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DIE

NEUEN

SEITEN

DER

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WIRTSCHAFT

„SIEGER“PARTEIEN ÖVP, GRÜNE, NEOS

DIE WAFFEN EINER FRAU

„Frauenpolitik konsequenter angehen“

Österreichische Post AG

Kathrin Glock im Interview

04 PZ 19Z041821 P SHE Wirtschaftsmedien Beteiligungs GmbH, Mariahilfer Straße 88a / II / 2a, 1070 Wien

Ausgabe 3 | 2019

KARRIERE Richtig taktieren Digitales Recruiting

MODE Frischer Wind bei Burberry Ottakringer-Chefin Christiane Wenckheim über Change-Prozesse im Familienkonzern

der gute

II

plan

: ::

MIT DER RICHTIGEN STRATEGIE ZUM ERFOLG: RISIKOMANAGEMENT, KMU-ÜBERGABEN, GEMISCHTE TEAMS


30 JAHRE

HY P O G R E B L R A R O V IN WIEN

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LÄNDLE. KLINGT NIEDLICH,

WENN MAN NICHT DIE KONKURRENZ IST. WER VIEL VORHAT, KOMMT ZU UNS.

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Liebe Leserin, lieber Leser Die kommenden Wochen sind der perfekte Zeitpunkt, um das Jahr Revue passieren zu lassen. Um aus Schwierigem zu lernen und – gestärkt durch das Gute – konkrete Pläne für 2020 zu fassen. Daher laden wir Sie in der letzten Printausgabe dieses Jahres dazu ein, mit uns einen konstruktiven Blick auf das kommen­ de Jahr zu werfen. Möglichst nah an dem, was kommen wird oder sein könnte. Also haben wir dieses Heft unter den Schwerpunkt „Strategie“ gestellt. Strategie ist wie ein Kompass. Sie beschreibt die Mittel, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, hilft, zur rech­ ten Zeit die richtigen Dinge zu tun, und unterstützt darin, mit weniger Aufwand mehr Erfolg zu erzielen – vorausgesetzt, sie ist ernsthaft durchdacht und wird auch richtig angewandt. Reden wir erst einmal übers Geld und die Frage, worauf es in Zeiten des wachsenden Gegenwinds für AnlegerInnen ankommt. Über Stärken und Schwächen des „typisch“ weiblichen Zugangs bei Vorsorge­ themen recherchierte Isabell Widek in ihrer Story „Risiko als Strategie“ (S. 26). Die von ihr befragten Exper­ tInnen kamen einhellig zu dem Schluss: „Wenn es einen Ertrag geben soll, müssen Frauen mutiger werden.“ Wie dieser „Mut“ aussehen könnte, bringt Finanzjournalistin Raja Korinek auf den Punkt. Sie horchte sich bei TopmarktstrategInnen um und bespricht in ihrer Rubrik „Portemonnaie“ Wertpapiere und Investments für „Vorsichtige, Risikofreudige und Ausgewogene“ (ab S. 30). Auch die Politik ist gefordert, wenn es um die finanzielle Besserstellung von Frauen geht: Die dringlichsten zu erfüllenden Aufgaben lotete Sarah ­Wetzlmayr in einem Rundruf bei den Topprotagonistinnen der Gewinnerparteien der letzten Wahlen aus (S. 22). Vor allem sind es die Geschichten anderer, die unsere eigene Vorstellungskraft beflügeln. Gleich mehrere Topunternehmerinnen geben uns in dieser Ausgabe Einblick, was „Strategie“ für sie bedeutet: Ottakrin­ ger-Chefin Christiane Wenckheim erzählt, wie sich der Generationswechsel in einem Konzern erfolgreich gestalten lässt (S. 54). Ulli Ehrlich, Geschäftsführerin des Modeproduzenten Sportalm, sagt, worauf es für familiengeführte KMUs ankommt (S. 62). Und Waffenproduzentin Kathrin Glock spricht über Innovation, Verantwortung und den eigenen Weg an die Spitze des 1.800-MitarbeiterInnen-Konzerns (S. 38). Dass Strategie an sich auch richtig lustig sein kann, zeigen neue Games wie „Ms. Monopoly“, die die

weibliche Klientel als Zielgruppe entdecken. Viel Spaß mit dem Überblick „Brot und Spiele“ von Anna Rheinthaler (S. 68 ). Wie chic Strategie sich für den Winter aufbrezelt, führt derzeit Burberry weltmeisterlich vor: Mode-Bloggerin Alexandra Russ zeichnet den Kurswechsel nach, mit dem Kreativdirektor Riccardo Tisci dem britischen Karo-Klassiker zu frischen Kanten verhalf (S. 100). Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Ihre -Redaktion

Raja Korinek

Sarah Wetzlmayr

Alexandra Russ

Foto: beigestellt

IMPRESSUM MEDIENINHABER SHE Wirtschaftsmedien GmbH VERLAG & REDAKTION Mariahilfer Straße 88 a/II/2 a, 1170 Wien T +43 1 34 22 42-0 E-Mail: office@sheconomy.at HERAUSGEBERIN: Carina Felzmann CHEFREDAKTEURIN: Michaela Ernst CHEFIN VOM DIENST: Herta Scheidinger GRAFISCHE LEITUNG: Martin Völker MITARBEITERINNEN UND AUTORINNEN: Karin Cerny, Christina Fieber, Herbert Hacker, Raja Korinek, Anna Rheintaler, Alexandra Russ, Nina Schedlmayr, Nicole Spilker, Helene Tuma, Ursula

Vybiral, Sarah Wetzlmayr, Isabell Widek, Christoph Wittmann, Sandra Wobrazek, Susanne Wolf

OFFENLEGUNG GEMÄSS § 25 MEDIENGESETZ:

FOTOREDAKTION: Natascha Trimmel LEKTORAT: Cornelia Derdak FOTOGRAFEN: Sebastian Freiler, Geli Goldmann VERLAGSLEITUNG SALES: Hermann Sporrer KEY ACCOUNTS: Josef Fattinger, Vendula Ortmann, Zoriana Iurechko GESCHÄFTSFÜHRUNG: Andreas Dressler DIGITAL PUBLISHERS: Andreas Dressler & Nadia Weiss VERLAGSSEKRETARIAT: Brigitte Janko T +43 1 342 242-0, office@sheconomy.at

MEDIENINHABER: SHE Wirtschaftsmedien Beteiligungs GmbH Mariahilfer Str. 88 a/II/2 a | 1070 Wien FN 405483 z | UID: ATU68289666 UNTERNEHMENSGEGENSTAND: Verlag GESCHÄFTSFÜHRUNG: Andreas Dressler GESELLSCHAFTER: Andreas Dressler (75 %), Simone Dressler (20 %), Nadia Weiss (5 %) REDAKTIONSADRESSE: Mariahilfer Str. 88 a/II/2 a, 1070 Wien, T +43 1 34 22 42-0

SHEconomy – Die neuen Seiten der Wirtschaft will Wirtschaft anders ­denken, Grenzen neu definieren, ­Bewegung in die Gesellschaft bringen. Wo Frauen in der Wirtschaft das Ruder übernehmen oder mit Verantwortung versehen sind, läuft vieles in eine neue, unkonventionelle, erfolgreiche Richtung. SHEconomy ermutigt Frauen, ihre beruflichen Ambitionen auszuleben, und präsentiert Erfolgsgeschichten aus dem Topmanagement, KMU- oder EPU-­ Bereich ebenso wie Anlage-, Lifestyleund wertvolle Karrieretipps.


ANSAGE

abenteuerliche strategien – oder doch strategisches abenteuer?

Chefredakteurin Michaela Ernst und Herausgeberin Carina Felzmann

Wunsch“, wusste der französische Schriftsteller Antoine de Saint­Exupéry. Bloß Wünsche deponiert man am besten beim Christkind – aber nicht, wenn es um eine ernsthafte Planung des Geschäftslebens geht. Der Herbst ist DIE Zeit für viele Unternehmen, sich mit den Strategien für das Folgejahr zu beschäftigen. Es geht darum, das Gesetz des Handelns nicht aus der Hand zu geben und den großen Plan in konkrete Maßnahmen umzusetzen. Am Markt herrscht oft ein rauer Wind, und es gibt genug Einflussfaktoren von außen, die Unternehmen zwar beeinflussen, die sie jedoch selbst nicht steuern können: das Weltgesche­ hen, neue Gesetze, zusätzlicher Mitbewerb, bahnbre­ chende Erfindungen oder die Konjunktur. Umso wichtiger ist es, den eigenen Spielraum zu finden und zu nutzen. Start-ups, kleine Kreativbüros oder Betriebe, die sich auf kurzem Weg mit Unter­ nehmensberatungen austauschen können, tun sich da im Allgemeinen etwas leichter, als jene großen „Tanker“, deren Stärke vor allem im Kurshalten liegt.

Österreich hat durch die vorhandene KMU­Land­ schaft (etwa 95% der Unternehmen fallen darunter) einen gewissen strukturellen Vorteil: KMUs – zu denen auch die Start­ups zu Beginn zählen – sind oft wie kleine, wendige Schnellboote am Markt. Sie können sich rascher anpassen, haben eine größere, gedankliche Beweglichkeit und Neugierde für das Neue. Auch der Austausch mit Anderen ist für sie ein guter Begleiter. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite formuliert der US­Ökonom und Management­Guru Peter Drucker bewusst pointiert. Er sagt: „Culture eats strategy for breakfast“. Übertragen auf die Märkte, bedeutet das: Zielgruppen verhalten sich immer komplexer und stellen keine homogenen Gruppen mehr dar. „Kulturverhalten“ wird zu einer kaum mehr zu­ ordenbaren Größe: Omas gründen auf einmal Start­ ups, sind Sportlerinnen oder stricken auf YouTube, Kinder erklären der Politik den Klimawandel, und selbst Haustierbesitzer scheren aus, wenn sie ihre vierbeinigen Freunde vegan füttern. Junge sind nicht mehr einfach Youngsters, denn die Generation Y tickt schon wieder anders als die Generation Z. Und Middle­Agers sind zwar unschlagbare Leistungs­ träger, aber oftmals vielen äußeren oder persönlichen Umbrüchen ausgesetzt. Da stellt sich die Frage – macht es überhaupt noch Sinn, sich Strategien zu überlegen? Vieles können wir nicht vorwegnehmen, jedoch eines können wir mit Sicherheit sagen: Der Austausch mit anderen, das Lernen voneinander, der Blick über den Tellerrand und das Knüpfen von Seilschaften sind gute, strategische Wegbegleiter zum Erfolg. In diesem Sinne, nützen wir die vielen unter­ schiedlichen Frauen­Business­Netzwerke, die sich bereits am Markt tummeln. Eine mögliche Strategie zu Ihrem Erfolg 2020! Ihre

4

Michaela Ernst

Carina Felzmann

Chefredakteurin

Herausgeberin

Foto: www.sebastianfreiler.com

„Ein Ziel ohne Plan ist nur ein


Denk

selbst versichert ist die Frau. Schnitt im n e m m o k e b n Fraue r Pension. e ig n e w * % 4 3 um ! Jetzt vorsorgen

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* Vergleich durchschnittlicher Nettopensionen von Frauen und Männern, ausgehend von den durchschnittlichen Bruttoalterspensionen in der gesetzlichen Pensionsversicherung laut Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger. Quellen: Statistik Austria, Höhe der Durchschnittspensionen ohne zwischenstaatliche Teilleistungen in der gesetzlichen Pensionsversicherung 2017 (Online); Bundesministerium für Finanzen, Online Brutto-Netto-Rechner; Webseiten abgerufen am 19.8.2019. Die wesentlichen Informationen zu unseren Vorsorgeprodukten finden Sie auf www.uniqa.at in den jeweiligen Basisinformationsblättern.


INHALT

4 Leitartikel von SHEconomy Chefredakteurin MICHAELA ERNST

und Herausgeberin CARINA FELZMANN

I

II

AKTUELL

8 WEITBLICK Starke Frauen aus der Wirtschaft – die SHEconomy-Beirätinnen im Portrait

10 WATCHLIST Neues aus der Welt der Wirtschaft

14 ZAHLEN BITTE! Frauen brauchen eine solide Strategie für ihren Erfolg

18 GRÜNE REVOLUTION Die US-Demokratin Alexandria ­Ocasio-Cortez im Portrait

22 FRAUENPOLITIK Vertreterinnen von ÖVP, GRÜNE und NEOS im Gespräch

themen, 26 RISIKO ALS STRATEGIE Das Potenzial des Aktienmarkts für die Vorsorge nutzen thesen, trends

16

30 AKTIENMARKT Der Bullenritt wird rauer

33 PORTEMONNAIE Mit ausgewählten Investments auf chancenreiche Zukunftstrends setzen

34 WERTSCHÖPFUNG Steuerberaterin CHRISTIANE HOLZINGER verrät, warum man einen unternehmerischen Weihnachtsputz machen sollte

I

II

DOSSIER strategie

52

35 BETONGOLD Anlagewohnungen sind weiter heiß begehrt

38 INTERVIEW Top-Managerin Kathrin Glock über Innovation, Verantwortung und ihren Weg an die Spitze eines Weltkonzerns

42 INVESTMENT Autographen als Wertanlage

46 PORTFOLIO Was die Kunstszene Aufregendes zu bieten hat 48 STANDPUNKTE Gastkommentare von MARIA RAUCH-KALLAT, GABRIELE ­HEINISCH-HOSEK, RENATE ANDERL, MONIKA RACEK, BARBARA STÖTTINGER, RENATE ALTENHOFER und RUDOLF J. MELZER

PERFORMANCE II

I

54 INTERVIEW Die Aufsichtsratsvorsitzende der Ottakringer AG, CHRISTIANE WENCKHEIM, über Generationenmanagement

personal 58 REPORT I Wenn nicht alles nach Plan läuft, muss das nichts Schlechtes bedeuten ­management

76

salon schönes für körper, geist und seele

99

62 REPORT II Bei Betriebsübergaben stehen Töchter in der ersten Reihe

68 REPORT III Brot und Spiele: strategisches Denken spielerisch üben

72 ROUND TABLE Expertinnen aus unterschiedlichen Bereichen diskutieren über die Notwendigkeit und die Vorteile von Diversität im Unternehmen

78 KEYWORDS Die Eintrittskarte zum Traumjob

82 SERVICE Kalkül mit Gefühl

100 MODE Der Strategiewechsel bei Burberry ist eingeläutet 106 STRATEGISCHE HELFER Dinge, die den Business-Alltag erleichtern 108 KOSMETIK Die neuen Strategien der Beauty-Industrie

112 KUNST So ein Theater! 118 FOODIES Warum es junge Frauen zum Weinhandwerk zieht

6

122 SCHLUSSPUNKT Auf ein Glas Champagner mit Top-Managerin RANJA REDA KOUBA


Gesundheit beschäftigt uns ein Leben lang, mit allen Höhen und Tiefen, allen Herausforderungen. Sie können groß oder klein sein, lebenslang oder akut – für jeden, jederzeit und überall. Sanofi – ein lebenslanger Begleiter in Gesundheitsfragen. Mit Leidenschaft arbeiten wir jeden Tag daran, die Gesundheitsprobleme der Menschen weltweit zu verstehen und Lösungen zu finden. Wir nennen das Empowering Life.

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WEITBLICK BEIRAT

starke frauen aus der wirtschaft

Mi-Ja Chun (Gründerin Akakiko), Elke Hesse (Direktorin Mu-Th), Karin Meier-Martetschläger (Pfandleihanstalt E. Martetschläger), Christine Marek (CM-Consult)

8


Sie sind allesamt erfolgreiche Unternehmerinnen und Führungskräfte – und unterstützen mit ihrer Expertise und ihrem Netzwerk. Die sechs -Beirätinnen im Porträt. Von Sandra Wobrazek

Es war ihr Vater, der Jasmin Soravia als Unter­

Eine faire Aufgabenverteilung.

nehmerin maßgeblich geprägt hat: „Wer feiern kann, kann auch arbeiten“, war sein Leitspruch. „Er war ein großes Vorbild für mich, hat mir logisches Denken beigebracht und den eisernen Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen“, sagt die Geschäftsführerin der SoReal GmbH (CEO), der österreichischen Projekt­ entwicklungsgesellschaft der Soravia­Gruppe. Dort hat Jasmin Soravia die Gesamtverantwortung für große Projektentwicklungen in Österreich wie etwa TrIIIple, Danube Flats und Austro Tower – mit einem aktuellen Volumen von über einer Milliarde Euro sowie für die Akquisition neuer Immobilienprojekte. Was macht den Erfolg der gebürtigen Kärntnerin aus, die ursprüng­ lich aus der Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung kommt und unter anderem bei E&Y Wien, der STRABAG und Conwert gearbeitet hat? „Sicherlich mein Ehrgeiz, meine eiserne Disziplin, meine rasche Auffassungsgabe und mein Wissensdrang. Ich möchte ständig Neues lernen und kann mich auch gut an Gegebenheiten und Situationen anpassen.“ All das braucht Jasmin Soravia in der männerdominierten Immobilienbranche auch, um sich zu behaupten, wie sie sagt. Für sie allerdings das Wichtigste für langfristi­ gen beruflichen Erfolg: „Authentisch zu bleiben sowie offen und neugierig durch die Welt zu gehen.“

„Misserfolge hat jeder im Leben“, sagt Mi­Ja Chun, die vor 25 Jahren mit Akakiko eine der erfolgreichs­ ten österreichischen Restaurantketten gründete, nachdem sie ursprünglich als Krankenschwester gearbeitet und dann ein kleines Geschäft am Naschmarkt geführt hat. „Jedes Ende ist auch immer ein neuer Anfang und jedes Scheitern eine neue Chance – das ist keine leere Floskel, sondern meine Erfahrung. Am meisten geprägt hat mich meine Mutter, die in Korea ein kleines Restaurant betrieben hat. Sie hatte einen Blick für das Wesentliche und die Gabe, mit ganz einfachen Mitteln und Intuition ihr Geschäft zu führen.“ Die Rolle der nächsten Generation von Frauen in der Wirtschaft sieht die in Südkorea geborene Business­ frau optimistisch und glaubt, dass es zu einem weiteren Ausgleich in der Rollen­ verteilung zwischen Mann und Frau in Sachen Familie und Kindererziehung kommen werde. „Eine fairere Auf­ gabenverteilung – ich verwende extra nicht das Wort ,Lasten­ verteilung‘, denn Kinder und die Zeit mit ihnen sind etwas sehr Schönes – sowie das hohe Bildungsniveau der nächsten Frauengeneration werden die Position der Frauen in der Wirtschaft verbessern und Unterschiede in der Arbeitswelt, die es leider noch gibt, mehr und mehr ausgleichen.“

Aufstehen, durchatmen, weitermachen. Fotos: Geli Goldmann, beigestellt

tionen zu erleben, sei laut der ehemaligen Produ­ zentin in der off­Theaterszene „kämpfen, kämpfen, kämpfen“ wichtig. „Ich war vor Kurzem in Schwe­ den – so stelle ich mir Gleichstellung vor.“ Beruflich am meisten geprägt wurde die Wienerin vom 2005 verstorbenen Regisseur und Theatermacher Hans Gratzer, und ihr Vorbild ist Marie Zimmermann, die ehemalige Theaterchefin der Wiener Festwochen, die in der männerdominierten Theaterwelt ein selbst­ bewusstes Programm auf die Beine gestellt hat – „vollkommen selbstverständlich und unbeirrt“, sagt Elke Hesse. Ihre Taktik bei beruflichen Niederlagen: „Aufstehen, durchatmen und weitermachen.“

Auch Elke Hesse ist sich selbst immer treu geblieben – und der Kunst. Die am Konservatorium Wien in Musik, Schauspiel und Tanz Ausgebildete ist seit 2011 Direktorin des MuTh­Konzertsaals der Wiener Sängerknaben. Die Intendanz der Bad Hersfelder Festspiele mit 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat sie stark geprägt, wie sie sagt – dort habe sie ge­ lernt, was es heißt, ein Team zu führen. Dabei seien ihr vor allem „Humor, Respekt und ein Miteinander“ wichtig. Um noch mehr Frauen in Führungsposi­

„Für einen langfristigen beruflichen Erfolg ist es das Wichtigste, authentisch zu bleiben sowie offen und neugierig durch die Welt zu gehen.“ Jasmin Soravia CEO der SoReal GmbH

Mut zur Gestaltung.

Martina Hacker ist Personal­ chefin des ASFINAG Holding.

9


WEITBLICK BEIRAT

„Wir Frauen in der Wirtschaft müssen uns zukünftig ­gegenseitig viel mehr helfen: Weg von ‚Ich schaffe alles alleine‘, hin zu ­‚gemeinsam sind wir stark‘.“ Martina Hacker Personalchefin der ASFINAG

10

habe, etwa als ich Staatssekretärin wurde, ist sie mir mit Rat zur Seite gestanden.“ Für ihren beruflichen Erfolg als Unternehmerin war und ist Christine Ma­ rek wichtig, zu wissen, worauf sie sich konzentriert. Es sei für eine Unternehmerin essentiell, sagt sie, zu In dieser Funktion ist das „Fordern und Fördern“ von Mitarbeitenden die größte Herausforderung, wie wissen, was sie verkauft und was der Kunde braucht. Bei Niederlagen und Rückschlägen gehöre es für sie sie sagt. Denn: Für jede und jeden muss das richtige auch dazu, „Wunden zu lecken“ – und dann kritisch Verhältnis zwischen Können, Wollen und Müssen gefunden werden. Um dann im Sinne der Unterneh­ zu hinterfragen, was der Grund dafür war und „was ich besser machen kann. Denn eine Niederlage ist mensentwicklung die passenden Aus- und Weiter­ bildungskonzepte, auch in Hinblick auf die bestehen­ immer auch eine Chance, um zu schauen, was ich tun kann, damit das nicht mehr passiert – nur so bringt den und zukünftigen Entwicklungen der einzelnen es einen weiter.“ Berufsfelder und Tätigkeiten, zu entwickeln. „Im Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bestehe ich auf Klarheit und Struktur. Ich bin für sie Mut zu unpopulären Entscheidungen. Dass sie im wahrsten Sinn des Wortes die rechte ,kalkulierbar‘ und lege Wert auf Offenheit und Ehr­ Hand ihres Vaters war, der seine Hand durch eine lichkeit. Wenn es gut läuft, aber auch wenn es nicht Sehnenverkürzung nur bedingt verwenden konnte, so gut läuft. Sich gemeinsam zu ärgern und gemein­ hat Karin Meier-Martetschläger beruflich am meisten sam zu lachen, das ist mir wichtig.“ Als Consultant weitergebracht, wie auch die stete Ermunterung hat Martina Hacker gelernt, dass es im Change-Ma­ nagement und in der Organisationsentwicklung nicht durch ihre Eltern, die eigene Meinung zu vertreten. nur aufs gute Konzept ankommt, sondern auch „auf Es gab zu Hause keinen Unterschied zwischen dem Sohn und den Töchtern. Die vier Geschwister das jeweilige Geschäft“ und darauf, die Menschen wurden absolut gleich behandelt. Karin Meier-Mar­ kennenzulernen und zu verstehen – sowie den Weg tetschläger stammt aus einem Vollblutunternehmerder Veränderung gemeinsam zu gehen. Führung Haushalt: Die Mutter hatte eine Pfandleihanstalt, muss in solchen Phasen begleiten und Sicherheit geben. „Die Herausforderungen der Zukunft, die auf der Vater eine Import-Export-Firma. „Ich habe nie uns warten, wie Digitalisierung, Automatisierung und gehört: ,Du bist ein Mädchen, das kannst du nicht.‘ Sondern vielmehr: ‚Du hast einen Kopf, schalte künstliche Intelligenz, verlangen neue Handlungsdein Hirn ein!‘ Ich habe genauso gelernt, elektrische und Gestaltungsoptionen. Wir werden viel Mut zur Leitungen zu verlegen, wie einen Ölwechsel bei Gestaltung brauchen. Was das für uns Frauen in Schiffsmotoren zu machen oder mit jungen Jahren der Wirtschaft bedeutet: Wir müssen uns zukünftig die Buchhaltung zu führen.“ Heute leitet die studierte gegenseitig viel mehr helfen: Weg vom ,Ich schaffe Juristin und Betriebswirtin die bereits 1975 gegründe­ alles alleine‘, hin zu ,gemeinsam sind wir stark‘.“ te Pfandleihanstalt am Währinger Gürtel, die sie von Wissen, was der Kunde braucht. ihrer Mutter übernommen hat. Karin Meier-Martet­ Wie die anderen fünf Sheconomy-Beirätinnen, hat schläger ist auch in der Wirtschaftskammer für die auch Christine Marek bereits zahlreiche entscheiden­ Pfandleiher und Versteigerer als Berufsgruppen­ de Karrierestationen absolviert – von der voestalpine, vorsitzende aktiv. Was ihr als Führungskraft und den Österreichischen Lotterien oder Frequentis Unternehmerin wichtig ist? „Dass man alles, was man bis hin zu ihrer eigenen Agentur, Christine Marek von anderen verlangt, auch bereit ist, selbst zu tun. Consulting (CMC). Dort unterstützt sie Unterneh­ Das ist für mich ein echter Leitsatz geworden, wie men bei der Recherche, Organisation und Imple­ auch die Überzeugung: Es gibt nichts, was Frau nicht mentierung von Projekten zur Vereinbarkeit von kann! Außerdem muss man auch gut zuhören und Familie und Beruf, Work-Life-Balance und Diversity- Ideen aufnehmen können. Und auch den Mut haben, Management. Die ehemalige Staatssekretärin und ab und an unpopuläre Entscheidungen zu treffen!“. Nationalratsabgeordnete hat sich nach ihrer politi­ Für das Geheimnis ihres Erfolges gebe es, so Karin schen Zeit selbstständig gemacht. Als Unternehmerin Meier-Martetschläger, einen wichtigen Grund: dass und Führungskraft wurde sie unter anderem von die Kundinnen und Kunden ihre Partner sind und Maria Rauch-Kallat besonders geprägt: „Sie hat mir man sich auf Augenhöhe begegnet – „Anders wäre zahlreiche berufliche Chancen gegeben. Als ich 2002 es für mich nicht möglich authentisch zu sein.“ ins Parlament gekommen bin, war sie Ministerin, und ich habe immer wieder Möglichkeiten bekommen, sie zu vertreten. Immer, wenn ich einen Tipp gebraucht


frauenpower in der bankenwelt Die Sparkassen stellen ihre Weichen für die Zukunft und werden auf der Führungsebene deutlich weiblich. Stefanie Christina Huber wird mit 1. Jänner 2020 Vorsitzende des Vorstandes der Sparkasse Oberösterreich. Eine Personalentscheidung, die den Umbrüchen in der Bankenlandschaft im kommenden Jahrzehnt gerecht wird, denn die strategische Expertin verfügt über Topmanagementqualitäten. Mit Huber übernimmt eine erfahrene Bankerin den Vorsitz des Vorstandes in der Sparkasse OÖ. Nach ihrem Studium der Angewandten Statistik startete sie im Jahr 1999 ihre Karriere in der Sparkasse OÖ, bald folgten diverse Leitungsfunktionen. Vor ihrer Bestellung in den Vorstand im Jänner 2019 war sie Leiterin des Bereiches Treasury. „Unsere Strategie, die wir mit Fokus auf höchste Kundenorientierung eingeschlagen haben, werde ich als CEO konsequent weiterverfolgen und meine gesamte Kraft in die Gestaltung der Zukunft unseres Institutes legen“, so Huber. SW

Im neuen Vorstandsteam der Steiermärkische Bank und Sparkassen AG ist seit Sommer neben den bestehenden Vorstandsmitgliedern auch eine Frau vertreten. Walburga Seidl ist die erste Frau in der Geschichte der Bank, die in den Vorstand berufen wurde. Die studierte Betriebswirtin verantwortet in ihrer Funktion das Risiko­ management. Dieses umfasst die Kreditentscheidung und das Problemkreditmanagement. Weitere Schwerpunkte ihrer Arbeit sind der Finanzbereich, Compliance, Recht und die interne Revision. „Bei der Steiermärkischen Sparkasse ist die Chancengleichheit auf allen Ebenen gelebte Praxis. Der Anteil der weiblichen Führungskräfte ist deutlich im Steigen. Auch im Aufsichtsrat sind fünf von zwölf Mitgliedern weiblich. Im Idealfall ist eine ausgewogene Mischung in ­Führungsteams selbstverständlich“, so Seidl. SW

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WATCHLIST

„wer sich gut fühlt, fühlt sich schön“ Von der Arbeit in einer internationalen Organisation den Schritt in die Beauty-Welt zu machen – Valentina Prinz hat es gewagt. Die Yuvell-Geschäftsführerin im Porträt. von Sandra Wobrazek

DIE POWERQUELLEN VON VALENTINA PRINZ Lieblingsbücher:

3

„Zukunft? China“ von Frank Sieren, „Factfulness“ von Hans Rosling. Als Nächstes möchte ich die Bücher von Peter Handke lesen, denn er hat eine Affinität zu Serbien, meiner ursprünglichen Heimat.

Lieblingsfilme:

3 3

„Der Pate“, „A Beautiful Mind“, „Casablanca“.

Methoden/Orte wie/ wo Sie sich erholen:

Beim Laufen rund um meine Heimatstadt Klosterneuburg. Ich laufe dreimal wöchentlich jeweils zehn Kilometer. Beim Pilates, aber auch beim wöchentlichen Boxtraining. Ich verbringe so viel Zeit wie möglich mit meinem Mann und unseren Kindern.

Zehn Jahre lang arbeitete sie bei der UNO, heute ist sie Anteilseignerin von Yuvell, einer Wiener Klinik für ästhetische Medizin. „Bei der UNO hatte ich die Möglichkeit“, sagt Valentina Prinz, „viel über andere Kulturen und Diplomatie zu erfahren. Da mein Mann in der Ästhetik­Branche arbeitet und ich ihn bestmöglich unterstützen möchte, lag es auf der Hand, Teil derselben zu werden.“ Familienwerte. Mit Bruder Martin leitet Valentina Prinz’ Mann Andreas

in zweiter Generation Croma­Pharma, Global Player der industriellen Ferti­ gung von Hyaluronsäure­Spritzen. In der Familie stehen Loyalität, Vertrauen und Qualität der Arbeit an erster Stelle – „sowohl privat als auch beruflich. Diese Werte möchten wir an unsere Kinder, aber auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergeben.“ Außer­ dem sind für die Unternehmerin Teamwork, Teamdenken und Out-of-the-Box-Thinking Teil des beruflichen Erfolgs. Privat lebt sie das Patchworkmodell, haben sie und ihr Mann doch vier Kinder aus vorherigen Beziehungen. Tochter Vera ist 18 und Sohn Marko 17 Jahre alt. Die Stiefkinder Oliver und Ines sind 13 und zehn Jahre. „Meine Kinder erden mich, während meine Arbeit mich herausfordert. Durch meinen Bachelor in Psychologie habe ich gelernt, lösungsorientiert zu agieren – und das hilft mir im Privat­ und im Berufsleben“, sagt die Unternehmerin. Bleibt die Frage, was für Valentina Prinz, zu deren Beauty­Basics neben dem Trinken von viel Wasser auch gehört, nur abgeschminkt ins Bett zu gehen, Schönheit ausmacht. ZENTRUM DER SCHÖNHEIT

12

Yuvell ist eine Klinik für minimal- und noninvasive und medizinisch-kosmetische Behandlungen unter der ärztlichen Leitung von Dr. Daniel S. Müller. Das Ärzteteam umfasst verschiedenste Fachrichtungen. Im Zentrum steht professionelle Beratung inklusive Hightech-Face-Check und individuellen Behandlungsplans. Yuvell setzt als Center of Innovation auch auf die Durchführung von klinischen Studien im Bereich der ästhetischen Medizin. www.yuvell.at


VERANTWORTUNG

#schaffenwir Und ausgedehnte Streicheleinheiten cosa Kosmetik

Produkte, die mit Tierversuchen entwickelt wurden, haben bei cosa Kosmetik nichts verloren. Dafür ist den Eigentümerinnen Corinna Schneider und Sarah Ranak das Wohl der Tiere viel zu wichtig. Das bekommt auch Vierbeinerin Loona zu spüren, die im Büro für gute Stimmung sorgt und so auch einen kleinen Beitrag zur Wirtschaft leistet. Denn Wirtschaft sind wir alle. Alle, die was unternehmen.

Eine Initiative der

schaffenwir.wko.at


FACTS & FIGURES

I

I

besser wachsen

I

Bildung, Fleiß, Glück – und auch eine solide Strategie braucht es, um im Leben Erfolg zu haben. Doch gerade für Letztere fehlt es Frauen oft an den richtigen Zugängen und Instrumenten. Warum das so ist, verrät unter anderem die Statistik. von Christoph Wittmann

Quelle: Unido, 2019

VERGLEICH KARRIEREENTWICKLUNG ZWISCHEN FRAUEN UND MÄNNERN WELTWEIT 80 % 70 % 60 %

Laut einer Studie der ILO, bei der 12.000 Unternehmen aus 70 Ländern befragt wurden, ­verbesserte sich die ­Business ­Performance von zwei Drittel

der ­Befragten um 5 bis 20 Prozent. Dabei spielt ein aktives

Monitorings­system für Geschlechtervielfalt eine ­entscheidende Rolle. Anhand von gesammelten Daten in einem Zeitraum von 1991 bis 2017

konnte weltweit das bessere ­Wirtschaftswachstum eines Landes auf einen höheren Frauenanteil auf dem Arbeitsmarkt zurückgeführt werden.

20 – 29 Jahre

20 – 29 Jahre

30 – 44 Jahre

30 – 44 Jahre

45+ Jahre

45+ Jahre

50 % 40 % 30 % 20 % 10 % 0 Mitarbeiter

Manager

CEO

Vorstand

Mitarbeiter

Manager

Geschäftsführungen 16,2

Aufsichtsräte

5,9

2013

2014

2015

7,2

5,6

2012

7,2

13,4

11,2

10,3

5,6

2010

5,1

5,3

2009

4,4

9,7

8,7 4,8

2013

13,9

Quelle: Statista, 2019

UNTERNEHMENS­ NEUGRÜNDUNGEN IN ÖSTERREICH

18.223

Vorstand

FRAUEN IN FÜHRUNGSPOSITIONEN IN ÖSTERREICH 2009 BIS 2019

(Quelle: ILO-Berlin Studie, Frauen in Wirtschaft und Führungspositionen, 2019)

13.595

CEO

21,4

(Quelle: Unido 2019)

Frauen verlangen nicht nach höheren Gehältern

2016

2017

8,2

obwohl alle Studien dafür sprechen, dass eine ausgeglichene Geschlechterverteilung mit einem positiven Einfluss auf ­Produktivität und Wirtschaftlichkeit eines ­Unternehmens einhergeht.

Stereotyp, dass Männer härter arbeiten als Frauen

18,5

arden Dollar alleine dadurch ­verloren, dass das wirtschaftliche Potential von Frauen nicht a ­ usgenutzt wird. Und dies,

historische und kulturelle Faktoren

8,4

Gründe dafür sprechen, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt finanziell und ­strategisch gleichgestellt sein sollten, ist das heutzutage nur selten der Fall. Weltweit gehen 163 Milli-

versteckte Diskriminierung

18,1

Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern beträgt 9 Prozent. Obwohl zahlreiche

4 GRÜNDE FÜR EINE SCHLECHTERE BEZAHLUNG VON FRAUEN

17,7

Frauen in der Wirtschaft – immer noch unterschätzt? Die globale

2018

2019

2018

14

14.459

19.102

Quelle: WKO-Studie, 2019

2011


AIT

AIT-Expertin Alexandra Millonig forscht an der Suffizienten Mobilitätsvision

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ie kann die oft beschworene Mobilitätswende gelingen? Was braucht es, um das Mobilitätssystem klimaverträglich zu gestalten und gleichzeitig dennoch die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen? Im Rahmen des geförderten Sondierungsprojekts „mobalance“ widmet sich ein Team um AIT-Mobilitätsforscherin Alexandra Millonig diesen Fragen und erarbeitet eine suffiziente Mobilitätsvision, die auf dem Konzept eines so genannten Mobilitätskontos beruht. Ziel ist es, einen maßvollen und bewussten Umgang mit Mobilität zur Limitierung des Verkehrs auf ein sozial und ökologisch verträgliches Maß herbeizuführen. Dies würde allerdings deutliche Auswirkungen auf die Lebensrealität der Bevölkerung haben und eine Reihe von wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen mit sich bringen.

werden basierend auf diesem Ansatz die Merkmale und Einsatzmöglichkeiten eines solchen individuellen Mobilitätskontos herausgearbeitet. So wird erörtert, in welcher Form sich beispielsweise individuelle Lebenssituationen (Bevorzugung oder Benachteiligung unterschiedlicher Gruppen und Raumtypen) und Mobilitätsursachen (berufsbedingter und persönlicher Verkehr) in so ein Konzept integrieren lassen. Angestrebt wird eine breite Diskussion mit verschiedenen Stakeholdern und Akteuren auf internationaler Ebene. Das Konzept eines Mobilitätskontos zielt sowohl auf Politik, Verwaltung und Verkehrsplanung, wie auch auf Schnittstellen zu planerischen Disziplinen wie der Raumplanung, Stadtplanung oder Energieraumplanung ab.

VON „SCHNELLER-HÖHER-WEI­ TER“ ZU „NACHHALTIGER-GE­ RECHTER-MASSVOLLER“

Alexandra Millonig, Projektleiterin und Mobilitätsexpertin am AIT Center for Mobility Systems: „Jüngste Forschungsergebnisse zeigen,

Im Sondierungsprojekt „mobalance“

Foto: (c) AIT/ PicturePeople

Für eine klimaverträgliche Mobilität von morgen: Welche Auswirkungen hätte ein Mobilitätskonto auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt?

dass technologische Lösungen zwar einen wertvollen Beitrag leisten, aber bei weitem nicht ausreichend schnell und effektiv umgesetzt werden können, um die erforderlichen Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen. Dazu braucht es wirksame Maßnahmen, die ein maßvolleres Mobilitätsverhalten der Bevölkerung in Kombination mit Technologien unterstützen. Solche Maßnahmen sozial gerecht umzusetzen, ist aber eine große Herausforderung und erfordert die aktive Mitgestaltung aller Beteiligten.“ PROJEKTPARTNER: Lorenz Consult Wirtschaftsuniversität Wien – Department für Sozioökonomie Das Sondierungsprojekt „mobalance“ wird im Rahmen der 9. MdZ-Ausschreibung 2017 (Personenmobilität) vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) und der FFG gefördert.

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AKTUELL

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themen, thesen, trends 16


KTUELL > > > > > > >

ALEXANDRIA OCASIO-CORTEZ Die 30-jährige ­ offnungsträgerin der US-Demokraten ist die Mitbegründerin des H Green New Deal und die jüngste Frau im US-Repräsentantenhaus

DIE FRAUENPOLITIK DER GEWINNERPARTEIEN Juliane Bogner-Strauß (ÖVP), Birgit Hebein (Grüne) und B ­ eate MeinlReisinger (NEOS) über die wichtigsten Aufgaben der nächsten Zeit RISIKO ALS STRATEGIE Wer ausschließlich auf Sicherheit setzt, nutzt nur einen kleinen Teil des Potenzials, das der Aktienmarkt zu bieten hat RAUER BULLENRITT Nach jahrzehntelangem Auftrieb an den Aktienmärkten nimmt der Gegenwind zu. Die besten Marktstrategien für rauere Börsenzeiten POWERFRAU KATHRIN GLOCK Die Aufsichtsrätin beim Welt- und Technologieführer im Bereich Pistolen über Innovation, ­Verantwortung und den eigenen Weg an die Spitze SCHILLER SCHLÄGT GOETHE Autografen als begehrte Sammlerobjekte STANDPUNKT Maria Rauch-Kallat, Gabriele Heinisch-Hosek, Renate Anderl, Renate Altenhofer, Monika Racek, 17 Barbara Stöttinger, Rudolf J. Melzer


AKTUELL REPORT

grüne revolution Millionen Klimastreikende weltweit, wachsende Proteste in der ­Zivil­gesellschaft, ­erstarkende grüne Parteien: Die Klimakrise ist in der Mitte der ­Gesellschaft ­angekommen. Der Green New Deal verspricht ­Lösungen. Von Susanne Wolf

Alexandria ­Ocasio-Cortez, Tochter einer Puerto ­Ricanerin und eines New Yorkers aus der Bronx, gilt als große Hoffnung der US-Demokraten.

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Februar 2019: Eine junge demokratische Politikerin

lässt in den USA aufhorchen: Alexandria Ocasio-­ Cortez legt gemeinsam mit ihrem Kollegen Ed Markey dem Senat einen Plan vor, der eine radikale Wende in der Umwelt- und Klimapolitik vorsieht – den Green New Deal. Das Konzept dahinter ist so umfassend wie die globale Krise, in der der Planet steckt.

stammt aus Lateinamerika, etwa ein Fünftel aller Kinder lebt unterhalb der Armutsgrenze – und Ocasio-Cortez gilt als Sprecherin der Benachteiligten. Auch unter ihrem Twitter-Kürzel AOC bekannt, bezeichnet sich die Politikerin als demokratische ­Sozialistin, ebenso wie Präsidentschaftskandidat ­Bernie Sanders. Ihre republikanischen Kritiker provoziert die redegewandte Abgeordnete mit Forderungen wie jener nach einem Spitzensteuer­ satz von 70 Prozent für Menschen mit über zehn Millionen Dollar Jahreseinkommen. AOC kämpft für eine staatliche Krankenversicherung, fordert einen Mindestlohn von 15 Dollar pro Stunde und will das Wahlfinanzierungsgesetz reformieren. Bekanntheit erlangte Ocasio-Cortez auch mit einer provokanten Rede im Repräsentantenhaus, bei der sie die Sprecher mit den Verstrickungen von Industrie und Politik konfrontierte: „Wenn ich einen Wahlkampf führe, der ausschließlich von der Industrie finanziert wird, gibt es irgendein Gesetz, das mich daran hindern könne?“ „Nein.“ „Wenn ich Aktien von Öl- und Gasunternehmen kaufen und später Gesetze schrei­ ben will, die diese Unternehmen von Umweltauf­ lagen befreien und damit den Aktienkurs nach oben treiben – wäre das legal?“ „Das könnten Sie tun.“ Donald Trump ist die selbstbewusste Politikerin längst ein Dorn im Auge, via Twitter liefern sich die zwei regelmäßig Wortgefechte. AMBITIONIERTER PLAN

In den Green New Deal steckt Alexandria ­Ocasio-Cortez all ihr Herzblut. Der Begriff stammt ursprünglich von US-Präsident Franklin D. KÄMPFERIN FÜR SOZIALE GERECHTIGKEIT ­Roosevelt, der erstmals im Jahr 1929 von einem New Ocasio-Cortez, Tochter einer Puerto Ricanerin und Deal sprach und damit auf die Weltwirtschaftskrise eines New Yorkers aus der Bronx, gilt als große reagierte. 2008 kündigte Achim Steiner, Direktor des Hoffnung der US-Demokraten. Mit 29 Jahren ist sie Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) die jüngste Frau, die je ins US-Repräsentantenhaus die Initiative Global Green New Deal an. gewählt wurde. Dort vertritt sie den 14. Wahlbezirk Statt nur CO2-Steuern einzuführen, sieht der Green New Yorks, der die südliche Bronx und das nördliche New Deal einen tiefgreifenden Wandel zu einem gerechten und nachhaltigen Wirtschaftssystem vor. Queens umfasst. Über die Hälfte der Bewohner


„Wenn ich Aktien von Öl- und Gasunternehmen kaufen und später Gesetze schreiben will, die diese Unternehmen von Umweltauflagen befreien und damit den Aktienkurs nach oben treiben – wäre das legal?“ Alexandria Ocasio-Cortez, US-Demokratin, ÖkoAktivistin und Mitbegründerin des Green New Deal

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AKTUELL REPORT Green New Deal in den konservativen Reihen der ­Republikaner auf wenig Gegenliebe. IDEEN FÜR EUROPA

Das ambitionierte Ziel ist es, die USA bis 2030 CO2-neutral und damit zum weltweiten Führer bei erneuerbaren Energien zu machen. Alle Gebäude im Land sollen energieeffizient werden, fossile Emissionen in der Industrie und in der Infrastruktur komplett verschwinden. Das Eisenbahnnetz soll massiv ausgebaut, der Flugverkehr verringert werden. Gleichzeitig bezieht der Plan die Gesellschaft mit ein: Allen Amerikanern sollen eine Krankenversicherung, ein Arbeitsplatz, gesundes Essen, Bildung und eine Wohnung garantiert werden. Arme, schwarze und indigene Teile der Bevölkerung, die zunehmend von der Umweltkrise betroffen sind, sollen in stärkerem Ausmaß von den geplanten ­Maßnahmen profitieren. Wenig überraschend stößt das Konzept des

Klimakrise, Umweltzerstörung, Artensterben: Zahlreiche Studien belegen, dass wir nicht mehr viel Zeit haben, das Ruder herumzureißen. Während die Wirtschaft weiterhin auf ungebremstes Wachstum setzt und die Politik sich in Stillstand übt, stehen weltweit immer mehr Menschen auf, um zu protestieren und sich für den dringend notwendigen Wandel einzusetzen. Was jede/r Einzelne beitragen kann und wie wir die Politik zum Handeln bringen, zeigt die Umweltjournalistin und SHEconomy-Autorin Susanne Wolf in ihrem Buch „Zukunft wird mit Mut gemacht“, 146 Seiten, Verlag: Konsument/VKI, Preis: 19,90 Euro www.konsument.at/zukunft-mut

Die sechzehnjährige

Greta Thunberg hob den Klimaaktivismus mit ihren regelmäßigen Klimastreiks auf eine neue Ebene, zuletzt rüttelte sie die anwesenden Politiker am Klimagipfel in New York mit einer emotionalen Rede auf. Derzeit durchquert Thunberg den amerikanischen Kontinent, um Anfang Dezember an der Weltklimakonferenz in Madrid teilzunehmen. Die von Thunberg gegründete „Fridays for Future“-Bewegung ist die stärkste Jugendbewegung, die es je gab.

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Luisa ­Neubauer, 23 ist das Gesicht der deutschen „Fridays for Future“-Bewegung. Seit 2016 ist sie Jugendbotschafterin der entwicklungspolitischen NGO ONE. Gemeinsam mit anderen Studierenden erreichte sie mit der Kampagne „Divest! Zieht euer Geld ab!“, dass die Universität Göttingen künftig nicht mehr in Industrien investiert, die mit Kohle, Öl oder Gas Geld verdienen.

Die US-­ Amerikanerin

Jamie Margolin, 17, gründete 2017 die Jugendorganisation Zero Hour und hat gemeinsam mit anderen Aktivistinnen den US-Bundesstaat Washington wegen seiner Untätigkeit gegen den Klimawandel geklagt. 2018 war sie auf der Liste „25 Women Changing the World“ des People Magazine.

Helga KrompKolb ist eine der engagiertesten Kämpferinnen für Klimaschutz in Österreich. Die 70-jährige Meteorologin und Klimaforscherin reist unermüdlich durchs Land, um Vorträge zu halten und zu mobilisieren. Sie ist Unterstützerin der „Fridays for Future“-Bewegung und gehört zu den Scientists for Future, die einen offenen Brief mit der Forderung nach verstärkten Maßnahmen für Klimaschutz unterschrieben haben.

Klimaschutz ist weiblich

Fotos: Getty Images, Picturedesk, beigestellt

Klimaprotest vor der Wiener Hofburg im Rahmen der „Fridays For Future“Bewegung

Auch auf EU-Ebene wird ein Green New Deal diskutiert. Das „Democracy in Europe“-Movement hat ein Konzept vorgestellt, das unter anderem eine CO2-Steuer, eine Ökologisierung der Landwirtschaft und Maßnahmen zum Tierwohl vorsieht. Daneben beinhaltet das europäische Konzept Maßnahmen zur Beseitigung von Steueroasen, eine humane und wirksame Migrationspolitik, einen klaren Plan zur Bekämpfung der Armut, einen Arbeitspakt und eine europäische Konvention über die Rechte der Frau. In Österreich arbeitete die Sozialistische Jugend vor der EU-Wahl ein Maßnahmenpaket für einen „Green New Deal für Österreich“ aus. Es beinhaltet Maßnahmen wie die Bekämpfung der Klimakrise durch den Ausbau von fossilfreier Energie und nachhaltigem Verkehr. Gefordert werden eine EU-weite CO2-Steuer, ein europäisches Netz von Hochgeschwindigkeitsbahnen und der Verzicht auf Handelsabkommen mit Ländern, die sich nicht an das Pariser Klimaschutzabkommen halten. Gleich­ zeitig sieht der Plan Investitionen in nachhaltige Industrien und Zukunftsberufe wie Forschung, Pflege und Bildung vor. In Deutschland haben vor allem Bündnis 90/Die Grünen Begriff und Konzept des Green New Deal übernommen. Eine Befürworterin des Green New Deal ist auch die US-Autorin und Umweltaktivistin Naomi Klein. In ihrem Buch „Warum nur ein Green New Deal unseren Planeten retten kann“, zeigt sie auf, dass die Vision einer grünen Zukunft nicht nur nötig, sondern absolut unumgänglich ist.


Entgeltliche Einschaltung Foto: BMF/AdobeStock

bmf.gv.at

Entlastung Österreich Einfach weniger Steuern „Entlastung Österreich“ bringt weniger Steuern, weniger bürokratischen Ballast und mehr Umweltschutz „Entlastung Österreich“ ist keine punktuelle Steuerreform, sondern ein mehr-

Mehr Spielraum für die Wirtschaft

jähriges Entlastungsprojekt. Ziel ist, die

2020 •

Sozialversicherungsbonus

Erhöhung Kleinunternehmer-

finanzielle Belastung für jeden Einzelnen

„Entlastung Österreich“ bedeutet mehr

grenze und Pauschalierungs-

massiv zu reduzieren, ohne neue Schul-

Geld für Investitionen in Österreich und

möglichkeiten

den zu machen oder zusätzliche Steuern

weniger Bürokratie. Verbesserungen für

einzuführen. Erste Maßnahmen, wie den

Kleinunternehmen sowie die schritt-

Familienbonus Plus sowie die Senkung

weise Senkung der Körperschaftsteuer

der Arbeitslosenversicherungsbeiträge

werden Arbeitsplätze sichern sowie

und der Umsatzsteuer im Tourismus,

ausbauen und den Wohlstand im Land

haben wir bereits umgesetzt.

vermehren.

Mehr Geld zum Leben

Mehr Schutz für unsere Umwelt

Erhöhung der Grenze von geringwertigen Wirtschaftsgütern

Maßnahmen im Umweltbereich

2021 •

1. Etappe der Tarifentlastung

Erhöhung des Werbungskostenpauschales

Vereinfachung und Entbürokratisierung

Rund 75 Prozent des Entlastungsvolumens

Mit „Entlastung Österreich“ werden wir

kommen arbeitenden Menschen und

Maßnahmen aus der österreichischen

2022

Pensionisten zugute. Kleine Einkommen

Klima- und Energiestrategie zum Wohl

1. Etappe der KÖSt-Senkung

profitieren von einem Sozialversicherungs-

unserer Umwelt setzen. Vor allem im

2. Etappe der Tarifentlastung

bonus von durchschnittlich 280 Euro pro

Bereich der Mobilität wollen wir ökolo-

Erhöhung Gewinnfreibetrag

Jahr. 4,8 Millionen Steuerzahler entlasten

gische Anreize schaffen und Fahrzeuge

Mitarbeitererfolgsbeteiligung

wir außerdem spürbar durch eine Senkung

mit geringem Schadstoffausstoß steuer-

mehrerer Einkommensteuertarifstufen.

lich begünstigen.

Weitere Informationen auf entlastung.at

Gesamtentlastungsvolumen ab 2022: 8,3 Mrd. Euro


AKTUELL POLITIK

konsequenter angehen als bisher ÖVP, Grüne und NEOS konnten bei den vergangenen Nationalratswahlen den größten Stimmenzuwachs verzeichnen. Wir haben mit Juliane Bogner-Strauß (ÖVP), Birgit Hebein (Grüne) und Beate Meinl-Reisinger (NEOS) darüber gesprochen, welche wichtigen Aufgaben in der nächsten Zeit auf die Frauenpolitik z ­ ukommen. Von Sarah Wetzlmayr

„Die Frauenpolitik wird in den nächsten Jahren vor allem bei den Themen Pensionen und Altersarmut gefordert sein. Doppelt so viele Frauen wie Männer sind von Altersarmut betroffen.“ Juliane Bogner-Strauß gehört der Österreichischen Volkspartei an. Sie war unter anderem Bundesministerin für Frauen, Familien und Jugend und ist Abgeordnete zum Nationalrat.

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„Der Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen und Öffnungszeiten, die sich an den Bedürfnissen der Eltern orientieren, sind ganz dringende Schritte.“ Welche wichtigen Aufgaben wird die ­Frauenpolitik in den nächsten Jahren meistern müssen? Juliane Bogner-Strauß: Die Frauenpolitik wird in den nächsten Jahren vor allem bei den Themen Pensionen und Altersarmut gefordert sein. Doppelt so viele Frauen wie Männer sind von Altersarmut be­ troffen. Hier müssen wir schnellstmöglich gegensteu­ ern. Zudem müssen wir beim Thema Teilzeit mehr Aufklärungsarbeit und Bewusstseinsbildung leisten, denn Teilzeit kann negative finanzielle Auswirkungen auf die Pension haben. Weitere wichtige Punkte sind die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gleicher Lohn für gleiche Arbeit sowie der Gewaltschutz. Wir haben in diesen Bereichen bereits erste Schritte gesetzt und wollen diesen Weg auch konsequent weitergehen. Birgit Hebein: Neben der Enttabuisierung des

Themas Gewalt an Frauen muss das oberste Ziel von Politik und Gesellschaft die Erreichung von Chan­ cengleichheit für Männer und Frauen sein. Dazu sollte endlich die Lohnschere zwischen Männern und Frauen geschlossen werden. Heuer war der Equal Pay Day in Österreich am 21. Oktober. Ab dann haben Frauen quasi gratis gearbeitet. Es kann nicht sein, dass Frauen für dieselbe Leistung immer noch weniger verdienen. Das muss man konsequenter, nämlich mit klaren gesetzlichen Regelungen, angehen als bisher.

Aufsichtsrat von öffentlichen Unternehmen auf mindestens 40 Prozent zu erhöhen. Auch in den politischen Gremien sollen Frauen entsprechend repräsentiert sein. Mit dem Reißverschlusssystem bei der Erstellung von Wahllisten hat die Volkspartei einen wichtigen Schritt gesetzt. Eine Frauenquote von 40 Prozent in allen parlamentarischen Klubs wurde ja bereits in der Nationalratssitzung im Juli beschlossen. Wir fordern jedoch bei Nichterreichung zusätzlich zum Bonussystem ein Malussystem.

Beate Meinl-Reisinger ist Gründungsmitglied der NEOS und seit 2018 Parteivorsitzende und Klubobfrau im Nationalrat.

Birgit Hebein: Seit Jänner 2018 gilt in Österreich

eine Geschlechterquote von 30 Prozent für die Aufsichtsräte von großen und börsennotierten enpolitik – wird es weiterhin sein, strukturelle Unternehmen. Das war ein wichtiger Schritt in die Ungleichheiten aufzubrechen. Wie beurteilen Sie richtige Richtung, jedoch zu wenig umfassend. Wir in diesem Zusammenhang die Quote? sehen in vielen Unternehmen, dass es nach wie vor eine gläserne Decke gibt. Wenige Unternehmen Beate Meinl-Reisinger: Eine Quote im privatwirt­ haben Frauen in ihren Führungsgremien. Deshalb schaftlichen Bereich sehen wir äußerst kritisch. Wir brauchen wir Quotenregelungen, um eine höhere wollen die besten Köpfe – aufgrund von Qualifikati­ Diversität zu erreichen. Politik wie auch Wirtschaft on und Fleiß. Dass es dabei zu einem ausgeglichenen sollten ein Spiegel der Gesellschaft sein – Jung und Verhältnis von Männern und Frauen kommt, zeigen Alt, Frauen und Männer. wir mit Erfolg. Eine zentrale Aufgabe – nicht nur der Frau-

Juliane Bogner-Strauß: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist weiblich. Daher sollten Frauen auch in der Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung und anderen Bereichen entsprechend repräsentiert sein. Unser Ziel ist es, den Frauenanteil in jedem

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AKTUELL POLITIK

Altersarmut bei Frauen ist derzeit ein großes Thema – und wird es leider auch noch länger bleiben. Welche Maßnahmen zur Bekämpfung von Altersarmut würden Sie sofort umsetzen, wenn Sie könnten? Beate Meinl-Reisinger: Eine zentrale Maßnahme

Birgit Hebein ist seit Juni 2019 Wiener Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energie­ planung und BürgerInnenbeteiligung. Außerdem ist sie Parteivorsitzende der Wiener Grünen.

Im Schnitt sind Frauen heute besser ausgebildet als Männer. Wieso sind die Führungsriegen

Juliane Bogner-Strauß: Wir haben bereits mit den ersten Maßnahmen zur Gegensteuerung begonnen. Durch die Senkung der Arbeitslosenversicherungs­ Juliane Bogner-Strauß: Das hat verschiedene beiträge haben wir beispielsweise kleinere Ein­ Gründe. Ein Grund ist, dass Kinderbetreuung immer kommen spürbar entlastet. Davon profitieren auch noch zum Großteil von Frauen ausgeübt wird. Viele Frauen in Teilzeitbeschäftigung. Außerdem haben wir Mütter wählen Teilzeitmodelle, um mehr Zeit für die volle Anrechnung der Karenzzeiten für die Pen­ die Kinderbetreuung zu haben, was aber negative sion in Kollektivverträgen umgesetzt. Das sind zwar Auswirkungen auf die berufliche Karriere haben Schritte in die richtige Richtung, ist aber noch lange kann. Hier müssen wir mit Maßnahmen entgegenwir­ nicht genug. Eine konkrete Maßnahme gegen die ken, indem wir beispielsweise die partnerschaftliche Altersarmut ist das automatische Pensionssplitting Aufteilung der Kinderbetreuung attraktiveren, Kin­ mit Opt-out-Möglichkeit bei gemeinsamen Kindern. derbetreuungseinrichtungen weiter ausbauen, aber Außerdem müssen wir besser darüber informieren, auch mehr Bewusstseinsbildung in den Unternehmen dass sich Teilzeit über weite Lebensphasen extrem leisten. nachteilig auf die Pension auswirkt. vieler Unternehmen dennoch in der Regel vor allem männlich besetzt?

Beate Meinl-Reisinger: Einer der Hauptgründe

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit und eine

ist und bleibt leider die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der dringende Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen und Öffnungszeiten, die sich an den Bedürfnissen der Eltern orientieren, sind ganz dringende Schritte. Daher fordern wir einen Rechtsanspruch für jedes Kind ab dem ersten Kindergeburtstag.

50/50-Aufteilung im Haushalt – wie lange wird

Birgit Hebein: Die strukturelle Diskriminierung ist

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hier das Problem. Männer fördern oft nur Männer – auch im wirtschaftlichen Alltag. Deswegen sollte es institutionelle Förderungsprogramme für Frauen geben. Die Quote ist ein Mittel, um diese strukturelle Diskriminierung aufzubrechen.

man in Österreich darauf noch warten müssen? Birgit Hebein: Wir Politikerinnen und Politiker

müssen die politischen Rahmenbedingungen dafür schaffen und uns am gesellschaftlichen Diskurs beteiligen. Es gibt noch viel zu tun.

Fotos: Parlamentsdirektion/PHOTO SIMONIS, Pernegger

„Wenige Unternehmen haben Frauen in ihren Führungsgremien. Deshalb brauchen wir Quotenregelungen, um eine höhere Diversität zu erreichen.“

ist aus unserer Sicht das automatische Pensionssplit­ ting. Das bedeutet, dass die Pensionsversicherungs­ beiträge beider Elternteile zusammengezählt und auf beide Seiten aufgeteilt werden. Damit haben beide Eltern die gleiche Absicherung. In einem weiteren Schritt müssen wir dann dafür sorgen, dass es zu einem echten Systemwandel kommt, damit die immer noch bestehende, ungleiche Betreuungsleistung zwi­ schen Männern und Frauen zurückgeht. Dazu zählen individuelle Karenzansprüche von Mann und Frau genauso wie das Recht auf einen Kinderbetreuungs­ platz ab dem ersten Lebensjahr oder eine schnellere Angleichung des Pensionsantrittsalters von Frauen an jenes der Männer.


Rechtsanwälte

VENTURINI & WEINGÄRTNER

Dr. Kristina Venturini Mag. Larissa Weingärtner, MA

Ihre Expertinnen in Rechtssachen rund um Heirat und Ehevertrag. Als Ihr Partner und Berater in rechtlichen Fragen rund um Familien-, Erb- oder Strafrecht haben wir stets ein offenes Ohr für Ihre Anliegen. Unser Ziel ist es, einen womöglich jahrelangen Prozess zu vermeiden. Es ist für alle Beteiligten immer angenehmer eine rasche Einigung herbeizuführen, um so Energie, Geld und Ärger zu sparen.

1010 Wien, Wallnerstraße 4/MT14, Tel.: +43 1 532 03 33, Fax: +43 1 532 05 34 2020 Hollabrunn, Raiffeisenplatz 1/3, Tel.: +43 2952 30615-0, Fax: +43 2952 30615 15 anwalt@venturini.at


AKTUELL FINANZMARKT

„Frauen, die zuhause sind, greifen eher zu sicherheitsorientierten Produkten.“ Kathrin Pronebner, Vorsorgemanagerin Uniqa

Der Zocker ist männlich. Beim Gedanken an den klassischen Aktienspekulanten erscheint vor dem geistigen Auge das Bild eines (relativ) jungen Mannes. Eines Typen, der einmal gewinnt und einmal verliert, in jedem Fall aber ein Risiko eingeht. Eine Frau in der glei­ chen Situation erscheint fast absurd. Auch, wenn diese Vorstellung gar nicht stimmt. „Natürlich gibt es auch Frauen, die exzessiv mit Aktien handeln“, sagt Roswitha Klein, Regionaldirektorin Wien der Hypo Vorarlberg: „Das sind die Ausnahmen, die die Regel bestätigen.“ Auch Angelika Slavik glaubt an ihre Existenz: „Die gibt es bestimmt, auch wenn Frauen allgemein dazu neigen, weniger zu zocken als Männer.“

Die Autorin hat sich gemeinsam mit Meike Schreiber für ihr Buch „Money Queen“ mit dem Finanzgebaren von Frauen auseinandergesetzt und gibt Tipps, wie sie ihr Verhältnis zum Finanziellen verbessern können. Denn Geld, sind Slavik und Schreiber überzeugt, „ist nicht nüchtern, sondern emotional“. Auch wenn Frau­ en häufig die Finanzministerinnen der Familien sind, also das vorhandene Geld verwalten und die meisten Konsumentscheidungen fällen, neigen sie doch dazu, riskante Investments zu vermeiden. Und machen daher vielfach auch einen großen Bogen um die Finanzwelt.

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Das Ergebnis dieses Verhaltens ist ernüchternd: So sind Kundinnen bei den Online­Investmentanbietern Interactive Investor und Wealthsimple bloß zu 28

Teilzeitarbeit, Karenzund Kindererziehungszeiten, Pflegetätigkeit sowie ein geringeres Einkommen können bei Frauen zu Altersarmut im Erwerbsleben führen. Dass sie mit einem Sterbealter von statistisch 83,9 auch 4,7 Jahre länger als Männer leben, schlägt sich zusätzlich in der Pensionshöhe nieder. Die Pensionsstatistik 2017 weist für Frauen im Schnitt 921 Euro brutto im Monat aus. Männer bekommen hingegen durchschnittlich 1493 Euro. Dazu kommt, dass das staatliche Pensionssystem langsam an seine Grenzen stößt. In knapp 40 Jahren muss der Bund laut Uniqa jährlich168,4 Milliarden Euro zuschießen, um die Struktur aufrecht zu halten. Eine private Pensionsvorsorge scheint daher unumgänglich zu sein. Derzeit haben allerdings gemäß Mindtake Research nur die Hälfte aller Österreicherinnen eine solche abgeschlossen – und bloß 27 Prozent eine private Krankenversicherung.


risiko als strategie Ohne Vorsorge geht gar nichts. Wer allerdings ausschließlich auf Sicherheit setzt, nutzt nur einen kleinen Teil des Potenzials, den der Aktienmarkt zu bieten hat. Dabei gäbe es hier – vor allem für Frauen – einiges an Geld herauszuholen. von Isabell Widek

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AKTUELL FINANZMARKT „Private Vorsorge soll nicht dem ­Partner ­überlassen ­werden.“ Christine Dornaus, Vorstandsdirektorin Wiener Städtische Versicherung

Angelika Slavik, Buchautorin

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bzw. 33 Prozent vertreten. Und das, obwohl Letzterer offensiv auf weibliche Kundschaft zugeht. Aus guten Gründen, wie die Chefanalystin von Unicredit Bank Austria, Monika Rosen, bestätigt: „Frauen sind der größte Emerging Market (Anm.: Bereich, in dem künftig Gewinne erwirtschaftet werden können), weil sie als demografische Gruppe für das Investmentgeschäft interessant werden.“

„Der Betrag, der als theoretische Pensionshöhe aus­ gewiesen wird, schockiert viele Frauen und motiviert sie gleichzeitig, sich um ihre Vorsorge zu kümmern.“ (Näheres siehe Kasten)

Trotzdem greifen Frauen nach wie vor leider am liebsten zum Sparbuch, sagt Beatrice Schobesberger, Leiterin des Private-Banking der Erste Bank. Und damit zu einer vermeintlichen Sicherheit, auch wenn die Inflation schon längst jeden Zugewinn wegfrisst. Die Gründe, warum Frauen das Thema Veranlagung Wenn Frauen doch Finanzgeschäfte tätigen, verlassen noch nicht so recht entdeckt ha­ sie sich zudem oft auf die Expertise von Männern ben, sind vielfältig. aus ihrem Umfeld, sagt Klein. Hier gelte es anzu­ setzen, so Christine Dornaus, Vorstandsdirektorin Beruf, Familie, der Wiener Städtischen Versicherung: „Wir weisen gesellschaftliche verstärkt darauf hin, dass gerade für Frauen die pri­ Verpflichtungen und vieles andere vate Vorsorge eine höchst essenzielle, ja existenzielle Angelegenheit ist und nicht dem Partner überlassen mehr halten so manche davon ab, werden soll.“ sich der eigenen Zusätzlich ist das Anlageverhalten von der persönli­ Vorsorge in aus­ reichendem Maße chen Lebenssituation abhängig. Pronebner: „Frauen, die zuhause sind und keiner bezahlten Tätigkeit zu widmen, sagt Slavik: „Vielen ist nachgehen, greifen eher zu sicherheitsorientierten dabei nicht einmal Produkten.“ Ebenso wie Unternehmerinnen, so bewusst, wie stark Klein: „Im Gegensatz zu angestellten Manage­ sie dabei auf lange rinnen der oberen Ebenen achten sie stärker auf ihr Sicherheitsnetz.“ Im Gegensatz dazu würden Sicht wirtschaft­ alleinstehende, Vollzeit angestellte Frauen stärker auf lich benachteiligt ertragsorientierte Angebote zurückgreifen, ebenso werden.“ Dabei wie kinderlose erwerbstätige Paare. Das Ziel der hilft der Blick Veranlagung ist in den meisten Fällen die Vorsorge aufs eigene und Pflege im Alter, ergänzt Pronebner. Pensionskonto, ergänzt Kathrin Kein Wunder also, dass entsprechende Produkte Pronebner, Vor­ bei so gut wie allen heimischen Banken und Ver­ sorgemanagerin sicherungen zu bekommen sind. Aus der Mode Lebensversiche­ gekommen sind dabei „Lady-Pakete“ mit klingenden rungen Salzburg Namen, vielmehr setzt man dem Zeitgeist entspre­ bei der Uniqa:

Fotos: Getty Images, Atelier Oczlon, Wiener Städtische/Ian Ehm, Erste Bank/Hinterramskogler, Lukas Beck, Reinhard Öhner, Thomas Meyer

„Vielen ist nicht bewusst, wie stark sie finanziell benachteiligt sind.“


„Wenn es einen Ertrag geben soll, müssen Frauen mutiger werden.“ Beatrice Schobesberger, Leiterin Private Banking Erste Bank

chend auf Fonds mit nachhaltigem oder sozialem Touch. Trotzdem werden die Angebote noch nicht so angenommen, wie sich das die Anbieter wünschen. Dabei ist die Hemmschwelle denkbar gering, erläutert Schobesberger: „Fondssparen beginnt mit 50 Euro im Monat.“ Doch noch scheinen Männer in Geld­ angelegenheiten einfach mutiger zu sein. „Frauen nehmen sich nicht die Zeit dafür oder trauen sich das Thema Veranlagung einfach nicht zu“, sagt Klein: „Die Klientel ist stark männerdominiert. Auch beim Trading (Anm.: Handeln an der Börse) sind Frauen deutlich in der Minderheit.“ Dies gilt übrigens auch für die andere Seite. Als Vermittlerinnen von Finanzprodukten sind Frauen ebenfalls stark unterrepräsentiert, vor allem in den oberen Ebenen. Nur vier Prozent aller Top-Posi­ tionen sind weiblich besetzt, lediglich zwei Prozent aller Portfolios werden ausschließlich von Fonds­ managerinnen verwaltet, so Rosen. „In der Finanz­ branche ist die Gläserne Decke aus Asbest“, ergänzt Klein. Es herrschen Strukturen vor, die es Frauen erschweren, hierarchische Stufen zu überschreiten. Laut Rosen sei das nicht nur der Inflexibilität vieler Investmentfirmen bei der Arbeitszeit geschuldet, sondern auch einer „Boys’ Club Culture“ (Anm.: Männerkultur) in vielen Unternehmen.

„In der Finanzbranche ist die Gläserne ­Decke aus Asbest.“ Roswitha Klein, ­ egionaldirektorin Wien der R Hypo Vorarlberg

Einig sind sich die Expertinnen darin, dass es alles daran zu setzen gilt, diese Hürden zu überwinden. „Immerhin wollen wir Wohlstand für alle ermög­ lichen“, so Schobesberger. Ein etwas offenherzigerer Zugang zum Finanzmarkt als bisher ist nicht nur wünschenswert, sondern für viele überlebensnotwen­ dig. „Wenn es einen Ertrag geben soll, müssen Frauen mutiger werden“, sagt Schobesberger. Und einen lan­ gen Atem haben, denn Veranlagungen sollten in den ersten 15 Jahren auch bei Verlusten nicht abgestoßen werden. „Hier muss man die Nerven bewahren“, sagt Pronebner: „Aber das können Frauen ja.“ Wer sich der Herausforderung der Finanzwelt allerdings stellt, hat keine schlechten Chancen, dafür auch belohnt zu werden. Denn Frauen verhalten sich auch beim Spekulieren anders als Männer. Sie beschäftigen sich im Schnitt nur neun Mal im Jahr mit ihrem Portfolio, Männer hingegen 13 Mal. Das zeigt einen unmittelbaren Erfolg, sagt Rosen: „Durch die geringere Anzahl an Geschäftsvorgängen fallen weniger Spesen an, womit Frauen automatisch eine weit bessere Performance als Männer erzielen. Spielt man dieses Gedankenspiel weiter, würde das nichts anderes bedeuten, als dass Frauen auf lange Sicht auch besser im Aktienmarkt zurecht kämen. Nämlich dann, wenn sie das Risiko zur Strategie machen. Es wäre an der Zeit, das auszu­ probieren.

„Frauen sind der größte Emerging Market.“ Monika Rosen, Chefanalystin Unicredit Bank Austria

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AKTUELL REPORT

der bullenritt wird rauer Nach dem jahrzehntelangen Auftrieb an den weltweiten Aktienmärkten nimmt der Gegenwind allmählich zu. Verständlich, dass sich Marktstrategen für rauere Börsenzeiten wappnen. zeigt, worauf es in den kommenden Monaten für Anleger ankommen wird. von Raja Korinek

Es ist kein einfaches Erbe, das Christine Lagarde

am 1. November antrat. Die Französin folgte Mario Draghi an die Spitze der EZB (Europäischen Zentralbank), und leitet damit als erste Frau die Geschicke einer gemeinsamen Währungspolitik von 19 Mitgliedsstaaten. An Erfahrung man­ gelt es Lagarde dabei nicht. Denn schon als ehemalige Chefin des IWF (Internationalen Währungsfonds) musste sie zahlreiche Heraus­ forderungen meistern, wie allein Argentiniens Wirtschaftskrise aus dem Vorjahr verdeut­ lichte. Unter Lagardes Leitung wurde ein Hilfspaket von mehr als 50 Milliarden Dollar zugesagt, freilich unter strengen wirtschaftlichen Auflagen. Die Erfahrung kann die krisen­ erprobte Juristin als neue EZB­ Chefin gebrauchen, konjunkturwirksame Maßnahmen seitens der Geldpolitik sind in der Eurozone dringender benötigt denn je. Das Wachstum in der Eurozone lahmt zunehmend. Allein für das Gesamtjahr 2019 rechnen die DekaBank­Analysten mit einem mageren Plus von einem Prozent. Und das, obwohl die EZB seit Jahren um die Konjunk­ turbelebung bemüht ist.

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Allein die Zinsen wurden laufend gesenkt. Der

Leitzins verharrt längst bei null Prozent, während


im September der EZB-Einla­ gensatz von minus 0,4 Prozent auf minus 0,5 Prozent weiter gesenkt wurde. Dieser Satz betrifft jene Gelder, die Europas Banken bei der EZB parken. Mit den Minuszinsen will die EZB die Finanzhäuser dazu animieren, die Gelder stattdessen als Kredite zu vergeben, um so die Wirtschaft anzukurbeln. Bislang zeigten die Maßnahmen aber wenig Wirkung, weshalb sie durchaus umstritten sind. Womit auch schnell klar wird: Die nächsten EZB-Sitzun­ gen werden für Lagarde zu einem heiklen Drahtseilakt. Allerdings kämpft nicht nur der „alte Kontinent“ mit einem schwierigen Umfeld. Das Bild trübt sich weltweit ein, wie der IWF aufzeigte. Erst im Oktober gab die neue IWF-Chefin Kristalina Georgiewa revidierte Prognosen bekannt. Für 2019 rechnet der IWF nur noch mit einem globalen Wachstum von drei Prozent, im kommenden Jahr dürften es 3,4 Prozent sein, wobei das größte Plus auf die Schwellenländer entfällt. Ebenso gemischt fällt das Bild an den Börsen

aus. Denn selbst im späten Konjunkturzyklus gebe es noch gute Ertragschancen, zeigt Karen Ward auf. Sie ist Chief Market Strategist EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika) bei J.P. Morgan Asset Management, und betont außerdem: „Bislang erleben wir immerhin das renditestärkste Börsen­ jahr seit 2014“. Allein in den USA touchierten die Indizes neue Rekordstände, auch in Europa gab es teils schöne Zuwächse. Ward mahnt dennoch vor allzu viel Euphorie über die weitere Entwicklung. Sie meint, spannend sei nun die Frage, wann der spätzyklischen Marktrally die Luft ausgehe. Tatsächlich zeigten sich die ersten Ermüdungs­ erscheinungen im Herbst, da kamen die Börsen­ barometer noch kaum vom Fleck. Schuld an der verhaltenen Entwicklung waren vor allem die wachsenden Unsicherheiten rund um zahlreiche geopolitische Spannungen. Der US-Handelsdisput mit China verschlimmerte sich, während das BrexitChaos zunehmend ausartete. Da konnten selbst zahlreiche positive Meldungen aus der Finanzwelt die Märkte nicht weiter nach oben ziehen, betont

Ingrid Szeiler, Chief Investment Officer bei der Raiffeisen KAG. Womit noch die Frage, wie es weitergehen wird, offen ist. Das wollte „Sheconomy“ genauer wissen, und fragte Top-Marktstrategen zu ihren Einschät­ zungen für die kommenden sechs bis zwölf Monate. Szeiler lässt jedenfalls noch ein gutes Stück Vorsicht walten. „Für einen nachhaltigen Marktausbruch nach oben braucht es zumindest eine Bodenbildung bei den Wirtschaftsindikatoren“, sagt die Raiffei­ sen-Expertin. Sie hätten sich bislang noch nicht eingestellt.

„Bislang ­erleben wir immerhin das renditen­ stärkste Börsenjahr seit 2014.“ Karen Ward, Chief Market Strategist EMEA bei J.P Morgan Asset Management

Dabei spielt freilich Chinas Konjunkturentwicklung eine zunehmend wichtige Rolle. Und das aus einem handfesten Grund, wie Ward von J. P. Morgan AM aufzeigt. Schon jetzt macht das Reich der Mitte fast ein Drittel des globalen Wachstums aus, wobei die Konjunkturzahlen zuletzt ein wenig schwächer ausfielen. Allein im dritten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt im Vorjahresvergleich um nur sechs Prozent, und damit weniger, als von Analysten erwartet. Ward ist dennoch überzeugt: „Chinas Wachstum sollte für eine gewisse Stabilisierung der Weltwirtschaft sorgen können“. Sollte sich der US-Handelskonflikt dramatisch

verschlimmern, könnte Chinas Rolle als Zugpferd zunehmend schwächeln. Doch danach sieht es ohnedies nicht aus. Anfang November vermeldeten

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AKTUELL REPORT

„Zahlreiche Länder aus den Emerging Markets haben eine bessere Schuldnerbonität als noch vor einigen Jahren. Obendrein winkt eine höhere Verzinsung.“

die zwei Supermächte einen ersten Durchbruch bei den Handelsgesprächen. Weitere Annäherungen halten Experten für möglich, zumal US-Präsident Donald Trump auch 2020 die Präsidentschafts­ wahlen gewinnen will und eine Lösung als Wahlhilfe dringend braucht. Martin Lück, Leiter Kapitalmarkt­ strategie beim US-Vermögensverwalter BlackRock glaubt jedenfalls an eine Entspannung. Und gibt sich auch für die weitere Börsenentwicklung vorsichtig optimistisch.

AM vor allem US-Aktien aufgrund ihrer defensive­ ren Eigenschaft präferiere. Defensive Unternehmen können wirtschaftliche Turbulenzen meist besser durchtauchen, ohne deshalb gleich größere Gewinn­ einbußen zu verzeichnen. Viele US-amerikanische Unternehmen sind aufgrund des großen Binnen­ marktes dem globalen Handel weniger ausgesetzt, sondern profitieren viel mehr von der Kauflust der US-Konsumenten. Womit noch die Frage bleibt, wie es auf den Anleihemärkten weitergeht. An der mageren – und teils negativen – Verzinsung bei Was aber meinen die anderen Experten? Trotz sicheren Eurostaatsanleihen wird sich vermutlich so der transpazifischen Annäherung teilen nicht alle rasch nichts ändern. Und daran sind die extensiven Marktstrategen die Zuversicht. Ingo Mainert, Zinssenkungen der Notenbanken schuld. „Sowohl Chefanlagestratege im Bereich Multi Asset Europe die US-amerikanische Notenbank, als auch die bei Allianz Global Investors, rechnet 2020 eher mit EZB haben ihre Geldpolitik seit Jahresbeginn stark Schaukelbörsen, wie er sagt. Die Kursschwankungen gelockert“, blickt Lück von BlackRock zurück. dürften zunehmen, wenn auch die Märkte insgesamt seitwärts tendieren sollten. Den Grund für die Die richtige Mischung ist deshlab für Szeiler von der verhaltene Kursentwicklung sieht Mainert in den Raiffeisen KAG ausschlaggebend. Sie meint, dass Gewinnerwartungen der Unternehmen. Euroanleihen als Basisinvestment nicht fehlen soll­ ten. Diese sind gerade in Zeiten, in denen Aktien­ märkte stark korrigieren, grundsätzlich ein stabiler Anker. Und darauf sollte man stets gefasst sein. Wer ein wenig mehr Ertrag mit Renten erzielen

Chief Investment Officer bei der Raiffeisen KAG

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Sie dürften allmählich nach unten korrigiert werden, befürchtet der Allianz-Global-Investors-Experte – eine Tatsache, die vom Markt derzeit aber noch zu wenig beachtet werde. Schon jetzt liegen in den USA die diesjährigen Gewinnschätzungen für Unternehmen nur noch leicht über – in Deutschland, Europas größter Volkswirtschaft, sogar unter – jenen vom Jahr 2018. Mainert rät Aktienanlegern deshalb, vermehrt auf Qualität der Titel und der Dividenden zu achten. Überhaupt sollten Anleger künftig sorgfältiger bei der Titelwahl vorgehen, wobei man bei J. P. Morgan

Auch ein wenig Gold als Krisenabsicherung sollte nicht fehlen, vor allem jetzt, da sichere Anleihen als Alternative kaum noch eine Verzinsung abwerfen. Da stört es umso weniger, dass Gold keine Zinsen zahlt. Allianz-Experte Mainert findet, Gold habe als Beimischung und Absicherung des Portfolios an Attraktivität gewonnen, und verweist auf die positiven Eigenschaften: Schon seit jeher sei Gold eine Absicherung gegen Inflation oder Deflation gewesen. Selbst während einer Depression habe es sich als Krisenschutz bewährt. Davon ist allerdings die weltweite Wirtschaft weit entfernt.

Fotos: iStock, Tom Birchnell, beigestellt

Ingrid Szeiler

möchte, muss sich in riskantere Investments trauen. Als Beimischungen verweist Szeiler zum Beispiel auf globale Anleihen aus dem Dollar-Block, wo die Zinsen ein wenig höher sind. Auch Bonds aus den Schwellenländern findet die Raiffeisen-Expertin eine interessante Beimischung. „Immerhin haben zahlreiche Länder aus den Emerging Markets eine bessere Schuldnerbonität als noch vor einigen Jahren. Obendrein winkt eine höhere Verzinsung.“ Allein mit Anleihen aus den Schwellenländern, die zum Beispiel in Dollar begeben werden, können Anleger derzeit eine Rendite von rund vier Pro­ zent lukrieren. Weil aber auch das Risiko höher ist, sollten Anleger breit gestreut investieren und die Titelwahl Investment-Profis überlassen.


AKTUELL PORTEMONNAIE

die zeit der strategen Angesichts der mickrigen Zinsen und schwankungs­ freudigen Börsen wird der strategische Vermögensaufbau über ­mehrere Anlageklassen immer wichtiger. Wer dies nicht selbst tun möchte, kann sogenannte Mischfonds – oder Multi-Asset-Fonds – für sich arbeiten lassen. Je nach Risikoausrichtung gehen k ­ onservative Mischfonds ein geringeres Risiko ein, während offensive ­Portfolios durchaus größere Aktieninvestments enthalten können. Das Risiko ist dann freilich höher, dafür langfristig auch die Chancen.

I

von Raja Korinek

Foto: istcck

FUER VORSICHTIGE

FUER AUSGEWOGENE

FUER RISIKOFREUDIGE

„APOLLO KONSERVATIV“ – SECURITY KAG (AT0000A1TVS6)

KEPLER VORSORGE MIXFONDS – KEPLER FONDS KAG (AT0000722640)

„SEILERN GLOBAL TRUST“ – SEILERN INVESTMENT MANAGEMENT (AT0000818000)

Ein genauer Blick auf den defensiven Mischfonds verdeutlicht den vorsichtigen Ansatz: Die Aktiengewichtung liegt stets zwischen 30 Prozent und 35 Prozent, wobei es zwei Schwerpunkte gibt: Rund zwei Drittel werden global investiert. Zusätzlich gibt es einen Schwerpunkt mit Europaaktien. Das restliche Vermögen wird in unterschiedliche Rentensegmente veranlagt. Der größte Teil entfällt auf Anleihen mit sehr guter Bonität. Da sind die Erträge derzeit äußerst mager, dafür bietet der Teil einen stabilen Anker. Umgesetzt werden die Veranlagungen im Übrigen fast ausschließlich mit hauseigenen Apollo-Fonds.

Mit einer Mindestanleihequote von 60 Prozent lässt auch dieser Fonds ein gutes Stück Vorsicht walten. Veranlagt wird in Emittenten, dessen Bonds in Euro notieren, bzw. werden Fremdwährungen zum Euro abgesichert. Und dazu zählen TopSchuldner wie die Republik Österreich, aber auch die Stadt Rom oder die polnische Bank Gospodarstwa Krajowego. Weitere 35 Prozent sind derzeit in Aktien veranlagt, wobei der Großteil Industriestaaten, ein kleiner Rest die Emerging Markets umfasst. Größte Positionen entfallen regional auf die USA, etwa mit Apple, dem Medienriesen Comcast, oder dem Biotechkonzern Amgen.

Das Seilern-Fondmanagement verfolgt ein klares Ziel: Bei der Aktienwahl kommen nur Qualitätstitel in Frage, und zwar vor allem aus den USA und Europa. Das heißt, die Unternehmen müssen über eine gute Preissetzungsmacht verfügen, und jährlich einen stabilen Cashflow erzielen. Die strengen Selektionskriterien erfüllen zum Beispiel der USTechnologiekonzern Alphabet, die französische Kosmetikfirma Estée Lauder und das US-Kreditkartenunternehmen Master Card. Als Beimischung können sichere Anleihen und ein Barbestand gehalten werden, wobei die Liquidität derzeit bei rund 17 Prozent liegt.

Die Besprechung von Wertpapieren und Investments auf dieser Seite ersetzt keine professionelle Beratung und ist nicht als Kaufempfehlung zu betrachten. „SHEconomy“ übernimmt keine Haftung für die künftige Wertentwicklung.

ZUR PERSON Raja Korinek ist freie Finanzjournalistin.

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AKTUELL SEITENTITEL STANDARD WERT-SCHÖPFUNG

Alle Jahre wieder, kurz vor Weihnachten, fliegen Unternehmern oft folgende Schlagworte um die Ohren: Steueroptimierung, Investitionen tätigen, Ausgaben erhöhen. Es ist auch die Zeit, in der der große Rück- und Vorwärtsblick nicht ausbleiben darf. Denn nur wer einer klaren Strategie nachgeht, kann diese auch zielstrebig verfolgen. von Christiane Holzinger

unternehmerischer

Viel Muße also für die unternehmerischen Ablage- und Planungsaktivitäten, damit Sie motiviert und fokussiert in das unternehmerische Jahr 2020 starten!

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Gerade zum Jahreswechsel, wenn man dem Büro für zwei Wochen den Rücken kehrt, sollte man sich über den unternehmerischen Weihnachtsputz Gedanken machen. Idealerweise werden vor den Feiertagen nicht nur Geschäftsunterlagen sortiert, archiviert und entsorgt, man nimmt sich selbst auch bewusst Zeit, um allgemein im Unternehmen klar Schiff zu machen. Fragen Sie sich doch einmal, ob der unternehmeri­ sche Plan für das Jahr 2019 so aufgegangen ist, wie sie es sich vorgenommen hatten. Wenn nicht, welche Abweichungen gab es? Sind diese durch unterneh­ mensinterne oder externe Einflüsse eingetreten? Welche Erkenntnisse können Sie für das Jahr 2020 mitnehmen? Ich empfehle Ihnen, gleichzeitig auch die unternehmerischen Ziele für das kommende Jahr festzulegen, denn nur wer ein klares Ziel vor Augen hat, kann dieses zielstrebig verfolgen. Wie sieht ihre Kundenstruktur aktuell aus, und wie zufrieden sind Sie mit der Zahlungsmoral? Gerade der ruhige Jahreswechsel bietet sich optimal an, Abläufe zu optimieren. Dazu gehört auch die Preisgestaltung, denn wann haben Sie Ihre Preise das letzte Mal angepasst? Gleichzeitig könnten Sie Ihren Rechnungsprozess und das dazugehörige Mahnwesen einmal genauer prüfen. Wenn Sie sich genauestens der Einnahmenseite widmen, warum nicht auch Kosten evaluieren? Sehen Sie sich Ihre Fixkosten und die dazugehörigen Verträge an und prüfen Sie, ob die

Grundlage aus der Vergangenheit noch gegeben ist. Zu guter Letzt empfiehlt sich die ruhige Zeit, um sich Gedanken über die eigene Homepage beziehungsweise Ihren Außenauftritt zu machen, denn vielleicht haben sich Ihre Kernaufgaben im Laufe der Zeit verändert. Gerade im Zusammenhang mit Ihrer Preis­ gestaltung und der Planung Ihrer Aktivitäten macht es auch Sinn, sich neue Werbemaßnahmen oder PR­Strategien durch den Kopf gehen zu lassen. Gleichzeitig können Sie Ihre digitale Strategie überdenken und die Erkennt­ nisse für Fortbildungen und Investitionen gleich in Ihr Jahresbudget einfließen lassen. ZUR PERSON Christiane Holzinger ist Geschäftsführerin der Steuerberatungskanzlei www.360planner.at. Nebst klassischer Steuerberatung hat sie sich auf die Begleitung von digitalen Umwandlungsprozessen in KMUs spezialisiert. Seit Anfang dieses Jahres ist Christiane Holzinger auch Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft.

Foto: Beigestellt, iStock

weihnachtsputz


anlagewohnungen sind weiter heiß begehrt Der Erwerb einer Vorsorgewohnung ist weiterhin eine attraktive Investitions­ möglichkeit. Der Kauf bringt steuerliche Vorteile und man kann zugleich von der Vermietung wie von der langfristigen Wertsteigerung des Objektes ­profitieren. Egal, ob die Wohnung in einem aufstrebenden Viertel liegt oder in der City. SKANDINAVISCHES IM ERSTEN BEZIRK Wo bis vor kurzem noch eine Großbaustelle für Lärm und Ärger sorgte, steht nun ein neu errichtetes Appartementhaus, das alleine schon durch seine moderne Architektur das Interesse auf sich zieht. Mitten im historischen Kern der Inneren Stadt entstehen in der Renngasse 10 insgesamt 73 moderne City-Appartements. Entworfen wurde dieses Projekt von den dänischen Architekten 3XN, genauer gesagt von Jan Ammundsen, dessen Ideen und Konzepte ZUKUNFTSPOTENZIAL bereits zahlreiche prämierte Bauten hervorgebracht Die Immobilienbranche hat Meidling für haben. Mit einem Kaufpreis ab 936.000 Euro sind die sich entdeckt. Kannte man früher nur die Wohnungen im Projekt N°10 nicht eben billig, doch Gegend rund um den Grünen Berg als Wohnviertel, so spielt der vielseitige Stadtteil die smarten Appartements locken mit luxuriösem mittlerweile bei den beliebten W ­ ohnbezirken Wohlfühlambiente und Extras wie einem Doorman, der auch Post, Lieferungen oder Nachrichten entgevorne mit und erfreut sich steigender gennimmt. Derzeit sind noch fünf Objekte verfügbar. Nachfrage bei Wohnungssuchenden und Anlegern. Vor allem in der Nähe der neu gestalteten Fußgängerzone Meidlinger Hauptstraße lockt der Bezirk mit Zukunftspotenzial. Derzeit entsteht ein Projekt mit 48 neuen Vorsorgewohnungen ab ca. 30 Quadratmeter in der Vivenotgasse 52. Mit Kaufpreisen ab 185.000 Euro ist dieses Projekt sowohl für Familien als auch für AnlegerInnen interessant. Es werden auch Büros/Homeoffices zum Kauf angeboten, die sich auf Wunsch mit den darüberliegenden Wohnungen kombinieren lassen.

DAS GUTE LEBEN Das lebendige Viertel rund um die Wiener Volksoper ist wegen seiner zentralen Lage und der guten Infrastruktur eine Wohngegend, die Jung und Alt anzieht. In unmittelbarer Nähe finden sich Lokale mit internationalem Flair und der familienfreundliche Kutschkermarkt, der mit seiner einzigartigen Mischung aus Marktständen mit heimischen Produkten, Lokalen und Cafés eine Pause vom hektischen Alltag bietet. Eine gute Gelegenheit, um im neunten Bezirk sesshaft zu werden, bietet ein Projekt in der Fuchsthallergasse. Dort wurde jetzt ein Eckzinshaus aus der Jahrhundertwende umfassend saniert. Im Zuge der Revitalisierung entstanden 17 Wohneinheiten. Ein besonderes Extra für WeinliebhaberInnen: Im historischen Gewölbekeller ist ein neuer Weinkeller untergebracht, der den BewohnerInnen mit persönlichen Weinabteilen und top ausgestatteter Eventküche für private oder gemeinsame Veranstaltungen zur Verfügung steht. Ein weiteres Asset ist der überdachte Fahrradabstellplatz mit E-Ladestation.

Quelle: REMAX Austria, market Institut Linz, 2019

6%

4%

Winterquartier im Süden mit mobiler Pflege

5%

5%

Seniorenresidenz

10 %

10 %

Alters-, Senioren-, Pflegeheim

7%

Wohnen bei Kindern/Enkeln betreut durch eigene Familie oder mobile Pflege

Betreutes Wohnen

Eigenes Haus/Wohnung betreut durch eigene Familie

Eigenes Haus/Wohnung mit mobiler Pflege

DIE HÄLFTE DER ÖSTERREICHERINNEN WILL IM ALTER ZU HAUSE WOHNEN, EIN VIERTEL PRÄFERIERT BETREUTES WOHNEN

Rot: Gesamtbevölkerung Blau: Bevölkerung 50 plus

2%

24 %

23 %

22 %

20 %

34 %

26 %

studie – so wollen menschen im alter wohnen Rund die Hälfte aller ÖsterreicherInnen (exakt 48 Prozent) wollen laut einer aktuellen Studie im Alter gerne in den eigenen vier Wänden bleiben und ihre gewohnte Umgebung nicht verlassen – auch wenn sie nicht mehr so fit sind und möglicherweise Pflege benötigen. Diese sollte dann für 26 Prozent der Befragten durch einen mobilen Pflegedienst und für 22 Prozent durch die eigene Familie erfolgen. Überraschend: Schon an zweiter Stelle bei den Wohnpräferenzen steht mit 23 Prozent das betreute Wohnen in barrierefreien, speziell für ältere Menschen adaptierten Wohnhäusern. Wesentlich geringeren Anklang finden hingegen Alters-, Senioren- oder Pflegeheime (zehn Prozent) und erst recht Seniorenresidenzen (fünf Prozent). Da kommt sogar ein Winterquartier im Süden mit mobiler Pflege noch besser an (sechs Prozent). Nur sieben Prozent können sich vorstellen, im Alter im Haus oder in der Wohnung der Kinder und Enkel zu wohnen, bei den über 50-Jährigen sind es sogar nur mehr zwei Prozent. 35


AUSTRIA GLAS RECYCLING

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Der Kreislauf des Glases

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Saubere Lรถsung Glas bewahrt Vitamine und Geschmack. Als Altglas ist es neuer Rohstoff.


Das kleine Einmaleins der Altglassammlung ZUR ALTGLASSAMMLUNG gehören

alle Glasverpackungen – getrennt nach Weißglas und Buntglas. Zum Beispiel:

• Flaschen (Wein- und Saftflaschen, Flaschen für Essig, Öl etc.) • Konservengläser (Gläser für Marmelade, Gurken, Pesto etc.) • Parfumflakons • Medizinfläschchen • Einweg-Gewürzmühlen aus Glas • gläserne Flaschenverschlüsse (z. B. Vinolok bei Weinflaschen)

Ungefärbtes Verpackungsglas zum Weißglas, gefärbtes Verpackungsglas zum Buntglas. Bitte achten Sie auf Ruhezeiten und entsorgen Sie Ihr Altglas rücksichtsvoll und leise. Danke! ZUM RESTMÜLL ODER RECYCLINGHOF gehören: alle Glasprodukte, die keine Verpackungen sind – zum Beispiel:

• Flachglas (Fensterglas, Windschutzscheiben etc.) • Glasgeschirr (Trinkgläser, Vasen etc.) • Einmachgläser • Glühbirnen • Spiegel • „feuerfestes“ Glas, Laborgläser ZUM FACHHANDEL ODER ZUR PROBLEMSTOFFSAMMELSTELLE gehören: Energiesparlampen,

Leuchtstoffröhren etc.

Kunststoff, Keramik, Papier, Metall, Verschlüsse, Deckel und andere Abfälle gehören in die dafür vorgesehene Sammlung. Etiketten können auf den Glasgebinden bleiben.

Fotos: Austria Glas-Recycling GmbH

Danke, dass Sie Altglas sorgsam entsorgen! Sie leisten damit einen vergleichsweise einfachen, aber sehr wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz.

Jedes Stück Altglas, das von den Österreichern und Österreicherinnen Tag für Tag vorbildhaft in Altglas-Containern gesammelt wird, erhält eine zweite Chance. Austria Glas Recycling – ein Unternehmen der ARA – hat ein europaweit hoch angesehenes System für Glasrecycling aufgebaut.

R

ecycling von Glasverpackungen ist ein perfekter Material-

kreislauf: Glas kann ohne Qualitätsverlust beliebig oft eingeschmolzen und neu geformt werden. In jeder gebrauchten Glasverpackung steckt eine neue. Die Österreicher und Österreicherinnen sammeln seit Mitte der 1970er-Jahre Glasverpackungen – getrennt nach Weißglas und Buntglas – und stellen sie der Glasindustrie als Rohstoff zur Verfügung. Es hat sich im Laufe der Jahrzehnte ein tiefes Bewusstsein für die Wiederverarbeitung des Rohstoffes Glas entwickelt. Seitdem wird buntes und weißes Glas fein säuberlich getrennt. Austria Glas Recycling ist eine Non-Profit-Organisation, die in Zusammenarbeit mit Spezialisten und der Bevölkerung die Sammelmengen jährlich steigert und Österreich mit einer Glasrecyclingquote von mehr als 80 Prozent einen Platz in der internationalen Top-Riege sichert. Das gesammelte Altglas wird zu 100 Prozent in der Verpackungsglas-

industrie verwertet. Gebrauchte Glasverpackungen sind der mengenmäßig wichtigste Rohstoff in der Verpackungsglasproduktion. Die Einsatzquote beträgt bei Weißglas bis zu 60 Prozent und bei Grünglas bis zu 90 Prozent. Man spricht von Sekundärrohstoff in Ergänzung zu den Primärrohstoffen Sand, Kalk, Dolomit etc., die der Natur entnommen werden müssen. Dank Glassammlung und Glasrecycling werden dadurch Rohstoffe, Energie, Emissionen und Geld gespart. Es ist deutlich ökologischer und ökonomischer, gebrauchte Glasverpackungen zu sammeln und zu verwerten, als sie zu deponieren. Glasflaschen und andere Verpackungen aus Glas getrennt zu entsorgen lohnt sich. Je sauberer die gesammelten Glasverpackungen sind, desto mehr Altglas kann eingesetzt werden. Je 10 Prozent Altglas bei der Neuproduktion reduzieren 3 Prozent Energieverbrauch und jährliche 7 Prozent CO2-Emissionen. Die Einsparung an elektrischer Energie entspricht dem Jahresbedarf von etwa 52.000 Haushalten und reduziert den CO2-Footprint. Zudem stärkt der Einsatz des Sekundärrohstoffes Altglas die internationale Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie. Das sichert Arbeitsplätze in Österreich. Österreichs Glasrecyclingsystem gilt in der EU als Best 37 Practice.


AKTUELL INTERVIEW

powerfrau der industrie

„Sie brauchen eine Glock!“, sagt Tommy Lee Jones als Marschall im US-Blockbuster „Auf der Jagd“ – und nimmt dem Secret-Service-Agenten seine Waffe ab. Tatsächlich ist Glock nicht nur Ausstatter von insgesamt zwei Drittel aller US-Polizisten, sondern auch als internationaler Player beim Law Enforcement ein Begriff. Seit sieben Jahren ist Kathrin Glock Aufsichtsrätin beim Welt- und Technologieführer im Bereich der Pistolen – die Top-Managerin über Innovation, Verantwortung und den eigenen Weg an die Spitze eines Weltkonzerns. von Susanne Maurer

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Frau Glock, wie ist es, in einem Konzern mit mehr als 1.200 ArbeitnehmerInnen in Österreich und 482 Millionen Umsatz Verantwortung zu tragen?

Natürlich ist das eine große Verantwortung. Es erfüllt mich mit großem Stolz, Teil dieser Erfolgsgeschichte Glock stellt seit 40 Jahren Sicherheitstechnik auf höchstem Niveau her. Wie sehen Sie sich zu sein. mit Ihrem Konzern gegen die internationale Seit sieben Jahren agieren Sie als Aufsichtsrätin

­Konkurrenz aufgestellt?

Wir sind Weltmarkt- und Technologieführer, ­gewinnen mit Abstand die meisten Behördenausschreibungen und haben auch den höchsten Gruppe getan? Wir haben seither mehr als 30 neue Pistolen­modelle Marktanteil am Zivilmarkt. Hervorzuheben sind unter auf den Markt gebracht und konnten deutlich anderem auch unser weltweites First-Class-Kunden­ Marktanteile und viele neue Kunden gewinnen. Es service, die Inhouse-Produktion und unsere hochqua­ ist uns gelungen, den Umsatz dadurch mehr als zu lifizierten MitarbeiterInnen. Natürlich legen wir auch verdreifachen, und die Zahl der MitarbeiterInnen auf den sicheren Umgang und Gebrauch der Waffe hat sich mehr als verdoppelt. Aktuell beschäftigt die größten Wert und bieten diesbezüglich weltweite Glock-Unternehmensgruppe in Österreich 1.200 und Trainings an. Glock steht seit nunmehr fast 40 Jahren weltweit insgesamt 1.800 MitarbeiterInnen. Mit der für Innovation und stetige Weiter­entwicklung. Also Produktion in den USA und der Slowakei haben wir zusammengefasst sind wir hier sehr gut aufgestellt. auch die Internationalisierung des Unternehmens Nach wie vor ist Glock die weltweit bei weitem deutlich vorangetrieben. in der Glock GmbH. Was hat sich seit 2012

im umsatzmäßig stärksten Unternehmen der

„Man kann alles erreichen, wenn man das Ziel stets im Auge behält und hart dafür arbeitet.“

erfolgreichste und beliebteste Behördenwaffe. Welche Aufträge an Ihren Konzern sind

Warum ist das so?

­besonders bemerkenswert?

Unsere Kunden schätzen die absolute Zuverläs­ sigkeit, die Sicherheit, die hohe Haltbarkeit, die Treffsicherheit, die Einfachheit in der Handhabung und die kostengünstige Wartung der Glock-Pistolen.

Aufgrund der stetigen und konsequenten Innovati­ onskraft unserer angebotenen Produkte gewinnen wir weltweit die meisten Ausschreibungen. Einige Beispiele dafür sind etwa die Customs and Border Protection in den USA, die Polizei von Rio de ­Janeiro, die Singapore Police Force sowie die Polizei von Sachsen-Anhalt. Gerade haben wir die Ausschreibung der São Paulo Military Police für die Lieferung von 50.000 Pistolen gewonnen. Das ist der größte Südamerika-Auftrag in unserer Firmen­ geschichte. Und es ist natürlich besonders erfreulich, wenn der Gouverneur des größten brasilianischen Bundesstaates bei der offiziellen Präsentation die Glock als die beste Pistole der Welt bezeichnet. Aber auch unser Bundespräsident wird von seinem ­Sicherheitsteam mit Glock-Pistolen beschützt. Ihr Mann Gaston Glock hat mit seiner ­Entwicklung der Glock 17 in den 80er-Jahren die Branche revolutioniert und Glock zur weltweit beliebtesten Behördenwaffe gemacht. Tradition und I­nnovation werden im Konzern gleichermaßen groß geschrieben. Ist das ein Geheimnis Fotos: Andreas Tischler

des k ­ ontinuierlichen Erfolges?

Ja, wobei ich für den Markterfolg die Bedeutung der Innovation sogar noch stärker betonen würde. Unsere Kunden erwarten sich stets höchste Qualität, Zuverläs­ sigkeit und Präzision. Ohne ständige Innovation wäre es nicht möglich, die Marktführerschaft zu bewahren.

Wir haben eine extrem umfangreiche Modellpalette, sodass wir für alle Anforderungen eine geeignete Lösung anbieten können. Wenn sich eine Behörde einmal dafür entschieden hat, Glock-Pistolen zu verwenden, wechselt sie sehr selten zu einem a­ nderen Produkt. Wir sind immer sehr nahe am Kunden und

Kathrin Glock ist in sechs Glock-Gesellschaften als Geschäftsführerin tätig.

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AKTUELL INTERVIEW Gibt es Aktivitäten in anderen Bereichen als im Kerngeschäft?

„Der Erfinderund Unter­ nehmergeist meines Mannes ist ungebrochen.“

können so rasch auf neue Anforderungen reagieren. Ein aktuelles Beispiel aus den USA zeigt, wie es ist, wenn solche Anforderungen des Kunden nicht erfüllt werden. In diesem Fall wehrte sich eine gesamte Po­ lizeieinheit, ein Konkurrenzprodukt aufgrund eines Produktmangels im Dienst zu verwenden, weil es unzuverlässig war. Schlussendlich wurde diese einge­ schrottet und stattdessen Glock-Pistolen angefordert. Diese sind nun als aktuelle Dienstwaffe im Einsatz. Was letztendlich zählt, sind also Qualität, Sicherheit und Zuverlässigkeit der Waffe für den Anwender. Denn nur so kann sie auch Leben schützen, oder wie man in den USA sagt: „In Glock we trust“.

Ja, denn der Erfinder- und Unternehmergeist meines Mannes ist ungebrochen. So wurden in den letzten Jahren zusätzlich zum Kerngeschäft im Bereich der erneuerbaren Energie die Glock Ökoenergie GmbH und im Bereich der Medizin die Glock Health, Science & Research GmbH erfolgreich aufgebaut. Was war die Intention Ihres Mannes, die Glock Ökoenergie zu gründen?

Der aktuell thematisierte Klimanotstand war meinem Mann schon lange bewusst. Daher begann er vor Jah­ ren, ein Holzgas-Blockheizkraftwerk zu entwickeln und gründete die Glock Ökoenergie GmbH. Sein Ziel war es, dem Markt ein Produkt zur Verfügung zu stellen, das auf biogene, nachhaltige und nahezu schadstoff­ freie Art und Weise Wärme und Strom produziert und nachhaltig den Umweltschutz fördert. Die Blockheiz­ kraftwerke sind bereits erfolgreich im Einsatz.

Glock beschäftigt inklusive USA 1.800 Mitarbeiter, davon 1.200 in den beiden Werken in Österreich. Damit sind Sie

Ökoenergie?

ein sehr wesentlicher

Ich bin Vorsitzende des CSR-Beirates. Dieser hat Richtlinienkompetenz gegenüber der Geschäfts­ führung und die Aufgabe, die Handlungen der Geschäftsführung im Hinblick auf die Wahrneh­ mung der Themen von sozialer Verantwortung und Nachhaltigkeit zu überwachen und zu beraten. Der CSR-Beirat ist natürlich auch in die besonders zukunftsweisenden Themen der Unternehmensent­ wicklung und von R&D involviert.

Arbeitgeber und Steuerzahler in Österreich. Haben Sie das Gefühl, dass das Lebenswerk Ihres Mannes speziell in Österreich geschätzt wird? Ökoenergie wird mit dem Holzgas-Blockheizkraftwerk von Glock gewonnen (Foto eines Modells).

Die Marke Glock ist heute weltweit ein Begriff, aber besonders viel Wertschätzung schlägt dem Lebenswerk meines Mannes hierzulande nicht entgegen. Fakt ist, mein Mann hat eine Waffe entwickelt, die weltweit von Behörden erfolgreich zum Schutz der Bevölkerung eingesetzt wird. Man sollte in Österreich eigentlich stolz darauf sein. Trotzdem blieb Glock immer seinen österreichischen Standorten treu. Möchten Sie diesen Weg weitergehen oder gäbe es Weichenstellungen, mit denen Sie schwer leben könnten?

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Welche Verantwortung tragen Sie in der Glock-

Wir schätzen unsere beiden österreichischen Stand­ orte mit ihren hochqualifizierten und motivierten MitarbeiterInnen. Man muss aber auch klar sagen, dass wir weniger als ein Prozent unseres Umsatzes in ­Österreich machen. Die Exportpolitik ist daher ein absoluter Standortfaktor. Es gibt zwar einen Branchentrend der Verlagerung der Produktion aus Europa in die USA, aber wir haben aktuell keine derartigen Pläne.

Womit befasst sich das Unternehmen Glock Health, Science & Research und wie sieht hier Ihr Aufgabenbereich aus?

Das Unternehmen befasst sich mit medizinischer For­ schung auf Basis der Grundsubstanz Zeolith. Es han­ delt sich hier um ein reines Naturprodukt. Wir stellen mit einem weltweit einzigartigen, äußerst aufwendigen und patentierten Aufbereitungsverfahren den reinsten natürlichen Zeolith her, der am Markt erhältlich ist. Wir arbeiten mit anerkannten Wissenschaftlern und Universitäten wie etwa der medizinischen Universität Wien zusammen. Dazu haben wir gemeinsam mit der Universität Wien auch die Gaston-H.-Glock-­ Laboratorien für exploratorische Arzneimittelforschung gegründet. Ich selbst bin im medizinischen Beirat der Glock, Health, Science & Research GmbH tätig. Vertreiben Sie schon ein Produkt?

Ja, wir vertreiben das gereinigte Zeolith unter dem Namen „G-PUR“ in den USA. Eine Markteinfüh­ rung in Europa ist im Jahr 2020 geplant.


Verraten Sie uns mehr zu Ihrem Buchprojekt über Ihr Leben an der Seite Ihres Mannes?

Ich freue mich schon sehr darauf, mein persönliches Buchprojekt im nächsten Jahr umzusetzen. Ich werde die Möglichkeit wahrnehmen, unsere gemein­ same Geschichte zu erzählen. Denn hier sind viele unterschiedliche Varianten im Umlauf, die zum Teil unwahr oder sogar diffamierend sind. Es werden vie­ le wunderbare Erlebnisse, aber auch jene Ereignisse, die mein Leben für immer veränderten, Platz finden. Mehr möchte ich jetzt dazu noch nicht verraten. Es wird sehr spannend, aber es wird nicht alle erfreuen!

Disziplin, Zielstrebigkeit aber auch Fleiß und Loyalität zum gewünschten Ziel führen. Was ich mir vornehme, erreiche ich auch – egal, wie viele Steine im Weg liegen. Das Positive daran ist, dass mich Hürden sogar motivieren! Ist es richtig, daß Sie ganz konsequent und über Jahre Ihre Ernährung umgestellt haben, um fitter und letztlich erfolgreicher zu leben?

Lifestyle-Gründe waren nie meine Motivation, vegan zu leben. Ich wurde nur aus einem einzigen Grund Veganerin: Ich liebe alle Tiere und esse sie daher auch nicht.

Sie werden im Buch sicher auch auf Ihren beruflichen Werdegang eingehen. Unterscheidet

Sie selbst agieren im Konzern höchst erfolg-

Sie etwas von anderen Managerinnen?

reich. Wie sehen Sie denn die Divergenz und das

Mein beruflicher Werdegang ist eher ungewöhnlich und unterscheidet sich sicher von Lebensläufen anderer Managerinnen. Nach der Grundschule besuchte ich das Gymnasium, und es folgten drei Jahre an der CHS in Villach. Später arbeitete ich als Kellnerin. Dieser Beruf hat mir grundsätzlich viel Freude bereitet. Als ich im Jahr 2004 meinen Mann kennenlernte, war es sein Wunsch, nachdem er meine Talente erkannte, mich in seine Unternehmungen zu integrieren. Er war und ist der beste Mentor, den man sich wünschen kann. Zusätzlich begann ich im zweiten Bildungsweg im Jahr 2008 mit dem Lehrgang für die Studienberechtigungsprüfung an der Uni­ versität in Klagenfurt. Diesen unterbrach ich, da im selben Jahr mein Mann einen schweren Schlaganfall erlitt. Aufgrund der familiären Streitigkeiten haben wir beschlossen, dass ich meinen Mann direkt in den Unternehmungen unterstütze. Er hat mir alles beigebracht, was ich für das toughe Business brauche. Heute bin ich neben meiner Aufsichtsratstätigkeit in der Glock GmbH in sechs Glock-Gesellschaften als Geschäftsführerin tätig, bin Vorstandsmitglied der IGG Privatstiftung sowie Stifterin der Gaston und Kathrin Glock Privatstiftung.

Umfeld zum Thema „Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen“?

G-Pur ist ein Naturprodukt aus gereinigtem Zeolith, das in den USA vertrieben wird. Die Markteinführung in Europa ist für 2020 geplant.

Bei der Glock GmbH sind die Hälfte der Auf­ sichtsräte Frauen, bis 2017 haben wir sogar 2/3 des Aufsichtsrats gestellt, es gibt aber keine vorgegebe­ nen Quoten. Wenn Sie fünf oder zehn Jahre vorausschauen: Wo sehen Sie sich im Glock-Konzern?

Es erwarten mich sicher noch viele neue und span­ nende Schwerpunkte im Rahmen meiner Tätigkeit im Glock-Konzern. Ich bin darauf vorbereitet, alle Herausforderungen mit der Unternehmensphiloso­ phie „Glock Perfection“ und viel Elan umzusetzen.

„Es erfüllt mich mit ­großem Stolz, Teil dieser Erfolgs­geschichte zu sein.“

Was möchten Sie jungen Menschen mit auf ihren Weg geben?

Jeder sollte seine Chancen auf Ausbildung und Bildung bestmöglich wahrnehmen und abschließen. Das Wichtigste ist, niemals aufzugeben und immer an sich selbst zu glauben! Man kann alles erreichen, wenn man das Ziel stets im Auge behält und hart dafür arbeitet. Kathrin Glock ist ­Aufsichtsrätin Menschen, die Sie gut kennen, beschreiben Sie als äußerst disziplinierten, zielstrebigen M ­ enschen. Stimmt das?

Ja, das stimmt. Mein Mann hat mir gezeigt, dass

in der Glock GmbH, leitet selbst ­Tochterunternehmen der ­Gruppe und sorgt für ­Wachstum und frischen ­Wirtschaftswind.

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Profile for Sarah Wetzlmayr

SHEconomy Ausgabe 3 (Auszug), 2019  

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SHEconomy Ausgabe 3 (Auszug), 2019  

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