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Editorial Veränderungen 2019: Mehr Magazin, mehr Information, mehr Storys, und das alles kompakt er alle Jahre dasselbe tut,

W

Führung, das kann schon auch nerven.

läuft Gefahr einzuschlafen

Dieser Wahnwettbewerb, das grösste

und die Aufmerksamkeit

und erfolgreichste Magazin zu haben,

für den steten Wandel der Welt zu ver-

das kümmert mich heute herzlich

lieren, der um ihn herum geschieht. So

wenig, es muss bloss gefallen. Wir

geht es auch uns. Immer wieder müssen

haben deshalb das Magazin verkleinert

wir uns wandeln, uns neu erfinden,

und damit handlicher und kompakter

neue Akzente setzen, uns von Neuem

gemacht und entsprechend auch das

interessant machen, wollen wir die un-

Layout überarbeitet und damit ver-

geteilte Aufmerksamkeit unserer Fans,

sucht, die Leserlichkeit zu verbessern.

unserer Leser und unseres Anhangs nicht verlieren.

Auch der Umfang hat nochmals deutlich zugenommen und das bedeutet

Nach über 12 Jahren war ich das über-

noch mehr Berichte über Radsportler,

grosse Format unseres Magazin Sport-

Ferienregionen für Biker und ausge-

guide leid. Das Heft konnte man

suchte Bikes, E-Bikes und Rennräder.

manchmal beinahe als Fächer benutzen, die Seiten hingen durch, es war zu

Ich hoffe, das neue Layout und das

hoch und alles in allem gefiel es mir

neue Format gefällt unseren Leserin-

schon länger nicht mehr. Eine Zeit lang

nen und Lesern so gut wie uns. Ihre

haben die Verleger im deutschsprachi-

Anregungen nehmen wir sehr gerne

gen Europa einen richtigen Wettbe-

entgegen. Nun bleibt mir nur noch,

werb in Sachen Grösse und Maximie-

allen Leserinnen und Lesern viel Spass

rung des Formates unternommen. Ge-

mit der Ausgabe zu wünschen.

rade in Deutschland versucht man mit grossformatigen Magazinen die kleinere Konkurrenz am Kiosk zu überde-

Der Herausgeber Rolf Fleckenstein

cken. Gerade in Deutschland, wo es mehr als nötig Verlage gibt, die stolz auf ihr Magazin schreiben, sie seien das „grösste” Magazin in Europa und zwar nicht in Sachen Format, sondern in Sachen Reichweite, was einen gerne an die 30er Jahre Deutschlands erinnert, immer diese Sucht nach der totalen

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Henrique Avancini Der Brasilianer hat letzte Saison den Weltmeistertitel im Cross Country Marathon geholt. Wir erzählen über den unglaublich harten Weg und den steten Kampf des MTBikers aus ärmlichen Verhältnissen in Rio an die Weltspitze.

84 12 Ridley Noah Fast Ridley hat sein Aero-Bike vollständig überarbeitet und gehört damit nun zur Oberklasse. Alles über die Details und Eigenheiten des Aero-Renners erfährt man auf Seite 12.

Lapierre EZesty: MTB oder E-MTB? Lapierre hat mit dem eZesty eine neue Kategorie von E-Mountainbike entwikkelt, die sportliche MTBiker anspricht. Mit wenigen Handgriffen wird aus dem leichten E-MTB zudem ein MTB.

36 UYN Bikewear Nach dem fulminanten Start der Marke „Unleash your Nature” im vergangenen Winter präsentiert die italienische Funktionsunterwäsche eine sehr stilvolle und ebenso multifunktionelle Bikewear für Radfahrer und Radsportler.

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Vali Höll Erst gerade im Weltcup gestartet, entpuppt sich das junge Donwhill-Talent aus Österreich gleich zum Superstar, nachdem sie alle Weltcup-Rennen gewinnt und auch bei der WM die Goldmedaille holt.

Inhalt 4

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Bike-Neuheiten 10 Storck E:drenalin, Pure Cycling 11 Cervélo P5X Lamborhini, Trek Domane+, BESV 13 Lapierre eXelius 14 BH Atom X Carbon 15 Haibike Flyon

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Ridley Noah Fast Das Aero-Bike der Oberklasse

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UYN Bike: Stilvoll, sportlich, multifunktionell

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Lapierre eZesty MTB, E-MTB oder beides?

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Pearl Izumi Das Geheimnis der Wasserperlen

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Pendix Nachrüsten ist auch ’was für coole Jungs

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Tom Dumoulin Auf der Erfolgswelle mit dem Team Sunweb

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Henrique Avancini Die MTB-Entdeckung des Jahres 2018

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UCI E-MTB Weltmeisterschaft 2019

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Radsport-Athleten 58 Alejandro Valverde, Thomas Geraint, John Degenkolb 59 Jaroslav Kulhavy, Jolanda Neff, Sina Frei 60 Luca Shaw, Emily Batty, Danny Hart

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Valentina Höll Österreichs Downhill-Supertalent

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Salzkammergut Alpenländische Idylle für Roadbiker

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Eggental Die Mountainbike-Welt von Latemar, Carezza-Trail und Rosadira

84

Limone Piemonte Über die spektakuläre Militärstrasse direkt an die Riviera

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Matthias Danois in Santorini Freestyle naked

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Impressum

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Bikferien In dieser Ausgabe haben wir drei Ferienregionen näher vorgestellt, darunter eine Rennradregion und zwei Regionen für Mountainbike-Ferien mit Touren, Adressen und wichtigen Detailinformationen.

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Dies&Das Allerlei Spannendes & Neues aus der Welt des Radsports & der Bike-Industrie

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Dies&Das

Supacaz x Nalini Flyin’ Hawaiian

Bunt & Sexy Die kalifornische Marke Supacaz hat es sich zum Ziel gesetzt, die sexysten Produkte für Biker zu entwickeln. Für Schweizer Verhältnisse braucht so ein Dress nicht nur eine gute Figur, sondern auch Mut, so paradiesisch und exotisch aus der Menge herauszustechen. Doch das ist endlich mal ’was anderes als der übliche Rennradstil. Es hat Klasse, Vitalität und ein besonders positive Energie mit der exotischen Feriennote. Weitere sexy Dresses, die in Zusammenarbeit mit dem italienischen Radbekleidungshersteller Nalini entstanden, findet ihr auf der Website www.supacaz.com. Dort schlägt der einzigartige Dress mit $ 380.00 zu Buche. Was das gute Stück in der Schweiz kostet, fragt ihr am besten bei www.gprag.ch nach.

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Horst Brozy

Supacaz Bling Tape

Hübscher, edler,... Wer seinem Lenker den ganz speziellen Look verpassen will, dem bietet die Marke Supacaz 15 verschiedene Bling Tape-Modelle mit jeweils bis zu 12 Farbvariationen zur Auswahl. Gleich ob der Lenker in Chrom verkleidet sein soll, die Farben eines Landes repräsentieren oder einfach in einer edlen Farbe glänzen wie hier mit dem Modell Bling Tape in Gold, der Lenker und das Bike erhalten eine ganz neue und individuelle Note. Alles weitere findet ihr unter www.supacaz.com oder unter www.gprag.ch.

Sagenhafte Sportgemälde Jeder, der sich nur ein wenig für Kunst interessiert, kennt das Problem: Das Bild und den Künstler, den man eigentlich sucht, findet man nie. Den Horst Brozy habe ich zufällig entdeckt und den müssen andere auch unbedingt kennenlernen. Er ist ein sympathischer Zeitgenosse und kennt als ehemaliger Radrennfahrer alle Grössen im Radsport persönlich. Er trägt das Herz auf der Zunge und auf dem Pinsel und so sind auch seine Bilder: Geballte Emotionen, pure Kraft und Energie. Gleich ob Alejandro Valverde, Tom Dumoulin, Marianne Vos, Marcel Kittel, Elia Viviani oder Eddy Merckx. Alle grossen Stars des Radsports sind auf seinen faszinierenden Bildern gebannt. Die abgebildeten Originale sind ab € 1750 zu haben und damit mehr als erschwinglich. Wer ein besonderes Bild aus dem Radoder Motorsport sucht, findet es bei ihm oder lässt es von ihm anfertigen. Alles andere erfährt ihr unter www.horst-brozy.de.

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Citi-Bike New York

E-Bike Expansion Schneller als zu Fuss, billiger als ein Taxi und mehr Spass als die U-Bahn. Citibike rüstet auf, um den Touristen New Yorks eine Alternative zu den traditionellen Verkehrsmitteln zu bieten. Citi-Bike ist das größte Fahrrad-SharingProgramm in New York mit 12’000 Bikes und 750 Stationen in Manhattan, Brooklyn, Queens und Jersey City. Der nun anstehende Plan von Citi-Bike ist es, die Flotte in den kommenden Monaten um 4’000 Elektrofahrrädern aufzustocken. Wenn diese Expansion abgeschlossen ist, wird etwa ein Drittel aller Citi-Bikes in der Flotte elektrisch sein! Darüber hinaus fügt Citi-Bike derzeit 13 neue Citi-

Bike-Stationen zu den verkehrsreichsten Gebieten hinzu und 2’500 weitere Verriegelungs-Depots zu bestehenden und neuen Stationen, um die Fahrräder sicher parken zu können.

Ekoi

Ausgefallen und kreativ Offensichtlich gibt es immer mehr Anbieter, die weg wollen von langweiliger industriedesignter Bikebekleidung. Der im südfranzösischen Fréjus ansässige Betrieb mit Vertretern in Deutschland und Österreich arbeitet als OnlineHändler. Einen Schweizer Vertrieb gibt es aktuell noch nicht und das scheint wohl nicht das dringlichste Problem für die Franzosen zu sein. Schweizer müssen sich an den deutschen Vertreter wenden. Die Marke hat generell gute Bewertungen, wenngleich man auch immer wieder einmal damit leben muss, dass die gelieferte Grösse nicht passt, aber auch der Umtausch soll reibungslos funktionieren. Wer ausgefallene Bikewear sucht, schaut hier einmal rein: www.ekoi.com.

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absoluteBLACK

Mehr Power, mehr Traktion Die Radindustrie bringt immer wieder auch Besonderheiten hervor, die kurios wirken und häufig nicht den gewünschten Durchbruch schaffen, obwohl sie es verdienen. Ich könnte schwören, dass das Konzept der ovalen Kettenblätter bereits in den 70er Jahren über den TV lief, aber nie wirklich verstanden wurde, obwohl das Prinzip einfach ist. Man will mit den ovalen Kettenblättern den toten Punkt beim Treten ausschalten und damit das Treten wirkungsvoller machen. Die zahlreichen positiven Meldungen von Käufern sind der beste Beweis, dass die Wirkung spürbar ist. Man findet solche Erfahrungsberichte auf www.rasant.ch.

Shimano Steps 2019

Vier Antriebe, zwei Kategorien Shimano bietet 2019 vier verschiedene Elektromotoren für E-Bikes an. Für Trekking- und City-Bikes stehen die Systeme E5000 und E6100 zur Verfügung. Der E5000 ist der leichteste und schwächste Motor mit 40 Nm Drehmoment bietet aber ein vollautomatisches Schalten in Zusammenarbeit mit einer Di2kompatiblen 8/5-Gang-Getriebenabe. Das E6100-System liefert dafür bis zu 60 Nm Drehmoment. Die für Mountainbikes entwickelten Systeme E7000 und E8000 liefern 60 bzw. 70 Nm Drehmoment, die mittels App individuell auf den Fahrer eingestellt werden können. Zudem runden weitere E-Bike-Komponenten das Shimano-Set ab.

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Bild: Tom Dumoulin vom UCI WorldTeam Sunweb freut sich, einen so sicheren und leichten Helm fahren zu dĂźrfen.


Lazer Helm

Neu in der Schweiz Die Fahrradhelme der Marke „Lazer” gehen zurück auf eine 100-jährige Erfolgsgeschichte. 1919 wurde die Firma von den Brüdern Lacroix in Belgien gegründet. Der älteste Hersteller von Helmen steht für höchste Sicherheit und erstklassige Qualität. Ab diesem Jahr importiert die Fuchs-Movesa AG die Helmmarke in die Schweiz. Hier ein paar Müsterchen der umfangreichen Kollektion. Das gesamt Angebot finden Sie auf www.fuchs-movesa.ch.

LAZER Unisex Road Bullet 2.0 Helm Team Sunweb 2019 - Aerodynamischer, Slim Fit Rennradhelm mit hervorragender Belüftung - Airslide: Einstellbare Belüftung durch Venturi Cap, ideal für heisse Tage - Inklusive Magnetischem ZEISS Visier - Mit integriertem LED-Rücklicht, sorgt für zusätzliche Sichtbarkeit UVP: CHF 320.00

LAZER Unisex Road Bullet 2.0 Helm Es handelt sich um denselben Helm des UCI WorldTeams Team Sunweb (links). Die Helme sind in diversen Farben erhältlich und mit oder ohne die Technologie „MIPS”. MIPS steht für Multidirectional Impact Protection. Eine reibungsarme Schicht zwischen Helm und Kopf absorbiert dabei einen Teil der Aufprallenergie bei einem Sturz auf den Kopf. UVP: CHF 320.00 und CHF 340.00 mit MIPS

Neuheit: LAZER Coyote Gerade hat Lazer einen neuen Helm auf den Markt gebracht, den leichten und vielseitigen Coyote mit folgenden Eigenschaften: - 21 große Belüftungsöffnungen - Großes, feststehendes Visier - Tiefsitzende Helmschale am Schläfen- und Hinterkopfbereich für erhöhten Schutz - Turnfit® Plus Verstellsystem mit optionalem LED Rücklicht - Unverwechselbare Veredelung der Bottomshell - Größen: S / M / L - Gewicht: 320 g (S) - CE/ CPSC/ AS zertifiziert - UVP: CHF 120.- mit MIPS und CHF 100.- ohne

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Bike-Neuheiten Storck E:Drenalin

Mehr als fair Mittlerweile ist auch die Marke Storck, die im deutschen Idstein zu Hause ist, auf den Geschmack gekommen und präsentiert seine E-Bikes 2019, deren Modelle ausnahmslos über einen Karbonrahmen verfügen, welche die EBikes etwas leichter macht. Das abgebildete Modell E:Drenalin soll 21.5 kg wiegen. Das Design mit dem grossen Unterrohr ist im Trend und erlaubt grosse Akkus. Der Antrieb stammt von Continental und soll bei 250 Watt 90 Nm Drehmoment erzeugen, der Akku bietet mit 636 Wh moderne „Ausdauer”. Angesichts der hochwertigen Komponenten - Laufräder von DT Swiss, Federung von Fox, für die Schaltung Shimano XT - ist der Preis von Euro 5’699 mehr als fair. Das Modell gibt es zudem in zwei weiteren Versionen in der Farbe Camouflage mit einer tollen Lackierung.

Pure Cycling

Experiment gescheitert Der deutsche Fahrradhersteller Canyon, der seinen Direktvertrieb in der Schweiz während Jahren unter dem Namen „Pure Cycling” betrieb, hat sein Geschäft in der Schweiz Ende 2018 eingestellt. Wenn es um neue Ideen geht und Veränderungen des Marktes, ist man in der Schweiz häufig am falschen Ort insbesondere im Zweiradmarkt, der von konservativem Denken geprägt ist. Zudem tun sich reine Online-Händler in der Schweiz noch schwer, insbesondere bei Hartwaren (Ski, Bikes, usw.), da das dichte Händlernetz bequem ist und Schweizer noch viel auf Beratung und Betreuung vom Fachhändler geben. Solange dies nicht ändert, haben es Online-Anbieter schwer.

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Cervélo P5X

LamborghiniModell ausverkauft Das Triathlonbike P5X, das die kanadische Marke Cervélo 2016 auf den Markt brachte, ist das ultimative Bike, wenn es um Aerodynamik geht. Das Konzept ohne Sattelstütze und Kettenstreben ist einzigartig. Das Bike, das je nach Set gut und gerne über CHF 15’000 kostet, gab es letztes Jahr als Spezialmodell, das in Zusammenarbeit mit Lamborghini entstand. Sämtliche Modelle sind ausverkauft!

Trek Domane+

Das erste E-Rennrad aus dem Hause Trek Nachdem Trek anno 2014 schüchtern seinen Einstieg in den E-Bike-Markt mit drei E-MTBs (Hardtails) begann, ist die Palette an E-Bikes beim amerikanischen Hersteller mächtig gewachsen. Anno 2019 bringt Trek nun sein erstes ElektroRennrad auf den Markt. Das Design des 17 kg leichten Karbonrenners überzeugt. Tretunterstützung liefert ein Bosch Performance Cruise Motor mit 250 Watt und 63 Nm Drehmoment und das zum Preis von CHF 6’699.00.

BESV JF1 und JR1

Wo erhältlich? Die Marke BESV, die zu Darfon Electronics Corporation und zu BenQ gehört, beeindruckt seit ihrem Markteintritt immer wieder mit tollen Produkten, doch beim Vertrieb und bei der Kommunikation happert es. Antworten auf unsere Fragen erhalten wir nicht, obwohl sie fleissig gelesen werden. Die neuen Rennrad-Modelle JF1 und JR1 sind neu, doch es fragt sich, ob und wo man sie erhält. Der Schweizer Importeur führt die Modelle auf seiner Website nicht einmal auf. Hier ist Verbesserung dringend nötig.

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Bild: eXelius SL 700 Disc, CHF 7’899.00

Bild: eXelius SL 600 Women Disc, CHF 5’799.00

Bild: eXelius SL 600 Disc, CHF 5’799.00

Lapierre eXelius

Echtes Rennrad-Gefühl Erstmals 2019 bietet der französische Hersteller ein Elektro-Rennrad an. Dabei war das Ziel, ein gewohntes Fahrradgefühl zu erhalten und einen Motor zu integrieren, der „nur” unterstützt insbesondere den Hang hinauf. Mit dem federleichten Fazua-Motor wurde dies möglich. Der Motor ist nicht nur so leicht, dass der Rahmen mit Motor auf 1.65 kg zu stehen kommt, sondern er entkoppelt

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sich vollständig, wenn die Geschwindigkeit von 25 km/h überschritten wird, wodurch eine Bremswirkung des Motors vermieden wird. Dank Karbonrahmen wiegen die drei Modelle 13.0 bzw. 13.9 kg. Ein Modell für die Frau und zwei Modelle für den Mann, eines mit und ein anderes ohne elektronische Schaltung, sind für den Preis von CHF 7’899 bzw. 5’799 zu haben.


BH Atom X Carbon

Die edle Fassung des Erfolgsmodells Als wir letztes Jahr das neue Atom X der spanischen Bikemarke BH vorstellten, wussten wir gleich, dass es ein Verkaufshit werden wird. Das revolutionäre Rahmenkonzept mit Platz für einen Akku mit sensationellen 720 Wh musste ein Hit werden. Entsprechend wurde der Bericht auch auf www.sportguide.ch x-tausend Mal gelesen. Nun legt die Marke nach und liefert sechs Modelle mit Karbonrahmen und neuem Magnesium Motor von Brose. Damit ist das E-MTB rund 2 kg leichter als die Alu-Version und 120% steifer. In der Schweiz sind die edlen Stücke ab Juli zu einem Preis zwischen rund CHF 7’500 und 10’000 erhältlich.


Haibike Flyon

Rosige Aussichten für E-MTBiker Wie uns Thomas Geiser, CEO der Accell Suisse AG, auf Anfrage verriet, sind diese heissen Dinger in der Produktion noch etwas im Rückstand. Aus heutiger Sicht lässt man verlauten, dass man ab Juli 2019 soweit sei und die revolutionären Flyon-Modelle der E-Bike Marke Haibike auf den Markt kommen werden. Dabei verweist Haibike stolz darauf, dass die gesamte Entwicklung des Flyon-Konzeptes aus dem eigenen Hause stammt. Nicht nur der Antrieb und dessen rekordverdächtige Maximalleistung von 120 Nm ist revolutionär, sondern auch die Linie und die Architektur dieses Power-E-MTBs ist schlicht phänomenal. Da möchte man sofort E-Bike-Händler werden, denn die verkaufen sich von selbst. Wir werden gerne darauf aufmerksam machen, wenn es soweit ist, dass man diese Kracher in der Schweiz und im deutschsprachigen Europa kaufen kann. Darauf dürfen sich E-Biker echt freuen.

Bild: Haibike Flyon System

Bild: Haibike Xduro Nduro 10.0, das Highlight der neuen Modellreihe

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Wilier Cento10PRO Ramato

Grandioser Look Die Weiterentwicklung des Vorgängers Wilier Cento10 Air nennt der italienische Rennrad-Bauer Wilier Cento10PRO mit einem Highend-Rahmen, der 6% verwindungssteifer sein soll als das AirModell. Stolz ist Wilier zurecht auf die Kombination des Vorbaus und des Alabarda-Lenkers, was die Kabelführung aller Kabel im Rahmen ermöglicht mit Ausnahme des Kabels der Vorderbremse. Nicht nur die Optik ist daher so puristisch, sondern auch die Aerodynamik gewinnt. Das Aero-Rennrad richtet sich denn auch an anspruchsvolle Fahrer, die sich über 3% AerodynamikGewinn und 150 Gramm Gewichtsreduktion freuen. Das offensichliche Highlight des edlen Stücks ist die Farboption

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„Ramato”. Dieser klassische edle Look ist nicht nur einzigartig und wunderschön, sondern wird auch aufwendig von Hand gefertigt. Das spezielle Cromovelato-Design hat denn auch seinen Preis und ist für zusätzlich 1500 Euro

zu haben. Der Rahmen kostet 3800 Euro und die günstigste Radmodell startet bei 4750 Euro und endet mit dem teuersten bei 10800 Euro. Es handelt sich um ein echtes Schmuckstück für die Strasse.


Rossignol

Noch rassiger

Bild: Das Rossignol E-Track Trail

Price e-Speed 650b iTube

Nachdem der französische Sportkonzern letztes Jahr erstmals mit eigenen Mountainbikes und E-Bikes im FahrradMarkt aufgetreten ist, liefert er für 2019 eine gelungene Weiterführung und legt optisch nochmals eine klare Schippe drauf. Rossignol Bikes und E-Bikes 2019 sehen bereits toll aus, doch die Verantwortlichen bei Rossignol lassen im persönlichen Gespräch durchblicken, dass für 2020 nochmals eine ziemliche Steigerung der aktuellen Angebotspalette zu erwarten ist. Wer sich informieren will schaut hier rein: www.rossignol.com/ch-de/ rossignol-bike.html

Verkaufsschlager Eigentlich stellen wir beim Sportguide nur sportliche Bikes vor, doch der Price Bikes-Hersteller aus Uster erzählte uns, dass es sich hierbei um einen echten Kassenschlager handelt. Das wundert kaum: 45 km/hSpeed-E-Bikes ersetzen den Kleinwagen in der Stadt oder der Agglo und sparen Benzin und Parkgebühren. Zudem kann man die Ausstattung und die Farbe des E-Bikes individuell wählen und das bereits ab CHF 3’495.00 inkl. Gratis-Versicherung für ein Jahr. Das ist ein starkes Angebot. Mehr unter www.price-bikes.ch

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Ridley Noah Fast

F체r Fahrer, die an die Spitze wollen Ridley hat sein bestehendes Spitzenmodell vollst채ndig 체berarbeitet und bietet 2019 ein Aero-Rennrad der Oberklasse an. Ein solches Rennrad ist f체r Perfektionisten gemacht, die sich das schnellste und technisch hochwertigste Rennrad anschaffen. An feinsten Details hat der belgische Rennrad-Produzent gefeilt, um noch einmal alles aus dem Rad zu holen. von Rolf Fleckenstein


Bild: André Greipel, Ex-Fahrer von UCI Worldteam Lotto Soudal freute sich bei der Präsentation über die neue Speed-Maschine


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in Aero-Bike zu entwickeln, verlangt von den Entwicklern minutiöseste Feinarbeiten in minimalsten Details zu leisten. Das neue Aero-Bike noch windschlüpfriger zu machen als das Bestehende oder dasjenige der Konkurrenz, ist eine echte Kunst. Vor allem geht es darum, Luftverwirbelungen aufs Minimum zu reduzieren und den Luftstrom ums Rad als auch um den Fahrer zu optimieren. Beim neuen Ridley haben die Macher des neuen Noah Fast Disc nicht nur darauf geachtet, das Bike so aerodynamisch wie möglich zu bauen, sondern auch darauf, das Bike so perfekt wie möglich an den Fahrer anzupassen.

Ultimative Aerodynamik Ein Knackpunkt bei der Aerodynamik eines Rennrades ist immer der Bereich um den Lenker, den Vorbau und die Kabel, die man in den Rahmen zu integrieren versucht. Man würde nicht vermuten, wie fein die Unterschiede

sein können, die am Ende über ein paar Prozent mehr an Aerodynamik entscheiden. Das ist gelebte Ingenieurskunst. Die Übergänge zwischen Rahmen, Gabel und Vorbau mit Lenker fügen sich beim neuen


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Nahtloser Ăœbergang Zwischen Lenker, Vorbau, Gabel und Rahmen

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Aero SattelstĂźtze

Klemmung an der Unterseite des Oberrohrs in den Rahmen integriert

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F-Wings

verringern Verwirbelungen, welche durch die Radnabe erzeugt werden.

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Ridley Noah Fast Disc beinahe nahtlos ineinander. Störende Kabel sind vollständig in den Rahmen integriert worden. Selbst die Steckachsen sitzen fast nahtlos an den Ausfallenden der Gabel. An dieser Stelle findet sich ausserdem eine Einzigartigkeit à la Ridley. Wer genau hinschaut, entdeckt, dass die Ausfallenden der Gabel eine spezielle Form haben, die aussieht wie ein "F", das auf dem Kopf steht. Ridley nennt dieses Konzept "F-Wings", welches die Luftverwirbelungen, welche durch die Drehung der Radnabe erzeugt werden, verringern soll. Der Vorbau kann man mit sogenannten "Spacern", die es in unterschiedlichen Ausführungen mit einer Höhe von 3 mm, 5 mm und 10 mm gibt, individuell an den

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Fahrer anpassen. Auch die Klemmung der Aero-Sattelstütze ist an der Unterseite des Oberrohrs integriert. Wo mögliche Reibungswiderstände auftreten konnten oder traten, wurden diese soweit technisch möglich behoben. Entstanden ist ein fast nahtloses Bike beinahe ohne Reibungspunkte mit der Luft. Ein weiteres Highlight ist die F-Surface-Technologie: Dabei handelt es sich um eine strukturierte Oberfläche an entscheidenden Stellen des Rahmens ähnlich den Dellen eines Golfballes, um den Luftwiderstand zu verringern. Die Dellen bewirken eine geringe Turbulenz, die dafür sorgt, dass der Luftstrom besser der Form des Rohres folgt, wodurch der Luftwiderstand insgesamt verringert wird.

Mit oder ohne Scheibenbremse Nebst den aerodynamischen Verbesserungen wurde die Steifigkeit des Tretlagers und des Steuerrohrs erhöht. Die abgesenkten Sitzstreben sorgen darüber hinaus für eine bessere Spurtreue und noch mehr Komfort. Der Komfort wurde zusätzlich durch eine neue und dünnere Sattelstütze erhöht. Die Aerostützen sind nämlich in der Regel zu steif. Das Noah Fast von Ridley gibt es aktuell mit und ohne Scheibenbremse. Das Modell mit Felgenbremse ist dank der zahlreichen Optimierungen um 250 Gramm leichter als sein Vorgänger und befindet sich unter der 7-KiloGrenze. Aufgrund der schwereren Schaltgruppe, Bremsen und


Laufräder ist das Modell mit Scheibenbremse (Disc) rund 500 Gramm schwerer als das Modell mit Felgenbremse. Insbesondere bietet das Modell mit Scheibenbremse bei allen Wetterbedingungen ein optimales Bremsverhalten. Insgesamt wurde die Aerodynamik des Aero-Racers spübar verbessert, das Gesamtgewicht

erheblich reduziert Komfort erhöht.

und

der

Last but not least überzeugt Ridley mit der individuellen Anpassung an Kundenwünsche. Am OnlineCustomizer von Ridley lässt sich ein ganz individuelles Farbset zusammenstellen; zudem stehen verschiedene Komponentensets

zur Auswahl. In der Schweiz ist das Aero-Bike bereits ab CHF 5'395.00 zu haben. Nähere Angaben und Angebote finden interessierte Biker unter www.ridley-bikes.ch.

Ridley Noah Fast Disc Rahmen

Monocoque Karbon

Grössen

XS = 526 mm

Sets

Ultegra 2x11, ab CHF 5’395.00

S = 545 mm

M = 565 mm

L = 587 mm

Ultegra Di2 2x11, ab CHF 6’195.00 Dura Ace 2x11, ab CHF 6’595.00 Dura Ace Di2 2x11, ab CHF 7’995.00 Red eTape 2x11, ab CHF 7’795.00 Red eTape AXS 2x12, ab CHF 7’995.00

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UYN Bike

Stilvoll, sportlich, multifunktionell Nach der erfolgreichen Lancierung der Sportunterwäsche im vergangenen Winter bringt Unleash Your Nature (UYN) nun seine Sommerkollektion auf den Markt. Nebst Socken und Runningbekleidung sind die beiden geschmacksvollen Bekleidungslinien „Alpha” und „Activyon” für Biker entstanden, die über sämtlichen Stärken und Funktionen verfügen, welche die Marke in sich vereint. von Rolf Fleckenstein


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s ist nicht unbedingt handelsüblich mit welcher Geradlinigkeit, Kraft, Entschlossenheit und Überzeugung die Macher der Marke „Unleash Your Nature” konsequent einzigartige, hochwertige und stilvolle Sport-Funktionswäsche entwerfen, entwickeln und auf den Markt bringen. Hat sie ihren Marktauftritt letzten Winter begonnen und gleich einmal die namhaftesten Ski Alpin-Teams der Welt damit eingekleidet, legt sie nun für den Sommer mit einer stattlichen Kollektion von Socken, Running Wear und Bike Wear nach. Auch bei der Mode ist es nicht viel anders wie beim Film. Einmal einen Hit herauszubringen, ist schon eine Kunst, aber dann auf gleichem Niveau nachzulegen, ist die eigentliche Herausforderung. Dasselbe Prinzip gilt auch für Sportler:

Guten Geschmack kann man nicht kaufen Italien hat nicht umsonst einen guten Ruf, wenn es um Design, Kunst oder Schönheit geht. Das Land ist berühmt für seinen einzigartigen Stil, man denke an seine Künstler wie z.B. Michelangelo, Leonardo da Vinci oder Giuseppe Verdi oder man denke an so prächtige Marken der Gegenwart wie z.B, Ferrari, Lam-

Technologien Alpha 1

Meta Ribs

Eine Gewebe-Struktur aus 3-dimensionalen 6-Ecken ermöglicht eine optimale Klimaregulierung. Im Rumpfbereich ist sie dicker für eine bessere Stabilität, im Brustbereich ist sie dünner für eine optimale Atmungsaktivität.

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Nur diejenigen Athleten, die immer oben stehen und Rekorde um Rekorde brechen, gehen in die Geschichtsbücher ein, die anderen gehen leider vergessen. Nach diesem Konzept scheinen die Verantwortlichen an die Entwicklung der neuen Kollektionen herangegangen zu sein, denn sie wollen zu 100% überzeugen und tun es auch.

Ergo Tensyon

Nichts zwickt, nichts rutscht. Ein speziell entwickelter Netzeinsatz verbindet die beiden Träger auf dem Rücken und sorgt für den perfekten Sitz.

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T-Hexagon

Ein Shirt, das mitdenkt. Weil es jede Bewegung ermöglicht. Weil man es bei keiner Bewegung spürt. Weil es bei jeder Tour für ein optimales Körpergefühl sorgt.

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Hypermotion

Der innovative Schnitt unterstützt die korrekte Körperhaltung und sorgt für uneingeschränkte Bewegungsfreiheit.

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Coolvent

Die von Kanälen durchzogene Innenoberfläche ermöglicht einen konstanten Luftstrom. Sie absorbiert Schweiss schnell, kühlt bei Bewegung und hält die Haut stets trocken.

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Dynamic Flow

Die Struktur steht für Aerodynamik und ideale Luftzirkulation. Sie optimiert die Belüftung im Gewebe und reduziert Reibungswiderstände auf ein Minimum. Es wird eingesetzt im Gesäßbereich, in der unteren Rückenpartie sowie an den Innenseiten der Oberschenkel.

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borghini, Riva, Versace, uvm. Sie alle stehen für vollendeten Geschmack und unnachahmlichen Stil. Sie alle stammen aus dem Land, das ebenso für seine geschmackvolle Küche bekannt ist. Es ist, als wollten die Macher von UYN in die Fussstapfen dieser grossen Namen treten, das Erbe Italiens verteidigen und es ihnen gleichtun und eine Sportfunktionswäsche hervorbringen wie niemand zuvor. Und den Preis für guten Geschmack haben sie schon einmal gewonnen: Kraftvolle Farben, männlich, feminin, sexy und attraktiv treffen auf faszinierende Muster, dynamische Strukturen und ausgeklügelte Gewebekonzepte mit Kanälen, die mit zahllosen intelligenten Funktionalitäten ausgestattet sind und werden durch den schwarzen Saum abgegrenzt wie ein Bild von seinem Rahmen. Die Bikebekleidung von UYN gefällt optisch auf Anhieb. Echt Gelungen!

Alpha oder Activyon UYN präsentiert für Radfahrer diesen Frühling zwei Linien: „Alpha” für den leistungsorientierten Biker und „Activyon” für den Freizeitfahrer. Eines haben beide gemeinsam, sie sind vollgepumpt mit High-End-Technologie, um Aktive und Sportler bei ihrer Tour optimal zu unterstützen. Die Kollektion besteht für die Dame und den Herren je aus einem Shirt, einer BIB-Short (Trägerhose) mit speziell entwickeltem Sitzpolster, einer Regenjacke, einer Windjacke, einer leichten Weste und einer verstaubare wasserdichten Jacke nebst Armlingen aufseiten der Alpha-Linie. Dasselbe gilt für die Activyon-Linie, die jedoch nur mit einer Jacke, der Wind-Jacke, auskommt.

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UYN startet mit einer geschmackvollen funktionellen Highend-Bikebekleidung. Die Biker und Radler dürfen sich echt freuen. 4

Technologien Activyon 1

4-Way Ventilation

Eine spezielle Herstellungstechnik sorgt am Rücken für eine optimale Belüftung. An der Innenseite sind feine Rippen ins Gewebe eingearbeitet, die einen Abstand zwischen Haut und Stoff schaffen, was die Luft besser zirkulieren lässt.

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Die von Kanälen durchzogene Innenoberfläche ermöglicht einen konstanten Luftstrom. Sie absorbiert Schweiss schnell, kühlt bei Bewegung und hält die Haut stets trocken.

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Dynamic Flow

Die Struktur steht für Aerodynamik und ideale Luftzirkulation. Sie optimiert die Belüftung im Gewebe und reduziert Reibungswiderstände auf ein Minimum. Es wird eingesetzt im Gesäßbereich, in der unteren Rückenpartie sowie an den Innenseiten der Oberschenkel.

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Coolvent

Ergo Tensyon

Nichts zwickt, nichts rutscht. Ein speziell entwickelter Netzeinsatz verbindet die beiden Träger auf dem Rücken und sorgt für perfekten Sitz.

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Hypermotion

Der innovative Schnitt unterstützt die korrekte Körperhaltung und sorgt für uneingeschränkte Bewegungsfreiheit.

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Lapierre eZesty

MTB, E-MTB oder beides? Lange Zeit waren E-Bikes bei jungen Mountainbikern als unsportlich verschrien und waren ein No-Go. Seit wenigen Jahren schwenken die Jungen vom MTB nun doch aufs E-MTB um. Die wurden in den letzten Jahren immer stärker aber auch immer schwerer. Nun liefert Lapierre das leichteste E-MTB der Welt, das sich an sportliche Biker richtet, die nur eine geringe Unterstützung benötigen und dafür ein E-MTB erhalten, das mit ein paar wenigen Handgriffen vom 18 kg E-MTB zum 15 kg MTB umgebaut werden kann. Also MTB und E-Bike in einem. von Rolf Fleckenstein

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s hat wirklich lange gedauert, gefühlte 10 Jahre, bis junge sportliche Biker aufgehört haben, die Nase zu rümpfen, wenn von E-Bikes die Rede ist, und dazu übergingen, in ihnen ein echtes Spassmobil zu sehen. Viele Jahre waren bei den jungen Bikern E-Bikes verpönt. Alte Männer, Invalide, Weiber und faule Typen standen sinnbildlich als Vertreter dieser Käuferschicht. Wer ein E-Bike fuhr, war einfach nicht sportlich und lange hielt sich dieses Vorurteil. Doch mit der Etablierung der EBikes und der Ausbreitung dieser Fahrzeugspezies in immer weiteren Kreisen der Bevölkerung entdeckten die Jungen, die sehr wohl sportlich sind, den Zusatznutzen eines Elektromotors für sich. Es scheint, man hat das E-Bike verstanden. Es geht beim E-Biken nicht darum, jemandem - weder sich selbst noch anderen - zu beweisen, wie sportlich man ist, sondern einfach darum, Spass zu haben. Gerade das Segment der Elektro-Mountainbikes (E-MTB) wuchs in den vergangenen 3-4 Jahren enorm und entwickelte sich zum stärksten E-Bike-Wachstums-Segment. Damit dies gelingen konnte, brachte die Industrie dazu E-Bikes hervor, die gerade im Vergleich zu E-Bikes von vor 5-10 Jahren über ein starkes Design verfügen und immer cooler aussehen, über immer mehr Power verfügen, immer stärkere Akkus montiert haben und deshalb auch immer schwerer werden. Ein cooles E-MTB um 22-25 kg ist keine Seltenheit mehr. Der Supergau beim Ausflug mit solch einem coolen Teil tritt dann ein, wenn man mit dieser schweren Kiste irgendwo in der Natur stecken bleibt, weil der Akku leer ist, der Motor stockt oder die Conne-

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Bild: eZesty oder Zesty? Der Unterschied zwischen dem MTB und E-MTB ist optisch sehr gering; auf dem Bild ist das MTB-Modell Zesty in Action.

ction zwischen Akku und Motor nicht mehr funktioniert, und man mit seinem heissen Gefährt nur noch bergabwärts rollen kann oder man es gar schieben muss. Der sportliche Ansatz des E-Bikens ist in den letzten Jahren bei vielen Bikern etwas in den Hintergrund getreten dank solch

heisser E-MTBs. Doch das macht nicht jeden glücklich, zudem ist man sicherlich nicht der Einzige, der im Falle eines Motorenaussetzers merkt, wie abhängig man bei einem motorenbetriebenen Gefährt davon ist, dass der Motor läuft und keine Zicken macht. Es ist vielleicht nicht so dramatisch wie bei einem Auto, aber der


Bilder: Oben das MTB Zesty, unten das E-MTB eZesty: der optische Unterschied ist auf den ersten Blick relativ gering. Das macht deutlich, dass das neue eZesty sehr nahe ans Konzept eines MTb gebaut ist, um dem Fahrer ein möglichst authentisches Fahrradgefühl zu bieten.

Spass, den solch ein Teil bescheren soll, ist von einem auf den anderen Moment dahin, wenn der Motor streikt. Das Ende der Schwergewichte, der Beginn eines neuen Hybriden Ganz offensichtlich hat man sich beim französischen Fahrradhersteller Lapierre auch so seine Gedanken zur Motorenabhängigkeit und dem massiven Gewicht gemacht und deshalb ein komplett neues Elektro-Mountain-

bike konzipiert, das wieder an die Leichtigkeit herkömmlicher Mountainbikes anschliesst und dafür mit einem Motor auskommt, der nicht so eine Riesenreichweite bietet, aber sie eben auch nicht braucht. Das neue eZesty von Lapierre ist das neue Wunderding und richtet sich von seiner Leistung und seinen Massen her an sportliche Biker, welche die Unterstützung des Motors nur in geringem Masse benötigen, dafür ein leichtes und wendiges E-Bike

haben. Und nun kommt der Clou: Durch die Zusammenarbeit mit dem deutschen Elektromotorenhersteller Fazua hat man einen so kleinen und leichten Motor eingebaut, dass das Modell eZesty AM Ltd Ultimate mit Motor auf nur 18.5 kg zu stehen kommt. Nachdem man den Motor mit Batterie mit ein paar wenigen Handgriffen ausbauen kann, stehen Besitzern des neuen Lapierre eZesty sowohl ein leichtes und wendiges EMTB mit rund 18 kg als auch ein modernes Allmountainbike mit rund 15 kg bei 150 mm Federweg zur Verfügung, was gewichtsmässig absolut kompetitiv ist. Mit dem Kauf eines Lapierre eZesty erwirbt man quasi zwei Bikes in einem. Das tiefe Gewicht des eZesty von Lapierre ist zum einen dem Vollkarbonrahmen zu verdanken und zum anderen hochwertigen Komponenten von Sram und Fox. Das eZesty gibt es in zwei Ausführungen, zum einen als Lapierre eZesty AM Ltd Ultimate für CHF 8’799 und zum anderen als Lapierre eZesty AM 9.0 Ultimate zum Preis von CHF 6’999. Beide Versionen sind mit der Radgrösse 27.5" ausgestattet. Der Fazua Evation-Elektro-Antrieb besteht aus dem Bedienelement, einem Tretlagergetriebe mit einem Gewicht von 1.31 kg, dem 1.92 kg leichten Motor und dem Akku, der 1.38 kg schwer bzw. leicht ist und während über 250 Wattstunden (Wh) Power liefert. Nebst dem Modus "No Support" bzw. antriebsfrei, gibt es die drei Modi "BreezeMode", "RiverMode" und "RocketMode", die mit 125 Watt, 250 Watt und 400 Watt bis 25 km/h unterstützen. Sobald der Motor die 25 km/h-Grenze überschreitet, wird er völlig entkop-

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Bild: Das hochwertigere Modell Lapierre eZesty AM Ltd Ultimate

Lapierre eZesty AM Ltd Ultimate

Lapierre eZesty AM 9.0 Ultimate

Rahmen:

Rahmen:

Antrieb: Federgabel: Dämpfer: Umwerfer: Kurbelsatz: Bremsen: Lenker: Sattelstütze: Sattel: Räder: Grösse: Preis:

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eZesty AM Full Carbon Ultimate 150mm Travel, Boost, Metric, Thru Axle Fazua Evation 1.0 Drive Pack + 250Wh Battery Pack FOX 36 Float Factory Kashima Boost 15x110 160mm FOX Float DPS Factory Kashima LV Evol Trunnion SRAM X01 Carbon Eagle 12-Gang FSA Carbon e-Bike ISIS 170mm w/SRAM XSYNC II 32T RING SRAM Guide RE Race Face Sixc Carbon 20mmx78mm LP Carbon Dropper 125, 150 Lapierre CRMO by Velo LP eAM+ Carbon 584x33 Boost, Tubeless ready 27.5” CHF 8’799

Antrieb: Federgabel: Dämpfer: Umwerfer: Kurbelsatz: Bremsen: Lenker: Sattelstütze: Sattel: Räder: Grösse: Preis:

eZesty AM Full Carbon Ultimate 150mm Travel, Boost, Metric, Thru Axle Fazua Evation 1.0 Drive Pack + 250Wh Battery Pack FOX 36 Float Performance Boost 15x110 150mm FOX Float DPS Performance LV Evol Trunnion SRAM GX Eagle 12-Gang FSA Alloy e-Bike ISIS 170MM w/SRAM XSYNC II 32T RING SRAM Guide RE LP 6061DB 760MM (M), 780MM (L, XL) LP 7075 DROPPER 125, 150 Lapierre CRMO by Velo LP eAM+ 584x35c Boost, Tubeless ready 27.5” CHF 6’999


sieren, einen neuen Rahmen zu konzipieren und eine sportliches Konzept zu entwickeln, damit das eZesty so nahe an ein Fahrraderlebnis kommt wie nur möglich. Ein E-Bike mit Fahrradgefühl. Er schwärmt: „Ich wusste, was wir erreichen wollten, als wir das Projekt entwickelten, doch als ich die ersten Prototypen testen

„Das Gefühl war umwerfend, als würde ich ein EBike fahren, das nicht elektrisch ist.” Nicholas Vouilloz konnte, war das Gefühl umwerfend, wie das Gefühl, ein E-Bike zu fahren, das nicht elektrisch ist.” Der einzig mögliche Schwachpunkt des E-Bikes besteht in der geringen Reichweite des Motors, so könnte man meinen, doch das ist falsch gedacht, denn dieses EBike richtet sich an sportliche Biker, die nur eine geringe Unterstützung benötigen und wünschen. Nicholas Vouilloz schaffte es im Test, mit dem eZesty 1000 Hm zu überwinden. Wen es dennoch nach mehr Reichweite dürstet, kann auch einen zweiten Akku mitnehmen. An dem 1.38 kg leichten Stück trägt man nicht schwer, dafür hat man auf einen Schlag 500 Wh zur Verfügung.

pelt, weshalb ein unangenehmer Bremseffekt, wie man ihn von anderen Motoren her kennt, vollständig entfällt. An der Entwicklung des neuen E-Bikes von La-

pierre war der mehrfache MTBDownhill-Weltmeister Nicholas Vouilloz massgeblich beteiligt. Dabei ging es auch darum, das Gewicht des E-Bikes zu zentrali-

Lapierre hat es mit dem neuen eZesty geschafft, eine neue EMTB-Kategorie zu entwerfen und auf den Markt zu bringen, ein Hybrid-E-Bike mit und ohne Motor, das sich an eine sportliche Zielgruppe richtet. Wie stark das Echo darauf sein wird, werden uns die nächsten Monate verraten.

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Pearl Izumi

Das Geheimnis der Wasserperlen Nebst neuer Marktausrichtung baut die Marke die Kollektion mit der von ihr patentierten PI Dry-Technologie aus - ein von Pearl Izumi entwickeltes Regenschutzkonzept, welches dafĂźr sorgt, dass auftreffendes Wasser einfach abperlt. von Rolf Fleckenstein


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ie Geschichte der Radwearmarke Pearl Izumi beginnt 1950 in Japan. Tag für Tag fuhr Kinji Shimizu 40 kg Wäsche mit seinem Rad aus, die er den Kunden ins Nachbardorf brachte, 61 Kilometer Tag für Tag. Was es bedeutet, Rad zu fahren unter extrem belastenden Bedingungen, davon hatte Kinji nun weiss Gott Ahnung. Das Austragen fremder Wäsche hing Kinji alsbald an den Nagel und begann damit, selber zu definieren, was Biker für eine Kleidung tragen sollten. Here we go Nach über sechs Jahrzehnten sucht die Marke immer wieder neue Herausforderungen und definiert ihre Ziele neu. Auch das ganzheitliche Verständnis, Teil einer weltweiten Bikecommunity zu sein, prägt das Handeln der Marke. Eines der Ziele von Pearl Izumi ist es, Leader in Sachen Nachhaltigkeit zu werden. Bis 2022 sollen 90% der Produkte aus

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erneuerbaren oder recycelten Rohstoffen hergestellt werden. Beispielsweise gibt es Artikel in der Winterkollektion 2019/20, bei denen das eingesetzte Polyester aus recycelten Wasserflaschen gewonnen wurde. Ab sofort wird die Verpackung der Bikewear aus 100% recyceltem Plastik hergestellt. Neue Herausforderungen, neuen Ziele für eine globale Bikewelt.

gibt’s bei gewöhnlichen Fahrrädern auch nicht. Also was tun? Richtig, wasserdichte Kleidung anziehen, klar das kennt man, Regenjacke, usw. Doch bei Pearl Izumi ist man nun noch einen Schritt weiter gegangen. Durch die von Pearl Izumi patentierte „PI Dry”-Technologie werden auch „normale” Shirts und Shorts wasserabweisend, ohne deswegen

bei der Atmungsaktivität Einbussen zu erleiden. PI DryTM ist eine hydrophobe Behandlung von Strick- und Webmaterial, welche dafür sorgt, dass Fasern Wasser abweisen, ohne deswegen die Atmungsaktivität oder Haptik des Materials zu verändern. Entstanden ist eine spezifische PI Dry-Kollektion, die laufend ausgebaut wird.

PI DryTM und das Wasser perlt einfach ab Es gibt wohl keinen Verkehrsteilnehmer, der mehr unter einsetzendem Regen zu leiden hat, als der Fahrradfahrer. Man kann sich keinen dicken Overall wie ein Motorradfahrer überziehen, zu schwer und zu unbeweglich wäre das Ding. Ein Schirm, so wie Fussgänger ihn als Schutz vor dem Regen benutzen, ist nicht besonders handlich wenn man mit beiden Händen den Lenker halten muss, und ein Dach wie bei einem Auto

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Pendix

Nachrüsten ist auch ’was für coole Jungs E-Biken ist im Trend. Wer heute auf zwei Rädern zur Arbeit fährt oder die Freizeit mit dem Velo verbringt, kennt das Thema E-Bike nur zu gut. Viele haben ein Fahrrad. In dieser Lage stellt sich die Frage, ob man sich ein neues E-Bike anschaffen will oder das bestehende zu einem E-Bike umbauen. Mit Pendix ist das ein Kinderspiel. von Rolf Fleckenstein

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eri Bugmann von der Firma Rasant GmbH im zürcherischen Affoltern am Albis importiert mit seiner Firma die Marke Pendix, die ein Nachrüstsatz anbietet, mit welchem sich ein normales Fahrrad in ein modernes E-Bike verwandeln lässt. Häufig sieht er sich im Verkauf mit falschen Vorurteilen und Annahmen konfrontiert, die Velohändler und Kunden davon abhalten, einen Nachrüstsatz anzuschaffen. Heute nennte er uns fünf gute Gründe, weshalb es sich lohnt, sein Velo mit dem Pendix zum E-Bike umzubauen: 1. Wer ein vorhandenes Rad nachrüstet, schont die Umwelt. Die CO2-Bilanz fällt beim Kauf eines Nachrüstantriebes günstiger aus als beim Kauf eines kompletten E-Bikes. Außerdem nimmt ein Velo weniger Platz weg als zwei. Es lohnt sich also, auf ein zusätzliches E-Bike zu verzichten. 2. Mehr Möglichkeiten für Individualisten. Da Nachrüstantriebe an fast jedes Rad angebaut werden können, gibt es kaum Gren-

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zen für die Phantasie. Die Palette an herkömmlichen Velos ist deutlich größer als die von E-Bikes, und mit dem passenden Antrieb wird nahezu jedes Rad zum EBike. 3. Das Lieblingsvelo darf bleiben. Radler, die sich elektrischen Rükkenwind wünschen, können ihr gewohntes und geliebtes Rad einfach weiterfahren. Händler, die einen Pendix-Antrieb anbauen, testen vorher jedoch die Tauglichkeit des Velos. Die fachgerechte Montage durch zertifizierte Händler stellt sicher, dass das Rad auch mit Nachrüstmotor ein sicherer und zuverlässiger Begleiter ist. 4. Eine langfristige Anschaffung. Und wenn es doch mal ein neues Velo sein soll, kann auch dieses mit dem bereits erworbenen Antrieb weiter genutzt werden. Während der Motor in E-Bikes fest eingebaut ist, lassen sich Nachrüstantriebe ab- und wieder anmontieren. So wird der Nachrüstantrieb zu einer nachhaltigen und langfristigen Anschaffung.

5. Workout oder elektrischer Rükkenwind. Mit guten Nachrüstsätzen muss man nicht auf sein Workout verzichten, denn der Tretwiderstand bei ausgeschaltetem E-Motor ist nicht spürbar. Viele Pendler fahren z.B. zur Arbeit mit E-Antrieb und zurück ohne. Eine Umfrage von Pendix hat ergeben, dass die Fahrer fast die Hälfte der Zeit ohne elektrische Unterstützung fahren. Wer weitere Fragen an Geri Bugmann stellen will, erreicht ihn direkt unter sales@rasant.ch bzw. www.rasant.ch.


Bilder: Der NachrĂźstsatz Pendix bestehend aus Motor, Tretkurbel und Akku (links oben), Geri Bugmann, Importeur und Vertreter von Pendix in der Schweiz (links), diverse Anwenderbeispiele aus der Praxis und die Pendix.bike App, die das Smartphone mit dem Pendix verbinden kann und detaillierte Informationen zum Pendix liefert (rechts).

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Tom Dumoulin

Auf der Erfolgswelle mit dem Team Sunweb Mit dem Wechsel vom Team Giant-Alpecin zu Team Sunweb im Jahre 2017 scheinen die Weichen auf Dauererfolg gestellt zu sein. Sein Ziel in diesem Jahr ist ein erneuter Sieg des Giro d’Italia. Die Tour de France kommt erst an zweiter Stelle. Warum hat er sich dazu entschieden und was zeichnet den Holländer aus? von Bruno Fleckenstein

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n seiner Heimat ist er schon lange bekannt und wurde 2014, 2015 und 2016 als Radsportler des Jahres ausgezeichnet. 2017 folgte dann die Ehrung zum niederländischen Sportler des Jahres, welche zurückzuführen ist auf den legendären Sieg des Giro d’Italia, wie auch auf den zweiten Rang an der Tour de France im gleichen Jahr. Zusammen mit dem Sieg beim Einzelwie Mannschaftszeitfahren bei den Strassenradweltmeisterschaften im September war 2017 sein erfolgreichstes Jahr als Radsportprofi. Ende Mai 2017 wurde er für seine ausserordentliche Leistung im Auftrag des Königs Willem Alexander zum Ritter von OranjeNassau ernannt. Zugleich wurde eine Veranstaltung auf dem Rathausmarktplatz in Maastricht durchgeführt, bei welcher er für seinen Erfolg, als erster Holländer den Giro gewonnen zu haben, geehrt wurde und ihm tausende Fans, darunter viele mit rosa Leibchen bekleidet, zujubelten und ihren Helden feierten, als er den Pokal des Giro d’Italia in die Höhe stemmte.

Bild: Tom Dumoulin feiert den Sieg des Giro d’Italia 2017

Seine Qualitäten als Mensch und Fahrer Seine Qualitäten als Zeitfahrer wurden dem breiten Publikum erstmals 2014 bei den Strassenradweltmeisterschaften im spanischen Ponferrada mit seiner ersten Bronze-Medaille beim Einzelzeitfahren vor Augen geführt. Ein Jahr später gewann er bei der Tour de Suisse und der Vuelta das Zeitfahren. 2016 war er beim Giro d’Italia und bei der Tour de France

wiederum Sieger in seiner Paradedisziplin. Er ist ein Zeitfahrspezialist und diese Disziplin ist auch die Basis seines Erfolges. Um beim Zeitfahren vorne dabei zu sein, braucht es nebst den physischen Voraussetzungen, einen gesunden Ehrgeiz und Durchhaltewillen. Das Mannschaftszeitfahren erfordert zusätzlich Koordinationsfähigkeiten und fördert aber auch den Teamgeist.

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medienscheu wirkt, wie er die Rennen angeht: „Ich habe Selbstvertrauen, aber auch Zweifel. Mein Motto lautet: Ruhig bleiben und abwarten.” Doch ihm unterlaufen ab und an auch dumme Fehler. Er handelte sich bei der letztjährigen Tour de France bei der sechsten Etappe eine 20 Sekunden Strafe wegen Windschattenfahrens ein. Und bei der 12. Etappe nach Alpe d’Huez legte er für den Schlusssprint den falschen Gang ein und verpasste deshalb den Tagessieg, was ihn sichtlich nervte. An der folgenden Pressekonferenz sagte er: „Ich bedaure, dass ich da nicht in den höchsten Gang geschaltet habe. Das ist ein Moment, den ich schnell vergessen möchte.” Es zeigt, dass er nicht unfehlbar ist, Mensch bleibt und nicht versucht eine perfekt arbeitende Maschine zu werden. Vielleicht kommt daher auch sein Spitzname «Schmetterling von Maastricht», weil er unbekümmert von Erfolg zu Erfolg flattere.

Mit dem Team Sunweb auf der Erfolgswelle

Bild: Tom Dumoulin ist der Sieger des Giro d’Italia 2017 und startete als Favorit 2018 und holte den 2. Platz. Wie sieht es 2019 aus?

Auch als Rundstreckenfahrer hat er der Konkurrenz seine Fähigkeiten aufgezeigt. Bei der Vuelta Espagna 2015 gewann er eine Bergankunft und wurde als kämpferischster Fahrer ausgezeichnet. Seine Stärken liegen zwar mehrheitlich beim Zeitfahren, aber er ist durchaus in der Lage im hügeligen Gelände zu punkten und Bergetappen zu gewinnen.

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Wie er sagt, gehe es ihm darum, besser zu sein als die anderen, und die Rennen seien eine persönliche Herausforderung. Es gehe ihm nicht darum, seine Konkurrenten zu schlagen, selbst wenn es schön sei, die Rennen zu gewinnen. Bei einer Pressekonferenz an der Tour de France 2018 sagte der Radprofi, der manchmal etwas

Mit dem Team Sunweb scheint er, den richtigen Partner gefunden zu haben, denn seit er bei diesem Rennstall unter Vertrag ist, fährt er von Erfolg zu Erfolg und hat sich zum absoluten Spitzenfahrer etabliert. Dies ist wahrscheinlich nicht nur sein persönlicher Verdienst, sondern liegt auch daran, dass das Team Sunweb Tom Dumoulins Fähigkeiten besser analysiert und erkennt, bei welchen Rennen er erfolgreich abschneiden kann und wie sie ihn richtig unterstützen müssen.


Das Team Sunweb fokussiert sich zurzeit darauf das Gesamtklassement bei den Rundfahrten zu gewinnen und wenn Tom Dumoulin als Sieger des Gesamtklassements die Rundfahrten beendet, dann ist das im Sinne des Teams. Diese wechselseitige Beziehung zwischen Team und jedem einzelnem Fahrer ist ein wichtiger Bestandteil, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Tom hat keine Starallüren und kann die Entscheidung des Teams akzeptieren. Er fährt nicht nur für sich selbst, sondern für das Team. Wie er sagt, kann er seine Meinung den Verantwortlichen mitteilen, doch schlussendlich ent-

scheiden sie, wo er fährt und wer mit ihm zusammen die Tour bestreitet.

„Ich habe Selbstvertrauen aber auch Zweifel. Mein Motto lautet ruhig bleiben und abwarten” Tom Dumoulin Während man sich noch 2018 dafür ausgesprochen hatte, den Fokus für 2019 auf die Tour de France zu richten, wurde dies

nach Bekanntwerden des Strekkenverlaufs revidiert. Anfang des Jahres gab Tom im Interview mit Eurosport die Bewegründe für das Umdenken bekannt und erläuterte, wieso der Fokus nun auf dem Giro liegt: „Es gibt so viele Gründe dafür. Aber der Hauptgrund ist, dass der Giro viel besser zu meinen Fähigkeiten passt, als die Tour de France. Das war eigentlich recht überraschend und auch enttäuschend, denn wir hatten den Plan, uns voll auf die Tour de France zu konzentrieren. Der Giro hat einen besseren Mix von Zeitfahren, Hochgebirge und ein paar kniffligen Etappen, bei denen viel passieren kann. Die

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den. Diese Aufgabe übernahm er bisher bei seinem Teamkollegen Michael Matthews (AUS). Die Vorbereitung für den Giro verläuft für Tom Dumoulin ähnlich wie letztes Jahr. Zuerst bestreitet er die UAE Tour, danach folgt Tirreno-Adriatico, MailandSan Remo. Nach einer kurzen Pause im Höhentrainingslager ist Lüttich-Bastogne-Lüttich das letzte Rennen vor dem Giro. Tom Dumoulin wirkte beim Interview mit Eurosport zuversichtlich und hat nach eigenen Angaben eine starke Mannschaft hinter sich. Auch die Kommentare, der letzte am 1. März 2019, die er auf seinem Twitter-Kanal oder auf seiner Website postete, verbreiten Optimismus. Er gehört zum klaren Favoritenkreis bei den grossen Rundfahrten. Voraussetzung für einen Gesamtsieg ist natürlich, dass er sturzfrei bzw. verletzungsfrei bleibt. Tour hingegen teilt sich auf in Sprint- oder Gebirgsetappen. Da gibt es nicht viel dazwischen und das gefällt mir nicht so wirklich.” Auf die Frage nach dem Entscheidungsprozess, ob man hier dazu das Streckenprofil im Internet in Betracht zieht oder ob das Team Berechnungen für die Etappen erstellt, entgegnete Dumoulin: „Wir berechnen ein wenig im Vorfeld. Dann sehen wir uns meine Fähigkeiten an und meine Konkurrenten. Dann überlegen wir, wie sich das bei den Etappen auswirken könnte, mit den Daten der Vergangenheit. Aber das ist nicht alles. Vieles hängt auch vom Gefühl ab. Von daher haben wir Gespräche geführt und die Vorund Nachteile von Giro und der Tour abgewogen. Schlussendlich

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hat das Team entschieden, dass ich wieder beide Klassiker bestreiten soll.” Ausserdem wies er darauf hin, dass ein verbessertes Team für den Giro bereitstehe, wenn auch noch nicht alle Fahrer gesetzt seien. Beim Giro könnten ihm seine Teamkollegen Robert Power (AUS), bekannt für seine Kletterqualitäten und der 34jährige Routinier und Neuzugang Nicholas Roche (ITA) bei den Bergetappen zur Seite stehen und versuchen, die Lücke, die Simon Geschke (GER) mit seinem Abgang hinterlassen hat, zu füllen. Der deutsche Nikias Arndt könnte als Helfer für die Sprints eingesetzt wer-

Steckbrief Name Tom Dumoulin Geburtsdatum 11. November 1990 Nation Niederlande Körpermasse 185 cm, 71 kg Disziplinen Strasse Team Team Sunweb Kontakt Facebook: @tomdumoulinofficial Instagram: tomdumoulin90


Henrique Avancini

Die MTB-Entdeckung des Jahres 2018 Beinahe aus dem Nichts ist er aufgetaucht, wie ein Jaguar, der aus dem Dickicht des sĂźdamerikanischen Dschungels springt und sich seine Beute schnappt. Genauso Ăźberraschend, kraftvoll und entschlossen holte er sich den Sieg der Marathon Weltmeisterschaft 2018 in den Dolomiten. Welche Erfolgsgeschichte steht hinter diesem brasilianischen Ausnahme-Athlet und was zeichnet ihn aus? von Bruno & Rolf Fleckenstein


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m 14. September 2018 war es soweit: Die Weltmeisterschaft im Cross Country Marathon (XCM) wurde im italienischen Auronzo di Cadore durchgeführt, das sich südlich vom Naturpark Drei Zinnen und rund 35 km östlich von Cortina d'Ampezzo befindet. Die Teilnehmer wurden auf eine 102 km lange Strecke in den Dolomiten ins Rennen geschickt, 7% davon auf den asphaltierten Bergstrassen. Der übrige Streckenabschnitt führte über viele steinige, z.T. sehr steile Trails des Hochgebirges, was dazu führte, dass die Teilnehmer bei einzelnen Streckenabschnitten vom Rad steigen und ihr Mountainbike vor sich herschieben mussten, um weiterzukommen. Hector Paez Leon aus Kolumbien versuchte, sich im letzten Abschnitt des Rennens abzusetzen. Der Österreicher Daniel Geismayr und Henrique Avancini aus Brasilien vermochten, ihm als einzige zu folgen. Bis zuletzt blieb die Dreiergruppe zusammen. Henrique Avancini hatte lange auf seine Chance gewartet, bevor er im richtigen Moment forcierte, um die Führung zu übernehmen und seine zwei Widersacher in Schach zu halten. 250 Meter vor dem Ziel setzte er zum finalen Schlussspurt an. Daniel Geismayr vermochte, ihm zwar noch zu folgen, aber hatte dem ersten brasilianischen Sieger in dieser Disziplin nichts mehr entgegenzusetzen. Henrique Avancini war aufgrund seines Erfolges überwältigt und zu Tränen gerührt. Im anschliessenden Sieger-Interview meinte er: „Mir fehlen die Worte. Es ist unglaublich für mich, hier in Italien zu gewinnen, in dem Land, in welchem meine Karriere als Radprofi begann.”

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Bilder: Henrique Avancini beim Brasil Ride in Arraial DAjuda, Brasilien, am 26. Oktober 2018 (oben und Vorderseite) und bei der Präsentation des Weltmeisters in Sao Paulo am 19. September 2018; Redbull/Fabio Piva

Während Geismayr und Paez Leon regelmässig auf den vorderen Plätzen im Ranking der Marathon-Serie zu finden sind, ran-

„Es ist unglaublich, in Italien den WMTitel zu gewinnen, in dem Land, in welchem meine Karriere begann” Henrique Avancini giert Avancini bis anhin eher in den mittleren Rängen zwischen Rang 22 und 71. Deshalb war der Sieg auch etwas überraschend, schliesslich wurde er zu Recht nicht als Favorit gehandelt. Doch in Wahrheit ist der WeltmeisterTitel ein grosses Ziel, an welchem das Supertalent aus Brasilien ein Leben lang hart arbeitete und nach einem fast endlos langen

steinigen Leidensweg erreichte, der vor rund 20 Jahren seinen Anfang nimmt. Ein harter Weg an die Mountainbike-Weltspitze Aufgewachsen ist der Brasilianer in einfachsten Verhältnissen in Petropolis, 65 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro nur ein paar Kilometer entfernt vom Nationalpark Serra dos Orgaos. Sein Vater eröffnete dort einen Bike Shop und so führte eins zum anderen. Mit acht Jahren lernte Henrique, Mountainbike zu fahren. Mit 20 Jahren erhielt er erstmals die Chance, für ein europäisches Team zu fahren und stand von 2009 bis 2011 beim italienischen Team ISD Cycling unter Vertrag. Die Entscheidung, sich mit 20 Jahren weit weg von seiner Heimat einem europäischen Team anzuschliessen, war alles andere als leicht. Er musste unglaubliche Distanzen überbrücken, wollte er


eine Chance haben, in diesem Sport einst zu den Besten zu gehören. Doch für Henrique ist offenbar kein Hindernis zu gross und keine Distanz zu weit. Das offenbart seinen starken Charakter und seine kompromisslose Bereitschaft, grosse Opfer für sein Ziele zu bringen. Er zeigt sich enorm willensstark, ausdauernd und geduldig und präsentiert sich auch so in den Rennen.

Bilder: Henrique Avancini beim UCI XCO Weltcup in Stellenbosch, Südafrika, 10. März 2018; Red Bull/Craig Kolesky

Womit der Brasilianer vor allem zu kämpfen hatte, war seine Herkunft und die damit verbundene fehlende Unterstützung für seinen Sport, denn Brasilien ist kein Mountainbikeland ganz im Gegensatz zur Schweiz oder zu Europa, wo es für fähige Radsportler einfacher ist, ein Radsport-Team, engagierte Sponsoren, ein professionelles Management und geeignetes Material zu finden. Brasilien ist die Heimat des Fussballs

„Als ich jung war, musste ich persönliche Dinge verkaufen, damit ich das Flugticket nach Europa bezahlen konnte” Henrique Avancini

und nicht des Radsportes. Hier fehlt es an allen Ecken und Enden, wenn es darum geht, Radsportgrössen hervorzubringen. Die gesamte Kultur, gesellschaftliche Akzeptanz, Geschichte und Infrastruktur sind in weit geringerem Masse auf Radsport ausgerichtet als auf Fussball. Henrique Avancini war weitgehend alleine auf

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sich gestellt und musste sich alles hart erarbeiten, was für europäische Radsportler quasi selbstverständlich ist. In seinem Interview mit dem Journalisten Erhard Goller von acrossthecountry.net zwei Wochen nach seinem MarathonWM-Sieg 2018 bestätigte er diese Problematik: „Die meisten Europäer fahren vielleicht 500 Kilometer zu einem Rennen. Als ich jung war, musste ich persönliche Dinge verkaufen, um ein Flug-

ticket zu erwerben. Ich kam mit einem Jetlag an, musste einen Platz zum Schlafen finden und jemanden suchen, der mir im Rennen die Flaschen reicht. All diese Dinge waren alle viel schwieriger für mich, nur um an der Startlinie zu sein. Zum Beispiel hatte ich nie Unterstützung fürs Material. Ich habe eine ganze Saison nur mit zwei Sätzen Reifen bestritten. Ich erinnere mich an meine erste WM 2006 in Neuseeland. Als das fran-


bilden sich gute Trainer, gute Physiotherapeuten, gute Mechaniker, ein gutes Nationalteam. Als Nino auftauchte, hatte er schon das gute Umfeld. Ich musste das selbst aufbauen, aus dem Nichts.”

zösische Team weg war, bin ich an deren Abfalleimer gegangen und habe die Ketten mitgenommen, die sie weggeworfen haben. Die ganz nächste Saison bin ich mit diesen Ketten gefahren. Sie waren immer noch gut genug für mich. Wenn du zum Beispiel die Schweizer nimmst. Du hast da die Nino-Generation, davor hattest du die Sauser-Generation, davor die Frischi-Generation (Christoph Sauser als Weltmeister und Welt-

cupsieger, Thomas Frischknecht als Weltmeister und Weltcupsieger).

„Nino hatte schon alles, ich musste alles selber aufbauen aus dem Nichts” Henrique Avancini Du hast drei Generationen von MTB-Weltmeistern. Drumherum

Der mangelnde Team-Support kostet ihn Jahre In der Zeit bei ISD Cycling von 2009 bis 2011 hat ihm die Unterstützung des Teams gefehlt, denn sie haben nicht wirklich an ihn geglaubt. Henrique erzählt: „Als ich jung war, dachte ich, dass ich nur nach Europa kommen müsste und dann wäre alles ganz einfach. Aber als ich dort war, erkannte ich, dass ich noch viel zu lernen habe, dass ich mich und meine Karriere weiterentwickeln und meinen Körper weiter aufbauen muss.” Am Ende hat mir TeamManager Andrea Marconi gesagt: „Vielleicht hast Du nicht das, was man braucht, um ein Top-Fahrer zu werden. Du hast eigentlich nicht mal das, was es braucht, um in Europa zu fahren. Vielleicht solltest nach Brasilien zurückgehen und dort Rennen fahren.” Es ist leicht nachzuvollziehen, wenn Henrique darüber berichtet, dass er schwierige Zeiten durchlebte und sich mehrfach überlegte, aufzuhören. Doch am Ende hat er nie aufgegeben trotz all der Widerstände und schwierigen Bedingungen, mit denen er leben musste. Auf den Weg zum Erfolg Mit der Rückkehr in seine Heimat 2012 feierte er seine ersten Erfolge. Das Taca Brasil in Rio de Janeiro bestritt er 2012 dreimal und beendete die Rennen allesamt auf dem Podium und einmal sogar als Sieger und das ohne Team, ganz alleine auf sich gestellt. 2013 fand er Anschluss an das Team Caloi und nahm verein-

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zelt wieder an Rennen in Europa teil. Ausserdem wurde er im selben Jahr brasilianischer Meister im Cross Country (XCO) und gewann die Bronzemedaille bei den amerikanischen Kontinentalmeisterschaften. Dazu gesellten sich 9 Podiumsplätze auf südamerikanischen Terrains. Seine Überlegenheit bei diesen «Heimrennen» hat er sich bis heute bewahrt. Er ist heute der unumstrittene brasilianische Mountainbike-Star. 2014 nahm er das erste Mal an Weltcuprennen teil und beendete die vier Rennen auf den Rängen 25, 32, 33 und 69. Der Wechsel zu Cannondale führt zu den ersehnten Erfolgen 2015 wechselte er zum Cannondale Factory Racing Team, welches das Potential dieses Fahrers erkannt hatte und versuchte, ihn besser zu coachen und auf die Rennen vorzubereiten. Seine sportliche Weiterentwicklung führt Henrique auf die Arbeit mit der Sportpsychologin Alessandra Dutra und auch mit dem PerformanceManager Phil Dixon zurück. „Ale war diejenige, die mir gezeigt hat, wie ich meine mentale Stärke, die ich im Training aufgebaut habe, auf andere Weise nutzen kann.” Da dieses Training viel Zeit in Anspruch nahm, stellten sich merkliche Verbesserungen erst 2017 ein. Vier Weltcuprennen, in welchen er auf die Ränge 10–24 fuhr, das bekannte südafrikanische Etappenrennen Cape Epic, das er als Fünfter beendete und der vierte Platz an den Cross Country-Weltmeisterschaften (XCO) im australischen Cairns war die positive Bilanz der Saison 2017 und der Beweis für die extreme Steigerung, die er erreicht hatte. Diese Resultate katapultierten ihn Ende 2017 auf den fünften Rang

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in der MTB-Weltrangliste der Herren Elite des internationalen Radsportverbandes UCI. 2018 wurde sogar noch erfolgreicher. Die Cape Epic beendete er als Dritter, von den sieben Cross Country-Weltcuprennen (XCO), die er bestritt, landete er fünf Mal unter den Top 10, bei den drei Short Circuit Weltcup-Rennen (XCC), die er fuhr, stand er jedes Mal auf dem Podium. Bei den Cross Country-Weltmeisterschaften (XCO) in der Lenzerheide wurde er abermals Vierter. Das letzte Rennen der Saison war die MTB-Marathon-WM (XCM) in Italien, welches er gewann. Da er 2016 und 2017 jeweils nur ein Rennen von

den vier Veranstaltungen in der Marathon Serie bestritt, konnte er keinesfalls als Favorit gelten. Seine Erfolge in den verschiedenen Disziplinen hievten ihn in der internationalen Weltrangliste der UCI Ranking plötzlich auf den sensationellen zweiten Rang direkt hinter Nino Schurter, zu dessen stärkster Verfolger er nun herangewachsen ist. Nun hat er es beinahe geschafft, die UCI-Weltrangliste täuscht etwas, wenn man sie isoliert betrachtet. Wenn man genauer hinschaut, muss man erkennen, dass Henrique seine vielen Erfolge vor allem auf südamerikanischen Boden und in seiner Heimat ein-


fährt, wo er keine nennenswerten Widersacher hat. Diese Erfolge bringen viele Punkte bei der UCI ein. Erst seit zwei Jahren zeigen sich seine fahrerischen Stärken und zahlreiche Punkte auch im Weltcup. Er hat es in die Liga der Weltmeister geschafft und dies auf beeindruckende Weise, doch er ist noch nicht in den Olymp der Cross Country-Weltmeister eingezogen. Er kann sich noch nicht auf die gleiche Stufe mit ausgewiesenen Weltmeistern im Cross Country stellen wie z.B. mit Nino Schurter, Jaroslaw Kulhavy oder Julien Absalon. Doch er hat das Potential dazu, eindeutig! Er gehört aktuell zu den besten Mountainbike-Fahrern der Welt. Ange-

sichts der widrigen Umstände und zahllosen Hindernisse, die Henrique Avancini in seiner langen Radsportkarriere über Jahre überwinden musste, um zum Kreis der besten Mountainbiker der Welt zu gehören, ist seine Leistung viel höher einzustufen als diejenige von Fahrern, welche denselben Erfolg vorweisen können, jedoch stets auf eine grosse Unterstützung bauen konnten. So gesehen ist dies ein Kampf mit ungleichen Spiessen. Obwohl Henrique über Jahre benachteiligt war, hat er sich an die Weltspitze des Mountainbike-Sports gekämpft und einen WeltmeisterTitel geholt. Das beeindruckt uns sehr. Angesichts seines stets beschwerlichen Weges und seiner grossen Erfolge im Radsport ist Henrique Avancini ein richtiger Radheld, der brasilianische Radsport-Geschichte geschrieben hat, und deswegen unsere Radsport- bzw. Mountainbike-Entdeckung 2018. Die Zukunft lässt hoffen Die Freundschaft, die er zu seinem deutschen Teamkollegen Manuel Fumic in den vergangenen Jahren aufgebaut hat, schafft eine positive Atmosphäre innerhalb des Teams. Der sieben Jahre ältere Fumic scheint hierbei die Rolle des älteren Bruders einzunehmen. Jedenfalls herrscht ein beinahe familiäres Verhältnis im Cannondale Team und diese gute Stimmung überträgt sich auch auf die Resultate in den gemeinsamen Rennen. Jüngst haben die beiden zusammen das «Tankwa Trek» überlegen gewonnen. Dieses Rennen in Südafrika zählt mit 288 Kilometer Renndistanz nicht zu den Grossen, doch es ist die Generalprobe zum Cape Epic,

welches jeweils im März stattfindet. Seine Anpassungsfähigkeit und seine Vielseitigkeit, Cross Country- und Marathon-Rennen gleichermassen erfolgreich zu bestreiten, offenbart ein grosses Potential, das in ihm schlummert. Mit dem Sieg der MTB Marathon Weltmeisterschaft hat er bewiesen, dass er ein zäher Hund ist, doch um in den Olymp der Cross Country-Weltmeister aufzusteigen, benötigt er noch eine weitere Steigerung in dieser Disziplin. Er hat zwar das Zeug dazu, doch den Nachweis dazu ist er noch schuldig. Die nächste Saison müsste er nochmals eine klare Steigerung im Cross Country-Weltcup zeigen und bei der Weltmeisterschaft im kanadischen Mont Sainte Anne eine Medaille erringen am besten eine Goldene. Er hat bewiesen, seine Kraft und sein Wille sind unglaublich stark. So stark wie ein Jaguar, der selbst gefährlichere und stärkere Tiere wie Krokodile angreift und tötet. Ist er der Jaguar aus dem Dschungel, der keine Angst kennt und jeden Gegner besiegt?

Steckbrief Name Henrique Avancini Geburtsdatum 30. März 1989 Geburtsort Petrópolis, Brasilien Körpermasse 177 cm, 67 kg Disziplinen Cross Country Olympic/ Marathon/Short Circuit Kontakt Facebook: /henrique.avancini.7 Instagram: avancinimtb/?hl=de

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UCI E-MTB WM 2019

E-Biken wird weltmeisterlich Erstmals in der Geschichte der UCI Weltmeisterschaften finden 2019 zwei Rennen mit E-Bikes statt. Die Rennen werden am Mittwoch, den 28. August 2019, im kanadischen Mont-Saint-Anne in den Kategorien Männer Elite und Frauen Elite. Teilnehmen können Fahrer, die über 19 Jahre alt sind und von ihren nationalen Verbänden registriert sind. Dabei müssen die Fahrer eine 7,3 km lange Cross Country Strecke während einer Dauer von rund 1,5 bis 2 Stunden bewältigen. Die Union Cycliste Internationale (UCI) gab im vergangenen Jahr bekannt, dass E-MTB ins UCI-Reglement integriert wurde. Nach den UCI-Regeln ist ein EMTB ein Fahrrad, das von zwei Energiequellen betrieben wird:

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Der menschlichen Pedalkraft und einem Elektromotor. Der Motor darf nur beim Treten des Fahrers Hilfe leisten, mit Ausnahme der Starthilfe, bei der eine Geschwindigkeit von höchstens 6 km/h zulässig ist. Der Motor darf maximal 250 Watt leisten und darf nicht mehr als 25 km/h unterstützen. Zusätzliche Batterien dürfen während des Wettkampfes nicht mitgeführt werden. Wie bei CrossCountry-Rennen können die Fahrer in der speziellen Zonen für Nahrung und technische Assistenz auf der Strecke Unterstützung erhalten. Allerdings sind Bike- und Batteriewechsel nicht zulässig. Weitere Infos unter www.velirium.com oder www.uci.ch.

Bilder: Die Bilder stammen von der ersten französischen E-MTB Meisterschaft. Das obere Bild zeigt den Start, die kleinen drei Bilder zeigen den XCO Doppel-Olympiasieger Julien Absalon als Sieger der französischen Meisterschaft im Elektro-Mountainbiken bei der Zieldurchfahrt und der technischen Kontrolle. Bildquelle: Fédération Française de Cyclisme/Patrick Pichon


Alejandro Valverde

Der Altmeister Der Altmeister ist seit 2018 auch amtierender Weltmeister im Straßenrennen. Alles Gerede vom Karriereende bestreitet er stets. Lieber wagt der Spanier nochmal etwas ganz Neues und greift heuer auf dem Kopfsteinpflaster in Flandern an. 2018 holte sich Valverde den Weltmeistertitel bei den Straßenweltmeisterschaften in Innsbruck. Der inzwischen fast 39jährige ist also längst nicht vom alten Eisen. Was folgt 2019? Valverde greift auf dem Klassiker der Flandern-Rundfahrt an. Es folgt die Vuelta Espagna, bevor er den WM-Titel in Yorkshire verteidigen will.

Thomas Geraint

setzt wieder auf die Tour de France Der Überraschungssieger der Tour de France 2018 hat sich erst im Februar dazu geäussert, dass er auf die Teilnahme am Giro d’Italia verzichtet, um seine Chancen bei der Tour de France zu wahren. Einer seiner grössten Rivalen ist SkyTeamkollege Chris Froome. Am 9. März nahm er am Strade Bianche in Italien teil und beendete das Rennen als bester Skyteamfahrer auf Rang 12. Er scheint in guter Verfassung zu sein, aber der Waliser muss sich noch steigern, will er die Tour de France nochmals gewinnen.

John Degenkolb

Echter Siegertyp Den wohl emotionalsten Tagessieg der Tour 2018 holte John Degenkolb in Roubaix. Staub. Schotter. Stürze. Und dann der spektakuläre Spurt des Paris-Roubaix Siegers von 2015, dem der Sieg beim Kopfsteinpflasterkrimi so viel Wert war. Große Siege sind Jahrhundertereignisse: 2015 gewann Degenkolb das Monument des Radsports Paris-Roubaix als erster Deutscher seit 119 Jahren. 2019 verfolgt der 30jährige zwei Ziele: Den Sieg der Deutschland-Tour als Heimspiel, und den Weltmeistertitel beim WMStraßenrennen von Yorkshire im September.

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Jaroslaw Kulhavy

Formtief Der Olympiasieger von 2012 im Cross Country scheint in einem Formtief zu stecken. Nachdem im vergangenen Jahr die Erfolge ausblieben und er auf Rang 21 im UCI Ranking absackte, drehte er dem Specialized Racing Team den Rücken zu und fährt im neuen Jahr im Trikot seines eigenen «Jaroslaw Kuhlhavy Cycling Team». Mit der Teilnahme am Cape Epic, welches er letztes Jahr gewinnen konnte, versucht er wieder auf Touren zu kommen.

Jolanda Neff

Querfeldein Die amtierende Weltcup-Siegerin und Europameisterin fährt nicht nur Cross Country, sondern Jolanda liebt es auch, sich beim Radquer durch den Schlamm zu kämpfen. Nach Erholung von der Grippe will sie 2019 zudem wieder auf der Strasse antreten. Seit 2016 führt Jolanda Neff (26) die Weltcupliste im Cross-Country an. Sie ist eine echte Allrounderin. Wie manch andere Schweizer MTB-Athletin tritt sie auch auf der Strasse erfolgreich an, aktuell ist sie Schweizermeisterin im Strassenrennen. 2019 ist ihr Gesundheit zu wünschen, dass sie wieder mit Vollgas antreten kann.

Sina Frei

Sieger-Küken In der U23-Sparte gehört die Schweizerin Sina Frei (21) zu den stärksten der Welt. Ihr Motto lautet „Niemals aufgeben“ und sie holte schon sieben U23Weltcup-Siege. Ihr voller Rennkalender ab Mai unterstreicht: Sina greift auch 2019 nach Gold. Zuhause am Zürisee, zählt ihr unbezwingbarer Wille zu den grossen Stärken der Schweizerin. Ihre Körpergrosse ist es nicht, was sie zur Top-Bikerin prädestiniert. Sina ist 151cm klein, aber einfach nicht aufzuhalten und auf dem Bike ganz gross. 2019 will sie bei Weltcup-Rennen auch schon in der Elite starten.

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Luca Shaw

Bikerliebe Seit Herbst 2018 ist das Geheimnis enthüllt: Jolanda Neff ist mit dem US-Biker Luca Shaw liiert. Das Mountainbiker-Pärchen muss noch nicht einmal eine Fernbeziehung führen, denn der Rennkalender führt Sie immer wieder an dieselben Orte. Luca ist ein begnadeter Mountainbiker, wenn auch noch keiner der ganz Grossen: 2018 fuhr er in sechs von sieben Mountainbike-Rennen unter die Top 7, und einmal als zweiter aufs Podest. Von Leogang bis Lenzerheide: Luca Shaw ist überall dabei und lässt sich auch von Stürzen nicht unterkriegen, denn dann tröstet Jolanda.

Emily Batty

Der Weltcup-Sieg fehlt Neben Jolanda Neff ist die Kanadierin Emilie Batty die stärkste Fahrerin im Trek Factory Racing Team. 2018 schaffte es die Cross Country Spezialistin ganze 6 Mal aufs Podium. Der Sieg bei den kanadischen Meisterschaften und die Bronzemedaille bei der WM gehören dabei zu den wichtigsten Erfolgen. Doch ihr fehlt noch ein Sieg eines Weltcuprennens. Wie sie auf Facebook den Fans mittelte ist sie sehr aufgeregt was die die Saison 2019 betrifft und verfolgt folgende Ziele: „Ein World Cup Rennen zu gewinnen, wäre das Beste.”

Danny Hart

Coole Socke Letzte Saison hatte Danny Hart den britischen Radsportverband von sich überzeugt und deshalb den Vorzug für die Downhill Weltmeisterschaften 2018 in Lenzerheide vor Langzeitstar Gee Atherton erhalten. Mit dem Gewinn der Bronzemedaille war es am Ende für alle Beteiligten die richtige Entscheidung. Im UCI Ranking stand er Ende 2018 auch auf Platz 1. Der britische Downhill- Doppelweltmeister (2011, 2016) schaut zuversichtlich dem Beginn der Saison entgegen und war Mitte März mit seinem Team, dem Madison Saracen Factory Race Team, für Material-Tests unterwegs.

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Valentina Höll

Österreichs DownhillSupertalent Wenn man im Radsport über Talente spricht, muss der Name Valentina „Vali” Höll fallen. Sämtliche DownhillWeltcuprennen 2018 in der Klasse der Junioren hat sie gewonnen und sich die Goldmedaille in der JuniorenWeltmeisterschaft ergattert. Sie ist so stark, dass sie bereits mit den Top 10 der Elite mithalten kann. Sie ist Österreichs beste Downhillerin und ein Versprechen für die Zukunft. von Rolf Fleckenstein


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ie wirkt so lieb und unscheinbar, doch auf der Piste lässt sie die Sau raus, die amtierenden Junioren-Weltmeisterin Valentina Höll in der Disziplin Downhill. Wer die vergangene Rennsaison objektiv betrachtet und die Resultatsliste der UCI beäugt, staunt nicht schlecht. Alle sieben Downhill-Weltcups 2018 hat sie gewonnen, bei den Junioren wohlgemerkt, sie ist ja erst 17 Jahre alt und obendrein hat sie die Goldmedaille an der Weltmeisterschaft geholt. Bei den Junioren ist sie das Mass aller Dinge, was ihre Leistungen anbelangt, da kann niemand mit ihr mithalten. Ihre Gegnerinnen ihrer Klasse treffen 10, 20 oder über 45 Sekunden nach ihr im Ziel ein. Sie ist bereits jetzt schon so gut, dass sie mit den Top 10 der besten Downhillerinnen der Welt mithalten kann. Hätten ihre Zeiten für die Frauen Elite gegolten, wäre sie im Weltcup in La Bresse aufs Podest gestiegen oder hätte an der WM den 8. Platz erreicht, eine Top 10-Platzierung ist ihr eigentlich jetzt schon sicher, wenn ihr das mal genügt. Selbst von der aktuellen Nummer 1 im FrauenDownhill, der Britin Rachel Atherton, gibt's nur Lob. „Vali”, so sagt sie, „ist ein unglaubliches Mädchen. Ich habe ihre Karriere, seit sie 11 Jahre alt ist, verfolgt und man sieht, wie leidenschaftlich sie bei der Sache ist. Jemanden zu sehen, der in diesem Alter schon so gut und technisch reif ist, ist aufregend. Ich bin überzeugt, dass sie im nächsten oder übernächsten Jahr bei der Elite um den Sieg mitfahren wird.” Denn mit ihren 17 Jahren geht die Saalbacherin noch zur Schule und kann entsprechend auch nicht ein Training absolvieren wie ein Profi. Es gibt neben ihr keine österrei-

chische Downhillerin oder Mountainbikerin, die einen solchen Leistungsausweis vorlegen kann, schon gar nicht in so jungen Jahren. Kein Wunder ist sie in

Österreich so bekannt. Ihre Erfolge verdankt sie auch ihrem familiären Umfeld. Ihre Eltern sind selbst begeisterte Mountainbiker und betreiben seit 2010 in Saal-

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bach das Spielberghaus, ein Treffpunkt der internationalen Mountainbikeszene. Hier treffen sich erfolgreiche Downhiller und Mountainbiker am Abend zum Essen und Reden, tauschen sich aus, und inmitten dieses sportlichen Umfeldes und dieser Idole wächst das Jungtalent heran. Klar, dass diese Begegnungsstätte eine Inspirationsquelle für die junge Valentina war, die bereits mit drei Jahren ihr erstes Rennen fuhr. Ihre erste Weltcup-Saison hat sie 2018 bravourös hinter sich gebracht und sie sieht offensichtlich sehr realistisch auch die Gefahren des Sports. Denn ihre Nervosität, die sie vor den Rennen hat, kommt

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auch daher, dass sie immer auf den ersten Fehler und auf den Sturz wartet, der ihr das Rennen und vielleicht sogar die ganze Saison vermiest. Vali ist noch völlig unverbraucht und noch nicht geprägt von schlechten Erfahrungen. Und instinktiv weiss sie, dass diese auch kommen werden und ihren Fahrstil verändern. Doch im Moment ist alles im grünen Bereich. Für ihre Zukunft gilt es nun, die Schule abzuschliessen, um sich völlig auf den Sport konzentrieren zu können, damit sie weiter goldene Resultate einfahren kann. Eines ist jetzt schon sicher: Den Titel „Beste Österreichische Downhillerin” aller (bisheriger) Zeiten hat sie schon mal

auf sicher. Wir wünschen ihr Hals- und Beinbruch, dass dies auch so bleibt.

Steckbrief Name Valentina „Vali” Höll Geburtsdatum 11. Dezember 2001 Körpermasse 157 cm, 45 kg Disziplinen MTB Downhill Kontakt Facebook: @ValntinaHoell Instagram: @valihoell

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Salzkammergut

Alpenländische Idylle für Roadbiker Ein 6’000 km grosses Streckennetz offenbart einer der schönsten Rennradregionen Österreichs, das Salzkammergut im Salzburger Land. Nicht nur die zahlreichen glitzernden Alpenseen inmitten imposanter Bergketten mit beeindruckenden Panoramen gefällt den Rennradfahrern, nein auch das äusserst vielseitige und umfangreiche Tourenangebot. von Martin Budweiser


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chon seit einigen Jahren kommen wir regelmäßig in die Rennradregion SalzburgerLand – Salzkammergut, um in der imposanten Landschaft zwischen markanten Bergen und malerischen Seen zu trainieren. In der letzten Saison haben wir hier erstmals an einem Marathon teilgenommen. Die mittlere Strecke der „Eddy Merckx Classik“ mit ihren 101 Kilometern und 1’430 Höhenmetern, hat uns derart begeistert, dass wir uns sofort wieder für die nächste Auflage angemeldet haben. Gemeinsam mit Tom, Mike und Christine quartiere ich mich im Hotel Mohrenwirt in Fuschl am See ein, das auf Rennrad und Triathlon spezialisiert ist. Der Chef des Hauses, Jakob Schmidlechner, ist selbst leidenschaftlicher Roadbiker und Triathlet. Mehrmals hat er uns in der Vergangenheit auf Touren durch seine Heimatregion begleitet. Vor den Toren der Kultur- und Festspielstadt Salzburg präsentiert sich ein bezauberndes Wechselspiel wunderschöner See- und Berglandschaften, die durch aussichtsreiche Panoramastraßen, Pässe und Fahrradwege verbunden sind. Die Rennradregion SalzburgerLand–Salzkammergut rund um Mondsee, Attersee, Fuschlsee, Eugendorf, DachsteinSalzkammergut und das Salzburger Seenland bietet mit einem Streckennetz von 6’000 Kilometern die besten Voraussetzungen für abwechslungsreiche Runden in allen Schwierigkeitsgraden. Entlang der Ufer wird erst mehr oder weniger kräftig in die Pedale getreten, um anschließend das kristallklare Wasser der schönsten Seen Österreichs zu genießen.

Bilder: Das Salzkammergut auf der Europa-Karte und das Salzkammergut uns seine Seen und Unterregionen

Jakob weiß, dass wir sofort aufs Rad wollen und entscheidet sich spontan dazu, uns bei einer kurzen Ausfahrt auf seiner „Hausrunde“ zu begleiten. Gleich zu Beginn gilt es einen Anstieg von etwa 100 Höhenmetern zu bewältigen, was unsere müden Knochen sofort in Schwung bringt. Nachdem wir in St. Gilgen ans Ufer des Wolfgangsees gelangen, befinden wir uns eine kurvige Traumabfahrt später bereits am Mondsee. Auf dem Tacho stehen gerade einmal 15 Kilometer zu Buche, dennoch trennen uns

schon Welten von Arbeit und Alltags-Stress. Während wir am Ostufer des Mondsees locker Richtung Norden radeln, verzichten wir gänzlich auf das Windschattenfahren, um die traumhafte Landschaft in vollen Zügen zu genießen. Erst, als wir parallel zur Autobahn unterwegs sind, reihen wir uns hintereinander ein und machen ordentlich Tempo. Gut 300 Höhenmeter stehen uns nun, am Weg zurück zum Hotel Mohrenwirt, bevor. Unser Guide führt uns zunächst am MozartRadweg in die Ortschaft Thalgau

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Bilder: Radradtour im Salzburgerland / Salzkammergut, im Hintergrund der Fuschlsee; Bildquelle SalzburgerLand Tourismus/Markus Greber

und später auf verkehrsarmen Nebenstraßen zum Ausgangspunkt am Fuschlsee. Spätestens jetzt, hat sich bei uns das Urlaubsgefühl eingestellt. Nachdem wir unsere Rennräder in der videoüberwachten Garage verstaut und mit kleinen Happen vom Après-Bike Snack den größten Hunger gestillt haben, widmen wir uns der Entspannung. Der kleine aber feine MohrenSpa bietet mit finnischer Sauna und Dampfbad ausreichend Möglichkeiten, um die beanspruchte Muskulatur zu lockern und wieder fit zu werden, für die kommenden Herausforderungen. Anschließend lassen wir uns auf der

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Außenterrasse im 4. Stock ein alkoholfreies Weizenbier schmecken und genießen den herrlichen Blick auf den Hausberg „Schober“. Auch kulinarisch hat das Hotel Mohrenwirt einiges zu bieten. So lassen wir uns mit einem

mehrgängigen Abendmenü verwöhnen, das dank frischer Produkte regionaler Erzeuger eine wahre Gaumenfreude ist. Als Dessert kommt selbstverständlich nur der beliebte Kaiserschmarrn von Küchenchef Pa-


Strecke & Höhenprofil

trick in Frage – lecker!! Später berichten wir Jakob Schmidlechner noch von unserem Plan, in diesem Jahr die lange Strecke der „Eddy Merckx Classic“ in Angriff nehmen zu wollen. „Gute Idee“, meint der sportliche Hotelier, „dann fahren wir die Runde morgen gleich mal ab.“ Tour 12: Eddy Merckx Classics Um bestens vorbereitet in die 168 Kilometer lange Tour zu starten, haben wir eine Extrarunde am reichhaltigen Frühstücksbuffet

gedreht und das in der SportlerVollpension enthaltene Energiepaket in unseren Trikottaschen verstaut. Immerhin gilt es beachtliche 2’449 Höhenmeter zu überwinden. Das Höhenprofil präsentiert sich wellig mit vielen kurzen Anstiegen. Dies entspricht genau dem Terrain unserer Heimat, was uns optimistisch stimmt. Von Fuschl am See geht es zunächst über Thalgau und Hof bei Salzburg in die Faistenau, bis an den Hintersee, den wir nach einer

Stunde Fahrzeit erreichen. Der Abfahrt durch die wunderbare Strubklamm folgt der längste Anstieg des Tages Richtung Gaisberg. Mühsam erarbeite ich mir Höhenmeter um Höhenmeter, während Jakob, mit einem breiten Lächeln im Gesicht, locker vor sich hin kurbelt und dabei noch genügend Puste hat, um uns mit Geschichten aus der Region zu unterhalten. Auf knapp 1000 Meter Seehöhe – zum Glück müssen wir nicht zum Gipfel des Gaisberges, der noch 300 Meter höher liegt – erreichen wir das Dach der Tour, ehe wir die Abfahrt nutzen, um uns zu erholen und die Herzfrequenz wieder in den Grundlagenbereich zu bringen. Zügig treiben wir anschließend unsere Bikes Richtung Norden. Es geht vorbei an Wallersee und Obertrumer See, bevor wir in Perwang am Grabensee die Landesgrenze zu Oberösterreich überqueren. Neben

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der traumhaften Landschaft, mit ihrer einzigartigen Vielzahl an kristallklaren Seen, begeistern uns vor allem die verkehrsarmen Nebenstraßen, die perfektes Renn-

rad-Feeling aufkommen lassen. Da es sich bei der heutigen Ausfahrt um kein Rennen handelt, haben wir ausreichend Zeit, um uns am Irrsee zu einer ausgedehnten Mittagsrast niederzulassen. Wir machen es uns auf der Terrasse des Gasthofs Seewirt gemütlich und genießen einen Cappuccino mit Kuchen und den Blick aufs Wasser. Auch wenn die Pause gut tut, so ist es doch schwer, danach wieder in Schwung zu kommen. Gemütlich in der Sonne sitzen und einfach die Seele baumeln lassen – das wäre ja auch ein schönes Nachmittagsprogramm. „Auf geht’s Jungs!“ – mit dieser Aufforderung reißt uns Jakob Schmidlechner unsanft aus den Träumen. Etwas widerwillig ma-

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chen wir uns also wieder auf den Weg. Bereits nach wenigen Kilometern ist keine Spur von Müdigkeit mehr zu bemerken. Die Seenlandschaft im Grenzgebiet von Oberösterreich und Salzburg, sowie die herrliche Bergwelt im Süden, auf die wir uns nun zubewegen, sorgen für aus-

reichend Antrieb und Motivation. Nach und nach steigern wir das Tempo, bei der Führungsarbeit wechseln wir uns ab, wir haben richtig Spaß an der Sache. Selbst die Tatsache, dass uns ganz am Ende der Runde noch der 300 Höhenmeter lange Anstieg erwartet, der vom Mondsee zu-


Salzkammergut Region Von Salzburg erstreckt sich über rund 850 km2 eine idyllische Alpenregion mit glitzernden Seen, die in malerischen Hügeln und Bergketten eingebettet sind. Die Region ist 480 km von Zürich, 170 km von München und 210 km von Innsbruck entfernt. Rennrad Region Auf der Website www.rennradaustria finden sich 21 ausgesuchte Touren mit rund 2500 km und bis über 2000 Hm Rennrad Hotel Rennrad- und Triathlon Hotel Mohrenwirt Dorfplatz 3 A–5330 Fuschl am See Tel. +43-6226-8228 Fax +43-6226-8628-88 E-Mail: info@mohrenwirt.at Web: www.mohrenwirt.at Weitere Rennradregionen & hotels bei ROADBIKE HOLIDAYS unter www.roadbikeholidays.com

Bilder: Das Hotel Mohrenwirt in Fuschl am See: Die Ansicht von aussen und die gemütliche Grillhütte für uriges Beisammensein. (Bildquelle: Hotel Mohrenwirt)

nächst an den Wolfgangsee und schließlich zurück zum Ausgangspunkt in Fuschl am See führt, kann unsere Euphorie nicht bremsen. Großer Dank geht an unseren professionellen Begleiter. Jakob hat das Tempo stets so gewählt, dass keiner von uns überfordert gewesen ist und wir dennoch zügig vorangekommen sind. Im Herbst, wenn dann die „Eddy Merckx Classic“ über die Bühne geht, müssen wir unbedingt darauf achten, nicht gleich zu Beginn unser Pulver zu ver-

schießen. Zum Glück kennen wir jetzt den genauen Streckenverlauf und können daher unsere Kräfte deutlich besser einteilen. In der Rennradregion SalzburgerLand–Salzkammergut gibt es noch eine weitere MarathonVeranstaltung, die uns reizt. Bereits Ende Juni findet der „Mondsee 5 Seen Marathon“ statt. Auch hier stehen mehrere Distanzen zur Auswahl. Vor allem die lange Strecke mit Mondsee, Hallstätter See, Traunsee und Attersee hat

Adressen Rennradregion SalzburgerlandSalzkammergut c/o BestEvent Am Dorfplatz 1 5330 Fuschl am See Tel.: +43 6648558677 info@rennrad-austria.at www.rennrad-austria.at www.oberoesterreich.at/radfahren unser Interesse geweckt. Mit 200 Kilometern und 3’000 Höhenmetern stellt diese jedoch noch eine deutlich größere Herausforderung dar, als die „Eddy Merckx Classic“. Jakob schlägt vor, diese Strecke im Herbst, mit ihm gemeinsam, abzufahren und dann im nächsten Jahr als Teilnehmer in Angriff zu nehmen. Eine sehr gute Idee – wir können sowieso nicht genug bekommen, von den Bergen und Seen der Region SalzburgerLand–Salzkammergut.

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Eggental im S端dtirol

Die Mountainbike-Welt von Latemar, CarezzaTrail und Rosadira Hoch ragen die Zacken der Dolomiten im S端dtiroler Eggental. In dieser faszinierenden Bergwelt mit glitzernden Bergseen, imposanten Gebirgsz端gen, saftige Almwiesen und zahlreichen Natur- und Schotterpisten finden sich zahllose Trails und einzigartige Bikevents, die Mountainbiker gl端cklich machen. von Sabrina Bromann


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as Mountainbike Hotel Marica wird von der Familie Eisath-Auer geführt. Es liegt in der Ortschaft Eggen, eingebettet zwischen den imposanten Dolomitentürmen von Latemar und Rosengarten. Sowohl Carola als auch Ehemann Manfred und Sohn Gabriel sind geprüfte Bike-Guides. Chef-Guide Manfred ist trail-verliebt und sorgt für schweißtreibende Touren. Seine Frau Carola liebt Panoramatouren, kennt jedes idyllische Plätzchen und die dazu passende spannende Geschichte. Gabriel dagegen nimmt sich mit Vorliebe der extremen Fälle an. Alle drei haben jedoch eines gemeinsam: Sie sind leidenschaftliche Mountainbiker und geben das auch gerne an ihre Gäste weiter.

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Rund um den Latemar Die Mountainbike-Tour rund um den Gebirgsstock Latemar ist eine jener Touren, die auf der Bucket-List eines jeden Mountain-

bikers stehen sollte. Es ist eine mittel-schwere Runde, bei der landschaftliche Highlights und Trail-Spaß perfekt miteinander kombiniert werden. Gleich zu


Bilder: Auf der vorderen Doppelseite sieht man bei Biker mit dem Latemar im Hintergrund (Bildquelle: Eggental Tourismus/Adrian Greiter); auf den drei Bildern sieht man Biker auf dem Carezza Trail (Bildquelle: WOM Medien GmbH/Andreas Meyer)

Beginn dieser Tour steht auch schon der längste Anstieg der Route auf dem Programm. Bis zum Karer Pass müssen zuerst einmal an die 800 Höhenmeter bewältigt werden. Für Carola, Manfred und Gabriel dienen diese als gute Aufwärmübung. Andere, etwas weniger trainierte Mountainbiker kommen dabei jedoch gerne mal ins Schwitzen. Das einzigartige Panorama dort oben am Karer Pass, der zwischen Latemar und Rosengarten sitzt und diese zwei Bergmassive voneinander trennt, lässt die Strapazen jedoch schnell wieder vergessen. Die atemberaubende Schönheit der Dolomiten ist dort allgegenwärtig. Vom Karer Pass folgt schließlich eine Abfahrt nach Moena im Fassatal. Dieselbe

Abfahrt kann aber auch bergauf absolviert werden, nämlich wenn man von Osten kommt und Richtung Bozen fährt. Hier an dieser Stelle ist das Wissen der MTBGuides auf jeden Fall von Vorteil. Wer sich nicht so gut auskennt, könnte nämlich meinen, dass die ganze Abfahrt auf der Schotterpiste zurückgelegt werden muss. Carola, Manfred und Gabriel zum Beispiel kennen aber die fahrtechnisch anspruchsvolleren und weitaus interessanteren Varianten. Der Grundsatz, dass Guides nicht nur für die Sicherheit der Gäste, sondern auch für Fahrspaß und Trail-Action sorgen, bewahrheitet sich also. In Moena angekommen kann man sich als Belohnung einen Cappuccino am Stadtplatz schmek-

ken lassen. Von dort geht es dann am Talradweg weiter nach Predazzo. Auf dem Weg hinauf zum Passo Feudo müssen dann jedoch wieder knackige 1'100 Höhenmeter bewältigt werden. Dank der Hilfe der Latemar Kabinenbahn und dem Sessellift Gardonè wird dieser Aufstieg jedoch zu einer äußerst bequemen Angelegenheit ganz ohne Schweißperlen. Bei der Tour sollte aber unbedingt beachtet werden, dass die Bergbahn in Predazzo von 12.45 bis 14.30 Uhr Mittagspause hält wir sind hier in Italien! Am besten also, man erreicht sie davor. Bevor es dann mit dem Sessellift weiter zum Dach der Tour geht, kehrt man am besten in der Baita Gardonè ein. Dort erwarten einen die Spezialitäten der Südtiroler

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Küche. Auf einer Seehöhe von 1’700 Metern schmeckt so ein Knödel Tris gleich noch viel besser. Dazu kommen die traumhaften Ausblicke, die von der großartigen Terrasse „The Mountain Riviera“ genossen werden können. Später, am Passo Feudo, erwartet einen aber ein sogar noch besseres Panorama. Im Norden ragen direkt die Felswände des Latemar auf. Im Westen liegen Schwarzhorn und Weißhorn, im Süden der Monte Agnello und im Osten zeichnet sich die LagoraiKette ab. Einfach fantastisch. Von dort folgt schließlich auch eine lange Abfahrt zurück ins Eggental. Zuerst gibt es einen flotten Beginn auf der Skipiste, danach einen herrlichen Trail, der bis an die Zischgalm führt.

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Nach einer abwechslungsreichen Mischung aus Almwegen, Schotterpisten, Trails und kurzen Abschnitten auf der Asphaltstraße erreicht man wieder das Hotel Marica in Eggen. Die Runde um den Latemar ist eine wirklich lohnens-

werte Tour inmitten der markanten Felswände der Dolomiten. Dank Liftunterstützung ist sie auch für Hobby-Biker und Einsteiger machbar. Mit dem E-Bike wird sie sogar zum Genuss. Mit den Guides vom Hotel Marica


leicht bis mittel eingestuft, aber als totaler Anfänger sollte man sich vielleicht doch nicht ganz untrainiert hineinstürzen. Wenn man sich mal aufgewärmt hat, kann es auch endlich losgehen. Der Einstieg zum Carezza Trail stellt einen gleich vor die Qual der Wahl: großer oder kleiner Drop? Hat man sich einmal entschieden, folgt auch schon pure Freude auf dem Weg über Kehren und Wiese. Der Trail schlängelt sich weiter immer einem Bach entlang und durchs Nigertal nach Welschnofen. Am Weg erwarten einen viele kleine Bilder: Ein Bikerpärchen trainiert auf dem Carezza Bike Park, um fit für die Trails zu sein (Bildquelle: Harald Wisthaler); Eine Gruppe Biker vor dem Rosengarter (Bildquelle Eggental Tourismus/Adrian Greiter)

kann man sich außerdem sicher sein, die jeweils optimale Abfahrtsvariante zu finden. So ist niemand überfordert und kann die Tour in vollen Zügen genießen. Carezza Trail Ebenfalls ein absolutes Muss, wenn man sich gerade auf BikeUrlaub im Eggental befindet, ist der Carezza Trail. Er ist der „Signature Trail“ der Region. Das bedeutet, dass er das eigentliche Aushängeschild in Sachen MTBTrails in der Region ist. Er ist der Liebling der Locals. Diese kennen ihn meist besser als ihre Westentasche. Und auch über die Landesgrenzen hinaus hat er sich bereits einen Namen gemacht. Start ist bei der Talstation der Bergbahn in Welschnofen. Samt Mountainbike befördert einen diese bis hinauf zur Frommer Alm. Dort erwartet einen aber nicht nur der Einstieg zum Trail,

sondern sogar ein ganzer Trainingspark. Der Bike Park Carezza ist bestückt mit vier Drops in unterschiedlichen Höhen, Pumptrack für Groß und Klein, Rockgarden und Northshores, um die Balance zu verfeinern, Spitzkehren, um die Kurventechnik zu trainieren, sowie Jumpline und Steilwandkurven. Der Park ist eine wirklich super Möglichkeit, um an seiner Technik zu feilen, bevor man sich in den Carezza Trail wagt. Dieser wird zwar als

Doubles und sauber präparierte Jumps und Drops. Hat man das Ende des Trails erreicht, hat man 4,4 Kilometer und um die 500 Höhenmeter hinter sich gelassen. Rosadira Bike „Rosadira“ beschreibt im Eggental jenen Moment, in dem die untergehende Sonne die Felswände der Dolomiten zum Glühen bringt. Nirgendwo besser als hier lassen sich die in Rot schimmernden Bergwipfel besser bestaunen. Das

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Bilder: Während dem Rosadira Bikefestival finden Konzerte vor dem idyllischen Karersee statt (oben) oder es wird Action geboten (rechts unten) )Bildquelle: Eggental Tourismus/Adrian Greiter); rechts sieht man den Karersee und rechts oben die Rosadira, die rot gefärbten Dolomiten (Bildquelle: Eggental Tourismus/Valentin Pardeller)

wissen auch die Veranstalter des Rosadira Bike Festivals, das 2019 vom 13. bis 16. Juni stattfindet. Beim Rosadira Bike steht an vier Tagen alles im Zeichen der zwei Räder. Es gibt Fahrtechnikworkshops, geführte Bike-Touren zwischen Rosengarten und Latemar. Die Touren werden von Locals geführt. Auf Genießertouren, Singletrailtouren oder auch eMountainbike-Touren erzählen sie einem außerdem Wissenswertes über die Region. Und davon gibt es im Eggental genug. Um Karersee, Rosengarten und Latemar ranken sich nämlich al-

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lerhand Sagen. Bei den Workshops bekommt man gute Tipps von den Guides der Fahrtechnikschule TrailXperience. In Kombination mit einer der geführten Touren merkt man hier sicher den einen oder anderen Fortschritt. Am Festivalgelände gibt es außerdem Aussteller, die die

neusten Bike-Produkte zum Ausprobieren zur Verfügung stellen. Aber auch das Rahmenprogramm erfreut das Biker-Herz. Am Karersee erwartet einen ein Live-Unplugged Konzert. Zudem gibt es die „Rosengarden on Fire Night“ und ein Picknick in traumhafter Kulisse am Sonntag. Im-


Eggental Region Eingebettet zwischen den Gebirgsstöcken Latemar und Rosengarten der Südtiroler Dolomiten finden sich zauberhafte Bergdörfchen und eine wilde Natur, die zum Biken einlädt. Die Region ist 360 km von Zürich, 300 km von München und 140 km von Innsbruck entfernt. Bike Events Rosadira Bikefestival vom 13. - 16. Juni 2019 Bike-Hotels der Region Hotel Marica Dorf 30, I-39050 Eggen Südtirol - Italien T. +39 0471 615 720 info@hotelmarica.it www.hotelmarica.it Bike & Ski Hotel Diana Karerseestraße 94 I-39056 Welschnofen Tel. +39 0471 613160 info@diana-hotel.it www.diana-hotel.it Bike- & Kinderhotel Maria Obereggen 12 I-39050 Deutschnofen Tel. +39 0471 615772 info@hotel-maria.it www.hotel-maria.it

mer im Blick: die atemberaubenden Felsformationen von Rosengarte und Latemar. Die Region Eggental in den Dolomiten hat also wirklich so einiges zu bieten. Atemberaubende Panoramen, Trails, Parks und Events, die die eigenen Skills auf das nächste Level bringen. Wenn

man dann noch mit Locals wie Carola, Manfred und Gabriel Eisath-Auer vom Bike-Hotel Marica unterwegs ist, wird der nächste Urlaub garantiert zum unvergesslichen Erlebnis.

Weitere Bikeregionen & -hotels bei Mountain Bike Holidays unter www.bike-holidays.com Adressen Eggental Tourismus Genossenschaft Dolomitenstr. 4 39056 Welschnofen Telefon: +39 0471619 500 info@eggental.com www.eggental.com

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Via del Sale / Limone Piemonte

Über die spektakuläre Militärstrasse direkt an die Riviera Die Region des südlichen Piemonts wird jedem Mountainbiker gefallen. Zahllose Hügel und Bergkämme laden mit ihren abenteuerlichen Trails zum Erkunden auf zwei Stollenreifen ein. 60 km weiter südlich wartet die Riviera mit ihrem azurblauen Meer. von Henning Heilmann


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en Frühling schon früher als in der Schweiz begrüssen kann man im italienischen Limone Piemonte. Und auch Sommerferien hier mit dem Mountainbike ist ein Reisetipp, denn die zahllosen von Trails durchzogenen Hügeln und Berge der Region laden zum Mountainbiken ein. Limone Piemonte befindet sich im Süden Piemonts in der Nähe der französischen Grenze einen Katzensprung von Cuneo entfernt. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis an die italienische und französische Riviera. Seine reizvolle Lage liegt daran, dass hier die hohen Gipfel der SeeAlpen schon bald auf das azurblaue Mittelmeer treffen. Zum Start in alpinen Höhen auf über 2'000 Metern durch bizarre Gebirge radeln und im Ziel die Klikkies gegen Flipflops und Badehose tauschen, um ganz entspannt im herrlichen Salzwasser zu baden: Eine 3-Tagestour auf der Salzstrasse von Limone nach Ventimiglia macht's möglich. Die Alte Salzstrasse, die Via del Sale, ist eine alte Militärstrasse, die über eine Strecke von 60 km die Provinzen Ligurien und Piemont miteinander verbindet. Die spektakuläre Route ist berühmt und beliebt. Sie führt mit dem MTB von Limone Piemonte nach Monesi, und von dort lässt sich die Tour an die Küste bei Sanremo oder Ventimiglia fortführen. Zurück geht es mit der einzigartigen, 1928 eröffneten Tendabahn, welche die Verbindung zwischen Nizza und Turin sicherstellt und die sich durch viele Kehrtunnel von Ventimiglia zurück nach Limone Piemonte schraubt. Mountainbiker erleben ein aufregendes Abenteuer an der Grenze von Italien und Frank-

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Bilder: Karte mit der Lage von Limone Piemonte, Biker fahren an der alten Militäranlage „Forti Ottocenteschi” auf dem Colle di Tenda vorbei (links mitte); Hügel und Trails soweit das Auge reicht, eine echte Mountainbike-Region

reich auf einem der schönsten Mountainbikestrecken von den Alpen ans Meer. Startpunkt Als Startpunkt von MTB-Touren auf der Alten Salzstrasse empfiehlt sich die Berghütte Chalet Le Marmotte, zu Deutsch Murmeltierhütte, wo unser MTB Guide Erik Rolando die Bikes entlädt. So haben wir uns schon die ersten 800 Höhenmeter von Limone Piemonte zum Einstieg in die Alte Salzstrasse gespart. Höhenmeter sind nämlich noch genügend zu

bewältigen, bevor Monesi oder gar Ventimiglia erreicht werden. Vollgefedert Zur Verfügung gestellt werden

uns vollgefederte E-Bikes mit ordentlich Wums von Smart Power aus Ormea, einem regionalen Bike-Verleih bei Cuneo. Das Mountainbiken ist hier auch mit

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Strom kein Spaziergang, denn je nach Startpunkt der Tour können an einem Tag bis zu über 2'000 Höhenmeter erklommen werden. Profis können sich überlegen, die Tour vielleicht schon vor Limone Piemonte zu starten und die pittoresken Städtchen Valdieri oder Entracque zu entdecken. Für wen der Weg das Ziel ist, der kann dabei ausgezeichnete italienische Restaurants entdecken. Grenzkamm Die Via del Sale selbst führt auf 39 Kilometern Länge vom Chalet

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Le Marmotte bis in schwindlige 2'100 Meter Meereshöhe und weiter nach Monesi. Die alte Militärstrasse hat alles, was sich Mountainbiker wünschen und ist am ligurischen Grenzkamm, immer an der Grenze zu Frankreich, aufregend in den Fels gehauen. Sehenswert sind die militärischen Festungen auf der Passhöhe. Die ersten spektakulären Ausblicke lassen am Colle della Boaria ebenfalls nicht lange auf sich warten. Berghütten wie das Rifugio Alpino Don Barbera in über 2'000 Metern Seehöhe laden Bi-

ker zu einer köstlichen Einkehr, und auf Mehrtagestouren zum Übernachten vor der nächsten Etappe ein. Drei Tage Fahrtzeit sollten nämlich für die Via del Sale von Limone nach Monesi und die Weiterfahrt nach Ventimiglia eingeplant werden. Eric Rolando, unser MTB-Guide, kennt


Limone Piemonte Anreise Als Ausgangsort für Biketouren auf der Via del Sale empfiehlt sich Limone Piemonte. Dies liegt rund 120 km südlich von Turin und ist sowohl mit PKW als auch mit Bahn erreichbar. Auf Anfrage beim Hotel ist ein Abholservice ab Bahnhof Limone Piemonte möglich. Der nächstgelegene Flughafen ist Cuneo (50 km).

5’083 m bergab Fahrtzeit: 3 Tage (Übernachtung z.B. im Rifugio Don Barbera, Rifugio Gray, Villagio Turistico Mauro Dolceacqua), Rückreise per Zug nach Limone Piemonte GPX-Daten: www.cuneoholiday.com

Bikeguide, Bikeverleih MTB Guide, Erik Rolando, Tel. +39-347-3000346 myridebyke.com Smartpower in Ormea, www.smart-power.it Bilder: Die Biker auf der Via del Sale auf ihrer Tour (links); Viele Biker bevorzugen die Bergbahn Seggiovia Cabanaira, die von 9.30-17.30 Uhr geöffnet ist (links Mitte); Ein beeindruckendes Reiseziel in der Region ist der Lago Terrasole, auf dem im Bild eine Musikgruppe auf einem Floss ein Konzert zum Besten gibt (oben).

sich hier perfekt aus, ist für alle Eventualitäten gewappnet und flickt auch mal blitzschnell eine gerissene Kette an einem E-Bike. Hüttenpause Falls die Via del Sale auf eigene Faust gefahren wird, ist der Download der GPX-Daten von der Homepage der Tourismusagentur der Provinz Cuneo zu empfehlen. Mit diesen Daten sind sowohl die Kilometer als auch die Höhenmeter ersichtlich. Wer schon im Ortszentrum von Limone Piemonte startet, legt allein bis zum Rifugio Don Barbera schon über 1.900 Höhenmeter zurück. Dafür gibt es dort auch alles, was das Herz begehrt, vom Panino über die Pasta bis zur Polenta gibt alles Power. Sportlich Immer im Juni findet hier ein Mountainbike Marathon mit über

Cuneo Alps Bike Experience www.cuneoalps.it Events Mountainbike Marathon La Via del Sale (22.-23. Juni 2019) www.laviadelsale.com Touren Route: Limone Piemonte – Chalet Le Marmotte - Rifugio Don Barbera Strecke: 30,6 km Höhenmeter: 1’943 m bergauf, 842 m bergab Fahrtzeit: 3,5- 4 Stunden GPX-Daten: www.cuneoholiday.com

Essen La Taverna degli Orsi www.latavernadegliorsi.com Ristorante Maito www.ristorantemaito.com Schlafen Hotel Artisin*** www.hotelartisin.com Fiocco di Neve Relais**** www.fioccodineverelais.com Rigugio Alpino Don Barbera www.rifugiodonbarbera.eu Rifugio Realdo rifugio@realdovive.it www.facebook.com/RealdoVive/ Rifugio Gray (1950 m.ü.M.) www.caiventimiglia.it/rifugi.html Kontakt Tourismusbüro Limone Piemont Via Roma, 30 - 12015 Limone Piemonte (CN) Tel. +39 0171.925281 iat@limonepiemonte.it www.limonepiemonte.it

Route: Chalet Le Marmotte - Rifugio Don Barbera - Monesi – Pigna – Dolceacqua - Ventimiglia Strecke: 92,2 km Höhenmeter: 3’252 m bergauf,

A.T.L. Azienda Turistica Locale del Cuneese Via Pascal 7 12100 Cuneo - Italien Tel. +39.0171.690217 www.cuneoholiday.com/de/

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1'000 Teilnehmern statt. Hinzu kommt im Juli ein E-Bike Transalp Festival. Auf der klassischen Strecke des Granfondo Via del Sale sind 45 km und über 2'200 Höhenmeter zu überwinden. Noch sportlicher unterwegs sind allerdings die Gravel-Biker, die uns auf der Via del Sale begegnen. Diese stellen sich mit ihren schwer beladenen Bikes ohne Motor der Turin-Nizza Rally, 700 Kilometer und bis zu 20'000 Höhenmeter legen sie zurück. Wir kehren am Rifugio Don Barbera nach Limone zurück und machen uns nach einer rasanten Abfahrt in Limone einen genussvollen Abend mit Wein und Delikatessen. Genussvoll Mountainbike-Urlaub in Italien sollte eh nie an lukullischen Genüssen vorbeiführen. Auch in

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Limone Piemonte gibt es ausgezeichnete Lokalitäten für die besonderen Gaumenfreuden. In der „Taverna degli Orsi“ kocht „Il Principe“ Andrea die feinsten Speisen. Seit 26 Jahren Weinsommelier, hat er immer ein feines Tröpfchen parat. Einmal sollte man die lokale Spezialität Bagna Cauda kosten, bei dem Gemüse in eine Sauce aus Olivenöl, Sardellen und viel Knoblauch gedippt wird. Als Hauptgang vielleicht Fisch, Fleisch oder Wildspezialitäten, und zum Nachtisch Schokoladentorte. Am nächsten Abend klingt unser Bike-Urlaub bei Fondue im Ristorante Maito aus.

Bilder: Die 3-Tages-Tour führt an die wunderschöne französische und italienische Riviera (oben); in Limone Piemonte gibt es auch edle Unterkünfte wie das hier abgebildete Fiocco di Neve Relais**** für Gäste mit gehobenen Ansprüchen (unten). In Italien gut zu essen, gehört zu jedem Urlaub dazu, mitunter ist das Ristorante Maito (recht oben) zu empfehlen, darunter ist das Gericht „Pirrade” zu sehen, das es in zwei Varianten gibt. oder eine schmackhafte Vorspeise (rechts unten); In der Taverna degli Orsi serviert Küchenchef Andrea di Tolosano gerade den Nachtisch (recht Mitte).


URLAUBSFINDER MIT BISS www.roadbike-holidays.com

RT OG

#myRoadbikeMoment


Matthias Dandois Santorini

Freestyle naked Romantischer, idyllischer und freier kann ein Umfeld nicht sein, wenn man die Bilder von Matthias Dandois sieht, welche die Fotografin Miriam Lottes geschossen hat. Der 7-fache BMX-Weltmeister zeigt beeindruckende KunststĂźcke mit seinem BMX-Rad und das vor romantischer Ferienkulisse. Man kriegt Lust auf Ferien und Biken. von Rolf Fleckenstein


Impressum Verlag: Rolf Fleckenstein Media Alte Landstr. 168, CH-8800 Thalwil, Schweiz Tel. +41-44-720 99 55 Fax +41-44-721 00 35 Email: info@sportguide.ch www.sportguide.ch Herausgeber Rolf Fleckenstein Redaktionelle Mitarbeit: Bruno Fleckenstein, Henning Heilmann, Sabrina Bromann, Martin Budweiser, Rolf Fleckenstein Fotos, Bildquellen: Cover: Henrique Avancini: Red Bull / Fabio Piva Innenseiten: Dies & Das: Horst Brozy, Canstockphoto; Tom Dumoulin: Team Sunweb, UAE-Tour, Giro; Avancini: Red Bull/Fabio Piva, Craig Kolesky; E-MTB WM: Fédération Française de Cyclisme/Patrick Pichon; Vali Höll: ServusTV/Neumayr/Leo, Red Bull/Bartek Wolinski, Philip Platzer; Salzkammergut: SalzburgerLand Tourismus/Markus Greber, Heiko Mandl, Hotel Mohrenwirt; Eggental: WOM Medien Gmbh/Andreas Meyer, Eggental Tourismus/Adrian Greiter, Valentin Pardeller; Limonte Piemonte: ATL del Cuneese, Tourismus Limone Piemonte, Marco Gabbin, Hotel Fiocco di Neve, Ristorante Maito, Taverna degli Orsi, Canstockphoto; Santorini: Red Bull/Miriam Lottes; Wo nicht gesondert erwähnt Bildarchive der Hersteller & Marken; Archiv Verlag Rolf Fleckenstein Media

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iese Ausgabe schliessen wir ab mit ein paar starken Aufnahmen des 7-fachen BMX-Weltmeisters Matthias Dandois aus Frankreich, der auf Anregung der Fotografin Miriam Lottes aus Wien auf der griechischen Insel Santorini einige Kunststücke zum Besten gab, welche sie auf den Bildern bannte und die auf dieser romantischen Insel zu einem sportlichen Gesamtkunstwerk wurden. Die Fotografin Miriam Lottes - Gewinnerin des ersten Red Bull Rising Talent wurde eingeladen, ihr Traumprojekt

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zum Leben zu erwecken. Auf der Insel bedeutete dies für die Crew, um 5.30 Uhr aufzustehen, um dem üblichen Touristenstrom aus dem Wege zu gehen. Dabei wurden ganz unverhoffte tolle Spots entdeckt, die man nicht planen konnte. Die schöne Insel als Kulisse schön und gut, doch die Shots wären nichts, wäre hier nicht der Ausnahmeathlet Dandois, der mit mutigen Einlagen alles aus der Kulisse aufs Bild gebracht hätte und Miriam, die es verstand die Romantik und die Action harmonisch miteinander zu verschmelzen.

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Sportguide Bike 2019, Ausgabe 1/2019  

Bike-Neuheiten 2019, Ridley Noah Fast, UYN Bike, Lapierre eZesty - MTB, E-MTB oder beides?, Pearl Izumi - das Geheimnis der Wasserperlen, To...

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