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SERVUS IM MAI

Frühling am Fluss

AU,WIE SCHÖN

Der Mai lässt Aulandschaften erstrahlen. Das frische, von reichlich Wasser genährte Grün füllt Wald und Wiese, und auch die Tierwelt schöpft wieder aus dem Vollen. TEXT: PAUL HERBERSTEIN

Morgenstimmung. Die Pupplinger Au im Naturschutzgebiet Isarauen südlich von München geizt im Mai nicht mit ihren Reizen: Üppig und urwaldähnlich lockt sie dann zu einem Ausflug ins Blättermeer.

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GRÜNER KLETTERMAXE

FOTOS: VARIO IMAGES, ANIMAL PRESS

Auf breiten Schilfhalmen herumzuturnen, ist für den Laubfrosch mit seinen runden Haftscheiben an Fingern und Zehen ein leichtes Spiel. Der kleine, aber lautstarke Sänger klettert problemlos auch auf hohe Bäume und lässt von dort seine krächzende Stimme über den Auwald ertönen. Die Nähe zum Wasser sucht er vor allem jetzt im Frühjahr, wenn sich Laubfrösche dem Liebesreigen hingeben und die Weibchen danach ihre Eier ins Wasser ablegen.

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GARTEN TIERLEBEN

2. Singdrossel 65–40 Min. vor Sonnenaufgang (Februar bis Mitte Juli)

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6. Mönchsgrasmücke 50–35 Min. vor Sonnenaufgang (März bis Juli)

3. Feldlerche 60–30 Min. vor Sonnenaufgang (Februar bis Juli)

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 7. Kuckuck 50 Min. vor Sonnenaufgang (April bis Juli)

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4. Rotkehlchen 60–50 Min. vor Sonnenaufgang (März bis Juni)

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5. Hausrotschwanz 50 Min. vor Sonnenaufgang (März bis Juli)

  1. Gartenrotschwanz 80 Min. vor Sonnenaufgang (April bis Mitte Juli)

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8. Amsel 45 Min. vor Sonnenaufgang (Februar bis Juli)

R VONG EN A T G U UF IN A M EN N N SO

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vor Sonnenaufgang

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10. Pirol 40 Min. vor Sonnenaufgang (Mai bis Mitte August)

15. Stieglitz 20 Min. vor Sonnenaufgang (März bis August)

  11. Blaumeise 35 Min. vor Sonnenaufgang (Januar bis Juni)

16. Grünling 15 Min. vor Sonnenaufgang (Februar bis Mitte Juli)

12. Buchfink 30–20 Min. vor Sonnenaufgang (März bis Juli)

  17. Kleiber 10–5 Min. vor Sonnenaufgang (Februar bis April)

13. Kohlmeise 25 Min. vor Sonnenaufgang (Anfang Februar bis Juni)

18. Gimpel 5 Min. vor Sonnenaufgang (Ende April bis Ende Juli)

14. Haussperling 20–15 Min. vor Sonnenaufgang (Januar bis August)

 19. Mehlschwalbe genau zu Sonnenaufgang (Ende April bis Mitte August)

Die Zeitangaben sind Mittelwerte und können je nach Wetter und Temperatur variieren.

ILLUSTRATIONEN: ANDREAS POSSELT, MAURITIUS IMAGES, ISTOCK.COM

9. Zaunkönig 45–30 Min. vor Sonnenaufgang (März bis Mitte August)


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SONNENAUFGANG 18

DIE VOGELUHR

ES PFEIFT HALB SIEBEN

Jetzt singt das heimische Vogelorchester wieder in voller Besetzung. Wir stellen die gefiederten Musikanten vor und erklären, wann sie mit welchem Repertoire auftreten. TEXT: ELA ANGERER BERATUNG: EVA KARNER-RANNER

T 20. Nachtigall Ihr Gesang begleitet uns zur Brutzeit durch die ganze Nacht (Ende April bis Ende Juni)

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rütrütrütrü-tirili“, flötet der Gartenrotschwanz. Er ist der erste Musikant im morgendlichen Vogelorchester, seine zärt­ liche Ouvertüre beginnt bereits kurz nach vier Uhr früh. Um diese Zeit dürfen wir uns noch einmal gemütlich im Bett umdrehen – um noch einmal, begleitet von Vogelmusik, ins Traumland abzutauchen.

SINGVÖGEL AUF PARTNERSUCHE

Jetzt, im Wonnemonat Mai, ist die Vogelbalz am Höhepunkt, und die Männchen zeigen sich von ihrer besten Seite. Aus voller Kehle wird gezwitschert und getschilpt; und viele Vogeleltern haben bereits alle Schnäbel voll zu tun: Unermüdlich werden Nester gebaut und hungrige Mäuler gestopft. Die Kinder der Zaunkönige etwa wiegen bei der Geburt gerade einmal ein Gramm und sind anfangs mit acht Fütterungen in der Stunde zufrieden. Später müssen die Eltern mit ihren pinzettenartigen Schnäbeln dann schon bis zu 40-mal pro Stunde aus­ rücken, um Insekten und Spinnen anzu­ liefern. Das Zaunkönigmännchen ist zudem für seinen melodisch schmetternden Gesang berühmt. Nur während der Jungenaufzucht singen die Vögel weniger, zwischen erster und zweiter Brut dann wieder vermehrt.

Apropos singen: Nicht die von vielen Dichtern gepriesene Nachtigall ist es, die am schönsten singt. Nein, die Amsel gilt unter Experten als die Komponistin und Inter­ pretin mit dem größten Talent. Ihre Arien sind musikalische Meisterdarbietungen – mit rhythmischen Wiederholungen und ­ausgeklügelten Themenvariationen. Laut dem Dachverband Deutscher Avi­ faunisten zählten wir 2013 in heimischen Gefilden an die 120 regelmäßig brütende Singvogelarten. Die gefiederten Musiker sind aber nicht nur tolle Sänger. Indem sie Insekten fressen und Pflanzensamen ver­ teilen, leisten sie auch einen wichtigen Beitrag im großen Kreislauf der Natur. WILDE ECKEN UND DICHTE HECKEN

Was können wir tun, um das Überleben ­unserer Singvögel zu sichern? Auf weiter Flur sind sie auf Gebüsch und brachliegende Flächen an­ge­wiesen. In unseren Gärten ­helfen ihnen zudem „wilde Ecken“, wo noch Wildkräuter wie Brennnessel, Löwenzahn und Vogelmiere wachsen dürfen, allerlei kleine Tiere krabbeln oder dichte Büsche wie Brom­beere und Heckenrose Schutz bieten. Auch Vogelhäuschen und in Ästen hängende Futterknödel werden angenommen. ➻

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KÜCHE FRISCH AUS DEM OFEN

Christina Bauer

BACKEN MIT CHRISTINA

AM ANFANG WAR DIE SEMMEL

Sie wollte Chirurgin werden, die Liebe wollte etwas anderes. Auf einem Bauernhof im Salzburger Lungau fand Christina Bauer ihr Glück. Und entdeckte ihre wahre Leidenschaft: einfach gut backen. Die teilt sie ab jetzt Monat für Monat mit der Servus-Familie.

uh Ricki hat ihr Pensum von 16 Liter Milch erledigt, Nachbarin Gerti geht ihre acht Liter heute gemächlich an. Zehn weitere Kühe, die bereits vor der Melkmaschine Schlange stehen, müssen sich gedulden. Christina Bauer zuckt mit den Achseln und sagt: „Ich nehme immer die gleich schnellen und die gleich lang­ samen zusammen an die Reihe, aber Gerti ist trächtig, da gibt sie weniger Milch.“ Es ist kurz nach fünf Uhr früh in einem Stall der 350-Einwohner-Gemeinde Göriach im österreichischen Lungau, als die Melk­ maschine meldet: Gerti hat ihr Werk voll­ bracht. Die 31-jährige Landwirtin zieht das Melkzeug von den ­Eutern, und die Tiere marschieren an ihre Fressplätze in einer Reihe mit den anderen 15 Milchkühen und 25 Kälbern zurück. Dort werden sie von Schwiegervater Hans mit Heu versorgt. Über dem Bramlhof geht die Sonne auf. BÄUERIN, BÄCKERIN, MUTTER

Jeder Tag in ihrem Leben, sagt Christina, unterscheidet sich von den anderen. Die Fixpunkte sind schnell aufgezählt: 40 Kühe, 30 Schafe, zwei Katzen und einen Hasen gilt es morgens und abends zu füttern, den Haushalt irgendwann zu erledigen, die drei Gästezimmer zu pflegen und die Kinder

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gut zu umsorgen. In den Stunden, die ihr dazwischen bleiben, probiert sie Brot- und ­Kuchenteige, kombiniert manche mitein­ ander, experimentiert mit Füllungen und Back­formen, tauscht Zutaten aus. Um 6.30 Uhr hat Christina schon Milch, Brot, selbst gemachte Marillenmarmelade und einen Kuchen auf dem Esstisch her­ gerichtet, als die Familie eintrudelt: Mag­da­ lena, 9 Jahre alt, Thomas, 11, dazu Ehe­ mann Johannes und Hans, der Seniorbauer. Der Bramlhof befindet sich seit 1532 in Familienbesitz, Christina und Johannes sind die 16. Generation. 42 Hektar Grund sind zu bewirtschaften, dazu Anteile an ­Genossenschaftsalmen zu betreuen. Die Männer machen sich an die Arbeit, da ­stehen die Zeiger auf kurz nach sieben Uhr. Als sich die Kinder Richtung Schule ver­ abschieden, wirkt ihre Mutter so entspannt, als wäre sie gerade der morgendlichen ­Dusche entstiegen, dabei hat sie schon die Stallarbeit erledigt. Ab acht Uhr beginnt die Bäckerin Chris­ tina ihr Tagwerk. Jetzt kann sie sich die Zeit einteilen, wie sie mag. Und sie kann ­ihrer Kreativität freien Lauf lassen. „Vieles entscheide ich nach Gefühl“, sagt sie. Die Grundzutaten für ihre Backwerke hat sie meist zu Hause. Was nicht beim Lebens­

mittelhändler in der Nähe erhältlich ist, schafft es nicht in ihre Rezeptesammlung. Einen gefüllten Briochekranz will sie heute backen, dazu einen Joghurt-Gugel­ hupf. Jeden Arbeitsschritt dokumentiert Christina mit Fotos, manchmal auch Video. Weil Zeit für eine Mutter ein kostbares Gut ist, sind Christinas Rezepte herrlich unkom­ pliziert. Neben Einfachheit sind ihr bei den Beschreibungen genaue Angaben besonders wichtig: „Ich wiege sogar das Wasser genau ab, damit der Teig immer gleich gelingt.“ EIN VORBILD FÜR DIE MENSCHEN IM ORT

Eigentlich wollte Christina Unfallchirurgin werden, das Medizinstudium in Graz hatte sie bereits begonnen. Doch der Liebe wegen zog sie zu ihrem Freund Johannes auf den Bramlhof. Ein Umstand, der dem Bürger­ meister der Gemeinde, Reinhard Radebner, großen Respekt abringt. Er war Christinas Religionslehrer. Aus dem Mädchen, das als Gymnasiastin eher im Hintergrund blieb, sei ein Vorbild für die Menschen im Dorf ­geworden, sagt er. „Sie beschreitet mutig neue Wege, aber stets gut durchdacht.“ Christinas Tatendrang strahlt auf Göriach und die Region ab, sagt der Bürgermeister. So reiste vor gar nicht langer Zeit ein Mann von Vorarlberg in den Salzburger ➻

ILLUSTRATION: ROLAND VORLAUFER

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TEXT: NINA STRASSER FOTOS: MICHAEL REIDINGER


Kinderleicht. Die Rezepte von Christina sind schnell umgesetzt. Thomas und Magdalena, ihre Kinder, testen die Backwerke wie diesen Briochekranz.

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KÜCHE REZEPTE VON DAMALS

AUS OMAS KOCHBUCH

SPARGEL AUF ALTBAYERISCHE ART Es waren einmal zwei Kinder. Die mochten kein Gemüse. Und schon gar keinen Spargel. Aber dann entdeckte die Oma eines Tages ein altes Familienrezept. Und so passierte ein kleines Wunder. TEXT: BARBARA STILLER-MONTEL FOTO: EISENHUT & MAYER

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pargel ist nicht jedermanns Sache. Besonders Kinder rümpfen oft ihre kleinen Näschen über so viel Bitterkeit. Nun, junge Spargelfreunde fallen eben nicht vom Himmel, man muss sie an den speziellen Geschmack gewöhnen. Zugegeben, manchmal kann dabei etwas Raffinesse hilfreich sein. Da Servus-Leserin Rosi Meier aus Altötting ihre kleinen Pappenheimer kennt, ihre Enkel­ kinder, die Zwillinge Lia und Fabi im Speziellen, kam es ihr gerade recht, dass sie einen Trick ihrer Oma entdeckte, der Schrobenhausener Köchin Anna Heim. Eines Tages nämlich fand Rosi in der Schub­ lade des Küchenbuffets eine zerlesene Kladde von Oma Anna. Und darin entdeckte sie ein Rezept, das dem Kinder-Schreckgespenst Spargel eine köstliche Unterlage verpasste: Spargel auf feinem Semmelteig. „Das ist doch mal einen Versuch wert“, dachte sich Rosi. „Wie wäre es denn mit einem neuen Kuchen, Kinder? Habt ihr Lust, mir zu helfen?“, rief sie in Richtung Kinderzimmer. „Gerne, Oma!“, schallte es zweistimmig von den siebenjährigen Küchenhelfern zurück. „Na dann ran an den Teig.“

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Erst schnitt sie zusammen mit den Enkeln die Semmeln auf. Dann tunkten sie diese in die Eiermasse, was Lia und Fabi besonderen Spaß machte. „Jetzt müssen sie eine Stunde ziehen“, sagte Oma Rosi. Nun, Warten ist bekanntlich nicht die Lieblingsbeschäftigung von Kindern. So freuten sie sich, dass sie die Eierbrötchen nach einer Stunde ausbacken durften. SPARGEL ALS KUCHEN GETARNT

„Jetzt müssen wir unseren Kuchen aber noch ­belegen“, sagte die Oma. „Mit Früchten?“, fragten die Zwillinge. „Nein, ich habe heute etwas ganz ­Besonderes dafür“, sagte Rosi. Und zauberte die zuvor heimlich gekochten Spargelstangen hervor. „Ein Gemüsekuchen, wie toll!“, freute sich Lia. Das Ende der Geschichte? Lia und Fabi stürzten sich auf den frisch gebackenen „Kuchen“. Dass er mit dem eigentlich ungeliebten Spargel belegt war, das geriet in Vergessenheit. Denn der lieb­ liche Teiggeschmack überdeckte dessen Bitterkeit. „Oma, diesen Kuchen müssen wir bald wieder ­backen“, sagte Fabi. Und die Oma, sie konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. 3


ZUTATEN FÜR 4 PERSONEN Zeitaufwand: ca. 2 Stunden inkl. Einweichen der Semmelscheiben 4 Semmeln oder Weißbrot 2 große Eier Prise Salz, Pfeffer und Muskat 500 ml Milch 2 kg Spargel 1 l Fleischbrühe etwas Mehl Butter nach Belieben Schnittlauch

ZUBEREITUNG 1. Semmeln in feine Scheiben schneiden. Eier mit Salz, Pfeffer, Muskat in lauwarmer Milch verquirlen und die Scheiben ca. 1 Stunde darin ­einweichen, wobei man sie mehrmals umdreht, aber so, dass sie nicht zerfallen. 2. Spargel waschen, schälen und Enden ­abschneiden. In kräftiger Fleischbrühe ca. 20 bis 30 Minuten bissfest kochen. 3. Den gekochten Spargel in ein wenig Fleisch­ brühe, die mit etwas Mehl sämig ­gemacht ­wurde, warm halten. 4. Ein großes Stück Butter in einer Kasserolle schmelzen lassen, die eingelegten Milchbrot­ scheiben hineinlegen, mit einem Löffel etwas zusammendrücken, dass sie wie ein Kuchen

aussehen, und auf einer Seite langsam aus­ backen. Auf einen großen Teller stürzen. In den Topf wieder Butter geben und die ­ungebackene Hälfte behutsam in die Pfanne gleiten lassen. Unter Schütteln fertig backen. 5. Anschließend stürzt man den „Kuchen“ auf eine Anrichteschüssel und legt den vor­ bereiteten Spargel darauf. Wenn nötig, etwas salzen, mit der Pfeffermühle pfeffern und mit geschnittenem Schnittlauch servieren. Tipp: Dazu passen dünne Schinkenscheiben oder eine pikante grüne Soße.

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LAND & LEUTE HANDWERK

Franz Wimmer kann das kleinste aller Zupfinstrumente natürlich auch spielen.

DIE HOHE KUNST DES

MAULTROMMELNS

Seit 400 Jahren werden im oberösterreichischen Molln Maultrommeln in alter Tradition handgefertigt. Franz Wimmers Familienbetrieb ist einer von dreien, die bis heute überlebt haben. TEXT: USCHI KORDA FOTOS: ERICH REISMANN

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lang-dlang-daladlangdlang­ dlang – Franz Wimmer steht in seiner kleinen Werkstatt im oberösterreichischen Molln in der Nähe von Wels und legt sich so richtig ins Zeug. Soeben hat er den Beweis erbracht, dass es möglich ist, einer kleinen Maultrommel einen Walzer zu entlocken, der als solcher erkennbar ist. „Reine Übungssache“, sagt Franz Wimmer, der gleich noch ein Volkslied, gespielt auf zwei Maultrommeln, zum Besten gibt. Profis, erzählt Franz, spielen bei Konzerten meist mit vier Maultrommeln, indem sie in jeder Hand zwei halten. In unterschiedlichen Größen, die kleineren für die hohen Töne, die großen für einen gediegenen Bassklang. Es handelt sich ausschließlich um handgefertigte Modelle, so wie sie Franz Wimmer in alter Tradition herstellt. Als einziger männlicher

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Nachkomme wurde er seinerzeit von seinem Vater dazu bestimmt, das Unternehmen in der zwölften Generation fortzuführen. DAS GEHEIMNIS DES STIMMENS

Das Anfertigen einer Metallmaultrommel mit der Hand sieht simpel aus, ist aber ein Meisterstück an Präzisionsarbeit. Der Körper wird aus einem Eisendraht in Rhombusform mit 400 Newton Festigkeit geformt, nur so lässt er sich biegen, ohne zu brechen. Das können natürlich auch Maschinen. Der feine Unterschied: Beim Profi-Instrument wird beim Übergang von den Schenkeln zur Rundung der Draht einmal gedreht. Und das geht nur per Hand – mittels Zange. Das Stimmen des Instruments war früher ein Geheimnis, das nur innerhalb der Familie weitergegeben wurde. Stundenlang ist

Wimmer damals mit einem Gitarrenspieler in seiner Werkstatt gesessen und hat dem Anspielen des hohen G gelauscht. Mit wenig Erfolg, denn von 500 Maultrommeln waren gerade einmal fünf in perfekter Tonlage. Deshalb hat Wimmer in der Folge die Federn der einzelnen Töne exakt vermessen und sich Schablonen dafür angelegt. 73 Jahre ist Franz Wimmer heute, den Betrieb führt längst seine Tochter Ilse Bades. Ob deren Kinder das Handwerk weiter­ führen, steht noch in den Sternen. 3

✽ SERVUS AM MARKTPLATZ, die Plattform für heimisches Handwerk, findet in ganz Österreich Hersteller besonderer Produkte. Auch die Maultrommeln sind bei servusmarktplatz.com bestellbar.


Die Feder bestimmt den Grundton: Franz Wimmer hat für jeden Ton eine Schablone angefertigt (li. u.). Im Handumdrehen vom geraden Draht zum perfekt klingenden Instrument (re. u.).

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HEIMATLEUCHTEN AUSFLUG

IM LAND DER TÜFTLER UND TRÄUMER Der südliche Odenwald präsentiert sich liebenswürdig und heiter, die Menschen zeigen sich gelassen und erfinderisch. Dass hier alles etwas beschaulicher abläuft, ist ein Glücksfall: Wer sich Zeit nimmt, kann eine Menge entdecken. TEXT: TRISTAN BERGER FOTOS: SEBASTIAN GABRIEL

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Ein Idyll. Schönheit, die sich nicht laut in den Vordergrund schieben muss, sondern sich ihrer Wirkung gewiss ist: Die sanft geschwungenen Wiesen und waldbestandenen Hänge nahe Reichelsheim sind typisch für den Odenwald.

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