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Nr. 3/2012 Juli-Aug

Medical & Harm Reduction Magazine

COFFEE STOP Zutritt nur mit Genehmigung

KUSH Ursprung und Geschichte der Pflanze und des Wortes

RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN Cannabinoide, Körper, Seele, Gesundheit

DAS HARBORSIDE HEALTH CENTER An vorderster Medijuana-Front in den USA

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ALSO

Medical & Harm Reduction Magazine

Summer, ganja, California bwohl das Medijuana Magazin erst das dritte Mal erscheint, übertrifft sein Empfang die Erwartungen. Die Zahl der Verbreitungsstellen hat sich seit dem Start im März verdreifacht, die Rückmeldungen sind weiterhin positiv. Langsam erreichen wir auch persönlich alle Growshops und wir freuen uns darüber, dass machmal das Blatt früher dort ist als wir. An vielen Stellen werden wir als Bekannte begrüßt, das sich sehr gut anfühlt, wir bedanken uns dafür. Viel wichtiger ist aber der Inhalt, was wir versuchten, locker zusammenzustellen, da es sich um eine Sommerausgabe handelt. An Hanffront ist die Sensation des Sommers das neue niederländische Gesetz, das die Bedienung der Ausländer in den Coffe Shops verbietet. Wir gingen der Story nach und fragten den Leiter der Greenhouse Coffeshops danach, was im Hintergrund steht und was die Zukunft bringt. Ich kann euch beruhigen, nach Joachim ist dieses Gesetz das letzte Geschenk der im Frühling gescheiterten, konservativen Regierung, die aus 1000 Wunden blutet. Im Herbst finden neue Wahlen statt, so wird es eine neue Regierung geben, also nur keine Panik! Da es gerade Sommer ist, machen wir einen kleinen Ausflug in die USA, undzwar wohin, wenn nicht nach Kalifornien? Unnser Autor besuchte das Harborside Health Center in Oakland und nur seine Fotos sind aufregender als sein Artikel. Und wenn Oakland, dann gedenken wir der Razzia an der Oakstredam University. Nach Jimmy Kimmel sprechen wir ein bisschen über das Dilemma der Staatsregierung, was die medizinische Verwendung von Marihuana betrifft. Der Komiker richtete die Aufmerksamkeit des amerikanischen Präsidenten humorvoll aber eindeutig darauf, dass es Schade wäre mehrere Millionen Wähler zu verlieren, nur damit die bei der DEA arbeitenden zehntausend Menschen sich nicht langweilen. Inzwischen bekennen sich die größten amerikanischen Ikons offiziell für den Konsum und kämpfen gegen den Drogenkrieg. Einige sind bekannte Smoker, über andere würdet ihr es überhaupt nicht denken. Unser Artikel über die erfolgreichsten Grasköpfe findet ihr in der Zeitung. Auch diesmal stellen wir einige interessante Cannabissorten vor und wir schreiben auch über die Herkunft der Kushen, einer der berühmtesten Unterarten. Dieses Wort ist heutzutage – besonders in Amerika – das Synonym der guten Qualität, aber woher stammt diese Bezeichnung? Die Antwort findet ihr im Artikel. Über die Lage der medizinisch behandelten Pazienten und über den Status des Hanfs wird auch in Europa heftig diskutiert. Nach Tschechien und Polen plant auch die Slowakei die Gesetzänderung, aber was noch viel wichtiger ist, dass es in Deutschland, wo die europäischen Prozesse am meisten bestimmt werden, auch eine intersive Diskussion begann. Diesmal machten die Parteien und die Regierung mit, die Hanfaktivisten befragten sogar Bundeskanzlerin Merkel. Aus einer Sommerausgabe dürfen auch die neuesten Forschungen und Informationen über das medizinisch verwendbare Marihuana nicht fehlen. Weiterhin berichten wir über die Risiken und Nebenwirkungen des Überkonsums von Cannabis, weil auch in diesem Fall allzuviel ungesund ist. Das zum Konsum anregendes, wirtschaftliches und gesellschafltiches Modell unserer Zeit unterstützt das nicht wirklich, aber die Mäßigkeit war in dem antiken Griechenland, in der Wiege der europäischen Kultur, einer der sieben Tugenden. Also wir empfehlen euch, mäßig zu sein, außerdem empfehlen wir euch Sommerprogramme und etwas zum Lesen. Wer zum Beispiel in Spanien ist, sollte Europas größtes Reggaefestival in Valencia oder das vor kurzem eröffnete, imposante Hanfmuseum dank Sensi Seeds in Barcelona nicht verpassen. Reggaefestival wird es auch in Ungarn stattfinden und wenn gleich Hanf, vergessen wir das Cannatrade in Zürich und das Cultivar in Wien nicht, wo wir nicht nur mit dem Magazin Medijuana, sondern auch mit anderen Attraktionen auf euch warten. Bis dahin wünsche ich euch einen aufregenden Sommer, es leben die Mädchen und natürlich: Be Wise, Stop Harms.

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Der Redakteur

INDEX BABYLON GROW BIO NOVA CULTIVA ENCOD EUPHORIA FLYING DUTCHMEN HANF im GLÜCK HCLU HUG’s INDRAS PLANET LA PIPE MR. SMART NAHTSCHATTEN VERLAG PARADISE FESTIVAL PARADISE GROW PLAGRON RISE & SHINE ROTOTOM SUNSPLASH SENSI SEEDS SERIOUS SEEDS

9 35 U4 13 15 29 11 33 29 41 8 21 43 41 7 7 47 24 U2 37 1


MEDI+GREEN AUCH SPITZENSPORTLER DÜRFEN ES RAUCHEN

4 Medical & Harm Reduction Magazine

BASKISCHE HANFANBAUER IM PARLAMENT IN DER ZELLE VERGESSEN

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IMPRESSUM

AUF EINEN SCHLUCK BUDGENIUS

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KALIFORNISCHER HANFWEIN AUF SCHIZOPHRENE WIRKT MARIHUANA HEILSAM HANF-DISKUSSION IN DEUTSCHLAND

Chefredakteur: Gabor Holland Autoren: Jack Pot, KGB, Martin Muencheberg Dani Jahluv, Noucetta Khedi, Tomas Kardos

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Leserredakteur: Daniela Gottlieb, Zoltan Mora

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Verantwortlicher Herausgeber: Peter Perjesi

DER SCHLAG DER DEA GEGEN OAKSTERDAM

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DAS GRÖSSTE HANFMUSEUM DER WELT

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Design & Photo: Gergely Vaska, Rob Naivsi

CK & MEDIJUANA PUBLISHING KN Advertising s.r.o. 945 05 Komarno 5. Eötvösa 57/20.

CANNA+GLOBE COFFEE STOP

E-mail: medijuana.at@gmail.com

16–19

Zutritt nur mit Genehmigung DIE 10 ERFOLGREICHSTEN POTHEADS AMERIKAS

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Web: www.ckmedijuana.info

EXPERTEN

VOLLBLUT SENSI SKUNK

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MEDIZIN DAS HARBORSIDE HEALTH CENTER

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An vorderster Medijuana-Front in den USA RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN

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Cannabinoide, Körper, Seele, Gesundheit

MEDI+GREEN EIN WEITERER “MEDI-CANNABIS”-STAAT IN DEN USA

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THC UND CBD ALS SCHMERZHEMMER MUSKELENTKRAMPFUNG DURCH GRAS

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VOLLBLUT WHITE RUSSIAN KUSH

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Ursprung und Geschichte der Pflanze und des Wortes WHITE DRAGON

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GROW SOMMER UND HYDROPONIC

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A’LA CANNA LEGALIZIERUNG SOFORT! Rise & Shine Reggae & Dub Festival

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Der Herausgeber von Medijuana weist alle Leserinnen und Leser darauf hin, dass der Handel mit lebensfähigem Hanfsamen, sowie Verkauf, Besitz und Lieferung desselben in mehreren Mitgliedsstaaten der Europäischen Union als illegal gilt! Sämtliche Inhalte sind zu Informations- bzw. Unterhaltungszwecken gedacht. Wir möchten keineswegs dazu beitragen, dass jemand in seiner Heimat bestehenden Gesetzen zuwider handelt. Es ist nicht Anliegen des Herausgebers von Medijuana, irgendjemanden zur illegalen Nutzung der in der Broschüre erwähnten Produkte anzuregen. Der Herausgeber trägt keine Verantwortung für Aussagen, die auf verkauften Anzeigenflächen erscheinen. Sämtliche Meinungen im Redaktionsartikel stammen von den Autoren und decken sich nicht in jedem Falle mit dem Standpunkt des Herausgebers. Gelegentlich ist es nicht möglich, den Inhaber des Urheberrechts zu identifizieren, oder mit ihm Kontakt aufzunehmen, daher übernehmen wir im Falle des Nachweises von begründeten Urheberrechtsansprüchen auch im Nachhinein die Zahlung einer bestimmten Vergütung. Wir gehen bei sämtlichen Texten und Bildern bis zur Erklärung des Gegenteils davon aus, dass sie uns zur Veröffentlichung zugesandt wurden. Für die Vervielfältigung der Broschüre – auszugsweise oder als Ganzes- ist die schriftliche Erlaubnis des Herausgebers erforderlich, auch wenn die Vervielfältigung nicht zu kommerziellen Zwecken erfolgt. Alle Rechte vorbehalten!

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MEDI+GREEN eit langem bietet die Frage, ob der Hauptwirkstoff des Marihuana, das THC, auf der Liste der verbotenen leistungssteigernden Mittel zu finden ist, Stoff für heiße Diskussionen. Dabei sollte man bei den meisten Sportarten gar nicht meinen, dass ein bisschen Paffen vor dem Wettkampf die Leistung des Sportlers positiv beeinflussen würde. Der Vorsitzende des Internationale Antidoping Verbands (WADA) schließt dies jedoch nicht aus. Der Leiter des Weltverbandes, John Fahey, ist der Meinung, dass ein Cannabisverbot nur bei solchen Sportarten begründet wäre, wo es nachweislich die Leistung der Sportler steigern kann. Die WADA untersucht jedes Jahr die auf der Liste aufgeführten Mittel, denn sie müssen zwei oder drei Kriterien erfüllen: sie müssen eine nachweisbar leistungssteigernde Wirkung haben, sowie/oder die sportliche Mentalität oder die Gesundheit des Sportlers insgesamt in Gefahr bringen. Viele Leute sind der Meinung, dass Marihuana diese Kriterien erfüllen könnte, da es bei Sportarten, für die eine ruhige Hand benötigt wird – zum Beispiel beim Schießen und beim Golf – den Konsumenten durchaus Vorteile zu bieten hat. Andere sind davon überzeugt, dass die Kriterien neu formuliert und lebensnäher dargestellt werden müssten, denn Cannabis wird schließlich in der Regel nur zur Entspannung genommen. Unter anderem bei der Australischen FootballLiga (AFL) wies die WADA besonders darauf hin, dass insbesondere beim Fußball anderen Betrugsmethoden eine wesentlich bedeutendere Rolle zukäme als dem Marihuana. Fahey schlug daher der AFL vor, beim Antidopingverband eine erneute Untersuchung einleiten zu lassen, die diesmal wahrscheinlich zu

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Auch Spitzensportler dürfen es rauchen

einem positiven Ergebnis kommen würde. Er wies darauf hin, dass es Mittel gäbe, die nur im Zusammenhang mit einigen Sportarten verboten seien, für andere jedoch nicht, und dass er keinerlei Hindernisse dafür sähe, dass auch für Cannabis diese Spezialregelung angewandt würde. Bisher sehen die Bestimmungen vor, dass diejenigen Sportler, in deren Blut am Tage des Wettkampfes THC nachgewiesen wird, für bis zu zwei Jahre vom Wett-

kampfsport ausgeschlossen werden könnten, allerdings bekommen sie in der Praxis meist nur ein dreimonatige Zwangspause oder eine Verwarnung. Jedenfalls müssen sich die australischen Footballer und alle anderen Sportler, die Marihuana für die Entspannungspausen benutzen wollen, noch ein wenig gedulden, denn die nächste Liste der WADA, die die ersehnte Änderung enthalten könnte, wird erst im November 2013 in Kraft treten.

Baskische Hanfanbauer im Parlament nter Mitwirkung von insgesamt sechzig Vertretern von Hanfanbauer-Gemeinschaften wird das baskische Parlament am 5. Juni die Verhandlungen um die möglichen Bedingungen für eine Reglementierung des Cannabis-Social-Club-Systems beginnen. Der Vorstand des zu diesem Zwecke aufgestellten Parlamentsgremiums setzte als Termin für erste Vereinbarungen den 5. Juni an, wobei neben den Leitern der Anbauer-Clubs auch Fachleute geladen wurden, die die Drogenstrategie der Regierung erarbeiten und diejenigen, die sich mit Drogenabhängigkeit beschäftigen; darüber hinaus auch Juristen, Experten des Gesundheitswesens und des Rechtswesens sowie Vertreter der Staatsanwaltschaft, damit die Details des Regelwerks auf diese Weise nach einem

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möglichst weitgefächerten Kriteriensystem ausgearbeitet werden können. Die Mitglieder des Gremiums wurden bereits im vergangenen Dezember benannt, um die Funktion der Vereine, die sich im Baskenland um den quasi legalen Konsum

von Marihuana und Cannabis organisiert haben, in rechtliche Rahmen einzubinden. Der Gesetzesentwurf versucht den Anbau für Eigenbedarf so zu regeln, dass dadurch die Rechte und die persönliche Autonomie von Nichtkonsumenten nicht beeinträchtigt werden. Darüber hinaus sollen die Wirkungen und Risiken des Marihuanakonsums für die Gesundheit mit vollständiger Transparenz behandelt werden. Baskenland ist eins der bedeutendsten Graskonsumenten Europas, wo der Konsum und der Anbau für den Eigenbedarf nicht geahndet wird, sondern lediglich der gewerbliche Handel. Nach neusten Studien nehmen 4,4% der Basken zwischen 15-24 Jahren Cannabis und 8,2% der Teenager – oder ca. 5000 Jugendliche – konsumieren mehr als zwanzig mal pro Monat Gras.


AUF EINEN SCHLUCK ERINNERUNGEN Bei Ratten, die traumatische Erlebnisse durchgemacht haben, lässt Cannabidiol (CBD) erfolgreich die unangenehmen Erinnerungen verblassen. Brasilianische Forscher haben festgestellt, dass sich durch den Einsatz von CBD auf lange Sicht aus schlechten Erfahrungen resultierende Ängste auslöschen lassen, die an bestimmte Erinnerungen oder Situationen gebunden aktiviert werden.

APPETITZÜGLER

In der Zelle vergessen ährend die meisten Grasfans – an die 420 – bei ihrem Kultfestival, dem 20. April, selbstvergessen ihrer Lieblingsbeschäftigung frönten, hätte die Party Daniel Chong aus San Diego fast sein Leben gekostet. Und sein Organismus hätte nicht deswegen beinahe versagt, weil er Marihuana geraucht hatte – so etwas kann höchstens auf einem Schnapsfestival vorkommen. In diesem Fall war die lebensgefährliche Situation durch das äußerst effektive Eingreifen der Polizei entstanden. Die “AntiDrogen-Behörde” (DEA) hielt nämlich ausgerechnet auf der Party Großrazzia, wo auch er gerade kiffte und zu seinem Pech wurde gerade er erwischt, und musste mit auf die nahegelegene Polizeiwache kommen. Bis zu diesem Punkt wäre die Aktion mit ihrem allgemein bekannten Drehbuch, trotz der Tatsache, dass sie das Geld der Steuerzahler unnötig verprasst, noch nicht in die Schlagzeilen geraten, denn die Agenten beschlossen schließlich, gegen Chong keinen Prozess einzuleiten. Allerdings hatte sich ein Fehler ins System eingeschlichen, denn der Junge wurde nach Abschluss der Angelegenheit in der Zelle vergessen. Und zwar für fünf komplette Tage, ohne Essen, Wasser und ohne Telefon! Später auf der Intensivstation des Krankenhauses stellte man fest, dass Chong durch die extreme Dehydratisierung um ein Haar dem Nierenversagen zum Opfer gefallen wäre und er sein Leben mit Sicherheit nur rettete, indem er während seiner Haft seinen eigenen Urin trank. Der Pechvogel hatte in seiner Verzweiflung nach der Tortur des tagelangen Durstens und Hungerns sogar schon mit Selbstmordgedanken getragen. Da er schließlich das Gefühl hatte,

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dass er das Abenteuer bestimmt nicht überleben würde, ritzte er sich mit seiner zerbrochenen Sonnenbrille “Sorry Mom” in den Arm. Chongs Familie verklagte die DEA nun zu 20 Millionen Dollar Schadenersatz. Der Leiter des Verbandes für Drogenpolitik (DPA) erklärte im Zusammenhang mit dem Fall, dass es auch häufig vorkomme, dass sinnlos verfolgte Konsumenten oft mit gefährlichen Verbrechern gemeinsam in Untersuchungshaft gesteckt werden, von denen sie zusammengeschlagen oder vergewaltigt werden oder die ihnen ihre lebensrettende Medikamente wegnehmen. Von solchen Erlebnissen erleiden die Opfer manchmal derartige Traumata, dass sie oft nachher noch jahrelang psychisch behandelt werden müssen einige sogar Selbstmord begehen. Er wies außerdem darauf hin, dass in dem Fall, wenn nicht eine staatliche Behörde sondern ein einfacher Durchschnittsbürger einen Mitbürger zu unrecht und unter derart unmenschlichen Umständen gefangen gehalten hätte, diese Tat gewiss mit einer mehrjährigen Haftstrafe geahndet würde. Im vorliegenden Fall kann sich Chong eigentlich schon freuen, wenn man sich überhaupt bei ihm entschuldigt. Vielleicht wäre es hilfreicher gewesen, wenn all dies mit dem Sohn einer vermögenden, einflussreichen Familie passiert wäre, denn es ist durchaus möglich, dass in diesem Fall nicht nur die DEA vor Gericht zitiert worden wäre, sondern auch die Praxis, Menschen sinnlos und unbegründet zu inhaftieren, abgeschafft würde, denn dies ist noch ein Punkt, der die Vereinigten Staaten von anderen demokratische Ländern unterschiedet.

Während Cannabinol (CBN) durch die Reizung des CB1 Rezeptors den Appetit der untersuchten Ratten steigerte, senkte im Rahmen einer entsprechenden Untersuchung Cannabidiol (CBD) die Gesamtmenge des verzehrten Futters beträchtlich. Ein dritter Bestandteil des Cannabis, das Cannabigerol (CBG) beeinflusst allerdings das Essverhalten überhaupt nicht.

ESSSTÖRUNGEN Deutsche Forscher haben Frauen untersucht, die an Magersucht und Bulimie leiden – zudem wurden Patientinnen, die auch zu Selbstverstümmelung neigen untersucht. Im Zuge der Untersuchung wurde ein niedrigeres Funktionsniveau des CB1Rezeptors festgestellt als bei den übrigen Patientinnen mit Essstörungen.

EPILEPSIE Bei zwei verschiedenen Arten von Epilepsie-Anfällen, die man an Tieren modellierte, setzte man Cannabidiol (CBD) ein. Bei den an experimentell induzierter Epilepsie vom Typ Pilocarpine und Penicillin erkrankten Tieren traten nach CBD-Gaben die schlimmsten Anfälle seltener auf und auch die damit verbundenen krampfartigen Zuckungen konnten reduziert werden.

SYSTEMISCHE SKLEROSE (SKLERODERMIE) Die systemische Sklerose (SSk) ist eine Autoimmunkrankheit, bei der sich eine schädliche Menge an Kollagen in der Haut und in den inneren Organen ablagert. Italienische Forscher haben bewiesen, dass die Ajulemische Säure (AJA) – ein synthetischer Cannabinoid-Abkömmling – das Fortschreiten der Bindegewebeverhärtungen (der krankhaften Veränderung der Bindegewebezellen) im Organismus der an systemischer Sklerose erkrankten Mäuse bremst.

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MEDI+GREEN

BudGenius ür die meisten Patienten bleibt es vorläufig nur ein Traum, für die wachsende Zahl der Länder, die Programme zum Einsatz von Cannabis für medizinische Zwecke genehmigen, kann es allerdings ein nachahmenswertes Vorbild werden: BudGenius (budgenius.com), die öffentliche Homepage für online Tests von medizinischem Marihuana, die sowohl für Verbraucher als auch für Apotheken viel Nützliches zu bieten hat. Patienten, die Cannabis kaufen wollen, können aus einem Menü auf der Webseite auswählen, für welche Beschwerden sie ein Medikament suchen, bzw. welche Wirkungen die als unangenehm empfinden, und erhalten als Ergebnis eine Liste von Sorten und Konzentraten, die ihren Ansprüchen am ehesten genügen. Da die Homepage für die USA konzipiert wurde, kann man auch den Wohnort ins Menü eingeben, damit in der Liste anschließend die geeignetsten Sorten aufgeführt werden, die in der Nähe des Wohnortes des Patienten erhältlich sind. Außerdem wird noch ein überschaubares Diagramm angezeigt, in dem die unterschiedlichen Preise dargestellt werden. Neben den einzelnen Sorten sind nicht nur die Mengen der wichtigsten, enthaltenen Cannabinoide (THC, CBD, CBN) aufgeführt, sondern aus einem zusätzlichen Diagramm lässt sich auch ablesen, welche Symptome sich am effektivstem mit dem

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jeweiligen Präparat bekämpfen lassen. Und wenn man konkrete Cannabinoid-Zusammensetzungen sucht, kann man diese Werte einfach eingeben und erhält so eine Aufstellung der zur Verfügung stehenden Sorten, die die Bedingungen erfüllen. Natürlich fehlen

Kalifornischer Hanfwein er in Amerika guten Wein oder heiße Ganjas sucht, wird nach einer kurzen Suche mit Sicherheit in Kalifornien landen. Und mit ein bisschen Glück kann er sich sogar davon überzeugen lassen, dass dort die Winzer und die Gärtner echt gute Freunde sind, und noch in den achtziger Jahren THChaltige Weine schufen. Es ist nicht besonders erstaunlich, dass auch die Idee der Hanfweine durch das Drogenverbot entstand. Von ihren Herstellern mussten sie noch vor zwanzigdreißig Jahren zum Verkauf unter der Theke hervorgeholt werden und wechselten für ca. 100 Dollar pro Flasche den exquisiten Besitzer. Aber wie wird der edle Tropfen überhaupt hergestellt? Der Mechanismus ist eigentlich total simpel: während der Gärung wird der Zucker zu Alkohol, und der extrahiert gleichzeitig das THC aus dem Hanf. Eben aus diesem Grunde empfehlen die Hanfwinzer, je Weinfass ein paar hundert Gramm

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Marihuana hinzuzufügen, damit in jede Weinflasche eine Menge gelangt, sie ungefähr anderthalb Gramm entspricht. Wein und Hanf müssen insgesamt ca. 9 Monate zusammen reifen, damit der unverwechselbare und natürlich auch unvergleichliche edle Tropfen entstehen kann. Laut den Winzern, verfügt der so hergestellte Wein über einen einzigartigen Duft, ein sehr charakteristisches Aroma und hat eine sanfte psychedelische Wirkung. Im Wein konsumiert werden die Cannabinoide schneller absorbiert als im Kuchen verbacken, so dass dieses Getränk sowohl Wein- als auch Hanffans mit Sicherheit ein neues Erlebnis bieten kann. Ein namhafter kalifornischer Winzer erklärte in diesem Zusammenhang, dass er diese Weine stets für ganz besondere Gelegenheiten zurücklegt, allerdings die Veranstalter ihm auf einigen Weinfestivals gewiss übel nehmen würden, wenn er ohne seine einzigartigen Hanfweine anreisen würde.

auf der Homepage auch die Links in die sozialen Netzwerke nicht, sodass der zufriedenen Konsument seine Lieblingssorten durch Likes und Twitter der großen weiten Welt vorstellen kann und sie außerdem auf der Rangliste auf seiner eigenen oder den öffentlichen Seiten der sozialen Netzwerke voranbringen kann. Im Hintergrund dieser Homepage ist ein kalifornisches Labor tätig, in dem Hanfanbauer wie auch Apotheken für ein entsprechendes Sümmchen den Inhalt ihrer Tütchen untersuchen lassen können, sodass sich der Käufer von der Qualität der Ware überzeugen kann und der Vertrieb die gewünschte Sorte auf die Liste der Homepage setzen darf. Neben all diesen Vorzügen fungiert BudGenius außerdem als Medium, Patienten, Dienstleister und Apotheken miteinander in Kontakt zu bringen.


MEGA WORM VON PLAGRON Starke Wurmerde mit neuem Namen Plagron verfügt über ein umfangreiches Angebot am Zusatzstoffen. Diese UNIVERSAL-Produkte können bei allen Substraten eingesetzt und mit sämtlichen Düngemitteln von Plagron kombiniert werden. Einer dieser einzigartigen Zusatzstoffe ist Mega Worm. Dieser Zusatzstoff erhielt vor Kurzem einen neuen Namen mitsamt neuer Verpackung: Mega Worm, zuvor “Wurmerde”. Mega Worm ist ein natürlicher Bodenverbesserer auf Basis kompostierter Pflanzenreste. Er sorgt für ein optimales Bodengleichgewicht, sodass die Pflanze optimal wachsen und blühen kann. Mega Worm hat einen sehr hohen organischen Gehalt: Der Bodenverbesserer enthält eine Vielzahl von Spurenelementen, Enzymen und Mineralien wie Mycorrhiza und Trichoderma. Diese schützen und ernähren die Pflanze.

Ein ganz besonderer Dünger Mega Worm ermöglicht die schnelle Keimung von Samen, führt zu einer kräftigen Wurzelbildung, verbessert die Widerstandsfähigkeit und fördert das Wachstum. Bisher war Mega Worm nur in den bekannten grünen Säcken erhältlich. Jetzt gibt es Mega Worm in violetten 1 Liter-Dosen, 5 LiterEimern und 25 Liter-Säcken. Plagron hat seinen Erfolg der Wurmerde zu verdanken. Unsere Wurmerde unterscheidet sich nach wie vor durch umfassende Analysen der Wurmnahrung. Wir wählen nur den allerbesten Dünger aus.

Pass it on! Für weitere Informationen verweisen wir dich und deine Kunden auf unsere neue Webseite, www. plagron.com. Hier findest du Zuchtinformationen, übersichtlich geordnet und versehen mit schönen Bildern und inspirierenden Filmen. Auf der neuen Webseite kannst du schnell Produkte suchen und auf einen Blick Tipps, dazu passende Produkte und die häufigsten Fragen zu jedem Produkt sehen. Die Webseite ist eine interaktive Plattform – Züchter können hier mit anderen Züchtern in Kontakt treten und ihre Erfahrungen teilen. Genauso wie es unser Slogan “Pass it on” ausdrückt! Besuche unsere Website regelmäßig für die letzten News über Plagron, unsere Produkte und Pflanzenzucht im Allgemeinen. Ebenfalls online: unsere Facebook-Seite für zusätzliche Tipps und Tricks (facebook.com / Plagron). Natürlich kannst du dich auch an unseren Servicedesk wenden: servicedesk@plagron.com.

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MEDI+GREEN

Auf Schizophrene wirkt Marihuana heilsam

iejenigen, die für eine Verschärfung der Sanktionen im Zusammenhang mit Marihuana kämpfen, betonen besonders gerne, dass sich ein enger Zusammenhang zwischen dem Entstehen von Schizophrenie und Graskonsum nachweisen lässt. In einem Forschungsprojekt jedoch, das sich in seiner Methodik durchaus als bahnbrechend bezeichnen lässt, wurde nun die Gleichung umgestellt, und anstatt an die Psychiater wandte man sich an die SchizophreniePatienten, die einstimmig darlegten, dass ihre Krankheit überhaupt nichts mit dem Graskonsum zu tun habe. Vielleicht erinnern wir uns noch an die Wellen, die die Angelegenheit dank der britischen Tageszeitung The Independent

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schlug: vor gut drei Jahren, 2009, erschien ein Leitartikel, der sich in theatralischem Tonfall dafür entschuldigte, dass man über Jahre hinweg die Legalisierung unterstützt habe, allerdings habe sich nun herausgestellt, dass die heutigen, wesentlich stärkeren Sorten mit größerer Wahrscheinlichkeit zu Schizophrenie führen. Viele Politiker zitieren diesen Artikel noch heute. Leider blieb uns der Satz, der vier Monate später – quasi als Rückzieher nach der Entschuldigung – in der Zeitung erschien, viel weniger in Erinnerung: “mittlerweile wurde nachgewiesen, dass der Konsum von Cannabis auch im schlimmsten Fall das Risiko der Entstehung von Schizophrenie lediglich um 1% steigern kann”. Seitdem wurde

auch ein Forschungsprojekt an 600 Tausend (!) Patienten über 10 Jahre hinweg geführt, und zwar die Untersuchung der Keele Universität in Staffordshire, bei der man feststellte, dass obwohl die Zahl der Gras konsumierenden Jugendlichen in letzter Zeit angestiegen ist, die Zahl der mit Schizophrenie behandelten Patienten sank. Also kann es sein, dass das Marihuana – ganz im Gegensatz zu den ursprünglichen Annahmen, eine schützende Wirkung hat? Eine andere Forschungsarbeit lässt genau darauf schließen. Gewiss nicht wegen seiner zahlenmäßigen Ergebnisse jedoch wegen seiner Methodologie ist die niveauvolle Untersuchung eines schweizerischen Forschungsteams, deren Ergebnisse im September 2010 im Harm Reduction Journal erschien, auf jeden Fall als innovativ anzusehen. Die Studie stützt sich auf ein Tiefeninterview mit 10 in der Psychiatrischen Klinik der Züricher Universität behandelten Schizophrenie-Patienten. Wer davon ausgeht, dass die SchizophreniePatienten die neuen Werbegesichter für die Antidrogen-Kampagne werden, den müssen wir leider enttäuschen: Die für die Studie ausgewählten Patienten erklärten einstimmig, dass zwischen ihrem Marihuanakonsum und dem Ausbruch ihrer Schizophrenie-Erkrankung keinerlei ursächlicher Zusammenhang bestünde. Ganz im Gegenteil, vier der Patienten sprachen dem Marihuana therapeutische Wirkung auf die Schizophrenie zu und verwiesen auf die positiven Effekte, die die Droge als Beruhigungsmittel und im Bereich der Bekämpfung von Angstzuständen habe. Und dies alles obwohl ziemlich bekannt ist, dass in der Schweiz Ganjas mit recht hohen Oktanzahlen im Umlauf sind. Genau aus diesem Grunde empfahlen die Forscher den Klinikexperten dringend, die bisherige Hypothese, dass Cannabis-Konsum bei Patienten, die eine Neigung für diese Krankheit aufweisen, zum Ausbruch derselben führen könne, nochmals kritisch zu hinterfragen.


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MEDI+GREEN n Deutschland ist die Sache noch nicht so weit vorangetrieben worden wie beispielsweise in der Slowakei, wo die Entkriminalisierung bald auf die Tagesordnung gesetzt werden kann – bisher zeichnen sich lediglich die Kräfteverhältnisse ab und man konnte erste Zusammenstöße aus nächster Nähe verfolgen – die Richtungen sind allerdings ohne Zweifel schon recht eindeutig. Die Ausgangssituation sieht also so aus, dass die aus Christdemokraten und Liberalen bestehende Regierung absolut nichts von einer Aufhebung des Cannabis-Verbots hören will, und diese Grundeinstellung wird wie gewohnt nicht wissenschaftlich sondern ideologisch begründet (für die Leute mit der längeren Leitung: Drogen sind gefährlich, verstanden?). Gleichzeitig wird nicht nur nicht gegen die Konsumenten und die Anbauer für den Eigenbedarf vorgegangen, sondern angesichts der mehreren hundert Growshops in Deutschland kassiert der Bund auch noch ein beträchtliches Sümmchen an Steuern von ihnen. Diese scheinheilige Grundeinstellung des Staates wurde dem Deutschen Hanfverband nun zu viel und so wurde im Dezember 2010 eine Online-Petition zur Cannabiskonsumentenentkriminalisierung und zur Einführung der nüchtern-realistischen Drogenpolitik verfasst. Der Verband schlug vor, in allen Bundesländern einheitlich den Besitz von 30 g Marihuana und einigen Cannabispflanzen zu erlauben. Außerdem würde man die Einführung des

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Hanf-Diskussion in Deutschland Ein Politiker, der gleichzeitig Wissenschaftler ist, hat es nicht leicht. Warum? Das versuchen wir hier exemplarisch darzustellen. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah: Vielleicht waren wir in letzter Zeit allzu sehr mit den Geschehnissen in Tschechien, Polen und der Slowakei beschäftigt. Dabei haben wir vergessen zu erwähnen, dass auch das bisher so “stille Wasser” der deutschen Politik immer mehr von der Frage der RauschmittelReglementierung in Wallung gebracht wird, da es landesweit vier Millionen Konsumenten gibt, die mehr oder weniger regelmäßig zum Tütchen greifen und insgesamt 12 Millionen Einwohner, die Marihuana irgendwann einmal ausprobiert haben. Das Thema betrifft also eine Menge Leute und dabei haben wir von den Auswirkungen auf die Wirtschaft noch gar nicht gesprochen. aus Spanien bekannten Cannabis Social Club (CSC) begrüßen, wo die Mitglieder des Clubs ihren Eigenbedarf gemeinsam anbauen dürfen. Gleichzeitig sollte eine obere Grenze für die THC-Konzentration im Blut angesetzt werden, mit der man sich noch ans Steuer setzten dürfte – ähnlich wie die Promille-Grenze beim Alkoholkonsum – und bei Verfahren, die wegen geringfügigen Limit- Überschreitungen eingeleitet würden, sollte man sowohl von Hausdurchsuchungen

als auch von der Erstellung von PolizeiFotos und Fingerabdrücken absehen – kurzum von der Aufnahme ins Strafregister absehen. Die deutsche sozialistische Partei hatte im Januar in einem Gesetzesänderungsentwurf ähnliches vorgeschlagen. Nach ihrer Konstruktion könnten die CSCs so viel Marihuana anbauen, wie sie für den Eigenbedarf benötigen, und somit würden sie vom Schwarzmarkt weder abhängig sein, noch ihn “ankurbeln”. Außerdem könnten die Clubs ihre Lieblingssorten anbauen und durch das entsprechende “Füreinander-Sorgen” könnte die Infektionsgefahr minimiert werden. Wichtiger Bestandteil des Änderungsvorschlags ist auch die Änderung hinsichtlich der “geringen Menge”, die von bisherigen 6-15 g auf 30 g erhöht werden soll. Frank Tempel, der als Verantwortlicher für Drogenpolitik in der Partei den Änderungsvorschlag ausarbeitete, begründete diese Maßnahme unter anderem mit der Tatsache, dass das Cannabis-Verbot diejenige Rechtsnorm sei, die die meisten Gegner in der Bevölkerung habe. Nach seinen Berechnungen konsumieren bis zu vier Millionen Deutsche mehr oder weniger regelmäßig Marihuana und in jährlich insgesamt ungefähr 100.000 Fällen kommt es zu Ordnungswidrigkeiten in diesem Bereich. Laut Tempel spornt das derzeit geltende Drogenverbot eher zum Konsum an, als dass es abschreckende Wirkung hätte. Wenn man sich andererseits vermehrt um die Prävention kümmern und entschiedener im Kampf gegen den Schwarzmarkt auftreten würde und außerdem im CSC-System großen Wert auf die Einhaltung der Altersgrenze und sonstiger verschiedener Genehmigungen legen würde, so könnten wesentlich mehr Jugend-


liche daran gehindert werden, sich zu früh dem Gras zu verschreiben. In dem Gesetzesentwurf wird auch eine Zusammenarbeit mit den Gemeindegesundheitsdiensten und dem Ordnungsamt vorgeschlagen. Es wundert einen nicht sonderlich, dass nach Meinung der Christdemokraten gerade die CSCs eine anspornende Wirkung auf minderjährige Konsumenten hätte. Auch den Sozialdemokraten ist das Konzept nicht ganz geheuer, jedoch sind auch sie der Meinung, dass die Bestimmungen bezügliche Marihuana landesweit vereinheitlicht werden müssten, denn bisher schwanke das Mengenlimit für die geringfügige Menge z.B. je nach Bundesland zwischen 6 und 15 g. Die Petition des Deutschen Hanfverbandes wurde bisher von über 30.000 Befürwortern unterschrieben und mehrere Presseorgane berichteten über die Aktion, das fachte erneut die Diskussionen an. Der Verantwortliche für Drogenpolitik der Linken sprach sich offen für eine Legalisierung aus und unterstützte sämtliche Punkte der Petition. Im Herbst 2011 war es dem Deutschen Hanfverband sogar gelungen, Kanzlerin Angela Merkel zum Thema zu befragen, allerdings bewirkte dies nicht unbedingt den erhofften Erfolg. Laut Merkel besteht bei Rauchen und Alkoholkonsum – sofern in entsprechende Rahmenbedingungen eingebunden – kein besonders großes Risiko, dass rasch eine Abhängigkeit entstünde, Marihuana dagegen könne auch bei Konsum von geringfügigen Mengen bereits Abhängigkeit erzeugen. Aus dem Munde der christdemokratisch-konservativen Kanzlerin müssen wir uns also immer

noch diese alt bekannte Argumentation anhören, die bereits vor Jahrzehnten wissenschaftlich widerlegt wurde. Wiederholung ist die Mutter der Weisheit – dachten sich daraufhin die Hanf-Aktivisten – und veranstalteten im Januar 2012 eine wissenschaftliche Diskussion über die Gefahr des Cannabis, bei der bereits wesentlich mehr positive Stimmen laut wurden, und zwar nicht nur über die positiven Wirkungen des Marihuana, sondern auch über die Entkriminalisierung. Aber auch die Online-Kämpfer hatten die Entkriminalisierung und ihr Fortbildungsprojekt für Politiker noch nicht so leicht aufgegeben. Auf der bundesweiten Diskussionsplattform mit dem Titel “Diskussion über Deutschlands Zukunft”, die Merkel von Februar bis April im Web unterhielt, wurde die Petition des Deutschen Hanfverbandes auf Platz zwei der Prioritäten-Liste gewählt. Da die Kanzlerin auf sämtliche zur Sprache gekommenen Themen auf jeden Fall eine gründlich durchdachte, mithilfe von Fachleuten erarbeitete Reaktion versprochen hat, wird sie wohl nicht umhin kommen, ihre Aspekte zu aktualisieren und sich z.B. mit wissenschaftlichen Ergebnissen über den Vergleich der Risiken von Rauchen, Alkoholgenuss und Graskonsum auseinanderzusetzen. Auf den ersten Blick wird sie von den Resultaten vielleicht ein wenig überrascht sein, aber da sie selbst eine Frau der Wissenschaften- ja sogar ausgerechnet Naturwissenschaftlerin ist (ursprünglich Physikerin – Anm. d. Red.), wird sie die Tatsache, dass zwischen ideologischen oder politischen Zielen und wissenschaftlichen Erkenntnissen oft eine beachtliche Schlucht klafft, vielleicht akzeptieren. Darüber hinaus könnte sich die Kanzlerin natürlich auch von den Hanf-Paraden in Frankfurt und Berlin, die Zehntausende Demonstranten auf die Straßen locken, überzeugen lassen, dass es auch politisch gesehen nicht gerade realistisch erscheint, die Meinung einer derart großen Gruppe von potentiellen WählerInnen einfach mit Nichtbeachtung zu strafen. Die harten Fälle der Drogenabhängigkeit und die verruchten Kriminellen sollte man allerdings nicht in diesen Gruppen suchen. 11


MEDI+GREEN n den USA bieten die gesetzlichen Bestimmungen der gesamten Nation und der einzelnen Bundesstaaten seit Jahrzehnten Aufhänger für ernsthafte Konflikte. Dieses Phänomen lässt sich derzeit besonders gut an den Programmen zum Einsatz von Marihuana in der Medizin demonstrieren: auf nationaler Ebene gilt Cannabis als illegal, jedoch in 16 Bundesstaaten kann Marihuana an registrierte Patienten zur Behandlung ihrer Krankheiten ausgegeben werden. In den vergangenen 1-2 Jahren haben allerdings die Razzien der Antidrogenagentur (DEA) bei den Zentren, in denen medizinisches Marihuana erhältlich ist, enorm zugenommen, und diese Tendenz erreichte am 2. April ihren Höhepunkt, als eine Razzia in der ersten Hanfuniversität der USA, in der Oaksterdam University, eine Razzia durchgeführt wurde. Wer als Einwohner Kaliforniens seine Kenntnisse im Bereich der medizinischen Anwendung von Marihuana vertiefen möchte, sich gleichzeitig z.B. gerne auf den Freilandanbau von Hanf spezialisieren würde und außerdem auch etwas über die aktuelle Drogenpolitik oder vielleicht gerade über die grundlegenden Menschenrechten lernen möchte, der weiß seit dem Herbst 2007, dass für ihn oder sie die Oaksterdam University genau das Richtige ist. Durch das Projekt wurde die Idee des Amsterdamer Cannabis College weiterentwickelt, das nicht als echte Hochschule, sondern eigentlich eher als perfekt organisiertes Informationszentrum funktioniert. An der Oaksterdam University kann man allerdings tatsächlich einen entsprechenden Abschluss machen, und auf der Homepage der Uni gibt es auch eine Rubrik für Stellenangebote in diesen Spezialgebieten. Am 2. April durchsuchten die Anti-DrogenAgenten der DEA die gesamte Uni, sperrten

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Der Schlag der DEA gegen Oaksterdam

das Unigelände mit gelben Plastikbändern ab und beschlagnahmten die dort angezogenen Pflanzen, die die Studenten für MultipleSklerose-Patienten gezüchtet hatten. Die Studenten fingen sofort an, gegen die Aktion zu demonstrieren und bei den Dozenten wurden Stimmen laut, die vermuteten, dass die Maßnahme vielleicht dazu gedacht sei, die Cannabis-Reformbewegung und den geregelten Vertrieb von medizinischem Marihuana – der sehr eng mit dem als Schlüsselfigur dieses Be-

reichs geltenden Direktor der Universität verbunden ist – zum stagnieren zu bringen. Am nächsten Tag verkündete jedoch der Gründer und Leiter der Uni, Richard Lee, dass niemand verhaftet worden sei und die Universität am nächsten Tag bereits wieder ihrem normalen Alltagsbetrieb nachgehen könne. Zu der Angelegenheit erklärte Ethan Nadelmann, Leiter der kalifornischen Drogenreformorganisation Drug Policy Alliance, dass die Obama-Regierung sich in den ersten anderthalb Amtsjahren tatsächlich an ihr Versprechen aus der Wahlkampagne gehalten habe, die Regelungen zur Frage des Einsatzes von Marihuana in der Medizin den einzelnen Bundesstaaten zu überlassen. Die nationalen Agenten mischen sich in den letzten 20 Monaten jedoch dennoch immer häufiger in die Programme zur Nutzung von Marihuana in der Medizin ein, ohne ihre Aktionen zu begründen, was man lediglich damit erklären könnte, dass bewusste Angstmache betrieben würde. Nadelmann zufolge zahlte die Oaksterdam University im Rahmen eines derartigen Unternehmens mehrere zehntausende Dollar Steuern. Ihre Arbeit ist in Oakland nicht nur völlig legal, sondern nimmt auch den kriminellen Organisationen, die bisher den Marihuana-Schwarzmarkt beherrschten eine ihrer Haupteinnahmequellen, wodurch die sonstigen Aktionen und die Personalstärke dieser Banden in der Stadt deutlich zurückging. Aber kann es vielleicht sein, dass das gar nicht so eine gute Nachricht für die US-Regierung oder speziell für die DEA ist?


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MEDI+GREEN

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Das größte Hanfmuseum der Welt Die Eröffnung des bisher größten Cannabis-Museums der Welt in Barcelona wurde im Rahmen einer viertägigen Feier zelebriert, mit der das Amsterdamer Hash Marijuana & Hemp Museum, das sich in den Händen der Sensi Seeds befindet, seine Filiale in Barcelona eröffnete.

Ben Dronkers – der Gründer der Sensi Seed Bank

as neue Museum befindet sich im berühmten gotischen Viertel der katalanischen Hauptstadt, in der Nähe der Küste und der Ramblas. Ben Dronkers (Sensi Seeds, Hempflax, Hash Museum) erwarb bereits im Jahre 2001 das aus dem 16. Jahrhundert stammende Mornau-Schloss, um es als Hanfmuseum einzurichten. Gleichzeitig wurde auch das renovierte Haschisch-Museum in Amsterdam wiedereröffnet, um den Preisverleihungszeremonien für die Vergabe des Cannabis-Kulturpreises 2012 einen würdigen Schauplatz zu bieten. Zu den Preisträgern gehören unter anderen Thorvald Stoltenberg, Vater des amtie-

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renden Ministerpräsidenten von Norwegen und Mitglied der Globalen Kommission zur Drogenpolitik, Fredrick Polak , Experte der Drogenpolitik, der auf dem Drug Peace March in Wien und auf dem UNOCD regelmäßig das Wort ergreift, Lester Grinspoon, der eine wichtige Rolle im Bereich der wissenschaftlichen Anwendung von Marihuana in der Heilkunde spielt, Todd McCormick, der seine Krebserkrankung überwand und sich seither für den medizinischen Einsatz von Hanf einsetzt sowie die spanische Hanfanbauerin Fernanda de la Figuera, die sich seit den siebziger Jahren für die Reform der Hanfgesetze engagiert.

Die Preisverleihung in Barcelona fand am 9. Mai statt, zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung des Museums und wurde von Richard Branson, dem Gründer des Firmengiganten Virgin unterstützt, der auch selbst Mitglied der Globalen Kommission zur Drogenpolitik ist. Nach der Award-Zeremonie wurden noch vier Tage lang separate Eröffnungsfeiern für Presse, Bürger und die spanischen Cannabis Social Clubs zelebriert. Nachdem wir uns die Bilder angeschaut und die Berichte hierzu durchgelesen haben, können wir all denjenigen, die Gelegenheit dazu haben, nur empfehlen, das Museum zu besuchen und sich die einzigartige Sammlung anzuschauen, die die gesamte Geschichte des Hanfs umfasst. Natürlich darf auch eine Ruhepause auf der Terrasse nicht fehlen, bei der man sich gemütlich einen Joint Zigarette drehen kann.

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CANNA+GLOBE eschlossene Coffeeshops, aufgebrachte Touristen und rund 200 demonstrierende Cannabisfans vor der Polizei: das war das Spektakel, das sich die Einwohner von Maastricht zum 1. Mai anschauen konnten. Die Stadtleitung hatte bereits im Jahre 2006 einen Versuch unternommen, die Ausländer aus den holländischen Coffeeshops an der deutschen und belgischen Grenze fernzuhalten, aber zu einer solchen Maßnahme war ein Parlamentsbeschluss erforderlich, der schließlich sechs Jahre später, in diesem Frühling, gefasst wurde. Die Freude des Bürgermeisters war allerdings bei weitem noch nicht ungetrübt, denn der Gehorsam gegenüber dem neuen Gesetz ist seitens der Coffeeshop-Besitzer noch nicht gerade als besonders vorbildlich zu bezeichnen. Er nannte es seinerseits “harte Reaktion”, dass die Besitzer der Cafés demonstrativ ihre Läden geschlossen hielten. Nebenbei gesagt, hätten sie allerdings auch nichts anderes tun können, denn keiner von ihnen hatte bis dahin das System eingeführt, in dem sich die Käufer hätten registrieren lassen können. Es ist auch eine interessante Frage, wem es wohl wichtig sein könnte, eine Liste über die Cannabiskonsumenten der Stadt zu besitzen? Und wer möchte seinen Namen wohl gerne auf einer derartigen Liste wiedersehen? Unter den Coffeeshops gibt es eine einzige Ausnahme, das Easy Going Café, dessen Besitzer Marc Josemans, seinen Coffeeshop nicht deshalb geöffnet hat, damit

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Coffee Stop Zutritt nur mit Genehmigung Was bisher nur wie ein “Teufel an die Wand malen” aussah, ist tatsächlich wahr geworden: ab dem ersten Mai dürfen in drei Provinzen Hollands ausschließlich gemeldete Einwohner Marihuana oder Haschisch in den lokalen Coffeeshops kaufen. Die Betreiber, die Stammlokale und die Konsumenten sind gleichermaßen empört und die meisten Leute prognostizieren der Maßnahme keine besondere Langlebigkeit. er die Verschwörung der anderen ausnutzen und die großen Einnahmen absahnen kann. Sein Plan ist es, mit seiner Strategie, weiterhin an Ausländer und nicht registrierte Kunden zu verkaufen, einen Präzedenzfall heraufzubeschwören, mit dem er einen Prozess erzwingen könnte. Josemans, der nebenbei gesagt der Vorsitzende des Offiziellen Verbandes der Maastrichter Coffeeshops ist, hat insgesamt zehn ausländischen Touristen den Zugang zu seinem Café verwehrt, aber auch dieser Schritt sollte lediglich dazu führen, dass die Touristen ihn wegen Diskriminie-

rung anzeigen. Während der Besitzer seine Kunden in aller Seelenruhe weiter bediente, ließ die Polizei, nachdem sie ein Protokoll über die Geschehnisse aufgenommen hatte, das Café schließen. Den Fall Josemans wird das Gericht in Maastricht ab Juni verhandeln, wo er versuchen wird, sein Recht zu verteidigen. Der Vorsitzende drückte sein Bedauern darüber aus, dass sich Holland von seiner Rolle als Vorbild zurückentwickelt, und vor allem mit den neuen diskriminierenden Bestimmungen den Wind in die Segel der Straßendealer bläst. Laut Josemans ist


das Gesetz lediglich als symbolischer politischer Akt anzusehen, das die Hoffnungen bei weitem nicht erfüllen wird. Er verwies als gutes Vorbild auf die toleranteren Einstellungen der Nachbarländer und das spanische System der Cannabis Social Clubs. Er zeigte sich jedoch besorgt über die Tendenzen in Holland und befürchtet, dass sich sein Land denjenigen Ländern anschließt, die den Drogen den eindeutig opferreichen Kampf angesagt haben.

Ein Schritt vorwärts, zwei zurück

jedoch, in denen die Coffeeshops geöffnet sind und wo an Ausländer dem Gesetz entsprechend nicht verkauft wird, warten vor den Läden die Dealer in ihren Autos um den enttäuschten Touristen “weiterzuhelfen”. Es stimmt natürlich, dass mit der neuen Maßnahme vorübergehend gelungen ist, die Zahl der Drogentouristen zu reduzieren, aber die Belgier machen sich schon Sorgen, dass die heimischen Großanbauer den so entstandenen Hanfmangel rasch decken werden, indem sie ohne Rechnung und unversteuert Stoff von zweifelhafter Qualität auf den

Markt werfen. Der Besitzer von Easy Going ist absolut davon überzeugt, dass man genau in die entgegen gesetzte Richtung weiter planen müsste, d.h. die Rahmen für die umfassende Regelung der Cannabis-Situation schaffen und somit das Geschäft komplett aus den Händen des Schwarzmarkts nehmen müsste. Seiner Meinung nach reicht es zunächst aus, wenn ein einziges Land sich auf diesen Weg machte: durch die positiven Resultate würden sich gewiss schon bald andere Länder anschließen. Und dieser Schritt würde besonders Holland nicht schwerfallen,

Bereits wenige Wochen nach Einführung des neuen Gesetzes zeigen sich die ersten beunruhigenden Folgen in Maastricht. Die Zahl der Hotelbuchungen ging schon deutlich zurück, die Zahl der Straßendealer dagegen stieg rasant an. In den ersten zwei Wochen nach Einführung der Bestimmung erwischte die Polizei gleich 50 Dealer, was den Durchschnittswert aus früheren Zeiten um ein Vielfaches übersteigt. Da die Coffeeshops weiterhin geschlossen bleiben, sind der Anstieg und die Auswirkungen des Straßenhandels bereits offensichtlich. Wenn das Gesetz nicht geändert wird, verlieren nach Josemans Berechnungen dreiviertel der 440 Angestellten der Maastrichter Coffeeshops ihren Job. Maastricht ist mit seinem Widerstand gegen die Bestimmung nicht alleine. Bereits Anfang Mai schlossen sich unter anderem Tilburg, Roermond und Eindhoven der Protestbewegung an. In den Städten 17


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denn ca. die Hälfte seiner Politiker steht dem neuen Gesetz eh kritisch gegenüber und das Land verfügt außerdem über ein einzigartiges Coffeeshop-Netz.

Bedenken bezüglich der Verfassung Anstelle Marihuana zu legalisieren hat man jetzt die Legalisierung der Diskriminierung erreicht – ließ die holländische Vereinigung gegen das Cannabisverbot (VOC) im April – noch vor dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes – verlauten. Die Organisation legte in ihrem Pressebericht dar, dass die Coffeeshops in Zukunft die ausländischen Gäste diskriminieren müssten, was eindeutig dem Artikel 1 der holländischen Verfassung widerspräche, welcher die Diskriminierung der Menschen nach ihrer Rasse oder Herkunft strikt untersagt. Und dies alles angeblich nur, um die Anwohner vor Unannehmlichkeiten zu schützen. Nach Meinung der VOC werden diese Maßnahmen allerdings die Lage nur verschlimmern, denn der Schwarzmarkt entstand schließlich durch die Illegalität des Marihuana (Auch in Holland darf man eigentlich nur 5 g für den Eigenbedarf besitzen, die Läden mussten den Stoff halb-legal von den Anbauern beschaffen), um das Chaos

text & photos: Tomas Kardos

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auf den Straßen zu regeln, gibt es allerdings auch bisher schon rechtliche Mittel. Laut der VOC – da ist man sich mit Josemans einig – sollte man anstatt ein neues Verbot einzuführen lieber dem Hintertürchen-Prinzip ein Ende bereiten: eine umfassende und

fundierte Regelung des Marihuana-Verkaufs wäre vonnöten, was bei einer Parlamentsdiskussion in jüngster Vergangenheit auch von 5 Parteien unterstützt wurde. Wenn alles nach Plan verläuft, wird das neue Gesetz Amsterdam erst im Jahre 2013 erreichen,


aber auch schon jetzt gibt es zu dieser Angelegenheit zahlreiche offene Fragen. Um die Sache ein wenig besser durchschauen zu können, fragten wir einen Vertreter der angesehensten holländischen Seedshop- und Coffeeshop-Ketten, der Green House Seed Co. nach seiner Meinung zum Thema.

Rote Ampel für das “Grüne Haus” Joachim Helms, Generaldirektor der Green House Coffee Shops, erklärte uns, dass die Coffeeshops schon jetzt fünf Bedingungen zu erfüllen haben: sie dürfen nicht für sich werben oder werben lassen, sie dürfen keine harten Drogen verkaufen, sie dürfen nicht zur Belastung für die Anwohner der Umgebung werden, sie dürfen nicht an Minderjährige verkaufen und dürfen pro Person nur 5 g “Stoff” ausgeben. Die Regierung möchte hierzu in der Hauptstadt noch zwei weitere Auflagen einführen. Laut der ersten Bedingung müssten alle Coffeeshops zu Privatclubs umstrukturiert werden, den die Gästen nur nach Vorlage einer Genehmigung (Weed Pass) betreten dürften, allerdings kann diese Genehmigung nur von in Holland gemeldeten holländischen Einwohnern beantragt werden. Ab dem 1. Januar 2013 sollen die Bestimmungen nicht nur in den drei bisherigen Provinzen gelten, sondern auf dem gesamten Staatsgebiet der Niederlande. Helms wies auf zwei politische Faktoren hin, die das Aus des landesweit geltenden Anti-Drogentourismus-Gesetzes bedeuten könnten. Erstens erklärte der Oberbürgermeister von Amsterdam, dass er die von der Regierung erwähnten Probleme im Zusammenhang mit den Coffeeshop noch nicht wahrgenommen habe, andererseits jedoch davon überzeugt sei, dass diese Shops wichtige soziale Funktionen erfüllten. Obwohl die Regelungen bereits als Gesetz formuliert wurden, hat der Oberbürgermeister das Recht, zu entscheiden, was für Sanktionen er den Coffeeshops auferlegen will, die die Gesetze nicht einhalten. Der andere Faktor, der nicht nur die Zukunft Amsterdams, sondern des ganzen Landes maßgeblich beeinflussen kann, ist die Einstellung der neuen Regierung zu diesem Thema. Die gegenwärtige Regierung, die von Helms als rechtsextrem eingestuft wird, war nämlich im April abgesetzt worden, nachdem die Partei für die Freiheit die rechtsgerichtete Partei, die in Minderheit regierte, nicht länger bereit war zu unterstützen. Da die Ausarbeitung des Regierungsprogrammes noch nicht abgeschlossen ist, wäre es voreilig, auf diese Version zu spekulieren. Fest steht jedoch, dass die neue Regierung die neuen Coffeeshopgesetze ohne Weiteres ändern kann, denn bis dahin sind die Negativwirkungen der Bestimmungen wahrscheinlich noch

deutlicher spürbar. Das Green House selbst, versucht gemeinsam mit anderen Coffeeshops seinem Standpunkt gegenüber dem Weed Pass auf rechtlichem Wege Nachdruck zu verleihen. Auf erster Instanz hatten sie den Prozess zwar verloren, aber ihre Rechtsanwälte haben sich dazu entschieden, Widerspruch einzulegen, und verwiesen dabei auf die Tatsache, dass die neuen Regelungen gegen die Verfassung verstoßen. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe man nämlich

in Europa allgemein beschlossen, dass niemand wegen seiner Herkunft oder seiner Nationalität diskriminiert werden dürfe, die holländische Regierung erwarte nun allerdings genau diese Diskriminierung von den Coffeeshopbesitzern. Das Urteil auf zweiter Instanz kann also noch für Überraschungen sorgen. Nervösere Naturen können sich bis dahin jedoch noch in den Amsterdamer Coffeeshops ein paar beruhigenden Maßnahmen hingeben.

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Die 10 erfolgreichsten Potheads Amerikas Pornobegeistert, arbeitslos hockt er im Keller seines Elternhauses und zockt Videospiele, mit einer Hand stopft er sich mit Keksen voll, während er sich mit der anderen irgendwo einen fummelt. Läuft ständig in Schluffen rum, Pazifist mit Rastafari-Locken, rennt nur in weiten Nepal-Klamotten rum mit cooler Reggae-Musik im Ohr. Compizocker mit Pickelgesicht, der für alles unbrauchbar ist, was für die Gesellschaft nützlich wäre, findet seinen Platz in der Gesellschaft nicht, ein echter Loser. Virgin-Reichs, zu dem alle möglichen Branchen gehören – von der Fluggesellschaft über Plattengeschäfte bis hin zu Mobilanbieter. Und was daran das Aufsehenserregendste ist: er hat all dies aus dem Nichts geschaffen. Außerdem kifft er, und zwar nicht nur alleine sondern entspannt sich so auch gern zusammen mit seinem 21- jährigen Sohn. Er hat offiziell erklärt: Der Graskonsum ist absolut nicht problematisch! Er beteiligte sich an Kampagnen von Organisationen, die für die Legalisierung kämpfen, unterzeichnete Petitionen und verriet sogar: wenn Marihuana legal wäre, würde er es mit Sicherheit auch verkaufen.

Rick Steves

Sir Richard Branson

olche und ähnliche Stereotypen hört man in der Regel immer wieder, wenn unwissende Leute den typischen Marihuana-Konsumenten beschreiben sollen. Viele setzten noch einen oben drauf und erklären, dass alle, die kiffen, ein ganzes Leben lang finanziell aus dem letzten Loch pfeifen, oft auch homo werden und dann bis zum Abkratzen als Tellerwäscher malochen. Woher diese ganzen Stereotypen stammen, wird wahrscheinlich ein ewiges Rätsel bleiben, aber das ist vielleicht auch besser so. Trotz dieser Vorurteile haben jedoch 42% der Bevölkerung in Amerika schon mal Cannabis probiert und einige dieser Leute haben an-

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text: Jack Pot

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schließend richtig Karriere gemacht – berufliche und finanzielle Erfolge erzielt und erfreuen sich heute enormer gesellschaftlicher Anerkennung – und dabei dachten wir jetzt nicht an Willie Nelson oder Snoop Dogg. Die Typen, über die wir hier schreiben, gehören zu den 500 reichsten und einflussreichsten Menschen der Welt – und zwar in der freien Welt, die ungewollt beweist: sämtliche Cannabis-Stereotypen sind nichts anderes als Mythen der Neuzeit.

Sir Richard Branson Das “Sir” vor seinem Namen soll niemanden irreführen, es hat höchstens in elitären englischen Kreisen etwas zu bedeuten. Dieser Mann steht auf Platz 236 der Liste der Reichsten dieser Welt. Er ist der Gründer des

Der Name dieses Mannes ist nur rein zufällig noch nicht das Synonym für Reisen in Europa. Er schrieb die 27 beliebtesten europäischen Reiseführer, ist Redakteur und Moderator zahlreicher Fernseh- und Radioprogramme und gleichzeitig selbstverständlich Weed Smoker, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt. Er ist Mitglied der NORML [Nationale Organisation für die Reform der Marihuana Gesetze, Anm. d. Red.], und ist nach eigener Aussage der Meinung, dass Gras in jeglicher Hinsicht am effektivsten dazu beiträgt, den Geist zu aktivieren, sodass es ihm speziell dabei hilft, noch bessere Reiseführer zu verfassen.

Aaron Sorkin Ehrlich gesagt ist Sorkin – im Gegensatz zu den anderen hier aufgeführten weltberühmten Kiffern – schon eher ein Drogenabhängiger als ein Cannabis-Fan. Es fing mit Marihuana und Kokain gegen Ende der 80-er Jahre an, seitdem hat er allerdings schon mehrmals den Entzug durchlaufen und im Jahre 2001 wurde er auch wegen des Besit-


ist. Er packte diese Wasserpfeife an wie ein echter Profi, nicht wie ein blutiger Anfänger. Wenn wir uns das ansehen, können wir sicher sein, dass er da mit Sicherheit nicht zum ersten Mal Cannabis ausprobiert hat. Vielleicht zum letzten Mal aber sicher nicht zum ersten Mal. Die Moral von der Geschicht: es ist durchaus möglich, dass jemand gleichzeitig der beste Schwimmer aller Zeiten ist, hervorragender Sportler und Weed Smoker. Hopp, schon wieder ein Stereotyp flachgelegt! Zu dem Thema passt gerade auch eine Erklärung der WADA (Internationaler Anti-Doping Verband) die vor Kurzem verlauten ließ, dass bei der nächsten Jahresrevision geprüft würde, ob auf der Liste der leistungsfördernden Mittel Marihuana tatsächlich weiterhin aufgeführt werden müsse. Die Anfrage war von der Australischen Football Liga (AFL) gestellt worden.

zes von Marihuana, Wunderpilz und Crack verhaftete. Ja, allerdings, Kiffen ist eins seiner echten Hobbys, und da ist er auch gar nicht wählerisch. Aber Aaron, hast du schon mal etwas von der goldenen Mitte gehört? Seiner Karriere in Hollywood konnte allerdings kein Rauschmittel etwas anhaben, vor allem nicht das Gras. Für sein Werk West Wing – dessen Drehbuchautor und Producer er in einer Person ist – hat er bereits mehrere Emmys und sonstige namhafte Auszeichnungen eingeheimst.

Michael Phelps Ja, richtig gelesen. Und da soll mir noch mal einer erzählen, dass Sport und Kiffen sich nicht vereinbaren ließe. Michael Phelps hat mittlerweile mehr olympische Goldmedaillen eingesammelt, als irgendjemand anders im Laufe der Geschichte. Vor ein paar Jahren war ein riesiger Skandal entstanden, als ein Foto publik wurde, auf dem der Sportler und seine Lieblings-Wasserpfeife in trauter Zweisamkeit abgebildet sind. In einem anschließenden Interview äußerte er sich sehr

Michael Phelps

Barack Obama

reumütig zu dem Foto und redete von der “schlechtesten Entscheidung seines Lebens”, aber wir wissen natürlich, dass das Bullshit

Fast alle Präsidenten Amerikas – darunter Obama, George Washington, Clinton und Bush – hatten natürlich irgendwann einmal etwas mit Weed zu tu n, was dann recht schnell Barack Obama


CANNA+GLOBE ans Tageslicht befördert wurde. Clinton hat angeblich mal Cannabis probiert, aber er rauchte es nicht auf Lunge (was ´ne müde Ausrede) und er fand´s nicht so prickelnd; Bush hat lieber mal zu tief ins Glas geschaut, obwohl von Zeit zu Zeit auch seine Abenteuer mit Marihuana und Kokain bekannt wurden und Washington züchtete prächtige Pflänzchen auf seiner “kleinen” Farm. Aber so weit wir informiert sind, hat keiner von ihnen zugegeben, soviel gesmoked zu haben, wie Obama, der in seiner Autobiographie “Träume meines Vaters” (Dreams of my Father) viel über seine Stoner-Vergangenheit schreibt. Außerdem hat er 2007 in einem Interview folgendes formuliert: “Als ich jung war, habe ich oft gekifft. So sieht es aus!”. Und doch ist aus ihm ´was geworden: er wurde US-Präsident! Und das konnten wir bereits im Jahre 2008 während der Wahlkampagne feststellen, dass im Gegensatz zum scheinheiligen Bill Clinton Obama in seinen jungen Jahren das Gras richtig auf Lunge geraucht hat und nicht nur paffte. Und seine frisch erschienene Biographie behauptet zudem noch, dass der Präsident nicht nur kiffte, sondern innovatives Mitglied einer Weed-Clique war. Laut dem neuen Buch von David Maraniss, einem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Schriftsteller, hat der junge Obama, den seine Freunde nur Barry nannten, mit seinen Kumpels, der “Choom Gang”, mehrere neue Kifftechniken “erfunden”. (Chooming bedeutete im Hawaiianischem Slang der Zeit Kiffen. Die Clique traf sich regelmäßig nach der Schule zum Basketball und zum Kiffen.) In seinem Jahrbuch aus dem Gymnasium bedankte sich Obama bei seinem Dealer und der Choom Gang für die

Michael Bloomberg – der New Yorker Bürgermeister

vielen Glücksmomente. Außerdem war er allerdings ein recht rücksichtsloser Smoker, der oft den Joint, der gerade seine übliche Runde machte, seinen Freunden vor der Nase wegschnappte. “Seine erste Erfindung nannte er TA, was für “total absorption” (komplette Absorption) stand!” Das Wesentliche an der Technik bestand darin, dass man den Rauch solange in der Lunge zurückhält, bis man nichts mehr davon ausatmen kann. Die Spielregeln waren sehr strikt. Wenn irgendjemand aus der Choom Gang vor dem TA den Rauch ausblies, musste er eine Joint-Runde aussetzen. (Allerdings wollen wir dazu unbedingt schnell anmerken, dass es absolut sinnlos Ted Turner

ist, den Rauch in der Lunge zu halten, um den Effekt zu erhöhen. Die Cannabinoide sind hochaktive Verbindungen, die über die Schleimhäute der Lunge innerhalb von wenigen Sekunden absorbiert werden. Wird der Rauch länger in der Lunge gehalten, so wächst höchstens das Risiko der Negativwirkungen des Rauchens, die Rauschwirkung wird dadurch allerdings keinesfalls verstärkt – Anm. d. Red.) Obamas zweite umwälzende Erfindung war der Roof Shot. Dazu brauchte man ein Auto, in dem alle Fenster hochgekurbelt wurden und dann wurden die Joints angezündet. Zum Schluss, nachdem sie den Joint aufgeraucht hatten, wurde noch die Rauchwolke, die unter dem Autodach hängen geblieben war, gründlich recycled, damit ja nichts von dem teuren Stoff verloren ging. Aus seinen Memoiren geht hervor, dass Obama beim Kiffen nichts anbrennen ließ. Bei den Kiffer-Cliquen war es üblich, dass der Joint die Runde macht. Der Präsident wartete allerdings nicht immer, bis er an der Reihe war, sondern stürzte sich häufig wie ein Rugby-Spieler mit dem Rugby-Kampfruf “Interception” in die Runde, und schnappte sich den Joint. “Er drängelte sich oft mit viel Ellenbogen in die Runde, dann rief er “ich hab ihn” und zog einen am Joint” – schreibt Maraniss.

Michael Bloomberg Der Name des einstigen Bürgermeisters von New York wird eindeutig mit den Begriffen “Geschäft” und “Erfolg” assoziiert. Wenn also irgendein Idiot meinen sollte, dass aus einem Weed-Freak niemals eine erfolgreiche, allgemein anerkannte Persönlichkeit werden kann, dem empfehlen wir dringend,


ne Gelegenheit aus, sich für die MS-Kranken und das Programm zur Einführung von medizinischem Marihuana einzusetzen.

Stephen King

Arnold Schwarzenegger – der berühmteste Österreicher in Amerika

eingehend den Lebenslauf von Bloomberg zu studieren. Und ob er in seinen jungen Jahren tatsächlich Cannabis geraucht hat? Auf diese Frage lassen wir ihn lieber mit seinen eigenen Worten antworten: “Na klar! Und ich hab´s wahnsinnig genossen!”

Ted Turner Ted ist eine echte Ausnahme unter den Milliardären – er gilt als echter Redneck, hat manchmal leichte Prol-Allüren und zieht sich noch nicht mal die Stiefel selbst an. Und trotzdem ist er der großen Kopf. Er “erfand” den 24 Stunden Nachrichten-Zyklus bei CNN. 1991 wählte ihn die Time zum “Man of the Year”. Ihm gehören der größte, in Privathand befindliche Landbesitz in den USA, mehrere Fernsehsender, und er ist Eigentümer des Baseball-Teams Atlanta Braves. Er hat also wirklich einiges zu bieten. Und er ist nicht der Typ, dem man das alles zugetraut hätte, vor allem zu dem Zeitpunkt nicht, als er neben der Uni in seinem Zimmer im Studentenwohnheim Weed züchtete. Allerdings leugnet er sein Hobby noch heute nicht. Gemeinsam mit Woody Harrelson ist er Sponsor No. 1 und Werbegesicht des Hanfmuseums in Kentucky. Außerdem ist er ein begeisterter Fan des allgemein bekannten Stoner-Zeichentrickfilms “Scooby-Doo”.

Montel Williams Der amerikanische Talkshow Guru und Schauspieler, hat im Gegensatz zu den meisten Weed-Freaks das Gras nicht in seinen Teenie-Jahren sondern in einer späteren Phase seines Lebens für sich entdeckt. Leider hatte er einen guten Grund dafür. Nachdem man im Jahre 1999 Multiple Sklerose

bei ihm diagnostiziert hatte, fand er kein Medikament, das die Symptome effektiv lindern konnte. Er experimentierte mit diversen Schmerzmitteln, aber keines konnte ihm wirklich helfen, sondern er litt lediglich unter den Nebenwirkungen. Schließlich versuchte er es mit medizinischem Marihuana, was ein absoluter Erfolg war. Innerhalb von wenigen Jahren wurde er zum Sprachrohr für die MSKranken und zum aktivsten Anhänger der Bewegung zur Einführung des medizinische Marihuanas. Noch bis zum Jahre 2008 moderierte er seine eigene Sendung trotz seiner Krankheit mit ungebrochenem Elan, bis der Kanal sie leider aus dem Programm strich. Seither arbeitet er immer noch und lässt keiStephen King – der Schriftsteller-Genius

Diesen bekannten Schriftsteller brauchen wir hier wohl niemandem vorstellen. Und es ist auch gar nicht so erstaunlich, dass er in unserer Liste auftaucht, denn es ist allgemein bekannt, dass normalerweise Schauspieler, Musiker und Künstler die größten Kiffer der Welt sind. Das Verfassen von tausendseitigen Romanen ist allerdings ein anderes Genre und erfordert ein wenig mehr Kreativität als viele andere künstlerische Arbeiten. King legte in seinem Lebenswerk eine unendliche Schaffenskraft an den Tag, sein Erfolg ist nahezu einzigartig. Er ist Einzelautor von 50 Romanen und Novellen, die in Ausgaben von 500 Millionen Exemplaren verlegt wurden. Gleichzeitig ist er eins der wichtigsten Sprachrohre der Bewegung für die Legalisierung des Cannabis und kritisierte mehrmals bzw. machte sich öffentlich lustig über den Anti-Drogen-Krieg und die Gesetzgebung in diesem Bereich. Er erklärte einmal unter anderem: “Ich denke, Marihuana müsste nicht nur legal werden, sondern alle Konsumenten müssten auch die Möglichkeit bekommen, in einem kleinen Heimbetrieb die Pflanzen für ihren Eigenbedarf anzubauen.”

Arnold Schwarzenegger Last but not least – der berühmteste Österreicher unter allen Amerikanern. Der kalifornische “Gouvernator” ist der Einzige auf unserer Liste, von dem wirklich Videoaufnahmen vorliegen, auf denen er kifft. Seit dem Dokumentarfilm “Pumping Iron” liebt er das Gras. Aber Moment mal, das war doch in den 70-er Jahren, nicht wahr? Seitdem haben sich die Zeiten ein wenig geändert. Na, aber Schwarzi hat nicht lange gefackelt, er wurde zum Gouverneur von Kalifornien gewählt und ging in die Geschichte ein: als Spitzenreiter im Kampf für den Umweltschutz, gegen die globale Erwärmung und für die Autonomie der Mitgliedsstaaten, und natürlich als Enfant terrible in der Diskussion um das medizinische Marihuana. Ihm ist es zu verdanken, dass auf dem gesamten Staatsgebiet Kaliforniens die Ärzte jedem beliebigen Patienten jederzeit per Rezept Marihuana verschreiben können und die Patienten absolut legal die besten Cannabis-Sorten der Welt kaufen können, die – nebenbei gesagt – auch noch eine Qualitätskontrolle (!) durchlaufen. Auch der Anbau zuhause ist völlig legal. Und es könnte wohl niemand Schwarzis Grundeinstallung zum Thema besser zusammenfassen als er selbst mit folgendem Zitat: “das ist keine Droge, das ist ein Blatt”. 23


VOLLBLUT

Sensi Skunk iese starke, reichhaltige Zitrusvariante aus der Skunk-Linie ist ein Gewinn für jedermanns Pflanzraum oder Garten. Es war die dritte Sorte die im Jahre 1991 herausgebracht wurde um die Erweiterung der Sensi Seeds Bank Gen-Bibliothek zu feiern. War diese früher schon Spitzenklasse, so wurde die Bank damit zur absoluten Weltklasse, die ihresgleichen sucht. Bei der Auswahl der Eltern für diesen Hybriden hatten die Sensi Seeds Züchter vor allem drei Ziele im Kopf: Erstens sollte es eine hochgradig potente Sorte werden, die aber, punkto Preis und Pflanzverhalten für jedermann, der sich möglicherweise für Cannabis-Anbau interessiere, problemlos zugänglich und machbar sein sollte. Genau diese Qualitäten sind zwar vielen Skunk Sorten eigen, aber einige davon waren schon jahrelang auf dem Markt, und darum war das zweite erklärte Ziel, einen deutlich unterschiedlichen Skunk-Hybriden zu züchten, der mit der exzellenten Qualität und Performance des Skunk#1 aufnehmen konnte – der aber dem Raucher trotzdem eine deutlich andere Genusserfahrung geben konnte. Und zum Dritten – was vielleicht sogar das allerwichtigste war- die neue Sorte musste den Erwartungen des Namens Sensi gerecht werden, denn der sollte ja zu einem Teil des Namens werden. Sensi Skunk erreicht diese Ziele ohne Probleme, und in vielerlei Hinsicht könnte man sagen, dass sie diese sogar bei weitem übertrifft. Die ganzjährige Favoritin Skunk#1 wurde vermischt mit einer geheimen, supersüßen Mutterpflanze mit außergewöhnlicher Potenz, wobei schließlich Sensi Skunk entstand – eine gleichmäßige, verlässliche Sorte die herrlich klebrig, und mit größeren Blütenkelchen und kürzeren Stempeln gesegnet ist, als Skunk#1. Europäische Varianten von Skunk werden oft dafür gepriesen, süßer und weniger spitz im Geschmack zu sein als ihre nord-amerikanischen Schwestern. Sensi Seeds wollte genau diese Eigenschaft weiterführen, und man hat sich bemüht den zuckrigen Zitrusduft einzufangen, der sich so deutlich abhebt vom üblichen ´Skunk Funk´. Obwohl sie sehr schnell im Blühen ist, mit dicken Buds und potent genug um sogar abgehärteten Kiffern eine gehörige Überraschung zu besorgen, ist Sensi Skunk aber während dem Wachstum und der Blüte erstaunlich anspruchslos, wirklich eine Sorte bei der es schwierig ist irgend etwas falsch zu machen. Sensi Skunk wächst prächtig unter Lampen oder im Gewächshaus, aber unterhalb von 42° Nord gedeiht sie auch prima draußen im Garten.

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MEDIZIN

Das Harborside Health Center An vorderster Medijuana-Front in den USA Im Hafenviertel von Oakland bei San Francisco befindet sich ein unscheinbarer Betongebäudeblock – darin residiert die größte Hanfapotheke der Welt. Als vorangekündigte Pressevertreter wurden wir hier herzlich willkommen geheißen und erfuhren auf einer etwa einstündigen Tour durch das weitläufige Gebäude eine Menge aus dem Alltag der “Weedwars”- Protagonisten. text & photos: Martin Muencheberg

n Kalifornien werden keine Rezepte für medizinisches Cannabis ausgestellt, sondern die Ärzte stellen ihren Patienten eine grundsätzliche Empfehlung aus, in der sie ausführen, dass sie glauben, Cannabis würde ihrem Patienten helfen. Damit trauen viele kalifornische Ärzte ihren Patienten zu, ganz alleine zu entscheiden, welches Cannabisprodukt ihnen in welcher Menge am besten hilft. In legalen Verkaufsstellen wie dem Harborside Health Center kann man das herausfinden – auch wenn jeder, der das Center betreten möchte, zunächst einmal an einigen Sicherheitsleuten vorbei muss. Diese prüfen nicht nur, ob man autorisiert ist, hier einzukaufen, sondern entscheiden auch, ob man eine Gefahr für das Center oder die anderen Kunden darstellt. Doch das kommt fast nie vor – in den mittlerweile 6 Jahren gab es keinen Vorfall bzw. kein

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Problem, welches sich nicht völlig gewaltlos lösen ließ. Neulinge werden zunächst in den Empfangsraum geleitet, wo ihnen erklärt wird, was hier passiert und was man ganz konkret erwarten darf. Währenddessen werden die Angaben des Besuchers überprüft und wenn alles korrekt ist, wird ihm gezeigt, wie er hier Cannabis erwerben kann. Geöffnet ist das Center 7 Tage die Woche – nur an 4 Feiertagen im Jahr bleibt es geschlossen. Tagtäglich sind hier zwischen 30 und 35 verschiedene Sorten Gras und etwa 10 Hasch-Sorten im Angebot – außerdem noch zahlreiche Tinkturen, Getränke, Cookies und andere THC-haltige Esswaren. Selbst für Patienten, die überhaupt keine psychoaktive Wirkung verspüren wollen, gibt es eine Reihe von Produkten wie Cremes oder Lotionen, die Schmerzen lindern ohne ein “High” ausEs gibt 5 dieser identischen Vitrinen

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Der hausinterne Verkaufsstand für Stecklinge

zulösen. Außerdem werden auch zwischen 20 und 25 verschiedene Stecklingssorten angeboten, da immer mehr Patienten selbst anbauen. Auch das ist in Kalifornien legal, wenn man eine ärztliche Empfehlung vorweisen kann – allerdings variiert die erlaubte Menge von Bezirk zu Bezirk erheblich. Registrierte Patienten, die legal anbauen, dürfen überschüssige Ware an das Center verkaufen – das heißt aber nicht, dass man hier alles ankauft, was geht. Schließlich ist eine Menge Konkurrenz im Spiel und so werden etwa 90% der Angebote abgelehnt. Das hat nicht immer etwas mit mangelnder Qualität zu tun – manchmal wird auch Spitzenware abgelehnt, da so große Mengen gar nicht verkauft werden können. Alle angekauften Blüten werden genauestens untersucht und analysiert – auch der THC- und Feuchtigkeitsgehalt lässt sich mittlerweile ganz einfach bestimmen. Dafür wurde eine Maschine angeschafft und weiterentwickelt, die das innerhalb von Sekunden herausfindet. Neben zahlreichen Cannabisprodukten bietet das Center auch viele kostenlose Zusatzleistungen an: Schmerztherapien, Selbsthilfegruppen, Familientherapien, Seniorengruppen, Grow-Kurse, Yoga-, Thai Chi- und Meditationskurse oder sogar Akupunktur. Die 85 Angestellten sind alle komplett krankenversichert und werden – wie auch die Grund- und Gebäudekosten – stets pünktlich bezahlt. Nur für Cannabis muss hier bezahlt werden – und der Gewinn aus diesem Geschäft finanziert den ganzen Rest.

Kurz vor Redaktionsschluss baten wir Chef und Gründer Steve deAngelo noch um ein Statement, wie er die Zukunft des Centers einschätzt. Nach unserem Besuch waren wir davon ausgegangen, ein optimistisches Statement zu erhalten, doch Steve schrieb uns: Aufgrund der aktuellen Angriffe der USamerikanischen Bundesregierung auf staatliche Gesetze zur Regulierung von medizinischem Cannabis ist das Schicksal des Harborside Health Centers derzeit ebenso ungewiss, wie das Schicksal aller anderen

lizenzierten Cannabis-Apotheken in Kalifornien. Es bleibt abzuwarten, ob unsere Organisation am Ende dieser Bundeskampagne gegen eine medizinische Verwendung von Cannabis noch intakt sein wird. Sicher ist zurzeit nur eins: dass die Cannabis-Gesetze verschärft werden sollen. Dabei weisen alle langfristigen Trends in eine ganz andere Richtung, denn: – 80% der Amerikaner unterstützen das Recht der Patienten, Cannabis zu verwenden, wenn sie eine dahingehende ärztliche Empfehlung besitzen.

Angekauftes Gras wird genau untersucht

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MEDIZIN – 51% der Amerikaner sprechen sich für eine grundsätzliche Legalisierung von Cannabis für Erwachsene aus – unabhängig davon, ob dies von einem Arzt empfohlen wurde. – beide Umfragen haben eine erhöhte Unterstützung für eine Lockerung der Medical-Marihuana-Gesetze aufgezeigt, und man kann davon ausgehen, dass sich diese Unterstützung jährlich um mindestens 2 bis 3 weitere Prozent erhöht. – führende Ärzteverbände wie die “California Medical Association”, das “American College of Physicians” oder die “California Nurses Association” befürworten weitgehende Reformen der Cannabis-Gesetze. – viele regierungsunabhängige Organisationen vom rechts-liberalen “Cato Institute” bis zur liberalen NAACP unterstützen eine Lockerung der Cannabis-Gesetze. – selbst Konservative wie Senator Rand Paul und Pat Robertson unterstützen eine Reform der Cannabis-Gesetze. – 17 US-Bundesstaaten haben Cannabis bereits für medizinische Zwecke legalisiert, einige andere haben dies bereits beschlossen, aber noch nicht in ihrer Gesetzgebung verankert. – obwohl die Obama-Administration nun die lizenzierten Institutionen angreift, welche medizinisches Cannabis anbieten, unterstützt sie offiziell das Recht, Cannabis als Medizin zu verwenden. Zweifellos wird eines nicht allzu fernen Tages Cannabis für Erwachsene legal sein – auch als Genussmittel. Die Frage ist nur, wie viel mehr Menschen noch leiden müssen, bevor die Gesetze endlich geändert

Es gibt nichts was es hier nicht gibt

werden. Die Bundeskampagne hat bereits Hunderttausende von Patienten von sicheren und lizenzierten Apotheken zurück in die Hände krimineller Anbieter geschickt, deren Aktivitäten erneut Gewalt in unsere Wohnviertel bringen. Tausende gut bezahlte Arbeitsplätze und mehrere Millionen Dollar Steuern wurden zerstört – all diese Vermögenswerte wurden an die mexikanischen Kartelle zurückgegeben. Die Belastung der Strafverfolgungsbehörden hat sich dadurch wieder erhöht, während gleichzeitig die Steuereinnahmen zurückgingen. Es ist eine Politik, die alle Amerikaner schmerzt – nicht nur diejenigen, die auf Cannabis als Medizin angewiesen sind. Schnelle THC-Analyse per Computer

Kühlschrank voller THC-haltiger Esswaren

Wir wissen derzeit noch nicht, ob das Harborside Health Center den aktuellen Angriff überleben wird. Alles, was wir tun können, ist, unser Versprechen zu halten, welches wir bei unserer Eröffnung vor sechs Jahren gaben: Cannabis an rechtskundige Patienten in einer Weise zu verteilen, die unseren Gemeinden Vorteile bringt anstatt zu schaden. Wir werden auch weiterhin dieses Versprechen halten – bis die Bundesregierung Vorhängeschlösser an unseren Türen anbringt. Falls wir dann das Glück haben, nicht im Gefängnis zu sitzen, werden wir zurückkommen, um diese Schlösser zu knacken! 28


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MEDIZIN

Risiken und Nebenwirkungen Cannabinoide, Körper, Seele, Gesundheit Es ist üblich, populärwissenschaftliche Texte mit den Worten zu eröffnen “bereits die Griechen der Antike…”. Wenn es um Cannabis geht, trifft dies allerdings nicht ganz zu, denn es stimmt zwar, dass sich auch die Völker der Antike damit beschäftigten, allerdings nicht die Griechen sondern die Chinesen waren damals führend in der Verarbeitung und Nutzung von Pflanzen und Kräutern. So nutzte das “Volk der Großen Mauer” den Hanf also schon vor fünftausend Jahren und zwar nicht nur als Rohstoff sondern auch als Schmerzmittel. Seine Vorteile in der Medizin werden heutzutage in immer weiteren Kreisen diskutiert, und in unserem Artikel möchten wir zu diesem Thema ohne Anspruch auf Vollständigkeit einige bedeutende Forschungsergebnisse vorstellen sowie die Wirkung der in der Hanfblüte enthaltenen Wirkstoffe auf physiologische Prozesse vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet darstellen.

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annabis Sativa wurde über viele Jahre hinweg, bis zu den 1930-er Jahren weltweit auf der Liste der Pflanzen mit Heilwirkungen geführt, bis in den USA auf politischen Druck der Regierung hin der “alltägliche” Gebrauch von Marihuana verboten wurde. Damit war der erste Dominostein gefallen. An dem Business der Anti-DrogenPartei beteiligten sich nach und nach immer mehr fortschrittliche westliche Länder, bis es schließlich – dank des UNO-Abkommens über Rauschmittel vom Jahre 1961 überall auf die Verbotsliste gesetzt wurde. Die Medizin entwickelt sich jedoch trotzdem weiter, und auch die Erforschung der Heilwirkungen des Cannabis hat nicht an Elan verloren. Mittlerweile erscheinen immer häufiger und an den unterschiedlichsten Stellen werden Studien zu dem Thema präsentiert. Dabei haben wir noch gar nicht erwähnt, dass in einigen Bundesstaaten der USA Marihuana auf Rezept zur Behandlung bestimmter Krankheiten erhältlich ist, und anderorts Medikamente in Umlauf gebracht werden, die synthetisches THC enthalten. Wie allgemein bekannt, ist der Hauptwirkstoff der Cannabis Sativa das THC, bzw. mit anderen Worten; das Delta-9-Tetrahydrocannabinol. Wenige wissen jedoch, dass

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in der Pflanze insgesamt rund vierhundert verschiedene chemische Substanzen vorkommen, wobei ca. 60 von ihnen in die Kategorie der Cannabinoide gehören (jedoch ausschließlich das THC hat psychoaktive Wirkung). Es ist interessant, dass außer Nikotin sämtliche karzinogene (krebserregende) Stoffe im Hanf enthalten sind wie sie auch im Tabak vorkommen. Deshalb betonen die Fachleute, dass das regelmäßige Rauchen von Tabak wie auch von Marihuana einen ernstzunehmenden Risikofaktor für die Entstehung von Krebs darstellt. Trotz alledem liegt der molekular-medizinische Grund für zahlreiche potentielle medizinische Verwendungsmöglichkeiten darin, dass die Cannabinoide sich an Rezeptorenmoleküle an der Zelloberfläche in Geweben binden, die in diversen Geweben vorkommen. Ein Aufschwung in der Cannabisforschung begann, als man im Jahre 1970 entdeckte, dass im menschlichen Organismus sogenannte Endocannabinoid-Moleküle vorkommen, die sich in erster Linie an das Eiweiß von zwei verschiedenen Rezeptoren CB1 und CB2 (Cannabinoid Binding Receptor) binden, und auf diese Weise bestimmte

text: KGB Die Verfasser sind Naturwissenschaftler aus den Bereichen Biochemie und Umweltforschung

physiologische Prozesse beeinflussen. Bei weiteren Untersuchungen zeigte sich zudem, dass sie sich auch mit anderen, bereits bekannten Rezeptoren verbinden können (z.B. mit dem Protein TRPV1, das sich hauptsächlich im Bereich der Haut befindet). Diese Eigenschaften lassen ihnen eine entscheidende Rolle bei der Regulierung einzelner physiologischer Prozesse zukommen. Von den Cannabinoid bindenden Rezeptoren findet man den CB1 hauptsächlich in Zellen des zentralen und des peripheren Nervensystems, wohingegen der Rezeptor CB2 eher in NichtNervenzellen, wie Gewebezellen und vor allem Immunzellen vorkommt. Vereinfacht dargestellt ist dies der Grund dafür, dass Marihuana – wegen der enthaltenen Stoffe und deren Bindungspartner in unserem Organismus – eine bedeutende medizinische Rolle spielen könnte. Seine Wirkung ist schon seit langem bekannt, die Linderung verschiedener, akuter wie auch chronischer Schmerzen (wie sie zum Beispiel bei Krebskranken auftreten) kann in folgenden Dosen erfolgen: Der Wirkungsgrad von 20 mg THC entspricht demjenigen von 60 mg Kodein (dies ist der am häufigsten verwendete Opiat ähnliche Wirkstoff). Im Gegensatz zu den Schmerzmitteln auf Opiat-Basis erzeugt das THC keine starke physische Abhängigkeit. Außerdem kann Marihuana auch in Alternativ-Formen angewandt werden (etwa als Extrakt), und

so zur Behandlung von Nebenwirkungen der Chemotherapie bei Krebskranken eingesetzt werden. Eine dieser Beschwerden ist z.B. ständiger Brechreiz und Erbrechen, was die Therapie begleiten kann. Anhand zahlreicher Untersuchungen ließ sich nachweisen, dass bei Chemotherapie mit hohem emetogenen Potenzial der Brechreiz der Patienten nach Verabreichung einer entsprechenden Dosis (0,5-2,5 mg) eliminiert werden konnte. Allerdings ist diese positive Wirkung leider nur bei jungen Patienten zu beobachten, bei Älteren Kranken wirkt diese Medikamentierung – aus bislang ungeklärten Gründen – nicht. Eine andere unangenehme Nebenwirkung der Chemotherapie ist die Appetitlosigkeit, die nicht nur bei Krebskranken sondern auch bei AIDS-Patienten häufig zu beobachten ist. Laut einer Studie, im Rahmen derer man bei neun krebskranken Patienten die Veränderung des Gewichts in Korrelation zur Menge des gerauchten Cannabis stellte, konnte festgestellt werden, dass die Testgruppe bei einem regelmäßigen Konsum von 0,5-1 g Marihuana sichtlich zunahm. Als das Medikament jedoch abgesetzt und stattdessen ein Placebo verabreicht wurde, nahmen die Patienten wieder ab. Übrigens eignet sich das THC nicht nur als potenzielles Medikament für die Linderung von Nebenwirkungen sondern senkt auch die Wahrscheinlichkeit der Entstehung gewisser Arten von Tumoren. Ein Grund (von 31


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vielen) für die Entstehung von Tumoren ist die sogenannte Apoptose, die auch als programmierter Zelltod bezeichnet wird, und die von den krebskranken Zellen “ausgeschaltet” wird. Der programmierte Zelltod ist in der Natur ein allgemein verbreiteter Prozess zur zahlenmäßigen Regulierung des Zellbestands. Es geht im Wesentlichen darum, dass sich eine Zelle nicht ins Unendliche teilen kann und es nicht zu Wucherungen kommt. Die Tumorzellen verhindern diesen Selbstregulierungsprozess, so können sie wesentliche größere Zellpopulationen zustande bringen als dies normalerweise möglich wäre. Man beobachtete, dass durch die Wirkung von Endocannabinoiden die Apoptose der Zellen, die den Hautkrebstyp Melanom verursachen, angeregt wird, was das Tumorwachstum verlangsamt. Dies geschieht, indem die Cannabinoide die Produktion der Proteine, die am Prozess des programmierten Zelltods beteiligt sind, enorm anregt. Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass gegen die Entstehung von bestimmten Tumorarten die im Cannabis enthaltenen Substanzen als Medikament eingesetzt werden können, obwohl dies – genauso wie zahlreiche andere Thesen im Bereich der Medikamentenforschung – weiteren Forschungen bedarf. Was die Haut anbetrifft, so können wir nicht nur im Falle einer tumorartigen Veränderung die Vorteile des Marihuanas nutzen. Unsere Haut besteht aus einem verhornten, mehrschichtigen Plattenepithel. Die oberste Schicht besteht aus verhornten Zellen, die ständig abgestoßen und erneuert werden, die untere Schicht dagegen ist diejenige, in der die ständige Zellteilung stattfindet, damit Nachschub für die oberste Schicht vorhanden ist. Cannabinoide wirken hier auf die verschiedenen Schichten unterschiedlich. 32

In den unteren Schichten sorgen sie dafür, dass die Zellteilung angeregt wird, was z.B. für ein frühes Stadium der Wundheilung äußerst nützlich sein kann. Bei den Zellen der oberen Schicht dagegen fördern sie die Keratinisierung, bzw. mäßigen die Verhornung. Letztere Eigenschaft können sich Patienten zunutze machen, die an Schuppenflechte leiden, denn bei ihnen werden die unangenehmen Symptome genau durch die Verhornung verursacht. Ein weiteres Anwendungsgebiet für Marihuana in der Medizin wäre noch die Behandlung des grünen Stars. Der grüne Star ist eigentlich ein Sammelbegriff für mehrere Erkrankungen, bei denen der Sehnerv Schaden

leidet. Dieses Nervenbündel ist dafür zuständig, den Reiz von der Retina zum visuellen Verarbeitungszentrum im Gehirn zu liefern – seine Beschädigung führt zu irreversibler Blindheit. Der Nerv nimmt z.B. dadurch Schaden, dass der Druck in der Flüssigkeit im Augapfel (Kammerwasser) ansteigt. Der Konsum von Cannabis senkt diesen Überdruck im Auge erwiesenermaßen, nachdem eine Bindung mit den CB1 Reflektoren stattgefunden hat. Zahlreiche, herkömmliche Medikamente gegen den grünen Star machen den Patienten durch die regelmäßige Einnahme entweder tolerant gegen das Medikament oder haben unangenehme Nebenwirkungen. Die Behandlung des grünen Stars mit


Marihuana hat dagegen wesentlich weniger Negativ-Folgen. Weiter oben hatten wir angedeutet, dass der CB2 Rezeptor vor allem in Immunzellen zu finden ist, und dass er sich nach Bindung der Endokannabinoide vor allem an der Hemmung verschiedener Immunprozesse beteiligt. Aus diesem Grunde kann er bei der Behandlung von eventuellen chronischen Entzündungskrankheiten, wie z.B. Asthma, eingesetzt werden. In diesem Fall kommt natürlich die Zigarette nicht in Frage. Die Reihe der Alternativen ist jedoch nahezu unendlich: angefangen bei den einfachen Wasserpfeifen – der durch das Wasser gefilterte Rauch ist nämlich wesentlich unschädlicher – man kann einen Vaporisator verwenden, in dem die Blüten nicht verbrannt sondern lediglich erhitzt werden und so die flüchtigen Öle entweichen – und nicht zuletzt auch noch die diversen Extrakte, Tinkturen und Lösungen, aus denen man ganz spezielle Lebensmittel herstellen kann. Auch die Mäßigung der Funktion des Immunsystems zur Behandlung von Patienten mit Autoimmun-Krankheit wäre möglich. Bei der Autoimmun-Krankheit greifen die Immunzellen, die den Körper normalerweise schützen nun die eigenen Zellen und Gewebe des Organismus an. Mit einem ähnlichen

Phänomen haben wir es auch bei der Multiplen Sklerose (MS) zu tun, bei der die Schutzhüllen der Nervenstränge zerstört werden und dadurch die Reize von den Nerven nicht mehr einwandfrei übertragen werden, was unter anderem zu Lähmung der Gliedmaßen führen kann. Gleichzeitig erhöht Cannabis die Zahl der Immunzellen in einer gewissen, lange Zeit unbekannten Population namens (MDSC). Die MDSC-Zellen halten das Immunsystem unter Kontrolle, allerdings kann ein regelmäßiger und übermäßiger Konsum von Cannabis dazu führen, dass der Körper leichter an ansteckenden Krankheiten erkrankt. Es lässt sich also feststellen, dass die Cannabisforschung – unter anderem durch die jahrzehntelangen Verbotsregelungen – in diversen Bereichen, so auch in der Medizin, noch in den Kinderschuhen steckt. Die medizinischen Ansätze müssen weitere gründliche Untersuchungen durchlaufen, vor allem auch deswegen, weil mit dem wissenschaftlichen Fortschritt ständig neue Fragen aufgeworfen werden. Die Tatsache, dass Marihuana durchaus eine Daseinsberechtigung in der Medizin hat, wurde nicht nur wissenschaftlich belegt, sondern auch von Millionen Patienten und zahlreichen Ereignissen in der Geschichte bezeugt.

Bisher haben wir uns mit körperlichen Symptomen und Krankheiten beschäftigt – in unserer nächsten Ausgabe werden wir uns auch mit den psychischen Wirkungen auseinandersetzen.

Quellenverzeichnis: 1. Declan Walsh Kristine A. Nelson Fade Aziz Mahmoud (2003) Established and potential therapeutic applications of cannabinoids in oncology, Support Care Cancer 11.;137–143. 2. Piotr Kupczyk, Adam Reich and Jacek C. Szepietowski (2009) Cannabinoid system in the skin – a possible target for future therapies in dermatology, Experimental Dermatology 18: 669–679. 3. Jonathan D. Wilkinsona, Elizabeth M. Williamsonb (2007) Cannabinoids inhibit human keratinocyte proliferation through a non-CB1/CB2 mechanism and have a potential therapeutic value in the treatment of psoriasis, Journal of Dermatological Science Vol. 45, 87-92 . 4. Venkatesh L. Hegde, Mitzi Nagarkatti and Prakash S. Nagarkatti.

Cannabinoid

recep-

tor activation leads to massive mobilization of myeloid-derived suppressor cells with potent immunosuppressive properties. European Journal of Immunology, 40 (12): 3358-337

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Ein weiterer “Medi-Cannabis”-Staat in den USA m 5. Mai 2012 unternahm Connecticut als 17. USA-Staat den Schritt, die Anwendung vom Marihuana für medizinische Zwecke zu genehmigen. Der Staat entkriminalisierte den Konsum von Marihuana gegen Ende 2011, sodass nun der Erwerb und Besitz von 15 gr Cannabis lediglich als Ordnungswidrigkeit angesehen wird, die mit einem Bußgeld von maximal 150 Dollar geahnten werden kann. Die Senatoren des Staates nahmen den vom US-Abgeordnetenhaus weiter geschickten Gesetzesentwurf mit einem Ergebnis von 21 zu 13 Stimmen an, obwohl die Staatsanwalt darauf hinwies, dass nach dem Bundesgesetz die betreffenden Läden als illegal gelten und mit einer Verfolgung durch die Behörden zu rechnen ist. Der Regierungschef des Staates, Dannel P. Malloy, befürwortet die Maßnahme jedoch auch persönlich, sodass er vermutlich schon bald die neuen Bestimmungen ratifizieren wird. In dem Gesetzesentwurf stützt man sich nicht auf das viel kritisierte kalifornische Modell, sondern man hat vor, ein weitaus komplexeres System für Anbau, Verkauf und Genehmigungsvergabe einzusetzen, bei dem die Ausstellung der Karte, die zum Kauf be-

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rechtigen soll, an eine persönliche ärztliche Empfehlung gebunden wird. In den Läden können außerdem nur qualifizierte Apotheker beschäftigt werden, und ausschließlich Patienten, die über die erforderlichen Genehmigungen verfügen, können die Leistungen in Anspruch nehmen. Der Erlass bestimmt auch, bei welchen Krankheiten eine Marihuana-

THC und CBD als Schmerzhemmer atienten, deren Schmerzen im fortgeschrittenen Stadium von Tumorerkrankungen mit Opiaten gelindert werden, können von der Anwendung von Hanfpräparaten durchaus profitieren – dies ergab sich aus einer klinischen Studie, bei der unter Mitwirkung von 360 Patienten die Wirkung des Sativex Sprays analysiert wurde. Ein Teil der Patienten bekam neben den regelmäßigen Opiat-Gaben zusätzlich den Hanfextrakt, während man der anderen Hälfte der untersuchten Gruppe lediglich Placebos verabreichte. Dabei untersuchten die Forscher neben dem schmerzstillenden Effekt des Extrakts auch den Sicherheitsfaktor. Den Patienten wurden 1-4 mal, 6-10 mal, bzw. 11-16 mal täglich je eine Dosis Sativex verabreicht, die pro Dosis 2,7 mg THC und 2,5 mg CBD enthielt. Vor Beginn der Studie hatten die Patienten in der Gruppe, der man Sativex verabreichte, die Intensität ihrer Schmerzen auf einer Skala von 1-10 (bei der 10 der Endpunkt der vorstellbaren Schmerzen bedeutet) mit 5,8 eingestuft, diejenigen, die mit Placebos behandelt wurden, mit 5,7. Die komplette Studie wurde letztendlich an 263 Patienten durchgeführt. Die Forscher waren von den Ergebnissen überrascht, denn sowohl in der Testgruppe, die Sativex erhielt, als auch in der

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Placebo-Gruppe gab es gleichermaßen Patienten, die von einer Schmerzminderung um mindestens 30% berichteten. Hieraus könnte man ableiten, dass Sativex keine schmerzstillende Wirkung habe, aber wenn man die

Therapie überhaupt in Frage kommen kann, und fordert, dass ein Verzeichnis zu führen ist, in dem alle Patienten und ihre Ärzte aufgeführt werden. Darüber hinaus regelt es den Anbau und beschränkt die Möglichkeit des Anbaus auf den Kreis derjenigen, die über eine Genehmigung verfügen. Das Gesetz tritt am ersten Oktober in Kraft.

Gruppen vergleicht, die unterschiedliche Dosen des Präparats bekamen, schaut die Sache schon wesentlich anders aus. Die Patienten, denen die geringste Anzahl an Sativex-Dosen verabreicht worden war (1-4 mal täglich), beschrieben ihre Schmerzintensität mit einer Punktzahl, die um 1,5 Punkte gesunken war, die Patienten, die das Spray 6-10 mal täglich anwendeten, stuften den Schmerzintensitätswert um 1,1 Punkt niedriger als zuvor ein, wogegen dieser Wert in der Placebo-Gruppe nur bei 0,75 Punkte lag. Die Testgruppe jedoch, die Sativex in der höchsten Dosierung bekam, berichtet von den gleichen Schmerzwerten wie die Placebo-Gruppe und außerdem war diese Gruppe, die die meisten Sativex-Dosen pro Tag bekam, die einzige, die auch Nebenwirkungen festgestellt hatte. Nach all diesen Ergebnissen stellten die Forscher zusammenfassend fest, dass durch die Anwendung von Sativex das Schmerzgefühl bei mit Opiaten behandelten Patienten auch ohne Nebenwirkungen deutlich gesenkt werden kann. Hierzu ist es allerdings unumgänglich, die genaue Tagesdosis festzulegen. “Um den Geltungsbereich der bisherigen Ergebnisse zu erweitern, muss unbedingt eine kontrollierte Untersuchung mit einer größeren Anzahl an Patienten durchgeführt werden” – merkten die Autoren an, deren Forschungsergebnisse in der Fachzeitschrift “Journal of Pain” erschienen.


erauchtes Marihuana lindert Muskelspannungen, Krämpfe und andere Schmerzen, die charakteristische Begleiterscheinungen der Multiplen Sklerose (MS) sind – dies stellte man an der Kalifornischen Universität und zwar an der Fakultät für Pharmazie in San Diégo fest. An der Forschungsstudie, die in einer namhaften kanadischen Fachzeitschrift für Medizin publiziert wurde, nahmen 30 Patienten teil. Dabei wurde untersucht, wie effektiv das Marihuana in Fällen eingesetzt werden kann, bei denen andere Medikamente bereits gescheitert waren bzw. ernsthafte Nebenwirkungen hervorgerufen hatten. Die MS ist eine Krankheit, die das zentrale Nervensystem mit unvorhersehbaren Folgen angreift. Dabei entzündet sich die Schutzhülle der Nerven, der Myelinmantel dauerhaft, wodurch zunächst dieser Mantel und somit auch der Nerv Schaden nimmt. Die Patienten, die an der Untersuchung teilnahmen waren zu 63% Frauen, die ein Durchschnittsalter von 50 Jahren überschritten hatten. Die Hälfte der Patienten war beim Laufen auf Hilfe angewiesen, 20% benutzte einen Rollstuhl. Anstelle des subjektiven Maßstabes, mit dem man misst, wenn man sich auf persönliche Patientenberichte stützt, analysierten die Forscher nun die Änderungen in den Gelenken der Patienten mithilfe

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Muskelentkrampfung durch Gras der Asworth-Skala, die zur Bestimmung der Intensität des Muskeltonus entwickelt wurde. Als Ergebnis konnte festgestellt werden, dass die Patienten, die Marihuana rauchten, laut der Skala eine Besserung von 30% aufwiesen, was bedeutet, dass im Vergleich zur PlaceboGruppe ihre Krämpfe wesentlich gelindert und ihre Schmerzen auf die Hälfte reduziert wurden. “Die positiven Effekte des gerauchten Marihuanas beobachteten wir bei Patienten, die die herkömmliche Behandlung nicht vertragen und an Krämpfen und Schmerzen infolge einer MS-Erkrankung litten” – erklärt Dr. Jody Corey-Bloom, Professor and der Fakultät für

Neurologie. Er betonte außerdem, dass noch längerfristige Forschungsarbeiten erforderlich sein werden, um die Ergebnisse eindeutig zu bestätigen und festzustellen, ob auch mit kleineren Dosen, die geringere mentale Wirkungen haben, erfolgreiche Therapien durchgeführt werden können. Ein Mitglied der Kanadischen Gesellschaft für Multiple Sklerose erklärte, dass MS in Kanada auf der ganzen Welt am häufigsten vorkäme, und die häufigste neurologische Störung im Kreise junger Erwachsener sei. Welche Bedeutung diesen Ergebnissen zukommt, wird einem bewusst, wenn man bedenkt, dass täglich bei 3 Patienten in Kanada MS diagnostiziert wird.


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White Russian Diese Sorte produziert starke schnellwachsende Pflanzen, die sowohl mit ihrem Aussehen als auch ihrer Wirkung zu begeistern wissen. Sehr geeignet zum Indoor-Anbau und zum Outdoor-Anbau in Spanien, Frankreich, Italien und Kalifornien. Sie ist unsere meist typische Indica-Sorte. Bei White Russian handelt es sich um eine stabile Kreuzung aus AK-47 und dem originalen preisgekrönten White Widow – Steckling aus den 90ern. Mittelhoch und sehr einheitlich wachsend, mit blattarmen, dichten und sehr harzigen Blütenständen. Die Pflanzen verströmen über die gesamte Kulturzeit einen sehr starken Geruch. Bei einem unabhängigen Samensorten-Testgrow mit mehr als 150 Sorten in England erwies sich White Russian als die potenteste Sorte von allen! Sehr starke und lang anhaltende Wirkung, die eher geistig beflügelt als körperlich platt macht, sehr gut zur medizinischen Anwendung geeignet. Gewinner des High Times Cannabis Cup 1996 und Gewinner des Cups für bestes Biogras in 1997. Die letzte Auszeichnung für White Russian: 1. Platz in der Indoor-Kategorie des El Punto Cups 2005 in Màlaga, Spanien. Wir haben von mehreren Patienten aus den USA e-mails erhalten die täglich hohe Dosen von Morphium gegen ihre Schmerzen gebrauchen (Schmerzen ausgelöst durch Rückgratverletzung = spinal-cord-injury). Durch Rauchen von White Russian zum medizinischen Gebrauch konnten sie die tägliche Dosis Morphium halbieren und in einem Fall sogar stoppen! Auf dies sind wir echt stolz und wir sind auch sehr froh darüber diesen Patienten helfen zu können ihre Lebensqualität wieder zurück zu bekommen.

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Kush Ursprung und Geschichte der Pflanze und des Wortes Das Wort “Kush” trifft man überall an. In Kalifornien sieht man es auf T-Shirts und Werbeplakaten, in Hollywood gibt es zahlreiche Werbespots, die das Wort einbauen. Wenn man in Süd-Kalifornien von erstrangigem Marihuana redet, ist es eher selten, dass man von hydroponischen oder harzreichen Sorten spricht, sondern man sagt einfach “Kush”. Mittlerweile gilt KUSH bei den Hanffans als eine Art Qualitätssiegel, wenn nicht sogar als Propagandatrick. Aber woher hat es diese privilegierte Stellung?? n Amerika versuchen sämtliche Händler – vom Apothekenbesitzer der MarihuanaApotheken bis zum Dealer an der Straßenecke – , mit diesem Zauberwort ihre Einnahmen zu steigern, auch wenn der von ihnen feilgebotene Stoff bei weitem nicht an den echten Kush heranreichen kann. Dabei handelt es sich in der Regel um raffinierte Werbetricks, aber es kommt auch vor, dass sie ihrer eigenen Naivität zum Opfer fallen. All dies ist auf den übermäßigen Gebrauch und die Fehlinterpretation des Wortes “Kush” zurückzuführen, da die meisten Kalifornischen Smoker natürlich nicht die geringste Ahnung haben, was man als KUSH bezeichnet und was nicht. Sie sind sich nämlich nicht unbedingt darüber im Klaren, dass der Name nicht nur ein Slangausdruck für die krassen

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OG Kush

Sorten ist, durch den auf die Qualität des Stoffs hingewiesen werden soll, sondern eine ganz konkrete genetische Variante des Cannabis Indica bezeichnet, die aus dem Himalaya stammt und vermutlich zu den ältesten Cannabissorten überhaupt zählt.

Die Wurzeln des Kush Wenn eines Tages die Zeit gekommen ist, dass eine Gruppe von Akademikern ihr Leben der Erforschung der Geschichte des Marihuana widmen kann, dann wird der Ausgangspunkt der Forschungsreise mit Sicherheit in den afghanischen oder pakistanischen Regionen des Himalayas zu finden sein. Die Forscher sind sich auch bisher bereits einig, dass dieses Gebiet und Indien als Wiege des Marihuana anzusehen sind. Die gedrungene und kräftige Kush-Sorte wächst bereits seit Jahrtausenden – d.h. genauer gesagt seit dem 7. Jahrhundert – im Gebirge am Grenzbereich zwischen Pakistan und Afghanistan. Der geographische Name dieses fruchtbaren Gebiets lautet Industal, und hier begann die einzigartige Geschichte der Phänotypen Kush, um sich anschließend über Jahrtausende hinweg in dieser 800km breiten Region fortzusetzen. Historiker gehen davon aus, dass sie im 7. Jahrhundert v. Chr. wegen des damals dominanten Hindu-Glaubens in der Region Hindu-Gebirge genannt wurde. Die hinduistischen Siedler bauten damals die winzige, extrem harzhaltige Variante des Kush Phänotyps an, und verwandten ihn in religiösen Ritualen, zur Meditation und zu Entspannung. Diese Sorten bewahrten sich über Jahrhunderte hinweg ihren Gen39


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Bubba Kush

bestand, ihre beachtenswerte Potenz und auch ihre physischen Merkmale. Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich lediglich die Art der Anwendung des Kush: laut der erhaltenen Überlieferungen war die beliebteste Verwendungsform nicht das Rauchen der Blüten, sondern – wegen seines extrem hohen Harzgehalts – das Rösten und der Konsum in Form von Haschisch. Die Hindus kerbten die frische Pflanzen am Stengel ein, und brachen die kräftigeren Zweige ab, um diese anschließend – einschließlich der Knospen an den Enden der Zweiglein – lang und unermüdlich zu zwischen den Händen rieben. Dieser Prozedur erfolgte über einem eimer-ähnlichen Gefäß, in dem die vom Stängel abfallenden Blüten- und Knospenpartikel aufgefangen wurden. Dieser mikroskopische Hanfschaum, den sie auf diese Art und Weise manuell ablösten, sind die Trichome an den Außenwänden der harzigen Indica-Stängel. Aus diesen Trichomen, die eine hohe THCKonzentration aufweisen, wurde Haschisch hergestellt, was über Jahrhunderte hinweg die am weitesten verbreitete Form des Hanfkonsums darstellte. In den unterschiedlichen Ländern der Region versah man das so gewonnene Produkt mit den verschiedensten Namen: In Indien wurde der aus den Spitzen der Blüten hergestellte Stoff z.B. Chara oder Charas genannt, die durch ein Schüttelverfahren gesammelten, Trichome wiederum als Kief oder Kif, was von vielen noch heute verwendet wird. Aber wie gelangte die märchenumwobene Kush Genetik in den Westen? Wer war verantwortlich dafür, dass pakistanische 40

Hanffrachten den Stillen Ozeam überquerten. Laut der Legende sollen die Samen der Sorte im 20. Jahrhundert nach Amerika geschmuggelt worden sein. Andere Histörchen wissen zu berichten, dass einige Smoker in den 70´er Jahren in die Himalaya-Region flogen, um mit einer hübschen kleinen Kollektion an Grassamen in die USA zurückzukehren. Anschließend gelang es ihnen, aus einem verhältnismäßig kleinen Genbestand diverse Kreuzungen heranzuzüchten.

Die Herkunft des Wortes “Kush” Das Wort Kush weist auf eine Cannabispflanze zurück, deren Genetik aus dem HimalayaGebirge stammt. Die ethymologischen Wurzeln des Wortes sind allerdings umstritten, und die einzelne Versionen weisen diverse Unterschiede auf – je nachdem aus welcher Sprache die Wissenschaftler den Ursprung des Wortes ableiten. Zum Ursprung des Wortes sind folgende Hypothesen im Umlauf. Laut der ersten Theorie ist das Wort persischen Ursprungs. In dieser Region, die sich über 800 km hinweg in Hindutal ausbreitet, werden auch heute noch diverse iranische Sprachen. Die Gipfel in dieser Region tragen häufig Namen, die auf “kush” enden. Die Endung mit der Bedeutung Gipfel in der persischen Sprache ist also eine mögliche Herkunft des phänomenalen Phänotyps. Die zweite Theorie geht davon aus, dass die Händler der Seidenstraße schon vor Jahrhunderten das Wort Hindu Kush verwendeten, das dem Volk schon damals als beste und feinste Sorte bekannt war. Vielleicht

fand Marco Polo auf seiner Heimreise ein wenig von dem begehrten Stoff und führte ihn zuerst nach Europa ein. Das würde auch erklären, warum ihn der märchenhafte Osten dermaßen bezauberte und warum er dorthin auf seinen Reisen mehrmals zurückkehrte. Nach einer dritten Hypothese, dauerte die mazedonisch-griechische Herrschaft im Indus-Tal nach der Eroberung durch Alexander den Großen im 4. Jh. v. Chr. insgesamt drei Jahrhunderte und wurde im 1.-3. Jahrhundert n. Chr. vom Kushan Reich abgelöst, welches sich über das Gebiet des heutigen Nordwest-Indiens, Pakistans, Afghanistans und auch über Teile des heutigen Irans erstreckte, und dessen Hauptstadt Bagram in der Nähe des heutigen Kabuls lag. Es ist möglich, dass die Bewohner des Industals von dem Stoff dermaßen begeistert waren, dass sie ihn nach ihrem eigenen Volk benannten. Es ist allerdings wahrscheinlicher, dass in den Skita-Sprachen, die auch im einstigen Kushan-Reich verbreitet waren, die Gebirgskette des Himalayas Hindu-Kush genannt wurde, wobei das Wort Kush so etwas wie Seite oder Gebiet bedeutet. Die meisten Anhänger hat jedoch die Hypothese, laut derer die Briten, nachdem sie sich die Kolonialherrschaft über Indien und Pakistan erkämpft hatten, aus dem ursprünglich skitischen Wort das heutige Kush machten und dieses so in seine heute verwendetet Form gegossen wurde.

text: Cannabis Connoisseur


+GLOBE CANNAVOLLBLUT

White Dragon iese Pflanze ist das Resultat einer Kreuzung aus zwei old school Varietäten – Northern Lights und Afgana, deren intensiver HaschischGeschmack an die guten holländischen Sorten von früher erinnert. White Dragon ist eine Pflanze von sehr kräftigem Wuchs, mit einem dicken, festen Stamm, der einer extrem langen und fülligen Blüte Halt bietet, auf die wir später noch genauer eingehen werden. Ihre Blätter sind fast immer von einem satten Grün: Schon sehr geringe Düngemitteldosen sind ausreichend, um eine gesunde Färbung zu erzielen. Im Outdoor-Anbau ist die Pflanze stark verzweigt und bringt unglaubliche Erträge. Im Indoor-Anbau ist sie hingegen nur wenig verzweigt, was auf eine schlechte Angewohnheit zurückzuführen ist, die viele Grower teilen – nämlich zu viele Pflanzen auf zu engem Raum anzubauen. Die Varietät White Dragon reagiert ganz besonders sensibel auf diesen Umstand und tendiert unter solchen Bedingungen dazu, ihre ganze Kraft in ein Wachstum nach oben zu stecken, was eine nur sehr wenig verzweigte Wuchsform zur Folge hat. Ist der Abstand zwischen den einzelnen Pflanzen jedoch groß genug, so dass sie auch von den Seiten her genug Licht bekommen, ist die Wuchsform verzweigter, d.h. die Pflanze wächst mehr in die Breite und nicht so sehr in die Höhe. Wie dem auch sei, wenn wir im Indoor-Anbau die Blüte einleiten, wächst die Pflanze zu doppelter Höhe an und bringt einen großen Mittelast hervor, der später eine riesige, durchgehende Blüte trägt, die ohne weiteres eine Länge von 60-70 cm erreichen kann. Die Blütezeit dieser Pflanze ist sehr kurz: nur 45 Tage nach Umstellung der Lichtperiode ist sie schon bereit für die Ernte. Dies macht sie zur idealen Pflanze für einen intensiven Anbau, der darauf abzielt, in möglichst kurzer Zeit hohe Erträge zu erzielen. Normalerweise hat eine White Dragon eine Endhöhe von etwa 100 cm. Aus den oben erklärten Gründen (zu viele Pflanzen auf zu enger Anbaufläche) kommt es jedoch häufig vor, dass sie sogar noch höher wird. Es handelt sich also um eine eher große Pflanze, weshalb wir sie nicht für Plantagen empfehlen, die mit minimaler Höhe arbeiten (Computerboxen, Kühlschränke usw). Wenn du dich für diese Varietät entscheidest und vermeiden willst, dass die Pflanze zu stark anwächst, kannst du Stecklinge schneiden und die Blütephase bei einer Höhe von 15 oder 20 cm einleiten. Das Ergebnis sind Pflanzen mit nichts weiter als einer riesigen, langen Blüte, die deine Erwartungen bei weitem übertreffen werden. Was die Wirkung angeht, ist unsere White Dragon eine typische Indica, also sehr entspannend – und somit ideal für all jene, die gerne gut schlafen oder einfach mal so richtig abschalten wollen. Die Pflanze ist außerdem sehr effektiv in der Behandlung von Muskelschmerzen. In Geruch und Geschmack erinnert diese Varietät an afghanisches Haschisch, mit der für eine Northern typischen holzigen Note. Kurz gesagt, handelt es sich um eine eher große und äußerst ertragreiche Pflanze mit unglaublich langer Mittelblüte, an deren Wirkung du dich noch lange erinnern wirst.

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GROW

Sommer und Hydroponic Der Sommer, besonders wenn es ein heißer ist, stellt für so manchen Betreiber von hydroponischen Anlagen keine einfache Zeit dar. Jedes Jahr erreichen uns Anfragen von Hilfesuchenden, die nicht wissen, wie sie sich während der heißen Tage verhalten sollen. und mehr verschlechtern, bis sich Krankheitserreger entwickeln. Sind die Grundvoraussetzungen für Insekten und Pilze auf einer geschwächten Pflanze erst einmal gegeben, hat sie kaum noch eine Chance, sich gegen die Angreifer zu wehren. Und wenn der Gärtner dann nicht aufpasst, können schnell ein paar Pflanzen und im schlimmsten Falle eine ganze Ernte ausfallen.

Wie soll man sich deshalb im Sommer verhalten?

Wurzeln einer Kultur mit BioFiltre und Mikro-Organismen

n der Tat ist dies eine wichtige Frage, denn gerade bei hydroponischen Systemen, deren Erfolg entscheidend von der Sauerstoffversorgung der Wurzelzone abhängt, kann es an heißen Tagen zu Problemen kommen. Denn Temperatur und Sauerstoffgehalt sind eng mit einander verknüpft ... In guten hydroponischen Systemen liegt der Schlüssel zum Erfolg in der dynamischen Versorgung der Pflanzen mit Wasser / Nährlösung, das ausreichend mit Sauerstoff angereichert ist. Doch mit steigender Temperatur sinkt der Gehalt des gelösten Sauerstoffs in der Nährlösung. Falls die Raumtemperatur Werte von 30 °C bis 40 °C erreichen, ist es an der Zeit, sich ernsthaft Sorgen zu machen. Mit steigender Temperatur und sinkender Sauerstoffkonzentration wird sich der Zustand in der Wurzelzone mehr

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text: Noucetta Khedi photos: General Hydroponics Europe

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Wenn Geld kein Problem darstellt, oder wenn man in einem Land mit niedrigen Energiekosten lebt (wie in einigen Erdöl produzierenden Ländern), lassen sich im Sommer so manche Schwierigkeiten vermeiden, wenn man den Pflanzenraum mit der Klimaanlage koppelt. So lässt sich die Temperatur optimal steuern. Doch bei uns in Europa ist Energie, insbesondere Elektrizität, eine teure Ressource, sodass der Einsatz von Klimaanlagen aus Kostengründen oft nicht in Frage kommt. Alternativen sind deshalb gefragt. Der Wasserkühler könnte eine Möglichkeit sein, die in Geschäften für Haustierzubehör erhältlich sind und in Aquarien eingesetzt werden, um die Wassertemperatur auf dem richtigen Level zu halten. Doch Tests haben gezeigt, dass derartige Geräte für den Einsatz bei fließendem Wasser nicht besonders geeignet sind, da das Wasser die Wärme aus der Umgebung aufnimmt und nur mit einem leistungsstarken Gerät soweit herunter gekühlt werden kann, das ein Effekt auftritt. Der Einsatz einer Klimaanlage kann da schon wieder effektiver sein. Aber keine Panik! Wenn es keine einfache oder kostengünstige Methode gibt, Hitze zu vermeiden, so gibt es doch wenigstens ein paar Tricks, besser mit den hohen Temperaturen zurechtzukommen: – Als erstes sollte man sich darüber klar werden, wo die Temperaturlimits liegen, die die Pflanzen noch ertragen können, und ab wann es für sie gefährlich wird. Unterschiedliche Pflanze verlangen nicht selten auch unterschiedliche klimatische Bedingungen für ein optimales Wachstum. Für die meisten Pflanzen liegt die optimale Wachstumstemperatur zwischen 20 und 25°C. Doch bei hydroponischen Indooranlagen können Pflanzen, auch wenn sie dabei nicht besonders glücklich und kräftig werden können, schon mal Temperaturen von 30 bis 32°C ertragen, wenn sie dabei genauestens überwacht werden. – Die Sauerstoffversorgung sollte stets optimal sein: je höher die Nährlösung mit Sauerstoff angereichert von ist, desto besser ist die Chance, dass die Pflanze mit der steigenden Temperatur zurechtkommt. – Der Einsatz von neuen Biofiltern kann dabei helfen, das Wasser mit Sauerstoff anzureichern und es gleichzeitig von den meisten gefährlichen Krankheitserregern zu reinigen.


– Wenn in kleineren Systemen auf den Einsatz von Biofiltern verzichtet werden soll, lässt sich durch einen Brausestein und eine stärkere Pumpe die Sauerstoffkonzentration in der Nährlösung anheben. – Es ist auch eine gute Idee, im Sommer mit “vertauschtem” Lichtzyklus zu arbeiten. D.h., die Lampen werden während der Tageshitze abgeschaltet und laufen nur nachts, um die kühlere Nachttemperatur besser auszunutzen. – Dabei sind regelmäßige Kontrolle und Pflege unerlässlich. – Insbesondere Sauberkeit spielt eine wichtige Rolle. Der Pflanzenraum sollte immer so rein wie möglich sein. – Die Belüftung ist ebenfalls sehr wichtig und sollte rund um die Uhr gesichert sein. An warmen Tagen empfiehlt es sich, die Luft von der Nordseite des Gebäudes oder wenn vorhanden, aus den kühlen Kellerräumen anzusaugen. Dabei kann die Luftfeuchtigkeit möglichst hoch sein und Werte von 75 bis 80% erreichen. – Die Wurzeln sollten stets kontrolliert werden. Um einen Pilzbefall vorzubeugen, kann Silikatpuder verwendet werden. – Natürlich sollte man ständig die Augen nach möglichen Krankheiten offen halten. Dabei sollte man weder Spinnmilben noch Blattläuse übersehen. Sieht eine Pflanze krank aus, sollte die Wurzel überprüft werden. Ist sie erst einmal krank, sollte sie am besten sofort aussortiert werden. – Der pH-Wert sollte täglich kontrolliert und möglichst stabil gehalten werden. Dabei sollte man es aber nicht übertreiben! Es ist besser, den pH-Wert zwischen 5.5 und 6.2 schwanken zu lassen, als zu viele unnötige Säuren hinzu zufügen. Tests haben gezeigt, das Pflanzen in diesem pH-Bereich und etwas darüber wachsen, während Werte darunter deutliche Schädigungen hervorriefen. – Der EC-Wert sollte niedrig gehalten werden, um einer Versalzung bzw. zu hoher Salzkonzentration vorzubeugen. – Das Wasser sollte so oft wie möglich gewechselt werden. Das hört sich nach einer Menge Arbeit an, und in der Tat ist es auch mit einigem Aufwand verbunden, jederzeit optimale Wachstumsbedingungen bieten zu können. Doch für einen engagierten Gärtner ist dies die meiste Zeit eher eine Freude als eine Belastung, besonders, wenn die Ernte vielversprechend ist. Wenn die Ratschläge befolgt werden, sollten die Probleme im Sommer schnell abnehmen. Es gibt viele professionelle Gärtner, die auch im Sommer gute Ernten erzielen. Sollte der Sommer aber wirklich heiß sein, wie etwa in Andalusien, Sizilien oder Griechenland, kann ich nur den Rat geben, die Growanlage in der heißen Zeit einzumotten und günstigere Tage abzuwarten. Diese Zeit lässt sich gut mit einem Urlaub oder Ähnlichem überbrücken. Doch bevor man irgendwo hinfährt, sollte man die Gelegenheit nutzen, den Raum gründlich zu reinigen und alles für den nächsten Zyklus vorzubereiten. Um zu vermeiden, dass viel Wasser und Nährstoffe verloren gehen, sollte ein Tag ausgewählt werden, an dem nur noch ein Minimum an Nährlösung im System vorhanden ist. Die Pumpe wird abgestellt und das Fass für die Nährlösung entleert und gereinigt (Man sollte versuchen, nichts von der kostbaren Nährlösung wegzuschmeißen, sondern sie mit Leitungswasser verdünnen, den pH-Wert überprüfen und damit die Topfpflanzen gießen. Die werden sich sehr darüber freuen). Nun kann das ganze System zerlegt werden und alle Einzelteile wie Schläuche, Düsen und die Pumpe werden gereinigt. Wenn Probleme mit Es wurde von

Ein guter Gärtner kann auch bei Extremtemperaturen Pflanzen züchten, wenn er einige Grundparameter berücksichtigt. Hier findet man eine Temperatur von 49°C und eine Luftfeuchtigkeit von 47%. Die Wurzeln bleiben jedoch schön und die Ernte wurde üppig

Krankheiten oder Parasiten aufgetreten sind, ist nun die beste Zeit, alles ausgiebig zu desinfizieren. Dazu kann man Chlor verwenden oder auch PH-Minus mit einer hohen Säurekonzentration (pH:3.0). Wenn Chlor verwendet wird, sollte anschließend gut gespült und gelüftet werden. Je nachdem, welches Substrat verwendet wird, lässt es sich reinigen und wieder verwenden. So zum Beispiel Blähtongranulat und Kokosfaser. Sie müssen jeweils von den alten Wurzeln befreit werden und können dann mehrere Male wiederverwendet werden. Anschließend können sie recycelt oder Gartenerde zugegeben werden, die dadurch aufgelockert und angereichert wird. Wenn Steinwolle verwendet wird, ist es wichtig sich über die Entsorgung Gedanken zu machen, da Steinwolle nicht biologisch abbaubar ist und ein Problem für die Umwelt darstellt. Das Substrat sollte so gut wie möglich ausgewaschen und anschließend getrocknet werden, und wenn Blähton verwendet wird und sich die Menge in Grenzen hält, kann er auch in heißem Wasser ausgekocht werden. Wenn die Geräte und Instrumente sauber sind, werden noch die Wände und der Boden des Raums geputzt, um ihn sauber und schimmelfrei vorzufinden, wenn er nach den heißen Wochen im September wieder in Betrieb genommen werden soll. In der Zwischenzeit lassen sich Stecklinge oder Mutterpflanzen in einem kleinen Raum oder einer Box am Leben erhalten, wo sich die klimatischen Bedingungen einfacher kontrollieren lassen. professionell unterstücz.

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A’LA CANNA

Legalizierung sofort! Rise & Shine Reggae & Dub Festival Am 10. August ist es endlich wieder soweit! Da findet nämlich zum zweiten Mal Österreichs erstes und einziges Reggae & Dub Festival statt! Und das in einer unglaublich schönen Gegend, im Steinbruch Falkenstein bei Poysdorf, in der Nähe der tschechischen Grenze. Also, auch heuer wieder ein Fixtermin für alle Roots, Reggae & Dub Liebhaber! Inspiriert von der jamaikanisch-britischen Soundsystemkultur, soll ein Wochenende lang Reggae Dub Musik – gespielt auf handgefertigten BASSstarken Soundsystemen – im Vordergrund stehen und unter freiem Himmel die FestivalbesucherInnen mit positiven Vibes beschallen und in Schwingung versetzen. Hinter dem Festival stehen MusikliebhaberInnen mit der Idee, die heimische Roots Dub Gemeinde zusammenzubringen und diese Musikkultur für ein breites Publikum zugänglich zu machen. Medijuana: Wie ist das Rise & Shine überhaupt entstanden? Rise & Shine Crew: Zu einem gewissen Zeitpunkt haben sich Menschen getroffen, die schon seit ihrer Jugend von einem Projekt in einer Community träumten! Dass sich dadurch ein Festival entwickelt ahnte vor Jahren noch niemand! Durch besondere Ereignisse und Erlebnisse haben diese Menschen zueinander gefunden und beschlossen das Rise & Shine Festival zu organisieren! Nachdem man nun schon Jahrelang in Kellern und Hallen getanzt hatte, wollte man das Soundsystem wieder zu seinem Ursprung zurückführen – ins Freie unters Himmelszelt! Neben der Liebe zu Roots, Reggae und Dub Musik war auch die dahinterstehende Rastafari- und Soundsystemkultur ein ganz wichtiger Einfluss. M: Wie laufen die Vorbereitungen für das Festival heuer? R&S: Das kleine Kernteam kümmert sich ungefähr schon 9 Monate vor dem Festival um die Vorbereitungen für ein erfolgreiches Festival! Da gibt es wirklich eine Menge zu tun! Angefangen bei der Suche nach einem passendem Termin an dem wenige bis keine Konkurrenzveranstaltungen sind bis hin zu der Suche nach Sponsoren. Bei der Terminfindung sind wirklich sehr viele Faktoren zu berücksichtigen! Dub und Rootsreggae Soundsystem hat es bis vor wenigen Jahren noch kein einziges in Österreich gegeben. Unser Publikum, das mittlerweile immer mehr wird, kommt aus verschiedenen

text: Dani Jahluv

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Stilrichtungen zusammen und vereinen sich unter einem gemeinsamen Nenner – Sie alle sind Bassliebhaber wie auch die Organisatoren selbst. Auch wenn es darum geht, finanzielle Mittel aufzustellen, Förderungen einzureichen bzw. behördliche Auflagen zu erfüllen. Das alles läuft natürlich alles offiziell über den eigens dafür ins Leben gerufene Dubquake Vienna Kulturverein! M: Das Line Up 2012 schaut sehr spektakulär aus. Welche Artists habt ihr für heuer eingeladen? R&S: In unserem zweiten Jahr bereits ist uns eine Sensation gelungen! Wir haben es geschafft KING SHILOH aus den Niederlanden für unser Festival zu buchen! Er bringt

einen Großteil seinen übermächtigen Soundsystems mit nach Falkenstein um für den richtigen Druck und die Richtigen Vibes im Steinbruch zu sorgen. Begleitet wird er von seiner gesamten Crew und sind natürlich auch an beiden Tagen zu hören! Weiteres legen Soundsystems wie Melchezidek Hi-Powa (CH/DE) und Shalamanda Hifi (AT) auf. Unter die Sounds/DJ`s werden heuer: Propaganja, Treasure Isle, Dirty Dozen, Duck Pond, Dubbing Sun, Klub Sirene, Diaz Stereofreezed, Fruitical Vibes, Dubster, Nattyloop Hifi, Bro Dan und Flo I die Festivalbesucher begeistern. Wir haben auch dieses Jahr nationale und internationale Sänger/Mc`s zu uns eingela-


den: MC Champian (UK), Dan I (IT), Sista Sherin (DE), Coal Man (NIG), KINETICAL MC, Julian Kokoras (AT), Jeremie L’Interprete (FR), Guerrero (CUB), Bengali Seesay (SL). M: Wie ist das Festival für Besucher? R&S: Das Festival ist ausschließlich von freiwilligen Mitarbeitern ins Leben gerufen worden. Die Idee war und ist, auch auf dem Festival alles selbst zu bauen, sofern es uns möglich ist! Also keine Zelte zu mieten oder herkömmliche Essensstände auf unserem Festival zu haben! Bei uns soll jeder das Gefühl haben jeden zu kennen und gute Vibes zu haben. Auch die Ordner und Securities sind alle aus unserem Bekannten- und Freundeskreis. Somit sind wirklich auch alle gut informiert und auch auf der selben Wellenlänge wie viele unserer Besucher! M: Was gibt es noch von der Rise & Shine Family? R&S: In Wien gibt es jetzt seit fast 3 Jahren eine Veranstaltung, die mittlerweile jeder Jugendliche und junge Erwachsene kennt, der Bass mag – das Dubquake. 4 mal im Jahr geben sich die größten Artists unserer Zeit aus Dub & Reggae im Wiener Fluc die Ehre. Zeitgleich sind wir dabei eine regelmäßig stattfindende Veranstaltung namens Dubwise ins Leben zu rufen! Dieses Vorhaben ist schon ein bisschen schwerer, da die Location ein bisschen ausserhalb des Stadtkerns ist – aber das hat für die Musik und die Soundsystems auch viele Vorteile! Die Vibes in der Siebenhirtenstraße 13a sind um nichts kleiner, als die des Dubquakes oder des Rise & Shine und wir freuen uns in Zukunft vielleicht auch ein paar Leser von Medijuana begrüßen zu dürfen! M: Wie steht das Rise & Shine zu Marihuana!? R&S: Wir sind für die Legalisierung – und zwar sofort! Legalize Stand wird vielleicht auch am Festival anwesend sein!

Weitere Infos über Tickets, Anfahrt und Line Up auf: www.riseandshine.at oder auf Facebook: RISE & SHINE FESTIVAL 2012 - 10.-11. August 2012

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Medical & Harm Reduction Magazine

WIEN Botanix Stumpergasse 26 1060 Wien www.botanix.at

Grow Solutions Haberlgasse 46 1160 Wien www.growsolutions.at

WIENER NEUSTADT

WELS

Green Mile Haggenmüller Gassse 12 2700 Wiener Neustadt www.green-mile.at

Rootsman Bahnhofstaße 4600 Wels www.rootsman.at

Hanf und Hanf Lassallestrasse 13A 1020 Wien www.hanf-hanf.at Bushdoctor Kirchengasse 19 1070 Wien www.bushdoctor.at

Headbud Meiselstraße 13 1150 Wien www.headbud.at Healing Plants Arndtsrasse 96 1120 Wien

ST. PÖLTEN Flower Power Rathausplatz 15 3100 St. Pölten HUG´s Wienerstrasse 115 2700 Wiener Neustadt www.hugs.cc WIESELBURG Hulabalooza Mankersrtaße 9 3250 Weiselburg www.hulabalooza.at

Bushplanet Headshop Esterhazygasse 32-34 1060 Wien www.bushplanet.at Bushplanet Center Mariahilferstrasse 115 1060 Wien www.bushplanet.at

Indras Planet Simmeringer Hauptstr. 116 1110 Wien www.indras-planet.at Joker Heumühlgasse 20 1040 Wien

VILLACH Magic Grow Hans-Gasser-Platz 6 9500 Villach www.magic-grow.at

SALZBURG Cosmic5 Hubert Sattler Gasse 8 5020 Salzburg www.cosmic5.at Hanf In St. Julien strasse 8 5020 Salzburg www.hanfin.com Puff & Stuff Müllner Hauptstrasse 12 5020 Salzburg www.puffandstuff.at OBERWART Smoky Wienerstrasse 31 7400 Oberwart www.smoky-shop.at


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Bushdoctor Industriestr. B 12, 2345 Brunn am Geb. www.bushdoctor.at Bushplanet Grow City Industriestrasse D 5 2345 Brunn am Geb. www.bushplanet.at

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