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INTERVIEW:

ANDREAS OBST PORTRAIT:

ANTON GAVEL & MARIUS STOLL FEATURE:

NACHWUCHS

HARD WORK WORKS! JAKA LAKOVIC


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ORANGE

Erwachsen werden. Eine Vorstellung, V mit der man sich als Heranwachsender Heranwachse nur schwer anfreunden kann. Erwachsen Erwachse werden, kann man das als Club überhaupt? übe Als eine Organisation, die aus einer Laune heraus entstanden ist und die schon immer den SPASS als Zentrum all ihres Tuns definiert hat? Am 17. August 2019 jährt sich die Gründung von BBU ’01 zum 18. Mal. Dann sind wir volljährig. Sind wir dann auch automatisch erwachsen?

Kann ein Club, der zwei Vizemeisterschaften erkämpft hat und dessen Profi-Team regelmäßig zu den 50 Besten Europas gehört noch erwachsen werden? Wenn erwachsen werden heißt, Verantwortung für den Nachwuchs zu übernehmen, dann können wir das. In diesem Sommer hat BBU ’01 seine Strukturen im Nachwuchsbereich so intensiv ausgebaut wie noch nie. Wir haben Basketball-Experten für unser Programm begeistern können, von denen wir zu unseren Gründungszeiten nur träumen konnten. Was schon ein Jahr vor Fertigstellung des OrangeCampus in Ulm heranwächst, haben wir für Euch in einem großen Feature ab Seite 28 zusammengefasst.

LIFE

Wenn erwachsen n werden aber heißt, sich anzupassen, derr Schere im Kopf den Schneid zu opfern, rn, dann taugen wir nicht dazu – dann bleibt BBU ’01 ein aufmüpfiger Teenager. Ohne den Mut, auch dann hartnäckig für eine Idee zu kämpfen, wenn es einmal Gegenwind gibt, hätte es die ratiopharm arena nie gegeben und würde der OrangeCampus nicht gebaut. Und welcher Club hat schon eine Legende, die für den guten Zweck auch mal alle Hüllen fallen lässt und beim OrangeDinner mit nichts als einer Schürze am Leib serviert? Keine Sorge. Auch wenn wir als Organisation bald 18 Jahre auf dem Buckel haben, muss man uns nicht zum Establishment zählen. Mit uns kann man noch immer Pferde stehlen und jede Menge SPASS haben. Wir bleiben uns treu. Wir bleiben ORANGE. In diesem Sinne, Euer Andreas Oettel

04 NICE SHOT Seth Hinrichs ist ein Arbeitstier, das auch dann weiterackert, wenn seine Hand zu Bruch geht.

16 INTERVIEW Nationalspieler Andreas Obst spricht über seine Karriere, seine Ziele und seine Erinnerungen an die ratiopharm arena.

06 FASTBREAK Signature Move, praktische Mitgliederrabatte, WM-Fieber.

20 STORY Warum Anton Gavel nach einer überragenden Spieler-Karriere Ulm als erste Trainerstation ausgewählt hat.

08 BY THE NUMBERS Acht Jahre Thorsten Leibenath in Zahlen. 10 TITEL Als Spieler war er eine Legende. Als Trainer hat Jaka Lakovic ähnlich große Ambitionen.

26 STORY Er ist erst 20 Jahre alt. Er ist der Sohn des Chefs und er will nach oben. Eigengewächs Marius Stoll verfolgt seinen Weg mit enormer Willensstärke.

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TITELBILD Vid Ponikvar GESTALTUNG Agentur Halma FOTO BBU ’01

IMPRESSUM HERAUSGEBER OrangeZone GmbH Lessingstraße 10c 89231 Neu-Ulm info@orangezone.eu REDAKTION Martin Fünkele fuenkele@bbu01.com Florian Eisebitt eisebitt@bbu01.com MITARBEITER DIESER AUSGABE: André Voigt, Joshua Wiedmann ART DIRECTION & LAYOUT HALMA GmbH & Co. KG Agentur für Werbung Pfarrer-Weiß-Weg 16 89077 Ulm www.agentur-halma.de info@agentur-halma.de DRUCK CEWE-PRINT GmbH Meerweg 30-32 26133 Oldenburg www.cewe-print.de service@cewe-print.de

30 BBU ’01 Die Vorbereitungen auf den OrangeCampus laufen auf Hochtouren – vor allem im Nachwuchsbereich, wo BBU ’01 so viel investiert hat wie noch nie. 36 FEATURE Das erste Basketball-Kinderbuch ist da! Und es kommt aus Ulm!! 38 HISTORY Als 6.000 Fans den Münsterplatz in eine Basketball-Arena verwandelten.


12,8 PTS 5,3 REB 3,5 ASS

NICE SHOT

16,9 EFF

AUFGEBEN? KEINE OPTION! FOTO Christian Becker

Seth Hinrich hat sich hochgearbeitet. Akademischer Abschluss am Mini-College von Lafayette, dann der erste Profivertrag in Portugal. Weil sie ihn in Ludwigsburg nicht haben wollten, ging Hinrichs fĂźr Kirchheim in der Barmer 2. Basketball Bundesliga an den Start. Der Aufstieg in die easyCredit BBL gelang ihm ein Jahr


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später mit Vechta, jetzt war auch nicht mehr zu übersehen, dass der 1,99-MeterMann besondere Fähigkeiten hat: Der Aufstiegsheld wurde zum ProA-Spieler des Jahres gewählt. Dann das Fabeljahr mit Vechta, als die RASTAner die BBL-Welt auf den Kopf stellten und Seth ihr Glue Guy war. Hinrichs gab von allem ein bisschen,

von den Rebounds sogar am meisten. Als die „Davids“ aus dem Dorf in Niedersachsen die große Bühne – also die Playoffs – betreten sollten, verletzte sich Hinrichs. Mittelhandbruch – Zwangspause zum Saison-Höhepunkte. Nicht für Seth! Der 26-Jährige verpasste zwar das Viertelfinale, meldete sich dann aber gegen die Bayern

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zurück. Dem Meister ballerte er mit bandagierter Hand 21 Punkte durch die Reuse. Nicht schlecht, oder wie Jaka Lakovic sagt: „Seth Hinrichs ist ein sehr gutes Beispiel dafür, was ein Spieler mit der richtigen Arbeitseinstellung erreichen kann.“


FASTBREAK

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FOTO HALMA, Camera4 / DBB, Voigt

SIGNATURE MOVE

AND WE WILL DO IT AGAIN Es ist Off-Season, die Jahreszeit in der Spieler mal zur Ruhe kommen können, Basketbälle öfters liegen bleiben dürfen und wir von HALMA uns mit voller Vorfreude auf den Saisonwechsel vorbereiten. Das bedeutet für uns Goodbye Saison 2018/19 und Welcome Saison 2019/20. Wir verabschieden uns von einer Saison voller Ups & Downs, in der wir – auch mit unserer Pixelbande – mitgefiebert, mitgejubelt aber auch mitgelitten haben. Unser Résumé: „We played for you … and we will do it again!“. Denn wir sind heiß auf die neue Saison und können es genau so wenig wie die Fans erwarten, dass sich die Türen der ratiopharm

BBU ’01

KRASSE MITGLIEDERVORTEILE! Ein Dienstag in Ulm. Tom (15) und Samira (14) planen ihren Ferientag. Beide Teenager sind Mitglied bei BBU ’01 – ihre Eltern haben das organisiert. Tom will Sport machen und muss zum Friseur, Samira hat Lust auf Kino und würde gerne Schwimmen gehen. Sie treffen sich beim „Xtreme Jump“ – eine Stunde Trampolinspringen

arena wieder öffnen. Wir, die coolste Bande der Stadt, sagen Welcome zum neuen Trainer, neuen Spielern und neuen Spielsystemen. Eine neue Saison startet – brauchen wir dafür dann auch einen komplett neuen Look? Unsere klare Antwort: „Jein!“. Wir wollen uns auf unsere gemeinsamen Werte besinnen, in der die orange Leidenschaft im Mittelpunkt steht und eine Farbe eine ganze Region verbindet. Zum anderen werden wir euch aber auch wie jedes Jahr mit neuen Ideen aus unserer Kreativabteilung überraschen. Also bleibt gespannt und freut euch auf eine neue orange Saison! #diecoolstebandederstadt

kostet die Mitglieder neun statt 12 Euro. Verschwitzt wie sie sind, geht es weiter ins Donaubad: Mitglieder erhalten hier 50 Prozent Rabatt – jeder bezahlt 1,75 Euro. Nächster Stopp: plan B. von Befurt, der Friseursalon mit speziellen Angeboten für junge Leute, bietet unterschiedliche Pakete an. Tom und Samira entschieden sich für das Einsteigerpaket „S“ – waschen, schneiden, stylen – alles für 20,80 statt 26 Euro. Zum Abschluss des Tages schauen sich die beiden „König der Löwen“ im Xinedome an. Der Film kostet sie fünf Euro – die Tüte Popcorn erhalten die BBU ’01 Mitglieder gratis dazu. Jetzt folgt der Kassensturz: Ihre Auslagen belaufen sich auf 36,55 Euro, ihre Ersparnisse auf 10,95 Euro. Keine schlechte Quote denken sie – vor allem, weil die Jahresmitgliedschaft für Jugendliche lediglich 24 Euro kostet.

Alle Mitgliederrabatte gibt es hier in der Übersicht: bbu01.com/bbu-01-e-v/mitglieder

MITGLIEDER EIN-MAL-EINS Trampolin: 9,00 € statt 12,00 € Kino: 5,00 € statt 6,00 € + Popcorn Friseur: 20,80 € statt 26,00 € Freibad: 1,75 € statt 3,50 €

Ersparnis gesamt: 10,95 €


FASTBREAK

GOT NEXXT

WAS GEHT BEI DER WM? Es ist nicht mehr lang bis zum 31. August 2019. Warum das wichtig ist? An diesem Tag beginnt der FIBA World Cup 2019 oder wie wir Frühgeborenen sie nennen: die Basketball Weltmeisterschaft. In der Gruppe G bekommt es dann die deutsche Nationalmannschaft mit Frankreich, der Dominikanischen Republik und Jordanien zu tun. Die beiden Gruppenersten qualifizieren sich für die Zwischenrunde, wer dort die beiden vorderen Ränge belegt, ist für das Viertelfinale qualifiziert. Das Erreichen der zweiten Turnierphase ist für die DBB-Auswahl natürlich das Mindestziel, doch schon beim dann anstehenden Aufeinandertreffen mit den Vertretern der Gruppe H kann es haarig werden. Denn dort bewerben sich Litauen, Kanada, Australien und der Senegal, um das Weiterkommen. Im Viertelfinale wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht leichter … Griechenland und die wohl übermächtigen USA drohen in der Runde der letzten Acht als Gegner. Sollte es die deutsche Nationalmannschaft jedoch bis dort schaffen, wäre auf jeden

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Fall schon mal ein wichtiges Zwischenziel erreicht – die Teilnahme an einem der Qualifikationsturniere für Olympia 2020. „Die 16 nächstbestplatzierten Teams des World Cups haben die Chance, sich über eines der vier FIBA Olympic Qualifying Tournaments 2020 zu qualifizieren“, schreibt der Deutsche Basketballbund auf seiner Website und weist auch noch auf eine Hintertür im Reglement hin. „Je zwei ausgewählte Teams pro Region (Asien und Ozeanien zählen als eine Region) nehmen ebenfalls an den FIBA Olympia-Qualifikationsturnieren teil. Insgesamt werden die dann 24 Teams in vier Turniere zu je sechs Teams aufgeteilt. Der Gewinner jedes Turniers qualifiziert sich für die Olympischen Spiele in Tokio 2020.“ Für die direkte Qualifikation müssten Bundestrainer Henrik Rödl und Co. allerdings bis auf einen alle europäischen WM-Teilnehmer hinter sich lassen. „Sieben Teams qualifizieren sich beim FIBA Basketball World Cup 2019 direkt für die Olympischen Spiele in Tokyo 2020, und zwar die beiden bestplatzierten Teams aus Europa und aus der Americas Zone sowie jeweils das bestplatzierte Team aus Afrika, Asien und Ozeanien“, so der DBB. Was ist also realistisch? Wenn Rödl personell aus dem Vollen schöpfen kann, muss sich sein Team – unter Ausnahme der USA – vor keiner Nation verstecken. Sogar eine Medaille ist – das nötige Glück vorausge-

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setzt – im Bereich des Möglichen. Die Leistungsdichte im Kader stimmt. Die Akteure sind fast alle im besten Basketballer-Alter und mit Dennis Schröder führt ein elitärer Scorer eine so athletische, wie vielseitige Mannschaft an, die mittlerweile auch über reichlich Erfahrung verfügt. Allerdings könnte der so wichtige Wurf aus der Distanz zur großen Achillesverse dieses Teams werden. Von 24 Teams bei der Eurobasket 2017 trafen nur Ungarn, Israel und Island den Dreier schlechter als Deutschland. Am Ende geht es aber vor allem darum, den Traum von Olympia 2020 am Leben zu halten. Dafür lohnt es sich die Daumen zu drücken und vor dem Bildschirm mitzufiebern, wenn MagentaSport alle WM-Partien live und gratis überträgt. Der gebürtige Wolfsburger – und bekennende VFL-Fan – André Voigt ist Chefredakteur der FIVE, Autor & Herausgeber von „Planet Basketball“ und informiert Basketballdeutschland regelmäßig in seinem Audio-Podcast „Got Nexxt“ und auf seiner Homepage 3meter5.de über alles Wissenswerte aus der NBA, Euroleague und BBL. Seine Kolumne erscheint exklusiv für das OrangeZone.Magazin.


ORANGE NUMBERS

THORSTEN LEIBENATH

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TEXT Florian Eisebitt FOTO Ulli Schlieper

SPIELE AN DER SEITENLINIE 8 Jahre – 432 Spiele in vier Wettbewerben. Davon 324 in der BBL, 94 im internationalen Wettbewerb und 14 Pokalpartien – so viele Spiele hat vor ihm noch kein Coach für ratiopharm ulm geleitet.

27 ,4% 65 2

KAUGUMMIS PRO SPIEL

Doppelt hält besser – pro Spiel vernaschte Thorsten Leibenath jeweils zwei Kaugummis – genau eines pro Halbzeit. Die helfen bekanntlich ja nicht nur gegen Stress, sondern fördern auch die Konzentration.

SIEGE IN FOLGE SIEGQUOTE

Insgesamt 252 Erfolge verbuchte Thorsten Leibenath als Head Coach von ratiopharm ulm. Vier Mal zogen die Ulmer mit ihm an der Seitenlinie in die EuroCup Top16 ein, je zwei Mal wurde das Team Vize-Pokalsieger und Vize-Meister.

Unter der Regie von Thorsten Leibenath gewinnt ratiopharm ulm die ersten 27 Spiele der Saison 16/17 und knackt damit die 47 Jahre alte Bestmarke des Rekordmeisters Leverkusen.


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2X 4

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EIN STÄNDIGER BEGLEITER Per Günther ist schon jetzt eine Ulmer Legende – und der einzige Spieler, der während der Amtszeit von Thorsten Leibenath durchgängig das orangene Trikot trug.

TRAINER DES JAHRES

In seinem ersten Jahr coachte Thorsten Leibenath die Uuulmer zur ersten VizeMeisterschaft, in der Saison 16/17 zur Rekordsiegesserie – in beiden Jahren erhielt er die Auszeichnung zum Trainer des Jahres.

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FAMILIENMITGLIEDER Für Thorsten Leibenath ist Ulm ein zweites Zuhause geworden. Der einstige Junggeselle fand hier die Liebe seines Lebens, gründete eine Familie und ist jetzt glücklicher, zweifacher Vater.

THORSTEN LEIBENATH Mit Jaka Lakovic wird in der kommenden Saison ein neuer Trainer für ratiopharm ulm an der Seitenlinie stehen. Ein guter Anlass, um auf die vergangenen acht Jahre seines Vorgängers Thorsten Leibenath und seine beeindruckenden Zahlen zurückzublicken.

85

EINGESETZTE SPIELER Genau 85 Spieler setzte Thorsten Leibenath während seiner Amtszeit ein. Für viele war Ulm ein Karrieresprungbrett. Während es für Daniel Theis beispielsweise in die NBA ging, wurde Will Clyburn unlängst EuroLeague-Champion.


TITEL

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JAKA LAKOVIC

TEXT Martin Fünkele FOTO Vid Ponikvar, FIBA

DER JAKA LAKOVIC IST EIN GEWINNER.

G LDSEIN ERFOLGSGEHEIMNIS:

JUNGE HARTE ARBEIT!

Jaka Lakovic ist 41 Jahre jung. Er ist erst der vierte Ulmer Head Coach seit 2001. Noch nie gab es in der easyCredit BBL einen Trainer mit einer vergleichbaren Spieler-Karriere. Lakovic gewann mit Barcelona die EuroLeague und auch für Panathinaikos Athen und Galatasaray Istanbul stemmte er Trophäen in die Luft. In Ulm will Lakovic mit seiner Erfahrung eine junge, hungrige Mannschaft prägen – ganz nach seinem Vorbild.

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TITEL

JAKA LAKOVIC

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TITEL

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JAKA LAKOVIC

KARRIERE ALS SPIELER

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SLOVAN 1. SLOWENIEN GEOPLIN 1996 – 2001

4. SPANIEN

2. SLOWENIEN 2001/02

KRKA NOVO MESTO

FC BARCELONA 2006 – 2011

8. SPANIEN FC BARCELONA B 2015/16

6. ITALIEN

5. TÜRKEI

SIDIGAS AVELLINO 2013/14

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. nicht leicht gegen ihn zu spielen“, erinnert Am 7. Juni 2019 vermeldet der Tabellensich Patrick Femerling. „Jaka war extrem sechste der Saison 2018/19 um 10.30 Uhr: gut im Pick & Roll, unheimlich schnell und Jaka Lakovic wird neuer Head Coach von konnte eben werfen“, sagt Femerling, der ratiopharm ulm. Nicht einmal eine halbe auch zwei Jahre gemeinsam mit Lakovic für Stunde später gratulierte Goran Dragic Panathinaikos Athen spielte. seinem Idol und ehemaligen Mitspieler auf Twitter. Dragic ist wie Lakovic Slowene, ge- Schon bevor Lakovic 2002 nach Athen meinsam gewannen sie 2017 den EM-Titel. wechselte, war er in Slowenien eine LeDragic war damals Sloweniens Topscorer, gende. Für Novo Mesto, den slowenischen Lakovic Assistant Coach. „Er hatte einen EuroLeague-Teilnehmer, legte er in der großen Einfluss auf die Goldmedaille. Vor Königsklasse im Schnitt 20,9 Punkte auf. allem auf mich, weil ich ihn schon so lange „In Slowenien haben wir alle zu ihm aufgekenne“, sagt Dragic, schaut. Insbesondere dem selbst bei einem ab dem Moment, als Telefongespräch die er für Panathinaikos Ehrfurcht anzumerken unterschrieben hat“, ist, wenn er über Jaka sagt NBA-Star Goran Lakovic spricht. NeDragic. In Athen trifft ben Wunderkind Luka Lakovic nicht nur auf Doncic, der an der Seiden deutschen Center te von Dirk Nowitzki Patrick Femerling, er in Dallas zum Rookie macht auch erstmals des Jahres wurde, ist Bekanntschaft mir Dragic der bekannteste Trainer-Guru Zelslowenische Basketjko Obradovic. Kein GORAN DRAGIC baller. In der kommenanderer Trainer hat den NBA-Saison wird die EuroLeague so er 19 Millionen Dollar verdienen. Dragic häufig gewonnen wie Obradovic. Die knapp sagt: „Jaka war mein Vorbild, er hat mich zu 21 Punkte, die Lakovic im Vorjahr für Novo Beginn meiner Karriere sehr geprägt.“ Mesto aufgelegt hatte, beeindruckte Obradovic nicht. „Das erste Jahr unter ihm war Slowenien ist ein kleines Land, zwei Mildas schwerste meiner Karriere. Es schien, lionen Menschen leben zwischen Alpen als hätte ich alles vergessen und müsste und Mittelmeer in der ehemaligen Teilerst wieder lernen, Basketball zu spieprovinz des Vielvölkerstaats Jugoslawien. len“, verrät Lakovic im Januar 2008 dem Baden-Württemberg hat fünfmal so viele slowenischen Playboy. Auch heute sind die Einwohner. Seit seiner Unabhängigkeit Erinnerungen an Obradovic bei ihm noch im Jahr 1991 haben die Slowenen an jeder frisch. „Es war wie eine Gehirnwäsche. Er Basketball-EM teilgenommen. Jaka Lakovic hat all das, was ich konnte, in Frage gewar sieben Mal dabei, mit 86 Einsätzen für stellt”, erinnert sich Lakovic an sein erstes Slowenien ist er Rekordnationalspieler. Das Jahr in Athen. Doch die Plackerei zahlt sich letzte Mal, als die deutsche Nationalmannaus. Lakovic steigert seine Punkteausbeuschaft auf Slowenien traf, war im Sommer te in den darauffolgenden zwei Jahren in 2007. In Madrid setzten sich Nowitzki & Co. Athen auf 15,1 Zähler (2004/05) und erlebt knapp mit 69:65 durch. Lakovic stand 37 im Jahr 2005 seinen absoluten Durchbruch: Minuten lang auf dem Parkett und erzielte Liga MVP in Griechenland, Meister und die meisten Punkte für sein Team. „Es war wertvollster Spieler der Finalrunde – alles

GALATASARAY ISTANBUL 2011 – 2013

3. GRIECHENLAND PANATHINAIKOS 2002 – 2006

7. TÜRKEI ROYAL HALI GAZIANTEP 2014/15

in einer Saison. Heute sagt Lakovic. „Die Bereitschaft ist wichtiger als das Talent. Talent hat jeder Spieler, doch wenn du nicht bereit bist Opfer zu bringen, nützt dir das Talent nichts.“

JAKA WAR MEIN ORBILD

GRÖSSTE ERFOLGE GRIECHISCHER MEISTER 2003, 2004, 2005, 2006 GRIECHISCHER POKALSIEGER 2003, 2005, 2006 MVP DER GRIECHISCHEN LIGA 2005 ALL-EUROLEAGUE SECOND TEAM 2005 SPANISCHER MEISTER 2009, 2011 SPANISCHER POKALSIEGER 2007, 2010, 2011 EUROLEAGUE CHAMPION 2010


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TITEL

JAKA LAKOVIC

KARRIERE ALS TRAINER

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SLOWENISCHE NATIONALMANNSCHAFT 2016 – 2019

BILBAO BASKET 2017/18

JOVENTUT BADALONA 2018/19

Und Lakovic hat in seiner Karriere viele Opfer gebracht. Wer mit einer Körpergröße von nur 186 Zentimetern zu den elf besten Punktesammlern der EuroLeagueHistorie zählt, muss hart arbeiten. „Jaka war ein echter Kapitän. Einer, der als erstes in die Halle kam und als Letzter ging. Wenn wir mit ihm trainiert haben, wurde eine Übung erst dann beendet, wenn sie perfekt war“, beschreibt Dragic den Mann, der die EuroLeague 2002 als bester Freiwurfschütze (89%) anführte. Fragt man Lakovic heute, was er von Obradovic oder Igor Kokoskov, den beiden Trainern, die ihn am meisten geprägt haben, gelernt hat, sagt er: „Du kannst nicht besser werden, wenn du nicht hart arbeitest und bereit bist zu lernen“. Das klingt simpel. Doch wenn deine Lehrmeister Obradovic heißen oder eben Kokoskov – slowenischer Nationaltrainer und erster Europäer, der in der NBA als Head Coach arbeitete – gewinnen die einfachen Weisheiten an Gewicht. Was Lakovic von den beiden Trainern gelernt hat, fasst er so zusammen. „Hard work, works.“ Und: „Niemand steht über dem Team, keiner ist wichtiger als der andere.“ Jesus Ramirez kennt Lakovic auch als Trainer. Der ehemalige Ulmer Assistant Coach war gemeinsam mit Lakovic Co-Trainer in Bilbao. Ihre Wohnungen lagen auf demselben Stock und „unsere Türen waren immer offen“, sagt Ramirez. „Jaka ist kein typischer Ex-Spieler. Viele, die auf dem Feld erfolgreich waren, sind es nicht gewohnt auch abseits des Parketts hart zu arbeiten. Jaka ist ein sehr harter Arbeiter. Auch wenn es in diesem Jahr in Bilbao sehr schwierig war, war er immer fokussiert.“ 2017/18 ist Lakovics erste Saison als Trainer. Nach einem Jahr als spielender Mentor und coachender Spieler für die Reservemannschaft des FC Barcelona heuert er in Bilbao an. Doch das Timing hätte besser sein können. Auch zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise fehlt in Spanien vielerorts das Geld – auch im Basketball. „Während meiner sechs Jahre in Ulm habe ich nicht einmal auf mein Konto geschaut, mein Geld war einfach immer da. In Bilbao habe ich sechs Monate auf mein Gehalt gewartet“, beschreibt der Ex-Ulmer Ramirez die Lage. Neben einem schlecht zusammengestellten Team sind es die massiven finanziellen Probleme, die in Bilbao eine Negativspirale in Gang setzen. Zwei Trainer verlieren vorzeitig ihren

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AKA IST EIN GEILER TYP PATRICK FEMERLING

Job. Für die letzten vier Spiele der Saison übernimmt Lakovic den Cheftrainerposten. Auch er kann den Abstieg nicht verhindern, sagt aber, „dass ich in diesem Jahr die Erfahrungen von drei Saisons gemacht habe“. Denn: „Wenn es schlecht läuft, lernst du am meisten.“ Auch deshalb ist ihm die Zusammenstellung seiner neuen Mannschaft in Ulm so wichtig. Deshalb hat er einige schlaflose Nächte verbracht und bis in den frühen Morgen mit Geschäftsführer Dr. Thomas Stoll und Sportdirektor Thorsten Leibenath über Spielernamen diskutiert. „Wenn du einen guten Sommer hast, kannst du auf einen ruhigen Winter hoffen“, sagt Lakovic. Wer Lakovic nun darauf reduziert, ein hartarbeitender

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TITEL

JAKA LAKOVIC

Ehrgeizling zu sein, liegt daneben. Patrick Femerling beschreibt seinen Freund schlicht als „einen geilen Typen“. Im Playboy-Interview von 2008 sagt Lakovic über Lakovic: „Ich persönlich liebe die Verantwortung und laufe nicht weg.“ Beispiel gefällig: In einem Länderspiel gegen Italien kassiert Slowenien bei der EM 2007 in Spanien vier Sekunden vor dem Buzzer einen Dreipunktewurf. Als Lakovic den Ball bei „minus zwei“ übers Feld dribbelt, bleibt ihm also nicht mehr viel Zeit. Doch dem pfeilschnellen Point Guard reichen die wenigen Sekunden, um seine Nation mit einem Distanzwurf zum Sieg zu werfen. Im schon erwähnten Playboy-Interview sagt er: „Es geht darum, die Eier zu haben etwas zu tun, was der Gegner nicht erwartet – darin liegt die Schönheit des Basketballs.“ Schön war auch das Werbevideo, das Lakovic gemeinsam mit Dragic aufgenommen hat. 2013 war das, als die Nationalspieler die Europameisterschaft im eigenen Land bewarben. Das Video zeigt die beiden Basketballer, wie sie in Ganzkörper-Latzhosen gehüllt versuchen, einen veritablen Fisch aus einem Kescher zu befreien. „Das war ein Heidenspaß“, erinnert sich Lakovic, dem das Fischen nicht fremd ist. „Mein Opa war Präsident der Fischervereinigung in Jugoslawien, er hat mich oft mitgenommen, ich weiß wie das geht.“ Wenn am 24. September die 54. Saison der easyCredit BBL für ratiopharm ulm mit einem Heimspiel gegen Vechta beginnt, können sich die Ulmer Fans auf einen Head Coach freuen, der noch am Anfang seiner Trainer-

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„WENN DU NICHT BEREIT BIST OPFER ZU BRINGEN, NÜTZT DIR D A S T A L E N T N I C H T S .“ JAKA LAKOVIC

laufbahn steht. Auf einen 41-jährigen, der in seiner 20-jährigen Profikarriere fast alles gewonnen hat, was man in Europa gewinnen kann und der nach zwei Jahren als Co-Trainer in der spanischen ACB und als Assistent von Igor Kokoskov mit der slowenischen Nationalmannschaft bereit ist für den nächsten Schritt. „Wenn man als Spieler bestimmte Ideen verinnerlicht hat und weiß, wie ein Spiel zu lesen ist, hilft das als Trainer. Gerade als Point Guard bist du einen gewissen Umgang mit Spielern gewohnt – das überträgt sich auch auf den Trainer. Ich traue Jaka zu, ein sehr guter Head Coach zu sein“, sagt Patrick Femerling. Fragt man Lakovic mit welchen Attributen er das Spiel seiner Ulmer Mannschaft beschreiben würde, sagt er: „Wir wollen einen schnellen, athletischen Basketball spielen, der auf einer sehr guten Verteidigung basiert. Unser Basketball soll die Fans begeistern und sie stolz machen.“ Nach einer kurzen Pause fügt er mit Nachdruck hinzu: „Wir werden ehrgeizig sein.“

GRÖSSTER ERFOLG:

EM

GO LD


INTERVIEW

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ANDREAS OBST

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TEXT Florian Eisebitt FOTO Sebastian Dobrietz, Pressefoto Ulmer

ICH HABE IMMER SEHR GERN IN ULM GESPIELT. GEBOREN: NATIONALITÄT: GRÖSSE: POSITION:

13. JULI 1996 DEUTSCH 1,91 M SHOOTING GUARD

IM INTERVIEW SPRICHT ANDREAS OBST ÜBER SEINE ZEIT IN SPANIEN, JAKA LAKOVIC UND SEINE ERINNERUNGEN AN DIE RATIOPHARM ARENA.


INTERVIEW

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ANDREAS OBST

ORANGEZONE 05

2016 / 17

2011 - 2014

2018 / 19

Giessen 46ers (BBL) Monbus Obradoiro (ACB)

Breitengüßbach (NBBL, ProB)

2014 - 2016 Baunach / Brose Bamberg (ProA, BBL)

Er ist der erste Ulmer Neuzugang. Bei einer Stippvisite in Ulm zwischen Medical Test im RKU und Vorbereitung auf den Nationalmannschaftssommer nimmt sich Andi Obst Zeit für ein entspanntes Gespräch. Andi, nach einem Jahr in der spanischen ACB kehrst du wieder in die BBL zurück – obwohl du eigentlich längerfristig bei Obradoiro in Santiago unterschrieben hattest. Was hat dich zu diesem Schritt bewogen? Das ergab sich letztlich sehr schnell. Ich hatte mich schon darauf eingestellt, dass ich nach der Sommerpause in mein zweites Jahr in Spanien gehe und hatte mich auch darauf gefreut. Dann hat aber Jaka Lakovic den Kontakt zu mir gesucht und sich mit mir in Verbindung gesetzt. Er hat mir am Telefon von seinen Plänen und Vorstellungen, seinem Spielverständnis und meiner Rolle erzählt. Dazu kommt, dass Ulm nächste Saison wieder im EuroCup dabei ist. Außerdem habe ich immer sehr gern in Ulm gespielt – die Stimmung in der Halle ist auch für Gastmannschaften etwas Besonderes. Das waren alles sehr reizvolle Gründe. Bei deiner Verpflichtung hast du davon gesprochen, dass dich Jaka Lakovic und seine Spielidee überzeugt haben. Von welcher Art Basketball hat der neue Ulmer Head Coach gesprochen? Er will schnell spielen und einiges vom spanischen Basketball mitbringen – das freie Spiel, die Schnelligkeit. Am Ende hängt es an uns als Spieler, wie wir das umsetzen. Aber ich denke, er hat eine Philosophie und eine Grundidee und das wird auch funktionieren. Spanischer Basketball und Andi Obst – diese Kombination scheint irgendwie zu passen. Gegen die beiden Powerhouses Madrid und Barcelona hast du in der letzten Saison deine besten Spiele gemacht. Ich habe letztes Jahr gemerkt, dass mir die Spielart liegt. In Spanien wird sehr intelligent gespielt – mit hohem Basketball-IQ, vielen kleinen Tricks und Fakes. Da kommt es dann auch auf die Details an. Man hat auch in der BBL gesehen, dass die Spielweise beispielsweise bei Berlin und Vechta erfolgsversprechend ist. Die Spiele gegen Barcelona und Madrid – das waren Tage, da lief es einfach. Ich hatte mich riesig darauf gefreut und wenn man dann auch noch einen Sahnetag erwischt, ist das umso schöner.

2017 / 18

Oettinger Rockets (BBL)

Und dennoch war davon in den deutschen Medien fast nichts zu lesen. Hattest du das Gefühl als deutscher Nationalspieler im Ausland ein wenig vom Radar zu verschwinden? Das habe ich nicht mitbekommen. Das war mir in dem Moment aber auch egal, weil ich mich gern auf das konzentriere, was vor mir passiert. Ich habe in Spanien Basketball gespielt, dort hat man es wahrgenommen und in Spanien wird man auch als der Spieler respektiert, der man ist. Das ist auch ein Unterschied zur deutschen Liga. Klar schauen auch die Coaches in Spanien auf Stärken und Schwächen. Dennoch geht es vielmehr darum, die Stärken jedes Einzelnen hervorzuheben und die jeweiligen Schwächen dann als Team zu kompensieren. Darüber hinaus müssen auch die Charaktere zusammenpassen. Man wird dort weniger in eine Schublade gesteckt. Du hast in der letzten Saison auch zwei Mal gegen Badalona – damals noch mit Jaka Lakovic als Assistant Coach – gespielt. Habt ihr euch gegenseitig wahrgenommen? Ich wusste zwar, wer er ist. Aber persönlich kennengelernt haben wir uns dort noch nicht. Klar, über drei Ecken kennt man sich vielleicht doch irgendwie, aber den ersten echten Kontakt gab es jetzt am Telefon. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat sich deine Dreierquote über die Saison in Santiago nicht nur stabilisiert – mehr als 43 Prozent sind persönlicher Karrierebestwert. Und das obwohl der Distanzwurf schon immer eine deiner Stärken war. Am Ende war ich davon selbst ein bisschen überrascht. Das ist schon eine stabile Quote, vielleicht hätte es sogar noch ein bisschen mehr sein können. Am Anfang brauchte ich ein wenig Zeit zum Akklimatisieren, weil das System in Santiago etwas untypisch war. Es war organisiert, aber für die Werfer ging es viel darum zu laufen, über Blöcke zu gehen. Nach einer Weile kam ich damit immer besser zurecht, habe mich wohl gefühlt und es als Routine verinnerlicht. Dann lief es wesentlich besser.

DIE GRÖSSTEN ERFOLGE NBBL-Allstar (2014) EM-Gold (U18, Division B, 2014) deutscher Meister (2015, Bamberg) Nachwuchsspieler des Jahres (BBL, 2018) BBL-Allstar (2018)


INTERVIEW

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ANDREAS OBST

Darüber hinaus hast du schon in Gotha unter Beweis gestellt, dass du ein unangenehmer Verteidiger sein kannst und dich auch vor Verantwortung und entscheidenden Würfen nicht scheust. Sind das die essentiellen Säulen in deinem Spiel?

„ICH MÖCHTE MICH IN ALLEN ASPEKTEN DES SPIELS ENTWICKELN“ Ja, das würde ich schon sagen. Das mochte ich schon immer. Ich habe schon als Jugendlicher die EuroLeague verfolgt und versucht mir Sachen abzuschauen. Vor allem in der Crunchtime bei den Spielern, die sich nichts anmerken lassen, die einen kalten Blick haben und sich nur auf das Spiel konzentrieren. Und dann war ich fasziniert von deren Entscheidungen – egal ob es Würfe, Pässe oder defensive Stopps waren. Deswegen versuche ich auch defensiv dem Spiel meinen Stempel aufzudrücken. Das wurde mir auch in der Jugend beigebracht. Ich möchte mich in allen Aspekten des Spiels entwickeln und unter Jaka Lakovic als Allrounder einsetzbar sein. Gegenüber der BIG (Ausgabe #82 – Januar 2019) hast du gesagt, dass du dich so schnell wie möglich weiterentwickeln willst. Wo siehst du persönlich noch Entwicklungspotenzial? Ich denke in der Spielgestaltung kann ich noch dazulernen. Zum Beispiel im Pick&Roll möchte ich noch aggressiver werden – nicht nur als Scoringoption, sondern auch bei der Entscheidungsfindung, um Mitspieler in Szene zu setzen. Natürlich möchte ich weiterhin konstant an meinem Wurf arbeiten und defensiv dran bleiben. Welche basketballerischen Vorbilder hast du denn? Da gibt es viele. In der ACB waren es die typischen Shooter – Jaycee Carroll, Kyle Kuric. Das sind Wahnsinnsspieler. Damals habe ich sehr gern Dimitrios Diamantidis zugeschaut. Leider spielt er nicht mehr. Den fand ich damals aber sehr cool. Europäischer Basketball vor NBA? Ja, der gefällt mir besser. Klar, NBA ist die Topliga der Welt, definitiv. Da sind unbestritten Individualisten dabei, die es so in Europa nicht gibt. Aber wenn ich mir den

reinen Basketball anschaue, dann ist der Teambasketball aus Europa viel schöner, aufregender und anschaulicher. Bevor im September die neue Bundesliga-Spielzeit startet, steht mit der WM in China noch ein Basketball-Großereignis vor der Tür. Beim Lehrgang ab dem 6. August wirst du auch dabei sein. Ja, definitiv! Henrik Rödl war in der letzten Saison für zwei Tage in Santiago, hat sich ein Spiel angeschaut und ein bisschen mit mir gesprochen. Wie der finale WM-Kader aussieht, lässt sich jetzt schlecht sagen. Ich hoffe, dass ich dabei sein werde. Das hängt aber auch davon ab, wer von den NBAund EuroLeague-Akteuren kann oder nicht kann. Es ist definitiv mein Ziel bei der WM dabei zu sein und deswegen bleibe ich optimistisch. Zehn Spiele hast du in der Quali-Phase bereits für den DBB bestritten. Was würde dir eine WM-Teilnahme bedeuten? Wenn man die komplette Qualifikation mitgemacht hat, dann hat es eine große Bedeutung. Für die Nationalmannschaft zu spielen ist für mich etwas sehr Besonderes. Ich freue mich immer sehr, für den DBB aufzulaufen – das war auch damals in der U16 und U18 der Fall. Es hat mir bisher immer sehr viel Spaß gemacht, weil es auch eine Art Privileg ist, dass nicht jeder Sportler erleben kann. Deswegen bin ich darauf sehr stolz.

Das wäre natürlich schon schade. Aber auch wenn man den Start mit dem Team verpasst, ist es ein Teil des Jobs. Deswegen denke ich, dass alle ihr Bestes geben und wir uns schnell als Team finden und ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln. Dann wird man es letztendlich nicht mehr merken, wenn einige Akteure die ersten Wochen nicht dabei waren. Fest steht aber jetzt schon, dass die neue Spielzeit mit einem Heimspiel gegen Vechta startet. Ist die Vorfreude, obwohl es noch knapp zwei Monate hin ist, schon da? Zunächst erinnere ich mich an eine Vielzahl von Niederlagen, die ich in der ratiopharm arena kassiert habe. Ein paar Spiele habe ich zwar auch gewonnen, aber mit weniger Spielanteilen. Die Arena ist unglaublich cool, sehr modern. Die gefällt mir sehr. Auch die Fans haben mich beeindruckt – die sind sehr sympathisch, leidenschaftlich und sehr, sehr laut.

„ FÜR DEUTSCHLAND ZU SPIELEN IST FÜR MICH ETWAS SEHR BESONDERES“

Viele sprechen bei der aktuellen Nationalmannschaft von einer Goldenen Generation. Die Kehrseite der Medaille ist ein enormer Konkurrenzdruck. Das stimmt. In der NBA und auf dem internationalen Markt sind immer mehr deutsche Spieler im Gespräch. In der Bundesliga setzen sich immer mehr Spieler durch und erhalten die Chance auf mehr Spielzeit. Das ist unglaublich gut für den deutschen Basketball. Am Ende macht das nicht nur die Nationalmannschaft, sondern auch die heimische Liga stärker. Ich hoffe die Entwicklung setzt sich fort. Die Teilnahme an der Weltmeisterschaft würde allerdings auch bedeuten, dass du einen Großteil der Vorbereitung mit deinem neuen Team verpassen würdest.

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ANTON GAVEL

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TEXT Joshua Wiedmann FOTO Ulf Duda, Volmar Könneke

ARBEIT SCHLAGT TALENT ! ALS SPIELER WAR ANTON GAVEL IN DER BBL EINE LEGENDE. ALS TRAINER IST ER IN ULM EIN NOVIZE. Anton Gavel war fünfmal Meister, FinalsMVP und einer der prägenden Spieler seiner Zeit. Ein Jahr nach seinem Karriereende kehrt er nun zurück in den Basketball – als ProB- und NBBL-Coach in Ulm. An der Scharnierstelle zwischen Profis und Jugend soll Gavel vermitteln, womit er selbst Karriere machte: „Man kann viel Talent haben, aber man kann sich noch mehr erarbeiten.“ Die Geschichte eines besonderen RookieCoaches. Ein Freitag Anfang Juni. Es ist heiß, der Vorbote eines brutalen Sommers, und man kann sich für so einen überhitzten Tag Vieles vorstellen, nur keine Autofahrt quer durch Europa. Als Anton Gavel von unterwegs anruft, hat er trotzdem gute Laune. München, Wien, Bratislava, und dann noch die zähe Route durch das slowakische Inland: Neun Stunden Fahrt – nicht gerade ein Katzensprung für ein Wochenende in der alten Heimat. Aber Gavel hat jetzt Zeit für lange Fahrten nach Hause, Zeit, die früher rar war. „Ich war wenig daheim, seit ich 15 bin – oft nur

einmal im Jahr“, sagt er. Meist seien die Saisons bis tief in den Juni hinein gegangen, erzählt er, dann kam die Nationalmannschaft, bald darauf schon wieder die neue Vorbereitung. Fast zwei Jahrzehnte lang dominierte der Sport seinen Kalender. „Ich wollte es ja so“, lacht er. „Aber es ist schön, es jetzt auch mal ein wenig anders zu haben.“ Im Juni 2018 geht der Marathon nach 18 Jahren zu Ende. Zum Abschluss holt Gavel mit dem FC Bayern in seinem sechsten Playoff-Finale die fünfte Meisterschaft; es ist der würdige Schlusspunkt hinter einer großen Karriere. „Tono“, dieser Name ist in Basketball-Deutschland eine Marke, der Inbegriff von Erfolg und Leidenschaft und einem Respekt, wie ihn sich in diesem Jahrtausend nur wenige in der BBL erarbeitet haben. Gavel ist eine Legende – aber auf seinem Legendenstatus ausruhen? Nicht Anton, nicht der Mann, den sein Ex-Coach Chris Fleming einmal als „härtesten Arbeiter im deutschen Basketball“ bezeichnete. In wenigen Wochen geht es nach Ulm, ein neues Kapitel beginnt. Trainer „Tono“ – noch klingt das ungewohnt.

Aber wer Anton Gavels Geschichte kennt, hat wenig Zweifel, dass er auch in dieser Rolle Erfolg haben wird. Es gibt also viel zu besprechen. „Kein Problem, ich bin noch fünf, sechs Stunden unterwegs“, sagt Anton, und klingt auch dabei völlig entspannt. „Schieß los!“

EINE FAHRT IN DIE VERGANGENHEIT Anton Gavels Geschichte ist keine gewöhnliche. Sie ist eine von weiten Wegen, mutigen Entscheidungen und dem Ehrgeiz, es immer ein bisschen mehr zu wollen als die anderen. Sie beginnt im slowakischen Kosice, einer Stadt, die in den 80er-Jahren eine Hochburg des europäischen Eishockey-Sports ist. Zwischen 1986 und 1989 gewinnt der lokale Armeeclub zweimal die tschechoslowakische Meisterschaft, zweimal geht es bis ins Europapokal-Finale. Für sportinteressierte Kids gibt es damals kein Vorbeikommen am Eishockey. „Mit fünf Jahren habe ich mit Eiskunstlauf angefangen. Es war mein Traum,


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ANTON GAVEL

SHORTFACTS ANTON GAVEL GEBOREN: 24. OKTOBER 1984 NATIONALITÄT: SLOWAKISCH KARRIERE ALS SPIELER: BG KARLSRUHE (2000-2004), GIESSEN 46ERS (2004-2006), POLARIS WORLD MURCIA (2006-2008), ARIS THESSALONIKI (2008/09), BROSE BASKETS (2009-2014), FC BAYERN MÜNCHEN (2014-2018) NATIONALMANNSCHAFT: SLOWAKEI (2005-2013, 89 SPIELE), DEUTSCHLAND (2015, 12 SPIELE) GRÖSSTE ERFOLGE: DEUTSCHER MEISTER (2010, 2011, 2012, 2013, 2018), DEUTSCHER POKALSIEGER (2010, 2011, 2012, 2018), BBL ROOKIE OF THE YEAR (2006), BBL DEFENSIVE PLAYER OF THE YEAR (2012, 2013), BBL FINALS MVP (2013).

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ANTON GAVEL

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später selbst Eishockey zu spielen“, erinnert sich Anton. Das Familienerbe der Gavels ist aber – zum Glück – ein anderer Sport. Beide Elternteile spielten selbst Basketball, Papa Gavel ist es schließlich auch, der den Sohnemann mit in die Halle schleppt. Während der Senior ältere Kids trainiert, nimmt der Junior – damals in der zweiten Klasse – am Seitenkorb seine ersten Würfe. „Es hat mir gleich Spaß gemacht und ich war von da an immer besser als die anderen“, sagt er. Wirklich „groß“ ist Basketball damals aber nicht in der jungen Slowakischen Republik, Spitzenclubs mit Jugendprogrammen oder renommierte Basketball-Schulen gibt es kaum. Die richtig Guten gehen ins Ausland – wenn sie alt genug sind. Doch Anton will es früher wissen als viele andere. Und er hat Glück: Ivan Vojtko ist um die Jahrtausendwende Zweitliga-Trainer in Deutschland und kennt den Basketball in Kosice aus seiner Zeit als dortiger Damen-Coach. Er hört sich im deutschen Unterhaus um und erzählt, dass er da einen Jungen aus seiner Heimat kenne, dem er es zutraue, in Deutschland Fuß zu fassen. Es ist die BG Karlsruhe, die Gavel im Sommer 2000 schließlich nach Deutschland holt. Anton ist da noch nicht einmal 16 und das Recruiting ausländischer Teenager zu dem Zeitpunkt noch lange keine gängige Praxis im europäischen Basketball.

IN VIER JAHREN ZUM ABI, IN FÜNF JAHREN ZUM PLAYOFFHELDEN

Gavels Durchbruch in Deutschland symbolisiert nicht nur eine basketballerische Erfolgsgeschichte, sondern auch einen Vorzeigefall gelungener Sportintegration. In Karlsruhe wohnt „Tono“ in einer WG mit zwei anderen Spielern, er trainiert im Zweitliga- und Jugendteam, geht aufs Gymnasium und erhält nebenbei extra Deutschstunden in der Schule, um seinen Sprachrückstand aufzuholen („ich konnte ja keinen Brocken Deutsch“). Dazu kommen die Aufgaben im Alltag – Kochen, Wäschewaschen, Behördengänge. Viel auf einmal für einen Teenager. „Das war nicht einfach, aber dann muss man eben schneller reifen“, erzählt Gavel so lapidar, wie man das eben erzählen kann, wenn man mit 16 plötzlich erwachsen werden muss. Aus seinen 18 Profijahren weiß Gavel aber auch,

dass das System Profisport die Eigenständigkeit seiner Athleten nicht immer fördert. „Als Profi ist man schon auch ein kleines Baby“, sagt er offen, „es wird vieles für einen erledigt. Man ist da in einer Art Kokon, ohne den man kaum existieren könnte. So jung schon einiges an Verantwortung für mich selbst zu tragen, war für meine Entwicklung als Mensch sehr wichtig.“

Gavels sportlich beste Jahre sind die in Bamberg. Nach durchwachsenen Engagements in Spanien und Griechenland kehrt „Tono“ Ende 2009 in seine zweite Heimat DeutschUnd Verantwortung trägt Gavel auch auf dem land zurück – zunächst als Ersatz für den Feld. In Karlsruhe ist er 2003 mit 19 Jahren verletzten John Goldsberry. Aus dem ErSchlüsselspieler beim Bundesliga-Aufstieg satzmann wird indes schnell der Unersetzund macht nebenher sein Abi. In Gießen teilt liche und aus dem Aushilfsjob in Bamberg er sich zwei Jahre später beim Playoff-Einzug eine Dynastie, wie sie Basketball-Deutschder 46ers den Aufbaujob mit dem ebenfalls land seit den dominanten Alba-Jahren nicht erst 20-jährigen Heiko Schaffartzik. In Hes- mehr gesehen hatte. Unter den Geschlagesen trifft Gavel auch auf Thorsten Leibenath, nen, die Bamberg zwischen 2010 und 2013 damals Assistenztrainer, und von Stunde bei sieben nationalen Titelsausen zusehen Null an bekennender Fan des Slowaken. „Ich müssen, ist mehrmals auch Thorsten Leikonnte kaum glauben, dass jemand so jung benath. Anfang 2012 scheitern Leibenaths schon so gut Basketball spielen konnte“, er- Ulmer binnen vier Monaten zweimal an Gainnert sich Leibenath. „Vor allem aber war vels Bambergern, erst im Pokal-Halbfinale Anton professioneller und disziplinierter (96:99), dann in den Playoff-Finals (0-3). als andere in seinem Alter.“ Zwischen dem Die Niederlagen gegen Bamberg sind für jungen Coach und seinem Point Guard ent- Leibenath auch deswegen Auf-die-Zungewickelt sich eine Beziehung, die bald „mehr beiß-Momente, weil sie ihn an die verpassals das klassische Coach-Spieler-Verhältnis“ te Chance erinnern, Gavel in sein eigenes (Gavel) ist. Auch, als sich die Wege nach Team zu holen. 2009 ist das, Leibenath ist 2006 trennen, sagt Leibenath seinem Freund seinerzeit Head Coach in Quakenbrück und immer wieder: ‚Wart’s ab, irgendwann arbei- kann sich mit seinem Wunsch, den Sloten wir noch einmal zusammen!‘ waken zu verpflichten, intern nicht durchsetzen. „Diese Entscheidung hängt mir bis heute Leibenaths Prophezeiung: nach“, sagt Leibenath, der „WART’S AB, IRGENDWANN aus der Entfernung mitansehen muss, wie sein ARBEITEN WIR NOCHMAL Ex-Zögling in den Jahren ZUSAMMEN“ darauf zum vielleicht besten Spieler der BBL reift.


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ANTON GAVEL

TONO, DER SELF-MADE-STAR

Für Gavel auf der anderen Seite ist Ulm ein Lieblingsgegner, aus Sympathie, aber auch wegen vieler sportlicher Souvenirs, die er über die Jahre an der Donau sammelt. Da ist das Spitzenspiel der Zweiten Liga im Februar 2003, als der damals 18-Jährige Karlsruhe mit zwei Freiwürfen in die Verlängerung schießt und die BG schließlich am Kuhberg den vorentscheidenden Schritt Richtung Aufstieg feiert (101:105). Da ist das Finals-Rematch im Dezember 2012, als der Slowake mit 33 Punkten ein Career-High erzielt und eine furiose Aufholjagd zum Bamberger 83:85-Sieg anführt. Und da sind die vielen Duelle mit Per Günther, für die Gavel einen besonderen Sinn hat. „Per war der deutsche Star-Point-Guard, allein deswegen haben mich die Spiele gegen ihn immer gereizt“, sagt Anton schmunzelnd. „Ich wollte ihm immer zeigen, dass es noch nicht seine Zeit ist.“ Gavels Ehrgeiz ist ein Mythos. Die SZ titelte im Juni 2013 über den Slowaken: „Beseelter Berserker“ – und meinte es ganz und gar positiv. „Persönlich habe ich nie einen Spieler härter an sich arbeiten sehen als Anton“, sagt auch Thorsten Leibenath. Michael Körner, der in der vergangenen Saison mit Gavel die EuroLeague-Spiele des FC Bayern kommentierte, meinte unlängst im MagentaSport-Podcast: „Anton ist ein Basketballbesessener.“ Legendär sind die Geschichten, wie akribisch sich Gavel auf die Duelle mit gegnerischen Stars vorbereitete, unübersehbar war, wie er seinen Körper über die Jahre bis zur Perfektion stählte. „Hulk“, wie er von Manchen genannt wurde, schien zu seinen besten Zeiten durch jede Wand rennen zu können – auch ohne besondere Sprung- oder Schnellkraft. Und sogar die

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Gesetze der Physik bog er sich zurecht, wenn er seinen Sprungwurf, das Resultat einer immer etwas hektisch aussehenden Stoßbewegung, trotz minimaler Wurfkurve maximal effizient traf. „Ich war nie besonders talentiert, aber ich habe mich hochgearbeitet“, beschreibt Gavel sein Erfolgsrezept. Und genau das macht ihn in diesem Sommer zum idealen Mann für Ulm. Noch bevor klar ist, wie die Personalrochaden in den Trainerstäben der Ulmer Profi- und Nachwuchsteams final aussehen, klopfen Leibenath und Geschäftsführer Dr. Thomas Stoll bei Gavel an. Einen bestimmten Posten können sie ihm da noch nicht antragen, „aber das war auch nicht entscheidend. Die Hauptsache war: er kommt“, so Leibenath, der überzeugt ist: „Anton kann einem Verein nur gut tun, egal in welcher Funktion.“ Gavel lässt sich mit seiner Entscheidung Zeit. Er will dem Basketball verbunden bleiben, so viel ist klar. In München, wo er im Laufe der letzten Saison Individualtraining gibt, probiert er sich als Trainerhospitant – aber ein Vollengagement als Coach will gut durchdacht sein. Am Ende ist die Chance, wieder zwischen den Linien zu stehen und direkt Verantwortung für eine Mannschaft zu tragen, zu verlockend. „Ich freue mich einfach, mit den Jungs zu arbeiten“, sagt Gavel. „Diese tägliche Einstellung zur Arbeit war das, was mich immer getragen hat als Spieler und das will ich an unsere jungen Spieler weitergeben.“ Leibenath ergänzt: „Mit Talent allein hast du noch nichts erreicht, da muss man noch richtig viel investieren. Ich sehe Anton als den, der das vorleben kann.“

„ES GEHT NICHT MEHR UM MICH“ Ein 34-jähriger Trainerneuling, der praktisch ohne Vorerfahrung einen Drittligisten übernimmt – nicht überall wäre das denkbar. In Ulm wäre es dagegen nicht das erste Mal, dass eine mutige Personalentscheidung Früchte trägt. Klar ist aber auch: Nicht jede Ansprache wird gleich sitzen, nicht jede Taktik direkt wirken; es wird Zeit brauchen, bis der Neue im Trainerjob angekommen ist – das wissen alle Beteiligten, allen voran Gavel selbst. „Das ist alles neu für mich“, sagt er. „Aber wir haben in Ulm viele erfahrene Leute und ich freue mich darauf, von ihnen zu lernen.“ Lernen – ein Wort, das immer wieder fällt bei Gavel. Es drückt die Demut aus, mit der er, der einstige Star und Franchise-Spieler, seine neue Aufgabe angeht. „Ich hatte meine Zeit“, sagt er. „Jetzt geht es nicht mehr um mich, sondern um die jungen Spieler.“ Nur eine letzte persönliche Frage drängt noch: Ob Ulm „Tono“ Gavel – der Mann, der einst als Warrior mit Rauschebart in die Schlacht zog – künftig im feinen Zwirn an der Seitenlinie sehen wird? Er lacht. „Für den Anfang eher in Jeans und Hemd“, meint er. „Ich bin als Trainer noch nicht da oben angekommen, wo man Anzug und Krawatte trägt.“


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MARIUS STOLL

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TEXT Martin Fünkele FOTO Sven Kuczera, BBU ’01

AUS LIEBE ZUM SPIEL DIE LEIDENSCHAFT

FÜR BASKETBALL

WURDE MARIUS STOLL

IN DIE WIEGE GELEGT.

U8 U9 U10 U11 U12 U13 U14 U16 U18 JBBL NBBL PROB PROA BBL EUROCUP

V

on der U8 bis in die Bundesliga: Marius Stoll hat als gebürtiger Ulmer bisher alle Stationen in seinem Heimatclub durchlaufen. Sein prominenter Nachname hat ihm dabei nie etwas genützt – sein Vater, der ihm das Basketballspielen beigebracht hat, indes schon.

Der Ball fällt mit einem satten Blong auf den Ring. Auch der nächste Versuch verfehlt das Ziel. Blong. Blong. Es ist Mitte Juni und das BBU ’01 Trainingszentrum in der Neu-Ulmer Nelsonallee ist von Jugendlichen gekapert. Dort, wo sonst die Profis von ratiopharm ulm trainieren, spielen ein paar Jungs ein lockeres Vier-gegen-vier. Auf einen Korb. Auf der anderen Korbanlage arbeitet Assistant Coach Tyron McCoy mit Till Pape und Marius Stoll. Pape ist nur noch wenige Wochen in Ulm. In der nächsten Saison wird er in Kirchheim aktiv sein. Blong. Blong. Pape sammelt die Bälle ein, die Stoll auf den Ring setzt. Als der 19-Jährige sich kurz darauf verschwitzt in einen der vielen Plastikstühle am Spielfeldrand fallen lässt, hat er ein Lächeln auf den Lippen. Die verpassten Dreier sind kein Thema mehr. „Ich liebe es einfach zu trainieren“, sagt er und grinst. Stoll geht es gut, nicht nur weil er trainieren kann – was


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lagen beigebracht“, sagt der Sohn über den Vater, der ihn zwischen dem siebten und 14. Lebensjahr trainierte. Früher wurde auch auf der Hofeinfahrt Eins-gegen-eins gespielt. „Irgendwann hatte ich keine Lust mehr, weil ich ständig verloren habe. Heute spielt mein Vater nicht mehr mit. Ich glaube, er will nicht das erste Mal gegen mich verlieren.“ Als Marius das erzählt, muss er wieder grinsen. Er hat kein Problem damit, der Sohn einer der bekanntesten Persönlichkeiten der deutschen Basketballszene zu sein.

für einen jungen Mann mit seiner Geschichte keine Selbstverständlichkeit ist – sondern auch, weil er am darauffolgenden Tag erstmals zu einem Lehrgang der deutschen U20-Nationalmannschaft aufbrechen wird.

„Mir war immer bewusst, dass ich nicht wegen meines Namens, sondern wegen meiner Leistung auf dem Feld stand“, sagt Marius. Der Mann, der ihn nach seinem Vater am zweitlängsten trainiert hat, ist Danny Jansson. Unter dem Finnen entwickelte sich Stoll vom NBBL-Spieler zum Mitglied der Bundesliga-Mannschaft. Jansson sagt: „Ich habe ihm keine einzige Spielminute gegeben, weil er der Sohn von Thomas Stoll ist. Er hat sich seine Einsatzzeit hart erarbeitet.“ In der vergangenen Saison waren es im Schnitt 25 Minuten in der Barmer 2. Basketball Bundesliga ProB – im Jahr zuvor schickte Jansson den damals 18-Jährigen für die OrangeAcademy in der ProA elf Minuten pro Partie aufs Parkett. Dabei war Jansson anfänglich nicht überzeugt vom Potenzial des jungen Stoll. „Als ich ihn mit 16 in der NBBL das erste Mal gesehen habe, hätte ich ihm eine Basketball-Karriere nicht zugetraut. Jetzt traue ich ihm zu, dass er ein Point Guard auf hohem Niveau werden kann.“

Marius Stoll, der Sohn von Geschäftsführer Dr. Thomas Stoll. Der Junge, der schon immer in Ulm Basketball spielt und der seit zwei Jahren auf dem Teamfoto von ratiopharm ulm abgebildet ist. Wer seine Geschichte nicht kennt, könnte vermuten, der Chef habe seinen Sohn protegiert, ihm den Weg nach oben geebnet. Vielleicht ist es für Marius auch deshalb so wichtig, das erste Mal vom Deutschen Basketball Bund eingeladen worden zu sein.

Als Jansson Marius kennenlernt, läuft der Youngster einem Rückstand hinterher – einem lebensbedrohlichen Rückstand. Denn zweieinhalb Jahre zuvor war Marius plötzlich krank geworden. Was sich später als seltene Krebsart herausstellt, kommt zunächst ganz langsam. Kopfschmerzen, Fieber, Grippe-Symptome. Der topfitte Teenager ist häufig abgeschlagen. Dann hat er wieder für ein paar Wochen Kraft, um anschließend wieder erschöpft zu sein. Die

„Mich hat niemand zum Basketball gezwungen.“ Ein Satz, der für jeden jungen Spieler das Normalste der Welt sein sollte, erhält aus Marius‘ Mund eine andere Bedeutung. In der sechsköpfigen Familie Stoll gibt es nur zwei Mitglieder, die nichts mit Basketball zu tun haben: Mutter Alexandra spielt lieber Tennis, die vierjährige Elina ist noch zu jung. Marius Schwester Cara spielt in der Regionalliga, Bruder Linus in der JBBL. Ohne Vater Thomas sähe der Basketball in Ulm anders aus – auch der Spieler Marius Stoll wäre ein anderer. „Er hat mir alle Grund-

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erste Diagnose: Pfeiffersches Drüsenfieber. Erst später wird der Morbus Hodgkin im fortgeschrittenen Stadium festgestellt. Die Behandlung dauert ein halbes Jahr – von Dezember bis Mai ist Marius immer wieder im Krankenhaus. „Als ich ihn das erste Mal nach der Chemo und ohne Haare gesehen habe, war das ein Schock“, erinnert sich Christoph Philipps, der Marius schon seit Jahren kennt. Gemeinsam standen die Ulmer Talente schon in der U8 auf dem Feld und gemeinsam spielten sie unter Trainer Dr. Thomas Stoll. Gemeinsam erlebten sie nun auch die niederschmetternde Diagnose. „Nach dem ersten Schock war es eigentlich kein Thema mehr, dass er Krebs hatte“, erinnert sich Philipps. „Wir waren ja auch noch sehr jung. Ich habe ihn im Krankenhaus besucht, wir haben Playstation gespielt oder etwas zu Essen bestellt.“

„ER HAT SICH SEINE EINSATZZEIT HART ERARBEITET“ Um als Spieler wieder auf die Füße zu kommen, braucht Marius ein ganzes Jahr. „Auch in meiner zweiten JBBL-Saison hatte ich im Vergleich zu den anderen einen Rückstand.“ Erst mit Eintritt in die NBBL geht es ihm besser; allmählich kommt das Selbstbewusstsein zurück. Unter Trainer Danny Jansson übernimmt Stoll in der Nachwuchs Basketball Bundesliga die Regie und erhält auch in der ProB als Back-up Point Guard zehn Minuten Einsatzzeit. „Da hat es irgendwie Klick gemacht. Als ob sich etwas angestaut hätte und nun endlich rauskam.“ Da hat sich dann auch das erfüllt, was ihn


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MARIUS STOLL

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53 29 3 2 im Krankenhaus am Leben gehalten hatte. „Meine Motivation war immer: Ich will wieder Sport machen! Ich wollte wieder auf das Niveau kommen, auf dem ich war und dann noch besser werden.“ Was ihm dabei hilft, sind zwei Tugenden. „Marius ist ehrgeizig und zielstrebig. Er will immer das Beste. Er ist einer, der die Sachen angeht und sie nicht auf morgen oder so verschiebt“, sagt sein Freund Christoph. „Marius ist vielleicht der organisierteste Basketballer, den ich jemals gecoacht habe“, sagt Coach Jansson. Und Stoll ist eine absolute „Gym Rat“ – einer, den man mit dem feuchten Lappen aus der Halle kehren muss, um ihn los zu werden.

EINSÄTZE PRO B Ø 16,9 MIN.

EINSÄTZE PRO A Ø 11,3 MIN.

EINSÄTZE BBL Ø 4,9 MIN.

EINSÄTZE EUROCUP Ø 2,4 MIN.

vermessen. Verletzungsprophylaxe und optimales Trainieren der individuellen Schwächen ist das Ziel der Sportwissenschaftler. Stoll quält sich eine Woche lang in der kalifornischen Fitness-Fabrik. Er saugt alles auf, denn schließlich hat sich sein Köper in den vergangenen zwei Jahren enorm verändert. Zu Beginn der Saison 2017/18 wird Stoll noch mit 1,85 Metern gelistet. Ein Jahr später ist er auf 1,96 Meter hochgeschossen. „Er ist in den letzten zwei Jahren sehr viel gewachsen. Sein Körper braucht noch etwas Zeit, um diesem Wachstumsschub hinterherzukommen“, sagt Danny Jansson. Wenngleich Basketball die Liebe seines Lebens ist, ist es für Marius Stoll doch nicht

nicht zufrieden. „Da hätte ich mehr draus machen können. Das will ich besser machen.“ Und Stoll hat Blut geleckt. „Ich weiß, dass es sehr schwer werden wird, aber wenn möglich, will ich mir wieder ein paar BBL-Minuten verdienen.“ Erstmals so richtig geklappt hat das am 12. Mai 2019. Beim letzten Hauptrundenspiel der Saison 2018/19 steht Stoll für ratiopharm ulm gegen Vechta elf Minuten lang auf dem Bundesliga-Parkett. „Da ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagt er. Als er das erste Mal aufs Feld kommt, sieht er sich Rastas Star T.J. Bray gegenüber. „Da war der Respekt schon da.“ Und sichtbar. Als Stoll das zweite Mal eingewechselt wird, denkt er sich: „Ich

„DAS WILL ICH BESSER MACHEN“ Im Sommer 2018 fliegt er gemeinsam mit Philipps und Nicolas Bretzel nach Kalifornien. In Santa Barbara nur 200 Meter vom Strand entfernt trifft Wissenschaft auf Athletik. „Where Science Meets Athletic Performance”, so der Slogan von P3. Bei P3 trainieren NBA-Champions wie Norman Powell oder Harrison Barnes. Die Liste der NBA-Superstars ist sehr lang. Mit modernster Technik werden die Athleten bei P3

alles. Seit vier Semestern studiert er Sportmanagement an der Hochschule Wismar im Fernstudium. Ein Präsenz-Wochenende pro Semester – Klausuren schreibt er in München. Noch drei Semester fehlen ihm bis zur Bachelorarbeit. Stoll weiß, wie schnell es mit dem Leistungssport vorbei sei kann. Das Studium als „Safety“. Doch zunächst will er wieder mit der OrangeAcademy angreifen. Mit der letzten ProB-Saison war er

kann das doch.“ Er zieht zum Korb, spielt ein, zwei gute Pässe und kann von sich behaupten, das erste Mal in seiner Karriere legitime Bundesliga-Minuten gespielt zu haben. Marius Stoll hat in der easyCredit BBL noch keinen Punkt erzielt. Trotzdem hat er in seiner noch jungen Karriere bewiesen, auf was es ankommt: Auf Durchhaltevermögen, Willensstärke, Ehrgeiz und die Liebe zum Spiel.


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Stefan Erich, BBU ’01

MIT DEM ORANGE CAMPUS IN SICHT, BAUT BBU ’01 SEIN NACHWUCHSPROGRAMM MASSIV AUS.

TEXT Martin Fünkele FOTO Harry Langer,

WORK IN PROGRESS

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Schon heute gehört die Region Ulm/ Neu-Ulm zu den Hotbeds für junge Basketballtalente. Was dahintersteckt, wissen häufig nur Insider. Was BBU ’01 schon ein Jahr vor der Fertigstellung des OrangeCampus aufgebaut hat, ist beeindruckend und einen genaueren Blick Wert.

drei Sporthallen, die das Kernstück des OrangeCampus bilden. Wenngleich bis zum Einzug in den OrangeCampus noch knapp ein Jahr vergehen wird und der Club nach wie vor auf Spenden für dessen Fertigstellung angewiesen ist, treibt das Nachwuchsleistungszentrum alle um. Einer davon ist Chris Ensminger.

In der Lessingstraße 10c, wo BBU ’01 seine Geschäftsstelle hat, hört man im Juli 2019 häufig diesen einen Satz: „Wenn wir in den OrangeCampus umgezogen sind, dann…“. Dann will das Team Sales, das sich um die Vermarktung des Clubs kümmert, nur noch digital mit seinen Partnern kommunizieren. Dann sollen alle Mitarbeiter in einem modernen Großraumbüro arbeiten und dann werden die Pläne von Dr. Thomas Stoll endlich konkret. Denn der Geschäftsführer plant schon heute die Belegungspläne für die

Der ehemalige Profibasketballer, der sechs Jahre nach Ende seiner 17-jährigen Karriere noch immer den Rekord für die meisten Rebounds in der easyCredit BBL hält, ist seit einem Jahr für den Nachwuchsleistungssport bei BBU ’01 verantwortlich. „Director of Player Development and Sports Performance“ lautet sein internationaler Titel. Und in dieser Funktion zeigt Ensminger regelmäßignationalen und internationalen Talentendie Möglichkeiten, die das Ulmer Programm schon heute bieten kann. Man trifft


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Einen, den er im Frühjahr nach Ulm gelotst hat, ist Nat Diallo. Der 19-jährige Center kommt aus Vechta. Dort hat er es bis in die U18-Nationalmannschaft geschafft. Jetzt will er sich weiterentwickeln. „Ein Tapetenwechsel tut mir sicher gut“, sagt Diallo, der die letzten fünf Jahre in Niedersachsen verbracht hat. Mit den dortigen Verhältnissen sei Ulm nicht zu vergleichen. „Es ist alles viel größer, besser organisiert und irgendwie nice“, sagt der athletische Innenspieler nachdem Ensminger ihm die Ulmer Örtlichkeiten gezeigt hat. Ensminger weiß, womit er punkten kann. Er sagt: „Viele Eltern, die den Grünen Winkel sehen, sind beeindruckt, weil dort eine Kultur herrscht, die die Jugendlichen wirklich prägt. Sie leben, essen, trainieren und wachsen zusammen.“ Der Grüne Winkel ist eigentlich der Name einer Straße in Söflingen. Dort, im Südwesten der Stadt, betreibt BBU ’01 seit seiner Gründung ein Haus für Nachwuchsbasketballer. Per Günther wohnte schon hier. Mittlerweile erinnert indes nichts mehr an die Zeit, als Günther in einer 20-Quadratmeter-Wohnung seine ersten Jahre in Ulm erlebte. Die UWS-Immobilie wurde längst hochwertig renoviert und bietet mittlerweile Platz für zwölf Toptalente. Doch auch das ist zu wenig. Seit Sommer 2017 hat BBU ’01 das ehemalige Internat der Handwerkskammer übernommen; hier leben jetzt Basketballer und junge Handwerker unter einem Dach. 52 Plätze sind für die Azubis reserviert – der oberste Stock bietet aktuell acht Basketballern ein Zuhause. Lange vor dem Einzug in den OrangeCampus hat der Club also die Weichen gestellt, um ab 2020 eines der aufregendsten Nachwuchsprojekte im Basketball mit Leben zu füllen. Schon in der Saison 2018/19 schickte BBU ’01 28 Teams an den Start. Pro Woche wurden 80 Trainingseinheiten oder 130 Stunden Basketball absolviert. 43 Trainer kümmern sich um 607 aktive Sportler unter 19 Jahren und bestreiten pro Jahr mehr als 550 Spiele. Kein anderer Club in Deutschland schickt sowohl in der JBBL (U16), als auch in der NBBL (U19) zwei Mannschaften ins Rennen. Seit BBU ’01 im Jahr 2006 mit nur vier Jugendmannschaften die Nachwuchsarbeit aufnahm, hat sich sehr viel getan. Zwölf Jahre später hat der Deutsche Basketball Bund (DBB) ermittelt, dass nur ALBA Berlin mehr Spielerpässe an junge Basketballer ausstellt als BBU ’01. Wenn im Sommer 2019 viel darüber gesprochen wird, was passiert, wenn der OrangeCampus einmal da ist,

Chris Ensminger

Ensminger also öfter auf den Fluren der Geschäftsstelle, wie er jungen, meist sehr großen Männern und ihren Familien die BBU-Zentrale zeigt. Ensminger beschreibt dann gerne das Ulmer Gesamtpaket mit seinem visionären Ansatz, den hochqualifizierten Trainern und dem sozialen Umfeld, das ihn vor zwei Jahren selbst davon überzeugt hat, nach Ulm zu kommen. Ensminger ist dabei ein in zweifacher Hinsicht guter Leumund: Er ist Trainer und Vater zweier Jugendbasketballer in einer Person.

„WIR WOLLEN SPIELER ALS MENSCH, ALS SPORTLER UND ALS CHARAKTER ENTWICKELN“

BBU ’01

ORANGEZONE 05

dann muss man auch darüber reden, was dazu geführt hat, dass der OrangeCampus kommen muss. Um dem Interesse der Jugendlichen gerecht zu werden und um nicht noch mehr städtische Schulturnhallen zu belegen, hat der Club gleich zwei ausrangierte Lagerhallen zu Trainingszentren umfunktioniert. Eines steht in Neu-Ulm, das andere in Nersingen. Doch ein Zuwachs von 59 Prozent an aktiven Mitgliedern will erst einmal untergebracht werden. Die frei gewordenen Trainingszeiten sind längst wieder vergeben. Deshalb kann es Dr. Thomas Stoll kaum erwarten, bis aus seinem Planspiel für die Belegung der drei Hallen im OrangeCampus endlich Realität wird. Basketball boomt in Ulm, nicht zuletzt deshalb, weil der Club seine Nachwuchsarbeit deutlich breiter aufgestellt hat. War die MiniOffensive an Grundschulen lange Zeit das einzige Vehikel, um die Basketball-Idee auch in die Schulen der Region zu tragen, so gibt es mittlerweile über 30 Schul-AGs, die seit drei Jahren sogar in einer eigenen Liga, der SchoolsLeague, zusammengeschlossen sind. Kürzlich hat BBU ’01 nun auch ein Angebot für KiTaKinder aufgelegt. Während der Breitensport immer jünger wird, geht es im Leistungssport zunehmend international zu. In der vergangenen Saison reisten zwei Ulmer Mannschaften zu Turnieren nach Girona. Ein U17-Team trat regelmäßig in der „European Youth Basketball League“ an, einer internationalen Liga, in der 16 Mannschaften aus acht europäischen


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Nationen teilnehmen. Die namhafteste internationale Bühne bleibt allerdings das ANGT. Schon zum zweiten Mal traf BBU ’01 beim von der EuroLeague ausgerichteten „Adidas Next Generation Tournament“ auf Gegner wie Real Madrid. Zum Einsatz kommen dabei auch immer häufiger Talente, die nicht in Deutschland geboren sind. „Wir sind nicht Berlin oder München. Unser Einzugsgebiet ist wesentlich kleiner“, erklärt Ensminger die internationale Ausrichtung. „Wir wollen unseren Kids den bestmöglichen Wettkampf bieten – nur so werden sie besser. Deshalb ist es wichtig, dass wir auch Spieler aus dem Ausland aufnehmen.“ Ein gutes Beispiel dafür ist die Familie Milicic. Vater Igor, der vor Kurzem als Trainer zum zweiten Mal Meister in Polen wurde, war im letzten Sommer auf der Suche nach einem Ausbildungsort für seine drei Söhne. Seine Wahl fiel auf Ulm. Seitdem leben Igor (16), Zoran (14) und Theo (11) mit ihrer Mutter in Ulm. Im Sommer 2019 wurden alle drei für die polnische JuniorenNationalmannschaft nominiert. Dass ein BasketballInsider wie Igor Milicic sich für BBU ’01 entschieden hat, wertet Ensminger „als Zeichen des Respekts“. Dass in Ulm auch zunehmend internationale Talente für Konkurrenz und einen Mix der Basketball-Kulturen sorgen, lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: Fast die Hälfte der 13 Junioren-Nationalspieler, die der Club 2019 stellt, haben keinen deutschen Pass. Für Dr. Thomas Stoll ist das die normalste Sache der Welt – gelebte Basketball-Realität eben. Der DBB sieht das anders. „Primär liegt unser Fokus darauf, Kinder aus einem Umkreis von 70 Kilometern zum Basketball zu bringen. Aber es kann nicht sein, dass Jugendliche,

Thomas Stoll

NACHWUCHS

„DAS AUSLÄNDERRECHT IM JUGENDBASKETBALL IST EINE KATASTROPHE“

BBU ’01

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die nicht hier geboren wurden, nicht das Recht haben, ihren Sport auszuüben“, sagt der Geschäftsführer und verweist dabei auf die kruden Ausländerregelungen im deutschen Basketball. Während in der easyCredit BBL klare Regeln herrschen – sechs Deutsche, sechs Ausländer – gibt es diese Klarheit in den darunterliegenden Ligen nicht. Die ProA handhabt das Thema anders als die ProB und die Regionalligen sind nicht mit den Nachwuchs-Bundesligen synchronisiert. Am restriktivsten sind die NBBL und die JBBL, wo nur ein Spieler ohne deutschen Pass eingesetzt werden darf. Ausnahmen gibt es für Jugendliche, die ihren Wohnsitz schon länger als drei Jahre in Deutschland haben; und da diese Regel erst am 1. März 2018 eingeführt wurde, dürfen Ausländer, die vor der Regeländerung spielberechtigt waren, auch nach wie vor mitspielen – allerdings nicht mehr als drei pro Team. „Das entspricht nicht der heutigen Zeit und schon gar nicht dem integrativen Gedanken, den wir im Sport schon lange leben“, ärgert sich Stoll. Aus seiner Sicht ist dieser Punkt auch „juristisch nicht haltbar“ und mit den Entwicklungen der heutigen Zeit „nicht vereinbar.“ Folgerichtig befindet sich der Club im Rechtsstreit mit dem Deutschen Basketball Bund, der für die Strukturen im Nachwuchsbasketball verantwortlich ist.


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Doch trotz der rapiden strukturellen Entwicklungen möchte sich Stoll treu bleiben. Er sagt: „Wir bekommen viele Spieler nicht, weil wir ihnen keine Geschichten erzählen.“ Luftschlösser vom kometenhaften Aufstieg werden genauso wenig gebaut, wie Erfolge überbewertet. Dass der Verein mit dem Gewinn des DBB-Pokals im U16-Bereich erst einen nationalen Titel aufweisen kann, erscheint daher schlüssig. „Die Platzierung

BASKETBALLER 607 JUNGE

PRO JAHR 550 SPIELE PRO WOCHE 80 TRAININGSEINHEITEN

Und Wachstum ist bei BBU ’01 im Sommer 2019 Programm. Wie der OrangeCampus sich am Donauufer immer höher in den Himmel türmt, so baut der Club sein Nachwuchsprogramm an allen Ecken und Ende aus. Angefangen bei Bundesliga-Legende Anton Gavel, der die Toptalente in der ProB anleiten wird, über die Ex-Profis Marin Petric (JBBL-Trainer) und Jaivon Harris (Damen und Minis) versammelt der Club immer mehr Basketball-Expertise in seinen Reihen. Dass darüber hinaus ein Trainer wie Danny Jansson, der seit fünf Jahren für die Talententwicklung in Ulm zuständig ist, zukünftig in den BBL-Trainerstab aufrückt, passt zu dieser Strategie.

TRAINER 43 ERFAHRENE

Wenn BBU ’01 mit seinem Nachwuchskonzept und allem was dazugehört 2020 in den OrangeCampus umzieht, ist das Feld bestellt. Dann kann die Saat aufgehen, die der Club in den letzten 13 Jahren ausgebracht hat. Es wird in der Zukunft sicher eher die Regel, als die Ausnahme sein, dass ein Uuulmer in der Bundesliga für ratiopharm ulm aufläuft. Schon allein deshalb, weil der Pool an Talenten immer größer wird. „In der Vergangenheit hatten wir immer wieder zu wenig Jungendspieler – das wird sich in Zukunft massiv ändern“, sagt Stoll, der weiß, dass der OrangeCampus vom ersten Tag an voll belegt sein wird.

14 JUNIORENNATIONALSPIELER

Arnold den Jugendlichen zur Seite steht. „Dass wir hier mit Jungs aus unterschiedlichen Kulturkreisen zusammenleben, hilft allen“, sagt Arnold. „Die Auseinandersetzung mit dem Fremden, ist Teil des Wachstumsprozesses.“

2 TRAININGSZENTREN

ist nicht alles. Natürlich wollen auch wir Titel gewinnen, aber nicht zu Lasten der Entwicklung einzelner Spieler“, sagt Stoll. Wer in der NBBL und JBBL zwei Teams an den Start schickt, schmälert seine Erfolgschancen, räumt seinen jungen Spielern aber mehr Raum zur Entfaltung ein. Neuzugang Nat Diallo sieht in diesem Ansatz seine Chance: „Mich hat überzeugt, dass du als junger Spieler in Ulm deine individuellen Stärken weiterentwickeln kannst.“

TITEL 1 NATIONALER

Stefan Arnold weiß, wie Integration durch Sport funktioniert. Der Pädagoge lebt seit 2016 mit den Toptalenten im Grünen Winkel. Arnold ist dort „das Mädchen für alles“. In seinen Ohren klingt das nicht despektierlich, im Gegenteil, denn der 43-Jährige weiß, dass man sich bei Nachwuchssportlern wirklich um alles kümmern muss. Hausaufgaben, Wäschewaschen, Essen, Trainingspläne und Liebeskummer – alles Bereiche, in denen

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FEATURE

SUPER BALL

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TEXT Martin Fünkele FOTO Alexander Fischer ILLUSTRATION Marion Hartlieb

DIE SUPER DUPER DUNKY BOYS! „SUPERBALL AUS DEM ALL“ IST DAS ERSTE BASKETBALL-KINDERBUCH. SEINE FÜNF KLEINEN HELDEN WURDEN VON LEIBHAFTIGEN ULMER BASKETBALLERN INSPIRIERT.

Wer Marion Hartlieb und Martin Gehring in Blaubeuren besucht, muss etwas Zeit mitbringen. Der kleine Ort, 25 Kilometer außerhalb Ulms am Rande der Schwäbischen Alb gelegen, ist schwer zu erreichen. Wer die Reise dennoch auf sich nimmt, trifft zwei Kreative, die ihrer Leidenschaft für Basketball auf ungewöhnliche Art und Weise nachgekommen sind. Herausgekommen ist dabei ein Buch, das nicht nur für Kinder eine tolle Lektüre ist. Auf einmal war es da – das erste Basketball-Kinderbuch. Ein bisschen so wie der magische Ball, der den Freunden Bill, Buck, Biff, Barry und Bart auf den Kopf fällt und aus einer sympathischen, aber untalentierten Truppe plötzlich Basketball-Champions macht. Auf 52 liebevoll gestalteten Seiten erzählen das Autoren-Duo Marion Hartlieb und Martin Gehring ihre Geschichte. „Superball aus dem All“ ist ein Buch von Fans für Fans, denn dass die Autoren seit Jahren Saisonabo-Inhaber in der ratiopharm arena sind, merkt man ihrem Werk, das es auch in einer deutsch-englischen Version („Superball From Outer Space“) gibt, deutlich an. Mit viel Liebe zum Detail sind so fünf kleine Helden entstanden, die durchaus Anleihen zu real existierenden Personen aufweisen.


FEATURE

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SUPER BALL

Die Idee für ihre Geschichte kam Hartlieb und Gehring auf der Stehplatztribüne in der ratiopharm arena. Wer von dort aus die Spiele von ratiopharm ulm verfolgt, ist früh in der Arena. Feste Plätze gibt es nicht und dennoch sichern sich die meisten Fans hier immer wieder dieselben Standorte. Wer also schon 90 Minuten vor Tipoff da ist, hat viel Zeit zum Beobachten. „Für mich ist das auch eine Möglichkeit, um abzuschalten und nachzudenken“, sagt Marion Hartlieb, die für die Illustration des Buches verantwortlich war. Beim Warten auf den Spielbeginn entstand die Idee zu „Superball aus dem All.“ Auch die fünf Charaktere, die zu Beginn der Geschichte so tollpatschig über die Seiten purzeln, wurden so geboren. Da ist der kleine Bill, der wie Per Günther die Nummer sechs trägt. Und Buck, dessen Haarpracht an Da`Sean Butler erinnert und der, wie sein reales Vorbild, mit der Nummer 17 aufläuft. Unverkennbar ist auch der Größte: Biff steckt in einem XXL-Trikot, das dennoch am Bauch ein wenig spannt. Barry, Nummer 42, ist der Zweitgrößte und hat wie sein Vorbild Isaac Fotu einen Dutt auf dem Kopf. Bleibt Bart, der sich später unsichtbar machen kann und dessen dünne Beine an Augustine Rubit erinnern sollen. Nur „Bee“, der kurzsichtige Trainer, hat nichts mit der Realität zu tun. „Bee ist eine Fantasiefigur“, sagt Hartlieb, die in ihren Illustrationen absichtlich in der Schwebe lässt, ob es sich bei dem Coach um einen Jungen oder ein Mädchen handelt.

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„Es war unheimlich schwierig, sich auf die fünf Charaktere festzulegen“, sagt Gehring. So vergingen von der Idee bis zur Fertigstellung zwei Jahre. Ulmer Fan-Idole wie Chris Babb oder Raymar Morgan haben es nicht ins Buch geschafft, „weil ihnen als Typen irgendwie das Alleinstellungsmerkmal fehlt“, sagt Gehring, der die Figuren mit humorvoller Sprache zum Leben erweckt hat. Der Blaubeurer Autor verfolgt den Ulmer Basketball schon seit den Jarvis-Walker-Zeiten in den 90ern. So richtig zum Fan wurde Gehring, der mit „El Pollo – Entscheidung in der Sierra Chica“ 2015 seinen ersten Roman vorlegte, allerdings erst in der ratiopharm arena. Mittlerweile ist schon die ganze Familie infiziert: Hartliebs Vater hat seit letzter Saison ein Sitzplatzabo und auch die kleine Nichte kann längst den Uuulmer-, Uuulmer-Schlachtruf. Gehring und Hartlieb verfolgen bei ihren Buchprojekten, die sie seit acht Jahren in ihrem Verlag edition dreiklein herausbringen, kein pädagogisches Ziel. „Es liegt uns fern, einen erzieherischen Anspruch zu verfolgen“, sagt Gehring. Das merkt man auch dem Ende von „Superball aus dem All“ an. Denn nachdem der Superball so schnell verschwindet wie er gekommen war, versinken Bill, Buck, Biff, Barry und Bart nicht etwa in einer Depression. „Die Superkräfte verschwanden über Nacht. Aber die brauchen sie auch nicht mehr“, schreiben Hartlieb und Gehring und meinen damit nicht, dass das Quintett auch ohne magische Hilfe zu Supersportlern mutiert wäre. Einmal Meister geworden zu sein, reicht den Kindern, um jetzt wieder als Außenseiter bei den Großen mitzuspielen. „So kann man das verstehen“, sagen die Autoren. Aber natürlich auch ganz anders. Es ist ja eine Kindergeschichte und dazu noch eine sehr gute.

HIER GIBT ES DAS BUCH „Superball aus dem All“ erscheint in einer deutschen und einer, humorvoll von Tommi Brem übersetzten, zweisprachigen deutsch/englischen Ausgabe. Von jedem verkauften Exemplar von „Superball aus dem All“ kommt ein Euro dem Ulmer Basketball zugute. Das Buch kann zum Preis von 15 Euro direkt bei den Autoren unter dreiklein.de bestellt werden. Ab der kommenden Saison wird „Superball aus dem All“ auch im Fanshop in der ratiopharm arena erhältlich sein.


30 HISTORY

THROWBACK THURSDAY

#ThrowbackThursday 38

AUG

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2015 TEXT Florian Eisebitt FOTO Harry Langer

ULMS GRÖSSTE GEBURTSTAGSPARTY – BASKETBALL 125 – Ein Fest zu Ehren des Ulmer Wahrzeichens als Startschuss in die Jubiläumssaison Die 15. Saison der Uuulmer Vereinsgeschichte beginnt, wie sie zehn Monate später enden sollte – mit einem Duell gegen den deutschen Meister aus Bamberg. Doch anders als im Juni 2016 stand das „größte Freiplatzspiel“ der jüngeren deutschen Basketballgeschichte weniger im Zeichen des sportlichen Resultats.

129:127 ULM

VS.

BAMBERG

NEU. Das waren auch die Regeln im Spiel zwischen ratiopharm ulm und Bamberg. Getreu dem Motto Garantiert: 125 Punkte! endete die Partie nicht nach 40 Minuten Spielzeit, sondern wurde durch die „Münster Money Time“, einem Dreier-Shootout zwischen Per Günther und Lucca Staiger, verlängert. GROSS. Das waren die notwendigen Aufbauten für das Open-AirBasketballspiel. Denn direkt auf dem Münsterplatz wurde aus 3.000 Einzelteilen ein 790 m2 großes und 125 cm hohes Podest errichtet. Zum Aufbau der in elf LKW angelieferten Materialen gab es Unterstützung von 150 Helfern. GROSS. Das war die mediale Präsenz. Denn der SWR streamte

die Partie für mehr als 20.000 Zuschauer live im Internet – drei Großbildleinwände sorgten für bessere Sicht der 6.000 Zuschauer vor Ort. A propos bessere Sicht: Der Hashtag #BB125 ging viral und ließ den Ulmer Twitter-Account explodieren. GROSS. Das war auch die Spende über 10.125 Euro, die, dank

Spektakulär. Populär. Revolutionär. Visionär. So erlebten die 6.000 Fans auf dem Münsterplatz das „Mega Münster Event“ anlässlich des 125. Geburtstages des Ulmer Münsterturms. Denn das, was die Planer von Basketball125 zu Ehren des größten Ulmers auf die Beine gestellt hatten, forderte „den Mut, etwas Neues zu wagen und groß zu denken“, wie es Ivo Gönner, der damalige Oberbürgermeister der Stadt Ulm, beschrieb. NEU. Das waren an diesem heißen Sommertag die Trikots von

ratiopharm ulm. Denn erstmals in der Geschichte des Clubs war Orange nicht nur Akzent, sondern Hauptfarbe der Heimspielkleidung. NEU. Das war das von Head Coach Thorsten Leibenath abgegebene lebenslängliche Versprechen. Als einer der Ersten wurde er BBU ’01 Lifetime Member.

der zahlreichen Treffer in der „Münster Money Time“ und der großzügigen Unterstützung von Liqui Moly Chef Ernst Prost, zu Gunsten der Münsterbauhütte an diesem Tag zusammen kam. Damals wie heute gilt in Ulm: Es braucht den Mut, etwas Neues zu wagen und groß zu denken. Und das könnte sich für BBU ’01 schon demnächst, im Frühsommer mit der Fertigstellung des OrangeCampus, einmal mehr bewahrheiten.

HISTORY SATT – JEDEN DONNERSTAG NEU! Auch in der kommenden Saison kramen wir jeden Donnerstag für euch in der Ulmer Historie und präsentieren euch auf Facebook, Twitter und Instagram eine weitere kleine Geschichte aus den Club-Annalen. Sportlich, persönlich oder kurios – und immer mit dem Hashtag #TBT versehen. Folgt uns:


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OrangeZone.Mag #5 2018/19  

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