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Kartoffel Praxisleitfaden f端r einen erfolgreichen Kartoffelanbau

Kees van Loon Han Hammink

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Impressum Kartoffelsignale Praxisleitfaden für einen erfolgreichen Kartoffelanbau

Mit Dank an Marcel Tramper, Aaldrik Venhuizen, Luc Remijn, Egbert Schepel, Gerlof Tempelman, Jaap Delleman und Peter Hammink

Autoren Kees van Loon, Han Hammink

Deutsche Bearbeitung Landwirtschaftsverlag GmbH 48084 Münster Übersetzung Agrolingua

Postfach 4103 7200 BC Zutphen Niederlande T +31 (0)575 54 56 88 F +31 (0)575 54 69 90 E info@roodbont.com I www.roodbont.com

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Inhaltsredaktion Mink Vermeer, Sierd Folkertsma, Christian de Vries , Romke Wustman und René Kremers

© Roodbont Publishers B.V., 2013

Illustrationen Gerda Peters

Kein Teil dieser Ausgabe darf ohne vorherige schriftliche Einwilligung des Herausgebers

Layout Looksee - Arnheim, Studio Hiddink - Doetinchem

durch Druck, Fotokopie oder in anderer Form vervielfältigt und/oder veröffentlicht werden.

Herausgeber und Autor haben den Inhalt dieser Ausgabe mit großer Sorgfalt und nach

Fotografie Bayer CropScience, Arjan Bos, Han Hammink, HLB, NAK, Hans Prinsen, Harry Schreuder, Syngenta Crop Protection.

Ferner: Agrocentrum B.V. (28r, 29ul, 32mr, 32ol, 32or), Agri 2.0 (14r, 34o, 37ol, 38um, 39l, 40o), Agrifac (39m, 49l, 54o), Basfoord (29ur), Buizer Advies (42br), DLV Bouw, Milieu en Techniek (99r), DLV Plant (93l), Evers Agro (36u), Gebr. Smits B.V. (49r), Herman Krebber (33r), HZPC (8o), Maccain Foods Holland (102), Miedema (16l, 19t, 20bm, 23r, 26t, 29t, 31l, 35or, 35ur, 36or, 36ol, 37ol, 37,or, 38ur, 96m, 97r, 106r), Opticrop (44l), Pluimvers Isolatie B.V. (107ur, 109r), Profyto B.V. (95l), Steketee B.V. (44r), Tolsma Techniek (105l). o = oben, u = unten, l = links, r = rechts, m = Mitte

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bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Herausgeber und Autor übernehmen jedoch keine Haftung für jegliche Art von Schäden, die durch Handlungen oder Entscheidungen aufgrund der Informationen in diesem Buch entstehen.

ISBN 978-3-7843-5253-4


Inhaltsverzeichnis 4

1

Kartoffelanbau

6

2

Vorbereitungen für den Anbau

12

3

Sortenwahl und Pflanzgut

16

4

Düngung

26

5

Bodenbearbeitung, Pflanzen und Dammaufbau

34

6

Unkrautbekämpfung

7

Bewässerung

8

Bereinigung bei Pflanzkartoffeln

9

Krankheiten

10 Schädlinge 11 Symptome und Knollenmängel 12 Ernte 13 Einlagerung und Lieferung Stichwortverzeichnis

Inhaltverzeichnis

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Einleitung

42 46 50 54 78 88 92 98

112

3


Einleitung

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Viele Landwirte haben sich auf den Kartoffelanbau spezialisiert.

Dennoch gibt es immer Verbesserungsmöglichkeiten, durch die sich beispielsweise höhere Erträge erzielen lassen. Auch der erfahrenste Kartoffelbauer lernt nie aus.

Durch den Besuch von Feldtagen, durch Ihre eigene Erfahrung und durch Ihre Ausbildung können Sie viel lernen. Kartoffelsignale ist eine Ergänzung hierzu und soll jedem, der sich mit dem Kartoffelanbau beschäftigt, in erster Linie praktische Hinweise und Anregungen bieten. Damit das Buch möglichst handlich bleibt, musste eine Auswahl getroffen werden. Nicht alle Aspekte des Anbaus kommen daher zur Sprache. Stattdessen können Sie durch interessante Informationsblöcke „zappen“. Sämtliche Fotos, Textfelder und Bildunterschriften seine eigenständige Informationsquellen.

Schauen, denken, handeln Kartoffelsignale ist kein Lehrbuch, sondern ein Praxisleitfaden. Es werden keine vorgefertigten Rezepte angeboten. Stattdessen geht es darum, auf die Signale, die die Pflanze gibt, zu achten. Die Bildinformationen helfen Ihnen bei der Interpretation Ihrer Beobachtungen und bei der Umsetzung Ihrer Ziele. Schauen, Denken, Handeln - das sind die Schlüsselbegriffe in diesem Buch:  Was sehen Sie?  Was bedeutet das?  Und wie können Sie darauf reagieren? Zudem findet sich in diesem Buch eine Vielzahl an Tipps und praktischen Schemata, die Sie bei Ihren Entscheidungen in der Vegetationszeit unterstützen sollen.

Was verursacht Knollenmissbildung? Ein kurzer Wissenstest: Kennen Sie die Antwort oder die Antworten?  zu wenig Feuchtigkeit  zu viel Feuchtigkeit  Probleme mit der Bodenstruktur  Anfälligkeit der Sorte  hohe Dammtemperaturen  übermäßige Stickstoffdüngung

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Gliederung dieses Buches

Nachschlagewerk Es handelt sich nicht um ein Buch, das Sie von vorne bis hinten lesen sollen, sondern um ein Buch zum Nachschlagen und Schmökern. Kartoffelsignale regt zum Nachdenken an. Zahlreiche Abbildungen und Illustrationen zeigen bekannte und neue Bilder von dem, was sich auf einem Kartoffelfeld abspielt. Dieses Buch regt dazu an, Kartoffeln mit anderen Augen zu betrachten. Auf diese Weise bekommt Betriebsblindheit bei Ihnen keine Chance.

Einleitung

„Die dümmsten Bauern ernten die dicksten Kartoffeln“, so lautet ein altes Sprichwort. Soll heißen: Mit Glück kommt man oftmals weiter als mit Verstand. Natürlich stimmt das nicht. Sie können Ihren Ertrag durchaus beeinflussen. Ein Landwirt ist ein Fachmann. Und wer sein Fach gut versteht, erntet die Früchte seiner Arbeit, auch wenn ohne Glück niemand gut auskommt. Schließlich hat man nicht alles in der Hand.

Suchbild: : Genaue Beobachtung führt zu Verständnis Verständ dnis In diesem Buch sind hier und da „Suchbilder“ zu finden. Sie sollen auf spielerische Weise dazu auffordern, eine abgebildete Situation noch genauer unter die Lupe zu nehmen. Bewusstes Schauen liefert Informationen, die man sonst schnell übersieht.

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Kartoffelsignale behandelt alle wichtigen Stadien des Kartoffelanbaus. Es beginnt bei den Vorbereitungen für den Anbau und reicht bis hin zur Einlagerung und Auslieferung der Kartoffeln. Es wird zwischen Speise- und Pflanzkartoffeln unterschieden. Viele Aspekte werden anhand von Abbildungen und Illustrationen erläutert: kurz, klar und verständlich.

Die Evolution des Landwirtes: Im Laufe der Geschichte hat sich der Landwirt im buchstäblichen und übertragenen Sinne immer weiter von der Pflanze entfernt. Manche der neuen Technologien vergrößern diese Distanz noch weiter, andere, wie Satellitenbilder, liefern sinnvolle Zusatzinformationen. In jedem Fall ist es sinnvoll, regelmäßig vom Traktor zu steigen und den direkten Kontakt zu den Pflanzen zu suchen. 

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2 Vorbereitungen für den Anbau Die meisten Böden sind für den Anbau geeignet

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Kartoffeln wachsen auf allen Böden, am besten dann, wenn Düngung und Bewässerung auf die Gegebenheiten vor Ort abgestimmt werden. So ist das Ernterisiko bei besonders schweren Lehmböden in Regionen, in denen es während der Erntesaison zu Niederschlägen kommen kann, aufgrund des zu nassen Bodens höher. Eine klutenfreie Ernte ist oftmals nicht möglich. Leichte Lehm- und humose Sandböden eignen sich in diesen Regionen normalerweise am besten für den Kartoffelanbau. Auch auf steinigen Böden ist ein Anbau möglich, vorausgesetzt, es werden adäquate Maßnahmen ergriffen und geeignetes Material eingesetzt. Schwarzerden wie in der Magdeburger oder Hildesheimer Börde sind besonders fruchtbar und eignen sich hervorragend für ertragreiche Kartoffelkulturen. Allerdings können die Erzeugnisse auch nach dem Waschen noch eine dunklere Schale aufweisen. Prüfen Sie daher vorab die Anforderungen der Abnehmer.

Die Kartoffel ist eine Pflanze, die für viele Krankheiten und

Schädlinge anfällig ist. Durch eine vielseitige Fruchtfolge kann der Schaden begrenzt werden. Bei der Feldwahl ist auf die Vorfrucht sowie das Vorhandensein von bodenbürtigen Krankheiten und Schädlingen, wie Kartoffelzystennematoden, zu achten.

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Vielseitige Fruchtfolge Wenn Kartoffeln öfter auf derselben Parzelle angebaut werden, sinkt der Ertrag. Dies wird vor allem durch bodenbürtige Krankheiten und Schädlinge verursacht, beispielsweise Verticillium, Colletotrichum und Rhizoctonia. Zudem besteht die Gefahr von gelben und weißen Kartoffelzystennematoden. Im Falle eines Befalls – infolge zu enger Anbaufolgen auf der Fläche – sollten dort nur noch resistente Kartoffelsorten angebaut werden. Der Anbau von Pflanzkartoffeln ist nicht mehr erlaubt. Aus landwirtschaftlicher Sicht ist eine Anbauhäufigkeit von einmal in vier Jahren (1:4) das Maximum. Allerdings gibt es verhältnismäßig viele Speisekartoffelerzeuger, die im Verhältnis 1:3 anbauen. Sie nehmen erhebliche Ertragseinbußen durch bodenbürtige Krankheiten/Schädlinge in Kauf und bauen notfalls nematodenresistente Sorten an. Solche Sorten sind bei einem Befall durch weiße Kartoffelzystennematoden nur in sehr begrenztem Maße verfügbar.


Einmal in drei Jahren

Vermeidung von Nematodenschäden Sorten zum Anbau kommen. Falls bei Bodenuntersuchungen lebende Zysten gefunden werden oder die optische Inspektion einer Parzelle die Anwesenheit von Nematoden ergibt, gilt die betreffende Parzelle bzw. der betreffende Parzellenteil als kontaminiert.

Zahlreiche Nematodenarten können Schäden an Kartoffeln verursachen. Auf dem Feld sind sie in Form von Fehlstellen zu sehen. Mitunter lässt sich an den Knollen erkennen, welcher Erreger den Schaden verursacht hat. So ist Pfropfenbildung die Folge eines Virusbefalls mit dem Tabak-Rattle-Virus, das durch Trichodorus-Arten übertragen wird, während Meloidogyne chitwoodi und M. fallax Knollen mit einem rauen und wulstigen Äußeren verursachen. Um mit Sicherheit festzustellen, ob eine Parzelle mit Nematoden befallen ist, müssen Bodenproben analysiert werden. Auf diese Weise lassen sich Nematoden gezielt bekämpfen.

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Um eine Nematodenausbreitung zu verhindern, hat die EU gesetzlich festgelegt, dass Pflanz- und Speisekartoffeln nicht auf befallenen Kartoffelflächen angebaut werden dürfen. Ausnahmen bestehen, wenn vor einem bestimmten Datum geerntet wird (Frührodungsregelung) oder resistente

Um einen Befall durch Kartoffelzystennematoden festzustellen, empfiehlt sich eine intensive Nematoden-Untersuchung. Ist der Befund positiv, lassen Sie auch Art und Typ bestimmen, sodass überprüft werden kann, ob die Sorten gegen diese Nematoden resistent sind. Pflanzkartoffeln sollten ausschließlich auf Parzellen angebaut werden, die frei von Kartoffelzystennematoden sind. 

Auswirkung der Anbauhäufigkeit auf den Ertrag

Knollen mit M. chitwoodi-Befall.



Pfropfenbildung infolge des TabakRattle-Virus, das durch TrichodorusNematoden übertragen wird. 

110 Ertrag (in %)

100 90

(nach Gerste) (nach Zuckerrübe)

80 70 1. Mal

1:6

1:4

1:3

2 Vorbereitungen für den Anbau

Kartoffeln

13


Wahl der richtigen Vorfrucht nen zu Ertragseinbußen von bis zu 5 % führen. Mehrjähriges Gras als Vorfrucht sowie erstmals kultiviertes Land bergen ebenfalls Risiken. Es besteht die große Gefahr von Drahtwurmschäden und Schorfbefall. Des Weiteren ist die Freisetzung von Stickstoff durch die Mineralisierung aus organischen Stoffen schwierig zu bestimmen. Auf schorfanfälligen Parzellen sollten besser keine Pflanz- oder Speisekartoffeln angebaut werden, es sei denn, die Bodenfeuchtigkeit wird durch Bewässerungsmaßnahmen kontrolliert.

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Beachten Sie, dass die Vorfrucht den Erfolg Ihres Kartoffelanbaus beeinflusst. 

Wählen Sie die Vorfrucht nach Möglichkeit sorgfältig aus. Als am besten geeignete Vorfrüchte für Kartoffeln gelten z.B. Getreide. Im Allgemeinen hinterlassen sie eine gute Bodenstruktur und fördern keine bzw. kaum bodenbürtige Kartoffelkrankheiten und -schädlinge. Weniger geeignet ist die Zuckerrübe, die einen Ertragsverlust von bis zu 10 % nach sich ziehen kann. Leguminosen wie Soja, Erbsen, Bohnen, Klee oder Luzerne, sind keine guten Vorfrüchte für frühe Kartoffelsorten, die anfällig für Verticillium-Welke sind. Sie kön-

Überprüfung der Vorgeschichte Bevor Sie Kartoffeln anbauen, sollten Sie sich unbedingt über die Vorgeschichte der betreffenden Parzellen informieren. Sammeln Sie daher vorab Informationen über die Häufigkeit des Kartoffelanbaus, die Vorfrüchte, die Anwesenheit von Wurzelunkräutern und die Existenz bodenbürtiger Krankheiten und Schädlinge. Falls keine Angaben über Kartoffelzystennematoden bekannt sind, empfiehlt sich eine entsprechende Bodenuntersuchung.

Lassen Sie auf Feldern, deren Vergangenheit Ihnen nur unzureichend bekannt ist, im Frühjahr stets eine Bodenuntersuchung über den Gehalt an mineralischem Stickstoff durchführen. Nur so können Sie die Stickstoffaufnahme optimieren. 

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Entwicklungsstadien der Kartoffel Die Entwicklung einer Kartoffelpflanze lässt sich in sechs Hauptstadien unterteilen: Keimung, Auflaufen, Knollenbildung, Blüte, Knollenausbildung und Abreife.

Sämtliche Stadien sind in den folgenden Zeichnungen dargestellt. Ab Kapitel 4 (Düngung) wird mithilfe einiger Zeichnungen angegeben, in welchem

Pflanzenstadium eine bestimmte Arbeit am besten durchgeführt werden kann.

Auflaufen

Knollenbildung

Blüte

Nach dem Pflanzen wachsen die oftmals bereits auf der Knolle vorhandenen Keime weiter. Gleichzeitig werden Wurzeln gebildet. Je nach Bodentemperatur, physiologischer Entwicklung des Pflanzguts und Sorte beträgt der Zeitraum zwischen Pflanzen und Auflaufen drei bis vier Wochen.

Sobald die Keime aus der Erde kommen, werden am oberirdischen Teil der Keime, dem Stängel, Blätter gebildet. In den ersten Wochen nach dem Auflaufen kommt es nicht nur zu einem starken Krautwachstum, sondern auch zu einem schnellen Wurzelwachstum.

Bei vielen Sorten beginnt die Knollenbildung zwei bis drei Wochen nach dem Auflaufen. Ein hohes Stickstoffangebot und niedrige (Nacht-) Temperaturen können die Knollenbildung jedoch verlangsamen. Bei späten Sorten kann sich die Knollen bildung um einige Wochen verzögern. Außerdem werden dann weniger Knollen gebildet.

Die Blütenentwicklung ist nicht bei allen Sorten gleich. Einige Sorten blühen auch gar nicht. Andere wiederum treiben eine Blüte ohne Hüllblätter. Bei einer späten Stickstoffnachlieferung neigen einige Sorten zu einer zweiten Blüte.

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Keimung

Knollenausbildung Sobald die Knollenausbildung einsetzt, verlangsamt sich das Krautwachstum. Bei einem ausreichenden Angebot an Feuchtigkeit und Stickstoff kann das Krautwachstum verlängert werden.

Abreife Wenn die Krautmenge abnimmt, beginnt die Abreife.

BBCH-Skala

03

09

2 Vorbereitungen für den Anbau

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91

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