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Gras ist hochwertiges Futter aus kostenloser Sonnenenergie. Die optimale Nutzung von Grünland bringt also bares Geld.

Grünland ist eine komplexe Pflanzengemeinschaft, in der die Gräser den Ton angeben. Wie stimuliert man die verschiedenen Grasarten, Klee und anderen Pflanzen? Und nicht zu vergessen: Wie halten Sie das Bodenleben für ein gesundes Graswachstum intakt? Gesundes Grünland führt schließlich auf direktem Weg zu gesunder Milch. Grünlandsignale ist ein einzigartiger Praxisleitfaden, der Sie dabei unterstützt, Ihr Grünland noch besser zu nutzen. Das Buch behandelt alle Jahreszeiten anhand von drei Grundfragen: Was sehe ich? Was bedeutet das? Was muss ich tun? Sagt Ihnen die Temperatursumme, wann Sie mit der Düngung beginnen sollen? Der Nachteil ist, dass sie oberirdisch gemessen wird. Besser ist es, die Bodentemperatur zu messen, sich die Wurzelspitzen anzusehen oder andere Signale aus der Natur zu nutzen. Pflanzen fungieren oft als Indikator. So kann beispielsweise ein hoher Anteil von Einjähriger Rispe auf einen zu großen Beweidungsdruck hinweisen. Grünlandsignale bietet neue Erkenntnisse für die Verbesserung von Wachstum und Qualität Ihres Grases. Wollen Sie kein Gras darüber wachsen lassen? Dann machen Sie sich sofort an die Arbeit und holen Sie mit diesem Buch mehr Ertrag aus Ihrem Grünland.

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Praxisleitfaden für eine optimale Grünlandnutzung

Praxisleitfaden für eine optimale Grünlandnutzung Praxisleitfaden für eine optimale Grünlandnutzung

Grünland ist für Viehhalter der Futterlieferant. Aber Grünland ist nicht gleich Grünland. Das der Nachbarn ist manchmal tatsächlich grüner. Pflanzenertrag und -qualität variieren stark. Wodurch entstehen diese Unterschiede? Lesen Sie in Grünlandsignale, wie Sie Ihr Grünland für Ihren Zweck optimal bewirtschaften.

ISBN 978-3-7843-5116-2 I

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www.roodbont.com

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Berrie Klein Swormink

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Nick van Eekeren

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Bert Philipsen


Impressum Grünland-Signale I

Praxisleitfaden für eine optimale Grünlandnutzung

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Autoren Nick van Eekeren, Louis Bolk Instituut Bert Philipsen, Animal Sciences Group Berrie Klein Swormink, Klein Swormink Rural Business

Redaktion

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ke n n i s b ro n

Postbus 65 8200 AB Lelystad Niederlande T ++ 31 320 23 82 38 F ++ 31 0320 23 80 50 E info.asg@wur.nl

Hoofdstraat 24 3972 LA Driebergen Niederlande T ++ 31 0343 52 38 60 F ++ 31 0343 51 56 11 E info@louisbolk.nl

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Ton van Schie

Deutsche Bearbeitung

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Assinksteeg 1 7434 PR Lettele Niederlande T ++ 31 0570 54 14 96 F ++ 31 0570 54 32 73 E info@kleinswormink.nl I www.kleinswormink.nl

Hildegard Moritz, Redaktion top agrar

Mit Dank an

Robert Fakkert , Jan Hollander, Henk Jansen, Jos de Kleijne, Wichert Koopman, Praktijkcentrum Aver Heino, Henk Schilder, René Verhoeven, Jan Visscher, Marcel Vijn, Lex van der Weerd, Jan de Wit

Fotos

Berrie Klein Swormink, Louis Bolk Instituut, Animal Sciences Group Ferner: Agrifirm (94), Marcel Batten (78 r), Marcel Bekken (75 ru), Blgg (16) , Dreamstime (33 ru, 72 m und r, 73 l), Geometius (75 l), Google Earth (91 ru), Grasdrogerij Hartog (91 ro), Silvia Hellingman (73 ro), Rowie Klein Swormink (19, 61 m, 93 lu), LaMi (30 lo), Lely (61l), Twan Wiermans (10 ru, 24 ru, 36 lu, 44 ru), Wikipedia Commons, Benutzer „Rasbak“ ( 81 mo, ro und ru) Umschlagfoto: Twan Wiermans

Illustrationen Gerda Peters

Textredaktion Maud van der Woude Tekstwerk

Gestaltung bhgo, ontwerp voor web en druk 2

Postbus 4103 NL-7200 BC Zutphen Niederlande T ++ 31 0575 54 56 88 F ++ 31 0575 54 69 90 E info@roodbont.com

© Roodbont B.V., 2010 Kein Teil dieser Ausgabe darf ohne vorherige schriftliche Einwilligung des Herausgebers durch Druck, Fotokopie oder in anderer Form vervielfältigt und/oder veröffentlicht werden.

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Herausgeber und Redaktion haben den Inhalt dieser Ausgabe mit großer Sorgfalt und nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Herausgeber und Redaktion übernehmen jedoch keine Haftung für jegliche Art von Schäden, die durch Handlungen oder Entscheidungen aufgrund der Informationen in diesem Buch entstehen.

ISBN 978-3-7843-5116-2


Inhalt

6 Spätsommer 

Wachstum  Gräser  Klee für Stickstoff  Wechselhaftes Wachstum  Kreislauf aufrechterhalten 

2 Winterruhe 

4 6

Pflege durch Schafe  Maulwürfe Entwässerung  Bodenanalyse sinnvoll  Düngung will geplant sein  Dauergrünland oder Wechselgrünland?  Fruchtwechsel 

3 Das Grünland erwacht  Beurteilung der Durchwurzelung  Beurteilung des Bestandes  Kriterien für Neuansaat  Aufgepasst beim Wachstumsstart Weiß- und Rotklee  (Un-)Kräuter  Start mit der Düngung  Nährstoffeffizienz verbessern  Mineraldünger  Grünlanderneuerung  Pflügen, mischen, fräsen  Säen 

Inhalt

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4 Erster Schnitt in Sicht  Signalstellen  Ertragsschätzung  "Verwässerter" Ertrag  Neues Grünland braucht Aufmerksamkeit Wiesenvögel Weideformen  Wann auf die Weide?  Umtriebsweide  Intensive Standweide Der erste Silo-Schnitt Richtiger Schnitt-Termin  Düngung nach Plan  Tierischer Dünger 

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Grünland-Signale  1 Gras ist die Grundlage 

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23 24 25 26 27 28 30 31 32 34 35 36

5 Nach dem ersten Schnitt 

Wachstum und Blüte  Stumpfblättriger Ampfer  Gräser in der Blütezeit  Kleegras  Weißklee  Rotklee  Beweidung nach dem ersten Schnitt  Planung und Dokumentation  Mahd im Sommer  Strukturreiches Gras  Düngung im Sommer  Kuhfladen und Harnstellen  Beregnen oder nicht?  Naturschutzflächen 

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Kronenrost verhindern Sonstige Pilze  Mäuse Engerlinge  Spatendiagnose  Bodenverbesserung  Säen oder nicht säen?  Mähen? Rotklee!  Beweidung? Weißklee!  Rezepte für Kleegras  Frische, weiße Wurzeln  Zeigerpflanzen  Beweidung im Spätsommer  Mahd im Spätsommer  Herbstdüngung  Unkrautbekämpfung 

7 Übergang vom Herbst in den Winter  Qualitätsbeurteilung  Grünlanderneuerung  Beweidung im Herbst  Jungvieh länger auf der Weide  Trittschäden  Mahd im Herbst  Herbsternte von Kleegras  Winterfertig machen  Rückblick

Praktische Hilfsmittel  Index 

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In viehhalttenden Betrieben ist das Grünland meist die Grundlage für die Grundfutterversorgung. Ein guter Grünlandertrag hat großen Einfluss auf das wirtschaftliche Ergebnis des Betriebes. Daher ist es sinnvoll, dem Grünland die richtige Aufmerksamkeit zu widmen.

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Der Grünlandertrag ist sehr unterschiedlich. Er variiert grob gerechnet von 6 bis 16 t TM pro ha und Jahr. Teilweise lässt sich dies mit den unterschiedlichen Standortbedingungen wie Bodenart, Bodenfruchtbarkeit und Wasserversorgung erklären. Mit guter Grünlandbewirtschaftung kann man allerdings Ertrag und Qualität des Grases auch beeinflussen. In einem Milchviehbetrieb hängt der Grünlandertrag stark mit dem betriebswirtschaftlichen Ergebnis zusammen. Das Schöne an Grünland ist, das es viele Signale aussendet, die Sie für die Verbesserung des Managements nutzen können. Die Zusammensetzung der Grünlandnarbe verrät viel über Wachstumsbedingungen und Nutzung. So können Ihnen Zeigerpflanzen wichtige Hinweise für Entscheidungen bei der Bewirtschaftung geben. Diese Pflanzen sagen viel über die Bedingungen aus, unter denen sie wachsen. So zeigt z. B. Quecke eine schlechte Bodenstruktur an.

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Andere Signale, die häufig nicht beachtet werden, sind unter der Erdoberfläche zu finden. Der Boden unter Grünland ist ausschlaggebend für einen guten Ertrag. Bei einer optimale Bodenstruktur ist der Boden krümelig, speichert ausreichend Wasser und ist dennoch gut durchlüftet. Es gibt genug Bodenleben, die Pflanzenwurzeln haben genug Platz zum Wachsen und können über die benötigten Nährstoffe verfügen. Die regelmäßige Untersuchung des Bodens sollte ein fester Bestandteil der Grünlandbewirtschaftung sein. Manchmal lässt ist es nicht vermeiden, das Grünland grob zu behandeln. Allerdings sollten Sie wissen, wie weit Sie dabei gehen können. H


Nachschlagewerk Grünland-Signale ist kein Buch, das Sie von vorne bis hinten lesen sollen. In diesem Leitfaden ist Sehen und Nachdenken gefragt. Der Text und vor allem die zahlreichen Fotos und Illustrationen verdeutlichen, was auf, in und unter dem Grünland zu sehen ist. Sie sollen Ihnen dabei helfen, das eigene Grünland mit anderen Augen zu betrachten.

Suchbild In diesem Buch erwartet Sie immer wieder ein „Suchbild”. Diese Bilder sind dazu gedacht, Sie auf spielerische Art anzuregen, sich die abgebildete Situation noch genauer anzuschauen. Bewusstes Betrachten bringt Informationen, die Sie sonst schnell übersehen. Die Suchbilder helfen Ihnen dabei, über das nachzudenken, was Sie sehen.

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"Grasen" Sie selbst! Grünland-Signale ist kein Handbuch über Grünland. Deshalb sind die verschiedenen Teilbereiche der Grünlandbewirtschaftung auch nicht nach Themen geordnet. Sie orientieren sich vielmehr am Jahresverlauf. Manche Tätigkeiten, z. B. Beweidung, Schnitt oder Unkrautbekämpfung, sind mehrmals im Jahr aktuell. Daher finden Sie diese Tätigkeiten in Grünland-Signale auch an mehreren Stellen, immer aus dem Blickwinkel, der zum entsprechenden Zeitpunkt passt. Nutzen Sie diesen Leitfaden zum Schmökern. Bauen Sie die Informationen aus den Texten und Abbildungen in Ihre eigene Grünlandpraxis ein. Betrachten Sie es als Herausforderung, Ihr Grünland mit anderen Augen zu sehen und neue Signale wahrzunehmen. Der übersichtliche Index hinten im Buch ist eine Suchhilfe, die Ihnen das „Grasen“ in Grünland-Signale vereinfachen soll.

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Kapitel 1 Gräser haben sich im Laufe der Geschichte an Beweidung angepasst. Andererseits sind auch Wiederkäuer immer besser dazu in der Lage, Gras zu fressen und

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zu verdauen. Zu wissen, wie Gräser

Gras ist die Grundlage Im Laufe der Evolution hat sich Grünland an intensive, kurze Beweidung angepasst. Bisons treten z. B. in großen Herden auf, fressen das Gras kurz und ziehen dann weiter zum nächsten Stück.

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Grünland dient vor allem der Erzeugung von Futter für Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen). Die meisten Wiederkäuer leben von Natur aus in Herden, um sich vor Raubtieren zu schützen. Sie sind dazu in der Lage, schnell große Grasmengen zu fressen und sie später an einem sicheren Ort wiederzukäuen. Unter natürlichen Bedingungen weidet eine Herde in kurzer Zeit ein Gebiet ab und zieht dann weiter.

Die heutigen Weideformen der Portionsoder kurzen Umtriebsweide entsprechen am besten der natürlichen Beweidung: Kurz und intensiv. Wegen ihrer Form von Maul, Zunge und Lippen sind Wiederkäuer dazu in der Lage, Pflanzen nahe am Boden abzugrasen. Gräser sind ausgezeichnet an dieses Weideverhalten angepasst.

und andere Grünlandpflanzen wachsen, ist nützlich für eine gute Grünlandbewirtschaftung und eine optimale Grünlandzusammensetzung.

Kühe auf einer Grasnarbe, die kürzer als 10 cm ist, grasen zu lassen, ist unnatürlich und geht zu Lasten des Wachstums (z. B. bei intensiver Standweide). Die Pflanzen haben zu wenig Blattoberfläche, um die Wurzelreserven aufzufüllen. Das Wurzelsystem entwickelt sich weniger gut. Dadurch wird das Gras weniger widerstandsfähig gegen Dürre und Stress. H


Ohne Schnittnutzung oder Beweidung bekommen Gräser Probleme. Bei einem zu langen, zu dichten Bestand gelangt zu wenig Sonnenlicht nach unten an die jungen Seitentriebe. Die Folge: Die Triebe sterben ab. Nach Blüte und Samenbildung sterben auch die Halme ab. Die Grünlandnarbe versucht, durch erneute Seitentriebbildung intakt zu bleiben. Dadurch fehlt Energie, um die Wurzelreserven aufzufüllen. Die Graspflanze beginnt von der Mitte aus

abzusterben.

Dieses

Phänomen

war bis vor einigen Jahren häufig bei Naturschutzflächen zu sehen, als dort noch keine Weidetiere eingesetzt wurden.

Kapitel 1

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Gras ist die Grundlage

Nach Beweidung oder Schnittnutzung treibt Gras nach einigen Tagen wieder aus. Die dafür benötigte Energie holt die Pflanze aus den Wurzelreserven. Das Austreiben geht zu Lasten des Wurzelsystems, das teilweise abstirbt. In der ersten Woche nach dem Austreiben hat das junge Blatt nur eine kleine Oberfläche. Dadurch kann es wenig Energie speichern. Das erste Graswachstum ist daher auch langsam und kommt hauptsächlich aus den Wurzelreserven. Je größer die Blattoberfläche wird, desto mehr Energie kann die Pflanze aus Sonnenlicht speichern. Die Wachstumsgeschwindigkeit nimmt zu und erreicht ihr Maximum, wenn die gesamte Bodenfläche mit Blättern bedeckt ist. Das ist in der Regel der Fall, wenn der Grasertrag 1.200 kg TM/ha erreicht hat. Zu einem bestimmten Zeitpunkt ist die Sonnenenergienutzung dann so groß, dass die Graspflanze mehr Energie aufnimmt, als sie für das oberirdische Blattund Halmwachstum benötigt. Ab diesem Moment schleust die Pflanze wieder Energie in die Wurzeln. So entsteht immer wieder ein neues Gleichgewicht zwischen ober- und unterirdischer Biomasse.

Gras hat seine Vegetationspunkte nahe am Boden. Daher verschwinden die Vegetationspunkte nicht durch Beweidung, und die Pflanze kann innerhalb weniger Tage wieder austreiben.

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Vegetationspunkt

„Gras muss aus Gras wachsen” ist ein altes niederländisches Bauernsprichwort. Mit der Zunahme der Blattoberfläche von Gras steigt auch die Wachstumsgeschwindigkeit. Sie ist am höchsten, wenn der so genannte Maximumblattindex erreicht ist: Jeder Sonnenlichtstrahl gelangt dann auf ein Grasblatt. H

Grasertrag in kg Trockenmasse/ha

Gras wächst sich tot

Wuchs

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Dass sich Gras an das Weideverhalten angepasst hat, zeigen seine folgenden Eigenschaften:  Der Vegetationspunkt von Gräsern befindet sich nahe am Boden, so dass es nicht schnell durch Beweidung beschädigt wird. Bei den meisten anderen Pflanzenarten befinden sich die Vegetationspunkte an der Spitze der Pflanze.  Gras kann Energie in den Wurzeln speichern und später verwenden, um wieder auszutreiben.

maximaler Blattindex = maximales Wachstum

Zeit 7


Gräser Weltweit gibt es rund 8.000 Gräserarten. Die kleinsten Arten werden nur einige Zentimeter hoch, die größten können rund 6 m hoch werden. Viehhalter in den Niederlanden und im Norden Deutschlands haben es in ihrem Grünland nur mit einigen Dutzend Arten zu tun. Die Stärke der Gräser liegt in ihrer großen Zahl. In großen Mengen sind sie dazu in der Lage, andere Pflanzen größtenteils zu verdrän-

„Gras-Parfüm“

gen und eine dichte, ausgedehnte Narbe zu bilden. Gräser können sich vegetativ und generativ über Samen vermehren. Die vegetative (ungeschlechtliche) Vermehrung erfolgt manchmal über die Bildung von Seitentrieben, Rhizomen oder Ausläufern, aus denen neue Pflanzen wachsen. Mähen und vor allem Beweiden fördern die vegetative Vermehrung. Wo Vieh weidet, ist die Narbe oft dichter.

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Cis-3-Hexen-1-ol ist eine organische Verbindung, die für den Geruch von frisch geschnittenem Gras verantwortlich ist. Dieser „Blätteralkohol” ist

eine farblose, ölige Flüssigkeit, die in verschiedenen Grünpflanzen vor-

kommt. Dieses „Gras-Parfüm” sorgt auch für den Geschmack von grünem Tee. Eine Frühjahrsbearbeitung mit einer Striegelegge entfernt alte Blätter und belüftet den Boden. H

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Gräser und Weidetiere können nicht ohne einander. Weidetiere fressen nicht nur gerne Gras, sondern auch Pflanzen, die ansonsten größer werden würden als das Gras und ihm das Licht stehlen. Und natürlich düngen sie das Gras. H

Getreide wie Triticale und Mais sind zwar einjährig, gehören aber auch zur Familie der Gräser. H


Neben diversen Gräserarten gibt es auf dem Grünland auch viele andere Pflanzen. Teilweise handelt es sich um Arten, die bewusst zum Grünland hinzugefügt wurden, vor allem Klee. Es kann sich aber auch um weniger wünschenswerte Arten handeln, meist Unkräuter genannt. Klee lässt sich sehr gut mit Gras kombinieren, weil Klee – wie andere Leguminosen – die Fähigkeit besitzt, mithilfe von Bakterien und Wurzelknollen Stickstoff aus der Luft zu binden. Gras profitiert von dem Stickstoff, den Klee speichert und nutzt ihn für sein Wachstum und die Bildung von Eiweiß. Bereits im 15. und 16. Jahrhundert sammelten die Landwirte in den Niederlanden Erfahrung mit der Einsaat von Klee in ihr Grünland. Der Anbau war auf den armen Böden, für die wenig Dünger verfügbar war, jedoch nicht so einfach. Nach der Einführung von Mineraldünger Ende des 19. Jahrhunderts nahm das Interesse an Klee ab. Ende des vorigen Jahrhunderts waren es vor allem die Bio-Bauern, die auch weiterhin mit Klee in ihrem Grünland arbeiteten.

Kapitel 1

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Gras ist die Grundlage

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Klee für Stickstoff

G Es gibt verschiedene Weißkleearten: Kleinblättrige (echte Weidetypen), mittelgroßblättrige (Schnitt und Weide) und großblättrige (Schnitt, aber auch gut für Mähweiden).

In Grünland wachsen meist auch Pflanzen, die man nicht selbst gesät hat. Stumpfblättrigen Ampfer zum Beispiel sehen die meisten Viehhalter lieber nicht in ihrem Grünland. H

Von Grünland mit Rotklee kann man ohne mineralische Stickstoff-Düngung Erträge von mehr als 15 t TM/ha und Jahr ernten.

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Mit entsprechendem Grünlandmanagement können Sie das Verhältnis zwischen Gras und Klee beeinflussen. H

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Kleiner Sauerampfer enthält Oxalsäure. Das kann bei Rindern und Schafen Durchfall verursachen. Viel Oxalsäure kann die Calcium-Aufnahme blockieren. Kleiner Sauerampfer ist ein Indikator für einen niedrigen pH-Wert.

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Rotklee enthält Phytoöstrogen, das Ähnlichkeit mit dem Hormon Östrogen bei Mensch und Tier hat. Insbesondere bei Schafen kann die Aufnahme von Rotklee während der Deckperiode eine negative Auswirkung auf die Fruchtbarkeit haben.

„Kamel-Grafik” ist ein geflügeltes Wort für das Graswachstum im Laufe einer Wachstumsperiode. Oft gibt es ein Tief im Juni/Juli. Dadurch weist die Entwicklung zwei „Höcker“ auf. Die hellgrüne Linie zeigt das Graswachstum in einem Jahr mit einem warmen Frühjahr und einem nassen Sommer. Die dunkelgrüne Linie zeigt ein Jahr mit einem kalten Frühjahr und einem trockenen Sommer. H

Graswachstum in kg TM/ha/Tag

April

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Mai

Das Graswachstum ist nicht das ganze Jahr über gleich. Deshalb ist die ständige Beobachtung der Entwicklung sehr wichtig. Nach der Winterruhe kommt das Graswachstum im Frühjahr in Gang, wenn der Boden genug aufgewärmt ist. Sind die Wachstumsbedingungen gut, hängt das Graswachstum vor allem von Licht und Temperatur ab. Im Frühjahr nimmt das Wachstum schnell zu und erreicht im Mai eine Spitze. Danach nimmt die Wachstumsgeschwindigkeit allmählich

ab, bis das Graswachstum im Oktober/ November nahezu aufhört. In der Praxis weist das Graswachstum oft im Juni/Juli ein Tief auf (siehe Grafik). Mehrere Ursachen scheinen dabei eine Rolle zu spielen: Relativ große erste und zweite Silo-Schnitte mit Aufwuchsverzögerung als Folge, botanische Zusammensetzung, Wasser- und Mineralstoffmangel und hohe Temperaturen. Der Zeitpunkt, an dem das Sommertief auftritt, kann von Jahr zu Jahr unterschiedlich sein.

Deutsches Weidelgras ist die am häufigsten verwendete Gräserart. Sie liefert viel Ertrag, reagiert stark auf Stickstoffdüngung und fühlt sich im gemäßigten Klima mit nicht zu extremen Wachstumsbedingungen wohl. Weidetiere fressen gerne Deutsches Weidelgras. H

Schwarz verfärbte Rotkleeblätter im Silo sind ein positives Signal. Die Schwarzfärbung entsteht durch das Enzym Polyphenoloxidase (PPO) in Rotklee. Ein positiver Effekt dieses Enzyms ist, dass es das Eiweiß im Silo vor Zersetzung schützt. PPO begegnet man im Alltag öfter. Der Stoff sorgt zum Beispiel auch für die Schwarzfärbung von Bananen. H

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Wechselhaftes Wachstum

Juni

Juli

August

September

Oktober


Kreislauf aufrechterhalten

Aussaat für eine gute Durchwurzelung zu sorgen, ist sehr wichtig. Damit wird das „Schwungrad“ des Zyklus in Gang gesetzt. H

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Arbeiten Sie mit Maschinen, die den Boden möglichst wenig belasten. Wichtig ist ein niedriger Reifendruck. Mit einer Reifendruckregelanlage, wie sie dieser selbstfahrende Grünlandinjektor hat, kann man den Reifendruck auf dem Grünland so weit wie möglich senken. H

Eine Grasnarbe mit einem guten Wurzelsystem ist für einen Viehhalter das wichtigste Instrument zur Bodenverbesserung. Gräser haben viele dünne Wurzeln, die alles durchdringen. Die Stimulation der Durchwurzelung hat einen positiven Effekt auf Bodenleben und Bodenstruktur. Diese wiederum sind günstig für die Durchwurzelung. So kann das Gras besser wachsen, und die Wurzeln kön- Gras, Wurzeln, Bodenleben und Boden bilden einen Kreislauf. Ab der nen sich besser entwickeln.

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Gräser, Wurzeln, Bodenleben und Boden bilden einen Kreislauf. Wurzeln wachsen und sterben wieder ab. Es ist ein kontinuierlicher Prozess, bei dem viel organische Substanz in den Boden gelangt. Das Bodenleben wandelt dieses Material in Nährstoffe für das Pflanzenwachstum um und schafft Raum für das Wurzelwachstum. Eine gute Grasnarbe bildet jährlich gut 4.500 kg/ha Wurzelmasse.

Nahrung Bodenleben Lebensraum Bodenleben

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Pflanzenertrag Nährstoff- und Wasseraufnahme Durchwurzelung

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Gras ist die Grundlage

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Bodenstruktur Nährstofffluss Krankheitsabwehr

Frisches Gras, gesündere Milch Das Gras beeinflusst die Zusammensetzung der Milch. Kühe, die viel frisches Gras fressen, erzeugen Milch mit einem hohen Anteil an gesunden, ungesättigten Fettsäuren, auch CLA genannt. Dabei handelt es sich vor allem um Omega-3Fettsäuren. Insbesondere Linolensäure, die sich in großen Mengen in jungem Gras findet, scheint die Milchzusammensetzung positiv zu beeinflussen. Es zeigt sich, dass Kühe bei Weidegang gesündere Milch erzeugen als Kühe, die das Gras über Sommerstallfütterung im Stall bekommen. Der Grund dafür ist, dass weidende Kühe vor allem die Spitzen der Graspflanzen fressen, und genau darin befindet sich viel Linolensäure.

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Gras ist hochwertiges Futter aus kostenloser Sonnenenergie. Die optimale Nutzung von Grünland bringt also bares Geld.

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Grassland signals - German edition  

Praxisleitfaden für eine optimale Grünlandnutzung

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