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Textbuch (dt.)

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

PIANO VOCAL SCORE

Book and Lyrics by

Alan Jay Lerner

Music by

Frederick Loewe

Musik von FREDERICK LOEWE Original dances created by Agnes DeMille Buch und Gesangstexte von 
 ALAN JAY LERNER Original-Choreographie AGNES DeMILLE

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Deutsche Fassung von NOTICE: DO NOT DEFACE! ROMAN HINZE Should you find it necessary to mark cues or cuts, use a soft black lead pencil only. (2018) NOT FOR SALE

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Book, Music and Lyrics — Copyright © 1947 by Alan Jay Lerner and Frederick Loewe. Orchestra arrangements — Copyright © 1977 by Alan Jay Lerner and Frederick Loewe.

09/18


Alle Rechte vorbehalten. Hierzu zählen insbesondere das Recht der Übersetzung, Verfilmung und Übertragung durch Rundfunk, Fernsehen und sonstige Medien, der mechanischen Vervielfältigung und der Vertonung (Neuvertonung), die Verwendung zu Bühnenzwecken, Vorlesungen und Aufführungen, gleich ob von Amateur- oder Profibühnen sowie anderen Interessenten.

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Text, Komposition sowie Text- und Musikmaterial des Bühnenwerks werden Bühnen / Veranstaltern ausschließlich für Zwecke der Aufführung nach Maßgabe des jeweiligen Aufführungsvertrags zur Verfügung gestellt. Jede darüber hinausgehende Verwertung von Text und /oder Musikmaterial des Bühnenwerks bedarf der ausdrücklichen vorherigen Zustimmung des Verlags. Das gilt insbesondere für dessen Vervielfältigung, Verbreitung, elektronische Verarbeitung, Übermittlung an Dritte und Speicherung über die Laufzeit des Aufführungsvertrags hinaus. Die vorstehenden Sätze gelten entsprechend, wenn Bühnen / Veranstaltern der Text oder das Musikmaterial des Bühnenwerks ohne vorherigen Abschluss eines Aufführungsvertrages zur Ansicht zur Verfügung gestellt wird. Weitere Einzelheiten richten sich nach den zwischen Bühnen / Veranstaltern und Verlag getroffenen Vereinbarungen. Dieser Text und die damit verbundene Komposition gilt bis zum Tag der Uraufführung / deutschsprachigen Erstaufführung / bis zur Erstübersetzung / der Neuübersetzung als nicht veröffentlicht im Sinne des Urheberrechtsgesetzes. Es ist nicht gestattet, vor diesem Zeitpunkt das Werk oder einzelne Teile daraus zu beschreiben oder seinen Inhalt in sonstiger Weise öffentlich mitzuteilen oder sich öffentlich mit ihm auseinanderzusetzen. Nicht vom Verlag genehmigte Verwertungen verletzen das Urheberrecht und können zivilrechtliche und ggf. auch strafrechtliche Folgen nach sich ziehen.

Als unverkäufliches Manuskript vervielfältigt. Dieses Material darf weder verkauft, noch verliehen, noch sonst irgendwie weitergegeben werden.

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Wird das Stück nicht zur Aufführung angenommen, so ist das Manuskript umgehend zurückzusenden an:

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BRIGADOON

FIGURENVERZEICHNIS Vater von FIONA & JEAN, herzlicher Mann Ende 50. Er ist zuweilen ein wenig wichtigtuerisch und spricht mit dröhnender, barscher Stimme.

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ANDREW MacLAREN

Mitte 30, verkauft mit MEG Eier, Milch und Sahne auf dem MacConnachy-Platz. (Optional Bariton. Sprechrolle, falls die Solostellen in #22 von MacGREGOR übernommen werden.)

ARCHIE BEATON

Ein freundlicher Schotte um die 50, verkauft Wolle, Schottenstoffe usw.

CHARLIE DALRYMPLE*

Ein Jüngling Mitte 20 mit sandfarbenem Haar, verlobt mit JEAN.

FIONA MacLAREN*

Anmutig und hübsch, etwa 22, 23 Jahre. Intelligent, mit leisem Humor und völlig aufrichtig und deshalb oft entwaffnend.

FRANK

New York, Barkeeper

HARRY BEATON

ARCHIEs Sohn, etwa 24, schlank und sehr sensibel wirkend. (Tänzer)

JANE ASHTON

New York, Ende 20, modebewusst, sehr attraktiv, wenn auch zuweilen ein wenig ernst; verlobt mit TOMMY.

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ANGUS MacGUFFIE

JEAN MacLAREN

Attraktiv, schüchtern, bescheiden, um die 18. Sie ist verlobt mit CHARLIE DALRYMPLE. (Tänzerin)

JEFF DOUGLAS

Mitte 30, zurückhaltend und gutmütig.

KATE

Eine Freundin von JEAN.

MEG BROCKIE*

Verkauft mit ANGUS Milch und Sahne auf dem MacConnachy-Platz.

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BRIGADOON

Ein kauziger schottischer Schulmeister Ende 50. Trägt eine Brille und eine rote Tamo’Shanter-Mütze1. Er ist freundlich, wirkt völlig harmlos und spricht, ohne groß Emotionen zu zeigen. Er ist der Oberlehrer („Dominie“) von Brigadoon. Er spricht mit starkem Akzent, aber immer verständlich.

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MR. LUNDIE

Verkauft Wollkleidung auf dem MacConnachy-Platz. (Chor, Solo-Tenor)

TOMMY ALBRIGHT*

Etwa 30, durchschnittlich groß, männlich, ansprechendes, aber sensibles Gesicht.

MAGGIE ANDERSON

Hat ein Auge auf HARRY BEATON geworfen.

SANDY DEAN*

Bass, verkauft Süßigkeiten auf dem MacConnchy-Platz. (ohne Dialog)

MacGREGOR*

Verkauft Salzfleisch auf dem MacConnachy-Platz. (Chor, Solo-Bariton, ohne Dialog. Kann optional ANGUS’ Solostellen in #22 übernehmen)

FISCHHÄNDLERIN

(Ohne Dialog. Tänzerin im „Bonnie-JeanBallett“)

SCHWERTTÄNZER

Zwei Männer (ohne Dialog)

DUDELSACKPFEIFER

Zwei Männer (ohne Dialog)

STADTVOLK VON BRIGADOON

24 Sängerinnen und Sänger 20 Tänzerinnen und Tänzer

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STUART DALRYMPLE*

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* Hauptgesangsparts

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BRIGADOON

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SZENEN UND MUSIKNUMMERN

#1 – OUVERTÜRE (Orchester) ................................................................................................. 7

Akt I, Prolog ........................................................................................................... 7 #2 – PROLOG (Chor) ................................................................................................................. 7

Akt I, Szene 1: Ein Wald in den schottischen Highlands ................................... 8

#3 – BRIGADOON (Chor) ....................................................................................................... 12

Zwischenszene: Eine Strasse in Brigadoon ....................................................... 14

#4 – Händlerrufe ....................................................................................................................... 14

Akt I, Szene 2: Der MacConnachy-Platz in Brigadoon .................................... 16

#5 – KOMM ZUM MacCONNACHY-PLATZ ........................................................................ 16 #6 – ICH WART’ AUF DEN EINEN ....................................................................................... 25 #7 – ICH GEH’ HEIM MIT MEINER JEAN ........................................................................... 36 #7a – Tanz (Bonnie Jean) .......................................................................................................... 38 #8 – HAND IN HAND DURCHS HEIDEKRAUT .................................................................. 43 #8a – Regenszene ...................................................................................................................... 45 #8b – Szenenwechsel (Orchester) ............................................................................................. 46

Akt I, Szene 3: Die Brockie-Hütte ...................................................................... 47

#9 – DER MANN FÜRS LEBEN ............................................................................................. 51 #9a – Szenenwechsel (Orchester).............................................................................................. 53

Akt I, Szene 4: Das Haus von MacLaren ........................................................... 54

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#10 – JEANNIE ZIEHT HEUT’ AUS ...................................................................................... 54 #11 – KOMM ZU MIR, KÜSS MICH HIER ........................................................................... 58 #11a – Tanz (Orchester) ............................................................................................................ 59 #12 – FAST SO, ALS WÄR’ ICH VERLIEBT ........................................................................ 62 #13 – Bibelszene ....................................................................................................................... 63 #14 – Szenenwechsel (Orchester) ............................................................................................. 67

Akt I, Szene 5: Vor Mr. Lundies Haus .............................................................. 68

#15 – Ende der Lundie-Szene (Chor a cappella) ....................................................................... 75

Akt I, Szene 6: Vor der Kirche in Brigadoon .................................................... 76

#16 – Einzug der Clans (Orchester) .......................................................................................... 76 #17 – Hochzeitszeremonie (Incidental) (Orchestra) .................................................................. 77 #18 – Hochzeitstanz (Orchester) ............................................................................................... 78 #19 – SCHWERTTANZ & REEL ............................................................................................ 79 #20 – Ende von Akt I (Orchester) ............................................................................................. 81

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BRIGADOON

#21 – Entreacte (Orchester)....................................................................................................... 82

Akt II, Szene 1: Ein Wald nahe Brigadoon ....................................................... 82 #22 – DIE JAGD ....................................................................................................................... 82 #22a – Szenenwechsel (Orchester)............................................................................................ 85

Akt II, Szene 2: Eine Strasse in Brigadoon ....................................................... 86 #23 – DU BIST ES, DIE ICH WILL ........................................................................................ 88

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Akt II, Szene 3: Im Tal ........................................................................................ 91

#24 – Opening Tal-Szene (Orchester) ....................................................................................... 91 #24a – DIE HOCHZEIT VON MAMA .................................................................................... 91 #24b – Tanz (Orchester) ............................................................................................................ 93 #25 – Die Beerdigung (Orchester) ............................................................................................ 93 #26 – FÜR ALLE ZEIT ............................................................................................................ 98 #26a – Abschiedsmusik ............................................................................................................. 99

Akt II, Szene 4: Eine Bar in New York City ................................................... 101

#27 – Szenenwechsel (Orchester) ........................................................................................... 101 #28 – REPRISEN .................................................................................................................... 106 #29 – Szenenwechsel (Orchester) ........................................................................................... 111

Akt II, Szene 5: Im Wald................................................................................... 112

#30 – FINALE ........................................................................................................................ 113

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Anmerkungen des Übersetzers ......................................................................... 115

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BRIGADOON

#1 – OUVERTÜRE (Orchester)

AKT I, PROLOG #2 – PROLOG (Chor)

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Kurz vor dem Ende der Ouvertüre und nachdem sich der Vorhang geöffnet hat, verklingt die Musik und ein CHOR wird hörbar. CHOR

(Aus dem Off) HOCH IN DEN HIGHLANDS, DEN HIGHLANDS VON SCHOTTLAND2, TIEF IN DER NACHT, WENN DER MOND REGIERT, DORT IN DEN HIGHLANDS, DEN HIGHLANDS VON SCHOTTLAND, HABEN ZWEI JÄGER SICH VERIRRT. SOLO-TENOR NUN HÖRT, WAS GESCHEH’N IST, WAS DAMALS GESCHEH’N IST.

CHOR ES HABEN ZWEI JÄGER SICH DORT VERIRRT.

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(Die Musik verklingt allmählich, das Stück beginnt.)

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BRIGADOON

AKT I, SZENE 1: EIN WALD IN DEN SCHOTTISCHEN HIGHLANDS ZEIT: Etwa fünf Uhr früh. Der Wald ist in das tiefe Grau getaucht, das zwischen Nacht und Morgen herrscht. Während der Szene hellt sich das Grau allmählich auf.

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Zum Szenenbeginn: TOMMY ALBRIGHT und JEFF DOUGLAS werden auf Stufen sichtbar, die in einen großen Felsen geschlagen sind. Eine rustikale Holzbrücke führt von dem Felsen ins Off. Weit im Hintergrund ein fruchtbares Tal. TOMMY ist um die dreißig. Er ist durchschnittlich groß, wirkt männlich, sein Gesicht ansprechend, aber sensibel. Er trägt einen Trenchcoat.

JEFF ist Mitte dreißig. Er ist zurückhaltend und gutmütig und macht sich wenig aus Problemen. Er trägt ebenfalls einen Trenchcoat. JEFF sitzt auf auf dem Felsen auf etwas, das ein Rucksack zu sein scheint. Er studiert eine Karte. Neben ihm liegen zwei Gewehre. TOMMY steht über ihm und betrachtet die Karte.

TOMMY (Steht hinter JEFF. Nimmt die Karte) Hier! Gib mir die Karte. (Zeigt auf einen Ort auf der Karte.) Hier ist Auchintoul3.

JEFF Wenn ich mich recht erinnere, sollte das irgendwo links liegen. Aber ich erinnere mich nicht recht. TOMMY

Links, doch, richtig. (Zeigt auf einen anderen Ort) Und hier ist Braemore.

JEFF

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Sollte rechts sein.

TOMMY

Genau. Und wo zum Teufel sind wir?

JEFF

Was ist in der Mitte?

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BRIGADOON

TOMMY Nichts. JEFF Und da sind wir. TOMMY Im Nichts?

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JEFF Ja. Und für einen Burschen mit meinen Möglichkeiten ist das der ideale Ort. Sobald die Sonne aufgeht, finden wir hier bestimmt wieder raus. (Allmählich mehr Licht.)

TOMMY

(Steckt die Karte in die Tasche) Wir sind vielleicht zwei Experten. Da kommen wir von New York nach Schottland und haben uns schon in der ersten Nacht verlaufen. JEFF Vielleicht sind wir an einer Kreuzung falsch abgebogen.4 (Holt einen Flachmann aus der Tasche) Willst du ’nen Drink? TOMMY

Nein, danke.

JEFF

Wunderbar. Bleibt mehr für mich. (Schraubt den Flachmann auf)

TOMMY

(Geht zu JEFF) Wolltest du nicht weniger von dem Zeug trinken?

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JEFF Stimmt. Aber ich bin ein notorischer Lügner. Außerdem bringt es nichts. Einmal war ich mit einem Mädchen zusammen, die mir ständig in den Ohren gelegen hat, ich soll aufhören. Irgendwann hab’ ich es wirklich getan. Da haben wir gemerkt, dass wir keinen Gesprächsstoff mehr haben, und es war aus zwischen uns. TOMMY

(Hört nicht wirklich zu.) Irgendwas an diesem Wald gibt mir das Gefühl, in einer Kathedrale zu sein. (Nimmt einen Zweig von der Brücke.)

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BRIGADOON

JEFF Wenn, wüsste ich wenigstens, wo der Ausgang ist. TOMMY (Grinst. Geht zu JEFF) Du glaubst an gar nichts, oder? JEFF Doch, natürlich!

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TOMMY

Wirklich? An was?

JEFF Eigentlich an alles, was ich verstehe; du weißt schon, was Handfestes. An Dinge, die ich anfassen kann, schmecken, hören, sehen, riechen und ... (Weist auf den Flachmann) ... schlucken. TOMMY Und was ist mit den Dingen, die du nicht verstehst? JEFF

Blende ich aus. (Trinkt.)

TOMMY

Das macht das Leben einfach, was?

JEFF

Bequem trifft es eher.

TOMMY

(Wendet sich wieder zu JEFF) Ich beneide dich, Jeff.

JEFF

Warum?

TOMMY

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Du bist offenbar zufrieden.

JEFF

Bin ich. Du nicht?

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BRIGADOON

TOMMY Nein. JEFF Das ist das Dämlichste, was ich je gehört hab’. Du hast einen tollen Job, bist mit einem tollen Mädchen verlobt und hast dich in einem tollen Wald verirrt. Was willst du denn mehr?

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TOMMY (Geht zum Felsen und setzt sich neben JEFF) Ich weiß nicht. Irgendwas stimmt nicht, vor allem zwischen Jane und mir. Es fühlt sich einfach nicht richtig an. Du merkst ja, wie ich die Heirat herauszögere. Ich will einfach nicht.

JEFF Was soll denn bitteschön nicht stimmen? Jane ist jung, attraktiv, sie passt eins A in dein Leben – und als wär’ das nicht genug – sie liebt dich auch noch. Und zwar genau mit dem richtigen Maß. TOMMY

Das richtige Maß?

JEFF Genug, um dich glücklich zu machen, aber nicht so viel, dass deine Freunde es peinlich finden. TOMMY Perfekt, was? Aber warum empfinde ich es nicht so? Irgendwas ist mit mir.

JEFF Jetzt red’ dir bitte kein Minderwertigkeitsgefühl ein. Das hast du nicht verdient. TOMMY

Was soll das heißen?

JEFF Na ja, die meisten meiner Freunde mit ’nem Minderwertigkeitskomplex haben völlig recht damit. Sie haben es tatsächlich nicht so drauf wie der Rest. Aber jemand wie du, der ...

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(Plötzlich hört man in der Entfernung Stimmen. Sie summen „BRIGADOON“) TOMMY

(Steht auf) Halt mal. (JEFF ist still) Hörst du das?

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BRIGADOON

JEFF Mhm. TOMMY Ssh! (Die STIMMEN AUS DEM OFF werden langsam, sehr langsam besser hörbar. Sie liegen unter dem folgenden Dialog.)

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#3 – BRIGADOON (Chor) CHOR

(a cappella) BRIGADOON, BRIGADOON5, UNTERM HIMMEL SCHWARZ WIE ERZ. BRIGADOON, BRIGADOON, EWIG SCHLÄGT FÜR DICH MEIN HERZ. WIRD DIE WELT UMHER AUCH KÄLTER, HERRSCHT IM HIMMEL NOT UND QUAL ... (Orchester tutti, Stimmen tacet bei den letzten zwei Zeilen) [BRIGADOON, BRIGADOON, ES LIEGT LIEBE HIER IM TAL.] TOMMY

(Weist in die Ferne) Siehst du das?

JEFF

(Steht auf) Sieht aus wie ein Dorf.

TOMMY

(Springt auf den Felsen)

Ja.

JEFF Hast du nicht gesagt, auf der Karte gibt es hier in der Nähe keine Siedlungen?

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TOMMY Hab’ ich. (Zeigt) Siehst du das? Dort um das Dorf herum. Siehst du diesen seltsamen Nebel?

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BRIGADOON

JEFF (Springt auf den Felsen) Sonst gibt es im Tal keinen Nebel. TOMMY Nur um das Dorf herum. Komm, wir gehen hin. So weit kann es nicht sein. Los! (Es wird rasch dunkel)

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JEFF Ich kann gar nicht abwarten, Charlie Baedeker6 davon zu erzählen.

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(JEFF folgt TOMMY über die Brücke, während die Musik anschwillt und sich der Vorhang schließt)

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BRIGADOON

ZWISCHENSZENE: EINE STRASSE IN BRIGADOON #4 – Händlerrufe Der Vorhang öffnet sich. Ein bemalter Decker: Eine niedrige Mauer an einer Landstraße, dahinter Felder und in der Ferne Hügel.

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Das Grau der Dämmerung wird allmählich zu Tageslicht. Man erkennt MENSCHEN, die sich über die Straße nähern. Sie tragen einfache schottische Bauerntracht. Einige tragen Körbe, andere haben Bierkrüge auf den Schultern, wieder andere Stangen, an denen Fleisch oder Fisch hängt. Musik liegt unter der Szene. Die verschiedenen Stimmen sind solo zu hören, bis zur letzten Phrase, die tutti vom Ensemble gesungen wird. MANN (BASS)

(Ruft aus dem Off) KOMMT ZUM MARKT HERBEI!

FRAU (SOPRAN)

(aus dem Off) KAUFT MANCHERLEI!

FRAU (ALT)

(Mitte)

KAUFT, WAS AUCH SEI!

MANN (BARITON) (Kommt herein. Er bietet Fleisch feil.) FLEISCH GESALZEN HAB’ ICH BEI, BIER IST FREI, LADDIE [JUNGE]!

(MAGGIE tritt auf, dreht sich um und winkt. Zwei JUGENDLICHE kommen, kommen zu MAGGIE, dann ab.)

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MANN (BASS) LEUTE, KOMMT HERBEI!

MANN (TENOR)

(aus dem Off) KÄSE HAB’ ICH MANCHERLEI. WILLST DU ZWEI, LADDIE [JUNGE]?

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BRIGADOON

FRAU (ALT) KÄSE HAB’ ICH MANCHERLEI. WILLST DU ZWEI, LADDIE [JUNGE]? FRAU (SOPRAN) KOMMT IN DIE STADT! FRAU (ALT) UND WERDET SATT!

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MANN (BARITON) KOMMT VOM BERG HERAB!

MANN (TENOR) TUCH UND WOLLE HAB’ ICH HIER, KAUF’S VON MIR, LADDIE [JUNGE]! FRAU (ALT) LOS JETZT, KOMMT AUF TRAB!

FRAU (SOPRAN) KOMMT RASCH HERBEI! FRAU (ALT) KOMMT RASCH HERBEI!

MANN (TENOR) HIER GIBT’S ALLERLEI! ALLE

(Die einzelnen Stimmen tutti) KOMMT NUN ALLE, WAS AUCH SEI! KOMMT HERBEI!

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(Der Decker hebt sich, Licht auf Szene 2.)

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BRIGADOON

AKT I, SZENE 2: DER MacCONNACHY-PLATZ IN BRIGADOON

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Es handelt sich um ein Dorf wie aus dem 18. Jahrhundert. In Schottland war es zu dieser Zeit Brauch, einmal wöchentlich einen Markt abzuhalten. Dort kauften, verkauften und verliehen sich die Bürger gegenseitig Dinge für den täglichen Gebrauch. Genau das ist gerade im Gange. Verkauft wird von Ständen und Karren. Die Stände ähneln Verkaufsbuden in heutigen Freizeitparks. An den Karren gibt es Fächer, in denen Waren ausliegen. Die Karren werden während der Musiknummer auf die Bühne gefahren. Auf dem hinteren Decker ist perspektivisch der Dorfplatz mit strohgedeckten Hütten dargestellt. Hinten Mitte gibt es eine niedrige Mauer mit einer gestuften steinernen Fläche davor. Auf einer Seite befindet sich die Fassade einer strohgedeckten Hütte mit einer Tür und einem Fenster. Davor steht ein Milch-und-Sahne-Verkaufsstand unter Leitung eines Schotten Mitte dreißig, ANGUS MacGUFFIE. Hinten auf der gegenüberliegenden Seite steht der Süßigkeitenstand von SANDY DEAN. Davor ist ein Stand mit Wollwaren, Plaidstoffen und Ähnlichem. Der Stand wird von ARCHIE BEATON, einem freundlich aussehenden Schotten um die 50, und seinem Sohn HARRY BEATON betrieben. HARRY ist etwa 24. Er ist schlank und wirkt sehr sensibel. Er kommt mit einem Buch unter Arm gemeinsam mit dem STADTVOLK auf die Bühne. STUART, MacGREGOR und MAGGIE sind ebenfalls anwesend. ZEIT: etwa 9 Uhr morgens.

Zu Szenenbeginn bevölkern Dreier- oder Vierergruppen die Bühne. Die meisten FRAUEN tragen Körbe und Tabletts mit Blumen und Gemüse. ALLE singen. Während der Nummer füllt sich die Bühne, bis es auf dem Platz summt wie in einem Bienenstock.

#5 – KOMM ZUM MacCONNACHY-PLATZ

STADTVOLK

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(Singt)

KOMMT VOM BERG HERAB! LOS JETZT, KOMMT AUF TRAB! KOMMT INS TAL UND DANN KOMMT, OB FRAU ODER MANN! (Volles Licht) LASST DEN BESEN STEH’N, UM DEN MARKT ZU SEH’N! ES PFEIFT JEDER SPATZ HOCH VOM DACH: AUF, MEIN SCHATZ, KOMM ZUM MacCONNACHY-PLATZ!

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BRIGADOON

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SANDY (mit einem Tablett voll Pfefferminzstangen) KOMMT ALLE ZU MIR, ZU SANDY HIER, KOMMT ALLE ZU SANDYS STAND. KAUFT MANDELN UND LECKEREI’N BEI MIR, MEIN NASCHWERK IST WOHLBEKANNT. ICH ESSE ES SELBER, MEIN GEBÄCK, ZUM FRÜHSTÜCK, ZUM LUNCH, ZUM TEE. DRUM HOFF’ ICH, IHR LEUT’, IHR KAUFT ES WEG, DER MAGEN TUT MIR SCHON WEH. FRAUEN LASST DEN BESEN STEH’N, UM DEN MARKT ZU SEH’N. ES PFEIFT JEDER SPATZ HOCH VOM DACH: AUF, MEIN SCHATZ!

CHOR (MÄNNER) LASST IN DER ECKE EURE BESEN STEH’N, UM UNSERN WOCHENMARKT ZU SEH’N. ES PFEIFT VERGNÜGT (UND FROH EIN) JEDER SPATZ

CHOR (FRAUEN) LASST DEN BESEN STEH’N, UM DEN MARKT ZU SEH’N. ES PFEIFT JEDER SPATZ

HÄNDLER/INNEN

KOMMT RASCH HERBEI!

KAUFT MANCHERLEI! KAUFT, WAS AUCH SEI! KAUFT, WAS AUCH SEI!

ALLE (S-A-T-B) HOCH VOM DACH: AUF, MEIN SCHATZ, KOMM ZUM MacCONNACHY-PLATZ! MacGREGOR FLEISCH GESALZEN HAB’ ICH BEI! BIER IST FREI, LADDIE [JUNGE]!

N

IC

(Das Orchester spielt 16 Takte. Währenddessen Auftritt MEG)

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BRIGADOON

EINIGE HÄNDLER/INNEN KOMMT RASCH HERBEI! HÄNDLERIN (SOPRAN) STUART DARYMPLE KÄSE HAB’ ICH MANCHERLEI. TUCH UND WOLLE HAB’ ICH HIER, WILLST DU ZWEI, LADDIE [JUNGE]? KAUF’S VON MIR, LADDIE [JUNGE]! EINIGE HÄNDLER/INNEN KOMMT RASCH HERBEI!

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ALLE (S-A-T-B) KOMMT ZUM MARKT HERBEI! KOMMT HERBEI! MEG

(Mit Tassen) ICH HABE DIE BESTE MILCH DABEI, VERKAUFE SIE EXKLUSIV. DIE MILCH IST DIE BESTE EINWANDFREI, DIE JE AUS ’NEM EUTER LIEF. SO GUT SIE AUCH IST, DER PREIS IST KLEIN. DAS FEHLTE EUCH NOCH ZUM GLÜCK. ICH NEHM’ SIE NICHT WIEDER MIT, OH NEIN, DIE KUH WILL SIE NICHT ZURÜCK.

(Das Orchester spielt 8 Takte. Währenddessen sieht ANGUS, wie MEG schäkert, und scheucht sie davon.

Jetzt singt der gesamte CHOR. Die FRAUEN singen die Melodie, die von MEG und SANDY gesungen wurde. Die MÄNNER singen das Hauptthema.) ALLE MÄNNER

N

IC

KOMMT VOM BERG HERAB! LOS JETZT, KOMMT AUF TRAB! KOMMT INS TAL UND DANN KOMMT, OB FRAU ODER MANN!

ALLE FRAUEN KOMMT ALLE HER VOM BERG HERAB, KOMMT ALLE INS TAL UND DANN KOMMT ALLE ZUM MARKT, JA, KOMMT AUF TRAB, KOMMT ALLE, OB FRAU, OB MANN! KOMMT ALLE UND LASST DIE BESEN STEH’N. ES FLÖTET VOM DACH DER SPATZ: KOMMT HER, UM DEN WOCHENMARKT ZU SEH’N. KOMMT ALLE ZUM GROSSEN PLATZ!

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BRIGADOON

ALLE MÄNNER

LASST DEN BESEN STEH’N, UM DEN MARKT ZU SEH’N. ES PFEIFT JEDER SPATZ

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LASST IN DER ECKE EURE BESEN STEH’N, UM UNSERN WOCHENMARKT ZU SEH’N! ES PFEIFT VERGNÜGT (UND FROH EIN) JEDER SPATZ

ALLE FRAUEN

ALLE (S-A-T-B) HOCH VOM DACH: AUF, MEIN SCHATZ, KOMM ZUM MacCONNACHY-PLATZ!

(Rampenlicht aus. Die Bühne leert sich ein wenig. MEG & ANGUS sind zu ihrem Milch-und-Sahne-Stand zurückgegangen, der Rest kauft weiter ein. HARRY BEATON setzt sich auf einen Schemel neben den Stand seines Vaters und beginnt zu lesen. Eine JUNGE FRAU stellt einen Schemel ab. Einige Kunden sammeln sich um ARCHIEs Stand, als ARCHIE beginnt zu rufen.) ARCHIE

Strickwaren! Stoffe! (HARRY steht auf und stellt den Schemel, auf dem er gesessen hat, von seinem Platz hinter dem Stand davor, setzt sich und liest weiter. Zu HARRY:) Komm, Harry. Hör auf zu lesen und hilf deinem Vater. (HARRY sieht auf und schließt mürrisch das Buch.) Vielleicht fängst du sogar an, das Webereigeschäft zu mögen. (ARCHIE geht zum Stand.)

HARRY (Steht auf und stellt sich zu ARCHIE.) Ich werde das Webereigeschäft nie mögen, Vater. Das weißt du nur zu gut.

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ARCHIE Probier’s, Laddie [Junge]. Sag Angus MacGuffie, dass wir Eier brauchen. Ich geb’ ihm Wolle für eine Hose, wenn er uns dafür Eier fürs Dinner gibt. (HARRY, der ein Stück Tuch zur Hand genommen hatte, um es Kunden zu zeigen, wirft es wieder hin und geht zu ANGUS’ Milch-und-Sahne-Stand. ARCHIE wendet sich einer der Frauen an seinem Stand zu.

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BRIGADOON

MR. ANDREW MacLAREN und seine zwei Töchter FIONA und JEAN treten auf und kommen nach vorn zu ARCHIEs Stand. MR. MacLAREN ist ein zäher Bursche Ende 50. Er ist ein wenig wichtigtuerisch und spricht mit lauter, barscher Stimme.

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FIONA ist 22 oder 23 Jahre alt. Wenn wir sie näher kennengelernt haben werden, werden wir merken, dass sie intelligent ist, einen feinen Humor besitzt, aufrichtig und direkt ist und so auf andere oft entwaffnend wirkt. Sie ist anmutig und rundum liebenswert. JEAN ist um die 18. Sie ist ebenfalls attraktiv, aber offensichtlich schüchtern und reserviert. Sie ist nur selten allein zu sehen, sondern klebt an ihrem Vater oder an FIONA. Auf ihrem Weg durch die Schar der Kunden nicken die drei ihnen ein „Guten Morgen“ zu. Das STADTVOLK nickt ihnen in Erwiderung darauf ebenfalls zu. FIONA trägt einen Korb mit sich; MR. MacLAREN hält ein großes Stück Pergament in der Hand.)

ARCHIE Einen wunderschönen guten Morgen, Mr. MacLaren. MR. MacLAREN

Guten Tag, Archie.

(Er steht einen Moment lang da und studiert das Pergament.)

ARCHIE Und einen guten Morgen auch den hübschen Töchtern. (HARRY hält inne und starrt JEAN an.)

FIONA (Durchstöbert die Tuchwaren auf ARCHIEs Stand) Guten Morgen, Mr. Beaton. ARCHIE Wonach suchen Sie denn, Miss Fiona?

FIONA Mein Vater benötigt eine Weste für die Hochzeit.

N

IC

ARCHIE Aber natürlich! Sie und der junge Charlie Dalrymple, Sie heiraten ja heute Abend, nicht wahr, Miss Jean? (HARRY geht ab.)

JEAN

(Seufzend) Ay, Mr. Beaton.

ARCHIE Tja, wenn Sie schon einen Anderen nehmen mussten als meinen Sohn Harry, dann bin ich froh, dass es wenigstens ein so guter Junge ist wie Charlie.

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JEAN Ay, Mr. Beaton. ARCHIE Sie freuen sich bestimmt wie ein Schneekönig, was? JEAN Ay, Mr. Beaton. FIONA

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(Lächelnd) Wie Sie bemerken, Mr. Beaton, ist Jean heute nicht sehr gesprächig.

JEAN Vater meint, ich soll nicht so viel reden. Er meint, wenn ich rede, klinge ich so glücklich, dass es ihm auf die Nerven geht. ARCHIE Haben Sie das wirklich gesagt, Mr. MacLaren?

MR. MacLAREN Oh ja, Archie. Außerdem, wenn ein Mädel heiratet ... muss es lernen zuzuhören, statt zu reden ... ARCHIE Glaube kaum, dass Charlie Probleme mit Miss Jean haben wird. Sie ist ein gutes Mädchen.

N

IC

MR. MacLAREN Archie, alle Mädchen sind gut. Und jetzt erklär mir bitte eins: Wo kommen die ganzen boshaften Weiber her? (Er geht zum Podest. FIONA und JEAN gehen weiter stöbern.) Freunde! (Tritt auf das Felsenpodest. HARRY tritt auf. Alle Aufmerksamkeit richtet sich auf MISTER MacLAREN.) Mister Lundie hat uns ein paar Gedächtnisstützen auf diese Pergamentrolle geschrieben. (Zeigt Pergamentrolle) Er bat mich, sie auf dem Platz aufzuhängen, wo ihr sie alle sehen könnt ... um euer Gedächtnis zu stützen. STADTVOLK

Ay!

MR. MacLAREN Heute ist der zweite unserer Gnadentage. Dies hier soll euch an die Verpflichtungen erinnern, die wir so dankbar eingegangen sind.

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STADTVOLK Ay! (Die Gruppe um MacLARENbeginnt sich zu zerstreuen.) MR. MacLAREN Und darum hänge ich es hier auf dem Platz auf ... wie ich es Mr. Lundie versprochen habe.

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(Er geht nach hinten und befestigt die Pergamentrolle an einer Hütte. Einige sammeln sich um sie und lesen, was darauf steht. Er bleibt stehen und beginnt eine stille Unterhaltung mit BÜRGERN, während FIONA sich wieder ARCHIEs Stand zuwendet.) ARCHIE

(Gutgelaunt zu FIONA) Ihr Vater nimmt die Dinge gern in die Hand, nicht wahr, Miss Fiona? (HARRY geht zu JEAN.)

FIONA

(Lächelnd) Ay! Vor allem, nachdem alles bereits getan ist. (Sie nimmt eine Stoffprobe in die Hand.) Hätten Sie eine Weste aus diesem Stoff, die ihm passt? ARCHIE

Ich denke schon, Miss Fiona.

(Er beginnt, seine Bestände durchzusehen.) JEAN

(Dreht sich um) Hallo, Harry.

HARRY

Hallo, Jean.

JEAN

N

IC

(Etwas befangen) Wie geht es dir?

HARRY Was glaubst du wohl? Heute ist dein Hochzeitstag. JEAN

(Legt ihm die Hand auf den Arm) Es tut mir wirklich leid, Harry.

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HARRY (Zieht seinen Arm zurück. Er geht zum Schemel bei ARCHIEs Stand.) Musst du nicht. Wenn mich jemand bemitleiden soll, dann ich selbst; auf ewig gefangen in diesem ... (Setzt sich und sieht JEAN an.) ... Bauernkaff. ARCHIE

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Was hat Angus gesagt, Harry? HARRY

Hab’ ich vergessen.

FIONA

Hallo, Harry.

HARRY Hallo, Fiona. (Zu JEAN) Es ist einfach unfair, dass Charlie Dalrymple dich heiraten darf, Jean. Er hat alles, Schule in Edinburgh und jetzt dich. Und ich habe nichts. ARCHIE Harry, hier, geh mit diesem Stoff zum Haus und sieh nach, ob es dort eine Weste davon gibt. HARRY (Mit einer Geste zu seinem VATER, der ihm den Stoff entgegenhält) Und ich muss für den Rest meines Lebens so was machen. (Er steht auf, nimmt den Stoff und geht Richtung Gasse.)

ARCHIE Warum schaust du dir nicht mal Maggie Anderson näher an? Sie hat ein Auge auf dich geworfen, weißt du? HARRY

Ay, Vater!

N

IC

(Ab. JEAN wendet sich FIONA zu, fast weinend) JEAN

Oh, Fiona, er tut mir so leid.

FIONA (Geht ein paar Schritte in die Richtung, in die HARRY abgegangen ist, und sieht ihm nach) Ich weiß, mein Schatz.

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JEAN (geht zu ARCHIEs Stand) Mr. Beaton, Sie hassen mich doch nicht dafür, dass ich Harry nicht liebe, oder? ARCHIE Nein, Miss Jean. Ist nicht Ihr Fehler. Ich denke manchmal, die einzige Frau, die Harry lieben konnte, war seine Mutter, Gott hab sie selig.

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MR. MacLAREN (Kommt nach vorn, geht zu JEAN, bietet ihr den Arm an, um sie wegzugeleiten) Komm, Jean. Du wirst den Tag heute mit deinem Vater verbringen. (JEAN nimmt seinen Arm; zu FIONA) Und, Fiona, denk dran, alles Notwendige fürs Hochzeitsbüffet zu kaufen. FIONA

Ay, Vater.

MR. MacLAREN Aber denk dran: nur das wirklich Notwendige. Ein guter Gastgeber will ich gern sein, aber kein Philanthrop. Komm, Jean. (JEAN und MR. MacLAREN ab.)

FIONA

(Ruft hinüber zu ARCHIE) Schicken Sie die Weste zum Haus rüber, Mr. Beaton? ARCHIE

Ay, Miss Fiona. (ARCHIE entfernt sich vom Stand und stellt neben seinem Stand beide Schemel nebeneinander auf. FIONA geht Richtung des Milch-und-Sahne-Stands mit MEG und ANGUS dahinter.) MEG

Morgen, Fiona.

FIONA

N

IC

(Am Stand) Hallo, Meg. Einen Krug Sahne, bitte.

(Während des Folgenden gibt MEG ihr den Krug. FIONA stellt ihn in ihren Korb und gibt MEG eine Münze.)

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MEG Mr. MacGuffy wird froh sein, dass zur Abwechslung mal ein Mädel einkauft. FIONA Warum? MEG Wenn Jungs an den Stand kommen, finde ich sie so nett anzuschauen, dass ich vergesse, sie nach Geld zu fragen.

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FIONA Auf die Art wirst du nie Gewinn machen.

MEG Stimmt! Aber eine Menge Freunde. (Verlässt ihren Platz hinter dem Stand und kommt herum zu FIONA) Ist das für Jeans Hochzeit heute Abend? FIONA

Ay.

MEG Und, Fiona, wann wirst du endlich heiraten?

(Während der folgenden drei Zeilen, gehen alle ab außer 8 SÄNGERINNEN, MEG, FIONA, ARCHIE & ANGUS, die im Hintergrund mit einem weiteren HÄNDLER schwatzen.)

FIONA Oh, wenn ich jemanden treffe, mit dem ich es mir vorstellen kann.

MEG Und bis jetzt hast du noch keinen getroffen, mit dem du es dir vorstellen kannst? FIONA (MEG und FIONA gehen zu einem Schemel, FIONA setzt sich.) Nein. Verstehst du, ich will nicht einfach heiraten. (Die Musik beginnt.)

N

IC

#6 – ICH WART’ AUF DEN EINEN

(FIONA) Ich glaube, man sollte es nur tun, wenn ein Mädel und ein Bursche wirklich zusammen sein wollen und wenn man das nur durch eine Heirat richtig hinbekommt. (Stellt den Korb ab)

MEG

(Stellt sich neben FIONA) Das ist eine ziemlich merkwürdige Idee, Fiona.

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(ARCHIE setzt sich an seinem Stand.) FIONA SO VIELE MÄDCHEN IN UNSEREM STÄDTCHEN WOLL’N EINE HEIRAT, SO FRÜH, WIE ES GEHT. UND HÄLT EIN MANN DANN MAL UM IHRE HAND AN, SAGEN SIE JA, AUCH WENN’S NIEMAND VERSTEHT.

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ANDERS ALS SIE SEHE ICH MEINE LAGE. NUR EINEN EINZIGEN GIBT ES FÜR MICH. IRGENDWANN KOMMT ER ZU MIR, KEINE FRAGE, UND KOMMT ER NICHT, DANN ERÜBRIGT ES SICH. (FRAUEN sammeln sich hinter ihr.) TÖRICHT MAG ICH SEIN, ABER ER WIRD MEIN. (Erhebt sich) ICH WART’ AUF DEN EINEN UND BIN SELTSAM FROH, ICH WEISS, ER IST DORT DRAUSSEN IRGENDWO. WENN ER KOMMT, DER EINE, (Sie tritt einen Schritt vor) SO BRAUCHT ES KEIN WORT. WENN ICH IHN SEH’, ERKENN’ ICH IHN SOFORT.

N

IC

BRAUCHT ER EWIG DAFÜR, BIS ER HIER IST BEI MIR, GEB’ ICH TROTZDEM NIEMALS AUF. MEINE HOFFNUNG AUF IHN LASS’ ICH NIE, NIEMALS ZIEH’N. ICH VERTRAU’ FEST DARAUF: ES GIBT IHN, DEN ICH MEINE, DARAUF BAUE ICH, ER WARTET AUF DIE EINE: MICH!

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(MEG setzt sich auf einen Hocker. ACHT FRAUEN stehen um FIONA herum und singen mit ihr, während sie den Refrain wiederholt.) FRAU (ALT)

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(geht zu FIONA) WIE SCHAFFST DU’S NUR, DASS BEIM WARTEN DIR NIE DEINE HOFFNUNG JE VERGEHT? FIONA NUN, WENN NIEMAND MICH SIEHT, FALL’ ICH AUF MEINE KNIE UND SPRECH’ LEISE EIN GEBET! FRAU (SOPRAN)

(tritt vor) WENN KEIN BURSCHE SÜSS INS OHR DIR SPRICHT, OH, WIE EINSAM DU DANN BIST! FIONA NOCH VIEL SCHLIMMER IST ES, WENN ES NICHT DER RECHTE IST. (Kommt nach vorn zur Mitte) ICH WART’ AUF DEN EINEN, DAS FÄLLT MIR NICHT SCHWER. MICH KRIEGT KEIN IRGENDWER, OH NEIN, NUR ER. FRAUEN WART’ NUR AUF DEN EINEN, VERTU’ DEINE ZEIT.

FIONA SO BIN ICH HALT, ES TUT MIR FURCHTBAR LEID.

N

IC

(FIONA geht nach rechts, während sich die FRAUEN um MEG scharen.)

FIONA BRAUCHT ER EWIG DAFÜR, BIS ER HIER IST BEI MIR, GEB’ ICH TROTZDEM NIEMALS AUF. MEINE HOFFNUNG AUF IHN LASS’ ICH NIE, NIEMALS ZIEH’N. ICH VERTRAU’ FEST DARAUF:

FRAUEN AH, AH AH, AH TROTZDEM NIEMALS AUF. AH, AH AH, AH VERTRAU’ DARAUF:

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FIONA & FRAUEN ES GIBT IHN, DEN ICH MEINE, DARAUF BAUE ICH, ER WARTET AUF DIE EINE: FIONA MICH!

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(Zum Ende des Songs nimmt FIONA ihren Korb und geht weg. TOMMY und JEFF treten auf – sie tragen wie vorhin ihre Trenchcoats. Sie kommen langsam näher und betrachten alles und jeden verwundert und neugierig. WEITERE STADTBEWOHNER kommen mit SANDY, STUART und MacGREGOR herbei. ALLES starrt TOMMY und JEFF an, diese starren zurück. Ein peinlicher Augenblick der Stille. Dann ...) TOMMY

Hallo!

(Einige antworten murmelnd mit einem „Hallo“.)

JEFF (Geht zu ARCHIEs Stand. Nach einer weiteren Pause:) Können Sie uns sagen, wo wir sind? ARCHIE Natürlich können wir das. Sie sind in Brigadoon. TOMMY

(Folgt JEFF) Brigadoon?

ARCHIE

Ay.

TOMMY Das ist seltsam. Auf der Karte gibt es keine Stadt namens Brigadoon. ARCHIE

Überrascht mich nicht.

N

IC

JEFF Sie wissen, dass es nicht auf der Karte eingezeichnet ist? ARCHIE

Ay.

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JEFF Das ist ein wenig ... exzentrisch, oder? TOMMY Warum ist es auf der Karte nicht zu finden? ARCHIE Aus gutem Grund. JEFF

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(Geht zu MEG; zu ihr:) Warum haben Sie sich kostümiert? Werden heute Fotos gemacht? Für Postkarten vielleicht? MEG

(Erhebt sich) Wir sind nicht kostümiert.

JEFF Sie laufen ständig in diesen Klamotten rum? MEG

Nein.

TOMMY

(Leicht ungeduldig.) Na los. Raus mit der Sprache. Was ist hier los? Was soll das alles? MEG

Heute ist Markttag.

TOMMY

Oh!

(Bemerkt den Milch-und-Sahne-Stand) Verkaufen Sie hier Milch? (Geht zum Stand)

ANGUS

Ay.

N

IC

TOMMY Kann ich welche kaufen? Ich hab’ einen Mordsdurst. Wir sind die ganze Nacht marschiert. ANGUS

Dazu müsste ich erst Ihr Geld sehen.

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TOMMY Was? (Er hält inne, wirft dann achselzuckend ANGUS eine Münze zu. ANGUS fängt sie auf, und bevor TOMMY sich dem Stand weiter nähern kann, hat sich um ANGUS rasch eine Gruppe gebildet, die die Münze untersucht. Man hört Ahund-Oh-Rufe, „Sieh dir das Datum an“ und „Neunzehnhundert...“ aus der Gruppe.)

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JEFF (TOMMY kommt zu JEFF. Die beiden schauen sich verwundert an) Was hast du dem gegeben, einen Klumpen Uran7? (FIONA stellt sich hinter den Stand hinter JEFF und TOMMY.)

TOMMY Nur einen Shilling. Was für ein verrücktes Nest ist das hier?

ANGUS (Kommt zu TOMMY und gibt ihm die Münze zurück) Sehr interessant, mein Herr, aber damit kann ich nichts anfangen. TOMMY

(Irritiert) Was meinen Sie damit? Wenn Sie mir was verkaufen, können Sie etwas damit anfangen.

ANGUS Tut mir leid, aber ich kann Ihnen nichts verkaufen. Aber wenn Sie durstig sind, kann ich Ihnen etwas Milch schenken. TOMMY

Nein. Einen Gefallen will ich nicht.

MEG

(Kommt zu TOMMY) Die Münze ... Sie sind also aus England?

TOMMY

N

IC

Nein, aus Amerika.

MEG

Aus Amerika?

JEFF

Ich ja. Er ist aus Georgia. (Nimmt TOMMYs Arm) Komm, wir gehen.

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FIONA (Kommt rasch zu ihnen nach vorn. ANGUS kehrt zu seinem Stand zurück) Nein! Warten Sie! Bitte! (TOMMY und JEFF wenden sich zu ihr) Wir wollten nicht seltsam erscheinen. Wir sind nur ein wenig durcheinander. Zu uns kommen nur selten Fremde.

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TOMMY Ich kann mir denken, warum. Sie starren uns an, als kämen wir aus einer anderen Welt. (Darüber muss MEG kichern. TOMMY sieht sie an) Finden Sie das amüsant? MEG

(weiter kichernd) Ay. Sehr.

FIONA

Sei still, Meg.

JEFF

(Weist auf MEG) Wahrscheinlich waren ihre Eltern Cousin und Kusine.

FIONA Wenn Sie die ganze Nacht marschiert sind, sind Sie sicher müde und hungrig. Wollen Sie vielleicht etwas zu essen und einen Schlafplatz, bevor Sie wieder aufbrechen? TOMMY

Das ist sehr nett, danke.

FIONA

Gut.

(Sie streckt TOMMY die Hand entgegen.) Oh! Ich bin Fiona MacLaren.

TOMMY

N

IC

(ergreift ihre Hand) Tommy Albright. (Sie schauen einander für einen Moment an.) Und das ist Jeff Douglas.

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FIONA (Entzieht ihm die Hand) Sehr erfreut, mein Herr. MEG (Enthusiastisch; schlägt JEFF auf die Schulter) Ich bin Meg Brockie! JEFF

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Schön, dass Sie das so glücklich macht.

FIONA Die Straße hinunter gibt es eine kleine Taverne, wo man etwas essen kann. MEG

(Nimmt rasch JEFFs Arm) Ich bring’ Sie hin.

TOMMY Geh nur voraus, Jeff. Ich komme nach.

(Er blickt sich um, während sich JEFF und MEG auf den Weg machen.)

ARCHIE (während sie an seinem Stand vorbeikommen) Verzeihung, mein Herr, aber wird Miss Meg sich um Sie kümmern? JEFF

Sieht ganz so aus. Warum?

ARCHIE Nun, ich hätte hier ein paar karierte Hosen, und wenn Sie die Taverne mit Miss Meg verlassen und sie Sie irgendwohin bringt, wo Sie sich hinlegen und sich womöglich die Hose an ein paar Disteln8 zerreißen, so wäre ich mehr als erfreut, für Ersatz zu sorgen. JEFF Danke, Alterchen, aber ich glaube kaum, dass ich irgendwo hängenbleibe. ARCHIE

N

IC

(Schmunzelnd) Sie wissen es noch nicht, Kumpel, aber Sie sind schon hängengeblieben. MEG Sie sollten sich auf Ihr Geschäft konzentrieren, Mr. Beaton.

(ARCHIE kehrt zu seinem Stand zurück. MEG und JEFF ab. TOMMY, der sich ein wenig umgeschaut hat, kommt zu FIONA zurück.)

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TOMMY Was für ein Ort! Gibt es ein Telefon hier? FIONA Ein Telefon? TOMMY Ja.

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FIONA Ich glaube kaum, dass wir so was haben. TOMMY

Kein Telefon?

FIONA

Nein.

TOMMY Los, sagen Sie schon. Es ist merkwürdig hier. Was ist los mit diesem Ort?

(CHARLIE DALRYMPLE erscheint. Er ist ein strohblonder junger Mann Anfang zwanzig. Er begrüßt die Umstehenden beim Hereinkommen.)

FIONA Gar nichts. Sie sind es, der merkwürdig ist ...

ANGUS (Ruft nach hinten zu CHARLIE. CHARLIE kommt zum Stand) Charlie! Hier hab’ ich ‘ne Flasche Roten9. Trink ein Schlückchen mit mir! FIONA Ah, der glückliche Bräutigam persönlich!

TOMMY

Bräutigam?

FIONA

Ay!

CHARLIE

N

IC

(Kommt zu FIONA) Morgen, meine Hübsche. (Küsst sie auf die Stirn)

FIONA Er heiratet heute Abend meine Schwester.

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TOMMY Oh! CHARLIE (Zu TOMMY) Guten Morgen. TOMMY Guten Morgen.

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FIONA Charlie, das ist Tommy Albright. Er ist gerade erst hier angekommen. CHARLIE Was? Oh! Na klar. Willkommen in unserer Stadt, mein Herr. TOMMY

Danke. Ebenfalls willkommen.

(ANGUS geht mit einem Krug und einigen Gläsern herum, die er von seinem Stand geholt hat, und gibt eins CHARLIE.) ANGUS

Dein Wein, Charlie.

CHARLIE

Danke, Angus.

ANGUS (Zwischen FIONA und CHARLIE. Zu TOMMY) Was ist mit Ihnen? Auch ein wenig Wein? TOMMY

(Nimmt das Glas) Danke.

CHARLIE

N

IC

(Hebt das Glas) Ich erhebe mein Glas auf Mr. Forsythe. Ich hoffe nur, er weiß, wie dankbar ich ihm bin, dass er das Wunder für mich verschoben hat. TOMMY

(Zu FIONA) Das was?

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FIONA Shh! CHARLIE Und möge Gott mich heute Abend segnen, wie ich ihn segnen würde, wenn ich er wäre und er Charles Dalrymple. (Er trinkt.)

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TOMMY Was haben Sie gesagt? Ein verschobenes Wunder? CHARLIE

Oh! Das ist nur ein Trinkspruch!

FIONA Lassen Sie es. Ich erklär’s Ihnen ein andermal.

TOMMY

(Trinkt) Hey, das schmeckt wunderbar! (Zu ANGUS) Könnte ich noch einen haben?

ANGUS Das war eine Hochzeitsgabe, mein Herr. Ab jetzt kostet es etwas. (ANGUS nimmt TOMMY sein Glas weg und geht ab.)

FIONA Ich muss Wein und Bier fürs Abendbrot kaufen. Kommen Sie mit und Sie bekommen noch etwas. TOMMY

Sehr gut.

(FIONA macht Anstalten abzugehen, und TOMMY folgt ihr.) ARCHIE

N

IC

(Ruft TOMMY & FIONA nach) Wolle! Stoffe!

(TOMMY & FIONA ab. ANGUS nimmt CHARLIE sein Glas ab und stellt es mit der Flasche und dem anderen Glas wieder in seinen Stand.) ANGUS

Seltsamer Bursche, nicht wahr?

(Sieht TOMMY hinterher)

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CHARLIE Ay. Er hat einen komischen Akzent. ANGUS Ich frag’ mich, wie amerikanische Frauen wohl sind. CHARLIE (Kommt nach vorn zu ANGUS) Ich mache mir über Frauen keine Gedanken mehr, Angus. Verboten!

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ANGUS Da hast du recht, Charlie. Mit den Mädels bist du endgültig durch, stimmt’s?

(Sanft beginnt Musik, während sich ARCHIE an seinem Stand setzt, ANGUS sich hinter seinen Stand begibt und sich das STADTVOLK neu gruppiert.)

#7 – ICH GEH’ HEIM MIT MEINER JEAN

CHARLIE ICH STREIFTE FRÜHER VIEL UMHER, ICH LIEBTE DAS LEBEN UND NAHM’S NICHT SCHWER. ICH WAR EIN FREIER MANN, UND KEIN MÄDEL SAH ICH AN. DOCH EINES TAGES STAND SIE DA, ICH WUSSTE NICHT, WAS DA MIT MIR GESCHAH. NUN LIEG’ ICH AUF DEN KNIEN UND GEH’ HEIM MIT MEINER JEAN. STADTVOLK (CHOR S-A-T-B) GEH HEIM, GEH HEIM, GEH HEIM MIT DEINER JEAN! GEH HEIM, GEH HEIM!

ICH HATTE FREUNDE NOCH UND NOCH, DOCH IST MAN VERMÄHLT, KOMMT DAS GROSSE LOCH. DIE FREUNDE BLEIBEN AUS, UND MAN SITZT MIT IHR ZUHAUS.

N

IC

CHARLIE ICH GEH’ HEIM MIT MEINER JEAN!

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(CHARLIE) ICH GEB’ EUCH, FREUNDE, DRAUF DIE HAND, NICHT LANG’, UND AUCH IHR SEID IM EHESTAND. DARUM LASS’ ICH EUCH ZIEH’N UND GEH’ HEIM MIT MEINER JEAN.

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STADTVOLK GEH HEIM, GEH HEIM, GEH HEIM MIT DEINER JEAN! GEH HEIM, GEH HEIM! CHARLIE ICH GEH’ HEIM MIT MEINER JEAN!

IN EDINBURGH WAR ICH SO FROH, DORT KANNT’ ICH EIN MÄDEL, IHR NAME JO. UND JEDE NACHT UM ZEHN HAB’ ICH SIE IM WALD GESEH’N.

DOCH WERD’ ICH SIE NUN NICHT MEHR SEH’N, SPEZIELL WIRD DAS NICHT NACHTS UM ZEHN GESCHEH’N. MIR WÜRDE NICHT VERZIEH’N. ICH GEH’ HEIM MIT MEINER JEAN. STADTVOLK GEH HEIM, GEH HEIM, GEH HEIM MIT DEINER JEAN! GEH HEIM, GEH HEIM!

CHARLIE ICH GEH’ HEIM MIT MEINER JEAN!

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ICH RUF’ DEN EHEMÄNNERN ZU: BALD HAB’ ICH EIN WEIB UND LASS’ DEINS IN RUH’! DENN AUF DER GANZEN WELT IST ES SIE, DIE MIR GEFÄLLT. ICH MAG SIE SO, WIE SIE MICH MAG. ICH BLEIBE IHR TREU BIS ZUM LETZTEN TAG. ICH LASS’ SIE NIEMALS ZIEH’N, ICH GEH’ HEIM MIT MEINER JEAN! STADTVOLK GEH HEIM, GEH HEIM, GEH HEIM MIT DEINER JEAN! GEH HEIM, GEH HEIM!

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CHARLIE & STADTVOLK ICH/ER GEH’ HEIM MIT MEINER/SEINER JEAN! (Die Musik erreicht einen Höhepunkt und kommt zum Ende. Die SÄNGER, darunter ANGUS & ARCHIE, gehen ab. Sie nehmen die beiden Stände, die Karren und das verbliebene Mobiliar mit, um Platz zum Tanzen zu schaffen. CHARLIE, SANDY und ein weiterer BURSCHE platzieren drei Hocker, schenken sich Wein ein und setzen sich.)

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#7a – Tanz (Bonnie10 Jean)

(MAGGIE tanzt für die BURSCHEN. Andere TÄNZERINNEN und TÄNZER kommen dazu. Mittendrin tritt HARRIE herein, sieht MAGGIE und ruft ihr zu:) HARRY

Hey, Maggie!

(BONNIE-JEAN-BALLETT.

MAGGIE richtet ihre Aufmerksamkeit auf HARRY, und sie tanzen mit den anderen TÄNZERINNEN und TÄNZERN das Bonnie-Jean-Ballett. Eine FISCHHÄNDLERIN taucht auf und tanzt mit HARRY, bis sie von MAGGIE verscheucht wird. Nach dem Ende des Balletts gehen die TÄNZERINNEN und TÄNZER ab. HARRIE und MAGGIE verbeugen sich und gehen danach ab. CHARLIE, SANDY & DER ANDERE BURSCHE erheben sich. FIONA und TOMMY treten auf und gehen in die Mitte.)

FIONA Charlie, du denkst doch daran, heute Nachmittag bei uns in die Familienbibel zu schreiben?

CHARLIE (War dabei, hinter MAGGIE und HARRIE abzugehen, wendet sich FIONA zu) Ay, klar, Fiona, ich komme rüber. (Zu TOMMY) Ich hoffe, Sie bleiben zum Hochzeitsdinner.

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IC

TOMMY Danke, aber ich werde nicht so lange hier sein.

CHARLIE

Wie schade.

FIONA (Während CHARLIE Anstalten macht zu gehen) Was machen wir denn den ganzen Tag, Charlie?

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CHARLIE Ausruhen, meine Liebe, ausruhen. (CHARLIE ab. SANDY verstellt einen Hocker zur Seite und geht dann mit seinem eigenen Hocker ab. DER ANDERE BURSCHE folgt ihm mit dem dritten Hocker. Licht dimmt ab. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf TOMMY & FIONA.) TOMMY

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(Lächelt) Er ist nett.

FIONA

Ay. Das ist er.

(Geht zum Hocker, der von SANDY nach dem Tanz dort abgestellt wurde)

TOMMY Wirklich erfrischend, dass jemand mal so begeistert vom Heiraten redet. FIONA (Setzt sich auf Hocker, nimmt einen Laib Brot aus ihrem Korb) Ist das so ungewöhnlich?

TOMMY Ich finde schon. Nehmen Sie mich. Ich bin bei Weitem nicht so enthusiastisch wie Charlie. Und nächsten Monat stehe ich selbst vor dem Altar. FIONA

Sie heiraten?

TOMMY

Ja.

FIONA

Oh!

TOMMY

Oh, was?

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FIONA Ich bin überrascht. Irgendwie kommen Sie mir nicht wie jemand vor, der unbedingt eine Familie gründen will. TOMMY Das habe ich nicht gesagt. Ich sagte nur, dass ich heiraten werde. FIONA Wenn Sie das so sehen, warum tun Sie’s dann?

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TOMMY Weil meine Freundin es will. FIONA Ist das Grund genug? (FIONA gibt TOMMY das Brot.)

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TOMMY Sicher. Ich weiß nicht, wie das hier in Schottland läuft, aber wenn du bei uns eine Zeitlang mit einer Frau zusammen warst und sie dich heiraten will, sagst du besser Ja, wenn du dir Ärger ersparen willst. FIONA

Warum?

TOMMY Weil sie dich sonst so lange schikaniert, bis du sie, nur um Ruhe zu haben, heiratest. Oder sie ist so herzensgut, dass du aus lauter schlechtem Gewissen schließlich Ja sagst. FIONA Es hört sich nicht so an, als wenn Sie sie wirklich liebhaben. TOMMY

Kommt nicht so rüber, oder?

FIONA Und das Land, aus dem Sie kommen, scheint ziemlich eigenartig zu sein.

TOMMY Glauben Sie mir, Brigadoon ist auch nicht gerade das typische Dorf rechts vom Highway. Was war das gleich für eine Geschichte mit Charlie und dem Mann, der das Wunder verschoben hat? FIONA Ach, das ... (Denkt kurz nach, stellt den Korb ab. Sie erhebt sich und geht ein paar Schritte) Tut mir leid. Das kann ich nicht sagen.

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IC

TOMMY (Weiß nicht, was er mit dem Laib Brot machen soll. Er geht mit ihm zu FIONA.) Aber Sie hatten doch vor, es mir zu erzählen. FIONA

Ich weiß. Aber es geht nicht.

TOMMY Na gut. Nach einer Weile werde ich vermutlich entdecken, dass alle hier einen kleinen Spleen haben. Stimmt’s?

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FIONA Kann ich nicht sagen. TOMMY Warum nicht? (Er hält ihr das Brot hin.) FIONA Weil ich nicht weiß, was „Spleen“ bedeutet.

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TOMMY

Dass alle hier leicht verrückt sind.

FIONA (Wendet sich plötzlich von ihm ab und nimmt TOMMY das Brot ab) Ich kann Ihnen versichern, dass wir alles andere als verrückt sind. Wir sind überaus gesegnete Leute. Und ich wusste nicht, wie glücklich wir sein können, bis ich jemanden von draußen traf, ich meine, einen Fremden. Ich weiß nichts über Sie, aber von dem Wenigen, was Sie erzählt haben, haben wir beide fast nichts gemeinsam, und ich bin so gut wie sicher, dass meine Einstellung wesentlich ... (Sie beruhigt sich allmählich und geht ein paar Schritte nach vorn) ... nun ja ... zugewandter ist. Jetzt bedauere ich, all das gesagt zu haben, aber Sie haben mich verärgert, als Sie uns verrückt nannten. TOMMY (Ziemlich überrascht und ein wenig verlegen nach diesem Ausbruch) Hey, Sie mögen mich nicht besonders, oder? FIONA Das ist das Merkwürdige. (Geht zu TOMMY) Ich mag Sie sehr. Ich mag nur nichts, was Sie sagen. TOMMY

(Nach einem Moment) Fiona ...

FIONA

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Ay?

TOMMY Wenn ich heute hierbleibe, würdest du mich heute Abend mit zur Hochzeit nehmen? FIONA

Warum willst du plötzlich dorthin?

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TOMMY (Imitiert sie) Kann ich nicht sagen. FIONA Na gut, dann nehm’ ich dich mit. Und ich freue mich sehr, dass du hierbleibst. TOMMY Wirklich? Warum?

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FIONA Wegen dem, was ich dir gerade gesagt habe. Ich mag dich sehr. TOMMY (Amüsiert und ein wenig verwirrt) Stimmt. Das hast du wirklich gesagt, oder? FIONA

(Geht zum Hocker) Jetzt zeig’ ich dir, wo du dich ein wenig hinlegen kannst. (Sie kniet sich neben ihren Korb)

TOMMY

Und was machst du?

FIONA (Legt den Laib Brot in den Korb) Ich sammle etwas Rosmarinheide für die Hochzeit. TOMMY

Und wo?

FIONA Auf dem Baumhügel – wo das Heidekraut wächst. TOMMY

(Geht zu FIONA) Kann ich mitkommen?

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FIONA (Erhebt sich und nimmt den Korb) Nein. Allein kann ich das schneller. (Musik beginnt.)

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#8 – HAND IN HAND DURCHS HEIDEKRAUT

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TOMMY (Nähert sich ihr und stellt den Korb auf den Boden neben den Hocker) Ich werde dir nicht im Weg rumstehen. Ehrlich. Vielleicht habe ich ja auch einen kleinen Spleen, aber ... (FIONA entfernt sich von ihm.) KÖNNEN NICHT GEMEINSAM WIR BEIDE DURCH DAS TAL ZUM BAUMHÜGEL GEH’N? AUF IHM WÄCHST DIE ROSMARINHEIDE, DORT, WO DIE GROSSEN BÄUME STEH’N. (FIONA nimmt den Korb und wendet sich zum Gehen.) ICH WILL’S TUN, GLAUBE MIR: (TOMMY geht zu FIONA, nimmt den Korb und stellt ihn wieder neben den Hocker) ICH PFLÜCK’ HEIDEKRAUT MIT DIR.

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WIR DENKEN HEUTE NICHT AN MORGEN, DIE NACHTIGALLEN SINGEN LAUT. WIR STREIFEN HEITER OHNE SORGEN HAND IN HAND DURCHS HEIDEKRAUT. (FIONA geht zum Korb.) AM BÄCHLEIN WERDEN WIR VERSCHNAUFEN, DIE SONNE BRENNT UNS AUF DER HAUT, BIS WIR DANN ENDLICH WIEDER LAUFEN HAND IN HAND DURCHS HEIDEKRAUT. (FIONA geht zu TOMMY und nimmt seine Hand) ES MAG AUCH ANDERSWO BEZAUBERND SEIN. ES WÄRMT AUCH ANDERSWO DER SONNENSCHEIN. DOCH KEIN VERGLEICH IST ES FÜR DICH UND MICH, DENN EINS WEISS ICH: (Er nimmt FIONA in die Arme)

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(TOMMY) WIR DENKEN HEUTE NICHT AN MORGEN, DIE NACHTIGALLEN SINGEN LAUT. WIR STREIFEN HEITER OHNE SORGEN HAND IN HAND DURCHS HEIDEKRAUT, DURCHS WILDE HEIDEKRAUT. (Die Musik läuft unter dem Dialog weiter.) FIONA

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(Ein wenig verwirrt.) Siehst du. Du kannst was Nettes sagen, wenn du nur willst. TOMMY Es klang fast, als wäre ich in dich verliebt, oder?

FIONA Oh nein! Pure Sentimentalität, nur weil du übermüdet bist. Das ist keine Liebe. TOMMY Das bin ich also gewesen – sentimental, weil übermüdet? FIONA Ich glaub’ schon. Aber es ist sehr liebenswert.

WIR DENKEN HEUTE NICHT AN MORGEN, DIE NACHTIGALLEN SINGEN LAUT. WIR STREIFEN HEITER OHNE SORGEN HAND IN HAND DURCHS HEIDEKRAUT. (Sie löst sich von ihm.) AM BÄCHLEIN WERDEN WIR VERSCHNAUFEN, DIE SONNE BRENNT UNS AUF DER HAUT, BIS WIR DANN ENDLICH WIEDER LAUFEN HAND IN HAND DURCHS HEIDEKRAUT.

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ES MAG AUCH ANDERSWO BEZAUBERND SEIN. ES WÄRMT AUCH ANDERSWO DER SONNENSCHEIN. DOCH KEIN VERGLEICH IST ES FÜR DICH UND MICH, TOMMY & FIONA DENN EINS WEISS ICH:

(Er kommt zu ihr.)

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(TOMMY & FIONA) WIR DENKEN HEUTE NICHT AN MORGEN, DIE NACHTIGALLEN SINGEN LAUT. WIR STREIFEN HEITER OHNE SORGEN HAND IN HAND DURCHS HEIDEKRAUT, DURCHS WILDE HEIDEKRAUT. (Die Musik endet, und TOMMY und FIONA stehen einander einen Moment lang gegenüber.

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Es wird dunkler. Blitz und Donner. Dies löst auf der Bühne neue Aktivität aus.

HARRY und MAGGIE kommen von der Seite herein und gehen in die Mitte, während JEAN und ihr VATER von der anderen Seite kommen und quer über die Bühne eilen. JEAN lässt versehentlich ihr Taschentuch fallen, HARRYs Aufmerksamkeit wechselt von MAGGIE auf JEAN. JEAN hebt ihr Taschentuch wieder auf, schließt zu ihrem Vater auf, und beide eilen ab. HARRY folgt JEAN mit den Augen, bis sie verschwunden sind, dann geht er in die entgegengesetzte Richtung ab. Von HARRY alleingelassen, folgt MAGGIE ihm ab. Das STADTVOLK schiebt den Tuch-Stand herein und sucht Schutz unter seinem Dach oder unter Regenschirmen. ARCHIE holt einen Schemel von seinem Platz auf der Bühne und stellt ihn auf seinen Stand. STUART, MacGREGOR, SANDY treten ebenfalls auf. Weiteres STADTVOLK erscheint mit beladenen Körben. Musik beginnt.)

#8a – Regenszene

(Orchester-Underscore, dann Reprise CHOR: „MacConnachy-Platz) (Blitz) TOMMY

Was war das?

FIONA Ab und zu stürmt und gewittert es hier. Ich hol’ meinen Korb, und dann gehen wir besser.

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(FIONA geht zu ihrem Korb und kehrt dann zu TOMMY zurück. Hand in Hand gehen sie langsam ab. Das STADTVOLK singt.) STADTVOLK (CHOR S-A-T-B) KOMMT VOM BERG HERAB! LOS JETZT, KOMMT AUF TRAB! (Der Sturm ist vorbei, die Sonne kommt heraus, die Regenschirme werden zusammengeklappt.) KOMMT INS TAL UND DANN KOMMT, OB FRAU ODER MANN!

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KOMMT VOM BERG HERAB! LOS JETZT, KOMMT AUF TRAB!

ALLE FRAUEN KOMMT ALLE HER VOM BERG HERAB, KOMMT ALLE INS TAL UND DANN KOMMT ALLE ZUM MARKT, JA, KOMMT AUF TRAB, KOMMT ALLE, OB FRAU, OB MANN!

HÖRT, ES PFEIFT VERGNÜGT UND FROH EIN JEDER SPATZ

ES PFEIFT JEDER SPATZ

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ALLE MÄNNER

ALLE (S-A-T-B) HOCH VOM DACH: AUF, MEIN SCHATZ, KOMM ZUM MACCONNACHY-PLATZ!

(Die Musik erreicht einen Höhepunkt, und der Vorhang schließt sich rasch. Musik attacca:)

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#8b – Szenenwechsel (Orchester)

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AKT I, SZENE 3: DIE BROCKIE-HÜTTE Bei der Brockie-Hütte handelt es sich um eine kleine Einlassung in der Mitte der Bühne. Der Decker dahinter zeigt die Umgebung. In der Hütte befindet sich eine eigentümliche Pritsche – eigentümlich in dem Sinne, dass sie einfach ein rechteckiger Erdhügel zu sein scheint. Außerdem gibt es einen schlichten, hölzernen Schaukelstuhl. ZEIT: Kurz nach Mittag.

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Bei Szenenbeginn sind JEFF und MEG zu sehen. JEFF starrt geradeaus nach vorn. MEG sitzt auf der Pritsche. Der Vorhang öffnet sich in mittlerem Tempo. Szenenwechsel. Die Musik mündet in den Dialog.

JEFF Von hier hat man einen hübschen Blick ins Tal. MEG

Danke.

JEFF

Wofür?

MEG Na, dafür, dass du es magst, wohin ich dich mitgenommen habe. Darüber bin ich wirklich sehr froh. JEFF Dich kann man sehr leicht froh machen, oder? MEG

Ay.

JEFF (Kommt in die Mitte. Nachdem er sie fragend angeschaut hat) Ich war seit meiner Kindheit nicht mehr in so einer Hütte. Kommt mir gerade mal so vor wie vor 2000 Jahren. MEG

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(Erhebt sich und geht zu JEFF) Bist du müde?

JEFF Ay, Kleine. Ich bin müde. Deshalb hast du mich doch hierhergebracht, oder nicht? Damit ich mich aufs Ohr legen kann.

MEG Hätte nicht gedacht, dass ein bisschen Wandern einen jungen Burschen wie dich so müde machen könnte.

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JEFF Junger Bursche? MEG Ay! Du bist sehr jung.

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JEFF Entweder ist das eine vorsätzliche Lüge oder Wunschdenken. (Geht zur Pritsche) Ich bin alt, verbraucht und zerfalle in rasantem Tempo. MEG

Ay?

(JEFF setzt sich auf die Pritsche. Sie ist hart. Er versucht, auf und ab zu federn, aber die Pritsche gibt keinen Millimeter nach.) JEFF

Was ist da drunter – ein Felsblock?

MEG Darauf hat mein Vater immer geschlafen.

JEFF

Das war sein zweiter Fehler.

MEG Er und meine Mutter haben sich hier kennengelernt. Sie war Zigeunerin. JEFF

Aha?

MEG Eines Tages kam sie an dieser Hütte vorbei und mein Vater lag schlafend auf der Pritsche. Er gefiel ihr, und sie war müde. Also zog sie die Schuhe aus, setzte sich in den Schaukelstuhl und wartete darauf, dass er wach wurde. Und nicht lange danach wurde ich geboren. JEFF Das ist eine der hübschesten Gute-Nacht-Geschichten, die ich je gehört habe.

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(Er legt sich auf den Rücken und stößt sich den Hinterkopf an.) MEG

(Setzt sich auf die Pritsche) Findest du es auch gemütlich?

JEFF

Sehr.

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(MEG beugt sich über ihn und schaut auf ihn hinunter. Einen Moment lang herrscht Stille. Dann blickt JEFF zu ihr hoch.)

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(JEFF) Vielen Dank. (Pause) Du bist sehr freundlich. (Setzt sich auf) Und wenn du diese Freundlichkeit perfekt machen willst, dann schwirr ab. MEG

(Klatscht JEFF eine) Du bist ein hübscher, attraktiver Bursche.

JEFF Du solltest mich sehen, wenn ich ausgeruht bin. Ich bin ziemlich agil. MEG Ich hasse es einfach, dich allein zu lassen.

JEFF Das solltest du aber. Wenn ich schlafe, mache ich merkwürdige Geräusche. MEG

Woher weißt du das? (Steht auf) Hast du eine Frau?

JEFF

(Stützt sich auf seine Ellbogen) Nein, aber ich war mal verlobt.

MEG

(Rasch) Was ist aus deiner Verlobten geworden?

JEFF

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Hat sich in einen Russen verliebt. (Bleibt oben)

MEG

Einen Russen?

JEFF

Ja.

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MEG Russland ist in Europa, oder? Ja, mehr und mehr.11

JEFF MEG

(Verwirrt) Oh!

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JEFF Ist gar nicht weit von hier. Einfach über den Kanal und dann links. (Er legt sich wieder auf die Seite.)

MEG

(Klatscht JEFF wieder eine) Ay, du bist charmant. Ein wirklich charmanter Bursche. JEFF

(Springt auf) Jetzt hör mal zu. Ich weiß nicht genau, was du vorhast, aber ich will es nicht. Ich möchte nur schlafen. MEG Aber verstehst du nicht? Ich fühle mich sehr zu dir hingezogen.

JEFF Vielen Dank auch. Wenn ich wieder wach bin, können wir dieses Problem in Angriff nehmen. Und glaub mir, du hast ein Problem. (Setzt sich auf und dreht sich rasch weg, um nicht noch eine Ohrfeige einstecken zu müssen. Er wedelt abwehrend mit dem Zeigefinger.)

MEG Und wenn ich dich auf der Pritsche dort liegen sehe, hab’ ich das Gefühl, Kaulquappen laufen mir den Rücken herunter. JEFF

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(Setzt sich auf) Das ist der abscheulichste Vergleich, den ich je gehört habe. Weißt du was? Wenn Sex ein Hobby wäre, wärst du ein Sammlerstück. MEG

Aber ich habe so lange gewartet ...

JEFF

(Nachdrücklich, aber höflich)

Geh!

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MEG (Steht auf und geht weg) Oh, ihr Männer seid doch alle gleich! JEFF Das hoffe ich doch sehr.

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MEG Alles Rohlinge. Ihr bekommt, was ihr wollt, und dann heißt es auf Nimmerwiedersehen. JEFF Ich und bekommen, was ich will? Ich schaffe es ja nicht mal, dass du mich in Ruhe lässt.

MEG Genau darum geht es doch. Ich dachte, du hättest Interesse an mir und wärst deshalb mitgegangen. Du hast mich hinters Licht geführt!

JEFF Du hast wirklich eine irre Fantasie. Wüsstest du auch nur einen einzigen Grund, warum ich, ein fremder Mann, Interesse an dir, einer fremden Frau, haben sollte, noch dazu zu dieser Uhrzeit? MEG Natürlich! Du bist ein Mann, und ich bin eine Frau.

JEFF Mit dieser Lebensphilosophie hast du sicher eine Menge erlebt. MEG

Ay, ich habe viele Herzen gebrochen.

(Musik beginnt im Hintergrund.)

#9 – DER MANN FÜRS LEBEN

JEFF

Das bezweifle ich nicht.

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(Er setzt sich wieder auf die Pritsche.)

MEG MIT SECHZEHN WAR ICH BETRÜBT, DOCH DANN SPRACH VATER: SUCH DIR JETZT EINEN MANN. SO SPRACH ER, DOCH HÄTT’ ER NIE GEAHNT, WIE ICH DEN MANN FÜRS LEBEN FAND.

(JEFF stützt sich auf die Ellbogen)

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(MEG) 1) SEIN NAME WAR CHRIS, UND DANN WEITER MacGILL. ICH TRAF IHN IM TAL, ES WAR ANFANG APRIL. ER WAR SEHR CHARMANT, ER WAR ZÄRTLICH UND AGIL, UND ER ZEIGTE EINEN EIFER, DER MIR WIRKLICH GUT GEFIEL.

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IM LIEBLICHEN MONDSCHEIN FIEL’S IHM NICHT SEHR SCHWER, MEIN HERZ ZU GEWINNEN, VIELLEICHT SOGAR MEHR. ICH WEISS NICHT, WIE LANG’ ICH IM TAL BLIEB IM APRIL, ABER FORT WAR DA DER MONDSCHEIN, GANZ GENAU WIE CHRIS MacGILL.

ICH HEULTE LAUT, DASS ICH STERBEN MUSS, (JEFF legt sich hin) BIS VATER SPRACH: JETZT IST ENDLICH SCHLUSS, VERSUCH’S NOCH MAL UND GEH WEG VON HIER, UND FIND DEN MANN FÜRS LEBEN DIR!

2) ER SAGTE, ER KÄM’ AUS DEM TIEFLAND WEIT HER. ICH SAH IHN UND WUSSTE SOFORT, DAS IST ER! ICH STRAHLTE IHN AN UND BEWUNDERTE IHN STILL. EINS WAR KOMISCH, DASS ER SAGTE, ER KENNT MICH DURCH CHRIS MacGILL.

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BALD WAR’N WIR VERLIEBT, UND WIR SCHWELGTEN IM GLÜCK. DANN GING ER UND SAGTE, ER KÄM’ BALD ZURÜCK. ICH HAB’ IHM VERTRAUT, UND SO WURMTE ES MICH SEHR, DASS KEIN TIEFLANDBURSCHE JE SO TIEF GESUNKEN WAR WIE ER. ICH LIEF ZU VATER, DOCH ER SPRACH: HALT! MEIN KIND, WAS SOLL’S? NOCH BIST DU NICHT ALT. DU BIST NOCH HÜBSCH, AUS DEN AUGEN MIR, UND FIND DEN MANN FÜRS LEBEN DIR!

3) ER WAR EIN POET, UND ER REIMTE WIE WILD. MIT REIMEN HAT ER MEINE SEHNSUCHT GESTILLT. BERÜHR’N WILL ER MICH, SPRACH ER, MIT DER REIMEREI, UND SIE RÜHRTE MICH SO HEFTIG, ICH SPRANG GLEICH MIT IHM INS HEU.

WIR SCHMUSTEN, ES BRACH SCHON DIE DÄMM’RUNG HEREIN, DOCH DANN SPRANG ICH AUF, UND ICH LIESS IHN ALLEIN.

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(MEG) ICH GING NIE ZURÜCK, DENN ES DEUTETE SICH AN, DASS EIN DICHTER OFT VON DINGEN DICHTET, DIE ER GAR NICHT KANN.

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MEIN PA SPRACH, KIND, WENN EIN MANN VIEL DENKT, SO HAT ER MEIST EIN PROBLEM VERDRÄNGT. DRUM FRAG DICH BLOSS NICHT, WARUM, WOFÜR, UND FIND DEN MANN FÜRS LEBEN DIR! 4) ER WAR EIN SOLDAT UND BLIEB HIER ÜBER NACHT. ER SPRACH ÜBER MANCHE ERFOLGREICHE SCHLACHT. ER HAT DIE GEDULD MIR ZU LANGE STRAPAZIERT, DENN EIN BLICK VON IHM GENÜGTE, UND ICH HAB’ KAPITULIERT. ER LEHRTE MICH EINS, UND ICH LERNTE SOFORT: DAS SCHWERT – IM VERGLEICH – HAT MEHR MACHT ALS DAS WORT. JEDOCH IST IM SCHLAF MIR EIN SCHNARCHEN WOHL ENTFLEUCHT, UND ER HÖRTE EIN SIGNAL ZUM KAMPF, DAS HAT IHN WOHL VERSCHEUCHT. ES GIBT, SPRACH PA, SICHER EINEN MANN, DER HÜBSCH IST ODER NICHT LAUFEN KANN. DRUM SUCH ICH WEITER UND SCHWÖRE DIR: ICH FIND’ DEN MANN FÜRS LEBEN MIR!

(Die Musik erreicht einen Höhepunkt und endet. Dann beginnt dieselbe Melodie von Neuem. MEG wendet sich zu JEFF um. Sie geht zu ihm und schaut auf ihn hinab. Er ist offenbar eingeschlafen. Sie stupst ihn an, aber er reagiert nicht. Sie steht einen Moment da und sieht auf ihn hinab, kommt dann ein Stück nach vorn, zieht sich die Schuhe aus, setzt sich in den Schaukelstuhl und beginnt lächelnd zu schaukeln, während sich der Vorhang rasch schließt.)

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#9a – Szenenwechsel (Orchester)

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AKT I, SZENE 4: DAS HAUS VON MacLAREN

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Es handelt sich um einen spärlich möblierten Raum. Im Hintergrund ein großes Fenster, durch das man die Umgebung sehen kann. Daneben die Haustür. Diese besteht aus zwei Hälften, so dass die obere Hälfte einzeln geöffnet werden kann. Neben der Tür steht ein Tisch. Seitlich eine Tür, die zu JEANs Zimmer führt. Der Raum öffnet sich nach hinten zu einer erhöhten, mit einem Geländer eingefassten Plattform (einem Balkon), und eine seitliche Treppe führt auf die Plattform. Eine weitere Tür führt zu einem weiteren Zimmer. Vor der Plattform stehen zwei Schemel. Im Vordergrund eine Bank und eine große Holzkiste, fast eine Truhe. Es gibt Kerzenhalterungen an der Wand über einem Kamin. ZEIT: Etwa vier Uhr nachmittags.

Bei Szenenbeginn öffnet sich der Vorhang rasch. Die Musik läuft attacca vom Szenenwechsel weiter. Eine Gruppe junger FRAUEN ist quer über die Bühne aufgereiht von JEANs Tür bis zurr Kiste. Sie reichen schottische Frauenkleidungsstücke von Hand zu Hand von JEANs Zimmer bis zur Kiste; die letzte FRAU in der Reihe legt die Kleidungsstücke in die Kiste. Anders gesagt: Sie packen auf die harte Tour. Während sie die Sachen weiterreichen, singen sie. Versehentlich wandert eine lange Hemdhose von Hand zu Hand. Als das bemerkt wird, wird sie zurückgereicht zu der Frau am Ausgangskorb.

#10 – JEANNIE ZIEHT HEUT’ AUS

FRAUEN JEANNIE PACKT IHR ZEUG! JEANNIE ZIEHT HEUT’ AUS! JEANNIE PACKT IHR ZEUG! JEANNIE ZIEHT HEUT’ AUS!

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SIE NIMMT REISSAUS, HEUT ABEND ZIEHT SIE AUS! JEANNIE PACKT IHR ZEUG! JEANNIE ZIEHT HEUT’ AUS! JEANNIE PACKT IHR ZEUG! JEANNIE ZIEHT HEUT’ AUS!

IHR ZEUG MUSS RAUS, HEUT’ ABEND ZIEHT SIE AUS! ALLES MUSS HIER RAUS, RAUS AUS DIESEM HAUS!

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(FRAUEN) SPENDET IHR APPLAUS, DENN SIE ZIEHT HIER AUS. BLEIBEN WÄR’ EIN GRAUS, NEIN, SIE WILL HINAUS. BALD JAHREIN, JAHRAUS LEBT SIE IN SAUS UND BRAUS.

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IHR ZEUG MUSS RAUS, HEUT’ ABEND ZIEHT SIE AUS!

(Musikalischer Vamp, bis eine FRAU and JEANNIEs Tür erscheint.) FRAU

PSST! PSST!

FRAUEN

(Während sie weiterpacken) JEANNIE PACKT IHR ZEUG! JEANNIE ZIEHT HEUT’ AUS! JEANNIE PACKT IHR ZEUG! JEANNIE ZIEHT HEUT’ AUS! IHR ZEUG MUSS RAUS, HEUT’ ABEND ZIEHT SIE ...!

FRAU (Kreischt, als ihr ein unaussprechliches Kleidungsstück gereicht wird) IIEK!

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FRAUEN JEANNIE PACKT IHR ZEUG! JEANNIE ZIEHT HEUT’ AUS! JEANNIE PACKT IHR ZEUG! JEANNIE ZIEHT HEUT’ AUS! SIE NIMMT REISSAUS, HEUT ABEND ZIEHT SIE ...

(Trommelschlag, als die letzte FRAU den Deckel der Kiste zufallen lässt. CHARLIE erscheint an der Tür.) CHARLIE

Hi!

FRAUEN

Charlie!

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CHARLIE (Hereinkommend) Ay! Charles MacPherson Dalrymple! Heute werde ich einen neuen Clan begründen. Wo ist Jean? FRAU (Nennen wir sie „KATE“) Oben.

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(CHARLIE geht zu der nach oben führenden Treppe. DREI FRAUEN setzen sich auf die Bank neben der großen Kiste. MR. MacLAREN kommt mit einer großen Bibel herein.)

MR. MacLAREN Je nun, Charlie, vor der Hochzeit darfst du Jeannie nicht sehen. Das bringt Pech. CHARLIE

Wirklich, Sir?

MR. MacLAREN Hier ist die Bibel. Nimm sie und unterschreib gleich hier unter meiner lieben, dahingeschiedenen Frau. (CHARLIE nimmt die Bibel und geht ab, während HARRY BEATON auf der Straße näherkommt. Es klopft an der Tür.) Herein! (Die Tür öffnet sich, und HARRY kommt herein. Er hat eine Weste dabei.) HARRY

(geht zu MacLAREN) Hier, Mr. MacLaren. Ich ... ich habe Ihnen Ihre Weste mitgebracht. (Er gibt sie MR. MacLAREN.)

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MR. MacLAREN Danke, Harry. Schön, dich zu sehen. (Er streckt HARRY die Hand hin. HARRY steht einen Moment da und schaut in den Raum, dann schaut er auf MR. MacLARENs ausgestreckte Hand, ergreift sie aber nicht, und wendet sich zum Gehen.) Warte, mein Junge. HARRY

(Dreht sich wieder um) Warum?

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MR. MacLAREN Warum hast du mir nicht die Hand gegeben? Ich bin nicht dein Feind. HARRY Sie ... Sie möchten es vielleicht nicht sein, aber Sie sind es. Und genauso jeder andere in dieser Stadt! (Er will gehen)

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MR. MacLAREN (Hält ihn leicht am Arm fest) Was ist los, Junge? Warum willst du unbedingt jeden hassen?

HARRY (Zunächst nicht bitter, aber fast pathetisch) Ich könnte diesen Tag, an dem sie einen Anderen heiratet, sonst nicht ertragen. Was soll ich tun? Wie könnte jemand nicht hassen, wenn er merkt, dass sein Leben nichts bedeutet? Ich kann hier nicht weg ... ich kann nicht zur Universität, um etwas zu lernen, und ich kann Jean nicht haben. Darum bleibt nichts, als alles und jeden in dieser verfluchten Stadt zu hassen! MR. MacLAREN Hass wird dir nie Frieden geben, Junge. Er verschließt dir nur den Zugang zur Welt. Diese Stadt ist nur dann eine verflucht, wenn du sie dazu machst. Für uns andere ist sie ein gesegneter Ort. HARRY Mir jedenfalls kann euer gesegnetes Brigadoon ab sofort gestohlen bleiben. (Ab. CHARLIE kommt mit der Bibel wieder herein.)

CHARLIE Alles erledigt! (Er legt die Bibel geöffnet auf die Kiste) Wer war das?

MR. MacLAREN

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(Schlicht) Meine Weste ist angekommen.

CHARLIE

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Oh! Jeannie!

JEAN

(aus dem Off) Charlie, bitte geh! Ich will hereinkommen.

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MR. MacLAREN Nicht gehorchen, Laddie [Junge]. Du darfst sie nicht verwöhnen. (Ab. KATE macht sich auf in Richtung Schlafzimmer, auf ihrer Schulter ein Stück Damenwäsche. Als sie an CHARLIE vorbeikommt, nimmt er es ihr von der Schulter und hält es vor sich.) CHARLIE

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(Pfiff) Ich kann die Hochzeit kaum erwarten. (Musik beginnt.)

#11 – KOMM ZU MIR, KÜSS MICH HIER

(CHARLIE)

Jeannie!

JEAN

Charlie – bitte geh!

(KATE nimmt sich die Wäsche wieder und rennt ins Schlafzimmer. CHARLIE wendet sich zum Gehen, bleibt am Balkon unter JEANs Tür stehen und ruft zu ihr hoch.)

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CHARLIE Jeannie! (Das Licht wird eingezogen.) (Singt) WEIL SIE MIR DROHTEN, ES WÄR’ VERBOTEN, DICH VOR DER HOCHZEIT ZU SEHEN, WILL ICH IM GARTEN HIER DRAUSSEN WARTEN, UM DEINE GUNST ZU ERFLEHEN. KOMM ZU MIR, KÜSS MICH HIER, WIE ICH ES MAG. DARLING, ERHÖR MICH, WENN FLÜSTERND ICH SAG’: OH, KOMM ZU MIR, KÜSS MICH HIER, WIE ICH ES MAG. LASS MICH NICHT LOS IN DER NACHT UND BEI TAG. JEAN

(Etwas flehentlicher) Charlie, bitte geh. (CHARLIE geht zur Treppe, stellt einen Fuß darauf und singt sanft:)

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CHARLIE MEIN SCHATZ, KOMM NÄHER, DANN KANNST DU EHER MEIN ZARTES FLÜSTERN VERSTEHEN. DU MUSST VERZEIHEN, ICH WILL ZWAR SCHREIEN, DOCH MUSS ES LEISE GESCHEHEN.

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OH, KOMM ZU MIR, KÜSS MICH HIER, WIE ICH ES MAG. DARLING, ERHÖR MICH, WENN FLÜSTERND ICH SAG’: JA, KOMM ZU MIR, KÜSS MICH HIER, WIE ICH ES MAG. LASS MICH NICHT LOS IN DER NACHT UND BEI TAG.

#11a – Tanz (Orchester)

(Er will zur Schlafzimmertür gehen. KATE kommt herein und hält ihn auf.) (CHARLIE)

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KOMM ZU MIR, KÜSS MICH HIER, WIE ... (KATE führt ihn zur Haustür. Er geht über die Straße davon. JEAN kommt herein und schaut sich um, ob er auch wirklich fort ist. Die Musik spielt weiter. Bei einem TANZ von JEAN mit den FRAUEN malt sich JEAN die Freuden der Ehe und den Kummer, ihr Vaterhaus verlassen zu müssen, aus. Am Ende gehen die FRAUEN durch die Tür hinten ab, und JEAN tanzt weiter, während man CHARLIE aus dem Off singen hört.) WEIL SIE MIR DROHTEN, ES WÄR’ VERBOTEN, DICH VOR DER HOCHZEIT ZU SEHEN, WILL ICH IM GARTEN HIER DRAUSSEN WARTEN, UM DEINE GUNST ZU ERFLEHEN. KOMM ZU MIR, KÜSS MICH HIER, WIE ICH ES MAG. DARLING, ERHÖR MICH, WENN ICH FLÜSTERND SAG’: OH, KOMM ZU MIR, KÜSS MICH HIER, WIE ICH ES MAG. LASS MICH NICHT LOS IN DER NACHT UND BEI TAG.

(JEAN setzt sich auf die Kiste. Da sieht man durch das Fenster, dass TOMMY und FIONA herbeikommen. Als sie das Haus betreten, lachen und reden sie miteinander. FIONA hat die Arme voller Heidekraut.)

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BRIGADOON

FIONA Jean! Willst du nicht unseren Gast begrüßen? JEAN Hallo! TOMMY Hallo!

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JEAN Fiona, wo warst du? (Geht zur Treppe) Ohne dich bekomme ich das Kleid nicht an.

FIONA (Legt das Heidekraut auf einen Tisch) Ist es schon Zeit für das Kleid? JEAN

Ay! Komm!

(Sie geht hinaus.)

FIONA Ich wusste, dass wir viel zu lange draußen waren. TOMMY Ich weiß es auch, aber es tut mir nicht leid. FIONA

Warte. Es sollte nicht lange dauern. (Sie will hinausgehen.)

TOMMY

Fiona!

(FIONA hält inne und dreht sich um. Er geht zu ihr, nimmt sie ohne ein Wort in die Arme und küsst sie. Sie geht hinaus. Dann sieht man durchs Fenster JEFF kommen. Er schaut durch den oberen Teil der Tür.)

N

IC

JEFF (Stützt sich auf die untere Hälfte der Tür.) Morgen, Laddie [Junge].

TOMMY

Hey! Wo warst du?

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BRIGADOON

JEFF (Taxiert das Hausinnere) Nett hier. Du hättest das Apartment sehen sollen, das ich gekriegt habe – voll ausgestattet mit einem eingebauten Mädel. TOMMY

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Komm rein. (Er öffnet die Tür. JEFF tritt ein. Voller Stolz trägt er eine neue Hose, kein großartiger Plaid-Stoff, aber offensichtlich neu. TOMMY betrachtet die Hosen.) Was zum Teufel ist denn mit dir passiert? JEFF

Disteln.

TOMMY

Was?

JEFF Egal. Berufsgeheimnis. Meine Hose wird fertig sein, wenn wir hier wieder abziehen. Und noch was, vergiss all den Quatsch über Schotten und ihren Geiz. Ihre Großzügigkeit ist geradezu überwältigend. TOMMY

(Folgt JEFF) Wie geht es dir denn?

JEFF (Als ob ihm der Gedanke gerade erst gekommen wäre) Erstaunlich gut! Und wie geht es dir? TOMMY

(Geradezu enthusiastisch) Ich hab’ mich noch nie besser gefühlt!

N

IC

JEFF (Betrachtet ihn mit plötzlichem Interesse) Du auch? (Setzt sich auf die Bank)

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BRIGADOON

#12 – FAST SO, ALS WÄR’ ICH VERLIEBT TOMMY GAB MIR VIELLEICHT DIE SONNE DIE KRAFT? ICH KÖNNTE DURCH LOCH LOMOND SCHWIMMEN UND WÄR’ NICHT ERSCHLAFFT! LIEGT’S AN DER LUFT, DASS ICH MICH AGIL, LEBENDIG UND UNBESCHWERT FÜHL’?

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

WUNDERSCHÖN DIESER TAG, GANZ SO, WIE ICH ES MAG! ES IST ... FAST SO, ALS WÄR’ ICH VERLIEBT! ICH BIN HEITER UND FROH, UND ICH WEISS AUCH, WIESO. ES IST ... FAST SO, ALS WÄR’ ICH VERLIEBT! IN DER LUFT LIEGT MUSIK, UND ES SINGT EINE GLOCKE, DIE NUR FÜR MICH KLINGT.

WIE ICH MICH FÜHL’ HIER UND HEUT’ MIT MUSIK UND GELÄUT’, KÖNNT’ ICH SCHWÖR’N, ICH VERLIEB’ MICH, HÄTT’ ICH GERN, ICH VERLIEB’ MICH, IST’S FAST SO, ALS WÄR’ ICH VERLIEBT. AUF DEM HÜGEL MIT DIR ... FIONA

TOMMY ES IST ... FAST SO, ALS WÄR’N WIR VERLIEBT!

N

IC

(Tritt singend auf) NICHT EIN WORT SAGTEN WIR ... ES WAR ... FAST SO, ALS WÄR’N WIR VERLIEBT! (TOMMY geht zu ihr) DIES GEFÜHL, HAND IN HAND, WAR MIR NEU, UNGEKANNT. (Beide gehen in die Mitte nach vorn.)

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BRIGADOON

FIONA (Löst sich von ihm) IN DER LUFT LIEGT MUSIK, UND ES SINGT TOMMY EINE GLOCKE, DIE NUR FÜR MICH KLINGT.

N H U T R VE FÜ ZU w MU R R R w A T w SI R U AN .m K IE FF S us U B Ü IC ik ND DU HR HT un B R U db Ü C N ue HN H GE hn E N e. de

FIONA & TOMMY WIE ICH MICH FÜHL’ HIER UND HEUT’ MIT MUSIK UND GELÄUT’, FIONA KÖNNT’ ICH SCHWÖR’N, ICH VERLIEB’ MICH, TOMMY HÄTT’ ICH GERN, ICH VERLIEB’ MICH,

BEIDE IST’S FAST SO, ALS WÄR’N WIR VERLIEBT.

(Die Musik endet.)

FIONA

(Geht zur Treppe) Gib mir das Bündel Heidekraut, Tommy!

TOMMY

Ja, Liebling.

JEFF

Liebling?

(TOMMY gibt es ihr.)

FIONA

Danke, Schatz.

(SIE nimmt es und geht in JEANs Zimmer ab.) JEFF

IC

(Steht auf) Okay ... wann geht’s zurück nach Hause?

N

#13 – Bibelszene

(Orchester, drei „misterioso“-Underscore-Phrasen wie unten angegeben)

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BRIGADOON

TOMMY (Geht zur Kiste) Es eilt ja nicht. Lass uns noch zur Hochzeit bleiben. Wie oft kann man schon mal ... (Musik-Cue 1. Er hält inne, als sein Blick auf die offene Bibel auf der Kiste fällt. Er nimmt sie und betrachtet sie. Er schaut JEFF bestürzt an und blickt dann wieder in die Bibel.) JEFF

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Was ist los? TOMMY Das ist seltsam. Hör zu – Vermählung von Elizabeth Lang und Andrew MacLaren. 2. Juli 1719. (Musik Ende.)

JEFF Na und? Auch damals haben die Leute geheiratet. TOMMY

Moment! (Liest vor. Erhebt sich) Kinder: (Musik-Cue 2.) Fiona, geboren am 10. Oktober 1722; Jean, geboren am 8. April 1728. JEFF

Und?

TOMMY

(Angespannt) Fiona ist vierundzwanzig, und sie hat eine sechs Jahre jüngere Schwester, die Jean heißt. JEFF

Und?

N

IC

TOMMY Das sind die beiden Schwestern in dieser Bibel. (Musik Ende.)

JEFF Blödsinn. Wahrscheinlich wurden sie nach denen benannt. TOMMY

Jean heiratet heute. Wusstest du das?

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BRIGADOON

JEFF Ja ... TOMMY Weißt du, wie ihr Bräutigam heißt? JEFF Das haben sie mir in der Taverne erzählt. Ein Typ namens Dalrymple.

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TOMMY Dann hör mal zu: (Liest vor) Vermählung von ... (Musik-Cue 3) Jean MacLaren und Charles MacPherson Dalrymple am 24. Mai 1746. (Keiner von ihnen sagt für eine Weile etwas.) Was sagst du jetzt? JEFF

Gratuliere!

TOMMY Warte! (Setzt die Puzzleteile zusammen) Kein Brigadoon auf der Karte. Kein Telefon in der Stadt. Ein Dankeschön an Mister Soundso, wo es um irgendein Wunder ging. (Musik Ende) Und ein, zwei andere Sachen, über die ich gestolpert bin, als ich heute mit Fiona weg war. JEFF

(Geht zu TOMMY) Der Typ mit Schilddrüsen-Überfunktion, der noch nie was von Johnny Walker12 gehört hat. TOMMY Ich kapier’s nicht. Ich komme mir allmählich wie ein Idiot vor.

N

IC

JEFF Was regst du dich auf? Wenn es sie glücklich macht, zweihundert Jahre Menschheitsgeschichte einfach zu ignorieren, dann lass sie doch.

TOMMY Ich hatte gerade den schönsten Tag meines Lebens; und jetzt so was. Es ergibt einfach keinen Sinn.

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BRIGADOON

JEFF Für mich schon. Es bedeutet einfach, dass du auf durchgedrehte Frauen stehst.

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TOMMY Sie ist nicht durchgedreht. Das kann nicht sein! (Ruft ins Off) Fiona! (Zu JEFF) Es muss eine logische Erklärung geben. Logisch sogar für dich. (Ruft) Fiona! JEFF Die müssen mir nichts erklären. Mir ist es egal.

FIONA (Tritt auf. Lässt ihr Halstuch auf der Balustrade liegen) Was ist denn, Tommy? TOMMY

Komm her.

FIONA

Tommy, was ist los?

TOMMY

(Zeigt ihr die Bibel) Bist du das hier in der Bibel?

FIONA Ay! Und warum ... ? (Sie hält inne; dann nachdenklich:) Oh!

JEFF Jemand hat da offenbar Blödsinn hineingeschrieben.

N

IC

TOMMY Was bedeutet das alles? Gibt es dafür eine Erklärung oder nicht? FIONA Ay, es gibt eine. Aber ich kann sie euch nicht sagen.

TOMMY Und gibt es jemanden, der es kann? Ich möchte sie gern erfahren.

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BRIGADOON

FIONA Da musst du mit dem Dominie13 sprechen. TOMMY Mit wem? FIONA Unserem Schulmeister, Mister Lundie. TOMMY

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Wo wohnt er? JEFF

Die Straße runter, in einem Baum.

#14 – Szenenwechsel (Orchester)

FIONA Er wohnt nicht in einem Baum, Mr. Douglas. Mr. Lundie ist ein großer Mann. (Zu TOMMY. Geht zu JEFF) In Ordnung, Tommy. Ich bringe dich zu ihm. Ich wollte es eigentlich nicht, weil ich hoffte, dass wir diesen Tag gemeinsam verbringen könnten. TOMMY

Was hat das damit zu tun?

FIONA Was du hören wirst, wird für dich nicht leicht sein, zu glauben. Du wirst denken, irgendwas stimmt mit uns nicht, und dann fortgehen. Ich weiß es. TOMMY (Legt die Bibel auf einen Hocker) Vielleicht, vielleicht auch nicht. Komm, Jeff. (Gibt FIONA ihr Halstuch. TOMMY und FIONA gehen Richtung Tür.) JEFF Wird es informell, oder soll ich meinen Dreispitz tragen? TOMMY

(Aus dem Off singt der CHOR Ahs zum Orchester. Die Musik baut sich auf, während sie zur Tür gehen und sich der Vorhang rasch schließt.)

N

IC

Ich sagte, komm!

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BRIGADOON

AKT I, SZENE 5: VOR MR. LUNDIES HAUS ZEIT: Direkt im Anschluss. Zum Szenenbeginn öffnet sich der Vorhang, während die letzten Takte des Chorals erklingen.

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Im Hintergrund ein Decker, auf dem MR. LUNDIEs Haus und in der Entfernung die Umgebung zu sehen ist. MR. LUNDIE sitzt auf seiner Veranda auf einer Bank und liest. Es gibt außerdem einen Wegstein vor dem Haus, auf dem man ebenfalls sitzen kann.

MR. LUNDIE ist ein kauziger schottischer Schulmeister Ende fünfzig. Obwohl seine Augen aufrichtige Freundlichkeit ausstrahlen und er sehr gütig wirkt, spricht er relativ emotionslos. Er trägt eine Nickelbrille. Auf der Bank liegt eine rote Tam-o’Shanter-Mütze. FIONA, TOMMY und JEFF treten auf und kommen zum Haus. FIONA

Guten Tag, Mr. Lundie.

MR. LUNDIE

(Erhebt sich) Oh, hallo, Fiona. Was für eine schöne Überraschung.

FIONA Mr. Lundie, darf ich Ihnen Tommy Albright und Jeff Douglas vorstellen? MR. LUNDIE

(Streckt seine Hand aus) Guten Tag, meine Herren.

(Er betrachtet die beiden aufmerksam)

TOMMY

(versucht, höflich zu sein) Wie geht es Ihnen, Sir?

IC

(nimmt seine Hand)

JEFF

N

Guten Tag.

MR. LUNDIE (Nachdem er sie eine Weile studiert hat) Woher kommen Sie, wenn ich fragen darf? TOMMY

Wir sind aus New York.

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BRIGADOON

MR. LUNDIE (Wie zu sich selbst, aber sehr bestimmt) Wir sind aus New York. JEFF Ja ... richtig. TOMMY New York.

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MR. LUNDIE

(Schlicht) Ich habe Sie gehört.

FIONA Mr. Lundie, ich möchte fragen, ob Sie die Güte hätten, diesen Herren von Brigadoon zu erzählen. Sie haben einiges gesehen und gehört und sind ziemlich verwirrt. TOMMY

Verwirrt, das ist richtig.

FIONA Ich würde mich sehr freuen, wenn er, ich meine, wenn die beiden Bescheid wüssten. MR. LUNDIE

(Wiederholt sein Echo) Ich würde mich sehr freuen, wenn er, ich meine, wenn die beiden Bescheid wüssten. FIONA

Ay, Sir.

MR. LUNDIE

(Nach einem Augenblick) Wollen Sie sich nicht setzen? (FIONA setzt sich auf die Bank, TOMMY auf den Wegstein. JEFF, der keinen Platz findet, stellt sich neben den Wegstein.) Bleibst du, Fiona?

N

IC

FIONA Wenn ich darf. Ich würde das alles gerne noch einmal hören. MR. LUNDIE

Natürlich.

(Setzt sich auf die Bank)

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BRIGADOON

TOMMY Wie es scheint, kann niemand über die Sache Auskunft geben außer Ihnen. Richtig? MR. LUNDIE Nein, falsch. Mr. Forsythe hätte es erzählen können. TOMMY Forsythe. Ich habe von ihm gehört, ihn aber nicht kennengelernt. MR. LUNDIE

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Kein Wunder. Ich glaube, er ist tot. JEFF Das wäre wohl ein Problem, schätze ich.

MR. LUNDIE Ich möchte Sie vorher warnen, dass Sie meine Geschichte nicht glauben werden. TOMMY Schon gut. Ich wurde bereits gewarnt. Warum werde ich sie nicht glauben?

MR. LUNDIE Weil die Geschehnisse in Brigadoon ein Wunder waren, und die meisten Leute glauben nicht an Wunder. Für Wunder braucht es Glaube, und Glaube scheint so tot wie ... äh ... JEFF

Mr. Forsythe?

MR. LUNDIE Ay. Wenn ein Fremder nach Brigadoon kommt und die Geschichte von jemandem aus der Stadt hört, muss er glauben, der Ärmste hätte den Verstand verloren. Und das würde für den Burschen oder das Mädel aus Brigadoon unangenehme Folgen haben. Nicht wahr? TOMMY

Ich vermute, ja.

MR. LUNDIE Ich vermute, ja. Deshalb darf nur ich Fremden von dem Wunder erzählen. JEFF

N

IC

(Mit leichtem Sarkasmus) Und Sie meinen nicht, irgendjemand könnte Sie für verrückt halten?

MR. LUNDIE Könnte schon sein. Aber es würde mir nichts ausmachen. Ich würde ihn nur bemitleiden. Also, das Wunder geschah ... Moment, was haben wir heute?

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BRIGADOON

FIONA Freitag. MR. LUNDIE Freitag. Das heißt, es geschah vor genau zweihundert Jahren. Vor zweihundert Jahren wurden die Highlands von Hexen, bösen Zaubererinnen, heimgesucht, die das schottische Volk den göttlichen Lehren entfremdeten und ihnen den Teufel in die Seele setzten. Es waren sehr zerstörerische Frauen. Ich glaube kaum, dass es solche Frauen auch in Ihrer Welt gibt.

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TOMMY

Hexen?

JEFF Doch. (Setzt einen Fuß auf den Wegstein) Mehr, als uns lieb ist.

MR. LUNDIE Aha. Es spielte keine Rolle, dass es keine richtigen Zauberinnen waren, Sie und ich wissen, so etwas gibt es nicht. Aber sie hatten trotzdem Einfluss. Hier in Brigadoon hatten wir einen alten Pastor namens Mr. Forsythe. Ein guter Mensch. FIONA

Der gütigste in ganz Schottland.

(JEFF setzt sich auf den unteren Teil des Wegsteins.)

MR. LUNDIE Das will ich meinen. Niemand liebte seine Gemeinde so wie Mr. Forsythe. Aber er war alt geworden, und es betrübte ihn, dass er seine Liebsten eines Tages verlassen müsste. Vor allem aber machte er sich Sorgen über die Hexen. Sie hatten Brigadoon noch nicht erreicht, er wusste aber, dass eine Bande von ihnen unterwegs zu uns war. Darum fragte er sich, ob er nicht etwas tun könnte, um seine Gemeinde nicht nur vor ihnen zu schützen, sondern auch vor allen Übeln, die Brigadoon drohten, nachdem er gestorben wäre. FIONA

So ein gütiger Mann!

N

IC

MR. LUNDIE Er wanderte viele Tage durch unser Tal und grübelte. (Erhebt sich und geht ein paar Schritte) Und gleich zu welcher Stunde der Nacht, in seinem Haus brannten die Kerzen, und Mr. Forsythe saß in seinem Sessel und grübelte. (Geht zu JEFF) Eines Tages dann kam er zu mir und erzählte mir, er habe beschlossen, Gott um ein Wunder zu bitten.

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BRIGADOON

FIONA (Wischt sich eine Träne aus dem Auge) Dieser Teil ist so schön, dass ich weinen könnte. MR. LUNDIE

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(Zu JEFF) Er beriet sich mit mir, weil er wusste, dass ich sehr logisch denke, und er vermutete, wenn er schon um ein Wunder bittet, dann sollte es wenigstens ein vernünftig organisiertes Wunder sein. Ich spazierte also viele Tage mit ihm durchs Tal und saß viele Nächte bei Kerzenlicht mit ihm zusammen. Schließlich entschied sich Mr. Forsythe, worum er bitten würde. An einem Mittwoch, kurz nach Mitternacht, bestieg er einen Hügel oberhalb von Brigadoon und sprach sein Gebet zu Gott. Dort in der Stille der schlafenden Welt bat er den Herrn, Brigadoon und all seine Bewohner im Highland-Nebel verschwinden zu lassen. Aber nicht für immer. Es würde, so wie es einst war, alle hundert Jahre für einen Tag zurückkehren. Die Leute würden ihr normales Leben weiterleben; aber wenn sie am Morgen erwachten, wäre es hundert Jahre später. (Er macht eine Pause) Und als wir am nächsten Tag erwachten, war es hundert Jahre später. TOMMY

(Halb flüsternd) Mein Gott!

MR. LUNDIE Verstehen Sie? So, glaubte Mr. Forsythe, gäbe es keine Veränderung im Leben der Leute. Sie wären in keinem Jahrhundert lang genug, um von ihm berührt zu werden. TOMMY

(Ziemlich erschüttert) Sie meinen ... Sie gehen abends zu Bett, und wenn Sie am nächsten Morgen aufstehen, ist es hundert Jahre später? MR. LUNDIE

Ay.

TOMMY

N

IC

Jeden Tag hundert Jahre später?

MR. LUNDIE

Ay.

JEFF

Was wurde aus dem Pastor?

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BRIGADOON

MR. LUNDIE (Geht zurück zur Bank) Wir haben ihn nie wiedergesehen! Er meinte wohl, für ein solches Wunder müsse ein Opfer gebracht werden, und er wollte derjenige sein, der es bringt. Und was wäre das größtmögliche Opfer für ihn? Von seinen Liebsten getrennt zu werden, bevor seine Zeit gekommen war! Deshalb ging er auf einen Hügel über Brigadoon. Würde das Wunder gewährt werden, sollte er Brigadoon niemals wiedersehen.

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TOMMY Und all das geschah vor zweihundert Jahren.

MR. LUNDIE Ay, Laddie [Junge]. Was für uns natürlich vor zwei Tagen war. Eigentlich hatte er am Dienstag nach dem Wunder fragen wollen. (Setzt sich auf die Bank) Aber Charles Dalrymple war zum Unterricht in Edinburgh und wurde nicht vor Dienstagabend zurückerwartet. Mr. Forsythe wollte nicht, dass die Hochzeit gefährdet wird, und verschob sein Gebet, bis Charles zurück war. FIONA

War das nicht nett von ihm?

TOMMY Darf ich etwas fragen? Wenn jemand hier die Nase voll hat und fortwill, was dann? MR. LUNDIE

Das geht nicht.

JEFF

(Erhebt sich) Heißt das, ich muss hierbleiben?

MR. LUNDIE Nein, nein. Aber gemäß Mr. Forsythes Vertrag mit Gott ist der Zauber für alle gebrochen, sobald jemand Brigadoon verlässt. TOMMY

Und ... ?

N

IC

MR. LUNDIE Wenn in dieser Nacht die Leute schlafen gehen, wird Brigadoon für immer verschwinden. TOMMY

(Nach einem Moment) Hören Sie, ich sage nicht, dass ich all das wirklich glaube, aber mal als Gedankenexperiment: Wenn ein Fremder wie ... na ja ... ich in Brigadoon bleiben wollte – ginge das?

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MR. LUNDIE Ay, Junge, das ginge. Mr. Forsythe hat das vorgesehen. JEFF Er hat an alles gedacht, was?

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MR. LUNDIE Das hat er, Junge. Ein Fremder kann bleiben, wenn er hier jemanden liebt – nicht nur Brigadoon – sondern jemanden in Brigadoon, und zwar genug, (FIONA & TOMMY sehen einander an) um alles andere aufzugeben und hierzubleiben. Wie es sein sollte. Denn wenn du jemanden wirklich liebst, ist alles möglich. FIONA

(Sieht zu TOMMY) Ich glaube, dieser Teil der Geschichte gefällt mir am besten.

MR. LUNDIE (Erhebt sich und sieht von TOMMY zu FIONA; nach einer Pause) Solltest du dich nicht allmählich für die Hochzeit umziehen? FIONA

(Springt auf) Ay, das stimmt. (Zu TOMMY, ein wenig ängstlich) Tommy, werd’ ich dich später sehen?

TOMMY

(Erhebt sich) Ja, ich werde hier sein.

FIONA

(Vielsagend) Danke, Tommy.

TOMMY Ich bleibe hier und schaue, ob sich dieser Ort tatsächlich verflüchtigt.

N

IC

FIONA (hält inne und wendet sich zu ihm) Ich muss mich beeilen. Danke, Mr. Lundie. (Ab.)

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BRIGADOON

#15 – Ende der Lundie-Szene (Chor a cappella) (Der CHOR singt Ahs ohne Text unter dem folgenden Dialog.) MR. LUNDIE Sie ist ein nettes Mädel. (In der Ferne hört man einen Chor.) TOMMY

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Ich finde das gerade heraus. (Geht zu MR. LUNDIE) Sagen Sie, Mr. Lundie, sind Sie glücklich in dieser kleinen Stadt?

MR. LUNDIE Natürlich, Junge. Der Sonnenschein dringt auch durch die kleinste Ritze. TOMMY Aber wenn Sie nachts schlafen gehen, wie ist es dann? MR. LUNDIE

(Sieht in die Ferne) Für mich ist es, als würde ich zu einer fernen Wolke getragen, auf der ich in den nächsten Morgen schwebe! (Wieder zu TOMMY) Und doch, manchmal glaube ich, seltsame Stimmen zu hören. TOMMY

Stimmen?

N

IC

MR. LUNDIE Ay. Ich kann mich an keine Worte erinnern. Aber die Stimmen sind von einer ängstlichen Sehnsucht erfüllt, und oft scheinen sie mich zurückzurufen. Nach dem Erwachen habe ich darüber nachgedacht, und ich glaube, ich höre die Welt draußen. Es muss dort viele Leute geben, die von einem Brigadoon träumen. (Der CHOR schwillt an, dann erklingen Glocken) Oh! Zeit für die Hochzeit! (Die Glocken und der CHOR werden lauter. TOMMY und JEFF sind hin- und hergerissen zwischen Ehrfurcht und Verwirrung und machen sich daran, zu gehen. MR. LUNDIE nimmt seine Schottenmütze und gibt ihnen zu verstehen, ihm zu folgen. Mit ihrem Abgang schließt sich der Vorhang.)

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BRIGADOON

AKT I, SZENE 6: VOR DER KIRCHE IN BRIGADOON #16 – Einzug der Clans (Orchester)

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Der rückwärtige Decker zeigt einen Kirchplatz mit Gräbern und einer Ruine, die einmal eine große Kirche war. Ein niedriger Zaun verläuft entlang dem hinteren Teil der Bühne und trennt ihn vom Kirchplatz ab. Hinter dem Zaun ist ein Teil der Stadt zu sehen. Ein Ruinenteil in Form eines Bogenfensters formt eine Laube. Stufen führen zum Eingang der jetzigen Kirche, die offenbar wesentlich kleiner ist als das Original. Das Kirchenportal und die Laube sind mit Blumen geschmückt. MR. LUNDIE steht ein paar Schritte von den Stufen entfernt. ZEIT: Abenddämmerung desselben Tages.

Bei Szenenbeginn: Musik – eine kurze Introduktion, während sich der Vorhang öffnet. Die Bühne füllt sich allmählich mit dem STADTVOLK, das in feinsten Hochzeitsstaat gewandet ist. Beim Hereinkommen geben sie jeweils ihren Clan14 bekannt. Reihenfolge der Auftritte:

1 – MacLAREN – Der Clan kommt paarweise herein, während sich der Vorhang öffnet. Sie schreiten als Formation herein, verbeugen sich vor MR. LUNDIE und geben schließlich das Signal für den Einzug des nächsten Clans. 2 – MacGUFFIE – Einzug paarweise mit ANGUS. 3 – DALRYMPLE – Einzug mit STUART. 4 – ANDERSON* - Einzug mit MAGGIE. 5 – MacLEOD 6 – BEATON

MEG, SANDY & MacGREGOR kommen nach den BEATONS herein.

N

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Die Musik spielt weiter, und es gibt eine Art zeremoniellen Tanz des gesamten STADTVOLKs. Am Ende verklingt die Musik und hört dann für einen Augenblick völlig auf, als MR. LUNDIE auf die Stufen zur Kirche tritt und spricht:

*

Im Klavierauszug heißt dieser Clan MacMillan.

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BRIGADOON

MR. LUNDIE (Steht auf den Stufen zur Kirche) Lasst uns Hochzeit feiern! (Mit dem Beginn der Musik ist die Begeisterung aller spürbar, die sich rasch vermischen und zwei dicht gedrängte, aber ungeordnete Gruppen auf beiden Seiten der Bühne bilden. Sie werden ganz still, als JEAN & MacLAREN auftreten.

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CHARLIE kommt herein und stellt sich neben MR. LUNDIE. Ein MITGLIED DES DALRYMPLE-Clans geht hinüber zu CHARLIE und stellt sich neben ihn – es ist sein Trauzeuge. TOMMY & JEFF kommen herein. MEG sieht JEFF und bahnt sich ihren Weg durch die Menge zu ihm.

JEAN & MacLAREN kommen aus der Kirche. JEAN hält ein HochzeitsBouquet in der Hand. MacLAREN führt JEAN auf MR. LUNDIEs andere Seite und stellt sich dann neben JEAN.

FIONA kommt herein, geht zu der Hochzeitsgruppe und stellt sich neben MacLAREN. JEAN gibt FIONA ihr Bouquet und stellt sich dann mit CHARLIE vor MR. LUNDIE. Die Musik spielt weiter unter LUNDIEs Worten:)

#17 – Hochzeitszeremonie (Incidental) (Orchestra)

N

IC

MR. LUNDIE Wir haben zurzeit in Brigadoon keinen Pastor. In den meisten Dörfern wäre das verhängnisvoll. Aber wir wissen, es ist ein Segen. Wenn es keinen Pastor gibt, dann ist es nach schottischem Recht für einen Mann und eine Frau völlig ausreichend, ihr gegenseitiges Einverständnis zu bekunden, um eine Ehe einzugehen. Die Trauung muss nicht schriftlich beurkundet werden.15 (Das STADTVOLK beginnt, leise „Brigadoon“ zu summen*) Alles, was nötig ist, ist das Versprechen, sich zu lieben, so lange beide auf dieser Welt sind. (Er macht eine kurze Pause.) Nur zu, Junge. CHARLIE

(Hält JEANs Hand) Ich will dich lieben, bis ich sterbe. Und ich werde mir alle Mühe geben, dir ein guter Mann zu sein. JEAN Und ... und ebenso sehr werde ich versuchen, dir ... eine gute ... und ... und liebende Frau zu sein.

*

In der Partitur und im Klavierauszug ist diese Nummer ein reines Orchester-Underscore. Wenn der Chor hier summen soll, verwende man die gleiche Aufteilung wie in Musik #30 – „Finale“.

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(CHARLIE streift JEAN den Ehering auf den Finger. Sie sehen einander unbehaglich an.) MR. LUNDIE Du darfst sie küssen, Charlie. (Sie küssen einander behutsam.) Ich weiß, dass Mr. Forsythe gern hier bei uns gewesen wäre. Aber wenn ihr gut und wahrhaftig zueinander seid, so werdet ihr in der Gnade Gottes leben. Und Mr. Forsythe würde sich nichts anderes wünschen.

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CHARLIE

(Nach einer kurzen Pause) Sind wir jetzt verheiratet, Mr. Lundie?

MR. LUNDIE Sind wir jetzt verheiratet, Mr. Lundie? Ay, Junge. Das seid ihr.

(Das STADTVOLK drängt sich um sie, schüttelt Hände, küsst Wangen etc. Alles das spielt sich im Stillen ab. FIONA geht rasch zu TOMMY. TOMMY ist von der Zeremonie derart bewegt, dass er fast weinen muss. Als FIONA zu ihm kommt, ist sie ebenfalls nahezu in Tränen aufgelöst und fällt ihm direkt in die Arme. MR. LUNDIE geht in die Kirche ab.)

FIONA Das war eine schöne Hochzeit, nicht wahr? (Er nimmt sie in die Arme.)

#18 – Hochzeitstanz (Orchester)

STUART DALRYMPLE (Bringt einen Toast aus) Die Braut! STADTVOLK

(im Chor) Huch-hi! Huch-hi! Huch-hi!

STUART DALRYMPLE

N

IC

Die Braut!

STADTVOLK

Huch-hi!

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BRIGADOON

(Die HOCHZEITSMUSIK beginnt, und CHARLIE und JEAN beginnen mit dem HOCHZEITSTANZ. ALLE beteiligen sich daran, und TOMMY steht mitten im Reigen. Er tritt mit FIONA zurück, um zuzuschauen. MacLAREN kommt herein. Der Hochzeitstanz wird durch das Erscheinen von HARRY BEATON unterbrochen, der mit zwei Schwertern hereinkommt, die er in die Höhe hält. Er legt sie gekreuzt auf den Boden, und die Musik wechselt zum Tempo eines SCHWERTTANZES16.

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Das STADTVOLK gruppiert sich in drei Gruppen rechts, links und in der Mitte. CHARLIE & JEAN stehen seitlich vorne.)

#19 – SCHWERTTANZ & REEL

(HARRY beginnt den Tanz. Später machen ZWEI ANDERE MÄNNER mit, die ebenfalls jeder zwei Schwerter in den Händen haben.) MÄNNER MÄNNER! DREHT WIE EIN DERWISCH EUCH IM KREIS GESCHWIND! DREHT EUCH, ALS WÄRET IHR EIN WIRBELWIND!

(30 Takte Tanz)

FRAUEN

HUCH-HI!

MÄNNER DREHT WIE EIN DERWISCH EUCH IM KREIS GESCHWIND! FRAUEN

HUCH-HI!

MÄNNER DREHT EUCH, ALS WÄRET IHR EIN WIRBELWIND!

(8 Takte Tanz)

FRAUEN

N

IC

HUCH-HI!

MÄNNER DREHT WIE EIN DERWISCH EUCH IM KREIS GESCHWIND! FRAUEN

HUCH-HI!

MÄNNER DREHT EUCH, ALS WÄRET IHR EIN WIRBELWIND!

(16 Takte Tanz)

ALLE (S-A-T-B) TRETET NICHT AUFS SCHWERT! DREHT EUCH, DOCH PASST AUF!

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MÄNNER DREHT EUCH, ALS WÄRET IHR EIN WIRBELWIND! (Nach 4 Takten beginnt der Reel, und die ganze Festgesellschaft beginnt, ihn zu tanzen.)

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STADTVOLK (S-A-T-B) HUCH-HI! HUCH-HI! AH! AH! (16 Takte Tanz) AH! AH!

LOS JETZT! TANZT JETZT! SPRINGT JETZT! WIE EIN BLITZ! LOS JETZT! TANZT JETZT! SPRINGT JETZT! WIE EIN BLITZ! (HARRY geht zu JEAN und fordert sie zum Tanz auf. Das tun sie 16 Takte lang. Manche vom STADTVOLK tanzen und bilden um JEAN & HARRY einen Kreis.) AH! SCHNELLER, SCHNELLER, NICHT AUFS SCHWERT! (HARRY & JEAN wirbeln herum, dann hält HARRY plötzlich inne und küsst sie heftig.) AH! SCHNELLER, SCHNELLER, NICHT AUFS SCHWERT!

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IC

DREHT EUCH SO WILD, DASS DER KILT HOCH UND HÖHER FLIEGT! DREHT EUCH SO WILD, DASS DER KILT HOCH UND HÖHER FLIEGT! AH! RUNDHERUM IM KREIS! AH! RUNDHERUM IM KREIS! WEITER! WEITER!

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BRIGADOON

(Musik und Tanz hören abrupt auf. Die MENGE teilt sich und man erkennt JEAN schluchzend auf dem Boden liegen, HARRY über ihr. ZWEI MÄNNER halten CHARLIE fest, der sich auf HARRY stürzen will. JEAN erhebt sich langsam und läuft zu CHARLIE.

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Zwischen HARRY und EINEM DER MÄNNER entbrennt ein Kampf. HARRYhebt ein Schwert auf, zieht mit der anderen Hand einen Dolch aus seinem Strumpf und läuft drohend hin und her. TOMMY tritt mit einem um den Arm gewickelten Schal vor, und nachdem einer der Männer HARRY das Schwert aus der Hand geschlagen hat, entreißt ihm TOMMY den Dolch und schlägt ihn nieder. TOMMY kickt den Dolch weg, und als er ihn gerade aufheben will, rennt FIONA zu ihm.)FIONA Tommy! Tommy!

(TOMMY hat die Augen fest auf HARRY gerichtet und antwortet nicht. HARRY erhebt sich langsam und sieht zu JEAN.) HARRY

(Schlicht) Alles, was ich tat, war, dich zu sehr zu lieben. (Er geht langsam zu einer Seite der Bühne, dann dreht er sich plötzlich wieder zur MENGE. ALLE bleiben bewegungslos stehen, als wüssten sie nicht, was als Nächstes kommt.) Ich werde Brigadoon verlassen. Das ist für uns alle das Ende. Das Wunder ist vorbei! (Er rennt ab.)

#20 – Ende von Akt I (Orchester)

(Ein Moment der Fassungslosigkeit. Dann erkennen alle, was HARRYs Fortgehen bedeutet, und springen auf. Schreie wie „Wir müssen ihn aufhalten“ erfüllen die Bühne. ALLE MÄNNER und die meisten FRAUEN rennen ihm nach, auch TOMMY, der zu JEFF und mit ihm und anderen ins Off läuft, während der Vorhang fällt.)

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ENDE DES ERSTEN AKTS.

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#21 – Entreacte (Orchester)

AKT II, SZENE 1: EIN WALD NAHE BRIGADOON

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Die gesamte Szene wird hinter einer Gaze gespielt, auf die rechts und links einige Bäume gemalt wurden. Hinter diesen Bäumen und so für das Publikum verdeckt steht ein CHOR VON MÄNNERN. Hinter der Gaze Bäume und Büsche, die in verschiedenen Neigungen aufragen. Im Hintergrund ausgesägte Baumformen mit ausladenden Ästen, hinter denen sich ein 2 m hohes Podium befindet, auf dem später HARRY erscheint, so dass es aussieht, als stehe er auf einem dicken Ast. Ein Strom von gelbem Mondlicht ergießt sich durch das tiefe Blau der Nacht und das dunkle Grün des Waldes. ZEIT: Direkt im Anschluss.

Zum Szenenbeginn erklingt die Musik von „DIE JAGD“.

#22 – DIE JAGD

(HARRY BEATON wird auf der Bühne sichtbar. Er wirft wild den Kopf hin und her – er kann sich nicht entscheiden, wohin er laufen soll. Dann hört man leise den CHOR singen.)

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MÄNNERCHOR

(Entfernt) HARRY BEATON! (HARRY schaut sich hysterisch um) HARRY BEATON! (Er schaut wieder, woher die Stimmen kommen, und läuft zur Seite ab. Der CHOR singt weiter, die Stimmen kommen näher und näher und werden lauter und lauter, bis sie die volle Kraft erreichen. Während der Chorpassage laufen einige MÄNNER von der Seite herein und teilen sich pantomimisch auf, um in verschiedenen Richtungen weiterzusuchen.) LAUFT UND JAGT IHN! JAGT IHN! LAUFT UND JAGT IHN! JAGT IHN! LAUFT, DENN BLEIBT ER FREI, DANN GIBT ES KEINEN NEUEN MORGEN! LOS, UND STOPPT IHN! STOPPT IHN! LOS, UND STOPPT IHN! STOPPT IHN! FANGT IHN OHNE WENN UND ABER, DENN SONST IST ES AUS.

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(SANDY, STUART DALRYMPLE, ANGUS und zwei oder drei andere MÄNNER kommen zügig auf die Bühne gelaufen. Sie halten in der Mitte inne und schauen sich um. Die Musik läuft darunter weiter.)

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ANGUS* SICHER WAR BEATON HIER, UND BESTIMMT IST ER NOCH IN DER NÄHE, LADDIE [JUNGE]. (Zu einem der Männer) FINDE IHN! GLAUBE MIR, KEINER WEISS, WAS DER STADT SONST GESCHÄHE, LADDIE [JUNGE]. (Der Mann ab.)

STUART DALRYMPLE IST VIELLEICHT ER AM BACH? WENN ER’S IST, WERD’ ICH IHN RASCH INS WASSER WERFEN! ANGUS

(Zu SANDY) AUF DEM BERG! SEHT DORT NACH! (Zum Rest) FINDET IHN, ODER NIE, NIEMALS KOMMT EIN NEUER TAG!

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(ALLE ab. Der CHOR singt wieder. Mehr MÄNNER erscheinen und illustrieren pantomimisch die Jagd.) MÄNNERCHOR LAUFT UND JAGT IHN! JAGT IHN! LAUFT UND JAGT IHN! JAGT IHN! LAUFT UND SUCHT IHN JETZT, BIS WIR ZULETZT IHN ENDLICH FINDEN. LOS, UND STOPPT IHN! STOPPT IHN! LOS, UND STOPPT IHN! STOPPT IHN! FANGT IHN OHNE WENN UND ABER, DENN SONST IST ES AUS.

(TOMMY und JEFF treten eilig auf.)

*

Im veröffentlichten Klavierauszug wird in dieser Nummer alles, was hier von ANGUS gesungen wird, MacGREGOR zugeordnet. MacGREGOR sang in der Londoner Original-Produktion, ANGUS in der New Yorker Original-Produktion.

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TOMMY Du gehst nach rechts und ich nach links. Er kann nicht weit sein. (JEFF ab, TOMMY singt) UND WENN IHR IHN ENTDECKT, HALTET IHN, ANDERNFALLS WÄREN WIR VERLOREN. GLEICH WO ER SICH VERSTECKT, STÖBERT IHN SCHLEUNIGST AUF, DANN NUR KOMMT EIN NEUER TAG.

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MÄNNERCHOR LAUFT UND JAGT IHN! JAGT IHN! LAUFT UND JAGT IHN! JAGT IHN! SUCHT UND FANGT DEN MANN, UND DENKT DARAN, WAS DAVON ABHÄNGT! LOS, UND STOPPT IHN! STOPPT IHN! LOS, UND STOPPT IHN! STOPPT IHN! FANGT IHN OHNE WENN UND ABER, DENN SONST IST ES AUS.

(TOMMY dreht sich um und sieht, dass HARRY in einer Baumkrone mit einem der MÄNNER kämpft. HARRY stößt den MANN vom Baum. TOMMY und die anderen MÄNNER fangen ihn auf. HARRY springt vom Baum und macht sich von TOMMY und den MÄNNERN frei, die versuchen, ihn aufzuhalten. HARRY rennt von der Bühne, hinter ihm her TOMMY und die anderen MÄNNER. HARRY taucht wieder auf der Bühne auf, er ist erschöpft. Er fällt hin, kommt wieder zu Luft und stolpert zur Seite ab.

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Nun hört man einen markerschütternden Schrei aus dem Off: Ein dissonanter Klang des gesamten Orchesters, dem einige Sekunden Stille folgt. Dann spielt die Musik im Hintergrund weiter. SANDY, MacGREGOR, STUART, TOMMY, ANGUS und die anderen MÄNNER kommen herein. SANDY und ANGUS zerren den Körper von HARRY hinter sich her. ANGUS beugt sich über ihn, dann schaut er die anderen an und singt.) ANGUS BETET ZU UNSEREM HERRN – HARRY BEATON IST TOT. TOMMY

(Schaut hinab) AUF EINEN STEIN FIEL DER ÄRMSTE, SEIN BLUT LEUCHTET ROT.

STUART DAS HABEN WIR NICHT GEWOLLT, WIR BEMITLEIDEN IHN. WIR WOLLTEN NUR, DASS ER BLEIBT IN DER STADT, STATT ZU FLIEH’N.

(MacLAREN kommt herein, geht zur Mitte und schaut auf HARRY hinab.)

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ANGUS (Wendet sich zu MacLAREN) SCHAUT NICHT SO, ZEIGT VERSTAND! ER HAT UNS, ER HAT GANZ BRIGADOON GEFÄHRDET. ER STARB DURCH GOTTES HAND. DANKT DEM HERRN, DASS IHR MORGEN NOCH LEBEN WERDET. STUART

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(Flehend) SELBST, WENN ES STIMMT, WAS ER SAGT, DENKT GUT NACH, WAS IHR MACHT; SCHWEIGT BIS ZUM MORGEN DAVON, DASS ER STARB HEUTE NACHT! WARTET DAMIT BIS MORGEN! HÖRT, WAS ICH EUCH SAG’! KEINER BRAUCHT NOCH MEHR SORGEN HEUT’ AM HOCHZEITSTAG! ALLE

(Verständnisvoll nickend)

Ay!

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IC

(SANDY, ANGUS und zwei andere Männer heben HARRY hoch, und ALLE beginnen abzugehen, während der CHOR singt.) MÄNNERCHOR DANKT DEM HIMMEL! DANKT DEM HIMMEL! DANKT! ES IST VORBEI, WIR SEHEN EINEN NEUEN MORGEN! (Der Vorhang schließt sich langsam, bis die Musik im Tempo anzieht.) DANKT DEM HIMMEL! DANKT DEM HIMMEL! DANKE TAUSEND MAL, ES KOMMT EIN NEUER TAG!

#22a – Szenenwechsel (Orchester)

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AKT II, SZENE 2: EINE STRASSE IN BRIGADOON Wie in Akt I, Szene 1 – Zwischenszene. ZEIT: Einige Minuten später. Bei Szenenbeginn öffnet sich der Vorhang rasch. FIONA und eine JUNGE FRAU treten auf, vier weitere JUNGE FRAUEN folgen.

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FIONA War das ein Schrei? Dort drüben? (Weist ins Off. MR. MacLAREN, SANDY, ANGUS, MacGREGOR und drei weitere MÄNNER treten aus dieser Richtung auf. Einen Moment lang herrscht Stille, dann tritt FIONA besorgt zu ihrem Vater.) Vater? MR. MacLAREN Alles in Ordnung. Er wurde aufgehalten.

(Von den FRAUEN hört man „Gott sei Dank“ und „Dem Himmel sei Dank“, und sie laufen zu den MÄNNERN.) FIONA

(Zu ihrem Vater) Gott sei Dank! Ist er verletzt?

(ARCHIE BEATON kommt herein, ihm folgt MAGGIE.)

MR. MacLAREN Nein, mein Schatz. Nur ein Kratzer. Kein Grund, Trübsal zu blasen. Lasst uns fortfahren mit dem Hochzeitsmahl!

(ARCHIE geht rasch zu MR. MacLAREN. MAGGIE folgt ihm. FIONA entfernt sich von ihrem Vater, als suche sie etwas. Seitlich auf der Bühne bleibt sie stehen und sieht ins Off.)

ARCHIE Er ist nicht entkommen, Mr. MacLaren?

MR. MacLAREN

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IC

Nein, Archie.

ARCHIE Wo ist mein Sohn dann? Ich will ihn sehen! Ich danke Gott, dass ihr ihn von seinem furchtbaren Vorhaben abgebracht habt, aber ich will ihn sehen.

MR. MacLAREN Ihm geht es gut, Archie. Er ist in guten Händen. Außerdem ist es wohl am besten, ihn für eine Weile in Ruhe zu lassen. Komm, iss was mit uns.

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ARCHIE Ich schäme mich zu sehr für ihn, Mr. MacLaren. Ich kann nicht dabei sein. (Er geht ein Stück weg.)

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MR. MacLAREN Aber, Archie ... (ARCHIE geht ab, gefolgt von MAGGIE. MR. MacLAREN wendet sich an die anderen.) Kommt, Leute. Zurück ins Tal, lasst uns was essen und trinken. Die Sache ist vorbei! (Alle machen sich daran, abzugehen. FIONA wendet sich an ANGUS.) FIONA

Angus, hast du Tommy gesehen?

ANGUS (Bleibt stehen und wendet sich zu ihr) Den Amerikaner, Fiona? Ay! Aber ich glaube, er ist nicht mit uns zurückgekommen. (MacGREGOR, SANDY & ANGUS ab. FIONA dreht sich um und schaut wieder ins Off. Bis zu diesem Zeitpunkt sind die meisten Leute abgegangen. MR. MacLAREN ruft nach ihr:) MR. MacLAREN

(Ruft) Komm, Fiona.

(Er geht ab. FIONA dreht sich um und geht über die Bühne, hält dann inne, dreht sich um und sieht, dass TOMMY doch noch kommt.) TOMMY

Fiona!

FIONA

(Läuft zu ihm) Tommy! Ich dachte schon, du wärest weggegangen. TOMMY

IC

Nein. Das könnte ich nicht.

FIONA

N

Alles in Ordnung?

TOMMY

Natürlich.

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FIONA Wenn dir etwas zugestoßen wäre, hätte ich tot sein wollen. Ich liebe dich so. TOMMY Du ...? FIONA Ay!

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TOMMY Aber wie kannst du dir sicher sein? Nach nur einem Tag? FIONA Ich weiß nicht. Wenn sich eine Frau verliebt, dann weiß sie es einfach. TOMMY Ich wünschte, ich wäre mir über meine Gefühle genauso klar. FIONA

Warum?

TOMMY Weil ich glaube, du sprichst mein eigenes Geheimnis aus. FIONA Heißt das ... du denkst, du liebst mich auch?

TOMMY „Denkst“? Was hat Denken damit zu tun? Wenn ich über dich nachdenke, ergibt das genauso wenig Sinn wie euer Wunder. (Die Musik beginnt. Er wendet sich ihr zu.)

#23 – DU BIST ES, DIE ICH WILL

(TOMMY) Aber was ich fühle, das ist etwas anderes.

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FIONA (Sie macht einen Schritt auf TOMMY zu und sieht ihm ins Gesicht.) Und kannst du mir sagen, was du fühlst, Tommy? TOMMY LEICHT FÄLLT MIR DAS NICHT. DOCH DIESE SACHE MIT UNS ZWEI ...

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(TOMMY) SEIT DIESEM FLÜCHTIGEN MOMENT FÜHL’ ICH MICH PLÖTZLICH STARK UND FREI UND NICHT MEHR EINSAM. (Er schaut nach vorn) ALS ICH MEINE AUGEN SCHLOSS, SAH ICH DEN GRUND DAFÜR ...

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ICH SAH DEN MANN, DER SEIN GLÜCK NICHT FAND. ER HAT LIEBE NICHT GEKANNT. ICH SAH DIESEN MANN UND ERKANNTE MEIN ZIEL: (Er wendet sich zu FIONA) DU BIST ES, DIE ICH WILL.

ICH SAH DEN MANN GANZ ALLEIN AM MEER, VON STURMWIND UMTOST WAR ER. ICH SAH DIESEN MANN UND ENTSCHIED FÜR MICH STILL: DU BIST ES, DIE ICH WILL.

ICH TAT FURCHTBAR LEID MIR, EINSAM, WIE ICH WAR. DOCH NUN SIND ZU ZWEIT WIR, (Geht zu FIONA und nimmt ihre Hand) DAS IST SO WUNDERBAR!

ICH SAH DEN MANN, DER ZUFRIEDEN WAR, WAS FEHLTE, WAR IHM NICHT KLAR. DOCH JETZT IST DAS LEBEN EIN EINFACHES SPIEL: DU BIST ES, DIE ICH WILL. (Die Musik läuft im Hintergrund weiter.) FIONA

(Legt ihre Arme um ihn) Oh, Tommy! Tommy, Liebster!

N

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TOMMY Ich liebe dich, Fiona. Ich glaube, mehr gibt es nicht zu sagen.

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FIONA Das wollte ich von dir hören. Selbst wenn es in der allerletzten Minute ist. TOMMY (Löst sich von ihr) In der allerletzten Minute? FIONA

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(sieht sich um) Ay. Unser Tag ist fast vorüber.

TOMMY Und dann wirst du ... wirst du ...? (Er macht eine Bewegung mit dem Kopf – „verschwinden? – FIONA nickt – „Ja!“) Aber, Fiona. Ich kann dich nicht verlassen. Nicht jetzt. (Macht eine Pause, dann mit zögerlicher Erregung) Hat Lundie nicht gesagt, man kann bleiben, wenn man jemanden nur genug liebt? FIONA

Ay.

TOMMY Na, das gilt doch für mich! Wohin muss ich gehen? Mit wem muss ich reden? Wo bekomme ich einen Pass, um zu verschwinden? FIONA

(Wieder in seinen Armen) Tommy! Tommy! Wir sollten rasch zu Mr. Lundie gehen. (Sie küssen einander.)

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TOMMY Ich will nie wieder ohne dich sein. Davor hätte ich Angst.

ICH SAH DEN MANN, DER ZUFRIEDEN WAR, WAS FEHLTE, WAR IHM NICHT KLAR. DOCH JETZT IST DAS LEBEN EIN EINFACHES SPIEL: DU BIST ES, DIE ICH WILL.

(Sie fallen sich in die Arme.

Die Musik schwillt an, während sich der Vorhang schließt für den Szenenwechsel.)

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AKT II, SZENE 3: IM TAL Auf dem Decker im Hintergrund ein bewaldetes Tal. Links und rechts Gassenvorhänge mit Gestein und Bäumen. Im Hintergrund ein Fels. Kleine Fässer links und rechts vorn. #24 – Opening Tal-Szene (Orchester) ZEIT: Ein wenig später.

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Bei Szenenbeginn öffnet sich der Vorhang rasch. Das Hochzeitsmahl ist im Gang! Musik im Hintergrund bei Szenenbeginn. CHARLIE und JEAN sitzen im Hintergrund auf einem Felsen. MacLAREN steht auf einem Felsen. SANDY, STUART, MacGREGOR und ANGUS haben sich unters STADTVOLK gemischt. Das STADTVOLK tanzt einen ländlichen Tanz17. Danach treten die LEUTE zurück, MEG erscheint und wird mit donnerndem Beifall empfangen.

#24a – DIE HOCHZEIT VON MAMA

MEG WENN JEMAND DIESEN HOCHZEITSTAG FÜR NICHT GELUNGEN HÄLT, DANN HÖRT VOM SCHLIMMSTEN HOCHZEITSTAG, DEN’S JE GAB AUF DER WELT! DER BURSCHE, DER SICH EWIG BAND, DAS WAR MEIN HERR PAPA. UND WIE DAS SCHICKSAL MANCHMAL SPIELT: DIE BRAUT WAR MEINE MA.

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MacGREGOR, MacKENNA, MacGOWAN, MacRAE, MacVITIE, MacNEIL UND MacGRAW; AY, ALLE FAMILIEN WAR’N VOLLZÄHLIG DA BEI DER HOCHZEIT VON MAMA. DENN PA LUD JACK MacBRODIE EIN, UND JACK KAM MIT MacGEE HEREIN, MacGEE LIESS FÜNFE GERADE SEIN UND LUD NEUNZIG FREUNDE EIN. ZUR TÜR HEREIN KAM ED MacKEEN, NATÜRLICH MIT HALB ABERDEEN.

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CHOR IN ABERDEEN, DA MAG MAN IHN, DARUM KAM ER NICHT ALLEIN. MEG UM VIERTEL VOR FÜNF WAREN ALLE KOMPLETT UND WOLLTEN DIE TRAUUNG BEGEH’N, MacVICKER, MacDOUGALL, MacDUFF UND MacCOY, NUR VON PA WAR NICHTS ZU SEH’N.

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UM ACHT NOCH WURD’ VOM HOCHZEITSPAAR DER MANN VERMISST – DIE BRAUT WAR DA ... UND WEIL SO MANCHER DURSTIG WAR, WAR BETRIEB BALD AN DER BAR. DIE MÄDELS TRANKEN HONIGMET, DIE BURSCHEN SOFFEN, WAS NUR GEHT.

CHOR BALD WAR DIE STIMMUNG AUFGEDREHT BEI DER HOCHZEIT VON MAMA.

MEG UND PLÖTZLICH, DA WAR ALLER ALKOHOL AUS, MIT WHISKY UND GIN WAR’S VORBEI. MAN HATTE NICHTS VOR, DESHALB WURDE DARAUS EINE HÜBSCHE SCHLÄGEREI. DENN PETE MacGRAW UND JOE MacPHEE, SIE BALGTEN SICH UM MAY MacGEE, DOCH DIESE KÜSSTE SAM MacKEE, SOGAR ZUNGE WAR DABEI!

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WAS FOLGTE, DAS WAR SONNENKLAR, DIE JUNGS WAR’N NICHT MEHR ANSPRECHBAR. CHOR DIE MÄDELS WAR’N DEM KOMA NAH BEI DER HOCHZEIT VON MAMA.

MEG MacDUFF UND MacKEEN SPIELTEN BALL MIT MacCOY, MacCOY FLOG MIT SCHMACKES INS TOR. MacKENNA VERSPEISTE DIE BLUMEN DER BRAUT, UND ER BISS MacNEIL INS OHR. ALS VATER ENDLICH KAM ZUM SCHLUSS, DA LALLTE ER ZU MAS VERDRUSS

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(MEG) UND ROCH NACH SCHALEM BIER MIT SCHUSS UND SANG IHR EIN TRINKLIED VOR.

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DIE HOCHZEITSGESELLSCHAFT HAT’S NICHT MEHR GEHÖRT, WEIL SIE AUF DEM FUSSBODEN LAG. DANN TÄTSCHELTE MUTTER DEN PREDIGER WACH, DASS ER NUN SIE TRAUEN MAG. PA KNIETE SICH AUF BILL MacRAY UND MUTTER SICH AUF JOCK MacKAY, DER PFARRER SASS AUF JOHN MacVAY – SO WAR MUTTERS HOCHZEITSTAG.

BEIM JA-WORT WAR DIE RÜHRUNG GROSS, DIE FREUDE ALLER GRENZENLOS. CHOR JA, UNVERGLEICHLICH UND GRANDIOS MEG & CHOR WAR DIE HOCHZEIT VON MAMA!

(Nach dem Ende der Nummer beginnt erneut Musik. Die LEUTE bereiten sich auf einen ländlichen Tanz vor. JEAN & CHARLIE stehlen sich heimlich davon und winken dabei einigen zu. MEG geht nach ihrem Song ab.)

#24b – Tanz (Orchester)

(Das STADTVOLK beginnt wieder zu tanzen, aber inzwischen sind alle schon ein wenig angeheitert, das sollte sich in ihrem Tanz widerspiegeln. Dann wird der Tanz von einem durchdringenden Pfeifen unterbrochen. ZWEI DUDELSACKPFEIFER erscheinen, ihnen folgt ARCHIE BEATON, der HARRY auf dem Rücken trägt, dahinter die in Schwarz gekleidete MAGGIE. Alles schreckt zurück.)

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#25 – Die Beerdigung (Orchester)

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(ZWEI DUDELSACKPFEIFER spielen ein Klagelied, und es folgt die Beerdigung. Drei MÄNNER gehen zu ARCHIE und nehmen ihm HARRYs Körper ab. Sie legen den Toten vorsichtig auf den unteren Teil des Felsens im Hintergrund. Die drei MÄNNER kehren auf ihre Plätze zurück. ARCHIE steht mit gesenktem Kopf neben dem Felsen. MAGGIE tanzt den Piobrochead18, einen rituellen Beerdigungstanz, zum Klang von Dudelsack und schottischer Trommel. Während der Beerdigung kommt JEFF still herein und beobachtet den Vorgang. TOMMY stellt sich in eine Gruppe auf der anderen Bühnenseite. Als die Zeremonie beendet ist, geht MAGGIE ab und HARRYs Körper wird von drei MÄNNERN hinausgetragen. Die DUDELSACKPFEIFER folgen ihnen, ARCHIE und die anderen BÜRGER DER STADT schließen sich der Prozession an. Als alle abgegangen sind, bemerken TOMMY und JEFF einander.) JEFF

(Ruft TOMMY zu)

Hi!

TOMMY

(Geht zu JEFF) Jeff, ich gehe nicht mit zurück!

JEFF Nur fürs Protokoll – wovon redest du da? (Die Musik endet.)

TOMMY

Ich bleibe hier!

JEFF

Du nimmst mich auf den Arm, oder?

TOMMY Nein! Ich habe es noch nie so ernst gemeint. Glaub’s mir, Jeff: Nach nur einem Tag empfinde ich mehr für sie, als ich es je für Jane oder irgendjemand oder -etwas zuhause empfunden habe.

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JEFF Das ist so, weil es nur ein Tag war. Aber ist dir wirklich klar, dass es für immer ist, wenn du hierbleibst? TOMMY

Das weiß ich.

JEFF Und weißt du auch, wie lange „immer“ in dieser Gegend dauert? Ewig lang’! TOMMY

Weiß ich.

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JEFF Auf Probe heiraten und nach sechs-, siebenhundert Jahren einfach die Meinung wechseln kannst du vergessen. TOMMY Das werde ich gar nicht wollen. JEFF Bist du absolut sicher, dass du deine Familie, deine Freunde, dein altes Leben nie vermissen wirst? Wie willst du das wissen?

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TOMMY Weil – und jetzt wirst du mich natürlich für verrückt halten – weil ich ihr vertraue. Und mehr noch, ich vertraue diesem Ort.

JEFF Das tust du nicht. Du willst es bloß. Dieses Highland-Voodoo-Dorf ergibt für dich genauso wenig Sinn wie für mich. Wie kannst du ihm vertrauen, wenn du es nicht verstehst? Wenn du hier weggehst, wirst du alles in ein paar Wochen, vielleicht sogar Tagen, vergessen haben. Es wird dir nichts mehr bedeuten. So ist das mit einem Traum. (Legt TOMMY die Hand auf die Schulter.) TOMMY

(Wischt die Hand weg) Was meinst du damit – ein Traum?

JEFF Das ist es doch: ein Traum. Nicht einmal jetzt berührt es dich wirklich. Du glaubst es nur. TOMMY

Woher willst du das wissen?

JEFF

IC

Ich weiß es halt. (Macht eine kleine Pause.) Die Beerdigung gerade ...

TOMMY

N

Was ist damit?

JEFF

Ich habe sie zu verantworten.

TOMMY

Was soll das heißen?

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JEFF Harry Beaton. Ich habe ihn umgebracht. TOMMY Was hast du?

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JEFF Ich hab’ ihn umgebracht. Aus Versehen natürlich, aber trotzdem: Ich habe ihn umgebracht. Heute Nacht im Wald habe ich ihn gesehen. Hinter einem Busch ist er an mir vorbeigerannt. Ohne groß nachzudenken stelle ich ihm ein Bein, und er fällt. Und dann höre ich, wie sein Kopf mit einem dumpfen Geräusch auf einen Felsen schlägt. TOMMY

(geht zu ihm) Mein Gott, Jeff. Das tut mir so leid.

JEFF

Inwiefern?

TOMMY

Du musst dich schrecklich fühlen.

JEFF Im Gegenteil, ich fühle überhaupt nichts.

TOMMY

Nichts?

JEFF Genau. Außer, dass ich nach Hause will.

TOMMY

Aber warum fühlst du nichts?

JEFF Weil das alles nur ein Traum ist. Ein schöner für dich und ein schlimmer für ... TOMMY

Jetzt halt bitte mal die Luft an, ja? (Er kommt nach vorn.)

N

IC

JEFF

(Pause) Siehst du, ich hab’ dich verunsichert.

TOMMY

Stimmt.

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JEFF (Geht zu TOMMY) Wenn du wirklich so viel Vertrauen hättest, wie du denkst, hätte ich das nicht gekonnt. (MR. LUNDIE und FIONA kommen herein) Ich warte auf dich, draußen vor der Stadt. (Er dreht sich um und geht ab.)

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FIONA

(Stellt sich zu TOMMY) Tommy, was hat er damit gemeint?

MR. LUNDIE Fiona hat mir erzählt, dass du bleiben willst, Junge. FIONA

Tommy, was ist los?

TOMMY Es hat keinen Zweck, Fiona. Ich gehe fort. (MR. LUNDIE wendet sich ab und geht ein Stück weiter.) Nicht, weil ich dich nicht liebe. Ich glaube, ich tu’s. Aber ich fürchte, ich vertraue meinem eigenen Gefühl nicht. (Es wird langsam dunkler.)

FIONA Bist du dir unsicher, ob du mit der Bedingung leben kannst? TOMMY

Ich schätze, das ist es wohl.

MR. LUNDIE

N

IC

(Geht zu FIONA) Du beeilst dich besser, Fiona. Es ist nicht mehr viel Zeit. (Er dreht sich um und macht Anstalten abzugehen. Dann hält er inne) Du musst dich nicht schämen, Tommy. Nichts ist schwerer, als alles aufzugeben. Obwohl man nur so alles bekommen kann. (Er geht ab.

Musik beginnt im Hintergrund.)

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BRIGADOON

#26 – FÜR ALLE ZEIT TOMMY (Geht zu FIONA) Kannst du es irgendwie verstehen? FIONA

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(Sieht ihn an und singt dann) WEISST DU DENN NICHT, TOMMY? ICH LEB’ NUR FÜR DICH ALLEIN. SCHAU MIR INS GESICHT, TOMMY, ODER IST DEIN HERZ AUS STEIN? TOMMY

N

IC

(Sanft) Nein, Fiona. So sollst du dich nicht daran erinnern. Und ich auch nicht. (Singt und nimmt ihre Hand in seine.) DU, UND WAS HIER GESCHAH, BLEIBT STETS MEINEM HERZEN NAH. DU BLEIBST TEIL VON MIR FÜR ALLE ZEIT. WENN EINMAL ICH LIEBE, DANN BIST DU’S, DIE ICH LIEBEN KANN. MEIN HERZ BLEIBT BEI DIR FÜR ALLE ZEIT. (FIONA kommt zwei Schritte nach vorn, TOMMY folgt ihr) STUNDEN NUR WAREN UNS GEMEINSAM VERGÖNNT. IM WELTGETRIEBE WAR ES NUR EIN MOMENT. (Dreht sie zu sich. Sie legt ihren Kopf an seine Schulter.) UND BALD BIN ICH FERN VON HIER, UND DU WEISST, EIN TEIL VON DIR GING FORT! FORT MIT MIR FÜR ALLE ZEIT... (Die Musik läuft weiter. Er spricht.) Siehst du? Wir müssen nichts bereuen.

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BRIGADOON

FIONA Das tue ich auch nicht. Ich würde mich nicht wundern, wenn ich jetzt weniger allein wäre als vorher, bevor ich dich traf. Ich glaube, wirklich allein ist man nicht, wenn man vergeblich liebt, sondern wenn man gar nicht liebt. TOMMY Mit der Zeit wird die Erinnerung verblassen.

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FIONA (Macht zwei Schritte nach hinten und dreht sich zu TOMMY) Nein. Das wird sie nicht. DURCH ALL DIE SCHWERE ZEIT UND DURCH ALL DIE TRAURIGKEIT WEISS ICH, ICH BIN DEIN FÜR ALLE ZEIT.

(Das Licht wird schwächer, und der CHOR beginnt aus dem Off zu singen.)

#26a – Abschiedsmusik

CHOR

(Offstage) BRIGADOON, BRIGADOON, UNTERM HIMMEL SCHWARZ WIE ERZ. BRIGADOON, BRIGADOON, EWIG SCHLÄGT FÜR DICH MEIN HERZ.

(Der Gesang wird leiser und leiser. Das Licht vergeht, und im Tal kommt Nebel auf. TOMMY und FIONA sprechen miteinander.)

FIONA Oh, Tommy! Das ist das Ende unseres Tages!

N

IC

TOMMY Es tut mir so leid, Fiona. Um zu bleiben, dürfte ich keine Angst und keine Zweifel haben. Und ... ach ... (Er legt die Arme um sie.) ... Lebwohl!

(Sie küssen einander. Die STIMMEN sind nun sehr leise, und es ist ziemlich dunkel auf der Bühne. Während FIONA spricht, entfernt sie sich langsam von ihm, ihre Stimme wird leiser, während sie im dichter werdenden Nebel verschwindet.)

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BRIGADOON

FIONA Lebwohl, Tommy ... Und vergiss nicht ... ob Tag ... ob Nacht ... immer und immer werde ich ... dich lieben ... dich lieben ... dich lieben ... dich lieben ... dich lieben.

N

IC

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(Dunkelheit! Stille! Dann wird es für einen Moment ein wenig heller. FIONA ist nicht mehr da. Der diesige Blick auf die Häuser ist verschwunden. Die Bühne ist erfüllt von Nebel und graugelbem Licht. TOMMY sieht es sich für einen Moment an, und er scheint zu glauben, dass der Wald sich um ihn herum schließt. Dann dreht er sich um und geht ab, während sich der Vorhang schließt.)

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BRIGADOON

AKT II, SZENE 4: EINE BAR IN NEW YORK CITY #27 – Szenenwechsel (Orchester) Die Bar ist ein kleiner Einbau seitlich auf der Bühne. Er stellt das Ende einer ellipsenförmigen Bar dar, so dass der Eindruck entsteht, die Bar ginge offstage weiter. Zwei Barhocker stehen davor. Der Rest der Bühne liegt im Dunkel. ZEIT: Später Nachmittag, vier Monate später.

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Bei Szenenbeginn hört man „Cocktail-Musik“ von einem Piano. Mit dem Öffnen des Vorhangs wird diese leiser. JEFF sitzt auf einem Barhocker. Obwohl er nicht völlig betrunken ist, ist er offensichtlich alkoholisiert. Hinter der Bar steht FRANK, der Barkeeper, der auch aussieht wie einer.

JEFF (Nimmt einen Schluck aus einem Glas) Ugh! Was ist das, Frank, DDT19?

FRANK

Das Übliche, Bourbon.

(Die Musik endet.)

JEFF Warum sagst du „das Übliche“? Trinke ich schon so lange? FRANK Pausenlos, seit du vor vier Monaten in Schottland warst.

JEFF Wie auch immer, der schmeckt mir nicht. Ist nicht annähernd so gut wie der Whisky von Mutter. Gib mir Gin. FRANK

Womit willst du ihn?

JEFF

Mit einem Schuss Bourbon.

FRANK

N

IC

Alles klar.

JEFF

(Schüttelt seine Armbanduhr) Wie spät es es, Frank? Meine Uhr ist stehengeblieben, glaub’ ich.

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BRIGADOON

FRANK (Sieht auf seine Armbanduhr) Zehn nach sechs.

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JEFF Hmpf! Ich werd’ besser nach Hause gehen. (FRANK gibt ihm seinen Drink) Mach mir noch einen für den Weg, Frank. Ich werd’ nicht gerne nüchtern, bevor ich ins Bett gehe. FRANK (Bereitet den Drink und stellt die Flasche danach hinter die Bar.) Jetzt müsste eigentlich Miss Ashton anrufen. JEFF

Wer?

FRANK Jane Ashton, Tommy Albrights Verlobte. Sag nicht, du kannst dich nicht an sie erinnern? JEFF

Okay, ich sag’s nicht. Was ist mir ihr?

(FRANK holt eine Zigarette aus einer Schachtel, JEFF zündet sie ihm an, nimmt sie FRANK aus dem Mund und raucht sie.)

FRANK Na ja, jeden Tag um diese Zeit ruft sie an oder kommt her, um nach ihm zu sehen. JEFF

Echt jetzt?

FRANK Ja, und ich fürchte, sie wird ihn nicht finden.

JEFF Danke für die Warnung. Ich trink’ das aus und mach’ mich vom Acker. FRANK

N

IC

Magst du Jane nicht?

JEFF Oh doch, sehr sogar. Aber nicht, wenn sie Tommy auflauert. (Er trinkt) Hör zu, Frank: Geh zu ’ner Frau, kratz an der Oberfläche ... und es wird ihr gefallen! FRANK

Und wo ist Tommy?

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BRIGADOON

JEFF Keine Ahnung. Er hat vor einem Monat gekündigt, seine Sachen gepackt und ist verschwunden ... wie ... Brigadoon. FRANK Wie wer? JEFF Mein Bruder ... der ist von zu Hause abgehauen.

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(TOMMY tritt auf.) TOMMY

Hi!

FRANK

Hallo, Tommy. Schön, dich zu sehen.

JEFF

(Geht zu ihm) Tommy! Mein alter Freund Tommy. (Wirft die Arme um TOMMY)

TOMMY

(Macht sich frei) Wie geht’s, Jeff?

(Er geht zu einem Barhocker und setzt sich darauf) JEFF

(Zu FRANK) Das ist mein alter Freund Tommy. Er ist zurück. TOMMY

Hallo, Frank.

JEFF

Wo warst den ganzen Monat, Tommy?

TOMMY

N

IC

Auf einer Farm in New Hampshire.

JEFF Auf einer Farm. Im Dreck rumwühlen und so? (Er setzt sich auf einen weiteren Barhocker) Was hast du da gemacht?

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BRIGADOON

TOMMY Mich amüsiert. Whisky Soda, Frank. JEFF Okay, wenn du Farmen so toll findest, warum kaufst du dir nicht eine nach der Hochzeit? (FRANK schenkt TOMMY einen Drink ein und stellt ihn auf die Bar.)

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TOMMY Ich frage mich, ob ich überhaupt heiraten will, Jeff. JEFF

Bitte?

TOMMY Weil ich in jemand anders verliebt bin, alter Junge. Und ich komme nicht drüber weg. JEFF

Oh!

TOMMY Das Blöde ist: Weil ich nicht mit ihr zusammen sein kann, kann ich mit keiner Anderen zusammen sein. Deshalb bin ich hier abgehauen. Es erinnert mich zu viel an sie. Wenn irgendjemand mit mir redet, reicht schon ein Wort, um mich an sie denken zu lassen, und ich höre nichts anderes mehr. Ich bin ein paar tausend Meilen weit weg bei ... bei ihr. Dann komme ich langsam wieder zu mir, jemand fragt mich was, und ich habe keine Ahnung, wovon die Rede war. Ich hab’ nichts von dem gehört, was gesagt wurde. JEFF Du warst schon immer ein faszinierender Gesprächspartner. TOMMY

Wenn ich allein bin, ist es einfacher.

(JANE ASHTON tritt auf. Sie ist Ende zwanzig, stilvoll, sehr attraktiv, vielleicht aber auch ein wenig streng.) JANE

N

IC

Tommy!

(Die beiden Männer stehen auf. Sie geht an JEFF vorbei und wirft sich TOMMY in die Arme. Alles, was sie sagt, richtet sich an TOMMY, sie ignoriert JEFF, bis er andeutet, zu gehen.) TOMMY

Jane.

JANE Was für eine wundervolle Überraschung!

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BRIGADOON

JEFF Hallo, Jane. JANE Seit wann bist du zurück? JEFF Hallo, Jeff. TOMMY

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Seit kurzem. JEFF

Wie geht es denn so, Jane?

JANE Ich habe mich zu Tode geängstigt um dich. JEFF

Gut, Jeff, und wie geht es dir?

JANE

Lass mich dich anschauen.

JEFF

Ich war leicht erkältet, aber sonst ...

JANE

Ich muss sagen, du siehst toll aus.

TOMMY

Du auch, Jane.

JEFF Okay, ich will die traute Zweisamkeit nicht stören, ich geh’ rauf in mein Zimmer und genehmige mir noch ’nen Drink. TOMMY

Bis später, Jeff.

JANE

N

IC

(Wendet sich halb zu JEFF um) Hallo.

JEFF Wiedersehen. Setz es auf die Rechnung, Frank.

FRANK Kein Platz mehr, das Blatt ist randvoll. JEFF

Genauso wie ich.

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BRIGADOON

(JEFF ab.) JANE (Setzt sich auf einen Barhocker) Tommy, warum hast du mir nicht geschrieben? TOMMY (Setzt sich auf einen Barhocker ans andere Ende der Bar) Schätze, es gab nichts zu sagen. Einen Drink?

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JANE

Einen Old Fashioned, bitte. (FRANK beginnt mit der Zubereitung.) #28 – REPRISEN

(JANE) Warum hast du mir keine Nachricht geschickt, dass du kommst? Ich dachte, du rufst wenigstens an, sobald du in die Stadt kommst ... Ich habe immer gesagt, (komm zu mir) ...

N

IC

(In dem Moment, als sie „komm zu mir“ sagt, hört man FIONA aus dem Hintergrund singen. TOMMY wendet sich von der Bar ab und sieht träumerisch ins Off. FIONA erscheint im Licht vor einem nebligen schottischen Hintergrund an der Brücke aus Akt I, Szene 1. Während FIONA singt, redet JANE weiter, allerdings nur pantomimisch. Ihr Mund bewegt sich, ohne dass man das Gesagte hört. Dann wendet sie sich zu TOMMY. Von Zeit zu Zeit nickt er ihr zu.) FIONA KOMM ZU MIR, KÜSS MICH HIER, WIE ICH ES MAG. DARLING, ERHÖR MICH, WENN FLÜSTERND ICH SAG’: OH, KOMM ZU MIR, KÜSS MICH HIER, WIE ICH ES MAG. LASS MICH NICHT LOS IN DER NACHT UND BEI TAG.

(FIONA geht ab und es wird ganz dunkel. Die Musik verebbt, und die Bar erscheint wieder im Licht. Wir hören JANE sprechen. Der Anfang ihres Satzes ist kaum hörbar, dann spricht sie mit normaler Lautstärke weiter.)

JANE ... (und ich dachte nicht), dass du das vorhast, oder doch? TOMMY

(Wendet sich zu JANE) Oh! Äh ... vielleicht ...

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BRIGADOON

JANE Du meinst, du denkst darüber nach? TOMMY Über was? JANE Jeden Tag nach New York zu pendeln? Sechzig Meilen? TOMMY

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Oh, nein! Das will ich nicht. JANE Dachte ich mir. Das habe ich auch Mr. Jackson gesagt. TOMMY

Wem?

JANE

Herbert Jackson.

TOMMY (Als wüsste er, von wem die Rede ist)

Oh!

(Eine kurze Pause) Wer ist das?

JANE Das habe ich dir doch gerade gesagt. Das ist der Makler, mit dem ich zusammenarbeite. Ich habe ihm gesagt, du rufst ihn an. TOMMY

Ich kann’s kaum erwarten. (Er trinkt etwas.)

IC

JANE Bitte vergiss es nicht. Es war eine Riesenmühe, all das zu arrangieren. (Sie wendet sich nach vorn) Hältst du immer noch zu Jeff? TOMMY

N

Natürlich. Warum?

JANE Ach nichts. Er ist in letzter Zeit nur total unmöglich. Jeder ist zu Tode gelangweilt vom ihm.

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BRIGADOON

TOMMY Mich interessiert kein „jeder“. Und ganz bestimmt nicht die, die wir kennen. (FRANK ab.) JANE Du warst nicht gerade gesellig, seit du aus Schottland wieder da bist. Wenn du wirklich nicht unter Menschen willst, warum kaufen wir dann nicht Mr. Jacksons Haus? Es ist weit entfernt und liegt auf einem Hügel mitten im Heidekraut ...

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(Und wieder fängt TOMMY an zu träumen. Man hört FIONA singen, dann sieht man sie auch.)

FIONA ... HAND IN HAND DURCHS HEIDEKRAUT. WIR DENKEN HEUTE NICHT AN MORGEN,

CHOR (SOLI)

WO BIST DU NUR? WO BIST DU NUR?

DIE NACHTIGALLEN SINGEN LAUT.

WIR STREIFEN HEITER OHNE SORGEN

HAND IN HAND DURCHS HEIDEKRAUT,

WERD’ ICH DICH JE WIEDERSEH’N? WERD’ ICH DICH JE WIEDERSEH’N? WUNDERSCHÖN DIESER TAG ...

DURCHS WILDE HEIDE...

TOMMY wendet sich abrupt zu JANE. In dem Moment, in dem er zu sprechen beginnt, verdunkelt sich die Bühne wieder bis auf den Barbereich.) TOMMY

Nein, Jane! Nein!

JANE

Nein, was?

TOMMY Ich kann das nicht machen! Nächsten Monat wird es keine Hochzeit geben. JANE

N

IC

Du willst sie noch mal verschieben?

TOMMY Nein, nicht verschieben! Ich sage sie ab, endgültig!

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BRIGADOON

JANE (Steht auf) Du sagst sie ab?! TOMMY (Steht auf) Ich kann es nicht! Nie im Leben!

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JANE Du hast Nerven! Nach all der Warterei, der Engelsgeduld, mit der ich deine idiotischen Launen und Einfälle ertragen habe?

TOMMY Es tut mir leid. Es ist nicht dein Fehler. Du warst wirklich nett zu mir. Aber vor ein paar Monaten ist mir etwas Merkwürdiges passiert, etwas Unerklärliches. Und jetzt passe ich einfach nicht mehr in mein altes Leben. JANE Ich bin mir sicher, dass du wieder zur Vernunft kommen wirst. Aber ich weigere mich, hier in dieser Bar mit dir zu streiten! Wir gehen jetzt heim und ... (Ein neuerlicher Tagtraum. CHARLIE, JEAN und einige LEUTE aus Brigadoon werden hinter TOMMY sichtbar.) CHARLIE GEH HEIM, GEH HEIM, GEH HEIM MIT MEINER JEAN! GEH HEIM, GEH HEIM, ICH GEH’ HEIM MIT MEINER JEAN! GEH HEIM, GEH HEIM, GEH HEIM MIT MEINER JEAN! GEH HEIM, GEH HEIM, ICH ...

(Die Musik verebbt wieder, und CHARLIE scheint von TOMMY weg in die Nacht zu entschwinden. Man hört JANE sagen:)

N

IC

JANE Und wenn du denkst, andere Leute werden deinen Blödsinn hinnehmen, dann bist du komplett verrückt geworden. Denk darüber nach, Tommy, wenn du jetzt allein bist. (Musik beginnt, wenn sie abgegangen ist. TOMMY steht da und sieht nach vorn. FIONA erscheint wieder, diesmal nah bei ihm auf dem Felsen in der Mitte.)

FIONA Ich glaube, wirklich allein ist man nicht, wenn man vergeblich liebt, sondern wenn man gar nicht liebt. TOMMY Du hast das verstanden, Fiona. Ich nicht.

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FIONA WIE UNBESCHWERT WIR BEIDE FROH STREIFTEN DURCH DIE HEIDE! ICH SEH’S VOR MIR FÜR ALLE ZEIT. TOMMY Du hattest recht. Die Erinnerung ist nicht verblasst.

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STUNDEN NUR WAREN UNS GEMEINSAM VERGÖNNT. IM WELTGETRIEBE WAR ES NUR EIN MOMENT. UND DURCH ... FIONA DURCH ALL DIE SCHWERE ZEIT UND DURCH ALL DIE TRAURIGKEIT TOMMY & FIONA WEISS ICH, ICH BIN DEIN FÜR ALLE ZEIT.

(Sie erreichen den Höhepunkt ihres Gesangs. Dann verschwindet das Bild FIONAs. Man hört DUDELSACKPFEIFER. TOMMY geht zurück zur Bar und hebt hastig den Telefonhörer ab.)

TOMMY (Ins Telefon, darüber der CHOR. Er spricht immer lauter, während auch der Chorgesang immer weiter anschwillt.) Hallo? Zimmer 732, bitte! ... Jeff? Bist du nüchtern? ... Ich will zurück nach Schottland ... Ich hab’ gesagt, ich will zurück nach Schottland ...

N

IC

CHOR

(Parallel zu TOMMY) KOMMT VOM BERG HERAB! LOS JETZT, KOMMT AUF TRAB! ES PFEIFT JEDER SPATZ HOCH VOM DACH: AUF, MEIN SCHATZ, KOMM ZUM MACCONNACHY-PLATZ!

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TOMMY Egal warum! ... Kommst du mit? ... Dann kümmer dich um den Flug, aber schnell! ... Ich weiß, dass es nicht mehr da ist, aber ich will sehen, wo es war ... Es ergibt keinen Sinn – na und, was soll’s?! ... Ich will dorthin ... (Nun singt der CHOR fortissimo.) Ich will hin, hörst du nicht? ... Ich will nach Schottland!

N

IC

#29 – Szenenwechsel (Orchester)

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AKT II, SZENE 5: IM WALD Die gleiche Szenerie wie in Akt I, Szene 1 mit Felsen und Brücke. ZEIT: Drei Tage später. Die Musik zum Szenenwechsel endet mit Dudelsackpfeifern, die eine kurze Passage aus einem traditionellen Reel spielen. Der Vorhang öffnet sich und ...

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... zu Szenenbeginn erkennt man TOMMY und JEFF. Sie sehen sich einen Moment lang schweigend um. TOMMY

(Steht auf dem Felsen) Es ist unglaublich! Schrecklich und unglaublich!

JEFF (Ziemlich betrunken. Mit einem Fuß auf dem Felsen) Was ist schrecklich und unglaublich?

TOMMY Dass irgendwo hier draußen – zwischen Nebel und Sternen – eine Frau sein soll, die ich so sehr will. Sie ist nicht tot. Sie schläft nur. Und trotzdem werde ich sie nie wiedersehen.

JEFF Bist du den ganzen Weg hierhergekommen, nur um das zu sagen? Da hätten wir auch in New York telefonieren können – hätte nur ein paar Cent gekostet. (Setzt sich auf die Steinstufen) TOMMY Nein. Ich sag’ dir, warum. Sie ist für mich so real geworden, dass ich mich vor Ort überzeugen muss, dass Brigadoon tatsächlich verschwunden ist. JEFF Für mich ist es anders. Es kommt mir alles wie ein Traum vor, und ich muss mich davon überzeugen, dass das alles überhaupt geschehen ist.

IC

TOMMY Das ist der Unterschied zwischen uns beiden. JEFF

N

Erzähl mir was Neues.

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TOMMY (Geht zu JEFF) Ich habe gemerkt, dass das, an was du glaubst, manchmal realer wirkt als das, was du dir erklären kannst oder verstehst. (Er sieht sich um) Himmel! Warum muss man etwas erst verlieren, bevor man herausfindet, was es einem bedeutet? JEFF

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(Steht auf) Sieh dich noch einmal um, und dann weg hier. Wir haben uns hier schon mal verirrt. TOMMY

Okay!

(Er dreht sich um und will gerade gehen, als in der Ferne leiser Chorgesang zu hören ist.)

#30 – FINALE

CHOR

(a cappella) BRIGADOON, BRIGADOON, UNTERM HIMMEL SCHWARZ WIE ERZ. BRIGADOON, BRIGADOON, EWIG SCHLÄGT FÜR DICH MEIN HERZ. WIRD DIE WELT UMHER AUCH KÄLTER, HERRSCHT IM HIMMEL NOT UND QUAL ... BRIGADOON, BRIGADOON, ES LIEGT LIEBE HIER IM TAL.

(Der Gesang geht weiter unter dem folgenden Dialog. Als er beginnt, starren sich TOMMY und JEFF entgeistert an. Dann erscheint MR. LUNDIE und geht über die Brücke. Er wirkt sehr schläfrig. Er läuft über TOMMY hinweg, dann hält er inne und sieht ihn sich an. TOMMY rennt über den Felsen zur Brücke.)

N

IC

MR. LUNDIE Tommy, Laddie! Ye! Himmel! Du musst sie wirklich lieben! Du hast mich aufgeweckt! (TOMMY und JEFF starren ihn nur staunend an.) Komm, Junge!

(MR. LUNDIE streckt seine Hand aus. TOMMY geht wie in Trance auf ihn zu.)

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(MR. LUNDIE) Sei nicht zu überrascht, Laddie. Ich hab’s dir gesagt: Wenn man jemanden liebt, ist alles möglich. (Sie geht seitlich ab. Dann hält MR. LUNDIE inne und sieht ihn an.) Sogar ein Wunder.

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(Kurz, bevor sie abgehen, dreht sich TOMMY um und winkt JEFF zu, der die beiden fassungslos ansieht. Er winkt halbherzig zurück, während der CHOR und das ganze ORCHESTER zum finalen Crescendo ansetzen. TOMMY und MR. LUNDIE gehen über die Brücke ab, und der Vorhang fällt.)

N

IC

ENDE

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ANMERKUNGEN DES ÜBERSETZERS Tam-o’Shanter-Mütze: flache, oft karierte schottische Mütze mit Bommel.

2

Die schottischen Highlands sind eine schroffe Gebirgslandschaft, die von den Lowlands durch eine nur ungenau definierte Grenze getrennt sind. Die beiden Gegenden sind in Sprache, Kultur und Religion sehr verschieden. In den Highlands sprach man eine Form des Gälischen, das dem Irischen verwandt war, wohingegen in den Lowlands „Scots“, ein englischer Dialekt, verbreitet war. Heutzutage hat sich fast überall Englisch durchgesetzt, in den Highlands mit irischem Dialekt, in den Lowlands mit dem, was die meisten als typisch schottischen Zungenschlag empfinden. In den Highlands herrschte auch nach der Reformation die katholische Kirche vor, die Lowlands waren mehrheitlich presbyterianisch. Vor 1750 waren die Highlands wesentlich dichter bevölkert als heutzutage. Die Verringerung der Bevölkerungzahl ist auf sogenannte Highland Clearances (Räumungen des Hochlands) zurückzuführen, bei denen die Bevölkerung vor allem zugunsten der flächendeckenden Einführung der Schafzucht in die neu entstehenden Zentren der Industrialisierung Glasgow und Edinburgh vertrieben wurde.

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Auchintoul und Braemore sind tatsächlich zwei Siedlungen im Norden von Schottland, die allerdings fast 200 Kilometer voneinander entfernt sind.

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falsch abgebogen: Im Original: „Maybe we took the high road instead of the low road.” Diese Zeile bezieht sich auf den traditionellen schottischen Song „Loch Lomond“ aus dem Jahr 1841. Es gibt verschiedene Interpretationen dieses Satzes, aber die bekannteste betrifft zwei Schotten, die von den Engländern während der Erhebung von 1745 (Second Jacobite Rising) gefangengenommen wurden. Einer der Rebellen sollte exekutiert, der andere freigelassen werden. Die Wendung bezieht sich darauf, dass der Tote unter der Erde („entlang der low road“) in die Heimat zurückkehrt, während der überlebende Rebell die high road über die Berge zurück nach Schottland nehmen musste. By yon bonnie banks and by yon bonnie braes, Where the sun shines bright on Loch Lomond, Where me and my true love will ne’er meet again On the bonnie, bonnie banks o’ Loch Lomond.

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Refrain:

N

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O you’ll tak’ the high road and I’ll tak’ the low road And I’ll be in Scotland afore ye, For me and my true love will ne’er meet again On the bonnie, bonnie banks o’ Loch Lomond.

Brigadoon: Der Name der geheimnisvollen Stadt stammt vom schottischen „Brig o’Doon“ aus dem schottischen Gedicht Tam O’Shanter von Robert Burns aus dem Jahr 1790, in dem Tam die „brig“ (schottisch für „Brücke“) über den Fluss Doon überqueren muss.

Die Geschichte des Musicals beruht auf Friedrich Gerstäckers Erzählung Germelshausen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts: Um 1840 lernt der junge Maler Arnold auf einer Waldwanderung ein Mädchen namens Gertrud kennen und begleitet es in ihr Heimatdorf Germelshausen. Das Dorf macht einen sehr altertümlichen Eindruck, auch sind die Menschen altmodisch gekleidet, ebenso merkwürdig veraltet ist ihre Ausdrucksweise. Am Abend nimmt Arnold zusammen mit Gertrud an einem Dorffest teil, auf welchem diese ihn plötzlich bittet, den Ort noch vor Mitternacht zu verlassen. Arnold, der sich in das Mädchen verliebt hat, kommt der Bitte nach, will aber später zu Gertrud zurückkehren. Nach Mitternacht bleibt das Dorf jedoch unauffindbar. Nachdem der junge Maler die ganze Nacht hindurch vergeblich nach dem Ort gesucht hat, trifft er am frühen Morgen endlich einen alten Jäger. Dieser

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berichtet, dass Germelshausen schon seit vielen Jahrhunderten verschwunden ist und nur alle hundert Jahre für einen Tag wieder aufersteht. Niedergeschlagen setzt Arnold daraufhin seinen Weg fort. Die Erzählung findet sich vollständig unter https://de.wikisource.org/wiki/Germelshausen. Charlie Baedeker – im Original Rand McNally, ein Landkarten-Verlag in Chicago. Die inzwischen von Thomas Brothers übernommene Firma bringt den populären „Thomas Guide“ heraus, das sind Stadtatlanten von Los Angeles, San Francisco und weiteren Städten.

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Uran hatte zur Zeit der Uraufführung des Musicals bei Weitem nicht so viele negative Konnotationen wie heute.

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Die Distel ist die schottische Nationalpflanze. Im 13. Jahrhundert sollen sich nach der Legende nordische Krieger (Nachfahren der Wikinger) an schlafende Highlander herangeschlichen haben. Um leiser zu sein, hatten die Angreifer die Schuhe ausgezogen. Der Plan wäre aufgegangen, wenn nicht einer der Nordmänner in eine Distel getreten wäre. Er schrie vor Schmerz auf und verriert so den heimlichen Angriff. Die Highlander konnten sich erfolgreich wehren. Angeblich soll es sich dabei sogar um die Schlacht bei Largs gehandelt haben, in der Alexander III. von Schottland König Hakon III. von Norwegen vertrieb. Daraus resultierte schließlich, dass sich die Norweger ganz aus Schottland zurückzogen.

9

ein Roter – im Original „claret“, ein trockener Bordeaux.

10

bonnie ist ein schottisches Wort für „hübsch“ oder „hervorragend“.

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„Russland ist in Europa, oder?“ – „Ja, mehr und mehr“ Das Musical wurde Anfang der 1950er Jahre uraufgeführt. Die leicht kryptische Antwort bezieht sich darauf, dass die Sowjetunion damals Anstalten machte, immer mehr Teile Europas in seinen Einflussbereich zu bringen. Auch die folgende Äußerung „einfach über den Kanal und dann links“ bezieht sich wohl nicht nur auf die geografische Lage, sondern auch auf die politische Einstellung.

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Johnny Walker – im Original Haig and Haig, ein schottischer Whisky-Blend. Der Grund, dass Meg nie etwas von „Haig and Haig“ gehört hat, ist, dass diese Marke erst 1877 gegründet wurde. Den im deutschsprachigen Raum bekannteren Johnny Walker gibt es zwar bereits seit 1820, aber da sich die Leute von Brigadoon ja noch im 18. Jahrhundert befinden, macht das für die Story keinen Unterschied.

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Dominie ist ein veralteter schottischer bzw. schottisch-englischer Ausdruck für einen schottischen Schulmeister, der normalerweise bei der schottischen Kirche beschäftigt ist. Die schottische Kirche wurde 1560 zur Staatskirche und begann damals, eine universelle Bildung für die Bevölkerung zu etablieren. Ziel war, in jeder Gemeinde einen universitär ausgebildeten Schulmeister zu beschäftigen.

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Clan – Die schottischen Clans waren in der vierziger Jahren des 18. Jahrhunderts (der Zeit, aus der Brigadoon ursprünglich stammt) im Niedergang begriffen. 1707 waren die Königreiche England und Schottland durch den Act of Union zum Königreich von Großbritannien vereinigt worden. Schottland gab seine Souveränität auf, um nach gescheiterten Kolonisationsbestrebungen in Mittelamerika seine katastrophale Finanzsituation in den Griff zu bekommen. Die Highlands aber waren wegen ihrer geografischen Situation kaum regierbar. Die immer wieder aufkeimenden Aufstände wurden blutig niedergeschlagen, spätestens nach dem Scheitern des letzten Jakobiteraufstands 1745/46 waren die Highlander endgültig gebrochen und ihre Kultur zerschlagen.

Heiraten in Schottland – Das liberale schottische Heiratsrecht führte dazu, dass der Ort Gretna Green, das erste Dorf hinter der englischen Grenze nach Schottland, 200 Jahre lang von minderjährigen Paaren aufgesucht wurde, um dort gegen den Willen der Eltern und gegen das strengere englische Recht zu heiraten. 1753 verabschiedete das englische Parlament ein Gesetz, das für Heiraten von Minderjährigen die Einwilligung der Eltern forderte. In Schottland galt dieses Gesetz nicht, so dass dort Jungen mit 14 und Mädchen mit 12 Jahren heiraten durften. Das schottische Gesetz verlangte

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BRIGADOON

lediglich zwei Zeugen, und fast jeder durfte die Eheschließung durchführen. In Gretna Green war dies der Schmied, das Ende der Zeremonie wurde durch Hammerschläge auf den Amboss bekräftigt. Ab 1856 wurde das Gesetz verschärft: Die Ehewilligen mussten sich vor der Hochzeit mindestens drei Wochen lang in Schottland aufgehalten haben. Erst 1929 wurde die Altersgrenze auf 16 Jahre heraufgesetzt – eine Einwilligung der Eltern war aber nach wie vor nicht erforderlich. Der schottische Schwerttanz oder Gillie Callum stammt aus den schottischen Highlands und ist ein Solo-Tanz. Zwei Schwerter liegen gekreuzt auf dem Boden, darüber wird getanzt, ohne dass die Schwerter berührt werden. Die Melodie dazu ist fast immer dieselbe, eben das mit dem Dudelsack begleitete Stück „Gillie Callum“ (gälisch für „der Bursche Malcolm“) – Schreibweisen gibt es etliche.

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Ländlicher Tanz – im Original country dance, ein Tanz, bei dem die Tänzer zwei Reihen bilden, die einander gegenüberstehen. Die schottischen Country Dances werden in jigs, reels und strathspeys unterteilt. Ein jig ist im 6/8-Takt, ein reel im 2/4-Takt; ein strathspey ist ein langsamer reel.

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Der Piobrochead ist eine Dudelsack-Melodie, die ursprünglich nicht mit einem Tanz verbunden war. Das Wort stammt aus dem Gälischen.

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Die insektizide Wirkung von DDT wurde 1939 entdeckt. Bereits Anfang der 1940er Jahre wurde DDT flächendeckend und bedenkenlos verwendet, insbesondere auch im US-Militär bei der Prophylaxe gegen Malaria oder Typhus. Zur Zeit der Entstehung von Brigadoon war von der kanzerogenen Wirkung von DDT beim Menschen und negativen Effekten bei Vögeln noch nichts bekannt, die in den 1970er Jahren zum weitgehenden Verbot des Stoffs führten.

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