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Das Sc h loss


Was hätte mich denn in dieses öde Land locken können, als das Verlangen hierzubleiben? Franz Kafka: Das Schloss


Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg; was wir Weg nennen, ist Zögern. Franz Kafka: Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg


V e r s t e c k e s i n d u n z ä h li g e , Rettung nur eine, a b e r M ö g li c h k e i t e n d e r Rettung wieder so viele wie Verstecke.

Franz Kafka: Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg


Wenn dann traurige Mädchen mit hängenden Armen durch die Gassen laufen, weisst du, dass es zu spät ist.

Manche Orte sind e i n f a c h v ö lli g verloren. Texte Christopher

Kriese

Die Zeit hat eine falsche A b z w e i g u n g g e n o m m e n u n d a ll e s i s t d a n n n u r n o c h t ö d li c h . W i e auf einem anderen Stern. Oder Schiffsfriedhöfe in Indien. Riesige wüste rostige Landschaft e n . I r g e n d w o s t e h e n Ta n k e r w i e Schlösser in der luftleeren Landschaft und werden von prekär beschäftigten Schlossern auseinandergeschraubt. Wenn du mir jetzt deine Treue versprichst, dann ist das gleichzeitig schon der Anfang vom Ende. Wenn du j e t z t m i r d i e H a n d b e d e u t u n g s v o ll reichst und das ernst meinst,


dann ist das so wie wenn wir zwei zusam men eine Mausef a ll e a u f s p a n n e n , d i e d a n n irgendwann sp채ter zuschnappt. Es riecht scheisse h i e r. I n j e d e m d i e s e r R채ume. Ein bisschen anders. Ein bisschen spezifisch. Aber so dass mir gleich ganz wirre Gedanken kommen. Wie du das im mer ertr채gst so ruhig zu bleiben und mich so in dir ruhend anzusehen und deine Stim me ist dann ganz ruhig und kalt und gelassen. Das r e g t m i c h s o a u f. D a s k a n n ich dir gar nicht beschreiben. So jetzt gehe ich raus h i e r. I n d i e s e u n a t t r a k t i v e mittelgrosse deutsche Kleinstadt und schaue mir an wie ein Land trauert. Im mer noch. An dem Fluss, d e m s c h n e ll e n .


geh doch weiter deinen weg verfolg doch weiter deine ziele und lass mich in ruhe ich bin ein zartes pflänzchen ich brauche positive emoziÜnchen um mich herum


Und dann wirst du das wegatmen was dich

f a ll e der freiheit

einsperrt die

und dann wirst du ein gefangener sein mein gefangener und ich werde dich an einer leine durch einen

k e ll e r r a u m f 체 h r e n a u s beton und da werden andere menschen sein u n d d u w i r s t v i e ll e i c h t schlagen und geschlagen werden und ficken und gefickt werden und du wirst begegnungen haben die intensiv sind aber diese intensit채t wird nicht gut sein und sie wird d i c h n i c h t e r f 체 ll e n a b e r j a a b e r D AS K A N N I CH D I R J E T Z T N I CH T SA G E N D AS B E G R E I F S T D U E R S T W E N N D U D A B I S T.


Seinen Pfad zu v e r li e r e n i s t traurig. Seinen Weg nicht zu wissen ist s c h w e r. MĂźde schwimmend im Meer der M Ăś g li c h k e i t e n irrt ein Individuum durch den Zeitraum.

Haha. Individuum.


Nicht mal die K채lte sp체ren die Leute noch.


hĂśr auf zu winseln i c h k n a ll d i c h s o w i e s o a b wenn du mich traurig ansiehst werde ich dich nur noch mehr verletzen du sau hab keine angst vor dem was kom mt nachdem du aufgegeben hast kraniche kreisen am him mel und stĂźrzen sich herab auf das a m w e g r a n d li e g e n d e p f e r d es ist den berg hochgeritten als es zu schwach war ist der reiter abgestiegen hat ihm lustlos sein schweizer armeemesser in den hals gesteckt und ist weitergelaufen auf mĂźden zehen


Anzug tragende Männer klatschen vor Glück in die Hände, wenn das Mädchen sich entblösst. Hinten im Hinterhof spielen behinderte Kinder Fangen. Das sieht doof aus. Vorne auf der Strasse kehrt ein stark migrantisch aussehender Arbeiter den Dreck vom Boden.

Wurzeln des U n h e i l s hängen von der Decke herab. Und sie be-

rühren meine Brüste, während ich im Bett li e g e u n d m i c h durchzuckt ein sehr w o h li g e r E k e l .


komm red dir doch ein dass du da an was ganz grossem spinnst deine SCH E I SS projekte das interessiert doch kein mensch wer bitte braucht denn heutzutage noch ein weiteres werk chen warum seid ihr denn P LÖ T Z L I CH ALL E K Ü N S T L E R I H R A R SCHLÖ CH E R geht doch mal arbeiten anstatt e u c h s e l b s t z u v e r w i r k li c h e n w e r w i ll d a s d e n n b i t t e s e h e n euer selbst wer hat denn hier bitte ein weiteres kunstwerk nötig


schnee schwarzer schnee meine zehen sind schwarz ich habe auf diesen berg d a g e w o ll t warum weiss ich auch nicht so genau und jetzt sind meine zehen schwarz und ich werde jetzt gleich hier sterben in diesem eisgebirge


ermüdung macht sich breit im mer offenheit zu behalten bereitet sehr sehr grosse mühsal im mer beobachtend über sich schweben im mer nach weiteren zielen strebend sich bewegen während der

zittert

horizont und sich bewegt

ist nicht so wie man das aus den fil men kennt am ende musik l a n g s a m w i ll n i c h t s m e h r f li e s s e n aus dem sich verbraucht habenden geist-körper eine zu verschlüsselte geschichte lähmt die geister derer die sich mit ihr auseinandersetzen hilflosigkeit macht sich breit und eine gruppe d i e s i c h v o r m a l s s e h r li e b t e z e r f ä ll t i n s i c h w i d e r s p r e c h e n d e teile


bleibt mir vom hals ihr schönen geister ihr bunten ponys ihr flapsigen fatzken ihr drögen gestalten ihr gentrifugen ihr selbst-schwanz-lutscher ihr wortwitz-fetischisten ihr seitenscheitel piraten ihr wutbürger verspotter ihr ironie masturbatoren ihr kraniche ihr vogelfutterstängel i h r h e i n e r m ü ll e r z i t i e r e r i h r I CH G E H E N ACH A F R I K A U N D HA B E I N E N A U F T R A G ihr post-post-post asis ich hasse euch ruft mich an


Jetzt gibt es Theaternebel. Sein Geruch vermischt sich mit dem Geruch von Fisch und die Zuschauer sind nicht begeistert. Sie verlassen den T h e a t e r s a a l t 체 r e n k n a ll e n d , fahren zur체ck in ihre Vorst채dte und haben dort schlechten, kurzen, unbefriedigenden Sex.


und jetzt legt sich ein kleines kind müde ins bett und während es seine decke über seinen bedeutungslosen körper zieht merkt etwas ganz tief in seinem inneren schon dass es niemals eine e n t s c h e i d e n d e r o ll e spielen wird

im blödsinnigen zirkus der welt es wird nicht mit einem bären tanzen und es wird erst recht nicht auf einem einrad fahren es wird einfach nur irgendwo h i n t e r d e r g a r d i n e r u m li e g e n und ein bisschen chips essen und dann sterben


sei frei schaff hart spiel hart fick hart leb schön v e r li e r d i c h gewinne macht wachs weiter geniess versagen begrüße zurückweisung verlach schmerzen bau netzwerke gib wert gib dich auf versande im treiben schlaf auf dem boden wenn du im urwald bist


ich kann jetzt nicht mehr weiter schreiben ich habe zum schloss nichts mehr zu sagen i c h h a b e j e t z t a ll e s a u s m i r rausgedrückt was ich konnte i c h b i n v ö lli g e r s c h ö p f t u n d ausgepresst ich fühle mich unter druck gesetzt ich wusste von vorn herein nicht w a s i c h d a z u s a g e n s o ll t e e s w a r m i r v ö lli g v e r s c h l o s s e n es stand abweisend auf dem berg und hat sich vor mir wegbewegt während ich versuchte darauf zu zu gehen ich habe nichts begriffen nichts je mehr ich darüber nachdenke desto mehr entgleitet es mir


Theater Performance Kunst RAMPIG DAS SCHLOSS Unter der künstlerischen Leitung von Beata Anna Schmutz, inspiriert von Kafkas „Das Schloss“, mit Texten von Christopher Kriese und RAMPIG, Videoarbeiten von Christina Stihler und RAMPIG, Soundinstallationen von Tobias Neumann und Katalog von Stefan Roesinger. Theater Performance Kunst RAMPIG Team DAS SCHLOSS: Sebastian Arnd, Benjamin Bay, Friedrich Blam, Tim Fischer, Christoph Hack, Nils Kirchgeßner, Lea Langenfelder, Karolina Lesna, Sophie Lichtenberg, Sarah-Lina Mantler, Anna Müller, Luca Pauer, Nicolas Rauch, Saioa Alvarez Ruiz, Beata Anna Schmutz, Stephan Schmutz, Gediminas Schüppenhauer, Karoline Stegmann, Cornelius Thomas, Marisa Wojtkowiak. Gastkünstler: Nikola Haubner, Christopher Kriese, Liz Langenfelder, Volker Langenfelder, Tobias Neumann, Melanie Riester, Stefan Roesinger, Christina Stihler. Dank an: Leoni Awischus, Julian Maier, Celina Aithal, Robert Bucholz, Jianna Dimitriou, Johann Thomas, Malte Fischer, Levin Strack, Elvira Schenk, Amt für Baurecht und Denkmalschutz Heidelberg, Amt für Liegenschaften Heidelberg, Haus der Jugend Heidelberg, Hausmeisterservice Menzos, Second-Hand Kaufhaus bric & brac, Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe, Bauschreinerei Stein, Familien Langenfelder, Fischer, Thomas, Awischus, Blam, Arnd, Lesna und Lichtenberg. Gefördert durch den Landesverband Freier Theater BadenWürttemberg e.V. aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes BadenWürttemberg, das Kulturamt der Stadt Mannheim, die LBBW-Bank Stiftung und die Jugendstiftung BadenWürttemberg.


www.rampig.de www.facebook.com/theatergruppe


DAS SCHLOSS  
DAS SCHLOSS  

KATALOG zu Theater Performance Kunst RAMPIGs DAS SCHLOSS. Inspiriert von Kafka, künstlerische Leitung Beata Anna Schmutz, Texte Christopher...

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