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NPZ ! Neue Pressburger Zeitung > Ausgabe September 2013 > Jahrgang 1 > Nummer 9 > EUR 3.50 > www.npz-online.eu

POLITIK

wIrTscHAfT

NAcHbArN

KULTUr

freIzeIT

45 Jahre nach der Invasion 1968

wiens wK-Präsidentin brigitte Jank

Das ungarische Dorf rajka

Österreichisches Kulturforum

Tourismusziele in der slowakei

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NPZ Das deutschsprachige Magazin

Neue Pressburger Zeitung aus der Slowakei

Kleine Länder ganz groß Österreich ist in der Slowakei eine Großmacht, die Schweiz ist stärker als man meint. Und Slowaken sorgen in ihren Nachbarländern für Schwung.


TECHNOLOGIEN UNTER KONTROLLE Versorgung und Beleuchtung von Anlagen mithilfe elektrischer Energien Industrieautomatisierung Mess- und Regeltechnik

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INHALT

!

NPZ Das deutschsprachige Magazin

Inhalt

Neue Pressburger Zeitung aus der Slowakei

impressum

titelthema

NPZ – Neue Pressburger Zeitung Jahrgang 1, Nummer 9 - September 2013

Interview mit dem Schweizer Botschafter Christian Fotsch Schweiz trifft Slowakei Small is beautiful Die Kraft der Langeweile

Registriert beim Kulturministerium der SR: Evidenznummer / Evidenčné číslo: 4719/12 ISSN 1339-0376

Seite 18 45 Jahre nach der Invasion 1968

Das Magazin NPZ – Neue Pressburger Zeitung erscheint 10 Mal im Jahr, am Anfang des Jahres und im Sommer als Doppelnummer Herausgeber und Verleger: NPZ – Neue Pressburger Zeitung, s.r.o. Františkánske nám. 7, 811 01 Bratislava DIČ: 2023702076 IČO: 47 023 708 Geschäftsführer: Lic. iur. Josef Aregger, LL. M.

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BILDUNG Goethe Uni Bratislava eröffnet Tourismus-Fakultät Seite 38 Das ungarische Dorf Rajka

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SERVICE Konvertierbare Schuldverschreibungen Diskriminierungsverbot: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

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partner Deutsch-Slowakische Industrie- und Handelskammer Slowakisch-Österreichische Handelskammer Advantage Austria - AußenhandelsCenter

Übersetzungen: Thomas Franke, Dipl.-Pharm. Christel Spanik, Mag. Christoph Thanei. Seite 50 Österreichisches Kulturforum

Grafik: Tomáš Kostka Preis: € 3,50 inkl. MWSt. Jahresabbonnement: 30 €

Vertrieb in der Slowakei: Mediaprint, Interpress, in Österreich: Morawa

Wiens Wirtschaftskammer-Präsidentin Brigitte Jank Ankündigung: Energy Tomorrow Quo vadis, slowakische Volkswirtschaft? Slowakische Weine sprechen Deutsch

Rajka - Ein ungarisches Dorf spricht Slowakisch "Zuwanderung nützt beiden Seiten"

Mitarbeiterinnen der Redaktion: Mgr. Katarína Šujanová, Mgr. Katarína Kironská

Druck: Ultra Print, spol. s.r.o., Pluhová 49, 831 03 Bratislava

45 Jahre nach der Invasion 1968 Jubelzone Slowakei und deutschsprachige Länder in den Medien Fremdenpolizei Bratislava Neuer deutscher Botschafter Axel Hartmann trifft Helmut Schmidt

Nachbarn

Marketingchefin und stellvertretende Chefredakteurin: Barbora Hrvolová info@npz-online.eu Mobil: + 421 903 401 464

Redaktionsbeirat: Matthias Földeak, Josef Herczeg, DI Peter Kollárik

POLITIK & Gesellschaft

wirtschaft Seite 28 Wiens WK-Präsidentin Brigitte Jank

Chefredakteur: Mag. Christoph Thanei redaktion@npz-online.eu Mobil: + 421 915 724 759

Sekretariat: Martina Vlkovičová martina.vlkovicova@npz-online.eu Telefon: +421 2 5413 1260

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kultur Mit Kulturarbeit am Puls der Zeit - Das Österreichische Kulturforum Miro jilo - Kulturprojekt für Roma-Kinder Veranstaltungstipps Kleider mit Form, Farbe und Duft

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freizeit Tourismusziele in der Slowakei

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Seite 57 Tourismusziele in der Slowakei

Umschlagbild: Fotomontage Shutterstock / Tomáš Kostka NPZ ! Neue Pressburger Zeitung > September 2013 > www.npz-online.eu


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EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser wir hoffen, Sie haben die Sommer- und Urlaubszeit genießen können und gehen nun in den September mit neuer Energie für Ihre Arbeit und frischer Neugier auf die "NPZ - Neue Pressburger Zeitung". "Die Slowakei ist nur ein kleines Land und kann deshalb nichts bewirken." So oder ähnlich lauten meist die Begründungen dafür, warum slowakische Wahlberechtigte nicht an EU-Parlamentswahlen teilnehmen - und damit dann tatsächlich andere für sich entscheiden lassen. Bekanntlich wies die Slowakei bisher bei EUWahlen die niedrigste Wahlbeteiligung aller Mitgliedsländer auf (mit 16,96 Prozent der Wahlberechtigten 2004 und 19,64 Prozent im Jahr 2009). Die kollektive Selbstunterschätzung kann als Ausrede für die Verweigerung von Aktivitäten bequem sein. Die nach Einwohnern etwa gleich große Schweiz führt aber seit langem eindrucksvoll vor, wie eine geschickte Bündnispolitik in Detailfragen einen Zwerg zum Teil eines Riesenteams mit großem Einfluss machen kann - und die slowakische Diplomatie ahmt diesen Weg gerade auf EU-Ebene inzwischen immer erfolgreicher nach. Auch den Österreichern war Selbstunterschätzung als "kleines, unbedeutendes Land" auch nicht gerade fremd, bis der Fall des Eisernen Vorhangs Österreich in mehreren direkten und weiteren Nachbarländern zu einer wirtschaftlichen Großmacht aufstiegen ließ. Besonders deutlich sichtbar ist das in der Slowakei wo zum

Beispiel die Hälfte des gesamten Banksektors in österreichischer Hand ist. Und wer nach Hainburg, Kittsee oder ins ungarische Rajka fährt, kann an den Autokennzeichen der Fahrzeuge vor den dortigen Geschäften und neu gebauten Einfamilienhäusern ablesen, aus welchem vermeintlich unbedeutenden Land die Kaufkraft-Großmacht in diese Grenzgemeinden strömt. "Kleine Länder ganz groß" haben wir diesmal als Titelthema gewählt, um die Bedeutung gerade der vermeintlich "unwichtigen" kleinen Länder ins rechte Licht zu rücken und an ausgewählten Aspekten zu zeigen, wie wichtig sie für einander und erst recht gemeinsam sein können. Neben den Beiträgen des Pakets "Titelthema" am Anfang des Hefts passen zu dieser Absicht auch das Porträt des Österreichischen Kulturforums und der Blick auf die starke slowakische Zuwanderung im ungarischen Dorf Rajka im hinteren Teil des Hefts. Wir hoffen, mit unserer Themen-Auswahl Ihr Interesse geweckt zu haben, wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und freuen uns wie immer auf Ihre Reaktionen an die E-Mail-Adresse: redaktion@npz-online.eu Ihr Christoph Thanei und die Redaktion der NPZ

Die NPZ erreicht neben den deutschsprachigen Bewohnern und Expats in der ganzen Slowakei auch die angrenzende österreichische Nachbarregion und Wien sowie Deutsche und Schweizer mit Interesse an der Slowakei und diesem Grenzraum. Sie geht an die wichtigsten im Raum Bratislava und der Slowakei ansässigen Firmen mit deutschsprachigem Hintergrund, an Manager und Unternehmer, Diplomaten, Kulturinstitutionen und Bildungseinrichtungen sowie an Veranstalter von Seminaren, Messen, Ausstellungen und Konferenzen, ausgewählte Hotels und andere Tourismuseinrichtungen. Leserbriefe sind uns willkommen an die Adresse redaktion@npz-online.eu

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Foto des Monats Präsidiale Sommerfreuden "Wir sitzen alle im selben Boot": Treffen der Präsidenten der Slowakei (Ivan Gašparovič, vorne links) und Polens (Bronislaw Komorowski, vorne rechts) zu einer Floßfahrt auf dem Fluss Dunajec. (Foto: SITA/Radoslav Maťaš)


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"Der Eindruck trügt, die Slowakei sei so wie die Schweiz" Die Schweiz ist für die Slowakei nicht nur ein wichtiger Wirtschaftspartner, sondern kann ihr auch gesellschaftspolitische Erfahrungen anbieten. Die "NPZ - Neue Pressburger Zeitung" sprach mit dem Schweizer Botschafter Christian Fotsch über die Beziehungen zwischen beiden Ländern. Text: Christoph Thanei, Fotos: Tomáš Kostka

NPZ: Herr Botschafter, gerade im Vergleich zu Deutschland und Österreich fällt die Schweiz in der Slowakei nicht so auf. Woran liegt das? Christian Fotsch: Das hat in erster Linie damit zu tun, dass die Schweiz viel kleiner ist als Deutschland. Es ist ein vordringliches Ziel unserer Botschaft, diese Wahrnehmung zu verbessern. Ein zweiter Grund ist aber auch die Ausrichtung der Schweizerischen Außenpolitik. Bis zur Wende 1989 war die Schweiz eindeutig auf Westeuropa orientiert. Mit der Grenzöffnung war gerade Österreich sehr viel präsenter als die Schweiz, allein schon durch die geografische Nähe. Bis heute gibt es hier für uns noch viel Potenzial. In der Slowakei ist die Schweiz nur die Nummer 12 unter den internationalen Investoren. Das hängt auch damit zusammen, dass in der Zeit der Tschechoslowakei alle Schweizer Prag kannten, aber kaum jemand Bratislava. Was ist hier ausdrücklich Aufgabe der Botschaft und nicht der Kantone oder der Firmen selbst? Das sind vor allem alle politischen Aufgaben, insbesondere das Verhältnis zur EU. Die EU-Mitgliedschaft der Schweiz war nie eine Frage, deshalb hat man darüber gar nicht einmal abgestimmt. Die Schweiz ist auch nicht Mitglied im Europäischen Wirtschaftsraum EWR, weil das bei einer Volksabstimmung abgelehnt wurde. Stattdessen haben wir über hundert verschie-

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"Das selbe Verhalten wird bei Männern anders bewertet als bei Frauen"

dene Verträge mit der EU, die das ausgleichen und permanent weiterentwickelt werden. Denn wir sind ja sehr eng mit der Europäischen Union verbunden. Der Warenaustausch zwischen der Schweiz und der EU beträgt über 800 Millionen Euro, also etwa eine Milliarde Schweizer Franken - und zwar pro Tag! Da es nicht einmal eine institutionalisierte Stelle für Streitschlichtungen gibt, muss jeder Konfliktpunkt immer unmittelbar ausverhandelt werden. Verbunden mit einem entsprechenden Lobbying für die politischen Positionen der Schweiz ist das die Hauptaufgabe der Schweizer Botschaft in einem kleinen Land wie der Slowakei. Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit auf diesem Gebiet zwischen der Slowakei und der Schweiz? Die Slowakei und die Schweiz sind von der Größe und dem politischen Gewicht her vergleichbare Staaten. Es gibt viel gemeinsame Positionen und gegenseitige Unterstützung auf der Ebene internationaler Organisationen wie der UNO, zum Beispiel in Menschenrechtsfragen. Die Schweiz übernimmt im kommenden Jahr den Vorsitz in der OSZE (Slowakisch OBSE), dafür wird es eine enge Zusammenarbeit mit der Slowakei gerade beim Thema Balkan geben, weil das für die Slowakei ein Schwerpunktthema ist und sie dabei eine wichtige Rolle spielt.

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Botschafter Christian Fotsch geboren am 22. Mai 1955 in Zürich, Jurastudium in Freiburg mit „magna cum laude“ abgeschlossen (in der Slowakei mit dem „červený diplom“ vergleichbar). Mehrjährige Tätigkeit beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (darunter auch Einsätze in Libanon, Irak, Israel/Palästina und Uganda), diplomatische Karriere mit Stationen in Mexiko, Tokio, Bangkok, dazwischen zweimal diplomatischer Berater und persönlicher Mitarbeiter des Schweizer Bundespräsidenten und unter anderem Chef der Sektion UNO (slowakisch: OSN) im Schweizer Außenministerium. Seit 2010 Schweizer Botschafter in der Slowakei. Sprachen: Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch. Seit 2004 in eingetragener Partnerschaft mit Paisan Pantubnate. Freizeitbeschäftigungen: Reisen, Lesen, Musik und Sport (z. B. Radfahren). Da ist ja sicher sehr hilfreich, dass jetzt gerade Miroslav Lajčák slowakischer Außenminister ist, also ein international anerkannter Experte auf diesem Gebiet? Die Person des Außenministers Lajčák ergibt für uns in mehrerer Hinsicht eine sehr günstige Konstellation. Er ist nämlich nicht nur ein Spezialist für den Balkan, sondern auch ein Spezialist für die Schweiz. Bevor Herr Lajčák nämlich im vergangenen April Außenminister wurde, war er in der Europäischen Union für die Außenbeziehungen der EU gerade auch zur Schweiz zuständig. Er kennt also die sehr technischen Fragen im Zusammenhang mit der Schweiz sehr gut. Wenn wir zur bilateralen wirtschaftlichen Kooperation übergehen: Wie groß ist da die Bedeutung der Schweiz in der Slowakei? Es gibt hier große Firmen, von denen den meisten Slowaken gar nicht bewusst ist, dass es Schweizer Firmen sind. Holcim zum Beispiel ist der zweitgrößte Zementproduzent der Welt und hat zwei

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Zementwerke in der Slowakei. Das sind große, langfristige Investitionen. Und gerade hat sich eine Schweizer Firma mit weltweiter Präsenz entschieden, ein Servicecenter für ganz Zentraleuropa in der Slowakei zu errichten. Da kamen mehrere Standorte in elf Ländern in Frage, aber ausgewählt wurde Košice, was mich sehr gefreut hat. Die Gründe waren, dass die Slowakei den Euro hat und Košice gut qualifizierte Arbeitskräfte sowie günstige Kosten anbieten kann. Das bringt der Ostslowakei mehrere hundert Arbeitsplätze schon ab dem kommenden Jahr. Die Schweizer Weltfirma Nestle ist hier mit drei Produktionsstätten präsent. Dann Swiss Re, das ist die zweitgrößte Rückversicherungsgesellschaft der Welt. Swiss Re hat weltweit zwei Servicecenter, eines in Bangalore in Indien und eines hier in Bratislava mit 600 Mitarbeitern. Weiters gibt es produzierende Firmen wie Schindler Aufzüge oder die Baufirma Hofmann. Es ist also ein breites Spektrum an Schweizer Firmen da, aber trotzdem meine ich, das Potenzial ist noch viel größer. Inter-

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essant ist übrigens, dass die Slowakei zu den wenigen Ländern gehört, mit denen die Schweiz eine negative Handelsbilanz aufweist. Das liegt vor allem an den Maschinen- und Fahrzeugimporten aus der Slowakei. Sie waren in Ihrer beruflichen Tätigkeit in fast allen Weltteilen eingesetzt, von Mexiko bis Japan. Hat Ihnen nach so vielen unterschiedlichsten Länder-Erfahrungen die Slowakei noch Überraschendes zu bieten? Es ist vielleicht etwas verführerisch, wenn man in die Slowakei kommt, hat man zunächst den Eindruck, die Slowakei ist so wie die Schweiz: Das Land ist ungefähr gleich groß, das Klima ist gleich und die Menschen sehen gleich aus. In Asien und auch in Mexiko oder in Afrika hat man sofort den Eindruck in einer ganz anderen Umgebung zu sein. Aber wenn man die Slowakei besser kennen lernt, merkt man, persönliche Beziehungen sind viel wichtiger als in der Schweiz. Und es ist eine viel einheitli-


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chere Mentalität, in der Schweiz gehört jeder irgendwie zu einer Minderheit. Auch die Einkommensverhältnisse sind enorm verschieden. Und wie zeigt sich der Mentalitätsunterschied? Die Slowaken sind emotionaler und ich sehe auch, wie wichtig es ihnen ist, in der Nähe ihrer Familie zu sein, und wie schwer es ihnen fällt, ins Ausland zu gehen. Da sind die Schweizer einfach weltoffener. Und auch offener gegenüber neuen sozialen oder politischen Einflüssen. Für Sie als Schweizer ist es normal, in einer eingetragenen Partnerschaft mit einem Mann zu leben, während die politische Elite der Slowakei darüber nicht einmal ernsthaft diskutieren will. In der Slowakei wurde diese Möglichkeit kürzlich vom Parlament mit großer Mehrheit abgelehnt. In der Schweiz hingegen gab es 2006 in einer Volksabstimmung eine große Mehrheit von 58 Prozent für die eingetragene Partnerschaft. - Und es ist nichts von dem Schlimmen passiert, das man in der Slowakei befürchtet: Weder sind die traditionellen Familien gefährdet worden, noch gab es einen moralischen Sittenverfall. Meine Vorstellung von der Schweiz war immer die einer sehr konservativen Gesellschaft. Die Schweiz hat lange gebraucht, um auch den Frauen ein Wahlrecht zu geben. Wie passt dazu diese gesellschaftspolitische Fortschrittlichkeit? Es stimmt zwar, dass erst 1971 das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. Den Kanton Appenzell musste sogar das Verfassungsgericht aufgrund des Nichtdiskriminierungsgebots dazu zwingen, weil die Appenzeller Männer das nicht wollten. Aber die Schweiz hat in den 80-er und 90-er Jahren große Schritte gemacht und ist in Vielem jetzt zum Vorreiter geworden. Das hatte auch viel damit zu tun, dass nach der 1968-er Bewegung in Westeuropa auch 1980

eine zweite Welle von Unruhen mit Jugendkrawallen unter Schlagworten wie „Züri brennt!“ (Zürich brennt) viel Anlass gegeben hat, das Selbstverständnis der Schweiz zu hinterfragen. Auch die Aufhebung der Teilung Europas 1989 hat der vorher nur auf den Westen orientierten Schweiz viel zu denken gegeben. Dazu kam auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle im Nationalsozialismus im Zusammenhang mit den „nachrichtenlosen Vermögen“. Welche Konsequenzen hat diese gesellschaftspolitische Modernisierung der Schweiz für die Diplomatie - zum Beispiel auch in der Slowakei?

Die Menschenrechtsfragen sind für die Schweiz eine ganz große Priorität in der Außenpolitik. Dazu gehört der Kampf gegen die Todesstrafe als Thema, das die Slowakei nicht so betrifft, aber auch der Minderheitenschutz - in der Slowakei damit insbesondere die Roma-Frage. Das Prinzip der Nichtdiskriminierung und der Chancengleichheit, außerdem Migrationsfragen, ... - Auf internationaler Ebene funktioniert das vor allem in Form der Suche nach Bündnispartnern für jeweils wichtige Themen, denn die Schweiz allein kann ja nichts durchsetzen, aber sie kann immer Partner finden, die ihre Anliegen unterstützen. Das ist in vielen Menschenrechtsfragen gerade auch die Slowakei.

Wirtschaftsbeziehungen Schweiz - Slowakei: Die Schweiz ist „nur“ zwölftwichtigster Investor in der Slowakei, aber mit stark steigendem Anteil. Etwa 70 Schweizer Firmen haben Niederlassungen in der Slowakei und beschäftigen rund 6000 Mitarbeiter. Das Spektrum an Branchen ist aber sehr breit und manche der Firmen sind weltbekannt: Holcim (Zement, Konstruktionsmaterial), Nestle (Lebensmittel), Vetropack (Glasverpackungen), ABB (Elektrotechnik), Schindler (Aufzüge, Rolltreppen), Ringier (Medien), Swiss Re (Versicherung), ...

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Schweiz trifft Slowakei Der Schweizer „Außenminister“ Didier Burkhalter besuchte im August die Slowakei. In Bratislava traf er Premierminister Robert Fico und Außenminister Miroslav Lajčák. Zudem besuchte er die Obdachlosenunterkunft St. Vincent Depaul im Stadtteil Bratislava-Ružinov, ein von der Schweiz unterstütztes Sozialprojekt. Text: Christoph Thanei, Fotos: Vladimír Benko

Dass in der Schweiz Vieles anders ist als in der Slowakei gewohnt, zeigt sich schon bei der offiziellen Bezeichnung des Gastes. In der Verlautbarung des Außenministeriums der Slowakischen Republik wurde der Gast vereinfacht als „Vizevorsitzender der Regierung und Außenminister der Schweiz“ bezeichnet. In der offiziellen Terminologie der Schweiz ist Didier Burkhalter „Bundesrat“, also Mitglied der aus nur sieben Personen bestehenden Bundesregierung, und für das Jahr 2013 stellvertretender Bundespräsident. Für slowakische Verhältnisse erstaunlich ist nämlich auch, dass in der Schweiz der

Offizielles Händeschütteln mit Premier Robert Fico (rechts) und Außenminister Miroslav Lajčák

Besuch in einer Obdachlosenunterkunft Menschenrechte und Sozialpolitik gehören zu den Zielen der Schweizer Außenpolitik.

Vorsitz der Regierung jährlich wechselt. Was in der Slowakei dem Ministerium für auswärtige und europäische Angelegenheiten entspricht, heißt in der Schweiz

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Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) und wird von Burkhalter als „Departementsvorsteher“ geleitet.

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Nicht ganz typisch für Staatsbesuche war auch das Besuchsprogramm: Dass neben den offiziellen Gesprächen mit Spitzenrepräsentanten eine Sozialeinrichtung besichtigt wurde, passt zum Schweizer Selbstverständnis. Die „Linderung der Not und Armut in der Welt“ ist nämlich eines der fünf außenpolitischen Ziele, auf denen die Außenpolitik der Schweiz beruht. Wichtigste Gesprächsthemen zwischen Burkhalter und Lajčák waren nach offiziellen Angaben „außenpolitische Fragen, wirtschaftliche Zusammenarbeit, institutionelle Beziehungen Schweiz-EU und der OSZE-Vorsitz der Schweiz 2014. Außerdem wurde eine Deklaration zur Intensivierung der bilateralen Zusammenarbeit bei Konsularangelegenheiten unterzeichnet.


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Small is beautiful “Small is beautiful”, lautet der Titel eines Klassikers des deutsch-britischen Ökonomen E. F. Schumacher, inspiriert von seinem österreichischen Freund, Anarchisten und Universalisten, Leopold Kohr, der Das Ende der Großen forderte und die Rückkehr zum menschlichen Maß empfahl. Kleinere Einheiten entsprechen menschlichen Bedürfnissen in der Regel besser als größere, meinte Kohr und schlug die Teilung größerer Staaten in mehrere kleine vor. Von Gabriele Matzner, 1997 - 2001 österreichische Botschafterin in der Slowakei

Damit lag er freilich nicht im Trend, denn der dem Wettbewerb hörige Zeitgeist fordert Zusammenballung von Macht und Kosten sparende Effizienz mittels Größe (economies of scale). Ungeachtet wichtiger Erfahrungen der Menschheit: Immerhin liegen die Anfänge moderner Demokratie in überschaubaren griechischen Stadtstaaten und garantiert Größe an Landmasse und Einwohnerschaft weder gerecht verteilten Wohlstand noch verantwortungsvolles Regieren. Vielleicht sind es solche Binsenweisheiten, die – zusammen mit einem wachsenden Unbehagen über immer größere wirtschaftlich-technische Unternehmungen und immer unüberschaubare Machtzusammenballungen – Bewegungen wie

Kooperation - statt nur Konkurrenz - ist auch das Prinzip, nach dem beispielsweise in der EU auch kleinere Länder eine sozusagen überproportional große Rolle spielen können, wenn sie gute Ideen gekonnt einbringen.

„buen vivir“ und die modische Glücksforschung inspirieren. Traditionsreiche Ökonomen und Institutionen rücken nun von der Messung staatlicher Leistung nur nach den materiellen Kriterien des Bruttosozialprodukts ab. Dieses „wächst“ bekanntlich auch, wenn die Zahl von Umweltbelastungen, chronisch Kranken und Häftlingen steigt. Die besten Chancen auf ein gesundes und sicheres Leben in Wohlstand bieten laut einem im britischen „Economist“ im November 2012 veröffentlichten Lebensqualität-Ranking vorwiegend kleine Länder, an erster Stelle die Schweiz. Österreich liegt nach diesem Befund (The lottery of life, where to be born in 2013) an 13., die Slowakei an 35. Stelle von rund 80 erfassten Ländern, vor Ungarn und Tschechien (Platz 46 und 49). Natürlich haben größere Länder im internationalen Konzert lautere Stimmen oder stehen am Dirigentenpult. Damit müssen sie aber bekanntlich nicht unbedingt sich oder anderen Gutes tun. Entgegen Schillers geflügeltem Wort ist der Starke übrigens nicht am mächtigsten allein, selbst die dem Kalten Krieg entstiegene Erste globale Großmacht hat dies schon erfahren und sucht vermehrt Kooperation. Kooperation - statt nur Konkurrenz ist auch das Prinzip, nach dem beispielsweise in der EU auch kleinere Länder eine sozusagen überproportional große Rolle spielen können, wenn sie gute Ideen gekonnt einbringen. Das wissen alle, die am

Brüsseler Parkett zu Hause sind. Klugheit und Talent sind zum Glück unabhängig von Landesgröße über den Globus verteilt. Bevor ich über Kleinheit ins Schwärmen gerate, ein kleines Aber: Kleinere, relativ machtlose Länder und ihre Bewohner tendieren dazu, sich in ihrem scheinbar gemütlichen Biotop zu verkriechen, sich selbst zu verniedlichen, zu ver-provinzialisieren. Als man in Österreich das Land plötzlich als „Kleinstaat“ zu bezeichnen begann, läuteten zumindest bei mir die Alarmglocken. Selbst-Begnügung wäre ein großer Fehler, denn selbst ein guter Mensch wird schlecht, wenn er sich mit seinesgleichen begnügt, wie Mozart sinngemäß schrieb.

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Die Kraft der Langeweile „Österreich hat einst soviel für uns bedeutet“, sagen mir manch­mal slo­wa­­­ki­sche Freunde, „warum nur ist Ös­ter­reich heute so unsichtbar?“ Ich seufze. Ich bin Ös­ter­reicher, lebe seit 2004 in Devínska Nová Ves und rei­fe aus dieser Di­stanz zu ei­ nem immer sen­ti­men­ta­le­ren Patrioten heran. „Ich glau­be nicht, dass Ihr diese Ge­schich­te wirklich hören wollt“, win­de ich mich, „Ös­ter­reich ist langweilig.“ – „Doch, wir wol­len sie hören.“ – „Na gut, dann habt Ihr es nicht anders ver­dient.“ Von Martin Leidenfrost

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Ich beginne, weil sie archetypisch sind, mit den Spitzen der Re­­­­­gierung. Bundeskanzler Werner Faymann, Sozialdemokrat, und Vize­kanzler Mi­chael Spindelegger, Christdemokrat. Man darf ihre Na­men gleich wieder vergessen. Ob die beiden nach der Na­ti­o­nal­rats­wahl am 29. September abtreten oder noch Jahr­zehn­te am­­tie­­­ren, ändert nichts am Prinzip. Die beiden sind näm­­lich Klo­ne. Bei­de sind 53 und graumeliert, bei­­de ha­ben ein überaus

christ­­­­­demokratischen ÖVP, war Be­am­ter des schwarzen Lan­des Nie­der­öster­reich. Wie die beiden Spit­zenklone, so zeichnet sich das ge­sam­­te Establishment der Al­penrepublik durch intellektuelles Mit­­­ telmaß aus. Ihre Reden sind dröge. Die slo­wa­ki­schen Nach­rich­­ten sind viel lustiger an­zuschauen. Jeden Mo­nat ei­­ne neue Par­­tei, in Österreich nur al­le zehn Jah­­re. In Ös­­ter­reich ist man ausreichend informiert, wenn man sich den Jah­res­rückblick des

net­tes Auftreten, keiner wäre je mit ei­­nem Anflug von Lei­denschaft auffällig geworden. Ihre Wohn­or­te, der Wie­ner Au­ßen­ bezirk Lie­­sing und der Wiener Vorort Hin­­­­ ter­brühl, sind ge­ra­de einmal acht­einhalb Kilometer von­ei­nan­­der entfernt. Faymann, Vorsitzender der sozialdemo­ kra­ti­schen SPÖ, kam über die Mie­ter­ ver­einigung in die ro­te Wiener Stadtregierung. Spin­del­egger, Vorsitzender der

Staatsfernse­hens ORF an­schaut. Es ändert sich nicht viel. Bleibt die verstörende Frage, warum es diesem so mittelmäßig verwalteten Land so gut geht. Seit dem Fall des Eisernen Vor­hangs ist Österreich von einem abgeschiedenen Klein­staat zu ei­ner mitteleuropäischen Kolonialmacht auf­ge­­­­ stiegen. Der Min­der­­wertigkeitskomplex gegenüber Deutsch­­­­­­land verheilt, seit sich

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Zehntausende „Pief­­ke“ bei den „Schluch­ tenscheißern“ um Ar­­beit bewerben. Österreich gilt seit kur­zem als das zweit­reich­ste Land der EU. Die Arbeits­lo­sen­­rate ist die niedrigste un­ter allen 28 Mit­glieds­staaten. Sie lag im Juni bei 4,6 Pro­zent, in der Slo­ wa­kei bei 14,5. Die For­schungsquote ist auf be­achtliche 2,8 Prozent gestiegen. Slo­­wakei: 0,7 %. Das Rückgrat der österreichischen Industrie bilden mittel­stän­di­sche Familienbetriebe, hoch­­­­spezialisiert und ex­ port­orien­tiert. Die Stärke dieser Struktur zeigte sich im Kri­sen­­winter 2008/2009, als die Produktion weltweit stillstand. Die Mit­tel­ständler wollten ihre Arbeiter nicht ver­­­lieren und hielten sie mithilfe staat­ lich bezuschusster Kurz­­ar­beit in Lohn und Brot. Kaum jemand verlor den Job. Wenn man dazu die gute Infrastruktur rechnet, die hin­­ge­bungs­vol­le Pfle­ge von Kul­tur­gü­tern bis hin zum letzten Mar­­terl und die oft aus winzigen Rebflächen gewonnenen Spit­zen­weine – dann könn­­­te man sich als Österreicher auf die stolz­­ geschwellte Brust schla­gen. Man darf nur nicht hinfahren. Wenn ich in mein Land hin­über­fah­re, sehe ich niemanden, der zu­frieden wäre. „Die Politiker streiten nur und tun nichts“, höre ich. Von 68 Jahren Zwei­­ter Republik regiert insgesamt 44 Jahre die „Große Koa­li­ti­on“ aus Sozialdemokraten und Volkspartei, doch lie­­gen die bei­­den Staatsparteien in Umfragen so schlecht, dass sie phasenweise um die gemeinsame Mehrheit bangen.


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Ich lebe schon zu lange außerhalb Österreichs, um die üble Lau­ne meiner Landsleute verstehen zu können. Seit dem Auf­tau­chen des Rechtspopulismus 1985 haben sich viele Ös­ter­rei­cher an­gewöhnt, den Grund für ihre schlechte Stimmung bei „schma­rot­zenden Ausländern“ zu suchen. In der Tat sind 19 Pro­zent – mit und ohne österreichischen Pass – Mig­ran­ten. Die re­gel­mäßig hoch­ gekochte Polemik wird aber zunehmend interessant. Die vie­len Wiener Serben sind längst die treu­es­ ten Wähler des Rechts­­po­ pulisten HC Strache – der zieht so schön gegen Muslime vom Le­der. Und die angegriffenen Tür­ken lassen sich nicht be­ir­ren, ei­nen oft bemerkens­wert er­folgreichen Business auf­zu­zie­hen. Als Sicher­heits­prob­lem könnten sich al­lenfalls die 25.000 tsche­­­t­sche­­­­ nischen Asy­lanten erweisen. Keine Ahnung, wie­so das klei­ne Ös­­ter­reich mehr trau­ma­ti­ sier­te Kaukasier ab­ge­kriegt hat als das zehn­ mal so einwohnerstarke Deutschland. Bleibt zu hof­fen, dass die­ses Experiment nach der ös­ter­reichi­schen Re­dens­art ausgeht: „Guad NPZcolor.pdf is gangen,1nix9.8.2013 is g´schehn.14:43:37 “

Zurück zu den Spitzen der Republik, zu Fay­mann und Spin­del­eg­ger. Wer die beiden Schlaftabletten je­­mals ge­nos­sen hat, wird für ausgeschlossen halten, dass die fa­bel­haf­ten Wirt­schafts­da­ten auf ihr Genie zurückzuführen sind. Viel­leicht aber regiert so ein Kanzler das Land gar nicht. Da wä­ren zum Bei­spiel die Lan­­des­haupt­ männer von Wien und Nie­der­ös­ter­reich, Häupl und Pröll. Bei­de sind um die zwanzig Jah­re im Amt, sie gel­ten als die wahre Machtachse der Republik. Und da wäre die Sozialpartnerschaft. Fast jeder Österrei­cher ist zahlendes Zwangsmitglied einer als „Kammer“ bezeich­neten Mas­­ senorganisation. Die Kammern unter­halten ge­waltige Ap­pa­ra­te, sind mit dem Personalkader der Groß­par­tei­en verzahnt und ver­­ treten in institutionalisier­ten Ver­­hand­lun­gen die In­te­res­sen ihrer Mitglieder. Auch wenn ge­rade nicht Große Koa­li­ti­on ist, wer­den große Fragen von dieser Ne­ben­re­gie­­rung ge­löst. Unter den Bedingungen dieses grauen Korporativismus hat Öster­reich nach dem Krieg eigentlich nur drei charismatische

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Poli­tiker hervorgebracht: Den trinkfesten Christ­de­mo­kraten Leo­pold Figl, der sich im KZ Dachau mit den zuvor verhassten So­ zial­de­mo­kraten anfreundete. Den ebenso jüdischen wie anti­semitischen Sozialdemokraten Bruno Kreisky, als „Son­nen­könig“ verehrt. Und Jörg Haider, den vielleicht er­­ folg­reich­sten Rechtspopulisten Eu­ropas. Als Hai­­der 2008 - mit 1,8 Promille aus einer Schwu­len­bar kom­­mend - in seinem schwarzen Phae­ton verun­glück­te, hin­ terließ er den größ­ten Kor­ruptionssumpf seit Bruno Kreis­kys Al­lein­re­gie­­­rung und die größte Banken­plei­te der Re­pub­lik. Der Aus­nah­me­­po­li­ti­ker ist in al­lem ge­schei­tert. Nicht einmal sein Projekt, die Zwangs­­mit­ glied­schaft in den Kammern ab­zu­schaffen, brach­te er durch. Seither regieren die Kammerfunktionäre fideler denn je. Im Som­­mer traten die Präsidenten der Arbeiterkammer und der Wirt­schafts­­ kammer zusammen im ORF auf. Es wäre nur Eingeweihten aufgefallen, wenn man den beiden die Namensschilder vertauscht hät­te: Arbeiterkämmerer Kaske forderte mehr Wirt­

Our strength All our services are provided in English, German and of course the language of respective country, which is highly appreciated by numerous national as well as international clients.


TITELTHEMA

Mittelmäßige Politiker, trotzdem erfolgreiches Land: Bundeskanzler Werner Faymann (links) und Vizekanzler Michael Spindelegger, Fotos: Sita / Ronald Zak, Hans Punz

schafts­­wachs­tum, Wirt­schaftskämmerer Leitl bekannte sich zur Ar­beits­­markt­po­litik, „wir lassen niemanden fallen.“ Nun ja, diese Maschine braucht viel Schmiere. Allein die ak­ti­ve Arbeitsmarktpolitik ver­­­schlingt eine halbe Mil­liarde Euro jährlich. Etwa 80.000 Ar­beits­­­lose werden vor der Statistik versteckt, indem man sie zunächst in „Ak­ti­vie­rungs­­­kurse“ und dann in „Qualifzi­zierungs­kurse“ steckt. Auch dass Österreich kaum Partei­spen­den-Skan­­dale kennt, hat einen ho­­hen Preis: Die Parteien be­die­nen sich aus der Staatskasse mit insgesamt 195,3 Millionen Eu­ro – die Parteienförderung in Deutsch­land ist niedriger. Wer das alles bezahlt? Zunächst einmal liegt die Staats­ver­schuldung deutlich höher als in der Slowakei, bei 73,4 Prozent des BIP. Der Rest sind Steuern. 40 Prozent der Arbeitnehmer zah­­len gar keine Steuern. Die Vermögenssteuern sind minimal, al­so trägt die ar­bei­tende Mittelschicht die ganze Last. Da Österreich so etwas wie ökonomischen Liberalismus nur aus den Auslandsnachrichten kennt, besteht über das hochgradig pro­g­ressive Steuersystem ein nationaler Konsens. Im ös­ter­rei­chi­­­schen Parteiensystem wäre die linkspopulistische slo­wa­ki­sche Regierungspartei SMER, die

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ei­­nen Höchst­­­steu­er­satz von 25 Prozent und eine zum Teil kapi­tal­­markt­­finanzierte Rente ver­tritt, in einer Weise als „sozial kalt“ ver­schrien, dass sie zu Wah­len erst gar nicht anzutreten bräuchte. Und wo stünde die christ­demokratische ÖVP, die am Spit­ zen­­steu­ersatz von 50 Pro­­zent nie gerüttelt und die Senkung des Ein­gangs­steu­­er­­sat­­zes von 38,3 auf 36,5 als Entlastung des Jahr­ hunderts ver­­kauf­t hat, in der Slowakei? Sie wäre wohl mit den Kommunisten in der au­ ßerparlamentarischen Opposition. In Ös­ter­ reich gilt die ÖVP als neoliberal. Bleibt die Frage, ob die Erfolgsgeschichte Österreichs trotz oder wegen seines trägen Korporativismus zustande kam. Bringt die­­se mittelmäßige Elite aus Kammerdelegierten und Partei­sol­da­ten letztlich doch eine kollektive Weisheit hervor? Ist es eine Stärke des Systems, dass das Land auch mit einer Flasche im Kanz­ler­amt nicht un­ter­geht? Ich neige zu einem Ja. Ja, die österreichische Langeweile erweist sich offenkundig als Stärke. Der Slo­wa­kei empfehle ich mein Heimatland dennoch nicht als Vorbild. Ich fürch­te, die Slo­wakei kann sich keineswegs einen un­­fähigen Pre­­­mier leisten, da Arbeitgeber und Arbeitnehmer kaum den Ge­mein­­schafts­sinn auf­­brächten, das Land

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gemeinsam auf ruhiger Bahn zu hal­ten. Für das ös­ter­rei­chi­sche Modell bedarf es einer Be­­völ­ke­rung, die Konsens und Ausgleich als höchste Tu­­genden ansieht. Die­se Men­talität finde ich in den deutsch­spra­­chi­­gen Ländern, west­lich und östlich davon we­ni­ger. Und überhaupt, wenn schon ein Vorbild, dann die Schweiz. Die ös­­terreichische Demokratie ist wenig lebendig, viele werden immer noch zum Eintritt in die Staats­par­ tei­en ge­nötigt. Der po­litische Proporz geht so weit, dass wir so­gar bei Autofah­rerklubs oder Bergsteigervereinen zwi­schen SPÖ und ÖVP wäh­len müssen. Außerdem ist die Zei­ tungs­kultur schwach, der Bil­­­dungs­ver­­fall dramatisch, der Födera­lis­mus bei all seiner Schön­­­heit un­ausgereift, die großen Banken sind ein Sy­stemrisi­ko, und die Ge­richte ahnden erst seit kurzem politische Korruption. Ganz zu schwei­­­gen von der rot-schwarzen Zentralachse aus Stadt Wien und Raif­­fei­ sen-Kon­zern, die auch von den wenigen unab­hän­gi­­­­­gen Medien als un­be­rührbar res­ pektiert wird. Wir wissen nicht, ob sich hinter dieser Un­be­rührbarkeit nicht schwarze Lö­­­­cher auf­tun, große schwarze Lö­cher. Muss aber nicht sein. Viel­leicht geht alles gut. Es soll uns nichts Schlim­me­res pas­sie­ren als dass nichts ge­schieht.


Politik & GESELLSCHAFT

45 Jahre nach der Invasion Foto-Ausstellung Ladislav Bielik Vor 45 Jahren beendete die Invasion der Truppen des Warschauer Pakts den „Prager Frühling“. Die ergreifenden Bilder, mit denen der Fotograf Ladislav Bielik in Bratislava den Einmarsch und den Protest der Bevölkerung dagegen dokumentierte, gingen um die Welt. Sein Sohn, der bekannte TV-Nachrichtenjournalist Peter Bielik, organisierte jetzt in der „Galerie F7“ eine Auswahlpräsentation der legendären Fotos unter dem Titel „The Global Message“ zugänglich. Auch Regierungschef Robert Fico und mehrere Regierungsmitglieder und andere Prominente nahmen an der Vernissage am 21. August teil.

Das legendärste Foto von Ladislav Bielik entstand im August 1968 in Bratislava. (Das Foto wurde der NPZ dankenswerter Weise von Peter Bielik zum Abdruck zur Verfügung gestellt.)

Text und Vernissage-Fotos: Christoph Thanei

Das bekannteste der Fotos von Ladislav Bielik entstand vor dem Gebäude der Comenius-Universität in Bratislava am Šafárikovo námestie (Šafárik-Platz). Es trägt den Titel „Mann mit entblöster Brust vor Okkupationspanzer“ (Muž s odhalenou hruďou pred okupačným tankom) und zeigt den damals 44-jährigen Installateur Emil Gallo, der sich mutig einem Panzer entgegen stellt. Die atemberaubende Momentaufnahme wurde nur ein einziges Mal mit Zustimmung des (1984 verstorbenen) Fotografen

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Ladislav Bielik selbst veröffentlicht: Am 22. August 1968 in einer Sonderausgabe der slowakischen Tageszeitung „Smena“. Als Kopie davon übernahmen innerhalb weniger Tage Medien in Deutschland (mit der inkorrekten Quellenangabe „dpa“) und den USA das Bild, es wurde rasch zum wohl bekanntesten Fotodokument der damaligen Okkupation. Mehrfach wurde es inzwischen unter die wichtigsten Fotos des 20. Jahrhunderts gereiht. Die Rechte auf das verschollen geglaubte Bild waren aber jahrelang unge-

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klärt. Erst lange nach seinem Tod konnte Bieliks Familie das Original-Negativ aufspüren und die Autorenrechte in

„The Global Message“, Auswahl von Bildern des Fotografen Ladislav Bielik. Galéria F7 in Bratislava, Františkánske námestie 7. Nur noch bis 14. September!


Politik & GESELLSCHAFT

Gerichtsprozessen gegen die Deutsche Presse-Agentur klären. „Dass wir jetzt endlich vor Gericht Recht bekommen haben und es nun keine Zweifel mehr gibt, ist für uns eine große Erleichterung und macht solche Ausstellungen erst ohne Furcht vor Klagen möglich“, sagte Peter Bielik der NPZ. Das Bild wurde aber seit 1968 nicht nur immer wieder ohne korrekte Autorenangabe in den Weltmedien, sondern nicht selten auch mit falschen Informationen zum Inhalt - insbesondere mit der Ortsangabe Prag statt Bratislava.

Eine faszinierte Besucherin vor Ladislav Bieliks berühmtestem Bild

Premier Robert Fico bei seiner Eröffnungsrede (mit Peter Bielik im Hintergrund)

Geschichtsunterricht in slowakischen Schulen: „1968 ist so weit entfernt wie das Mittelalter“ In der Nacht auf den 21. August 1968 beendeten die Panzer der Sowjetunion und ihrer Verbündeten gewaltsam den „Prager Frühling“. 45 Jahre danach wird das Thema im Geschichtsunterricht noch immer „vergessen“. Von Christoph Thanei

„Für heutige Schüler ist das Jahr 1968 ebenso weit entfernt wie das Mittelalter oder der 30-jährige Krieg“, sagt Viliam Kratochvíl. Der Historiker der Universität Bratislava und seit einem Jahr auch Leiter des slowakischen „Staatlichen Pädagogischen Instituts“ ŠPÚ, kämpft seit Jahren gegen Windmühlen, wenn es um die Förderung des zeitgeschichtlichen Bewusstseins im Schulunterricht. Die noch immer aktuellsten Lehrmaterialien für den Geschichtsunterricht hat er vor Jahren noch selbst gemeinsam mit Kollegen ausgearbeitet. Als in jener Nacht vor 45 Jahren die Panzer der Sowjetunion und ihrer Verbündeten die Tschechoslowakei überrollten, beendeten sie damit gewaltsam das von weltweiter Faszination begleitete Experiment eines „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ unter Führung des slowakischen Reformkommunisten Alexander Dubček. Der charismatische Dubček hatte in seiner Funktion als „Erster Sekretär der Kommunistischen Partei“ und damit oberster politischer Führer

des Landes versucht, eine von der sowjetischen Linie abweichende Variante des Kommunismus als Modell einer humaneren Gesellschaft durchzusetzen. Das wollte Moskau mitten im Kalten Krieg nicht akzeptieren und schlug mit eiserner Faust zu. Zeitzeugen schildern in Privatgesprächen und immer seltener auch gegenüber den Medien ihre traumatischen Erlebnisse, als sie in der Nacht zum 21. August vom Lärm der durch die Straßen der Städte rollenden Panzer aus dem Schlaf gerissen wurden. „Aber im Geschichtsunterricht der Schulen kommt das Thema meist nicht einmal vor“, beklagt Kratochvíl. Es fehle nicht nur an Lehrbüchern, sondern vor allem am Willen von Lehrenden und Schulbürokratie: „Es ist viel einfacher, unumstrittene Themen der früheren Geschichte in den Schulen zu behandeln als politisch heikle Themen.“ Das liege vor allem daran, dass in der Schulbürokratie noch immer jene damals jungen Erwachsenen den Ton angeben, die sich nach dem Einmarsch des

Warschauer Paktes mit der Realität der so genannten „Normalisierung“ arrangiert hatten. So bezeichnete man die fast bis zur Wende 1989 dauernde Epoche unter dem moskautreuen Dubček-Nachfolger Gustáv Husák, der ebenfalls aus der Slowakei stammte. Von politischer Betätigung ausgeschlossen zog sich der Großteil der Bevölkerung in den 70-er und 80-er Jahren ins Privatleben zurück. Gerade Lehrer und Beamte standen unter besonders großem Druck, sich der „Normalisierung“ zu fügen oder entlassen und verfolgt zu werden. „Was blieb ihnen anderes übrig?“, zeigt Kratochvíl Verständnis. Im Westen wenig bekannt ist, dass diese Ära der Unterdrückung in der Tschechoslowakei zugleich auch eine Zeit relativen Wohlstands war, der sich auch in einem wahren Boom an Geburten zeigte: „Normalisierungs“-Kinder oder „Husák-Kinder“ ist bis heute ein allgemein gebräuchlicher Begriff für die damals Geborenen.

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„Unser persönlicher Service ist unsere beste Werbung“ Die „NPZ - Neue Pressburger Zeitung“ sprach mit den aus Österreich stammenden Geschäftsführern von VB Leasing Slowakei, Peter Demmer und Mag. Martin Lagler. Text: Katarína Kironská, Fotos: VB Leasing

Peter Demmer absolvierte seine ökonomische Schulausbildung gefolgt von einem Jahr Bundesheer in Österreich. Elf Jahre lang war er in Rumänien tätig, davon acht Jahre für das Finanzierungsgeschäft der Porsche Finanzgruppe zuständig. Seit 2007 gehört er zur VB Leasing Gruppe und seit dem 1. Mai 2012 wirkt er als Geschäftsführer der VB LEASING SK GmbH, wo er für das Backoffice verantwortlich ist. Demmer war schon immer sehr sportbegeistert, er absolvierte eine Ausbildung zum Basketballtrainer und widmet sich diesem Sport bis heute intensiv: „Mir macht Mannschaftsport einfach Spaß – er hat diese Dynamik, die man auch im Finanzierungsgeschäft als Manager gut gebrauchen und umsetzen kann.“

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Sie beide führen gemeinsam VB Leasing in der Slowakei. Wie teilen Sie ihre Verantwortlichkeiten auf und unter welcher Hierarchie treffen Sie wichtige Entscheidungen? Lagler: Wir teilen uns die Aktivitäten nach Markt und Marktfolge auf. Ich bin für den Markt, also für den Vertriebsteil zuständig und mein Kollege für das Backoffice, also die internen Angelegenheiten wie Risikomanagement, Controlling und das Rechnungswesen. In wichtige Entscheidungen beziehen wir unsere Abteilungsleiter ein. So gibt es eine erweiterte Geschäftsleitung, in der die Arbeitsebene repräsentiert ist. Wir haben hier in der Slowakei gute und hoch qualifizierte Mitarbeiter. Daher bilden wir ein starkes und gut aufgestelltes Team, was sicher auch ein Teil des Firmenerfolges ist. Wie rekrutieren Sie Ihre Mitarbeiter? Demmer: Wir haben 88 Mitarbeiter, zehn Filialen und eine Zentrale in Bratislava. In der Personalpolitik schauen wir immer als erstes darauf, dass jede Position, die wir besetzen, zuerst intern ausgeschrieben wird, denn oft gibt es Potenzial im eigenen Team. Abteilungsleiter-Positionen werden zusätzlich über externe Firmen ausgeschrieben. Außerdem kommen zu uns immer wieder Studenten für Praktika und viele bleiben dann bei uns. Auf diese Praktika legen wir großen Wert, denn so kann ein junger Mensch am besten sehen, was ihm gefällt und ob er ins Team passt. Wenn es so zu einem fixen

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Mag. Martin Lagler absolvierte sein Studium der Rechtswissenschaften in Wien und stieg gleich danach 2001 ins Leasinggeschäft und 2003 ins internationale Leasinggeschäft ein. Seit Anfang 2010 gehört er zur VB Leasing Gruppe und seit April 2013 ist er als Geschäftsführer bei der VB LEASING SK GmbH tätig, wo er für das Frontoffice zuständig ist.

Lagler: „Bei uns findet der Kunde eine stabile, flächendeckende Firma, die schon seit 20 Jahren auf dem Markt ist. Dank der zehn über die ganze Slowakei verteilten Filialen sind wir immer nur einen Schritt von den Kunden entfernt."


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Demmer: „Unsere beste Werbung ist unser persönlicher Service. Wir haben Klienten, die schon seit zehn bis zwanzig Jahren mit uns zusammenarbeiten. Das beweist am eindrucksvollsten, dass sie mit unserem Service zufrieden sind."

Arbeitsverhältnis kommt, ist das auch für die Firma das Beste, das ihr passieren kann. Welche Produkte bieten Sie an und wie vertreiben Sie sie? Demmer: Wir beschäftigen uns ausschließlich mit Mobilienleasing, also eigentlich mit allem, was beweglich ist. Dazu gehört hauptsächlich PKW-Leasing, wir sind aber auch im LKW- und Transportersegment sehr stark sowie im Bereich der Maschinenfinanzierung. Lagler: Die Aufgliederung unserer zwei Vertriebsschienen - Händler und Direktgeschäft - spiegelt sich auch in der Aufbaustruktur der Firma wider. Das heißt, es gibt zwei Händler – Abteilungen, einmal für PKW - Händler und einmal für Händler anderer Objekte. Hier bieten die Händler zum verkauften Objekt zugleich das entsprechende Finanzierungsprodukt an. Außerdem gibt es eine Abteilung, die sich um den Direktvertrieb kümmert. Womit überzeugen Sie den Kunden, dass er sich für ihre und nicht für eine andere Firma entscheidet? Lagler: Der Markt in der Slowakei ist sehr hoch entwickelt, das heißt, es gibt sämtliche Produkte und Varianten seit Jahren auf dem Markt. Der Qualitätsunterschied liegt nicht so sehr in den Leasingprodukten, sondern in den dazu ange-

botenen Dienstleistungen. Bei uns findet der Kunde eine stabile, flächendeckende Firma, die schon seit 20 Jahren auf dem Markt ist. Dank der zehn über die ganze Slowakei verteilten Filialen sind wir immer nur einen Schritt von den Kunden entfernt. Wir sagen immer, dass unsere Beziehungen mit dem Klienten mit der Unterschrift des Vertrages nicht enden. Sie fangen dort erst an.

orientieren kann. Es leben hier freundliche Menschen und es gibt viele Kulturveranstaltungen. Ich habe auch mit Slowakisch-Unterricht begonnen, dann wurde mir aber doch die Zeit dafür zu knapp. Deshalb ist für mich hilfreich, dass es eine Zeitung wie die NPZ gibt, die Informationen über die Slowakei in deutscher Sprache bietet. Ab September will ich aber wieder mit dem SlowakischUnterricht weitermachen.“

Wie wichtig ist Werbung für Sie? Demmer: Unsere beste Werbung ist unser persönlicher Service. Wir haben Klienten, die schon seit zehn bis zwanzig Jahren mit uns zusammenarbeiten. Das beweist am eindrucksvollsten, dass sie mit unserem Service zufrieden sind. Außerdem garantieren wir schnelle Entscheidungen, sodass die Kunden nicht lange im Ungewissen bleiben. Wie zufrieden sind Sie mit der Zahlungsmoral in der Slowakei? Demmer: Eigentlich sehr. Wenn Kunden doch sehen, dass sie Schwierigkeiten haben, dann kommen sie zu uns und wir überlegen gemeinsam entsprechende Lösungen wie zum Beispiel niedrigere Raten und eine längere Laufzeit. Wir sind da sehr flexibel, unser Ziel ist es, den Kunden zu unterstützen und ihm nicht zusätzliche Schwierigkeiten zu machen indem wir ihm seine Arbeitsmittel vorzeitig wegnehmen. Wir schauen uns da wirklich jeden Fall individuell an und versuchen unsere Möglichkeiten der Situation des Kunden anzupassen. Und wie gefällt Ihnen persönlich das Leben in der Slowakei? Lagler: „Das Leben in Bratislava ist für mich nichts Neues, denn aufgrund meiner Tätigkeit bin ich schon mein ganzes Berufsleben mit der Slowakei verbunden. Ich habe aber leider nicht den Luxus, die ganze Woche hier sein zu können. Durch die Nähe von Wien ist es doch sehr einfach, dass man eben hin und her fahren kann“ Demmer: „In der Slowakei habe ich mich gut eingelebt. Bratislava gefällt mir sehr. Es ist eine eher kleine, überschaubare Stadt, in der man sich gut

VB Leasing SK VB Leasing ist seit 1994 auf dem slowakischen Markt aktiv und gehört dank der langjährigen Erfahrung und starken Kapitalbasis der österreichischen Muttergesellschaft VB Leasing International Holding GmbH zu den größten UniversalLeasinggesellschaften der Slowakei. VB Leasing konzentriert sich in erster Linie auf die Finanzierung von Mobilien, d.h. Autos, Transporttechnik und Technologien. Neben der Leasingfinanzierung bietet VB Leasing auch Finanzierungsmöglichkeiten durch Darlehen sowie operatives Leasing. Die einfache Organisationsstruktur hilft, Entscheidungen schnell und effizient zu fassen. Dank des breit gestreuten Netzwerks von Niederlassungen in der ganzen Slowakei ist VB Leasing immer nah an seinen Kunden und Geschäftspartnern.

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Damit wir die Jubelzone nicht vergessen! Nach dem Besuch von Dresden war ich kurz darauf erneut in Deutschland, um meinen Roman Jubelzone vorzustellen, der die Geschichte Deutschlands, Tschechiens, der Slowakei, Russlands und der Ukraine in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts beschreibt. In Remscheid sollte ich die „Slowakische Woche“ abschließen, die vom 14. bis 20. Juni von der Freundschaftsgesellschaft Remscheid-Prešov veranstaltet worden ist. Von Jozef Banáš

Begleitet von wunderschönen Volksliedern aus der Ostslowakei, dargeboten von den jungen Mädchen des FolkloreEnsembles der Prešover Universität, vergingen die zwei Stunden wie im Fluge. Nach dem lebhaften literarischen Gespräch ging es bei gutem Wein weiter mit dem Erzählen persönlicher Erlebnisse und Empfindungen aus der Zeit der durch die Berliner Mauer symbolisch geteilten Welt. Aus der Zeit, als die einstigen Ostdeutschen ihren inneren Widerstand auch dadurch äußerten, dass sie das Fußballspiel der beiden deutschen Staaten gegeneinander im westdeutschen Fernsehen verfolgten, und ihre Scheinheiligkeit kam dadurch zum Ausdruck, dass sie, wenn es an der Wohnungstür klingelte, zum Fernseher sprangen (Fernbedienung gab es noch nicht), um aufs DDR-Fernsehen umzuschalten. Aus der Zeit, als wir von Freiheit und Demokratie träumten und sie täglich über ARD, ZDF, RIAS, ORF, Stimme Amerikas und andere Fernseh- und Hörfunkstationen wahrnahmen. Aus der Zeit, als die Deutschen meiner Generation ein seltsames Gefühl im Magen hatten, wenn sie die innerdeutsche Grenze von Ost nach West überschreiten durften, oder die Slowaken, wenn sie nach Österreich einreisten. Aus der Zeit, als wir – die Tschechen, Slowaken, Ostdeutschen, Polen, Russen, Bulgaren, Ukrainer,

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Ungarn – auf die Verstellung setzten, die zum untrennbaren Bestandteil unseres Lebens wurde. Betrug, Lüge und Unrecht sind uns sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen. In den einstigen sozialistischen Ländern demonstrierten wir wohl am deutlichsten unsere Meisterschaft in der Verstellung, wenn wir zum Ersten Mai oder an anderen staatlichen Feiertagen an den Umzügen teilnahmen. In den Zonen vor den Tribünen und unter den Jozef Banáš mit drei Musikerinnen des Volksensembles aus Prešov (Foto: privat)

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Kameras zeigten wir Begeisterung, nach der Rückkehr fing der Alltag wieder an, stumm mit gebeugten Rücken. Ihre Jubelzone durchlebten die Deutschen und die Slowaken auch während der faschistischen Diktatur, und die Slowaken und die Deutschen aus der ehemaligen DDR auch während der kommunistischen Totalität. Die Tribünen waren die gleichen, nur die Symbole wurden ausgewechselt. Als ich seinerzeit den Bundeskanzler


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a.D. Willi Brandt befragte, welche Kriterien die Deutschen bei der Vergangenheitsbewältigung anlegten, sagte er mir die Worte, die ich zum Motto meines Romans wählte: „Eines Jeden Vergangenheit erkennt man daran, wie er sich heute verhält.“ Genau so ist es. Diejenigen, die während der Totalität Lumpen waren, sind es auch heute in der Demokratie, die damals rechtschaffen waren, sind es auch in der Demokratie geblieben. Auf den Tribünen blieben die Scheinheiligen sitzen, die deutschen haben geschickt Hitlers Porträt gegen das von

Adenauer ausgetauscht, unsere tauschten Tiso gegen Gottwald und später Husak gegen Havel. Und wir marschierten an ihnen vorbei und schwenkten Fähnchen. Und täuschten Begeisterung vor, denn die Menschen in den Jubelzonen sind überall in der Welt gleich. Das habe ich bei meinen Gesprächen in Prag, Berlin, Frankfurt, Warschau, Neu Delhi, Kiew, Ushgorod - in den Ländern, in denen Jubelzone erschienen ist - erfahren. Die Menschen wollen ohne Heldentaten in Ruhe, Frieden, Glück leben, ohne Verstellung, Vorur-

teile, in Wahrheit und Freundschaft. Freundschaft ist ein Himmelsgeschenk, und unsere Aufgabe ist es, sie hier auf Erden zu verwirklichen. Sie kann aber – mit Goethe gesagt – nicht aus einer hochmütigen Brust erwachsen. Den Freunden aus Remscheid ist es während der „Slowakischen Woche“ gelungen, die deutschen und die slowakischen Herzen zu öffnen und einander näher zu bringen. Je größere nationale und europäische Patrioten wir sein werden, je mehr wir voneinander wissen, umso weniger Vorurteile werden wir haben, umso geringer ist dann die Gefahr der Rückkehr von Jubelzonen. Tun wir also alles dafür, dass sie sich nicht wiederholen.

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Die Slowakei und die deutschsprachigen Länder im Spiegel ihrer Medien Die Weltwirtschaft hat bereits das sechste Jahr mit den Folgen der globalen Krise zu kämpfen. Obwohl sich in den Jahren 2011–2012 gewisse Anzeichen einer Erholung gezeigt hatten, dauerten wegen der Schuldenkrise auch im Jahr 2013 Unsicherheiten an, was sich schließlich in einer Verlangsamung der weltweiten wirtschaftlichen Aktivitäten niederschlug. Von Miriam Zsilleová Die Autorin ist als Redakteurin der Tageszeitung Sme unter anderem Expertin für die deutschsprachigen Länder. Ihr Journalistik-Studium an der ComeniusUniversität Bratislava schloss sie mit einer Diplomarbeit über Auslandsnachrichten in tschechischen und slowakischen Medien ab. (Foto: privat)

Nur kurz sah es so aus, als würde Deutschland für die Slowakei nicht mehr der natürliche Partner bleiben, der es seit dem Sturz des Kommunismus - mit Ausnahme der Mečiar-Ära - stets war. Nachdem der Sozialist François Hollande die Präsidentenwahl in Frankreich gewann und Robert Fico in der Slowakei die Regierung übernahm, wählte sich die Slowakei ein paar Monate lang Paris als Vorbild. Statt über Finanzdisziplin und Streichungen wurde mehr über die Förderung des Wirtschaftswachstums gesprochen. Lange dauerte das jedoch nicht. Frankeich hat zu viele Probleme mit sich selbst und zu Mitteleuropa nicht so starke Bindungen wie Deutschland. Auch der sozialdemokratische Premier musste seine Parteizugehörigkeit vergessen und im Rahmen der Europäischen Union wieder mehr die deutsche Position unterstützen. Deutschland ist in der Politik und auch in den slowakischen Medien das Hauptthema, wenn es um die Euro-Rettung oder den zukünftigen Kurs der Europäischen Union geht. Auch die Slowakei ist in den letzten Monaten in die deutschen Medien zurückgekehrt. Aber nicht Politik oder Wirtschaft, sondern Košice als Europäische Kulturhauptstadt 2013 war das Thema. Journalisten ka-

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men, um die Stadt im Osten der Slowakei zu sehen und über ihre Gastfreundlichkeit gegenüber Ausländern und ihre Unwirtlichkeit gegenüber den hiesigen Roma zu schreiben. Als Fico im März vorigen Jahres Premier wurde, war er der vierte Sozialdemokrat unter den Regierungschefs der Europäischen Union, aber der einzige mit einer derartig großen Unterstützung im Parlament. Natürlicher Partner wäre ihm Österreich und der sozialdemokratische Kanzler Werner Faymann gewesen. So kam es aber nicht, und Österreich ist in den slowakischen Medien nicht so präsent, wie es ein hochentwickelter Nachbarstaat verdient hätte. Das heißt einerseits, dass es zwischen den beiden Ländern (ebenso wie mit Deutschland) keine Probleme gibt. Schlecht ist andererseits, dass auf beiden Seiten wenig Interesse an dem gibt, was beim Nachbarn abläuft. Fico, der einst ganz Europa wegen seiner Koalition mit den Nationalisten und der Partei des ehemaligen autokratischen Premiers Vladimír Mečiar gegen sich aufgebracht hat, ist heute weder für Europa, noch für Österreich ein Schreckgespenst. Und auf der österreichischen politischen Bühne gibt es keine für die Medien reizvolle einflussreiche und charismatische Politikerpersönlichkeit. Als kurze

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Ausnahme schien ein eventuelles Duell des euroskeptischen kanadischen Milliardärs Stronach mit der antieuropäischen und extrem rechts gerichteten Freiheitlichen Partei unter Heinz-Christian Strache vorübergehend die mediale Aufmerksamkeit zu wecken. Daraus gingen jedoch beide Parteien geschwächt hervor. Das ist eine gute Nachricht für ein Land, dessen Politik jahrelang von den Machenschaften des verstorbenen Jörg Haider deformiert wurde. Dafür wurde Österreich von den slowakischen Medien als Land entdeckt, mit dem sich zu vergleichen nützlich ist. Im Winter zeigte sich das beim Thema Schlaglöcher, das von den slowakischen Medien einige Wochen lang genährt wurde. Artikel über die Lage im nahen Wien, wo es eine vergleichbare Anzahl Schlaglöcher gibt, die aber unvergleichlich schneller repariert werden, fanden das Interesse der Medien und der Leser. Im Sommer folgte ein Vergleich der Gesundheitssysteme in der Tageszeitung SME mit einer Reihe von Beiträgen über slowakische Spitäler und dann über das österreichische Gesundheitswesen. Österreich ist nun einmal bei gesellschaftlichen Themen interessanter als aus dem politischen Blickwinkel.


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Fremdenpolizei verbessert Service

Foto: Úrad hraničnej a cudzineckej polície

Nach unserem Bericht in der Ausgabe Juli/August (Autorin Renata Kubicová) teilte uns der Leiter des Amtes der Fremden- und Grenzpolizei, JUDr. Ľudovít Bíró (zunächst ausführlich telefonisch und dann noch kurz ergänzend per E-Mail) mit, dass inzwischen das Service für ausländische Antragsteller deutlich verbessert worden sei. Unser Bericht entspreche daher

nicht mehr dem aktuellen Stand. Vor allem gebe es inzwischen zusätzliche, frisch renovierte Räumlichkeiten, die wesentlich dazu beitrügen, die Betreuung der in der Slowakei lebenden ausländischen Staatsbürger zu beschleunigen. Ein (bewusst unangekündigter) Lokalaugenschein der NPZ-Redaktion vor Ort zeigte daraufhin, dass zumindest die

neuen Räume tatsächlich einen sympathischeren Eindruck als früher vermitteln. Das lässt hoffen, dass bald auch Verbesserungen in Bezug auf andere im NPZ-Artikel angesprochene Kritikpunkte folgen werden. Wir freuen uns natürlich über jede Verbesserung von Missständen, die wir in der NPZ kritisieren und danken Dr. Bíró für seinen Hinweis! Die Redaktion

Neuer deutscher Botschafter in der Slowakei Deutschland hat einen neuen Botschafter in der Slowakei: Der 1951 in Wiesbaden geborene Michael Georg Schmunk sammelte diplomatische Erfahrungen unter anderem in Washington und Südafrika. Leiter der jeweiligen deutschen Vertretungen war er bereits in Baku (Aserbaidschan), im Kosovo und in Sarajewo. Mit dem slowakischen Außenminister und Balkan-Experten Miroslav Lajčák dürfte ihm also nicht so bald der Gesprächsstoff ausgehen. Schon

bei der Übergabe des Beglaubigungsschreibens im August an Minister Lajčák war der Balkan naturgemäß ein wichtiges Thema. Lajčák lobte bei dieser Gelegenheit aber auch nicht zum ersten Mal die ausgezeichneten bilateralen, vor allem wirtschaftlichen Beziehungen der Slowakei zu seinem wichtigsten Handelspartner Deutschland. Noch dazu seien 500 deutsche Firmen mit 90 000 Mitarbeitern in der Slowakei aktiv, hob Lajčák nach Angaben seines Pressedienstes hervor.

Balkanexperten unter sich: Botschafter Schmunk (links) und Minister Lajčák (rechts) - Foto: Vladimír Benko

"Urlaubsfoto" Die einen sonnen sich am Meer, die anderen erholen sich im Garten oder reisen in die Ferne. Der deutsche Ex-Botschafter Dr. Axel Hartmann konnte uns von einem "Urlaubserlebnis" der besonderen Art berichten. Er traf den schon zur Legende gewordenen deutschen Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt während dessen Urlaubsreise zur Privataudienz auf einem Donauschiff: "Zweieinhalb Stunden Gespräche unter vier Augen über Weltpolitik, Eurokrise, bis hin zu Landeskunde Slowakei, Ungarn, Russland, ... - Als ich nach gut einer Stunde etwas nervös sagte, ich wolle ihn nicht zu lange in Anspruch nehmen, erwiderte er: ´Haben Sie keine Lust mit mir zu quatschen?´- Ich war völlig perplex!" - Auf dem Tisch lag übrigens die NPZ vor dem Altkanzler, wie das von Dr. Hartmann mitgeschickte Foto zeigt. (Foto: Hartmann privat)

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Wertheim: 160 Jahre gut behüteten Erfolgs Als Franz Wertheim, Teilhaber an einer Gesellschaft für Papierwaren, um das Jahr 1850 6000 Gulden aus der Truhe in seinem Arbeitszimmer abhandenkamen, zog er den Schluss, dass er einen sichereren Aufbewahrungsort für sein Geld benötigt. Bereits 1852 beschäftigte er mehr als 80 Arbeiter in der neuen Fabrik zur Herstellung von Tresoren und stellte sich das Ziel, die höchste Qualität und Sicherheit zu bieten. So legte er den Grundstein einer Firma, deren Liebe zur Qualität ihr über die 160 darauffolgenden Jahre hinweg Stabilität und Erfolge auch in den unsichersten Zeiten sicherte. Text: Barbora Hrvolová

JUDr., Ing. Ivan Rod

Dipl. Ing. Roman Foramitti, MBA

Franz von Wertheim 1814 wurde im österreichischen Krems geboren und erlangte eine technische Ausbildung. Seinen Dienstnehmern gab er die Möglichkeit, die eigenen Ideen zu verwirklichen, widmete ihren Bedürfnissen Aufmerksamkeit und war auch ein beispielhafter Kunstmäzen. 1862 gehörten seine feuerfesten Kassen und Tresore zum Zuverlässigsten am Markt. Ihre Widerstandsfähigkeit demonstrierte er

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auf einer Vielzahl von öffentlichen Feuerproben, er erlangte die prestigeträchtige Position des Hoflieferanten für die Habsburger Monarchie. Die Tresore der Marke Wertheim sind auch nach mehr als hundert Jahren noch voll funktionstüchtig und viele schützen bis heute Wertgegenstände in bedeutenden weltlichen und kirchlichen Institutionen. Die Gesellschaft Wertheim produziert inzwischen auch in der Slowakei. Darüber, warum sich das Unternehmen für diesen Standort entschied, sprachen wir mit ihren Geschäftsführern, JUDr., Ing. Ivan Rod und Dipl. Ing. Roman Foramitti, MBA. Verraten Sie uns, warum sich die Gesellschaft Wertheim entschloss, einen Teil ihrer Produktion gerade in die Slowakei zu verlegen? Ivan Rod: Historisch war das Unternehmen seit seiner Entstehung eng mit dem Territorium der Österreichisch-Ungarischen Monarchie verbunden und ihr Gründer besuchte Bratislava oft. Nach 1989, unter den gelockerten politischen Umständen und in der Hoffnung auf neue wirtschaftliche Regeln, entschied der Konzernchef über die Gründung der Gesellschaft Wertheim in der Slowakei, die nicht nur gut ausgebildete und qualifizierte Arbeitskräfte bot, sondern auch eine günstige Kombination der geografischen Lage, der Preise und des vorhandenen technischen Umfeldes. Aufgrund des Beginns des Bankenbooms war gleichzeitig die Marktnachfrage nach Tresoren und Bankentechnik gegeben. Die Ausweitung der Produktion hierher war daher nur die logische Konsequenz historischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Prozesse.

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Was alles verlässt die Produktionshallen in der Slowakei? Roman Foramitti: Es handelt sich vor allem um Teile der Konstruktion von Aufzügen und Rolltreppen für einen weltberühmten Hersteller sowie die Endproduktion von Tresoren und Bankprodukten. Außer den eigentlichen zertifizierten Tresoren können wir auch auf weitere Bedürfnisse des Kunden eingehen und realisieren nicht nur eine große Zahl an Aufträgen für Privatpersonen, sondern auch Safeanlagen und Tresorräume, feuerfeste Kassen, Wandtresore, Sicherheitsschließfächer etc. Die Herstellung von Tresoren macht rund 15 Prozent der Gesamtproduktion der Gesellschaft aus. Die Konkurrenz ist auch auf dem Markt mit Tresoren relativ groß. Wodurch unterscheiden sich Ihre Produkte von anderen, möglicherweise preiswerteren, weshalb entscheiden sich die Kunden gerade für die Gesellschaft Wertheim? Roman Foramitti: Unsere Produkte und Lösungen sind hochwertig, unser Hauptziel ist es, den Werten unserer Kunden den größtmöglichen Schutz zu bieten. Dies erfordert beträchtliche Investitionen in Materialien, die Herstellungstechnologie, aber auch verschiedene Schutzlösungen des Schließmechanismus und in die Entwicklung. Wir bemühen uns, unerwünschten Besuchern von Tresoren immer einen Schritt voraus zu sein, und auch für niedrigere Preise und höheren Absatz sind wir nicht bereit, vom hohen Zuverlässigkeitsgrad unserer Erzeugnisse abzurücken. Unsere Produkte passen wir den individuellen


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Anforderungen an, wir produzieren nicht auf Lager. Gegenwärtig geht der Großteil unserer Produktion nach Europa und in die Dritte Welt. Manche unserer Klienten nutzen unsere Tresore bereits mehrere Jahrzehnte oder gar über hundert Jahre, und neue Tresore bestellen sie deshalb bei uns, weil sie deren hohe Qualität bereits gut kennen. Das ist für uns das beste Marketing. Unsere Produkte sind einem ständigen Weiterentwicklungsprozess unterworfen. Es kommen immer aggressivere Einbruchswerkzeuge auf den Markt und sind für jedermann käuflich. Unsere Tresore müssen dem etwas entgegenhalten können. Das heißt, unsere verwendeten Materialien müssen einen dementsprechenden Einbruchswiderstand bieten können. Gerade bei den verwendeten Materialien gibt es eine ständige Forschung und Weiterentwicklung. Gleichzeit wird vom Markt auch ein entsprechender Brandschutz gefordert. Unsere Entwicklung geht daher in die Richtung, Materialien zu entwickeln und zu verwenden, die optimalen Einbruchswiderstand bei gleichzeitig hohem Brandschutz bieten, und dies zu Preisen, die auch am Markt umsetzbar sind. In der Schließtechnik geht der Trend immer mehr in Richtung Elektronikschlösser, weil sie einerseits den gleichen Widerstand bieten wie ein mechanisches Schloss, aber andererseits die Elektronik viele Features bietet, die zusätzliche Sicherheiten bringt.

Ivan Rod: Außerdem liefern wir schwierige und technisch anspruchsvolle geschweißte Konstruktionen für einige bedeutende europäische Konzerne vor allem aus der Nutzfahrzeugbranche, bei deren Herstellung qualifizierte Arbeitskräfte nötig sind. Wir vergessen deshalb, ganz im Sinne des Firmengründers, weder die gründliche Ausbildung unserer Mitarbeiter, noch die Notwendigkeit, ihnen zuzuhören. Derzeit beschäftigen wir in den zwei Wertheim-Unternehmen in der Slowakei, von denen eines ein mit einem Geschäftspartner gegründetes Gemeinschaftsunternehmen zur Herstellung von Konstruktionen für Rolltreppen ist, 770 Mitarbeiter. Ein Teil der Produktion ist dabei hochautomatisiert. Wir sind stolz darauf, dass in unserer Firma perfekter Einklang zwischen den drei Nationalitäten – Ungarn, Österreichern und Slowaken – herrscht und bei uns keine Nationalitätenprobleme auftreten, für unsere Dienstnehmer steht die Professionalität an erster Stelle. Die europäischen und Weltmärkte schwankten in letzter Zeit stark und das Wort Krise wurde oft ausgesprochen. Wie sieht die Gesellschaft Wertheim ihre Zukunft unter diesen Umständen? Ivan Rod: Manche Sektoren überwinden derzeit eine schwierigere Zeit, andererseits wage ich zu behaupten, dass das Wort Kri-

se für einige Unternehmen eine allgemein anwendbare Beschwörungsformel darstellt, mit der sie die Unfähigkeit ihres Managements zu verschleiern versuchen. Unsere Tradition hat bewundernswerte 160 erfolgreiche Jahre hinter sich, auf die wir zu Recht stolz sein können, und unsere Erzeugnisse sind ein Beiwort für Sicherheit und Qualität. Wir verzeichnen keinen enormen Zuwachs, aber auch keine Flaute, wir bemühen uns, dass unsere Trendkurve langfristig die Tendenz nach oben beibehält. Das Unternehmen Wertheim überlebte zwei Weltkriege und mehrere Weltkrisen, wir wissen, wie wir mit derlei Problemen umzugehen haben. Roman Foramitti: Trotz der langen Tradition sind wir neuen Ideen und Technologien gegenüber aufgeschlossen. Jährlich ändert sich im Rahmen der EU die Gesetzgebung, wodurch neue Herausforderungen für uns entstehen, aber eben auch Einsatzmöglichkeiten für unsere Erzeugnisse. Wir fürchten uns nicht vor neuen Gelegenheiten und perfektionieren unsere Erzeugnisse ständig, so dass wir auch in Zukunft das weiterzuführen imstande sind, was bereits am Anfang unserer erfolgreichen und weltberühmten Firma stand: Wertschätzung für höchste Qualität, Innovation bei den Sicherheitselementen und die Fähigkeit, maximal auf die Bedürfnisse unserer Kunden einzugehen.

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WIRTSCHAFT

„Bratislava ist ein wichtiger Partner für Wien“ KommR Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, über das Potenzial der Twin-City-Region. Text: Christoph Thanei, Foto: Wirtschaftsbund Wien

NPZ: Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht Bratislava für die Wiener Wirtschaft? Brigitte Jank: Der Wirtschaftsraum Wien-Bratislava ist das beste Beispiel für den europäischen Grundsatz, wonach wirtschaftliche Stärke durch Kooperation erreicht wird. Durch die intensive Vernetzung der beiden Standorte zu einem grenzüberschreitenden Wirtschaftsraum entsteht eine dynamische Region mit guten Chancen im europäischen und globalen Wettbewerb. Bratislava ist somit ein wichtiger Partner. Das schlägt sich auch in der Wirtschaftsstatistik nieder. Unsere Betriebe zählen zu den größten Investoren in der Slowakei. Die Exporte ins Nachbarland sind im vergangenen Jahr um mehr als 7 Prozent gewachsen. Wie zufrieden sind Sie mit den Verbindungen zwischen Wien und Bratislava? Für die weitere Entwicklung dieses zukunftsträchtigen Wirtschaftsraumes benötigen wir die richtigen Rahmenbedingungen. Dazu zählen der Ausbau von Straße und Schiene und der weitere Ausbau der Donau als ökologischer, kapazitätsstarker Transportweg. Darüber hinaus gilt unser besonderes Augenmerk der engeren Zusammenarbeit im Bildungsbereich und bei Forschung und Entwicklung. Ist „Twin City Wien-Bratislava“ nur eine Idee auf Papier oder gibt es dafür auch reale Perspektiven? Die Wirtschaftskammern Wien und Bratislava kooperieren schon seit Jahren,

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KommR Brigitte Jank selbständige Immobilientreuhänderin, beeidete und gerichtlich zertifizierte Sachverständige, verheiratet, eine Tochter; Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien und Obfrau des Wiener Wirtschaftsbundes, Präsidentin des Österreichischen Behindertensportverbandes, Vizepräsidentin des Fußballklubs Austria Wien, Universitätsrätin der Universität für angewandte Kunst. um Unternehmen zum verstärkten Aufbau intensiver Kooperationen und Netzwerke zu motivieren. Ziel der Partnerschaft ist eine noch intensivere Vernetzung der Wirtschaft der beiden Städte, die gemeinsame Positionierung auf Auslandsmärkten, die Qualifizierung von Mitarbeitern und die Durchsetzung gemeinsamer Interessen auf EU-Ebene. Dazu führt die Wirtschaftskammer Wien regelmäßig Kooperationstreffen zwischen Unternehmen aus Wien und Bratislava durch und hat die Kooperationsplattform www.wien-bratislava.at initiiert, wo an der Zusammenarbeit interessierte Unternehmen ihre Kooperationswünsche veröffentlichen können. Als die Slowakei 2004 mit einer sehr unternehmerfreundlichen Steuergesetzgebung für internati-

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onale Furore sorgte, reagierte auch Österreich mit einer Senkung der Körperschaftssteuer. Besteht ein Steuerwettbewerb? Ein attraktives Steuersystem zählt zu den wichtigsten Vorteilen eines Wirtschaftsstandortes. Jede Diskussion über neue oder höhere Steuern schadet daher der Wirtschaft und vernichtet Arbeitsplätze. Das trifft vor allem auf die von manchen geforderte Vermögensteuer zu, die die Substanz der Betriebe massiv schwächt. Vielmehr müssen die Unternehmen endlich entlastet werden – sowohl steuerlich als auch bürokratisch. Denn die Unternehmen schaffen Wachstum, Arbeitsplätze und Wohlstand und nicht die Politik. Weitere Informationen: www.wien-bratislava.at


WIRTSCHAFT

ENERGY TOMORROW Das Branchenevent für erneuerbare Energie Der Markt für erneuerbare Energien wächst stetig und zeigt eine ungebrochene Dynamik. Trotzdem treten auch immer wieder Fragen in den Bereichen Recht und Finanzierung auf, die auch unter Fachexperten kontrovers diskutiert werden. Diese Diskussionen machen eine zentrale Austausch und Netzwerkplattform nötig.

Programm,16. September, Sofitel Vienna Stephansdom, Praterstraße 1/ 1020 Wien ab 08:30 Uhr

Check-In, Kaffee & Plundergebäck

09:00 Uhr

Begrüßung Mag. Karin Fuhrmann, Partnerin bei TPA Horwath

09:10 Uhr

Keynote: Nachhaltigkeit, Klima, Energie Prof. Dr. Mojib Latif Impulsgeber im Bereich Erneuerbare Energien & Globalisierung,

09:50 Uhr

Finanzierung über IFIs Mag. Svetla Pehlivanova-Porenta, Mattig Management Partners

10:20 Uhr

Wind, Wasser & Solarenergie: Ein Überblick über die Rahmenbedingungen in Mittel- und Südosteuropa Wojciech Sztuba, Partner, TPA Horwath Polen

10:40 Uhr

Pause

11:05 Uhr

EU-Rechtliche Rahmenbedingungen im Bereich der Windenergie in Mittel- und Südosteuropa Dr. Alexander Popp, Partner, Schönherr

11:35 Uhr

Intelligente Finanzierungskonzepte für nachhaltige Energieversorgungsprojekte in Österreich und CEE – der Ansatz von Erste Bank Österreich und Erste Group Mag. Ing. Karl Wittmann, Erste Bank der österr. Sparkassen AG Dipl.-Volksw. Hinrich Fischer, Erste Group Bank AG

12:05 Uhr

Best Practice Beispiele in Österreich Im Wind: DI Mark Suer, ImWind

12:45 Uhr

Mittagessen

Unter dem Titel „Energy Tomorrow“ präsentieren TPA Horwath, zusammen mit Mattig Management Partners und der Kanzlei Schönherr eine solche Plattform. Energy Tomorrow sieht sich als ein renommierter Informationsevent für erneuerbare Energie. Anlässlich dieses Events bieten Experten durch ihre Impulsvorträge die perfekte Basis für produktive Diskussionen, sowie für das Knüpfen und Pflegen von persönlichen Kontakten und den Aufbau strategischer Beziehungen. Energy Tomorrow bringt als Branchenevent Investoren, Projektentwickler und Systemlieferanten zusammen. Das Konzept der „Energy Tomorrow“ basiert auf einer fokussierten Themenauswahl, eloquenten Vortragenden, welche auch gerne einmal einen kritischen Standpunkt einnehmen und einer hohen Teilnehmerzahl. Die Vortragenden führen gekonnt praktische Fragestellungen und wissenschaftliche Erkenntnisse zusammen. Das Konzept des Events und die dazugehörenden intensiven Diskussionen zu konkreten Themen machen Energy Tomorrow zu einer Erfolgsgeschichte. Die Energy Tomorrow 2013 findet am 16. September im Wiener Hotel Sofitel „am Stephansdom“ statt. Die Konferenzräume sowie die Gastronomie sind perfekt für eine Veranstaltung dieses Kalibers geeignet. Die Neue Pressburger Zeitung NPZ begleitet den Anlass zusammen mit anderen renommierten Medienpartnern. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Für Leser der NPZ stehen daher 5 Eintrittstickets zu diesem Anlass zur Verfügung. Interessierte Personen können sich direkt bei events@npz-online.eu melden. Die Tickets werden auf der Basis first-comefirst-served vergeben. Weitere Informationen finden Sie unter www.energy-tomorrow.eu.

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WIRTSCHAFT

Quo vadis, slowakische Volkswirtschaft? Die Weltwirtschaft hat bereits das sechste Jahr mit den Folgen der globalen Krise zu kämpfen. Obwohl sich in den Jahren 2011–2012 gewisse Anzeichen einer Erholung gezeigt hatten, dauerten wegen der Schuldenkrise auch im Jahr 2013 Unsicherheiten an, was sich schließlich in einer Verlangsamung der weltweiten wirtschaftlichen Aktivitäten niederschlug. Von Peter Baláž, Illustrationsfotos Slowakische Automobilproduktion: Christoph Thanei Peter Baláž ist Universitätsprofessor für Internationalen Handel an der Handelsfakultät der Wirtschaftsuniversität Bratislava.

Die Weltwirtschaft hat bereits das sechste Jahr mit den Folgen der globalen Krise zu kämpfen. Obwohl sich in den Jahren 2011–2012 gewisse Anzeichen einer Erholung gezeigt hatten, dauerten wegen der Schuldenkrise auch im Jahr 2013 Unsicherheiten an, was sich schließlich in einer Verlangsamung der weltweiten wirtschaftlichen Aktivitäten niederschlug. Der hohe Absatz in Asien hält die europäische Automobilindustrie und den europäischen Maschinenbau am Leben. Allmählich jedoch beginnt sich die gesunkene Nachfrage auf den Märkten der EU zu zeigen. Und dies wiederum überträgt sich auf geringere asiatische Rohstoffkäufe aus den Entwicklungsländern. Dieser Prozess hat katastrophale Folgen für die Zahlungsfähigkeit der meisten armen, einseitig ausgerichteten Volkswirtschaften und für ihre politische Stabilität. Befürchtungen bezüglich der Liquidität in der Eurozone, verbunden mit der Notwendigkeit, eine bessere Übereinstimmung mit den nun strengeren Kapitalanforderungen der Europäischen Union sicherzustellen, haben den hiesigen Bankensektor einem riesigen Druck ausgesetzt. Risiken, die sich aus dem möglichen Staatsbankrott Griechenlands, Zyperns, Spaniens, Portugals und wahrscheinlich auch Italiens ergeben, können von ihm immer weniger

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allein getragen werden. Dieses Risiko äußert sich unter anderem darin, dass die Schuldenkrise beginnt, die existentiellen Fundamente bisher erfolgreicher Subjekte im Raum der europäischen Integration anzugreifen: Mutterbanken verringern die den Tochtergesellschaften in Osteuropa zur Verfügung gestellten Mittel. Dies führte dazu, dass der Arbeitsmarkt weiter stagniert (die Arbeitslosenrate liegt in der EU bei 10 – 12 %) und die Einkommenslage der Haushalte ist von Tag zu Tag schlechter. Der eingeschlagene Weg zur finanziellen Konsolidierung und die Verwirklichung von Sparprogrammen haben direkten Einfluss auf die wirtschaftlichen Aktivitäten in der gesamten Eurozone, und die Unsicherheit bezüglich der Fähigkeit, die aktuelle Schuldenkrise zu bewältigen, steigt weiter. Es ist unbestritten, dass die slowakische Volkswirtschaft eng mit der Union verflochten ist. Ihre enorme Offenheit (der Exportanteil am BIP betrug im Jahr 2012 mehr als 95,1 %, wobei mehr als vier Fünftel der Waren auf den Markt der EU gelangen) erhöht ihre Verletzlichkeit durch Nachfrageschwankungen, besonders auf den europäischen Märkten. Der Absatzerfolg im Ausland gilt im Allgemeinen als günstige Tendenz, denn dadurch wird bestätigt, dass hier konkurrenzfähige Waren produziert werden,

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die dann auch dem heimischen Markt zur Verfügung stehen sollten. Wenn ein bedeutender Teil davon für den Produktionsverbrauch bestimmt ist, dann hat das positiven Einfluss auf die Parameter des Finalprodukts, und somit schließlich auf die gesamte Absatzkette. Allerdings müssen wir in Betracht ziehen, dass ca. 68 % (laut NBS, 2013) unseres Imports de facto reexportiert werden. Das bestätigt, dass die Wertschöpfung unserer Produktionsbasis bezogen auf das Gesamt-BIP und den Export viel geringer ist als in der EU-15 (etwa 30 %), und letztendlich nur von der billigen Arbeitskraft herrührt. Wenn wir die slowakische Volkswirtschaft nach der Gesamtleistungsfähigkeit objektiv betrachten, kommen wir etwa auf ein Niveau von 25 bis 30 % im Vergleich zu den Ländern der EU-15. Obwohl diese Werte im Fall der Evaluierung durch die Kaufkraftparität „gnädiger“ ausfallen, sollten wir nicht vergessen, dass für Ratingagenturen, Banken oder ausländische Investoren die realen Daten ausschlaggebend sind. Aus dem Besagten ergibt sich, dass nur ein rasches Wachstum der Exportleistung als Äußerung der wachsenden internationalen Wettbewerbsfähigkeit, die ein Wachstum des BIP nach sich zieht, das Voranschreiten der slowakischen Volkswirtschaft und ihre effizientere Konvergenz zu den übrigen Ländern


WIRTSCHAFT

der Union beschleunigen kann. Kurzfristige Reserven hat unsere Volkswirtschaft noch in der besseren Diversifizierung der Produktion, in der intensiveren Exportförderung oder beim Erfolg kleinerer, aber schnell wachsender Firmen im Dienstleistungssektor oder im Bereich progressiver Technologien. Die größten Reserven liegen jedoch im Bereich Wertschöpfung, die nicht nur wegen der ungünstigen „kaminartigen“ Struktur unserer Produktion gering ist, sondern auch deswegen, weil ein beträchtlicher Teil des geschaffenen Wertes die Slowakische Republik auf dem Wege der erhöhten Repatriierung des Auslandskapitals und mit den Transfer-Preisen verlässt. Die transnationalen Körperschaften verhalten sich bei uns, so wie auch anderswo in der Welt, höchst rational, und jede wachsende Unsicherheit schlägt sich in ihrem Bestreben nach Minimierung möglicher negativer Auswirkungen auf die eigenen wirtschaftlichen Interessen nieder. Gegenwärtig wirken ihre Aktivitäten für die ökonomische Strategie der SR wie eine

Art "Überbrückungskredit“, und die Frage ist, wie wir den begrenzten Zeitraum dieser Wirkung auszunutzen verstehen und wie wir den Kern der eigenen Volkswirtschaft auf die Etappe vorbereiten, in der es ans Rückzahlen geht. Es ist allgemein bekannt, dass praktisch die einzige Chance auf Wachstum in einer kleinen Volkswirtschaft in der Expansion

hoch entwickelter Technologien und Innovationen besteht, also solcher, die auf den Märkten einzigartig sind und auch bei einem höheren Preis keine Absatzprobleme mit sich bringen. Es ist kein Geheimnis, dass ein solches Produktionsumfeld nur von hochgebildeten Fachleuten und einer hervorragenden Forschungsbasis konzipiert werden kann. Und bekannt ist auch,

Niederlassung Slowakei Prievozská 4/a, 821 09 Bratislava tel. č. 02/581 068 00, e-mail bl@oberbank.sk www.oberbank.sk

Eine unserer

Stabilität. Stärken. Oberbank. Ein bisschen mehr als eine Bank. nk.


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dass heute nicht nur alle hochentwickelten Industrieländer, sondern auch China daran arbeiten. China investierte im Jahr 2012 mehr als 2 % seines BIP in diesen Bereich – die SR 0,45 %. Sobald die so aufgebauten Produktionsbasen auf den internationalen Märkten auftauchen, wird der Raum für das Durchsetzen der wirtschaftlichen In-

teressen der SR im Ausland enger werden. Schon heute wägen die ausländischen Investoren in Anbetracht der ungünstigen politischen Entwicklung in Mittel- und Osteuropa und der sich erschöpfenden ökonomischen Vorteile, die sich in diesen Territorien ergeben, sorgfältig ab, wo sie ihre Aktivitäten steigern und wo dämpfen

werden. Das hat große Auswirkungen auf tausende lokaler Zulieferbetriebe. Der Prozess der Reprivatisierung oder neuer Akquisitionen im Energiesektor der SR, also in dem Wirtschaftszweig, in den große europäische Konzerne zuerst einstiegen, wurde zu einem wichtigen Signal für andere ausländische Investoren. Die ungenügende Kapitalausstattung der Volkswirtschaft und der politisch geförderte Einstieg örtlicher Finanzgesellschaften wird allmählich auch in anderen Wirtschaftszweigen das Vertrauen der Investoren beeinträchtigen. Wichtig ist, dass sich die gegenwärtige politische Repräsentanz dieser Zusammenhänge bewusst wird und sie in ihre strategischen Pläne einarbeitet. Die Slowakei verfügt heute über keine Strategie dafür, wenn die Auslandsinvestoren wegen besserer Bedingungen anderswohin abwandern. Bis jetzt werden lediglich operativ „örtliche Brände gelöscht“. Die Transformation der SR zu einer wissensbasierten Volkswirtschaft – ein Schwerpunktthema für mehrere Wellen slowakischer politischer Repräsentanzen – hat noch nicht einmal begonnen, obwohl Fachleute betonen, dass dieser Transformationsprozess bei ausreichender materieller Unterstützung mindestens eine Dekade in Anspruch nehmen wird. Das ist nicht nur für Politiker, deren Mandat meist auf eine Legislaturperiode begrenzt ist, eine lange Zeit, sondern auch für ausländische Investoren.

Prognosen ausgewählter Kennziffern der slowakischen Volkswirtschaft für 2013-2014 Kennziffer

Maßeinheit

2013

2014

durchschnittliche Arbeitslosenrate

%

14,3

13,8

Inflation (durchschnittliche jährliche, HICP)

%

2,4

2,5

% BIP

1,2

1,7

BIP – reales Wachstum

%

1,2

2,9

Endverbrauch der Haushalte (reales Wachstum)

%

-0,1

1,5

Endverbrauch der öffentlichen Verwaltung (reales Wachstum)

%

-0,9

-1,4

Export von Waren und Dienstleistungen (reales Wachstum)

%

3,3

4,9

Import von Waren und Dienstleistungen (reales Wachstum)

%

3,5

4,1

Leistungsbilanz

Quelle: IFP, Finanzministerium der SR, Jänner 2013

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Lernen Sie die Slowakei von allen ihren Seiten kennen Viele deutschsprachige Unternehmer und Gesellschaften zieht es in die Slowakei, um hier ihre Dienste oder Produkte anzubieten oder um Handel zu treiben. Die Sprachbarriere, die Unkenntnis der hiesigen Gepflogenheiten oder aber der Gesetze stellen dabei Hindernisse dar. Damit Wirtschaftstreibende Verzögerungen und Missverständnissen aus dem Weg gehen können, bietet das Beratungsunternehmen Deloitte für die deutschsprachige Businessklientel in der Slowakei Beratung auch in deutscher Sprache an. Um welche nützlichen Dienstleistungen es hierbei geht, das brachten wir im Gespräch mit der Managerin der Gesellschaft Silvia Hallová in Erfahrung, die den Deloitte German Desk bereits das fünfte Jahr führt.

Mit welchen Hindernissen sind Interessenten an Unternehmensgründungen, Investitionen oder Immobilienkäufen in der Slowakei konfrontiert? Am häufigsten sind die Unkenntnis des lokalen Umfeldes, der gesetzlichen Vorschriften und der Sprache ein Problem. In Bratislava gibt es zwar immer mehr deutsch oder englisch sprechende Fachleute, in der Mittel- und Ostslowakei ist dies jedoch nicht der FaVor dem Markteintritt sollte man den Umfang und den Standort der Investition erwägen. Für Klienten erstellen wir daher bereits vor der Durchführung der Investition Analysen. Oft befassen wir uns mit Fragen zur Möglichkeit, staatliche Förderungen oder Unterstützung aus den europäischen Entwicklungsfonds zu schöpfen. Welche Dienste bietet der German Desk an und für wen sind sie bestimmt? Auf Deutsch bieten wir umfassende Beratung in den Bereichen Steuern und Buchhaltung, Wirstschaftsprüfung und Recht an. Dabei geht es häufig um eine Beratung bereits vor der Investitionstätigun. Die Kenntnis des lokalen Umfelds erlaubt es uns, eine vernünftige, praktische und preiswerte Lösung vorzulegen. Welche Dienstleistungen stoßen auf das größte Interessen der Klienten?

Das hängt davon ab, ob es sich um ein ausländisches Unternehmen handelt, das in der Slowakei investieren möchte, oder um bereits in der Slowakei etablierte Gesellschaften. Bei den bereits in der Slowakei angesiedelten Unternehmen richtet sich das Interesse hauptsächlich auf laufende Steuerdienstleistungen. Für Subjekte, die auf den Markt drängen, geht es unter anderem auch um die Wahl der geeigneten Rechtsform. Dabei ist jene Rechtsform gefragt, die eine Endbesteuerung in der Slowakei ermöglicht. Ziel ist die Verbesserung unter steuerlichen, buchhalterischen und rechtlichen Gesichtspunkten. Auf welchem Gebiet besteht der größte Informationsbedarf? Es handelt sich meist um mittelständische und große internationale Unternehmen.Es treten auch slowakische Firmen an uns heran, die auf den Markt in den deutschsprachigen Ländern expandieren möchten. Wir haben hauptsächlich mit Baufirmen Erfahrungen, aber auch mit Handelsgesellschaften. Dank des dichten Netzes von Deloitte-Büros in Deutschland können wir ihnen hervorragenden Service bieten.

Service des German Desk? Welche spezifischen Merkmale haben deutsche Unternehmen? Gesellschaften mit deutschem Kapital stellen einen bedeutenden Teil der slowakischen Wirtschaft dar. Deshalb macht unser Portfolio an deutschsprachigen Klienten einen nicht unwesentlichen Teil aus. Daneben arbeiten wir auch mit der Wirtschaftskammer Österreich sowie der Deutsch-Slowakischen Industrie- und Handelskammer zusammen, wodurch wir regelmäßig auf Firmen treffen, die entweder bereits in der Slowakei wirken, oder dies vorhaben, und lernen so ihre für uns wertvollen Ansichten über das Wirtschaftsleben in der Slowakei kennen. Die Vertreter deutscher Firmen schätzen die Kommunikation in der Muttersprache sehr. Sie verstehen so rascher die verschiedenen Sachverhalte und Zusammenhänge z.B. in den gesetzlichen Vorschriften. Für die deutschsprachigen Manager sind Präzision und Genauigkeit typisch. Anfangs halten sie Distanz, oft erwachsen aus guten Geschäftsbeziehungen aber auch wirkliche Freundschaften. Text: Barbora Hrvolová

Wächst oder sinkt die Zahl der Interessenten an Investoren in der Slowakei beziehungsweise am

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WIRTSCHAFT

Slowakische Weine sprechen auch Deutsch Ing. Fedor Malík, DrSc., bekannter slowakischer Önologe, Winzer, Pädagoge, Chemiker und Autor zahlreicher Bücher, durchreiste zum Erforschen der Geheimnisse des Weins fast die ganze Welt. Er ist jedoch nicht nur Theoretiker. Im Keller des Anwesens seines gemütlichen Familiendomizils im Städtchen Modra, im Herzen der Weinstraße Kleine Karpaten, reift ein köstlicher Trank, der den Hals so manchen Liebhabers herrlicher Weine erfreut. Text: Barbora Hrvolová, Fotos: Archiv Fedor Malík

NPZ: Weinbauer wird man nicht einfach so, zum Winzer muss man geboren sein, woher stammt Ihre Liebe zum Boden und zum Weinbau? Fedor Malík: Meine Vorfahren hatten zum Boden eine enge Beziehung, mein Großvater väterlicherseits war Bauer, er kam aus einer typischen slowakischen Bauernfamilie in der Kleinstadt Kochanovce. Beide meine Großväter fielen im Ersten Weltkrieg und die Witwen, die sie hinterließen, hatten ihre Schwierigkeiten, ihre Familien zu versorgen. Mein Vater kam am ersten Mai 1932 als Beamter der Gegenseitigen Bauernkasse nach Modra und lernte hier meine Mutter kennen. Meiner Großmutter mütterlicherseits halfen gerade ihre Weinberge dabei, ihre vier Kinder allein aufzuziehen. Nach 1948 wurden fast alle privaten Felder und Weinberge verstaatlicht. Aber ich kann mich noch erinnern, wie ich als Siebenjähriger im Jahr 1952 an der Weinlese beteiligt war. Es war auf dem letzten Weingarten, der ihr erhalten geblieben war – die Gegend nennt sich Follegrunty – und wir lasen die Rebsorte Muskat-Ottonel. Das ist vielleicht einer der Gründe, warum ich zu dieser Sorte in regelmäßigen Abständen zurückkehre und sie am liebsten mag, vor allem, wenn es um unseren lokalen Muskat-Ottonel aus Modra geht. Im Sozialismus wurden die Winzer genötigt, auch den Trank der Könige zu panschen, und die Mehrzahl der Weine war

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nicht gut. Sie produzierten die Hälfte des Weines für Freunde und panschten die andere Hälfte mit Resten, Zucker und Hefe, um die größtmögliche Menge zu verkaufen, eine wirklich traurige Zeit für Weinkonsumenten. Als Achtzehnjähriger begann ich mein Hochschulstudium der Chemietechnologie, und bereits damals produzierte ich dreitausend Liter – das ist, denke ich, Antwort genug auf den Vorwurf, ein Universitätsprofessor sei ja nur Theoretiker und habe wahrscheinlich nie auf dem Weinberg gearbeitet. Als die Ära des Sozialismus zu Ende ging, hatte ich schon mehr als zehntausend Liter im Keller und viele praktisch erlangte nützliche Erfahrungen. Wie sehen Sie die Gegenwart des slowakischen Weinbaus? Die alten Winzerfamilien sind ausgestorben, die tiefen Wurzeln fehlen, und die jungen Weinhauer brauchen länger bei der Auswahl des Weines, den sie keltern wollen, sie experimentieren noch und sind auf der Suche. In Österreich oder in Deutschland wurde die generationsübergreifende Kontinuität der Produktion nicht unterbrochen, und obwohl auch dort nach neuen Möglichkeiten gesucht wird, so verläuft die Suche doch auf dem festen Fundament der vorangegangenen Familientradition. Deshalb ist es ein Fehler, wenn die slowakischen Winzer die Chance von Studienaufenthalten im Ausland nicht nut-

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zen, von denen sie zahlreiche wertvolle Erfahrungen heimbringen könnten. Die slowakischen Interessierten, die in ausländischen Weinwirtschaften arbeiten, um sich so weiterzubilden, könnte ich an den Fingern einer Hand abzählen. Da die Fläche der Weinberge auf ein Drittel gesunken ist, ist die Slowakei einerseits bei der Weinproduktion nicht zur Eigenversorgung fähig, andererseits kann ein rechtschaffener slowakischer Weinbauer den Wein nicht so billig produzieren, wie man ihn im Supermarkt erstehen kann. Sie lehren nicht nur an der Chemisch-Technologischen Fakultät der Slowakischen Technischen Universität, Sie erzeugen auch Wein unter Ihrer eigenen Marke? Der vielleicht aufregendste Moment in meinem Leben war es, als einer meiner drei Söhne nach vier Jahren Auslandsaufenthalt wieder heimkam und mich fragte, ob wir nicht in die Weinproduktion investieren sollten. Ich wusste, dass dies eine große Investition ist, und obwohl bis dahin keiner meiner Söhne Interesse am Weinbau gezeigt hatte, hatte ich doch nicht aufgehört daran zu glauben, dass dieser Augenblick kommen würde. Deshalb hatte ich das ganze Leben gespart und war auf diesen Moment vorbereitet. So konnten wir in größerer Menge und hoher Qualität Weiß- und Rotwein keltern.


WIRTSCHAFT

DI Fedor Malík, DrSc (geb. 1945 in Modra), ist ein anerkannter Önologe (Experte für die Weinproduktion), Winzer, Lehrer und Professor, Chemiker und Schriftsteller. Er hat mehrere Monographien zum Thema Wein verfasst und hunderte wissenschaftliche Beiträge. Für seine eigenen Weine erhielt er mehrere Auszeichnungen.

Und weil ich die slowakische Sprache mag, spielte ich mit den Namen meiner Rebsorten, und so kam der Name Fedor Malík Sahral zustande – Sauvignon, Alibernet, Hron und Cabernet. Sahral bedeutet natürlich auch sa hral – hat gespielt. Bald begannen wir auch mit der Erzeugung von Sekt nach der klassischen Methode. Ihn nannten wir Modragne, analog zu Champagne.

Hängen der Kleinen Karpaten mit dem Weinbau und nicht zuletzt sind viele Begriffe noch deutsch geblieben. Auch die Sorten, die hier angebaut werden – Grüner Veltliner, Grüner Silvaner – „sprechen deutsch“. Die deutschen Winzer bauen auf die Reinheit der Sorten und sprechen so auch die slowakischen Konsumenten mehr an als beispielsweise französische Cuvées.

Könnten die österreichischen Weine, die ja doch mit den slowakischen verwandt sind, den slowakischen Winzern als Inspiration dienen? Ganz bestimmt. Vor allem die nördlichen Regionen rund um Wien haben fast dieselben klimatischen und Bodenbedingungen, aber eine völlig andere Herangehensweise. Erfahrung, Tradition und Einstellung kann man nicht kaufen, man kann sie auch nicht umgehen, man muss sie erlernen, sie wollen. Der slowakische Weinbau baut in Vielem auf deutschem Fundament. Deutsche Zuwanderer, die sich hier vom 13. Jahrhundert an ansiedelten, begannen an den

Als Önologe und Autor zahlreicher Publikationen haben Sie viele Erfolge vorzuweisen. Was fehlt Fedor Malík noch? Auf dem Marktplatz von Modra haben wir ein Haus gekauft, das wir gern umgestalten würden, sodass dort Wein verkostet werden kann. Ich würde es eher ein kulturelles als ein kommerzielles Projekt nennen. Na, und mein wichtigster Wunsch, scheinbar bescheiden, aber umso schwieriger zu erfüllen: Gern würde ich auch weiterhin die Freude an gutem Wein auskosten, an seiner Philosophie, seinem Geschmack, dem Zauber schöner Momente im Freundeskreis, und am Seelenfrieden des Weinhauers.

Werben Sie in der NPZ! Das Monatsmagazin Neue Pressburger Zeitung NPZ knüpft an die Tradition der deutschsprachigen Medien an, die in dieser einst dreisprachigen Stadt erschienen. Diese Tradition lebt heute wieder auf, weil Bratislava in Handel, Industrie und Tourismus wieder einen mehr und mehr kosmopolitischen Charakter annimmt. Die NPZ bietet aber nicht nur den deutschsprachigen Bewohnern Bratislavas aktuelle Informationen, sondern wendet sich auch an die angrenzende Nachbarregion in Österreich sowie an ein Publikum in Wien wie auch an Deutsche und Schweizer mit Interesse an der Slowakei und diesem Grenzraum. Die NPZ bringt von professionellen Journalisten und Experten fundiert ausgearbeitete Informationen, Kommentare, Feuilletons, Reportagen und Interviews. Die Beiträge betreffen Wirtschaft, Poli­tik und Finanzen, aber auch Fremdenverkehr, Gesundheits­wesen, Schulwesen und Sport. Nicht vergessen werden die Non-Profit-Organisationen, das Gesellschaftsleben, Freizeit und Kultur in dieser Region. Der Inhalt jeder Nummer wird in interessanter und einfalls­reicher Grafik präsentiert, damit unsere Geschäftspartner, die sich über unsere Zeitschrift der Öffentlichkeit vorstellen wollen, einen großzügigen, eleganten Raum für ihre Präsentation.

Neue Pressburger Zeitung NPZ, Františkánske nám. 7, SK-811 01 Bratislava Tel. 00 421 903 401 464, info@npz-online.eu, www.npz-online.eu

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public relations

„Nachhaltiges Bauen ein Modetrend? - Für uns Pioniere ein Erfolg!“ Die „NPZ - Neue Pressburger Zeitung“ sprach mit Dr. Richard Teichmann, dem für die Slowakei, Österreich und Ungarn zuständigen Geschäftsführer von Bischoff & Compagnons. Text: Christoph Thanei, Fotos: Bischoff & Compagnons

NPZ: Sie engagieren sich unter anderem als Mitbegründer der Slowakisch-Österreichischen Handelskammer schon über 20 Jahre für die slowakischösterreichische Zusammenarbeit und haben eine ganze Reihe von interessanten Bau- und Investitionsprojekten mit initiiert. Was sind jetzt gerade Ihre aktuellen Arbeitsschwerpunkte? Richard Teichmann: Einerseits ist das Intensivieren des Zusammenlebens und Zusammenwachsens von Österreich und der Slowakei nicht nur auf wirtschaftlichem Gebiet weiterhin mein großes Anliegen. Nachdem ich dabei anfangs vor allem den Raum Wien und Bratislava ins Auge fasste, reicht das für mich inzwischen in beiden Ländern geografisch weiter. In der Slowakei ist es speziell Košice, das mich jetzt besonders beschäftigt. Inhaltlich dazu gekommen ist als Anliegen die Idee des „Green Building“. Was ist mit „Green Building“ gemeint? Die Gebäude, in denen wir leben und arbeiten, verbrauchen für die Errichtung und den Betrieb fast 50 Prozent aller Ressourcen auf der Welt. Es ist wichtig, dass wir in dieser rohstoffknapper werdenden Welt sehr sorgsam damit umgehen. Deshalb haben wir als Firma und ich als Person schon 2006/2007 begonnen, uns intensiv mit Fragen der Nachhaltigkeit beim Bauen zu befassen. So haben wir in Österreich die ÖGNI (Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft) mitbegründet und in der Slowakei das Slovak

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Green Building Council. Dazu passt natürlich dann auch unser eigenes Pilotprojekt - oder ich würde noch lieber sagen unser „Leuchtturmprojekt“ in Košice, EcoPoint. Und warum ist gerade Košice der richtige Ort für Ihr aktuellstes Vorzeigeprojekt EcoPoint? Die Stadt Košice und ihre Umgebung sehe ich als besondere Nische: Sie ist infrastrukturell noch nicht ausreichend angebunden, diese Anbindung wird aber sicher kommen müssen. Das ist so eine ähnliche Situation wie die viel zu lange mangelhaft gebliebene Verbindung WienBratislava früher. Und mit der Anbindung kommt dann natürlich ein Kreislauf in Gang mit einem zunehmenden Austausch von Personen, Waren und Dienstleistungen. Košice ist die zweitgrößte Stadt der Slowakei, in unmittelbarer Nachbarschaft liegt die drittgrößte Stadt Prešov. Noch dazu hat Košice eine jahrhundertelange Tradition als multikulturelles Zentrum und wichtiger Marktplatz und beherrbergt heute mehrere Universitäten und andere Ausbildungsstätten. Die Absolventen dieser Bildungseinrichtungen kommen großteils aus der Region, gehen aber nach Studienabschluss meist nach Bratislava, Prag, Brünn oder London. Dabei würden sie ja sicher gerne in der Heimat bleiben wollen, wenn sich für sie entsprechende Tätigkeiten finden. Nicht zu vergessen ist das vor allem wegen schlechter Flug- und Straßenverbindungen noch zu wenig genützte Potenzial, das sich aus der geografischen Nähe zur Ukraine, aber auch zu Krakau und nach Ungarn bietet. Košice hat also wirklich gute Perspektiven.

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Dr. Richard Teichmann Projekt EcoPoint

Biografische Stichworte: Dr. iur., Mag. iur. Richard Teichmann, M.B.A., geboren am 3. November 1961 in Salzburg, Jura-Studium an der Universität Wien und M.B.A. in Fontainebleau, Frankreich. Berufliche Tätigkeiten in Österreich (unter anderem Ministersekretär/Vorstandsassistent beim Bundesminister für Bauten und Technik / Österreichische Bundesbahnen), Deutschland (Geschäftsführer) und seit 1991 auch in der Slowakei (Führungsfunktionen und Firmengründungen in den Bereichen Bau, Baustoffe und Immobilienentwicklung). Seit 2001 geschäftsführender Gesellschafter/Partner, Bischoff & Compagnons Property Networks GmbH (Ungarn, Slowakei, Österreich), Beratung, Entwicklung und Durchführung gewerblicher Bauprojekte, Development, Konzeption, Finanzierungsbeschaffung und Verkauf. Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich, Mitbegründer der Slowakisch-Österreichischen Handelskammer, Gründungsmitglied und Botschafter der ÖGNI (Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft).


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Die Bekanntheit von Košice als Wirtschaftsstandort der Gegenwart beruhte bisher vor allem auf der starken Stahlindustrie, also einer eher „konservativen“ Industrietradition. Passen dazu Ökoprojekte? Wir wollten in Košice nicht irgendein Bürogebäude zweiter Klasse errichten, sondern bewusst auf den aktuellsten Standard setzen, wie wir das in Österreich jetzt bauen würden. Ich erinnere mich noch gut an meine Anfänge in Bratislava vor 20 Jahren: Da bedeutete es schon große Mühe, nur ein Telefongespräch nach Wien herzustellen. Handy, Internet und den Euro gab es sowieso noch nicht. Es sind nur 20 Jahre, in denen sich so Grundlegendes geändert hat. Ein Gebäude soll aber nicht nur für 20 Jahre sondern noch wesentlich länger konzipiert sein. Das heißt, wir müssen gerade für Gebäude sehr lange vorausdenken und Nachhaltigkeit zur Priorität machen!

Was heißt das konkret am Beispiel Ihres „Green building“-Projekts in Košice? Das muss man von Anfang an ganzheitlich sehen und viel mehr in Betracht ziehen als einfach „nur“ die Energiebilanz. Es geht um ein großes Paket an Faktoren wie etwa: Wie ist das Gebäude zur Sonne ausgerichtet, wie ist die Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz, ...? - Für uns war klar, wenn wir hier ein Projekt machen, dann sollte das für uns eine international herzeigbare Referenz werden. Deshalb haben wir dieses Projekt EcoPoint entwickelt unter dem Schlagwort

„Where Ecology meets Economy“. Wir wollten das Projekt auch bewusst am AutobahnVerbindungsweg aus Prešov errichten, um das Potenzial beider Städte miteinander zu verbinden. Zu den Besonderheiten des Gebäudes gehört, dass es keinen Gasanschluss braucht, weil der gesamte Komplex über Geothermie versorgt wird. Dafür haben wir allein für die erste Baustufe 30 mal jeweils 130 Meter in die Tiefe gebohrt, um mittels Wärmepumpe und Rohrleitungen das ganze Gebäude durch Betonkernaktivierung heizen und kühlen zu können. Das ist heute modernster Standard.

Das Projekt EcoPoint in Košice: http://www.ecopoint.sk

Unternehmen: Die Bischoff & Compagnons Property Networks GmbH wurde 1996 von Jürgen Bischoff als partnerschaftlich organisiertes Immobilien-Entwicklungs- und Investmentunternehmen in Berlin gegründet. Neben Berlin gibt es eigenständige, lokal operierende Beteiligungsunternehmen in Wien, Budapest und Bratislava. Gemeinsames Unternehmensziel: „Entwicklung und Realisierung von wertbeständigen Immobilienanlagen mit nachhaltigem Wertzuwachs“ www.bischoffcpn.com

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Rajka: Ein ungarisches Dorf spricht Slowakisch Nur zwei Kilometer vom südlichen Stadtrand Bratislavas befindet sich das kleine, einst vergessene ungarische Dorf Rajka (Ragendorf), das heute auf einem Gebiet von nur 52 Quadratkilometern das Zuhause vieler verschiedener Nationalitäten bildet. Die ersten Slowaken kamen vor zirka 8 bis 10 Jahren, bald könnten sie schon zur Mehrheit werden. Inzwischen sind von 4000 Einwohnern bereits 1800 Slowaken. Nur 5-600 von ihnen haben nach Angaben von Bürgermeister Vince Kiss ihren Dauerwohnsitz in Rajka gemeldet, über tausend Einwohner nutzen ihre Häuser nur als Schlafplatz. Text: Katarína Kironská, Fotos: Katarína Kironská (2) und Gemeindeamt Rajka (1)

Aufgrund der günstigen Lage an der Verbindung zwischen der Balkanhalbinsel und Westeuropa hat Rajka schon in der längst vergangenen Geschichte verschiedene Kulturen angezogen. Zirka im dreizehnten Jahrhundert besiedelten das Dorf deutsche Kolonisten, daher auch die deutschsprachige Bezeichnung Ragendorf. Im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert bewohnten das damals überwiegend deutschsprachige Gebiet auch schon Minoritäten von Slowaken und Kroaten. Diese ethnische Mischung von deutschen, österreichischen, ungarischen, slowakischen und kroatischen Einwohnern verblieb bis heute, nur ist der slowakische Anteil inzwischen viel höher geworden.

zu tauschen. Die Slowaken brachten dem Dorf Geld und Arbeitsmöglichkeiten, sodass es heute prosperieren kann“, erzählt Vlado Kalina, einer der ersten Slowaken, die im Zuge der ersten Einwanderungswelle 2006-2007 ins Dorf kamen. Rajka Zentrum, Foto: Katarína Kironská

Der Beitritt der Slowakei und Ungarns zum Schengen-Raum am 21 Dezember 2007 brachte Rajka eine hervorragende Ausgangsposition, um eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu entwickeln. Die Lage am Rande Ungarns erwies sich rasch als Vorteil, der nun die weitere Entwicklung des Dorfes fördert. Schengen brachte die Bewegungsfreiheit, öffnete den Immobilienmarkt und eröffnete den an der Grenze lebenden Menschen neue Möglichkeiten. „Rajka gab den Einwohnern der slowakischen Hauptstadt eine Möglichkeit, ihre Wohnungen im verbauten Stadtgebiet gegen ein Stück Natur

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„Nach Ungarn sind meine Frau und ich nicht gezielt gezogen. Wir haben uns zirka dreißig Häuser von Pezinok bis Rusovce angesehen, doch jedes Mal passte irgendetwas nicht. Dann kamen wir nach Rajka und wir wussten, da sind wir richtig. Trotz der


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zweijährigen Renovierung hat sich der Kauf gelohnt. Wir bezahlten, damals noch in Kronen, 1,5 Millionen. In Rusovce wollten sie für so ein Haus mit einem kleineren Grundstuck 3,2 Millionen“, erinnert sich Kalina. In Rajka passt eigentlich alles, beteuern mehrere von der NPZ befragte Einwohner übereinstimmend. Neben niedrigeren Betriebskosten schätzen sie die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Nachbarn, die Sicherheit und die Gepflegtheit der Umgebung. Auch sieben Jahre nach der ersten Einwanderungswelle sinkt das Interesse der Slowaken nicht. Im Gegenteil, es wird immer weiter dazugebaut und immer mehr verkauft. Die Zeiten, als Rajka nur ein verschlafener Grenzort war, sind längst vorbei. Dementsprechend sind auch die Preise für die eigenen vier Wände gestiegen, doch für die aus dem noch teureren Bratislava kommenden Slowaken lohnt es sich dennoch. An einem Ende des Dorfes wuchs ein komplett neuer Dorfteil dazu. Die Bewohner nennen ihn das „Millionärsviertel“, denn es befinden sich dort nur Neubauten, prächtig, mächtig und slowakisch! „Meine Tochter und ihr Freund haben hier

ein Doppelhaus gekauft. Jedes Mal wenn ich zu Besuch komme, ist etwas Neues gebaut“, sagt Kalina: „Es ist fasst unglaublich!“ Von einer Sprachbarriere kann keine Rede sein. Viele der Ansiedler sprechen auch nach Jahren kein Ungarisch, sie haben gemerkt,

den guten Verkehrsverbindungen in die Großstadt. Die Bewohner können fast alle Formen von Verkehrsmitteln nützen. Die Autobahn D2 und die regelmäßig verkehrende Autobuslinie 801 bieten eine permanente und schnelle internationale Verbindung. In der Freizeit kann man

Oben: Billiges Wohnen im ungarischen Dorf für großstadtmüde Slowaken, Rechts: Zweisprachige Aufschriften am Gemeindeamt dass sie es gar nicht brauchen. Einkaufen ist kein Problem, denn Ziffern kennen keine Sprache. Restaurants bieten slowakische Menukarten an und die Kellner der lokalen Kneipen nehmen die Bestellungen schon automatisch mehrsprachig an. „Vor Kurzem bekam ich einen amtlichen Brief. Er war sowohl ungarisch als auch slowakisch geschrieben. Es waren zwar ein paar Fehler zu sehen, macht aber nichts! Sie bemühen sich, und daran sieht man, dass wir hier willkommen sind“, lobt Herr Kalina. Auch im Leben an der Grenze zweier Staaten sieht er kein Problem: „Ich muss zwar zwei Geldbörsen tragen, aber sonst habe ich alles, was ich brauche und sogar noch viel mehr.“ Obzwar Rajka eine der teuersten Grenzgemeinden ist, ist sie bei den Slowaken die beliebteste. Das liegt auch an

auch den Radweg oder das Schiff nutzen. Rajka hat auch aus der Sicht der Kultur und der Freizeitbeschäftigung viele Reize zu bieten. Kulturveranstaltungen, Theater und wichtige Sport-Events spielen sich im renovierten Stadion ab. Kulturdenkmäler wie die römisch-katholische Kirche aus dem 14 Jahrhundert, die evangelische Kirche aus dem 18 Jahrhundert, das spätbarocke Chatteau Zichy, der Kalvarienberg und das Stahrenberg-Haus, in dem heute das evangelische Pfarrhaus siedelt, dekorieren das friedliche Dorf und erinnern an die weit zurück reichende Geschichte.

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„Die Zuwanderung nützt beiden Seiten“ Der Bürgermeister von Rajka (Ragendorf), Vince Kiss, sprach mit der NPZ über das multikulturelle Leben in seinem Dorf. Text: Katarína Kironská, Foto: Gemeindeamt Rajka

NPZ: Was bewirkt die rasche Zunahme an slowakischen Einwohnern für das Dorf und seine Gemeinschaft? Bürgermeister Vince Kiss: Die Einwohnerzahl wuchs noch nie so schnell wie in den letzten Jahren. Das einst kleine Dorf breitet sich aus und prosperiert. Die Öffnung der Grenzen hat sowohl für die Slowaken, als auch für die Ungarn neue Möglichkeiten gebracht: Billigere Wohnsitze für die einen, neue Arbeitsstellen für die anderen. Vieles konnte erneuert werden, z. B. die Wege, neue Spielplätze wurden gebaut und das Stadion wurde auch wieder zum Leben erweckt. Als nächstes wird das verwahrloste Zollhaus abgerissen. So haben die Grenzöffnung und Zuwanderung beiden Seiten genützt. Welche Möglichkeiten für Kultur und Freizeit bieten sich den Slowaken im Dorf? Die Gemeindeverwaltung tut alles dafür, dass sich alle im Dorf lebenden Menschen in das Freizeit- und Kulturleben einbringen können – sowohl organisatorisch als auch als Besucher und Genießer der Veranstaltungen. Wir möchten, dass die Einwohner Rajkas nicht nur gut, sondern auch zufrieden leben. Ein gutes Beispiel ist der Sportverein, denn dem sind die Slowaken als erstes beigetreten. Zuerst nur die von zu Hause aus ungarisch sprechenden, später aber auch solche mit weniger Ungarisch-Kenntnissen. Oder ein anderes Beispiel: In der Adventszeit trafen wir uns trotz kalten Wetters jedes Wochenende im Dorfzentrum, um zusammen Glühwein zu genießen und eine der vier Adventskerzen anzuzünden. An einem dieser Abende aßen wir von den Slowaken zubereitete Krautsuppe.

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Planen sie in Zukunft eine eigene slowakische Klasse in der Schule? Nein, aus folgenden Gründen nicht. Erstens hat diese Entscheidung nicht die Gemeinde, sondern der Staat in den Händen. Zweitens sehe ich persönlich nicht den Bedarf seitens der slowakischen Einwohner. Sie geben ihre Kinder lieber in städtische Schulen, denn da vermuten sie bessere Bildungsmöglichkeiten. Und drittens sind das ja alles Menschen, die sich entschieden haben, in Ungarn zu leben und bewusst mit der ungarischen Sprache konfrontiert zu werden. Ich glaube, es wäre auch in ihrem Sinne, dass die Kinder neben ihrer slowakischen Muttersprache lieber Ungarisch, gegebenenfalls Deutsch lernen. Es gibt hier eine slowakische Gruppe im Kindergarten. Aber die Eltern, die ihre Kinder in diesen Kindergarten bringen, tun das eigentlich, damit die Kinder ein bisschen Ungarisch aufschnappen. Denken Sie, dass die Slowaken, die hier leben, Ungarisch lernen sollten? Ich finde, wenn sich jemand wo immer im Ausland niederlässt, sollte er die Sprache des Landes lernen. Nicht in einem Monat oder so, sondern schön langsam. Nur der Wille soll da sein. Hier in Rajka sprechen viele Slowaken Ungarisch. Für manche ist es die Muttersprache, andere kommen aus einer ungarischen Umgebung. Viele haben den Willen zu lernen. Wir leben in einer Welt, in der man großen Wert auf Sprachen legt. Ich selber spreche Deutsch, und wenn man sich nicht Ungarisch versteht, versucht man es in einer anderen Sprache. In dieser

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Vince Kiss Bürgermeister von Rajka Hinsicht bin ich persönlich sehr positiv eingestellt. Das Zusammenleben der vielen Nationalitäten in Rajka hört sich sehr idyllisch an. Entstehen keine Konflikte? Konflikte gibt es, und nicht kleine. Sie hängen aber nicht mit der unterschiedlichen Nationalität zusammen, sondern eher mit der Verschiedenheit des Lebens in einer Großstadt und am Lande. Die Slowaken, die nach Rajka ziehen, sind in der Mehrheit aus Bratislava, also aus der Großstadt und haben dementsprechend großstädtische Angewohnheiten. Sie müssen erst lernen, dass es angebracht wäre, die Umgebung vor dem eigenen Haus in Reinheit und gepflegt zu halten. Dass man nicht vor den Toren der Nachbarn parken soll, sondern im eigenen Hof. Und dass auch die Hundehaltung eine Kultur hat, d.h. dass man nach dem Hund aufräumt. Wir legen großen Wert auf die Sauberkeit im Dorf und die Gepflegtheit der Umgebung. Dies sind also Probleme, die wir noch bewältigen müssen.


BILDUNG

Hochschule Goethe Uni in Piestany Mit dem Beginn des Studienbetriebs im Wintersemester 2012/13 hat die Fakultät für Tourismus an der Goethe Universität ihre Arbeit aufgenommen. Mit Studierenden im Bachelor- und Magisterstudium werden angehende Fach- und Führungskräfte für die international ausgerichteten Geschäftsfelder des Tourismus mit aktuellen fachwissenschaftlichen Wissensbeständen und praxiserprobtem Management Know-how ausgestattet. Text: Peter Slivka, Fotos: Goethe Uni

Tourismus – ein dynamisch sich entwickelnder Wirtschaftssektor Weltweit betrachtet gilt der Tourismus als einer der bedeutendsten Wachstumsmotoren. Laut UNWTO wurden 2012 im grenzüberschreitenden Reiseverkehr weltweit erstmals über 1 Mrd. internationale Touristenankünfte gezählt, meint der Garant des Studienprogramms, der international bekannte Prof. Dr. Raphael Breidenbach aus Koblenz. Tourismus studieren an der Hochschule Goethe Uni Der Sitz der Fakultät für Tourismus ist nicht zufällig in Piešťany. Der weltberühmte Kurort bietet für die Studierenden eine fast einmalige Gelegenheit, (Gesundheits-) Tourismus nicht nur zu studieren, sondern auch hautnah mitzuerleben. Damit dies gelingt, wird es wesentlich darauf ankommen, im Studienverlauf eine möglichst intensive Verbindung zwischen Theorie und Praxis zu gewährleisten. Studienbegleitende Praxispro-

jekte, in studentischen Teams durchgeführt und von ausgewiesenen Berufspraktikern moderiert, könnten hier hilfreich sein. Dabei wird es ganz wesentlich darauf ankommen, neben der handlungspraktischen Perspektive den Anforderungen eines fachwissenschaftlich soliden Studiums gerecht zu werden. Internationale Entwicklungen des Tourismus sollten konsequent integriert, begrifflich wie thematisch zum Ausdruck gebracht und auch im Lehrpersonal repräsentiert sein. Die Fakultätsmanagerin Frau Mag. Daniela Gloss, die auch eine erfahrene Management-Expertin aus der TourismusBranche ist, sagte uns: „Genau so eine Bildungseinrichtung fehlte uns in der Slowakei. Die Bevölkerung Europas kommt in die Jahre, der Preis der Gesundheit steigt, bei Menschen in den mittleren Jahren ist Vorbeugung im Aufschwung, das Kurwesen wird zum äußerst gefragten Produkt. Dadurch erweitert sich auch der Bedarf für Qualitätshotelmanagement."

Die Studenten haben die Möglichkeit, in der Studienrichtung Tourismus in der ersten Stufe (Bc.) das Studienprogramm Kur- und Hotelwesen und in der zweiten Stufe (Mag.) Management von Kur- und Hotelwesen zu studieren. Der Einsatz moderner Technik im Lehr- und Lernprozess, der umsichtige Einsatz von E-Learning, ist ebenfalls ein Handlungsfeld, das sicherlich weitere Beachtung verdient. Die Fakultät für Tourismus arbeitet eng mit dem Heilbad Piešťany (Slowakisches Heilbad Piešťany AG) zusammen, die pädagogisch-praktische Zusammenarbeit entwickelt sich auch mit anderen Qualitätsanbietern im Tourismus wie der Hotelkette Kempinski, dem Hotel Elisabeth in Trenčín und weiteren. Weiter Informationen: www.guni.sk und http://guni.sk/deutsch/tourismus/ ueber/mission-statement-fakultaet/

Sitz der Fakultät in der Winterová-Straße

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20 Jahre Gebrüder Weiss am slowakischen Markt Gebrüder Weiss ist ein österreichisches Transport- und Logistikunternehmen im privaten Familienbesitz. Bereits vor über 500 Jahren fanden die ersten urkundlich erwähnten Transporte vom Bodensee nach Mailand statt. Gestützt auf dieser langen Tradition und dem damit erworbenen Know How in Verbindung mit der Unabhängigkeit eines Familienunternehmens und einer nachhaltigen und dynamischen Wachstumsstrategie hat sich über die Jahre hinweg unser Unternehmen zu einem wichtigen globalen Anbieter von Transport- und Logistiklösungen entwickelt.

Im Rahmen der Ausdehnung des Gebrüder Weiss Netzwerkes auf die osteuropäischen Länder – Ende der 80iger/Anfang der 90iger Jahre – wurde bereits 1993 auch die slowakische Landesorganisation gegründet. Zunächst lag der Fokus primär auf der Abwicklung der Importsendungen der Gebrüder Weiss Niederlassungen und Partnerhäuser aus ganz Europa. Schritt für Schritt wurde das ständige Wachstum vorangetrieben, welches unter anderem durch die Gründung der Außenstandorte in Zilina und Kosice und dem damit verbundenen Aufbau eines Inlandsverteilnetzwerks auch für unsere Kunden spürbar wurde.

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Ein wesentlicher Meilenstein wurde im Jahr 2006 mit dem Erwerb eines 65.000 m² Grundstückes in Senec sowie mit dem Kauf des zu diesem Zeitpunkt größten nationalen Speditionsdienstleisters gesetzt. Durch diese Firmenakquise konnte das Inlandssystem weiter verbessert und den Kunden eine flächendeckendes 24-Stunden Zustell- und Abholservice geboten werden. Gestützt auf diesem zuverlässigen Inlandsprodukt wurden in weiterer Folge die internationalen Sammelgut- und Direktverkehre auf- und ausgebaut. Gebrüder Weiss konnte sich am Markt erfolgreich

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als Dienstleister für Komplett- und Teilladungsverkehre von und in den europäischen Raum positionieren. Namhafte Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen nehmen heute dieses Service in Anspruch. Darüber hinaus bieten wir mit unserem Produkt GW Proline auch ein europaweit flächendeckendes Sammelgutnetzwerk, welches auch für den slowakischen Markt zunehmend an Bedeutung gewinnt. Als Mitglied der System Alliance Europe – einer zukunftsorientierten Kooperation von führenden mittel-

ständischen Sammelgut-Speditionen – und gestützt durch das Gebrüder Weiss eigene Niederlassungsnetzwerk in Mittel- und Osteuropa – können wir mit GW Proline unseren Kunden sowohl im Import als auch im Export fixe Abfahrtstage und Laufzeiten in alle europäischen Länder bieten. Neben der Sicherstellung der zeitgerechten Verbringung der Ware von A nach B legt Gebrüder Weiss einen hohen Anspruch auf professionelle Kommunikation,

Information und permanente Innovation. Gerade in Zeiten von immer kleineren Lägerbeständen und kürzeren Laufzeiten ist es für unsere Auftraggeber von großer Bedeutung permanent über den Status ihres Transportes informiert zu sein und sich auf eine zeitgerechte Lieferung verlassen zu können. Dies ist einerseits über unser webbasiertes Track und Tracing möglich und wird bei komplexen Transportlösungen über einen Single Point of Contact noch zusätzlich unterstützt. Dadurch können wir zu jederzeit Auskunft über den Verbleib der Sendung geben und im Falle von Abweichungen rasch eine adäquate Lösung mit dem Kunden besprechen und sicherstellen. Immer wichtiger werden spezielle Sicherheitslösungen – sowohl im Transport- als auch im Lagerbereich. Aufgrund der wachsenden Nachfrage bieten wir für diebstahlgefährdete Waren spezielle Transportkonzepte an, welche neben dem herkömmlichen GPS tracking auch zahl-

reiche weitere Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit beinhalten. Die zweite große Säule der Geschäftstätigkeit von Gebrüder Weiss Slowakei sind die Logistiklösungen. Darunter verstehen wir die Übernahme von großen Teilen der Supply Chain unserer Kunden. Ein wesentlicher Teil ist dabei die Lagerung, welche seit 2010 am GW eigenen Terminal in Senec durchgeführt werden kann. Aktuell wird der Bau erweitert, sodaß unseren Kunden ab Herbst 2013 rund 9.000 m² an Lagerflächen und 3.800 m² an Cross-Dock Bereichen zur Verfügung stehen. Das gesamte Areal ist TAPA B zertifiziert und somit besonders für die Lagerung von wertvollen Gütern ausgerichtet. Darüber hinaus setzt Gebrüder Weiss Schwerpunkte in der laufenden Weiterentwicklung der angebotenen Value Added Services. Diese gehen von einfachen Verpackungstätigkeiten, über komplexe Assembling-prozesse bis hin zu anspruchsvollen Installationsleistungen im B2C-Bereich. Da Gebrüder Weiss in den letzten 20 Jahren viele Erfahrungen sammeln konnte und über ein breites Wissen über den slowakischen Markt verfügt, wollen wir dieses ab sofort auch in strukturierte Form unseren Kunden zur Verfügung stellen. In Zusammenarbeit mit unserem österreichischen Tochterunternehmen XVise wurde die Produktpalette um das Logistikconsulting erweitert. Hierbei können Firmen, unabhängig davon ob sie mit Gebrüder Weiss bereits zusammenarbeiten, ein Expertenteam anfordern, welches bestehende Transport- oder Logistiklösungen analysiert und gegenfalls Optimierungsvorschläge liefert. Dadurch wird es möglich, eine neutrale Expertenmeinung in die Konzepte einfließen zu lassen und die für die jeweilige Aufgabenstellung optimal Lösung zu finden. Die Slowakei bietet viele interessante Möglichkeiten in den unterschiedlichsten Feldern und Gebrüder Weiss ist davon überzeugt, auch in den nächsten Jahren einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung des Transport- und Logistikmarktes zu leisten.

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Service

Finanzierung von Start-ups durch Emission von konvertierbaren Schuldverschreibungen In der Slowakei kommt es praktisch nicht vor, dass die persönliche Haftung der Geschäftsführer von Handelsgesellschaften für Pflichtverletzungen in Anspruch genommen werden. Dies passiert nicht einmal in Fällen, wenn Geschäftsführer vorsätzlich Vermögen der Gesellschaft verschleudern, indem sie es weit unter Wert auf verwandte Personen übertragen, bevor die tatsächliche Tätigkeit beendet wird oder sie Geschäftspartner mit Bestellungen von Waren oder Dienstleistungen betrügerisch irreführen, wenn sie Kenntnis haben müssen, dass die Gesellschaft ihre Verpflichtungen nie erfüllen wird können.

Von Andrej Leontiev (li.) und Radovan Pala, Partner bei TaylorWessing enwc Rechtsanwälte in Bratislava, www.taylorwessing.com

Mit der geplanten Änderung des Schuldverschreibungsgesetzes (SchVG), die am 1. Januar 2014 in Kraft treten soll, soll Gesellschaften mit beschränkter Haftung eine Möglichkeit gegeben werden, Kapital durch Emission von konvertierbaren Schuldverschreibungen aufzubringen. Nach derzeitiger Rechtslage dürfen nur Aktiengesellschaften konvertierbare Schuldverschreibungen ausgeben. Neu entstehende innovative Gesellschaften, die sogenannten Start-ups, die auf Ideen im

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Bereich der schnell wachsenden Wirtschaftszweige der Zukunft bauen (z.B. IT, erneuerbare Energien, Biotechnologie), haben meistens kein ausreichendes Kapital zur Gründung einer Aktiengesellschaft mit einer komplizierterer Organisationsstruktur. Deshalb haben sie auch keine Möglichkeit, potentielle Investoren durch Emission von konvertierbaren Schuldverschreibungen anzusprechen. Gerade die Finanzierungssicherstellung stellt aber das kritische Hindernis für den Erfolg der Start-ups dar. Die neuen Unternehmensaktivitäten werden in der Slowakei üblicherweise aus eigenen Quellen oder über Bankkredite finanziert. Die Start-ups verfügen zwar über Ideen, in der Regel jedoch nur über minimales Eigenkapital. Zugleich sind diese mit hohem Risiko eines unternehmerischen Misserfolges verbunden. Aus diesen Gründen werden Startups von konservativen Investoren wie z.B. Banken nicht als attraktiver Klient betrachtet und müssen eher nach alternativen Finanzierungsquellen

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greifen. Die Novellierung des SchVG ermöglicht den Startups das Aufbringen von dem zum Businessstart erforderlichen Kapital mittels Emission von konvertierbaren Schuldverschreibungen. Eine konvertierbare Schuldverschreibung gibt ihrem Besitzer die Möglichkeit, die Schuldverschreibung für einen Geschäftsanteil an der Gesellschaft umzutauschen oder das Vorkaufsrecht an dem Geschäftsanteil gemäß den vorher vereinbarten Bedingungen geltend zu machen. Der Investor hat dadurch in seinen Händen ein Finanzinstrument, das in sich nicht nur das Recht auf Auszahlung des Grundwertes und des Erlöses, sondern im Falle, dass die Gesellschaft erfolgreich sein wird, auch die Möglichkeit, die Schuldverschreibung in einen Anteil an der Gesellschaft umzutauschen, verbindet. Anschließend kann sich dann der Investor als Gesellschafter an dem erzielten Gewinn sowie an der Gesellschaftsleitung direkt beteiligen, oder er kann den Anteil verkaufen.

Die Novellierung des SchVG stellt vorerst einen initiativen Vorschlag des Finanzministeriums dar und beinhaltet leider keine Regelungen für manch wichtige Aspekte mit, wie z.B. die Vorgehensweise bei der Geltendmachung des Vorkaufsrechtes an dem Geschäftsanteil oder des Rechtes auf den Umtausch der Schuldverschreibungen für den Geschäftsanteil. Die Antworten sollte die Novellierung des Handelsgesetzbuches mit sich bringen.


service

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit in Bratislava und Bardejov? „Bratislava ist teuer, es gibt kaum Arbeitslose und deshalb muss ich für eine Verkäuferin viel mehr zahlen als in Bardejov“. Solche Sätze von Arbeitgebern sind jedem bekannt. Weniger bekannt ist allerdings, dass nach Ansicht der Arbeitsinspektion eine regional unterschiedliche Entlohnung eine unzulässige Diskriminierung darstellt, für die dem Arbeitgeber Sanktionen drohen.

Von Mag. Bernhard Hager, LL.M. und JUDr. Lenka Kerestešová, Dvořák Hager & Partners, advokátska kancelária, s.r.o., www.dhplegal.com, Symbolfoto: DH&P

Es gibt eine Vielzahl von Bestimmungen auf internationaler, europäischer und slowakischer Ebene, die eine Diskriminierung von Arbeitnehmern verbieten. Eine Ungleichbehandlung ist nur zulässig, wenn diese durch die Art der Tätigkeit oder die Umstände begründet ist. Der Katalog des Antidiskriminierungsgesetzes Nr. 365/2004 enthält allerdings keine Rechtfertigung für eine unterschiedliche Entlohnung in den verschiedenen Regionen in der Slowakei. Gemäß dem Jahresbericht 2012 der Nationalen Arbeitsinspektion (GR/2013/019, Košice, Februar 2013, S. 4) stellt die unterschiedliche Entlohnung von Arbeitnehmern in den verschiedenen Regionen der Slowakei den häufigsten Diskriminierungsfall dar.

Die Arbeitsinspektion verbietet einem Arbeitgeber wie z.B. einer Handelskette oder einem Produktionsbetrieb eine höhere Entlohnung der Arbeitnehmer in Bratislava als in wirtschaftlich schwächeren Region. Das Argument der viel höheren Lebenserhaltungskosten in Bratislava und die kaum vorhandene Arbeitslosigkeit werden dabei von der Arbeitsinspektion nicht als Argument für höhere Gehälter in wirtschaftlich prosperierenden Regionen akzeptiert. Diese Interpretation führt im Einzelfall zu etwas eigenen Konsequenzen: • Die Arbeitsinspektion vergleicht nur die von einem Arbeitgeber in den verschiedenen Regionen bezahlten Löhne, vergleicht dies aber nicht mit den von anderen Arbeitgebern in einer Region bezahlten Löhnen. Ein Arbeitgeber, der nur in einer wirtschaftlich schwächeren Region tätig ist, kann somit weit geringere Löhne zahlen als der Nachbarbetrieb, der noch eine Filiale in einer „teuren“ Region hat, • Beschließt ein in einer wirtschaftlich schwächeren Region erfolgreicher Unternehmer die Eröffnung einer

Filiale z.B. in Bratislava und kann er nur für einen höheren als seinem betriebsüblichen Lohn Arbeitskräfte finden, so muss er, um Diskriminierung zu vermeiden, in seiner ganzen Unternehmensgruppe die Löhne auf das Niveau von Bratislava anpassen. Da die Unternehmen in den wenigsten Fällen die Löhne für alle Standorte in der Slowakei an jene vom „teuersten“ Standort anheben wollen, werden in der Praxis folgende Maßnahmen ergriffen, die auch von der Arbeitsinspektion akzeptiert

werden, sofern es sich nicht um eine offensichtliche Umgehung handelt: • Unterschiedliche Arbeitstätigkeiten „job description“) für die einzelnen Mitarbeiter, womit die Vergleichbarkeit der Arbeit und deren Entlohnung wegfällt • Flexible Gehaltsbestandteile wie Zuschläge, Prämien, Boni und dergleichen, die insgesamt zu einer höheren Entlohnung an Standorten mit einem allgemein höheren Lohnniveau führen • Gründung von Tochtergesellschaften für einzelne Regionen.

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Die fünf häufigsten Stolperfallen beim Aufbau von Geschäftsbeziehungen in der Slowakei – und wie Sie sie vermeiden „Dass Slowenien so ein schönes Land ist, hätte ich gar nicht gedacht.“ Mit solch einem vermeintlichen Kompliment wird ein deutscher Unternehmer auf seiner Geschäftsreise in der Slowakei bei den Adressaten eher ein zynisches Lächeln oder gar ein innerliches Kopfschütteln hervorrufen. Doch die mangelnde Vorbereitung auf die kulturellen Gegebenheiten vor Ort geht häufig über die fast schon klassische Länderverwechslung hinaus. Die weitestgehend große kulturelle Ähnlichkeit zu Westeuropa verführt nämlich schnell dazu, den Slowaken entsprechende Verhaltensweisen zu unterstellen. In der Regel endet dies damit, dass bilaterale Geschäftsverhandlungen ins Leere laufen. Denn auch das slowakische Volk hat so seine Eigenheiten, die es zu kennen gilt, wenn sich geschäftlicher Erfolg einstellen soll. Vermeiden Sie daher unbedingt, beim Kontakt mit potenziellen slowakischen Geschäftspartnern in eines der nachfolgend aufgeführten „Fettnäpfchen“ zu treten. Von Markus Halt, DSIHK

1. Den Vertriebsleiter zum Erstgespräch schicken Mag der eigene Vertriebsleiter auch noch so verhandlungsgeschickt sein, in slowakischen Unternehmen eröffnet in der Regel der Geschäftsführer persönlich die Kooperationsgespräche und dieser möchte auf Augenhöhe verhandeln. Hinzu kommt, dass slowakische Vertreter der mittleren Managementebene oft keine Entscheidungskompetenz haben und in jedem Fall Rücksprache mit dem Geschäftsführer halten müssen. Ist dieser nicht überzeugt von dem Angebot des deutschen Unternehmens, hilft auch ein zuvor hervorragend gelaufenes Gespräch nichts mehr. Als Geschäftsführer sollten Sie daher unbedingt persönlich zu den Gesprächen in die Slowakei reisen und darauf

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achten, dass ein gleichrangiger Vertreter auf slowakischer Seite zugegen ist. 2. Den Slowaken deutsches Zeitdenken unterstellen Slowaken denken in der Regel zeitlich sehr kurzfristig. In der Praxis heißt das, sich auf Terminzusagen, die schon mehrere Wochen oder gar Monate zurückliegen, nicht zu verlassen. Um zu vermeiden, dass plötzlich ein untergeordneter Vertreter zu dem Meeting erscheint oder sich die slowakische Seite gar komplett entschuldigen lässt, ist es ratsam, sich ein paar Tage im Voraus den Termin nochmals bestätigen zu lassen. 3. Follow-up verschlafen Grundsätzlich gilt auch in der Slowakei: nach dem Ge-

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spräch ist vor dem Gespräch. Das Follow-up ist daher unerlässlich. Gelegentlich lassen sich Firmen in Deutschland zu der Annahme hinreißen, in Anbetracht ihrer qualitativ hochwertigen und innovativen Produkte würde ihnen der potenzielle slowakische Geschäftspartner „hinterherlaufen“. In den meisten Branchen ist die internationale Konkurrenz jedoch auf dem lokalen Markt bereits etabliert, und slowakische Unternehmen sind stolz auf ihre Leistungen. Wollen Sie, dass das Geschäft in der Slowakei zustande kommt, seien Sie derjenige, der am Ball bleibt! 4. „Ich nehme meine Tschechisch-/Russisch-Prospekte mit.“ Es mag aus Kostengründen sehr verlockend er-

scheinen, in bereits anderen slawischen Sprachen vorhandene Firmen- und Produktprospekte auch in der Slowakei zum Einsatz zu bringen. Doch seien wir ehrlich: würde Sie ein Flyer in Schwizerdütsch ansprechen? Wohl kaum, und ähnlich sehen es die Slowaken mit Tschechisch oder Polnisch – von Russisch ganz zu schweigen. Wenn das Budget vorerst kein slowakischsprachiges Material erlaubt, greifen Sie lieber gleich zu den Englischprospekten. 5. Nonverbale Kommunikation unbeachtet lassen Immer wieder zeigen sich deutsche Unternehmen überrascht, wenn aus einem vermeintlich sehr guten Geschäftsgespräch im Nachhinein nichts geworden ist. Der


Partner

Grund ist in diesen Fällen zumeist einfach: Slowaken sagen nicht gerne Nein und geben auch nicht gerne zu, wenn sie etwas nicht interessiert. Stattdessen versuchen sie, den Gesprächspartner

mit Verklausulierungen und Lippenbekenntnissen zu beschwichtigen. Selbst wenn sie zum Abschluss eines Gesprächs bejahen, mit der deutschen Firmen in Kontakt bleiben zu wollen, kann es

durchaus sein, dass sie auf zukünftige Anfragen nie wieder reagieren werden. Die deutsche Seite sollte daher unbedingt schon während des Gesprächs zwischen den Zeilen lesen und auf die nonverbale

Kommunikation achten. So lassen sich nachträgliche Enttäuschungen vermeiden und Sie konzentrieren sich auf die Firmen, die wirklich an einer Zusammenarbeit interessiert sind.

Volatiles Wirtschaftswachstum Die Slowakisch-Österreichische Handelskammer veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Tatra banka, der Slovenská sporiteľňa und der UniCredit Bank- eine Podiumsdiskussion zum Thema „Perspektiven der Wirtschaftsentwicklung in der Slowakei und der Europäischen Union“

Jozef Makúch - Foto: NBS

Als Gastredner konnten wir freundlicherweise den Gouverneur der Slowakischen Nationalbank, Herrn Jozef Makúch, gewinnen. Die europäische Statistikbehörde Eurostat hat kürzlich die aktuellen Wirtschaftsdaten des zweiten Quartals 2013 bekannt gegeben, die Anlass zu einem wenn auch sanften - Optimismus geben. Demnach ist das BIP in der Eurozone um 0,3 % gewachsen, was vor allem auf die positiven Ergebnisse in Deutschland (+0,7%) und erstaunlicherweise in Frankreich (+0,5%) zurück zu führen ist. Die Verschuldung in einzelnen Krisenländern hat sich zwar stabilisiert, hingegen ist die Arbeitslosigkeit in den meisten EU-Mitgliedsländern (ins-

besondere Griechenland und Spanien) weiterhin äußerst dramatisch. Wir würden uns freuen, Sie bei der Podiumsdiskussion begrüßen zu dürfen, bei der namhafte Experten aus ihrer Sicht die weitere Wirtschaftsentwicklung analysieren werden.

Bitte merken Sie sich den Termin

20. September um 09:00 Uhr bereits jetzt vor, die Einladung und weitere Details erhalten Sie rechtzeitig. http://www.nbs.sk/sk/o-narodnej-banke/bankova-rada-nbs

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partner

Folgen Sie dem AußenwirtschaftsCenter Pressburg auf Twitter! Der Wirtschaftsdelegierte Mag. Patrick Sagmeister und das Team des AußenwirtschaftsCenter Pressburg berichten nun täglich über Neuigkeiten, Veranstaltungen und Marktinformationen aus erster Hand. Erfahren Sie aktuelle wirtschaftsrelevante Informationen, Tipps und Wissenswertes aus der Slowakei und bleiben Sie so am Puls der slowakischen Wirtschaft. Folgen Sie uns auf Twitter unter AC Pressburg (@wko_aw_sk). „Twitter gibt uns die Möglichkeit noch näher an unseren Mitgliedsunternehmen zu agieren und Informationen unmittelbar und ohne Zeitverlust zur Verfügung zu stellen. Neben aktuellen Veranstaltungshinweisen und Informationen zu der Slowakei, finden Sie immer wieder auch interessante Tipps und Hin-

weise.“ so Patrick Sagmeister. „Wir freuen uns übrigens auch wenn Sie über Twitter mit uns in Kontakt treten! See you on Twitter!“

Danube Region Business Forum 14. und 15.11.2013 in Wien An dieser Stelle wollen wir noch auf die Veranstaltung „Danube Region Business Forum“ am 14. und 15.11.2013 in der Wirtschaftskammer Österreich in Wien hinweisen. Der Schwerpunkt der Veranstaltung lautet dieses Jahr „ICT: New Developments in Information and Communication Technology“. Nähere Informationen finden Sie unter wko.at/aussenwirtschaft oder – erraten – auf Twitter ;-).

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KULTUR

„Mit Kulturarbeit ist man immer am Puls der Zeit“ Das Österreichische Kulturforum ist nicht nur in Bratislava, sondern in der ganzen Slowakei einer der wichtigsten Partner für Kulturschaffende der beiden Nachbarländer geworden. Im Gespräch mit der NPZ zieht seine Leiterin Brigitte Trinkl eine Zwischenbilanz knapp vor der Eröffnung neuer Räumlichkeiten. Text: Christoph Thanei, Fotos: Tomáš Kostka (1) Österreichisches Kulturforum (2) und Jakub Horbaj (1)

NPZ: Sie leiten das Österreichische Kulturforum in Bratislava seit Oktober 2009. Bitte blicken Sie für uns noch einmal zurück, wie Ihre Tätigkeit begonnen hat. Brigitte Trinkl: Vor fast vier Jahren habe ich die Leitung des Kulturforums mit einem engagierten Team übernommen. Davor war ich u.a an der österreichischen Botschaft in Budapest tätig. Ich empfinde eine große Zuneigung zum ostmitteleuropäischen Raum und zum "Mitteleuropa"Gedanken. Von Anfang an habe ich mich hier sehr gut aufgenommen gefühlt und schätze sehr, dass die Zusammenarbeit mit unseren Partnern so gut funktioniert.. Die Mentalität der Kulturszenen beider Länder passt gut zusammen. Als vorteilhaft sehe ich auch die Nähe zu Wien. Dadurch sind die Anreisewege der von uns engagierten Künstler und Wissenschaftler kürzer und wir können auch kurzfristiger planen.t Wer sind diese Partner? Wir finden hier mit allen eine sehr gute Zusammenarbeit. Aber explizit erwähnen möchte ich vielleicht die Slowakische Philharmonie und die Oper, jetzt unter dem österreichischen Direktor Friedrich Haider. Sehr eng ist die Zusammenarbeit mit dem Meulensteen Art Museum Danubiana. Alleine wären uns so große Ausstellungen gar nicht möglich, wie wir sie mit dem Museum Danubiana jetzt schon mindestens einmal pro Jahr organisieren können. Mit dem Bruno Walter Symphonie Orchester und den Bruno Walter Musiktagen unter Jack Martin

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Händler arbeiten wir auch eng zusammen. Aber die wichtigsten Partner sind die Gäste, die zu unseren Veranstaltungen kommen. Das Kulturforum zieht gerade um? Wir waren in der glücklichen Lage, jahrelang einen zentralen Sitz in einem historischen Palais mitten in der Altstadt zu haben. Noch dazu lag uns dieses Palais Palffy auch emotional am Herzen, weil ja dort Mozart schon als Sechsjähriger aufgetreten war. Jetzt freuen wir uns, nach einer Übergangszeit ohne eigenen Konzertsaal und Galerie im Oktober wieder neue Räume beziehen zu können, die ebenfalls sehr zentral - schräg gegenüber dem Präsidentenpalast - gelegen sind. Die neuen Räume haben ihre besondere Dynamik, umströmt vom Stadtleben mit fließendem Verkehr auf der einen und einer Fußgängerpassage auf der anderen Seite.Künftig ergeben sich neue Perspektiven durch die völlige Transparenz der uns umgebenden Glaswände. Das ermöglicht ganz neue Ausblicke, Einblicke und Eindrücke, hoffe ich. Wie konnten Sie die fast eineinhalbjährige Zwischenphase ohne eigene Räume bewältigen? Die Herausforderung,externe Veranstaltungen zu organisieren ohne eigene Räumlichkeiten nutzen zu können, war insbesondere finanziell groß, sie hatte aber auch ihren Reiz, weil sich die Qualität der Zusammenarbeit mit unseren Partnern beweisen konntedie uns stets sehr entgegen kamen. . Da zudem Košice Kulturhauptstadt

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Europas 2013 ist, wurde die Ostslowakei noch stärker als vorher zu einem weiteren Zentrum unserer Aktivitäten. Wir haben uns natürlich auch davor nicht auf Bratislava beschränkt, sondern immer schon die gesamte Slowakei im Blick gehabt, aber dieses Jahr hat sich das noch zusätzlich verstärkt. Wir konnten sehr viele große Projekte in Košice verwirklichen, auch dafür war es wichtig, verläßliche Partner zu haben. Gibt es inhaltliche Schwerpunkte, die Ihnen besonders wichtig sind? Generell wollen wir im Sinne der Auslandskultur als einer der drei Säulen der österreichischen Außenpolitik die Gesamtheit des österreichischen Kulturschaffens präsentieren. Unser Fokus liegt dabei aber weniger auf dem reichen traditionellen Erbe Österreichs, sondern vielmehr auf dem zeitgenössischen kreativen innovativen Potenzial. Für mich ist es spannend zu sehen, wie das Publikum auf junge Künstler reagiert und wie sie sich dann weiter entwickeln und erfolgreiche Karrieren haben. Wenn Sie von mir eine persönliche Vorliebe hören wollen: Der Bereich Ausstellungen/ bildende Kunst liegt mir von unserem Tätigkeitsspektrum besonders am Herzen. Wie funktioniert es in der Praxis, dass Sie österreichische Künstler in die Slowakei bringen? Viele Künstler schreiben uns von sich aus direkt an. Außerdem gibt es einen guten Informationsaustausch mit der kulturpolitischen Sektion des Außenministeriums,


KULTUR

Biografische Angaben Frau Gesandte Mag. phil. Brigitte Trinkl ist Niederösterreicherin. Sie studierte Französisch und Englisch am Institut für Übersetzer- und Dolmetscherausbildung der Universität Wien - Studienabschluss 1989. Postgraduelles Studium an der Diplomatischen Akademie in Wien (1990-1992). Seit 1992 höherer auswärtiger Dienst im österreichischen Außenministerium (darunter auch mitverantwortlich für Pressearbeit im Kabinett der damaligen Außenministerin Dr. Benita FerreroWaldner). Auslandsposten: Österreichische Botschaft in Budapest, Österreichische Ständige Vertretung bei der Europäischen Union in Brüssel, stellvertretende Missionschefin an der Österreichischen Ständigen Vertretung bei der UNESCO in Paris, seit Oktober 2009 Leiterin des Österreichischen Kulturforums in Bratislava. Interessen: Politik und politische Diskussionssendungen; Menschen und ihre Biografien; Bildende Kunst - Ausstellungen, Galerien, Auktionen; die Stadt Paris; Lyrik (etwa R.M. Rilke, H. Heine, F. Hölderlin und H. Hesse). innerhalb des Netzwerks von insgesamt 29 über die Welt verstreuten Österreichischen Kulturforen und anderen österreichischen Institutionen. Wichtig ist zunehmend, dass wir Unternehmen für Sponsoring ansprechen, denn ohne finanzielle Unterstützung der Wirtschaft würde heutzutage Vieles nicht funktionieren. Wir machen damit aber sehr gute Erfahrungen, die Zusammenarbeit ist ja eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Wenn Künstler Sie von sich aus ansprechen, heißt das also, dass sie gern in die Slowakei kommen und sie nicht als unbekanntes und uninteressantes Land sehen? Die Slowakei ist für sie sogar sehr interessant, weil sie eine sehr starke kreative Szene vorweisen kann. Oft sind die jungen Künstler beider Länder schon in direktem Kontakt, auch unabhängig vom Kulturforum. An welche Veranstaltungen erinnern Sie sich besonders gerne? Wenn das Publikum aus Kulturveranstaltungen viel an positiver Energie mitnimmt,

dann sehe ich das als großen Erfolg, der mich freut. Eine Auswahl zu treffen, fällt mir schwer, weil mir alles am Herzen liegt, was wir hier machen. Hervorheben könnte ich vielleicht aus unserem KulturhauptstadtProgramm in Košice unsere Auftaktveranstaltung. Das war die begehbare Installation "Tape" eines kroatisch-österreichischen Trios namens Numen for Use, die sehr gut ankam. Auch Richard Raši, der Oberbürgermeister von Košice, hat gleich selbst die aus lauter durch den Raum gespannten Klebebändern bestehende Installation erklommen!. Eine gelungene Zusammenarbeit mit der österreichischen Wirtschaftskammer / Advantage Austria und mehreren Sponsoren sowie dem Land Salzburg war etwa auch der mobile Kunstpavillon "White Noise", ebenfalls im Rahmen des Kulturhauptstadt-Programms in Košice. Erfolgreich war auch die Foto-Ausstellung „Bauten für die Künste“ in Zusammenarbeit mit dem Land Niederösterreich, die im Juli in der neuen Kunsthalle präsentiert wurde. Im Museum Danubiana bei Bratislava wurden dieses Jahr anlässlich des Jubiläums

"20 Jahre diplomatische Beziehungen Österreich-Slowakei" gleich zwei große Ausstellungen österreichischer Künstler organisiert. Zu Jahresbeginn die Ausstellung "Karl Prantl - Family and Friends". Karl Prantl war stets ein Brückenbauer zwischen slowakischen und österreichischen Künstlern. Die zweite Ausstellung im Danubiana wird ab 14. September Werke des niederösterreichischen Künstlers Hannes Mlenek zeigen. Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit besonders gut? Die Tätigkeit als Leiterin des Kulturforums bereichert immer, weil man ständig etwas Neues lernt, phantasievolle Menschen kennen lernt und seinen Horizont erweitert. Kulturarbeit heißt immer am Puls der Zeit zu sein, man erfasst viele Themen und Strömungen in einem sehr frühen Stadium. Das gilt zum Beispiel für die "Gender"-Thematik, aber auch etwa für die Themen Migration und Integration.. Mich hat aber auch die Pressearbeit sehr interessiert, für die ich im Außenministerium mitverantwortlich war sowie

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KULTUR

Szenen aus erfolgreichen Veranstaltungen des Österreichischen Kulturforums (von links oben): Vernissage Karl Prantl im Museum Danubiana, Marianne Sayn-Wittgenstein, Oberbürgermeister Raši in der Installation "Tape" (Foto: Jakub Horbaj)

Das Österreichische Kulturforum

meine Tätigkeit an der Ständigen Vertretung Österreichs bei der UNESCO. Gibt es für Sie ein Leitmotiv im Leben? Zwei Leitmotiven fühle ich mich besonders verbunden. Das eine ist "Leben und leben lassen", weil ich Respekt, Toleranz, Dialogbereitschaft, Vielfalt und Verantwortung als extrem wichtige Werte empfinde. In diesem Sinne ist eines meiner Lieblingsbücher „ Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry, dessen Menschlichkeit sehr berührend ist. Und als zweiten Leitsatz: "Wissen ist Macht" - weil Bildung und Wissen der Schlüssel

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zu sozialem Frieden und Erfolg sind und der natürliche Gegner von Intoleranz und Borniertheit. Was schätzen Sie an Bratislava? Besonders gefällt mir die malerische Lage der Altstadt mit ihrem bunten Angebot an Galerien und Strassencafés und insbesondere die junge Kreativszene. Und was wünschen Sie sich für die Zukunft der Slowakei? Ich wünsche mir, dass Deutsch weiterhin eine starke Rolle in der Slowakei zukommt. Deutsch ist die meistgespro-

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Das Österreichische Kulturforum ist die Kulturabteilung der Österreichischen Botschaft in Bratislava. Das Österreichische Kulturforum organisiert nicht nur in Bratislava, sondern auch in der ganzen Slowakei zahlreiche Kulturund Bildungsveranstaltungen (Vorträge, literarische Lesungen, Ausstellungen, Konzerte, Theateraufführungen, Symposien usw.). Zugleich ist es auch Infound Service-Stelle zur Vermittlung von Österreich-Informationen, Kontakten und Vernetzung. Eine wichtige Aufgabe besteht generell darin, das Verständnis der beiden engen Nachbarn Österreich und Slowakei füreinander weiter zu fördern und Synergien zu erzeugen. Weitere Informationen und Programm des Österreichischen Kulturforums: http://www.rakuskekulturneforum.sk chene Muttersprache in der EU. Gute Deutschkenntnisse sind eine enorme Zukunftschance für die slowakische Jugend – sie erleichtern ein Studium in Österreich und anderen deutschsprachigen Ländern und eröffnen angesichts der zahlreichen in der Slowakei aktiven und wirtschaftlich starken österreichischen, deutschen und Schweizer Unternehmen vielfältige Karrieremöglichkeiten.


KULTUR

Miro jilo – Mein Herz (auf Romani) Ein kreatives Treffen für talentierte Romakinder aus der Slowakei. Es findet eine Ferienwoche lang mit folgendem Programm statt: Zeichnen, Malen, Tanz, Gesang, Musik. Dazu Informationen zur Geschichte und Kultur der Roma, Wissensspiele, Sport, Ausflüge, Unterhaltung, Entspannung. Text: Bohumír Bachratý, Fotos: Vladimír Vološin

Am Treffen nehmen ausschließlich Romakinder im Alter von 8 bis 15 Jahren teil. Je nach dem Veranstaltungsort liegt ihre Zahl zwischen 25 und 40. Ihre Auswahl wird von Romaaktivisten, Lehrern, Bürgermeistern und Erziehern getroffen, die Einladung wird auch mit den Eltern der Kinder konsultiert. Die auf die einzelnen Kunstdisziplinen spezialisierten Lektoren sind Roma wie auch Nicht-Roma, bildende Künstler und Lehrer. Jedes Treffen endet mit einer Ausstellung der geschaffenen Werke, bei deren Vernissage die Kinder den geladenen Gästen, den Eltern und der breiteren Öffentlichkeit ein Kulturprogramm vorführen. Seit 2007 fanden bereit sechs Jahrgänge statt, in Spišská Kapitula, Drienovo, Drienovec, Madarász, Jankov vŕšok, Bojnice (dt. Weinitz od. Bojnitz) und Svätý Anton (Sankt Anton in der Au). Die Ausstellungen von Miro jilo werden danach auch an anderen Orten gezeigt, in Bratislava im Klub der Künstler (Klub umelcov, Dostojevského rad 2) sowie im Präsidentenpalast. Zu jedem Treffen erschien auch ein Katalog. Die ersten vier Jahrgänge

wurden vom slowakischen Kulturministerium finanziert, die Jahrgänge 2011 und 2012 von der Abteilung für nationale Minderheiten des slowakischen Regierungsamts. Das Grundprinzip der Treffen Miro jilo ist die Unterstützung junger Romatalente. Gleichzeitig geht es um Erziehung, Motivation zur Kreativität, Formung der emotionalen Intelligenz und die Bildung der Kinder, die aus verschiedenen sozialen Schichten und Milieus kommen, aus Romasiedlungen, Dörfern und Städten der Slowakei. Die bisherigen Erfahrungen bestätigen das große Talent der Kinder für Farben, Rhythmus, Melodie, Spiel und spontanen künstlerischen Ausdruck. Für alle Beteiligten ist Miro jilo eine Woche voll Kreativität, stiller Freude und Glück. Den Inhalt und die Form der Treffen entwarf der Fachgarant, der Kunsthistoriker PhDr. Bohumír Bachratý, CSc., aus Bratislava. Die technische Durchführung aller Jahrgänge lag in den Händen von František Filkorn, einem Wiener mit slowakischer Geburtsurkunde.

Die nächste Vernissage zur Ausstellung der im Rahmen von Miro jilo entstandenen Bilder: Samstag, 28. September 2013 um 14 Uhr

Klub Umelcov Dostojevského rad 2, Bratislava

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KULTUR

Veranstaltungen: Tipps & Termine Von Katarína Kironská

Weinerntefeste

Durch den Herbst mit einem Glas Wein Der Herbst ist im Herzen Europas eng mit dem Wein und mit der alljährlichen Feier des Weines verbunden. Die Slowakei ist buchstäblich von Weinregionen übersät. Die Karpaten sind schon seit der Ankunft der Kelten bekannt für ihren hochwertigen Wein. Man findet da kleine gemütliche Keller, aber auch große moderne Betriebe voller Weinfässer, die am Ende des Sommers ihre Stände aufbauen und ihre Weinfeste veranstalten. Modra, Rača und Pezinok locken in der Umgebung von Bratislava auf eine Verkostung der jungen, so wie auch der guten alten Jahrgängen. Das Getränk der Götter fließt dann in diesen Gebieten in Strömen.

Das Modraner Weinerntefest 13. – 15. September, Modra Unter dem gemeinsamen Leitspruch: „In Modra trank man immer guten Wein...!“ feiert die Stadt Modra ihr traditionelles Fest der Weinernte, der Eröffnung der lokalen Heurigen, des Weinlobes und nicht zuletzt der typischen Handwerkerkunst. Foto: http://www.modranet.sk/vinobranie-modra/

Das Weinerntefest in Rača 13. – 15. September, Bratislava-Rača Schon ab dem 13. bis 15. September stehen auf den Straßen des Stadtteils Rača viele kleine hölzerne- und Leinen-Stände mit reicher

Einen ausführlichen und regelmäßig aktualisierten Veranstaltungskalender finden Sie auf unserer Homepage:

www.npz-online.eu Auswahl an Rotwein, Weißwein, Rosé und dem beliebten Burčiak (Sturm). Zusätzlich bereichert wird das Weinfest durch verschiedenste gastronomische Häppchen und ein buntes Kulturprogramm. Das Weinerntefest in Pezinok 20. – 22. September, Pezinok Das Traubenlesefest findet in Pezinok schon seit dem 13. Jahrhundert statt und wurde seitdem zur alljährlichen Tradition, in der das Köstlichste aus Trauben mit gastronomischen Spezialitäten und einem reichen Kulturprogramm vereint wird. www.folklorfest.sk/index.php?page=podujatia&kategoria=vino branie-a-vino, www.mvc.sk Foto: http://www.pezinok.sk/?yggid=639

Kultursommer Skalitzer Tage 13. – 15. September Das feierliche Geschehen der Erhebung zur freien Königsstadt, wird jedes Jahr aufs Neue in Begleitung von Musik, Tanz, verschiedenen Ausstellungen, Sportveranstaltungen und Spaß für alle Altersgruppen gefeiert. www.skalickedni.sk Foto: http://www.skalickedni.sk/fotogaleria.php?rok=40&kateg=37

Rozvádzače od najmenších po najväčšie. 54

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KULTUR

Ein nächtlicher Spaziergang auf die Burg Devín 21. September 2013, Devínska Nová Ves Eine Exkursion gestaltet als ein nächtlicher Spaziergang auf die Burg Devin anlässlich des Internationalen Tourismustages. www.tikdnv.sk. Musik Das Musikfestival Bratislava (“Bratislavské hudobné slávnosti”) 27. September – 13. Oktober, Redoute Bratislava Die Bratislavské hudobné slávnosti sind das wichtigste und international renommierteste Musikfestival in der Slowakei mit einer langen Tradition seit 1964. Die einzigartigen Konzerte dieses Festivals erklingen jedes Jahr an der Monatswende September-Oktober im Gebäude der Redoute im Zentrum der Stadt. Es ist das ultimative Event der slowakischen klassischen Musikszene. www.bhsfestival.sk/ Philippe Lefebvre 13.9.2013, 19:00, Domkirche des heiligen Martin in Bratislava Philippe Lefebvre ist ein Titularorganist der Kathedrale von Notre-Dame in Paris. Er gilt als einer der repräsentativsten Organisten Frankreichs, der seine Kunst aber in der ganzen Welt präsentiert. www.bkis.sk/kultura-v-bratislave/, www.citylife.sk/vazna-hudba Foto: http://www.bkis.sk/kultura-v-bratislave/kulturne-leto-2013/aktuality/ philippe-lefebvre-francuzsko/

Svjati (Konvergenzfestival 2013) 15. 9. 2013, 20.00, Domkirche des St. Martin in Bratislava Die symbolische Eröffnung des Konvergenzfestivals in Begleitung der einzigar-

tigen Werke bekannter slowakischer Komponisten. www.bkis.sk/kultura-v-bratislave/, www.citylife.sk/vazna-hudba Foto: http://www.citylife.sk/vazna-hudba-akcia/svjati-konvergencie-2013bratislava

Liederabend (Verdi – Wagner – Strauss) mit Sylvia Khittl-Muhr (Sopran) und Dieter Paier (Klavier) 11. September, 18:00, Bratislava, Pálffy Palais Bratislava www.rakuskekulturneforum.sk/program/ Theater Laci Strike, Soňa Ferancová: Julio und Romea Premiere: 17., 18. September, SND Bratislava Die einzigartige Hip-Hop-Tanz-Vorstellung basiert auf Shakespeares klassischem Theaterspiel Romeo und Julia, bringt aber aufgrund der unkonventionellen und originellen Tanzvorführungen eine frische Brise in das mittelalterliche Werk. Die neuartigen Choreografien, Bewegungen und das künstlerisch reiche Design verschieben die Geschichte über unsterbliche Liebe und Hass zu unerwarteten Pointen. Die Poetik der Straßenkultur spricht jede Altersgruppe, aber vor allem Jugendliche an. www.snd.sk/?balet&predstavenie=julio-a-romea&termin=5977 Nachfolgende Veranstaltungen des Slowakischen Nationaltheaters: www.snd.sk/?program-4 Foto: http://www.snd.sk/?balet&predstavenie=julio-a-romea&termin=5977

Ausstellungen Ernst Exinger - Ausstellung der Impressionen vom Weinviertel 3. September - 4. Oktober, Bratislava, Zichy Palais Bratislava Nachfolgende Veranstaltungen des Österreichischen Kulturforums: www.rakuskekulturneforum.sk/program/

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KULTUR

„Meine Kleider weisen neben Form und Farbe auch einen Duft auf“ Er hat Landschafts- und Gartenarchitektur studiert und widmet sich vor allem der Floristik und dem Modedesign. Blumen und Mode verbindet er zu einem Ganzen, denn, so sagt er, das eine hat für ihn ohne das andere keinen Sinn. Der Florist und Modedesigner Róbert Bartolen. Text: Lenka Káčerová

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Die ersten Schritte als Arrangeur unternahm Róbert Bartolen noch während der Schulzeit, als er bei mehreren Wettbewerben erfolgreich war. Seitdem profiliert er Róbert Bartolen Foto: Břetislav Podolník sich daheim und im Ausland als professioneller Florist, wurde in diesem Metier Meister der Slowakei und wirkte zwei Jahre lang als Kreativdirektor der Victoria Regia – Meisterschaft der Slowakei in der Floristik. Er hat Landschafts- und Gartengestaltung studiert. Sein charakteristisches Merkmal und seine Devise ist das Komponieren von Blumenmodellen.

Wieso ist Ihre Modebotschaft viel tiefer? Schon seit einigen Jahren nehme ich aktiv an den Bratislavaer Modetagen teil, meine Modelle kann man auch bei den Schauen Miss Slowakei, Miss World und Style Kabo sehen. Neben dem traditionellen Modedesign halte ich es für meine Pflicht, mich caritativ zu betätigen. Die Kollektion Ohrozený druh über gefährdete Tierarten schuf ich für die Slovak Fashion Night in New York, und zusammen mit dem gleichnamigen Projekt erlangte sie viel tiefere Bedeutung. Mein Ziel war es auch, auf das Problem der häuslichen Gewalt aufmerksam zu machen, denn in gewisser Weise sind auch Frauen und Kinder eine gefährdete Art. Da kam mir die Idee, einen Kalender zu machen. Der Verkaufserlös kam der Stiftung Centrum Slniečko zugute.

NPZ: In der letzten Zeit widmen Sie sich dem so genannten Flowerstyling, bei dem die Welt der Blumen mit der Welt der Textilien kombiniert wird. Róbert Bartolen: „Gern verbinde ich Dinge mit einer tieferen Idee, tauche in die Natur ein. Ich versuche aus ihr alle Farben, Formen und sogar Düfte zu schöpfen und sie in Kleidung zu transformieren. Oft geschieht es, dass ich mir zusammen mit neuen, gerade erst skizzierten Kleidern einen Duft vorstelle. Oft arbeite ich mit süßen Farben und mit Spitze. Das markanteste Element meines Schaffens sind handgearbeitete Details. Sie ergänzen das Modell und verleihen ihm sozusagen mein Siegel.

Was halten Sie für Ihren bisher größten beruflichen Erfolg? Am erfolgreichsten war bislang die Kollektion von zwölf Hochzeitskleidern Purely, die in vier Jahreszeiten eingeteilt war. Für mich ist das Wichtigste, den Frauen ihre eigenen Vorzüge vor Augen zu führen, sie sollen sie selbst sein können und sich zugleich pur, rein fühlen. Denn was bringt die weibliche Natürlichkeit und Schönheit am besten zur Geltung? Der Hochzeitstag. Zur Hochzeitskleider-Kollektion Purely entstand auch eine Kollektion von zwölf Hochzeitssträußen unkonventioneller und origineller Formen. Woran arbeiten Sie gegenwärtig? Ich arbeite gerade an einer BusinessKollektion vorwiegend in Korallentönen,

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die zeigt, dass Designerstücke auch gewöhnlich getragen werden sollten, um ein außergewöhnliches Feeling hervorzurufen. Die gegenwärtige slowakische DesignSzene durchlebt eine spezielle Profilierung. Nach der Rückschau auf die Zeit des Sozialismus hat das Design eine depressive Zeit durchgemacht, ob es sich nun um Kinematografie, Fotografie, Bildhauerei oder die Mode als solche handelt. Die Slowakei ist im Grunde genommen ein Land voller Formen, Farben, ausgedehnter Wiesen und üppiger Blumen. Und das inspiriert die neuen, jungen, nach dem Sturz des Regimes geborenen und dadurch unbeeinflussten Designer. Das freut mich, denn auch ich selbst schöpfe Inspiration aus unserer Natur, aus den Farben und dem Wesen unserer Region."

Hochzeitsstrauß - Foto: Norbert Eggenhofer


freizeit

Ausflugs- und Urlaubsziele in der Slowakei

Nicht zu weit, nicht zu teuer, dennoch reizvoll und entspannend! Text: Katarína Kironská Vlkolínec, Foto: Tomáš Kostka

Liptov Liptov ist aufgrund seiner malerischen Landschaft, umgeben von den Hügeln der Hohen und Niederen Tatra und der günstigen geographischen Lage eine der meist besuchten Regionen der Slowakei. Außer einem Meer bietet sie alles von Bergen und Bergteichen über Höhlen und Seen bis zu heilenden Mineral- und Thermalquellen - und das zu erschwinglichen Preisen! Sportbegeisterte erwarten hier ausgezeichnete Möglichkeiten zum Wandern und für Radtouren in der angenehmern Bergluft des Naturlehrpfads Prosiečka, des Tals Kvačianska dolina oder des Kammweges Roháče. Der Gebirgssee Liptovská Mara und die vielen Berggewässer laden zu Bootfahrten, wie auch Rafting oder Windsurfing ein. Orte, die Sie besuchen sollten: • die Eishöhle Demänovská ľadová jaskyňa • das Keltenmuseum Havránok • Museum Vlkolínec und Pribylina, • die traditionelle Architektur der Liptauer Holzhäuser und die Holzkirche Svätý Kríž • das Schloss Likavský hrad, Starhrad • die Wassermühlen Oblazy

Nach einem erlebnisreichen Tag kann man in den Thermen von Bešeňová, Lúčky oder Liptovký Ján baden und entspannen. Die Liptauer Region ist ein Paradies für Menschen für Sport, Adrenalin und Spaß. www.liptov.sk, www.slovaktripadvisor.com Orava Die Region Orava liegt an der polnischen Grenze und bildet so im Gebiet Oravská Polhora den nördlichsten Punkt der Slowakischen Republik. Sie besteht aus den Städten Dolný Kubín, Námestovo und Tvrdošín. Den schönsten Teil der Orava formen die Westliche Tatra und das Gebirge Roháče, das unter anderem ein Bestandteil des geschützten Tatra-NatiOrte, die Sie besuchen sollten: • die Burg Oravský hrad • der historische und der jüdische Friedhof in Dolný Kubín • die Holzkirchen in Leštiny, Istebné und Tvrdošín • das Gedenkhaus von Martin Kukučín in Jasenová • die Waldbahn von Orava in Oravská Lesná • Das Dorf-Museum in Zuberec Brestová • Das Forsthaus Hviezdoslavova hájovňa

Floßfahrt auf dem Fluss Orava, Foto: Fremdenverkehrsbüro Orava

onalparks ist. Das nordwestliche Ufer des Orava-Staubeckens, die berühmten Thermen im Kurbad Oravice und die einzigartige urtümlich slowakische Landschaft machen die Region ideal für viele Freizeitaktivitäten. www.orava.sk, www.slovaktripadvisor.com Das Slowakische Paradies (Slovenský Raj) Der National Park Slowakisches Paradies, der 1964 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, befindet sich im östlichen Teil der Slowakei. Ursprünglich war das gesamte Gebiet des Nationalparks ein ganzer Komplex, der im Laufe der Zeit durch Flüsse und Ströme in mehrere kleinere und größere Teile zerglieDer Dom des heiligen Jakob, Foto: Informačná kancelária mesta Levoča

dert wurde. Es entstanden die verschiedenen Karsterscheinungen und die charakteristischen Schluchten und Wasserfälle, die heute unter den Touristen so beliebt sind. Besucher kommen währen des ganzen Jahres, um die rund 300 km langen Wanderwege mit vielen Leitern, Brücken, Treppen und Ketten zu erkunden. Besonders reizvoll sind auch die einzigartigen Höhlen Dobšinská ľadová

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freizeiT

Orte, die Sie besuchen sollten: • Die Teufelsschlucht (Čertova diera) Die Eishöhle Dobšinská ľadová jaskyňa • Der atemberaubende Aussichtspunkt Tomášovský výhľad • Der Durchbruch des Flusses Hornád • Die meistbesuchte Schlucht Suchá Belá • Die größte Schlucht Veľký Sokol • Der meistbesuchte Wanderweg Čingov und Podlesok • Der größte Wasserfall Závojový vodopád im Tal Sokolia dolina • Die Städte Spišská Nová Ves und Levoča

Foto: THERMAL CORVINUS Veľký Meder

jaskyňa (Dobšiner Eishöhle) und Čertova diera (Teufelsschlucht) und die nahe liegenden kulturgeschichtlich bedeutenden Städte Spišská Nová Ves und Levoča. www.slovenskyraj.sk, www.slovaktripadvisor.com Podhájska Das Wellnesszentrum Aquamarin und der Badeort Podhájska unweit von Nitra bieten einen schönen Urlaub in der vielgestaltigen Umgebung der slowakischen Natur mit einem Gefühl, als wäre man am Meer. Das Wasser in den Becken hat die gleiche Zusammensetzung wie das Tote Meer. Jährlich kommen hierher tausende slowakische und ausländische Besucher, um zu entspannen oder Krankheiten zu heilen. Einer der großen Vorteile ist ein sehr attraktiver Preis. Unterschiedlichste Attraktionen, ein Schwimmbecken mit Wildwasser, Whirlpools, eine Sauna-Welt, ein botanischer Garten und dazu ein modernes, neu gestaltetes Interieur verführen die Besucher in einen exotischen Urlaub ohne in ein Flugzeug steigen zu müssen. www.wellnesspodhajska.sk Veľký Meder Der Badeort Thermal Corvinius in Veľký Meder liegt nur 65 km von Bratislava entfernt in der wunderschönen Umgebung eines Waldparks. Das Thermalwasser mit einer Temperatur von 26-38° C bietet eine entspannungsreiche Erholung zu jeder Jahreszeit und hat noch dazu eine wohltuende Wirkung auf Muskel- und Skelett-Erkrankungen. Nach dem Schwimmen und Plant-

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Piešťany, Foto: Tomáš Kostka

schen kann man im Sauna-Zentrum oder im Salzbergwerk entspannen, an diversen Animationsprogrammen teilnehmen oder sich in einem der vielen Restaurants und Bars erfrischen. Veľký Meder ist ein idealer Ort für Familienurlaube, die man aufgrund der einzigartigen Schönheit der Umgebung Žitný ostrov (Schüttinsel), der reichen Kultur und der vielen lokalen Sehenswürdigkeiten mit diversen Ausflügen kombinieren kann. www.thermalcorvinus.sk

ße Auswahl an Möglichkeiten für beliebte Wochenendurlaube, aber auch spezialisierte therapeutische Aufenthalte. Außerdem bereitet die Stadt Piešťany jedes Jahr ein interessantes Sommerprogramm mit vielen Musik- und Kulturveranstaltungen. www.kupele.piestany-spa.info, www. piestany.sk, www.kupaliskoeva.sk

Piešťany Der weltberühmte Kurort Piešťany, im westlichen Teil der Slowakischen Republik, wird jährlich von abertausenden Besuchern aufgesucht. Seinen guten Ruf verdankt er hauptsächlich den einzigartigen Quellen des Thermal-Mineral-Wassers, das aus einer Tiefe von 2000 Metern entspringt. Es enthält die Energie der Erd-Magma, die zur Behandlung verschiedenster Erkrankungen verwendet wird. Der Kurort bietet eine gro-

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Aquaparks in der Slowakei: Aquacity Poprad AquaRelax Dolný Kubín Kúpele Lúčky: Aqua-Vital Park Aquapark Senec Spa & Aquapark Turčianske Teplice Tatralandia L. Mikuláš Termál Centrum Galandia Galanta Thermalpark Bešeňová Vodný raj Vyhne Wellness Patince Mehr unter: www.kupaliska.sk


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Ausgefüllte Bestellung scannen und per E-Mail senden an info@npz-online.eu oder ausschneiden und per Post schicken an Neue Pressburger Zeitung NPZ, Františkánske nám. 7, SK-811 01 Bratislava Der Versand erfolgt ab der ersten Nummer nach Ihrer Bezahlung. Wenn Sie die NPZ über das Jahr hinaus abonniert haben möchten, müssen Sie nichts tun. Ansonsten schicken Sie bitte spätestens 4 Wochen vor Ablauf der Bezugsdauer eine schriftliche Kündigung an die NPZ unter o.g. Adresse. Die vollständigen Geschäftsbedingungen finden Sie unter www.npz-online.eu.


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Npz 09 2013 web  

Neue Pressburger Zeitung Ausgabe September

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