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Nr. 9/ Frühjahr 2019 CHF 18.50 / € (D) 14.80 / € (A) 15.30

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Nr. 9  /  Frühjahr 2019

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Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

FILTERT VIELES, NUR NICHT DEN SPASS

Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

Ralph Metzner: Alchemistische HR Giger – Das grosse Interview Divination 5-MeO-DMT: Filmimüber Bufo alvarius Absinthe – Besuch Val-de-Travers

Jeremy Narby: Kulturgeschichte Legal Highs – Falsche Perspektiven des Rauschs der LSD-Blotter ElMark PepeMcCloud: – oder die Herr Verbesserung der Welt MusikHofmann für den Trip: Young mit Gods Albert – EinThe Gespräch Christian Scharfetter: Haschisch-Forschung dem LSD-Entdecker


Keine Halluzination! Ab sofort bestimmst du den Abopreis selbst. Wir möchten, dass jeder sich Lucy‘s Rausch leisten kann. Dies ist unser Beitrag zum sozialen Ausgleich und das klare Statement, dass wir nicht nur von Selbstbestimmung und (Drogen-) Mündigkeit reden. Wir leben sie und trauen diese auch anderen zu – unseren Lesern sowieso!

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1

Unser Universum, das zahllose Myriaden von eigenständigen Wesen und Elementen zu enthalten scheint, ist im tiefsten Grunde nur ein einziges Wesen von unermesslichen Ausmaßen und unvorstellbarer Komplexität. STANISL AV GROF über die Essenz der holotropen Erfahrung, in: Kosmos und Psyche


Der Sturz der rebellierenden Engel, Öl auf Eiche, 117 × 162 cm, Königliche Museen der Schönen Künste, Brüssel

2 L u c y ’s R a u s c h Nr. 9


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Claudia MĂźller-Ebeling: Pieter Bruegel 

Seite 40


Fotos: Pascal Hader /dreamstime.com. Montage: NS

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5

Bufo alvarius Die Krรถte der Liebe und der Erleuchtung



Seite 94


Foto: iStock

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Die hohe Kunst der Cannabis-Extraktion Seite 55 


Foto: Screenshot

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Mark McCloud – Herr der LSD-Blotter   Seite 62


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INHALT

13 21

INHALT

Editorial Markus Berger Sind Psychedelika in der Mitte der Gesellschaft angekommen? Klartext von Roger Liggenstorfer

CANNABIS

47

Essenziell und hoch konzentriert Die hohe Kunst der CannabisExtraktion Michael Knodt

35

Cannabis – Medikament und Genussmittel Coustos Psychedelikatessen

104 Historische Anfänge der Haschisch-Forschung

KUNST

Erinnerung an Christian Scharfetter

Michael Schlichting

ETHNOBOTANIK

40

Pieter Bruegel – Eine Jahrhundertausstellung in Wien Claudia Müller-Ebeling

44

86

Herbes Heilkraut Die Ethnobotanik der Artemisien Kevin Johann

Mati Klarwein: Chez Sphinx Claudia Müller-Ebeling

62

Der Herr der LSD-Blotter – Mark McCloud Flann Rombeath

94

Eleusis kompakt Giorgio Samorini


11

INHALT

26

PARTY & RITUAL

Rausch

Eine nüchterne Betrachtung quer durch die Kulturen Jeremy Narby

36

Ayahuasca, Schamanismus und Philosophie Govert Derix

54

Bufo alvarius Die Kröte der Liebe und der Erleuchtung

60

Psychonautik und Psychologie Stanislav Grof

Filip Záruba über seinen Film Interview: Markus Berger

90

Navigieren in außer ordentlichen Bewusstseins zuständen

80

Spirituelle und transzendente Dimensionen außergewöhnlicher Wahrnehmungszustände Michael Kleim

Die Alchemistische Divination nach R. Metzner Friedrich Rehrnbeck

98

Drogen auf Reisen Teil III: Auf der Suche nach dem highligen Gral Stefan Haag

Chefchaouen

Auf dem Berg der Verklärung

84

Göttliches Gelächter Wolf Sugata Schneider

RUBRIKEN

15 20 22 69 75

 achruf Ralph Metzner N  ucy‘s Mix L Lucy‘s Agenda Psychedelic Science News Lucy’s Mediathek Bücher und CD Lucy‘s Lifestyle

111

Impressum L ucy‘s Vorschau

14

110

u.a. Interview The Young Gods


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13

EDITORIAL

Lucy’s Rausch im «Overground»

N

un gehen wir mit Lucy‘s Rausch schon ins fünfte Jahr und können die Bilanz ziehen, dass es rundherum gut läuft. Aus dem Testballon, den wir 2014 gestartet haben, ist ein Periodikum entstanden, das sich beim Publikum wachsender Beliebtheit erfreut. Dabei war die Idee recht kühn: Eine hochwertige Zeitschrift für Drogenfreunde und Psychonauten in den Mainstream-Handel zu bringen, war einerseits Herausforderung, andererseits auch logistisch nicht immer leicht. Wir mussten (und müssen) vieles erst lernen, denn der Zeitschriftenmarkt ist, bei allen Überschneidungen, doch ein anderer als die Bücherbranche, aus der wir als Buchverlag kommen. Dass wir uns als Fachmagazin für Psycho­ aktiva-Kultur schon gut etablieren konnten, verdanken wir zum einen unseren treuen Lesern, die Abonnements abschließen, uns unterstützen und teils sogar als Promoter, als sogenannte Lucy‘s-Botschafter, unterwegs sind, um der psychedelischen Gemeinde unsere Medien näherzubringen. Dafür sind wir besonders dankbar. Zum anderen ist es die aktuelle psychedelische Renaissance, die unsere moderne Welt in vielfältiger Weise bunter, friedlicher und aufregender macht. Das Wiederaufblühen der psychedelischen Kultur ist ein globales Phänomen, das bei weitem nicht nur die Hippiekultur der 60er und 70er Jahre kopiert. Die Revolution findet heute in der Mitte der Gesellschaft statt. Früher noch mit gesetzlosen Underdogs oder verrückten Drugheads aus dem Untergrund assoziiert, wird die pychedelische Kultur und Praxis heute im «Overground», in der Öffentlichkeit, im Mainstream gelebt. Tendenz definitiv steigend. Auch das ist einer der Gründe dafür, dass ein Nischenmagazin wie Lucy‘s Rausch sich zunehmender Popularität erfreut. In unserer 9. Ausgabe findet ihr wieder viele spannende Beiträge, zum Beispiel ein Interview mit Filip Záruba, der den hervorragenden Film Bufo alvarius – The Underground Secret produziert hat. Wir sprachen mit ihm über die Coloradokröte, die 5-MeO-DMT-Erfahrung und seinen Film. Claudia

Müller-Ebeling hat unter anderem einen Artikel über den visionären Künstler Pieter Bruegel d.Ä. beigesteuert, und von Stefan Haag gibt es den dritten Teil seiner Serie «Drogen auf Reisen». Wir freuen uns sehr, diesmal eine Reihe neuer Autoren im Magazin zu haben, die höchst interessante Themen und Sichtweisen präsentieren: Michael Kleim, der uns an seinen Gedanken zur spirituellen und transzendenten Dimension außergewöhnlicher Bewusstseinszustände teilhaben lässt, Friedrich Rehrnbeck, der in die Alchemistische Divination nach Ralph Metzner einführt, Govert Derix mit einer Abhandlung über Ayahuasca, Schamanismus und Philosophie, Christan Scharfetter (1936–2012), dessen Text «Haschisch-induzierte Phänomene als Psychosen-Modell» in unserer Rubrik Lucy‘s Geschichte zu finden ist, und Flann Rombeath mit einem Essay über den Blotter-Art-Sammler Mark McCloud. Ich wünsche vergnügliche, inspirative und erhellende Momente der angeregten Lektüre. Möge die psychedelische Renaissance unsere Welt und unser Miteinander zum Wohle aller befruchten.  Markus B erger, Chefredak teur


ABSCHIED VON R ALPH METZNER 18. Mai 1936 bis 14. März 2019 TEXT

A

  Ro ger Liggenstor fer • Chris Heidrich • Markus B erger

m 14. März 2019 um 4:20 Uhr ging der unsere moderne Zivilisation zurückzuholen, ohne US-amerikanische Psychologe Ralph Metz- die Gebräuche anderer Ethnien blindlings zu ner, intellektueller Einflussgeber Timothy Learys kopieren. Beeinflusst durch das Tibetanische und Richard Alperts und damit Mitinitiator der Totenbuch verstand er es, wie kaum ein anderer psychedelischen Revolution in den Sechzigern, auf zu vermitteln, dass durch die Erkenntnisse aus seine letzte große psychedelischen Reise: Im Alter von 82 Erfahrungen der Tod Jahren verstarb er zu nicht als Endpunkt des Hause in Kalifornien. Seins zu verstehen ist. Ralph Metzner Zur Erklärung zog er hinterlässt ein reichBeispiele aus den spihaltiges Erbe: Er hat rituellen Traditionen über 100 wissenheran: schaftliche Schriften «Nach Ansicht und an die 20 Bücher des Buddhismus sowie verfasst und hielt anderer Philosophien zahlreiche Vorträge in den überlieferten und Workshops, unter Traditionen des Ostens anderem zu der von und des Westens treihm begründeten ten wir, wenn wir diese Alchemistischen Divi- Ralph Metzner 2014 am Symposium «30 Jahre Nachtschatten Welt verlassen oder Verlag» in Solothurn.   Foto: D. Trachsel nation (siehe Seite 90). sterben, in andere Sein Einfluss auf die zeitgenössische Psychedelik ist Dimensionale Welten ein, um weiter zu wachsen immens. Zusammen mit seiner zweiten Frau Cathy und zu lernen – und reinkarnieren uns schließlich gründete er die Green Earth Foundation, die sich für zu einer neuen Lebensrunde auf der Erde. Auf heilende und harmonische Beziehungen der jedes Sterben folgt, nach einer Weile, eine Geburt. Menschheit zur Erde einsetzt. Ralph Metzner war Jeder Geburt und jeder Wiedergeburt folgt, nach Professor am California Institute of Integral Studies einem gewissen Zeitraum, wiederum ein Sterben. und führte eine eigene Praxis für Psychotherapie. Wenn man so über Geburt und Tod nachdenkt, Gut vorbereitet auf den Abschluss seines wird man feststellen, dass sich die eigene Haltung Lebens vermachte er seine Privatbibliothek der Pur- subtil und doch tiefgreifend verändert –  wir können due University im US-amerikanischen Indiana, zu der Einstellung gelangen, dass wir unsere zahlschrieb noch drei Bücher, die auf ihre Veröffentli- reichen Geburten und Tode gelassen akzeptieren» chung warten, und ordnete noch alles, was zu ord- (Ralph Metzner, Welten des Bewusstseins – Welten nen war. Er verließ die irdische Existenz genau so, der Wirklichkeit, 2015, S. 17f.). wie er es sich vorgestellt hatte: im friedlichen Schlaf. Wir trauern um unseren Freund, Autor, InsDer 1936 in Berlin geborene Ralph Metzner pirator, Wegbereiter und langjährigen Wegbezählt zu den wichtigsten Wegbereitern, die es uns gleiter Ralph Metzner, im Wissen, dass sein Einermöglicht haben, den Geist der Philosophie und fluss, seine Inspiration, sein Geist fortbestehen die Weltsicht des indigenen Schamanismus in und weiterleben. 


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MIX PSILOCYBIN ALS MEDIZIN

Legale Magic Mushrooms? Nachdem in den USA in diversen Bundesstaaten Cannabis als Medizin oder zu rekreativen Zwecken legalisiert wurde, gibt es jetzt erste Vorstöße, psilocybinhaltige Pilze (Magic Mush­ rooms) in US-Bundesstaaten freizugeben. Den Anfang macht Oregon, wo 2020 die Wähler entscheiden, ob Zauberpilze entkriminalisiert werden. Kalifornien und Colorado hatten bereits Initiativen gestartet, Psilocybinpilze für medizinische Zwecke (Therapie von Depressionen, PTBS, Angstzuständen und Abhängigkeiten, wissenschaftliche Forschung) zu legalisieren. Psilocybin und psilocybinhaltige Pilze fallen derzeit unter Schedule 1 des US-Drogenge­ setzes, sind also wie Heroin und Kokain als Substanzen ohne jeden medizinischen Nutzen klassifiziert. Forscher der Johns Hopkins University empfahlen​ in einem Artikel in der medizinischen Fachzeitschrift Neuropharmacology vom Oktober 2018, die Pilze und ihren Wirk­stoff in die Anlage IV der verschreibungspflichtigen Pharmaka und damit in dieselbe Kategorie wie gängige Schlafmittel aufzunehmen. Eine Neuzuteilung durch die FDA kann jedoch bis zu fünf Jahre dauern. Gemäß der New York Times betonten die Forscher jedoch, dass die Verwendung von Psilocybin auch künftig streng kontrolliert werden sollte, da Menschen mit

Foto: Manuel Barroso Pareja / Unsplash

Die «2020 Psilocybin Service Initiative» in Oregon

Psychoaktive Pilze können therapeutisch genutzt werden.

psychotischen Störungen gefährdet seien, wenn sie hoch­ dosiertes Psilocybin ein­nehmen. Im November genehmigte der

2020 entscheiden die Wähler in Oregon, ob Zauberpilze legal werden. Außenminister Oregons eine Wahlinitiative (initiiert von der Oregon Psilocybin Society), die Psilocybinpilze legalisieren könnte. Um es auf den Wahlzettel für die Parlamentswahl 2020 zu schaffen, benötigt die Initiative 117 578 Unterschriften. «Die 2020 Psilocybin Service Initiative of Oregon hat zum Ziel, ein bahnbrechendes therapeutisches Modell voranzutreiben, das derzeit in den Forschungseinrichtungen von Spitzenuniversitäten auf der ganzen Welt perfektio-

niert wird», erläutern die Wort­­führer der Initiative, Tom und Sheri Eckert, auf ihrer Website. Eine ähnliche Initiative in Denver (Colorado) hat es nach Verzögerungen nicht auf die Wahlzettel für die Midterms 2018 geschafft. Die Initiatoren des Vorstoßes arbeiten nun daran, die Abstimmung für 2019 durchzusetzen. Eine weitere Initiative in Kalifornien konnte sich für 2018 ebenfalls nicht qualifizieren. Immerhin erreichten sie schon 25 Prozent ihres Ziels, das sind 90 000 Unterschriften landesweit – ein gutes Omen für einen nächsten Versuch. Website zur Psilocybin Service Initiative: psi-2020.org


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MIX

INTERNATIONAL

Legalisierungen und Freigaben ohne Ende

Rund um den Globus: Legalisierungen und Freigaben.  Foto: iStock

Die weltweite Tendenz zur Legalisierung oder Freigabe des Cannabiskonsums für medizinische oder rekreative Zwecke dauert 2019 an. Bisher haben diverse US-Bundesstaaten, Uruguay und Kanada (siehe Lucy‘s Rausch Nr. 7 und 8), die Cannabispolitik auf dem amerikanischen Kontinent wegweisend verändert. Ende 2018 beschloss man in den USA zudem, landwirtschaftlichen Industriehanf zu legalisieren. Die US Farm Bill ermöglicht Landwirten, Faserhanf auf ihren Feldern anzubauen. Dann folgten Deutschland mit seinem Cannabismedizin-Gesetz von 2017, das jetzt spezifiziert werden soll, Großbritannien – mit ähnlichen Vorstößen – und die Schweiz, wo CBD-basierte Weed-Sorten legal sind. Georgien, Thailand (siehe Seite 17), Sri Lanka und die Philippinen (!) verfolgen interessanter-

weise ebenfalls den Plan, den Hanf für Heilzwecke freizugeben. Salvador Panelo, der Sprecher des philippinischen Präsidenten, erklärte, Rodrigo Duterte befürworte die Verwendung von medizinischem Marijuana und werde jede legislative Maßnahme unterstützen, die mit seiner Haltung übereinstimme. Bereits im September 2017 genehmigte das Parlament das Gesetz «House Bill 6517», den Philippine Compassionate Medical Cannabis Act, der festlegt, dass Cannabis zu medizinischen Zwecken eingesetzt werden darf – ein Freizeitgebrauch ist auf keinen Fall zu erwarten. Südafrikas Verfassungsgericht hatte im September 2018 entschieden, dass erwachsene Bürger des Landes Cannabis anbauen und in privaten Räumen gebrauchen dürfen; in der Öffentlichkeit ist der Konsum von Cannabisprodukten jedoch

weiterhin untersagt. In den afrikanischen Ländern Lesotho und Simbabwe wurde medizinisches Cannabis übrigens bereits 2017 (Lesotho) und 2018 (Simbabwe) legalisiert. Auch der kleine pazifische Inselstaat Vanuatu vor der Ostküste Australiens stimmte im September 2018 für die Legalisierung von Cannabis zu medizinischen Zwecken. 2019 wollen auch Italien, Frankreich, der Libanon und Luxemburg ihre Cannabisgesetze ändern. Luxemburg beschloss sogar, den Freizeit- und Genusskonsum ebenfalls zu legalisieren. Selbst die Türkei will wieder mit dem Anbau von Faserhanf beginnen, wie Präsident und Diktator Recep Tayyip Erdoğan im Januar verkündete (Quelle: www.trt.net.tr). Nur Österreich macht gewaltige Schritte rückwärts. Medizinalhanfblüten werden dort nicht legalisiert, zumindest vorerst. Das Hauptargument der Behörden ist, dass es für die Verwendung von Medizinalhanf keine ausreichende Evidenz gebe – außerdem sei Marihuana nur schwer korrekt zu dosieren. Außerdem wurden CBD-Produkte Ende 2018 unter Rezeptpflicht gestellt. Obwohl CBD in Österreich nicht unter das Suchtmittelgesetz (SMG) fällt, dürfen gemäß einem Erlass der Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein ab sofort keine Nahrungsergänzungsmittel, die mit CBD angereichert sind, mehr angeboten und verkauft werden.


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L u c y ’s R a u s c h Nr. 9

MIX FILMPROJEKT

LEGALISIERUNG

Niederländische Grüne wollen Ecstasy-Produktion regulieren In den Niederlanden werden im illegalen Untergrund große Mengen an MDMA und verwandten Phenethylaminen (Ecstasy) hergestellt und anschließend auf dem internationalen Schwarzmarkt vertrieben. Um für die weitverbreiteten Drogen qualitative Standards gewährleisten zu können, wollen die holländischen Grünen (GroenLinks) die Regierung nun davon überzeugen, die Herstellung dieser Substanzen zu regulieren, wie die niederländische Tageszeitung de Volkskrant am 17. Dezember 2018 berichtete. Mit der geforderten Gesetzes­ änderung ließe sich die MDMA-Produktion dem Schwarzmarkt entreißen und kontrollieren. Die Parlamentarierin Kathalijne

Hoch dosierte MDMA-Tabletten: Philippe Plein, Apple und Red Bull.   Fotos: Saferparty

Buitenweg von der Grünen Partei sagte gegenüber de Volkskrant: «Die Regierung muss ja die Ecstasy-Tabletten nicht selbst herstellen und die Gemeinden sollen XTC nicht in die Supermärkte bringen, aber die Regierung sollte die Kontrolle übernehmen.» 

Spenden für Psychedelic Renaissance Wie wir in der letzten Ausgabe berichtet haben, arbeitet die unabhängige britische Produktionsfirma Tripitaka Films an einem Dokumentarfilm «über das weltweite Wiederaufleben der psychedelischen Bewegung und die entscheidende Rolle psychedelischer Substanzen in der menschlichen Kultur von der Vorgeschichte

Quelle: bit.ly/2LlYtBE

Thailand legalisiert medizinisches Cannabis und Kratom Kaum zu glauben: Thailand legalisiert die medizinische Verwendung von Cannabis und Kratom (Mitragyna speciosa). Das thailändische Parlament hat dies entschieden, da Cannabis und Kratom traditionelle thailändische Arzneimittel sind und weil überdies Tausende von Patienten gesundheitlich davon profitieren können. In Thailand wüten nun bereits die Kapitalisten, die beim profitablen Cannabisgeschäft dabei sein Thai-Gras.  Foto: ZVG wollen. Die Rede ist von Patenten, die auf medizinisches Marihuana erhoben werden sollen. Bislang sind es das britische Pharma­ unternehmen GW Pharmaceuticals und die japanische Pharmafirma Otsuka, die in Thailand absahnen wollen.Chkowan Kitty Chopaka von der Cannabis-Aktivistengruppe Highlands Network sieht dies laut Bericht des Fernsehsenders ntv kritisch, denn es handle sich immerhin um eine Pflanze – und die sollte wie Wasser der Allgemeinheit zur Verfügung stehen und nicht etwa einzelnen Unternehmen überlassen werden.

bis zur Neuzeit». Eine Crowdfunding-­ Kampagne brachte den Produzenten immerhin schon 5000 Pfund ein. Um den Film realisieren zu können, benötigt das Filmteam aber Einiges mehr an Budget. Deshalb ist es nun möglich, auf der Website zum Projekt via Paypal zu spenden.

Quellen: www.forbes.com, www.aljazeera.com, www.bangkokpost.com

thepsychedelicrenaissance.com


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MIX

Psychoaktive Videos Daily Psychedelic Video ist eine Internet-Plattform mit psychedelischen Videos, die seit 2010 existiert und jeden Tag um ein neues Video bereichert wird. Im Lauf der Zeit ist eine enorme Sammlung an Filmen inklusive Charts der besten psychedelischen Videos der einzelnen Jahre zusammengekommen. Man kann sie nach Kategorien unterteilt direkt auf der Seite anschauen. Insgesamt finden sich mittlerweile über 3000 Videofilme auf der Website. dailypsychedelicvideo.com

Eine enorme Fülle an Stilvarianten und Ausdrucksformen der psychedelischen Videokunst laden zum visuellen Trippen ein.

Niels Hallerberg (1974–2018).  Foto: ZVG

NACHRUF

Der Freund der Fliegenpilze Niels Hallerberg (*29. Juni 1974) war der Initiator des virtuellen Fliegenpilzmuseums, das online eine Vielzahl von Exponaten in Form von Fotografien rund um den Rauschpilz Amanita muscaria und die damit verbundene Kultur präsentiert. Am 25. Dezember 2018 erlag er völlig unerwartet den Folgen einer zuvor unbemerkten Erkrankung. Hallerberg – ein guter Freund des Nachtschatten Verlags und ein psychonautischer Aktivist par excellence  – studierte an der Ruhr-Universität Bochum Germanistik und Philosophie und wohnte zuletzt mit seiner Lebenspartnerin in Gelsenkirchen-Resse. In seinem selbst gegründeten Zwiebelzwerg Verlag verlegte er zwei seiner

eigenen Gedichtbände: Nördlich von Nirgendwo (1999) und Es gibt keine künstlichen Paradiese (2006). Hallerbergs besonderes Verdienst ist jedoch das Fliegenpilzmuseum, das nun von Protagonisten der psychedelischen Bewegung weitergeführt und am Leben erhalten wird (mehr dazu bald in Lucy’s Rausch). Rest in Peace, ruhe in Frieden, lieber Niels! Dein Werk wird weiterleben. In Folge 13 des Youtube-Videoformats Nachtschatten Television ist ein Beitrag von Niels Hallerberg zu sehen, der erstmals 2011 in Markus Bergers erstem Youtube-Format Entheogen – Das Magazin ausgestrahlt worden war. Der Beitrag von Niels findet sich ab Minute 43’22 auf www.youtube.com/ watch?v=OrUVJj0g5vw www.fliegenpilzmuseum.de www.nielshallerberg.de


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AGENDA 4. April – 4. August 2019

16.–18. August 2019

Ausstellung «Ekstase»

Breaking Convention

Das Verlangen und die Lust

5. International Conference on

nach ekstatischen Zuständen

Psychedelic Consciousness, London.

treibt die Menschheit seit jeher an.

Mit den Lucy's-Autoren Christian

Im Mittelpunkt dieser Ausstellung

Rätsch, Claudia Müller-Ebeling,

stehen die Rolle und die Darstellung

Giorgio Samorini, Torsten Passie uvm.

der Ekstase in der Kunst der

31. Mai  – 2. Juni 2019

Moderne und der Gegenwart.

World Ayahuasca Conference

Zentrum Paul Klee, Bern

Konferenz des International Center

www.zpk.org

for Ethnobotanical Education

www.breakingconvention.co.uk

(ICEERS) in Girona, Spanien.

23.–25. August 2019

www.ayaconference.com

CannaFair Düsseldorf

Leser-Service: 10 % Rabatt auf Ticket

Erste Ausgabe der Hanfmesse im

für Lucy's-Leser mit Code «LUCYS10»

Ruhrgebiet in der Mitsubishi Electric Halle Düsseldorf.

13. Mai 2019 Jeremy Narby:

21.-23. Juni 2019

Psychedelic Plant

Mary-Jane-Hanfmesse

www.cannafair.nrw

Größte deutsche Cannabis-

Teachers

messe in der Arena Berlin

Vortrag des

mit über 250 Ausstellern.

Anthropologen und Autors in der Universität Zürich, Hörsaal KOL-F-118, 18.30–19.45

5. September 2019 23.-24. Mai 2019

www.maryjane-berlin.com

PalaisPopulaire PalaisTalk zum Thema LSD im

12. Juli 2019

Rahmen der Ausstellung «Summer of

Psychedelischer Vortragsabend

Love» (vom 20.6.-28.10.), 19–21 Uhr,

Christian Rätsch und

Unter den Linden 5, 10117 Berlin

The Exploring Psychedelics

Claudia Müller-Ebeling

www.palaispopulaire.de

Conference

Universität Marburg, 19.30 Uhr.

Kostenlose und öffentliche Konferenz

www.hipf-marburg.de

5.-7. September 2019 Insight Conference

(Eintritt frei!). Southern Oregon

13. Juli 2019

Wissenschaftliches Symposium der

Reggae im Hanffeld, Steinheim

MIND Foundation, Langenbeck-

Am 25. Mai folgt das Filmfestival

Open-Air-Konzert und

Virchow Haus, Berlin-Mitte

Psychedelic Documentary Film Fest

Informationsveranstaltung

mind-foundation.org/insight2019-

in Jackson Wellsprings, das zum

rund um das Thema Hanf.

international-conference-berlin

Kongress gehört.

www.reggae-im-hanffeld.de

University, Ashland, Oregon, USA.

www.exploring-psychedelics.org

26.– 28. Juli 2019

11.–13. Oktober 2019 Cultiva Hanfmesse Österreich

17.–19. Mai 2019

Cannabis XXL

11. Auflage einer der größten und

CannaTrade Hanfmesse

Hanfmesse

schönsten Cannabismessen im

Europas älteste Cannabismesse in

Münchener

deutschsprachigen Raum in der

Zürich-Oerlikon inkl. CannaSwissCup.

Cannabis­messe

Eventpyramide Wien-Vösendorf.

www.cannatrade.ch

mit Schwerpunkt

www.cultiva.at

auf Cannabismedizin. www.cannabisxxl.com


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L u c y ’s R a u s c h Nr. 9

KLAR TEXT Foto : C h r is H e idr ich

 E I N E K O L U M N E V O N

Ro ger Liggenstor fer

Sind Psychedelika in der Mitte der Gesellschaft angekommen?

S

o l autete der Titel meines Vortrags a n der Fachtagung «Nightlife & Freitzeitdrogenkonsum» Ende Januar 2019 in Luzern. An der Tagung sprach auch der Präsident der Eidgenössischen Kommission für Drogenfragen, Toni Berthel, der die Regulierung und Entkriminalisierung sämtlicher Drogen befürwortet. Die Abkehr von der gescheiterten Repressionspolitik wird heute immer populärer. Doch wie gestaltet man einen regulierten, sprich legalen Markt? Wo werden Steuern erhoben, wie hält man den Jugendschutz ein, wer übernimmt den Verkauf – Apotheken, Fachgeschäfte oder der freie Markt? In den finstersten Jahren der Prohibition lösten die drei Buchstaben L S D bei vielen Leuten, die diese Substanz nie eingenommen hatten, buchstäblich psychotisches Verhalten aus, wie Timothy Leary es einmal treffend ausdrückte. Tatsächlich waren die «Yellow Sun­shine»-Trips von damals viel stärker als die LSD-Pappen von heute. Mehrere hundert Mikrogramm pro Trip waren durchaus normal. Dass also der eine oder die andere einen schlechten Trip erwischte und «hängenblieb», kam aufgrund der prohibitionsbedingten Unwissenheit durchaus vor. Die Schreckensgeschichten wurden so lange wiederholt, bis der Durchschnitts­ bürger sie glaubte – und bekanntlich bleibt das Negative länger in den Köpfen. Heute vergeht kaum ein Tag ohne Berichte zum Einsatz von Psychedelika bei Depressionen oder bei der Behandlung von Angstzuständen. Über Microdosing berichten die Mainstream-Medien regelmäßig und rundum positiv, in der Zukunfts­ forschung und an Trend-Instituten sind Psychedelika ebenso ein Thema wie am diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos, wo man notabene über das wirtschaftliche Potenzial diskutierte.

Diese Entwicklung hat einen bitteren Beigeschmack. Als sich die Hippies in den 60er Jahren gegen den Vietnamkrieg auflehnten und sich gesellschaftlichen Zwängen entzogen, galt ihre Lieblingssubstanz LSD als Gefahr für die Gesellschaft, und die Acidheads wurden als Aussteiger kriminalisiert. Heute wird LSD als leistungssteigernde Substanz wieder gesellschaftsfähig, und MDMA, eben noch als Partydroge verteufelt, darf traumatisierten Soldaten nun als Heilmittel verabreicht werden. Da ist mir der Flower-Power-Slogan ‚Drop Acid not Bombs’ doch nach wie vor lieber. Die positive Berichterstattung animiert viele, die noch nie (oder schon lange nicht mehr) psychoaktive Drogen konsumiert haben, zum Ausprobieren. Auch CBD ist durchaus ein Türöffner für einen vernünftigen Konsum. Leute, die niemals «gefährliches Marihuana» konsumieren würden, kaufen am Kiosk THC-arme und CBD-reiche Tabakersatzprodukte; das leichte High bekommt ihnen offenbar ganz gut. Psychedelika sind also tatsächlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die nüchterne Auseinandersetzung in den Medien, die Publikationen großer Verlage und die vermehrte Zulassung psyche­ delischer Forschung durch die Behörden – das alles sind positive Signale. Trotzdem ist es noch ein schwieriger und langer Weg, bis psychoaktive Sub­ stanzen den Platz in unserer Gesellschaft erhalten, der ihnen gebührt: dass jeder erwachsene Mensch die Freiheit bekommt, sich mit den Sub­stanzen zu berauschen, die er bevorzugt, gekauft im Fachgeschäft mit den nötigen Produkthinweisen, den erforderlichen Warnungen und zu einem vernünftigen Preis. Bleibt zu hoffen, dass wir dies nicht nur als schöne Theorie an Fachtagungen hören, sondern bald auch als reale Praxis erleben dürfen. 

Die Abkehr von der Repressionspolitik wird immer populärer.


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Psychedelic Science NEWS Molekularbiologe Linus Naumann berichtet über die neuesten Erkenntnisse und aktuellen Fragestellungen aus der weltweiten wissenschaftlichen Erforschung psychedelischer Substanzen und Organismen.

Mystische Erfahrungen als wichtiger Bestandteil psychedelischer Heilung Immer mehr wissenschaftliche Studien belegen die Wirksamkeit von psychedelischen Substanzen bei der Behandlung von seelischen Leiden wie Depression, Angst oder Sucht. Die psychedelische Psychotherapie arbeitet hierbei, im Rahmen einer ansonsten konventionellen Psychotherapie, mit zusätzlichen psychedelischen Erfahrungen. Dadurch sollen die Patienten neue und heilsame Perspektiven für ihr Leben erhalten. In einer 2017 vom Neurowissenschaftler Robin Carhart-Harris veröffentlichten Pilotstudie konnten mit Hilfe von psilocybingestützter Psychotherapie insgesamt neun von zwanzig schwer

Für Teilnehmer mit einer mystischen Erfahrung betrug die Heilungschance über 80 Prozent. depressiven Menschen für mindestens sechs Wochen von ihrer Depression befreit werden. Doch woran lag es, dass manche Patienten durch die Behandlung geheilt wurden und andere nicht? Um eine Antwort zu finden, untersuchten die Autoren der Studie nun die von den Studienteilnehmern ausgefüllten Fragebögen und verglichen die Antworten mit den Therapieerfolgen. Vor und nach den psychedelischen Behandlungen gaben die Patienten Auskunft über ihre Glücks- oder Angstgefühle während des Rauschs sowie über die Intensität der visuellen und auditiven Effekte und das Erleben von «mystischen Erfahrungen». Gemäß Definition der Autoren mussten die Probanden für eine vollständige mystische Erfahrung ein Gefühl der Einheit mit allen Dingen erfahren, eine Auflösung von Raum und Zeit, ein Gefühl von Wunder gegenüber der Welt und bedeutsame persönliche psychologische oder philosophische Einsichten.

10

Einheitserfahrung

Spirituelle Erfahrung

Erfahrung von Angst

5

0

Teilnehmer:

mit Therapieerfolg

ohne Therapieerfolg

Die für einen Therapieerfolg wichtigsten Faktoren stellten sich klar heraus: Studienteilnehmer, die eine mystische Erfahrung erlebten, hatten eine über 80-prozentige Chance auf Heilung ihrer Depression. Ohne vollständige mystische Erfahrung betrug diese Chance nur etwa 50 Prozent. Besonders gute Therapieerfolge zeigten sich bei Probanden, bei denen die mystische Erfahrung mit starken Glücksgefühlen verbunden war. Nicht aufgelöste angstvolle Gefühle wirkten sich nachteilig auf die Heilungschancen aus. Keinen Einfluss auf die Heilung hatten ausgerechnet die so oft als Kernmerkmal der psychedelischen Erfahrung genannten visuellen und auditiven Effekte. Bei keinem der Probanden verschlimmerten sich die Symp­ tome der Depression durch die Therapie. Die Autoren sehen in diesen Ergebnissen einen klaren Hinweis dafür, dass psychedelische Heilverfahren nicht nur pharmakologisch verstanden werden können. Die Einnahme einer Substanz allein führt nicht zum Heilungserfolg. In dieser Therapieform steht dagegen das persönliche Erleben der Patienten im Vordergrund. Weitere Forschung soll genauer klären, welche Erfahrungsinhalte essenziell für den Erfolg der psychedelischen Therapie sind. Möglicherweise wichtige Erfahrungsinhalte wurden in dieser Studie nicht abgefragt, beispielsweise wie stark das Gefühl war, Probleme «loszulassen», ob die Probanden unterdrückten Gefühlen Raum geben konnten oder welche Rolle die Musik und die therapeutische Nachbereitung der Erfahrungen spielten. Roseman et al. (2018): Quality of Acute Psychedelic Experience Predicts Therapeutic Efficacy of Psilocybin for Treatment-Resistant Depression. Frontiers of Pharmacology


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Lucy’s Rausch N r . 9

Mikrodosierte Psychedelika können die Leistungsfähigkeit erhöhen In Medien, Blogs und Internetforen berichten Es zeigte sich allerdings keine nennenswerte Steigeimmer mehr Nutzer von ihren Erfahrungen mit rung der Kreativität oder des allgemeinen WohlbeMicrodosing, bei dem extrem geringe Dosierungen findens. Zudem ergab sich eine leicht erhöhte Reizpsychedelischer Substanzen wie LSD oder Psilo­ barkeit, was die Folge einer allgemein erhöhten cybin verwendet werden, um die AufmerkEmotionalität sein könnte. Obwohl die samkeit, Kreativität und Leistungsmeisten Probanden die Mikrodosiefähigkeit zu erhöhen. Um den rungen als nicht besonders Inhalt dieser Anekdoten kritisch bedeutungsvoll oder spirituell zu hinterfragen, führten nun empfanden, gaben dennoch die australischen Forscher sechs von ihnen an, die Vince Polito und Richard J. Erfahrung gehöre zu den Stevenson die erste gröfünf bedeutungsvollsten ßere Pilotstudie zum ihres Lebens. Thema Microdosing durch. Die Ergebnisse dieser Dazu rekrutierten sie etwa Studie legen die Wirksam100 Teilnehmer, von denen keit des Mikrodosierens, insgesamt 63 (14 Frauen, 49 wenigstens am Tag der EinMänner) die sechswöchige Stunahme, nahe. Einerseits widerFoto: C. Hume / Unsplash die komplett abschlossen. In dieser sprechen die Ergebnisse den AnekZeit sollten sie zweimal wöchentlich doten, die von tagelangen Effekten Mikrodosierungen von eigenen psychedelischen berichten. Zumindest die empfundene ProduktiSubstanzen einnehmen und täglich einen kurzen vität der Teilnehmer war allerdings tatsächlich bis Fragebogen ausfüllen. Darin wurden sie unter zu zwei Tage nach den Mikrodosierungen erhöht. anderem zu ihrer Kreativität, Aufmerksamkeit und Produktivität befragt. Außerdem wurden sowohl vor als auch nach den sechs Studienwochen ausführliche Persönlichkeitstests durchgeführt. Jeweils etwa die Hälfte der Probanden mikrodosierte mit LSD (im Schnitt 14 µg pro Einnahme) oder mit Zauberpilzen (etwa 0,3 g, getrocknet). Seltener wurden der meskalinhaltige Kaktus San Pedro sowie verschiedenste andere Psychedelika wie DOB und 4-HO-MET genutzt. Zudem ließen sich im Verlauf der gesamten Studie Die Auswertung der täglichen Fragebögen statistisch signifikante, zumeist positive Verändeergab eine signifikante Erhöhung der Konzentrati- rungen bei den Teilnehmern feststellen. onsfähigkeit, Glücksgefühle, Verbundenheitsgefühle, Da es sich nur um eine Pilotstudie handelt, Kreativität und Produktivität an den Tagen der Mik- müssen bei der Interpretation einige Eingrenzungen rodosierungen. Beinahe alle Effekte hielten jedoch beachtet werden. So enthält diese Studie keine Planur am Tag der Einnahme an und waren bereits am cebokontrolle, und die eingenommenen Substanzfolgenden Tag nicht mehr nachweisbar. Lediglich die mengen basierten auf Schätzungen der Studienteilselbst eingeschätzte Produktivität war im Schnitt nehmer, die nicht unabhängig überprüft werden bis zu zwei Tage lang erhöht. Die ausführlichen Per- können. Aufgrund der dennoch vielversprechenden sönlichkeitstests zeigten jedoch auch einige Lang- Ergebnisse sind bereits weitere und größere Studien zeiteffekte über den Verlauf der sechs Wochen auf. zum Thema Mikrodosierungen gestartet. So wurde eine signifikante Verbesserung von Depres- Polito & Stevenson (2018): A Systematic Study Of Microdosing. sion, Stress und Konzentrationsfähigkeit festgestellt. Preprint: 7. Februar 2019

Konzentrationsfähigkeit, Glücksgefühle, Kreativität und Produktivität wurden signifikant erhöht.


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Psychedelic Science NEWS

Foto: Geralt / Pixabay

LSD unterdrĂźckt Gehirnregionen der Selbstwahrnehmung


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Lucy’s Rausch N r . 9

Vergleich von mystischen Erfahrungen zwischen Psilocybin und 5-MeO-DMT

Foto: Greg Rakozy / Unsplash


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Lucy‘s Rausch Nr.9

Rausch Eine nüchterne Betrachtung quer durch die Kulturen TEXT

E

Jeremy Narby

nglisch ist normalerweise eine ziemlich gute Sprache, doch wenn es um «Rausch» geht, ist sie weniger gut. Wenn man im Wörterbuch nachsieht, findet man intoxication, aus dem lateinischen toxicum, Gift, Geschenk auf Deutsch. Aber Rausch ist nicht giftig. Die Anthropologen sagen immer, dass Kultur wichtig ist; in diesem Fall widerspiegeln die Worte, die uns zur Verfügung stehen, die Werte unserer Kultur, und sie beschränken auch die Art und Weise, wie wir über die Dinge denken. «Rausch» ist ein gutes Wort. Es kommt aus dem mittelhochdeutschen riuschen, das heißt «ungestüme Bewegung», und aus dem proto-germanischen ruskona für «stürmen, ein Geräusch machen». «Rausch» bezieht sich nicht auf «Gift», sondern auf Bewegung und Klang (Rauschen = Geräusch). Das Wort «Rausch» zeigt, dass es eine enge Verbindung zwischen den Begriffen des akustischen Rauschens, des Rausches und des intensiven Vergnügens gibt. Ein weiteres Wort, das zur Übersetzung von «Rausch» verwendet wird, ist inebriation, was auch «Trunkenheit» bedeutet. Inebriation kommt vom lateinischen ebrius, das wiederum von der protoindoeuropäischen Wurzel *h₁egwh- für «trinken» stammt. Ebrius bedeutet «betrunken», seine zweite Bedeutung ist «voll», wie ein Bauch voller Wein. Ebrius ist das, was man ist, wenn man viel Wein getrunken hat. Der Kopf dreht sich. Ebrius ist die Wurzel des französischen Wortes ivresse. Es gibt alle möglichen Arten der ivresse,

Dinge, die den Kopf verdrehen. Liebe, Sex, Macht, Musik und sogar Wut können alle eine bildhafte ivresse hervorrufen, was hier bedeutet, «außer sich geraten (unter dem Einfluss einer starken Emotion)». Wenn man in Peru über den Rausch spricht, den Ayahuasca hervorbringt, nennt man ihn mareacion, von mareo, Schwindel oder Seekrankheit. Es ist, als ob der Kopf sich wegen der Seekrankheit dreht. Das ist nicht das gleiche Wort wie borracho, was soviel bedeutet wie von Alkohol betrunken. Es gibt also verschiedene Arten, über Rausch nachzudenken und ihn zu benennen – das englische Wort rush hat

Wenn sich der Kopf dreht, gibt es ein Rauschen, ein Sausen, ein Geräusch. die gleiche Wurzel wie das deutsche Rausch. Wenn sich also der Kopf dreht, gibt es ein Rauschen, ein Sausen, ein Geräusch im Kopf. Wissenschaftler könnten sich auf einen «veränderten Bewusstseinszustand» beziehen. Das mag wissenschaftlich klingen, aber es ist nicht ganz unproblematisch. Bewusstsein ist ein notorisch glattes Thema, und «verändertes Bewusstsein» umso mehr. Am häufigsten bezieht sich das Wort «Rausch» auf Alkohol. Aber es gibt viele verschiedene Pflanzen und Substanzen, die alle ihre eigene Art von Rausch hervorrufen: Tabak, Opium, Canna­bis, Pilze, Datura.


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Statue des entrückten aztekischen Gotts Xochipilli ( 16.Jh.). Der Sockel ist mit Ornamenten von psychoaktiven Pflanzen verziert, etwa Pilzen, Tabak und Ololiuqui.  Foto: Antony Stanley

Außerdem hat es sich herausgestellt, dass jede dieser Substanzen ihre eigenen Wirkungsmechanismen im Gehirn hat; es ist interessant, etwas darüber zu erfahren. Alkohol als Naturprodukt Ich werde mich jedoch nicht mit Kokain oder Kokablättern beschäftigen, da ich nicht der Ansicht bin, dass sie in Bezug auf Rausch relevant sind oder den Kopf verdrehen können. Sie sind vielmehr darauf ausgerichtet, einen Zustand der Klarheit zu verstärken – oder etwas, das wie Klarheit aussieht. Zunächst möchte ich in der Zeit zurückgehen. Nicht nur der Mensch konsumiert seit langer Zeit Alkohol, sondern auch die Tiere. Fermentierte Frücht zu essen ist der einfachste Weg zur Trunkenheit. Wein entsteht von selbst. Maniok-­ Wein entsteht, wenn der in Früch- Blüte   ten enthaltene Zucker durch Gärung zu Alkohol wird. Mit der Zeit vergärt der in den Früchten enthaltene Zucker, denn ein mikroskopisch kleiner Pilz – die Hefe – verzehrt den Zucker und scheidet Kohlendioxid und Ethanol aus. Fermentierte Früchte sind leichter zu verdauen und haben antiseptische Eigenschaften, die Mikroben abwehren. Tatsächlich produziert Hefe Ethanol, um andere Mikroben zu töten, die mit ihr um den Zucker in der Frucht konkurrieren. Ethanol hat also eine antimikrobielle Wirkung – und Hefe produziert zudem Nährstoffe, wie beispielsweise B-Vitamine.

Laut Genforschern entwickelte vor ungefähr 12 Millionen Jahren ein gemeinsamer Vorfahre von uns und den afrikanischen Affen eine Genmutation, die es ermöglichte, Ethanol 40-mal schneller zu verdauen. Es scheint, dass unsere direkten Vorfahren schon seit einiger Zeit alkoholisierte Früchte genossen haben. Im Gegensatz zu Wein kommt Bier nicht von Natur aus vor. Es handelt sich um eine relativ junge menschliche Erfindung. Dabei nimmt man Getreide oder Wurzeln und zerlegt ihre Stärke in Zucker, meist durch Kochen. Dieser Zucker wird dann durch Hefe fermentiert, und das entstandene fermentierte Getränk enthält Ethanol und Nährstoffe. So stellen indigene Frauen heutzutage im Amazonasgebiet Maniok-Bier her: Sie kochen Maniok, eine Knolle wie eine Kartoffel, dann verarbeiten sie es zu einem Püree, das sie kauen. Durch das Kauen werden Enzyme hinzugefügt, die im menschlichen Speichel vorhanden sind und die wiederum die Stärke in fermentierbaren Zucker zerle-

Zufällig leben wir in einer Kultur, die dem Alkohol einen hohen Stellenwert beimisst. gen. Das so entstandene Bier ist wie eine leicht fermentierte Kartoffelsuppe, eine Art flüssiges Brot, das Kalorien, Feuchtigkeit und lebenswichtige Vitamine liefert – und wenn es gut fermentiert ist, leicht bedu­ selt macht. Die Ashaninka, bei denen ich lebte, waren überzeugt, dass man von Maniokbier, Fisch und Kokablättern leben könnte. Es stimmt, dass Kokablätter viele essentielle Mineralien, Vitamine (A, B, C und E) und Proteine enthalten. Aber das ist nicht der Punkt. Ich kann nur sagen, um sich mit Maniok-Bier zu betrinken, braucht man wirklich einen Bauch voll davon. Ethanol und Dopamin Ethanol bewirkt, dass wir uns gut fühlen, denn es hilft, Serotonin, Dopamin und Endorphine im Gehirn freizusetzen. Das sind chemische Stoffe, die dafür sorgen, dass wir uns glücklich und weniger ängstlich fühlen. Ethanol ist sowohl ein dämpfendes }


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Luc y’s Rau sch Nr. 9

Coustos Psychedelikatessen Hans Cousto ist Sachbuchautor, Musikwissenschaftler und Mitbegründer von Eve&Rave Berlin.

Cannabis – Medikament und Genussmittel

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annabis ist in den USA in mehr als der Hälfte der Bundesstaaten als Medizin zugelassen. In Bundesstaaten ohne legale Abgabestellen für medizinisches Cannabis (medical marijuana dispensaries) werden deutlich mehr Mittel gegen Schlafstörungen, Psychosen, Angstzustände, Übelkeit, Schmerzen, Depressionen und Krampfanfälle verschrieben als in Bundesstaaten, in denen es solche Abgabestellen gibt. Und in Bundesstaaten, in denen Cannabis als Medizin zugelassen ist, gibt es durchschnittlich um ein Viertel weniger Todesfälle durch Überdosierungen mit ärztlich verschriebenen Opioiden (Schmerzmitteln) als in Bundesstaaten, in denen Cannabis als Medizin nicht verfügbar ist. Aus diesem Grund haben einige Pharmaunternehmen in den USA kräftig in ihre Werbung investiert und mit bedenk­ lichen Methoden Ärzte dazu animiert, ihren Patienten vermehrt synthetische Opioide zu verschreiben. Die Folgen waren verheerend, wie die Statistik zeigt: Die USA haben 328 Millionen Einwohner; im Jahr 2017 gab es in den USA 72 300 Drogentote. Das sind 220,4 Drogentote pro Million Einwohner. Deutschland hat 82 Millionen Einwohner; im Jahr 2017 gab es in Deutschland 1272 Drogentote. Das sind 15,5 Drogentote pro Million Einwohner. In den USA gibt es also über 14 Mal mehr Drogentote als in Deutschland, unter anderem deshalb, weil das Schmerzmittel Oxycontin der Firma Purdue Pharma fahrlässig und viel zu häufig verschrieben wird. In Deutschland sind seit dem 10. März 2017 Cannabisblüten als Medikament zugelassen und verschreibungsfähig. Gemäß Gesetz haben die Krankenkassen die Kosten zu übernehmen, was sie jedoch nur in etwa zwei Drittel der Fälle tun. Für etliche Patienten ist daher der Zugang zu ihrem Medikament immer noch sehr beschwerlich. Für mehrere Zehntausend weitere Patienten hat das

Gesetz hingegen eine deutliche Verbesserung ihrer Lebenssituation bewirkt. Der Kontext, in dem Cannabis diskutiert wird, hat sich durch die Legalisierung als Medizin von Grund auf geändert. Cannabis ist nicht mehr nur ein «böses» Rauschgift, sondern auch eine heilsame Medizin. Und so wird auch die Cannabis-Forschung, die aufgrund der Verbotspolitik jahrzehntelang stark eingeschränkt oder ganz lahmgelegt war, wieder intensiv betrieben. Dabei werden die Wirkungen und Nebenwirkungen der verschiedenen Cannabinoide wie THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) untersucht. Die protektive Wirkung von CBD in Bezug auf die Wirkung von THC ist hier von besonderem Interesse. Das Verhältnis von THC und CBD in einer Cannabiszubereitung ist ausschlaggebend für deren Wirkung, sowohl in medizinischer als auch in hedonistischer Hinsicht. Für unerwünschte Nebenwirkungen beim Genuss von Cannabiszubereitungen ist nicht alleine ein sehr hoher THC-Gehalt entscheidend, sondern auch ein sehr niedriger CBD-Gehalt. Für die Verträglichkeit von Haschisch und Gras ist das Verhältnis von THC zu CBD (Ratio) relevant. Ein hoher CBD-Anteil respektive eine niedrige THC-CBD-Ratio wirkt entspannend, ohne die THC-Wirkung zu beeinträchtigen. Die durch das CBD bewirkte Entspannung erhöht den Genuss und vermindert das Craving (Substanzverlangen). Bei einer künftigen Legalisierung oder Regulierung des Cannabismarktes sind somit nicht nur die THC-Gehalte, sondern auch die CBD-Gehalte zu berücksichtigen, und auf allen Produkten sollten Angaben zu diesen und weiteren Cannabinoiden vermerkt werden. Auch in diesem Sinne wäre eine Legalisierung ein wichtiger Beitrag zur Schadensminderung. 

Der Kontext, in dem Cannabis diskutiert wird, hat sich durch die Legalisierung als Medizin von Grund auf geändert.


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Ayahuasca, Schamanismus und Philosophie TEXT

Gover t Derix

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or vierzehn Jahren, als ich Ayahuasca, eine Kritik der psychedelischen Vernunft veröf­ fentlichte, dämmerte mir schon, dass die Zeit dafür nicht reif war. Als ein Exemplar der deut­ schen Übersetzung bei einem Treffen von Herausge­ bern und Philosophen in Frankfurt von Hand zu Hand ging, nannte Peter Sloterdijk es spöttisch «das Jointbuch». Noch heute ist es kein leichtes Unter­ fangen, den Schamanentee Ayahuasca in die Welt der Philosophie einzuführen, ohne dass man als Hip­ pie bezeichnet wird. Eine gewisse Art Philosoph galt seit alters her als Narr, Tor oder Rufer in der Wüste. Angefangen bei Diogenes von Sinope (der am hell­ lichten Tag im antiken Athen mit einer Laterne nach Menschen suchte) bis hin zu Nietzsche (der einen Irren auf dem Markt nach Gott suchen und ihn für tot erklären ließ) ist die Philosophie durchzogen von Narren und Toren. Auch ohne Ayahuasca geht es in der Philosophie oft verrückt zu. Was also, wenn sich Philosophen dem nach Meinung mancher Leute psychedelischsten Mittel überhaupt hingeben? Was, wenn sie nicht nur spe­ kulieren über die Bedeutung des Wortes «psyche­ delisch» (was wörtlich ungefähr «Offenbarung des Psychischen in mir» bedeutet), sondern diese Offenbarung am eigenen Leib erleben? Vielleicht aufgrund der vagen Vermutung, dass ihr Metier einst im griechischen Delphi unter dem Einfluss halluzinogener Gase aus den Orakel­ sprüchen einer mysteriösen Frau geboren wurde. Und aufgrund der Einsicht, dass die Losung am Ort des Geschehens, dem Apollotempel, seither der Aufruf vieler Philosophen ist: «Erkenne dich selbst!» Gewiss, von Delphi ins Amazonasgebiet, aus dem Ayahuasca kommt, ist es eine weite Reise. Die

Der Apollotempel in Delphi.  Foto: Skyring

Entdeckung, dass Ayahuasca ein Mittel der Selbst­ erkenntnis sein kann, wird dadurch nur noch faszi­ nierender. Ebenso wie Thomas von Aquin im Mittel­ alter dafür eintrat, dass die Philosophie die Magd der Theologie sein müsse, behaupte ich, dass Ayahuasca ein Verbündeter der Philosophie sein kann, um Fragen und Lagen anzubohren, die die übliche Rationalität meist nicht ins Bild aufnimmt. Ayahuasca bedeutet soviel wie «Wein der Seele» und wird auch «die Ranke des kleinen Todes» oder «die Medizin» genannt; wegen der mitunter heftigen Reaktionen darauf, wie Erbrechen, heißt sie auch «La Purga». Der Tee wird (üblicherweise) aus zwei Pflanzen gebraut. Die MAO-Hemmer aus der Ranke (Yagé) sorgen dafür, dass das Dimethyltrypta­ min (DMT) aus dem Strauch die Blut-Hirn-Schranke passiert, so dass dieses Molekül, das Serotonin stark ähnelt, im Gehirn freies Spiel hat. Viele Menschen beschreiben die Erfahrung als eine Begegnung mit sich selbst: Ayahuasca als ein Spiegel, der zeigt, wer man ist. Nicht selten


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Der Tee macht nicht abhängig, er ist vielmehr eine Droge, die einen von anderen Drogen heilt. wird man schmerzhaft mit Dingen konfrontiert, die man falsch gemacht hat. Überdies verträgt sich Ayahuasca nicht mit Alkohol und anderen Drogen – deshalb wird es in Lateinamerika immer häufiger eingesetzt, um Menschen von ihren Abhängigkeiten zu befreien. Der Tee macht nicht abhängig, er ist vielmehr eine Droge, die einen von anderen Drogen heilt. Viele beschreiben, wie eine einzige Sitzung mit dem Tee der Befreiung viele Jahre Psychotherapie ersetzen kann. Ich selbst nahm mir während Ritualen oft vor, gesünder und besser zu leben. Mir wurde klar, dass es – frei nach Shakespeare – zwischen Himmel und Erde mehr gibt, als ich durch die Philosophie zu begreifen imstande bin. Nachfolgend betrachte ich dieses Mehr aus drei Perspektiven. Ayahuasca als Sehhilfe Bei Immanuel Kant, dem Philosophen der Aufklä­ rung, verkörpert die Einbildungskraft eine Instanz, die Reize aus der Außenwelt mit Formen und Sche­ mata in unserem Kopf (Raum und Zeit, logische Kategorien, Kausalität) verbindet und daraus die Wahrnehmung oder Erfahrung entstehen lässt. Kants berühmte «Kopernikanische Wende» besagt, dass der Mensch sich nicht nach den Dingen rich­ tet, sondern dass sich die Dinge an eine begriffliche Brille anpassen, die wir nicht absetzen können. In meinem Roman Der Schamane von Sevilla nehme ich das wörtlich. Eine der Hauptfiguren spielt mit dem Gedanken an ein Periodensystem der psychedelischen Erfahrungen: Allerlei Mittel statten das Gehirn mit jeweils anderen Brillen aus.

Nahaufnahme einer Banisteriopsis-caapi-Blüte.  Foto: XYZ / Flickr

In der Tat kann es unter psychedelischem Einfluss durchaus geschehen, dass sich die Wahrnehmung von Zeit und Raum wandelt, dass Ursachen und Folgen die Plätze tauschen, dass man Farben schmeckt und Töne sieht (sogenannte synästheti­ sche Erfahrungen). In einem solchen Perioden­ system müsste Ayahuasca an erster Stelle stehen – nicht so sehr als die reinste Sehhilfe, vielmehr als Mittel, das einen von der Brille befreit. Wer Ayahuasca trinkt, sieht, wie die Welt wirklich ist. Eine starke Behauptung. Gewiss, ange­ sichts der Meinung vieler, die Philosophie sei die jahrhundertelange Suche nach der wahren Art der Wirklichkeit. Die Philosophen haben oft erklärt, dass wir zu den Sachen selbst vordringen und den Abgrund zwischen Subjekt und Objekt überbrü­ cken müssen, und gleichzeitig sagen sie, dass die­ ser Abgrund unüberbrückbar ist, dass wir per defi­ nitionem in unseren Auslegungen gefangen sind und dass man über Dinge, von denen man nicht sprechen kann, besser schweigt. Ayahuasca scheint diesen Abgrund sehr wohl zu überbrücken. Quer durch Visionen, fraktale Farbspektakel, verlorengeglaubte Erinnerungen aus Kinderjahren, Ängste und moralische Verfeh­ lungen stellt sich eine strahlend helle Erfahrung }

Banisteriopsis-caapi-Holz, Chacruna-Blätter (Psychotria viridis) und Ayahuasca-Tee.  Foto: 123RF

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Turmbau zu Babel (Wiener Version), 1563, Öl auf Eichenholz, 114 × 155 cm.  Kunsthistorisches Museum Wien

PIETER BRUEGEL Eine Jahrhundertausstellung in Wien TEXT

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Claudia Müller-Ebeling

unst kann berühren und betören, verschrecken und verstören, entzücken und beglücken, faszinieren und schockieren. Und manchmal hinterlässt sie tiefe Spuren in unserem kollektiven Bildgedächtnis – wie die Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren. Seine 1563 und 1567 entstandenen Gemälde prägten unsere Vorstellungen vom Turmbau zu Babel und vom Schlaraffenland. Der »Bauernbruegel« brachte uns erstmals den bäuerlichen Alltag nahe. Er inszenierte als erster das biblische Geschehen in seiner Zeit und Welt. Ihm verdanken wir Landschaften und spielende Kinder im Großformat. Und ohne den »Höllenbruegel« hätten die »Dulle Griet«, Dämonen und verkehrte Welten des Lasters nicht unsere Vorstellungen bevölkert.

Der größte niederländische Maler des 16. Jahrhunderts, der 1569 im Alter von nur 41 Jahren starb, hinterließ in den kurzen zwei Jahrzehnten seiner Schaffenszeit ein überschaubares Oeuvre von Zeichnungen, Stichen und Gemälden. Im Laufe seines kurzen Lebens machte er Zeitgenossen und nachfolgende Generationen auf trügerische Fallen aufmerksam, auf Kurzsichtigkeit, dogmatische Verblendung und kurzfristige Vergnügen, denen wir gerne tiefere Erkenntnisse und das große Ganze opfern – bis heute. Etwa ein Drittel seiner Werke hütet das Kunsthistorische Museum in Wien, das anlässlich seines 450. Todesjahres eine grandiose Jahrhundertausstellung ausrichtete. Bis zum 13. Januar 2019 waren in Wien rund 90 Zeichnungen, Stiche


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Turmbau zu Babel (kleine oder Rotterdamer Version), 1563. Öl auf Eichenholz, 60 × 74,5 cm.  Museum Boijmans van Beuningen 

und Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren zu sehen: eine weltweit erste monographische Gesamtschau mit Werken aus Wien, vielen Museen weltweit und zwei (nahezu unbekannten) Bildern aus Privatsammlungen. Erstmals ermöglichte das Wiener Museum die Gegenüberstellung der beiden Varianten vom Turmbau zu Babel. Topographie des Unbewussten In den 60er und 70er Jahren war das Interesse an Pieter Bruegel groß. Viele erkundeten die Topographie des Unbewussten (dank des tschechischen Psychonauten und Psychiaters Stanislav Grof). Schon Jahrhunderte zuvor hatte der flämische Visionär psychische Räume ausgeleuchtet und dem Unsichtbaren unheimliche, lächerliche und scheiternde Gestalten entlockt. Im Jahre 2019 hat das Plakat ausgedient, und vielen sind Bilder von

Man fragte sich, was dieser Schöpfer visionärer Höllenwelten wohl konsumiert haben mochte. Pieter Bruegel nicht mehr geläufig. Doch in den 70er Jahren war der Höllenbruegel in Plakatständern von Innenstädten allgegenwärtig. Plakate seiner Höllenvisionen zierten die Wände vieler Wohngemeinschaften (WGs). In Duftschwaden von Räucherstäbchen und Haschisch lauschte man den experimentellen sphärischen Klängen von Pink Floyd oder Krautrockbands wie Guru Guru und fragte sich, was dieser niederländische Schöpfer visionärer Höllenwelten wohl konsumiert haben mochte. }


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Mati Klarwein

Chez Sphinx

Öl und Tempera auf Leinwand, 90 x 90 cm, 1974, Privatsammlung Alia Ohana, Paris TEXT

Claudia Müller-Ebeling

Ein rätselhaftes Bild mit Szenen und Schauplätzen diverser Kulturen. Hoch oben, über der Mittelachse der zentralsymmetrischen Komposition, fixieren uns zwei braune Mandelaugen (unter zusammengewachsenen dunklen Augenbrauen) mit hypnotischem Blick. Das frontale weibliche Antlitz zieht uns magisch an. Losgelöst schwebt es in blitzdurchzuckter Himmelsschwärze; umgeben von dickem braunem Haar, durchzogen von feinen Äderungen, die an Farn, Tang oder Korallen erinnern. Unter ihrem Kinn, über einem Horizont mit dunstigen Nebelschwaden, umarmen sich ein schwarzer Mann und eine brünette weiße Frau in einem Tondo mit Spiegelschlieren. Unter dem Dunst breitet sich ein Gehölz nach beiden Seiten aus. In der Mittelachse lodert ein Feuer über Brettern mit spiegelverkehrten Schreibschriftzeilen. Darunter überwölbt baldachinartig ein rotes Tuch den Ausschnitt einer ägyptischen Szenerie mit Palmen und Pyramide an Nilgestaden. Links flankiert eine in weiße Tücher gehüllte Gestalt diesen überraschend freien Ausblick. Neben ihr ein rot gemustertes Tuch über einem simplen Holzgestell. Davor ein hüfthoher schwarzer indischer Stein-Lingam, umgeben von einem weißen Energiefeld, das einen Strahl in immer engeren Windungen bis zum weiblichen Antlitz sendet. Unter der idyllischen Nil-Szenerie klafft ein Grab mit einem menschlichen Gerippe. Rechts davon umarmen sich zwei nackte balinesische Tänzerinnen mit reichem Kopfschmuck mit ihrem männlichen Gefährten. Unter ihnen fließt Milch aus einer Brust als weißes Gerinnsel dem Grabe zu. Die Botschaft des Bildes bleibt dem Betrachter überlassen. Für mich ist es eine Komposition aus den vier Elementen Wasser, Erde, Luft und Feuer, die alle Zonen als knisternde Energie beherrscht: den Himmel und die Luft in Form von Blitzen; den spirituellen Aspekt der geistigen Kultur in Gestalt des indischen Phallus und das von diesem ausgehende Dreieck der Erotik zum Liebespaar oben und zur nackten Dreiergruppe rechts.

Gleichzeitig veranschaulicht Klarweins Sphinx die transformierende erotische Kraft des Lebens, das den Tod mit den Säften der Liebe befruchtet und in schriftlichen Überlieferungen und exemplarischer Architektur – wie der Pyramide, die von den sieben Weltwundern übrig blieb und das genannte Dreieck spiegelt – die Zeiten überdauert. Mati Klarwein malte das Bild 1974. Die vielschichtige interkulturelle Symbolik des Gemäldes reflektiert den damaligen Zeitgeist, die kosmopolitische Biographie des Künstlers und seine unkonventionelle, ironische und provokante Philosophie. Er selbst notierte 1995 diese (ebenso enigmatischen) Zeilen zum Bild: «Nur die Sphinx, dieses perfekt ausgewogene Mischwesen von Mensch und Tier, kann uns entschlüsseln, ob unsere Fragen uns wirklich solide Antworten bescheren oder ob unsere Antworten nicht verkleidete weitere Fragen sind. Aber eine Sphinx heutzutage zu finden ist praktisch unmöglich. Denn rings um uns gibt es entweder nur noch körperlose ‚Hirnis‘ oder hirnlose, allesfressende Biester. Zeig mir eine perfekt ausgewogene Kreatur im Zustand göttlicher Gnade – dann biete ich dir eine Antwort auf all unsere Probleme.» Mati Klarwein (*1932 in Hamburg, † 2002 auf Mallorca), der Sohn des Architekten Ossip Klarwein und der Opernsängerin Elsa Kühne, wanderte 1933 mit seinen jüdischen Eltern nach Palästina aus. Er studierte an der Ecole des Beaux Arts in Paris, reiste viel und verbrachte Jahrzehnte in New York und auf Mallorca. Der Kosmopolit und Rebell Klarwein, ein Schüler von Fernand Légers und von Ernst Fuchs, war durch seine Plattencover für Miles Davis (Bitches Brew), Carlos Santana (Abraxas) und Jon Hassel der «bekannteste unbekannte Künstler». Visionäre Landschaften, die Vorliebe für orientalische Kulturen sowie Erotik, Zeit und Tod bestimmten seine magisch-realistische visionäre Kunst. Dass ihn Erfahrungen mit geistbewegenden Pflanzen und Substanzen inspirierten, ist nicht verwunderlich. www.claudia-mueller-ebeling.de


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Premi um

CANNABIS www.c-green.world


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Essenziell und hoch konzentriert Die hohe Kunst der Cannabis-Extraktion TEXT

N

Michael Knodt

icht nur in den USA und in Kanada werden Cannabis-Konzentrate immer beliebter, auch in Europa erfreuen sie sich einer stetig wachsenden Fangemeinde. Cannabis-Patienten und deren Ärzte schätzen sie, weil sie einfach standardisierbar und gut dosierbar und beim Kochen und Backen gut löslich sind. Freizeitkonsumenten und Patienten schätzen zudem die einfache und nikotinfreie Inhalation mit Vaporizer oder über eine E-Zigarette, bei der weit weniger Inhalat eingeatmet werden muss als beim Rauchen. Dienten den Hippies in den 1970ern noch eine Ketchupflasche und unvergällter Alkohol als Ausrüstung für die ersten Extraktionsversuche, arbeiten die Veredler von heute mit weit fortgeschrittener Technik. In Gegenden, in denen der Anbau von Can­ nabis toleriert wird oder legal ist, dient die Zahl 710 als Code für alles, was mit Cannabis-Extrakten zu tun hat. Dreht man 710 auf den Kopf, liest man «OIL». «710» steht sozusagen für die Sommelier-Variante des Cannabis-Genusses. Neben Wirkung und Geruch stehen Textur, Aroma, Konsistenz und die spezielle Wirkstoffkombination im Vordergrund; es geht weniger um das ultima-

tive High, das bei so hohen Wirkstoffkonzentrationen ohnehin kaum vermeidbar ist. Aber Entwicklung und Fortschritt sind nur dort möglich, wo die Produktion des benötigten Rohstoffs möglich, also im Falle von Cannabis legal oder geduldet, ist. So ist Spanien aufgrund seiner vielen Cannabis-Social-Clubs zum Konzentrat-­ Eldorado Europas geworden. In den Niederlanden hingegen gelten Extrakte laut dem «Opium-Act» als harte Drogen und dürfen von Coffeeshops nicht wie Gras und Hasch verkauft werden. Deshalb ist es in Europa – mit Ausnahme von Spanien  – kaum möglich, abseits vom Schwarzmarkt gute Extrakte zu finden. In Kanada und vielen US-Bundesstaaten hingegen greifen immer mehr Menschen aus den erwähnten Gründen zu hochkonzentrierten Cannabinoiden. Die werden dort meist schon auf indus­ triellem Niveau produziert. Die Hersteller verfügen über staatliche Lizenzen sowie über neueste Technik und Laboratorien. In Spanien und dem Rest Europas wird meist auf viel niedrigerem Niveau produziert, weil weder Cannabis Social Clubs noch illegale Hanfgärtner über eine entsprechende Infrastruktur verfügen. }


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Bufo alvarius

Die Kröte der Liebe und der Erleuchtung

Filip Záruba über seinen wegweisenden Film I N T E RV I E W

D

Markus Berger

er Film Bufo alvarius: The Underground Secret, produziert und realisiert vom tschechischen Regisseur Filip Záruba, dokumentiert die lebensverändernden spirituellen Erfahrungen tschechischer Psychonauten mit dem 5-MeO-DMT-haltigen Sekret der Coloradokröte Bufo alvarius (Syn. Incilius alvarius). Daneben kommentieren Stanislav Grof und der «Kröten­ doktor» Octavio Rettig (der um die Welt reist und Zeremonien mit psychedelischem Krötenschleim anbietet) die transformativen Erlebnisse, die mit dem Amphibien-­ Entheogen bzw. 5-MeO-DMT möglich sind. Bufo alvarius: The Underground Secret (siehe auch Lucy‘s Rausch Nr. 8, Seite 71) erschien am

11. Januar 2018, und damit zum 112. Geburtstag von Albert Hofmann. Der Film in tschechischer Sprache mit englischen Untertiteln (ab Sommer 2019 auch mit deutschen) läuft seit seiner Veröffentlichung in ausgewählten Kinos der Welt und auch im Internet, wo man ihn kostenpflichtig ansehen kann. Wir haben mit Filip Záruba über seine Erfahrungen und seinen Film gesprochen. Bitte erzähl uns ein wenig über deinen Film Bufo alvarius. Was ist die Haupt- und Kernbotschaft deiner Arbeit? Filip Záruba: Der Film gibt Zeugnis vom stärksten bekannten psychedelischen Tryptamin, das in der Natur vorkommt: 5-MeO-DMT, das im Sekret von


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5-MeO-DMT (5-Methoxy-N,N-Dimethyltryptamin)

5-MeO-DMT ist das wichtigste psychoaktive Derivat von Dimethyl­ tryptamin (DMT) und «unterscheidet sich von DMT lediglich durch eine einzige zusätzliche Methylgruppe und ein zusätzliches Sauerstoffatom»

(Strassman 2004: 62). 5-MeO-DMT ist eine blassweiße kristalline Substanz, die in 96-prozentigem Ethanol löslich ist, in Wasser hingegen so gut wie gar nicht. Aus psychonautischer Sicht ist die wichtigste mit DMT verwandte Substanz zweifellos 5-MeO-DMT. Einige Psychedeliker ziehen die 5-MeO-DMT-­ Erfahrung sogar der zwar ähnlichen, insgesamt aber doch andersartigen Erfahrung mit N,N-DMT vor. Das psychedelische Erleben auf 5-MeO-DMT umfasst nicht unbedingt so exorbitante visuelle Sensationen wie bei N,N-DMT. Zwar können auch mit 5-MeO-DMT

visuelle und mystische Erfahrungen gemacht werden. Bei einer psychedelischen Dosis von 20 bis 25 mg (geraucht) erlebt man aber häufig eher ein kristallartiges weißes Licht und eine pure, unbeschreiblich starke, alles umfassende Energie und Urmacht. Mit 5-MeO-DMT gelangt man auf direktem Weg zur Schöpferkraft, zur All-Einheits-Energie, zu Gott, sagen viele, die diese Substanz ernsthaft probiert haben. Aus: Markus Berger: DMT – Forschung, Anwendung, Kultur

Bufo alvarius, der Coloradokröte aus der Sonora-­ bitte keinen wissenschaft­lichen Dokumentarfilm, Wüste, enthalten ist. Er verknüpft die faszinie- es ist eher ein Erlebnisfilm, der versucht, die renden Berichte einer Gruppe tschechischer Psy- Bufo-Erfahrung auf die Zuschauer zu übertragen. chonauten mit persönlichen Statements Die zentrale Botschaft? Die Worte, die man und Storys von Stanislav Grof, einem im Film am häufigsten hört, sind: Liebe der Mitbegründer der transpersonaund universelle Einheit. len Psychologie, und Octavio Rettig, einem modernen Schamanen. Wie bist du auf die Idee gekomOctavio Rettig hat nach seiner men, diesen Film zu machen? eigenen Initiation mit Bufo-Sekret Nach meiner ersten Begegnung mit ein Buch mit dem Titel The Toad of der Bufo-­ Medizin war ich wirklich Dawn («Die Kröte des Erwachens») ergriffen von der Kraft der Erfahrung über seine Erfahrungen und seine und auch von der Tatsache, dass trotz Filip Záruba.   Foto: ZVG persönliche Transformation geschriederen starker Wirkung nur wenige Menben und anschließend schen von diesem Phänomen Tau­senden von Menschen wissen. Das gilt auch für viele aus aller Welt den zeremoRegierungen dieser Welt, die niellen Kontakt mit Bufo diese Substanz bisher kaum alvarius ermöglicht. Für oder gar nicht zur Kenntnis viele ist die Erfahrung le­ genommen haben. So haben bensverändernd. auch nur wenige Länder Ursprünglich hatte 5-MeO-DMT für illegal erklärt, ich vor, diese Erfahrungen einfach filmisch zu weshalb man zurzeit an vielen Orten der Welt dokumentieren, doch dann entwickelte sich das legal damit arbeiten darf. Werk zu einer intensiven Meditation über die Ich kam also zu der Einsicht, dass mehr Natur des Bewusstseins und des Seins an sich. Es Menschen es verdienten, von dieser einzigartigen gibt keine passenden Worte, mit denen sich die Gelegenheit zu erfahren, wie man die Wahrheit Erfahrung mit Bufo alvarius beschreiben ließe. über sich selbst und das Universelle Bewusstsein Aus diesem Grund haben wir uns für ein audiovi- entschlüsseln, sich selbst heilen oder eine Drogensuelles Abenteuer mit ausdrucksstarker Musik und Alkoholabhängigkeit loswerden kann. Und so und 3D-Animationen entschieden, die von per- beschloss ich, einen Film zu drehen. Aus der sönlichen Erfahrungen mit dieser psychedeli- anfänglich geplanten kurzen Reportage entwischen Substanz inspiriert sind. Aber erwartet ckelte sich kontinuierlich eine intensive filmische }

«Der Film versucht, die Bufo-Erfahrung auf die Zuschauer zu übertragen.»


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P SYCH O NAUTIK UND NEUE P SYCHO LO GIE TEXT 

Stanislav Grof

D

ie Neuzeit der Psychonautik begann zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Arthur Heffters Isolierung von Meskalin aus Peyote, gefolgt von der Isolierung von Ibogain aus dem afrikanischen Busch Tabernanthe iboga und Harmalin aus dem syrischen Kraut Peganum harmala. In den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden klinische Experimente mit Meskalin durchgeführt. Die goldene Ära der Psychonautik begann 1943 mit der Entdeckung der psychedelischen Effekte von LSD-25 durch Albert Hofmann. Sein chemischer Kraftakt setzte sich dann mit der Isolierung von Psilocybin und Psilocin, der aktiven Alkaloide aus den «magischen Pilzen der Mazatek-Indianer» und des Monoamids der Lysergsäure (LAE-32) aus den Samen der Prunkwinde (Ololiuqui) fort. Diese neuen psychoaktiven Substanzen inspirierten eine Lawine von Labor- und klinischen Studien. Als

Der Eintritt in holotrope Zustände aktiviert die innere Selbstheilungsintelligenz. sich eine große Bewusstseinsrevolution abzuzeichnen schien, wurde sie abrupt durch unkundige rechtliche und administrative Maßnahmen beendet. Die vier Jahrzehnte, in denen praktisch keine legale Forschung mit Psychedelika möglich war, wurden tatsächlich zu einem wichtigen Kapitel in der Psychonautik – dank halblegaler und illegaler Forschung und Experimente, die zur Herstellung und Erforschung einer ganzen Bandbreite von Entheogenen, Derivaten des Phenethylamins und Tryptamins, führten. Im Umfeld des gegenwärtigen Auflebens der psychedelischen Forschung könnten die durch diese informellen Studien gewonnenen Informationen Anregungen für gesetzlich kontrollierte Studien liefern, wie es bereits mit MDMA geschehen ist. Es ist

zu hoffen, dass wir den Beginn einer weiteren aufregenden Ära der Psychonautik erleben. Psychonautik und Psychologie Die Beweise, dass Bewusstsein kein Produkt des menschlichen Gehirns ist, sondern ein Grundaspekt des Seins, sind überwältigend; das Gehirn vermittelt Bewusstsein, erzeugt es aber nicht. Die menschliche Psyche ist nicht auf die postnatale Biographie und das freudsche individuelle Unbewusste be­ schränkt. Sie enthält zwei weitere Bereiche von entscheidender Bedeutung – den perinatalen, der eng mit dem Trauma der biologischen Geburt verbunden ist, und den transpersonalen, dem Ursprung von Erfahrungen, die über die Begrenzungen von Raum, Zeit und die Reichweite unserer physischen Sinne hinausgehen. Der nächste Bereich, der wesentlich überarbeitet werden muss, umfasst den Ursprung und die Art der emotionalen und psychosomatischen Störungen, die von psychogener Natur sind (ohne biologische Grundlage). Sie stammen nicht aus der Säuglingszeit und der Kindheit; sie haben noch andere, tiefere Wurzeln, die bis zur perinatalen und transpersonalen Ebene reichen. Als positiv ist zu nennen, dass therapeutische Eingriffe auf der Ebene der postnatalen Biographie nicht die einzige Möglichkeit sind, um den klinischen Zustand zu verbessern. Die Rückführung auf die perinatale und transpersonale Ebene in holotropen Zuständen macht hochwirksame Methoden zur Heilung und positiven Persönlichkeitsveränderung verfügbar. Ein weiterer Vorschlag für einen fundamentalen Perspektivenwechsel in der Psychiatrie betrifft die Einstellung zur Spiritualität. Angesichts der Beobachtungen aus holotropen Zuständen ist Spiritualität kein Hinweis auf Aberglaube, primitives magisches Denken, mangelndes wissenschaftliches Wissen oder psychische Erkrankungen, wie von der materia­ listischen Wissenschaft angenommen. Sie ist eine berechtigte Dimension der menschlichen


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Ausschnitt aus Leonardo da Vincis Studien des Fötus im Mutterleib (um 1511). 

Psyche und der Weltordnung. Wenn die Rückführung in holotropen Zuständen bis in perinatale und transpersonale Ebenen zurückreicht, nehmen die Erfahrungen eine neue Qualität an, die C. G. Jung Numinosität nannte. Es ist eine direkte Wahrnehmung der au­ ßergewöhnlichen, jenseitigen Natur des Erlebten. Die interessantesten Erkenntnisse aus holo­tropen Zuständen betreffen die Herangehensweise an die Therapie. Es gibt eine große Anzahl von Psychotherapieschulen, die sich über einige grundlegende Aspekte der Theorie und Therapie nicht einig sind. Infolgedessen stimmen Vertreter der verschiedenen Schulen über die Bedeutung etlicher Themen nicht überein und interpretieren die gleiche Situation unterschiedlich. Die Arbeit mit holotropen Zuständen löst dieses Dilemma, indem sie eine tiefgreifende Alternative bietet. Der Eintritt in diese Zustände aktiviert die innere Selbstheilungsintelligenz, die automatisch auf unbewusstes Material zusteuert, das eine starke emotionale Ladung hat und kurz davor ist, ins Bewusstsein zu treten. Anschließend wird dieses Material spontan zur Bearbeitung an die Oberfläche gebracht.

zeugend, manchmal sogar absurd und lächerlich. Etablierte Psychiater, die auf diese Situation reagierten, warfen das Kind in den Brunnen. Sie gaben schließlich die Suche nach glaubwürdigen Ursachen für emotionale Störungen in der Früh­ge­schichte auf und er­ setzten sie durch den «neokraepelinischen Ansatz», eine reine Symptombeschreibung ohne ätiologische Überlegungen. Mit der Einführung in die Kartographie der Psyche löst der perinatale Bereich auch den Konflikt zwischen Psychiatern, die biologische Erklärungen für emotionale Probleme be­ vorzugen, und solchen, die psychologische Einflüsse hervorheben. Die Geburt ist ein einflussreicher und vielschichtiger Prozess, in dem äußerst intensive Emotionen und körperliche Empfindungen miteinander verschmolzen sind. Postnatale Erfahrungen können dann den einen oder anderen Aspekt dieser Mischung hervorheben, doch auf einer tieferen Ebene stellen sie zwei Seiten derselben Medaille dar. Aus der Beteiligung der transpersonalen Di­mension an der Psychopathologie und ihrer Wechselwirkung mit der perinatalen Ebene lassen sich dann Phänomene erklären, die Spiritualität und Gewalt miteinander verbinden, wie z.B. Flagellantentum oder eine Kombination von Mord und Suizid mit religiösem Ziel. 

Die Geburt ist ein einflussreicher und vielschichtiger Prozess.

Perinataler Einfluss und das Geburtstrauma Aus der Tatsache, dass das Geburtstrauma ein Vorgang ist, der über Leben und Tod entscheidet und im Mittelpunkt emotionaler Störungen steht, er­ klärt sich seine Intensität und Tiefe, die man sonst nicht verstehen kann. Extreme menschliche Verhaltensweisen – zügellose Gewalt, die zu brutalem Mord und Suizid führt – müssen einen Ursprung von vergleichbarer Intensität und Bedeutung haben. Der freudsche Ansatz der Psychopathologie war, obwohl er in die richtige Richtung ging, nicht über-

Auszug aus Stanislav Grof: Der Weg des Psychonauten Enzyklopädie für Reisen in innere Welten Band 1 (Vorwort), Nachtschatten Verlag 2019


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D ER HE R R D E R L SD -B LOT TE R

TEXT

E

  Flann Rombeath

gal, wo man diesen Typen trifft, wenn man sich mit ihm unterhält, gibt es nur ein Thema. Immer wieder hört man von ihm den Satz: «Ich war blind, doch nun kann ich sehen». Diesmal tanzt er zu Freak Out und lächelt dabei. Denn hier auf Camp Rip Widow Rainbow, dem Festival einer kleinen vegetarischen Hippiekommune, ist Mark McCloud zu Hause. Auch wenn er heimlich Steaks grillt. Ein «Versteckspiel» nennt er das und findet es lustig.

Die Szenerie erinnert an den Track «Converting Vegetarians» vom Psytrance-Duo Infected Mushroom; Marks normalerweise scharfer Blick verklärt sich und schweift zurück in die Vergangenheit: Damals war er ein junger Freak, ohne das Politische, ohne Fragen nach Sinn, ohne Interesse an Gesellschaft, ohne den Wunsch, alles besser zu machen. Er lacht. 1966 in den USA in einem Internat in Claremont untergebracht, fast 10 000 Kilometer von zu Hause entfernt, zog es ihn als Achtklässler in den


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psychedelischen Strudel. Er erzählt, wie er mit seinen Buddys nach der Schule Pot rauchte. Oder wie er seiner Jugendliebe auf Meskalin Huxley vorlas – beim Campen. So führt ihn der Besuch des Festivals zurück zu seinen Wurzeln. Damals wie heute ist das Leben ein heilloses Durcheinander – und er mittendrin. Wäre es nach seiner argentinischen Familie aus Buenos Aires gegangen, hätte Mark heute einen Doktortitel. Er war an der Universität von Kalifornien für Psychologie eingeschrieben; später wurde er verstoßen, als er mit knapp 20 verkündete, er würde jetzt doch Kunst studieren. Aber er ließ sich nicht beirren und begegnete 1971 in seinem ersten Kunstseminar an der Universität von Santa Clara Paul Kos’ abstrakten Fiberglas-Skulpturen. Als Mark 1973 wegen des Vietnamkriegs von Präsident Nixon in die US-Armee einberufen wurde, beging er Fahnenflucht und zog nach Paris: Nun war er ein Krimineller – aber immerhin einer, der im Louvre die alten Meister studierte. Erst als ihn Präsident Carter Jahre später begnadigte, kehrte er in die USA zurück und machte den Master in Davis. Kurz darauf brach er das Doktorat ab und zog nach San Francisco, weil nur dort eine Galerie sein Werk ausstellen wollte. Schon da­ mals sammelte er Trips, aber anders als heute sammelte er sie in der Kühltruhe, um sie zu essen, und nicht, um sie zu rahmen. Er lacht, und ich erinnere ihn an die Story von seinem ersten Trip, wie sie im Vice-Magazin zu lesen war: Dort stand, es sei in einem Strandhotel in Santa Barbara passiert, und der Hit sei eine Ladung Acid von der berüchtigten Brotherhood of Eternal Love gewesen, die das Ziel hatte, durch LSD eine spirituelle Gesellschaft zu schaffen. Auch wenn seit damals 50 Jahre vergangen sind, er nimmt den Faden auf, scheint sich noch genau zu erinnern, grinst wie ein alt gewordener Kater, nur um gleich darauf den Kopf zu schütteln. Tja, da hat er also geflunkert. Denn in Wirklichkeit war alles ganz anders. Seinen ersten Trip erhielt er an der Stanford University, und der Dealer sei in anderer Position zu bekannt, als dass er ihn mit der Geschichte in Vice hätte bloßstellen wollen. Trotzdem war der Trip in Santa Barbara real, wie er versichert, wenn es auch nicht der erste war – und er kam von der Brotherhood, denn Mark war dabei: Haight-Ashbury, Vietnam, Summer of Love, Leary,

Mark in seiner Hippiezeit.  Foto: ZVG

LSD und Paris. Wenn man es zulässt, nimmt er einen beharrlich mit zurück in diese Zeit, mit viel Witz und einer Gabe fürs Erzählen, so dass man sich fragt, warum er keine Bücher schreibt und sich selbst als eher visuellen Charakter begreift. Also weshalb keine Bücher? Oder psychedelische Filme wie Alejandro Jodorowsky oder psychedelische Musik wie Grace Slick? Warum Blotter? Er meint, er habe nur getan, was viele tun: sich inspirieren lassen und dann nach einer Ausdrucksform suchen. Bei ihm ist es eben ein grafisches Produkt, Kunst als haptischer Träger des Geistes. Eine Hostie – wie eine Metapher – die Substanz, welche die Seele erfahrbar macht. Die reale sinnlich erfahrene Wirklichkeit auf Papier, die visuelle Wahrheit von LSD als Blotter ist Marks Thema. Und warum? Weil er zuerst sehen konnte und erst später hörte. Die Bilder waren bei ihm vor den Tönen vorhanden. Er konnte das Universum sehen, lange bevor sich ihm 1972 mit Isaac Hayes’ «Superfly» auch die Stimme des Kosmos offenbarte: «Ich habe die totale Einheit aller Dinge schon hundertmal gesehen, bevor ich sie zum erstenmal hörte, und als ich sie dann schließlich auch hören konnte, da dachte ich: Ah, so klingt das also!» Manche können es sehen, manche können es hören, in wieder anderen leuchtet die Idee. Jeder hat seinen bevorzugten Kanal. Darüber sprachen wir, als ich Mark zum ersten Mal in San Francisco in seinem Institute of Illegal Images besuchte. Und doch kamen weder meine Frau noch ich wirklich zu Wort. Schon von weitem sahen wir ihn vor dem Haus stehen; wir hatten nicht gewusst, wie er aussah, doch wir erkannten ihn sofort. Es war um die Mittagszeit. Als wir näher kamen, huschte er ins Haus, ließ aber die }}


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6 6   D E R H E R R D E R B L OT T E R – M A R K M C C L O U D


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MT, 5-MeO-DMT und anderen Molekülen.

kstoffe sind weltweit in Pilzarten diver-

ungen zu finden und begleiten den Men-

chon sehr lange auf seiner Suche nach

d Spiritualität. Durch die Arbeit der mexi-

en Curandera (Heilerin) Maria Sabina und

ründers der Ethnomykologie, R. Gordon

, wurden die Psilocybin bildenden Pilze

chedelische Katalysatoren bekannt. Sie

n auch heute immer mehr an Bedeutung

sychonautischen wie auch in der medizin-

Neue Arten, ihre Entdeckung und Anwendung

SMA R T

Plu s

Anwendung.

Psilocybin-Pilze

Psylocybin-Pilze

in und Psilocin sind hochpotente natürli-

ptamin-Psychedelika und enge Verwand-

Jochen Gartz

Jochen Gartz

s Buch porträtiert neu entdeckte ybin-Pilze, deren Geschichte, mmen, Anwendungsmöglichkeiten, sche Beschaffenheit und mehr.

Neue Arten, ihre Entdeckung und Anwendung

MEDIATHEK

ISBN 978-3-03788-535-2

SmartBook Plus zu Psilo-Pilzen Jochen Gartz ist Chemi­ ker und Mykologe aus Leipzig. Er hat viele Jahre intensiv zu psychoaktiven Pilzen geforscht und viele davon selbst entdeckt und beschrieben. Aus seiner Arbeit resultierten Standardwerke der Psilocybin-Pilzkunde und zahlreiche wissenschaftli­ che Abhandlungen. Sein neuestes Buch, eine ins Deutsche übertragene und erweiterte Ausgabe des Werks Psychoactive indole alkaloids in higher fungi. New species and perspectives (siehe Lucy’s Rausch Nr. 7), präsentiert eine Übersicht über die von Gartz selbst bestimm­ ten Psilocybin-Pilze – geordnet nach Gattungen und Wuchsmedien. Jochen Gartz Psilocybin-Pilze Nachtschatten Verlag 2019 ISBN 978-3-03788-568-0

Schlaglicht Neue Psychoaktive Substanzen Allen, die sich für die neuen psychotro­ pen Stoffe (synthetische Cannabinoide, Phenethylamine, Tryptamine, Benzo­ diazepine, Opioide etc.) interessieren, sei dieser englischsprachige Band wärmstens empfohlen – eine Anthologie mit Beiträgen von zwölf Autoren, die eine aktuelle Analyse der sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen des NPS-Konsums liefern. Welche Risiken gehen für die Gesundheitssysteme von den NPS aus? Wie sollen die Gesetzgeber in den verschiedenen Ländern mit dem Phänomen umgehen? Wie reagieren Justiz und Staatsgewalten auf die Verbreitung dieser Substanzen? Und welche Fragen hat die Wissenschaft in Sachen NPS zu beantworten? Auf all diese Themen und viele mehr geht der Hardcover-Band auf 178 Seiten detailliert ein. Tipp der Redaktion!

Ì

Ornella Corazza und Andres Roman-Urrestarazu (Hg.) Novel Psychoactive Substances – Policy, Economics and Drug Regulation Springer 2017 ISBN: 978-3-319-60599-9

Psychedelik-Bestseller auf Deutsch Der US-Amerikaner Michael Pollan ist erfolgreicher Journalist und Literat. Sein Buch über die psychedelische Renaissance How to Change Your Mind – The New Science of Psychedelics erschien 2018 und wurde direkt zum Bestseller im amerikanischen Mainstream – ein eindrücklicher Erfolg. Seit Ende Januar liegt nun die 450-seitige Übersetzung der englischsprachigen Originalausgabe vor: Verändere dein Bewusstsein hat das Potenzial, die psychedelische Kultur auch im deutschsprachigen Raum erneut zu etablieren. Zwar ist Pollan nicht gerade Experte auf dem Gebiet; seine Bekannt­ heit könnte allerdings dazu führen, dass sich plötzlich auch Menschen mit der Psychedelik befassen, die bislang keinen Zugang dazu fanden.

Michael Pollan Verändere dein Bewusstsein Verlag Antje Kunstmann 2019 ISBN: 978-3-95614-288-8


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MEDIATHEK

Shulgins PiHKAL auf Deutsch Max Halder hat den ersten, prosaischen Teil des englisch­ sprachigen Standardwerks PiHKAL von Ann und Alexander Shulgin übersetzt und als Book on Demand herausgebracht. Autorisiert von Ann Shulgin, präsentiert sich das Buch als schöne kleine Version des Originals. Teil 2 mit Synthese­ anleitungen und Erfahrungs­ berichten zu unzähligen Phenylethylaminen ist darin allerdings nicht zu finden. Dem Buch wäre für die nächste Auflage ein professionelles Lektorat und Korrektorat zu wünschen; Alexander Shulgin (1925–2014) würde das Werk jedoch sicher schon jetzt gefallen, hatte er sich doch immer gewünscht, dass seine Werke auch in deutscher Sprache erscheinen.

Alexander & Ann Shulgin PiHKAL – Eine molekulare Liebesgeschichte Herausgegeben und übersetzt von Max Halder TWENTYSIX, Books on Demand 2018 ISBN 978-3-74075-101-2

Psychedelischer Briefwechsel

Cynthia Carson Bisbee, Paul Bisbee, Erika Dyck et al. (Hg.) Psychedelic Prophets: The Letters of Aldous Huxley and Humphry Osmond McGill-Queen‘s University Press 2018 ISBN 978-0-773-55506-8

Ein echter Klassiker, ein Must-have für die Bibliothek aller psychedeli­ schen Historiker, ist endlich in einer neuen Auflage verfügbar. Der 644 Seiten starke Band präsentiert den Briefwechsel zwischen Schriftsteller Aldous Huxley und Psychiater Humphry Osmond, die den Begriff psychedelisch geprägt haben, im historischen, sozialen und literari­ schen Kontext und reflektiert den Beitrag der psychonautischen Pioniere zur Bewusstseinsforschung. Psychedelic Prophets, eine außerge­ wöhnliche Korrespondenz zwischen zwei führenden Psychedelikern, gibt Zeugnis von Freundschaft, Intellek­ tualismus, Empathie und Toleranz. Tipp der Redaktion!

Ì

Visionäre Künstlerinnen Dieser englischsprachige Pracht­ band vom bekannten Psychobiolo­ gen und Psychedelika-Forscher David J. Brown und seiner Koautorin Rebecca Hill, präsentiert auf 384 großformatigen Seiten visionäre Künstlerinnen aus aller Welt in Interviews. Mit dabei sind bekannte Namen wie Allyson Grey, Amanda Sage, Martina Hoffmann, die Lucy’s-Autorin Nana Nauwald sowie 14 weitere psychedelische Malerinnen. Die Gespräche, zahlrei­ che Abbildungen vieler Kunstwerke und persönliche Fotos der Künstle­ rinnen (zum Beispiel aus dem Atelier) geben Einblick ins Schaffen und die persönliche Philosophie jeder einzelnen Künstlerin. Ein hochwertiges und informatives Werk. Tipp der Redaktion!

Ì

David J. Brown und Rebecca Hill Women of Visionary Art Inner Traditions (Park Street Press) 2018 ISBN 978-1-62055-693-1


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ik e r  D e r K la ss

Roger Liggenstorfer und Christian Rätsch (Hg.) Die Nachtschattengewächse – eine faszinierende Pflanzenfamilie 9 Bände diverser Autoren im Schuber Nachtschatten Verlag ISBN 978-3-03788-195-8

Neunbändiges Werk zu den Nachtschattengewächsen Die Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) ist enorm groß und weltweit verbreitet. Dabei finden sich unter den Pflanzen viele psychoaktive Vertreter, die für ihre Eigenschaften wohlbe­ kannt sind (Tabak, Chili, Stechapfel, Alraune, Bilsenkraut etc.), andere jedoch sagen nur Insidern etwas (Hammersträucher, Petunien, Physalis u.v.m.). Das neunbändige Werk im Schuber, das sich mit sämtlichen Aspekten der Nachtschattengewächse als Psychoaktiva befasst, umfasst die Bände Chilifeuer und Knollengenuss von Orestes Davias, Zauberpflanze Alraune von Claudia Müller-Ebeling und Christian Rätsch, Götterpflanze Bilsenkraut von Wolf-Dieter Storl, Stechapfel und Engelstrompete von Markus Berger, Schamanenpflanze Tabak (2 Bände) von Christian Rätsch, Die Tollkirsche von Markus Berger und Oliver Hotz, Hexensalben und Nachtschattengewächse von Patrizia Ochsner sowie Kleines Lexikon der Nachtschattengewächse von Markus Berger. Tipp der Redaktion!

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Heimische Heil- und Zauberpflanzen Pflanzen, die uns zur Heilung und spirituellen Entwick­ lung dienen, stammen nicht nur aus exotischen Gefilden, sie wachsen auch bei uns vor der Haustür. Man muss sie nur kennen und anzuwenden wissen. Damit dieses Wissen in der modernen Welt nicht verloren geht, braucht es Bücher wie diesen erweiterten und neugestal­ teten Erfolgstitel (2000, jetzt 9. Auflage) von Wolf-Dieter Storl. Der Autor nimmt uns mit auf eine Reise durch die Kulturgeschichte von so bekannten Gewächsen wie Brennnessel, Beifuß, Gundermann, Geißfuß, Wegerich, Schachtelhalm, Gänseblümchen, Vogelmiere und Löwenzahn, sogenannten «Unkräutern», und zeigt ihre volksmedizinischen Anwendungen. Mit zahlreichen Rezepten für Gerichte und Zubereitungen aus diesen wertvollen Heilpflanzen sowie Anleitungen zur Herstel­ lung von Haus- und Genussmitteln, Kosmetika, Färbe­ mitteln, Volksarzneien und vielem mehr.

Wolf-Dieter Storl Heilkräuter und Zauberpflanzen zwischen Haustür und Gartentor AT Verlag ISBN 978-3-03800-060-0


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MEDIATHEK

Die psychedelische Revolution als Roman Thomas Coraghessan Boyle sollte Freunden von psychoaktiven Substanzen und subversiven Geistern ein Begriff sein. Sein neuer Roman Das Licht, der noch vor der englischsprachigen Originalausgabe auf Deutsch erschien, befasst sich mit der US-amerikanischen psychedelischen Kultur der 60er und 70er Jahre, die damals rund um LSD und Psilocybinpilze entstand. Aufbauend auf eine in den Grundzügen wahre Geschichte, entspinnt T.C. Boyle fiktive Details zur psychedelischen Community, die sich in dieser Zeit um Timothy Leary, Richard Alpert & Co. gebildet hatte. Als Kenner der psychonautischen Geschichte baut er zahlreiche im Mainstream unbe­ kannte authentische Protagonisten in den Roman ein, wie beispielsweise Walter Pahnke und Michael Hollingshead. Das Buch beginnt mit der Entdeckung der psychoaktiven Effekte von LSD durch Albert Hofmann in den 40er Jahren, macht dann einen Zeitsprung 20 Jahre nach vorn ins Harvard der 60er, dann nach Mexiko und schließlich nach Millbrook, New York. Packend geschrieben und amüsant zu lesen.

Gekonnt räuchern

Christine Fuchs Räuchern mit Weihrauch und heimischen Harzen: Mythos, Duft und Wirkung Kosmos 2018 ISBN 978-3-440158-97-5

Christine Fuchs hat die bekannte Lab.Danum-Räuchermanufaktur ins Leben gerufen und viele hochwertige Bücher zum rituellen Räucher veröffentlicht. Ihr neuestes Werk befasst sich mit dem Räuchern von Weihrauch und Harzen heimischer Gewächse. Auf 128 Seiten präsentiert Christine Fuchs gemeinsam mit Co-Autorin Caro­ line Maxelon Insider-­Infos zur Geschichte des Räucherns und führt in die wichtigsten Weih­ rauchsorten Afrikas, Asiens und der arabischen Halbinsel ein. Ein umfangreicher Porträtteil beschreibt die Harze heimischer Bäume und wie man diese miteinander kombiniert und verräuchert. Mit zahlreichen Anwendungsbeispielen und Rezepturen für schamanische und natur­spirituelle Räuchermi­ schungen.

T. C. Boyle Das Licht Carl Hanser Verlag 2019 ISBN 978-3-44626-164-8

CD

Raunende Alraune Das Projekt Atzmann Zoubar legt mit der CD Aut Sperma In Terram Effundit ein Konzeptalbum rund um Mandragora officinarum (Alraune) vor. Das Projekt des Musikers K. Makiri befasst sich gemäß Angaben mit «Pflanzenmagie, Zauberpflan­ zen, Phytoritualistik, Aberglaube und psychedelischer Botanik». Die sieben Stücke des Albums bieten «eine Mischung aus rituellem Industrial und einer eigenwilligen Naturmystik. Dunkle Klangcollagen treffen auf Originaltexte über die Alraune». Stil: Electronic, Dark Ambient, Industrial. Atzmann Zoubar Aut Sperma In Terram Effundit Binturong Music 2011


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LIFESTYLE

«Musik ist selbst eine gute Droge» Franz Treichler, der Sänger der Young Gods, über Jamming, Psychedelika und berauschte Götter The Young Gods Sie begründeten ein eigenes Genre und sind nach drei Jahrzehnten ihrer Zeit noch immer voraus. Sie haben Foto: Roger Liggenstorfer

Bands wie Nine Inch Nails oder Faith No More ebenso beeinflusst wie David Bowie und viele weitere weltbekannte Musiker. Mit ihrem neuen Album DATA MIRAGE TANGRAM kehren The Young Gods nach acht Jahren zurück auf die Bühnen der Welt. Die Single-Auskopplung «Figures Sans Nom» manifestiert den Stellenwert dieser Band als die innovativste und einflussreichste Treichler mit dem neuen Album DATA MIRAGE TANGRAM. 

Formation im Bereich des Industrial- und Psychedelic-Rocks. Seit über 30 Jahren sprengt ihr unkonventioneller Output musikalische Grenzen. Ihr neues Werk lancierten die Gründer Franz Treichler und Cesare Pizzi zusammen mit dem aktuellen Drummer Bernard Trontin im Rahmen einer «Public Residence»

Franz Treichler (* 1961 in Fribourg) ist Musiker, Filmkomponist und ein Urgestein des Schweizer Post-Industrial. Er ist Gründungsmitglied und Sänger der Young Gods.

am Cully Jazz Festival 2015. Anlässlich des neuen Albums startet

TE XT  

Roger Liggenstor fer

die Band eine grosse Europa­-Tour, auf welche eine World Tour folgen soll. Lucy’s Rausch verloste im Vorfeld Tickets für die Konzerte in Berlin, Basel und Wien – danke an alle, die mitgemacht haben! Infos zur Band, zum neuen Album und Tourdaten: www.younggods.com

Franz, du hast dich schon sehr früh als Musiker verdingt und mit Musik als solches beschäftigt, du hast sie sozusagen im Blut. Franz Treichler: Für mich war die Musik immer wichtig, sie war ein Tor zu einer anderen Welt. Mit zehn oder elf Jahren hörte ich psychedelische Musik, wie zum Beispiel Pink Floyd. Diese Musik zeigte mir, dass ich mich mit den Leuten auf dieser Welt verbinden möchte, die das gleiche Feeling haben. Musik war für mich immer

ein ultimatives Kommunikationswerkzeug. Bereits Ende der 60er Jahre, hatte ich durch meinen Bruder, der fünf Jahre älter als ich ist, Zugang zu der Musik von Bands wie Cream, The Beatles oder Pink Floyd – das hat mich schon früh stark beeinflusst. Daraufhin wollte ich selbst Gitarre spielen können und nahm Gitarrenunterricht. Mit einem Freund meines Bruders durfte ich auf einer E-Gitarre all die Spezial­ effekte lernen; parallel dazu nahm ich bei einem Brasi­lianer Unterricht in klassischer Gitarre und lernte dabei auch die klassische Musik lieben. Ich erkannte, dass Musik alles in allem etwas ganz Großes ist. Die Unterscheidung in diverse Stilrichtungen ist dabei egal. Es geht um Musik, die man als Ganzes wahrnimmt. }


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LIFESTYLE

«Musik ist selbst eine gute Droge» 

Fortsetzung von Seite 75

Treichler (Mitte) mit seinen Bandkollegen Bernard Trontin und Cesare Pizzi.   Foto: PD

Eure Musik ist schwer einzuordnen, ihr habt oft den Stil geändert. Wie würdest du den Stil eures aktuellen Albums bezeichnen? Ja, das ist tatsächlich nicht einfach. Es ist aber witzig, wie das zustande kam: Wir wurden 2015 zu einem Jazzfestival eingeladen – obwohl wir ja gar keinen

Yoshtoyoshto Franz Treichler hat zusammen mit dem Anthropologen Jeremy Narby und dem Filmemacher Peter Mettler das interaktive alchemistische Liveprojekt Yoshtoyoshto ins Leben gerufen, das elektronische Musik, experimentelle Videokunst und die Geschichten Narbys kombiniert und stark von der Ayahuasca-Erfahrung inspiriert ist.   vidy.ch/yoshtoyoshto

Jazz spielen – und da durften wir jeden Abend jammen, insgesamt rund 15 Stunden, und so haben wir dann Psychedelic Jazz gespielt und das alles aufgenommen. Die Essenz daraus war die Grundlage für das neue Album. Inter­essant ist, dass jeder von uns seine Impulse eingebracht hat; daher ist es ein Werk von uns allen. Wir haben unterschiedliche Hintergründe; so ist unser Drummer sehr groovig und auch etwas jazzig, ich selbst bin eher im Psychedelic Rock zuhause und habe starke Punk-Einflüsse – ich pflege beispielsweise die Mentalität, dass auf der Bühne jeder machen kann, was er will. Wie ist der Name The Young Gods entstanden? Der Name kommt ursprünglich von einer New Yorker Band na­ mens Swans, die wir Anfang der 80er Jahre im Fri-Son in Freiburg eingeladen hatten*. Alle dachten, das wäre eine laute und schnelle Punkband. Statt dessen haben sie extrem langsame Mu­sik

gemacht. Nach einer halben Stunde waren von den etwa 150 Besuchern noch gerade 20 im Saal. Beim Aufräumen kam mir ihre Songliste in die Hände, darauf stand der Titel «Young Gods», der aber nicht veröffentlicht war – das hat mir gefallen, und später nutzte ich diesen Namen für unsere Band. Deine Texte sind tiefgründig. Gibt es eine besondere Message, die ihr mit The Young Gods vermitteln wollt? Eigentlich nicht, es ist vielmehr ein Lebensgefühl, eine positive Energie in der Tradition des 60er-Jahre-Rocks, der Popmusik, wie sie die Beatles rübergebracht haben. In unseren Texten geht es

«Ich liebe es, wenn die Inter­pretation offen bleibt.» um Umwelt, Gesellschaft und Politik und das, was uns aktuell bewegt – mit einer gewissen Doppeldeutigkeit, damit die Hörer sich selbst das rauspicken können, was ihnen zusagt. Ich liebe es, wenn die Interpretation offen bleibt, wie beim Titel des aktuellen Albums Figure Sans Nom (Figur ohne Namen). Für die einen geht es dabei um die Beziehung zwischen Mann und Frau, für andere ist es eine Kritik am sich ausbreitenden Natio­nalismus. Fi­ gure bedeutet «Figur», aber auch «Gesicht» – man kann das also unterschiedlich deuten, das ge­ fällt mir.

*D  as Fri-Son ist eines der ältesten und bekanntesten Musiklokale der Schweiz, Franz Treichler war beim Aufbau aktiv dabei.


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Lucy’s Rausch Nr. 9

  Magazine, die wir schätzen

Foto: Roger Liggenstorfer

B L ÄT T E RWA L D # 7

Treichler über …

An dieser Stelle präsentiert Lucy’s regelmäßig eine Übersicht über andere Magazine. Diesmal betrachten wir fünf Magazine aus der etablierten Drogenkultur. Sie stehen exemplarisch für viele weitere Periodika, die sich mit akzeptierten Alltagsdrogen befassen.

Musik und Psychedelika «Mit Psychedelika hast du mal gute und manchmal schwierige Erlebnisse. Es kommt immer auf deine persönliche Offenheit, auf deine Geisteshaltung an, das ist bei Musik nicht anders. Mit Musik fühle ich mich nicht allein, Musik ist auch ein Mittel, um sich zu heilen, sie ist selbst eine gute Droge.»

The Young Gods als Sound­ track für den Trip   «Ich denke auf jeden Fall, dass unsere Musik sich gut zum Reisen eignen kann, aber jeder hat seine eigene persönliche ‹Kochkunst›, seine eigene Vorstellung davon, wie er sein Bewusstsein verändern will.»

Veränderte Bewusstseins­ zustände  «Viele Menschen reduzieren ihr Bewusstsein auf die rationale, alltägliche Wahrnehmung. Psychedelika zeigen dir aber, dass es eine Vielzahl verschiedener Realitäten gibt, und eben nicht nur die unseres Alltagsbewusstseins. Da warten unbekannte Welten, die wir nicht verstehen. Das ist das Mysterium.»

Hand aufs Herz: Sind die Young Gods berauschte oder nüchterne Götter? Klar sind sie berauscht – auch ohne Drogen. Ich bevorzuge es, nüchtern zu spielen, denn Sub­ stanzen machen mich zu introvertiert. Das ist nicht gut, um auf der Bühne zu spielen. Zum Jammen kann es hingegen inspirierend sein, sich anzutörnen. 

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Der Whisky-Botschafter Vierteljährlich erscheinendes, hoch­wertiges und dickes Magazin für Whisky-Liebhaber. Mit vielen Reportagen über die gediegene Lebensart von Whiskyfreunden, über Destille­rien, Hersteller und Produktion verschiedener Whisky-Sorten. Ein Magazin, dem man die Liebe zum Thema anmerkt. www.whiskybotschafter.com

Das deutsche Weinmagazin Fachzeitschrift für Weinmarketing, Kellerwirtschaft und Weinbau, die alle zwei Wochen neu erscheint. Das Blatt befasst sich mit allen Facetten des Weins und richtet sich hauptsächlich an Fachleute aus der Weinwirtschaft, ist aber auch für interessierte Liebhaber des Rebensafts lesenswert. Auf Wunsch kann man ein kostenloses Probeheft anfordern. www.dwm-aktuell.de

Craftbeer Magazin Craftbiere, also handgemachte (handycrafted) Biere, sind seit einiger Zeit ein Riesentrend in der Gemeinde der Liebhaber des Gerstensafts. Das Craftbeer Magazin – Magazin für Bierbrau­ kunst entspricht dieser süffigen Modeerscheinung und ist in weiten Teilen eine Lifestyle-Zeitschrift für

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leidenschaftliche Bierbrauer und -trinker. Liebevoll und frisch aufgemacht, mit lesefreundlichen und spannenden Artikeln. craftbeer-magazin.de

Smokers Club Magazin für Pfeifenraucher und Zigarren-Liebhaber. Das Magazin erscheint vier Mal pro Jahr und informiert über alle Themenbereiche rund um Zigarren, Pfeifen und Raucheraccessoires. Mit spannenden Reisetipps und -reportagen für Tabakfans und zahlreichen Hintergrundinformationen zu dieser Genussdroge, die seit Jahren immer mehr gesellschaftlich geächtet wird. www.konradin.de

Crema – for coffee lovers Trotz englischsprachigem Slogan ist diese Lifestyle-Zeitschrift für Kaffeefreunde in deutscher Sprache verfasst. Crema ist nach eigenen Angaben «Europas größtes Kaffee-Magazin» und wartet mit Texten, Berichten und Materialien zu allen relevanten Bereichen der Kaffeekultur auf. Auch die Website ist ein hervorragendes Portal mit allen denkbaren Infos für den Kaffee-Liebhaber. www.cremagazin.de


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Michael Pollan dokumentiert in seinem neuen Buch das Revival der Forschung mit psychoaktiven Substanzen und berichtet von eigenen Erfahrungen. Der Psychonaut 2.0 im Gespräch mit Sam Harris. Außerdem in der Frühlingsausgabe von SPUREN: Freude – der innere Kompass. Transgender als dritte Realität. Begegnung mit weissen Löwen in Afrika. Jetzt in SPUREN Nr. 131, am Kiosk, bei www.spuren.ch Tel. +41 52 212 33 61

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Kaffee: Von der verteufelten Droge Ein psychoaktives Genussmittel zum Stimulanz Nummer eins Kaum eine Droge wird so wenig als psychoaktive Substanz wahrgenommen wie der Kaffee. Die Kulturgeschichte des Kaffees schließt, neben ebenso viele Wirrungen und Irrungen ein wie die Geschichte anderer Drogen. Doch die wenigsten wissen, dass der Kaffee einst als «teuflisches Gift» gebrandmarkt wurde und

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den genüsslichen und berauschenden Aspekten,

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zum Opfer fiel.

welche Substanzen verwendet werden und was das

Darüber berichtet das Buch ebenso wie über die Botanik, Kultur und Verwendung dieser Pflanzendroge sowie über den Einfluss des Kaffees

für den Anwender bringen kann. Mit Beiträgen von: Torsten Passie, Jochen Gartz, Frank Sembowski, Linus Naumann

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L u c y ’s R a u s c h Nr. 9

Auf dem Berg der Verklärung Spirituelle und transzendente Dimensionen außergewöhnlicher Wahrnehmungszustände TEXT

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Michael Kleim

ie Suche nach außergewöhnlichen Wahr- ihnen zu einer erweiterten Sicht. Dieses Auf-demnehmungszuständen ist Teil der menschli- Berg-Sein führt zu einem anderen Zeitempfinden. chen Kulturgeschichte. Auch in den Religio- Sie bewegen sich in einem absoluten Jetzt. Die nen und spirituellen Traditionen haben Erfahrun- Grenze zwischen Vergangenheit, Gegenwart und gen gezielter Grenzüberschreitung ihren festen Zukunft wird verwischt. Sie erleben, wie die DomiPlatz. Hinter dem heutigen nanz von Zeit aufgehoben säkularen Drogengebrauch ist wird. oft eine transzendente DimenDas strahlende Licht sion verborgen. Diese Erkenntverweist auf die Erfahrung nis kann helfen, einen mündider Grenzüberschreitung. gen, verantwortungsvollen und Ihre Sinne werden geschärft, risikomindernden Gebrauch zu ihre Wahrnehmungen verfördern. ändert. Sie sind in der Lage, «Jesus nahm Petrus, tiefer zu schauen, klarer zu Jakobus und Johannes beiseite lauschen, intensiver zu empund führte sie auf einen Berg. finden. Die Hütten sind ein Und er wurde vor ihren Augen Bild für Geborgenheit. Sie verwandelt; sein Gesicht leuchvermitteln das Gefühl, vor tete wie die Sonne und seine Verletzungen und BedroKleider wurden blendend weiß hungen sicher geschützt zu wie das Licht. Da erschienen sein. Sie stehen auch für den plötzlich vor ihren Augen Mose Wunsch, dieser außergeund Elij. Petrus sagte: Es ist gut, wöhnlichen Wahrnehmung dass wir hier sind. Wenn du Dauer zu verleihen. willst, werde ich hier drei HütEs gehört zu unseren ten bauen. Da trat Jesus zu elementar menschlichen Sehn­ Anonymus: Die Verklärung Christi, ca. 1500. Gemäldegalerie Alte Meister (Kassel) ihnen, fasste sie an und sagte: süchten, im eigenen Erleben die Steht auf, habt keine Angst! Wirklichkeit von Zeitaufhebung, Und sie stiegen wieder vom Berg herab.» (Matthä- Transzendenz und Geborgenheit wahrnehmen zu us-Evangelium, Kapitel 17) wollen. Auf unterschiedliche Weisen suchen MenDie biblische Geschichte von der Verklärung schen danach, diesen Wunsch umzusetzen. Jesu beschreibt beispielhaft eine außergewöhnliche Wahrnehmungserfahrung. Die Beteiligten stei- Auf den Berg steigen und das Licht erleben gen auf einen Berg. Sie verlassen ihre herkömmli- Die Religionen und spirituellen Schulen kennen verche Realität, werden dem Alltag enthoben. Die schiedene Möglichkeiten, um das Tor zu außergeDistanz zu Routine und Funktionalität verhilft wöhnlichen Wahrnehmungszuständen aufzuschlie-


Transzendente Wahrnehmung

Spiritueller Weg

Religiöser Drogen­gebrauch

Säkularer Drogengebrauch

Geborgenheit, Schutz

Gebet

Tabak (Schamanen)

Opiate

Kraft, Energie

Meditation Yoga

Kath, Kaffee (Sufi)

Amphetamine

Phantasie, Imagination

Visionäre Trance

Peyote, Ayahuasca (Schamanen, Native American Church, Santo Daime)

Hanf

Harmonie, Beziehungswahrnehmung

Ritual

Tee (ZenBuddhismus)

MDMA

ßen. Sie haben über Jahrhunderte hinweg Wege gefunden, um sozusagen «auf den Berg zu steigen und das Licht zu erleben». Diese Erfahrung hat viele Namen: Trance, Ekstase, prophetische Vision, Schamanenreise, Erleuchtung, Entrückung. Außergewöhnliche Wahrnehmungszustände konnten einen Menschen plötzlich überkommen. Meist wurde aber bewusst nach ihnen gesucht. Und es wurden Schlüssel entdeckt, die den verborgenen Zugang zum Berg der Erfahrung geöffnet

Drogen als Schlüssel, Brücken, Helfer, um auf den Berg der Erfahrung zu gelangen. haben. Die bedeutendsten dabei sind Gebet, Meditation, Kontemplation und besondere spirituelle Techniken wie Fasten, Pilgern, Schwitzhütte. Oft sind solche außergewöhnlichen Wahrnehmungen mit Musik und Tanz verbunden, wie es der uralte Reichtum des Schamanismus belegt, die drehenden Derwische der Sufiorden oder die frenetischen Gesänge in afroamerikanischen Kirchgemeinden. Das Ziel dieser außergewöhnlichen Wahrnehmungszustände liegt in einer tieferen, erweiterten Erfahrung von Wirklichkeit und im Bewusstwerden spiritueller Realitäten. Das Leben und seine verborgenen Seiten, das Wunder der Welt und das Geheimnis der unsichtbaren Welten sollen tiefer und umfassender erfahrbar, erlebbar, spürbar gemacht werden. Neue Seiten der Wirklichkeit sollen entdeckt und die sinnlichen wie spirituellen Fähigkeiten geschärft werden. Auch die Kraft psychoaktiver Pflanzen und Substanzen wird bei der Suche nach diesen Wahrnehmungsmöglichkeiten genutzt. Ritueller Dro-

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gengebrauch findet sich in nahezu allen Zeitepochen rund um den Globus. Drogen sind dann Schlüssel, Brücken, Helfer, um auf den Berg der Erfahrung zu gelangen. Doch auch dann, wenn Drogengebrauch nicht innerhalb eines bewusst religiös gestalteten Rahmens geschieht, kann er dazu führen, die spirituelle, transzendente Ebene der Wirklichkeit zu berühren. So lässt sich eine Parallelität konkreter Erfahrungen feststellen, die sowohl bei spirituellen Wegen, religiös eingebundenem Drogengebrauch und «säkularer» Anwendung auftreten. Die in der Tabelle genannten Substanzen und religiösen Richtungen sind exemplarisch zu verstehen und ließen sich beliebig erweitern. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass Drogengebrauch oft eine spirituelle Dimension in sich trägt. Drogengebrauch lässt sich in diesem Zusammenhang verstehen als •  Überschreitung der vorgeschriebenen Wahrnehmungsgrenzen •  Protest gegenüber einer Realität, in der dem Erleben von Transzendenz wenig Raum und Zeit eingeräumt wird •  Gegengewicht zu einer in Rationalität gefesselten, ökonomisch strukturierten und am Leistungsideal gemessenen Weltdeutung •  Suche nach einer anderen Seite der Wirklichkeit. Drogengebrauch ist ein Ausdruck elementarer Sehnsüchte des Menschen. Hütten bauen wollen Typisch für unser menschliches Verhalten ist dann der Versuch, diesen außergewöhnlichen Erfahrungen Dauer zu verleihen. Schon Nietzsche schrieb: «Denn alle Lust will Ewigkeit ...» Bei solch starken, intensiven und fundamentalen Erfahrungen wie Geborgenheit, Schutz, Kraft, harmonischer Einheit ist dies nicht überraschend. Schon in der biblischen Geschichte wird dieser Umstand beschrieben: Die Jünger wollen sich auf dem Berg wohnlich einrichten. Das wollen Menschen mit ihren außergewöhnlichen Wahrnehmungszuständen zuweilen auch. Sie wollen das Außergewöhnliche zum Gewöhnlichen, das Besondere zum Alltäglichen machen. Auch im Drogengebrauch schlagen sich Konsumstrukturen und Konsummentalitäten }


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Göttliches Gelächter TEXT

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Wo l f S u g a ta S c h n e i d e r

ie ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler, sie treten auf und gehen wieder ab», schrieb William Shakespeare. Friedrich Schiller sagte dazu: «Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.» Als Dritten möchte ich noch Osho zitieren, der Buddhas letzte Worte «Sei dir selbst ein Licht» abwandelte in «Sei dir selbst ein Witz, dann hast du immer was zu lachen». Das könnte schon mal die Unterhaltungskosten, die im Lauf des Lebens zusammenkommen, gegen Null schrumpfen lassen – Brot und Spiele sind ja das, was uns Menschen motiviert. Wenn man sich als Witzfigur versteht, die in Kauf nimmt, bei sich selbst und anderen Heiterkeit auszulösen oder das sogar beabsichtigt, ist man immer gut unterhalten. In besonderen Momenten erfasst auch uns diese Klarheit, dass wir nur Spieler sind auf der Bühne des Lebens und dass wir dabei, je nachdem, wie man hinschaut, ziemlich komisch aussehen. Wir sind tragische Figuren, weil das Schicksal mit uns spielt. Wir sind komische Figuren, weil wir selbst mit dem Schicksal spielen und beim Drehbuch unseres Lebens mitarbeiten wollen – und dabei scheitern. Wenn wir Pilze oder LSD eingenommen haben, ist es ziemlich leicht, das zu erkennen. Unser weltliches Streben erscheint uns dann als Witz, das Scheitern ebenso wie das Gewinnen. Der Kosmos kommt auch ohne unser Zutun von selbst ganz gut zurecht, zudem ist unser Zutun ein integraler Teil davon, es darf also auch unser Zutun bleiben. Gelingt das Leben oder gelingt es nicht? Was für ein Witz! Das Spiel kann so oder so ausgehen; ob dabei ein Ziel erreicht wird oder nicht, who cares? Dabeisein ist alles.

Zeuge sein. Sich selbst zuschauen und dabei gewahr werden, dass Innenwelt und Außenwelt eines sind: «Die Vögel fliegen still durch uns hindurch. O, der ich wachsen will, ich seh hinaus, und in mir wächst der Baum» (Rainer Maria Rilke). Tragikomischer Alltag Können wir diese mystische Sicht der Dinge auch im Normalzustand erleben, ohne Einnahme psychedelischer Substanzen? Karl Valentin konnte es, viel früher schon auch Till Eulenspiegel, und Miguel Cervantes in seinem Roman Don Quijote, der zum meistgefeierten Werk der Weltliteratur wurde. Drugpa Künleg konnte es, als er in Tibet um 1500 über die Heiligen seiner Zeit und Kultur spottete, ebenso der Zen-Meister Ikkyu Soyun und viele andere. Humor ist oft als etwas beschrieben worden, das geht, wenn sonst nichts mehr geht, wenn alle anderen Wege und Auswege versperrt sind und man trotzdem lacht. Dabei schlüpft der Mensch aus seinem alten Ich heraus und entkommt so weltlichen Verstrickungen. Er wird ein anderer. Eigentlich war er ein anderer schon vorher; der andere steckte schon in ihm, er kam nur so selten dazu, sich zu zeigen. In euphorischen Zuständen kann sich uns dieser Witz zeigen, in tiefer Trauer und Verzweiflung, in der Liebe oder nach der Einnahme einer psychedelischen Substanz, wenn Dosierung und Umgebung passen. Es gibt Menschen, die glauben, nicht mehr lachen zu können. Dann nehmen sie vielleicht Antidepressiva, die ihnen ein Arzt verschrieben hat. Oft helfen die kein bisschen. Manchmal hilft ein Rauschmittel wie Psilocybin oder LSD in sol-

Gelingt das Leben oder gelingt es nicht? Was für ein Witz!


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chen Fällen besser, denn es zeigt, dass du hier bricht? Auch das war eine Idee der Militärs, die unten, auf der Weltbühne, nur eine Rolle spielst. man allerdings nicht weiterverfolgte, vielleicht Mit der wirst du scheitern, spätestens mit dem weil das auch den Kampfwillen der eigenen TrupTod ist sie zu Ende. Also lachst du besser schon pen untergraben hätte. jetzt darüber, scheitern wirst du sowieso. Das kosmische Gelächter, das aus einem Auch Lachyoga hilft ein bisschen. Es trai- Menschen hervorbrechen kann, wenn er tief niert die Lachmuskeln und ist gesund. Allerdings genug in seine eigene Seele geschaut hat, ist verhilft das noch nicht zur Einsicht in die nicht mitleidslos gegenüber den LeidenKomik unserer irdischen Dramen, es den. Es verspottet die Tragik nicht. weitet noch nicht einmal den Es zeigt nur den komischen Blick dafür. Für diesen Blick Aspekt auf, der allem innebrauchst du Lebenserfahwohnt, auch dem Tragirung oder, noch besser: schen, wenn man nur die Selbsterkenntnis. Einrichtige Perspektive da­­ sicht in dich selbst. für findet. Vielleicht so Alle, die sich wie in dem Film La vita selbst schonungslos ge­­ è bella von Roberto nau dabei beobachten, Benigni, als der Vater was sie so den ganzen dem Sohn das KZ, in Tag lang tun, denken dem sich die beiden und fühlen, werden fast befinden, als Spielkulisse unvermeidlich zu Humoriserklärt. Da lachen die beiten. Selbst hoffnungslos den Protagonisten zwar sture, ernsthafte Menschen nicht, aber sie behandeln ihre werden so zu Komikern. Wenn tragische Situation als Inszenienicht, haben sie nur noch nicht rung und erleichtern sich dadurch Drugpa Künleg, der heilige Narr im tibetischen Buddhismus genau genug hingeschaut. Oder das Leben, bis der Sohn von den man wirft etwas ein, um diese Sicht der Dinge zu alliierten Truppen befreit wird. unterstützen. Dafür genügt unter Umständen schon eine Dosis, die noch keine Apfelmännchen Sinn finden aufspielen lässt, sondern dem mit leichtem Wir können schmunzeln über uns selbst und das Gepäck Reisenden nur ein bisschen Abstand zu Weltgeschehen. Oder wir lachen laut darüber, seinem Alltagsdrama verschafft. wenn eine spontane Einsicht ähnlich der Pointe eines Witzes es uns verstehen lässt und sich Nie wieder Krieg dadurch Spannung abbaut – die Spannung des Es gibt einen Schwarz­weißfilm über US-Soldaten, Nichtverstehens oder der Abwehr des Unverändie LSD verabreicht bekamen und denen ein Offi- derlichen. Ob sich unsere Heiterkeit leise zeigt zier dann Befehle gab. Sie schüttelten sich vor oder laut, stillvergnügt oder provozierend, die EinLachen über den Befehl und konnten kaum mehr sicht, dass wir nur Figuren sind in einem Spiel, das eine gerade Linie gehen, geschweige denn exer- göttliche oder irdische Kräfte da mit uns treiben, zieren oder in den Krieg ziehen. Aus die Maus mit erleichtert. Es nimmt uns die Schmerzen nicht, Gehorsam, Unterwerfung und Sieg über den aber die Verzweiflung über das Sinnlose, Absurde. Feind! Auch CIA und US-Army haben mit LSD Und es gönnt uns die Lust und Freude am Dasein experimentiert, bevor es verboten wurde, haben in Absurdistan, wo wir selbst die Schöpfer von Sinn das dann aber aufgegeben, weil Menschen auf sind, wenn es denn einen gibt.  LSD nicht steuerbar sind. Das Zeug über Feindesland abwerfen, damit dort die Front zusammen- lucys-magazin.com/wolfschneider


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Herbes Heilkraut Die Ethnobotanik der Artemisien

Artemisia vulgaris

TEXT UND FOTOS

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  Kev i n J o h a n n

rten aus der botanischen Gattung Artemisia gehören zu den ältesten Heil- und Ritualpflanzen der nördlichen Hemisphäre. Ihre vielfältigen Heilkräfte, die markanten herb-würzigen Aromen und ihre schutzmagischen Eigenschaften wurden bereits im europäischen Altertum beschrieben. Aufgrund von gesicherten archäologischen und ethnobotanischen Forschungsergebnissen wissen wir heutzutage jedoch, dass der zielgerichtete Gebrauch einiger Spezies – etwa des heimischen Beifußes Artemisia vulgaris – noch sehr viel älter ist und schon in der frühen Menschheitsgeschichte eine wichtige Rolle spielte: als Heilmittel zur Linderung diverser Krankheitssymptome, als desinfizierender, geistbewegender und den Göttern und Göttinnen geweihter Räu-

cherstoff, als schutzmagischer Abwehrzauber sowie als Mittel zur Geburts- und Sterbeerleichterung u.a. Mythologie Im antiken Griechenland wurden der Beifuß und seine nahen Verwandten der Geburts-, Jagd- und Mondgöttin Artemis zugeordnet – daher stammt auch die Benennung dieser Pflanzengruppe als Artemisia. Im alten Rom war es Diana, bei den Kelten Dana und im alten Ägypten Isis, bei den Germanen waren es Wotan und Thor, und die Inder und Nepalesen verbinden die Beifuß-Arten mit Shiva. Erstere verkörpern die weiblichen, gebärenden, nähr­ enden und regulierenden Prinzipien unseres Daseins, die drei zuletzt genannten Gottheiten die


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Sage – Salbei oder Beifuß?

Der Steppenbeifuß vermittelt zwischen Mutter Erde und Wakan Tanka, der Weltenseele. Aspekte von Wildheit, Wissen, Weisheit, Ek­stase und magischem Zauber –  Attribute, die in vielerlei Hinsicht auch auf die Beifuß-Arten zutreffen. In der Mythologie der nordamerikanischen Lakota, für die der Steppenbeifuß («Prairie Sage») einer ihrer wichtigsten Pflanzen-Verbündeten ist, war es einst die Lichterscheinung der Weißen Büffelkalbfrau, die den Menschen die heilige Pfeife («Chanunpa») schenkte und ihnen das Wissen um die besondere Wirkung der Pflanze enthüllte. Sie erzählte ihnen, dass der Steppenbeifuß bei zahlreichen Erkrankungen hilft, als reinigende Einlage in der Mondzeit (Mensis) eingesetzt werden kann und dass er sich hervorragend für Gebete und Zeremonien eignet. Genau wie die heilige Friedenspfeife vermittelt auch der Steppenbeifuß zwischen Mutter Erde und Wakan Tanka, der großen kosmischen Weltenseele. Ethnomedizin gegen Würmer und Frauenleiden In den traditionellen Medizinsystemen ist fast keine Erkrankung bekannt, die nicht mit einer Artemisienart behandelt werden kann. Im Laufe der menschlichen Geschichte haben sich allerdings drei konkrete Anwendungsschwerpunkte herausgebildet, die heute aufgrund ihrer weltweiten ethnomedizinischen Relevanz als universal eingestuft werden können. 1. Artemisien als gynäkologische Frauenheilmittel zur Linderung von Unterleibskrämpfen sowie zur Anregung des Menstruationsflusses und des Geburtsvorgangs u.a. Unbedingt zu beachten ist jedoch, dass die Bezeichnung Frauenkraut nicht mit Schwangerschaftskraut gleichgesetzt werden darf, da dies dramatische Folgen haben könnte. Schließlich wirken Artemisien tendenziell ausleitend und abortiv (abtreibend). 2. Artemisien als Magenmittel und Digestivum zur Behandlung von Appetitstörungen, Blähungen, Magenkrämpfen, Übelkeit, Verstopfung und Völlegefühlen. 3. Artemisien als Anthelminthikum zur Beseitigung von Darmparasiten.

Unter Räucherfreunden führt die englische Bezeichnung Sage immer wieder zu Verwirrungen. Schließlich bedeutet Sage Salvia apiana. Foto: K. Ziarnek korrekt übersetzt Salbei. Häufig handelt es sich bei den als Sage oder Sagebrush bezeichneten Arten allerdings um Artemisien. Die Bezeichnung Sage, besonders im Kontext der indianischen Räucherkultur, impliziert im nordamerikanischen Sprachgebrauch nicht nur Salbei-Arten, sondern vor allem unterschiedliche Artemisien, die als zeremonielle Räucherwerke bei den indigenen Stämmen viel häufiger rituell verwendet werden als die Salbei-Arten. Nur wenige Vertreter der Gattung Salvia – Salvia apiana, Salvia clevelandii, Salvia dorrii und Salvia mellifera – , werden von den Ureinwohnern als Räucherwerk eingesetzt. Alle diese Arten gedeihen ausschließlich in den warmen Gefilden von Kalifornien und in den angrenzenden Gebieten; bei jenen Stämmen, die im kühleren Norden siedelten, waren sie völlig unbekannt. Anders verhält es sich bei den Artemisien, die in ganz Nordamerika vorkommen und bei fast allen Stämmen wichtig sind.

Für traditionelle Heiler und Heilerinnen aus Nordamerika, der Mongolei, Sibirien, China, Indien, Nepal und Europa sind die Beifuß-Arten sogenannte Schwellenpflanzen, die dann eingesetzt werden, wenn eine Seele die Schwelle zum Diesseits überwinden möchte, zum Beispiel bei einer Geburt, oder wenn sie an die Schwelle zur Anderswelt stößt, wie es im Zuge von Initiationsriten, Divinationen oder beim Sterben der Fall ist. Ein Kraut der Schamanen Nicht unerwähnt bleiben darf die Verwendung des Beifußes als rituelles Räucherwerk zur Öffnung sakraler Räume, zur Vertreibung schädlicher Krankheitsgeister sowie zur Reinigung von Personen, Ritualorten, Ritualobjekten und Krankenzimmern. Einige schamanisch arbeitende Personen verwenden Beifuß auf gleiche Weise wie Schamanen aus Südamerika den Tabak (Nico­tiana): Unstimmig erscheinende Schwingungsmuster im menschlichen Energiesystem werden so lange mit Beifußrauch befächert, beblasen und besungen, bis sie wieder eine harmonische Struktur angenommen haben. Daneben werden Artemisien in schamanischen }


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Navigieren in außerordentlichen Bewusstseinszuständen Die Alchemistische Divination nach Metzner TEXT

Fr i e d r i c h Re h r n b e c k

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ie Alchemisti­ sche Divination wurde von Ralph Metzner entwickelt und ba­siert auf der umfangrei­ chen empirischen Erforschung außergewöhnlicher Bewusstseins­ zustände. Sie verbindet traditionelle, schamanistische Methoden mit einer einzigarti­ gen Mischung aus spirituellen Praktiken der Al­chemie und moderner Tiefenpsychologie. Alchemistische Divination wird seit den 1980er Jahren bei der therapeutischen Arbeit an einzelnen Patienten oder in Gruppen eingesetzt und ist primär für die legale Anwendung ohne Sub­ stanzunterstützung angelegt. In «sub­ stanz­ unter­stützten Reisen» dient sie als Landkarte für die Navigation in den inneren Räumen und kann helfen, das Heilsame in den Erfahrungen wahrzu­ nehmen, negative Erfahrungen – sogenannte «Bad Trips» – zu vermeiden und Leid in Empathie zu verwandeln. In der Alchemistenküche des alten Zauberers Ich hatte das Glück und die Ehre, über zehn Jahre lang bei und mit Ralph Metzner forschen und

lernen zu dürfen. Dabei bot sich permanent die Gelegenheit, seine neu­ esten Erkenntnisse zum Thema Alchemistische Divi­ nation selbst praktisch zu er­ fahren und anzuwenden. Jedes Mal, schon Tage vor Semi­ narbeginn, diese Aufregung, diese Vorfreude. Eine Woche nur für mich. Eine Woche, um mich selbst zu erforschen, mich besser verstehen zu lernen und mich so anzunehmen, wie ich bin. Eine Zeit tiefen Abtauchens in meine inneren Welten mit all ihren Unwägbarkeiten und all dem emotionalen Schrott, der meine Entwicklung immer wieder zum Erlah­ men brachte. Turbulente emotionale Stürme, unendliche Liebe, vollkommene Schönheit, Tränen, Lachen, Verzweiflung, Erlösung. All das durfte ich erleben, und am Ende stand die Heimfahrt. Was für ein Hochgefühl, mir wieder ein Stück näher gekommen zu sein und wieder etwas besser zu ver­ stehen, warum ich so bin, wie ich bin und wie ich lernen kann, mit mir und meiner Welt besser umzu­ gehen. Auf der Heimreise habe ich mich meist so übervoll gefühlt, dass ich dachte, ich müsse vor Freude und Glück zerspringen.


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So konnte ich über einen langen Zeitraum meine intensive Selbsterforschung unter der Anlei­ tung von Ralph Metzner weiterführen, mit dem Ergebnis, dass mein Leben dadurch viel bunter und meine Beziehungen zu mir und zu anderen Men­ schen viel tiefer, echter und bedeutungsvoller wur­ den. Durch den Prozess der Aufarbeitung meiner eigenen Traumata hat sich außerdem meine Quali­ tät als Therapeut wesentlich verbessert. Nach vielen inneren Reisen, die ich mit den ver­ schiedensten Techniken der Bewusstseinserweiterung in den letzten 14 Jahren unternommen habe, ist ein

«Man geht nicht auf die Reise, ohne ein Ziel zu haben.» R alph M etzner Thema für mich mehr und mehr in den Vordergrund gerückt: die Tatsache, dass es unendlich wichtig ist, das Navigieren in den Universen des Bewusstseins so zu erlernen, dass die Erfahrungen und Prozesse, die ich mache, nicht bloße Einblicke in wundervolle, bunte innere Welten sind, sondern heilsame, thera­ peutisch nutzbare Selbsterfahrungen. Diese für mich lebensrettende Erkenntnis erlangte ich in der Zeit meines größten Schmerzes, als ich gleichzeitig mit meiner «Lebensmittekrise» (engl. Midlife-Crisis) in ein Erschöpfungssyndrom (engl. Burnout Syndrome) schlitterte. Die Erfah­ rungen, die ich dabei machte, beschreibt Dante Alighieri zu Beginn seiner Divina commedia (1312–1321): «Es war in unseres Lebensweges Mitte  / Als ich mich fand in einem dunklen Walde;  / Denn abgeirrt war ich vom rechten Wege,  / Wohl fällt mir schwer, zu schildern diesen Wald,  / Der wildverwachsen war und voller Grauen  /  Und in Erinnerung schon die Furcht erneut:  / So schwer, dass Tod zu leiden wenig schlimmer.  / Doch um das Heil, das ich dort fand, zu künden,  / Will, was ich sonst gesehen, ich berich­ ten.»

So entstand die Methode Die Vereinigten Staaten verhängten mit Hilfe der Food and Drug Administ­ ration (FDA) ein Verbot für LSD (1966) und MDMA (1985), indem sie es zu einer «Schedule 1 Drug» erklärten, also zu einer Substanz ohne jegliche medizinische Wirkung oder therapeuti­

Ralph Metzner 

schen Nutzen. Diese Klassifikation und daraus folgende Verträge wie die UN-Konvention über psychotrope Substanzen (1971) machen es für Wissenschaftler und Therapeuten bis heute schier unmöglich, diese Medizinen zu erforschen und/oder zu verwenden. Therapeuten wie Ralph Metzner, Christina und Stanislav Grof mussten daher neue psychotherapeuti­ sche Wege ohne Substanzunterstützung beschreiten. Ihrer Kreativität verdanken wir Therapieformen wie die Alchemistische Divination und das Holotrope Atmen. Beide Systeme dienen der Selbsterforschung und der Heilung psychopathologischer Prozesse in einem therapeutischen Setting.

dass das eigene Potenzial unterstützt wird und der Suchende sich zu einem von Angst, Schuld, Scham und Anklage freien Menschen entwickeln kann. Mit Hilfe der alchemistischen Energieübungen und der Divinationen ist es allen möglich, durch Selbster­ fahrung einen tieferen Zugang zu sich selbst und ihren Handlungsmustern zu bekom­ men. Dadurch wird den Praktizie­ renden klar, warum sie so ticken, wie sie ticken.

Zugang zur Heilung über Intention und Frage Ralph Metzners Theorie folgend ist eine wichtige Voraussetzung für eine tiefe, heilsame und an­ dauernde Erfahrung, das Formu­ lieren einer Intention (Absicht) Wobei hilft die Alchemistische Divination? oder Frage: «Man geht nicht auf Foto: The Metropolitan Der Grund, warum viele Menschen sich auf eine die Reise, ohne ein Ziel zu haben» Museum of Art innere Reise begeben, ist oft eine lebensverän­ (Ralph Metzner). dernde, erschütternde und umwälzende Krisensitu­ Am besten bestehen sowohl Intention wie ation. In solchen Prozessen werden wir häufig mit auch Frage aus einem Satz, an den man sich leicht der Frage konfrontiert: «Warum bin ich so, wie ich zu erinnern vermag und den man sich immer dann bin, und warum handle ich, wie ich handle?» Hinter ins Bewusstsein ruft, wenn man Gefahr läuft, sich dieser Frage steht der Wunsch nach einem tieferen im Strudel der Eindrücke zu verlieren. Zugegeben, Verständnis der eigenen Verhaltensmuster und die zu Beginn erfordert diese Technik ein hohes Maß Suche nach einem Weg, diese so zu modifizieren, an Konzentration und Disziplin. Ich selbst habe }


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Giorgio Samorini

ELEUSIS KOMPAKT

Der bekannte italienische Drogenforscher präsentiert Nachrichten und kurze Meldungen zu psychoaktiven Pflanzen und Substanzen und zur Rauschkultur.

PILZE Zikaden, Psilocybin und Cathinon Erneut wurden subtile Beziehungen zwischen Organismen beobachtet; diesmal geht es um niedere Pilz-Arten der Befallene Zikade Gattung Massaspora. Die Pilze befallen Zikadenarten und injizieren ihnen die psychoaktiven Verbindungen Cathinon oder Psilocybin (je nach Pilzart). Damit werden die Zikaden in einen Zustand sexueller Inaktivität versetzt, um dem Pilz den Befall und Verzehr der Insekten zu erleichtern.

Darüber hinaus hat der Mensch M. officinarum von Israel nach Persien eingeschleppt, aus der dann die asiatische Spezies M. turcomanica hervorgegangen ist. S. Volis et al., 2018, Evolutionary history and biogeography of Mandragora L. (Solanaceae), Molec.Phylogen.Evol., 129:85-95.

ARCHÄOLOGIE Das älteste Bier: 13 000 Jahre alt Eine wichtige Entdeckung machte man im israelischen Karmel-Gebirge auf einer Ausgrabungsstätte der Natufien-Kultur, die als die älteste neolithische Kultur der Welt gilt. Es konnte bestätigt werden, dass die Natufi schon

Boyce G.R. et al., 2018, Discovery of psychoactive plant and mushroom alkaloids in behavior-modifying fungal cicada pathogens. BioRχiv.

Alraune (Mandragora) Eine phylogenetische Studie der Gattung Mandragora erbrachte, dass M. officinarum und M. autumnalis als zwei verschiedene Arten einzustufen sind; ein Rätsel, das seit einem Jahrhundert ungelöst ist. Auf der evolutionären Ebene scheint die Ablösung der beiden Arten vor etwa 11 Millionen Jahren stattgefunden zu haben.

Foto: Pixnio

BOTANIK

Die Getreidemörser auf der Raqefet-Ausgrabungsstätte dienten der Bierherstellung.  Foto: Dani Nadel

vor 13 000 Jahren Getreidebier verarbeitet haben. Eine Analyse der Stärkekörner, die man auf den Innenflächen einiger Mörser gefunden hatte, ergab morphologische Missbildungen, wie sie typischerweise während der Brauphasen (Keimung, Zerkleinerung und enzymatische Hydrolyse) entstehen. Dies führt zum Schluss, dass man fermentierte alkoholische Getränke viele Jahrtausende früher als zuvor angenommen und viele Jahrtausende vor dem Traubenwein herstellen konnte. L. Liu et al., 2018, Fermented beverage and food storage in 13,000 y-old stone mortars at Raqefet Cave, Israel: investigating Natufian ritual feasting, J.Arch.Sci.Rep., 21:783-793.

Mandragora autumnalis.  Foto: Tato Grasso GIORGIO SAMORINI (* 1957 in Bologna, Italien) ist Ethnopharmakologe und Drogenforscher. Mitbegründer der Italienischen Gesellschaft für die Erforschung veränderter Bewusstseinszustände und Herausgeber der ethnobotanischen Fachzeitschrift Eleusis. Er war der erste Weiße, der in Gabun (West­afrika) in den Bwiti-Kult (Iboga-Kult) eingeweiht wurde. www.samorini.it


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Luc y’s Rau sch Nr. 9

Foto: Davi d Ciego

BIOCHEMIE Salvinorin A in einer speziellen Pflanze Die Pflanze Baccharis flabellata, eine der brasilianischen Carquejas aus der Compositae-Familie, produziert in hohen Mengen zwei Neo-Clerodanditerpene (DAC und DACD), von denen DACD in seiner Struktur dem Salvinorin A ähnlich ist. Diese Substanz ist ein sehr starker KOR-Agonist (K-Opioid-Agonist) im menschlichen Gehirn; sie ist sogar potenter als Salvinorin A. Man nimmt daher an, dass DACD über einen ähnlichen Wirkmechanismus wie Salvinorin A verfügt. Die Baccharis flabellata Menge an DACD in der Pflanze steigt im Sommer mit der stärkeren Sonnen­ einstrahlung. Andere Baccharis-Arten könnten dieselben oder ähnliche Verbindungen produzieren. M. Funes et al., 2018, Antinociceptive effect of neo-clerodane diterpenes obtained from Baccharis flabellata, Fitoter., 130: 94-99.

DMT in einer Coca-Art DMT wurde in Konzentrationen von 0,09 Prozent Frischgewicht in den Wurzeln der brasilianischen Caatinga-Pflanze Erythroxylum pungens, die dort als rompe-gibão bekannt ist, zusammen mit Tropanalkaloiden gefunden. Es ist das erste Mal, dass ein Indolalkaloid in der Gattung der Koka-Pflanzen gefunden wurde; man nahm an, dass es als «Antistressmittel» bei ungünstigen Klimafaktoren produziert wurde – im vorliegenden Fall während einer fünf Jahre andauernden Trockenzeit. Pflanzen können als Stressreaktion auf erschwerte Klimabedingungen Serotonin, Melatonin und DMT produzieren, was auf deren antioxidative und wachstumsfördernde Eigenschaften zurückzuführen

Coca-Pflanze

ist. In derselben Studie zeigte DMT interessante krebshemmende Eigenschaften, was die Ergebnisse früherer Forschungen bestätigt. Gabriele Macedo Pereira et al., 2018, Isolation, spectral characterization, molecolar docking, and cytotoxic activity of alkaloids from Erythroxylum pungens O. E. Shulz, Phytochem., 155:12-18. M.C. Tourino et al., 2013, Tryptamine and dimethyltryptamine inhibit indoleamine 2,3 dioxygenase and increase the tumor-reactive effect of peripheral blood mononuclear cells, Cell Bioch.Funct., 31: 361-4.

RAUPEN UND LSD Ein eigenartiges Experiment im Italien der 60er Jahre 1961 wurde im psychiatrischen Krankenhaus Turin ein Experiment mit dem Pinien-Prozessionsspinner durchgeführt. Dabei handelt es sich um eine Raupenart (Thaumetopoea pityiocampa), die dafür bekannt ist, sich als Gruppe in Reih und Glied vorwärts zu bewegen. Mehr als 1000 Raupen wurde in 20er-Gruppen LSD injiziert, wobei beobachtet wurde, dass sie sich danach nur noch unregelmäßig bewegten, jede für sich und nicht mehr in einer Gruppe. Erst 4 bis 8 Stunden später, nachdem der LSD-Effekt Pinien-Prozessionsspinner sind stets in einer Gruppe unterwegs. verflogen war, begannen Foto: Jürgen Appel sie wieder, sich in einer Gruppe zu bewegen. Das gleiche Experiment wurde durchgeführt, indem man den Raupen den Urin von Schizophrenen injizierte – mit denselben Resultaten. In Übereinstimmung mit dem psychotomimetischen Paradigma jener Jahre kamen die italienischen Psychiater zum Schluss: LSD hat eine antisoziale Wirkung, und Schizophrenie wird durch ein Gift erzeugt, das dem LSD ähnlich ist. Pascal E. & G. Gamna, 1961, Modificazioni di comportamento delle processionarie del pino per effetto della dietilamide dell‘acido lisergico, Ann.Fren.Sci.Aff., 24: 576-81; Gamna G. & E. Pascal, 1962, Modificazioni di comportamento delle processionarie del pino per effetto di sieri e di urine di malati mentali, Ann.Fren.Sci.Aff., 75: 226-8.


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L u c y ‘ s R a u s c h Nr.  9

LUCY‘S ALPTRAUM

DROGEN AUF REISEN AUF DER SUCHE NACH DEM HIGHLIGEN GRAL Ein kleiner psychedelischer Rundtrip auf dem Planeten Erde TEIL 3:

TEXT

Stefan Haag

Lasst uns auf die Reise gehn, andres Land zu suchen, wo man den Sommer ohne Whiskey erträgt und den Winter ohne Kohlen auskommt, und das Lieben nicht müde macht, in andere Landschaft. Witthüser & Westrupp, Trips & Träume, 1971

D

ie Welt ist klein geworden. Verdammt klein. Jeder Winkel der Erde ist in einigen harten rauchfreien Flugstunden zu erreichen (zum Glück gibt’s Kekse, aber das nur nebenbei). Das gilt natürlich auch für unsereins – ich schreibe ja mein halbes Leben darüber. Da gibt es zwei Reisetypen: Die einen suchen sich ein schönes Ziel aus und schauen mal, was es vor Ort so gibt. Die anderen gehen gezielt dahin, wo sie wissen oder zu wissen glauben oder zumindest hoffen, dass sie genau dort ihren Wunsch nach ortsüblichen Substanzen ungestört oder zum ersten Mal oder möglichst billig befriedigen können. Kurz: Die Suche nach dem highligen Gral.

Lasst uns also auf die Reise gehn, fremdes Land entdecken … Überzeugte Cannabisfreunde haben es heutzutage wahrhaftig nicht mehr schwer, der heimischen Illegalität zu entfliehen. Das geht in Kalifornien, Kanada oder Uruguay mit staatlicher Genehmigung. Der Gedanke, die total kommerzialisierte nordamerikanische Cannabisindustrie zu unterstützen, törnt mich allerdings nicht wirklich an. Wo es ein bisschen verboten ist, macht es irgendwie mehr Spaß. Paradox, nicht wahr? Kiffers Paradise Passionierte Grasraucher, die Palmen, Strandleben und Bob Marley mögen, sind in dessen Heimat besser denn je aufgehoben. Denn dort gab es, von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, vor zwei Jahren eine kleine, aber feine Gesetzesreform, die besagt, dass der Besitz kleiner Mengen Weed (immerhin bis zu 1 Unze, also 28 Gramm) keine Straftat mehr ist und daher keine einwöchige U-Haft mehr nach sich zieht, sondern als Ordnungswidrigkeit behandelt wird, für die es eine festgesetzte geringe Geldstrafe


Ja m a i k a

Fotos: Stefan Haag, Pixabay, PD

gibt. Ein schwerer Schlag für all die korrupten Uniformträger, die Kiffer jagten und sich dann bestechen ließen, damit diese nicht für eine Streichholzschachtel voll Ganja in U-Haft kommen, um dann eine Woche später vor Gericht gestellt und dann mit einer Geldstrafe heimgeschickt zu werden. Diese Gefahr ist nun also auf Jamaika gebannt, und trotz all dem Trubel an den Stränden von Ocho Rios oder Negril war, ist und bleibt Jamaika mein persönliches Paradies in Sachen Ganja. Da können sie in Colorado oder Kalifornien noch so viel Hightech-Weed vermarkten. Palmen, Meer und Marihuana: Jamaika.

Lasst uns auf die Reise gehn, andres Land zu suchen, wo Mauern und Zäune schon abgebaut sind, wo Wiesen ohne Kettenspur grünen und wo man ohne Theater stirbt, in anderer Landschaft. Der eingefleischte Haschfreund dagegen hat es selbst in unserer globalisierten Welt ungleich

schwerer, noch einen geeigneten Ort für seine spezielle Leidenschaft zu finden. Viele traditionelle Haschischländer im Nahen und Mittleren Osten, wie Libanon, Afghanistan oder Pakistan, sind aus sicherheitstechnischen Erwägungen zu hedonistischen Zwecken nicht mehr bereisbar. Andere, wie die Volksrepublik Nepal, haben den Kampf gegen den Hanf mehr oder weniger gewonnen (wie in der letzten Ausgabe berichtet) oder entfernen rigoros jegliche Drogensubkultur, so wie dieser wahnsinnige philippinische Präsident. Herzchakra der Haschkultur Wo Krieg herrscht, wo es überall Minen hat oder wo die Polizei erst schießt und dann fragt, oder wo man gar hängt für Drogen – das sind alles keine Plätze, um sich wirklich wohlzufühlen. Es bleibt, davon habe ich ja schon erzählt, das gute alte Marokko: politisch vergleichsweise stabil, wenig kriminell und tolerant (beziehungsweise intelligent) genug, um das seit Jahrhunderten allgegenwärtige Haschisch irgendwie zu dulden. Und }


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D R O G E N AU F R E I S E N


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GESCHICHTE In dieser Rubrik werfen wir einen Blick zurück auf die Geschichte der multidisziplinären Forschung auf dem Gebiet der Bewusstseins­ veränderung und der psychoaktiven Substanzen.

In jeder Lucy‘s-Ausgabe rufen wir einen bedeu­ tenden psychonautischen Experten in Erinne­ rung und würdigen ihn, indem wir auszugsweise einen grundlegenden Text nachdrucken.

Historische Anfänge der Haschisch-Forschung Erinnerung an Christian Scharfetter TEXT

  Michael Schlichting

Wenn heute von Haschisch-Forschung die Weniger bekannt ist dagegen die Rede ist, denken wir vor allem an die Entde- Bedeutung von Selbstexperimenten mit ckung der Cannabinoid-Rezeptoren im Haschisch für die modernen medizinischen menschlichen Körper und des daran bin- Wissenschaftsdisziplinen der Psychiatrie und denden hirneigenen Transmittermoleküls Psychopathologie und deren Theoriebildung Anandamid, an die Identifizierung des psy- mit Entwicklung geeigneter Konzepte zur choaktiven Wirkstoffes der genauen Beobachtung und BeHanfpflanze, Delta-9-Tetra­ ­schreibung außergewöhnlicher hy­dro­cannabinol (THC), oder Bewusstseinszustände, was beauch an die zahlreichen, reits im Jahr 1845 den fran­ durch wissenschaftliche Stuzösischen Psychiater Jacques dien belegten nützlichen Joseph Moreau de Tours zur Anwendungen von Hanf be­ Formulierung einer Theorie zur ziehungsweise Cannabis in Entstehung psychischer Krankder Medizin, zum Beispiel in heiten veranlasste. der Behandlung spastischer Der folgende Nachdruck Muskelverspannungen, vegesoll auf diese medizinhistorische tativer Erschöpfungszustände, Bedeutung der frühen HaschischSchlafstörungen, Migräne und Forschung im 19.  Jahrhundert Cluster-Kopfschmerz, Glau- Christian Scharfetter.   Foto: PD aufmerksam ma­­chen – und auf kom, Epilepsie oder anderer den hohen Wert von Selbst­ neurologischer und psychischer Erkrankun- erfahrungen für Ärzte, Wissenschaftler und gen, bei Appetitlosigkeit und Essstörungen; Bewusstseinsforscher –, heutige Forscher in der Onkologie und AIDS-Therapie zur inspirieren und zugleich an den renom­ Abmilderung unerwünschter Nebenwirkun- mierten Zürcher Psychiater, Psychopathologen der Chemotherapeutika und vieles gen und Bewusstseinsforscher Christian andere mehr. Scharfetter (1936 – 2012) erinnern.


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Jacques Joseph Moreau de Tours (1804 – 1884)

Haschisch-induzierte Phänomene als Psychosen-Modell T E X T   

Christian Schar fet ter

1. Die Zeit: Von der Aufklärung zur Romantik Das heute vorzustellende Werk von Moreau erschien 1845. Was charakterisiert seine Zeit? Es ist die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, als nach der Dominanz der Aufklärung die Kultur, Anthropologie, Religion, Psychologie und Psychopathologie von der Romantik bestimmt wurden. Die Aufklärung setzte auf den Rationalismus, auf die Vernunft und auf physikalistisch-mechanische Konzepte der Natur und dementsprechend auch des Menschen. Der Wissenschaftler und Philosoph der Aufklärung strebte nach Allgemeinaussagen, wollte nomothetische Einsichten und Formulierungen gewinnen, die generell für die Natur und für den Menschen gültig seien. Für die Psychiatrie be­deutet das, dass zu dieser Zeit der Fortschritt im Wesentlichen von den naturwissenschaftlichen Studien über die Morphologie des Gehirns erwartet wurde. Das einzelne Individuum, sein Innenleben, seine Träume, Triebe, Gefühle, Konflikte blieben als Irrationales und Privates außerhalb des Forschungsinteresses. Das Credo der Aufklärung war die Welt-

verbesserung durch Vernunft, die Entfaltung eines Humanismus und einer philantropischen Bewegung. Diese wurde für die Entwicklung des Anstaltswesens bedeutsam. Mit der Romantik rückte die der Vernunft allein nicht zugängliche Tiefe und Weite der Psyche, die Gefühle (Passiones), Instinkte, Triebe, die Phantasie- und Traumwelt, Religiöses, im weiteren Sinne «Irrationales» in die Aufmerksamkeit des Interesses. Mit der Faszination durch das Irrationale entfalten sich auch Glaube, Mystik, Religiosität als Elemente, welche auch in das ärztliche und psychiatrische Denken und Tun einfließen. Besonders deutlich ist das zum Beispiel bei Heinroth (1773–1843). Für die Psychologie wird die Befassung mit dem Innenleben der Person, mit ihren Bewusstseinsmöglichkeiten bedeutsam. Die Introspektion als Methode, über das Innenleben Bescheid zu erhalten, wird von Moreau stark gewichtet und verfeinert. Die Welten der besonderen Bewusstseinszustände des Natur- und Gottversunkenen, des Phantasten, des Träumers, des Kranken senden }


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IMPRESSUM Lucy’s Rausch Nr. 9 Mai 2019 ISBN 978-3-03788-409-6 ISSN 2296-8695 Lucy‘s Rausch erscheint zweimal jährlich. Nächste Ausgabe: Herbst 2019

Korrektorat Inga Streblow

Herausgeber Roger Liggenstorfer Nachtschatten Verlag AG Kronengasse 11 CH-4500 Solothurn Fon: +41 32 621 89 49 info@nachtschatten.ch www.nachtschatten.ch www.lucys-magazin.com

Anzeigen / Marketing Michaela Renggli michaela@nachtschatten.ch werbung@lucys-magazin.com

Chefredaktion Markus Berger markus@lucys-magazin.com Redaktion Roger Liggenstorfer roger@lucys-magazin.com Bild- und Textredaktion Nina Seiler nina@lucys-magazin.com Mitarbeiter dieser Ausgabe Hans Cousto, Govert Derix, Stanislav Grof, Stefan Haag, Kevin Johann, Michael Kleim, Michael Knodt, Claudia Müller-Ebeling, Jeremy Narby, Linus Naumann, Friedrich Rehrnbeck, Flann Rombeath, Giorgio Samorini, Christian Scharfetter, Michael Schlichting, Wolf Schneider

Druck Gedruckt auf LuxoArtSamt (115 g/m²).

Layout Nina Seiler; Mitarbeit: Felix Mäcke Umschlaggestaltung Sven Sannwald sven@nachtschatten.ch

Administration Barbara Blankart barbara@lucys-magazin.com

Druckerei & Verlag Steinmeier, Deiningen. Printed in Germany Vertriebe Pressevertrieb (Kioske, Supermärkte, Bahnhof- & Flughafenbuchhandlungen) IPS Pressevertrieb GmbH 53334 Meckenheim www.ips-pressevertrieb.de Buchhandel Schweiz AVA Verlagsauslieferung, Affoltern a.A.

Abo-Verwaltung Lukas Emmenegger lukas@lucys-magazin.com

Head- & Hanfshops Schweiz Nachtschatten Versand versand@nachtschatten.ch

Botschafter-Administration Jutta Berger jutta@lucys-magazin.com

Buchhandel, Head- & Hanfshops Deutschland & Österreich LKG, Rötha/Leipzig flora.ihlau@lkg-service.de

Bankverbindungen Schweiz Regiobank Solothurn Konto-Nr.: 443.213.16.114 IBAN: CH20 0878 5044 3213 1610 8 BIC: RSOSCH22 Deutschland Postbank Hamburg Konto-Nr. 969 792 202 IBAN: DE35 2001 0020 0969 7922 02 BIC: PBNKDEF, Vermerk: Lucys Rausch

Vertreterin Deutschland: Ines Schäfer service@verlagsvertretung-schaefer.de Namentlich gekennzeichnete Texte geben nicht unbedingt die Meinung von Redaktion und Herausgeber wieder.

Bitte beachten Sie unsere «Charta für eine Kultur des Rausches» auf lucys-magazin.com/charta. Beachten Sie auch die Inserate unserer Werbepartner und gleichzeitig das geltende Recht Ihres Landes. Der Verlag ruft weder zu illegalem Drogenkonsum auf, noch beabsichtigt er, diesen zu fördern.

VERKAUFSSTELLEN Lucy‘s Rausch ist im Kiosk-, Presse- und Buchhandel sowie in folgenden Head- & Growshops erhältlich (Stand Mai 2019):

SCHWEIZ  BASEL  Sibannac GmbH, Güterstr. 138 (im Hinterhof), 4053 Basel, visionofhemp.ch • Zum Hinkelstein, Baslerstr. 7, 4103 Bottmingen BERN  KALISHA, Rathausgasse 47, 3011 Bern, kalisha.ch • Secret Nature, Kramgasse 68, 3011 Bern, secret-nature.ch LUZERN  Artemis GmbH, Murbacherstrasse 37, 6003 Luzern SOLOTHURN  Babacool, Löwengasse 4, 4502 Solothurn, babacool.ch • Nacht­ schatten Shop, Kronengasse 11, 4500 Solothurn, nachtschatten.ch

ST. GALLEN  BREAKshop, Gaiserwaldstr. 16a, 9015 St. Gallen, www.breakshop.ch THUN  Secret Nature, Obere Hauptgasse 11, 3600 Thun, secret-nature.ch ZÜRICH  Bio Top Center GmbH, Konrad­str. 28, 8005 Zürich, biotop-zuerich.ch • Grünhaus AG, Herostr. 7, 8048 Zürich, gruenhaus-ag.ch

DEUTSCHLAND ACHERN  Kulturkiosk Fumamour, Kapellenstr. 4, 77855 Achern ALTENMEDINGEN  Kudra NaturBewusstSein, Im Dorfe 1B, 29575 Altenmedingen-Bohndorf, kudra.net AMBERG  Coffeeshop, Georgenstr. 45, 92224 Amberg, coffee-shop-amberg.de

BERLIN  Buchladen Schwarze Risse, Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin • Kaya Foundation, Schliemannstr. 26, 10437 Berlin, kayagrow.de • Klaus der Gärtner, Straßmannstr. 1, 10249 Berlin, klausdergärtner.de • Sensatonics, Teilestr. 11-16, T.0, 12099 Berlin, sensatonics.de • Verdampftnochmal, Karl-Kunger-Str. 28, 12435 Berlin, verdampftnochmal.de BRUCHSAL  Planet Blunt, Bannweideweg 4, 76646 Bruchsal, planet-blunt.de DÜSSELDORF  White Rabbit, Dorotheenstr. 82, 40235 Düsseldorf, headshop-white-rabbit.de FRANKFURT/M.  Mr. Nice-Growshop, Große Seestr. 36, 60486 Frankfurt, mr-nice-shop.com


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VORSCHAU

Nr. 10 

Herbst 2019 Psychedelische Paläontologie Meerestier Hallucigenia und Urmensch Lucy

Froschmedizin aus dem Regenwald: Kambô Schamanische Therapie mit Phyllomedusa bicolor

Microdosing: Sinn und Unsinn Über den Umgang mit gering dosierten Psychedelika

Fotos: Scorpion 451, Tim Vickers, Pixabay, Pixnio

Volksdroge und psychoaktive Rituale: Kakao-Zeremonien Rituale mit Theobroma cacao liegen im Trend

Substanzunterstützte Meditation Psychoaktiva und die Praxis der Kontemplation sowie zahlreiche Beiträge zu Psychedelik, Rauschkunde, Psychonautik, Ethnobotanik und Drogenpolitik ... HAMBURG  Zaubertrank, Mexikoring 11a, 22297 Hamburg, zaubertrank-hamburg.de LUDWIGSBURG  Green Planet, Abelstr. 47/49, 71634 Ludwigsburg MAINZ  Der Hänfling, Gärtnergasse 5, 55116 Mainz, derhaenfling.de MALSCH  Kalidat Grow- & Headshop, Am Bahnhof 6, 69254 Malsch, kalidat.de MANNHEIM  New Asia Headshop, F1, 10 (Nähe Paradeplatz), 68159 Mannheim, new-asia-headshop.de • Bock Shop GmbH, Keplerstrasse 33, 68165 Mannheim MARBURG  Sirius Buchhandlung, Barfüßerstr. 13, 35037 Marburg, thefinalembrace.de NEU-ANSPACH  Shambala, Ostpreussenstr. 27, 61267 Neu-Anspach, shambhala-shop.de

NÜRNBERG  Aeroponik Systems, Austr. 71, 90429 Nürnberg REUTLINGEN  HanfHaus Reutlingen, Weingärtnerstr. 27, 72764 Reutlingen, hanfhaus-reutlingen.de ROSSDORF  Syntropia, Industriestr. 20, 64380 Roßdorf, syntropia.de, www.rauschkunde.net ULM  Hanf-Lager Ulm, Zinglerstraße 1, 89073 Ulm, hanflager.de

ÖSTERREICH SALZBURG  Cosmic 5 KG, Schallmoser Hauptstraße 29, 5020 Salzburg, cosmic5.at WIEN  Hanf & Hanf, Lasallestraße 13, 1020 Wien, hanf-hanf.at

KANARISCHE INSELN LA GOMERA  Tienda Ansiria, C/Abisinia 8, Vueltas, 38870 Valle Gran Rey Aktualisierte Liste unter www.lucys-magazin/verkaufsstellen In Deutschland findet man Lucy‘s Rausch über mykiosk.com.


Berauschend! Bisherige Ausgaben Kapitel

3

Kapitel

Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

Nr.1 /Frühjahr 20152014 / CHF 12.50 / EUR 10.– Nullnummer / Frühjahr / CHF 12.50 / EUR 10.–

Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

Welten des Bewusstseins Ralph Metzner HR Giger – Das grosse Interview Steve Stoned Interview – Besuch im Val-de-Travers Absinthe Cannabis und Cannabinoid-Medizin Legal Highs – Falsche Perspektiven DMT und– oder 5-MeO-DMT in Pflanzen die Verbesserung der Welt El Pepe Drugchecking von A bis Z Hansmit Cousto Albert Hofmann – Ein Gespräch Günter Amendt Hirndoping dem LSD-Entdecker

Nun ist er da:

Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

Die Geburt der psychedelischen Kultur Heimische Psilocybin-Pilze Timothy Leary: Die Zeit in Harvard

Die Kröte –und Jaguar Ralph Metzner HR Giger Das der grosse Interview Holotropes Atmenim Stanislav Grof et al. Val-de-Travers Absinthe – Besuch

Cannabis als Medizin: Die politische Lage Holotropes Atmen

Timothy Leary in Harvard Mathias Bröckers – Falsche Perspektiven Legal Highs Kunst: / Gerhardder Seyfried oder Nauwald die Verbesserung Welt El Pepe –Nana

Auf dem Peyote-Weg

Ein neuer Psilocybin-Pilz Jochenmit Gartz – Ein Gespräch Albert Hofmann Progressive Psytrance Roberdo Raval dem LSD-Entdecker

Lucy’s Nummer 2

Lucy’s Nummer 3

Ralph Metzners Welten des Bewusstseins • Ethnobotanik: DMT und 5­MeO­DMT • Cannabis­ konzentrate und Dabbing­ Kultur • Steve Stoned • Christian Rätsch • Ketamin auf dem Dance­ Floor • Hanscarl Leuner

Ralph Metzner: Die Kröte und der Jaguar • Timothy Leary • Cannabis als Medizin • Nana Nauwald • Gerhard Seyfried • Adi Dittrich • Neuer Psilo­ cybin­Pilz • Drug Checking = Safer Use • Holotropes Atmen • Peyote­Weg • Progressive Psytrance

Ayahuasca • Luke Browns Kunst • Transformatio­ nal Festivals • Barnim Schultze und das Akasha Project • Sasha Shulgin • Schadensminderung beim Feiern • Ethnobotanischer Pflanzenanbau: Windenge­ wächse • Automatik­Cann­ abis • Reinkarnation

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Lucy’s Nummer 1

Find the good stuff. Geburt einer psychedelischen Bewegung – Falsche Perspektiven Legal Highs

Nr. 8 / Herbst 2018

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JU AU BIL SG ÄU AB M E S

Christian Rätsch: Ayahuasca-Oper Psychoaktive Orchideen Erfahrungen mit CBD Wolf-Dieter Storl: Titanische Illusionen Sananga: Psychoaktive Augentropfen Martina Hoffmann im Interview

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Lucy’s Nummer 5

Lucy‘s Nummer 6

Ketamin gegen Depres­ sionen • MDMA in der Psychotherapie • Drogen auf Reisen mit Stefan Haag • Dissoziativa • John Lilly, Bewusstsein und Delfine • L. Caroll und «Alice im Wunderland» • Cannabis­ Medizin • Fliegenpilz trifft Ayahuasca

Lucy‘s Nummer 7

Lucy‘s Nummer 8

Geschichte des Schamanismus • Rapé – Schamanische Snuffs • Tor­ sten Passie über Harry C. Kane • Die Opium­Moderne • Cannabis: alte Landras­ sen • Traumpflanzen • Frank Tempel • Meskalin­ forschung • Boom­Festival 2016 ISBN 978­3­03788­405­8 € 14.80 / Fr. 18.50

ISBN 978­3­03788­407­2 € (D) 14.80 / Fr. 18.50

ISBN 978­3­03788­475­1 Fr. 18.50 / (D) 14.80 / (A) 15.30

ISBN 978­3­03788­407­2 € (D) 14.80 / Fr. 18.50

Bicylce Day: 75 Jahre LSD­Erfahrung • Ludlow, Der Haschisch­Esser • Acid­Pioniere: Albert Hofmann / Timothy Leary / Stan Grof • Wie psychede­ lisch kann Cannabis sein • Christian Rätsch: LSD und Musik

Über die erste Ayahuasca­ Oper Orfeo chaman • Eine psychoaktive Orchidee • Cannabis und Terpene • Erfahrungen mit CBD • Titanische Illusionen • Psychedelische Kunst • Psychonaut, Pionier und Poet Hans Plomp im Interview

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Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

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Ralph Metzner: Alchemistische HR Giger – Das grosse Interview Divination 5-MeO-DMT: Filmimüber Bufo alvarius Absinthe – Besuch Val-de-Travers

Jeremy Narby: Kulturgeschichte Legal Highs – Falsche Perspektiven des Rauschs der LSD-Blotter ElMark PepeMcCloud: – oder die Herr Verbesserung der Welt MusikHofmann für den Trip: Young mit Gods Albert – EinThe Gespräch Christian Scharfetter: Haschisch-Forschung dem LSD-Entdecker

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Lucy's Rausch Nr. 9  

Unsere aktuelle Frühjahrsausgabe! Mit Artikeln zu diesen Themen: - Jeremy Narby über das Phänomen des Rauschs - Essay über Ayahuasca-Philoso...

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