davon 1,70 Euro für die Verkäuferin/ den Verkäufer
SPÄTES DEBÜT
Zeit ihres Lebens malt Brigitte Albrecht schon und zeigt nun mit 89 Jahren zum ersten Mal ihre Werke der Öffentlichkeit. Wir haben sie anlässlich ihrer Ausstellungspremiere besucht und eine Junggebliebene mit viel Sinn für die schönen Dinge des Lebens kennengelernt.
Seiten 4-6
Foto: Karin Nussbaumer
Museum des Wandels
Der Sockenmacher –Günter Taucher zwischen Handwerk und Vision
Vernissage 13.11.25, 19 Uhr Foyer der AK Vorarlberg Feldkirch
Programm November 25
Di 04.11. 19.30 bis 22 Uhr AK Saal Feldkirch
Tatjana Schnell: Sinnsuche in unsicheren Zeiten
Wissen fürs Leben, Vortrag
Mi 05.11. 15.30 Uhr AK Bibliothek Feldkirch
Mein Mund gehört nur mir allein!
Musikalische Kinderlesung mit Nadine Kegele
Mo 10.11. 19 Uhr AK Bibliothek Feldkirch
Shared Reading
Wer zuhört, gehört bereits dazu
Mi 12.11. 19 Uhr AK Bibliothek Feldkirch
It‘s your turn! Du bist dran!
Das Sprachencafé für Englisch und Deutsch als Zweitsprache
Do 13.11. 19 Uhr Schaffarei
Der Sockenmacher – Günter Taucher zwischen Handwerk und Vision
Museum des Wandels, Vernissage
Mi 19.11. 12 bis 13 Uhr Schaffarei
Mittagessen mit meinem Traumjob: Imker
Mi 19.11. 20 bis 22 Uhr Schaffarei
ArbeitsLebensGeschichten: Andreas Reutz
Inspirierende Arbeitsbiografien, vom Scheitern und wieder Aufstehen, vom Dranbleiben und Ausprobieren.
Mi 26.11. 19 Uhr AK Bibliothek Feldkirch
¡Hablamos! Parliamo! A vous la parole!
Trainieren Sie Ihre Sprachkenntnisse in Spanisch, Italienisch oder Französisch mit Muttersprachler:innen.
Do 27.11. 19 Uhr AK Bibliothek Bludenz
Fr 28.11. 19 Uhr AK Bibliothek Feldkirch
Bücherwelten für Weihnachten 2025
Ein Abend mit besonderen Buchtipps von Alexander Kluy
Inhalt
4-6 Spätes Debüt
Brigitte Albrecht öffnet mit 89 Jahren zum ersten
Mal die Türen zu ihrem eigenen künstlerischen
Schaffen
7 Mitsingnachmittag in St. Arbogast
8-9 Abschiednehmen begleiten
Jutta Mähr bietet in der eigenen Pfarre in Altenstadt Totenwachen an
9 Meine Straße
Peter Wieser, Leiter des Caritas-Café in Feldkirch, erinnert sich an die Straße seiner Kindheit
10-13 Das wilde Leben des Herrn Wild
Gebhard Wild erzählt im Gespräch mit der marie über sein Leben auf der Überholspur
14-15 Die Kunst der guten Fragen
Die marie hat nachgefragt, was Supervision kann und für wen sie gut ist
16 Reparaturcafés
17 Rezept aus Dans Probelokal
Der schnellste Weg zum perfekten Risotto
18-20 Wie rassistisch sind wir?
Bestseller-Autorin Alice Hasters erklärt, warum wir mitunter rassistisch handeln, ohne es zu bemerken
21 Wasserglaslesung mit der marie
22-25 Man muss schon ein bisschen verrückt sein
Interview mit Karl Bitschnau, Visionär und Pionier der Hospizarbeit in Vorarlberg
25 Rätsellösungen
26 Aus den Fugen
Ausstellung zwischen Asphalt und Verkehr von Ursula Dünser und Karin Nussbaumer
27 Rechenrätsel, Schachecke
28-30 Vom Ich zum Wir
Was das gute Leben mit Demokratie zu tun hat
31 Aktiv gegen Gewalt an Frauen
31 marie Freundeskreis
32-34 Philosophie ohne Elfenbeinturm
Wie sich die „Neue Akropolis“ in Dornbirn in der Kunst des guten Zusammenlebens übt
36 Filmclub-Tipps
37-39 Veranstaltungskalender
39 Impressum, Sudoku
marie ist Mitglied im Weltverband der Straßenzeitungen. www.insp.ngo
Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser! Hüten Sie sich vor Zeitdieben! Das hat mir die kürzlich gesehene Neuverfilmung von Momo eindrücklich vor Augen geführt. Wenn Zeit zur Währung wird, verlieren wir unsere Freiheit und Fantasie, unsere Freundschaften und tiefe Freude am kleinen Glück – kurz unsere Menschlichkeit. All die ungeplanten Gespräche zwischen Tür und Angel, die das Herz mit Wärme fluten; all die kostbare Zeit mit Kindern; das süße Nichtstun, selbst die Langeweile – all das kann niemals vergeudete oder gar gestohlene Zeit sein. Im Gegensatz zu jenen Stunden, die wir den falschen Versprechen und trügerischen Idealen opfern. Wer meine persönlichen Zeitdiebe sind, dürfte wenig überraschen: Auf Bildschirmen aller Größenordnungen haben sie leichtes Spiel. Oder wenn ich mich übermäßig oft von der Pflicht rufen lasse. Nie sind es herzliche, ausgedehnte Gespräche, die im Verdacht stehen, Zeit zu rauben; nie das Spielerische, das Kreative, nie die „in den Tag hineingelebte“ Ferienzeit.
Einmal – lange ist’s her, wir waren noch jung und unbefangen – luden mein Mann und ich Freunde zum Frühstück ein. Ein gemütlicher Sonntag, an dem sich eine Stunde an die nächste reihte, ohne dass wir es merkten, bis uns Hunger und die untergehende Sonne den Zeitverlauf vor Augen führten. Ein Freund improvisierte kurzerhand aus den Kühlschrank-Resten ein Abendessen, und am Ende hatten wir planlos zwölf Stunden miteinander verbracht. Ist es nicht ein Luxus, sich so zeitvergessen dem Leben hinzugeben?
Zweite Momo-Lektion: Zuhören ist eine Superkraft. Nicht immer steht die Superkraft nur für übermenschliche Fähigkeiten wie die von Wonder Woman oder Superman, ebenso meint sie Eigenschaften, die bei einem Menschen besonders ausgeprägt sind: Humor etwa, Gelassenheit oder Freundlichkeit. Momos Superkraft ist das Zuhören. Vor allem, weil sie mit dem Herzen zuhört. Und dabei nichts bewertet, nichts erzwingt. „Sie konnte so zuhören, dass die dummen Leute plötzlich sehr gescheit wurden“, schreibt Michael Ende. Wie gut täte so eine Momo manchem Ort (und Regierenden) auf dieser Welt. Und auch ganz persönlich könnte wohl jede und jeder eine Momo brauchen – als Gegenmittel gegen Hektik und Lärmverschmutzung, als Balsam für verwundete und beunruhigte Seelen. Ich wünsche Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, dass Ihnen unsere marie nie, nie, nie wie eine Zeitverschwendung vorkommt. Dass Sie daraus immer etwas mitnehmen können. Etwa – wie in dieser Ausgabe – Einblicke in Initiativen, die dem Zuhören und Miteinander-Reden höchsten Stellenwert einräumen. Oder den Impuls, eine der vielen November-Veranstaltungen zu besuchen. Wir haben das Gefühl, der November war noch nie so voll! Wählen Sie also mit Bedacht, wem Sie Ihre Zeit schenken – am besten immer auch sich selbst. Und pflegen Sie die Momo in sich.
Ihre Simone Fürnschuß-Hofer Redakteurin
Die nächste Ausgabe der marie erscheint am 28. November.
Kontaktieren Sie uns
Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden? Dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Graf-MaximilianStraße 18, 6845 Hohenems. E-Mail: redaktion@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0677 615 386 40. Internet: www.marie-strassenzeitung.at. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!
PREMIERE MIT 89
DMit 89 Jahren öffnet Brigitte Albrecht, Ehefrau des verstorbenen
Bildhauers Herbert Albrecht, zum
ersten Mal die Türen zu ihrem eigenen künstlerischen Schaffen.
Anlässlich ihrer Ausstellungspremiere haben wir sie in ihrem Zuhause in Wolfurt besucht und eine Frau kennengelernt, die das Schöne sieht, das Feine pflegt und das Leben liebt.
Text: Simone Fürnschuß-Hofer Fotos: Karin Nussbaumer
ie Adresse erreiche ich am Ende einer Sackgasse oberhalb der Kirche von Wolfurt, dort, wo sich ein paar Meter weiter Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Ich parke auf einem kleinen Gemeinschaftsparkplatz. Ein kurzer Weg führt an einer Werkstatt vorbei, große Glasfenster geben den Blick frei auf die charakteristischen Steinköpfe des 2021 verstorbenen, weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Künstlers Herbert Albrecht. Auch wenn mein Besuch nicht ihm und seinem künstlerischen Erbe gilt, sondern seiner Frau Brigitte, die mit bald 90 erstmals ihr eigenes Werk präsentiert, ist seine Präsenz überall zu spüren. Eine Außentreppe aus Naturstein leitet mich einen gepflegten Hang hinauf zum Haus der Albrechts. Unverkennbar hat hier jemand einen grünen Daumen, eher zwei. Die beste Aussicht erreicht mich dann aber definitiv im Wohnzimmer, wo uns erstens ein gedeckter Tisch zu Kuchen und Kaffee einlädt und zweitens ein großes Fenster die grandiose Sicht bis zum Bodensee wie ein Gemälde rahmt. Brigitte Albrecht begrüßt uns herzlich – eine zierliche Frau, die mir ohne Umschweife das Du anbietet. Ihr Sinn für Ästhetik ist nicht nur an ihrem Erscheinungsbild abzulesen, er schlummert in jeder Ecke. So ist ihr Zuhause auf ganz eigene – gleichermaßen unprätentiöse wie repräsentative – Art eingerichtet: Alles hat auf kleinem Raum ganz selbstverständlich seinen Platz. Überall Kunst und Literatur, wenig Pomp, viel Gemütlichkeit.
Ein Haus zum Liebhaben
Die Albrechts erwarben das Haus in den 1960ern von einem deutschen Fabrikanten, der es als Ferienhaus nutzte. Damals gab es noch kaum Nachbarschaft, nur einen Kiesweg und noch mehr Wald. Brigitte erinnert sich gut: „Meine Freunde meinten, ich müsse erst mal im Dunkeln ausprobieren, ob ich mich überhaupt trau‘, hier alleine raufzugehen.“ So wurde die junge Brigitte eines Nachts bei der Wolfurter Kirche für einen Testlauf ausgeladen. Natürlich habe sie sich nicht gefürchtet. Sie liebte das Haus von Anfang an. Obwohl es als Ferienhaus eher schlank gebaut und der obere Stock nur über eine Falltür erreichbar ist, hat es schlussendlich einer fünfköpfigen Familie Platz geboten.
Inzwischen ist dort oben in der Wolfurter Rüttigasse eine große Nachbarschaft gewachsen. Eine, „in der man noch aufeinander zugeht“, wie Brigitte betont. So ist es mit
Michael Büchele auch ein Nachbar, der die Strippen zog, um ihre Ausstellung im Haus Bonetti zu realisieren. Mehr noch: Er war es, der die 89-Jährige überhaupt dazu ermutigte, endlich ihre Bilder unter dem Bett hervorzuholen und sie der Öffentlichkeit zu präsentieren. „Selbst wär ich da nie drauf gekommen“, beteuert sie, die inzwischen aber durchaus Gefallen an der Aktion gefunden hat – umso mehr, als sie sich dabei auch auf die tatkräftige Unterstützung ihrer Kinder und Enkelkinder verlassen kann. Alle packen mit an, Kreise schließen sich, eins ergibt das andere.
Positiver Blick
Gemalt habe sie immer schon gerne, sagt Brigitte und macht einen Zeitsprung in die 1940er Jahre – Schauplatz Schule. Weil sie einmal eine besonders schöne Zeichnung angefertigt hatte, schickte sie ihre Klassenlehrerin damit zum Direktor. Was der Herr Direktor denn dazu gesagt habe, fragte die Lehrerin, als sie zurückkam. Worauf die kleine Brigitte nur lapidar meinte: „Sehr schön“. 80 Jahre später muss sie herzlich darüber lachen, denn: „Das hab ich frei erfunden, ich bin gar nicht bei ihm gewesen.“ Nach der ersten Tasse Kaffee und vielen Einblicken in Brigittes Leben wird mir klar, dass diese Episode recht gut beschreibt, wie sie tickt: Sie geht vom Guten aus – ganz selbstverständlich. Und zwar so lange, bis das Gegenteil bewiesen ist. Brigitte gehört zu jenen Menschen, die lieber vom Hellen als vom Dunklen erzählen. Später wird sie mir bestätigen: Ja, sie sei durch und durch eine Optimistin.
Schicksalsjahre
Aufgewachsen ist Brigitte, geborene Wachter, gemeinsam mit acht Geschwistern in Bregenz. Es sei eine schöne Kindheit gewesen, sagt sie. Nach der Handelsschule nimmt sie einen Sekretariatsjob an. Schnell stellt sie fest: „Das kann nicht alles gewesen sein.“ Sie geht mit 18 Jahren als Au-pair nach Paris und lernt „mehr vom Leben als Französisch“. Zurück im Ländle, arbeitet Brigitte wieder als Sekretärin mit der Aussicht auf eine Stelle
„ER HAT IMMER WERKSTATT GESAGT, NIE ATELIER, DAS HAT MIR GEFALLEN.“
in London. „Doch dann habe ich den Herbert kennengelernt.“ Ein „coup de foudre“ sei es gewesen, Liebe auf den ersten Blick. London war passé, ihre Priorität klar. Nach einem Jahr heiraten die beiden und richten in Herberts ehemaliger Werkstatt in Dornbirn ihr Zuhause ein. „Er hat immer Werkstatt gesagt, nie Atelier, das hat mir gefallen“, so Brigitte. Gefallen hat ihr überhaupt so einiges am Herbert. Die ihn kannten, bestätigen: Ein bescheidener Zeitgenosse, von Leidenschaft erfüllt für seine Kunst, einer, der wunderbar erzählen konnte, der sich freuen und staunen konnte wie ein Kind. Legendär seine Ausrufe wie „Irrsinnig!“ oder „Unvorstellbar!“, wenn ihm etwas gefiel.
Herbert Albrecht war außerdem der Mann, mit dem sie sich ein Leben nach ihrem Geschmack einrichten konnte – sie, die Kunst, klassische Musik, Sprachen und Literatur immer schon liebte. Brigitte: „Ich habe es genossen, dass bei uns Herberts Kunstkollegen ein- und ausgingen.“ Die Rollenaufteilung hat sie dabei nie hinterfragt. Er, leidenschaftlicher Künstler, sie sein größter Fan und liebste Kritikerin, die im Drumherum aufging: in der Organisation von Ausstellungen, der Öffentlichkeitsarbeit, in der Fürsorge um die Kinder, Haus und Garten. Stundenlang habe sie außerdem Herberts Steine geschliffen und poliert. Und nur dank ihr stimmte auch die Haushaltskassa – ihr Mann hätte seine Werke zu billig verkauft, wenn sie nicht gewesen wäre. Auf Ruhm und Geld sei es ihm eben nie angekommen.
„WENN ICH MALE, HAT DANEBEN NICHTS ANDERES PLATZ.
DA BIN ICH IRGENDWIE
AUSSER MIR UND GLEICHZEITIG GANZ BEI MIR.“
Gerne erinnert sie sich auch an gemeinsame Malreisen –später, als die Kinder aus dem Gröbsten heraus waren. Das Lob vom Ehegatten für ihre Malkünste bedeutete ihr viel: „Du hättest studieren sollen“, habe er einmal gesagt. Sein Anspruch sei hoch gewesen. Brigitte: „Er war ja auch mit sich selbst nie zufrieden.“
Spuren eines Lebens
Drei gemeinsame Kinder und fünf Enkelkinder sind ihnen geschenkt. Ein großes Glück, das nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass die Albrechts auch Schicksalhaftes erleben mussten. Der jüngste Sohn verunglückte mit 17 Jahren tödlich in den Bergen. An diesem Punkt unseres Gesprächs fehlen der ansonsten wortgewandten Frau die Worte. Auseinanderdividiert habe sie und ihren Mann dieser Schicksalsschlag nicht, im Gegenteil, sie seien noch näher zusammengerückt. Womöglich ist es nicht zuletzt auch das tägliche Malen, das ihr über dunklere Erinnerungen hinweghilft: „Wenn ich male, hat daneben nichts anderes Platz. Da bin ich irgendwie außer mir und gleichzeitig ganz bei mir.“ Seit geraumer Zeit sind es ausschließlich kleinere quadratische Formate, auf denen sie mit Pastellkreiden Naturmotive oder innere Bilder festhält. Früher hat sie auch mit Aquarell- und Kohletechniken und größeren Flächen experimentiert. Und als ein Enkel ihr einmal empfahl: „Oma, mal doch mal was Abstraktes“ nahm sie den Impuls gerne auf. Aber: „Es ist viel schwieriger, abstrakt gut zu sein als naturalistisch.“
Kaum ein Bild trägt ein Datum, auch Signaturen oder Titel sucht man vergeblich. „Malerei als stilles Tagebuch, entstanden aus der Freude am Augenblick. Mit freier Hand, dem Eigenen auf der Spur“, so steht es auf der Einladungskarte für die erste eigene Ausstellung unter dem Titel „... ganz bei mir“. Dass diese Premiere im Haus Bonetti im Rahmen von „Kunst in der Kantine“ stattfindet, freut sie ganz besonders – und führt einmal mehr zu ihrem Mann Herbert. Mit Kaplan Bonetti verband ihn nicht nur eine Freundschaft, sondern auch das harte Schicksal, den Zweiten Weltkrieg an der Kriegsfront erlebt zu haben. „Bonetti war ein kluger Geschäftsmann“, zwinkert mir Brigitte zu, „der zum Herbert sagte, ‚du als Künstler machst mir eine Kapelle.‘“ So sei es gekommen, dass das ehemalige Haus der jungen Arbeiter seit 1960 eine äußerst schöne Kapelle besitze. Und so gibt es ab 13. November die Möglichkeit, die Albrechts im künstlerischen Doppelpack in der Kaplan Bonetti Straße 1 in Dornbirn zu bewundern!
„MALEREI ALS STILLES TAGEBUCH, ENTSTANDEN AUS DER FREUDE AM AUGENBLICK. MIT FREIER HAND, DEM EIGENEN AUF DER SPUR.“
Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der marie laden wir zu einem beschwingten Mitsingnachmittag ins Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast, Montfortstraße 88, Götzis.
>> Eintritt: EUR 10,– inkl. marie Liederbuch
>> Anmeldung: T +43 5522 36006 oder willkommen@arbogast.at
Wir freuen uns auf euch!
Mit Evelyn Fink-Mennel & Philipp Lingg
Entdecke unsere kommenden Veranstaltungen. Du bist herzlich eingeladen!
Raum und Zeit nur für dich Frauen*kreis
Mi, 12.11.25 / 18.30 - 21.30 Uhr
Dornbirn, Zentrum Annagasse
Preis: 30 EUR (Mitfrauen* 25 EUR)
Frauen* der Welt – in einer Gesellschaft in Balance Vortrag
Mi, 19.11.25 / 19.00 Uhr
Dornbirn oder Bregenz, Volksbank (bitte informiere dich auf unserer Homepage) Eintritt: freiwillige Spenden
Schön genug
Ein Erzählcafé über Schönheitsideale, Essstörungen und den Mut zur Selbstannahme in Kooperation mit Take care, Caritas Mi, 10.12.25 / 18.00 Uhr
Dornbirn oder Bregenz, Volksbank (bitte informiere dich auf unserer Homepage) Eintritt: freiwillige Spenden
Detaillierte Informationen zu den Inhalten und die Möglichkeit zur Anmeldung findest du auf unserer Homepage: salon13.at/jahresprogramm
Unser Programm bietet ein vielfältiges Angebot an Seminaren, Workshops und Vorträgen für Frauen* in unterschiedlichen Lebensphasen – von Mitgliedsfrauen* gestaltet, die ihre Expertise und Erfahrung weitergeben.
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Das Abschiednehmen begleiten
Jutta Mähr, 80 Jahre alt, hat jahrelang als Lehrerin Mathematik und Religion unterrichtet, war Mutter und Hausfrau. Bei Beerdigungen in Götzis hat sich die Altenstädterin von einem besonderen Abschied inspirieren lassen. Dort wurden Totenwachen so liebevoll gestaltet, dass sie den Wunsch verspürte, diesen Dienst in der eigenen Pfarre anzubieten.
Text und Fotos: Daniela Egger
In Altenstadt hat man zur Totenwache immer nur den Rosenkranz gebetet“, erzählt sie, „und ich hatte den Eindruck, das wird einfach so heruntergeleiert. Ich fand das traurig und auch eintönig. Aber in Götzis hat damals ein Ehepaar Hofer regelmäßig besonders schöne Totenwachen gestaltet. Als ehemalige Götznerin war ich manchmal dort auf Beerdigungen und dachte, das könnte doch auch bei uns so sein.“
„Es ist so wichtig, sich mit dem Leben des Verstorbenen auseinanderzusetzen. Abschiednehmen braucht Zeit, Raum und die Möglichkeit zur Begegnung.“
Nachdem sie ihr Anliegen beim Pfarrer vorgebracht hatte, ging sie mit dem Auftrag nach Hause. „Dann mach es halt, hat er nur gesagt“, lacht sie. Das war eigentlich nicht ihre Idee gewesen, aber nachdem ein kleines Kind gestorben war und sie die verzweifelten Eltern gesehen hatte, wollte sie aktiv werden. Das war der Anfang. Sie baute aus einem alten Gitterbett eine „Himmelsleiter“, an der sie gemeinsam mit den Eltern kleine Plüschtiere des Kindes anbrachte, den Schnuller und andere Dinge, die zum Leben des Kindes gehört haben. Durch diese Arbeit fanden die Eltern einen Weg, mit dem Verlust umzugehen. Sie wurden aktiv und begannen, ihre Trauer Schritt für Schritt zu verarbeiten.
Über hundert Totenwachen
„Es ist so wichtig, sich mit dem Leben des Verstorbenen auseinanderzusetzen. Abschiednehmen braucht Zeit, Raum und die Möglichkeit zur Begegnung,“ sagt sie und erzählt, wie sie begann, sich mit den Angehörigen zu treffen, die Biografie des Verstorbenen zu schreiben, Fotos und Lieder auszusuchen. So konnte eine sehr persönliche und passende Verabschiedung entstehen. In den letzten zwanzig Jahren hat sie über 100 Totenwachen gestaltet, drei dicke Ordner füllen ihren Schrank. Sie zeigen besondere Momente aus dem Leben der Verstorbenen.
Was Totenwache früher war „Früher traf man sich im Haus, saß gemeinsam neben dem Leichnam, betete und wechselte sich dabei ab. Die anderen saßen in der Küche und tranken Tee
Der gestickte Wandteppich stellt das Halleluja dar.
„Ich denke, wir brauchen wieder eine selbstverständliche Normalität im Umgang mit dem Tod.“
oder kochten etwas, dann wechselte man wieder den Platz, oft die ganze Nacht lang. Ich selbst habe das nur einmal erlebt, in Viktorsberg. Heute geht das gar nicht mehr, was ich schrecklich finde. Heute wird der Verstorbene sofort ab geholt, am besten so, dass es niemand mitbekommt. Das kann man nur vermeiden, wenn man sich etwas Zeit lässt, bevor man den Arzt verständigt.“ Ihre eigenen drei Kinder hatten durch das Ehrenamt der Mutter immer wieder Berührung mit dem Tod und erlebten das Sterben als Teil des Lebens. „Mir war es sehr wichtig, dass wir mit dem Tod umgehen können. Als meine Schwiegermutter gestorben ist, haben wir genau das gemacht: Wir haben etwas zugewartet und alle Verwandten informiert. Das Haus war voll, alle kamen und haben sich verabschiedet, ein Kommen und Gehen voller Lebendigkeit und Wärme. Erst danach haben wir den Hausarzt gerufen. Ich denke, wir brauchen wieder eine selbstver ständliche Normalität im Umgang mit dem Tod“, sagt Jutta Mähr und zeigt auf eine Tonfigur, die ihr Ehemann vor seinem Tod selbst ge fertigt hat. Diese steht jetzt auf seinem Grab und ist ein Sinnbild für die Reise in die nächste Welt.
Erinnerungen an die Straße seiner Kindheit von Peter Wieser, Leiter des Caritas Café in Feldkirch:
Geboren Ende der Roaring Sixties bin ich in der Mühlegasse in Frastanz aufgewachsen. In meiner Kindheit hatte unsere Straße ein ganz unterschiedliches Erscheinungsbild: Neben den schon vor dem Krieg gebauten Wohnhäusern der eingesessenen Frastanzer mit großen Gärten und Wiesen gab es viele Arbeiterunterkünfte der Fabriksarbeiter der Textilfabrik Ganahl und der Papierfabrik Rondo, dazwischen eine Metzgerei und eine Bäckerei und in der Nähe der Mühlegasse auch zwei kleine Lebensmittelgeschäfte. Am Ende der Mühlegasse gab es ein Werksbad für die Arbeiter*innen mit ihren Familien, das meist am Samstagnachmittag besucht wurde.
Für uns Kinder, die in der Mühlegasse aufgewachsen sind, waren die Straße, die Gärten, die Hinterhöfe und die an die alten Häuser angebauten Schuppen unser täglicher Spielplatz. Dabei waren wir beim Spiel von den Helden unserer Kindheit inspiriert –
Wickie, Bonanza, Raumschiff Enterprise, Winnetou, Old Shatterhand und Robin Hood. Daneben haben wir Fußball gespielt, waren als Banden unterwegs und haben bei unseren Streifzügen die weitere Umgebung erkundet. Insbesondere die Ruine Sigberg war ein beliebter Platz, weil wir es uns in den Kopf gesetzt hatten, dort einen Schatz oder zumindest einen Geheimgang zur Burg Frastafeders zu finden – leider vergeblich.
Im Jahr 1984 habe ich zu unser aller Freude zum Ferienbeginn einen Tischtennistisch bekommen und so wurde in diesem Sommer zu Klängen von „The Works“ von Queen einen „Raser“ nach dem anderen um die Platte gemacht.
Es war großteils eine unbeschwerte und glückliche Kinder- und Jugendzeit in einem sich gesellschaftlich öffnenden Österreich, und ich bin dankbar dafür, dass es mir geschenkt war, in dieser Zeit aufzuwachsen.
DAS WILDE LEBEN DES HERRN WILD
Das permanente Leben auf der Überholspur fordert seinen Tribut. Das hat Gebhard Wild schmerzlich erfahren müssen. Heute sitzt er im Rollstuhl und wohnt in einem Seniorenheim. Mit der marie sprach der 58-Jährige schonungslos ehrlich über Alkoholexzesse, Therapieaufenthalte und warum er sich trotzdem sein großes Mundwerk bewahrt hat.
Text und Fotos: Frank Andres
DU TRINKST JA
NICHT, UM BEWUSST
ALKOHOLIKER ZU
WERDEN. DAS IST
ETWAS, WAS SICH
GANZ SCHLEICHEND
ENTWICKELT.“
Eine Mitarbeiterin der Caritas wendet sich per E-Mail an die marie-Redaktion. Sie schreibt, dass sie einen Klienten mit einer spannenden Lebensgeschichte habe, der auch viel Lebenszeit am „Rande“ verbracht habe. Vielleicht seien wir an einem Bericht über ihn interessiert. Dieser Jemand heißt Gebhard Wild. Ich beschließe, mir seine Geschichte anzuhören. Ein paar Tage später rufe ich ihn an und verabrede mit ihm, ihn am Bahnhof Hohenems abzuholen. Ich habe ihn vorher noch nie gesehen. Deshalb spreche ich auf gut Glück einen Mann am Bahnsteig an, der im Rollstuhl sitzt. „Entschuldigung, sind Sie der Herr Wild?“. Er antwortet: „Nein, ich bin kein Herr, ich bin der Gebi.“ Zehn Minuten später sitzen wir gemeinsam im warmen Büro und Gebhard beginnt, mir aus seinem wilden Leben zu erzählen.
Kindheit und Berufswahl
marie: Gebhard, wo und wie bist du aufgewachsen?
Gebhard Wild: Ich komme aus Oberösterreich, in der Nähe von Steyr. Meine Kindheit war behütet. Meine Eltern waren beide Hauptschullehrer. Was sie mir mitgegeben haben, war vor allem Achtung vor Natur und Tieren. Abgesehen von Gelsen oder Fliegen haben alle anderen Lebewesen einen Platz bei mir.
Nach der Hauptschule hast du eine Entscheidung getroffen, die zum ersten großen Bruch mit deiner Familie führte. Welche war das?
Gegen den Willen meines Vaters habe ich mich für das Gastgewerbe entschieden. Mein Großvater wäre ja Lehrer in der HTL in Steyr gewesen, und alle wollten mich in die Technik reintreiben, aber ich habe nein gesagt. Ich bin nach Bad Ischl gegangen und habe dort die Hotelfachschule besucht.
Während deiner Ausbildung musstest du zusätzlich arbeiten. Wie sah dein Alltag aus?
Die Schule und die Unterkunft wurden mir bezahlt, aber den Rest musste ich selbst verdienen. Das bedeutete: untertags in der Schule und in der Nacht arbeiten. Das war an sich kein Problem. Aber heute ist mir klar: Das war der erste Raubbau am eigenen Körper.
Karriere und Alkoholsucht
Das Gastgewerbe war der Ort, an dem dein Alkoholproblem seinen Anfang nahm. Wie entwickelte sich das?
Du trinkst ja nicht, um bewusst Alkoholiker zu werden. Das ist etwas, was sich ganz schleichend entwickelt. Im Gastgewerbe hast du das Zeug vor der Nase. Du probierst einfach. Ich war total auf Wein drauf. Solange du bei der Arbeit funktionierst, stört es die meisten Wirte nicht, wenn du neben dem Ausschank dein eigenes Glas stehen hast. Ich habe aber sicher jeden Tag mindestens einen Liter Wein gekippt.
RUNDUM WUSSTE JEDER, DASS ICH EIN SCHWERES ALKOHOLPROBLEM HABE, ABER ICH SELBER HABE ES VERLEUGNET.
Im Gastgewerbe bist du oft nicht nur Dienstleister, sondern manchmal auch Beichtvater. Wie sehr hat diese psychische Belastung zu deinem Konsum beigetragen?
Im Gastgewerbe bist du Kontaktperson zum Gast. Du darfst ihn nie links liegen lassen. Wenn er dir seine Probleme erzählen will, hast du zuzuhören. Du musst dir innert kurzer Zeit ein Bild von einem Menschen machen, den du gar nicht kennst. Und wenn jemand in den „Jammer-Modus“ verfällt, will er meist eine Bestätigung dafür, dass andere an dieser Situation schuld sind. Da bleibt deine eigene Psyche auf der Strecke. Du hast keine Zeit für dich selbst.
Wie ging es dann beruflich für dich weiter?
Nach dem Militär bin ich in die Schweiz, in den Kanton Glarus. Im Hotel Alpenblick war ich nach zehn Tagen Chef de Service. Ich habe Verkaufsrekorde gebrochen und meine eigene Weinkarte mit speziellen, hochpreisigen Produkten wie Mouton und Lafite Rothschild bekommen. Ich bin damals mit ungefähr 10.000 Franken im Monat heimgegangen. Wenn ich und meine Freundin Lust hatten, sind wir mit dem Hubschrauber zum Essen geflogen. Rechnungen von 400 bis 500 Franken am Abend waren uns egal. Wir haben es uns gut gehen lassen.
Das klingt nach einem Leben in Saus und Braus. Was kam danach?
Als mein Sohn 1991 zur Welt gekommen ist, bin ich zu meiner Freundin in die Weststeiermark gezogen. Ich habe aber den Riesenfehler gemacht, bei ihren Eltern zu wohnen. Die Schwiegermutter, für mich war es ein „Schwiegerdrachen“, hat sich in alles eingemischt. Ich hatte zwar einen guten Job in der Küche, aber nur einen Bruchteil dessen verdient, was ich in der Schweiz hatte. Ich war froh, wenn ich am Ende des Monats 12.000 Schilling bekommen habe.
Wie hoch war dein täglicher Alkoholkonsum zu dieser Zeit?
Ich habe immer Wein gehabt, und zusätzlich noch Benzos geschluckt. Mein Tageskonsum lag dann im Schnitt bei vier Litern Wein pro Tag. Das Ganze war ein schleichender Vorgang. Ich habe mich selbst verleugnet. Rundum wusste jeder, dass ich ein schweres Alkoholproblem habe, aber ich war der Überzeugung, alles im Griff zu haben. >>
Entzüge und gesundheitlicher Einbruch
Nach dem Krach mit deiner Freundin kam es zum ersten Entzug. Wann und wo war das?
Ich bin aus dem Haus geflogen und sie haben mir das Kind dauerhaft entzogen. Dann bin ich nochmal heim, zu meinen Eltern nach Oberösterreich, und dann habe ich meinen ersten Entzug in Traun gemacht.
Später wurdest du von einem Arzt an die Maria Ebene in Vorarlberg überwiesen. Was hat dich dorthin geführt?
Ich hatte wieder einen Zusammenbruch. Das war 1993. Da hatte ich meinen zweiten Entzug.
1996 kam es zu einem schweren gesundheitlichen Problem. Was ist passiert?
Ich hatte plötzlich Schmerzen in meiner linken Hüfte. Ich habe diese mit Schmerztabletten und Alkohol bekämpft, bis der große Einbruch war. Mein linkes Hüftgelenk ist regelrecht zerbröselt.
Statt direkt ins Spital zu gehen, bist du zuerst wieder in die Maria Ebene. Warum?
Ich dachte, wenn ich so am Saufen bin, nimmt mich die Klinik in Innsbruck sicher nicht. Also bin ich zum zweiten Mal in die Maria Ebene gegangen, um die Zeit bis zu den OP-Terminen in Innsbruck zu überbrücken.
Du warst bekannt dafür, die Stationen, auf denen du warst, gehörig auf den Kopf zu stellen. Erzähl uns von einer dieser Anekdoten. Egal in welcher Klinik oder Unterkunft ich war, überall gab es Action.
Auf der Maria Ebene bekam ich in der Ergotherapie den Vorwurf, nicht kreativ zu sein. Ich bin mit meinen Krücken nach Feldkirch runtergelaufen und habe mir Ostereierfarben gekauft. In der Nacht habe ich leere Sprühflaschen mit der Farbe gefüllt und sämtliche Hühner im Hühnerstall bunt gefärbt. Das ist heute noch immer Gesprächsthema auf der Ebene.
DIE HILFSBEREITESTEN MENSCHEN, DIE ICH ALS ROLLSTUHLFAHRER ERLEBE, SPRECHEN SELTEN ÖSTERREICHISCHEN DIALEKT. ES SIND VOR ALLEM MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND. SIE REDEN ZWAR MIT HÄNDEN UND FÜSSEN, ABER SIE HELFEN. UND ZWAR UNGEFRAGT.“
Das Leben im Rollstuhl und neue Kreativität Nach der Hüft-OP ging dein Arbeitsleben in der Gastronomie trotzdem weiter, aber der Körper spielte irgendwann überhaupt nicht mehr mit.
Ich habe weiter getrunken, aber versucht, es so zu dosieren, dass ich arbeiten konnte. 2007 kam es dann zur Trennung von meiner damaligen Freundin in Bregenz. Ich war physisch und psychisch am Ende, wollte mir das aber am Anfang nicht eingestehen. Dann kam ich schließlich zeitweise in Pflegeheimen und auch dem Bonettihaus unter. Eine Zeitlang lebte ich sogar auf der Straße. Seit 18 Jahren bin ich in Invalidenpension.
Im November 2024 kam es zu einem weiteren Tiefpunkt. Was ist geschehen bzw. wie fandest du wieder einen Halt?
Zu diesem Zeitpunkt ging es mir so schlecht, dass ich einen Suizidversuch gemacht habe. Andere Menschen haben mitbekommen, was ich vorhatte, und haben mich gerettet. Ich kam ins LKH Rankweil und fühlte mich zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal wirklich ernst genommen. Über Vermittlung des LKH und der Caritas habe ich am 15. Mai einen Platz im Haus Schillerstraße (siehe Infobox) bekommen, wo es mir jetzt aber ganz gut geht. Dort wird meine Sucht auch akzeptiert.
Seit Juli 2024 sitzt du im Rollstuhl. Wie lebst du heute deine Kreativität aus, wenn du nicht mehr im Service oder am Herd stehen kannst?
Heute äußert sich meine Kreativität schriftlich. Ich sammle Zeitungsberichte zu bestimmten Themen und verarbeite sie zu „Zeitungscollagen“. Ich übe mich im Leserbriefschreiben. Ich recherchiere auch Themen, die mir andere vorschlagen, zum Beispiel für meine Physiotherapeutin. Aus dieser Melange versuche ich, mir eine Meinung zu bilden. Und was mir persönlich gegen den Strich geht, schreibe ich mir dann von der Seele. Übrigens, das möchte ich jetzt noch loswerden: Die hilfsbereitesten Menschen, die ich als Rollstuhlfahrer erlebe, sprechen selten österreichischen Dialekt. Es sind vor allem Menschen mit Migrations-Hintergrund. Sie reden zwar mit Händen und Füßen, aber sie helfen. Und zwar ungefragt.
„Gebi“ sammelt Zeitungsberichte zu bestimmten Themen und verarbeitet sie zu „Zeitungscollagen“. Wenn er sich in ein Thema eingelesen hat, schreibt er auch gerne Leserbriefe.
Hast du ein Lebensmotto oder eine Bilanz deines bisherigen Lebens?
Es gibt sicher Sachen, die ich falsch gemacht habe, aber ich bereue weder meine Berufswahl noch meine große Klappe. Auf meinem Grabstein sollte einmal stehen: „Er hat sein Leben in vollen Zügen genossen und leider auch kein Fettnäpfchen ausgelassen.“ Ich genieße mein Leben, auch im Rollstuhl. Wenn man mir blöd kommt, bekommt man auch heute noch eine blöde Antwort. Als mich kürzlich eine Dame in der Arztpraxis fragte, ob ich auf den Lift warte, antwortete ich: „Nein, danke. Ich nehme lieber die Treppe.“
Gibt es etwas, das du in deinem Leben verpasst hast?
Ja, eine Sache ärgert mich. Ich lebe schon 20 Jahre in Vorarlberg, aber den 3-Länder-Marathon bin ich níe gelaufen. Das wird sich wohl auch nicht mehr ausgehen.
Und hast du deinen Alkoholkonsum jetzt im Griff?
Das ist nicht immer gleich. Es gibt immer wieder Ausreißer nach oben und nach unten. Das heißt: Es gibt Tage, da trinke ich keinen Tropfen Alkohol. Wenn es mir aber psychisch schlecht geht, schütte ich mich zu. Da können es schon bis zu vier Liter Wein am Tag werden.
AUF MEINEM GRABSTEIN SOLLTE EINMAL STEHEN: „ER HAT SEIN LEBEN IN VOLLEN ZÜGEN GENOSSEN UND LEIDER AUCH KEIN FETTNÄPFCHEN AUSGELASSEN.“
Das Haus Schillerstraße wurde 1971 erbaut. Es ist das älteste Haus der Senioren-Betreuung Feldkirch. Von derzeit 47 Heimbewohnern haben 23 eine Suchterkrankung (vor allem Alkohol und Medikamente). Das werde bewusst akzeptiert, betont Isabel Mathis (40), die seit knapp zehn Jahren als diplomierte Psychiatrie-Krankenschwester in der Schillerstraße arbeitet. „Mit oder ohne Sucht, alle Menschen müssen gleich behandelt werden. Wir haben einen Versorgungsauftrag und es geht um ein selbstbestimmtes Leben“, ist Isabel Mathis überzeugt. Zudem verbessere sich der Allgemeinzustand von vielen suchtkranken Menschen, wenn sie wieder ein Dach über dem Kopf haben und geregelte Mahlzeiten bekommen, weiß sie aus langjähriger Berufserfahrung. Suchtkranke Menschen hätten besondere Bedürfnisse, aber das könne kein Ausschlussgrund für einen Heimbewohner sein. Wichtiger sei vielmehr, dass das tägliche Miteinander unter den Bewohnern funktioniere. „Sie müssen keine Freundschaften schließen. Aber es muss ihnen möglich sein, sich mit anderen Menschen in einem Raum aufzuhalten“, sagt Isabel Mathis.
CARITAS SUCHTARBEIT
Die demographische Entwicklung wie auch die verbesserte psychosoziale und medizinische Versorgung führt zu einer Zunahme von älteren suchtkranken Menschen. Dieser Umstand stellt Pflegefachleute und Pflegeorganisationen vor große Herausforderungen aufgrund von Unsicherheiten, Konflikten und Überforderung.
ICH GENIESSE MEIN LEBEN, AUCH IM ROLLSTUHL. WENN MAN MIR BLÖD KOMMT, BEKOMMT MAN AUCH HEUTE NOCH EINE BLÖDE ANTWORT.“
Die Caritas Suchtarbeit greift dieses Thema mit dem Ziel auf, pflegenden Menschen praxistaugliche Instrumente bereitzustellen, die den Pflegealltag erleichtern. Das Workshop-Angebot richtet sich an die Mitarbeiter*innen und Leitungspersonen der ambulanten und stationären Pflegedienste. Neben direkter Wissensvermittlung, interdisziplinärem Austausch und Gruppenübungen stellt die Caritas Suchtarbeit praktische Arbeitsmaterialien zur Erleichterung im Pflegealltag zur Verfügung. Zusätzlich werden auch anonyme Fallbesprechungen sowie Coachings in Einzelfällen angeboten.
Seit Oktober 2025 wird das Angebot für Betreuungsund Pflegeorganisationen über connexia im Rahmen des „Mobilen gerontopsychiatrischen Teams“ organisiert. Kontakt: clearing@connexia.at oder T 05574 487 87-0
Die Kunst der guten Fragen
Der 21. November ist der Europäische Tag für Supervision und Coaching. Wir haben ihn zum Anlass genommen, um bei Manuela Nigsch, Sprecherin der ÖVS Region West, und ihrer Supervisandin Verena Punter nachzufragen, was Supervision kann und für wen sie gut ist.
marie: Wenn man Supervision wörtlich mit „Über-Sicht“ übersetzt – sind wir da schon in der Nähe einer Definition?
Manuela: Im Prinzip geht es um professionelle Beratung im beruflichen Kontext. Man reflektiert die eigene Rolle, das berufliche Wirken und stellt es in einen größeren Kontext: Wie geht es mir in dem, was ich tue, mit den Menschen, mit denen ich arbeite, und in dem System, in dem ich tätig bin? Wo kann ich ansetzen, damit es besser wird?
Verena: Einzelpersonen, Teams oder Organisationen stehen dabei im Zentrum und damit Themen wie Erwartungshaltungen, Rolle oder Organisationstrukturen. Viele denken, Supervision sei nur etwas für Führungskräfte und Teams, dabei profitieren alle, die berufstätig sind.
Wo wird Supervision genutzt – und von wem?
Manuela: Im Grunde überall dort, wo Menschen mit komplexen sozialen, emotionalen oder organisatorischen Herausforderungen zu tun haben – also in verschiedensten Berufsfeldern. Darum sind Supervisor:innen ganz unterschiedlich aufgestellt. Ich selbst habe Wirtschaftspädagogik studiert und war lange in der Privatwirtschaft tätig, daher arbeite ich viel in und mit Unternehmen: Ich mache Einzel-Coachings, vorwiegend mit Führungskräften, oder begleite Teamentwicklungs- und Konfliktklärungsprozesse – ich arbeite supervisorisch, oft ohne es so zu nennen, weil der Begriff hier wenig bekannt ist. Ebenso begleite ich Privatpersonen, die sich beruflich umorientieren, mit Perspektiv-Coaching – ein Ansatz, den ich vor Jahren in der Unternehmensberatung entwickelt habe. Andere Kolleg:innen, wie Verena, sind im Bildungs- oder im Sozialbereich, wo Supervision längst bekannt ist.
Über die ÖVS
Die Österreichische Vereinigung für Supervision und Coaching (ÖVS) wurde 1994 gegründet und vereint über 1300 Supervisor:innen und Coach:innen in neun Bundesländergruppen. Als Gründungsmitglied des europäischen Dachverbands ANSE (Zentrale in Wien) setzt sie Qualitätsstandards für Supervision, Coaching und Organisationsberatung, erkennt Aus- und Weiterbildungen an und leistet einen wichtigen Beitrag für Professionalität und Ethik in der berufsbezogenen Beratung. www.oevs.or.at
Verena: Genau, ich habe einen psychologischen und pädagogischen Hintergrund und bin stärker im Sozialbereich und in der Elementarpädagogik vernetzt. An meinen bisherigen Arbeitsstellen wurden wir immer von Supervisor:innen begleitet; in der Elementarpädagogik wird es immer stärker zum Qualitätsmerkmal. Neben meiner supervisorischen Tätigkeit entwickle und begleite ich Lehrgänge und Trainings, wie aktuell einen Fachtag für Leitungen aus elementarpädagogischen Einrichtungen.
Mit welchen Anliegen kommen die Menschen in die Supervision?
Manuela: Bei mir landen viele Führungsthemen, denn Führung ist derzeit auf allen Ebenen herausfordernd: Sparmaßnahmen, Fachkräftemangel, Nachwirkungen der Pandemie beschäftigen viele. Ganz oft geht es auch ums Abgrenzen, um Kränkungen, Konflikte im Team, Zukunftsängste oder Mehrfachbelastungen durch Familie und Job – es ist viel in Bewegung und die Menschen stehen unter Druck. Genauso wie man mit Zahnschmerzen zum Zahnarzt geht, macht es bei beruflichen Herausforderungen Sinn, mit jemandem zu sprechen, der dafür ausgebildet ist. Im besten Fall ist Supervision im Arbeitsvertrag verankert, denn Mitarbeiter:innen sind die wichtigste Ressource. Professionelle Begleitung hilft auch, Menschen im Beruf zu halten, etwa in Pflege, Bildung oder Leitung.
Verena, welche Frage hat dich in die Supervision geführt?
Verena: Die der beruflichen Veränderung. Ich leitete ein Familienzentrum, ein erfüllender Job, und war nebenbei selbstständig. Dann kam das zweite Kind – und damit die Fragen: Wie viel geht sich im Leben aus? Wo möchte ich den Schwerpunkt setzen? Durch die Supervision haben sich die nächsten Schritte gezeigt: Ich habe gekündigt und bin nun selbst auf dem Weg in die Selbstständigkeit als Supervisorin. Daraus sind weitere Themen entstanden, wie berufliche Identität oder Vereinbarkeit von Ausbildung, Selbstständigkeit und Familie – also auch solche an der Schnittstelle zum Privaten –, die ich mit Manuela angeschaut habe.
Vom ersten Kontakt bis zum Abschluss – wie läuft eine Supervision ab?
Manuela: Nach dem Kennenlernen klären wir die Ziele und Rahmenbedingungen: Was bringt die Su-
Interview:
Manuela Nigsch, Supervisorin, Coach, Mediatorin und Unternehmensberaterin, um Menschen und Organisationen dabei zu helfen, so zu WERDEn, wie sie sein können.
Verena Punter, Fachberaterin, Supervisorin und Psychologin, arbeitet systemisch und praxisnah mit sozialen Einrichtungen und ist in der Aus- und Fortbildung im elementarpädagogischen Bereich tätig.
pervisand:innen her, welche Anliegen haben sie? Wie soll das Setting sein – Einzel-, Team- oder Gruppensupervision? Wir schließen einen Kontrakt ab. In Organisationen arbeiten wir im Dreieck zwischen Auftraggeber:in, Supervisand:in und Supervisor:in. Die Inhalte bleiben dabei vertraulich, über den Prozess wird transparent berichtet.
Verena: Ich kam mit so vielen Themen in die erste Sitzung, ich brauchte erst einmal einen Überblick, um Prioritäten zu setzen. Es half, alles auf Kärtchen zu schreiben. Die Dauer der Begleitung hat sich aus meiner Entwicklung ergeben.
Apropos Kärtchen, hier sind auch noch Tierfiguren, Farben – gehört das zu den Methoden?
Manuela: Ja, alle Supervisor:innen haben ihren eigenen Werkzeugkoffer – je nach Persönlichkeit, Ausbildungen und Hintergrund. Das reicht von Aufstellungen über Körperarbeit bis zu kognitiven Methoden. Oft wird mit Bildern gearbeitet. Ich schlage meist mehrere Methoden vor und wir einigen uns gemeinsam auf einen Weg. Verena: Und manchmal sind es auch einfach spannende Fragen, die Aha-Erlebnisse auslösen. Etwa: Wie soll mein Leben aussehen, damit es gut für mich ist? Welche Rolle spielt der Beruf dabei? Was brauche ich, um gestärkt in ein Gespräch zu gehen, das mich herausfordert?
Manuela: Der Perspektivwechsel kann unglaublich hilfreich sein. Auch das Modell der Einflusszonen (Was kann ich wirklich beeinflussen?) oder
Manchmal sind es auch einfach spannende Fragen, die Aha-Erlebnisse auslösen.“
lebenszeitliche Einordnungen über ein einfaches Maßband sind nützlich, um in die Metaebene zu wechseln und Zusammenhänge sichtbar zu machen
Verena: Wesentlich in der Supervision war für mich, dass ich keine Lösungen präsentiert bekommen habe, sondern meine Anliegen mit professioneller Unterstützung selbst bearbeiten konnte. Man darf selbst an diesen Punkt gelangen, an dem man bereit ist, große oder kleine Veränderung zuzulassen.
Was unterscheidet Supervision und Coaching?
Manuela: Die Begriffe werden teilweise synonym verwendet, haben aber unterschiedliche Wurzeln: Supervision kommt ursprünglich aus der sozialen Arbeit, der Fokus lag auf Fallbesprechungen. Coaching kommt aus dem Sportbereich und wurde später auf Management übertragen. Die Grenzen verschwimmen in der Praxis zunehmend.
Gibt es Hemmschwellen, diese Beratungsangebote zu nutzen?
Manuela: Viele glauben, Supervision und Coaching brauche man nur, wenn man etwas nicht kann, oder verbinden es mit Schwäche, Beratung in Anspruch zu nehmen. In Wahrheit ist es ein Zeichen von Professionalität: Ich nehme mir Zeit, meine Arbeit zu reflektieren und mich weiterzuentwickeln.
Wie findet man den bzw. die passende Supervisor:in?
Verena: Oft über Empfehlung. Auch Webseiten sind eine gute Adresse, um sich ein Bild von der Person und ihrem Schwerpunkt zu machen. Das Allerwichtigste ist eine gute Chemie, damit man sich wohlfühlt und sich öffnen kann.
Manuela: Die ÖVS-Webseite bietet eine Übersicht mit Filterfunktion zu allen Mitgliedern. Hier kann man sicher sein, dass die Qualität gewährleistet ist. Ebenso sind Supervisor:innen gut vernetzt und vermitteln bei Bedarf weiter.
Zu guter Letzt: Wann sprecht ihr von Erfolg?
Verena: Wenn es sich rund anfühlt, so wie jetzt.
Manuela: Wenn es besser wird. (lacht)
Fest der Begegnung, des Dialogs und der Würde
Seit seiner Gründung vor 60 Jahren ist das Bildungshaus Batschuns ein Ort des Dialogs, der Auseinandersetzung und der geistigen sowie spirituellen Erneuerung. Es war und ist ein Haus, in dem Menschen nach Antworten auf die Fragen ihrer Zeit suchen. Dieses Jubiläum wird mit einem Fest der Begegnung, des Dialogs und der Würde gefeiert. Ein besonderer Impuls sind die schlichten Königsfiguren des Bonner Künstlers Ralf Knoblauch. Die Figuren werden an diesem Tag in die Gesellschaft ausgesendet – als Zeichen, als Einladung zum Gespräch und als Erinnerung an die Verantwortung füreinander. Sie tragen eine stille, kraftvolle Botschaft: Jeder Mensch ist würdig – königlich, unantastbar, einzigartig.
Programm | Sonntag, 7. Dezember
10 Uhr: Eröffnung, Gottesdienst in der Kapelle
Ab 11 Uhr: Themenräume zu den Bildungsschwerpunkten des Hauses
Musik, Kulinarik, Gespräche
14 Uhr: Impulsvortrag und Gespräch zum Thema
Würde
16 Uhr: Entsendung der Königsfiguren auf Bildungsreise
Ob Sie dem Bildungshaus lange verbunden sind oder es gerade erst kennenlernen: Alle sind willkommen!
Der Eintritt ist frei!
Info und Anmeldung: E-Mail an: bildungshaus@bhba.at oder per Telefon: +43 55 22 44 2 90-0
Köhlerstraße 14, 6830 Rankweil (Werkstätte der Lebenshilfe) Jeden 1. Freitag im Monat von 14 bis 16.30 Uhr
REPAIRCAFÉ RHEINDELTA
Dr-Schneider-Straße 40, 6973 Höchst | Jede gerade Kalenderwoche am Freitag von 14 bis 16 Uhr | repaircafe.rheindelta@gmx.at NÄHTREFF SATTEINS
Kirchstraße 8, 6822 Satteins (Untergeschoß Pfarrsaal) | Jeden ersten Freitag im Monat 8.30 bis 11.30, 19 bis 22 Uhr
REPAIRCAFÉ THÜRINGEN
Werkstraße 32, 6712 Thüringen | Jeden 1. Samstag im Monat von 8.30 bis 12 Uhr
MACHEREI WOLFURT
Mittelschule Wolfurt, Schulstraße 2, 6922 Wolfurt | Jeden 4. Samstag im Monat von 9 bis 12 Uhr | info@macherei-wolfurt.at, T 0650 567 25 10
Der schnellste Weg zum Risotto
Kürbis-Risotto: Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht?
Zutaten für 4 Personen:
• 400 g Risottoreis
• 1,5 l klare Gemüsesuppe (noch besser: Hühnersuppe)
• 1 kleine Zwiebel
• 2 Stangen Sellerie
• 1 Knoblauchzehe
• 40 g Butter
• Olivenöl, Zitronensaft, Salz, Pfeffer
• 400 g Speisekürbis
• etwas Zimt-, Koriander- und Chilipulver
• Thymian als Deko
Zubereitung:
Backofen auf 200° vorheizen, Kürbis schälen, entkernen und in 2 cm dicke Spalten schneiden. Auf einem Blech mit Gewürzen, Salz und Pfeffer und etwas Olivenöl vermischen, 30 Minuten backen. Ein paar Spalten als Deko aufbewahren, Rest mit 100 ml Suppe pürieren. Suppe erhitzen. Zwiebel, Sellerie und Knoblauch fein würfeln und in Öl anschwitzen. Reis dazugeben und salzen. Nun entscheiden Sie, welche Variante Ihnen lieber ist: Wenn es nach Roland Trettl geht, kommt in einem Schwung die ganze heiße Suppe zum Reis. Der köchelt nun bei geringer Temperatur eine Viertelstunde alleine vor sich hin. Nicht rühren!
Und wenn Sie den Risotto voller Muße und Rührung zubereiten möchten, geben Sie die heiße Suppe nur schöpflöffelweise dazu, bis sie eingekocht ist. Temperatur niedrig halten und ständig rühren – das dauert gut 20 Minuten. Erst am Ende gebe ich einen Schuss Säure dazu – meist Zitronensaft. Wenn keine Kinder mitessen, etwas Wermut. Kürbispüree unterziehen, Topf vom Herd nehmen, kalte Butter und einen Schuss Olivenöl einrühren. Manche schwören auf Parmesan, ich nicht. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, mit Kürbisspalten und Thymian anrichten.
Von Daniel Mutschlechner, probelokal.com
Alle Wege führen nach Rom, so heißt es. Außer bei der Zubereitung von Risotto. Da gibt es offenbar nur eine Wahrheit: Ständig rühren und den Reis in Etappen mit Fond aufgießen. Schon im ersten Kochbuch von Jamie Oliver habe ich gelernt, dass die Zubereitung für 30 Minuten meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit erfordert. Das bestätigten auch alle Profis, die ich seither konsultiert habe. Schon das Hinterfragen kam einem Frevel gleich.
Ähnlich wie beim Föderalismus in Vorarlberg, der Frauenordination in der Kirche oder der Neutralität in Österreich. Punkt. Keine Diskussion. Doch manchmal geraten selbst Wahrheiten ins Wanken. Als ich unlängst vor dem Einschlafen auf Seite 248 von Roland Trettls Buch „Nachschlag“ gelandet bin, stellte sich mein Risotto-Weltbild auf den Kopf. Der Spitzenkoch pfeift auf Dogmen. So gießt er etwa gleich zu Beginn die ganze Suppe zum Reis und verzichtet aufs Rühren.
Darf man das? Und kommt diese Variante an meine UrVersion heran? Ich habe beide Zubereitungsarten gleichzeitig ausprobiert und meine größten Gastro-Kritiker vor die Wahl gestellt. Und siehe da: Die Familie war angetan von der Trettl-Version. Mir schmeckte das mühsamere Original eine Spur besser, aber das liegt bestimmt an der Gewohnheit. Seither gibt es die Trettl-Version abends nach der Arbeit, wenn es flott gehen muss. Das Original wird zelebriert, wenn ich Zeit und Muße habe. Alle Wege führen nach Rom. Und manche Wahrheit darf hinterfragt werden.
Musiktipp: Radiohead
Die britische Band Radiohead ist Kult. Und nach mehreren Jahren Pause wieder auf Tour. Aus diesem Anlass habe ich die beiden Alben aus dem Schrank gekramt, die ich Anfang der 0er-Jahre zeitgleich mit dem ersten Jamie-Oliver-Kochbuch kennen und schätzen habe: „Hail To The Thief“ und das Live-Album „I Might Be Wrong“, was übrigens auch für die Risotto-Zubereitung gilt. Weitere Rezeptgeschichten und Musiktipps finden Sie auf www.probelokal.com.
W IE RASSISTISCH
Mitunter handeln wir rassistisch, ohne es zu wollen, ohne es zu bemerken. Rassismus wirkt hinein in alle gesellschaftlichen Ebenen. Den Ursachen nachzugehen und die Dinge beim (politisch korrekten) Namen zu nennen, empfinden viele als anstrengend. Dabei gehe es nicht um Schuld und Beschämung, sagt Spiegel-Bestsellerautorin, Podcasterin und Journalistin Alice Hasters, sondern um Erkenntnisgewinn.
marie: Reden wir nicht über den offensichtlichen Rassismus, reden wir über den subtilen. Den, den wir vielleicht nicht einmal bei uns selbst bemerken. Wie gehen Sie mit Situationen um, wenn das „nicht bös Gemeinte“ dennoch einen rassistischen Hintergrund hat?
ICH GLAUBE DARAN, DASS DIE MEISTEN LEUTE NICHT RASSISTISCH SEIN WOLLEN. FÜR SIE KOMMT DER VORWURF, ETWAS RASSISTISCHES GESAGT ZU HABEN, DEM VORWURF GLEICH, RASSISTISCH ZU SEIN.
Alice Hasters: Ich glaube daran, dass die meisten Leute nicht rassistisch sein wollen. Für sie kommt der Vorwurf, etwas Rassistisches gesagt zu haben, dem Vorwurf gleich, rassistisch zu sein. Das löst unmittelbar Abwehr und Gegenwehr aus. Es geht also darum, das Gegenüber zum Reflektieren zu bringen. Und das funktioniert besser, wenn man ihm hilft, selbst drauf zu kommen bzw. zu verdeutlichen, was er oder sie gerade gesagt hat. Zum Beispiel mit einer simplen Frage wie: Was meinst du damit? Die Frage allein – selbst wenn sie nicht beantwortet wird – kann schon einen Erkenntnisprozess einleiten.
Der Reflex, den Vorwurf empört von sich zu weisen, hat ja oft mit Scham zu tun.
Scham ist das Stichwort. Es gibt viele Leute, die glauben, meine Aufklärungsarbeit passiert mit der Absicht, dass ich Menschen ein schlechtes Gewissen bereiten möchte. Daran bin ich überhaupt nicht interessiert. Im Übrigen gibt es auch bei mir „Ismen“ und Diskriminierungsformen – Dinge, die ich verinnerlicht habe und derer ich mir nicht bewusst bin. Ich kenne also das Gefühl, dass man denkt „Hey, das habe ich doch gar nicht so gemeint“ oder „So bin ich doch gar nicht“.
Genau darin steckt aber die Möglichkeit, etwas dazuzulernen, versteh ich Sie richtig?
Genau. Letztendlich sind wir alle in einem Team. Es wäre schön, uns darauf zu einigen, dass wir als Gesellschaft Diskriminierung bekämpfen wollen. Statt dem Gefühl des Gegeneinanders sollte es als gegenseitige Hilfe begriffen werden. Natürlich sage ich das aus
einer Position heraus, die Teil meiner Arbeit ist. Nicht jede Person, die von Rassismus betroffen ist, hat das Wissen und den inneren Raum, behutsam aufzuklären. Lebenserfahrung und Aufklärungsexpertise sind auch bei mir nicht unbedingt immer deckungsgleich.
Im Sinne von, nicht immer und auf jede Situation souverän reagieren zu können? Richtig. Wir haben zwar den Anspruch, aber manchmal funktioniert es nicht. Gerade, wenn man von einer Diskriminierung betroffen ist, ist es emotional aufreibend, sich erklären zu müssen und Gefühle wie Scham oder Erniedrigung in Worte zu fassen. Behutsamkeit ist ein guter Ratgeber und doch können auch schon mal die Fetzen fliegen. Heißt aber nicht, dass das dann das Ende ist. Man muss schon auch ein bisschen Geduld mit sich und mit den anderen haben.
Was sind konkrete Beispiele für Alltagsrassismen?
Affekthandlungen, die man nie hinterfragt wie zum Beispiel, neben wen man sich in der Bahn setzt, auf wen man im öffentlichen Raum eher zugeht, von wem man sich eher wegbewegt. Wen man ignoriert und damit ausschließt. Welche Bücher im Bücherregal stehen, was man sich in den Medien anschaut, welche Lebensrealitäten man hingegen nicht kennt. Letzteres bedeutet nicht per se, dass man rassistisch ist. Aber vielleicht einseitig geprägt.
GERADE, WENN MAN VON EINER DISKRIMINIERUNG BETROFFEN IST, IST ES EMOTIONAL AUFREIBEND, SICH ERKLÄREN ZU MÜSSEN UND GEFÜHLE WIE SCHAM ODER ERNIEDRIGUNG IN WORTE ZU FASSEN.
Mich beschäftigt die – inzwischen im Diskriminierungsverdacht stehende – Frage „Woher kommst du?“. Seit mir bewusst ist, dass sie als diskriminierend empfunden wird, möchte ich sie vermeiden. Gleichzeitig haben wir viele Verkäufer:innen auf der Straße, die auch gute Beziehungen zu den Leserinnen und Lesern pflegen. Und ich bin mir fast sicher, dass die Frage, woher sie stammen, oftmals das Gespräch einleitet und Begegnung ermöglicht. Daran kann ich nichts Verkehrtes erkennen ... Ich bin froh, dass Sie das thematisieren, das beschäftigt viele Leute im Sinne von „Hey, aber da ist doch
ICH WÜRDE MIR
ALSO EINFACH NUR WÜNSCHEN, DASS
DIE LEUTE EIN BISSCHEN MEHR AUF DIE ANTWORT HÖREN.
nicht alles falsch dran“. Ich würde nicht sagen, dass die Frage an sich schlecht ist. Aber: Geht es dem Fragenden nur um eine bestimmte Antwort oder ist die Frage wirklich offen gemeint? Wenn ich in meinem Fall beispielsweise antworte, ich komme aus Köln, dann wäre das der nächste Bezugspunkt fürs Gespräch. Und nicht, woher denn meine Eltern kommen. Ich kann viel mehr über Köln sagen als zum Beispiel über die USA, wo meine Mutter geboren ist. Ich würde mir also einfach nur wünschen, dass die Leute ein bisschen mehr auf die Antwort hören. Manchmal wollen Menschen auf etwas ganz Bestimmtes hinaus. Da entsteht dann fast eine Art Druck bzw. das Gefühl, die Leute zu enttäuschen. Und vielleicht will man auch einfach nicht erzählen, dass man beispielsweise adoptiert ist, dass man ein Elternteil – oder dessen Herkunftsland – gar nicht kennt usw.
Wie erklären Sie jemanden, dass selbst Komplimente diskriminierend sein können?
Wenn mir zum Beispiel jemand sagt, ah, du hast Rhythmus im Blut oder einen schönen exotischen Look, dann will man damit ja auch nur Klischees bestätigen. Von mir wird quasi erwartet, dass ich tanzen kann. Ganz selbstverständlich, als ob es dann auch gar nichts Besonderes mehr ist, wenn ich’s kann. Alles wird auf meine Hautfarbe zurückgeführt. Mir als Mensch mit einem weißen und einem schwarzen Elternteil wird oft gesagt, diese Kinder sind besonders schön. Also werde ich als „mixed race“ über andere Schwarze gestellt. Das ist alles Teil der rassistischen Geschichte, weil man bestimmte Bilder beigebracht bekommen hat: was schön ist und was weniger. Ich finde ehrlich gesagt den Gedanken unangenehm, als eine bessere Version von Schwarz gesehen zu werden. Ich kann hier auf der Empathie-Ebene Verständnis einfordern, aber manchmal hilft tatsächlich am besten handfestes Wissen über Kolonialgeschichte und Rassismus, um die eigene Meinung zu ändern. Um besser kontextualisieren zu können, wie wir überhaupt an diesen Punkt gekommen sind als Gesellschaft. Wieso Afrika so arm und Europa so reich ist. Und wieder: Nicht das Schuldgefühl, sondern der Erkenntnisgewinn ist dabei das Interessante.
Im Literaturhaus werden Sie mit der Autorin Raphaëlle Red über Zugehörigkeit sprechen – der Suche danach, aber auch der Verweigerung. Ja, ich glaube, es steckt eine gewisse Melancholie drin, irgendwie nicht so ganz dazuzugehören. Eine Melancholie, die man aushalten kann und aus der man sogar schöpfen kann. Und durch die man in die Verbindung mit anderen geht, die auch dieses Gefühl, haben, nicht reinzupassen. Und was die Verweigerung angeht: Klischees führen dazu, dass manche Menschen alles da-
für tun, sie nicht zu bestätigen. Alles, was sie in die Nähe eines Klischees rückt, sehen sie als Bedrohung. Auch andere Schwarze Menschen. Man möchte damit sagen, nee, nee, ich bin gar nicht so wie ihr denkt bzw. wie die anderen Schwarzen. Damit internalisiert man selbst den Rassismus, nur um nicht in eine Schublade gepackt zu werden.
Wir haben jetzt nur über die individuelle Ebene gesprochen. Wo sehen Sie strukturell den größten Hebel?
In jeder Art von gesellschaftlicher Veränderung in Richtung Gerechtigkeit – und das fängt beim Thema Umverteilung an. Wir leben in einer Zeit, wo sich Vermögen immer mehr auf eine kleinere Bevölkerungsschicht konzentriert. Und das hat jetzt erst mal vermeintlich nichts mit Hautfarbe zu tun. Aber all die Ismen, die es in der Welt gibt, werden durch diese Ungleichheit verstärkt, weil es enger wird, stressiger, unsicherer. Und andere dann oft abgewertet werden, um sich selbst Raum zu verschaffen. Es ist ein dringliches und schmerzhaftes Thema. Aber rein rational gesehen kann es so nicht weitergehen. Und das fängt damit an, dass wir als Gesellschaft das Reichsein nicht mehr so abfeiern dürfen. Wir brauchen einen kulturellen Wandel.
WENN MIR ZUM BEISPIEL JEMAND SAGT, AH, DU HAST RHYTHMUS IM BLUT ODER EINEN SCHÖNEN EXOTISCHEN LOOK, DANN WILL MAN DAMIT JA AUCH NUR KLISCHEES BESTÄTIGEN.
Zum Weiterlesen – Bücher von Alice Hasters: „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten“ (2019), „Identitätskrise“ (2023)
ZWISCHENFRAGEN: Zugehörigkeiten mit Alice Hasters und Raphaëlle Red Mittwoch, 26. Nov., 19 Uhr Anmeldung unter: office@literatur.ist Eintritt: pay as you wish Ort: Literaturhaus Vorarlberg, Radetzkystraße 1, Hohenems In Kooperation mit dem Verein Bücherliebe.lei. Im Gespräch zwischen Alice Hasters und Autorin Raphaëlle Red (Debütroman „Adikou“) steht die Frage im Mittelpunkt, was es heute bedeutet, in kulturellen, gesellschaftlichen oder ganz persönlichen Zusammenhängen dazuzugehören. Welche Zugehörigkeiten wählen wir selbst? Welche werden uns zugeschrieben? Und was geschieht, wenn wir keinen Platz finden?
TIPP!
marie – zwischen und hinter den Zeilen
Wasserglaslesung mit der marie
Fr, 28. Nov., 19 Uhr
Literaturhaus Vorarlberg, Radetzkystraße 1, Hohenems Eintritt: pay as you wish Anmeldung: anmeldung@literatur.ist
Jahre Jahre
Das Literaturhaus hat uns eingeladen, unser 10-jähriges Bestehen gemeinsam zu feiern. Wir tun das mit einer „Wasserglaslesung“ in den wunderbaren Räumlichkeiten der Villa Rosenthal und lesen aus unseren liebsten Reportagen. Dabei nehmen wir Sie mit auf eine Reise zwischen Recherche, Text und Stimme und öffnen den Blick für das, was hinter den Zeilen liegt: Woher kam der Impuls für genau diese Geschichte? Wo verläuft die Grenze zwischen journalistischer Dokumentation und erzählerischer Gestaltung? Eine Einladung zum Zuhören, zum Fragen und zum Nachdenken, was hinter der Druckschwärze unserer Zeilen verborgen liegt.
NEUES ENTDECKEN, GEMEINSAM WACHSEN.
Entwicklung entsteht im Zusammenspiel von Erfahrung und Offenheit. Bewährtes bewahren, Veränderungen annehmen – so bleibt Fortschritt menschlich und greifbar.
GEMEINSAM FÜR STARKE WERTE
Seit 1939 steht TIRO für Holzkompetenz in Vorarlberg –als Genossenschaft, tief verwurzelt im Handwerk und getragen von 300 Tischlern und Zimmerern. www.tiro.at
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Kinder durch Körperwissen stark machen
Immer wieder stellen uns Kinder Fragen zu Körper, Geschlecht oder Freundschaft. Auch Situationen, in denen Kinder ihre Neugierde im Spiel ausdrücken, führt bei uns manchmal zu Unsicherheit“, erzählt Kindergartenpädagogin Cornelia (28): „Eine gemeinsame Haltung und konkrete Handlungsansätze musste her, um kindliche Fragen professionell und einfühlsam zu begleiten. Deswegen buchten wir ein Workshop von EFZ, bei dem wir Vieles gelernt haben: Wie man kindliche Neugierde ernst nimmt, ohne Tatsachen zu tabuisieren, wie man Grenzen respektiert
und Kindern vermittelt, ihre eigenen Grenzen klar zu äußern, und wie man Prävention gegen mögliche Grenzverletzungen in den Alltag integrieren kann.“ „Sexualpädagogik im Kindergarten bedeutet nicht, Kinder mit zu viel Wissen zu überfordern, sondern vielmehr ihre natürliche Entwicklung zu begleiten, Fragen offen zu beantworten und ihnen ein positives Körper- und Selbstwertgefühl zu vermitteln“, ergänzt Nina Leopold (EFZ): „Unser Ziel ist es, Kinder stark und selbstbewusst zu machen und sie so vor Grenzüberschreitungen zu schützen.
„Für eine Gesellschaft zu kämpfen, die mich am Lebensende nicht im Stich lässt, nicht entwürdigt, verspottet oder beschämt, war stets ein Leitmotiv in meiner Arbeit.“ Der Satz stammt von Karl Bitschnau (64), ohne den es die Hospizbewegung in Vorarlberg in der heutigen Form nicht geben würde. Im Gespräch mit der marie rekapituliert der im Sommer in den Ruhestand getretene Visionär und Menschenfreund noch einmal die Stationen seines pionierhaften Lebenswerks.
„Ich habe schon immer einen Hang dazu gehabt, sozial zu handeln. Vielleicht aus der Familienposition heraus, so mittendrin, da war ich meist herausgefordert, den ausgleichenden Pol zu spielen.“
Die Themen Krankheit und Tod haben sich schon früh in seine Biografie eingeschrieben, sagt Karl Bitschnau. Er ist als fünftes Kind im Klostertal in einer Großfamilie mit sieben Geschwistern aufgewachsen. Der Vater arbeitete als Filialleiter im örtlichen Konsum, die Mutter vermietete Gästezimmer wie die meisten in dieser Tourismus-Region. „Da mussten wir Kinder schon zeitweise im Dachboden schlafen“, erzählt Karl Bitschnau lachend. Schon als Dreijähriger verbrachte er wegen eines lebensbedrohlichen, mit Fieberkrampf kombinierten Keuchhustens mehrere Wochen auf der Isolierstation im nahegelegenen Krankenhaus. Die Erinnerung an die schmerzhafte Trennung von der Familie verblasste. Erst als er viele Jahre später im Hospizbereich tätig war, sei ihm das Gefühl hochgekommen: „Da war doch was, das kenne ich.“
Ausgleichender Pol
Dass er einmal im Hospizbereich landen würde, war nicht absehbar. Als Maturant schwankte er zwischen einem Studium der Medizin, Psychologie oder Biologie. Auch die Sozialarbeit interessierte ihn: „Ich habe schon immer einen Hang dazu gehabt, sozial zu handeln. Vielleicht
Text: Brigitta Soraperra, Fotos: Frank Andres
„Schon als Kind war für mich die spirituelle Dimension wie ein Fenster, wie ein Freiraum.“
aus der Familienposition heraus, so mittendrin, da war ich meist herausgefordert, den ausgleichenden Pol zu spielen.“ Nach einem für ihn in jeder Hinsicht Horizont erweiternden Austauschjahr in Amerika schrieb er sich auf der damaligen „Akademie für Sozialarbeit“ in Bregenz ein. Mitten im Studium fragte er sich, „ob es das wirklich ist“, und so begann Karl Bitschnau parallel mit einem theologischen Fernstudium. Denn auch die Arbeit in der Pfarre sei damals eine Option für ihn gewesen. „Schon als Kind war für mich die spirituelle Dimension wie ein Fenster, wie ein Freiraum. Und als mein ältester Bruder mit Mitte 20 verstarb, half der gemeinsame Glaube der Familie mit dem tragischen Verlust umzugehen.“
„Uncooler Sozialarbeiter“
„Man muss akzeptieren, dass für die meisten der betreuten Menschen, die in solch schwierigen Lebensumständen gefangen sind, nicht die Veränderung das Ziel ist, sondern die Begleitung.“
Nach dem Studium in Bregenz wurde er Zivildiener in einer Pfarre und gerade als er sich als Pastoralassistent beworben hatte, kam ein Arbeitsangebot von der Caritas. „Da wollte ich überhaupt nicht hin“, gibt Karl Bitschnau unumwunden zu. Für einen Sozialarbeiter sei es damals „einfach nicht cool“ gewesen, zur Caritas zu gehen. Er nahm das Angebot trotzdem an, und begann im Bereich „SOS Rat und Hilfe“ (heute „Existenz und Wohnen“). Schon nach einem Monat, „als blutiger Anfänger“, wurde er mit einer Führungsfunktion betraut. Er bewährte sich und blieb sechs Jahre in dieser Abteilung: „Man muss akzeptieren, dass für die meisten der betreuten Menschen, die in solch schwierigen Lebensumständen gefangen sind, nicht die Veränderung das Ziel ist, sondern die Begleitung.“ Dann wurde ihm bei der Caritas ein Wechsel in den Fachbereich Pfarrcaritas angeboten – er durfte eine Servicestelle für die ehrenamtlich Aktiven in der Kirche aufbauen. Dabei kam er auch in Kontakt mit Ehrenamtlichen, die mit der Begleitung von Trauernden und Sterbenden zu tun hatten und von der neu eingerichteten Stelle Unterstützung erbaten. Zur gleichen Zeit kam Elmar Simma, damals Seelsorger der Caritas, auf ihn zu, ob er sich an der Gründung eines Hospizvereins beteiligen wolle. „Der Verein kam zwar nie zustande, dafür entwickelte sich aus dieser Initiative Hospiz Vorarlberg als Aufgabenbereich der Caritas, und ich war gerne dabei.“
„Die Zeit war nicht offen, um über den Tod zu sprechen, auch die Medizin tat sich schwer.“
Sterben – ein schwieriges Thema „Sterben war damals ein schwieriges Thema, den Tod zu benennen nicht einfach“, sagt Karl Bitschnau über die 1990er Jahre. Zunächst organisierten sie Gesprächsrunden, wobei ihm eine Teilnehmerin besonders in Erinnerung blieb. Sie sagte, jetzt könne sie zum ersten Mal nach 15 Jahren über den Tod ihres Mannes sprechen. Bis dahin hätte sie das Gefühl gehabt, mit ihrer Trauer lästig zu sein und anderen auf die Nerven zu gehen. „Für mich war das symbolisch“, erzählt Bitschnau, „die Zeit war nicht offen, um über den Tod zu sprechen, auch die Medizin tat sich schwer.“ Ein befreundeter Arzt, selbst Pionier in der Hospizbewegung, habe es in einem Vortrag einmal auf den Punkt gebracht, indem er sagte, dass man damals nicht genau gewusst habe, wie umgehen mit Tod und Sterben. Manche seiner Kollegen und Kolleginnen hätten einen Bogen um Zimmer gemacht, in denen Sterbende lagen, weil sie eh nichts für sie tun könnten. >>
Interdisziplinär und auf Augenhöhe
Mit öffentlichen Veranstaltungen wie Symposien, Diskussionen, Filmen, Konzerten und Theateraufführungen lud die Hospizbewegung Fachleute und Laien ein, sich mit dem Thema Lebensende auseinanderzusetzen. Formate wie „Die gestundete Zeit“ oder „Trauern dürfen“ waren von Beginn an interdisziplinär und hierarchiefrei konzipiert: Neben Ärzt:innen, Pflegekräften, Psycholog:innen, Sozialarbeiter:innen und Seelsorger:innen nahmen auch Angehörige und Ehrenamtliche teil. So entstand ein gemeinsamer Diskurs darüber, was es in Vorarlberg für Menschen am Lebensende braucht. Zwischen 1996 und 2004 führte das zum Aufbau ehrenamtlicher Hospiz-Teams in sechs Regionen, die bis heute ein zentraler Teil der Dienste von Hospiz Vorarlberg sind. Sie erhalten eine niederschwellige, aber fundierte Ausbildung zur Begleitung Sterbender und ihrer Familien – zuhause, im Krankenhaus und inzwischen auch in Pflegeheimen. 2006 wurde das Hospizteam für Kinder gegründet, „weil sich zeigte, dass todkranke Kinder und ihre Familien andere Formen der Begleitung brauchen“, so Bitschnau. Parallel dazu wurde auch die klinische Versorgung ausgebaut: Während es in den Krankenhäusern bereits seelsorgerische Sterbebegleitung gab, musste das medizinische Konzept von „Palliative Care“ erst verankert werden. 2003 entstand am LKH Hohenems eine Palliativstation, die bis heute als Vorzeigeprojekt gilt. 2008 folgte das Mobile Palliativ-Team für die Betreuung sterbenskranker Menschen zuhause.
Der unerlaubte Gedanke
Berufsbegleitend schrieb Karl Bitschnau in dieser pionierhaften Aufbauzeit eine Doktorarbeit im Fach „Palliative Versorgung und Organisations-Ethik“, für die er Interviews an den Palliativstationen in Hohenems, München und Meran führte. In diesen Gesprächen zeigte sich ihm ein Motiv, mit dem er überhaupt nicht gerechnet habe: „Der Genuss am Lebensende.“ Das habe ihm die Augen geöffnet, denn während er als Begleiter vor allem den Tod im Fokus hat, seien die Sterbenden schon viel weiter. „Sie wissen, der Tod kommt sowieso, aber dazwischen gibt es noch eine Phase, die es zu leben gilt.“ Und dieser Perspektivenwechsel hin zur bestmöglichen Lebensqualität bis zum Schluss verstärkte in ihm den Wunsch nach einem geschützten Ort, der diese Qualität ermöglichen konnte. In England gab es schon in den 1970er Jahren Hospize – also auf die Bedürfnisse von Sterbenden ausgerichtete nichtklinische Häuser. Heinz Rhomberg, Sozialarbeiter aus Vorarlberg, hatte ein Praktikum im St. Christopher’s Hospiz in London gemacht und begeisterte nach der Rückkehr Karl Bitschnau dafür, als er an der Sozialakademie darüber berichtete. „Bei uns war damals aber die Zeit noch nicht reif, man fürchtete sich davor. Ein ‚Sterbehaus‘ war ein unerlaubter Gedanke.“
„Sie wissen, der Tod kommt sowieso, aber dazwischen gibt es noch eine Phase, die es zu leben gilt.“
Versorgungslücke
Weil die Mitarbeiter:innen von Hospiz Vorarlberg aber im Laufe der Jahre das fehlende Stationäre Hospiz zunehmend als Lücke in der Versorgung wahrnahmen – nicht alle Menschen konnten im eigenen Zuhause zufriedenstellend begleitet werden – präsentierte die Caritas im Jahr 2008 dem Land ein erstes Konzept. „Für uns war klar, dass die Basis für so eine Einrichtung aus dem öffentlichen Versorgungssystem kommen muss“, sagt Bitschnau. Auch die Bevölkerung sollte für die Idee gewonnen werden. Dazu musste erst die Unterscheidung zwischen Palliativstation und Hospiz verankert werden: „Während erstere als Teil der stationären Akutversorgung darauf ausgerichtet ist, Schmerzen und belastende Situationen in den Griff zu bekommen, und das Ziel hat, Patienten und Patientinnen nach Besserung wieder zu entlassen, ist ein Hospiz als letztes Zuhause konzipiert. Hier lässt sich der Tod nicht mehr verleugnen und man muss akzeptieren, dass es sich um den letzten Lebensabschnitt handelt. Das Wohlbefinden und die bestmögliche Lebensqualität stehen im Vordergrund.“ Die Politik reagierte, wie sie es in solchen Fällen gerne tut: Sie forderte eine Bedarfsstudie und schickte die Visionäre zwischen den Abteilungen hin und her. „Wir waren lange in diesem Karussellspiel der Zuständigkeiten gefangen, denn wo etwas neu ist, kann der Bedarf nur schwer beziffert werden.“
22. VORARLBERGER HOSPIZ- UND PALLIATIVTAG
„Grenzgänge am Lebensende“
Sa, 08.11. 8.30 - 16 Uhr im Kulturhaus Dornbirn
Entwicklungen am Lebensende ähneln
Grenzgängen – mehrdeutige und widersprüchliche Situationen müssen ertragen und akzeptiert, unsichere und unvorhersehbare Ereignisse durchgestanden werden. Verschiedene Aspekte von Grenzerfahrungen werden bei dieser interdisziplinären Tagung von renommierten Fachleuten beleuchtet und vertieft. Organisiert wird der Tag vom Bildungshaus Batschuns, eingeladen sind alle im Gesundheitsbereich und in der Hospizbegleitung Tätigen sowie Interessierte.
Info & Anmeldung: T 05522 442 90-0 bildungshaus@bhba.at
LÖSUNGEN
Schachecke
„Je mehr Menschen sich dazu bekennen, desto mehr Kraft hat so eine Einrichtung.“
Wundervoll und wundersam
Obwohl Karl Bitschnau von einem wundervollen Team unterstützt wurde, das sein Anliegen über Jahre mittrug, und es bereits erste Spenden gab, als das Land noch nicht so weit war, stellte sich bei ihm auf dem Weg zum Stationären Hospiz Erschöpfung ein und er wollte seinem Vorgesetzten eingestehen: „Es tut mir leid, ich habe jahrelang dafür gekämpft, aber das wird nichts.“ Umso unglaublicher erschien es ihm, als kurz darauf Gesundheitslandesrat Christian Bernhard das ehemalige Sanatorium in der Mehrerau als möglichen Standort für ein Hospiz ins Spiel brachte – für Bitschnau bis heute ein kleines Wunder. Von da an sei alles erstaunlich schnell gegangen: Großsponsoren und Gönner:innen fanden sich, eine Baustein-Aktion holte die Zivilgesellschaft ins Boot. „Je mehr Menschen sich dazu bekennen, desto mehr Kraft hat so eine Einrichtung“, ist der Hospiz-Pionier überzeugt. 2018, nach 24 Jahren Engagement, wurde nach all den anderen Hospiz-Diensten das „Hospiz am See“ eröffnet – „sicher eines meiner größten Highlights“, resümiert Karl Bitschnau. 30 Jahre leitete er Hospiz Vorarlberg bis zu seiner Pensionierung und war davon sieben Jahre lang administrativer Leiter im „Hospiz am See“.
Eine gesellschaftliche Bewegung
Auf die Frage, ob er sich als „Visionär“ sehe, antwortet der Neo-Pensionist schmunzelnd: „Man muss schon ein wenig verrückt sein, um so lange dranzubleiben.“ Zugleich relativiert er: „Es war letztlich eine gesellschaftliche Bewegung – ohne die vielen Menschen, die sich seit Jahrzehnten im Hospizbereich in Vorarlberg engagieren, wäre das alles nicht möglich gewesen.“
Einen letzten Wunsch hat er dennoch: ein Tageshospiz für schwerkranke, mobile Menschen, „denen zuhause die Decke auf den Kopf fällt“. Diesen Lückenschluss werde er selbst aber nicht mehr umsetzen.
1.Lc5! Danach ist schwarzer Materialverlust unvermeidbar. 1...Dd8 [Auch nach 1...Dd7 2.Lxf8 Kxf8 3.Tfd1 hat Weiß wie in der Partie eine Qualität und einen Bauern mehr.] 2.Lxf8 Dxf8 3.Tfb1!? Der präziseste Gewinnzug. 3...g6 4.Txb2 Lxb2 5.Tb1 Db4 Zieht der angegriffene Läufer, entscheidet 6.Tb8. 6.Db7!? Dieser Zug erzwingt den Damentausch; das entstehende Endspiel ist für Schwarz völlig hoffnungslos.
2
3 1
1...Sg4! Der Springer nimmt die Schwächen f2 und h2 ins Visier. 2.Le3 [Etwas mehr Widerstand leistet 2.Df3, obwohl auch dann Schwarz nach 2...Dh4 3.h3 Sxf2+! 4.Kh2 Lg4 5.Dg3 Dxg3+ 6.Kxg3 Sxd3 7.cxd3 Le6 eine Gewinnstellung hat.] 2...Dh4 [Natürlich gewinnt auch das humorlose 2...Lxe3 3.fxe3 Sxe3 4.Df3 Sxf1 5.Txf1 0-0 problemlos.] 3.h3 Sxe3 4.fxe3 Lxh3! Schwarz hat entscheidenden Vorteil, da 5.gxh3 an 5...Dxh3+ 6.Kg1 Lxe3+ 7.Tf2 Dg3+ scheitert. 1.b5! Dieses Bauernopfer ist der einzige Gewinnweg. 1...h3 [Die Annahme des Opfers mit 1...axb5 funktioniert nicht wegen 2.c6! bxc6 3.a6! und der a-Bauer macht das Rennen.] 2.Kf3 Sf7 [Auf 2...Kd4 ist 3.c6! für Weiß der einfachste Weg zum Sieg.] 3.c6! Der Anziehende hat alles exakt berechnet und spielt präzise. 3...Sd6 4.cxb7! Sxb7 5.bxa6 Schwarz gibt auf, da der Randbauer nicht aufzuhalten ist.
Rechenrätsel Für Anfänger = 27 Für Fortgeschrittene = 156 Für Genies = 484
Das Unbeachtete im Fokus – das was in den Mauerritzen, am Straßenrand, zwischen Pflastersteinen wächst. Ein Plädoyer gegen Bodenversiegelung, ein Hoch auf das Zarte und Filigrane –und die Widerstandskraft!
AUS DEN FUGEN
Die Künstlerinnen Karin Nussbaumer und Ursula Dünser haben über zwei Jahre hinweg unscheinbare Pflanzen – „stille Zeugen der Natur“ – gesammelt und behutsam getrocknet. Ihre daraus entstandenen Werke präsentieren sie nun umgeben von Asphalt und Verkehr unter dem Titel „Aus den Fugen“ in der Kunstbox am Jahnplatz sowie in der James-Joyce-Passage in Feldkirch.
Fotos von Miro Kuzmanovic
Lösen Sie es in 60 Sekunden
Beginnen Sie die Kopfrechnung mit der Zahl im Feld ganz links. Rechnen Sie von links nach rechts – Kästchen für Kästchen. Die Lösung im leeren Feld rechts eintragen. Jede Rechnung unabhängig von der Schwierigkeit sollte in weniger als 60 Sekunden gelöst werden. Keinen Taschenrechner verwenden!
SCHACHECKE
Am 10. Oktober begann die 2. Bundesliga West ihre Spielsaison 2025/26. Geplant war ursprünglich ein Teilnehmerfeld mit je vier Mannschaften aus Salzburg, Tirol und Vorarlberg. Doch der Salzburger Landesverband entsandte nur drei Teams, sodass in dieser Saison lediglich elf Vereine an den Start gehen.
Diese ungerade Zahl ist alles andere als ideal: In jeder Runde bleibt eine Mannschaft spielfrei, was den Rhythmus stört und die Tabellenlage während der Saison unübersichtlich macht.
Trotz der wenig erfreulichen Ausgangslage bot das Auftaktwochenende mit den „internen“ Begegnungen in den drei Bundesländern zahlreiche interessante und spannende Partien. In Vorarlberg stellte der Schachklub Hohenems seine Klubräume als Spielstätte zur Verfügung. Für einen ruhigen und professionellen Ablauf sorgte der Internationale Schiedsrichter Stephan Hofer, der die Runden souverän und umsichtig leitete.
Terminüberschneidungen mit der Europäischen Mann-
Fabian Ferster (Hohenems)
Thomas Würth (Dornbirn)
2. Bundesliga West, Hohenems 2025
Wie erreicht Weiß am Zug entscheidenden Materialvorteil?
schaftsmeisterschaft und der Schweizer Nationalliga B trafen insbesondere die Teams aus Dornbirn und Hohenems. Umso bemerkenswerter ist der Auftakt von Götzis: Mit drei Siegen aus ebenso vielen Runden setzte sich die Mannschaft allein an die Tabellenspitze – als einziges Team kann Götzis diese makellose Bilanz vorweisen. Für eine Vorarlberger Doppelführung sorgt Hohenems, das mit zwei Mannschaftserfolgen und den meisten Brettpunkten die Verfolgergruppe anführt.
Angesichts der angespannten Personalsituation kann Dornbirn mit einem Sieg und dem damit verbundenen siebten Rang durchaus zufrieden sein. Dem Aufsteiger SonnenbergNüziders blieb hingegen zunächst ein zählbarer Erfolg verwehrt, doch es ist zu erwarten, dass sich die junge Mannschaft im Verlauf der Meisterschaft noch steigern wird.
Zum Abschluss präsentieren wir drei ausgewählte Stellungen aus Partien des Auftaktwochenendes in Vorarlberg. Viel Freude beim Lösen dieser Kombinationen!
Fynn Bösch (Dornbirn)
Erich Laske (Götzis)
2. Bundesliga West, Hohenems 2025
Wie erlangt Schwarz am Zug entscheidendes Übergewicht am Königsflügel?
Emilian Hofer (Hohenems)
Mario Leitgeber (Sonnenberg-Nüziders)
2. Bundesliga West, Hohenems 2025
Wie gewinnt Weiß am Zug dieses Springerendspiel?
Lösungen auf Seite 25
VOM ICH ZUM WIR –
UND WAS DAS GUTE LEBEN MIT DEMOKRATIE ZU TUN HAT
Ein Wochenende lang tauchen nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Menschen in einen besonderen Dialog- und Verhandlungsraum ein. Der jüngste Bürger:innen-Rat, ein Beteiligungsformat mit langer Tradition in Vorarlberg, beschäftigte sich mit dem Thema Demokratie. Dabei ging es nicht nur um „Politik von oben“, sondern darum, wie sie von innen heraus – von jeder und jedem – mitgestaltet werden kann. Judith Lutz hat mit zwei Teilnehmenden über ihr persönliches Demokratieexperiment gesprochen.
Text: Judith Lutz, Fotos: Alexandra Serra, 7pro
Ein Wochenende Ende September. Freitag, früher Nachmittag. Zwanzig Menschen, die sich bis dahin nicht kannten, kommen in einem Sesselkreis zusammen. Es ist der Beginn einer gemeinsamen Reise gelebter Demokratie.
Die Teilnehmenden sind keine Politiker:innen oder Politikwissenschafter:innen, sondern Menschen wie du und ich, denen Zustand und Zukunft der Demokratie nicht egal sind. Sie beschäftigen sich mit einer zentralen Frage: Was braucht unsere Demokratie, damit möglichst viele Menschen mitgestalten, neue Wege der Beteiligung entstehen und wir sie gemeinsam stark und widerstandsfähig machen – heute und für die Zukunft?
Gudrun, pensionierte Volksschullehrerin aus Dornbirn, schaut in die Runde. Neben ihr eine junge Jura-Studentin, gegenüber ein Handwerker. „Ich habe mich sofort willkommen gefühlt“, sagt sie. „Wir waren alle unterschiedlich, und trotzdem hat es sich angefühlt, als säßen wir im selben Boot.“ Martin, Unternehmer aus Lustenau, ist von Anfang an offen für den Prozess. „Ich hatte schon von Bürgerräten gehört, aber nie gedacht, dass ich selbst einmal dabei bin. Nach einer Stunde war ich völlig positiv überrascht. Ich hab nicht gedacht, dass das so flutscht. Es war einfach … anders.“
Einladung mit überraschendem Absender
Der Beginn liegt Wochen zuvor, in einem weißen Kuvert. Absender: Landeshauptmann Markus Wallner. „Als der Brief kam, habe ich mich richtig geehrt gefühlt“, erinnert sich Gudrun. „So, als würde ich zu etwas Wichtigem eingeladen.“ Auch Martin war überzeugt: „Wenn du da nicht hingehst, darfst du nie mehr ehrlich über Demokratie mitreden.“
Für Gudrun, die Jahrzehnte Kinder unterrichtet hat, ist Demokratie ein roter Faden ihres Lebens. „Ich hab oft das Gefühl gehabt, dass Menschen, die wirklich betroffen sind, viel zu wenig gefragt werden.“ Diese Haltung – Verantwortung für kommende Generationen zu übernehmen – teilen viele der Teilnehmenden.
Wie aus Individuen Gemeinschaft wird Der Rat folgt klaren Regeln: Wer spricht, wird nicht unterbrochen. Im Zentrum steht Zuhören. Wertschätzung statt Schlagabtausch. „Das war richtig wohltuend“, sagt Martin. „Keiner hat dazwischengequatscht. Haltungen und Meinungen konnten nebeneinanderstehen. Genau das ist Demokratie.“
Im Alltag eskalieren Diskussionen oft schnell, wenn unterschiedliche Haltungen aufeinandertreffen. Im Bürger:innen-Rat war das anders. „Hier konnte man minutenlang sprechen, ohne dass gleich jemand dazwischenredet. Diese Ruhe und Offenheit haben vieles verändert“, sagt Gudrun.
Sie erinnert sich besonders an ein Thema: politische Bildung. „Natürlich ist das wichtig, aber es wird zu viel an die Schulen abgewälzt. Diesen Unmut konnte ich teilen.“ Martin nickt: „Und durch dein Statement wurde mir das erst bewusst. Da hat sich in mir was verändert.“
Was am Freitag tastend beginnt, wird am Samstag zu einem gemeinsamen Ringen um Sprache, Ideen und Werte. „Am Anfang frägst du: Was will ich sagen?“, beschreibt Martin. „Aber irgendwann merkst du: Wir haben eine gemeinsame Verantwortung. Es geht nicht mehr nur um mein Argument, sondern um unser Bild.“
Ein Höhepunkt entsteht, als die Ergebnisse vom Moderationsteam auf Flipcharts verdichtet werden. „Da standen plötzlich unsere vielen, emotionalen Statements ganz sachlich da. Es war minutenlang still. Ich dachte mir: Wie, das war’s jetzt? Und dann sind wir ins Gespräch gekommen, haben Formulierungen umgedreht, ergänzt und gemeinsam gesucht, bis es sich für alle stimmig angefühlt hat“, erinnert sich Gudrun. „Das war kein Konsumieren – das war Mitgestalten.“
Demokratie spüren – und das gute Leben
Im Laufe des Prozesses geht es nicht nur um abstrakte Themen wie Gewaltenteilung oder Medien, sondern darum, wie Demokratie sich anfühlen kann. „Allein, dass 20 Menschen so intensiv über Demokratie reden, bewirkt etwas“, sagt Gudrun. „Man spricht an-
„Keiner hat dazwischengequatscht. Haltungen und Meinungen konnten nebeneinanderstehen. Genau das ist Demokratie.“
Martin, Unternehmer aus Lustenau
Martin beim „Bürger:innen-Café“, der öffentlichen Ergebnispräsentation vor Politik, Verwaltung und Interessierten.
„Ich hab oft das Gefühl gehabt, dass Menschen, die wirklich betroffen sind, viel zu wenig gefragt werden.“
Gudrun, pensionierte Volksschullehrerin aus Dornbirn
„Aber irgendwann merkst du: Wir haben eine gemeinsame Verantwortung. Es geht nicht mehr nur um mein Argument, sondern um unser Bild.“
Martin, Unternehmer aus Lustenau
Gudrun
Zwanzig Menschen, die nach dem Zufallsprinzig ausgewählt wurden, nahmen an dem Bürger:innen-Rat teil.
schließend mit Familie, Bekannten, und plötzlich wird klar, dass Demokratie kein Selbstläufer ist.“
Martin beschreibt es so: „Du gehst da rein als Einzelperson. Aber du kommst raus mit einem Wir-Gefühl. Jeder ist verändert, weil er erlebt hat, dass seine Meinung Gewicht hat – und gleichzeitig, dass sie nur im Zusammenspiel mit anderen stark wird.“
Gegen Ende des ersten Tages taucht eine Szene auf, die den Prozess in eine neue Tiefe führt. Eine Frau, die bisher geschwiegen hat, sagt leise zu Gudrun: „Du traust dich, vor den Menschen zu reden. Ich möchte auch etwas sagen, aber ich fühle
„Demokratie entsteht da, wo Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Das haben wir erlebt. Und das wünschen wir uns auch von der Politik.“
mich so unsicher.“ Später meldet sie sich tatsächlich. „Ihr hat bei allem, was gesagt wurde, ein Punkt gefehlt: die Eigenverantwortung“, erzählt Gudrun. „Dass jeder Verantwortung trägt für unsere Gesellschaft und für das Funktionieren der Demokratie.“
Der Moderator greift ihre Worte auf. Und plötzlich schwingt etwas Neues im Raum mit: Demokratie ist nicht nur ein System, sondern eine Haltung. Es geht um das Leben, das wir gemeinsam gestalten. Um das gute Leben – für mich, für dich, für uns.
Begegnung statt Schlagabtausch
Was beide besonders beeindruckt hat, war die Atmosphäre. Kein Kampf um Redezeit, kein Taktieren. „Von Anfang an war da gegenseitiger Respekt“, sagt Gudrun. „Jede Meinung hatte ihre Berechtigung – von der jungen Frau bis zum Pensionisten.“
Martin ergänzt: „Das war ein anderes Niveau. Frei von der Leber weg reden, ohne Taktieren. Das fehlt uns oft in der politischen Gesprächskultur.“
Gleichzeitig wurde klar: Auch wenn viele verschiedene Positionen im Raum waren, gab es eine gemeinsame demokratische Grundhaltung. „Vielleicht müssen wir genau jene Stimmen auch hören, die gefehlt haben, damit wir Lösungen für
Demokratie ist nicht nur ein System, sondern eine Haltung. Es geht um das Leben, das wir gemeinsam gestalten. Um das gute Leben. Für mich, für dich, für uns.
Themen finden, bei denen wir angestanden sind“, sagt Gudrun.
Als die beiden am Samstagabend nach Hause fahren, sind sie aufgewühlt, im besten Sinne. „Meine Frau hat mich gefragt, was mit mir passiert ist. Ich war richtig euphorisch“, sagt Martin. Gudrun reflektiert: „Ich habe durch den Prozess kein zusätzliches Vertrauen in die Politik gewonnen“, sagt sie. „Aber in Menschen. Und das ist vielleicht der Anfang.“
Wie es weitergeht? „Ich bin gespannt, wie ernst das genommen wird“, sagt Gudrun. „Aber schon allein dieses Miteinander war wichtig.“ Martin ergänzt: „Wir stehen als Gruppe hinter den Ergebnissen. Demokratie entsteht da, wo Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Das haben wir erlebt. Und das wünschen wir uns auch von der Politik.“
Ob sich durch die Teilnahme für Gudrun und Martin etwas verändert hat? Beide schütteln den Kopf und sind sich einig: Die Bedeutung von Demokratie ist ihnen aber noch klarer geworden. Ob sie wieder teilnehmen würden? Definitiv.
Der Bürger:innen-Rat ist ein Beteiligungsformat, das in Vorarlberg seit 2006 eingesetzt und 2013 in die Landesverfassung aufgenommen wurde. Per Zufallsauswahl werden Bürger:innen eingeladen, gemeinsam an gesellschaftlich relevanten Fragen zu arbeiten und Positionen auszuarbeiten, die als Rat an die Politik fungieren. Dieser Bürger:innen-Rat war der erste, der vom Vorarlberger Landtag selbst initiiert wurde. Daneben ist es auch möglich, durch die Sammlung von 1000 Unterschriften einen Bürger:innerat in die Wege zu leiten. Die Landesregierung muss sich mit den Ergebnissen befassen; eine umfassende Dokumentation wird derzeit erarbeitet und öffentlich zugänglich gemacht. Weitere Informationen & die konkreten Ergebnisse unter „vorarlberg.at/-/bürgerrat-„demokratie-werkstatt-“
FACTBOX
Aktiv gegen Gewalt an Frauen
Weil sich die erschreckenden Zahlen kaum verändern – jede 3. Frau* ist ab ihrem 15. Lebensjahr von körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen, und auch 2025 wurde in Österreich bisher monatlich mindestens eine Frau ermordet, nur weil sie eine Frau ist – bleibt die internationale UN-Kampagne „Orange the World – 16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ ein wichtiges Zeichen. Zwischen dem 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen*, und dem 11. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, finden in Vorarlberg wieder zahlreiche Veranstaltungen statt.
Auswahl:
// Do 27.11., 17.30 Uhr, FHV Dornbirn: Mahnwache & Schweigemarsch, anschließend Lesung im WirkRaum der Caritas.
// Briefkastenaktion der youngCaritas und Caritas Startbahn: Fünf orange Kästen laden zwischen 25.11. und 10.12. an Schulen zum Schreiben von Mutbotschaften an von Gewalt betroffene Frauen* und Mädchen* ein.
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PHILOSOPHIE OHNE ELFENBEINTURM
Mitten im Stadtzentrum von Dornbirn, oberhalb des dm in der Marktstraße, gibt es einen Ort für „alltagstaugliche Philosophie“. Hier ist der Verein „Neue Akropolis – Schule der Philosophie“ untergebracht – Teil einer weltweiten Organisation, die sich in der Kunst des guten Zusammenlebens übt. Die theoretischen Schriften von Sokrates, Konfuzius oder Kants sind dabei weniger wichtig als der Aspekt, was ihre Erkenntnisse ganz praktisch für unseren Alltag bedeuten. Leiter Gyula Horváth und Vereinsmitglied Angelika Kresser über das Glück, einen solchen Treffpunkt zu haben.
Text: Simone Fürnschuß-Hofer Fotos: Frank Andres
Gegründet wurde die „Neue Akropolis“ als zeitlose „Schule der Philosophie“ 1957 in Buenos Aires. Weltweit existieren inzwischen über 500 Zentren in mehr als 50 Ländern auf allen fünf Kontinenten. Seit 2008 auch in Dornbirn, wo Gyula Horváth die Leitung innehat. Er selbst kam mit der Organisation an seinem ehemaligen Wohnort Budapest zum ersten Mal in Berührung und absolvierte dort den Basiskurs. Als er 2013 nach Dornbirn zog, freute er sich über die Möglichkeit, in der neuen Heimat den philosophischen Dialog weiterhin pflegen zu können. Mit ihm und Angelika Kresser, ebenfalls langjähriges Mitglied des Vereins, haben wir uns anlässlich des Welttags* der Philosophie zum Austausch getroffen.
marie: Eine „Schule der Philosophie“ – was versteht ihr darunter?
Gyula Horvath: Wir definieren uns als Richtung der Naturphilosophie, die das Wesen der Dinge erfassen will. Die Philosophie an sich wird meist als etwas sehr Theoretisches wahrgenommen. Der Gründer von „Neue Akropolis“ wollte einen praktischen Zugang dazu finden und deshalb lautet unser Motto: „Wir leben Philosophie“. Es geht also nicht nur darum, wer wo was gesagt hat, sondern vor allem üben wir uns darin, wie wir diese Erkenntnisse im Alltag umsetzen können.
Legt ihr dabei den Fokus mehr auf Kurse und Ausbildung oder auf den Dialog untereinander?
Gyula Horváth: Beides ergänzt sich. Im Basiskurs werden wir in praktischer Philosophie geschult –das ist sehr lebensnah und an Alltagsthemen orientiert. Wir fragen uns: Wie schaffe ich ein gelungenes Leben, ein gutes Zusammenleben, eine sinnvolle Zukunft? Im Austausch untereinander finden wir die Möglichkeit zu praktizieren, denn klar ist: Es gibt keine schnellen Lösungen, keine einfachen Antworten. Die Philosophie verstehen wir als lebenslangen Weg.
Angelika Kresser: Mich berührt, dass es an diesem Ort eine Gemeinschaft gibt, die sich wichtigen Lebensthemen stellt, die das Menschsein betreffen. In all diesen Themen brauchen wir das Gegenüber, den Austausch, andere Sichtweisen.
Gyula Horváth: Ja, wir haben unterschiedliche Hintergründe und Sichtweisen – das führt unweigerlich zu Wertediskussionen. Manchmal ist es konfrontativ und genau da beginnt der innere Dialog, der den äußeren Dialog unterstützt. Durchs Gespräch kommen wir vielleicht auf einen dritten Wert, der uns gemein ist.
Angelika Kresser: Der Transfer der philosophischen Praxis in den Alltag ist mir persönlich sehr wichtig. Dazu gehört zu erkennen, wie mein Denken und Handeln das Außen beeinflusst oder zumindest Impulse setzt. Innehalten zu lernen im ständi-
Gyula Horváth, 46, ist in einem kleinen Dorf in Ungarn auf gewachsen und studierte Softwareentwicklung in Budapest. Seit 2013 lebt er in Dornbirn und hat inzwischen die österreichische Staatsbürgerschaft. Auch in seinem Brotberuf als Softwareent wickler bei der Stadt Dornbirn gibt er dem Philosophen in ihm viel Raum: „Entwickler zu sein ist eine Sache, aber den Kunden, den Menschen mit seinem Anliegen zu verstehen, ihm zuzu hören, darin liegt der Mehrwert.“
Angelika Kresser, Dornbirn, 67, pensionierte Bürokauffrau, ist seit 2011 beim Treffpunkt Philosophie in Dornbirn aktiv.
gen Ringen und Auseinandersetzen mit dem, was mich bewegt. Den Dingen auf den Grund gehen zu wollen. Kommunikation ist ein ewiges Lernen, ein tagtägliches Übungsfeld. Mich dabei in Gemeinschaft in einem geschützten Raum ausprobieren zu können, gerade auch als Erwachsene, das ist kostbar. Es bedeutet, sich selbst besser kennenzulernen und die eigenen Grenzen auszuweiten.
Gyula Horváth: Wenn ich einem anderen Menschen begegne, sehe ich dann nur die äußere Ebene, die Kleidung, den sozialen Status oder sehe ich seine Werte und Tugenden? Sobald ich mir die Mühe mache, den Menschen und nicht nur die Erscheinung zu sehen, dann passiert etwas, das eröffnet neue Zugänge, Potenziale, Hoffnung.
Wer fühlt sich von eurem Angebot angesprochen?
Gyula Horváth: Wir haben ein paar wenige junge Leute Anfang 20, aber der Großteil ist 60 plus und es sind insgesamt mehr Frauen als Männer. Wir haben eine realistische, aber hoffnungsvolle Grundhaltung. Wir suchen nicht die Leute, die jammern, sondern laden alle ein, die Verantwortung übernehmen und etwas bewegen wollen. Es geht nicht um Selbstoptimierung, nicht um die Absicht, besser zu werden und zu glänzen, sondern ums Menschsein und uns verbindende Werte.
Angelika Kresser: Viele haben Hemmungen, in Kontakt mit uns zu treten. Sie sagen, sie seien „zu wenig g‘scheit“ dafür, Philosophie sei etwas Kompliziertes, nur für Intellektuelle. Leider wurden viele Aspekte aus der Philosophie ausgelagert – hinüber in die Psychologie, sodass mit der Philosophie nur noch verbunden wird, wer was wann gesagt hat. Wir orientieren uns hier in unserer Schule aber am Verständnis der Antike, wo Theorie und Praxis, das
Denken und das Handeln, nicht getrennt, sondern eins waren. Wer nicht nach seinem Denken handelte, war verpönt – das hat sich heute doch sehr verändert.
Gyula Horváth: Die Menschen hätten gerne sowas wie eine rote Pille, mit der alles schnell erledigt ist. Die Philosophie ist jedoch wie gesagt ein langsamer, dafür auch ein sicherer Weg. Jede Erfahrung kann mit dem eigenen Gewissen überprüft und gefestigt werden. Das braucht Zeit, aber dadurch gewinnen wir an Tiefe. Es geht um Eigenverantwortung, nicht um den Anspruch, recht zu haben. Eher freue ich mich, mich geirrt zu haben – weil ich einsehe, etwas nicht gesehen zu haben. Dann habe ich einen Schritt gemacht.
Nun ja, das mit den Fehlern liegt uns nicht so.
Gyula Horváth: Die Unvollkommenheit der Welt an sich ist etwas, mit dem wir uns schwertun.
Und natürlich auch die Fehler-Unkultur innerhalb des Bildungssystems. Da eine Alternative zu zeigen, es wäre anders auch möglich, diese Prägungen zu überschreiben, das ist die Herausforderung. Und gleichzeitig das Schöne. Weil ich erkennen darf, ich bin ja doch nicht nur ein Arbeitstier.
Was bietet ihr als Verein ganz konkret an?
Gyula Horváth: Jedes Semester einen Einführungskurs mit 19 Abendeinheiten für Anfänger, für die Fortgeschrittenen einen Kurs mit Fokus auf die Themen der Psychologie, außerdem bieten wir regelmäßig eine Einführung in die Weisheit des Orients an sowie auch Kurse zu praktischer Philosophie – die Liste ist lang. Einmal in der Woche findet ein Kursabend statt, einmal im Monat treffen wir uns zum freiwilligen Dienst. Denn wir stemmen alles mit unseren Mitgliedern, von der Reinigung über das Finanzielle bis hin zur Pflege der Bibliothek. Mit vier Jahreskreisfesten und weiteren Vereinsanlässen gibt es außerdem wunderbare Möglichkeiten, sich zu treffen und anzustoßen.
Und wenn ich merke, dass es „doch nicht meins“ ist?
Gyula Horváth: Dann kann man jederzeit wieder aussteigen. Wir bevorzugen zwar die aktive Mitgliedschaft, aber wie alles basiert auch diese auf Freiwilligkeit.
*Der Welttag der Philosophie möchte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf philosophische Fragen lenken und wird weltweit am dritten Donnerstag im November begangen – heuer am 20. November. Das Datum markiert gleichzeitig das 10. Jubiläum der Langen Nacht der Philosophie.
Die „Neue Akropolis“ wurde 1957 in Buenos Aires vom Historiker und Philosophen Jorge Angel Livraga Rizzi ins Leben gerufen. In Österreich gibt es die Organisation seit 1978 (erste Vereinsgründung in Wien), den Verein in Dornbirn seit 2008, derzeit zählt er 13 Mitglieder. Eine Mitgliedschaft kostet 65 Euro/Monat. Die Organisation ist politisch und religiös unabhängig.
MARIA – EIN ROADMOVIE
Veranstaltungen im November 04.11., 18 - 19 Uhr: Infostunde zum Basiskurs „Abenteuer Philosophie“ 14.11., 18 - 21 Uhr: Kurzseminar: Viktor Frankl und die Philosophie des Sinns 20.11., 19 - 21 Uhr:
Lange Nacht der Philosophie / Workshop: Frage dich neu – Wie entsteht dein Ich von morgen?
Veranstaltungen können auch ohne Mitgliedschaft besucht werden.
Kontakt: Neue Akropolis – Schule der Philosophie, Dornbirn, Marktstraße 22 dornbirn@treffpunkt-philosophie.at
Weitere Infos: neueakropolis.at
walktanztheater mit neuer Produktion: Maria. On the road mit unserer rumänischen Pflegerin. Eine lange Reise zwischen Vorarlberg und Temeswar, die Verbindung zweier Welten, das Begleiten in das Alter und das Ende. Poetisch-heiteres Stück über Liebe, Hingabe, Tod ... und Reisen.
Drei Jahre lang arbeitete Maria A. aus Timisoara/Rumänien in Vorarlberg, fuhr 20 Stunden in einem Kleinbus von einem Provinzdorf nach Feldkirch, alle vier Wochen hin und retour.
Sie kümmerte sich intensiv um die zentrale Person in einer fremden Familie, dann wieder einen Monat lang um ihre eigene Familie.
Eine Koproduktion mit dem Teatrul Basca in Temesvar
Tickets: karten.feldkirch-leben.at
Ein Frauenleben zwischen Hingabe und Ausbeutung, zwischen Anpassung und extremem Druck wird erforscht. Der Blickwinkel ist immer der liebevolle Umgang und der professionelle Einsatz für andere Menschen. Wo bleibt eine Maria persönlich, was bleibt ihr, wohin verschwindet sie vor lauter Pflege, Aufopferung, Zuwendung? Es interessiert sowohl der ganz nahe Blick auf eine bestimmte Person als auch der größere Zusammenhang von europäischen ökonomischen Ungleichheiten, die vor allem Frauen betreffen.
Die Geschichte einer besonderen Form von Migration, Gastarbeit und Arbeitsverhältnissen.
Kunstausstellung und Versteigerung „Aus den Angeln“
Kunstschaffende aus Vorarlberg haben 14 alte Türen künstlerisch transformiert und stellen den Erlös dem Verein Spiellernraum zur Verfügung. Anlass ist das zehnjährige Bestehen des Vereins – gegründet, um Kinder und Jugendlichen, die auf verschiedenste Art „aus den Angeln gehoben und aus der Bahn geworfen wurden“ Therapie zu ermöglichen.
Wir haben Roland Adlassnigg im Atelier für Außergewöhnliche Angelegenheiten in der CampusVäre in Dornbirn besucht. Hier wird den beteiligten Künstler:innen Raum gegeben, ihre Tür-Kunstwerke zu erschaffen. Im Bild: Roland Adlassnigg mit Künstlerin Ruth Gschwendtner-Wölfle
Projektleiterin Birgit Drexler, Kunsttherapeutin und Kooperationspartnerin des Vereins Spiellernraum, erzählt, wie es zur Idee kam: „Meine große Türensammlung wartete schon lange auf einen passenden Anlass –und bildete den idealen Ausgangspunkt, um mit einem Kunstprojekt auf das Jubiläum und den Verein aufmerksam zu machen.“ Besagte Türen stammen aus dem ehemaligen Ferienheim des Vorarlberger Kinderdorfes in Dafins, die Birgit Drexler im Zuge der Renovierung vor der Entsorgung rettete. Und sie stehen sinnbildlich für das Anliegen des Vereins: „Die Räume in Dafins haben über viele Jahre Kindern Erholung, Trost und schöne Erlebnisse geschenkt und die Erfahrung von Gemeinschaft, Zuwendung, Hoffnung und seelischer Gesundung.“ Außerdem passe die vieldeutige Türsymbolik zum Spiellernraum – einem Verein, der in ganz Vorarlberg Türen zu Therapieräumen öffnet und finanzschwachen Familien den Zugang zu Therapien ermöglicht. Weitere Infos: www.spiellernraum.at
Ausstellungsdauer: 25. bis 28.11. im Foyer des Landhaus Bregenz Vernissage/Finissage und Versteigerung: Fr, 28.11., 18 Uhr mit Landesrätin Dr. Barbara Schöbi-Fink, Monika Schwärzler, Spiellernraum-Gründerin und Hubert Matt, Kunst & Philosophie; Musik von Markus Kreil, Versteigerung durch Manfred Heller Beteiligte Künstler:innen: Adlassnigg Roland, Delacher Ingrid, Gschwendtner-Wölfle Ruth, Langebner Peter, Vith Georg, Vith Klara, WolfGeorg
Politisches Nachtgebet anlässlich der Welt-Klimakonferenz 2025
Das Politische Nachtgebet richtet sich gegen die Zerstörung von Lebensräumen und ungerechte Ressourcenverteilung und findet am 19. November in Dornbirn statt.
18.30 h: Politisches Nachtgebet, mit Pfarrer Elmar Simma: „Gemeinsam Hinhören“ auf die Not der Armen und Benachteiligten und die ausgebeutete Schöpfung. Katharina Drexel Kapelle, Pfarre Hatlerdorf, Mittelfeldstraße 3.
19.30 h: Vortrag von Frau Prof. Dr.in Verena Winiwarter (Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Vorsitzende des Rates der Sachverständigen für Umweltfragen der Stadt Wien) im Pfarrsaal Hatlerdorf.
21.30 h: Politische Aktion: Mahnwache am Marktplatz Dornbirn mit Verlesen des Appells an die Vorarlberger Landesregierung und alle Bürger:innen.
Vortrag: Picky Eating – wählerisches Essverhalten bei Kleinkindern
Was kann man tun, wenn das eigene Kind ein wählerischer Esser ist? Wie geht man am besten mit einem solchen Essverhalten um? Lässt sich wählerischem Essverhalten vorbeugen?
Ausführliche Filmrezensionen zu Mainstream- ebenso wie zu Arthausfilmen und einen Filmclubkalender finden Sie unter www.film-netz.com
Die Schattenjäger – Les fantômes
Ein dem Assad-Regime entkommener Syrer jagt in Mitteleuropa einen der desertierten Folterknechte: Jonathan Millet gelingt mit seinem Spielfilmdebüt ein hochspannender, konzentrierter Mix aus Thriller und Psychodrama, der quälend intensiv von Traumatisierung, Exil und dem Wunsch nach Vergeltung erzählt.
→ Kinothek extra in der Kinothek Lustenau: Mi 05.11., 20 Uhr (franz. O.m.U.)
Der phönizische Meisterstreich –The Phoenician Scheme
Der Texaner Wes Anderson bleibt sich auch bei seinem zwölften langen Spielfilm treu: Wiederum erzählt er eine sehr skurrile Familiengeschichte und unverwechselbar ist seine Form mit Puppenkastenperspektive und penibel arrangierten und ausgestatteten, oft symmetrischen Einstellungen. Dazu kommt wie gewohnt ein erlesenes Ensemble, bei dem selbst Stars wie Bill Murray, Willem Dafoe oder Scarlett Johansson nur in kleinsten Rollen zu sehen sind.
→ LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 05.11., 19 Uhr (engl. O.m.U.)
Das tiefste Blau – O último azul
In einem zukünftigen Brasilien werden alte Menschen zwangsweise in eine Kolonie abgeschoben. Die 77-jährige Tereza widersetzt sich aber diesem Befehl und bricht zu einer Reise auf dem Amazonas auf: Atmosphärisch dichtes, melancholisches und warmherziges Flussmovie, das von seiner großartigen Hauptdarstellerin Denise Weinberg getragen wird.
→ Kinothek extra in der Kinothek Lustenau: Mo 10.11., 18 Uhr + Mi 19.11., 20 Uhr (portug. O.m.U.)
→ FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 10.12., 18 Uhr + Do 11.12., 19.30 Uhr (portug. O.m.U.)
Eternal You – Vom Ende der Endlichkeit
Ein großer Traum ist es für viele, noch einmal mit einem lieben Verstorbenen zu sprechen, sich von einem abrupt aus dem Leben gerissenen Verwandten oder Bekannten zu verabschieden: KI verspricht hier neue Möglichkeiten, doch wie sind diese zu beurteilen? Ohne zu werten, bieten Hans Block und Moritz Riesewieck in ihrem hochaktuellen Dokumentarfilm einen facettenreichen Einblick in die Perspektive von User:innen ebenso wie Produzenten der Software und Kritiker:innen und werfen Fragen nach ethischen Grenzen des technologischen Fortschritts auf.
→ Club Vaudeville, Lindau: Di 11.11., 19.30 Uhr (korean.-engl. O.m.U.)
Zu den Klassikern der Filmgeschichte gehört Charlie Chaplins 1925 entstandener Stummfilm über den Tramp, der während des Goldrauschs im Alaska des ausgehenden 19. Jahrhunderts zunächst das Glück sucht, sich bald aber nur noch mit Mühe über Wasser hält, von den wesentlich Stärkeren immer wieder eins aufs Dach bekommt und – zumindest anfangs – vergeblich von der großen Liebe träumt. – Live-Musikbegleitung durch Peter Madsen und Adrian Mears sorgen für einen besonderen Kinoabend.
→ Filmforum Bregenz im Theater Kosmos, Bregenz: Sa 15.11., 20.00 Uhr (Stummfilm mit engl. Zwischentiteln)
Soy Nevenka
2001 zeigte die junge Stadträtin Nevenka Fernández den charismatischen Bürgermeister der nordspanischen Stadt Ponferrada der sexuellen Belästigung an: Icíar Bollaín zeichnet, unterstützt von zwei großartigen Hauptdarsteller:innen, aufwühlend den Fall nach, der vor mehr als 20 Jahren die #MeToo-Debatte vorwegnahm.
→ Kinotheater Madlen, Heerbrugg: Mo 24.11., 20.15 Uhr (span. O.m.U.)
Wenn du Angst hast, nimmst du dein Herz in den Mund und lächelst
Die zwölfjährige Anna wird von der Mittelschule auf ein vornehmes Wiener Gymnasium versetzt. Im bürgerlichen Milieu, in dem die Mitschüler:innen schicke Kleider tragen, ist das Mädchen, das mit ihrer alleinerziehenden gehörlosen Mutter in einfachen Verhältnissen lebt, aber eine Außenseiterin: Maria Luise Lehner erzählt in ihrem Langfilmdebüt, unterstützt von großartigen Schauspieler:innen, feinfühlig und unaufgeregt sowohl von einer innigen Mutter-Tochter-Beziehung als auch von einem Coming-of-Age und sozialem Gefälle.
→ FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 26.11., 18 Uhr + Do 27.11., 19.30 Uhr (deutsche Originalfassung)
Die kompletten Filmclubprogramme finden Sie hier: www.filmforum.at // www.spielboden.at // www.allerart-bludenz.at/leinwand-lounge // www.fkc.at // https://saumarkt.at/taskino
Literaturquiz nach dem Vorbild des klassischen Pub Quiz – es wird geraten, was das Zeug hält. Das Prinzip ist simpel: Nico Raschner liest Stellen aus der Weltliteratur. Daran werden Fragen geknüpft. Für Musik sorgt Akkordeonist Raphael Brunner.
Do., 06.11.
19-21 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn
LILLY POLANSKY: GRATULIEREN MÜSST IHR MIR NICHT
Autor*innen-Lesung. Ein ergreifender Debütroman voller Humor über eine junge Frau, die, während sie gerade erst ins Leben findet, dem Tod ins Auge blicken muss. Und die sich härter und früher als die meisten Menschen mit der Frage konfrontiert sieht, was am Ende wirklich zählt.
Fr., 07.11. & Sa., 08.11.
20 Uhr, Spielboden, Dornbirn
SCHMUSECHOR
Konzert
Fr., 07.11.
20.30 Uhr, Kammgarn, Hard JMO – DREI LÄNDER EINE SPRACHE
Konzert mit Jan Galega Brönnimann, Moussa Cissokho, Omri Hason
So, 09.11.
17 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
OLD LÜGENBOLD
Uli Breè, Markus Linder und Edi Jäger; Szenische Lesung mit Musik
Mo, 10.11.
19-21 Uhr, Jüdisches Museum, Hohenems
GEDENKVERANSTALTUNG ZU DEN NOVEMBERPROGROMEN
Vorträge mit Raphael Einetter, MA, Univ.-Prof. Dr. Dominik Markl SJ und Zeitzeugengespräch
Mo, 10.11.
19-20.30 Uhr, inatura, Dornbirn HAUSMITTEL FÜR KINDER
Vortrag. Tee, fiebersenkende Wickel oder Inhalationen - altbewährte Hausmittel, leicht anzuwenden bei kleineren Beschwerden.
Mi., 12.11. & Mi., 26.11.
17-19.30 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn
MASCHENPROBE
Stricken, Häkeln, Sticken und ins Gespräch kommen
Mi., 12.11.
20.30 Uhr, Theater Kosmos, Bregenz DIE LETZTEN TAGE von Martin Prinz. Buchvorstellung, Moderation: Jürgen Thaler
Mi., 12.11.
19.30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
ICH WANDRE DURCH THERESIENSTADT
Liederabend mit Studierenden von Judith Bechter an der Stella Vorarlberg Privathochschule für Musik. Mit: Ilse Webers „Ich wandre durch Theresienstadt“, Felix Mendelssohn-Bartholdys „Verleih uns Frieden“, Franz Schuberts „An die Musik“, Viktor Ullmanns „Tote wollen nicht verweilen“.
Do., 13.11.
19-21 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn TIM KÜNTZLE: NAHRUNG FÜR ALLE?
Klaus Kofler im Gespräch mit Timo Küntzle zu dem brisanten Thema: Zukunft Ernährungssicherheit
Do., 13.11.
19-21 Uhr, Jüdisches Museum, Hohenems
TRIALOG. WIE WIR ÜBER ISRAEL UND PALÄSTINA SPRECHEN
Lesung und Gespräch mit Shai Hoffmann, Moderation: Franziska Völlner, Projekt #OAVS JMH
Kabarett mit Christian Hölbling und Maria Weichesmüller
Do., 13.11.
19-22 Uhr, Literaturhaus Vorarlberg, Hohenems
LANGE NACHT DES SCHREIBENS
In nächtlicher Atmosphäre wird das Literaturhaus zu deinem exklusiven Schreibort. Bring deinen Text mit, finde deinen Lieblingsplatz und lass dich von kleinen Impulsen überraschen.
Fr., 14.11. & Sa., 15.11.
20 Uhr Pfarrkirche Hl. Nikolaus, Egg PLANETARIUM – WIR HABEN GENUG GESEHEN
FEIERABEND-LIEDER UND GESCHICHTEN AUS DEM LEBEN EINES BESTATTERS von und mit Konrad Bönig (Gesang, Gitarre), Nora Bönig (Cello, Gesang)
Di., 18.11.
19-20.30 Uhr, Heimatmuseum Schruns AUSSTRAHLUNG IN DIE WELT –DER MONTAFONER TISCH-UND KUNSTHANDWERKER MARKUS JUEN
Vortrag und Diskussion
Mi., 19.11.
20 Uhr, Conrad Sohm; Dornbirn FEINE SAHNE FISCHFILET
Wir kommen in Frieden! Konzert
Veranstaltungskalender
Do., 20.11.
20 Uhr, Spielboden, Dornbirn IMAGINE – A TRIBUTE TO JOHN LENNON
Celebrating the music of John Lennon & the Beatles mit Prinz Grizzley, Hanno Pinter & Alex Zoppel – Monroes, Simonetta & der Peter, Robin Gillard, Ramona Kasheer
Fr., 21.11.
19-22 Uhr, Literaturhaus Vorarlberg, Hohenems
SILENT READING PARTY
Lesen oder austauschen. Gemeinsam in Ruhe lesen, abtauchen in fremde Welten und trotzdem verbunden bleiben: Das ist die Magie unserer silent reading party.
Fünf U35-Autor:innen, die eigene Erfahrungen im literarischen Schreiben mitbringen und bereits eigene Werke publiziert haben, stellen sich einer unverwaschenen Literaturkritik.
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Fr., 21.11.
17 Uhr, vorarlberg museum
1525-SIEGESSÄULE FÜR EINE
NIEDERLAGE
Eine Installation im Atrium des vorarlberg museum in Kooperation mit dem Kunsthaus Bregenz, Vernissage
Fr., 21.11.
20 Uhr, TIK, Dornbirn
SOSCH* UND DIVAS
Konzert
Sa., 22.11.
19 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch
FEST DER LYRIK
Verleihung des Feldkircher Lyrikpreises und Publikumspreises 2024!
Sa., 22.11.
21 Uhr, Spielboden, Dornbirn
DEPECHE MODE&MORE PARTY
Di., 25.11.
19.30-21 Uhr, Jüdisches Museum, Hohenems
ORIENTALISTIK IM NS-STAAT
Der jüdisch-deutsche Iranist Fritz Wolff und das „Buch der Könige“. Vortrag und Gespräch mit Kurt Greussing
Di., 25.11.
18-20.30 Uhr, inatura, Dornbirn KRÄUTERWORKSHOP
Wildapotheke – entdecke die Kraft der Bäume, Vortrag
Di., 25.11.
20 Uhr, Conrad Sohm, Dornbirn
CARA ROSE Konzert
Do., 27.11.
12.15 Uhr, vorarlberg museum SOUNDSCAPE STELLA
Junge Gipfelstürmer*innen der klassischen Musik. Konzert zu Mittag
11-16 Uhr, Museum Frühmesshaus, Bartholomäberg TAG DER OFFENEN TÜR BEIM BÄRGER ADVENTMARKT zum 1. Adventsonntag mit stimmungsvoller Lesung um 14 Uhr in der Museumsstube
So., 30.11.
15 Uhr, Montagsforum am Sonntag, Kulturhaus Dornbirn HÖLDE – DIE STILLEN HELDEN VOM SÄNTIS Film
So geht‘s: Füllen Sie die leeren Felder so aus, dass in jeder Reihe, in jeder Spalte und in jedem Block (= 3×3-Unterquadrate) die Ziffern 1 bis 9 genau einmal vorkommen. Viel Spaß!
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Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 3,40 Euro verbleibt den Verkäufer:innen. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt.
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