"business" - das Finanzmagazin von Raiffeisen OÖ

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Das Finanzmagazin von Raiffeisen Oberösterreich

NR. 1 / 2018

www.raiffeisen-ooe.at/business

Bestens vorbereitet: Fit für den digitalen Wandel 08

Leichtbau: AMAG-CFO Mayer über die Erfolgs­ strategie des Alu-Konzerns

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Blockadelösung: Wie Österreichs Exporteure den russischen Markt trotz Sanktionen erobern

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Sport: Wie Händler und Produzenten vom FitnessBoom profitieren


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Egal ob auf der firmeneigenen Homepage, dem eigenen Youtube Kanal, Facebook oder zur Präsentation auf Messen und bei Kundenterminen. Bewegte Bilder, sogenannter Bewegtcontent ist mittlerweile Standard und Voraussetzung für jedes Unternehmen in der Kommunikation nach innen und außen. Das Problem für viele Unternehmen ist, dass die Produktion oftmals zu aufwendig und vor allem viel zu teuer ist. Mit der Serie „OÖ’s Unternehmen der Woche“ wollen wir Ihnen die Möglichkeit geben, einfach und vor allem günstig zur eigenen Unternehmensreportage, Ihrem Firmenvideo, zu kommen. IHRE UNTERNEHMENSREPORTAGE IN HD LT1 dreht in Ihrem Unternehmen und produziert im Anschluss eine Reportage in HD in der Länge von rund 3 Min. (3 Stunden vor Ort) zur Verwendung für: - Messeauftritte - Firmenpräsentationen - eigene Website - Youtube Kanal - Social Media (Facebook, Instagram, etc.) FINDEN SIE IHRE KÜNFTIGEN MITARBEITER! - Vorstellungen der Lehrlingsausbildung - Karriere- und Aufstiegschance in Ihrem Unternehmen - Employer Branding Aus der Unternehmensreportage produzieren wir Ihnen Ihren eigenen TV Spot (ca. 30 Sek.). Zur Suche über die eigene Homepage, Social Media (Fb, Instagram, …) Jobplattformen, Whats App etc. … oder oberösterreichweit via LT1 OÖ (Preis für Kampagne auf Anfrage). WERDEN SIE OÖ’S UNTERNEHMEN DER WOCHE Obendrein wird Ihre Unternehmensreportage in der wöchentlichen TV-Serie „OÖ’s Unternehmen der Woche“ auf Oberösterreichs meistgesehenem Privat TV-Sender ausgestrahlt (Imas). Durch die neue Partnerschaft zwischen dem Finanzmagazin „business“ und LT1 bekommen „business“ Leser ihre Unternehmensreportage zum Pauschal-Sonderpreis von nur € 2.950,– netto (ohne 5 % Werbeabgabe). Referenz auf: www.lt1.at Kontakt: a.schedlberger@lt1.at oder 0732 / 77 6666


VORWORT

SPORT IST FÜR DIE ­WIRTSCHAFT GOLD WERT

F

ür Sportenthusiasten gibt es 2018 kaum Verschnaufpausen: Ein Großereignis folgt dem nächsten. Bei den Olympischen Spielen in Südkorea machten nicht nur unsere Spitzensportler eine gute Figur, auch viele heimische Unternehmen haben sich in hervorragendem Licht präsentiert. Wintersport-Know-how aus ­Österreich ist für Veranstalter und Athleten im wahrsten Sinne des Wortes „Gold wert“. Der oberösterreichische Skihersteller Fischer hat sich auch abseits des Spitzensports durch ein breites Vertriebsnetzwerk eine starke Position am internationalen Markt erarbeitet. Nicht nur in Skandinavien, sondern auch in Russland feiert speziell die NordicProduktserie Erfolge. Mit Hipp Austria, Waagner Biro und Palfinger werden in dieser Ausgabe des Magazins business weitere Unter­neh­ men vorgestellt, die sich in Russland trotz aktuell schwieriger Bedin­ gungen hervorragend behaupten können. Europameister in der Wertschöpfung Mit dem Eröffnungsspiel am 14. Juni in Moskau startet in einigen ­Wochen das nächste Highlight: die Fußball-Weltmeisterschaft. Nicht nur Sportfans, sondern auch die Wirtschaft hat mit Blick auf den ­Kalender Grund zum Jubeln. Dass Sport besonders in Österreich ein oft unterschätzter Wirtschaftsfaktor ist, belegt eine Studie der Sports­ EconAustria: Demnach beträgt die Bruttowertschöpfung rund 11,6 Milli­ arden Euro – das sind vier Prozent des BIP. Rechnet man damit ver­knüpfte Leistungen aus Branchen wie Transport, Hotellerie oder Ernährung mit ein, kommt sogar jeder 17. in Österreich erwirtschaftete Euro, also rund sechs Prozent des BIP, aus dem Sportbereich – ein absoluter Spitzenwert im EU-­Vergleich.

© RLB OÖ/Erwin Wimmer

Technologie prägt Sport Die Welt des Sports ist heute ähnlich wie die Finanzbranche mehr denn je mit neuen Technologien und digitalen Innovationen verknüpft. Die eigenen Leistungsdaten im Blick zu haben, ist gleichermaßen für

Dr. Heinrich Schaller, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenlandesbank OÖ.

Sportbegeisterte wie auch für Bankkunden interessant. Raiffeisen bietet mit dem neuen Mein ELBA ein Tool, das die eigenen Bankdaten nicht nur perfekt aufbereitet und analysiert, es hebt Online-Banking als umfassendes Finanzportal auf eine neue Stufe. Kundinnen und Kunden von Raiffeisen Oberösterreich erledigen 94 Prozent ihrer Trans­aktionen bereits elektronisch. Die Zukunft des Bankgeschäfts ist aber nicht nur digital, sondern auch mobil und automatisiert. Neue Geschwindigkeit nutzen Gerade vor dem Hintergrund immer neuerer Innovationswellen und enormer Entwicklungsgeschwindigkeit baut Raiffeisen OÖ darüber hinaus auf exzellente persönliche Beratung, Finanz-Know-how aus erster Hand und besonderes Engagement für die Region und ihre Unternehmen. Diese Prinzipien sind nicht als Gegensatz zum digitalen Wandel zu verstehen. Als moderne, digitale Regionalbank gelingt uns eine Symbiose, die das Beste aus beiden Welten verbindet. Auch das Industrieunternehmen AMAG Austria Metall geht neue ­digitale Wege, setzt auf die Vernetzung von Anlagen und wirtschaftet dabei besonders nachhaltig und umweltbewusst. Mehr darüber erfah­ ren Sie in der Coverstory dieser Ausgabe des Magazins business. Eine anregende Lektüre wünscht Ihr

Dr. Heinrich Schaller, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenlandesbank OÖ Aktiengesellschaft.

Ihr schnellster Weg zum Erfolg: QR-Code scannen, die aktuelle business-Ausgabe online durchblättern – und mit einem Klick den richtigen Ansprechpartner kontaktieren. business 03


INHALT/IMPRESSUM

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28 Dr. Heinrich Schaller, Vorstandsvorsitzender

6 NEWS

Aktuelles aus der Welt der Wirtschaft

7 MELECS

Schlaue Lösung für smarte Expansion

8 AMAG: ERFOLGREICH LEICHT

CFO Gerald Mayer im Interview über Expansion, Strategie und Mut zum Risiko

12 NEUE LANDMARK IN WIEN

Das Immobilienprojekt TRIIIPLE schafft Büros, Wohnungen und Platz für Studenten

14 DIGITALISIERUNG

Wie Daten die Wirtschaftswelt verändern

16 FINANZEN

Bitcoin einfach erklärt

17 VANTAGE FILM

Wie zwei Bayern mit innovativer optischer Technik Hollywood eroberten

18 WIRTSCHAFTSBAROMETER

Nachrichten vom Weltmarkt

20 RUSSLAND

Russland und die EU belegen einander mit Handelssanktionen. Österreichs Exporte steigen trotzdem

24 DIE LIEBE ZUM SPORT

Sport liegt im Trend – das freut den Fachhandel und die Hersteller von Sportartikeln

27 FRAU IN DER WIRTSCHAFT

Andrea Frauscher-Oberfrank erobert mit Frauscher-Booten die Weltmeere

28 HAI GRUPPE

Aus der AMAG-Abspaltung ist ein ansehnlicher Konzern mit starkem Wachstum entstanden

31 SEDDA POLSTERMÖBELWERKE

In Wallern zeigt ein schlaues Unternehmen, wie sich Innovation einrichten lässt

32 KEPLER KAG

Fondsmeister in Österreich und Deutschland

33 PRIVAT BANK

Kapitalmarktausblick 2018

34 BUCHTIPPS UND TERMINE

Messen, Events und Management

Impressum/Offenlegung Medieninhaber und Herausgeber: Raiffeisenlandesbank Oberösterreich Aktien­gesellschaft, Europaplatz 1a, A-4020 Linz. ­Aktionäre der Raiffeisenlandesbank ­Ober­österreich ­Aktiengesellschaft sind zu rund 98,92 Prozent die RLB Verbund registrierte G ­ enossenschaft und zu rund 1,08 Prozent die RLB Holding registrierte ­Genossenschaft mit ­beschränkter Haftung OÖ. Nähere Details sind im Internet unter www.rlbooe.at/impressum a ­ brufbar. • Vorstand: Dr. Heinrich Schaller, Mag. Michaela Keplinger-Mitterlehner, Mag. Stefan Sand­berger, Mag. Reinhard Schwendtbauer, Mag. Markus Vockenhuber • Konzept und Produktion: PG The C ­ orporate ­Publishing Group GmbH (CPG), Albertgasse 35, 1080 Wien, Tel.: +43/1/405 46 40-762, s­ .wagner@cpg.at • Für den Inhalt ­verantwortlich: Wolfgang ­Aschenwald, Sheila Talebi, Mag. ­Carola Berer • Chef­redaktion: ­Konzernmarketing, ­Abteilung Produkt­manage­ment und Vertrieb Corporates/Raiffeisenlandesbank OÖ • Beratung: Mag. Stefan Schatz/CPG • Autoren dieser Ausgabe: Mag. Claudia Dabringer, Mag. Rosi Dorudi, Mag. Margit Koudelka, Mag. Robert Prazak, Mag. S ­ tefan Schatz, Mag. Uschi Sorz • Layout­konzept: CPG • ­Art­direction: ­Gerald Fröhlich/CPG • ­ Lektorat: Mag. Charlotte Babits • Redaktions­manage­ment: Silvia Wagner/CPG • ­Geschäftsführung CPG: ­Markus Wagner, Tel.: +43/1/405 46 40-768, m.wagner@cpg.at • Druck: Paul Gerin GmbH & CoKG, 2120 Wolkersdorf Offenlegung nach § 25 Mediengesetz: Herausgeber, Medieninhaber und Verleger: R ­ aiffeisenlandesbank Oberösterreich Aktien­gesellschaft, ­Europaplatz 1a, A-4020 Linz. Grundlegende Richtung und Blattlinie: business ist das Finanzmagazin der Raiffeisenlandesbank OÖ und beleuchtet wichtige Finanz- und W ­ irtschaftsthemen. Das Magazin informiert über interessante ­Chancen und Entwicklungen, nützliche Services und zahlreiche Best-Practice-Beispiele. Es ist politisch unabhängig und b ­ ekennt sich zur sozialen Marktwirtschaft und zur Integration in Europa. Im Sinne leichterer Lesbarkeit werden geschlechts­spezifische ­Bezeichnungen meist nur in ihrer männ­lichen Form angeführt. Satz- und Druckfehler ­vorbehalten. Bei diesem Dokument handelt es sich um eine Marketingmitteilung, welche von der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG ausschließlich zu Informationszwecken erstellt wurde. Sie wurde nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt und unterliegt nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen. Diese Marketingmitteilung stellt weder eine Anlageberatung noch ein Angebot oder eine Einladung zur Angebotsstellung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder Veranlagungen dar. Die enthaltenen Angaben, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung – vorbehaltlich von Änderungen und Ergänzungen. Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der Inhalte und für das Eintreten von Prognosen. Die Inhalte sind unverbindlich und stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dar. Da jede Anlageentscheidung einer individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse (z. B. Risikobereitschaft) des Anlegers bedarf, ersetzt diese Information nicht die persönliche Beratung und Risikoaufklärung durch den Kundenberater im Rahmen eines Beratungsgesprächs. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Finanzinstrumente und Veranlagungen mitunter erhebliche Risiken bergen. Die Wertentwicklung wird entsprechend der OeKB-Methode, basierend auf Daten der Depotbank, ermittelt. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich die Zusammensetzung des Fondsvermögens in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Regelungen ändern kann. Angaben über die Wertentwicklung beziehen sich auf die Vergangenheit und stellen daher keinen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung dar. Währungsschwankungen bei Nicht-Euro-Veranlagungen können sich auf die Wertentwicklung ertragserhöhend oder ertragsmindernd auswirken. Aus der Veranlagung können sich ­steuerliche Verpflichtungen ergeben, die von den jeweiligen persönlichen Verhältnissen des Kunden abhängen und künftigen Änderungen unterworfen sein können. Diese Information kann daher nicht die individuelle Betreuung des Anlegers durch einen Steuerberater ersetzen. Die beschränkte Steuerpflicht in Österreich betreffend Steuerausländer impliziert keine Steuerfreiheit im Wohnsitzstaat. Prospekte sowie allfällige Nachträge von Emissionen der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG, welche aufgrund des KMG aufzulegen sind, liegen bei der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG auf. Im Falle von anderen Emissionen liegt der Prospekt samt allfälligen Nachträgen beim jeweiligen Emittenten auf. Im Rahmen der Anlagestrategie von Investmentfonds kann überwiegend in Investmentfonds, Bankeinlagen und Derivate investiert oder die Nachbildung eines Index angestrebt werden. Fonds können erhöhte Wertschwankungen (Volatilität) aufweisen. In durch die FMA bewilligten Fondsbestimmungen können Emittenten angegeben sein, die zu mehr als 35 % im Fondsvermögen gewichtet sein können. Der aktuelle Verkaufsprospekt sowie die Wesentlichen Anlegerinfor­ mationen – Kundeninformationsdokument (KID) liegen in deutscher bzw. englischer Sprache bei der jeweiligen KAG, der Zahlstelle oder beim steuerlichen Vertreter in Österreich auf. Ausführliche Risikohinweise und Haftungsausschluss unter www.boerse-live.at/Disclaimer.

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© Cover: Fotolia, Hermann Wakolbinger, ZOOMVP, HAGAN/Stefan Leitner, HAI Gruppe

3 VORWORT


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NEWS

PORR EXPANDIERT

Innovationskraft ist amerikanisch Die Beraterfirma Boston Consulting Group (BCG) hat 1.000 Topmanager internationaler Konzerne nach den innovativsten Unternehmen der Welt gefragt. Das Ergebnis: Apple führt das Ranking vor Google und ­M icrosoft an. Acht der Top-Ten-Unternehmen kommen aus den USA, sie­ ben der zehn Bestplatzierten sind im Digitalbereich tätig. Bestes europä­ isches Unternehmen ist der französische Telekom-Konzern Orange auf Platz 19, österreichische Firmen finden sich keine im Ranking. Big Data gilt laut BCG als wichtigster Innovationstreiber der globalen Leader.

+++ NEWSTICKER +++ Handel im Wandel Laut aktuellem Retailbarometer des Beratungsunternehmens EY planen 73 Prozent aller österreichischen Händler, ihre Verkaufsstrategie bis 2020 an den Online-Shopping-Trend anzupassen, neun Prozent wollen ihr Geschäftsmodell völlig erneuern. Mehr Forschung und Entwicklung Laut dem Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW ­haben deutsche Unternehmen mit 158,8 Milliarden Euro so viel für F&E ausgegeben wie nie zuvor. Treiber der Entwicklung ist die Industrie, die immer stärker auf Innovation setzt. Südkorea liebt „Made in Austria“ Die österreichischen Exporte nach Südkorea stiegen in den ersten zehn Monaten 2017 um 49,6 Prozent auf über eine ­Milliarde Euro an – der höchste Zuwachs unter allen großen Handelspartnern Österreichs.

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Günstige Banken Die Beratergesellschaft Capgemini untersuchte im Auftrag der WKO die Kosten von österreichischen Banken im internationalen Vergleich. 67 Prozent aller heimischen Konten wurden analysiert und die tatsäch­ lichen Kosten ausgewertet. Das Ergebnis: 74,8 Euro zahlen ­ö sterreichische Bankkunden im Durchschnitt pro Jahr für ihr Konto – und damit deutlich weniger als in den Nachbarlän­ dern. In Deutschland etwa liegen die Jahreskosten bei 105,5 Euro, in der Schweiz bei 130,6 Euro. Teuerster Nachbar ist die Slowakei. Dort kostet ein Konto 168,9 Euro. Europaweit bieten nur die Banken in den Niederlanden geringfügig geringere Kontokosten als die Branchenkollegen in Österreich an.

INSTANT PAYMENT Europäische Banken haben eine hochattraktive Bezahlform für Online-Shopping entwickelt. Bei der Echtzeitüberweisung landet das Geld binnen Sekunden auf dem Konto des Empfängers. Die Vorteile: Der Verkäufer hat sofort Zugriff aufs Geld, Kunden müssen keine Daten bekannt geben – im Gegensatz zum Einkauf via Kreditkarte. Die Raiffeisenlandesbank OÖ ist auch auf E-Commerce bestens vorbereitet und ist eine der ersten Banken, die Instant Payment in Österreich anbietet – und die einzige, die dafür keine Gebühren berechnet.

Optimistische Prognosen Sonnige Aussichten für das Wirt­ schaftswachstum: Das britische Wirt­ schaftsforschungsinstitut NIESR hat seine Wachs­ tumsprognosen für die Weltwirtschaft für 2018 und 2019 auf knapp unter vier Prozent angehoben. Auch in der Eurozone bleibt der Konjunkturhimmel wolkenlos: Das Münchner ifo, das italienische Istat und das KOF aus Zürich erwarten ein Wachstum zwi­ schen 0,5 und 0,6 Prozent in den ersten beiden Quartalen 2018.

© Gerhard Deutsch / KURIER / picturedesk.com, stock.adobe.com / Stadtratte, shutterstock.com, stock.adobe.com / Nerthuz

Raiffeisenlandesbanken als Partner Der österreichische Baukonzern PORR hat die deutschen Unternehmen Franki Grundbau GmbH und Oevermann-Gruppe übernommen. „Mit diesen Käufen haben wir in Deutschland unser Leistungsangebot im Verkehrswegebau, Spezialtiefbau und Hochbau deutlich gestärkt“, sagt PORR-CEO KarlHeinz Strauss. Unter Führung der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich wurde gemeinsam mit den Raiffeisenlandesbanken Niederösterreich-Wien und Tirol die Refinanzierung der Akquisitionen im Wege einer Beteiligungsfinanzierung der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB) in Höhe von 67,4 Millionen Euro ermöglicht. „Bei großem Finanzierungsvolumen ist ein starkes Zusammenwirken von Raiffeisenlandesbanken im Interesse der heimischen Unternehmen. Wir können damit gemeinsam Im­ pulse setzen“, betont RaiffeisenlandesbankOÖ-­Generaldirektor Heinrich Schaller.


MELECS

KLUGE LÖSUNG FÜR SMARTE ­ELEKTRONIK Zweistellige Wachstumsraten fordern mehr Produktions­ kapazität – und eine schlaue Finanzierung. Der Elektronik­ hersteller Melecs fand in einem Maschinen-Leasing auf Basis eines EIB-­Globaldarlehens der Raiffeisenlandesbank OÖ die perfekte Struktur für seine Anforderungen.

E

lektronische Komponenten von Melecs findet man in Steuergeräten und LED-Anwendungen für die Automobilindustrie ebenso wie in Haushaltsgeräten. „Exemplarisch ist aber u ­ nser Erfolg im Automobilbereich“, ist CFO Ernst Mayrhofer auf die Marktführerschaft des Unternehmens in diesem Segment, das man erst 2009 in Angriff nahm, stolz. „Unsere patentierte Allrad­ getriebesteuerung ist in den 4WD-Autos fast aller Premium-Hersteller in Europa und den USA verbaut.“ ­Melecs ist eindeutig auf Innovation ausgerichtet. Die Produkte werden in der hochautomatisierten Fertigung der Elektronikwerke in Siegendorf und im ungarischen Györ produziert. Das Werk im oberösterrei­chischen

Hightech – hochautomatisierte Produktion in Siegendorf.

Lenzing ist auf Industrieelektronik spezialisiert, und für die Betreuung ­internationaler Kunden errichtete Melecs 2016 ein Werk in Wuxi/­China. Die Entwicklung mit fast 100 Mitarbeitern ist am Standort Wien situiert. Raiffeisenlandesbank OÖ als Bestbieter Die Aufteilung funktioniert perfekt: Der Umsatz stieg von ca. 167 Milli­ onen Euro im Jahr 2015 auf ca. 243 Millionen Euro, die Mayrhofer für 2018 erwartet. Die Herausforderung: „Der Investitionsbedarf in den Maschinenpark hat sich in nur vier Jahren auf etwa zehn Millionen Euro im Jahr verdoppelt“, so der CFO. Also suchte man nach Alternativen zur Erweiterungsfinanzierung aus dem Cashflow. Wie etwa Leasing: „Da war die Raiffeisenlandesbank OÖ klar der Bestbieter“, so Mayrhofer. Die Linzer Finanzierungsspezialisten haben schnell erkannt, dass Melecs alle Anforderungen des Globaldarlehens der EIB erfüllt (siehe Kasten). Die exportstarken Elektronikspezialisten haben so die perfekte Lösung gefunden, um den Eigenmitteleinsatz mit Leasing kostengünstig zu ergänzen: „Dabei handelt es sich sowohl um Off-Balance-Leasing als auch um Mietkauf“, erklärt Mayrhofer Details. Und streut seinem Bankpartner, der Raiffeisenlandesbank OÖ, Rosen:„Dort ist man auf unsere Anliegen perfekt vorbereitet, wir kooperieren wirklich Zug um Zug.“ ••

© Johann Ployer, Melecs

DAS EIB-GLOBALDARLEHEN

Ernst Mayrhofer, Gesellschafter und CFO der ­M elecs Holding Gmbh.

Die Europäische Investitionsbank EIB will mit sogenannten Globaldarlehen die Wirtschaft stärken: KMU und mittlere Unternehmen mit maximal 3.000 Beschäftigten können über ausgewählte Banken wie die Raiffeisenlandesbank OÖ günstige Kredite bis maximal 25 Millionen Euro in Anspruch nehmen. Die Raiffeisenlandesbank OÖ ist auch bei europä­ ischen Förderungen bestens vorbereitet und bietet ihren Kunden auch Leasing-Lösungen auf Basis des Globaldarlehens: Kunden können die bekannten Leasingvorteile nutzen und gleichzeitig von den Zinsvorteilen der EIB-Aktion profitieren.

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„Mit dem IPO im Jahr 2011 haben wir die Selbstständigkeit der AMAG abgesichert.“

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INTERVIEW: GERALD MAYER

MIT LEICHTIGKEIT ZUM ERFOLG Leichtbau boomt – sehr zur Freude der AMAG Austria Metall AG. Österreichs wichtigster Aluminiumerzeuger nutzte die Gunst der Stunde, um zu einem der modernsten Produzenten der Welt zu werden.

E

s wird wohl wieder ein Rekordjahr werden, das siebte in Folge. Seit 2010 meldet die AMAG Austria Metall AG in Ranshofen mit schöner Regelmäßigkeit neue All-Time Highs beim Absatz. Und weil der Preis des vor allem in der Leichtbau-verliebten Transportbranche heiß begehrten Aluminiums zu einem Höhenflug ansetzte, werden die Aktionäre des Unternehmens vom Geschäftsjahr 2017 auch hinsichtlich Umsatz und EBIT freudig überrascht. Das zumindest zeichnete sich nach den ersten drei Quartalen ab.

ZUR FINANZIERUNG SETZTEN WIR MIT UNTERSTÜTZUNG DER RLB OÖ AUF EIN OEKB-PRODUKT. GERALD MAYER, CFO AMAG RANSHOFEN

© HERMANN WAKOLBINGER

Die positive Entwicklung sollte sich in naher Zukunft fortsetzen. Der Leichtbau-Boom steht erst am Anfang und die AMAG hat durch kräftige Erweiterungen und Modernisierungen bestens für die steigende Nachfrage vorgesorgt. Im Interview mit business erklärt AMAG-CFO Gerald Mayer die Strategie des Unternehmens, spricht über Investitionen, Währungsrisiken und die Bedeutung eines starken Bankpartners. business: Die AMAG meldet über die letzten Quartale starkes Wachstum. Welchen Anteil hat daran das neue Kaltwalzwerk in Ranshofen? Gerald Mayer: Unsere Ausbauprojekte sind langfristig ausgerichtet. Nach der Errichtung liegt unsere Priorität auf den erforderlichen Kundenzulassungen. Das nimmt Monate, teilweise Jahre in Anspruch. Das Wachstum der letzten Quartale war vor allem vom erfolgreichen Hochlauf des im November 2014 eröffneten Warmwalzwerkes getrieben. Das im Juni 2017 eröffnete Kaltwalzwerk – in nur 18 Monaten unter Einhaltung des Budgets errichtet – ist die Basis für Wachstum in den nächsten Jahren. Die Hochlaufkurve ist über mehrere Jahre ­geplant. business: Die Investitionen sind gewaltig: Seit 2012 sind mehr als 530 Millionen Euro in den Ausbau des Standortes Ranshofen geflossen. Wie finanzierten Sie diese Summe?

Mayer: Mit einer sehr soliden Eigenkapitalausstattung und keinen Schulden hatten wir eine perfekte Ausgangsbasis für unsere beiden Großprojekte. Bei der Finanzierung haben wir beim ersten Erweiterungsschritt vor allem auf unseren nachhaltig starken operativen Cash­f­low gesetzt. Nach Errichtung des Warmwalzwerkes war die Eigenkapitalausstattung unverändert hoch und die Verschuldung war sehr gering. Der Kapitalbedarf des zweiten Schrittes war im Vergleich zum Warmwalzwerk deutlich höher. Zusätzlich verteilten sich die Zahlungsflüsse auf einen kürzeren Zeitraum. Zur Finanzierung haben wir, auch mit Unterstützung der Raiffeisenlandesbank OÖ, auf die Auftragsinvest der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB) gesetzt, weil es hinsichtlich Struktur und Laufzeit perfekt zu unserem Investitionsprojekt passt. business: Zum Zeitpunkt der Investitionsentscheidung stotterte die Weltwirtschaft, und der Aluminiumpreis war niedrig. Wie groß war die Angst, mit dieser Investition falsch zu liegen? Mayer: Die Basis für unsere Investitionsentscheidung bildet eine umfassende Strategie, die ausgehend von Megatrends und mittelfristigen Markterwartungen für die einzelnen Absatzbranchen wie Luftfahrt, Automobil oder Verpackung erarbeitet wurde. Ein wesentlicher Faktor des Erfolgs der AMAG sind auch langjährige Kundenbezie­ hungen und somit die gute Einschätzbarkeit der Nachfrageentwicklung. Die Luftfahrtindustrie etwa plant in 20-Jahres-Schritten und veröffentlicht Geschäftsprognosen, auf denen wir aufsetzen. Ähnliches gilt für die Automobilindustrie. Also, Angst war sicher Gerald Mayer schlug nach seinicht im Spiel, sondern ein hohes nem Wirtschaftsstudium an der Maß an Sorgfalt in der EntscheiJohannes Kepler Universität in dungsvorbereitung und in der Linz zunächst die Karriere als Umsetzung das laufende MoniSteuerberater ein. Er ist auch in toring der Rahmenbedingungen. den USA als Public Accountant Man muss sich auch nach den zertifiziert. Nach Stationen bei der Konsequenzen fragen, wenn VA T ­ echnologie AG und Siemens man den Schritt nicht setzt. Wir VAI ­Metals Technologies wurde waren von Beginn an überzeugt, er im September 2007 als CFO nur so eine positive Zukunft für in den AMAG-Vorstand berufen. die AMAG gestalten zu können.

ZUR PERSON

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INTERVIEW: GERALD MAYER

Industrie 4.0: Bei der AMAG sind bereits voll­ automatische Platten­ transporter im Einsatz.

business: Sie wurden von einem internationalen Beratungsunternehmen zum „CFO des Jahres“ gewählt. Bringt eine so große Auszeichnung auch Aufmerksamkeit für das Unternehmen? Mayer: Nach rund einem Jahrzehnt nachhaltig positiver Entwicklung der AMAG und der Umsetzung von zwei Großprojekten im Zeit- und Budgetrahmen ist die Auszeichnung eine Anerkennung für unser Team. Aufmerksamkeit bringt eine solche Auszeichnung jedenfalls, was ich an den vielen Anrufen und Reaktionen direkt merkte.

Mayer: Diese Abhängigkeit vom Aluminiumpreis gilt jedenfalls für unsere Beteiligung an der Elektrolyse Alouette in Kanada, der größten ihrer Art in Nord- und Südamerika. Hier produzieren wir Primäralu­ minium – ein Commodity, bei dem wir keinen Einfluss auf den Preis haben. Dieser wird an der London Metal Exchange (LME) gebildet. Wichtig ist eine kosteneffiziente Produktion, sie ist die beste Absicherung gegen niedrige Verkaufspreise. Um die Abhängigkeit vom Aluminiumpreis etwas zu reduzieren, versuchen wir beispielsweise, Verträge abzuschließen, die ebenfalls vom Aluminiumpreis abhängen. Das ist uns zuletzt für die Stromversorgung gelungen. Weiters nutzen wir nicht spekulative Finanzinstrumente zur Absicherung künftiger Marktpreise. Anders gestaltet sich die Situation am Standort Ranshofen, wo wir das Ergebnis fast ausschließlich mit unserer Wertschöpfung erwirtschaften. Auswirkungen von Metallpreisschwankungen werden durch Sicherungsgeschäfte bewusst vollständig eliminiert.

business: Der erfreuliche Börsenkurs der AMAG wirft die Frage auf, ob die AMAG nicht von einem höheren Streubesitzanteil profitieren könnte – schließlich würde man so für größere Fonds interessanter. Mayer: Wir haben aktuell einen Streubesitz von 7,4 Prozent und eine sehr stabile Aktionärsstruktur mit der B&C Industrieholding als Mehrheitsaktionär sowie der Raiffeisenlandesbank OÖ als Kernaktionär mit einem Anteil von 16,5 Prozent. Auch unsere Mitarbeiter sind über eine Stiftung zu 11,1 Prozent am Unternehmen beteiligt. Für mich steht fest, dass die AMAG mit ihren Eigentümern in den letzten Jahren sehr gut gefahren ist. Viel wichtiger als ein hoher Streubesitz ist die Unterstützung bei wichtigen strategischen Entscheidungen. Unsere Eigentümer haben diese bisher immer voll mitgetragen. Mit unserer Eigentümerstruktur ist auch große Stabilität verbunden, was bei vielen Geschäftspartnern und insbesondere Kunden sehr geschätzt wird.

business: Als „Exportkaiser“ haben Sie auch mit zahlreichen Währungen zu tun. Wie sorgen Sie in diesem Bereich gegen Schwankungen vor? Trifft Sie der wieder relativ hart gewordene Euro? Mayer: Wir erwirtschaften 85 Prozent unseres Umsatzes im Ausland, wobei unser Kernmarkt Europa mit einem Anteil von 54 Prozent ist. Der amerikanische Markt gewinnt mit 27 Prozent an Bedeutung, vier Prozent erzielen wir mit Kunden in Asien. Die mit Abstand wichtigsten Fremdwährungen sind für uns der US-Dollar und der kanadische Dollar. Im Exportgeschäft stellt ein starker Euro einen Wettbewerbsnachteil gegenüber lokalen Anbietern dar. Umso wichtiger ist es, dass die Rahmenbedingungen im eigenen Land wettbewerbsfähig sind, um hier mithalten zu können. Wir selbst haben uns zur Absicherung des Fremdwährungsrisikos strenge Richtlinien auferlegt. Sobald durch einen Vertrag ein Fremdwährungsrisiko eingegangen wird, werden Kurssicherungsinstrumente zur Absicherung abgeschlossen. Auch hier ist die Raiffeisenlandesbank OÖ ein wichtiger Partner der AMAG.

business: Zurück zum Aluminiumpreis: Die AMAG ist natürlich sehr stark von den Weltmarktpreisen abhängig. Wie sorgen Sie für schlechte Zeiten vor? Kann man einen Preisverfall „hedgen“?

business: Die AMAG ist eines von wenigen österreichischen Unternehmen mit einer eigenen Tochter in Kanada. Macht CETA den Alltag für Sie einfacher?

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© AMAG

BEI INSTRUMENTEN ZUR KURSSICHERUNG IST DIE RLB OÖ WICHTIGER PARTNER.


INTERVIEW: GERALD MAYER

Begehrtes Aluminium: Der Trend zum Leicht­ bau in den Automotive Industries hält an.

Standort Ranshofen: Seit 2012 wurden mehr als 530 Millionen Euro in den Ausbau investiert.

Gerald Mayer: Es ist jedenfalls von Vorteil, wenn Handelsbarrieren wegfallen. Wenn wir aus unserer Elektrolyse Primäraluminium nach Europa bringen, entfällt durch CETA der dreiprozentige Zoll. Aktuell hält sich der Nutzen für uns in Grenzen, da wir aus Preisgründen die Masse unserer kanadischen Produktion in die USA verkaufen.

zweitgrößter Aktionär wesentlich am Eigenkapital der AMAG beteiligt. Schon viel länger zählen wir die Raiffeisenlandesbank OÖ zu unseren Hausbanken, die etwa bei wesentlichen Finanzierungen, Veranlagungen und Kurssicherungsgeschäften selbstverständlich dabei ist.

business: Viele Unternehmen sind heute auch mit dem Thema Digitalisierung konfrontiert. Wie geht die AMAG damit um? Mayer: Ohne Digitalisierung funktioniert heute nicht mehr viel. Am Beispiel unserer Neuinvestitionen werden die Möglichkeiten spürbar. Automatische Transportfahrzeuge oder modernste Anlagensteuerungen machen diese Entwicklungen eindrucksvoll sichtbar. Eine unserer neuen Anlagen ist mit rund 2.000 Sensoren bestückt, die uns die lückenlose Überwachung des Produktionsprozesses ermöglichen. Mit der systematischen Analyse der ungeheuren Datenmengen können wir frühzeitig Aussagen über die Produktqualität treffen. Ein weiteres Digitalisierungsthema für uns ist die Simulation unterschiedlicher Prozessschritte. Wir sind in der Lage, die gesamte Prozessroute vom Ausgangsmaterial bis zum fertigen Produkt zu simulieren – ein sehr effizientes Werkzeug zur Optimierung und Entwicklung. Daran wird bei uns seit rund 15 Jahren gearbeitet. business: Sie arbeiten auch an der Plattform „Pier 4“ mit, die Industrie und Start-ups vernetzen will. Lohnt sich das Engagement? Mayer: Wir sind Partner der Initiative, die seit Oktober 2017 läuft und an der sich acht Unternehmen beteiligen. tech2b als Teil der Business Upper Austria ist Projektkoordinator und ein wesentlicher Förderer von Start-ups in Österreich, welcher global vernetzt ist und somit Zugang zu den richtigen Kontakten herstellen kann. Jedoch ist es noch zu früh, um über Ergebnisse zu sprechen. business: Die Raiffeisenlandesbank OÖ ist einer der Kernaktionäre der AMAG. Arbeiten Sie mit der Bank auch im Alltag zusammen? Mayer: Beim Gang der AMAG an die Wiener Börse im Jahr 2011 hat uns die Raiffeisenlandesbank OÖ in einem schwierigen Börsenumfeld stark unterstützt. Seither ist die Raiffeisenlandesbank OÖ als unser

business: Wie wichtig ist eine Bank mit regionaler Verwurzelung am Hauptsitz eines Unternehmens mit so internationaler Ausrichtung? Mayer: Das zeigt am besten unser IPO im Jahr 2011, wodurch vor allem die Selbstständigkeit der AMAG abgesichert werden konnte. Der Börsengang wurde erst durch die Unterstützung von oberösterreichischen Partnern, und hier allen voran der Raiffeisenlandesbank OÖ, möglich. Als AMAG fühlen wir uns der Region ganz generell sehr verbunden und legen auch Wert auf persönlichen Kontakt und kompetente Betreuung. Wichtig dabei ist aber, dass jeder Geschäftspartner wettbewerbsfähig sein muss. Die Region allein hilft nicht. Das gilt auch für die AMAG und ihre Kunden. ••

DAS UNTERNEHMEN Die Austria Metall AG mit Sitz in Ranshofen und 20-prozentiger Beteiligung an der kanadischen Elektrolyse Alouette ist Anbieter von Primäralumi­nium und Aluminiumhalbzeugprodukten. 2016 wurden 405.900 Tonnen davon hauptsächlich in Europa und Amerika verkauft und mit 1.762 Mitarbeitern ein Umsatz von 906,2 Millionen Euro erzielt. Das EBIT des börsennotierten Unternehmens lag bei 73 Millionen Euro. Die ersten drei Quartale des Geschäftsjahres 2017 lassen auf neue Rekordzahlen hoffen.

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IMMOBILIEN

TRIIIPLE: DREI TÜRME, DREI FUNKTIONEN Ein markantes Hochhausensemble vereint die Vorzüge Wiens unter einem Dach: Zwischen Prater, historischer Innenstadt und dem Business-Hotspot TownTown schafft das Projekt TRIIIPLE direkt am Donaukanal 500 frei finanzierte Wohnungen und 12.000 Quadratmeter Bürofläche.

I

m Herbst des vergangenen Jahres war es so weit: Am Standort des ehemaligen Zollamtes in Wien-Landstraße erfolgte der Spatenstich für die ersten beiden Türme des Immobilien-Projekts TRIIIPLE, Ende 2020 sollten sie fertiggestellt sein. Die Planung für den dritten Turm läuft noch, zudem soll – als Tüpfelchen auf den drei „i“ im Projektnamen – später auch noch ein Büroturm dazukommen. ­Realisiert wird das Projekt von SORAVIA und ARE Development, einem ­Unternehmen der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG).

Wohnraum mit allerlei Zusatzfunktionen „Wir geben einem bereits erschlossenen und perfekt an die städtische Infrastruktur angebundenen Gebiet eine neue, wichtige Funktion: Wir gestalten dringend benötigten Wohnraum. Der Verkauf hat bereits begonnen“, so Hans-Peter Weiss von der ARE Austrian Real Estate. Die Türme 1 und 2 werden ausschließlich frei finanzierte Wohnungen beherbergen, die mit einer Reihe von Annehmlichkeiten aufwarten können. „Neben der außergewöhnlichen Lage direkt am Donaukanal punkten wir mit zahl­reichen Zusatzangeboten: Rooftop-Pool, Concierge-Service, Salon mit Bibliothek, eine Eventküche sowie eine Barbecue-Lounge werden den künftigen Bewohnern zur Verfügung stehen. Mit TRIIIPLE definieren wir Wohnqualität neu“, ist sich Erwin Soravia sicher. Die 35 bis 150 Quadratmeter großen Wohnungen, Studios und Lofts sind mit Balkon, Loggia oder Terrasse ausgestattet. Das Zentrum der Wohnhausanlage bildet ein urbaner Platz, der in eine Grünanlage übergeht. Und: Die einzelnen Gebäude sind nicht nur miteinander verbunden, mit seinen ein- bis zwei­ geschossigen Sockelbauwerken schafft TRIIIPLE auch einen Übergang vom benachbarten Business-Hotspot TownTown zur Donaukanallände. Turm 3 für Studenten und „Young Professionals“ Die drei Türme öffnen den dritten Bezirk Richtung Donaukanal und Prater, die ausgeprägte Formensprache schafft einen hohen Wiedererkennungswert als „Landmark“. Der Entwurf vereint Effizienz mit Großzügigkeit und sorgt für lichtdurchflutete Wohnungen. Mit diesem Konzept konnte das Team von Henke Schreieck Architekten die Bauherren überzeugen. „Derzeit ist das Gebiet ein reiner ,Verwaltungsbezirk‘. Wir wollen den Bereich beleben und urbanisieren. Es war uns wichtig, statt einzelner Baukörper ein städtisches Ensemble zu schaffen“, so Dieter Henke. In dieses wird sich auch der dritte Turm einfügen, der ein ganz beson­ deres Wohnbedürfnis befriedigen soll: nämlich jenes von Studierenden und jungen Uni-Absolventen. Zu oft wird vergessen, dass Wien mit ca. 200.000 Studierenden die größte Universitätsstadt im deutschsprachigen Raum ist – und Unterkünfte für diese Bevölkerungsgruppe mit be-

TRIIIPLE schafft Wohnraum auf höchstem Niveau: ­N eben atemberaubender Architektur locken Einrichtungen wie ein Rooftop-Pool und Concierge-Service.

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IMMOBILIEN

Projekt TRIIIPLE: modernes Wohnen auf höchstem Niveau.

© ZOOMVP

sonderen Wohnansprüchen braucht. „Es besteht ein großer Bedarf an kleinen Wohneinheiten mit flexibler Mietdauer. Dieser Trend ist auf die große Anzahl von Studenten und jungen Akademikern zurückzuführen, die derzeit nach Wien kommen“, bestätigt HansPeter Weiss. „Im TRIIPLE müssen sich Studierende nicht um WG-Kollegen und Möbel, Internetanschluss oder Ähnliches kümmern. Der Standort ist prä­ destiniert für das Konzept und aufgrund der Lage und Ausstattung auch für Personen, die für einige Monate in Wien beispielsweise an einem Projekt arbeiten, ideal“, ist man bei SORAVIA überzeugt. Aufwertung für das gesamte Grätzel Profitieren werden von TRIIIPLE aber nicht nur die künftigen Bewohner, sondern die gesamte Umgebung. Die Projektpartner verpflichteten sich im Rahmen eines städtebaulichen Vertrages, zehn Millionen Euro in die öffentliche Infrastruktur zu investieren, wovon etwa eine nahe gelegene Schule profitiert. Auch die Ostautobahn wird überplattet, zudem sind ein öffent­licher Kindergarten, ein Nahversorgungszentrum und die Ansiedelung von Ärzten vorgesehen. Ein Gastronomieangebot mit Restaurants und Cafés macht das Konzept von Wohnen, Arbeiten und L ­ eben in einer Umgebung mit Stadt, Land und Fluss komplett. Ein solches Bauvorhaben hat natürlich seinen Preis. Rund 300 Millionen Euro beträgt das Investitions­ volumen. Bei der Finanzierung setzen die Projektverantwortlichen auf die Raiffeisenlandesbank OÖ: Sie ist auch im Immobilienbereich auf die Anforderungen moderner Bauprojekte bestens vorbereitet, hat bereits Erfahrung mit der Realisierung von Projekten für studentisches Wohnen – und ist zudem ein bewährter Projektpartner von SORAVIA. „Wir arbeiten seit vielen Jahren mit der Raiffeisenlandesbank OÖ zusammen und ­haben diese Bank als professionellen und verlässlichen Partner kennen und schätzen gelernt“, heißt es aus dem Unternehmen. ••

PROJEKTDATEN • rund 70.000 m2 Gesamtnutzfläche • Projektvolumen über 300 Millionen Euro • frei finanzierte 1- bis 5-Zimmer-Wohnungen, von 33 m² bis 165 m² (Turm 1 und Turm 2) • individuell gestaltbare Lofts • alle Wohnungen verfügen über Balkone, Loggien oder Terrassen • perfekte Anbindung über die U3-Stationen Erdberg und Schlachthausgasse • Concierge-Service, Rooftop-Pool, Salon mit Bibliothek, Eventküche und Party- & ­Barbecue-Lounge, Triiiple Plaza mit Cafés, Shops und Restaurants

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DIGITALISIERUNG

DATEN STATT WORTEN Volkswirtschaftler, Historiker und Soziologen sind sich einig: Mit der Digitalisierung begann die vierte ­industrielle Revolution. Und: Die Umwälzung hat längst begonnen. Auch in Österreich sind die Veränderungen im Alltag der Unternehmen bereits deutlich zu spüren.

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m die Dimensionen der Veränderung fassbar zu machen, lohnt ein Blick in die Geschichte. Vereinfachtes Fazit: Der Mensch stellte benötigte Waren und Produkte jahrtausende­ lang in Handarbeit her. Bis James Watt mit der Dampfmaschine eine Energiequelle erfand, die auch unabhängig von Muskelkraft oder Wasserläufen Maschinen antrieb. Arbeitsgänge konnten standardisiert und von Maschinen übernommen werden. Das sparte Zeit, stabilisierte die Qualität und senkte Kosten – die Industrie war geboren. Henry Ford dachte das Konzept weiter. Sein Fließband zerlegte den Produktionsprozess auf Einzelschritte, die schnell erlernt waren. Eine neuerliche Revo­lution. Und dann kamen die Mikroelektronik und der Computer, die ­Arbeitsabläufe ebenso veränderten wie die Gesellschaft und das alltägliche Leben.

Bei voestalpine Automotive ­C omponents ist Industrie 4.0 Realität.

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Das neue Zeitalter Jetzt sind wir in der Digitalisierung angelangt. Aus Maschinen werden Roboter, die mit dem Werkstück vernetzt sind und Hand in Hand mit dem Menschen arbeiten. Beileibe keine Zukunftsvision, wie man etwa am Beispiel voestalpine studieren kann. Aus dem einstigen Stahlkocher ist ein in vielen Bereichen weltweit führender Hightechkonzern geworden, für den digitalisierte Prozesse gelebte Praxis sind. Bestes Beispiel: das neue Drahtwalzwerk am Standort Donawitz. Es ist das modernste der Welt und entspricht bereits jetzt vollinhaltlich den Industrie-4.0-Standards. Das heißt: Komplexe, vollautomatisierte Produktionsabläufe werden mit intelligenten sensorbasierten Systemen vollautomatisch gesteuert. In der Zentrale in Linz kann bei der Konzerntochter voestalpine Auto­motive Components bestaunt werden, wie Bleche – die sich in Dicke, Materialzusammensetzung und Beschichtungen deutlich unterscheiden – völlig automatisch in Form gestanzt und mittels Laser zu Formplatinen für die Automobilindustrie verschweißt werden. Die notwendigen Werkzeuge und Materialien besorgt sich die Maschine selber, die Qualität wird automatisch laufend kontrolliert und die Produktionsgeschwindigkeit so angepasst, dass der Energie- und Werkzeugverbrauch optimiert wird. Ein Eingriff von Menschen ist kaum mehr notwendig. „Die Mitarbeiter werden aber nach wie vor gebraucht, ihr Wissen ist entscheidend“, greift Jens Grünewald, Leiter der strategischen Unternehmensentwicklung der im bayrischen Siegsdorf beheimateten Brückner Group, weit verbreitete Ängste auf. „Sie sollen sich aber besser auf ­zunehmend komplexe Aufgaben, wie Sicherstellung einer stabilen und effizienten Produktion, konzentrieren können. Und dabei helfen automatisierte Abläufe, etwa bei der Maschineneinstellung. Auch die Unternehmen der Brückner Group setzen auf Digitalisierung. Den Nutzen für den Kunden illustriert Grünewald anhand einer Anlage zur Herstellung von gereckten Kunststofffolien, in der das Gruppenunternehmen Brückner


DIGITALISIERUNG

Brückner Group: intelligente Anlagen für eine höhere ­E ffizienz.

DIGITALISIERUNG STEIGERT PRODUKTIVITÄT, FLEXIBILITÄT UND QUALITÄT. JENS GRÜNEWALD, BRÜCKNER GROUP

© voestalpine AG, studio-weissbacher.com, Brückner Group GmbH

Maschinenbau Weltmarktführer ist: „Das sind Produktionsanlagen mit bis zu 150 Metern Länge. Den Kunden interessiert nicht, welche der etwa 5.000 Maschinenparameter er an der Anlage wie einstellen kann, sondern welches Produkt in welcher Qualität am Ende herauskommt. Genau hierbei unterstützen wir ihn mit unserem „Intelligent Line Management“ und den dazugehörigen Assistenzsystemen. Die neue Sichtweise Vereinfacht gesagt, werden dabei Folieneigenschaften direkt im Prozess gemessen, die digitale Steuerung passt die zahlreichen Parameter ständig an das gewünschte Ergebnis an. Die Folge: Die Bedienung der Anlage wird viel einfacher, Ressourcen wie Energie werden optimal eingesetzt, Effizienz, Produktivität und Flexibilität steigen. Und das Beste: Die Folienqua­ lität bleibt auf einem konstant hohen Niveau. Grünewald: „Statt der Maschinensicht steht jetzt die Prozesssicht bei der Anlagenbedienung im Vordergrund.“ Da Mitarbeiter dadurch, statt eine Maschine zu bedienen, immer komplexere Prozesse steuern und digital erfasste Produktionsdaten analysieren, bieten die Konzerne Schulungen an. voestalpine setzte im Drahtwalzwerk in Donawitz entsprechende Qualifi­zierungsmaßnahmen für 450 Mitarbeiter um. Diese bestanden aus e ­ inem praktischen und einem theoretischen Teil, wie etwa einem drei­monatigen Training auf Simulationssteuerständen mit Fokus Prozesssteuerung und Datenauswertung. Wobei, wie man bei voestalpine betont, die digitale Revolution keineswegs nur die Mitarbeiter im Produktionsprozess sowie Forscher, Techniker und IT-Experten betrifft. Die flexible, automatisierte und ressour-

ceneffiziente Smart Factory ist das Ziel – und dem werden alle Prozesse untergeordnet. Harald Reiser, Head of Group Treasury – Project Finance bei der Brückner Group, berichtet, dass die Digitalisierung bereits in seinem Bereich angekommen ist: „Prozesse und Aufgaben werden digitalisiert. Treiber hierfür sind europäische Regularien, der Schutz vor Cybercrime und die Reduktion von administrativen Aufgaben.“ Als Beispiel führt er die administrativ aufwendigen Meldepflichten nach der European Market Infrastructure Regulation (EMIR), die den außerbörslichen Handel mit Derivaten regelt, an. Durch die Implementierung automatisierter Systeme muss sich sein Team nicht mehr mit Meldungen ans Registeramt herumschlagen, sondern kann sich auf Kernaufgaben im Konzern-Treasury fokussieren. Reiser: „Der Arbeitsalltag im TreasuryBereich hat sich bereits geändert – und mit der voranschreitenden Digitalisierung wird er sich noch stärker verändern.“ ••

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NEUE SERIE: BITCOIN

Kaum ein Tag ohne Nachrichten über die digitale Kryptowährung Bitcoin. Meist geht es um ­atemberaubende Preisanstiege – oder, so wie zu Jahresbeginn, um dramatische Abstürze.

A

m Anfang stand ein Traum: Eine digitale Währung soll das Geldwesen demokratisieren. Keine Notenbank könnte sie durch Anwerfen der Druckmaschine entwerten, Transfers funktionierten in Sekundenschnelle und ohne Mittler wie Banken, Fälscher hätten gegen die schlaue Software keine Chance. 1998 kam dieser Gedanke ans Geld ohne Noten und Münzen erstmals auf, zehn Jahre später schien der Traum mit dem Bitcoin Realität zu werden. Erfunden hat ihn ein anonymer IT-Experte, der das Konzept unter dem Pseudonym Sa­toshi Nakamoto im Internet publizierte. Die Eckpunkte: Erzeugt werden Bitcoins durch einen ausgetüftelten Algorithmus am Com­ puter, die Menge ist mathematisch auf 21 Millionen Bitcoins begrenzt. Jede Transaktion wird in einer Datenbank verschlüsselt gespeichert. Dieses Buchungssystem, genannt Blockchain, ist dezen­tra­ lisiert auf den Rechnern von allen Personen und Insti­tutionen verteilt, die mit Bitcoin zahlen oder solche Zahlungen empfangen. Bei jedem Austausch wird der bisherige Weg des Bitcoins auto­matisch überprüft, der neue Vorgang angehängt und erneut verschlüsselt. Fälschungen sind damit ausgeschlossen – das System kann nicht geknackt werden.

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Platzende Träume Jetzt sind es mehr als zehn Millionen. Tatsächlich ist der Kurs des Computergeldes im Vorjahr von 2.000 US-Dollar auf fast 20.000 US-Dollar explodiert. Anfang 2018 ging es rasant bergab, bis auf deutlich unter 10.000 US-Dollar. Eine Hochschaubahn, die auch die Nachteile der digitalen Währung aufzeigt: Es gibt keine Institution, die kursstützend eingreifen – oder Konkurrenz verhindern – könnte. Der Bitcoin ist nämlich nicht die einzige digitale Währung, mittlerweile gibt es um die 1.500 solcher Systeme, die sich alle durch extreme Volatilität „auszeichnen“. Kursgewinne und Verluste von mehreren hundert Prozent in wenigen Wochen sind keine Seltenheit. Die ursprünglichen Vorteile der digitalen Währungen verschwinden: Die Oesterreichische Nationalbank OeNB fordert, dass die Beteiligten an einem Bitcoin-Transfer ihre Identitäten offenlegen – wie im normalen Zahlungsverkehr auch. Nur so ließen sich dunkle Geschäfte mit digitalem Geld verhindern. Selbst der Fiskus wirft begehrliche Blicke darauf: Bitcoin-Handel soll wie alle anderen Spekulationen besteuert werden. Denn es steckt nicht viel mehr hinter dem „neuen Geld“ als hochriskante Wetten, vom Wunsch nach einer Alternative zu traditio­ nellen Währungen ist keine Rede mehr. Direktor Peter Brezinschek von Raiff­eisen Research etwa verweist auf die Tatsache, dass alle Krypto­ währungen zusammen zwar einen Marktwert von ca. 500 Milliarden US-Dollar hätten – aber allein an Bargeld und Sichteinlagen sind derzeit global mehr als 25 Billionen US-Dollar im Umlauf. Und er macht darauf aufmerksam, dass allein das Bitcoin-Netzwerk mittlerweile mehr elek­­tri­ sche Energie verbraucht als die gesamte Slowakei in einem Jahr. Die gehypte Krypto­währung belastet die Umwelt so stark wie 43,6 Milliarden mit dem Pkw gefahrene Kilometer. Schuld daran ist die Computerleistung, die das System verlangt und die mit jedem Neueinsteiger in die BitcoinWelt deutlich steigt. Was übrigens auch die Transfers deutlich verlangsamt. Irgendwann, da sind sich fast alle Volkswirte einig, wird die Bitcoin-Blase platzen. Und dann bleibt nur die Blockchain als bahnbrechende Technologie übrig – unter anderem für den Intramarket-Handel der Banken. ••

© iStock / Getty Images

DIE HOCHRISKANTE BITCOIN-WETTE

Die neue Technologie wurde lebhaft diskutiert – anfangs nur in IT-Fachkreisen und Uni-Seminaren zu volkswirtschaftlichen Theorien. Bis Händler von eher zweifelhaften Waren die Vorzüge der neuen Währung entdeckten: Zahler und Empfänger von Bitcoins blieben völlig anonym. Die Daten sind ja verschlüsselt. Seriöse Geschäftsleute blieben zögerlich: Bei ein paar Pizza-Lieferservices in den USA und einigen Onlineshops mit Zielgruppe Jugend konnte man mit dem digitalen Geld bezahlen. Sonst nirgends. Entsprechend niedrig war der Kurs, 2010 wurden monatlich weniger als 10.000 Bitcoin-Transaktionen weltweit durchgeführt.


VANTAGE FILM GMBH

OPTIMIERUNG ­KULTIVIEREN

Wolfgang Bäumler und Peter Märtin, die Gründer von Vantage Film.

Den richtigen Zeitpunkt abwarten und Kontakte nutzen: Wie das geht, macht die bayrische Vantage Film, die sogar Holly­ wood aufmischt, vor. Mit der Raiffeisenlandesbank OÖ hat sie den perfekten Finanzierungspartner für dieses Konzept.

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© pwdigital.ca

enk immer daran: Deine Wahrnehmung bestimmt deine Realität.“ Diese Weisheit, von Jedi Qui-Gon Jinn im Jahr 1999 in „Star Wars: ­Episode 1“ gelassen ausgesprochen, hat sich die Vantage Film GmbH zu Herzen genommen. Aber nicht nur deshalb sorgte der Blockbuster für den internationalen Durchbruch des Unternehmens mit Sitz im oberpfälzischen Weiden. Hier entwickelt und produziert man die HawkObjektive, die bei Kameraleuten und Filmemachern weltweit heiß begehrt sind. 1997 bestellte George Lucas bei Vantage, um sein Sternenepos mit HawkObjektiven für die Leinwand zu verewigen. Die beiden Firmengründer Peter Märtin und Wolfgang Bäumler eroberten Hollywood schon vor der digitalen Revolution mit schlauer Technik. Im Film-Mekka setzte man seit den 1950er-Jahren auf „CinemaScope“, ein anspruchsvolles Format für hochwertige Filmproduktionen und aufwendig produzierte Werbespots. Um den Zuschauern das gewünschte „Breitwanderlebnis“ bieten zu können, braucht es ein kompliziertes Verfahren, für das man Spezialobjek­tive benötigt. Bis in die 1990er-Jahre wurden diese hauptsächlich vom US-Unternehmen Panavision hergestellt, waren aber in der Handhabung noch optimierungsfähig. Und genau das wollte die Vantage Film GmbH 1993 ändern. Expansion mit Rückenwind aus Linz 1995 kam die erste Generation der Hawk-Objektiv­ serie von Vantage Film auf den Markt, zwei Jahre später begeisterte man damit Filmemacher George Lucas. 1998 gründete Vantage ihre erste Niederlassung in Prag, 2011 folgte eine Filiale in Paris. Als diese Dependance ausgebaut werden sollte, begann auch die ­Zusammenarbeit mit der Raiffeisenlandesbank OÖ. „2014 wurde ein weiteres Stockwerk im Pariser Gebäude angemietet und als Testräume für Kunden und als Aufnahmestudio eingerichtet. Drei Jahre später eröffneten wir den wichtigen Stützpunkt in Brüssel und begannen mit der Expansion nach Los Angeles“, erläutert Peter Märtin. Auch für Produkt-Neuentwick-

lungen oder Auftragsfinanzierungen arbeitet man gerne mit der Raiff­ eisenlandesbank OÖ: „Die Zusammenarbeit empfinden wir als überaus angenehm: äußerst kompetente Ansprechpartner sowie zügige, reibungslose Abwicklung. Die Chemie und Zusammenarbeit hat von Anfang an gestimmt.“ And the Oscar goes to ... Und so sind die Erfolge von Vantage auch ein bisschen die der Raiffeisenlandesbank OÖ. Beispielsweise, wenn das Weidener Unternehmen Preise wie den CINEC Award gewinnt, der von der Interessengemeinschaft ­CineTechnik Bayern e.V. für herausragende und innovative Leistungen auf den Gebieten der Filmtechnik vergeben wird. Dieser weltweit anerkannte Industriepreis für herausragende Produkte und Innovationen auf dem Gebiet der Filmtechnologie ging bislang fünfmal an Produkte von Vantage Film. Ein weiterer Meilenstein war der Academy Award (Oscar) für „Das ­Leben der Anderen“, der mit Hawk-Objektiven gedreht worden war. ••

DAS UNTERNEHMEN • Firmengründung 1993 • Niederlassungen in Weiden, Prag, Paris, Berlin und Brüssel • in 60 Ländern tätig, 90 Prozent „Export“-Quote • fünfmaliger CINEC-Award-Gewinner • Umsatzsteigerung von 2015 auf 2016 um knapp 20 Prozent • technische Beteiligung an über 600 interna­ tionalen Filmproduktionen, darunter „Star Wars: Episode I“, „The Wolf of Wall Street“, „Bridge of Spies“ und „The Great Wall“

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WIRTSCHAFTS-

BAROMETER CHINA: ENTWICKLUNGSTEMPO STEIGT

DEUTSCHLAND: GEFAHRLOSES WACHSTUM

Erstmals seit 2010 beschleunigt sich das Wachstum.

Wirtschaft ist laut Studie auf dem Weg zur Hochkonjunktur.

Im Zuge der Erholung der Weltwirtschaft hat auch Chinas Konjunktur deutlich an Fahrt aufgenommen: Laut Pekinger Statistikamt legte das BIP im Vorjahr um 6,9 Prozent zu – und ist damit erstmals in diesem Jahrzehnt stärker als in der Vorperiode gewachsen. 2018 soll der Aufholprozess der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt etwas moderater ausfallen, das Wachstumsziel soll bei 6,5 Prozent liegen. Experten warnen aber auch vor wachsenden Gefahren für die wichtige Weltkonjunkturlokomotive: Zum einen droht der Handelsstreit mit den USA zu eskalieren, zum anderen ist der Schuldenberg der Volksrepublik auf über 250 Prozent des BIP angewachsen. Als Gegenstrategie arbeitet China weiter am Ausbau der „neuen Seidenstraße“: Über drei Milliarden Euro sollen allein für den Ausbau der Infrastruktur in Osteuropa bereitgestellt werden.

Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der deutschen Hans-Böckler-Stiftung prophezeit: Das kräftige Wachstum der deutschen Wirtschaft hält, die Gefahr einer Überhitzung bleibt gering, die Gefahr einer Rezession kann für die kommenden Monate so gut wie ausgeschlossen werden. Unternehmen fänden ein ausgesprochen günstiges Finanzierungsumfeld vor, auf dem Arbeitsmarkt zeichnen sich keine Engpässe ab und bei den Lohnstückkosten wird eine Zunahme unterhalb des Inflationsziels der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent erwartet. Die deutsche Bevölkerung nutzt den stabilen Aufschwung zum Sparen: Laut deutscher Bundesbank beläuft sich das Geldvermögen von Privathaushalten auf insgesamt 5,78 Billionen Euro. Veranlagt wird risikoarm, meist wird Bargeld gehalten oder in Spareinlagen sowie Ansprüche gegen Versicherungen investiert.

INDIEN: EIN SUBKONTINENT DER WIRTSCHAFTLICHEN SUPERLATIVE

1,32 Milliarden Einwohner machen Indien zum ­weltweit bevölkerungsreichsten Land hinter China. 65 Prozent sehen die Wirtschaftsentwicklung positiv, 100 Millionen kaufen schon online ein.

7,5 Prozent beträgt das Wachstum des indischen BIP im Fiskaljahr 2018/19 ­(beginnt im April). Stärker wächst keine andere der großen ­Volkswirtschaften.

86 Prozent

45 Milliarden US-Dollar sind Indien im Fiskaljahr 2016/17 an ausländischen Direktinvestitionen zugeflossen. Indien ist damit das neuntwichtigste Investitionsziel der Welt.

der indischen Währung wurden 2016 für ungültig erklärt. Scheine über 500 und 1.000 Rupien wurden über Nacht entwertet, um Korruption zu bekämpfen und den elektronischen Zahlungsverkehr zu stärken.

223 Milliarden US-Dollar will die Regierung in die Infrastruktur im ländlichen Raum stecken. Gebaut werden vorrangig Autobahnen und Stromnetze.

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IRAN

RUSSLAND

Werbung boomt.

Der sanktionierte Aufschwung.

Der Werbemarkt im Iran soll der britischen Mediaagentur Zenith zufolge vor einem Boom stehen. Bis 2020 sollen die Werbespendings in der ­islamischen Republik um 713 Millionen US-Dollar auf 2,1 Milliarden USDollar wachsen. Einzige Einschränkung: Der Werbeboom hängt stark von Handelswachstum und Investments ab. Wenn sich der Konflikt mit den USA verschärft und wieder Sanktionen verhängt werden, käme das Wachstum des Werbevolumens rasch zum Erliegen.

Seit der Eskalation der Ukraine-Krise belegen sich Russland und die EU mit gegenseitigen Handelssanktionen. Woraufhin die russische Wirtschaft zwar schrumpfte, aber keinesfalls zusammenbrach. Die wegen der guten Weltkonjunktur steigenden Rohstoffpreise lassen jetzt auch das russische BIP wieder wachsen. Davon profitiert auch Österreich: In den ersten zehn Monaten 2017 wuchsen die Exporte nach Russland um 18,4 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Eine klare Trendwende nach dramatischen Einbrüchen!

BANGLADESCH

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Auf der Überholspur. Auch Bangladesch steht vor einem Werbeboom, fand die britische Media­ agentur Zenith in einer Studie heraus. Mit einer Zunahme der Werbespendings um 457 Millionen US-Dollar bis 2020 wird der Markt in Bangladesch auf 1,31 Milliarden US-Dollar anwachsen und damit mehr als doppelt so groß sein wie jener in Pakistan, obwohl Bangladesch mit 160 Millionen Einwohnern deutlich bevölkerungsärmer ist. Tatsächlich brummt die Wirtschaft beim ­östlichen Nachbarn Indiens, das BIP wächst um sieben Prozent per anno.

ÖSTERREICH

SÜDKOREA

Köstlicher Export.

Ein Tiger wird erwachsen.

Die Welt hat Appetit auf Österreich. 2017 wurden Lebensmittel und agrarische Güter im Wert von 11,1 Milliarden Euro exportiert, um sieben Prozent mehr als im Jahr davor. Einen solchen Zuwachs hat es zuletzt vor 20 Jahren gegeben. Mit dem Exportschlager Red Bull sind alkoholfreie Getränke die wichtigsten Export-Lebensmittel, dahinter folgen Fleisch und Fleischzubereitungen sowie Milchprodukte. Wichtigster Exportmarkt bleibt Deutschland, wo vor allem Käse aus Österreich boomt.

Zählte Südkorea in den Achtzigern noch zu den sogenannten Tiger­ staaten – kleine asiatische Länder mit guter Konjunktur –, hat man jetzt längst das Niveau westlicher Staaten erreicht. Davon profitiert auch Österreich. Der Export nach Südkorea wächst rasant (siehe Seite 6), vor allem Auto­motive-Komponenten sind begehrt. Eine besondere Stellung nimmt in Korea der Samsung-Konzern ein. Sein Umsatz macht mehr als 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus.

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RUSSLAND

DAS PATT WIRD VERLÄNGERT  S Seit vier Jahren belegen sich die EU und Russland gegenseitig mit Handelssanktionen. Die Exportwirtschaft hat mittlerweile mit den Embargos leben gelernt – und Auswege gefunden.

Hebelösungen von Palfinger sind auch in Russland ­b egehrt.

Felix ­S trohbichler, ­F inanzvorstand der Palfinger Gruppe.

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eit 2014 haben sich Russland und die EU aufgrund des Ukraine-Konflikts gegenseitig mit Wirtschaftssanktionen belegt. 2016 haben die Staats- und Regierungschefs der europäischen Gemeinschaft noch einmal nachgeschärft: Wegen unzureichender Fortschritte im Minsker Friedensprozess wurde beschlossen, die Handels- und Investitionsbeschränkungen erst dann aufzuheben, wenn die Vereinbarungen zum Ukraine-Konflikt komplett erfüllt sind. Doch der Friedensprozess stagniert und die Frustration in der Wirtschaft wächst. Mittlerweile sollen die EU-Sanktionen Russland bereits einen dreistelligen Milliardenbetrag gekostet haben, und auch die europäische Wirtschaft wurde in Mitleidenschaft gezogen – 40 Prozent der Handelsverluste mit Russland tragen jene 37 Länder, die sich für die Sanktionen entschieden haben, darunter alle EU-Mitglieder und die USA. Der starke Ölpreisverfall Ende 2014 sowie die damit ver­ bundene Abwertung des Rubels haben zusätzlich zum ökonomischen Abschwung geführt. Vorteil vor Ort Zwar haben die Folgen der Russland-Sanktionen auch Spuren in der österreichischen Exportbilanz hinterlassen, die Auswirkungen bei vielen heimischen Unternehmen mit Russland-Engagement sind aber alles andere als existenziell. So konnte etwa der Salzburger Kranspezialist Palfinger trotz der noch immer bestehenden Strafmaßnahmen seinen Marktanteil deutlich steigern. Wesentlicher Grund dafür: Das Unternehmen verfügt seit 2011 über eigene Produktionsstätten in Russland. In diesem Jahr baute Palfinger sein Russland-Geschäft mit der Übernahme des russischen Kranherstellers Inman weiter aus. Die Gruppe konnte im Jahr 2017 trotz gesamtwirtschaftlicher Turbulenzen in den einzelnen Marktregionen den Umsatz auf einen neuen Rekordwert steigern. „Palfinger genießt den Vorteil, in Russland zu produzieren und zu beschaffen, sodass wir unseren Marktanteil signifikant ausbauen konnten“, bestätigt Finanzvorstand Felix Strohbichler. „Der positive Trend hat sich fortgesetzt. Wir sind mit dem Geschäftsverlauf im Jahr 2017 sehr zufrieden.“ Die Unternehmensgruppe mit Sitz in Bergheim zählt zu den international führenden Herstellern innovativer Hebelösungen, die auf Nutzfahrzeugen und im maritimen Bereich zum Einsatz kommen. Neben USA, Frankreich und Deutschland ist Russland als größtes Land der Welt für Palfinger ein wichtiger Absatzmarkt. Der

MADE IN AUSTRIA HAT AUCH IN RUSSLAND EINEN GUTEN NAMEN. FELIX STROHBICHLER, FINANZVORSTAND PALFINGER GRUPPE


RUSSLAND

AUCH INTERNATIONALE BRANDS WOLLEN AUF DEN RUSSISCHEN MARKT. ANDREAS BERGER, CFO GABRIEL-CHEMIE GROUP

© Shutterstock.com, Palfinger Gruppe

Anteil am Konzernumsatz betrug im vergangenen Jahr rund sieben Prozent. „Unsere lokale Wertschöpfung ist sicher der größte Vorteil. In drei eigenen Produktionswerken und zwei Produktionswerken zu­ sammen mit unserem Joint-Venture-Partner Kamaz beschäftigen wir rund 2.000 Mitarbeiter in Russland“, erläutert Strohbichler. „Wir gelten vor Ort als russisches Unternehmen und fühlen uns sehr willkommen. Österreich wird als zuverlässiger Partner und Technologielieferant gesehen. Made in Austria hat auch in Russland einen guten N ­ amen.“ Am Puls des Geschehens Den Vorteil einer eigenen Produktionsstätte vor Ort genießt auch die Gabriel-Chemie Group, die auf das Veredeln und Einfärben von Kunststoffen spezialisiert ist. Das Gumpoldskirchner Unternehmen ist neben Standorten in Deutschland, Tschechien, Ungarn und Spanien seit 2007 auch in Russland mit einer eigenen Niederlassung erfolgreich tätig. „Die lokale Produktionsstätte im Südwesten Moskaus ermöglicht es uns – speziell im Vergleich zu den importierenden Mitbewerbern –, schneller in der Farbnachbestellung und Lieferung zu sein“, erklärt CFO Andreas Berger. Von

EIN RIESE IN DER KRISE Von Sanktionen und Gegensanktionen Seit die ukrainische Halbinsel Krim im Februar 2014 von Russland annektiert wurde, hat die EU Sank­tionen gegen Russland verhängt. Der Absturz eines malaysischen Flugzeugs mit 298 Menschen an Bord über der Ostukraine im Juli 2014 verschärfte die Krise. Prorussische Separatisten sollen es abgeschossen haben, Moskau dementiert. Mit der Koppelung der Strafmaß­ nahmen an den Minsker Friedensplan will die EU den russischen Präsidenten Wladimir Putin dazu bewegen, seinen Einfluss für eine Beilegung des Ukraine-Konflikts zu nutzen. Die russische Führung hält die Strafmaßnahmen für ungerecht und reagiert auf die Wirtschaftssanktionen mit Einfuhrverboten für westliche Agrarprodukte wie Obst, Milchprodukte und Fleisch. Die wirtschaftlichen Folgen sind auf beiden Seiten enorm. So brachen sanktionsbedingt die EU-Exporte nach Russland um 30 Milliarden Euro ein. Nachdem jedoch im Ukraine-Konflikt noch keinerlei Fortschritte erzielt wurden, entschieden sich die Staats- und Regierungschefs der europäischen Gemeinschaft, im Interesse der Menschen in der Ostukraine die Wirtschaftssanktionen gegen Russland abermals zu verlängern. Sie sollen nun weitere sechs Monate gelten.

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RUSSLAND

den Strafmaßnahmen war das Unternehmen bisher nicht direkt betroffen, da die angebotenen Produkte nicht auf der Liste der EU-Sanktionen stehen. „Indirekt aber schon, weil die russische Wirtschaft in eine Rezession geschlittert ist und erst 2017 wieder ein zartes Wachstum erzielt wurde“, sagt Berger. Durch die Rezession war der Kampf am Markt mit den Mitbewerbern zum Teil sehr erbittert. „Die Preissteigerungen, die sich aufgrund der starken Veränderung des Rubel-Euro-Kurses ergeben haben, konnten teilweise nur zeitverzögert oder eingeschränkt weitergegeben werden.“ Trotzdem will der Kunststoffspezialist eine neue Produktionsstätte im Industriepark Vorsino einrichten und so die Kapazitäten erweitern. Die Fertigstellung des ersten Abschnittes und die Übersiedlung vom bisherigen Standort in Dorokhovo sind bis Ende 2018 geplant. „Wir sehen eine Chance, mit qualitativ höherwertigen Produkten sowohl bei lokalen als auch bei internationalen Partnern zu punkten“, so der CFO. „Wir haben den Eindruck, dass auch internationale Brands für den russischen Markt spezielle Produkte lancieren möchten. Da sind wir dann vor Ort.“ Zudem hat die Gabriel Gruppe acht von zwölf Fußballstadien für die bevorstehende Weltmeisterschaft mit seinen Kunststoffadditiven für Sitze beliefert. „Bei den vielen Gesprächen, die ich persönlich in Russland geführt habe, hatte ich nie den Eindruck, dass Österreicher zu sein ein Nachteil ist“, meint Berger. Das Gegenteil sei eher der Fall. „Auf der anderen Seite kauft niemand unsere Produkte, nur weil im Hintergrund eine österreichische Zentrale steht. Wir sagen in Russland, dass wir ein russisches Unternehmen eingebettet in ein internationales Unternehmen sind.“ Schwache Kaufkraft Die wirtschaftliche Entwicklung des größten Marktes für nordische Ski, nämlich Russland, ist für F ­ ischer Sports ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Von den Straf-

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maßnahmen gegen Russland ist das Unternehmen nur indirekt b ­ etrof­fen. „Der Import unserer Produkte ist uneingeschränkt möglich“, so Geschäftsführer Franz Föttinger. „Indirekt wirken sich die Sanktionen jedoch durch den Verfall des Rubels und der damit verbundenen geringeren Kaufkraft der russischen Konsumenten aus.“ Das Familienunternehmen mit seinen Produktionsstandorten in Ried im Innkreis und dem ukrainischen Mukatschewo ist Gesamtanbieter für den alpinen und ­nordischen Skisport, sowie spezialisiert auf Hockey, und zählt zu den weltweit größten Skiherstellern. Pro Jahr werden etwa eine Million Paar Ski produziert. Ursprünglich stellte das Unternehmen Leiterwagen und Schlitten her. Die ersten Holzski entstanden dann ein Jahr nach der Firmengründung im Jahr 1924. Derzeit beschäftigt das Unternehmen rund 1.700 Mitarbeiter, davon 470 in Österreich, 900 in der Ukraine und den Rest in den fünf internationalen Vertriebsgesellschaften in Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Russland und den USA. Seit 1988 betreibt ­Fischer ein Werk in Mukatschewo. Dort werden vor allem Einstiegspreis­lagen produziert, während die Topmodelle nach wie vor aus dem Stammwerk in Ried kommen. Russland war bis zum Jahr 2013/14 der mit Abstand größte Auslandsmarkt für ­Fischer. Mit dem Verfall des Rubels wurden die importierten Ski zu teuer, wodurch die Umsätze auf rund ein Viertel zurückfielen. Im Gesamt­umsatz von Fischer zeigte sich das mit einem Rückgang auf 160,5 Millionen Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2014/15, während im Jahr zuvor 186,1 Milli­ onen Euro erwirtschaftet wurden. „Ein Rückzug aus Russland ist für uns dennoch kein Thema“, konstatiert Föttinger. Denn Sport hat in Russland einen großen Stellenwert. Aktuell erholt sich der russische Markt wieder deutlich. Im aktuellen ­Geschäftsjahr, das mit Ende Februar 2018 endet, wird eine wesentliche Umsatzsteigerung erwartet.

EIN RÜCKZUG AUS RUSSLAND IST FÜR UNS TROTZ DER ­SANKTIONEN KEIN THEMA. FRANZ FÖTTINGER, GESCHÄFTSFÜHRER FISCHER SPORTS

© Christian Houdek, Gabriel Chemie Group, Fischer Sports, Marco Schmidt-Polex, Hipp-Gruppe

Andreas Berger, CFO der GabrielChemie Group.


RUSSLAND

WER LANGFRISTIG ETWAS AUFBAUEN WILL, BRAUCHT AUCH GEDULD. STEFAN HIPP, GESELLSCHAFTER HIPP-GRUPPE

Positive Weiterentwicklung Mit rund 1,8 Millionen Geburten im Jahr ist Russland auch für Babykost-Hersteller Hipp ein wichtiger Markt. „Weil wir an das Land glauben, haben wir dort schon vor zehn Jahren eine eigene Produktion auf­ gebaut“, so Stefan Hipp, Gesellschafter der HippGruppe. In der kleinen Grenzstadt Mamonowo werden ­Babynahrung, Säfte und andere Getränke hergestellt. „An diesem Standort arbeiten wir mit rund 100 Mitarbeitern. Es ist eine tolle und engagierte Mannschaft, für die wir Verantwortung tragen und uns einsetzen. Und es ist schön zu sehen, mit welchem Engagement unsere Mitarbeiter jeden Tag an der positiven Weiterentwicklung des Standortes arbeiten.“ Für die Produktion in Russland ist das Unternehmen allerdings auf den Import von Biorohstoffen angewiesen, da es die benötigte Menge in der geforderten Qualität noch nicht im Land gibt. So war Hipp durch die Kursturbulenzen des Rubels gezwungen, die Preise anzuheben. Dann kamen die Gegensanktionen Russlands. „Das Importverbot für Lebensmittel aus der EU hat uns damals natürlich getroffen, und wir mussten unsere Produktion zurückfahren“, erzählt Hipp. Es konnten nur noch 20 Prozent dessen produziert werden, wozu die Firma eigentlich in der Lage wäre. Ein Import von landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus Ländern, die vom Lebensmittelembargo nicht betroffen waren, war nicht möglich, der Markt für die von Hipp benötigten hochqualitativen landwirtschaftlichen Erzeugnisse ist sehr klein. Lange Transportwege oder eine schwierige Bezugskette hätten das Endprodukt nur zusätzlich verteuert. Seitdem das Embargo für die Einfuhr von

Franz Föttinger, Geschäftsführer Fischer Sports.

Stefan Hipp: mit eigenem Werk in Russland vor Ort.

Biofleisch und Biogemüse für die Herstellung von Babynahrung ge­ lockert wurde, ist die Produktion wieder voll im Gang. „Der Zeitplan hat sich durch die Sanktionen sicherlich verschoben, aber wer langfristig etwas aufbauen will, braucht auch manchmal Geduld. Mittlerweile sind wir auf einem guten Weg“, so der Gesellschafter. ••

DOS AND DON’TS • Keine negativen Äußerungen über die russische Regierung! • Bei Verhandlungen ist Durchhaltevermögen angesagt. Die russischen Bürokratiemühlen mahlen langsam, und vorzeitig Deadlines zu setzen, gilt als unhöflich. • Auf Pünktlichkeit wird Wert gelegt. Je nachdem, wie pünktlich die Teilnehmer erscheinen, lässt sich feststellen, wie wichtig das Treffen ist. • Russische Geschäftspartner scheuen sich nicht, während der Verhandlung ihre Gefühle durch Mimik und Gestik kundzutun. Zustimmung und Zufriedenheit werden durch Winken und Nicken zum Ausdruck gebracht. Schüttelt man Ihnen nach dem Treffen intensiv die Hände, dürfen Sie sich über einen erfolgreichen Geschäftstermin freuen. • Geschäftspartner werden in Russland bei einem Folgetreffen nach gutem Auftakt mit einem drei­fachen Wangenkuss begrüßt. • Im Türrahmen wird nie die Hand gegeben. • Häufig werden Verhandlungen, Entscheidungen oder Meetings bei einem Abendessen ­anberaumt. • Wird man um einen Gefallen gebeten, ist dies ein deutliches Zeichen dafür, dass man eine persönliche Beziehung zu dem Geschäfts­ partner erfolgreich aufgebaut hat.

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SPORT

HART UMKÄMPFT Für Sportartikel wird in Österreich gerne Geld ausgegeben. Das macht den heimischen Sporthandelsmarkt zu einem der meistumkämpften in Europa und lockt immer mehr ­ausländische Größen auf den Markt.

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b Outdoor, Fitness, Laufen, Radfahren, Team- oder Wintersport: 2016 gaben die Österreicher pro Kopf 299 Euro für Sportartikel aus. Heuer könnte es sogar deutlich mehr werden. Erst beflügelten die Olympischen Spiele in Südkorea die Lust auf Wintersport, im Sommer weckt die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland Begehrlichkeiten nach Artikeln für den beliebten Rasensport. Der Einfluss solcher Großveranstaltungen auf Sportartikelhersteller ist tatsächlich groß: Die Fußball-WM in Brasilien 2010 etwa ließ sogar die Aktienkurse populärer Ausrüster steigen. Und das freut natürlich auch den Handel, der am steigenden Absatz von Dressen, Bällen und Schuhen mitverdient. „Die Sportbegeisterung der Österreicher ist für uns eine positive H ­ erausforderung“, freut sich IntersportGeschäftsführer Mathias Boenke. „Als die Nummer eins im heimischen Markt blicken wir auf eine zunehmende Geschwindigkeit im Wachstum.“ Die Intersport Austria Gruppe umfasst 110 Händler an über 280 Standorten in Österreich und verzeichnet für das

Mathias Boenke, Geschäftsführer von Österreichs größtem Sport­ artikelhändler Intersport.

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Geschäftsjahr 2016/17 eine Umsatzsteigerung von 15 Prozent. „Wir punkten mit unserem Best-in-Town-Konzept und werden von den Kunden als die erste Adresse für kompetente Beratung wahrgenommen – ob im städtischen Einkaufszentrum oder im Skigebiet am Berg“, so Boenke. Sportartikel sind heute vielseitiger und technisch ausgefeilter denn je. „Wir wollen daher in unseren Shops ein besonderes Einkaufserlebnis schaffen“, erklärt der Geschäftsführer. Das reicht von Kletterwänden und Kältekammern zum Testen von Funktionskleidung bis zu Virtual-RealityBrillen oder einem Fernrohr, mit dem man seine Lieblingslandschaft im Shop entdecken kann. „Dass am Laufband die eigene Laufstrecke gezeigt wird, ist schon längst möglich. Ein Riesentrend ist natürlich auch die Digitalisierung. Mithilfe von Apps wird der Lieblingssport mit persönlichen Fitnessdaten verknüpft und motiviert zu noch mehr Leistung“, so Boenke. „Gerade zu Weihnachten haben wir einen großen Run auf Sport­ elektronik gesehen.“ Dem Angriff von Diskontern sieht der Chef des Branchenprimus gelassen entgegen. „Die Österreicher sind anspruchsvolle Kunden und legen Wert auf Qualität“, meint er. „Intersport steht einerseits für eine verlässliche, große internationale Marke mit Tradition und andererseits für die regionale Präsenz mit Händlern, die ihre Kunden und deren Wünsche vor Ort sehr gut ­kennen.“

82 PROZENT DER ÖSTER­ REICHER SAGEN, DASS SIE SPORT GLÜCKLICH MACHT. MATHIAS BOENKE, GESCHÄFTSFÜHRER INTERSPORT


SPORT

WIR PROFITIEREN INDIREKT VON DER FUSSBALL-WM IN RUSSLAND. TOBIAS RÖSCHL, BEREICHSLEITER VERTRIEB BEI DER JAKO AG

© Fotolia, Intersport, JAKO AG, Fotolia

Wirtschaftsfaktor Fußball-WM Aufgrund der diesjährigen WM in Russland hofft die Sportartikelbranche auf gute Geschäfte rund um König Fußball. Für den deutschen Sportartikelhersteller JAKO AG kurbelt der WM-Hype das Geschäft an. „Wir profitieren indirekt von der Fußball-Weltmeisterschaft“, sagt Tobias Röschl, Bereichsleiter Vertrieb bei der JAKO AG. „Die Euphorie rund um ein großes Turnier und die stetige Medienpräsenz helfen den deutschen Fußballvereinen.“ Das 1989 gegründete Unternehmen stattet Mannschaften aus verschiedenen Sportarten mit ­Trikots, Trainingsanzügen, Hosen und Stutzen aus und zählt zu den Top Drei in Deutschland. „Als Teamsportspezialist liegt unser Fokus auf der Ausrüstung von Vereinsmannschaften“, erklärt Röschl. „Zuletzt verzeichnete der Markt ein leichtes, aber stabiles Wachstum. Auch der Ausblick ist positiv. Eine einheitliche, professionelle Ausstattung wird für Amateurvereine eben immer wichtiger.“ Der Schwerpunkt liegt dabei auf Fußball. Die JAKO AG stattet weltweit mehr als 100.000 Mannschaften in über 50 Ländern aus und beschäftigt 240 Mitarbeiter. „Wir arbeiten eng mit dem Sportfachhandel zusammen“, sagt Röschl. Das Angebot der D ­ iskonter spielt daher eine geringe Rolle. „Eine individuelle Vereinsausrüstung lässt sich nicht von der sprichwörtlichen Kleiderstange in den Einkaufswagen legen“, erläutert Röschl. „Dazu braucht es einen persönlichen Ansprechpartner im Fachhandel und einen Hersteller, der die gewünschte Linie jederzeit und langfristig liefern kann.“

Internet als Informationsquelle Neben dem stationären Handel gewinnen Onlineshops zunehmend an Bedeutung und sind wichtiger Kommunikations- und Vertriebskanal. Die großen Filialisten ebenso wie zahlreiche Hersteller offerieren daher ihre Waren auch im Netz. „Viele unserer Handelspartner haben mittlerweile erfolgreiche Onlineshops etabliert, mit denen sie überdurchschnittlich schnell wachsen und auch deshalb ein wichtiger Teil unseres Kundenstammes sind“, sagt JAKO-Vertriebs­ leiter Röschl. Auch die JAKO AG selbst setzt auf das Internet: Händler können im B2B-Onlineshop Pro­ dukte bestellen, Artikel abrufen und Marketingmaterialien herunterladen. „Wir arbeiten intensiv daran, unseren Service für den Handel und die Ansprache der Vereine im Internet in Zusammenarbeit mit dem Handel noch weiter auszubauen“, so Röschl. Auch

Tobias Röschl, Bereichsleiter Vertrieb bei der JAKO AG.

Intersport-Geschäftsführer Mathias Boenke weiß um den Stellenwert des ­Online-Business. „Die Grenzen zwischen stationärem Handel sowie Eund Mobile Commerce verschwimmen. Omnichannel heißt das Ziel, eine nahtlose Costumer Experience über alle Kanäle hinweg“, sagt er. „Der Kunde informiert sich im Internet und kommt dann mit seinen Wünschen zu uns. Die Präsentation des Sortiments in unserem E-Shop und die ­Beratung in unseren ‚Places of Sports‘ werden zu einer perfekten emotionalen Bühne für den Kunden.“ Laut WKO kaufen sieben Prozent der ­Österreicher ihre Sportartikel ausschließlich online, 41 Prozent bevorzu-

Auch für Sport­ bekleidung ­w erden Online­ shops wichtiger.

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SPORT

Hagan schafft Geräte für winterliche Erleb­ nisse in der Natur.

Franz ­S iegesleuthner, ­G eschäftsführer von Hagan Ski.

FRANZ SIEGESLEUTHNER, HAGAN SKI

gen nach wie vor stationäre Geschäfte. Vor allem bei Sportartikeln dient das Onlineangebot oft nur als ­Informationsquelle. „Skiausrüstungen sind sehr be­ra­ tungsintensive Produkte“, weiß Hagan-Ski-Geschäftsführer Franz Siegesleuthner. „Deshalb kommt dem stationären Handel nach wie vor die wichtige Funktion des Absatzmittlers zu. Wichtig ist zum einen die persönliche Beratung durch den Fachhändler vor Ort und zum anderen eine faire Preisgestaltung seitens der Hersteller und Anbieter von Ausrüstungsgegenständen, um den Skisport trotz steigender Lifttickets für den Konsumenten leistbar zu halten.“ Das Familienunternehmen aus dem oberösterreichischen Antiesenhofen hat sich auf Tourenski spezialisiert und sieht sich als die Marke für alpinistisches Skibergsteigen. „Das Geschäft mit Alpinskiern ist sehr stark durch den Verleih geprägt, man kann es daher als stagnierend betrachten. Erfreulicherweise verzeichnen wir bei Tourenski und Tourenausrüstung ein stetiges jährliches Wachstum von zehn bis 15 Prozent“, sagt Siegesleuthner. Tendenz steigend – auch 2018 geht der Trend im Skisport Richtung „Erlebnis in der Natur“. Konkurrenz im Anmarsch Dieses würden gerne auch neue Konkurrenten mitgestalten. Seit der einstige Marktführer Eybl 2013 vom britischen Diskonter Sportsdirect.com übernommen wurde, ist die Branche im Umbruch. Obwohl: Der Markteintritt des international erfolgsverwöhnten Unternehmens entpuppte sich bisher schwieriger als erwartet: Das Konzept des Diskonters ging hierzu­

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lande nicht auf – mit der Folge, dass mehrere Standorte bereits ge­ schlossen wurden. Nach wie vor ist Intersport Österreichs Sporthändler Nummer eins, Sportsdirect findet sich nur an vierter Stelle mit einem Marktanteil zwischen 13 und 15 Prozent. Was aber den norwegischen Sporthändler XXL Sports & Outdoor nicht aufhält, einen Versuch in Österreich zu starten. Und zwar ebenso wenig wie die französische Sporthandelskette Decathlon, die ab heuer auch in Österreich mit ihren günstigen Eigenmarken punkten will. Was allerdings Marktführer Intersport genauso kalt lässt wie JAKO und Hagan Ski: Sie kennen die Ansprüche ihrer Kunden genau und konnten schon bisher Trends gut antizipieren. Zudem haben sie mit der Raiff­ eisenlandesbank OÖ einen Bankpartner im Hintergrund, mit dem man auch für stürmischere Zeiten bestens gerüstet ist. ••

FAKTBOX Österreichischer Sportfachhandel Der Gesamtumsatz der Sportartikelbranche in Österreich lag 2016 bei 2,60 Milliarden Euro. ­Generiert wurde dieser Umsatz mittels Sporthandelsketten, unabhängigen Spezialisten sowie Online- und Single-Brand-Shops. Der Absatz gliedert sich in 34 Prozent für Sportbekleidung, 18,5 Prozent für Schuhe inklusive Verleih, 38,5 Prozent für Sportausrüstung und Accessoires sowie neun Prozent für anderes auf. Insgesamt gibt es in Österreich 1.750 Sporthändler-Standorte mit einer Gesamtanzahl von 10.000 Mitarbeitern. Die Jahreswertschöpfung der Sportwirtschaft liegt bei über 17 Milliarden Euro, das entspricht 5,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes Österreichs. Rund 25 Prozent der erwerbs­ fähigen Bevölkerung treiben hierzulande Sport, das entspricht etwa 1,44 Millionen Personen.

© HAGAN, HAGAN/Stefan Leitner

WIR VERZEICHNEN BEI TOURENSKI JÄHRLICH BIS ZU 15 PROZENT WACHSTUM.


MANAGERIN IM PORTRÄT – FRAUSCHER BOATS

WIE MAN VON GMUNDEN IN SEE STICHT

Andrea FrauscherOberfrank leitet das Familienunternehmen in dritter Generation.

Mit 30 Jahren wurde Andrea Frauscher-Oberfrank Geschäfts­führerin von Frauscher Boats – und erobert mit ­ihren Cousins von Gmunden aus die sieben Weltmeere.

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© Ralph Fischbacher

as Thema Mann/Frau ist in unserer Branche gegessen“, sagt Andrea Frauscher-Oberfrank, Geschäftsführerin von Frauscher Boats in Gmunden und Ohlsdorf. Und nimmt damit allen den Wind aus den ­Segeln, die glauben, der Bootsbau sei eine reine Männerdomäne. Wenn sie mit ihren Cousins, die gemeinsam mit ihr das Familienunternehmen führen, auf Messen geht, spürt sie keinerlei Vorbehalte. Auch bei der Firmenübernahme im Alter von 30 Jahren gab es nie Zweifel an ihren Fähigkeiten. Obwohl sie als kleines Mädchen ihre Zukunft traditi­ onell mit „einen Hote­lier heiraten“ beschrieb. Dieser „Berufswunsch“ scheint weit aus dem Ruder ge­ laufen zu sein. Vom Binnensee zum Weltmeer Was wohl auch daran lag, dass bei den Frauschers Familie und Unternehmen nie ganz getrennt waren. Man wohnte im Werftgebäude oder hatte die Werft zu Hause – je nach Perspektive. Wenn Andrea etwas von ihrem Vater wollte, fand sie ihn bei den Booten. Sie besuchte eine Wirtschaftsschule, machte ihre Matura, danach war sie selbstständig. Als der Vater in Pension gehen wollte, schlug ihre Stunde. Einfach machte sie sich die Nachfolge nicht, gemeinsam mit ihren Cousins baute sie das Unternehmen und dessen Angebot komplett um. Mit großem Erfolg: Das Unternehmen ist international hoch renommiert, die attraktiv designten Boote gewinnen laufend Preise. Andrea Frauscher-Oberfrank sorgt als Finanzchefin dafür, dass der wachsende Umsatz auch ergebniswirksam ist. Zudem ist sie für die Immo­ bilien des Unternehmens zuständig, wo sie von der Raiffeisenbankengruppe OÖ als Bankpartner unterstützt wird. Und auch der Hafen in Gmunden, wo Liegeplätze vermietet sowie Reparaturen und sonstige Services angeboten werden, ressortiert bei ihr. Ein traditionelles Geschäft: Seit den 50er-Jahren sind Frauschers Elektroboote die Könige der heimischen Seen. Trotzdem gehen heute 85 Prozent der Boote

in den Export. Meist sind sie in den Häfen mondäner Badeorte am Meer zu finden. „Unsere rund 50 Mitarbeiter brauchen einen starken Bezug zum Wasser, auch ein Freiheitsgefühl“, erklärt Frauscher-Oberfrank, wie man mitten in den Alpen den maritimen Geschmack trifft. Natürlich sind auch viele Frauen bei den Frauschers angestellt, „sie sind offener und können oft besser auf andere Gefühlswelten eingehen“. Andrea Frauscher-Oberfrank mag Menschen, für sie eine unabdingbare Voraussetzung, wenn man einen guten Job machen will. Und noch etwas braucht sie, um ihren Aufgaben gelassen, mit Liebe und flexibel begegnen zu können: Wenn das Wetter und der Wind passen, springt sie auf ihr Oldtimer-Boot, das der Großvater 1950 gebaut hat. Gerade an lauen Sommerabenden ist sie dann auf dem Traunsee anzutreffen und genießt den After-Work-Törn. Dann gilt auch für sie: „Schotten dicht!“ ••

DAS UNTERNEHMEN Frauscher Boats Die 1927 in Wien gegründete Firma ging im Zweiten Weltkrieg unter und wurde 1945 in Gmunden neu gegründet. In den 80er-Jahren wurde das Unternehmen zur Gruppe mit den Geschäftszweigen Hafen, Immobilien, Zube­ hörhandel und Schiffe. Pro Jahr werden mit 50 Mitarbeitern etwa 70 Boote hergestellt, der Umsatz liegt bei rund 16 Millionen Euro.

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HAI GRUPPE

Die HAI Gruppe hat ihren Hauptsitz in Ranshofen.

MIT LEICHTER HAND Das Familienunternehmen Hammerer Aluminium profitiert derzeit vom Trend zur leichten Bauweise bei Fahrzeugen. Aber auch in anderen Branchen ist das Fachwissen der Alu-Profis gefragt.

Rob van Gils: „Wir haben das Leichtbau-Potenzial früh erkannt.“

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as Umfeld für unsere Branche ist derzeit äußerst positiv“, sagt Rob van Gils, CEO der HAI Gruppe. HAI steht für Hammerer Aluminium Industries Gmbh mit dem Hauptsitz in Ranshofen, entstanden im Jahr 2007 aus den Bereichen Extrusion und Casting der AMAG. Heute ist das Familienunternehmen auf Expansionskurs: An sechs Standorten in Österreich, Deutschland und Rumänien wird produziert und entwickelt; der Umsatz liegt bei knapp einer halben Milliarde Euro. „Rückenwind gibt uns derzeit unter anderem der Wandel zur Leichtbauweise im Transportwesen“, erzählt van Gils. Das Unternehmen profitiere davon, dass in einer schwierigen Zeit in Technologien und eine generelle Neuaufstellung investiert wurde. „Wir haben früh das Potenzial des Leichtbaus erkannt.“ Die derzeitige Wachstumsphase sei das Ergebnis dieser Ausrichtung.

DIE RAIFFEISENLANDESBANK OÖ VERSTEHT EINFACH UNSER GESCHÄFT. ROB VAN GILS, CEO DER HAI GRUPPE

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© Schmitzberga, www.drohnen-luftbilder360.de

HAI GRUPPE

Die Hammerer Gruppe ruht auf drei Säulen: Bau ist jene Sparte, die seit Gründung des Unternehmens betrieben wird und ursprünglich für das rasche Wachstum sorgte. Später kamen Industrieprodukte und die Transportbranche dazu. „Diese drei Säulen sollten sich in Balance halten, um Schwankungen auszugleichen“, berichtet van Gils. Deshalb kümmern sich nicht regionale Einheiten um die Kunden, sondern auf die jeweilige Sparte spezialisierte Teams. Die Idee dahinter: nahe am Kunden dran sein, seine Bedürfnisse kennen und konkrete Problemlösungen anbieten. „Das geht nur, wenn man die jeweilige Branche wirklich kennt“, sagt Rob van Gils.

E-Mobilität braucht Aluminium Derzeit wächst der Bereich Transport am stärksten, das liegt unter anderem an der Elektromobilität. Der Aluminiumanteil am Pkw wächst, vor allem bei den Elektroautos muss auf das Gesamtgewicht der Fahrzeuge geachtet werden. Aluminium bietet aber nicht nur beim Gewicht Vorteile, sondern schafft zudem neue Möglichkeiten bei der Bauweise. Und genau in diesem Bereich hat sich Hammerer gut positioniert –

so ist das Unternehmen schon früh bei der Entwicklung neuer Modelle eingebunden. „Die Herausforderungen unserer Kunden sind eine große Chance, uns hier zu etablieren“, sagt van Gils. Auch die anderen beiden Säulen – also Bau und Industrieprodukte – entwickeln sich positiv. In allen Bereichen geht es darum, gemeinsam mit den Kunden zu agieren und auf deren Anforderungen flexibel zu reagieren.

Kompetenter Partner Enge Zusammenarbeit ist aber auch dann ein Motto, wenn es um Finanzen geht – und da hat Hammerer Aluminium mit der Raiffeisenlandesbank OÖ einen kompetenten Partner gefunden, wie Rob van Gils erzählt. „Wir arbeiten generell gerne mit regionalen Partnern zusammen. Die Raiffeisenlandesbank OÖ versteht sicherlich unser Geschäft und wird uns langfristig auf unserem Weg begleiten.“ Positiv ist ihm aufgefallen, dass die Angebote dank bester Vorbereitung stets treffsicher und wettbewerbsfähig waren; die Bank ist über eine Beteiligungsfinanzierung an Bord und stellt zudem einen Betriebsmittelkredit – sowohl bei den Konditionen als auch bei den Kreditbedingungen sei die Herangehensweise „pragmatisch und kooperativ“ gewesen. Aber das ist nicht der einzige Anknüpfungspunkt zwischen den Unternehmen – auch bei der Versicherung hat man sich für eine Tochterfirma der Raiffeisenlandesbank OÖ entschieden: Die RVM Versicherungsmakler überzeugten mit ihrem ­Sicherheitsmanagement auf Basis einer vollständigen Erfassung und

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HAI GRUPPE

Die Hammerer Gruppe ist in der Branche ­I ndustrie4.0-Vorreiter.

Industrie-4.0-Vorreiter Zurück zum Unternehmen selbst: Bestimmende Themen für die Industrie sind derzeit Automatisierung und Digitalisierung. Van Gils: „Wir sind bei Industrie 4.0 einer der Vorreiter der Branche.“ Schon früh wurde auf automatisierte Abläufe und einen optimierten „Flow“ bei der Produktion geachtet. Aber nicht alles, wo Industrie 4.0 draufsteht, muss un­bedingt umgesetzt werden, meint der Chef der HAI Gruppe: „Wir evaluieren Projekte und warten ab, was sich durchsetzt.“ Die Mitarbeiter des Familienunternehmens werden auf die neuen Industrie-4.0-Aufgaben optimal vorbereitet. Fortbildung ist aber nicht nur deswegen wichtig, sondern auch wegen der Positionierung als attraktiver Arbeitgeber in einem Bereich, in dem gute Fachkräfte begehrt sind. ••

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DAS UNTERNEHMEN Wertschöpfung & Umweltbewusstsein In der Hammerer Gruppe (HAI) wird die komplette Wertschöpfungskette rund um Aluminium abgedeckt – Schrottaufbereitung und Sortierung, Schmelzen und Veredeln, Gießen, Pressen, Umformung, Bearbeitung. Der Umsatz liegt bei rund 485 Millionen Euro, in der Gruppe werden rund 1.140 Personen beschäftigt. Automotive ist jene Sparte, in der HAI stark wächst: Das Spektrum der Produkte reicht von Zierleisten bis zu Struktur- und Fahrwerkteilen; HAI ist für alle großen Automarken in Europa tätig. Umweltverträglichkeit wird immer wichtiger und treibt den Trend zu Leichtbauweise bei Fahrzeugen. HAI setzt auf Recycling – aus Schrott hergestelltes Aluminium braucht im Vergleich zu anderen Produktions­ methoden nur fünf Prozent des Energieeinsatzes. Auch bei Ausschreibungen wird verstärkt auf den Umweltaspekt geachtet. Derzeit wird in Ranshofen eine Fotovoltaikanlage installiert.

© HAI Gruppe

Analyse der Risken schon viele Unternehmen und wurden so zum größten Industrieversicherungsmakler Oberösterreichs. Deren Tochterfirma Select betreut Hammerer Aluminium Industries mit maßgeschneiderten Lösungen seit vielen Jahren in sämtlichen Versicherungsangelegenheiten. Als Hauptgrund wird die „exzellente Beratungskompetenz“ genannt. Select hatte beispielsweise das Unternehmen bei einem Brandsachschaden ausgezeichnet vertreten und sich um die optimale Schadensregulierung gekümmert.


SEDDA POLSTERMÖBELWERKE

„TRENDSEDDA“ MIT EINGEBAUTEM AHA-EFFEKT Die langjährige Vertrauensbeziehung zum Finanzpartner Raiffeisen Oberösterreich ist bei sedda Polstermöbel die Basis für Innovationskraft. Denn schickes Design verknüpft das heimische Traditionsunternehmen schon immer mit ausgeklügelten technischen Features.

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© sedda Polstermöbel

uch Österreich kann „bellissimo“. Das ha­ben die Betten, Sofas und Wohnzimmer­­ garnituren der Firma sedda aus Wallern mit ihrem italienischen Flair hinlänglich ­be­wiesen. Was auf Möbelmessen regelmäßig für A ­ hund Oh-Rufe sorgt, ist auch das Innenleben der Eyecatcher. „Wir lieben es zu überraschen“, schmunzelt Geschäftsführer Roland Ragailler. „Darum bauen wir in unsere Möbel kleine Highlights mit Zusatznutzen ein.“ Manches davon ist so naheliegend, dass man sich fragt, warum da vorher keiner draufgekommen ist. Etwa die Aufladestation fürs Tablet oder Smartphone. „Steckdosen oder USB-­Anschlüsse sind bequem in die Armlehnen integriert“, so Ragailler. „Für Qi-fähige (Aufladung durch Induk­tion) Geräte bauen wir auch kabellose Powerstationen ein.“ Ganz schön schlau Schön, handgefertigt, aus hochwertigsten Materia­ lien, das versteht sich bei Premium-Möbeln wie jenen von sedda von selbst. „Zusätzlich müssen sie praktisch und für jeden bequem sein“, ergänzt Ragailler. Zudem braucht es Möglichkeiten zur Individualisierung. „Unsere Eigenentwicklungen basieren alle auf Kundenbedürfnissen.“ Beispielsweise die je nach Körpergröße einstellbare Sitztiefe. Oder der Umbau eines Sofas in ein Bett mit nur einem Handgriff. Natürlich darf es auch mal ein bisserl mehr sein: Wer etwa Infrarot-Tiefenwärme und gemütliches Fern­ sehen liebt, kann diese Vergnügungen auf etlichen sedda-Möbeln vereinen. Seit dem Vorjahr besitzt das Unternehmen das Europa-Patent für sein integriertes Tiefenwärmesystem. Und war damit auf der Kölner Möbelmesse einer der Favoriten des berichterstattenden ZDF-Fernsehteams.

Leben à la sedda: schick, modern und viele Extras.

Die Nase vorn hatte schon Ragaillers Schwiegervater, der Sattler und Polsterer Komm.-Rat Hans Thalermaier. Er hat das Unternehmen 1961 als Zwei-Mann-Betrieb gegründet. Mit Produkten wie dem Schalen­ sessel „Salon“ am Puls der Sixties legte er Wert auf perfekte Verarbeitung. Heute hat sedda zwei Werke in Wallern, über 200 Mitarbeiter und ist der größte heimische Lehrlingsausbildner im Bereich Polsterei. Ragaillers Ehefrau Ursula ist ebenfalls in der Geschäftsführung des Unternehmens, Sohn Johannes kümmert sich ums Marketing, Schwiegertochter Anna Maria um den Einkauf. „Ein Familienbetrieb bietet Kontinuität“, so Ragailler. „Vom Holzgestell bis zur Näherei geschehen alle Fertigungsschritte im Haus, und wir haben die gesamte Qualitätskontrolle in unserer Hand.“ Beständig ist auch die Bankbeziehung des Unternehmens: „Raiffeisen ist uns seit Jahrzehnten ein zuverlässiger Finanzpartner“, unterstreicht Ragailler. Die gegenseitige Vertrauensbasis habe zum heutigen Erfolg beigetragen. „Zum Glück sind wir stark eigenfinanziert, aber auch in der Möbelbranche hat es immer wieder ein Auf und Ab gegeben.“ Zudem erforderten all die Innovationen entsprechende Investitionen. Man schätze daher die gute Beratung, etwa zu Förderprogrammen oder klugen Geldanlagen. ••

DAS UNTERNEHMEN Die sedda Polstermöbelwerke Hans Thalermaier GmbH mit Sitz in Wallern wurde 1961 ­gegründet und steht für individuell geplante Maßanfertigungen im Premium-Segment. Das familiengeführte Unternehmen besitzt zahlreiche Patente und Auszeichnungen, etwa das Austria Gütezeichen, das INEO-Siegel als vorbildlicher Lehrbetrieb, den German Design Award 2016 sowie regelmäßige Würdigungen von Garant Austria und WOHNUNION. Der Name sedda ­leitet sich vom lateinischen Wort „sedere“ („sitzen“) ab. Schauräume in Wien und Wallern.

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FONDS-AWARD

FONDSMEISTER IN ÖSTERREICH UND DEUTSCHLAND Die KEPLER-FONDS Kapitalanlagegesellschaft wurde vom renommierten Analysehaus Scope erneut für ihre hochwertige Produktpalette ausgezeichnet. Gleich in vier Kategorien ging KEPLER als Sieger hervor.

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nabhängige Analysen bestätigen: Sowohl in Österreich als auch in Deutschland zählt die Fondstochter der Raiffeisenlandesbank OÖ auch heuer zu den führenden Vermögensverwaltern – es ist das fünfte Jahr in Folge. Die in der internationalen Finanzbranche viel beachteten Fonds-„Oscars“ wurden Ende 2017 in Berlin vergeben. Das unabhängige Analysehaus Scope Analysis kürt dabei alljährlich die besten Anbieter. KEPLER gewann gleich in vier Hauptkategorien: • Bester Asset Manager – Universalanbieter Österreich • Bester Asset Manager – Spezialanbieter Deutschland • Bester Asset Manager – Rentenfonds Österreich • Bester Asset Manager – Rentenfonds Deutschland „Für institutionelle Investoren und Privatkunden sind die Scope-Awards ein objektiver Anhaltspunkt dafür, wer von den Fondsanbietern bei der Management- und Servicequalität den Ton angibt. Es freut uns sehr, dass KEPLER am heimischen Markt und auch in Deutschland so beständig in der Spitze etabliert ist“, betonen Raiffeisenlandesbank-OÖ-General­ direktor Dr. Heinrich Schaller und die im Vorstand für die Kepler-Fonds KAG verantwortliche Generaldirektor-Stellvertreterin Mag. Michaela Keplinger-­Mitterlehner.

Andreas ­Lassner-Klein, Sprecher der Geschäfts­ führung.

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ES FREUT UNS SEHR, DASS ­KEPLER IN ÖSTERREICH UND DEUTSCHLAND BESTÄNDIG IN DER SPITZE ETABLIERT IST. HEINRICH SCHALLER, MICHAELA KEPLINGER-MITTERLEHNER

© KEPLER-FONDS

KEPLER als einzige heimische KAG seit Jahren an der Spitze „Bei unseren Kunden und Vertriebspartnern untermauern diese Erfolge die erbrachte Gesamtleistung der KAG enorm“, so KEPLER-Geschäftsführer Andreas Lassner-Klein. „Wir fokussieren uns bewusst auf klare Kernkompetenzen mit echtem Mehrwert. Dazu zählen ein defensiver Minimum-Varianz-Ansatz für Aktien, die Berücksichtigung antizyklischer Stimmungsindikatoren aus dem Bereich der Behavioral Finance und eine herausragende Anleihenstrategie, in der auch kleinvolumige Emissionen mit attraktiven Zinsaufschlägen beigemischt werden“, so Lassner-Klein. Die Kepler-Fonds Kapitalanlagegesellschaft verwaltet aktuell ein Kundenvolumen von rund 16 Milliarden Euro und zählt damit zu den größten Anbietern am heimischen Markt. ••


PRIVAT BANK

Gute Voraussetzungen: Wer ­R endite sucht, kommt auch 2018 nicht an Aktien und Fonds vorbei.

KAPITALMARKTAUSBLICK 2018 Zu Jahresbeginn stellen sich Anleger die Frage, worauf sie sich 2018 einstellen müssen. Wir werfen einen Blick auf einige jener Rahmenbedingungen, die K­ apitalmärkte beeinflussen können.

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© PRIVAT BANK

uch 2018 dürfte von anhaltend robustem Wirtschaftswachstum in den größten Volkswirtschaften der Welt geprägt sein. So präsentierte etwa die Europäische Zentralbank (EZB) einen überraschend optimis­ tischen Ausblick. Die BIP-Prognose für den Euro­ raum 2018 wurde von 1,8 auf 2,3 Prozent kräftig nach oben gesetzt. Wegen der hohen Kapazitäts­ auslastung steigern Unternehmen ihre Investitions­ tätigkeiten und erhöhen den Personalstand. Stei­ gende Beschäftigung und Löhne unterstützen den privaten Konsum und somit wiederum die Absatz­ möglichkeiten von Unternehmen. Eine derartige selbsttragende Erholung ist sehr robust und sollte einzelne mögliche Störfeuer gut verdauen können. Fahrplan der Notenbanken steht Die Europäische Zentralbank hat ihre Zinspolitik für 2018 bereits im Wesentlichen festgelegt. Die Anlei­ henkäufe werden ab Jänner auf 30 Milliarden Euro pro Monat reduziert und zumindest bis September 2018

fortgesetzt. Nach Ablauf einer Übergangsphase erwarten Volkswirte aber frühestens im ersten Quartal 2019 erste kleine Zinsschritte nach oben. In den USA hat die Notenbank Fed im vergangenen Dezember wie erwar­ tet die Leitzinsen leicht erhöht. Für 2018 rechnen die US-Währungshüter mit zwei bis drei Zinsschritten, 2019 sollten weitere folgen. Stolperstein Politik Trotz des Optimismus vieler Marktteilnehmer sollten einige Risiken nicht zur Gänze außer Acht gelassen werden. Die Stolpersteine kommen vor allem aus der Politik. So darf man zum Beispiel nicht vergessen, dass der weitere Weg Italiens nach der Wahl im März unklar ist, auch in Deutsch­ land ist die Regierung neu. Im Herbst muss der Brexit-Deal in trockenen Tüchern sein und Anfang November stehen in den USA Kongresswahlen an. Dazu werden uns Spannungen mit Nordkorea und im arabischen Raum in Atem halten. Fazit: Was bedeutet das für die Aktienmärkte? Die Rahmenbedingungen für die internationalen Aktienmärkte sind also weiterhin gut. Erfreuliche Konjunktur- und Unternehmensdaten sowie die Entscheidungen der Notenbanken werden für dementsprechenden Rückenwind sorgen. Hohe Bewertungen und politische Risiken könnten allerdings im Jahresverlauf immer wieder für Kursrücksetzer an den Bör­ sen sorgen. Hohe Gewinne in einzelnen Aktienpositionen könnten daher durchaus mitgenommen werden. Dieses Kapital sollte dafür verwendet werden, das bestehende Wertpapierportfolio noch stärker zu diversifi­ zieren. Denn eines scheint klar: Laut Analysten kommen Anleger auf Renditesuche um Aktien, Zertifikate oder Fonds auch 2018 nicht herum. Welche Regionen und Werte dabei aktuell besonders interessant sind, weiß Ihr Berater in der PRIVAT BANK. ••

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EVENTS/BUCHTIPPS

Geschichten aus einer Welt im Wandel. Globalisierung, digitale Revolution, Gentechnik, künstliche Intelligenz – man kann schnell den Überblick verlieren, mit welchem revolutionären Thema man sich zuerst beschäftigen soll. Ranga Yogeshwar spricht sogar von einer epochalen Umbruchphase, deren Bedeutung er mit der Überwindung des Mittelalters durch die Renaissance und der Erschütterung des Bürgertums durch die Moderne vergleicht – und von den Ängsten weiß, die solche rasanten Veränderungen ausmachen. Dabei ist es nur eine Frage der Betrachtung. Schließlich verändert die Technik nicht nur die Welt, sondern auch uns selbst. Also startet Yogeshwar den Selbstversuch, besucht ein Klonlabor in Südkorea, die AKW-Ruine in Fukushima oder ein Labor in den USA, wo Menschen in Stickstoff tiefgefroren werden. Als studierter Physiker und gelernter TV-Moderator versteht er es blendend, spannend zu erzählen und Zusammenhänge her­ zustellen. ••

Ranga Yogeshwar: Nächste Ausfahrt Zukunft Kiepenheuer & Witsch, 2017 ISBN: 978-3462051131

BUCHTIPP ­ Der Mensch im Mittelpunkt der Digitalisierung. Wer als Manager im Small Talk nichts falsch machen will, spricht von Digitalisierung. Die findet jeder wichtig, vor allem für die eigene Branche. Fragt man genauer nach, manifestieren sich aber schnell Unsicherheiten: Wie geht Digitalisierung eigentlich? Muss man sein Unternehmen jetzt neu erfinden? Und welche Auswirkungen hat das Ganze auf das eigene Leben? Bettina Volkers, Vorstandsmitglied der Lufthansa, und Kai Anderson, Vorstand der Promerit AG, zeigen in ihrem Buch, wie die digitale Revolution gelingen kann. Man braucht sich nur an das in Vergessenheit geratene Dogma erinnern, dass technischer Fortschritt immer dem Menschen dienen muss. Das heißt: Damit die neuen, disruptiven Geschäftsmodelle auch funktionieren, müssen die Unter­ nehmen den Schritt in die neue Arbeitswelt gemeinsam mit ihren Mitarbeitern gehen, diese vorbereiten und weiterbilden, damit alle von den neuen Möglichkeiten profitieren. Wie das in der Praxis funktioniert, erklären Vorstände und hochrangige Manager von Unternehmen wie SAP, ProSiebenSat.1, TUI, Otto Group, Strabag und vielen anderen mehr. ••

Bettina Volkens, Kai Anderson: Digital human Campus Verlag 2017 ISBN: 978-3593508351

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VERANSTALTUNGSKALENDER Hannover Messe Messegelände Hannover, Deutschland. 23. – 27. 4. 2018 Website: www.hannovermesse.de Thematik: Die Hannover Messe ist schlicht die wichtigste Industriemesse der Welt. Mehr als 5,6 Millionen Geschäftskontakte warten in den sicherlich anstrengenden vier Tagen, die ganz im Zeichen von Industrie 4.0, Automatisierung, Logistik 4.0 und Digitalisierung stehen. IE Expo China Shanghai New International Expo Centre (SNIEC), Schanghai, China. 3. – 5. 5. 2018 Website: www.ie.expo.com Thematik: Auf der asiatischen Leitmesse für Umwelttechnik dreht sich alles um die Behandlung von Wasser, Abfall, Luft und Boden. Im Vorjahr besuchten mehr als 55.000 Gäste aus über 60 Ländern die Stände der 1.637 Aussteller. Metalloobrabotka Expocentre, Moskau, Russische Föderation. 14. – 18. 5. 2018 Website: www.metobr-expo.ru Thematik: Auf der seit mehr als 30 Jahren ­etablierten Veranstaltung dreht sich alles um ­Ausrüstungen, Geräte und Werkzeuge für die ­metallverarbeitende Industrie. Beste Kontakte sind garantiert, die Messe wird vom russischen ­Industrie- und Handelsministerium unterstützt. CEBIT Messegelände Hannover, Deutschland. 11. – 15. 6. 2018 Website: www.cebit.de Thematik: Die neue CEBIT ist Europas BusinessFestival für Innovation und Digitalisierung schlechthin. Hier dreht sich alles um Begriffe wie Blockchain, Artificial Intelligence, Virtual und Augmented Reality, Smart Mobility, Drohnen sowie Influencer-Marketing. AMB Iran Shahr-e-Aftab International Exhibition, Teheran, Iran. 26. – 29. 6. 2018 Website: www.ambiran.com Thematik: Die Messe für die metallverarbeitende Industrie findet parallel zur Automation Iran statt und bietet hervorragende Kontaktchancen.

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BUCHTIPP ­


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Unser Anspruch ist es, wirtschaftlichen Erfolg ökologisch möglichst spurlos zu erreichen. Deshalb verfolgen wir schon seit Jahren ein umfassendes Nachhaltigkeitsprogramm, das uns täglich motiviert die richtigen Maßnahmen zu setzen. Als verantwortungsbewusster Arbeitgeber, mit öko-effizient nachhaltigen Produkten und fairem Wirtschaften. Mehr auf www.palfinger.ag/de/nachhaltigkeit

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