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2016/17#2 2015/16#2

TAYLOR BRAUN DER LEISE LEADER PETE STROBL DER BESSERMACHER ANDI LACHER DER PHYSIO

„In Ulm bin und bleibe ich verwurzelt“


Die perfekte Taktik für mehr Fahrfreude! #l iq ui m ol y

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TITELBILD: moodmood GESTALTUNG: Agentur HALMA

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ORANGE ZONE 2016/17 # 2

MIT MUT UND VERTRAUEN Manchmal braucht es diese Tage der Zäsur. Jubiläen gehören dazu, Jahreswechsel auch. Manchmal braucht es einfach diese monumentalen Momente, um innezuhalten, um sich zu sammeln und das Erreichte einzuordnen. Fünf Jahre ratiopharm arena – mehr als 780.000 Besucher und jedes Heimspiel in der Bundesliga ausverkauft, bei einer Siegquote von 69 Prozent. Was sich heute wie die Erfolgsgeschichte einer heißbegehrten Aktie anhört, war 2009 nicht unbedingt zu erwarten. Als die Ulmer und Neu-Ulmer Stadträte gemeinsam mit den Oberbürgermeistern den Bau der ratiopharm arena beschlossen, ging es um 28 Millionen Euro – und um die Zukunft des Ulmer Basketballs. Die Städte Ulm und Neu-Ulm bewiesen damals großen Mut und werden heute für ihr Vertrauen belohnt.

seinerzeit vielleicht mutig. Aus unserer Sicht war es die einzig richtige, konsequente und nachhaltige Entscheidung. Ganz ähnlich verhält es sich übrigens mit Thorsten Leibenaths Vertragsverlängerung bis 2019.

Diese Maxime verfolgen wir stets als Club. Sichtbar wird das häufig erst in der Rückschau. 6 Spieler, die am 14.11.2015 bei der 7. Niederlage im 9. Spiel in der Gießener Ost-Halle dabei waren, stehen bis heute im Kader. Dass Thorsten Leibenath diese Mannschaft im Juni 2016 bis ins Finale und aktuell zum besten Saisonstart der Clubgeschichte führen würde, konnten wir damals nicht vorhersehen. Dass wir unserem Coach und seinem Team vertrauten, erschien

Aus heutiger Sicht mag es mutig erscheinen, dass wir so hartnäckig daran arbeiten, den OrangeCampus realisieren zu können. Wir glauben an dieses wirklich einzigartige Leuchtturm-Projekt von dem die ganze Region Ulm/Neu-Ulm profitieren wird. Lassen Sie uns gemeinsam die nächsten Schritte gehen. Jeder Support ist willkommen. Was erforderlich ist: Mut und Vertrauen! #weareone

Wenn dieser Trainer nun in einem europäischen Spiel auf höchstem Level gegen das russische Topteam aus Krasnodar mehr als 40 von 225 Spielminuten an U22-Spieler vergibt – und die Partie trotzdem gewonnen wird – mag auch das mutig erscheinen. Letztlich ist es vor allem ein Vertrauensbeweis, der zu unserem Selbstverständnis passt. Wir sind ein Club, der jungen Spielern eine Chance gibt. Das war schon bei Per Günther und Robin Benzing so und es ist auch bei Joschka Ferner, David Krämer, Björn Rohwer usw. nicht anders.

WHAT’S INSIDE 03 EDITORIAL Inhalt 04 KLICK Arena-Jubiläum. Spitzenspiel. Doppelte Vertragsverlängerung – der Sieg über Bamberg war mehr als nur ein Spiel. 06 FASTBREAK Liebe oder Spiel, Got Nexxt, Unterm Radar, Orange Numbers, Rock&Roll, Tigerentenclub

10 FEATURE Die einzig wahre Mannequin-Challenge – oder wie aus echten Spielern 3DFiguren werden. 12 INTERVIEW Per Günther über seine Vertragsverlängerung, Titelträume und seine Verwurzelung mit Ulm. 16 STORY Teamplayer, Leisetreter, Arbeitstier – Taylor Braun ist all das. Was er nicht ist: Ein Lautsprecher.

24 INTERVIEW Assistant Coach Pete Strobl spricht über acht Profijahre in Europa, seine Ambitionen und eine Liebe, die sein Leben verändert hat. 30 STORY Von Aleppo nach Ulm oder wie für Omar Kassas auf dem Basketballfeld ein neues Leben beginnt.

34 HISTORY Andi Lacher ist seit 15 Jahren der gesundheitliche Spiritus Rector bei ratiopharm ulm. Über einen Mann, der immer mehr war als nur seine zwei Therapeuten-Hände.

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Ihr Andreas Oettel

IMPRESSUM Herausgeber OrangeZone GmbH Lessingstraße 10c 89231 Neu-Ulm info@orangezone.eu Redaktion Martin Fünkele Tel. 07 31 . 1 59 29 99 - 40 fuenkele@bbu01.com Julia Günter guenter@bbu01.com Florian Eisebitt eisebitt@bbu01.com Mitarbeiter dieser Ausgabe: Joshua Wiedmann, André Voigt Grafik HALMA GmbH & Co. KG Agentur für Werbung Pfarrer-Weiß-Weg 16 89077 Ulm, Tel. 07 31. 1 40 36 - 0 www.agentur-halma.de info@agentur-halma.de Druck CEWE-PRINT GmbH Meerweg 30-32 26133 Oldenburg www.cewe-print.de service@cewe-print.de


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KLICK

YES, WE CAN! Die Ausgangslage ist hoffnungslos. 12 Niederlagen in Serie gegen Bamberg, der letzte Sieg drei Jahre zurück – der Meister seit 26 Spielen in der easyCredit BBL ungeschlagen. David gegen Goliath eben. Dann mehren sich die positiven Anzeichen. Was als Betriebsausflug zu Teva/ratiopharm geplant ist, wird zur spontanen Vertragsverlängerungssause für Coach Thorsten Leibenath. Wenn der Chef noch zwei Jahre dranhängt, wieso sollte es dann nicht klappen mit einem Sieg gegen die große Nemesis? Außerdem: So schlecht stehen wir ja auch nicht da: 12 Siege in Serie, beste Offensivmannschaft der Liga, fünf Allstars … Da geht was!

PRE GAME!

Noch bevor der Ball in der Luft ist, überschlagen sich die Ereignisse: fünfjähriges Arena-Jubiläum, Lasershow und schon wieder eine Vertragsverlängerung: Die SWU bleibt bis 2022 an Bord. Das allein hätte schon für Entenpelle gereicht. Als Dr. Thomas Stoll dann das Mikrofon ergreift ist klar: Es kommt noch besser! Zwei-JahreMehr-Per! Unglaublich, wie sollen die folgenden 40 Minuten da drüber kommen? Kommen sie, locker.

TIPOFF

Obwohl die Wurfquoten auf beiden Seiten mau sind, ist das Spiel von Beginn an krass. So wie Tim Ohlbrecht, der so hart zum Brett geht wie noch nie. Oder Taylor Braun, der Darius Miller keine Luft zum Atmen lässt. Oder Hobbs, oder Butler oder all die anderen, die Bamberg zu 16 Ballverlusten zwingen und der besten Defensive der Liga 13 Punkte mehr einschenken, als sie im Schnitt zulässt.

POST GAME

Assistant Coach Pete Strobl vermutet auf Twitter „dass die komplette Stadt in die Arena gepresst wurde“. In Bremen fragt sich Michael Kuhlmann via Facebook „ob der Lärm aus dem TV oder direkt aus der 650 km entfernten Arena kommt“. Sicher ist: Das 108. Bundesligaheimspiel war wie alle vorangegangen ausverkauft. Es war der 94. Pflichtspielsieg in der ratiopharm arena, der in der Tabelle mit zwei Punkten gewertet wird. Und: Es war ein unvergesslicher Abend.


FOTO: Langer

VIDEOBEWEIS

bit.ly/2hIh278

Ihr habt das Spiel nicht gesehen oder kรถnnt das Ganze immer noch nicht fassen? Dann checkt den Game Report bei Telekom Basketball.


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FOTOS: Fischer, BBU, TRENDYone, Riedel, Walter, DBB, Camera4, HALMA, Schlieper

FASTBREAK

ORANGE NUMBERS

63.633

18,8 116 41:01 780.000

AND THE WINNER WAS …

USER FOLGEN DEN ULMERN IN DEN SOZIALEN NETZWERKEN FACEBOOK, TWITTER, INSTAGRAM UND YOUTUBE (STAND: 05.12.16).

FOULS PRO SPIEL BEGEHEN DIE UUULMER IN DER BBL PRO SPIEL. DAS SIND LIGAWEIT DIE WENIGSTEN.

PUNKTE HABEN DIE UUULMER AM 19.11.2016 GEGEN PHOENIX HAGEN ERZIELT. MIT EINER DIFFERENZ VON +52 LAGEN DIE UUULMER NUR 2 PUNKTE UNTER DER EIGENEN BESTLEISTUNG (+54, 03.04.13 VS. GIESSEN).

MINUTEN STANDEN DIE YOUNGSTARS JOSCHKA, TILL, BJOERN, MARCELL UND DAVID BEIM 105:101 OVERTIME-SIEG GEGEN KRASNODAR (30.11.16) AUF DEM FELD.

FANS HABEN SEIT DER ARENAÖFFNUNG AM 10.12.2011 DIE HEIMSPIELE VON RATIOPHARM ULM BESUCHT.

ODER

Dein eigenes T-shirt mit exklusivem Design, professionell gestaltet nach Deiner Idee. Und das umsonst. Wo gibt’s denn sowas? Das gab’s zum 15-jährigen Jubiläum von BBU ’01 zu gewinnen, gesponsert von unserem Kreativpartner HALMA. Die glückliche Gewinnerin war Andrea aus Senden. Wie man unschwer erkennen kann, hat HALMA mit der Umsetzung voll ins Schwarze getroffen, Andrea war sichtlich begeistert. Dass sie begeisterter Fan von ratiopharm ulm ist, sieht nun auch jeder am Motiv auf Ihrem Unikat – ein Ball, ein Korb und 3 Worte, die wir alle unterschreiben können: ULMER FOR LIFE!

Wer kennt Braydon Hobbs besser? Seine Frau Sadie oder Teamkollege Karsten Tadda? Liebe oder Spiel – was ist wichtiger? Das Prinzip ist einfach: Jede richtige Antwort zählt 3 Punkte.

8 von 9 richtigen Antworten – Sadie kennte ihren Braydon in- und auswendig. Wobei auch Karsten, der den 27-jährigen ja erst seit der gemeinsamen Zeit in Gießen (2015/16) kennt, Braydon durchschaut hat (4 richtige Antworten). Dass Sadie im Vorteil ist, hat nicht nur damit zu tun, dass sie ihren Mann eben schon deutlich länger kennt – sie hat auch die Antworten manipuliert. „Ich habe ihn davon überzeugt, Steelers-Fan zu werden“, so Sadie. Wie gut, dass Karsten nicht versucht hat, Braydon seine fantastischen No-LookPässe auszureden.

LIEBE ODER SPIEL

BRAYDON

SADIE (UND HAVEN)

KARSTEN

ERSTER JOB

Bei “Best Choice Electric”

Elektriker √

im Supermarkt

PERSÖNLICHER HELD

Larry Bird

Larry Bird √

Dad

GRÖSSTER ERFOLG

Die NCAA II Meisterschaft (2010/11)

Die Meisterschaft 2011 √

College Champion √

HEIMLICHE SCHWÄCHE

Namen zu vergessen

Dinge suchen/verlegen

Muss jeden Tag einen Mittagsschlaf machen

TEUERSTES HOBBY

Jagen/Fischen

Jagen/Fischen √

Jagen √

ROCK ODER HIPHOP

HipHop

HipHop (aber eigentlich Country) √

HipHop √

BESTER MOVE

No look pass

No look pass √

Einbeiniger Jumpshot

LIEBLINGSTEAM

Pittsburgh Steelers (American Football)

Steelers √

irgendein NFL Team

LEIBGERICHT

Barbecue Chicken

BBQ Chicken √

BBQ Chicken √

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Ich w체rde auf dem Boden bleiben. Aber nicht immer.

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SPIELEN AB 18 JAHREN


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FASTBREAK

GOT NEXXT: DENNIS SCHRÖDER… JA, ABER! Den Kritikern geht es um den Schröder, den es auf Instagram, Twitter oder Facebook zu sehen gibt. Goldene Audis, Schuhe, eigene Klamottenmarke plus Restaurant. „Guter Basketballer, ja, aber eben doch sehr abgehoben …“, lautet das (Vor-)Urteil, oft gefolgt von „der ist eben kein Nowitzki“. Nun besitzt natürlich jeder das Recht zur eigenen Meinung. Die Vermengung von Privatem und Sportlichem bei deren Bildung ist trotzdem bedenklich. Schröder ist (noch mal zur Erinnerung) erst 23 Jahre alt. Wäre er ein Bundesligafußballer in Deutschland, das Instagram-Account des Braunschweigers wäre nicht mal dem Boulevard eine Bilderstrecke wert, geschweige denn würden seine basketballerischen Fähigkeiten aufgrund von irgendwelchen Internetfotos in Frage gestellt.

Dennis Schröder. Sobald der Name des 23-Jährigen in Basketballdeutschland fällt, scheiden sich die Geister. Der Point Guard der Atlanta Hawks ist ein dribbelndes „Ja, aber …“ Fragt sich: Warum eigentlich? In der NBA leitet der Aufbauspieler heuer zum ersten Mal als Mitglied der Ersten Fünf sein Team an. Er legt Statistiken auf, die in seinem Alter in der Geschichte der besten Basketballliga der Welt bisher nur genau ein anderer Deutscher aufgelegt hat. Dessen Name? Klar, Dirk Nowitzki

(Für die Älteren: Detlef Schrempf erzielte erst mit 26 Jahren mehr als 10,0 Punkte im Schnitt). Trotzdem wird Schröder hierzulande von vielen nicht wirklich geliebt. Schuld sind nicht die 15,6 Punkte, 6,0 Assists oder 3,1 Rebounds, die er Tag für Tag in der NBA erzielt. Auch nicht, die etwas enttäuschende Dreierquote von 32,9 Prozent. Nein, die Probleme, die viele mit dem Basketballer Dennis Schröder haben, haben in der Regel nichts mit Basketball zu tun.

Solange der Basketballer Dennis Schröder hierzulande für private Dinge kritisiert wird, gilt ein leicht abgewandelter schöner Spruch aus den Sozialmedien: „So kannste schon denken, aber das ist dann halt scheiße.“ André Voigt ist Chefredakteur der FIVE, Autor & Herausgeber von „Planet Basketball“ und informiert Basketballdeutschland regelmäßig in seinem Audio-Podcast „Got Nexxt“ und auf seiner Homepage 3meter5.de über alles Wissenswerte aus der NBA, Euroleague und BBL. Seine Kolumne erscheint exklusiv für das OrangeZone.Magazin.

Willkommen im Tigerentenclub Das wird ja fast schon zur Tradition. Nachdem Per Günther Anfang 2015 gemeinsam mit dem Ex-Ulmer Philipp Schwethelm den Tigerentenclub unsicher gemacht hat, brachte er im Dezember 2016 Tim Ohlbrecht mit zur Aufzeichnung ins Studio. Wer die Erstausstrahlung der Sendung nicht verpassen möchte, notiert sich am besten den 12. Februar 2017 fett im Kalender. Ab 7.10 Uhr zeigt die ARD den Besuch des Ulmer Duos im Tigerentenclub. Eine Woche später, am 18.02. gibt’s die Folge dann im KiKa zu sehen.


ORANGE ZONE 2016/17 # 2

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UNTERM RADAR – ANNIKA HOLZSCHUH Es ist ein Sonntagnachmittag im Oktober 2016, als Annika Holzschuh beim Heimspiel der ersten Damen-Mannschaft von BBU ’01 in der Listhalle etwas nervös auf der Ulmer Teambank Platz nimmt. Schließlich steht das Nachwuchstalent mit seinen nur 14 Jahren zum allerersten Mal im Aufgebot der Damen 1. Seit Sommer trainiert die fleißige Flügelspielerin, die vor drei Jahren beim BBU ’01 Sommercamp mit dem Basketball-Virus infiziert wurde, beim Ulmer Oberliga-Team mit. Erst einmal die Woche, mittlerweile mehrfach – außer mittwochs: Weil das Training dann erst um 21.30 Uhr endet, wird es zu spät für die Neuntklässlerin, die am nächsten Morgen in die Schule muss. Bis zu 19 Jahre trennen Annika und ihre Mitspielerinnen. Doch mit der Nesthäkchen-Rolle weiß die Teenagerin bestens umzugehen. Bei den Holzschuhs ist sie das jüngste Mitglied der fünf-

köpfigen Familie. Und auch im Sichtungskader des Deutschen Basketball-Bundes, in den Annika Anfang Oktober als eine der 30 besten U16-Mädchen Deutschlands berufen wurde, gehört sie als jüngerer Jahrgang (2002) zu den Küken. Nach einigen Lehrgängen hatte die Ulmerin die Chance auf die Nominierung für die Nationalmannschaft und die U16-Europameisterschaft im Sommer. Der Sprung in den EM-Kader gehört genauso zu Annikas ehrgeizigen Zielen für das kommende Jahr wie der Aufstieg in die Regionalliga mit den bis dato ungeschlagenen Damen 1, bei denen Annika an besagtem Sonntag im Oktober einen gelungen Einstand gibt: Es dauert nur einige Spielminuten, bis Coach Chris Burrer seinen jüngsten Schützling zur Einwechslung beruft. „Da war ich schon ziemlich aufgeregt“, gesteht Annika. „Doch nachdem ich den Ball zum ersten Mal in der Hand hatte, war alles gut.“

TRAINIEREN ROCK & ROLL!

WIE DIE

PROFIS

Egal wann (zwischen 6 und 24 Uhr) – egal was (von Freihantel- bis zu Cardio-Training) – bei TRENDYone Fitness in der Ulmer Blaubeurerstraße lässt es sich wirklich trainieren wie die Profis. Und das Beste ist: Für nur 4,99 € im Monat lassen sich bei TRENDYone Fitness die guten Vorsätze für’s neue Jahr in die Tat umsetzen. Beim offiziellen Fitnesspartner von ratiopharm ulm kann es auch passieren, dass Augustine Rubit plötzlich im Studio auftaucht. Anlässlich des einjährigen Jubiläums gratulierte der Mann mit dem massivsten Bizeps im Ulmer Team dem Partner mit einer Autogrammstunde.

Weitere Infos unter: trendyone-fitness.de

Für die Viertklässler der Tannenplatz-Grundschule in Wiblingen war es der Nachmittag des Jahres. Eigentlich stand eine ganz normale Sportstunde auf dem Plan, doch statt ollen Turnmatten und sperrigen Kästen brachte „Rollstuhlbasketball macht Schule“-Trainer Werner Rieger zehn Sportrollstühle in die Halle. Und da waren ja auch noch die ratiopharm ulm Profis Da’Sean Butler und Braydon Hobbs, die in die Rolle des Sportlehrers schlüpften. Mittlerweile geht „Rollstuhlbasketball macht Schule“ schon ins dritte Jahr und besucht mit zwölf Grundschulen so viele wie noch nie zu vor. Das von OrangeZone.Cares – dem Charity-Projekt von BBU ’01 – finanzierte Angebot hat dabei noch immer dasselbe Ziel. „Wir wollen Barrieren im Kopf abbauen“, so Trainer Werner Rieger, der selbst seit einem Motorradunfall auf den Rollstuhl angewiesen ist und den Kindern auf mitreißende Art vermittelt, dass behinderte und nicht behinderte Menschen gleichermaßen Spaß am Sport haben können.


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FEATURE

DIE WAHRE MANNEQUIN-CHALLENGE Die Spieler von ratiopharm ulm werden für zehn Minuten zu Schaufensterpuppen, damit die Fans ihre Uuulmer Lieblinge nun als 3D-Figuren mit nach Hause nehmen können.

Es ist der Morgen nach dem Overtime-Heimsieg über Kuban Krasnodar, als die Spieler von ratiopharm ulm ihre müden Körper in das BBU ’01 Trainingszentrum schleppen. Wenngleich die Uuulmer schon wieder ihre Arbeitskleidung überwerfen müssen, bleibt ihnen diesmal immerhin die schweißtreibende Arbeit erspart – fast: Denn während Tim Ohlbrecht für zehn Minuten still stehen muss, sammeln sich die ersten Schweißperlen in seinem Rauschebart. „Immer, wenn ich dieses Jersey anhabe, denkt mein Körper es ist Gameday“, so der 28-Jährige, für den es wie für alle weiteren neun Profis von ratiopharm ulm eine MannequinChallenge der besonderen Art zu bewältigen gilt. Und tatsächlich hat man an diesem Dezember-Morgen in der Ulmer Trainingshalle immer wieder das Gefühl, man wäre mittendrin in einem der Internet-Trends des Jahres 2016, bei dem es schlicht darauf ankommt, eine Pose einzufrieren. Geht man an Augustine Rubit oder Chris Babb vorüber, so ist es ein bisschen, als passiere man gerade Schaufensterpuppen. Wäre da nicht ein kleines Grinsen, das sich zwischendrin nur die Wenigsten verkneifen können, wenn die Teamkollegen ihnen flapsige Kommentare zuwerfen oder der Kapitän dem Big Man noch eben die Haarsträhne zurechtrückt. Und wären da nicht die blitzenden Handscanner, welche die Körperformen


TEXT: Julia Günter FOTOS: BBU ’01, pro3D, Langer

der Athleten mit bis zu 12 Bildern pro Sekunde akribisch erfassen, um daraus originalgetreue 3D-Figuren der Ulmer Basketball-Helden erstellen zu können. Beim Scanning eines jeden Spielers entstehen von Kopf bis Fuß mehr als fünf Gigabyte an Daten, welche bei der Nachbearbeitung zu einer 3D-Ansicht des jeweiligen Korbjägers zusammengefügt werden. Kein Wunder also, dass die Adaption der Daten am Computer der aufwändigste Schritt auf dem Weg zur 3D-Figur ist. „Wir sind eine Art digitaler Steinmetze“, erklärt Levente Posset, der mit seiner Firma EngGraph Solutions sowohl für das Scanning als auch für die Modellierung und Nachbearbeitung der Details am Rechner zuständig ist. Danach wandern die fertigen Daten an pro3D. Der neue Supporter von BBU ’01 aus Ravensburg ist mit seinen hochmodernen 3D-Druckern ab sofort auch dafür zuständig, dass die Fans von ratiopharm ulm ihre Lieblingsspieler mit nach Hause nehmen können. Im Maßstab 1:11 – Per Günther ist so zum Beispiel 16,7 Zentimeter groß – entsteht in einem der schnellsten 3D-Drucker der Welt aus einem weißen Pulver – sogenanntem „Polymergips“ – das Team von ratiopharm ulm. „Die ganze Mannschaft passt auf einmal in den Bauraum des Druckers“, verrät Maike Hafen von pro3D, dessen Firma von der Designer-Klobrille bis zum Trio aus Wladimir Putin, Donald Trump und Kim Jong-un schon alles im 3D-Drucker produziert hat. „Den Drucker interessiert nicht, was er druckt, der macht alles.“ Bei diesem Motto kommt Tim Ohlbrecht ins Grübeln: „Ich im Trikot auf einem Rentier, das wäre was für meinen Schwiegervater zu Weihnachten …“. Als Präsent sind die Uuulmer Figuren jedenfalls bestens geeignet. Genauso wie zum Sammeln: Denn wann hat man schon mal die Gelegenheit, sich seine persönliche-Wunsch Starting Five ins Wohnzimmer zu stellen?

JETZT IM FANSHOP! Die 3D-Figuren der Spieler von ratiopharm ulm im Maßstab 1:11 sind ab sofort unter shop.bbu01.com für jeweils 99,95 Euro erhältlich.

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INTERVIEW

„In Ulm habe ich mein Glück gefunden“ Am Tag nach seiner Vertragsverlängerung, die ein Günther-Jahrzehnt in Ulm besiegelt, trifft OrangeZone.Magazin den Franchise Player von ratiopharm ulm, dem die Entscheidung pro Ulm noch nie so leicht gefallen ist. Ein Gespräch über Glück, kompromisslose Titelträume, den treuen Charakter des Ulmer Kapitäns, seine tiefe Verwurzelung mit der Stadt und ein Blick über die Basketball-Rente hinaus.

„Entweder ich gewinne das Ding in orange – oder ich gewinne das Ding nie.“

Per, in Portraits über dich liest man, dass du in Ulm dein Glück gefunden hast. Kannst du das so unterschreiben? Per Günther: Auf jeden Fall. Ich habe hier schon etwas sehr Besonderes gefunden, was nicht alltäglich ist und was mich erfüllt und mir in meiner täglichen Arbeit sehr viel Spaß macht. Das passt schon alles ganz gut zusammen momentan. Wie lautet denn deine Definition von Glück? Es geht ganz grundsätzlich erstmal darum, dass alle gesund sind. Wenn das nicht der Fall ist, wird es schwierig, irgendwas zu genießen im Leben. Da bringt dir auch der tollste Job oder die schönste Frau nichts. Und obwohl alle gesund sind ist es sicher nicht so, dass ich jeden Tag den geilsten Tag habe, aber ich habe hier meine Aufgabe, in der ich mich verwirklichen kann und ich fühle mich verwurzelt mit der Stadt. Zum Glück gehören Freunde, dass du einen Partner hast, mit dem alles einfacher ist. Ich bin ein Typ, dem Planungssicherheit ungemein hilft. Dass ich jetzt schon für zwei weitere Jahre unterschrieben habe, gibt mir Sicherheit. Punkt. Welche Faktoren machen Ulm zu deiner perfekten Komfortzone? Hier herrscht eine gute Balance – auf der einen Seite gibt es die sportliche Herausforderung und es gibt meine Vorgesetzten, die immer weiter wollen. Auf der anderen Seite habe ich zum Coach, aber auch zu Thomas und Andi ein so gutes Verhältnis, was die Arbeit einfach angenehm macht. Natürlich geht es irgendwann darum, mal etwas zu gewinnen, aber für mich ist es mittlerweile so: Entweder ich gewinne das Ding im orangen Trikot – oder ich gewinne das Ding nie. Und dann ist es halt so. Ich kann mit beiden Szenarien leben.

„Ich bin in Ulm verwurzelt“

Du könntest deine Karriere also auch ohne Titel guten Herzens beenden? Dirk hat den Titel mit 33 Jahren gewonnen, als eigentlich schon keiner mehr damit gerechnet hat. Ich weiß, dass die Meisterschaft für seine Wahrnehmung in den USA einen großen Unterschied gemacht hat, für mich hätte es sie aber nicht gebraucht, um seine sportliche Karriere zu validieren. Es kann in Deutschland gut sein, dass in den nächsten zehn Jahren nur zwei Teams um den Titel kämpfen. Wenn man daraus schließt, dass man nur eine tolle Karriere hat, wenn man bei einem von diesen beiden Vereinen gespielt hat, dann ist das ein System, was für mich keinen Sinn macht. In diesem Zusammenhang hast du mal den sperrigen Begriff „Prokrastination der Zufriedenheit“ fallen lassen. Was meinst du damit? Worum es mir ging, sind die verschiedenen Modelle im Leben. Es gibt Leute, die ihr ganzes Leben schuften und erst mit 50, 60 beginnen, das Leben zu genießen.


INTERVIEW: Julia Günter FOTOS: moodmood, Achberger, Duda, Worsch, Langer, Pressefoto Ulmer

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Dann gibt es eben die anderen Leute, die keinen Euro zur Seite tun, sondern lieber in den Urlaub fahren und das alltägliche Leben genießen. Nur Basketball macht für mich keinen Sinn. Also während der Saison kein Privatleben, kein Golf, keine Freunde, keine Abende, an denen ich mal einen Rotwein trinke. Zehn Monate in einen Tunnel zu gehen, funktioniert für mich nicht, weil mich das alleine nicht ausfüllt. Ich beschäftige mich so viel mit Basketball, dass ohne einen Ausgleich mein Spiel darunter leiden würde, weil ich nicht glücklich wäre. Da muss einfach jeder für sich erkennen, was er braucht. Ich bin jemand, der in der Lage sein muss, seinen Alltag genießen zu können. Deswegen achte ich immer darauf, dass ich das beschütze.

„Ich habe in diesem Club so viel Wandel, Aufregung und Abenteuer mitgemacht.“

Und dann wäre es dir eben auch nicht wert, zehn Monate durch den Tunnel zu gehen, um am Ende Meister zu werden. Ja, das war damals mein Punkt. Ich spreche aber auch mit Jungs, die genau darauf total Bock haben. In Bamberg bist du die ganze Zeit im Flieger, spielst dreimal die Woche, reist von einem Highlight-Spiel zum nächsten – das ist für die einen vielleicht zu viel, manche Jungs sagen aber: „Das ist mein Traum. Ich habe keine Zeit für was anderes, aber es ist eben das, was ich liebe.“ Das muss jeder für sich entscheiden und ich weiß eben mittlerweile recht genau, was mir Spaß macht. Und deswegen bist du auch schon im August proaktiv auf Dr. Thomas Stoll zugegangen. Kam das Signal zur Verlängerung zum ersten Mal so eindeutig aus deiner Richtung? Ja, das war zum ersten Mal der Fall. Wenn ich das ganze Jahr wüsste, ich will unterschreiben und ich breche mir im April mein Bein, stehe ich am Ende noch ohne Verein da. Da geht es vor allem um Sicherheit – für beide Seiten. Der Verein muss in der Transferphase nicht mit irgendwelchen anderen Clubs konkurrieren und ich weiß eben frühzeitig über meine Zukunft Bescheid, konnte mir so jetzt eine Wohnung kaufen, kann meiner Frau sagen, du kannst deine Sachen auspacken. Wie überrascht waren die Chefs, dass du so früh von selbst ankamst? Ich glaube schon, dass sie überrascht waren und sich überlegt haben, ob der Günther fit ist oder was zu verbergen hat. Nach ein, zwei Gesprächen war dann aber schon ziemlich klar, was beide Seiten möchten.

„Ich muss in der Lage sein, meinen Alltag zu genießen.“


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Du stehst damit vor deiner zehnten und elften Saison in Ulm. Hättest du dir jemals träumen lassen, über ein Jahrzehnt Basketball für ein und denselben Club zu spielen? (lacht) Eigentlich nicht. Aber das hat wohl mit meinem Charakter zu tun – Leute, die mich psychologisch analysieren würden, wären vielleicht weniger überrascht darüber. Ich bin mit Leonie zusammen seit ich 14 bin. Da passt es dann auch, dass ich gleich für meinen ersten Club über zehn Jahre spiele. Ich habe das ja auch schon oft erzählt – für mich ist Ulm nicht mehr der Verein, zu dem ich mal gewechselt bin. Ich habe innerhalb dieses Clubs so viel Wandel, Aufregung und Abenteuer erlebt, sodass Ulm mittlerweile meilenweit davon entfernt ist, wo es in meinen ersten paar Jahren war. Rückt mit deinem Bekenntnis bis 2019 auch die Basketball-Rente an der Donau näher? Auf jeden Fall. Wenn ich mit 25 oder 28 nicht wechsle, wird es für mich ein Stück weit unrealistisch, dass ich mit 31 dann sage: „So, jetzt will ich nochmal was anderes sehen.“ Für mich wäre es eine tolle Vorstellung, meine komplette Karriere hier gespielt zu haben.

„Es ist eine tolle Vorstellung, meine komplette Karriere hier gespielt zu haben.“ Du bist ein reisefreudiger Typ. Wirst du dein Bekenntnis zu Ulm irgendwann bereuen? Davor bist du nie gefeit. Andere Sprachen, Kulturen und Menschen kennenzulernen ist nie falsch und bereichert einen menschlich sehr. Es war ja auch nie eine Entscheidung 100 zu null, es war auch mal knapp – gerade um mal für ein Jahr was anderes zu sehen. Es ist schwierig, die beiden Alternativen gegeneinander aufzuwiegen. Beides kann dir viel geben, auch wenn es schwer fällt, das, was du seit Jahren kennst, wertzuschätzen. Dass es sportlich so gut läuft, dass du so viel spielst, dass du so viel zeigen kannst – das ist nach all den Jahren normal geworden. Keiner würde jetzt noch schreiben, dass Per eine Wahnsinns-Saison spielt, sondern Per macht halt das, was er jedes Jahr macht. Das fühlt sich so normal an, ist es aber einfach nicht. Es ist immer wieder aufs Neue was Besonderes, dass ich wieder so viel spielen darf und mich hier so wohl fühle. Es ist zur Tradition geworden, dass du Vertragsverlängerungen vor besonderen Spielen bekannt gibst. Wie fühlt sich das an? Dem Verein ist es natürlich wichtig, die Vertragsverlängerung aufmerksamkeitswirksam zu nutzen. Also macht man das nicht mit einer Pressemitteilung an einem Mittwochabend, sondern wartet auf die passende Gelegenheit und da kam das Bamberg-Spiel gerade recht. Für mich ist es auf diese Art schön, weil ich ein direktes Feedback bekomme. Wenn jetzt in der PM steht, dass Per für zwei Jahre unterschreibt, dann kommen dazu vielleicht 70 Kommentare. Wenn ich es aber in der Halle bekanntgebe und die Leute abfeiern, dann ist das für mich was Besonderes.

Ist auch dein persönlich dritter Sieg über Bamberg noch etwas Besonderes? (zögert) Es gibt dieses Jahr einige Anomalien in der Liga – wir haben noch nicht verloren, Bayreuth hatte zehn Siege am Stück. Berlin haben wir gespielt, als sie so viele Probleme hatten, Oldenburg kam, als es für sie noch nicht lief. Deswegen hatten wir vor Bamberg noch keinen so richtigen Gradmesser dieses Jahr. Es war für uns einfach wichtig zu sehen, was passiert, wenn wir gegen Bamberg spielen, das sicher nicht sein bestes Spiel gemacht hat. Nichtsdestotrotz sind wir vielleicht näher dran als letztes Jahr. Wenn Bamberg seinen besten Basketball spielt, sind wir weit entfernt von ihrem Level. Aber wenn sie dieses allerhöchste Niveau mal nicht erreichen, dann können wir mithalten. Und das ist eine wichtige Erkenntnis. Defensiv hat es zu Beginn noch etwas gehapert, ihr habt die Spiele im Angriff gewonnen. Bamberg habt ihr aber mit eurer starken Verteidigung besiegt. Wie konserviert ihr dieses Level bis in den Juni? Wenn wir in den Playoffs der letzten Jahre besser gespielt haben, dann immer weil wir auf der defensiven Seite stärker geworden sind. Dass wir jetzt schon defensiv einen Schritt nach vorne gemacht haben, hat mit unserem Personal zu tun und damit, dass wir nicht bei null angefangen haben. Geht es für dich persönlich überhaupt noch besser als vergangene Saison? Die Frage ist immer, was „besser“ heißt. Wahrscheinlich hätte ich auch dieses Jahr einen größeren Output, wenn ich nicht in einer so stabilen Mannschaft spielen würde – ich muss dieses Jahr nicht besonders viel machen (lacht). Ich score weniger als letztes Jahr und wir haben trotzdem die beste Offense. Und deswegen ist jetzt der Punkt, „besser“ anders zu definieren. Dass du noch weniger Fehler machst, dass du noch effizienter bist und hochprozentiger triffst oder gerade zum Ende eines Spiels noch mehr Kontrolle und Sicherheit hast. Da gibt es für mich jetzt andere Maßstäbe.

„Wir können mithalten – das ist eine wichtige Erkenntnis.“ Du bist nicht nur Basketballer – sondern auch Student und seit Sommer Ehemann. Schaffst du es, all diesen Rollen gerecht zu werden? Normalerweise ist das alles kein Problem, weil die Prioritäten klar verteilt sind. Ich bin ja nicht Student und Sportler, sondern ich bin vor allem Sportler und irgendwo am Ende auch noch Student. Da gehört es eben dazu, dass ich das Lernen auf den Bus und den Flieger verlagere. Die zwei, drei Sachen bekomme ich gerade noch so unter einen Hut, aber wenn dann noch unerwartete Dinge wie ein Umzug dazukommen, wird es manchmal stressig. Aber das ist zum Glück nur selten der Fall.


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n g i , n e u l n i d l n n a o ( h h p c o u h B s r n e a d F d m n i u t ) z t 9 e J .7 r t S e u e N ( i t ffi a r t U W S i e b s o w ie . ) 8 e s s a g s u a h h u h c S ( m a r t Ja s


„Im Training kann ich auf Autopilot stellen.“ Wie kriegst du es in diesen seltenen Fällen trotzdem hin, im Training voll bei der Sache zu sein? Gerade wenn mir so viele Dinge im Kopf herumschwirren, ist Training eigentlich ganz einfach, da kann ich auf Autopilot stellen. Da geht es dann um Werfen, um Passen, um Dinge, die du kennst. Danach gehst du ausgepowert nach Hause und hast den Kopf wieder frei für andere Sachen. ... wie zum Beispiel für dein Studium. Was dürfen wir uns unter Wirtschaftspsychologie eigentlich vorstellen? Wenn ich das wüsste … (lacht) Ich habe ja schon mal Wirtschaftswissenschaften an der Uni Ulm studiert, aber das war mir einfach zu öde. Psychologie interessiert mich dagegen und der Studiengang kombiniert eben ein Grundstudium in Psychologie mit einem grundsätzlichen Wirtschaftsstudium. Und dadurch bekommt es so eine geisteswissenschaftliche Komponente, die mir manchmal sogar Spaß macht. Inwiefern hilft dir das im Sport? Es geht ja viel um Menschenführung, um Gruppendynamiken, wie man gut zusammen arbeitet, um Kommunikation. Dadurch verstehst du schon eher, warum einer durch die Decke geht, frustriert ist oder warum der Coach so mit dir redet. So kannst du manche Sachen besser einordnen und auch entspannter sehen.

„Mit 25, 26 hätte ich nicht gedacht, dass ich hier jetzt so fit sitze.“ Könnte aus dem Spielmacher in einigen Jahren tatsächlich ein Wirtschaftspsychologe werden? Und was würde der machen? Man könnte so ziemlich überall arbeiten. Natürlich im Marketing, im Personalbereich, Leute beraten. Aber die Idee hinter dem Studium war ja gerade, dass es dich nicht festlegt, sondern dir eine breite Basis gibt, von wo ich mich mit einem Master spezialisieren kann. Wenn ich irgendwann mal in einem Vorstellungsgespräch sitzen sollte, dann muss ich nicht sagen, dass ich 2007 mein Abitur gemacht habe, sondern kann auf meine intrinsische Motivation verweisen, ein Studium absolviert zu haben.

Du gehst in Ulm in deine 30er Jahre. Denkst du manchmal schon an nach dem Basketball? Klar beschäftige ich mich damit. Es gab gerade mit 25, 26 Jahren Phasen, in denen ich nicht gedacht hätte, dass ich hier jetzt so fit sitze, in denen ich auch gedacht habe, dass es vielleicht schon vor 30 vorbei ist. Als kleiner Spieler, wenn du von deiner Schnelligkeit lebst, kann der Verfall schnell und heftig sein. Das muss dann nicht sein, dass man durch die Gegend gurkt und das Maskottchen von hinten schreit: „Bringt den alten Günther nochmal für zwei, drei Minuten!“ Von daher beschäftigt man sich natürlich schon damit, welche Interessen man hat und wie man diese im Notfall monetarisieren könnte. Aber momentan ist das alles noch vage, weil ich nicht das Gefühl habe, dass es akut wird. Ihr seid kürzlich in eine neue, größere Wohnung gezogen – weil die Familie Günther Platz braucht? Wir brauchen jetzt eher eine Menge neuer Möbel, um den Platz zu füllen. … oder ihr müsst den Platz anders füllen … (grinst) Da kommt man ja gar nicht drum rum mit der Mannschaft dieses Jahr. Ich sitze mit Tadda und Ohlbrecht zusammen – und man unterhält sich über Windeln und Co. Ich saß mit den beiden Schurken eben auch schon mit 16 in der Nationalmannschaft zusammen, da haben wir uns noch über ganz andere Sachen unterhalten …


Das schreckt also nicht ab? Nein, im Gegenteil, da sind ja überhaupt keine Plagen dabei, eines süßer als das andere: Von Dae die Kids, die Kleine von Braydon, die immer gut drauf ist, alle vier von Strobls, alle sehr wohl erzogen. Also ja, ich wäre sehr glücklich, wenn wir ein Zimmer blau oder rosa streichen müssten.

„Um die Familienplanung kommst du mit dieser Mannschaft gar nicht drum rum“

Ein Zeichen? Ja – ich bin entsprechend auch nur 30 gefahren, war froh, dass ich an dem Tag nicht gespielt habe (Anm. d. Red.: Coach Leibenath gönnte Per just an diesem Tag im Eurocup eine Pause) und bin früh ins Bett, sodass nichts mehr passieren konnte. Dann ist mir in den Tagen auch noch jemand ins Auto reingefahren. Aber die Zeiten liegen zum Glück hinter uns. Jetzt ist alles gut.

Nach so viel Glück wollen wir zum Abschluss noch über Pech reden. Wann bist du zum letzten Mal Aufzug gefahren? (grinst) Ich bin direkt wieder gefahren, so „face to fear“ mäßig habe ich meine Ängste direkt überwunden. Aber das waren tatsächlich zwei sehr interessante Tage. Wir sind umgezogen, waren den ersten Abend hier in dem Komplex, ich hatte ein paar Leute da – unter anderem Jesus und David Krämer –, die mir bis 22 Uhr geholfen haben. Als wir nach Hause wollten, ist der Fahrstuhl stecken geblieben. Die erste halbe Stunde war es noch witzig, nach einer Stunde war der Monteur da, der hat die Tür aber genauso wenig wie die Feuerwehr aufbekommen. Erst gegen halb vier morgens waren wir da raus. Dann war ich am nächsten Tag in der alten Wohnung und bin da auch im Aufzug stecken geblieben – zum Glück nur für eine Stunde. Ich bin ja eigentlich nicht so drauf, dass mir irgendwelche metaphysischen Konzepte Angst einjagen, aber da bin ich schon ins Grübeln gekommen. In 28 Jahren ist mir das nie passiert und jetzt innerhalb von zwölf Stunden in zwei verschiedenen Aufzügen. Da war ich schon ein bisschen perplex.

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STORY

OHNE WORTE Taylor Braun ist kein Lautsprecher. Weder auf dem Parkett, noch abseits davon. Der 25-jährige Amerikaner ist ein Teamplayer, der seinen Job mit stoischer Hartnäckigkeit erledigt. Darüber reden möchte er jedoch nicht.

TAYLoR BRAUN

#24 Es ist Ende Oktober. Taylor Braun ist zu Gast im Radio7 Studio. Wie vor jedem Heimspiel von ratiopharm ulm zeichnet Moderator Dominic Gebauer hier die OrangeZone.Radioshow auf. 20 Minuten nachdem Braun das Studio in der Ulmer Ost-Stadt betreten hat, erlischt die rote „on air“ Lampe im schallgeschützten Aufnahmebereich. Der Talk ist aufgezeichnet. Moderator Gebauer speichert die Datei und sagt: „Wow, das ging aber schnell.“ Ihm gegenüber sitzt Taylor Braun. Petrolfarbener Hoody, Sweatpants und ein fettes Grinsen im Gesicht. „Yeah, I’m a man without words“, sagt der Mann, der in seinem zweiten Vertragsjahr für ratiopharm ulm steht und dem Interviews gar nicht kurz genug sein können.

Hatte der 25-Jährige in seinem ersten Jahr zunächst mit einer langwierigen Rücken- dann mit einer Ellenbogenverletzung zu kämpfen, spielt er jetzt schmerzfrei. „Er ist ein tougher Typ, der auch in der Verteidigung seinen Mann steht. Offensiv ist er ein Spieler, der sehr genau zuhört und sich ständig verbessern will“, beschreibt Assistant Coach Jesus Ramirez die Ulmer #24. Wenngleich sich die statistischen Werte Brauns aus diesem und dem letzten Jahr fast gleichen, hat sich eine Kennziffer deutlich verändert. Der Plus/Minus-Wert. Mit dieser sperrigen Formel wird die Einsatzzeit eines Spielers mit

der durchschnittlichen Punktedifferenz einer Partie ins Verhältnis gesetzt. Bei Braun steht hinter dem Plus/Minus-Wert eine 9,9 – was so viel bedeutet wie: Wenn Braun auf dem Feld ist, macht sein Team 9,9 Punkten mehr als der Gegner*. Damit gehört er zu den drei besten Small Forwards der easyCredit BBL. In der vergangen Saison kam Braun auf einen Plus/Minus-Wert von 0,8. Obwohl Braun pro Partie „nur“ 7,3 Punkte erzielt, stehen in Ulm lediglich Chris Babb, Da’Sean Butler und Per Günther länger auf dem Parkett. „Wenn ich die Bedeutung eines Spielers nur an seinen Punkten bemessen würde, wäre Taylor nicht einer meiner wichtigsten Jungs. Er hat einen so großen Wert für die Mannschaft, weil er hart arbeitet und die Gegner mit seiner kompromisslosen Verteidigung nervt“, so Head Coach Thorsten Leibenath über seinen derzeit besten Defensiv-Stopper. Braun spielt in seiner zweiten Saison auch deshalb deutlich besser, „weil er sich davon freigemacht hat zu glauben, Punkte hätten etwas mit seiner Einsatzzeit zu tun“, so Leibenath. „Dieses Jahr sehen wir, was er wirklich kann“, sagt Da’Sean Butler. Der Teamoldie verbringt viel Zeit mit Braun und weiß, warum es bei seinem Teamkollegen aktuell so gut läuft. „Du siehst den größten Unterschied in seiner Einstellung. Als er letztes Jahr ständig verletzt war, ging es ihm nicht


TEXT: Martin Fünkele FOTOS: Merli, Fischer, privat

ORANGE ZONE 2016/17 # 2

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Weil Braun nervt, ist er so wertvoll

gut – so wie eben jedem Spieler, der nicht das tun kann, was er liebt.“ Was sich indes nicht geändert hat, ist Brauns Einsilbigkeit. Leibenath beschreibt ihn auch als „stur, manchmal starrsinnig“. „A man without words“ ein Mann ohne Worte also – diese Erfahrung machte nicht nur Radio7Moderator Dominik Gebauer. „Dass er so wenig spricht, macht uns wahnsinnig“, erklärt seine Mutter Kris. Vater Wayne ergänzt: „Es passiert häufig, dass wir ihm eine Textnachricht schicken und er mehrere Tage nicht antwortet.“ Als Taylors Familie zu Saisonbeginn einige Wochen in Ulm zu Besuch war, wollten sie mehr über ihren Sohn erfahren und fragte auch bei Assistant Coach Ramirez nach. „Sie wollten wissen, ob er uns gegenüber auch so wenig über sich erzählt“, so Ramirez. „Als ich ihnen sagte, ich wüsste auch nicht besonders viel

* Statistiken Stand 12. Dezember 2016 (13. Spieltag).


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STORY

TAYLOR IM O-TON

Wer Taylor Braun im Original hören will, dem sei die OrangeZone.Radioshow empfohlen.

http://bit.ly/ 2hJKUMg

„Dass er so wenig spricht, macht mich wahnsinnig“, sagt seine Mutter über Taylor, waren sie beruhigt“, erzählt der Spanier. „Taylor ist ein sehr sozialer Typ, der aber einfach ungerne über sich selbst spricht“, erklärt sein Vater Wayne. Aber die Brauns kennen ihren Sohn auch nicht anders. Als Taylor im Alter von zehn Jahren beschließt, statt Football Basketball zu spielen, erfahren sie davon zunächst nichts. Erst als dem Vater auffällt, dass aus einem Jungen, „der anfänglich kaum dribbeln konnte“ einer wurde, der „auf einmal 20 Punkte in einem Spiel macht, wurde mir klar, dass Taylor Talent hat“, erinnert sich Wayne Braun. Taylor wächst in Newberg im US-Bundesstaat Oregon auf. Die Kleinstadt liegt 30 Meilen von Oregons größter Metropole Portland entfernt. Der Bundesstaat ist für seine Liberalität bekannt – Punkbands wie „Dead Moon“ aber auch „Nirvana“ haben hier ihre Wurzeln. Auch bei den Brauns spürt man diese Freizügigkeit. Als zweitjüngstes Familienmitglied ist Taylor früh auf sich alleine gestellt. Seine vier Schwestern Mallory, Kalie, Allison und Alexandra sind älter, der Bruder Nicholas deutlich jünger. Mit Sport hat in der Familie niemand etwas am Hut.

Opa Mike Schroeder (mit Ball) war Taylors Vorbild.

Außerdem findet sich ein Interview mit Taylor in der 1. Ausgabe des OrangeZone.Magazins aus der Saison 2015/16.

Nur Opa Mike Schroeder stellte zu seiner Zeit mehrere Leichtathletik-Rekorde auf und spielte wie der Enkel Ball. Als der junge Taylor sein Talent für Basketball entdeckte, trat er nicht nur das Erbe seines Großvaters an – „dem er wie ein Zwilling ähnelt“ (Kris Braun) – er fand gleichzeitig auch ein neues Zuhause. „Wenn es nach Taylor gegangen wäre, hätte er in der Halle übernachtet“, sagt sein Vater. „Taylor ist ein Teamplayer. Er liebt es, mit seinen Teamkollegen zusammen zu sein. Allein das war ein Grund für ihn, möglichst lange in der Halle zu sein“, so Wayne Braun.

„Er ist einfach kein IchIch-Typ“, sagt Wayne Braun Der Traum vom College-Stipendium scheint trotzdem lange unrealistisch. Trotz guter Leistungen für die Newberg High School – die er immerhin bis ins Viertelfinale der Landesmeisterschaft führte – interessieren sich nur Division II Colleges, also Schulen aus der zweiten Liga, für den Spätentwickler. Als die „North Dakota State Bisons“ Braun im Frühjahr 2010 doch noch rekrutieren, hat das kleine Basketball-Programm bis dato lediglich eine Partie im NCAA Tournament bestritten. Auf der großen Bühne, wo in der „March Madness“ 64 Colleges um den nationalen Titel kämpfen, hatten die Bisons noch nie gewonnen. Doch Braun kann es sich nicht leisten, wählerisch zu sein: er ist froh, überhaupt an einem College unter gekommen zu sein. Als Braun die Uni und das kleine Städtchen Fargo in North Dakota 2014 verlässt, nimmt er nicht nur die Auszeichnung „Summit League Player of the Year“ mit, sondern auch den ersten Tournament-Sieg der Bisons Geschichte. Das Interesse an Braun bleibt dennoch überschaubar. Trotz einer NBA Summer League Einladung der Orlando Magic, ist der zurückhaltende Braun schwer zu vermitteln. Wie schon der Weg ans College gestaltet sich auch der Start der Profi-Karriere als schwierig. „Er mag einfach das Rampenlicht nicht. Er ist einfach kein Ich-Ich-Typ“, liefert Vater Wayne eine Erklärung, warum sein Sohn seinen ersten Profivertrag schließlich


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Claudia Semle Reha-Trainerin

Sebastian Sieghart Athletiktrainer

Andreas Lacher Physiotherapeut

Als Partner des Sports betreuen unsere Mannschaftsärzte und Therapeuten die Ulmer Profi-Basketballer. Wir wünschen unseren Jungs weiterhin viel Erfolg in der Saison. RKU - Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm Oberer Eselsberg 45 I 89081 Ulm I Tel.: (0731) 177-0 I www.rku.de


Reifeprozess im dritten Profijahr

in Belgien unterschreibt. Als Taylor Braun im Sommer 2015 in Ulm ankommt, erlebt er alles andere als einen Traumstart. Das erste Mal in seiner Karriere überschattet eine Serie von Verletzungen sein Spiel – und seine Laune. Zunächst verpasst Braun wegen einer Knöchelverletzung die Hälfte der Vorbereitung; dann folgen Rückenprobleme und schließlich chronische Schmerzen im rechten Ellenbogen. Als er sich bei einem Trainingsunfall auch noch eine offene Wunde an der Hand zuzieht, scheint die Saison 2015/16 für Braun gelaufen zu sein. Doch der Small Forward beißt die Zähne zusammen, ignoriert das Taubheitsgefühl im Wurfarm und wird für seine Hartnäckigkeit mit der Vizemeisterschaft belohnt. Braun ist in den Playoffs 2016 einer der „glorreichen Sieben“, die von Platz 7 in der Hauptrunde bis ins Finale pflügen. „Als er sich entschieden hatte, die Operation am Ellenbogen in den Sommer zu verschieben, hast du von ihm nie eine Beschwerde gehört. Er hat den Schmerz ignoriert und seine Verletzung nie als Ausrede verwendet“, erinnert sich Da’Sean Butler an die Zeit, als ein von Verletzungen gebeutelter Ulmer Kader allen Widrigkeiten trotzte. Mit 25 Jahren ist der 2,01 Meter große Braun immer noch am Anfang seiner Karriere. Sein drittes Profijahr kommt dennoch einem Reifeprozess gleich. „Er weiß jetzt besser, was ich erwarte und wie er der Mannschaft helfen kann“, erklärt Thorsten Leibenath Brauns vielfältiges Spiel. Mal reboundet (7) er und verteilt die Bälle (4) wie beim Auswärtssieg in Frankfurt, mal punktet er (17) und trifft seine Dreier hochprozentig (3/3) – wie beim Erfolg in der Gießener Osthalle. Mal macht er alles zusammen, wie im Spiel gegen Ludwigsburg, als er seinen 12 Punkten eine 83-prozentige Trefferquote zugrunde legt,

4 Rebounds holt und zwei Bälle klaut. „Er ist einer dieser Jungs, die einfach alles tun, was das Team braucht“, beschreibt Butler den Allrounder. Als beim Eurocup-Heimspiel gegen Valencia die Ulmer Offensive nicht auf Touren kommt und insgesamt nur 60 Punkte aufs Tableau bringt, fasst Braun sich ein Herz und zeigt mit spektakulären Dribblings sein offensives Potential. 16 Punkte stehen am Ende der Partie hinter seinem Namen. Für Leibenath keine Überraschung. „Mit zwei Dribblings kommt Taylor aufgrund seiner Explosivität immer dorthin, wo er will.“ Nur manchmal schlägt er ein, zwei Haken zu viel. Dann wird aus einer Chance ein Ballverlust und aus Ehrgeiz manchmal Wut. „Er setzt sich manchmal selbst unter zu großen Druck. Wenn ich ihm dann auch noch einen Kommentar mitgebe, kann es sein, dass wir aneinandergeraten“, verrät Leibenath. Dann kann der sonst so schweigsame Braun auch hitzig diskutieren. „Das sind reinigende Gewitter, die ab und zu vorkommen“, beschreibt Leibenath die Diskussionen mit Braun, den er auch gerade deshalb so sehr schätzt. „Taylor ist ein angenehmer Mensch, der manchmal etwas stur ist, sich aber immer in den Dienst der Mannschaft stellt.“ Da’Sean Butler ergänzt: „Er hat einen sehr trockenen Humor und er kommt sehr gut mit meinen Kids klar.“ Dass Braun und Augustine Rubit seinen dreijährigen Sohn Draelyn mit auf den Spielplatz nehmen, gehöre zur Tagesordnung, so Butler. Mutter Kris hätte auch gern noch eine Anekdote preisgegeben, sagt dann aber: „Taylor ist ein Mysterium. Er ist einfach kein Talker – was mich irre macht, weil ich es bin.“ Dann fällt Mrs. Braun doch noch etwas ein. Eine Szene aus Taylors Jugend, die den Teamplayer perfekt beschreibt: Taylor ist 17 Jahre alt. Vor einem Spiel seiner High School Mannschaft feiern die Jungs eine Basketball-Party bei den Brauns. Es ist Ende Dezember. Taylor sitzt am Klavier, um ihn herum versammelt sich sein Team. Taylor haut in die Tasten und die Jungs stimmen Weihnachtslieder an. So ungefähr muss man sich wohl Taylors Idealvorstellung von perfektem Teamwork vorstellen: Er gibt den Takt vor – sei es durch seine beinharte Verteidigung oder durch einen butterweichen Dreier – und seine Mannschaft folgt ihm. Taylor Braun ist ein Anführer, der keine großen Gesten braucht. Wo andere die Öffentlichkeit suchen, lässt Taylor sein Spiel sprechen. Ein Mann ohne Worte eben.


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SIEHT LEICHT AUS. KANN ABER NICHT JEDER.


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INTERVIEW

„Ich liebe es, wenn mir jemand sagt: Du schaffst das nicht!“

(„Mein erster Wurf war ein magischer Moment“)

Er wollte das, was er nicht haben konnte – also nahm er sich den Basketball.

Im Interview spricht Ulms Assistant Coach Pete Strobl über seine neun Profi-Jahre in Europa, seine Ambitionen als Coach und eine Liebe, die sein Leben verändert hat.


TEXT: Martin Fünkele FOTOS: Merli, Fischer, privat

INTERVIEW: Florian Eisebitt FOTOS: Fischer, Achberger, privat

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Welche Rolle spielt dein Vater in deinem Leben?

„Ich mag Fristen. Ich mag Strukturen. Ich liebe Herausforderungen.“

„Er liebt was er tut, er liebt seine Spieler und aufgrund seiner Bemühungen werden sie, unabhängig von ihrem Alter, mit richtungsweisenden Entscheidungen konfrontiert.“ Findest du dich selbst in diesem Zitat?

„Mein erster Wurf war ein magischer Moment“

Pete Strobl: Ich bin ein leidenschaftlicher Typ und ich habe schon einige unglaubliche Sachen in meinem Leben erlebt. Ich mache definitiv die Dinge, die ich liebe und ich liebe die Dinge, die ich mache. Weil das so ist, stürze ich mich Hals über Kopf hinein, arbeite hart und tue alles in meiner Macht stehende, um andere Menschen mit meiner Leidenschaft und positiven Energie anzustecken. Dabei war es keine Liebe auf den ersten Blick – du und das orangene Leder, wie kam es dazu? Strobl: Bevor mein Dad mich und meine Mutter verlassen hat, hat er mich des Öfteren in den Park mitgenommen. Er hatte immer seinen Basketball dabei. Ich bin mit meinem Roller durch die Gegend gefahren, habe geschaukelt, bin gerutscht oder habe mit anderen Kindern gespielt. Eines Tages ist der Reifen von meinem Roller geplatzt. Ich habe ihn gefragt, ob er den Roller reparieren kann, aber er hat sich geweigert. Also hatte ich nichts zu tun und habe ihm einfach nur zugesehen. Wieder und wieder warf er den Ball in den Korb – das sah nach Spaß aus. Also habe ich ihn gefragt, ob ich mitmachen kann, aber er sagte, ich soll einfach weiter zusehen. Natürlich wollte ich es dann umso mehr – du willst die Dinge haben, die du nicht haben kannst. Und dann habe ich meinen ersten Wurf genommen, habe zum ersten Mal den Ball durchs Netz fallen sehen – das war ein magischer Moment für mich, etwas von dem ich unbedingt mehr haben wollte.

Strobl: Mein Dad ist einer meiner besten Freunde – er schwankt zwischen Genie und Wahnsinn, ist außergewöhnlich intelligent und weiß sich überall anzupassen. Er war immer mein Vorbild. Als er mich und meine Mutter verlassen hat, hat das sehr wehgetan – ich war voller Wut und Frust. Aber es hat mich auch angespornt. Ich war auf der Suche nach seiner Liebe und seiner Anerkennung – das hat mich immer härter trainieren lassen. Als Erwachsener habe ich verstanden, dass Männer und Frauen manchmal unterschiedliche Ansichten haben und er eine Entscheidung getroffen hat, die ich als Kind noch nicht verstehen konnte. Du hast dich dafür entschieden, dein Studium an der Niagara University zu beginnen – oder an dem Ort, der am weitesten von deiner Heimat Los Angeles entfernt ist. Liebst du Herausforderungen? Strobl: Ich bevorzuge, dass man mir sagt, ich schaffe bestimmte Dinge nicht. Ich blühe bei Herausforderungen auf, ich mag Fristen und ich mag Struktur. Es gab den einen Zeitpunkt in meinem Leben, da habe ich festgestellt, dass ich aus meiner Komfortzone raus muss. Los Angeles ist eine unglaubliche Stadt, ein spezieller Ort, und ich würde jedem einen Besuch empfehlen, aber es ist ein anderer Ort zum Leben. Als ich nach Niagara kam war alles neu für mich. Es war das erste Mal, dass ich Schnee gesehen habe, ich habe alle meine Freunde zurückgelassen. Das war noch bevor es E-Mails und Soziale Medien gab – als ich gegangen bin, war ich wirklich weg. War Ulm genau die Herausforderung, die du aktuell gebraucht hast? Strobl: Ich habe meine eigene Firma (The Scoring Factory, Anm. d. Red.), wir haben Freunde in Pittsburgh gefunden – wir waren gut verankert. Dann hat Thorsten bei mir angerufen und mir die Möglichkeit eröffnet, nach Ulm zu kommen. Es war nicht unbedingt ein logischer Schritt, es war nichts, wonach ich gerade gesucht habe. Es ist einfach so passiert. Dann habe ich mir meine Gedanken darüber gemacht und so wie Thorsten es mir dargestellt hat – Thorsten ist wirklich ein guter Verkäufer – klang es sehr reizvoll. Thorsten hat mir gesagt, dass sie noch nie Meister geworden sind, dass es in der letzten Saison sehr eng war und ich wollte ein Teil davon sein – ein Teil, um diese Situation zu ändern. Du hast am College und in deiner aktiven Zeit in Europa (Frankreich, Österreich, Deutschland, Irland, Island, Schweiz) viele unterschiedliche Coaches kennengelernt – einige waren ruhiger, die anderen emotionaler. Wie würdest du Coach Leibenath beschreiben? Strobl: Thorsten ist ein wirklich intelligenter Kerl. In meiner Zeit in Lich habe ich auch mit den Gießenern zusammen trainiert, wo Thorsten damals Co-Trainer war. Schon damals war klar, dass er einfach Ahnung vom Basketball hat. Er ist leidenschaftlich und viel von dem, was er an Arbeit hineinsteckt, passiert in seinem


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INTERVIEW

„Thorsten hat zu jedem im Team eine Verbindung.“

Zwischen 2003 und 2008 war Pete Strobl Teil der österreichischen Nationalmannschaft.

Büro oder zu Hause. Thorsten schaut sich stundenlang Videos an – er tut einfach unglaublich viel, was niemand sieht. Er ist ein ganz spezieller Typ, er ist richtig gut im Umgang mit Leuten. Er sieht es, wenn jemand fröhlich oder traurig ist, wenn sich jemand verletzt hat oder jemand einfach einen schlechten Tag hatte. Und er hat eine Verbindung zu jedem im Team gefunden. Wir haben ganz unterschiedliche Charaktere, die verschieden aufgewachsen sind. Thorsten findet trotzdem zu jedem von ihnen Zugang. Du kamst frisch vom College nach Europa, in die zweite französische Liga, wie würdest du die Umstellung privat und sportlich beschreiben? Strobl: Ich war daran gewöhnt, von zu Hause weg zu sein, aber ich war es nicht gewöhnt, so viele Geräusche von den Leuten um mich herum zu hören, die ich nicht verstehen konnte. Also habe ich ein Wörterbuch gekauft. Ich wollte unter allen Umständen mein eigenes Essen bestellen können, ich wollte selbstständig nach dem Weg fragen können, ich wollte einfach kommunizieren und mich akklimatisieren. Ich hatte Amerika erwartet, weil ich es nicht besser wusste. Es war eine echte Herausforderung. Mein erster Gedanke war: wo bin ich, was mache ich hier, macht das Sinn, was ich hier tue? Erst später habe ich verstanden, dass es etwas Besonderes ist, dass ich mich glücklich schätzen sollte, hier zu sein. Ich war mir sicher, dass ich die Sprache lernen kann, mit Gangschaltung Auto fahren kann, ich war mir sicher, ich könnte hier klarkommen. Es hat mir gezeigt, wenn du dich nur hart genug anstrengst, dann kannst du alles schaffen.

Würdest du deinen Wechsel nach Europa als richtungsweisende Entscheidung für dein Leben bezeichnen? Strobl: Nach Europa zu kommen hat mich zu einer besseren Person gemacht. Es half mir zu verstehen, dass Menschen Menschen sind: Sie wollen lachen, Spaß haben, etwas genießen und werden hungrig, müde – alle Menschen sind gleich. Gerade als Amerikaner, wenn du nur die eigenen Nachrichten verfolgst, verkommt die Welt zu einem „die“ und „wir“: Es ist eine normale Reaktion, sich lieber mit dem „wir“ zu identifizieren und so zu glauben, man sei etwas Besseres. Wenn du die Chance bekommst, woanders hinzugehen, stellst du schnell fest, dass das nicht stimmt. Auf meinen Reisen habe ich verstanden, dass es immer auf die Menschen ankommt, um etwas Besonderes zu erreichen. Ulm ist unglaublich, das Münster ist wunderschön, die Stadt hat eine coole Geschichte – aber das ist es nicht, was Ulm so besonders macht. Für mich ist es insbesondere der Verein. Wenn du ins Büro kommst, dann siehst du Leute, wie in einem Bienenschwarm, die schwirren herum und arbeiten. Wenn du vor unseren Spielen in die Halle kommst, gibt es Leute, die Dinge aufbauen, Schilder aufhängen, die lächeln und Hallo sagen. Es ist wirklich cool hier zu sein. Aber nicht aufgrund der Arena oder weil wir so viele Spiele gewinnen. Es ist cool, weil die harte Arbeit der Leute im Hintergrund genau das möglich macht.


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INTERVIEW

FOTOS: Otate vitiore peditate landi simus quunt. te vitiore peditate landi

Pete Strobl zeichnet in dem von ihm verfassten Buch „Backspin“ seine Sportlerkarriere nach: Von den Hürden des amerikanischen Studentenlebens bis zu seinen neun Spielzeiten in europäischen Ligen. Immer wieder unterbricht er seine Erzählung mit Rückblicken auf die Zeit vor dem College und vermittelt so eine tiefere Sicht auf die teils skurrilen Charaktere und unerwarteten Ereignisse, die ihm bei der Bewältigung der Herausforderungen eines manchmal einsamen Lebens weit weg von zu Hause geholfen haben.

Deine Frau Sheryl kennst du seit dem College. Letztlich war es aber einer deiner Jobs, die euer Zusammenleben ermöglicht hat. Wie kam es dazu? Strobl: Sie ist die wichtigste Person in meinem Leben. Sie ist meine beste Freundin, sie ist diejenige, die mich auf Ideen bringt, mich unterstützt und mich am Boden hält. Wenn ich denke ich habe etwas ganz Tolles geschafft, erinnert sie mich daran, dass es nicht so war und ich es noch besser kann. Wir haben uns kennengelernt, weil sie der Star im Basketball-Team in Niagara war. Sie ist dort in der Hall of Fame. Während meiner ersten Zeit in Europa war Sheryl als Profi-Spielern in England. Die Technik war noch nicht auf dem Stand von heute, also saß ich in meinem Apartment und habe ihr Briefe geschrieben. Bis ich ihre Antwort hatte, hat das meistens eine Woche gedauert. Ich war jedes Mal so aufgeregt ihren Brief zu öffnen. Als mein zweiter Verein in Österreich mich gebeten hat zu verlängern, habe ich nur eine Bedingung gestellt: Es müsste in der Nähe ein Frauenteam für Sheryl geben. Und so war es auch. Der Verein hat Sheryl zu einem Try-Out gebeten, sie hat überzeugt, sie hat unterschrieben und im Anschluss die Meisterschaft mit ihnen gewonnen. Der Rest ist Geschichte. Deine Großeltern stammen aus Österreich und Italien – du hast dir als Ziel gesetzt, deine Familiengeschichte an deine Kinder weiterzugeben. Hast du das bereits erreicht? Strobl: Für mich ist es wichtig zu wissen, wo man herkommt. Ich bin in L.A. geboren, ich habe einen österreichischen Vater und eine Mutter, deren Eltern aus Italien kommen. Die Mutter von meinem Vater wurde im ehemaligen Jugoslawien geboren. Meine Frau kommt aus Pittsburgh, drei meiner Kinder sind dort geboren und

mein ältester Sohn kam in Österreich zur Welt. Wir sprechen alle deutsch, mit meinen Kindern habe ich deutsch bisher als Geheimsprache genutzt. Für die Kids finde ich es wichtig, dass ich ihnen Europa zeige und sie wissen, wo sie herkommen. Ich möchte, dass sie verstehen: Es gibt einige coole Dinge in Europa und andere coole Dinge in Amerika. Du hast dir persönlich immer Ziele gesetzt – wie lautet dein Ziel in Ulm? Strobl: Mein Ziel in Ulm ist es, das Team besser zu machen, die Youngstars besser zu machen, die Coaches und auch den Verein besser zu machen. Kurzfristig möchte ich jedes Spiel gewinnen. Es schmerzt zu verlieren, ich hasse es zu verlieren und ich bin kein guter Verlierer. Also verbringe ich viel Zeit damit, herauszufinden, warum wir verloren haben, wie wir verloren haben. Mein Ziel ist es, zu gewinnen. Ich will dabei helfen, der Stadt den Titel zu bringen, den sie unbedingt haben will – ich will ihn auch. Die Stadt, das Team, der Verein, alle haben mich mit offenen Armen empfangen und ich spüre eine Verantwortung, ihnen etwas zurückzugeben. Ich glaube an das We Are One. Wir sehen es auf T-Shirts, in der Zeitung, die Fans skandieren es vor dem Spiel – und es ist wahr. Es sind nicht nur die Spieler, sondern es sind auch die Trainer, die Fans, die Mitarbeiter, die Geschäftsführer, jeder hinter den Kulissen – jeder ist ein Teil davon. Es ist ein unglaublicher Verein, der sich in der kurzen Zeit dahin gearbeitet hat, wo er jetzt steht.


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STORY

TEXT: Martin Fünkele FOTOS: Harry Langer, BBU ‘01

WENN BASKETBALL MEHR ALS NUR EIN JOB IST Der 46-jährige Basketball-Trainer Omar Kassas verlässt seine Heimat Syrien, weil Bomben und Terror ein Leben unmöglich gemacht haben. In Deutschland will er neu anfangen – auf dem Basketballcourt. Möglich machte diese glückliche Fügung ein einzigartiges Zusammenspiel aus Zufall, Landesverband und couragiertem Handeln der Ulmer Verantwortlichen. GLÜCKLICH IN DEUTSCHLAND: OMAR KASSAS UND SEINE TOCHTER

Es gibt kein Internet in Aleppo. Als Omar Kassas zum ersten Mal die Basketball-AG in der Erich-Kästner-Schule in Ludwigsfeld begleitet, hat er einen Tag nicht mit seiner Frau und seinem Sohn gesprochen. „Wir mussten uns entscheiden, wir hatten nur das Geld für zwei Personen.“ Also ist er mit seiner Tochter in das Boot gestiegen, das beide vor gut einem Jahr von der Türkei nach Griechenland gebracht hat. 3000 Euro hat er dafür bezahlt, für eine elftägige Flucht, die ihn von Syrien nach München führte und die ihn 18 Monate später eine schmucklose Sporthalle in Ludwigsfeld betreten lässt.

BASKETBALL-SCHULE VOM BOMBENTERROR ZERSTÖRT Omar Kassas, ehemaliger syrischer Basketball-Profi, Nationaltrainer, Vater zweier Kinder – Flüchtling. Die Kinder der ErichKästner-Schule wissen davon nichts. Sie toben, lachen – stören sich nicht daran, dass der große Mann mit den traurigen Augen nur wenige Worte deutsch spricht. Omar steckt seine Geschichte in den Knochen – er trägt sie mit sich herum, jeden Tag. Daran ändern auch die neuen Basketball-Klamotten nichts, in die ihn sein neuer Arbeitgeber gesteckt hat. Während Omar die Basketball-AG beginnt, sind seine Frau und sein 14-jähriger Sohn in Aleppo, der Stadt, in der mehr als 30.000 Menschen gestorben sind. Krieg und Terror kosteten jeden achten Bewohner der einst so prächtigen syrischen Metropole das Leben. Aber Omar ist jetzt hier. Drei Tage die Woche in Ulm – dann wieder in Pforzheim und am Wochenende in irgendeiner Turnhalle BadenWürttembergs. „Wenn ich meinen Freunden davon erzähle, glaubt

mir keiner, dass ich schon nach einem Jahr einen Job in Deutschland gefunden habe“, sagt er. Fehlt nur noch der Rest der Familie, dann wäre das Glück perfekt. Doch das dauert. Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam, besonders in der Türkei, wohin Omar seine Frau bringen möchte. „Ich muss Geduld haben“, sagt er und lächelt. Wenn das Internet mal wieder funktioniert, kann er ja immerhin mit ihr telefonieren. Aber die Erinnerungen an seine Heimatstadt machen ihm Angst. „Katastrophal“ sei es gewesen. Überall Bomben, Zerstörung – Krieg. Auch seine Basketballschule ist kaputt. Von dem Gebäude, das im Sommer noch hunderte Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren beherbergt hatte, sind nur noch wenige Quadratmeter unversehrt. „Nicht mehr als der Raum hier“, sagt Omar und zeigt dabei in das Büro, wo er seit Anfang Dezember drei Tage in der Woche arbeitet.

„EINMALIGE GELEGENHEIT, GEFLÜCHTETEN AUCH IM LEISTUNGSSPORT EINE MÖGLICHKEIT DER INTEGRATION ZU GEBEN“, SO JOACHIM SPÄGELE Möglich wurde dieses Engagement durch einen Zufall. Beim Deutschkurs der Diakonie, den in Pforzheim alle Flüchtlinge besuchen müssen, wies sich der 46-Jährge als Basketballtrainer aus. Davon erfuhr ein Mitarbeiter des Landessportbundes BadenWürttemberg, der daraufhin den Basketball-Verband (BBW) informierte. Kassas fuhr nach Stuttgart, traf sich mit Landestrainer Rainer Braun. Die beiden trainierten gemeinsam. Braun stellt fest: „Omar ist ein klasse Trainer.“ Aus diesem Kontakt entwickelte sich eine einzigartige Kooperation. Unter der Woche arbeitet Kassas als Trainer für BBU ’01 in Ulm, am Wochenende ist er für den Verband in ganz Baden-Württemberg tätig. Auch bei der Juniorennationalmannschaft soll er bald mit dabei sein. Die dafür nötigen Mittel stellte der Landessportverband schnell und unbürokratisch zur Verfügung, „Es handelt sich hier um eine bundesweit einmalige Gelegenheit, Geflüchteten auch im Bereich des Leistungssports eine Möglichkeit der Integration in Deutschland zu geben“, erklärt BBW-Präsident Joachim Spägele. Für BBU ’01 Geschäftsführer Dr. Thomas Stoll ist das Engagement von Kassas mehr als eine humanitäre Geste. „Wir sind ständig auf der Suche nach qualifizierten Jungendtrainern – denn die Entwicklung im Nachwuchsbereich ist enorm“, so Stoll, der sich auch deshalb intensiv um eine neue Trainingshalle bemüht. „Mit Omar bekommen wir einen sehr erfahrenen Trainer, der seit mehr als 15 Jahren im Jungendbereich aktiv ist. Dass wir gleichzeitig unserer sozialen Verantwortung als Basketball-Club nachkommen können, macht die Kooperation mit dem BBW zu einer runden Sache“, so Stoll.


Und Omar kennt sich aus im Basketball. Das sieht man auch bei seinem Besuch in der Erich-Kästner-Schule. Auch wenn vielen Zweitklässlern der orange Ball noch fremd ist, achtet Omar auf Kleinigkeiten. Korrigiert, motiviert – lehrt. Das macht er schon sein halbes Leben. Seit er als Fünfjähriger einem ehemaligen Star seines Heimatvereins „Al Ittihad“ die Bälle zupasste, ist er nicht mehr losgekommen von dem Sport, der weit mehr für ihn ist, als ein Job. Bevor der Krieg vor fünf Jahren alles lahm legte, war Basketball nach Fußball die Nummer zwei in Syrien. NBA-Stars wie Michael Jordan, Dominique Wilkins, Kobe Bryant oder Shaquille O’Neal sind Omar deshalb genauso bekannt wie jedem Europäer, der sich in den Neunziger- und Nullerjahren für Basketball interessierte. „Ich bin ein großer Bulls-Fan. Ich bin mit ihnen aufgewachsen.“ Damals. Als es in Aleppo noch Fernsehen gab. Und Schulen, Ärzte – Sicher-

heit. Im Jahr 2015 gibt es das alles längst nicht mehr. Omars Kinder bedrängen ihn zu fliehen. „Papa, Papa, wir müssen hier raus“, sagten sie. Was soll ein Vater da tun?

„PAPA, PAPA – WIR MÜSSEN HIER RAUS!“ Omar hört sich um. Eine Flucht ist nicht nur gefährlich, sie ist vor allem teuer. Auch als er sein Auto verkauft, reicht das Geld nur für zwei Personen. Als Omar als Assistant Coach der syrischen Nationalmannschaft im Sommer 2015 bei der Asiatischen Meisterschaft in Jordanien ist, spricht er mit vielen Menschen über seine Fluchtpläne. Hier reift sein Entschluss, es tatsächlich zu wagen. Er kehrt nicht zurück in seine Heimatstadt, sondern bricht gemeinsam mit seiner Tochter von Damaskus auf in Richtung Westen. Erst mit dem


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OMAR KASSAS

VERTRAGSUNTERZEICHNUNG: MIT BBW-LANDESTRAINER RAINER BRAUN UND BBU-GESCHÄFTSFÜHRER DR. THOMAS STOLL.

Flugzeug in die Türkei, dann nach Griechenland. Mit dem Boot – übers Mittelmeer. Vier Tage warten, dann nach Mazedonien. Von dort mit dem Zug nach Serbien. Weiter geht es nach Ungarn. Dann nach Wien und von dort nach München. Elf Tage ist er mit seiner Tochter unterwegs. „Natürlich hatte ich Angst. Nicht um mich, aber um mein Mädchen. Es war nicht einfach – besonders da du nie wirklich wusstest, was als nächstes passiert“, fasst er die gefährliche Reise zusammen.

MIT DEM BOOT ÜBERS MITTELMEER: „NATÜRLICH HATTE ICH ANGST.“ „Ich bin hier hergekommen mit nichts. Jetzt werde ich alles dafür tun, damit ich als Basketball-Trainer erfolgreich bin“, erklärt Omar. Und dass er das drauf hat, zeigt er nicht nur in der Halle, das unterstreicht auch sein Lebenslauf. Omar Kassas gewann als Spieler sieben Mal die syrische Meisterschaft und nahm mit der Nationalmannschaft seines Landes unter anderem an der Weltmeisterschaft in Kanada (1991) teil. Als Trainer arbeitet er seit 1999. Bis 2014 war der 46-Jährige als Coach für „Al Ittihad Aleppo“ aktiv – sowohl auf dem höchsten syrischen Herren-Niveau, als auch im Jugendbereich. Jetzt also Süddeutschland. 2.500 Kilometer von der Heimat entfernt. Sobald es Omars Aufenthaltsstatus erlaubt, soll der Familienvater ganz nach Ulm umziehen. Dann wird er nach und nach auch ältere Kinder trainieren, vielleicht auch Flüchtlinge, die ein ähnliches Schicksal wie er haben. „Für mich ist das wie die Erfüllung eines Traumes. Ich bin unheimlich dankbar für die Möglichkeit, die mir hier eröffnet wird. Ich glaube aber auch, dass ich durch meine Erfahrung als Trainer helfen kann.“


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Text: Joshua Wiedmann FOTOS: Hensel, Fischer, Achberger, BBU ’01, Hörger

HISTORY

HAND HERZ Er tapte schon Jarvis Walker und war dabei, als der Ulmer Basketball 2001 aus Ruinen zu neuem Glanz aufstieg. Er machte die Aufstiegshelden fit und brachte Tommy Mason-Griffin zurück ins Profileben. Andi Lacher ist seit 15 Jahren der Physiotherapeut bei ratiopharm ulm. Über einen Mann, der immer mehr war als nur seine zwei Therapeuten-Hände.

Andreas Lacher bläst die Backen auf. „Der fitteste Spieler in 15 Jahren? Puh – gute Frage.“ Da gäbe es viele Kandidaten, meint er, und nippt nachdenklich an seinem Kaffee. Arbeitstier Sebastian Betz etwa, der es eher mal übertrieben habe mit seinem Ehrgeiz, Matt Howard vielleicht, oder natürlich der unzerstörbare Jeff Gibbs. „Ein Wahnsinns-Athlet“, sagt Lacher ehrfürchtig. Im Grunde, fügt er an, seien auf höchstem Niveau im Basketball aber fast alle Spieler topfit. „Von daher wäre es einfacher zu sagen, wer überhaupt nicht in Form war – die Liste ist deutlich kürzer“,

meint Lacher, und sein wissendes Lächeln verrät, dass ihm so manche Anekdote auf der Zunge liegt.

Der stille Schaffer im Hintergrund Andi Lacher kennt viele Geschichten rund um den Ulmer Basketball. Kein Wunder: Wer in seiner Karriere als Physiotherapeut über 150 Profis auf dem Tisch hatte, hat schon alles gesehen. Manches darf er nicht weitergeben,

das gebietet der Berufskodex. Anderes hat er nie erzählt – auch, weil selten jemand gefragt hat. Für Außenstehende ist Lacher in 15 Jahren nämlich weitgehend unsichtbar geblieben. Bei Spielen sieht man den Mann mit dem dunklen Schopf meist am Ende der Bank, und wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, sitzt er dort unauffällig für 40 Minuten. Doch wer Lachers Wert an seiner Außenwirkung bemisst, verkennt, was der 46-Jährige hinter den Kulissen leistet. „Andi ist unglaublich gewissenhaft und fleißig“, sagt Teambetreuer Andi Klee, und betont: „Was der schafft, leisten andernorts zwei Therapeuten.“


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ORANGE ZONE 2016/17 # 2

Das bekommt aber nur ein auserlesener Kreis mit – denn Lachers Arbeit findet häufig im Verborgenen statt. Im Innersten der ratiopharm arena, der Ulmer Kabine, beginnt spätestens zwei Stunden vor Tip-Off Lachers Work-Flow – bis zu 12 Paar Knöchel tapt er dann in einer guten halben Stunde. Vorbei ist der Arbeitstag des Physios manchmal erst

blickt er zurück. Im Sommer 1999 geht dann trotzdem alles ganz schnell: Lacher ist damals im „reha plus“ angestellt, das einen Behandlungs-Deal mit dem SSV Ulm hat. Als beim städtischen Großclub die Basketballer frei werden, geht der Job an einen der Jüngsten im Therapie-Team. „Mit Basketball hatte ich damals überhaupt nix am Hut“, erzählt Lacher.

Mit gebrochenem Daumen am Ballermann Thomas Stoll ist Andi Lacher damals schon ein Begriff. Er kennt den jungen Mediziner als Jugendtrainer vom SSV

Seit 2001 am Ball bzw. Bein: Andreas Lacher

Er lebe hoch: Zum Geburtstag mit Tape umwickelt. weit nach dem Abpfiff, wenn auch der letzte Krampf besiegt ist. Und am nächsten Morgen geht’s direkt weiter: Dann, wenn das Team nach einem Sieg auch mal frei hat, behandelt Lacher die Lädierten vom Vortag in „Andis Kabuff“. So nennt Dr. Thomas Stoll mit einem Augenzwinkern das Nebenzimmer im BBU-Trainingszentrum, in dem Lacher seinen Arbeitsplatz hat. „Dort arbeitet Andi am liebsten Tag und Nacht“, sagt Stoll. Was für den Ulmer Sportchef „positiv eigenbrötlerisch“ ist, kann Teambetreuter Klee nicht hoch genug bewerten: „Andi ist einfach immer für die Mannschaft da.“ Klee kennt Lacher seit 17 Jahren und damit „länger als meine Frau. Wir sind auch ein bisschen wie ein altes Ehepaar.“ 1999 ist es, als Lacher als junger Therapeut zum damaligen SSV-Basketball kommt und so eine Laufbahn einläutet, die lange eher in Richtung Rasen statt Parkett zu führen schien.

Auf einem Parkplatz im Nirgendwo wird der Manager gewechselt Lacher wächst nahe seiner Heimatstadt Ludwigsburg auf – mit Fußball. Er ist ein guter Techniker, schnell und laufstark, und einige Zeit kickt er sogar in der Landesliga. 1996 verlässt er Ludwigsburg in Richtung Süden und beginnt am Ulm Kolleg seine Ausbildung zum Physiotherapeuten. Den Rasenball und seine Heimat verliert er trotzdem nicht aus dem Blick; wenn Lacher zuhause in „Lubu“ ist, dann kümmert er sich häufig um die Wehwehchen der Jungs in seinem Heimat-Club. „Insofern hatte ich schon etwas Erfahrung mit Sportlern“,

Der einstige Fixstern der Sport-Region ist schon damals am Sinken. Der Glanz der Vizemeisterschaft 1998 ist erloschen, der Club ruiniert sich von innen mit wirtschaftlichem Übermut und personellem Missmanagement. „Ständig wurden Spieler gefeuert, die Trainer kamen und gingen. Es war Chaos pur. Selbst in dem kleinen Fußball-Club bei mir zu Hause ging es strukturierter zu“, erinnert sich Lacher. Das Possenspiel geht soweit, dass einmal der Teambus von der Autobahn abfährt und auf einem Parkplatz im Nirgendwo ein Unbekannter zusteigt, der sich als neuer Manager vorstellt – unmittelbar vor einem wichtigen Auswärtsspiel. In einer der vorderen Reihen sitzt Lacher und ist fassungslos. „Ich dachte mir oft: ‚Wo bist du hier nur gelandet?’“. Im Frühjahr 2001 ist der Absturz des SSV endgültig: Sportlich abgestiegen und finanziell am Boden befindet sich eine ganze Basketball-Region am Nullpunkt. Doch für Lacher und einige andere Verrückte geht es jetzt erst richtig los.

Winter 2010: Vor dem Abflug nach China.

und regelmäßigen Gast am Kuhberg. Als Stoll im Sommer 2001 bei ihm in der Leitung ist und erzählt, dass er mit einigen anderen die SSVLizenz übernommen hat und für sein künftiges Zweitliga-Team einen Physio sucht, ist Lacher weder überrascht noch abgeneigt. „Dem Thomas habe ich das zugetraut. Er wusste, was davor schief gelaufen war – und er und Andreas Oettel hatten einen Plan, das habe ich gemerkt. Daher hatte ich keine Bedenken “, erinnert sich Lacher an den Neu-Start. Auch umgekehrt gibt es keine Berührungsängste: „Ich wusste, dass Andi immer einen guten Job gemacht hatte. Insofern war klar, dass wir ihn zu uns holen wollen“, so Stoll. Und der Mann, der in den Anfangsjahren noch eine lange Mähne trägt, wird für die junge Organisation bald unersetzbar. Denn Lacher ist nicht nur „ein sehr guter Therapeut“ (Stoll), sondern auch charakterlich „ein einwandfreier Kerl. Den Andi kannst du nachts wecken, und er ist sofort


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HISTORY

Dauerpatient Tommy MasonGriffin beim Tapen.

da, wenn du ihn brauchst“, so Andi Klee. Und gebraucht wird Lacher im Laufe der Jahre so manches Mal – nicht nur in seinem gelernten Beruf. Als erster Ansprechpartner der Spieler und ihrer Familien in Gesundheitsfragen erlebt Lacher von Schnittwunden bis zu verbrannten Kinderhänden „fast alles. Wenn was ist, helfe ich oder gebe es an die Docs weiter“, sagt Lacher. Nur einmal ist auch der Physio machtlos – als er selbst zum Notfall wird. Im Frühling 2006 ist das. Das ratiopharm-Team feiert auf Mallorca die sehnsüchtig erwartete Rückkehr in die Bundesliga. Als die Aufstiegshelden am Strand der Party-Insel Football spielen, bricht sich Lacher ein wichtiges Arbeitsgerät: den Daumen. „Zum Glück war Offseason“, erinnert sich Sportchef Thomas Stoll lachend.

Der Fall Tommy Mason-Griffin Mit der Rückkehr in die BBL steigt auch Lachers Pensum – und ein Fall nimmt ihn im Laufe der Jahre besonders in Anspruch. Als im Sommer 2012 ein Knorpelschaden im Knie von Tommy Mason-Griffin diagnostiziert wird, schweißt das das 22-jährige

Supertalent und den erfahrenen Manualtherapeuten unweigerlich zusammen. Zu Beginn der Reha sehen sich Lacher und Mason-Griffin täglich, einige Zeit lang besucht der Physio seinen Patienten sogar zu Hause. Für den hoffnungsvollen Point Guard – der einst die Schule abbrach, um es in die NBA zu schaffen – ist die Basketball-lose Zeit ein Martyrium, das ihm am ehesten Lacher erleichtern kann. „Er hat viel mit mir geredet, mich beruhigt, wenn ich einen Tiefpunkt hatte“, schreibt Mason-Griffin aus seiner Heimatstadt Houston. „Wir haben ein besonderes Verhältnis entwickelt. Ich war dankbar, Andi so oft zu sehen.“ Wenn „TMG“ rückblickend über Lachers „warme Ausstrahlung“ spricht, wird deutlich, wieso Thomas Stoll sagt: „Andi schafft es sehr gut, eine Beziehung zu den Spielern aufzubauen – ohne deren bester Buddy zu werden. Das ist sehr, sehr wichtig.“ Als Mason-Griffin im Dezember 2014 nach zwei Jahren aufreibender Reha und nur zehn Comeback-Spielen Knall auf Fall aus Ulm verschwindet, muss Lacher „trotzdem erstmal schlucken“. Von Tommys Abgang erfährt er von anderen, Abschieds- oder Dankesworte gibt es keine – bis heute nicht. „Aber das ist okay“, zuckt Lacher mit den Schultern. „Das ist Teil des Jobs. Und es ist gut, wenn die Dinge nicht zu persönlich werden.“ Früher, zu Zweitliga-Zeiten, sei er noch hin und wieder mit Nils Mittmann um die Häuser gezogen. Heute? „Auf dem Level, auf dem wir uns bewegen, muss man ein professionelles Verhältnis zu den Spielern wahren“, sagt Lacher.

Montags und donnerstags ächzen die Profis auf der Massagebank Ohnehin: Professionell ist inzwischen fast alles in Ulm. Andi Lacher hat die komplette Entwicklung miterlebt. Vorbei sind die Zeiten, als der Physio seinen Arbeitsplatz in einer beengten Umkleide der Kuhberghalle einnahm, oder bei Auswärtsfahrten auch mal einen Kleinbus steuerte. Vor allem aber sind die Zeiten passé, als Lacher noch zwischen Profi-Sport und regulärem Therapie-Betrieb jonglieren musste. Bis 2014 war das so. Die Basketballer oder seine Kundschaft im „reha plus“ – irgendwer kam immer zu kurz. Mal eben eine Lymphdrainage bei einem angeschlagenen Spieler durchführen, mitten im Tagesgeschäft? Schwierig. „Alle haben gesehen, dass das nicht ewig so weiter gehen konnte“, sagt Lacher rückblickend. Als BBU ’01 vor zweieinhalb Jahren schließlich das Ulmer RKU als Medical Partner gewinnt, ist das ein Meilenstein in der medizinischen Betreuung. Drei Teamärzte stellen die Kliniken am oberen Eselsberg, dazu Athletik- und Reha-Trainer – und Lacher, der selbst ans RKU wechselt. „Eine Riesensache, für den Club und für mich“, sagt er. Rund um die Spiel- und Trainingszeiten „strickt“ sich der 46-Jährige nun seinen Arbeitstag der auch Fortbildungen von Medizinstudenten am RKU beinhaltet.


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Wer glaubt, dass dem Physio dabei genug Zeit bleibt, um selbst mal die Beine hochzulegen, täuscht sich – oder hat noch nie gehört, wie die langen Kerls nach einer zehrenden Woche auf Lachers Massagebank ächzen. Gerade montags und donnerstags – nach Spielen – ist Großkampftag für den Therapeuten. Zumal dessen Arbeit nicht immer bei den 12 bis 15 Bundesliga-Spielern aufhört. „Inzwischen geht es da um eine Riesenorganisation mit 25 Nachwuchsteams und über 400 Spielern“, ordnet Thomas Stoll die Größe eines Clubs ein, der schon jetzt medizinisch „auf einem sehr hohen Level ist“, wie Stoll meint.

Immer da, immer fleißig – seit über 600 Spielen! Was der nächste Schritt wäre, ist klar: Der Orange Campus als Nabel der BasketballDoppelstadt, mit allen Spielern, Ärzten und Betreuern unter einem Dach, „vielleicht sogar als Zentrum für verletzte Spieler aus ganz Europa“, sinniert Thomas Stoll. Wann es soweit ist, bleibt abzuwarten. Sicher scheint nur: Andi Lacher wird auch dann dabei sein. Der 46-Jährige ist nach 20 Jahren an der Donau nicht nur ein echter Ulmer, sondern vor allem nicht mehr wegzudenken aus einem Club, der nicht vergessen hat, wer mit ihm groß wurde. Den – bei allem Vorwärtsdrang – immer auch bescheidene Schaffer wie Lacher geerdet haben. Klee sagt: „ratiopharm ulm ohne Andi Lacher, das kann ich mir nicht vorstellen. Er ist fast ein wenig das Herz dieses Vereins.“

Andi Lacher und Teambetreuer „Big Andi“ Klee.

Pro Jahr verbraucht Lacher mehrere Hundert Rollen Kanzlsperger Tape

Wobei die gute Seele Lacher auch scharfzüngig sein könne: „Er hat einen sehr eigenen, schwarzen Humor.“ Das gute Betriebsklima im Team hinter dem Team ist ein Grund, wieso Lacher sagt: „Mein Job macht mir immer noch großen Spaß.“ Auch nach über 600 Pflichtspielen, von denen Lacher „sicher bei 95 Prozent“ dabei war. Und die den Fußball-Fan– der es mit dem VfB Stuttgart hält und selbst noch in einem Altherren-Team gegen den Ball tritt – auch zum Basketball-Maniac gemacht haben. „Geht auch gar nicht anders“, sagt er, „bei dem, was mir dieser Sport alles gegeben hat.“

Nur Jan Sprünkens Teint kann Lacher nicht retten Nur eines, das hat Lacher mit dem Basketball nahezu aufgeben müssen – das Skifahren: „Dafür bleibt im hektischen Saisonverlauf einfach keine Zeit.“ Zu Zweitliga-Zeiten sah das noch etwas anders aus – wobei es nicht immer eine gute Idee war, wenn Basketballer sich auf die Piste wagten. Im Frühjahr 2006 gab es so einen Moment. Damals war die Saison bereits Mitte April gelaufen; Ulm war bereits aufgestiegen, das ausstehende letzte Spiel nur für die Statistik. Also jetteten Lacher und der damalige Ulmer Jan Sprünken für einen Tag in die Berge – und unterschätzten, was unter der prallen Wintersonne mit Hallenweißbrot passieren kann. Zumindest Sprünken, der sich ohne Sonnenschutz auf den Hang traute. Tags darauf schlug der Scharfschütze mit hochrotem Kopf und leichten Verbrennungen zum letzten Foto-Termin der Saison auf – ausgerechnet bei Hauptsponsor ratiopharm. „Die Aufnahme war zum Glück nur für interne Zwecke“, erzählt Lacher grinsend. Es ist die letzte Anekdote für heute. 50 Minuten sind vorbei, Lacher muss los – der nächste Spieler wartet nebenan auf seine Behandlung. „Wenn du noch Fragen hast, meld’ dich einfach“, sagt Andi zum Abschied. Worauf er Gift nehmen kann.


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OrangeZone.Magazin #2 2016/17  

Inhalt 03 Editorial / Inhalt 04 Klick Arena-Jubiläum. Spitzenspiel. Doppelte Vertragsverlängerung – der Sieg über Bamberg war mehr als nur...

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