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Nr. 56 3/2021 Jun.–Jul.

Medical & Harm Reduction Magazine

GANJA IM SCHNAPSGLAS Das Risiko des Mischkonsums

MEHR ALS NUR EINE FREIZEITDROGE Die Heilwirkungen von THC werden unterschätzt

DIE SDP UNTERSTÜTZEN DIE LEGALISIERUNG CBD IN BAYERN: GROSSE RAZZIA – KLEINE RÜCKGABE

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Liebe Leute!

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ach Redaktionsschluss erschien die Nachricht, dass der Vorsitzende der US-Gesundheitsbehörde sich gegen die Bestrafung von Drogenkonsum ausgesprochen hat und diese als Diskriminierung bezeichnet. Diese Entwicklung ist deshalb von großer Wichtigkeit, weil sich eben diese Behörde über Jahrzehnte, vor allem für solche Forschungen eingesetzt hat, die eine schädliche Wirkung untersuchten und damit die Notwendigkeit eines ideellen AntiDrogen Kriegs unterstrich. In der ganzen Welt ist ein gutes Stück Annäherung in dieser Frage gelungen und die US-Gesetzgrundlage schwankt bereits seit einiger Zeit. In den vergangenen Jahrzehnten ist nicht nur die Zahl der medizinischen Cannabisprogramme und Forschungen zur positiven Wirkung angestiegen, sondern auch die Zahl der Legalisierungen. Heute ist das Bild nicht mehr aufrecht zu halten, dass hier von solch schädlichen Stoffen die Rede ist, vor denen die Anbieter und Konsumenten geschützt werden müssen. Mehrfach und immer bestimmter ist zu hören, dass die Tage einer engstirnigen Auslegung des Drogenverbots gezählt sind. Solange eine Wende aber nicht eingetreten ist, wird ein medizinischer Gebrauch auch nicht erlaubt. Wo dies so ist, sollten die

IMPRESSUM Chefredakteur: Gabor Holland Autoren: Bob Arctor, Jack Pot, Anatol Zweig, Tamás Kardos, N. Nogada, Brie Viland, Josef König Lektorat: Balázs Farkas Design: Judit Bódi Herausgeber: Medijuana Publishing GmbH Anrissenweg 6/Stg.I/1b A-2345 Brunn am Gebirge E-Mail: office@medijuana.eu Web: www.medijuana.eu

betroffenen Kranken ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, es lohnt sich! Eben deshalb sind in dieser Ausgabe unsere Gesprächspartner, solch mutige Cannabisaktivisten, die sich gegen die Landesgesetze behauptend, nicht nur sich selbst geholfen, sondern auch einer Vielzahl von Kranken Hilfe ermöglicht haben. Beschäftigen wir uns nun mit dem Gebrauch von MDMA (umgangssprachlich Ecstasy) zu Therapiezwecken. Für den Einsatz von MDMA zu Psychotherapiezwecken war bisher viel Fantasie nötig, doch das darin ruhenden Potential wurde bereits in klinischen Tests bestätigt. Das Global Drug Policy Observatory (GDPO), veröffentlichte eine spannende Studie zur Neuregulierung der Drogenpolitik in Spanien. Der Beitrag konzentriert sich auf die wichtigsten Aussagen der Studien mit Fokus auf medizinischen Cannabis. Viele wissen, dass Spaniens Annäherung in der Drogenfrage, niemals von einem Verbot ausging, sondern von einem gesicherten Konsum. Noch während Francos Diktatur wurde der illegale Drogengebrauch nicht als Verbrechen bewertet. Einige spanische Provinzen waren bereit juristisch riskante Wege einzuschlagen und bis an die Grenzen des gesetzlich Vertretbaren zu gehen. Anstatt einer Bestrafung wurde die Gesundheit der Konsumenten in den Vordergrund gerückt. Diese intensive Debatte über den Gebrauch von Cannabis zu Heilzwecken reicht bis in das Jahr 2000 zurück. Indessen ist es bis zum heutigen Tag nicht gelungen in größerem Umfang eine akzeptable Praxis ins Leben zu rufen. Glücklicherweise arbeiten weiterhin tausende von Ärzten, Kranken und Aktivisten an einer Veränderung. Wir wünschen eine angenehme Lektüre und Erholung im Sommer!  Gabor Holland

IN ZUSAMMENARBEIT MIT

Medical & Harm Reduction Magazine

INDEX ADVANCED NUTRIENTS AEROPONIK SYSTEMS

35-36 37

ALPLANT36 CANNATRADE.CH16 DINAFEM SEEDS

26–27, 34

ENDOXO17 GRÜNER KAISER

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HANF BIOLADEN

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HANF-ZEIT17 LUCY’S RAUSCH 

39

MARRY JANE CBD

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MEDIJUANA CBD 

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MEDIJUANA CBD SHOP 

13, 15

NACHTSCHATTEN VERLAG 

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NEAR DARK 

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PLAGRON 

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UNITED SEED BANKS 

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VERDAMPFTNOCHMAL 

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Der Herausgeber von Medijuana weist alle Leserinnen und Leser darauf hin, dass der Handel mit lebensfähigen Hanfsamen sowie Verkauf, Besitz und Lieferung derselben in mehreren Mitgliedsstaaten der Europäischen Union als illegal gelten! Sämtliche Inhalte sind zu Informations- bzw. Unterhaltungszwecken gedacht. Wir möchten keineswegs dazu beitragen, dass jemand in seiner Heimat bestehenden Gesetzen zuwiderhandelt. Es ist nicht Anliegen des Herausgebers von Medijuana, irgendjemanden zur illegalen Nutzung der in der Broschüre erwähnten Produkte anzuregen. Der Herausgeber trägt keine Verantwortung für Aussagen, die auf verkauften Anzeigenflächen erscheinen. Sämtliche Meinungen im Redaktionsteil stammen von den Autoren und decken sich nicht in jedem Falle mit dem Standpunkt des Herausgebers. Gelegentlich ist es nicht möglich, den/die InhaberIn des Urheberrechts zu identifizieren oder mit ihm/ihr Kontakt aufzunehmen, daher übernehmen wir im Falle des Nachweises von begründeten Urheberrechtsansprüchen auch im Nachhinein die Zahlung einer bestimmten Vergütung. Wir gehen bei sämtlichen Texten und Bildern bis zur Erklärung des Gegenteils davon aus, dass sie uns zur Veröffentlichung zugesandt wurden. Für die Vervielfältigung der Broschüre – auszugsweise oder als Ganzes – ist die schriftliche Erlaubnis des Herausgebers erforderlich, auch wenn die Vervielfältigung nicht zu kommerziellen Zwecken erfolgt. Alle Rechte vorbehalten!

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INHALT MEDI+GREEN

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HANFAUSZÜGE IN KOSMETIKA5

MEDIZIN GANJA IM SCHNAPSGLAS6–7 Das Risiko des Mischkonsums

MEDI+GREEN

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Die Heilwirkungen von THC werden unterschätzt

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MEHR ALS NUR EINE FREIZEITDROGE 

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CBD-ZAHNPASTA FÜR GESUNDE ZÄHNE 

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WAS STECKT HINTER DEN SCHLECHTEN GEWOHNHEITEN?11

CANNA+GLOBE TRAUMAAUFARBEITUNG MIT MDMA14–15 Wie beeinflusst CBD die Wirkung von THC? 9

MEDI+GREEN WAS VERSCHAFFT DIR WOHLBEFINDEN?17

CANNA+GLOBE INTERNATIONALER AKTIVISMUS 18–19 SCHUTZ DER GESUNDHEIT STATT VERBOT 22–23

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Medizinisches Cannabis in Spanien

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INHALT MEDI+GREEN DIE DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATEN 24

UNTERSTÜTZEN DIE LEGALISIERUNG Schikane der Ermittler gegen Hanfladen geht weiter:

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GROSSE RAZZIA – KLEINE RÜCKGABE

VOLLBLUT 26 

DINAMED KUSH CBD AUTOFLOWERING

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MEDIZIN 30–31

10+1 SUPERGESUNDE HEILPFLANZEN Reduzierung von Stress und Angstgefühlen

CANNA+GLOBE 32–33 

MIT TABAK GEMISCHT

VOLLBLUT 34



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BLUEBERRY COOKIES

MEDI+GREEN 

ERLEICHTERUNG IN DER FRANZÖSISCHEN

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GESETZGEBUNG

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DER VORFAHRE DER CANNABINOIDE CBG – die spannendste chemische Verbindung von morgen Gesunde Produkte aus einer vielseitigen Pflanze

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HANF – DER ETWAS ANDERE BIOLADEN IN DREI LÄNDERN

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MEDI+GREEN

10 ARGUMENTE FÜR CBD Zehn Argumente, warum sich immer mehr Menschen für CBD zur Gesundheitsvorsorge, Schmerzlinderung und Angstlinderung entscheiden:

1.

CBD gelöst in Hanfsamenöl ist extrem reich an Mineralien, Flavonoiden und Terpenen.

2.

Die Ethanolextraktion bewahrt andere nützliche Inhaltsstoffe der Hanfpflanze (Terpene, Phytocannabinoide). Natürliches organisches Hanfsamenöl hat eine positive physiologische Wirkung, verbessert die Durchblutung und unterstützt das reibungslose Funktionieren des Immunsystems.

3.

Im Gegensatz zu THC, dem bekanntesten Cannabinoid, hat CBD keine bewusstseinsverändernde Wirkung! Es verursacht keine Euphorie und macht nicht high, aber es hilft dem Körper, seine eigenen inneren Cannabinoide effizienter zu verwenden.

4.

Die ersten unglaublichen Heilungsgeschichten ermutigten die PatientInnen, da sie keine psychoaktiven Effekte, Nebenwirkungen oder gar die Strenge des Gesetzes fürchten mussten. CBD ist legal in den EULändern!

5.

CBD verhindert, dass der Körper den Cannabinoid-Neurotransmitter Anandamid absorbiert, der für die Regulierung von Schmerzen notwendig ist. Erhöhte Anandamidspiegel in der Blutbahn können die Menge an Schmerzen reduzieren, die von einer Person empfunden wird.

6.

CBD kann auch Entzündungen des Gehirns und des Nervensystems begrenzen, was für Menschen, die unter Schmerzen oder Schlaflosigkeit leiden, von Vorteil sein kann.

7.

Hilft effektiv bei der Behandlung von psychischen Störungen. Forscher*innen resümierten die Ergebnisse, nach denen CBD im Fall von Schizophrenie, sozialen Angststörungen, Autismus-Spektrum-Störung (ASD), Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Angst, bipolarer Störung, Posttraumatischer Belastungsstörung (PTSD) und dem Tourettesyndrom empfohlen wird.

8.

CBD lindert Heißhunger und Angst als Symptome der Sucht und verringert Stresshormonspiegel und Herzfrequenz.

9.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) entfernte Cannabidiol (CBD) von der Liste der verbotenen Sub­ stanzen am 10. Januar 2018, in der Erkenntnis, dass es ein risikofreier Schritt ist, weil es ein nichtpsychoaktiver Bestandteil von Cannabis ist, der eine Reihe von gesundheitlichen Vorteilen hat. Seine krampflösenden, entzündungshemmenden und schmerzstillenden Wirkungen werden von vielen Athlet*innen gelobt. Es wurde als eines der wirksamsten Medikamente bei der Behandlung von entzündlichen Symptomen, Schmerzen und körperlicher Anstrengung genannt, mit denen sich WeltklasseAthlet*innen regelmäßig konfrontieren.

10. Ein attraktives Merkmal bei der Verwendung von CBD ist die einfache Verfügbarkeit des Produkts, die Verfügbarkeit unabhängiger Forschungen und die medizinische Empfehlung.

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MEDI+GREEN

Hanfauszüge in Kosmetika

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osmetika mit Hanfauszügen werden immer populärer. Cremes, Gesichtspflege, Seren, Seifen, Duschgels und andere Kosmetika werden nicht nur unter Hanfduft-Liebhabern immer beliebter. Neben den industriell hergestellten Artikeln kommen immer mehr Pflegemittel aus der Eigenherstellung, mit Zuhilfenahme des CBD-Öls aus dem Eigenanbau zum Einsatz. Schon im 18. Jahrhundert waren die hautfreundlichen und schönheitsfördernden Eigenschaften von Cannabis in der westlichen Heilkunde zur äußerlichen Anwendung und Heilung empfohlen. Vor einigen Jahren hat eine Forschungsgruppe an der Universität Debrecen festgestellt, dass die CBD genannte Komponente gleichermaßen in industriell gezüchteten als auch veredelten Cannabispflanzen vorhanden ist. Salben mit CBD sind gegen Pickeln sogar wirkungsvoller als herkömmliche Salben. Von nun an nimmt die Forschung im Bereich aknevorbeugende Pflegemittel Fahrt auf. Viele sehen schon im Vorfeld, CBD als kosmetischen Grundstoff. Canabidiol wird schon seit Langem für die Medizin und Kosmetikherstellung, Massageöle und Hautpflegeprodukte verwen-

det. In den letzten Jahren ist er einer der verbreitetsten Wirkstoffe mit wohltuender und gesundheitsfördernder Wirkung. In modifizierter Form wird er in solchen Produkten wie beispielsweise Wimpernspiralen oder Feuchtigkeitscremes verwendet. Solange diese Produkte nur eine geringe Menge THC enthalten und legal hergestellt

werden können, eröffnen sie ein weites Verwendungsspektrum. Laut der, auf Cannabis und CBD Marktforschung spezialisierten Brightfield Group, wird CBD in der nächsten Zeit ein stark gefragter Bestandteil von Kosmetika werden. Der einen ähnlich starken Effekt auf die Kosmetikindustrie haben könnte wie Shea-Butter und Aloe. Im Interesse einer größeren Wirkung wähle für dein Wohlbefinden auch andere CBD enthaltende Produkte aus unserem Sortiment!


MEDIZIN

Ganja im Schnapsglas

Das Risiko des Mischkonsums

Eine wichtige Regel für jeglichen Drogenkonsum besagt, Drogen nicht zu mischen, um Risiken zu vermeiden. Der klassische Mix von Alkohol und Gras ist weit verbreitet. Es gibt aber auch KonsumentInnen, die ihn meiden. Schauen wir einmal, wie die Wissenschaft das Unwohlsein erklärt.

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ür den/die DurchschnittseuropäerIn ist Alkohol die Basisdroge schlechthin. Er wird am häufigsten konsumiert und legt die wohlbekannte Grundlage, auf die man gegebenenfalls mit diesem der jenem noch etwas draufsetzen kann. Wir beschäftigen uns nun ausnahmsweise nicht damit, dass Alkohol eine der gefährlichsten Drogen ist, die Abhängigkeit und Dutzende von organischen Krankheiten hervorruft, sondern wollen im Folgenden die Gebrauchsgewohnheiten von Alkohol betrachten. Alkohol gehört zu den Downern und verfügt über eine beruhigende, Beklemmungen lösende und schläfrig machende Wirkung – zudem macht er betrunken. Trunkenheit kann zahlreiche Verhaltensformen auslösen. Beispiele dafür kennen wir alle. Wollen wir uns nicht betrinken, dann bringen kleine Mengen Alkohol Entspannung und beseitigen Hemmungen. Aus diesem Grund ist er beliebt bei Geschäftsgesprächen oder Unterhaltungen im Freundeskreis. Das ist nichts Neues. Ähnlich wie Alkoholika ist Cannabis für seine beruhigende Wirkung bekannt, wobei die unterschiedlichen Sorten und individuellen Reaktionen hier vielleicht ein noch größeres Wirkungsspektrum bieten – von der

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totalen Entspannung über Angstzustände bis hin zur Panik. Diese vielfältigen Zustände paaren sich, wenn wir nach ein paar Gläsern Bier einen Joint rauchen oder umgekehrt mit geröteten Augen zum Schnapsglas greifen. Wie vermutet, kann das Endergebnis ziemlich unterschiedlich sein.

Langsame Absorption

Scott Lukas, Professor für Psychiatrie und Pharmakologie an der Universität Havard, führte zwei Untersuchungen zur Wirkung von Alkohol und Marihuana aufeinander – und auf ihre KonsumentInnen – durch. Er hebt zunächst hervor, dass Menschen unter-


schiedlich auf Alkohol und Gras reagieren, dass die Stoffe aber aus biochemischer Sicht Gemeinsamkeiten aufweisen. In seiner ersten Untersuchung überprüfte Lukas, wie das konsumierte THC die Absorption von Alkohol beeinflusst. Er fand heraus, dass das Rauchen von Cannabis den Cannabinoid-Rezeptor 2 (kurz: CB2), der entscheidet, wie schnell der Organismus den Alkohol aufnimmt, aktiviert. Des Weiteren wirke Marihuana auf den Dünndarm und beeinflusse die Bewegung des Magen-Darm-Trakts, was dazu führe, dass der Blutalkoholgehalt niedriger liegt als beim puren Alkoholgenuss. Nach dem Kiffen braucht man also mehr Alkohol, um den gleichen Blutalkoholspiegel und den gleichen Grad der Trunkenheit zu erreichen. Das ist gefährlich, weil man unter Cannabiseinfluss zu viel trinkt, was außer einem erhöhten Blutalkoholspiegel eine größere Belastung der Organe zur Folge hat. Es ist absolut nicht ratsam und außerdem unmöglich, über den Konsum von Cannabis den Brechreiz zu verringern bzw. den Körper zu entgiften, nachdem man bis zum Erbrechen getrunken hat.

Vom Vollrausch zum Zudröhnen Die Ergebnisse von Dr. Lukas’ zweiter Studie mischen die Karten neu und erklären, warum die Kombination bei manchen zu Übelkeit führt. Hier geht es darum, was geschieht, wenn man mit dem Konsum von Alkohol beginnt und später noch einen Joint raucht. Die Situation ist bekannt: Jemand aus der Gruppe schlägt nach ein paar Bier oder Schnäpsen vor, noch etwas anderes zu sich zu nehmen. Die Untersuchung lässt darauf schließen, dass Alkohol eine inverse Wirkung auf das THC ausübt. Das bedeutet, dass der THC-Spiegel sprunghaft steigt und die Wirkung intensiviert, wenn man nach dem Trinken kifft. Die Erklärung dafür ist, dass der Alkohol die Blutgefäße im Verdauungstrakt öffnet, was die

Absorption des THC fördert. Diesen Mechanismus belegt auch eine neue Studie. Inwiefern der plötzlich einsetzende THC-Flash ein Erlebnis darstellt, ist eine andere Frage. Wenn einem schon beim getrennten Konsum von Gras und Alkohol schlecht wird, sollte man natürlich das Mischen der beiden Mittel unterlassen. Kifft man, wenn man nur einen leichten Schwips hat, kann man einen Zustand der Überdröhnung erreichen, der nicht selten mit Brechreiz und Erbrechen einhergeht. Man wird bleich, man schwitzt und es wird einem schwindelig, unterdessen quälen einen vielleicht noch unangenehme Gedanken. Kurz gesagt ist das ein Zustand, den man sich nicht wünscht. Im Fall der Fälle ist es das Klügste, sich hinzulegen und das Ganze auszuschlafen. Ein wenig Wasser kann wohltuend sein und ein Freund, der einem zur Seite steht. Mit der zunehmenden Verbreitung des Komasaufens, dem Konsum von Sorten mit hohem THC-Gehalt und dem Aufkommen von Konzentraten werden wahrscheinlich mehr Menschen als bisher die unangenehmen Wirkungen des Mischkonsums erleben. Dr. Lukas empfiehlt, einfach den gesunden Menschenverstand zu gebrauchen und nichts zu übertreiben. Beim Mischen von geringeren Mengen ist das Risiko nicht größer als beim getrennten Konsum der Drogen. Falls ein Unwohlsein eintritt, bewahre man Ruhe, trinke möglichst viel Wasser und warte das Abklingen ab. Fügen wir hinzu, dass das Trinken von Alkohol klares Denkvermögen und rationale Entscheidungen nicht fördert und wir deshalb unbedingt aufeinander achtgeben müssen. Wenn ein Freund sturzbetrunken einen Joint dreht, sollten wir ihn möglichst davon abbringen oder verhindern, dass er zu viel hineinpackt.

text: Bob Arctor


MEDI+GREEN Die Heilwirkungen von THC werden unterschätzt

Mehr als nur eine Freizeitdroge Auch wenn in den letzten Jahren CBD quasi aus dem Wasserhahn fließt, stellen die Erfahrungen von Erkrankten die verbreitete Ansicht infrage, dass es bei der Linderung von Symptomen die Hauptrolle spielt. PatientInnen berichten, dass THC ein bedeutendes medizinisches Potenzial in sich birgt. Mehr als die meisten glauben.

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as Aufkommen und die Verbreitung von CBD-Produkten führte zu einer vollkommen neuen Situation. Zum Erkennen möglicher Einsatzgebiete haben neben wissenschaftlichen Untersuchungen auch die Erfahrungen vieler PatientInnen beigetragen. Zu seiner Erfolgsgeschichte trug bei, dass CBD, anders als THC, keine bewusstseinsverändernde Wirkung hat. An einen rekreativen Gebrauch ist also nicht zu denken. Folglich erlauben die Gesetze in vielen Ländern den Konsum, stellen aber die Verwendung in Lebensmitteln unter Kontrolle. Die ersten unglaublichen Heilungsgeschichten motivierten viele Erkrankte zur Einnahme von CBD, da sie weder mit psychoaktiven Wirkungen, Nebenwirkungen oder Strafen rechnen mussten. Subjektive Berichte und irreführende Nachrichten in den Medien führten dazu, dass im Hype um das CBD in der öffentlichen Meinung nur Cannabissorten mit einem hohen CBDGehalt und allenfalls geringen Spuren von THC als medizinisch eingestuft werden. In der Folge wird allgemein CBD als einziger Inhaltsstoff des medizinischen Cannabis angesehen, den die PatientInnen benöti-

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gen. Diese falsche Einschätzung ist nicht nur unwissenschaftlich, sondern stigmatisiert auch die Erkrankten, deren Symptome zum THC-Konsum zwingen. Mithilfe einer neuen Erhebung dürfte es nun möglich sein, diesen populären Irrglauben zu korrigieren. Forscher der Universität von New Mexico analysierten die ReleafApp-Daten medizinischer CannabispatientInnen, um ihre Vorlieben herauszufinden. Die BenutzerInnen der App konnten die Art des konsumierten Produkts angeben (zum Beispiel Blüten oder Konzentrat), die Anwendungsform, die angewandten Cannabissorten und die Wirkungsweise auf die Symptome. In 27 Symp-tomkategorien wurde die Analyse von etwa 20.000 KonsumentInnendaten durchgeführt. Die PatientInnen gaben auf einer Skala von 1–10 die Wirkung auf ihre Symptome an. Am häufigsten wurden Cannabisblüten konsumiert, die sich auch als am wirkungsvollsten bei der sofortigen Linderung der Beschwerden erwiesen. Es ist keine Überraschung, dass sich nach Auswertung der Daten als wichtigste Komponenten THC und CBD herauskristallisierten. Im Gegensatz zu der bis heute verbreiteten Ansicht offenbarte

die Analyse, dass THC in einem beträchtlichen Maße Linderung verschafft, obwohl es sicher mit mehr Nebenwirkungen einhergeht als CBD. „Die Alltagsweisheiten, die von der Presse und der Populärwissenschaft verkündet werden, dass nur CBD eine positive medizinische Wirkung in sich birgt, während THC nur zum Berauschen taugt, wird von den Ergebnissen nicht untermauert. Sie zeigen, dass dem THC in der Therapie eine größere Rolle zukommt als dem CBD. Nach unseren Untersuchungen scheint es, dass CBD nur eine geringe Wirkung entfaltet, während THC eine messbare Linderung der Symptome verschafft. Die Ergebnisse legen nahe, außer dem Hanf auch alle Cannabissorten mit sofortiger Wirkung neu zu kategorisieren, damit auch THC-haltiges Cannabis allgemein für medizinische Zwecken erhältlich wird“, sagte Untersuchungsleiter Jacob Miguel Vigil. Die Aktualität der Untersuchung ist nach Meinung der ForscherInnen auch dadurch gegeben, dass momentan auf dem Markt zahllose CBD-Präparate von recht geringer Qualität erhältlich sind, zu denen irreführende Angaben gemacht werden. Die Forschungsarbeit könnte ein erster Schritt dazu sein, dass neben dem CBD auch die medizinische Bedeutung des THC anerkannt wird. Jedoch bedarf es weiterer ähnlicher Analysen, um den alten Irrglauben aus der Welt zu schaffen.


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ie entzündungshemmende, analgetische, knochenstärkende und antibakterielle Wirkung von CBD macht es für die Mundhygiene besonders geeignet. Pharmazeutische Unternehmen und Firmen, die Hanfprodukte verkaufen, testen Cannabidiol bereits intensiv für die Zahnpflege und brachten bereits die ersten CBD-Zahnpasten auf den Markt. Aber ihr müsst keine teure Zahnpasta kaufen, denn ihr könnt diese selbst herstellen!

CBD-Zahnpasta für gesunde Zähne

Ihr benötigt dazu folgende Zutaten: • 3 Esslöffel Speisenatron • 3 Esslöffel Kokosöl • ½ Teelöffel Pfefferminzöltropfen (je nach Geschmack auch etwas mehr) • Vollspektrum-CBD-Öl • 2 Teelöffel pflanzliches Glycerin • Eine kleine Menge Stevia oder Xylitol

Das Rezept lautet: Drei Esslöffel Kokosöl in ein kleines Glas oder eine Schüssel geben. Diese/s in eine Schüssel mit warmem Wasser stellen, damit das Öl flüssig wird. Dann Glycerin und Pfefferminzöl hinzufügen. Jetzt kommt das CBDÖl: 1,25 mg für einmal Zähneputzen können

eine positive Wirkung entfalten, daher muss man ca. 75 mg CBD-Öl hinzufügen. (Die Menge der Tröpfchen ist je nach Ölsorte unterschiedlich: Eine volle Pipette enthält normalerweise 1 ml Öl. Bei z. B. 10 ml eines Öls mit 500 mg CBD entspricht eine Pipette voll Öl somit 50 mg CBD.) Bei Gingivitis oder anderen Mundproblemen sollte man die Menge

an CBD leicht erhöhen. Alles gründlich mischen. Nun das Speisenatron und eine Prise Stevia oder Xylitol dazugeben. Schließlich alles glatt rühren und schon ist die CBDZahnpasta fertig! Diese in einen verschließbaren Behälter geben. Wir wünschen eine gute Gesundheit und gib gerne deine Erfahrungen weiter.


MEDI+GREEN

Was steckt hinter den schlechten Gewohnheiten?

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nsere schlechten Gewohnheiten beengen uns oft, wir fühlen uns hilflos, wir haben das Gefühl, dass wir uns nicht ändern können, wir haben sowieso nie Erfolg. In vielen Fällen geben wir nach einer Abfolge von unvorhergesehenen negativen Reize auf, auch wenn wir das Ziel erreichen könnten, und glauben, dass wir aversive Reize nicht vermeiden können. Zu den Hauptmerkmalen der Trägheit gehören die negative Voreinstellung bezüglich der Zukunft, Hoffnungslosigkeit und passives Verhalten. Erlernte Trägheit ist eines der Prinzipien von Verhaltenstheorien, das klar aufzeigt, wie frühere

Erfahrungen eine drastische Verhaltensänderung verursachen können. Es erklärt, warum Individuen in bestimmten negativen Situationen passiv bleiben, obwohl sie sie verändern könnten. In jedem Fall gibt es im Hintergrund eine destruktive, lähmende, passive Haltung, die uns das Gefühl gibt, dass wir nicht beeinflussen können, was um uns herum geschieht. Wir müssen ertragen, was es mit uns macht. Unsere Gewohnheiten entstehen ähnlich.

Das würdest du nicht glauben! Das Problem kann durch bewusste innere Arbeit und ein unterstützendes, gesundes

Umfelds gelöst werden. Mache dir klar, welche Dinge, welche Menschen, welche Umgebung negativ auf dich wirkt! Beginne zu arbeiten, verändere die Umgebung, umgib dich mit Dingen, die einen Wert haben, inspirierenden Menschen, Menschen, die glaubwürdig und nicht unerreichbar sind. Es ist sehr wichtig, dass die Erwartungen nicht überzogen sind, realistische Ziele setzen und Schritt für Schritt vorgehen! Medijuana CBD-Produkte sind eine hervorragende Ergänzung zu unserer inneren Arbeit!

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PREIS GETEILT DURCH

MILLIGRAMM Tipps zur Wahl der richtigen Menge und Qualität

Die therapeutischen Wirkungen von Cannabis können vielfältig eingesetzt werden, und viele von ihnen machen überhaupt nicht high. In den letzten Jahren gerieten zunehmend stärkere Konzentrate, CBD-Produkte und ähnliche rauchfreie, innovative Erfindungen in den Fokus, denn viele Menschen möchten nur die Vorzüge genießen, ohne die Strenge des Gesetzes oder psychotrope Wirkungen des Produkts fürchten zu müssen. CBD, auch als Cannabidiol bekannt, ist eine von mehr als 120 Verbindungen, die als Cannabinoide bezeichnet werden und meist aus den Blättern und Blüten von Industriehanf extrahiert wird. Im Gegensatz zu THC, dem bekanntesten Cannabinoid, besitzt CBD keine bewusstseinsverändernde Wirkung. Dies liegt daran, dass CBD nicht dieselben Rezeptoren anspricht wie THC.

WIE WIRKT CBD AUF DEN ORGANISMUS?

Somit hat CBD keine psychotrope Wirkung, d. h. es verursacht weder Euphorie noch ein High-Gefühl, hilft aber dem Körper, seine eigenen inneren Cannabinoide effektiver einzusetzen. Einer Studie zufolge ist dies auf die Tatsache zurückzuführen, dass CBD nur eine minimale Wirkung auf das Endocannabinoid-System ausübt, jedoch andere Verbindungen im Endocannabinoid-System aktiviert oder hemmt. Zum Beispiel hindert CBD den Körper, den Cannabinoid-Neurotransmitter Anandamid zu absorbieren, der zur Schmerzbekämpfung benötigt wird. Ein erhöhter Anandamidspiegel im Blut kann Schmerzen verringern. Auf die gleiche Weise kann CBD auch Entzündungen im Gehirn und im Nervensystem begrenzen, wovon Menschen profitieren können, die unter Schmerzen oder Schlaflosigkeit leiden.

WIE VIELE TROPFEN AM ANFANG?

Jeder Mensch wird mit einem anderen EndocannabinoidSystem geboren, daher variieren auch die wirksamen CBD-

Dosen. Neben individuellen Unterschieden wird die verwendete Menge durch das Körpergewicht und das zu behandelnde Symptom beeinflusst. Im Allgemeinen ist es ratsam, mit einer niedrigen Dosis zu beginnen - fünf bis fünfzehn Milligramm pro Tag - und die Dosis langsam und kontinuierlich zu erhöhen, bis die gewünschte Wirkung eintritt.

SPARSAM SEIN UND AUF DEN WIRKSTOFFGEHALT ACHTEN! Vollspektrum-CBD-Öle sind nicht alle gleich. Neben CBD enthalten diese Produkte auch andere Wirkstoffe, hauptsächlich andere Cannabinoide und Terpene, welche die Wirkung beeinflussen und ergänzen. Es lohnt sich beispielsweise, die Analyse der Ungarischen Medizinischen Cannabis-Vereinigung zu betrachten, die 5%ige CBD-Öle getestet hat. Während der Anteil an CBD nahezu gleich ist, zeigt der Anteil an anderen Wirkstoffen bereits signifikante Unterschiede. Es kann ein oder zwei Jahre dauern, bis man das ideale Produkt und die ideale Dosierung gefunden hat. Die meisten Hersteller verkaufen stärkere Öle zu einem verhältnismäßig günstigeren Preis, um damit an die Sparsamkeit zu appellieren. Man sollte nachrechnen und den Preis durch Milligramm dividieren. So erfährt man, wie viel ein Milligramm CBD jeweils tatsächlich kostet. Übrigens: Man meide Öl ohne Wirkstoffgehaltsangabe in Milligramm!


CANNA+GLOBE

Traumaaufarbeitung mit MDMA Ecstasy öffnet die Gefühlswelt und verwischt die Grenzen des Ichs – deshalb ist es in der Partykultur so populär. Nun wendet die Psychotherapie genau diese Eigenschaften bei der Aufarbeitung schwerer Traumata an.

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ährend wir zufrieden die weltweite Verbreitung von medizinischem Cannabis beobachten und fordern, so schnell wie möglich in den Genuss einer progressiven Regulierung zu gelangen, werden im Kielwasser des Marihuana weitere klassische Drogen als Medikamente der Zukunft präsentiert. MDMA, früher Wirkstoff der Ecstasy-Tabletten, ist ein Anwärter auf diesen Status und noch dazu ein psychotherapeutisches Mittel zur Aufarbeitung von Traumata. Die Turiner Konferenz „Right to Science and Freedom of Research on Narcotic and Psychotropic Substances“ widmete sich auch diesem Thema.

Einbrechen der Erinnerungen Natalie Ginsberg von der renommierten Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS) machte in einem Vortrag mit den neuesten Entwicklungen und Ergebnissen der MDMA-Therapie bekannt. MAPS wurde in den 1980er Jahren in Kalifornien gegründet, um die Anwendung von Psychedelika und medizinischem Cannabis voranzutreiben. Ihr verdanken wir zum Großteil die vor zehn bis 15 Jahren von Neuem in Angriff genommenen Untersuchungen zu medizinischen Wirkungen psychedelischer Mittel. MDMA verspricht bei 14

der Behandlung einer der schwersten Formen von Traumata, der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD), das größte Potenzial. Es kann hier einzigartige Hilfe bieten. Schwere Traumata wie sexuelle Gewalt oder Kriegsschrecken können die Auslöser von PTSD sein. Bei dieser Störung dringen die Erlebnisse immer wieder unkontrollierbar in das Bewusstsein des Opfers ein, das sich von ihnen nicht befreien kann. Viele Betroffene treten verbittert die Flucht in

den Alkohol oder zu bewusstseinstrübenden Drogen an oder begehen Selbstmord. Ginsberg referierte, dass 75 Prozent der PatientInnen auf die gegenwärtig eingesetzten PTSD-Medikamente absolut nicht reagierten. Die Rede ist von einem akuten Problem, einer mentalen Störung, Im August 2017 ehrte die Food and Drug Administration (FDA) MAPS damit, dass sie die PTSDTherapie mit MDMA „einen durchschlagenden Erfolg“ nannte. Dieser Ehrentitel, der


nur wenigen Medikamenten zugesprochen wird, ist der Tatsache zu verdanken, dass bei nur 17 Prozent der in die experimentelle Forschung einbezogenen PatientInnen PTSD-Symptome zurückblieben.

Therapie der Ruhe Im Gegensatz zu der Behandlung mit Antidepressiva – bei denen man nach der Einnahme, die Hände im Schoß, auf Erlösung wartet – trägt zum Erfolg des MDMA bei, dass die Anwendung von einer streng regulierten Psychotherapie ergänzt wird. Mit dem Erfolg, dass der Patient MDMA bestenfalls nur dreimalig zur Heilung einnimmt. Es besteht kein Anlass für weitere Anwendungen. Ein ähnliches Ergebnis ist bei Antidepressiva unvorstellbar. Zwei Therapeuten werden in die MDMA-Behandlung einbezogen. Sie findet in einer für den Patienten sicheren Umgebung statt, möglichst meidet man kalte Behandlungsräume und sorgt für ein freundliches Umfeld. Zwei Therapeuten bauen in drei Sitzungen ohne Anwendung von Medikamenten Vertrauen auf und vertiefen die Beziehung zum Patienten. Es folgen drei Termine, bei denen MDMA eingenommen wird – an einem wohlbekannten, sicheren Ort, in einem bequemen Bett liegend. Die Augen des Patienten sind bedeckt und über

Kopfhörer hört er angenehme Musik. Dies dauert jeweils sechs bis acht Stunden – geht also über die gewöhnlich drei- bis vierstündige Wirkung des MDMA hinaus. Die Therapeuten sind bis zum Ende anwesend und sprechen bei Bedarf mit dem Patienten. Es folgen drei weitere Sitzungen ohne Medikamentengabe, die dazu dienen, die Erlebnisse zu besprechen und die positiven Erfahrungen in den Alltag zu integrieren, und damit dem Einbrechen der traumatischen Erlebnisse ein Ende zu bereiten.

Psychedelische Kliniken Ginsberg erläuterte kurz die Geschichte der MDMA-Therapien und erinnerte daran, dass die ersten psychotherapeutischen Anwendungen schon im Jahr 2000 in Spanien an einigen Frauen mit PTSD durchgeführt wurden. In den USA wurden die ersten Forschungen erst 2007 durchgeführt, daher ließen die Ergebnisse so lange auf sich warten. Als Zweites verweist MAPS auf die Aikido-Strategie. Die aus dem Arsenal des Krieges gegen die Drogen bekannte Technik besagt, dass der Staat für die Unterstützung von gut 5.000 Forschungsprojekten zu den Risiken von MDMA mehr als 300 Millionen Dollar bereitgestellt hat, während für die Untersuchung der positiven Wirkungen zum

größten Teil zivile Organisationen die erforderlichen Mittel beschafften. Infolgedessen verfügen wir über alle erdenklichen Informationen zu den Gefahren des MDMA, aber nur wenige Erkenntnisse über die positiven Wirkungen – aus der Niederlage gilt es, einen Sieg zu machen. MAPS hat nun einen neuen Ansatz erdacht, um die Unverhältnismäßigkeit auszuhebeln: „Risikominimierung gegen das Kapital“. Dazu wurde die NonProfit-Organisation in eine gemeinnützige Gesellschaft umgewandelt, um mit ziviler Unterstützung und privaten Spendern die klinische Forschung finanzieren zu können. Die erzielten Erfolge mit MDMA könnten einen Wandel der öffentlichen Meinung zu psychedelischen Therapien bedeuten, was die künftige Arbeit erleichtern würde. Durch den Ehrentitel „Therapie mit durchschlagendem Erfolg“ könnte nach Einschätzung von MAPS die MDMA-Therapie zu einer validierten Heilmethode werden. Wenn dies in Erfüllung geht, beabsichtigt MAPS, auf psychedelische Therapie spezialisierte Kliniken zu gründen, wo die Elemente des Heilungsprozesses in einer optimalen Umgebung angeboten werden können.

text: Bob Arctor


MEDI+GREEN

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MEDI+GREEN

Was verschafft dir Wohlbefinden?

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ir müssen nicht scheinheilig tun und die grundlegenden Wahrheiten der Bedürfnispyramide ignorieren, denn die menschlichen Bedürfnisse können hierarchisch geordnet werden. Auf der untersten Ebene der Pyramide stehen die Grund- und Existenzbedürfnisse und ganz oben das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung. Manche Menschen verspüren den starken Drang, das Maximum aus ihren Fähigkeiten und ihrem Talent herauszuholen. Die Reihenfolge ist keinesfalls gleichgültig, und auch nicht, sich der Grundbedürfnisse bewusst zu werden, der Ressourcen, die uns motivieren, ein erfülltes Leben zu führen. Global gesehen, besteht das grundlegende Ziel der Entwicklung zuerst darin, soziales Wohlergehen und faire Lebensbedingungen für alle, sowohl die gegenwärtige als auch die

zukünftigen Generationen zu gewährleisten. Das ist nur möglich, wenn wir die natürlichen Ressourcen nachhaltig nutzen, Schädigungen vermeiden und insbesondere irreversible Veränderungen der Umweltbedingungen. Zunächst ist es wichtig, dass wir uns wohl befinden. Was gehört dazu? Wodurch fühlst du, dass du eine Daseinsberechtigung hast? Welche Grundbedürfnisse (physische und mentale Komponenten) sind wichtig für ein stabiles, tagtägliches Funktionieren? Die Macht des Individuums über sich selbst wird durch innere Gefühle genährt und kann mit ihnen wachsen, niemals gegen sie. Was bedeutet glückliches Leben? Materielle Fülle, sich Entwicklungsfähigkeit aneignen, eine spirituelle Beziehung zum Partner durch Übereinstimmung und Vertrauen?

Beziehungen auf Gegenseitigkeit erfordern auch tiefes Vertrauen in den Lebensprozess, Aufgeben der Kontrolle und die Notwendigkeit, sich der eigenen Bedürfnisse bewusst zu sein. Was sind meine Sehnsüchte? Was macht mich glücklich? Was inspiriert mich? Wenn ich das nicht weiß, sollte ich wenigstens wissen, was es nicht ist. Uns selbst und unseren Partner zu lieben, geliebt zu werden, Liebe zu geben ist nicht immer eine leichte Aufgabe. Wir können Richtlinien formulieren, um die Orientierung zu erleichtern. Hast du schon welche? Medijuana CBD-Produkte bieten ausgezeichnete Unterstützung für einen bewussten Lebensstil und für die innere Arbeit an uns selbst.


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Internationaler Aktivismus Die Cannafest-Messe in Prag mit ihrer Professional Conference stellte den idealen Ort dar, um diverse Patientenberichte zu hören und sich untereinander auszutauschen. Im Interview mit zwei internationalen Cannabisaktivisten, Corrie Yelland aus Kanada und Bozidar Radisic aus Slowenien, erfahren wir, wie die beiden täglich PatientInnen helfen. Medijuana: Lass uns mit deiner Krankengeschichte beginnen: Welche Krankheit hast du und warum hast du dich für Cannabis als Medizin entschieden? Corrie Yelland: Im Juli 2011 bekam ich die Diagnose Analkarzinom, mir wurden noch zwei bis vier Monate zu leben gegeben. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits eine vorexistierende Krankheit, durch die meine Lebensqualität sehr beeinträchtigt war. Ich hatte massive Schmerzen, konnte nicht schlafen, war ständig auf Opiaten und Morphium. Als ich dann noch die Krebsdiagnose bekam, war ich verzweifelt. In der onkologischen Klinik meinte der Arzt zu mir, dass der Krebs gestreut habe, wie Blumenkohl sehe er aus. Sie könnten die Spitzen entfernen, jedoch würden die Stiele zurückbleiben. Daher wollte er mich zur Bestrahlung schicken. Im Aufklärungsgespräch war der Arzt ziemlich harsch und direkt. „Sie wissen, dieser Bereich des Körpers ist am schwierigsten zu behandeln. Sie werden zweit- bis drittgradige Verbrennungen im Anal- und Vaginalbereich davontragen.“ In dem Moment dachte ich nur: „Auf keinen Fall!“ Mir wurden auch keine konkreten Antworten bezüglich Schmerzmedikation oder Nebenwirkungen der Therapie gegeben, obwohl ich explizit nachgefragt hatte. 18

Schließlich nahm ich mir ein wenig Zeit, um darüber nachzudenken. Meine Schwester schickte mir dann einen Link zu der Dokumentation „Run from the cure“. Das könnte schon stimmen, dachte ich mir, und rief einen bekannten Arzt in Italien an, um zu fragen, was er darüber wisse. Er meinte nur, dass sie Patienten schon seit Jahren mit Cannabinoiden auch gegen Krebs behandelten. Von hier an recherchierte ich viel und am Schluss stand für mich fest, dass ich das durchziehen werde. Dann versuchte ich, an Cannabisöl zu kommen. Mein Arzt wollte mir kein Rezept geben. Ich habe es aber geschafft, Mitglied in einem Cannabisclub zu werden, und wollte mir hier dann legal mein Cannabisöl holen. Ich war verdutzt, als sie meinten, dass sie Öle nicht führten. Also blieb nur die Option, das Öl selbst herzustellen. Vier Freunde und ich druckten uns die Anleitung aus dem Internet aus, wir folgten ihr Schritt für Schritt, mit vier Unzen (ca. 120 Gramm) haben wir gearbeitet. Und dann hab ich begonnen, es zu nehmen. Ich hatte fürchterliche Angst davor. Der Grund, warum ich sonst kein Gras rauche, ist der, dass ich früher manchmal so paranoid davon wurde. Ich begann mit kleinen Mengen und hatte jemanden bei mir zum Reden für die ganze Nacht. Zehn Tage später fiel mir auf, dass ich meine Schmerzmedikamente nicht mehr nehmen musste.

MED: Ohne psychoaktive Effekte? CY: Am Anfang nicht, ich habe mit ganz wenig begonnen und die Dosis ganz allmählich gesteigert. Aber später lernte ich durch Janet Sweeny, die mir vorhielt, zu kleine Dosen zu nehmen, Citicolin kennen, ein Nahrungsergänzungsmittel, mit dem Paranoia auch bei Einnahme höherer Dosen bei sensiblen Personen auf ein Minimum reduziert werden kann. Das hat bei mir super funktioniert. Ich habe dann begonnen, Cannabisöl als Zäpfchen einzunehmen. Ich war aber trotzdem weit entfernt von dem einen Gramm pro Tag, das viele als Richtwert nehmen, und war mir daher sicher, dass mein Krebs noch immer da sei, und mied auch den Arzt. Nach einem Jahr schließlich hab ich so ca. ein halbes Gramm täglich genommen. Dann wurde ich von zwei Ärzten untersucht, sie untersuchten mich nochmals, sie berieten sich und teilten mir mit, dass der Tumor vollständig verschwunden sei. Nach Biopsien und weiteren Ergebnissen war es dann sicher. Nicht einmal Narbengewebe sei zu sehen gewesen. Da habe ich mir gesagt: Wenn das funktioniert, werde ich mein Leben damit verbringen, anderen Leuten davon zu erzählen. MED: Und das ist es, was du jetzt machst. CY: Genau, fünf Jahre später, bis zu 12 bis 14 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, das ist viel Arbeit.


MED: Nimmst du weiterhin das Öl als Prophylaxe ein? CY: Absolut, jeden einzelnen Tag nehme ich eine kleine Dosis. Ich habe Angst davor, es abzusetzen, man muss den Cannabinoidpegel obenhalten. Ich meine, wenn ich krank geworden bin, weil ich ein Defizit an Cannabinoiden hatte, warum sollte ich dann aufhören, das Öl zu nehmen? MED: Wie erreichst du die Leute oder wie erreichen die Leute dich? CY: Die Leute kontaktieren mich hauptsächlich über Facebook, meine erste private Seite ist mittlerweile schon voll, der zweite Account hat auch beinahe 4.000 Freunde. Auch die Gruppe „Phoenix Tears Cannabis Oil Advice with Corrie, Janet and Jenn” mit über 30.000 Mitgliedern betreue ich mit. Ich skype auch mit den Leuten. Bis vor Kurzem hatte ich eine Radiosendung, Cannabis Health Radio … MED: Was ist mit der Sendung passiert? CY: Ich habe aufgrund meiner Arbeitsunfähigkeit kein Einkommen und wir haben im Endeffekt den Betrieb des Radios aus eigener Tasche finanziert. Wir hoffen, dass wir irgendwann wieder damit durchstarten können. Das hat mich schon traurig gemacht, denn wir konnten vielen Leuten helfen. Jetzt halt primär über Facebook, ich bekomme Tausende Nachrichten im Monat und ich helfe, wo ich kann. MED: Nun zu dir, Bozidar, wie ist die Situation in Slowenien und wie hast du angefangen? Bozidar Radisic: Nun, ich und meine Freunde hatten einen Growshop in Murska Sobota. Wir gingen zu verschiedenen Messen und entsprechenden Vorlesungen. Aber die allererste Information über Cannabis als Medizin erhielt ich, als ich in der Schule in einer Zeitung über Dr. Raphael Mecoulam und seine Studie mit einem wissenschaftlichen Team aus São Paulo las. Das ist aber schon lange her, das war

zu Beginn der Achtziger. Kurz gesagt erkennt man dann, dass es helfen kann, und wenn man einer Person hilft, benötigen am nächsten Tag Tausende deine Hilfe. CY: Ganz genau. BR: Bis jetzt hatten wir mehrere Tausend Anfragen von Patienten, und deshalb haben wir in Ljubljana einen Cannabis Info Point aufgemacht – das ist nicht wirklich legal, aber das ist uns egal. Wo die Menschen hinkommen können und gratis Beratung bekommen. MED: Ist es etwa illegal, Informationen zu geben? BR: Nein, Informationen sind nicht illegal, aber medizinische Beratung dürfen nur Ärzte geben. Andererseits: Wenn die Behörden uns wirklich verbieten wollten, hätten sie es schon gemacht. Ich war schon mehrere Male im Gefängnis wegen Cannabis, ich kenne die Repression dahinter also sehr gut. MED: Warum warst du im Gefängnis? BR: Eigenanbau. Ich baue seit mittlerweile 40 Jahren für mich selbst an. Ich habe nie Cannabisblüten an jemanden, der es zu Genusszwecken wollte, verkauft. Aber kranke Menschen habe ich versorgt, vor allem solche, die nicht für sich selbst anbauen können. Außerdem habe ich realisiert, dass es eine sehr wichtige therapeutische Maßnahme sein kann, wenn Patienten Cannabis selbst anbauen. Und ich finde es auch wichtig, dass die Leute im Prozess mit dabei sind – dass sie wissen, was sie nehmen. MED: Was passiert, wenn Patienten sich die Medizin nicht leisten können? BR: Wir als Aktivisten haben ebensowenige finanzielle Mittel. Wir verkaufen Cannabisöl – zwar illegal, aber wir machen es – an Patienten, und wir überzeugen sie, Cannabis selbst anzubauen. Wenn sich diese Patienten dann besser fühlen oder gesund sind, bitten wir sie, weiterhin anzubauen – damit wir ihnen die Ernte

abkaufen können, um weiteres Öl zu extrahieren. So können die Patienten ihre Ausgaben wieder hereinholen. MED: Und welche Krankheiten haben die Patienten, die zu euch kommen? BR: Alles Mögliche – Morbus Crohn, Autoimmunerkrankungen, Autismus. Wir haben viele kleine Kinder mit Spastiken und Epilepsie, dann noch Krebs und auch COPD (chronisch-obstruktive Bronchitis). Wir hatten eigentlich schon mit jeder erdenklichen Krankheit zu tun. MED: Habt ihr auch Ärzte im Team? BR: Ja, es gibt ein paar Ärzte, die auch in der Öffentlichkeit für Cannabis einstehen. Einer von ihnen ist Dr. David Neubauer, der ehemalige Leiter der Kinderklinik von Ljubljana. Mit ihm gemeinsam haben wir eine Studie zu Epilepsie durchgeführt. Er ist kurz vor der Pension und dementsprechend „furchtlos“. Und es gibt noch weitere Ärzte. Es wurde auch bereits damit begonnen, Ärzte fortzubilden. Im November fand der erste Kurs statt, mit knapp 100 teilnehmenden Ärztinnen und Ärzten. Das muss noch ausgebaut werden – ich denke, das Endocannabinoidsystem sollte an weiterführenden Schulen und im Medizinstudium behandelt werden. MED: Wie verbreitet ist Cannabis in Slowenien? BR: Wir haben eine riesige Gruppe von Menschen, die Cannabis als Medizin nutzen. Jeder onkologische Patient weiß zumindest über Cannabis Bescheid, jeder zweite baut selbst für sich an. MED: Und die Polizei tut nichts dagegen? BR: Eigentlich nicht. Sie können nicht alle einsperren. Und ich will den Richter sehen, der jemanden mit Glioblastom (Hirntumor) im Stadium 4 verurteilt. MED: Und dich als Aktivist? Könnten sie dich einsperren? Du verteilst ja das Öl. BR: Ja, sie könnten. Ich verstecke mich nicht. Wenn sie mich einsperren wollen, dann machen sie das auch. Sie haben mich schon dreimal eingesperrt. Beim letzten Mal im letzten Jahr ergab sich dadurch eine gute Werbung und Medienpräsenz. Als ich verhaftet wurde, haben alle Zeitungen und Nachrichtenstationen darüber berichtet. MED: Wisst ihr, was in euren Produkten drinn ist? Welche Sorten, welche Cannabinoidzusammensetzung? BR: Ja, wir geben alle Extrakte in unser Labor. Dr. Paul Hornby hat uns geholfen, es aufzubauen. MED: Kann man in Slowenien legaler Cannabispatient werden? BR: Nein, offiziell gibt es nur Sativex, Epidiolex, Marinol und Dronabinol, aber keine Cannabisblüten oder -extrakte.

text: K. Sz. H. 19


CANNA+GLOBE

Schutz der Gesundheit statt Verbot Medizinisches Cannabis in Spanien

S

Das Global Drug Policy Observatory (GDPO) veröffentlichte einen Bericht über die Neuausrichtung der Drogenpolitik in Spanien. Nachfolgend veröffentlichen wir, mit dem Fokus auf medizinisches Cannabis, die wichtigsten Aussagen der Studie, und ziehen Schlussfolgerungen daraus.

panien hat schon immer einen Sonderweg in der Drogenfrage verfolgt. Im Gegensatz zu anderen Ländern ging dort die Diskussion über die Regulierung des Freizeitkonsums von Cannabis der Erörterung seiner medizinischen Anwendung voraus. Das hat verschiedene Ursachen: Ausgangspunkt der spanischen Drogenpolitik war nie das Verbot, Ziel war der sichere Konsum. Der Gebrauch illegaler Drogen war auch zu Zeiten der Diktatur Francos keine Straftat, auch wenn man nicht sagen kann, dass die Zentralmacht sich konsequent für eine liberale Drogenpolitik eingesetzt hätte. Einige spanische Provinzen – Katalonien,

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www.cbd.medijuana.eu

Andalusien und das Baskenland – waren bereit, juristisch riskante Wege einzuschlagen, um anstelle der Bestrafung die Gesundheit der KonsumentInnen in den Vordergrund zu stellen. Sie gingen bis an die Grenzen des gesetzlich Vertretbaren, und nachdem sich der Erfolg eingestellt hatte, folgte ihnen die Zentralregierung in Madrid. Auch auf die Heroinwelle in den 1980erJahren hatte ein Teil Spaniens nicht mit einer strengen Politik reagiert. In Andalusien etwa wurden den DrogenkonsumentInnen kontrollierte Räume zur Verfügung gestellt und man experimentierte mit legalem Methadon und Heroin auf Rezept, womit man die Zahl

Händleranfragen erwünscht

der Todesfälle durch Überdosierung bedeutend senkte und die problematischen KonsumentInnen einer entsprechenden Behandlung zuführte. Dabei nehmen die spanischen Zivilorganisationen eine Spitzenstellung bei risikominimierenden Drogentests ein. Die 1997 gegründete Organisation Energy Control analysiert landesweit von KonsumentInnen eingereichte Proben, um Informationen über die Risiken der auf dem Markt erhältlichen Mittel bereitstellen zu können. Die weltweit bekannteste Errungenschaft der spanischen Drogenpolitik steht jedoch in Verbindung mit dem Cannabis und bietet eine Alternative zur Legalisierung, die

shop@medijuana.eu


von vielen favorisiert wird. Das Modell der Cannabis Social Clubs (CSC) entstand aus regionalen Initiativen, die anfangs ständig von der Polizei kontrolliert wurden. Erst in den 2000er-Jahren stabilisierte sich das System, sodass die Klubmitglieder sich mit dem gemeinsam gezüchteten Cannabis in der Tasche sicher fühlen konnten. Das Thema des medizinischen Gebrauchs von Cannabis wurde erst zu dieser Zeit stärker diskutiert. Die spanische Bewegung für medizinisches Cannabis hat dem stabilisierten CSC-System viel zu verdanken, denn dank ihm wurde für sie auch der Cannabiskonsum legal. Viele Menschen werden aus medizinischen Gründen Klubmitglieder, damit sie bestimmte Sorten aus kontrolliertem Anbau zur Linderung ihrer Symptome verwenden können. Schließlich führte der Anstieg der Mitgliederzahlen dazu, dass die Regulierung für medizinisches Cannabis auch außerhalb der Clubwelt zum Thema wurde.

Die Anfänge des therapeutischen Gebrauchs in Spanien Die Organisation katalanischer Frauen, die von Brustkrebs betroffen sind, die Agatha Group, initiierte im Jahr 2000 Gesprächskreise zur Anwendung von medizinischem Cannabis und brachte eine Gesetzesvorlage im katalanischen Parlament ein. Im Anschluss daran publizierte das spanische Gesundheitsministerium im Jahr 2001 den Bericht des katalanischen Pharmazeutischen Instituts über die Anwendung von Cannabis und seinen Derivaten zum Zweck der Therapie. Da damals nur sehr wenige Fakten zur Verfügung standen, ist diese Publikation heute nicht mehr aktuell, dennoch finden wir in ihr die Wurzeln der spanischen Therapieregulierung. Die Publikation forderte ein experimentelles Programm mit aus Holland importiertem Cannabis, das in der Zwischenzeit zahllose Veränderungen erfahren hat und letzten Endes keine verwertbaren Ergebnisse erbrachte. Das katalanische Gesundheitsministerium startete 2005 ein neues Experimentalprogramm, diesmal nicht mit Cannabisblüten,

sondern mit einem aus Öl hergestellten Medikament mit dem Namen Sativex. Das Präparat wurde schließlich 2010 offiziell für die Behandlung von Krämpfen bei Multiple-Sklerose-PatientInnen zugelassen.

Aus den Clubs ins Parlament Auf die Regulierung, die sich immer weiter verzögerte, wollte ein Teil der PatientInnen nicht mehr warten, sondern sich lieber seine Medikamente im Cannabis Club besorgen. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2012 gaben 6 Prozent der CSC-Mitglieder an, TherapiepatientInnen zu sein. Wenn man bedenkt, dass damals die Clubs bis zu 1.000 Mitglieder haben konnten, verrät die Prozentzahl, wie viele PatientInnen es gibt. Nicht überraschend, dass sich in den vergangenen Jahren weitere Akteure dem Kampf um die Patientenrechte angeschlossen haben. 2015 wurde die OECM (Observatorio Español de Cannabis Medicinal) gegründet, eine Cannabis-Beobachtungsstelle, die nach drei Jahren schon gewaltige Ergebnisse vorweisen kann. Sie veranstaltete erfolgreiche Konferenzen, führte Verhandlungen mit PolitikerInnen und erreichte die Vorlage eines Gesetzes im Kongress. Im Februar letzten Jahres schloss

sich die OECM der Partei der Bürgerschaft Ciudadanos an, die eine Vorlage einreichte, die darauf abzielt, dass die Regierung medizinisches Cannabis und seine Derivate für PatientInnen reguliert und leichter zugänglich macht. Der Vorschlag schließt auch den Anbau, die Vertriebspunkte und ein Monitorsystem über die Lebensqualität der Kranken ein. Die UPRC (Unión de Pacientes por la Regulación del Cannabis) entstand 2017, dem Ruf der PatientInnen folgend, und ist ein weiterer Meilenstein bei der Schaffung eines Modells für medizinisches Cannabis, das sich an den Bedürfnissen der PatientInnen orientiert. (Eine Reihe von Interviews mit Mitgliedern der Organisation begann in der letzten Nummer von Medijuana – der Hrsg.) Nach dem Bericht der GDPO gehen die medizinischen Cannabisprogramme in Katalonien einer leuchtenden Zukunft entgegen. Auf Landesebene gibt der Regulierungsvorschlag von Ciudadanos Anlass zur Hoffnung, dass das katalanische Modell ein Vorbild für ganz Spanien und Europa sein kann.

text: Bob Arctor


MEDI+GREEN

Die deutschen Sozialdemokraten unterstützen die Legalisierung

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ier Jahre nach der Einführung des Gesetzes über den Gebrauch von Cannabis zu ärztlichen Zwecken und den Wahlen 2021 gab es einen erneuten Fortschritt in der Regelung. Die SPD nahm in ihr Programm die Legalisierung von Cannabis zu Freizeitzwecken mit auf. In der jüngeren Vergangenheit erschien in der deutschen Presse das neue SPD-Wahlprogramm, in welchem die Schritte zur Cannabis Legalisierung ausgedrückt werden. Die Partei begründet warum ein weiterer Schritt notwendig ist. Die erheblichen Mittel, die aufgewendet werden für das Verbot des Gebrauchs sind fehlgeschlagen. Zusätzlich ist eine wirkungsvolle Prävention zum Schutze Minderjähriger beeinträchtigt. Ihrer Meinung nach muss eine solche Gesetzgebung eingeführt werden, die es den volljährigen Deutschen ermöglicht Cannabis in kleinen Mengen zu erwerben und zu konsumieren. Das Gesetz sollte so angepasst werden, dass der Verbrauch von Cannabis dem von Alkohol gleichgestellt werde. Wenn die SPD die Wahlen im September 2021 gewinnen sollte oder eine

Mehrheit im Bundestag erlangt, gerät die Legalisierung in Sichtweite. Doch die Deutschen sind nicht die einzigen in Europa auf deren Agenda diese Frage in den kommenden Jahren gerät. Ende 2018 ist in Luxemburg der legale Cannabishandel endlich auf die Tagesordnung gekommen und im letz-

ten Jahr sind einzelne Teile schon publik geworden. Die Schweiz begann an einigen Orten versuchsweise ein Vertriebsprogramm für Cannabis, um die Wirkung auf die Bevölkerung zu testen. In Nord-Makedonien verkündete der Ministerpräsident, am Ende letzten Jahres, dass aufgrund der herausragenden Bedeutung des Tourismus, Cannabis legalisiert werden sollte. Im März hat Maltas Ministerpräsident berichtet, dass sie an der Regelung zum verantwortungsvollen Gebrauch von Cannabis arbeiten.

Starterset von Plagron Alle Nährstoffe für die Aufzucht einer Pflanze

Das Plagron-Starterset gibt Zuchtanfänger*innen die Möglichkeit, die Plagron-Produkte kennenzulernen. Probiere die Kombination der Plagron-Basisdüngung und einem starken Wurzelstimulator aus. Plagron hat speziell für Zuchtanfänger*innen ein neues Paket zusammengestellt: das Plagron-Starterset. Dieses Set ist in zwei unterschiedlichen Ausführungen erhältlich, als 100-% NATURAL und 100-% TERRA-Variante. Das Starterset enthält die bekannten Basis-Düngemittel und den Wurzelstimulator Power Roots. Aufgrund des niedrigen Preises ist dieses Set ideal für Züchter*innen geeignet, die die Plagron-Produkte kennenlernen möchten. Die beiden Ausführungen des Startersets bieten verschiedene Vorteile. Die Produkte von 100-% NATURAL sind vor allem für den biologischen Anbau geeignet und äußerst benutzerfreundlich. Die Basisdüngung von 100-% TERRA sorgt für ein schnelles und optimales Ergebnis. Der Zusatzstoff Power Roots ist ein Wurzelstimulator, der eine schnelle und starke Wurzelentwicklung fördert. Er verbessert den Widerstand der Pflanze und unterstützt somit einen guten Wachstumsstart. Vorteile des Startersets 100-% NATURAL - 100-% NATURAL-Produkte sind für biologische Landwirtschaft und biologischen Gartenbau geeignet (CU-zertifiziert) - Ideal für Zuchtanfänger*innen - 3 Produkte in einem Set Vorteile des Startersets 100-% TERRA - Schnelles und optimales Ergebnis - Ideal für Zuchtanfänger*innen - 3 Produkte in einem Set Basisdünger Zwei Flaschen à 50 ml Basisdünger. Das ist für die Wachstums- und Blühphase einer Pflanze ausreicht. Im 100-% NATURAL-Set sind Alga Grow und Alga Bloom enthalten, im 100-% TERRA-Set Terra Grow und Terra Bloom. Zusatzstoff Eine Flasche à 50 ml Power Roots. Dieser Zusatzstoff regt das Wachstum der Wurzeln an und erhöht somit den Widerstand der Pflanze. Hast du noch Fragen? servicedesk@plagron.com Weitere Informationen über das Starterset und unsere anderen Produkte findest du auf www.plagron.com.

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Schikane der Ermittler gegen Hanfladen geht weiter:

Große Razzia – kleine Rückgabe

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roße Razzia im Februar – magere Warenrückgabe im April: Die Betreiber von „Hanf – der etwas andere Bioladen“ kamen mit großen Erwartungen am Mittwoch zur Polizei in die Landshuter Neustadt. Gründer Wenzel Cerveny (59) und Regionalleiter Jerry Cerveny (55) reisten extra mit einem kleinen Lkw an, um beschlagnahmte Waren in größeren Mengen abzuholen… Die Enttäuschung war groß: Magere 17 Cannabis-Teeschachteln und ein mutwillig angebrochener „Knaster“-Tabakbeutel mit Steuerbanderole gab die Polizei heraus. „Wir fühlen uns veräppelt. Die Ermittlungsbehörden beschlagnahmen Waren im Wert von 15.000 Euro und lassen uns wegen 50 Euro extra aus München zur Abholung kommen“, sagt der Hanfladen-Gründer Wenzel Cerveny (59), Geschäftsführer der DCI Cannabis Institut GmbH (München), die bayernweit elf Läden betreibt. Zur Vorgeschichte: Die Landshuter Ermittler haben am 2. Februar 2021 zugeschlagen: Die Läden in der Theaterstraße 61 und in der Ingolstädter Theresienstraße 28 erhielten Besuch von Polizeibeamten. Nach Auffassung des Ermittlungsrichters, der den Untersuchungsbeschluss unterzeichnet hat, handelt es sich bei den Tees um Cannabis-Pflanzenteile, „deren Verkauf nicht gewerblichen oder wissenschaftlichen Zwecken dient, sondern dem Konsum durch den Endverbraucher“. Vorgeworfen wird Mitarbeitern der Ladenkette „unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln“ nach §29 Abs. 1 Ziff. 1 Betäubungsmittelgesetz (BtMG). „Die Ermittler unterstellen uns aus Unkenntnis oder bewusst aus Schikane ein Drogendelikt“, wirft Cerveny den Landshuter Ermittlern vor. Bereits vor einem Urteil des Bundesgerichtshofes in der Sache sind die bayerischen Staatsanwälte und Polizisten bei der nicht-psychoaktiven Substanz Cannabidiol (CBD) in vollem Bewusstsein von „Marihuana“ ausgegangen. Cerveny verweist auf ein Urteil des Gerichtshofes der Europäischen Union vom 19.11.20 nachlesen. „CBD ist kein Suchtmittel“, stellt der Europäische Gerichtshof unmissverständlich fest. Perfide werde es allerdings, so Cerveny, wenn CBD-Produkte in den Hanfläden sichergestellt werden, aber zur gleichen Zeit in den Regalen der Drogeriemärkte von DM, Rossmann, Müller oder Reformhaus stehen. Auf diesem Auge scheint die bayerische Staatsanwaltschaft blind zu sein. BGH stellte klar: Hanftee-Verkauf an Endkunden erlaubt Noch klarer wird die Rechtslage nach dem Urteil des Bundesge-

Magere Rückgabe: Nur 17 Packungen Cannabis-Tee und ein mutwillig aufgebrochener Knaster-Tabak hat die Polizei nach der großen Februar-Razzia im Landshuter Geschäft von „Hanf – der etwas andere Bioladen“ zurückgegeben. Traten am Mittwoch enttäuscht die Rückfahrt nach München an (v.l.): Gründer Wenzel Cerveny (59) und Regionalleiter Jerry Cerveny (55). (Foto: Josef König für DCI/honorarfrei).

richtshofes (BGH) in Leipzig vom 24. März 2021 (AZ 6 StR 240/20): Nach Ansicht des 6. Strafsenats des Bundesgerichtshofes darf Hanftee (also Hanfrohstoff), wenn er aus zertifiziertem EU-Nutzhanfanbau stammt und der Gehalt an der psychoaktiven Substanz Tetrahydrocannabinol (THC) 0,2 Prozent nicht übersteigt, auch an Endverbraucher verkauft werden. „Unsere Ware übersteigt die 0,2 Prozent THC nicht. Das haben die Untersuchungen der Münchner Ermittlungsbehörden ergeben.“

Hanfaktivist Wenzel Cerveny wirft den Landshuter Ermittlungsbehörden Schikane und Verschwendung von Steuermitteln vor. Er fordert die sofortige Rückgabe der beschlagnahmten Waren. Statt einer Anklage erwartet er eine Entschuldigung. „Die Ermittlungsbeamten haben inzwischen enormen wirtschaftlichen Schaden angerichtet“, betont Cerveny.

text: Josef König

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VOLLBLUT

Dinamed Kush CBD Autoflowering

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inamed Kush CBD Autoflowering ist eine Autoflowering-Cannabissorte, die sich zu einer Pflanze mit klarer IndicaMorphologie, kräftigem Kush-Aroma und ausgeprägtem Geschmack entwickelt. Das Wichtigste: Ihre Buds haben keinerlei psychoaktive Wirkung, da sie kaum THC enthalten, jedoch enthält die Sorte sehr viel CBD.

Ertrag Dinamed Kush CBD Autoflowering ist für eine Autoflowering-Pflanze sehr produktiv und kann bis zu einem halben Kilogramm pro Quadratmeter liefern. Besonders stattlich ist ihre hohe Harzproduktion. Rein äußerlich lässt sich kaum unterscheiden, ob man es mit einer THC- oder CBD-Sorte zu tun hat.

Aroma und Geschmack Das Aroma ist der größte Trumpf dieser Sorte. Bislang schien es unmöglich, pure CBDGenetiken mit markantem, originellem Duft zu finden. Von KonsumentInnen hörte man immer wieder, dass alle CBD-Strains gleich schmecken würden. Das hat sich jetzt grundlegend geändert, denn Dinamed Kush CBD Autoflowering durchflutet den Mund mit dem Aroma von Limonen und dem des Terpen, das für den Kush-Geruch verantwortlich ist. Und auch geschmackstechnisch hält sie ohne Probleme mit der exquisiten Purple Kush mit.

Wirkung Dinamed Kush CBD Autoflowering sorgt für Tiefenentspannung. Durch ihren hohen CBD-Anteil, der bis zu 16 % betragen kann, hat sie eine sanfte, kein bisschen psychoaktive Wirkung.

Anbau Der Anbau dieser Genetik verläuft schnell und ist sehr einfach. Sie hat einen Lebenszyklus von insgesamt 65 Tagen und wächst ohne großen Pflegeaufwand sehr kraftvoll. Wie bei allen Autos, die nach 30 Tagen automatisch zu blühen beginnen, raten wir vom Beschneiden ab, da sie aufgrund ihrer Wachstumsschnelligkeit kaum Zeit hat, sich zu erholen. Durch ihre mittelgroße Statur kann sie auch bei wenig Platz angebaut werden und dank ihrer Robustheit gedeiht sie auch gut in widrigen Klimas. (x) 26


CBD-reiche Sorten

Black Jack CBD Sweet Seeds

Blue Dream CBD Humboldt Seed Organization

CBD Blue Shark Barney’s Farm

Gorilla Dinafem Seeds

Dinamed CBD Dinafem Seeds

Dinamed Kush CBD Dinafem Seeds

Early Amnesia CBD Dinafem Seeds

Green Crack CBD Humboldt Seed Organization

Green Poison CBD Sweet Seeds

Quick Dinamed CBD Dinafem Seeds

Red Pure Auto CBD Sweet Seeds

S.A.D. (Sweet Afgani Delicious CBD) – Sweet Seeds

CBD Critical Cure Barney’s Farm

Unsere Partner in der Unterstützung von Patienten:


MEDIZIN

10+1 supergesunde Heilpflanzen Reduzierung von Stress und Angstgefühlen

Es gibt viele adaptogene Heilmittel, die die Funktion des Immunsystems und der Verdauungsorgane unterstützen. Die Menschheit verfügt über jahrtausendealte Erfahrungen ihrer positiven physiologischen Wirkungen.

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ehn Heilpflanzen und -früchte wollen wir würdigen, die allen helfen können, die unter Verdauungsproblemen, Stress oder Angstgefühlen leiden – jedenfalls nach Ansicht der traditionellen indischen und chinesischen Heilkunst.

Tragant (Astragalus siculus) Tragant ist eine der wichtigsten Heilpflanzen der chinesischen Medizin. Dort ist sie für ihre allgemeine Stärkung des Immunsystems bekannt, sie hilft bei der Behandlung von Grippe und Erkältungskrankheiten. Die Heilpflanze, die als Grundzutat für die chinesische Hühnersuppe populär ist, verfügt über fantastische virenhemmende Eigenschaften. Eine hausgemachte Fleischbrühe ist das traditionelle Mittel gegen Erkältung. Und es wirkt tatsächlich!

Tigergras oder Gotu Kola (Centella asiatica)

Brennnessel (Urtica dioica)

Den Namen Tigergras erhielt die Pflanze, weil man die im Kampf mit bengalischen Tigern erlittenen Wunden heilte, indem man sich am Standort der Pflanze in ihr wälzte. Nicht zufällig entdeckte Ayurveda schon vor 2000 Jahren die hautheilende Wirkung. Tigergras beruhigt und entspannt den Organismus. Es wirkt hauptsächlich auf das Nervensystem, kann aber auch als allgemeines Stärkungsmittel verwendet werden. Seit mehreren Tausend Jahren benutzt man es auch zur Steigerung der mentalen Fähigkeiten, in erster Linie zur Verbesserung des Erinnerungsvermögens, zur Steigerung der Konzentration und der Blutzirkulation im Hirn.

Ein ausgezeichnetes Stärkungsmittel, das in erster Linie bei Erschöpfung, Ermüdung und Stress empfohlen wird. Dies verdankt die Brennnessel ihrem hohen Gehalt an Eisen, Kalzium, Magnesium sowie Vitamin A und C. In früheren Zeiten schlug man die Rheumakranken mit frischen Trieben der Pflanze. Seit Jahrtausenden trinkt man aus ihr gebrühten Tee gegen Gelenkschmerzen. Sie ist Bestandteil kräftigender, harntreibender, die Milchbildung anregender Teemischungen. Die Heilpflanze ist auch in der Küche nützlich: Ihre Blätter kann man als Gemüse, ihre zarten Triebe in Frühlingssuppen und Salaten konsumieren, manche benutzen sie auch zum Würzen von Bier. Ihre Wurzeln und Triebe haben harntreibende und entzündungshemmende Wirkung. Ihre Blätter werden oft bei Galle- und Leberbeschwerden verwendet. Wählend der Kriege im Mittelalter ersetzte man mit ihr den Hanf und fertigte Seile und Gewebe.

Rosenwurz wird in China und Russland als Heilpflanze verwendet, weil sie die körperliche Leistungsfähigkeit erhöht und eine positive Wirkung auf die Gebärhäufigkeit hat. Nach Ansicht der U.S. Food and Drug Administration gibt es keine Beweise für ihre positive Wirkung auf das Funktionieren des Organismus. Sie hat jedoch einen Namen, der an Hexenmärchen erinnert.

Das heilige Basilikum oder Tulsi (Ocimum sanctum) Die „Königin der Heilpflanzen“ Tulsi – oder heiliges Basilikum – ist für ihre stresslösenden Fähigkeiten bekannt und hilft auch bei Schlaflosigkeit und Müdigkeit. In Situationen, die mit Stress oder Angstbeklemmungen verbunden sind, revitalisiert sie ausgezeichnet das „ermüdete“ Nervensystem. Außerdem kann sie ein Balsam gegen Überlastungssymptome des Körpers, chronische Kopfschmerzen, Migräne, Muskelverspannungen, leichte Anzeichen von Depression, Schlaflosigkeit und Erschöpfung sein. Forschungen ergaben, dass Tulsi vor Stress schützt bzw. die Auswirkungen von Stress verringert, die Lernfähigkeit steigert, die Nutzung des Sauerstoffs im Körper verbessert, vor Strahlenschäden schützt, Alterungsfaktoren verringert, die Funktion des Herzens, der Lunge und der Leber unterstützt; weiterhin sind antibiotische, viren- und pilzhemmende Wirkungen bekannt.

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Rosenwurz (Rhodiola rosea)


Zufall, dass er in der klassischen chinesischen Medizin zur Behandlung von Migräne empfohlen wird.

Borstige Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus) Die Taigawurzel oder sibirischer Ginseng erhöht die Konzentrationsfähigkeit und wird daher in erster Linie Menschen empfohlen, die belastende, lange Arbeitstage schwer ertragen. Sie regt das Zentralnervensystem an sowie die Nebenhirnrinde und die Produktion von Samenflüssigkeit. Sie hilft bei der Adaption des Organismus an physische und psychische Stresssituationen und an Kälte und Strahlung. Sie wirkt immunsystemstärkend, ganz besonders auf die Lymphzellen, und bei einem niedrigen Blutzuckerspiegel wirkt sie positiv.

Amla (Phyllanthus emblica)

mungen und Stress und reduziert deren degenerative Wirkung. Eine Studie aus jüngster Vergangenheit zeigt außerordentliche Wirkungen bei der Stärkung des Immunsystems auf. Einige Laborstudien weisen auch auf die Fähigkeit der Heilpflanze hin, das Wachstum verschiedener Tumortypen einzuschränken.

Amla oder indische Stachelbeere wirkt nach Ansicht der Weisen der traditionellen Medizin bei Problemen des Kreislaufs und der Verdauung. Sie war bereits Gegenstand zahlreicher Untersuchungen, von denen viele tatsächlich gewisse physiologische Vorteile beschreiben, beispielsweise eine positive Wirkung auf den Cholesterinspiegel. Mit dieser vielseitigen Pflanze werden wir uns bald in einem gesonderten Artikel befassen.

Ingwer (Zingiber officinale)

Kurkuma (Curcuma longa) Kurkuma haben wir bereits einen ganzen Artikel gewidmet (Medijuana 2017/3 Nr. 32). Seine Bedeutung zeigt sich darin, dass es in Indien auch „heiliges Pulver“ genannt wird. Sein Wirkstoff, Kurkumin, welcher der Gewürz- und Heilpflanze ihre gelbliche Farbe gibt, wurde schon oft untersucht. Die Wirkung der in Indien als Wundermittel geltenden Heilpflanze gegen Alzheimer, Gelenkentzündungen und Krebs ist trotz zahlreicher Untersuchungen nicht eindeutig attestiert.

Auch mit dem Ingwer haben wir uns früher schon einmal ausführlich beschäftigt (Medijuana 2017/3 Nr. 32). Die entgiftende Wirkung des Ingwers können wir bei Erkältungen und Grippe nutzen, außerdem bei Verdauungsproblemen, Appetitlosigkeit, verdorbenem und schmerzendem Magen. Er beruhigt nicht nur den Magen, sondern senkt auch den Blutdruck. In der traditionellen indischen Ayurvedamedizin stärkt Ingwer nicht nur den Körper, sondern auch die Seele. Er steigert die Intelligenz und macht resoluter.

Hanf (Cannabis)

Schlafbeere / Ashwagandha (Withania somnifera) Ashwagandha oder indischer Ginseng ist durch seine Rolle in der traditionellen indischen Heilkunst bekannt. Sie ist ein natürliches Adaptogen und daher in der Lage, entspannend zu wirken und Stress zu minimieren. Chronischer Stress kann den Zellen im Organismus entsetzliche Schäden zufügen. Die adaptogene Wirkung aber schützt das Nervensystem, konzentriert sich auf die Widerstandsfähigkeit gegen Angstbeklem-

Er stärkt die Erinnerungsfähigkeit und schärft unsere Gefühle. Regelmäßiger Konsum von Ingwer verringert das Risiko von Arterienverengungen sowie die Neigung zu Hirnblutungen und Thrombosen. Es ist kein

Last but not least. Zur Reduzierung von Stress und Angstgefühlen ist Cannabis hervorragend geeignet. Besonders der Inhaltsstoff der Pflanze CBD, das Cannabidiol, entfaltet in erster Linie auf diesem Gebiet seine wohltuende Wirkung. Empfohlen werden Präparate, hergestellt aus Blüten von speziell für medizinische Zwecke gezüchteten, CBDreichen Sorten. Diese Sorten enthalten keine oder nur geringe Mengen von psychoaktiven Bestandteilen und ermöglichen so die angenehme Entspannung von Körper und Seele an stressreichen Tagen.

text: H.S.V. 31


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Mit Tabak gemischt Wieder stellte sich heraus, wie groß der Unterschied zwischen den KifferInnen in Übersee und denen im alten Europa ist. Während man in Amerika den Stoff auch im Joint pur konsumiert, mischen wir mit Vorliebe Ganja mit Tabak. Eine Studie versucht zu klären, warum wir an dieser offensichtlich ungesunden Sitte festhalten.

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ins der bedenklichsten Ergebnisse der globalen Drogenkonsumuntersuchung ist vom medizinischen Standpunkt die Tatsache, dass in Europa der Tabak zum Cannabis gehört wie das Salz zur Suppe.

80 bis 90 Prozent der Deutschen, Österreicher und Schweizer rauchen ihren Joint mit Tabak. An der Spitze stehen mit 93 bis 94 Prozent Italien, Griechenland und Ungarn, überraschend ist jedoch, dass auch 89 Pro-

zent der Holländer den aus den Coffeeshops verdrängten Tabak in ihren Joint mischen. In Europa stehen die Finnen mit 58 Prozent Tabakzugabe im Joint am Ende der Liste, während man in Übersee kein Land findet, wo über 20 Prozent der KonsumentInnen Tabak hinzufügen. Nur 10 Prozent der Argentinier, 9 Prozent der Mexikaner und insgesamt 8 Prozent der Amerikaner folgen dem europäischen Brauch. Woran das wohl liegt?

Übernommene Gewohnheit Die Gewohnheit des Mischens mit Tabak stammt aus Zeiten, als Gras und Haschisch noch zu teuer waren, um es schnell zu konsumieren, daher verlängerte man die Zeit des Konsums eines Joints mit der Zugabe von Tabak. Diese Methode ist beim Konsum in Gruppen praktisch. Man konnte schöne lange oder dicke Joints kreisen lassen, die man stark hustend weitergab. Auch wenn die Schwarzmarktpreise seitdem gesunken sind, lässt sich diese Gewohnheit nicht aus dem allgemeinen Bewusstsein verdrängen. Manche erklären das Mischen auch mit der höheren Potenz: Man rauche nicht das ganze 32


Cannabis in einem Joint auf einmal, dementsprechend stelle sich auch die Wirkung erst nach und nach ein. So logisch das auch klingen mag, bringt diese Methode schwere medizinische Probleme mit sich, und wie man am Beispiel der Amerikaner sieht: vollkommen überflüssigerweise. KifferInnen, die Tabak in ihren Joint drehen, müssen mit allen medizinischen Risiken des Tabakrauchens rechnen. Besonders dann, wenn jemand regelmäßig viel kifft, den Rauch lange tief einhält und vielleicht zusätzlich noch Zigaretten raucht. Ein weiteres Problem zeigt sich dann, wenn man mit dem Kiffen aufhört und mit Nikotinentzugserscheinungen konfrontiert wird, die wiederum die Chancen, das Kiffen sein zu lassen, gefährden, besonders wenn man Tabak zum ersten Mal in einem Joint geraucht hat. Es wäre am besten, wenn endlich in den Köpfen der KonsumentInnen die Kopplung zwischen Marihuana und Tabak sich auflösen würde. Wie aber kann man das erreichen?

Eine mögliche Erklärung

Um die Konsumgewohnheiten zu ändern, muss der Mythos zerstört werden. Noch immer ist das seit Jahrzehnten verbreitete falsche Bild präsent, dass die Beigabe von Tabak das High-Gefühl verstärke. Das University College London (UCL) veröffentlichte in diesem Zusammenhang kürzlich Ergebnisse, die für jene eine schlechte Nachricht darstellen, die ihr Festhalten am Tabak damit begründen, dass der Tabak die euphorische Wirkung erhöht. Forschungsleiterin Chandni Hindocha erklärte, dass ihre Untersuchung die Annahme, dass Cannabis vermischt mit Tabak eine stärkere Wirkung entwickelt, nicht stütze. Sie merkte an, dass sich erstaunlich wenige Untersuchungen damit beschäftigt hätten, wie der gemeinsame Konsum der beiden Stoffe die Bewusstseinsveränderung beeinflusst, und eine Untersuchung mit geringer Teilnehmerzahl werde hier keine abschließende Beurteilung zulassen. An dem Versuch der

UCL hatten 24 Personen teilgenommen, die unterschiedliche Joints – pur, mit Tabak oder mit einem Placebo – rauchten. Die ForscherInnen stellten fest, dass der Tabakmix zeitweise den Blutdruck und den Herzschlag erhöhte, was Menschen, die mit Gras entspannen wollen, sich eigentlich selten wünschen. Interessanter jedoch ist die Feststellung innerhalb der Untersuchung der mentalen Wirkung, dass beigegebener Tabak die negativen Wirkungen von Cannabis auf das Kurzzeitgedächtnis verringere. Damit ist zum Teil bestätigt, dass es vorteilhaft sein kann, wenn KifferInnen Cannabis nicht pur konsumieren. Gleichwohl seien zur Erforschung des Wirkmechanismus weitere Untersuchungen nötig. Es ist aber fraglich, ob dieser Effekt Kreislaufstörungen und das erhöhte Risiko von Krebserkrankungen rechtfertigt. Die Antwort möge sich jede/r selbst geben.

Von der Legalisierung lernen! Obwohl die europäischen Länder dafür bisher noch nicht offen sind, zeigt die Legalisierung positive Prozesse hinsichtlich des Konsums. Sicher ist, dass in den USA weniger geraucht wird als in Europa. Dort zeigt sich auch, dass nach der Legalisierung immer mehr Menschen alternative, medizinisch weniger riskante Konsummethoden bevorzugen – wie das Vaporisieren oder den Genuss in Lebensmitteln. In Europa könnten in langjähriger Arbeit ähnliche Ergebnisse erreicht werden, wenn man der Schadensminimierung größeres Gewicht bei der Einschätzung der Risiken des Cannabiskonsums beimessen würde und Alternativen zum Mischen mit Tabak propagierte. Jede Regierung hat die Aufgabe, die Gesundheit der BürgerInnen zu schützen. Es wäre ausgesprochen wichtig, die GraskonsumentInnen mit Kampagnen zu informieren. Dazu muss man nicht einmal legalisieren!

text: Jack Pot


VOLLBLUT

Blueberry Cookies

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lueberry Cookies kam im Jahr 2019 ins Sortiment von Dinafem Seeds. Sie ist aus der Kreuzung von Girl Scout Cookies und Blueberry hervorgegangen und sollte dem traditionellen Kush-Aroma der Cookies süßere, fruchtigere Noten verleihen. Die schönen Farben dieser Indica-Hybride werden euch sofort ins Auge stechen. Besonders in den letzten Blütewochen zieht dieser farbliche Reichtum alle Blicke auf sich. Doch unse-

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re bildhübsche feminisierte Lady hat auch noch ein weiteres klares Erkennungsmerkmal: ihr Aroma. Der Duft der Cookies-Sorten war ihr Ticket zum Weltruhm, denn im Gegensatz zu den amerikanischen Kushs, von denen man erdigbenzinartige Geschmacksnoten mit einem Hauch Kaffee gewohnt war, riechen die Cookies nach Kuchen und Keksen, wenn die Buds erst getrocknet sind. Und zwar so sehr, dass man am liebsten hineinbeißen möchte!

Daher dachten unsere BreederInnen, dass es keine bessere Ergänzung für sie gäbe als die fruchtigen Nuancen von Blueberry. So entstand schließlich Blueberry Cookies, ein köstlicher Obstkuchen aus intensiven Waldfruchtnoten und Keks- sowie Indica-Nachgeschmack. An der Pflanze selbst verströmen die Buds noch einen erfrischenden, fruchtigen Geruch, doch nach dem Trocknen und Curen fühlt ihr euch einfach nur noch wie in eurem Lieblings-Café!  (x)




STARTER KIT Der einfachste Weg, erstklassige Blüten zu züchten. Gestützt auf 22 Jahre pflanzenspezifischer Forschung, enthält das Advanced Nutrients Starter Kit unser komplettes Sortiment an erstklassigen Nährstoffen, die entwickelt wurden, um üppige Erträge von schweren, potenten Knospen zu produzieren, ohne den Aufwand zusätzlicher Testgeräte. Das Starter Kit stellt Growern die Advanced Nutrients pH Perfect Technologie vor - das einzige System auf der Welt, das den pH-Wert automatisch an den Sweet Spot anpasst - sowie unsere fünf meistverkauften Nährstoffe, die von Top-Growern in 107 Ländern getestet wurden. • pH Perfect Sensi Grow Part A+B - Liefert optimale Makro-, Mikro- und Sekundärnährstoffe für eine kräftige Vegetation • pH Perfect Sensi Bloom Part A+B - Versorgen Sie Ihre Pflanzen mit präzisen NPKVerhältnissen plus Mikro- und Sekundärnährstoffen für eine produktive Blüte • Voodoo Juice - Entfesseln Sie größere Erträge mit unserem Flaggschiff-Wurzelexpander • Big Bud - Maximieren Sie das Gewicht der Knospen mit dem gefragtesten Bud Bulker der Branche • Overdrive - Halten Sie die Spitzenleistung der Pflanze bis zur Ziellinie aufrecht • Bud Candy - Optimieren Sie die Bedingungen, um das Blütenwachstum zu steigern und die erwünschten Aromen und Geschmacksrichtungen zu verstärken • B-52 - Stärken Sie Ihre Pflanzen mit Vitamin B1 und Kelp Jedes Kit enthält eine Trichom-Lupe, einen Messbecher, eine Futtertabelle und zwei 10mlPipetten, die es einfacher denn je machen, das Beste aus Ihrem Garten herauszuholen.

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MEDI+GREEN

Erleichterung in der französischen Gesetzgebung

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on nun an sehen nicht nur Zivilisten sondern auch immer mehr Forscher und Politiker die Notwendigkeit einer Wende in Frankreich. In einer im Mai erschienenen Verordnung sehen Vertreter dieser eine sofortige Legalisierung von Cannabis als notwendig. Das Dokument wurde im Laufe eines Jahres von einer parlamentarischen Gruppe vorbereitet. Diese stellte fest, dass mehr als 80 Prozent der Franzosen eine Lockerung des Gesetzes unterstützt. Der Wind der Veränderung weht schon einige Zeit. Es ist ohnehin unhaltbar, dass eines der größten Cannabis verwendenden Länder Europas seine mehr als eine Million Verbraucher mit drakonischen Gesetzen bestraft. Obwohl offiziell der Besitz von Cannabis immer noch mit bis zu 3750 Euro oder einem Jahr Gefängnis geahndet werden kann, wird seit Januar 2018 nur noch ein Bußgeld von 150-200 Euro bei

geringen Mengen verhängt. Außerdem ist im Frühling dieses Jahres ein ärztliches Cannabis-Testprogramm mit 2000 Kranken ins Leben gerufen worden. In Zusammenarbeit mit Ärzten, Polizisten, Juristen und Akademikern wurden die Berührungspunkte der Legalisierung besprochen. In der Hauptansicht war man sich einig, dass die Legalisierung von Cannabis zu einem Rückgang des Schwarzmarktes und einem besseren Schutz der Jugend führen würde. Wie es in dem Bericht heißt, „entgegen der repressiven und kostspieligen Politik würde der Staat die Sicherheit gegen den Verfall der Jugend und deren Gewöhnung an den alltäglichen Gebrauch von Cannabis unterstützen“. Jährlich wird eine Milliarde Euro für den Kampf gegen Rauschmittel ausgegeben. Davon wird mehr als die Hälfte für die Verfolgung des Handels und Verbrauchs aufgewendet. Im Gegensatz

dazu ist der Gebrauch in der Gesellschaft stark verbreitet, so dass die Politik reagieren muss. Dem Bericht zufolge sollte man den momentanen Fehlschlag zur Gesetzesänderung neu betrachten. Der Umschwung würde in der Gesellschaft ausgesprochen begrüßt werden. In einer Meinungsumfrage wurden vier Millionen Franzosen befragt, ob sie dem Einsatz von Cannabis zu Heilzwecken zustimmen würden. 88,8 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass Cannabis in einem gesetzlichen Rahmen zum Anbau und Gebrauch freigegeben werden sollte. 4,6 Prozent forderten härtere Sanktionen und nur 0,8 Prozent sagten, dass die bestehenden Gesetze ausreichen. Unter den Befürwortern der Änderungen sind die Gewerkschaft der Polizei, der Gesundheitsminister sowie der Innenminister. Nach Meinung der Restlichen ist Cannabis genau so eine harte Droge wie Kokain oder Heroin und deshalb genauso zu behandeln. Genau diese Aussage ist aber laut dem Willen des französischen Volkes abzuändern. Diese Frage wird sicherlich bei der Präsidentschaftswahl 2022 zur Vorlage kommen.


MEDI+GREEN

Der Vorfahre der Cannabinoide CBG – die spannendste chemische Verbindung von morgen

Stellenweise sind wir bereits auf den Namen Cannabigerol (CBG) gestoßen, das gute Chancen hat, das am besten erforschte Cannabinoid der 2020er Jahre zu werden. Obwohl noch keine Humanexperimente zur Verfügung stehen, sind in den Läden bereits CBG-Öle aufgetaucht.

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s mag ziemlich platt klingen, von uns zu hören, dass es keine andere Pflanze gibt, die spannender und medizinisch vielversprechender ist als Cannabis. Wenn nur ein Zehntel seiner mehr als 120 Cannabinoide so wertvoll ist wie CBD und THC, werden wir noch auf viele wunderbare chemische Verbindungen stoßen. Eine davon, das CBG, hat bereits an die Tür geklopft und verblüfft die Wissenschaft Tag für Tag.

Was macht CBG so einzigartig? Cannabigerol ist kein erst vor Kurzem entdecktes Cannabinoid. Bereits 1965 wurde es in Haschisch nachgewiesen, und zehn Jahre später stellte man fest, dass es der Hauptbaustein der Cannabis-Wirkstoffe ist. Dies bedeutet, dass CBG – genauer gesagt seine Säureform CBGa – der Vorläufer ist, sozusagen die Mutter aller Cannabinoide. Aus ihm entstehen unter anderem THC und CBD. Es ist bekannt, dass diese beiden Hauptwirkstoffe im Endocannabinoid-System von Säugetieren ganz unterschiedlich wirken. Und hier kommt die Überraschung: CBG beschreitet einen dritten Weg: Während CBD an die periphere Hälfte des CB2-Rezeptors bindet, bindet CBG an seinen aktiven Teil. Infolge dieser direkten Assoziation kann es schneller und wirksamer sein, um rezeptorregulierte Effekte wie Entzündungen zu reduzieren, ohne den für THC charakteristischen bewusstseinsverändernden Effekt hervorzurufen. 38

Was wissen wir über die medizinische Wirkung? CBG erhöht den Gehalt an Gamma-Aminobuttersäure (GABA) im Gehirn. Dieser Neurotransmitter trägt unter anderem zur Schlafqualität bei, reduziert Angstzustände und Schmerzen und hilft bei der Muskelentspannung. Dank des gleichen Mechanismus verspricht es offenbar Hilfe bei der Senkung des Blutdrucks, trägt zur Prophylaxe von Darmentzündungen bei und verlangsamt das Tumorwachstum bei Darmkrebs. Es lindert Neuritis und hat in Versuchen an Mäusen eine neuroprotektive Wirkung bei der Huntington-Krankheit gezeigt. Zudem wurde im Januar 2020 in der Presse

viel über die antibakteriellen Wirkungen der Verbindung berichtet. Experten behaupten, dass Cannabigerol den Kampf gegen MRSABakterien aufnehmen kann, die bei nosokomialen Infektionen, gegen die es nur wenige Antibiotika gibt, bekannt sind. Darüber hinaus wurden die Ergebnisse nicht nur in Petrischalenversuchen, sondern auch an Mäusen erreicht. Und dies könnte auch bedeuten, dass CBG eine Schlüsselrolle bei der Eindämmung der Apokalypse zukommt, die man von den antibiotikaresistenten Bakterien erwartet! Wir wiederholen: Die Forschung am Menschen steckt im Fall von CBG noch nicht einmal in den Kinderschuhen, daher wäre es ein Fehler, von einem Allheilmittel zu sprechen.

Wird CBG das neue CBD sein? Es besteht kein Zweifel, dass Cannabigerol eine glänzende Karriere vor sich hat, aber seine Wirksamkeit muss auch durch Humanforschung nachgewiesen und die potenziellen Risiken müssen aufgezeigt werden. Erst dann kann die Züchtung mit Hinblick auf einen möglichst hohen CBG-Gehalt beginnen. Gegenwärtig beträgt der Anteil von Cannabigerol in den meisten Cannabissorten nicht einmal 1 %, was die Herstellung von CBG-Produkten ziemlich teuer macht. Vor einem guten Jahrzehnt hat man mit dem CBD ähnlich begonnen und heute ist eine Pflanze mit einem Gehalt von 20 % CBD keine Ausnahme mehr …


MEDI+GREEN

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ie Expansion der führenden mitteleuropäischen Hanf-Einzelhandelskette geht weiter: „Hanf – der etwas andere Laden“ hat in Regensburg das bayernweit elfte Geschäft eröffnet, im Shopping Center Espace (233 Rue de Beggen) in Luxemburg entstand der zweite Laden im Großherzogtum. Das neue Regensburger Einzelhandelsgeschäft basiert auf dem erfolgreichen Konzept des Cannabis Start-up-Unternehmens DCI Cannabis-Institut GmbH (München). Der Hanf-Legalisierungsaktivist und Vorsitzende des Cannabis Verbandes Bayern (CVB), Wenzel Vaclav Cerveny (59), hat das Unternehmen 2016 gegründet. „Wir bewegen uns im stark wachsenden Markt des Wellness Cannabis“, sagt Cerveny. Seine Zielgruppe sieht er besonders in der kaufkräftigen Altersgruppe 55plus. Darin unterscheide sich sein Konzept von sogenannten Grow- oder Headshops für zumeist junge, „recreational user“. So hat der CannabisExperte vor allem Hanfprodukte ins Sortiment aufgenommen, die den nicht-psychoaktiven Wirkstoff Cannabidiol (CBD) enthalten. Diese Produkte werden aus Pflanzen aus zertifiziertem EU-Nutzhanfanbau hergestellt und verfügen über einen legalen Tetrahydrocannabinol-Restgehalt von unter 0,2 Prozent. „Unsere Hanf-Läden werden von Menschen besucht, die häufig erst in unseren Läden mit dem Thema Hanf in Berührung kommen. „Hanf ist das neue Bio“, lautet sein Cervenys Credo.

Von Hanfsamen bis zu CBD-Öl Rund 400 Produkte aus dem vielseitigen natürlichen Rohstoff gibt es seit Anfang April im Regensburger Laden in der Fröhliche TürNeu in Regensburg - elfmal in Bayern (v.l.): Gründer Wenzel Cerveny, Maskottchen „Hanfi“ und Regionalleiter Jerry Cerveny vor „Hanf - der etwas andere Bioladen“ in der Fröhlichen Türkenstr. 2. (Foto: Josef König für DCI/honorarfrei).

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Alles rund um Hanf: Als neuestes Produkt präsentiert Gründer Wenzel Cerveny „gebrannte Hanfsamen“ - gesunder Knabberspaß für die ganze Familie: Pur oder im Müsli, zum Braten oder Backen oder zum Garnieren von Salaten. (Foto: Josef König für DCI/honorarfrei)

Gesunde Produkte aus einer vielseitigen Pflanze

Hanf – der etwas andere Bioladen in drei Ländern Die Expansion der führenden mitteleuropäischen Hanf-Einzelhandelskette geht weiter: „Hanf – der etwas andere Laden“ hat in Regensburg das bayernweit elfte Geschäft eröffnet, im Shopping Center Espace (233 Rue de Beggen) in Luxemburg entstand der zweite Laden im Großherzogtum. ausgeschlossen ist. kenstraße 2: Kulinarische Zutaten wie Nudeln, Käse, Mehl oder Pesto oder Kaffee, dazu Hanfsamen, Hanfproteine, Hanftee und Öle. „Vom Hanffeld in den Laden“, lautet die Devise: Viele Produkte kommen aus eigener Herstellung, dazu gehören unter anderem die Cannabidiol(CBD)-Öle in der Vollspektrum-Extraktion mit 3,2 Prozent als Freilandprodukt sowie 10 Prozent und 15 Prozent Anteil an CBD aus dem Gewächshaus. Für Tierfreunde gibt es Hanföl und Trockennahrung, die Hunde, Katzen oder Pferden schmecken und guttun. Zum Sortiment gehören auch Textilien aus Hanf von Hemden bis zur Unterwäsche. Kosmetik von Gesichtscreme bis Badesalz, Souvenirs und Schmuck runden das Sortiment ab. Der Regensburger Hanfladen hat von Montag bis Samstag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Regensburg ist der bisher nördlichste Standort der Hanf-Ladenkette. „Nach Landshut und Ingolstadt war die Oberpfalz der nächste Schritt auf der Expansionslandkarte“, sagt Jerry Cerveny, Regionalleiter für die mittelbayerischen Einzelhandelsgeschäfte. Inzwischen gibt es bayernweit elf Geschäfte (Mün-

chen 3x, Augsburg 3x, Ingolstadt, Landshut, Regensburg, Rosenheim sowie Baldham).

Expansion in Luxemburg und Österreich Im Großherzogtum Luxemburg ist „Hanf – der etwas andere Bioladen“ mit einem zweiten Geschäft vertreten. Seit 7. Mai 2021 sind die Türen im Shopping Center Espace (233 Rue de Beggen) eröffnet. Bisher gab es die vielseitigen Hanfprodukte nur in Esch-sur-Alzette. Mit Österreich ist ein weiteres mitteleuropäisches Land in den Fokus der Expansion gelangt. Genau vier Jahre nach Eröffnung des ersten Ladens hat am 17. Mai 2021 der vierzehnte Hanf-Laden in der vorarlbergischen Landeshauptstadt Bregenz eröffnet. Geschäfte an den Standorten Innsbruck, Salzburg und Linz sollen folgen.

text: Josef König


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