Wettbewerb der Ideen ist. Kantone wie Genf oder Zug sammeln Erfahrungen, wovon die anderen profitieren können.

Soll Programmieren ein Schulfach werden? Zuerst: Die Volksschule ist Sache der Kantone. Mir scheint es nicht nötig, dass alle Kinder und Jugendlichen program­ mieren können. Die Vermittlung digitaler Kompetenzen gehört aber zur Ausbildung. Wichtig ist, dass die Schülerinnen und

Nutzt Instagram regelmässig: Selfie-Time in einer Sumo-Ringer-Schule in Tokio.

Fotos: Kurt Reichenbach/Schweizer Illustrierte, instagram/alain.berset

Herr Bundespräsident, es scheint, als sei das Thema Digitalisierung in den letzten Monaten endlich im Bundeshaus angekommen: Die parlamentarischen Vorstösse häufen sich, auch Bundesrat und Verwaltung machen vorwärts. Warum erst jetzt? Alain Berset: Da muss ich gleich zu Beginn widersprechen. Der Bundesrat hat schon 2016 eine erste Strategie «Digitale Schweiz» verabschiedet. Es braucht immer eine gewisse Zeit, bis komplexe Entwicklungen wie die Digitali­ sierung vom politischen Radar erfasst und in konkrete Projekte umgesetzt werden. Zudem nehmen sich auch viele andere Akteure des Themas an. Zum Glück! Denn für eine erfolgreiche digitale Schweiz braucht es die Innovationskraft von uns allen – nicht nur technisch, sondern auch gesellschaftlich.


Fotos: Kurt Reichenbach/Schweizer Illustrierte, instagram/alain.berset

wollte das nicht gesetzlich festschreiben. Warum nicht? Das ist ganz einfach: Bisher hatten wir im Gegensatz zu anderen Ländern keine Blockierung oder Verlangsamung der Datenübermittlung. Der Bundesrat will nicht auf Vorrat regulieren. Kommen wir zu Ihnen: Was ist für Sie persönlich der grösste Segen der Digitalisierung? Dass ich immer eine Kamera dabeihabe, die ich oft und gerne nutze. Zudem kann ich unterwegs arbeiten – mit allen Vor- und Nachteilen. Und die grösste Gefahr? Dass die Digitalisierung den Trend zur sozialen Spaltung beschleunigt. Hier müssen wir aufpassen. Ich bin überzeugt: Soziale Themen wie faire Löhne, eine gute Altersvorsorge und der Schutz vor Arbeitslosigkeit werden künftig noch wichtiger.

«Soziale Themen werden künftig noch wichtiger.» Schüler die neuen Medien verstehen, sie gezielt anwenden können und ihre Risiken kennen.

Sind Internet-Giganten wie Google und Facebook zu mächtig geworden? Braucht es hier neue Gesetze? Immerhin geht es um persönliche Daten und Manipulationsrisiken. Wir beobachten die Entwicklungen genau. Der Bundesrat hat bereits zwei Mal die rechtliche Basis für Social Media geprüft. Es gibt aber eine gewisse Zurückhaltung, einzugreifen. Massnahmen, die die digitalen Multis betreffen, müssen international abgestimmt sein, um überhaupt Aussicht auf Erfolg zu haben. Eine heisse Debatte führt die Schweiz

zum Thema E-Voting. Der Bund will vorwärtsmachen, gleichzeitig wird mit einer Volksinitiative für ein Verbot gekämpft. Hat Sie das überrascht? Neue Technologien brauchen Zeit, bis sie akzeptiert werden. Das ist normal. Das Stimmrecht ist ein hohes Gut – die Legitimation von Urnengängen basiert darauf, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger Vertrauen in die Rechtmässigkeit des Resultats haben. Wir dürfen dabei aber nicht vergessen, dass viele Schweizerinnen und Schweizer im Ausland leben. Wir wollen, dass sie mit ihrer Heimat verbunden bleiben, auch politisch. Deshalb ist E-Voting wichtig. Auf welcher Seite stehen Sie? Ich bin überzeugt, dass die elektronische Stimmabgabe ein Gewinn ist für unsere direkte Demokratie. Aber wie gesagt: Sie muss absolut sicher sein. Noch wenig öffentliches Interesse erhält das Thema Netzneutralität, also der Grundsatz, dass alle Daten im Internet gleich behandelt werden. Der Bundesrat

Sie sind der aktivste Bundesrat auf Social Media, haben einen erfolgreichen Twitter- und auch einen InstagramAccount. Welche Posts stammen eigentlich wirklich von Ihnen? Mein Facebook-Konto wird vom Kommunikationsdienst des Departements betreut, Twitter und Instagram mache ich selber. Was fasziniert Sie daran? Ich kann dort meine spielerische Seite ausleben. Die sozialen Medien bieten ganz andere Möglichkeiten der Information und des Austauschs. Wer das gut beherrscht, erhöht seine Chance, gehört und verstanden zu werden. Wie viel Social Media und Internet erlauben Sie Ihren Kindern? Soziale Medien sind für Jugendliche zentral. Ein sicherer und gesunder Umgang ist daher wirklich wichtig, was sicherlich bei allen Familien ein Thema ist. Zum einen braucht es Wissen, wie soziale Medien funktionieren und wo Gefahren lauern, etwa im Cybermobbing. Zum anderen braucht es klare Regeln und eine Balance zwischen On- und Offline-Aktivitäten. Aber das ist ja bei uns Erwachsenen nicht anders …

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Immer online, immer bereit fĂźr ein Selfie: Massive-AttackKonzert in Pula, Kroatien. Foto: Jelena Jankovic

55 Fragen zur Digitalisie r Peter Hossli

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Sind alle Menschen online? Nein, mit 54,5 Prozent etwas mehr als die Hälfte. Von den rund 7,64 Milliarden Erdenbürgern haben 4,16 Milliarden Zugang zum Internet. In Nordamerika ist der Anteil mit 95 Prozent am höchsten, in ­Afrika mit 35,2 Prozent am tiefsten. In Europa liegt er bei 85 Prozent, in Asien bei 48,1 Prozent.

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Erster AI-Roboter mit Pass: Sophia wurde in Hongkong entwickelt und ist saudi-arabische Staatsbürgerin.

Wie viele Schweizer sind online? Gemäss Bundesamt für Statistik benutzen 91 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer das Internet mindestens einmal pro Woche. Damit liegt die Schweiz hinter Spitzenreiter Norwegen (96 Prozent) aber vor Italien (69 Prozent).

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Ist unser digitaler Fuss­ abdruck permanent? Ja, denn es ist billiger, etwas permanent zu speichern, als es später zu löschen. Unsere digitalen Bewegungen bleiben bestehen. Wie viel Strom verbraucht das digitale Leben? Die University of Berkeley beziffert den Stromverbrauch der Amerikaner für den Internet-Gebrauch auf 70 Milliarden Kilowattstunden jährlich. Dafür sind acht Kernkraftwerke nötig oder doppelt so viele Solarzellen, als derzeit in den USA existieren. Im Jahr 2025 dürfte die Digitalisierung ein Fünftel des weltweiten Stroms verbrauchen.

Ersetzt gesprochene Sprache irgendwann die Tastatur und den Touchscreen? Ja, und zwar rasant. Im Jahr 2017 stieg die Anzahl Suchabfragen durch Sprache um 60 Prozent. Im Jahr 2020 soll die Hälfte aller Abfragen mündlich in Auftrag ge­geben werden. Bereits 55 Prozent aller Teenager benutzen jeden Tag die Sprache als Eingabe, bei den Erwachsenen sind es bereits 44 Prozent. Sind Bots – Computerprogramme – eine Konkurrenz für den Lebenspartner? Im Jahr 2020 führen die meisten Menschen mehr Gespräche mit Bots als mit dem Partner, schätzt die Analyse-Firma Gartner.

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Wann werden Maschinen sich mit künstlicher  Intelli­ genz selber verbessern? Die Zukunftsforscher sprechen von technischer Singularität, dem Zeitpunkt, an dem Computer von Computern lernen. Der Begriff stammt aus dem Jahr 1958. Das Jahr, in dem die technische Singularität eintreten würde, wurde jedoch immer wieder verschoben. Umfragen in den Jahren 2012 und 2013 haben ergeben, dass Wissenschaftler den Zeitpunkt irgendwann zwischen 2040 und 2050 erwarten. Andere meinen, er komme plötzlich und sei nicht voraussehbar. Wie viele Mitglieder zählt der soziale Milliarden-Klub? Drei. Facebook hat 2,23 Milliar-

den aktive Benutzerinnen und Benutzer, Youtube 1,9 Milliarden und die FacebookTochter Instagram eine Milliarde.

Apple hat dank dem iPhone eine Börsen­ kapitalisierung von über einer Billion Dollar erlangt. Kann der Konzern über­ haupt noch weiter wachsen? Bei Smartphones und Computern dürfte eine gewisse Saturierung einsetzen. Die Apple Watch hat nicht das gleiche Potenzial wie das iPhone. Es gibt allerdings ein Gadget, das perfekt auf die Apple-Philosophie zugeschnitten ist: das smarte Auto. Gelingt es Apple, zum richtigen Zeitpunkt ein

Fotos: Matthew Shave for Stylist Magazine

Warum ist Google so mächtig? 93 Prozent des InternetVerkehrs werden heute durch Suchmaschinen generiert. 96 Prozent aller Suchabfragen auf mobilen Geräten laufen derzeit über Google. Im Schnitt verzeichnet Google 63 000 Abfragen – pro Sekunde.


Fotos: Matthew Shave for Stylist Magazine

verkehren. China – mit einem Drittel aller Autos – hat letztes Jahr bekannt gegeben, voll auf elektrische Autos zu setzen, allerdings ohne Datum. Autokonzerne gehen davon aus, dass zwischen 2020 und 2030 der Punkt kommt, an dem sie mehr E-Mobile verkaufen werden.

Warum ist Augmented Reality mehr als ein Hype? Gartner schätzt, dass im Jahr 2020 bereits 100 Millionen Menschen in einer Augmented-Reality-Welt einkaufen werden. Ein Jahr später schon soll sich eine Milliarde regelmässig auf AR-Plattformen aufhalten. Bereits heute ist AR ein Erfolg. Das AR-Videogame Pokémon Go ist in nur zwei Monaten 500 Millionen Mal runtergeladen worden und hat in 90 Tagen einen Umsatz von 600 Millionen Dollar erzielt.

Ist künstliche Intelligenz der menschlichen überlegen? Das auf künstlicher Intelligenz basierende System DeepMind von Google schaute 5000 Stunden Fernsehen und war nachher 34 Prozent präziser beim Lippenlesen als ein Profi.

selbstfahrendes, cooles Elektromobil zu lancieren, ist der Konzern wohl bald zwei Billionen Dollar wert.

Im März starb eine Frau in Arizona nach dem Unfall mit einem selbstfahrenden Auto. Ist dies das Ende der Technologie? Mitnichten. Autonome Autos haben das Potenzial, Millionen von Leben zu bewahren. Jährlich sterben 1,25 Millionen Menschen auf der Strasse, 50 Millionen verletzen sich. Zu 95 Prozent ist menschliches Versagen schuld. Selbstfahrende Autos machen fast keine Unfälle und verhindern Staus. Was ist die wichtigste Voraussetzung für selbstfahrende Autos? 5G! Um die Infrastruktur für die 5. Genera-

tion der drahtlosen Übertragungstechnologie bereitzustellen, sollen in den nächsten Jahren 225 Milliarden Dollar investiert werden, haben Analysten von Morgan Stanley berechnet. 5G kann mobile Daten bis zu 1000-mal schneller übertragen, als dies heute geschieht. Davon profitieren nicht nur selbstfahrende Autos, möglich wird auch die mobile Übertragung riesiger Datenpakete und somit das Internet der Dinge.

Wann werden mehr elek­­ trisch betriebene Autos als Benziner verkauft? Ab 2040 dürfen auf französischen und britischen Strassen nur noch Elektromobile

Welches Land wird beim mobilen Internet die Vormacht haben? Ganz klar China. 2020 werden rund 70 Prozent der Internet-Einkäufe in China via mobiles Telefon durchgeführt. Das sind sehr viel mehr als in anderen Ländern: Die USA folgen mit 46 Prozent, Grossbritannien und Japan mit 40 Prozent, Indien mit 30 Prozent. Macht die Digi­ta­ lisierung den Menschen krank? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt die Online-Spielsucht seit Juni 2018 offiziell als Krankheit. Schätzungen gehen von 70 000 Internetsüchtigen in der Schweiz aus, in Deutschland sollen es rund eine halbe Million sein. Was ist Internetsucht? Die Krankheit ist vergleichbar mit Spielsucht. Betroffene verlieren die Selbstkontrolle, darunter leiden ihr Sozialleben und der Geistes­ zustand. Die Folge sind Vereinsamung, Konzentratiosschwäche und eine verzerrte Wahrnehmung der Realität. Körperliche Folgen können Übergewicht, Sehstörungen und andauernde Kopfschmerzen sein.

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Sind wir abhängig vom Handy? Im Schnitt sind Menschen unter 30 Jahren pro Tag vier Stunden am Handy. Viele können sich ein Leben ohne nicht mehr vorstellen und zeigen Entzugs­ erscheinungen, wenn sie es verlieren. Machen uns die Firmen im Silicon Valley gezielt abhängig? «Brainhacking» heisst der Ausdruck, der unter Kritikern der Digitalisierung kursiert. Es sei «der Versuch, durch psychologische oder auch direkte technische Eingriffe das menschliche Gehirn zu beeinflussen», sagt Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel, die darüber ein Buch ge­ schrieben hat. Gezielt würden Entwickler ihre Apps so programmieren, dass wir nicht mehr davon loskommen. Die Techno­ logie könne ins Gehirn eingreifen und unser Denken verändern.

Wie wichtig ist das Internet bei Kaufentscheidungen? 92 Prozent aller Kunden vertrauen persönlichen Tipps, 70 Prozent hören auf Kritiken im Internet. Wie verändert die Digitalisierung in Zukunft die Arbeitswelt? Das Weltwirtschaftsforum schätzt, dass 65 Prozent der heutigen Erstklässler einen

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Wem gehört die Zukunft? Weltweit kaufen, unterhalten und informieren sich Menschen vermehrt online. Zwei Konzerne decken dieses Bedürfnis besonders ab: Amazon und Facebook.

Job ausüben werden, der momentan noch gar nicht existiert.

Wer sind die mächtigsten digitalen Player? Die sechs grössten Firmen der Welt – Apple, Amazon, Alphabet (Google), Microsoft, Facebook und Alibaba – sind Konzerne, die ihr Geld hauptsäch­ lich im digitalen Geschäft verdienen. Noch vor zehn Jahren führten Erdölkon­ zerne die Liste an. Wie viel wird jährlich für IT ausgegeben? Im Jahr 2017 gaben Firmen und Staaten weltweit 3,5 Billionen Dollar für IT aus, im laufenden Jahr sollen

es bereits schon 3,7 Billionen sein, also 3700 Milliarden Dollar.

Wer liegt vorn – Amazon oder Facebook? Börsenanalysten bevorzugen Facebook. Wer allerdings einen etwas längeren Horizont hat, setzt eher auf Amazon. Vor allem da der Retail-Riese in andere Felder vorgedrun­ gen ist und in den Bereichen Unter­ haltung, Wer­ bung, AI und News stark ist. Sind die Digital-Bosse die neuen Ölbarone? Mit Nullen und Einsen lässt sich längst mehr verdienen als mit Erdöl. Von den zehn reichsten Menschen sind sechs in der Tech-

Foto: Ben Roberts/PANOS

Werden wir irgendwann gegen Internetabhängigkeit klagen können? Firmen wie Apple, Facebook oder Twitter fangen an, ihre Kunden auf die Gefahren der digitalen Abhängigkeit aufmerksam zu machen – ähnlich wie das Zigaretten­ hersteller nach hohen Schadenersatz­ zahlungen heute tun müssen. Bei den Betriebssystemen Android und iOS werden Tools eingebaut, mit denen das Nutzerver­ halten überwacht werden kann. Instagram plant etwas Ähnliches. Damit wollen die Konzerne verhindern, dass ihnen die Ver­ antwortung für die Verzombisierung der Gesellschaft zugeschoben wird.


Foto: Ben Roberts/PANOS

So gross wie neun Fussball­felder: Blick in das Logistik­zentrum von Amazon in Rugeley (GB).

net vor zwanzig Jahren war. Weniger als ein Prozent der Weltbevölkerung benutzt Blockchain, während 55 Prozent das Internet nutzen. Bis 2024 soll der globale BlockchainUmsatz auf 20 Milliarden Dollar anwachsen.

Welche sind die beliebtesten CEOs der TechBranche? Die Personalfirma Glassdoor befragte das Personal von 100 Tech-Firmen nach ihrem Chef. AppleCEO Tim Cook kam dabei nur auf Rang 25, Sundar Pichai von Google belegt Platz 18. An der Spitze steht Eric S. Yuan von der Videokonferenz-Firma Zoom, gefolgt von Daniel Springer, CEO der E-Unterschriftsfirma Docusign. Der drittbeliebteste ist Jeff Weiner von LinkedIn. Welche Jobs sind warum durch die Digitalisierung gefährdet? Drohnen ersetzen Postboten; Roboter putzen die Fenster; Chatbots statt Menschen beantworten Anfragen in Call-Centern; Computer erledigen die Arbeit des kaufmännischen Personals; Roboter-Kassen haben die Kassiererin ersetzt.

Branche tätig. Mit einem Vermögen von 155 Milliarden Dollar ist AmazonGründer Jeff Bezos der mit Abstand reichste Mensch, gefolgt von Microsoft-Gründer Bill Gates mit 97 Milliarden Dollar.

In welchen Ländern sind Menschen am längsten in den sozialen Medien? Seit drei Jahren liegen die Philippinen vorne, wo ein Nutzer im Schnitt vier Stunden pro Tag in den sozialen Netzwerken verbringt, gefolgt von Brasilien. Indonesien und Thailand belegen die Plätze 3 und 4. Wann werden die digitalen Medien das Fernsehen ablösen? Das haben sie letztes Jahr bereits getan.

Erstmals verbrachten Deutsche im Schnitt mehr Zeit mit digitalen Medien (226 Minuten pro Tag) als vor dem Fernseher (223 Minuten).

Sind Bitcoins Energiefresser? Der Blockchain-Experte Alex de Vries sagt, das BitcoinSystem habe einen höheren Energiebedarf als viele Staaten. Er liege bei 67 Terawattstunden pro Jahr. Zum Vergleich: Der jährliche Stromverbrauch der Schweiz lag 2017 bei 58,5 Terawattstunden. Wie populär ist Blockchain? Die Technologie ist etwa dort, wo das Inter-

Welches sind die Jobs der Zukunft? Der Rationalisierung durch Computer dürften hochqualifizierte und kreative Jobs standhalten, geht aus einer Studie der Oxford University hervor. Stark wachsen wird das Segment der ITBranche, gross bleibt die Nachfrage in den Pflegeberufen sowie im Umweltschutz. Wie digital ist das Schweizer Geld? In der Schweiz sind etwa 17 Millionen Kredit- und Debitkarten im Umlauf. Schweizerinnen und Schweizer kaufen damit über eine Milliarde Mal pro Jahr ein. Laut ­einer Umfrage von Comparis nutzen aber nur 3 Prozent das Handy zum Zahlen. Nur 1 Prozent nennt Apps als bevorzugtes Zahlungsmittel.

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Wie digital ist die Vermögensverwaltung? Sogenannte Robo Advisor sind günstig und so gut wie herkömmliche Kundenberater. Die führenden Schweizer Anbieter True Wealth und Swissquote verwalten gemäss «Cash» lediglich 100 respektive 200 Millionen (per Ende 2017) nach diesem System – ein Klacks im Vergleich zu den über 6650 Milliarden, die Schweizer Banken verwalten. Was ist ein EPD? Das elektronische Patientendossier (EPD) speichert alle behandlungsrelevanten Informationen zum Gesundheitszustand eines Patienten: individuelle Befunde, Labordaten, Impfungen, Rezepte. Der schnelle Zugriff erlaubt sichere Diagnosen, kann bei einem Notfall Leben retten – und das EPD spart Kosten, weil viele Abklärungen nicht wiederholt werden müssen.

Was verspricht sich die Medizin von Big Data? Algorithmen sind in der Lage, genomische Daten schnell zu ana­ lysieren. Biomedi­ z iner erhoffen sich, die Erhebung genomischer Daten könnte die Medizin voranbringen, weil die DNASequenzierung präzise Informationen über das Erbgut gibt. Wie unterscheiden sich Männer und Frauen beim Online-Daten? 30 Prozent der Frauen bitten Freundinnen beim Erstellen ihres Profils um Hilfe, das machen nur 16 Prozent der Männer. Von 100 Personen, die online oder in Apps nach

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Wann sind die ersten selbstfahrenden Autos auf unseren Strassen unterwegs? Früher, als viele denken. General Motors will 2019 ein selbstfahrendes Auto auf den Markt bringen. Die Intel-Tochter Mobileye stellt dies für 2021 in Aussicht. Googles Waymo will bereits Ende 2018 Passagiere selbstfahrend transportieren. Audi und Volvo wollen 2020 so weit sein.

der Liebe suchen, sind 52,4 Prozent Männer und 47,6 Prozent Frauen.

Wie digital ist das Sexleben? Viele Menschen suchen heute ihre Partner online. Dating-Apps wie Tinder, Lovoo oder Badoo haben weltweit über 200 Millionen Mitglieder. Bei Tinder soll pro Tag 1,4 Milliarden Mal über das Display gewischt werden. Wie gross ist der digitale Pornomarkt? Porno-Seiten haben mehr Nutzer als Net­flix, Amazon und Twitter zusammen. 35 Prozent der Downloads und 30 Prozent der übermittelten Daten sind Pornografie. 12 Prozent aller Internet-

Inhalte sind pornografisch. Im Jahr 2016 wurden fast 92 Milliarden Porno­videos im Internet geschaut – das sind 12 Videos für jeden Erdenbürger.

Wie viel Umsatz wird mit InternetPornografie verdient? Schätzungen gehen von jährlich bis zu rund 100 Milliarden Dollar aus. Was ist E-Voting? Mittels E-Voting sollen wir über das Internet abstimmen und wählen können. Es würde eine orts-und zeitunabhängige Stimmabgabe möglich machen.

Foto: plainpicture/cgimanufaktur

Wann kommt das EPD in die Schweiz? 2015 hatte der Bundesrat die Einführung des EPDs per Bundesgesetz beschlossen, 2017 trat es in Kraft. Heute bieten erst in Genf und in Basel Spitäler das EPD an. Bis 2020 sind alle Spitäler in der Schweiz dazu verpflichtet.


Foto: plainpicture/cgimanufaktur

So stellte man sich einst die Autos der Zukunft vor: Schweben werden sie vorerst nicht, aber immer öfter autonom fahren.

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eine Million Menschen in der CyberAbwehr tätig, sollen es 2021 bereits 3,5 Millionen sein.

Wie gut ist die Schweiz für die Digitalisierung gerüstet? Diese Frage versuchte der Bundesrat in einem 2017 veröffentlichten Bericht über die digitale Wirtschaft zu beantworten. Fazit: «Die laufende Entwicklung ist primär eine Chance für den Wirtschaftsstandort Schweiz.» Denn: «Verschiedene Indikatoren zeigen, dass die Schweiz in Anbetracht der fortschreitenden Digitalisierung in vielen Bereichen gut aufgestellt ist.»

Wann kann die Schweiz elektronisch wählen und abstimmen? E-Voting ist umstritten. Befürworter sagen, mehr Menschen würden am politischen Prozess teilnehmen. Gegner sagen, das öffne Tür und Tor für Manipulationen. Geht es nach dem Bundesrat, soll bis 2019 eine Mehrheit der Kantone die elektronische Stimmabgabe ermöglichen. Wie viel Schaden verursacht Cyber-Kriminalität? Gemäss der Beraterfirma Cybersecurity Ventures wächst der weltweite Schaden bis 2021 auf sechs Billionen Dollar an, von drei Billionen im Jahr 2015. Damit ist die Cyber-Kriminalität profitabler als der gesamte Drogenhandel.

Wie viel Geld wird gegen CyberKriminalität ausgegeben? Allein dieses Jahr werden Unternehmen und Regierungen weltweit 93 Milliarden Dollar im Kampf gegen Online-Angriffe aufwenden, so die Analyse-Firma Gartner. Welche Delikte häufen sich bei den Cyber-Kriminellen? Die beliebteste Tat ist Erpressung. Alle 40 Sekunden wird das IT-System einer Firma angegriffen. Gegen ein Lösegeld wird der Angriff beendet. Hat Cyber-Kriminalität auch etwas Gutes? Es schafft Arbeitsplätze. Waren 2014 noch

Wo sind gesetz­ liche Anpassungen aufgrund der Digitalisierung nötig? Der Bundesrat schlägt vor, wegen der Sharing Economy etwa das Mietrecht zu überprüfen; wegen Firmen wie Uber die Vorschriften zum Mitführen von Personen zu überdenken; über die Einführung neuer Mobilitäts­systeme nachzudenken; den Zugang von Fintech-Firmen zu erleichtern; allenfalls die Gesetzgebung bei Fusionen zu lockern, damit junge Internet-Firmen rascher gedeihen können; zu prüfen, wie an Hochschulen die Digitalisierung gefördert werden kann; sowie die weltweite Entwicklung zu beachten. Welcher Schweizer Bundesrat hat die meisten Follower auf Twitter? Alain Berset (99 000), gefolgt von Johann Schneider-Ammann (23 200) und Ignazio Cassis (8234). Die anderen twittern über die Konten ihrer Departemente. Wer ist Schweizer Follower-Star? Der Tennisspieler Roger Federer. Auf Instagram folgen ihm 5,2 Millionen, auf Twitter 12,3 Millionen, auf Facebook 14,5 Millionen Menschen.

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Ins Stottern geraten Nach dem Skandal über den Missbrauch von Daten, nach Fake News und Verschwörungstheorien ist der Ruf von Facebook ramponiert. Das soziale Netzwerk steht vor einer grossen Bewährungsprobe. Adrian Meyer

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Foto: Ruaridh Stewart/ZUMA/Dukas


Die Daten waren und sind das Öl, das die Maschine am Laufen hält.

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ennst du Facebook?», fragte sie zum Abschied. Wir hätten uns nie wieder gesehen nach diesem lustigen Abend in einer Bar in Barcelona. Sie war Backpackerin aus den USA, ich reiste per Zug durch Spanien. Da sagte sie diesen Satz. Ich hatte keine Ahnung, was ein Facebook war. Es war 2007, und über Social Media wussten damals nur eingeweihte Nerds Bescheid. Also schickte sie mir eine Einladung. Neugierig meldete ich mich an. Und verband mich mit Menschen, von denen ich zwar noch eine E-Mail-Adresse hatte und Erinnerungen an schöne Momente, sonst aber keinen Kontakt hielt. Plötzlich blickte ich durch ein digitales Fenster in ihren Alltag; sie schrieben über ihre Sorgen, ihre Sehnsüchte, ab und zu mit einem Bild, meist verwackelt, HD war da noch nicht. Bald meldeten sich immer mehr Freunde an, wir schrieben uns gegenseitig Blödsinn und Neues in die Timeline, die damals noch Pinnwand hiess. In Statusmeldungen redeten wir noch in der dritten Person über uns selbst. «Adrian ist krank» oder «Adrian freut sich auf das Wochenende in London». Es waren meist banale Wortmeldungen ins digitale Tagebuch. Sie zeugen von der anfänglichen Naivität, dem unbekümmerten Umgang mit Facebook; dem man Privates anvertraute, ohne an Daten­ missbrauch, Privatsphäre, Fake News oder Verschwörungstheorien zu denken. Es scheint ewig her. Dabei ist Facebook noch nicht einmal 15 Jahre alt. Rasant stieg das einstige digitale Jahrbuch für Harvard­ studenten zum grössten sozialen Netzwerk mit weltweit mehr als zwei Milliarden aktiven Nutzern auf. Eine unfassbare Zahl. Schnelles Wachstum war stets die Basis von Facebooks Geschäftsmodell – getreu dem ursprünglichen Firmen-Motto «Move fast and break things». Seit dem Börsengang von Facebook im Jahr 2012 wuchs die Nutzerzahl von 1 Milliarde auf 2,2 Milliarden und der Umsatz von 5 auf 40 Milliarden Dollar. Konkurrenten wie das Fotonetzwerk Instagram, den Nachrich-

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AR So verteidigt sich Mark Zuckerberg vor dem US-Senat.

tendienst Whatsapp und die Virtual-RealityBrillenhersteller Oculus VR kaufte Facebook auf. Der Aktienkurs stieg von 38 Dollar auf den Höchststand von 210 Dollar im Juli dieses Jahres. 630 Milliarden Dollar war Facebook zu der Zeit an der Börse wert. Lange ging die Wachstums-Strategie auf. Doch im Wettlauf um neue Nutzer verstolperte sich die Plattform. Aus dem Freundesnetzwerk wurde eine Schleuder für Falschmeldungen und Verschwörungstheorien, ein Hort für Hassreden und Gewaltdarstellungen. Selbst Holocaust-

leugnungen tolerierte CEO Mark Zuckerberg. Man dürfe Falsches behaupten, solange man es nicht absichtlich mache oder zu Gewalt aufrufe, sagte er jüngst in einem Interview. Die vermeintliche politische Neutralität und die Berufung auf die freie Meinungs­ äusserung hat Kalkül: Auch mit Falschmeldungen und rechter Hetze lassen sich Werbegelder verdienen. Kritiker warfen Zuckerberg moralischen Opportunismus vor und Feigheit vor den Aktionären, die nur eines wollen: dass das Netzwerk weiter wächst. Die Daten der Nutzer waren das Öl, das die Maschine am Laufen hielt. Möglichst viele Informationen über möglichst viele Nutzer anzuhäufen, um

gezielt Werbung für sie auszuspielen, das ist der Kern von Facebooks Geschäft. Die Daten zu schützen, war nebensächlich. Um herauszufinden, was Facebook eigentlich über mich weiss, fordere ich vom Netzwerk meine Informationen an. Ich erhalte einen 340 Megabyte grossen Download-Ordner mit etwa 3000 Dateien. Darin gesammelt sind alle meine Likes, die ich in den vergangenen elf Jahren vergab, alle Kommentare, die ich schrieb, alle Bilder, die ich postete. Als ich durch die jahrealten Nachrichten und Statusmeldungen stöbere, überkommt mich ein seltsames Gefühl. Mich gruselt weniger die Fülle an gesammelten Daten. So naiv war ich nicht, zu den-

ken, dass Facebook meine Daten vergisst. Stets wusste ich: Ist etwas gratis, bist du das Produkt. Nein, unangenehm ist der Blick auf

mein früheres Selbst: Peinlich berührt über meine damaligen Sorgen, die unkommentierten Wortmeldungen ins digitale Nirvana, den längst abgelegten Jugendslang. Sie lesen sich wie ein längst vergessenes Tagebuch aus der Teenagerzeit. War das wirklich einmal ich? Gespannt klicke ich auf den Ordner mit dem Titel «Über dich». Ich erwarte eine tiefge-


Drei Millionen täglich aktive Nutzer ver­ abschiedeten sich dort von Facebook. Die Zahlen belegen ein immer grösseres Unbehagen gegenüber dem sozialen Netzwerk. Vor allem in Europa, wo Datenschutzbedenken grösser sind. Facebook nennt dann auch die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung, die seit Mai gilt, als Grund für den Nutzerschwund. Dabei war der FacebookÜberdruss längst sichtbar. Kaum jemand schrieb noch Persönliches, nur die ewigen Selbstdarsteller erschienen auf der Timeline; dazu fast nur noch Videos von gelikten Newsseiten, von Prominenten oder Konzernen. Die meisten Freunde blieben stumm oder unsichtbar. Das Netzwerk tötelte. Dass Facebook sich nur um Konzerne und Werbetreibende kümmert und weniger um die Nutzer, war offensichtlich geworden. Beim

hende Analyse, wie Facebook mich einschätzt, welche Werbung zu mir passt, welche Persönlichkeit sie mir attestieren. Doch da steht bloss: «etabliertes Erwachsenenleben». Es ist mir klar: Facebook weiss mit Sicherheit mehr, als es mir vorgaukelt. Tatsächlich brachte die gut geschmierte Datenmaschine ausgerechnet erstmals ein gewaltiger Datenmissbrauch ins Stottern: Im

Facebook wusste davon seit 2015, informierte die Nutzer aber nicht. Im Zuge der Enthüllungen verlor Facebook 50 Milliarden Dollar an der Börse. Nutzer riefen in der Be-

wegung #deletefacebook massenhaft zum Boykott auf. Zuckerberg persönlich musste vor dem US-Kongress aussagen; er zeigte sich reumütig, entschuldigte sich und versprach Besserung beim Datenschutz. Zunächst schien es, als könne der Skandal Facebooks Geschäft wenig anhaben: Die Aktie erholte sich rasch und stieg auf Rekordwerte. Die Maschine lief weiter. Der grosse Knall kam vier Monate später, im Juli: Facebook präsentierte seine Quartalszahlen – und verlor auf einen Schlag 150 Milliarden Dollar an Börsenwert. Die Aktie sackte um ein Viertel ihres Werts ab. Es war der grösste Kurssturz der Geschichte. Und dies, obwohl Facebook fünf Milliarden Dollar Gewinn machte. Das Problem: Nicht nur der Umsatz, auch die Zahl der aktiven Nutzer stagnierte erstmals. In Europa gingen sie sogar zurück:

Foto: Imago/Xinhua

Facebook kümmert sich um Werbekunden, nicht um seine Nutzer. März wurde bekannt, dass die britische Datenanalysefirma Cambridge Analytica die persönlichen Informationen von etwa 87 Millionen Facebook-Profilen ohne die Zustimmung der Nutzer dazu verwendete, die öffentliche Meinung bei der US-Präsidentschaftswahl und bei der Brexit-Abstimmung mit unerlaubter Wahlwerbung zu beeinflussen.

Börsengang vor sechs Jahren schrieb Mark Zuckerberg in einem offenen Brief, er wolle mit Facebook «die Welt offener und vernetzter machen». Der optimistische Glaube an die Verbesserung der Welt machte ihn aber blind dafür, dass aus dem Netzwerk ein kaum beherrschbares Monster wurde. Anstatt die Welt offener zu machen, entstanden Filterblasen, nutzen Diktaturen das Netzwerk für Propaganda, versuchen fremde Regierungen, darüber Wahlen zu beeinflussen. Statt dass Menschen sich vernetzen, verbreiten sie Hassreden, die etwa in Myanmar in reale Gewalt ausbrachen. Dort wird auf Facebook seit Jahren Stimmung gegen muslimische Minderheiten gemacht, ohne dass Facebook je eingriff. Auch in Deutschland sorgten Falschmeldungen auf Facebook für Attacken auf Flüchtlinge, zeigte eine Studie. Bisher mogelte sich Zuckerberg mit der Haltung durch, bloss eine Plattform zu sein, die nicht verantwortlich sei für die Inhalte. So konnte er das gewaltige Wachstumstempo ohne Rücksicht weiterverfolgen. Daraus wurde vor dem US-Senat bei der Anhörung: «Wir sind verantwortlich für den Inhalt, aber wir produzieren den Inhalt nicht.» Der Druck auf Facebook, die Bedürfnisse seiner Nutzer endlich ernst zu nehmen, ist seit dem Datenskandal rasant gestiegen. Zuckerberg versprach, in den Datenschutz zu investieren und Manipulationen zu verhindern. Hassreden und Falschmeldungen will er vermehrt bekämpfen. Zudem sollen die Nutzer wieder im Zentrum stehen: mehr persönliche Fotos von Freunden, weniger Nachrichten, mehr 

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 Katzenfotos, weniger Videos. Ein Stück zurück zu den Wurzeln also. Seit Juli wirbt Facebook in einer breit angelegten Imagekampagne für ein «fortschrittlicheres, besseres Facebook». In gewohnt salbungsvollen T ­ önen entschuldigt sich das Netzwerk,

g­ esteht Fehler ein und verspricht Besserung im Umgang mit ihren Daten. Als Schönfärberei und blosses Marketing bezeichnen das Kritiker. Facebook zu «reparieren» versprach Mark Zuckerberg bereits Anfang des Jahres – vor dem Datenskandal. Doch solch ein Umbau kostet viel Geld. Bis zu 60 Prozent mehr will Zuckerberg investieren für Datensicherheit, Marketing und Inhalte. Das aber verärgert Anleger. Facebook steht am Scheideweg: Räumt der Konzern auf, muss er sich von der Politik des rasanten Wachstums verabschieden. Macht er weiter wie bisher, dürften die Nutzer zunehmend davonrennen. Denn Facebooks Image hat in den vergangenen Monaten arg gelitten. Vor allem für junge Nutzer ist das grösste soziale Netzwerk schlicht out. In der Schweiz etwa verlor Facebook innerhalb eines Jahres ein Viertel seiner U20-Nutzer. Die meisten sind wei-

tergezogen zu anderen Plattformen. Persönliche Nachrichten schreibt man sich auf Whatsapp, Bilder veröffentlicht man auf Instagram. Dort hat man das Gefühl, unter sich zu sein. Noch. Während die Wachstumsjahre für Facebook vorbei sind, konzentriert sich der Konzern vermehrt auf die oben genannten Tochterfirmen. Zudem wächst er weiterhin in Asien und im Pazifik. So schnell wird das Netzwerk nicht verschwinden. Dafür ist es schlicht zu gross, seine Werbemacht gewaltig. Auch ich habe Facebook noch nicht aufgegeben. Ich bin zwar stummer g­ eworden. Aber ganz Adieu sagen will ich noch nicht. Vielleicht wird es ja irgendwann doch wieder nützlich?

AR

BLICK-Tech-Experte Lorenz Keller erklärt: So einfach schützen Sie Ihre Daten.

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«Die beiss e Facebook? Google? Alle nicht so schlimm. Datenspezialist Florent Thouvenin fordert ein radikales Umdenken beim Datenschutz. Sermîn Faki Herr Thouvenin, Sie finden, unsere Daten werden zu sehr geschützt. Die meisten Leute würden da widersprechen. Es geht nicht um zu viel Datenschutz. Sondern um den falschen. Datenschutz basiert auf dem Gedanken, dass es gefährlich ist, wenn der Staat oder Unternehmen unsere Daten benutzen. Deshalb wird der Bearbeitungsprozess reguliert – vom Moment an, an dem die Daten erfasst, bis zum Moment, an dem sie wieder gelöscht werden. Das ist der falsche Ansatz.

Dass Datenkraken wie Google, Facebook, Amazon und andere so viel über mich wissen, ist aber unangenehm ... Nur bedingt. Denn die beissen ja nicht. Es geht eben nicht darum, was auf irgendeinem Server liegt, sondern was die Konsequenzen für mich sind: Werde ich wegen meiner Daten diskriminiert oder an der Einreise in ein Land gehindert? Das wäre ein Problem. Statt den Prozess der Datenbearbeitung zu regulieren, sollte der Datenschutz hier ansetzen.

Warum? Meine Daten gehören doch mir ... Nein, Ihre Daten gehören rechtlich betrachtet nicht Ihnen.

Aber ich weiss nicht, was Unternehmen mit meinen Daten machen. Warum sollen die meine Daten überhaupt speichern? Weil Sie eingewilligt haben. Und weil es Ihnen nützt. Dass zum Beispiel die Suchresultate so gut sind, kommt auch daher, dass Google all diese Daten hat. Richtig ist allerdings, dass wir zu wenig genau wissen, was mit unseren Daten gemacht wird. Das Datenschutzgesetz verlangt zwar Transparenz – geschaffen wird diese aber nicht.

Aber das sollte so sein! Im Gegenteil, das wäre gefährlich. Wie bitte? Wenn Sie Eigentümer Ihrer Daten wären, könnten Sie diese auch verkaufen. Und der Käufer könnte die Daten dann frei verwenden – auch gegen Sie. Sie sehen: Dass die Daten nicht Ihnen gehören, gibt Ihnen einen gewissen Schutz. Und das Datenschutzgesetz nicht? Die Konzepte des heutigen Datenschutzes stammen aus den Siebzigerjahren. Doch die Welt hat sich seitdem stark verändert. Ebenso, was wir unter Privatsphäre verstehen. Privatsphäre ist sicher wichtig gegenüber Menschen, die wir kennen. Aber wenn mein Google-Sucherverlauf auf irgendeinem Server liegt, ist das mir – und vielen anderen – eigentlich egal. Jedenfalls solange niemand, der mich kennt, darauf zugreifen kann.

Das hat der Facebook-Skandal gezeigt. Ja, alle diese Skandale haben viel damit zu tun, dass den Leuten erst im Nachhinein gesagt wird, was mit ihren Daten geschieht. Allerdings: In zwei, drei Monaten wird das kaum noch jemanden interessieren. Wie bitte? Das ist der Irrtum am heutigen Datenschutz. Er geht davon aus, dass es wichtig ist, dass wir kontrollieren können, was mit unseren Daten passiert. Dabei haben wir im Zwischenmenschlichen diese Kontrolle auch nicht. Was ich mit den Daten mache,


s en doch nicht!» die mein Gehirn gerade über Sie sammelt, haben Sie nicht im Griff.

Einspruch: Ich habe Kontrolle darüber, was ich Ihnen sage. Schon, aber Sie können nicht kontrollieren, was ich mit dieser Information anfange. Das Recht greift normalerweise erst ein, wenn Ihnen ein konkreter Nachteil entsteht. Anders aber das Datenschutzrecht. Es geht nicht vom konkreten Problem aus, sondern reguliert den Prozess im Glauben, damit das Risiko für einen Nachteil oder Schaden zu minimieren. Ohne überhaupt zu wissen, was genau dieser Nachteil sein könnte.

Foto: Anja Wurm

Welche konkreten Probleme? Zum Beispiel die Frage der individualisierten Preise. Wir kennen das alle von den Flugpreisen, die sich laufend verändern. Möglicherweise, weil die Webseite realisiert, dass ich schon zum dritten Mal einen Flug nach Madrid suche. Und dann macht der Algorithmus den Flug teurer. Nicht fair. Genau. Die meisten Menschen empfinden das als Diskriminierung – darum will auch kein Unternehmen Florent Thouvenin bestätigen, dass es das macht. Dabei kann man Florent Thouvenin ist Datenschutz-Speziaes auch umdrehen: list. Der 42-jährige Zürcher ist seit 2016 Während ich 200 Franken Professor für Informations- und Kommuni­ für den Flug zahlen kann, kationsrecht an der Uni Zürich. Dort forscht kann sich das ein anderer er vor allem über den Schutz der Privat­ nicht leisten. Er könnte sphäre in der digitalen Gesellschaft. vielleicht nur 120 Franken

zahlen. Ist diese Ungleichbehandlung ungerecht oder im Gegenteil fair? Ich gebe zu: Im grossen Stil ist das Zukunftsmusik. Aber es könnte sein, dass Supermärkte schon bald den Preis eines Produkts individuell für jeden Kunden festlegen.

Eine Nische für Leute, die wenig Geld haben und dann für Reiche einkaufen! Die Systeme würden merken, dass die Rentnerin oder der Student nicht für sich einkauft. Ob es gerecht ist, von Menschen mit unterschiedlichem Einkommen unterschiedliche Preise zu verlangen, ist eine zentrale Frage. Diese blendet das Datenschutzgesetz völlig aus. Mit diesem Ansatz wird viel Potenzial der Digitalisierung vernichtet. Zum Beispiel? In der Medizin. Das, was Ihnen der Arzt heute verschreibt, hilft beim Durchschnitt. Doch welche Dosis von welchem Medikament hilft Ihnen? Wie viel Rotwein ist für Sie persönlich richtig? Hier gibt es ein riesiges Potenzial – aufgrund unserer Daten. Aber wir nutzen es noch viel zu wenig. Das Datenschutzrecht vernichtet hier viele Chancen, um Risiken vorzubeugen, die es gar nicht kennt. Missbrauchspotenzial besteht aber auch. Natürlich. Und davor sollte das Gesetz auch schützen: Es braucht Transparenz und Sicherheit, dass die Daten nicht in falsche Hände geraten. Diese beiden Aspekte sind im Datenschutzgesetz bis heute auch geregelt – aber nur ungenügend umgesetzt.

AR

Video: So geht Ringier mit Ihren Daten um.

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In Kooperation mit ABB

Ein Fall für YuMi

Die Hawa Sliding Solutions AG hat einen neuen Mitarbeiter. Der einzigartige Zweiarmroboter YuMi setzt für die Firma in Sirnach TG Türelemente zusammen. Ein Kollege mit Potenzial. Max Fischer

V

on YuMi träumt jeder Chef. Er macht nie Fehler, er ist nie krank, er wird bei der Arbeit nicht müde – und er ist erst noch sympathisch. Peter Möller hat YuMi in seinem Team. Der Bereichsleiter Betrieb & Logistik von Hawa Sliding Solutions sagt: «Wir haben zusammen mit ABB evaluiert, in welchen Bereichen der Fertigung eine Automatisierung Sinn macht.» Das Ziel war, den Produktionsausstoss zu steigern und Ressourcen freizusetzen. Schnell wurden die Experten fündig. Die einfache Montage von Stopperelementen für

Schiebetüren bot sich an. Ein Blick in die Werkhalle zeigt: Der Montagevorgang wirkt monoton. Mit der linken Hand ein Teil greifen, mit der rechten das Gegenstück dazu aufeinanderlegen. Dann in die zwei vorge­ lagerten Verschraubsysteme einführen. «Ein Fall für YuMi», so Möller. «Der ZweiarmRoboter ist mit seiner Kapazität von maximal 500 Gramm pro Greifarm für diese sehr leichten Teile bestens geeignet.» YuMi wurde vor drei Jahren vom global führenden Technologiekonzern ABB lanciert. Entwickelt wurde er vor allem für die

Montage von Kleinteilen in der Elektroindustrie, etwa in Uhren, Tablets oder Handys. Aber auch in der Produktion, wie etwa beim Zusammenfügen von Kleinteilen für Schiebebeschläge für Möbel bei der Hawa Sliding Solutions. Das Spezielle: Die Hawa-Leute

Digitalisierung macht die Schweiz w Automatisierung machts möglich! Die Produktion wird in die Schweiz geholt. Ein Beispiel von Wander. 22 www.digitaltag.swiss

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edes Kind kennt «Ovi». Die Firma Wander, die die Kultmarke Ovomaltine herstellt, hat die Produktion eines ihrer wichtigsten Produkte ins Bernbiet verlagert. Seit Ende 2016 wird der Brotaufstrich Ovomaltine Crunchy Cream in Neuenegg produziert. Das vor rund zehn Jahren lancierte Produkt war zuvor in Belgien hergestellt worden. Doch das ­Ovomaltine-Pulver musste extra von der Schweiz nach Belgien geliefert werden. Das kostete Zeit und war zudem teuer.

Ein vollautomatisches Prozessleitsystem und ein Roboter von ABB machten es möglich, das Produkt in die Schweiz zurückzu­holen. Auch das Herzstück der ­Anlage, die hochmoderne Kugelmühle, wird mit einem 100-Kilowatt-Elektromotor von ABB angetrieben. Wander investierte über 10 Millionen Franken in die neue Anlage. Diese stellt jeden Tag 50 000 Gläser her. Für die Bedienung reichen drei Personen pro Schicht. Alles bei Wander ausgebildete, langjährige Top-Fachkräfte.


Effizient, sicher, vielseitig: Der YuMi von ABB wurde für die Kleinteilmontage geschaffen.

programmieren den Roboter selber. «Wir haben ein Automationsteam gebildet, das sich das nötige Know-how in Schulungen bei ABB angeeignet hat», sagt Henri Schild­ knecht, Teamleiter Werkzeugbau. Und noch etwas ist besonders: In den Greifern des

Roboters können Kameras integriert werden. Dank der Bildverarbeitung kann YuMi jetzt auch «sehen». Die Kameras werden bei der Hawa Sliding Solutions zusätzlich zur Qua­ litätskontrolle eingesetzt: «YuMi vergleicht die gefertigten Teile mit gespeicherten Refe­

renzbildern von korrekt montierten Elemen­ ten.» Bei Abweichungen schiebt er das Teil in den Ausschuss. Was bei Hawa geschätzt wird: YuMi ist äusserst flexibel. Er lässt sich innert Minuten von seinem gegenwärtigen Arbeitsplatz entfernen – der Roboter sel­ 

Foto: ABB

z wieder zum Industriestandort Das Beispiel zeigt: Dank der Automa­ tisierung können Firmen in der Schweiz wieder günstiger produzieren. Zwar brau­ chen sie weniger Angestellte, doch die Un­ ternehmen kaufen ihre Infrastruktur und Betriebsmittel hier ein. Und sie beziehen ihre Vorleistungen und Dienstleistungen in der Schweiz. Das schafft Jobs und sorgt für Mehrwert bei Dritten. «Mit den Auto­ matisierungslösungen von ABB haben wir schon in den übrigen Produk­tionsanlagen in Neuenegg gute Erfahrungen gesam­

melt», sagt Xavier Ducousso, Produktions­ leiter bei Wander. Der Clou: Mit den Daten aus dem System können die Verantwortlichen jederzeit sämtliche Materialflüsse detailliert nach­ verfolgen und anpassen. Zum Beispiel das Tempo des Rührers im Mixer. Die Genauig­ keit der Prozessabläufe in allen Details ist entscheidend, damit Ovomaltine Crun­ chy Cream in Qualität, Konsistenz und Ge­ schmack immer gleich daherkommt. Ein wichtiger Aspekt für das Unternehmen.

Stefan Pfister, Chef der Wirtschafts­ prüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG, geht davon aus, dass künftig «digi­ tale» Arbeit noch ein Drittel dessen beträgt, was heute die Arbeit in Niedriglohnländern kostet. In der jüngsten weltweiten CEOBefragung von KPMG gehen 62 Prozent der Manager sogar davon aus, dass die fortschreitende Integration künstlicher In­ telligenz entgegen der weitläufigen Meinung mehr neue Jobs schaffen als traditionelle Tätigkeiten verdrängen wird.

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In Kooperation mit ABB

YuMi bei der Arbeit: In der Hawa Sliding Solutions AG baut der smarte Roboter Türelemente zusammen.

 ber ist nur gerade 38 Kilo leicht. Möller hat mit dem Kleinen noch Grosses vor: «In einem nächsten Schritt werden wir YuMi für den Ein­ satz an anderen Stationen program­ mieren. So können wir sein Einsatz­ gebiet ausbauen.» Je nach Aufgabe ist dann auch eine Zusammenarbeit direkt mit menschlichen Mitarbeitenden denk­ bar. Das Gute: YuMi ist für ein siche­ res Miteinander gemacht. Er ist da­ mit der erste wirklich kollaborative Zweiarmroboter der Welt. Registriert er einen unerwarteten Kontakt, stoppt er seine Bewegungen innert Milli­sekunden. Das ist nicht alles: Die weiche Schutzpolsterung ist so aufgebaut, dass ein Einklemmen von Körperteilen ausgeschlossen werden kann. Deshalb kommt YuMi auch ohne die bei Industrie­robotern übli­ chen Lichtschranken und Absper­ rungen aus. Für Möller lohnt sich das Engagement von YuMi: «Wir können unsere Markt­position mit durchdachten Auto­mationslösungen ausbauen und unsere beiden Stand­ orte in der Schweiz stärken», hält er fest. «Die Integration des Roboters ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Wir haben Freude an un­ serem YuMi!» Das Beispiel aus dem Kanton Thurgau zeigt: Die Zusammenarbeit mit kollaborativen Robotern führt zu einer Beschleunigung des Arbeits­ prozesses, macht die Produkte bes­ ser und die Arbeitsplätze sicherer. Und erst noch spannender. Denn: Für monotone Arbeiten gibt es YuMi.

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Die Berners h Wohnung auf d Intelligent wohnen macht erst recht im dritten Lebensabschnitt Sinn und Spass. Moderne Haussteuerungs­ systeme erleichtern älteren Menschen die Selbständigkeit. Max Fischer

S

icher haben Sie sich auch schon über den gelben Abholzettel der Post ge­ ärgert. Das ist jetzt vorbei. Wenn der Pöstler bei Ihnen zu Hause läutet und Sie nicht zu Hause sind, klingelt Ihr Handy. Und auf dem Bildschirm können Sie Ihren Pöstler sehen. Via Handy öffnen Sie Ihr Garagen­ tor, und der Postbote kann das Paket dort deponieren. Vom Büro oder vom Strand aus schliessen Sie mit einem Klick Ihre Garage wieder.

«Wir können alles vom Sofa aus bedienen. Das ist super.»

Was nach Science-Fiction tönt, ist heute schon Wirklichkeit. Haussteuerungs­systeme von ABB erleichtern jüngeren Menschen das Leben und älteren die Selbständigkeit. Zum

Beispiel Daniel Berner und Marianne Oesch Berner. Die beiden geniessen ihre Pension und sind Ende 2017 in ihr neues Zuhause eingezogen. Und dies ist kein Altersheim. Ganz im Gegenteil. Ihre neue Heimat ist die hochmoderne, digital vernetzte SmartHome-Überbauung bonacasa in Utzensdorf BE: bonacasa ist Schweizer Marktführer im Bereich des Wohnens mit vernetzter Haus­ technik, individuellem Wohnservice und nachhaltiger Architektur. «Es geht uns mo­ mentan ausgezeichnet, wir sind selbständig und brauchen keinerlei Unterstützung. Doch wenn wir den Haushalt vielleicht nicht mehr alleine meistern können», sagt Marianne Oesch Berner, «sind wir froh, dass wir auf Unterstützung zählen können.»

Recht hat sie. Bewohner einer bonacasaWohnung können wie im Hotel einen Butlerdienst in Anspruch nehmen. Das Ser­ vicetelefon organisiert zum Beispiel eine Putzhilfe, einen Handwerker oder bestellt ein Taxi vor die Haustür. Und der Concierge füttert die Katze und lüftet die Wohnung während der Ferien. Auch praktisch: Älteren Bewohnern entsorgt er auch das schwere Zeitungsbündel. In Notfällen ist die 24/7-


haben ihre f dem Handy peratur ist im Schlafzimmer ein bis zwei Grad kühler als im Wohnzimmer.» Äusserst angenehm: Per Videoübertragung auf den Handy-Bildschirm lässt sich der Eingangsbereich überwachen und mit einem Klick die Haustüre öffnen. Wenn man im Alter etwas vergesslich wird, muss man sich bei bonacasa nicht gross sorgen: Die Goodbye-Funktion stellt Bügeleisen oder Backöfen automatisch ab. Zusätzliche Sicherheit bieten Rauch- und Wassermelder. Per Knopfdruck die richtige Atmosphäre: Smart-Home-Lösungen zaubern je nach Bedarf das richtige Licht zum Arbeiten oder zum Kuscheln vor dem TV. Sprachassistentin Alexa versteht nicht nur «Alle Lichter aus» – sie antwortet sogar mit: «Okay. Alle Lampen sind ausgeschaltet.» Der Komfortschalter macht das Licht unabhängig ein und aus, sobald er eine Bewegung registriert. Es gibt auch keinen Grund, das Haus zu heizen, wenn kein Mensch zu Hause ist. Die Bewohner können ihr Heizprofil nach ihrer täglichen Routine definieren – und zwar individuell für jeden Raum.

Illustration: Shutterstock

Notrufzentrale bereit. Und das Mittagessen bestellen die Berners per App. Ebenfalls praktisch – für Jung und Alt: Alle Wohnungen sind konsequent schwellen- und stufenfrei gebaut. Das ist für ältere Menschen, Personen mit Handicap, aber auch für Familien mit Kindern ein Riesen-Vorteil.

Am meisten begeistert Daniel Berner ­ omentan das moderne Haussteuerungsm system ABB-free@home. «Mit diesem kann

ich Licht, Storen und Heizung in der ganzen Wohnung selber konfigurieren», sagt der pensionierte Ingenieur. So funktionierts: Bequem per Smartphone schaltet er das Licht an, lässt die Storen runter – ohne vom Sofa aufzustehen. Grips statt Bizeps? «Ach was, so schwierig war die Konfiguration gar nicht», sagt Berner bescheiden. Der Hit: «Wir können jeden Raum einzeln ansteuern», schwärmt er. «Unsere Wohlfühltem-

Daniel Berner ist überzeugt, dass die Technik mit zunehmendem Alter eine immer grössere Hilfe wird. Früher musste er die schweren Sonnenstoren mit grosser Anstrengung nach oben kurbeln. «Jetzt tippe ich auf den Bildschirm meines Handys.» Von Kollegen weiss er, dass sich viele vor der Technik scheuen. «Aber so schwierig war die Konfiguration gar nicht», sagt er. Er ist überzeugt: «Digital vernetzte Geräte und Anlagen verlängern die Zeit, in der eine Person eigenständig in ihrer Wohnung leben kann.» Und zu allem freuen sich auch Portemonnaie und Umwelt: Das vom global führenden Technologiekonzern ABB ent­ wickelte Haussteuerungssystem reduziert den Energieverbrauch markant.

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In Kooperation mit ABB

«Vor uns liegt eine bessere Zukunft» Ulrich Spiesshofer, CEO von ABB, über Auswirkungen und Chancen der Digitalisierung auf unsere Gesellschaft.

Inzwischen sprechen wir auch im Fertigungsbereich von einer digitalen, der Vierten industriellen Revolution. Für die Industrie – vor allem auch an einem Hochlohnstandort wie der Schweiz – ist die digitale Revolution eine grosse Chance, Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Sie kann als wichtigste Grundvoraussetzung gesehen werden, um die vorhandene Wettbewerbsfähigkeit zu bewahren und neue Geschäftsmodelle und -chancen zu erschliessen. Wir sind mitten in einer industriellen Revolution, die schneller und radikaler vonstatten­ gehen wird als jede davor. Daher müssen wir zügig und verantwortungsvoll handeln; die Chancen der Digitalisierung nutzen, um die Zukunft zu sichern. Können Sie Beispiele für eine solche digitale Wertschöpfung nennen?

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Mit unserer einzigartigen Palette an digitalen Lösungen – ABB Ability – bringen wir die Chancen der Digitalisierung in die Fabriken und Prozesse unserer Kunden. Damit gelingt es uns, schneller und besser zu planen, Anlagen schneller in Betrieb zu nehmen und die Produk­ tivität nochmals deutlich zu steigern. Gleichzeitig schaffen wir neue Berufs­ bilder – sowohl im dualen System mit der Lehrlingsausbildung als auch zum Beispiel im Ingenieurbereich. Ein gutes Beispiel dafür ist unser gemeinsam mit der Swatch-Gruppe entwickelter Smart Sensor für industrielle Elektromotoren und die damit verbundene digitale Fernwartungslösung. Mit dieser Lösung reduzieren wir Stillstandzeiten um mehr als die Hälfte und steigern gleichzeitig die Energieeffizienz sowie die Lebenserwartung der Motoren. Das ist gut für unsere Kunden, für die Umwelt und für die Sicherung der Beschäftigung. Ein weiteres Beispiel ist unsere Technologieführerschaft bei Roboterlösungen. Durch gezielten Einsatz von 3D-Simulationen in der Planung und künstlicher Intelligenz sowie Fernwartung im Betrieb können wir auch hier die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden steigern und die Hürden zum Einsatz von Roboterlösungen vor allem für kleinere und mittelständische Unternehmen – von denen wir ja in der Schweiz viele haben – deutlich senken. Im Zusammenspiel Mensch-Roboter schaffen wir so Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Beschäftigung.

«Für die Industrie ist die digitale Revolution eine grosse Chance, Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.»

Brauchen wir dann bald keine Fach­ arbeiter mehr, weil immer mehr Roboter die Arbeit erledigen? Ich verstehe, dass viele Menschen hier besorgt sind. Tatsächlich ist es aber so, dass die Länder mit der grössten Roboterdichte die niedrigsten Arbeitslosenquoten haben. Und mit diesem Verständnis müssen wir die Zukunft aktiv gestalten. Wir werden immer gut ausgebildete Arbeitskräfte, vor allem auch Lehrlinge und Facharbeiter, brauchen. Die Ausbildungsprofile ändern sich natürlich, wie auch in der Vergangenheit, und hier müssen wir als verantwortungsvolles

Foto: ABB

Der Digitaltag geht diesmal der Frage nach, ob und wie die Digitalisierung unsere Welt verändern wird. Wie erleben Sie diesen Wandel? Ulrich Spiesshofer: Wir sind mitten im Wandel der Welt – die Digitalisierung begegnet uns heute bereits an vielen Orten. Ganz natürlich erledigen wir bereits heute unsere Arbeit auf synchronisierten Smartphones, Tablets und PCs, rufen unseren Lieblingsfilm wann immer wir wollen bei einem Streamingdienst ab und erledigen unsere Bankgeschäfte online. Jeder von uns erlebt den digitalen Wandel und viele damit verbundene Vorteile täglich hautnah.


Foto: ABB

Beitrag zur Senkung der Umweltbelastung, da weniger Produkte auf Schiffen über die Ozeane transportiert werden müssen. Und es gibt noch einen weiteren Effekt: Experten rechnen mit bis zu 890 Millionen neuen Jobs, die durch neue Technologien entstehen; vom Webentwickler oder Big-Data-Analysten bis zum Social-Media-Journalisten.

Muss also jeder Fabrikarbeiter zum Digital Immigrant werden? Nein, denn wie bereits gesagt: Gerade die Länder mit der höchsten Roboterdichte gehören auch zu den Ländern mit den niedrigsten Arbeitslosenquoten – Deutschland zum Beispiel, aber auch Südkorea oder Japan. In den USA, wo in den vergangenen fünf Jahren rund 100 000 neue Roboter installiert worden sind, wurden im gleichen Zeitraum 270 000 neue Arbeitsplätze in der Fertigung geschaffen – also weit mehr als zwei Jobs pro Roboter!

Unternehmen auch in Zukunft gemeinsam mit den Ausbildungsinstitutionen eine aktive Rolle spielen. Wenn ich bei uns im Lehrlingsausbildungszentrum bin, freue ich mich jedes Mal, wie es unsere Ausbilder bereits heute schaffen, junge Menschen, aber auch Mitarbeiter, die an Fortbildungen teilnehmen, zu begeistern.

Studien zeigen aber, dass durch die Automatisierung auch Arbeitsplätze verloren gehen werden. Arbeitstätigkeiten haben sich in der industriellen Geschichte schon immer

verändert und werden das auch weiter­hin tun. Wir müssen hier aktiv gestalten. Ein Beispiel: In der Kombination aus Robotik und Automation auf der einen Seite und gut ausgebildeten Menschen auf der anderen entstehen auch Chancen. Wir haben zum Beispiel erst kürzlich für ein kleineres Unternehmen die Produktion aus China zurückgeholt, da mit der neuen Formel «Mensch und Roboter» hier in der Schweiz eine attraktive Produktion mit wettbewerbsfähigen Kosten aufgebaut werden konnte. Dieses «Re-shoring» schafft neue Arbeitsplätze und leistet auch hier einen

Sind unsere Gesellschaften für diese nachhaltigen Umwälzungen ausreichend gerüstet? Hier sprechen Sie eine wichtige Aufgabe für alle Verantwortungsträger in Politik, Industrie und Ausbildung an. Ich werde mich auch weiterhin stark dafür einsetzen, dass wir gemeinsam unsere Ausund Weiterbildungskonzepte überdenken und weiterentwickeln. Wir müssen den Menschen zuhören, sie informieren und sie mit auf die Reise in die Zukunft nehmen. Die Arbeitswelt verändert sich so schnell, dass heute jeder Zugang zu lebenslangem Lernen haben muss. Die Bildungsangebote und -formate müssen auf die Digitalisierung ausgerichtet und digitale Kompetenzen gefördert werden. Die Schweiz mit ihrem vorbildlichen dualen Bildungssystem und dem flexiblen Arbeitsmarkt hat hier im internationalen Wettbewerb besonders gute Karten in der Hand. Wenn wir diese richtig spielen und neue Techniken verantwortungsvoll nutzen, schaffen wir auch in Zukunft eine Schweiz, in der Wettbewerbsfähigkeit im neuen Muster Wohlstand und Beschäftigung sichert.

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In Kooperation mit ABB

E-Tiger im Tank

Innovation und Nachhaltigkeit: Für ABB ist die Formel E ein perfektes Schaufenster, um ihre führende Rolle in der E-Mobilität zu demonstrieren.

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ie ABB FIA Formula E Meisterschaft bringt Hightech, Sport und Umwelt­ bewusstsein auf einen Nenner. Für ABB-CEO Ulrich Spiesshofer ist klar: «Die Elektromobilität wird sich auch bei den Autos durchsetzen.» Mit ihren Schnellladesystemen ist ABB ein wichtiger Treiber. Auf der Auto­ bahnraststätte Neuenkirch LU wurde diesen Sommer als Schweizer Premiere die schnellste Ladestation der Welt in Betrieb genommen. Kurz darauf wurde auch die Gotthard-Rast­ stätte in Erstfeld in beiden Fahrtrichtungen mit je vier ultraschnellen Terra HP Fast Chargern von ABB ausgerüstet. HP steht für High Power. 350 Kilowatt Leis­ tung gibt das Kraftpaket ab. Acht Minuten laden und 200 Kilometer mit dem Elektroauto fahren – das ist fast wie tanken mit einem herkömmlich angetriebenen Auto. Die PowerStation ist die Antwort von ABB an alle, die meinen, Elektroautos bräuchten länger fürs Laden, als sie dann unterwegs sein könnten. In 70 Ländern wurden bereits rund 8000 Schnellladestationen von ABB installiert. Im­ mer mehr und immer leistungsfähigere La­ destationen. Ein positiver Trend für die Nach­ haltigkeit. Doch damit rückt auch die Aufgabe ins Blickfeld, die bestehenden elektrischen

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Verteilnetze lokal nicht zu überlasten, wenn Elektroautos gleichzeitig aufgeladen werden. Dafür müssen die Ladestationen miteinander und dem Netzmanagement kommunizieren. Die umfassende digitale Vernetzung macht das möglich – digitale Lösungen, die im «ABB Ability»-Portfolio gebündelt sind. Das Technologieunternehmen bietet aber auch bei der Elektrifizierung von Bussen, Eisenbahnen, Seilbahnen und Schiffen inno­ vative Lösungen. Zum Beispiel den Elektrobus Tosa, der in Genf in Betrieb ist. Das BlitzLadesystem benötigt weniger als eine Sekunde, um den Bus mit der Lade­station zu verlinken. Danach – während die Fahrgäste ein- und aus­ steigen – wird der Bus 15 Sekunden lang mit 600 Kilowatt geladen. Total 13 Schnelllade­ stationen sind entlang der Vorortslinie an herkömmlichen Haltestellen montiert. Im Vergleich zu den früher eingesetzten DieselTrolleybussen spart Genf jährlich bis zu 1000 Tonnen Kohlen­ dioxid ein. ABB fabriziert zudem das weltweit effizienteste Schiffsan­ triebssystem, welches auf den Weltmeeren im Einsatz ist. Damit konnten bei rund hundert Eisbrechern, Forschungsschiffen und Fähren die Treibhausgase und der Energieverbrauch um bis zu 25 Prozent gesenkt werden.

8 Minuten, 200 Kilometer: Terra HP ist die schnellste Ladestation der Welt.

Sparsam: Dank dem Elektrobus Tosa spart Genf jährlich 1000 Tonnen Kohlendioxid ein.


— Pionier der Industrieautomation mit leistungsstarker Digitaltechnologie für die Schweizer Industrie. Jetzt im bernischen Neuenegg statt im Ausland: Die Produktion von Ovomaltine Crunchy Cream ist zurück in der Schweiz. Denn das Erfolgsprodukt der Wander AG entsteht jetzt auf automatisierten Fertigungsanlagen von ABB. So stärkt digitales Know-how die heimische Industrie. Dank ABB Ability ™, der innovativen Technologieplattform von ABB. Let’s write the future. Together.


ey.com/betterworkingworld #BetterQuestions

„EY“ bezieht sich auf die Ernst & Young AG, Basel, ein Mitglied von Ernst & Young Global Limited, London, einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. ED None. MUK 1809-173

Wenn Märkte im Umbruch sind, wachsen daraus neue Perspektiven?


«Ich habe viel mehr Angst vor beabsichtigten oder auch unbeabsichtig­ ten Auswirkungen von Leuten hinter der Technologie als davor, dass die Tech­ nologie eine eigene Agenda verfolgen könnte.» Kate Darling, RoboterEthikerin am MIT

Fotos: Joyelle West, Fabrice Coffrini/AFP, Tom Dymond/REX/Dukas

Künstliche Intelligenz Fluch oder Segen?

«Wir müssen, individuell und gemeinsam, moralische und ethische Bedenken äussern, die durch Innovationen wie künstliche Intelligenz oder Biotech hervorgerufen werden.» Klaus Schwab, WEF-Gründer

«Die Entwicklung von wahrer künst­ licher Intelligenz könnte das Ende der Menschheit ­bedeuten. Sie ­würde sich selbst immer schneller weiterentwickeln. Menschen, die an das Tempo der Evolution gebun­ den sind, könnten nicht mithalten.» Stephen Hawking, Astrophysiker

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«Der Wettbewerb um die Vorherrschaft in AI auf nationaler Ebene wird meiner Meinung nach der wahr­ scheinlichste Auslöser des Dritten Weltkriegs.» Elon Musk, Tesla-Gründer

«Die wirkliche Frage ist nicht, ob Maschinen denken können, sondern ob Menschen es tun.» B.F. Skinner, US-Psychologe

«Künstliche Intelligenz ist von bewussten Subjekten übermittelte Intelligenz, eine in Objekten platzierte Intelligenz. Sie hat einen klaren Ursprung: in der Intel­ ligenz des menschlichen Schöpfers dieser Apparate.» Papst Benedikt XVI.

«Ob wir auf Kohlenstoff oder auf Silizium basieren, macht keinen funda­ mentalen Unter­ schied. Wir sollten alle mit Respekt behandelt werden.» Arthur C. Clarke, Physiker und ScienceFiction-Schriftsteller

32 www.digitaltag.swiss

«Es geht um nichts weniger als um die Humani­ sierung von Technologie. Künstliche Intelligenz muss zivilisiert werden!» Philipp Thesen, Professor für MenschSystem-Interaktion

«Wer beim Thema Künstliche Intelli­ genz innovativ führt, erringt erst wirtschaftlich, dann politisch und letztlich geostrate­ gisch Dominanz.» Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender Axel Springer

Fotos: Krisztian Bocsi, Rolf Schulten, David Paul Morris/Bloomberg via Getty Images, Bachrach/Getty, Imago, Ben Baker/Redux/laif, Luis Enrique Ascui/Getty, Marina Rosa Weigl, Kim Kulish/Corbis via Getty Images, Andreas Pein/laif, Alexandra Wey/Keystone

«Man nennt es künstliche Intelligenz, aber die Wahrheit ist: Diese Technologie wird uns weiterent­ wickeln. Statt künstlicher Intelligenz werden wir unsere eigene Intelligenz erweitern.» Ginni Rometty, IBM-Chefin


«Künstliche Intelligenzen führen höchst­ wahrscheinlich zum Ende der Welt. Aber es wird tolle Unterneh­ men geben.» Sam Altman, Unternehmer und AI-Entwickler

«Die Menschen werden nicht untergehen wegen AI. Sie werden nur nicht mehr so wichtig sein.» Jürgen Schmidhuber, Direktor des Schweizer AI-Labors IDSIA

«Die nächste Stufe kann natürlich etwas sein, das uns beziehungsweise unsere Körper mit der Technologie zusammenführt – unser Denken mit Software.» Miriam Meckel, Publizistin

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UBS Digital Banking. Ganz praktisch. ubs.com/digital

© UBS 2018. Alle Rechte vorbehalten.

Luis Enrique Ascui/Getty, Marina Rosa Weigl, Kim Kulish/Corbis via Getty Images, Andreas Pein/laif, Alexandra Wey/Keystone

«Wenn Sie alle Informationen der Welt direkt an Ihr Gehirn angeschlossen hätten oder in einem künstlichen Gehirn, das intel­ ligenter als Ihr eigenes Gehirn ist, wären Sie besser dran.» Sergey Brin, Google-Mitgründer


Wir sind

digitalswitzerland

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Die drei Fragen von Davos AR

Seite scannen und Video starten!

Foto: Gian Marco Castelberg

B

egonnen hat das Abenteuer im tief Wir fuhren heim. Und fingen sofort an, verschneiten Davos. Es war 2015, in an digitalswitzerland zu arbeiten. Heute, der dritten Januar-Woche. gut drei Jahre später, zählt diese wunder­An den kleinen Pausentischchen des bare Initiative 130 Mitglieder. Die meisten alljährlichen Weltwirtschaftsforums WEF der grossen Schweizer Unternehmen sind hatte ich drei Fragen für die Chefs von UBS, dabei. Dazu Bildungs- und ForschungsSwisscom, SBB, Post, EY, Google, Migros Institutionen wie ETH, EPFL. Der Wirtund der ETH vorbereitet: schaftsdachverbach economiesuisse geMarc Walder, Gründer von digitalswitzerland Erstens: Wird die Digitalisierung das Unternauso wie sieben Kantone. und CEO der Ringier AG. nehmen, das Du leitest, verändern? Die Geschäftsstelle zählt mittlerweile Zweitens: Ist es wichtig, dass die Schweiz 14 Mitarbeiter, mit Standorten in Zürich ein führender Wirtschaftsstandort bleibt? und Lausanne. Unermüdlich arbeiten alle Drittens: Würdest Du einer Initiative beitrean einem gemeinsamen Ziel: die Schweiz ten, die die Schweiz zu einem führenden zu einem führenden digitalen Standort Land in allen Bereichen der Digitalisierung weltweit zu machen. Start-upBildung und machen möchte? Wir arbeiten an den folgenden Themen: Förderung: Talente: SteigeAlle acht Chefs antworteten dreimal mit: Ja. Bildung und Forschung, Förderung von Finanzierung von rung von Umfang Also haben wir diese Standort-Initiative geStart-ups, Ökonomisches und politisches Innovation und und Qualität der startet. Im kleinen Klub quasi. Umfeld, Transformation der grossen ArbeitWirtschaft digitalen Bildung Die konstituierende Sitzung des Vereins geber, Internationale Visibilität, Konnek­ fand ein paar Monate später statt, tivität – und am Dialog mit der Bevölim Stadthaus von Zürich. Stadtkerung. Und um genau diesen DiUnternehmens­ Internationale präsidentin Corine Mauch war alog geht es am 25. Oktober, dem förderung: Vernetzung: sofort bereit, Schirmherrin der zweiten Digitaltag der Schweiz. Branchen­ Verbesserung der Initiative zu sein. Wir hiessen Mein Dank gilt allen Mitglieübergreifende Visibilität und damals DigitalZurich2025. dern von digitalswitzerland und Pionier-Projekte Zusammenarbeit Ein gutes Jahr später trafen deren operativem Team. Und wir dann Daniel Borel, den legenBirgit Pestalozzi, die das Projekt dären Gründer des ComputerzubeDigitaltag 2018 leitet. Wunderbar, Politische Rahmen­ Öffentlicher hör-Herstellers Logitech, am Genfersee. was wir in drei Jahren erreicht haben! bedingungen: Dialog: Schärfung Logitech wurde gross mit der ComputerSchaffung eines des öffentlichen Maus. Nun, Borel meinte kurz und knapp: PS: Die Schweiz steht im «World Digital nachhaltigen rechtBewusstseins «Ihr müsst aus Digital­Zurich2025 eine naCompetitiveness Ranking» von IMD mittlerlichen Umfelds tionale Initiative machen! Und was soll die weile auf Platz 5! Zum Vergleich: DeutschZahl 2025? Ist eure Mission dann zu Ende?» land ist auf Rang 18.

www.digitaltag.swiss  35


Highlights am Digitaltag Was bringt uns die Digitalisierung? Was hat sie uns bereits gebracht? Antworten darauf gibts am 25. Oktober im ganzen Land – und in Vaduz. Eintritt frei. Chur

Alexanderplatz, 8 bis 19 Uhr Lernen, forschen und entwickeln in Graubünden: Ob Futterausgabe per Smartphone fürs Büsi, Fahrt im Zug­ simulator, elektronische Patienten­ dossiers oder Programmieren von Bots und Robotern – hier lernen Sie die digitale Zukunft kennen.

Genf

Bahnhof Cornavin, 9 bis 20 Uhr Pepper ist ein humanoider Roboter mit künstlicher Intelligenz. Entgegen seinem scharfen Namen ist er freund­ lich und empfängt im Spital Patienten. Lassen Sie sich von ihm begrüssen. Und finden Sie heraus, wie schlau er ist. Oder erleben Sie viele weitere High­ lights vor Ort – in Genf ist einiges los!

Lugano TI

Lugano, Bahnhof und Piazza Riforma, 10 bis 20 Uhr Lifestyle im Tessin! Schlüpfen Sie virtuell in die neuste Mode und lernen Sie den ganzen digitalen Kaufprozess kennen. Wann und wo genau der Fashion Mob stattfindet, müssen Sie jedoch selbst herausfinden.

Münchenstein BL

Fachhochschule Nordwestschweiz, 10 bis 18 Uhr Baselland zeigt neben internationaler

36 www.digitaltag.swiss

Vernetzung die Digitalisierung im lokalen Umfeld. Unternehmen und Hochschulen veranstalten Work­ shops und präsentieren digitale Innovationen.

St. Gallen

Diverse Standorte, 9 bis 17 Uhr St. Gallen wird zur Smart City. Ent­ decken Sie an Standorten in der ganzen Stadt, welche digitalen Lösun­ gen das Zusammenleben aller erleich­ tern können, und gestalten Sie die Stadt der Zukunft mit.

St. Gallen

Olma Messen, 17 Uhr Auch Sport wird digital! Der erste Schweizer E-Sport-Kongress findet am Digitaltag in der Olma-Halle 2.1 statt. Im Anschluss können Sie Teilnehmer und Gamer bei Show-Matches und einem Poetry Slam treffen.

Sitten

Bahnhof, 8 bis 18 Uhr Auch Gesundheit und Vorsorge profi­ tieren von der Digitalisierung: Schlaue Kleider überwachen Ihren Körper, das Smartphone misst den Blutdruck, und in der Ausbildung eröffnet virtuelle Re­ alität neue Möglichkeiten. Oder lassen Sie sich gleich vom Chatbot das Rau­ chen abgewöhnen! All das und noch mehr lernen Sie im Bahnhof Sitten.

Vaduz (FL)

Yverdon-les-Bains

20.10.

Städtle, 9 bis 21 Uhr Lausanne Referate, Diskussionen, Kunstak­ tionen – alles dreht sich um Innova­ tionen, vom digitalen Klassenzim­ mer bis zum Museum der Zu­ kunft. Und bei der Liechten­ Genf steinischen Post kreieren Sie Ihre eigene SelfieBriefmarke. Bildungssystem zukommt. Von Mooc (Massive Online Open Yverdon-les-Bains Course) über den Umgang mit unseren Bahnhof, 13 bis 19 Uhr Daten bis hin zu spielerischen Elemen­ Digitalisierung beinhaltet nicht nur ten wie bei Robopoly. Chancen, sondern auch Risiken. Dass der richtige Umgang damit, der Schutz Luzern Ihrer Smartphones, Tablets, Computer, Forum Messe, 18 bis 20 Uhr aber auch Ihrer digitalen Identität Kommen noch Touristen nach Luzern, keine Hexerei ist, erfahren Sie hier. wenn sie mit Virtual Reality die Kapellbrücke vom Sofa aus besuchen Bern können? Diskutieren Sie wie in einem Postparc, Bogenschützenstr. 9b, Strassencafé über Ihre Hoffnungen 7.30 bis 21 Uhr und Wünsche an dieser Veranstal­ Die Post geht mit individualisier­tung von Economiesuisse. Anmel­ baren und digitalen Lösungen in dung erforderlich. die Zukunft – Kommunikation wird schliesslich immer mobiler. Erleben Zürich Sie eine digi­tale Begegnung im ZHdK, Toni-Areal, 25. bis 27. 10. Postparc Bern oder in 22 weiteren (3 Tage!) Die Zürcher Hochschule der Filialen in der ganzen Schweiz. Künste (ZHdK) beleuchtet mit interak­ tiven Exponaten und einer Fachkonfe­ Lausanne renz das Thema Creative Machines. EPFL, 10 bis 20.15 Uhr Verpassen Sie die Kunst-Performance Eine interaktive Ausstellung zeigt, im Live-Programm am HB Zürich nicht: was mit der Digitalisierung auf das Zürich meets Hongkong!


SBB-Digitalzug Schon eine Woche vor dem Digitaltag (ab 18. Oktober) ist der Digitalzug der SBB in der ganzen Schweiz unterwegs. Dort erfahren Sie viele Tipps und Tricks rund um die digitale Mobilität.

Basel 22.10.

Zürich

24.10.

St. Gallen

18.10.

Münchenstein

Vaduz 25.10.

Bern

Luzern

19.10.

Chur

23.10.

Locarno Sitten

21.10.

Lugano

Illustration: Shutterstock

Zürich

Start-up-Pitch

ETH, 8.30 bis 17 Uhr Wie viel Spass Programmieren machen kann, erfahren Schülerinnen und Schüler am Workshop der ETH Zürich in 6 Städten.

Hauptbahnhof, ab 10 Uhr Küren Sie mit einer Fachjury das beste Start-up-Projekt! Kreativ und unterhaltsam stellen sich die Unternehmen auf der Bühne dem Publikum.

Bundesräte am Digitaltag

Live-Talks

Zürich, Biel, Lausanne Schon bevor Bundespräsident Alain Berset den Digitaltag offiziell eröffnet, beantwortet er im Digitalzug von Bern nach Zürich Fragen. Bundesrat Johann SchneiderAmmann ist in einer Schaltung aus Biel BE zu sehen, wo Roboter Thymio Schüler unterstützt (11.15 Uhr). Abends wird er zudem an der EPFL zu Gast sein. Als dritter Bundesrat wird Ignazio Cassis zugeschaltet (17.45 Uhr).

Hauptbahnhof, ab 9.40 Uhr Erleben Sie, wie Referenten der Uni ZH trotz Powerpoint ihr Publikum nicht langweilen! «Big Data – was Galaxien, Schweine und Fernseh­ zuschauer gemeinsam haben» tönt schon gut. Weitere Redner: 14.00, 15.30, 16.45, 18.30 Uhr.

Celebrity-Talks und Stammtisch

Hauptbahnhof, ab 9 Uhr Was denkt Anatole Taubman über Fake News? Kann sich Alain Berset

ein Leben ohne Handy vorstellen? In der BLICK-Arena beantworten Politiker und Prominente Fragen rund um die Digitalisierung. Und in Stammtischgesprächen diskutieren Experten vor Publikum.

Erleben, staunen, 10 000 Fr. gewinnen!

Hauptbahnhof Pitchen Sie Ihre Idee und gewinnen Sie mit etwas Glück 10 000 Franken, erleben Sie Virtual Reality und Vertical Farming hautnah, setzen Sie sich in einen E-Race Simulator, nehmen Sie die Vogelperspektive auf dem Erlebnistower ein – oder begeben Sie sich auf einen besonderen Gesundheitspfad. An über 35 Ständen gibt es im Zürcher Hauptbahnhof viel zu erleben. Alle Infos: www.digitaltag.swiss

Seite scannen und per 3D-Map den Zürcher HB entdecken.

AR

11 Stunden LIVE

Hauptbahnhof Youtube Livestream Durchgehendes Programm mit Schaltungen in die ganze Schweiz und Unterhaltung zu den sieben Themenwelten Mobilität, Bildung, Gesundheit, Arbeit 4.0, Meine Daten, Media/News und Lifestyle auf der grossen Bühne im HB Zürich und als Livestream auf Youtube. Vom Start-up über Schüler und Professoren bis zum Bundesrat – alle sind dabei. Für zusätzliche Abwechslung sorgen die Schwiizergoofe und Crimer. All das und noch viel mehr auf www.digitaltag.swiss

www.digitaltag.swiss  37


di ed ig ita le Zu ku nf ta Dig us itali ? sier ung bes für ei sere ne Wel t?

W ie sie ht

dem h c a ird n ? w e logi prägen o n h Tec ukunft e h c Z Wel ne die o iPh

Was soll immer analog bleiben? Wer d Wel en die the rrsc Robote haf t üb r die ern ehm en?

? ät lit ea sR ar W ar St n tale rd digi wi n nem ern? mei an d W h an was än s ic t Mus alten e h Ver

ie rd d ? i w it rbe ehmen A e ch ern Wel ng üb ieru s i l ita Dig

Big Data oder Small Data?

Wird Bargeld verschwinden?

Wo li der egen d i Dig itali e Prob W le sier as ung me ka ? nn ich be ss er al se in Ro bo te r?

Was ist ein Datenleck?

nf in fü ? wir n iere den wer uniz l? Wie mm ta o k gi ren di Jah ch tli en ig te iss he as W

Wel che digi tale nF jede ähigke ite r Me nsc n sollt h ha e ben ?

Reden Sie mit!

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ie werden wir in fünf Jahren kommunizieren? Welche Arbeiten werden zukünftig von Robotern übernommen? Wie kann ich meine Daten wirklich schützen? Der Digitaltag am 25. Oktober soll der Bevölkerung die Möglichkeit bieten, genau diese Fragen zu stellen – und in den Dialog mit Wissenschaft, Politik und Wirtschaft zu treten. Am Digitaltag stehen schweizweit über 100 Experten für Gespräche zur Verfügung (u. a. mehrere ETH-Professoren wie Effy Vayana aus dem Health Ethics und Policy Lab oder Andreas Kraus vom Institut für maschinelles Lernen). Ausserdem bietet die

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Plattform www.digitaldaybrain.ch Antworten auf jede erdenkliche Frage rund um die Digitalisierung. Einfach Frage online stellen und danach eine fundierte Antwort vom richtigen Experten erhalten. Oder möchten Sie lieber selbst zu Wort kommen und in Form eines Videostatements in den öffentlichen Dialog treten? Auf www.digitaltag.swiss/dialog haben Sie die Möglichkeit dazu – zudem wird unter allen Einsendungen ein Preis verlost. Für alle, die auf analogem Wege digitale Fragen stellen möchten, bieten das Daten Café oder die vier Stammtischgespräche die ideale Plattform. Diskutieren Sie bei einer Tasse Kaffee mit

Daten-Cracks oder mit hochrangigen Experten auf der Piazza des Zürcher Hauptbahnhofs. Besprochen werden Themen wie künstliche Intelligenz, autonomes Fahren, Zukunft der Arbeit und Gesundheit. Bleibt nur noch der Dialog untereinander. Auch das ist möglich. Mit der offiziellen Digitaltag-App Tribo diskutieren Sie gleich selber mit und wissen, was in den jeweiligen Städten los ist, wer wen trifft und worüber gesprochen wird. Und wer möchte, kann sein persönliches Digitaltag-Programm via Merkliste einfach selbst zusammenstellen. Erhältlich für iOS und Android im App Store oder über Google Play.

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«Frauen sind ehrlicher» Zwei Ideen, zwei Erfolgs­geschichten. Die Gründerinnen Lea von Bidder und Anna Alex über Frauen in der Start-up-Welt. Stefan Mair und Andreas Güntert

Anna Alex, Lea von Bidder: Haben Sie sich schon e ­ inmal persönlich kennengelernt? Anna Alex: Die Start-up-Szene an sich ist ja riesig. Aber bezüglich weiblicher Gründer ist sie klein. Ich habe schon von Lea gehört. Aber getroffen haben wir uns noch nie. Lea von Bidder: Outfittery war mir na­tür­lich schon ein Begriff. Aber das ist tatsächlich unser erstes ­Treffen. Grossartig. Wir haben dieses She-Meeting anberaumt, weil es in der Gründerszene extrem wenige weibliche Vorbilder gibt. Wie viele Tech-­Gründerinnen kennen Sie? Von Bidder: An den Events, die ich besuche, wo Gelder eingesammelt und Preise gewonnen werden, sind es vielleicht zehn. Höchstens. Im Start-up-Mekka Berlin ist die Zahl wohl deutlich höher. Alex: Falsch. Ich würde sagen, es sind nicht viel mehr als zwanzig. Und im Silicon Valley ist es auch nicht besser. Neulich habe ich in einer Studie gelesen, wie viel Wagniskapital in den USA in frauengeführte Firmen fliesst.

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Lea von Bidder Funktion: President Ava Science Alter: 28 Karriere: Studium in St. Gallen. Gründung einer Schokoladen­ produktionsfirma in Indien mit 22 Jahren. Mit 24 Jahren Start bei Ava. Pendelt zwischen Zürich und San Francisco. Das Unternehmen: Ava stellt ein Sensor-Armband her, das Frauen hilft, ihren Zyklus zu bestimmen. Mittels Datenanalyse werden Kundinnen dabei unterstützt, den richtigen Zeitpunkt zu bestimmen, um schwanger zu werden.


ganze Gründerzeit bekanntermassen über 50 Millionen Euro Kapital einsammeln konnten, kommen von Frauenseite oft Fragen in dieser Hinsicht. Sie wollen wissen, ob ihre Geschäftsidee überhaupt das Zeug zu einem Business-Case hat und ob sie damit Investoren gewinnen können. Eine Frage, die mich erstaunt.

Wie antworten Sie? Alex: Es gibt keine Produkte oder Geschäftsmodelle, die per se ein BusinessCase sind. In allererster Linie kommt es auf deine Ambitionen an und darauf, wie gross du das Ganze machen willst. Wenn wir mit Start-up-Investoren sprechen, legen uns diese meist drei Thesen zum tiefen Frauenanteil in der Gründerszene vor. Dürfen wir Sie damit quälen? Alex: Bitte sehr.

Anna Alex Funktion: Co-Gründerin Outfittery Alter: 33 Karriere: Studium in Freiburg und Paris. Startete ihre Karriere bei Rocket Internet in Berlin. In Zürich hatte Alex die IT eines Schweizer Online-Unternehmens geleitet, bevor sie Outfittery startete. Das Unternehmen: Outfittery wurde 2012 gegründet und bedient Kunden in acht Ländern. Zielgruppe sind Männer zwischen 25 und 50 Jahren. Ein persön­ licher Stylist stellt eine Kleiderbox zusammen und schickt sie nach Hause.

Von Bidder: 1 Prozent? Alex: Ein bisschen mehr: 2. Aber egal,

Fotos: Florian Kalotay/13 Photo

welche Zahlen man zu diesem Thema herbeizieht: Es ist immer zu wenig.

Sie bewegen sich beide seit einigen Jahren in dieser Szene. Wie hat sich der Frauenanteil bei den G ­ ründern seither verändert? Alex: Es hat sich ein wenig verbessert. Ich werde öfters von Frauen angesprochen, die gründen möchten, aber noch in der Ideenphase sind. Das ist grossartig.

Aber natürlich geht alles immer noch viel zu langsam.

Um welche Ratschläge werden Sie gebeten? Von Bidder: Ich höre relativ oft von Frauen, dass sie keine Mitgründer finden. Und es gibt das Thema Stabilität: Viele Frauen, die mich anschreiben, sind ein paar Jahre vor der Familienplanung. Sie fragen: Ich könnte jetzt gründen, aber was passiert, wenn es doch nicht klappt? Alex: Weil wir mit Outfittery über die

These eins: Wenn man als junger Mensch, beispielsweise als Uniabgänger oder -abgängerin, eine Firma gründet, muss man den allergrössten Teil seines L ­ ebens diesem Thema widmen. Man reduziert seine Vita komplett auf die Firma, geht mit Tunnelblick durchs Leben. Frauen, besagt These eins, liege das w ­ eniger, sie möchten mehr haben vom Leben. Alex: Wer sagt so was? Wagniskapitalisten, die typischerweise männlich sind. Alex: Ich bin ja gespannt, was da noch kommt. Zur These eins: Sie haben Glück, dass dieser Schwachsinn nicht von Ihnen stammt. Von Bidder: Das ist keine These, das ist eine Beleidigung. Was dieser Ausspruch eigentlich besagen will, ist doch dies: Frauen möchten halt irgendwann Kinder ­haben. Ein schlecht kaschierter Verweis, der die Frauen daran erinnern soll, wie laut ihre biologische Uhr tickt. Obacht, hier kommt These Nummer zwei: Wer gründet und Geld sucht für sein Unternehmen, muss laut t­ rommeln für seine Sache. Und ständig sagen, wie gut man ist. Das Leben als ständiges Pitchen sei etwas, das Männern in der Regel besser liege als Frauen. Sagen VentureKapitalisten. Auch eine Beleidigung? 

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«Ich höre oft von Frauen, dass sie keine Mitgründer finden.» Lea von Bidder

Interessiert an noch mehr Frauenpower? AR starten.

«Jungen und Mädchen wurden zu lange stereotyp behandelt.» Anna Alex

AR

 Alex: Da ist mehr dran. Wo Männer sich gerne mal hinstellen und sagen, sie seien die geilsten Typen und hätten das grossartigste Business der Welt, und dabei ihren Forecast sehr positiv darstel­ len, tendieren ­Frauen eher dazu, ehrliche Zahlen zu nennen. Ohne sie für die Präsentation zu verdoppeln. Für Wagnis­ kapitalisten ist das vielleicht ernüchternd, aber Frauen sind einfach realistischer und ehrlicher. Wenn ­Investoren damit nicht umgehen können und finden, Frauen seien zu wenig ambitioniert, dann sind die Geldgeber selber schuld. Denn das hat nichts mit der tatsächlichen Performance zu tun. Von Bidder: Es geht nicht darum, ob man gerne trommelt oder nicht, sondern wie es aufgenommen wird. Viele Frauen glauben, sie würden besser wahrgenommen, wenn sie sich ein wenig zurücknehmen.

Wie kann man richtiges Trommeln lernen? Alex: Ich würde keine Kurse geben und den Frauen ­sagen, sie sollen beim nächs­

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Das ist die Seed-Phase. Alex: Genau. Meine Nichte, sie ist neun, habe ich für einen Robotics-Kurs ange­ meldet. Ich bin sehr gespannt, wie viele Jungs da sein werden und wie viele Mädchen. Das Thema braucht Aufmerk­ samkeit, und es braucht Zeit, bis es in die breite Masse getragen wird, damit es in zwanzig Jahren mehr Gründerinnen gibt. Jungen und Mädchen wurden in der Erziehung zu lange stereotyp behandelt. Da haben wir als Gesellschaft generell in

ten Pitch einfach ihre Zahlen aus dem Businessplan multipliziert darstellen. Vielmehr muss sich auf Investorenseite etwas ändern. Wagniskapitalisten müssen verstehen, dass es Unterschiede gibt. Mein zweiter Punkt ist der: Wir müssen vermehrt über das Thema sprechen: also über gesundes Selbstbewusstsein und darüber, weshalb das bei Frauen und Männern anders verteilt ist. Von Bidder: Einen Quick Fix gibt es nun mal nicht. Ich kann da dem Umfeld, in dem ich aufgewachsen bin, nur danken. Dass ich früh darin gefördert wurde, mich präsentieren zu können.

Die Erziehung als Vorbereitungs-Camp? Alex: So in der Art. Kurzfristlösungen gibt es nun mal nicht, sondern es wird Langfristarbeit nötig sein. Das erste Buch, das ich meiner Tochter gekauft habe, war «Good Night Stories for Rebel Girls». Darin werden hundert tolle Frauen aus der Geschichte präsentiert, von Coco Chanel bis Marie Curie.

den letzten Jahren ordentlich was verbockt. Von Bidder: Es fängt tatsächlich schon sehr früh an. Ich habe eine Freundin mit einer kleinen Tochter. Ihr wird die ganze Zeit gesagt, wie toll sie aussehe. Ich sage: Es ist einfach nicht relevant, wie sie aussieht. Später kommt ein anderes wichtiges Thema hinzu. Als Gründerin und als Gründer musst du ein enorm grosses Selbstvertrauen haben und ­super resilient sein. Das ist ein Attribut, das von der Gesellschaft nicht immer als positiv wahrgenommen wird bei Frauen. Dazu gibt es zahllose Studien. Zu einem trommelnden Mann sagt man, er sei vertrauenswürdig und stark. Bei einer Frau sagt man, sie sei bitchy und bossy. Davon müssen wir wegkommen. Wir alle.

Wir haben noch These drei auf Lager: Frauen seien r­ isikoaverser als Männer, weil sie ihr Leben oft in Fünf- und Zehnjahresschritten planen. Eine Firma zu gründen, habe da wenig Platz, weil es eine viel zu u ­ nsichere Sache sei. Alex: Kann ich für mich nicht bestätigen. Ich glaube, da ist schon wieder das Thema Familienplanung drin. Damit verbunden kann aber ein wichtiger Aspekt sein. Für Frauen, die ein Unternehmen gründen wollen, kann es sehr sinnvoll sein, sich einen Lebenspartner zu suchen, der offen für neue Modelle ist. Die Partnerwahl ist also eine durchaus erfolgskritische Sache.


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Dank Daten zu Gold

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AR

Für Skirennfahrer Niels Hintermann (23) gehört die digitale Vermessung zum Sport dazu. Sie dient ihm zur optimalen Ausrichtung seines Trainings.

D

er Laptop gehört für Niels Hintermann ebenso zur Sportausrüstung wie Ski und Stöcke: Hier führt er sein digitales Trainings-Tagebuch. Zwar trägt der Zürcher Skirennfahrer nur beim Ausdauertraining eine Pulsuhr mit Brustgurt. Doch hält er verschiedenste Werte von jeder Trainingseinheit im Kraftraum oder auch im Konditionstraining in Excel fest –

von Tempo über gefahrene Kilometer bis zur Pulsfrequenz. Und nicht nur dies, auch Dinge wie die Anzahl Stunden, die er schläft, die empfundene Schlafqualität, Informationen zu seiner Regenerationszeit und seinem allgemeinen Befinden trägt er dort ein.

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Einmal pro Woche übermittelt er sämt­ liche Daten seinem Konditionstrainer. Dieser wertet sie aus und empfiehlt, je nach Gesamtbild, Anpassungen am Training. «Das kann beispielsweise die Einhaltung einer anderen Pulsfrequenz im Ausdauertraining sein», sagt Niels Hintermann, «je nachdem, mit welcher Intensität ich davor trainiert habe und wie sich dies in meiner Leistung gespiegelt hat.» So prägen die Daten nicht nur das künftige Training. Sie dienen dem Trainer auch als Feedback darüber, wie sich vergangene Einheiten ausgewirkt haben. Eine schlechte

Schlafqualität über einen längeren Zeitraum

könne zum Beispiel darauf hinweisen, dass man sich im Übertraining befinde respektive in einem Vorstadion dazu. Doch zu verallgemeinern sei das nicht. Vielmehr gehe es um ein stetes Analysieren, Abwägen, Anpassen und wieder Analysieren, so Hintermann. In der Saisonvorbereitung hält sich Hintermann mindestens einmal in einem absoluten Hightech-Bereich auf – im RuagWindkanal in Emmen werden die Rennanzüge auf ihre Winschlüpfrigkeit hin getestet. Der Test läuft auf drei Geschwindigkeits­ stufen ab: 80, 100 und 120 km/h. «Gewisse Stoffe funktionieren zwar im Hochgeschwindigkeitsbereich sehr gut, dafür wei-

Fotos: Benjamin Soland, Jean-Christophe Bott/Keystone (2)

Mirjam Oertli und Marcel W. Perren


Überraschung am Lauberhorn: Niels Hintermann fährt im letzten Jahr in der Abfahrt von Platz 23 zuoberst aufs Kombinations-Podest.

sen sie bei mittleren Tempi Defizite auf.» Die Hauptaufgabe von Hintermanns Betreuern ist es deshalb, am Computer den besten Mittelwert der Anzüge zu ermitteln. Grosse Stücke hält der LauberhornKombi-Sensationssieger 2017 auch auf Videoanalyse-Technologie. Damit lassen sich Fahrten Sequenz für Sequenz und in extremer Genauigkeit analysieren. Auch können zwei Fahrten verglichen werden, indem man sie nebeneinander abspielt. «So sieht man

exakt, wo und weshalb diese oder jene Zehntelsekunde verloren ging, und kann sehr gezielt an der eigenen Technik arbeiten.» Wohl kaum ein Verband mehr weltweit,

glaubt Hintermann, arbeite ohne solche digitalen Hilfsmittel.

Für den noch jungen Skirennfahrer ist die digitale Vermessung in seinem Sport Normalität. Er bemüht sich auch nicht etwa der Daten wegen um einen disziplinierten Lebensstil. «Ich gehe automatisch etwa um

22 Uhr schlafen und stehe wieder zwischen 6 und 7 Uhr auf.» Doch auch wenn das einmal nicht der Fall sei: «Es gibt keine guten oder schlechten Daten, es gibt einfach nur Daten», so der 23-Jährige. Zwar dürfe man beim Blick auf Tabellen und Bildschirme nicht vergessen, auf den eigenen Körper zu hören. «Doch die heutigen Möglichkeiten unterstützen mich dabei, das Optimum in Sachen Leistung für mich herauszuholen.»

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/digital

ubs.com

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DIE POST IST DA. FÜR ALLE. Auch mitten in der Nacht. Abends, wenn die Schweiz unter die Bettdecke schlüpft, geht es für Logistiker Pierre-Alain Auberson erst richtig los. post.ch/pierre-alain


Block Party

Die Euphorie um Blockchain ist ungebrochen. Denn die Technologie könnte nicht nur die Finanzbranche revolutionieren. Adrian Meyer

W

er weiss schon, woher das Tomätli auf seinem Teller wirklich kommt – und wie es angebaut wurde? Der Konsument vertraut dem Supermarkt, der dem Händler vertraut, der dem Bauern vertraut, dass er die Tomaten nach der Qualität produzierte, wie es auf der Verpackung steht. Schnell und unkompliziert überprüfen kann der Konsument dies nicht. Dies zu ändern, verspricht eine Technologie, die in den letzten Monaten einen gewaltigen Hype erlebt hat: Blockchain. So will etwa das US-Start-up Ripe.io dank Blockchain und dem Internet der Dinge die Nahrungsmittelkette transparent und rückverfolgbar machen. Der Plan: Sensoren überwachen Tomaten beim Wachsen, speichern die Daten zu Temperatur oder zur ­Bewässerung, zu Reife oder Zuckergehalt automatisch auf einer Blockchain. Das Gleiche passiert bei der Lagerung, dem Transport bis hin zur Auslieferung. Kontinuierlich werden Daten erfasst. Sie sind für alle einsehbar, und können dank der BlockchainTechnologie nicht manipuliert werden. ­Anstatt bloss den Händlern zu vertrauen, hat der Konsument die totale Kontrolle.

Blockchain und Tomätli, das klingt zunächst nach einer seltsamen Kombination.

48 www.digitaltag.swiss

Doch sie zeigt, in welche Bereiche die Blockchain-Technologie bereits vordringt: Sie gilt nicht nur als Basis für Kryptowährungen wie Bitcoins, sondern verspricht in unzähligen Bereichen der Wirtschaft eine Revolution. Die Schweiz mischt vorne mit. Im selbst ernannten Crypto Valley zwischen Baar und Zug haben sich bereits Dutzende Start-ups angesiedelt, die sich der Blockchain-Tech­

nologie verschrieben haben. Auf der Webseite Cryptovalley Directory sind sogar über 500 Schweizer Start-ups, Organisationen oder Dienstleister eingetragen, die an BlockchainLösungen arbeiten. Die Anwendungen reichen dabei von neuen Kryptowährungen und Handelsplattformen in der Finanzindustrie über Car-Dossiers bei Occasion-Autos, die Überwachung von Medikamenten-Transporten und intelligenten Frachtcontainern bis hin zu neuen Lösungen für Spenden oder

­ -Voting (siehe Seite 50). Gemäss einer E Umfrage von IBM sehen rund 70  Prozent aller Schweizer Unternehmen das Potenzial der Blockchain-Technologie. Aber was zum Teufel ist ­eigentlich eine Blockchain? Im Grunde genommen beschreibt die Blockchain eine dezentrale Datenbank. Die Daten werden nicht auf einem Computer, sondern auf vielen Rechnern verteilt gespeichert. Die Datenbank funktioniert dabei als

unendlich erweiterbare Liste, von der jeder Nutzer eine exakte Kopie besitzt. Neue

Einträge werden jeweils zu Datensätzen gebündelt (sogenannte Blocks). Mittels Verschlüsselungs-Techniken werden diese Blocks miteinander verkettet (sogenannte Chain) und regelmässig an die Rechner im Netzwerk geschickt. Die einzelnen Einträge in der Blockchain sind grundsätzlich zwar für alle einsehbar. Die Urheber aber bleiben dank Verschlüsselung anonym. Dies ist der Fall bei einer öffentlichen Blockchain, wie sie etwa Bitcoin verwendet. Firmen nutzen aber vermehrt private Blockchains, bei denen nur Berechtigte Einsicht in die Daten erhalten (so­ genannte permissioned Blockchain, siehe


­ rafik auf Seite 51). Bei beiden gleich ist: Was G einmal auf die Blockchain gespeichert wird, bleibt dort. Die Einträge zu löschen oder zu manipulieren, ist fast unmöglich, da jede Änderung entdeckt würde. Denn jeder Block besitzt einen eigenen, verschlüsselten Fingerabdruck: den sogenannten Hashwert, ein Begriff aus der Kryptografie. Der nachfolgende Block muss eine Kopie dieses Fingerabdrucks besitzen, zusätzlich zu seinem eigenen Fingerabdruck. Nur damit kann er sich dem vorangegangenen Block anhängen. Der dritte Block wiederum hat eine FingerabdruckKopie des zweiten Blocks und seinen eigenen – und so weiter. So baut jeder Block auf dem ­vorangegangenen auf. Wer einen Eintrag in einem Block nachträglich manipuliert, verändert automatisch den Fingerabdruck dieses Blocks. Der nachfolgende Block kann diesen neuen Finger­ abdruck nicht mehr lesen, da er nur eine Kopie des ursprünglichen Abdrucks hat. Die Manipulation sprengt also die Kette – alle nachfolgenden Blocks sind somit ungültig. Da jeder Nutzer im Netzwerk eine Kopie der ursprünglichen Blockchain besitzt, merken sie sofort, dass etwas nicht mehr stimmt. Eine Blockchain ist somit vergleichbar mit einem virtuellen, transparenten, nicht zu manipulierenden und dezentral gespeicherten Logbuch, über das keine einzelne ­Instanz wacht – sondern ein Netzwerk. Die Technologie verspricht bei Trans­­ ak­tionen das Ende aller Mittelsmänner, die für ein Vertrauensverhältnis sorgen. So könnten in Zukunft Verträge automatisch abgeschlossen und aufgelöst ­werden, ohne dass es einen Anwalt braucht. Oder Geld getauscht

werden, ohne eine Zentralbank – wie bei Bitcoin. Bitcoin basiert auf der gegenwärtig ältesten noch existierenden Blockchain. Sie wurde im Jahr 2008 durch

Satoshi Nakamoto ins Leben gerufen – ein Pseudonym einer bis heute unbekannten Person. Die zugrunde liegende Technologie erforschten und beschrieben Wissenschaftler bereits Anfang der 90er-Jahre. Bei Bitcoin werden getätigte Transak­tionen im Netzwerk alle zehn Minuten zu einem Block gebündelt und an die Blockchain angehängt. Die gesamte Bitcoin-Blockchain ist auf Millionen von Rechnern gespeichert – und wird laufend aktualisiert. Mitte des Jahres hatte sie bereits eine Grösse von rund 180 Gigabyte erreicht. Neu geschaffene Blocks werden alle zehn Minuten von sogenannten «Minern» («Schürfern») überprüft und bestätigt. Wer einen Block als Erster für gültig erklärt, bekommt als Belohnung eine bestimmte Menge an neuen Bitcoins. Somit schöpfen die Miner dezentral neues, digitales Geld. Aktuell erhalten Miner pro bestätigtem Block 12,5 Bitcoins – was beim aktuellen Bitcoin-Kurs etwa 75 000 Schweizer Franken entspricht. Täglich werden so 1800 neue Bit-

coins geschaffen. Was einfach klingt, ist jedoch unfassbar schwierig. Denn um einen neuen Block für gültig zu erklären, müssen komplizierte mathematische Rechenaufgaben gelöst werden. Je grösser die Rechenleistung eines Miners, desto eher die Chance, diese Aufgabe zu ­lösen. Wer also mehr Computerpower hat, ­gewinnt eher Bitcoins. Somit funktioniert das Mining wie eine Lotterie: Wer viele Lose kauft, hat höhere Chancen auf einen Sieg. Aus diesem Grund wird das Mining heute nur noch industriell in gewaltigen Rechenfabriken betrieben – mit einem unfassbar hohen Energieverbrauch. Denn weil immer mehr Menschen mit immer leistungsstärkeren Prozessoren Bitcoins schürfen wollen, werden die zu lösenden Rechenaufgaben immer schwieriger. Nur so wird die Schaffung neuer

Blocks konstant gehalten und können Manipulationen verhindert werden. Zudem ist die gesamte

Anzahl Bitcoins auf 21 Millionen beschränkt. Aktuell sind bereits über 80 Prozent aller Bitcoins geschürft. Immer mehr Miner

kämpfen somit mit immer schwererem Geschütz um immer weniger Ressourcen. Man kann sich das vorstellen wie Goldsucher in einer Mine, bei der die grössten Nuggets längst weg sind: Nur wer mit Dynamit und riesigen Baggern arbeitet, hat noch Chance auf Erfolg. Dieser Wettkampf um Rechenleistung hat gravierende Folgen für die Umwelt. Aktuell verbrauchen die Mining-Rechner im BitcoinNetzwerk laut des «Bitcoin Energy Index» jährlich rund 73 Terrawattstunden Strom. Das entspricht dem Stromverbrauch von ganz Österreich – und etwa 0,33 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs. Eine einzelne Transaktion im Bitcoin-Netzwerk benötigt so viel Strom wie etwa 30 US-Haushalte an einem Tag. Damit ist Bitcoin eine gewaltige Dreckschleuder. Denn ein Grossteil aller Mining-Fabriken befindet sich in China, wo sie mit billigem Kohlestrom betrieben werden. Ein enormer Ressourcenverbrauch. Man kann Bitcoin wegen all seiner Makel als Blockchain 1.0 betrachten: unhandlich, oldschool, langsam. Aber dennoch eine bahnbrechende Grundidee, die laufend weiterentwickelt wird. So arbeiten Softwareentwickler weltweit an vielen neuen Lösungen, um die Blockchain-Technologie umweltfreundlicher, effizienter und schneller zu machen. Und in völlig neuen Bereichen der Wirtschaft anzuwenden. Blockchain werde die Welt so 

AR Video: So funktionieren Bitcoin und die Blockchain-Technologie.

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 sehr verändern wie das Internet, das war der Tenor beim Höhenflug des Bitcoin-Kurses Ende 2017. Damals stieg der Kurs innert Wochen auf knapp 20 000 Schweizer Franken – nur um dann genauso rasant wieder zusammenzufallen. Aktuell liegt er bei rund 6509 Franken. Der Bitcoin-Hype setzte eine riesige Innovationswelle frei. Hunderte Start-ups gründeten sich, um die Blockchain-Technologie weiterzuentwickeln und in komplett neue Anwendungen einzuführen. Sie sammelten dabei in kurzer Zeit Milliarden an Investitionen. Die Euphorie überraschte sogar Forscher, die sich seit langem mit der Blockchain-Technologie auseinandersetzen. «Der Hype um Blockchain ist mir nicht ganz erklärlich», sagt etwa Roger Wattenhofer (48), Professor für Verteilte Systeme an der ETH Zürich. «Denn die Technologie ist eigentlich jahrzehntealt.» Wattenhofer glaubt, dass sich die anfängliche Euphorie bald wieder legen werde. «Die Frage ist», sagt Wattenhofer, «braucht es wirklich immer eine Blockchain, oder sind andere Lösungen nicht besser?» Denn

bereits jetzt würden Daten zuverlässig in verteilten Systemen gespeichert. E-Mails, Bankkonten, Kundendaten, «es wäre sehr verwunderlich, wenn solche Daten immer noch zentral gespeichert werden», sagt er. Wattenhofer ist überzeugt: Blockchain ist derzeit eher ein Marketingwort – und eine Lösung unter vielen in der Digitalisierung der Wirtschaft. «Ich glaube nicht, dass Blockchain die Welt so grundlegend verändert, wie viele sagen», sagt er. «Die Digitalisierung als Ganzes ist viel umfassender.» Blockchain sei nur ein Teil davon.

«Dennoch sehe ich derzeit unglaublich viele gute Ideen für die Technologie.» Das grosse Schürfen in der Blockchain hat sogar erst begonnen.

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Die Schweiz hat Block Blockchain hält Einzug in den Alltag. Auch die Schweizer Start-up-Szene will die Technologie auf unterschiedlichste Weise nutzen. Sechs Beispiele. Adrian Meyer (Text), Mathias Bader (Infografik)

1. Überwachte Medikamente

Das Zürcher Start-up Modum entwickelt Sensoren, die die Temperatur bei Medikamententransporten laufend überwachen und die Daten auf einer Blockchain speichern. Denn wegen der strengen Regulierungsvorgaben in der EU und der Schweiz ist eine lückenlose Dokumentation der Temperatur beim Transport notwendig. Um dies sicherzustellen, werden derzeit noch viele Medikamente gekühlt, obwohl dies nicht zwingend nötig wäre – was die Transportkosten unnötig erhöht. Die Schweizerische Post ist mit Modum bereits eine Partnerschaft eingegangen.

2. Intelligente Container

Die Schweizer Smart Containers Group arbeitet am ersten vollständig autonomen Kühl-Container für den Medikamententransport – basierend auf der Blockchain-Technologie. Die Container sind wiederverwendbar und wissen selber, wann ein Liefervertrag endet und an wen sie die Rechnung schicken müssen. So will die Firma die Menge an Frachtdokumenten eliminieren. Die Fluggesellschaft Emirates ist bereits mit an Bord.

3. E-Voting

Die Stadt Zug testete Mitte Juni erstmals eine Abstimmung per Smartphone – über eine App, die auf Blockchain basiert. Teilnehmen konnten Zuger mit einer digitalen ID, die ebenfalls seit einigen Monaten in der Stadt Zug getestet wird. Abgestimmt wurde über die Frage, ob das Feuerwerk am Zuger Seefest eine gute Sache sei.

4. Digitale Identitätskarte

Blockchainbasierte, digitale IDs entwickelt das Zürcher Start-up Procivis. Der Kanton Schaffhausen führt die sogenannte «eID+» als erster regulär ein. Einwohner können mit ihrem Smartphone eine elektronische Identität einrichten. Mit der App können sie auf Behördendienstleistungen zugreifen und Dokumente abspeichern.

5. Kontrolle über Spenden

Die Naturschutzorganisation WWF Schweiz will mit dem Zuger Blockchain-Start-up Proxeus das Nachverfolgen von Spenden vereinfachen. Damit sollen Spender überprüfen können, ob ihr Geld auch wirklich am gewünschten Ort eingesetzt wird. So könnten auch beispielsweise Mikrospenden effizient und zielgerichtet eingesetzt werden, die sich derzeit wegen der hohen Transaktionskosten noch nicht lohnen.


Single Point of Truth

Autohändler

Jeder Teilnehmer besitzt eine stets synchronisierte Fassung des Car-Dossiers. Damit wird ein allgemeingültiger Datenzustand geschaffen. In der Fachsprache nennt man das «Single Point of Truth» – die einzige Quelle der Wahrheit.

• Importdatum • Verkaufsdatum • Listenpreis

Strassenverkehrsamt

Datensatz

• eingelöste Nummer • letzte Fahrzeug kontrolle

Blockchain / Car Dossier Daten verifiziert

Autobauer • Typ und Ausstattung • Herstellungsdatum • Werk

Single Point of Truth

OccasionsPlattform

Autohalter • Daten des Bord computers werden regelmässig aus gelesen • Fahrzeugausweis

• gefahrene km • Schadensfälle • jeder Service

Direkte Auskunft Mit der App einer Occasions-Plattform können ausgewählte Daten aus dem CarDossier via QR-Code abgerufen werden. Visionen weiterer Anwendungen: Sofort Probe fahren Für eine Probefahrt würde der Versicherungsnachweis des Interessenten um­ gehend über die Blockchain abgefragt. Im Falle einer Freigabe könnte das Auto mittels App aufgeschlossen werden. Smart Contracts Beim Besitzerwechsel eines Fahrzeugs wird dank der konvergenten Daten der Blockchain das Kaufen, Einlösen und die Anpassung des Versicherungseintrags voll automatisiert erledigt.

Garage

Versicherer

• Reparaturen • jeder Service • Modifikationen

• Versicherungsnachweis • Versicherungspolicen • Schadensfälle

6. Gebrauchtwagen Die Schweizer Firma AdNovum entwickelt zusammen mit der Universität Zürich, der Hochschule Luzern, dem Autoimporteur Amag, der Axa-Versicherung, dem Aargauer Strassenverkehrsamt und dem CarsharingAnbieter Mobility ein sogenanntes Car-Dossier für Gebrauchtwagen: eine Art Lebenslauf eines Autos samt Daten über Unfälle, gefahrene Kilometer und jeden Service. Alle diese Daten werden laufend auf einer Blockchain gespeichert. Die Teilnehmer dieser Blockchain zeichnen gemeinsam mit ihren spezifischen Daten die Geschichte eines

Fahrzeugs auf. Diese Daten sind dezentral gespeichert, indem jeder Teilnehmer eine exakte, stets synchronisierte Fassung der Blockchain besitzt. Da die Datensätze damit für alle identisch sind, spricht man vom «Single Point of Truth». Weil es sich um personalisierte Daten handelt, muss deren Abfrage vom Urheber erlaubt werden (Permissioned Blockchain). So sollen Gaunereien bei Occasions-Autos unmöglich werden. Mit dieser Basis-Funktionalität wird das CarDossier 2020 aufgeschaltet. Weitere Anwendungen sind in Planung. www.cardossier.ch

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In Kooperation mit UBS

Gross gibts nun für Kleinere Heute muss alles schnell und einfach sein – und zugleich sicher. Die UBS lanciert jetzt ein Bankpaket für kleine Unternehmen.

D

as dürfte die Verantwortlichen in den KMU freuen: Mit UBS Digital Business haben sie jetzt Zugang zur modernen Welt der Digitalisierung. Smarte Banklösungen sollen den Geschäfts­ alltag erleichtern – sei es im Zahlungs­ verkehr, beim E-Banking oder bei der Steuerung der Liquidität. Die Debitoren­ buchhaltung kann beispielsweise sehr zeit­ raubend sein. Bis anhin mussten zahlreiche Kleinunternehmen manuell und zeitinten­

siv Kunden mahnen. Wenn jedoch die Buchhaltungssoftware intelligent mit E-Banking verknüpft ist, verschickt das System automatisch Zahlungserinnerun­ gen an säumige Kunden. Dank dem neuen Bankpaket sparen KMU Zeit, die sie für die Betreuung ihrer Kunden nutzen können. Alain Conte, Leiter Corporate & Institutional Clients Segments: «Wir möchten mit unserem Angebot das berufliche Alltagsleben der

520 000 kleinsten Unternehmen in der Schweiz erleichtern und vereinfachen.» Neue, innovative Lösungen sind zentral für KMU, denn auch die Kunden entwickeln sich weiter. Trotzdem ist der direkte Kontakt mit den Unternehmen ein wichtiger Erfolgs­ faktor. «Wir verbessern unsere Dienstleis­ tungen und Produkte fort­laufend, um unse­ ren Kunden eine erstklassige Kombination aus modernster Technologie und individu­ eller Beratung zu bieten», erklärt Conte.

Klein hilft Gross Die Zusammenarbeit mit Fintech-Start-ups hilft der Grossbank UBS, ihre führende Stellung im Bereich Digital Banking zu sichern. Max Fischer

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dem Kunden das Banking jeden Tag ein biss­ chen einfacher und bequemer zu machen. So hat die UBS als erste Bank in der Schweiz die elektronische Unterschrift lanciert, wel­ che die gesetzlichen Anforderungen erfüllt. Dabei stellt Kubli fest, dass die Bedürf­ nisse nicht aus der eigenen Branche getrie­ ben werden, sondern von den Kunden selber kommen: «Erlebnisse mit Firmen anderer Branchen sind die grossen Treiber für Innovationen. Auch für manches, was

Erfolgreiches Beispiel: SumUp.

man nicht unbedingt von einer Bank er­ wartet hätte.» So erhalten Immobilieninte­ ressenten mit dem UBS-Immo-Check direkt über die Suchportale ImmoScout24 oder Homegate eine Bewertung ihres Wunschobjekts.

Fotos: Getty Images, SumUp

W

enn Start-ups und Grossunterneh­ men wie die UBS zusammen arbeiten, ist das meist eine WinWin-Situation», sagt Andreas Kubli, Leiter Multichannel Management & Digitalisie­ rung, UBS Switzerland AG. Im Bereich von Kooperationen interessieren ihn vor allem tolle Ideen aus Bereichen, die nicht zu den Kernkompetenzen der Bank gehören und neue Technologien ins Bankgeschäft brin­ gen. Und welche vor allem dazu beitragen,


Fotos: Getty Images, SumUp

«Wir möchten das berufliche Alltagsleben der kleinsten Unternehmen erleichtern.» Die UBS Digital Business Tools für KMU – Schnelles, übersichtliches E-Mobile Banking Wenige Klicks, absolute Sicherheit: Das Angebot ist speziell für kleinere Unternehmen konzipiert.

Bei aller Produktinnovation ist für KMU das Thema IT-Sicherheit gegen­ wärtig und auch inskünftig von grosser Bedeutung. So lässt sich mit den individuellen Sicherheitseinstellungen im E-Banking die Sicherheit zusätzlich erhöhen, zum Beispiel indem einzelne Länder oder

ganze Regionen für Zahlungen gesperrt werden. Fazit: Die UBS möchte für die ­verschiedenen Anliegen der kleinen Unternehmen im ganzen Land da sein. KMU profitieren so vom umfassenden Knowhow und der gebündelten Erfahrung der führenden Universalbank.

Kubli und seine Leute beobachten jeden Tag die neusten Entwicklungen rund um die Welt. Ihre Strategie: Sie schauen, was in internationalen Märkten bereits gut bei Kunden ankommt und können so eine angepasste Lösung in der Schweiz anbieten. So ist die UBS am Puls der Zeit. Ein gelungenes Beispiel für eine Kooperation ist die Liquiditätsplanung für KMU und Kleingewerbe mit dem Liquidity Cockpit. «Hier arbeiten wir mit dem Software-Entwickler Bexio zusammen», so Kubli. Das clevere Tool berücksichtigt neben dem aktuellen Kontostand automatisch alle offenen Kunden- oder ausstehenden Lieferantenrechnungen. Zudem erfasst es nötige Investitionen in beispielsweise neue Maschinen oder die Aufstockung von Lagerbeständen. So kann das Tool über Monate die Liquidität voraus­planen. Und das ist nicht alles: Mit dem Einverständnis des Kunden kann Bexio die Bankdaten von UBS täglich übernehmen. So sieht der

Kunde automatisch den tagesaktuellen Stand, wenn er sich ins E-Banking einloggt. Weshalb macht das die UBS zusammen mit einem Partner? «Wir müssen nicht alles, was wir unseren Kunden anbieten, selber machen», sagt Kubli. Klar ist: Start-ups sind wegen ihrer Organisationsstrukturen viel agiler. Und sie können die Zeit von der Idee bis zum Markteintritt extrem reduzieren. Davon profitiert nicht nur die UBS. Start-ups sind froh, gleich zu Beginn mit einer etablierten Plattform und einem grossen Kundenstamm starten zu können. Hinzu kommt, dass eine etablierte Grossbank einem Neuling Sicherheit, Know-how und ein breites Netzwerk bietet. Ein weiteres Plus: «Wir haben in den letzten Jahren viel Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Start-ups gesammelt», weiss Kubli. Dabei habe man einen guten Weg gefunden, sodass die Start-ups von den komplexen Strukturen und Prozessen eines Konzerns nicht «erdrückt» würden.

– Clevere Lösungen für den täglichen Zahlungsverkehr – Liquiditätsplanung zur Vermeidung finanzieller Engpässe – Bestmögliche SicherheitsAbsicherung – Real-time informiert sein mit nützlichen Push-Infos – Kompetente Beratung und Erreichbarkeit bei Fragen Auszug aus dem UBS Offering für KMU

Eine Reihe von Erfolgsgeschichten gibt der UBS recht. Beispielsweise SumUp. Das mobile kabel- und kontaktlose Kartenterminal macht jedes Smartphone zur Kasse. Ob Pizzakurier, Standbetreiber oder kleiner Verkaufsladen: Jetzt können die Kunden ganz einfach mit Karte bezahlen. Dadurch erweitert UBS das digitale Ökosystem für seine Geschäftskunden. Erfolgreich im Einsatz ist auch IDnow. Diese Plattform überprüft sofort die Ausweispapiere von 7 Milliarden Menschen. Und sie macht es möglich, dass man bei UBS Kunde werden kann, ohne einen Fuss in eine Filiale zu setzen. Digitalisierungs-Experte Andreas Kubli ist überzeugt: «Damit UBS ihre Rolle als führende Bank ausbauen kann, ist Technologie entscheidend.» Es mache daher Sinn, das Wissen und die Erfahrung im eigenen IT-Bereich zu haben. «Und für spezifische Lösungen mit externen Partnern zusammenzuarbeiten.»

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Robin (15) im Social-Stress Mindestens 80 Nachrichten pro Tag und bis zu sechs Stunden im Netz. Robin mag es, dass er sein Leben mit Freunden teilt. Doch es hat auch seine Schattenseiten. Gabi Schwegler

M

ein Handy ist mein Wecker, logo. Gleich nach dem Aufwachen schau ich nach, wer mir über Nacht geschrieben hat. Und dann verschick ich einen Morgensnap an meine Streaks. Das sagt den meisten Erwachsenen vermut­ lich gar nichts. Also: Einen Streak erhält man, wenn zwei sich drei Tage in Folge ei­ nen Snap schicken. Dann erscheint neben dem Namen ein Flämmli-Emoji. Das behält man, solange man sich weiterhin jeden Tag gegenseitig eine Nachricht schickt. Neben

dem Namen steht die Anzahl Tage, die man so in Kontakt ist. Mit einer Kollegin habe ich bereits 430 Streaks. Wir haben uns also

schon mehr als ein Jahr jeden Tag gegensei­ tig mindestens einen Snap geschickt. Zur­

zeit habe ich etwa 40 solche Streaks mit Kollegen und Bekannten. Meinen Morgen­ snap, meistens sind das nur die Worte «Guete Morgä», schicke ich also an all diese Leute. Wenn meine Eltern und meine klei­ nen Schwestern nicht zu Hause sind und ich alleine früh­-stücke, scrolle ich durch den Instagram-Feed. Das ist aber mehr ein Zeitvertreib, ich poste dort selber nicht viel. Facebook ist eh out, da ist niemand mehr wirklich aktiv in meinem Alter. Nach der Berufsschule oder dem Morgen im Büro schaue ich am Mittag als Erstes wieder, wer geschrieben hat. Ich öffne jene App zuerst, bei der am meisten ungelesene Nachrichten aufpoppen. Meist plane ich dann mit Kollegen über Whatsapp, was wir

Robin kann sich ein Leben ohne soziale Medien kaum vorstellen: «In den Ferien gab es mal kein WLAN. Das war der Horror.»

«Eltern müssen genau hinschauen» Otto Bandli (58), Dozent an der Pädagogischen Hochschule Zürich, über die Wichtigkeit von Empathie und achtsames Verhalten von Eltern und Lehrpersonen. 54 www.digitaltag.swiss

Robin sagt, er stelle sich das Leben ohne Internet viel einfacher vor. Erstaunt Sie das? Nein, denn wir Erwachsenen leiden ja genauso unter dieser ständigen Verfügbar­ keit und machen uns selber unnötig Stress. Mich besorgt vielmehr, dass kaum Gegentendenzen in Sicht sind bis jetzt.

Welche Veränderung im Leben von Jugendlichen bringen soziale Medien hauptsächlich? Junge Menschen pflegen und leben dort ihre Freundschaften aus. Das hat zur Folge, dass aggressive Verhaltensweisen und Ausgrenzung ebenfalls zunehmend innerhalb der sozialen Medien passieren. Dieser virtuelle Raum fordert eine andere Konfliktfähigkeit, die sich Jugendliche schnellstmöglich aneignen müssen.


am Abend machen. Wir schreiben dort meist in Gruppenchats, reine Dialoge führe ich kaum. Ich denke oft, dass eine Welt ohne Internet so viel einfacher wäre. Ich hätte weniger Stress, und wir würden verbindli­ cher abmachen. Ich weiss schon, dass ich mir diesen ganzen Druck selber mache. Aber es ist eben schön, so eng in Kontakt zu ­bleiben mit Freunden. Wir schicken uns

diese Lebenszeichen, um uns zu sagen, dass wir uns nicht vergessen. Das gefällt mir. Wenn mein Mami was besonders Feines gekocht hat oder ich an einem krassen Ort esse, zum Beispiel auf einem Boot in den Ferien, snape ich ein Bild vom Zmittag. Wenn ich das verschicke, erwarte ich nicht

AR

Inwiefern ist sie anders? Empathie, also das Einfühlungsvermögen, ist das wichtigste Stichwort. Es ist ein­ facher, sich in jemanden einzufühlen, der gegenübersitzt und dessen unmittel­ bare nonverbalen Zeichen wie Mimik und Gestik sichtbar sind. Weil das in den elektronischen Medien nicht mehr gegeben ist, erhöht sich die Gefahr, dass man sich in der Wortwahl verschätzt und Verletzun­ gen massive Auswirkungen haben. Wie lernt man Empathie? Niemand kommt mit angeborener Sozialkompetenz zur Welt. Deshalb ist

Fotos: KellenbergerKaminski

«Ich denke oft, eine Welt ohne Internet wäre so viel einfacher.»

es wichtig, dass Jugendliche lernen, über die eigenen Gefühle zu reden und die Emotionen der anderen zu erkennen und zu verstehen. Das sollen sie vor allem in der Schule tun, denn einen rücksichts­ vollen sozialen Umgang lernt man nur im sozialen Rahmen. Der kleine Familien­ rahmen deckt das nur beschränkt ab.

Was ist die Aufgabe der Lehrpersonen? Sie müssen die Verantwortung für den sozialen Umgang in der Klasse überneh­ men. Das heisst, Jugendlichen klarzu­ machen, dass in der digitalen Welt die gleichen Regeln gelten wie in der ana­

unbedingt eine Antwort. Snaps sind mehr dazu da, andere zu unterhalten und lustige Erlebnisse zu teilen. Oft ist es eine Art Be­ weis, dass man wirklich an einem Ort war. Zum Beispiel an einem geilen Konzert oder eben auf einem Boot mit 200 PS. Wenn ich nach Feierabend nichts vor­ habe, gucke ich meistens Serien auf Netflix. Ab und zu game ich «Fortnite». Aber da rege ich mich meistens zu fest auf, deshalb 

logen und dass sie mit ihnen Respekt füreinander, Toleranz und Zivilcourage einfordern und üben. Und Lehrerinnen und Lehrer müssen hinschauen. Mobbing schleicht sich in beiden Welten meist über eine längere Zeit ein. Das ist nicht plötzlich einfach hier.

Was meinen Sie mit hinschauen? Es ist wichtig, dass Lehrpersonen immer wieder nachfragen und die Signale wahrnehmen, wenn ein Kind sich in der Klasse unwohl fühlt. Die Beziehungs­ arbeit der Lehrpersonen ist entscheidend. Dann ist schnelles, konsequentes 

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«Ich finde es peinlich, wenn Eltern ihren Kindern followen.»  sind Serien chilliger. Oft chatte ich nebenbei noch ein bisschen oder lerne für die Schule. Ich finde es übrigens peinlich, wenn Eltern ihren Kindern in den sozialen Medien followen. Und Konten KURZ sperren bringt schon gar nichts. Wir finden immer wieder einen Weg, uns anzumelden. Ich rede

mit meinen Eltern sehr offen über die sozialen Medien und habe zum Beispiel in der Sek an einem Elternabend mal einen Vortrag über ­Instagram und Snapchat gemacht. Schon krass, wie wenig die Erwachsenen wissen. Vielleicht machen sie sich deshalb zu grosse Sorgen. Als wir in den Sommerferien waren, hatten wir kein WLAN in der Wohnung. Das war der Horror.

GEFRAGT Lieblingsapp? Snapchat. Zeit pro Tag im Internet? Zu viel. Drei bis vier Stunden, in den Ferien sechs bis acht. Lieblingswort? Lit und fix. Anzahl Nachrichten pro Tag? Mindestens 80 an meine Streaks.

Es nervt mich, wenn ich keinen Kontakt haben kann, und ich habe Angst, etwas zu verpassen. Deshalb bin ich nach dem Nachtessen jeweils noch in die Strandbar, wo Facebook? Out. es WiFi gab. Wenn hinter einem Streak ein Sanduhr-Emoji erscheint, hat man noch vier Stunden Zeit, sich zu schreiben. Sonst verliert man das Flämmli. Vor dem Einschlafen verschicke ich deshalb allen noch «Night».»

AR

Klicks, Likes, Posts – das passiert in 60 Sekunden im Internet.

 Handeln gefragt. Bei Gewalt und Mobbing gilt die Nulltoleranz. Auf keinen Fall wegschauen aus Angst, nicht richtig reagieren zu können.

vom Suizid eines Mädchens zu lesen ist, das Opfer von Cybermobbing wurde. Das ist keine Hexerei, aber Eltern müssen sich Zeit nehmen für ihre Söhne und Töchter.

Das heisst, Eltern können die Verantwortung bequem der Schule übergeben? Nein, überhaupt nicht. Die Pflicht hinzuschauen, gilt für Eltern genau so. Sie sollen sich für die Lebenswelt ihrer Kinder interessieren, neugierig sein und ihnen signalisieren, dass sie immer ein offenes Ohr haben. Das bedeutet, nicht erst über schwierige Themen zu reden, wenn wie letztes Jahr in den Medien

Apropos Zeit: Gibt es einen Richtwert, wie viele Stunden Jugendliche am Mobiltelefon verbringen dürfen? Hilfreicher als ein Richtwert ist für mich ein ausgewogenes Verhältnis von medialer und non-medialer Freizeit- und Lebensgestaltung. Ich empfehle Eltern, dass sie von ihren Kindern Aktivitäten einfordern wie Freunde zu treffen, Sport zu treiben, einfach mal nichts zu machen.

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Sollen Eltern ihnen auf Netzwerken wie Instagram oder Snapchat folgen? Nein, davon rate ich ab. Jugendliche wollen nicht, dass ihre Eltern ihnen nachspionieren. Eltern sollen aber un­bedingt von Zeit zu Zeit fragen, was im Netz abgeht, und sich die Netzwerke und neuen Trends erklären lassen. Und das Wichtigste: Sie sind Vorbilder – sowohl im Sozialverhalten als auch im Um­gang mit den elektronischen Medien. Mehr Infos und wichtige Links: www.jugendundmedien.ch; www.feel-ok.ch; www.safersurfing.ch


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Guten Morgen, Klasse! Der Alltag ist hochdigital. Schule und Kindergarten sind es nicht. Roboter Thymio soll das ändern. Iris Kuhn-Spogat

S

ie wundern sich darüber, dass Ihre Kinder mehr oder weniger den gleichen Stoff auf die mehr oder weniger gleiche Art und Weise vermittelt bekommen wie einst Sie? Willkommen im Club. Mit der Digitalisierung hat sich vieles von Grund auf geändert: In vielen Industrien und Ländern wird heute händeringend nach Personal für Jobs gesucht, die es vor fünf Jahren noch nicht gab, 65 Prozent

Foto: Thymio

der jetzigen Primarschüler landen in einem Job, den es heute noch nicht gibt.

«Medien und Informatik» bilden im Lehrplan 21 ein gemeinsames Modul. Doch wie weit soll das gehen? Einige Politiker und ­unzählige Wirtschaftskapitäne fordern seit längerem, Kids mit Programmieren ebenso vertraut zu machen wie mit dem Abc. Am WEF hat Martin Vetterli, Präsident der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL), bei einem Espresso im Kongresszentrum in Davos mit Marc Walder den Stein ins Rollen gebracht. Am zweiten Schweizer ­Digitaltag am 25. Oktober wird Marc Walder, Vater von zwei Töchtern, Ringier-CEO und treibende Kraft hinter der Standort­initiative, nun ankündigen: «Möglichst viele Kinder

sollen in möglichst vielen Klassen mit Thymio spielerisch lernen können, wie ­ Computer funktionieren.» Thymio ist ein kleiner Roboter. Die Hardware entwickelt haben die Gruppe Mobots der EPFL und die Lausanner Kunstschule ECAL. Die Software ist in Kooperation mit dem Autonomous Systems Lab der ETH Zürich entstanden. Es steckt so viel Brain­ power in Thymio, dass der Roboter einfach zu programmieren ist. Schon Kindergärtler können damit experimentieren. «Kinder müssen lernen, sich Probleme methodisch so zurechtzulegen, dass sie nach bestimmten formalen Vorgaben auch mit einem Computer gelöst werden können», sagt Vetterli. An der EPFL heisst das Fach Computational Thinking, Vetterli will eine Variante davon bereits in der Grundaus­ bildung. «Maschinen wie Thymio bereiten die Kinder auf die Digitalisierung vor.»

Noch ist es Glückssache, ob ein Kind in der Schule den Umgang mit Technologie lernt. Wer mit Thymio arbeiten will, kann sich darauf ausbilden lassen. Bislang haben über 1000 Primarschulkräfte davon Gebrauch gemacht, rund 5000 Roboter

«Maschinen wie Thymio bereiten Kinder auf die Digitalisierung vor.» Martin Vetterli, EPFL-Präsident

sind im Einsatz. «Das wollen wir massiv ausbauen», sagt Walder. Eine Million Franken ist für die Ausbildung, Lehrmittel und dergleichen nötig. Dieses Budget hat der ETH-Rat unter Führung von Fritz Schiesser, Lino Guzzella und Martin Vetterli bewilligt. Ist die erste Phase durch, werden Thymios gekauft und verteilt. Gestartet wird mit dem «Alpenkonzept». Denn die ersten Kantone, die «thymiosiert» werden, sind bergig: Uri, Schwyz, Luzern, Tessin und Wallis. Erfüllen sich die Erwartungen, wird Thymio den Unterricht umkrempeln – und so aufs ganze Land ausstrahlen.

AR

Wollen Sie Thymio im Einsatz sehen? AR starten!

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Like mich!

Sie sind Statussymbol und Geschäftsmodell: Likes auf Social Media. Entsprechend oft wird getrickst. Teilweise ziemlich dreist. Benjamin Rüegg*

1. Whatsapp-Gruppen Der Instagram-Algorithmus belohnt Posts, die in den ersten 30 bis 60 Minuten besonders viele Likes und Kommentare bekommen. Aus diesem Grund gibt es sogenannte «Engagement»-Gruppen auf Whatsapp und Telegram. Es gibt für jedes erdenkliche Thema eine Gruppe (Fashion, Fitness, Auto usw.), oft befinden sich Hunderte Teilnehmer in solchen Gruppen. Wenn jemand einen neuen Post auf Instagram veröffentlicht hat, postet derjenige sofort den Link in der entsprechenden Gruppe, und alle müssen den Post liken oder kommentieren – selbst wenn man sich untereinander eigentlich gar nicht kennt (Aufnahmeregeln für solche Gruppen siehe Box). Der russische Messenger Telegram ist noch beliebter als Whatsapp: Gruppen bei Whatsapp können «nur» 256 Teilnehmer haben, bei Telegram hingegen bis zu 30 000. Es gibt Engagement-Gruppen auf Telegram mit über 8000 Teilnehmern.

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1. Labert nicht rum, teilt nur euren Instagram-Link. 2. Kommentiert und liked den Beitrag der anderen, so schnell ihr könnt (innert 20 Minuten). 3. Postet nur zwischen 19.30 und 20.30 Uhr, um den Aufwand für alle einzuschränken. 4. Verwendet relevante Hashtags in euren Beiträgen. 5. Kommentiert mit mindestens 3 Wörtern und passendem Emoji. 6. Erfolg entsteht nur, wenn alle aktiv sind. Wer nicht aktiv ist, fliegt raus. 7. Je mehr Leute in der Gruppe sind, desto effektiver ist sie.

2. PowerLikes PowerLikes sind Likes von grossen, echten Accounts. PowerLike-Anbieter haben mehrere Dutzend grosse Instagram-Profile mit mehreren Hundert Millionen Followern im Angebot. Kauft man einen PowerLike, bekommt man von diesen Accounts Likes, was sich ebenfalls positiv auf Algorithmus und Reichweite auswirkt. 3. Unfollow-Bots Sehr beliebt sind sogenannte Follow/ Unfollow-Bots. Diese Bots folgen automatisch Tag und Nacht irgendwelchen Profilen, um ihnen dann ein paar Tage später wieder zu entfolgen. Es ist eine Art virtuelles Fangnetz auf Instagram: Unwissende User folgen zurück und merken nicht, dass das

e­ ntsprechende Profil ein paar Tage später wieder klammheimlich entfolgt. Mit diesem Trick sammeln diese Bots in wenigen Tagen viele neue Follower ein. Weil man bei Instagram nur 7500 Accounts folgen kann, müssen diese Accounts ständig das Gleichgewicht halten und Profilen früher oder später wieder entfolgen. Unfollow-Bots werden oft von Marken und Influencern eingesetzt, weil sie für einen kurzen Moment sehr effektiv sind. Nachhaltig sind sie aber nicht: Wer die Bots abstellt, verliert anschliessend mehr Follower, als er gewinnt. Ein Teufelskreis.

4. Follower kaufen Die günstige und schnellste Methode: Follower kaufen. Macht heute allerdings eigentlich fast keiner mehr, es kommt aber immer wieder vor. Egal, ob 500, 5000 oder 50 000 Follower: Wer bezahlt, kann sich eine beliebige Anzahl Follower bestellen. Für rund 9 Dollar kriegt man 1000 Follower aufs eigene Profil, 10 000 Follower gibts für rund 65 Dollar. Die Qualität der Follower ist erwartungsgemäss schlecht, da es sich meistens um keine «echten» Accounts handelt: Die neuen Follower interagieren nicht mit neuen Posts und verschwinden nach und nach wieder vom Profil, weil Instagram solche Accounts laufend erkennt und löscht. Effektiv ist das nicht, lässt aber die Zahl der Follower auf den ersten Blick gut aussehen. Noch immer lassen sich Firmen von der reinen Anzahl Follower blenden; viel wichtiger ist aber, wie viele der Follower mit dem Inhalt auch tatsächlich interagieren, also Likes und Kommentare unter den Posts absetzen (Engagement).

Foto: iHeart

V

or der Übernahme durch Facebook hatte Instagram noch keinen Algorithmus. Dieser wurde im August 2016 eingeführt, seitdem wird der Instagram Feed nicht mehr chronologisch dar­gestellt, sondern von Instagram für die Nutzer priorisiert. Früher konnte man noch um 17 Uhr ein Foto posten und war sich sicher, dass viele Likes und Kommentare generiert wurden, da die Leute auf dem Heimweg waren. Inzwischen bestimmt Instagram, welche Fotos zuoberst im Feed angezeigt werden, was zu immer neuen Methoden der User führt, um den Algorithmus auszutricksen:

Regeln in einer Whatsapp-Gruppe


Foto: iHeart

5. Engagement kaufen Statt nur einfach 50 000 Follower zu kaufen, kann man sich auch für die «langsamere» Variante entscheiden. Dabei werden die neuen Follower nicht in einem Rutsch dem Profil hinzugefügt, sondern in regelmässigen Abständen, zum Beispiel 50 pro Tag. Wer etwas tiefer in die Tasche greift, kann zudem gefälschtes Engagement kaufen. Die gekauften Follower schreiben dann Kommentare und liken alle neuen Postings, was auf den ersten Blick ziemlich echt aussieht. Schaut man aber zum Beispiel die Kommentare etwas genauer an, erkennt man, dass viele nur Emojis beinhalten und gar keinen Bezug auf das Foto nehmen. 6. Profile auf dem Schwarzmarkt kaufen Auch wenn es die AGB von Instagram ­ausdrücklich verbieten, werden auf dem Schwarzmarkt grosse Instagram-Profile zum Verkauf angeboten. Bezahlt wird meist mit Bitcoins, da die Anbieter anonym bleiben wollen. Wer ein Instagram-Profil auf dem Schwarzmarkt kauft, bekommt Reichweite praktisch auf dem Silbertablett serviert: Die Accounts haben Tausende Follower, und die Anbieter versprechen ­ meistens, mit wie vielen Likes pro Post zu rechnen ist. 7. Shoutouts kaufen Grosse Accounts verkaufen oft auch «Shoutouts» an kleinere Accounts. Dabei postet ein Influencer oder grosser Account auf Instagram ein Bild von einem anderen Account und verlinkt/taggt dabei das entsprechende Profil, was diesem ein paar neue Follower beschert. Eigens dafür geschaffene Marktplätze (z. B. www.shoutcart.com) vermitteln grosse Accounts und kassieren pro Shoutout bis zu 3000 Dollar. *Benjamin Rüegg ist Web-Entwickler und Gründer des Influencer-Analyse-Tools www.likeometer.ch

Seite scannen! Das sind die erfolgreichsten Schweizer Influencer.

AR

Digitaler Schrei nach Liebe: Dieses Street-Art Werk in Vancouver erhielt in der ersten ­Stunde 45 000 Likes. www.digitaltag.swiss  61


Skalpell und Säge – das war einmal. Der Rechtsmediziner Michael Thali setzt auf digitale Technologien und glaubt, dass es in wenigen Jahrzehnten nicht mehr nötig ist, Leichen bei der Obduktion aufzuschneiden. Gabi Schwegler (Text), KellenbergerKaminski (Fotos)

CSI: Irchel

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ies ist kein gewöhnlicher Ort: Drei Parkplätze für Dienstärzte, einer für die Polizei und zwei für Besucher. Es ist jener Ort, an dem an diesem windigen Morgen bereits drei Mal der Leichenwagen vorfuhr. Am Institut für Rechtsmedizin (IRM) der Universität Zürich Irchel werden pro Woche im Schnitt zehn verstorbene Menschen aus dem Kanton Zürich und acht umliegenden Kantonen untersucht, deren Tod plötzlich und unerwartet kam und bei denen ein Verdacht auf Gewalteinwirkung besteht. In den Krimiserien im Fernsehen passiert das mit Skalpell, Sägen, Spritzen. Die Realität von Rechtsmediziner Michael Thali (50), der das Zürcher Institut seit 2011 führt, sieht anders aus. Vor 20 Jahren entwickelte er in einer provisorischen Baracke am Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern mit seinem Team die Virtopsy, die skalpellfreie, virtuelle Autopsie. «Das war damals eine Revolution und gerade in deutschsprachigen Fachkreisen sehr umstritten», sagt Thali, der nebenbei und doch nicht ohne Stolz seinen Übernamen «Digithali» erwähnt. Heute sei die Methode weltweit längst etabliert, und alle grossen rechtsmedizinischen Zentren in der Schweiz arbeiteten damit. «Wir können rund 80 Prozent der forensischen Fragen mithilfe von digital erhobenen Daten beantworten. Bei unpro-

blematischen Fällen ist die Dokumentation gar qualitativ hochwertiger.»

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2015 erhielten Thali und sein Team dafür den Swiss ITC Award, mit dem innovative «Digitalisierer» in der Schweiz ausgezeichnet werden. Auslöser für die Forschung an neuen Methoden war der «Mord in Kehrsatz» im Jahr 1985, der bis heute als ungeklärt gilt – auch weil die Frage

nach der Tatwaffe nicht zweifelsfrei zu beantworten war. Bei einer Virtopsie wird eine Computertomografie des Körpers durchgeführt, zusätzlich erstellt der Virtobot – ein adaptierter Roboter, der beispielsweise in der Autoindustrie zur Qualitäts­sicherung genutzt wird – ein Ober­flächenscan des Körpers. Darüber hinaus macht der Roboter Fotoaufnahmen von der Textur des Körpers, die im Anschluss auf den 3D-modellierten Leichnam gelegt werden können. Die Verfahren können so beschleunigt und Leichen schneller freigegeben werden. «Wichtiger ist aber, dass der

Körper unzerstört bleibt. Das ist für die Angehörigen tröstend, ganz besonders,

wenn es um unerwartet verstorbene Kinder geht», sagt Michael Thali. «Ausserdem bleibt die Dreidimensionalität des Körpers in alle Ewigkeit gespeichert. Das vereinfacht die Ermittlungsarbeit der Polizei und der Staatsanwaltschaft und erweitert die Rekonstruktionsmöglichkeiten enorm.» Die Zahl der forensischen Untersuchungen, bei denen nur eine Virtopsie und keine klassische 


Obduktion per Computertomografie: Dank der Virtopsie bleibt der Körper zumeist unzerstört.

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Rechtsmediziner und Initiant von Virtopsy: Michael Thali, Spitzname «Digithali».

Schnellere und exaktere Befunde: Am Computer werden die Scans ausgewertet.

 Autopsie durchgeführt wurde, hat seit 2015 von 30 Fällen auf gut 200 im Jahr 2017 zugenommen. Aber Thali, das spürt man schnell, wenn man ihn trifft, ist ein umtriebiger Mann und ein Mediziner, der sich nicht auf Erreichtem ausruhen will. Seine Vision geht weiter. «Wir

Konzentration noch eine längerfristige Herausforderung für die Forscher. «Und den Gen-Faden werden wir wohl erst in plus/ minus 50 Jahren auf diese Weise ermitteln können.» Damit liessen sich basierend auf Geninformationen beispielsweise präzise Phantombilder für die Fahndung nach Gewaltverbrechern erstellen. Kurz vor Mittag liegt an diesem Morgen bereits die dritte Leiche auf der Vakuum­ matratze vor der CT-Röhre. Auf dem leb­losen Körper kleben verschiedene Markierungspunkte, welche bei der anschliessenden 3DModellierung als Referenz dienen. Hinter einer Scheibe sitzt Lars Ebert (41), der zusammen mit Thali von Bern ans IRM in Zürich gekommen ist und aktuell an der Weiterentwicklung des Virtopsie-Verfahrens arbeitet. Zusammen mit seinem Team forscht er an Deep-Learning-Methoden, welche die Arbeit der Gerichtsmediziner erleichtern sollen. «Ein CT-Scan kann bis

arbeiten an bildgebenden Verfahren, mit denen wir in einem Zug Alkohol, Drogen und Medikamente in Leichen nachweisen können, ohne sie aufschneiden zu müssen.

Und langfristig lässt sich so sogar der Gen-Faden herauslesen.» Am IRM Zürich wird deshalb – weltweit einzigartig – an einer Methode geforscht, mit bildgebender Magnetresonanztomografie die Alkoholkonzentration in Körpern nachzuweisen. Das ist der am einfachsten realisierbare Teil von Thalis Vision, weil Ethanol, das beim Alkoholkonsum abgebaut wird, ein grosses Molekül ist. «Ich denke, dass wir diese Methode in weniger als zehn Jahren bereits routinemässig einsetzen können», sagt Thali. Der Nachweis von Drogen und Medikamenten ist wegen der deutlich tieferen

Das Geschoss (hell im Bild) ist im CT wegen seiner hohen Dichte gut zu erkennen.

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zu 10 000 Einzelbilder haben, deren Analyse einen Radiologen gut acht Stunden kosten kann», sagt Ebert. Ein automatisiertes,

lernendes System soll künftig Frakturen erkennen, Urin in der Blase messen oder das Gewicht des Herzens herausfiltern können. «Der Gerichtsmediziner könnte sich so in der Auswertung auf die vom System ermittelten Auffälligkeiten konzentrieren.» In der Schweiz, wo es jährlich zwischen 80 bis 100 Tötungsdelikte gibt, ist das weniger entscheidend als in Ländern mit ungleich grösseren Fallzahlen wie etwa Südafrika, Amerika oder Mexiko. «Unsere Forschung könnte den Kollegen in jenen Ländern dienen, weil sie aktuell aus zeitlichen Gründen kaum alle Qualitätsstandards für Obduk­ tionen einhalten können», sagt Ebert. Ein zweiter seiner Forschungsschwerpunkte ist die Rekonstruktion von Tatorten mithilfe von virtueller Realität (VR). Zusam-

men mit dem 3D-Kompetenzzentrum des Forensischen Instituts der Kantons­ polizei Zürich werden Tatorte nachgebildet und mit VR-Brillen begehbar gemacht. «So können wir geständige oder mutmassliche Täter an die Original-Fundsituation der Leiche zurückbringen und offene Fragen zum Tathergang verlässlicher angehen», sagt Ebert. Wenn Institutsleiter Thali davon spricht, wird die Begeisterung in seiner Stimme hörbar. «Wir müssen Staatsanwälten und polizeilichen Ermittlern diese neuen Methoden zugänglich machen und sie so von

den neuen digitalen Möglichkeiten überzeugen. Genau so, wie wir das bei der Virtopsie erfolgreich gemacht haben», sagt er und verlässt das Kellergeschoss mit den grossen Lettern «Virtopsy» über der Glastür.


Interessiert an Forensik? Seite scannen und 3D-Schädel untersuchen.

AR

Gut sichtbarer Schusskanal Dank der Virtopsy wird deutlich erkennbar, welchen Verlauf das Projektil durch den Kopf des Opfers genommen hat. Der Schuss­kanal ist gut sichtbar: Der Einschuss am Hinterkopf, die losgelösten Knochenfragmente und die durch den Abprall des Geschosses verursachte Fraktur im Schädeldach (oben).

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Jetzt kommt der Algorithmus zum Zug

Viele Züge und ein begrenztes Schienennetz: Fahrplanänderungen sind für die SBB eine grosse Herausforderung. Ein Computersystem soll dies ändern.

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as Schweizer Bahnnetz ist eines der dichtbefahrensten der Welt. Damit sich die Züge nicht in die Quere kommen, braucht es eine exakte Planung. Was heute noch mehrheitlich in aufwendiger Handarbeit passiert, soll ab 2020 schrittweise automatisiert werden. Die SBB tüfteln an

Foto: Márton Botond

einem Algorithmus, der den perfekten Fahrplan erstellt. «Das neue System soll gewährleisten, dass die Züge möglichst konfliktfrei vorankommen», sagt Julian Jordi, Mitglied

des Algorithmik-Teams bei den SBB. «Im Idealfall stehen für die Lokführer in Zukunft alle Ampeln auf Grün.» So soll das Schienennetz optimal ausgenutzt werden. Die Bedingungen an den Fahrplan stellt aber auch in Zukunft der Mensch. Jordi: «Die Verkehrsunternehmen geben beispielsweise vor, wann ein Zug den Bahnhof spätestens

Claudia Mascherin

verlässt oder wie lange eine Fahrt maximal dauert.» Der Computer trägt dann alle Anforderungen zusammen und bastelt daraus den optimalen Fahrplan. Dabei ist es durchaus möglich, dass auch die künstliche Intelligenz an ihre Grenzen stösst. «Das Schienennetz ist begrenzt, Belegungskonflikte kann es immer geben», sagt Jordi. «Wichtig ist, dass das System dann schnell verschiedene Lösungsvarianten aufzeigt.» Diese sollen auch zum Einsatz kommen, wenn beispielsweise ein Zug ausfällt oder wenn es – wie diesen Sommer – wegen Grossbaustellen zu massiven Fahrplanänderungen kommt. «Hier waren die Planer bisher extrem gefordert», sagt Jordi. «In Zukunft kann mit dem neuen System in kurzer Zeit ein verlässlicher und ideal auf die Kundenbedürfnisse abgestimmter Fahrplan

erstellt werden.» Die Planer und Disponenten agieren in solchen Situationen nur noch als eine Art Dirigenten und wählen aus den computergenerierten Vorschlägen die für die Passagiere komfortabelste Variante aus. Aktuell laufen bei den internen Entwicklern der SBB verschiedene erfolgreiche Tests mit Prototypen. Unterstützung erhalten sie dabei von mehreren Hochschulen. Zudem rufen die SBB in einem internationalen Wettbewerb Programmierer zum Mitdenken auf. Diese können ihre Ideen über die Plattform «CrowdAl» einreichen. Bisher seien

schon rund 50 Vorschläge eingegangen, sagt Jordi und erhofft sich viel davon. «Es kommt oft vor, dass gerade branchenfremde die besten Denkanstösse liefern.» Läuft alles nach Plan, erstellt ab 2025 schweizweit ein Computer den Fahrplan.

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Cyberhelden gesucht Die Schweiz soll eine Miss oder einen Mister Cyber erhalten. Darin sind sich alle einig. Die Gefahr, dass Systeme gehackt werden, wächst von Tag zu Tag. Doch so schnell wie erhofft geht es nicht voran. Andrea Willimann

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«Der Aufbau der Cyberabwehr geht viel zu langsam»

N

ach den Attacken auf die Rüstungsbeschafferin Ruag und diverse Bundesämter hat es auch der Bundesrat realisiert: Die Schweiz muss sich in Zukunft besser vor Cyberangriffen schützen können. Doch hetzen lässt sich Bern nicht: Die zuständigen Departemente für Verteidigung (Cyber Defence), Justiz (Strafverfolgung von Cybercrime) sowie Finanzen und Wirtschaft (Schutz kritischer Infrastrukturen, Cyber-Security) dürfen sich Zeit lassen. Im Juli gab der Bundesrat bekannt, ein Kompetenzzentrum aufzubauen sowie einen Mister oder eine Miss Cyber anzustellen. Aber erst im Verlauf des nächsten Jahres! Beides wird zudem im Finanzdepartement angesiedelt. Nomen est omen: Die Bundesfinanzen sollen nicht aus dem Ruder laufen. Doch nicht jeder will dieses gemächliche Tempo hinnehmen. Die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats (SIK) hat im August in seltener Einigkeit beschlossen, dem Bundesrat einen Brief zu schreiben. «Darin bitten wir die Regierung, dass sie vorwärtsmacht mit der Abwehr von elektronischen Bedrohungen und den Mister oder die Miss Cyber, die er anstellen möchte, auch mit Macht ausstattet», so SIK-Präsident Werner Salzmann (55). Denn: Der Bundesrat hat nur «Weisungsbefugnisse» vorgesehen.

Illustration: Shutterstock

«Es geht uns viel zu langsam», kritisiert Salzmann. Vom Aufbau der Cyberabwehr werde zwar immer viel gesprochen, Handfestes sei aber noch wenig spürbar. «Die

Schweiz kann es sich jedoch nicht leisten, die nötigen Arbeiten zu verschleppen.» Die bestehende Melde- und Analysestelle zur Informationssicherung (Melani) soll deshalb unverzüglich mehr Geld und Personal erhalten. «Zudem muss der Schutz kritischer Infrastrukturen sofort verbessert sowie die Wirtschaft auf mögliche Gefahren hin­ ge­wiesen werden.» Dies verlangt auch der Dachverband ICT Switzerland vom Bundes-

rat. Er wünscht eine Präventionskam­pagne zu den Internetgefahren analog zur jahrelangen Stop-Aids-Kampagne. Denn auch

hier steht der Bund am Anfang. So hat das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) Ende August einen seit längerem erwarteten Mindeststandard für Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) vorgestellt. Dieser animiert

Israel und die USA machen es vor Andere Länder sind schon viel weiter als die Schweiz. Die USA beispielsweise legen schon seit Jahren einen Schwerpunkt auf den Krieg im Netz. Grösstes Vorbild für die Schweiz sind aber die Israelis, die Experten für die besten Cyberkrieger der Welt halten. Ihre Cyber-Einheit – die Unit 8200 – ist mittlerweile der grösste Verband der israelischen Armee. Und sie soll mehr als erfolgreich sein: Es wird vermutet, dass die Unit 8200 die Erstellerin des Stuxnet-Computerwurms war, der im Jahr 2010 Steuerungssysteme iranischer Anlagen zur Uran-Anreicherung sabotierte. Die Cyber-Einheit ist unter den jungen Israelis hoch beliebt. Die Rekrutierung beginnt in der Schule, wo die besonders Begabten herausgesucht werden. In speziellen Programmen lernen schon 14-Jährige eine Kombination aus Computerwissenschaften und Cyber-Kampf. Viele Soldaten der Einheit wechselten nach ihrer dreijährigen Dienstzeit in die Privatwirtschaft und wurden mit eigenen Unternehmen nicht nur erfolgreich, sondern auch steinreich.

Unternehmen dazu, sich vor elektronischen Hack-Angriffen und weiteren Computerrisiken zu schützen. In Sachen Cyber-Risiken stecken auch alle anderen Departemente mitten in der Arbeit: Die offensive Digitalstrategie des Bundesrats «Digitale Schweiz» 2018 gibt auf diesem Feld reichlich zu tun. Vorne dabei sind das Verteidigungs- und das Aussendepartement, die auch internationale Kooperationen im Cyber-Sicherheitsbereich pflegen. In der Armee starteten diesen Sommer die ersten 25 Cyber-Rekruten ihre Ausbildung. Ein Pilot-Lehrgang, für den die Teilnehmer aufwändig ausgesucht werden mussten. Mindestens 100 Cyber-Spezialisten möchte die Armee in ihren Reihen haben. Es wird aber viel kosten, die qualifizierten Jungen in der Armee und im VBS zu halten. Dies gab Verteidigungsminister Guy

Parmelin (58) kürzlich vor Medien zu. Die Umsetzung der weiteren Massnahmen innerhalb der Nationalen Strategie zum Schutz vor Cyberrisiken (NCS 2.0) erfordert ebenfalls noch viel Aufwand. Da ist Deutschland zum Beispiel viel weiter, wo die CyberEinheit des Bundes bereits rund 15 000 Angehörige umfasst, eigene Cyber-Studiengänge bestehen und ein Cyber-Hub die Wirtschaft permanent nach Cyber-Abwehr­­produkten scannt. «Cyber ist ein Megathema der Gegenwart und der Zukunft», sagte die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (59) Ende August nach einem Treffen mit Bundesrat Parmelin in Bern. Der nickte und ergänzte: «Die heutigen Bedrohungen kann keiner im Alleingang bewältigen.» So zum Beispiel die Manipulation von GPS-Signalen, die zum Handwerk des digitalen Krieges gehört. Fachleute befürchten, dass es zu Zusammenstössen zwischen Verkehrsoder Kampfflugzeugen kommen könnte. Bei der fieberhaften Suche nach mehr GPS-Sicherheit mischt die Schweiz vorne mit. Eine Innovation ist ausgereift. Beim

Open-Sky-Netzwerk handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein mit Schweizer Sitz. Das System mit dem Namen CrowdGPS-Sec errechnet aus den Flugverkehrsdaten sekundenschnell, ob es Abweichungen zwischen richtigen und allenfalls gefälschten Signalen gibt. Falsche GPS-Signale können sofort aufgedeckt und die Position der Cyber-Angreifer innerhalb von 15 Minuten auf 150 Meter genau geortet werden.

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«Sex?»

Die Dating-App Tinder digitalisiert die Suche nach der Liebe des Lebens. Das ist toll und erfolgversprechend. Trotzdem bleibt das schönste aller Gefühle analog. Für immer. Désirée Schweizer (Text), Priska Wallimann (Infografik)

Geschlechterverhältnis der Schweizer Online-Dater Frauen

27 % 73 %

Männer

M

ein Tram zum Bahnhof fährt in drei Minuten. Ich öffne Tinder. Ich sitze auf dem WC. Ich öffne Tinder. Ich liege müde im Bett. Ich öffne Tinder. Öffne ich die Dating-App, öffnet sich die digitale Welt voller paarungswilliger Männer. 3,4 Millionen Nutzerinnen und Nutzer

waren gemäss dem Statistikportal Statista Anfang dieses Jahres nur einen kurzen Klick von mir entfernt. Damit suchen vier

Mal mehr Menschen als noch vor zwei Jahren die Liebe im digitalen Kosmos. Plötzlich kann ich zu jedem möglichen Zeitpunkt und an noch so unpassenden Orten einen Partner suchen und erwische mich dabei, wie

Verteilung nach Altersklassen (in Prozent) 19,9

18-24 25-34 35-44 45-54 55+ 0,5

8,3 35,5

13,1 4,5 4,4 0,1

0,9

etwas so Roman­ ­ tisches manchmal zu einem absurd anmu12,8 tenden Zeitvertreib wird. Als ich mich vor zwei Jahren von meinem damaligen Freund trennte, druckste ich rum. Ich wollte nicht eine jener Frauen sein, die im echten Leben keine Dates mehr finden und es nur von der Tramstation, vom WC oder vom Bett aus schaffen. Zu sehr hing ich dem Bild nach, dass nur sozial verwahrloste Menschen oder sonstige Nerds ihr Liebesglück online suchen. Ich wollte keine von denen sein. Als aber immer mehr Freundin-

nen und Freunde aus meinem Bekanntenkreis dank Tinder glückliche Beziehungen begannen, wollte ich es zumindest versu- 

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Wie viele Profilbilder Schweizer Online-Dater hochladen Anz. Fotos < 10

8,5 % 0,6 %

Gewitter/ Regen

0,5 %

30,1 %

Sonnenaufgang oder -untergang

14,3 % 6–9

27,5 %

Sonnenschein

25,2 % Wer Gruppenfotos zeigt

4–5

39,6 %

38,3 %

46,6 %

17,8 % Nacht

29,3 %

Schnee

53,4 % 13,5 % Andere

8,3 % 3

15,6 %

2

9%

1

7,7 %

10,9 % Stadt

Strand

Top 5 der Interessen und Freizeitbeschäftigungen

11,2 % 16 %

10,3 %

Blumen/ Bäume Quelle: zu-zweit.ch (Profilbild-Studie 2018/2019)

 chen. Und so startete ich meine digitale Suche für das analogste Gefühl auf dieser Erde. Die Liebe. Meiner Mutter erklärte ich Tinder so: Ich definiere einen Altersrahmen und einen Kilometerumkreis, aus dem mir Profile von Männern angezeigt werden sollen. So poppen Bilder mit Namen und Alter auf, manchmal noch mit einer kurzen Beschreibung, dem Lieblingssong auf Spotify oder den letzten Instagram-Posts. Wische ich die Profile nach links, sage ich «Nope», wische ich nach rechts, sage ich «Like». Liken wir uns beide, gibt es einen «Match», und wir können miteinander chatten. Womit ich bereits bei der ersten grossen Hürde angelangt bin, die Tinder stellt: die erste Nachricht. Wie beginne ich eine Konver­ sation mit einem Menschen, von dem ich ­gerade mal ein paar Bilder kenne? Lustig, ­ironisch, philosophisch, romantisch? Welche Worte sind die richtigen, um ihn nicht abzuschrecken, sondern mich interessant zu machen? Oder umgekehrt: Bei welchen Worten schläft mir nicht das Gesicht ein?

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30,5 %

Stadt, Land, Strand? Die beliebtesten Fotosujets

Zuhause

14,5 %

Romantisch oder stürmisch? Die Wetterlage auf Profilfotos

Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich «Hey, schöns Weekend gha?» gelesen habe. Schreibt einer nur «Hallo», löse ich den Match auf. Mit einem, der mir «Häsch schöni Lippe» schickte, kann ich nichts anfangen. Einem Typen, der nur «Sex?» schrieb, ant­ wortete ich: «Sieben?» Er löste den Match

auf. Wenn ich Sätze erhalte wie «Hoi. Also dein erstes Bild gefällt mir am besten. Schon

Gym-Bilder, protzige Autos, Kuschelfotos? Nein, danke! fast ein bisschen asiatisch. Ich bin eben AsiaFan. Höre gerne Jpop. Kpop geht auch. Du so?», frage ich mich, wo ich hier gelandet bin. Und welche Bilder dieser Mann gesehen hat. Geduld geht manchen ebenso ab: «Hast du mir deine Telefonnummer?» Eine Stunde später: «Du machst mich so neugierig.» ­ Am nächsten Tag: «Ja oder nein?» Und dann: «Isch öppis?» Ja, es ist etwas. Du bist irr.

20,8 % Berge

1. Reisen

Das schrieb ich natürlich nicht, sondern löschte den Match. Und wischte weiter durch die Männerwelt. Sehr bald mit einem klaren Muster: Badezimmerselfies, Motorräder und protzige Autos, Duckfaces, Gym-Bilder und Kuschelfotos mit haarigen Haustieren sind «Nope». Männer, die Delfine küssen, neben sedierten Tigern posieren oder Schnappschüsse vom letzten Suff im Bierzelt posten, ebenso. Nur ein Bild von einem Sonnenuntergang zu haben oder, noch schlimmer, nur einen Spruch à la «Träume nicht dein Leben, lebe deine Träume», reicht nicht. Und nein, merci, Surfen und Tauchen sind keine Hobbys für Menschen, die nicht am Meer leben. Bevor ich jemanden treffe, schreibe ich gerne eine Weile hin und her, weil ich von Quasi-Blinddates nichts halte. Dafür ist mir meine Zeit zu schade – trotz aufwand­ optimierter Partnersuche via App. Aber ir-

gendwann muss man sich aus dem schützenden digitalen Kokon raus in die analoge Welt wagen. Im Zweifelsfalle eher früher als später, weil sonst Traumschlösser entstehen, die auf dem reichlich unzuverlässigen Fun-


Top 5 der Touristenattraktionen auf Profilfotos

3. Grand Canyon

1. Eiffelturm 2. Golden Gate Bridge

4. Mailänder Dom

5. Big Ben

8,3 %

Anderes

4%

16,7 %

Cocktails

14,8 % Wein

Snacks/ Süsses

36,7 % Bier

46,3 %

Gesundes Essen

Was auf den Fotos getrunken...

... und gegessen wird 37 %

Fast Food

36,2 %

2. Familie/ Freunde

Schnaps

4. Kunst/ Kultur

dament von Chat-Nachrichten gebaut wurden. Also los. Rausgehen und treffen. Mein erstes Date traf ich in meiner Lieblingsbar. Bereits im Vorfeld schrieb ich, dass ich dann nachher noch weiter müsse. Quasi als ExitStrategie. Es war nett. Aber nicht mehr. Ich machte um 20.30 Uhr den Fisch. Für mein zweites Date schlug ich einen ironischen Ort vor, eine Bar, die ich sonst niemals besuchen würde. Und es wurde fantastisch. Die krude Umgebung mit bunten Drinks, Agglo-Ausgängern und schlechter Musik bot so viel Gesprächsstoff, dass nie peinlich geschwiegen werden musste. Dieser Mann war für mich der Beweis, dass auf Tinder tolle Menschen sind. Für die nächsten Dates hielt ich mich ­weiterhin an lustige Locations. Weihnachtsmarkt, Quartierbeizen mit Billardtisch und

Liebe lässt sich von der Digitalisierung nicht zähmen.

5. Nachtleben/ Party

Dart, Flughafen-Shopping. So kam es nie zu einem richtigen Desaster. Nur bei einem Sozialwissenschaftler hatte ich das Gefühl, wertvolle Zeit zu verballern. Der Mann schrieb kluge Nachrichten, war interessiert und lustig. So weit, so gut. Als ich ihn dann am Bahnhof stehen sah, wollte ich umkehren. Im analogen Leben war mir subito klar, dass das nichts wird. Bauchgefühl. Aber ich habe für mich entschieden, dass ich nie jemanden einfach stehen lasse. Aus Respekt. Wir gingen also in eine Bar, und der Mann würgte jegliche Leichtigkeit mit «wissenschaftlichen Evidenzen» ab. Knabberte ich

Wasabinüsse, hielt er mir einen Vortrag über Untersuchungen zu Bakterien an Snacks in Bars. Bestellte ich einen Pisco Sour, klärte er mich über das Gesundheitsrisiko von rohen Eiern in Drinks auf. Um zwanzig Uhr fiel mir wie ganz plötzlich ein, dass ich noch das Geburtstagsgeschenk für meinen Bruder basteln musste. Abgang. Wie viele Männer ich über Tinder kennengelernt habe, weiss ich nicht mehr. Aber ich weiss, dass so viele gute Menschen in

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Video: BLICK Sex-Beraterin und Psychologin Caroline Fux erklärt, wie man das perfekte Tinder-Profil erstellt.

Foto: Maurice Haas

3. Sport

mein Leben gekommen sind, die ich auf eine andere Weise nicht getroffen hätte. Ich habe mich mehrmals verliebt. Andere verliebten sich in mich. Dass bis jetzt nichts daraus ­ eworden ist, liegt nicht an Tinder. Sondern g daran, dass es im analogen Leben ganz einfach nicht gefunkt hat.

Liebe lässt sich von der Digitalisierung nicht zähmen, echte Gefühle folgen keinen Algorithmen. Und so wische ich weiter nach links und ab und zu nach rechts und bewahre mir die Hoffnung, dass ich nicht den Richtigen wegwische, sondern ihn irgendwann treffen werde. Im Leben. So richtig undigital.

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Dipl. Arch. Roboter Im zürcherischen Dübendorf entsteht das Haus der Zukunft: am Computer mittels Algorithmen programmiert – und mit Robotern erbaut. Adrian Meyer und Gabi Schwegler

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er Kran hebt das Modul aus Holz­ balken an. Sanft gleitet es hinauf zur Baustelle, die im dritten Stock dieses seltsam geformten, baukastenartigen Hauses liegt: des Forschungs- und Inno­ vationsgebäudes NEST auf dem Gelände der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in Dübendorf ZH. Zufrieden betrachtet Architekt und Pro­ jektleiter Konrad Graser, wie Bauarbeiter das Holzmodul fixieren. «Auch wenn man es nicht auf den ersten Blick sieht, steckt sehr viel Hightech und Innovation dahin­ ter», sagt er. «Ich bin sehr stolz.» Tatsächlich wirkt der Bauvorgang unspek­ takulär. Bis man erfährt, welche technischen Wunderwerke dahinterstecken. Denn das Holzmodul, genauer gesagt das ganze Appartement, das diesen Sommer auf dem NEST-Gebäude errichtet wurde, ist weltweit einzigartig. Insgesamt drei Stockwerke – am Computer mittels Algorithmen geplant und mit Robotern und 3D-Druckern fabriziert: Sie bilden das sogenannte DFAB House, das

von Forschenden der ETH Zürich gemein­ sam mit Industriepartnern bei einem Budget von 2,4 Millionen Franken gebaut wurde. «DFAB» steht für «Digitale Fabrikation» – ein Forschungsschwerpunkt des Schweizeri­ schen Nationalfonds, der sich der Frage wid­ met, wie man in Zukunft Häuser baut. Die Winkel der Holzbalken errechnete ein Algorithmus, die Balken sägten und positionierten zwei Roboter gemeinsam im

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freien Raum in einem Hightech-Labor an der ETH Zürich. Menschen überwachten den Prozess und verschraubten die Balken mit­ einander – Hand in Hand mit den Robotern. Sechs dieser Holzmodule bilden am Ende ein zweistöckiges Appartement. Die Scha­ lung einer wild gewölbten Decke, auf der das Appartement zu liegen kommt, stammt aus dem 3D-Drucker. Die Wand, die die Decke und die zwei Holzbau-Geschosse trägt, hat ein Roboter direkt auf der Baustelle geformt. Wie eine

hingemalte Welle aus Beton steht sie spek­ takulär anmutig im Raum. Sie ist zwar bloss zwölf Zentimeter dick, doch sie trägt die rund 100 Tonnen Last des Appartements über ihr zu 99 Prozent alleine. «Wir wollen mit diesem Haus zeigen, was mit der Digitalisierung im Bauwesen mög­ lich ist», sagt Projektleiter Graser. «Und zwar schon heute.» Das DFAB House soll ein Denkanstoss für die gesamte Bauwirtschaft sein. Acht Lehr­ stühle sind daran beteiligt, sie wenden fünf brandneue, digitale Fabrikationstechnologien erst­ mals auf dem Bau an (siehe Kas­ ten). Ein Mega-Projekt, an dem über 40 Forschende teilnehmen sowie mehr als zwei Dutzend Partner aus der Industrie. Und der Transfer scheint zu gelingen: Einige der Innovationen wollen Industrie­ partner weiterentwickeln und kommer­ 

AR

Wollen Sie den Roboter in Aktion sehen? Einfach Seite scannen und den Bau mitverfolgen.


Vom Computer berechnet und gebaut: Visualisierung des Appartements.

5 digitale Bauinnovationen des DFAB House 1 In situ Fabricator Ein mobiler Bauroboter fabrizierte beim DFAB House selbständig ein doppelt gekrümmtes, dreidimensionales Stahlgitter, das als Armierung einer tragenden Betonwand dient. 2 Mesh-Mould-Technologie Die vom Roboter fabrizierte Gitterstruktur dient gleichzeitig als Schalung und Bewehrung der Betonwand. Die Gittermaschen sind so eng, dass der Beton darin gehalten und geformt werden kann. Somit sind komplexe Geometrien möglich – ohne grosse Kosten und Bauabfälle. Für das zwölf Meter lange, wellenförmige Stahlgitter benötigte der Bauroboter circa 120 Stunden «Arbeit». 3 Smart Slab Die Schalung und Unterseite der 80 Quadratmeter grossen, gewölbten Betondecke stammt komplett aus dem 3D-Drucker. Dies erlaubt neue Freiheiten bei Geometrien und spart zudem Material und Zeit.

Fotos: NFS Digitale Fabrikation

4 Smart Dynamic Casting Dieses Verfahren schalt und verfüllt auto­ matisch den Beton von Säulen mit unterschiedlichen Querschnitten. Die Schalung passt sich jeweils selbständig an. 5 Spatial Timber Assembly Ein sogenanntes Multi-Roboter-System greift, sägt und platziert Holzbalken selbständig frei im Raum. Die Roboter bohren sogar die Löcher für die Schrauben selber. Die Anordnung der Balken errechnete zuvor ein Algorithmus.

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Foto: KellenbergerKaminski

Die Köpfe hinter dem DFAB House: Thomas Wehrle (l.) und Matthias Kohler.

Interessanterweise wussten die Forschen­ den zu Beginn gar nicht, wie das DFAB House am Ende genau aussehen würde. Sie speisten zunächst bloss die Grundrisse, die Raummasse, verschiedenste Vorschriften und Lasten in die Programme ein. Dann errechneten diese die optimale Geometrie der Bauwerke von alleine. Nach diesem

Modell wurde schliesslich gebaut. Auf der Baustelle in Dübendorf wird einem daher schon ein wenig mulmig, wenn man durch die Holzmodule spaziert und weiss: Das wird hier alles nur von einer handbreiten Betonwand getragen. Selbst die Holzbalken der Module sind alle statisch. Das heisst: Kein einziges Stück Holz ist zur Zierde verbaut, sie alle haben tragende Wirkung. Die Balken sind so angeord­ net, dass sie eine schräge Fassade bilden, die sich mal nach innen, mal nach aussen lehnt. Die Roboter haben sie in Winkeln anei­ nander geschraubt, die ein Mensch nur unter grosser Mühe setzen könnte. Er bräuchte dafür unzählige Hilfsmittel, müsste stets nachmessen. Die Angst, sagen die Forschenden, dass Bauroboter und Digitalisierung Häuser am Fliessband produzieren, sei unbegründet. Das DFAB House zeigt: Genau das Gegen-

«Nervige Fleissarbeit können wir künftig Algorithmen überlassen.»

 ziell einsetzen. Forschung und Industrie fanden bereits im Labor der ETH Zürich zusam­ men. So wollten Matthias Kohler, Professor für Architektur und Digitale Fabrikation an der ETH, und Tho­ mas Wehrle, Geschäftsleitungsmitglied der ERNE AG Holzbau in Laufenburg AG, von­ einander lernen, um in Zukunft erfolgreich digital bauen zu können.

Die bewohnbaren Holzmodule des DFAB House sind nun der Schritt aus dem Labor in ein tatsächliches Bauprojekt. «Wir testen die Forschung live im Massstab 1:1», sagt Pro­

fessor Kohler. «Die Enden eines drei Meter langen Holzbalkens an die richtige Position zu bringen, ist selbst für einen Roboter nicht selbstverständlich», sagt er. «Besonders mit einem Naturbaustoff wie Holz, der selten zu hundert Prozent gerade ist.» Das Zusammenbauen der Holzbalken durch Roboter wurde deshalb stets von Forschenden der ETH Zürich und Mitarbei­ tenden der ERNE AG Holzbau überwacht. Sie kontrollierten, dass die Roboter nicht sich selber oder die Struktur beschädigten, und verschraubten die Balken von Hand. «Mit dem Eindrehen der Schraube erteilte der Mensch dem Roboter eine Art Freigabe, dass der Balken korrekt platziert ist und die von Algorithmen generierten Pfade funktioniert haben», sagt Industriepartner Thomas Wehrle.

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Genau das ist für ihn Sinnbild, wie in der Holzindustrie künftig gearbeitet werden soll. Wehrle führt bei Erne immer wieder Diskussionen mit Mitarbeitenden, die ih­ ren Job durch die Digitalisierung bedroht sehen. «Ich frage sie dann, ob sie wirklich die ganze Zeit am Computer Holzständer einzeichnen und Platten verlegen wollen. Diese nervige Fleissarbeit können wir den Algorithmen überlassen und uns statt­ dessen auf die Gestaltung und Ausführung konzentrieren.» Entscheidend blieben ausgebildete Fachleute, die ihr Handwerk von der Pike auf gelernt haben, sagt Wehrle. «Das ist die Bedingung, um Roboter überhaupt bedienen zu können.»

Auf der Seite der Architekten ergeben sich genauso grosse Veränderungen. Bis jetzt sind Entwurf und Ausführung meist voneinander entkoppelte Vorgänge: Der Architekt gestal­ tet, die Industrie setzt um. Nachträgliche Än­ derungen sind aufwendig. Neu würden Pläne nicht mehr gezeichnet, sondern program­ miert, sagt Professor Kohler. «Wir müssen ­bereits beim Entwerfen wissen, wie etwas ge­ baut wird. Etwa, in welcher Reihenfolge die Elemente zusammengesetzt werden.» Steht der finale Entwurf, geht man in Produktion.

teil von uniform und vollautomatisiert ist der Fall. Die neuen Technologien ermöglichen eine völlig neue Ästhetik. Dank ihnen

könnten künftig selbst komplizierte, extra­ vagante Formen wie jene des berühmten spanischen Architekten Antoni Gaudí (1852– 1926) günstig gebaut werden. «Die Digita­ lisierung macht möglich, dass nicht jedes Modul gleich sein muss», sagt Thomas Wehrle von Erne Holzbau. «Wir haben Frei­ heiten in der Planung und trotzdem eine hohe Vorfertigung, was für uns wie für Bau­ herren sehr attraktiv ist.» Auch Projektleiter Konrad Graser ist auf der Baustelle begeistert von den neuen Möglichkeiten. In den nächsten zehn Jah­ ren, glaubt er, werde sich die Art des Bauens radikal ändern. Und sagt: «Wir wollen zeigen, dass Mensch und Maschine auf dem Bau super kollaborieren können.» Der neue Hilfsarbeiter auf dem Bau: Er ist wohl bald ein Roboter.


«Lieber ein gutes Passwort statt viele schlechte» Sie soll die neue digitale Identität der Schweizerinnen und Schweizer werden. Mit der SwissID können Online-Dienste sicherer und bequemer genutzt werden. Claudia Mascherin

Herr Naef, wie steht es nach dem FacebookSkandal um das Vertrauen in die SwissID? Da SwissID im Gegensatz zu Social-MediaKonzernen explizit nicht Markus Naef, CEO mit Kundendaten handelt und die Daten in SwissSign der Schweiz speichert, spüren wir sogar ein wachsendes Vertrauen. Datensicherheit und Datensparsamkeit hat bei SwissID oberste Priorität.

Was hat der Kunde aktuell davon, wenn er sich eine SwissID zulegt? Momentan können mit der SwissID Online-Dienstleistungen, welche auf Benutzername und Passwort basieren, einfach und sicher genutzt werden. Hier stehen insbesondere die Angebote der Post und eines ersten grossen Medienhauses im Fokus. Weitere Dienstleistungen werden in Kürze aufgeschaltet. In naher Zukunft können auch Behördengänge und Online-Einkäufe getätigt oder auch Versicherungen abgeschlossen werden.

Sie werden also keine Nutzer­daten auswerten? Ja, wir werden keine Kundendaten weitergeben oder diese für kommerzielle Zwecke nutzen. Unsere Dienstleistung besteht darin, die Identität der Nutzer – wenn notwendig und gefordert – zu bestätigen und zwar so knapp wie möglich und so ausführlich wie nötig. Welchen Umfang die SwissID hat, bestimmt der Kunde. Er hat jederzeit die uneingeschränkte Hoheit und Kontrolle.

Ein Login für mehrere Onlinedienste: Die meisten haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie ihr Passwort mehrmals verwenden. Warum forcieren Sie genau das? Entscheidend für die Sicherheit ist der Umgang mit Passwörtern. Studien bestätigen immer wieder, dass Nutzer ­ nur ungenügend mit dem Thema Passwortsicherheit umgehen. Bei vielen unterschiedlichen Passwörtern werden diese immer wieder mit Post-it unter die Tastatur geklebt oder ungesichert im

Smartphone hinterlegt. Wenn für viele Dienstleistungen nur ein, dafür ein sehr sicheres Passwort eingesetzt wird, reduziert das die Risiken erheblich.

Sind Passwörter bald Vergangenheit? Eine Tendenz in Richtung anderer Methoden wie etwa Apps, Fingerprint, FaceID etc. ist festzustellen. Die SwissID bietet einige diese Methoden bereits heute an oder evaluiert sie. Wie viele Nutzer hat Ihr Dienst momentan? Stand heute haben sich über eine halbe Million Kunden für die SwissID entschieden. Wir beabsichtigen über die nächsten Jahre über 4 Millionen SwissID-Nutzer zu gewinnen und diesen Zugang zu Hunderten von Dienstleistungen zu ermöglichen. Wird SwissID den normalen Pass ablösen? Nein. Die SwissID ist als digitale Identität konzipiert, die Online-Prozesse vereinfacht. Für Reisen wird es wohl auch in Zukunft eine Identitätskarte brauchen. Allerdings: «Sag niemals nie.»

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Die Digitalisierung schafft mehr Arbeitsplätze, als sie vernichtet, so das Ergebnis einer neuen Studie. Doch nicht alle Branchen profitieren. Unternehmen, Arbeitnehmer und Politik müssen vermehrt umdenken. Claudia Mascherin

Sind Sie auf der G S

elbstfahrende Autos, Essen aus dem 3D-Drucker, Kommunikationsgeräte, die unsere Gedanken lesen: Science Fiction wird immer realer. Das Potenzial neuer Technologien ist riesig. Umso wichtiger ist es, dass wir ihre Auswirkungen auf unsere Gesellschaft nicht unterschätzen. Die Prüfungs- und Beratungsorgani­ sation EY (Ernst & Young) geht in der Studie «What if employment as we know it today disappears tomorrow?» der Frage nach, wie sich die Arbeitswelt durch die Digitalisierung bis im Jahr 2030 verändert. Das Positive vorab: Die Schweiz scheint für die anstehenden Veränderungen gut gerüstet. Sie liegt in Sachen Infrastruktur

von Informations- und Kommunikationstechnologien nur hinter Skandinavien. Besonders stark ist die Schweiz bei der In­tegration neuer Technologien. Sie tut dies schneller als jedes andere Land in Europa. Aber nehmen die Maschinen den Menschen

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die Arbeit weg? Jein. Zwar gehen durch automatisierte Produktionsabläufe viele Stellen in Fabriken verloren. Die Studie geht aber davon aus, dass die Digitalisierung mehr Arbeitsplätze schafft, als sie vernichtet. Dieser Wandel stellt die hiesige Arbeitswelt allerdings vor grosse Herausforderungen. Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft sind gleichermassen gefordert. Die Zahlen belegen: Die Schweiz hat viele gut ausgebildete Arbeitskräfte. Mehr als die Hälfte (52 %) der hiesigen Erwerbs­tätigen ist in wissensintensiven Jobs tätig. Damit ist das Land in Bezug auf das digitale Humankapital gut aufgestellt. Zudem ist die Schweiz seit langem ein attraktives Ziel für hochqualifizierte Immigranten. Allerdings könnte es für mittelqualifizierte Arbeitskräfte schwieriger werden. Vorgegebene und sich wiederholende Aufgaben können Maschinen schneller und günstiger erledigen. Auch die Anzahl Teilzeitarbeitsplätze gehen zurück.

Die Arbeitnehmer von morgen müssen jederzeit bereit sein, neue Wege zu gehen. «Wir befinden uns mitten in einer fundamentalen Transformation. Deshalb müssen wir uns ständig neu erfinden, dazulernen und offen sein für neue Aufgaben, Branchen und Unternehmen. Lebenslanges Lernen, eine positive proaktive Einstellung und eine menschenorientierte Kultur sind der Schlüssel – für Unternehmen und jeden einzelnen von uns», sagt Marcel Stalder,

CEO EY Schweiz. Entscheidend sind dabei jene Eigenschaften, die Roboter oder künstliche Intelligenz nicht haben – etwa vernetztes Denken, Empathie und Kreativität. Die Schweizer Industrie ist besonders aktiv beim Einsatz digitaler Technologien, um die Produktionseffizienz zu erhöhen. Die Studie geht davon aus, dass grosse Unternehmen im Vergleich zu KMU in Zukunft mehr für technologische Verbesserungen ausgeben. Weil sie es sich leisten können und weil


Eine einmalige Aus­ bildung vor dem Eintritt in die Arbeitswelt reicht nicht mehr aus.

Gewinnerseite? sie stärker von den Veränderungen profitie­ ren. Auf der anderen Seite können KMU neue Technologien aufgrund der geringeren struk­ turellen Hindernisse schneller einführen. Um im Wettbewerb mithalten zu kön­ nen, müssen die Unternehmen jedoch früh reagieren und alte Strukturen aufbrechen.

Sie müssen zudem vermehrt in die Weiter­ bildung ihrer Mitarbeiter investieren, damit diese stets mit den neuesten Techno­ logien vertraut sind. Gerard Osei-Bonsu, Leiter People Advisory Services EY Schweiz: «Unsere Erfahrungen zeigen, dass es nicht die eine Zukunft der Arbeit gibt, sondern

dass die Zukunft der Arbeit sich ständig verändert und Digitalisierung verschiedene Modelle der Zusammenarbeit erfordert und ermöglicht.» Die EY-Experten rechnen mit einem Zuwachs von 317 000 neuen Arbeitsplätzen bis 2030. Die meisten davon bei Banken und 

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Gewinner-Branchen: Chemische Industrie, Finanzen, Gesundheitswesen, Immobilien, IT, Life Sciences

 in der Life-Sciences-Branche. Dagegen muss die Automobil- und Transportindustrie mit einem Minus von 70 Prozent rechnen. Arbeitsplatzverluste betreffen wohl auch die ­Produktion sowie den Einzelhandel. Gegenwärtig hat die Schweizer Regierung Finanzierungsquellen für Industrie-4.0-Technologien bereitgestellt, aber noch nicht die Akteure des öffentlichen und des privaten Sektors zusammengebracht, um angemessene politische Reaktionen zu diskutieren. Es sollte mehr getan werden, um einen ständigen Dialog über diese Fragen zu führen, damit der vergleichbare Vorteil des Landes erhalten bleibt. Was die Arbeitslosigkeit und die soziale Sicherheit betrifft, so ist die Politik gefordert. Es gilt, die Beschäftigten umzuschulen und mit neuen Qualifikationen auszustatten. Schul-,

*Für die Studie wurden Faktoren wie der Anteil ausgesuchter Branchen am Bruttoinlandprodukt, das Pro-Kopf-Einkommen, der Export sowie die Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen untersucht.

Das denkt die Schweiz Von über 300 000 neuen Arbeitsplätzen bis 2030 geht die EY-Studie aus. Das sollte eigentlich positiv stimmen. Aber wie ist die Gefühlslage bei der Bevölkerung? Eine reprä­­sen­ tative YouGov-Umfrage in der Schweiz gibt Aufschluss:

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Verlierer-Branchen: Automobil- und Transport­­­ industrie, Einzelhandel, Produktionsbetriebe

86 Prozent sind mit ihrem aktuellen Job (eher) zufrieden. 77 Prozent schätzen ihren Job als zukunfts­ sicher ein. 63 Prozent gehen davon aus, dass es in Zukunft weniger Arbeitsplätze geben wird. 49 Prozent fühlen sich gut auf die Zukunft der Arbeit vorbereitet. Vor allem Frauen, Nicht-Akademiker und Geringerverdiener fühlen sich schlecht auf die Arbeitswelt der Zukunft vorbereitet. Sie empfinden

Druck und Unsicherheit und glauben, dass ihr Job in Zukunft weniger attraktiv sein wird. Männer, Akademiker und Besserverdiener sehen den Wandel hingegen als Chance. Herausforderungen: Die Auto­ matisierung und der demografische Wandel der Gesellschaft werden als die grossen Themen gesehen. Chancen: Flexibilisierung und Sharing Economy machen Hoffnung auf positive Veränderungen unserer zukünftigen Arbeitsweise.

Fazit: Die meisten Befragten glauben, dass ihr Job in Zukunft attrak­ tiver wird. Gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass das Arbeitsleben schneller und stressiger wird, bei gleichzeitig höheren Anforderungen an Leistungen und Kenntnissen der Beschäftigten. Viele befürchten eine Schere zwischen Alt und Jung. Für zukunftssichere Jobs sieht man Arbeitgeber, Staat und auch Arbeitnehmer (in dieser Reihen­folge) in der Pflicht.

Fotos: Shutterstock, Getty Images

Berufs- und Weiterbildung müssen überdacht werden. Das Erfassen von Daten ist für wirtschaftliche Erfolge essenziell, gleichzeitig müssen persönliche Daten ausreichend geschützt werden. Dazu sind neue Regularien erforderlich.


Fotos: Shutterstock, Getty Images

Danke fürs Vertrauen Auch wenn sich die Mediennutzung ver­ändert, in einigen Bereichen haben die klassischen Medien die Nase deutlich vorne. Elefteria Xekalakis Matthys

D

ie Digitalisierung treibt die Entwicklung einzelner Medien und deren Möglichkeiten markant voran. In diesem Wandel bleibt Fernsehen innerhalb der Mediennutzung ein wichtiges Liveund Eventmedium. So zeigt eine Studie von Admeira, «Medien der Zukunft 2022», dass TV weiterhin das wichtigste Unter­ haltungs- und Informationsmedium der Schweizerinnen und Schweizer ist. Gemeinsames Fernsehen mit Familie und Freunden ist für uns ein wichtiges Ritual, gerade auch für jüngere Zielgruppen. Auch Presseprodukte, egal ob gedruckt oder digital, spielen weiterhin eine wichtige Rolle. Zeitungen und Zeitschriften geniessen bei den Konsumentinnen und Konsumenten ein hohes Vertrauen. Hier punktet Page

(journalistisch aufbereiteter Lese­inhalt) mit besonders hoher Glaubwür­digkeit. Danach gefragt, welcher Quelle sie bei einem wichtigen Ereignis am ehesten zutrauen, korrekte

Wo liest du? Mediennutzung wird unabhängiger von Ort, Zeit und Gerät.

Informationen zu liefern, entscheiden sich 44 Prozent der Konsumenten für die gedruckten Presseerzeugnisse bzw. die gleichnamigen Medienmarken im digitalen Bereich. Die Digitalisierung verändert und vervielfältigt unsere Mediennutzung: Wir konsumieren Inhalte unabhängig von Ort und Zeit auf praktisch jedem Gerät. 42 Prozent der Befragten wünschen sich von den Medien noch mehr Flexibilität, sodass sie frei bestimmen können, welche Inhalte sie wann und wo konsumieren. Die Mediennutzung wird in den nächsten fünf Jahren vermutlich

digitaler und noch mobiler. Ein wichtiger Treiber dieser Entwicklung ist das Bewegtbild: Videostreaming wird stark nachgefragt und auch in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Dabei entsteht eine fast unüberschaubare Fülle an Informationen.

In dieser Informationsflut wichtig sind offensichtlich auch «Leuchttürme», welche die Inhalte einordnen. Mehr als die Hälfte der Konsumenten zwischen 15 und 59 Jahren sucht deshalb Orientierung im riesigen Medienangebot, indem sie sich auf vertraute Medienmarken konzentrieren.

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Zwischen 3000 und 5000 Businesspläne erhält btov jährlich, 200 gelangen in die engere Auswahl, in ein Dutzend investiert die Firma. «Nicht die Quantität zählt, sondern

die Qualität», sagt Schweitzer, der sich in Geduld übt. «Manchmal dauert es zehn Jahre, bis ein Start-up erfolgreich ist.» Erfolg bringen ausserordentliche Menschen. Oft finden sie btov, ohne dass die Firma sie sucht. «Ausserordentliche Firmengründer kennen den Weg zu einem unserer Super­ angel», zu einem Investor, der früh einsteigt. Manchmal reicht ihm eine Seite, auf der ein starkes Team eine bestechende Idee skizziert. Was einmal pro Jahr vorkomme, im besten Fall fünfmal. Später zu investieren sei sicherer, aber weniger spannend. «Ich will mehr gute Gründer treffen», sagt er. Als wichtigste Kategorie nennt er das Timing. Noch vor fünf Jahren blickte er zuerst auf das Team, dann auf die Idee. «Heute ist das Timing zentral, dann das Team, zuletzt die Idee.» Am Markt chancenlos sei, wer zu früh oder zu spät komme. Ein gutes Team könne selbst aus einer mittelmässigen Idee etwas heraus­ holen. Selten stimme der ursprüngliche Businessplan mit der Erfolgsstory überein. «Ist ein Team nur Mittelmass, versanden selbst die besten Ideen. Wie zentral das Timing sei, zeige das Online-Kaufhaus Zalando. Weit über 200 Millionen Franken seien im Jahr 2000 in rund 100 Online-Händler investiert worden. Überlebt hat keiner. Zalando kam 2008 – als der Markt reif war. Heute ist die Firma mehr als acht Milliarden Franken wert. Und die Schweizer Start-up-Kultur? «Nicht gut genug», urteilt der Unternehmer. Zwanzig Jahre sind seit dem Börsengang von Lo-

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«Secondos sind besser» Die Schweizer Start-up-Kultur sei nicht gut genug, sagt Risikokapital-Geber Florian Schweitzer. Er fordert mehr mutige Politiker. Peter Hossli

gitech vergangen. Seither kam im IT-Bereich nichts mehr. «Ein Land wie Israel bringt jedes Jahr ein Logitech zur Blüte», sagt er. Nötig seien «mehr mutige Politiker wie Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann», der die Schweiz unlängst zur KryptoNation erklärt hatte, zum Land, das die Blockchain-Technologie vorantreiben soll. Und die oft gepriesene Start-up-Kultur an der ETH in Zürich? «Es ist ähnlich wie im Fussball – richtig gut sind häufig die Start-ups der Secondos.» Menschen mit Migrations­ hintergrund hätten mehr Biss, mehr Mut, einen stärkeren Willen, Aussergewöhnliches zu schaffen. Wie im Silicon Valley, wo der Va-

ter von Steve Jobs aus Syrien in die USA kam, Intel-Gründer Andrew Grove aus Ungarn. Schweitzer ist Genfer. Um zu verstehen, wie die Welt sich bewegt, absolvierte er in Genf eine Lehre als Speditionskaufmann. Im Nachrichtenmagazin «L’Hebdo» las er 1995 einen Artikel über das Internet – und

war elektrisiert. Er formulierte die Ideen für die Spedition der Zukunft und zeigte sie seiner Chefin. Sie wies ihn zurück. Fortan war ihm klar: «Ich will mein eigener Chef sein.» Er schrieb sich an der Universität St. Gallen ein – und machte ähnliche Erfahrungen, als er sich erkundigte, wo er etwas über Start-ups und Risikokapital lernen könne. Er solle sich beruhigen, wiesen die Professoren ihn ab und sagten ihm ein geräumiges Büro bei einem Konzern wie Roche oder Novartis voraus. Schweitzer beruhigte sich nicht. An der Universität genoss er die nötigen Freiräume. Er fand Freunde, die wie er dachten und wussten, wer gute Ideen hatte. Als sich immer mehr Investoren bei ihnen nach vielversprechenden Start-ups erkundigten, gründeten sie eine eigene Firma. Zu dritt gingen sie fünf Tage in die Berge und entwickelten die Idee einer Plattform, auf der sich Start-ups und Investoren trafen. Auf N-TV strahlten sie eine Start-up-Show aus. Jede Woche erhielten sie

Foto: KellenbergerKaminski

as Schild neben der Klingel ist etwas vergilbt, der Eingang liegt im Hinterhof. Im Erdgeschoss praktiziert ein Zahnarzt. «Hier kann ich gut nachdenken, hier ist es ruhig», sagt Florian Schweitzer (44), CEO einer der ältesten und grössten Risikokapital-Firmen Europas. In einer St. Galler Jugendstil-Villa führt er btov. Das Kürzel steht für «brains to ventures». Ideen finden Kapital. Aktuell hat der Fonds 375 Millionen Euro investiert, vor allem in Start-ups in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Schweitzer – gross, schlank, agil – führt ins Sitzungszimmer, ausgestattet mit amerikanischen und europäischen Designermöbeln. Ein dezenter, einladender Raum. «Wir verbringen hier viel Zeit, es soll schön sein.»


Foto: KellenbergerKaminski

«Heute ist das Timing zentral, dann das Team, dann die Idee.» und eindringlich vermitteln kann, warum er dabei sein möchte. Jedes bestehende Mitglied hat ein Vetorecht. Wer sich nicht angemessen verhält, wird ausgeschlossen, was schon dreimal vorkam. Er vergleicht Risikokapitalisten mit Reportern. «Beide versuchen, den Zeitgeist zu erahnen und Menschen zu finden, die ihn prägen.» Das Verhältnis zwischen Start-up und Risikokapitalist sei «ein bisschen wie eine Ehe», sagt er. «In guten wie in schlechten Zeiten halten wir zueinander.» Haben Sie eine Start-UpIdee? Dann unbedingt AR starten.

Entscheiden könne er wenig. Er stellt Fragen, hört zu. Und er hilft: Mitarbeiter zu finden, neues Geld zu beschaffen, bei einer Trennung der Gründer beizustehen. Das Ziel sei

AR

gegen 30 Businesspläne und erwarben so die Übersicht über die europäische Start-up-Szene. Als im April 2001 die Dotcom-Blase platzte – eine Firma nach der anderen ging pleite –, bauten die Gründer btov um. Sie verkauften die Online-Plattform und legten den Fokus auf Risikokapital. Rund 300 Business Angels investierten Gelder. Fünf waren professio-

nelle Anleger, die eigene Ideen einbrachten. Aus den fünf hat sich ein enger Kreis aus 55 Investoren gebildet. «Eine eingeschworene Truppe», so Schweitzer. «Wir verlassen uns aufeinander.» Nicht Geld sei entscheidend. «Zeit und Vertrauen sind die beiden Faktoren, die uns zusammenhalten.» In den Kreis

gelangt, wer von anderen vorgeschlagen wird

der Börsengang. «Dann kann sich eine Firma besser entfalten, als wenn sie verkauft wird.» Vom Gang ins Silicon Valley rät er jungen europäischen Unternehmern ab. «Dort ringen sie mit Facebook, Uber und Google um die besten Ingenieure.» Es gehe zwar rascher voran, wenn ein US-Risikokapitalist helfe, den US-Markt zu erschliessen. «Weltweit führend kann nur werden, wer in den USA führend ist.» Wegen des Geldes sei es aber nicht notwendig, nach Amerika zu gehen. «Es gibt genug gutes Kapital in Europa.»

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In Kooperation mit Google

Google-Konto

Transparenz und Kontrolle an einem Ort Google Datenschutz-Experte Stephan Micklitz entwickelt Tools, mit denen Nutzer selbst entscheiden können, welche Informationen sie Google überlassen – und welche nicht.

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«Der Dienst ist übersichtlicher und persönlicher.» kamen weitere Funktionen hinzu: der Konto­ inaktivität-Manager zum Beispiel, mit dem seit 2013 jeder seinen digitalen Nachlass bei Google verwalten kann, 2014 der Sicherheits­ check und 2015 der Privatsphärecheck, mit denen Nutzer durch ihre Datenschutz- und Sicherheitseinstellungen geführt werden. Im selben Jahr schliesslich folgte eine An­ wendung aus einem Guss, die alle Features vereinte: Mein Konto . Die Nutzer hatten nun erstmals eine Anlaufstelle, mit der sie über­ prüfen konnten, welche Information Google speichert und wo sie auch darüber entschei­

«Ich sehe sofort, wie ich meine Sicherheit verbessern kann.»

den, ob sie die über sie gesammelten Infor­ mationen löschen und deren Erfassung aus­ schalten wollen. Und wer keine personali­ sierte Werbung sehen möchte, kann auch dies hier kontrollieren. Seit der Einführung wurde Mein Konto stetig verbessert und ergänzt. Allein 2017 verzeichnete es weltweit fast 2 Milliarden Nutzer, von denen 40 Millionen den dort integrierten Privatsphärecheck und sogar 300 Millionen den Sicherheitscheck

«Jeder soll selbst entscheiden, welche Informationen er teilt.» durchführten. Im Juni 2018 erfolgte eine grundsätzliche Überarbeitung: Aus Mein Konto wurde das Google-Konto. Micklitz er­ klärt an seinem Smartphone das neue Design von Google-Konto. «Wir wollten den Dienst übersichtlicher und persönlicher gestalten, vor allem für mobile Geräte mit kleinen Bild­ schirmen», erklärt er mit Blick auf das Dis­

Fotos: Google

M

anchmal, wenn Stephan Micklitz auf einer Geburtstagsfeier oder einem Sommerfest neue Leute kennen­ lernt, erlebt er, wie reserviert diese auf seinen Arbeitgeber reagieren. «Wenn ich erzähle, dass ich bei Google arbeite, höre ich häufig den Vorwurf, wir würden zu viele Nutzer­ daten speichern», sagt Micklitz in seinem Büro in München, unweit des Hauptbahn­ hofs. «Ich antworte dann, dass sich die Datenerfassung ja auch abschalten lässt. Aber die meisten glauben mir das erst, wenn sie es selbst ausprobiert haben.» Seit 2007 arbeitet Stephan Micklitz bei Google. Er war einer der ersten Mitarbeiter am Münchner Standort und hat sich früh mit den Themen Online-Sicherheit und Daten­ schutz beschäftigt. Seit 2010 leitet Micklitz die weltweite Entwicklung entscheidender Google-Produkte für Sicherheit und Daten­ schutz. Ein Teil von Stephans Team arbeitet im Bereich Datenschutz-Infrastruktur bei Google in Zürich. Bereits 2009 veröffent­ lichte Google sein erstes Datenschutz-Tool, das Google Dashboard. In den Folgejahren


Fotos: Google

SicherheitsTipps vom Experten 1. Machen Sie einen Privatsphäre- und Sicherheitscheck in Ihrem Google-Konto

Im Google-Konto können unsere Nutzer die Einstellungen der Privatsphäre und Sicherheit jederzeit individuell anpassen. Ich möchte Sie deshalb dazu ermuntern, einen Blick auf das persönliche GoogleKonto zu werfen und einen «Privatsphäreund Sicherheitscheck»-Check zu machen. So kann jeder Nutzer selbst einstellen, ob Google z. B. Wegbeschreibungen speichern darf oder die Suchhistorie löschen soll.

Kaum jemand kennt sich bei Google besser mit Datenschutz aus: Stephan Micklitz ist seit 2007 am Münchner Standort von Google tätig.

play. «Wenn ich den Dienst starte, bietet mir die Software jetzt zum Beispiel die Option an, einen Sicherheitscheck durchzuführen», erklärt der Entwickler. «Ich sehe also hier sofort, ob Google Vorschläge hat, wie ich meine Sicherheit verbessern kann.» Durch die Analyse der Klicks lassen sich die Dienste verbessern, was viele Nutzer anspreche. «Einige finden es praktisch, wenn ihr Smartphone ihnen Bescheid gibt, sobald es Zeit ist, zum Flughafen aufzubrechen. Andere schätzen die Autocomplete-Funktion der Suchmaschine, also die automatische Vervollständigung eines Suchbegriffs. Wieder andere sind angenehm überrascht, wenn Youtube Videos empfiehlt, die den persönlichen Geschmack perfekt treffen.» Gerade bei der Privatsphäre gebe es aber keine Einheitslösung, zumal sich die Bedürfnisse der Nutzer auch über die Zeit verändern, ergänzt Stephan Micklitz. «Uns ist wichtig, dass jeder für sich selbst entscheiden kann, welche Informationen er an Google weitergibt. Und so entwickeln wir auch unsere Tools entsprechend immer weiter.»

Google Schweiz am Digitaltag 2018 Am Digitaltag 2018 steht bei Google Schweiz das Thema Sicherheit im Zentrum. An Ständen in den Bahnhöfen Zürich und Genf können Besucher erfahren, was ein starkes Passwort ausmacht, wie man sich mit der 2-StufenAuthen­tifizierung besser schützt und sein Google-Konto richtig verwaltet. Mitarbeiter von Google Schweiz erklären den Besuchern, wie man mit dem Google-Konto einen Privatsphäreund Sicherheitscheck durchführt. In den Räumlichkeiten des Sihlpost-Büros bietet Google Unternehmern zudem Kurse in den Bereichen «Sicherheit im Internet» oder «Webanalyse mit Analytics» an. Die Kurse sind gratis und können ohne Voranmeldung besucht werden. Erfahren Sie hier mehr über das Programm: www.digitaltag.swiss/partner-18/google

2. Schützen Sie sich vor Phishing mit der 2-Stufen-Authentifizierung

Schützen gegen Phishing-Attacken können Sie sich mit der 2-Stufen-Authentifizierung. Die kennen viele Nutzer vielleicht vom Online-Konto ihrer Bank. Wenn sie Geld überweisen wollen, müssen Sie zum Beispiel neben dem Passwort einen SMS-Code ein­ geben. Die Zwei-Faktor-Authentifizierung mit SMS ist eine gute Methode. Noch sicherer ist die Authentifizierung mit physischen Sicherheitsschlüsseln, zum Beispiel einem Bluetooth-Sender oder einem USB-Stick. 3. Passwort, Updates und Co.

Benutzen Sie nicht das gleiche Passwort für mehrere Dienste, installieren Sie Sicherheitsupdates und vermeiden Sie verdächtige Software. Geben Sie Ihre Telefonnummer oder eine alternative E-Mail-Adresse an, damit Sie auf anderen Wegen erreicht werden können. Und aktivieren Sie die Bildschirmsperre Ihres Smartphones, um Unbefugten den einfachen Zugang zu erschweren.

Weitere Infos finden Sie im Google-Konto sowie im Google Sicherheitscenter unter account.google.com

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«Dank Technik können wir mehr Mensch sein» ETH-Professor Robert Riener glaubt, dass Mensch und Maschine in Zukunft verschmelzen. Daher rief er den Cybathlon ins Leben: Ein Wettkampf für Athleten mit Roboter-Prothesen. Adrian Meyer

Herr Riener, wer ist Ihr absoluter Lieblings-Superheld? Spiderman. Die Film-Trilogie hat echt Spass gemacht. Sie forschen an Supermenschen der Zukunft. An der ETH entwickeln Sie Roboteranzüge, sogenannte Exoskelette, dank denen Gelähmte gehen können. Das klingt nach Science-Fiction. Heutige Exoskelette können noch sehr wenig. Sie haben gesteuerte Knie- und Hüftgelenke, manchmal lassen sich die Hüften seitwärts drehen. Damit können Gelähmte nur auf ebenem Boden gehen. Die Geräte sind sehr primitiv und klobig, die Akkus reichen nicht lange, die Füsse sind unbeweglich. Bei Neigungen kippt ein Exoskelett. Und ohne Krücken geht es noch gar nicht. Trotzdem können Gelähmte damit wieder gehen: Wie reagieren sie darauf? Was Betroffenen am besten gefällt, ist die Möglichkeit, wieder aufrecht stehen zu können. Wieder jemandem in die Augen zu schauen. Etwas selber von einem Regal zu greifen. Allein diese Tatsache ist für sie so schön, dass sie begeistert sind.

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Bleiben Roboteranzüge wie jener von Iron Man ein Traum? Hollywood gaukelt uns falsche Tatsachen vor. Die Menschen glauben, die Forschung entwickle bereits einen Iron Man oder Terminator. Und das US-Militär Superanzüge, mit denen ein Soldat etwa mehr Lasten tragen kann. Klar wird daran geforscht, ich kenne alle Projekte. Aber sie funktionieren überhaupt noch nicht. Warum? Weil man es nicht schafft, einen Roboteranzug zu bauen, der sofort erkennt, was der Mensch will. Und die Absicht schnell in Bewegungen umsetzt. Auf der Schnittstelle zwischen Gerät und Mensch gibt es erste Erfolge, aber diese Inter­faces sind noch unzuverlässig. Ich bin etwas enttäuscht: Um RoboterProthesen gibt es immer wieder Hypes! Wir stehen an einem Wendepunkt. Jetzt kommen neue Interface-Technologien, bessere Werkstoffe, schönere Designs und auch bessere Akkus. Das alles ist nur noch nicht implementiert in den heutigen Geräten. Und die Technik ist noch nicht robust genug.

Sie liessen vor zwei Jahren in Kloten erstmals Menschen mit RoboterProthesen gegeneinander antreten: am Cybathlon. Warum? An dieser Weltpremiere traten Menschen mit Behinderungen gegeneinander an – und unterzogen Roboter-Prothesen einem Härtetest. Ich wollte damit der Technik einen Schub geben. Wir wollten nicht nur zeigen, was funktioniert. Sondern auch, was nicht. Wir wollen am Ende Geräte, die nützlich sind für den Alltag. Dafür braucht es mehr Wett­­bewerb. Das Ziel sind massentaugliche Prothesen, die so vielfältig funktionieren wie Smartphones. Davon sind wir noch weit entfernt. Darum trägt weniger als die Hälfte der Menschen mit Armam­ putation Prothesen. Was stört? Bei Armprothesen allein die Befestigung am Stumpf. Schwitzen Betroffene stark, wird die Prothese wackelig. Damit können sie keine schweren Kisten tragen. Sie sagten, die Vorbereitungen zum Cybathlon hätten Ihnen die Augen geöffnet für die Bedürfnisse von


Scannen und noch mehr zum Thema erfahren.

AR

Foto: Gerry Nitsch

Der Herr der Cyborgs: Robert Riener Professor Robert Riener (50) forscht seit 15 Jahren an der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH Zürich. Der Maschinenbauer leitet das Ins­ titut für sensomotorische Sys­ teme. Es erforscht Technolo­ gien, die Menschen mit Behin­ derungen das Leben erleich­ tern. Unter anderem entwickelt sein Team Exoskelette, die ge­ lähmte Menschen beim Gehen unterstützen. Riener rief 2016 den weltweit ersten Cybathlon ins Leben.

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«Es wird dereinst Exoskelette geben, mit denen ich so schnell laufe, dass ich kein Auto mehr brauche.» Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Inwiefern? Viele neue Geräte sehen toll aus und sind robotisch toll. Es gibt Prothesen, an denen sich jeder Finger bewegen lässt. Aber der Träger hat wenig davon. Weil er die meisten Aufgaben mit seiner gesunden Hand bewältigen kann. Braucht er aber zwei Hände, etwa um eine Kiste zu heben, kann er das mit der Prothese nicht. Weil die Finger abbrechen oder die Prothese abrutscht. Ausserdem bemerkte ich, wie viele Barrieren es zwischen Menschen mit und ohne Behinderung noch gibt. All die Ängste und Tabus. Der Cybathlon wird «Olympische Spiele der Cyborgs» genannt. Das baut Ängste nicht unbedingt ab. Ich dulde diese Schlagzeile. Aber eigentlich wertet sie das Menschliche ab. Wir wollen keine Freakshow machen, wir wollen Betroffenen eine Chance geben, Technologien mitzuentwickeln. Ingenieure, Ärzte und Patienten müssen sich viel mehr austauschen. Nur wenn Forscher die tatsächlichen Bedürfnisse kennen, können sie Gerätschaften entsprechend entwickeln. Wirkt sich der Cybathlon bereits auf die Forschung aus? Ja, der Effekt ist riesig! Meine Fachkollegen sind begeistert. Die ersten Teams fanden bereits zwei Jahre vor dem Wettbewerb zusammen. Sie rekrutierten damals ihre Piloten und entwickelten mit ihnen Geräte. Diese machen Sinn, da am Cybathlon Alltagsaufgaben zu lösen sind. Piloten mit Armprothesen müssen zum Beispiel möglichst schnell einen Frühstückstisch anrichten.

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Sehen Sie die Hand dank AR in 3D.

AR

Können Prothesen fühlen? Es gibt erste Erfolge mit Tastsensoren. Damit spüren Betroffene, wie sich die Maschine verhält. Aber das ist sehr aufwendig, noch nicht ausgereift, extrem teuer. Lange forschte man nur daran, wie das Gehirn Signale an die Prothese senden kann. Aber damit ein Bewegungsablauf funktioniert, brauchen wir von unserer Hand oder unserem Fuss Rückmeldungen ans Gehirn. Prothesen brauchen also beide Signalrichtungen. Droht Betroffenen eine Identitäts­krise, wenn eine Maschine Teil ihres Körpers wird? Befestigt man etwas am Körper und trägt es dauernd durchs Leben, wird das irgendwann Teil unseres Körpers. Wer beruflich lange mit Pinzetten arbeitet,


bei dem wird die Pinzette zur neuen Fingerspitze. Die Technik wird ins Körpermodell eingebaut. Auch wenn sie taub bleibt und man nicht direkt damit fühlen kann.

Nehmen Betroffene Hightech-Geräte eher an als herkömmliche Prothesen? Ja, vor allem Kinder und Jugendliche. Es gibt Prothesen, die man individuell mit einem 3D-Drucker modellieren kann. Arme wie Iron Man – damit können sie sogar angeben. Andere wollen Prothesen möglichst naturnah, mit Poren, Haaren, Blutgefässen. Wieder andere möglichst unauffällige. Wo hört für Sie Menschsein auf und wo beginnt die Maschine? Dank der Technik können wir mehr Mensch sein. Man kann im Alltag mehr erleben, ist stärker in die Gesellschaft integriert. Solange Geist und Wille frei bleiben, sind wir Mensch genug. Dass man im Alltag Technik nutzt, um sich zu verbessern, ist doch völlig normal. Das Smartphone ist für viele ein Stück der eigenen Identität geworden. Wenn sie es nicht dabei haben, sind sie hilflos.

Grafik: Ringier; Foto: ETH

Sind Hightech-Prothesen die nächste Evolutionsstufe der Menschheit? Eher verschmilzt die tech­ nische Evolution mit der menschlichen. Auf eine Art, die der Gesellschaft zum Vorteil ist. Menschen endlich mit der Technik zusammenzubringen, ist eine grosse Herausforderung – technolo­ gisch wie mental. Was, wenn Menschen mit RoboterProthesen leistungsfähiger werden als jene ohne? Das geht in Ordnung, solange die Sicherheit der Prothesen garantiert ist. Und solange Menschen nicht zur Technik gezwungen werden oder dadurch Un­­­gerechtigkeiten in der Gesellschaft ent­stehen. Aber die Gerechtigkeitsdiskussion ist schwierig. Denn wer wohlhabend ist, kann sich eher solche Geräte leisten. Ärmere sind benachteiligt. Aber irgend-

Cybathlon Technisches Doping ist hier erwünscht: Am 2. und 3. Mai 2020 veranstaltet die ETH Zürich in der Swiss-Arena Kloten zum zweiten Mal den Cybathlon. Die Weltpremiere fand vor zwei Jahren statt. Menschen mit Behinderungen treten in sechs verschiedenen Disziplinen an – ausgestattet mit Roboter-Prothesen der neusten Generation. Sie messen sich in Fahrradrennen mit elektrischer Muskelstimulation, in virtuellen Rennen mit Gedankensteuerung, in Geschicklichkeits­ parcours mit intelligenten Armprothesen sowie Hindernisparcours mit aktiven Beinprothesen, robotischen Exoskeletten und motorisierten Rollstühlen. Die Parcours sind so gestaltet, dass sie Alltagssituationen abbilden. Beim ersten Cybathlon nahmen 73 Piloten aus 25 Ländern teil. Aus der Schweiz waren sechs Teams vertreten. Zwei davon stellte die ETH Zürich. www.cybathlon.com

Video: Weltpremiere vom AR Cybathlon in Kloten ZH.

wann wird die Technik den Menschen leistungsfähiger und stärker machen, davon bin ich überzeugt. Es wird dereinst Exoskelette geben, die ich mir wie ein Anzug überziehen kann. Und damit kann ich so schnell zur Arbeit laufen, dass ich kein Auto mehr brauche.

Würden Sie einen solchen Anzug tragen? Solange er sicher ist, ich ihn mir leisten kann und mich keiner dazu zwingt – klar. Irgendwann waren Menschen mit Velos schneller als ohne. Darüber regt sich heute niemand auf.

Würden Sie sich Technik implantieren lassen, um leistungsfähiger zu werden? Würde ich damit in meiner Arbeit leistungsfähiger und die Gesundheit nicht riskieren, ja. Prothesen könnten dann zum Lifestyleprodukt werden. Ist die Technik sicher, sehe ich darin kein Problem. Werden sich Menschen in Zukunft für eine Roboter-Prothese freiwillig den Arm amputieren lassen? Das ist eine ernst zu nehmende Frage. Es gibt Gerüchte, dass Sportler in Asien sich das tatsächlich überlegt haben. Weil sie glaubten, sie wären mit der Prothese leistungsfähiger. Aber sie ignorieren die Nachteile im Alltag, die Phantomschmerzen, medizinische Komplikationen. Nein, solche Pläne sind wirklich nicht empfehlenswert. Die Philosophie des Transhumanis­mus glaubt, dass der Mensch irgend­­­wann seinen Körper mit all dessen Einschränkungen dank Technologie überwinden wird. Zum Menschsein braucht es einen Körper. Wie dieser ausgestaltet ist, ob mit einem Bein oder mit zwei Beinen, ist dabei zweitrangig. Aber wir brauchen eine körperliche Interaktion mit un­serer Umwelt. Nur so kann unser Hirn lernen. Als die Affen anfingen, auf zwei Beinen zu gehen, hatten sie dadurch plötzlich die Hände frei. Durch diese Möglichkeit wuchs ihre Hirnfunktion. Was, wenn jemand sein Hirn in einen Roboter einpflanzen lässt? Liesse sich das Hirn mit Robotik verbinden, hätten wir ja wieder eine physische Interaktion. Das könnte theoretisch funktionieren. Ob das dann ein Mensch oder ein Roboter ist, kann ich wirklich nicht sagen. Was macht Menschsein für Sie aus? Einen freien Willen zu haben. Ich will autonom sein und akzeptiert werden. Und nicht dauernd Angst haben müssen, verletzt zu werden.

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Die Welt von morgen

Was kommt, weiss niemand. Sicher ist nur: Die Digitalisierung wälzt den Alltag in Windeseile um. Auf diese zehn Meilensteine können wir uns einstellen. Peter Hossli

Eingepflanzter Mikrochip Was futuristisch klingt, gibt es bereits: 2017 liessen sich Tausende Schweden einen Mikrochip unter die Haut ihrer Hand implantieren, so gross wie ein Reiskorn. Er ersetzt beim Tür­öffnen die Schlüsselkarte. Möglich sind kontaktloses Zahlen und ständiges Orten.

Internet der Dinge Fussball-WM in Katar voll in VR Erste Versuche, die Fussball-WM in Virtual Reality zu übertragen, gab es an der WM in Russland. In vier Jahren werden Millionen jedes Spiel durch eine Virtual-Reality-Brille erleben, als stünden sie am Spielfeldrand. Trotz Alkoholverbot in Katar gibt es dazu ein kühles Bier.

Damit der Kühlschrank weiss, dass er Milch und Bier bestellen muss, ist er über Sensoren mit dem Internet verbunden. Bauern und Brauer wissen ständig, wie viel sie liefern müssen. 2023 werden 70 Milliarden Dinge ans Internet angeschlossen sein, 2030 bereits 200 Milliarden.

Selbst fliegende Drohnen Globales Lernen und Lehren Intelligente Lernprogramme bestimmen, wer was in welchem Tempo büffeln wird. Der Kontakt zwischen Lehrerin und Schülern minimiert sich.

2033 leben 8,7 Milliarden Menschen auf der Erde. Sie kaufen 15,1 Millionen elektrische Autos, viele fahren autonom. Im selben Jahr transportieren selbst fliegende Drohnen erste Passagiere durch Grosstädte. Der Beruf des Taxifahrers verschwindet.

Illustration: Shutterstock

Cyberwar

Weniger Armut

Verdrossenheit

Die Digitalisierung erreicht den Süden der Welt. Bis 2035 reduziert sich dadurch der Anteil der Menschen in extremer Armut von heute 30 auf unter zehn Prozent.

Laut CIA überfordert der digitale Wandel Menschen und Politik im Norden. Ums Jahr 2036 fühlen sich viele durch AI oder Biogenetik an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

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Batterie schlägt Benzin Die Energie-Dichte von fossilen Brennstoffen ist enorm hoch. Im Jahr 2039 sollen Batterien erstmals eine höhere Dichte aufweisen als Benzin. Strom wird der bestimmende Energieträger.

Künftig entscheidet künstliche Intelligenz Kriege. Selbständige Roboter beherrschen das Schlachtfeld. Ab 2040 sollen USSoldaten den Robotern nur noch Aufgaben erteilen. Wie diese erfüllt werden, entscheiden die Maschinen. Bereits heute werden Kampfpiloten von AI unterstützt.

Selbständiges Autofahren Ausser in abgelegenen Gegenden gehört das Fahrvergnügen den Robotern. 90 Prozent aller Autos bewegen sich autonom. Unfälle sind selten. 2050 erreicht die Zahl verkaufter Elektromobile 23,4 Millionen.

AR


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