LIEBE, MORD UND ADELSPFLICHTEN Textbuch

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Textbuch (dt.)

LIEBE, MORD UND ADELSPFLICHTEN (A GENTLEMAN’S GUIDE TO LOVE AND MURDER) Buch und Gesangstexte von ROBERT L. FREEDMAN

Musik und Gesangstexte von STEVEN LUTVAK

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Nach dem Roman „Israel Rank“ von Roy Horniman Deutsche Fassung von Daniel Große Boymann (2019)

Bühnenvertrieb in Deutschland:

Musik und Bühne Verlagsgesellschaft mbH

Bahnhofstraße 44-46 | 65185 Wiesbaden ----------------------------------------------------------------e-mail: post@musikundbuehne.de Internet: www.musikundbuehne.de def. 05/19


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Text, Komposition sowie Text- und Musikmaterial des Bühnenwerks werden Bühnen / Veranstaltern ausschließlich für Zwecke der Aufführung nach Maßgabe des jeweiligen Aufführungsvertrags zur Verfügung gestellt. Jede darüber hinausgehende Verwertung von Text und /oder Musikmaterial des Bühnenwerks bedarf der ausdrücklichen vorherigen Zustimmung des Verlags. Das gilt insbesondere für dessen Vervielfältigung, Verbreitung, elektronische Verarbeitung, Übermittlung an Dritte und Speicherung über die Laufzeit des Aufführungsvertrags hinaus. Die vorstehenden Sätze gelten entsprechend, wenn Bühnen / Veranstaltern der Text oder das Musikmaterial des Bühnenwerks ohne vorherigen Abschluss eines Aufführungsvertrages zur Ansicht zur Verfügung gestellt wird. Weitere Einzelheiten richten sich nach den zwischen Bühnen / Veranstaltern und Verlag getroffenen Vereinbarungen. Dieser Text und die damit verbundene Komposition gilt bis zum Tag der Uraufführung / deutschsprachigen Erstaufführung / bis zur Erstübersetzung / der Neuübersetzung als nicht veröffentlicht im Sinne des Urheberrechtsgesetzes. Es ist nicht gestattet, vor diesem Zeitpunkt das Werk oder einzelne Teile daraus zu beschreiben oder seinen Inhalt in sonstiger Weise öffentlich mitzuteilen oder sich öffentlich mit ihm auseinanderzusetzen. Nicht vom Verlag genehmigte Verwertungen verletzen das Urheberrecht und können zivilrechtliche und ggf. auch strafrechtliche Folgen nach sich ziehen.

Als unverkäufliches Manuskript vervielfältigt. Dieses Material darf weder verkauft, noch verliehen, noch sonst irgendwie weitergegeben werden.

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Wird das Stück nicht zur Aufführung angenommen, so ist das Manuskript umgehend zurückzusenden an:

Musik und Bühne Verlagsgesellschaft mbH

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Inhaltsverzeichnis BESETZUNG................................................................................................................................... iv

VERZEICHNIS DER MUSIKNUMMERN: OUVERTÜRE .................................................................................................................... 1

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#1

1. AKT PROLOG .............................................................................................................................. 1 #1A „PROLOG: EINE W ARNUNG AN DAS PUBLIKUM“ ................................................................... 1

1. AKT 1. SZENE ............................................................................................................................. 3 #1B „UNSERE GESCHICHTE BEGINNT“ ...................................................................................... 3

SZENE 1A ........................................................................................................................................ 3 #2 „DU BIST EIN D’YSQUITH“ .................................................................................................. 5 #2A „DU BIST EIN D’YSQUITH (PLAYOFF)“ ................................................................................. 9 1. AKT 2. SZENE ........................................................................................................................... 11 #3 „MONTY, WAS TÄTE ICH OHNE DICH?“............................................................................... 11 #3A „PINK WIRKT BETÖREND (UNDERSCORE)“......................................................................... 12 #3B „MONTY, WAS TÄTE ICH OHNE DICH? (ZUSATZ)“ ................................................................ 14 SZENE 2A ...................................................................................................................................... 15 #4 „DUMM“ ......................................................................................................................... 15 1. AKT 3. SZENE ........................................................................................................................... 18

SZENE 3A ...................................................................................................................................... 19 #5 „EINE W ARNUNG AN MONTY“ .......................................................................................... 19 #6 „ICH BEGREIFE DIE ARMEN NICHT“ ................................................................................... 19 1. AKT 4. SZENE ........................................................................................................................... 24 #6A „LORD EZEKIEL WIRD VORGESTELLT“ ............................................................................... 24 SZENE 4A ...................................................................................................................................... 24 #7 „DUMM“ (REPRISE) ......................................................................................................... 26 #7A „EIN KALTER W INTER IN CHIZZLEMERE“ ........................................................................... 27 1. AKT 5. SZENE ........................................................................................................................... 28

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1. AKT 6. SZENE ........................................................................................................................... 29 #8 „GIFT IN MEINER TASCHE“ ............................................................................................... 30

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1. AKT 7. SZENE ........................................................................................................................... 34 #8A „QUÄLENDE ANGST“ ....................................................................................................... 34

SZENE 7A ...................................................................................................................................... 34 „KLEIDER MACHEN LEUTE“ .............................................................................................. 36 #8B SZENE 7B ...................................................................................................................................... 36 #9 „O MONTY“ .................................................................................................................... 36

SZENE 7C ...................................................................................................................................... 38

1. AKT 8. SZENE ........................................................................................................................... 40 #9A „MONTYS IMMATRIKULATION“ .......................................................................................... 40 SZENE 8A ...................................................................................................................................... 40 #10 „MÄNNER UNTER SICH“ ................................................................................................... 42


ii 1. AKT 9. SZENE ........................................................................................................................... 45 SZENE 9A ...................................................................................................................................... 46 #10A „EINHUNDERT BIENEN“ ................................................................................................... 46 #11 „UMGEKEHRT“ ................................................................................................................ 48 #11A „DIE MINDERBEMITTELTEN VON LONDON“ ........................................................................ 51 SZENE 9B ...................................................................................................................................... 51 1. AKT 10. SZENE ......................................................................................................................... 53 #12 „LADY HYACINTH AUF REISEN“ ........................................................................................ 53

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1. AKT 11. SZENE ......................................................................................................................... 59 #12A „DIE ABENDZEITUNG“ ...................................................................................................... 59

SZENE 11A .................................................................................................................................... 59 #13 „W ER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT?“ .............................................................................. 60

SZENE 11B .................................................................................................................................... 61 „W ER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT? (TEIL II — UNDERSCORE)“ ........................................ 61 #13A #13B „W ER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT? (TEIL III)“ ................................................................. 62 SZENE 11C .................................................................................................................................... 63 „W ER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT? (TEIL IV — UNDERSCORE)“ ....................................... 63 #13C SZENE 11D .................................................................................................................................... 65 „W ER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT? (TEIL V)“ .................................................................. 65 #13D

SZENE 11E .................................................................................................................................... 66 „W ER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT? (TEIL VI — UNDERSCORE)“ ....................................... 66 #13E SZENE 11F .................................................................................................................................... 68 #13F „W ER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT? (TEIL VII)“ ................................................................ 68

SZENE 11G .................................................................................................................................... 69 „W ER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT? (TEIL VIII — UNDERSCORE)“ ..................................... 69 #13G #13H „W ER HÄTT’ DAS VON IHM GEDACHT? (TEIL IX)“ ................................................................ 69 SZENE 11H .................................................................................................................................... 70 #14 „ENTR’ACTE“ .................................................................................................................. 73 2. AKT 1. SZENE ........................................................................................................................... 73 #15 „W IE KOMMT’S, DASS ALL DIE D’YSQUITHS STERBEN?“...................................................... 73

SZENE 1A ...................................................................................................................................... 75 „W IE KOMMT’S, DASS ALL DIE D’YSQUITHS STERBEN? (ZUGABE)“ ...................................... 75 #15A

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2. AKT 2. SZENE ........................................................................................................................... 77 „MONTYS GYMNOPAEDIE“ ............................................................................................... 77 #15B #16 „SIBELLA“....................................................................................................................... 77

SZENE 2A ...................................................................................................................................... 80 #17 „ICH NEHM SIE ZUM EHEMANN!“ ....................................................................................... 80 #17A „PLAYOFF/SIBELLA (REPRISE)“ ........................................................................................ 85 SZENE 2A ...................................................................................................................................... 86

2. AKT 3. SZENE ........................................................................................................................... 87

2. AKT 4. SZENE ........................................................................................................................... 88 #18 „LETZE W ARNUNG“ ......................................................................................................... 89

SZENE 4A ...................................................................................................................................... 93 „EINE VERWORRENE ABSCHEULICHKEIT“ .......................................................................... 94 #18A


iii 2. AKT 5. SZENE ........................................................................................................................... 95 #19 „GIFT IN MEINER TASCHE (REPRISE)“ ............................................................................... 96 #20 „DER LAUF VON EINER W AFFE“ ....................................................................................... 99 2. AKT 6. SZENE ......................................................................................................................... 104 #20A „DER NEUNTE GRAF VON HIGHHURST“ ........................................................................... 104 #21 „STOP! NEIN! W AS!?“ ................................................................................................... 104 2. AKT 7. SZENE ......................................................................................................................... 107 #21A „DER PROZESS“ ........................................................................................................... 107 #21B „EINE EMPÖRENDE FARCE“ ........................................................................................... 108

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2. AKT 8. SZENE ......................................................................................................................... 109 #21C „DU BIST EIN D’YSQUITH (REPRISE)“.............................................................................. 109 #21D „ABSCHLUSS DER MEMOIREN“ ....................................................................................... 110 2. AKT 9. SZENE ......................................................................................................................... 112 #22 „DIES’ SCHRECKLICHE W EIBSBILD (TEIL I)“ ..................................................................... 112 #22A „EINE KRIMINALISTISCHE KLEMME“ ................................................................................ 115 #22B „DIES’ SCHRECKLICHE W EIBSBILD (TEIL II)“ .................................................................... 116 2. AKT 10. SZENE ....................................................................................................................... 119

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SZENE 10A .................................................................................................................................. 119 „DA IST PHOEBE“ .......................................................................................................... 119 #22C #23 „FINALE“ ...................................................................................................................... 121 #24 „APPLAUSMUSIK“ .......................................................................................................... 122 #24A „AUSLASSMUSIK“ .......................................................................................................... 122


iv

BESETZUNG Montague "Monty" Navarro
 Gutaussehend, clever, charismatisch, gewinnend und verletzlich. Findet heraus, dass er an 9. Stelle der Erbfolge der Grafen von Highhurst steht und beschließt, jeden der Familie, der vor ihm steht, umzubringen.

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Miss Shingle Montys unerwartete Besucherin Sibella Hallward Das Mädchen, das Monty liebt. Phoebe D'Ysquith Montys Cousine.

Die D’Ysquith-Familie (diese Rollen werden alle von demselben Schauspieler gespielt) *Asquith D'Ysquith, Jr., ein Dandy
 *Lord Adalbert D'Ysquith, der achte Graf von Highhurst
 *Reverend Lord Ezekiel D'Ysquith, ein Geistlicher
 *Lord Asquith D'Ysquith, Sr., ein ältlicher Banker
 *Henry D'Ysquith, ein Großgrundbesitzer
 *Lady Hyacinth D'Ysquith, ein wohltätige Dame der Gesellschaft
 *Major Lord Bartholomew D'Ysquith, ein Bodybuilder
 *Lady Salome D'Ysquith Pumphrey, eine Schauspielerin
 *Chauncey D'Ysquith, ein Gefängniswärter Ensemble von 6 Darstellern:

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FRAU #1: Trauernde; Fremdenführerin; Ahnenportrait; Eislaufende; Brautjungfer; Gattin des Wirts eines Pubs; Mrs. Pebworth; Phoebes Dienstmädchen; 3. Zeitungsjunge; opt.: Schneiderin; Selina Chard (Bedienstete); Blumenmädchen FRAU #2: Trauernde; Touristin; Ahnenportrait; Eislaufende; Brautjunger; Mrs. Hetherington; 
 4. Zeitungsjunge; opt.: Schneiderin; Lady Eugenia D'Qsquith; Blumenmädchen FRAU #3: Trauernde; Sibellas Dienstmädchen; Touristin; Ahnenportrait; Miss Evangeline Barley; Brautjunger; Miss Hayes; opt.: Schneiderin; Hilda (Bedienstete); Blumenmädchen MANN #1: Trauernder; Tourist; Ahnenportrait; 2. Buchhalter; Eislaufender; Schneider; Trauzeuge; Tom Copley; Dr. Brownlee; 1. Zeitungsjunge; Gewichtheber; 3. Schauspieler; Ahnenbüste; Walter (Bediensteter); Dr. Pettibone (Gerichtsmediziner); Gefängniswache MANN #2: Trauernder; Tourist; Ahnenportrait; 1. Buchhalter; Eislaufender; Schneider; Trauzeuge; Wirt eines Pubs; Mr. Cross; 2. Zeitungsjunge; Gewichtheber; 1. Schauspieler; Lord Asquiths Arzt; Ahnenbüste; Mr. Waters (Bediensteter); Chefinspektor Pinckney MANN #3: Trauernder; Tourist; Ahnenportrait; Eislaufender; Schneider; Trauzeuge; Pubbesucher; Henrys Angestellter; Mr. Goodsall; 2. Schauspieler; Alfred Gorby (Butler); Lord High Steward (Einspielung); Amtsrichter


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#1

OUVERTÜRE 1. AKT
 PROLOG

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London, 1909. #1A

„PROLOG: EINE WARNUNG AN DAS PUBLIKUM“

ENSEMBLE HEUT SEHN SIE MORD UND TOTSCHLAG, HASS UND RACHE.
 FÜR ZARTE NERVEN WAHRLICH KEIN PLÄSIER!
 DRUM EINE WARNUNG AN HERZ- UND KREISLAUFSCHWACHE:
 SIND SOLCHE HIER,
 DANN RATEN WIR:
 DORT IST DIE TÜR! MANN 2

DORT IST DIE TÜR!

FRAU 3 VOR GRAU’N IST MANCHER SCHON ERGRAUT. MANN 3 EIN METZGER WEINTE EINMAL LAUT…

FRAU 1 UND MEIDEN SIE DIE REIHEN EINS BIS DREI! ENSEMBLE

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VIEL ZU NAH!
 DENN WER VON DA
 DAS STÜCK HIER SAH,
 SCHLÄFT NIE MEHR ALPTRAUMFREI! ES WARTEN SCHRECK UND GRAUS,
 DRUM NEHMT REISSAUS! WER ANGST HAT:

MANN 2

WER ANGST HAT:


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2

WER ANGST HAT:
 RAUS! ENSEMBLE


3 1. AKT
 1. SZENE

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Mit Szenenbeginn sehen wir MONTY NAVARRO in einer Gefängniszelle. Er ist neunte und amtierende Graf von Highhurst: jung und sogar unter diesen Umständen noch ziemlich schneidig wirkend. Er sitzt an einem Tischchen und nimmt einen Stapel Schreibpapier aus einer Lade. Dann nimmt er einen Stift und beginnt zu schreiben.

#1B

„UNSERE GESCHICHTE BEGINNT“

MONTY (Einspielung, vorab aufgenommen) (während er schreibt)
 Gefängnis von Pentonville, neunzehnter Oktober Neunzehnhundertundneun. Dies sind die Lebenserinnerungen und zugleich wohl das abschließende Geständnis von Lord Navarro, dem neunten Grafen von Highhurst. Im Leben gibt niemand jemals die volle Wahrheit über sich preis, aber angesichts meiner bevorstehenden Exekution habe ich beschlossen — solange ich die Zeit dazu habe —, einen vollkommen wahrheitsgemäßen Bericht der Geschehnisse zu erstellen und zu hinterlassen. Ich denke, ich nenne ihn „Wie man als Mann von Welt mordet“. Oder eher: „…liebt und mordet“?
 (nach kurzer Pause)
 Hm, vielleicht sage ich einfach: „Liebe, Mord und Adelspflichten“! 
 Meine Geschichte beginnt, wie so viele, mit dem Erscheinen eines unerwarteten Besuchers.

SZENE 1A

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(MONTY tritt in eine ärmliche kleine Stube, deren Ausstattung versucht aus bescheidenen Mitteln das Beste zu machen. MONTY wirkt nun deutlich jünger und sein Auftreten erheblich weniger sicher. Trauernd blickt er auf eine Porträtfotografie seiner Mutter. Plötzlich hartnäckiges Läuten der Türglocke. MONTY öffnet die Türe, worauf MARIETTA SHINGLE, eine exzentrische Dame fortgerückten Alters, aus der Kälte ins Zimmer stürmt. Die MUSIK blendet ab.)

MISS SHINGLE Falls es eine noch erbärmlichere Straße in Clapham gibt, hab ich sie jedenfalls noch nicht gesehen! MONTY Verzeihen Sie, Madam, aber: kennen wir einander?

(MISS SHINGLE legt ihre Überkleider ab und macht es sich gemütlich.) MISS SHINGLE Erst ab dem Moment, als du aus dem Schoß deiner lieben Mutter das Licht der Welt erblicktest… MONTY Sie haben Mutter gekannt? Ich … ich komme soeben von ihrer Beerdigung!


4 MISS SHINGLE Meine gute Isabel, Gott segne ihre arme Seele!
 (fasst liebevoll mit beiden Händen sein Gesicht)
 Sieh ihn dir an! Ganz erwachsen und hübsch wie der Teufel! (MISS SHINGLE setzt sich auf einen Stuhl, erschöpft von ihrer Reise.) MONTY

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Woher kannten Sie Mutter, Missus … ? MISS SHINGLE

Miss. Shingle. Marietta Shingle…?

MONTY Natürlich! Miss Shingle! Sie sprach häufig von Ihnen — und wie sie sich immer auf Ihre Briefe gefreut hat! MISS SHINGLE

Und ich mich auf ihre, da sei versichert.
 (sie nimmt ihren Hut ab)
 Du wolltest mir doch sicher ein Tröpfchen Tee anbieten, oder nicht?

MONTY Verzeihen Sie meine Manieren, Miss Shingle. Mutter hatte immer eine Kanne auf dem Stövchen.

MISS SHINGLE Und wenn du einen Keks oder auch zwei entbehren kannst, würde es mir gewiss nichts ausmachen.
 (MISS SHINGLE begutachtet erstmals die verblasste Noblesse des Kämmerchens und schüttelt traurig den Kopf.)
 Ich weiß, du und deine Mutter hatten es nicht leicht zuletzt, aber ich wusste nicht, dass es so weit gekommen war. Hast du irgendwelche Perspektiven, Herzchen?

IC

MONTY Mutter hat immer davon geträumt, dass ich es eines Tages nach Oxford oder Cambridge schaffe.
 (traurig erkennend)
 Das scheint nun ziemlich abwegig…

N

MISS SHINGLE Es gibt nichts, was deine Mutter nicht für dich getan hätte.

MONTY Ich kann mir kaum vorstellen, wie ich ohne sie weitermachen soll. MISS SHINGLE

(Sie beäugt ihn bewundernd)
 Du gerätst sehr nach deinem Vater. Äußerlich, meine ich.

MONTY Kannten Sie meinen Vater? Er starb, als ich gerade einmal sieben war.


5 MISS SHINGLE Bin ihn nur ein Mal begegnet, Herzchen. Ein Kastilier: schneidigere Züge und Statur hat man kaum je gesehen.
 (tiefer Seufzer)
 Sag mir, Herzchen, was weißt du über die Familie deiner Mutter?

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MONTY Darüber sprach Mutter nie. Müssen wohl recht üble Kanaillen und Beutelschneider gewesen sein. Bestenfalls Pferdediebe. MISS SHINGLE Tja, nicht so ganz… Hast du je gehört … von der Familie D’Ysquith? (Die MUSIK setzt ein.)

MONTY Die D’Ysquiths? Nun, freilich, wer hätte das nicht?

MISS SHINGLE

Dann wohl auch von Highhurst Castle?

MONTY

Selbstverständlich.

MISS SHINGLE Du weißt also, was für eine Stellung sie haben? Welch riesigen Besitz und Einfluss? MONTY

Ja. Ja. Was hat das mit mir zu tun? #2

„DU BIST EIN D’YSQUITH“

MISS SHINGLE

IC

(singt)
 DU BIST EIN D’YSQUITH.

MONTY

N

Was?

MISS SHINGLE

DU BIST EIN D’YSQUITH.

MONTY

Nein…

MISS SHINGLE DU HAST D’YSQUITH-BLUT IN DEINEM HERZEN.


6 MONTY Ich?! Ein D’Ysquith?! MISS SHINGLE WAHRHAFTIG, EIN WASCHECHTER D’YSQUITH. MONTY Unsinn!

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MISS SHINGLE MIT SOWAS ERNSTEM WÜRD ICH
 NIEMALS SCHERZEN! MONTY

(skeptisch)
 Sie müssen verrückt sein!

MISS SHINGLE Ich bin so vernünftig, wie der Tag lang ist. Und meiner Meinung nach stehen nur acht Blutsverwandte zwischen dir und dem derzeitigen Grafen von Highhurst, Lord Adalbert D’Ysquith. MONTY Ich fürchte, Sie irren sich. Mutter schuftete als Wäscherin und schrubbte die Böden der Nachbarn, bis ihr die Hände bluteten. Klingt das für Sie nach dem Leben einer Adeligen? MISS SHINGLE Also gut. Wenn deine Mutter keine D’Ysquith war: wie ist ihr Mädchenname?

MONTY Sie bestand immer darauf: der einzige Name, auf den es ankommt, ist der meines Vaters… MISS SHINGLE

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(gesungen)
 SIE LEBTE
 REICH UND BEHÜTET, WAR KLUG UND BRAV, 
 DIE TOCHTER VON LORD MAXIMILIAN. 1
 BIS SIE EINES TAGS DEINEN VATER TRAF: 
 DAS FÜHRTE ZUR KOLLISION.

ES HIESS: „ISABEL, SEI KEIN SCHWARZES SCHAF, 
 LASS DEN SCHÄBIGEN SCHUFT AUS KASTILIEN!
 TUST DU NICHT, 
 WAS DEINE PFLICHT, 
 DANN LEBE IN MÜHSAL UND FRON.“
 DAS WAR KEIN LEERES DROH’N. „DENN EINE D’YSQUITH, 
 EINE FORTPFLANZUNGSFÄHIGE D’YSQUITH

1

engl. Aussprache: Mäximiljen, viersilbig; jedoch des Reimes wegen bitte die vorletzte Silbe etwas gedehnt.


7 MISS SHINGLE (weiter) SCHENKT DEM VORBESTIMMTEN GATTEN EINEN SOHN.“ UND WAS WAR IHRE TROTZREAKTION?
 SIE IST HEIMLICH FRÜH MORGENS VON HIGHHURST GEFLOH’N! MONTY Sie wurde also … enterbt?

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MISS SHINGLE Um es kurz zu machen: ja. Verabscheuungswürdige Bande, alle miteinander!

MONTY Deshalb also diese wiederkehrenden Anfälle von Traurigkeit, die sie immer zu verbergen versuchte! Und ihre … Besessenheit, ich müsse unbedingt gesellschaftlich aufsteigen. (MISS SHINGLE bemerkt ein elegantes, altes Schmuckkästchen.)

MISS SHINGLE (greift danach)
 Meine Güte! Dieses Schmuckkästchen habe ich jahrelang nicht gesehen. Der alte Graf selbst hatte es einst deiner Mutter gegeben. MONTY Ich fand es versteckt unter Mutters Habseligkeiten. Konnte nicht herausfinden, wie man es öffnet. MISS SHINGLE

So.

(SIE öffnet es mühelos. Verblüfft untersucht MONTY den Inhalt.)

MONTY Briefe. Dutzende Briefe! In Mutters Handschrift adressiert an … Mitglieder der D’Ysquith-Familie! Sie kamen alle ungeöffnet zurück… MISS SHINGLE

IC

Irgendetwas sonst?

N

MONTY Ein Dokument…! Meine Geburtsurkunde!
 (verblüfft)
 „Montague D’Ysquith Navarro.“ Es ist also wahr! Arme Mutter! Nicht auszudenken, wie sie gelitten haben muss. MISS SHINGLE

(gesungen)
 SIE WOLLTE
 NICHT, DASS DU DAVON JE ERFÄHRST,
 ICH MUSSTE VERSCHWIEGENHEIT SCHWÖREN.


8 MISS SHINGLE (weiter) WEIL DU NUR ENTTÄUSCHT ODER WÜTEND WÄRST 
 UND DOCH ALLES BEIM ALTEN BLEIBT. DOCH, WENN DU DICH DEM CLAN ERKLÄRST:
 VIELLEICHT WIRD MAN DICH JA ERHÖREN? (Die Geburtsurkunde hochhaltend)

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DIESES DOKUMENT, 
 ES BEWEIST STRINGENT, 
 DU VERDIENST AM END, 
 DASS MAN DICH ERKENNT,
 UND IM TESTAMENT 
 NIEDERSCHREIBT…!

DU BIST EIN D’YSQUITH, 
 EIN ERBBERECHTIGTER D’YSQUITH, 
 VON DEN ZEHEN BIS ZU DEINEN HAAREN! MONTAGUE, DU BIST EIN D’YSQUITH.

MONTY MIT EINEM MAL EINER DER D’YSQUITHS…! MISS SHINGLE

(gesprochen)

Ja!

(gesungen)
 HÖCHSTE ZEIT, DASS DIE DAS AUCH ERFAHREN. DU BIST DER SOHN VON DER TOCHTER 
 VON DEM ENKEL VON DEM NEFFEN 
 VON DEM ZWEITEN GRAF VON HIGHHURST. (gesprochen)

N

IC

Du jetzt!

MONTY ICH BIN DER SOHN VON DER TOCHTER, 
 VON …

MISS SHINGLE

DEM ENKEL,

MONTY

VON …


9 MONTY (weiter) (gesprochen)
 Entschuldigung… MISS SHINGLE DEM NEFFEN MONTY & MISS SHINGLE VON DEM ZWEITEN GRAF VON HIGHHURST.

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MONTY (Einspielung, vorab aufgenommen) 2

(zu sich)
 Ich fragte mich natürlich: warum soll ich einer Frau glauben, die durchaus einfach verrückt sein könnte? Und doch: die Urkunde erweckte den Anschein von Authentizität. (leise singend)
 ICH BIN EIN D’YSQUITH…

MISS SHINGLE

DU BIST EIN D’YSQUITH!

MONTY HIERMIT BIN ICH EIN D’YSQUITH.

MISS SHINGLE

DU BIST EIN D’YSQUITH,
 DER SICH IN EINER RUMPELKAMMER EINSCHLOSS!

MONTY DOCH ICH KÖNNTE AUF HIGHHURST EIN LORD SEIN. MISS SHINGLE DESHALB MUSST DU SCHNELL VOR ORT SEIN.

N

IC

MONTY UND HIGHHURST WIRD DANN MEIN SCHLOSS!
 ICH BIN EIN D’YSQUITH. MISS SHINGLE

DU BIST EIN D’YSQUITH!

MONTY & MISS SHINGLE

EIN D’YSQUITH!
 EIN D’YSQUITH!
 EIN D’Y!
 SQUITH!

#2A

„DU BIST EIN D’YSQUITH (PLAYOFF)“

Einige der als „Einspielung“ ausgewiesenen Kommentare Montys erfolgen nicht während des Verfassens der Memoiren in der Zelle. Es sei der Regie überlassen, ob man diese den Darsteller stattdessen live ins Publikum sprechen lässt. 
 (s. auch S. 25, 28/29, 35, 48, 52 o., 56/58, 60, 68/69, 88 und 105. 2


10 (Während MISS SHINGLE Montys Stube verlässt, tritt MONTY nach vorn. 
 Er setzt einen Brief auf.)

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MONTY „An Lord Asquith D’Ysquith, Generaldirektor des Bankhauses D’Ysquith, Bond Street, London. Erlauben Sie mir mich vorzustellen. Ich bin der Sohn Ihrer verstorbenen Cousine, Isabel D’Ysquith Navarro. Zufällig bedarf ich augenblicklich einer Anstellung und schreibe Ihnen daher, um zu fragen, ob es im Büro Ihrer Aktienhandelsgesellschaft möglicherweise eine Stelle für mich gäbe. Ich gelte allgemein als ehrlich und verlässlich, bin nicht frei von Humor und gesundem Menschenverstand, und die Aussicht auf harte Arbeit schreckt mich in keinster Weise. In freudiger Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich, hochachtungsvoll: Montague D’Ysquith Navarro.“

N

IC

(MONTY wirft den Brief in einen Briefkasten.)


11 1. AKT
 2. SZENE

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

Im Ankleidezimmer von SIBELLA HALLWARD, einem bezaubernden Mädchen aus der oberen Mittelschicht. MONTY erscheint mit einer kleinen, als Geschenk verpackten Schachtel Pralinen. SIBELLA betrachtet sich gerade in einem rosa Kleid und spannt MONTY umgehend als Ankleidehilfe ein. #3

„MONTY, WAS TÄTE ICH OHNE DICH?“

SIBELLA

Monty!

MONTY

Sibella…!

SIBELLA

Monty!

MONTY Sibella, ich habe wundervolle Neuigkeiten! Du wirst es nicht glauben, aber—… SIBELLA PINK WIRKT BETÖREND, NICHT WAHR?
 WÜRDEST DU? MONTY

Ja, aber—…

SIBELLA

N

IC

NOCH EINE BLUME INS HAAR?
 NEIN, NEIN. JA! NEIN.
 VEILCHEN? OH NEIN, PELARGONIEN, GANZ KLAR!
 PRALINEN? MEIN SCHATZ, BRING MICH NICHT IN GEFAHR! MONTY

Sibella—…

SIBELLA

UND DAS? SAG DOCH WAS! 
 ACH, NEIN, LASS! 
 ES IST STRASS 
 UND ICH HASS’ 
 ES JA SELBST WIE DIE PEST!

BITTE NICHT ZU FEST! 
 SCHAU NICHT SO GESTRESST!
 HAB ETWAS ZEIT FÜR MICH!


12 MONTY Natürlich, aber ich würde wirklich gerne—… SIBELLA MONTY, WAS TÄTE ICH OHNE DICH! MONTY Sibella…

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

SIBELLA ICH KENN’ KEINEN, DER SO KLUG WIE DU IST 
 UND SO GUT ZU MIR,
 SOLCH EIN KAVALIER…!
 UND HUMORBEGABT!
 (DAS IST WIRKLICH SELTEN!)

MEISTENS SIND DIE MÄNNER DRÖGE, BLÖDE, 
 FARB- UND EINFALLSLOS.
 UND SO HERZERFRISCHEND PLAUDERN 
 KANN MAN WIRKLICH NUR MIT DIR!

MONTY Nun, tatsächlich gibt es da etwas von Dringlichkeit, das ich gern mit Dir besprechen—… SIBELLA DU HAST NOCH NICHTS GESAGT ZU MEINEM KLEID!
 WIE GEMEIN!
 SIEH, WIE ES SCHWINGT, WENN ICH TANZ’: 
 ZWEI, DREI, EINS, ZWEI.
 ALL DIE FRAU’N HIER IN CLAPHAM 
 SIND SPRACHLOS VOR NEID.

N

IC

(die Pralinen meinend)
 GUT, ICH GREIFE ZU. 
 EINES ICH, EINS DU. 
 SIEHST DU MEINEN SCHUH? 
 SCHNÜR NICHT ZU FEST ZU!

#3A

ACH, ICH BIN FÜRCHTERLICH!
 MANCHMAL FRAGE ICH MICH,
 (UND DAS SPRICHT DOCH FÜR SICH)
 MONTY, WAS TÄTE ICH OHNE DICH?

„PINK WIRKT BETÖREND (UNDERSCORE)“ MONTY

Sibella, etwas Wunderbares ist geschehen!


13 SIBELLA Was? MONTY Es ist unglaublich: ich habe soeben erfahren, dass ich einer der Anwärter auf den Titel des Grafen von Highhurst bin. SIBELLA

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

Des Grafen? Von Highhurst?! MONTY Ja! Offenbar war Mutter eine D’Ysquith. Was bedeutet, dass auch ich ein D’Ysquith bin.

SIBELLA Meine Mutter ist die Königin von Saba. Damit wäre ich wohl die Prinzessin von Babylon.

MONTY Du machst dich lustig über mich. Aber es stimmt. Und offenbar stehen nur acht Verwandte vor mir in der Erbfolge. Das bedeutet: eines Tages könnte ich Graf sein! SIBELLA (lacht ihn aus)
 Und Schweine könnten eines Tages fliegen lernen! Als ob du dein Leben lang ein D’Ysquith gewesen wärst, ohne davon zu wissen…?! MONTY

Ich weiß, es klingt etwas—…

SIBELLA Als ob du je Graf werden könntest! Acht Menschen müssten sterben, damit das geschieht. Wie wahrscheinlich wäre sowas? (MONTY nimmt seinen Hut um zu gehen. SIBELLA hält ihn zurück.
 Die MUSIK blendet aus.) Oh, gehen Sie noch nicht, … Euer Lordschaft!

IC

MONTY Wo hast du eigentlich vor, mit diesem rosa Kleid?

N

SIBELLA Ich treffe einen Bekannten. Mit einem Automobil. MONTY

Hat dieser Bekannte einen Namen?

SIBELLA Lionel Holland.
 (MONTY beißt sich auf die Zähne)
 Du bist eifersüchtig auf ihn, das sehe ich. Weil er ein Automobil hat. Und weil er reich ist. Und gutaussehend. —Ist das wirklich wahr, dass du ein D’Ysquith bist?


14 MONTY Selbstverständlich. Ich kann dir die Urkunde zeigen, wenn du möchtest. SIBELLA Nein. Wenn du sagst, es stimmt, glaube ich dir natürlich.
 (zärtlich)
 Liebling, wir haben bei der Beerdigung kaum miteinander gesprochen. Geht es dir gut? Würde ich meine Mutter verlieren, ich wäre untröstlich!

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(MONTY fasst ihren Kopf, zieht sie sanft zu sich und küsst sie. MUSIK setzt ein.
 SIBELLA schlingt ihre Arme um ihn. Dann lösen sie die Umarmung.)

MONTY Sibella, ich glaube, es ist an der Zeit, dass du ernsthaft über uns nachdenkst. SIBELLA O Monty! Der Mann, den ich heirate, wird reich und angesehen sein. MONTY

Ich werde reich und angesehen sein!

SIBELLA Und wovon sollen wir in der Zwischenzeit leben?

MONTY Sibella, ist dir nie in den Sinn gekommen aus Liebe zu heiraten? SIBELLA

Du bist gemein!

(Plötzlich kommt ein DIENSTMÄDCHEN herein. Die beiden gehen augenblicklich auseinander.)

SIBELLAS DIENSTMÄDCHEN Miss Hallward, Mr. Lionel Holland ist hier, um Sie zu sehen.

N

IC

SIBELLA Und pünktlich auf die Minute. Wäre er doch nur nicht so vorhersehbar. #3B

„MONTY, WAS TÄTE ICH OHNE DICH? (ZUSATZ)“ SIBELLA (weiter)

MONTY, MEINEN HUT!
 DU BIST SO HERZENSGUT! 
 SCHAU NICHT SO JÄMMERLICH!


15 SIBELLA (weiter) MANCHMAL FRAGE ICH MICH…
 UND WENN DU’S WEISST, DANN SPRICH!
 SAG MIR: WAS TÄTE ICH OHNE DICH? 
 PINK WIRKT BETÖREND, NICHT WAHR?

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(SIBELLA ist durch die Türe abgegangen. 
 MONTY tritt vor und erhält einen Brief.)

SZENE 2A

MONTY

(liest)
 „Mister Montague Navarro. Einundsechzigeinhalb Ursula Lane, Clapham.“
 (er öffnet den Brief)
 „Mister Navarro, betreffs Ihrer Anfrage an meinen Vater, Lord D’Ysquith, vom siebzehnten März Neunzehnhundertundsieben, …“ (Der junge Dandy ASQUITH D’YSQUITH JR. tritt im Hintergrund auf.)

MONTY & ASQUITH JR. „…muss ich Ihnen nach eingehender Konsultation…“

ASQUITH JR. „…mehrerer Mitglieder der D’Ysquith-Familie mitteilen, dass wir uns der Existenz Ihrer Mutter, beziehungsweise mithin: Ihrer eigenen, nicht im Mindesten bewusst wären. Es ist daher völlig zwecklos für Sie, unser Unternehmen oder die Familie nochmals zu behelligen. 
 Weiterhin: sollten Sie jemals versuchen den Namen D’Ysquith zu führen, sehen wir uns gezwungen, die Sache unseren Rechtsanwälten zu überantworten. …“ (ASQUITH JR.s Silhouette verschwindet wieder.)

MONTY & ASQUITH JR.

IC

„…Mit endgültigen Grüßen, …“

MONTY

N

(liest)
 „…Mister Asquith D’Ysquith Junior.“ #4

„DUMM“

(Niedergeschmettert öffnet MONTY das Schmuckkästchen seiner Mutter um den Brief zu den anderen, ungeöffnet retournierten Briefen zu legen. Doch er zögert. Dann zerreißt er den Brief in zwei Hälften und wirft sie in den brennenden Kamin. MONTY (weiter)

(reumütig den Kopf schüttelnd)
 Und Schweine können fliegen lernen…! Monty, du bist dumm. So dumm!


16 MONTY (weiter) (singt)
 DUMM, WENN DU DENKST, SIE SAGT „JA“ DAZU!
 BILD DIR DA GAR NICHTS EIN!
 ENTFERNT ZWAR VERWANDT, 
 ABER NICHT ANERKANNT…!
 WER VERDENKT ES IHR: SIE SAGT NEIN!

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

DUMM, WENN DU TRÄUMST, DASS ES LIEBE WÄR!
 DENN FÜR SIE IST’S NUR LIEBELEI.
 EIN FLÜCHTIGER KUSS, 
 DOCH DANACH IST SCHLUSS UND
 AUCH DEIN TRAUM IST VORBEI.

DUMM, WENN DU HOFFST, DASS DU CHANCEN HÄTTST!
 WIE SOLLST DU KONKURRIER’N?
 WEIL’S JEGLICHER FRAU 
 IMPONIERT, WENN EIN PFAU, 
 DER IM AUTOMOBIL KUTSCHIERT, 
 SIE HOFIERT. DUMM, WENN DU MEINST, ES KÖNNT ANDERS SEIN!
 DU BLEIBST EWIG ZWEITE WAHL!
 WÄRM DICH AM RUM! 
 DEIN TRÄUMEN IST DUMM!
 BEGREIF DAS DOCH ENDLICH MAL! SO EIN D’YSQUITH, DER WOHNT, 
 NEIN, VIELMEHR: ER THRONT 
 IM OLYMP, WEIT ÜBER DER STADT.
 DASS EIN JEDER IM SCHLOSS, 
 JEDER GRÄFLICHE SPROSS 
 IM HERABSCHAU’N SCHON ÜBUNG HAT.

N

IC

„DER IST NICHT LEGITIM! 
 WIR VERLANGEN VON IHM,
 DASS ER DEN KONTAKT UNTERLÄSST.
 DER WILL SICH NUR VERBESSERN, 
 DAS BLUT UNS VERWÄSSERN!
 DIESES EI IST EIN KUCKUCK, DAS DARF NICHT INS NEST!“ UND SIE SCHLIESSEN DIE TÜR 
 IN DIE ZUKUNFT VOR MIR:
 ALLES ENDET, BEVOR’S BEGANN.
 SOLL ICH JETZT RESIGNIER’N 
 UND MEIN LOS AKZEPTIER’N, 
 DASS ICH ALL DAS LEIDER NICHT ÄNDERN KANN?
 WAS BLIEBE MIR FÜR EIN LEBEN DANN?!


17 MONTY (weiter) BIN ICH DUMM, WENN ICH GLAUB, ICH KÖNNT IRGENDWANN 
 (UND ICH GLAUB DARAN!)
 MEHR SEIN ALS JETZT UND HIER? ICH WERD’ EINMAL EIN GEACHTETER MANN 
 UND KEIN MENSCH GLAUBT MIR DANN:
 DIE D’YSQUITHS WAR’N HERZLOS UND KALT ZU MIR!

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

BIN ICH DUMM, WENN ICH TRÄUM: EINST BIN ICH DER GRAF?
 MIT POMP UND BRIMBORIUM…!
 DANN SEHT IHR ES EIN: 
 MANCHMAL FLIEGT SELBST EIN SCHWEIN…!

N

IC

BIN ICH AUCH DANN NOCH DUMM?
 BIN ICH AUCH DANN NOCH DUMM?


18 1. AKT
 3. SZENE Auf Highhurst Castle, dem feudalen Sitz der D’Ysqiths. MONTY holt soeben eine Gruppe von TOURISTEN ein. FREMDENFÜHRERIN

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(etwas hochtrabend)
 Willkommen beim Besuchstag auf Schloss Highhurst, dem Stammsitz des Adelsgeschlechts der D’Ysquiths und Residenz des derzeitigen achten Grafen von Highhurst, Lord Adalbert D’Ysquith.
 (der Saal wird beherrscht von einer Ahnengalerie der Vorfahren: Portraits in Ritterrüstungen, mit mittelalterlichen Waffen u.dergl.)
 Aus diesen Mauern heraus verteidigten sich die D’Ysquiths früherer Generationen gegen König Johann Ohneland, … TOURISTEN

Ouuuh!

FREMDENFÜHRERIN …der bei Runnymede jenes Treffen mit den rebellischen Baronen abhielt. TOURISTEN

Aaaah!

FREMDENFÜHRERIN Im Speisesaal werden Sie ein Kettenhemd sehen, das Richard Löwenherz getragen hat. TOURISTEN

Uoooh!

FREMDENFÜHRERIN

N

IC

Bitte: kommen Sie weiter!
 (hält MONTY am Ende der Gruppe auf)
 Einen Sixpence, bitte.

(MONTY gibt ihr ein Sixpencestück, die Gruppe verschwindet. Nun allein ist MONTY überaus fasziniert von den Ahnenporträts. Jedes einzelne Augenpaar scheint ihn zu betrachten, ihm mit Blicken zu folgen und er meint sie seinen Namen flüstern zu hören.) AHNENPORTRÄTS

(vorab aufgenommen)
 Monty… Monty… Monty…

(MONTY sieht sich verunsichert im Raum um. Plötzlich werden die AHNENPORTRÄTS lebendig und beginnen zu singen.)


19 SZENE 3A #5

„EINE WARNUNG AN MONTY“ AHNENPORTRÄTS (weiter)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

MONTY NAVARRO, 
 DU BIST HIER NICHT WILLKOMMEN!
 MONTY NAVARRO, 
 EIN UNHEIL ZIEHT HERAUF!

DU HAST DIE FALSCHE GABELUNG GENOMMEN, 
 DEN FALSCHEN PFAD! 
 EIN LETZTER RAT:
 GIB LIEBER AUF! BASS SOLO

GIB LIEBER AUF!

AHNENPORTRÄTS DU BIST TOURIST AUF HIGHHURST HIER:
 KAUF DIR EIN SOUVENIR.
 BETRACHT DAS SCHLOSS EIN LETZTES MAL GENAU. DANN NICHTS WIE FORT! 
 ZUM ABSCHIED NOCH EIN WORT: 
 SIBELLA WIRD NIEMALS DEINE FRAU!

(Bevor sich MONTY davon erholen kann, kommt LORD ADALBERT D’YSQUITH, der achte und aktuelle Graf von Highhurst von einer Fuchsjagd zurück und durchquert den Raum. Er trägt ein Gewehr und einen toten Fuchs bei sich und wirkt ebenso respekteinflößend wie arrogant. LORD ADALBERT hält plötzlich inne als er bemerkt, dass MONTY ein Schwert berührt oder andere Gegenstände anfasst.) LORD ADALBERT

IC

Das ist doch…! Du da!

N

#6

„ICH BEGREIFE DIE ARMEN NICHT“

LORD ADALBERT (weiter)

(im Rhythmus gesprochen)
 Lass dieses Schwert! 
 Weg von der Wand!

(gesungen)
 SCHAU MIT DEINEN AUGEN, NICHT DER HAND!
 BLEIB HINTERM SEIL UND FOLG DEM REST VOM TROSS!
 KERL, MIT DEINEM SIXPENCE 
 KAUFST DU NOCH NICHT DAS SCHLOSS!


20 (MONTY versteckt sich hinter einer Rüstung, anstatt den TOURISTEN zu folgen. 3 ) LORD ADALBERT (weiter) BERÜHRT EIN JEDER SCHUSTER 
 UND METZGER UND BAUER
 DIE WAFFEN, DIE RÜSTUNGEN, 
 FASST MICH EIN SCHAUER…!

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

VON PATSCHEHÄNDEN ALLES 
 FETTIG, SPECKIG, ABGENÜTZT!
 WARUM WILL MAN SICH ANSEH’N, 
 WAS MAN NIE SELBST BESITZT?

UND OBWOHL MEIN WELTBILD WIRKLICH DEMOKRATISCH IST,
 FIND ICH, DASS DIESE SPEZIES PROBLEMATISCH IST. ICH BEGREIFE DIE ARMEN NICHT! 
 ICH BEGREIFE DIE ARMEN NICHT! 
 WER IST BESTREBT, 
 DASS ER SO LEBT?
 WIESO IST MAN DARAUF ERPICHT?

WAS HAT MAN DAVON, WENN MAN GAR NICHTS HAT?
 WOZU DIESER GANZE VERZICHT?
 WO LIEGT NUR DER REIZ 
 IN SOLCH EISERNEM GEIZ?
 ICH BEGREIFE DIE ARMEN NICHT! AHNENPORTRÄTS WO LIEGT NUR DER REIZ 
 IN SOLCH EISERNEM GEIZ?
 ICH BEGREIFE DIE AR—

AHNENPORTRÄTS II
 WENN ER SICH AUCH DEN KOPF ZERBRICHT:
 BEGREIFT ER DOCH DIE ARMEN NICHT.

N

IC

AHNENPORTRÄTS I MEN NICHT!

LORD ADALBERT ICH BEGREIFE DIE ARMEN NICHT! 
 STÄNDIG KRIEG ICH SIE NEU ZU GESICHT!
 ALL DAS NIMMT ÜBERHAND!
 DENN DER ARMENSTAND
 BRINGT KONSTANT
 REICHEN NACHWUCHS ANS LICHT!

ES GIBT FREILICH AUCH ARME MIT EHRGEIZ: 
 HUR’N UND DIEBE MIT TAG-UND-NACHT-SCHICHT.
 DIE HAB’N AMBITION 
 UND STETS SAISON,

In der Originalproduktion haben die Touristen als Porträits die „Warnung an Monty“ mit dem Rücken zum Publikum gesungen, während die Bilder erleuchtet wurden. Touristen und Fremdenführerin haben dann hier den Raum verlassen. 3


21 LORD ADALBERT (weiter) ERKLECKLICHEN LOHN, 
 DENNOCH: FRUSTRATION!
 ICH BEGREIFE DIE ARMEN NICHT!

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

AHNENPORTRÄTS ERKLECKLICHEN LOHN, 
 DENNOCH: FRUSTRATION!
 ICH BEGREIFE DIE ARMEN NICHT! LORD ADALBERT

KEINE SITTLICHKEIT!

AHNENPORTRÄTS

KEINE SITTLICHKEIT!

LORD ADALBERT

KEINEN STOLZ!

AHNENPORTRÄTS

KEINEN STOLZ!

LORD ADALBERT

NUR UNBOTMÄSSIGKEIT!

AHNENPORTRÄTS

UNBOTMÄSSIGKEIT…?

N

IC

LORD ADALBERT SEHT IHR EIN KRÜMCHEN DES GOLDS, 
 IHR WOLLT’S! 
 KEINE BESCHEIDENHEIT!
 WEDER LAUTER- NOCH EHRBARKEIT!
 UND MIR SCHEINT, 
 ES VEREINT 
 SIE UNBELEHRBARKEIT. DEN DIENERN SCHENK ICH SOGAR
 DIE WEIHNACHTSGANS EINMAL IM JAHR!

KEINERLEI DANKBARKEIT!
 (Die Portraits murmeln unverständlich vor sich hin.)
 NICHTS ALS ZANK UND STREIT!
 (Die Portraits murmeln unverständlich vor sich hin.)

ICH BEGREIFE DIE ARMEN NICHT!
 VIELLEICHT SIND SIE MIR SCHLICHT ZU SCHLICHT?
 IN FRÜHEREN TAGEN 
 KONNT’ MAN SIE ERTRAGEN, 
 DA FIEL DIE SCHICHT KAUM INS GEWICHT.


22

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

LORD ADALBERT (weiter) ABER HEUTE DRÄNGT DIESE MEUTE 
 JEDEN DIENSTAG ANS TOR, BIS ES BRICHT.
 NUR LÄRM UND GEZETER! 
 GEHT’S NICHT DISKRETER?
 IHR KOPFLOSEN WESEN! 
 LERNT ERSTMAL LESEN.
 IHR JAMMERT UND SPRECHT 
 ANDAUERND VON RECHT,
 DOCH KEINER SPRICHT VON PFLICHT! ACH! ICH SCHLIESS DEN BERICHT: 
 BETRACHTET BEI LICHT 
 BEGREIF ICH DIE ARMEN NICHT.

AHNENPORTRÄTS ICH SCHLIESS DEN BERICHT: 
 BETRACHTET BEI LICHT

LORD ADALBERT & PORTRÄTS BEGREIF ICH DIE ARMEN…

STIMME EINES AHNENPORTRÄTS

NICHT.

(LORD ADALBERT gebieten den STIMMEN DER AHNEN zu schweigen.)

LORD ADALBERT ES GIBT EINEN, DER DEM NICHT ENTSPRICHT.
 ER HAT NUR EIN BEIN, 
 DOCH DIE ZÜGE SIND FEIN.
 MANIEREN HAT DER: EIN GEDICHT!

NUR SELTEN TRINKT ER SICH INS KOMA,
 WEIL IHN MANCHMAL SEIN SCHICKSAL ANFICHT.

N

IC

DOCH DISZIPLINIERT 
 WIRD NIE LAMENTIERT.
 NUR HALTUNG UND MUMM! 
 NA GUT, ER IST STUMM.

ER GLAUBT HIN UND WIEDER, 
 WIR ZWEI WÄREN BRÜDER. 
 WAS SOLL’S, DIE FAMILIE HÄLT DICHT! DOCH AUCH WENN ES MIR NICHT 
 AN NACHSICHT GEBRICHT, 
 BEGREIF ICH DIE ARMEN NICHT.


23 AHNENPORTRÄTS ICH BEGREIFE SIE NICHT,
 WENN’S NOCH SO SEHR STICHT,
 ICH SCHWÖR’S VOR GERICHT: LORD ADALBERT (ICH HAB NULL ZUVERSICHT!) LORD ADALBERT & PORTRÄTS

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

ICH BEGREIF 
 ALL DIE ARMEN

LORD ADALBERT AHNENPORTRÄTS (S, A, T) NICHT. NICHT, NEIN, LEIDER NICHT!

AHNENPORTRÄTS (B) NICHT!
 LEIDER NICHT!

LORD ADALBERT

N

IC

Tut mir sehr leid!


24 1. AKT
 4. SZENE Eine sehr alte Dorfkirche in Lye, Lincolnshire. #6A

„LORD EZEKIEL WIRD VORGESTELLT“

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

MONTY (Einspielung, vorab aufgenommen) Vermutlich angestachelt durch meinen Besuch auf Highhurst war ich nun fest entschlossen, noch einen weiteren Versuch zu unternehmen mit der mütterlichen Verwandtschaft in Kontakt zu treten. Hochwürden Lord Ezekiel D’Ysquith war der einzige Geistliche in der Familie und ich nahm an, dass er mir eher als jeder andere mit Wohlwollen begegnen könnte.

SZENE 4A

(MONTY steht im Hof der Kirche bei PFARRER LORD EZEKIEL D’YSQUITH, einem Mann von begrenztem Verstand, der gern dem Portwein zuspricht. 
 Die MUSIK blendet aus.)

PFARRER LORD EZEKIEL Selbstredend erinnere ich mich an Isabel! Bezauberndes Mädchen. Hat ihrem Vater das Herz gebrochen. Er und ich haben als Kinder immer die Sommer auf Highhurst verbracht. Himmlische Zeiten! Wirklich: himmlisch.

MONTY Ich fürchte, ich bin mit einem nicht unerheblichen Teil der Familiengeschichte gänzlich unvertraut. PFARRER LORD EZEKIEL Die Chorapsis wurde im Jahr 1621 hinzugefügt, vom Ersten Grafen persönlich. Erhalten sind drei Glasfenster aus dem späten 13. Jahrhundert, die das Martyrium der Hl. Ursula und ihrer elftausend Jungfrauen darstellen. MONTY

IC

Ah ja.

N

PFARRER LORD EZEKIEL Beachten Sie, wie vom Kämpfer des Bündelpfeilers auch Flechtrippen zum Gewölbescheitel geführt werden. Erkennbar Frühgotik des Early English. MONTY

Erkennbar.

PFARRER LORD EZEKIEL

Ich muss Ihnen den Turm zeigen!

(LORD EZEKIEL weist mit der Hand nach oben, während er MONTY die Treppen des Glockenturmes hinaufführt.)


25 MONTY Also darf ich auf Sie zählen, Hochwürden? Dass Sie bei den D’Ysquiths ein gutes Wort für mich einlegen? Vielleicht sogar beim Grafen selbst? PFARRER LORD EZEKIEL Oh nein, das kann ich leider wirklich nicht, nein. Ich habe beschlossen mich aus jeglichen familiären Ränkespielen herauszuhalten. Das ist für alle Beteiligten das Beste. MONTY

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(verblüfft)

Oh.

PFARRER LORD EZEKIEL Die Gurtbögen des Gewölbes sind im von den Zisterziensern eingeführten Stil spitzbogig statt rund. Doch statt eines offenen Strebewerks fängt hier die anglonormannische „mur èpais“ den Horizontalschub ab. 
 (Sie haben das oberste Geschoss, hoch oben im Glockenturm erreicht.)
 Der Glockenturm wurde erst später hinzugefügt, im Übergang von Decorated zum Perpendicular Style, wie Sie sehen. MONTY Was für eine herrliche Aussicht, Hochwürden Lordschaft! Können Sie in diesem speziellen Fall gewiss keine Ausnahme machen? Zugunsten meiner armen seligen Mutter, Ihrer Cousine? Oder aus Loyalität zu meinem Großvater, Ihrem Spielgefährten aus Kindheitstagen? PFARRER LORD EZEKIEL Nun, das ist das Problem, nicht wahr? Wenn Isabels eigener Vater es für richtig hielt, sie ob ihrer Sünde zu enterben, wer wäre ich, seinem Wunsch zu widersprechen?
 (mit der Hand weisend)
 Wenn Sie sich über die Brüstung lehnen, können Sie über sich die herrlichen Dekorationen und Blattmuster in den Wimpergen sehen. Ähnlich der Kathedrale von Bristol. MONTY Haben Sie denn … keinerlei christliche Nächstenliebe?

PFARRER LORD EZEKIEL

IC

Wie bitte?!

N

MONTY Was war denn Mutters gravierende Sünde? Doch nur die Liebe!

(LORD EZEKIEL lehnt sich rücklings weit über die Brüstung des Turmes und sieht hinauf, seine Sicherheit dabei völlig ignorierend.)

PFARRER LORD EZEKIEL Ja… — Nun lehnen Sie sich zurück, wie ich es tue. Sehen Sie den Einfalls- und Formenreichtum des Maßwerkes! Ist das nicht famos, wie—…
 (LORD EZEKIEL verliert die Balance)
 Ah … oh … ich … ich fürchte, ich bedarf kurz Ihrer Hilfe, bitte…


26 MONTY Natürlich, Euer Lordschaft. (MONTY nimmt seine Hand. In diesem Moment geht MONTY ein Licht auf. Die Zeit steht still. LORD EZEKIEL friert in äußerst gefährlicher Pose ein. MONTYs Hand ist das letzte, was den Geistlichen noch vorm sicheren Tod bewahren kann.) „DUMM“ (REPRISE)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

#7

MONTY (weiter)

(singt)
 DUMM, WENN ICH FIND, 
 DASS DAS SCHICKSAL IST?
 ZUFÄLLE SIND 
 IM SPIEL… ES WÄR SCHON KURIOS, 
 TEILT’ ER MUTTERS LOS,
 DIE DAMALS 
 SO TIEF FIEL…!

PFARRER LORD EZEKIEL Hilf mir, du anmaßender Möchtegern-Aufsteiger!

MONTY WAS WÜNSCHT’ ICH MIR VON DEN D’YSQUITHS? 
 NUR EIN WENIG SYMPATHIE!
 WAS WÜNSCHEN WIR ALLEN D’YSQUITHS? 
 (neuer Gedanke)
 DEN STURZ DER HIERARCHIE!

IC

ALLE ACHT SIND SIE ACHTLOS UND ARROGANT: 
 DIE TYPISCHE MELANGE! PFARRER LORD EZEKIEL

N

Ich flehe Sie an…!

MONTY WAS WILL ICH HIER VON DEN D’YSQUITHS? 
 ICH GÄB’ WAS DRUM, 
 UND SCHEINT’S AUCH DUMM:

PFARRER LORD EZEKIEL

Biiiitteee…!!!


27 MONTY ICH BITTE UM REVANCHE. (LORD EZEKIEL bewegt sich wieder. Es bedarf nur eines kleinen Nachhelfens von MONTY und der Geistliche fällt über die Brüstung. MONTY sieht ihm hinterher bis er dumpf auf dem Boden aufschlägt.)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

MONTY (weiter) BIN ICH AUCH DANN NOCH DUMM? #7A

„EIN KALTER WINTER IN CHIZZLEMERE“

N

IC

MONTY (weiter) (Einspielung, vorab aufgenommen) (zum Publikum)
 Es war ein recht windiger Tag in Lincolnshire, typisch für die Jahreszeit. Und es war unter seinen Schäfchen kein Geheimnis, dass Pfarrer Lord Ezekiel rauschfördernden Getränken nicht ganz abgeneigt war…


28 1. AKT
 5. SZENE Wir sind nun wieder in der Gefängniszelle. MONTY nimmt das Verfassen seiner Memoiren wieder auf.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

MONTY (weiter) (Einspielung, vorab aufgenommen) Hatte er es verdient? Aus meiner Sicht sprach einiges dafür. Eines jedoch war sicher: nämlich, dass in diesem Moment sich mein Leben für immer verändert hatte.
 (fährt nach einem Seufzer fort)
 Danach hatte ich eine ganze Reihe von zunehmend entwürdigenden Anstellungen. (MONTY setzt sich den Mützenschirm eines Buchhalters auf und nimmt seinen Platz an einem Schreibtisch ein. Zwei andere BUCHHALTER bringen ihm Dokumente zum Abstempeln.) 1. BUCHHALTER

Los, los, Navarro!

2. BUCHHALTER

Schneller stempeln!

1. BUCHHALTER Sonst stempelst du bald wieder im Arbeitslosenbüro.

(MONTY muss mit zugleich bedachtsam und rasend schnell arbeiten.)

N

IC

MONTY (Einspielung, vorab aufgenommen) Die Aussicht auf endlose Tage aussichtsloser Schinderei, nur damit andere Menschen davon reich werden, machte mich schaudern. 
 (kurze Pause)
 Menschen wie Asquith D’Ysquith, der mich so brüsk und herzlos vor den Kopf gestoßen hatte, als ich seinem Vater schrieb.
 (MONTY nimmt seinen Mützenschirm ab.)
 Ich fand heraus, dass dieser Lump sich die Hörner abstoßen wollte mithilfe einer gewissen Evangeline Barley…
 (EVANGELINE BARLEY, ein gewöhnliches Revuemädchen, erscheint Arm in Arm mit ASQUITH D’YSQUITH.)
 … die gerade in einer Music Hall in Hackney eines der Florodora Girls in der gleichnamigen leichten Revue gespielt hatte. Sehr diskret verfolgte ich ihr Kommen und Gehen. MISS BARLEY (zu ihrem Geliebten, verschwörerisch)
 Wir sehen uns dann am Samstag, Asquith?

ASQUITH JR. Unser Zug fährt um halb sieben an der Waterloo Station ab. Er dürfte nahezu leer sein… MONTY (Einspielung, vorab aufgenommen) Ich folgte ihnen in eine Winter-Ferienanlage nach Chizzlemere…


29 1. AKT
 6. SZENE Ein Hotel am Ufer eines Sees in Chizzlemere. ASQUITH JR. und MISS BARLEY sind warm eingehüllt in schicke Winterkleidung.
 Die Musik läuft als Underscore weiter.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

MISS BARLEY Stell dir vor, Asquith: drei ganze Tage zusammen am See. Das wird himmlisch, nicht? (MONTY beobachtet alles diskret aus der Distanz.)

ASQUITH JR. Chizzlemere ist wunderschön außerhalb der Saison! Und äußerst diskret: die Gästeliste weist eine erstaunliche Zahl von Decknamen auf. Ich hoffe, es macht dir nichts aus inkognito zu verreisen? MISS BARLEY Nie zuvor war ein Mann so besorgt um meine Reputation!

(MONTY nähert sich dem Paar. Die Musik blendet aus.)

MONTY Verzeihen Sie, Miss, aber kenne ich Sie nicht von irgendwoher? ASQUITH JR.

(brüskiert)
 Gewiss nicht! Was wollen Sie damit andeuten, Sie unbedeutender Schnösel?! (ASQUITH JR. zieht MISS BARLEY fort von MONTY)

MONTY Ich versichere Ihnen, ich wollte Sie nicht beleidigen.

N

IC

ASQUITH JR. Sie stammen wohl aus einem indischen Wellblechhütten-Slum, großgezogen von einem Palmwedel fächelnden Mulatten, wie? MISS BARLEY

(sieht etwas)
 Oh, sieh mal, Asquith! Die Leute laufen Eis auf dem See! Wäre das nicht ein Spaß? ASQUITH JR.

(desinteressiert)
 Zu schade, dass wir unsere Schlittschuhe nicht dabeihaben.

MISS BARLEY Wir können welche mieten! Gleich dort am Pier.


30 ASQUITH JR. Es wird etwas spät, findest du nicht?
 (suggestiv)
 Fast schon Zeit fürs Heia-Betti! MISS BARLEY Ach bitte, Assie! Bitte, bitte, ich würd so gern…!

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

ASQUITH JR. Also gut, mein Schnecklein! Sag, darf ich ein wenig meine Hände in deinem Muff wärmen? #8

„GIFT IN MEINER TASCHE“

ASQUITH JR. (weiter) ICH UND DU, KEIN MENSCH SIEHT ZU 
 UND KANN UNS DIE ZEIT HIER VERDRIESSEN.
 DISKRET, PRIVAT, DAS IST HIER ADÄQUAT: 
 WIR WOLL’N UNSER GLÜCK JA GENIESSEN.

WIR SCHAU’N NICHT RAUS AUS DEM SCHNECKENHAUS. 
 KEIN ALLTAG ERREICHT DIESEN ORT!
 SEIT’ AN SEIT’, 
 SO GLEITEN WIR ZU ZWEIT 
 GANZ AUF UNS GESTELLT 
 FRÖHLICH DURCH DIE WELT —
 UND FORT!

(Sie gleiten auf das Eis und davon, MONTY frustriert allein zurücklassend.)

N

IC

MONTY DA STEH ICH NUN, ICH TOR, MIT GIFT IN MEINER TASCHE, 
 MIR KOMMT VOR: GERADE JETZT ERHASCHE 
 ICH DEN LETZTEN BLICK 
 AUF DEN, DER MEIN GESCHICK 
 VERÄNDERN KANN. EINE CHANCE, DASS ICH DAS GIFT IN SEINE TASSE 
 SCHWARZTEE LEERE, WÄRE KLASSE, 
 ABER LEIDER TRIFFT MAN IHN IN RESTAURANTS 
 UND BARS HIER NIEMALS AN.

DRUM 
 WART ICH HIER AM PIER MIT GIFT IN MEINER TASCHE.
 OB ICH IM HOTEL IM LIFT IHN ÜBERRASCHE?
 DOCH ICH DENK MIR: EIN GETRÄNK 
 IM AUFZUG WIRKT SUSPEKT…


31 MONTY (weiter) KLAR, MIT EINEM MESSER GING ES SICHER GUT. ICH 
 MAG’S, VERMUT ICH, BESSER NICHT SO BLUTIG. 
 DESHALB WÄR ZUM SCHLUSS AUCH EIN GEWEHRSCHUSS 
 EINFACH NICHT PERFEKT.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

ANDRERSEITS:
 SEIN TOD IST DIE MISSION HIER, FRIEDE SEINER ASCHE!,
 EINZIGE OPTION: DAS GIFT IN MEINER TASCHE.
 KEIN PLAN B UND DAFÜR FAHR ICH SIEBEN STUNDEN ZUG…! MORD ALS HOBBY IST FÜR LEUTE, DIE NIE ZAUDERN.
 EISKALT MUSS MAN SEIN, DARF NIEMALS SCHAUDERN…
 (MONTY hat eine Idee.)
 DAS WÄRE EINE LÖSUNG. 
 HIER GIBT’S EIS, MEHR ALS GENUG!

(MONTY zieht sich flugs Schlittschuhe an, während ASQUITH JR. und MISS BARLEY ein hübsches Pas de deux aufs Eis legen.)

VÖLLIG UNERWARTET
 KOMM ICH SO AUF EINE NEUE MASCHE 
 UND ICH BRAUCH NICHT MAL DAS GIFT IN MEINER TASCHE! 
 DANK SIBELLA HABE ICH 
 DAS SCHLITTSCHUHLAUFEN JA GELERNT. MANCHMAL BRINGT DER ZUFALL LÖSUNGEN ZUWEGE 
 UND ZUFÄLLIG FIND ICH HIER AUCH EINE SÄGE…
 (MONTY greift in finsterer Absicht nach einer Säge)
 SCHNELL AUFS EIS, ICH WEISS: 
 DIE ZWEI SIND SCHON EIN STÜCK ENTFERNT!

N

IC

(MONTY macht eine elegante Bewegung und fährt dann eilends los, um ASQUITH JR. und MISS BARLEY einzuholen. Diese halten einander romantisch bei den Händen.)

MONTY ELEGANZ

UND AUCH ANMUT UND GRÖSSTE PRÄZISION!

ASQUITH JR. ELEGANZ UND AUCH
 ANMUT.
 
 GRÖSSTE PRÄZISION!

WENN MAN ETWAS WEIL MAN’S KANN TUT, DANN TUT MAN ES GEWISS ZUR PERFEKTION!

WENN MAN ETWAS WEIL MAN’S KANN TUT, DANN TUT MAN ES GEWISS ZUR
 PERFEKTION!

MISS BARLEY

AH-AH-AH-AH

AH-AAH…
 AH-AH-AAH! AH-AH-AH!
 AH-AH-AAH…
 AAH-AAH!


32 ASQUITH JR. (weiter) MISS BARLEY (weiter) ICH UND DU, (AH)
 
 KEIN MENSCH SIEHT ZU
 
 UND KANN UNS DIE
 
 ZEIT HIER VERDRIESSEN.

AH-AH,
 AH-AH-AH-AH-AH-AH,
 AH-AH-AH…

DIS-
 KRET, PRIVAT DAS IST HIER ADÄQUAT.

AH.
 AH.
 AH.
 AH…

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

MONTY (weiter) WIE ICH’S NUN BEGINN, IST ABZUWÄGEN. NUR DORT, WO DAS EIS SCHÖN DÜNN 
 IST, SOLLT’ ICH SÄGEN. DANN ENTSTEHT EIN LOCH UND WIRD DEN LIEBENDEN ZUM NASSEN GRAB.

WAS ICH TUE, IST SCHON DIABOLISCH UND ICH FÜHL MICH GAR EIN BISSCHEN MELANCHOLISCH…
 WERDE ICH GEBISSEN
 VOM GEWISSEN, DASS ICH SKRUPEL
 HAB?

N

IC

DOCH: NEIN!
 BIN ICH ZU MIR SELBER WIRKLICH EHRLICH, MERKE ICH: GEFÄHRLICH IST IM GRUNDE HERRLICH! WAS EIN BISSCHEN NERVENKITZEL DOCH AUS EINEM MENSCHEN MACHT! UNBENUTZT DAS GIFT IN MEINER TASCHE, WESHALB ICH DIE HÄNDE AUCH IN UNSCHULD WASCHE: SO EIN UNFALL KANN SCHON MAL PASSIER’N, GIBT MAN NICHT RICHTIG ACHT…

WIR WOLL’N UNSER
 GLÜCK JA

AH.

GENIESSEN.

AH-AH-AH-AH-AH-AH,
 AH-AH…

WIR SCHAU’N NICHT RAUS AUS DEM SCHNECKENHAUS. KEIN ALLTAG
 ERREICHT DIESEN ORT!

AH-AH-AH…

AH-AH-AH…
 AH-AH-AH…

AH!
 AH-AH,
 AH-AH-AH-AH-AH-AH,
 AH-AH-AH…

SEIT’
 AN SEIT’,
 SO GLEITEN
 WIR

ZU ZWEIT, GANZ AUF UNS
 GESTELLT,
 FRÖHLICH DURCH DIE
 WELT
 UND FORT…

AH-AH,
 AH-AH…

AH-AH-AH-AH-AH-AH,
 AH-AH-AH-AH-AH.


33 (MONTY fährt an dem verliebten PÄRCHEN, das sich seiner Anwesenheit nicht bewusst ist, vorbei und beginnt ein großes Loch ins Eis zu sägen.) ASQUITH JR. (weiter) GANZ AUF UNS GESTELLT 
 FRÖHLICH DURCH DIE WELT —

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(ASQUITH JR. und MISS BARLEY fallen durch das Loch im Eis und ertrinken im eiskalten Wasser.) MONTY

N

IC

UND FORT!
 SCHON ERSTAUNLICH: ALL DAS GEHT VIEL LEICHTER ALS GEDACHT!


34 1. AKT
 7. SZENE Man sieht MONTY in unheilvollem Halbdunkel. #8A

„QUÄLENDE ANGST“

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

MONTY (weiter) (Einspielung, vorab aufgenommen) Sehr spät am gleichen Abend kam ich in die Stadt zurück, von der quälenden Angst geplagt, ich könnte einen Hinweis hinterlassen haben, den irgendjemand früher oder später finden könnte. Ich tröstete mich, indem ich einen von Mutters unbeantworteten Briefen an Lord Asquith Senior las, in dem sie ihn um Nachsicht bat für eine Mutter, die einen Sohn alleine aufzuziehen hatte. Es war daher beinahe ein Schock, dass ich wenig später einen Brief von eben jenem Lord Asquith bekam.
 (er liest, nun wieder live gesprochen)
 „Sehr geehrter Mister Navarro, …“ (In einem Lichtkegel erscheint LORD ASQUITH D’YSQUITH, ein gramerfüllter, ältlicher Banker)

LORD ASQUITH „…vor einiger Zeit schrieben Sie, eine Verbindung zur D’Ysquith Familie behauptend, einen Brief, in dem Sie uns darum baten Ihnen zu helfen, Sie in eine Lage zu bringen, in der Sie ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten könnten. Ich bitte Sie unsere seinerzeit etwas teilnahmslose Reaktion zu entschuldigen. Sollten Sie noch immer einer Anstellung bedürfen, wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mit mir Kontakt aufnehmen würden…“ LORD ASQUITH & MONTY

„… Mit verbindlichen Grüßen …“

MONTY

N

IC

(sehr überrascht)
 „…Lord Asquith D’Ysquith.“ Senior.

SZENE 7A

(Das Bankhaus D’Ysquith. LORD ASQUITH D’YSQUITH wird sichtbar, an einem reich verzierten Schreibtisch sitzend)

LORD ASQUITH Treten Sie ein, Mister Navarro.
 (LORD D’YSQUITH betrachtet MONTY eingehend.)
 Sie sind anders als die D’Ysquiths, aber irgendetwas haben Sie…

(MONTY nimmt eine kleine Fotografie aus seiner Brusttasche und übergibt sie an LORD D’YSQUITH) MONTY Meine Mutter…


35 LORD ASQUITH Nun, wir sind einander kaum bekannt. Ein sehr liebliches Gesicht. Haben Sie je die Familienporträts auf Highhurst gesehen? MONTY (lügt)
 Nein.

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LORD ASQUITH Ihre Mutter gleicht einigen der Damen außerordentlich. Und genaugenommen auch einigen der Herren. Sie fragen sich vermutlich, warum ich mich plötzlich entschloss Ihnen zu schreiben? MONTY

Um ehrlich zu sein: ja.

LORD ASQUITH Ich weiß nicht, ob Sie gehört haben, dass ich jüngst meinen einzigen Sohn unter tragischen Umständen verloren habe. Ein Unfall beim Eislaufen. MONTY

Das habe ich. Mein aufrichtigstes Mitgefühl.

LORD ASQUITH Ich danke Ihnen. Sie wissen sicher, dass ich ihn auf meine Nachfolge vorbereitet habe. MONTY

Das wusste ich nicht.

(Ein schwieriger Moment für LORD ASQUITH, der nicht gewohnt ist, seine Gefühle offen zeigen zu können.)

N

IC

LORD ASQUITH Nun, das ist jetzt hinfällig. Geschehenes lässt sich nicht ungeschehen machen. Ich habe mich gefragt, ob Sie sich bereit erklären würden in meine Firma einzutreten.
 (MONTY ist perplex.)
 Sie könnten nirgendwo eine bessere Ausbildung in Sachen Aktienhandel genießen. Darüber hinaus kann ich allerdings keinerlei Versprechungen machen. MONTY Lord D’Ysquith, ich weiß nicht, was ich sagen soll…!

LORD ASQUITH Als Anfangsgehalt bekämen Sie 250 Pfund per annum.

MONTY Das ist ein sehr großzügiges Angebot, zumal Sie die Kosten meiner Ausbildung übernähmen.


36 LORD ASQUITH Hier ist ein Scheck über zwanzig Pfund. Sie werden Ihre Garderobe ergänzen wollen… Ich erwarte Sie hier morgen früh um neun. #8B

„KLEIDER MACHEN LEUTE“

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(Ein oder mehrere SCHNEIDER hilft/helfen MONTY in ein Jackett, das seinem neuen Status besser entspricht. Dann betritt MONTY SIBELLAs Wohnung. Die Musik blendet aus.)

SZENE 7B

MONTY

Sibella…!

(MONTY und SIBELLA umarmen einander.)

SIBELLA Oh Monty, ich habe wundervolle Neuigkeiten! Naja … vielleicht siehst du das anders. Ich bin verlobt! Mit Lionel Holland. (MONTY löst die Umarmung und bemüht sich hiervon ungerührt zu erscheinen.)

MONTY Das überrascht mich nicht. Es war … vorhersehbar. Ich wünsche euch beiden selbstverständlich das beste. SIBELLA Ich hoffe sehr, du wirst zur Hochzeit kommen? Sie ist am 11. Mai.

IC

MONTY Ich werde es in meinem Terminkalender vermerken.

N

#9

„O MONTY!“

SIBELLA

(singt)
 WIE DIE ZEIT VERGEHT!
 WIE DER WIND SICH DREHT!
 ALLES VERÄNDERT SICH…!
 MONTY, WAS WIRST DU TUN OHNE MICH? O MONTY! 
 SO SCHLAU UND SCHICK, UNERHÖRT!
 O MONTY, 
 DRUM GLAUBE ICH:


37 SIBELLA (weiter) OHNE SIBELLA WIRD HELLER DER WALD. 
 DU FINDEST BALD 
 EINE BESSRE FÜR DICH!

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O MONTY, 
 BIST DU AM BODEN ZERSTÖRT?
 O MONTY, 
 DAS GEHT VORBEI! BALD HEILT DIE ZEIT 
 KUMMER UND LEID
 UND DANN BIN ICH DIR TOTAL EINERLEI!

MONTY, SIE WIRD HINREISSEND SEIN, 
 DEINE KLEINE. 
 EINE FEINE!
 DANN MACHT ALLES SINN, GOTT SEI DANK!

SIE IST PRAKTISCH: 
 KANN KOCHEN, KANN NÄHEN, 
 GRAS SÄEN UND AUCH MÄHEN, 
 EINE ERBSCHAFT LIEGT FEST AUF DER BANK! O MONTY, 
 IHR BEWOHNT EIN HÄUSCHEN, IHR ZWEI.
 UND, MONTY: 
 BALD SEID IHR DREI. ES GEHT BERGAUF: 
 DU BESITZT BALD DARAUF
 (MIT EIG’NEM VERKAUF!) 
 EINE KONDITOREI.

N

IC

UND ICH WERDE STUMM, 
 WENN ICH DICH SO SEH, 
 DENK MIR, WIE DUMM 
 ICH DOCH WAR: OH JE!

MONTY Wie es der Zufall will, habe auch ich Neuigkeiten.

SIBELLA

Ach.

MONTY Lord Asquith D’Ysquith hat mir eine Stelle beim Bankhaus der Familie angeboten. In der Stadt. Bei durchaus annehmlicher Entlohnung.


38 (SIBELLA ist einigermaßen erstaunt) SIBELLA Also war es tatsächlich die Wahrheit, was du erzählt hast. MONTY Du hättest nie daran zweifeln dürfen.

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SIBELLA Du bist erwachsener geworden, Monty. Nicht äußerlich, da bist du der Junge wie eh und je. Aber du wirkst plötzlich, als hättest du keinerlei Sorgen im Leben.
 (MONTY macht Anstalten sie zu küssen, hält sich dann aber zurück.)
 Willst du mich nicht küssen? MONTY (genießt diese Veränderung im Kräfteverhältnis)
 Und was ist mit Lionel?

SIBELLA

Was soll mit ihm sein?

(Sie küssen einander.)

MONTY Sibella, es wäre sinnlos so zu tun, als würde ich nicht den Boden anbeten, auf dem du gehst…! SIBELLA

Monty, nicht…!

MONTY Ich geb nicht auf, Sibella! Lauf mit mir fort! Jetzt gleich. SIBYLLA

Quäle mich nicht, Monty, bitte!

N

IC

(Sie löst sich und eilt davon.)

SZENE 7C

(MONTY beobachtet, wie SIBELLA mit einem Brautschleier wie zum Altar durch ein Spalier von HOCHZEITSGÄSTEN schreitet.) SIBELLA (weiter)

(singt)
 WIR WER’N HINREISSEND SEIN, VORM ALTAR:

HOCHZEITSGÄSTE

AH-AH-AH…


39 SIBELLA (weiter) WELCH EIN PAAR! IN DAMAST, ES SCHEINT FAST KÖNIGLICH!

AH-AH,
 AH-AH,

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

UND GANZ 
 KENSINGTON IMITIERT UNS, HASST UND HOFIERT UNS, MAN TUT WAS, 
 DENN WIR TUN’S: LIONEL UND ICH.

HOCHZEITSGÄSTE AH-AH-AH,
 AH-AH-AH,
 AH,
 AH.

SIBELLA (weiter)

O LIONEL,
 DANN WIRST DU SACHLICH UND RUHIG.
 O LIONEL, 
 VOLL RENOMMEE; SEHR GENERÖS 
 UND SEHR SERIÖS, 
 GANZ UNPRÄTENTIÖS…
 ACH, WELCH EIN KLISCHEE!

N

IC

TROCKEN WIE SAND, 
 GRAU WIE EIN ELEFANT: 
 UNINT’RESSANT…
 OH WEH!

AH-AH,
 AH.


40 1. AKT
 8. SZENE MONTY ist wieder in seiner Gefängniszelle. #9A

„MONTYS IMMATRIKULATION“

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

MONTY (Einspielung, vorab aufgenommen) Ich dachte, ich hätte Sibella für immer verloren. In meinem Liebeskummer wandte ich mich wieder Mutters Briefen zu. „Da Sie als ein D’Ysquith den Vorzug haben in Cambridge studieren zu können“, schrieb sie an ihren jungen Cousin Henry, „können Sie sicherlich die Nachteile einschätzen, mit denen mein Sohn Montague zu kämpfen haben wird, wenn er nicht immatrikulieren darf.“ (HENRY D’YSQUITH [30], ein Grundherr und Landjunker, fährt auf einem Tretroller in Richtung der Dorfschänke in Salisbury.) HENRY

Hallo Vögel! … Hallo Himmel!

MONTY (Einspielung, vorab aufgenommen) Für Henry D’Ysquith war ein Universitätsabschluss freilich ausschließlich eine Frage des Anstandes, da er qua Geburt ein Leben voller Freizeit genießen wird.

SZENE 8A

(MONTY betritt das Gasthaus, gerade rechtzeitig um Zeuge eines Streits zu werden, der zwischen TOM COPLEY, einem Bauern, und HENRY ausgebrochen war.)

COPLEY Nur weil Ihnen und Ihrer Schwester das halbe Land gehört, haben Sie noch nicht das Recht mir meinen Grund unterm Hintern wegzukaufen, der seit Generationen der Familie meiner Frau gehört!

IC

(Die MUSIK endet.)

N

HENRY Ich fürchte, Sie haben Ihr Land an die Bank verloren, mein Freund, nicht an mich. (COPLEY packt HENRY beim Kragen.)

COPLEY Ich bin nicht dein Freund, du egoistischer Lackaffe!

HENRY Ho! Vielleicht sollten wir uns wieder ein wenig beruhigen…


41

(COPLEY will HENRY gerade einen Schlag versetzen, als MONTY geschwind zwischen die beiden tritt.) MONTY Lassen Sie diesen Mann los, oder ich muss einen Gendarmen rufen.

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(MONTY bekommt nun mit voller Wucht den Faustschlag ab und geht taumelnd zu Boden.) HENRY

Sehen Sie nur, was Sie angerichtet haben!

(Der WIRT und ein weiterer GAST packen COPLEY und halten ihn fest, während HENRY ihn mit einem Handschuh abwechselnd auf beide Wangen schlägt.)

HENRY (weiter) Und nun verschwinden Sie, bevor ich Anzeige gegen Sie erstatte! WIRT

Okay, raus hier, Tom.

(COPLEY schreit wütend in Richtung HENRY, während er aus dem Gasthaus geworfen wird.)

COPLEY Mit dir bin ich noch nicht fertig, D’Ysquith! Ich seh dich noch von deinem hohen Ross stürzen!

HENRY Mit Drohungen werden Sie gar nichts erreichen, Sir!
 (allgemein in die Runde:)
 Ich lasse das ganze Land zwangsvollstrecken, wenn es mir beliebt. Es wird Zeit, dass die Bauern endlich selbst Verantwortung für ihr Dasein übernehmen!
 (er hilft MONTY auf)
 Geht es Ihnen gut? MONTY

N

IC

Ich denke, ich werde es überleben.

(HENRY reicht MONTY seinen Handschuh, um ihn gegen die Wunde zu halten.)

HENRY Ich muss schon sagen, Sportsfreund, das war ungemein edelmütig von Ihnen, so dazwischenzugehen. MONTY

Das war doch nicht der Rede wert.

HENRY Sie sind aus der Stadt, richtig?


42 MONTY Wie haben Sie das erraten? HENRY Oh, das sieht man doch! Die Art, wie Herren aus der Stadt sich kleiden: modisch um ein My überzeichnet, was einen liebenswerten Charakter verrät. Die Burschen auf dem Land finden es nicht anständig, wenn man zu gut angezogen ist, aber das ist nichts als Kuhmist.
 (HENRY weist auf seinen Tisch.)
 Wie wäre es, wenn ich uns eine Runde spendiere?

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WIRTSGATTIN

Kommt sofort.

HENRY Das geringste, was ich Ihnen schuldig bin für Ihre Tapferkeit zugunsten eines völlig Fremden. MONTY

Das hätte doch jeder getan.

HENRY

Übrigens: D’Ysquith mein Name. (MUSIK setzt ein.)

MONTY

Navarro. #10

„MÄNNER UNTER SICH“

HENRY WENN EIN MANN ALLEINE NICHT MEHR WEITER WEISS,
 WEISS ER DOCH, WER SICHER HELFEN KANN:
 HILFE KOMMT GEWISS AUS DEM GEFÄHRTENKREIS,
 DENN WAS ‚MANN‘ BRAUCHT, WEISS NUR EIN ANDRER MANN!

N

IC

UND WENN VOR DRUCK MAN SCHIER AUF SEINE KNIE FÄLLT:
 MIT OFFNEN ARMEN TRITT EIN FREUND VOR DICH,
 DER SICH ZU DIR GESELLT,
 SCHÜTZEND SICH VOR DICH STELLT
 UND DIR DIE STANGE HÄLT…
 HACH! MÄNNER UNTER SICH! MONTY

MÄNNER UNTER SICH!

HENRY Dann stimmen Sie mir zu, mein Freund?


43 MONTY In der Tat, ja.

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(singt)
 WENN EIN MANN SICH SCHLAPP FÜHLT ODER EINSAM IST:
 EIN GLEICHGESINNTER FINDET SICH IM NU!
 HALB SO SCHWER DIE LAST, WENN MAN GEMEINSAM IST!
 MAN SETZT SICH HIN 
 BEIM GIN 
 UND IST PER DU. DAS GLEICHE GILT, ERLEBST DU EINEN HÖHEPUNKT:
 DA LÄSST EIN KERL DEN ANDREN NICHT IM STICH!
 DENN WENN DER KORKEN KNALLT
 UND LUSTVOLL GESANG ERSCHALLT,
 DANN HERRSCHT ZUSAMMENHALT!
 ACH! MÄNNER UNTER SICH…! HENRY

MÄNNER UNTER SICH… MONTY FRAUEN SIND 
 OFT RECHT LIEBENSWERT.

HENRY

FRAUEN SIND
 OFT RECHT
 LIEBENSWERT.

HENRY (weiter) ICH GEH NICHT INS DETAIL…

HENRY & MONTY DOCH WENN EIN FREUND DIR TREUE SCHWÖRT, HENRY

N

IC

DAS IST GANZ ZWEIFELSFREI 
 ZWEIERLEI!

MONTY FRAUEN SIND WIE EIN BALDACHIN: 
 EIN ORT, WO MAN VERSCHNAUFEN KANN. HENRY DOCH FÜHLT MAN SICH ERST MASKULIN,

HENRY & MONTY WENN MAN SICH AUCH MAL RAUFEN KANN.

(HENRY und MONTY balgen sich kurz scherzhaft, machen Armdrücken o.dergl.)


44 MONTY

HENRY MANN UND FRAU, 
 DAS LÄUFT NICHT IMMER
 HOMOPHON
 UND KOLLISIONEN
 DROH’N,

MANN UND FRAU, BEDEUTET HÄUFIG KONFUSION,

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

HENRY & MONTY DAS WEISS MAN LANGE SCHON! HENRY EHEMÄNNER WISSEN EINES GANZ KONKRET:

MONTY DAMIT DIE LIEBE FORTBESTEHT, BRAUCHT’S DISKRETION.

HENRY (weiter) DAMIT DIE EHE FORTBESTEHT
 BRAUCHT’S DISKRETION.

DOCH EIN KAMERAD, GEIST, DER STETS BEJAHT, IST OBLIGAT: ER HAT FORMAT, IST FAST DEIN DUPLIKAT!

DOCH EIN KAMERAD,
 EIN GEIST, DER
 STETS BEJAHT
 UND DER RAT
 UND TAT
 PARAT
 HAT,
 HILFT DIR ADÄQUAT.

HENRY & MONTY SCHON ALS BUB IM INTERNAT, DA DACHTE ICH: MONTY

HENRY (weiter) FRAU’N SIND EIN GIFTGEWÄCHS!

LAUNENHAFT UND KOMPLEX!

N

IC

HENRY & MONTY DAS WUSST’ ICH SCHON MIT SECHS…! MONTY

HENRY (weiter) TJA: MÄNNER UNTER SICH…

MÄNNER UNTER SICH.

MÄNNER UNTER SICH.

HENRY & MONTY

MÄNNER UNTER SICH! (gesprochen:)

Und jetzt ex!


45

1. AKT
 9. SZENE Am Ende des Liedes befinden sich MONTY und HENRY auf dem Grundstück von Henrys Landsitz.

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MONTY Ich denke, vielleicht sollten Sie wissen, wer ich bin. HENRY

Sie sind kein Krimineller, nehme ich an?

MONTY

Nicht ganz. Ich bin ein Cousin von Ihnen.

(HENRY sieht ihn ausdruckslos an.)

HENRY

Ein Cousin?

MONTY Ja. Wir hatten einen gemeinsamen Ur-Urgroßvater: Danforth D’Ysquith. Meine Mutter war eine D’Ysquith. Mein Vater war … aus Kastilien. Und, schlimmer noch: ein Musiker. HENRY Na und? Das spielt keine Rolle. Adel verpflichtet, wie man so schön sagt.

MONTY Dennoch, es ist gut, dass Sie es wissen. Und vielleicht wird Ihre Schwester nun kein Bedürfnis mehr verspüren mich zu verköstigen.

N

IC

HENRY Meine Schwester? Oh, die wird sich gesittet benehmen. Kommen Sie! Ich muss sagen, ich bin sehr erleichtert jemanden für eine Konversation hier zu haben. Ich habe ein, zwei Kameraden, die alle 14 Tage einmal hereinschauen, aber derzeit ist es wie ausgestorben. MONTY

Vielleicht sollten Sie in die Stadt ziehen?

HENRY Oh, ich habe ein Haus in London. Aber Samstag bis Montag bin ich hier. Meine Schwester führt für mich den Gutshof.


46

SZENE 9A (Sie erreichen eine kleine, etwas heruntergekommene Holzhütte.) HENRY (weiter) Ah, hier sind wir. Ich freue mich, Ihnen meine Königin und ihre Arbeiter vorzustellen.

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MONTY Es wird mir eine Ehre sein Ihre Gattin kennenzulernen.

HENRY Nein, nein! Meine Gattin ist in London und kommt nur selten nach Salisbury. Ich sprach von meinen Bienen. Hier sind meine Bienenstöcke.
 (Außen an der Holzhütte befinden sich einige Kästen, darin die Bienenbeuten in Rähmchen. In den Kästen schwirren tausende von Bienen herum.)
 Ich habe eine geradezu zwanghafte Leidenschaft für die Imkerei entwickelt. Sie erscheint mir unendlich faszinierend. Und so ergreifend. MONTY

Ich hätte wohl Angst gestochen zu werden.

HENRY

Oh, kein Grund zur Sorge. Sehen Sie her!

(Henry schlüpft in ein Paar langer Imkerhandschuhe und setzt sich einen Bienenhut auf. Er öffnet eine Klappe im Schleier um sein Gesicht zu zeigen.) HENRY (weiter)

Ein kleiner Stich bringt Sie nicht um.

MONTY Ich nehme an, im Laufe der Zeit wird man einigermaßen resistent, richtig?

N

IC

HENRY In der Tat. Ich wage zu behaupten, es bräuchte schon ein-hundert Bienenstiche um mich zu töten. (MONTY blickt für einen Moment ins Publikum…)

#10A „EINHUNDERT BIENEN“

MONTY Könnte man an zu zahlreichen Bienenstichen tatsächlich … umkommen?

HENRY Ist erst voriges Jahr einem Kerl in Surrey passiert. Stand in allen Zeitungen. Kommen Sie! (HENRY verschwindet in der Hütte und MONTY wendet sich an das Publikum. 
 Underscore setzt die MUSIK ein.)


47 MONTY (Einspielung, vorab aufgenommen)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(zum Publikum)
 Ich hatte mich bei diesem Bienenzüchter so beliebt gemacht, dass an einem der folgenden Wochenenden bald wieder als Gast eingeladen wurde. Dazwischen lag genug Zeit um mich fachlich ein wenig weiterzubilden, zum Beispiel über die enorme Anziehungskraft, die der englische Lavendel als Trachtpflanze auf die gemeine Honigbiene ausübt…
 (MONTY holt einen Zerstäuber hervor und sprüht ein paar Pumpstöße Lavendelöl herum.)
 Bei meiner Rückkehr nach Salisbury stattete ich bei der ersten sich bietenden Gelegenheit dem Bienenhaus einen Besuch ab. (MONTY sprüht Lavendel in HENRYs Imkerhut, und als er wieder aus dem Bienenhaus herauskommt, steht er plötzlich vor PHOEBE D’YSQUITH [in ihren 20ern, wunderschön und ernst], die im Garten Rosenknospen gesammelt hatte.) PHOEBE

Oh…!

(Liebe auf den ersten Blick?)

MONTY & PHOEBE

(gleichzeitig)

Oh…

(Die MUSIK blendet aus.)

MONTY

Bitte um Verzeihung…
 (vornehm)
 Miss D’Ysquith, wenn ich nicht irre?

PHOEBE

Und Sie sind…?

N

IC

MONTY Mister Navarro. Aber, bitte: nennen Sie mich Monty!

PHOEBE

Mein Bruder sagte mir, Sie sind ein Cousin?

MONTY

Ja. Meine Mutter war Isabel D’Ysquith.

PHOEBE Isabel… Verzeihen Sie, aber ich kann mich nicht entsinnen je von ihr gehört zu haben. MONTY Soll ich Ihnen erklären, warum?


48 PHOEBE Ich bitte darum. MONTY Wissen Sie: man empfand meinen Vater als … unziemlich. Aber da meine Mutter aus Liebe heiratete und nicht des Geldes oder Grundbesitzes wegen—… PHOEBE

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

…wurde sie verstoßen. MONTY Ohne einen einzigen Penny. Und seither so getan, als ob wären sie oder ich niemals geboren worden. PHOEBE

Ach, Mister Navarro…!

MONTY Ich hatte Ihren Bruder gewarnt, dass Sie mich möglicherweise nicht empfangen werden wollen… PHOEBE Im Gegenteil! Daran bin ich ausgesprochen interessiert! Was für eine wunderbare Geschichte! Entsetzlich, freilich, aber doch schön: sie hat es gewagt aus Liebe zu heiraten! Und war Ihr Vater vermögend, oder waren Sie mehr oder minder mittellos?
 (MONTY zögert…)
 Verzeihen Sie mir! Henry schilt mich oft ob meiner Taktlosigkeit.

MONTY Keine Ursache. Nein, mein Vater hinterließ uns nichts. Er starb, als ich noch sehr jung war. Aber wir kamen irgendwie gerade so über die Runden, meine Mutter und ich.

N

IC

PHOEBE Wenn ich daran denke, welche Erniedrigung Sie erleiden mussten…! Vermutlich sind sie der gesamten Oberschicht in herzlicher Abneigung zugetan.
 (sich selbst tadelnd)
 Oh nein! Nicht schon wieder! Jetzt beginne ich schon Vermutungen über Sie anzustellen, obwohl ich nichts mehr hasse, als wenn das jemand bei mir tut!
 (PHOEBE setzt sich auf eine wein- und blumengeschmückte Schaukel.)
 Ich weiß, es wird im Dorf über mich geredet. Sie sehen dieses Mädchen: wohlhabend und aus einer einflussreichen Familie, dazu nicht unattraktiv, und nehmen deshalb an—… Naja: sie nehmen eine ganze Menge an! 
 (Musik setzt ein.)
 Die Wahrheit ist: keiner von denen kennt mich wirklich. Keiner weiß, wer ich wirklich bin. #11

„UMGEKEHRT“

PHOEBE (weiter) (singt)
 DIE AUSTER MAG SICH AUSSEN GLANZLOS KLEIDEN: 
 SIE TRÄGT DIE PERLE INNERLICH.


49 PHOEBE (weiter) EIN MANN WIRKT SPARSAM, EINFACH UND BESCHEIDEN 
 UND TRÄGT DOCH BLAUES BLUT IN SICH!

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

UND EINE FRAU KANN FEST IM LEBEN STEHEN
 UND IST DOCH SANFT, EMPATHISCH UND GELEHRT.
 MAN KANN DAS ÄUSSRE, NICHT DAS INNRE SEHEN,
 DOCH BESSER WÄR’S OFT …
 UMGEKEHRT! MONTY Sie haben eine erfrischende Art die Dinge auszudrücken, Miss D’Ysquith.

PHOEBE DAS ZARTE MAIGLÖCKCHEN ALS BLUMENSORTE
 ERSCHEINT APART, WENN MAN ES TRIFFT.
 DOCH STEHT MAN JÄHLINGS AN DER HIMMELSPFORTE,
 NIMMT MAN EIN WENIG NUR VON SEINEM GIFT.

OFT IST EIN MANN, DER NOBEL WIE EIN ZAR IST,
 TATSÄCHLICH RUCHLOS UND VERACHTENSWERT.
 MAN SIEHT, WAS SCHÖN IST, LEICHT, UND SCHWER, WAS WAHR IST,
 DOCH BESSER WÄR’S OFT … UMGEKEHRT. MEIN GLÜCK, ES WÄR KOMPLETT,
 WENN ICH DIE GABE HÄTT’,
 ZU SEHN, WER NETT IST: 
 EINFACH AM GESICHT!

ICH HÄTT’ AUF DIESE ART 
 MIR SCHON VIEL SCHMERZ ERSPART
 UND WÜSST’, WER EHRLICH IST, WER NICHT.

N

IC

MONTY Ich habe das so oft schon genauso empfunden!

(MONTY gesellt sich zu ihr auf die Schaukel und sieht ihr in die Augen.)

PHOEBE DOCH EINST KOMMT EINER, DER IST FÜR MICH RICHTIG
 UND ER VERSPRICHT: ICH GEB DIR ALLES HIN!
 DENN IHM SIND MATERIELLE DINGE GAR NICHT WICHTIG
 UND ER ERKENNT MICH, WIE ICH WIRKLICH BIN:

(Aus Angst vor ihren Gefühlen erhebt sich PHOEBE aus der Schaukel.)


50 PHOEBE (weiter) ICH LIEBE SHAKESPEARE UND BELCANTO-ARIEN,
 DESCARTES UND KANT VERSTEH UND ACHTE ICH.
 UND DIE GESELLSCHAFTLICHEN REGULARIEN,

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

DIE HALT ICH, GANZ DISKRET: 
 FÜR OBSOLET!
 DRUM, WAS DEN IDEALEN MANN ANGEHT:
 ER NIMMT DIE WELT, DIE AUF DEM KOPFE STEHT
 UND KEHRT SIE UM FÜR MICH.

(MONTY ist inzwischen zu PHOEBE getreten. Im Hintergrund tritt HENRY auf, winkt MONTY aufmunternd zu, setzt sich seinen Imkerhut auf und geht wieder ab, um sich um seine Bienen zu kümmern.)

PHOEBE (weiter) MAN LEBTE UNBESCHWERT, MONTY

WÄR MANCHES UMGEKEHRT!

PHOEBE & MONTY DAS WÄR EIN UNERMESSLICHER GEWINN! PHOEBE

DIE LETZTEN HÄTTEN’S GERN.

MONTY

WEIL SIE DIE ERSTEN WÄR’N.

(Im Hintergrund rennt HENRY wie verrückt im Garten auf und ab, als ob ihn die Bienen in seinem Bienenhut fortwährend erbarmungslos stächen.) PHOEBE

ANDERSRUM…!

IC

MONTY

N

ICH GÄB’ WAS DRUM!

PHOEBE & MONTY DAS WÄR EIN GROSSES GLÜCK.

(HENRY rennt weiterhin panisch herum. PHOEBE und MONTY bemerken ihn nicht.)

FALSCHE WÄREN ECHT.
 BÖSE WÄR’N GERECHT. (HENRY sinkt schließlich zu Boden und krümmt sich in Todesqualen.) SÄHE MAN DIE WAHRHEIT AUF DEN 
 ALLERERSTEN BLICK,


51 (Der Kampf ist ausgestanden. HENRY stirbt.) PHOEBE DANN MACHTE ALLES SINN. (PHOEBE bemerkt nun ihren auf dem Rasen zusammengebrochenen Bruder und schreit entsetzt auf.) PHOEBE (weiter)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

Henry!

(PHOEBE fällt in Ohnmacht.)

#11A „DIE MINDERBEMITTELTEN VON LONDON“ (MONTY wendet sich ans Publikum.)

MONTY (Einspielung, vorab aufgenommen) Natürlich tat ich, was ich konnte, um sie zu trösten. Ich muss gestehen, dass es mir bei der Beerdigung erstmals auffiel, dass ich, sollte ich mein Ziel erreichen und tatsächlich Graf werden, keine geeignetere Frau als meine Gräfin finden könnte als Miss Phoebe D’Ysquith.
 (vertraulich:)
 Unnötig zu sagen, dass ich sehr erleichtert war, dass Miss D’Ysquith zwar eine Frau der gleichen Generation wie ich, in der Erbfolge aber nicht vor mir gereiht war…

SZENE 9B

(MONTY ist wieder in seiner Gefängniszelle.)

MONTY (weiter) (Einspielung, vorab aufgenommen) Jedoch gab es Frauen aus meiner Mutter Generation, die vor mir gereiht waren. Als junges Mädchen stand Mutter ihrer Cousine Hyacinth ausgesprochen nah.

N

IC

(Auftritt LADY HYACINTH D’YSQUITH, eine Frau von vorgerücktem Alter und ziemlich humorlos. Sie hat eine Schärpe über der Brust und trägt ein Schild mit der Aufschrift „Bildung für die Blöden!“)

MONTY (weiter) (Einspielung, vorab aufgenommen) Inzwischen eine unverheiratete Frau vorgerückten Alters, hat ihre jüngste Wohltätigkeitsunternehmung ihr einen Spitzenplatz in der Hackordnung der gehobenen Gesellschaft gesichert. (Die Musik bricht ab als LADY HYACITH ihr Schild umdreht um zu offenbar, was auf der Rückseite steht: „Gemeinsam für Idioten und Schwachsinnige!“)

LAYDY HYACINTH Ich stehe mit Stolz den Minderbemittelten des Großraums London vor!


52 (Die MUSIK setzt wieder ein.) MONTY (Einspielung, vorab aufgenommen) Lady Hyacinth hatte buchstäblich ein Monopol auf die Geistesschwachen. Aber ihre ehrenhaften Bemühungen zerbröckelten auf skandalöse Weise, als sich herausstellte, dass deren Nutznießer alles andere als dämlich waren…

N

IC

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(Die MUSIK blendet aus.)


53

1. AKT
 10. SZENE Mayfair. LADY HYACINTH

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(entsetzt:)
 Die Spendeneinnahmen eines ganzen Jahres gestohlen?!

(LADY HYACINTH bespricht sich mit KOLLEGEN bei einem Krisentreffen ihrer Wohltätigkeitseinrichtung: MR. CROSS, MRS. HETHERINGTON, MRS. PEBWORTH, MR. GOODSALL, MISS HAYES und DR. BROWNLEE.)

LADY HYACINTH (weiter) Wenn ich mich in der vornehmen Gesellschaft je wieder zeigen möchte, muss ich mir eine neue gute Sache suchen und zwar schnell. Na? Na? Irgendwelche Ideen? #12

„LADY HYACINTH AUF REISEN“

MR. CROSS

(gesungen)
 BLINDE HAT SCHON LADY POTTS.

MRS. HETHERINGTON UND DIE ALTEN MARGARET HYDE. LADY HYACINTH UND WAS IST MIT SEEMANNSWITWEN?

MISS HAYES & DR. BROWNLEE DAISY GREVILLE, TUT UNS LEID!

N

IC

LADY HYACINTH „KRÜCKEN FÜR DIE KRÜPPEL“?

MRS. PEBWORTH MRS. HEDGEHOG UND MISS HARE. LADY HYACINTH „KUR’N FÜR BERGWERKSKUMPEL“? MR. GOODSALL DAISY GREVILLE, EINMAL MEHR.

LADY HYACINTH AMPUTIERTE?


54 KOLLEGEN DAISY GREVILLE. LADY HYACINTH EIN GEFALLNE-MÄDCHEN-HAUS? KOLLEGEN DAISY GREVILLE.

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LADY HYACINTH

BEULENPEST? 
 ICH WEISS SCHON:
 AUCH DA IST SIE VORAUS!

WER SIND MEINE SCHÄFCHEN?
 IST DENN ECHT SCHON ALLES WEG?
 WAS GIBT’S ZU TUN FÜR MICH?
 UND WELCHEN GUTEN ZWECK?

KOLLEGEN

WELCHEN GUTEN ZWECK?

MONTY

(gesprochen)
 Verzeihen Sie, Miss D’Ysquith…

LADY HYACINTH

Ja? Was gibt’s? Raus damit!

MONTY Baron Philpot, Madam. Vom Außenministerium.
 (aufgrund ihres verwirrten Blickes)
 Wir trafen einander letzten Monat auf dem Ball der Schwindsüchtigen. LADY HYACINTH

IC

(erinnert sich nicht)
 Oh ja. Offenbar geht es Ihnen inzwischen viel besser.

N

MONTY Wenn ich mir erlauben dürfte: ich hörte jüngst von einer schrecklichen Armut in Ägypten.

LADY HYACINTH Ägypten? Hmmm. Land der Pharaonen. Und Moses, des Israeliten. Schauplatz der großen Pyramiden. Und der Sphinx…

MONTY Und heute ein Schauplatz von Hunger und Krankheit, mit verzweifelten und verlassenen Kindern. Ein Land, das dringend eine Heldin braucht, eine — wenn ich so sagen darf — moderne Kleopatra!


55 LADY HYACINTH Das ist es!

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(gesungen)
 BEVÖLKERN WIR EIN WAISENHAUS IN KAIRO!
 MIT ALL DEN FINDELKINDERN AUS DEM NIL.
 DENN DORT SETZT MAN SIE AUS. 
 WIR FISCHEN SIE DANN RAUS,
 SAMT WEIDENKORB, ES IST EIN KINDERSPIEL! KOLLEGEN

EIN KINDERSPIEL!

LADY HYACINTH DAS SPRICHT SICH SCHNELL HERUM, SOGAR BIS LONDON. KOLLEGEN

BIS LONDON!

LADY HYACINTH ICH WERD ALS MUTTER HYACINTH BEKANNT. KOLLEGEN

HURRA!

LADY HYACINTH DANN WERDEN IM EMPIRE
 MIT GROSSER JUBELFEIER
 DIE WAISENHÄUSER RINGS NACH MIR BENANNT.

(gesprochen)
 Alle an Bord des Luxor-Express nach Kairo!

(LADY HYACINTH marschiert mit ihren KOLLEGEN davon. 
 MUSIK weiter Underscore.)

N

IC

MONTY (Einspielung, vorab aufgenommen) Und weg war sie! Was ich versäumt hatte ihr zu sagen, war, dass dort unten ein gewalttätiger Aufstand gegen das Empire im Gange war und die Lage für britische Bürger höchst unsicher war.
 (nach einer kurzen Pause)
 Sie können sich meine Überraschung vorstellen, als Lady Hyacinth wenig später bei bester Gesundheit nach London zurückkam. (LADY HYACINTH kommt zurück, mitsamt ihren erschöpften KOLLEGEN.)

LADY HYACINTH Oh, Baron! Unvorstellbar! Diese Erniedrigung! Diese Entehrung! MONTY Was ist mit den Kindern?


56 LADY HYACINTH Bettler und Diebe, alle miteinander! Man stelle sich vor: bleiben bei „God Save The King“ sitzen!
 (zu ihrem GEFOLGE)
 Wo würde meine Freigebigkeit wahrhaft wertgeschätzt werden? Ich brauche einen Ort, so erbärmlich, dass dort zuletzt selbst die Hoffnung schon gestorben ist… MONTY Sie haben selbstredend schon von den ‚Unberührbaren‘ in Indien gehört…?

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LADY HYACINTH Indien! Land der Hindus und Muslime! Der Tamarinde und des Safrans! Exotisch und undurchschaubar. Das ist es! (gesungen)
 WIR SUCHEN NACH LEPRÖSEN DORT IM PANDSCHAB.
 GEÄCHTETE, VERFLUCHTE VON LAHORE.
 VOLL KUMMER, LEID UND FRUST. KOLLEGEN

VOLL FRUST!

LADY HYACINTH ICH NEHM SIE AN DIE BRUST. KOLLEGEN

DIE BRUST

LADY HYACINTH UND KOMME DAISY GREVILLE MAL ZUVOR!

SIE HUMPELN ZUR BEGRÜSSUNG UNS ENTGEGEN. KOLLEGEN

WILLKOMMEN!

N

IC

LADY HYACINTH MEIN HERZ WIRD WEICH, SO ZAHNLOS GRINSEN SIE! KOLLEGEN

AWW! AWW!

LADY HYACINTH VOR NEID SIND ALLE STILL 
 UND SOGAR DIE GREVILLE
 WILL BALD ’NE EIGNE LEPRAKOLONIE!


57 LADY HYACINTH (weiter) (gesprochen)
 Verständigt die London Times! (LADY HYACINTH marschiert mit ihren KOLLEGEN davon.)

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MONTY (Einspielung, vorab aufgenommen) Und weg war sie! Ich vergaß leider, die Malaria-Pandemie im Pandschab zu erwähnen. Meine Absicherung, falls die Lepra allein nicht ausreichend ansteckend wirken sollte.
 (nach einer kurzen Pause)
 Sie können sich vorstellen, dass mich fast der Schlag traf, als Lady Hyacinth in Rekordzeit nach London zurückkehrte, wie das blühende Leben… (LADY HYACINTH kommt zurück, mitsamt ihren schwachen und von Krankheit gezeichneten KOLLEGEN.)

LADY HYACINTH Die armen, abstoßenden Leprösen! Welch ein furchtbar restriktives System, diese indischen Kasten! Sie haben unsere Hilfe abgelehnt. Es kam so weit, dass sie beim Klang meiner Stimme bereits das Weite suchten. MONTY Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie willens wären, vorzudringen in die tiefsten, dunkelsten Urwälder Afrikas…? KOLLEGEN

Nein!

LADY HYACINTH Afrika! Dschungel von den Zulu bis zu den Yoruba! Stolze, halbnackte Krieger tanzen lendenbeschürzt um flackernde Feuer!

IC

(singt)
 WIR BAU’N DEN WILDEN DORT EIN DORF IM URWALD! KOLLEGEN

N

IM URWALD!

LADY HYACINTH GLAUB NICHT, DASS DEREN SPRACHE SCHWIERIG IST. KOLLEGEN

BESTIMMT NICHT!

LADY HYACINTH SECHS WORTE, WEITER NIX. 
 UND FÜNF DAVON SIND KLICKS. KOLLEGEN (KLICK!)


58 LADY HYACINTH UND ALLE SECHS BESCHREIBEN AFFENMIST. MIT WEISS UND ROT BEMAL’N SIE DIE GESICHTER. KOLLEGEN GESICHTER!

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LADY HYACINTH LIANEN BRINGEN SIE VON BAUM ZU BAUM. KOLLEGEN VON BAUM ZU BAUM ZU BAUM.

LADY HYACINTH SIE BADEN GERN IM SCHLAMM. 
 MAN FINDET EINEN STAMM
 VON PRIMITIVREN EINGEBORNEN KAUM!

LADY HYACINTH & KOLLEGEN WIR FAHRN ZU DEN PYGMÄEN UND DEN BANTU! LADY HYACINTH DIE SITTEN ROH UND WILD DER LEBENSRAUM. KOLLEGEN

OH WEH!

LADY HYACINTH DOCH SELBST EIN HOTTENTOTT KOLLEGEN

HOTTENTOTT.

N

IC

LADY HYACINTH IST DOCH EIN KIND VON GOTT,
 DRUM HÄLT MAN SEINEN EKEL HALT IM ZAUM.
 (musikalisches Zwischenspiel)
 CHARITY IST GÖTTLICH UND EIN TRAUM.

KOLLEGEN (gleichzeitig mit LADY HYACINTHs letztem Ton)
 BAUM ZU BAUM ZU BAUM ZU BAUM… 
 CHARITY IST EIN TRAUM!

(Und schon ziehen sie davon. MONTY wendet sich an das Publikum. MUSIK Underscore.)


59

1. AKT
 11. SZENE #12A „DIE ABENDZEITUNG“

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MONTY (Einspielung, vorab aufgenommen) Oh. Ich mag vergessen haben sie darauf hinzuweisen: sie reiste geradewegs zu einem berüchtigten Stamm von … Kannibalen. (Wir hören LADY HYACINTHs entsetzte Schreie. In London sieht MONTY einen ZEITUNGSJUNGEN.)

1. ZEITUNGSJUNGE Die London Times, Abendausgabe: Society-Lady im finstersten Afrika verschwunden! (MONTY blickt ins Publikum. Ein zweiter ZEITUNGSJUNGE tritt auf.)

2. ZEITUNGSJUNGE „Lady Hyacinths pikanter Zwischenfall bei einem Afrikanerstamm: die Wilden kochen!“ 1. ZEITUNGSJUNGE

„Wohltäterin in Afrika eingekesselt!“

2. ZEITUNGSJUNGE „Suche nach Lady Hyacinth D’Ysquith wird aufgegeben.“

SZENE 11A

IC

(Im Bankhaus. LORD ASQUITH D’YSQUITH sitzt an seinem Schreibtisch als MONTY hereinkommt.) MONTY

Hier sind die gewünschten Berichte, Sir!

N

LORD ASQUITH Exzellente Arbeit, Montague. Es hat mich übrigens überrascht festzustellen, dass Sie in der Erbfolge inzwischen weit vorgerückt sind. MONTY

Pardon, Sir?

LORD ASQUITH. Rechnen wir einmal nach: Wenn Lord Adalbert, der derzeitige Graf, stürbe, so wären nur noch zwei andere vor Ihnen gereiht. Immer angenommen natürlich, ich selbst käme nicht mehr in Betracht…


60 MONTY Gott behüte! (MUSIK setzt ein.) LORD ASQUITH Machen Sie so weiter wie bisher, Monty. Wer weiß, was dann noch passieren kann.

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(LORD ASQUITH wird vom Licht isoliert.)

#13

„WER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT?“

LORD ASQUITH (weiter)

(gesungen)
 SIEH IHN AN! 
 WAR DER ANFANG AUCH SCHWER FÜR IHN,
 FREUT’S MICH NUN UM SO MEHR FÜR IHN: 
 SEINE NEUE POSITION…!

(MONTY legt einige Schriftstücke auf LORD D’YSQUITHs Schreibtisch und wendet sich zum Gehen.)

LORD ASQUITH (weiter) Monty, was ist Ihr derzeitiges Gehalt? MONTY

Vierhundert pro Jahr, Sir.

LORD ASQUITH

Sagen wir fünf, in Ordnung?

(MONTY nickt und geht hinaus.)

N

IC

LORD ASQUITH (weiter) SIEH IHN AN! 
 ER WAR IMMER LOYAL ZU MIR.
 UND ICH SAG MANCHES MAL ZU MIR: 
 ER ERSCHEINT MIR WIE EIN SOHN! MANCHEN ERSCHIEN ER HIER DEPLATZIERT. 
 WIE WEIT HAT ER’S SEITHER GEBRACHT! SEHT IHN AN: 
 ER STAND UNTER FAMILIENBANN. 
 WIE ER DANN MEIN VERTRAU’N GEWANN:
 WER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT?


61

SZENE 11B #13A „WER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT? (TEIL II — UNDERSCORE)“

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(Wir sehen MONTY nun in seinem neuen und ausgesprochen hübsch eingerichteten Junggesellenapartment. SIBELLA sieht sich erstaunt in der Wohnung um. Ihre äußerst elegante Kleidung entspricht ihrer inzwischen gehobenen gesellschaftlichen Stellung. MUSIK weiter Underscore.)

SIBELLA Ganz wundervoll, Monty! Ich freue mich sehr für dich! MONTY

Es hat sich viel geändert, nicht wahr?

SIBELLA

Wenn ich mir vorstelle—…

MONTY …wie ich in einem drittklassigen Reihenhaus in Clapham anfing?

SIBELLA Wir haben es beide zu etwas gebracht, nehme ich an. Meine Hochzeitsreise ging nach Firenze. Das bedeutet Florenz, weißt du? MONTY Tatsächlich? Nur du, Lionel und all die Marmorstatuen. Wie hast du sie nur auseinanderhalten können? SIBELLA

IC

Ach Monty, du bist garstig!
 (SIBELLA gibt die neckende Haltung seufzend auf)
 Lionel… Ich hätte nie gedacht, dass ein gutes Aussehen so schnell langweilig wird!

N

MONTY Ich fürchte, gutaussehende dumme Menschen gehen einem schneller auf die Nerven als unscheinbare dumme Menschen. Letztere glauben immerhin, sich mehr bemühen zu müssen. SIBELLA Lionel ist nicht nur dumm, er hat zudem keinerlei Geschmack. MONTY Sollen wir jetzt wirklich deine Hochzeitsreise besprechen? SIBELLA Nein…


62

(Schlagartig umarmen sie einander leidenschaftlich und rollen über das Bett. MONTY schläft nun, nach dem Liebesakt.) #13B „WER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT? (TEIL III)“ SIBELLA (weiter)

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(ins Publikum)
 SIEH IHN DIR AN! HERR MONTY NAVARRO 
 KLETTERT BERGAUF: SO SCHNELL, SO WEIT!
 UND ER BEFREIT IN KÜRZESTER ZEIT 
 SICH VON DER VERGANGENHEIT. JETZT LEBT ER FAST EIN PRINZENLEBEN, 
 WIE’S NUN MAL EIN D’YSQUITH TUT.
 AMBITIONIERT NACH HÖH’REM STREBEN, 
 DAZU HAT ER DEN MUT. (im Rhythmus gesprochen)

Ich muss geh’n.

MONTY

Werd’ ich dich nochmal sehn?

SIBELLA

Bestimmt.

(gesungen)
 MANCHEN ERSCHIEN ER ZU KÜMMERLICH.
 DOCH WIE HAT ER SICH GEMACHT!

N

IC

ICH MOCHTE IHN LANG, DEN MONTY NAVARRO, 
 DOCH, WENN ICH’S MIR SO BETRACHT:
 MERKWÜRDIG, DASS SCHON HEUTE 
 ICH HIER LÄUTE 
 AN DER TÜR! (im Rhythmus gesprochen)

Bis morgen?

MONTY

Bis morgen!

SIBELLA (gesungen)
 FORT VON LIONEL 
 LOCKT ER MICH SCHNELL 
 IN SEIN QUARTIER!
 WER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT?


63 SZENE 11C #13C „WER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT? (TEIL IV — UNDERSCORE)“

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(Eine Sporthalle in London, ausgestattet mit Equipment für Kraftsportler: Hanteln, Langhanteln mit Gewichten, Bänke und allerlei andere Apparate. MAJOR LORD BARTHOLOMEW D’YSQUITH [etwa Mitte 40], ein aberwitzig muskelbepackter Fitnessfanatiker trainiert neben MONTY. Sein Trainingsablauf enthält immer wieder unfreiwillig komische Momente.)

MAJOR LORD BARTHOLOMEW Das Problem mit diesem Land, Mr. Goodbody, ist, dass alle so schwach sind. Haben Sie schon von der Eugenik gehört, mein Bester? Wir müssen die Schwächlichen irgendwie davon abhalten, ihr Erbgut weiterzugeben. Gelingt uns das nicht, dann, fürchte ich, wird England das Empire total entgleiten. MONTY

Undenkbar, Major D’Ysquith!

MAJOR LORD BARTHOLOMEW Ich habe das Wochenende auf Highhurst verbracht. Mit meinem Cousin, dem Grafen. Kennen Sie ihn? MONTY

Nun, ich habe freilich viel von ihm gehört.

MAJOR LORD BARTHOLOMEW Diese Völlerei! Die endlosen, verschwenderischen Mahlzeiten!

MONTY Ich fürchte, meine körperliche Verfassung würde solcherlei Ausschweifungen nicht zulassen. Ich wurde als strikter Vegetarier aufgezogen.

N

IC

MAJOR LORD BARTHOLOMEW Potzblitz! Ich selbst sitze im Rat der Londoner Vegetariergesellschaft! MONTY

Das hatte ich ja gar nicht gewusst!

MAJOR LORD BARTHOLOMEW Welch ein Glück, dass wir einander trafen. Haben Sie schon einmal Joghurtkulturen probiert? Köstlich. Und ein natürliches Abführmittel. Ich hatte erst kürzlich einen Joghurteinlauf. Erfrischend. Und man spart sich das essen, was? Nun denn! Jetzt werde ich im Bankdrücken mein eigenes Gewicht heben: einhundertsiebzig Pfund. MONTY Halten Sie das für vernünftig, Major? MAJOR LORD BARTHOLOMEW Natürlich nicht! Könnten Sie mich sichern?


64 (MONTY wendet sich ans Publikum um zu signalisieren, dass dies eine zu günstige Gelegenheit ist um sie ungenutzt verstreichen zu lassen.) MONTY Selbstverständlich.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

MAJOR LORD BARTHOLOMEW Wenn ich aufschreie, bevor Sie bis zehn gezählt haben — und das werde ich wohl —, dann werden Sie mir nicht helfen! Verstanden? MONTY

Absolut.

(MAJOR LORD BARTHOLOMEW, rücklings auf einer Flachbank liegend, hebt eine schwere Langhantel hoch über seinen Kopf.) MAJOR LORD BARTHOLOMEW

Isandlwana!

MONTY

(zählt)
 Eins …

(MAJOR LORD BARTHOLOMEWs Anstrengungen sind enorm — und geräuschvoll.) MAJOR LORD BARTHOLOMEW

Tweebosch!

MONTY

Zwei …

(MAJOR LORD BARTHOLOMEW zeigt bereits erste Anzeichen von Erschöpfung, aber er macht weiter.) MAJOR LORD BARTHOLOMEW

IC

Ntombe!

MONTY

N

Drei …

MAJOR LORD BARTHOLOMEW

Mr. Goodbody…!

MONTY

Nennen Sie mich Phineas! Vier …

MAJOR LORD BARTHOLOMEW Ich…! Kannnicht…! Mehr…! Dasgewicht…!


65 (MAJOR LORD BARTHOLOMEW kann die Langhantel kaum mehr halten. Es sieht aus als könnte sie jeden Moment auf ihn fallen.) MONTY Verzeihung, was sagten Sie? Mehr Gewicht? (MONTY legt auf beiden Seiten noch eine Scheibe Gewicht hinzu. MAJOR LORD BARTHOLOMEW kann die Hantel kaum mehr halten.)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

MAJOR LORD BARTHOLOMEW

Weniger…!

MONTY Noch ein wenig mehr? Na gut, Major, wenn Sie sich das zutrauen…

(MONTY legt noch mehr Gewicht auf. Mit Blicken fleht MAJOR LORD BARTHOLOMEW darum befreit zu werden. Er kann das Gewicht nicht mehr halten, aber es wäre Selbstmord es fallen zu lassen.) MAJOR LORD BARTHOLOMEW

(fast unhörbar)
 Hilfe! Mami!

(MAJOR LORD BARTHOLOMEW bekommt kein Wort mehr heraus. Er tritt wie wahnsinnig mit den Beinen um sich. MONTY blickt einen Moment lang ins Publikum. 
 MAJOR LORD BARTHOLOMEW kann schließlich nicht mehr: die Hantel fällt herunter und enthauptet ihn. Man sieht nur noch seine dünnen Beine baumeln und noch immer zucken.)

SZENE 11D

IC

(Nun sehen wir PHOEBE D’YSQUITH in ihrem Ankleidezimmer, noch immer tief trauernd und weniger repräsentativ als zuletzt. Ihr DIENSTMÄDCHEN tritt ein. Die MUSIK geht weiter.)

N

#13D „WER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT? (TEIL V)“

PHOEBES DIENSTMÄDCHEN Miss D’Ysquith? Verzeihen Sie: Mr. Navarro ist hier Sie zu sehen. PHOEBE

(singt)
 SIEH MICH AN: 
 DURCHEINANDER UND ABGESPANNT,
 BIN VON ALLEM DAVONGERANNT,
 KANN MICH SO NICHT PRÄSENTIERN…


66 PHOEBE (weiter) (gesprochen)
 Bringen Sie ihn in den Salon, Mary. (Indem DIENSTMÄDCHEN den Raum verlässt, betrachtet PHOEBE sich im Spiegel.) PHOEBE (weiter)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

SIEH MICH AN! 
 FREUDLOS, BITTER UND GRAU VOR GRAM.
 DOCH DIE NACHRICHT, DASS MONTY KAM, 
 KANN MICH WIEDER MOTIVIERN!

(PHOEBE trifft in ihrem Salon auf MONTY.)

PHOEBE (weiter) Henry sprach stets voller Bewunderung von Ihnen, Mr. Navarro. Er hatte nur die wärmsten Gefühle für Sie. MONTY

Niemand konnte sich ihm entziehen.

PHOEBE Henry war alles andere als fehlerlos, aber ich war ihm stets treu ergeben. Ich fürchte, ich weiß derzeit weder ein noch aus… MONTY Die Fahrt von London ist nicht weit, sollten Sie meiner je bedürfen. Für … wofür auch immer! (Während MONTY verschwindet, singt PHOEBE.)

PHOEBE MANCHEN ERSCHIEN ER ZU UNSCHEINBAR,
 DOCH GEBT LIEBER JETZT EINMAL ACHT:

N

IC

ER WAR DA, 
 ALS ICH VOLLKOMMEN HILFLOS WAR.
 UND KEIN D’YSQUITH WAR MIR SO NAH.
 WER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT?

SZENE 11E

#13E „WER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT? (TEIL VI — UNDERSCORE)“

(Vor dem Drury Lane Theatre in London. Zwei AUSRUFERINNEN mit umgehängten Werbetafeln, die ein Theaterstück bewerben, überqueren die Bühne.
 Musik weiter Underscore.)


67 1. AUSRUFERIN Lady Salome D’Ysquith Pumphrey kehrt auf die Bühne zurück! 2. AUSRUFERIN Lady Salome spielt die Hedda Gabler! BEIDE AUSRUFERINNEN Restkarten noch immer erhältlich!!

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(Auf der Theaterbühne: LADY SALOME D’YSQUITH, eine völlig manierierte und schrecklich schlechte Schauspielerin, fuchtelt mit einer Pistole herum. Sie schießt in die Luft.) LADY SALOME

(als HEDDA:)
 „Peng! Mein Gott, – habe ich Sie vielleicht getroffen?“

1. SCHAUSPIELER

(als ASSESSOR BRACK:)
 „Wonach schießen Sie denn eigentlich?“

LADY SALOME „Oh, ich stehe nur da und schieße in die blaue Luft hinein. Peng!“

MONTY (Einspielung, vorab aufgenommen)

(zum Publikum)
 Wenn es Gerechtigkeit gäbe, würden die Kritiker Lady Salome schlachten — was mir dann die Arbeit abnehmen würde… (Später im Stück, aus MONTYs Sicht aus der Gasse.Wir sehen LADY SALOMEs Outrage: Sie spielt nur noch mit übergroßen Gesten Richtung oberer Rang.) LADY SALOME

N

IC

(als HEDDA)
 „Wenn ich dran zurückdenke … es lag doch etwas etwas Kühnes über – über dieser heimlichen Vertraulichkeit – dieser Kameradschaft, von der keine Menschenseele eine Ahnung hatte. O Sie Unmensch!“ MONTY (Einspielung, vorab aufgenommen)

(zum Publikum)
 Mich an das dramatische Finale des Stückes erinnernd, gelang es mir Lady Salomes Pistole mit echten Kugeln zu laden. (Abermals später im Stück, nun wieder aus Sicht des Publikums: wir hören einen lauten Pistolenschuss von hinter einem zugezogenen Vorhang.) LADY SALOME (offstage)
 PENG!! (einige Federn aus LADY SALOMEs Kostüm flattern mit einem Windstoß auf die Bühne.)


68 2. SCHAUSPIELER (als TESMAN, schreit auf)
 „Sich erschossen!“ 3. SCHAUSPIELER „In die Schläfe geschossen!“ ALLE 3 SCHAUSPIELER

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

„Sich erschossen!!“ MONTY (Einspielung, vorab aufgenommen) Das Publikum war im Handumdrehen auf den Beinen. Lady Salome tragischerweise nicht mehr…

SZENE 11F

#13F „WER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT? (TEIL VII)“

(LORD ASQUITH D’YSQUITH, PHOEBE und SIBELLA singen.)

LORD ASQUITH SIEH IHN AN!

SIBELLA

SIEH IHN DIR AN!

WAR DER ANFANG AUCH 
 SCHWER FÜR IHN,

SCHON ALLERHAND,

FREUT’S MICH NUN UM SO 
 MEHR FÜR IHN:

WIE ER RASANT
 ANSEHEN FAND!

SEINE NEUE POSITION…!

HAT NICHT DIE PFLICHT-
 BEWUSSTE GATTIN AUCH EIN RECHT
 AUF SPASS ZUM

IC

LORD ASQUITH

SIBELLA (weiter) LOHN?

PHOEBE SIEH IHN
 AN!

N

SIEH IHN AN!

ER WAR WIRKLICH
 LOYAL
 ZU MIR,

IMMER LOYAL!

UND ICH DENK MANCHES MAL:
 ER ERSCHEINT MIR
 WIE EIN SOHN!

BEINAH WIE EIN
 GEMAHL
 ZU MIR…

AH-AH-AH-AH-AH-AHAH-AH…

AH-AH-AH-AH-AH-AH-
 AH-AH…


69 LORD ASQUITH, PHOEBE & SIBELLA MANCHEN ERSCHIEN ER ALS KLEINES LICHT.
 DOCH WIE HELL IST SEIN FEUER ENTFACHT…!

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WER IHN SIEHT, 
 SIEHT SOFORT EINEN UNTERSCHIED: 
 STÖRENFRIED WURDE FAVORIT!
 WER HÄTTE DAS GEDACHT?

SZENE 11G

#13G „WER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT? (TEIL VIII — UNDERSCORE)“ (Das Bankhaus. LORD ASQUITH D’YSQUITH nimmt hinter seinem Schreibtisch Platz, sichtlich erschüttert. MONTY tritt ein.)

LORD D’YSQUITH (weiter) Es scheint ein fürchterlicher Fluch auf unserer Familie zu lasten. Ist Ihnen bewusst, was das für Sie bedeutet? MONTY Sir, diese Möglichkeit erschien immer so fern…

LORD D’YSQUITH Zweifellos haben sich die Geschäfte unter Ihren Händen verbessert. Ich möchte Ihr gegenwärtiges Gehalt gern verdoppeln und der Firma bekannt geben, dass ich Sie zu meinem Nachfolger ernenne. MONTY

Euer Lordschaft, mir fehlen die Worte…

(LORD ASQUITH D’YSQUITH verschwindet, wodurch MONTY allein auf der Bühne zurückbleibt.)

N

IC

#13H „WER HÄTT’ DAS VON IHM GEDACHT? (TEIL IX)“

MONTY (weiter) UND DA WARN’S NUR NOCH ZWEI ANSTATT ACHT, 
 DANN WÄRE ICH TATSÄCHLICH AM ZIEL.
 FAST VORBEI IST DIE SCHLACHT, DENN SCHON SECHS 
 AM STAMMBAUM ÜBER MIR SIND AUS DEM SPIEL.

IST DER NÄCHSTE NUN MEIN MENTOR 
 ASQUITH D’YSQUITH?
 DOCH ER WAR ZU MIR SO FAIR!
 ES WÄR HÄSSLICH, IHN ZU LYNCHEN. 
 UND ES FIEL’ —WEISS GOTT!— MIR WIRKLICH SCHWER!


70 MONTY (weiter) DOCH VERGISS NICHT: ER WAR GRÄSSLICH! 
 ASQUITH D’YSQUITH 
 IST DER MANN, DER MUTTER EINST
 DIFFAMIERTE, ISOLIERTE, 
 WESHALB DU NOCH HEUTE 
 UM SIE WEINST…

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

ABER ANDRERSEITS: 
 ER ALLEINE 
 NAHM MICH AUF UND BOT MIR EINE ZUKUNFT.

EIN DILEMMA, 
 WIE ICH MEINE, 
 DENN ICH FÜRCHT, ER WUCHS MIR AUCH ANS—…

(LORD ASQUITH D’YSQUITHs ARZT erscheint plötzlich.)

LORD ASQUITH D’YSQUITHS ARZT Verzeihen Sie, Mister Navarro: es ist meine traurige Pflicht Ihnen mitzuteilen, dass Lord Asquith D’Ysquith den Weg alles Irdischen gegangen ist. MONTY

Oh nein! Was ist passiert?

LORD ASQUITH D’YSQUITHS ARZT

(langsam nickend)
 Herzinfarkt. Immerhin musste er nicht lange leiden, Sir. MONTY

(nach kurzer Pause)
 UND DA WAR’S EINER NOCH ANSTATT ACHT, 
 DANN WÄRE ICH TATSÄCHLICH AM ZIEL.

N

IC

SZENE 11H

(das übrige ENSEMBLE erscheint.)

ENSEMBLE

EINER NOCH, 
 EINER NOCH, 
 EINER NOCH,
 EIN EINZIGER IST JETZT NOCH IM SPIEL! EINER NOCH, 
 EINER NOCH, 
 EINER NOCH,


71 MONTY EINER NOCH IST WIRKLICH NICHT SEHR VIEL!

ENSEMBLE AH-AH…

(PHOEBE und SIBELLA stimmen mit ein.) PHOEBE SIEH IHN AN!

SIBELLA SIEH IHN AN!

ENSEMBLE I

SIEH IHN AN!

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

SIEH IHN AN! SIEH IHN AN!

ENSEMBLE II

SEINE TUGEND UND TAPFERKEIT

SEINE
 TUGEND
 UND TAPFERKEIT

SIEH IHN AN!
 SIEH IHN AN! SIEH IHN AN!

SIEH IHN AN!
 SIEH IHN AN!

SIEH IHN AN!

HAT MIR GLEICHSAM DAS HERZ BEFREIT

HAT MIR
 GLEICHSAM DAS
 HERZ BEFREIT

PHOEBE, SIBELLA & ENSEMBLE WER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT? (LORD ADALBERT schlägt eine Zeitung auf.)

LORD ADALBERT (liest)
 „Nach dem tragischen Ableben von Lady Salome, bedeutet der plötzliche Tod von Lord Asquith D’Ysquith das Dahinscheiden des siebten Erbfolgers innerhalb eines Jahres, wodurch nun der nächste Nachkomme ein gewisser Montague D’Ysquith Navarro ist.“ (Anderswo auf der Bühne haben SIBELLA und PHOEBE das gleiche gelesen.)

N

IC

SIBELLA Hm. Wie überaus glücklich für Monty Navarro. PHOEBE

Wie erstaunlich.

(MISS SHINGLE lässt eine Zeitung sinken, wodurch sie sichtbar wird.) MISS SHINGLE

Wie seltsam!

FRAUEN SCHON ERSTAUNLICH.


72 MÄNNER UND AUCH SELTSAM. ENSEMBLE JA, EIN UNERHÖRTER ZUFALL! ALLE

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

MONTY NAVARRO:
 SEHT NUR, WIE WEIT DER KERL ES BRINGT!
 MONTY NAVARRO,
 UND DAS FAST ÜBER NACHT! MONTY NAVARRO,
 SIEH NUR: EIN GRAFENTITEL WINKT,
 WEIL DAS SCHICKSAL DIR LACHT!

LORD ADALBERT PHOEBE & MÄNNER MONTY NAVARRO! MONTY NAMONTY NAVARRO! VARRO! NAVARRO!

SIBELLA

MONTY NAVARRO! NAVARRO!

ENSEMBLE

MONTY NA-
 VARRO!
 VARRO!
 NAVARRO!

ALLE MONTY „D’YSQUITH“ NAVARRO!

MONTY ICH WERDE GRAF AUF SCHLOSS HIGHHURST! ALLE WER HÄTT DAS VON IHM GEDACHT?

N

IC

(MONTY endet wieder in seiner Gefängniszelle, beim Verfassen seiner Memoiren.)

ENDE DES ERSTEN AKTES


73 #14

„ENTR’ACTE“ 2. AKT
 1. SZENE

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

Mit dem Licht sehen wir einige TRAUERNDE Aristokraten. MONTY hält eine ergreifende Trauerrede. MONTY Mit nichts kommen wir in diese Welt und ganz sicherlich nehmen wir nichts mit uns fort aus ihr. Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen. Doch zweifellos können wir uns alle darauf einigen, dass uns Lord Asquith D’Ysquith viel zu früh genommen wurde. Ich habe so viel Liebenswertes erlebt in der kurzen Zeit, die ihn zu kennen ich mich glücklich schätzen kann… #15

„WIE KOMMT’S, DASS ALL DIE D’YSQUITHS STERBEN?“ TRAUERNDE WIE KOMMT’S, DASS ALL DIE D’YSQUITHS STERBEN? SO VIELEN IST EIN UNGLÜCK .…!
 MAN HÖRT ES TÄGLICH FAST: 
 EIN D’YSQUITH IST ERBLASST!
 UND WIR STEHN HEUTE HIER 
 UM NOCH EINEN WEITEREN ZU VERSCHARRN!
 SEHR MYSTERIÖS, DASS SIE EN MASSE VERDERBEN! MANN 2 DOCH GIBT’S GUTES AUCH DABEI:
 ES LIEGT KEIN STREIT MEHR IN DER LUFT, 
 DER FAMILIENZWIST VERPUFFT:

N

IC

TRAUERNDE SCHIEDLICH-FRIEDLICH LIEGEN SIE 
 GEMEINSAM IN DER GRUFT!
 DOCH WIE KOMMT’S, DASS ALL DIE D’YSQUITHS STERBEN? MANN 2 ICH GLAUBE, DAS IST WICHTIGTUEREI! (musikalisches Zwischenspiel)

TRAUERNDE WIE KOMMT’S, DASS ALL DIE D’YSQUITHS STERBEN?
 DIE FEINEN LONDONER VERZWEIFELN ALLE SCHIER! FRAU 2 ES KANN SCHON MAL PASSIER’N, 
 ’NEN VERWANDTEN ZU VERLIER’N.


74 MANN 1 DOCH WIE — MAN SAG’ ES MIR! —, FRAU 1 SCHAFFT MAN ZWEI, FRAU 2 DREI,

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

MANN 3

ODER VIER?

TRAUERNDE

NEIN: SIEBEN!

GRUPPE 1 GRUPPE 2 GRUPPE 3 WIE KOMMT’S, DASS ALL
 DIE D’YSQUITHS WIE KOMMT’S, DASS ALL
 STERBEN? DIE D’YSQUITHS WIE KOMMT’S, DASS
 STERBEN? DIE D’YSQUITHS
 STERBEN? FRAU 2 SIE TUN ALS WÄR DAS STERBEN EINE ZIER! MÄNNER

ES IST PEINLICH,

FRAUEN AUCH WENN SIE’S VERDIENEN,
 WAHRSCHEINLICH…

MÄNNER

AUCH WENN SIE’S VERDIENEN,
 WAHRSCHEINLICH…

MANN 3 SO MANCHER WAR EIN ARGER BÖSEWICHT.

N

IC

FRAU 3 DER PRIESTER WAR HARMLOS, OFFENBAR, 
 WENN ER AUCH EIN TRINKER WAR… TRAUERNDE IN JEDEM FALL VERMISSEN WIR SIE NICHT!
 UND DENNOCH:

GRUPPE 1 GRUPPE 2 GRUPPE 3 WIE KOMMT’S, DASS ALL
 DIE D’YSQUITHS WIE KOMMT’S, DASS ALL
 STERBEN? DIE D’YSQUITHS WIE KOMMT’S, DASS
 STERBEN? DIE D’YSQUITHS
 STERBEN?


75 MANN 1 ES IST EIN REGELRECHTER GENOZID. TRAUERNDE ICH WÜNSCHTE MIR OFT IM STILLN, 
 ES WÜRD’ SIE WER KILLN!
 WIE MORBID, 
 DASS DAS JETZT ECHT GESCHIEHT!

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

FRAU 3 DER FRIEDHOF MUSS BALD NEUE LEICHENBESTATTER ANWERBEN. MANN 2 DAS IST DER JOB DER STUNDE, WIE ES HEISST. FRAU 1 EINER NACH DEM ANDREN KROCH 
 IN DAS VOR UNS OFFNE LOCH.

TRAUERNDE WIE VIELE BLEIBEN ÜBRIG NOCH 
 NACH LORD WIE-HIESS-ER-DOCH? MANN 3

ICH FRAG MICH:

GRUPPE 1 GRUPPE 2 MANN 3 WIE KOMMT’S, DASS ALL WIESO?
 DIE D’YSQUITHS WIE KOMMT’S, DASS ALL WIESO? GRUPPE 1 (weiter) STERBEN?

GRUPPE 2 (weiter) DIE D’YSQUITHS STERBEN?

GRUPPE 3 WIE KOMMT’S, DASS
 DIE D’YSQUITHS
 STERBEN?

N

IC

TRAUERNDE (weiter) BEIM NÄCHSTEN TODESFALL BIN ICH VERREIST.
 WEIL MAN SIE JA NICHT WIRKLICH KENNT, ZUMEIST.
 UND SCHWARZ ZU TRAGEN GEHT MIR AUF DEN GEIST!

SZENE 1A

(Auf Schloss Highhurst. LORD ADALBERT geht beunruhigt auf und ab.)

#15A „WIE KOMMT’S, DASS ALL DIE D’YSQUITHS STERBEN? (ZUGABE)“ LORD ADALBERT (gesprochen)
 Wie kommt’s, dass all die D’Ysquiths…


76

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

LORD ADALBERT (weiter) (gesungen)
 STERBEN?
 ICH FRAG’S MICH, DASS DER KOPF MIR DAVON BRUMMT!
 VOR ZWEI TAGEN ODER DREI 
 WAR’N WIR IN DER BUTTERFLY.
 ER BUHTE DEN CARUSO AUS 
 UND HEUT IST ER VERSTUMMT! WER SOLL DENN NUN NOCH DAS SCHLOSS 
 UND DEN GRAFENTITEL ERBEN?
 DIE D’YSQUITHS STERBEN GRADE IM AKKORD…! DA MAN NUR ZUSEHN KANN, 
 FRAGT MAN SICH IRGENDWANN:
 WENN ALLE ANDREN FORT SIND, 
 BIN DANN ICH ALS NÄCHSTER DRAN?

TRAUERNDE

OH HERR,

GRUPPE 1 GRUPPE 2 GRUPPE 3 WIE KOMMT’S, DASS ALL
 DIE D’YSQUITHS WIE KOMMT’S, DASS ALL
 STERBEN? DIE D’YSQUITHS WIE KOMMT’S, DASS
 STERBEN? DIE D’YSQUITHS
 STERBEN? LORD ADALBERT DER STAMMBAUM LIEGT IN SCHERBEN, IST VERDORRT. TRAUERNDE

IC

NUR NOCH EIN BONSAI!

N

LORD ADALBERT WENN DAS EIN SPORT WÄR, WÄR ES EIN REKORD. TRAUERNDE

UND NUR NOCH DU FEHLST!

(Kurze Pause, in der LORD ADALBERT das registriert…)

ALLE HIMMELSVATER, SCHÜTZE UNSERN LORD!


77 2. AKT
 2. SZENE MONTYs Junggesellenwohnung. MONTY und SIBELLA hatten gerade ein nachmittägliches Stelldichein. #15B „MONTYS GYMNOPAEDIE“

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

SIBELLA

(wohlig-schläfrig)
 Warum starrst du mich immer so an?

MONTY

Ist dir das unangenehm?

SIBELLA

Ich weiß nicht.

(MUSIK setzt ein.)

MONTY Ich kann mich einfach nicht sattsehen an dir … #16

„SIBELLA“

MONTY (weiter)

(gesungen)
 SO EIN GESICHT SOLLT MAN MALEN IN ÖL!
 DIE AUGEN KLAR, DARIN FLACKERT EIN LICHT.
 DER MUND LÄCHELT KÜHL, WAS SO WIRKT, 
 ALS OB ER WAS VERBIRGT. 
 DOCH WAS, DAS RÄT MAN NICHT. SIBELLA

N

IC

Monty…

MONTY UND AUCH DIE STIMME KLINGT SÜNDIG-VERRUCHT.
 DER DUFT DER HAUT: EIN BETÖR’NDER GENUSS!
 UND STREIFT DICH DIES SEIDENHAAR, 
 DROHT DIR GROSSE GEFAHR, 
 DIE GRÖSSTE WÄR EIN KUSS… ’S IST ALLERHAND, 
 WIE SIE MÄNNERN ZUHAUF 
 DIE KÖPFE VERDREHT UND DIE ATEMLUFT RAUBT.


78 MONTY (weiter) DOCH SIE RAUBT IHNEN AUCH DEN VERSTAND, 
 SCHON BALD DARAUF, 
 WAS KEINER VORHER GLAUBT.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

OH, DU BIST EITEL 
 UND HERZLOS UND DOCH
 MERK ICH: DRINNEN FÜHLST DU EINE LEERE, 
 DIE DIR UNBEHAGEN SCHAFFT. JA, DASS ICH DICH SO BEGEHRE, 
 DAS BÜSSE ICH NOCH!
 DU BIST BÖSE. 
 DU BIST SAGENHAFT!

IHR SEHT DEN FALL EINES MANNES, 
 DER TÖRICHT DIE VORSICHT, 
 DEN STOLZ UND DIE WÜRDE VERGISST. ICH SEH SIBELLA, 
 MEINE SIBELLA: 
 ICH MAG SIE WIE SIE IST. 
 JA, GANZ GENAU, WIE SIE IST.
 (Er küsst sie leidenschaftlich.)
 ICH NEHM DICH WIE DU BIST.

(SIBELLA beginnt sich anzuziehen.)

MONTY (weiter)

Hast du noch Zeit für ein Glas Sherry?

SIBELLA Lionel erwartet, dass ich zu Hause bin, wenn er kommt.

IC

MONTY Ich frage mich manchmal … was würdest du tun, Sibella, wenn ich heiraten würde? SIBELLA

N

Ich würde es dir verbieten.

MONTY

Glaubst du, das würde ausreichen?

SIBELLA Wenn nicht, würde ich nie wieder mit dir sprechen. MONTY Tatsächlich?


79 SIBELLA Nun, ich denke, es würde davon abhängen, wen du heiratest, und ob aus Liebe oder aus… MONTY Eigennutz, wolltest du sagen? (SIBELLA entfährt ein Seufzer)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

SIBELLA Aus Liebe heiraten hat seine Vorzüge, nehme ich an. Ich dachte, ich würde Lionel lieben. Ein wenig zumindest. MONTY Zu deiner Entlastung: ich glaube, dass du es tatest. Hätten wir geheiratet, wären wir einander vielleicht auch überdrüssig geworden. Früher oder später. SIBELLA

Glaubst du das im Ernst?

MONTY Es macht einen großen Unterschied, ob man eine Frau sehen kann, wenn man das gerade dringend will — oder aber sie sehen muss, selbst wenn man das gerade nicht möchte. (Das beunruhigt SIBELLA)

SIBELLA Ich bin mir ganz und gar nicht sicher, ob ich diese Haltung gutheiße.
 (kurze Pause)
 Monty … Ich frage mich schon eine Weile: jetzt, wo du mit den D’Ysquiths auf Du und Du bist, könntest du doch vielleicht bewirken, dass Lionel nach Highhurst eingeladen wird? MONTY

Lionel? Oder du?

IC

SIBELLA Oh, es geht mir nur um Lionel! Offenbar hat er politische Ambitionen. Vielleicht ist das zu anmaßend von mir dich um einen Gefallen zu bitten … für meinen Ehemann.

N

MONTY Keineswegs. Es ist nur: ich kann schwer ein Wort für ihn einlegen, wenn ich dem Grafen noch nicht einmal selbst vorgestellt wurde. Ich würde freilich helfen, wenn ich könnte.

SIBELLA Das weiß ich. Lionel hat natürlich auch selbst gewissen Einfluss. Na, wir werden einfach sehen, wer von uns als erster nach Highhurst eingeladen wird, nicht wahr? (Die Türglocke läutet. MONTY und SIBELLA verfallen in Panik.)


80 SIBELLA (weiter) Wer könnte das sein? MONTY Ich hab keinen blassen Schimmer! Schnell, geh ins Schlafzimmer, schließ die Tür und sei ganz still!

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SZENE 2A #17

„ICH NEHM SIE ZUM EHEMANN!“

(SIBELLA tut, wie ihr geheißen. MONTY greift schnell nach ihrem Hut und wirft ihn ihr ins Zimmer hinterher. Er zieht sich die Hose an und atmet kurz tief durch, bevor er die Türe öffnet — und sich PHOEBE D’YSQUITH gegenübersieht, die wunderschön aussieht, ihre Trauerkleidung etwas reduziert, bzw. aufgehellt hat.) MONTY (weiter)

Miss D’Ysquith…!

PHOEBE

(aufgeregt)
 MISTER NAVARRO! 
 ICH BITTE UM NACHSICHT.

MONTY

Sie kommen so unerwartet…!

PHOEBE

ICH MUSSTE SIE SEHEN! 
 NUR KURZ, AUF EIN WORT!

(MONTY tritt auf die Seite, worauf PHOEBE den Raum betritt.) MONTY

N

IC

Selbstverständlich.

PHOEBE

MISTER NAVARRO! 
 MISTER NAVARRO! 
 ICH HABE EINE SEHR WICHTIGE NACHRICHT.
 UND DAMIT MICH DER MUT NICHT VERLÄSST, 
 VERKÜNDE ICH’S IHNEN AM BESTEN SOFORT: DENN: ICH NEHM SIE ZUM EHEMANN! 
 JA, ICH NEHM SIE ZUM EHEMANN!
 ICH HAB HENRY VERLORN 
 UND SCHLUSS! ICH MUSS 
 NACH VORN 
 NUN SCHAUN!


81 PHOEBE (weiter) UND WAS ICH VOR MIR SEHE DANN,
 DAS FÄNGT MIT EINER EHE AN.
 JA, MIR IST VÖLLIG KLAR, DASS DA 
 TRARA KOMMT UND GERAUN’…

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

DOCH ICH NEHM SIE ZUM EHEMANN.
 SIE SIND STETS IN DER NÄHE DANN.
 DENN ICH FINDE, MAN SIEHT: ES ZIEHT 
 AUCH SIE SEHR HIN ZU MIR!

DASS DIE FRAU HIER DEN ANTRAG MACHT, 
 DAS IST NEU.
 EGAL, DAS IST MIR EINERLEI!
 UND SAGEN SIE „NEIN“: MAG SEIN, 
 DANN STERB ICH JETZT UND HIER!

MONTY Miss D’Ysquith, ich bin sprachlos! Darf ich Sie Phoebe nennen?

(SIBELLA wartet derweil unruhig im Schlafzimmer)

SIBELLA WAS SOLL ICH TUN, WENN MAN MICH HIER ENTDECKT? 
 SO VERSTECKT UND NERVÖS, 
 OMINÖS ALLEMAL! 
 EIN SKANDAL! 
 OH, DAS GÄB EIN GETÖS 
 UND GEGRUNZ, NICHT WAHR?
 ICH BLEIBE UNSICHTBAR, 
 MUCKSMÄUSCHENSTILL!

N

IC

DOCH WAS GEHT DA VOR SICH? 
 ICH HÖRE ZWEI STIMMEN. 
 DIE EINE IST MONTY, ICH SCHWÖRE! 
 KANN’S STIMMEN? 
 DIE ANDRE IST WEIBLICH! 
 VIELLEICHT DIE COUSINE? 
 OB DIE HIER ERSCHIENE? 
 UND WAS SIE HIER WILL?

WENN’S DIE COUSINE IST, 
 GEHT’S UM GESCHÄFTE. 
 JA, DAMIT ENTKRÄFTE 
 ICH JEDEN VERDACHT. 
 DOCH WAS MACHT 
 SIE ZUHAUS BEI ’NEM LEDIGEN MANN HIER? 
 (Kurze Pause)
 MAN KANN HIER SCHON SAGEN:


82 SIBELLA (weiter) DAS GILT AUCH FÜR MICH!

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

DAS KANN DOCH NICHT WAHR SEIN, 
 IHR MÜSSTE DOCH KLAR SEIN: 
 KÄM ZUFÄLLIG WER 
 JETZT HIER HER, 
 DER SIE FÄND, SOWAS KÖNNT DOCH 
 AM END NOCH 
 IHR ANSEHN ZERSTÖRN. 
 DOCH ICH KANN KEIN WORT HÖRN 
 UNTERM STRICH…! PHOEBE DIE FAMILIE SAGT „WEHE!“
 DANN, „WIR BESTIMMEN DEN EHE-
 MANN!“ DAS IST MEIN LEBEN, 
 ICH KENN DEN WEG

SIBELLA

ICH HALT MICH RAUS!

ICH HALT’S NICHT AUS!

GENAU.

ICH KENN DEN WEG 
 NACH HAUS JA GANZ
 GENAU.

UND ICH WERD
 UNBEIRRT IHN : GEHN,

ICH KANN NICHT GEHN!

AUCH WENN’S ANDERE NICHT VER-
 STEHN: EINEM HALBEN KASTILIER, DEM VERFIEL JA JEDE FRAU! WEIL IN IHNEN NUR 
 GUTES STECKT. SIE SIND EHRBAR UND 
 GRUNDKORREKT. IHRE GEGENWART TRÖSTET MICH, 
 ICH SPÜR DIE EMPA-
 THIE!

MAN MUSS MICH VERSTEHN:
 DEM
 HALBEN KASTILIER,
 DEM VERFIEL JA JEDE FRAU! ICH STECKE FEST!

N

IC

ICH BIN GESTRESST!

WIE LANG REDET DENN DIE?!

WIE DAS HERZ MIR ZUM HALSE SCHLÄGT, SO ERREGT: OB ES DAS ALLES ERTRÄGT?

WIE DAS HERZ MIR
 ZUM HALSE SCHLÄGT,
 SO ERREGT:
 OB ES DAS ALLES ERTRÄGT?

OH GOTT, MEIN VERLOBTER 
 STEHT VOR MIR!

ZEIG DIESER KUH 
 DOCH MAL DIE TÜR!


83 MONTY PHOEBE, LIEBLING! PHOEBE & SIBELLA DIES’ TREFFEN HEUT UND HIER 
 VERGESS ICH NIE! (SIBELLA stolpert im Schlafzimmer, was ein Geräusch erzeugt.) PHOEBE

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

Was war das?

MONTY

Was war was?

PHOEBE

Ein Geräusch! Ist jemand hier?

MONTY Oh, lassen Sie sich nicht stören, das ist nur … mein neuer Hausdiener. Er … sieht sich gerade um.
 (Er öffnet die Tür einen Spalt breit und ruft hinein.)
 Ich bin gleich bei Ihnen … Wadsworth!
 (e.r knallt die Tür wieder zu) (gesungen, zum Publikum)
 WAS FÜR EIN WAHNSINN! 
 WAS FÜR EIN TIMING!
 BEIDE SIND HIER, 
 ICH VERLIER 
 DEN VERSTAND!

SIE IM SALON 
 UND SIE DORT IM SCHLAFRAUM.
 ZWISCHEN DEN BEIDEN 
 NUR ICH UND DIE WAND.

N

IC

DA IST PHOEBE! 
 NOBEL UND MILD. 
 VERDIENT RESPEKT 
 UND BEWUNDERUNG.
 DOCH BIN ICH MAL BEI PHOEBE: 
 JEDESMAL SCHWILLT MEIN SEHNEN NACH SIBELLA! 
 LAUNISCH UND WILD, 
 WAS LEIDENSCHAFT WECKT 
 UND —SAG ICH’S? —
 LUST!
 DOCH BIN ICH BEI SIBELLA, 
 HAB VOR AUGEN ICH DAS BILD


84 MONTY (weiter) VON PHOEBE: 
 MAKELLOS REIN, 
 SIE LIEB ICH ALLEIN, 
 DOCH HALT: WER WEISS?
 ENDLOS DREH ICH MICH IM KREIS!

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(an PHOEBE gerichtet:)
 MEIN LIEBLING, ICH SAGE, WAS KLAR AUF DER HAND LAG:
 MIT GRÖSSTEM GENUSS AKZEPTIER ICH DEN ANTRAG! PHOEBE

JETZT EINEN KUSS!

MONTY

AUF DEN ENTSCHLUSS!

PHOEBE ALLES KOMMT SO, WIE ES MUSS
 UND ICH NEHM DICH ZUM EHE-

PHOEBE (weiter) MANN! SEI MEIN RITTER UND EHE-
 MANN! DU BEFREIST MICH, DU REISST DIE MAUERN EIN! MEIN GLÜCK LIEGT NAH!

N

IC

DU BIST BEINAH MEIN EHEMANN!

JA, MEIN EHEMANN! SIEH DOCH NUR, WAS GESCHAH!

SIBELLA MUSS DAS SO DAUERN?

MONTY PHOEBE!

ICH MUSS HIER LAUERN!
 ICH REISS DIE MAUER EIN, MEIN GLÜCK LIEGT NAH!

SIBELLA!

MONTY!

MONTY! OH! MONTY! SIEH DOCH NUR, WAS GESCHAH!

PHOE-
 BE MEIN!
 MEIN GLÜCK LIEGT
 NAH!

DOCH DA IST NOCH
 SIBEL-
 LA!
 ICH BIN SCHON
 BEINAH EIN
 EHEMANN!
 JA, DEIN 
 EHEMANN,
 PHOEBE!
 SIEH DOCH NUR,
 WAS GESCHAH!

MONTY!
 PHOEBE!
 MONTY!
 WADSWORTH!


85 PHOEBE (weiter) MONTY! MONTY!

SIBELLA (weiter) MONTY! MONTY!
 MONTY! MONTY!
 MONTY! MONTY!

MONTY! MONTY! MONTY! MONTY! (SIBELLA öffnet die Tür einen Spalt.)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

MONTY (zu PHOEBE:)
 WIR SUCHEN GEMEINSAM 
 NACH HOCHZEITSTERMINEN.
 (zu SIBELLA:)
 EIN’N AUGENBLICK, WADSWORTH! 
 ICH BIN GLEICH BEI IHNEN!

(MONTY wirft SIBELLA die Tür vor der Nase wieder zu.)

PHOEBE MEIN SCHATZ, ICH GLAUB,
 ’S WIRD ZEIT, DASS ICH 
 JETZT GEH!

SIBELLA

MONTY

OH WEH!

DOCH ICH NEHM DICH ZUM
 EHEMANN!

ICH VERSTEH!

WENN ICH DICH WIEDER-
 SEHE, DANN

KOMM SCHON, GEH!

BIST DU FAST SCHON MEIN
 EHEMANN!

ADE!

N

IC

ICH HAB BALD EINEN EHEMANN, EHEMANN, EHE— ICH SAG DIR ADIEU UND

NUN SAG SCHON ADIEU UND GEH!

GERN GEB ICH BALD DEINEN
 EHEMANN,
 EHEMANN, EHE—
 NUN SAG MIR
 ADIEU
 UND
 GEH!

GEH!

ICH
 GEH!

GEH!

#17A „PLAYOFF/SIBELLA (REPRISE)“

GEH!


86 (MONTY schafft es PHOEBE vor die Tür zu manövrieren. Er lehnt sich erschöpft gegen dieselbe. SIBELLA steckt ihren Kopf aus dem Schlafzimmer. Die MUSIK endet.)

SZENE 2A MONTY

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

Hallo. SIBELLA

Kann ich rauskommen? Sind wir sicher?

MONTY

Ich glaube ja.

(MONTY schenkt zwei Gläser Sherry zur Beruhigung ein. Er beginnt die Melodie von „Sibella“ zu summen. Die MUSIK setzt ein.)

SIBELLA Ich hab gar keine Ahnung, warum sie so aufgeregt war…? MONTY

Wer?

(Er summt weiter „Sibella“.)

SIBELLA Miss D’Ysquith. Deine Cousine. Unser Überraschungsgast.

MONTY Ach so, ja: Geschäftliches. Betreffend … den Verkauf des Pferdes ihres Bruders.
 (absichtlich das Gesprächsthema wechselnd)
 Aber wo waren wir? Ach ja…

N

IC

(singt)
 ICH SEH SIBELLA, 
 MEINE SIBELLA!
 ICH NEHM DICH WIE DU BIST.

(Sie fallen in eine weitere leidenschaftliche Umarmung.)


87 2. AKT
 3. SZENE Während SIBELLA und das Apartment verschwinden, sieht MONTY einen ZEITUNGSJUNGEN über die Bühne gehen, eine Zeitung hochhaltend. 
 MUSIK Underscore setzt ein. 1. ZEITUNGSJUNGE

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

„Lady Hyacinth lebend aufgefunden!“

(Ein 2. ZEITUNGSJUNGE kommt von der anderen Seite.)

2. ZEITUNGSJUNGE „Weichmütige Wohltäterin entkommt kaltherzigen Kannibalen!“

(MONTY sieht ins Publikum und hebt eine Augenbraue.)

1. ZEITUNGSJUNGE „Heute triumphale Rückkehr der Menschenfreundin!“ 2. ZEITUNGSJUNGE „Lady Hyacinth wird von Tausenden erwartet!“

(MONTY lässt diese Schlagzeilen auf sich wirken. Da geht ihm wieder mal ein Licht auf, oder leuchtet über seinem Kopf plötzlich eine Glühbirne auf. Aus der Gasse bekommt er eine große Axt gereicht.)

1. ZEITUNGSJUNGE „Lady Hyacinth stürzt bei Bruch der Landungsbrücke ins Wasser!“ 2. ZEITUNGSJUNGE

„Philanthropin ertrinkt im Hafen!“

(MONTY blickt mit schuldbewusstem Schulterzucken ins Publikum. MUSIK weiter.)

N

IC

MONTY (Einspielung, vorab aufgenommen) Von allen Kränkungen und Zurückweisungen, die Mutter seitens der Familie D’Ysquith erdulden musste, war die von Lord Adalbert für sie die schmerzhafteste. „Lieber Adalbert“, schrieb sie, „warum hast Du auf meinen Brief nicht geantwortet? Oder auf irgendeinen der bisherigen? Du warst mir immer wie ein Bruder. Gewiss wirst du mich nicht im Augenblick der größten Not im Stich lassen?“


88

2. AKT
 4. SZENE

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

Die sehr stattliche LADY EUGENIE D’YSQUITH [in ihren 50ern] rückt die Medaillen und Orden am Jacket ihres Mannes, LORD ADALBERT, zurecht.
 Die MUSIK blendet aus. LORD ADALBERT Ich sterbe vor Hunger. Was bekomme ich zu essen? LADY EUGENIA Alles, was dich vor der Zeit ins Grab bringen könnte.

LORD ADALBERT Es kann mir nicht früh genug sein, solange du neben mir lebst…

LADY EUGENIA Du solltest lieber hoffen, dass ich vor dir sterbe. Andernfalls verfüttere ich deine Überreste an die Hunde.

LORD ADALBERT Ich hoffe bei dir auf eine langwierige Krankheit: jeder Quadratzentimeter deines Körpers bedeckt mit Blutegeln. Und ich bestehe darauf, jeden einzelnen persönlich anzubringen. Apropos Blutegel: wen zum Teufel hast du dieses Wochenende eingeladen uns auszusaugen? (MR. GORBY, ein Butler, sagt die ankommenden Gäste an.)

MR. GORBY Miss Phoebe D’Ysquith and Mr. Montague D’Ysquith Navarro.

(MONTY tritt ein, PHOEBE an seinem Arm. Beide sehen spektakulär aus. Es ist dies eine sehr andere Ankunft hier als beim letzten Mal, als MONTY als Tourist kam.)

N

IC

LADY EUGENIA Adalbert, du erinnerst dich sicher an Miss D’Ysquith.

(PHOEBE knickst vor LORD and LADY D’YSQUITH.) LORD ADALBERT

Und welche genau sind Sie?

PHOEBE Phoebe, die Schwester des verstorbenen Henry D’Ysquith.

LORD ADALBERT Sie heißen alle Henry!


89 LADY EUGENIA Das ist viel zu lange her, meine Liebe! Ich hoffe, Ihre Anreise war erträglich? LORD ADALBERT Die halbe Familie heißt Henry! Aufgrund totaler Einfallslosigkeit.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

PHOEBE In der Tat, Ma’am. Mit Mr. Navarro als Begleiter verging die Zeit wie im Fluge. Mr. Navarro, ich glaube, sie haben bisher noch keine Bekanntschaft gemacht mit den Graf und der Gräfin, Lady D’Ysquith? LORD ADALBERT Sie Sind also dieser junge Rüpel, um den alle so viel Wind machen! Vermutlich auch ein Henry? LADY EUGENIA

Er heißt Montague.

LORD ADALBERT

Das ist ja ganz was Neues!

(MONTY verbeugt sich respektvoll.)

MONTY

Eine Ehre, Ihnen endlich begegnen zu dürfen. #18

„LETZE WARNUNG“

(Zwei AHNENBÜSTEN werden lebendig und singen in Richtung von MONTY.)

AHNENBÜSTE 1 MONTY NAVARRO,
 ALS GAST AUF DIESER SCHWELLE! MONTY

N

IC

(zu LADY EUGENIA)
 Verehrung, Gräfin!

AHNENBÜSTE 2

MONTY NAVARRO
 WILL WIEDER SPIONIERN!

LADY EUGENIA

Sehr erfreut.

BEIDE AHNENBÜSTEN BEGRABE DEINE HOFFNUNG AUF DER STELLE
 HIER ZU LOGIERN!


90 AHNENBÜSTE 2 BALD WIRST DU SPÜRN: AHNENBÜSTE 1 ZU SIND DIE TÜR’N! LORD ADALBERT

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(zu MONTY)
 Kommen Sie, Henry, ich zeige Ihnen einige der Waffen, mit denen Ihre Vorfahren getötet wurden. BEIDE AHNENBÜSTEN DU KÜRST DICH ALS FÜRST,
 DOCH DU IRRST, DENN DU WIRST
 VERLIERN! MONTY

Danke, das ist sicher aufschlussreich!

BEIDE AHNENBÜSTEN

DU WIRST VERLIERN!

(Nur zu gern verschwindet MONTY mit LORD ADALBERT ins Nebenzimmer, um von den Porträts wegzukommen.) MR. GORBY

Mrs. Lionel Holland.

(SIBELLA erscheint in der Tür, wie immer etwas übertrieben gekleidet, im Wunsch zu beeindrucken. Sie knickst. Hier zu sein bedeutet für sie die bisher höchste erreichte Stufe ihres sozialen Aufstiegs. Doch LADY D’YSQUITH hält SIBELLA offenkundig für einen Emporkömmling.)

IC

SIBELLA Ich bin sehr erfreut Sie kennenzulernen, Gräfin.

LADY EUGENIA

N

Natürlich sind Sie das.

(Da sie nervös ist, redet SIBELLA zu viel.)

SIBELLA Mein Gatte wollte auch herkommen, aber er musste dann kurzfristig weg. Irgendein Treffen. In Newmarket. Ich hab von Pferden keinen blassen Schimmer, Sie vielleicht? LADY EUGENIA Ich denke ja. Ich züchte.


91 SIBELLA Mr. Holland bittet mich sein tiefes Bedauern zu überbringen. Ich hoffe, es ist akzeptabel für Sie, dass ich alleine gekommen bin. LADY EUGENIA

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(hinterlistig freundlich)
 Sehr pflichtbewusst von Ihnen…
 (LADY EUGENIA schiebt PHOEBE zu SIBELLA.)
 Mrs. Holland, haben Sie die Cousine meines Gatten, Miss D’Ysquith schon kennengelernt?
 (Das bringt SIBELLA aus der Fassung. Sie starrt PHOEBE unverwandt an.)
 Phoebe, Liebes, das ist Mrs. Holland. (LADY D’YSQUITH lässt die beiden allein. PHOEBE hat keine Ahnung, wer SIBELLA ist und streckt ihr anmutig ihre behandschuhte Hand entgegen.)

PHOEBE Mrs. Holland, es freut mich sehr Ihre Bekanntschaft zu machen. (SIBELLA nimmt ihre Hand und knickst wiederum.)

SIBELLA Das Vergnügen ist ganz meinerseits. Gänzlich. Miss D’Ysquith. PHOEBE

Wie reizend Sie aussehen!

SIBELLA Ich habe Ihr Kleid bereits bewundert. Und Ihren makellosen Teint. Die funkelnden Augen. PHOEBE

(ein wenig verlegen)
 Oh, Sie sind zu freundlich!

SIBELLA

N

IC

Oh nein. Das bin ich wirklich nicht.

(LORD ADALBERT kommt mit MONTY zurück. SIBELLA steht so, dass sie das nicht bemerkt und MONTY hat keine Ahnung, dass er die Frau, die ihm den Rücken zuwendet, kennt.)

SIBELLA (weiter) Ich glaube, wir haben einen gemeinsamen Bekannten. PHOEBE

Oh…? (Noch ehe SIBELLA etwas sagen kann, klopft LORD ADALBERT an sein Glas um sich Gehör zu verschaffen.)


92

LORD ADALBERT Treten Sie bitte näher! Wie ich von Lady D’Ysquith höre, wird von mir erwartet, dass ich Sie bitte, Ihr Glas zu erheben auf meine Cousine, Miss D’Ysquith.
 (PHOEBE errötet. MR. GORBY und MR. WATERS, ein Bedienter, reichen Gläser für den Trinkspruch herum.)
 Und zwar anlässlich ihrer Verlobung mit Mr. Henry D’Ysquith.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

LADY EUGENIA

(ihn ausbessernd)
 Montague.

(SIBELLA dreht sich um, fassungslos Monty zu erblicken. Er nickt ihr zu als begegnete er ihr zum ersten Mal.) LORD ADALBERT

Mr. D’Ysquith Montague

LADY EUGENIA

Navarro.

LORD ADALBERT Mr. Navarro D’Ysquith Montague. Prächtiger Bursche, glaube ich. Und ein Cousin von mir, eigenartigerweise. Für seine Mutter musste man sich leider ein wenig schämen.
 (LADY EUGENIA versetzt ihm einen Ellbogenstoß.)
 Aber das ist Schnee von gestern. Lady D’Ysquith sagt, er sei der nächste in der Erbfolge — ist das nicht kurios? Da alle anderen wie die Fliegen weggestorben sind, sollte es mich wohl nicht wundern, wenn er mich heute Nacht mit einem Kissen erstickt, was? (Stille. LADY EUGENIA blitzt ihren Gatten an.)

N

IC

LORD ADALBERT (weiter) Falls mich meine Gattin nicht zuvor mit Blicken tötet. Gehen wir also lieber essen. Ich glaube, es gibt Rindsroulade mit Wirsing und …
 (seine Gattin ins Auge fassend)
 … Spinatwachtel. Wollen wir, Mr. Nirvana? LADY EUGENIA

Navarro!

LORD ADALBERT

(murmelt vor sich hin)
 Verschrumpelte, welke Physalis!

(LORD ADALBERT verlässt den Saal in Richtung Speisezimmer, MONTY tritt höflich beiseite und lässt die übrigen anschließen. SIBELLA bleibt zurück um MONTY unter vier Augen sprechen zu können. MONTY behandelt sie, als wäre sie eine normale Bekanntschaft, ohne tiefergehende Vertrautheit...)


93 SZENE 4A MONTY Das ist ja ein Zufall, Mrs. Holland. SIBELLA Du sagst nicht „Mrs. Holland“ zu mir! Wann genau wolltest Du mir diese frohe Botschaft überbringen?

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

MONTY Ich fürchte ich muss Sie bitten, ihre Lautstärke zu drosseln. SIBELLA Irgendwie sagst mir ständig, ich soll leiser sein…

MONTY (seufzend)
 Ich hätte Ihnen und Mr. Holland freilich zu gegebener Zeit eine Heiratsanzeige zugeschickt. SIBELLA Eine Anzeige?? Ich lass mich doch nicht behandeln, wie deine—… (sie zögert)

MONTY

Ja?

SIBELLA

Du bist widerwärtig!

MONTY Vielleicht war es wirklich gut, dass wir beide nicht geheiratet haben, Sibella. SIBELLA

Das hast du nicht immer so gesehen.

N

IC

MONTY Du denkst nicht wirklich, dass du Anlass hast, dich über meine Heirat mit Miss D’Ysquith zu echauffieren, oder? (SIBELLA sieht ihn ängstlich an.)

SIBELLA Du musst das nicht tun, Monty. Du kannst es noch absagen. Du musst!

(Zum ersten Mal hat MONTY im Verhältnis zwischen den beiden die Oberhand. Und das gefällt ihm recht gut.) MONTY Es gab den Moment, wo wir beide unserer natürlichen Bestimmung hätten nachgeben und heiraten sollen.


94 SIBELLA (sarkastisch)
 Das wäre eine tolle Paarung gewesen. Wir hätten es richtig gemütlich gehabt, nicht? MONTY Ich habe keinen Zweifel, dass wir uns schon irgendwie durchgeschlagen hätten.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

SIBELLA Wir sind beide nicht die Sorte Mensch, Monty, die sich ‚irgendwie durchschlagen‘ wollen! Wir hätten uns gehasst nach einer Woche!

MONTY Das hätten wir nicht, Sibella. Wir kennen einander vollkommen, besser als irgendwer sonst es könnte. Wir hätten einander immer geliebt. Das heißt: wenn du mich lieben würdest, wie ich dich. (SIBELLA kommen die Tränen.)

SIBELLA Aber ich liebe dich, Monty! Und wäre ich mir nicht so sicher gewesen, dass du mich liebst, hätte ich nie riskiert Lionel zu heiraten! MONTY Ich werde erst gar nicht versuchen in dieser verworrenen Aussage einen Sinn zu entdecken.

(Er zieht seinen Arm so galant, wie er kann, weg und geht zum Abendessen davon.) SIBELLA

Monty, bitte…!

(SIBELLA braucht einen Moment um sich zu sammeln, bevor sie ihm folgt.)

N

IC

#18A „EINE VERWORRENE ABSCHEULICHKEIT“


95 2. AKT
 5. SZENE Speisezimmer auf Highhurst Castle. Ein langer, schmaler Tisch unter einem Deckengewölbe, an den Wänden Tapisserien und allerlei alte Kriegsgerätschaften.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

BEDIENSTETE eilen umher. LORD ADALBERT und LADY EUGENIA sitzen an gegenüberliegenden Enden des Tisches, zwischen ihnen PHOEBE, MONTY und SIBELLA. Die Atmosphäre ist angespannt. Die MUSIK blendet aus.

LORD ADALBERT

Der Fisch ist eine Abscheulichkeit!

LADY EUGENIA

(trocken)
 Du hast ausdrücklich nach Dorsch verlangt.

LORD ADALBERT

(zu den anderen)
 Sie weiß ganz genau, dass ich Dorsch verabscheue.
 (LORD ADALBERT bemerkt WALTER, einen Kellner.)
 Wer in Dreiteufelsnamen sind Sie!? (WALTER erzittert geradezu vor Angst.)

LADY EUGENIA Das ist Walter, mein Lieber. Aus der Küche. Ich habe Bellamy den Abend frei gegeben, damit er seine kranke Mutter besuchen kann.

N

IC

LORD ADALBERT Kranke Mutter, das ist wirklich köstlich!
 (über seine Gattin)
 Die leichtgläubigste Frau der Welt!

LADY EUGENIA Das stimmt. Sonst hätte ich dir nie deine Schwüre von „lieben, achten und ehren“ abgekauft! LORD ADALBERT (erhebt sein Glas in ihrer Richtung)
 Bis dass der Tod uns scheidet, mein Schatz! LADY EUGENIA Der Strohhalm, an den ich mich klammere, Liebling! (Peinliche Stille. Nach einer langen Pause fühlt sich SIBELLA bemüßigt, das Gesprächsvakuum zu füllen.)


96 SIBELLA Die Probleme mit dem Personal sind grauenhaft in London. Niemanden kann man länger als höchstens sechs Monate behalten. (LADY EUGENIA kann SIBELLAs selbstherrliches Geblubber nicht mehr ertragen.) LADY EUGENIA

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(zu einer ihrer BEDIENSTETEN)
 Wie lange sind Sie hier auf Highhurst, Shingle?

(Die Angesprochene dreht sich um. Es ist niemand anderes als MARIETTA SHINGLE!)

MISS SHINGLE Neunundzwanzig Jahre, Mylady. Am nächsten Monatsersten. (MONTY schnappt beinahe hörbar nach Luft.)

MONTY

(mit mühsam kontrollierter Stimme)
 Miss Shingle!? Was machen Sie denn hier?

MISS SHINGLE Lassen Sie sich den Dorsch schmecken, Sir!

(MISS SHINGLE wendet sich dem nächsten Gast zu. PHOEBE bemerkt, dass MONTY aufgeregt ist.) PHOEBE

Monty, Liebster, geht es dir gut?

(MUSIK setzt Underscore ein.)

N

IC

MONTY (sich den Schweiß von den Augenbrauen tupfend)
 Ja, Phoebe, ich fühle mich gut. Vielleicht etwas ermüdet. SIBELLA

(an die Tischgesellschaft)
 Waren Sie in letzter Zeit einmal im Sinfoniekonzert?
 (nach kurzer Pause)
 Nein…

(Wir hören MONTYs Gedanken, während ER singt.)

#19

„GIFT IN MEINER TASCHE (REPRISE)“


97 MONTY DA SITZ ICH NUN ZU TISCH MIT GIFT IN MEINER TASCHE,
 WÄHREND HÄPPCHENWEIS DEN FISCH ICH NASCHE, 
 DENK ICH: ENDLICH IST ER DA, 
 DER LANGERWARTETE MOMENT! SIBELLA Mr. Holland und ich waren kürzlich in der Albert Hall.

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MONTY LANG KONNT ICH NICHT MEHR ALS IHN VERTEUFELN. 
 IN DEN NÄCHSTEN GANG WERD ICH DAS GIFT NUN TRÄUFELN. 
 UND DAMIT MICH KEINER SIEHT, 
 GESCHIEHT DAS ALLES SEHR DEZENT! PHOEBE

Aspik, Liebling?

MONTY

(schreckt hoch)
 Ja! Nein! In Ordnung.

(singt)
 ES FÄLLT SCHWER DEN 
 DELIKATEN BRATEN ZU VERDERBEN, 
 DOCH ER MUSS NOCH VORM SÜPERBEN NACHTISCH STERBEN, 
 ABER LEIDER: IRGENDWER 
 SCHAUT STÄNDIG HER, VOM PERSONAL!

SIBELLA Ein kompletter Beethoven-Abend. So wie das klang, muss das ein sehr unglücklicher Mensch gewesen sein.
 (keiner erwidert etwas)
 Glauben Sie nicht?

N

IC

MONTY STARKE DÜFTE ZIEHN JETZT DURCH DIE LÜFTE, 
 SO KASCHIERT DIE RINDERHÜFTE 
 DEN GERUCH VOM GIFTE.
 FERTIG IST DER MORD: 
 DER LORD ISST HEUT SEIN HENKERSMAHL! (Die MUSIK blendet aus.)

LORD ADALBERT Diese Gänseleber ist ekelhaft fett! Fort damit!
 (rülpst)
 Dieser Koch wird mich noch umbringen.


98 (MONTY verschluckt sich beinah an seinem Essen.) LORD ADALBERT (weiter) Also: was halten Sie von unserem Schloss, Novello? MONTY Es ist wirklich prächtig, findest du nicht, Phoebe? PHOEBE

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Oh ja, fabelhaft!

LADY EUGENIA Es verfällt zusehends, es riecht und schimmelt.
 (kurze Pause)
 Nicht unähnlich meinem Gatten.

LORD ADALBERT Die edlen Recken, die diese Mauern verteidigten…! Und dem Namen D’Ysquith Ehre brachten!
 (LORD ADALBERT weist auf die mittelalterlichen Waffen an den Wänden)
 Sehen Sie dieses Breitschwert dort? Roland, der zweite Graf hat damit seinen eigenen Bruder ausgeweidet. LADY EUGENIA

Bitte, Adalbert…!

LORD ADALBERT Diese Armbrust? Gehörte meinem Großvater Charles. Die Details des Unfallhergangs liegen bis heute im Dunkeln… LADY EUGENIA Lassen wir es damit bewenden, in Ordnung?

(LORD ADALBERT erhebt sich und nimmt ein Gewehr von der Wand.)

IC

LORD ADALBERT Aber ich muss Ihnen die Waffe zeigen, mit der ich das Empire im Burenkrieg verteidigte. LADY EUGENIA

N

Musst du das wirklich, Adalbert?
 (zu den Gästen)
 Ich bitte Sie, flehe Sie an ihn nicht zu ermutigen.

LORD ADALBERT Es war die Schlacht am Majuba Hill, damals, ’81. Die Buren stürmten den Berg herauf und wir waren vollständig eingekesselt.
 (er erlebt die Situation erzählend nochmals)
 Im wildesten Durcheinander gab sich Jürgen 4, mein loyaler, junger transvaalischer Diener plötzlich als Bure zu erkennen. Er war ein Verräter und nun bedrohte er mich mit meiner eigenen Waffe.
 (er wiegt sie liebevoll in den Händen)
 Martini-Henry Mark II. Je eine abgefeuert?
 4

Lord Adalbert spricht ihn freilich „Jurgen“ aus.


99 (Er zielt damit auf jeden einzelnen am Tisch.) LADY EUGENIA Adalbert, setz dich augenblicklich wieder hin! (LORD ADALBERT tut das.) LORD ADALBERT Ja, ich habe dem Tod ins Auge gesehen. Und er blickte geradewegs zurück.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(Die MUSIK setzt ein.)

LADY EUGENIA

Nicht schon wieder… #20

„DER LAUF VON EINER WAFFE“

LORD ADALBERT WENN DER LAUF VON EINER WAFFE AUF DICH ZEIGT,
 WIRD GÜTE PLÖTZLICH GROSS UND WICHTIG:
 SCHON LIEBST DU DEINEN FEIND
 UND WIRST EIN MENSCHENFREUND
 UND ZWISTIGKEITEN SCHEINEN PLÖTZLICH NICHTIG.

DA NUN DAS LEBEN SICH ZUM ENDE NEIGT,
 ERSCHRICKST DU TÜCHTIG: ACH, WIE IST ES FLÜCHTIG!
 MAN ERNTET, WAS MAN SÄT…
 DIE EINSICHT KOMMT ZU SPÄT,
 WENN DER LAUF VON EINER WAFFE AUF DICH ZEIGT. PHOEBE

Oh, dieser Flammeri ist köstlich!

IC

(LORD ADALBERT sieht kurz so aus, als würde er seine Nachspeise essen, schiebt sie aber dann in Richtung SIBELLA) LORD ADALBERT

N

(seinen Bauch tätschelnd)
 Weiß Gott: ich würde es hinterher gewiss bereuen. Hier.

SIBELLA Kein Dessert für mich. Mr. Holland würde mit mir schimpfen, wenn ich auch nur ein Iota zunähme.

LORD ADALBERT Unsinn! Sie haben die Figur eines Knaben! Das ist der beste Flammeri Englands! Ich bestehe darauf! (MONTY sieht mit Entsetzen, wie LORD ADALBERT seine eigene, unberührte Portion Pudding an SIBELLA weitergibt.)


100 SIBELLA Gut, ich mache eine Ausnahme. Das hier gilt als besonderer Anlass. (Bevor SIBELLA etwas essen kann, streckt sich MONTY panisch über den Tisch. Er bekommt den Dessertteller zu fassen, hantiert damit herum und verschüttet alles in der Mitte des Tisches.) SIBELLA (weiter)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

Mr. Navarro! PHOEBE

Monty, was tust du?

MONTY

Verzeihung! Ich bin doch ein Tollpatsch!

(LORD ADALBERT nimmt noch einen Schluck von seinem Port.)

LORD ADALBERT WENN DER LAUF VON EINER WAFFE AUF DICH ZEIGT: DIE BEDIENSTETEN

AUF DICH ZEIGT…

LORD ADALBERT STARR VOR SCHRECKEN BLICKST DU IN DIE DUNKLE RÖHRE. DIE BEDIENSTETEN

DIE RÖHRE…

LORD ADALBERT PLÖTZLICH BIST DU GUTER CHRIST 
 UND NICHT MEHR ATHEIST:
 VON FERNE HÖRST DU SCHON DIE ENGELSCHÖRE. DIE BEDIENSTETEN

N

IC

AH-AH

LORD ADALBERT DU DENKST: „ICH HAB MEIN LEBEN ECHT VERGEIGT. DIE BEDIENSTETEN VERGEIGT / ICH HAB’S VERGEIGT.

LORD ADALBERT ICH WERD EIN BESSRER MENSCH VON HEUTE AN, ICH SCHWÖRE!“ DIE BEDIENSTETEN AH-AH


101 LORD ADALBERT DOCH SPAR DIR DEIN GESCHNAUF! 
 DU SCHNEIDEST NUR SO AUF, DIE BEDIENSTETEN AH-AH LORD ADALBERT WEIL DER LAUF VON EINER WAFFE AUF DICH

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(LORD ADALBERT ist nun auf seinen Knien. Die ANDEREN [außer LADY EUGENIA] singen einen Himmelschor.)

LORD ADALBERT (weiter) ZEIGT. O HERR! DEINE MACHT LÄSST DU MICH SPÜREN! WENN’S DEIN WILLE IST: ER SOLL GESCHEHN. DOCH HERR,

DIE BEDIENSTETEN ZEIGT / UH-UH-UH
 UH
 UH
 AH-AH
 AH-AH-AH
 HERR!

WILLST DU NICHT INTERVENIEREN?
 LASS MICH DER STRAFE EINMAL NOCH UH-UH
 ENTGEHN! AH!
 WILLST DU MICH DENN WIRKLICH WEINEN SEHN? (Die MUSIK läuft Underscore weiter.)

LADY EUGENIA Steh sofort wieder auf! Du machst dich vollends zum Narren! (LORD ADALBERT ignoriert sie.)

LORD ADALBERT Die Buren fielen über uns her. Es gab kein Pardon. Jürgen hatte mich verraten, obwohl wir einander so lange so vertraut gewesen waren!

N

IC

(LORD ADALBERT steckt eine echte Patrone in den Lauf des Gewehrs, man hört das Schloss einrasten und die Patrone durchladen. Er hält das Gewehr MONTY entgegen.)

Oh, Neville, Neville! Nehmen Sie es! Nehmen Sie!

(MONTY zögert, hat aber keine andere Wahl als in diesem kleinen Psychodrama des GRAFEN mitzuspielen. Er nimmt das Gewehr.)

Zielen Sie direkt auf mich!

(MONTY gehorcht) LADY EUGENIA Hoffentlich ist es geladen!


102 (MONTY zuckt bei diesem Gedanken zurück. PHOEBE und SIBELLA sind völlig aus der Fassung. Die BEDIENSTETEN benehmen sich als wäre dies ein völlig alltägliches Vorkommnis.)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

LORD ADALBERT (erlebt die Situation nochmals nach)
 Jürgen, ist es wegen etwas, das ich gesagt habe? Ich will, dass du weißt: ich habe dir deine ärmliche Herkunft nie zum Vorwurf gemacht. Nein, einige meiner besten Freunde sind … Buren.
 (er verliert allmählich die Beherrschung)
 Leg das Gewehr weg. Bitte. Ich weiß, ich spucke gern große Töne: Tapferkeit und Mut und „God Save The Queen“ und dergleichen, aber ich … ich will nicht sterben! Ich will wirklich nicht… (MONTY, jetzt in der Rolle, zielt nun reflexhaft genauer…)

LORD ADALBERT (weiter) JÜRGEN, GOTTES WEGE SIND VERZWEIGT. UND ICH
 WAR DOCH STETS BEI DIR, FAST WIE EIN VATER!

DIE BEDIENSTETEN

UH
 SIND VERZWEIGT.
 WAR
 DIR
 EIN VATER.

SOLL DAS DAS ENDE SEIN? ICH FASS ES NICHT, DASS EIN LAUF VON EINER WAFFE AUF MICH ZEIGT! LAUF SCHON, KLEINER, UND DIE WAFFE—…

UH-UH
 UH-UH
 UH-UH-UH-UH

UND DIE WAFFE…

(ADALBERT fällt plötzlich tot um.)

LADY EUGENIA Himmel! Nun lass doch diesen Unfug, du alberner Kauz! (LORD ADALBERT rührt sich nicht.)

IC

LADY EUGENIA (weiter)

N

(genervt kommandierend)
 Adalbert!

(Er rührt sich noch immer nicht.)

LADY EUGENIA (weiter)

(nun besorgt)
 Adalbert…?
 (plötzlich schreiend)
 Adalbert!!


103 (LADY EUGENIA wirft sich von Kummer überwältigt über ADALBERTs leblosen Körper.) MONTY (verblüfft und verwirrt)
 Was?! DIE BEDIENSTETEN

N

IC

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

…SCHWEIGT!


104 2. AKT
 6. SZENE Das Anwesen der D’Ysquiths, Salisbury.
 MUSIK setzt Underscore ein. #20A „DER NEUNTE GRAF VON HIGHHURST“

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

MONTY (Einspielung, vorab aufgenommen) Und so wurde ich Lord Montague D’Ysquith Navarro, der neunte Graf von Highhurst. Und selbstverständlich wurde Phoebe Lady Navarro, Gräfin von Highhurst. Ich muss gestehen, manchmal erschien es mir einfach Gottes Wille zu sein. (Nach ihre feierlichen Trauung, begrüßen PHOEBE und MONTY ihre Gäste. PHOEBE sah nie schöner aus, auch MONTY ist attraktiver denn je. An MONTYs und PHOEBEs Kleidung sieht man, dass er nun DER NEUNTE GRAF VON HIGHHURST ist. Ein etwas deplatziert wirkender MANN nähert sich MONTY unauffällig. 
 Die MUSIK blendet aus.)

INSPEKTOR Meinen Glückwunsch, Euer Lordschaft. Sagen Sie: könnte ich Sie einen Augenblick unter vier Augen sprechen? MONTY

Entschuldigung: kennen wir uns?

INSPEKTOR Ich glaube nein. Chefinspektor Pickney, Scotland Yard. Sie sind der Graf von Highhurst, oder nicht? (MONTY führt den INSPEKTOR aus PHOEBEs Hörweite. Leise:) MONTY

Darf ich fragen, worum es geht?

N

IC

INSPEKTOR Tut mir wirklich leid, diesen festlichen Rahmen zu stören, aber ich habe strikte Anweisung Sie festzunehmen. Wegen Mordes. MONTY

Wegen Mordes?!

(Spot auf MONTY. Wir hören seine Gedanken.)

#21

„STOP! NEIN! WAS!?“

MONTY (weiter) STOP! NEIN! WAS?!
 NUN ICH WOLLTE LORD ADALBERT TÖTEN,


105 MONTY (weiter) DOCH DANN KAM ER MIR HÖFLICH ZUVOR.
 DAS HÄLT NIE VOR GERICHT, 
 GLEICHFALLS NICHT DIE GESCHICHTE 
 VOM UNGLÜCKSFALL MIT DEM PASTOR.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

UND MEIN VETTER, DER SNOB ASQUITH JUNIOR?
 DAS WAR EINFACH EIN UNFALL BEIM SPORT!
 GUT, DER RISS DORT IM EIS WAR EIN SAUBERER KREIS…
 ABER MORD? NIEMAND SAH MICH VOR ORT! (zum INSPEKTOR)

Mord, sagen Sie?

INSPEKTOR

Ich fürchte ja, Euer Lordschaft.

(abermals Lichtkegel auf MONTY)

MONTY

STOP! NEIN! WIE?!
 ICH BEGEGNETE KEINEM IM HAFEN.
 LADY HYACINTH FIEL UND ERTRANK.
 UND ICH KONNTE BEIM IBSEN DIE LICHTER AUSKNIPSEN 
 UND BLIEB UNBEMERKT, GOTT SEI DANK! KANN MAN BIENEN ALS ZEUGEN BEFRAGEN?
 SAH MICH JEMAND IM KRAFTSPORTVEREIN?
 WIE KANN ER ES WAGEN, GRAD HEUT MICH ZU PLAGEN?
 ICH WERD IHN VERKLAGEN, DAS SCHWEIN!

N

IC

ICH BIN IMMERHIN NUN DER GRAF!
 EINST BEGANN ICH IN ARMUT UND DRECK.
 NACH ALL MEINEN MÜHEN: 
 WAS WIRD MIR NUN BLÜHEN?
 NIMMT ALLES MAN MIR WIEDER WEG? NIMMT ALLES MAN MIR WIEDER WEG?! (zum INSPEKTOR)

Mord an wem?

INSPEKTOR Lord Adalbert D’Ysquith, achter Grafen von Highhurst. (abermals Lichtkegel auf MONTY)


106 MONTY STOP! NEIN! WEN?!
 FÜR DEN MORD AN LORD ADALBERT D’YSQUITH?!
 ALSO DAS IST DOCH WIRKLICH EIN DING!
 DIESER MANN NIMMT MICH FEST UND ICH SOLL IN ARREST 
 FÜR ’NEN MORD, DEN ICH NIEMALS BEGING!!

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(zum INSPEKTOR)
 Aber der Graf starb doch eindeutig an Herzversagen…? INSPEKTOR Nein, Euer Lordschaft. Es war ein Verbrechen. (abermals Lichtkegel auf MONTY)

MONTY ICH WÜRDE JA ZU GERN ERFAHREN:
 WENN DAS MORD WAR, WIE WURD ES GEMACHT?
 DOCH NOCH LIEBER SOLLT MIR DER KERL OFFENBAREN:
 WARUM STEHE ICH IM VERDACHT? SECHSE BRACHT ICH ZUR STRECKE 
 UND UM DIE ECKE.
 ALLES VERWANDTE, SCHON KLAR.

N

IC

MUSS ICH HÄNGEN, SO SEI’S. 
 DOCH NICHT FÜR DEN GREIS! 
 WEIL ICH’S AUSNAHMSWEISE NICHT WAR!


107 2. AKT
 7. SZENE MONTY tritt an die Anklagebank in Westminster Hall. Er trägt die scharlachrote Robe eines Mitglieds des House of Lords über seiner Kleidung. 
 MUSIK setzt ein.

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#21A „DER PROZESS“ LORD HIGH STEWARD (Einspielung, vorab aufgenommen) (aus dem Hintergrund zu hören)
 In der Anklage auf vorsätzlichen Mord durch Gift im Todesfall von Lord Asquith D’Ysquith, dem achten Grafen von Highhurst: auf was plädieren Sie, Mylord? MONTY

Nicht schuldig!

(Die MUSIK endet. Ein Spot beleuchtet nacheinander die diversen Zeugen, während sie aussagen. Sie beginnen jeweils, indem sie ihren Namen zu Protokoll geben.)

INSPEKTOR Chefinspektor Pickney, Scotland Yard. Niemand durfte das Schloss betreten oder verlassen, bis jeder der Gäste und das gesamte Dienstpersonal gründlich befragt worden war. MANN 1 Dr. Pettibone, Gerichtsmediziner. Nach seinem Ableben untersuchte ich den Mageninhalt von Lord D’Ysquith und konnte nachweisen, dass der Portwein mit Gift versetzt worden war. FRAU 3 Hilda, Sir. Ich sollte den Wein aus dem Keller holen. Ich gab ihn dann Mrs. Chard.

IC

FRAU 1 Selina Chard. Vor dem Abendessen habe ich den Wein dekantiert, damit er atmen und sich das Bukett entfalten kann.

N

MANN 3 Alfred Gorby. Niemand trank den Port außer seiner Lordschaft. Das beschwöre ich bei meinem Leben.

MISS SHINGLE Gift? Im Portwein? Papperlapapp! Ich weiß, dass der Graf dyspeptisch und leberzirrhotisch war. Das hat ihn umgebracht.
 (schnell nachgeschoben)
 Marietta Shingle.

LADY EUGENIA D’YSQUITH Lady Eugenia D’Ysquith. Adalbert, der Graf und mein verstorbener Gemahl, sagte, er befürchte, Mr. Navarro sei so darauf erpicht den Grafentitel zu erben, dass er ihn womöglich im Schlaf ersticken werde.


108 SIBELLA Mrs. Lionel Holland. Monty hatte jedes Recht der Welt, die D’Ysquiths zu verachten! Sie haben seine Mutter enterbt! Seine Existenz verleugnet! Natürlich fand er, dass er einen Platz unter ihnen verdient hatte. Finden Sie nicht?

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

PHOEBE Lady Phoebe D’Ysquith Navarro, Gräfin von Highhurst. Mein Ehemann, der gegenwärtige Graf, ist der liebenswürdigste, sanftmütigste und ehrenwerteste aller Männer. Seine Absichten waren immer lauter, das kann ich Ihnen versichern. MONTY Ich erkläre hiermit, dass diese Anklage nichts als eine fadenscheinige Sammlung nebensächlicher Indizien ist und jeglicher Beweiskraft für meine Schuld entbehrt.
 (MUSIK setzt ein.)
 Ich appelliere an Ihren gesunden Menschenverstand, ehrenwerte Lords, und bitte Sie inständig diese empörende Farce augenblicklich zu beenden.

N

IC

#21B „EINE EMPÖRENDE FARCE“


109 2. AKT
 8. SZENE MONTYs Gefängniszelle. Es ist die Nacht vor der Urteilsverkündung und MONTY beendet gerade seine Memoiren. CHAUNCEY kommt herein.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

CHAUNCEY Stört’s, wenn ich etwas saubermache, Euer Lordschaft? ’Ne schnelle Runde und schon bin ich wieder weg. MONTY

(freundlich wie immer)
 Unbedingt, guter Mann! Tun Sie nur Ihre Pflicht! (Die MUSIK blendet ab.)

CHAUNCEY Verzeih’n Sie, Mylord: man sagt, Sie hab’n heut beim Prozess ’ne ziemlich eindrucksvolle Rede gehalten. MONTY

Tatsächlich, sagt man das?

CHAUNCEY Oh ja! Hat mich stolz gemacht, wirklich. Bin schließlich selber ’n D’Ysquith, wissen Sie? (MUSIK setzt ein.)

MONTY Pardon? Sagten Sie … Sie sind ein D’Ysquith?

IC

CHAUNCEY Ja, Mylord! Chauncey D’Ysquith. Mein Vater war Nesmith D’Ysquith, vielleicht hab’n Sie von ihm gehört? War irgendwie ’n schwarzes Schaf, fürcht’ ich. Die Familie wollt’ nie was zu tun haben mit ihm. Kann’s ihnen nicht verdenken: war auch kein besonders guter Vater.

N

#21C „DU BIST EIN D’YSQUITH (REPRISE)“

MONTY

(leise, erstaunt)
 SIE SIND EIN D’YSQUITH….
 SIE SIND EIN D’YSQUITH….

(gesprochen)
 Das ist … wirklich erstaunlich! Fanden Sie nie, dass die Familie Ihnen … Unrecht tut? (Die MUSIK blendet aus.)


110 CHAUNCEY Aber nö, warum auch? Die kenn’ mich ja gar nich’. Stimmt schon, ich hab nicht die ganzen Vorteile, die man als ’n D’Ysquith hat, aber ich hab auch nicht die Probleme… MONTY Ich habe Sie jeden Tag der letzten sechs Wochen gesehen und Sie haben das mit keinem Wort erwähnt…?

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

CHAUNCEY Bin eher der diskrete Typ. Aber heut dacht’ ich: ich weiß ja nicht, ob ich Sie nochmal sehe… Wie immer ’s ausgeht: ich wünsch Ihnen alles Gute, Mylord! (Eine WACHE tritt ein und CHAUNCEY stiehlt sich davon.)

WACHE Lady Navarro, die Gräfin von Highhurst ist hier Sie zu sehen, Mylord.

(PHOEBE betritt die Zelle, so verliebt in MONTY wie eh und je.) PHOEBE

Wie geht es Dir, mein Liebling?

MONTY Jetzt bin ich glücklich, wo du gekommen bist mich zu besuchen.

(PHOEBE kämpft mit den Tränen. Die WACHE verlässt die Zelle. MUSIK setzt ein.)

#21D „ABSCHLUSS DER MEMOIREN“

PHOEBE

Monty … oh Monty.

IC

MONTY Phoebe, ich bitte dich: mach Dir keine Sorgen wegen des morgigen Urteils. Ich glaube mittlerweile fest, dass eine höhere Macht mich beschützt. PHOEBE

N

Das glaube ich auch. Bestimmt.

MONTY Trotzdem sehe ich Dir an, wie du leidest und das quält mich.

(Entschlossen versucht PHOEBE, ihre Emotionen zu kontrollieren.) PHOEBE

Ich muss dich … eines fragen. MONTY Was immer du willst, Liebling.


111 PHOEBE Diese Frau, … Mrs. Holland. MONTY (nach kurzer Pause)
 Ja?

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PHOEBE An diesem furchtbaren Abend auf Highhurst. Und auch beim Prozess: wie sie dich angesehen hat… MONTY

Mich angesehen? Wie denn?

PHOEBE Ich habe nur eine Bitte, Monty: ich muss die Wahrheit wissen.
 (MONTY schluckt…)
 Liebt sie dich? (MONTY zögernd, unsicher, wie er reagieren soll.)

PHOEBE (weiter) (nach kurzer Pause)
 Du musst gar nichts sagen. Du hast mir die Antwort schon gegeben.

(PHOEBE geht und lässt MONTY unsagbar traurig zurück. 
 Die MUSIK setzt wieder ein.)

MONTY Und damit beschließe ich meinen Bericht, meine Memoiren. Das Ende werden wir am Morgen erfahren, welches auch immer die Geschworenen für mich vorgesehen haben. Bis dahin sollte ich zu schlafen versuchen, auch wenn mir das kaum gelingen dürfte…

N

IC

(Während sich MONTY auf seine Pritsche legt, blendet das Licht auf die Gefängniszelle langsam ab.)


112 2. AKT
 9. SZENE Ein Vernehmungsraum, am nächsten Morgen. Mit dem Licht sehen wir SIBELLA und den INSPEKTOR. #22

„DIES’ SCHRECKLICHE WEIBSBILD (TEIL I)“

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

SIBELLA DIES’ SCHRECKLICHE WEIBSBILD. 
 DIESE FURCHTBARE FRAU!

INSPEKTOR

Gräfin Navarro?

SIBELLA

DA SIND SIE VERBLÜFFT, 
 DOCH VON IHR KAM DAS GIFT, 
 DAS WEISS ICH GANZ GENAU! UND DARUM STEHT MONTY 
 OHNE SCHULD VOR GERICHT.
 SIE BEGEH’N EINEN IRRTUM! 
 DIESER MANN WAR ES NICHT!

INSPEKTOR Wissen Sie, was Sie da sagen, Mrs. Holland?

(Licht auf PHOEBE, in einem anderen Raum, mit einem AMTSRICHTER)

SIBELLA & PHOEBE DIESER MANN WAR ES NICHT!

AMTSRICHTER

N

IC

PHOEBE DIES’ SCHRECKLICHE WEIBSBILD!

Mrs. Holland?

PHOEBE VÖLLIG KLAR, WEN ICH MEIN’!
 NUR SIE GANZ ALLEIN 
 PRÄPARIERTE DEN WEIN, 
 JEDER FIEL DARAUF REIN! DIESE GIFTIGE SCHLANGE 
 MIT DEM PÜPPCHENGESICHT


113 PHOEBE (weiter) WAR HIER MORDEND ZUGANGE 
 UND MEIN MANN WAR ES NICHT! SIBELLA SIE WAR WIE UNTER STROM: PHOEBE

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

EIN GANZ KLARES SYMPTOM: SIBELLA & PHOEBE

SIE WAR KOM-
 ISCH NERVÖS, BLICKTE SCHNELL 
 HIN UND HER.

SIBELLA UND SIE SPRACH FAST NICHT MEHR. PHOEBE DANN GRIFF SIE EIN DESSERT…

SIBELLA & PHOEBE ES WAR SEHR SUGGESTIV! PHOEBE

DANN,

SIBELLA ES WURD WEIN AUSGESCHENKT,

SIBELLA & PHOEBE ALLE WARN ABGELENKT, PHOEBE

NIEMAND SAH’S:

N

IC

SIBELLA & PHOEBE DA TROPFT SIE WAS INS GLAS. PHOEBE

ZUM BEWEIS

(Sie schiebt sie dem AMTSRICHTER als Beweisstück einen Brief entgegen.)

SIBELLA ICH HAB’S HIER SCHWARZ AUF WEISS:

(Sie schiebt sie dem INSPEKTOR als Beweisstück einen Brief entgegen.)


114 PHOEBE SEHN SIE NUR DIESEN BRIEF! SIBELLA DAS IST ECHT EXPLOSIV! SIBELLA & PHOEBE DIES’ SCHRECKLICHE WEIBSBILD,

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

SIBELLA

DAS JEDEN BEZWINGT!

PHOEBE DAS DIE MÄNNER VERSCHLINGT!

SIBELLA

JA SIE LÜGT UNBEDINGT

PHOEBE SIE IST SCHEUSSLICH GESCHMINKT

SIBELLA & PHOEBE UND MAN HÖRT, DASS SIE TRINKT! PHOEBE SO ERSCHEINT MEIN MANN MONTY

SIBELLA

SICHER SEHN SIE DEN GRAF

SIBELLA & PHOEBE NUN IN ANDEREM LICHT!

IC

PHOEBE ER KRÜMMT KEINEM EIN HAAR,

SIBELLA

N

ER LIEBT TIERE, MEIN GOTT!

PHOEBE

ES IST UNVORSTELLBAR!

SIBELLA ER DARF NICHT AUFS SCHAFOTT!

SIBELLA & PHOEBE NEIN: MONTAGUE D’YSQUITH NAVARRO 
 WAR ES GANZ SICHER NICHT!


115 #22A „EINE KRIMINALISTISCHE KLEMME“ (Die beiden Frauen in ihren jeweiligen Räumen allein zurücklassend, treten der INSPEKTOR und der AMTSRICHTER zeitgleich in den Flur. Die MUSIK läuft unter der Szene weiter.)

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AMTSRICHTER Inspektor, Sie glauben nicht, wer mich eben besucht hat! In allerletzter Sekunde quasi. INSPEKTOR

Das gleiche wollte ich Ihnen gerade sagen! AMTSRICHTER Offenbar ist Mrs. Holland die Mörderin!

INSPEKTOR Offenbar ist Mrs. Navarro die Mörderin!

(BEIDE sind verwirrt.)

AMTSRICHTER

INSPEKTOR Mrs. Holland?!

Mrs. Navarro?!

AMTSRICHTER & INSPEKTOR

(einstimmig:)
 Ich habe ein Beweisstück!
 (kurze Pause, dann wieder gleichzeitig:)
 Es ist sehr glaubwürdig!

INSPEKTOR Nun, sie können es ja nicht beide gewesen sein! (Sie tauschen die Briefe aus.)

AMTSRICHTER

IC

(liest)
 „Lieber Monty…“

INSPEKTOR

N

(liest)
 „Monty, mein Liebling…“

AMTSRICHTER „Ich war es, die den Grafen vergiftet hat.“

INSPEKTOR „Es war an der Zeit, dass Du den Dir gebührenden Platz einnimmst.“ AMTSRICHTER Das ist höchst erstaunlich!


116 INSPEKTOR Sie sagt, sie konnte den Brief abfangen… AMTSRICHTER …bevor er Lord Navarro überbracht wurde. INSPEKTOR Wir können nicht eine Frau festnehmen, wenn wir die andere zugleich verdächtigen.

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AMTSRICHTER

Das wäre gegen das Gesetz.

INSPEKTOR Die Geschworenen würden nie einen Schuldspruch fällen.

AMTSRICHTER & INSPEKTOR

(einstimmig)
 Begründeter Zweifel.

AMTSRICHTER Wir stecken in einer kriminalistischen Klemme…

(BEIDE gehen nun in ihren jeweils anderen Befragungsraum.)

#22B „DIES’ SCHRECKLICHE WEIBSBILD (TEIL II)“ SIBELLA

(nun zum AMTSRICHTER)
 ES WAR BÖSWILLIGKEIT.

PHOEBE

(nun zum INSPEKTOR)
 IHR MOTIV WAR DER NEID

SIBELLA

N

IC

SIE WOLLTE DEN TITEL

SIBELLA & PHOEBE

UND RACHE DAZU.

PHOEBE

UND ES IST IHR EGAL,

SIBELLA

SIE MISSACHTET TOTAL, SIBELLA & PHOEBE DASS DAFÜR JEMAND HÄNGT!


117 AMTSRICHTER & INSPEKTOR UNGLAUBLICH…! (Die WACHE kommt vorbei und hört mit…) PHOEBE SIE SIBELLA

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EINE FURIE WIE DIE

SIBELLA & PHOEBE

HANDELT SKRUPELLOS,

SIBELLA

SELBSTSÜCHTIG,

PHOEBE

WILLKÜRLICH,

AMTSRICHTER & INSPEKTOR

GRAUSAM

ALLE 4

UND TÖDLICH!

AMTSRICHTER & INSPEKTOR

EIN TIER!

SIBELLA & PHOEBE MONTY KANN NICHTS DAFÜR!

AMTSRICHTER & INSPEKTOR ALSO LOS, DIE ZEIT DRÄNGT!

N

IC

SIBELLA & PHOEBE ALSO LOS, DIE ZEIT DRÄNGT!

AMTSRICHTER & INSPEKTOR DIES’ SCHRECKLICHE WEIBSBILD, ALLE 5

DIE SATANSPERSON!

UND SO LANG ES NOCH GEHT:

SIBELLA


118 PHOEBE ES IST NOCH NICHT ZU SPÄT: ALLE 5 GEH’N WIR IN REVISION!
 DRUM, IM NAMEN DES KÖNIGS, 
 IST ES UNSERE PFLICHT!

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SIBELLA & PHOEBE ES FLIESST SCHULDLOSES BLUT, 
 WIE DIE SACHE HIER LIEGT.

AMTSRICHTER & INSPEKTOR ENDE GUT, ALLES GUT, ALLE 5 DIE GERECHTIGKEIT SIEGT
 FÜR MONTAGUE D’YSQUITH NAVARRO: 
 DIESER MANN WAR ES NICHT! 
 DIESER MANN WAR ES NICHT! 
 DIESER MANN WAR ES

(Von INSPEKTOR und AMTSRICHTER unbemerkt schütteln SIBELLA und PHOEBE einander die Hände und nicken sich verschwörerisch zu.) ALLE 5 (weiter)

N

IC

NICHT!


119 2. AKT
 10. SZENE MONTY schläft in seiner Zelle, als die WACHE, der INSPEKTOR und der AMTSRICHTER eintreten. WACHE Lord Navarro!

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(MONTY schreckt hoch.)

INSPEKTOR Euer Lordschaft, die Anklage wurde fallengelassen. Sie sind ein freier Mann. MONTY

Ich verstehe nicht…?

AMTSRICHTER Die Geschworenen wurden von ihrer Pflicht entbunden und Sie werden unverzüglich freigelassen. MONTY

Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll…

INSPEKTOR Kommen Sie mit uns, Euer Lordschaft, kommen Sie.

(DIE DREI MÄNNER geleiten MONTY zum Gefängnistor.)

AMTSRICHTER Hören Sie, wie die Leute für Sie jubeln, Mylord? MONTY

Aber doch sicherlich nicht für mich…?!

N

IC

WACHE Ich sag’s ehrlich: ich wusste immer, dass Sie unschuldig sind! Sie sind ein verdammter Graf, Hergott noch mal!

SZENE 10A

(PHOEBE erscheint, ihren Mann zu begrüßen.) PHOEBE

Monty!

#22C „DA IST PHOEBE“


120 MONTY (singt)
 DA IST PHOEBE, 
 NOBEL UND MILD, 
 VERDIENT RESPEKT UND BEWUNDERUNG.
 DOCH BIN ICH MAL BEI PHOEBE: 
 JEDESMAL SCHWILLT MEIN SEHNEN NACH:

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(Da erscheint SIBELLA ebenfalls.) SIBELLA

Monty!

MONTY

SIBELLA! 
 LAUNISCH UND WILD, 
 WAS LEIDENSCHAFT WECKT UND — SAG ICH’S? — 
 LUST! DOCH BIN ICH BEI SIBELLA, 
 SEH ICH NUR DAS BILD VON…

PHOEBE

Monty, Liebling!

MONTY

PHOEBE: 
 MAKELLOS REIN, 
 SIE LIEB ICH ALLEIN, DOCH—…

SIBELLA

Oh, Monty…!

MONTY

N

IC

EWIG, OHNE ENDE
 DREH ICH MICH IM KREIS!

(MONTY steht nun da, eingerahmt von SIBELLA und PHOEBE auf gegenüberliegenden Seiten.)

INSPEKTOR Was für eine unglaubliche Geschichte! Da haben Sie wirklich was für Ihre Memoiren, wie?

(Der INSPEKTOR öffnet das Tor des Gefängnisses für MONTY. Eine MENSCHENANSAMMLUNG erwartet ihn bereits, als er vors Tor tritt. Ein ZEITUNGSJUNGE trägt ein Umhängeschild auf dem steht „LORD D’YSQUITH UNSCHULDIG!“)


121 MONTY Meine Memoiren?
 (plötzlich:)
 Meine Memoiren!
 (mit einem entsetzten Blick)
 Meine Memoiren…!! „FINALE“

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

#23

ENSEMBLE

MEMOIREN?
 (LUFTSCHNAPPEN!)
 OH SCHRECK!
 OH WEH! WO SIND DIE MEMOIREN?!

(In diesem Moment kommt die WACHE mit MONTYs Manuskript dazu.)

WACHE Hier, Mylord. Ich habe diese Mappe in Ihrer Zelle gefunden und dachte, die brauchen Sie vielleicht. MONTY

(nimmt sie)
 Oh, wie aufmerksam! Ich danke Ihnen!

(MONTY ist unendlich erleichtert: das war knapp!)

ALLE (AUSSER MONTY) MONTY NAVARRO! 
 WEIT HAT DER JUNGE ES GEBRACHT! MONTY NAVARRO 
 HAT GLÜCK IM ÜBERFLUSS!

IC

MONTY NAVARRO, 
 SAG MIR, WIE HAST DU DAS GEMACHT?!

N

ICH WILL ES WISSEN, ICH MUSS! PHOEBE

SIBELLA

MONTY NAVARRO! NAVARRO!

MONTY NAVARRO! NAVARRO!

ENSEMBLE I

MONTY NAVARRO! NAVARRO!

ALLE (AUSSER MONTY) MONTY D’YSQUITH NAVARRO!

ENSEMBLE II MONTY NA-
 VARRO!
 MONTY
 NAVARRO!


122 MONTY ICH BIN DER GRAF AUF SCHLOSS HIGHHURST! ALLE DOCH DAS IST NICHT—… MONTY

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

(zum Publikum)
 Man fragt sich natürlich: wenn ich den Grafen nicht vergiftet habe: wer dann? (Ein Spot erleuchtet MISS SHINGLE für ihr Statement.)

MISS SHINGLE Blausäure, gerade richtig dosiert, wirkt fast augenblicklich. Also, wenn Monty schuldig gesprochen worden wäre, hätte ich mich natürlich gemeldet und mein Verbrechen zugegeben, klar! Lang lebe der Graf! MONTY ICH BLEIBE GRAF AUF SCHLOSS HIGHHURST! ALLE

DOCH DAS IST NICHT DER—…

(Während MONTY mit PHOEBE und SIBELLA, den beiden links und rechts jeweils seinen Arm bietend, davongeht, taucht plötzlich CHAUNCEY auf, mit boshaft-entschlossenem Gesichtsausdruck…)

CHAUNCEY D’YSQUITH DA STEH ICH NU’ UND HAB ’N GIFT IN MEINER TASCHE… ALLE

DAS IST NICHT DER SCHLUSS!

N

IC

ENDE DES ZWEITEN AKTES

#24

„APPLAUSMUSIK“

#24A „AUSLASSMUSIK“