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d e r H ühne r ha lt ung . S ie s e lb s t s ind e in w ic ht ig e re r Fa k t o r a ls S ie d e nk e n.“

Nicht alle Geflügelhalter nutzen das volle Potenzial ihrer Tiere. Das gilt sowohl für Legehennen- als auch Mastgeflügelhalter. Damit im Produktionszeitraum gute Leistungen erreicht werden, muss der Stall richtig und effizient eingerichtet und gemanaged sein. Aber woher wissen Sie, ob Sie es richtig machen? Ihre Tiere senden zahlreiche Signale aus: ob sie gesund sind, ob sie den Weg im Stall kennen und ob sie sich wohlfühlen. Erkennen Sie die Signale Ihrer Tiere? Und wissen Sie, was Sie tun müssen, wenn Sie zum Beispiel viele verlegte Eier haben oder wenn Ihre Küken zu viel Futter verschütten? Kennen Sie den Unterschied zwischen abweichendem dünnem Kot und gesundem Blinddarmkot? Und wie erkennen Sie Austrocknung, wenn die Tiere gerade eingestallt wurden?

Jos Heijmans ist als Tierarzt mit Spezialisierung auf Geflügelgesundheit beim niederländischen Gezondheidsdienst voor Dieren (GD) tätig. Seit 2003 ist er auch Teilzeit-Gastdozent an der veterinärmedizinischen Fakultät. Auch nach 23 Jahren fasziniert ihn Geflügel immer noch. Im GD ist die Beratung ein wichtiger Teil seiner Aufgaben: „Durch die Kombination meines Interesses für Sprache mit meiner umfassenden Erfahrung im Bereich Geflügelmedizin konnte ich viele Beiträge zu Artikeln und Geflügelzeitschriften leisten. Im Mittelpunkt steht dabei, die richtige Form des Transfers von der Wissenschaft in die Praxis zu finden.“

Erkennen Sie die Anzeichen für Probleme einmal, müssen Sie dafür sorgen, dass Sie das Arsenal an Maßnahmen kennen, mit dem Sie Ihre Herde wieder auf die richtige Bahn bringen. Außerdem sollten Sie wissen, was Sie berücksichtigen müssen, wenn Sie von Käfighaltung auf frei laufende Hühner umsteigen. Mit Lüftung, Beleuchtung und anderen Routinen können Sie vieles erreichen. Aber dazu müssen Sie auch alle Stärken und Schwächen Ihres eigenen Betriebs kennen und einschätzen können, was Änderungen bei Ihren Tieren bewirken. Hühnersignale hilft Ihnen auf zugängliche Weise, die Signale Ihrer Tiere in einem frühen Stadium wahrzunehmen, zu interpretieren und Handlungen zu setzen. Hühnersignale® präsentiert auf zugängliche Weise praktisches Wissen über tiergerechte Hühnerhaltung.

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Theoretisch wissen wir alle so ungefähr, wie es sein soll. Dennoch kann nicht jeder Geflügelhalter dieses Wissen in die Praxis umsetzen. In Hühnersignale werden daher nicht nur aktuelle Erkenntnisse besprochen, sondern vor allem auch die Frage behandelt, wie man sie in konkrete Handlungen umsetzen kann. Wenn Sie die Signale bewusst wahrnehmen und analysieren, können Sie Ihren Betrieb schrittweise optimieren.

Stufenplan für das Verbesserungsmanagement:

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„ Die S t a lle inr ic ht ung is t nur e in k le ine r Te il

Marko Ruis studierte Biologie und ist seit 1994 als Forscher im niederländischen Universitäts- und Forschungszentrum Wageningen (Wageningen Universiteit en Researchcentrum) tätig. Er promovierte mit Untersuchungen über Mastschweine. Er erforscht Wohlbefinden, Verhalten und Gesundheit von Geflügel und Schweinen. Die Wissensvermittlung an Viehhalter und der landwirtschaftliche Unterricht sind für Ruis besonders wichtig. „Es ist viel Wissen vorhanden, aber es ist oft nicht zugänglich oder nicht verständlich. Als Forscher weiß man, wo man dieses Wissen findet, und muss es zugeschnitten anbieten.“

Koos van Middelkoop hat viel Erfahrung im Geflügelsektor, in Theorie wie Praxis. Nach dem Beginn seiner Laufbahn als Forscher im niederländischen Institut Het Spelderholt war er 13 Jahre als Genetiker in der Wirtschaft tätig. Danach kehrte er als Forscher zur Animal Sciences Group zurück. Seit 2003 arbeitet er als selbständiger Berater. „Die Unterschiede zwischen den Tieren, vor allem die erbliche Seite, faszinieren mich immer noch. Ich gehe in meinem Ansatz immer vom Tier selbst aus.” Sein Arbeitsgebiet umfasst derzeit die ganze Welt.

Praxisleitfaden für eine tiergerechte Hühnerhaltung

Praxisleitfaden für eine tiergerechte Hühnerhaltung

Monique Bestman studierte Biologie mit Schwerpunkt Tierverhalten an der Universität Wageningen (Niederlande). Seither betreibt sie schon 10 Jahre lang für das Louis Bolk Instituut Praxisforschung über das Wohlbefinden und die Gesundheit von Legehennen. Sie besucht häufig Geflügelbetriebe, hat verschiedene Bücher für Geflügelhalter publiziert und an nationalen und internationalen Studienclubs und Symposien teilgenommen. In den letzten Jahren widmete sie sich der Aufzucht, denn „jung gewohnt, alt getan - und das wird oft unterschätzt“, so Bestman.

Ve rb e s s e ru n g v o n E rg e b n is s e n u n d Tie rgesundheit

HÜHNERSIGNALE

HÜHNER SIGNALE

Di e Autor e n

HÜHNERSIGNALE PRAXISLEITFADEN FÜR EINE TIERGERECHTE HÜHNERHALTUNG

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7.

Was sehe ich? Woher kommt das? Ist das in Ordnung oder muss ich eingreifen? Wie löse ich das Problem? Wie verhindere ich, dass es in der Zukunft wieder auftritt? Nehmen Sie tatsächlich Änderungen vor. Sehen Sie sich an, ob sie die gewünschte Wirkung haben, und beginnen Sie, falls erforderlich, wieder bei Schritt 1.

Wenn Sie diese Schritte stets bewusst durchlaufen, verbessern Sie Ihre Betriebsergebnisse und außerdem das Wohlbefinden der Tiere. Gesunde und zufriedene Hühner sind schließlich auch zu Ihrem Vorteil.


Impressum

HÜHNERSIGNALE Konzept Jan Hulsen, Vetvice Groep Autoren Monique Bestman Marko Ruis Jos Heijmans Koos van Middelkoop

Postbus 4103 NL-7200 BC Zutphen Telefon: +31 (0)575 54 56 88 Fax: +31 (0)575 54 69 90 E-Mail: info@roodbont.com www.roodbont.com

Redaktion Ton van Schie Übersetzung: AgroLingua

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Fotografie Umschlagfoto: Marcel Bekken Louis Bolk Instituut, Livestock Research Wageningen UR, GD Alpharma (107lu, 107ru), Aviagen (88lu, 88ru), Marcel Bekken (cover), C. Bennet (44r), Marcel Berendsen (achterzijde u, 4, 8u, 9ro, 11o, 24o, 24u, 25, 26r, 27lo, 34ru, 34l, 45ru, 45o, 48l, 48ro, 49 (6,7), 54u, 55lo, 56, 57ru, 58lu, 58mu, 58ru, 59, 60l, 70lo, 73ru, 90, 97lu, 97ru), C. Berg (81r), Bloemendaal Eierhandel (65rm), Ron Jöerissen (57lu), Henk Heidekamp (54o), Interbroed leghennen (50, 51, 61rm), Berry Lott (85lm, 85rm), Jac Matijssen (14l), Bastiaan Meerburg (93m), Frank van Merle, Aviagen (89), Koos van Middelkoop (78lo), Pas Reform (44l), Henk Rodenboog (86ru, 86lu, 87ro), Schippers BVBA (101ru), Arthur Slaats (77lu, 77ru, 82), Hilly Speelman (36o), Rob van Veldhuizen (93u), Vencomatic (7lm, 33, 69u, 76u), Verbeek (94u), Ron Verdel (39lm), Zonne-Ei-Farm B.V (7o)

Hoofdstraat 24 NL-3972 LA Driebergen Telefon: +31 (0)343 52 38 60 Fax: +31 (0)343 51 56 11 E-Mail: info@louisbolk.nl www.louisbolk.nl

o = oben, u = unten, m = Mitte, r = rechts, l = links

Illustrationen Marinette Hoogendoorn

Postbus 65 NL-8200 AB Lelystad Telefon: +31 (0)320 23 82 38 Fax: +31 (0)320 23 80 50 E-Mail: info.livestockresearch@wur.nl www.livestockresearch.wur.nl

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Layout Dick Rietveld, Erik de Bruin, Varwig Design

Mit Dank an: Peter van Agt, Marleen Boerjan, Pieter Bouw, Mijndert van den Brink, Hilko Ellen, Rick van Emous, Marrit van Engen, Teun Fabri, Thea Fiks, Niels Geraerts, Arjan Gussinklo, Jan van Harn, Wim Hoeve, Jan Hulsen, Ingrid de Jong, Merlijn Kense, René Kieftenbelt, Marinus van Krimpen, Pieter Kruit, Jan en Marcel Kuijpers, Ferry Leenstra, Sander Lourens, Monique Mul, Bert van Nijhuis, Kees van Ooijen, Wim Peters, Bianca Reindsen, Berry Reuvekamp, Henk Rodenboog, Jorine Rommers, Piet Simons, Arthur Slaats, Alex Spieker, André van Straaten, Otto van Tuil, Cor van de Ven, Jan-Paul Wagenaar, Ruud van Wee und Sible Westendorp.

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Die Autoren und der Herausgeber haben den Inhalt dieser Ausgabe mit großer Sorgfalt und nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Die Autoren und der Herausgeber übernehmen jedoch keine Haftung für jegliche Art von Schäden, die durch Handlungen oder Entscheidungen aufgrund der Informationen in diesem Buch entstehen. © Roodbont Publishers B.V., 2013 Kein Teil dieser Ausgabe darf ohne vorherige schriftliche Einwilligung des Herausgebers durch Druck, Fotokopie oder in anderer Form vervielfältigt und/oder veröffentlicht werden. ISBN 978-90-8740-065-1

Hühne rs i gnal e


Einleitung

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1 Durch besseres Beobachten mehr sehen 8 Signale wahrnehmen 9 Signale nutzen 10 Schätzen Sie sich selbst richtig ein 12 Was will das (Lege-) Huhn 13 Tierverhalten 14 Anatomie 18 Sinnesorgane 20 Hühnerlaute 21 Kontrolle der Tiere 22 2 Das Huhn und seine Umgebung Stall ist Lebensraum des Huhns Wählen Sie das System, das zu Ihnen passt Ankunft im neuen Stall Sitzstangen Einstreu Richtiges Klima Gefühlte Temperatur Luft Licht Staub Im Auslauf Die Fakten Wie bekommt man die Hühner ins Freie? Schutz ist am wichtigsten Unerwünschtes Verhalten und anderes Ungemach Überdachter Auslauf oder Wintergarten

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3 Junghennenaufzucht Die ersten Tage Qualität der Eintagsküken Beurteilung im Alter von 16 Wochen Licht Richtiges Verhalten im Volierenstall beibringen Impfungen Richtig impfen Aus Klein wird Groß in 18 Wochen Federpicken in der Aufzucht Schnabelbehandlung Abstimmung zwischen Aufzucht und Legebetrieb

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4 Legehennen Nicht blind nach Plan vorgehen Die Idealkurve Futter und Fütterungsmanagement Futter und Licht

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Fütterung bei Hitze Mangelzeichen: Federnfressen Zu beachten bei den Fütterungssystemen Wasser Testen Sie Ihr Wasser selbst Äußere Eiqualität Innere Eiqualität Was macht ein Nest ansprechend? Vermeiden Sie verlegte Eier Management auf Legespitze abstimmen Eine zweite Legeperiode? Picken, Federpicken und Kannibalismus? Schwer rückgängig zu machen Federpicken Vorbeugung gegen Federpicken Kannibalismus

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Inhaltsverzeichnis

Inh alts v e r z e i c h n i s

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47 48 49 50 52 53 54

5 Mastgeflügel Kontrolle bei der Einstallung Temperatur Verteilung der Küken im Stall Beurteilung der Tiere Signale aus dem Kot Schlechte Einstreu Futtersignale Trinken Schwache Küken Todesursachen erkennen Mastelterntiere

60 60 61 62 63 64 66 68 69 70 71 72 72 73 74 75 76 77 78 79 80 82 83 84 85 86 87 88

6 Gesundheit Krankheitssignale Biosicherheit außerhalb des Stalles Biosicherheit im Stall Herdensatz bei Krankheiten Magen-Darm-Erkrankungen Atemwegserkrankungen Abgeleitete Signale Eiproduktionsstörungen Bewegungsstörungen Plötzlich erhöhte Verlustrate Die wichtigsten Krankheiten im Überblick Viruserkrankungen Bakterienerkrankungen Magen-Darm-Parasiten Würmer Rote Vogelmilbe (Blutmilbe)

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Index

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Das Huhn im Mittelpunkt In der Hühnerhaltung dreht sich alles um das Huhn. Die richtige Haltung und Versorgung der Hühner ist die Grundvoraussetzung. Ökonomisches und sauberes Arbeiten ist ebenfalls wichtig. Hühnersignale behandelt die optimale Haltung und Versorgung des Huhnes, also steht das Huhn im Mittelpunkt. Was ist ein Huhn und was braucht dieses Tier für Gesundheit, Wohlbefinden und Produktion? Geflügelhalter, die sich diese Fragen stellen, sehen sich ihre Tiere mehrmals täglich und im gesamten Stall genau an. Sie reagieren adäquat auf Anomalien und Störungsanzeichen, die entsprechenden Handlungen sind automatisiert. Außerdem sorgen sie dafür, dass die Arbeit nicht zu viel Zeit kostet, die Arbeitsbedingungen angenehm sind und sich das Inventar in einem guten Zustand befindet.

Man ist so sehr mit dem Betrieb verwachsen, dass einem Abweichungen nicht mehr auffallen, weil sie für einen schon zur Gewohnheit geworden sind. Suchen Sie Ihre eigenen blinden Flecken und beseitigen Sie sie. Öffnen Sie sich für Neues. Seien Sie sebstkritisch. Und haben Sie keine Angst vor Veränderungen. Eine wichtige Frage, die sich ein guter Unternehmer regelmäßig stellen sollte, lautet: Nutze ich das volle Potenzial? Oder: Geht es noch besser? Veränderte Situation Der Legehennensektor ist in Bewegung: Die Käfighaltung wird abgeschafft. Das bedeutet, dass sich viele Legehennenhalter entscheiden müssen (wenn sie das nicht schon getan haben): Wähle ich Kleingruppenhaltung oder ein Volierensystem? Entscheide ich mich für Freilandhaltung oder gar für biologische Haltung? Die Auswahl des Systems ist Sache des Geflügelhalters und wird von den persönlichen Vorlieben, dem erwarteten wirtschaftlichen Ertrag und den umwelttechnischen Möglichkeiten abhängen. Ein neues System stellt andere Anforderungen an den Geflügelhalter. Je mehr Gelegenheit das Huhn bekommt, sein natürliches Verhalten auszuleben, desto mehr kann man vom Tier „ablesen”. Gleichzeitig gilt aber auch: Desto mehr muss man das Tier selbst und nicht das System drumherum managen.

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Einleitung

Jeder kann lernen Hühner besser zu beobachten, zu verstehen und damit die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Produktion der Tiere besser zu steuern. Manche Menschen haben von Natur aus das Talent, Hühner gut zu beobachten und zu verstehen. Andere müssen sich sehr anstrengen. Aber alle können besser werden, wenn sie sich aktiv damit beschäftigen. Die Beobachtung und Beurteilung eines Betriebes stößt oft durch Betriebsblindheit an ihre Grenzen:

Hühnersignale soll Ihre Fähigkeiten trainieren, die Signale der Hühner wahrzunehmen und sie für die Kontrolle und Verbesserung zu nutzen.

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Lernen, bewusster hinzusehen Eine gute Versorgung Ihrer Tiere beginnt bei der kritischen Beobachtung. Schauen Sie bewusst. Nehmen Sie etwas Abstand, manchmal buchstäblich. Es ist nicht möglich, bewusst zu sehen, wenn man gleichzeitig mit anderen Dingen beschäftig ist. Konzentrieren Sie sich einmal nur auf die Signale, die Ihre Tiere aussenden. Je länger Sie sich darauf konzentrieren, desto mehr (subtile) Signale werden Ihnen auffallen. Signale wahrzunehmen bevor sich die Folgen offenbaren, erfordert fachmännisches Können.

Kein Handbuch Hühnersignale versteht sich nicht als Handbuch mit verschiedensten Normen für alle Teilbereiche des Geflügelbetriebs. Es ist vielmehr eine Anleitung, die Tiere richtig zu betrachten und ihre Signale in Handlungen umzuwandeln, die in einer noch besseren Betriebsführung resultieren. Das Buch ist in einer Form geschrieben, die hoffentlich dazu einlädt, es regelmäßig aufzuschlagen. Damit Sie immer wieder auf neue Ideen kommen.

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Der rote Faden durch das Buch Hühnersignale ist das Motto „Sehen, denken und handeln“. Die drei Grundfragen, die sich ein Geflügelhalter stets bewusst stellen sollte, lauten: 1. Was nehme ich wahr? 2. Woher kommt das? 3. Was muss ich tun?

Produktion - Gesundheit Verhalten

Produktion, Gesundheit und Verhalten sind wie die Ecken eines Dreiecks miteinander verbunden. Produktion

Gesundheit

Verhalten

Der eine Aspekt beeinflusst den anderen. Die Produktion ist für den Unternehmer das wichtigste Ziel seiner Betriebsführung. Die Produktion steht jedoch in einem sehr engen Zusammenhang mit Verhalten und Gesundheit. Eine unruhige Herde vergeudet Energie. Außerdem sind gestresste Tiere krankheitsanfälliger. Ein krankes Tier produziert weniger. Krankheiten kann man auch am Verhalten erkennen. Die Produktion hängt mit Gesundheit und Verhalten zusammen: Kümmerer haben eine niedrigere Widerstandsfähigkeit, schwerere Tiere können in der Gruppe dominant sein. Daneben haben Tiere gewisse Verhaltensbedürfnisse. Wenn sie diese nicht ausleben können, lauern Stress und eine verringerte Widerstandsfähigkeit. So kann das Dreieck immer von einem beliebigen Ausgangspunkt durchlaufen werden.

E inleit u n g

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Verschiedene Bereiche genauer betrachtet

Die Produktion von Eiern und Fleisch ist für die Tiere Spitzensport. Dass der Unterschied zwischen Legehennen und Mastgeflügel riesengroß ist, bedarf keiner Erläuterung. Die Unterschiede zwischen Geflügel in verschiedenen Teilsektoren und sogar Systemen lassen sich gut mit Athleten vergleichen. Von ihnen gibt es auch allerlei Arten und Größen, jeweils zugeschnitten auf ihre Disziplin.

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Obwohl es schwierig ist, die unterschiedlichen Bereiche in einem Buch zu vereinen, wurde dies in Hühnersignale gemacht. Eine Vielzahl von Aspekten ist schließlich vergleichbar. Das erste, lange Kapitel behandelt das Huhn im Allgemeinen, seine Genetik, seine Anatomie und sein Verhalten. Im letzten Kapitel, Gesundheit, werden Gesundheitsprobleme und Krankheiten besprochen, die oft ebenfalls für alle Geflügelarten gelten. Außerdem können Sie immer etwas von den unterschiedlichen Gebieten lernen, wenn Sie dem offen gegenüberstehen.

Lauter Spitzensportler

Legehenne: die Ausdauernde So wie alle Langstreckenläufer muss dieser Tiertyp langfristig Leistungen erbringen und benötigt daher Ausdauer.

Mastgeflügel: der Sprinter Wie ein Kraftsportler muss dieser Tiertyp in kurzer Zeit Leistung erbringen.

Legehenne in einem alternativen System: die Hindernisläuferin Legehennen in Systemen mit frei laufenden Tieren stoßen auf andere Herausforderungen als in Käfigen gehaltene Hühner. Dadurch ist ihr Lebenslauf mit einer Hindernisstrecke zu vergleichen.

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Unterschiede innerhalb der Bereiche Legehennen: immer weniger Unterschied Vor zwanzig Jahren konnte man Legehennen in leichte und mittelschwere Typen gliedern. Die leichten Hennen waren meist weiß und legten weiße Eier, die mittelschweren waren braun und legten braune Eier. Die weißen Hennen legten oft etwas mehr Eier, brauchten dafür weniger Futter und waren leichter erregbar, aktiver oder nervöser.

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Der Unterschied zwischen weiß und braun besteht noch, aber inzwischen gleichen die Tiere einander in Bezug auf das Gewicht immer mehr, und beide Typen werden sowohl in Käfigen als auch in Freilaufställen gehalten. Außerdem sind in den letzten Jahren mittelschwere „Silver”-Herkünfte dazugekommen. Sie haben überwiegend weiße Federn, legen etwas kleinere braune Eier und haben das Gewicht und den Charakter der braunen Hennen.

Früher wurden weiße Hennen vor allem in Käfigen gehalten, heute jedoch auch in Systemen für frei laufende Hühner.

Braune Hennen sind etwas schwerer als weiße und brauchen daher etwas mehr Erhaltungsfutter.

Mastgeflügel: konventionell vs. langsam wachsend Bei Mastgeflügel unterscheidet man zwischen konventionell und langsam wachsend. Konventionelle Rassen werden am häufigsten verwendet. Sie wiegen mit 6 Wochen etwa 2,5 kg. Die Tiere haben weißes Gefieder, fressen viel und wachsen schnell. Im Laufe ihres Lebens werden sie immer inaktiver. Die Elterntiere werden in der Aufzucht „kontrolliert” gefüttert, weil sie sonst zu schwer werden, weniger Bruteier produzieren und höhere Verlustraten haben. Langsam wachsendes Mastgeflügel wiegt erst nach 9 Wochen 2,5 kg. Da es weniger Spitzenleistungen erbringen muss, ist es weniger krankheitsanfällig, hat weniger Atemwegsund Verdauungsprobleme und eine niedrigere Verlustrate. Langsam wachsendes Mastgeflügel wird in „alternativen Systemen” mit mehr Platz und oft einem „Wintergarten” oder Auslauf gehalten. Es ist aktiver als konventionelles Mastgeflügel und überwiegend weiß, aber manchmal findet man auch gefleckte oder braune Individuen darunter. Die Vatertiere sind dieselben wie bei konventionellem Mastgeflügel. Die Mütter hingegen sind Zwergmuttertiere und werden in der Futteraufnahme kaum eingeschränkt. E inleit u n g

„Außen weiß, innen braun“ werden diese Tiere auch genannt, weil sie außen weiß sind, aber die übrigen Eigenschaften der braunen Herkünfte haben.

Langsam wachsende Masthähnchen

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KAPITEL 1

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Durch besseres Beobachten mehr sehen

Wenn Sie sich nur die technischen Aspekte wie Legeleistung und Eiqualität, Wachstum oder Futter- und Wasserverbrauch ansehen, laufen Sie Gefahr, wichtige Signale zu übersehen und nicht auf dem Laufenden zu sein. Diese Signale bekommen Sie von den Hühnern, ihrem Erscheinungsbild, ihrem Verhalten, dem Kot und den Eiern. Sorgen Sie

In einer schönen Herde wie dieser möchte man Abweichungen so schnell wie möglich feststellen, um Probleme zu vermeiden.

dafür, dass Sie sofort die ersten Signale der Tiere in Ihrem Stall wahrnehmen. Setzen Sie alle Sinnesorgane ein. Noch bevor Sie den Stall betreten, hören Sie schon an den Lauten der Tiere, ob etwas Besonderes vorliegt. Bleiben Sie also kurz vor der Tür stehen und gehen Sie nicht sofort in den Stall. Nach dem Eintreten nehmen Sie wahr, wie das Stallklima ist, und Sie riechen, ob mit dem Kot oder der Lüftung etwas nicht stimmt. Mit den Augen und Ohren nehmen Sie wahr, wie aktiv die Tiere sind und ob sie mehr, weniger oder anders auf Ihr Kommen reagieren als üblich. Setzen Sie auch Ihre Sinnesorgane ein, um Wärme und Kälte im Stall festzustellen. Jede Abweichung verdient Aufmerksamkeit. Betriebsblindheit Erst wenn Sie wissen, was normal ist, erkennen Sie Abweichungen. Was normal ist, lernen Sie, wenn Sie viel und möglichst objektiv beobachten. Seien Sie

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sich jedoch der Gefahr der Betriebsblindheit bewusst. Unter Betriebsblindheit leidet man, wenn man die Situation im eigenen Betrieb als die Norm betrachtet. Gute Mittel gegen Betriebsblindheit sind kritische Gespräche mit Kollegen und Beratern. Nehmen Sie kritische Bemerkungen auch wirklich ernst.

Gute Mittel gegen Betriebsblindheit sind kritische Gespräche mit Kollegen und Beratern.

Hühne rs i gnal e


Signale wahrnehmen

irgendetwas anders als sonst? Abweichende Tiere hebt man hoch, um sie genauer anzusehen. Haben Sie eine Anomalie festgestellt, dann überprüfen Sie, ob es sich um einen Einzelfall handelt oder ob es ein Signal für ein größeres, zugrunde liegendes Problem ist. Heben Sie auch willkürlich einige Tiere hoch, um sie zu beurteilen. Nicht alle Anomalien fallen sofort ins Auge. Dinge, die einem im Detail auffallen, kann man nur in ihrem Kontext richtig beurteilen. Man schaut also auch vom Huhn zur Herde. Manchmal muss man einen Schritt zurück gehen, um etwas besser sehen zu können.

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Während der Reinigung, dem Einsammeln von Bodeneiern und dem Streuen von Getreidkörnern nehmen wir schon sehr viel von einer Herde wahr. Machen Sie jedoch auch einen Kontrollrundgang, bei dem Sie keine anderen Tätigkeiten verrichten. Sie können dann Signale besser und bewusster wahrnehmen, weil Sie Ihre vollle Aufmerksamkeit auf die Tiere und deren Umgebung richten. Kombinieren Sie einen Kontrollrundgang also nicht mit etwas anderem wie Reinigung, Einsammeln von Bodeneiern oder Streuen von Getreidekörnern. Andere Tätigkeiten, aber auch Stimmungen wie schlechte Laune lenken ab. Gleichzeitig stören Sie das Verhalten der Tiere, wodurch relevante Signale verloren gehen können. Außerdem reagieren die Hühner weniger auf Ihre Anwesenheit, wenn Sie öfter in den Stall kommen, ohne spezielle Handlungen zu verrichten. Ein Kontrollrundgang ist ein Rundgang durch den ganzen Stall. Sorgen Sie dafür, dass alle Tiere Ihre Aufmerksamkeit bekommen. Sehen Sie also überall nach: vorne, hinten, in der Mitte, unten, oben. Von der Herde zum Huhn Ihr Kontrollrundgang beginnt mit der Betrachtung der gesamten Herde. Wie verteilt sie sich im Raum? Wie nutzt sie die verschiedenen Bereiche im Stall? Vermeiden die Tiere bestimmte Stellen, z. B. weil das Klima dort unangenehmer ist (Zugluft, Kälte)? Versuchen Sie, sich die Unterschiede zwischen den Tieren anzusehen. Ist die Herde einheitlich? Worin unterscheiden sich die Tiere? Ist die Aufmerksamkeit, die Körperkondition oder

Dieses Tier ist nicht gesund und daher eine Quelle des Ärgers. Entfernen Sie dieses Tier aus der Herde.

Kapite l 1 : D u rc h b e ss e res Beo bach ten m eh r s eh en

Stellen Sie einen Stuhl in den Stall und bleiben Sie zu bestimmten Zeiten auch ein paar Minuten still sitzen, um die Tiere zu beobachten. Erst dann zeigen die Tiere eventuell abweichendes Verhalten.

Achten Sie bei der Futterkette gut darauf, dass alle Tiere fressen und es keine Hennen gibt, die ständig hin und her laufen. Alle Hennen müssen fressen können.

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Signale nutzen Nutzen Sie das, was sie sehen, für die Verbesserung Ihrer Betriebsführung. Stellen Sie sich bei allem, was Sie sehen, die folgenden Fragen: 1. Was sehe (höre, rieche, spüre) ich? Was ist das Signal? 2. Woher kommt es? Welche Erklärung gibt es dafür? 3. Was muss ich tun? Ist es so in Ordnung oder muss ich etwas unternehmen? Wenn Sie sich Handlungen überlegen, führen Sie sie auch aus. Nur dann hat es Sinn, sich alles genau anzusehen.

Risikotiere In jeder Herde gibt es Risikotiere, zum Beispiel Kümmerer. Sie werden als Erste durch Krankheiten, Wassermangel oder andere Probleme getroffen. Sie sind die Signaltiere. An den Risikotieren können Sie als Erstes ablesen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Ein doppelter Grund, wachsam zu sein. Tiere, die durch ihr Verhalten oder Aussehen Anlass zu Problemen geben, kann man ebenfalls zu den Risikotieren rechnen. Nicht als Opfer, sondern als Verursacher. Überlegen Sie für Ihren Betrieb, welche Tiere und Probleme das sind und wie Sie rechtzeitig darauf eingehen können.

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Ein echtes Signal wiederholt sich. Denken Sie über das nach, was Sie sehen, und über den Zusammenhang mit den Bedingungen: Geschieht es öfter? Zu anderen Zeiten? Bei anderen Tieren? In anderen Betrieben? Sehen Sie selbst nach oder fragen Sie jemand anderen. Sehen Sie auch abends und nachts einmal nach.

Sie sollten auch wissen, wann Gefahren entstehen, und darauf eingehen, indem Sie die Gefahren beseitigen oder besonders aufmerksam sind, wenn Sie Gefahren erwarten.

So nehmen Sie strukturiert wahr: 1. Sehen Sie sich auch um, ohne andere Tätigkeiten zu verrichten.

2. Sehen Sie sich erst die ganze Herde an,

Ängstliche oder kranke Hühner in den Nestern verschmutzen die Eier.

dann einzelne Hühner und dann wieder die Herde. 3. Sehen Sie sich den Durchschnitt und die Extreme an. 4. Sehen Sie sich den Anfang, das Ende und den Mittelteil des Stalles an. Das gilt auch für Prozesse, zum Beispiel die Fütterung. Sehen Sie sich den vorderen, den mittleren und den hinteren Teil des Futtertrogs, der gefüllt wird, an. Was geschieht dort? 5. Beobachten Sie zu verschiedenen Zeitpunkten und unter verschiedenen Bedingungen. 6. Bleiben Sie gelegentlich im Stall stehen und laufen Sie nicht die ganze Zeit herum. 7. Erkennen Sie Risikomomente, Risikotiere und Risikostellen.

Risikoanalyse und Maßnahmen

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Risikogruppe

Risiko

Maßnahme

Kümmerer

produzieren wenig

kleine Tiere ausselektieren und entfernen

Hühner, die Eier verlegen

kann Kloakenpicken verursachen; kann zu noch mehr verlegten Eiern führen

Ecken und dunkle Stellen mit Beleuchtung unattraktiv machen (verwenden Sie Stromdrähte); oft verlegte Eier absammeln (je öfter, desto besser)

ängstliche Hühner, die oben oder in den Nestern sitzen und sich leicht aufscheuchen lassen

produzieren weniger; verschmutzen die Nester

Stressfaktor feststellen und beheben; ausselektieren

Hühne rs i gnal e


Risikostellen In jedem Stall gibt es Risikostellen, an denen Sie Probleme erwarten können. Stellen, die als Risikostellen bekannt sind, müssen ein fester Bestandteil Ihrer täglichen Kontrollrundgänge sein. An Stellen, die unnötig ein Risiko darstellen, bringen Sie Verbesserungen an. Beispiele für Risikostellen sind dunkle Stellen und Ecken, also bei Abtrennungen zwischen den Abteilen, rund um die Legenester, Stellen mit Zugluft etc.

Abgeleitete Signale Ein Signal für die Verteilung der Hennen über die Sitzstangen in der Nacht ist die Höhe des Kotes, die Sie unter dem Kotkasten oder auf den verschiedenen Kotbändern feststellen. Ist der Kot ungleichmäßig verteilt, sitzen die Hühner auch ungleichmäßig auf den Stangen.

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Risikomomente Es gibt spezielle Zeitpunkte am Tag, in einer Jahreszeit oder während des Durchgangs, die ein Risiko bergen. Bekannte wiederkehrende Risikomomente sind die Fütterungen. Behalten Sie im Auge, ob Ihre Fütterungsanlage und die dazugehörende Waage richtig funktionieren. Sehen Sie auch einmal abends oder nachts nach. Es kann sich auch um längere Zeiträume handeln (Tage, Wochen). Ein Risikozeitraum ist zum Beispiel, wenn die jungen Hennen zu legen beginnen. Nicht nur für die Hennen selbst, sondern auch für die Funktion Ihres Systems. Wenn man die Nester zu früh öffnet, können sie verschmutzt werden. Öffnet man sie zu spät, legen die Hennen die Eier außerhalb der Nester. Der Winter ist ein Risikozeitraum, weil es dann schwieriger ist, das Stallklima und die Einstreu in einem guten Zustand zu halten. Im Sommer können sowohl Masthähnchen als auch Legehennen Hitzestress bekommen.

Nicht verstandene Signale Manchmal stößt man auf Dinge, die man nicht sofort versteht. Natürlich braucht nicht jedes nicht verstandene Signal zu Schäden führen. Ist dies jedoch der Fall, sollten Sie sich auf die Suche nach einer Erklärung machen. Man lernt am meisten, wenn man zu verstehen versucht, wie gute Situationen zustande gekommen sind, also was die Erfolgsfaktoren sind.

Im System ist es dunkel: eine Risikostelle für verlegte Eier. Lösung: eine zusätzliche Lichtquelle aufhängen.

Signale aus der Registrierung

Bitten Sie Ihren Berater, seine Wahrnehmungen in Ihr Logbuch einzutragen.

Kapite l 1 : D u rc h b e ss e res Beo bach ten m eh r s eh en

Es wird viel registriert, aber machen Sie genug mit dieser Information? Machen Sie dies stets zur selben Tageszeit? Die Kontrolle auf Herdenebene besteht in jedem Fall aus der täglichen genauen Buchführung über den Wasser- und Futterverbrauch. Wenn man die Registrierungen stets zur selben Tageszeit macht, fallen Veränderungen schneller auf. Eine auffällige Veränderung im Wasserverbrauch ist häufig das erste Signal, dass etwas mit der Gesundheit oder dem Futter (zum Beispiel zu salzig) nicht stimmt. Es kann auch etwas mit der Wasserversorgung selbst nicht stimmen. Auch in Bezug auf das Futter gilt, dass eine auffällige Abund Zunahme der Futteraufnahme verdächtig ist. Dies kann auf nicht einheitliches Futter hinweisen.

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Schätzen Sie sich selbst richtig ein die Schwächen in irgendeiner Form „abgedeckt“ sind. Gespräche mit Beratern können Ihnen helfen, festzustellen, welche Aufgaben Ihnen am leichtesten fallen und was das für die strategischen Entscheidungen in Ihrem Betrieb bedeutet. Aufgaben, in denen Sie weniger gut sind oder zu denen Sie wirklich keine Lust haben, sollten Sie am besten von jemand anderem erledigen lassen.

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Man ist den ganzen Tag eingespannt: Eier einsammeln, Kontrollrundgänge machen, Verwaltung führen, Mitarbeiter koordinieren, mit Abnehmern und Zulieferern verhandeln und so weiter. Für jede dieser Aufgaben sind jeweils andere Persönlichkeitsmerkmale wichtig. Der eine Geflügelhalter ist jedoch mehr ein Tierpfleger, der andere mehr ein Unternehmer und der dritte mehr ein Arbeiter. Wer sich selbst gut kennt, kann seine Stärken nutzen und dafür sorgen, dass

Der Tierpfleger ist bei Arbeiten zwischen den Tieren am zufriedensten, aber sieht er auch die Arbeit, die zu tun ist?

Der Arbeiter konzentriert sich auf die Arbeit, die erledigt werden muss. Er versucht, die Bedingungen so angenehm wie möglich zu gestalten. Aber sieht er auch rechtzeitig, dass bei den Tieren etwas nicht stimmt?

Der Unternehmer / Manager konzentriert sich auf die Organisation und die laufenden Geschäfte. Die Produktion muss gut sein, die Erträge sollen im Verhältnis zu den Kosten stehen. Außerdem muss er die Mitarbeiter koordinieren und Kontakte zu Beratern, Zulieferern und Abnehmern pflegen. Aber geht er auch noch oft genug in den Stall?

Umstieg auf alternative Haltung Der Umstieg vom Käfig auf Bodenhaltung oder Voliere bedeutet eine ganz andere Form des Umgangs mit Ihren Hühnern. Die tägliche Versorgung erfordert bei alternativer Haltung doppelt so viel Aufmerksamkeit und Zeit. Der Aspekt der Tierversorgung wird noch wichtiger. Es ist die Kunst, jene Bedingungen zu schaffen, in denen das Huhn so gut wie möglich produziert. Also, wo und wann Futter/Wasser, wo welche Beleuchtung etc.? Aber auch: Um wie viel Uhr macht man Dinge

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wie Bodeneier absammeln? Dafür muss man ein Gefühl bekommen. In einem Käfigsystem bestimmt der Legehennenhalter den Zeitplan, in einem alternativen System ist es das Huhn. Und viel beobachten: Immer, wenn Sie etwas ändern, müssen Sie sich ansehen, wie die Tiere darauf reagieren. Sie zeigen an, ob die Veränderung richtig ist. Vielleicht sollten Sie auch einmal an einen anderen Hühnertyp denken?

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Was will das (Lege-) Huhn? Jedes Huhn stellt einige Grundanforderungen, die zusammengefasst werden können in Futter, Wasser, Licht, Luft, Ruhe, Platz und Gesundheit. In jedem Haltungssystem und in jeder Situation muss man diese Voraussetzungen überprüfen, um festzustellen, ob dem Bedürfnis des Huhns entsprochen wird. Je freier das System, desto mehr Aufmerksamkeit erfordern die verschiedenen Faktoren. In einem Bodenhaltungssystem kann zwar jede Henne im Durchschnitt genug Platz haben, aber wenn sich alle Hennen zusammendrängen, geraten einige doch ziemlich in Bedrängnis. Stimmt es also für jedes Tier, zu jedem Zeitpunkt?

um irgendwohin zu gelangen, ihnen eine schmale Öffnung bieten, durch die sie kriechen müssen, oder sie oft auf einen Knopf picken lassen. Das vermittelt einen Eindruck von ihren Bedürfnissen. Ein Huhn macht sich vor dem Eierlegen genauso viel Mühe für ein Legenest wie für Futter nach acht Stunden Fasten. Es empfindet ein Legenest zu diesem Zeitpunkt also als sehr wichtig. So kann man eine Wunschliste zusammenstellen. Auch als Geflügelhalter sollte man dem, was ganz oben auf der Wunschliste steht, die höchste Priorität geben.

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Wunschliste Eine optimale Umgebung für die Hühner beginnt beim Kennen ihrer Bedürfnisse. Forscher haben die Vorlieben auf unterschiedliche Arten festgestellt. Man kann sich ansehen, wie viel Mühe die Tiere für etwas aufbringen wollen. Man kann sie zum Beispiel eine schwere Tür zur Seite drücken lassen,

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Die fünf Freiheiten von Tieren

1. Freiheit von Durst, Hunger und Fehlernährung 2. Freiheit von körperlichem Unbehagen 3. Freiheit von Schmerzen, Verletzungen und Krankheit

4. Freiheit zum Ausleben normalen Verhaltens 5. Freiheit von Angst und chronischem Stress

Die europäischen Vorschriften im Bereich des Tierwohlbefindens basieren auf diesen fünf Freiheiten.

J. Webster (1999)

Diese Junghennen warten an der Wand auf Futter. Es ist fast Fresszeit und sie haben Hunger.

Wie viel Platz braucht eine Henne? Fressen Trinken Scharren/Nahrungssuche Putzen Staubbaden Ei legen Ruhen Quelle: Houden van Hennen

450 450 800 1.100 1.100 1.100 550

cm² cm² cm² cm² cm² cm² cm²

Kapite l 1 : D u rc h b e ss e res Beo bach ten m eh r s eh en

Der Platz, den eine einzelne Legehenne für ihre unterschiedlichen Verhaltensbedürfnisse braucht, ist nebenan aufgelistet. Berücksichtigt man die Zeit, die ein Huhn für eine Sache aufwendet, das Ausmaß, in dem Hennen Verhaltensweisen gleichzeitig ausführen wollen, und den gewünschten Abstand zwischen den Hennen bei jedem Verhalten, kommt man pro Henne auf mindestens 2.200 cm² (4,5 Hennen/m²). Die bestehenden Systeme sind daher immer ein Kompromiss zwischen dem, was das Huhn braucht, und dem, was der Geflügelhalter bieten kann.

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„ Die S t a lle inr ic ht ung is t nur e in k le ine r Te il d e r H ühne r ha lt ung . S ie s e lb s t s ind e in w ic ht ig e re r Fa k t o r a ls S ie d e nk e n.“

Nicht alle Geflügelhalter nutzen das volle Potenzial ihrer Tiere. Das gilt sowohl für Legehennen- als auch Mastgeflügelhalter. Damit im Produktionszeitraum gute Leistungen erreicht werden, muss der Stall richtig und effizient eingerichtet und gemanaged sein. Aber woher wissen Sie, ob Sie es richtig machen? Ihre Tiere senden zahlreiche Signale aus: ob sie gesund sind, ob sie den Weg im Stall kennen und ob sie sich wohlfühlen.

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Marko Ruis studierte Biologie und ist seit 1994 als Forscher im niederländischen Universitäts- und Forschungszentrum Wageningen (Wageningen Universiteit en Researchcentrum) tätig. Er promovierte mit Untersuchungen über Mastschweine. Er erforscht Wohlbefinden, Verhalten und Gesundheit von Geflügel und Schweinen. Die Wissensvermittlung an Viehhalter und der landwirtschaftliche Unterricht sind für Ruis besonders wichtig. „Es ist viel Wissen vorhanden, aber es ist oft nicht zugänglich oder nicht verständlich. Als Forscher weiß man, wo man dieses Wissen findet, und muss es zugeschnitten anbieten.“

Erkennen Sie die Signale Ihrer Tiere? Und wissen Sie, was Sie tun müssen, wenn Sie zum Beispiel viele verlegte Eier haben oder wenn Ihre Küken zu viel Futter verschütten? Kennen Sie den Unterschied zwischen abweichendem dünnem Kot und gesundem Blinddarmkot? Und wie erkennen Sie Austrocknung, wenn die Tiere gerade eingestallt wurden?

Jos Heijmans ist als Tierarzt mit Spezialisierung auf Geflügelgesundheit beim niederländischen Gezondheidsdienst voor Dieren (GD) tätig. Seit 2003 ist er auch Teilzeit-Gastdozent an der veterinärmedizinischen Fakultät. Auch nach 23 Jahren fasziniert ihn Geflügel immer noch. Im GD ist die Beratung ein wichtiger Teil seiner Aufgaben: „Durch die Kombination meines Interesses für Sprache mit meiner umfassenden Erfahrung im Bereich Geflügelmedizin konnte ich viele Beiträge zu Artikeln und Geflügelzeitschriften leisten. Im Mittelpunkt steht dabei, die richtige Form des Transfers von der Wissenschaft in die Praxis zu finden.“ Koos van Middelkoop hat viel Erfahrung im Geflügelsektor, in Theorie wie Praxis. Nach dem Beginn seiner Laufbahn als Forscher im niederländischen Institut Het Spelderholt war er 13 Jahre als Genetiker in der Wirtschaft tätig. Danach kehrte er als Forscher zur Animal Sciences Group zurück. Seit 2003 arbeitet er als selbständiger Berater. „Die Unterschiede zwischen den Tieren, vor allem die erbliche Seite, faszinieren mich immer noch. Ich gehe in meinem Ansatz immer vom Tier selbst aus.” Sein Arbeitsgebiet umfasst derzeit die ganze Welt.

Praxisleitfaden für eine tiergerechte Hühnerhaltung

Erkennen Sie die Anzeichen für Probleme einmal, müssen Sie dafür sorgen, dass Sie das Arsenal an Maßnahmen kennen, mit dem Sie Ihre Herde wieder auf die richtige Bahn bringen. Außerdem sollten Sie wissen, was Sie berücksichtigen müssen, wenn Sie von Käfighaltung auf frei laufende Hühner umsteigen. Mit Lüftung, Beleuchtung und anderen Routinen können Sie vieles erreichen. Aber dazu müssen Sie auch alle Stärken und Schwächen Ihres eigenen Betriebs kennen und einschätzen können, was Änderungen bei Ihren Tieren bewirken. Hühnersignale hilft Ihnen auf zugängliche Weise, die Signale Ihrer Tiere in einem frühen Stadium wahrzunehmen, zu interpretieren und Handlungen zu setzen.

Hühnersignale® präsentiert auf zugängliche Weise praktisches Wissen über tiergerechte Hühnerhaltung.

www.roodbont.com

www.louisbolk.nl

www.livestockresearch.wur.nl

www.gddeventer.com

Praxisleitfaden für eine tiergerechte Hühnerhaltung

Monique Bestman studierte Biologie mit Schwerpunkt Tierverhalten an der Universität Wageningen (Niederlande). Seither betreibt sie schon 10 Jahre lang für das Louis Bolk Instituut Praxisforschung über das Wohlbefinden und die Gesundheit von Legehennen. Sie besucht häufig Geflügelbetriebe, hat verschiedene Bücher für Geflügelhalter publiziert und an nationalen und internationalen Studienclubs und Symposien teilgenommen. In den letzten Jahren widmete sie sich der Aufzucht, denn „jung gewohnt, alt getan - und das wird oft unterschätzt“, so Bestman.

Ve rb e s s e ru n g v o n E rg e b n is s e n u n d Tie rgesundheit

HÜHNERSIGNALE

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Di e Autor e n

Theoretisch wissen wir alle so ungefähr, wie es sein soll. Dennoch kann nicht jeder Geflügelhalter dieses Wissen in die Praxis umsetzen. In Hühnersignale werden daher nicht nur aktuelle Erkenntnisse besprochen, sondern vor allem auch die Frage behandelt, wie man sie in konkrete Handlungen umsetzen kann. Wenn Sie die Signale bewusst wahrnehmen und analysieren, können Sie Ihren Betrieb schrittweise optimieren.

Stufenplan für das Verbesserungsmanagement: 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7.

Was sehe ich? Woher kommt das? Ist das in Ordnung oder muss ich eingreifen? Wie löse ich das Problem? Wie verhindere ich, dass es in der Zukunft wieder auftritt? Nehmen Sie tatsächlich Änderungen vor. Sehen Sie sich an, ob sie die gewünschte Wirkung haben, und beginnen Sie, falls erforderlich, wieder bei Schritt 1.

Wenn Sie diese Schritte stets bewusst durchlaufen, verbessern Sie Ihre Betriebsergebnisse und außerdem das Wohlbefinden der Tiere. Gesunde und zufriedene Hühner sind schließlich auch zu Ihrem Vorteil.

HÜHNERSIGNALE PRAXISLEITFADEN FÜR EINE TIERGERECHTE HÜHNERHALTUNG

Poultry signals - German edition  

Praxisleitfaden für eine tiergerechte hünerhaltung

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