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ihren Schützling dabei, Ziele rascher zu erreichen. Üblicherweise wird je eine Mentee mit einer Mentorin für mehrere Monate zusammengespannt.

FOTOS: TAMÁS KÜNSZTLER, MATTHIAS URSCHLER

Rhina Portillo ist Architektin aus Costa Rica und gründete in Wien zusammen mit zwei Partnern das Start-up Cozyo – eine innovative InteriorRhina Portillo, Design-App, die im Architektin und Dezember auf den Markt Gründerin des Wiener kommt. Portillo dockte im Start-ups Cozyo Vorjahr bei den Female Founders an und ergatterte einen Platz im Bootcamp. Seither hat ihr das Netzwerk bereits zwei Mentorinnen zur Seite gestellt, dabei hatte Portillo die Qual der Wahl. „Die haben so viele tolle Leute“, sagt sie. Die Gründerin hat sich beide Male für Wagniskapital-Expertinnen entschieden. Aktuell ist Helene Ametsreiter von Speedinvest ihre Mentorin. Portillo selbst hat ein paar Tipps parat, wie Mentees die Unterstützung optimal nutzen können (siehe Kasten rechts unten). Diese direkte Förderbeziehung ist der vielleicht größte Fortschritt von Frauennetzwerken in den vergangenen Jahren. „Das gab es zu meiner Zeit leider noch nicht“, erinnert sich Susan Brunner, Senior Sustainability Positioning Manager der Mondi Group, die sich seit gut 20 Jahren im internationalen Professional Woman Network (PWN) engagiert. PWN wurde 1993 unter dem Namen Women’s Career Network gegründet und ist Teil von PWN Global mit Clubs in weltweit 28 Städten. Die rund 100 Mitglieder von PWN Vienna sind mehrheitlich sogenannte Expats. Ziel des branchenübergreifenden globalen Netzwerks ist Gleichgewicht im Leadership zu erreichen. Netzwerksprache ist Englisch. Zwar gilt beim Netzwerken das „Give & Take“Prinzip, doch junge Frauen, die noch auf der Startrampe stehen oder erst Fuß fassen, müssen kein schlechtes Gewissen haben, wenn ihnen das Networking zunächst mehr bringt. „Ich frage meine Mentorin immer wieder, ob ich auch etwas für sie tun kann, doch sie sagt, es sei okay, wie es ist“, erzählt Portillo. Viele Mentorinnen wollen ihren Erfahrungsschatz weitergeben und hoffen, den Fortschritt der nächsten Generation dadurch zu beschleunigen. „Sie wünschen sich, sie hätten selbst eine Mentorin gehabt, als sie am Anfang ihrer Karriere standen“, erklärt Lisa Fassl. Der Vorteil der internationalen Vernetzung von Business & Professional Women Austria (BPW) entfaltet sich nicht zuletzt beim Mentoring.

NETWORKING-TIPPS

B Ein professionelles Netzwerk ist keine Einbahnstraße, es funktioniert nach dem Prinzip des Gebens und Nehmens. Wichtig ist, sich im Netzwerk zu positionieren. Was hat das Netzwerk von mir? – Das ist die Schlüsselfrage. Auch: Welche Kontakte, welches Knowhow kann ich ins Netzwerk einbringen? BDas Netzwerk ist so gut wie das, was man daraus macht. Wird Unterstützung oder ein Kontakt benötigt: im Netzwerk direkt danach fragen. BZeit ist die Währung des Netzwerks, damit Vertrauen aufgebaut werden kann. Wichtig ist zudem, dass sich die Mitglieder gut genug kennen, um einander weiterzuempfehlen. BIst das Netzwerk aufgebaut, will es gepflegt werden. Sei es, dass man sich regelmäßig meldet oder noch besser, sich zum Mittagessen verabredet. BBei den Netzwerk-Veranstaltungen nicht nur treiben lassen, sondern sie aktiv nutzen. Frischgebackene Mitglieder machen sich sichtbar, indem sie sich in Diskussionen einbringen und Gäste oder andere Mitglieder ansprechen.

SO FUNKTIONIERT MENTORING „Mentee“ Rhina Portillo, Architektin und Gründerin des Wiener Start-ups Cozyo, plaudert aus ihrem Erfahrungsschatz. Ihre sechs Tipps: BAm

Anfang steht die richtige Wahl der Mentorin. Im besten Fall hat sie Expertise in jenem Fachgebiet, wo die Mentee Hilfestellung am dringendsten benötigt. BIn einem ersten Gespräch sollte der Schützling herausfinden, wo und wie die Mentorin konkret unterstützen kann. BKlartext und Offenheit sind wichtig. Die Mentee sagt der Mentorin, was sie sich vom Mentoring erwartet und sie definieren ein Ziel. BDie Mentorin sollte nicht mit allen Problemen belangt werden, sondern gezielt um Input und Hilfe gebeten werden. BFür Fragen auf anderen Fachgebieten kann die Mentorin oft mit guten Kontakten weiterhelfen. BMentorinnen sind viel beschäftige Frauen, die nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Deshalb dranbleiben, nicht persönlich nehmen, wenn sie sich nicht zurückmeldet. Die Mentorin muss mitunter an die Dringlichkeit der Anfrage erinnert werden, etwa dann, wenn eine Deadline ansteht. conomy 55

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