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Nr. 42 39 1/2019 4/2018 Feb–März Aug–Sept

Medical & Harm Reduction Magazine

Undankbares Kind

18+

„Die Legalisierung hat medizinisches Cannabis vernichtet”

Pläne in Rauch aufgegangen Cannabis in den Fängen von Big Pharma

Feindbild Cannabispatient?

Österreichs Regierung – allein gegen den Rest der Welt

Hanftee – eine verbotene Droge? Angebliche Gefahren eines Produkts der Hanfindustrie für das Gehirn


Liebe Leute!

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n Zeiten der medizinischen Zulassung und der Entkriminalisierung von Cannabis werden allein in Europa jährlich mehrere Dutzend Cannabiskonferenzen abgehalten. Wir nahmen an einigen Veranstaltungen teil. Die von der NGO FAAAT (For Alternative Approaches to Addiction, Think & do tank) und dem Knowmad-Institut organisierte und durchgeführte International Cannabis Policy Conference (ICPC) fällt jedoch aus dem Rahmen, weil sie einen neuen Ansatz wählte: Vor drei Jahren beschlossen die UN-Mitgliedstaaten 17 gemeinsame Ziele nachhaltiger Entwicklung. Auf der ICPC wurden wir daran erinnert, dass man diese Ziele beim Hanfanbau mit einer geeigneten Regelung und unter Berücksichtigung von Expertenvorschlägen sowie der Versorgung der PatientInnen bestens umsetzen kann. Die ICPC fand am Wiener Sitz der UNO im Anschluss an die Sitzung der Weltgesundheitsorganisation statt, auf der man die Übergabe des Berichts zur Überprüfung des Cannabis erwartet hatte, die jedoch skandalöserweise ausblieb. In mehreren Reden wurde auf die unerwartete Wendung eingegangen, obwohl man über die Hintergründe nur spekulieren konnte. Wir sprachen auf der Konferenz mit mehreren Vortragenden. Dr. Dominic Corva, Leiter des Center for the Study of Cannabis and Social Policy (CASP) in Seattle, befragten wir beispielsweise nach den Unregelmäßigkeiten bei der Legalisierung und den Auswirkungen für die PatientInnen. Wir trafen ebenfalls den österreichischen Aktivisten Paul Burger, mit dem wir über die aktuellen Änderungen des Cannabisgesetzes in Österreich und die damit verbundenen Auswirkungen für die CannabispatientInnen diskutierten. Unser ständiger Autor Toni Straka, Leiter des ös-

Impressum Chefredakteur: Gabor Holland Autoren: Bob Arctor, Jack Pot Kevin Herzig, Anatol Zweig Tomas Kardos, Toni Straka N. Nogada, Anna C. Histic Lektorin: Helen Bauerfeind Design: Gergely Vaska Verantwortlicher Herausgeber: G. Holland Medijuana Publishing GmbH 1180 Vienna, Hildebrandgasse 9/8 E-Mail: office@medijuana.eu Web: www.medijuana.eu

terreichischen Hanf-Instituts, zeigt die zu erwartenden Veränderungen und deren Konsequenzen auf. Der Deutsche Martin Meinreiß nahm als Beobachter der zivilen Organisation Knowmad an der UN-Sitzung und der ICPC teil, daher sprachen wir mit ihm nicht nur über die Situation in Deutschland. In diesem Zusammenhang beschäftigen wir uns damit, dass die Rechtsprechung einiger Länder der Europäischen Union und die juristische Praxis Nutzhanf als Droge klassifiziert, was nicht nur absurd, sondern für viele Wirtschaftsunternehmen geschäftsschädigend ist. Wie Hanftee nach Meinung einiger Gerichte zu einer verbotenen Droge werden kann, erfahrt ihr in einem weiteren Artikel. Natürlich fanden wir nicht nur in Europa entsetzliche Anomalien. Die verheerende Opiatkrise in den USA bewegt Millionen PatientInnen, weniger gefährliche Alternativen zu suchen. Neben dem Cannabis bietet Kratom vielen Menschen die Möglichkeit, sich aus den Fesseln von Analgetika oder Heroin zu befreien. Leider antwortet die US-amerikanische Regierung, statt den Prozess zu unterstützen und zu regulieren, wieder mit wirkungslosen Verboten. In der Debatte um die Legalisierung von Cannabis waren die Argumente ihrer BefürworterInnen schon immer überzeugender, als diejenigen der GegnerInnen, doch hatten Letztere einen wichtigen Einwand: Was geschieht, wenn Big Tobacco und Big Pharma in das Marihuana-Business einsteigen? Genau das geschieht gerade in der Realität. Das Tabakrauchen hat viel von seiner Popularität eingebüßt, daher erwägen immer mehr Unternehmen der Tabakindustrie den Schritt auf den Marihuanamarkt. Wenn hier jedoch die Giganten der Tabak-, Alkoholund Pharmaindustrie die Herrschaft übernehmen, werden sie kaum kleinere Akteure auf diesem Spielfeld dulden. Wir wünschen Euch angenehme Lektüre!  Der Hrsg.

In Zusammenarbeit mit

Medical & Harm Reduction Magazine

Index aeroponik systems Alfa boost Barney‘s Farm biobloom

27 48, U3 47 7, 39

cannatrade13 Dinafem seeds

29

florganics11 GreenHouse feeding

35

hanf bioladen

9

hanf expo wien

43

hanf institut

11

hanf-zeit15 Humboldt seed organization

21

Lucy‘s Rausch

43

Nachtschatten verlag

31

Near Dark

23

mary jane berlinU2 plagron

39, U4

plants4friends23 serious seeds

37

sweet seeds

45

united seed banks

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Verdampftnochmal19 xtrakt15 Der Herausgeber von Medijuana weist alle Leserinnen und Leser darauf hin, dass der Handel mit lebensfähigen Hanfsamen sowie Verkauf, Besitz und Lieferung derselben in mehreren Mitgliedsstaaten der Europäischen Union als illegal gelten! Sämtliche Inhalte sind zu Informations- bzw. Unterhaltungszwecken gedacht. Wir möchten keineswegs dazu beitragen, dass jemand in seiner Heimat bestehenden Gesetzen zuwiderhandelt. Es ist nicht Anliegen des Herausgebers von Medijuana, irgendjemanden zur illegalen Nutzung der in der Broschüre erwähnten Produkte anzuregen. Der Herausgeber trägt keine Verantwortung für Aussagen, die auf verkauften Anzeigenflächen erscheinen. Sämtliche Meinungen im Redaktionsteil stammen von den Autoren und decken sich nicht in jedem Falle mit dem Standpunkt des Herausgebers. Gelegentlich ist es nicht möglich, den/die Inhaber/in des Urheberrechts zu identifizieren oder mit ihm/ihr Kontakt aufzunehmen, daher übernehmen wir im Falle des Nachweises von begründeten Urheberrechtsansprüchen auch im Nachhinein die Zahlung einer bestimmten Vergütung. Wir gehen bei sämtlichen Texten und Bildern bis zur Erklärung des Gegenteils davon aus, dass sie uns zur Veröffentlichung zugesandt wurden. Für die Vervielfältigung der Broschüre – auszugsweise oder als Ganzes – ist die schriftliche Erlaubnis des Herausgebers erforderlich, auch wenn die Vervielfältigung nicht zu kommerziellen Zwecken erfolgt. Alle Rechte vorbehalten!

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inhalt Liebe leute!1

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medi+green Luxemburg legalisiert4 180-Grad-Wende in Neuseeland4 Gouverneur von New York drängt auf Legalisierung5 Freier Hanfanbau USA-weit

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Cannabiskurse an den populärsten

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Universitäten

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In den eigenen vier Wänden

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Französische Kommission befürwortet medizinisches Cannabis

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canna+globe Pläne in Rauch aufgegangen10–11 Cannabis in den Fängen von Big Pharma

medi+green Nachhaltige Entwicklung mit Cannabis

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Die wichtigsten Ergebnisse der International Cannabis

6

8

Policy Conference 2018 (ICPC) in Wien Ethisch korrekte Kriminelle?

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Selbstzensur im Darknet D-A-CH News15 22

canna+globe Feindbild Cannabispatient?16–17 Österreichs Regierung – allein gegen den Rest der Welt Ofengespräch mit Der Aktivist18–19 „Es eine saudumme, wirklich extrem dumme Idee“

Vollblut Humboldt Seed Organization: OGKZ

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inhalt canna+globe 22–23

Hanftee – eine verbotene Droge?

Angebliche Gefahren eines Produkts der Hanfindustrie Das Cannabisverbot verletzt 26–27

mich in meiner Würde „Warum bin ich eigentlich kriminell, nur weil ich rauche?“

Vollblut

18

28Dinafem Seeds: Quick Kush

15

Die begehrteste Kush kann auch megaschnell

medi+green Fertigarzneimittel (CBD/THC) gegen 30Epilepsie erprobt 30 (Noch) keine Blüten in Österreichs Apotheken

medizin 32–34

Undankbares Kind „Die Legalisierung hat medizinisches

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Cannabis vernichtet”

23

Vollblut 36Serious Seeds: Biddy Early Geschaffen für die freie Natur 38

Greenhouse Seeds: The Doctor Great White Shark x Super Skunk

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medizin 40–42

Pflanzen sind unsere Verbündete Kratom und Hanf statt Opiaten

a’la canna 44 Sweet Seeds: Green Poison XL Auto® Der perfekte Selbstblüher 46  30

30

Barney‘s Farm: Gorilla ZkittlezTM 3


Medi+green

Luxemburg legalisiert

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enn man einen Tipp abgeben sollte, welches das erste Land in Europa sein wird, das die erste vollständige Cannabislegalisierung durchführt, würden die meisten Spanien, Holland oder eventuell die Schweiz nennen. Momentan sieht es jedoch sehr danach aus, dass Luxemburg aus dem Nichts an die Spitze drängt und als erstes Land die Früchte der Cannabislegalisierung ernten wird. Der Prozess ist zudem schon recht fortgeschritten. Im Dezember veröffentlichte die Regierungskoalition ein 250-seitiges Dekret, das sich mit der Form der Legalisierung und den zu erwartenden Auswirkungen nach ihrer Inkraftsetzung beschäftigt. Ziel der luxemburgischen Regierung ist es in erster Linie, dem Schwarzmarkt die KonsumentInnen zu entziehen, psychische und physische Schäden zu minimieren und die Aktivitäten der Verbrecherorganisationen einzudämmen. Luxemburg würde also über die gegenwärtige Praxis in Holland und Spanien hinausgehen. Cannabis wäre nicht nur geduldet und in Coffeeshops oder über Cannabis Clubs erhältlich, sondern nach US-amerikanischem Vorbild in besonderen Geschäften für Erwachsene zugänglich. Dem Dokument zufolge würde der

Anbau innerhalb der Landesgrenzen reguliert, Export und Import wären nicht gestattet. Luxemburg hat erst 2018 medizinisches Cannabis zugelassen und Ende des Jahres eine zwei-

180-Grad-Wende in Neuseeland

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ir haben uns mittlerweile daran gewöhnt, dass die Zahl der Staaten, in denen medizinisches Cannabis eingeführt wird, monatlich anwächst.

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Neuseeland wagte nun einen großen Wurf. Kurze Zeit nach der Genehmigung des medizinischen Konsums wurde ein Vorschlag zur vollkommenen Legalisierung eingebracht.

jährige Testphase vorgeschrieben, nach deren Ablauf entschieden werden soll, ob nach deutschem Vorbild Cannabis über die Krankenkassen erhältlich sein wird. Das Inkrafttreten der Legalisierung kann frühestens in der nächsten Gesetzgebungsperiode erfolgen, daher muss man noch bis zu fünf Jahre darauf warten.

Die Regierung reichte im Dezember 2018 eine Gesetzesvorlage zur Legalisierung von medizinischem Cannabis ein, die im Verlauf eines Jahres PatientInnen den Zugang zu Marihuana ermöglichen würde. Der Fakt, dass todkranke PatientInnen bereits jetzt Cannabis konsumieren dürfen, ohne verfolgt zu werden, zeigt, wie wichtig dem Gesetzgeber diese Maßnahme war. Der Gesundheitsminister begrüßte das Gesetz und nannte es fortschrittlich. Er hob hervor, dass PatientInnen in palliativer Behandlung bereits Cannabis konsumieren dürfen. Und das ist noch nicht alles: Zeitgleich zu den Parlamentswahlen wird eine Volksabstimmung über den rekreativen Gebrauch und die allgemeine Legalisierung abgehalten werden. Die Initiative dafür ging von den Grünen aus, denen von der regierenden Arbeiterpartei die Abhaltung einer Volksabstimmung zugesagt worden war. Wie üblich unterstützt die konservative Nationalpartei die Legalisierung nicht. Ihre Ansichten begründet sie mit den üblichen Argumenten: Die Zulassung sei ein schlechtes Signal an die Jugendlichen und ziehe nicht in Betracht, dass der Cannabiskonsum die Gehirnfunktionen schädige. Diese „Argumente“ werden wahrscheinlich nicht ausreichen, um die Liberalisierung aufzuhalten.


Gouverneur von New York drängt auf Legalisierung Durch die Cannabislegalisierung in den umliegenden Staaten bleibe eigentlich keine andere Möglichkeit, als auch in New York zu legalisieren, verkündete Andrew Cuomo, demokratischer Gouverneur des Staates New York, im Dezember. Er erhob die Maßnahme zu einem der dringendsten politischen Ziele für das Jahr 2019.

Andrew Cuomo, demokratischer Gouverneur des Staates New York

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s stimmt, dass einer der östlichen Nachbarstaaten von New York, Massachusetts, den Freizeitkonsum von Marihuana freigegeben hat, und auch New Jersey einen ähnlichen Schritt vorbereitet. Der wahre Grund für Cuomos Entscheidung dürften jedoch die prognostizierten Steuereinnahmen sein – deshalb muss die Unterstützung der Bevölkerung gesucht werden. Der Gouverneur war bisher Gegner der Legalisierung. Er meinte, sie trage zur Ausbildung schädlicher Gewohnheiten bei. Dieses Argument wurde jedoch in den Hintergrund gerückt, als er erfuhr, dass vom legalen Cannabis mehrere 100 Millionen Dollar an Steuern pro Jahr zu erwarten seien, womit der stark verschuldete Stadt New York seinen öffentlichen Nahverkehr in Ordnung bringen könnte. Es gibt jedoch eher Anlass zu Bedenken als zum Feiern, wenn ein Politiker allein aufgrund der erwarteten materiellen Vorteile plötzlich die Legalisierung befürwortet, denn es ist sehr gut vorstellbar, dass er ein Modell vor Augen hat, das den Industriegiganten dient und den kleinen Anbauern zum Nachteil gereicht. Bill de Blasio, Bürgermeister der Stadt New York, unterstützte als einer der Ersten

die Entkriminalisierung und sagte, es gehe nicht an, sie nach den Bedürfnissen der Großindustrie auszugestalten. Die New York Times machte indes darauf aufmerksam, dass de Blasio in seiner fünfjährigen Amtszeit nicht in der Lage gewesen sei, die zunehmende Ansiedlung von Firmenkettenfilialen in New York aufzuhalten, was dazu geführt habe, dass viele lokale HändlerInnen zur Geschäftsaufgabe gezwungen wurden. Andererseits muss man zugeben, dass sich Cuomo auch mit der medizinischen Seite der Legalisierung auseinandersetzt. Um Vorteile und Risiken abwägen zu können, beauftragte er 2018 das Bundesgesundheitsministerium mit einer zusammenfassenden Studie zu den Auswirkungen der Marihuanalegalisierung. In der Publikation überwogen die positiven Wirkungen, was nicht überrascht – alle Legalisierungsstaaten berichten Ähnliches. Doch all dies gibt keine Gewissheit, dass die Legalisierung in New York gesellschaftlich und ökonomisch jedem zum Vorteil gereichen wird. Die Regierenden müssen sich von nun an in erster Linie damit beschäftigen, wie die staatliche Legalisierung in New York ein gerechtes System aufbaut, das auch kleinen Akteuren einen Lebensraum bietet.


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ngefähr fünf Jahre sind vergangen, seitdem der Kampf gegen die Drogen den Bruder des Cannabis, den Nutzhanf, in den USA mit sich riss. Donald Trump unterschrieb im Dezember 2018 ein Landwirtschaftsgesetz, das mit dem unter Nixon erlassenen Verbot bricht und in allen US-amerikanischen Staaten den Anbau von Hanf gestattet. Obgleich schon in zehn Bundesstaaten Cannabis legalisiert wurde, findet man bis heute in den USA nur vereinzelt Produkte auf Cannabisbasis. Der zulässige THC-Gehalt von Nutzhanf oder traditionellem Hanf

Freier Hanfanbau USA-weit wurde auf 0,3 Prozent heraufgesetzt, was im Großen und Ganzen den europäischen Normen entspricht. Ein wichtiges Resultat des Gesetzes wird sein, dass Hanf viele der bisherigen Rohstoffe ersetzen wird – wir denken an die Papier-, Bau- und Textilindustrie –, zudem wird es auch in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie ein wichtiger Rohstoff sein. Es ist vorstellbar, dass Hanf dem Tabak den Rang abläuft – als ein Konkurrent, der nachhaltig angebaut werden

kann und dessen Konsum weniger risikoreich ist. Auch auf die CBD-Industrie wird das Gesetz große Wirkung ausüben – infolge der Maßnahme könnten auch in jenen Staaten CBD-haltige Produkte produziert werden, in denen Cannabis bisher in keiner Form zugelassen ist. Es gab sowohl Gerüchte über ein Verbot von CBD als auch darüber, dass es nur begrenzt, ausschließlich als Arzneiwirkstoff, in Umlauf gebracht werden könne.

Cannabiskurse an den populärsten Universitäten

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ines der größten Hindernisse für die Verbreitung von medizinischem Cannabis besteht darin, dass ÄrztInnen und ApothekerInnen nicht genügend darüber informiert sind, infolgedessen das Wissen der PatientInnen ebenfalls lückenhaft ist und sich

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im Großen und Ganzen auf eigene Forschungen stützt. In den USA wird dieses Problem bald Vergangenheit sein, denn der Großteil der medizinischen Hochschulen hält jetzt schon Kurse über die Anwendung von medizinischem Cannabis ab.

Eine aktuelle Untersuchung stellt fest, dass bei 62 Prozent der medizinischen Hochschulen in den USA medizinisches Cannabis zum Lehrstoff gehört. Weitere 23 Prozent planen, es in den nächsten zwölf Monaten in den Lehrplan aufzunehmen. Bis Ende 2019 wird der Prozentsatz auf 85 Punkte ansteigen und damit wird der größte Teil der MedizinstudentInnen sich Kenntnisse der Cannabismedizin aneignen können. Interessanterweise stellt die staatliche Regulierung kein Hindernis bei der Gestaltung des Lehrplans dar, denn 40 Prozent der Institute befinden sich in Staaten, in denen ÄrztInnen kein Cannabis verschreiben dürfen. Die ForscherInnen interessierte auch, wie sehr die Institute bei ihrer Ausbildung Fächer, die mit Cannabis in Zusammenhang stehen, wertschätzen. Die Antworten blieben auf einem mittleren Niveau, was bedeutet, dass die medizinische Anwendung von Cannabis auf US-amerikanischen Hochschulen nicht mehr als zweitrangige Therapie betrachtet wird, unabhängig von der aktuellen rechtlichen Beurteilung. Sehr interessant könnte es sein, die Untersuchung auf Europa und die hiesigen medizinischen Hochschulen auszudehnen.


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tarker Start der Legalisierung in Kanada: Im Verlauf von insgesamt zwei Wochen konnten die Cannabisgeschäfte 43 Millionen kanadische Dollar (28 Millionen Euro) an Einnahmen verbuchen. Das erkämpfte Freiheitsrecht brachte jedoch auch einige Schwierigkeiten mit sich: ein verringertes Angebot und Schwierigkeiten beim Grenzübertritt. Es ist vielleicht nicht überraschend, dass der legalisierte Einkauf von Cannabis in den weniger gut vorbereiteten Provinzen Kanadas zu Engpässen führte. Ministerpräsident Justin Trudeau ist der Meinung, das Problem werde im Großen und Ganzen innerhalb eines Jahres gelöst werden. Eine unerwartete Reaktion war die Initiative eines kanadischen Datenschutzbeauftragten im ersten Monat der Legalisierung. Dieser riet KonsumentInnen von Marihuana, an der Kasse lieber bar zu bezahlen, denn bei einem Grenzübertritt könne der Kassenbon zu Problemen führen. Er riet den KäuferInnen darüber hinaus, sich nicht in die Newsletter-Listen der Geschäfte einzutragen und keine Clubmitgliedschaften abzuschließen. Man darf davon ausgehen, dass er diesbezüglich in erster Linie an den Nachbarn USA dachte. Wir erinnern uns an den Fall des ungarisch-stämmigen kanadischen Psychotherapeuten András Felmár, der 2007 an der Grenze zur USA zurückgewiesen wurde, weil

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rankreich ist das letzte der westeuropäischen Länder, in denen noch immer eine ausgesprochen strenge Drogengesetzgebung in Kraft ist, doch den neuesten Parlamentsberichten zufolge ist die Entkriminalisierung schon in Reichweite, ebenso wie die Genehmigung für den medizinischen Gebrauch von Cannabis. Heute ist das Gesetz, das eine Geldstrafe von 3.750 € oder eine Haftstrafe von einem Jahr für den Besitz illegaler Mittel vorsieht, vollkommen anachronistisch, da insgesamt anderthalb Millionen KonsumentInnen Frankreich zu einem der größten Cannabisverbraucher Europas machen. Ein Parlamentsbericht vom Januar 2018 bezeichnete die gegenwärtige französische Drogenpolitik als wirkungslos und als Zeitverschwendung für die Polizei. Infolgedessen schlug die Regierung Macron vor, für den Besitz einer geringen Menge Cannabis ein Bußgeld von 150 bis 200 € zu erheben, das an Ort und Stelle zu errichten sei, was der erste Schritt zur Entkriminalisierung wäre. Frankreich unternahm Ende des Jahres einen weiteren Schritt zur Korrektur seiner Drogenpolitik: Eine von der Regierung eingesetzte Kommission kam zu der Erkenntnis, es sei angezeigt, in „bestimmten klinischen Situationen und in solchen Fällen, wo die verfügbaren Heilmethoden keine Linderung bringen oder nicht

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In den eigenen vier Wänden man bei einer Internetrecherche sein Buch über psychedelische Therapie gefunden hatte, in dem er auch über seine eigenen Erlebnisse berichtet. Obwohl sich in den USA die

Drogengesetze seit diesem Vorfall deutlich verändert haben, sind die Grenzkontrollen nun strenger als je zuvor, daher wird den BesucherInnen zu Recht zur Vorsicht geraten.

Französische Kommission befürwortet medizinisches Cannabis toleriert werden“, eine Cannabistherapie zugänglich zu machen. Der Bericht hält es als Ergänzungstherapie bei starken Schmerzen, Epilepsie, Multipler Sklerose und Tumor-

erkrankungen für indiziert. Der Leiter der Kommission sagte, es sei frühestens 2020 möglich, in Frankreich Cannabis zu verschreiben.


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Canna+Globe

Pläne in Rauch aufgegangen

Cannabis in den Fängen von Big Pharma

In der Debatte um die Legalisierung waren die Argumente der BefürworterInnen schon immer die überzeugenderen, aber auch die GegnerInnen hatten einen wichtigen Einwand: Was geschieht, wenn Big Tobacco und Big Pharma in das Marihuana-Business einsteigen? Wollen wir das wirklich? Nun, dieser Moment ist jetzt gekommen: Die großen Tabakfirmen nehmen an der Startlinie Aufstellung.

D

ie Tabakindustrie hat schwere Zeiten durchlebt. In den vergangenen Jahren verlor das Zigarettenrauchen viel von seiner Popularität, dafür wurden alternative Formen des Tabakkonsums wie das Vaporisieren, das die schädlichen Wirkungen des Rauchens auf einen Bruchteil reduziert, immer beliebter. Bei den US-amerikanischen Jugendlichen wird heute mehr Cannabis geraucht als Tabak, zudem wurden Joints schon immer ohne Tabak gedreht. Während sich gesundheitsbewusste Menschen über diese Entwicklung freuen, bereitet sie den Tabakherstellern Kopfzerbrechen. Philip Morris verkaufte im ersten Quartal 2018 gute fünf Prozent weniger Zigaretten als im gleichen Zeitraum 2017. Verluste versucht man durch Preiserhöhungen abzufangen, was aber in Zeiten der Umsatzeinbußen gefährlich ist. Dieser Trend macht sich natürlich auch bei anderen Zigarettenherstellern bemerkbar, und daher kamen mehrere von ihnen auf die Idee, anstelle einer Preiserhöhung einen in-

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novativen Schritt zu ihrer Rettung zu unternehmen, nämlich auf dem Marihuanamarkt aktiv zu werden.

Der Schatten des Riesen Den Anfang machte im Sommer 2018 Imperial Brands (Zigarettenmarke Winston) durch die Kooperation mit der Cannabisforschungsfirma Casa Verde. Man musste nicht lange warten, bis andere folgten: Im Oktober 2018 kaufte die größte amerikanische Tabakfirma, Altria Group (Hersteller von Marlboro und Mutter von Philip Morris), zwölf Prozent des kanadischen Cannabisproduzenten Aphira Inc. Der Marktanteil von Altria war in den vergangenen Jahren um 20 Prozent gesunken, und obwohl die Firma mit neuen Produkten wie der E-Zigarette und dem Vaporizer auf den Markt ging, blieben die Schwierigkeiten bestehen. Die CannabisLinie verspricht jedoch Erfolg, denn im Dezember kaufte das Unternehmen 45 Pro-

zent der Aktien eines anderen kanadischen Cannabisherstellers, der Firma Cronos. Nach Meinung von Analytisten ist dies mit einem Volumen von investierten 1,8 Milliarden Dollar der größte Geschäftsabschluss zwischen einer Mainstream-Tabakfirma und dem sich explosionsartig verbreitenden MarihuanaSektor. Doch dieses Business beschränkt sich nicht nur auf Tabakgiganten. Das Unternehmen Constellation Brands, bekannt für die Biersorte Corona, kaufte sich 2018 mit 3,8 Milliarden Dollar an Investitionen in die größte kanadische Cannabisfirma Canopy Growth ein. Und damit nicht genug, bekundete auch Coca-Cola sein Interesse am Marihuanamarkt und denkt an die Herstellung von mit Cannabinoiden angereicherten Erfrischungsgetränken. Interesse oder auch Antipathie der Pharmaindustrie im Zusammenhang mit medizinischem Cannabis ist nichts Neues. Ende 2018 wurde Geschichte geschrieben, als die kanadische Firma Tilray, eine sich in Europa


mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitende Produktionsfirma für medizinisches Cannabis, die Zusammenarbeit mit der multinationalen Pharmafirma Novartis bekanntgab. Innerhalb eines halben Jahres brachten einige Vertragsabschlüsse einen solchen Umschwung auf dem Markt zustande, dass dessen Konsequenzen vorläufig unabsehbar sind. Nach Meinung von Analysten ist unausweichlich, dass bis Ende 2019 die beiden größten Firmen für medizinisches Cannabis voll und ganz in den Besitz der zweitgrößten Tabakund Alkoholproduzenten übergehen.

California Dreaming Vor Jahrzehnten träumten AktivistInnen von einer Legalisierung, bei der kleine Akteure den Cannabismarkt umkrempeln würden, ähnlich wie ZüchterInnen von Gemüse und Obst. Noch bei der Erarbeitung der ersten legalen Modelle wurde klar, dass auch KleinunternehmerInnen die Möglichkeit geboten werden muss, KonsumentInnen direkt zu beliefern und sich an deren Bedürfnissen zu orientieren. In der Zeit der ersten medizini-

schen Genehmigungen wurde das zum Teil verwirklicht, aber angesichts der Entwicklungen der letzten Jahre sind diese Träume in der Legalisierung, wie wir sie heute kennen, ausgeträumt. Wenn nun die Giganten der Tabak-, Alkohol- und Pharmaindustrie die Herrschaft übernehmen, werden sie kaum kleinere

Akteure auf diesem Spielfeld dulden. Altria hält außerdem durch den Vertrieb von Vaporizern und anderen Geräten zum Konsum zwei Eisen im Feuer. Nach Ansicht eines Patentanwalts, der sich auf dem Portal Leafly äußerte, kämpfe Altria auf dem Vaporizermarkt um die Alleinherrschaft. Wenn die Firma erfolgreich ist, wird es bald soweit sein, dass ein Durchschnittsamerikaner in einem Vaporizer von Altria das Marihuana einer Tabakfirma verdunsten wird. Dann wird es sehr schwer sein, Einfluss auf den Markt auszuüben und die Interessen von kleineren Firmen durchzusetzen. Angesichts der globalen Entwicklung der Legalisierungsbestrebungen und der Verpflichtung der Marktakteure ist es nicht überzogen zu behaupten, dass Mitte der 2020er Jahre die ersten europäischen Länder legalisieren werden. Es ist fünf vor zwölf. Noch ist die Drogenpolitik gestaltbar und sind die Regulierungsmodelle beeinflussbar. Jetzt ist es wichtig, jede Chance zu nutzen und die kleinen Unternehmen in eine vorteilhafte Lage zu versetzen, damit nicht ausschließlich Großunternehmen die Früchte der seit Jahrzehnten fälligen Legalisierung ernten.

text: Jack Pot

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Nachhaltige Entwicklung mit Cannabis Die wichtigsten Ergebnisse der International Cannabis Policy Conference 2018 (ICPC) in Wien Vor drei Jahren beschlossen die Mitgliedstaaten der UNO 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung. Auf der ICPC wurden wir nun daran erinnert, dass man diese Ziele, was den Anbau von Hanf betrifft, mit einer geeigneten Regelung unter Berücksichtigung der Expertenvorschläge und mit dem Augenmerk auf die Versorgung der PatientInnen am besten umsetzen kann.

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n Zeiten der medizinischen Zulassung und der Entkriminalisierung werden allein in Europa jährlich mehrere Dutzend Cannabiskonferenzen abgehalten. Die vom FAAAT (For Alternative Approaches to Addiction, Think & do tank) und dem Knowmad-Institut organisierte und durchgeführte Konferenz setzte sich von ihnen ab, weil sie einen neuen Ansatz wählte: Hier suchten GastrednerInnen und Seminare eine Antwort auf die Frage, wie eine Cannabisregulierung und eine Zulassung für den medizinischen Gebrauch mit dem UNO-Beschluss vom September 2015 über die nachhaltige Entwicklung, den die Mitgliedstaaten bis 2030 umsetzen müssen, in Einklang zu bringen ist. Im Verlauf von zwei Tagen wurde den TeilnehmerInnen verdeutlicht, dass alle der 17 erklärten Ziele auf dem Gebiet der Cannabispolitik praktikabel sind und deswegen das überkommene Verbot nicht aufrechterhalten werden kann. Die ICPC fand am Wiener Sitz der UNO nach der Sitzung der Weltgesundheitsorganisation statt, auf der man die Übergabe des Berichts zur Überprüfung des Cannabis erwartete, die jedoch ausblieb. In mehreren Reden wurde auf die unerwartete Wendung Bezug genommen. Über die Hintergründe lässt sich jedoch nur spekulieren. Man erfuhr eine Menge von Fakten, die nachdenklich stimmen. Von der unbeabsichtigt umweltschädigenden Wirkung des Krieges gegen die Drogen über die gesellschaftliche Einschät-

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zung Cannabis konsumierender Frauen bis hin zu den neuesten Forschungsergebnissen. Unter den Vortragenden befanden sich auch namhafte ForscherInnen, MedizinerInnen, StaatsvertreterInnen und AktivistInnen, aber es kamen auch neu gegründete Fachorganisationen und angehende Fachleute zu Wort – nur die Vertreter der UN-Mitgliedstaaten hielten sich fern. Ein seltener Gast unter den Vortragenden war der deutsche Fachmann für medizinisches Cannabis, Dr. Franjo Grotenhermen, der die Einladung wegen der richtungsweisenden Bedeutung der Veranstaltung angenommen hatte. Einer der Höhepunkte der Konferenz war die Auflistung von insgesamt 60 Krankheiten, bei denen Cannabis eine positive Wirkung gezeigt hat. Ebenso spannend war der Vortrag einer Vertreterin der Szene und ihre Einschätzung der

für Männer konzipierten Grasreklame, bei der Frauen bestenfalls verdinglicht, rein körperlich in Erscheinung träten. „Was für eine Doppelmoral ist es, dass ein Mann sich nach einem schweren Tag mit etwas Gras entspannen kann, während dies bei einer Frau negativ bewertet wird?“ – lautete eine der Schlüsselfragen des Gesprächs. Wenn wir schon vom akzeptierten Gebrauch sprechen, gehört dazu auch die Minimierung der Risiken des Konsums – ein Thema, über das beim Marihuanakonsum eher selten gesprochen wird. Auf der Konferenz wurde diesem Thema jedoch eine eigene Sparte zugewiesen. Am Ende der Veranstaltung gelangte man zur einhelligen Überzeugung, dass das Thema nachhaltige Entwicklung einen positiven Beitrag zur Debatte um die Cannabisregulierung leisten wird.


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Selbstzensur im Darknet

Ethisch korrekte Kriminelle? Die Opfer der US-amerikanischen Opiatkrise haben auch auf die dunklen Kreise des Internets einen Einfluss. Die Justizbehörden Großbritanniens teilten mit, verschiedene Marktsegmente im Internet hätten freiwillig beschlossen, den Vertrieb eines der gefährlichsten synthetischen Opioide Fentanyl zu verbieten. Da die Nachfrage weiterhin gewaltig ist, wird es jedoch an anderer Stelle immer noch angeboten.

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erborgen vor traditionellen Browsern, durch Verdunklung und ständigen Wechsel der IP-Adressen schwer zu verfolgen, zeigte das Darknet auch bisher ambivalente Züge. Es war bislang unstrittig, dass alle illegalen Drogen angeboten werden können, solange ihre Inhaltsstoffe genau aufgeführt sind und die KonsumentInnen eine positive Rückmeldung über die Qualität geben. Dass nun auf mehreren Webseiten Fentanyl von der Drogenliste verbannt wurde, stellt eine neue Situation dar. Es scheint, dass sich auf den dunklen Seiten des Internets eine noch dunklere Schicht abzeichnet, die wider jede Vernunft weiter mit dem tödlichen Mittel handelt. Es stellt sich die Frage, ob Schwarzmarkthändler die besseren Menschen sind, die mit entsprechenden Informationen sogar die gefährlichsten Drogen verkaufen, oder diejenigen, die bei weniger risikoreichen Mitteln bleiben und zulassen, dass andere mit dem von Hunderttausenden benutzten Fentanyl ihren Reibach machen. Vince O’Brien, Ermittler der Nationalen Strafverfolgungsbehörden, ist der Meinung, dass Betreiber von Darknet-Seiten nicht aus Menschlichkeit handeln. Es treibe sie die Sorge, dass die Todesfälle die Aufmerksamkeit der Polizei erregten und größere Anstren14

gungen unternommen werden müssten, um sie aufzuklären. Was auch immer der wahre Grund sein mag, für O’Brien stellt es eine beispiellose Selbstzensur dar, dass diejenigen, die den freien Vertrieb aller Drogen befürworten und praktizieren, im Darknet ein Mittel verbieten. Wie aber unterscheidet sich der Handel mit einer potenziell tödlichen Droge von dem mit – sagen wir – einer automatischen Feuerwaffe? In der Frage des Waffenhandels waren die BesucherInnen des Darknets von Anfang an geteilter Meinung, die verschiedenen illegalen Online-Marktplätze wenden schon seit Jahren unterschiedliche Regeln an.

Dream Market, eine der populärsten Plattformen im Darknet, verbot, oder – genauer gesagt – verbannte Fentanyl schon im Mai 2018. Dort werden aber auch Schusswaffen nicht toleriert. Es scheint, dass das fragliche Opiat die Darknet-Gemeinschaft vor eine Aufgabe stellt und bei dieser Gelegenheit alle Meinungsfacetten ans Licht kommen. Auf webnews.com erschien zu Weihnachten eine ausgesprochen kritische Anmerkung zum freiwilligen Fentanyl-Verbot. Nach Meinung des Autors würden die Händler weiterhin Vertriebskanäle finden, der Einkauf würde für alle KonsumentInnen risikoreicher werden als für den Verkäufer. Seiner Meinung nach müsse die Opiatkrise statt mit Verboten oder mit der Menschenjagd auf Händler mit allgemeinen medizinischen Vorkehrungen, etwa mit sicheren Konsumräumen, der Behandlung durch SuchtspezialistInnen und Kontrollen der vertriebenen Mittel, zurückgedrängt werden. Der wichtigste Schritt sei die Behandlung der auslösenden Faktoren für den Opiumkonsum, damit möglichst wenige Menschen zu dieser „Selbsttherapie“ greifen.


D-A-CH News Deutschland Weiterhin kein Hanf aus deutscher Produktion Der Anbau von Medizinalcannabis in Deutschland verzögert sich weiter. Nachdem 2017 das Cannabisgesetz verabschiedet wurde, sorgen Einsprüche, Regeländerungen und die Starrsinnigkeit der Behörden dafür, dass deutsche CannabispatientInnen wohl noch bis 2020 auf ihre erste Medizin aus heimischer Produktion warten müssen. Während einzelne Bundesländer entsprechende Anträge eingebracht haben, schaltet die deutsche Regierung weiterhin auf stur. Das führt zu dauernden Engpässen in der Versorgung und auch zu mangelnder Auswahl. Die Wartezeiten für das natürliche Heilmittel liegen oft immer noch bei mehreren Wochen.

Steigender Umsatz mit Medizinalhanf Deutsche Apotheken verzeichnen steigende Umsätzen mit Cannabisblüten. So wurden im dritten Quartal 2018 bereits Hanfblüten im Wert von über 17 Millionen Euro, also mehr als dreimal so viel wie im entsprechenden

Vorjahreszeitraum, verkauft. Die PatientInnen sind dennoch unzufrieden, denn ihr Heilmittel ist sehr teuer. Cannabis aus der Apotheke kostet je nach Bundesland zwischen 22 und 25 Euro je Gramm und damit bis zu dreimal so viel wie auf dem Schwarzmarkt.

Polizei beschlagnahmt Nutzhanf in Berlin Der zunehmende Verkauf von CBD-Hanf EUlegaler Sorten verschafft der Berliner Polizei zusätzliche – unnötige – Arbeit. Sie hat bereits in zwölf Spätis die Kreuzberger Ware beschlagnahmt und Strafermittlungsverfahren gegen die Verkäufer eingeleitet. Es geht um den Verdacht des Handels mit Betäubungsmitteln. Weitere Läden müssen mit solchen Maßnahmen rechnen. Die Shops sehen es einstweilen gelassen, da es sich um legale Produkte aus EU-Nutzhanfsorten handelt. Der THC-Gehalt der Hanfblüten ist mit der gesetzlich vorgeschriebenen Obergrenze für Nutzhanf von 0,2 Prozent sehr gering, dafür enthalten die Blüten viel Cannabidiol (CBD). KonsumentInnen können beruhigt sein: Sie machen sich mit dem Erwerb und Konsum dieser Blüten nicht strafbar, da der THC-Gehalt unter dem EU-Grenzwert von 0,2 Prozent liegt.

Österreich Hanfladenbesitzer verurteilt Der Betreiber eines Hanffachgeschäfts in Tirol wurde im vergangenen Dezember zu zwei Jahren Haft verurteilt, obwohl der Verkauf von Stecklingen als Zierpflanzen in Österreich legal ist. Erst das Abernten von Cannabispflanzen zur Gewinnung von Suchtgift sei strafbar, erinnerte der Verteidiger an das geltende Gesetz. Und mit der Ernte habe sein Mandant ja nichts zu tun gehabt. Doch die Ermittlungen – einschließlich ausgewerteter SMS-Verkehr – zeigten eindeutig, dass dem Ladenbetreiber der spätere Verwendungszweck der rund fünf Zentimeter großen

Pflanzen von Anfang an klar war – so das Landgericht. Es handelt sich dabei um die erste Verurteilung wegen Stecklingsverkauf in Österreich seit mehr als zwei Jahren, obwohl das Gesetz diesen seit mehr als zehn Jahren eindeutig regelt.

Schweiz Legalisierung lässt auf sich warten Der einstige Vorreiter in Europa (zu Beginn der 2000er Jahre), als man „Duftsäckli“ in Hunderten Schweizer Läden erwerben konnte, zögert nun neue Legalisierungsbemühungen hinaus. Trotz eines entsprechenden Beschlusses des Bundesrats im Vorjahr, der Cannabis-Studien auf eine solide rechtliche Basis stellen sollte, tut sich seither nichts mehr. Über 200.000 Schweizer konsumieren regelmäßig Cannabis, obwohl es verboten ist. Diese gesellschaftliche Realität müsse man akzeptieren, finden viele Suchtfachleute. Gleicher Meinung ist offenbar auch eine politische Mehrheit von links-grün bis zur FDP. Es sei besser, den Cannabiskonsum zu regulieren, als ihn vergeblich zu verbieten, sagte stellvertretend der Zürcher Arzt und SPNationalrat Angelo Barrile. Sein Ziel sei es, dass die Gesundheit von CannabiskonsumentInnen profitiere. „Das heißt, dass sie weniger und möglichst nicht gesundheitsschädlich konsumieren.“

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Canna+Globe

Feindbild Cannabispatient?

Österreichs Regierung – allein gegen den Rest der Welt Auf der ganzen Welt – von Chile über Thailand bis nach Neuseeland – wird Medizinalcannabis legalisiert. Doch das kleine Österreich spielt seit Kurzem gallisches Dorf und bekämpft die älteste natürliche Heilpflanze mit fragwürdigen Erlässen und Gutachten von Experten, die noch nie ein gutes Wort für Medizinalcannabis übrig hatten. Wird sich Österreich dem weltweiten Trend pro Cannabis auf Dauer widersetzen können? Eine Bestandsaufnahme des Hanf-Instituts.

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in Erlass des Gesundheitsministeriums, der am Sonntag, den 9. Dezember 2018 veröffentlicht wurde – wohl um lästige Fragen der Medien auszuschließen – will den Verkauf von CBD-haltigen Produkten weiter erschweren, nachdem eine erst ein Jahr zuvor in Kraft getretene Gesetzesnovelle die rechtliche Grundlage für den Verkauf von CBD-Blüten und anderen CBD-Produkten aus EU-Nutzhanfsorten klare Regelungen geschaffen hatte. In den darauffolgenden zwölf Monaten erlebte Österreich einen regelrechten CBDBoom, weil sich die positiven Wirkungen dieser Blüten und anderer Produkte – von CBD-Vapes bis zu mit CBD versetzten Lebensmitteln – bei den rund 1,5 Millionen SchmerzpatientInnen rasch herumsprachen. In ganz Österreich wurden Dutzende neue Läden eröffnet, neue Arbeitsplätze wurden geschaffen, die nun wieder gefährdet sind.

Erlass muss erst umgesetzt werden Noch ist die Situation unverändert, KonsumentInnen können in Österreich weiterhin CBD-Produkte erwerben. Denn der zwei-

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seitige Erlass des Gesundheitsministeriums ist an die Landeshauptleute der neun Bundesländer adressiert, die diesen erst in einer gewerberechtlichen Verordnung umsetzen müssen. Ganz sicher scheint sich selbst das Gesundheitsministerium nicht zu sein. Es hat eigens dafür fünf Rechtsanwaltskanzleien beauftragt, Gutachten zur Rechtmäßigkeit dieses weltweit einzigen Rückschritts zu erstellen. Aus dem Erlass: „Cannabinoid-haltige Extrakte, die zumeist als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt gebracht werden, zunehmend aber auch in Lebensmitteln wie beispielsweise Süßwaren oder Kuchen eingesetzt und angeboten werden, fallen unter die ‚Novel-Food‘-(Neuartige Lebensmittel)Verordnung der EU und dürfen daher nicht in Verkehr gebracht werden.“ CBD-dominante Blüten will das Ministerium künftig als pflanzliche Rauchwarenerzeugnisse einstufen, womit sie unter das Tabak- und Nichtraucherschutzgesetz (TNRSG) fallen würden. Diese Einstufung ist aber auch fraglich, weil die Blüten ja längst nicht nur geraucht, sondern auch verzehrt werden. Viele Händler werden dennoch nicht aufgeben. Bei der Firma BioBloom sieht man

nur eine Schlechterstellung für PatientInnen, sagte Geschäftsführerin Elisabeth Denk: „Leider bedeutet der Erlass, dass wir unsere Kunden nun weniger klar informieren dürfen. Das ist sehr bedauerlich, weil wir so viel Zuspruch von Kunden und Kundinnen mit teils ernsten Beschwerden erhalten, die unsere Hanfextrakte auch vom Arzt verordnet bekommen.“

Absage für Blüten aus der Apotheke Für weiteren Aufruhr unter meist schwerkranken PatientInnen sorgte zudem der in der stillen Weihnachtszeit veröffentlichte „Prüfbericht“ der Gesundheitsministerin zur Abgabe von Cannabisblüten in Apotheken, in dem lange widerlegte negative Mythen unbeirrt weiter gepflegt werden. Weiterhin verwehrt sich das Ministerium, über 18.000 positive Studien aus dem englischen Sprachraum in seine Überlegungen einzubeziehen. Geradezu lächerlich erscheint die Behauptung, dass Blüten zur teuersten Form der Cannabismedikation zählten. Im Vergleich zum einzigen häufig verschriebenen THCMedikament Dronabinol könnten Blüten ohne Profitgier um locker ein Zehntel bis ein Zwanzigstel billiger abgegeben werden. „1.000 Milligramm Rein-THC kosten in Form von Dronabinol bis zu 1.000 Euro, während dieselbe Menge in Blüten vom Schwarzmarkt locker um weniger als 100 Euro verkauft werden könnten“, sagte Hanf-Institutsvorstand Toni Straka. Die ExpertInnen führen weitere fragwürdige Gründe an, warum sie Blüten aus der Apotheke verhindern wollen. So ist etwa von der schweren Dosierbarkeit die Rede, obwohl es gerade das Rauchen oder Verdampfen den PatientInnen aufgrund der raschen Anflutung erlaubt, so viel THC zu sich zu nehmen, wie es ihre Krankheit erfordert. Es sei darauf hingewiesen, dass Cannabis eine einzigartige Wirkungsbandbreite hat, bei der selbst eine vielfache Dosisüber-


schreitung nur zu geringen, rasch wieder verschwindenden Nebenwirkungen führt. Schwindel, Mundtrockenheit und andere Nebenwirkungen sind bei Tausenden anderen Medikamenten oft eher die Regel als die Ausnahme.

Betroffene werden nicht in Diskussion einbezogen In dem einzig auf Verhinderung abgerichteten Prüfbericht wird nur widerwillig auf die vielen positiven Wirkungen bei einzelnen Krankheitsbildern eingegangen, Hunderte andere Indikationen wurden überhaupt nicht berücksichtigt. Die Betroffenen und die Medien werden weiterhin komplett ignoriert, obwohl gerade PatientInnen, die lieber illegal gesund als legal krank sein wollen, am meisten dazu beitragen könnten. Auch Anfragen der Medien bleiben unbeantwortet und schon lange verwehren sich aus dem Gesundheitsministerium alle ExpertInnen einer öffentlichen Diskussion. Dem Vernehmen nach kennen diese ExpertInnen sehr wohl die vielfältigen Vorteile von Medizinalcannabis. Unter vorgehaltener Hand wird aber kommuniziert, dass die aktuelle Rechtsregierung aus politischen Gründen wider allen wissenschaftlichen Erkenntnissen

den Rückwärtsgang eingelegt hat und damit weltweit allein auf dem Prohibitions-Flur steht. In der Politik protestiert allein die Liste Jetzt gegen die Cannabis-Verhinderungspolitik und führt ins Feld, dass damit der Zugang zu einem natürlichen und kostengünstigen Heilmittel verwehrt werde: „Dieser Bericht ist eine schwere Enttäuschung für die 1,5 Millionen SchmerzpatientInnen in Österreich. Auf Basis der Pharmaindustrie-Hardliner unter den Ärzten wird, ohne auf die in der Ausschussbegut-

achtung eingeholten Stellungnahmen einzugehen und ohne die wissenschaftlichen Grundlagen der Stellungnahme nachprüfbar anzugeben, einfach festgestellt, dass in Österreich sowieso alles in bester Ordnung wäre“, stellt Peter Kolba, Leiter des Teams BürgerInnenrechte von der Jetzt-Liste Pilz und selbst betroffener Schmerzpatient, fest. Im Hanf-Institut weist man darauf hin, dass die jüngsten Veröffentlichungen des Gesundheitsministeriums nichts an der geltenden Rechtslage änderten, sondern hier versucht werde, über Erlässe und Interpretationen die Cannabis-Welt weiterhin als Scheibe zu deklarieren. Doch das alles könnte von kurzer Dauer sein. Zwar haben die Vereinten Nationen die für letzten Dezember erwartete Neueinstufung von Cannabis aus undurchsichtigen Gründen auf dieses Jahr verschoben; angesichts der rasch wachsenden Zahl von Ländern, die jetzt Medizinalcannabis legalisieren werden, ist aber auch in Österreich mittelfristig wieder mit einer Annäherung an die Realität zu rechnen. „Und in der Realität sind 99 Prozent der ÖsterreicherInnen für Medical Cannabis. Das zeigen alle Umfragen.“

text: Anatol Zweig

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Canna+Globe Paul Burger ist Cannabisaktivist aus Überzeugung. Der 23-Jährige ist bei NEOS (Das Neue Österreich und Liberales Forum) politisch aktiv und versucht, seinen Teil dazu beizutragen, sich nicht mehr über das Cannabisverbot aufregen zu müssen. Auf seinem YouTube-Kanal „Der Aktivist“ lädt er regelmäßig zu „Ofengesprächen“ und beleuchtet so unterschiedlichste Aspekte des Cannabis.

Medijuana: Kannst du uns erzählen, wie du zum Cannabisaktivismus gekommen bist? Paul Burger: Irgendwann nach meinem 18. Geburtstag hatte ich in Amsterdam die Chance, Cannabis zu probieren. Das war quasi der Start: Ich habe mir gedacht, die existierenden Regeln passen irgendwie nicht zu meiner Wahrnehmung der Sache. Der Punkt, an dem es gekippt ist, war, als ich „Kiffen und Kriminalität“ von Andreas Müller gelesen habe. Das ist ein relativ dünnes Buch eigentlich, das mich mit brennender Emotion dazu gebracht hat, zu erkennen, dass es echt problematisch ist, wie es gerade alles läuft. Und ich erwarte von mir, dass ich versuche, meinen Teil dazu beizutragen, dass es keinen Grund mehr für mich gibt, mich aufzuregen. MED: Du hast das Projekt „Der Aktivist“ ins Leben gerufen. Erzähle uns bitte, worum es da geht. PB: Ich habe mir zuerst die Frage gestellt, wie man Aktivist ist – wie setzt man sich dafür ein, dass Cannabis anders reguliert wird als jetzt. Relativ bald kommt dann, dass du einen YouTube-Kanal, eine Facebook-Seite machst, das ist ziemlich naheliegend. Ausgangspunkt ist, dass es zu wenige wahrheitsgemäße Inhalte über Cannabis gibt. Und wenn ich will, dass die Leute mehr wahrheitsgemäße Inhalte über Cannabis sehen, dann muss die auch irgendwer produzieren, und ich hätte die Fähigkeiten, es zu machen. Und deshalb mach ich es auch. 18

Ofengespräch mit Der Aktivist „Eine saudumme, wirklich extrem dumme Idee“

Paul Burger, NEOS (Das Neue Österreich und Liberales Forum)

MED: Also einer der Hauptbereiche sind Videos – du führst Interviews mit Personen, die einen Bezug zum Cannabisthema haben. Wen hast du schon interviewt? PB: Ich durfte eröffnen mit dem jetzigen NEOS-Wien-Vorsitzenden Christoph Wiederkehr, und ich bin echt happy, dass er der Erste war, der sich den Ofengesprächen gewidmet hat. Er war eine der zentralen Personen bei NEOS, die für den Mitgliederbeschluss verantwortlich sind. Der Beschluss sagt, dass wir einen regulierten Cannabismarkt für Erwachsene wollen. Die zweite Person war Peter Kolba, was mich auch wirklich gefreut hat – ein ganz anderer Blickwinkel auf das Thema, ganz fokussiert auf die medizinische Anwendung. Er hat zu dem Video auch einiges mitgebracht, einen Vaporizer zum Beispiel und CBD-Gras. Die

dritte Person hat gebeten, anonym zu bleiben, deswegen nenne ich ihn John Doe. Es geht im Endeffekt um einen jungen Erwachsenen, der etwa vor zwei Jahren outdoor Cannabis angebaut hat und halt irgendwie aufgeflogen ist. Ich wollte aufzeigen, dass Doe jetzt in irgendeiner Statistik ist, aber trotzdem mit beiden Beinen im Leben steht, studiert, kurz vorm Bachelor steht, nebenbei arbeitet, klare Worte hat, sich sammeln kann, eine Geschichte konsequent erzählen kann und einfach ein fähiger Mensch ist, der sein Leben meistert. Ich hoffe, ich lehne mich jetzt nicht zu weit aus dem Fenster und nehme den Mann beim Wort: Im zweiten Quartal 2019 darf ich einen erst kürzlich zurückgetretenen Spitzenpolitiker zu einem Ofengespräch einladen.


MED: Wie beurteilst du die Cannabisthematik innerhalb der NEOS, also wie stehen die Mitglieder bzw. Politiker dazu, zumal ja der Cannabisbeschluss vorliegt? PB: Also ich bin ja sowohl bei JUNOS, der Jugendorganisation, als auch bei NEOS aktiv. Bei NEOS ist es so, der Beschluss damals, das war nicht so, dass alle den wollten, aber es ist eine demokratische Partei und es gab einen demokratischen Beschluss auf der Mitgliederversammlung. Damals war das halt ein bisschen überrumpelnd, auf einmal stand das im Parteiprogramm der NEOS, das hat eigentlich niemand wirklich erwartet. MED: Es gab ja auch ein entsprechendes Medienecho. PB: Darauf war keiner vorbereitet, denn das ist schon ein Thema, das du auch proaktiv kommunizieren musst, und das ist halt nicht passiert. Dadurch haben sie ein ziemlich negatives Medienecho kassiert, anstatt diese Negativwelle auszunutzen für die Möglichkeit, wirklich gute Sachen rauszutragen, auch außerhalb des Cannabisthemas. Das ist halt nicht passiert. Ich glaube, das steckt vielen noch in den Knochen: „Wir haben das schon mal gemacht, haben wir versucht, ist schiefgegangen.“ Aber die meisten guten Sachen, die du machst, sind davor mal schiefgegangen. Also es gibt ein paar NEOS-Mitglieder, auch in höheren Positionen, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie wissen, dass das Thema wichtig ist, die aber sagen, dass es andere Prioritäten gebe – was ich auch verstehen kann, aber auf der anderen Seite haben wir einen Innenminister, der Pflanzen und Samen verbieten will. Wo ist das also gerade Thema, wenn nicht in Österreich? Mir fehlt da einfach die proaktive Kommunikation dieses Themas bei den NEOS. Ich habe letztens Claudia Gamon (Anm: Nationalratsabgeordnete) bei einem JUNOSTreffen auf das Thema angesprochen. Sie sagte: „Wir haben Umfragen vorliegen, die sagen, wir verlieren mit dem Thema mehr Wähler, als wir gewinnen.“ Ich verstehe das im Prinzip schon: Du musst Wählerstimmen bekommen, sonst kannst du nichts machen, wenn du rausfliegst aus dem Parlament. Diese Annahme ist für NEOS ja nicht absurd,

ich hoffe nicht, dass es passiert, und glaube auch nicht, dass es passiert. Wenn ich mir die FDP in Deutschland anschaue, die unsere Schwesterpartei ist, von der wir uns einiges abschauen und die sich von uns einiges abschaut – die kommunizieren das auch proaktiv und sehr erfolgreich, meiner Meinung nach. MED: Wie schätzt du die Situation in Österreich ein, vor allem in Hinblick auf die Ankündigung eines Verbots von Stecklingen und Samen sowie einer Strafrechtsreform? PB: Vorab, ich finde es eine saudumme Idee, eine wirklich extrem dumme Idee. Wenn ich Samen und Stecklinge verbiete, werden sie halt online bestellt. Sie haben was Schlechtes vor, und nicht mal das schaffen sie, also versagt die Verbotspolitik auf kompletter Linie. Und wie wird’s weitergehen? Es könnte halt diese Jeff-Sessions-Route eingeschlagen werden, wo Kickl Gras zum Riesenproblem erklärt und damit aber die Pro-Cannabis-Kräfte richtig provoziert, ähnlich wie es in Amerika passiert ist, meiner Meinung nach hat das die Szene total geboosted, dass Jeff Sessions da so massiv auch verbal gegen Cannabis vorgegangen ist. Dann gäbe es

das Szenario, dass sich die Regierung auflöst, das kann passieren, bevor irgendwas anderes passiert. Diese Annahme ist, finde ich, nicht absurd. Und was so richtig österreichisch wäre: eine Verfassungsgerichtshofentscheidung. Die „Ehe für alle“ wurde ja auch über den Verfassungsgerichtshof geöffnet, da geht es ja im Endeffekt um persönliche Freiheit. Es ist meine Sache, was ich mit meinem Körper mache, solange ich Dritten nicht signifikanten Schaden zufüge. Auch bei Cannabis kann man so argumentieren, da gibt es Richter Müller, der explizit auf der Cannabis-Normal-Konferenz vorgeschlagen hat, diese Verfassungsklage vor dem Verfassungsgericht anzustreben. Es ist ein zu starker Eingriff in die Privatsphäre, wenn du einem Menschen verbietest, zu Hause eine Pflanze anzubauen, die Blüten dieser Pflanze zu konsumieren und dann halt den Rausch zu erleben. Das reicht einfach nicht, um strafrechtlich gegen einen Menschen vorzugehen, und das wäre noch ein Weg.

text: Kevin Herzig

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VollBlut

OGKZ

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GKZ von der Humboldt Seed Organization ist eine feminisierte Cannabissorte mit Indica-Dominanz, um die sich in den Mendocino-Bergen in Kalifornien alle reißen. Mit dem Kauf der OGKZ-Samen holt ihr euch eine der besten Hybriden, die wir 2018 entwickelt haben.

Attraktive und köstliche Buds – eine Flut an Geschmackseindrücken OGKZ hat viel von den Qualitäten ihrer legendären Eltern Zkittlez und OGKB (OG Kush Breath) geerbt. Ihre Buds sehen einfach phänomenal aus, wenn sie erst manikürt sind – und enttäuschen die großen Erwartungen, die sie wecken, auch garantiert nicht. Zkittlez ist einer unserer erlesensten Stämme und in geschmacklicher Hinsicht einer unserer absoluten Lieblinge. Die Pflanzen strotzen nur so vor Aroma und Qualität; ein Zug und eine ganze Flut von 20

Eindrücken wird euren Mund durchströmen. Falls ihr drinnen arbeitet, raten wir euch, die Wachstumsphase zu verlängern, draußen wiederum empfehlen wir euch den Anbau in lauschigen Gewächshäusern oder in trockenem, warmem und mediterranem Klima.

Made in California – ohne jeden Zweifel Vielfältiger Duft und Geschmack und potente Wirkung Der Duft von OGKZ erinnert einerseits stark an Benzin mit süßen Noten und enthält andererseits einen Hauch von Zitrus und Zedernholz. Ihr intensiver Geschmack wiederum weist neben Benzin- auch Weihrauch-, Trauben- und Zimtnoten auf. Ihre Wirkung ist zerebral, potent, lang anhaltend und herrlich inspirierend. Genotyp: 80 % Indica / 20 % Sativa Kreuzung: Zkittlez x OGKB (OG Kush Breath) THC: 24 % CBD: 0,1 % THC : CBD: 240:1 (x)


Canna+Globe

Hanftee – eine verbotene Droge? Angebliche Gefahren eines Produkts der Hanfindustrie

In einigen europäischen Ländern werden aus Hanf hergestellte Produkte behandelt, als hätten sie etwas mit Drogen zu tun, nur weil der Ausgangsstoff Hanf ist. So verhält es sich unter anderem in Deutschland mit der Blüte und den Blättern des Hanfs. In vielen europäischen Ländern jedoch ist der Vertrieb dieser Produkte uneingeschränkt möglich, was Deutschland eindeutig in einen Wettbewerbsnachteil bringt.

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llegal hergestellte landwirtschaftliche Artikel wie zum Beispiel die Blüten und Blätter des Nutzhanfs werden in vielen europäischen Ländern unbegründet als Drogen eingestuft. Produzenten und Vertrieb riskieren daher aufgrund der uneindeutigen und widersprüchlichen Rechtsvorschriften eine Strafverfolgung. Unter solchen juristischen Rahmenbedingungen ist es sehr riskant, in einen Geschäftszweig zu investieren. Diese Situation verursacht bei den Akteuren des Geschäftszweiges existenzielle Unsicherheiten und behindert dessen Weiterentwicklung. Für Unternehmen der deutschen Hanfindustrie ist daher eine Überprüfung des Bundesbetäubungsmittelgesetzes dringend notwendig, zumindest eine Korrektur mit einer eindeutigen Unterscheidung zwischen Nutzhanf und Droge. Um dies in Gang zu bringen, wandte sich die Firma Hanf-Zeit mit einer Petition an die Betroffenen: „Der Deutsche Bundestag möge eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) beschließen, damit EU-weit explizit zugelassene Nutzhanfsorten aus der Liste der Betäubungsmittel herausgenommen werden.“

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In den meisten Ländern ist der Anbau von Nutzhanf innerhalb der Vorgaben der Landwirtschaftsministerien erlaubt. Den Landwirtschaftsbehörden sind deshalb Anbaugebiete, angebaute Sorten und Mengen zu melden. Gegen Diebstahl sind keine besonderen Vorkehrungen zu treffen. Bei diesen Pflanzen liegt der gesetzlich vorgeschriebene niedrige THC-Gehalt bei weniger als 0,2 Prozent, was den Gebrauch als Droge ausschließt, und damit jeglichen Missbrauch. Die Genehmigung des Anbaus hatte das Ziel, der Hanfindustrie einen Freiraum zu schaffen und einen wissenschaftlichen Prozess in Gang zu bringen. In den vergangenen Jahren waren die deutschen Hanfanbauer beim Verkauf von THC-freien Hanfprodukten mit ernsthaften Problemen konfrontiert. In mehreren Fällen (Amtsgericht Höxter, Landgericht Paderborn, OLG Hamm) entschieden die Gerichte, den Vertrieb von Produkten an die Endverbraucher zu untersagen. Ähnlich der Praxis in anderen Mitgliedstaaten der EU waren die lokalen Gerichte der Auffassung, dass die Blüten und Blätter von Hanf unabhängig von ihrem THC-Gehalt unter das Bundesbetäubungsmittelgesetz

fielen und daher nicht verkauft werden dürften. Der Vertrieb solcher Produkte an Endverbraucher gelte als Rauschgifthandel, auch wenn es sich um legal hergestellte Landwirtschaftsprodukte handle. Nach der Rechtsprechung des OLG Hamm sei es daher nicht gestattet, solche reinen Hanfprodukte wie Hanftee für den deutschen Markt herzustellen und zu vertreiben. Der angebaute Hanf dürfe ausschließlich für Produkte wie Seile, Isoliermaterial oder Kleidung benutzt werden. Die Entscheidung des Gerichts verbietet den Verkauf von Hanfprodukten an EndkonsumentInnen. Das bedeutet auch, dass legal hergestellte landwirtschaftliche Artikel, zum Beispiel die Blüten und Blätter von Nutzhanf, unbegründet als Drogen eingestuft werden. In vielen europäischen Ländern jedoch ist der Vertrieb dieser Produkte uneingeschränkt möglich. Dies bedeutet einen Wettbewerbsnachteil für deutsche Nutzhanfproduzenten. Anbauer und Handel riskieren auch, dass gegen sie wegen der widersprüchlichen Gesetzeslage Strafverfahren eingeleitet werden. Dies bedeutet eine Verletzung der Rechtssicherheit.


Es ist lebensfremd und nicht mit dem freien Warenverkehr in der Europäischen Union in Einklang zu bringen, wenn einige Mitgliedsländer oder Regionen mit administrativen Mitteln die Produktion und den Vertrieb bestimmter Produkte einschränken. Leider finden wir dafür in der Europäischen Union gegenwärtig zahlreiche Beispiele, hauptsächlich in den osteuropäischen Ländern und nicht nur bei Hanfprodukten. Ähnlich ist die Lage in vielen europäischen Ländern beim Handel mit CBD-Hanfblüten. Wie der Nutzhanf enthalten sie kein THC und lassen sich nicht als Drogen einstufen, wenn diese Einstufung anhand des Wirkstoffgehaltes geschieht. Diese CBD-Produkte dürfen trotzdem in den meisten europäischen Ländern nicht vertrieben oder importiert werden. Diese Einschränkungen erreichen die Mitgliedstaaten in der Hauptsache mit administrativen Mitteln (Registrierungspflicht, behördliche Erlaubnis, Importgenehmigung, Transfererlaubnis bei jeder einzelnen Sendung) und mit strengen, obgleich nicht unbedingt gesetzlichen behördlichen Eingriffen. Nach Art. 34 im Vertrag über die Europäische Gemeinschaft sind jedoch mengenmäßige Einfuhrbeschränkungen sowie alle Maßnahmen gleicher Wirkung zwischen den Mitgliedstaaten verboten. Das Supremat der

EU-Gesetze verlangt prinzipiell, dass die Rechtsquellen des Mitgliedstaates den europäischen Rechtsnormen nicht widersprechen dürfen. Der Europäische Gerichtshof erarbeitete in mehreren Jahrzehnten der Rechtsprechung diese Prinzipien, in denen die Mitgliedstaaten den freien Warenfluss legal beschränken können. Wenn die Regulierungen eines Mitgliedstaates diesen Prinzipien nicht entsprechen, sind sie als nichtig zu betrachten. Die Rechtsnormen dieses Mit-

gliedstaates können nicht von Organen der Europäischen Union oder den Behörden der Mitgliedstaaten bzw. vor den Gerichten Anwendung finden. Glaubt wirklich jemand, mal abgesehen von der Rechtsprechung, dass man die Blüten von Industriehanf oder seine Blätter im Hanftee als Droge behandeln muss?

text: G. Holland

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Canna+Globe

Das Cannabisverbot verletzt mich in meiner Würde

„Warum bin ich eigentlich kriminell, nur weil ich rauche?“

Martini Meinreiß aus Bayern scheut nicht zurück vorm Kontakt mit vermeintlichen Gegnern, selbst mit CSUlern hat er eine solide Gesprächsbasis. Nun war er für das Knowmad-Insitut Wien als Beobachter bei der Commission on Narcotic Drugs (CND). Medijuana: Ich würde dich bitten, dich kurz vorzustellen und uns zu erzählen, in welche Legalisierungsaktivitäten du eingebunden bist. Martini Meinreiß: Ich bin Martini, komme aus Augsburg/Bayern, aus dem Süden Deutschlands. Bin jetzt mit dem KnowmadInstitut aktiv, ich war jetzt drei Tage bei der UNO, wo es um unser Cannabis ging, es war sehr interessant. Dazu gekommen ist es, da ich mich vor drei, vier Jahren gefragt habe: „Warum bin ich eigentlich kriminell, nur weil ich rauche?“ Der war auf einmal da, dieser Gedanke. Dann hab ich meine Stadträte angeschrieben und sie gefragt, warum ich kriminell bin und was sie zu dieser Thematik denken. Ich hab mir zu Beginn gedacht: „Kann ich überhaupt mit diesem Thema kommen?“ Ich hab ja mit Stadträten noch wie was zu tun gehabt. Und jetzt war ich bei der UNO und hab mit Diplomaten geredet. Ich habe erstaunliche Antworten bekommen, die ich nicht erwartet hatte – es sind ja schließlich Politiker. Dann habe ich gesehen, dass es den deutschen Hanfverband gibt, da bin ich Mitglied geworden, hab eine Ortsgruppe gegründet, hab Aktionen gestartet, zwei Kundgebungen gleich innerhalb von zwei Wochen, weil ich nicht genau wusste, was der Global Marijuana March ist, aber ich wollte mitmachen. Mittlerweile machen wir den fünften oder sechsten. Bundespolitiker sind mit dabei, und beim nächsten Mal werde ich einen CSU-Politiker dabei haben. In dieser Zeit hab ich gemerkt, dass man mit Politikern reden kann, man sollte mit ihnen reden. Mittlerweile bin ich „der von Hanf“, so werde ich in der SPD vorgestellt, und zwar freundlich, sehr freundlich. Ich habe mit vielen an der Spitze reden können. Gerade habe ich ein Gespräch mit Herrn Pilsinger gehabt, der ist im CSU-Gesundheitsausschuss. Das ist es, was mich interessiert: Dass man mit diesen angeblichen Gegnern redet, ihnen mal zuhört und natürlich die Frage stellt: „Warum bin ich kriminell?“ Das ist immer noch meine Frage und die betrifft meine Würde, die Human Dignity. Ich bin erwachsen und ich verlange eigentlich vom Staat, dass er 26

mich schützt. Ich konsumiere wie Millionen andere und wir haben einen Markt, wo Tonnen und Tonnen eines Konsumgutes ohne jede Regulierung und Kontrolle gehandelt werden. Das will ich ändern. Ich will nicht anbauen, ich will im Laden kaufen können und wissen, was drinnen ist, ich will Standards haben. Ich habe gemerkt, dass das zu wenige Leute machen: an Leute herantreten. Es gibt schon viele, die das machen – mal mit Leuten reden, von denen man meint, der ist eh dagegen, mal versuchen, sie nicht öffentlich bloßzustellen, sondern ihnen ein Schlupfloch bieten. MED: Kannst du schon Erfolge verbuchen? Gibt es Gegner, die jetzt dafür sind? MM: Ich hab mit der CSU vor zwei Jahren eine Veranstaltung gemacht zum Thema Cannabis, wo viele im Publikum von der Jungen Union waren – ich werde heute noch von den jungen Männern gegrüßt. Es lief

sehr gut, es war ein Bundestagsabgeordneter der CSU dabei, Dr. Ulrich, ein Jurist, und Herr Schwab, Stadtrat und Polizist – jemand, der keine Kiffer mag. Und der ist ein Jahr später auf einer CSU-Veranstaltung, ein Neujahrsempfang, wo ich eingeladen war, auf mich zugekommen, quer durch den Raum, und hat gesagt: „Sie haben Recht gehabt.“ Der grüßt mich heute wie einen Freund. Mittlerweile hat mir zum Beispiel auch der Polizeichef der Bereitschaftspolizei eine Freundschaftsanfrage auf Facebook geschickt, sowas sehe ich als Erfolg. MED: Du hast erwähnt, dass du bei der UNO warst, was hast du dort gemacht? MM: Ich war als Beobachter eingeladen, das war eine große Ehre. Ich bin über eine belgische Organisation dort gewesen, die haben ihren Sitz für mich freigemacht. Ich hatte kein Stimmrecht, bei den NGOs hat nur einer von uns ein Stimmrecht. Dort Martini Meinreiß, Knowmad-Institut


sind nicht nur Staaten, sondern auch Organisationen wie Interpol anwesend. Es wurde drei Tage lang über Cannabis geredet – ein sehr gepflegter Austausch, wenn man da 180 Nationen sitzen hat. Da soll es mal so eine Raumschiffserie gegeben haben, wo so eine intergalaktische UNO war. Da gehst du rum und das ist live, du siehst alle verschiedenen Menschen und jeder kann reden, da wird keiner ausgeschimpft. Die Frau von der Menschenrechtskommission hat Applaus bekommen – eigentlich macht man das nicht, man hört nur zu und im Anschluss wird gearbeitet. Ich bin reingekommen, weil ich Mitglied beim Knowmad-Institut bin. MED: Es wurde erwartet, dass die WHO eine Empfehlung abgibt, dass Cannabis neu eingestuft wird. Das ist nicht passiert. Wie siehst du das? MM: Die WHO hat jetzt auf ihrer 41. Sitzung beschlossen, Experten anzuhören, die nicht die alte Meinung vertreten, und hat dann daraus ein Outcome gemacht. Das ist sehr positiv – wenn du das liest, da sind viele Sachen, da bekommst du einen Grinser im Gesicht. Der Critical Review kommt aber zu keinem Ergebnis, der sagt, es gibt diese Studie und diese Studie. Mit 50 Seiten Fußnoten. In Genf habe ich schon gemerkt, die

bemühen sich, die wollen was ändern, da bin ich mir sicher, sonst hätten sie nicht diesen Prozess gestartet. Sie haben angekündigt, dass es viel Arbeit wird, und am Freitag haben sie verkündet, dass es einfach noch in Arbeit ist. Es gibt die einen, die meinen, dass es absichtlich verzögert wird. Ich glaube aber wirklich, dass sie gesagt hätten, wenn es politisch klar wäre, dass Cannabis ein No-Go ist und die Kräfte in der WHO das nicht erlauben würden, dann wäre ein ablehnendes Statement gekommen. MED: Du bist jetzt aktiv im KnowmadInstitut, einer internationalen Organisation, die sich für die Menschenrechte einsetzt. MM: Das Knowmad-Insitut hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschenrechte und Wissenschaft zusammenzubringen. Auf der ganzen Welt gibt es viele Erkenntnisse. Da, wo es wirklich brennt um Menschenrechte, fehlt es oft an Kommunikation oder an Informationen, da sind Wissenschafter, die zwar was publiziert haben, aber das kommt bei uns nicht an. Wir versuchen auf der einen Seite, die Wissenschaft zu sammeln und doktrinfrei zu machen. Wir haben innerhalb kürzester Zeit ein fantastisches Netzwerk an Experten, die uns ihre Arbeitsleistung zur Verfügung stellen, also die nicht nur sagen: „Find ich gut, bin ich dabei“, sondern die für

die Studien, die wir bereitstellen, arbeiten. Damit wollen wir eine Basis schaffen, die für alle offen ist, und diese zugänglich machen, um auf die Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen, die zum größten Teil ja nicht hier in Deutschland passieren. Das Menschenrecht, zu kiffen, ja, das kann sein, aber es berührt viel eher meine Würde, meine Ehre. Ich bin nicht kriminell, also muss ich mich um Human Dignity kümmern in Deutschland und in Europa. Mit jedem Deal, den wir machen, geht Geld an irgendeinen dreckigen schwarzen Kanal, und am Ende sind immer die Frauen die Loser. In Südamerika sind die meisten wegen Drogenhandel Inhaftierten Frauen. MED: Da sieht man, dass Menschrechtsverletzungen und Prohibition eng miteinander verbunden sind. MM: Beim Knowmad-Institut sind alle Freunde von Cannabis, dort kann ich durch mein Netzwerk und meine Arbeit beim DHVRegionalbüro eine gute Verbindung herstellen. Klar ist mein ureigenstes Thema Cannabis und Human Dignity. Bei den Human Rights habe ich jetzt erst so richtig einen Einblick bekommen, was das heißt. Eigentlich müsstest du aufhören zu kiffen, wenn du nicht selbst anbaust – wir finanzieren den ganzen Scheiß, den wir nicht wollen. Und jetzt bin ich in einer Organisation, die sich schon seit Jahren, speziell in Südamerika, um Menschenrechte kümmert. Einer der Gründer, Martin Diaz, hat schon mehrmals vor der UNO gesprochen, da musst du schon was herzeigen können. Er hat gemeinsam mit seiner Frau Daniela das Knowmad-Institut gegründet, wir sind steuerrechtlich anerkannt, gemeinnützig. Klar auch im kirchlichen Bereich angesiedelt, Martin und Daniela sind beide Pastoren. Ich finde es ganz fantastisch, dass ich mit solchen Leuten arbeite, hätte nie gedacht, dass ich mit „der Kirche“ zusammenarbeite. Ist so nicht mein Thema, ich glaub an die Wissenschaft: Beweis mir’s, und dann können wir darüber reden.

text: Anna C. Histic

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VollBlut

Quick Kush

Die begehrteste Kush kann auch megaschnell ihrer zahlreichen Zweige schenkt euch diese Pflanze viele kompakte, vor Harz nur so strotzende Buds von außergewöhnlicher Potenz.

Aroma und Geschmack Auch Quick Kush besitzt jenen ganz besonderen OG-Kush-Duft, der schon so viele Cannabis-Fans in seinen Bann gezogen hat. Erdöl und Zitrone und eine Prise frisch erloschenes Grillfeuer – das lässt niemanden kalt, so viel ist klar! Und auch wenn diese Mischung zu Beginn vielleicht eher seltsam erscheinen mag, eilt ihr Ruf ihr voraus: Wer diese Kush einmal probiert hat, kehrt immer und immer wieder zu ihr zurück.

Wirkung Quick Kush hat einen absolut potenten Effekt. Da sie früher reift als die „normale“ Version, kann sie insgesamt mehr Lichtstunden sowie mehr Wärme nutzen und deshalb leichter ihr maximales Potenzial und einen sehr hohen THC-Gehalt erreichen. Ansonsten schlägt die schnelle Version der klassischen OG Kush in Sachen Wirkung ganz nach ihrer Mutter, und angesichts des hohen THC-Anteils handelt es sich dabei natürlich keineswegs um einen leichten Effekt. Deshalb eignet sich diese Sorte nur für KonsumentInnen, die etwas wirklich Starkes wollen.

Anbau

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uick Kush ist eine feminisierte Marihuanasorte, die der klassischen OG Kush eine gehörige Portion Schnelligkeit einimpft. Während die berühmteste Indica 55 bis 63 Tage lang blüht, sind die Buds dieser Quick-Version nach 49 bis 56 Tagen fertig. Lasst euch von dieser kurzen Blütezeit aber nicht täuschen: Die Geschwindigkeit nimmt ihr nichts an Qualität und auch nichts von jenem unverwechselbaren Duft nach Erdöl und Zitrone, der ihr im Laufe der Cannabisgeschichte so viele treue Fans eingebracht hat. Auch dem potenten Effekt, den der berühmteste Strain Kaliforniens bereit-

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hält, tut sie keinen Abbruch. Ihr habt es hier nämlich mit einer waschechten, einfach nur etwas schnelleren OG Kush zu tun!

Ertrag Quick Kush schmälert die Produktion der Originalversion keineswegs. Der hohe Ertrag ist eine der Stärken von OG Kush, und das bleibt auch bei dieser schnellen Variante so, die rund ein halbes Kilo indoor und bis zu einem Kilo outdoor abliefert. Was die Qualität angeht, da ist sie einsame Spitze, wie vom berühmtesten Strain der kalifornischen Küste gewohnt. Dank

Quick Kush ist eine kinderleicht anzubauende Sorte ohne Wenn und Aber: widerstandsfähig, schnell und richtig dankbar. Spart euch eure Kräfte für andere Genetiken auf, bei dieser hier werdet ihr sie nicht brauchen! Die Sprintkanone liebt gemäßigtes und möglichst trockenes Klima und ist kein Nimmersatt. Standardbewässerung und -düngung reichen also völlig, damit die berühmteste Lady Kaliforniens sich innerhalb von 50 Tagen mit kompakten Buds schmückt. Da die Blüte der traditionellen OG Kush nicht allzu schnell abläuft, fanden wir es hochinteressant, etwas nachzuhelfen. Folgende gewichtige Gründe hatten die Breeder von Dinafem vor Augen, als sie an dieser Genetik zu arbeiten begannen: Geschlecht: feminisiert Genotyp: 75 % Indica / 25 % Sativa THC: 18–25 % CBD: 0,1 % THC : CBD: 250:1  (x)


VollBlut


Medi+green

Fertigarzneimittel (CBD/THC) gegen Epilepsie erprobt

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ürzlich im Kinderkrankenhaus „SickKids“ in Toronto, Kanada, durchgeführte Untersuchungen liefern vielversprechende Daten zur Sicherheit und Verträglichkeit eines neuen Fertigarzneimittels auf Basis von CBD und THC für Kinder mit arzneimittelresistenter Epilepsie (DRE) aufgrund des Dravet-Syndroms.

Tilray, ein global agierender Hersteller von medizinischem Cannabis aus Kanada, ist der Urheber der Studie zum Fertigarzneimittel Tilray 2:100. Dabei handelt es sich um ein medizinisches Cannabisöl, das große Mengen Cannabidiol (CBD) und geringe Mengen Tetrahydrocannabinol (THC) enthält. Die Ergebnisse der Phase-II-Studie

wurden nun in der medizinischen Fachzeitschrift Annals of Neurology veröffentlicht. Während der Untersuchung erhielten 20 Kinder mit dem Dravet-Syndrom eine Zusatztherapie mit Tilray 2:100. 19 Teilnehmende schlossen die 20-wöchige Studie ab. Die erreichte mittlere Dosis betrug 13,3 mg/kg/ Tag CBD und 0,27 mg/kg/Tag THC. Die PatientInnen wurden auf Verträglichkeit und unerwünschte Wirkungen überwacht. Nebenwirkungen, die während der Einstellungsphase häufig auftraten, waren Schläfrigkeit, Appetitverlust und Durchfall. Ebenso wurden bei gleichzeitiger Valproinsäure-Therapie Abnormitäten der Lebertransaminasen und Thrombozyten beobachtet. Statistisch ergab sich eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität, eine Eindämmung der EEG-Spike-Aktivität und eine Verringerung der Anfälle um 70,6 Prozent. Dr. Blathnaid McCoy, Neurologin im SickKidsKinderspital, schlussfolgert: „Unsere Studie zeigt, dass Cannabinoide eine antikonvulsive Wirkung entfalten können und sicher sowie gut verträglich bei der Behandlung pädiatrischer arzneimittelresistenter Epilepsie (DRE) sind.“

(Noch) keine Blüten in Österreichs Apotheken

G

eht es nach dem jüngst veröffentlichten Bericht der Gesundheitsministerin, bleibt in Österreich bei Cannabis als Medizin alles beim Alten. Resümee des Reports: Es gebe keinen Beweis, dass die Blüten gegenüber den derzeitigen MonoPräparaten Vorteile hätten.

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Der Konsumentenschützer und ehemalige Nationalratsabgeordnete Peter Kolba hat mit einem Initiativantrag im Parlament dafür gesorgt, dass der Gesundheitsausschuss des Nationalrats im Juni ersucht, bis zum Ende des Jahres einen Bericht über den Einsatz von Cannabis in der Medizin zu erstellen.

Der noch im letzten Jahr veröffentlichte Bericht basiert wesentlich auf Stellungnahmen des Obersten Sanitätsrats, der Apothekerkammer, der Ärztekammer sowie der AGES. Im Bericht wird darauf verwiesen, dass PatientInnen in Österreich bereits jetzt nach geltender Rechtslage Zugang zu cannabisbasierten Arzneimitteln hätten. Die Frage der Kosten bzw. Kostenübernahme für diese Präparate klammert der Bericht völlig aus. „Für den Einsatz von Cannabis, im Sinne von getrockneten Blüten- oder Fruchtständen der Cannabispflanze, als Arzneimittel in Österreich fehlt der wissenschaftliche Nachweis der Vorteile der getrockneten Blüten oder Fruchtstände im Vergleich zu jenen cannabisbasierten Präparaten, die bereits der ärztlichen Verschreibung zur Verfügung stehen“, so der Bericht. Auch hier werden wichtige Fakten ignoriert. Denn dass die Blüten besser wirken, lassen einige Studienergebnisse vermuten, und dies wird in der Praxis regelmäßig berichtet. Weiterhin wird im Bericht behauptet, dass die Kosten für Blüten höher seien als die Kosten eines aufgereinigten Mono-Präparates. „Dieser Bericht ist eine schwere Enttäuschung für die 1,5 Millionen Schmerzpatienten in Österreich“, kritisiert Peter Kolba.


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Medizin

Undankbares Kind

„Die Legalisierung hat medizinisches Cannabis vernichtet” Neben den FreizeitkonsumentInnen hegten auch viele Kranke große Erwartungen bezüglich der Legalisierung von Cannabis im Bundesstaat Washington, doch wurde die Mehrheit von ihnen enttäuscht. Wir haben Dr. Dominic Corva, Leiter des Cannabis and Social Policy Center (CASP) in Seattle, zu den Anomalien der legalen Regelung und deren Auswirkungen auf PatientInnen befragt. 32

Medijuana: Wie bist du in die Cannabisszene gelangt? Dr. Dominic Corva: Ich habe ein Diplom als Geograf. Meine Forschungsthemen an der Universität von Washington waren der Drogenkrieg und der illegale Drogenmarkt. Ich forschte in Bolivien über Coca, den Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise und der Marktbildung. Im Verlaufe meiner Studien lernte ich den Aktivismus für andere Drogen, in erster Linie für Cannabis, kennen. Da ich selbst auch Konsument war, entschied ich mich für ein Forschungsthema, das mir nicht zu nahe stand. Später, während einer Fortbildung an einer Universität im Staat Washington und danach an der Humboldt Universität in Nordkalifornien, verfolgte ich die Konjunktur des medizinischen Cannabis und diverse Planungen der Legalisierung. Infolgedessen entschloss ich, eine eigene Organisation zu gründen. MED: Womit beschäftigt sich die CASP genau? DC: Die CASP ist eine zivile Organisation, die sich mit Forschung und Lehre beschäftigt. Den Begriff Lehre muss man weit fassen, als Information, bei der die Entscheidungs-

träger die Zielgruppe bilden, also Akademiker und ein Teil der Fachleute der Cannabisindustrie. MED: Wie entstand das Profil der Organisation? DC: Ich führte lange Gespräche mit Züchtern, die schon seit den sechziger Jahren aktiv sind und die Basis für den amerikanischen Cannabismarkt bereitet haben. Vor dieser Zeit wurde aus Mexiko importiert. Das ist der Ausgangspunkt für meine Untersuchung der Marktausbildung, die zu einem komplexen Regulierungs-Framework geführt hat, und auch zu einigen Widersprüchen. Die gegenwärtige Situation nenne ich zusammenfassend Post-Prohibition, und genau damit beschäftigt sich CASP. Wir untersuchen, wie das weiter bestehende bundesstaatliche Verbot die Legalisierung ausformt. Beim Verbot geht es nicht in erster Linie um das Cannabis, sondern um gesellschaftliche Kontrolle. MED: In der Debatte um die Legalisierung gab es viele Argumente und Gegenargumente zur Ausbildung von Marktverhältnissen. Welche Erwartungen und Befürchtungen hinsichtlich des geregelten Marktes haben sich fünf Jahre


nach der ersten Legalisierung bewahrheitet und welche Widersprüche haben sich herauskristallisiert? DC: Eine der größten Befürchtungen bestand darin, dass große Cannabisfirmen entstehen würden. Im Staat Washington hat die explosionsartige Legalisierung das medizinische Cannabis praktisch vernichtet. Vor der Legalisierung waren die Gesetze zur Regulierung des medizinischen Cannabis nicht so streng, bedeuteten eher eine Entkriminalisierung. Medizinisches Cannabis brachte auch keine ernstzunehmenden Einnahmen für den Staatshaushalt. Es wurde in kleinen Gärten angebaut und das System rundherum hatte

nichts mit modernem Kapitalismus zu tun. Von großen Profiten war keine Rede, die Regulierung betraf nur einen kleinen Kreis, der durch das Aufeinander-angewiesen-Sein und die Stigmatisierung als Gemeinschaftserlebnis zusammengehalten wurde. In der Epoche der Legalisierung zählen diese Werte nicht mehr. Nur ein Wert zählt heute: Geld. MED: In Kanada Zeilenumbruch prüfen nach der Legalisierung Probleme, weil die Züchter sich auf den Markt der Freizeitdrogen begaben, der mit größeren Profiten lockte. Geschieht in den USA etwas Ähnliches? DC: Ja und nein. Zum größten Teil haben nicht die Züchter entschieden, auf den Freizeitmarkt umzuschwenken. Im Staat Washington war das beispielsweise die einzige Möglichkeit, weil das Programm für medizinisches Cannabis ausgesetzt wurde. In Oregon und Kalifornien geschieht das Gleiche. Es wurde unmöglich und illegal, den medizinischen Markt zu bedienen. MED: Wer produziert nun Cannabis für die Patienten? DC: Zum einen der Schwarzmarkt, zum anderen verschiedene Netzwerke, die sich vor zehn Jahren entwickelt haben, um Patienten Zugang zu bezahlbaren Medikamenten zu bieten. Damals war die Qualitätssicherung direkt, denn Patienten und Anbauer kannten einander. Der Patient konnte die Plantagen besuchen und sich von der Herstellung ein Bild machen. Durch die Legalisierung wurden Produktion und Handel getrennt. Und die Regulierung, die dies bewirkt hat, konnte bisher ihre Versprechen nicht verwirklichen, beispielsweise eine allgemeine Qualitätskontrolle oder eine Festsetzung zuverlässiger THC- und CBD-Werte. Natürlich können Patienten medizinische Produkte in den Cannabisgeschäften kaufen, aber das Gesetz verbietet die Reklame dafür, weswegen man

Dr. Dominic Corva, Leiter des Cannabis and Social Policy Center (CASP)

Medizinalhanf nur schwer findet. Das größte Problem ist, dass die Patienten das Vertrauensverhältnis zu ihren früheren Anbauern verloren haben. MED: Zudem haben Patienten einen Bedarf nach einem Produkt mit konstanter Zusammensetzung und Qualität, um ihre Krankheiten angemessen behandeln zu können. DC: Die Patienten müssen regelmäßig viele Sorten und Produkte ausprobieren, um das für sie wirkungsvollste Cannabis zu finden. Das Endocannabinoidsystem jedes Konsumenten ist individuell, weswegen alle Sorten bei jedem anders wirken. Im gegenwärtigen System hast du das Recht, mit allem zu experimentieren, aber die Mittel sind sehr teuer, man kann sie nicht beschnuppern und man kann mit dem Verkäufer nicht über eigene Erfahrungen reden, wie es früher möglich war. Der Zugang zu Informationen wurde beschränkt. Aber es ist nicht alles negativ. Unter den Freizeitprodukten tauchen sehr interessante Dinge auf, die man am ehesten als Nahrungsergänzungsmittel auf Pflanzenbasis einordnen kann, obwohl für die positiven Wirkungen nur sehr begrenzt Werbung gemacht werden kann. Vertrieben werden beispielsweise Tabletten, die THC, CBD, Terpene, Baldrianwurzel und Vitamin B enthalten, aber durch die Steuern sind diese Produkte sehr teuer. MED: Und Kranke können sie nicht auf Rezept bekommen. DC: Das konnten sie auch früher nicht, aber man konnte auf Medikamentenspenden hoffen. Registrierte Kranke bekamen von Apotheken kostenlos Blüten, Öl oder andere Cannabisprodukte. Diese Möglichkeit besteht heute nur noch in der Theorie, nicht aber in der Praxis. In dem momentanen, stark regulierten System in Washington und den meisten anderen Staaten verdient niemand mit Cannabis Geld. In Washington liegt die Steuer bei 48 Prozent, wozu für die kleinen Händler noch die Bundessteuer kommt. Eine bundesweite Legalisierung, mit der man die Probleme lösen könnte, wird von der Regierung als Förderung krimineller Machenschaften angesehen und nicht als Förderung von Wirtschaftsleistungen. Unter solchen Umständen kann von Medikamentenspenden kaum die Rede sein. In Colorado werden die Einnahmen aus dem Cannabisgeschäft heute zum Wohle der Gemeinschaft eingesetzt. In Washington war zwar ein ähnliches System geplant, doch die Gesetzgebung entschied anders und hält ihre Hand auf die Einnahmen. MED: In welchem Staat sind die Gesetze für einen Cannabispatienten am vorteilhaftesten? DC: Wir müssen bedenken, dass wir nur von drei ausgereiften legalen Märkten sprechen können: Washington, Colorado und Oregon. Bei jedem von ihnen kann man po33


Medizin sitive Beispiele anführen. Zu meiner eigenen Überraschung würde ich momentan Colorado hervorheben, obwohl ich grundsätzlich glaube, dass die beste Politik an der Westküste gemacht wird (lacht). Colorado unterstützt die Forschung und schreckt im Gegensatz zu Washington nicht davor zurück, Erwachsenen den Eigenanbau zu gestatten. Jedoch gibt es Elemente, die im Modell von Colorado fehlen. Wie zum Beispiel die Wiedergutmachungsprogramme in Kalifornien, Maine und Massachusetts, die es bis zu einem gewissen Grad ermöglichen, die vom Drogenkrieg verursachten Schäden auszugleichen. In Kalifornien hingegen wurden rückwirkend die Strafen annulliert, die für den Besitz geringer Mengen verhängt worden waren, was eine sehr positive Entwicklung ist. MED: Positive Praktiken anderer Staaten kann man auch in kommunale Gesetze einfließen lassen, wenn auch nicht sofort. DC: Stimmt. Wenn man etwa in Colorado eine positive Praxis in Kalifornien wahrnimmt, kann man sie übernehmen, aber das braucht seine Zeit. Daher denke ich, dass das Verbot, auch wenn es nur eine Rechtskonstruktion ist, in Wirklichkeit ein Kulturprodukt ist. Es ist allen in Fleisch und Blut übergegangen. Viele haben zum Beispiel Angst davor, mit Cannabiskonsum in Verbindung gebracht zu werden, aber deswegen sind sie keine schlechten Menschen. Je näher sie der Sache kommen, beispielsweise durch die Angehörigen eines Cannabispatienten, desto mehr verändert sich die Einstellung. Das gehört zur Veränderung einer Kultur. Die Kultur des Verbots wird so lange fortbestehen, so lange der letzte Mensch lebt, der in ihr aufgewachsen ist und dessen Glaubensgefüge sie bildet. MED: Laut Untersuchungen seit Ende der sechziger Jahre verringert sich die

Jerry Whiting (LeBlanc CNE), Shango Los (Shaping Fire), Dr. Dominic Corva (CASP)

Zustimmung für das Verbot in den USA Jahr für Jahr und seit ein paar Jahren sind die Befürworter der Legalisierung in der Mehrheit. DC: Das ist zum großen Teil der Tatsache zu verdanken, dass viele sich zum Cannabiskonsum bekannt haben. Das erinnert sehr an die Bewegung für die Homosexuellenrechte. Die Menschen verachteten Homosexuelle, solange nicht einer ihrer Verwandten dazugehörte. Nach Veröffentlichung zahlreicher Studien stieg die Akzeptanz der Homosexuellen kontinuierlich. Dies ist auch heute beim Cannabis der Fall. Der Einsatz von medizinischem Cannabis hat die Akzeptanz des Kiffens erhöht. Daher ist es eine Schande, dass die Legalisierung des medizinischen Cannabis, die den Weg erst freigemacht hat, in den Hintergrund gedrängt wird. MED: Welche Veränderungen würde eine bundesweite Legalisierung bringen?

DC: Bankgeschäfte, Bankgeschäfte und nochmals Bankgeschäfte. Kreditinstitute im Staate Washington haben gewaltige Summen für Bankgeschäfte im Zusammenhang mit Cannabis zur Verfügung gestellt. Dabei versucht man zu verheimlichen, dass man das Geld für ein Cannabisunternehmen benötigt. Wenn es trotzdem herauskommt, kann man sich eine andere Bank suchen. Das ist gleichzeitig ärgerlich und teuer. Besonders für kleine Firmen ist es problematisch, wenn sie keine Kredite bekommen. Eine Öffnung vonseiten der Bundesbank wäre eine große Hilfe für die kleinsten Akteure. Die Produkte überschreiten die Staatsgrenzen, was den illegalen Handel zurückdrängt. Die Frage ist, wie eine bundesweite Legalisierung aussehen würde. Soll es ein solch zentrales, strenges Bundesmodell geben wie in Kanada oder können die Staaten ihre eigenen Modelle adaptieren? Ich rechne mit einem zentralisierten Modell, was allerdings auch nach hinten losgehen kann, wenn es zu streng gehandhabt wird. Wenn zum Beispiel auf Bundesebene der Eigenanbau verboten wird. MED: Und was würde all dies für das medizinische Cannabis bedeuten? DC: Die medizinische Forschung wird auf jeden Fall von der Legalisierung profitieren. Für Ärzte und Forscher wird Cannabis leicht erhältlich sein und sie werden direkter als bisher mit den Patienten zusammenarbeiten können. Es wird möglich sein, mithilfe einer Krankenversicherung Cannabis zu erhalten und in den Apotheken wird es neue Präparate geben. Eine bundesweite Legalisierung könnte dem Cannabis, als traditionellem botanischen Produkt und auch in der Pharmazie, den Weg ebnen.

text: Tomas Kardos 34


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VollBlut

Eine seriöse medizinale Pflanze:

Biddy Early

Geschaffen für die freie Natur

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iddy Early ist eine Outdoor-Sorte, die speziell für das feuchte und kalte Klima von Holland entwickelt wurde. Sie erreicht eine Höhe von etwa 1,8 bis 2 Metern. Wegen ihrer frühen Reife und der guten Schimmelresistenz ist sie sehr gut geeignet als Freilandkultur in Holland und in Gegenden mit ähnlichem Klima. Biddy Early ist einfach anzubauen, auch für den unerfahrenen Gärtner geeignet und darum unser „Einsteigermodell”. Der Preis dieser Sorte wurde bewusst niedrig gehalten, um auch AnfängerInnen und Menschen mit kleinem Budget die Möglichkeit zu geben, eine Sorte von seriöser Qualität zu bekommen. Die meisten Pflanzen zeigen bei

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kaltem Klima rote und lilafarbene Töne in den Blättern und Blüten. Biddy Early bietet ein süßes Karamellaroma und ein mächtiges High, das nicht zum Tageskonsum empfohlen wird, aber immer noch verträglich genug ist, um nicht als Party-Bremse zu wirken. Diese Sorte eignet sich hervorragend zur Bekämpfung von Depressionen und zur Stimmungsverbesserung. Sie gewann beim High Times Cannabis Cup 2003 den zweiten Platz in der Kategorie Sativa, dort war sie als einzige eingereichte Outdoor-Sorte den anderen, indoor angebauten Konkurrenten überlegen! Typ: F1-Hybride, sativa-dominant Indoor-Wachstumszeit für Sämlinge: 2–3 Wochen Indoor-Blütezeit: 50–60 Tage Indoor-Ertrag: 300–400 g/m2 Erntezeit outdoor/Gewächshaus: Ende Sept./Beginn Okt. Erntezeit outdoor/Gewächshaus feminisierte Samen: Beginn/Mitte Okt.  (x)


VollBlut

The Doctor

Great White Shark x Super Skunk

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he Doctor ist eine Kreuzung von Great White Shark mit einer südindischen Sorte und Super Skunk. Es ist eine wahre Indica-Sorte mit sehr auffälligen Eigenschaften. Die Pflanze ist klein, buschig und wächst fast rund, mit sehr kräftigen Seitentrieben, die die schweren Blütenstände gut unterstützen. Die unteren Triebe strecken sich bis über das Profil der Pflanze hinaus, die Internodien bleiben mit circa sechs bis sieben Zentimetern kurz. Die Blätter der Pflanze sind dick, mit kurzen, breiten und sich überlappenden Fingern – ebenfalls eine wahre Indica-Struktur. Die hohe Stressresistenz macht The Doctor zu einer guten Sorte für AnfängerInnen sowie für

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fortgeschrittene GrowerInnen. The Doctor ist sehr gut geeignet für Grow-Räume mit niedrigen Decken und kann draußen ihr volles Potenzial entfalten. Die Blütezeit beträgt acht Wochen, wobei sich die meisten Harzkristalle innerhalb der letzten zwei Wochen bilden. Die Blüten sind bereits nach sieben Wochen sehr kompakt und schwer, jedoch empfehlen wir, der Pflanze die Zeit zu geben, ihr volles Terpenprofil zu entfalten. The Doctor hat ein sehr interessantes Cannabinoidprofil mit erhöhten CBD, CBG- und CBN-Werten, wodurch sich diese Sorte sehr gut zur medizinischen Behandlung von chronischen Schmerzen sowie Multipler Sklerose und vielen anderen Krankheiten eignet. Der Geruch von The Doctor ist sehr intensiv mit einem süßen, sehr beerigen Aroma – ein komplexes Bouquet mit vollem Geschmack. Vielen RaucherInnen fällt die Ähnlichkeit zum Great White Shark auf. Der starke, fast narkotische Stoned-Effekt ist sehr schnell zu spüren. (x)


Green Sensation Mehr als ein Booster

Green Sensation ist mehr als ein Booster. Green Sensation holt immer das Maximum bezüglich Geschmack und Ertrag aus der Genetik deiner Pflanze. Entdecke, wie das möglich ist. Sieh Dir die einmaligen Vorteile von Green Sensation an!

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Medizin

Pflanzen sind unsere Verbündete Kratom und Hanf statt Opiaten

Die verheerende Opiatkrise in den USA bewegt Millionen KonsumentInnen, nach weniger gefährlichen Alternativen zu suchen. Neben Cannabis bietet eine weitere Pflanze, das Kratom, vielen PatientInnen die Möglichkeit, sich aus der Gefangenschaft von Analgetika oder Heroin zu befreien. Doch statt die Entwicklung zu unterstützen und in geregelte Bahnen zu lenken, wird staatlicherseits wieder einmal an unsinnige Verbote gedacht.

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ährlich sterben in den USA etwa 50.000 Menschen an der Überdosierung von Opiaten. In den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl der Opfer steil an. Dieser Prozess hat verschiedene Ursachen. Einerseits wurde Heroin wieder populär, andererseits wird es von Dealern oft mit dem wesentlich potenteren Fentanyl gestreckt, was in

der Kombination tödlich sein kann. Überdosierung ist aber nur ein Gesichtspunkt. In der außer Kontrolle geratenen Situation beschuldigen viele die Ärzteschaft, oft unbegründet starke opiathaltige Schmerzmittel zu verschreiben, deren Dosis ständig erhöht werden müsse, um die gleiche Wirkung zu erreichen. Deswegen wechselten viele Pa-

tientInnen letztendlich zu Heroin oder Fentanyl. Da der Konsum von Opiaten immer mit einem hohen Risiko verbunden ist, ist es unumgänglich, weniger gefährliche Alternativen zu entwickeln. Wir können auf Anhieb zwei solcher Heilpflanzen anbieten, doch sind beide wegen politischer Kurzsichtigkeit verboten.

Schadensminimierung reloaded Wo sind die Zeiten geblieben, in denen wir bei dem Wort „Schadensmimimierung“ nur an sterile Spritzen, Druckräume und Ähnliches im Zusammenhang mit dem intravenösen Gebrauch von Rauschmitteln dachten? ForscherInnen, persönlichen Erfahrungsberichten und progressiven politischen Entscheidungen ist es zu verdanken, dass heute außer Frage steht, dass dem Cannabis in der Zurückdrängung der Opiatkrise eine mindestens ebenso große Rolle zuteil wird wie den sterilen Nadeln bei der Bekämpfung von Aids. Es genügt zu erwähnen, dass in den USStaaten, in denen der medizinische Gebrauch erlaubt ist, die Zahl der Todesfälle durch Opium-Überdosierung um 25 Prozent gesunken ist. Aus Fragebögen und in persönlichen 40


Interviews erfuhren die ForscherInnen, dass PatientInnen, die unter starken Schmerzen litten, zum größten Teil mit dem Gebrauch von Cannabis produktiver und sozialer seien, zudem unter sehr viel weniger Nebenwirkungen litten als bei der Schmerzbehandlung mit Opiaten. Aber die Politik akzeptiert diese Tatsachen nur langsam. Vorläufig kann sich glücklich schätzen, wer die Möglichkeit hat, rezeptpflichtige, opiumhaltige Medikamente durch Cannabis zu ersetzen und mit entsprechenden Sorten aus staatlichen Cannabisläden experimentieren zu dürfen. Eingedenk dessen war es vorhersehbar, dass die Politik bei einem anderen, ebenfalls seit Jahrhunderten benutzten pflanzlichen Mittel keine gottgegebene Möglichkeit sah, sondern nur die Aufgabe, Ordnung zu schaffen.

Natürliches Schmerzmittel, das auch die Stimmung verbessert

In der 29. Ausgabe der Medijuana (6/2016) stellten wir die in Südostasien heimische Pflanze Kratom vor, deren Blätter seit Jahrhunderten zur leichten Stimulation und Stärkung der Abwehrkräfte konsumiert werden und in größeren Dosen als Schmerzmittel und zur Beruhigung Einsatz finden. Im letzten Jahrzehnt verbreitete sich die Pflanze auch in der westlichen Welt, hauptsächlich nachdem erkannt wurde, dass sie mit ihrer Wirkung auf die Opioidrezeptoren wirksam das Verlangen nach Opiaten senkt, während ihre Nebenwirkungen deutlich schwächer sind. In der Praxis bedeutet dies, dass Menschen, die regelmäßig Opiate konsumieren – beispielsweise Heroinabhängige – mit Kratom Entzugserscheinungen reduzieren und ohne sich zu sedieren den ganzen Tag aktiv bleiben können. Im Gegensatz zu Opiaten bildet sich nicht so schnell Toleranz heraus, das heißt, dass die Dosis nicht so schnell ge-

Bonnie Avery, Professorin für Pharmazie, und Chris McCurdy, Professor für medizinische Chemie, halten eine Flasche Kratom

steigert werden muss. Doch auch bei einer Erhöhung der Dosis ist nicht mit tödlicher Überdosierung zu rechnen – solange man Kratom nicht mit anderen Mitteln mischt. Wir können also den Kratombaum neben der Cannabispflanze als zweiten bedeutenden Verbündeten in der Schlacht gegen die Opiate betrachten. Problematisch ist nur, dass sich gegenwärtig nur wenige Forschungsarbeiten mit den medizinischen Wirkungen von Kratom beschäftigen. Es ist also nicht überraschend, dass die Pflanze in keiner Form auf der Liste der zugelassenen Medikamente erscheint und ÄrztInnen sie daher nicht verschreiben können. KonsumentInnen sind somit gezwungen, eine Selbstdiagnose

zu stellen, sich mit Recherchen im Internet behelfen und getrocknete Blätter oder Konzentrate in verschiedenen Shops zu beschaffen. Doch die Nachricht macht die Runde und es gibt eine große Zahl von Menschen, die mit Kratom experimentieren. Schätzungsweise benutzen drei bis fünf Millionen US-AmerikanerInnen regelmäßig Kratom und nach einer Studie aus dem Jahr 2017 haben zwei Drittel von ihnen dadurch Heroin oder rezeptpflichtige Analgetika absetzen können. Demnach haben mindestens zwei Millionen US-AmerikanerInnen einen Ausweg aus dem Labyrinth der Opiate gefunden, was allein schon ein Grund zum Feiern wäre. Die USRegierung denkt jedoch anders.

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Medizin Panik ist ein schlechter Ratgeber Wenn Millionen von Menschen etwas Neues aufgreifen, ist die typische Reaktion der Politik, nicht über die Motive der KonsumentInnen oder die Vorzüge ihrer Entscheidung nachzudenken, sondern, Panik zu schüren und tödliche Gefahren vorzugaukeln. Es ist richtig, dass der Konsum von Kratom nicht risikofrei ist – regelmäßiger Gebrauch kann zu Abhängigkeit führen (obwohl diese in keinem Verhältnis zur Opiatabhängigkeit steht), zu Appetitlosigkeit und schlechtem Schlaf. Einige ForscherInnen befürchten, es könne sich negativ auf die Lernfähigkeit und das Gedächtnis ausüben und in Ausnahmefällen zu schweren Lebererkrankungen führen. Natürlich darf man diese Risiken nicht auf die leichte Schulter nehmen, doch die Handlungsweise der US-amerikanischen Regierung ist die schlechteste Reaktion angesichts der Opiatkrise. Unter Obama versuchte man zum ersten Mal im Jahr 2016, den Handel mit der Pflanze zu verbieten. Damals leisteten zahlreiche Fachleute und die Interessenvertreter der KonsumentInnen Widerstand. Der Aufschub währte bis Ende 2018, als die Drug Enforcement Administration (DEA) es für unabwendbar hielt, Kratom auf die Liste der gefährlichsten illegalen Mittel zu setzen. Es blieb jedoch die Frage offen, wann dies geschehen würde. Im Zeitalter des Darknets und der Designerdrogen kann kein verantwortungsbewusster Mensch ernsthaft glauben, dass der Drogenhandel mit einem Verbot beendet werden kann oder die damit verbundenen Risiken minimiert würden. Statt es in speziellen Geschäften, eventuell unter ärzt-

licher Aufsicht zugänglich zu machen, wird nach einem Verbot der Schwarzmarkt aufblühen und illegale Laboratorien werden um die Gunst der KonsumentInnen wetteifern.

Ein neuer Markt für die organisierte Kriminalität Mit etwas Kenntnis der Gesetzmäßigkeiten des Schwarzmarktes lässt sich vorhersagen, dass die Platzierung von Kratom auf der Verbotsliste mehr negative als positive Ergebnisse zeitigen wird. Durch ein Verbot werden mehrere Millionen KonsumentInnen mit einem Schlag ihres Mittels beraubt, und auch dann müssen ihre Schmerzen gestillt werden. Manche von ihnen werden die Möglichkeit haben, mit einer ärztlichen Verschreibung auf Cannabis auszuweichen, doch ein Teil der gegenwärtigen KonsumentInnen wird gezwungen sein, wieder Opiate zu nehmen, und andere werden sich illegal Kratom beschaffen. Die Stelle der momentan legal betriebenen Geschäfte übernehmen dann Verbrecherkartelle, von denen nicht zu erwarten ist, dass sie den Verbraucherschutz im Auge haben. Laboranalysen entdeckten jetzt schon mit Opiaten gepushte Kratomproben. Nach einem Verbot dürfte dies Usus werden, denn Dealer vertreiben immer die potentesten Sorten. Außerdem wären sie verrückt, wenn 42

sie nicht versuchten, ihre KundInnen zum Konsum von Opiaten zu verführen, die einen größeren Gewinn abwerfen. Da die Einzeldosen bei Kratom im Vergleich zu den meisten Drogen recht hoch liegen – 3 bis 15 Gramm – werden die Händler, um möglichst viele wirksame Dosen aus jedem Kilo ihrer Ware zu portionieren, sicher tricksen. Illegale Labors haben bereits begonnen, die Wirkstoffe zu verändern und zu verstärken. Mit welchen Risiken das einhergeht, wissen wir ebensowenig, wie dies bei den ständig veränderten synthetischen Cannabinoiden der Fall ist. Die Welt müsste es doch eigentlich als Geschenk auffassen, dass eine Pflanze mit solch geringen Risiken bei der Zurückdrängung der Opiatkrise helfen kann, und sie nicht in die Hände von Kriminellen geben, die aus ihr ein Monstrum erschaffen könnten. Beim Cannabis setzt sich weltweit die Einsicht durch, dass die strenge aber legale Regulierung die ideale Lösung darstellt, und nach 80 Jahren kehren langsam Präparate auf Cannabisbasis auf die Regale der Apotheken zurück. Es wäre traurig, wenn beim Kratom zu den Schäden durch das Verbot Hunderttausende vermeidbare Todesfälle kämen.

text: Jack Pot


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VollBlut

Green Poison XL Auto® Der perfekte Selbstblüher

benswoche, erreichten sie allmählich etwa 120 Zentimeter. Diese Sorte wächst sehr schnell und entwickelt viele Zweige. Ab der vierten Woche bilden sich die Buds heran. Ich verwendete ein spezielles Düngemittel für Kokos, etwa 90 Prozent der empfohlenen Dosis, da diese Sorte, wenn Klima und Beleuchtung stimmen, ein Vielfraß ist. Das Gießen sollte immer langsam erfolgen, um zu vermeiden, dass Nährstoffe aus dem Topf gespült werden. Sobald der gesamte Boden feucht ist, kann man das Wasser noch für etwa zehn Minuten ablaufen lassen, um angesammelte Salze zu reinigen. Diese Sorte ist extrem harzhaltig und ihre kompakten Knospen bereiten auch den besten und leistungsfähigsten Grindern Probleme. Nach dem Trocknen ist der Geruch sehr durchdringend – erst jetzt offenbaren sich die Töne von Trockenfrüchten. Es ist eine ideale Sorte für den Vaporizer. Green Poison XL Auto® ist meine Lieblingssorte für die Nacht – um entspannt, gelassen und mit vielen positiven Ideen einzuschlafen. Sie fördert stark Kreativität und Inspiration und ist auch perfekt zum Rumalbern mit KollegInnen in einer ruhigen Umgebung. Süße Dämpfe!  (x)

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illkommen, liebe MitzüchterInnen aus der Cannabiswelt! Dieser Bericht soll euch erklären, wie man Green Poison XL Auto® (SWS71), diese schöne und produktive selbstblühende Sorte der dritten Generation von Sweet Seeds®, anbaut. Zunächst sollte man die Samen an einem warmen Ort, idealerweise bei etwa 22°C, in einem Glas Wasser mit ein paar Tropfen Wasserstoffperoxid keimen lassen. Am zweiten Tag sollten bereits Keimblätter zu sehen sein. Nun pflanzt man die Keimlinge in einen kleinen Topf mit einem Volumen zwischen 200 Millilitern und einem Liter. (Wenn man Umtopfen vermeiden will, kann man sie auch gleich in die endgültigen Töpfe von maximal 25 Litern Fassungsvermögen einpflanzen.) Nährstoffe darf man nicht vergessen: Bei Kokos verfährt man genauso wie bei fotoperiodenabhängigen Pflanzen; verwendet man

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Erde, sollte sie weich sein, oder man benutzt einen nährstoffreichen Boden, sodass einen Monat lang kein Dünger zugegeben werden muss, bis die Pflanzen alle im Boden befindlichen Nährstoffe aufgebraucht haben. Selbstblühende Pflanzen können und sollten mit dem Maximum an verfügbaren Lichtstunden angebaut werden – entweder von Mitte Frühling bis Frühsommer, wenn sie im Freien aufwachsen, oder mit etwa 18 bis 20 Stunden künstlichen Lichts in Innenräumen. Sie beginnen unabhängig von den Lichtstunden zu blühen, aber es empfiehlt sich, ihnen möglichst viele Lichtstunden zu geben. Als ich Green Poison XL Auto® anbaute, verpflanzte ich sie am zehnten Tag in 20-Liter-Airpot®-Töpfe mit Kokos. Am Ende der dritten Woche erreichten die Pflanzen eine Höhe von ca. 40 Zentimetern und begannen bereits zu blühen. In den nächsten zwei Wochen, ungefähr bis zur sechsten Le-


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Gorilla ZkittlezTM

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ntfessle die gigantische Kraft der Westküsten-Genetiken mit dieser großartigen Kreuzung aus GG4 und Zkittlez. Wir stellen vor: die brandneue Gorilla Zkittlez™ von Barney’s Farm. Eine exquisite Trichomen-Feier erwartet die Geduldigen nach nur 60 Tagen Blüte. Du wirst nicht mehr vergessen, wie du die ertragreichen Früchte dieser Sorte zum ersten Mal probiert hast. Der aufkommende Favorit beeindruckt mit seiner sinnlichen Schönheit und glitzernden, trichombeladenen Blütenstempeln, die an allen Ecken erstrahlen. Er ist eher auf der Indica-Seite im Cannabisspektrum anzusiedeln. Lass dich von den 24 Prozent THC medizinischer Qualität in ein warmes Nest der Entspannung verführen, das du nicht mehr verlassen willst. Die Blütezeit (indoor) beträgt circa acht bis neun Wochen und im Freien blüht sie im Oktober. Hier kann man bis zu 2,5 Kilogramm Ertrag und eine finale Höhe von 1,7 Metern von gut gepflegten Pflanzen erwarten. (x)

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