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Nr. 44 39 3/2019 4/2018 Juni–Juli Aug–Sept

Medical & Harm Reduction Magazine

18+

Mehr als nur eine Freizeitdroge

Die Heilwirkungen von THC werden unterschätzt

Auch im Alter kann man damit anfangen Medizinischer Gebrauch im fortgeschrittenen Alter

Internationale Zusammenarbeit in der Drogenpolitik

Religiöse Erfahrungen stehen dem Erleben der Pflanzen sehr nahe

Sexueller Kraftstoff

Cannabis erhöht die Anzahl der Spermien und Orgasmen


Liebe Leute!

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Die Vorsitzende der Vereinigung der Katalonischen Cannabis Clubs (CatFAC), Patricia Amiguet, weihte uns in die gegenwärtige Situation der Clubs ein. Sie arbeitet mit ihrer Organisation daran, dass die in Barcelona erzielten Ergebnisse auf der ganzen Welt umgesetzt werden. Dabei befinden sie sich auf dem besten Weg, denn die VordenkerInnen der Legalisierung in Uruguay, Argentinien, den USA und Kanada konsultierten die CatFAC. Neben den Frauen sind die älteren Menschen die zweite unterrepräsentierte Gruppe. Wir haben untersucht, wie sie Cannabis vorteilhaft anwenden können und wie viele von ihnen in den Staaten, wo diese Pflanze verschrieben werden kann, zu ihrer Anwendung bereit sind. In Deutschland gibt es immer noch keine Cannabis Clubs und in Bayern sind sogar CBD-Produkte der Polizei ein Dorn im Auge. Wenzel Vaclav Cerveny, Leiter des DCI Cannabis Instituts, erzählte uns, wie diese in seinem Betrieb Hanftee, CBD-Öl, Kosmetika und Hanfgebäck im Wert von 300.000 € beschlagnahmte. Wenzel ließ sich jedoch nicht ins Bockshorn jagen und seine Läden öffneten am nächsten Tag wieder. Seiner Meinung nach steht hinter der Beschlagnahmung von 400 g Hanftee nicht die Sorge um die öffentliche Gesundheit, sondern Einschüchterung. Dies will er nicht hinnehmen und kämpft für einen Zusammenschluss der LadenbetreiberInnen und eine Volksabstimmung zur Reform der Cannabisregulierung. Unterstütze auch du sie!  Der Hrsg.

mmer mehr internationale wissenschaftliche und politische Organisationen befürworten medizinisches Cannabis. Deshalb wächst für uns JournalistInnen die Verantwortung, aktuelle und zuverlässige Informationen über die positiven Wirkungen dieser Pflanze zu liefern. Auch wenn in den letzten Jahren CBD quasi aus dem Wasserhahn fließt, machen PatientInnen darauf aufmerksam, dass THC ebenfalls ein bedeutendes medizinisches Potenzial birgt. Mehr als die meisten glauben. Wir beschäftigen uns mit der Rolle, die Cannabis im Sexualleben spielt, von der Fruchtbarkeit des Mannes bis zum weiblichen Orgasmus. Apropos, Frauen! In dieser Ausgabe lassen wir mehr Frauen, die an der Spitze von drogenpolitischen Bewegungen stehen, zu Wort kommen. Ungerechterweise erhalten sie nur wenig Publizität, aber ohne ihr Zutun wären die CannabisbenutzerInnen nicht so akzeptiert, wie sie es heute sind. Daniela Kreher gründete letztes Jahr das Knowmad Institut, einen Thinktank in Berlin. Dieser möchte in der internationalen Drogenpolitik die Frage nach den Menschenrechte und den wissenschaftliche Grundlagen stellen. Daniela begann sich als Theologin mit den zu rituellen Zwecken benutzten Heilpflanzen zu beschäftigen und fand sich infolgedessen bald aus den kirchlichen Kreisen verstoßen. Gegenwärtig entsteht eine Forschungsarbeit, die den spirituellen Gebrauch von Cannabis in verschiedenen Religionen, einschließlich Judentum und Christentum, untersucht.

Impressum

In Zusammenarbeit mit

Chefredakteur: Gabor Holland Autoren: Bob Arctor, Jack Pot, Kevin Herzig, Anatol Zweig, Tomas Kardos, Toni Straka, N. Nogada, Anna C. Histic Lektorat: Holger Steinbach Design: Gergely Vaska

Herausgeber: Medijuana Publishing GmbH Anrissenweg 6/Stg.I/1b A-2345 Brunn am Gebirge E-Mail: office@medijuana.eu Web: www.medijuana.eu

Medical & Harm Reduction Magazine

Index arge canna biobloom

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Breathe Organics 

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canapa in mostra

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cannhelpU2 Dinafem seeds

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florganics9 GreenHouse feeding

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grüner kaiser

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hanf bioladen

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hanf institut

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hanf-zeit13 Humboldt seed organization

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Lucy‘s Rausch

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mary jane berlin

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marry jane 

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Near Dark

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plagron

41, U4

PUNA37 saxoprintU3 serious seeds

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sweet seeds

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Verdampftnochmal33 woma45 xtract13 Der Herausgeber von Medijuana weist alle LeserInnen darauf hin, dass der Handel mit lebensfähigen Hanfsamen sowie Verkauf, Besitz und Lieferung derselben in mehreren Mitgliedsstaaten der Europäischen Union als illegal gelten! Sämtliche Inhalte sind zu Informations- bzw. Unterhaltungszwecken gedacht. Wir möchten keineswegs dazu beitragen, dass jemand in seiner Heimat bestehenden Gesetzen zuwiderhandelt. Es ist nicht Anliegen des Herausgebers von Medijuana, irgendjemanden zur illegalen Nutzung der in der Broschüre erwähnten Produkte anzuregen. Der Herausgeber trägt keine Verantwortung für Aussagen, die auf verkauften Anzeigenflächen erscheinen. Sämtliche Meinungen im Redaktionsteil stammen von den Autoren und decken sich nicht in jedem Falle mit dem Standpunkt des Herausgebers. Gelegentlich ist es nicht möglich, den/die InhaberIn des Urheberrechts zu identifizieren oder mit ihm/ihr Kontakt aufzunehmen, daher übernehmen wir im Falle des Nachweises von begründeten Urheberrechtsansprüchen auch im Nachhinein die Zahlung einer bestimmten Vergütung. Wir gehen bei sämtlichen Texten und Bildern bis zur Erklärung des Gegenteils davon aus, dass sie uns zur Veröffentlichung zugesandt wurden. Für die Vervielfältigung der Broschüre – auszugsweise oder als Ganzes – ist die schriftliche Erlaubnis des Herausgebers erforderlich, auch wenn die Vervielfältigung nicht zu kommerziellen Zwecken erfolgt. Alle Rechte vorbehalten!

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inhalt 44

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inhalt medi+green CBD-Produkte im Aufwind4 Die Frage nach Huhn oder Ei ist gelöst4 Sind Cannabisinhalatoren die Zukunft?5 Medizinische Probleme durch das Drogenverbot 6 Israel entkriminalisiert Eigengebrauch 6

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canna+globe „Unser Modell wird weltweit angewandt“8–9 Patricia Amiguet über Cannabis Clubs und die Rolle der Frauen

medi+green

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Osteuropa öffnet sich

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canna+globe

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Internationale Zusammenarbeit in der Drogenpolitik12–13 Religiöse Erfahrungen stehen dem Erleben der Pflanzen sehr nahe Polizeiaktion in München 14–15 Bayerische Polizei führte wegen CBD-Produkten eine Großrazzia durch Vape pens 16–17 Ein Leitfaden für Einsteiger

medi+green Mehr als nur eine Freizeitdroge18 Die Heilwirkungen von THC werden unterschätzt Die luxemburgischen Ärzte treffen ihre Vorbereitungen 19

Vollblut Dinafem Seeds: Blueberry Cookies

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medi+green D-A-CH News Deutschland erteilt drei Firmen den Zuschlag für Cannabisanbau Ministerium ignoriert alle positiven Fakten Europäischer Hanf darf mehr THC enthalten

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Vollblut Sweet Seeds: Red Mandarine F1 Fast Version®

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medizin

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Auch im Alter kann man damit anfangen Medizinischer Gebrauch im fortgeschrittenen Alter

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Vollblut GreenHouse Seeds: Hawaiian Snow

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canna+globe Sexueller Kraftstoff Cannabis erhöht die Anzahl der Spermien und Orgasmen

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Vollblut Humboldt Seed Organization: Blue dream

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canna+globe Krieg gegen uns selbst Zum Gedenken an Ronald Siegel Statt Tabak Alternativen für Raucher

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Vollblut

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Bubble Gum Die Königin der Cannabis-Süße

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Medi+green

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ährend auf dem CBD-Markt in Europa allgemeine Verunsicherung herrscht, sind jenseits des Atlantiks Cannabinoide gefragter denn je. Nach einer Umfrage interessiert sich fast jeder zweite Erwachsene für CBD und möchte es ausprobieren. Das Marktforschungsunternehmen High Yield Insights befragte hierzu im Januar 2019 zweitausend amerikanische BürgerInnen. Das

CBD-Produkte im Aufwind Ergebnis zeigte, dass ungefähr 40 % der über 21-jährigen unter Einhaltung der geltenden Gesetze mit CBD experimentieren würden. Die Experimentierfreudigsten sind durchschnittlich 35 Jahre alt oder älter (64 %), Frauen (56 %) und haben mindestens einen

Hochschulabschluss (79 %). Anziehend wird das CBD durch die einfache Erhältlichkeit der Präparate, das Vorliegen unabhängiger Forschungen sowie ärztliche Empfehlungen. Mike Luce, Leiter von High Yield Insights, meint, dass die KonsumentInnen heutzutage das CBD zu den Wellnessprodukten zählen. Dies macht auch Menschen neugierig, denen CBDProdukte bisher unbekannt waren. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Legalisierung des medizinischen Cannabis und die Freigabe von Industriehanf, dem Grundstoff der meisten CBD-Produkte, die den Einstieg in die Cannabistherapie bilden. Richtig ist aber auch, dass die meisten CBD-KonsumentInnen Hanf nicht auf diesem Weg kennengelernt haben, sondern bereits in irgendeiner Form Cannabis konsumiert haben. „Sieben von zehn gegenwärtigen CBD-Konsumenten haben sich in den vergangenen drei Monaten mit Cannabis auseinandergesetzt, das THC enthält. Das zeigt auch an, dass einige Konsumenten CBD als Ergänzung betrachten“, erklärt der Leiter. Die Forschung sieht für den amerikanischen CBD-Markt eine gewaltige Expansion vorher, während in Europa immer noch unklar ist, wohin sich die einzelnen Staaten und die EU bei der Regulierung von CBD bewegen.

Die Frage nach Huhn oder Ei ist gelöst

tritt Cannabisgebrauch bei Schizophrenie in hohem Maße auf. Von drei verschiedenen Untersuchungsmethoden führten zwei zum genau gleichen Ergebnis, während die dritte in keiner Richtung einen ursächlichen Zusammenhang aufzeigte. Den ForscherInnen zufolge belegt ihre Untersuchung bisher am sichersten, dass Kiffen keine Schizophrenie auslöst, sondern umgekehrt. Die Gene, welche die Neigung zu Cannabiskonsum steigern, erhöhen auf ähnliche Weise das Risiko verschiedener mentaler Probleme.

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en Zusammenhang zwischen Cannabisgebrauch und Schizophrenie kennen wir schon lange, verstehen aber weiterhin weder den Hintergrund noch die Ursachen. Eine neue Untersuchung bietet stichhaltige Beweise dafür, dass Schizophrenie den Cannabisgebrauch wahrscheinlicher macht, das Cannabisrauchen jedoch an sich keine Schizophrenie auslöst. ForscherInnen der niederländischen Radbout-Universität näherten sich der Beilegung eines jahrzehntelangen Streits, indem sie die genetischen und medizinischen Charakteristika von 180.000 Menschen untersuchten. Die ForscherInnen interessierten sich in erster Linie für die Gene, die mit Drogenkonsum, Persönlichkeit, Fortpflanzungsfähigkeit und Risikobereitschaft in Verbindung gebracht werden. Das Besondere an dieser Untersuchung ist nicht nur ihre große TeilnehmerInnenzahl, sondern auch eine speziell für dieses Projekt entwickelte methodische Erhebung von genetischen Daten. Des Weiteren wurde bei der Bestimmung von Ursache und Wirkung der genetischen Varianten mit einer Randomisierung gearbeitet, um herauszufinden, welche Charakteristika zu Cannabisgebrauch führen. Die erlangten Er-

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gebnisse dürften nur schwer zu widerlegen sein. Es stellte sich heraus, dass insgesamt 35 Gene mit dem Cannabiskonsum in Verbindung zu bringen sind – bei 13 von ihnen war es bisher nicht bekannt. Am interessantesten sind die Ergebnisse zu den Ursachen, nach denen sich durch Cannabiskonsum ausgelöste Schizophrenie statistisch nicht nachweisen lässt. Auf der anderen Seite


Sind Cannabisinhalatoren die Zukunft? In Israel werden in klinischen Studien neuartige Cannabisinhalatoren erforscht, die noch dieses Jahr auf den Markt kommen sollen. Diese arbeiten mit vorgefertigten Dosiseinheiten.

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sthma, Lungenkrankheiten und verschiedene andere Atemwegserkrankungen sind Gründe dafür, warum sich PatientInnen für andere Konsummethoden als das Rauchen entscheiden. Bestimmte Applikationsformen sind aufgrund der gesundheitlichen Auswirkungen vor allem im medizinischen Bereich nicht geeignet. Glücklicherweise können PatientInnen Cannabis auch oral oder sublingual konsumieren, topische Produkte auf die Haut auftragen und sogar transdermale Pflaster verwenden. Die Inhalation ist eine weitere Option, die nicht die gleichen negativen gesundheitlichen Auswirkungen hat wie die bei der Verbrennung. Um den Ansprüchen von PatientInnen gerecht zu werden, die einen sofortigen Wirkungseintritt wünschen, ihr medizinisches Cannabis jedoch nicht verbrennen wollen, gibt es Vaporizer, also Verdampfer. Nun haben israelische WissenschaftlerInnen neuartige Cannabisinhalatoren entwickelt. Diese sollen die durch Krebs verursachten Schmerzen lindern, aber auch PatientInnen mit Atemwegserkrankungen wie Asthma medizinischen Nutzen bringen. Das Ziel die-

ser klinischen Studien ist es, die Bioverfügbarkeit von Cannabis über Inhalatoren mit genau messbaren, kontrollierten Dosierungen besser zu verstehen. Die klinische Studie wird im Rahmen des Registrierungsverfahrens für neue medizinische Produkte, die in diesem Jahr in Israel eingeführt werden sollen, durchgeführt. Wie funktionieren diese neuen Cannabisinhalatoren genau und wo unterscheiden sie sich zu herkömmlichen Vaporizern? Der Cannabisinhalator soll einen Verdampfer besitzen, der es dem/der PatientIn ermöglicht, die ideale Menge eines Cannabisextrakts einzufüllen, das dann inhaliert wird. Dieses in den Verdampfer gegebene Extrakt enthält eine standardisierte Dosis an Wirkstoffen. Infolgedessen gibt es wenig Verwirrung bezüglich der Dosierung, da die PatientInnen diese selbst bestimmen können. Anzunehmen ist, dass die neuen Inhalatoren noch in diesem Jahr in israelischen Apotheken erhältlich sein werden. Mit einem Rezept bzw. einer Empfehlung eines Arztes können dann künftig israelische EinwohnerInnen einen Cannabisinhalator verwenden.


Medi+green

Medizinische Probleme durch das Drogenverbot

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as größte Problem beim Einkauf auf dem Schwarzmarkt ist, dass du nicht weißt, was du bekommst. Wenn du Glück hast, verrät dir der/die DealerIn oder deine Nase, ob du es mit einer Indica oder einer Hybriden zu tun hast, aber über die Cannabinoidzusammensetzung erfährst du gar nichts. Über gute Anbaubedingungen und den Verzicht auf den Einsatz von Chemikalien solltest du dir keine Illusionen machen. Wenn du HaschischliebhaberIn bist und meinst, dass das gar nicht so wichtig ist, dann solltest du dir nach der Lektüre einer neuen Forschungsarbeit aus Madrid Gedanken über die medizinischen Risiken machen. Die ForscherInnen der Universität Compultense kauften für eine Laboruntersuchung auf den Straßen Madrids, und nicht in den Cannabis Clubs, die eine gesicherte Qualität bieten, 90 Haschischproben. Die Proben wurden nach ihrer Form in zwei Gruppen eingeteilt: eichel-und stabförmige. Es zeigte sich ein gravierender Unterschied der Verunreinigung: 93 % der eichelförmigen, aber „nur“ 30 % der stabförmigen waren mit Kolibakterien verseucht. Escherichia coli (E. coli) kommt im menschlichen und tierischen Dickdarm vor. Kein Wunder, dass die ForscherInnen in einigen der Proben auch

Beimischungen von Fäkalien nachweisen konnten. Das Haschisch war vorwiegend aus Marokko geschmuggelt worden, und zwar im Magen, wie man aus seiner Form schließen kann. Jede dritte Probe wies auch das Aspergillus-Bakterium auf, das asthmatische Symptome hervorrufen kann. Insgesamt erwiesen sich 100 % des eichelförmigen Haschischs und 59 % des sternförmigen als für den menschlichen Konsum ungeeignet. Dies ist das Verdienst des Krieges gegen die

Drogen, der Cannabis und seine Derivate auf den Schwarzmarkt drängt, wo natürlich keine Qualitätskontrollen stattfinden und verunreinigte Produkte nicht ausgefiltert werden können. Die Madrider ForscherInnen kamen zu dem Ergebnis, dass Haschisch von der Straße ein Problem für die Gesundheit darstellt. Wir möchten hinzufügen, dass dieses durch eine Cannabisregulierung unter strikter Beachtung medizinischer Aspekte ganz einfach gelöst werden könnte.

Israel entkriminalisiert Eigengebrauch

ben, droht CannabiskonsumentInnen künftig statt Festnahme und Haft lediglich eine Geldstrafe. Ehud Barak, der übrigens derzeit Vorsitzender des israelischen Cannabis-Unternehmens Canndoc/InterCure ist, sprach bei der Konferenz in Tel Aviv über die Vorteile von medizinischem Cannabis. Dabei scherzte er, dass Israel sein Motto aktualisieren und es von nun an „das Land von Milch, Honig und Cannabis“ heißen müsse. „Etwa 35 Länder haben Cannabis bereits zu einem gewissen Grad legalisiert, entweder für medizinische Zwecke oder manchmal sogar für den Freizeitgebrauch“, sagte Barak in seiner Keynote. „Zwei Drittel der US-Bundesstaaten haben medizinisches Cannabis zugelassen. Ein Drittel hat sogar den Privatkonsum legalisiert.“ Justizministerin Ayelet Shaked erklärte den Entschluss der Regierung damit, dass man nicht die Augen vor den Entwicklungen im Rest der Welt verschließen wolle. Diese würden auch Israel zu einem anderen Umgang mit Cannabis drängen. Die israelischen Behörden wollen aber in Zukunft verstärkt Augenmerk auf die Aufklärung über mögliche negative Auswirkungen des Cannabiskonsums legen, so die Ministerin der nationalreligiösen Partei Jüdisches Heim.

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srael, der Staat in dem seit Jahrzehnten an Cannabis geforscht wird, bestrafte KonsumentInnen, welche Cannabis nicht aus medizinischen Gründen konsumierten, bisher rigoros. Das soll sich nun ändern. Die Mitte-rechts-Koalition von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu stimmte für die Entkriminalisierung von Cannabis.

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Diese Regelung trat bereits am 1. April in Kraft. An diesem Tag war auch der ehemalige israelische Premierminister Ehud Barak Hauptredner auf der vierten, jährlich stattfindenden CannaTech-Konferenz in Tel Aviv. Der Schritt Israels in Richtung Entkriminalisierung bedeutet einen Kurswechsel in der Drogenpolitik des Landes. Während Handel und Anbau weiterhin strafbar blei-


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Canna+Globe

„Unser Modell wird weltweit angewandt“ Patricia Amiguet über Cannabis Clubs und die Rolle der Frauen

Patricia Amiguet ist seit acht Jahren aktives Mitglied der globalen Cannabisbewegung. Sie arbeitet daran, dass ganz Spanien und später die ganze Welt genießen kann, was in Barcelona verwirklicht wurde. Sie betrachtet es als ihre Herausforderung, dass die Frauen in der Bewegung eine größere Rolle spielen und auch ihre Ansichten in den Regulierungsprogrammen umgesetzt werden. Medijuana: Wann bist du zu dem Entschluss gekommen, dich nicht mit dem halblegalen Konsum abzufinden und einen Cannabis Club zu gründen? Patricia Amiguet: Nach dem Abschluss seiner Studien 2011 bot sich die Gelegenheit, mit einem Freund einen Verein zu gründen. Das war noch vor der explosionsartigen Ausbreitung der Cannabis Clubs, wie wir sie heute kennen. Insgesamt gab es 8–9 Organisationen. Ein großes Glück, dass die Aktivisten der katalonischen Vereinigung bei der Gründung des Clubs halfen und ich keine Rechtsanwälte einschalten musste. Kurz darauf trat ich der Vereinigung der Katalonischen Cannabis Clubs (CatFAC) bei und bin jetzt deren Vorsitzende. MED: Was waren deine Beweggründe zum Beitritt? PA: Anfangs nur, dass ich mich mit Dingen beschäftigen wollte, die ich liebe. Ich konsumiere Cannabis seit meiner Jugend, und es war meine Überzeugung, dass es 8

für alle frei erhältlich sein muss. Durch die Bewegung bekam ich jedoch Einblick in andere Gebiete der Drogenpolitik, die mein Interesse weiter steigerten. Seitdem ist viel Zeit vergangen, der Verein bringt mir immer noch kein Einkommen (lacht), aber es ist mir gelungen, Teil der drogenpolitischen Bewegung zu werden und von innen zu sehen, wie die Maschine funktioniert. Es hat sich zu meiner Leidenschaft entwickelt. Mit dem Verein kann ich etwas für die Ausgestaltung der Regulierung tun. MED: Und wie sieht die spanische Cannabispolitik von innen gesehen aus? Für uns, als außenstehende Beobachter, scheint das spanische System der Cannabis Clubs (CSC) vorbildlich, aber du siehst die Fehler wahrscheinlich deutlicher. PA: Es gibt viele Probleme. Wir haben ein Selbstregulierungsmodell eingeführt, da die Politiker das nicht tun wollten. Das CSCModell entstand aus der Arbeit ziviler Organisationen und steht in Einklang mit den

Gesetzen, wobei es ein wenig die Grauzonen ausnutzt. Man kann es weder illegal, noch vollkommen legal nennen. Die verschiedenen spanischen Provinzen reagieren darauf mit ihren lokalen Gesetzen unterschiedlich, und die Zentralregierung verbietet jegliche Herstellung von Drogen und deren Besitz. Auch weiterhin werden die meisten Menschen wegen des Besitzes von Cannabis festgenommen. Die gegenwärtige Situation lässt sich so zusammenfassen, dass für viele das CSCModell anziehend ist, weil sie damit die Beschaffung von Cannabis auf dem Schwarzmarkt umgehen können, aber die Regierung sorgt weiterhin nicht für eine befriedigende Regulierung und reagiert eher mit Sanktionen. MED: Und dazu führt sie Aktionen gegen Cannabis Clubs aus, und nur solche können weiter existieren, die sich an die Regeln halten … PA: Das ist in Katalonien geschehen, aber im Rest des Landes ist die Situation eine


andere. Regierungsstatistiken geben keinen Aufschluss, wie viele Cannabis Clubs gegenwärtig betrieben werden und wie viele genau schließen mussten. Und die Frage des geregelten Betriebs ist auch nicht so einfach. Ich arbeite seit sieben Jahren im Pachamama Cannabis Club, der in Barcelona als legal gilt, aber auf Landesebene ist er das nicht. Die Lage ist ähnlich wie in den USA, zwischen den Staaten, die legalisiert haben und der Bundesregierung. Auch in den übrigen spanischen Provinzen gibt es Hunderte von Cannabis Clubs, die kein Aufsehen erregen wollen, um keine Probleme mit den Behörden zu bekommen. Es ist ein großes Problem und wir möchten so schnell wie möglich erreichen, dass die Klubmitglieder keine Strafe befürchten müssen. MED: Vor 5–6 Jahren, als wir für unsere Zeitschrift die Spannabis in Barcelona besuchten, testeten wir an einem Abend, wie lange wir mit Nachfragen auf Las Ramblas brauchen, um in einem Club zu gelangen. Nach ungefähr 10 Minuten hatten wir eine Mitgliedschaft und konnten einkaufen. Ein paar Jahre später hörten wir von den großen Razzien und soweit ich weiß, gelangen Touristen nicht mehr so leicht in die Clubs. Hat sich die Lage in Barcelona nun geklärt? PA: Das CSC-Modell ist grundsätzlich nicht für Touristen geschaffen worden, doch wegen der fehlenden Regulierung haben sich die Clubs in verschiedene Richtungen orientiert. Die Rechtsanwälte helfen noch solchen Clubs, die das CSC-Modell nur als Möglichkeit zum Geld verdienen betrachten. Mit einer entsprechenden Regulierung wären solche Formen nicht entstanden, wie ihr sie angetroffen habt. Genau zu dieser Zeit machten die Politiker auf die Ungereimtheiten mit den CSC aufmerksam, die aus der fehlenden Regulierung resultieren. In Katalonien ist es gelungen, das System zu stabilisieren, wenn wir aber nach Aragonien oder Valencia schauen, sehen wir eine ganz andere Stufe der Entwicklung. Das Ganze ist ein globales Problem, das nach einer globalen Lösung verlangt. Wenn ich nach Holland, Deutschland oder gar auf einen anderen Kontinent reise, möchte ich legal Cannabis

Patricia Amiguet

konsumieren und Millionen andere denken genauso, dieses Bedürfnis sollte man überall befriedigen können. MED: Vorläufig musste ich einige Länder auslassen … Habt ihr internationale Kontakte mit anderen Pro-Cannabis-Organisationen, denen ihr Ratschläge erteilt? PA: Ja, CatFAC unterhält als Zentralorganisation der Cannabisbewegung viele Kontakte im Inland und Ausland. Wir hatten die Gelegenheit, mit Ratschlägen in Uruguay, Argentinien, in den USA, Kanada und vielen europäischen Ländern zu helfen. Dort, wo man sich zu einer Legalisierung des Cannabis entschloss, stellte man uns Fragen nach unseren Erfahrungen. In Uruguay und in Ka-

nada wurde das, was man von uns erfahren hat, in das Modell integriert und es funktioniert! MED: Unlängst hast du die Organisation REMA, Frauen gegen das Drogenverbot, gegründet. Welche Zwecke verfolgt dieser Verein? PA: Wir wollten deutlich machen, dass in der Umgestaltung der internationalen Drogenpolitik sehr viele Frauen teilnehmen, doch erscheint immer nur der Blickwinkel der Männer. Die Regulierungen werden in der Mehrzahl von Männern ausgearbeitet, daher halten wir es für nötig, den Genderaspekt in die Sache einzubringen für eine realistischere Sichtweise des Drogenkonsums der Frauen. Wir haben zu einem Treffen aufgerufen, um festzustellen, wie viele Frauen in Barcelona an dieser Initiative interessiert sind. Dort wurde beispielsweise gefragt, ob es ratsam sei, während der Periode Cannabis zu konsumieren, bei welchen Krankheiten man es anwenden kann, warum die Medien den Konsum bei Frauen verwerflich finden usw. Nun sehen wir, dass viele Organisationen ihr Frauenbild verändert haben. Sie haben begriffen, dass man die Frauen anders ansprechen muss. MED: Demnach erstreckt sich die Bewegung nicht ausschließlich auf die Verbindung von Frauen und Cannabis. PA: Es begann mit dem Cannabis, später haben wir festgestellt, dass es unter uns beispielsweise Heroinkonsumentinnen gibt, die mit Cannabis den Heroingebrauch eingrenzen. Der Ausgangspunkt war die Ablehnung des Verbots – wir müssen aber im Auge behalten, dass es noch mehr gibt, wofür wir kämpfen müssen, wenn das Cannabis mal reguliert sein wird. Wir wollten andere nicht vor der Tür lassen. Ich selbst glaube, dass jede Droge einer staatlichen Regelung bedarf und der Zugang in einem regulierten System möglich sein muss und die Bereitstellung geeigneter Informationen. Und das gilt nicht nur für das Cannabis.

text: Tomas Kardos


Medi+green

Osteuropa öffnet sich Krankheiten und Heilmethoden kennen keine Grenzen, daher ist es nicht erstaunlich, dass nun auch die Länder der osteuropäischen Region sich unter die Staaten einreihen, die den Gebrauch von medizinischem Cannabis erlauben. Seit Beginn dieses Jahres kam es in Rumänien und der Ukraine zu signifikanten Änderungen in Sachen Drogenpolitik.

Eugen Teodorovici

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ls Erster erklärte der rumänische Finanzminister Eugen Teodorovici gegenüber der Presse, dass schon Verhandlungen zur Einführung von medizinischem Cannabis im Gange seien. In Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium habe man eine Kommission gebildet, welche die Legalisierung zu medizinischen Zwecken prüft. In erster Linie käme die Anwendung von medizinischem Cannabis bei Krebskranken im Endstadium infrage, der Ausschuss werde jedoch auch die Anwendbarkeit bei anderen Erkrankungen untersuchen. Die Freigabe für den Freizeitkonsum hält er aber für verfrüht, denn dazu sei eine koordinierte Entscheidung auf europäischer Ebene nötig. Dem Gedanken verschloss er sich jedoch nicht und sicher werden in den nächsten Jahren zahlreiche Diskussionen über das Für und Wider folgen. Ein paar Tage darauf reagierte die Europäische Kommission reichlich reserviert auf die Äußerungen des Ministers, obwohl das Europäische Parlament im Februar die Staaten der Union aufgefordert hatte, medizinisches Cannabis zugänglich zu machen. Die Kommission merkte an, man verfüge vorerst über nur wenige Forschungen zu den Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und die Folgen eines Langzeitgebrauchs. Und das, obwohl medizinisches Cannabis in mehreren europäischen Ländern erhältlich ist. Zudem befürworte kein einziger Mitgliedsstaat das Rauchen von Cannabis, auch die rumä10

nischen ÄrztInnen nicht. Noch ist nicht absehbar, wann die Gesetze zur Genehmigung des medizinischen Gebrauchs von Cannabis in Rumänien in Kraft treten und die PatientInnen Cannabis auf Rezept erhalten können. Die positiven Entwicklungen machten auch vor der Ukraine nicht halt. Dort gelangte die

Frage des medizinischen Cannabis ebenfalls vor das Parlament, wenn auch auf einem anderen Weg. Die Menschenrechtskommission des Obersten Rats der Ukraine hatte gemeinsam mit betroffenen Organisationen eine Gesetzesvorlage zur Freigabe des Cannabis für medizinische und wissenschaftliche Zwecke erarbeitet. Dies gab Hennadiy Shabas, der Vertreter der ukrainischen Vereinigung für medizinisches Cannabis, auf einer Pressekonferenz in Kiew bekannt. Der Gesetzesentwurf kam einer Petition auf der Webseite des Parlaments zuvor, auf der innerhalb von 42 Tagen die notwendigen 25.000 Unterschriften für die Aufnahme der Frage auf die Tagesordnung zusammengekommen waren. Die Petition erwähnt auch die Krankheiten, bei denen der Gebrauch von medizinischem Cannabis angezeigt sein kann. Dazu gehören Epilepsie, Anorexie, Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), Immunkrankheiten, Arthritis und Rheuma. Die Kommission erarbeitete die Gesetzesvorlage unter Einbeziehung der Ukrainischen Vereinigung für medizinisches Cannabis. Shabas hofft, dass die Vorlage noch dieses Jahr angenommen wird. Darauf deutet auch hin, dass im Land Vorbereitungen für einen Wandel getroffen werden. Vitalij Usenko, der medizinische Leiter des Kiewer pharmazeutischen Betriebs Farmak, erklärte, dass die ukrainischen Pharmaentwickler auf die Herstellung von Erzeugnissen mit medizinischem Cannabis vorbereitet sind. Damit meint er keine synthetischen, sondern pflanzliche Produkte, die auch in die medizinische Praxis übernommen werden können. Man kann also davon ausgehen, dass die Weichen für Akzeptanz und Vertrieb von medizinischem Qualitätscannabis gestellt sind.


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Canna+Globe Das vor kaum einem Jahr gegründete Knowmad Institut möchte in der internationalen Drogenpolitik die Frage nach den Menschenrechten und den wissenschaftlichen Grundlagen stellen. Die Gründerin der Stiftung, Daniela Kreher, hob spirituelle Projektionen und die bigotte Einstellung der christlichen Kirchen zu diesem Thema hervor. Medijuana: Wann wurde das Institut gegründet und was sind seine Ziele? Daniela Kreher: Zusammen mit meinem Kollegen, Martin Diaz, habe ich das Knowmad Institut 2018 in Deutschland gegründet. Es ist ein Thinktank, in dem wir die Menschenrechte, Menschenwürde, Souveränität und Technologie im Zusammenhang mit der Drogenpolitik betrachten. Mit unserer multidisziplinären Forschung möchten wir zeigen, dass es viele bessere Alternativen zum Krieg gegen die Drogen gibt, die keine Unmengen Hana Gabrielová , Daniela Kreher

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Internationale Zusammenarbeit in der Drogenpolitik

Religiöse Erfahrungen stehen dem Erleben der Pflanzen sehr nahe von Geld verschlingen und die grundlegenden Menschenrechte nicht außer Kraft setzen. Wir möchten auch mit den gewohnten falschen Vorstellungen aufräumen. Leute wollen nicht zur Kenntnis nehmen, dass sie von früh bis spät Drogen konsumieren, von der Schokolade über den Kaffee hin zum Tabak. Es wäre verlogen, zu behaupten, dass Kaffee und Alkohol o. k. sind, aber Cannabis nicht. Die gefährlichste Droge, der Zucker, ist vollkommen in Ordnung, und auch die mit ihm verbundene Sklavenarbeit. MED: Nicht zu vergessen, dass die Zuckergroßindustrie sich jetzt in den Geschäftszweig Cannabis einkauft. Welche persönliche Geschichte brachte dich zur Drogenpolitik? DK: Ich bin in Argentinien aufgewachsen und habe Theologie studiert. Bei der Arbeit mit Jugendlichen sah ich, welche Fehler die Kirche in der Prävention macht. Ich erkannte, dass das Hauptproblem nicht der Drogenkonsum war, sondern die Gesetze, welche die Kirche nicht infrage stellte. Damals wandelte sich meine Perspektive von vollkommener Abstinenz zur Schadensminimierung, was auch mit den Menschenrechten zu tun hat. MED: Konntest du als Theologin deinen Ansatz der Schadensminimierung in die Kirchengemeinde einbringen? DK: Ja, ich sprach mehrmals in Kirchen zu diesem Thema, was die Oberen nicht gerne sahen. Sie betrachten das Thema aus einem moralischen Blickwinkel, dabei geht es hier um ein medizinisches Phänomen. Auch der Sprachgebrauch hat große Bedeutung, die Worte und Ausdrücke, mit denen wir unserer Welt beschreiben. Im Spanischen hängt „Schadensminimierung“ mit „Risikomanagement“ zusammen, was mehr aussagt als die englischen oder deutschen Begriffe. Wir sprechen daher nicht von „Konsumenten“, „Bekifften“ oder „Abhängigen“, sondern von Menschen die Drogen benutzen. Die Kirche hat eine grundlegende Furcht vor den Dro-

gen und ihre Konsumenten und hegt deswegen ernsthafte Vorbehalte gegen unseren Ansatz. MED: Sie unterscheiden nicht zwischen Pflanzen, die in der Natur vorkommen und synthetischen Drogen? DK: Für sie sind alle Drogen kleine Ungeheuer, und wenn du mit ihnen in Berührung kommst, gelangst du in die Hölle. Mit Martin habe ich oft über heilende und heilige Pflanzen gesprochen. Die Kirche will nicht akzeptieren, dass auch diese Pflanzen Geschöpfe Gottes sind, dass sie heilen, als Lebensmittel dienen, den Erdboden reinigen usw. Sie verfolgen sie unter Anwendungen von Menschen gemachter Gesetze. Uns interessieren besonders die religiösen und archaischen Traditionen im Zusammenhang mit den Pflanzen. Ich meine, dass religiöse Erfahrungen dem sehr nahekommen, was man mit den Pflanzen erleben kann. Jede Religion und


jeder traditionelle Ritus pflegt eine enge Beziehung mit der einen oder anderen Pflanze, von denen ein Großteil psychoaktiv ist. Das psychoaktive Mittel des Christentums ist der aus Trauben hergestellte Wein, der als Blut Christi eine zentrale Rolle spielt und in einer engen Verbindung zu zahlreichen Ritualen, beispielsweise der Konfirmation, steht. MED: Darum kannst du als praktizierende Christin nicht vollkommen abstinent leben? DK: Stimmt. Das Hauptproblem liegt darin, dass die Verbindung zwischen Menschen und Natur durch die Industrialisierung verloren ging, daher müssen wir unser Verhältnis zu den Pflanzen wieder in Ordnung bringen. In der Kindheit ist es am einfachsten. Einem Kind kann man im Garten eine Rose zeigen und ihm sagen, dass sie sehr schön ist, man aber vorsichtig sein muss, weil ihre Dornen stechen. Von den Brennnesseln kann man ihm sagen, dass ihre Blätter brennen, aber ein Tee aus ihnen wohltuend ist. Auch mit dem Cannabis kann man sie auf diese Art bekannt machen. Unser primäres Ziel ist es, die Einstellung zum Cannabis zu normalisieren. Die psychedelischen Pflanzen können in Zukunft die mentale Gesundheit sichern. MED: Mit welchen Mitteln wollt ihr die Normalisierung und die Schadensminimierung vorantreiben? DK: Momentan steht nicht so sehr die Schadensminimierung im Vordergrund, weil wir der Ansicht sind, dass die dringendste Aufgabe eine Neugestaltung der internationalen Drogenpolitik ist. Die deutschen Aktivisten beschäftigen sich damit nicht sonderlich. MED: Auch der Deutsche Hanfverband nicht? DK: Ich habe mehrfach versucht, eine Übereinkunft zu erreichen, doch die nationale Drogenpolitik beansprucht all ihre Energien. Andere Organisationen berufen sich darauf, dass ohne eine Revision des UN-Abkommens die Landesgesetze gar nicht verändert werden können. Wie auch sonst wäre auch in der Cannabispolitik eine internationale Kooperation nötig. Man muss verstehen, dass Patienten, die auf medizinisches Cannabis angewiesen sind, nicht auf eine entsprechende Regulierung warten können und ohne sie

Martin Ignacio Diaz Velasquez , Martini Meinreiß , Daniela Kreher

gezwungen sind, auf dem Schwarzmarkt einzukaufen. Bei den diesbezüglichen Konferenzen geht es darum, Brücken zwischen dem Markt, den Aktivisten und den Regierungen zu bauen. MED: Was ist der Beitrag eurer Organisation zu dieser gemeinsamen Arbeit? DK: Unser Institut betreibt gegenwärtig drei Forschungsarbeiten. Die erste untersucht die Verbindung zwischen Cannabis und Frauen zwischen Kriminalisierung und Aktivismus, in Zusammenarbeit mit brasilianischen Soziologen. Die zweite Forschungsarbeit betrachtet die Drogenpolitik und die Menschenrechte im Dreieck von Honduras, Guatemala und El Salvador. Durch diese drei Länder werden die Drogen von Süd- nach Nordamerika transportiert, was zu einem Krieg zwischen den rivalisierenden Kartellen führt. Die dritte Forschungsarbeit untersucht den spirituellen Gebrauch von Cannabis in verschiedenen Religionen, einschließlich Judentum und Christentum.

MED: Wie viele Personen betätigen sich momentan bei Knowmad? DK: Zwanzig. Eine Kommission von Fachleuten unterstützt die Arbeitsgruppe bei ihren Aufgaben, unsere Forschungsarbeiten werden darüber hinaus von einem Ethikausschuss kontrolliert. Wir möchten unabhängige Forscher unterstützen, da es in Lateinamerika kaum Möglichkeiten gibt, über dieses Thema zu arbeiten. Wir hoffen durch unsere Forschungen, die Präsentation von wissenschaftlichen Ergebnissen und deren Verbreitung einen Beitrag zur Veränderung des momentan vorherrschenden Bildes zu leisten. Uns mangelt es nicht an Arbeitskräften und Kreativität, aber wir brauchen einen Partner mit einem starken wirtschaftlichen Hintergrund zur Realisierung unserer Vorhaben.

text: Tomas Kardos

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Canna+Globe

Polizeiaktion in München Bayerische Polizei führte wegen CBD-Produkten eine Großrazzia durch

Vollkommen unerwartet führte die bayerische Polizei Ende April in einem Betrieb, der um die zwanzig Cannabisprodukte vertreibt, eine groß angelegte Razzia durch. Mit der Begründung, dass die Cannabisprodukte an Endverbraucher abgegeben werden, wurde eine große Menge von Waren beschlagnahmt. Es stellt sich die Frage, ob die Ermittlungsbehörden – ohne eine Probe zu nehmen – sämtliche Warenvorräte eines Betriebs beschlagnahmen dürfen. Ebenfalls fraglich ist, ob dies überhaupt notwendig ist, wenn das gleiche Produkt in zahllosen Läden Deutschlands problemlos käuflich ist. Wir sprachen mit dem Legalisierungs-Aktivisten Wenzel Vaclav Cerveny des betroffenen DCI Cannabis Institut über die Vorfälle. Medijuana: Stimmt es, dass die Polizei auch deine Wohnung durchsucht, deinen privaten PC und auch deine Telefone beschlagnahmt hat? Wenzel Vaclav Cerveny: Ich wollte am 11. April um 10 Uhr morgens mit dem Hund raus. Da kam es mir schon verdächtig vor, weil ich vor meiner Wohnung in Kirchseeon ungefähr zehn Polizeibeamte gesehen habe. Sie haben mir dann mitgeteilt, dass sie einen Durchsuchungsbeschluss für meine Privat- und Geschäftsräume hätten. Kurz darauf sah ich einen Beamten mit einer EinmannHandramme abdrehen. Auf die Frage, was sie damit vorhatten, wurde mir gesagt: Man wisse ja nicht, mit wem man es zu tun hätte. Du kommst dir wie ein Schwerverbrecher vor, wenn man nach fünf Stunden aus dem Polizeipräsidium kommt: kein Handy, keinen Laptop und keine Computer mehr. Du bist völlig platt. Ich kann das nur als Einschüchterungsversuch deuten. Nach vier Wochen sind die Geräte übrigens immer noch nicht freigegeben. MED: Wo befinden sich eure Läden und welche Produkte waren von der Razzia betroffen? Auf welcher Grundlage wurde diese Aktion durchgeführt? Was sind die konkreten Vorwürfe? WVC: Das DCI Cannabis Institut betreibt bayernweit fünf Geschäfte von „Hanf – der etwas andere Bioladen“. Es wurden die Läden in München (Tal 40 und Einsteinstraße 163) sowie in Baldham (Lkr. Ebersberg) durchsucht. In den drei Hanfläden sind Hanftees (mit Pfefferminzgeschmack), Hanföle, CBDLiquids und Hanfkekse im Gesamtwert von über 300.000 Euro beschlagnahmt worden. Dabei gingen die Ermittler sehr unkoordiniert vor. In einem Laden haben sie Hanfkosmetik mitgenommen und die Kekse dagelassen, im anderen Laden haben sie die Kosmetik belas14

Die Hanf-Großrazzia in München hat für bundesweites Aufsehen gesorgt: Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung und DIE ZEIT berichteten. Foto: Peter Kneffel/dpa (www.sueddeutsche.de)

sen und die Kekse mitgenommen. Im Durchsuchungsbeschluss wirft der Staatsanwalt mir vor, Betäubungsmittel gewerbsmäßig abgegeben zu haben, an Minderjährige verabreicht und überlassen zu haben. Es heißt aber auch gleichzeitig: „Die Betäubungsmittel hatten einen Wirkgehalt von unter 0,2 Prozent THC.“ MED: Wie ging die Razzia vonstatten? Wahrscheinlich ohne Vorankündigung? WVC: Die Großrazzia kam aus heiterem Himmel. Auf der anderen Seite wissen wir ja, wie die bayerischen Ermittlungsbehörden ticken. Die Justiz scheint keine anderen Probleme zu haben, wenn sie so eine Aktion mit insgesamt 180 Polizeibeamten und elf

Staatsanwälten generalstabsmäßig vorbereitet. Man hätte es auch in einem kleineren Rahmen machen können. Wir wurden bereits mehrfach von Aufsichtsbehörden besucht. Die Proben kamen ohne Beanstandung durch. Wir werden inzwischen dreifach getestet. Das geht auch ohne großen Aufwand. MED: Wie steht das DCI Cannabis Institut juristisch zu den Vorfällen und Anschuldigungen? WVC: Wir haben nichts zu verbergen. Für alle Produkte lagen Analysen vor. Wir werden mit allen möglichen rechtlichen Schritten gegen die Maßnahme vorgehen. Ich wehre mich vor allem gegen den Vorwurf, es seien CBD-Blüten an Jugendliche verkauft wor-


den. Ohne Ausweis geht bei uns gar nichts. Zuerst muss unser Anwalt Akteneinsicht bekommen. Falls es zu einer Anklage kommen sollte, werden wir durch die Instanzen gehen. MED: Warum glaubst du, werden in Bayern die Gesetze anders angewandt als in Berlin oder Hamburg? Es handelt sich doch um Bundesgesetze. WVC: Es war eine völlig überzogene Aktion der Münchner Justiz, die in Sachen Cannabis geradezu einem „Verfolgungswahn“ zu erliegen scheint. Es gilt in Bayern nicht nur die 0,0 g Freigrenze für „richtiges“ Marihuana. Inzwischen haben die Münchner Ermittler mit weiteren Razzien gedroht. Jeglicher Verkauf von CBD, auch von Handcremes, an Endverbraucher ist nach Ansicht der Münchner Staatsanwälte verboten. Witzig war, dass schon die Münchner Ermittlungsbehörden keinen Überblick hatten. Im Drogeriemarkt gegenüber standen die CBD-Öle im Regal, während bei uns Großrazzia war. In NRW scheint es niemand zu interessieren, wenn – wie auf der Dortmunder CNBS-Hanfmesse Anfang Mai – die beim Endverbraucher immer beliebter werdenden CBD-Produkte ausgestellt werden. In Berlin spielt CBD sowieso keine justiziable Rolle, da geht es eher um reservierte Dealer-Standplätze für harte Drogen.

Will sich mit allen juristischen Mitteln gegen die Razzia von Polizei und Staatsanwaltschaft wehren: Wenzel Cerveny (57), geschäftsführender Gesellschafter der DCI Cannabis Institut GmbH (München). (Foto: Josef König für DCI Cannabis Institut/honorarfrei)

MED: Was wollt ihr nun unternehmen? Ich gehe davon aus, dass ihr weiter für eure Rechte und die Sache des Hanfs einsteht. WVC: Es geht weiter. Alle fünf Läden hatten am nächsten Tag wieder offen. Politisch werde ich weiter für die völlige Legalisierung kämpfen. Es ist ein Volksbegehren in Bayern geplant. Erst muss geklärt werden, dass die CBD-Produkte frei verkäuflich bleiben. Ich sehe in der Großrazzia gegen insgesamt 14

Läden einen bayerischen Feldzug gegen die junge Cannabisbranche. Was bezwecken die Ermittler mit der Beschlagnahme von 400 kg Hanftee? Ich sehe nur einen Grund: Die Ermittler wollen die ganze Branche einschüchtern und schikanieren.

text: Gabor Holland

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ir von Verdampftnochmal möchten euch in diesem Artikel die Nutzung erklären und Tipps für den Umgang geben. Ihr könnt uns auch auf der Hanfmesse Mary Jane, die vom 21. bis 23. Juni in Berlin stattfindet, besuchen. Unsere Standnummer ist die 65. Wir nehmen uns dann gerne Zeit, alle eure Fragen zu beantworten.

Was ist ein Vape Pen und wie funktioniert er? Die Heizkammer des Vape Pens wird mit Strom versorgt. Diese erwärmt die darin befindlichen Kräuter, Öle oder Wachse solange, bis Dampf entsteht. Dieser wird dann durch ein Mundstück inhaliert. Vape Pens sind also elektronische Geräte, die eine Substanz erhitzen und in Dampf umwandeln. Es stehen mehrere Arten von Vape Pens zur Auswahl: Einige sind z. B. mit CBD-Konzentrat vorgefüllt und somit Einwegprodukte, während andere mit dem gewünschten Konzentrat befüllt werden müssen und damit wiederverwendbar sind. Vape Pens gibt es in allen Größen und verschiedenen Formen, wie z. B. Zylinder, Rechtecke oder Box Mods mit Tank (Atomizer). Einige Modelle verfügen über variable Watt-Einstellungen, ein digitales Display sowie austauschbare Kartuschen und andere Komponenten. Dabei ist zu beachten, dass der Preis abhängig von Größe, Leistung und zusätzlichen Funktionen stark variieren kann. Obwohl es eine große Auswahl an Vape Pens gibt, funktionieren sie im Prinzip alle gleich. Die Geräte besitzen einen Power-Button und gegebenenfalls noch weitere Knöpfe, um die Temperatur oder Wattzahl einzustellen.

Vape Pens

Ein Leitfaden für Einsteiger

Vape Pens sind der neueste Trend und werden zunehmend zur beliebtesten Art und Weise, Konzentrate wie Öle und Wachse zu konsumieren. Ihre einfache Bedienung, Mobilität und Diskretion sind die wichtigsten Gründe für ihren Erfolg. ihr den Box Mod frei wählen und die Firmensoftware in vielen Mods austauschen könnt, bieten diese Vaporizer eine Vielzahl von Dampfoptionen wie z. B. temperaturgesteuertes Dampfen (TC-oder TCR-Modus). Oft lassen sich hier auch verschiedene Coils verwenden, die sich in Geschmacksentwicklung und Dampfqualität unterscheiden.

Divine Crossing: Öl- & Extrakte-Atomizer aus Keramik für Akkuträger und Box Mods

Welche Arten von Vape Pens gibt es?

Patronen mit z. B. CBD-Kontentrat: Vorgefüllte Patronen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Sie sind einfach zu bedienen, hinterlassen keinen Schmutz oder Gestank und sind diskret. Die meisten der vorgefüllten Patronen, die ihr kaufen könnt, haben zum Anschluss an einen wiederaufladbaren Akkuträger an der Unterseite ein 510er-Gewinde. Die Ölpatrone wird dann einfach auf den Akkuträger geschraubt. Es gibt aber auch Varianten, die über Magneten verbunden werden, z. B. der Phenopen.

Akkuträger: Es gibt sie in vielen Größen und Ausführungen. Einige Akkuträger verfügen über Knöpfe zur Bedienung, während sich andere automatisch erwärmen, sobald inhaliert wird. Einige haben variable Wärme- (Grad), Leistungs(Watt) und/oder Spannungseinstellungen (Volt), während andere auf den optimalen Einstellbereich kalibriert wurden. Die Preise dieser Geräte variieren stark, je nach Größe, Stil, Ausstattung und Materialien, die bei der Produktion verwendet werden.

Was sind die Vorteile des Verdampfens von CBD-Öl?

Leafly stellte fest, dass verdampftes CBD weder verdaut noch durch die Leber verstoffwechselt wird, es diffundiert über die Lunge

Vape Pens inkl. Akkuträger (Komplettset): Wer etwas mehr Bedienungsmöglichkeiten und Flexibilität möchte, wird mit so einem System gut zurechtkommen. Alle Teile sind aufeinander abgestimmt und garantieren eine optimale Funktionalität, ohne sich lange damit beschäftigen zu müssen. Einzelne Komponenten wie Akkus, Coils oder Kammern sind austauschbar.

Divine Crossing: Öl- & Extrakte-Atomizer aus Dragon Hitz Tank Atomizer, Dragon Hitz Tank Atomizer auf Pico Mod

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Atomizer: Diese Verdampfer sind relativ neu auf dem Vaporizer-Markt. Sie benötigen einen Akkuträger (Box Mod) und werden in der Regel über einen 510er-Anschluss verbunden. Da

Blaze: Öl- & Extrakte-Vape-Pen, All-in-one-Lösung


direkt in die Blutbahn. „Dadurch wird der ‚First-Pass-Effekt‘ gänzlich vermieden, sodass fast viermal so viel CBD in den Kreislauf gelangt und eine maximale Bioverfügbarkeit von etwa 50 bis 60 Prozent erreicht wird.“ Vereinfacht ausgedrückt, beim Vapen von CBD holt ihr das Maximum aus einer kleineren Menge. Außerdem wirkt so eingenommenes CBD schneller. Die richtige Temperatur zum Dampfen auswählen: Wenn es darum geht, Öle und andere Konzentrate zu verdampfen, ist die optimale Temperatur der Schlüssel zu allem. Einfache ÖlVape-Pens haben in der Regel keine variable Temperatureinstellung. Stattdessen sind sie

Kartusche auf einfachem Akkuträger, diskret

vorprogrammiert, um die Öle bei einer optimalen Temperatur zu erwärmen, die zwischen 175–215 °C liegt. Wenn das von euch verwendete Modell eine variable Spannungseinstellung hat oder ein Box Mod ist, hängt die optimale Temperatur von den aktuell angeschlossenen Geräten und dem gewünschten Ergebnis ab. Dünner, sanfter, geschmackvoller Dampf wird bei niedrigeren Temperaturen zwischen 160–175 °C erreicht. Für volleren, dichteren Dampf müsst ihr eine höhere Temperatur zwischen 190–215 °C wählen. Wenn ihr einen neuen Vape Pen oder ein neues Konzentrat zum ersten Mal ausprobiert, ist es klug, mit der niedrigsten Einstellung zu beginnen und sich nach oben zu arbeiten, um eine Übersättigung der Lunge (Husten) oder gar Verbrennungen zu vermeiden. Bei Atomizern, die nicht für die Temperatursteuerung ausgelegt sind, müsst ihr den Dampf über die Angabe der Wattzahl regeln. Normalerweise gibt es für jeden Atomizer einen Watt-Bereich, der gut funktioniert. Falls ihr keine Angaben findet, empfehlen wir, niedrig (mit ca. 15 Watt) anzufangen und dann in 5er- oder 10er-Schritten bis zu eurem Sweetspot zu steigern. Befüllte Patronen sollten am besten zwischen 4–6 Watt oder 3–5 Volt verdampft

Phenopen: Mit vorgefüllten magnetischen Kartuschen, mind. 50% CBD, Vollspektrum, ohne THC

werden. Wählt ihr höhere Werte, läuft ihr Gefahr, das Konzentrat zu verbrennen oder sogar die Patrone zu beschädigen. Wer mehr über Vape Pens erfahren oder einen testen möchte, ist selbstverständlich herzlich dazu eingeladen. Weitere Infos gibt es auf unserer Webseite (www.verdampftnochmal.de) und probieren könnt ihr die Pens in unserem Ladengeschäft in Berlin. Auf unserem YouTube-Kanal (www.youtube.com/verdampftnochmalTV) findet ihr zudem nützliche Videos über Vaporizer und deren Zubehör.  (x) * Quelle: https://www.leafly.com/news/ health/vaping-cbd-oil-vs-ingesting

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Mehr als nur eine Freizeitdroge Die Heilwirkungen von THC werden unterschätzt Auch wenn in den letzten Jahren CBD quasi aus dem Wasserhahn fließt, stellen die Erfahrungen von Erkrankten die verbreitete Ansicht infrage, dass es bei der Linderung von Symptomen die Hauptrolle spielt. PatientInnen berichten, dass THC ein bedeutendes medizinisches Potenzial in sich birgt. Mehr als die meisten glauben.

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as Aufkommen und die Verbreitung von CBD-Produkten führte zu einer vollkommen neuen Situation. Zum Erkennen möglicher Einsatzgebiete haben neben wissenschaftlichen Untersuchungen auch die Erfahrungen vieler PatientInnen beigetragen. Zu seiner Erfolgsgeschichte trug bei, dass CBD, anders als THC, keine bewusstseinsverändernde Wirkung hat. An einen rekreativen Gebrauch ist also nicht zu denken. Folglich erlauben die Gesetze in vielen Ländern den Konsum, stellen aber die Verwendung in Lebensmitteln unter Kontrolle. Die ersten unglaublichen Heilungsgeschichten motivierten viele Erkrankte zur Einnahme von CBD, da sie weder mit psychoaktiven Wirkungen, Nebenwirkungen oder Strafen rechnen mussten. Subjektive Berichte und irreführende Nachrichten in den Medien führten dazu, dass im Hype um das CBD in der öffentlichen Meinung nur Cannabissorten mit einem hohen CBD-Gehalt und allenfalls geringen Spuren von THC als medizinisch eingestuft werden. In der Folge wird allgemein CBD als einziger Inhaltsstoff des medizinischen Cannabis angesehen, den die PatientInnen benötigen. Diese falsche Ein-

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schätzung ist nicht nur unwissenschaftlich, sondern stigmatisiert auch die Erkrankten, deren Symptome zum THC-Konsum zwingen. Mithilfe einer neuen Erhebung dürfte es nun möglich sein, diesen populären Irrglauben zu korrigieren. Forscher der Universität von New Mexico analysierten die ReleafApp-Daten medizinischer CannabispatientInnen, um ihre Vorlieben herauszufinden. Die BenutzerInnen der App konnten die Art des konsumierten Produkts angeben (zum Beispiel Blüten oder Konzentrat), die Anwendungsform, die angewandten Cannabissorten und die Wirkungsweise auf die Symptome. In 27 Symptomkategorien wurde die Analyse von etwa 20.000 KonsumentInnendaten durchgeführt. Die PatientInnen gaben auf einer Skala von 1–10 die Wirkung auf ihre Symptome an. Am häufigsten wurden Cannabisblüten konsumiert, die sich auch als am wirkungsvollsten bei der sofortigen Linderung der Beschwerden erwiesen. Es ist keine Überraschung, dass sich nach Auswertung der Daten als wichtigste Komponenten THC und CBD herauskristallisierten. Im Gegensatz zu der bis heute verbreiteten Ansicht offenbarte die Analyse, dass THC in einem beträchtlichen

Maße Linderung verschafft, obwohl es sicher mit mehr Nebenwirkungen einhergeht als CBD. „Die Alltagsweisheiten, die von der Presse und der Populärwissenschaft verkündet werden, dass nur CBD eine positive medizinische Wirkung in sich birgt, während THC nur zum Berauschen taugt, wird von den Ergebnissen nicht untermauert. Sie zeigen, dass dem THC in der Therapie eine größere Rolle zukommt als dem CBD. Nach unseren Untersuchungen scheint es, dass CBD nur eine geringe Wirkung entfaltet, während THC eine messbare Linderung der Symptome verschafft. Die Ergebnisse legen nahe, außer dem Hanf auch alle Cannabissorten mit sofortiger Wirkung neu zu kategorisieren, damit auch THC-haltiges Cannabis allgemein für medizinische Zwecken erhältlich wird“, sagte Untersuchungsleiter Jacob Miguel Vigil. Die Aktualität der Untersuchung ist nach Meinung der ForscherInnen auch dadurch gegeben, dass momentan auf dem Markt zahllose CBD-Präparate von recht geringer Qualität erhältlich sind, zu denen irreführende Angaben gemacht werden. Die Forschungsarbeit könnte ein erster Schritt dazu sein, dass neben dem CBD auch die medizinische Bedeutung des THC anerkannt wird. Jedoch bedarf es weiterer ähnlicher Analysen, um den alten Irrglauben aus der Welt zu schaffen.


Die luxemburgischen Ärzte treffen ihre Vorbereitungen

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ürzlich überbrachten wir die Nachricht, dass der kleinste Beneluxstaat in einem Rekordtempo seinen Rückstand bei der Erhältlichkeit von Marihuana aufgeholt hat und parallel zum medizinischen Programm auch an der Legalisierung arbeitet. Bei Ersterem kann Luxemburg bereits nach einem dreiviertel Jahr beachtliche Ergebnisse vorweisen. Das Programm für medizinisches Cannabis trat im Juli 2018 für eine dreijährige Probephase in Kraft, bezog aber anfangs nur eine geringe Zahl von PatientInnen ein. Nach dem Gesetz können ÄrztInnen nun bei den folgenden Krankheiten medizinisches Cannabis, Öl, Tinkturen oder Sprays verschreiben: Alzheimer, mit einer Chemotherapie behandelten Tumorerkrankungen, Multiple Sklerose, chronischen Schmerzen sowie Erkrankungen, die mit Muskelkrämpfen oder epileptischen Anfällen einhergehen. Neurologen, Onkologen und Internisten können nun Rezepte über Cannabis ausstellen. Ein Vertreter der luxemburgischen Christlich Sozialen Volkspartei stellte auf einer Parlamentssitzung im April dem Gesundheitsminister die Frage, welche Erfolge das medizinische Cannabisprogramm in den letzten neun Monaten vorweisen könne.

Der Minister antwortete, dass gegenwärtig 250 ÄrztInnen, zwei Drittel der Hausärzte also, berechtigt seien, Cannabis zu verschreiben. Bis April erhielten 120 PatientInnen medizinisches Cannabis auf Rezept, bei einer Einwohnerzahl von einer halben Million ein durchaus akzeptabler Wert. Verschrieben wurden in diesem Zeitraum 7 Kilogramm

Blüten. In Zukunft werden allerdings Öle eine größere Rolle spielen. Momentan können diese aufgrund logistischer Schwierigkeiten nicht verschrieben werden, doch bis spätestens zum Jahresende meint man, das in den Griff zu bekommen. Das Programm wird am Ende der Testphase evaluiert und dann seine endgültige Form erhalten.

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Blueberry Cookies Frischgebackene Kush mit Waldfrucht-Garnitur

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lueberry Cookies sind feminisierte Hanfsamen von Dinafem Seeds, die aus der Kreuzung einer Blueberry-Elite-Mutterpflanze mit Girl-Scout-Cookies hervorgegangen sind. Letztere verdankt ihren Namen ihrem köstlichen, an frisch gebackene Kekse erinnernden Aroma. Was also wäre eine bessere Ergänzung für sie als eine Blueberry mit fruchtig-saftigen Blaubeernoten? So entstand nach einem langen Breeding-Verfahren unsere Blueberry Cookies, eine hammerstark wirkende Hybride, die euch von den Socken hauen wird, selbst wenn ihr glaubt, ihr hättet schon alles probiert!

Aroma und Geschmack Dass Cookies-Sorten derart beliebt sind, liegt vor allen an ihrem verführerischen Duft. Sie sind so lecker, dass man am liebsten in die getrockneten Buds hineinbeißen möchte! Unsere Breeder konnten sich 20

keine bessere Begleitung für sie vorstellen als das fruchtige Aroma einer Blueberry. Dies ergab einen köstlichen Obstkuchen, bei dem intensive Waldfruchtnoten mit keksartigen Indica-Nuance verschmelzen.

Wirkung Wie für einen Sprössling amerikanischer Sorten nicht anders zu erwarten, sorgt Blueberry Cookies für ein fulminantes geistiges und körperliches High. Dank ihrer Indica-Dominanz und ihres THC-Gehalts von bis zu 18 % (bei nur 0,1 % CBD) wirkt sie beruhigend und muskelentspannend.

Anbau Blueberry Cookies ist pflegeleicht und eignet sich sehr gut für das Outdoor-Growen. Sie trägt unglaublich viel Energie in sich und wird deshalb in der Wachstumsphase schnell groß. Wenn ihr sie draußen anbaut, kann sie ihr volles Potenzial entfalten. Sie wird euch richtig üppige Ernten aus kleinen, aber mehr als nur feinen Buds in herrlichen Lilatönen liefern. Falls ihr keine neugierigen Nachbarn habt, solltet ihr ihr also unbedingt freien Lauf lassen. (x)


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D-A-CH News Österreich Aktion „Scharf“ gegen Drogenlenker Die österreichische Exekutive setzt die repressive Drogenpolitik der Regierung weiter um. „Seit Jahresbeginn mehren sich die Meldungen, wonach die Polizei HanffreundInnen in der Nähe von Hanfshops regelrecht auflauert“, sagte Toni Straka vom Hanf-Institut. Nachdem der Kauf von Stecklingen oder Growzubehör keine Straftat darstellt, sind diese Kontrollen gezielt auf Führerscheinabnahmen aus, da Cannabis noch viele Tage nach dem Konsum nachgewiesen werden kann. Da es in Österreich keinen Grenzwert für Cannabis im Blut gibt, gehen die Behörden bei dessen Nachweisbarkeit automatisch von Fahruntüchtigkeit aus und ziehen vorläufig den Führerschein ein.

Deutschland Polizeirazzien in Hanfläden Die deutsche Polizei beschlagnahmte im April bei Razzien in über einem Dutzend Hanfläden CBD-Produkte, wobei nur ein willkürliches Muster bei der Art der konfiszierten Produkte festzustellen war. Das traurige Fazit ist, dass die junge, aufstrebende Hanfbranche und die KonsumentInnen nun verunsichert sind, was erlaubt ist und was nicht. Grundlage für die Razzien war, dass die EU rückwirkend mehrere Cannabinoide in ihren Novel-FoodKatalog aufgenommen hatte. Dies war zwar gegen den Widerstand aller Hanf-ProponentInnen geschehen, die darauf hingewiesen hatten, dass Hanf schon 1998 von der EU als Lebensmittel eingestuft worden war. Große Drogerieketten wehren sich nun gegen das auf wackligen Beinen stehende CBD-Verbot und wollen juristische Schritte einleiten. Bis dahin könnten aber viele Hanf-KleinunternehmerInnen zur Aufgabe ihrer Geschäfte gezwungen worden sein.

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Schweiz Grünes Licht für Cannabisstudien Der Bundesrat gibt grünes Licht für eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes. Künftig sollen wissenschaftliche Studien mit Cannabis erlaubt sein. Personen, die über 18 Jahre alt sind und wiederholt Cannabis konsumieren, können an den Studien teilnehmen. Überprüft wird die Regelmäßigkeit des Konsums unter anderem mit Haarproben. Die maximale Teilnehmerzahl ist auf 5.000 Personen begrenzt. Ziel sei aber nicht die endgültige Legalisierung von Cannabis, vielmehr soll mit den gewonnenen Ergebnissen eine neue und relevante wissenschaftliche Entscheidungsgrundlage für eine mögliche Gesetzesänderung geschaffen werden. Die Dauer der Studie ist vorerst auf zehn Jahre beschränkt. Jenseits der Versuchsreihen gilt das bestehende Cannabisverbot aber weiterhin.


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ie Zuschläge für den Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland sind erteilt: Die beiden DeutschlandTöchter der kanadischen Firmen Aphria und Aurora sowie das 2017 gegründete Berliner Unternehmen DEMECAN GmbH erhalten die Erlaubnis zum Anbau von Medical Cannabis. Wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte am Mittwoch in Bonn bekannt gab, ging der größte Zuschlag an das Berliner Unternehmen Aurora Deutschland GmbH, einer Tochter des börsennotierten kanadischen Konzern Aurora Cannabis Inc. Aurora erhielt fünf der insgesamt dreizehn Lose. Dies entspricht einer Menge von einer Tonne Cannabis pro Jahr, für einen Zeitraum von vier Jahren. Die Pflanzen hierfür sollen in einem Biochemiepark im sachsen-anhaltischen Leuna wachsen. Für diesen will die Aurora Deutschland GmbH nach eigenen Angaben schon Anfang Mai den ersten Spatenstich machen. Des Weiteren gingen vier Lose – dies entspricht 0,8 Tonnen pro Jahr – an die Firma Aphria Deutschland GmbH aus Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein. Der Gesamtumfang der Ausschreibung umfasste 10,4 Tonnen Cannabis. Mit der ersten Ernte wird im Herbst 2020 gerechnet. Seit März 2017 können sich PatientInnen in Deutschland Medical Cannabis vom Arzt verschreiben lassen. Damit sollen etwa Spas-

Deutschland erteilt drei Firmen den Zuschlag für Cannabisanbau tiken bei Multipler Sklerose oder chronische Schmerzen gelindert werden. Seitdem erlebt das Mittel hierzulande einen wahren Boom. Derzeit wird Cannabis zu medizinischen Zwecken noch komplett aus dem Ausland importiert. Im vergangenen April gab das Startup-Unternehmen Farmako GmbH bekannt, dass es bis zu 40 Tonnen Cannabis aus Polen nach Deutschland importieren will, um die aktuellen Versorgungsengpässe zu beenden.

Der Deal mit dem polnischen Pharmakonzern PharmaCann sei der „weltweit größte Importvertrag für pharmazeutisches Cannabis“, teilte das Unternehmen mit. Gemessen am Vorbild Kalifornien, wo seit der Legalisierung etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung Cannabismedikamente auf Rezept beziehen, rechnet das Start-up bei uns deshalb mit einem Marktpotenzial von knapp 1,6 Millionen PatientInnen.

Österreich begräbt die Diskussion über medizinischen Cannabis

Ministerium ignoriert alle positiven Fakten

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as österreichische Gesundheitsministerium sträubt sich gegen die von den Oppositionsparteien geforderte Liberalisierung von Cannabis in der Medizin. Laut einem heftig kritisierten Bericht an den Gesundheitsausschuss soll alles beim Alten bleiben. Die in vielen anderen Ländern schon lange erhältlichen Cannabisblüten sollen in Österreich auch weiterhin als Heilmittel verboten bleiben. Dabei widerspricht sich der Bericht jedoch oftmals selbst: So heißt es einmal, dass es keine gesicherten Erkenntnisse über den wirksamen Einsatz von Cannabisblüten gäbe, während dann wieder klinische Indikationen angeführt werden, wonach natürliches Cannabis sehr gut wirke. Cannabis-BefürworterInnen aus allen Lagern kritisieren, dass der Bericht lediglich die ideologische Sichtweise der Regierung, die geschlossen für eine repressivere Drogenpolitik steht, widerspiegelt. Paradox ist auch der Fakt, dass in dem Bericht Cannabisblüten als die teuerste Form der Therapie bezeichnet werden, obwohl das Ministerium dazu angeblich keine Zah-

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len haben will. Im Gegensatz dazu steht die Tatsache, dass die staatseigene AGES (Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit), sie wird vom Gesundheitsministerium kontrolliert, seit über einem Jahrzehnt hochpotente Cannabisblüten züchtet. Diese verkauft sie zu einem kolportierten Kilopreis von rund 1.800 Euro an den Pharmakonzern Bionorica, der daraus das THC-Extrakt „Dronabinol“ produziert. Dieses Medikament wird dann wiederum nach Österreich importiert und dort zum etwa 100-fachen des CannabisVerkaufspreises gegen Rezept in Apotheken abgegeben. In einer Aktuellen Stunde des Parlaments wurde die von der Opposition geforderte Cannabisdiskussion für die nahe Zukunft begraben. Ironischerweise sprach die zuständige Ministerin NikotinraucherInnen das Recht auf Selbstbestimmung zu, verweigerte es aber Cannabis-PatientInnen. Hier stehe „die Sicherheit“ im Vordergrund. Dass Nikotin jährlich vielen Tausend das Leben kostet, während Cannabis noch nie zum Tod geführt hat, wurde in der Diskussion geflissentlich verschwiegen.


Europäischer Hanf darf mehr THC enthalten

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uf europäischer Ebene ist eine geringe Erhöhung der zulässigen Höchstgrenze von THC im Industriehanf zu erwarten. Man ist der Meinung, dass 1 % THC das risikofreie Maximum darstellt, wahrscheinlicher jedoch ist eine Anhebung von gegenwärtig 0,2 % auf 0,3 %. Dieser Vorschlag wird dem Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des Europäischen Parlaments nächstes Jahr zur Beratung vorgelegt und eine Entscheidung dürfte wohl 2021 fallen. 0,3 % THC würden zwar nur eine Rückkehr zur Situation vor 1999 bedeuten und wäre kein echter Fortschritt, obwohl damit unbestreitbar die Skala der zum Anbau freigegebenen Hanfsorten erweitert wird. Eine Erhöhung auf den Maximalwert von 1 % THC wäre ein wahrer Fortschritt. Damit wäre das Hanf jedoch noch nicht als Freizeitdroge nutzbar. Genau das hat man in der Schweiz erkannt und 1 % als Grenzwert festgesetzt und damit im Vergleich zu den EU-Mitgliedstaaten einen größeren Spielraum gewährt. Bei der Herstellung von CBDÖl und bei den legalen CBD-haltigen Blüten, die sich in den vergangenen Jahren international verbreitet haben, ergeben sich dadurch deutliche Marktvorteile. Dieser höhere

Grenzwert erklärt teilweise auch, warum die Schweiz, trotz ihres kleinen Territoriums, mit 600 CBD-Produzenten die Spitzenposition in Europa einnimmt. Das Europäische Parlament muss nun über eine Vielzahl von Hanfprodukten, angefangen von Lebensmitteln

über Kleidung und Kosmetika hin zu medizinischen Produkten, entscheiden. Es steht außer Zweifel, dass alle Länder der Europäischen Union davon profitieren würden, wenn beim Industriehanf dem Vorbild der Schweiz gefolgt würde.


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Red Mandarine F1 Fast Version® Der Ferrari des Cannabis

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ie immer stellt Sweet Seeds® Anfang des Jahres seine neuen Sorten vor. Diesmal bringen wir hervorragende Genetiken auf den Markt, sodass alle ZüchterInnen sich direkt zu Beginn der Saison an diesen erfreuen können. Für das Jahr 2019 gelang es Sweet Seeds®, einen lang gehegten Traum zu verwirklichen: die Züchtung einer purpurfarben blühenden, fotoperiodenabhängigen Gattung. Unsere brandneue Red Mandarine F1 Fast Version® (SWS79) wird das Herz vieler CannabiszüchterInnen auf der ganzen Welt erobern. Ich benutzte für 9 Pflanzen einen kleinen Zuchtschrank mit LEDBeleuchtung und einer Größe von 120 x 120 cm. Das vegetative Stadium dauerte etwa 4 Wochen. Ich ging zu 12/12 über, als sie ca. 20 cm hoch waren. Alle Pflanzen zeigten eine einheitliche Form. Sie

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wuchsen in den ersten 2 Wochen der Blütezeit weiter und erreichten ihre endgültige Höhe von etwas über 60 cm mit schönen roten Blütenkelchen. Fast alle hatten schöne Farben und waren vollständig mit Trichomen bedeckt. Nach der 8. Blütewoche wurden alle Pflanzen in den Trockner gegeben. Im biologischen Anbau erzielte ich einen sehr guten Ertrag von ca. 480 Gramm erstklassigem Cannabis mit schönen, kompakten Knospen, die vollständig mit hochwertigen roten Trichomen gefüllt sind. Die Wirkung von Red Mandarine F1 Fast Version® ist ideal, um jede Verrichtung in ein angenehmes Erlebnis mit dem Gefühl mentaler Freude zu verwandeln, ohne jedoch Paranoia auszulösen. Sie ist also sehr gut geeignet für Partys, das Zusammensein mit Freunden, Landausflüge oder unterhaltsame Aufgaben. (x)


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Medizin

Auch im Alter kann man damit anfangen

Medizinischer Gebrauch im fortgeschrittenen Alter

In den Vereinigten Staaten wächst die Gruppe der CannabispatientInnen im Alter zwischen 50 und 64 Jahren am stärksten und man kann davon ausgehen, dass dies vorbehaltlich gesetzlicher Regelungen in anderen Teilen der Welt auch so wäre. Es ist daher interessant zu betrachten, aus welchen Gründen AmerikanerInnen der mittleren und älteren Generation Cannabis benutzen und auf welche Weise sie es zu sich nehmen.

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aut einer Studie an US-BürgerInnen, die letzten September veröffentlicht wurde, hat sich der Cannabisgebrauch von Menschen im Alter von 60 bis 80 Jahren seit 2006 verdoppelt. Nach einer staatlichen Untersuchung steigerte sich von 2006 bis 2013 die Zahl der CannabisbenutzerInnen im Alter von über 65 Jahren um 250 %. Parallel dazu benutzte fast ein Zehntel in der Altersklasse von 50–64 Jahren im vergangenen Jahr Cannabis und mehr als die Hälfte von ihnen hatte es schon irgendwann in ihrem Leben ausprobiert. Aufgrund dieser hohen Steigerung scheint es so, dass die Älteren zu einer gut informierten Benutzergruppe gehören. Brendon Kennedy, der Leiter von Tilray, einem kanadischen Unternehmen für medizinisches Cannabis, erklärte, dass man der Altersgruppe der über 60-jährigen nach

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der Legalisierung in den USA große Aufmerksamkeit schenke. Tatsächlich entschieden sich auch viele von ihnen für den Konsum, können wir hinzufügen. Nach den Ergebnissen der Forschungsgruppe Brightfield Group macht in den US-Bundesstaaten Oregon, Colorado, Washington und Kalifornien die höhere Altersklasse ein Viertel aller CannabiskonsumentInnen aus. Die meisten konsumieren es aus medizinischen Gründen.

Weniger Schmerzen, tolerable Nebenwirkungen Die Älteren benutzen Cannabis hauptsächlich bei chronischen Erkrankungen, beispielsweise zur Linderung von anhaltenden Schmerzen. Eine neue Untersuchung analysierte die Gewohnheiten von 204 älteren

PatientInnen in New York, die Präparate mit unterschiedlichen Verhältnissen von THC und CBD verwenden. Die meisten von ihnen haben chronische Schmerzen, aber es gibt auch Krebskranke, Menschen, die unter neuropathischen Schmerzen und Multipler Sklerose leiden, EpileptikerInnen und Parkinsonkranke. Die meisten von ihnen bevorzugen die Präparate als Tinktur, die sie unter die Zunge träufeln. 70 % berichten dabei von einer Linderung ihrer Symptome. Bei der Hälfte von ihnen lassen die chronischen Schmerzen nach, 18 % schlafen besser, bei 15 % nehmen die Nervenschmerzen ab und bei 10 % verringern sich die Angstbeklemmungen. Forschungsleiter Laszlo Mechler sagt, dass die untersuchte Gruppe mehrheitlich die Cannabistherapie als wirksam einstuft, von einer verbesserten Lebensqualität spricht


und die Behandlung fortsetzt. Ein Drittel von ihnen klagte über Nebenwirkungen, diese verringerten sich jedoch bei richtiger Dosierung. Nur 3 % waren wegen unangenehmer Nebenwirkungen gezwungen, die Therapie zu beenden. Hinsichtlich der Wirkungen und Nebenwirkungen wurden die besten Ergebnisse mit THC und CBD im Verhältnis von 1:1 erzielt. Mechler ist der Meinung, dass in der Opioidkrise jede Ersatztherapie wichtig ist, insbesondere mit Mitteln, die nicht überdosiert werden können. Bereits im Jahr 2018 zeigte eine Untersuchung, dass in Staaten, in denen medizinisches Cannabis erhältlich ist, bei älteren Menschen der Gebrauch von rezeptpflichtigen Opioiden um 14 % sank.

Besonderheiten der Einnahme bei älteren Menschen Der große Vorteil des Cannabis ist neben den geringeren Nebenwirkungen die Tatsache, dass bei der richtigen Form der Einnahme die inneren Organe nicht geschädigt werden. Mechler merkte an, dass bei älteren Menschen kein Missbrauch feststellbar war. Auch ist nicht zu befürchten, dass aus dem Medikament eine Freizeitdroge wird. Ein weiterer Vorzug ist, dass eine negative Beeinflussung

der kognitiven Entwicklung – die als eine der Hauptrisiken des Cannabiskonsums gesehen wird – ebenfalls nicht zu erwarten ist. Ganz im Gegenteil: Nach Untersuchungen zum Alterungsprozess des Gehirns verringert Cannabis durch Aktivierung der Cannabinoidrezeptoren die Gefahr einer Demenz, beispielsweise bei Parkinsonkranken. Obwohl man beim medizinischen Cannabis in den USA meist an dessen Blüten denkt, ist das Cannabisrauchen bei älteren Menschen die am wenigsten verbreitete Form der Einnahme. Viele suchen eine Alternative zu ihren gewohnten Medikamenten und bevorzugen

Kapseln und Cremes. Vorteil dieser Einnahme ist die Möglichkeit der genauen Dosierung und Bestimmung des Verhältnisses von THC zu CBD. Auch müssen im Bedarfsfall nur geringe Mengen eingenommen werden. Dadurch ist die Wirkung vorhersehbar und zudem wiederholbar. Die Kapseln können wie gewohnt in Medikamentenverpackungen bezogen werden, ohne Aufsehen zu erregen. Es gibt keinen verräterischen Grasgeruch und man kann auf Vaporizer, Bongs und ähnliche Hilfsmittel verzichten. Diese Altersgruppe bevorzugt die Lieferung ins Haus oder den Kauf in Apotheken – in letzterem Fall sind sie dankbar, wenn sie genauso behandelt werden, wie alle anderen Kunden auch.

Die Unternehmen erleichtern den Bezug Für die besonderen Bedürfnisse älterer NutzerInnen von medizinischem Cannabis interessieren sich zunehmend auch die produzierenden Unternehmen, da diese sie gerne zu ihren KundInnen zählen möchten. Auf der International Cannabis Policy Conference (ICPC), die letzten Dezember in Wien stattfand, sprach ein Tilray-Fachmann für PatientInnenbedürfnisse über die guten Erfahrungen bei der Präsentation von Cannabis als Mittel zur Behandlung verschiedener Symptome bei älteren Menschen in vielen Ländern. Ein kanadischer Hersteller von medizinischem Cannabis, Canopy Growth, organisiert für SeniorInnen Fahrten zu Cannabisfarmen, wo sie mit eigenen Augen die Pflanzen und die Verarbeitungsmethode sehen können, während sie über die medizinische Anwendung informiert werden. Zusätzlich finanziert die Firma Forschungsarbeiten zur Schmerzlinderung durch Cannabis bei älteren Menschen. Neben vielen Unternehmen denken auch wir, dass in absehbarer Zeit medizinisches Cannabis eine Mainstreamtherapie für ältere Menschen sein wird.

text: Gabor Holland

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VollBlut

Hawaiian Snow

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ie beste Sativa der Welt ist zurück. Sie produziert größere Blüten als je zuvor und liefert eine der unvergleichlichsten Geschmacksrichtungen in der Cannabiswelt. Wir fanden diesen unglaublichen Phänotypen des Hawaiian Snow in unserem originalen Saatgut aus den 1990er Jahren und nutzten ihn als neue Mutter für unsere Samenproduktion. Während das Geschmacksprofil der Sorte der alten Version sehr ähnlich ist, produziert sie jetzt viel größere Blüten. Der einzigartige Geschmack, der oft als karamellisierte Zwiebeln beschrieben wird, kombiniert mit einem starken, belebenden Sativa-High, ist ein Favorit vieler Raucher weltweit. Diese Kombination hat der Sorte zu vielen Auszeichnungen verholfen. Sie konnte fast bei jedem Cup, bei dem sie eingereicht wurde, einen Preis einheimsen.

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Die Pflanze wächst schnell und streckt sich stark. Deshalb brauchen die langen Äste Unterstützung, um die schweren Blütenstände tragen zu können. Die Blüten schichten sich gut zwischen den Internodien und bilden sehr große Colas. Die Blätter sind dünn und schmal, typisch für Sativa-dominante Pflanzen. Die Blütezeit beträgt 12 Wochen und die Pflanze kann einen Ertrag von bis zu 700 g pro Quadratmeter liefern. Die THC-Werte sind hoch, während die CBD- und CBN-Werte recht niedrig sind. Die Wirkung von Hawaiian Snow ist sehr belebend und fördert den sozialen Kontakt. Nicht zuletzt besitzt diese Sorte hervorragende medizinische Eigenschaften als Antidepressivum.  (x)


VollBlut

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Canna+Globe

Sexueller Kraftstoff

Cannabis erhöht die Anzahl der Spermien und Orgasmen

Über die Auswirkungen des Cannabis auf das sexuelle Leben und die Potenz gibt es verschiedene Meinungen und Erfahrungen. Was aber sagt die Wissenschaft dazu? Nach einer neuen Forschung hat Cannabis bei beiden Geschlechtern sehr wohl einen Platz in einem gesunden und erfüllten Sexualleben.

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ellnessprodukte, Massageöle, Gleitmittel auf Hanfbasis und andere sexuelle Hilfsmittel suggerieren, dass Cannabis die Weiblichkeit fördert und mit der Sexualität Hand in Hand geht. Die meisten Berichte sind subjektiv, die wissenschaftlichen Forschungen bieten kein eindeutiges Bild. Endgültige Antworten auf offene Fragen können auch wir nicht geben, aber die Ergebnisse zweier neuer Untersuchungen können vielleicht einen Beitrag dazu leisten, sich eine genauere Vorstellung von den Auswirkungen des Cannabis auf das sexuelle Erleben und die Fruchtbarkeit zu machen.

Zweimal so viele Orgasmen bei Frauen Die Fachzeitschrift Sexual Medicine veröffentlichte eine Forschungsarbeit, welche die Wirkung von Cannabis auf die Libido von Frauen untersucht. Auf diesem Gebiet herrschten bisher eher anekdotische Berichte vor, daher beschlossen die ForscherInnen, die Erfahrungen von mehreren hundert Frauen 36

zusammenzufassen. Die Angaben einer anonymen Befragung von 373 Frauen (mehrheitlich heterosexuell mit weißer Hautfarbe) wurden zwischen März 2016 und Februar 2017 ausgewertet. Es wurde unter anderem die Frage nach der Zufriedenheit mit ihrem momentanen Sexualleben gestellt, ob sie Orgasmen erleben und ob sie Gleitmittel benutzen. Interessiert war man an deren Marihuanakonsum und wollte wissen, ob es vor dem sexuellen Zusammensein konsumiert wird. Insgesamt 176 Frauen gaben an, Marihuana zu benutzen. 86,5 % von ihnen berichteten von angenehmerem sexuellem Erleben, bei 60 % steigerte sich die Libido und 53 % sprachen von einer höheren Zahl an Orgasmen. Die ForscherInnen gelangten zu der Feststellung, dass Cannabisgebrauch vor dem Sex die Wahrscheinlichkeit eines befriedigenden Orgasmus verdoppele. Forschungsleiterin Becky Lynn war, ausgehend von der schmerzstillenden Wirkung des medizinischen Cannabis, daran interessiert, wie Cannabis das Sexualleben von Frauen beeinflusst, bei denen Geschlechtsverkehr gewöhnlich mit Schmerzen verbunden ist und

die daher sehr schwer zu einem Orgasmus kommen. Der Wirkungsmechanismus ist jedoch weiterhin nicht vollkommen geklärt. Möglicherweise hängt er mit der stresslösenden Wirkung des Cannabis zusammen, die das Vertrauen und die Experimentierfreude steigert. Eine Rolle könnten auch die Cannabinoidrezeptoren bei der Regulierung der Sexualhormone spielen, die durch das Cannabis angeregt werden. Letztendlich schärft Marihuana die Sinnesorgane, einschließlich des Tastsinns, des Sehens, des Riechen und des Schmeckens, was für stärkere Erlebnisse sorgt. Die Forschung bietet also weitere Belege dafür, dass sich Cannabis positiv auf das sexuelle Leben von Frauen auswirkt.

Höhere Spermienzahl Das Erleben ist allerdings nur ein Aspekt der Sexualität. Die andere Frage ist, wie sich Cannabis auf die Zeugungsfähigkeit auswirkt. Im Februar 2019 publizierte die Fachzeitschrift Human Reproduction eine Studie, die den Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und der Spermienzahl untersuchte. An der


Harvard-Universität hatte man eine Erhebung unter Männern, die sich an Fruchtbarkeitskliniken gewandt hatten, durchgeführt. Die Untersuchung ist daher nicht repräsentativ für die Durchschnittsbevölkerung. Dennoch geben die Ergebnisse Anlass zum Nachdenken. Aus vorausgegangenen Untersuchungen wissen wir, dass der regelmäßige Genuss größerer Mengen von Cannabis die Spermienproduktion beeinträchtigen kann. Im Gegensatz dazu kamen die ForscherInnen zu dem Ergebnis, dass der mäßige Konsum von zwei Joints pro Woche den Testosteronspiegel und die Produktion von Spermien anhob. Untersucht wurden 662 Männer mit geringer Fortpflanzungsfähigkeit, die sich zwischen 2002 und 2017 in einem Krankenhaus in Massachusetts hatten behandeln lassen. 365 Männer, die in der Vergangenheit maßvoll Cannabis konsumiert hatten, wiesen eine deutlich höhere Spermienkonzentration auf. 64,7 Millionen Spermien/ml, während bei den übrigen 297 Männern, die niemals Cannabis eingenommen hatten, lediglich 45,4 Millionen Spermien/ml gemessen wurden. Dies wird damit erklärt, dass das Endocannabinoidsystem unseres Körpers auch bei der Fruchtbarkeit eine Rolle spielt und eine gelinde Stimulation sich positiv auf die Potenz auswirkt. Dabei war es gleichgültig, ob jemand während der Untersuchung oder Jahre zuvor zum letzten

Mal konsumiert hatte. Man kann daher von einer konstanten Wirkung sprechen. Die ForscherInnen filterten die Probanden auch nach Faktoren wie Lebensalter, Cannabisabstinenzzeiten, Tabakrauchen, Kaffee-, Alkohol- und Kokaingebrauch. Da die Ursachen im Dunkeln liegen, formulierte der Untersuchungsleiter vorsichtig: „Diese unerwarteten Ergebnisse verdeutlichen, wie wenig wir über die Wirkung von Marihuana auf die Fortpflanzungsfähigkeit wissen.“ Jorge Chavarro, der an der

Untersuchung mitgearbeitet hatte, fügte hinzu, dass weitere klärende Forschungen nötig sind. Trotz aller Unsicherheiten kann man sagen, dass ein maßvoller Cannabisgebrauch sich sowohl auf das sexuelle Erleben als auch die Zeugungsfähigkeit positiv auswirken kann.

text: Bob Arctor

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Blue Dream

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lue Dream der Humboldt Seed Organization ist eine feminisierte Cannabissorte mit Sativa-Dominanz und auf dem amerikanischen Kontinent richtig gut gefragt. Durch den Kauf der Blue-Dream-Hanfsamen holt ihr euch eine Hybride, die zu den Cannabis-Top-Ten der USA gehört!

Eine atemberaubende Genetik Spross einer großen Sorte Blue Dream ist eine Marihuanasorte, deren Wurzeln für sich sprechen, schließlich ist sie die Tochter der wunderbaren Blueberry und einer ausgewählten Haze. Diese Verbindung ergab eine herrliche Cannabis38

pflanze, die vor Qualität nur so strotzt und riesige, in ein subtiles, köstliches Aroma gehüllte, Buds bildet. Indoor empfiehlt sich eine kurze Wachstumsphase, outdoor gedeiht sie optimal in trockenen, warmen, milden und mediterranen Klimata sowie im Gewächshaus. Ihre Harzproduktion ist beeindruckend.

Geschmack, Aroma und Wirkung jenseits eurer Vorstellungskraft Blue Dream ist eine Marihuana-Hybride, deren Aroma stark an Haze, Zitrusfrüchte und Zeder erinnert. Geschmacklich wartet sie mit intensiven Noten nach Zitrone, Kiefer, Weihrauch, süßen Früchten und Haze auf. Was die Wirkung angeht, so sorgt diese potente Cannabissorte für lang anhaltende, zerebrale, klare, stimulierende Empfindungen. Deshalb sind diese Samen auch der absolute Traum zahlreicher Grower! (x)


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Krieg gegen uns selbst Zum Gedenken an Ronald Siegel

Zur menschlichen Natur gehört auch das Verlangen nach Veränderung des Bewusstseinszustands. Wenn wir den Drogen den Krieg erklären, verleugnen wir unser eigenes Wesen, behauptete Ronald Siegel, der kürzlich verstorbene Professor für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaft der Universität von Kalifornien.

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onald K. Siegel wurde 1943 in New York geboren. Er studierte unter anderem an der Brandeis University, der Harvard Medical School, der Dalhousie University und dem Albert Einstein College of Medicine. Als junger Forscher wurde er mit der Aussage konfrontiert, dass der Mensch das einzige Wesen sei, das Drogen zum Genuss konsumiere. Mit dieser Ansicht stimmte er von Anfang an nicht überein, und mit der Zeit entwickelte sich die Suche nach Gegenbeispielen zu seiner Leidenschaft.

Von Mungos, die einen Trip werfen, bis hin zu Opium konsumierenden Wasserbüffeln

Siegel war der Meinung, dass der Trieb nach Bewusstseinsveränderung nicht nur beim Menschen, sondern auch im Tierreich zu finden sei. Hier seien ebenfalls die verschiedenen Ziele des Konsums – die Suche nach Rausch, Selbstheilung bei Verlust oder Trauma sowie psychedelischen Erfahrungen

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– zu beobachten. Auf Hawaii pflanzte Siegel in der Nähe der Behausungen von Mungos Prunkwinden, deren Samen einen Stoff mit psychedelischer Wirkung (LSA) enthalten, der dem LSD ähnelt. Die Tierchen probierten es aus, augenscheinlich behagte ihnen die Wirkung der Samen nicht und daher beschäftigten sie sich nicht weiter mit Ihnen. Einige Zeit später, nachdem ein Tropensturm ihre Behausung zerstört und einige von ihnen getötet hatte, nahmen die Überlebenden allerdings Samen zu sich. Siegel ist der Meinung, dass sie sich damit von ihren Gedanken und Schmerzen befreien wollten. Eine ähnliche Motivation könnte vietnamesische Wasserbüffel, die lange Zeit die nahen Opiumfelder gemieden hatten, dazu veranlasst haben, Opium zu konsumieren. Sie waren, verursacht durch ein Bombardement der Amerikaner, in Panik geraten und mussten ihr gewohntes Territorium verlassen. Bienen hingegen konsumieren offensichtlich aus reinem Vergnügen den Nektar einiger berauschender Orchideenarten. Kaum wieder nüchtern, wie-

derholen sie den Vorgang. Bei Katzen kann man keine plausible Erklärung dafür finden, warum sie sich an Katzenminze berauschen und dann mit imaginären Dingen spielen. Bei Affen wurde beobachtet, dass sie, ähnlich wie wir Menschen, Zauberpilze zur Bewusstseinserweiterung zu sich nehmen. Unter ihrer Wirkung stützen sie den Kopf in ihre Hände und gleichen dann dem Denker von Rodin. In Siegels Sichtweise sind auch Tiere fühlende und denkende Wesen, die – ähnlich wie wir – mit biochemischen Hilfsmitteln versuchen, ihre Schmerzen zu lindern oder Rauschzustände hervorzurufen.

Bewusstseinsveränderung ist ein Grundbedürfnis Erwartungsgemäß widerlegte Siegel nach zahlreichen Untersuchungen schließlich die Ausgangshypothese und verkündete, dass „fast jede Tierart nach natürlichen Narkotika sucht“. Ganz besonders treffe das auf den Menschen, das komplexeste Wesen, zu. Sein reges Interesse daran beruhe auf einem Kindheitserlebnis, einer Narkose beim Zahnarzt mit Lachgas, die ihn zu dahin unbekannten Bewusstseinszuständen geführt hatte. Mit diesem Gas beschäftigte sich auch William James, ein Philosoph des 19. Jahrhunderts. Dieser schlussfolgerte, dass „das sogenannte rationale Bewusstsein nur eine spezielle Art des Bewusstseins ist, und nur ein dünnes Häutchen trennt es von dem umgebenden vollkommen abweichenden, potenziellen Ausformungen von Bewusstsein.“ Siegel selbst konsumierte nur wenige Drogen – seine Lieblingsdroge war das Koffein – aber er fand immer leicht Freiwillige für seine Forschungen, was seine These ebenfalls untermauerte. Neben seinen Versuchen mit Tieren studierte Siegel an diesen Freiwilligen die Wirkung von Cannabis, THC, LSD, Ketamin, Psilocybin und Mescalin auf das menschliche Verhalten. Außerdem untersuchte er die Menschheitsgeschichte daraufhin, wie sich Drogen auf die Kultur, die persönliche Lebensgestaltung und die Entscheidungsfindung auswirken. Belege findet man bereits in der antiken Tradition der Mysterien von Eleusis, dabei konsumierten die TeilnehmerInnen psychedelische Stoffe.


Ronald K. Siegel

Durch unsere gesamte Geschichte zieht sich eine Unmenge weiterer Beispiele, auch von der Bewusstseinserweiterung bei Herrschenden wurde mehrfach berichtet. So gelangte Siegel schließlich zu der Meinung, dass das Verlangen nach einer Bewusstseinsveränderung ein universaler Trieb des Menschen sei. Dieser leite uns mindestens ebenso stark wie Hunger, Durst oder die Sexualität.

Sich über unsere eigene Natur im Klaren sein Siegels Meinung ist es, dass es gleichgültig sei, ob man Handel und Konsum bestimmter Mittel legalisiert oder nicht. Die Menschen werden weiterhin die für sie nützlichen Drogen konsumieren. Für einen absoluten Irrweg hält er jedoch den Krieg gegen die Drogen, der ein für alle Mal den Handel und

Konsum bestimmter Mittel beenden will. In Siegels Augen ist das nichts anderes, als ein Krieg gegen uns selbst, gegen unsere eigene Natur, und ist damit zum Scheitern verurteilt. Seine Ansichten veröffentlichte er erstmals 1998 in „RauschDrogen. Sehnsucht nach dem künstlichen Paradies“, als Erster zu Zeiten des Drogenkrieges. Sein Standpunkt wurde bis heute durch eine Vielzahl neuer Beweise belegt. Als Verhaltenswissenschaftler betrachtete Siegel den Konsum von Rauschmitteln als eine Methode der Selbstheilung. Damit stand er der immer häufiger geäußerten Meinung nahe, dass jeder Cannabiskonsum therapeutisch ist. Seine Ansichten über den menschlichen Drogenkonsum klingen zusammengefasst so: „Sie betreiben Selbstheilung. Sie verändern ihre Stimmung. Sie verändern ihre Gefühle. All das ist legitimer therapeutischer Gebrauch.“ Heute, in den letzten Stunden des Krieges gegen die Drogen, sollte man sich im Klaren darüber sein, welche Schäden dieser den therapeutischen KonsumentInnen in den vergangenen 60 Jahren zugefügt hat. Es ist daher unumgänglich, sich Siegels Schriften wieder vorzunehmen.

text: Jack Pot

Starterset von Plagron Alle Nährstoffe für die Aufzucht einer Pflanze

Das Plagron-Starterset gibt ZuchtanfängerInnen die Möglichkeit, die Plagron-Produkte kennenzulernen. Probiere die Kombination der Plagron-Basisdüngung und einem starken Wurzelstimulator aus. Plagron hat speziell für ZuchtanfängerInnen ein neues Paket zusammengestellt: das Plagron-Starterset. Dieses Set ist in zwei unterschiedlichen Ausführungen erhältlich, als 100 % NATURAL und 100 % TERRA-Variante. Das Starterset enthält die bekannten Basis-Düngemittel und den Wurzelstimulator Power Roots. Aufgrund des niedrigen Preises ist dieses Set ideal für ZüchterInnen geeignet, die die Plagron-Produkte kennenlernen möchten. Die beiden Ausführungen des Startersets bieten verschiedene Vorteile. Die Produkte von 100 % NATURAL sind vor allem für den biologischen Anbau geeignet und äußerst benutzerfreundlich. Die Basisdüngung von 100 % TERRA sorgt für ein schnelles und optimales Ergebnis. Der Zusatzstoff Power Roots ist ein Wurzelstimulator, der eine schnelle und starke Wurzelentwicklung fördert. Er verbessert den Widerstand der Pflanze und unterstützt somit einen guten Wachstumsstart. Vorteile des Startersets 100 % NATURAL - 100 % NATURAL-Produkte sind für biologische Landwirtschaft und biologischen Gartenbau geeignet (CU-zertifiziert) - Ideal für ZuchtanfängerInnen - 3 Produkte in einem Set Vorteile des Startersets 100 % TERRA - Schnelles und optimales Ergebnis - Ideal für ZuchtanfängerInnen - 3 Produkte in einem Set Basisdünger Zwei Flaschen à 50 ml Basisdünger. Das ist für die Wachstums- und Blühphase einer Pflanze ausreicht. Im 100 % NATURAL-Set sind Alga Grow und Alga Bloom enthalten, im 100 % TERRA-Set Terra Grow und Terra Bloom. Zusatzstoff Eine Flasche à 50 ml Power Roots. Dieser Zusatzstoff regt das Wachstum der Wurzeln an und erhöht somit den Widerstand der Pflanze. Hast du noch Fragen? servicedesk@plagron.com Weitere Informationen über das Starterset und unsere anderen Produkte findest du auf www.plagron.com.

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Canna+Globe

Statt Tabak

Alternativen für Raucher Über die schädlichen Wirkungen des Rauchens muss man keine Worte verlieren: Tumore, Schlaganfälle, Herzinfarkte. Seit mehr als 5.000 Jahren ist das Rauchen Teil des menschlichen Lebens und würde wahrscheinlich auch mit einem Verbot der Tabakwaren nicht aus der Welt zu schaffen sein. Wir möchten ein paar weniger schädliche Alternativen präsentieren: Heilkräuter, die wir statt Tabak rauchen können. Damit enthüllen wir auch, was manche SchauspielerInnen bei den Dreharbeiten paffen. Kleinblütige Königskerze (Verbascum thapsus)

Echte Beerentraube

Es ist erwiesen, dass die Königskerze über vielfältige Heilwirkungen verfügt: Die Schleimstoffe der Pflanze bekämpfen Entzündungen und Husten. Sie wird zur Behandlung von Erkrankungen der Lunge oder der Atemwege benutzt. Der Rauch ist mild, leicht und gewöhnlich ohne Geschmack. Kleinblütige Königskerze

Huflattich (Tussilago farfara) Huflattich reduziert den Hustenreiz und hat eine schleimlösende und entzündungshemmende Wirkung. Ein ausgezeichnetes Heilmittel bei Erkrankung der Atmungsorgane, er wird aber auch bei Heiserkeit angewandt. In der Volksheilkunde benutzt man ihn, in der Pfeife geraucht, zur Behandlung von Asthma. Der Rauch ist leicht und ohne Geschmack. Es sollte aber nicht in hoher Konzentration konsumiert werden.

Helmkraut (Scutellaria spp.) Helmkraut hat eine leicht beruhigende Wirkung und entwickelt wenig Rauch mit einem neutralen Geschmack. Mehr als 200 Sorten mit unterschiedlicher Heilwirkung sind bekannt. Am häufigsten werden das Hohe Helmkraut (Scutellaria altissima) und das Sumpf-Helmkraut (Scutellaria galericulata) verwendet. Die Pflanze senkt den Blutdruck, wirkt krampflösend, Arterien erweiternd, wird aber auch zur Behandlung von Angststörungen eingesetzt. 42

Helmkraut


Salbei

Salbei (Salvia divinorum), dessen Gebrauch in mehreren Ländern verboten ist, weil er Halluzinationen hervorruft.

Echte Beerentraube (Arctostaphylos uva-ursi) Schon seit Langem rauchen Indianer die Beerentraube bei ihren Festlichkeiten, außerdem behandeln sie mit ihr Erkrankungen der Harnwege. Sie wirkt ähnlich wie Tabak, der Rauch ist mittelstark und hat ein leicht erdiges Aroma. Ein Großteil der SchauspielerInnen raucht nicht, jedoch verlangt ihre Rolle manchmal, dass sie sich eine Kippe anzünden. Liam Neeson beispielsweise rauchte Nonstop eine Zigarette aus Kamillentee. Wie sich herausstellte, gibt es für SchauspielerInnen eine Menge von Zigarettenimitaten. Ecstacy Cigarettes beispielsweise enthalten weder Tabak noch Nikotin, sondern Heilpflanzen. Bei den Dreharbeiten zu Mad Man wurden ungefähr 200.000 solcher Zigaretten geraucht. Minze

Minze (Menthas spp.)

Salbei (Salvia spp.)

Minze wird hauptsächlich wegen ihres Geschmacks angewendet, am beliebtesten sind die Grüne Minze und Pfefferminze, die artverwandte Zitronenmelisse ist als Beigabe zum Tabak sehr beliebt. Die verschiedenen Minzearten fördern die Gehirnfunktionen und das Denken und wirken belebend bei Schläfrigkeit und Müdigkeit.

Salbei wird hauptsächlich wegen seines Geschmacks Tabakmixturen beigefügt. Es gibt viele Arten, z. B. den Weißen oder Indianischen Räuchersalbei, den Kalifornischen Salbei (Salvia mellifera) und den Ananas-Salbei (Salvia elegans). In der Volksheilkunde wird Salbei schon seit langen Zeiten verwendet, früher hielt man ihn für ein Allheilmittel. Heute benutzt man ihn zur Desinfektion, zum Töten von Bakterien sowie zur Reduktion von Entzündungen. Es gibt auch weniger verbreitete Abarten des Salbeis: Azteken-

Gemeiner Beifuß (Artemisia vulgaris) Beifuß wird seit Urzeiten gegen Müdigkeit verwendet. Der Rauch ist leicht und süßlich. Die Pflanze hat eine appetitanregende Wirkung, fördert die Verdauung, stärkt die Nerven und löst schwere Krämpfe.

Huflattich

Gemeiner Beifuß

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VollBlut

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raktisch jede/r HomegrowerIn dieser Welt, der/die sich ein bisschen mit Cannabissorten beschäftigt hat, wird von der Sorte Bubble Gum zumindest schon einmal gehört haben. Denn sie zählt in der Cannabis-Sortenwelt zu den großen berühmten Namen. Allein dessen Klang versetzt KennerInnen schon in schwärmerisches Entzücken. Seit ihrem ersten Aufkommen im Jahr 1994 hat sie sich über drei Jahrzehnte hinweg zu einem ewig jungen Evergreen entwickelt, der auch heutzutage noch mit Preisen ausgezeichnet wird, der immensen Konkurrenz zahlloser anderer Sorten zum Trotz. Was eine große Leistung ist, schließlich ist die Cannabis-Sortenwelt von heute eine ganz andere als die von 1994. Damals war die Zahl der Samenbanken und Sorten noch sehr überschaubar, im neuen Jahrtausend gab es dann eine regelrechte Marktexplosion mit einer Unzahl von neuen Saatgutproduzenten und Sorten, begünstigt auch durch die Liberalisierung und Legalisierung von Cannabis in etlichen Ländern. Und dennoch: Bubble Gum strahlt immer noch als heller Stern am Sortenfirmament. Die stolze Zahl von elf Preisen hat diese gloriose SativaIndica-Sorte der alteingesessenen niederländischen Qualitätssamenbank Serious Seeds insgesamt gewonnen, 2016 heimste sie ihre bislang letzte Auszeichnung ein. Was aber macht die Faszination von Bubble Gum aus? In erster Linie ist es ihr enorm süßer Geruch, ein Charakteristikum, das tatsächlich sehr an Kaugummi erinnert und dieser Sorte so zu ihrem Namen verholfen hat. Diese legendäre Süße hat eine weiche, fruchtige Natur und wartet mit einer delikaten Erdbeernote auf. Das zweite Markenzeichen von Bubble Gum ist ihr euphorisches High, diese Sorte verwöhnt also auf zweierlei Weise die Sinne. Was weiterhin heraussticht, ist das große Harzreichtum: Die Bubble-GumBlüten schütten massenweise Trichome aus, sodass sie am Ende ein opulentes Glitzerspektakel darbieten. Bubble Gum besteht aus drei verschiedenen exotischen Sativa-Rassen (wovon Mexican und Colombian namentlich bekannt sind) und einer Afghani-Indica. Es handelt sich also um eine Sativa-dominante Sorte, deren Streckungstemperament sich jedoch in Grenzen hält, die Pflanzen wachsen mittelhoch. Eine weitere Besonderheit von Bubble Gum ist die Tatsache, dass sie eine reinerbige Inzuchtsorte ist, also keine F1-Hybride. Deswegen sind aus Samen gezogene Pflanzenbestände besonders homogen, mit so gut wie keinen oder nur geringen Unterschieden bei den einzelnen Individuen. Beispielsweise wachsen sie alle in etwa gleich hoch und blühen ungefähr gleich lang, was dem/der GrowerIn seine/ihre Arbeit natürlich erleichtert. Die Blütezeit von Bubble Gum beträgt 8–9 Wochen. Unter natürlichem Licht gelangt sie Mitte bis Ende Oktober zur

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Bubble Gum

Die Königin der Cannabis-Süße Reife. Ihr Ertragspotenzial liegt bei 300–450 g/m² und ist damit durchschnittlich hoch. Die reguläre Bubble-Gum-Sorte von Serious Seeds wurde vor etwa zwei Jahren züchterisch überarbeitet. Serious-Züchter Simon war nicht mehr hundertprozentig zufrieden mit den geruchlichen Ergebnissen der Pflanzen, denn das typische oldschool Bubble-Gum-Bouquet war nicht mehr ganz dasselbe. Es hatte etwas an Intensität verloren, offenkundig wegen einer Veränderung des Terpenprofils. Es war leicht abgeflacht, ragte nicht mehr als etwas wirklich Besonderes heraus. Simon: „Die Qualität der Pflanzen war natürlich immer noch sehr gut, in puncto Harzigkeit, Ertrag und Blütezeit hatte ich nichts zu beanstanden. Aber Bubble Gum

ist für mich eben nur Bubble Gum, wenn sie jenen typischen, unwiderstehlich süßen Duft verströmt, und diese Magie war ein Stück weit verloren gegangen.“ Die Samen wurden aus Klonen der alten Elternpflanzen produziert, und da setzte Simon den Hebel an. Er berichtet: „Zunächst versuchte ich, die Elternpflanzen in jeder erdenklichen Weise zu stimulieren, um sie wieder in den Zustand von einst zu versetzen. Doch das funktionierte nicht. Also musste ich ‚zurück ans Zeichenbrett‘ und Bubble Gum züchterisch neu aufzäumen. Zu diesem Zweck fing ich an, mit einer Pflanzengruppe aus meinem alten Bubble-Gum-Genpool zu arbeiten. Es brauchte etliche Kreuzungsgenerationen, bis am Ende etwas dabei herauskam, was wieder


den ursprünglichen unverwechselbar süßen Bubble-Gum-Duft aufwies. Ich wählte eine neue Vaterpflanze aus, die ich dann mit der alten Mutterpflanze kreuzte, um Samen zu produzieren, und das Resultat war, dass dabei wieder verlässlich Pflanzen mit dem einzigartigen oldschool Bubble-Gum-Geruch herauskamen – das Züchtungsziel war erreicht. Zur Sicherheit verteilte ich einige Testsamen unter Forumsmitgliedern und die einhellige Meinung war, dass ich es wahrhaftig geschafft hatte, den alten Bubble-GumDuft wiederherzustellen. Die Mission war also erfolgreich abgeschlossen, Bubble Gum wieder ganz die Alte.“ Was auch der Grower Mr. Knolle überprüfen wollte. Er besorgte sich ein Päckchen reguläre Bubble-Gum-Samen und säte sechs Stück aus. Alle sechs keimten optimal, und Mr. Knolle pflanzte die Sämlinge direkt in 10-Liter-Töpfe. Wie aufgrund ihrer Inzuchtnatur erwartet (und auch von Serious angekündigt), legten die sechs Jungpflanzen am Anfang ein etwas verlangsamtes Wachstumstempo an den Tag. Doch ungefähr zehn Tage nach der Keimung nahmen sie deutlich an Fahrt auf. Mr. Knolle veranschlagte eine dreieinhalbwöchige Wachstumsphase für seine Bubble-Gum-Pflanzen. Nachdem diese absolviert war, blickte er auf eine sehr einheitlich und kompakt gewachsene, schöne Pflanzengruppe mit mittelbreiten, dunkelgrünen Blättern und Höhen zwischen 27 und 31 cm. Nach der Umstellung der Zeitschaltuhr von 18/6 auf 12/12 dauerte es neun Tage, bis alle sechs Pflanzen ihr Geschlecht offenbart hatten: Mutter Natur hatte für ein 50:50-Ergebnis gesorgt, sodass Mr. Knolle nach dem Ausmustern der Männchen drei weibliche Pflanzen blieben. Diese drei begannen bereits nach dem Erscheinen der ersten Vorblüten, ihre ersten „Röschen“ zu formen. Schon nach zweieinhalb Wochen Blüte waren alle

Triebspitzen prall mit Blütenanlagen gefüllt, die sich anschließend mit Macht nach außen schoben. Nach viereinhalb Wochen prangten überall hübsche flauschigweiße Blütenköpfe, die auch schon von sehr vielversprechenden Harzmengen gesäumt waren. Mr. Knolle: „Die jungen Buds glitzern bereits jetzt verlockend, das wird glaube ich eine verdammt klebrige Angelegenheit werden.“ Höhenmäßig blieben die drei Pflanzen auch während der Blüte in erstaunlich präzisem Gleichschritt, es war so gut wie kein Unterschied erkennbar. Die Buds entwickelten sich auch in den Folgewochen weiter prächtig, wurden dick und dicht, dazu immer harziger. Eine der drei Pflanzen offenbarte bei der Blütenstruktur einen stärkeren Sativa-Einfluss als die anderen, ihre Buds zeigten

Ansätze von „Foxtailing“, also das Herausstehen einzelner Blütenlanzen aus den Buds an den Triebspitzen. Was aber alle drei Plants gemeinsam hatten, war ihr beeindruckender Trichomreichtum mit attraktiven langstieligen Harzdrüsen sowie: ein wahnsinnig süßer Duft! Ja, da war er tatsächlich, jener schmeichlerisch zuckersüße Bubble-GumGeruch, der diesen Strain berühmt gemacht hatte und Mr. Knolle schwärmen ließ: „Wenn man liest, wie süß eine Sorte riecht, ist das eine Sache, aber es dann wirklich mit den eigenen Sinnen zu erleben und zu genießen, natürlich eine andere. Diese wunderbare Süße ist extrem, so etwas habe ich bisher noch bei keiner anderen Sorte gerochen. Die Buds riechen wie ein süßer Fruchtcocktail, dessen Hauptzutat Erdbeere ist.“

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VollBlut Die drei Bubble Gums kamen pünktlich innerhalb des angegebenen Reifefensters ins Ziel, nach 61 bis 64 Tagen konnte Mr. Knolle alle drei vollreif ernten. Kurios war, dass sie am Ende wie exakt abgemessene Orgelpfeifen dastanden und 55, 56 und 57 cm hoch geworden waren. Bei der Trocknung ließ Mr. Knolle besondere Sorgfalt walten, denn Simon weist darauf hin, dass das einzigartige Bubble-Gum-Aroma bei unsachgemäßer Trocknung schnell in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Doch Mr. Knolle ließ seine Ernte über vier Wochen hinweg schonend trocknen und leicht fermentieren, und am Ende der Prozedur rochen die Buds sogar noch süßer als zuvor, durch den Chlorophyllabbau war das letzte Quäntchen Herbheit aus ihnen gewichen. „Und der Erdbeercharakter ist nun noch viel deutlicher in den Vordergrund gerückt, das sind jetzt supersüße, erdbeerige Cannabisfrüchtchen vom Allerfeinsten!“, freute sich Mr. Knolle. Zudem brachten sie auch einiges auf die Waage: Zusammen waren es 187 Gramm. Die drei Pflanzen hatten also jeweils im Durchschnitt mehr als 60 Gramm erzielt, die Grammzahl lag also deutlich über der Höhenzentimeterzahl, was Mr. Knolle als sehr produktiv erachtete. Dann war es soweit, das Bubble-GumTestrauchen stand an. Mr. Knolle wickelte sich eine amtliche Tüte mit gut einem halben Gramm, und durch die Mischung mit Tabak erinnerte der Geruch dieses Joints nun an

Erdbeertabak für Shishas. Allerdings mit dem Unterschied, dass hier nichts künstlich aromatisiert war, sondern das enorme Fruchtaroma auf natürliche Weise aus der Cannabispflanze kam. Mr. Knolle lehnte sich gemütlich an seine Couch und inhalierte einen tiefen ersten

Zug. Es war ein wolkig-weicher Rauch, der seinen Mund mit samtiger, lang verweilender Fruchtsüße erfüllte. Als er sich nach dem Ausatmen über die Lippen leckte, merkte er, dass diese ebenfalls von einer feinen süßlichen Schicht überzogen waren. „Das ist echt der Hammer, Bubble Gum hinterlässt überall ihre süßen Spuren“, schwärmte Mr. Knolle. So lieblich wie der Geschmack war auch die schnell einsetzende Wirkung: Die Botschaft, die das Bubble-Gum-Gras Mr. Knolles Neuronen nach einigen Zügen überbracht hatte, lautete Euphorie, Euphorie und nochmals Euphorie! Sein Herz jauchzte auf vor Wonne, jede einzelne Zelle seines Körpers wurde von nichts als Frohsinn regiert. „In mir drin ist echt die Sonne aufgegangen und hat mich in heller Freude erstrahlen lassen. Adieu trübe Gedanken und Stress, Bubble Gum bläst das alles stundenlang weg und sorgt für ein nachhaltiges Dolce-Vita-Gefühl“, berichtete Mr. Knolle voller Verzückung. „Für mich ist Bubble Gum die anbetungswürdige Königin der Cannabis-Süße“, bilanzierte er. Sie riecht und schmeckt supersüß und versüßt einem obendrein auch noch mental das Leben. Dazu ihre großartigen Anbaueigenschaften – ein schlicht geniales Gesamtpaket. Ein großes Lob für Züchter Simons Arbeit, Bubble Gum hat ihren Legendenstatus auf höchst eindrucksvolle Weise bestätigt, sie ist eine Sorte zum Verlieben!“

text: Green Born Identity 46


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