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Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

Nr. 5 / Frühjahr 2017 CHF 1 8.50 / € (D) 14.80 / € (A) 15.30

Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

Jeremy Narby Francis Huxley: Schamanismus HR Giger – Das&grosse Interview Michael Knodt: Cannabis-Landrassen Absinthe – Besuch im Val-de-Travers Terence McKenna: Psychedelik und Maschinen Legal Highs – Falsche Perspektiven Schamanische Snuffs: Rapé El Pepe – oder die Verbesserung der Welt Mathias Bröckers: DieGespräch Opium-Moderne Albert Hofmann – Ein mit Torsten Passie: Harry C. Kane & Meskalin dem LSD-Entdecker

H A N F   +   K U N S T   +  PA R T Y  +   E T H N O B O TA N I K

Nr.5 / Frühjahr 2017


Lassen Sie sich berauschen Bisherige Ausgaben: siehe www.lucys-magazin.com Kapitel

Nullnummer / Frühjahr 2014 / CHF 12.50 / EUR 10.–

Jahre Nachtschatten Verlag Symposium, 4. – 7. September 2014, Solothurn (CH)

Lucy’s Null-Nummer

4

HR Giger – Das grosse Interview Absinthe – Besuch im Val-de-Travers Legal Highs – Falsche Perspektiven El Pepe – oder die Verbesserung der Welt

Mit folgenden Autoren

Albert Hofmann – Ein Gespräch mit dem LSD-Entdecker

Stanislav Grof, Ralph Metzner, Wolf-Dieter Storl, Christian Rätsch, Claudia Müller-Ebeling, Markus Berger, Alexander Ochse, Wolfgang Bauer, Jochen Gartz Arno Adelaars, Mathias Bröckers, Patrizia Ochsner, Hans Cousto, Tina Loosli Daniel Trachsel, Wolfgang Sterneck, Samuel Widmer, Claudia Möckel, Klaus John Theo Pütz, Mike MoD, Matthias Diesch Zu den spannenden Themen Nachtschattengewächse, Schamanische Kraftpflanzen Hanf, Pilze, LSD, Ayahuasca, Kakteen, Drogenmischkonsum, Partyfood Psycholytische Therapie, Holotropes Atmen, Alchemistische Divination Diverse Künstler

Vorträge, Seminare, Workshops Rahmenprogramm Podiumsgespräche Kino, Ausstellungen Specials, Party

Infos und Anmeldung

www.nachtschatten.ch/symposium info@nachtschatten.ch Tel 0041 (0)32 621 89 49 Vorverkauf ab 1. März bis 31. Mai

NS_Lucys_400_cover_aussen_coated.indd Alle Seiten

Nullnummer / Frühjahr 2014 / CHF 12.50 / EUR 10.–

HR Giger, Luke Brown, Fred Weidmann, Gerhard Seyfried Steve Stoned, Nana Nauwald, Akasha Project

21.02.14 10:05

Ralph Metzner: Die Kröte und der Jaguar • Timothy Leary • Cannabis als Medizin • Nana Nauwald • Gerhard Seyfried • Adi Dittrich • Neuer Psilo­ cybin-Pilz • Drug Checking = Safer Use • Holotropes Atmen • Peyote-Weg • Progressive Psytrance

Ralph Metzners Welten des Bewusstseins • Ethnobotanik: DMT und 5-MeO-DMT • Cannabiskonzentrate und Dabbing-­ Kultur • Steve Stoned • Christian Rätsch • Ketamin auf dem Dancefloor • Hanscarl Leuner

Ralph Metzner DMT und 5-MeO-DMT Cannabis als Medizin/Dabbing Steve Stoned im Gespräch Auf dem Peyote-Weg

ISBN 978-3-03788-401-0 112 Seiten, Format 20 x26,5 cm € 14.80 / Fr. 18.50

ISBN 978-3-03788-400-3 112 Seiten, Format 20 x 26,5 cm € 10.00 / Fr. 12.50

Nr. 4 / Herbst 2016

Lucy’s Nummer 3

Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

CHF 1 8.50 / € (D) 14.80 / € (A) 15.30

ISBN 978-3-03788-402-7 112 Seiten, Format 20 x 26,5 cm € 14.80 / Fr. 18.50

Lucy’s Nummer 4

Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

Nr.4 / Herbst 2016

LSD-Analoga und Verwandte • Die Kunst des herman de vries • Das Lied der Schmetterlinge • Albert Hofmann und Psychedelika vor dem Übergang • Safer Use III • Ethnobotanischer Pflanzenbau: Mohngewächse • Psilocybin-Pilze Europas • Cannabispolitik

Iboga und– Das Ibogain: Entheogene HR Giger grosse Interview Lehrmeister Synthetische LSD-Analoga und verwandte Moleküle – Besuch im Val-de-Travers Absinthe Freie Sicht: vries Claudia Müller-Ebeling – Falschede Perspektiven Legal Highsherman Psilocybinpilze unserer Heimat der Welt Verbesserung El Pepe – oder die Albert Hofmann Hofmann Psychedelika vormit dem Übergang – Ein Gespräch Albert Cannabispolitik: Ein Überblick Michael Knodt dem LSD-Entdecker

H A N F + K U N S T + PA R T Y + E T H N O B O TA N I K

Ayahuasca • Luke Browns Kunst • Transformational Festivals • Barnim Schultze und das Akasha Project • Sasha Shulgin• Schadensminderung beim Feiern • Ethnobotanischer Pflanzen­anbau: Windengewächse • Automatik-Cannabis • Reinkarnation

Lucy’s Nummer 2

Lucy’s Nummer 1

Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

Die Offenbarungen des HR Giger • Der zweifelhafte Weg in die schöne neue Welt • Der Psychonaut: Das Portrait von Albert Hofmann • Absinthe: Die Legende aus dem Valde-Travers • Legal Highs: Die erlaubten Gefahren

ISBN 978-3-03788-403-7 112 Seiten, Format 20 x 26,5 cm € 14.80 / Fr. 18.50

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ISBN 978-3-03788-404-1 112 Seiten, Format 20 x 26,5 cm € 14.80 / Fr. 18.50

Lucy’s Rausch abonnieren: www.lucys-magazin.com/abo

T-Shirts, Taschen, Postkarten, Blotter, Papers etc.

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10.– 10.– EUR / EUR 12.50 / 12.50 / CHF / CHF r 20152014

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«Würden wir das psychedelische Modell ernst nehmen, wären wir gezwungen, unsere Leben vollständig zu ändern.» JIM DE KORNE


Foto: 123RF

2


3

Zwischen den Welten: 500 Jahre Schamanismusforschung Seite 20


Bild: William Lamb Picknell: The Opium Den (1881)


5

Die Sirenen von Eleusis: Opium-Moderne



Seite 44


Foto: JĂźrg Augstburger

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7

Die Urahnen der Sortenvielfalt: Landrassen  Seite 51


Android Jones: Humming Dragon (Ausschnitt)


9

Schamanische Landkarte: Visionäre Kunst  Seite 96


1 0   LU C Y ‘ S C O M I C


L u c y ‘ s R a u s c h N r .  5

11

INHALT   PARTY

13

Editorial Markus Berger

19

Von Pilzen und vom Brutto­ nationalglück Klartext von Roger Liggenstorfer

20

28 35

Zwischen den Welten – 500 Jahre Schamanismus und Schamanismusforschung Jeremy Narby und Francis Huxley

Rapé – Heiliger Snuff vom Amazonas Lucifer Svard & Markus Berger Der Stein der Weisen Coustos Psychedelikatessen

  KUNST

80

Nu LatAm Roberdo Raval

44

Die Sirenen von Eleusis Mathias Bröckers

64

Von Heiligtum und Hexenwerk Alice Dorothea Baker

84 88

II World Ayahuasca Conference Helena Aicher

92

YOU ARE GOD! Der moderne Mystiker Martin W. Ball David Heuer

96

Schamanische Landkarte: Visionäre Kunst an der BOOM 2016 Chris Heidrich

102

Hans Friedrichs: Meskalin und Psychologie Torsten Passie

36

Innere Freiräume Torsten Passie über Harry C. Kane

42

Walter Wegmüller: Moosrugger Claudia Müller-Ebeling

14 Lucy’s Flashback Leserbriefe und Feedback

  CANNABIS

51 74

Die Urahnen der Sortenvielfalt Michael Knodt Frank Tempel: «Die repressive Drogenpolitik hat versagt» Über die verfehlte Prohibition

  ETHNOBOTANIK

58

Terence McKenna Jonas Hässig

Traumpflanzen Kevin Johann

15 Lucy’s Mix 18 Lucy‘s Agenda 26 Eleusis kompakt Giorgio Samorini 69 Lucy’s Mediathek Bücher und DVD 73 Lucy‘s Lifestyle 109 Literatur zu den Artikeln 110 Impressum 111 Lucy‘s Vorschau


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L u c y ‘ s R a u s c h N r .  5

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EDITORIAL

Das große Ganze überschauen

B

ewusstseinserweiterung mit Psychedelika liegt zurzeit irgendwie im Trend: Die Zahl der Psychonauten wächst so schnell wie noch selten. Offensichtlich kehren wir langsam dorthin zurück, wo wir als geistige Wesen einst hergekommen sind – vielleicht ist das eine Antwort auf die ver­ heerenden Zustände in dieser Welt. Sich der Psychonautik hinzugeben bedeutet zu lernen, wie man visionäre Zustände navigiert und wie man sie nutzt, um sich einerseits persönlich zu entwickeln und andererseits globale Probleme zu erkennen. Psychedelisch veränderte Bewusstseinszustände können uns lehren, das große Ganze zu überschauen, ohne dabei das Kleine aus den Augen zu verlieren. Bewusstseinserweiterung ist sicherlich ein wichtiger Aspekt auf dem Weg aus der globalen Misere. Neue Studien gewähren Einblicke in die Pharmakologie von LSD, belegen dessen bewusstseinserweiternde Wirksamkeit und machen sie besser verständlich. Durch LSD wird das Gehirn zu einem noch größeren und multifunktionaleren Netzwerk, als es das ohnehin schon ist (vgl. Lucy,s Rausch Nr. 4). Jetzt sind weitere interessante Studien zur Wirkweise des LSD erschienen –  wir berichten in der Rubrik Mix darüber –, während selbsternannte Sucht­experten postulieren, psychedelische Moleküle würden keine Bewusstseinserweiterung herbei­ führen, sondern lediglich Trugbilder und Fantasiekonstrukte. Solche Behauptungen können nur von jenen kommen, die keine Erfahrungen mit diesen Substanzen haben – frei nach Terence McKenna: «LSD erzeugt Psychosen – bei denen, die es nie genommen haben.» Und damit sind wir schon beim Inhalt der aktuellen Ausgabe angelangt, denn darin geht es unter anderem auch um Terence McKennas Philosophie und Ideen, die Jonas Hässig in einem Essay erläutert. Der Bewusstseinsforscher Torsten Passie erhellt in einem Interview die fotografischen Mandalas des Künstlers Harry C. Kane und hat außerdem einen Artikel zur Erforschung des Kaktus-Entheogens Meskalin beigesteuert. Die Anthropologen Jeremy Narby und Francis Huxley, der Neffe des berühmten

Aldous Huxley, beehren erstmals unser Magazin mit einem Überblick über den Schamanismus. Der US-Amerikaner Martin W. Ball polarisiert innerhalb der psychonautischen Welt mit seinen Aussagen über die Beschaffenheit der Realität(en). Tiefgreifende Erlebnisse mit dem DMT-Derivat 5-Methoxy-DMT führten ihn –  wie er sagt  – direkt zur Schöpferkraft, zu Gott, und führten ihm vor Augen, dass in Wirklichkeit nur dieser nonduale Gott und dessen Emanationen existieren, nicht jedoch die unsichtbaren Realitäten, von denen viele Psychonauten berichten. David Heuer hat mit ihm gesprochen. Und Lucifer Svard aus den Niederlanden informiert in einem umfassenden Text über das schamanische Werkzeug Rapé, einen energetisch hochwirksamen Snuff auf der Basis von diversen Tabakaschen und anderen, zum Teil noch unbekannten Schamanenpflanzen des südamerikanischen Amazonasgebiets. Artikel zu Opium, Cannabis-Landrassen, Traumpflanzen und der relativ neuen Musikrichtung Nu LatAm (New Latin American Music) sowie weitere erhellende Texte runden die Ausgabe Nr. 5 von Lucy,s Rausch ab. Ich wünsche viele Aha-Erlebnisse, spannenden Lesegenuss und rekreative Augenblicke der inneren Einkehr.  Markus B erger, Chefredak teur


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Leserbriefe & Feedback Die Redaktion freut sich auch weiterhin über Lob und Kritik. Aus Gründen der Diskretion veröffentlichen wir lediglich die Initialen der Absender. Flashbacks bitte an redaktion@lucys-magazin.com Als ich Lucy’s zum ersten Mal in den Händen hielt, muss ich sagen, war ich überrascht. Überrascht von dem Hochglanzdeckblatt und von der inhaltlichen Vielfalt. Ehrlich gesagt, hatte ich mir Lucy’s ein bisschen anders, einfacher, nicht so umfangreich, vielleicht auch nicht so professionell vorgestellt. Was habe ich erwartet? Ich weiß es auch nicht so genau, auf jeden Fall hat mich der Auftritt

«Spannende Fragestellungen» von Lucy’s irgendwie verunsichert. Halte ich nun ein Hochglanzmagazin mit Klatsch und Tratsch in den Händen oder was ist Lucy’s überhaupt? Als ich mich dann mit dem Inhalt beschäftigte, war ich im ersten Moment überfordert. Als Mensch, welcher sich bis dahin in keiner Art und Weise mit Psychonautik beschäftigt hat, waren einige Texte inhaltlich für mich nur schwer zu verstehen und vor allem nicht nachvollziehbar. Nichtsdestotrotz habe ich bei der Lektüre einige für mich sehr interessante Inhalte gefunden, welche mir sehr viel zu denken gaben. Spannende Fragestellungen taten sich auf, welche ich für mich aber noch lange nicht alle beantwortet habe. M.K., Kantonspolizei Graubünden

Danke für dieses grandiose Magazin und die Arbeit, die ihr hineinsteckt.  P. S. Bei dieser Gelegenheit möchte ich gleich noch zur neuen Ausgabe der Lucy’s gratulieren. Wie immer top! Einzig einen Hinweis, dass 1p-LSD sowie

einige andere Analoga in der Schweiz inzwischen illegal sind, habe ich vermisst. J. S. Ich hätte da noch eine kleine Anregung für weitere Ausgaben. Als aktiver Psychonaut kommt man immer wieder leicht mit der aktuellen Gesetzeslage in Konflikt. Gerade im Straßen­ verkehr ist dies ein ärgerliches Thema, da dort der verantwortungsbewusste Umgang mit Substanzen nicht bewertet wird. Wer illegale Substanzen konsumiert, wird generell nur als bedingt verkehrstauglich eingestuft. Ich würde mir ein Kapitel über die Gesetzeslage in der CH wünschen, unter besonderer Berücksichtigung des Straßenverkehrs sowie Verhal-

«Lucy’s macht die Psychonautik salonfähig!» tensregeln bei Kontrollen, ähnlich, wie es das im Mushroom Magazine in & für D mal gab. User FTisch auf mysticalforum.ch

Vielen Dank für die wieder mal tolle Ausgabe der Lucy’s!  S. H. An dieser Stelle möchte ich mich herzlichst für die bisherigen, absolut wundervollen Ausgaben bedanken. Lucy‘s Rausch ist großartig und gibt vielen fantastischen Erfahrungen endlich einen gebührenden sprachlichen Ausdruck! P. R. Lucy’s Rausch macht die Psychonautik salonfähig! www.katzenminze24.de/lucysrausch-nr-4/

Super Heft! Tolle, informative Artikel, vor allem aber der visuelle Eindruck ist unschlagbar.

Psychedelischer Journalismus auf höchstem Niveau.  M.K. Alle 4 der Oberhammer! Total geil, dass es sowas gibt, danke dafür!  M.W. auf Youtube zu den Lucy’s-Ausgaben

Das Heft besticht mit seiner liebevollen und attraktiven Gestaltung. Es werden alle Bereiche abgedeckt, die man mit dem Thema Psychedelika und Drogen allgemein in Verbindung

«Eine rundum inspirierende Lektüre» bringt: Kunst, Harm Reduction/ Safer use, Ethnobotanik, Wissenschaft. Das Thema Cannabis findet dabei immer eine besonders große Beachtung, was wohl auch dem Schwerpunktinteresse der Leserschaft entspricht. www.was-tripts-neues.de/lucys-rausch/

Von diesem einzigartigen Magazin war ich sofort fasziniert!  D.O. Nr. 4 ist sehr schön geworden, eine rundum inspirierende Lektüre.  B.B. Ich kenne derzeit kein Magazin, welches auf so einem hohen Niveau informativ, wissenschaftlich und trotzdem auch unterhaltend über «psychoaktive Kultur» berichtet. Wer sich für Entheogene und Psychedelika interessiert, wird an Lucy’s Rausch seine Freude haben. Ich wünsche den Machern des Magazins viel Erfolg und zahlreiche weitere Ausgaben!  Amazon-Leserrezension zu Ausgabe 4


Luc y’s Rau sch Nr. 5

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MIX

Nachdem 2016 eine Studie zur Wirkweise von LSD im Gehirn mit bildgebenden Verfahren veröffentlicht wurde (vgl. Lucy's Nr. 4), haben Wissenschaftler Anfang 2017 zwei weitere Untersuchungen zur LSD-Pharmakologie publiziert. Eine Studie konnte die kristalline Struktur des LSD und der serotonergen Rezeptoren, an die es bindet, nachweisen. LSD wirkt demnach, verglichen mit anderen Tryptaminen, besonders lange, weil sich durch die Kristallstruktur eine sehr starke Bindung ergibt, die sich nur schwer wieder löst (Wacker et al. 2017). Eine weitere Studie beschäftigt sich mit den Rezeptortypen, an die LSD bindet, und klärt auf, dass die psychoaktiven Effekte der Substanz primär durch die Assoziation mit dem 5-HT2A-Serotoninrezeptor induziert werden. Bei Blockade dieses Rezeptoren-Subtyps durch das Medikament Ketanserin wird auch die halluzinogene Wirkung von LSD unterdrückt. Der 5-HT2ARezeptor ist beim Menschen zusammen mit gewissen Hirnregionen für das Entstehen von Gefühlen und Eindrücken verantwortlich, mit denen wir den Dingen Sinn und Bedeutung beimessen. LSD kann offenbar in Interaktion mit dem Rezeptorensystem ebenjene Gefühle von Bedeutung und Sinn begünstigen (Preller et al. 2017). Preller, Katrin H. et al. (2017): The Fabric of Meaning and Subjective Effects in LSD-Induced States Depend on Serotonin 2A Receptor Activation. Current Biology 27(3): 451–457. Wacker, Daniel et al. (2017): Crystal Structure of an LSD-Bound Human Serotonin Receptor. Cell 168(3): 377–389.e12.

Foto: S h u t te rsto ck

Neue Studien: So wirkt LSD im Menschen

Medizinalcannabis – neu auf Rezept! Cannabispatienten in Deutschland können aufatmen: Seit dem 10. März 2017 gilt in Deutschland ein neues Gesetz zum Umgang mit medizinischen Cannabisblüten und -präparaten. Der Bundestag hatte am 19. Januar einstimmig beschlossen, die juristische Neuerung einzuführen. Das Gesetz sieht vor, dass kranke Menschen, die mit Cannabismedikamenten erfolgreich behandelt werden können, nicht mehr wie bisher eine Ausnahmeerlaubnis von der Bundes­opiumstelle benötigen, sondern stattdessen ein Betäubungsmittelrezept vom Haus- oder Facharzt erhalten. Auf Antrag übernehmen die Krankenkassen die Kosten der Medizin – die Versicherer dürfen die Übernahme laut Gesetz nur in begründeten Ausnahmefällen ablehnen. Wie sich die Neuregelung in der Praxis gestalten wird, muss sich noch zeigen. Eine Hürde auf dem Weg bildet möglicherweise das von den Kassen vorgegebene Arzneimittelbudget der Ärzte. Ohne eine Ausnahmeregelung über die Verordnung der teuren Cannabismedizin würde so mancher Arzt sein Budget deutlich überschreiten. Einige Cannabispatienten benötigen Blüten oder Extrakte für bis zu 2500 Euro pro Monat. Pro Patient stehen einem Hausarzt aber, je nach Region, nur zwischen 5 und 30 Euro im Quartal zur Verfügung. Alles, was darüber hinaus verschrieben wird, geht zu Lasten des Arztes, der die Differenz aus eigener Tasche begleichen muss. Deshalb ist es nötig, dass die Krankenkassen in Sachen Hanfmedizin entsprechende Sonderregelungen verfügen. Weitere Infos zur Gesetzesänderung gibt es beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und bei der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (IACM). www.bfarm.de, www.cannabis-med.org


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MIX

Netzwerk für eine bessere Welt Dass soziale Netzwerke nicht nur auf Gewinn programmiert sein müssen, will ein Projekt namens «Human Connection» zeigen, das «sich auf lokalen und globalen positiven Wandel konzen­ triert» (Zitat Website). Den Betreibern der Plattform geht es um eine Vernetzung, die ein harmonischeres Miteinander und eine umwelt- und ökologisch bewusste Lebensweise fördern und verbreiten soll. Im Gegensatz zu Facebook & Co. sollen bei Human Connection nicht Werbung und Meinungsmache im Vordergrund stehen. Zurzeit werden Menschen gesucht, die sich beim Aufbau des Netzwerks einbringen und Human Connection mit­gestalten wollen. ;

http://de.humanconnection.org

INSIDE

Kooperation Die erste Auflage unserer Lucy’sRausch-Papers kam bei Lesern und Fans ganz besonders gut an. Die King-Size-Drehblättchen, bestehend aus 33 Papers und zwei Heftchen für Eindrehfilter bzw. -mundstücke aus Pappe, kommen im Design der ersten Ausgabe unseres Psychonautenmagazins daher und sind eine Kooperation der Firma Snail Papers mit unserem Zeichner Steve Stoned, dessen Lucy-Comic im Päckchen abgebildet ist. www.snailpapers.com, www.stoned-design.de

MDMA in der Therapie Die US-amerikanische Multi­ disciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS) engagiert sich seit vielen Jahren dafür, dass MDMA wieder in den therapeutischen Alltag zurückgeholt wird. Bei PTSD kann MDMA-Therapie MAPS zeichnet deshalb auch helfen.  Foto: U.S. Dep. VA für diverse klinische Studien verantwortlich, die den psychotherapeutischen Nutzen des MDMA bei Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) nachweisen sollen. Unter anderem werden an gesunden Probanden die psychologischen Effekte von MDMA untersucht, um entsprechende Erkenntnisse auf die mögliche Unterstützung des Entaktogens im psychotherapeutischen Setting zu übertragen. Im Februar 2017 wurde die zweitgrößte Studie zu dieser Fragestellung in Boulder, Colorado, erfolgreich abge­schlossen; im Laufe des Jahres startet dann die dritte und letzte Phase, deren Ergebnisse darüber entscheiden werden, ob MDMA für den psychotherapeutischen Gebrauch zugelassen werden kann.  www.maps.org

Psychedelikforschung Anfang Februar wurde in Deutschland ein Verein zur Förderung psychedelischer Wissenschaften gegründet: Die MIND Foundation – European Foundation for Psyche­delic Science wurde vom Sozialwissenschaftler Henrik Jungaberle initiiert. Sie versteht sich als Netzwerk, das die interdisziplinären Wissenschaften, die der psychedelischen Forschung dienen, in Dialog miteinander bringen und diesen fördern will. Auf der Website des Vereins heißt es: «MIND vernetzt Wissenschaftler aus den Natur-, Sozial- und Geistes­ wissenschaften, um zu forschen, Anträge zu stellen, Ergebnisse zu diskutieren und verlässliches Wissen zu erschaffen. Und wir bringen Wissenschaftler mit Unterstützern in Verbindung: Studierende, Therapeuten, Sponsoren und Entscheider. Außerdem geht es uns um die adäquate Prävention von Komplikationen im Umgang mit diesen Zuständen.» Ein wissenschaftlicher Beirat wird laut MIND derzeit zusammengestellt.  www.mind-foundation.org Lucy’s-Abonnenten erhalten mit dem Codewort «Lucy’s-RauschLeserservice» 25% Rabatt auf die Mitgliedsbeiträge!


Luc y’s Rau sch Nr. 5

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MIX

Für einen selbstbestimmten Gebrauch von psychoaktiven Substanzen

Illustrationen: Eugenia Loli

Psychonauten sind zumeist nicht begeistert davon, dass der Staat den Menschen vorschreibt, welche Substanzen sie gebrauchen dürfen und welche nicht. Die Drogengesetze bauen auf Strafverfolgung, Einschüchterung und Repression. Wer sein inneres Selbst mithilfe illegalisierter Psychoaktiva erforschen möchte, macht sich in der Praxis damit zum Straftäter. Um dies der Öffentlichkeit bewusst zu machen und alternative Ansätze und Lösungswege aufzuzeigen, begeben sich immer wieder engagierte Aktivisten auf politisch dünnes Eis. Die Arbeitsgruppe Substanz gehört zu den wegweisenden Initiativen, die sich für den selbstbestimmten Gebrauch von psychoaktiven Substanzen einsetzen. Die Arbeitsgruppe konstatiert, dass das Betäubungsmittel­gesetz «das im Grundgesetz festgelegte Persönlichkeitsrecht» ignoriert, die wissenschaftlichen Erkenntnisse unterschlägt und nicht respektiert, «dass die meisten Menschen mit psychoaktiven Substanzen verantwortungsbewusst umgehen können und sie aus freier Entscheidung verwenden. Die Arbeitsgruppe

R.I.P. Samuel Widmer Samuel Paul Widmer Nicolet aus der Schweiz war ein Mann, der polarisierte. Der Psychotherapeut, Arzt und Psychiater hatte sich immer wieder für die psycholytische Psychotherapie stark gemacht und bahnbrechende Bücher zum Thema veröffentlicht, zum Beispiel Ins Herz der Dinge lauschen: Vom Erwachen der Liebe (Nachtschatten Verlag).

Substanz engagiert sich für eine Drogenpolitik, die auf einem rational-kritischen Vorgehen und allgemein menschlichen Grundsätzen basiert. Das Abstinenzdogma ist wider die menschliche Natur; jede erwachsene Person sollte über ihr Bewusstsein und ihren Körper selbst bestimmen dürfen!» Das Buch dazu erscheint im Herbst 2017 im Nachtschatten Verlag. http://substanz.info

24. Dezember 1948 –18. Januar 2017 Widmer, der sich als Meister und Lehrer seiner Kirschblütengemeinschaft in Lüsslingen-Nennigkofen in der Nähe von Solothurn etabliert hatte, starb mit 68 Jahren an Herzversagen. In den letzten Jahren hatte es wiederholt mediale Schlammschlachten um ihn gegeben, weil er seine psycholytischen Behandlungen angeblich mit illegalen Substanzen (MDMA, Meskalin) unterstützt hatte. www.kirschbaumbluete.ch


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CBD-Boom in der Schweiz Eine kaum öffentlich wahrgenommene rasante CBD-Entwicklung hat die Schweiz im letzten halben Jahr erlebt: an der letztjährigen Cannatrade-Hanfmesse noch mit einem Award ausgezeichnet, sind die als Tabakersatz versteuerten und offiziell zugelassenen CBDProdukte aktuell ein Renner und überall erhältlich, nicht nur in Hanfshops, sondern auch in Tabakläden und an Kiosken. Gesetzlich zugelassen sind Hanfsorten mit 1% THC-Anteil; dieser ist auf den Packungen deklariert, ebenso wie der hohe

MIX AGENDA 5. BIS 7. SEPTEMBER:

International Cannabis Conference (ICACO) Neue Cannabiskonferenz in Wien, Austria Center Vienna www.cannabis-conference.com

8. BIS 10. SEPTEMBER:

Europäisches Iboga-Forum Erster europäischer Iboga-Kongress, Wien, Seminarzentrum Am Spiegeln www.iboga.info Earlybird-Preis für Lucys-Leser!

7. BIS 9. SEPTEMBER:

Drug Science Conference Campus Charité, Berlin www.finder-research.com/drugscience2017/

6. BIS 8. OKTOBER:

Cultiva Hanfmesse Größte Hanfmesse im deutsch­sprachigen Raum, Wien-Vösendorf (Eventpyramide) www.cultiva.at

An allen Events ist der Nachtschatten Verlag mit einem Bücherstand vertreten.

CBD-Gehalt. (li)

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EUROPÄISCHES IBOGAIN-FORUM Die Konferenz versammelt die führenden Iboga-Wissenschaftler und Therapeuten, um die heilenden Aspekte der Pflanzenmedizin in Europa bekannter zu machen. Sie beleuchtet ihr einzigartiges Potenzial in der Suchttherapie und ihre Funktion als Katalysator spirituellen Wachstums ebenso wie Behandlungsmöglichkeiten mit Ibogain bei Parkinson und Hepatitis C.

8.–10. September 2017, Wien

www.iboga.info


Luc y’s Rau sch Nr. 5

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Foto : Lara vo n D än ike n

KLAR TEXT  E I N E K O L U M N E V O N

Ro ger Liggenstor fer

Von Pilzen und vom Bruttonationalglück

A

m Anfang waren es die Pilze, die unsere EvoIch halte es für eine Illusion, dass wir nur durch lution positiv beeinflussten: Laut einer These psychoaktive Substanzen bessere Menschen werden. Terence McKennas nahmen Jäger und Samm- Auch durch den Konsum von literweise Ayahuasca, ler durch Zufall minimale Pilzdosierungen ein, die ihre ganzen LSD-Bögen und haufenweise Pillen entsteSicht schärften, und waren dadurch im Vorteil gegen- hen nicht einfach so «gute Menschen» mit erweiterüber Nicht-«Bepilzten». In einer nächsten Phase wur- tem Bewusstsein. Zynisch aus­gedrückt: Wo nichts den Pilze als Stimulanzien und Aphrodisiaka benutzt. ist, kann sich auch nichts entwickeln. Theorien über Auch das brachte einen evoluRespekt, Bewusstsein und tionären Vorteil: Die Fungi-EsVerantwortung allein bringen ser vermehrten sich schneller, nichts – entscheidend ist ihre die Kopulation war mit mehr praktische Realisierung im Vergnügen verbunden – und Alltag: Auf tiefgreifende Er­was Spaß machte, wiederholfahrungen mit psycho­aktiven ten Herr und Frau Neandertaler Substanzen sollte die Integragerne. Als dann der Pilzgott tion und Umsetzung im täglientdeckt wurde und mit ihm chen Leben folgen. Solange die die Bewusstseinserweiterung, Menschen Bewusstseinserweibedeutete dies erneut einen terung mit Ego-Erweiterung Vorteil für diejenigen, die den verwechseln, Neid und Gier Pilzkult praktizierten, in erster auf Kosten der Mitwelt domiLinie indigene Völker und deren nieren und die Steigerung des Schamanen. Bruttonational­e inkommens Nicht nur Pilze sind tra­ (BNE) wichtiger ist als die Steiditionell als Heilmittel für gerung des Bruttonational­ Körper, Geist und Seele ver­ glücks (BNG), kommen wir wendet worden und haben die einer besseren, lebenswerteren menschliche Evolution positiv Welt nicht näher. beeinflusst. Potente EntheoPilze sind Metaphern für Xochipilli, der visionär entrückte gene wie Ayahuasca, Iboga, die menschliche Evolution: ZerPilzgott der Azteken. Foto: Antony Stanley San-Pedro- und Peyote-Kakteen störerische Atompilze verkörbegleiten die Menschheit ebenfalls seit Urzeiten. Das pern eine verfehlte Weltpolitik. Pilzmyzelartige VerWissen um die Heilkraft dieser Medizinen hat jahr- bindungen sind dagegen ein Sinnbild dafür, wie tausendealte Tradition, wurde weltweit erforscht und psychonautisch inspirierte Menschen sich global für erfolgreich angewendet; trotzdem sind sie noch eine bessere Welt einsetzen können. Sehr viele engaimmer kriminalisiert. Das ist bittere Realität – und ein gierte Initiativen, die «wie Pilze aus dem Boden Abbild unserer kranken Welt, in der die Menschen schießen», bieten die Möglichkeit, sich sinnvoll zu ausbeuterisch, ohne Bezug zur Natur und in Dishar- engagieren. Vielleicht hatte ja Terence McKenna monie mit sich selbst und ihren Mitgeschöpfen in nicht unrecht: Die zähen Pilzsporen sind als kosmieiner Tunnelrealität voller Ängste leben. Eine Welt, die sche Flaschenpost auf unserem Planeten gelandet – bewusstseinserweiternde Substanzen verbietet, kann und haben durch ihre psychoaktive Wirkung die Evonicht anders aussehen, als sie sich heute präsentiert. lution des Menschen erst in Gang gebracht. 

Pilze sind Metaphern für die menschliche Evolution.


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Zwischen den Welten

500 Jahre Schamanismus und Schamanismusforschung TEXT

V

J e re my N a r by & Fra n c i s H u x l ey

or fünfhundert Jahren, als die Europäer begannen, den amerikanischen Doppelkontinent zu erkunden, trafen sie in vielen Gemeinschaften auf Menschen, die behaupteten, mit Geistern zu kommunizieren, um von ihnen über das Leben und über die Heilkunst zu lernen. Manche dieser Menschen fasteten, bis sie wie Skelette aussahen. Andere tranken Tabaksaft durch Trichter oder trugen Halsmanschetten, die mit stechenden Ameisen gefüllt waren. Nachdem die Europäer dies beobachtet hatten, bekundeten sie in ihren Aufzeichnungen und Berichten ihre Abscheu dem gegenüber. So besuchte zum Beispiel der französische Geistliche André Thévet 1557 Brasilien und bezeichnete Indigene, die solche Rituale praktizierten, als «Abgesandte des Teufels». Thévet sah in den schamanischen Ritualen das, was er als verbotenes Wissen bezeichnete: «Welchen Sinn hat es, mit allzu viel Neugierde die Geheimnisse der Natur und anderer Dinge zu erforschen, wenn dies doch Wissen ist, das der Herr für sich vorbehalten hat? Solch ein Verhalten weist auf unzureichendes Urteilsvermögen, Ignoranz und den Mangel an Glauben und einer guten Religion hin.» Im 17. Jahrhundert begannen die Russen, Sibirien zu kolonisieren, und auch sie trafen auf Menschen, die behaupteten, mit Geistern in Kontakt treten zu können. Die Tungus sprechenden Menschen im östlichen Sibirien nannten eine solche Person saman oder shaman. Solche shaman trommelten, sangen und führten Bauchrednerund Trickster-Performances auf, imitierten Tiergeräusche in der Dunkelheit oder täuschten vor, sich

selbst mit Messern zu erstechen. Sie behaupteten, Menschen heilen oder auch schädigen zu können, das Wetter und die Jagderfolge vorhersehen und überhaupt in die Zukunft schauen zu können. Der Geistliche Avvakum Petrovich, der als Erster über einen sibirischen Schamanen berichtete, beschrieb diesen als einen «Schurken von Magier, der die Dämonen herbeiruft». Als die Europäer die Welt Eine Schamanin zelebriert ein Ritual erkundeten, trafen sie auf viele verschiedene Menschen, die behaupteten, mit Geistern zu kommunizieren, um von ihnen über das Leben und Heilen zu lernen. Solche Menschen werden in den verschiedenen Sprachen mit unterschiedlichen Namen bezeichnet, zum Beispiel pagé, paiyé, angakkut, arendiouannens und shaman. Die Europäer, die aus Spanien, England, Frankreich, Russland und Deutschland kamen, nannten solche Schamanen Gaukler, Hexer, Magier und Taschenspieler und gaben ihnen auch andere, meist abfällige Namen. Im 18. Jahrhundert, zur Zeit der Aufklärung, begannen die Europäer, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Der deutsche Philosoph Immanuel Kant prägte als Motto der Aufklärung den Satz «Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!» (lat. Sapere aude). Trotzdem verstanden die eher rationalistisch geprägten Beobachter die Schamanen nach wie vor falsch. Zwar


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am neuntägigen Festival «Ruf der 13 Schamanen» bei Khorum-Dag in Sibirien.  Foto: Alexander Nikolsky / Siberian Times

fürchteten sie sich nicht mehr vor dem Wissen, aber die Schamanen irritierten sie dennoch mit ihrem eigenartigen Verhalten. Aus ihrer Sicht hatten die schamanischen Darbietungen und Tricks nicht viel mit wahrem Wissen zu tun. Die europäischen Beobachter waren angehende Wissenschaftler, die nach einer messbaren und möglichst objektiven Weltsicht strebten. Sie wollten die Welt mit ihrem Verstand begreifen. Wenn sie auf Schamanen trafen, neigten sie dazu, diese als Betrüger zu betrachten, die es verdienten, entlarvt zu werden. Nachdem beispielsweise der deutsche Professor Johann Gmelin das Ritual eines Tungus-Schamanen und seiner Assistenten in Sibirien miterlebt hatte, befand er anschließend, dass sie für diesen «Hokuspokus» für den Rest ihres Lebens in den Silberminen Zwangsarbeit verrichten sollten.

Im 19. Jahrhundert etablierte sich die aka­ demische Erforschung des Menschen und seiner Kultur. Diese neue Disziplin, Sozialanthropologie oder Ethnologie genannt, nahm allerdings einen eher dürftigen Anfang. Die ersten Anthropologen vertraten die Ansicht, die indigenen Ethnien seien «Barbaren», «Primitive» und Angehörige «minderwertiger Gesellschaften». Unglücklicherweise haben diese frühen Anthropologen zu der Zeit, als die westliche Zivilisation die indigenen Kulturen rücksichtlos überrannte und auch den Schamanismus veränderte, sehr wenig brauchbare Informa­tionen über Schamanen vorgelegt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts realisierten einige Anthropologen, dass die Indigenen, die sie beobachteten, sich nicht wesentlich von ihnen selbst unterschieden. So schrieb der DeutschAmeri­kaner Franz Boas 1887: «Der Eskimo ist ein }


22  SCHAMANISMUS


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}


2 4 S C H A M A N I S M U S


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JEREMY NARBY, Jahrgang 1959, ist in Kanada und in der Schweiz aufgewachsen. Studium der Geschichte an der Universität von Canterbury, Doktor der Anthropologie an der Stanford Universität. Narby ist Autor zahlreicher Artikel und Bücher zu den Themen Anthropologie, Schamanismus und Ethnologie.  de.wikipedia.org/ wiki/Jeremy_Narby

FRANCIS HUXLEY (* 28. August 1923; † 29. Oktober 2016), der Neffe des berühmten Schriftstellers Aldous Huxley, war Anthropologe, Botaniker und Autor diverser englischsprachiger Bücher über südamerikanischen Schamanismus, den Voodoo-Kult und vieles mehr. de.wikipedia.org/ wiki/Francis_Huxley


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Giorgio Samorini

ELEUSIS KOMPAKT

Der bekannte italienische Drogenforscher präsentiert Nachrichten und kurze Meldungen zu psychoaktiven Pflanzen und Substanzen und zur Rauschkultur.

Mensch und Droge: Eine lange Beziehung Nach jahrelangen drogenarchäologischen Studien habe ich eine Liste erarbeitet, in der zum ersten Mal die uralte Beziehung des Menschen zu weltweit vorkommenden psychoaktiven Pflanzen und Pilzen aufgezeigt wird, und präsentiere hier daraus einen Auszug, der die bekanntesten Drogen umfasst. Die Daten können nicht als die ältesten gelten; sie sind allerdings das Älteste, was bisher mithilfe archäologischer Dokumentationen nachgewiesen werden konnte. Wir können künftig mit weiteren Ausgrabungen und Entdeckungen sicher noch ferner in die Vergangenheit blicken. Ich glaube, dass die menschliche Verbindung zu vielen dieser Drogen – von Hanf bis Alkohol, vom Peyote-­Kaktus bis hin zu Pilzen – wesentlich weiter zurückreicht, als die Archäologie nachweisen kann, und dass der menschliche Gebrauch von Psycho­aktiva bis ins Paläolithikum reicht, vielleicht sogar bis in die Zeit der Hominiden. Die archäologische Dokumentation des menschlichen Gebrauchs von Naturdrogen unterteilt sich in vier Typologien: 1. Die direkte Evidenz - in der Liste mit (d) gekennzeichnet – besteht, wenn bei Ausgrabungen Drogenreste gefunden werden können, z.B. Hanfstengel als Grabbeilage für asiatische Mumien und Tabakreste in antiken südamerikanischen Pfeifen. 2. Die chemische Evidenz (c) ist dann gegeben, wenn metabolische Rückstände in organischem Material, wie Haaren oder Knochen, oder in Gebrauchsgegenständen, wie beispielsweise Keramik oder Tüchern, nachgewiesen werden können. 3. Paraphernalien (p) sind Werkzeuge/Instrumente, die verwendet werden, um Substanzen zu konsumieren, z.B. Pfeifen oder Schalen und Röhren zum Schnupfen von bestimmten Pulvern.

4. Die ikonografische Evidenz (i) betrifft die künstlerische Darstellung von Drogen oder Drogenkonsum in antiken Kunstwerken. Eine fünfte mögliche Typologie ist die literarische Evidenz, wenn z.B. in antiken Texten, in Keilschrift oder Hieroglyphen verfasst, von psychoaktiven Substanzen die Rede ist. Diese Art der Dokumentation spielt hier aufgrund der ungenügenden Quellenlage allerdings keine Rolle. In meiner Liste gibt es Fälle, in denen es nicht möglich ist zu ermitteln, zu welchem Zweck die Substanzen gebraucht wurden – ob rekreativ oder medizinisch, als Nahrungsmittel etc. Bei manchen Naturdrogen allerdings, wie z.B. den Nachtschattengewächsen (Stechapfel, Schwarzes Bilsenkraut, Alraune etc.), den Pilzen und den Meskalin-Kakteen, kann man davon ausgehen, dass sie als Quelle psychedelischer Erfahrungen dienten, da bestätigt werden konnte, dass Blätter, Blüten, Pilzhüte und -stiele usw. konsumiert wurden. Für andere Substanzen, wie Schlafmohn, Hanf oder Wasserlilien, lässt sich hingegen nicht klar bestimmen, welche Verwendung sie fanden. Und manche Pflanzen, die Quellen für psycho­aktive Erfahrungen sind, gab es ursprünglich so nicht in der Natur. Sie sind vielmehr das Ergebnis von Selektion und Kultivierung durch den Menschen. Die bekanntesten Vertreter solcher Züchtungen sind Schlafmohn, Wein, Coca, Kava Kava und Mais. In dieser Liste mögen einige Substanzen fehlen, allerdings nicht, weil ich sie vergessen hätte, sondern weil sie sich bei Ausgrabungen schlecht finden lassen. Dies könnte an simplen archäologischen Mängeln liegen, aber in manchen Fällen – wie z.B. bei Ayahuasca – könnte die vergleichsweise junge Entdeckung ein Grund dafür sein, warum eine Substanz es nicht in die Liste geschafft hat. Für folgende Drogen konnte ich bisher keine archäologischen Belege finden: Betel, Kratom, Kaffee, Kat, Iboga, Ayahuasca, Jurema, Pituri, Guarana, Salvia divinorum, Virola.

GIORGIO SAMORINI (* 1957 in Bologna, Italien) ist Ethnopharmakologe und Drogenforscher. Mitbegründer der Italienischen Gesellschaft für die Erforschung veränderter Bewusstseinszustände und Herausgeber der ethnobotanischen Fachzeitschrift Eleusis. Er war der erste Weiße, der in Gabun (West­afrika) in den Bwiti-Kult (Iboga-Kult) eingeweiht wurde. www.samorini.it


Luc y’s Rau sch Nr.  5

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GEBRAUCH VON NATURDROGEN Wein (d, c).............................................. 5800 v.Chr. ....... Georgien Bier (c)................................................... 6000 v.Chr. ....... China Athene schenkt Herakles Wein ein, Trinkschale um 480/70 v. Chr. Foto: PD

Mead (d, c)............................................. 4220 v.Chr. ....... Spanien Cidre (d, c)............................................. 2500 v.Chr. ....... Spanien Mais-Chicha (d, p).................................. 4200 v.Chr. (?)... Amerika Destillierte Liköre (p)............................... 4000 v.Chr. ....... Irak, Slowakei Areca catechu (Betel) (d)........................ 7000 v.Chr. ....... Thailand Kava (d)................................................. 850 n.Chr. ...... Ozeanien Tee (d)..................................................... 3520 v.Chr. ....... Zhejiang, China Cannabis (d).......................................... 5600 v.Chr. ....... Estland

Tabakrauchende Indianer, historische Darstellung von André Thevet. 

Datura (d).............................................. 1700 v.Chr. ....... Andorra Bilsenkraut (d)........................................ 6000–5000 v.Chr. Ägypten Mandragora (d, i).................................... 1400 v.Chr. ....... Ägypten Tollkirsche (Atropa) (d)............................ 4500 v.Chr. ....... Rumänien Ephedra (d)............................................ 2000 v.Chr. ....... Tarim, China Lactuca (i)............................................. 2600 v.Chr. ....... Ägypten Lolium temulentum (Taumellolch) (d) ...... 8700 v.Chr. ....... Zypern Papaver somniferum (d).......................... 5600 v.Chr. ....... Italien Peganum harmala (d)............................... 4000 v.Chr......... Kaukasus, Ägypten

Blühendes Bilsenkraut.  Foto: Aktron / Wikimedia Commons

Nymphaea (d)........................................ 6000 v.Chr......... Ägypten Peyotl (d)............................................... 3200 v.Chr......... Texas, USA Kakao (c)............................................... 1900 v.Chr......... Mexiko San Pedro (d) ......................................... 8600 v.Chr. ....... Peru Coca (d)................................................ 6000 v.Chr. ....... Peru Anadenanthera (Cebíl)(d)........................ 2100 v.Chr......... Argentinien Brugmansia (i)........................................  800 v.Chr. (?)... Peru Nicotiana (d) ......................................... 1500 v.Chr. ....... Nordamerika

Kakaobaum mit Früchten.  Foto: Uveedzign / Wikimedia Commons

Ilex guayusa (d)......................................  375 n.Chr. ....... Bolivien Ilex paraguariensis (Mate) (d)..................  650 v.Chr. ....... Argentinien Ilex vomitoria (Black Drink) (c)................. 1050 n.Chr......... Illinois, USA Turbina corymbosa (Ololiuqui) (i) ............   600–700 n.Chr.. Mexiko Ipomoea (d)........................................... 800 n.Chr. ....... Texas, USA Sophora secundiflora (Mescalbohne) (d)... 8440 v.Chr. ....... Texas, USA Boophone disticha (i).............................. 2000 v.Chr. ....... Südafrika Psilocybinpilze (i).................................... 6000 v.Chr. ....... Sahara Isoxazol-Pilze (Amanita) (i)...................... 1500 v.Chr. ....... Asien

Fliegenpilze (Amanita muscaria) in einem Garten.  Foto: Duke of W4

Mutterkorn (Claviceps) (d)...................... 1800 v.Chr. ....... Mittlerer Osten (d) direkte Evidenz (c) chemische Evidenz (p) Paraphernalien (i) ikonographische Evidenz Die geographische Lage der jeweiligen Funde steht hinter der Jahreszahl.


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Rapé Heiliger Snuff vom Amazonas

Eine schamanische Schnupfpulver-Medizin TEXT

R

Lucifer Svard & Markus B erger

apé (sprich: Ha-pee bzw. Ha-pay) ist eine heilige schamanische Medizin, die von Heilern des Amazonasbeckens seit Tausenden von Jahren verwendet wird; im Laufe der Zeit wurde sie zu einem wichtigen Teil der Stammeskulturen und -geschichte. Rapé ist die Bezeichnung für einen komplexen Tabakblend aus pulverisierten Pflanzen. Südamerikanische Schamanen gebrauchen Tabak als heilige und ganzheitliche Medizin, und es existiert eine enge Verbindung zwischen Schamanismus und Tabakverwendung, die nur sehr wenig mit unserem Gebrauch von Tabak zu tun hat. Indigene Stämme nutzen Tabak bei Ritualen, um beispielsweise gutes Wetter und gute Fischerei- und Ernteerfolge vorherzusagen, wie auch für spirituelle Zwecke (Visionssuche, Trance usw.) und Heilungen. Die Verwendung von Tabak bei südamerikanischen Stämmen wie den Kaxinawá, Nu-nu, Yawanawá und Katukina ist tief mit deren Kultur verwoben. Sie hat sich spätestens mit der Mayakultur entwickelt – vor allem für rituelle, medizinische und rekreative Zwecke. Meist ist im Rapé als Hauptzutat eine potente Tabakart enthalten, nämlich Nicotiana rustica, manchmal auch Nicotiana tabacum. Nicotiana rustica ist etwa 20-mal stärker als Nicotiana tabacum und kann deshalb leichter bewusstseinserweiternde Wirkungen herbeiführen. Neben Tabak enthalten Rapé-Zubereitungen häufig auch pulverisierte und gesiebte Blätter, die zuweilen mit fein gemahlenem Pflanzenmaterial oder alkalischer Asche von Kampfer, Zimt, Tonkabohne, Klee, Bananenschale und Minze angereichert werden. Außerdem kann die Rapé-Asche mit Zusätzen psychoaktiver Pflanzen versetzt sein, z.B. Macambo (Theobroma bicolor), Txunú (Platycyamus regnellii) und Copaíba. Es gibt spezielle Rapé-Blends; sie enthalten beispielsweise Pflanzenteile von Anadenanthera (Yopo bzw. Cebíl),

Erythroxylum (Kokastrauch und verwandte Arten) und den Talgmuskatnussbäumen der Gattung Virola, zuweilen auch Jurema (Mimosa hostilis) und Chacruna (Psychotria viridis). Man verwendet sie für rituelle und heilerische Zwecke. Darüber hinaus existieren weitere spezielle Rapé-Zutaten, die jedoch ein Geheimnis derjenigen Schamanen bleiben, welche die Mischung herstellen. Wirkungen und Gebrauch von Rapé Rapé wird von verschiedenen Stämmen des Amazonasbeckens hergestellt und verwendet, unter anderem von den Katukina, Yawanawa, Kaxinawa, Nukini, Kuntanawa und Matse. Jeder Stamm hat seine eigenen Rapé-Rezepte, die für unterschiedliche Zwecke verwendet werden. Die indigenen Ethnien verwenden Rapé zu verschiedenen Anlässen, beispielsweise für Pubertätsrituale bei Mädchen, Initiations- und Gesellschaftsrituale, bei Cashiri-­ Trinkfesten (auch: Balché, ein Honigbier) und für Heilungszeremonien. Dabei hat jeder Stamm seine eigene Art der Rapé-Anwendung entwickelt: Manche nehmen Rapé jeden Tag nach dem Frühstück und Abendessen, andere verwenden das Schnupfpulver dreimal pro Nacht. Abhängig vom Anlass kann Rapé mit anderen bewusstseinserweiternden Pflanzen angereichert werden, etwa mit Coca, Jurema (Mimosa tenuiflora) oder Anadenanthera, also Yopo bzw. Cebíl. Ein Rapé-Ritual wird normalerweise von zwei Personen durchgeführt. Dabei wird das Schnupfpulver mithilfe eines Blasrohrs aus Bambus oder Knochen tief in die Nasenlöcher der empfangenden Person eingeblasen. Diese schnelle Art der Rapé-Insufflation ermöglicht es dem Anwender, den Geist zu fokussieren, die ewig plappernden Gedanken zu stoppen und den psychischen Raum für spirituelle Zwecke zu öffnen. Außerdem hilft


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Geber und Empfänger teilen beim Rapé-Ritual für einen entscheidenden Moment den Atem.  Foto: Reuters

Rapé, gefühlsmäßige, physische und spirituelle Leiden und Krankheiten loszulassen und Negativität und Verwirrung zu mildern, womit eine gründliche Erdung des Geistes möglich ist. Schamanen verwenden Rapé auch, um ihre Energiekanäle und die Verbindung zu ihrem höheren Selbst neu abzustimmen und zu kalibrieren und um ihre Verbindung mit der Welt und dem Universum zu stärken. Rapé hilft, den Körper zu entgiften und Schleim, Toxine

Rapé ermöglicht es dem Anwender, den Geist zu fokussieren. und Bakterien zu eliminieren; das kann beispielsweise bei der Behandlung von Erkältungen und Schnupfen hilfreich sein. Außerdem weist Rapé mit dem enthaltenen Nikotin stimulierende Effekte auf, weil es unter anderem Epinephrin (Adrenalin), Acetylcholin und Dopamin im Körper freisetzt. Dies begünstigt wiederum einen zentrierten Geist, eine vollständige Präsenz und die Intuition. Herstellung von Rapé Die Rapé-Snuffs, die zur Zeit bei speziellen Händlern erhältlich sind, kommen direkt von amazonischen Schamanen, wo sie als heilige Werkzeuge Verwendung finden. Diese machtvolle Medizin ist ein rares Gut; sie wird in zeremoniellem Rahmen

aus heiligen Pflanzen rituell hergestellt. Die Hersteller von Rapé-Blends sind erfahrene Schamanen, die über meisterliche Kenntnisse der amazonischen Dschungelflora verfügen. Der Rapé-Mischer muss sich nicht nur mit den Pflanzen selbst auskennen. Er muss auch genau wissen, wie welche Pflanzenteile wirken und angewendet werden. In einem Herstellungsprozess produziert er etwa 1–2 Kilogramm Rapé. Die rituelle Herstellung der Blends kann mehrere Wochen lang dauern. Ein klassischer Rapé-Blend besteht aus Tabak, diversen Wurzelrinden, Samen und Blättern sowie aus verschiedenen Pflanzenaschen. Der Tabak wird zunächst in kleine Stücke geschnitten und über einem kleinen Feuer getrocknet. Dann werden die getrockneten Pflanzenteile und Tabakblätter mit einem Mörser pulverisiert; Mörser und Stößel bestehen aus Rosenholz und verleihen dem Blend damit ein süßliches Aroma. Nach dem Zerkleinern der Ingredienzien wird der Blend gesiebt und abermals gemörsert, bis ein ganz feines Pulver entsteht. Der Snuff wird schließlich in Fläschchen oder Röhrchen aus Knochen oder anderem Material abgefüllt und gelagert. So bleiben Rapé-Blends lange frisch. Gewöhnlich arbeitet der Pajero, das Stammesoberhaupt, unter Einhaltung einer strikten Diät und im Zustand tiefer Trance, während er die Ingredienzien des Rapé-Blends komponiert und mischt. Die anderen Stammesmitglieder sind dafür verantwortlich, die Rapé-Pflanzen zu sammeln. Die Pflanzen und Pflanzenteile werden in der Sonne }


Herkunft 3 0   R A P É und Geschichte Die Geschichte von Rapé ist in weiten Teilen mit der Geschichte

duktion: So war Brasilien 2010 der weltgrößte Tabakexporteur und

des Tabaks verbunden, der auf dem amerikanischen Kontinent

der zweitgrößte Tabakproduzent. Das spiegelt sich auch im

beheimatet ist. Die Anwendung geschnupften Tabaks wurde

Gebrauch und der Produktion von Rapé bei brasilianischen

erstmals bei den Inkas beobachtet, die solche Snuffs benutzten,

Stämmen wider, die dafür bekannt sind, die besten Rapé-Blends

um verschiedene Erkrankungen zu behandeln und den Kopf zu

überhaupt herzustellen; brasilianische Indianer waren die ersten,

reinigen. Dabei verwendeten die Inkas ausschließlich wilde

von denen bekannt wurde, dass sie dieses Schnupfpulver nutzen.

Tabakpflanzen, deren Wurzeln sie trockneten und pulverisierten.

In Europa wurde Tabak-Snuff erst um 1500 bekannt, als der

Die indigenen Ethnien Amerikas kultivierten den Tabak bereits vor

Franziskanermönch Friar Ramón Pané, der Kolumbus 1493 auf

Rauchender Hohepriester im MayaTempel von Palenque, Mexico.

mindestens 5000 Jahren und waren vermutlich die ersten, die

seiner zweiten Amerikafahrt begleitet hatte, darüber berichtete.

Foto: Tabacopedia

Zubereitungen aus diesen Pflanzen rauchten, kauten und

Dies war der Anfang einer langen Tradition des Tabakrauchens

schnupften. Amerika ist bis heute berühmt für seine Tabakpro-

und -schnupfens in Europa.

getrocknet oder geröstet und mehrfach durch feines Tuch gesiebt und gefiltert und schließlich miteinander vermischt. Früher hielt der Pajero allein ein Ritual für die fertige Mischung ab. Heute nimmt der ganze Stamm an der Zeremonie teil. Erst seit kurzem teilen die indigenen Ethnien ihre Rapé-Blends mit ausländischen Freunden, um das Wissen um diese Medizin weiterzugeben und damit zu erhalten. Allerdings bleiben viele der Zutaten ein Geheimnis der jeweiligen Stämme. Medizinischer Gebrauch Indigene Ethnien Amerikas verwenden Tabak als Heilmittel zur Behandlung von unterschiedlichen Leiden und Symptomen, bei Wunden und Verletzungen und zur Bekämpfung von Insekten sowie als Schmerzmittel und Narkotikum, um Erschöpfungszustände, Schmerzen, Hunger und Durst zu lindern. Rapé dringt tief in die Nasenlöcher ein, beseitigt festsitzenden Schleim und hat außerdem stark antibakterielle Eigenschaften. Es gibt spezielle Blends, zum Beispiel den Machiguenga-Snuff, die

Der Rapé-Geber überträgt seine Energie und seinen Geist auf den Empfänger. eigens dafür hergestellt werden, Grippe und andere Erkrankungen zu therapieren. Zudem kann der in Rapé-Blends enthaltene Tabak die Heilkräfte anderer Pflanzen verstärken, ähnlich wie dies bei Ayahuasca der Fall ist. Tabak kann – und das wissen die wenigsten – auch ein Halluzinogen sein; er enthält zwei Alkaloide, Harman und Norharman, die zur chemischen Stoffklasse der Beta-Carboline gehören. Diese Beta-Carboline sind Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer), die antidepressive und stimulatorische Effekte herbeiführen und durch ihre MAO-hemmenden Eigenschaften im Ayahuasca für eine orale Wirksamkeit des DMT sorgen.

Das in Rapé enthaltene Nikotin erhöht den Blutfluss im Gehirn und bewirkt die Freisetzung von verschiedenen stimulativen Neurotransmittern, z.B. Adrenalin, Acetylcholin und Dopamin, die den Geist für höhere Kommunikation und ein ganz­heitliches Denken und Fühlen öffnen. Rapé soll überdies fähig sein, die Zirbeldrüse (Epiphyse) zu entkalken, die gesunde Funktion der Drüse zu unterstützen und die Melatoninproduktion zu erhöhen. Die Zirbeldrüse synthetisiert unser Schlafhormon Melatonin (N-Acetyl-5-Methoxytryptamin), gilt als «Sitz des Bewusstseins» und könnte auch an der körpereigenen DMT-Produktion beteiligt sein. Dieser Einfluss von Rapé auf die Epiphyse ist bisher allerdings nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Ritual zwischen Geber und Empfänger Rapé wird traditionell mit zwei verschiedenen Blasrohren verwendet, die entweder aus Bambus oder aus Knochen gefertigt werden. Das erste Blaswerkzeug setzt die Anwendung durch zwei Personen voraus, von denen die eine den Rapé-Blend empfängt, während die andere den Snuff durch das Blasrohr einbläst. Solche Blasrohre werden in Brasilien Tepi genannt. Das andere Werkzeug nennt sich Kuripe und ist ein Selbstapplikator in V-Form, dessen längeres Ende man sich ins Nasenloch steckt, während das kürzere Ende zum Einblasen des Snuffs dient. Die Verwendung eines Tepi setzt voraus, dass die Anwender einander gut kennen und sich gegenseitig vertrauen. Immerhin teilen sie beim Rapé-Ritual für einen entscheidenden Moment den Atem, indem sie ihre Münder und Nasen durch das Blasrohr miteinander verbinden. Beide müssen sich außerdem öffnen, um den Geistern und Energien zu ermöglichen, sich in ihnen auszubreiten. Der Rapé-Geber ist häufig ein erfahrenes Stammesmitglied, weil er mit dem Ritual seine Energie und seinen Geist auf den Empfänger übertragen soll. Der Empfänger sollte deshalb einen gefestigten Geist und einen klaren Fokus haben. Das Rapé-Ritual


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erfordert auch nicht, dass der Snuff besonders heftig eingeblasen wird; es geht vielmehr um die richtige Intuition und eine korrekte Geisteshaltung. Schnupf- und Blasrituale sind für die schamanischen Traditionen von immenser Bedeutung, teilt man damit doch die heilende Energie des Atems (Soplada genannt) mit seinen Stammesgenossen. Ein unerfahrener Rapé-Nutzer dürfte mit einem Tepi zunächst besser zurechtkommen, da jedes Nasenloch einzeln mit Snuff versorgt werden muss. Das kann für Ungeübte schwierig werden, weil bereits die erste Insufflation überwältigend sein kann (und mindestens genauso überwältigend in der Nase brennt). Arbeitet man mit einem Kuripe, sollten beide Blows möglichst zeitnah nacheinander erfolgen, um die Energien beider Nasenlöcher harmonisch abzustimmen. Abhängig von der Intention, mit der ein Rapé-Ritual abgehalten wird, gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Snuff einzublasen. Eine oft angewandte Technik geht so: Der Rapé-Geber atmet tief in seinen Bauch ein und bläst dann den Snuff langsam und mit zunehmender Intensität in das Nasenloch des Empfängers. Am Ende des Blasvorgangs pustet der Geber noch einmal kräftig. Das hat zur Folge, dass der Rapé-Snuff tief in die Nasenlöcher des Empfängers eindringen und so seine reinigende Kraft am besten entfalten kann. Der Rapé-Geber sollte reinen und freien Geistes sein und eine gute Intention in den Blow geben. Dosierung Grundsätzlich wird empfohlen, mit einer Menge einzusteigen, die nicht größer als eine Erdnuss oder Erbse ist. Wir empfehlen zu Beginn die Hälfte davon. Es ist wichtig, Rapé in beide Nasenlöcher aufzunehmen, weshalb man zwei Portionen benötigt. Jeder Rapé-Nutzer wird nach einer Weile seine eigene Toleranz und Empfänglichkeit herausfinden; wir empfehlen, vorsichtig einzusteigen. Auch die Einblastechnik kann variieren. Man kann den Snuff auf eher sanfte Weise – also langsam – inhalieren, aber auch durchaus rapide und durchschlagend. Hier muss jeder seine bevorzugte Technik entwickeln. Es ist wichtig, eine zentrierte Geisteshaltung einzunehmen und den Rapé-Snuff an einem ruhigen und unaufgeregten Ort zu inhalieren. Rapé kann als Transformationswerkzeug verwendet werden, außerdem kann es helfen, die emotionale und allgemeine mentale Verfassung sozusagen neu aufzusetzen – und so auf eine heilsame Basisstufe zu gelangen, auf deren Grundlage sich trans-

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formative, öffnende Effekte ausbreiten können. Die initiale Erfahrung und die heftigen Effekte des Rapé halten nur für einige Minuten lang an. Die neu ausgerichtete Geisteshaltung kann dagegen für längere Zeit anhalten. Set und Setting Jede Heil- und Ritualpflanze wird von den indigenen Ethnien als Sakrament, als Göttergewächs verehrt. Deshalb empfehlen wir, Rapé ebenso als sakramentales Entheogen zu verwenden, beispielsweise in einer angemessenen Umgebung und mit einer Ehrerbietung, die eines Pflanzenlehrers würdig ist. Man kann Räucherstoffe, Duftwasser, Kristalle und Blumen verwenden, um ein an­ ge­ messenes Rapé-Setting herzustellen. Auch ausgewählte Musik kann das Rapé-Ritual begünstigen. Selbstverständlich ist es empfehlenswert, das Rapé-Ritual in der Natur durchzuführen. Vor der Einnahme ist es günstig, einen medi­ tativen Zustand zu erreichen. Man kann vor der Insufflation entweder eine Frage stellen oder einer Intention Ausdruck verleihen, man kann aber auch genauso gut geöffnet und ohne weitere Absichten in das Ritual gehen und einfach die heilsamen und transformativen Energien aufnehmen und für sich arbeiten lassen. Die Absicht kann sein, Einsichten, Gesundheit oder energetische Transformation zu erlangen; aber auch jede andere reine Motivation, die auf spirituelles Wachstum und Heilung abzielt, kann die Grundlage eines Rapé-Rituals darstellen. Wenn unsere Intention klar ist, bitten wir das Universum und die geistigen Helfer um Beistand. }

Verschiedene Rapé-Mischungen und Utensilien.  Foto: L. Svard

}


32  RAPÉ

Wir inhalieren nun den Rapé-Snuff zunächst durch das linke Nasenloch. Dies symbolisiert den Tod. Anschließend inhalieren wir eine gleich große Portion Rapé durch das rechte Nasenloch, was die Wiedergeburt symbolisiert. Nachdem der Rapé-Blend gezogen ist, schließen wir die Augen, atmen langsam und tief und spüren, wie unser Geist sich öffnet und fokussiert. Wir versuchen nicht, unsere Erfahrung zu verbalisieren, sondern konzentrieren uns auf unsere innere Welt, frei von störenden Gedanken, die nur das Ego nähren, und spüren die Energie, die uns die Medizin verleiht. Nach der Inhalation Nach der Anwendung von Rapé werden Schnodder und Schleim zuerst aus der Nase austreten, später auch abgehustet. Es ist von zentraler Bedeutung, diese Sekrete nicht wieder in die Nase zu ziehen oder zu schlucken, sondern abgehen zu lassen. Denn nach schamanischer Auffassung enthält dieser Schleim allen physischen und ätherischen Ballast und Abfall – also negative Energien, die aus dem Körper entfernt werden sollen. Deshalb putzt

Literatur

man sich kräftig und mehrfach die Nase. Im Idealfall wird man sich danach geöffnet und rein fühlen. Nach einer Weile laufen Reste des Rapé-Snuffs den Rachen hinunter. Auch dieses Sekret sollte nach Möglichkeit ausgespuckt werden, denn alles abgehende Material soll unbedingt aus dem Körper gebracht werden. Sollte man sich nach der Einnahme schwindelig oder unwohl fühlen, kann ein Glas frisches Wasser meist Linderung verschaffen. Man hält die Augen geschlossen und liegt oder sitzt entspannt und ruhig auf seinem Platz. Das Wasser wird die Detoxkur für den Körper auf seine Weise unterstützen. Rapé ist eine heilige Medizin und sollte deshalb mit Respekt, Demut, reinem Geist und guter Absicht verwendet werden. Wir empfehlen, Rapé nicht mit Alkohol zu kombinieren. Man sollte den Snuff nicht schlucken und die Nase nach Anwendung gut reinigen. Weil in Rapé-Blends Tabak die Hauptzutat ist, kann ein exzessiver Konsum zu körperlichen Beschwerden führen, z.B. zu Herz-Kreislaufleiden, Schlaganfall, Arteriosklerose und anderen Erkrankungen. Rapé soll außerdem nicht während Schwangerschaft und Stillzeit zur Anwendung kommen.

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Luc y’s Rau sch Nr. 5

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Coustos Psychedelikatessen Hans Cousto ist Sachbuchautor, Musikwissenschaftler und Mitbegründer von Eve&Rave Berlin.

Das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz: Ein Ansporn für Forscher

D

er Deutsche Bundestag hat am 23. Sep­ tember 2016 das Gesetz zur Bekämpfung der Verbreitung neuer psychoaktiver Stoffe (Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz, NpSG) beschlossen. Das Gesetz sieht ein weitreichendes verwaltungsrechtliches Verbot des Umgangs mit neuen psychoaktiven Stoffen (NPS) vor. Das Ver­ bot erfasst das Treiben von Handel, das InVerkehr-Bringen, die Her­ stellung, die Ein-, Ausund Durchfuhr, den Erwerb, den Besitz und das Verabreichen von NPS. Damit will man die Gesundheit der Bevölke­ rung vor den unkalkulierbaren und schwerwiegen­ den Gefahren schützen, die mit einem Konsum von NPS verbunden sind. Das Gesetz enthält in Ergänzung zum ein­ zelstofflichen Ansatz des Betäubungsmittelgeset­ zes eine Stoffgruppenregelung, um NPS zukünftig rechtlich effektiver begegnen zu können. Die bei­ den NPS-Stoffgruppen, die dem Verbot unterlie­ gen, sind in der Anlage des Gesetzes aufgeführt: • von 2-Phenethylamin abgeleitete Verbindun­ gen (d. h. mit Amphetamin verwandte Stoffe, einschließlich Cathinone) • Cannabimimetika / synthetische Cannabinoide (d.h. Stoffe, welche die Wirkung von Cannabis imitieren) Diese Verbindungen machen seit dem Jahr 2005 zwei Drittel aller neuen Stoffe aus, die über das europäische Frühwarnsystem gemeldet werden. Insofern bestand bei diesen Stoffgruppen ein dringlicher Handlungsbedarf für den Gesetz­ geber.

Die anhaltende Flut von NPS ist beunruhi­ gend, da diese Stoffe nicht selten kaum einschätz­ bar und möglicherweise deutlich gefährlicher sind als bekannte Drogen, und sie ist eine direkte Folge des Verbotes bestimmter psychoaktiver Substanzen. Durch das Verbot ganzer Stoffgruppen sind weitere Ausweichreaktionen der Drogenhersteller in Richtung noch riskanterer neuer Substanzen aus anderen Stoff­ gruppen zu befürch­ ten. Das NpSG ist nichts anderes als ein Ansporn für For­ scher, neue psy­ choaktive Substan­ zen aus anderen Stoffgruppen zu entwickeln und auf den Markt zu werfen. Mit dem neuen Gesetz wird die Situation verschärft, nicht entschärft. Niemand stirbt durch den Konsum von Can­ nabis; mit NPS kommt es hingegen immer wieder zu Todesfällen. Daher wäre es im Sinne des Gesund­ heitsschutzes sinnvoller, den Anbau von Cannabis für den Eigenbedarf zu erlauben sowie den Bezug von Cannabis in Mengen für den Eigenbedarf zu ermöglichen. Auch für andere Psychoaktiva, die bereits gut erforscht sind und für die Gesundheit ein geringes Risiko darstellen, sollten regulierte und kontrollierte Abgabemodelle erprobt werden. Die Verbotspolitik bei psychotrop wirkenden Substanzen erfüllt ihren Zweck nicht und muss als gescheitert klassifiziert werden. Wir brauchen für den Gesundheitsschutz nicht noch mehr Gesetze und Paragraphen, sondern mehr Drogenkultur, einen regulierten Markt mit Qualitätskontrollen und ein neutrales vertrauenswürdiges Informa­ tions­system. 

Mit dem neuen Gesetz wird die Situation verschärft, nicht entschärft.


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Harry C. Kane

Bäume 13

«Innere Freiräume» Torsten Passie über Harry C. Kane

H

arry Kane – welch ein Name! Hurakan nannten die Quiche-sprachigen Indianer im Hochland von Guatemala die gewaltige Kraft des zerstörerischen Wirbelsturms. Dieser Künstlername erwies sich als prophetisches Omen für das Leben und Werk des Fotokünstlers. Seine Lebensschnur brannte an beiden Enden und verlosch – nach einem früh traumatisierten und chaotischen Leben – schon mit 46 Jahren. Ich begegnete ihm in den 90er-Jahren in Berlin. Soeben von Thailand zurückgekehrt, erzählte er

Mandalas wirken suggestiv und haben tiefe Wurzeln in der visionären Kunst. enthusiastisch von seiner Reise und seinen Begegnungen mit Mönchen. In ihren orangefarbenen Gewändern auf großen Felsblöcken inmitten üppig grüner tropischer Vegetation sitzend hatte er sie portraitiert. Seine fotografische Ausbeute in raffinierter Überblendtechnik faszinierte mich. Und ebenso seine früheren Fotos von kaleidoskop­artigen

Mandalas. Sie basierten auf Motiven, die er in seiner unnachahmlichen Technik zentralsymmetrisch komponierte. Mandalas wirken suggestiv und haben tiefe Wurzeln in der visionären Kunst. Obwohl ich Harry Kane kaum kannte (und hinter hochspurigen Worten keine notwendige Verankerung im realen Leben vermutete), motivierte mich die rauschartig bestechende Ästhetik seiner Fotos spontan, sie einem geneigten Publikum zugänglich zu machen. Und so lud ich Harry Kane 1993 zu einer Konferenz des ECBS nach Zürich ein. Dass er dort Torsten Passie begegnete, der den allzu kurzen kreativen Lebensfunken von Harry Kane nun in seinem Buch im Nachtschatten Verlag verewigt, freut mich sehr. Claudia Müller-Ebeling

* Torsten Passie, im Vorwort des Buchs wird Harry C. Kane als einer «der originellsten und ausdrucksstärksten psychedelischen Künstler des 20. Jahrhunderts» bezeichnet. Was ist so besonders an seinen Werken? Die Szene der psychedelischen Künstler ist nicht besonders groß, und was es an psychedelischer


Lucy’s Rausch Nr.5

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Geometrie 21 (Ausschnitt)

Kunst gibt, ist nicht selten Kitsch. Es gibt nur wenige Künstler, die eine wirklich originelle Art entwickelt haben, psychedelische Erfahrungen zu visualisieren. Harrys Arbeiten sind in der Tat originell – zumal er sich auch einer ganz anderen Technik bedient als andere psychedelische Künstler. Harald Müller alias Harry C. Kane war ein künstlerischer Autodidakt, der auf eine schwierige Kindheit zurückblickte. Wie wurde sein Leben geprägt? Die Ungeborgenheit, das Nicht-Zuhause-Sein in der Welt, ist kennzeichnend für Harrys Leben. Gerade jene frühe Phase der Kindheit, in der man der Welt gegenüber Ängste verliert und Vertrauen gewinnt, ist bei ihm ungünstig gelaufen. Die Familie war durch den despotisch-empathielosen Vater geprägt, der sich rücksichtslos verhielt. Schließlich nahm sich Harrys Mutter das Leben. Harry fand sie erhängt in der Küche und verkroch sich – geschockt und voller Grauen – mit den Geschwistern unterm Küchentisch. Doch selbst dieses schreckliche Ereignis führte nicht zu Veränderungen in der Familie. Sein Leben blieb von Ungeborgenheit und einer fordernden Vaterfigur überschattet. So geriet er

zuletzt selber in eine krankhafte Gemütsverfassung. Er stellte, neben einer unverkennbaren Egozentrik, enorm hohe Ansprüche an sich selbst, an denen er immer wieder scheiterte. Eine formale Ausbildung hat er nie begonnen oder abgeschlossen. In den 1980er-Jahren absolvierte er Praktika bei verschiedenen Fotografen. In dieser Zeit schaute er sich die prädigitale Arbeitsweise des Fotografierens ab, dieses handwerkliche Arbeiten mit der Manipulation von Abzügen, Mehrfachbelichtungen und Entwicklungstechniken. Daraus entwickelte und prägte er nach und nach einen eigenen Stil. Allerdings hatte er damals noch keinen Kontakt mit Psychedelika. Das kam erst später; und daraus folgte das Ziel, solche Erfahrungen in fotokünstlerischen Werken in neuartiger Weise auszudrücken. Inwiefern haben Psychedelika und spirituelle Praktiken in seinem Leben eine Rolle gespielt? Hat er mittels veränderter Bewusstseins- und Gefühlszustände seine kindliche Ungeborgenheit kompensieren können? Ich habe erlebt, dass er über Erfahrungen mit psychedelischen Drogen und Trancezuständen }


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TORSTEN PASSIE studierte Philosophie, Soziologie (M.A.) und Medizin. Promotion über existenzialistische Psychiatrie. Ausbildung in der Praxis von Hanscarl Leuner (Göttingen) und der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Von 1998–2010 Wissenschaftler, Psychiater und Psychotherapeut an der Medizinischen Hochschule Hannover. Klinische Forschung zu Sucht, veränderten Bewusstseinszuständen, Halluzinogenen und psycholytischer Therapie. Von 2012–2015 Gastprofessor an der Harvard-Universität (Boston, USA). 

www.bewusstseinszustaende.de


Walter Wegmüller:

Moosrugger

Mischtechnik auf Leinwand, 120 x 150 cm, 1968

TEXT

Claudia Müller-Ebeling

Ein Vogelmensch fixiert uns frontal. Auf den ersten Blick. Bei näherer Betrachtung offenbaren sich im Detail konsequente Störungen der zentralsymmetrischen Komposition – und verborgene unerwartete Perspektiven: Das Wesen blickt zugleich mit drei weiteren Profilen nach rechts, links (erkenntlich an Mund und Nase) und auch nach unten. Wir erblicken ein wahrlich merkwürdiges Mischwesen mit Moos und Efeublättern auf Kopf und Schultern, das sich im Boden verkrallt, der von ockerfarbenen fleischigen Blüten besät ist. In Schulterhöhe streben zwei Fische unter Flügeln kopfwärts fülligen weiblichen Brüsten zu. Seine rechte Brust sieht man seitlich, die linke frontal, wie ein Schneckengehäuse. Verfranste, eckige Gebilde verbergen seinen Hals und formen sich, hellhäutig wie Kopf, Brust und Krallen, zu Fingern und Händen, die sich den beiden oberen Ecken entgegenstrecken und – wiederum auf den zweiten Blick – diverse Fratzen, Augen und Köpfe enthüllen. Seinem Scheitel entwachsen zwei Hörner (mit Gesichtern) und hinter den Schultern zeichnen sich rötliche Flügel mit aufwärts gerichteten detaillierten einzelnen Federn vor dem etwas helleren Hintergrund voller gerundeter Linien ab, die die obere Bildhälfte ebenso bis zum Rand füllen wie darunter die ockerfarbene «Blütenwiese». Ein derartiges – aus Federn, Blättern, Flechten, Krallen, Flügeln und Hörnern

zusammengesetztes – Wesen ist uns gänzlich fremd. Es spottet jeglicher Anatomie und selbst gewagten Bauplänen überkommener Fabelwesen aus dem Reich der Phantasie. Moosrugger, der Titel und mutmaßlich auch der Name des Wesens, gibt Rätsel auf. Im berndeutschen Schweizer Dialekt ist Moosrugger ein Überbegriff für die BielTäuffelen-Ins-Bahn durch das Seeland. Doch das hilft nicht wirklich weiter. Die linguistische Spur zur Guggenmusik, der typisch schweizerischen Blasmusik regionaler Fasnachts-Gruppen, von denen sich manche Moosrugger nennen, schon eher. Die Volkskunst, die Symbolsprache der Nomaden und vor allem sein ethnischer Hintergrund als Jenischer, das heißt als Zigeuner, der seinen kulturellen Wurzeln brutal als sogenannter Verdingbub entrissen wurde, beeinflusste maßgeblich die Kunst von Walter Wegmüller (geboren 1937 in Zürich). Mit seinen von Sergius Golowin herausgegeben Tarotkarten, die von 1968 –1974 entstanden, wurde der in Basel lebende Künstler, der unter anderem auch mit HR Giger zusammenarbeitete, über die Grenzen des psychedelischen Untergrunds hinaus bekannt. Zum 80. Geburtstag ehrte ihn die Basler Galerie Brigitta Leupin im Februar 2017 mit einer Ausstellung. www.claudia-mueller-ebeling.de


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DIE SIRENEN VON ELEUSIS Die Wiederentdeckung der Seele durch die europäische Opium-Moderne TEXT

A

  Mathias Bröckers

lles, was das Bewusstsein mit Drogen erreichen kann, kann auch ohne Drogen erreicht werden.» Das sagte einer, der es wissen musste, der «Jahrhundert-Junkie» William S. Burroughs. Dennoch gibt es gute Gründe anzunehmen, dass am Anfang aller Ekstasetechniken der zufällige Genuss psychoaktiver Pflanzen stand und diese Pflanzen kulturstiftend waren. Die Schamanen, die als Experten für Ekstase mit dem Hyperraum – dem Geist der Natur – Kontakt halten, repräsentieren nicht nur den Urtypus des Weisen, sondern auch den des Heilers und Poeten. Ihre Therapie ist Sprache – es sind die Worte, die sie von ihrer Jenseitsreise mitbringen. Der Anthropologe Lévi-Strauss hat in diesem Zusammenhang auf den entscheidenden Unterschied zur «Sprachkur» der modernen Psychoanalyse verwiesen: Hier spricht nicht der Patient, sondern der Arzt. Die Sprachmagie des Schamanen ist der Anfang aller Kunst, jener einzigartigen Fähigkeit des Menschen, mit Worten, Klängen und Bildern neue Welten zu schaffen und damit auf die «alte» Welt – die Wirklichkeit – einzuwirken. Die Herausbildung dieser Kunst ist von Anfang an untrennbar mit psychoaktiven Pflanzen verbunden, und fast überall auf der Welt entwickelten sich Kulte um die «Speisen der Götter». Isis, Astarte, Kybele, Kore, Ceres – welchen Namen man Gaia, der Mutter-Erde-Gottheit, auch gab, mit dem Mohn war sie stets auf das engste verbunden. Am deutlichsten wird dies in den zahlreichen Abbildungen von Demeter mit

den Mohnkapseln. Auch wenn der heilige Trank des Demeter-Mysteriums im Tempel von Eleusis wahrscheinlich eher psychedelische Wirkstoffe enthielt, spielte Opium in der Religion des antiken Griechenlands eine zentrale Rolle, ebenso wie der dionysische Alkohol, dessen narkotisierende Eigenschaften denen des Mohnsafts zwar durchaus vergleichbar sind, der in seiner Wirkung auf den Geist jedoch genau in die entgegengesetzte Richtung zielt. Während Alkohol das Bewusstsein eher nach außen richtet – auf Materielles, auf Aktivität –, führt Opium eher zum Immateriellen und zur Introspektion – zum Anschluss an den inneren Kanal, den Geburtskanal, das Weibliche, die «meistlich mysteriöse Mammamatrix» (James Joyce), die veriditas (Hildegard von Bingen), den Vegetationsgeist, die pulsierende Software der Natur. Die schamanische Gestalt dieser Zeit ist Orpheus, der Urvater aller Sänger, der mit seinen Worten selbst Hades, den Tod, überwindet und damit in einer Linie mit noch viel älteren Kosmologien liegt; gemäß den australischen Aborigines beispielsweise wird die ganze lebendige Welt nur durch Gesang – durch Worte – geschaffen und zusammengehalten. «Am Anfang war das Wort», heißt es noch in der jüdisch-christlichen Schöpfungsgeschichte. Mit der bekannten Drogenrazzia im Garten Eden wird dann aber der Genuss bewusstseinserweiternder Pflanzen zur Ursünde überhaupt gemacht und mit ewiger Verbannung geahndet. In gewisser Weise war das konsequent – die Rationalisierungs-


Opiumromantik: Inzeniertes Porträt eines jungen Mannes in einer Opiumhöhle (Stereografie, 1904). Foto: alamy.com

maßnahme des Monotheismus ließ sich nur unter der Voraussetzung durchziehen, dass die magischen Kanäle der vielstimmigen Götter der Natur abgeschaltet wurden, indem man den Decoder, die pflanzliche Satellitenschüssel, zum Tabu erklärte. Bezeichnenderweise findet sich im ganzen Buch Genesis kein einziger plausibler Grund, warum ausgerechnet der Konsum bewusstseinserweiternder Früchte verboten sein soll, außer dem einen: Der Mensch ist jetzt wie einer von uns geworden. Und das duldet der eifersüchtige Jehova nicht: Beim Gottesgeschäft will er sich von niemand in die Karten schauen lassen. Die Dichter und Sänger, die Künstler und Kreativen, haben sich dennoch nicht vom «Baum der Erkenntnis» und seinen Früchten abhalten lassen – um ihre neuen Welten zu schaffen, zapfen sie bis heute diese Übertragungskanäle an. Schon die opiumbefeuerte Literatur der europäischen Romantik greift daher nicht nur auf klassische, sondern auch auf archaische Motive zurück: die Pflanze als Werkzeug der Bewusstseinserweiterung und Medium der Wahrnehmung, als direkter Draht zum Geist der Natur.

«Süße Pillen aus Mohnsaft, die Freude und heitere Ruhe verheißen …» Die Zerstörung des Tempels von Eleusis durch christliche Barbaren im 5. Jahrhundert markiert das Ende der minoisch-griechischen «Naturreligion». Jahrhunderte zuvor, in der Phase des Niedergangs der griechisch-römischen Kultur, war die heilige Blume der Demeter schon profanisiert worden und hatte sich als «little helper» im Alltag des Bürgertums durchgesetzt. In den Mohnfeldern von Mekone, wo laut der Prometheus-Sage das erste Treffen von Göttern und Menschen (!) stattgefunden haben soll, wurde Doping und Medizin für den Alltag produziert. Die persischen Soldaten Alexanders des Großen erhielten vor dem Kampf eine kleine Dosis Opium gegen die Angst, und in Rom schrieb Petronius über den Verfall der Sitten, dass man sich vollstopfe «mit den süßen Pillen aus Mohnsaft, die Freude und heitere Ruhe verheißen». Die Schriftsteller waren diesem Zustand besonders zugeneigt: Horaz, Vergil und Juvenal }


46  OPIUM


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48  OPIUM


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50  OPIUM

Thomas de Quincey  


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Lucy’s Rausch Nr.5

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Die Urahnen der Sortenvielfalt Landrassen als Grundlage moderner Cannabis-Kultur TEXT

C

  Michael Knodt

annabis hat sich aus Zentralasien über die ganze Welt verbreitet. Heutzutage gibt es Tausende von Cannabissorten oder -strains mit wohlklingenden Namen. Bei manchen, so zum Beispiel der beliebten O. G.  Kush, kann man die Abstammung noch am Namen erkennen. So stammen alle Kush-Sorten ursprünglich von Cannabissorten aus dem Hindukush ab, einem Gebirge in Zentralasien. Bei anderen Strains wie zum Beispiel einer New York Diesel kann man deren Vorfahren aus Zentralasien und Südamerika nur erschmecken oder erfragen. Die heute angebotenen Sorten wurden durch jahrelange Selektion gezüchtet sowie untereinander gekreuzt und haben deshalb nur noch wenig mit ihren nicht domestizierten Urahnen gemein. Diese wilden Vorfahren werden in Züchterkreisen als Landrassen bezeichnet und haben einen legendären Ruf, auch wenn sie den Ansprüchen der meisten Cannabis-Liebhaber

FOTOS

  Jürg Augstburger

heutzutage nicht mehr gerecht werden. Denn bei Landrassen sind Wirkstoffgehalt und Ertrag lange nicht so hoch wie bei den vielen Sorten, die über Jahre oder Jahrzehnte aus ihnen gezüchtet wurden. Aber dafür verfügen sie über Eigenschaften, nach denen legale wie illegale Grower suchen. Ein besonders niedriger oder hoher Wuchs, eine besonders kurze oder lange Blütezeit, ein hoher Cannabidiol-Gehalt, die Anfälligkeit für Krankheiten, der Nährstoffbedarf oder auch die enthaltenen Terpene – das alles hängt entscheidend vom Ursprung einer Sorte ab. Grundlage der modernen Cannabiszucht. Ende der 1960er und in den 1970er Jahren begannen Cannabis-Pioniere aus den USA und den Niederlanden, auf ihren Weltreisen Cannabissamen aus den Cannabis-Anbaugebieten auf der ganzen Welt zu sammeln, um zurück in der Heimat die ersten }


54  LANDRASSEN

Wie definiert man eine Landrasse? Bei Landrassen handelt es sich um wild wachsende Cannabissorten, die sich endemisch, also unabhängig von Einflüssen anderer Cannabissorten, in einer bestimmten geografischen Region entwickelt haben. Weil die Pflanzen über viele Generationen spezifische Merkmale entwickelten, die das Überleben in ihrer Ursprungsregion sicherten, nennt man diese Sorten heute Landrassen. Eine echte Landrasse ist nicht gezüchtet worden. Ihre Entwicklung wurde nicht mittels künstlicher Nährstoffe, Pestizide oder mit anderen Methoden der modernen Agrarwirtschaft beeinflusst, sondern sie hat sich den Umwelteinflüssen durch natürliche Selektion und auftretende Mutationen angepasst. Namensgeber für solche Sorten sind meist ihre Ursprungsregionen wie Afghanistan, Hindukush, Thailand oder Durban Poison; sie kommen auch in vielen Strains vor, denen die jeweilige Landrasse zugrunde liegt.


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Cannabis-Feld in Sagogn (Graubünden, Schweiz) im Jahr 2000

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56  LANDRASSEN


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ETHNOBOTANISCHES GROWING TEIL 3

Traumpflanzen Aztekisches Traumgras, Afrikanische Traumwurzel und Glänzende Studentenblume TEXT

U

Kev i n J o h a n n

nter der Sammelbezeichnung Traumpflan­ zen oder Traumkräuter werden all jene geistbewegenden Gewächse zusammenge­ fasst, die das nächtliche Traumerlebnis intensivie­ ren und/oder die Fähigkeit zur Traumerinnerung verbessern können. Durch den gezielten Einsatz einer solchen Traumpflanze kann es nicht nur gelin­ gen, die Anzahl seiner Träume zu erhöhen, sondern diese auch zu verlängern sowie bewusst zu erfahren und aktiv auszugestalten (Stichwort: Klartraum, Luzider Traum); gleichzeitig beschreiben Anwender pflanzlicher Traumverstärker, dass sie sich am Mor­ gen häufig noch an alles erinnern können: an jede im Traum getätigte Handlung, an jedes im Traum gesprochene Wort, an jede Person oder Enti­ tät, der sie im Traum begegnet sind, und an jede im Traum empfundene Emo­ tion. Bedenken wir nun, dass Träume ein hervorragender, stets geöffneter Zugang in die unendlichen Welten un­ seres (Unter-)Bewusstseins sind, dann erklärt sich die psychonautische Rele­ vanz von Traum­ pflanzen – die in schamanischen Kulturen weltweit seit Jahrhunderten bekannt ist – ganz von selbst. Die psychoaktive Wirkung der meisten als Traumpflanzen beschriebenen Arten darf man jedoch nicht überschätzen. Auf unser gewöhnliches Alltagsbewusstsein wirken sie meist nur subtil, wenig aufdringlich und recht unspektakulär. Das eigentliche Potenzial dieser Pflanzen offenbart sich vor allem im Schlaf – indem sie das Traumbewusst­ sein erweitern. Nicht selten erfährt der Anwender bei regelmäßiger Einnahme seine Träume in einer Qualität, die der Erfahrungsrealität seines Alltags­

bewusstseins in keiner Weise nachsteht. Mehr noch: In luziden Traumzuständen unterliegt der Geist kei­ nen räumlichen oder zeitlichen Grenzen – fast alles ist möglich –, und dies ist für jede Person völlig legal nutz- und erfahrbar. Die meisten Traumkräuter unterliegen keiner betäubungsmittelrechtlichen Bestimmung. Der Anzucht und Kultur dieser Pflan­ zen im eigenen Garten steht daher nichts im Wege, vorausgesetzt, man berücksichtigt die spezifischen Anzucht- und Pflegebedingungen. Was sind Oneirogene? In der Fachterminologie werden psychoaktive Pflan­ zen mit einem trauminduzierenden Wirkverhalten den sogenannten Oneirogenen zugeordnet. Dieser Begriff stammt aus dem Griechischen, bedeutet übersetzt «Träume erzeu­ gend» und fasst nach allge­ meinem Verständnis sämtli­ che geistbewegenden Mittel zusammen, die einen inten­ sivierenden Effekt auf das nächtliche Traumerlebnis oder die Traumerinnerung haben. Psychonauten, die mit Oneirogenen experi­ mentieren  –  etwa zum Klarträumen oder zum Erfahren von Traumvisionen  –, bezeichnet man im Psychedelik-Jargon auch als Oneironauten; eine Wortkreation, die auf den amerikanischen Klar­ traumforscher Stephen LaBerge zurückgeht. Wich­ tig: Ein Oneirogen muss nicht zwangsläufig eine psychoaktive Pflanze oder Substanz sein. Auch diverse nonpharmakologische Techniken (z.B. Auto­ suggestion, Rhythm Napping, Wake-Initiation of Lucid Dreams [WILD], Dream-Initiated Lucid Dream [DILD] etc.) können zur Traumintensivierung einge­ setzt und somit als Oneirogene bezeichnet werden.

Das Potenzial dieser Pflanzen offenbart sich vor allem im Schlaf.


Luc y’s Rau sch Nr. 5

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Calea ternifolia Zuordnung: Gattung → Calea, Familie

in den Früchten bzw. Nüssen (Achäne)

→ Asteraceae (Korbblütler)

gebildet.

Kunth

Verwendete Pflanzenteile: Blätter, Kraut

Calea tejadae S.F. Blake, Calea

Dosis: 20–30 g

zacatechichi Schlechtendal (alte

Wirkstoffe: Sesquiterpenlactone,

Bezeichnung) u.a.

Flavonoide, möglicherweise ein bislang

Trivialnamen: Aztekisches Traumgras,

unbekanntes Alkaloid.

Bitterkraut, Traumkraut (dt.),

Wirkung: Beruhigend, leicht euphori­

bitter-grass, dreamherb, dreamweed,

sierend, trauminduzierend

leaf of god, mexican calea (engl.),

Ethnobotanik: Ein rituell-schamani­

hoja madre (span.), thle-pela-kano

scher Gebrauch der Calea ternifolia

(chontal.) und viele mehr.

wurde bei den mexikanischen

Vorkommen: Mexiko, Costa Rica

Chontal-Indianern dokumentiert. Sie

Botanik: Rein optisch erinnert

verehren das Traumkraut als «Pflanze

das Traumkraut ein wenig an die

der Götter» und ihre Schamanen

Brennnessel. Die Wuchshöhe beträgt

verwenden es – meist in der Darrei­

die Zukunft zu erhalten. Als Heilpflanze

40–100 cm; die Blätter sind oval,

chung als kräftiger Sud, seltener als

ist das Traumkraut in Mexiko zur

dunkelgrün, haben einen gezähnten

Rauch- oder Räucherwerk – zur

Behandlung von Appetitlosigkeit,

Rand und sind im Jungstadium

Herbeiführung luzider Traumzustände:

Durchfall, Fieber, Hauterkrankungen,

unterseitig lila gefärbt. Die endständig

etwa um die Ursache einer Erkrankung

Kopfschmerzen, Malaria, Unter­

auf den Stängeln wachsenden Blüten

festzustellen, verlorene Gegenstände

leibsschmerzen, Verstopfung und

sind hellgelb oder weiß. Das etwa 2

und vermisste Stammesmitglieder zu

Wunden bekannt; angewendet wird es

mm große und flugfähige Saatgut wird

lokalisieren oder einen kurzen Blick in

innerlich und äußerlich.

Anzucht und Pflege Der einfachste Weg zur Calea-Kultur erfolgt auf vegetativem Weg, durch das Schneiden von Steck­ lingen. Diese werden mit einer scharfen Klinge von der Mutterpflanze geschnitten, in kleine, mit Anzuchterde befüllte Töpfe gesetzt und gegossen. Bewurzelungshormone sind erfahrungsgemäß nicht nötig, können den Prozess der Wurzelbildung aber enorm beschleunigen. Idealerweise belässt man den Steckling anfänglich einige Zeit im Zim­ mergewächshaus, danach wird er umgetopft oder ab Mai ins Freiland gepflanzt. Zu beachten ist, dass

Calea-Samen.  Foto: KJ

Foto: Pineali

Synonyme: Aschenbornia heteropoda S.Schauer, Calea rugosa (DC.) Hemsl.,

die Pflanze in Mitteleuropa nicht winterhart ist und zu Überwinterung ins helle und warme Haus gestellt werden muss. Die meisten Gärtner ent­ scheiden sich deshalb für eine Topfkultur. Etwas schwieriger, aber dennoch möglich, ist die Anzucht des Aztekischen Traumgrases durch Saatgut. Dieses ist lichtkeimend und wird daher – nachdem es für 24 Stunden in lauwarmem Wasser vorgequollen ist – nur leicht auf das Anzuchtsub­ strat gedrückt und nicht überdeckt. Bei erforderli­ chen Temperaturen von 20–25 °C und einer kon­ stanten Substratfeuchte zeigen sich nach zwei Wochen die ersten Keimlinge. Die Keimung der Calea-Samen verläuft allerdings sehr unregelmä­ ßig. Sobald die Keimlinge stabil genug sind, werden sie pikiert und in Töpfe oder ins Freiland gepflanzt. Als Standort benötigt die Pflanze einen Platz im Halbschatten, wo sie vor der heißen Mittags­ sonne geschützt ist. Ideal ist eine Ecke auf dem Balkon oder der Terrasse. Ansonsten droht der Pflanze ein «Sonnenbrand», der sich in einer Rot­ färbung der Blätter zeigt. Die Wasserzufuhr erfolgt mäßig und regelmäßig, die Zufuhr eines biologi­ schen Düngemittels bedarfsweise. }


Foto: Markus Berger

6 0   T R AU M P F L A N Z E N

Silene-capensisSamen.  Foto: KJ

Silene-capensis-Wurzeln.  Foto: KJ


61

Foto: Traper Bernowski

Luc y’s Rau sch Nr. 5

}


6 2   T R AU M P F L A N Z E N

Literatur

Hirst, Manton (2005): Dreams and Medicines: The Perspective of Xhosa Diviners and Novices in the Eastern Cape, South Africa. In: IndoPacific Journal of Phenomenology, Vol. 5 (2), S. 1–22. • Hirst, Manton (2000): Root, dream and myth. The use of the oneirogenic plant Silene capensis among the Xhosa of South Africa. In: Eleusis. Journal of Psycho­ active Plants and Compounds, Vol. 4, S. 1–27. • Johann, Kevin (2016): Der Schamanengarten. Über die Anzucht und Verwendung geistbewegender Ritualpflanzen. Solothurn: Nachtschatten Verlag. • Johann, Kevin (2016): Traumkräuter. Eine Übersicht der relevanten Arten. In: Grow-Magazin, Ausgabe 4/16, S. 84–88. • Rätsch, Christian (1998): Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. Botanik, Ethnopharmakologie und Anwendungen, Aarau: AT Verlag. • Siegel, R. K., Collings, P. R., Diaz, J. L. (1977): On the Use of Tagetes lucida and Nicotiana rustica as a Huichol Smoking Mixture: The Aztec «Yahutli» with Suggestive Hallucinogenic Effects. In: Economic Botany, Vol. 31 (1), S. 16–23.


64

Lucy’s Rausch Nr.5

Von Heiligtum und Hexenwerk Mutterkorn in der Antike, der Wandel des Glaubens und die Renaissance des Weltbewusstseins TEXT

Alice Dorothea Baker

D

ie griechische Mythologie enthält viele Archetypen; Urbilder, göttliche Konzepte und Ideen, die in menschliche Gestalt gekleidet wurden, um sie verständlicher zu machen. Der Wetter- und Herrschergott Zeus und seine Gemahlin Demeter, die Göttin des Wachstums und der Fruchtbarkeit, zeugten miteinander Kore, deren Name so viel wie «(Korn-)Mädchen» oder besonders hier auch «Tochter» bedeutet. Der Mythos vom Raub der Persephone Hades, der Gott der Unterwelt, verliebte sich unsterblich in Kore und bat seinen Bruder Zeus, sie zur Frau nehmen zu dürfen. Dieser wusste, dass sie wohl kaum freiwillig in die lichtlose Unterwelt gehen würde, und stimmte deshalb weder zu, noch lehnte er ab. Hades verstand dies als Zustimmung und nahm sie in seinem Wagen mit, als sie Rosen und Krokus pflückte. Zeus ignorierte dies. Helios, der allsehende Sonnengott, berichtete Demeter, was geschehen war. Diese entzog in ihrem tiefen Schmerz der Erde und den Pflanzen ihre Fruchtbarkeit und Lebenskraft. Es wurde kalt, und das Leben auf der Erde stand still. Demeter nahm die Gestalt einer alten Frau an und suchte überall auf der Welt nach ihrer Tochter, bis sie erschöpft in Eleusis ankam. Dabei gelangte sie in den Palast des Königs Keleos. Als Dank für seine Gastfreundschaft gab sie sich zu erkennen, ließ einen Tempel errichten und gab Anweisungen, wie die Riten in diesem Tempel durchzuführen seien. Außerdem lehrte sie Triptolemos, den ersten Eingeweihten des Tempels, die Kunst des Ackerbaus und beauftragte ihn, dieses Wissen an die Menschen weiterzugeben. Hekate, die Herrin der Schwellen und Übergänge, hatte inzwischen Kores Schreie aus der Unterwelt gehört und sie ausfindig gemacht. Her-

Demeter auf einem Votivrelief in Eleusis, ca. 440-430 v.Chr.

mes, der Götterbote und Vermittler, wurde hinuntergesandt, um sie zurückzuholen. Da sie jedoch zuvor von einem Granatapfel gegessen hatte, war ihr die Rückkehr verwehrt, denn das Kosten dieser Frucht bedeutete die symbolische Heirat mit Hades. Von da an wurde sie nur noch Persephone genannt. Zeus, der das Sterben der Lebewesen nicht dulden konnte, führte zähe Verhandlungen mit seinem Bruder. Schließlich durfte Persephone die ersten zwei Drittel des Jahres bei ihrer Mutter im Olymp bleiben, musste jedoch das letzte Drittel bei ihrem Gemahl in der Unterwelt verbringen. Bei näherer Betrachtung erkennt man im Mythos das alljährliche Aufblühen und Vergehen der Natur, das in jener Zeit von zentraler Bedeutung war und in sämtlichen Kulturen gefeiert wurde. Kore steht für die warme Jahreszeit, die Ernte, die Frucht, die Leben spendet. Man nimmt an, dass die älteste Version des Namens Perse-


65

phone ein Kompositum aus griech. pertho (zerstören) und -phatta (vedisch, parsha; Garbe) darstellt und die Bedeutung «die, welche die Garben schlägt» oder besser «die das Korn drischt» trägt. Der Mutterkult drang bis ins frühe Römische Reich, das den Mythos für kurze Zeit sogar übernahm. Einzig der Name der Gottheit änderte sich: Aus Persephone wurde Proserpina. Die Eleusinischen Mysterien Die Mysterien von Eleusis waren Riten zur Initiation. Hauptsächlich waren sie Demeter und Persephone (Kore) geweiht, unter anderem aber auch Dionysos, dem Gott des Weins. Sie gehörten später zum Staatskult von Athen, und Teilnehmer aus der gesamten Oikumene (der gesamten damals bekannten Welt) wurden in die Mysterien eingeführt. Jedoch mussten sie das Erlebte unter Androhung der Todesstrafe geheim halten, wohl aus Achtung gegenüber dem Unaussprechlichen und damit die Erfahrung nicht in Teile zerlegt würde. Man glaubte, durch die Zeremonien an der göttlichen Macht teilzuhaben und nach dem Tod davon zu profitieren. Trotz der Geheimhaltung konnte man aus archäologischen Funden und überlieferten Texten die Abläufe der Mysterien weitgehend rekonstruieren.
 Gefeiert wurden die «kleinen Mysterien» zum Frühlingsbeginn (Februar/März), die Persephones Rückkehr in die Welt der Lebenden symbolisierten und eine rituelle Waschung umfassten. Mit einer weiteren Feier im Spätsommer (September/ Oktober) zelebrierte man die «größeren Mysterien» und damit den offiziellen Beginn der Riten, die neun Tage andauerten. Dazu gehörte auch der Weg von Athen nach Eleusis, der an die Suche nach Kore erinnern sollte. Auf dem Höhepunkt der Mysterien betraten die Teilnehmer den Tempel der Demeter. In diesem Teil der Zeremonie wurden die Geheimnisse verkündet; nichts davon durfte nach außen dringen. Eine Theorie von Carl A. P. Ruck, R. Gordon Wasson und Albert Hofmann wirft ein erhellendes Licht auf die Mysterien.
Die Hohepriester oder Hierophanten (Enthüller der heiligen Geheimnisse) waren offenbar fähig, eine Wasserlösung mit Mutterkornalkaloiden herzustellen, entweder aus befallenem Getreide oder aus Paspalum distichum, einer Grassorte im Mittelmeerraum, die ebenfalls als Nährboden für Mutterkorn dienen kann; auch Gerste und Frauenminze soll die Lösung enthalten haben. Vielleicht ermöglichte

es dieses Elixier, dass alle Teilnehmenden gleichzeitig die Aufhebung der Trennung zwischen Ich und Außenwelt erlebten. Diese Kykeon genannte Mixtur wurde zu Ehren Demeters am 19. Boedromion (dem dritten Monat des attischen Kalenders) nach einer kurzen Zeit des Fastens getrunken, bevor man am folgenden Tag im Tempel in die Geheimnisse eingeweiht wurde.
 Der Kykeon (die Droge) trug nach inneren Vorbereitungen (dem Set) im äußeren Rahmen der Mysterien (dem Setting) zum seelischen Wandel bei und verlieh Leben und Tod einen tieferen Sinn.
 Das Ende der Mysterien
 In der Antike war der Dualismus – die Lehre, wonach alles aus zwei Prinzipien besteht, die sich entweder ergänzen oder auch widersprechen –noch sehr

Der Kykeon verlieh Leben und Tod einen tieferen Sinn. präsent. Dieser Dualismus, besonders der Aspekt der Trennung zwischen Schöpfung und Geschöpf, wurde im Rahmen der Mysterien überwunden und ausgeglichen. Das frühe Christentum hat offenbar die Überwindung des Dualismus in seine Symbolik integriert (in der Lehre von der Dreifaltigkeit), allerdings ohne das Eleusinische Vermächtnis zu berücksichtigen, das eine transzendente Gruppenerfahrung mit einschließt. Womöglich deshalb hat sich das moderne Bewusstsein einseitig dem Materialismus zugewandt. Die Mysterien haben um 1500 v. Chr. ihren Ursprung und dauerten fast 2000 Jahre an. Seit ungefähr 300 v. Chr. waren sie Bestandteil des Staatskultes in Athen. Frauen, Männer, Könige, Sklaven – so gut wie jedem war es gestattet, an den Weihen teilzunehmen, denn die Fähigkeit zum mystischen Erleben schlummert in jedem von uns. Mörder waren allerdings von der Teilnahme ausgeschlossen, und wer teilnehmen wollte, musste der griechischen Sprache mächtig sein. Wie erwähnt, fand der Mutterkult seinen Weg ins Römische Reich, und einige der ersten Kaiser Roms wurden noch in die Mysterien eingeweiht. Erst im Jahre 392 wurden sie per Dekret, durch den römischen Kaiser Theodosius I., verboten und drei Jahre später wurde der Tempel in Eleusis zerstört. Mit dem Römischen Reich breitete sich auch das }


66  HEILIGTUM UND HEXENWERK

Foto: Dr. Marcus Werum / detail-views.de


L u c y ’ s R a u s c h N r .  5

67

ALICE DOROTHEA BAKER (*1995) hat von 2013 bis 2017 die Kunstschule Wandsbek besucht, lässt sich ab kommendem Jahr zur Gärtnerin ausbilden und beschäftigt sich engagiert mit Psychedelika und Entheogenen. Sie ist Mitglied im Cannabis Social Club Hamburg und Teilnehmerin an einer Studie des US-amerikanischen Psychologen James Fadiman über mikrodosierte Psyche­ delika (Microdosing).


Neues aus dem Nachtschatten Verlag Der Konsum von psychoaktiven Substanzen ist Bestandteil des menschlichen Daseins. Dabei weisen Psychoaktiva ein breites Spektrum an positiven Ef-

Alexander Bücheli

Markus Berger

Spass, lassen neue Perspektiven zu und können das Bewusstsein erweitern. Ein Konsum ist dabei immer auch potenziell mit Risiken verbunden. Die risikoarme Haltung, um die es in diesem Buch geht, stellt einen Rahmen zur Verfügung, der bei der Erstellung einer individuellen Risikominderungsstrategie behilflich sein Stand der Wissenschaft und praktische kann. Dabei geht es nicht nur um die Reduktion potenzieller Schäden, sondern auch um Genussoptimierung Folgerungen für die Therapie und Lustgewinn.

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ISBN 978-3-03788-514-7 ca. 100 Seiten, Format 14,8 x 21 cm, Broschur

Erscheint im 3. Quartal 2017

Erscheint im 2. Quartal 2017

Nachtschatten Verlag AG

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Ein drogenpolitisches Manifest

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Kronengasse 11 CH-4500 Solothurn

Iboga

Erscheint im 3. Quartal 2017

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Luc y’s Rau sch Nr.  5

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MEDIATHEK

Übersicht über Psychoaktiva Das Drogentaschenbuch richtet sich vor allem an Ärzte und Pharmazeuten, ist aber auch für alle anderen gut lesbar. Der 1997 erstmals erschienene Band aus dem renommierten Thieme Verlag ist schon fast ein Klassiker. Das Werk wurde in fünf Auflagen immer wieder aktualisiert und erweitert. Auf 244 Seiten erwarten den Leser Daten und Fakten zu psychoaktiven Substanzen wie Amphetaminen, Cannabis, MDMA, Nachtschattendrogen, dem Fliegenpilz, GHB, Opioiden, Kokain, Ketamin, den Tryptamin-Halluzinogenen, Lachgas usw. Außerdem gibt es ein Kapitel zur Ersten Hilfe im Drogennotfall. In der neuen Auflage wurden von Scherbaum zahlreiche Fehler und Ungenauigkeiten korrigiert, was dem Buch gut getan hat. Sicher finden sich hier und da noch Kleinigkeiten, die der Experte bemängeln könnte, dennoch bietet das Buch einen guten Einstieg in die Thematik.

Vom Chef der Bundesopiumstelle

Peter Cremer-Schaeffer Cannabis – Was man weiß, was man wissen sollte 2. Auflage, S. Hirzel Verlag 2017 ISBN: 978-3-7776-2664-2

Alternativen zum Drogenkrieg

Akzept e.V. (Hg.) Nach dem Krieg gegen die Drogen – Modelle für einen Norbert Scherbaum (ehem.

regulierten Umgang

Ralph Parnefjord):

Selbstverlag 2012

Das Drogentaschenbuch

ISBN: 978-3-9813-8904-3

Georg Thieme Verlag 2016 ISBN: 978-3-13118-035-3

Peter Cremer-Schaeffer ist Anästhesist, Leiter der deutschen Bundesopiumstelle und seit einiger Zeit auch als Buchautor erfolgreich. Sein Werk beleuchtet auf 126 Seiten einige Facetten des Cannabisgebrauchs und auch der Anschauungen, die zum Hanfkonsum landläufig existieren. Für die einen ist Cannabis eine eher harmlose Substanz und eine vielseitige Medizin, andere sehen darin ein suchterzeugendes Rauschgift. Cremer-Schaeffer liefert eine Übersicht über die Situation – über die Pflanze, die Droge, das Genussmittel und das Medikament, über die Gesetzeslage und über die öffentliche Diskussion.

Dass der War on Drugs, der Krieg gegen Drogen, von Anfang an zum Scheitern verurteilt war, ist heutzutage vielen klar. Strafverfolgung und Repression sind ungeeignet, um die sogenannte Volksgesundheit zu schützen. Alternative Wege, mit dem «Drogenproblem» umzugehen, zeigt dieser Band des Vereins Akzept: Modelle zur Regulierung des Drogenangebots und die Schaffung eines regulierenden Systems, das den Substanzgebrauch sinnvoll ins Leben einbettet und nicht pauschal verteufelt. Praktische Beispiele für solche regulierten Drogenmärkte runden das Buch ab. Diesen Band sollte jeder politische Funktionär gelesen haben. Tipp der Redaktion!

Ì


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MEDIATHEK

Handbuch für die psychedelische Praxis

Ralph Metzner Handbuch für nachhaltige Erfahrungen mit Entheogenen Nachtschatten Verlag 2017 ISBN: 978-3-03788-384-6

Dieses neueste Buch des psychedelischen Urgesteins Ralph Metzner ist ein Buch vom Profi für Anwender. Der Titel ist Programm, denn der Band vereint allerlei bislang unveröffentlichte Informationen zur Anwendung von Psychedelika und Entheogenen. Wie werden psychedelische Substanzen idealerweise eingesetzt? Was muss man im psychonautischen Setting beachten, damit die Sitzung effektiv und heilsam sein kann? Welche Psychedelika wirken wie und wie werden die Erfahrungen mit ihnen sinnvoll ins Leben integriert? Und was ist eigentlich der Zweck von exorbitanten psychonautischen Reisen und Erlebnissen? Das alles und vieles mehr – z.B. zum therapeutischen Gebrauch psychoaktiver Moleküle – gibt es in Ralph Metzners Opus, das nach Aussage Metzners sein letztes Drogenbuch gewesen sein soll. Das wäre zwar schade. Auf der anderen Seite markiert das Handbuch für nachhaltige Erfahrungen mit Entheogenen einen Höhepunkt psychedelischer Praxisliteratur. Tipp der Redaktion!

Ì

Leitfäden für Ärzte und Apotheker Seit dem 10. März ist in Deutschland das neue Gesetz zum Umgang mit Cannabismedizin in Kraft getreten. Seitdem dürfen Ärzte Cannabis und entsprechende Präparate auf einem Betäubungsmittelrezept verordnen, die Krankenkassen müssen die Kosten der Medikation übernehmen. Die Bundesregierung hatte die Novelle am 19. Januar beschlossen (siehe Lucy’s Mix in dieser Ausgabe). Jetzt hat der führende deutsche Experte für Cannabismedizin, Dr. Franjo Grotenhermen, zusammen mit zwei Co-Autoren zwei gut verständliche Leitfäden zur Gesetzesänderung herausgegeben – einen für Ärzte und einen für Apotheker. Auf jeweils 60 Seiten (Format A4) erläutern die Autoren, was sich genau geändert hat, für wen dies gilt und wie Ärzte und Pharmazeuten mit Cannabismedizin und den betroffenen Patienten umgehen können. Tipp für alle Patienten, die sich selbst umfassend informieren und ihrem Arzt oder Apotheker auf die Sprünge helfen wollen.

Klaus Häußermann, Franjo Grotenhermen und Eva Milz Cannabis – Arbeitshilfe für die Apotheke Deutscher Apotheker Verlag 2017 ISBN: 978-3-7692-6819-5

Franjo Grotenhermen und Klaus Häußermann Cannabis – Verordnungshilfe für Ärzte Wissenschaftliche Verlags­ gesellschaft 2017 ISBN: 978-3-8047-3628-3


Luc y’s Rau sch Nr.  5

 D er Kl as si ke r

Andrew Weil Drogen und höheres Bewusstsein AT Verlag 2000 ISBN: 978-3-85502-684-5 (Restbestand beim Nachtschatten Verlag, sonst nur noch antiquarisch erhältlich)

71

Plädoyer für bewusstseinserweiternde Substanzen Dieser Klassiker von Andrew Weil ist 1972 unter dem Titel The Natural Mind in Boston erschienen und ein Meilenstein der psychedelischen Literatur. Weil erklärt der Leserschaft, dass das Thema Bewusstsein und auch das bewusste Leben nicht Sache von Esoterikern und Spezialisten ist, sondern uns alle angeht. Ein Fakt, der heute von immer größerer Bedeutung ist! Er erläutert, dass Drogen nichts Böses sind, sondern sehr gut zur Erweiterung des Bewusstseins und damit zu einer Sensibilisierung gegenüber sich selbst und der Umwelt geeignet sind – wenn sie denn korrekt angewendet werden. Weil erklärt im ersten Kapitel, dass sein Buch «die Keimzelle für eine neue Denkweise in bezug auf Drogen und Bewußtsein» ist. Das trifft den Nagel auf den Kopf. Alle, die sich Psychedeliker nennen, sollten dieses Werk gelesen haben – eigentlich gehörte es auf den Lehrplan unserer Schulen. Es ist unglaublich erhellend und aktueller denn je.

Hanf-Milieuroman Der Roman erzählt die wahre Geschichte eines großen Hamburger Hanfproduzenten, der im Milieu als Großunternehmer und ebenso in der feinen Gesellschaft zuhause ist. Der «Dude» verwickelt sich immer mehr in eine nicht mehr kaschierbare Doppelrolle, wird erpresst und fliegt auf. Süffisant geschrieben und mit vulgären Sprüchen gespickt, will das Buch laut Verlagsangaben «die Schizophrenie der Prohibition» aufzeigen. Keine literarische Höchstleistung, für Insider jedoch durchaus witzig und spannend zu lesen.  (li)

Rainer Schmidt Die Cannabis GmbH Rogner & Bernhard, bei KeinundAber, 2014 ISBN: 978-3-9540-3068-2

DVD

The Sunshine Makers Dieser Dokumentarfilm von 2015 ist seit kurzem auf DVD, bei Netflix und als iTunes-Film erhältlich. The Sunshine Makers beschreibt in etwa 100 Minuten Spielzeit die Story der beiden psychedelischen Legenden Nicholas Sand und Tim Scully, die in den Sechzigerjahren die eingeweihte US-amerikanische Psychedelikbewegung mit Acid versorgten. Die Chemiker waren unter anderem auch Produzenten der legendären «Orange Sunshine»-Trips, die weltweit Bekanntheit erlangten und bis heute nicht vergessen sind. https:// www.amazon.com/Sunshine-Makers-Nick-Sand/dp/B01NAV1X0P https://itunes.apple.com/us /movie/ the-sunshine-makers /id1195036358# https:// www.netflix.com/de/ watch/80098305


since 1995


Luc y’s Rau sch Nr.  5

73

LIFESTYLE

Kunstobjekt vs. Streitschrift Das LSD-Magazin SHOCK! ist da I N T E RV I E W

Markus Berger

Im März erschien die erste Nummer des psychedelischen Magazins SHOCK! (wie in Lucy‘s Rausch Nr. 4 angekündigt). Das mit viel Liebe zum Detail gestaltete und produzierte Heft im A4-Format soll den Anschein erwecken, es handele sich um den Reprint einer US-amerikanischen psychedelischen Zeitschrift der Sechzigerjahre. Mit dem auf den Titel gedruckten Slogan «Free LSD inside» erweckt der Macher des Magazins überdies den Eindruck, als sei das Printobjekt ein Stiefkind des Drogenschwarzmarkts. Beides ist jedoch nicht der Fall. Der Schweizer Verleger und Redakteur von SHOCK! möchte indes anonym bleiben, weshalb er die Herausgeberschaft fiktiv auf Fitz Hugh Ludlow übertragen habe, wie er der Lucy‘s-Redaktion verriet. Eingeweihte Psychonauten wissen jedoch, dass der US-Amerikaner Fitz H. Ludlow ein Schriftsteller war (bekannt durch sein Werk Der Haschisch­esser von 1857), der von 1836 bis 1870 lebte – und deshalb als Herausgeber eines Magazins der Sechzigerjahre in Wirklichkeit nicht in Frage kommt. Das Ganze ist also als Witz zu verstehen, der aber einen durchaus ernsthaften Hintergrund hat. Wir haben mit dem echten Macher des SHOCK!-Magazins über sein Projekt gesprochen.

Die erste Nummer des SHOCK!-Magazins ist sehr liebevoll gemacht. Was ist dein Impetus? Die Vision zu diesem Heft erhielt ich auf einem Pilztrip. Ja, der Pilz sprach zu mir, ich solle diesen Schabernack auf die Welt loslassen! Ein Magazin, das in künstlerischer und satirischer Form aufzeigt, dass sich puncto Psychedelika in den letzten 50 Jahren NICHTS getan hat! Immer noch werden diese «Drogen» verteufelt und dämonisiert ... Wir wissen‘s aber besser, oder?

Das SHOCK!-Magazin im 60er-Jahre-Style. Foto: mb

Das Ding ist ein Zeitreiseobjekt. Du hast keinen Preis aufgedruckt, keine ISSN angegeben. Ist das Heft also unterm Strich als Gag zu verstehen? Ich verstehe das Heft als einen Denkanstoß und als ein künstlerisches, satirisches Werk, das die Leute einlädt, sich erneut mit dem Thema Psychedelika auseinanderzusetzen. Ehrlich gesagt, erhoffe ich mir auch von Lucy‘s Rausch diesen Effekt! Eine Art Trance-Form! Weniger Kopf, mehr Herz ... eine Spielwiese! Ist das Ganze also eher als Kunstwerk zu betrachten?

Das Ding ist ein Zeitreiseobjekt, indem es so tut, als sei es eigentlich alt – was es aber nicht ist. Es spielt mit den Zeiten. Psychedelika wurden 1966 durch Nixon zur Bedrohung erklärt und verboten, wo doch der Staat das eigentliche Problem darstellt – denken wir nur an MK-Ultra (ein geheimes Spionage- und Forschungsprogramm der CIA), an die Finanzierung von Kriegen durch die CIA (beispielsweise durch Drogenverkäufe und Deals mit Escobar), an den Vietnamkrieg usw. Ein Bewusstseinsmoment wurde hier im Keim erstickt! LSD erlebt, nicht zuletzt in }


74

LIFESTYLE Kunstobjekt vs. Streitschrift Das Cover des ersten SHOCK!Magazins Foto: mb

Form von «Microdosing», jetzt ein Revival. Es ist in meinen Augen dringender als je zuvor, dass die Menschen einen Bewusstseinsschub erfahren, damit das hier alles gesunden kann.

Foto: Lara v. Däniken

Wer hat das Layout und die Inhalte besorgt? Und wer hat die Texte verfasst?

Fortsetzung von Seite 73

Das Layout ist von mir, einige der Texte ebenfalls, wobei das eigentlich unwichtig ist. Ich habe Leute in Facebook-Foren angeschrieben und um Beiträge gebeten, so kam das zustande. Die Bilder sind fast ausschließlich von mir. Schreiberlinge kommen aus England, Schottland, Frankreich, Skandinavien und Amerika. Ich habe das Layout erstellt, wie man das früher gemacht hat, nämlich auf Papier ausgedruckt und dann zusammengeklebt. Und dann das Ganze wieder eingescannt ...

läden, Straßenverkäufer, Goa-Parties, Open Airs ... also noch die urtümliche Guerillatechnik! Ich suche auch noch Leute, die das Heft verticken. In welcher Frequenz soll SHOCK! erscheinen oder war das eine einmalige Sache? Ob SHOCK! eine einmalige Sache bleibt, wird sich zeigen. Es kommt da auch auf die Resonanz an. Material für weitere Ausgaben gibt es jedenfalls zur Genüge.

SHOCK!-Magazin. Aus dem Inhalt:

Wo kann man das Heft erwerben? Zum Beispiel beim Nachtschatten Verlag und über meinen Blog. Ich bin jetzt erst dabei, Partnerschaften und Vertriebskanäle aufzubauen. Das sind Grateful-­Dead-Heads, Platten-

Sex on Acid, 4-ACO-DMT, Trip-Report einer Erfahrung mit 50-fachem Salvia-divinorum-Extrakt, Interview mit einem LSD-Laboranten u.a. Durchgehend farbig gedruckt, 36 Seiten. 7 EUR/CHF. Bestellen kann man das Heft via shockmag.blogspot.de oder beim Nachtschatten Verlag.

Bibliotheca Psychonautica

Berauschendes Solothurn

Die Bibliotheca Psychonautica versteht sich als Verein zur Erhaltung psychoaktiver Kultur, der künftig in eine Stiftung überführt werden soll. Ziel der Vereinigung ist der Aufbau einer möglichst umfangreichen Sammlung von drogen- und rauschbezogenen Medien – Büchern, Magazinen, Filmen, Audiowerken usw. Die Bibliotheca Psychonautica sucht immer noch engagierte Mitstreiter wie auch Unterstützer, die sich ideell wie finanziell oder durch Zuwendungen in Form von Büchern an dem Projekt beteiligen.

Seit diesem Jahr hat die Schweizer Barockstadt Solothurn, Sitz des Nachtschatten Verlags und von Lucy‘s Rausch, eine neue Stadtführung in ihr Touristikprogramm aufgenommen: Die Tour namens «Berauschendes Solothurn» wurde auf Initiative des Nachtschatten- und Lucy‘s-Verlegers Roger Liggens­torfer ausgearbeitet. Ein Text im Programmheft zum 30. Jahrestag des Nachtschatten Verlags 2014 diente als Grundlage für diese wahrhaftig psychoaktive Stadtführung. Die Teilnehmer erfahren alles, was Solothurn zu einer Stadt des Rausches macht – und das ist beileibe nicht wenig.

www.bibliotheca-psychonautica.org

http:// bit.ly/2mb8mEQ


Luc y’s Rau sch Nr.  5

B L ÄT T E RWA L D #3

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Magazine, die wir vermissen

Im Sinne der psychonautischen Vernetzung präsentiert Lucy’s an dieser Stelle regelmäßig eine Übersicht über andere Magazine im psychoaktiven Sektor. Diesmal werfen wir einen Blick auf drei mittlerweile eingestellte US-amerikanische Zeitschriften der Psychonautik. Eines der kultigsten Magazine der frühen psychonautischen Bewegung war die Psychedelic Review, in der von 1963 bis 1971 die Heroen der Urpsychedelik regelmäßig zu Wort kamen. Beiträger waren unter anderem Timothy Leary, Ralph Metzner und Richard Alpert (Ram Dass), R. Gordon Wasson, Alan Watts, Richard Evans Schultes, Albert Hofmann und Gary M. Fisher. Glücklicherweise hat die Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS) das gesamte Archiv der Psychedelic Review zum kostenlosen PDF-Download verfügbar gemacht – das Buch The Psychedelic Reader von 1965 vereint eine Sammlung der besten Texte aus dem Magazin. http://bit.ly/2mtAsOe

Die von Autor und Forscher Jim DeKorne ins Leben

gerufene und von David Aardvaark und K. Trout (Pseudonyme) weitergeführte Untergrundzeitschrift The Entheogen Review, untertitelt als Journal of Unauthorized Research on Visionary Plants and Drugs, erschien von 1992 bis 2008 als Forum für Psychedeliker und Drogenliebhaber. Das Heft hat ganze Generationen von Psychonauten beeinflusst und wurde letztlich aus mangelnder Finanzkraft und aus

Zeitgründen eingestellt. Das Gesamtarchiv des Blatts ist allerdings nach wie vor auf CD erhältlich – und ein echtes Schmankerl für alle, die der englischen Sprache mächtig sind. www.entheogenreview.com

Das TRIPzine war ein Psychedelik-Magazin des Herausgebers James Kent, das bis 2007 Artikel zur psychonautischen Praxis, zum Schamanismus und

Neo-Schamanismus, zu den diversen psychoaktiven Substanzen und zur psychedelischen Erfahrung vereinte. Die abgedruckten Texte behandelten ein weites Spektrum dieser interdisziplinären Thematik, so ging es z.B. um die Pharmakologie der Psychedelika, um philosophische Fragen zu den entheogenen Erfahrungswelten und um Koryphäen der psychoaktiven Kultur. www.tripzine.com

SOUNDCLOUD TIPP Klangwirkstoff Records, der Name ist Programm: Ob Kompositionen der kosmischen Oktave nach Hans Cousto, meditative Sounds oder Elektrobeats – beim Berliner Label Klangwirkstoff Records des Musikers und DJs B. Ashra (Bert Olke) finden Psychonauten immer interessante und inspirative Klangcollagen für alle möglichen Zwecke und Situationen. Sich auf nur eine Stilrichtung festzulegen, ist Olkes Sache nicht. Deshalb präsentiert Klangwirkstoff unter anderem planetare Vertonungen, Ambient- und kontemplative Sounds, Musik zum verbesserten Wachstum von Cannabispflanzen, housige und technoide Beats und allerlei mehr. Wer hier nichts findet, hat nicht richtig gesucht. soundcloud.com/klangwirkstoff-records Anspieltipp: «Klangwirkstoff-DJ-Sets» soundcloud.com/klangwirkstoff-records/sets/dj-sets


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«Die repressive Drogenpolitik hat versagt» Frank Tempel über den verfehlten Drogenkrieg und die Alternativen I N T E RV I E W

Christoph Benner

Seit 45 Jahren läuft der Krieg gegen die Drogen. Richard Nixon machte sie 1971 zum «Staatsfeind Nummer eins» und wollte mit seiner Konvention über psychotrope Substanzen Drogenkriminalität und -missbrauch in der Bevölkerung eindämmen. War es sinnvoll, die Mitglieder einer Gesellschaft zu ihrer vermeintlichen Sicherheit zu bevormunden? Frank Tempel: Zunächst einmal bedient die Drogenpolitik, wie sie sich in den letzten Jahrzehnten etabliert hat, einen natürlichen menschlichen Reflex – nämlich die Skepsis vor dem Unbekannten. Drogen sind gefährlich, und vor allem Kinder und Jugendliche müssen davor geschützt werden. Das ist die allgemeine Meinung gegenüber dem Thema. Allerdings läuft die repressive Strategie, die man national und international in der Drogenpolitik verfolgt, vollkommen am Ziel vorbei. Von Sicherheitspolitik kann nicht im Entferntesten die Rede sein. Der Schwarzmarkt, dessen sich die Konsumenten illegaler Substanzen bedienen müssen, fördert die organisierte Kriminalität und bietet zum Teil extrem gefährliche Produkte wegen ihrer unbekannten Streckmittel an. Von dieser repressiven Strategie muss man dringend absehen! Die Lösung wäre denkbar einfach: Cannabis vom Schwarzmarkt nehmen, indem man den Konsumenten einen alternativen Zugang bietet. Sie waren als ehemaliger Polizeibeamter jahrelang Teil dieses Systems der Drogenbekämpfung. Jetzt sind Sie Legalisierungsbefürworter. Wie kam es zu diesem Sinneswandel? Während meiner Dienstjahre als Kriminalbeamter habe ich intensiv daran gearbeitet, die Handelsstrukturen des Drogenverkehrs aufzudecken. Ich bin dabei relativ schnell auf ein sehr feingliedriges Netz gestoßen, dessen Auflösung dem Kampf gegen eine Hydra glich. Hat man einen Dealer geschnappt, tauchen sofort zwei neue auf, um die Lücke zu fül-

Frank Tempel, Jahrgang 1969, ist Mitglied der Partei Die Linke. Seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages. Seit 2010 drogenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion. Der ehemalige Drogenfahnder setzt sich als Politiker insbesondere für eine Reform der Drogenpolitik ein. www.frank-tempel.de

len. Diese Sachlage ist mit polizeilichen und rechtlichen Mitteln nicht zu lösen. Hinzu kommt ein noch viel wichtigerer Aspekt, nämlich die Verhältnismäßigkeit von Strafverhängungen. Normalerweise hatte ich es mit Menschen zu tun, die Mitbürger an

Hat man einen Dealer geschnappt, tauchen sofort zwei neue auf. Eigentum oder Gesundheit geschädigt haben. Ihnen wurde dann nach geltendem Gesetz eine der Schädigung entsprechende Strafe erteilt. Im Fall von Drogenkonsumenten habe ich es andererseits mit Menschen zu tun, die sich in erster Linie potenziell selbst schädigen, aber erst einmal keine Gefahr für Mitmenschen darstellen. Auch sie werden nach geltendem Gesetz bestraft – und das extrem unverhältnismäßig! Als ich mich dann mit der Frage auseinandersetzte, ob die derzeitige Drogenpolitik so weitergehen kann wie bisher oder ob man einen anderen Weg gehen muss, bin ich schnell zu letzterem Entschluss gekommen. Die repressive Drogenpolitik hat nicht nur komplett versagt, sie richtet auch noch erheblichen Schaden an. In einer Bundestagsrede zum Thema Cannabis als Medizin bezeichneten Sie die Drogenpolitik der Regierung als „unterlassene Hilfe­leistung“… ... und das aus gutem Grund. Patienten wird es


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tischen Industrie. Ich vermute, dass eine Heilpflanze wie Cannabis ein enormes Konkurrenzprodukt für diese darstellt. Die Bundesdrogenbeauftragte, Marlene Mortler, sprach auf der Sonderversammlung der Vereinten Nationen zum Weltdrogenproblem im April 2016 über ihr Anliegen, den Menschen und die öffentliche Gesundheit in den Mittelpunkt zu stellen. So schlimm kann es doch also um die aktuelle Situation nicht bestellt sein? Es ist wohl eher so, dass Frau Mortler nicht die Wahrheit sagen will. Dann wäre ihre Aussage gewesen, dass der Krieg gegen die Drogen verloren

Das gesundheitspolitische Potenzial von Cannabis wird nicht ausgeschöpft.

Ehemaliger Drogenfahnder: Frank Tempel.  Foto: ZVG

ist und man immer noch an einer falschen Strategie festhält. Letztes Jahr mussten sich Patienten mit Multipler Sklerose durch mehrere Instanzen klagen, um an medizinisches Cannabis zu kommen oder um es selbst anbauen zu dürfen. In Deutschland wurden bisher 1000 Sonderanträge zu medizinischem Cannabis bewilligt, in Israel mit viel geringerer Bevölkerung schon über 9000. Ich finde nicht, dass man hierzulande in dieser Hinsicht davon reden kann, die öffentliche Gesundheit in den Mittelpunkt zu stellen. Es gibt noch viel Aufholbedarf in Sachen Forschung und Praxis.

durch Sondergenehmigungen sehr schwer gemacht, an Medizinalhanf zu kommen. Wenn man, wie ich, die Leidensgeschichten dieser Menschen direkt mitbekommt, dann muss man feststellen, dass es sich auf moralischer Ebene um unterlassene Hilfeleistung handelt. Viele Menschen haben Angst vor Cannabis, da es als vermeintliche Einstiegsdroge den Konsum anderer Substanzen in zusätzliche Bereiche der Gesellschaft ausweitet. In der Politik nimmt man diese unbegründete Angst auf und verhindert die Verwendung von medizinischem Cannabis, da man nicht als Vorreiter einer Cannabislegalisierung stilisiert werden will. Dazu kommt dann noch der Gegenwind der pharmazeu-

Sehen Sie wegen der Illegalität von Cannabis und anderen Substanzen wie Psilocybin und LSD eine Zensur der Wissenschaft? Ich würde es nicht Zensur nennen, allerdings wird das gesundheitspolitische Potenzial von Cannabis nicht ausgeschöpft. Die Forschung hängt von den bereitgestellten finanziellen Mitteln ab. Geld für Forschung ist der Wegbereiter zu mehr Wissen, und davon gibt es in diesem Bereich definitiv zu wenig. Solange Deutschland zu behäbig ist, etwas in diesem Bereich zu ändern, sind wir auf Wissensimport aus Ländern wie Uruguay angewiesen, um die Symptome von Patienten mit Krebs, AIDS, Tourette-Syndrom oder Multipler Sklerose zu lindern. }


78  FRANK TEMPEL


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Linaje Originarios  

Nu LatAm

Dschungel-Rituale in digitalen Schaltkreisen TEXT

E

Rob erdo Rav al

s sieht schon ein wenig schräg aus: Die beiden jungen Männer tragen den traditionellen Kopf- und Halsschmuck ihrer südamerikanischen Heimat, während sie mit den typischen Gesten von Rappern herumfuchteln. Es hört sich zunächst auch ein wenig schräg an, denn der Sprechgesang, den sie über gutgelaunten HipHop- und Reggaeton-Beats entfalten, ist in Emberá verfasst. Das ist die Sprache verschiedener indigener Stämme aus Panama und Kolumbien. In den Texten von Linaje Originarios, wie sich die beiden nennen, geht es nicht darum, einen auf dicke Hose zu machen, wie es in den genannten Genres oft der Fall ist. Ganz im Gegenteil: Es geht ums friedliche Zusammenleben, um die Umwelt und den Respekt vor Mutter Natur. Es geht um die Erhaltung einer Kultur und einer Iden-

tität, die auf diesen Prinzipien aufgebaut sind. Und dies geschieht wiederum durch die Erhaltung der Sprache dieser Kultur. Mit diesem Ansatz sind die beiden jungen Kolumbianer ein gutes, wenn auch sehr spezielles und eher unbekanntes Beispiel für eine musikalische Bewegung, in der gewissermaßen eine Versöhnung zwischen der alten und der neuen Welt stattfindet: den Nu LatAm Sound, den neuen Sound Lateinamerikas. Geprägt wurde jener Begriff vom argentinischen Label ZZK Records, das 2006 im Umfeld der Partyreihe Zizek Club in Buenos Aires gegründet wurde. Auf jenen Veranstaltungen stellte sich heraus, dass die magische Zugkraft traditioneller südamerikanischer Rhythmen sich wunderbar mit der synthetisch-außerirdischen Klangwelt digitaler Musikproduktion verbinden lässt. Das daraus


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Chancha Via Circuito

Nicola Cruz  

Frikstailers

abgeleitete Schlagwort lautete Digital Cumbia. Wer dabei an den bekannten typischen Kirmes-­ Sound zum Mitgrölen denkt, der sich in Süd­amerika sehr großer Beliebtheit erfreut, liegt damit allerdings falsch. Digital Cumbia ist deep, trippig und musikalisch sehr anspruchsvoll. Das beste Beispiel hierfür ist der argentinische Künstler Chancha Via Circuito, dessen 2010 erschienenes Album Rio Arriba einen zeitlosen, immer wieder hörenswerten Meilenstein in Sachen Nu-LatAm-Sound darstellt. Satte, digitale Bässe mischen sich mit dem hölzer-

Es ist ein organischer, trippiger Sound ... nen Klappern traditioneller Perkussion, ätherische Gesänge und Flötenklänge schweben durchs Stereopanorama, von Hand gespielte Instrumente des lateinamerikanischen Kontinents treffen auf computergenerierte Harmonie. Es ist ein organischer, trippiger Sound, in dem der mystische Geist der Anden durch die elektronischen Schaltkreise moderner Klangerzeuger fließt. Der verträumte Gesang und die meditativen Instrumentierungen von Lulacruza sind dafür ebenfalls ein gutes Beispiel.

 Lulacruza

Parallel dazu gibt es aber auch recht wilde, eher auf partyorientierten Kontrollverlust zugeschnittene Ausformungen des Nu LatAm Sounds – zum Beispiel das schwarzlichtaktive Delirium, welches die Frikstailers gerne mal auf der Bühne und in ihren Musikvideos veranstalten. «Es hat viel mit dem Erwachen der Seele zu tun, und wie es sich für mich in der Musik widerspiegelt. Auf dem Album finden sich Songs, die viel mit Ritual zu tun haben» sagt Nicola Cruz – und spricht dabei über sein 2015 veröffentlichtes Werk Prender El Alma. Nachdem sich der Ecuadorianer bereits viele Jahre als DJ und Percussionist in der Clubszene von Quito austobte, kombiniert er jene musikalischen Erfahrungen nun mit den traditionellen Rhythmen und Klängen seiner Heimat. Damit ist er auch außerhalb Südamerikas sehr erfolgreich. Sein Landsmann Mateo Kingman spürte den Einfluss, den der Dschungel auf seine Entwicklung hatte, erst, als er in die große Stadt zog. Der Ecuadorianer wuchs im entlegenen Bundesstaat Amazonia auf, in engem Kontakt mit der unberührten Natur jenes Ortes sowie mit dem indigenen Volk der Shuar und seinen Ritualen. «Die Curanderos, die Heiler, sind begnadete Musiker – und Sänger der spirituellsten Chants, den Chants, die mit Heilung zu tun haben. Das hat mich stark


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Mateo Kingman  


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Terence McKenna, der Visionär. Foto: McKennite 

Terence McKenna Psychedelik im Zeitalter

intelligenter Maschinen TEXT

T

Jonas Hässig

erence McKenna war ein holistischer Denker. In seinen hypnotisierenden Sprachflüssen verschwammen die Grenzen zwischen so verschiedenen Themen wie Ethnobotanik, Kunstgeschichte, Wissenschaftskritik, Medientheorie, Philosophie, Sexualität, Kultur, Evolutionsbiologie, Umweltschutz und Futurologie, was zu einem bewusstseinserweiternden Effekt bei den staunenden Zuhörern führte. Terence war ein Visionär ohnegleichen, sein Bewusstsein breitete sich gleichermaßen Tausende von Jahren in die Vergangenheit wie auch in die Zukunft aus. Er begriff, dass man mit der mysteriösen Matrix der Zeit wie mit einer Kunstform spielen kann; das war seine große Leidenschaft. Deshalb spricht er heute über den Kanal des Internets immer noch zu einer riesigen Anzahl von Leuten, wahrscheinlich sogar zu mehr

interessierten Zuhörern, als dies im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts noch der Fall war. Es war seine Faszination für die in seiner Lebenszeit aufkommenden modernen Informationstechnologien, die ihn zu dem posthumen Geist machte, der einer neuen Generation von Psychonauten durch Lautsprecher und Kopfhörer zuflüstert. Aus einem seiner letzten Vorträge mit dem Titel Psychedelics in the Age of Intelligent Machines (gehalten am 27. April 1999 in Seattle) geht hervor, dass McKenna in seinem grenzauflösenden Denken gar nie auf die Idee gekommen wäre, Computern den Verstand (mind) abzusprechen. Computer sind Intellekte, die auf dem Gebiet der Berechnung arbeiten. Der menschliche Geist arbeitet auf den Gebieten der Generalisation, Raumkoordination und dem Verständnis von menschlichen Sprachen.


Fotos: Shutterstock (2), Pixabay (3)

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Eine Party in der virtuellen Welt Second Life. Foto: Jin Zan

Die Brücke zwischen diesen beiden Verstandeskategorien ist die symbolische Logik und die Mathematik. Wenn wir klar denken, sind wir für die Maschinen verständlich, wie alle Programmierer wissen. Für Dinge wie Analogien oder diffuse Assoziationen haben die Maschinen jedoch wenig Geduld. Der Computer muss mit klaren Definitionen gefüttert werden. Bewusstseinserweiternde Nanomaschinen Nach dieser ersten Verbindung mischt Terence die Psychedelika in den Mix, die uns weitere Brücken zwischen dem menschlichen Reich und dem Computerreich aufzeigen sollen. Beide, psychedelische Substanzen und Computer, bezeichnet Terence als funktionsspezifische Arrangements von Materie. Der einzige Unterschied zwischen Computern und Psychedelika sei, dass erstere bloß zu groß zum Schlucken sind. McKenna spricht hier das immer noch junge Gebiet der Nanotechnologie an, das

sich mit der Manipulation von Materie ab der Größe eines Atoms auseinandersetzt. Während die Nanotechnologie heute eher als Ingenieurskunst betrachtet wird, sind es die pharmazeutischen Chemiker, die bereits seit über hundert Jahren mit Materie in diesem Größenmaßstab arbeiten. Wenn sie diese Moleküle aus gröberen Substraten synthetisieren, die eine passende Geometrie für synaptische Prozesse in einem Affen oder einem Menschen besitzen, arbeiten sie im nanotechnologischen Bereich. Somit repräsentieren beide – sowohl psychedelische «Nanomaschinen» als auch berechnende Maschinen in Form von Computern – Erweiterungen von menschlichen Funktionen. Die einen erweitern das menschliche Bewusstsein, indem sie den Zugriff auf versteckte Gebiete im menschlichen Geist ermöglichen; die anderen erlauben uns die Berechnung, Modellierung und Simulation von Prozessen, die die menschliche Denkfähigkeit weit} aus übertreffen.


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Virtual-reality-Brillen ermöglichen das Eintauchen in künstliche 3D-Welten.  Foto: Eliaboqueras


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Der Deep-Dream-Algorithmus von Google produziert psychedelische Bildwelten. Foto: zvg

JONAS HÄSSIG (*1992), zurzeit interdisziplinäres Masterstudium «Geschichte und Philosophie des Wissens» an der ETH Zürich, Bachelorabschluss in Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Soziologie (Universität Luzern). Interessengebiete: Transhumanismus, Technikphilosophie und Religionsphilosophie, wobei Hässig nach Parallelen dieser Gebiete sucht. Eine dieser Parallelen ist für ihn die Psychonautik, die seit Jahrtausenden zu religiösen Bestrebungen führt, jedoch auch ein Katalysator für Kreativität und Fortschritt auf den Gebieten der Wissenschaft, (Lebens-)Kunst und Technik ist.   www.jonason.ch


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II WORLD AYAHUASCA CONFERENCE 2016

Zwischen Tradition und Veränderung TEXT

Helena Aicher

VORBEREITUNG  In Rio Branco, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaats Acre, wird während sechs Tagen die zweite World Ayahuasca Conference mit über hundert Rednern und mehreren hundert Besuchern stattfinden. AUFSTIEG  Bei der Eröffnungsprozession auf dem großen überdachten Platz der Univer­ sität wissen von weit her angereiste Besucher nicht so recht, ob sie sich der Zeremonie anschließen oder doch eher zuschauen sollen. Einige Teilnehmer, viele von ihnen mit Federn geschmückt, bilden eine sich bewegende und singende Menschenkette, während andere erst einmal anzukommen scheinen. Der eine oder die andere verspürt möglicherweise einen Anflug von Unbehagen oder Ehrfurcht: «Darf ich das? Wie komme ich auf die Idee, zu glauben, etwas über Ayahuasca zu wissen – oder, um etwas darüber zu erfahren, in ein Flugzeug zu steigen und heiligen Boden zu betreten, wo Ayahuasca seit Jahrhunderten ein nicht wegzudenkender Teil des Alltags, der Gesellschaft ist?» Und dann ertappt man sich im nächsten Moment dabei, auch die diesen Gedanken zugrundeliegenden Dogmen infrage zu stellen.

PLATEAU  Die Komplexität des spezifischen und doch vielseitigen Themas zeigt sich in den Vorträgen, die das Gebräu, das Phänomen, die Medizin oder die Kultur von Ayahuasca aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchten: Es gibt Referate und Diskussionen über indigene Kulturen, Religion, Schamanismus und Neo-Schamanismus, Natur­ wissenschaften wie Biomedizin, Pharmazie, Botanik oder Neurowissenschaften, Psychologie, Therapie und Gesundheit, Soziologie, Anthropologie, Philosophie, Globalisierung, Politik, Recht, Ethik und Nachhaltigkeit, Kunst und Gesellschaft. Auch die Besucher sind bunt gemischt: Indigene mehrerer Stämme, Wissenschaftler und Praktiker aus verschiedenen Bereichen, Kunstschaffende, Reisende, Kirchenvertreter und allgemein Interessierte.

Die 2009 gegründete Nonprofit-Organisation ICEERS (International Center for Ethnobotanical Education, Research and Service) widmet sich der Integration von Ayahuasca, Iboga und anderen traditionellen Pflanzen als therapeutische Werkzeuge in die moderne Gesellschaft und der Erhaltung der indigenen Kulturen, welche diese Pflanzen seit altersher in ihrem Lebensraum genutzt haben.   www.iceers.org

Die erste World Ayahuasca Conference war offenbar ganz Ibiza-like ein harmonisches Idyll; hier in Rio Branco wird nun ein dissonanterer Grundton spürbar. Wer mit einer New-Age-Illusion über die heile Welt der indigenen Völker angereist ist, hat die Gelegenheit, damit aufzuräumen. So zeigen sich beispielsweise die Konflikte zwischen den verschiedenen Stämmen, der Camino-Rojo-Bewegung und den Ayahuasca-Religionen (hier vor allem Santo Daime und União do Vegetal) manchmal subtil, manchmal deutlich. Auch die Ansicht, die naturwissenschaftliche Untersuchung eines durch Psychedelika veränderten Bewusstseinszustands sei ein Widerspruch in sich oder werde der Erfahrung nicht gerecht, ist vertreten. Ein Besucher berichtet, er habe sich bei der Präsentation einer Studie mit Rattenversuchen gefragt, worum es denn hier eigentlich gehe. Während einige Indigene der Globalisierung kritisch gegenüberstehen und deren negative Folgen für ihre Gemeinschaften aufzeigen – Kultur­ zerfall, Geld und Macht, Alkohol, Missbrauch, Ausbeutung der Natur –, betonen andere wie der Shipibo-Schamane Carlos Llenera, dass jeder, unabhängig von seiner Herkunft, die Verantwortung für sein Tun übernehmen müsse; es gehe um Dialog und Inte­ gration. Laut Glauber Loures de Assis ist das Ziel gegenseitiges Verständnis und eine Balance zwischen Tradition und Veränderung. Der Ayahuasca-Tourismus sei vom allgemeinen Tourismus im Zuge der Globalisierung nicht zu trennen. Nebst zuversichtlich stimmenden Referaten gibt es auch ernüchternde Aussagen wie diejenige der Anthropologin Evgenia Fotiou: «The indigenous


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Von links nach rechts: Daniel Iberê, M’bya Guarani aus Tekohá Jekupé Ajú, Rio Branco, Acre; die Journalistin Onides Queiroz; Ninawá Hunikuin beim Verlesen der Schlussbotschaft.  Fotos: PD

can’t win, if they don’t fulfill the stereotype» – die Indigenen können nicht gewinnen, wenn sie das Stereotyp nicht erfüllen. José Carlos Bouso von ICEERS betont im Zusammenhang mit dem Ayahuasca-Gebrauch im Westen die Wichtigkeit eines Basiswissens über Psychopathologie, da für Westler nicht alles aus einer rein spirituellen Perspektive verstehbar sei, und plädiert für die Integration westlichen Wissens, statt dieses als nicht-spirituell abzulehnen. Während die einen über das kurative Potenzial von Ayahuasca referieren – Draulio de Araujo über akute und langfristige antidepressive Effekte, Kenneth W. Tupper über die Therapie bei Essstörungen – steht für andere, wie Richard Furr, Schadensminimierung im Vordergrund. Raimunda Luiza erzählt von ihrem Weg als Frau im Stamm der Yawanawa, wo Ayahuasca früher den Männern vorbehalten war. Heikle Aspekte wie ritueller sexueller Missbrauch (im Referat von Alhena Caicedo), spirituelle Illusionen oder Ego-Inflation als Stolpersteine der (westlichen) Spiritualität (in Clancy Cavnars Beitrag) werden thematisiert. Benjamin de Loenen erläutert die Bedeutung des Unterschieds zwischen einem indigenen Tribe (die Gemeinschaft, in die man geboren wird) und einem westlichen Tribe (Gleichgesinnte, die wir uns aussuchen). Auch konkrete Projekte werden vorgestellt, wie zum Beispiel die Suchttherapie im Zentrum Takiwasi (Jacques Mabit), das global ayahuasca project (Daniel Perkins), der ICEERS support service (Marc Aixalà) und ein Reintegrationsprojekt mit Obdachlosen (Bruno Ramos Gomes, Rubens C. Adorno). Vom mikroskopischen Blick auf den Sigma-1-Rezeptor (Antonio Inserra, Dennis Schiaroli) über 5-MeO-DMT, Gedächtnis und Angst (Bruno Lobaão & al.) geht die Reise über grundlegende kulturelle Unterschiede beim Verständnis von Zeit, Gesundheit und Krankheit, Sinnesmodalitäten und Geschlechterrollen bis hin zur globalökologischen Perspektive Dennis McKennas: Der Mensch sei

aktuell die gefährlichste und gleichzeitig die vielversprechendste Spezies der Erde; die Meister- und Lehrerpflanzen seien aus dem Amazonasgebiet gekommen, um uns Weisheit zu lehren und uns aufzuwecken. Mit seinem Vortrag berührt er die Zuhörer jenseits aller Glaubensrichtungen und Dogmen. Als Alternative zu den Vorträgen gibt es ein Filmprogramm und Marktstände. Abends trifft man sich zum Essen, tauscht sich aus und schmiedet gemeinsame Pläne. Auch Kinder haben ihren selbstverständlichen Platz in der Kongressgesellschaft und einige Teilnehmer haben fürs gemeinsame Musizieren Instrumente mitgebracht. Im Bundesstaat Acre sind viele Ayahuasca-­ Kulturen und -Religionen staatlich anerkannt und ins öffentliche Alltagsleben integriert. So gibt es auch ganz selbstverständlich verschiedene Gelegenheiten, sich Gruppen anzuschließen, einen Einblick in die lokal üblichen Praktiken zu erhalten und sich mit der Medizin auf die Reise nach innen zu begeben.

ABSTIEG  Am Flughafen von Rio Branco sind auf einem kleinen Monitor die aktuellen Nachrichten zu sehen. Der Bericht lobt die außerordentliche Leistung der drei Simultan-Übersetzer, die an der Konferenz im Hintergrund dafür gesorgt haben, dass man im Hauptsaal die Vorträge auf Portugiesisch, Spanisch und Englisch hören konnte. Das am Bildschirm gezeigte Foto verrät die drei erschöpft und glücklich wirkenden Menschen im Warteraum des Flughafens. INTEGRATION  Die zweite World Ayahuasca Conference deckte Differenzen auf und überbrückte sie gleichzeitig, indem sie Perspektiven und Weltanschauungen zusammenbrachte – zugunsten einer friedvollen Koexistenz.  Mehr über die Konferenz: www.ayaconference.com HELENA AICHER studiert im Masterstudium Psychologie an der Universität Zürich und ist Gründungsmitglied der Stiftung MIND – european foundation for psychedelic science.


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YOU ARE GOD!

Interview mit einem modernen Mystiker Martin W. Ball produziert den Podcast The Entheogenic Evolution mit Themen rund um psychoaktive Kultur, ist Organisator der «Exploring Psychedelics»-Konferenz an der University of Southern Oregon, Autor zahlreicher Bücher zu Substanzen wie Salvia Divino­rum und 5-MeO-DMT, Musiker, Fraktal-Kunst-Schaffender, Energie­ arbeiter – und ein einzigartiger Deuter psychedelischer Erfahrungen. TEXT

  David Heuer

Du bist wirklich ein psychedelisches Multi­ talent: Autor, Künstler, Musiker, Energie­ arbeiter, Forscher. Worauf konzentrierst du dich bei deiner Arbeit besonders? Martin W. Ball: Bei allem, was ich tue, geht es mir in erster Linie darum, so gut wie möglich zu vermitteln, inwiefern Psychedelika und Non-Dualität miteinander in Verbindung stehen. Nicht nur im Sinne der großen, mystischen Einheitserfahrung, sondern auch, um zu zeigen, in welcher Weise diese Substanzen Hilfsmittel dafür sein können, Menschen dabei zu helfen, sich von den illusionären Begrenzungen des Egos zu befreien. Meistens wird vor allem die dualistische Seite der Dinge betrachtet. «Alles ist eins» ist zwar in der psychedelischen Community als Aussage weit verbreitet, aber was das eigentlich bedeutet und in welcher Beziehung Einheitserfahrungen zu anderen psychedelischen und normalen Alltagserfahrungen stehen, wird kaum wirklich tiefgehend thematisiert. Man könnte sagen, dass ich versuche, die psychedelische Kultur von allen Seiten her zu unterwandern und für das Thema Non-Dualität zu sensibilisieren. Vorträge und Bücher, aber auch Musik und Kunst sind für mich Mittel, das auszudrücken. Natürlich stoße ich damit teilweise auf Gegenwind innerhalb der psychedelischen Gemeinschaft.

es, das die psychedelische Community deiner Meinung nach derzeit am meisten braucht? Gute Frage – Klarheit, würde ich sagen. Wir müssen eine kritische Haltung und angemessene Techniken dafür entwickeln, zwischen Realität und Fantasie unterscheiden zu können. Psychedelika bieten uns die großartige Möglichkeit, unsere Wahrnehmung einer überwältigenden Erfahrungswelt zu öffnen. Das macht die Frage wichtig: Was passiert dabei wirklich und was projiziere ich nur in die Erfahrung hinein?

Seit einiger Zeit findet eine psychedelische Renaissance in der Forschung statt. Du bist daran beteiligt, unter anderem als Organisa­ tor der jährlich in Oregon stattfindenden «Exploring Psychedelics»-Konferenz. Was ist

Dein Interesse für philosophische Themen, religiöse Erfahrung und Schamanismus begann früh, immer begleitet von der Frage nach der Rolle psychoaktiver Substanzen in diesem Kontext. Für deine Doktorarbeit hast


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du mehrere Jahre Feldforschung über den «Tanz der Berggeister» bei den Mescalero-­ Apachen betrieben. Was ist deine heutige Sicht auf den Schamanismus? Was können wir von indigenen psychedelischen Traditionen lernen? Die meisten schamanischen Traditionen sind in ihrem Kern dualistisch. Als Dualismus verstehe ich die scheinbare Trennung von dem, was ich als zu mir selbst gehörig empfinde, und dem, was ich als von mir verschieden wahrnehme. Der Schamane betritt eine Art Geisterwelt, in der er auf Wesen trifft, mit denen er interagiert und die ihm bei-

Ich würde mir wünschen, dass wir mehr Verantwortung übernehmen. spielsweise helfen können zu heilen. Das ist natürlich dualistisch, was nicht bedeutet, dass es deswegen schlecht oder falsch wäre. Was wir gerade tun, unterscheidet sich davon in diesem Punkt ja nicht. Die Frage lautet aber: Ist das die endgültige Beschaffenheit dessen, was wir Realität nennen? Sind diese Geistwesen wirklich «da draußen»? Aus dualistischer Sichtweise könnte man das vielleicht sagen; aus non-dualer Sicht gibt es diese «Anderen» aber nicht, all diese Dinge sind Manifestationen des Geistes. Schamanistische Techniken können vielen Menschen helfen und auch dazu führen, dass wir uns wieder mehr mit der Natur verbunden fühlen. Solange wir uns aber abhängig machen vom Wohlwollen magischer Anderer, übernehmen wir selbst keine Verantwortung. Ich würde mir wünschen, dass wir mehr Verantwortung übernehmen.

Martin W. Ball vor dem Hintergrund eines seiner fraktalen Kunstwerke mit dem Titel Over the Horizon.

Apropos Verantwortung: Es gibt einen immer stärker werdenden Trend zum «Ayahuasca-­ Tourismus». Sollten wir Menschen der westli­ chen Welt eigene Traditionen entwickeln? Es gibt, denke ich, die Tendenz, dass Leute aus westlichen Ländern etwas zu unkritisch versuchen, indigene Traditionen aus anderen kulturellen Gegebenheiten eins zu eins zu übernehmen. Dabei sind die schamanischen Lehren meistens gar nicht so einheitlich strukturiert. Innerhalb der Traditionen gibt es eine Vielzahl kritischer Stimmen. Ein }


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Ich verstehe Gott als Sein unendlicher Energie.

Sonic Ripples, ein weiteres Kunstwerk von Martin W. Ball.

DAVID HEUER (*1991) ist freischaffender Autor und Übersetzer, Gestalttherapeut i.A., Seminarleiter, Yoga-Lehrer und Masseur. Psychedelische Erfahrungen inspirierten ihn zum Studium von interkultureller Philosophie, Neurowissenschaften und Bildender Kunst mit längeren Aufenthalten in Japan und Indien. Derzeit übersetzt er das meistgelesene Buch von Martin W. Ball («Being Human») ins Deutsche, in dem es um eine nonduale Interpretation psychedelischer Zustände geht.


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Visionäre Kunst am Boom-Festival 2016 TEXT

Chris Heidrich

D

as Boom-Festival, eines der weltweit bedeutendsten Trancefestivals, findet seit 1996 alle zwei Jahre in Portugal statt. Nicht nur nehmen herausragende DJs, Musiker und Künstler daran teil, es zeichnet sich auch durch ein starkes Engagement für die Umwelt sowie eine besonders achtsame und offene Stimmung aus. Das ein­ wöchige Festival widmete sich 2016 dem Thema Schamanismus. Zum übergeordneten Thema gibt es am Festival jeweils drei Programmsparten, Musik, Workshops und Vorträge, die alle in eigenen Areas und Dancefloors stattfinden, ergänzt durch Heilbehandlungen im Being Fields genannten Bereich. Neben der Musik hat auch die Kunst einen wichtigen Stellenwert; dies zeigt sich unter anderem in der Dekoration, in zahlreichen Kunstinstallationen sowie in der Galerie M.O.V.A. (Museum of Visionary Art). Die Boom ist ein Gesamtkunstwerk und setzt einen undogmatischen Impuls zur Weltverbesserung, den die etwa 40 000 Teilnehmer aus 154 Ländern durch ihre Begeisterung in die Welt hinaustra-

gen. Vergleiche mit dem Woodstock-­ Festival sind durchaus angebracht. Die Podiumsdiskussion fand im Liminal Village statt.
Vier von den fünf eingeladenen Künstlern widmen sich vor allem der Malerei; einer arbeitet hauptsächlich am Computer. Alle waren mit ihren Bildern und Skulpturen in der von Luke Brown kuratierten Boom-Galerie M.O.V.A. zu sehen. Andrew Jones zeigte seinen 3D-Film Samskara in einer eigenen Projektionskuppel, in der man auf dem Boden liegend eine Rundumprojektion erleben konnte. Die Diskussionsrunde drehte sich um die Fragen, was Schamanismus und Visionäre Kunst verbindet und was sie für die Teilnehmer bedeuten. Es ging um unsere Interpretationen der materiellen Welt und was das Medium der Kunst zu deren Vermittlung beitragen kann. Zunächst wurden die Podiumsteilnehmer mit zwei Fragen konfrontiert: Was ist Visionäre Kunst für dich? Was hat deine Kunst mit Schamanismus zu tun?

Andrew «Android» Jones (Colorado, USA)

Jonathan Solter (Kaliforni-

Chris Dyer (Lima,

en, USA) ist als Maler tätig.

Peru) malt und ist

arbeitet vor allem am Com-

Er arbeitet nicht nur für

stark beeinflusst von

puter und bezeichnet sich als

sich alleine, sondern malt

Street Art und

auch in einer Künstlergruppe

«digital painter». In seinen Videoprojektionen verbindet er mit

in Oakland im Kollektiv mit

Graffiti. Er lebt in Montreal, Kanada. Er zeigt

dem Computer kreierte Bilder mit digitalen

anderen. Visionäre Kunst wird so für ihn

nicht Visionen, die er während

Technologien wie Oculus VR und Full-

zu einem Gemeinschaftswerk, das die

eines Trips oder einer Meditation

dome-Projektionen zu digital environments.

Überwindung von Egostrukturen fördert.

hatte; vielmehr fängt er einfach

Er fand an der Boom 2008 zur Visionären

Sein Anliegen ist die Darstellung von

an zu malen. Während er das

Kunst. Sie bedeutet für ihn, Erfahrungen in

Orten, die ein Mensch mithilfe von

Gefühl hat, die Dinge aus seiner

erweiterten Bewusstseinszuständen zu

halluzinogenen Substanzen in Träumen

Vorstellung zu malen, erkennen

machen, sei es durch Meditation, Träume

oder anderen Visionen erleben kann; er

viele Betrachter in seinen Werken

oder Substanzen, und etwas Bedeutungs­

hält deren reale Existenz grundsätzlich

ihre eigenen psychedelischen

volles daraus zurückzubringen.

für möglich.

Reisen wieder.


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Außenansicht der Galerie M.O.V.A. am Boom-Festival 2016.  Foto: Jakob Kolar

Der Moderator Carey Thompson stellte fest, dass Schamanen schon immer ein Teil der Gemeinschaft waren, der sie dienen. Er fragte die Künstler, ob es einen Moment in ihrem Leben gab, in dem sie das Gefühl hatten, sie seien auf etwas Wichtiges außerhalb ihrer selbst gestoßen, etwas, das sich durch sie ausdrücken will, da es sich nicht anders erklären lässt. Luke Brown berichtete von einer lange zurückliegenden psychedelischen Erfahrung, bei der sich für ihn völlig neue Erkenntnisse entfalteten und ihn wie eine Art Autopilot im künstlerischen Prozess des Zeichnens leiteten. Es sei wie eine fremde Intelligenz gewesen, die sich durch seinen Zeichenstift ausdrücken wollte. Etwas Ähnliches schilderte Chris Dyer, der zunächst betonte, dass er sich nicht als Schamane

Luis Tamani (Peru) ist ein

empfindet. Am ehesten sei er wie ein Kanal, durch den sich etwas ausdrücken will. Erst als seine Kunst einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt wurde und er von etlichen Personen die Rückmeldung erhielt, dass sie ihre eigenen Erfahrungen durch seine Bilder besser verstehen konnten, begann er, in seiner Malerei einen Sinn zu sehen. Wenn Kunst Medizin wäre, sei er eine Art Pharmazeut. Auch Jonathan Solter betrachtet sich nicht als Schamane. Er malt einfach das, was er in seinem Geist sieht. Besonders wichtig für ihn war eine außerkörperliche Erfahrung, die er geistig abfotografiert und dann gemalt hat. Dieses Bild war sein erstes Kunstwerk, das einen tiefen Eindruck bei einer größeren Anzahl von Betrachtern hinterlassen hat. Viele haben den von ihm gemalten Ort wiedererkannt, und Solter ist überzeugt, dass diese } Orte tatsächlich irgendwie existieren.

Luke Brown (Kanada) ist vor allem als Maler tätig, entwirft aber auch

Maler, der im

Skulpturen, Schmuck, Bühnenbilder

Dschungel lebt.

und Kleidung. Luke kuratiert die

Während er malt,

Kunstgalerie an der Boom (siehe auch

überträgt er die Erfahrungen

Porträt in Lucy’s Rausch Nr. 3)und nimmt seit

aus seinen Medizinreisen mit

2002 regelmäßig an der Boom teil; das hat

Ayahuasca. Als er anfing zu

seine Kunst sehr stark weitergebracht, da es

malen, wusste er nichts von

seine Erkundungen anderer Dimensionen

der Sparte der Visionären

fördert. Ohne Erfahrungen mit psychedeli-

Kunst. Er möchte seine Kunst

schen Substanzen hätte sich seine Kunst nicht

nicht in eine Kategorie

zu dem entwickelt, was sie heute ist. Seine

einordnen, sondern sie

erste Erfahrung mit Psychedelika war so

einfach mit den Menschen

überwältigend und lebendig, dass sie ihn

teilen.

zutiefst aufgerüttelt hat.

Galerie M.O.V.A., Boom-Festival 2016.  Foto: PD


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Lucy’s Rausch Nr. 4

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Luke Brown: Heyoka

CHRIS HEIDRICH hat Architektur und Architekturgeschichte in Hannover und Zürich studiert. Sie ist als Architektin, Innenarchitektin (Absinthe-Bar Die Grüne Fee, Solothurn) und freie Wissenschaftlerin tätig, unter anderem für die ETH Zürich. Ihr aktuelles Forschungsprojekt behandelt die Rolle der Frauen als Architektinnen in der Stadterneuerung von Havanna. Nebenbei übersetzt sie für den Nachtschatten Verlag Bücher aus dem Englischen und schreibt Texte zu Kunst und Architektur. 

www.raumresonanz.ch


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GESCHICHTE In jeder Lucy‘s-Ausgabe rufen wir einen bedeu­ tenden psychonautischen Experten in Erinne­ rung und würdigen ihn, indem wir auszugsweise einen grundlegenden Text nachdrucken.

Meskalin und Psychologie Erinnerung an Hans Friedrichs (*1914) TEXT 

To r s t e n P a s s i e

2008 entdeckte ich bei Recherchen zu den Meskalinerfahrungen des bedeutenden Frei­ burger Psychologen Professor Hans Bender (1907–1991) einen ersten Hinweis auf die Dis­ sertation von Hans Friedrichs*. Bender hat an der Versuchsreihe von Friedrichs sowohl als Versuchsperson als auch als Betreuer teil­ genommen. Friedrichs und Bender hatten bei den Versuchen meist zusammengearbeitet, die Versuchspersonen gemeinsam betreut und untersucht. Nach einer ersten Durchsicht der Dis­ sertation von Friedrichs wurde schnell klar, dass es sich hierbei um eine bedeutende psychologische Analyse des Meskalinrauschs handelte. Wahrscheinlich wurde sie deshalb nicht veröffentlicht, weil der Autor in den Nachkriegsjahren verstarb. Friedrichs, geboren 1914, stammte aus Krefeld und studierte seit 1933 an den Uni­ versitäten Bonn und Freiburg im Breisgau katholische Theologie, Psychologie und Phi­ losophie, seit 1938/39 auch Medizin. Nach der Fertigstellung der psychologischen Dok­ torarbeit sowie einer zweiten Doktor­arbeit in der Medizin über «Zeichnerische Illustra­ tionen zum Meskalinrausch», die beide 1948 angenommen wurden, verliert sich die Spur von Friedrichs.  

Nachdruck der Doktorarbeit von Hans Friedrichs, VWB-Verlag, Berlin 2009.

Foto: Markus Berger

In dieser Rubrik werfen wir einen Blick zurück auf die Geschichte der multidisziplinären Forschung auf dem Gebiet der Bewusstseins­ veränderung und der psychoaktiven Substanzen.


L u c y ’ s R a u s c h N r .  5

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Die Psychologie des Meskalinrausches Der Peyote-Kaktus und das Meskalin Der Gebrauch des meskalinhaltigen Peyote-Kaktus (Lophophora williamsii) und des San-Pedro-Kaktus (Echinopsis pachanoi) durch Menschen auf dem amerikanischen Kontinent lässt sich über mehr als 5000 Jahre zurückverfolgen (Carod-Artal et al., 2006). Seit dem Beginn der Kolonisierung Amerikas wurde der rituelle Gebrauch des Peyote-Kaktus durch die christlichen Missionare unterdrückt, erlangte aber in den letzten 100 Jahren, als eine der Eingeborenen-Religionen erhebliche Verbreitung. Nach mehreren Jahrzehnten juristischer Kämpfe wurde die Peyote-Religion 1994 als offizielle Einge­ borenen-Religion der Indianer anerkannt. Die Native American Church hat heute mehr als 400 000 Mitglieder und stellt damit die größte indigene Reli­ gionsgemeinschaft dar (Stewart 1987). Zur Zeit der Entstehung der Dissertation von Friedrichs war in Deutschland die kultische Bedeu­ tung des Peyote- Gebrauchs kaum bekannt. Aller­ dings führte der Völkerkundler Wagner (1932) schon 1932 eine gründliche Untersuchung dazu durch. Die frühe Meskalinforschung in Deutschland Auf einer Amerikareise im Jahre 1886 erhält der Ber­ liner Pharmakologe Louis Lewin eine Anzahl von getrockneten Spitzen einer unbekannten Kakteen­ art, die seine Gewährsleute als «Peyote-Buttons» bezeichnen. Nach seiner Rückkehr wendet er sich an den Botaniker Hennings, der die Pflanzenteile als der Spezies Anhalonium williamsii nahestehend erkennt und sie zu Ehren Lewins mit dem Namen

Anhalonium lewinii belegte. In den folgenden Jahren veröffentlichte Lewin dann ethnopharmakologische Recherchen sowie die Resultate einiger Tierversuche zum Peyote (Lewin 1894a, b; 1895). Kurz darauf zei­ gen die Selbstversuche des Leipziger Pharmakologen Arthur Heffter (1896a, b), dass die meskalinhaltige Alkaloidfraktion für die Rauschwirkung verantwort­ lich ist. Nach Heffter ist heute das US-amerikani­ sche Heffter Research Institute benannt, welches hochwertige Forschungen zu Psychedelika fördert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts untersuchen Alwyn Knauer (1912) und Alfred Guttmann (1921a, b) anhand von Selbstversuchen die entstehenden Wahrnehmungsveränderungen. Von ihnen wird die starke Verschiedenheit von Rauschverläufen und Rausch­inhalten, auch bei den gleichen Versuchsper­ sonen, herausgestellt. Knauer und Maloney machen erstmals auf die Möglichkeit eines inneren Nachvoll­ zugs psychotischen Erlebens durch meskalinbeein­ flusste Psychiatergehirne aufmerksam. Denn «wir könnten die ganze Symptomatologie klarer sehen, wenn die Psychiater selbst […] Psychosen durchleben könnten. Da uns diese Erfahrung aber verschlossen ist, verbleibt nur der Weg, durch die Einnahme sol­ cher Substanzen eine transitorische Psychose an uns selbst zu erzeugen (Knauer & Maloney 1913, S. 426). Seit 1920 dem Chemiker Ernst Späth (1920) die Voll­ synthese des Meskalins gelungen ist, steht die Rein­ substanz für Experimente zur Verfügung. Anfang der 1920er-Jahre beginnen die Unter­ suchungen zum Meskalinrausch an der Psychiatri­ schen Klinik in Heidelberg. Den Anfang machen }


1 0 4   M E S K A L I N R AU S C H

GESCHICHTE

Meskalin-Molekül (weiß = Wasserstoff, grau = Kohlenstoff, rot = Sauerstoff, blau = Stickstoff) Foto: 123RF


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1 0 6   M E S K A L I N R AU S C H

GESCHICHTE


Svenja Zuther Dipl.-Biologin & Heilpraktikerin Im Dorfe 1 b | D-29575 Bohndorf Fon +49 (0) 58 07 - 98 96 80 | eMail post@kudra.net www.facebook.com /kudra.naturbewusstsein

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Lucy’s Rausch Nr. 5

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Jeremy Narby & Schamanismus Jeremy Narby

Die kosmische Schlange Klett Cotta 2016 ISBN 978-3-60894-765-6

Opium

Terence McKenna

Matthias Seefelder

Opium – Eine Kulturgeschichte

Terence McKenna

Wahre Halluzinationen

Terence McKenna

Wahre Halluzinationen

Nikol Verlag 1996

Nachtschatten

ISBN 978-3-93320-332-8

Verlag 2016 ISBN 978-3-03788-506-2

Werner Pieper

Die Geschichte des O

Terence McKenna

Werner Pieper‘s

Speisen der Götter

Jeremy Narby und Francis Huxley

MedienXperimente 1997

Werner Piepers

Shamans Through Time: 500 Years on the Path to Knowledge

ISBN 978-3-93044-233-7

MedienXperimente 1996

Tarcher 2001

Weltmacht Droge

ISBN: 978-1-5854-2091-9

Econ Verlag 1980

ISBN 978-3-93044-217-1

Hans-Georg Behr

Ayahuasca-Konferenz Arno Adelaars,

ISBN 978-3-43011-283-3

Piers Vitebsky

Christian Rätsch (Hg.)

Schamanismus Taschen Verlag 2001

Museum der Kulturen

ISBN: 978-3-8228-1339-3

Basel (Hg.)

Ayahuasca – Jaguarmedizin vom Amazonas

Opium

Nachtschatten

Merian 2015

Verlag 2016

ISBN: 978-3-8561-6672-4

ISBN 978-3-03788-396-9

Drogen & Menschen Giorgio Samorini

Rausch und Mythos Die Entdeckung der psychoaktiven Pflanzen

Giorgio Samorini

Rausch und Mythos

Cannabis-Landrassen

Nachtschatten

Mike MoD

Ayahuasca

Verlag 2017

Enzyklopädie der Cannabiszucht

AT Verlag 2006

ISBN 978-3-03788-399-0

Claudia Müller-Ebeling, Arno Adelaars, Christian Rätsch

ISBN: 978-3-03800-270-3

Nachtschatten Verlag 2013 ISBN 978-3-03788-281-8

Rapé Kurt H. Nadler

Drogen – Rauschgift und Medizin

Traumpflanzen

Martin W. Ball Martin W. Ball

The Entheological Paradigm

Kevin Johann

Kyandara Publishing 2012

Quintessenz Verlag 1991

Der Schamanengarten

ISBN 978-1-47827-572-5

ISBN 978-3-92803-612-2

Nachtschatten Verlag 2016 ISBN: 978-3-03788-379-2

Hans Cousto

Das Weltkulturerbe Psychonautik

Von Heiligtum und Hexenwerk

Nachtschatten

R. Gordon Wasson, Carl A. P. Ruck

Verlag 2017

und Albert Hofmann

ISBN: 978-3-03788-525-3

Der Weg nach Eleusis Suhrkamp 1996 ISBN 978-3-5183-8258-5

Meskalin Kurt Beringer

Der Meskalinrausch Springer Verlag 1969 ISBN 978-3-540-04660-8


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Lucy’s Rausch Nr. 5

Lucy’s Rausch Nr. 5 Mai 2017 Lucy‘s Rausch erscheint zweimal jährlich. Nächste Ausgabe: Herbst 2017 Herausgeber Roger Liggenstorfer Nachtschatten Verlag AG Kronengasse 11 CH-4500 Solothurn Fon: +41 32 621 89 49 info@nachtschatten.ch www.nachtschatten.ch www.lucys-magazin.com Chefredaktion Markus Berger markus@lucys-magazin.com Redaktion Roger Liggenstorfer roger@lucys-magazin.com Mitarbeiter dieser Ausgabe Helena Aicher, Jürg Augstburger, Alice Dorothea Baker, Mirko Berger, Christoph Benner, Mathias Bröckers, Hans Cousto, Jonas Hässig, Chris Heidrich, David Heuer, Francis Huxley, Kevin Johann, Michael Knodt, Claudia Müller-Ebeling, Jeremy Narby, Torsten Passie, Roberdo Raval, Giorgio Samorini, Steve Stoned, Lucifer Svard

Layout / Bild- und Textredaktion Nina Seiler nina@lucys-magazin.com Umschlaggestaltung Sven Sannwald sven@nachtschatten.ch Layoutkonzept Studio Roth&Maerchy www.rothmaerchy.com Anzeigen werbung@lucys-magazin.com Administration Barbara Blankart barbara@lucys-magazin.com Abo-Verwaltung Lukas Emmenegger lukas@lucys-magazin.com Bankverbindungen Schweiz Regiobank Solothurn Konto-Nr.: 443.213.16.114 IBAN CH2008785044321316108 BIC RSOSCH22 Deutschland Postbank Hamburg Konto-Nr. 969 792 202 IBAN: DE35 2001 0020 0969 7922 02 BIC: PBNKDEFF Vermerk: Lucys Rausch

Druck Gedruckt auf Circlematt (135 g/m²) 100% Recyclingpapier bei Druckerei & Verlag Steinmeier, Deiningen. Printed in Germany Vertriebe Pressevertrieb (Kioske, Supermärkte, Bahnhof- & Flughafenbuchhandlungen): IPS Pressevertrieb GmbH 53334 Meckenheim www. ips-pressevertrieb.de Buchhandel Schweiz AVA Verlagsauslieferung, Affoltern a.A. Head- & Hanfshops Schweiz Nachtschatten Versand versand@nachtschatten.ch Buchhandel, Head- & Hanfshops Deutschland LKG, Rötha/Leipzig nadja.bellstedt@lkg-service.de Buchhandel, Head- & Hanfshops Österreich Dr. Franz Hain Auslieferungen, Wien michaela.puchberger@hain.at

Namentlich gekennzeichnete Texte geben nicht unbedingt die Meinung von Redaktion und Herausgeber wieder.

Bitte beachten Sie unsere «Charta für eine Kultur des Rausches» auf lucys-magazin.com/charta Beachten Sie auch die Inserate unserer Werbepartner und gleichzeitig das geltende Recht Ihres Landes. Der Verlag ruft weder zu illegalem Drogenkonsum auf, noch beabsichtigt er, diesen zu fördern.

VERKAUFSSTELLEN Lucy‘s Rausch ist im Kiosk-, Presse- und Buchhandel sowie in folgenden Head- & Growshops erhältlich (Stand 5/17):

SCHWEIZ  BASEL  Sibannac GmbH, Güterstr. 138 (im Hinterhof), 4053 Basel, www.visionofhemp.ch BERN   KALISHA, Rathausgasse 47, 3011 Bern, www.kalisha.ch • Secret Nature, Kramgasse 68, 3011 Bern, www.secret-nature.ch SOLOTHURN  Babacool, Löwengasse 4, 4502 Solothurn, www.babacool.ch • Nachtschatten Shop, Kronengasse 11, 4500 Solothurn, www.nachtschatten.ch ST. GALLEN  BREAKshop, Gaiserwaldstr. 16a, 9015 St. Gallen, www.breakshop.ch

THUN  Secret Nature, Obere Hauptgasse 11, 3600 Thun, www.secret-nature.ch WINTERTHUR  DELTA GROW AG, St. Gallerstr. 119, 8404 Winterthur, www.delta-grow.ch • TAMAR Trade, Technikumstr. 38, 8400 Winterthur, www.rastaman.ch ZÜRICH  Bio Top Center GmbH, Konrad­str. 28, 8005 Zürich, www.biotop-zuerich.ch • Grünhaus AG, Herostr. 7, 8048 Zürich, www.gruenhaus-ag.ch DEUTSCHLAND ALFTER  Mojamba, Pelzstr. 30, 53347 Alfter, www.mojamba.de ALTENMEDINGEN  Kudra NaturBewusstSein, Im Dorfe 1B, 29575 Altenmedingen-Bohndorf, www.kudra.net

AMBERG  Coffeeshop, Georgenstr. 45, 92224 Amberg, www.coffee-shop-amberg.de BERLIN  Buchladen Schwarze Risse, Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin • Kaya Foundation, Schliemannstr. 26, 10437 Berlin, www.kayagrow.de • Klaus der Gärtner, Straßmannstr. 1, 10249 Berlin, www.klausdergärtner.de • Sensatonics, Teilestr. 11-16, T.0, 12099 Berlin, www.sensatonics.de • Verdampftnochmal, Karl-Kunger-Str. 28, 12435 Berlin, www.verdampftnochmal.de • Zabriskie, Manteuffelstr. 73, 10999 Berlin, www.zabriskie.de BRUCHSAL  Planet Blunt, Bannweideweg 4, 76646 Bruchsal, www.planet-blunt.de


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VORSCHAU

Nr. 6

Herbst 2017

Ketamin und Depressionen Über psychedelische Psychotherapien

Drogen auf Reisen

Fotos: Pixabay, Holynow, DEA

Neue Serie vom Experten Stefan Haag

MDMA im Untergrund Über ein illegales Ecstasy-Labor sowie spannende Artikel über John C. Lilly, Cannabis, Drogenpolitik, Psychedelik, Bewusstseinserweiterung und vieles mehr

... DÜSSELDORF  White Rabbit, Dorotheenstr. 82, 40235 Düsseldorf, www.headshop-white-rabbit.de EHINGEN  Chénevis + Gesundheitsprodukte, Hauptstr. 49, 89584 Ehingen, Donau FRANKFURT/M.  Mr. Nice-Growshop, Große Seestr. 36, 60486 Frankfurt, www.mr-nice-shop.com HAMBURG  Zaubertrank, Mexikoring 11a, 22297 Hamburg, www.zaubertrank-hamburg.de MAINZ  Der Hänfling, Gärtnergasse 5, 55116 Mainz, www.derhaenfling.de MALSCH  Kalidat Grow- & Headshop, Am Bahnhof 6, 69254 Malsch, www.kalidat.de MANNHEIM  New Asia Headshop, F1, 10 (Nähe Paradeplatz), 68159 Mannheim, www.new-asia-headshop.de

MARBURG  Sirius Buchhandlung, Barfüßerstr. 13, 35037 Marburg, www.thefinalembrace.de NEU-ANSPACH  Shambala, Ostpreussenstr. 27, 61267 Neu-Anspach, www.shambhala-shop.de REUTLINGEN  HanfHaus Reutlingen, Weingärtnerstr. 27, 72764 Reutlingen, www.hanfhaus-reutlingen.de ROSSDORF  Syntropia, Industriestr. 20, 64380 Roßdorf, www.syntropia.de, www.rauschkunde.net STIEFENHOFEN  Artemisia - Allgäuer Kräutergarten, Hopfen 29, 88167 Stiefenhofen, www.artemisia.de ULM  Hanf-Lager Ulm, Zinglerstraße 1, 89073 Ulm, www.hanflager.de

ÖSTERREICH SALZBURG  Cosmic 5 KG, Schallmoser Hauptstraße 29, 5020 Salzburg, cosmic5.at WIEN  Hanf & Hanf, Lasallestraße 13, 1020 Wien, www.hanf-hanf.at NIEDERLANDE AMSTERDAM  Azarius BV, Kerkstraat 119, 1017 GE Amsterdam, www.azarius.net Aktualisierte Liste unter www.lucys-magazin/verkaufsstellen In Deutschland findet man Lucy‘s Rausch über mykiosk.com.


Fachfrau mit Scharfblick

und Herzblut. Lektorat • Textredaktion • Korrektur Grafik • Bildredaktion • Layout

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Engagiert euch mit uns für die Legalisierung von Cannabis und werdet Fördermitglied im Deutschen Hanfverband.

Schluss mit Krimi. Cannabis normal! hanfverband.de


Lassen Sie sich berauschen Bisherige Ausgaben: siehe www.lucys-magazin.com Kapitel

Nullnummer / Frühjahr 2014 / CHF 12.50 / EUR 10.–

Jahre Nachtschatten Verlag Symposium, 4. – 7. September 2014, Solothurn (CH)

Lucy’s Null-Nummer

4

HR Giger – Das grosse Interview Absinthe – Besuch im Val-de-Travers Legal Highs – Falsche Perspektiven El Pepe – oder die Verbesserung der Welt

Mit folgenden Autoren

Albert Hofmann – Ein Gespräch mit dem LSD-Entdecker

Stanislav Grof, Ralph Metzner, Wolf-Dieter Storl, Christian Rätsch, Claudia Müller-Ebeling, Markus Berger, Alexander Ochse, Wolfgang Bauer, Jochen Gartz Arno Adelaars, Mathias Bröckers, Patrizia Ochsner, Hans Cousto, Tina Loosli Daniel Trachsel, Wolfgang Sterneck, Samuel Widmer, Claudia Möckel, Klaus John Theo Pütz, Mike MoD, Matthias Diesch Zu den spannenden Themen Nachtschattengewächse, Schamanische Kraftpflanzen Hanf, Pilze, LSD, Ayahuasca, Kakteen, Drogenmischkonsum, Partyfood Psycholytische Therapie, Holotropes Atmen, Alchemistische Divination Diverse Künstler

Vorträge, Seminare, Workshops Rahmenprogramm Podiumsgespräche Kino, Ausstellungen Specials, Party

Infos und Anmeldung

www.nachtschatten.ch/symposium info@nachtschatten.ch Tel 0041 (0)32 621 89 49 Vorverkauf ab 1. März bis 31. Mai

NS_Lucys_400_cover_aussen_coated.indd Alle Seiten

Nullnummer / Frühjahr 2014 / CHF 12.50 / EUR 10.–

HR Giger, Luke Brown, Fred Weidmann, Gerhard Seyfried Steve Stoned, Nana Nauwald, Akasha Project

21.02.14 10:05

Ralph Metzner: Die Kröte und der Jaguar • Timothy Leary • Cannabis als Medizin • Nana Nauwald • Gerhard Seyfried • Adi Dittrich • Neuer Psilo­ cybin-Pilz • Drug Checking = Safer Use • Holotropes Atmen • Peyote-Weg • Progressive Psytrance

Ralph Metzners Welten des Bewusstseins • Ethnobotanik: DMT und 5-MeO-DMT • Cannabiskonzentrate und Dabbing-­ Kultur • Steve Stoned • Christian Rätsch • Ketamin auf dem Dancefloor • Hanscarl Leuner

Ralph Metzner DMT und 5-MeO-DMT Cannabis als Medizin/Dabbing Steve Stoned im Gespräch Auf dem Peyote-Weg

ISBN 978-3-03788-401-0 112 Seiten, Format 20 x26,5 cm € 14.80 / Fr. 18.50

ISBN 978-3-03788-400-3 112 Seiten, Format 20 x 26,5 cm € 10.00 / Fr. 12.50

Nr. 4 / Herbst 2016

Lucy’s Nummer 3

Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

CHF 1 8.50 / € (D) 14.80 / € (A) 15.30

ISBN 978-3-03788-402-7 112 Seiten, Format 20 x 26,5 cm € 14.80 / Fr. 18.50

Lucy’s Nummer 4

Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

Nr.4 / Herbst 2016

LSD-Analoga und Verwandte • Die Kunst des herman de vries • Das Lied der Schmetterlinge • Albert Hofmann und Psychedelika vor dem Übergang • Safer Use III • Ethnobotanischer Pflanzenbau: Mohngewächse • Psilocybin-Pilze Europas • Cannabispolitik

Iboga und– Das Ibogain: Entheogene HR Giger grosse Interview Lehrmeister Synthetische LSD-Analoga und verwandte Moleküle – Besuch im Val-de-Travers Absinthe Freie Sicht: vries Claudia Müller-Ebeling – Falschede Perspektiven Legal Highsherman Psilocybinpilze unserer Heimat der Welt Verbesserung El Pepe – oder die Albert Hofmann Hofmann Psychedelika vormit dem Übergang – Ein Gespräch Albert Cannabispolitik: Ein Überblick Michael Knodt dem LSD-Entdecker

H A N F + K U N S T + PA R T Y + E T H N O B O TA N I K

Ayahuasca • Luke Browns Kunst • Transformational Festivals • Barnim Schultze und das Akasha Project • Sasha Shulgin• Schadensminderung beim Feiern • Ethnobotanischer Pflanzen­anbau: Windengewächse • Automatik-Cannabis • Reinkarnation

Lucy’s Nummer 2

Lucy’s Nummer 1

Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

Die Offenbarungen des HR Giger • Der zweifelhafte Weg in die schöne neue Welt • Der Psychonaut: Das Portrait von Albert Hofmann • Absinthe: Die Legende aus dem Valde-Travers • Legal Highs: Die erlaubten Gefahren

ISBN 978-3-03788-403-7 112 Seiten, Format 20 x 26,5 cm € 14.80 / Fr. 18.50

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ISBN 978-3-03788-404-1 112 Seiten, Format 20 x 26,5 cm € 14.80 / Fr. 18.50

Lucy’s Rausch abonnieren: www.lucys-magazin.com/abo

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Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur gazin f ür psychoaktiv

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Metzner Ralph tseins Interview grosse Bewuss ravers des – Das Welten im Val-de-T iven Interview dizin HR Giger Stoned inoid-Me e – Besuch Steve CannabPerspekt der Welt Absinth is und – Falsche Pflanzen Highs DMT in rung Cousto Cannab Legal die VerbesseZ Hans 5-MeOh mit und– oder A bis Gespräc DMT von – Ein El Pepe ecking n Hofman Amendt Drugch Albert ing decker Günter Hirndop dem LSD-Ent

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Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

Nr. 5 / Frühjahr 2017 CHF 1 8.50 / € (D) 14.80 / € (A) 15.30

Gesellschaftsmagazin für psychoaktive Kultur

Jeremy Narby Francis Huxley: Schamanismus HR Giger – Das&grosse Interview Michael Knodt: Cannabis-Landrassen Absinthe – Besuch im Val-de-Travers Terence McKenna: Psychedelik und Maschinen Legal Highs – Falsche Perspektiven Schamanische Snuffs: Rapé El Pepe – oder die Verbesserung der Welt Mathias Bröckers: DieGespräch Opium-Moderne Albert Hofmann – Ein mit Torsten Passie: Harry C. Kane & Meskalin dem LSD-Entdecker

H A N F   +   K U N S T   +  PA R T Y  +   E T H N O B O TA N I K

Nr.5 / Frühjahr 2017

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Lucy's Rausch Nr. 5  

Unsere aktuelle Ausgabe! Schwerpunktthemen: - Cannabis - Psychedelische Kunst - Safer-Party - Ethnobotanik Mit Artikeln zu diesen Themen: •...

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